10 Pf, Nr. 187 B 93 47. Jahrgang BERLIN Slenstag 22. April 1930 erfcheiatL»,licha»terS«»»t«t<. Zugleich Abendausgabe de».Vorwärtt'. BeiugSxreit beide Ausgaben ssPf.»ro Woche. 8,60®. pro Monat. Viedakttou und Eroedition; BerlinSW6S.LlndenKr.S „yofiüxxsfa i' ■ BieigeRfreilsSle einspaltige Nonpareilleteil« Pf.. Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. stscheckkonto: VorwärtS-Verlag G. m. d.H� Berlin Nr. 87SZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Oer Brand im Zuchthaus. Lieber 400 Tote im Gtaatsgefängnis von Ohio. New Bork. 22. April.(Eigenbericht.) Im Staatsgefängnis von Kolumbus(Lhio) er» eignete sich eine schreckliche Brandkatastrophe. Das Niesenfeuer wurde nach Zerstörung eines Vierzellen' blocks spät nachts gelöscht. 310 Sträflinge kamen hilflos in den Zellen um; 100 Sträflinge erlitte« schwere Rauchvergiftungen, viele von ihnen liegen im Sterben. Starke Truppenaufgebote sind bemüht, die Qrdnung der unruhigen Sträflinge im Anstaltshofe aufrechtzuerhalten. Das Ursprungsfeuer und die»achfolgenden Einzelfeuer sind anscheinend von den Sträflingen, um Ausbrüche zu ermöglichen, angelegt worden. Die be- freiten Sträflinge waren zuerst um die Rettung der un- glücklichen Kameraden bemüht, wurden später jedoch un- ruhig und erschwerte« die Löscharbeiten. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus. Die Schlüssel der brennen» de» Zellenblocks wurde« in der Aufregung verlegt, so daß die Fusasien wie Ratten umkamen. Die Schreckens» szenen waren unbeschreiblich. Der Anstaltshof erinnert an ein Schlachtfeld mit haufenweise umher- liegenden Leichen. Die Aerzte und Hilfsmannschaften wurden durch Radio herbeigerufen. Die Strafanstalt war mit 4300 Sträflingen überbelegt, da sie nur für 1300 Insassen bestimmt und ganz veraltet ist. Die Flammen fanden in dem ölgetränkten Dachmaterial reichliche Nah- rung; starke Westwinde förderten die Ausbreitung des Feuers und die ungeheure Rauchentwicklung. Die Sträflinge zerschnitten mitten in der grüßten Zlufregung mehrere Wasser- schlauche und drohten mit der Jnbrandsehung der Feuerlöschautos. 1700 Soldaten halten die Strafanstalt umzingelt. Die Stromlieferuug des gefährdeten Zellenblocks war zeitweise unterbrochen» so daß die Oeffnung der elektrischen Zellenschlösser un- möglich war. Die Rettungsmannschaften verwendeten Schmiedehammer und Schweißapparate, wurden aber durch den Rauch stark behindert. Columbus(Ohio), 22. April. Ucber die Brandtataftrophe im Staatsgcfängnis von Ohio werden weitere Einzelheiten bekannt: Das Jeuer entstand im lvest- flügel des Gesängnisses. Es kam zu einem unbeschreiblichen Durch- einander. Die Türen wurden schließlich ausgebrochen und ungefähr 500 Menschen waren imstande, auf den l)of zu flüchten: die Ge- fangenen stürzten aus den Zellen nach den Ausgängen. Doch war auch auf dem Hof der Rauch sehr stark. Ilm Krankenpflegerinnen wurden angefordert, um den Verletzten und Sterbenden Beistand zu. leisten, die nicht alle im Krankenhaus untergebracht werden kann- ten. In den Korridoren der Gefängnisgebäude häuften sich die Opfer. Um L.l5 Uhr abends amerikanischer Zeit lagen ZOS Leichen im hose de» Gefängnisse». Am späten Abend war der Brand auf seinen Herd beschränkt. Es wurden umfassende Matznahmen gegen etwaige Ausbruchs- versuche getroffen. Eine große Menge Tränengasbomben und Gas- masken wurden bereitgelegt. Die Erregung stieg, als auch die Werkstätten in Brand gerieten und nach der Löschung das Feuer wieder aufflammte, was den von verschiedenen Seiten gehegten Verdacht der Brandstiftung durch Sträslinge zu bestätigen schien. Ein Augenzeuge berichtet. Schauerlich tönt dos Stöhnen, Geschrei und Fluchen der«in- gesperrten Gefangenen durch die Nacht, während Hunderte mit d«n Feuerspritzen dl« Flammen bekämpfen. Sämtlich« Hospitäler find überfüllt. Das Ausmatz des Unglücks ist noch unübersehbar. Das Gefängnis liegt mitten in der Stadt Columbus. Sämtliche Straßen sind abgesperrt. Di« Lage wird dadurch erschwert, daß schwer« Tumults ausgebrochen sind. Zusammenstöße zwischen Gefangenen und Truppen sind im Gange. Die Ursache d«s Brandes ist noch nicht festgestellt. Es wird angenommen, daß unzufriedene Gefangen« die Wollweberei des Gefängnisses angezündet haben. Scheinwerfer beleuchten die leichenüberjäten Gefänguishöj«, Ununterbrochen werden Leichen auf Last» wagen abbefördert. Gegen 21 Uhr amerikanischer Zeit ist das Feuer noch immer nicht gelöscht. Angeblich wurden die Wärter bei Ausbruch des Feuers kopflos und ergriffen blindlings die Flucht. Sie überließen die Gefangenen ihrem Schicksal, die in verzweifelter Ohnmacht an die Wände pochten, die Fenster zer- trümnrerten und um Hilfe schrien. Viele Gefangen« erlitten Nerven- Zusammenbrüche. Big' Bill Norton, ein berüchtigter Ver» b recher, ergriff die Schlüssel eines kopflosen Wärters, öffnete die Türen und gab so den Gefangenen die Möglichkeit, sich zu retten. Vi«le andere Gefangene,' Wärter und Feuerwehrleute verbrachten Wunder von Tapferkeit, durch die das noch unübersehbare Unglück wenigstens etwas gemildert wurde. Die Belegschaft des Gefängnisses betrug 4600 Mann. Gegen Abend wurden sämtliche arbeits- fähig«« Gefangenen aufgefordert, sich an den Löfcharbcsten zu be- teiligen. Gegen einen Teil des Gefängnistes. der schon ISIS erbaut wurde. bestanden schon lange Zeit Bedenken besonder» bei der lleberfüllung, die schlimmer ist als in allen anderen amerika- nifchen Gefängnissen. Bereits im Zahre 1928 verbrannten sechs Gefangene. Zwei Brände im Gefängnis von Columbus. New Zort. 22. April. Wie sich jetzt herausstellt, haben im Gefängnis von Columbus zwei Brände gewütet. Das zweite Jener ist von den Ge- söngnisinsassen, die infolge der Brandkalastrophe in furchtbare Erregung geraten waren, in der Wollspinnerei des Gefängnisses angelegt worden. Es konnte erst um 11 Uhr nachts amerikanischer Zeit gelöscht werden. Aus dem Gesängnishos sind 2000 Gegangene zusammengedrängt. Die Lage ist noch immer sehr bedrohlich. da Ausbruchsversuche der bis zum Wahnsinn überreizten Gefangenen befürchtet werden. Alle verfügbaren Truppen und polizeikräste sind in der Bähe des Gefängnisses zusammengezogen worden. Der Schauplatz des mörderischen Jeuers bietet im Schein zahlloser Jockeln einen Anblick unbeschreiblichen Grauens. Sämtliche Lichtleitungen sind durch die Brände zerstört worden. Die Gefahr einer Meuterei wird dadurch noch erhöht. Die Löscharbeiten gestalteten sich außerordentlich schwierig, zumal die erregten Gefangenen immer wieder Angrisse ans die Jeuerwehrleute unternahmen. Man rechnet mlt 400 Toten. Kolumbus(Cchlo), 22. April. Nach späteren Schätzungen beträgt dir Zahl der Toten 400, die der Verletzten mindestens 300. Das Gefängnis, das nur für 2000 Sträflinge vorge- sehen ist. hatte nahezu 3000 Insassen. Das Feuer brach um 0 Uhr abends zur Zeit der Einschließung der Sträflinge in ihren Zellen an zwei verschiedenen Stellen gleickzzeitig aus und breitete sich bei starkem West- wind rasch aus. so daß die Sträflinge der oberen Zellen- stockwerke wie in Fallen gefangen waren. Wäh- rend ein Teil der Sträflinge Heroisches zur Rettung der Eingeschlossenen vollbrachte, zerschnitten andere die Schläuche und hinderten die Löscharbeiten. Um Mitternacht befanden sich etwa 2000 Mann Militär und Polizei an der Brandstelle. Etwa 1300 Sträflinge wur- den wieder in ihre Zellen zurückgebracht. Ueber 1000 trieben sich jedoch im Gefängnis herum und ver- fuchten, neue Brände zu entfachen. Auch für die ersten Brände in den Zellengebäuden wird Brand- stiftung nunmehr als erwiesen angesehen. da an mehreren Stellen ölgetränkte Lumpen gefunden wurden. Die Ordnung war im Gefängnis am Morgen Wiederher- gestellt. Der Brand stellt die folgenschwer sie Feuersbrun st dar. die die Vereinigten Staaten in den letzten Jahrzehnten erlebt haben. Er ist, was die Zahl der Opfer anlangt, nur zu vergleichen mit dem Brand im Jroquois Theater in Khikago 1003 und der Erdbeben- und Brandkatastrophe von San Franziska 1900, wo 400 bis 300 Menschen umkamen. Im Gegen- satz zu diesen Katastrophen war bei dem gestrigen Brand der Sachschaden ganz gering. Er betrug noch nicht 20 000 Dollar. Kampf um dieIugend. Oster-ReichSkonferenz der SAZ. in Lüneburg. Die wirtschaftliche und politische Entwicklung der letzten Jahre hat di« Jugend ungleich stärker als früher in den Vordergrund des öffentlichen Interesses gerückt. In allen Lagern ist man bemüht, durch einen planmäßigen Ausbau der Erziehungs- und Jugendorganisationen einen inöglichst großen Teil der Jugend zu erfassen und sich so ein« starke Reserve für die politischen Auseinander- setzungen der Zukunft zu sichern. Die Jugend ist aber auch schon bei den Gegenwartsentscheidungen stark umworben, und seit den letzten Rcichstagswahlen im Mai 1928 kann man von einem wahren Kampf um die Jugend sprechen, der wahrscheinlich in der nächsten Zeil noch an Schärfe zunehmen wird. Di« Ursache dieser Entwicklung ist in der veränderten gesell» schaftlichen Stellung der Jugend zu suchen. Die Jugend spielt heute im Wirtschaftsleben eine bedeutsame Rolle, denn von den etwa 5,24 Millionen Jugendlichen zwischen 14 und 18 Iahren, die bei der letzten Volkszählung gezählt wurden, stehen etwa 80 Prozent, also mehr als 4 Millionen im Erwerbsleben. Die sozialistische Bewegung muß sich in diesem Kampf um die Jugend gegenüber den anderen Parteien zu behaupten suchen, und sie hat vor allem deshalb das stärkste Interesse an der Ge- winnung der Jugend, weil die Erfüllung ihrer Ziel« in der Zukunft Legt, in der die junge Generation von heute di« Geschick« des Bolkes zu bestimmen hat. Hinzu kommt, daß die Erfahrungen des letzten Jahrzehnts deutlich die große Bedeutung einer systematischen sozialistischen Erziehungsarbeit bewiesen haben. Die Arbeiterbewegung ist in ihrem Kampf um den Sozialismus nicht nur abhängig von der Zahl ihrer Anhänger, sondern auch von dem Maß der Schulung der Massen, die diesen Kamps führen und die neue Ordnung in Staat und Wirtschost ge- stalten sollen. Für den Sozialismus ist darum heute die Jugend- erziehung ebenso wie die kulturell« Arbeit nicht nur eine angenehme Feiertagsbeschästigung, sondern eine politische Ausgabe von weit- tragender Bedeutung. Wir hatten vor den» Krieg als einzige sozialistische Jugend- Organisation die Zusammenfassung der arbeitenden Jugend durch die „Zentralstelle für di« arbeitende Jugend Deutschlands", die bei Kriegsausbruch rund 100000 Jugendlichen die Zeitschrift„Arbester- Jugend" zustellte und für diese Jugendlichen eine umfangreiche Jugendarbeit leistete. Heute besteht eine große Zahl sozialistischer Jugendorganisationen, unter denen die Sozialistische Ar- be it e rj ug e n d, die Jugendgruppen der Gewerkschaften und die Jugendgruppen der Arbeitersportbewegung in erster Linie zu nennen sind. Sie umfassen rund 800 000 Jugendliche. Das sind zwar auch erst 20 Prozent der Gesanitzahl der erwerbs- tätigen Jugendlichen, aber immerhin ist eine wesentlich größere Zahl erfaßt als in den Jahren vor dem Krieg. Eine bedeutsame Er« Weiterung hat die sozialistische Jugend- und Erziehungsarbeit er- fahren durch die K i n d e r f re u ndeb e we g u ng. die in den letzten Jahren einen prächtigen Aufstieg erlebt hat und die wichtige Vorarbeit für die Erziehungsaufgaben der sozialistischen Organi- sationen der schulentlassenen Jugend leistet. Das bisher Erreicht« kann fteilich nicht genügen. Es kommt darauf an, die sich aus dem gegenwärtigen Kampf um die Jugend für uns ergebenden Konsequenzen zu ziehen und einen weiteren planmäßigen Ausbau der Jugendarbeit zu fördern. Die Relchskonfereaz der Sozialistischen Arbeiterjugend, die am 13. und 19. April in Lüneburg tagte, hatte aus diesem Grunde in den Mittelpunkt chrer Veratungen einen Vortrag über die Aufgaben der Sozialistischen Arbeiterjugend im Kampf um die Jugend � gestellt, und der der Reichskonferenz folgende Norddeutsche Iugendtag am Ostersonnabend und Ostersvimtag trug ebenfalls das Motto: Arbeiterjugend im Kampf. Der Sozialistischen Arbeiterjugend geht es bei ihren BemtuugcN jedoch nicht nur um schwungvolle Proklamationen, sondern um die Schaffung neuer praktischer Arbeitsmöglichkesten. Die Lüneburger Reichskonferenz konnte bei der Erfüllung dieser Ausgaben ausgehen von der Tatfachs einer gefestigten und im Aufstieg be- fi üblichen Bewegung. Der Konferenz lag«in umfangreicher Bericht über die in den Jahren 1928 und 1929 geleistete Arbeit vor, aus dem wir hier nur einige Zahlen hervorheben wollen. Die M i t gl i s d« r z a h l hat sich in den zwei Iahren von rund 49000 auf rund SöOOO. also um 7000 erhöht. Die innere Lebendigkeit der Bewegung wurde sichtbar bei den großen zentralen Veranstaltungen, so beini Dortmunder Iugendtag im August 1928 utib beim Internationalen Jugendtreffen in Wien. In Dortmund wurden 29 909 Tcilnehincr gezählt, also mehr als ein Drittel der Gesamtmitgliederzahl, und nach Wien gingen aus Deutschland rund 13 999 Jugendliche. Diese Acchlen veranschaulichen eine Aktivität der Mitgliedschaft, die keine andere Jugendorganisationen auszuweisen vermag Erwähnt sei schließlich auch der Mitteldeutsche Iugendtag in Magdeburg, der zur De« grühung des Parteitags einberufen wurde und der Parteiöffentlich- keit bewies, daß die Sozialdemokratie aus einen begeisterten und orbeitsfreudigen Nachwuchs rechnen kann. Das Schwergewicht der Arbeit liegt freilich nicht in den großen Veranstaltungen, sondern in den Zusammenkünften der Ortsgruppen. Im Jahre 1929 berichteten von mehr als 1699 bestehenden Ortsgruppen rund 1999 Ortsgruppen über 42 312 bildende Veranstaltungen mit 765 732 Teilnehmern, 34897 unter- haltende Veranstaltungen mit 936 616 Teilnehmern, 36 738 Ver- anstaltungen auf dem Gebiet des Spiels, Sports und Manderns mit 759 46g Teilnehmern und 16 397 Versammlungen mit 371 192 Teil- nehmern. Insgesamt wurden in diesen 1999 Ortsgruppen 128 264 Veranstaltungen mit rund 2 899 999 jngendlichen Teilnehmern durchgeführt. Vemerkenswert ist. daß die Zahl der bildenden Ver- anstaltungen an der Spitze steht. Sie sind der Beweis für das starke Bestreben der Bewegung, die jungen Arbeiter und Arbeiterinnen nicht nur zu unterhalten, sondern ste auch in ernster Bildungsarbeit zu schulen für die Aufgaben der Arbeiterbewegung. Di« Bildungs- arbeit, insbesondere die politische Erziehungsarbeil, hat in den letzten Monaten stark im Vordergrund des Interesses der Bewegung gestanden. Die Bewegung ist sich darüber einig, daß vor allem für die älteren Jahrgänge der Mitglieder, die Siebzehn- bis Zwanzigjährigen, die politische Erziehung besonders wichtig ist, chenn die Zwanzigjährigen sollen als Wahlberechtigte politische Ent- schcidungen fällen, und sie sollen auch von der Jugendorganisation übergehen zur politischen Mitarbeit in der Partei. Dagegen bestehen Meinungsverschiedenheiten über die Grenze zwischen politischer Erziehung und politischer Betätigung. Die Sozialistische Arbeiterjugend ist eine Erziehungsorganisation, und sie betrachtet die Fällung politischer Entscheidungen als Aufgabe der Partei. Die Jugendlichen, die sich politisch betätigen wollen, sollen ihren Willen innerhalb der Partei zur Geltung bringen. Selbstverständlich standen neben diesen Fragen von besonderem öffentlichen Interesse noch viele andere wichtige Arbeitsfragen zur Debatte. Erwähnt sei trur noch die Aussprache über die Rote- Falken- und Zeltlagcrarbeit. die als eine der Jugend von heute gemäß« Form der Jugendarbeit angesehen werden muß. Weiter betont die Konferenz erneut den Willen der Sozialistischen Arbeiterjugend zu einer engeren Zusammenarbeit der sozialistischen Jugendorganisationen. In den letzten zwei Jahren hat sich diese Zusammenarbeit erfreulich entwickelt. Es ist jedoch an- gesichts der großen Anstrengungen der Gegner notwendig, daß im sozialistischen Lager die Kräfte noch stärker konzentriert werden. Der Norddeutsche Arbesterjugendtag erbracht« wieder den Beweis, daß die Jugend unter unseren Fahnen marschiert, bereit, an der Seite der erwachsenen Arbeiterschaft zu känipfen für die großen Ideale der Bewegung, für