BERLIN Sometttag 12. April 1930 10 Pf. 7iT.182 B 91 47. Jahrgang erscheint tSßllch aoterSonntegs. Zugleich Abeodautgabe dt«.Vorwirt«'. Bczugsrrei« beide Au«gabea 85 Pf. pro Woche. s,«oM. pro Monat. Kedatlion und Expedition; Berlin SWSS.LindenKr.Z »Ibwarfa" i ateißenprei«: Die einspaltige Nonpareilletekk» 90 Pf.. Reklameteil« 6 M. Ermißigungen nach Tarif. »stscheckkonto: Dorwirt«�Verlag G. m.b.H« Berlin Nr.TtüZK. xernsprecher: Dinhoff Sv2 bi« Sv» Wirih weicht vor Krick. Sperre der Aeichsgelder ausgehoben.- Immer weiter nach rechts! große Führer: fo hat ihn uns die Press« de« Zentrums plakatiert. noch ehe er im Amte war! Sie spendet auch jetzt eisrig Weihrauch. So lesen wir in der „We st deutschen Arbeiter-Zeitung": ..Die Bedeutung Brünings als Reichskanzler für Deutschland— höchst schwierige politische Aufgaben— weit nicht nur das deutsche Bolk, sondern auch der deutsche Reichstag sich nach einem Manne sehnen—. Mit Brüning ist zweifel» los den, deutschen Volk ein Staatsmann entstanden. wie wirihn lange nichtmehrbesahen. Diese Freude, daß dem deutschen Volk ein Staatsmann erwachsen ist, in ic wir ihn dringend brauchen, und wie er den besten Staatsmännern des Auslands ebenbürtig fein dürste— wirkliche Führerpersönlichkeit— geistig und sittlich überlegene Menscher»— Bismarck— Bismarck— Bismarck." Wie war das doch mit der Biersteuer und der Konsumsteerer. wie ist das jetzt mit dem Panzerschiff v? Wieviel ist von dem Regierungsprogramm des neuen Bismarck noch übrig? Der R ich in .hugenbergs des Retters läßt das Zentruin nicht schlafen, es irnisz seinen eigenen Retter haben. Danim die Brüning-Legerrde. „Siaotsschiff" und„Seekadeii". , Das„Siaatsschiff" wird abgeschüttelt. Reichskanzler Brüning und Minister Treviranus laflen öffentlich erklären, daß sie mit der Zeitschrift„Das Staatsschiss" und dem von uns zitierten Artikel keinerlei Beziehungen haben. Treviranus habe früher einmal unter seinem Namen einen Artikel in dies.-r Zeitschrift veröffentlicht, steh« aber jetzt in keinen Beziehungen zu ihr. Zu der ErklSrung, die die thüringisch« Regierung dem Reichsminister des Innern Dr. W i r t h hat zugehen lassen, erfährt das WTB.. daß angesichts dieser Sachlage der Reichsminister des Innern die bisherige Ein» ftcllnng der Zuschüsse sür Polizeizwecke und sonstiger Ueberweisungen an Thüringen aufgehoben hat. Staatssekretär Zweigert wird nach Ostern die Be- sprechrngen mit dem thüringischen Staatsministerium aufnehmen. Schwächliche Begründung. Die einzige Begründung, die Herr Wirth für sein Nachgeben gogcnüber Thüringen vorbringe»» läßt, besteht in der folgenden offiziös«, Mitteilung: „Bei der Besprechung a«n 10. d. Mts. hat der Reichsinnen- minister Dr. Wirth an den Borsttzenden des Thüringischen Staats- Ministeriums. Staatsminister Baum, wiederholt die Frage gerichtet. ob tn der Thüringischen Lan d« s p o l> z ei irgend- m eiche Veränderungen vorgenommen worden feien, insbesondere, ob Nationalsozialisten in die Thüringische llm»despoliz«i eingetreten seien. Stagtsminister Baum hat daraus miederholt die Erklärung abgegeben,, für sich wie für das Thürin- f ische Siaatsminisieri um, daß in der Thüringischen Landespolizci kein« Veränderungen vorgeirommen worden feien, mit olleiniger Ausnahme von solchen Airstellungen, die bereits vor dem Ltint-antritt des Ministers Frick in Aussicht genommen waren. rntsbesoitdere sei es absolut unrichtig, daß irgendein National- sozial ist in der Thüringischen Landespolizei Aufnahme gefundcn Hinte. Für diese Erklärung hat die Thüringische Staatsregierung, mie der Dorsitzende des Thüringischen Staatsmmistcriums wieber- holt erklärt hat, jede Verantwortung übernommen. Bevor«« zu der Befprechimg vom 10. d. Mts. kam, hat die Thüringische Regierung die Reichsregierung wissen lasten, daß sie hinter der bekannten Erklärung des Ministers {T r i cf, Herr Severing könne lang«»varten. bis' er ein« Antwort auf sein Schreiben erhalten werde, nicht gestanden habe und auch jetzt nicht hinler ihr stehe." � 1 In der Regierung Brürntiß scheint man das Nefühl zu hoben. daß es schlimmer gar nicht mehr kommen könne. Man ist so in der licfMir*; im Umfallen«rf Kornnwicho von rechts her, daß man stch vor nichts mehr geniert. Herr Wirth ist gegenüber Herrn Frick rnngesallen. Hot sich seit dem Einschreiten Severings gegen Frick-Thüringen etwas geändert? Nein! Hat Herr Frick sich geändert? Oder die Nationalsozialistische Partei? Nichts dergleichen! Herr F x i ck ist nach wie vor Herr Frick, urtd die Nationalsozialisten bekennen sich „ach wie vor zum Hochverrat. Sie haben ooeder in ihren Taten »och in ihren Worten einen Rückzug angetreten. Aber die Reichsregierung hat sich inzwischen geändert, sie ist so weit nach rechts abgerutscht, wie mau es vor 11 Tagen noch kaum für möglich gehalten hätte. Mit der Reichsregierung hat sich Herr Josef Wirth gewandelt. Er wird wieder auszahlen, damit Herr Frick Bewegungsfreiheit für seine Taten erhält. Die Gelder aus dem Kultusfonds des Reiches werden künfiig dazu verivendet werden, um Hakenkreuzorgamfationen noch dem Muster von„Adler nnd Falken" zu unterstützen. Der Republikaner Wirth hat die Aktion des Republikaners Severing gegen das Treiben der nationalsozialistischen Putschisten in Thüringen zerstört. Herr Wirth wollte offenbar den letzten Zweifel in den Reihen der eigenen Anhänger über den wahren Charakter des Kabinetts Brüning zerstören! Jnbesten erhebt sich eine andere Frage. Es ist offenes Geheim- vis, daß auch in Thüringen die Parteifreuiche des Herrn Frick Zersetzungsarbeit in der Reichswehr betrieben haben. und daß deshalb der Reichswehrminister großen Wert aus die Durchführung der Aktion des Reiches gegen Frick-Thüringen gelegt hat. Hot auch das Reichslvcchrmimstenum seine Anschauungen gegenüber dem Treiben der Nationalsozialisten geändert? Das Kabinett Brüning ist o u f der Rutschbahn. Wo es »och landen wird, ist bei der Begeistern»�, die e« sür das Abrutschen zrigl, gar nicht abzuseheul � Kabinett und Panzerschiff. Gegen zwei Stimmen beschlossen. Der Beschluß des Reichskabinetts, sich mit dem Panzerkreuzer-Beschluß des Reichsrats abzufinden, ist gegen die Stimmen des demokratische» Ernähruugs» Ministers Dietrich und des Arbeitsministers Steg er- Wald gefaßt worden. Der Zentrnmskanzler Dr. Brüning hat gegen de« Beschluß des Reichsrats nicht im ge» ring st en opponiert. I« Zentrumskreisen hat die Haltung der Reichs- regiernng ,» dem Beschluß des Reichsrats große Be- stürzung hervorgerufen. Man macht keinen Hehl daraus, daß sich die Parteiorganisationen im Lande entschieden gegen die Regierung wenden würden. * Das Reichskabinett hat füns Stunden lang beraten, gh« es zu seinem Beschluß kam. Es scheint, daß einige der Minister nichk darüber aufgeklärt waren, daß die Entscheidung zwischen dem Reichswehrneinister und dem Reichskanzler schon längst gesollen war. Die Rückwirkung des Kabinettsbeschlusies auf die Presse der Regierungsparteien ist sehr stark. In der demokratischen Presse ist man resigniert— was soll man auch tun.»venn die eigen« Reichs- tagsfraktion alles mitmacht! In der„Germania", die gestern abend noch stolz verkündete, daß dos Panzerschiff B angesichts der Notlage nicht angefangen würde, wird lediglich der Beschluß des Reichskabinetts wiedergegeben, ohne Meinungsäußerung. Sie schweigt— und das ist nach dieser Desavouierung noch das beste, was sie tun kann! Brüning in Kurasfierfiiefeln. Erst war es Hindenburg, dann Hugenberg, jetzt ist es Brüning! Der starke Mann, der Retter Deutschlands, der Er bleibt erhallen Zeichnung von O. R dfler f Seltsamer Fund. Als ahnungslos und guter Ding' Herr Brüning jüngst spazieren ging. Da schnelle— ganz von ungefähr— Ein kleines panzerjchlsj daher. ..Ei." sprach Herr Brüning,„ei wie fein. Ivo mag das hergekommen sein? Zch dacht' nur so und melnke bloß. Da sälll» mir wirklich in den Schoß!" Behutsam nahm da» Pauzerüer Er aus uab wickelis in Papier. Trug feinen Fuud ins hau» zurück.— Brüning, bist du ein Hans im Glück! �onacken. Kalte Erledigung. Hugenberg und die Gebellen. Die„Deutsche Allgemeine Zrituug" weiß zu der bevarstehmden Sitzung des deutfchnotionalen Parteioorstandes zu melden, dckß Hilgenberg entgegen der allgemeinen Erwartung kein« neuen Aus- fchlüsie aus der Partei vornehmen werde. Das Blatt schreibt: „Es soll lediglich eine Nertrauerrskundgebung sür Dr. Hilgen- berg stattsilchen, die n» i t« i n e r A r t R ü g e an dos uiidiszi-plinicrte Verhatten der Reichstagsfraktion verbunden werden soll. Der Verzicht aus Ausschlüsse geht daraus zurück, daß die packe!. führung sich zugunsten eioer Generalbereinigung der Wahllisten entschlossen hak. Sie will versuchen,«in« neu« Spaltung der Fraktion zu umgehen. und bevorzugt hierbei den Weg der„kalten" Erledigung: die dissentierenden Zlbgeordnelen sollen, soweit sie nicht zur Land- bundgrupp« gehören, bei den nächsten Wahlen m ihren Kreisen nicht wieder ausgestellt werden. Inzwischen haben sich 23 Abgeordnet« der deutschnationalen Fraktion, nämlich der Kern der Gruppe, die für den Reich»- «rnährungsminister Schiele eintritt, zu gemeinsamen taktischen Bor- gehen zusammengeschlossen. Sie haben den früheren Fraktionssührer Grasen Westarp als Dertrouensmann beauftragt, gegen die tenden» z!ös« Darstellung der letzten politischen Vorgänge in den packei- offiziösen Organen zu protestieren. Das ist inzwischen, wie auch aus einem Aufsatz des Grafen Westarp tn der.�kreuzzeitung" hervor- Acht, gefetchen."....... Neukölln- Gesundbrunnen. Morgen Eröffnung der neuen V-Dahn-Strecke. Die neu« llnlergruv�bahn. die Berlins gröhte Arbeiter. bezirke. Neukölln und Gesundbrunnen, auf kürzestem Wege miteinander verbindet, ist seht trotz aller finanziellen Schwierigkeiten fertiggestellt und wird am Karfreitag dem Verkehr übergeben. Mit der Eröffnung der Nord st recke, der sogenannten GN-Bahn, wird das in Beirieb befindliche Schnellbahnnetz der städtischen Berliner Berkehr-gesellschaft eine Länge von rund 70 Kilometer erreichen und 82 Bahnhöfe aufweisen. Die GN-Bahn zwischen Nordring und Südring zählt jetzt«in- schließlich der Endbahnhöfe 18 Stationen. Die Durchschnitts- «ntfernung der einzelnen Bahnhöfe beträgt 738 Meter, die gesamte Baulänge 11 060 Meter. Das Signalsystem der GN-Bahn ist so ausgebildet, daß stündlich 40 Züge in jeder Richtung verkehren können. Es ist zu erwarten, daß durch die neue Strecke der Oberfläche nverkehr erheblich entlastet wird. Rund eine Halbs Willion Arbeiter und Angestellte, die im Gebiet der RG-Vahn wohnen, haben jetzt die Möglichkeit, ihre Arbeitsstätten ia kürzester Zeil zu erreichen. Berlin Hot mit der Fettigstellung dieser llntergrundbahnstrecke eine neue kommunalpolitische Großtat vollbracht, die ohne die zähe Aufbauarbeit der S o z i a t d e m o k ra ti e niemals möglich gewesen wäre. Di« neu« Untergrundbahn oerbindet den Nordringbahn- hos Gesundbrunnen mit dem Südrinigbahnhof Hermann st raße. Der neu in Angriff ge-nommene Teil weist ab Neonderstraße folgende Bahnhöfe auf: Jannawitzbrücke, Alexan- derplatz, Weinmeisierstraße, Rosenthaler Platz, Bernauer Straß«, Boltaftraße und Gesundbrunnen. Es besteht der Plan, später die Bahn vom Südring um 3,4 Kilometer bis nach Britz zu ver- längern, um hier Anschluß an die Mittenwal d«r Bahn zu erhalten. Für eine Aerlängerimg von 1,3 Kilometer über den Norditng hinaus ist die landespolizeilich« Genehnügung bereits erteilt. Ferner ist«in« Verlängerung von 3,2 Kilometer durch die Schweden- uich Residenzstrohe bis zum Anschluß an die Reinlckendors-Liebenwalder Bahn geplant. Der Betrieb wird zunächst mit Zweiwagenzügen und in den Hanptverkohrsstunden mit Dreiwagengügen aufgenommen werden. Di« neuen Dreiwagenzüge haben eine Fassungskrast von 138 Sitz- Plätzen und 390 Stehplätzen. Zusammen finden also 525 Personen Platz. Der Betrieb soll wie bei dem übrigen Schnell- bahrmetz etwa um 8.10 Uhr beginneil und biß 1.30 Uhr dauern. Di« Züz« folgen sich in jeder Fahrtrichtung alle 8 Minuten. In den Haliptverkvhr-zeiten beträgt die Zugfolge 2iz Minute. Bei der Besichtigungsfahrt begrüßte Stadtbaurat Dr. Adler die Erschienenen im Namen des Magistrats. Er erinnerte daran, daß man früher an Stell« dieser Bahn, an den Bau einer Schwebebahn gedacht, ein Projekt, das oder, wie die späteren Ersahrungen es auch bestätigten, als ungeeignet fallen gelassen wurden. Neues Llnwetier über Krankreich. Stürme, Gewitter, Schnee und Negen. Varls. 