Morgenausgabe Nr. 15S �. A95 47.Iahrg»»Äch IS« St. tm voraus zahlbar. Pastbezug M. «inschlleßlich 60 Pfg.Poftz»iwug». unb 72 93fg, Poftbestellgebühren. Huslanb». abonncmcnt 6.— M. pro Monat, Lbend". gllustriene Beilagen.Bolk und Zeil" und.ztinderircund'. Ferner �Unterhaltung und Wissen".„Frauen- stimme'.„Technil'..Bli« in die Bücherrveit" und-Iugend'Ponvarto' Berliner SolkSblatt Mittwoch 23. April 1930 Groß-Äerlin pf. Auswärts 15 pf. Die clntpaltto* NonpareMezeN» 80 Pfennig. Retlame�eile 5.— Reichs« mark,„kleine Anzeigen' das ettg». druckte PZort 2ö Pfennig(zulassig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erst« Wort IS Pfennig, jedes weitere Wo«' 10 Pfennig. Worte übe» IS Buchstade» »ählen für zwei Worte. Ardeitsmalkt Keile 60 Pfennig. Familtenanzeigen Je!« 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupr« Geschäft Lindenstraße 8. wochentäglich vo» S»>, bi» 17 Uhr. Aettteawesa« der Goziawsmoevattfche« Naetei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Siinöcnftra§c 3 tvetnfoudier: Dönbos» 292—297 Ttlegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postscheckkonto: Berlin 37536.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten unb Beamten. Wallstr. 65. Dt. B. u. Dite.-Ves.. Depositenkalie Lindcnstr. 3. Gchieles neue Forderungen Im Dienste derLunker!— Beklemmungen im Brüning-Kabinett. Das Reichsgcse�blatt hat jetzt Schickes Verordnung über die Tr- höhung des Weizen- und des Braugcrstezolls aus 13 M. vcrösfent- licht, und die Berliner Börse hat die am Sonnabend in der„D:ui- jchen Tagcszeiiung" darüber erfolgte Indiskretion sofort mit einer Weizenhauffe beantwortet. Die Zollcchöhung für Welzen- and Braugerste war aber erst der Anfang jener Maßnahmen, mit de» er» Herr Schiele die llntcrslühung des Brüning- Kabinetts jich bezahlen läßt. Man erfährt jetzt, daß das Reichskabineit in feiner letzten Sitzung vor Ostern auch noch andere sehr weitgehende Anträge des„Ernährungsministers für die junkerliche Landwirtschaft' zu diskutieren hatte: nämlich die Heraufsetznng der Werte für die Einfuhr» scheine bei Roggen und Hafer von(i auf i>, bei Brau« gerste und bei Futtergerste von«,30 auf S M., bei Müllereierzeugnissen auf die Höhe des entsprechenden Getreidezolls und bei Schweinen und Schweinefleisch ebenfalls bis zu dem jeweils geltenden Zollsah. Außerdem hat Schiel« n«uc Cinfuhrscheine für Rindvieh und Rindfleisch, für Schaf« und Säsaffleifch und schließlich auch für Kartoffelstärke und Produkte daraus, verlangt. Bon der Gesamtliste Schieles hat das Kabinett vor Ostern nur die Aollsrhöhungen für Weizen und Braugerste genehmigt. Für die oaderen Positionen hat es ein« Gnadenfrist bis nach Ostern verlangt, denn dem Finanzminister ist vor dem junkerlichen Ernäh- rungsminister offenbar bange geworden, der sich darüber ja nicht dgn Kopf zu zerbrechen braucht, wie die aus der ungeheueriichen Ausdehnung des Eiirnihrscheirimcssns sich ergebende neue schwere B-elastung der R e i ch s k a s s e ohne neue Erschültcrung des Etats gedeckt werden soll und wie noch Handelsverträge bei der Politik des Kollegen Schiele möglich sein sollen. Den rumänischen Alarm, daß Deutschland trotz ent- gegenstehender früherer Abmachungen mit Maximalzöllen, also Kampfmaßnahmen bedacht werden soll, möchte das Kabinett dadurch abwiegeln, daß mit Unterstützung der Regierung 100 000 Tonnen rumänischer Mais und 300000 Tonnen rumänische Gerste von Deutschland übernommen werden. Was Herr Schiele im Dienste der Funker hier dem Kollegen Moldenhauer von der Finanz und dem Kollegen Dietrich von der Wirtschaft zumutet, ist in t der Tat wirtschaftliche Selbst mordpolitik, und man begreift, daß dieses wirtschaftliche Idealkabinett der vereinigten Junker und Schwerindustriellen, Bauern und Krämer vor Schieles wirtschaftlicher Bombenlegung bange wurde. Die Erhöhung der Einfichrscheine bei Roggen uill) Gerste um 50 Proz. bedeuiet in neuen großen Massen billiges Brotgetreide und billig« Futtermittel für das Ausland. Mit den Ernährungskosten werden die ausländischen Produktionskoslen gesenkt, die ausländische Industrie über- springt die deutschen Induflriezöllc und verdrängt die deutsche In- düstrie vom Weltmarkt. Der ausländische Bauer füttert sein Bich billig und überspringt wiederum die jetzt erhöhten Inlandszölle für Pich und