BERLIN Mittwoch 16. April 1930 10 Pf. �r-180 B90 47. Jahrgang ersch eist t S, l I ch außer Sonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.DorwirtS'. Bezugsrni« beide Au«gaben 85 Pf. pro Woche. S,6l>M. pro Mvnal. Vledaktiou und Erpeditivn; Berlin SWss.kindenstr.s SjiaJaaigajße xlei i«tgen»rei«:Dle einspaltig« Nonparcilleieil, Pf.. Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. ßscheckkonto: Donvürls-Verlag G. m. b.H� Berlin Nr.»7536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bU 29? Aeichsrat für Panzerkreuzer B. Neichsregierung wünscht ihn- aber vernebelt Sie Verantwortung. Offizieller Polenprotest. Ter Rcichsrat hat hcute 2.S Millionen Mark als erste Rate für Panzerkreuzer E in den Etat für 19N0 eingesetzt. Ein Antrag Preußens auf Streichung wurde init Stimmengleichheit abgelehnt. Der Neich-rat beschäftigte sich am Mittmach mittag mit dem chaushaltsooranschlag für 19Z0. Den Bericht der Reichoratoaiis- schüsse erstattete der preuhisch« Ministcrialdircktar Dr. Brecht. Er führte cm«: In der Sache ist der.fyiucchaft solide aufgestellt, aber große Ersparnisse bringt er nicht. Die Gesamtausgabe wächst für 1930 im Vergleich mit 1929 um 3151,8 Millionen. Die größte Vermehrung weist die Wehrmacht auf. Neben der Steigerung der Versorgung werden für Heer und Marine zusammen 40.1 Millionen mehr gefordert. Ein« gewisse Heraus- setzunq gegenüber 19Z9 ist mit Rücksicht auf die damalige starke Streichung die Aufrückung im Dienstalter und Preiserhöhungen erforderlich. lieber Streichungen hoben in den Ausschüssen heftige Kämpfe stattgefunden. Die Mehrheit hat Abstriche von rund 3,4 Millionen beschlossen. Zl n t r ä g« ,P r e u h c n s auf Ab- striche von weiteren 1,3 Millionen im einzelnen und 10 Millionen Pauschal, zusammen 15 Mil- lionen, wurden abgelehnt. Aus der Mitte des Reichsrats wurde die Einsetzung einer ersten Rate für ein zweites Panzerschiff be> antragt. Dieser Antrag erhielt in zweiter Lesung eine veränderte Bedeutung dadurch, daß die Reichs- regierung— ohne den Antrag selbst zu übernehmen— erklärte, sie würde seine Annahme begrüßen,»nd sich für die Annahme mit Material und Gründen einsetzte. Die preußische Regierung sprach sich gegen den Antrag aus. wobei sie— abgesehen von der grundsätzlichen Frage— auf die finanzielle Notlage und die Folgerungen für den Haushalt 1931 hinwies. Mit Rücksicht aus die neue ErNSrung der Reichsregierung stimmte die Mehrheit der Ausschüsse für die Einsehung der ersten Rate in Höhe von 2,9 Millionen in der Weise, daß der gleiche Betrag bei den anderen Schisssbauten gestrichen wurde. Der Zuschuß für die Deutschen Werke in Kiel mit 2,5 Millionen wurde bewilligt. Die Lage des Arbeitsmarktes macht den Augenblick zur Liquidation ungeeignet. Neichsfinanzminister Or. Moldenhauer gab folgende Erklärung ab: Auf mehrfache Anfrage darf ich die Auffassung der neuen Reichhregierung zu der Frage der Einstellung einer Baurate für das Panzerschiff L in den vorliegenben Haushaltsplan nochmals kurz zusammenfassen. Die Reichsregierung hat in ihrer Regierungserklärung erklärt., daß sie den noch van der früheren Reichsregierung aufgestellten Entwurf dieses Reichshaus- haltsplanes in ollen seinen Teilen übernehme und nnt dafür sorgen werde, daß insbesondere die Arbeiten des Reichsrates in Erledigung dieses Haushaltsplanes durch den Regierungswechsel keine Störung erfahren sollten. Aus dieser offiziellen Erklärung des Reichskanzlers Dr. Brüning, die sich aus den gesamten Haushalt bezieht, geht dadurch auch die offiziell« Einstellung der neuen Reichsregierung zu allen einzelnen Etats. Positionen klar hervor. Die Reidjsregienmg und der Herr Reichskanzler beabsichtigen daher nicht, hinsichtlich etwaiger Ab- ändcruagen dieses Haushallsplanes eine auch nur irgendwie geartete Initiative zu ergreisen oder eine veeinslussung auszuüben. Erst nachdem der Reichsrat zu dem Reichshaushaltsplqn endgültig Stellung genommen haben wird, wird es Sache der Reichsregierung sein, sich wegen der Frage einer etwaigen Doppel- vorläge bei der einen oder anderen Frage erneut mit dem Reichs- Haushaltsplan zu beschästigen. Namens der Reichsregierung, die entsprechend der hon mir nochmals in Erinnerung gerufenen Regierungö- erklärung vom 1. d. M., auf dem Boden des Ihnen vor- liegenden Reichshaushaltsplanes steht, darf ich daher die Bitte an den Reichsrat richten, nach eigenem bestem Wissen und nach rein sachlichen Erwägungen abschließende Stellung nehmen zu wolle« und sich ins- besondere in keiner Weise von der Reichs- regierung beeinflußt zu fühlen. Oer Panzerkreuzer kommt. Der Antrag Preußens im Etat für 1930 die vom Reichsrat eingesetzte erste Rate für den Panzer- kreuzer B z« streichen, wurde mit 29 gegen 29 Stimmen. also mit Stimmengleichheit, abgelehnt. Im Etat sind also 2.9 Millionen Mark für den Panzerkreuzer B eingesetzt. « Für den Panzerkreuzer haben gestimmt Bayern und Freistaat Sachsen, die preußischen Provinzen Ostpreußen, Branden- bürg, Pommern, Sachsen. Schleswig-Holstein, Hannover und Rhcin- prooinz. Weitere Preußische Provinzen und mit ihnen Frei- staat Württemberg haben sich der Stimme ent- halten. Die Stimmenthaltung Württembergs wnrde ausdrücklich damit begründet, daß ein nicht aufgeklärter Widerspruch bestehe zwischen der Er- klärung, die die Reichsregierung gestern in den Aus- schüssen für den Panzerkreuzer abgegeben hat und der heutigen Regierungserklärung durch Finanzminister Moldenhauer. Verhandlung und Abstimmung im Reichsrat lassen mit aller Deutlichkeit erkennen, daß die Reichsregierung die Einsetzung einer Rate für Panzerkreuzer L in den Etat für 1930 gewünscht hat, daß sie ober n i ch t d e n M u t hat, in voller Oesfentlich-keit die Verantwortung dafür zu übernehmen, sondern, daß sie vielmehr versucht hat, die Verantwortung aus den Reichsrat abzuwälzen. Chemnitz ohne Ctai. Nach viertägiger Beratung abgelehnt. Chemnitz, 16. Aprilous anordnete. „Zeppelin" in Sevilla erwartet. Nach den Funksprüchen, die die Werst in Friedrichshafen über die Spanienfahrt von Bord des„Graf Zeppelin" erhalten hat, erreichte da« Luftschiff nach einer Fahrt quer über die Biscaya die Nordwestecke Spanien«, die heute früh um 4 Uhr bei Kap Orte- g a l passiert wurde. Bis dahin hatte das Luftschiff genau die seinerzeit vom Z. R. III auf seiner Amerikasahrt eingeschlagene Noute eingehalten. Bon Kap FInesterre drehte der Zeppelin dann aber auf Südkure, um an der spanisch-portugiesischen Küste entlang Südspanien zu«Neichen. Di« Schiffsleitung teilte der Werft mit, daß sie heute ungefähr um 17 Uhr in Sevilla zur Landung schreiten werde. Mexitcnifches Militär schloß in Iatapa, Orizona iwö Beralruz die illegalen Büros der KonununifUfchen Partei. Zahlreiche Kom- mumsten wurden oechaftet. Die Ruhe ist nirigends gestört. „or dem Schöffengericht Serlin-Mitle findet yeute eine zum Glück nicht alltägliche Gerichtsverhandlung stall. Angeklagt sind vier Strafanstaltsoberwachi- meister und zwei Untersuch ungsgesangene. Im Mittelpunkt des Prozesses steht der Kaufmann Frey. Er hatte den ihn zur Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten ge- währten Stadturlaub zu privaten Gängen und vergnüg- ten Zechereien benutzt. Und seine Begleiter, die Strasanstalts» oberwachtmeister, hatten ihm dabei nicht nur Vorschub geleistet, sondern auch sich so manches spendierte Glas Bier gut schmecken lassen. Sie haben sich nun wegen Gefangenenbesreiung zu verantworten, die beiden Untersuchungsgefangenen aber wegen Bestechung. Das gange spielte Ende 1S2S. Die Strafanstaltsoberwachtmeister F. und W. hatten den Aui- trag erhalten, Frey auf einem Ausgang zu begleiten. Natürlich waren sie verpflichtet, der Anstaltsordnung gemäß zu handeln. Die Durchbrechung ihrer Pflichten begann aber sofort noch Verlasien de» Gefängnisses. F. nahm von Frey ein Postpaket in Empfang und brachte es zum Postamt. Sein Kollege W. begab stch mit seinem Schutzbefohlenen in die Mönchklause. Sie warteten hier die Ankunft F.'s ab, um dann zum Kaustnonn I. zu gehen, mit dem Frey geschäftliche Dinge zu besprechen hatte. Dann setzte man in der Mönchklaufe die Zeche fort, fuhr später in einer Kraftdroschke zur Friedrichstraße und gestattete Frey allein die Jmperaiordiel« aufzusuchen. Der feuchtfröhliche Tag wurde in der Mönchklaus« beschlossen. Ermutigt durch den Erfolg des ersten Tages, war man am nächsten Tag noch gemütlicher. Diesmal begleiteten Frey die Straf- anstaltsoberwochtmeister F. und H. W. gesellt« sich später hinzu. Man begann wieder mit der Mönchklause, und Frey durfte nun ohne jegliche Begleitung seinen Seschästssreund, ein Eofä in der Uhlandstrah« und seinen Anwalt aufsuchen. Was hatten die Be- amten davon? Die Tischspesen und fünf Mark für jeden. Und dafür setzten sie leichtsinnig ihre gang« Beamtenlausbahn auf das Spiel. Dem Angeklagten W. werden auch andere Pftichtwidvigkeiten zur Last gelegt. Er soll für Frey von dessen Geschäftsfreund Brief- fchasten abgeholt und dem«rsteven auch kleine Darlehen gewährt haben. Als Gegenleistung gab ihm Frey wie auch andere Beamten Tips für Pferderennen. Der vierte Angeklagte, Straf- anstaltsoberwachttneister M., soll gegen geringe Belohnung den, Unterfuchungsgesangenen Baier verschiedene ordnungswidrig« Ge- fälligkeiten geleistet haben. Die Verteidigung liegt in Hündon der Rechtsanwälte Iustizrat Dr. Werthauer, Dr. Herbert Fuchs, Dr. Themal und Dr. Höhne. Den Vorsitz führt Landgerichtsdstektor Rllckert. Das Geheimnis des Bierkellers. Sin richtige«! Konfettionslager entdeckt. Im Zentrum Berlins liegt ein Restaurant mit dem wohl- ianlenden Namen„p a r a d i e s g a r t e n". zu dem auch ein Bierkeller gehört. Es fiel ollmählich auf. daß der Keller einen außergewöhnlich starken Zuspruch hatte. Krnninal- beamte gingen der Sache auf den Grund und kamen zu einer überraschenden Entdeckung. Der Keller war nichts weniger als ein D i e b e s v e r st e ck, von dem freilich der Wirt nichts wußte. Mst Kisten und Kasten beladen, waren bei ihm eine gewisse Anni und ihr Freund Richard erschienen. Sie hatten eine betrübliche Geschichte erzählt. Ihr Konfektioirsgeschäst in der Provinz fei zusammengebrochen und mit dem Rest ihrer Waren wollten sie in Berlin Käufer suchen. Sie baten, bis dahin die Sachen in dem Keller unterstellen zu dürfen. Gegen ein« gering« Entschädigung wurde das erlaubt. Die Kriminal- polrzei stellte aber fest, daß der Ursprungsort der Sachen nicht in der Provinz, sondern im Norden Berlins lag. Dort war vor cimgsn Tagen in der Königsberger Str. 7, bei der Firma L e y s e r, ein größerer Deckeneinbruch verübt worden, über den der „Vorwärts" kürzlich berichtete. Die Dieb« hatten für mehrere tausend Mark Waren erbeutet. Als die Mstsn und Kasten des Pärchens durchsucht wurden, fand man darin nicht nur das Diebes- gut aus diesem Einbruch, sondern auch noch vieles andere: Strümpfe, Schuhe, Musikinstrumente, Mäntel usw. Anni und ihr Bräutigam haben allem Anschein nach die Beute aus verschiedenen Einbrüchen aufgekauft. Ihr beabsichtigter Trick, unter harmloser Maske alles zu verschleudern, ist ihnen mißglückt. Löcher in die Köpfe! Erschießen! Erschießen! Durch die Spalten der„Roten Fahne" hallt die Kommando- stimme von Max H ö l z: „Wir deutschen Roten Frontkämpfer, wir deutschen revolutio- nären Arbeiter sind bereit, Schulter an Schulter mit den Rot- armisten den ersten Arbeiter- und Bauernstaat zu verteidigen gegen die imperialistischen Banditen. Die Sowjetunion, die Rote Armee hat oft genug ihren Friedenswillen bewiesen. Gerade wir deutschen Arbeiter haben die lange Geduld bewundert, mit der die fernöstliche Armee die frechen Provokationen der von den kapitalistischen Kriegstreibern ausgehaltenen Räubergenerale im Fernen Osten ertrug. Aber wenn dann einmal die starke Faust der Roten Armee zum Schlage ausholt, dann Hanl sie Löcher in die köpfe der Äroookaieure." Wo Löcher in die Köpfe gehauen werden, kann natürlich Max nicht fehlen. Und die berühmte Kolonne Eierschlamm ist ja auch noch da. Asio, es kann jeden Augenblick losgehen, und wir kriegen dann gtückllch die„proletarische Diktatur", die in derselben Nummer des sowjetistischen Zentralorgans folgendermaßen definiert wird: „Proletarische Diktatur bedeutet: Fünfjahrplan, grandüsie Entwicklung der Landwirtschaft, stünnisches Wachstum der soziali- Mchen Industrie, höchste Entfaltung der Technik, Aufstieg der Arbeiterklasse, Beseitigung der Erwerbslosigkeit. Erschießung der Ausbeuter, Schmarotzer und Saboteure." Damit ja kein Zweifel darüber möglich, wer mit den er- schließlichen„Saboteuren" gemeint ist, wird in dem nächsten Satz gleich kommentiert: „Die Sozialdemokratie kämpft für den Kapita- lismus." Da wir also alle gleich erschossen werden, werden wir die grandios« Entwicklung der Landwirtschaft und die höchste Entfaltung der Technik unter der segensreichen Regierung Thölmanns und Willi L e o w s leider nicht mehr erleben. Schade! Schade! * Bor einigen Tagen bracht« das„Nene Wiener Journal" folgende Meldung: „In informierten Kreisen oerlautet, daß der deutsche Reichs- wehrober st Halm kürzlich nach dem Besuch des Chefs des Truppenamts der deutschen Reichswehr, General v. Hammer- stein, in Moskau geweilt hat. Es wurde ihm zu Ehren ein offizielles Diner veranstaltet, an dem der Kriegskommissär Woroschllow sowie die obersten Kommandeure der Roten Armee teilnahmen. Dem deutschen Reichswehrobersten saß als zweiter Ehrengast, geschmückt mit dem Orden der Roten Fahne, der deutsche Kommunist Max höh gegenüber." Löcher in den Köpfen hat es diesmal glücklicher Weife noch nicht gegeben! Mise zwischen Senat und Kammer. Das französische Budget aufgehalten.- Drei große Gesetze unerledigt. Baris. 16. April.