17. April. vi« Nachrichten über Schneesälle aas den Mittelgebirgen im Südosten Frankreichs und über Stürme, Gewitter und Regen im Süden und Westen Frankreichs werden immer zahlreicher. In D r o m e erreichte die Schneedecke von 600 Meter auswärts ttae Höhe von 60 Zentimeter. In S t. Germain l'Herm wurden 80 Zentimeter Schnee gemessen. Der Postverkehr mußt« mit zahlreichen Ortschaften eingestellt werden. In der Gegend von Cham- bery schneit es seit drei Tagen und drei Nächten ununterbrochen. Durch Schneestürme sind viel« Ortschaften von der Außenwelt ab- geschnitten. Die TemperaKir ist stark gefallen. Der S ch i f s s v e r k e h r im Mittelmeer wie aus dem Attonti- schon Ozean ist stark behindert. Bon schweren Unfällen ist vorläufig nichts bekannt. Ein Dreimaster, der mit gebrochenem Hauptmast auf der Höhe von Loricnt dem felsigen Ufer zutrieb. tonnte rechtzeitig von einem Schlepper ins Schlepptau genommen und so vor dem sicheren Untergang bewahrt werden. Spanien im Schnee. In der Provinz Leon in Südwestspanien sind plötzlich starke Schneefälle eingetreten. Di« Temperatur ist mehrere Grad unter Null gefallen. Seit vielen Jahren ist in dieser Gegend am dies« Jahreszeit keine solche Kälte mehr verspätt worden. Das überflüssige Ministerium. Abbau des Meinministeriums sättig. Das Reichsministerium für die besetzten Gebiete soll eulsprechend einem Wunsche des Reichsrats nach der end- stilligen Räumung des Rheinlandes bis zum 1. Oktober aus. gelöst werden. Innerhalb der Relchsregierung steht man diesem Wunsche äußerst unsympathisch gegenüber, da seine Verwirklichung neue politische konslikle mit sich bringe» dürste. Die Auslösung des Ministeriums würde den Abgang seines Ministers Treviranus zur Folge hoben. Deshalb tauchen immer wieder Pläne auf, ein besonderes Grenz- landmini st erium zu schaffen. Hierbei sind zwei Kreise zu unterscheiden, die diese Forderung erheben. Einmal sind es alte Freunde aus dem Osten, insbesondere aus Oftpreußen, die jetzt politisch Morgenluft wittern und die allgemein« Notlage des Ostens gern zum Vorwand nehmen, um möglichst schnell ihr« besonderen Wünsche zu befriedigen. Sie fordern aus diesem Grunde eine Stelle, die ihnen möglichst unmittel- bar, da» heißt ohne die unsympathische preußische Regierung. den Segen des Füllhorns der neue/i Reichsregierung zuleitet. Sie haben es längst als Verrat an der guten, alten Tradition empfunden, daß die Liebesgaben der Negierung nicht allein der Landwirt- fchaft, wie sie sie auffassen, d. h. dem Großgrundbesitz zugute kamen, und daß insbesondere die preußische Berwaltung es notwendig fand, auch für andere Bcvölkerungskreifs zu sorgen. Darum also von dort her der Ruf nach einem Ministerium für die bedroht« Grenz- mark. Es gibt aber auch noch andere Kreise, die in einen ähnlichen Ruf einstimmen, und das sind jene Kreise, die nach der Rhein- landräumung Anlaß haben, den Abbau des Reichsministe- riumsfürdiebesctztenGebletezu fürchten. Darum wird von ihnen der Gedanke propagiert, das Reichsministerium für die besetzten Gebiete in ein Grenzlandministerium umzuwandeln. Demgegenüber ist mit Nachdruck zu betonen, daß nicht nur die Schaffung eines Grenzlandministeriums eine völlig unfruchtbare Schöpfung wäre, sondern daß überhaupt die fernere Aufrechterhal- tung des Ministeriums für die besetzten Gebiete sachlich nicht mehr oerantwortet werden kann. Di« Fortführung des Rheinministeriums auch nach der Räumung oder seine Umwandlung in ein Grenzlandministerium wäre nichts anderes als die Einführung eines neuen Berwaltungstyps, nämlich des Typs sogenannter regioneller Ministerien. Schon Stein hak aber in der alten preußischen Verwaltung den Gedanken regionaler Minlsterien mit Nachdruck in der vollen Erkenntnis Ihrer Unzweckmäßigkeit abgelehnt. Die Schwierigkelten, die Stein damals vorausgesehen hat, sind durch die inzwischen«ingetretene DIfferen- zierung der Berwaltung und der Verwaltungsaufgaben nur noch größer geworden. Das erste Gesetz einer geordneten Staatsverwaltung muß sein, die Einheitlichkeit der Verwaltung zu sichern. Diese Einheitlichkeit der Verwaltung ist auch für Jahr- hundert« hindurch Preußens Stärke und Preußens Größe gewesen. Di« Herausnahm« bestimmter regionaler Gebiete aus der einheit- lichen preußischen Verwaltung und ihre Zusammenfassung in«in besonderes Ministerium würde diese Einheitlichkeit zerstören. Slö ist auch verwaltungslechnisch völlig undenkbar. Die großen Aufgaben der Berwoltungspolitik, allgemein« Verwai» tung u. a. m., können nur einheitlich in den dafür bestehenden Ressorts geführt werden, und es ist die Aufgabe dieser Ressorts, im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Notstandsgebieten ein« besondere Berücksichtigung zuteil werden zu lassen. Nun ist ja allerdings bei der Forderung nach einem besonderen Grenzlandministerium im wesentlichen an ein Reichsministerium gedacht. Aber die Einrichtung eines solche» Reichsministeriums, dem die allgemein« Verantwortung für den Zustand der Notstandsgebiete obliegt, würde nur noch größere Schwierigkeiten schaffen. Der Dualismus Reich-Preußen, der sich heute ja bereits zur Genüge schädlich bemerkbar macht, würde durch die Einrichtung eines be- sonderen Grenzlandministeriums zu unabsehbaren Schwierigkeiten führen. Ein solches Grenzlandministerium wäre ein Kops ohne Körper. Ihm würde der Unterbau der Verwaltung fehlen, ihm würde die Erfahrung der Fachminlsterien fehlen, und es ist vor allen Dingen nicht abzusehen, mv ein reibungsloses Zusammenarbeiten mit den verschiedenen zuständigen Verwaltungen herbeigeführt werden sollte Vorauszusehen ist nur ein Wirrwarr von Zuständigkeitsfragen, dessen Folgen zwar endlose Berichte, Streitigkeiten und sonstige unfrucht- bare Akte, niemals aber Wette schaffende Arbeit wären. Die Tatsache, daß nun bisher ein besonders regionales Ministe- rium, nämlich das Ministerium für die besetzten Gebiete, bestand, spricht nicht gegen diese Ausfassung. Das Ministerium für die besetzten Gebiete hatte im wesentlichen nicht den Charakter eines Fachressorts, sondern eben eines Kommissariats mit bestimmt umschriebenen Aufgaben, die durch besondere Umstände entstanden waren und außerhalb der normalen Ausgaben allgemeiner Staats- Verwaltung lagen. Dem Ministenum für die besetzten Gebiete lag so die Bearbeitung des Rheinland-Abkommens, der Besatzungskosten, der Entschädigung aus Anlaß der Besatzung, der Ordonnanzen der Rheinlandkommissionen usw. ob, d. h. also, es handelte sich hier um einen Aufgabenkreis, der seinem wesentlichsten InHalle nach nicht die normale innere Verwaltung berührt«. So läßt sich auch aus der Totsache des Bestehens eines Rheinlandministeriums kein Schluß auf die Möglichkeit oder Notwendigkeit eines Grenzlandministeriums ziehen. Wohl aber läßt sich der gegenteilige Sckstuß daraus folgern, daß nach der Rheinlandräumung auch die Zeit für die Aufrecht- erhaltung eines besonderen Rheinministerrums vorbei ist. Das Rheinministerium umfaßt heute in der Ministeria linstanz 51 etatmäßige Beamte, 12 Hilsskräfte und 45 Angestellte. In dem ihm unterstellten Reichskommissariat befinden sich 10 etatmäßige Beamten- stellen und 14 Angestelltenstellen. In der angeschlossenen Vermögens- Verwaltung kann man die statlliche Zahl von 750 etatmäßigen Beamtenstellen, 17 Hilfsarbeiterstellen und 1436 Angestellten feststellen. Aus diesen Gegebenheiten nun eine wirklich staatspolitische For- derung zu ziehen, hieße die Abschaffung des Reichsminlstettunrs für die besetzten Gebiete so schnell als möglich ins Auge zu fassen. Das Ministerium hat, verantwortlich gesehen, sein« Daseinsberech- tigung verloren. Seine Aufgaben, soweit si« fottgesetzt werden müssen, haben di» ordnungsmäßigen Berwaltungen zu übernehmen. Dies» Uebettragung herbeizuführen, hieße Millionen ersparen und darüber hinaus«in wirkungsvolles Stück Verwaltungsreform leisten. Nie Sarhl des c.KommnniUeii griedrich. Eine kommunistische Lüge. Die„Rote Fahne' und die 40 Sozialdemokraten von Ditzingen. Nürnberg, 1?. April.(Eigenbericht.) Die Behauptung der„Roten Fahne', daß in Kitzmgen am Main 40 Sozialdemokraten zur KPD. übergetreten seien, ist eine der übelsten Agitationslügen der Kommunisten. In der Ortsgruppe Kitzingen der Sozialdemokratischen Partei bestanden Difserenzen, die mit der Tätigkeit der Partei- gonöjsischcn Minister in der Regierung Hermann Müller nicht das geringste zu tun hatten. Ein junger Mann, namens S t r e n z e l, hat während der Monate Dezember und Januar«in« Rache von Leuten zur Pattel gebracht, die keinerlei Beziehungen zur Partei hatten. Mit diesen Leuten hat er durclzgesetzt, daß er in der General- Versammlung zum Bor st and der Ortsgruppe gewählt wurde. Gegen diese Wahl hat der Bezirksvorstand Einspruch erhoben und ein« neue Generalversammlung anberaumt. Stienze! wurde in der neuen Versammlung nicht mehr ge- wählt. Er hat daraufhin stincn Austritt aus der Partei crtlärt und dem Vorstand der Partei eine Listevon36Leuten unterbreitet, di» ebenfalls ihren Austritt erklären sollten. Die Unterschrift»» hat Strenzel selbst unter die Liste gesetzt- Nur 16 von ,36 waren mit dem Vorgehen Strenzels einverstanden. die übrigen 20 hotten mit der Aktion Strenzels nicht da» geringste zu tun. Sie gehören auch heut« noch der Sozialdemokratischen Partei als Mitglieder an. Die Kommunistische Partei in Bayern befindet sich in vollster Auflösung. Ihr Manzell sedwede Anziehungskraft. Di« erlogene• Meldung der„Roten Fahne' von dem angeblichen Uebertritt von' 10. bisher der Sozialdemokratischen Partei angehörenden Arbeitern j von Ditzingen.zur Kommunistischen Partei, soll von dieser Tolsache! ablenken. Die Motorjacht de» kürzlich verhasteten Leiters des Antiknegs- museums Ernst Friedrich. Di« Polizei hatte diese Jacht mit Beschlag belogt, mußte sie aber wieder freigeben, weil Frau Friedrich nachweisen konnte, daß sie ihr und nicht ihres Mannes Eigentum ist. Nichts ist lehrreicher, als daß der Mann vom Antiekriegs- museum und wütende Pazifist Friedrich fein« Jacht ausgerechnet— Seeräuber nennt! Endlich Achtstundenraiifizierung! Ein englischer Gesehentwurf. London, 17. April.(Eigenbericht.) Die englische Regierung unterbreitete dem Unterhaus am Mittwoch einen G es e tz e nt wu rs, der praktisch die Ratifi- zierung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag bezweckt. Der Wortlaut des Gesetzes wird der Oeffentlichkeit erst in einigen Tagen übergeben werden, so daß zunächst eine Beurteilung seines Inhalts noch nicht möglich ist. In einem offiziösen Kommentar zu der Uebermittlung des Gesetzes an das Unterhaus wird gesagt, daß die Regierung versucht habe, i m Rahmen des Wortlautes der Konvention, der Praxig der verschiedenen britischen Industrien Rechnung zu tragen. Bombenattentats aufgeklärt. Wichtige Feststellungen.- Die Täter gestehen. Hamburg, 16. April,(Eigenbericht.) Di« mit größtem Nachdruck fortgeführten Erhebungen und Er- mittlungen über die Täter der Spreng st offanschläge in Bad Oldesloe und Reu Münster haben inzwischen zu be- merkenswerten Feststellungen geführt. Der Chemiker Dr. August H c l i i» a n n hat unter dem Druck des vorliegenden Boweismaterials ein G e ft ä n d n i s dahingehend abgelegt, daß er die Anfertigung der Sprengstoffe vorgenommen und die Ausführung geleitet sowie den Sprengstoffanschlag in Bad Oldesloe mit dem gleichfalls geständigen Sattler Paul Koch aus- gefühtt hat. Nachdem die Lage der Gebäude usw. genau erkundet worden war, ist in der Nacht vom 14. zum 15. März 1930 die Sprengstosfladung durch Hellmann in das Gebäude eingestellt worden. Auch in diesem Falle wurde der Transport der Spreng- körper mittels Kraftwagen vorgenommen. Auf Grund des Beweis- Materials, das in den nicht zur Explosion gekommenen Spreng- loduHge«»orgefunden werden konnte, waren Cinzelermlttlungen an- gestellt worden. Sie ergaben, daß die Handkoffer mit den Sprengladungen zunächst bei den Gepäckaufbewahrungsscellen Hamburg-Dammtor, später Altona-Hauptbahnhof und Homburg- Hauptbahnhof hinterlegt worden waren. Ferner konnten die Ge- schäfte, in denen das Etnzelmaterial gekauft wurde, festgestellt werden. Der Zugriff selbst erfolgt«, nachdem seststand, daß Koch die bei der Herstellung der Sprengladungen verwandten Druckknöpse bestimmter Att in einem Hamburger Geschäft gekauft hatte, was er zunächst bestritt, und nachdem in einer Werkstatt die gleichen Bretter, wie sie in den Sprengkossern zum Befestigen verwandt waren, vor- gesunden worden waren. Einwandfrei steht fest, daß die Anschläge in Bad Oldesloe und Neumünster von einem Täterkreis ausgeführt wurden uchi die Sprengladungen auch zur gleichen Zeit, nämlich am 15. März, 3 Uhr, zur Explosion gelangen sollten. Inzwischen sind weitere Ber- Haftungen vorgenommen worden, über die jedoch im Interesse der noch nicht abgeschlosienen Untersuchung vottäufig noch nicht bettchtet werden kann. Einheitsfront! Wer zählt die Splitter, kennt vis Namen! In der KPD. geht es fett Monaten drunter und drüber. Neuerdings ist neben der Ainksoppottunistischen' Merker-Gruppe eine Gruppe der.linken Aersöhnler' aufgetaucht. Das sind Parteikommunisten, die ein offenes Auftreten für di« bisherige Merker-Linie als gefährlich für ihr Mandat oder ihre Parteistellung ansehen. Aus diesem Grunde gibt die opposi- tionelle„ArbejterpoliW folgendes.bisher noch nicht erreicht« Farbenspiel der f r a k t i o n e l l« n S k a l a' in der heutigen KPD.: „Wer also in Zukunft in der Patteidistussion noch mitreden will, beachte die Skala: link« Oppottunisten— linke Versöhnler, Repressionisten, Dulder— rechte Versöhnler— rechte Opportunist«» linke Sozialsaschisten, rechte«ozialfaschisten— kieine Zörgiebels, große Zörgiebels usw. Jedermann kann sich nach eigenem Bedarf aus der Presse der KPD. weitere Grup- pierungen zusammenstellen.' Die Lift« ist unvollständig. E, fehlen die„linken" und die „rechten Abweichler'.