Meierciprokukte: soweit der deutsche schwache Inlands- markt noch kaufen kann, wird er vom deutschen Bauern zum Nutzen der Junker noch weniger kaufen als bisher. Die Industrie wird geschädigt und der Bauer wird geschädigt. Der Bauer wird doppelt geschädigt, weil ihm auch noch seine inländischen Futtermittel verteuert werden. Da» allein wird bei der Erfüllung von Schieles Forderungen herauskommen? Und diese neudeutsche Selbstmordpolitik des Vürgerblocktabinetts auf der Grundlage der famosen Ermächtigung der Regierung— von Schiele diktiert, von Brüning akzeptiert. Dietrich und Moldenhauer stehen als betrübte Lohgerber zur Seite— soll vom Staate finanziert, vom Steuerzahler bezahlt werden! Dabei steht das Spe» z i a l- O st p r o g r a m m für die Junker noch aus! Schiele werden sie nicht los! Oldenburg-Ianufchau prägt goldene Worte. Elard v. Oldenburg auf Ianuschau, der einst den Reichstag von einem Leuinant und zehn Mann schließen lassen wollte, der dann im Krieg sich weigerte, Kartossel zu bauen, und der jetzt ein intimet Freund des Reichspräsidenten v. hindenburg ist. veröffentlicht in der.Freuz-Zeitung' einen Artikel, der wohl in erster Linie zur Vorbereitung der deutschnationalen Parteisitzung am LZ. April geschrieben ist, aber auch sonst so manch« golden« Worte echt Oldenburgischer Prägung enihält. So heißt es u. a.: Da? Zentrum ist jetzt nicht in der Lage, wieder zu den Sozial- demokraten abzuschwenken, nachdem die Steuern bewilligt sind, selbst wenn diese Absicht bestünde. Den Minister Schiele werden sie nicht los. Er ist nicht.zu trennen von dem Feldmarschall von hindenburg, und er ist nickst.zu trennen von der deutschen Landwirtschaft, die hoffnungsvoll und in einer Ge- schlossenheit hinter ihm steht, wie das Vaterland sie lange nicht gesehen hat. Ob man im Zentrum von der Aussicht, den Minister Schiele nicht wieder loswerden zu können, sehr entzückt ist? Aus alle Fälle erinnert die Geschichte an die berühmte Szene aus einer alten Operette: .„Herr hauptmamr, ich habe«inen Gefangenen gemacht!' „So bring ihn doch Herl' „Er läßt mich aber nicht los." Attentat in Stuttgart. Oer Iustizminister leicht verletzt.— Täler entkommen, aber bekannt. Stuttgart, Z2. April. von zuständiger Seile wird mstgeleill: Der württem- bergische Justizminister Dr. D e y e r l e wurde heule nachmilkag zwischen S und b Uhr auf feinem Arbeitszimmer von dem 43 Jahre alten verheiraketcn Händler Karl Ztänglcr aus Stulkgark, den er wegen eines Gnadengesuches für die in der Strafanstalt befindliche Frau Slängler empfangen Halle, mit einem Stllettmesser angefallen und bei der Abwehr au der linken Hand verlehl. Nach den bisherigen Feststellungen ist die Verletzung glücklicher- weise nicht gefährlich. Der Minister wird sich aber voransiichtlich einige Zeit Schonung auferlegen müssen. Auch der zur Hilfe eilende Ministerialhansinspektor hagele wurde an der Hand leicht verletzt.% Der Täter konnte entkommen. Die Volizei hat sofort die notwendigen Schritte zur Ergreifung des Täters eingeleitet. Siaaiskrise um den Handelsverirag. Obersiengruppe gegen eine Ratifizierungstagung des Sejm- Warschau. 22. April.(TU.) Wie verlautet, soll Handelsmimstcr K w i a t k o w f k i auf be- sonderen Wunsch maßgebender Kreis« seinen ursprünglich für mehrere Wochen geplanten Urlaub an der dalmatinischen Küste demnächst ob» brechen und nach Warschau zurückkehren. Voraussichtlich dürft« dl: Rückkehr noch im Laus« dieses Monats ersolgen. handelsminijter Kwiatkowski, der in das Kabinett Siawek unter gewissen Dorbehal- ten eintrat, dürste, wie von gut unterrichteter Seite verloutet, kurz noch seiner Rücktehr endgültig an die Spitze seines Ministe- riums treten. In diesem Zusammenhang werde innerhalb der Regie- rung in letzter Zeit die Frag« einer außerordentlichen Ra» tisizierungstagung des Sejm immer eindringlicher erörtert, was nicht zuletzt auch mit den fieberhaften Anstrengungen der Re- gierung und der maßgebenden Wirtschaftskrelse unter allen Umstän- den eine rettende Auslandsanleihe zu erwirken, zusammen- hängen dürfte. Angeblich soll der Widerstand gegen die Einberufung des Sejm noch vor der verfassungsmäßig fälligen Haushaltstagung von feiten des Marschalls Pilsudski sowie der Oberstengruppe nach wie vor unvermindert stark sein. Kein Waffenschmuggel nach