Sozialismus und Völkerfrieden. E. Ollenhaucr. Durchsuchung bei den Leipzigfahrern. Nächilicke Razzien in Verlin. Die Untersuchung der aus Leipzig heimkehrenden k o m. muniften durch die Po litis che Polizei dauerten bis in die späten Nachtstunden an. Es erfolgten noch mehrere Festnahmen. In den gestrigen Abendstunden wurden an der Glte nicker Brück«, wie wir bereits kurz berichteten, mehrere Lastautos mit Kommunisten, die aus Leipzig kamen, von der Polizei angehalten und die Insassen auf Waffen durchsucht. Diese Maßnahmen wur- den bis in die zweite Nachtstunde fortgesetzt. Ebenso wurden die mit den, Sonderzug aus Leipzig auf dm, Anhalter Bahnhof an- kommenden Kommunisten von der Polltischen Poligel in Empfang genommen. Die Wasfendurchsuchung verl'ef ergebnislos, dagegen wurden zahlreiche Personen, die keine Papier« bei sich führte», oder sich anderwestig verdächtig gemacht hatten, der Po- litischen Polizei übergeben. Auf dem Bülow platz lzatten sich in den gestrigen Abend- stunden mehrere hundert Menschen angesammelt, die das Eintreffen der Leipziger Demonflrationstei'nehmer des Bezirks Berlin er- warteten. Motorradfahrer und Insassen einzelner Autos, die aus Leipzig eintrafen, wurden von der Meng« mit Fragen bestürmt. Usberall diskutierte man heftig über die Leipziger Vorgänge. Die Polizei hatte ein st ä r k e r« s Kommando nach dem Bülow- platz beordert, das für Ordnung sorgte. Die Polizei war bemüht, olle größeren aus Leipzig eintreffenden Trupps nach Möglichkest von den, Bülowplatz sernzuhalten, um ja jegliche Zwischenfälle von vornherein unnwglich zu machen. Meuterei auf Great Island. Drei GefänßniSinsasscu erschossen. New gork, 22. April. Einen blutigen Ausbruchsversuch unternahmen 799Jnsassen des Howard-Gefängnisses in Prooidence bei Great Js- land. Die Sträflinge wurden dabei von ihren Freunden außerhalb des Gefängnisses unterstützt. Ein Automobil, das die Gefängnis- wache für ein Dienstauto ansah, das aber In Wirklichkeit mit Waffen pnd Munition für die Sträflinge beladen war, fuhr in den Gefäng- nishof ein, wo die Waffen schnell an die Gefangenen verteilt wurden. Es entstand ein« wilde Schießerei, in deren Verlauf ein Wärter getötet und zwei Gefangene schwer oerletzt wurden. Gleichzeitig wurde von unbekannten Tälern mit Dynamit eine Bresche in die Gesäugniemauer gesprengt. Zwei Gefangenen gelang es, durch dieses Loch zu entkommen. Siebzehn andere, die den gleichen Weg in die Freiheit nehmen wollten, konnten noch rechtzestig von den schnell eingetroffenen Berstärkunzen gefaßt werden. Di« Meuterei wurde nach zweistündigen heftigen Kämpfen, bei denen die Polizei aus- giebig von Tränengasbomben Gebrauch machte, beendet. Drei Meuterer wurden während des Kampfes erschossen, ein vierter, der Anstifter der Rebellion, erschoß sich, als er fah. daß jein Plan gescheitert war. Dos blutbefleckte Auto, in dem noch einer der Meuterer schwer verletzt lag, wurde von der Polizei eil« Stunde später in der Umgebung des Gefänqnisses gefunden. Ein« 359 Mann starke Iruppenabteilung ist zur Aufrechterhaltung der Ordnung in das Gefängnis gelegt worden. Es ist dies der dritte Ausbruchs- versuch aus amerikanischen Gefängnissen fest dem Juli vergangenen Jahres. .?raa Kollontay. die russische Gefandtin in Oslo, wurde»on der Sowjetrogieruna beauftragt, auch als Gefchäft-trägerin in Stockholm zu fungieren. Sowjetgefandte in Stockholm, Biktor L. Kopp, ist left längerer Zeit schwer krank und wird jetzt nach Deutschland reisen, um sich einer Kur zu unterziehen. Die Reichskonferenz der Jugend. Norddeuifcher Lugendtag in Lüneburg. Lüneburg, 22. April.(Eigenbericht.) Die 8. Reichskonfsrenz des Verbandes der Sozialistischen Ar- teiterjugend Deutschlands trat am Freiiag iL, Voltshaus zu Lüneburg zusammen. 146 stimmberechtigt« Delegierte aus ollen Teilen Deutschlands sind hier zusammengekommen. Außerdem sind ! 36 Gäste und zahlreich« Pressevertreter erschienen. Der schöne Saal des Voltshauses ist mit roten und schwarzrotgoldenen Fahnen, mit Grün und vielen Osterblumen prächtig geschmückt. Die Lüneburger SAJ. hat den Freunden aus dem Reiche einen schönen Empfang be- reitet und einen würdigen Rohmen für die bedeutsame Konserenz geschaffen. Nach dem gemeinsamen Gesang „Dem Morgenrot entgegen" begrüßte der Vorsitzende Erich Ollenhauer die Versammelten, unter anderem Ver- treter der örtlichen Arbesterorgani- sationen, des Magistrats, den Regie- rungsprüsidenten Genossen Herbst und andere Beamte, Bertreter der sozialistischen Jugend Dänemarks, der russtschen und italienischen Sozialdemokratie. Vertreter des Parteioor- standes, des Bezirksvorstandes Han- nover, Hamburg, der Jugend des ZdA., des ADGB., der Bergarbeiter, Fabrikarbeiter, der Zentvalkommif- sion für Arbeitersport und Körper- pflege, des Reichsausschusses für deutsche Jugendpflege und andere. Begrüßungsschreiben sind eingegan- gen von der Arbeiterjugend Schwe- dens, Polens, Finnlands und Lett- lands, von den Buchdruckern. Eisen- bohnern, Textilarbeitern, Holzarbei- tern und vom Butab. Käte Fröhbrodt(Berlin) berichtete über den Stand der 0rganisatlon. Seit zwei Jahren befindet sich der Verband im ständigen Aufstieg. Es wurden 7999 neu« Mitglieder ge- wonnen. so daß die Mitgliederzah! jetzt 66 999 beträgt. In dem gedruckt vorliegenden Bericht fällt eine geringe Abnahme der Mädel auf. Es mag sein, daß die Rote- Falken-Arbeii nicht genügend auf sie eingestellt ist. 259 neue Orts- gruppen wurden gegründet, so daß wir mit etwa 1799 Gruppen rechnen können. Sehr wertvoll ist, daß gerade in ländlichen Be- zirken die Unterbeztrke besser ausgebaut sind. Die Arbeit der Roten Falken hat überall da, wo sie richtig betrieben wurde, eine Aktivität der jüngeren Mitglied« mit sich gebracht, die sich wieder auf das ganze Organifatwnsleben auswirkte. Dies« Arbeit darf ab« nicht neben der Organisation geleistet werden i denn sie ist nur eine be- sondere Methode unserer Arbeit. Eine große Rolle spielt gerade bei dieser Arbeit die Führersrag«. Das Problem der Aelleren- arbeit ist demgegenüber noch nicht gelöst. Sehr erfreulich ist die Feststellung, daß heute in d« Regel die 18- und 29jährtgen zur Par- tei gehen. Durch die Einrichtung der Fachausschüsse konnten die einzelnen Arbeitsgebiete systematisch bearbeitet werden. Durch die Schülergemeinschaften sollen die Schüler der höheren und mill- leren Schulen für unsere Arbeit interessiert werden. Jedoch dürfen auch diese Organisationen nicht als besondere neben dem Verbände stehen. Das Zusammenarbeiten mit den anderen sozialistischen Jugendorganisationen war in vielen Orten eng. an manchen Orten wurden Kartelle geschlossen. lieber die Unternehmungen des Verbandes berichtete Augu st Albrecht. Die Kasseiwerhällnisse sind günstig und der Umsatz der Einkaufszentrale und des Arbeiterjugend-Bsr- (ages sst erheblich größer geworden. Der Absatz des Berlages über die Parteibuchhandlungen hat den Vertrieb durch die Organisationen überflügelt. Wir müssen noch mehr Solidarität gegenüber unseren Geschäften üben. Wenn wir durch die Zentrale besser taufen können, dann dürfen wir keine Privatgeschäfte bevorzugen. Die Auflage der„Slrbeiter-Iugend" stieg um 8099 auf 53 900 Exemplare. Die Auflage des.Führers" stieg um 669 auf 4769 Exemplare. Genosse Schröter beantragte die Entlastung des Kassierers. Der Nachmittag war der der Erörterung der politischen Erziehungsarbeit de» Verbandes. im Anschluß an den Bericht Gustav Webers über die Press« ge- widmet. Hierzu wurden Richtlinien über die politische Er- ziehungsarbeit, die vom Fachausschuß für Bildung und Cr- Ziehung beraten und vom Hauptvorstand in einer Resolution zu. sammengefaht waren, gegen die Stimmen der sächsischen und einiger anderer Genossen beschlossen. Angenommen wurde ein Antrag Groß-Berlin. den ganzen Einfluß aufzubieten, um die ge- plant« Verschärfung der Filmzensur zu verHintern.- lünstleftsch wertvolle und Lehrfilme sollen ferner ausnahmslos für Jugendliche freigegeben werden. Einstimmig wurde der Antrag des Hauptvorstandes angenommen, der die Forderungen der arbeileade« Zugend zusammenfaßt: Derabschiedung eines Arbeltsschutzgesetzes, das den allgemeinen Iujjendschutz, die Arbeitszeit und die Urlaubsfrage entsprechend den Forderungen- der sozialistischen Jugendverbände und des Reichsaus- schusses der deutschen Iugendvcrbände regelt.— Ausreichende Hilfe für die erwerbslos« Jugend, wobei auf weitgehende Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung besonderes Gewicht zu lege, ist. In den Genuß der Kriscmlnterstützung müssen auch die Jugendlichen unter 21 Jahren kommen.— Verabschiedung eines Berufsausbildungsgesetzes unter Berücksichtigung der Abänderungsvorschläge.— Durchbrechung des Bildungsmonopols der Besitzenden. Förderung aller Bestrebungen zur Schaffung einer Erholungssürsorge erwerbstätiger Jugendlicher durch Reich, Länder und Gemeinden.— Bereitstellung ausreißender Mittel zur Förderung der Jugendpflege durch Länder und Kam- munen.— Förderung des Baues von Jugendheimen. Angenommen wurde fern« folgende Entschließung Die Reichs- konferenz b e g r ü ß t das Bestreben der Redaktion der„A.-J.". durch die ständig« Formation über wichtig« Ereignisse des politischen Lebens dl« pol'tische Erziehungsarbeit in den Aeltsrengruppen zu fördern. Sie billigt die A u ff a s s u n g der Redaktion, daß es nicht die ülufgabe unserer Lcrbandszeitschrift ist, in Auseinandersetzungen über die Taktik der Partei«lnzu» greisen. Die Austragung dieser Meinungsverschiedenheften ist An- gelegenheit der Parteiorganisationen und der Parteipresse. Die Reichskonferenz hält es dagegen für wünschenswert, daß die Re- dattion bei zukünftigen Auseinandersetzungen über grundsätzliche Fragen, wie sie bei der Debatte über die Richtlinien zur Wehrpolitik geführt wurden, die verschiedenen in der Partei vertretenen Auf- fassungen sachlich informierend darstellen läßt. Am Sonnabend hielt bei der Fortsetzung in der Reichs» konferenz Genosse Erich Ollenhauer- Berlin einen Dortrag über.Unsere Aufgaben im Kamps um die Jugend". S)er'Jugendlag in Lüneburg— JtrbeHerjugend auf dem fflarhlplalz Das Referat wurde mit lebhaftem Betfall aufgenommen. In der Aussprache übte Redakteur Z w ei ling- Plauen Kritik an der Koalitionspolltik. Cr meinte, es fei falsch, erst ein- parlamentarisch« Mehrheit zu suchen und dann mft dies« Mehrheit eine verwaschen« Politik zu treiben. Zwischenruf«, die auf di« Koalitionsverhaiü»- lungen in Sachsen hinwiesen, wurden laut. Die wurden stürmischer, als Zweiling«klärte, von der Auseinandersetzung mit der Partei leb« die Jugend. Max Westphal wies mft Recht darauf hin, daß Zweiling sofort den Blick nach innen gerichtet und in der Partei zwischen der Rechten und der Linken scharf geschieden habe, während der Gnindgedank« von vllenhauors Referat gewesen sei. neue Massen cm die Organisation heranzuführen. Wr Jugendlichen sehen und suchen zuallererst die äußeren Gegner und nicht die inneren. Ferner sprachen dazu Berenz- Leipzig und Droit- Offen- bach. Genosse Weinberger dankt« im Namen der Kindersreunde dem Verbände für die Umstellung der Jüngerenardeft. Nach einer kurzen Ansprache wurde Erich Ollen Hauer mit gZ Stimmen wieder zum Vorsitzenden de» Verbandes gewählt. Auf Franz LepinsK entfielen 69 Stimmen. Ferner gehören dem Bor- stände an: Edith Baumann, Ludwig Diederich und Erich L i n d st ä d t als Vertreter des Bezirks Berlin, Willi Brackmann- Bremen, Artur K u n z e- Dresden, Emil H ü l s- Nürnberg, Alfred Metz- Königsberg, Erna Schlingmann» Bielefeld. Mehrere Anträge auf Satzungsänderungen wurden abgelehnt. Angenommen wurde eine Entschließung, die den Besuch von Iugendführerschnlen gegnerischer Jugendocrbönde als unvereinbar mft der Zugehörigkeit zur SAJ. bezeichnet. Ferner wurde auf Antrag des Hauptvorstandos eine Entschließung angenommen, In der als dringliche Gegenwartsaufgaben im Kampf um die Jugend verstärkt« Werbearbeit, Zusammen- arbeit der sozialistischen Iugendoerbänd« und verstärkte politische Erziehung aufgestellt werden. Der Zugend-Tag. Am Sonntagvarmfttag, nach Besichtigungen der Stadt, nahm ein Demonstrationszug von über 7999 Jugendlichen seinen Weg zum Lünoburger Marktplatz. Genosse Paul L ö b e. mit einem tausendstimmigen„Freund- schaff" begrüßt, ermahnt die Jugend zur Schulung für unseren Komps, dessen Ziel es ist, die Güter und Schönheit des Lebens allen zu erobern. Welcher Widersinn ist es doch, daß Ueberfluß in aller Welt herrscht und gleichzeitig bittere Not! Hat etwa der technische Fortschritt das Ergebnis gebracht, daß der Ur- laub länger wurde und di« Alten eher einen friedlichen Lebensabend erhalten? Nsin, die Arbeitslosigkeit ist größer als je, und di« Väter können die Familie nicht ernähren, viele Jugendliche sind der Ber- wahrlosung preisgegeben, statt daß der Forffchritt allen zugute kommt. Unsere Ausgabe ist es, eins natürliche Verbindung zwischen dem Fortschritt und dem Wohl der All- gemeinheit herbeizuführen. Die Allen, welche die Entwicklung der letzten Jahrzehnte kennen, sagen: Die Republik ist schon viel, der Sozialismus ist unser Ziel! Sie freuen sich, daß auch die Jugend das anerkennt, und sie freuen sich auch darüber, daß es der Jugend nicht schnell genug vorwärts geht: denn das zeigt gerade, daß die Jugend gesund empfindet. Trotz allem Geschrei der Gegner von rechts und links steht in der Mitte das Millionenheer der Arbeiter- schaft mit seinem Nachwuchs, das den Sozialismus leben und verwirklichen will! Erich Olsenhauer betonte in seiner Ansprache die Aus- gäbe, ni'mer größere Scharen heranzuziehen und gemeinsam mft den anderen sozialistischen Jugendorganisationen immer wieder ein- zutreten für Jugendschutz und Jugendrecht, für den Sozialismus und Dölkersrieden, für die Demo- kratl« gegen Reaktion und Faschismus Wir wollen, daß der Wille der Konferenz nicht auf den, Papier stehen bleibt. In dem Bewußtsein, daß viele Tausende mit uns marschieren, wollen wir hinausgehen als die jung« Garde des Proletariats! Mft einem dreifachen Hoch auf die international« sozialistisch« Jugendbewegung und dem gen, einsamen Gesang der Jnternatio- nale wurde die Kundgebung geschloffen. An, Nachmittag wan- derten die Gruppen hinaus in die Heide. Wildwest in Hamburg. Nach Naubmordversuch Selbstmord des Täters. Hamburg. 