(Siehe Stalin-Bnef an„Roie Fafme" vom 16. April)_ Beschränkte Einwanderung nach Kanada. Die Einwanderungs- erlaub nis nach Kanada wird in diesem Jahre wegen der Lage des Arbeitsmarktes und wegen der geringeren Ernte des letzten Jahres eine Verminderung um etwa 50 Pro;, erfahren. Voraussichtlich werden nur 90 000 Einwanderer, davon die meisten aus England, zugelassen werden. Nicht mehr als 8000 mitteleuropäische Landarveiter werden einreisen dürfen gegen 11 000 im Jahce 1929 und «4000 im Jahre 1928. � Nemwerbvngen der AalionaWene. Von Paul F. Schmidt. Eingeweihte kennen die Schwierigkeiten, die der Direktor der Nationalgaleri« bei seinem Bemühen um den Ausbau ihrer Samm- lungen in die Gegenwart hineinfindet. Es ist selbstverständlich sehr viel besser geworden als zu Zeiten des seligen Wilhelm, aber es gibt immer noch Künstler- und Interessentenkreise, die sich bemühen, den Ankauf mißliebiger Modernitcuen, insbesondere aus dem Ausland, zu verhüten. Auch reicht bei den steigenden Preisen für anerkannte Meister der Etat der Nationalgalerie nicht aus, die vorhandenen Lücken zu stopfen: selbst wenn sich Justi nur auf lebende deutsche Künstler und Ergänzung der auherdeutschen Bestände seit dem Im- pressionismus beschränkt, wie es der Fall ist. Aus solchen Erwä- gungen hat er die Gründung des Vereins„Freunde der Na- tionolgalerie" im vorigen Jahr« veranlaßt, der unter dem Vorsitz des Freiherrn Dr. v. d. Heydt beträchtliche Mittel zum An- kauf von Kunstwerken zusammenbringt. So können Arbeiten vor allem außerdeutscher Künstler erworben werden und überhaupt solche, die zur Ergänzung der Nationatgalerie notwendig werden, aber nicht die Billigung der Ankausskommission finden(die, wie alle derartig« Kommissionen, die besten Absichten hat, aber ihrer Diel- köpsigkeit wegen ein positives Hemmnis rascher und überlegener Ankaufspolitik darstellt). Dazu kommt der unvergleichlich« Vorteil, daß die erworbenen Arbeiten Besitz des Vereins sind und der Na- tionolgalerie vorderhand nur als Leihgaben einverleibt, vielleicht umgetauscht werden können und in jeder Beziehung verfügbar blei- den. Es ist die günstigste und geschmeidigste Methode eines neu- zeitlichen Ausbaus unserer modernen Museen. Das Refu/ltat des ersten Tätigkeitsjahres dieses Vereins hat Justi nunmehr im Erdgeschoß des sog. Kronprinz«iipalais ausgestellt, in den Räumen, die für die stattliche Corinth-Sammlung neu und sachlich hergerichtet sind(z. B. wurde die störende Holzausstattung des ersten Saales völlig verkleidet und mit hellen Stoffen bespannt). lind' im Anschluß wurd« gleich auch die Gelegenheit ergriffen, di« gesamten übrigen Erwerbungen seit 1328 zu zeigen. Links vom Eingang sieht man den Besitz des Vereins„Freunde der National- galerie* und die Ankäufe aus eigenen Mitteln d«s Museums, rechts in zwei Sälen die Zuweisungen aus den Käufen des Kultusmintste- r ums, die mit Zustimmung Justis in Museumsbesttz übergegangen sind. Man erkennt den großen Zuwachs an maßgeblichen und wert- vollen Gemälden und Skulpturen. Es kann sich niemand beklagen, daß die Leitung der Nationalgalerie einseitig vorgehe: im Geist« der Auswahl wirklich maßgebender und, von Deutschland gesehen,«uro- patsch orientierter Hunft ist hi«r umsichtig ausgebaut worden. Man spürt die weite Spannung des Rahmens, wenn auegesuchte Früh- werke von SUoogt(Selbstbildnis 1888) und Maria Slaoona (Häuser 1898), von trefflichen Arbeiten Orliks, Büttners, L e v y s, Charlotte B e r e n d s, Ahleis-Hestermanns gegenüberstehen ihren Antipoden Schlemmer, Baumeister, O. Moll, Drexel, Kandinfty, Paul Klee. Aus der ver- mittelnden Generation der deutschen„Ausdruckskünstler" sind Paula Moderfohn. Franz Marc. Macke, Kokoschka, Hafer (mit vier vorzüglichen und verschieden gearteten Bildern) Pech- stein. Rohlfs, Campendon k, Kirchner. Beckmann (dessen grandioses Selbstbildnis leider auf Reisen geschickt ist) ganz wesentlich vertreten. Bon C o r i n t h sieht man d«n herrlichen „Brandes" und den großen„Lcce domo" aus seinem letzten Jahr, von N o l d e das ergreifende Bild„Christus und di« Sünderin". Zur jüngsten Entwicklung leiten die scharf betonten Malereien der Schlichter, D! x(Bildnis Th. Däublers), F r l t s ch, K a n o l d und Schrimpf über, näher an der phantasievoll barocken Erneue- rung des Malerischen stehen drei prachtvolle Stücke von Klein- s ch m i d t, Zankel Adler und die Eafäterrosse von Fuhr. Die Skulptur ist mit E. S ch a r f f(drei repräsentative Arbeiten, darunter der Marmor der„Kauernden"), Haller, Marcks, Bednorz (Ebert-Büste), Rickelt, Kolbe. Belling(Messing-Kopf) und einer gewaltigen Monumentalfigur von G. H. Wolfs nachdrücklich vertreten. Die Fülle führender Namen und ihrer Mitkämpfer ist ebenso erstaunlich wie die fast durchgängig hohe Qualität ihrer Lei- stungen. Daß unwichtigere Arbeiten sich dazwischen finden und daß noch manche Gelegenheiten nachzuholen bleiben, ergibt sich aus den verschieden gestatteten Methoden des Erwerbs von selbst. Für sich zu betrachten sind die Erfolge des Vereins„Freunde der Nationalgalerie". Auch hier sind zwar einige deutsche Künstler bedacht, ein schöner Feininger, zwei Badenseebildchen des stillen„Holzfällers" Dietrich, eine Katzenplastik von M a- ta rä erworben: der Hauptnachdruck aber liegt auf den Ausländern, die zur Ergänzung der Galerie unentbehrlich sind. Münch und van Gogh erscheinen mit Zeichnungen großen Stils, der Ungar M o h o l y- N a g y, der Franzose D u f y, die Spanier Picasso und Juan G r i s mit Werken, die aus Regionen europäischer Kunst stammen, die wesensverschieden sind von unseren Deutschen. Ins- besondere ist aus das kostbare Stilleben von Picasso hinzuweisen, das von mißwollender Seit« bereits heftig befehdet wurde und vor allem durch die Meisterlichkeit seiner Farbe und Flächenspannung hohen Rang einnimmt. Endlich ein paar Geschenke, die namhaft zu machen stich, um die Lust an solchen Gaben weiterhin zu fördern: Gusttt stiftete einen schönen Otto Müller, von Raumer ein Äinderbild von D i x, durch Geheimrat W a e tz o l> kam«in Spiro in unseren Besitz und durch Struck ein treuliches Stilleben von Kleinschmidt. Singschulen«ad Volksmusikschulen Von der Tagung in Bochum und Essen. Was ist«Ine„Singschule", was leistet die„Volksmusikschule"? Die Zingschulbewegung ist von Bayern ausgegangen, die erste Sing- schul« wurde vor 25 Jahren In Augsburg gegründet— von Albert ©reiner, der über Entstehung, Entwicklung, inneren und äußeren Ausbau eingehend reseriert«.„Bedürsnis" und„Möglichkeit", so betont« er, seien die Grundpseller seines Werkes: das Arbeits- Programm: Stimmbildung, Gehörbildung, musikalische Förderung, Liedpfleg« in gemeinschaftlichem Singen. Mit hundert Schülern hat er begonnen, heute sind es zweitausend, die in einer Zentral« und zehn Filialen mit 47 Klassen von 21 Lehrern unterrichtet werden. Erste Singschule, Musterschule— aber Greiner warnte davor, das „'Augsburger Muster" äußerlich zu kopieren. Di« Bewegung wächst organisch, einstweilen besteht kein« Gefahr der Schematisierung. In Preußen wurden die Aufgaben der volkstümlichen Musik- erziehung erst nach dem Kriege in Angriff genommen. Entscheidend war die Berufung Fritz Jödes durch das Kultusministerium, dessen Vertreter: Genosse Keftenberg, wies aber mit Recht darauf hin. daß ihre Förderung vor allem Sache der Stadtverwaltungen fein sollte. (Wir erinnern uns, von der 8. Reichsmusikschulwoche her, der erfolg- reichen Arbeit, die von der städtischen Singschule in Hannover ge- leistet wird.) Von den Arbeiten und Arbeitsmethoden der ersten Berliner Volksmusikschule— Volksmusikschule der Musikantengilde Berlins, Lehrstätte Charlottenburg— gab Dr. Hermann Neichenbach ein anschauliches Bild. Auch hier bildet der Gemeinschaftsgesang, in Singkreisen organisiert, die Grundlage: zum Pensum der Sing- schul« kommt Einzelunterricht im Jnstrumentenspiel— Geige. Laute, Cello, Holzbläser— hinzu. Reichcnbachs Ausführungen wirkten;n ihrer unbekümmerten Frische wahrhast sensationell: nicht durch ihren sachlichen Jnhall, aber durch den Geist, von dem sie zeugten. Hier ist in d-r Tat das grundsätzlich Reue verwirklicht: das Musizier. erlebnis steht lm Mittelpunkt, behauptet sich als Selbstzweck, und automatisch gewissermaßen tritt der Esfvkt des Lernens ein. Auf d!« Persönlichkett des Lehrers kommt es an: sein« fachliche Ueberlegen» hsit ist erstens Erfordernis wie je, aber der Erfolg hängt von seiner Fähigkeit und seinem Willen ab, Lehre und Leben zu verschmelzen. D!« Führer des Volks„müssen selbst Volk in sich haben". Diese Formulierung I. Hatzfelds, de, Poderborner Rektors, deutet viel- leicht das Wesentlich« an. Die Schüler, von denen Reichenbach erzählte, kennen nicht dl«„Schrecken des Hebens". Heben müsse schon Musikerlebnis sein, forderte er, und alles Musizieren Hebung: in einer von Fritz Jöde g«haltenen„Offenen Singstunde" wurde es praktisch demonstriert— die anwesenden Vertreter der akademischen Musik schüttetten die Köpfe. Erfreulich aber, daß die besten Köpfe der musikakademischen Welt, wie H. W. v. Waltershausen, Direktor der Münchener staatlichen Akademie der Tonkunst, mitarbeiten und sich bemühen, zwischen ihrer und dieser neuen Welt der Volksmusik Brücken zu schlagen. Auf den Hebergang kommt es an, auf den �Abschluß der neuen Bewegung an das Bestehende, soweit«s wert ist. Bestand zu haben. Daß aus diesen Schulen der Nachmuchs für unsere großen Chöre hervorgehen muß. ist selbstverständlich: Oberschuirat Carl Götz« (Hamburg) betont« besonders die engen und vlelfättigen Zusammen- hänge mit der Arbesterchorbewegung und mit den Interessen des Deutschen Arbettersängerbundes. Auch warnend« Stimmen wurden laut, warnend vor Hsberschätzung der neuen Volks- und Jugendmusik und vor Hederheblichkeit. Professor Georg Schvnemann (Berlin) führt« aus, daß die Gegensätze von Volksmusik und Berufs- musik, von Jaiennnisik und Kunstmusik gewiß nicht unüberbrückbar seien; aber auch er warnte mit Recht vor der Verwechslung von Laienmusizieren und konzertantem Ausführen von Musikwerken: der Zusammenhang gab ihm Gelegenhest. mst erfreulicher Schärf« die Anmaßung«» geevisser Dilettanten zurückzuweisen, denen«s mit Hilfe von Geld oder persönlichen Beziehungen gelingt, nn beruf« lichen Musikleben eine Rolle spielen. Als dringend bezeichnet« er für die musizierende Jugend den Anschluß an die Musik der Gegen- wart; gewiß aber, so ist hinzuzufügen, wird es immer auch Sache der Gegemvartsmustker sein müssen, die Jugend in ihre Kreis« zu ziehen. Es wurden da verschiedene Meinungen laut. Dr. K. Ameln (Kassel) sprach über die Wiederbelebung des Volksliedes und der allen Musik und erblickt gerade hier«ine natürliche Aufgab« der heutigen Jugend, die sich in ihrer Vorlieb« für die Musik früherer Jahrhunderte gerade mit den Wegbahnern der neuen Musik trifft. Waldemar Hoehl warb In praktischen Vorführungen für die Idee, mit allen Instrumenten alte Musik für den Laren lebendig zu machen. Desondere Bedeutung kommt in der Praxis der Abgrenzung gegen die benachbarten Gebiete, vor allem des Prioatmuflkunter- richtes, zu. A r n o l d E b e l, der Vorsitzende des Reichsverbandc, deutscher Tonkünstler und Musiklehrer, erläutert« in eingehenden und klaren Ausführungen ein« Vereinbarung, die zwischen diesem Verband und den Volksmusikschulen der„Musikantengilde" getroffen worden ist. Damit sind alle Reibungsmöglichkellen behoben: die Richttinien dxs Kultusministeriums für den Privatmusikunterricht werden auch von diesen Schulen anerkannt. Ein reaktionärer Ver- such, vorgebliche Interessen der Privatmusiklehrerschaft gegen den Gedanken der Volksmusikschulen zu mobilisieren, ging im Gelächter unter. Zur Erholung und Erhebung gab c» auch ein« Festausführung im Opernhaus Essen: Mozarte„Z a u b e r f l ö t«" unter der musikalischen Leitung Rudolf Schulz-Dornburgs und in seiner ideenreichen Inszenierung(mit dem schönen Tamino Paul Kötters, dessen Tenor sich seit seinen Berliner Anfängen glanzvoll entfaltet hat, und mit einem sungen Papageno, Ernest Frank, dessen ungewöhnliche Spielbegabung auffällt). Di« Stadt Bochum nahm mit Vorführungen ihrer Singschule an den Arbeiten der Tagung aktiven Anteil: mtt der feierlichen Eröffnung der städtischen Sing- schule Essen, die als musskalischee Ereignis die Hraufführung der Cäeilien-Kantate von Hermann Erps brachte, fand das Arbeits- Programm feinen Abschluß. Klan, Krinx-belm. Oer„Krach" in der Volksbühne. Kommunistische Stankereien. In einigen Zeitungen erschien die Mitteilung, Daß die S o n d e r. abteilungen der Volksbühne ihren Austritt aus der Volksbühne vollziehen würden. Den»g egenübe- erklärt die kommunistische Presse von heute morgen, daß solche Absichten bejin Ar- beiisausschuß der Sonderabteilungen nicht bestünden, um gleichzeitig heftige Angriffe gegen angeblich« Spaltungsbestrebungen des Vor- standes der Volksbühne zu richten. Zutreffend ist zunächst nur. daß der Vorstand der Volksbühne sich gezwungen sah. gewisse Forderunzen de? von dem radikalen Flügel der Sonderabteilungen gebildeten„Arbeitsausschusses" ob- zulehnen. Der„Arbeiteausschuß" verlangte, daß der Vorstand die Sonderabteilungen zur Aufnahm« von 25 003 Mitgliedern erweitere und für jeden dieser 28 000 Mitglieder 6 bis 8 Vorstellungen eine, geplanten Piskatortheater» belege. Der Vorstand mußt« erwidern, daß dies schon aus technischen Gründen undurchführbar sei, da der Organisationsplan für dos nächste Jahr längst fest stünde und die Verträge mit anderen Theatern geschlossen waren. Aber er sähe auch leine Möglichkeit, plötzlich die Zahl der Mitglieder in den Sonderabteilungen von 7000 aus 25000 zu sieigoe». würden abtt UMeUimgm für 26000 Mitglieder geschaffen, während vielleicht nur die Hälfte erreich! würde, so bedeute das für die Volksbühne die Verpflichtung, etwa 100 000 Mark für gepachtete, aber leerbleibende Plätze zu bezahlen. Das sei bei der gegenwärtigen finanziellen Situation der Volksbühne ein untragbares Risiko. Das einzig mögliche wäre die Bildung von Zusatzabteilungen für den Besuch von Vorstellungen des Piscator- theaters. Diese Zusätzabteilungen wurden vom Arbeitsausschuß abgelehnt. Dabei sielen von den Mitgliedern des Arbeitsausschusses mehrfach Aeußerungen, daß man nunmehr unter Hmständen gezwungen wäre, aus der Volksbühne auszuscheiden und eine eigene Organi- sation zu gründen. Der Vorstand der Volksbühne wird seine Sonderabteilungen in jedem Fall weiterführen, ganz gleich, ob der kommunistische Flügel mit seinem Arbeitsausschuh ausscheidet oder nicht. Hinter