China! Eine Warnung der Reicbsregicrung. Aus Anlaß des Wiederauflebens des Bürger- krieges in China hat die Reichsregierung die am Handel und an der Schiffahrt nach China interessierten Kreis« erneut davor gewarnt, sich an Lieferung und Transport von Kriegswaffen und Kriegsmunition nach China zu beteiligen. Die Front der Regierungsiruppen durchbrochen? Paris, 22. April. Wie die Agentur Indo-Pacifiqu« aus Schanghai meldet. fallen 40 000 Mann unter dem Kommando des Generals Sunt! enying am 10. April de Offensive ergriffen haben. Es soll ihnen gelungen sein, die Front der Regierungstruppen in Richtung Sutfchau zu d u r ch st o ß e n. Das Ergebnis von London Eine erste Etappe. Gemessen an ihrer fast vierzehnwöchigen Dauer, ge, messen vor allem an den Hoffnungen der Völker ist das Er- czebnis der Londoner Sceabrüstungskonferenz unbefrie- d i g e n d. Zu einer Abrüstung, die diesen Namen verdient, hat sie nicht geführt, nicht einmal zu einer Einsckjränkung und Herabsetzung der Rüstungen zur See. Indessen hat sie wenig- stens ein wichtiges Teilergebnis gezeitigt: sie hat, zu- mindest für die nächstzn Jahre, dem Rüstungswettlauf zwischen den drei größten Seemöchten der Welt, England, den Vereinigten Staaten und Japan einEndebereitet. Dieses Ergebnis darf gewiß nicht unterschätzt werden: einmal von den drei unmittelbar beteiligten Völkern, die Hunderte von Millionen sparen, die sonst nach den Plänen ihrer Admiräle für den Bau weiterer Geschwader von Groß- kampfschiffen verpulvert worden wären und die nunmehr nutzbringenden Zwecken zugeführt werden können. England allein spart auf diese Art mindestens zwei Mil- liard en Mark, die sonst im Laufe der nächsten Jahre zur Aufrechterhaltung der britischen Flottenüberlegenheit verausgabt worden wären. Aber auch Amerika und Japan sparen infolge der vereinbarten Tonnageziffern ungeheure Summen, die ein weiteres Wettrüsten verschlungen hätte. Abgesehen davon, daß die Tatsache des Wettrüstens allein Kriegsgefahren birgt, wie das englifch-deutsche Beispiel der Vergangenheit zur Genüge beweist. Auch dieses bescheidene Teilergebnis wäre nicht möglich gewesen ohne den starken Friedens- und Abrüstungswillen der britischen Arbeiterregierung, die den Mut auf- brachte, den traditionellen Standpunkt ihrer Admiralität prsiszugeben und den USA. die von ihnen erstrebte Flotten- gleichheit zu gewähren. Macdonald und seine Kollegen haben diesen Mut bewiesen unter' Zurückstellung jener Prestigerück- sichten, die bisher für die imperialistische Denkweise ausschlag- gebend waren, zugleich unter Beiseiteschiebung der meisten „technischen" Bedenken, mit denen in der Vergangenheit die Admiräle und sonstigen Flottenspezialisten jeden Fortschritt in der Abrüstungsfrage zu durchkreuzen vermochten. Für die amerikanische Regierung bedeutet die Erzielung der Parität mit England einen„Sieg", wenn man diesen Fragen den Maßstab der imperialistischen Denkungsart an- legt. Und unter dem gleichen Gesichtspunkt stellt der Verzicht Englands auf die traditionelle Flottenüberlegenheit gegen- über den nächsten zwei stärksten Seemächten der Well zu- fammengerechnet ein„Opfer" dar. Die Labour-Regierung hat den Mut gezeigt, mit diesen eitlen und gefährlichen Ueber- lieferungen zu brechen und hat dainit dem eigenen Lande und der ganzen Welt einen großen Dienst erwiesen. Denn dadurch hat sie das weithin sichtbare Beispiel eines freiwilligen Ver- zichtes auf die alleinige Vorherrschaft zur See im Interesse der Beendigung des Wettrüstens gegeben. Durch die Ein- stellnng des Wettrüstens ist wenigstens die erste Etappe der Abrüstung erreicht worden. Die zweite Etappe muß eine fühlbare Herabsetzung der Rüstungen, die dritte Etappe, deren Erreichung allerdings noch in sehr weiter Ferne liegt, wird die Abrüstung selbst darstellen. Dieses End- ziel müssen alle Sozialisten und Freunde des Friedens im Auge behalten. Wie schwer es ist, Fortschritte auf diesem Wege zu erreichen, das lehrt zur Genüge der Verlauf dieser Londoner Konferenz. Wenn es nach den Wünschen der Labour-Regierung ge- gangen wäre, so hätte man sich nicht mit diesen bescheidenen Teilergebnissen begnügt. England wollte schon jetzt eine allgemeine Tonnageherabsetzung erreichen. Dazu wäre es freilich notwendig gewesen, eine Einigung nicht nur mit Amerika und