(Eigenbericht.) Die Budgetdebatte in Kammer und Senat ist trotz der fünftägigen Reife des Budgets zwischen den beiden Häusern des französischen Parlaments und trotz einer bis um vier Uhr nachts fortgesetzten Diskussion nicht zu End« gekommen. Es bestehen immer noch einig« kleine M e i nu n g s ve rs cht e de n h el t e n, die erst im Lause de» Mittwoch nachmittag aus der Welt geschafft werden können. Die endgüllige Annahme des Budgets ist kaum vor Mittwoch spät abends zu erwarten. E» bleiben also nur noch zwei Tage übrig, um das Sozial- oersicherungsgesetz, den neuen Steuerabbau und die Petroleum- konvention zu genehmigen. Frauenftimmrechl in Südafrika. Das Abgeordnetenhaus in Kapstadt hat die Ausschußberatung des Gesetzentwurfs über die Gewährung des Stimmrechts an europäische Frauen für Paria- ments- und Provinzialratswahlen abgeschlossen und das Gesetz angenommen. Neuer Flugzeugabsturz. Pilot getötet.— Rettung des Passagiers durch Fallschirm Darmstadk, 16. April. Der bekannte Segel- und RekordsliegerZohannes Nehring, einer der besten deutschen Segelflieger, Mitglied der akademischen Fliegergruppe in Darmstadt, ist heule früh in der Nähe der kühkopf- Znsel im Alirhein abgestürzt. Nehring war mit einer Zunkers- mafchine zu einem meteorologischen Höhenflug in Begleitung von Dr. Steinhäuser aufgestiegen. In erheblicher höhe fetzte der Motor aus und die Steuerung versagte. Dr. Steinhäuser konnte sich durch Fallschirmabsprung retten, während Nehring mit abstürzte: er konnte nur als Leiche unter der völlig zertrümmerten Maschine geborgen werden. Die Absturzstelle liegt in der Nähe der Mündung des Allrheins in den Rheinsirom. Der schießwütige Portier. Llnd die erfolgreiche Attacke auf den Nachtwächter. Auf der Anklagebank vor dem Einzelrichter 11 Arb-iier.— Frauen und Männer, Bewohner einer Mietkaserne. An- geklagt wegen falscher Anschuldigungen. Sie haben in einer gemein- samen Eingab« ihren Portier beim Polizeipräsidium der Bedrohung beschuldigt und gebeten, man möge ihm die Schießwaffe entziehen. Das Verfahren wurde gegen den Portier eingestellt, gegen die Unter- zeichner des Schriftsatzes aber Anklag« wegen wissentlich falscher Anschuldigung erhoben. Was ergab die Gerichtsverhandlung? Der Portier, stramm deutschnationalcr Mann, ist vorbestraft wegen Körperverletzung: Als Iagdhüter hatte er auf Holzfammler geschossen. Da es in der Stadt keine Holzsammler gilbt, er sich aber noch immer gewissermaßen als Iagdhüter fühlte, so schoß er auf Menfchm, oder begnügte sich mit Schießandrohungen. Die Einwohner waren für ihn nichts anderes als Spitzbuben. Bagage, Kommunisten- gesiiidel, das man an die Wand stellen und über den Haufen schießen sollte. Nüchtern sah man ihn nur selten. War er betrunken, so schoß er um sich her oder bedrohte die Mieter mst dem Revolver. Nur gegen eine Frau verhielt er sich ruhig.„Ich habe einen zu großen Mund," sagte sie,„mir kann er nichts tun." Der Staatsanwalt hielt es unter solchen Umständen überhaupt nicht für er- forderlich, den„wissentlich falsch Angeschuldigten" zu verhören. Er beantragte Freispruch und der Einzelrichter kam seinem Er- suchen nach. Weshalb aber erst diese Anklage? Ein ähnlicher Fall spielt in Köpenick. Zwei junge Burschen oerantworten sich wegen schweren Raubes. Darauf steht fünf Jahre Zuchthaus. Was war es aber für ein„schwerer Ratib"? Der Malergehilf« Johann gehörte einer rechtseingestellten Wach- organisation an, der Deutschen Wachgesellschaft. Er hatte einen Fabrikbezirk zu behüten, machte mit seinem Stechschlüssel unlautere Manipulationen an der Wachuhr, um ein paar Stunden Ruhe zu haben und wurde entlassen. Mit Recht. Nun ist er auf seinen Nachfolger, einen älteren Mann, nicht gut zu sprechen. Als er eines abends mit seinem Freund etliche Mollen und Kümmel ge- trunken hat, ziehen sie los, um eimnal zu sehen, ob der Mann über- Haupt die nötige Couvage, die sein Dienst erfordert, besitzt. Mit lautem Hurra gehen beide auf den alten Wächter los und rauben ihm die Iasignien seiner„Wächterwürde": der Pistole, der Signal- pfeife, der Blendlaternen und des Steckschlüssels. Dann begeben sie sich nach Hause, um ihren Rausch auszuschlaseu. Zwei Stunden später kommt die Polizei, holt sie aus dem Bett und steckt beide ins Loch. Der eine, Anstifter und Hauptschuldiger, verbringt fünf Wochen in Untersuchungshaft, der andere- drei Wochen. Der Staatsanwalt verliest in der Verhandlung den vor Angst Zitternden den Raubparagraphen, der mit fünf Iahren Zuchthaus droht, läßt aber die Raubanklag« fallen und beantragt wegen Körperverletzung und Nötigung für feden der Uebeltäter sechs Monate Gefängnis. Das Gericht verurteilte den Anstifter zu vier und seinen Freund zu trei Wochen Gefängnis unter Anrechnung der Untersuchungshaft. 5>at in diesem Falle die Anklage wirklich auf Raub lauten müssen? War es nötig, die unbestraften jung«,, Leute, die bei ihren Eltern wohnten und nicht sluchtvardächtig waren, in Untersuchungshaft zu Haltern? Erste Volksmusik- und Singschuliagung. Ln Bochum und Essen. Eroberung und Erneuerung der Musik durch Volt und Jugend— so hieß, unausg«isprochen, das Thema der ersten Volksmusik- und Smgschriltagung, zu der das Zentralin st itut für Erziehung und Unterricht geladen hatte: in Ver- bindung mit dem Reichsverband Deutscher Tonkünstler und Musik- lehrer und mit den Städten Bochum und Essen. Vier Tage, an- gefüllt mit Vorträgen, Vorführungen, Diskussionen. Um Volts- Musikschule und Singschui« ging die grohe Aussprache. Von allen Seiten, unter allen denkbaren Gesichtspunkten wurde dos Theina behandelt und abgewandelt, all« Meinungen, Richtungen, Generatio- nen, Vertreter aller Teil- und Grenzgebiete kamen zu Wort, Musik- erzieher, Fachmusiker, Schulmusiker. Di« Volksmusik- und Singsdhuten unter dem Gesichtspunkt der kulturellen Lage, der sozialen Belange, der historischen Entwicklung nnd der pädagogischen Resormbewegung: Aufgabenkreis und Unterrichtsstoff; Zusammenarbeit mn Schule und Behörde, mit Jugendpflege und Jugendorganisation, mit Be- russmusikerschast, mit Priva tmu sikerz iehern, mit Konservatorien; Berichte aus der praktischen Arbeit... Eine unerschöpflich« Füll« von Anregungen wird bleiben, weit hinaus wirkend über Stunde und Ort der Tagung und über den Kreis ihrer Teilnehmer. Un- überhörbar klang aus allen Reden und durch all« Worte, selbst die zweifelnden, als Mahnung und Berheihung: daß Großes und Eni- scheidendes in der Lust— und nicht mehr nur in der Lust liegt; daß sich hinter den Namen„Volksmusikschule" und„Singschule"«ine elementare Bolksbewegung birgt, derengleichen sich seit Jahr- Hunderten aus keinem Gebiet der Kunst vollzogen hat. Unter allen„Krisen", die unsere Musik durchmacht, ist die gesellschaftliche die am tiefsten aufwühlende; unter allen Zielen, denen ihre Entwicklung zustrebt, das wichtigste: ihre Rück- kehr ins Volt; und in das Leben des Volks. Cm« Rückkehr, die heute nicht Umkehr, sondern Vorstoß und Durchbruch bedeutet; in Jahrzehnten angebahnt, ein durchaus revolutionäres Geschehen, für das die Zeit reis geworden. Der bürgerliche Aesthetizismus, der im vorigen Jahrhundert die Musik beherrscht und ihre gesellschastlich« Macht gesichert hat, ist ihr mehr und mehr zur bedrohlichen Gefahr geworden, die überwunden werden muß. Zur Gefahr der Isolierung nach zwei Seiten: Wschnürung vom Loben, Absonderung vom Volt. Musik als Mittel der Lebensgestaltung, als Lebensbetätigung und LebensbeftaiMeil, Musik als Gemeinschaftserlebnis, die Parolen der Erneuenrng sind uns oft begegnet. Hier werden sie greifbar, die neuen Begrisfe nehmen Gestalt an: im Bereiche der Erziehung — in der Singschul«; in der Volksmusikschul«. Di« Grundlagen und Grundfragen erläuterte der Leiter der Tagung, Pros. Leo Kestenberg, in einenr Referat, das deren wichtigstes Ereignis bildete; er sprach vom Standpunkt der Staats- Verwaltung, doch gedanklich und in den Perspektiven, die er er- öffnete, weit ausgreifend über den Rahmen nur verwaltun gsmäßi g er Interessen. Geistiger Ausgangspunkt seiner Ausführungen war der Bildungsbegrisf der modernen Erziehung, dieser Begriff, der das Wort„Bildung" wieder bei seinem Wortsinn nimmt: als einen lebendigen Prozeß des Bildms, als organisches Werden, nicht als festen Besitz von Bildungsgut. Bon hier erschließt sich mit suggestiver Folgerichtigkeit der Zugang in die Ideenwelt der Jugend- bewegung, aus-der unabhängig vom gleichgeitigen Bemühen pädagogischer Kreis«, die Singschul- und BolksinustkschUlbowegung ihren ersten Antrieb erhalten hat. Nur aus dem Bedürfnis derer, die sie besuchen, entstehen und bestehen diese Schulen. Derer, die sie freiwillig besuchen: Jugendliche in schulfreien Stunden; Er- wachsen« abends nach getaner Erwerbsarbeit. Aus unmittelbarem Bedürfnis nach Musik und gemeinsamem Musizieren, einem Be- dürfnis, Musik— gemeinsam zu erloben, nicht: zu erlernen. Nicht mit dem Ziel, Musikkönnen zu erlangen, Musikkenntnlsi« zu er- werben. Können und Kenntnisse bleiben darum nicht aus; hier wachsen Menschen heran, nicht bestimmt, Musiker zu werden, aber ein« neue Musikgemeinschaft zu begründen und zugleich den frucht- baren Boden aller kommenden Musik. Klaus Pringshcim. Die rettende Idee. Vom deutschen Arbeitsdienstjahr. An Stelle des.Arbeitslojemoirrwars" will Professor Karl Schöpfe ein„Deutsches Arbeitsdienstsahr" eingesührt wissen, worüber er ein Buch geschrieben hat. Glücklicherweise braucht man dieses Buch nicht zu lesen. Der vom Verlag versandte Aus- hängobogen reicht vollkommen aus, um zu erkennen, was dahinter steckt. Die Idee, vom Verfasser als die rettende bezeichnet, die er von Millionen deutscher Augen bisher ungesehen glaubt, ist nicht neu. Er will eine Pforte zur Verwirklichung der Idee zeigen und vor allem jedem anständigen Deutschen zeigen, was hinter dieser Pforte liegt. Der Verfasser empfiehlt sein in wenigen Wochen zu Papier gebrachtes Werk mit den Sätzen:„Dieses Buch wird möglicher- weis« sowohl dem Gegner als dem Anhänger zu wenig„begründet", zu wenig gewiesen", zu wenig„wissenschaftlich fundiert", zu wenig „realpolitisch", kurz zu„phantastisch" erscheinen. Der Verfasser muß ihnen sehr recht geben." Etwas phantastisch bezeichnet er denn auch sein„Deutsches Ar- bcitsdienstjahr als„den neuen Stern am Himmelsdom der deutschen Volksgeschichte". Zu der tiesemgreifenden und entschlossenen Kur der Einführung des Arbeitsdienstjahres sei die Erkennung des körperlichen und seelischen Krankheitszustandes unseres Volkes auf «inigen Gebieten notwendig.„Sie ist nicht leicht und wird gemäß dem Plan mehr rechnerisch ausfallen müssen." Die Durchführung des Planes„kann man naturgemäß nur schildern, wenn man— die Phantasie ein wenig spielen läßt". Aus dieser Phantasie entsteht ein Grundriß:„Alljährlich zum l. Februar tritt eine große Anzahl junger Deutscher. Männer und Mädchen, in den Arbeitsdienst des deutschen Volkes ein", der einerseits eine Stätte der großzügigen Aitteitung zu deutscher hoch st- und Wertarbeit, andererseits zu wahrer deutscher Kultur sein soll.„Doch ist auch die volkswirtschastliche Arbeits- l ei st un g, welche schon während dieses Arbeitsdienstjahres geleistet wird, nicht zu unterschätzen." Der Mann mit der rcttmden Idee will nicht, daß sein Arbeitsdienst noch Kasernen riecht.„Die jungen Leute werden vielmehr ein Viertel- bis zu einem halben Jahr an Ausbildungsstätten vereinigt, welche an den landschaftlich packendsten Punkten des betreffenden Gebietes angelegt werden." Wald, Wasier, Berge und— Einsamkeit. Kolonien von hübschen großen u-nd kleinen Holzhäusern, welche als gemeinsame Schlaf-, Speise- und Arbeitsräume dienen.„Werkstätten aller Art, Maschinenlager, Garten-, Acker-, Wiesen- und Forstgelände sind vorhanden(?)... Spiel- und Sportplätze zur körperlichen Er- tüchtigung, Licht, Luft, Wasier und die uralte heilige Erde sind die Lebenselement« auch dieser neuen, großartigen Volkserziehung." Di« jungen Arbeitswilligen gehen dann auf S bis 9 Monate in die öfsentlichen und privaten Betriebe.„Sie leisten hier werte schassende Arbeil gegen freien Aufenthalt(in den Betrieben?), kostenlose Verpflegung und verschieden abgestuftes Taschengeld." Den„Drill",„wie ihn das alte Heer zur Erreichung soldattscher Höchstleistungen anwandte und airwenden mußte, weil es eben ein Waffen. Heer war", will unser Professor nicht, sondern die Me- thoden einer guten Sportschule anwenden. „Die Weihnachtsfeier soll den eigentlichen festlichen und tief- innerlichen Abschluß des„Deutschen Arbeitsdienstjahres" bilden. Der Verfasser erinnert sich selbst donkbaren Sinnes der wunder- vollen Weihnachtsfeier, die er am Ende des Krieges als Verwun- deter in einem mttteldeudschen Diakonissenhaus mitmachte. Soviel zur Einführung. Dann im 1. Kapitel:„Irgendwo muß doch die gange Verelendung und Versklavung, welche Todfeinde des deutschen Volkes über die 60 Millionen verhängt, heraus kommen, sichtbar werden!" .Leder 60. Deutsche: ein Gastwirt oder ein Kellner oder ein« Kellnerin!... In dieser Ziffer prägt sich so ganz kennzeichnend die Entwicklungstendenz aus, welche die deutsche Volkswirtschaft»ad Berussmoral seit der Revolution tZIS eingeschlagen haben." „Das grohartig-düster« Bild der deutschen Avbeitslosigkett wäre noch nicht ganz vollendet, wemi wir nicht des Riesenapparates von Beamten und Angestellten, den Reich, Staaten, Kreise, Kommunen, Sozialversicherungsanstalten, Gewerkschaften ulw. nach den, Kriege aufgezogen haben, gedenken würden... Wenn wir diesen ganzen aufgeblähten Bürokratenkörper des heutigen Deutschlands sehr imchtern betrachten, werden wir doch finden, daß zahlreiche Einrichtungen und Aemter nur darum geschaffen worden sind, um— eben neu« Posten und Pöstchen zu schaffen. Di« Parteien, namentlich die herrschenden, die Gewerkschaften, namentlich wieder die herrschenden, die Berufsstände usw. müssen„für ihre Leute sorgen"! Seinem 1. Kapitel stellte Herr Schöpfe folgendes Zitat von Lagarde voran: „Männer sind wir und Männer wollen wir fein: meint ihr in der Tat, es passt uns, wie Kinder mit den Fröbelschen Flecht- arbeiten... eines unseligen und charakterlosen Porlamentaris- mus, mit Börsengeschäftchen und einer in forttvährendem Sterben liegenden Industrie... abgefunden zu werden? Lieber holz hacken.. Warum in aller Welt hat der Verfasser