dissem Arbeitsausschuß steht nur ein kleiner Teil der Mitglieder der Sonderabteilungen. Die für das nächste Jahr vorgesehenen Sonder- abteilungen erhalten mehrere besondere Einstudierung:n des Theaters am Bülowplatz und nehmen außerdem an den für die übrigen Mitglieder gellenden Aufführungen dieses Thealers, der Oper am Platz der Republik, des Schillertheaters und des Theaters am Schiffbauerdmnm, teil. Hinter der neuen Aktion des radikalen Flügels der Sonder- abteilungen stehen ganz offenbar kommunistische Parteieinflüss«. Fand doch vor etwa acht Tagen eine Sitzung im Karl-Liebknecht- Haus statt, zu der die kommunistische Parteileitung für Berlin- Brandenburg-Lausitz eingeladen hatte und in der nach den Worten der Einladung. ein neuer„Vorstoß in der Volksbühne" vorbereitet werden sollte. Friedrich Wendel:„Analysen". Zur Uraufführung im Berliner Sender. Werden sich eimnal die sozialen Verhältnisse bessern? Werde» Hunger und Ungerechtigkeit die Menschen nicht mehr zu Verbrechern machen? Friedrich Wendel läßt in seinem Hörspiel „Analysen" diese Frage offen, d. h. er beantwortet sie nicht direkt, aber aus der Gruppierung der Szenen erkennt der Hörer. daß Wendel über Optimismus genug verfügt, um dies« Fragen zu bejahen. Das Spiel beginnt im Mittelalter. Die Pest wird als Gottes- geißel angesehen. Vierhundert Jahre später lacht man über di« Epidemie, sieht aber die Eisenbahn als der Hebel größtes an. Wieder einige Jahre später ist die Eisenbahn zu einer Selbst- verstäMichkeit geworden, aber ein durch die Not in den Irrsinn getriebener Mensch bringt einen Schnellzug zur Entgleisimg, ver- ursacht eine Katastrophe mit unkenntlichen Massen. Bis hierhin ist alle» objektiv gesehen und gestattet. Aus der Aufeinanderfolge der Szenen spricht eine Ironie über die Beschränktheit in der Erkenntnis der Menschen. Aber am Schluß läßt Wendel prophezeien. Aller- Vings muß betont werden, daß hier eine objektive künstlerische Gestaltung fast unmöglich erscheint. Rein sprachlich gehört dieses Sendespiel zu den besten, die der Berliner Sender in letzter Zeit herausgebracht hat, und auch gedank- sich ist hier ein Thema angeschlagen, das über das Niveau der Alltäglichkeit hinausragt. Vor allem aber ist das Hörspiel für den Funk geschrieben und verfügt über Eigenschaften, die es bei der Hebertragung zu starken Wirkungen kommen läßt. Eine ausgezeich- net« Regie von Max Bing und gute Sprecher sichern den Erfolg. _ F. Seh. „Oer Tiger." llfa-Theater am Kurfürstendamm. Der erst« Kriminallonsilm war ein voller Erfolg. Di« Hand- lung ist außerordentlich spannend(Manuskriptverfasser Rudolf Katscher und Egon Eis), und Johannes Rieyers Regie ist sowohl in der Behandlung des Milieus wie in der Führung der Darstellung brillant. Der gesprochene Dialog dient überall der Eharakteristik und der Weiterführung der Handlung. Der Kampi zwischen dem als Verbrecher inastierten Kriminalkommissar und der bisher allen polizeilichen Nachstellungen überlegenen Raubmördcrin—„der Tiger"—, die als elegante Dame auftritt und sich in den für einen Kollegen gehaltenen Kommissar verliebt, wird durch den eleganten Harry F r a n ck und die blonde und faszinierende Charlotte S u s a so aufregend geführt, daß die Zuschauer zunächst nicht zur Besinnung kommen. Erst wenn der Bann gewichen ist. merkt man, wie ivcuig wirtliche menschliche Interessen im Spiele sind und wie brüchig da» Gefüge ist. Die Typen aus der Verbrecherwelt kommen lebensecht heraus. Max W i l m s e n, Erich K« st i n, Henry Pleß, Jen» Kesth, ein ausgezeichneter Apachentänzer, sowie Gertrud« Berliner uttd Ethel Helten als Coupletsängerin und Tänzerin charaktenisteren alle aus dem Vollen heraus. Willt Kollo hat die Musik beigesteuert. Auch das Begleitprogramm ist diesmal mll kurzen Tonfilmen besetzt.„D ie M e i st e r s i n g« r", neue Tiertypoi,, sind ebenso ulkig als Trickfilm wie in ihren musikalischen Darbietungen. Auch der Kulturfilm„Salon der Meeresungeheucr", der sehr anschauliche Bilder aus der Biologie des Meeres bietet, ist als Tonfilm durchgeführt. r. Wieder Gchwindelgründung aufgeflogen. „Wurstmaxe" als Empfangschef Ivieder einmal ist eine Schwi»delgründung aufgeflogen. Der„Chef" hat den Berliner Staub von seinen Füßen ge- schütlell und die betrogenen cieferantea haben das Rachsehen. Am 1. März dieses Jahres mietet««in Mann, der sich Rudolf Rauscher nannte, in der Küstriner Straße 20 drei möbliert« Zim- mer, in denen er unter der Firmenbezeichnung„Eugen Haß, Hotel- und Gaststättenbetriebe" eine Art Warenlager eröffnen wollt«. Als seine Privatwohnung gab er dem Vermieter das Haus Otbers- straße 2 in Eharlottenburg an. Er ließ sich auch schöne Briefbogen für di« neue Gründung drucken, auf denen di«„Bankverbindungen" verzeichnet waren, und engagierte einen Würstchenoerkäufer als Empfangschef. Von gutgläubigen Lieferanten bezog „Rauscher" Waren aller Art, Zigarren und Zigaretten in größeren Posten, Büromaschtnen usw. Alles wurd» nach einem Lagerteller m der Hektorstraße 16 gebracht. Als aber jetzt die Zahlungen zu ven vereinbarten Terminen ausblieben, gingen den Lieferanten die Augen auf und sie wandten sich an die Kriminalpolizei. Rauscher. der vermutlich ganz anders heißt, war aus seinen Geschäftsräumen spurlos verschwunden, und Nachforschungen in der Olber«. straße ergaben, daß dort nie«in Mann diese» Nam»n» bekannt ge. wesen ist. Der„Empfangschef" hat natürlich von dem Schwindel- betrieb nichts gewußt und vermißt seinen Arbestgeber genau so wie die Betrogenen. Der Lagerteller in der Hektorstraße ist geräumt, nicht ein Stück Ware war mehr vorhanden. Bisher haben sich»l» geschädigt 1ö Firmen gemeldet, di« Ansprüche in Höh« von ruck» 20000 M. an den Betrüger habe«. Tonfilm macht Muflker brotlos. 400 Apparate ersehen 400000 Menschen. Der Deutsche Musiker-Verband hotte zu Mittwoch nachmittag nach Pen Karnrnersäleii eine öffentliche Proteswersaurmtung gegen den Tonfilm ciivbcrufeit, die einen starken Besuch aufwies. Ge- nasse S ch i e m e n tz vom chauptvorstanÄ des Deutfchen Musiker- Verbandes legte eingehend die Gesahren dar, die nicht nur den Musikern, sondern der Musikkultur durch den Tonfilm drohen. Seit ll>Zü hat sich das Lichtspielgewerbe aufgebläht. Es gibt zurzeit in Deutschland etwa ö Lichtspieltheater mit 1 900 000 Silz- pläsien. Allein in Berlin ist die Jahl der Lichtspieltheater seit 19ZS von 352 auf 386 und die Jahl der darin befindlichen Sitzplätze von 142 000 auf 190 000 gestiegen. Während also die Bevölkerung Berlins in dieser Zeit um 8 Proz. gestiegen ist, hat die Zahl der Sitzplätze um 35 Proz. zugenommen. Von den rund 5000 Lichtspiel- theatern in Deutschland scheiden etwa 1000 für den Mustkerberuf aus, da in ihnen mechanische Musikinstrumente verwendet werden. Ln den restlichen 4000 Theatern waren bis zur Einführung des Tonfilms etwa 12 000 Musiker beschäftigt. Bis jetzt sind in etwa 420 Theatern Tonftlmapparaturen eingeführt worden, was zur Entlassung von rund 40 00 Kino Musikern ge- führt hat. Es ist also in Deutschland durch den Tonfilm schon etwa ein Drittel der Kinomusikersehaft brotlos gemacht worden, was einen Verdienstausfall von ungefähr 13 Millionen Mark pro Jahr aus- macht und die Staatskasse durch Zahlung von Arbeitslosennntcr- stützung mit 4H MMaiien Mark jährlich belastet. Das Elektro- kapital als Herrscher über den Tonsilm ist draus und dran, künstle- rifch ganz hervorragende Orchesterkörpcr brochzulegen und dem Publikum dafür eine mechanisierte„Konservenmusit" vor- zusetzen. Das Beschämendste bei der Verhunzung der Lichtspiel- und Musikkunst ist, daß die bürgerliche Presse fast ausnahmslos den Tonfllm über den grünen Klee lobt, und aus naheliegenden Gründen den Lesern weiszumachen sucht,>daß diese Koirservernnufik der natür- luhcn Instrumentalmusik gleichwertig fei. Nicht nur im Inter- esse der Kinomustker, sondern auch im Interesse der Erhaltung der lebendigen Miustkkunst müsse dem Tonfilm und dem dahinterstehenden Elektrokapital der schärfste Kampf angesagt werden. Zunächst müßten die Mffiker zur Selbsthilfe greifen und überall ihren wöchentlichen Ruhetag beanspruchen, damit den arbeitslosen Musikern wenigstens durch Vertretungen einige Verdienst- Möglichkeiten erschlossen werden. Von den gesetzgebenden Körper- schaften müsse verlangt werden, daß der Konzessionszwang für die Lichtspieltheater eingeführt wird: öffentlichen Vergnügungsstätten, Me fa te fionplsache mechmchch« Mofik bui.«-t>m, müßt«(* ebtm ffonds zur Unterstützung der durch den Tonfllm arbeitslos ge- wordenen Mustkern beisteuern: der wöchentliche Ruhetag fiir die Musiker müsse gesetzlich verankert und die Arbeitsgenehmigunz für ausländische Musiker aus ein Minimum beschränkt werden. Diese Fordeningen wurden in einer Einschließung niedergelegt, die nach einer kurzen Aussprache einstimmig angenoimnen wurde. Keine Beseitigung von Oüppeiakten. Einer Korrefpondenzineldung zufolge soll der fünfte Bond der Akten, betr. den Ankauf des Gutes Düppel, dorn Uirterfuchmrgs- ausfchuß des Landtages vorenthalten worden sein, und es wird die Vermutung geäußert, daß dieser Band mit Absicht beiseite geschafft oder vernichtet worden sei. Beides trifft nicht zu. Der füiist« Bond der Dllppelattien wurde bisher im Geschäftsgang des Ma° g i st r a t s dringend gebraucht und ist am Sonnabend, dem 12. April, dem Landtagsausschuß zugegangen. „Teilung mit der �einmachefrau." Im„Wend" vom 1. April, Rr. 154, wurde in dem Artikel „Teilung mit der Reinemachefrau. Zugunsten der Buchhalterin um 25 Mark monatlich geprellt"' die Firma„Berliner Häute-Ber- wertung" erwähnt. Di« Berliner Häute-Verwertmrg G. m. b. S)., Lichtenberg, erklärt hierzu, daß sie mit dieser Angelegenheit in teinerlei Weise irgendetwas zu tun hat. 16.05 16.» 17.» 18.00 18.» is.oo I».» 20.00 21.15 Donnerstag, 17. April. Berlin. Sportliche Improvisationen. Konzert blinder Künstler. Dr. Wolf Zucker:„Parslfal". Aktuelle Abteilung. Prof. Dr. Adolf Marcose: Die Erde als KimmelskSrper. Cborrcsinre. Karl Vetter: Wohin am Wochenende? I. Joseph Haydn: Sieben Worte des EriSsers am Kreuz.— 2. Retieiüse Dichtung der Gegenwart.(Sprecher: Dr. Alfred Simon.)— 3. Franz Schubert: Nacheelassener Quarlettsatz C-Moli.(Havemann-Quartelt.) „Christus", von August Strindberg. Regie: Alfred Braun. KCalcesroebsef 16.00 Dr. Wilhelm Hartke; Du humanistische Gymnasium 17.» Albert Lorenz: Gottsucher-Romane. 17.55 Prof. D. Althaus: Ostern im Volksbrauch. 1 8.20 Manns Marschall: Das Ei im Volksglauben. 18.40 Spanisch für Fortgeschrittene. 19.05 Dr. Jahnke: Gutes Deutsch. 19.» Dr. Kcnuenberg: Früliiahrsarbeiteu auf Weiden und Wiesen. 20.00 Legenden.(Sprecher: Erika Dernburg.) 20.» Von Breslau: Das Leiden Christi. 21.25 Von Breslau; Schlcsischc Kunststätten. Im Brcslauer Dom. Freitag, 18. April. Berlin. 10.05 Wettervorhersage. 11.30 Von Leipzig: Jesu Leiden und Tod. 13.00 Orgclkompositiouen von Boss! und Reger(Ucbertragung der Welte- Reproduktionsorgel). 14.00 Kaifreitagslegendcn. 14.» Cellovorträge. 15.00 Konzert 16.00 Dr. Paul GraBmann, Stockholm: Die Stadt ohne Sonne. 16.» Sinfoniekonzert. Dirig.: Generalmusikdirektor Erich Kleiber. I. Be;t- hoven: Sinlonie Nr. 3, Es-Dur, op. 55(Eroica). 2. Schubert; Sinfonie H-Moil(Unvollendete)(Berliner Funkorchester). 18.00 Das Gleichnis von der Weberin von Paula Grogger(Sprecher: Käthe Graber). 18.» Vier ernste Gesänge, op. 121, von Johannes Brahms(Hans Heinz Wunder« lieh, Bariton: an der Orgel: Ben Geysci). Das Stundenbuch" von R. M. Rilke, Sprecher: Gert Fricke, Ernst Gins. berg. Richard Duschinsky. ..Der Tod Jesu". Oratorium in zwei Teilen von Ramler und Graun. (Sopran, Berta Biarina; Tenor. Marcel Wittriehl BaB. Hans Heinz Wunderlich.)—„Passion. Mysterienspiel der Brüder Arnoul und Simon Greban. Aus dem Französischen des Jahres 1452. Frei übertragen von Wilhelm Schmidtbonn. Musik von Heinrich Kaminski.(Sopran: Berta Kiurina: Tenor. Marcel Willrich. Dirig.; Maximilian Albrecht. Funkchor. Funkorchester. Orgel: Ben Geysei.) Anschließend Zeit. Wetter, Nachrichten. Sport. Königswusterhansen. II.» bis 17.00 Uebsrtragnngcn von Leipzig. 17.00 Prol. Dr. Robert Saitschick: Parsivai, Karfreitag und der Sinn der Er« lösung. 18.00 Von Leipzig:„Matthäuspassion" von J. S. Bach. 19.00 20,00 „Bolf und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der Heutigen Postauflage bei. Wetter für Verlin: Größtenteils bewölkt, kein« wesentlichen Niederschläge, Temperaturen wenig verändert.— Zur Deu Ischland: Nur im Alpenvorland noch stärkere Niederschläge, sonst etwas Besse- nmg des Wetters, ober noch meist bewölkt. V-rantwortl. wr hie Rehaftion:«ollq-ng Dchmar,.«erlin: Anzeigen: TH.»lock«. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag S. m. h. S.. Berlin. Druck: Vnrwdrts Bucki« druckerei unh VerlagsanNalt Paul Singet& Co.. Berlin Sffl 88, Linh-nstrak- 3. Lierzn 1 Beilage. L lieaiec, Cidiispiele usw. CASINO-TBEATER Lolhringer Strafe 37,_ Nur noch bis 50. April Der wahre Jakob Donnerstag, den I. Mai zum 1. Male Die Berliner Posse Rentier Mudicke Cutscnein für 1—4 Personen Pauteuil nur 1.25 M., Sessel 1.75 M., Sonstice Preise: Parkett u. 