Japan, sondern auch mit den zwei nächststärksten Seemächten, Frankreich und Italien, zu. erreichen. Diese Einigung ist gescheitert und zwar am schlechten Willen dieser beiden Mittelmeermächte. Italien ließ durch G r a n d i versichern, daß es zu jeder positiven Einschränkung seiner Flotte bereit sei, vorausgesetzt. daß ihm Frankreich den Grundsatz der Parität(Tonnage- gleichheit) gewähre. Frankreich aber lehnte diese Parität hartnäckig ab unter Hinweis auf fein über alle Erdteile ver- breitstes Kolonialreich, während Italiens Hauptargument die weit größere Ausdehnung seiner heimatlichen Küsten bildete. Es ist nicht leicht, in dem Streit um diese Schuldfrage Partei zu ergreifen. Gewiß verdient das faschistische Italien stärkstes Mißtrauen. Das imperialistische Bekenntnis des Faschismus. die maßlos aggressive Sprache, die die Blätter des Mussoli- nischen Regimes seit Jahren besonders gegen Frankreich führen, waren gewiß nicht geeignet, das Entgegenkommen der französischen Delegation gegenüber Italien zu steigern. Jedenfalls ist der ursprüngliche Plan eines Fünf mächte- paktes, trotz verzweifelter Vermittlungsversuche Macdonalds und Stimsons, schließlich doch gescheitert. Frankreich trägt weiter die Hauptschuld daran, daß der Versuch der Labour-Regierung, die Unterseeboote völlig abzuschaffen, ebenfalls gescheitert ist. Stall dessen hat man sich mit einem dürftigen„Abkommen zur Vulkanisierung des i�-Dootkrieges' begnügt, wonach die Versenkung von Handelsschiffen durch U-Boote erst nach voll- zogener Ausbootung der Mannschaften und nur in Sicht einer Küste, oder, wenn auf hoher See. in Sicht eines zur Rettung geeigneten Schiffes gestattet sein soll. Mit seiner Zustimtwmg Äü diesem dürftigen Ersatz wird Frankreich nicht vergessen lassen, daß die schon jetzt mögli6)e Abschaffung der U-Boot- wasfe an seinem Widerspruch gescheitert ist. Daß wenigstens ein D r e i m ä ch'� e p a k t zustande- gekommen ist, stellt einen fühlbaren Fortschritt dar, wenn man bedenkt, daß noch vor 2� Iahren in Genf eine ähnliche Dreimächtckonferenz zwischen Amerika, England und Japan völlig ergebnislos verlaufen ist. Damals gaben die Admirals und"Techniker den Ausschlag, diesmal lag die Führung— gemäß einer zielbewußten Verabredung zwischen Macdonald und Hoover— bei den Zivilisten. Ein Versuch der japanischen Admiralität, in letzter Stunde, von Tokio aus die Relationssormel des Dreimächtepaktes 10: 10: 7 als für Japan ungenügend abzulehnen, ist zum Glück nicht gelungen, vielleicht nur deshalb nicht, weil die japanischen Staats- rnäntter auf die feit dem großen Erdbeben zerrütteten Finanzen des Landes hinweisen konnten. � Frankreich und Italien behalten theoretisch freie Hand für weitere Rüstungen. Deshalb ist auch in den Drei- mächtepakt eine Vorbehaltsklaufel aufgenommen worden, die den Fall vorsieht, daß eine dieser beiden Mittelmeermächte seine Flotte vergrößern sollte. Praktisch dürfte zum Glück dieser Fall kaum eintreten, denn Italien hat kein Geld für derartige Pläne und Frankreich wird es kaum wagen, von sich aus seine Flotte zu vermehren. Die moralische Verantwortung, die die Regierungen in Paris und Rom infolge ihrer Haltung auf der Londoner Konferenz auf sich geladen haben, ist schon schwer genug zu tragen. Beide haben den Versuch in Aussicht gestellt, durch direkte Verhand- lüngen eine Vereinbarung zu erreichen. Sollte dieser Versuch gelingen, dann würde die Seeabrüstungskonferenz später wieder aufgenommen und der Dreimächtepakt in einen Fünf- mächtepakt umgewandelt werden. Für die allgemeine Abrüstung ist das Londoner Ergebnis insofern von Wichtigkeit, als die Landmächte, ins- besondere Frankreich, sich bisher in Genf darauf beriefen, daß es noch nicht gelungen sei, die maritimen Rüstungen zwischen den drei größten Seemächten zu stoppen. Dieser Punkt ist nunmehr dank der Initiative Macdonalds überwunden. Das bisherige Argument kann also nicht mehr bei den Genfer Beratungen ins Feld geführt werden. Auf der nächsten Tagung der Vorbereitenden Zlbrüswngskommissiön des Völkerbundes, die im Juni zusammentreten soll, werden Frankreich und die übrigen abrüstungsfeindlichen Staaten Farbe bekennen müssen. Dann wird eö sich zeigen, ob diese bisherige Hauptargument nur ein Vorwond war, um den Abrüstungs- und Friedenswillen der sozialistischen