22. April. Am Ostermonkag gegen ZZ Ahr betrat ein Mann den Toiletten- räum des cichlspieltyeoters Schauburg in der Mönckebergstraße, hielt dem Wärter einen Revolver vor den Kopf, segelte und knebelte ihn und jchlofj ihn ein. Dann betrat er das im Keller gelegene Büro und forderte, wiederum mit der Schußwaffe in der Hand, vom Geschäftsführer Geld. Als ihm erklärt wurde, daß gar kein Geld bereilliege. flüchtete der Eindringling, wurde aber von dem Geschäftsführer verfolgt. Der Räuber sprang aus einen Strohenbahnzug und gab mehrere Schüsse auf seine Verfolger ob. Zwei Fußgänger wurden ver- letzt. Nachdem der Straßcnbohnzug zum halten gebracht worden war, flüchtete der Täter welter und schoß sich, als er sah, daß ein Entkommen unmöglich war. eine Kugel in den Kopf. Es handelt sich um den 4jährigen in Stoilbeck geborenen Kellner Paul Ach, der 4828 von Amerika nach Deutschland zurückgekehrt war. Bereits da- mals hatte er vor dem Hamburger Hauptbahnhof einen Raubüber- fall auf eine Frau verübt, und war deswegen in Hamburg abge- urteilt worden. Sbenkmalsichändung. Hasenclevers Napoleon-Komödie. Theaier in der Siresemannstraße. In der Dortstraße in Tempelhof haben Rohling« von einem dort aufgestellten Alerbrunnen die ungefähr 75 Zentimeter hohe Dronzesörlptur, die einen Mädchenakt darstellt, heruntergerissen. ' Die Täter wurden überrascht und aus der Flucht haben sie dos Standbild fortaeworfen. Leider sind sie unerkannt entkommen. Unser Bild zeigt den beschädigten Zierbrunnen. Frau Momm erhält H 51 zugebilligt. In dieser Woche werden die Beobachtungen der Frau Regit» rungspräsident Dr. Momm in der Charit« Berlin abgeschlossen sein. Die Umversitätsprofessoren Dr. Onhöfer und Dr. Thiel». die die Beobachtungen vornehmen, werden dann unverzüglich das Ergebnis der Potsdamer Staatsanwaltschaft zuleiten. Wie man heute erfährt, ist mit einer Anklageerhebung bei Frau Momm nicht zu rechnen, da dgs von ihrem Rechtsbeistand, Iustizral R. Iosephsohn-Potsdam. zusammengetragene Material in bezug auf ihre geistigen Abnormitäten hinreichen dürste, ihr den Schutz des § 51 zuzubilligen. Nach der Entlastung aus der Eharitä wird Fra* Momm nicht mehr in ihren Potsdamer Haushalt zurückkehren, sondern«in Sanatorium für längere Zeit aufsuchen,, Neues furchtbares Kamiliendrama. Sein Kind, seine Frau und sich selbst erschossen. München, 22. April. Ein schreckliches Familiendrama spielte sich am Ostermontag früh in Deggendorf ab. Der Gasthofsbesitzer Wilhelm R e u w a n» erschoß mst einer Armeepistole sein fünfjähriges Kind, seine Frau und dann sich selbst. Der Polizei wurde vom Personal erst gegen abend Meldung gemacht. Nachdem man die Wohnung gewaltsam geöffnet hatte, fand man das Ehepaar mit seinem Kind tot in den Betten auf. Aus einem Brief geht hervor, daß die Ehegatte» in gegenseirigem Einverständnis gehandelt haben. Der Grund der Tat ist unbekannt._ Benzinexplosion in Lichtenberg. Wieder eine Frau durch Llnvor sichtigkeit schwer verletzt. Durch unoorsichlige» hantieren mit Venzla ist heule mittag in der Gryphiusstraße 34 in Lichtenberg wieder ein- mal ein Exploslons Unglück mit recht schwerwiegenden Aolgen verursacht worden. Die 56jährige Theres« S i« b o l d war in der Küche mit dem Reinigen eines Mantels beschäftigt, wozu sie Benzin benutzte. Dabei entwickelten sich die hochexplosiblen Benzin- dämpfe, die bald den ganzen Raum erfüllten. Di« Dämpfe wurden durch die Flamm« des Gaskochers unter lauter Detonation zur Entzündung gebrocht. Durch die Gewalt de» Lust- druckes wurden zwei Wände zum Einsturz gebracht. Der Tisch. «in Küchsirschrank und zahlreiche Fensterscheiben wurden zertrüm- mert. Frau®- wurde von den hervorschießenden Stichflammen erfaßt und am Kopf sowie Oberkörper schwer verletzt. Die Unglückliche, die ihren Leichtsinn teuer bezahlen mußte, wurde durch di« Feuerwehr in Lichtenberger hubertus-Krccntenhaus gebracht. * An der Saiserdammbrück« wurde die ZSsährige Hausangestellte Moria Gfzina aus der Dayern-Mee 4« beim Ueber. schreiten des Fahrdamme» van einem Privatauto übersahrein Die Frau erlitt so schwer« Verletzungen, daß sie auf dem Transport zum Westendlrantenhans starb, Was Walter hasenclevers neuest« Komödie„Napoleon greift ein" in der Provinz nicht geschafft hat, wird auch Verlin mit seinem Aufgebot ausgesuchter Darsteller nicht gelingen. Unbefriedigt ver- läßt man das Theater. Der Stoff ist interessant, die Idee originell, aber nach ein paar amüsanten Viertelstunden sieht man sich in seinen Erwartungen getäuscht und um einen Abend betrogen: der Zuschauer fühlt sich gefoppt. Die zwei ersten Bilder sprühen von Einfällen. Der große Na- poleon steht mit ernigen anderen Berühmtheiten, unter anderen mit dem berüchtigten Frauenmörder Landru als Wachsfigur in einem Panoptikum. Sein augenblicklicher Zustand behagt ihm ebensowenig wie die politische Lage Europas. Trotz der Warnungen des Lebens- Philosophen Landru beschließt er, wieder in Aktion zu treten und ge- rät durch ein Mißverständnis m eine Art Völkerbundkonferenz, in der die Vereinigten Staaten von Europa auf Veranlastung von Amerika gegründet werden sollen. Die Delegierten unterwerfen sich aem Machtdiktat Amerikas. Dos ist für Napoleon zuviel. Er greift ein, schlägt mit der Faust auf den Tisch, betont in slammender Rede die klägliche Abhängigkeit, in die Europa kommen mutz und«mp- siehlt die Schaffung eines einigen Europa durch Waffengewalt. Dies« Szenen sind mit Schmiß gezeichnet. Kluge und witzige Worte stiegen auf und scheinen den Auftakt zu einer geistvollen politischen Satire zu bilden. Aber schon im amüsanten zweiten Bild beginnt hasenclevers Unglück, indem er— wahrscheinlich in der Annahme, daß ein Stück ohne Freuenrolle niemals zugkräftig werden kann— überflüssigerweise Iosephine einführt, eine anspruchsvolle Schauspielerin, die sich kräftig in die Politik einmischt. An der rücksichtslosen Tatkraft Na- poleons findet sie Gefallen und verbringt mit ihm eine lebhaste Nacht. Auch diese Szene ist unterhaltsam und hat noch einiger- maßen Sinn. Aber von jetzt an versandet die Komödie in öoem Possenkitsch. In einer albernen Filmatellerszene soll Napoleon die Rolle des erkrankten Napoleondarstellers spielen, erwürgt dabei seine Partnerin Iosephine in einer Eifersuchrswallung, kommt ins Irrenhaus und kehrt reumütig ins Panoptikum zurück, wo er weh- mutig feststellt, daß ine Zeit für Helden seiner Gattung endgültig vorbei zu sein scheint. Was an der Komödie verstimmt, sind die verpaßten dichterischen Gelegenheiten und der jähe Absturz des anfangs erklommenen Ni- veaus. Hofen clever findet sich zu der einmal eingeschlagenen Linie nicht mehr zurück und tastet unsicher zwischen den Möglichkeiten um- her. die ihm. sinn famoser Einfall geboten hätte. Die Politik läßt er plötzlich ganz im Stich. Trotz alledem bleibt die Aufführung unter Barnowskis Re- gie sehenswert, vor allem, weil er sich Werner K r a u ß als Na- poleon verpflichtet hat. Die vom Dichter zur Opcreltenfigur de- gradierte Gestalt stattet Krauß mit einer originellen Art tragischer Komik aus. Er findet sich im Gegenwartsmilieur nicht zurecht und bleibt doch eisig und unnahbar. Ein besehlzgewohnter Despot, stellt er eine Persönlichkeit dar, die Schweigen gebietet und die man re- spektiert, auch in lächerlicher Situation. Seine Partnerin, Maria B a r d, erfüllt mit ihrer natürlichen Frische und herben Anmut eine leere Rolle mit blühendem Leben. Für Erheiterung sorgen der unverwüstliche Paul h ö r b i g e r und— in einer Reichsbankpräsi- dentparodie— Felix B r e j j a r t. Rrnsl Dcgner, Morgenfeier der Arbeiierchöre. Die Morgenfeier des 6. Bezirks im Saalbau„Alpendorf* hatte mit allerlei Hemmnissen zu kämpfen, die den Gefamteindruck dieses Osterkonzertes wesentlich beeinträchtigten. So niedlich und geschmackvoll der Saal, so wenig taugt er für gesangliche Aus» führungen. Wo sich die Sänger auch ausstellten, es blieb etwas Niederdrückendes, Unlustiges, Tonfelndliches in ihren Darbietungen. Erst ganz zuletzt wurde durch di« famosen, fein und zart inter- pretierenden Chöre von Max Schaarschmidt(Bolkschor Harmonie Charlottenburg) der Bann gebrochen. Selbst ein so hochstehender Derein wie der Meinekesche Männerchor unter P. 2t. Josef ließ in der Mattigkeit der Wiedergab«, ja in der Reinheit der Intonation manches vermissen, das früher nie zu bemerken war. Auf sehr gutem Niveau hielten sich auch die beiden Gemischten Gesamtchöre unter Bezirkschormeister Richard G u t t c, während sein eigener„Volkschor Moabit" ebenfalls im Zeichen der all- gemeinen Ungunst stand. Warum überhaupt die vielen Einzelchöre, die zum Teil für ihre efsektstiehtigen Liedertafcteien aus guter alter Zeit der Zahl. aber auch der Qualität nach viel zu schwach waren? Nach den über- aus glücklichen Erfahrungen, die mit Gruppenchören seither gemacht wurden, hätte man die Rückkehr zu dieser alten Methode niemals mehr erwartet. Was sonst noch rühmenswert, frisch und anregend war, kam fast ausschließlich von Vereinen mit Frauen- und Kinder- chören. Das Programmheft setzte bei den Laien etwas zuviel voraus, lieh die gewöhnliche Uebersichtlichkeit vermissen, und die Zuhörer waren von einer so jovialen Munterkeit(ganz im Gegen- satz zu den Sängern!),'daß sich diesmal eigentlich niemand betlagen komrte. 1?. hl. OieVolksbühnenbewegung im Ausland Nach deutschem Vorbild. Di« deutsche Doltsbühnenbewegung hat von Jahr zu 2ahr mehr, als zunächst vermutet werden durste, auf das Ausland beispielgebend gewirkt. Angeregt durch die Erfolge der Lolksbühnenarbelt in Deutschland, haben sich in den verschiedensten Ländern maßgebende Persönlichkeiten und Korperschaften für eine Uebertragung der in Deutschland gegenüber einem kulturbcwußten Theaterpublitum be- währten organisatorischen Methoden«Ingesetzt- Bis heute liegen zahlreich« erfreuliche Erfolge dieser Bolksbühnentättgkeit im Aus- land vor. Allerdings darf bei einer Betrachtung dieser Arbeit außerhalb Deutschlands nicht außer acht gelassen werden, daß die völlig anderen Boraussetzungen und Gegebenheiten unter Umständen auch die Wahl anderer Mittel, vielleicht sogar anderer programmattscher Grundsätze im Gefolge haben können. Immerhin darf sestgestellt weoden, daß das deutsche Borbild überall sichtbar in Er- scheinung tritt. So haben sich insbesondere in Norwegen, und zwar in Oslo und in Bergen, zwei Einrichtungen gebildet, die sich eng an das deutsche Beispiel anlehnen. Auch dort sind breite Publikumsmassen organisiert und in ein sorgfältig zusammengcstell- tes Programm eingesetzt worden. Weitere volksbühnenähnliche Ein- richtungen sind inzwischen entstanden in Polen, in Oestereich, in der Tschechoslowakei, in der Schweiz, in Belgien, Dänemark, in Holland. in Nordamerika und in England. An erster Stelle verdienen genannt zu werden die Blaamsche Tooneelgemeenschap in Antwerpen, die Proletarische Bühne in Zürich und ein neues Dolkstheater in L o n d o n, da» sich genau nach den Grundsätzen einer gutorganisierten deutschen Volksbühne gebildet und seine Tätigkeit bereit« aufgenommen hat. Ueberall wenden sich diese Voiksbühnenorganisationen im Ausland in erster Linie an die Angehörigen der handarbeitenden Bevölkerung. Auch das in der deutschen Voltsbühnenbewegung bewährte Prinzip des Einheitspreises für sämtliche Theoterplätz« findet draußen Amven- dung. Endlich sind überall, wo sich im Ausland volksbühnenähnliche Einrichtungen aufgetan haben. Bestrebungen im Gange, gleichzeittg die Theaterkultur der betreffenden Landosteile in einer bestimmten Richtung abzustecken und zu erneuern. Interessant Ist noch, daß die jüngst« Gründung in London mit dem Theater auch den Film in den Kreis ihrer Interessen miteinbezogen hat. Als besonders er» freuliche Erscheinung soll schließlich noch die Feststellung gelten, daß diese nach deutschem Vorbild ausgebaute Voltsbühnenbewegung im Ausland eine namhafte Bereicherung ihrer Bestrebungen in der vor- zugsweisen Pflege des deutschen Dramas der Gegen» wart fleht.__ Medizin ohne Latein. 21uf der Allrussischen Konferenz, di« sich mit der Reform des Medizinswdiums befaßt«, wurde auch beschlossen, die lateinischen Fachausdruck«, als aus dem Mittelalter stammend, ab- zuschössen>md durch russisch« zu ersetzen. Es wird hierbei jedoch, scheint es, übersehen, daß gerade dies«„mittelalterlichen" Ausdrücke viel zur internationalen Verbreitung der medizinischen Wissentschast beigetragen haben, und daß sich die russisch« Medizinwissenschast durch diese radikale Reformmatznahme vollständig isoliert. Schneller« Züge. 2luf der elektrischen Strecke New Jork— Washington werden die 3000 Kilowattlokomvtiven durch 4500» Kilowattloko» ersetzt, die die Strecke mit einer Maximalgeschwindig- keit von 150 Kilometer pro Stund« zurücklegen Die Fahrt wird dadurch von 5 auf 4 Stunden herabgesetzt. Bergleiche: München- Berlin-- 708 Kilometer. Fahrt dauert F D-Zug 9 Stunden, macht 78L Stundenkilometer. Da ist bis zu amerikanischen iverhällnissen noch ein weiter Weg. Zm telssrgmuseom spricht Donnerttaa. 8 Ukr, Prot Mustav Neckel über »Skandinavischer Seilt in der deuifchen Literatur der letzten SO Jahre.' Slartd Sutein ist von Ihrer Am«rika-Tourn«e»urückgekebrt und tritt in der Städtischen Over Dlenttag, als Dallla In.Samson und Dalila', und Zlonnerttag, al« Azueena in.Troubadour' auf. Sie.Gruppe junger Schauspieler' au» Berlin ist in M o« k a u ein- «« troffen, um Gastspiel« zu veranstalten. Di« vorfühtnngen degstmen am SS. April wit LampelS»Revolte in EtziehungdhauS'. Neue Funde aus der Vorgeschichte. In Frankreich und in England sind jetzt aus der Urgeschichte Europas, aus der ältesten Steinzeit, eins Anzalst von wichtigeil Fundm gemacht worden, über die Privatdozent Dr. Herbert Kühn in dem Jahrbuch Ipek, dem von ihm gemeinsam mit in- und ausländischen Fachgenossen im Verlage Klinkhordt u. Biermann heraus, gegebenen inhaltreichen Jahrbuch für prähistorische und ethno- graphische Kunst Mitteilungen macht. In M o n t e s p a n. einer berühmten Höhle, deren Entdeckung vor sieben Iahren dadurch Aus- sehen erregte, daß man erst durch einen Fluß schwimmen mußte. der durch sie hindurchfließt, haben jetzt zwei junge Leute neue Fels- brlder gefunden. Die Bilder stellen Pferde und einen Trupp von Bisons dar. Auch menschliche Fußspuren und Kratzspuren von Höhlenbären ließen sich feststellen. Der Hauptgang der Höhle ist über«inen Kilometer lang. An einer Stelle der Höhl« ist eine höchst interessante Pferdejogd dargestellt. E« ist ein auf den Rücken fallen- des Pferd dargestellt und zwei andere, di« in ein Wildgatter geraten siird. Das Gatter führt auf ein Loch zu, in das di« Tiere stürzen sollen. Zum erstenmal wird jetzt I n st r u k t i o n» t e ch n i k aus der olleren Steinzeit bekannt. Gras Begouen verösfenllicht im„Ipek" eine Steinbockskulptur aus seiner Grabung in Trois-Freres. In dem Köpfchen mar das Aug« in einem anderen Material eingelegt. Und nun fand sich auch ein» Speerschleuder in Form eines Schwanes, dessen Auge gleichfalls eingelegt war. Graf de Saiiit-Pörier hat mit seiner Gattin in der Höhe von Biarritz in einer Höhle Jsturitz gegraben und Dr. Kühn zur Besichtigung eingeladen, der nun darüber die ersten Mitteilungen macht. Es wunden etwa 50 neue Kunstwerke innerhalb eines Jahres gesunden, ein Ergebnis, wie es nur selten vorgelegen hat. Reben zehn ornamentierten.Stäben finde» sich Zeichnungen von Bisons. Pferden, Hirschkühen m.d anderen Tieren. Auffällig sind zwei Zeichnungen von Zauberern, d. h. von Menschen mit Masken. Zwei Pserdeköpfe gehören zu dem künstlerisch Entwickeltsten, was die Kunst der alten Steinzeit überhaupt geliefert Hot. In England ist jetzt die erste menschlich« Darstellung aus der älteren Steinzeit gefunden worden, in den Höhlen von Creswell Trag» hei Derbyshire:«in« Gravierung von Renntierknochen, die ein« menschlich« Gestalt vorzeigt. Der Mensch trägt deutlich eine Tier- maske, wie es öfters in alt-steinzeitlichcr Kunst vorkommt. Intendantenabbau in Thüringen. Wie wir aus Weimar erfahren, ist dem Intendanten des Gothaischen Landestheaters, Dr. Rolf Rönnet«, vom thüringischen Volksbildungsministerium mitgeteilt worden, daß sein am 30. Juni 1930 ablaufender Vertrag nicht verlängert werden soll. Seine Stelle soll ebenso wie di« des Altonburger Intendanten eingespart werden. Generalintendant Dr. Ulbrich vom Deutschen Ncttionaltheater In Weimar soll die kunstlerrsche Leitung des Gothaer Landestheaters mit übernehmen. Zu diesem Zweck wird er wöchentlich mehrmals an den Regiesitzungen in Gotha teilnehmen. Dtr Verwaltungsvorstand wird die geschäftlichen Angelegenheiten erledigen. Der Wettbewerb für eine Völkerbundfahne. Anläßlich des durch die Union der Völkcrbundverein« ausgeschriebenen Wettbewerbs für den Entwurf einer Völkerbundfahn« gibt das Sekretariat der Union bekannt, daß rund 1500 Einsendungen mit mehr als 2000 Ent- würfen eingegangen sind. Das Preisgericht hat beschlossen, keinen ersten, sondern nur zwei zweite und drei dritte Preis« zu verteilen. Die zweiten Preis« erhallen Ottfried Neubecker(Berlin) und General- major Novottnp(Wien), die dritten Preise Gaston Kiesfner(Bern), Tooia« Schwab(Berlin) und Professor F. Weber(Stambul). Außerdem erhielten 20 Einsender ein« ehrenvolls Erwähirung, darunter Charlotte Bud(Ber'in), Klara Giffel«(Hannover). Erwin Bossony(Wandsbek), Leopold Löwenthal(Berlin). Gottfried Richter (Hannover), Kurt Schevpe(Dresden). Sie Vtscolor-Sahue im Waüvtr-tytaitt bat für die Zeit vom 23. bi» 27. Apiil ihre Bühne Meyerhold zur Verfügung gestellt. Sie Kalotombe, Belleouestraye ö, bringt ab Litern ihr neue« große! Früblingtprogramm mit ltat« Kühl. Hebt Schoo». Geschwister Witt. Wem« Fuuk, Haus Deppe, Rudolf Platt« u. a. Kapelle: Tibor Blue Boy«. Die Arier in Wien. Die Universität Wien propagiert den Antisemitismus. Rektor und Senat der Universität Wien haben eine Art Studentenrscht genehmigt, dos uns in überwundenes Mittel- alter zurückwirft. Da es in zehn Nachtriegsjahren nicht gelungen ist, in Oesterreich all« Studenten deutschöstereeichischer Staats- ongehörigkeit oder auch nur demscher Kutrur zu einer„Studenren- schaft" zusammenzufassen, versuchten die antisemitischen Gruppen, die der Einigung aller deutschen Studenten den erbittertsten Wider- stand entgegensetzten, dem„arischen Prinzip", einer alten öfter- reichischen Spezialität, zum Siege zu verhelfen. Die antisemitischen Gruppen an den österreichischen fjochschulen behaupteten, es sei ein« Sünde gegen den deutschen Geist, wenn man„Juden und Iudengenvssen" als deutsche Studenten ansehe und behandele. Unter Juden versteht man in Oesterreich Staatsbürger, unter deren Urgroßeltern aller Zweige sich ungetaufte Juden befinden. .Judengenossen" sind Germanen, die das antisemitische Prinzip nicht als Grundlage der Staatspolitik anerkennen, also Liberale, Demokraten, Sozia- listen, Kommunisten und ein Teil der Katholiken. Diese Gruppen sind na.