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Es tut deshalb dringend not, daß das zu erwartende Berufsausbild ungs- gesetz bald, ober ohne S t r a f b est i m m u n g e n für die Schüler erscheint, denn die Straflust ist auf Grund der zur Zeit maßgebenden gefetzlichen Bestinnnungeu in gewissen ländlichen Ge- bieten in erschreckender Weise mifgeblüht. Da gibt es zahlreiche Lehrer, die nur die Geldstrafe als„pädagogische" Maßnahme gegen die„Albernheit, Dreistigkeit und Frechheit" der„Flegel" von Berufsschülern zu schätzen wissen. In einem der letzten Hefte der Zeitschrift für das ländliche Fortbildungsschulwesen in Preußen schreibt sin Lehrer:„Ich kenne Bergwerksgegendcn. wo das Schüler- Material noch schlechter als hier ist. Erdreistet sich ein Jugendlicher im Unterricht eine Frechheit, so meldet es der Lehrer, ohne sich mit dem Schüler auseinanderzusetzen, der Grubenvcrwaltung, die ihm ? bis 10 Mark von der Löhnung abzieht. Bei dreimaliger Meldung erfolgt Entlassung von der Arbeitsstätte. Warum sollte sich auf dem Lande ein Lohnabzug nicht machen lassen? Fürchten wir uns nicht vor der airgeblichen Verärgerung und Berbstterung. Wir wollen kein weichliches, sondern ein willensstarkes und von Selbstbeherrschung erfülltes Volk!" Es ist erstaunlich, daß«in Lehrer, der im Jahre 1930 für derartige Erziehungsmethoden zu werben wagt, sich zuin Jugendcrziehsr berufen fühlt. Ein anderer, der seine Schüler als ein«„dumpf vor sich hin« brütende Masse, die sich in schmutzigen und albernen Redensarten gefällt, um ihre innere Halt- und Formlosigkeit zu verdecken", kenn- zeichnet, ist für die Einfühning einer Bewährungsgeld- strafe. In diesem Falle soll dem zu bestrasenden Schüler eine nicht zu geringe, ratenweise abzuzahlende Geldstrafe mit der Aussicht auserlegt werden. die Summe bei Bewährung am Ende der Schulzeit mit Zinsen zurückerstattet zu erhalten. Für den Fall, daß die Bewährung nicht als ausreichend zu erkennen fei, könne vielleicht so gestaffelt werden, daß nur ein Teil der Straf- summe zurückerstattet wird. Dieser Iugenderziehcr glaubt, durch dieses„sitllichc" Strafverfahren— von Arrest und absoluten Geld- strafen oerspricht er sich keine dauernde Einwirkung aus den Jugend- lichen— zu erreichen, daß der bestrafte Schüler, um sein Geld später wiederzuerlialten, eine„gefügiger« Form masse" in der Hand des Erziehers wird. Als ob die Jugend eine weiche Ton- masse wäre, die man ganz noch Belieben kneten und sonnen kann! Unzweifelhaft geben die Lehrer, die Ansichten wie die ange- führten vertreten, kund, daß sie als Volkserzieher keine Wirtungsberechtigung haben. Sie wollen den Jugend- lichen durch Strasvcrsügungen ducken, damit er nicht den„Hern," spielt. Kraft ihres Amtes wollen sie den Schüler zur Achtung vor dem Lehrer zwingen und erzielen hierdurch gerade dip nur allzu berechtigt« Mißachtung seitens des Schülers. Weil sie in dem Jugendlichen mcht die werdende Persönlichkeit achten, können ihnen die Schüler kein Vertrauen entgegenbringen. Da sie nur eine brutale äußer« Autorität kennen, vermögen sie bei den Schülern die für eine erfolgreiche Bildung?- und Erziehungsarbeit notwendig« innere Autoriät nicht zu erringen. Di« von ihnen geforderten und zur Anwendung gelangenden S t r a s m a h- nahmen lassen lediglich ihre pädagogische Schwäche und geistige Unsicherh«it erkennen. Wer durch Strafen, Geld- oder sogar Haftstrafen, die Jugend bilden und zu künftigen Staatsbürgern erziehen will, ist als Lehrer und Erzieher nicht am Platz. Daß sich da und dort auch die Polizeibehörden auf dem Lande mit der Frage einer wirksameftBestrafung der Be- rufsschüler beschäftigen, ist auf die Klagen derjenigen Lehrer zurück- zuführen, die insolge ihrer pädagogischen und geistigen Unsicherheit nach einer Verschärftmg der Strafbestimmungen schreien. Mangels elementarster sozialpädögogischer Einsicht erblicken jene in Ermah- nungen und Verweisen lediglich die„milde ssand", die die„Zügel- lasigkeit" der Jugendlichen nur fördere. Diese Mittel zur„Er- zielung von Zucht" seien geradezu„lächerlich". Was wunder, daß dieser notbedrängten Lehrerfchaft„neuzeitliche" Polizeibehörden nvt Strafvorschlägen behilflich sind. Da beantragt beispielsweise eine Polizeiverwaltung auf Veranlassung des Leiters einer Berufsschule und' mit Zustimmung des betreffenden Benifsschul- Vorstandes beim Jugendgericht die / Umwandlung der einigen sogenannten renitenten Schülern auserlegten Geldstrafen in haststrasen, weil dies« Maßnahme eine im Interesse des Staates gelegene S t ä r- kung der Schulzucht verbürge. Wären diese Vorkomnmisse denkbar, wenn die Arbeitnehmer in den Berufsschulvorständen nicht nur ausreichend, sondern überhaupt vertreten sein würden? Unsere Gewerkschaften haben hier einzugreifen. Die Lehrer. die den modernen pädagogischen Ausgaben nicht gewachsen sind. können sich nicht damit entschuldigen, daß der Unterricht aus dem Land? so schwer sei, weil der Lehrer ganz auf sich selbst angewiesen ist. Wenn der Volksschullehrer auf dem Lande, der vielfach auch als Organist tätig ist und noch sonstige Nebendienst« zu versehen hat, sein« Kräfte überspannt, weil er außerdem als Beruisschul- lehrer wirkt, so ist dies«ine andere Sache. Hier läßt sich Abhilfe schassen durch Anstellung van hauptamtlichen Berufs- schullehrern. Dadurch könnt« mit einem Schlag die bisherig« Unzulänglichkeit und Nebensächlichkeit der so wichtigen ländlichen Berufsschule am sichersten behoben werden. An geeigneten Kräften zur Besetzung der Stellen fehlt es nicht. Warum sollen hier nicht soundso viele von den zahlreichen auf Anstellung wartenden Jung- l e h r e r n, die notfalls durch besondere Kurse vorbereitet werden, berufene Verwendung finden? Der Einwand, daß der Volksschullehrer deshalb der berufenste Verussschullehrer sei, weil er die Jugendlichen in den meisten Fällen schon vorher bis zu ihrer Schulentlassung uMerrichtet habe und da- her Entwicklung uui> Eigenhe t des einzelnen Jngemdlichtüi kenne, spricht nicht gegen, sonder» f ü r die hauptamtliche Anstellung von Junglehrern. Der JugenWich« ist mit seinem Eintritt in das Be- rufsleben nicht mehr der Schuljunge, der er vordem war. In der Regel verletzt aber der alteingesessene Lehrer unbewußt das Selbst- gefühl des Jugendlichen gerade dadurch, daß er ihn in der Berufs- schule weiter als Schuljungen behandelt. Da diese Gefahr bei dem von außen kommenden Junglehrer von vornherein ausgeschlossen ist, wird diesem auch am ehesten die Weckung und Festigung des Selbstgefühls der Jugend, worauf es vornehmlich ankommt, ge- lmgen. Durch Einführung der Schülerselbstverwallung. von der heute in den ländlichen Berufsschulen so gut wie nichts zu sehen ist, wird er außerdem für die B e w u h t w e r d u n g der Gemeinschaftsverantwortung Sorge tragen. Er wird die Jugendlichen auch nicht in altmodischer Weise„lernen" lassen. sondern deren Urteils- und Denkfähigkeit durch die Erarbeitung von Kenntnissen schulen. Ucber die Berufsschule hinaus wird er in Vcr- bindung mit Iugcndpjleger und Jugendvereinigungen auf eine zweckmäßige Verwendung der Freizeit der Jugendliche» sein besonderes Augenmerk richten. Be! einer zweckmäßigen Einteilung der Schulbezirke in den ein- zelnen Landkreisen dürfte durch die Anstellung der in Betracht kommenden hauptamtlichen Lehrkräfte ein« Erhöhung der bisherigen Berufsschullasten für Staat, Kreis und Gemeinden kaum eintreten. Auf jeden Fall kann die Organifotions- und Finanzfrage ohne nennenswerte Schwierigkeiten gelöst werden. Die kleine Mühe, die die Umstellung erfordert, wird sich reichlich lohnen, denn durch die hauptamtliche Anstellung von geeigneten Junglehrern, die nicht die bedenkliche D i st a n z wie vielfach die älteren Lehrer von den JugenMichen haben, wird der überlastete Volksschul- lehrer, wie er es meist selbst wünscht, von der Berufsschule aus- geschaltet, konnnt der Abendunterricht gänzlich in Fortfall, können die wöchentlichen Tagesunterrichtsstunden unter Ueber- Windung etwaiger Widerstände aus den Arbsitgeberkreifen die not- wendige Erhöhung erfahren, werden die Bestrafungsumftände be- seitigt. Verwenden wir den Junglehrer als ländlichen Be- rufsschullehr«rl Er wird dafür sorgen, daß die ländliche' Berufsschule bald von dem Vertrauen der Bevölkerung getragen und nicht mehr als eine nebensächliche oder wertlose Einvichtunz betrachtet wird. Wilhelm UietgmS: luv Umvcrsttätskrayc Seitdem Deutschtand wirtschaftlich geschwächt ist, seine Stellung in der Wirtschaft also unsicherer wurde und zugleich eine Vcrschie- bung der wirtschaftlichen Existenzen«intrat, seitdem verzeichnen die Hochschulen einen rapiden Anstieg der Zahl der Studenten, uird zwar der Studenten au? den Kreisen d«s mittleren Bürgertums, di«— wie Genosse Nölting treffend sagte— mit dem Doktorhut und der Staatsstellung der gofürchteten Proletarisierung entgehen wollen. Dies der Tatbestand, mit dem sich die Darstellungen von der Universität nicht decken. Es folgen unmittelbar zwei stark kriti- sierte Erscheinungen: di« Ueberfüllung und das Bercchtigungs- streben, mittelbar— eben durch diese beiden Uebel— die Entwertung des Hochschulstudiums überhaupt. Allseitig wird über die mangelhoste Ausbildung geklagt: von den Philolog«nverbönden, von den Juristen, von den Professoren selbst. Die Dissertation, früher wirtlich ein« wissenschaftliche Leistung, ist ebenfalls in ihrem Wert gesunken. Von einer irgendwie individuellen Reifung oder auch nur tiefgründigen wissen- schaftlichen Ausbildung kann heut« kein« Red« mehr fein. Wir sozialistischen Studenten stehen als Studenten leidend mitten in diesen Erscheinungen, die wir als Sozialisten bekämpfen. Wir begrüßen daher die Ausführungen des Ministers Grimme im Landtag als Ausdruck des Willens, Wege zu einer Aeuderung zu beschreiten. Aber wir betonen stärker als er die Notwendig- keit staatlicher Führung auch auf kulturellem Gebiet. Wir sind nicht der Meinung, daß eine Ueberwindung der llngeistigkeit mit oll ihren Vor- und Folgeerscheinungen„grund- sätzlich jenseits aller Möglichkeiten staatlicher Verwaltungsmaß- ixchmen liegen". Gewiß können durch solche Verwaltungsmaß- nahmen Kulturwerte nicht hervorgerufen werden, wohl ober können durch st« Möglichkeiten zu ihnen erschlossen und freigelegt werden. Wlr sehen in dem Kultusminister nicht lediglich den politisch ver- antwortlichen Leiter einer Verwaltungsbehörde, sondern in weit stärkerem Maß« de n Führer, der die geistigen Kräfte des Volkes um sich zu sammeln und shr das Volt einzusetzen bestrebt ist. Genosse Grimm« Hai durch sein« Rede diesen Weg beschritten, die Sozialistisch« Studentenschaft ist freudig bereit, ihm zu folgen. Wie unmittelbar aber Möglichkeiten zu neuen Kulturwerten durch Berwaltungsmaßnahmen.freigelegt werden können, zeigen unser« alten Forderungen zur Hochschul- und Studienresorm. Die wachsende Ueberfüllung der Hochschule sollt« bekämpft werden durch eine ständige Heraufsetzung ihrer Anforderungen Die Folge ist eine Unzahl von Semester-, Fleiß- und Zwischenprüfungen, so daß der Student lediglich auf diese Prüfungen hinarbeitet, nicht ober zu einem wirklichen Studium kommt. Umgekehrt lernen die Do- zenten die Studenten nur durch die Prüfungsbrill« kennen, sür ein« Zusammenarbeit bleibt kein« Zeit und keine Besinnung. Wir wiederholen diesen falschen, immer noch üblichen Maßnahmen gegenüber unsere Forderungen zur Ueberwindung der Ueberfüllung: Begrenzung des Studiums auf die festgelegten Fristen, in diefer Zeit intensive, planmäßige Arbeit in Form der Arbeitsschulen mit Auflockerung der Nur-Vorlesung, bei dieser stan- drgen Arbeit eine Beobachtung der Leistungen des einzelnen unter Fortsall der pädagogisch unhaltbaren Semester- und Fleißprüfungen, durch dies« Beobachtungen einen rücksichtslosen Ausschluß der Un- sähigen und„Bierstndenten". Und gleichzeitig mit einer sozialen Gebührcnstafselung Oeffnung der» Hochschulen für die Leistungs- fähigen aus der Arbeiterschaft. Hier liegen noch dräugenid« Kräfte brach, die durch Berwaltungsmaßnahmen durchaus zu neuem Kul- turfchaffen geweckt werden können. Es gllt den Weg freizumachen für ein neues geistiges Ringen! Di« dritte Lesung des Kullu-etats gibt die Möglichkeit, der auch vom Zentrum und den Demokraten gezeigten Bereltschaft die Tat folgen zu lassen. €in Teitschristensaal Der Zeitschriftens aal der Staatsbibliothek ist wieder geöffnet. Der fleißige Besucher, der sich hier so oft sein Wissen geholt und sich noch öfter geärgert hat, wenn die von ihm gebrauchten Zeitschristen stundenlang von anderen benutzt wurden oder nur„veraltete" Nummern auslogcn, bemerkt erstaunt, daß di« „Revisionszeit" mich zu baulichen Veränderungen benutzt worden ist. Der zwei Stockwerk hohe Saal hat wirklich eine Galerie be- kommen, so daß jetzt die ganze Höhe sür Zeitschriftenregale aus» genutzt wird. Die Kleinigkeit von 4000 Zeitschriften— 2500 deutschen und 1500 ausländischen—, die bisher in dem Saal aus- gelegen haben, kann nun allmählich auf 6000 erhöht werden. Diese 6000 sind nur ein Bruchteil des wirklichen Bestandes der Zeitschriftenstelle, die rund 20000 laufende deutsch- und fremdsprachige Zeitschriften, Serien, Publikationen Wissenschaft- licher Institute und Gelehrter Gesellschaften führt. In dem Riesen- komplex der Staatsbibliothek ist die Zeitschristenabteilung die Stelle, die am innigsten mit der ledendigen Gegenwart verbunden ist und die darum am meisten der Forderung des Tagesbedarfes zu dienen hat. Andauernd finden neue Gelehrtenkongresse statt, deren Ergebnisse nachher in periodischer Folg« herausgegeben werden. Die verschiedensten wissenschaftlichen Institute lassen in gewissen Zeitfolgen ihre Publikationen erscheinen. Fortwährend werden auf den Büchermarkt neue Zeitschristen geworfen, um oft nach kurzer Zeit ihr Dasein auszugeben... Was ist jKivoir wichtig, was nicht?