diesen guten Rat nicht selber beherzigtl Auch Wilhelm der Verflossene hackt holz. Liebestragödie in Berlin W. Die Geliebte erschossen, Selbstmord des Täters. Eine blutige Liebestragödie, die in ihren Beweggründen noch völlig ungeklärt ist, spielte sich in der vergangenen Rächt im Hause Pasiauer Str. lla ab. Der 26jährige Malier Gotinow tötete seine Geliebte, die 26jährige Eharlotte Vogel durch einen kopfschuh und richtete dann die Masse gegen sich selbst. Durch einen Schuß in die Herzgegend fand auch er den sofortigen Tod. Gollnow ist der Sohn eines Lichterfelder Molkereibesitzers. Test etwa zwei Iahren unterhielt er innige Beziehungen zu Charlotte D., die bei einer Familie in der Pasiauer Str. 11» zur Untermiete wohnte. Gollnow hatte die Absicht, das junge Mädchen zu heiraten. Aus wirschaftlichen Gründen hat er sein Borhaben wohl noch hin- ousgezögert. Gestern abend empfing nun Charlotte B. den Besuch ihres Freundes. Außer einem anderen Untermieter weilte niemand weiter in der Wohnung. Kurz vor 24 Uhr hörte der Mann plötzlich kurz hintereinander mehrere Schüsse fallen. Als er, nichts Gutes ahnend, m das Zimmer des Mädchens eindringen wollte, ja nid er die Tür von innen verriegelt. Die Polizei wurde daraufhin sofort alarmiert und mehrere Beamte verschafften sich ge- wattsam Einlaß. Aus einem Ruhebett lag Charlotte Bogel leblos. Sie war durch einen Schuß in die Schläfe getötet worden. Auf dem Fußboden, dicht am Fenster, die Leiche Gollnows. Cr hatte sich aus«ner Mehrladepistole, die er im Tode noch fest um- krampst hielt, einen Herzschuß beigebracht. Die Leichen wurden beschlagnahmt. Die Gegengaben für Aofreiete. Man kennt den schönen Kopf der Königin Nofretete im Cl-Amarna-Saale unseres Aegyptifchen Museums und den hart- näckigen Kampf, den die Aegypter feit Iahren um seinen Besitz führen. Rechtlich steht«r ihnen in keiner Weise zu, da er mit den übrigen Stücken der El-Amarna-Sammlung als deutsches Eigentum unanfechtbar in Berliner Besitz gelangt ist. Eine andere Frage ist, ob wir ihn im Austausch gegen noch werwollere Stück« des Museums in Kairo freiwillig hergeben wollen. Diesen Weg hat Aegypten nun endlich beschritten, und durch Gedutd und kluge Ber- Handlungen, haben wir erreicht, daß sie uns zwei Werk« von unge- wohnlicher Bedeutung als Tauschobjekt für die Nofretete anbieten. Diese Stücke aus dem Kairoer Museum sind: zunächst und vor allem das Standbild des Ranofer, eine Kalksteinfigur von 1,80 Meter höhe, Lebensgröße, im f. g. Alten Reich, fünfte Dynastie, um 2500 v. Ehr. entstanden Ein Kunstwerk von höchstem Rang; es gehört zu den Dingen, die man abbildet und nennt, wenn von der großen Monumentalkunst des ältesten Aegypten die Rede ist, ein Beispiel für die plastische Majestät und innere Größe des ägyptischen Figuralstits, der den Menschen mit Bewußtsein in die Sphäre der Ewigkeit erhob. Denn diese Grabstatuen nehmen tat- sächlich die Stelle des Verstorbenen im Totenkult der Aegypter ein, und ihre Unzerstörbarkeit, die sich ja durch die Jahrtausende bewährt hat, verbürgt die Unsterblichkett des Porträtierten. Die erhabene Ruhe im Ausdruck dieser Gestallen übt gerade auf uns Gegen- wärtige eine ungeheure Wirkung aus, nicht bloß durch ihr« Mittel plastischer Vollkommenheit, sonde.rn auch durch den tiefen und mystischen Zauber ihrer seelischen Ausgewogenheit und Stille. Diese hohen Eigenschaften der ägyptischen Skulptur finden sich am reinsten in der Frühzeit, und Statuen wie der Ranofer gellen deshalb in der ganzen Well als klassisch« Schöpfungen des ägyptischen Geistes. Bon ihresgleichen besitzt die Berliner Sammlung aber nur Reliefs und keine Rundplastik von Bedeutung: ihre Erwerbung würde«ine kostbare, auf kein« andere Weis« mögliche Bereicherung bilden. Aehnlichcs gilt von dem zweiten Stück, das die Aegypter daneben für die Nofretete bieten: die Sitzfigur des Schreibers Amenhotep, Sohn des hapu, eines hohen Beamten unter Amenophis III.(dem Vorgänger von Echnaton, Gemahl jener umworbenen Königin). Schreiben war im alten Aegypten ein« hohe und seltene Kunst, und in der Hockstellung des Schreibenden wurden häufig große Hof- beamte dargestellt; dieser Amenhotep genoß in der ganzen Antik«, noch bis in hellenische Zeit hinein, den Ruf eines ungewöhnlich weisen Mannes und wurde sogar heilig gehalten. Plastsich bedeutet diese Figur einen Fortschritt zum Individuellen hin, die fetten Bauch- falten und die ziselierte Durchbildung de» Porträtkopfes verraten die verfeinerte Epoche des 14. Jahrhunderts v. Chr., deren letzte Stuf« dann die Kunst von El Amarna ist. Aber die plastische Kraft und Monumentalität ist hier noch ungebrochen, und auch dieses Werk darf man als einen hoch erwünschten und notwendigen Zuwachs unseres Museums bezeichnen, das reich an Kleinwerken und Rellefs, aber arm an repräsentativen Großfiguren dieser Art bisher ge- blieben ist. Man soll nun angesichts solcher Mögtichketten die raffinierte Delikatesse des Nofretete-Kopfes nicht etwa herabsetzen. Aber es ist, was viel zu wenig geschieht, mit Nachdruck darauf Hinzuwesien, daß wir Ersatz in anderen, künstlerisch vielleicht noch eindringlicheren Exemplaren dieses Modells besitzen(denn dieser Knze Skulpturen- komplex gehört ja zu den Funden aus dem Atelier des hofbrld- ' Hauers Thutmosis in El Amarna, und der umstrittene Kopf existiert hier in mehreren sorgfällig ausgeführten Exemplaren). Der Vertust war« also nicht einmal unersetzlich zu nennen. Daß die Aegypter just diesen Kopf haben wollen, ist am Ende zu einer Prestigefrage von Kairo geworben, und wir sollen froh sein, daß ihre Eisersucht uns zwei so unschätzbare Kleinodien beschert wie Ranofer und Amenhotep. � Paul F. Schmidt. „Die Flucht nach �edo." Kamera. Ein neuer japanischer Film, der den Weg zu uns f-ndet, erregt besondere Erwartungen. Sie wurden auch diesmal nicht enttäuscht, wenn sie auch nicht alle erfüllt wurden.„Die Flucht nach Nedo" ist eine Filmballade, die von den abenteuerlichen Schicksalen zweier Liebenden handelt. E» ist ein hohes Lied auf die Lieb« in hsiwrsicher Fassung; der Film spielt in der Ritterzeit, da die Samurai noch zwei Schwerter trugen Der Regisseur T. Äiuugasa, von dem wir hier schon den beachtenswerten Frlm„Im Schatten des Poshiware" sahen, hat natürlich bei den Amerikanern gelernt, aber er sucht doch den eigenen nationalen Charakter herauszuarbeiten. Wie unser Film steht auch der japanische zunächst noch in der Tradition des Theaters. Das japanisch« Theater hat ja Immer schon kinomäßige Auftritte ge- kannt, und wenn wir jetzt die Hetzjagden der Verfolgungen und die langausgesponnenen bravourösen Kämpse zwischen dem edlen Räuberhauptmann und dem Gewimmel der schleichenden Polizei- organe nn Film sehen, so ist das nicht bloß ein« Nachahmung der Amerikaner, sondern zum Teil alle japanisch« Theatertradition. Was uns am meisten interessiert, ist natürlich das japanische Milieu und vor allem die Kunst der japanischen Darsteller. Man kennt diesen Ritter und seine Liebste längst aus den japanischen Holzschnitten und auch vom Gastspiel der japanischen Theater in Europa her: diese weißen Gesichter, die wi« Porzellan wirken, mit den lackschwarzen kunstvollen haarfrsiuren. Das Mienenspiel ist bei all seiner Ge- dcnnpftheit sehr ausdrucksvoll und besonders ergiebig für Schmerz, Trauer und Heroismus. Der Hauptdarsteller ist«in japanischer Fairbanks,«in Fechter von vielen Graden. Im Beiprogramm wurden Reportagen aus Japan und China geboten, sowie die lustigste Grotesk« aus dem phantastischen Dasein des verrückten Karnickels Oswald. O.« „Tarakanowa." primus-palast. Die Franzosen pflegen mtt besonderer Liebe den geschichtlich nicht richtigen �historischen" FUm. So mitzt in diesem Film«in Graf Schuwalow die Aehnlichkeit der Tochter der Zarin Elisabeth mit einem Zigeunerkind aus, um durch dieses der Zarin Katharina II. Schwierigkeiten zu bereiten. Um noch mehr Komplikationen Herauf- zubeschwören, verliebt sich Graf Orlow, der vor PoteniNn der Günstling der wollüstigen Herrscherin war, in die Pseudazarintochter. Katharina läßt sie der Folter unterwerfen. Orlow rettet sie, aber das schön« Kind stirbt an den erlittenen körperlichen und seelsichen Oualen in einem Nonnenkloster, gepflegt von der echten Tochter Elisabeths. Die Photographen K r u g e r und Lucas erzielen stets ein« geschmackvolle Bildwirkung, sie glänzen mitunter sogar durch schöne Gemälde und bedienen beim Lagerfeuer usw. sich eine» interessanten Wechsels von hell und Dunkel. Der Regisseur Raymond B e r n a r d legt den ollergrößten Wert auf höfischen Pomp, Massen- fzenen und Kostümpracht. Doch erstickt er durch den Glanz nicht die Handlung. Im Gegenteil, er will nicht nur die kostbar schön« Augenweide, er gibt sich redliche Mühe um die Gestaltung. Und so sind die Hauptdarsteller Edith IeHann«(falsche und echte Zarintochter), Olaf Fjord(Gras Orlow) und Rudolf Klein-Rogge(Graf Schuwalow) keine aufgedonyerten Puppen, sondern Menschen. „Blockade." Atrium. Neidisch gemacht durch die Erfolge etlicher Knegsbücher ver. sucht die mit großem Talent sich verspekulierende deutsche Film» Industrie es jetzt mal wieder mtt Kriegssilmen. Da die Eni- schlelerung der Damen nicht mehr zieht,„entschleiert dieser Film die Geheimnisse des U-Bootkri«ges". Der Film„Blockade" wurde unter Benutzung von deutschen, und englischem Material hergestellt. Er sit, trotz wiederholter Ver- wendung von Kulissen, ein« vollkommen sachliche Arbeit, ein ziemlich nüchterner Tatsachenbericht über den U-Bootkrieg und fein« Abwehr. Der Film hat keine Tendenz, er will kein Für und Wider in die Gedankenwelt de« Zuschauers hineintragen. Der Kriegshetzer kann mithin nach wie vor den Krieg als eine Herosich« Angelegenheit feiern, und de' Friedensfreund kann für sein« Idee der Völker- verbrüdinmg werben, indem er auf die unsinnigen Zerstörungen himveist. Bei der Uraufführung war die Jugend sehr stark vertrete« und kaum schul pflichttge Kinder sahen sich den Film an. Dieses große, furchtbar» Massensterben des Weltkriege», das»hn« Blutvergießen und ohne Todesschrei auf der Leinwand vorüberzieht, e» wird für die von der schweren Zeit nichts wissende Jugend eine glänzende optsiche Parade versinkender Schiffe. Darin liegt ein« Gefahr, denn so kommt nie und nimmer die wahre und unbedingt nötige Eni- gsitung der Atmosphäre, wenn nicht Elternhaus und Schule alles daran setzen, um echte Friedensfreund« zu erziehen.«, h.' Wladimir Majakowskij. Zum Tode des größten russischen Futuristen. Ein trogischer Schotten breitet sich über die neueste russisch« Dichtung. Vor vier Jahren h>ot Sergej Jessenin, der talentvolle junge Bouerndichter, seinem Leben ein Ende gemacht. Jetzt kommt die Kunde vom Selbstmord des bedeutendsten russischen Futuristen Wladimir Majakowskij. Kurz vor dem Kriege, als die russische Poesie im Zeichen der lähmenden Reaktion stand und krampfhaft nach neuen Wegen suchte, ist Majakowskij als Führer der russischen Futuristen in der Literatur aufgetreten. Kampf gegen Klassizismus, gegen Romantisnius, gegen jegliche Routine— dies war die Porole der von ihm geführten jungen Dichtergruppe. Diese Parole künstlerisch zu gestalten, vcr- mochten nur wenige. Unter diesen wenigen war Majakowskij der Bedeutendste. Aus seinen Jugendgedichten und Poemen(s. vor allem„Die Molke in der Hose") spricht ein Rebell— wenn auch ein individualistischer und halb-anarchistischcr Rebell—, der wuchtig die Verlogenheit und heuchlerische Sentimentalität der bürgerlichen Ge- sellschast angreift. Doch nicht allein der Haß gegen das Heuchlerische, das Spießerhafte, dos Platte kcnnzsnhnet dies« Werke Majakowskij?. Wie keiner zuvor hat er den Pulsschlag des Lebens, das Herannahen der neuen revolutionäre» Epoche gefühlt und ihm einen kllnftleri- schcn Ausdruck gegeben. Die lärmende, sich vor Qualen windende Straße d«r Großstadt brach mit Majakowskij in die„gute Stube" der Literatur ein.. In den ersten Jahren der Revolution wird Majakowskij der führende revolutionäre Dichter. Fast die ganze junge Dichtcrgene- ration sucht sich sein Schaffen zum Vorbild zu nehmen. Er schafft eine Reihe von Werken, die die Dynamik der revolutionären Epoche widerspiegeln solle»(„Krieg und Frieden",„Mysterium-Buff", „150 Millionen",„IV. Internationale"). Er will ober über die offizielle Schablone grundsätzlich nicht hinausgehen. Die Gestaltung der sozialen Dynamik bleibt daher meist hohl und hilft dem Dichter nicht, die klaffenden Widersprüche in seiner eigenen Weltanschauung zu überwinden. Die wachsende Schwäche seiner künstlerischen Ge- stallungskraft sucht er durch Hyperbeln, Plakat, manchmal durch widerlichsten Kitsch zu verschleiern(Das Poem„Gut"). Er erreicht zwar den Gipfel des Ruhms, ist sich aber wohl seiner Vergänglich- keit bewußt und nur zuweilen in einer sensiblen und leicht ironischen Lyrik findet er das dichterische Gleichgewicht wieder. In der jüng- sten Zei suchte er— nahezu hoffnungslos— nach einem künstlerischen Ausweg und ging zur Satire über(„Die Wanze",„Das Dampfbad"), in der— oft mehr, als es vielleicht dem Willen des Verfassers entspricht— zum Ausdruck kommt, wie sehr das Heuch- lerische, das Gemeine, das Majakowskij seit Jugend her Verhaßt« immer mehr an Boden gewinnt. Erst der Tod sollte ihm Erlösung bringen. W. Fr. Der Reicheausjchuß für das„Rclchsehrenmal". desien Vor- sitzender der frühere Reichskanzler Dr. Euno ist, veröfsentlicht das Gutachten einiger Künstler, die sllr den Platz eines solchen Ehren- nrals die Robenklippen bei Höxter an der Weser und den Ehren- breitstein bei Koblenz vorschlagen. Unterzeichnet ist das Gutachten van Otto Ludwig Dettmann, Bode Ebhardt, Hermann Hosacus, Martin Kießling und Wilhelm Kreis. Die Sludiengemeinschafi für wissenschaftliche Heimatkunde b«- ginnt mit ihren Vorlesungen am 24. April. In Verbindung mit den Vorlesungsreihen werden zahlreiche Studienfahrt«» in di« nähere und, weiter« Umgebung Berlins untornommen. Programme und nähere Auskunft sind erhältlich bei. der Geschästsstelle