Millionen in der ganzen Welt zu durchkreuzen. Paris und Rom verhandeln weiier. Bei der Schlußsitzung der Flottenkonferenz im St..Iames- Palast schlug der britisch» Ministerpräsident Rarnsay Macdonald vor, daß ihr Name sein soll„Londoner Flottenkonferenz imd Der- trag vom Jahre 1930"'. Er erklärt«:„Verglichen mit Washington Genf sind wir weit- fortgeschritten, verglichen mit unseren Wünschen sind wir noch im Rückstand. Das erreichte DtKlMächte- rdkommen iit eine wichtige Tat, die De rminderung- tm künftigen Bau präg ramm ist ebenso dringend notwendig wie das Der- schr o tt sn. Der Weg zur Abrüstung ist mit intsrnotionalen Ueber- einkommen gepflastert." Der mnerifanifche Außenminister Stimfon erklärte seine Genugtuung darüber, daß Frankreich und Italien die Derhandlun- gen fortsetzen. Der sronzösische Außenminister Irland verwies auf die französische Politik, ein Uebereinkommen zu forden,, das die Sicherheit stärkt. Frankreich hat niemals Garantie für sich allein verlangt und stets die Sicherheit aller Nationen vor Augen gehabt. Vrianü beglückwünschte England, Amerika und Japan zu ihrem Abkommen und erklärte, daß hie diplomatischen Anstrengungen fortdauern werden, um die letzte Differenz— die mit Italien— zu regeln. Frankreich und Italien haben den dringenden Wunsch, das Abkommen der drei anderen auszudehnen. Nachdem der italienische Zldmiral S i r! a n n! an Stelle des bereits abgefahrenen Außenministers Gmndi und der Japaner Waka-tsuki gesprochen hatten, wurde der Vertrag von den Dele- gierten in der alphabetischen Ordnung der Länder, Amerika an der Spitze, unter dem Ticken der Sprechfilniapparote unterzeichnet. Bliand verschenkt den Goldfüllhalter der Konferenz. London. 22. April.(Eigenbericht.) Als der Vertrag von sämtlichen Dclegarioneu unterzeichnet Monden war, erhob sich Brian» und zollte in freier Rede in seiner beste» Form Macdonald lebhaften Tribut für seine unennüd- I'che Tätigkeit als Vorsitzender. Briaüd überreicht« dem britischen Ministerpräsidenten hieraus im Namcn der Delegationen die Gold- füllfeder, mit der der Vertrag unterzeichnet wurde, wobei er unter Anspielung aus Macdonalds sozialistische Grundsäge scherzend bemerkte, er tu« etwas, was Macdonald im tiefsten Herzen ablehnen miljs«— er verwandele össevtliches Eigentum, wie cs die Gold- fiillskder darstelle, iii Privatbesitz. Damit war die Sitzung mit riper freundlichen Note beendet und die. Konferenz» wie es ossizicR hcißt. vertagt. . Der Text des Vertrages, der unmittelbar nach dem Ab- fchiuß der Verhandlung der Oejfentlichkeit üoergebcn wurde, bietet l c i n e r l e i U e'b e r r o f ch u n g. Wie zu. erwarten war, ist weder c�r K« l l o g g- P a k t noch der V ö l k t r b u n d in- diesem Vertrag cl wähnt, da die Anführung, des Völkerbundes für die Amcrikoner :pr Senat Schwierigleiteu gebracht hätte, die EtwähnMig des .'kcllogg-Paktes ohne Völktrbuild jedoch für die europäischen Staaten untragbar gewesen wäre.-' Ein vaakier als Ktaatspräsidevst Der Bankier Eugen Roy ist vom Staatsrat- einstimmig- zum vorläufige n P r ä s i d e-n. t«n v'on Haiti gewählt wocden. Er übernimmt die tzia.hfolgg des Präsidenten Barno bis zur Vornahme einer regelrechten Präsi- dentenwohl durch dys Volk, über deren Zeitpunkt noch nichts feststeht. Vei-Hai wei wird wieder chinesisch; ein. entspreckiendes britisch- chinesisches Abkommen ist unterzeichnet. Diesen ausgezeich- iKtcn Hafen in Schanümg nahmen 1893 nach ihrem Scesieg die Japaner, und Ehin-a nrußic ihn solange an England abtreten, als Port Arthur russisch blstb«. Wei-hai-wei ist"beträchtlich länger britisch geblieben. Qussnay ist gewählt. Zum Generaldirekior der Reparationsbank.— Luther protestiert vergeblich. Bafel. 