— Jede dieser Neuerscheinungen ist für einen gewissen Kreis berechnet, und die Staats- bibliothek, die Zentralbibliochek für ganz Deutschland, hat nicht das Recht, zu entscheiden: dieses abseitig« Fachblaft geht uns nichts an. Sie hat der Allgemeinheit zu dienen, also ist alles gleich wichtig. Sogar die Schulerzeitschriften... Und di« Sekundaner, die stolz auf ihr hektographifch vervielfältigtes Blatt sind, haben hier die Möglichkeit, zu erfahren, an welchen deutschen Gymnasien noch di« Schüler Zeitschristen herausgeben. Und vielleicht werden die Kusturhistoriker der Zukunft Herrn Dr. Höcker, dem Borsteher der Zeitschriftenzentrale, dankbar sein, weil sie durch diese Sammlung einen Einblick in die Psyche der Jugend unserer Zeit bekommen werden, wie st« ihn sonst nie haben könnten! Alle solche Neuerscheinungen müssen nun festgestellt werden. Und so hat eine Reihe von Beamten täglich die verschiedenen Fach- blätter, in denen neue Zeitschriften und Publikationen registriert oder besprochen werden, durchzusehen und dafür zu sorgen, daß vorerst die P r o b e n u m m e r n der noch nicht vorhandenen Blätter angeschafft, und wenn sie irgendwelche Bedeutung hoben, dauernd bestellt werden. Dann bekommen sie ihre Auslagenununcr, werden systematisch und alphabelifch katalogisiert und, falls sie Irgendein allgemeines kulturelles Niveau oder breitere Fachbedeutung haben, ausgelegt. Andernfalls kommen sie ins Depot, können aber jederzeit von Interessenten eingesehen werden. Frage: Wie findet der Interessent die Zeitschriften seines Fachgebietes, wie findet er irgendeine bestimmte Zeitschrift, wo informiert er sich, was für Zeitschriften es überhaupt über irgendein Gebiet in der Bibliothek gibt?— Aniwort: Wenn er ganz beqücm ist, wendet er sich an einen Beamten: wenn er ganz gründlich ist. studiert er ein dünnes 5)eftchen durch:„Die Uebsrsicht über die Systematik der Zeitsämiftenkatologe", das in dem Saal ousliegt— dann versteht er gleich die ganze Anordnung in der Auslage der Zeitschriften, mit ihren 19 systematischen Gruppen und oll ihren Unterteilungen. Der Durchschnittsbesucher findet aber in dem alphabetischen Katalog die Standnummer der gewünschten Zeitschrift und überzeugt sich in dem systematischen, was es für Zeitschriften auf dem beireffenden Gebiet noch gibt. Sie sind in dem Katalog enthalten, auch wenn sie nicht zu den ausliegenden 4000 Zeitschriften gehöre», und seder Benutzer hat die MSglichkcit, sie innerhalb weniger Minuten durch den Aufsichtsbeänüen aus dein Depot zu bekommen. Im Gegensatz zu der Pariser Zeitschristenabicilung, in der nur das neuste Heft einzusehen ist, und London, das überhaupt keine ausländischen Zeilschristen dauernd hält, wird an der Staals- bibliothek derganze laufende Jahrgong dem Interessenten zur Verfügung gestellt. Erst der komplette Jahrgang wandert in die Bibliothekmagozin« und kann dann als Buch entlichen weiden. So macht die Zeitschriftenabteilung den Lesern die Neu- erscheinungen zitgängiich, bevor sie bibliolheksreif geworden sind, ihre Arbeit innerhalb des ganzen Komplexes ist aber ein« vor» berestende Tätigkeit. Da ihr Material bibliotheksfähig sein muß,' hat sie dafür zu sorgen, daß die Zeitschriften noch in gutem Zustand in die Magazine kommen, daß kein Heft fehlt usw.— und daraus ergeben sich für die Benutzer naturgemäß viele Beein- trächtigungen. Unterhaltungszeitschriften liegen gar nicht aus, und werden nur-ausgegeben, weim der Benutzer den wissenschaftlichen oder beruflichen Zweck seiner Forderung nachweist. Biel verlangte literarische Blätter liegen am Platze des Beamten und werden nur gegen Abgabe der Benutziingskart« ausgehändigt, um jeden Diebstahl auszuschließen. Und die Tageszeitungen — die Zeitschriftenabteilung hat zirka 400 deutsche und ausländische Blätter— können nur ganz ausnahmsweise den Zlußenstehenden zugänglich gemacht werden, weil hier die Gefahr des Zerlesen» Werdens zu groß ist, und die Staatsbibliothek als eine Wissenschaft- liche Zentralstelle vpr allem nicht dein augenblicklichen Bedürfnis, sondern der dauernden Benutzung dienen mutz. Michael Charol. (8. Fortsetzung� 9. jtad) diesem Abend und dieser Nacht bekam Marin öfters den Anruf des Poli�eichefs. Bisher hatte sich wenig an den Aeußerlich- leiten seines Lebens geändert. Nur mit Lillian war er häufiger zusammen. Lillian, mit ihm verkettet, eingesponnen in eine große, tief« Leidenschaft, ausgefüllt von einem starken Erleben, führt« bewußt weiter das Leben der großen Dame. Dominiert« in den Klubs, Salons und auf den Rennen von Kiangwm betrieb Sport; Polo, Tennis und Kols, ritt mit Vorliebe und tanzte. Sie tat alles das mit natürlicher Selbstverständlichkeit, sachlich und leidenschaftslos. Nichts war ihr Selbstzweck. Sie handelt« aus dem einfachen Gefühl der Freud« an allem heraus. Dem Mann«, dem sie nahe stand, wollte sie Gesährtin, Kameradin und Geliebte sein. An die Zukunft dachte sie nie. Lebte jede Minute ihres Lebens voll und ganz, inten- siv, erfüllt und stark. So schlicht und einfach war das Gefühlsleben dieser Miß Lillian Blyth, unverdorben, gesund und unverbraucht. Marin, allein mit sich, dacht« an Lillian, ging auf und ab in wühlenden Gedanken, versuchte Klakheit zu gewinnen. Zog die Bilanz der letzten Monate. Sie war günstig. Er spielte mit Gewinn. Aber auch mit ihm spielte es. Nicht zu seinem Nach- teil. An den kleinen Polizeiagenten dachte er mit Verachtung und Mitleid zurück. Das war aus seinem Leben gestrichen, nie gewesen. Jetzt konnte er sich entwickeln. Warf sich auf die Chaiselongue, streckte di« Glieder, strich sich das Haar aus der Stirne und hielt die Augen weit offen. Lillian. überlegte er,«in WeU), das mich liebt. Ein Weib wie alle. Nein. Nicht ganz. Doch anders. Aber wie? Nie war er sich eigentlich restlos über sie klar geworden. Er hatte sich aber auch mit ihr selbst am wenigsten befaßt. Nie sie beurteilt, nie In ihr geforscht, nie sie zu erklären versucht, nichts getan, was den Menschen, der in seinem Leben stand, seinem Inneren nähergebracht hätte. Liebte er sie? Nein. Könnte er sie aus seinem Leben fort- denken? Nein. Brauchte er sie? Ja. Als Kameradin? Das hatte er nie an Frauen kennengelernt. Daher verstand er es auch nicht. Als Geliebte? Nein. Er lächelte gemein, schmutzig. Stierte in die Dämmerung, erinnerte sich einer letzt verflosienen Nacht und räkelte sich wollüstig in Gedanken an die primitivsten Freuden stumpfer, mit tierischen Instinkten behafteter Menschen. Irgendwo, in einem dunklen Stadtteil, in einer lehmigen Straße. Der Unrat steht bis an die Knöchel. Di« Häuser sehen sich hier völlig gleich. Auch ihr Inhalt ist unterschiedslos. Konkurrenzlos reiht sich Bordell an Bordell. In eines wankt er. Marin, noch in Gedanken daran, gähnte, schlief. Es war ein schwüler Nachmittag. * Auf der Terrasse eines Cafes in der Nanking-Rood. Marin hatte Platz genommen und bestellte«ine Erfrischung. Wurde mit einem diskreten, aber ziemlich deutlichen:„von soir!* begrüßt. Ein fremder Herr wünschte an seinem Tisch Platz zu nehmen. Eröffnete ein Gespräch im fließendsten Französisch: „Sie kennen mich nicht?" Dabei beugte er sich ein wenig vor. Marin betrachtete ihn. Der Mann, der ihm gegenüber saß, ihn so freundlich anredete, war Halbchinese. Ein interessanter Menschentyp. Kein breites, bockenknochiges Gesicht, sondern ein feines, eher schmales Antlitz, die Augenlider geschlitzt, das Aug« selbst schwarz und glanzvoll. Ebenso das Haar, das glatt und gepflegt, sorgfältig gescheitelt war. Das war der erste Eindruck, den er von dem Fremden empfing. Und er konnte sich einer gewissen Sympathie kür ihn nicht erwehren. „Ich glaube Sie nicht zu kennen", antwortete Marin höflich. Jetzt besah er die Kleidung des Mannes und mußte feststellen, daß er es mit einem eleganten, jungen Manne, mit einem Kavalier zu tun hatte. „Wirklich fcltsam", begann wieder der Fremde.„Man ist Gast in einem Hause und kennt die. mit denen man sich eine Nacht unter einem Dache vergnügt«, am nächsten Tage nicht mehr. Sie waren doch letzte Nacht auch Gast Mister Keads." Er sagte das sehr be- stimmt. „Ach so", entfuhr es Mann beinahe erleichtert.„Von dort kennen Sie mich, mein Herr. Sie haben ein fabelhaftes Personen- gedächtnis. Mag sein, daß Sie mir unter den vielen Leuten be- gegneten. Aber ich müßte Sie belügen, mich zu erinnern, Sie im Hause Mister Keads oder überhaupt je im Leben gesehen zu haben." „Sie sind wohl nicht ungehalten, mein Herr, daß ich mir die Freiheit nahm. Sie zu begrüßen und mich an Ihren Tisch zu setzen?" Der Fremd« hatte etwas Bezauberndes, Vertraueneinjlößeiches in der Art seines Sprechens, dem sich auch der sonst so vorsichtige und menschenabwägende Franzose nicht entziehen konnte. Cr fühlte sich diesem Unbekannten gegenüber ganz unbefangen.„Es freut mich ebenfalls, Sie kennen zu lernen", sprudelt« Marin hervor. Der Halbchincse zog di« Stirne hoch und sagt« mit verblüffender Bestimmtheit:„Sie heißen Marin und waren Agent der französischen Geheimpolizei." Marin hielt den Mund offen. „Sie wundern sich", setzt« der Mann fort.„Aber es liegt kein Grund vor, etwas Mysteriöses dahinter zu vermuten." Marine Verwunderung wich noch immer nicht. „Ihr Name wurde mir genannt. Warum' sollte ich ihn nicht wisien?" Marin blieb dieser plausiblen Erklärung nicht unzugänglich. eines CßußJa/ids Mußte über sein Erstaunen lachen. Fragt« beinahe scherzhaft:„Mit wem habe ich di« Ehre?" „Ich heiße Smith." „Also amerikanischer oder englischer Staatsbürger", forschte Marin. „Wie Sie hören." Die Stimme nahm einen etwas rauhen, harten Klang an:„Die Staatsangehörigkeit Hab« ich meinem Dater zu verdanken." Er brach ab, schwieg. Marin musterte diesen Mr. Smith noch einmal eingehendst, worauf er di« Pause des Gesprächs mit dem Entzünden einer Zigarette ausfüllt«. Er lehnte sich zurück, schob die Zigarette zwischen sein« Finger und richtete den Blick fest und beständig auf sein Gegen- über. „Lieber Mister Smith, trotzdem ich nichts Sonderbares an unserer Begegnung finde, ist sie von ungewöhnlicher Art. Ohne mich irgendwie zu unterschätzen, halte ich es dennoch für merkwürdig, daß gerade Ich Ihnen auffallen mußte. Oder bleibt Ihnen das Bild eines Mensche» bei der flüchtigsten Betrachtung im Gedächtnis hasten?" Marin wartete ab. „Es kommt auf die Umstände an, mein Herr." „Welche Umstände kämen da in Betracht?" „Ich werde sie Ihnen gleich erklären", bereitete Smith vor. „Ich selbst bin häufiger Gast in der Villa Keads. Man geht dort- hin, wie man Hotels, Klubs oder sonst ein fashionables Vergnügung»- etablissement besucht. Es bedarf keiner besonderen Einladung: man trifft sich bei Mister Kead. Um aber auf das zurückzukomnren, was Si« eigentlich zu erfahren wünschen, kann ich Ihnen sagen, daß Sie es Miß Lillian zu verdanken haben..." „Ich weiß, was Si« sagen wollen", unterbrach ihn rasch Marin. Dabei könnt« er seine Erregung nicht verbergen. Mr. Smith setzte unentwegt fort:„Sie haben sich stets in nächster Nähe von Miß Lillian aufgehallen." „Können Sie mir nichts Näheres mitteilen?" erwiderte mit zynischem Grinsen Marin. „Oh, ich weiß, daß dies« Frau jed«n Mann In ein Tier ver- wandeln kann." „In ein Tier, Mister Smith?" Marin war gereizt, gespannt. „Ich habe Sie doch nicht beleidigt, mein Herr", sprach im demü- tigsten Tone der Halbchinese.„Ihre Gefühle für Miß Lillian gehen mich nichts an, Monsieur Marin. Und glauben Si« ja nicht, daß unser Gespräch einer Interessengemeinschaft entspringt. Es wäre auch zu lächerlich. Denn diese Mimose von einer Frau..." In sein blasses, gelbschimmerndss Gesicht schoß zarte Röte. Seine ab- grundtiefen Augen schauten verwirrt in das Leere. Dem Franzosen entging das nicht. Der Halbchinese suchte sich zu fassen. „Diese Frau", fuhr der Verwirrte fort,„wird kaum je einem Manne gehören." Unendlich traurig und weich floß seine Rede dahin, ober dumpf und drohend klangen zu tiefst Leidenschaften empor.„Sie wird an der Sehnsucht nach dem Manne sterben, ohn« von ihm erfüllt worden zu sein." Marin beklommen, starrte Smith an. Dann sprach er, ohne daß dos zynische Lächeln aus seinen Zügen wich:„Das wollten Sie mir mitteilen?" „Verzeihen Sie. Wir von der anderen Raff« haben schweres Blut in den Adern. Ich habe das Blut meiner Mutter." Sein Blick ging tief in Marin. Wieviel Menschlichkeit, Wärme und Gefühl lag in all dem. Marin selbst war eines großen Gefühles nicht mehr fähig. Die heiße Sonne des Ostens hatte seine Seele ausgebrannt. Das Leben der Gewalt hatte ihn verroht, abgestumpft, brutalisiert. Das alles wurde ihm jetzt bewußt. Er richtete die Frage an seinen Tisch- genosi«n:„Wo bleibt die Pointe?" „Pointe?" Marin sah, wie j«der Tropfen Blut aus dem Gesicht des Halb- chinesen wich. Die Züge des gelben Mannes veränderten sich merk- llch, und er sah leidend und gequält aus. Marin empfing jetzt den stärksten Eindruck von ihm.(Fortsetzung folgt.) � Buch Wie UeH man den Standelsleil? Auch heut« noch, wo di« Diskussion über wirtschaftliche Frag«n in der Oeffentlichkeit ein ganz anderes Echo findet als in der Zeit vor dem Kriege, muß der Wirtschaftsredakteur noch oft genug die Erfahrung machen, daß die Mass« der Leser seiner Zeitung um den Wirtschaftsteil einen großen Bogen machen. Für den sozialistischen Wirts chastsredakteur, der hierin die gleiche Feststellung machen kann wie die Handelsredakteure bürgerlicher Blätter, ist diese Tatsache uni so unerfreulicher, als er den Wissens- Hunger und Fortbildungsdrang der organisierten Arbeiterschaft kennt. Wie oft niuß er den Vorwurf der Leser einstecken, daß chnen der Wirtschaftsteil ein Buch mit sieben Siegeln sei. Dieser Vorwurf vieler mteressierter Arbeiterleser ist auch durchaus be- r« ch t i g t. Dabei trifft, von Ausnahmefällen abgesehen, den Redak- teur nicht einmal eine persönliche Schuld, sondern die Verhältnisic in der Wirtschaftsjournalistik liegen so, daß auch bei durchaus populärer Behandlung wirtschaftspolitischer und betriebswirtschaftlicher Fragen dem Leser noch vieles rätselhaft bleibt. Soll der Wirtschaftsteil einer Tageszeitung eber gut fein, so muh er all die vielfältigen und zum Teil auch komplizierten Einzel- Vorgänge in der Wirtschast behandeln. Die Börsen, der Geld- und Kapitalmarkt müssen ebenso Berücksichtigung finden, wie Fragen der Konjunktur, Kartellprobleme, Industrie- und Agrarpolitik sowie Bilanzkritiken. Hier liegt auch die«igenlliche Wurzel dafür, daß der Wirtschafts- teil einer Tageszeitung bei der Masse der Leser so unpopulär ist. Wie die Hunderte von Einzelteilen einer komplizierten Maschine für den Laien unverständliche Bezeichnungen führen, haben sich auch in den fein verästelten Wirtschaftsmechanismus ein« Unzahl Fach. ausdrücke eingebürgert, die dem nicht geschulten Leser ständig neue Rätsel aufgeben. Das Buch von Fritz N a p h t h a l i und Ernst Kahn:„Wie liest man den Handelsteil einer Tageszeitung?"