der Staat- lichen Stelle für Paturdenkmalvsieg«, Schöneberg, Grunewald- sträße 6—7(Sprechzeit 10— 14 Uhr; Fernsprecher: Lützow 6600). VIe Itolgemelnschast te» Deutschen Schrlstlom» hat ihr Büro nach WilmerSdors, Kaiserplatz 18 pt. rechts(Telephon Psalzburg 5463) verlegt. Mit der(«elchäslsiührung wurde Aisred Richard Meyer �caustragt. Sprechstunde Dienstag und Freitag von 12—14 Uhr. „Mittel zu unzüchtigem Gebrauch" So bekämpst man die Aufklärung! Dies« Verhandlung, dieses Plaidoyer des Vertreters der Staats- anmaltschaft fand nicht im dunkelsten Bayern oder Mecklenburg, sondern in Berlin statt. Und daß sie hier stattfinden konnte, macht den„Bagatellfall" zu einer Merkwürdigkeit, die eine etwas«in- gehendcre Behandlung verdient. Dies ist der Tatbestand: Der Reichsbund für Geburtenregelung und Sexuolhygiene ist eine der von einem Teil der Aerzteschaft viel angefeindeten Laicnorgonisationen, die das Wissen um die„Geheim- nissc" der Geburtenregelung in die weitesten Kreise des Proletariats tragen wollen— der Geburtenregelung, di« die beste B c- kämpfung der Abtreibungsseuche ist. Die Ortsgruppen des Bundes finden sich überall, und eine der kleinsten sitzt in Strausberg. Am 12. Juki des vergangenen Jahres hatte nun diese Ortsgruppe eine Mitgliederversammlung einbernsen, hatte diese Mitgliederversammlung in der Ortspresse angekündigt, und die Redaktion hatte noch durch einen redaktionellen Hinweis ans die Zwecke des Bundes«in übriges getan. Wie vielfach üblich, sollten auch auf dieser Mitglieds rversanmrlung zu dem Referat Gäste zu- gelassen werden. Die Ortsgruppe hatte Pech: Der 12. Juli war einer der heißesten Tag« des vergangenen Jahres, und so fanden sich von den 26 Mitgliedern der Ortsgruppe schließlich nur sieben ein. Diese sieben beschlossen, in einen kleineren Raum überzusiedeln und statt der angesetzten Persammlung eine zwongslose llnler- halttliNg mit dem Referenten mit Fragebeantwortung zu vcr- ai, stalten. Zu ihnen gesellte sich der mit der Ueberwochung der öffentlichen Versaminlung betreute Polizeibeomte, dem aus seine Bitte die Anwesenheit gestattet wurde und ein Arzt, der zur Zeit in Strausberg praktiziert. In diesem sehr kleinen Kreise sprach nun der Referent über das von dem Bund vertriebet« und empfohlene Schutzmittel„Abi" und sein« Anwendung und geriet dabei in ein« Debatte mit dem Arzt, der es für bedenklich und nicht wünschenswert hielt, daß dieses Schutzmittel auch an Unverheiratete ausgegeben würde! Das Resultat dieses Zusammenstoßes: Der Arzt macht dem Kreisarzt von den Vorgängen in diesem Kreise Mitteilung und der Kreisarzt erstattete An, zeige. So kam der damalig« Referent Th. Sch. zu der Anklage wegen Vergehens gegen den§ 184 Absatz ,0: Wogen öffentlicher Anpreisung van Mitteln zu unzüchtigeni Gebrauch. Wahrhaftig— die Staat sannxrltjchoft erhob Anklage und es wurden zwei Sachverständige geladen— außer dem Polizeibcamten, der damals der Versammlung beigewohnt hatte! Denn es hätte sich sonst vielleicht ereignen können, daß man den Angeklagten aus 8 184, Absatz 3a hätte freisprechen müssen— dem Mittel wurde von feinen Herstellern ja auch die Eigenschaft nachgerühmt, desinfizierend irnd als Schutz gegen Geschlechtskrankheiten zu wirken! Also mußte ein chemischer und ein medizinischer Sachverständiger beeiden, daß „Abi" nach seiner Zusammensetzung zwar geignct sei, die Empjäng- nis zu oerhüten, aber selbst seine Salbcnform kaum einen schwachen und unsicheren Schutz gegen Geschlechtskrankheiten darstelle. Und domr erhebt sich der Herr Stoatsanwaltschastsvertrcter zum Plaidoyer: Sozusagen eine jugendlich angenehme Erscheinung und keinesfalls in dem Alter, wo nian alles hinter sich hat und nun bekanntlich sehr tugendlich wird, ein lebendiges Zeugnis für den Ana- chronismus juristischen Denkens. Er führt aus: Die Tatsache der öffentlichen Anpreisung sei ohne weiteres zu bejahen; die Dersamm- lnng fei durch Annoncen angekündigt worden und man habe ja auch Gäste(den Arzt und den Polizeibeamtcn!) zugelassen. Die Zu- lassung von Gästen ober mache die Versanrmlung zu einer ö s f e» t- lichen. Nun sei zu prüfen, ab das Mittel„Abi" als Mittel zu unzüchtigem Gebrauch anzusprechen sei. Dos stehe außer Zweifel, denn es könne ja nicht nur im ehelichen, sondern auchim außer- ehelichen Geschlechtsverkehr Anwendung finden. Nach der Definition des Reichsgerichts aber sei onßerehelicher Geschlechts- verkehr eben„Unzucht". Zwar hätten sich bereits Stinmren erhoben, die diese Definition des Reichsgerichts als veraltet und über- holt bezeichneten, aber noch immer stehe das Chemnitzer Gericht mit seiner Rechtsprechung allein auf weiter Flur. Man müsse sich an die Rechtsprechung des Reichsgerichts holten, besonders die Staats- anmaltschaft habe keinen Anlaß, davon abzugehen. Mittel zu mi- züchtigem Gebrauch dürften nur dann öffentlich angepriesen werden, wenn sie gleich, zeitig als Verhütungsmittel»oi, Ge- schlechtskrankheiten anzusprechen seien— denn leider(er sagt wahrhaftig leider, der junge Mann!) ginge es nicht an, Mittel zu produzieren, die die Geschlechtskrankheiten verhüteten, ohne eventuell unzüchtigem Gebrauch zu dienen! So müsse die öfteittliche Anpreisung eines nur empfäirgnisveichütend wirkenden Mittels strafbar bleiben. Also beantrage er gegen den Angeklagten, der ja bisher nach unbestraft sei, ein« Geldstrafe von 30 Mark, eventuell drei Tage Haft.» Erschlagen von so viel juristischer Weisheit, kann man kaum dem Plaidoyer des Verteidigers folgen, der sich bemüht, dem Gericht goldene Brücken zu bauen, die einen Freifpnrch des Angeklagten ermöglichen, ohi« das Gericht zu zwingen, sich endlich gegen die iberalterte Rechtsprechung des Reichsgerichts zu wenden. Das Gutachten des einen Sachverständigen läßt ja eine schwache Möglich- keit zu, daß das Mittel auch als Vorbeugungsmittel gegen Geschlechtskrankheiten wirken könne... Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück. Dann wird dos Urteil verkündet: Das Gericht habe, ohne auf die anderen Frage» einzugehen, entschieden, daß dieses Gespräch in einem so engen Kreis nicht als„össentliche Anpreisung" zu gelten habe; außer den zwei Gästen seien ja mir Mitglieder zugegen gewesen, man sei auch in einen anderen Raum übersiedelt. Das Gericht habe also den'Angeklagten auf Kosten der Staatskasse s re ige s p r o ch e». Damit kann der Zlngeklogte zufrieden sein— aber nicht die Oeffentlichkeit. Denn hier wären noch einige Fragen zu stellen. Erstens: Was kostet dieses Verjähren der Staatskasse— und sollte die Staatsanwaltschaft bei derartigem Tatbestand nicht von vornherein aus die Erhebung einer Anklage verzichten? Zwestens: Die Erstattung dieser Anzeige durch den Kreisarzt grenzt für das Empfinden eines modernen Normalmenschen an groben Unf-ug. Wann endlich wird die Aerzteschaft den Mut sindcn, gegen derart versteinerte Kollegen Stellung zu nehmen— wann endlich wird sie einsehen, daß es zwecklos ist, sich einer Volks- de weg u ng, zu der die Frage der Geburtenregelung schon geworden ist, in de» Weg zu stellen? Und drittens: Wann endlich werden die historischen Altertümer dieser„maßgebenden Reichsgcrichtsurteilc" beseitigt, wann endlich wird auch in Berlin ein Gericht den Mut finden, den das Chemnitzer Gericht bewiesen hat? Nazi-Ersindung. Der frühere Kommandeur der Dresdener Infanieriejchule Generalleutnant von Fa l k e nh a u j e n hat an den Reichswehr, mnifter euren längeren Brief gerichtet, in dem er-- die von dem„Völkischen Beobachter" ausgestellte Behaup--. tung,«r sei der Nationalsozialistischen Partei beigetreten, als„fr e i erfunden" bezeichnet. Falkcnhausm führt in seinem Brief ferner Beschwerde darüber, daß die im Zusammei« hang mit der falschen nationalsozialistischen Meldung von der Links- presse gegen seine Person und seine Dienstoufiassung gerichteten An- griff« vom Reichswehrmmisterium nicht zurückgewiesen worden sind. <> Theater, Lichtspiele usw. mmm Direktion' Dr. Hertin Zickel WWW» Komische Oper fnedrlclutr.m. Merkur 1401/4330. Täglich 8V., Uhr Majestät tässt bitten Musik von Walter KoUo. Lustspielhaus fnednehetr. 236. Bergmann 2922/23. 8 Vi Uhr: Geschäft mit Amerika. Vorverkauf in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Tägl. 5 u.Ö'/a Uhr. B S Barb. 9256 Pr. 1-6 M. Wochentg. 5 U. SO Pf.-3 M. Amerikas I W&O berühmtester Clown und 9 weitere Varletb-Neuheiten Tägl. 5 u. 814 Senat 2 ,5 n. 8" Alex. E 4. 8066 INTERNAT. VARIETE Heute Premiere Lothringer Strafte 37. 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Dr. Uirtig lieh) Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. ■ Täglich 8V. Uhr Majestät läßt bitten... Musik von Wolter Kollo. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich S'fc Uhr fieschällnill Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld Tbeaier d. Westeos Täglich 8«/. Uhr; Das Land des Läebelns Ab Ostern PaganiDil R.Tauher.V Schwan lo btiden Ostorftintagen 4 Uhr Dam Land des Ukchelna !arnowsky-80t!Den Tütater In der Siresemannsir. (frtfctrWuläjiiliintr.) 8''. Uhr: Der gevaltige Hahnrei boUli m Cnnmilimd Komddienhau« Täglich 8Vi Uhr Meine Sdiwester uodidi Musik v. Ralph Benafzkj Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich SVj Uhr Gastspiel Gisela Werbezlrk in Meyer's sei. Witwe Schwank von Fritz FrtcdmannFredrich Direktion Dr. Robert Klein Denlsehes Rünsller-Thsal. Barbarossa 3937 8Vj Uhr Sex Appeal lostH. t. Fitdtrik Ltnsisle Ripc Fontir Liniuja Udert BOiinnnaan, Mild? Christians Berliner Ibeater Dönhoff 170 8 Uhr Ende 101;« Uhr „Eies, zwei, drei" von FranzMolnar mit Mai Palleuberg. Regle-. Gnst.BartnnB Intnr: Souper Regie Heinz Hilpert. Residenz-Theater KQnstl. Leitung Gnston Briese Täglich SV, Uhr Sonntag 4 Uhr ElsrlcKe BnodlnnkiL dnlde Pr. Lessing-Theater VfiidnibnD 2707 0.0(16 Täglich SVi Uhr Flamme mit Kile Dorsch Franz Lederer Denltdies Ibeater D 2 Weldemianim 5201 8';» Uhr Der Kaiser v. Amerika von Bernard Shaw Reg.; Max Reinhard) Kammerspieie 0 2 WoMndamni 5201 8Vi Uhr Die liebe Feindin Ktmidli TO L P. Anloioi fklii: Goitil Gpjntgios Die Komödie 1 1 Bismck.2414/7516 SVi Uhr Die Krealnr Sdumspl!! Fird. Bnckin OaBlt: osnz Btlniianli Tneat. a. Koun.Tor Kottb. Str. 6 TägL 8 Uhr auchSonnl. nachm. 3 v.; Elite- SSnger. Das pbäooiu. Osterprograuuu mit 1 belieMoo Castteoor Karl Wanger GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr; Nor noeb 15 Vorstellungen! 3 Musketiere Regie: ERIK CHARELL 3 Sonniag narbni. nngtk. halbe Pr. rtieaterLd.Belirenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 SVi Uhi Direktion Ralph Arthur Roberts ... Vuter sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.) Reichsjiallen-Theater Abends HZ Sonntag nadun. DO der, Stettiner Sanger Rarhm.halbePiiise! Zautr. 11263. Dönhoff-Brettl: Varield, Tanz, Falkner-Ordiester Metropol-Th. Täglich 8«f4 Uhr Der Bettelstudent Alpar.Schfltzendorf, Jdktn, Lietuensteln REVUE jSERVUS 1930' wo sporn min i gut und Billig? Nur Gross-Berlin Alexandorpiatz Operetteuhaus Alle Jakobstr. 30/32 (Zeniral- Tbeaier) Dönh. 2047 Täglich 8'U Uhr Höfel Stadl Lemberg Preise 1, 2, 3 M. s In der Oesamtauflas« des.Vorwärts* sind besonders wirksam «od trotrdem Khr billigt Berliner mh-TriO N C II k 0 1 1 B. wL«hn3tr. 74/75,1 □er gute Kapuan- ■f«araf«ahalt i*t in den meisten 21- llullSuUun gerrcngesch. erUltl. 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April 1930 SprÄbpaö SfuibuiX&xße Je* SSericM über 3>falstburg Mislorie um eine Stadl/ von Viktor wendet Der nlit Wasser der Mosel oder der Seille Getaufte und mit ihren Weinen Konfinnierte. an der heimatlichen Scholle„Befestigte" löst« sich von ihr nur mit Unlust„der Wissenschast halber" zu einem Abstecher noch dem s ü d ö st l i ch e n Lothringen, in die Nähe der elsässtschen Grenze, nach P f a l z b u r g. Lützelburg, die von Vogesenfreunden belebte Sommerfrische im tiefen Tal der Zorn, ist— als Station an der Schnellzugsstrecke Metz— Strohburg— bequem erreichbar: von hier klimmt eine Bimmelbahn durch pittoreske Gebirgsromontik zu dem windigen Vorgelände des Wasgoupasses empor, den die kleine Stadt beherrschte, als sie noch Festung war. Ein Wert Vaubans, war sie«s rund zwei Jahr- hunderte lang, und an die Not dreimaliger Belagerung, 1814. 181S und 1870, erinnert ein wenig ansprechendes Denkmal vor dem Ort, der nach dem Frankfurter Frieden mit seinen Bastionen auch seine militärische Bedeutung einbüßt« und zu einer gewöhnlichen Kantons- kapitale herabsank. Von all seinen trutzigen Annierungsanlagen, die auf alten vergilbten Plänen mit sternzackigen, Umriß ausfallen, überdauerten nur zwei monumentale Tore die„Festungslid". (Oeutsches Sprachgebiet ist hier und die Leute dieser Ge- gcnd sagen, nur um eine winzige Nuance anders als Reuter, für Zeit„Tsid".) Als Metz 1552, bis dahin eine freie deutsche Reichsstadt, mit seinen 60 000 Einwohnen, an Frankreich siel, ivar Pfalzburg noch ein armseliges Dorf. Die Stadtgemeinde, die wieder den Krebsgang geht, denn in den letzten hundert Jahren verringerte sich ihre Seelen- zahl(heute etwa 2400) um die Hälfte, blickt also nicht wie andere lothringische Kleinstädte auf eine lange Vergangenheit zurück. Diesem Umstände ist es wohl zuzuschreiben, daß Pfalzburg gradlinig und geräunng angelegt, aus den fremden Besucher einen beinahe nüchternen Eindruck macht, den kahle Kasernen und ein Korrcktionshaus iroch verstärken. Ganz ohne Zweifel hat sie mit ihren, schützenden Gürtel außer ihrem Range auch fast alle Reize verloren, die genau hu iudert Jahre vor der letzten Blockade den jungen Goethe auf seinem Ritt« von Straßburg an den Rand des„rauheren West- reiche" und die jüngere Dauphin« Maria Antonia Josepha Johanna von Lochringen, Erzherzogin von Oesterreich, aus ihrer Triumphsohrt von Wien noch Poris zur Hochzeit und endlich zum Hochgericht entzückten. Was städtebaulich heute rtach cnziefsi, ist, ziemlich im Zentrum, das große Karree der„Place d'Armcs". An diesem einzigen und einsamen Platze— kein Schutzmann wagt hier ormeschwenkend den„Verkehr" zu„regeln"— kommen die klotzige Kirche mit den, Stumpsturm. von Lokalpatrioten überheblich als Kathedrale bezeichnet,' und das hochdachige Hütet de Yiilc gut zur Geltung: ansonsten wird er von sauberen ein- bis zweistöckigen Privachäliscrn mit da»ich dort einem Kauslädchen oder einem Cafe- Restaurant im Rezdechaussee hinter einer Reihe von Ahornbäumcn begrenzt, während seine Mitte seit 75 Jahren das Denkmal eines Marschalls von Frankreich einnimmt. Marschall Moulon ist es, Graf von Loba», der hier als simpler Sohn eines Bäckers just in dein Jahre zur Welt kam, als der große Dichter und die große Dame Psichchurg postierten.