ürlich auch aus sich selbst nicht bereit, mit den Ariern und ihren famosen Grundsätzen zusaknmenzugchen. Sie fordern, daß nien all« Staatsbürger der österreichischen Republik nach den gleichen Grundsätzen behandele. Sie begründen ihr« chaltung gegenüber dem Vorwurf, diese Forderung sei gegen den Anschluß- gedanken gerichtet, mit dem richtigen Hinweis, daß gerade der An- sclstußgedanke eine absolut gleiche Behandlung oller österreichischen Staatsbürger verlange. Oder wolle man etwa im Fall« des An- schlusses die paar tausend Richtdeutsche(Südslawen, Tschechen, Nationaljuden), obwohl sie seit zehn Jahren Oesterrcicher sind, draußen lasten? Wenn man aber schon innerhalb der öberreichi- scken eine„deutsche" Studentenschaft bilden wollte, um mit der da- maligen Deutschen Studentenschaft im Reiche zusammenzugehen, so hätte man auf sozialistischer und liberaler Seite nichts dagegen einzuwenden: diese deutsche Studentengruppe müßte dann aber olle Studenien umsast.m, die nach Bekenntnis zum Deutschtuin, nach Mutterspräche und Schulbildung zu dem deutschen Kulchrkreis gehören. Die Hokenkreuzler blieben dabei, daß„Juden und I iden- gcM"' m* keine Deutschen sind, sie blieben also sein unter sich und v-rsuchten ihre feg erreichen Grundsätze auch in die rei+sdeutschen Universitäten zu importieren. Sie forderten in den Jahren nach dem Kr:g« ollen Ernstes, die Studentenschaften zu zerschlagen und statt der einheitlichen, überparteilichen Gruppen nach„nationa'en Grundsätzen" aufgebaute S udentenschasten zu bilden, also eine„arische", eine jüdische, wendische, sorbische, kellische. friesische Sludenlenfchost. D-e deutschen Kricgsteilnehmerstudenten erklärten d esen Unsinn für I nn und schickten die österreichischen Volkserneuerer wieder nach Hause. Den lKUtschen Staden en gelang es aber in oll den Jahren � nickt, die österreichischen Studenten zu ein'gen. Dort sind bis zum � heutigen Tag die„arischen", liberalen, sozialistischen Gruppen un- verbunden nebeneinander. Wie erinnerlich, brach aus diesem Grunde das preußische Studentenrecht aureinond.r. Di« völkischen und reaktionären deutschen S.udentengruppen wollten kein« Eini- gung mit den österreichischen Liberalen und Soz alisten und ver- langten, daß bei der Koalition mit der österreichischen Studenten? schast man sich auf die„arischen" Grupp n beschränken sollte. Wenn es sich dabei um private Verein« gehandelt hä te, so wäre das eine Privatsache des einzelnen gewesen. Dann wären eben auch im Reich Kaiholiken, Sozialisten und Liberal« ouegeschioden und hätten die Völkischen in ihrem Klub allein gelösten Aber in Preußen und dem übrigen Deutschland gab es schon sest Jahren vom Staate begründete und von der Regierung anerkannte Smdentenschaften, zu denen jeder deutsche Student zwangsweise gehören und Steuern bezahlen mußt�. Durfte die Regierung einen sozialistischen, libera- len oder katholstchen Studenten zwingen, eine Koalition ausschließ- lich mit antisemitischen Oesterreichern einzugehen? Dashatkeine deutsch« Regierung gewagt, weder ein deutschnationaljr, noch ein demokratischer preußischer Kultusmmister. Selbstverständ- lich hatten die reichsdeutschen Studentenschaften das Koalitionsrecht mit den österreichischen Studenten, aber es war vorgeschrieben, daß entweder all« deutschen Studenten in Oesterreich dazu gehören soll- ten oder niemand. Unter völkischer Führung lehnte die Mehrheit der reichsdeutschen Stuldenten 1927 dieses Koalitionsrecht und damit dos Studentenrecht überhaupt ab. Di« Volksparteiler und die katho» lischen Gruppen haben längst eingesehen, daß die damalige Ab- lehnung unsinnig war und daß die Regierung niemals anders handeln konnte und kann. Die einheitliche Deutsche Studentenschaft aber war inzwischen zerfallen. An dieser Siwation ändert der Beschluß der Universität Wien nicht das geringste. Der Senat der Universität Wien hat es auch nicht geschafft, eine gemeinsame Studentenschaft aller Deutschen zu bilden. Er genehmigte und anerkannte die Gründung von„Studen- tennationen", die nach Abstammung und Muttersprache zusammen- geschlossen sein sollten, das heißt nach österreichischem Sprach- gebrauch: Zur„deutschen" Studentenschast dürfen Juden und werden »Zudengenossen" nicht gehören. Di« österreichische Regierung, die in all den Jahren dem Treiben ihrer Professoren und Studenten untätig zugesehen hat, wird auch diesmal nichts tun. Und die preußische Regierung, aus die es in diesem Falle wesentlich ankommt? Sie wird sagen: Wenn die Studenten der preußischen Hochschulen Studentenschaften wollen, die alle deutschen Studenten ohne Rücksicht auf Partei, Weltanschauung und Konscssion im Reich und im Ausland umfassen, so sind wir bereit, diese Studentenschaften anzuerkennen Ob diese auelands- deutschen Studentengruppen„Swdemenschasten" oder„Rationen" heißen, ist gleichgültig Es kommt nur darauf an, daß wirklich alle deutschen Studenten in Oesterreich und. wenn es gewünscht wird und zweckmäßig ist, in Böhmen dazu gehören. Die Regierung wird sich auf kein« antisemitische Fassade, hinter der sich doch nur die Reaktion und die Unduldsamkeit verbirgt, einlassen. Darüber stt sich in den deutschen Hochschulen niemand im unklaren. Und die 'Regierung wird mit Recht verlangen, daß solche Studentenschaften sich in allen politischen Fragen streng neutral verhalten und sich ihren eigentlichen Aufgaben(Hochschul- und Stutdienfragen, sozialer Hilfe) widmen. Es bleibt abzuwarten, ob die Mehrheit der deut- schen Studenten den Weg zu einer Verständigung finden will. Arbeit ersolidarität im Reich der Mitte. Oer Gtraßenbahnerstreik in Tokio. Die Stadtverwaltung wollte die Löhne der Straßenbahner um etwa 10 proz. verschlechtern. Als Antwort daraus erklärten die Straßenbahner den Streik. Durch verhas'nng von 50 Führern der Streikenden sollte der Streik„beig legt" werden. Die Arbeiter von 10 Elektrizitätswerken' in Tokio schlössen sich den streikenden Straßenbahnern an. Amtliche kreise Tokios sind beunruhigt, da hierdurch weitere lebenswichtige Betriebe bedroht werden. Sämtliche Arbelterverbände unlerstühen die Streikenden mit Geldmitteln. Zm Straßenbahnbclrieb. der mit Hilfe von Freiwilligen notdürftig ausrechterhallen wird, haben sich mehrere Unfälle ereignet. Zn Kode und Osaka sollen Sympathiesireiks mit den Straßenbahnern von Tokio geführt werden. Aauarbeiierstreik in der Schweiz. Zusammenstöße mit der Polizei. Basel, 22. April. Bei dem wilden Bauarbeiterstreit kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei. Polizisten, die einen italienischen Bauarbeiter, der wegen Teilnahme am Streik ausgewiesen worden war, abführen wollten, wurden von den Streikenden an der Durchführung ver- hindert. Der Italiener tonnte flüchten. Di« Polizei wurde an- schließend von Streikenden und Kommunisten tätlich angegiiffen und holte Berstärkung herbei. 15 Bauarbeiter wurden verhastet. In Zürich ist der Bauarbeiterstreit im Abflauen. Die Ver- Handlungen zwischen den Unternehmern und der Gewerkschaft haben zu einer vorläufigen Einigung geführt, bei der die Unternehmer sich zu einer kleinen Lohnerhöhung bereitertläi> ten. In Schoffhousen hat ebenfalls eine kommunistische Aktion zur Einleitung eines wilden Bauarbeitcrstrciks begonnen. Wirtschast Deutschland- polen. Ostelbien bis an die Sowjetgrenze.- Statt Osthilfe. .Di«„Europäischen Gespräche"(Homburger Monatshefte für auswärtige Politik) veröffentlichen einen Aufsatz C h i n o w s. der sich für ein« weitgehende Verflechtung des polnischen und ostelbifchen Wirrschaftsgebietes einfetzt. Beide Gebiete„find zur Zeit in ihrer künstlichen Absonderung voneinander Fässer ohne Boden, in denen sich trotz größten Kapitalzustromes ein produktiver Woh'ftand nicht bilden kann: beide Gebiete vereint und unter eine gesunde Wirtschast gestellt, würden Goldgruben für das in ihnen investierte Kapital an Arbeit und Geld werden". Zu diesem Zweck müssen Polen und Deutsche auf allen Gebieten des Volkslebens grundsätzlich Gleichstellung in beiden Ländern erhalten. Das deutsch- polnische Grenzgebiet muß einheitlich durchorganisiert wer- den. Ein beiderseitiges Siedungs- und Meliorationsprogramm muß aufgestellt werden. Grundsätzlich alle Staatsbürger Deutsch- lands und Polens wieder das Recht erhalten,„in beiden Län« dern zu arbeiten, zu ssedeln, zu lernen, zu wandern, zu jagen, Ka» pital anzulegen und die Jahr« des Alters zu verbringen".(Be- völkerungsdichte Polens im Süden 120 Menschen aus den Quadratkilometer, im Durchschnitt 78, dagegen Brandenburg 66, Pommern 62, Ostpreußen 61, Grenzmark 42!) Bestimmte Gebiet« müssen dazu von Polen und Deutschland gemeinsam ver- waltet werdsn. Der Amalgamierungsprozeß ist eine Naturnotwendigkeit, der man sich nicht künstlich und doch vergeblich widersetzen soll. Der Herausgeber Professor Mendelssohn-Bartholdy weist darauf hin, daß Polen bei jedem äußeren Angriff auf sein Dasein auch ohne Sonderobkommen des allgemeinen Schutzes gegen den Störenfried durchaus sicher iei Di« Aufgaben der Deutschen liegen nicht in der Weltdiplomatie, aber im Osten und Nordosten von Europa. Wetter für Verlin: Weiterhin veränderliches Wetter, nur vor- übergehend etwas wärmer.— Für Deutschland: Im Süden und Südosten ziemlich heiter mit Erwärmung, sonst veränderlich. Dienstag, 22. ApriL Berlin. 16.05 Ss>ortliche Improvisationen. 16.30 UnterhaitBiissniusik. IT, 40 Jugendstunde.(Sprecher: Harry Kahn.) 18.10 Stunde mit Büchern. AerzUiche Hausbücher.(Am Mikrophon: Sanitätsrat Dr. Paul Bergmann.) 19.05 L Altdeutsche Volkslieder-Duette. Bearbeitet von H. Weinrols.-. Z. a) Schumann; Noveielte D-Diu; b) Mendelssohn: Scherzo Capricdlo: c) Brahms: Intermezzo op: 118: d) Chopin: Walzer As-Dur(Siegfried Schultze, Klavier.— 3. Deutsche Tanzlieder-Duette.(Martha und Karl Mlrus. Am Tlügel; Julius Bürger.) 20.00 Wovon man spricht, 20.30 Dritter reierlag. Anschließend Dr. Josef Räuscher; Politische Zeltungsscha«. KSuigssrusterhausea. 16.30 Von Leipzig. Nachmiltagskonzerf. 17.30 Hens Kyser; Die unsichtbare Welt. 17.55 Dr. Kaysenbrecht: Stadt und Land einst und jetzt. 18.20 Dr. Lunlatschek: Lücken im Gebiß. 18.40 französisch lür Anlänger. 19.05 Dr. Krüger: Philosophie und Leben. 19.30 Prof. Dr. Rießer: Prüfung, Nutzen und Mißbrauch der Heilmittel 20.30 Unterhaltungsmusik. 21.30 Von Hamburg:„Liebe auf den letzten Blick", Hörszene von Albert Haibert. StrontiDDctl.'ilt hie Sehaftion: Osllaniig Schwarz. Berfln:«nzeigkn: SD. sin de. Berlin. Berfa«: Vormärte Beelaa<9. m b s.. Berlin. Druck: Lsrwarts Buch- bruckerei und Perlnneanflali Paul Singer& So. Berlin SW 68. Linheiilirabe 3 Tägl. 5 Ii.»'), Uhr. B I Harb. 8256 Pr. 1-6 M Wochentg. 6 U. 50 Pf.-3 M. Amerika» I OIO berfihmteatar Clown und 9 wehere VarleU-Neuheiten Tägl.» u. SU Zonoi. 2.5 a 6" Alex. E 4, 8066 INTERNAT. VARIETE Winrer ★ Garten* s.is Ohr ztBtr.28ia oamheu ar aahi Otto Reutter usw. 8 Uhr Hohoken 8 Uhr Ulatr■ Thaaltr) 8 Uhr §218 Frauen in Not Staatsoper Am PI. d Republik 7'., Uhr vsrmen 1 OüDtsdies Theater D 2 Wiitaidamo 5201 8V« Uhr Oer Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Ree.: Mai Reinhard: Netropol-Th. Täglich S"« Uhr Der Bettelstudent Atpar, Schlitzendorf, Jökcn, Pattlera Kammerspiele 1 2 iiidndioini 5201 8'/e Uhr Die liebe Feindin KomUii id& A. P. Antoin bqii; Guitif Grindjeus Üie Komödie II Bi»mck.24I4/7SI6 8V« Uhr Die Kreafnr Sdniufiil na Firt. BradMi Btßla; Max Iclahardt Operettenhaus Alle Jakobstr. 30/32 (Zentral-The. ler) Dönh. 2047 Täglich S'n Uhi Das Land des Läetielns von Lehar fheater o. Wetteos Täglich 8V* Uhr; Paganini R. Tauber, V.Schwari Dir. Dr. Rirtio Zickel Komische Oper Friedrfchstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8Vt Uhr HidesUt läßt bitten... Musik ton Wattn Hollo. Lustspiemaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8'/» Uhr eesch&Ilmlf Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld Baniowski-KDhiion Theater la der Stresemanastr. (frühtr UoiHiitnnlr.) Täglich 8'/» Uhr Napoleon erolH ein toi Walter Hatoclmr Komödianh.u. Täglich 8'/« Uhr: Meine Mwester HnikT.lilpkBiDilik? T" ThaaL i. Koiih.Toi Kottb. Str. 6 TägLSUhr Sonntags unk llltr n emHiitn Pr. Elite- Singer. DBßUNDeulc Ostirprognnn mit d. befisbtM Gisttioor Knrt Wanger Direktion Dr. Robert Klein Oeotsehes Iflnsller-Theii. Barbarossa 3937 8 Vi Uhr Sex Appeal .otba. r. Fnötrik lieuiih Rtjii: Forrtir Lirrigiga Alhert Bassennann, HadT Christians Berlioer Theater Dönhoff m Hnit geschlossiDl Morgen den 23. abends 7Vi Uhr Zum I. Mate Oer Teuf ludiDler! Komödie v Bernard Shaw Regie. Heinz Hilpert. KQnstl. Leitung Gasion Briete Täglich 8V« Uhr Eisrieke RunülnnkD. halbe Pr. HAUSVÄTERIANO REVUE iSERVUS 1930' Lessing-Theater Wtidndimm MI 1.0(11 Täglich »Vi Uhr Flamme mit Kltc Dorsdi Frans Lederer Theater am Sdunbaaerdamm Gastspiel d. kleinen Theaters 8Va Uhr madame hat Ausgang i. TWIsnn. ÜMnuu. WiSminn, IsmU Vorverk unumerbr. Norden 281 u 1141 Kleioes Ttieal. Merkur 1624 Täglich 8 Vi Uhr □astspiel Gisela Wer bezirk in Hever's sei. Witwe Schwank von Fritz FritdiniDii-ritilrülL Philharmonie 8 Uhr Beetb.- Zyklus des Philharm. Orch Dlrli. Prof. I. Prower SoL:Pnf.J.PrOnr(lQn.) IL Holst(M) 1 Sdnitir (C«llo)Triplbl!ojL,7iiiil. Eintritt I Mk zur Miete W50,Aosbacherstr.l Pumpen RShrca. killet, EnaixltUe Preis! ist« rrstis KohlaokiCo. Pumpenfabrik KRÜH H 65. IMiittegdtrfei Str. 95 GROSSES SCHAUSPIELHAUS S Uhr: Nur ooeb 10 Yorsteilungen! 3 Musketier» Regie: ERIK CHARELL A Saaatag aaon. aanah. halb« Pr. lheaterl.d. Behrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 8Vi Uhr Direldion Relph Artbar Roberts Ks eiosdilirtlidi 30. IfirO 1030 Itbti Igffiihniigifl ... Vater sein, dagegen sehr Beide Feiertage nachm. 4 U.(halbe Pr.) MB Direktisa; Dr. HartJa»ekal Komischo Oper Fnadrldistr.l 04. Merkur 1401/4330. Täglich SV. Uhr Majestät lässt bitten Musilc von Walter Kollo. Lustsplelhaus friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. 8V, Uhr Geschäft mit Amerika. Vorverkauf in beiden Häusern eb 10 Uhr ununterbrochen. ov. uhr CASINQ-THEATER"-Udr _ Lothringer Strafe 87. Nor noch bis 30. April Der wahre Jakob ionnerslagp den I. Mal zum U Male Die Berliner Posse Rentier Mudicke Gutschein tür i—a Personen Fauteuil nur 1.25 Sessel 1.75 M Sonstige Preise: Parkett u. 