(Preis 5,— M. 273 Seiten. Frankfurter Sozietätsdruckerei GmbH., Buchverlag, Frankfurt a. M.), das jetzt in vollständig neuer Bearbeitung er- schienen ist, führt nun in durchaus leichtverständlicher Sprache den Leser durch den gesamten Handelsteil einer großen Tageszeitung. In lebendiger Darstellung werden all« Wirtschastsvorgänge erläutert und ihre Zusammenhänge aufgezeigt. Es ist ein mustergültiges Nachschlagewerk, das auf jede Frage bei wirtschaftlichen Vorgängen Auskunft gibt und auch für den Fachmann unentbehrlich ist. Beson- ders großen Nutzen werden ini politischen Tageskampf stehende Funktionäre der Arbeiterbewegung aus diesem Bull) ziehen, und den an den wirtschaftlichen Vorgängen stark interessierten Arbeiterlesern gibt dieses Werk durchaus die Möglichkeit, in dos scheinbar undurchdringliche Dickicht der Volkswirtschaft einzudringen. Aber auch jeder andere Leser, dem daran gelegen ist, hinter die großen Zusannnenhänge der Volkswirtschaft zu kommen, wird immer wieder neue Anregungen ans diesem Buch schöpfen. Dr. Rolf Bathc. «« FÜR DEN KLEINGÄRTNER. ■uuminniiiiiiiuiiiuiiiiiiiiiuuiniininuiuMiiiuiiiiiiiiuiiiiiiimiiiiiiniiiiiiiiiuiiiiiuiuuiiiiiiimuiiiuiuimiiiiimuiiiuiniiuiiiiiuimnnuiiiuiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiinmiiimiiiiiiiuiiiiimiiimiiiiininiiimmiBW Gemüsesaatenanerkennung. Ein« berechtigt« Forderung aller Gemüsezüchter ist die nach Bereitstellung besten Saatmaterials, an die sich dann die weiter« Forderung schließt, daß endlich mit den vielen„Sorten resp. Neu- Helten" so ausgeräumt werd«. daß für größere Bezirke mit ungc- fahr gleichen: Boden und Klüna ein« kleine Anzahl g«eig:»et«r Sor- ten festgestellt würde. Dies« zweit« Forderung zu ersüllen ist«in- mal Aufgabe der gärtnerischen Vereinigungen, dann aber auch Pflicht der Landwirtschastskammern, deren Autorität durch solche Beeinflussung der Betrieb« nur gestärkt würde. Die erste Forde- rung:«inwandsreie Saat, kann nur durch di« Gemüs«- samensivmen geläst werden, denen freilich eine unparteiische Kontrollinstanz zur Seite stehen mühte, wozu sich wiederum die Landwirtschaftskanuner am besten eignet. So ist auch in der Provinz Sachsen oerfahren worden und die von der Ackerbau- abtellung der Kammer in Halle(Saale) gegeben« Uebersicht über den Stand der Gernüsesaa t e nan erkennu ng in ter Provinz Sachsen ist äußerst instruktiv. U. a. spricht sie offen aUb, daß die wünschen?- wert« Einschränkung der Sortenzahl noch nicht angestrebt werden könnt«, da.den Züchtersirmen die Möglichkeit nicht abgeschnitten werden darf, die übrigen Teile Deutschlands mit Saatgut zu be- liefern". Es darf daher nicht wundernehmen, daß von den 19 Züchterfirmen, die sich beteiligt haben,„21 Buschbohnen" vorgelegt wurden, wobei allerdings 12 Sorten nur je 1 Firma, 4 Sorten je 2, 1 Sorte nur 3 Firmen hinter sich hatten, so daß „Saxa",„Saxa Fadenlos",„Hinrich Riesen"(weißgrau ohne Faden) und dito(mit Faden), und„Konserva" mit 4 und 5 Firmen hinter sich an der Spitze stand«». Bei den Erbsen, sowohl den Schal- wie Markerdsen, war das Verhältnis«in anderes: von 13 r«sp. 11 Sorten hatten nur 3 resp. nur 1 und 2 Züchter hinter sich, wäh. rend bei den ander«» die Zahl der Finnen aus 6 b:s 0 stieg. B-: den Schal«rbsen hatten„Boutisul" und„Expreß(Vorbote)" bei den Markerbsen„Delilateß" und„Telephon" die meist«» Züchter hinter sich. All« übrigen Gemüse sind in dem Bericht meist nur als dckrch«ine Firma eingesandt genannt worden: Spinat, Kopfsalat und Rabies sind durch eine größere Anzahl von Sorten vertreten. Von den Gurken haben die Grvchlitzer 4 Firmen hinter sich Die 19 Finnen haben ihren Sitz in den bekamtten Gt- Mlisczcntrcn Aschersieben, Quedlinburg, Eisleben, Langen- und Altenweddigen, Stendal, Erfurt, Naumburg, Mutzschlehna und Pechau. E. D, Teilung von Knollen und Stauden. Wer seine Pflanzen gut betreut, wird beim alljährlichen Her- ausnehmen der Dahlienknollen oder beim Versetzen der Stauden mit froher Miene betrachtet haben, daß da ein viel stärkeres Etwas aus dem Boden aussteigt, als jenes war, dos einst dem Lande anoertraut wurde. Sehr oft zersallcn die Ungetüme in mehrere Teile und geben uns dadurch einen Fingerzeig, was zu tun nötig ist im Falle, daß dieses Loslösen der„Kinder von der Mutter" nicht von selbst erfolgt. Man sollte also nachhelfen und mit sanftem Zwang« eine Teilmtg durchführen, bei der aber zu be- achten ist, daß jeder neu« Teil„Augen" aufweist, so daß ein Weiterentwickeln garantiert ist. Die Notwendigkeit einer i Teilung übermäßig starker Knollen, Bulben, Klumpen usw. ergibt sich aus der Erwägung, daß eine zu starke Pflanze kaum in der Lag« ist, so viel Nahrung aus ihrem Umkreis zu nehmen als die vielen Sprößling« beanspruchen. Di« kostenlos« Vermehrung kus eigenen Materials ist«in« erfreulich« Folg« der klein«» Mühe. R. D. Wie man Rillen zieht. Man schreibt uns: Mit nachstchendem will ich«ine kleine Lorrichtung zum Ziehen der Rillen in jeder Tiefe für Saatgut be- schreiben, die sich jeder mit geringen Mitteln selbst herstellen kann. Um die Rillen zu ziehen, fertige man sich eine etwa 10 Zentimeter breite, 1 Zoll stark« Leiste an. Die Leist« wird an einer Längsseite mit dem Hobel wie ein Messer angeschärst. Ebenso werden die Enden schräg abgestoßen. Ich habe mir 2 Leisten, die«ine 1 Meter, die andere 3 Meter lang, gefertigt. Nun die Anwendung. Die angsschärste Längsseite drückt man in den Boden und zieht nunmehr di« Leiste unter stetem Druck im Beet entlang. Um ein Herabfallen der Erde zu verhindern, rüttelt man die Leiste hin und wieder nach den Seiten. Jeder Vartenfreund wird seine Freude haben, wenn er feststellt, mit welcher Leichtigkeit und Akkuratesse er die Rillen herstellt, um so mehr, da er sich nicht lange mit Schnur, Stab oder Harkonstiel abmühen braucht. Nichts sieht Unschöner aus» als wenn die kleinen Pslängchen in Schlangenlinie aus dem Beet hervorwachfen. Bei Pflanz«:, die in gerader Reih« stehen, freut sich das Auge, und die Haupt- jache, die Bearbeitung der Beete ist viel bequemer und vorteilhafter. Ad. Fahl. Berliner Ostcrsport ARBEiTEH ruSSEALL Slädtekampf Kiel— Berlin Nichi Karfreitag, sondern Sonnabend UV« Uhr 2tm Sonnabend, dem IS, Aprll, tritt fei« Sp!«lvcr«m!gm>g fees 1. Kreises zum erstenmal mit einem Stäfetefubbollkampf auf den Plan. Den Gegner stellt Kiel. Di« Berliner Mannschait, die im vergangenen Jahr in Kiel spielte, mußte ein« hohe Niederlage ein- st«cken. Mit nicht weniger als 8: S Toren wurden feie Berliner geschlagen. Allerdings stand Berlin seinerseit noch im Aufbau der Bewegung. In diesem Jahr wird es einen anderen Kampf geben, haben doch die Berliner in letzter Zeit an Spielstörke und Spiel- erfahrung viel gewonnen. Die Hauptschwierigkeit für Berlin war die Aufstellung der Mannschaft. Die Spieler, die jetzt«ntgültig aufgestellt find, bürgert bestimmt dafür, daß der Arbeitersport, so wie er sein soll, gezeigt wird: nicht Kanonentum, sondern Sportler in jeder Beztehung. Die Mannschaften stehen sich in folgender Ausstellung gegenüber: «iel: Wrvdel ,(«iNoria) Laab» lZSVI Rehbchn lFEB) Brammer?o?,l lWacker)(Süd) Koch (W-sti ltritter Robemerl Das Spiel findet auf dem Sportplatz des I. Fußball- klub Neukölln, Herzbergptatz, am Bahnhos Kaiser- Fricferichftratze, um 17.13 Uhr, statt. Vorher spielen zwei Jugend- Mannschaften.— Im Gewerkschastshaus empfangen heute abend die Berliner Fußballer ihre Kieler Gäste. Der Gesangverein „Fichte-Georginia" wird Lieder zur Begrüßung singen. Handboü und anderes im Arbeitersport Allzu reichlich ist die Betätigung der Handballer an den Feierlagen nicht, die Arbeitersportler wandern hinaus in die Narur. Am Karfreitag spielen im Serienspiel Bohnsdorf-Frauen gegen AST. um 14 Uhr in Bohnsdorf, Schulzsndorfer Straß«. In Ge- fellschaftsfpielen stehen stch in Hennigsdorf, Waidsportplatz, um 16 Uhr Vorwärts-Hennigsdorf und FTGB.-Wcfeding 2 gegenüber. Rehfelde-Männer spielt in Rehfelde um IZM: Uhr gegen Köpenick?, während die Jugend gegen Köpenick 2 um HVj Uhr spielt. Von Mannschaften aus anderen Kreisen spiolen im Berlin-Brandenburger Kreise nur Slettin-Grabow-Männer und Hannooer-Linfeen-Iugend. Stcttin-Grabow spielt am 1 und 2. Feiertag in Rathenow gegen Ratbenow-Männer, Hannooer spielt am 2. Feiertag um 15 Uhr in Wildau bei Berlin gegen die dortige Jugend.— An weiteren Spielen sind zu registrieren: 1. Feiertag Siraueberg gegen FTGB.-Pankow in Strausberg und Schwedt gegen FTGB.-Rosen- . thal in Schwedt: Die Spiele beginnen um 15 Uhr. Von den Ju> g.'iidmannschaften spielen die Sparcnberger gegen FTGB.-Reinickcn- darf um 15 Uhr in Sparenberg und Nowawcs gegen Zehlendv'.f um 11 Uhr in Nowawes. Am 2. Feiertag spielen FTGB.- Nordost gegen Kalkberge um 15 Uhr in Rehfelde. In Wildau spielen Wildau 2 Jugend gegen Gallun 1 um 13 Uhr, Halbe 1 Ju- gend gegen Eiche-Käpenick 2 Jugend um 14 Uhr, ferner Wildau 2 Männer gegen Halbe 2 um 14 Uhr und Wildau 1 Männer gegen Köpenick 2 um 16 Uhr. Das Reisefieber hat an den Osterfeiertagen auch die Hockey- s p!« l e r ergriffen. Drei Berliner Mannschaften fahren in die Messestadt Leipzig und tragen dort mehrere Spiele gegen starke Leipziger Vereine aus. Die 1. und 2. Mannschaft des Athletik- Sport-Club spielt bereits am Karfreitag und trifft u. a. auf den früheren Bundesmeistcr„Würzen". Die 1. Elf des Sportbezirks „Ostring" der FTGB. nimmt an einem in engcrem Rahmen stattfindenden Turnier teil. Ihr gefährlichster Gegner ist„Paunsdorf", von dem sie im Herbst vorigen Jahres auf hiesigem Boden eine Niederlage hinnehmen mußte. Die Jugendmitgsteder des Freien Seglerverbandes fahren an den Feiertagen nach Kiel und Lübeck. Der Besuch der dortigen Arbeitersegler und Studium der Seescgclei ist der Zweck der großen Fahrt. Di« Berliner freien Segler haben für die Feier- tage Wanderfahrten in die nähere und weitere Umgebung angcsetz!. Der Arbeiter-Anglerbund. die über 800S Mitglieder umfassende Organisation der Arbciterangl«r Deutschlands, tritt an den Osterfeiertagen im Breslaucr Gewerkschastshaus zu seinem 5. Bundestag zusammen. Die schlesischen Arbeiterangler sind stolz darauf, daß die Bundestagung in Breslau stattfindet, weill gerade im Jahre 1930 die freien Breslauer Angler ihr zehnjähriges Bestehen feiern. Schon ehe die Berliner daran dachten, den AABD. aus der Tauf« zu heben, existiert« ein A r b ei t« r anglerverein>n Breslau, und der damalige Vorsitzende Bukowski hatte im Frühjahr 1921, also vor der Gründung des Berliner AAB, im„Vorwärts" die Angler im Reich aufgefordert, sich in einem Arbeiteranglerbund zusammenzuschließen. Der Artistenoerein„Einigkeit 1888, Mitglied des Arbeiter-Athletenbundes, wird wie alljährlich auch an diesem 1. Feiertag in der„Neuen Welt", Hafenheide, seinen Gästen ein wirklich gutes Varieteprogramm bieten. Besonders die Jugendabteilung bringt beachtenswerte Leistungen. Der Vorstellung folgt Tanz. Vorverkauf der Korten im Eigenheim, Vereinshaus „Einigkeit", Neukölln, Kirchhofstraße 41, ferner im Restaurant Warmbrunn, Zietenstraße 82, beim Pförtner der„Neuen Welt", sowie im Funkhaus Oranienstraße 197. Einlaß 16 Uhr' Kämpfe bürgerlicher Amateure Die Gruppe Brandenburg und Grenzmark des Deutschen Luftfahrtoerbondes veranstaltet unter Leitung des Flug- technischen Vereins Spandau 1924«. V. in der Zeit vom Freitag, 18. April, bis Montag, 21. April, im Gelände Hagershorst bei Zehden a. d. Oder ein Vergleichsfliegen unter ihren Vereinen. Von Freitag bis Montag finden Prüfungsgleitflüge und Segel fiüve aller Art statt. Am Sonnabendnachmittag: Zielfliegen der Jungflieger, dann am Sonnabendabend Vortrag mit Licht- bildern in Zehden: Heiteres aus dem Vereinsleben der Segelflieger. Am Sonntagnachmittag ist ein Zeitfliegen für geübte Flieger mit Gleitflugzeugen angesetzt. Für Besucher: Verbindung: Vom Stettiner Bahnhof mit der Reichsbahn nach Freienwatde, von dort mit dem Postautobus nach Hagershorst und Zehden a. d. Oder Die Republikanischen Motorradfahrer, vereinigt in der Ortsgruppe Berlin des Reichsverbandes Republikanischer Motorradfahrer e. V., Berlin W 30, Neue Winterfeldtstraße 20, haben zu Ostern folgende Veranstaltungen angesetzt: 1. Fahrt in fei« Sächsische Schweiz(zwei Tage): Start: Sonnabend, 19. April, 14 Uhr, Steuerhaus Tempelhofer Feld. 2. Fahrt in die Märkische Schweiz; Start: Ostermontag, 21. April, morgens 8 Uhr, Bahnhof Friedrichsfelde. � Im bürgerlichen Fußball spielen am 1. Feiertag Hertha» BSE. gegen die Münchener auf dem Herthapiatz, am Ostermontag Tennie-Borussia gegen Austria-Wien um 16 Uhr im Poststadion. Gleichfalls am Sonntag find die englischen Hockeyspielerinnen, die Chiswick Ladies wieder in Berlin; sie treffen um 16 Uhr in Dahlem mit dem Berliner Hockeyclub zusammen. Berufs-Radsporf Wenn die Witterung einigermaßen günstig ist, wird an den Ostertagen im Radsport leMjafter Betrieb herrschen. Am 1. Feiertag wartet die R ü 1 1- A r e n a mit einem großen Mannschaftsfcchren über 145 Minuten auf, an dem folgende zwölf Paare teilnehmen werden: Der Pariser Sechstagesieger Blanchonnet mit Peyrode, Rielens-Bandenhooe, Ehmer-Tietz, Knappe-Schön, Frach-Siegel, Lehmarm-Mssel, Kroll-Miethe, Mandelkow-Nickel, Schwommler-Kantorowicz. Kroschel-Funda, Kilian-Pützfeld und Mühlbach-Eoers. Vorher findet noch ein italienisches Verfolgungs- rennen statt, und zum Schluß werden sich Blanchonnet und Kroll im Verfolgungsrennen gegenüberstehen.