„Mon Mouton est un lion" („Mein Mouton-Schaf ist ein Löwe"), lobprics den Käinpen wort- spielend sein Kaiser, der etwas vom Wafsenhandwerk verstand, uich für die Vaterstadt des„Hammels" prägte er das Prädikat„Pepi- „icre des braves".(Pflanzschnle der Tüchtigen.) Dieser Titel war kein« Itebertreibung, denn bei erstaunlich vielen hohen und höchsten Btilitärs der Großen Armee stand im..iivret" als Geburtsort eingetragen: PKalsbourg. Der forsche Colonel Forty war einer dieser Avancierten, der zusammen mit den illustren„ersten Grenadier der Heere der Republik" Theophile Mala de la Tour d'Auvergne-Corret ins Gras biß und dos Grab mit ihm teilt. Ander«: General D u p e l i n, General G e r a r d, General L o b e a u, General Munier, General Ncwinger, General Rotten bürg, General S o y e, um nur die größten Kanonen zu nennen. Pfalz- bürg,«ine Hecke van Haudegen, konnte, um eine bronzene Ueber- völkerung zu vermeiden, nur den, der vom kriegerischen Lorbeer am meisten raffte, in Erz der Nachwelt aus dem Wossenpiatz zur Schau stellen. Aber in diesem Adlerhorst ist auch eine Friedenstaube ausgebrütet worden, denn auch die Wiege eines prominenten Widerparts der Anbeter blutigen Waffenruhms, eines Ritters vom Geiste, der mit der Feder gegen das Schwert focht, stand hier und, auch ihn zu ehren, ist. vor der ,�alle". ein Denkmal errichtet„en l'an 1922 centenaire d'Ernile Erdemann". Seine erzählenden Schriften, die er in Gemeinschaft mit Alexandre Chatrian aus dem nahen Soldatenchal schuf, haben unzählige Auflagen erlebt und sind auch, übersetzt, in Deutschland in mehr als einer Ausgabe weit ver- breitet. Das hüben und drüben bekannteste Werk ist wohl der „Ojnscrit", die„Geschichte eines Anno 1813 Conscribierten". Sie wurde sogar aus deutschen Schulen im Urtext gelesen, allerdings ohne dauernden Gewinn an Einsicht und Entschluß, wie mich dünkt, denn anders hätten kein Wille und kein Weg diese so Gebildeten nach Lange marck und Umgebung führen dürfen. Ich blätterte wieder in diesem mir lieben und werten Büchlein, dos hier in billiger Aufmachung jede Buchhandlung in ihrer Aus- läge feilbietet und das die soldatischen Schicksale des sympathischen Pfalzburger Uhrmacherlehrlings Joseph Bertha rührend schildert, der nur über der Haut ein Rekrut und im Herzen ein Re- fraktär war, ein AntiMilitarist von reinstem Wasser, ein Pazifist an Leib und Seele. Ich hörte wieder die defaitistischen Aeußerungen seines Meisters, des alten Per« Melchior Goulden, und sah wieder die Scharen der Drückeberger, die, vm nicht Icv. zu werden. sich verstümmelten, „sich die Zähne zerschmetterten, um die Patron« nicht abbeißen zu können, öder sich den Daumen wegschössen, um zur Hand- hobung des Gewehrs untauglich zu sein". Ich sah wieder die Massengräber, ,,in die man die Toten hineinwarf, Russen, Franzosen und Preußen, alle durcheinander, so wie Gott sie geschossen hatte, einander zu lieben, ehe durch Uniformen und Federbüsch« eine Trennung der Menschen zum Nutzen der Regierenden vollzogen wurde". Ich hörte wieder den„Helden" im Gespräch mit seinem Nebenmann in der Marschkolonne, der ihm etwas von der„gloire" (Ruhm) vorfaseln wollte, herrlich sich ereifern: „Der Ruhm ist nicht für uns, sondern für andere, die gut essen, gut schlafen und ein Wohlleben führen: die da fröhlich sind und Bälle veranstalten, wie man aus den Zeitungen sieht, und obendrein noch den Ruhm gewinnen, den wir mit unserem Schweiße, unserem Darben und unserem Blute errungen haben. Kehren solch arme Teufet wie wir, die man zwingt, ins Feld, zu ziehen, schließlich heim, so haben sie die Lust zu arbeiten und zuweilen wohl auch ein Glied verloren, doch Ruhm nur wenig gewonnen. Viele ihrer früheren Kameraden, nicht tüchtiger als sie, vielleicht nicht einmal so tüchtig, haben inzwischen Geld verdient, ein Ge- schüft eröffnet und die Geliebten der anderen geheiratet, haben hübsche Kinder, sind angesehen« Männer, Gemeinderäte, gar Starvdespersonen. Und wenn nun die anderen von ihrer Jagd nach dem Ruhm, d. h. aus dem Msnschengemetzel, zurück- kehren und mit ihren Tressen aus dem Aermel vorübergehen, so sieht man sie über die Achsel an: und sollten sie unglücklicherweise eine rote Nase>haben von dem Schnaps, den sie tranken, um sich in Wind und Wetter und auf Gewaltmärschen bei Laune zu er- halten, während die anderen zu Hause ihren guten Wein schlürsten, so schilt man sie gleich Trunkenbolde: und so wird aus diesen Soldaten, die so gern daheim geblieben wären und gearbeitet hätten, eine Art Bettler. Das ist meine Meinung von der'Sache. Ich finde das alles gar nicht recht und sähe es lieber, d i c R u h m- gierigen schlügen sich allein und ließen uns zu- friede n." Welch tapfere Ankläger! Welch mutige Bekenner! Dieser Emile Erckmann! Dieser Alexandre Ehatrian! Vor mehr als zwei Menschenaltern erhoben sie vereint Stirn und Stimme: ihre Berufung war, so wie es zum Schlüsse der Ge- schchte vom„Consent" heißt,„die Jugend über die Eitelkeit des Kriegsruhms aufzuklären und ihr zu zeigen, daß nur Friede, Freiheit und Arbeit allein glücklich machen". In aufrechter Haltung, die linke Hand auf dem Herzen, trank ich auf diese beiden aller Ehren werten Landslcute einen und noch einen uralten Nußbranntwein, der hier in ganz besonderer Güte destilliert wird, und gedachte beiläufig des Genossen eines einstigen Zechgelages in Hannover, der jetzt unter dem Namen Erich Maria Remarque ein berühmter Mann geworden ist, weil er einen Kriegsbericht verfaßte, vor den er minder kühn die Worte fetzte:„Dies Buch soll weder«ine Anklage noch ein Bekenntnis fein". S)ie Flucht am Sians Stauer: Es sind in diesen Tagen vor einem Münchener Gericht zwei Brüder wegen verschiedener Roheitsdelikte zu einer längeren Ge- fänginsstrafe verurteilt worden. Daran ist nichts, und das kommt olle Tage vor. Aber der Fall hotte doch eine Besonderheit. Die beiden Brüder hießen Katzei, schwänz, und die Zeugen sagten aus, daß nach ihrer Meinung dieser ausgefallene und unschöne Noin« den Brüdern zum Verhängnis geworden sei. Im Grunde seien nämlich die beiden durchaus gutartige Menschen. Sie hätten indessen von früher Jugend an soviel Hänseleien und Foppereien wegen ihres Namens über sich ergehen lassen müssen, daß sie sich mit der Zeit, nur um ihre Mitmcnsd)en davor abzuschrecken, sich an ihnen zu reiben, eine gewalttätige Geste zugelegt hätten. Der Name als Schicksalsgestalter! Wir sind an ihn gekettet, er begleitet uns durch alle Tage. Er ist unser Schatten, den wir nicht überspringen können. Wir müssen uns abfinden mit ihm, ob er nun schön oder häßlich ist, anmutig oder plump. Immerhin: so ganz auf Tod und Leben sind wir ihm nun doch nicht ausgeliefert. Im allgemeinen geben sich ja die Menschen zufrieden mit ihrem Namen, und auch wenn er ihnen nicht behagt, denken sie. schon aus Pietätsgründen, nicht daran, ihn auszugeben und sich neu zu sir- mieren. Zuweilen sprechen gegen einen Namen aber doch zu ge- wichtige Gründe, als daß der unglückfeligerwcise mit ihm Behaftet« gewillt wäre, der Tradition seiner Väter das Opfer einer dauernden schweren Belastung zu bringen. Dann bleibt ihm ein Ausweg: der Antrag auf Namensänderung. Solch ein Antrag muh, mitsamt den Personenstandsurkunden und den sonstigen Unterlagen, dem Amtsgericht eingereicht werden, dos ihn nach Prüfung auf seine formalen Voraussetzungen, nach Rückfragen an die Polizei und nach Erhebungen darüber, ob die Namensänderung vielleicht unlauteren Zwecken dienen soll, an das Justizminifterwim weiterleitet. Dieses ist dann allein dafür zuständig, ob dem Antrag stattgegeben oder ob er abgelehnt wird. In der Regel haben die Antragsteller gegen ihren alten Namen ein- zuweichen, daß er anzüglich oder daß er geeignet sei, sie lächerlich zu machen. Fast immer müssen die Behörden einsehen, daß es triftige Erwägungen sind, die jemanden zur Aufgabe seines Namens treiben, und nur recht selten geschieht es daher, daß das Justizministerium Anträge auf Namensänderung glaubt ablehnen zu müssen. Di« Zahl der Antragsteller beläuft sich beispielsweise in Groß-Berlin jährlich auf etwa vier- bis jünfhundert. Die Kosten be- laufen sich, je nach dem Stand, auf zehn bis fünfzig Mark. Völlig unentgeltlich werden im Interesse einer Förderung des Deutschtums fremd« Namen germanisiert. So kulant med einsichtsvoll die Behör- den aber gegenüber peinlichen und für deutsche Zungen ungewohnten Namen sind, so wenig Verständnis bringen sie gegenüber jenen auf. die ihren Namen nüchtern und alltäglid) finden und ihn durch einen zweiten ergänzen möchten. Doppelnamen werden nur m den seltensten Fällen bewilligt, und dann ist das auch nicht ganz billig. Fünfhundert bis viertausend Mark verlangt der Normaltarif für das Anhängsel, womit aber nicht gesagt sein soll, daß der Preis dis Viertausend-Mark-Grenz« nicht auch noch wesentlich überschreiten könnte. Wichtig für das Ministerium, wenn auch nicht entscheidend, ist die Meinung der Berwondtschast des Antragstellers. Ost genug geschieht es, daß sie wohl prinzipiell die Gründe des Flüchtlings aus seinem Namen anerkennt, aber doch für ihr Teil nicht gewillt ist, dessen Folgerungen zu ziehen. Tröpfchenweise bröckeln, nach dem Willen ihrer Opfer, die Hätz- lichen und unangenehmen Namen aus den Adreßbüchern heraus, und es ist damit zu rechnen, daß sie immer seltener werden, denn die Zeiten, in denen jene Namen vornehmlich dadurch in Ilmlauf kamen, daß sie jüdischen Untertanen von Gewalthabern böswilligerweise aufgezwungen wurden, sind vorüber. Bald werden die letzten .Herren Fußgenich, Käsebier und Katzenschwanz aus den amtlichen Büchern gestrichen sein und sich endgültig dahin zurückg«, zogen haben, wo allein sie für ewige Zeiten ihre Existenzberechtigung haben: in die Witzblätter und in die Sommersthwänke. Xeinridi Jlemmer: g*restigef Beim Verlassen einer Neinen mazedonischen Station, wo die Lokomotive ihre Dienste versagt«, war ich in einen nahen, umfriedeten, recht geräuschvollen Raum getreten und befand mich unversehens in einem enormen Friedhof, ohne Gräber, aber voll von Menschen, die randalierend, diskutierend und geftiku- lierend auf dem leeren Terrain standen, während struppige Polt- zisten und bärtige Männer mit Dolchen sich drohend zwischendurch bewegten und Kinder nachdenklich in der Nase bohrten. „Wann kommt die Leid)«?" fragte einer. „In einer Viertelstunde muß sie da sein!" sagte«in anderer. „Ist der Bürgermeister gestorben?" fragt« ich,„Ein berühmter Dichter, oder«in Nationalheld?" „Nein," ertönten Stimmen aus der Meng«,„es ist nur ein dummer Esel." Die Männer hielten sich den Bauch vor Lachen, die Kinder ließen von der Nase ab— ein glatter glattrasierter Herr mit Diplomatenbrille zieht mich beiseite, stellt sich als L e g a t i o n s r a t P. L. vor und erbietet sich mir Ortsfremden, die Situation zu erläutern. „Dies ist ein P r e st! g e f r i« d h o f ," sagte er.„Die Rumänen bauen, das ist höhere Politik, in Mazedonien Schulen, Kirchen und Friedhöfe für ihr« Stammesbrüder, dl« ausgewanderten Aromunen. Es gibt deren 80 000 in Mazedonien. Aber sie wohnen zerstreut auf dem Lande: die Schulen, Kirchen und Friedhöfe für sie stehen leer. Man versucht daher— das ist wiederum höher« Politik— sie zu bevölkern. Was diesen Friedhof anbelangt, so trachtet das Komitee mit Hilfe des Propagandafonds Leichen für denselben a n» zukaufen. Man wendet sich an mittellose Todeskandidaten, ver- schönt ihre letzten Tage und bietet ihnen allerhand Gratifikationen für die Familie an, wenn sie sich bloß im rumänischen Friedhof zur ewigen Ruhe bestatten lassen wollen. Oder man wendet sich mit einem S d) e ck und einer quittierten Leichenbestattungs- rechnu ng an die trauernden Hinterbliebenen und malt ihnen in den lebhaftesten Farben aus, wie sanft der Dahingeschiedene un rumänischen Fried hos ruhen würde, wo reichlich Platz ist und niemand die ewige Ruhe stört. Aber die Mazedonier wollen nicht als tote Rumänen im Grabe liegen, denn die Popen verfluchen sie dann samt ihrer Familie. Im ganzen Ort war nur ein einziger Toter, ein Türk« auszutreiben, der kerne Familie besaß. Er wurde im Propagandafricdhof feierlid) begraben Aber bald erhob die Türkei Ansprüche auf ihn und wollte ihn exhumieren lassen. Das führte zu energischen Schritten bei der Hohen Pforte von seiten Rumäniens. Sdpm damals drohte ein Konflikt. Der Türke schlummerte noch immer friedlich in der östlichen Friedhossecke: in der westlichen«ine arme Bettelsrau aus der Vor- stadt. Die Leichen zweier Trunkenbolde aus der Umgebung wurden nach vielem Hin und Her in der Nord- und Südecke bestattet. Aber in der Mitte sah der Friedhof öde und verlassen aus. Woher Leichen nehmen und nidst stehlen? Die griechischen Geistlichen kauften im Dienste ihrer Kirche beangabte Leichen zurück. Da in« dessen der Propagandasonds noch lange nicht erschöpft war, faßten die Rumänen den kühnen Plan, geeignete Tote aus der Ferne .kommen zu lassen, sozusagen zu importieren. Das war ein schwic- riges Unternehmen, denn in den Gegenden, wo man mif Leichen rechnen konnte, gab es keine Bahnverbindung und oft nicht einmal einen für einen Lebendigen passierbaren Weg. Zudem sind die Aromunen Nomaden und man kann unmöglich immer hinter ihnen Izerziehen und warten bis einer von ihnen stirbt. Da wurde tief im Gebirge ein toter Mann von unbe- stimmter Herkunft entdeckt und man kaufte ihn als Jen- trumsstück für den Friedhof auf. Leider war das wieder eine ver- fehlte Spekulation. Dem Transport stellten sich Hindernisse aller Art in den Weg. Die Popen bel)aupteten, der Tot« sei e i n b u l- garisch sprechender Grieche gewesen, müßte auf ortho- doxe Weise bestattet und seine Gebeine noch drei Jahren wieder ausgegraben und mit Wein gewaschen werden, nur so könne er die ewige Ruhe finden. Die Türken behaupteten, er sei ein Mo- hammedaner gewesen, die Serben, die A l b a n e s e n, die B u l- garen, olle reklamierten den toten Mann, die ganze komplizierte Balkan-Nationalitäten- und Kirchenfrage wurde an der wehrlosen armen Leiche aufgerollt. Man kam nicht von der Stelle. Schließlich hielts der Tote nicht mehr aus. Er löste sich in seine Bestandteile auf und verpestete die Gegend. Daraufhin verfügten die Behörden, der reisende Tote müsse an Ort und Stelle begraben werden, also neben der Landstraße. Das war ein schwerer SMoq für den Prestigefriedhof, aber man gab die Hoffnung nicht out. Ro'-n-nd Verbalnoten wurden abgelassen, der Tote bebhäfiVte st t die Balkanidiplomaten. Schließlich erhielten die Rumären di: Erst' ns, den Leichnam an der Landstraße auszugraben und auf d-nc~'' of zu überführen. Man grub, fand aber keine Leiche, st' r. scheinlich war der ruhe'ose Tote heimlich in einem Konkurrent ied» Hof bestattet worden. Als man endlich doch einig« Knochen fand. ; wurden diese eingesargt, transportiert und man erwartet jetzt die feierliche Bestattung." Kaum hatte der Legationsrat geendet, so wurde ein Sarg auf den Friedhof getragen. Viele Menschen, fühlte ich, werden wohl wegen dieses toten Esels ihr Leben lassen. Ein ungeheurer Tumult erhob sich, Dolche flogen aus.und alles sdirie wild durcheinander Da läutete es auf dem Bahnhof und eilig verließ ich de« fviedlosen Friedhof.