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April 1930 SivÄbpnd StaJaui�aJlutm Ibtedfö Mediziner-Deutsch Eine kleine Auslese Es ist nichts Neues, daß die Heranbildung des ärztlichen Nach- Wuchses nach veralteten Methoden erfolgt und grundlegender Re- formen bedarf. Der soziale Geist im medizinischen Unterricht — um den Hauptmangel zu nennen— fehlt fast vollständig. Daß die Medizin in erster Reihe ein« soziale Wissenschaft ist, wird den jungen Studenten viel zu wenig klargemacht. Die S o z i a l h y- g i e n e— das wichtigste Beispiel— wird noch immer nur als ein eigenes Unterrichtsfach behandelt, losgelöst von den anderen Ge- bieten der Heilkunst, obgleich die Verbindung mit sozialen Gesichts- punkten, ipit den Forderungen der Volksgesundheit, der heutigen Entwicklung entsprechend, in allen medizinischen Unterrichtsfächern hergestellt werden müßte. Auf diesen Uebelstand hat erst kürzlich Schloßmann aufmerksam gemacht. Aber auch für denjenigen, der sich mit den gegenwärtigen Der- hälwissen abfindet, ergibt sich genügend Grund zur Klag«. Di« Durchschnitt sbtldung des jungen Nochwuchses ist oft er- staunlich gering. Wie sich dieser Mangel in späterer Zeit beim reifen Mediziner, ja sogar beim Heroorragenden Wisienschoftler aus- wirkt, das Merkt man an Kleinigkeiten, die zu denken geben. Eine Folge ungenügender Vorbildung ist zweifellos die Sprachver- wilderung, die in der medizinischen Fachpresse manchmal ge- radezu groteske Formen annimmt. Die Fähi�eit, seinen Gedanken klaren Ausdruck zu verleihen, ist für jeden Schreiber, mag er Wissen- schastler, Künstler oder sonst etwas sein, die Vorbedingung, um beim Leser die beabsichtigte Wirkung hervorzurufen. Anscheinend ist die in manchen Aerztekreisen noch immer verbreitete Meinung, daß die Medizin eine Geheimwissenschaft ist, die Ursache einer Geheim- spräche, die, wie sie voraussetzen, von den„Eingeweihten" ver- standen wird. Und die anderen brauchen sie ja nicht zu verstehen! Nach einem Buche des Marburger Professors Ernst Kretsch- mer besteht zum Beispiel die Hysterie aus einem .Komplex psychogener Reaktionsformen, bei denen eine Borstel- lungstendenz sich instinktiv, rcflexmäßig und sonstwie biologisch vorgebildeter mechanischer Mechanismen bedient". Daß kein Leser daraus klug wird, macht dem Autor weiter keine Kopfschmerzen. Die Anhäufung von Fremdwörtern ist eben eine Folge der Unfähigkeit, sich klar auszudrücken, ein B i l d u n g s- mangel, den man in Hunderten und taufenden gelehrten AbHand- lungen begegnet. Wieviel Studenten sind gezwungen, über den Sinn derartiger mysteriöser Aeußerungen in Lehrbüchern stundenlang zu brüten? Wieviel Zeit geht dem Leser, verloren, der sich unrettbar in das Dickicht dieses gelehrten Stiles verstrickt und schließlich froh ist mit einer blaffen Abnung des möglichen Inhaltes davonaekom- men zu fein. In der„Medizinischen Klinik", 1926, Nr. 44, war zu lesen: Gottvoll! Was?? Ohne Zweifel haben wir es hier mit Bildungslücken zu tun. Mit erfrischender Deutlichkeit sagte sein« Meinung in der„D e u t- schen Medizinischen Wochenschrift" Nr. 11 der Frei- burger Professor A. E. Hoch«, der eine klinische Abhandlung in einer angesehenen Zeitschrift eine Sprachstümperei nennt und be- dauert, daß der Direktor, aus dessen Klinik die Veröffentlichung stammt, sie herausließ, und daß die Schriftleitung eine solche bla- mable Arbeit nicht beanftairdet hat. Herr H o ch e beklagt sich über das Niveau der Unbildung der jungen Mediziner. Er tritt für die humanistische Vorbildung ein usw. In den meisten Dingen hat Herr Hoch« recht, und wir empfinden es als sehr nützlich, daß einmal in einer Fachzeitschrift diese Dinge beim rechten Namen genannt werden, schon weil dadurch der üble akademische Hochmut, der viele Mediziner für jede Kritik unzugänglich' macht, empfindlich gedämpft wird. Aber nidst einverstanden erklären wir uns mit der Art, wie Herr H o ch c diese Kritik voniimmt, und wen«v für die geringe Durchfchuittsblldung verantwortlich macht. Herr H o ch e ist der Typus jener Professoren, die es nicht unterlassen können, bei jeder Gelegenheit blindwütige politische Eselstritte zu verteilen — auch dort, wo die Schuld an den Mißständen mit den politischen Berhältniffen nichts zu tun hat. Herr Ho che leistet sid) beispielsweise den nachstehenden Gedankensplitter: „Wenn ich mich in die Seele unserer Feinde l!) hinein- denk«, würde id) mich über jede Entwicklung in Deutschland freuen, die.zu der Abschaffung der allgemeinen m i l i- tärisdscn Wehrpflidrt eine freiwillige Beseitigung der geistigen Wehrpflicht hinzufügt." Feinde und militärische Wehrpflicht! Das ist die Ausdrucks- weife unseres militanten Professors in einer scheinbar sachlichen wissenschaftlichen niedizini>d)en Abhandlung! Selbstverständlich ist das Sinken der Durdifchnittsbildung der Aer-te nach dem Muster„Schuld son d' Juden" verantwortlid)--; die Revolution! Herr Ho che läßt sid) vernehmen: „Es entspridst diese Entwicklung der allgemeinen jetzt.hcrr- fch enden Tendenz zur Nivellierung; die Revo- l u t i o n, mit der wir ja noch nicht abgeschlossen haben, muß ihrem Wesen nach jeder Form der Aristokratie unfreundlich ge- stimmt sein, gleichviel, ob es sich um eine sold)« der Geburt, der Macht, des Geldes oder der Bildung handelt; für die rcvo- lutionärcn Zwecke ist nur dos brau d) bar, was den Charakter der Masse, das heißt der Durchschnitt- lichteit trägt, und was sich für politische Zwecke einfangen läßt..." usw. Mit dieser Art verbohrter Professaren ist schwer zu reden. An- statt sich mit einem llebelstand sachlich und vernünftig zu besoffen, der seine Ursachen In den versäsiedensten. Jahrzehnte alten Ursachen hat— oder will Herr Hache etwa behaupten, daß der Bildungsgrad der Aerzte vor der Revolution höher gewesen sei?—, kühlen sie ihr Mütchen an den verhaßten politischen Verhältnissen. Herr Hoch« gibt unfreiwillig selbst ein Beispiel dafür, auf welchen geistigen Tief st and eine medizinische Zeitschrift sich befindet, die in ihrem wissenschaftlichen Teil solche„politischen" Bierbonkwels- Helten Raum gewährt. Herr Ho che ist der Musterfall der„zu- nehmenden polnischen Unbildung des Mediziners", Mcdicus. Gespenster Stadt Berlin--- Gesundheitsamt— Eheberatung Bei der vorjährigen Beratung des Berliner Etats wurden für den Ausbau der Eheberatungsstellen aus Antrag der sozialdemokratischen Fraktion 20 990 M. in den Haushalt eingesetzt. Die deutschnationalt Fraktion bekämpfte diesen Posten, der für den Berliner Etat wirklich von keiner großen Bedeutung ist, mit einer Energie, die einer besseren Saihe würdig wäre. Als schließ- lich doch der Antrag angenoinmen war, in Verbindung mit einein Antrag, der Richtlinien für die Arbest der Eheberatungsstelle verlangte und aussprach, daß die Geburtenregelung Pflicht- ausgab« der Eheberatung bilden soll, kam von deutschnationaler Seite der Zwischenruf: Beeilen Sie sich damit nicht, Herr Stadtmedizinalrat I Als die finanziellen Schwierigkeiten der Stadt Berlin begannen und der Magistrat Sparmaßnahmen auf allen Gebieten anordnen mußte, waren diese 29 999 M. tatsächlich noch unbe- rührt. Sie wurden dann auch vom Stadtmedizinalrat sofort als ein Posten angemeldet, der in diesem Etatjahr erspart werden kann. Ferner hieß es in der Rundverfügung an die Bezirke, für das Etatsohr 1939 sind Mittel für den Ausbau der Eheberatungs- stellen nicht vorzusehen. Die Eheberatung ist ein Zweig der Fürsorge, der ganz mim- male Kosten verursacht. Die Sprechstunden werden in den meisten Bezirken vom Stadtarzt oder einem hauptamtlichen Für- s o r g« a r z t abgehalten. Aerztliche Untersuchungszimmer sind in jedem Bezirksamt vorhanden, und da die Sprechstunden zweckmäßi- gerweis« meist am Spätnachmittag oder am Abend stattfinden, kann ohne weiteres z. B. ein schulärztliches Zimmer dazu benutzt werden. Als Hilfskraft ist höchstens eine Schreibhilse«rforderl ch, und Material wird weiter nicht gebraucht. Auffällig ist es auch, daß in der Sparverfügung empfohlen wird, Schulärzte, die nicht voll beschäftigt sind, nebenher in der S p o r t be r a t u n g zu beschäftigen. Die Eheberatung fft dagegen nicht erwähnt. Man sieht also hier, daß der Ausbau der Eheberatung nicht an den finanziellen Schwierigkeiten der Stadt, sondern vielmehr an der prinzipiellen Einstellung der Deutschnationalen und des Haupt- gesundheitsamtes scheitert. Warum nun dieser Kampf gegen eine Fürsorgeeinrichiung. durch die die Stadt finanziell gar nicht nennenswert bclastet wird? Die Untersuchung der Ehekandidaten auf Ehetauglichkeit wird von allen Parteien als sehr wünschenswert und wichtig anerkannt. Es wurde wiederholt der Vorschlag gemacht, obligatorisch Ehetaug-! lichkeitszeugniffe einzuführen. Ein obligatorischer Zwang erscheint nun keineswegs erwünscht. In die allerpersönlichsten Angelegenheiten der Menschen, zu denen man ja eine Eheschließung rechnen darf, soll sich nach Möglichkeit der Gesetzgeber nicht einmis hen. Um so erwünschter ist es aber, daß die Bevölkerung durch Aufklärung und Erziehung zur Berantwortlichkeit dahin kommt, von sich aus> ein« Untersuchung zu verlangen, bevor eine Ehe gefchlossen wird.' Wir versorgen in Deutschland ein Heer von 75999 Id'oten, 199 999 Epileptikern und 299 999 Geisteskranken. Roch viel größer ist die Zahl der Geistesschwachen, der Trinker und der Menschen mit ande« ren minderwertigen Anlagen. Im Interesse der Allge- m e i n h e i t fft es keineswegs erwünscht, daß solche Menschen Ehen schließen und sich fortpflanzen Es kommen ferner die Menschen in Frag«, die an Tu«t>erkulose, an schwerem Diabetes oder an Ge- fdsiechtskrankheiten leiden, und die sich meist nicht darüber klar sind, ob in ihrem eigenen Interesse, im Interesse des Ehepartners und der Nachkommenschaft eine Ehe zweckmäßig fft. Gegen eine Be- rotung auf Ehetauglichkeit kann also wohl ein ernstlicher Einwand von keiner Seile erhoben werden. Die Ehebcrawng besaßt sich ferner mit der Beratung von Per- sonen, die im Eheleben oder im Geschlechtsleben auf irgendwelche Schwierigkeiten stoßen. Häufig gelingt es einer sachverständigen Beratung, den Grund dieser Schwierigkeiten, der dein Betroffenen selbst nicht immer klar ist, sestzustellen und für Abhilfe zu sorgen. Auch hiergegen kann allgemein nichts gesagt werden. Der häufigste Grund der Ehekonflikte und der Schwierigkeiten im Geschlechtsleben liegt aber in der Furcht vor einer un- gewollten Schwangerschaft. Dies« stäitdige Angst bringt die Frauen dazu, den ehelichen Verkehr zu verweigern, oder, wenn eine Schwangerschaft eingetreten ist, eine Ab.reibung vorzunehmen, durch die Leben und Gesundheit der Frau schwer gefährdet wird. Auch in diesen Fällen muß die Eheberatung hel- s e n, indem sie die Frauen über zweckmäßige und unschädliche Mittel der Schwangerschaftsverhütung belehrt. Hier ober fängt die prinzipielle Gegnerschaft a n. Es wird behauptet, daß die Eheberatung sich schließlich zu reinen Peffarkliniken ausbildet und die Berminderung der Ge- burtenhäufigteit ihre Hauptaufgabe wäre. Wenn es richtig fft, daß in sehr vielen Fällen die Bevölkerung Aufklärung über Ge- burtenregelung verlangt, dann ist ja damit bewiesen, daß S.ellen. die hierüber sachgemäß Auskunft geben, einem dringenden Bedürfnis entsprechen. Di« Geburtenhäufigkeit wird auch sicherlich durch die gegebene Aufklärung rndsi herabgesetzt: die Geburtenregelung wird nur in die richtige Bahn geleitet. Daß die bürgerlichen Kreise nicht für sich, sondern nur für das Pro- letariat die Geburtenregelung ablehnen, ergibt sich aus /in« Statistik, die aus dem Jahr« 1911 stammt. Wir müssen uns aber auch mit Einwänden auseinandersetzen, die von Persönlichkeiten komme tt, die zur Sozialdemokratie ge- hören. G r o t j a h n steht auf dem Standpunkt, daß die äugen- blickliche Bevölkerungsdichte auf keinen Fall abnehmen darf, und er erklärt in seinem kürzlich erschienenen Buch ausdrücklich, daß Ver- ordnung von Verhütungsmitteln nicht Aufgabe öffentlicher Ehe- beratungsstellen sein darf. Wir haben in Deuischland über drei Millionen Arbeitslose. Wir haben über elf Millio- nen Frauen, die einer Erwerbsarbeit nachgehen müssen und bei der Ungunst der wirtschaftlichen Verhältnisse fft ein we teies Ansteigen der Frauenarbeit nicht eine Frage der Eleichbercch igung, sondern eine unumgängliche Rotwcnd'gkeit als Folge der wirifchaft» lichen Rot. Frauen, die berufsmäßig arbeiten, werden aber bei einer Durchschnittszahl von drei bis vier Kindern, die Grotjahn für eine fruchtbare Ehe fordert, so überlastet sein, daß sie weder ihren Berufspflichten, noch ihren f)äuslichcfl' Pflichten gerecht w können. Es geht im Leben der Völket genau" wie im Leben b.s' Proletariats. Eine Dezimierung der Massen ist verhäng! isvoll und bedeutet den Ruin. Ein zu großer Menschenüberschüß bodeut t aber Verelendung. In Bcvölkerungsfragen ist nicht imme- das Maximum auch das Beste, und wenn ein Land totfä'z'ich ubcroölkcrt ist, dann ist«in zeitwcifes Abnehmen dieser Zahl durch gewollte Geburtenregelung sicher b-ffer als ein Ausgleich durch er- höhte Sterbezahlen oder durch Krieg. Or. Käthe Frankenthal, Toxin— Antitoxin Schutzimpfung gegen Diphtherie Schon vor dem Krieg« erfand Behring das Heilserum, mit dem man Diphtherie erfolgreich bekämpfte und in den mefftcn Fällen eine rasche Heilung erzielte. Bei beginnender Erkrankling oder bei dringendem Verdacht wurde ebenfalls mit diesem Serum, das nur Gegengifte(Antitoxine) enthielt, gespritzt(sog. passive Schutzimpfung) Wie weit aber die nicht erfolgte Ansteckung eventuell gefährdeter Familienmitglieder aus diese Schutzimpfung zurückzuführen ist oder nicht, ist nicht genau sestzustellen. So berichtete mir neulich ein Arzt, der schon mohrer« huichert Diphtheriejallc behandelt hat, er habe die passive Schutz- impfung niemals angewendet,»nd in keinem Falle wäre eine An- steckung der gefährdeten Familienmitglieder erfolgt. Neuerdings ist es aber geradezu Mode geworden, auch bei völlig Gefunden zur Borbeug ung mit einem Gemisch von Diphtherie- gist und Gegengift(Toxin-Antitoxin-Mifchung) zu impfen; dies Bcr- fahren wird als aktive S ch u tz i m p f u n g bezeichnet. Angeblid) sollen dadurch die Impflinge gegen Diphtherie geschützt(immun) werden. Die aktive Diphthericfchutzimpfung, die natürlich frei- willig ist, wird vom Landesgesundheitsrat in seinem Beschluß vom Dezember 1927, vom Hauptgelundheitsaent der Stadt Berlin und, diesem folgend, jetzt auch vom Groß-Berliner Acrztebund in so drin- gender Weise empfohlen, daß dadurch auf die Aerzteschaft geradezu ein moralrscher Zwang zur Impfung ausgeübt wird. Dagegen trat nun am 1(5. Dezember 1929 in einem Dortragc in der Sitzung der pädiatrischen Sektion des Vereins für'imere Medizin und Kinderheilkunde Pros. Friedberger auf, der. als Direktor des Forschungsinstituts für Hygiene und Inmiunitötslehre in Berlin- Dahlem gerade auf diesem Gebiet mit seinen Aeußerungen weitest- gehend« Bead)tung verdient.?lnz feinem Referat, das kürzlich in der „Deutschen Medizinischen Wochenschrift" verösfenllidst wurde, seien deshalb hier die lvichtigsten Gedankengänge mitgeteilt. Di« theoretischen Annahmen, auf die man bisher im allgemeinen die aktive Schutzimpfung begründete, find durchaus unsicher. Man ging davon aus, daß die Diphtherieerreger ein Gift absondern, das auch im Reagenzglas erzeugbar fft(sogenanntes Reagenzglasgist), und dessen Einspritzung(durd) Bazillen oder als Reaqenzglasgift) unter die Haut'(subkutan) eines Tieres bei diesem im Blute Gegengifte(Antitoxine) hervorrust. Diese Antitoxin« vermögen nun ihrerseits bei anderen Tieren und auch meist beim Menschen die Wirkung des Diphtheriegiftes(Bazillen- und Reagenz- glasgfft) aufzuheben(passive Immunisierung). Solche Antitoxine sind im menschlichen Blut« aber nicht nur nach einer überstanden«» Krankheit oder einer passiven Schutzimpfung vor- Händen, sondern auch bisweilen beim völlig Gesunden, von dem man glaubt, daß schon ganz geringe Mengen von Antitorinen ihn vor Lr» krankung an Diphtherie schützen. Für Menschen oh n e'solche A>- toxine hat man deshalb die aktive Sd)utzimpiung mit einem Toi>- Antitoxingemisch erdacht, das die Gegengifte in seinem Korpi mehren soll, lim das Fehlen von Antitox nen, das man mit Diphtherieempfänglichkeit gleichsetzte, festzustellen, bedient man sich einer Hautreaktion, der sog. Schick- Reaktion, deren p.m eck Ausfall also angeblich ein Zeichen von Diphiherieemv.'