22. April. Der verwallungsrat der Bank für wlernailonale Zahlungen trat nach der vorbereitenden Fühlungnahme, wie berefts kurz ge- meldet, gleich nach 11 Ahr 30 Mnutcu zu feiner ersten Sitzung zusammen, die bis wenige Almuten vor 2 Uhr dauerte. Der Vize- präsidcot de« Orgaalsalionskomitecs. der englische Delegiert« Sir Charles Addis, erstattete den Bericht über die bis jetzt vollzogenen Organifakionsarbeiteu, die soweit gediehen sind, daß die Bank nun- mehr ihre Tätigkeit aufnehmen kann. Der Bericht wurde vom verwalkungsrat einstimmig genehmigt. Sodann erfolgte die einstimmige Wahl.von Mac Garrah zum Präsidenten des Berwaltnagsrates. Der Verwaltungsrat trat sodann in eine Aussprache über die Vahl de» Generaldirektors des neuen Instituts ein, wo- bei Reichsbankpröfldent Dr.'Luther eine motivierte Cr- k l ä r u n g abgab, in der die deutsche Delegation sich gegen die Wahl eines Franzosen zum Generaldirektor aussprach Dr. Luther be- tonte, daß diese Stellungnahme eine prinzipielle fei und sich nicht gegen die Person des Direktors Pierre Oaesnäy von der Rank von Frankreich richte. Die Sitzung wurde dann noch kurzer Besprechung weiterer Organisationsfragen abgebrochen. Um 3 Uhr wurde die Sitzung wieder eröffnet, kurz vor 4 Uhr wurde Direktor Ouesnay ins Sitzungszimmer des vcrwalkungsrals gerufen, wo Ihm mikgeteill wurde, daß er zum Generaldirektor ernannt fei. Die deutsche Erkiärung. Die vom Reichsbankpräsidenten Dr. Luther übergeben« mvti- vierte Erklärung hat folgenden Wortlaut: „Nachdem der Präsident der neuen Bank, Herr Mac Garrah, einen Vorschlag für die Wahl des Generaldirektors der Bank ge- macht hat, würde es der aufrichtige Wunsch der deutschen Mitglieder des Lernxittungsrate? sein, dem Vorschlag des Präsidenten zu salgen. Wir wünschen alles für uns Mögliche zu tun, um den Präsidenten in der Führung der Bank zu unterstützen. Wir würden es auch begrüßen, wenn der Generaldirektor einstimmig gewählt werden könnte: Es handelt sich indessen für uns um die grundsätzlich« Frage des Charakters der Bank, womit die Stellung Deutschlai�s inner- halb der Bank unlöslich verbunden ist. Auf dem Wege, der zur Entstehung der Bank geführt hat, ist der Grundsatz der Parität zwischen Deutschland als dem einzigen Schuldnerland und Frankreich als dem hauptsächlichen Gläubiger- land zum deutlichen Ausdruck gekommen. Beiden Andern weifen der Aoung-Plan und die Statuten der Bank eine bevorzugte aber gleichberechtigte Stellung in der Bank zu. Gerade auch aus diesem Grundsatz der Parität hat das deutsche Volk in seiner dem Poung- Plan zustimmenden Mehrheit die Erwartung gegründet, daß die neue Bank ein nutzbringendes Instrument nicht nur der Weltwirt- schast im allgemeinen, sondern nameirtlich auch der Zusamnrer. arbeit zwischen Frankreich und Deutschland sein würde. Wir drei deutschen Mitglicder des Derwaitmigsrates geben unter keinen Ilmständen unsere Bemühungen auf, die neu« Bank in dem soeben genannten Sinne zu entwickeln. Im Einklang mit der Ali- schauung des deutschen Volkes müssen wir jedoch unsere Auffassung aussprechen dahin, daß die Wahl des Herrn Pierre Ouesnay zum Generaldirektor dem vorerwähnten Grundsatz der Parität nicht cnt- sprechen würde. Wir sehen uns daher zu unserem Bedauern aus ernst'en und grundsätzlichen Erwägungen gezwungen, gegen die Wahl des Herrn Pierre Qucsnay zum Generaldirektor zu stimmen." * Daß Deutschland schon bei seinem bisherigen Widerstand - gegen den auch von den neutralen Staaten einstimmig Le- lpünschten Generaldirektor Quesnay schlecht beraten war, zeigt diese entscheidende Abstimmung des Verwaltungsrats von neuem. Die in diplomatischen Kreisen Deutschlands ge- hegte Annahme, auch neutrale Länder würden eventuell über Ouesnay mit sich handeln lassen, war eine Selbst- täuschung. Dr. Melchior Vizepräsident. Slus Basel liegt noch folgende Meldung vor: Zu Vizevorsitzenden neben Mac Garrah wurden gewählt ein Vertreter Deutschlands, Dr. Melchior,' und ein Vertreter Eng- lands, Sir Eizcrles Addis. Es kann darauf hingewiesen werden, daß es sich beim Amt des Vi zeooesitz enden um ein r e i n e s.E h r e n- o m t handelt, da ein Vizepräsident nur im Fall« der Abwesenheit Mac Garrahs di« Verhandlungen zu leiten hätte, auf den Ge- schäftsgang der Bank aber keinen größeren Einfluß hat als cin anderes Mitglied des Verwaliungsrates. Wenn Deutschland den Posten eines Vizevorsitzendcn angenommen hat. so betrachtet- es dies nicht etwa als irgendeine Entschädiguitg für die von Luther fest- gestellte Verletzung der Parität, sondern die deutsche Delegation hat die Wahl angenommen, um einem dringenden Wunsche Mnt(tzamihs Rechnung zu tragen.'