— (7. Sortfeftuitfl.) Mr. KcaS thronte zy dieser Stund« in einem hohen Lehnstuht, in dem«in Graf Essex sei« aristokratische Seele ausgehaucht hatte. Mr. Kea» hott« diesen Stuhl um schwere, Geld erstanden. Das edle Stück Möbel war welliger komfortabel als von größter dekorativer Wirkung für seinen Insassen. Der Gentleman aber, der sich lieber in bequemen Lederstühlen wälzt«, hielt auch darauf, be- sonders in so wichtig scheinenden Augenblicken, wie es dieser uxir. Der Polizeichef Schanghais, Duoal, stand zu vollster Persügung. Drei Stunden schon dauerte diese Konferenz. Der Sekretär Keads in unmittelbarer Nähe kontrollierte fallweise die loutdicht ver- schlossenen Türen und warf auch hin und wieder einen mißtrauischen Blick auf die Dienerschaft. Also wußte niemand, was in den vier Wänden zwischen den beiden vorging, Als nach vielen Stunden der Polizeichef das Palais in der Peking-Road verließ, sah er ziemlich hergenommen und zermürbt aus. Sein Kopf war vornüber auf die Brust gefallen. Nachdenklich ging er die Straße, ohm pon der Um- gebung Notiz zu nehmen. So schlich er dahin. S- Die Feste in der Villa Kead»ahmen ihren gewohnten Ver- lauf. Die tägliche große Gesellschaft im Bungalow der Keads. Marin, hier eine Neuerscheinung, fiel auf und wurde beäugt. Er sah jünger, unverbrauchter, energievoller als die anderen aus. hinterließ«inen nachhaltigen Eindruck. Gewann rasch Vertrauen. Man suchte seine Nähe auf, hielt sich sprungbereit. Marin ließ sich nicht verschlucken. Schlängelt« sich, schlüpfte aus, staiw immer über der Situation. Lillian hatte mit sich zu tun, ihre Nervosität zu meistern. Gab sich einer übertrieben«» Lustigkeit hin, sprach mehr als sonst, unterhielt sich mit allen und lachte viel: manchmal ganz unvermittelt und ge- preßt. Sw und Marin wichen sich aus. Sprachen nicht mehr als nötig miteinander. Aber ihre Augen suchten sich immer wieder, beobachteten, lauerten, forschten. An diesem Abend lernte Marin viele Leute kennen: nicht zuletzt Mrs. Mabel Kead. die ihn mit größter Aufmerksamkeit verfolgte. Sprach sie mit ihm, erhitzte sie sich. Unter der dicken Schicht ihrer Schminke standen Schweißperlen. Kead trat dazwischen, streckte Marin ungeschlacht die Hand hin, sagte:.Ich heiße Jahn Kead. Es freut mich, Sie kennenzulernen. Wer sind Sie?' Auf diese Anrede allerdings war Marin nicht gefaßt. Die Umstehenden lachten. So lachte er mit und stellte sich auf gleiche Art Kead vor. Der fand großen Gefallen daran und lud ihn zu einem Gespräch ein, das sie abseits der großen Gesellschaft führten. Der Brite zog des öfteren die Brauen hoch. Seine niedere Stirn legte sich in tiefe nachdenkliche Falten. Interessiert musterte er den Franzosen, von dem er so viel wie nichts wußte. Darauf kam es ihm nicht an. Der Mann spricht klar, vernünftig und ist umfassend orientiert: dos ge- nügte Mr. Kead, der vorurteilslos war. Sa verlief die erste hälft» der Nacht ohne immhaften Zwischen- soll. Aufregender, dramatischer, aber auch komischer gestattete sich das unvermutete Zusammentreffen zwischen Mari» und Duval. Mr. Kead, der der Begegnung beiwohnte, bemerkt« wohl die sichtliche Verwirrung der beiden Herren und fragte sehr laut, ob sie sich schon kennen. Marin antwortete rasch und sicher:„Vorübergehend." Damit war Duval aus den Mund geschlagen. Und so war es gut. Noch besser aber war es, daß er mit einem feinen, vieldeutigen Lächeln die Antwort bestätigt«. Diese kurz« Begebenbeit verdichtet« da» Interesse Keads für Marin. * Duval und Marin konnten es nicht vermeiden, in gerauiner Zeit wieder zusammenzutreffen. Diesmal war es in der Bar des Schanghaier Klubs. Vom Nachtleben war hier venig zu merken. Ist doch Damen der Besuch dieser RäumlickkeUen untersagt. Dar- unter leidet keineswegs der Betrieb dieser Bar, von der man be- lumptet, daß sie die längst« der Welt sei. UO Fuß lang. 40 Bar. teeper. Amerikanische Begriffe bereits, hier wie in allen übrigen Sammelstollen der weihen Kolonie die gleichen Gespräche und Gesten um Handel und Politik, dazwischen um teuere kostspielige Liebe. Moschus, Rhabarber, Galläpfel, die allmächtige Tungtfchoubaumwoll«, dos Oel und das Opium, die englische, französische Auslandspolitik, europäische lendenschwache Friedenskonferenzen in Genf und Lacarno, mitunter auch ein wenig deutsche Politik. Aus allen Reden aber grinst immer wieder geisterhast das Gesicht des Gelben, da- oft einen beängstigenden Ausdruck annimmt. Man fühlt es. hier hält sich einer am anderen, hinter diesem Anlehnungsbedürsnls von 36 000 weiße» Menschen in Schanghai steht das Gegengewicht einer zwei Millionen starken gelben Bevölkerung, die man wähl entnervt, demoralisiert und vergewalligt, aber die man nie aufhört zu fürchten. In den Forts und Kasernen exerzieren, rauchen, spielen, saufen, huren 26 000 fremde Soldaten. Grau, gespenstig und träge liegen draußen am Meere hie Panzerkreuzer. Kanonenrohr« zielen nach der Stadt. Der weiß« Mann kann ruhig schlafen, der Gelbe nimmt dies alles mit einer philosophischen Würde auf. Schanghai, der Markt an der See. wie Sie Chinesen die Stadt nennen: dos stark« Fort der Zivilisation. Di« Bar des Schanghaier Klubs ist dicht an- gefüllt von ihren Vertretern. Duval und Marin war die Begegnung nicht unerwünscht. Nun saßen sie beisammen und bliesen sich gegenseitig Rauch Ins Gesicht, sahen sich wie durch eine neblige Schicht und führten undurchsichtige Reden mit vielen Nebensächlichteften, tasteten behutsam vor, schlüpften behend« durch schlau gestellte Schlingen uno lächelten viel und bedeutungsvoll. Sie hatten allen Grund dazu. Dj« mysteriöse Angelegenheit mit dem vermuüich bolschewistischen /Jck/rze&er Agitator, dos kurz nachher erfolgte Ausscheiden Marius aus den Diensten d«r Polizei, die nachgewiesenen Beziehungen zwischen ihm und Lillian, zuletzt das Zusammentreffen mit ihm in der Villa Kead, dos war Duval Grund genug, nachdenklich über diesen Mann zu werden und sich mit ihm eingehender denn je zu beschäftigen. Marin führte jetzt das Leben eines vornehmen Herrn der Gesellschaft, hatte Zutritt zu den ersten und einflußreichsten Kreisen der Stadt, erweckte sogar schon Interesse für seine Person. Verfügte er über namhafte Summen Geldes? Wohl wußte Duval, daß man in djeser Stadt aus uneingeschränkten Kredit leben konnte. Man braucht bloß«inen unscheinbaren Zettel zu unterschreiben und man hat bezahlt: in jeder Bar, jedem Restaurant und schlüpfrigen Nachtlokal. Jedoch zum Monatswechsel fliegen diese zahllosen, nichtssagenden Zettel zur Tür herein. Man wird damit überschwemmt, und eine unbarm- herzige Hand sitzt einem an der Kehle und würgt, würgt, würgt. Duval, ein gründlicher Kenner der Gebräuche dieser Stadt, er- wog diesen Umstand reiflich. Fragte und forschte weiter, so vorsichtig und versteckt, daß es selbst Marin nicht merkte. Dennoch blieben die Nachforschungen des Polizeichefs ergebnislos. Er würgte seinen Aerger hinunter, trank mehr als gewöhnlich und wurde sehr aus- geräumt. Als sie gemeinsam die Bar und de» Klub oerließen, sah sich Duoal in seiner bishevigen'Annahms getäuscht. Marin bezahlte bar, was in den Klubs zur Seltenheit gehörte. Duval gab noch nicht alles auf, erbat sich die weitere Gesellschaft Manns: es sei ihm ein Ver- gnügen, mit einem so klugen und interessanten Menschen, mit einem Landsmann die Nacht durchzubummeln. Sie schlenderten über den „Bund", den Strandboulevard, tauschten Erinnerungen an Paris aus. In einer der zahllosen Singspielhallen der Stadt gedachten sie die Nacht zu beschließen. Es fiel auf. daß sie ohne Damenbegleitung kamen, überdies jede weibliche Unterhaltung zurückwiesen. Das Denke» des Polizeichefs wurde unter dem Einfluß von AUohol und Nikotin ein gesthärstes. War er doch einer von denen, die im Zu- stand« d«r Nüchternheit schlaff und schwerfällig sind. Er wqr nun ganz nach seinem Opfer aus. Verstieg sich in die groteskestefl Ver- mutungen. So, Mari» selbst stünde in Verbindung mit den Bolsche- witen, werde von jenen bezahlt und konspiriere gegen die weiß« Kolonie. Jedoch kein verräterisches Wort, nichts, was seinen Der» dacht gerechtfertigt hätte. Ruhig, sorglos, unantastbar in seiner Gesinnung saß Marin ihm gegenüber. Der Polizeichef, der schon sehr offen und rückhaltlos gegen ihn vorgegangen war, mußt« sich wieder zurückziehen. Von Lillian aber zu sprechen, wagte er nicht, so sehr es ihn auch drängte, dieses Dunkel zu erhellen, hineinzu- leuchten und endlich das zu finden, mit dem er Macht über ihn, Marin, gewinnen könnte. Lillian, das war es, was ihn nicht ruhen ließ, diesen Gewandten, Scharfsichtigen, seinen früheren Untergebenen, zu erledigen. Er mußte ihn aus seinem Wege räumen. Um Lillian ging es. Was kümmerten ihn Bolschewismus und englische Kolonialpolitik! Da fuhr es dem Polizeichef von Schanghai durch den Kopf. Er dachte an das Palais in der Peking-Road, an Mr. Kead. Also mußte er sich doch um Bolschewismus und englische Kolonialpolitik kümmern? Marin saß ungebrochen, fest vor ihm. Das brachte Duval außer Fassung. Hatte er sich viel Erfolg von seiner Tüchtigkeit versprochen, so mußte er einsehen, daß er seinem Gegner nicht im entferntesten gewachsen war. Damals, in der Affäre mit dem Russen, hatte ihm diese Erkenntnis schon gedämmert. Jetzt vernichtete sie ihn Marin spiest eine Rost«, bestätigt« er sich. Welche Rolle, das konnte er nicht ergründen. Kein- unwichtige, das wußte er. Eines Tages wird es sich zeigen, wozu der Mann fähig ist. Er. Duval. ist früh alt geworden, ausgesaugt, gebrochen. Hat zu käwpscn, soll er sich behaupten. Und das muß er. Wollte er Marin zuvor unschädlich machen, so dachte er jetzt daran, ihn zu gewinnen, für sich vollständig zu gewinnen, sich durch ihn zu behaupten und zu festigen in Macht. Einfluß und Stellung. lFortsetzung folgt.) Buc!\ JCamelebuku Lisbeth Eisners„Hamilebuku, ein luftiges Büchlein aus Kinderland"(Fränkische Veriag-anstalt A.-G., Nürnberg. Preis 2,26 Mark) ist jetzt in neuer Auflage erschienen. Es ist wahrhast «in Buch aus Kinderland, d. h. es wird den Eltern nicht weniger Freude machen als den Kindern. Darüber hinaus gewinnt es Be- deutung, weil es mit der Persönlichkeit Kurt Eisners eng ver- knüpft ist. Friedrich Stampfer sagt in einem Vorwort über das Buch:„Hamölebuku" ist mehr als eines der vielen, vielen Bücher aus Kinderiand— nicht mir, weil es so manches ungewöhnlich Reizvolle enthält, sondern auch, weil hinter ihm der Schatten eines Mannes steht, der tragisch in die Weitgeschichte eingegangen ist. Vor 26'Jahren stand in Lichterfelde ein Haus zwischen Eichen und Silberpappeln, ein Haus voll Kinderlachen und Frühlingsglück. Da saß oft ein Mann am Klavier und sang feinen Jungen und Mäd- che» Kinderlieder vor, Das war der leitende Politiker und glän- zende Leitartikler des„Vorwärts" Kurt Cisner. Stürm« der Leiden- fchaft und der Politik trieben ihn in die Fremd«— denn hier In Berlin und in der Redaktion war feine Heimat gewesen. Drunten in München fiel er sünfzchn Jahre fpäter, ein Märtyrer der Idee. Seine Freunde und Verehrer werden nicht ohne Bewegung dieses Büchlein zur Hand nehmen: es führt uns in«ine harmlose kleine Welt, in der Kürt Eisner einmal glücklich gewesen ist... Heu erfchienen Prof. Dr. Anna Slemsen: Religion» Kirche und So- z! 0 l i S m u s. 64 Seiten. Jungsozialistische Schriftenreihe, E. Laubsch« Verlagsbuchhandlung K. m. b. H., Berlin W. 30. Preis kartonniert 1,10 Mark. Dr. h. c. Rudolf Wlsiell: Der soziale Gedanke im alten Handwerk. Berlag Reimar Hobbing, 120 Seiten, ge- heftet 4 Mark. Rätsel-Ecke des„Abend". Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Faschingsvergnügen: 9. Sportweg in Kreisform: 11. amerikanischer Vorname? 13. Gewässer: 14. Fluß im Baltikum: 16. Erzählung: 17. Tierprodukt: 19. Metoll: 20. Hilss- zsftivott: 22. nützliches Tier: 24. Gewichtsarit: 25. Ausruf: 26. Land- schaftsbild: 27 a. wie 14. waogerecht: 28. Weichtier: 30. Leute, ohne die kein Fasching denkbar ist.— Senkrecht: 2. Persönliches Fürwort: 3. berühmt« Tragödm: 4. englische Zahl: 6- deutscher Kunstslieger: 6. in Verbindung mit Rr. 7 Getränk: 8. K�rnevalszeit: 10. liebster Auf enthalt beim Karneval: 12. französischer Artikel; 14. dichterischer Ausdruck für Adler; 16. Angehöriger eines germa» nifchen Bolksstammes: 18. Vontrag: 21. abgekürzter Mädchenname: 23. Parasit: 24. Schi js steil; 27. Schweizer Kanton; 28, abgekürzter Mädchenname: 29. Anruf.