ängi � ilt Friedberger weist nun nach, daß diese ganze Antitorlntl«rie- höchst fraglich ist. Er erinnert an einen wichtigen Lcrs. von Bin gel, der im Laufe von zwei Iahren bei über 999 D'.phti-e c- fällen abwechselnd Diphtherieantiserum und normales Pferdesi in verwendete, und der einen Unterschied im Erfolge nicht beobachten konnte. Zahlreid)e Aerzte bekunden serner, daß das Vorhanden- fein von Antitoxinen keinen wirksamen Diphtherie- schütz bedeute, daß vielmehr auch sog. sch'ck-neKrtiv« Personen er» kranken. Ebenso falsch ist die Annahme, daß das Fehlen von Gegen- giften besonders diphtberiempfänglich mache; denn es genesen auch Personen, die nicht mit dem antitormhaltigen Heilserum geimpft sind, und die nachher trotzdem keine Zlntitoxin« aus weifen. Worauf also die natürliche Heilung der Diphtherie beruht, wissen wir noch gar nicht Inzwischen mehren sich jedoch in letzter Zeit die Stimmen der Skeptiker unter den Aerzten der großen Kinderkliniken. Friedberger führt eine Reihe derartiger Aeußerungen an, die bezüglich der Schutzimpfung sämtlich zur Zurückhaltung mahnen Doch mehr nod) als dies« theoretischen Einwände geben die S t a t i st! t e n zu denken. So hat sich die Z a h l d c r T o d e s f ä l l e an Diphtherie In 46 Großstädten un Jahr« 1929 gegenüber 1927 verdoppelt,' obwohl doch gerade in den Großstädten in diesen Jahren schon viel- fach die Schutzimpfung angewendet worden ist. In Berlin fft der Anteil der Todesfälle unter den Erkronkimgen ziemlich gleich ge- blieben: eine geringe Senkung bei den Geimpften kann mit weit größerer Wahrfckyürlichkeit der besseren sozialen Stellung und mfolgc- dessen besseren Pflege dieser Kranken zugesthrieben werden. Aus dem Urbankrankcnhaufe wird sogar berichtet, daß der Anteil der schweren Diphtheriefäll« unter den Geimpften größer war. Diesen Bedenken fügt Friedlierger nod) die weitere Erwägung hinzu,«s seien direkt« Schädigungen durd) die altive Schutz- impfung nichtousgeschlosscn, auch wenn sie sich zunächst nicht in sofortigen Erscheinungen zeigen. Friedberger und aud) Opitz sind der Meinung, daß Spätschädigungen von Nerven, Herz und Nieren durch die aktive Schutzimpfung durchaus nickü gänHi� ausgeschlossen' seien und man darauf sein Augenmerk richten müßt«. Die Sachverständigen des Bölkerbundes baden sick> ans ihrer Beratung in Paris vom 4. bis 6. Juli 1929 bereits größere Zurückhaltung gegen früher in dieser Frage auferlegt. Wir empfehlen den zuständigen deutschen Stellen ein gleiches! Ewald Böhm. (10. Fortsetzung.) .Und ihr habt die Steine aus den Straßen gerissen und damit Barrikaden gebaut. Dann habt ihr sie mit den Köpfen eurer Feinde gepflastert. Wer weiß, wer damit wieder Barrikaden bauen wird." Mara blies den Rauch der Zigarette in dichten Schwaden vor sich hin.„Du würdest staunen, wie gegensätzlich wir uns in diesem Leben gegenüberstehen, wie verschieden die Impulse sind, denen unsere gemeinsamen Handlungen entspringen." Sie schwieg sekun- denlang. Dann begann sie ruhiger als zuvor:„Es sind bereits acht Monate, daß wir ein«(Bemeinschaft eingingen, die man weder als Ehe, Verhältnis oder auch nur als Freundschaft bezeichnen kann." V's Aug« war nach innen gekehrt. Im Bruchteil einer Sekunde rollte das, was vor acht Monaten in sein Leben getreten war, film- artig vor ihm ab. Berlin. Ein kleines Restaurant in der Nürnberger Straße. Russisch-, japanische Studenten und Studentinnen. Bleiche, durch- sichtige, bemalte Gesichter. Seelisch und körperlich kranke, verhetz e Menschen: Intellektuelle, Vaganten, hoffnungslose Talente und Genies. Unter ihnen saß Mara. Fing ihn, den Gelben, mit dem Blick ein. Hielt ihn damit fest. Fürs erste reizte ihn, den feinrn, überdifferenzierten Kulturmenschen, den Mischling aus Ost und W.st. das Barbarische an jener Frau. Seine Sinne, die müde und schlass, ihn nur mehr belästigten, übersättigt sich an zweiselhasten Freuden entschädigten, Abwege aufsuchten, um sich dann in Verimmgen zu verstricken, fühlten sich aufgestachelt und belebt. Er witterte Tieri- sches, Wild- und Besessenheit, dunkle, quälende Leidenschaften der Steppe. Dann das kleine Zimmer im Norden der Stadt, unweit der Untergrundbahnhaltestelle Bülowplatz. Der Abend, an dem er zum«rsten Male in seinem Leben Wodka trank. Es gab nicht viel Widerstand. Sie hatten sich beide betrunken. Am Morgen konnte ) er sich schwer erheben. Blieb. Es kamen Tage, es kamen Nächte. iV�i« Frau sprach von Dingen, die er nie zuvor gehört hatte. Seine - Pupille stellte sich anders als bisher«in. Ein Gedanke war ge> zeugt. Begann zu wachsen. Trieb schon mächtig. Dann kamen Augenblicke, in denen er sich von allem losreißen wollte. Mil hündischer Ergebenheit, sklavischer Hingebung, verblutender Leiden- schaft hielt sie ihn gefesselt. Er beherrschte das Barbarenweib. Si« beherrschte ihn. Vieles siel von ihin ab. Anderes wuchs in sein Fleisch. Die Abfahrt aus Berlin. Es kamen Moskau, Tiflis Irtutsk, Wladiwostok, Schanghai. Und dieses Haus, in dem jetzt sie und er leben. Wo sie Fäden spinnen um das Reich der Mitte. Dieses Haus, aus dem die W-llen über das Land gehen, die bald zur stürzenden Flut angeschwollen, «s überschwemmen und im Strom mit sich reißen werden. Revolu- tion. Kuliherrschaft. Befreiung. Erwachen des Ostens. Schlag- warte, die über dem Schicksal zweier Menschen stehen.... Diese Gedanken P's machten den Bruchteil einer Sekunde aus. Acht Monate dieses Leben. Was war vor den acht Monaten? Niemals hatte D danach gefragt, niemals hatte das Weib davon gesprochen. Aus welchen Stoffen, vergewaltigten Energien hatte sich dieser Komplex van einem Menschen, den man schwer mit Frau bezeichnen kann, ge- formt? Jetzt sprach sie davon. Ein halbwüchsiges Mädchen, das sich eines Tages in ein Vieh- waggon� verkriecht, mitten unter eine rüde Soldateska, das Nest iin tiefen Sibirien verläßt, weil nichts mehr sie dort zu halten weiß. Irgendwo, diesseits des Urals, fliegt sie aus dem Waggon,«nt- frästet, halbtot, während die an ihr sattgetruntenen Männer zur Schlachtbank gerollt werden. Erst war es Sucht zu ihr, dann Mit- leid, beispielloses Mitleid, das sie trieb, ihre erste Blüte zerstören zu iass«n. Nichts reute sie. Sie war von ihrem Opfer überzeugt und befriedigt. Dann komint einer, so einer mit Muskeln und Glotz- ougen. Dem ist sie nichts. Verläßt ihn. Moskau. Sie steht mitten im L«bcn. Kämpft, mordet, ist Geliebte der neuen Machihaber. Türen, bewacht und geschützt von bis auf die Zähne bewaffneten Genossen, fliegen bei ihrem Erscheinen auf. Befehle, von ihrer lhand gegeben, nehmen ihren raschen unglückseligen Lauf. Es kommt Berlin. Agitation. Und B- Endlich wieder vor einer Aufgabe. Demütigungen, schranken- lose Hingebung, Opferung für einen Menschen. „Du hörst, von wo ich kam, du weißt, war war. Es ist alles soviel wie nichts. Kein bedeulendes Leben. Es kam und war da. Und dann war es wieder nichts. Bei dir fft das anders,'g! Du hast dich sattgelebt, an den Lügen der Kultur, an der Gesellschaft, die das Fundament in unserem Falle zu einer panasiatischen Sklave- rei bildet. Du hast dich an den überreich gedeckten Tischen voll- gegessen. Dein weiches Bett brachte dir nicht mehr Ruhe und Schlaf. Du bist krank geworden, weil dich das Parfüm und die viele Saide längst angeekelt haben." Jetzt weiteten sich ihre Augen unheimlich. Der Raum waa: von ihrer Stimme ganz erfüllt.„Und mit den Frauen warst du auch fertig, bis du mich sahst. Es war nicht Liebe. Ich weiß es. Ich habe dich gereizt. Daß ich aber dein Leben aus- machen werde, daran hast du nicht gedacht." Sie sprach hastig, sie sprach gedrängt. Verzehrte sich bei jedem ihrer Worte, die oft grau- sam, unbarmherzig, dann wieder weich und sinnlich von den Lippen strömten. t[) hatte die Augen geschlossen. Lauscht« atemlos ihren Worien. War überzeugt von dem. was sie sprach. Halte vor dieser Frau nichts zu verbergen. Zu tiefst aber ruhte dennoch ein Etwas in ihm, das er verborgen hielt. Unousspreckliches, etwas, das vor- standen war, in einem nebelhaften Zustande noch, etwas, das kcm- mcn konnte. 4 Et hatte sich davor zu hüten. Dessen war er gewiß «re Form des Buches. Denn dos ist gerade da» Ver- dienstliche an diesen Skizzen großer, philcssophifcher Persönlichkeiten. daß sie aus knappstem Raum das Wesentliche und Charakteristische in den Weltanschauungen jener Denker, die der Verfasser für seine Darlegungen ausgewählt hatte, in einer Weife herauszuarbeiten wußten, daß dem Leser durch sie ein Wissen vermittelt wird, das er sich sanft nur auf dem Umweg eingehender und zeittoubender Studien hätte verschaffen können, zwei Dinge, die den meisten werktätigen Mensche» in der heutigen Zeit ja leider versagt sind. Daß eine solche Auslese aus dem weiten Gebiet philosophischer Weltanschauungen notgedrungen fragmentarisch ble-Ben müßte, liegt in der Natur der Sache. So ist es denn auch durchaus ver- ständlich, daß nach Art und Umfang des Büchleins die Ioniter, Pythagorüer und Eleaten. die Kyniker und Kyrcnaikcr, die Stoiker, Epikuräer und Neoplatoniker— um nur einige der wichtigsten unter den„Alten" zu nennen— in ihm kein« Berücksichtigung finden konnten. Allein— es war dem Autor ja auch gar nicht um die Abfassung einer lückenlosen„Geschichte der Philosophie" zu tunl Was er verwüste, war— nach seinen eigenen, im„Vorwort" ausgesprochenen Worten—„durch Herausheliung bedeutsamer Gc- danken über Welterkenntnis und Ledensanschauung Herzen und Köpfe für das Kämpfen und Ringen um ein« philosophisch de- gründete Weltanschauung zu gewinnen"— ein Versuch, der. wie die Praxis fraglos zeigen wird, dem Verfasser in weitgehendem Maße gelungen ist. Wer sich also bei der Lektüre dieses Büchleins der Tatsache bc- wüßt bleibt, daß er hier gewissermaßen eine Anzahl sehr schinack- hast uist» bekömmlich zubereiteter Kostproben weltachchaulicher Dell- katessen vorgesetzt erhält(und somit der Gefahr, die der Vuchtilel beinhalten mag. entgeht, zu meinen, er besitze— wenn wir dos Gleichnis wsiterführen wollen— nach dein Genießen derselben die Kenntnis der gesamten Möglichkeiten philosophischer Koch- und Arrangierkünste), wer sich also dieser Tatsache bewußt bleibt, wird zweifellos die Darlegungen Dr. Max Apels über Plato, Aristoteles, Giordano Bruno, Galilei. Descartes, Spinoza. Loibniz, Kant. Fichte. ScheMng, Hegel, Her bort, Schopenhauer, Fechner und Lotze, die den Inhalt feines Werkchens ausmachen, mit wirtlichem Gewinn und entschiedener Erweiterung seines Gesichtsfeldes in sich aufnehmen. llsns Zeustr. WAS DER TAG BRINGT. «auiifflimimminininniimniiniraniimiiinniiiflimiiBmiiiimiiimifliiffliiiiinRininnimiiciiiminiinimiiuiiiiiiiiimniiiiiniiiiniiiiniiiiiiiiiiuiiniiiiiiiiiiiHiiniiiiiiiiminniiiiMimi Elf Jahre nach der Revolution. Man schreibt uns: Zu der Notiz„Im Kampf um den Himalaisti" erlaube ich mir folgendes mitzuteilen: Am Freitag, dem 11. April. sprach Herr W. Feudi, München, als Teilnehmer an der Himalaya- Expedllion vor der Sektion Bertin des Deutschen und Oesterreichischcn Alpenvereins. Er berichtete u. o.:„Im Haupttager zeigten die Eng- länder die englische Flagg«: wir(Deutsche) setzten die Flagge. die es früher mal gab!!" Also die vermutlich mit öfsent- lichen Mitteln ausgerüstete Expedition reiste im Ausland unier Schwarz-Weiß-Rotl Unoerfroren scheut man sich n'cht, dies auch noch öffentlich in Berlin auszusprechen. Herr Notar Bauer hat diesen Tatbestand anscheinend schamhaft oerschwiegen. Ferner: Auch die deulsch- russische Alai-(Pamir-) Expedition 1928 unter Rickmers, ausgerüstet zum erheblichen Teil von der Not- gemeinschast der deutsche» Wissenschaft, trug als Zeichen an den Zelten Schwarz-Weiß-Not, wie beim Lichtdiidoortrag in derselben Sektion deutlich zu erkennen war.— 11 Jahre nach der Re- oolution! Aus einer kaiserlichen Oberzolldirektion, Von Regierungerat a. D. Otto G lad i s ch ist unter dem Titel „Erlebtes und Erlittenes", im Verlag der Reuen Gesellschaft, Berlin, ein Buch erschienen, in dem er seine Erfahrungen in der alten preußischen Verwaltung niederlegt. Gladisch kam 1898 als Regierungsrat zur kaiserlichen Oberzolldirektion in Hannover. Dort war er mehrere Jahr« und wurde dann in ein Disziplinarverfahren verwickelt, in dem er mit Dienstentlassung bestraft wurde. Cr schildert nun an Hand von Akten die Zustände bei der hohen kalser- lichen Behörde. Der Präsident, kaiserlicher Rat 2. Klasse, später als Exzellenz verabschiedet, war mit einer früheren Kellnerin ver- heiratet, die sehr häufig total betrunken und slandalmachend durch die Korridor« des kaiserlichen Dienstgebäudes torkelte. Auf ihren Befehl machte der Präsident alle Klingclleitungen zum Botenraum entzwei, damit für dienstliche Aufträge keine Boten oerwandt wer- den konnten. Si«»ruhten den Haushalt der Frau Präsidenten ver- sorgen. Der Vertreter des Präsidenten,«in Oberregierungsrat, hatte sich verlobt, und da seine Braut bereits seinen Haushalt führte, de- schloß er, um die Kosten für ein Hotel- oder Iunggejellenzimmer zu sparen, im Gebäude der Oberzvlldirektion zu wohnen. Er ließ eine Matratz« kommen, die rifun wochenlang Im Dlenstgeböude von einem Zimmer in» ander« �tragen wurde. Der Oberregierungsrat nach- tigt« nämlich immer in dem Zimmer eines Beamten, der im Augen- blick gerode auf Urlaub oder auf Dienstrelsen war. Der Verkehrs- ton zwischen den höheren Beamten dieser kaiserlichen Behörde war mehr als rüde. So war das äußer« Bild und imter dem Eise brütete die Intrige. Jeder war de« anderen Feind. Das Amts« zimmer des Präsidenten bildet« den Empiangssalon für Zuträger aller Art, jeder Klatsch ward gern gehört, und Regierungecat Gladisch kam durch diese« Spiel niederer Kräfte vor den Disziplinar- hak. Er beschuldig!« nun dest Oberzolldirektiansprösidemen eines .Meineides. In dem Urteil ober hieß es,„daß dieser hochgestellt« Beamte schon durch seine Stellung vor dem Verdacht des Meineides geschützt ist". Das war ein unumwundenes Eingeständnis der Rechtsbeugung und eine Verleugnung des Satzes, daß jeder Bürger vor dem Gesetze gleich ist. Ein Oberregierungsrat hatte wegen der Affäre Gladisch Selbstmord begangen. Dies kam vor Gericht zur Sprache, und ein hoher Beamter erklärte, die Dinge lägen anders. Der Selbstmord habe mit dem Fall Gladisch nichts zu tun. Der Oberregierungsrat habe vielmehr in Magdeburg einmal als stell- vertretender Chef«inen Bericht an den Finanzminister mit einem Tintenstist, anstatt mit Tinte unterschrieben. Dos habe er sich so zu Herzen genommen, daß er nach der festen Annahme des Zeugen deshalb Selbstmord verübt habe. Ein königlich-preußssches Gericht, offensichtlich ein Zlveckgericht, glaubte diesen Unfug, weil eben der Regierungsrat hereinfallen und die hohe Beamtenschaft geschützt werden sollte. Gewiß mag der Regierungsrat Gladisch verbittert und verärgert sein, aber er spricht nicht aus dem hohlen Faß. Der Berichterstatter der Petitionskommission des Preußischen Landtages. an die sich Gladisch gewandt hatte, der nationallibevale Abgeordnete Legationsrat a. D. vom Rath bestätigt« nämlich,„daß die Verhält- niss« der Behörde in Hannover ein ganz ungewöhnlich ungünstiges Bild darböten". Wenn unter S. M. im zahmen Dreiklassen- Parlament ein nationalliberaler kaiserlicher Legationsrat a. D. so spricht, dann muß es in der Tat toll zugegangen sein. K. ä. USA. In einer nordamkrikanischen Zeitung konnte man vor kurzem das folgende Inserat lesen: Für Mittwochabend sind zwei Parkettsitze in der Oper wegenbevorstehenden Todesfalls in der Familie abzugeben. Anruf erbeten unter... Der Mensch und die Bestie. Nach dem jetzt für das Jahr 1927 vorliegenden statistischen Mo- teriol aus Britisch-Indie» wurden in diesem Jahr 19 724 Menschen durch Schlangenbiß getötet, 1033 von Tigern zerrissen, während 1076 anderen reißenden Tieren zum Opfer sielen. Insgesamt erlagen also nahezu 22 000 Menschen den wilden Tieren. Ein Filmstar erbt 200 Millionen. Maurice Chevalier, der frühere weltberühmte Kabarettstar, seit rimger Zelt einer der gesuchtesten Leute in Hollywood, ist von einer alten Dom« in New Dork, die er wissentlich nie zu Gesicht bekomm«» hat. zum Universalerben ihres SO Millionen Dollar betragenden Dcrmögens eingesetzt worden. Ueber 200 Millionen Radiohörer. Noch einer vom Völkerbund zusammengestellten Statistik gab es im Jahre 1929 auf der ganzen Erde etwa 70 Millionen zugelassen« Radioanschlüsse. Da man damit rechnen kann, daß im Durchschnitt ein Anschluß von mindesten» 3 Personen benutzt wird, dürfte eine Schätzung der Radiohörer mit etwa 200 Millionen keinesfalls zu hoch gcgrisjen(ein. Arbeiter« Angler tagen