- Aus dem Lande Kricks. Hakenkreuzpropaganda im Gchulgebei. ... Weimar, 2?. April. .Dos thüringische Voltsbikchmgsministeffum- erließ eine. Vitr- Ordnung über das in oen Thüringer Schulen einzuführende Ge- b e t. In der Begründung heißt es u. o., daß das' deutsche Volk nur dann den gefährlichen Einflüssen, di« gegen- wärtig im Volke wirken, erfolgreich Widerstand leisten könne, wenn es die religiös sittlichen Triebkräfte seines Wesens sich rein bewahre und sie der heranwachsenden Jugend überliefere. Es werden fünf Entwürfe mitveröffentlicht. von denen einer ausgewählt werden soll. Von den Schulleitern und Lehrern der höheren und Mittelschulen wird Bericht erwartet, inwieweit dem Wunsche des Ministeriums entsprochen worden ist., . Die. Verfasser der Entwürfe sind der Landeskirchenrat der führenden evangelischen Kirche, ein evangelischer Geistlicher, ein deutscher Dichter/dessen Name nicht genannt ist, ein evangelischer Lehrer und ein katholischer Lehrer. Das Hakenkreuzgebei. Unter den zur Auswahl vorgelegten fünf Entwürfen sind drei, die sehr deutlich den. Zwecken. der Hakenkreuzpropaganda. dienen. Zwei davon verwenden den nationalsozialistischen Agitationsruf: „D e u t s ch l a n d e r w a ch Drum mach uns frei von Betrug und Verrat, Mach uns stark zu befreienderTat. Unser Gelübte und Losung stets sei: Deutschland erwachel Herr, mach uns fret! So dichtet ein evangelischer Geistlicher. Ein umgenannter deutscher Dichter" hat den Agitationsruf so gefaßt: Vater im Himmel, Ich glaube, du strafst unseres Landes Verrat Und segnest der Heimat befreiende Tat. Deutschland erwache zur Freiheit. In einem dritten Entwurf heißt es schließlich: Ich weiß, daß Gottlosigkeit und Vaterland»- »er rat unser Volk vernichteil. Betrug und Verrat, Voterlondsoerrat: dahinter versteckt sich di« Hetze gegen die Außenpolitik des Reichs wie gegen die Reichsver- sassung! Ueber den Sinn und die Absicht ist nicht der mindest« Zweifel. Man kennt die Phraseologie der nationalistischen Hetzel Man wird also in Thüringen künftig Gott anrufen für das Hakenkreuz und den Hochverrat! Der Schuh Fricks wird nach hinten losgehen. Wenn das Christentum von ihm zur Magd rechtsradikaler Partsipolitik er- niedrigt wird— um so schlimmer für das Christentum! Tinz wird von Krick ausgehungeri. Das Reich springt ein und fordert Rückzahlung von der thuringischrn Regierung! Dl« thüringrfche Regierung hat. seit dem l. April di« Mittel der Heimpolkshochschul« Tipz um Zwei/DritsÄ gekürzt, obwohl der Landtag die Streichung bisher nickst genehmigt hat. Die Schul« hätte darmWn ihren Betrieb-schließen müssen, weil die Kürzung nicht einmal die technische Aufrechterhalwng des Betriebes gestattet hätte. So z. A. sollten di« sachlichen Ausgaben für Heizung, Beleuchtung und Reinigung so stark gekürzt werden, daß sich die Schüler nur noch einige Mal« wöchentlich waschen dürften, daß di« an sich schon ungenügende Beleuchtung in den Arbeits- und Wohnräumen jn dg r- Hält!« der Räume wegiollen müßte, daß die Reinigung der Wohn- und'Arbeitsräuine nur zwei- mal wöchentlich erfolgen könnte, daß die Schüler auf da» Bade» vollkommen verachten müßten, daß die Ausgaben für Verpfiegvng .hätte«'clpgHchrätttt.werhe«..»nM«n..'. ÖbwohtM« Regierung auf die ilnmögilchkeit,. den.Betrieb unter diesen Umständen chetterzuMren. aufmerksam gemacht worden ist, hat sie olle Aufforderungen ignoriert. Sie hat für den Monat April nicht, einmal die Beträge für Löhn« und Gehälter zur Veffügung gofMÖ; zu deren Zahlung sie auf jeden Fall verpflichtet ist! Die Schulleitung hat sich demzufolge an andere Stellen wenden müssen, um die Zuendesührung des laufenden Kursus sicherzustellen. Rmrmehr ist das Reich eingespriingen und hat der Schule einen Betrag zur Ver. sügung gestellt, der die Durchführung des Schulbetriebes im alten iimfong« bis zur Entscheidung der Klage vor dem thüringischen Staatsgerickstshof gestattet! Das Reich wird den Bötrag vom thüringischen Staat zurückfordern, sobald die thüringische Regierung durch den Staatsgerichtshof zur Erfüllung ihrer eindeutig bestehenden Bertragspflichten gegenüber der Hcimvolkshochschule gezwungen worden ist. Das Reich springt ein, um die verhängnisvollen Wirkungen des Kuüurabbaues in Thüringen zu mildern. Das Beispiel zeigt er- neut, wie rücksichtslos und über alle Äerlragspfllchien himveg de? Staatsminister Baum und der„Volks"bildungsminister Frick ihre kulturseindlichcn Bestrebungen durchzusetzen suchen. Schluß in Birmingham. Oio Klust vertiest sich.— Ovationen für Maxton. Birmingham, 22. April.