* Srgänzungsrätsel. Anstatt der Striche ist je ein Wort t. Roggen— Tau 2. Fest— Wald 3. Lust— Fehler 4. Vier— Siein 5 Wasser— Stand 6, Hanf— Tänzer 7. Küchen— Arzt 8 Bau— Wurm 0. Not— Mut 10 Punkt•— Laus zu feßen, dos sowohl mit dem voran» gehenden als auch mit dem nachiolgenden ein neues Wort bildet. Die Anfangs- buchftaben der Ergänzungswörter, von oben nach unten gelesen, nennen ein moderne» Werbemittel der Konfettion. ad. Silbenrätsel. Aus den Süden a a bar b»n bert hie da dcch d« de de del den di dt big dm do do don e s« e«f«l «n en en er er cs fe fe fek fla ga ge ge gci gel aer gis gra ha hard her hil hu i in ing(a kg I« k« la lar le ti li Ion rnc mo na na|io»as nau nau US n« nel nell net nie nit o o on pard pe pe ra ra rat ran ran re re ri ri ri rup fa fa la fa fa fau s«i seur sil sin to ta ta te te te t« ten ti to to tron turn u u ul um un us va ve vid war wer win zi« sind 61 Wörter Zu bilden, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, ein Sprichwort ergeben, Die zu erratenden Wörter haben folgende Bedeutung: f. Schweizer Hochtal; 2. Farbstoff:?. Ehem. Stoff: 4. Wollstoff: 5. Apselart: E. Getränk: 7 Weibl. Borname: 8. Wettjprach«: 9. Geldschrank: 10. Mannt. Bornam«; 11. Wert» papiere: 12. Halbmesser' 13. Haustier; 14. Raubvogel: 15. Männl. Vorname; 16. Teemaschine; 17. Gebirge: 18, Blume; 19. Bibl. Person: 20. Vulkanausbruch: 21. Gestein: 22. Straßensperrung! 23. Raubtier: 24, Baum: 25. Starrkrampf: 26. Gewürz: 27. Heilanstalt: 28. Waudoerkletdung: 29. Insekt: 30. Märchenperson; 31. Wüst«: 32. Bierglas: 33. W«lbl. Vorname: 34. Bühnenleiter: 35. Pftanzez 36. Berühmt. Badestrand: 37. Planet: 38. Stadl in Italien-, 39. Stacheltler: 40. Wasservogel: 41. Europ. Hauptstadt; 42. Erdvertjesung: 43. Bibl. Person: 44.' Verkaufsraum: 45. Pflanze: 46. Vogel; 47. Funkstation: 48. Fluß: 49. Männl. Vorname: 60. Kröt«: 61. Amtstracht. U.S. Magisches Quadrat. Die Puchstaben in nebenstehender Figur sind so zu ordnen, daß in den waagerechten und senk- rechten Reihen gleichlautend Worte von folgender Bedeutungentstehen: 1. ländlicher Berus; 2 Geistes- Produkt: 3 Ansprache: 4,Destillotionsprodukt.»ep D+ E R + M A+ N Z A L+ E N 4* L I K N+ B N E+ E F R R T E L E S T Füllrätsel. In nebenstehender Figur ist jeweils der fehlende Buchstabe zu ergänzen. Die ge- fundenen Buchstaben nennen eine europäische Hauptstadt. hl. Bersteckrätsel. 1. Ich fand in diesem Buche Lenaus Gedichte. 2. Ersteig« den Rigi. da host du herrliche Aussicht 3. Hat Leo niemals einen Fehler gemacht? 4. St. Moritz ist das Eldorado der Wintersportler. 6. Ich kaufte einen Riegel Seif«. 6. Im Aerger darf man nicht esien. 7. Ich mag Nesselstoff nicht leiden. 8. Am Ebro sahen wir Orangen blühen. 9. Ich Habs an meinem Kleide lila Blumen.— In fedem der 9 Sätze ist ein weiblicher Borname versteckt, deren Anfangs- buchftaben, von oben nach unten gelesen, wieder einen weiblichen Vornamen nennen. ab. (Auslösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auslösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. es; 3. SO: 6. Tante; 7. Pa: 9. le: 11. Ob: 12. der: 13. ue: 16. la: 17. mit 18. Rain: 18. in: 19. nun; 20. Al; 22. 0a: 24. Leu; 26. Tod: 27. Tor: 28. Oma.— Senkrecht: 1. et: 2. Sandbank: 3. Sterling: 4. oe; 6. nie; 7. Po; 8. ab: 9. Lu: 10. ee; 14. Ar: 16. an: 19s. u: 20. Alt: 21. Leo: 22. Dom-, 23. Ada: 26. ur; 26. to. Scharade: Pfauenauge. Rösselsprung: Die Konsumvereine stellen eine polt- kominenere Organisation des Verteilungsgeschäfts dar und müssen ebensosehr als wirtschaftlicher wie als sozialer Fortschritt gewürdigt werden. Prof. Dr. Heinrich Herfcner. Silbens uchrätsel: Handwerker, Esmeralda, Willkür, Erlangen, Plejaden, Legende, Mußteil, Etzel. Trinkwasser. Dezimalwage, Bogenlampe.—„Wer da will erjagen, muß etwas wagen." Jugendwandem— Jugendherbergen Zum Beginn der Wanderzeit muht du wissen: Die jetzt wieder beginnende Wanderzeit wird sich vor allen Dingen zum Besten der Jugend auswirken, denn die junge Gene- ration ist es in erster Linie die durch engere Bindung zu Natur und Naturerleben auch wieder mehr Natürlichkeit ins menschliche Lebens- dasein und damit in die menschliche Gesellschaft tragen möchte. Jugendwandern ist heute undenkbar ohne Jugendherber- gen. chier konzentriert sich das moderne Jugcndleben: hier wird der eigentlich« Zusammenhang in der Jugendgruppe und damit das Ziel ihrer Tätigkeit—«in wahres Gemeinschaftsleben— vor allen Dingen gepflegt. Jugendherbergen sind alles andere als lediglich Tummelplätze des ungestillten Lebenshungers unserer Jugend; sie sind ig erster Linie auch die Zlusgangspunkte eines neuen Kultur- bewußtseins. Vorbedingung ist dabei natürlich, daß sie nicht für nationalistische Exzesse ausgenutzt werden, weshalb auch die strenge Kontrolle der Vertreter aus Arbeitervcrbönden unbedingt er- forderlich ist. Auch im letzten Geschäftsjahr Hot nach den jetzt vorliegenden Berichten das Zugendherbergswprk einen begrüßenswerten Aus. stieg erfahren. Die Zahl der in Deutschland vorhandenen Jugend- Herbergen hat sich zwar gegenüber dem Borjahr um nur 3 auf ?l80 erhöht, dafür sind aber eine ganze Reihe veralteter, hygienischen Anforderungen nicht gerecht werdender Herbergen aufgegeben worden. Di« Zahl der E i g e n h e i m e beträgt 484. Der eigentliche Zuwachs an Herbergen beträgt im Jahre 1929 7S. Die Hebet- nachtungszlffer wurde von 3,3 im Zahle 1S2S auf 3,öSg Millionen gesteigert. Ein gutes Beispiel wertvoller Arbeit bieten u. a. die Großjugendherbergen in München, Köln, Kassel und Braunschweig, sowie die Jugendherberge Rübezahl am Spindlerpaß im Riesen- geMge. In Frankfurt a. M. und Dresden ist der Bau eines Hauses der Jugend in Angriff genommen. Außer Regiemngs- bezirken, Kreisen, Städten, Gemeinden, Schulen und öffentlichen Ber- stcherungsträgern find 239 Reichsverbände der Jugend am Jugend- herbergswerk beteiligt.— Im Gau Brandenburg zählt man heute 149 Zugendherbergen mit 3461 Lagerstätten— darunter 42 Eigenheime mit allein 2920 Lagerstätten. Die Uebernachtungsziffer stieg hier von 269 994 auf 285 788. Stark gefördert wurde auch die Fortführung sonstiger Arbeiten, wie der Schaffung von Wonderberatungsstellen, von Film- und Licht- bildmaterial, der Förderung von Jugendpflege- und Bolkstanzkursen uich der Erreichung von Preisermäßigung aus Zugendherbergsous- weisen bei Besichtigung vieler Sehenswürdigkellen. Daß auch der soziale Charakter dieser Arbeit mehr herausgearbeitet wird, ist eine wichtige Zukunftsausgab« der sozialistischen Mitarbeiter des Jugend- Herbergsverbandes. Als besonders erfreulich darf ferner noch fest- gestellt werden, daß neben den Verbänden in der Schweiz, der Tschechoslowakei und Oesterreich nunmehr auch in Holland ein Jugendherbcrgsverband gegründet worden ist, mit dem bereits ein Abkommen wegen der Gültigkeit deutscher Jugendherbergsauswejse getroffen wurde. Für die jetzt folgenden Ferienfahrten ist zur Erlangung der Fahrpreisermäßigung von besonderer Wichtigkeit, daß zu Ostern, Pfingsten und zu den ersten vier Tagen der Sommerferien bei Ein- reichung der Anträge beim Bahnhofsvorstand die Termine 15. April, 3. Juni und 1. Juli eingehalten werden. Neue Führerausweise sind gleichfalls erforderlich. Sie sind jetzt nicht mehr bei den Regie- rungspräsidenten zu beantragen, sondern werden von den Ber- « i n s l e i t e r n a u e g« st e l l t und von den zuständigen Jugend- ämtern beglaubigt. Vordrucke gibt die Eisenbahnverwoltung gegen Vorzeigung der Bescheinigung über die behördliche An- erkennung aus. Die Gültigkeit der Sonntagsrückfahrkarten sür Ostersahrten ist auf die Zeit vom Gründonnerstag, mittags 12 Uhr, bis Dienstag, vormittags 9 Uhr fAntritt der Rückfahrt), ausgedehnt. Die Iugendführer der Arbeitersportverbände werden sich auch!n allen diesen Dingen ständig über Rechte und Pflichten bei Durch. fghrung von Jugendwanderungen unterrichten müssen. khicht in die Oeffentlichkeit Man drangsaliert den Sport mit Steuern Seit mehreren Zahreu bemühen sich die Ruder-, Paddler- und Seglervereine und ihre Zuleressenvertrelungen. der Wassersporlbeiral und die Arbeilsgemeinschast der Wassersport- verbände Deutschlands, um die Befreiung von den aus ihnen lastenden Steuern. Zn erster tinie ist dabei die Grundvermögens, und hauszinssteuer z« nennen. Die Grundvermögens st euer ist eine Landessteuer sGe- setz yom\i. Februar 1923). Ihre Höhe richtet sich nach der Größe der bebauten und unbebauten Grundfläche, und zwar beträgt sie sür 1999 PI. Wert bebauter Fläche 29 Pf. und bei unbebauter Fläche 25 Pf. Zu diesen Sätzen kann die Gemeinde Zuschläge«r- heben. Befreiungen von dieser Steuer gibt es nicht, doch hat aus Vorstellungen der großen Verbände der preußische Finanzminister verfügt sv. April 1924), daß unter bestimmten Voraussetzungen diese Steuer gestundet werden kann. Diese Voraussetzungen, die sich auf die G e m e i n n ü tz i g k e i t der Vereine beziehen, und die durch die Statuten des Verein« festgelegt sein müssen, treffen wohl restlos auf die Vereine de? �entralkommission für Arbeitersport und Körper- pf'ege* zu. Di« Hauszins st euer, die den zwölffachen Betrag der Grundvermögenssteuer ausmacht, kann im Gegensatz zu der letzteren frist- und zinslos gestundet werden, d. h., die Verein« können von ihr befreit werden, wenn sie den Nachweis der Gemein- nützigkeit sichren können sZ 2 der Hauszinssteuerordnung vom 2. Juli 1926). Der Begriff der Gemeinnützigkeit spielt eine ausschlag. gebende Rolle. Wenn auch behördlicherseits die Gemeinnützigkeit der Wassersportverein« seit längerem anerkannt ist, so wird doch von den einzelnen Steuerbehörden alles getan, um diese Anerkennung unwirksam werden zu lassen. Wie das geschieht, soll ein charakteristisches Beispiel zeigen: Eine kürzlich erfolgt« Entscheidung des preußischen Oberoerwol- tungsgerichts hat im Falle eines Ruder Vereins ausdrücklich die Gemeinnützigkeit dieses Klubs im Hinblick auf die Hauszinssteuer ausgesprochen. Es ist als selbstverständlich anzunchmen. daß dabei ganz allgemein an Sportvereine gedacht ist, da auch im Ent- scheidungstext von /Sportvereinen" oie Rede ist. Jetzt kommt aber die bürokratische Auslegung und damit die Sportfeindlichkeit der Steuerbehörden zum Ausdruck dadurch, daß sie sich an das Wort Rudervereine klammert. Sie behauptet nämlich, daß die Entscheidung nur sür Ruderveine Gültigkeit habe, nicht aber sür Segler- wnd Paddelvereine. Eine Eingabe des Wassersportbeirats an das brandenburgische Oberpräsidlum brachte leider den Bescheid, daß auch diese Stell« die Partei der Steuerbehörde nimmt und durch eine enge Auslegung der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts diese nicht zur allgemeinen günstigen Auswirkung aller Wasser- sportzweige kommen läßt. Noch unverständlicher ist jetzt das Verhallen der Steuschel)örden selbst. Bei denjenigen Ruderoeremen nämlich, die jetzt von der Hauezinssteuer auf Grund der erwähnten Entscheidung befreit wurden, verlangen die Sleuerämler nunmehr einen um so höheren Betrag an Grundvermögenssteuer, um sich schadlos zu hallen. Dazu ist folgendes zu bemerken: Nach langjährigen Verhandlungen hat die Stadt Berlin als Richtlinie aufgestellt, daß für die Grund- Vermögens- und Hauszinssteuer zusammen je Mitglied und Monat ein Höchstbetrag von 59 Pf. erhoben werden soll. Es ist seinerzeit sofort zum Auedruck gebracht, daß auch dieser Betrag in Anbetracht der ungünstigen finanziellen Lage der weitaus meisten Wasser- fporwereine eine unerträgliche Belastung darstellt und die Unter- Händler haben stch durchaus nicht damit einverstanden erklärt. Ein solches Vorgehen der Steuerämter ist durchaus zu ver- urteilen und kann nlchl anders als sporlseindlich bezeichnet werden- Da wird in den Parlamenten von Unterstützung des Sport» geredet und«s werden auch Gelder bewilligt(wovon der Wassersport aller, dings wenig abbekommt!). Aber was nützt dos alles? Rlil der einen Hand gibt man. und mit der anderen nimmt man viel mehr als man gegeben! Das ist kein« Unterstützung des Sports, das ist nur nutzloser Leerlauf, der den Wassersportler,' viel Geld kostet. Man sollte die gemeinnützigen Wassersportvereine lieber von den unnötigen Steuern befreien, dann brauchten vielleicht keine Unter- stützungen gezahlt werden und die Behörden könnten auch an ihrem Verwaltungsapparat sicherlich mehr einsparen, als ihnen die Steuern «inbringen. Willi Ney, Bertreter der freien Wassersportvereine im Wassersportbeirat. BMt politisdicr Klimbim— dann der Sport Heber die kommunistischen Wintersportveranstaltungen fällt ein norwegischer Teilnehmer ein vernichtendes Urteil. Der Sportler Bs. Hersjedal berichtet einem norwegischen Blatte, daß die Aorbereitung schlecht war und begründet diese Be- hauptung damit, daß weder der 39.KIlometer- noch der Skistafetten- lauf abgehalten wurde. Er fährt dann wörtlich fort:„... Warum diese weggelassen wurden, konnten wir nicht erfahren, Schnee war genug da. Wir bekamen auch nicht das Ergebnis der kombinierten Klasse zu wissen, an der wir Norweger alle teilnahmen. Und als ich fragte, warum das Ergebnis nicht ausgerechnet wurde, bekam ich zur Antwort, daß«s hauptsächlich darauf ankomme, die revolutionäre Sportjugend In den Bordergrund zu stellen(deswegen ließ man die Plazierung und ähnliches beim Skirennen weg). Wir mußten an drei Demonstrationen teilnehmen, wo alles auf das- selbe hinauslief, daß die Sozialdemokraten schikaniert wurden und wo die Rote Sportinternationale die allein selig- machende war. Ich für meinen Teil meine, daß es merkwürdig ist, sich nicht an da» ausgestellte Programm zu halten, wenn ein so großes Arrangement ins Werk gesetzt werden soll. Es kommt mir vor, als ob alles auf politische Propaganda basiert war; dos Sportliche kam in zweiter Reihe..." Diese Beobachtungen des