Der Bundestag in Breslau 3« Breslau hiell wahrend der Osterfeierlage der Arbeiter. Zlngler- Bund Deutschlands seinen 3. Bundestag ab. Ihm voraus ging ein Vegrüßungs- abend, an dem auch Vertreter der Behörden teilnahmen: der sozialdemokratische Obcrpräsident der Provinz Schlesien. Lüde- mann, begriihte die Arbeilerongler und gab die Versicherung. die Bestrebungen des Bundes in der besten lveis« zu unter- stützen. Außerdem überbrachten Buck von der Zentral- kommlssion. Blahke vom prooinzkartell Schlesien und Gesterl vom Arbeiter-Iurn- und Sporlbund die herzlichsten Grüße ihrer Organisationen. Aus dem Geschäftsbericht des Borsitzenden Pfafsenschläger war zu entnehmen, daß der Bund in den letzten zwei Jahren eine außerordentlich gute Entwicklung zu verzeichnen hat. 48 Vereine und 2147 Mitglieder wurden gewonnen. Der Mitgliederbestand des Bundes betrug am 1. Januar dieses Jahres 14S vereiac mit 6150 Mitgliedern. Ausgeschlossen wurden wegen Nichtanerkennung der Richtlinien der ZentralkomMifsia» 7 Vereins mit 130 Mitgliedern. Aus den einzelnen Arbeitsgebieten des Vorstandes konnte Erfreu- liches berichtet werden. Die Pacht, und Siedlungsfragen wurden gut gelöst. Mehrere Ivochenendkolonien sind geschassen worden, die die Behördenvertreter als vorbildlich bezeichneten. In der Propa- ganda ist dos Menschenmöglichste getan worden. Vortröge im Reich, die Benutzung des Rundfiinte, Werbeangeln, Ausstellungen, Werbe- artikel in der Tagespresse sorgten für eine gut« Ausklärung für den Pedanten des Angelsports. Interessant war die Feststellung Pfaffen- jchlägers, wonach die„Rote Fahne" keinen der eingesandten Derbe- arlikel verössenllicht hat— auch eine Illustration zur Arbeitersport- freundlichkeit der Kommunistischen Porteil— Di« Beteiligung an den Reichsarbeitersporttagen brachte«bensalls gute Erfolg« in der Werbung. Ein Flugblatt des Bundes wird in der nächsten Zeit herausgegeben. Auch die Versicherung des Bundes hat sich bewährt, konnten doch 17 Unfälle mit 1310 M. unterstützt werden. Besonders günstig für die Entwicklung des Bundes hat sich der Anschluß an die Zentralkommission ausgewirkt. Aus allen Gauen konnte nur Gutes über die Zusammenarbeit mit der Gesamtorbeitersportbewegung berichtet werden. Die Bundes- zeitung„Der freie Slngler" ist verbessert und ausgebaut, gewünscht wurde eine bessere Unterstützung des Redakteurs mit gut«n Aufsätzen aus der Mitgliedschaft. Außer einer Denkschrift über den„Arbeiter- angelsport" hat der Bundesvorstand eine Petition gegen„Die Verunreinigung der Flußläuse duich die Abwässer" an den Reichstag und die Landesparlamente gerichtet.- In der außerordentlich lebhaften Diskussion über den Geschäfts- berjcht wurde auch die Frag« des Anschlusses an die Zentralkom- Mission behandelt. Einige Anhänger der kommunistnchen„Idee" glaubten für die ausgeschlossenen Kommunisten eine Lanze brechen zu müssen. Buck von der Zentralkommission gab jedoch die richtige Antwort und zeigte die grundsätzliche Stellung des Arbeitersports den Arbeiterparteien gegenüber auf. Die Beratung des Statuts und der Anträge zog sich bis in die späten Abendstunden(23 Uhr) hin. Oftmals wurde außerordentlich heftig um die sachlichen Airträge de- battiert, doch herrschte ein guter Gemeinschaftsgeist, der auch in der Sondierung der Anträge zum Ausdruck kam. Gegen eine Stimme wurde nachfolgende Resolution angenominen: „Der Bundestag des Arbeiter-Angler-Bundes begrüßt die Aufnahme des Bundes in die Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpslege und gelobt mit allen Kräften im Sinne der Richtlinien der Zentralkommission zu wirken. Die Vereine des Bundes find verpflickstet, in die Ortskartell« der Zentralkommission einzutreten, soweit dies noch nicht geschehen, um im Rahmen der Gesamtarbeitersportbewegung die Interessen des Arb«iter-Angler- Bundes zu wahren." Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Paul Pfafsenschläger wiedergewählt. Soweit nicht Vorstandsmitglieder zurücktraten, wurde der gesamte alte vorstand wiedergewählt. Der nächste Bundestag findet in Magdeburg statt. Die Geschäftsstelle des Bundes befindet sich in Berlin SW 68, Znmnerstr. 8. -ARBEJTER. mSSBALL Die letzten Resultate Von den auswärts weilenden Berliner Mannschaften hatten es nur sehr wenige Vereine für nötig gehalten, ihre Resultate nach Berlin bekanntzugeben. Neukölln weilt« in Mecklenburg. Gegen Grabow konnten die Neuköllner einen knappen 3:2- Sieg erringen, gegen Wismar gewann Neukölln 4: 2, während das Spiel gegen ftagenow mit 0:4 verloren wurde. Lichtenberg I spielte in Thüringen gegen Gotha und Waltershausen. Beide Spiele ver- liefen unentschieden 3: 3 bzw. 0: 0. Trebbin hatte sich Leipzig- Ost verpflichtet. Die Leipziger konnten einen 4: 2- Sieg mit nach Hause nehmen. Pankow weilte im Eberswalder Bezirk. Gegen Neuenhagen wurde das Spiel beim Stand« von 1: 0 für Neuenhagen abgebrochen. Gegen Freienwalde konnten die Pantvwer«inen 8:2- Sieg herausholen.— Don den in Berlin ftattgcfundenen Spielen interessierte in der Hauptsache das Treffen Weißensee gegen Eiche-Köpenick, das wiederum 2:2 beendet wurde. Damit haben die Köpenicker den Beweis erbracht. daß sie mit zu den spielstärksten Vereinen in Berlin gehören. vberspree mußte sich von Spandau 25 mit 3:1 schlagen lassen. Altranft gewann gegen Freienwald« mit 5: 2. Weitere Resultate: Spandau 25 2. Mannschaft gegen Oberfpre« 1:4: Spandau 3. Mannschaft gegen Obersprce 5:0: Aktranft 2. Mannschaft gegen Freienwalde 2. Mannschaft 2: 1. Neue Welt; Arbeiterartisten Der Arbeiter-Krastsportoerein„Einigkeit" gab am 1. Oster- tag in der„Neuen Welt" eine Festvorstellung. Die groß« Anhänger- schaft des Vereins, die den großen Saal bis auf den letzten Platz besetzte, quittierte mit großein Veifall die wirklich guten Leistungen der Ärbeiterathleten und Artisten. Nach einem Konzertteil begannen dl« artistischen Vorführungen mit einem Lustbalanceokt, von Redieh ausgeführt, dem die kleine Zylophonspielcrin Anita solgt«. Beide Vorführungen waren gut und fanden starten Beifall. Die 5 Ernesto» waren noch etwas unsicher, sie haben zwar schon die Exaktheit der Uedungen, aber noch nicht die notwendige Stand- sicherheit. Außerordentlich gute Leistungen zeigten die 4 Parenos, die am Reck schwierigste Artistik ausführten. Der Radsahrakt der 3 Loranis überraschte mit neuen artistischen Tricks, insbefonder« zeigten die beiden Kinder erstaunliche Leistungen. Mit todernstem Gesicht verrenkten die„Buddys" ihr« Glieder in«incin Exentrilakt und dursten für größten Beifall quittieren. Kurt Hoffmann sang dann noch einige Couplets und die 3 Marcaros brachten Bronzeakte, deren Wirkung aber an den technischen Einrichtungen der Bühne scheiterte. Schattenspiele schlössen das Programm ab, das zeigte, daß die Arbeiterartisten nicht nur gute Leistungen auszuweisen haben. sondern auch verstehen ihr« Fest« wirksam zu arrangieren. Osierfliegen in Zehden Das an den Ostertagen in Zehden a. d. Oder stattgefundene Ve r gl« i ch s s l i« g e n für Gleit- und Segelflugzeuge war außer- ordentlich stark beschickt. Es beteiligten sich der Spandauer Flug- technische Verein, die„Lüwa"(Polizeisport), die Vereinigung«he- maliger Flieger, der Krelsluflsportverein Oberbarnim, die Friesen- Oberrealschule und der Rcichsverband fliegender Lehrer. Es wurden insgesamt sechs Prüfungen abgelegt, bei denen besonders die Friesen- Oberreaischul« sowie die Freieinvalder Gymnasiastin Seelos beteiligt waren. Leider ging auch ein« Maschine zu Bruch, ohne daß aber jemand verletzt wurde._ Vom Auto ins Flugzeug Luftakrobatik in Tempeihof Die Flughafen-Gesellschaft veranstaltete am Ostermontag ihr erstes diesjähriges Flugmeeting, da» seine Anziehungskraft auf Zehntausende von Berlinern nicht verfehlte. Den Hauptteil des Programms bestritt der Luftakrobat Schindler, der waghalsige Kunststücke auf der von dem suddeutschen Kunstflieger Spreng- l e r gesteuerten Klemm-Maschine vollführte. Er zeigte zuerst einige Hebungen am Mast und am herunterhängenden Trapez, wohlgemerkt, beides äM Flugzeug. Er tanzte au? den Tragflächen, kleiterte den Rumpf der Maschine entlang: seine Hauptnummer aber war da» Um st eigen vom Auto in das darüber hin- weg donnernde Flugzeug. Nach einigen Berfuchsslügen gelang«z dem Piloten Prengler, den Eindecker über das Auto zu jteitern, jq daß Schindler die tzerunterhängeude Leiter ergreisen MD f- � > & MO . v-■ im konnte. Er wurde weggerissen, einige Meter über den harten Beton- boden geschleift und kletterte dann die Leiter empor. Den Abschluß des Programms bildeten Dallonabschießen und ein Fallschirmabsprung von Fräulein Hedy Schumann. Die Rund- flüge, die von der Luft-Hansa und vom„Sturmvogel" zu ermäßig- ten Preisen veranstaltet wurden, erfreuten sich regen Zuspruchs. Die Flckghasen-Gcsellschaft sollte'sich trotz des Andranges von Zuschauern keinen trügerischen Hoffnungen hingeben. Die Leislun- gen Schindlers waren gewiß neu und sensationell, sie sollen im Rah- men eines großangelegten Flugmeetings nicht fehlen, aber es zeugt von keinem großen Unternehmungsgeist, ein ganzes Flugprogramm durch einen Luftakrobaten bestreiten zu lasten. Wir haben in Tempelhos schon bessere Beranstaltungen gesehen. Es geht einfach nicht an, zwischen einzelnen Darbietungen Pausen eintreten zu lasten, in denen dem Publikum nichts weiter als Schallplattenmusik geboten wird. Warum kein Flugzeugrennen, warum kein Weit- bewerb im Kunstflieqen? Die zwei oder drei großen Flugmeetings, die wir im Jahre haben, müssen Höchstleistungen auf allen Gebieten zeigen.__ Neue Amatcur~Boxmeister Bei den deutschen Meisterschaften des Reichsoerbande s für A ma te u r b o x en, die in der Kölner Rheinlandholle durchgesührt wurden, setzten sich die Vertreter der älteren Garde fast auf der ganzen Linie durch. Von den vorjährigen Meistern, von denen Neusel und Skibinski Berussboxer geworden, Kugler und Sänger wegen Erkrankung ausfielen und der Kölner Rustemeyer inzwisck�en ins Federgewicht gewachsen ist, erschienen nur Ausböck- München und die Berliner Fuchs und Böchler auf dem Plan und verteidigten die Meisterschaft mit Erfolg. In den anderen Gewichts- Nassen gelangten Prahl-Düsseidorf, Besselmann-Köln, Rennen-Köln, Figge-Elberfeio und Hinzmann-Berlin zu Meisterehreii. Am erfolgreichsten schnitt also der westdeutsche Verband ob, der vier Meister stellte. Nach Berlin fielen drei, nach Bayern«ine Meisterschaft. Im Weltergewicht unterlag der Münchener Muysers in der zweiten Runde entscheidend gegen Bestelmann. Der Berliner Seeiig wurde im Mittelgewichtsendkampf mit dem Kölner Rennen ein Opfer des Kampfgerichts, denn Seelig war technisch bester als sein Gegner und schlug auch variierter. Im Halbschwergewicht scheiterte der Miinche- ner Leidmann an der Körperkraft des Elbkrselder Figge, der sich einwandfrei als der Bester« zeigte. Auch der Ausgang des Schwer- gewichtskampfes war nie zweifelhaft, denn Hinzmann-Berlin be- herrschte den Hannoveraner Lücke in den beiden ersten Runden klar. Fportlcunosa Das Anwachsen des sportgerechten Kegelns stellt immer größere Anforderungen an den Bahnumfang der Hallen. Demgemäß ent- schloß sich Leipzig, eine Sporthalle mit 4 5 Bahnen zu er- richten, deren Weih« für Ende Mai festgesetzt ist. Hamburg jedoch wird dies« Anlage noch übertresfen, denn hier ist vor kurzem der Grundstein zu einer Halle gelegt worden, die 48 Bahnen umfassen wird. In Königsberg i. Pr. wird im Juni ein« Sport- hall« mit 15 Bahnen eröffnet werden. Ein Fall, der in der Boxjportchronik vereinzelt dastehen dürste, ereignete sich in St. Louis, wo der Schwergewichtler Jack de Mave mit dem norwegischen Meister Otto von Porat kämpfen sollt«. Als de Mave den Ring betrat, sah er mehr leere Stühle als Zuschauer, und so packte er kurz entschlossen seine sieben Sachen zusammen uick» verließ den Ring, ohne gekämpft zu haben. Ein Skandal war natürlich unausbleiblich. Die Boxbehördcn werden sich nun des Herrn de Mao« annehmen. „Jugend und Arbeitersport" im Rundsunk. Fritz W i l d u n g. der Geschäftsftihrer der Zentralkommission für Arbeitersport und Körperpflege, spricht morgen Mittwoch. 16.05 Uhr, im Rundfunk über das Thema:„Jugend und Arbeitersport". Wildung behandelt das Thema von der sozialen Seite aus. Die Leibesübungen sollen als vornehmsten Zweck haben,«inen Ausgleich gegenüber dein immer weiter rationalisierten Arbeitspro.zeß zu schassen. Pholvgruppen der Ratursreunde auch in Reukölln und Norden! Die Fotogemeinschast des Touristenoeroms„Die Naturfrelmde", die dem Arbeiter-Lichibild-Bund angehört, eröffnet Mittwoch 23. April, 20 Uhr in Neukölln, Bergstraße 29, Jugendheim, und Donnerstag, 24. April, 20 Uhr, in der Schule Pank- Ecke Wiesenstraße neue Abteilungen. Ihr Zweck ist, den Werktätigen in diesen Bezirken die Möglichkeit zur Weiterbildung in der Photographie zugeben. Jnter- estenten, auch Anfänger sind in allen Abteilungen herzlich will- kommen._ Knie Schwimmer chroll-iverli»«. B., Amvpe SlruNill».©S.�Eiliuna Di«»-» tan. 22. April. 22 Uhr, bei granck. Grurpcnverlaimnlunn Stmnafxnb. 2«. April, 20 Uhr, Ideal-iiasino, Bteidirelitr. 8.—©rupp« Lichtrnbrin. Grup- peiiversammlunn Comiadcnd, ich. April, lO'i, Uhr. bfi Wenner. Stanffutiet Allee 236.— Gruppe eiemenaftabt. CvartlerNhuna greitna, 25. April. 20 Uhr, bei Somtner, Sloitnenbammollce. Gruvpenoerinmmlun« greilan. 2. Mai. 20 Übt, ebentw.— Gruppe Mitte, lüruppenversammlunn Dminererton. 24. Avril. 20 Übt, Aunusistr. 20.—©nippe Röpenld. Kruppenperlammlunn Donner». taq. 24. April, 20 Ubr. Sporiresiaurant©nrtrnflr. 23. FTSB., Reukälln-Brih. 2. Männer.. 2. Krauen-, 2. 5u»nmäd4 Uhr.©ewertsäiafisbaus. In Andetraält de» tlreisrrauenkestes find die Genofstnnen besonders einaeladen. Sportkartell Sdarlottendupa. Die Sammellisten des Arbeiter-Samariter. Bundes sind umoebend bei Wolffdern. Sharlottendura. Braubofsie. 7. ad- auredmen, leere Sammellisten sind Gleichfalls zurückzureichen. Sportoereiu Moabit. Das Blaßtrainina beninni am 22. April, iede» Dienst«» imb Donncr-iaa ab 18 Ubr auf dem Svortpla» Diernartrn. Arbeiter- kuhball Kiel— Berlin Edcball vor dem Kieler Tor „Nur für Kenner.. Gchmuhig als Werivolles, Gemeines als Kunst. In gewissen Zeitschriften findet man Inserate besonderer Gattung, die— in den verführerischsten Substantiven und bestechendsten Adjektiven— fett und ausfällig gedruckt, bestimmte vinge offerieren, die herkommen und Anstand zum Resten sauberer Phantasie und sauberen Gefühls in den unsauberen Vereich der Pornographie verwiesen haben. Diese sogenannten„sinnst Produkte" sind Bilder und Bücher eines gewissen Genres. Wenn man sich einmal eine Muster liste oder einen Katalog solcher Kunsterzeugnisse zuschicken läßt, kann man sein blaues Wunder erleben, sein blaues Wunder über die Art und Weise, in der die Bertriebsorganisationen dieser„galanten" Bilder und erotischen Bücher ganz ernsthafte Gemälde und Werke der Weltliteratur, gewichtige Bücher der Kultur- und Sittengeschichte, der medizinischen und Sexualwissenschast in anroißerischster Form für ihre miserablen, hintergründigen Zwecke mißbrauchen. Da werden — um nur ein Beispiel von vielen zu nennen— die Bilder unseres Zille gerade damit angepriesen, daß er der„unvergleichliche Humor- volle Zeichner der Dirnen, Luden und schwangeren Fauen usw." sei. Als ob es Zille»m diese Dinge gegangen wäre! Dieser Ansicht jedensalls scheint man in jenen Büros zu fein, die sich den Bertneb solcher Bilder und Bücher zur Ausgabe gesetzt haben, wozu auch gehört, daß sie Kunst und Schmutz in nahe Verwandtschaft bringen. Aus diesem Geist kommen dann auch Anpreisungen wie diese (entnommen einer Sonderlisic sür Pariser Bilder): Sammlung Nr. 25„Süße Mädclsch Hemd und Höschen und andere pikante Aufnahmen. Jugendliche liebreizende Modelle, entzückende, herz- erfrischende Darstellungen: Sammlung Nr. 26„Pariser Geheim- bilder!"