— Am 2. Feiertag ladet die Olympiabahn zu Gaste. Hier steht nach einer Ein- leitung über 25 Kilometer das Stundenreimen um den„Großen Osterprois" unter Beteiligung von Sawall, Krewer, Manera, Thollembeck und Schmidt zur Entscheidung an.— Auf den Landstraßen spielen sich am 1. Feiertag ebenfalls zahlreiche Ge- fchehnisse ab. Da ist in erster Linie die traditionell« Bundesfahrt Berlin— Leipzig über 151 Kilometer zu nennen, an der rund 200 Fahrer teilnehmen werden. In der Klasse A stellen sich unter anderem Merkon, Risch, Stach«, Filenius und die Dresdner Mai- dorn und Harter zum Kampf.— Auf der Spandauer Rennstrecke gelangt das 50-Kilmneter-Vereinsmannschaftsfohren um den Aberger- Wanderpreis durch die Ortsgruppe Berlin der DRU. zur Er- ledigung. » Fünf neue Dirt-Track-Fahrer, darunter vier Aus- länder, stellt die Olympia bahn am Osterfonntag, 16 Uhr, erstmolig den Besuchern vor. Aus Dänemark sind Niels Sörensen, Socnd Age Engström und Gunnnr Jakobson eingetroffen, England entsandte seinen Klasfefahrer I. Wood, und alz neuer deutscher Fahrer tritt 5). Krons hinzu. Mit ihm und den in Berlin bekannten Franz Heck, Tennigkeit, Eduard Ziemer und Schauer ist die deutsche �.-Klassen-Konkurrenz zur vertreten. In der B-Klasse starten in mehreren Rennen Carl Heck, der nach seinem nächsten Sieg in die.�-Klasse aufrücken wird, Günther Ryll, Binder-Saam, Alberts, Müller jr., Hasser, Gumz, Leimer und der id-Rad-Fahrer Prybilski, dieser erstmalig nach der 144-Stunden-Fahrt auf dem Nürburgring. LngHsche Flieger kommen Grofjer Amateuräug nach dem Kontinent Heute, am Gründonnerstag, werden über 2 0 englische A ma t eu r f l ie g« r mit Leichtflugzeugen vom Heston-Flugplatz in England zu einer Festlandostersahrt starten. Es ist das erstemal, daß eine so große Anzahl von Amateurfliegern ein« längere Reis« zum Kontinent unternimmt. Während der zehn Tage, die die Fahrt dauern soll, werden besucht: Brüssel, Frankfurt, Salzburg, Wien, Prag, Berlin, wie die wichtigeren deutschen Flughäfen, ferner die Dornier- und Zeppelinwerkstätten am Bodensee und das Segel- fluggelände an der Wasserkuppe. Der Flug verfolgt den Zweck, die Bequemlichkeit, Sicherheit und Leichtigkeit, mit der das Festland in der Luft bereist werden kann, zu zeigen. Schließlich will man den Mitgliedern des.„YestomLuftplatzes"— so heißt die englische Ainatcurvercinigung— Gelegenheit geben, Einblick in das Wesen der deutschen Luftfahrt zu tun. Die Leitung des Fluges hat Kapitän Baker, ein in England sehr bekannter Kriegsflieger, übernommen. Nachdem die Moschinen, in Paaren fliegend, den Flugplatz ■Hcston verlassen haben, werden sie zunächst das Aermelmcer über- fliegen und in St. Jngleoert erste Station machen. Brüssel wird am gleichen Tage nachmittags erreicht werden. Am Freitag wird der Flug nach Köln und Frankfurt fortgesetzt werden. Der Sonn- abend wird an der Wasserkupp« verbrcrcht werden, wo den englischen Fliegern die neuesten Typen der deutschen Segelflug- zeuge vorgeführt werden, vstersonntag wird in Stt-itgart verbracht, von wo aus man nachmittags die Fliegerschule in Böblingen besuchen wird. Bon da aus wird der Flug nach Friedrichshafen fortgesetzt. Der folgend� Tag wird einer Besichtigung der Dornixr. uud Zeppelin-Werke gewidmet sein. Alsdann will man das Donau- tal abwärts und über München und Salzburg nach Wien fliegen. Später soll mit Besuchen in Brünn und Prag die Tschechoslowakei überfiogen werden. Bon Prag aus wird die Fahrt über Dresden nach Perlin-Tempelhof fortgesetzt. Auch«in Besuch der Junkerswerke in Dessau ist vorgesehen. Auf der Rückfahrt wird Amsterdam berührt. Chiswick Ladis geschlagen Nach ihrem hohen und überzeugenden Sieg gegen die Damen des S.C.CHarlottenburg hatte man oonden englischen Hockeyspielerinnen des Chiswick Ladies H. C. auch in Leipzig beim Spiel gegen den Leipziger Spori-Club am Mittwoch«in erfolgreiches Ab- schneiden erwartet. Doch sollte es umgekehrt kommen. Der feuchte und glatte Boden sagte den Engländermneü anscheinend gar nicht zu und die Leipziger Spielerinnen hatten bereits drei Tore vor- gelegt, als die Gäste fünf Minuten vor dem Wechsel zum ersten Treffer kamen. Nach'der Paus« erhöhte Leipzig auf 4:1, dann holten die Engländerinnen zwei Tore aus und in den letzten Minuten war jeder Partei noch ein Tor vergönnt, so daß Leipzig knapp mit 5:4(3:1) Toren siegreich blieb. Motorboot fährt 154 Kilometer Ein neuer Weligeschwindigkeiisrekord für Motorboot« ist von dem bekannten amerikanischen Rennbootfahrer Garwood an der Küste von Florida aufgestellt worden. Garwooo erzielte in seinem Rennboot„Miß Amerika" eine Stundengeschwindigkeit von 96,25 Meilen, das sind etwa 154 Kilometer. Die geregelten Waldläufe Richtlinien für ihre Abhaltung Wie der„Amtliche Preußische Pressedienst" mitteilt, hat das Berliner Stadiamt für Leibesübungen in einer vor kurzer Zeit abgehaltenen Besprechung mit Vertretern der in der Hauptsache in Frage koinmenfeen Verbände im gegenseitigen Einvernehmen .Richtlinien festgelegt, die bei der Abhaltung von Wald- laufen künstig Geltung haben sollen. Die Richtlinien haben folgenden Wortlaut: „Die bei Waldläufen von einzelnen Verbänden und Bereinen in letzter Zeit wiederholt angewandte Art der Markierung der Laufstrecken durch Oelfarbenanftrich der Bäume, An- bringen von Lappen oder Papier ist noch der bestehenden Natur- schutzoerordnung und nach den bestehenden sonstigen gesetzlichen Be- stimmungen nicht gestattet. Ausnahmsweise kann die Forstvcr- waltung sich mit der Kennzeichnung durch leichte Schlernmkreide- lösung einverstanden erklären. Es ist deshalb auch diese Mar- kiermigsart noch Möglichkeit dadurch zu oermeiden, daß an den Laufstrecken eine ausreichende Anzahl von Winkerposten— nötigenfalls mit Fahnen ausgerfrstri— für die Orientierung sorgt. Um Unzuträglichkeiten mtt der Forstverwaltung und den mit der Durch- führung des.Naturschutzes und der gesetzlichen und polizeilichen An- ordrmngen beauftragten Organen zu vermeiden, ersuchen wir, in Zukunft folgendermaßen verfahren zu wollen: Alle Verbände und Vereine, die Waldläufe, die eine Markierung erforderlich machen, durchzuführen beabsichtigen, melden dies spätestens 14 Tage vorher schriftlich der Forstverwaltung der Stadt Berlin, Berlin C2, Stadthaus, Stralauer Straße 15/22, unter Angabe des Tages, der Stunde und der Sirecke unter Hmzufiigung des Tages und des Zeitpunktes, an dem die Markierung vorzunehmen be» absichiigt ist. Die Forstverwaltung versieht dann die zuständige Revierverwaltung mit der entsprechenden Anweisung und teilt dem betreffenden Verein oder Verband mit, wo sich zu dem von ihm angegebenen Termin ein Beauftragter dieser Revierverwaltung ein- finden wird, um wegen der örtlichen Kennzeichnung der Strecke die etwa nötigen Verabredungen zu treffen. Vor Eintreiien fees Forst- beamtcn darf mit der Markierung nicht begonnen werden: seinen Anweisungen ist nachzukommen. Auch von geplanten Waldläufen, bei denen«in« Markierung der Strecke nicht vorgesehen ist, wird empfohlen, der Forstverwaltung so rechtzeitig Mitteilung zu machen, daß von ihr die zuständig« Revierverwaltting von der Veranstaltung benachrichtigt' werden kann. Die Beachtung dieser Richtlinien wird nicht nur Schwierigkeiten zwischen Forstbeamten und den die Waldläufe veranstaltenden Bereinen und Verbänden ausschließen, sondern auch für die Beauf- tragien der Verein« und Verbände ein« Sicherung dagegen sein, daß sie sich, wenn auch unbewußt, mit gesetzlichen Bestimmungen in Widerspruch setzen." Arbeiter-Schachturnier in Aschersleben In Aschersleben findet während der Feie.rtage das Mitteldeutsche Arbeiter-Schachiurnier statt. Ge- meldet haben Magdeburg, Käthen, Hannooer, Braunschweig, Halle, Dessau, Staßfurt; Berlin beteiligt sich mit zwei Mannschaften am Turnier. Das größte Interesse dürfte der Jugendwettkampf zwischen Magdeburg, Dessau, Aschersleben und Berlin haben. Die Abfahrt der Berliner Mannschaft erfolgt am Sonnabend, dem 19. April, vom Schlesischen Bahnhof um 13.49 Uhr. Treffpunkt um 13 Uhr am Fahrkartenschalter(Fernbahn). Meisterschatten der Amateurboxer Alljährlich an den Ostertagen versammeln sich die besten deutschen Amateurboxer zum Kamps um die V e rb a nd s m e ist e r- f ch a f t e n. Diesmal ist di« Kölner Rheinlandhalle der Schau- platz der Kämpfe, wo am Sonnabend und Sonntag in zahlreichen Vor- und Zwischenkämpfen die Spreu vom Weizen zu sondern ist. Am Ostermontag finden die Titelkämpfe statt. Don den vorjährigen Meistern erscheinen nur vier als Titelverteidiger wieder. Einer von ihnen, der Boniaingewichismeister Rusiemeyer-Esien, startet in einer höheren Gewichtsklasse: Weltergewichtsmetster Kugler-München ist durch einen Motorradunfall an der Teilnahme verhindert; feie vorjährigen Sieger im Mittel» und Schwergewicht, di« Bochumer Skibinski und Neusel, sind in das Lager der Berufsboxer über- getreten. Insgesamt stehen 70 Bewerber für die acht Meistertitel bereit.— Vor Beginn der Meisterschaften tritt der Reichsverband zu einer Reihe von Sitzungen zusammen, di« mit dem am Freitag abend stattfindenden Kongreß abgeschlossen werden. Der Arbeiter. Sport-Verein Neukölln, der mehrfach durch seine vorzüglichen Vorführungen bei Arbeitersesten auffiel, bittet uns mitzuteilen, daß alle Abteilungen von 20 bis 22 Uhr m der Walter- Rathenau-Schule Neukölln. Bodd'mstraße, nahe Hermonnsttaße, turnen, und zwar: die männliche Jugend Montags, die Jungmädchen und Frauen Donnerstags, die Männer Freitags. Am Mittwoch, 23. April, beginnt auch der Uebungsbetricb auf dem städtischen Sportplatz in der Grenzallee. Zur Osterwanderung in die Sächsische Schweiz treffen sich alle Teilnehmer Donnerstag, 17. April, IS'A Uhr, vor dem Anhalter Bahnhof. .Solldariiiit- O:t»«n>z>»««r»k-i0crli». Kckibäktsftell»: Nobert Zioibartb, Berlin SW. 11,' Echiinclicrerr Str. 17n. Touren bei Stobfabrcc: I. Abt.r 18. Äprilr Hcnuiiouc gaMntorst und«ritrr. Sittrt 8 lilit Bülowftr. 56. 19 April: Iuarnd.Öftrrsadrt Tchlaubctal. Siart Ii) Uhr. 29. April: Kloster Cliorln, Start« Ulir: Spandau-Wonsdors. Start 18 Udr. 21. April: Aipen- b-roe. Start 13 Ufte. Start irdesmal Lülowstr. 35.— 3. Abt.: 18. bis 21, April: Ofterfalirt ins Etrrnberarr Land. Start 18. April.»X UI>r Stblriischer Balinhof. 21 April: Volinsdorf. Heimann. Wal dersdorfer Strafte. Start 13 Ul>r Dieste»- backstr. 38.— 5. Abt.: 18. April: granksurt— Zielen, in(4 Lanr), Start>>>.. Udr Eilllefiftfver Badudof. 20. April: Siel am Start 13 Uhr. 21. April: Ziel am Star: 13 Udr Landsberner Platt.— 8. Abt.: 21. April: Nen-Herinnsdorf, Start ll'e Udr Vorndolmer Strafte. Ecke Sckdr.dauser ANre. gllr Badnsadror Mit Sieafteniadn 8? b's Köpenick. Krvnlendaus.— 9. Abt.: 18. Anril: Tanner- münde. Seart 5 Udr Lehrter Babndok bis Nauen: Lannstreckenfadrer 5 Uhr TrMftr. ra. 19. April: Durch die Altmark. W. April: Prandeirbura, Start 8 Udr. 22. April: Hanelnel'ie:. Start II Udr. Star! DrINftr. 03.— 10. Abt.: 21. April: Adlcr-dat. Start 13 Uhr.— Zlennjahrrrabteilllna z»itte: 19 April: Slcltin. Start 17 Udr Köninztor.— Abt. Khallotlcnbura: 13 April: giel am Slart 13 Udr. 20. April: Aller giiil-nlrun. Start 13 Uhr. 21. April:«:ind. !our Ticfrmrder. Start 13 Udr. Start Mllmersdorfer Ecke Kanalstrafte.— Abt. Sck:önr»«r«: 20. April: Kloster Edorln. Start S Uhr. Spandau 13 Uhr. 21. April: Alp«nb«r»e. Start 13 Uhr. Start Stubrnrauchstr i.— Abt. Stealift-Lichttr- selbe: 20. unb 21. April: Dudrorn. Start 7 Udr Birklmschstr. 90.- Abt. Rcu- lull»: Earulh— gerch. Start 7 Udr. 20. und 21. April: Miinchedern-gllrslen. »aide, Start 7 Ilde. Start Loden,-ollernplad.— Abt. Treptom-V-iimstllnlen. Start 8 Udr.— Abt. Wriftenlee-Seincradorl: 19. April: Mörtische Sckmiel,, Start 13 Udr Antonxlaft.— Abt. Rrinickendors: Ist? April: Tieseinre.«tart 7 Uhr Provinzstr HO. � «rbeIter-Sck»»im.«i?erei»»Hella«". Donnerotaa, 17. April, 20% Ufit, flnbet ousnokmtsiDcifc ein Uebunnoabend in der kleinen Lalle statt. Die Ucbung». «den de am 13.. 21. und 32. April fallen aus. Nächster Ileibunnsaben» fyrcttafl, 25. April. Karfreitaa Pereinspartie(Sternfahrt). Treffpunkt für Junen» und Kinder 8 Udr Vadnhos Weddina lLindowee Strafte), für Männer und grauen 9 Udr Bahnhof Eefnnddrunnen lNinndadn). Sftcic ftar.u-Unior«roft-Berlin. Abt. vberspree: gre.ian. 18. April, t-tart «.r Ofterfahrr nach Eablo» ,:m 8') Udr. Banfe: geutd-ner fflteint. Tort Treffpunkt der Gruppe Wubfljclde mit den Gruppen Erkner und. Wilyeimor baacn. �(Befchäfte-Jbtsdger i&ezirfc Jlorden-'Cficn. RüM-Arena Mttdmster Renntasf: ostf eranontfaR. 4 VI»» Internationales Mannschaftsrennen Am Start u�a> der Sieger der Pariser 6 Tage Bianchonnet Bevor Sie f�Sob�l kaufen besichtigen Sie meine Ausstellung[R129 Zahlungserleichterung ohne Aufschlag, bei Kassa 50/o Tischlermeister Berlin Nf Chausseestr. 60 JULIUS KIWI H. Winter& Co. 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