Norwegers stimmen mit denen unserer deutschen Arbeitersportler überein. Auch die„sportlichen" Der- anstalfungen im Berliner Sportpalast waren technischm-hrals minderwertig, und auch sie dienten nur der„revolutionären Propaganda". Das technische Bersogen ist bekanntlich so arg gc wesen, daß die JG. sich bald darauf einen bürgerlichen Techniker suchen mußte. Es ist jedenfalls gut, daß ein norwegischer Kommu- "ist der Kotze die Schelle umhängt. Arbeitersußballspiel kiel— Berlin. All« Bezirk», und Verein»- sunttionäre finden sich zum Empsang der Kieler Mannschaft um 19 Uhr im Gewerkschastshaus ein, Di« Kreissußballeitung. W assersp örtliches Saisonbeginn— Freiwillige Polizei Bei prächtigstem Frühlingswetter kannten die Arbeiter- wasserfahrer derHavelihr Anrudern vom alten Havel- arm aus beginnen. Schon am frühen Morgen sammelten sich die ersten Kanus der Freien Schwimmer Eharlottenburg und der Spandauer Gruppe der Freien Kanuunion, zu denen dann die statt- liche Flott« de« Ruderverein» Eollegia und de» Ruderoereins Butab stieß, um in geschlossener Auffahrt um die Insel Lindwerder zu fahren und im lustig wehenden Floggen- und Wimpelwald den vielen Spaziergängern und anderen Wosserfahrern die große Be- dc Utting des bundcstreuen Wassersports auch an der Havel zu be- weisen. Der Regen mochte zwar am Nachmittag allen anderen Ber- anstaltungen ein Ende, doch blieben die Vereine noch lange in ihren Bootshäusern zusammen, um den Tag bei fröhlichem Schwatz und einem Tänzchen zu beschließen. Die O st e r f a h r t, die den Ruder. oerein Eollegia nach Brandenburg und am ersten Feiertag nach Werder führt, um dort den bundestreuen Vereinen einen Besuch ab- zustatten und alte Freundschaften zu erneuern, wird den Sportlern Gelegenheit geben, neue Freund« sür die Wasserfahrbewsgung im Arbeiter-Turn- und Sportbund zu gewinnen. Auf den Bootsplätzen der R e i ch s b a n n e r- W a s s e r- sportabteilung in Tegel und Köpenick und auch auf den Plötzen, der dem Deutschen Wassersportverband angeschlossenen Ber- «in«, war am letzten Sonntag fleißiger Betrieb. Ein Boot nach dem anderen glitt ins Wasser, ein paar Blumen als Schmuck am Steven, dann noch di«-flatternd« schworzroigoldeno Johne aufgefetzt und schon ging es auf die erste Fahrt. Die auf der Obersprex liegenden Bereine des�DWB. ruderten oder paddelten nach dem Restaurant Rübezahl, wo nach den langen untätigen Wintermonaten die erste Ausfahrt in gemütlicher Runde gefeiert wurde. Die am Tegeler Et» beheimateten Berbandsoerein« sammelten sich nach einer Rund- sqhrt auf dem Tegeler See im Bootshaus der Reichsbaimer-Wasser- sportabteilung und feierten dort ihre erste Ausfahrt. Beide Ver- anstaltungen wiesen eine außerordentlich starke Beteiligung auf. Der I Deutsche Wassersportoerband hat übrigens In diesem Jahre ein um- fcmgreiches Programm aufgestellt. * Die aus den Kreisen der Berufs- und Sportschiffahrt gebildete „Wasserwacht", die durch Erziehung Auswüchse im Wasser- verkehr bekämpfen und beseitigen will, hielt dieser Tag« wieder eine Vertrauens männersitzung ab, an der zum ersten Male Damen teilnehmen, und zwar Vertreterinnen der Damen- rudervereine. Die Wünsch« und Beschwerten der Gruppen ver- dichteten sich zur Ausstellung eines Programms für 1939, das nach Möglichkeit verwirklicht werden soll. Man legte folgen- des fest: 1. In den Schleusen soll, wenn möglich, der Mofor ob- gestellt werden. 2. Rohölmotorboote der Bsrufsfchis fahrt sollen ihr B i l g e w a s s e r nicht direkt in die Flüsse und Seen pumpen, sondern das im Bilgswasser entHaltens Schweröl rückgewinnen. 3. Mit Ausnahm« kreuzender Segler sollen sich Berufs- und Sport- schiffet mehr als bisher auf der rechten F a h r! e i t e halten. Besondere Klagen wurden über die Ruderer geführt, die vielfach das fpgenannte Schneiden der Ecken lieben. 4. Polizeilich gesperrte Renn st recken sollen nicht zu breit abgesperrt werden, damit die übrig« Schiffahrt nicht di« Sicherheit- gefährdend zuf an dmenge drängt wird. 5. Die Sportschiffahrt wird gebeten, besser als bisher auf die Signale der Berufsschifsahrt zu achten. Di« Erfüllung der Wünsche und die Beseitigung der Beschwer- den wird nur bei verständnisvoller Zusammenarbeit aller am Wasserverkehr Beteiligten möglich sein: der ständig zunehmend« Verkehr erfordert größte Rücksichtnahme auseinander. Tagung des Provinzialkartells Kürzlich fand in Berlin ein« Tagung der K r e i s k a r t« t t» Vorsitzenden im Arbeitersport statt, qn der etwa 49 Delegierte teilnahmen. Oohlschläger, der Vorsitzende des Provinzialkartells, teilte einleitend mit, daß die Bildung der Kartell« ersreulicherweise rüstig vorwärts schreite. In seinem Geschäftsbericht gab Oehlschlägec zunächst eine Uebersicht über die Organisationen, die der Zentral- kommission sür Arbeitersport und Körperpflege angeschlossen sind. Sie sind sämtlich Jugendpflege organisationen und haben bei Fahrten auf der Reichsbahn Anspruch aus Fahrpreisermäßigung. In erster Linie hat der Zusammenschluß aller Arbeiterorganisationen zu Orts-, Kreis- und Provinzkartellen den Zweck, ein« wirksame Vertretung gegenüber den Behörden zu haben. Interessant war die Mitteilung, daß viele Vereine, die zur„Opposition" hielten, sowohl in Berlin wie auch in der Provinz den Phrasenhelden der KPD. endgültig den Rücken gekehrt haben. In der Diskussion koimten fast alle Kreiskartellvorsitzenden über eine günstige Entwicklung berichten. Für einzeln« Bereine konnten von den Behörden recht namhafte Beträge al« Beihilfen erlangt werden. In seinem Schlußwort er- mahnte Ochlschläge?, weiter wie bisher für das Provinzialkartell zu arbeiten. Khck-Zdiluhlcampte im FKBD. Mit der Gruppe C hat der Gau Berlin des Freien Keglerbundes nunmehr feine diesjährigen Klubkämpf« ab- geschlpsfen. Auch der letzte Tag zeigte guten Kanipfgeist. Die besten Resultat« der Gruppe C lauten: Sporthalle Alexandrinenstr. 197: Türkei 3339, Harmonia 5312, Siehste Wat 5299, Solide 22 5265, Rot-Weiß 19 5265, Nasse Neune 24 5260 Holz. Beste Einzelleistung: Schmidt(Solide 22) 1194 Holz. Sporthalle Südende: Bundes, treue 5353. Fraternitas 5342, Schemel-Schieb du s« 5292, Scharfe Kante-Schöneberg 5279, Ewn. 5262, Dopplum 5261 Holz. Beste KinMeistung: Lange(Bundestreue) 1994 Holz. Die Kämpfe gingen bei Zwongsaufsatz über 139 Kugeln(3-Mann-Wertung). Im Kampf um den üimalaya Auf Einladung der Bolkshochschulkurse der Deutschen Hochschule für Leibesübungen hielt Notar Paul Bauer, Leiter der 1. Deutschen HImalayaexpedition vor kurzem in den Kammersälen einen Lichlbilveroortrag. Ungemein interessant und reichhaltig gestaltete sich der Reisebericht des Bartragenden: an Hand eines stattlichen Bilderinateriaie eröffnete sich den zahlreich erschienenen Anwesenden«in buntes Bild landschaftlicher Schönheiten von eigenartigem Reiz: riesenhaste Schneefelder, Bergriesen bis zur Höhe von 7499 Metern, dann wieder«in« niegeschaute Flora seltenste? Pflanzen. Biel Mühe und Strapazen hatte die Expedition zu ertragen, die. neun Mann stark, am 24. Juni o. I. von München startete und am 24. November v. I. wieder am Ausgangsort ein- traf: ober all das Schöne und Interessante, das sie gesehen und er- lebt, entschädigte sie reichlich für olles. Der Bortrag, der ein Stück einer völlig unbekannten Welt erschloß, wurde mit großem Interesse und viel Beifall aufgenommen. An den Vortrag schlössen sich spart- gymnastische und tänzerische Vorführungen von Hochschul- Mitgliedern an._ Arbeiterradfahrerverein Groß-Berlin. Karsreitag, 13 Uhr, Görlitzer Bahnhof, Fußtour noch Eichmalde be! Witte. Ostern: Zweitagestour nach Uetzbors. Start 89 April, 6 Uhr: 13 Uhr nach Hirschgarten, Wettrestaurant. 21. April, 13 Uhr, nach Mahlsdorf- Süd bei Dräger. Ski-Wellkämpfe auf dem Zugfpitzplatt. Am Ostersonntag per- anstalten die beiden Wintersporsoereine von Reutte und Ehrwald auf dem Zugfpitzplatt(2800 Meter) einen kombinierten Skiwett- kämpf. Bei dieser Gelegenheit wird zum erstenmal der Wettkampf um den von der Oesterreichischen Zugspitzbahn als Wanderpreis ge- sttsteten Zugspitz-Pokal zur Austragung kommen. Für die aktiven Teilnehmer an den Wettkämpfen hat die Oesterreichische Zugfpitz- bahn den normalen Fahrpreis für die Berg- und Talfahrt auf 3 M.(normal 12,69 M.) herabgesetzt. Slrbttl«k-Zur»-«nb Eeortfcunti. 1. Rtci», 1. Beürl. W Illir. bei Eicwirl. Lilhteiib-rq- Schillo-str. lS, Sitzung der ed-raimmjMrtt, irompseichter. W-mcrbaN. und-iNtüuuiufdraiimmtcobhirt«- A..Z.. ti. Sji.-ffl., Wasscrballlplklr?. Stute, tDiiltn-oit), 3)ör[t nadent, ber Coboiin, SrUhrrftr. 18. All: Vtrelne mltsscn»trftmn kein. flcfllct-Cetcin„SIiiMtW Äuntl". Scix-n Mittwoch. 20 Xlflt, fl tue labt Ii J>, ffleimater Str. 84. Eckt(Soctlicftraßc. Käste stud willkommen. Aalitres bei Mor Wend. Ä-rlin N. 65. Niautichoustr. 15, .«alibaeitäf, Ortsoruppt fei» VitcliB, Motorradlodror. Touri-n füt gr«i- taa. IS. SIpril.«bt. ftt-ruben,! Nllätrsdorf lZur Eintu), Start J5 Übt War- schauce Ecke Rtvalrr Sttasi«.«bt. vbrrschöncwttd«! Oramtwbutfl. Start 18 U(if ffijNifTntiiifnbofftr. 84. übt. Skutbß»: fil«I am Start 1» Ulic Sab«»- solltruplob. Abi. Ltchtenbtr»: f-omSura. 3 Uhr Obtt. Eckt ginowstrant. Abt. gti-brick�baii'! Buckow tScbmtijitd'aus), S lllit Sanb&bttact Plati. Abt. Shae- lotttnbmai stiel um Start 13 Übe JiJümcrsborfct Str. 21.— Sollten filt SO, nnb 21. Arrtl.«bt.«reial-i-efl! Stettin. 5 übt■foUtitnIafc.«ufcctbtm an.«rrllt stkoster Sborin. 8 Itbc; 21.«priT: tzreicTvroalbc, 8 lltir; bclbc Baltan- plati. Abt. Obrrtchäaeaxid-i 20. April Eierlrichen noch flanliborf-Silb(San»- tducO, 8 übt! 21. April! Litbbcuaii. 7 Ubr: beide Wilbelminenl>offtr. 84. Abt. Reukiilln: in. April: Lar.itour. 14 Ubr und 20. April, 4 Uhr, Hobrn.iollernplad. AnKetbem 20. April: Haoeldera, 7 Ubr: 21. April: Ziel am Start. 7 Ubr: beide Hpbt'Uwlltrnplab. Abt. Rorven: 20. April. 8'� Ubr. Sparrstr. S, nach Sreuenbriete»-wiirlib— SUstau. lgMMtck: Sreurnfitteben, Martlplab.) 21. April: Deksau-Mesenbura—Beliia—Potabam— Berlin. Eharlattenbura: 20. April: Rund lim Briofelana(Alter gtnlenkru«). 18 Ubr: 21. April: Dessau, > Ubr: beide fflilmysiiirfti Str. 21. t,,_ Beiirl Ebarlottenbura. Alle Milclieber und{treunie unteres Se- »irts treffen stch itarfreitaa 7\-i Ubr Babichsf ffbotloöcninna(Saiiptemgmntt. Sobrt bis ffionnfet. Jtcoe Avkobllsvale. Bon heut« ab fährt der Autobus 1 vom Buhnhof T h i« l p la tz nicht im Zuae des Autobus A 7 über Schmargendorf— Halensee nach dem U-Bahnhof Neu-Westend, son- dern von der Thielalle« über Königin-Luisc-Straße— Grune- waldstraße— FichtestraHe— Äahnstraße— Maßmannstraß«— Laubacher Strafe(Zurück Sudwesttorso— Geisenheimer Straße) Auguswstraße— Brandenburgvsche Straße— Fehrbelliner Platz— Konstanzer Straße— Leibnizstraße— Tauerstraße— Helen«-Holg- Straße— Dovestraße— Gotzkowskystraße bis Tnrmftraße durchgehend. Die Wagen halten im Omnibushafen Wallstraße. In Teltow halten die Wagen nicht mehr in der Mahlower Straße, fondern am Haltepfosten in der Berliner Straße am Ruhlsdorfer Platz. Kassenschluß der städtischen werke am Ostersonnabend. Am Ostersonnabend, dem 19. April, bleiben die Kassen, Büros und Ge- schäftsstellen der Berliner Städtische Gaswerk« A.-G., der Ber- liner Städtische Elektrizitätswerke A.-G. und der Berliner Städtische Wasserwerke A.-G. für den Verkehr mit dem Pu- blikum geschlossen. Die Markthallen vor Ostern. Die städtischen Markt- hallen sind am Gründonnerstag und Ostersonnabend für den Kleinhandel ununterbrochen bis 19 Uhr geöffnet. Mittwoch, 16. April. Berlin. 16.05 1. Haydn: Streichquartett, op. 3, Nr, 5.— 2. Alt-ungarische Kuruczen- Liedcr(kür Streichquartett bearbeitet von Bloch).— 3. Syncopation für Violine, Cello und Klavier.— 5. Dohnanyi; Quintett, op. 1.(Mitgl. des Edith-Lorand-Orchestcrs.) 17.00 Max Westpbal: Gedanken zur Schulentlassunr. 17.30 Jugendstunde. 18.00 Wilhelm Flügel: Vom Sinn und Ztrcck der Bcamtenarbeft. 13.30 Das Gesicht der Zeitschrift„Hochland44.(Sprecher: Prof. Karl Muth, Dr. F. Fuchs.) 19.00 Unterhaltungsmusik. 20.00 Wovon man spricht. 20.30 Drahtloser Empfang ferner Stationen.(Am Mikrophon: Dr.-Ing. W. Reisser.) «.15„'Anatyieit**. fTCrsptetsrewoc tob Prt*4r!ek WteiM. Max Blifjf 22.30 Dr. F. Anders: Kartenspiele. Anschließend: Abenduntcrhaltung. .4� Königs wusterk: 16.00 Französisch. 16.30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Louis van de Sande: Gregorianische Qesäng«, 17.55 Bernard: Die Bausparkassenbcwcgung. 18.20 Wilhelm Sauer: Kirchenglocken.■ 18.40 Spanisch für Anfänger. 19.05 Maximilian Müller-Jabusch: Weltpolitische Stunde. 19.30 Dr. Haneld: Berechtigungswesen und Schulbildung. 20.30 Von Leipzig: Schwedischer Abend. 21.15 Im Volkston._ Wetter für Berlin: Noch vorherrschend trübe und zeitweise regnerisch, wenig Teinperaturänderung.— Für Deukschland: Im ganzen Reiche unfreundliches Wetter mit verbreiteten Niederschlägen. V-ranN»«rtl.'llr die Redaktion:«ollgaog sqwar,. Sellin: An, eigen: rh.»lock«, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. d. S>.. Berlin. Druck: Vorwärts Buib» truckerei und Berlagsanftalt Paul Singer& Co.. Berlin£-33 63, Lindenftrab« S. £i Co. gegründet 1899 Büro- u. PCartotCiek-MabelFaBrlk Kompletter Innen-Ausbaii Johannisthal, Waldstraße 14-15 Telephon: Oberspree 733-733• Hermann HussacH TapetengroBltandiung. NeuHOiin, Berliner Str. 27 Neue Muster 1 930 von 25 Pfennig an 1197 Stempel- Fr., Hecht Inh,; Alfred Schneller Berlin S 14, Annonstr. IO Fernrul F 7 Jannowltz36ia liefert Stempel jeder Art �GeDrOder HuttT Sahne-Gr ohhandiont Gegründet 1861[143 Berlin SO, oranlenstr.ios Lieferant erster Konditoreien Eigene Dampfmolkereien Fernspr.: Moritzplatz 9889 u. 16792_ �B»W»MWWgWWWsgWWgWSWWgi»gWGWsgWWWd� ■Fenster- und Gebäude-Reinigungs- Gesellschaft m. b. H. Berlin S016,Michaelkirchplat24 Fernsprecher: Jannowitz 4514 Billigste und zuverlässigste Ausführung aller Reinigungsarbeiten/ Bohner- und Oelmaschinen x Staubsauger/ Vertreterbesuch Jederzeit unverbindlich Eenossen! 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