„Pst!" Nur für Kenner und Feinschmecker. Die intimen Reize des weiblichen Körpers. Schöne junge Mädchen mit üppigen vollen Formen in allen denkbaren Stellungen. Diese Sammlungen kosten dann etwa iünf, zehn oder zwanzig Mark. Dazu wird meistens noch ein Vergrößerung sapparat angepriesen,„mit welchem jede Körperlinie haarscharf hervortritt". Wie man sieht, hapert es nicht nur gewaltig mit der Sauberkeit, sondern auch mit der Grammatik und dem Deutsch In chieser Art von Prospekten. Ge- wissermaßcn im selben Atemzuge werden dann weiter Bilder von Raphael, Werke von Lutia'n und Apuleius angeboten („Für Genießer— nicht für Spießerl")— alles dies zusammen mit gemalten Sudeleien und schmierigen Büchern übelster Gatmng— wahre Kunst, Weltliteratur und Schmutz, es ist hier alles eins. Wühlt man lange in diesen in knalligstem, kitschigstem Text ge- schriebenen Katalogen, steigt einem der Ekel in die Kehle. Man höre, was man da lesen kann an„Buchrezensionen": ,.... ein Spiegelbild aller menschlichen Ausschweifungen aui dem Gebiet der Erotik, Wollust und Grausamkeit, Pikanterie und Galanterie, Falsch- beit und Herrschsucht vereinigen sich in dieser Sammlung zu einer grandiosen Orgie des Lasters." Die S ch e i n h e i l i g k e i t, der Appell an den„K u n st s i n n". on die„Bild u n g" und die„B e r st ä n d n i s i n n i g k e i t" des Bestellers spielt ebenfalls emc große Roll« in diesen Prospekten. Da gibt es Bücher(ausgemachten Schund)„nur für ernsthafte Leser",„nur für Bibliophilen",„nur wirklichen Kunstkennern empfohlen". Der Wendungen sind viele, die Absicht immer dieselbe: Schmutz als Wertvolles, Gemeines als Kunst auszugeben; die Bilder sind immer„schmissig",„rossig",„von höchster Anmut und Grazie",„äußerst reizvoll"— der Text ist immer„kulturMorisch", „stttengeschichtlich",„wissenschaftlich interessant" und„hinreißend geschrieben". So geht das bis ins Unendliche. Man trägt dick auf, um die niedersten Instinkte zu wecken. Zwar geben und erbitten diese Vertriebsorganisationen Diskretion und sichern auch die Vernichtung der an sie geschriebenen Briefe zu, wie sie auch um Vernichtung ihrer eigenen Schreiben bitten(„Ihre Briefe werden nach Erledigung vernichtet und bitte, dasselbe auch mit meinen zu tun")— aber es kann ja einfach jedermann, jeder Jüngling und Backfisch sich diese Listen schicken lassckn. inag immerhin auch am Anfang solcher Listen der Satz stehen: „Diese Liste ist nur für Erwachsene bestimmt und darf auf keinen Fall an Jugendliche unter achtzehn Jahren weitergegeben werden." Lassen diese Vertviebzorgaitisationen etwa durch Hellseher feststellen, wie alt ihre Auftraggeber, die Bezieher ihrer Bücher und Bilder sind? Welche seelischen Verwirrungen derartige Laborate in den Jugendlichen anrichten können, das wagt man sich kaum mr"'denken. Eisenbahner protestieren gegen Abbau? Gefahren für die Verkehrssicherheit. Eine Funktionärversammlung und Betriebsrätevollversammlung des Einheitsverbandes der Eisenbahner protestiert« einmütig gegen d i e Abbaupläne der Reichsbahnver- waltung. Winkler von der Ortsverwaltung kennzeichnet« als Referent die Vorwände des Generaldirektors Dorpmülter, die er in feiner letzten Rede zur Begründung der Abbau- und Tarif- erhöhuiigs Pläne vorbrachte. Die Behauptung von der ongeblichen „Ueberlastung de» Reichs bahnetal» durch Personalausgaben" und die Neuregelung der Reichsbahnabgaben durch den Doung-Plan wird selbst durch bürgerliche Wirtschaststheoretiker als falsch nach- gewiesen. Rationalisierung gegen die Arbeiterschaft durch Einlcgung von Feierschichten, Entfernung„überflüssiger" Arbeitskräsle ist laut Beschluß des Berwaltungsrotes der Reichsbahn die Parole. Gegen wirkliche Arche i tsb eschaf'f ung durch Einführung des Acht- Stunhentages. wie ihn der Einheitsverband fordert, an Stell« des herrschenden Neun-Stundentages sträubt sich der Verwaltungsrat. Die Vergebung von Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten an Privatunternehmer, die Verlängerung der Arbeitszeit auf 9 und sogar 12 Stunden(im Berliner Bezirk) strafen die Be- haupiungen der Verwaltung vom Arbcitsmangel Lügen. Im Direktionsbezirk Altona ist sogar Anweisung gegeben worden, die Reinigung der Wagen und Bahnsteige, die Pünktlichkeit des Zugverkehrs, die Deachlung der llnfallverhütungsvorfchrisken(!) zu vernachlässigen. Im Amtsblatt der Reichsbahndirektion Berlin wird jetzt schon das Personal für die Folgen des Abbaus, für die Erhöhung der Unfallzisser und des Sach- und Personenschedens ver- antwortlich gemacht! Entlassungen aus dem Werkstätrenbetrieb konnten bisher durch Umstellung der zu Entlassenden auf die Streckenunterhaltungs- arbeiten aus Initiative des Verbandes vermieden werden. Jetzt ober sollen ZS0 Arbeiter der Werkstälken Tempelhof enklasseu werden, obgleich das Wert N i ed e rf ch ö n« w e id e schon vor der ge- waltigen Berkehrszunahme auf der Stadt- und Ringbahn nicht für die Reparaturen ausreicht! Kein Arbeiter und kein Beamter darf aus Angst vor der Entlassung die Pläne der Reichsbahnverwaltunz durch Mitmachen der Hetzarbeit unterstützen. Nur Solidarität kann die Forderungen der Arbeiter durchsetzen: Verkürzung der Arbeitszeit statt der Versuche, die Arbeitszeit auf 12 bis 14 Stunden zu erhöhen I Viele Diskussionsredner bestätigten noch durch Mitteilung von zum Teil haarsträubenden Einzelheiten aus dem Betrieb die Aus- sührungen des Referenten und oerlangten entschiedensten Kamps sür den S-Skundeniag. Hierauf sprach Mi« tz über die Betriebsrätewahlen und die bisherig« Tätigkeit der Betriebsräte. Er kennzeichnete in einem umfassenden U ob erbt ick über die Betriebsratsarbeit feit 1919 die orbeilerschädlichc und gewerkschastsspallerifche Tätigkeit der Kommunisten im„Freien Eisenbahnerverband", die ein« Schwächung des srcigelverkschastlichen Einflusses bedeutet«. Die..Opposition" tritt heute wieder mrt den Methoden der Lahr« 1920 bis 1924 auf. Der Referent forderte eine Reorganisation und Vereinfachung des ungeheuer komplizierten und verklausulierten Manteltariss. Der Betriebsrat erzwang die Beseitigung der siebenten Schichten und der Ueberstunden. Di« betreffend« Verfügung wurde und wird raffiniert umgangen, und der Betriebsrat muh fein« ganze Wachsam- keit aufbieten, um die Derfügung voll durchzuführen Aus der Bahn- Unterhaltung konnten nach jahrelangem Kampf die Privatunter- nehmer fast ganz herausgedrängt werden. Den Lehrlingen tonnte ein Recht auf Urlaub erkämpft werden. Auch in den neuen Kämpfen muß zähe gearbeitet werden, besonders um die Schädlinge der Arbeiterbewegung, die„Opposition", bei der Wahl endgültig aus den Betrieben zu verdrängen, kein freigewertschoftlich Organisierter darf sich von der„Opposition" aus- stellen lassen oder für sie stimmen. Oer rechnende Pudel verschwunden. Einen schweren Verlust erlitt ein Hundedresseur, der mit seinem rechnenden Pudel augenblicklich im Mercedes-Palast, Neu- kölln. auftritt. Nach Schluß der Vorstellung verschwand der Hund plötzlich von der Bühne, eine Spur war nicht zu entdecken. D r Hund, der nach jahrelanger Dressur und großem Kostenaufwmd an Reklame nun seinen Mann ernähren sollte, war bereits!ür große Varietes gebucht, da er auf seinem Gebiet wirklich ein« K pa- zität darstellt. Es wäre seinem Besitzer zu wünschen, daß er das Tier wiedererhält; hoffemlich zisht die ziemlich hohe Belohnung, die dieser für das Wiederbringen ausgesetzt hat. Dlullge Zusammenstöße bei Buenos Aires. Bei Santa Rosa bei Corde ba wurden bei Zusammenstößen zwischen Mitgliedern der Demokratischen Partei und der Polizei elf Personen getötet und zah!- reiche andere oerletzt. Die Demokraten hatten eine Versammlung unter freiem Himmel einbcruien, die von der Polizei aufgelöst wurde. Dabei kam es zu heftigen Zusammenstößen. Der Polizeidirektor, zwei Beamte, zwei Zivilisten, drei Frauen und drei Kinder kamen ums Leben. Arbcitersieg in Südaustralien. Bei den in Südaustralien ab- gehaltenen Parlamentswahlen Hot die Arbeiterpartei, die bei den letzten Wahlen geschlagen war, einen überraschenden Sieg davongetragen. Sie konnte sich 31 Sitze gegenüber 17 im letzten Parla- merrt sichern. Die Liberalen haben zehn Sitze verloren. f* Ii ROGRAffM (flr Jie Zeit vorn 22. bis 24. April IMO-TAFEt I ■ IHM!!■■HIMIMI—■——»■«■■■WHIMi II■ 1"" PRO G RAM für die Zeil vorn 22. bis 24. April a Potsdamer Strafe 38 Der deutsche Ton- und Srrcchfilm Dich biib' ich deliebt mit Mudr Cbrwti«Bj Rhcinstratjc 14 k�-eIcU Danton mit Emil Janntp�s Licbesgeschicbten(5 Akte) Odeon, PotsdanaerSlr.75 Die Sünden einer scb.oncn Frau mit Marcella Albaai, Walter RiUa Des Panzcraoto(6 Akte) Turmstralje 12 Die Fran ohne Ncxrcn{7 Akte) mit Ellen Richter Ziscnnerracfae mit Dolarcs Del Rio Alexanderstr. 39-40 (Pattage) Den ganzen Tag gcüflnet. Drei Freunde(S Akte) mit William Doyd Mein Himmelreich(8 Akte) mit VUma Bank? ü FriedncmtacSt Ü Die Kamera Unter den Linden 14 Uraufführung-. Flucht nach Yeddo (Original Japan-Film) Täglich 3, S, 7. V lüir Passagc-Lichispiele Unter den Unden 22(PasJagc) Das große Lichtspielhaus der City Beginn ab 2 Uhr Zentrum 6082 Der lOSprozenfiga deu'ScheTonlüm: Der nntieibUcae Lump mit Liane Haid, Qoat. tröblicfa Gute« Beipradraaam W eidenhof- Lichtsp. An der Weidendammbrücke Friedrichstr. 136 Woch. 12, Sonnt. 3 U. Aümenle mit Vera SchmiterlSw Ihr trifft)a. wie Matrosen sind Q MooiMt Arlushof-Lichf spiele Film- und BQbncntcfaan ferlebcrgcr Str. 29 und Steadalcr Str. Drei Freunde Angti(Die schwach« Stund« einer Frau) mi: Elga Drink Weit 'Kino MVW Alt-Moabit 99 Das fiehelmnli Im SchlaFwaden Di« Opiamtduaotfcr r, Montana Schlüfcr-Thcafcr SchlQterstr. 17 W. 6 30. 9 Uhr. Sonnt, ab 3 Utzr. Melodie des Herzens mit Dita Parlo, Willy Fritsch (mit Gesangieinlagen) icinailnöb des Baal Koctpagno mit T. Tyler nndiien wiimerttlorf Atrium Beba-PaUst Bühnen- schau Kaiscra'iice, Ecke Berliner Straße Beginn; Täglich 7, 9.15 Uhr Blockade CD. geheimnisvolle Flotte) Der Unglücksrabe mit Charlie Chaplin .lugendliche haben Zutritt Ab Mittwoch: Uraufführung: Der De.'eldlv des Kaisen SchöHotserg y \ 11t am Ks- sa Sonnab s' 7" 9 bckir Amamora Sonnt ah 3 Uhr öchönebcrg, Mauptstr. 3U Tonfilm: Wenn du einraat dein Herz ver- sekenkst m Llllan Harrey, Igo Sym Tltania(uu SrtCneberg) Hauptstraße 49 Beginn 6.30, 9 Uhr Sonntags 3, 5, 7, 9 Uhr Der<00 prozemi�e Tonfilm: »er Liebcswalzer mit Lilian Harvcy, Willy Fr Usch G Frlocaenau> Kronen-Lichtspiclc Rheinslr. 63 Beg, Woch. 630. 9, S. SU Hotel Sfadt Lemberg m. Pola Negrl Blond oder breuo 7 in. Ad. Menfou Filmeck Beginn �u. Skalitzcr Straße, am Görlitzcr Bahnhof Die kensebe Sünderin mit Coli. Moore Die Sfindc der Usry Kraft mit Maly Debdbati, Harry Hardt . Bühnenccban Luisen-Theater Rclchenberger Str. 34 Die keusdbc Sünderin mit Coli. Moore Die Sünde der Liasy Kraft mit Maly Oclsdbaft, Harry Hardt BOhnciiAdkaa Tonfilm and Bübncnsdiaa Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Bceinn der ersten Vorstellungen; Wochentags 5.30, Sonntags 3 Uhr Die große lOOprozentige Tonfilrft- operette: Liebeswalzer mit Lilian Harrey, Willy Frltsd» Dazu das tönende Beiprogramm c Stesllts Sternwarte- Treptow Dienttag. 8 Uhr: Der Etbsirom Uonoersiaff, 8 Uhr: Am Arolsen Strom.(Tierwelt am.Amazonas) a' Wesm&HBi. g Primus-Palast w.?. 9.« u, Am Hermannplalz Sig. 4.45, 7, 9.15 U. Harry Liedtke in seinem ersten Ton- und Sprcchfüm: Delikatessen Jugendliche haben Zutritt_ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochen!. 6, Sbds 5 30, Stgs. 3 Uhr Aufruhr des Blnies m Oskar Marion, F. Schalfapin Jr. Vera Vcronlna Auf der Bühne Variclcsdian AnsgewthUes Beiprogramm | Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 Wesen Riesenerfolges verlängert: Tontilm: Troika mit Olga Tiicheehowa, H. A. ▼. ßchleflow Concordia-Palast Andreasstraß« 64 Beginn Woch. 5, 7. 9 U., Sonnt, ab 3 U- O Mtdchen, mein Mädchen mit Harry Llcdtkc Das Land ohne Xcdit Bfihnensdian Comenius-Lichtspiclc Titania-Palast Stegh tz, Schloßstr. 5. E zkc G u tsmuthsstr Beginn der Vorstellung 6.30. 9 Uhr, Sonnah. und Sonnt. 4. 6.30. 9 Uhr. Vorverkauf II— 2 und ab 5 Uhr Der erste Farben- und Toniilnt; CÜIy mit Maryllu Miller Mf_I i hlariendorter Sonnt 3U,I rjö— l-I LSdatspieln me.- Vorst. ChausscestratSe 3!" W. 7, s-z. ab 5. Rsrale» der Liehe Karriere, Tango der Liebe Bähaensiiiaa Ü Südweatcn W FQm.Pai«si Kammersäle Teltöwer Str. I W.6, Sbd.S,$ig. 4 Uhr Die lagd nach der Mlll on mit Luciano Albcrhui Schicksals wftrfcl Jugendliche baden Zutritt Kukuk Wochcnt. 5, 7, 9 U. Sonnt. 3. 5. 7, 9 U Kotthusser Damm 92 Tonfilm 1 Es gibt eine Frau, die dich niemals yergibt mit LU üajjover Beiprogramm Pwä-�lcsrsr- Wochen, 5, 7. 9 U OXCClSlOr Sonntag 3. 5, 7, 9 ü. Kaiscr-Friedrich-Straße 191 Der Liebeswalzer(Tonfilmoperetie" mit Lilian Harrey, WtUy Fritsch Stern, Hermanmiraße 49 Wochen t. 5, 7, 9 U. Sonntags 3, 5, 7. 9 U. DtrL'.cbeswalrcr iTonfilmope reite; mit LUlan Harvcy, Willi Fritsch � Worctesten p C|..a;,s,_«r Film und Stg 3.'5 ' �ySlUm Bohne Jug.-V. Prenzlauer Allee 56 W Z 15, S 3 15 U. Zwei Herzen Im Dreivierteltakt (Tonfilmoperetie) Jugendliche haben Zutritt Mcmcler Straße 67 Anf 6, S3« U Sonntags ab 5 Uhr. Das Mädel von der Operette Indizienbeweis d Meu-Uehtcnberg H Kosmos-Lichlspicle Lichtenberg, Lückstraße 70 Die goldene Hölle m. Do'., del Rio FrSnlein Lausbub mit Dina Gratia Oroffc BObnen schau Kino Busch w � � � wrd«.»~b[Humboldt-Theater Alt-Friedriclisfelde 3 S. 5, 7 u. ü.45 Uhx. Alimmie m Fr. Schulz« L. Engliuh Di« Gardediva mit G. Alexander Beiprogramm Mte'dRrzchöfieweKle'� Elysium(ruVlsast) Masselwcrder Straße» 17 O Mädchen, mein Mädchen mit Knrrv Liedtke Da« Land ohne Recht Bfihnesschao Alhambra Küllerstraße 136, Ecke Seestraße Der lOOprozentige Ton Um; Der Liebes walzer mit Llllan Harvey, Willy Friisdi Pharus-Lichtspiele Müllerstraße 142 W.SViü. Stg.4U Gaukler mit Käthe von Nagy Der Sieg de« Herzens Marga-Lichtspiele Schulstraße 29 Die yarsdiwundenc Frau mit M. Kid Die Beute der Bankrlnbcr BObncnscban Gala-Lidh tbühne Usedomstr. 14 Anf.6,8.3a S. S, 7, 9 U. D�e Tagd nach der Million mit Lndano Albcrilni Jugendsünden mit E. Morena Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. ab 5, Stg. ab 4 U Ein Traum von Liebe Laaduug im Paradies B&hneascfaan WeiOansce Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205—210 Richard-Tauber-Tonfilm I Ich glaub ulc mehr an eine Frau Pratcr-Li chlspicl- Palasi Kastanienallee 7-3 Wochentags 5,39, Sonntags 4 Uhr O MSdchen, mein Midcbcn mit Harry Liedfite Rund um die Kaklnstarm Bühne: 6 lustige Vagabunden Skala-Lichtspie! e Schönhauser Allee 80 W. 6, Sbd. 5. Stg. ab 4J0 U. Dreimal Charlie Chaplin i Anf dem Lande- Lohntag- Vergnttgle Standen Flammen in Ost Wtgs. 5. 7. 9 Uhr ab 3 Uhi Colosseum stgi Schönhauser Allee 123 Toufi'm: Landung im Paradlea mit Rod la Roque c Gesundbrennen .Alhambra" Badstraßc SU HluJel aas U.S.A. mi: A. Ondra Diamanteadiebalabl mit Tom Mix Gro�c Bühncoacfaao Ballschmicder- Lichtsp . Badstraße 16 Der lOOprozenüge Tontüra; Liebeswalzer mit LUlan Harrey, Willy FrÜMb Grobe BahiMaiidigu Badstraße 19 Das gute FUmprogramm die grobe Bühnensdhan und Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Woch. 5, 7, 9. Stgs. 3, 5, 7, 9 U. Der lOOprozentige Tonfilm: Liebeswalzer mit Lilian Harrey, Willy Fritsdi Grobe BOhncnsdtau Palast-Thcatcr Breite Straße 21 a Ton- und Sprechfilm: Die Kßnlgsiogc mit Alex. Moissl Jugendliche haben Zutritt Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 Beg 7, 9U., Sbd. u. Stg. ab 5 U. Der lOOprozentige Tonfilm; Ltebcswalzer mit Lilian Harrey, Willy Fritsch g Nledenchönhauian M Film-Palast JaiÄSU«» Blankenburgcr Straße-«\V. 6.30, 9 U- Stg. 4.30. 6.45, 9 U. Aalobas Nr. 2 mit Lee Parry W'o&encnd-Ehrn mit Monty Banks CZZ�HHIZZZZ� Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W.6.ß>--. Stg. J'ls.ß«-'».!"« Sonnt. 2 Uhr lugendvorstellung Drei Tage aui Leben und Tod Kathaiina Knie mit Carmen Boni „Kosmos" Filmböhne Hauptstraße 6 Am drohen Strom Grenz;äger Varietes dsau Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, S�k U. Stg. 2 U. Jugend vorst. Stg. 4Vs, 6l 2 8Ä.'« U- Der uabclmlicBc Chinese(Sensat- Oröteske) Verlorene Niehlc Hcnri�gsdorf Filmpalast Stg � � Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.- Vorst Mittwoch, Donnerstag: O Middien, mala M ad dl Ca mit Ucdtke. Kampcs« Oer Unftbei wind Hebe mit» Albrrttol \