(Eigenbericht.) Im Mittelpunkt des Parteitages der U.nab h ä ng i g e n Arbeiterpartei standen am Dienstag, dem letzten Verhand- luuystog, vonpiegend. fi na nz p o l i t i f ch e Frogeir. Dem Kongreß lag u. a. eiix in lefstcr Mimitc emgercicht« E n t- schließ» ng vor, die Snowdens Budget als unbefric- digend ablehnt. Es war für die auf dem Parteitag herrschcn-de Stimmung bezcichireist), daß lediglich drei Delegierte gegen diese Resolution stimmten. Der Kongreß beschäftigte sich dcnm noch mit einer Entschließung für die Geburtenkontrolle. In der Debatte wandt« sich eine Delegierte ans Glaogo-w mit großer Leidenschaft gegen diese Forderung, da der Gedanke der Geburtenkontrolle westei; Kreisen der Arbeiterschaft widerwärtig sei. Die Delegierte stellte die zweifellos richtige, di« englifchen.Verhältnisse konnzeichneiche Be- haupttmg auf, daß die Ortsgruppe der Unabhängigen Arbeiterpartei im Wahlkreis des Pa rtsioo rsu-enden M a x t o n deshalb so schwach sei, well sich die Partei offiziell zur Gsburtenkontrolle.bekannt habe. Die Entschließung wurde a p g.e n ö m m« n.(Tatsache ist, daß imler den schottischen Miigliedern der ILP., die sich politisch om radikalst en gebärden, zahlreiche gläubige Katholiken sind. z. B. auch die führenden Abgeordneten Wheatley und Buchanan, die aus religiösen Gründen jede Einschränkung der Geburten bekämpfen. Red. d. ,P.")_. Als sich Maxton zu s-fmeen Schlußwort erhob, wurde ihm vom gesamten Parteitag eine Ovation dargebracht. Marion war so ergriffen, daß ihm Tränen in den Augen jtai. den und er Minuten- lang nicht zu sprechen oermochte.' Diese Ovation, so betönte er, d!« ihm nach zehn Monaten bereitet werde, in denen er ständigen Angriffen ausgesetzt gewesen sei, habe ihn vollständig über- wältigt. Die Unobhänzige Arbeiterpartei müsse her K r e u z f a h r e r f ü r d! e' n e u e G e s e l lf ch a s ts o r d n ii n g bleiben und nicht zur Dienerin des politischen Opporttmismüs herabsinken. Damit war der Parteitag abgesch'össen, durch den sich die" ILP., wenn auch nicht formell, so doch sachlich außerhalb der britischen Arbeiterpartei gestellt Hot. Im deutschnationalen Boxring. In Erwartung des Gongfchlages sitzen die Matadore in ihren Ecken. Hetze auf Befehl. Verleumdungen der Gchiele-Presse gegen Sozialdemokratie/ Gewerkschasten und Reichsbanner. Schlack verteidigt das Zentrum. Aber feine Beweise hinten. Es war vcrauszusehen. daß der Zentrumsabgeordnete Schlack nach Erholung vom ersten Schreck über die neue Konsumvereins st euer den Versuch machen würde, seine Partei wieder zu verteidigen. Denn entweder mußte er aus seiner Erklärung, die Regierung Brüning sei d i e r e a k- tionärste seit der Revolution, die Konsequenz ziehen und seine Partei verlassen oder aber er mußte die tak- tische Wendung finden, die ihn wieder zu ihr zurückführt. So versucht nun Herr Schlack iin..Deutschen" den Beweis zu kühriln, daß sich die� Sozialdemokratie den KonsumgenosseN' schqften gegenüber der' gleichen Sünde schuldig gemacht hätte wie das Zentrum. Zu dieseni Zweck greift Herr Schlack auf das Jahr 1922 zurück. Damals wurde die Umsatzsteuer erhöht. Ein'Antrag der Unabhängigen, die Konsumgenossenschaften von der Steuer auszunehmen, wurde von den Mehrheitssozialistcn zunächst im Ausschuß angenommen, dann aber— nach Ab» schluß eines Finanzkompromisses mit der bürgerlichen Mitte — im Plenum abgelehnt. Im Januar 1922 stand der Dollar auf 204. Die Sozial- demokratie arbeitete mit Hochdruck an einer Regelung der Reparationsfrage und an der Eindämmung der Inflation. Dazu mußten neue Steuern geschaffen und mußte die Re- gierung Wirth gehalten werden. Nach wocheulangen Verhandlungen kam ein Kompromiß zustande. Die Sozialdemokraten hatten erreicht, daß der Be- sitz in Form einer Zwangsanleihe herangezogen wurde und daß dkd Umsatzsteuer statt von 11� Proz. auf 2'� Proz. nur auf 2 Proz. erhöht wurde. Dafür hatten sie dem Zentrum zugestehen müssen, daß sie gegen die beabsichtigte Verglln- stigung für die Komsumvereine stimmen würden. Der Ent- schluß zur Nachgiebigkeit wurde für die Sozialdemokraten da- durch erleichtert, daß die Erhöhung der Umsatzsteuer um Vi Proz. angesichts der zunehmenden Geldentwertung kaum noch eine Rolle spielte. � Von einer gestaffelten Umsatzsteuer, die die Kon- sumvereine besonders belastet, war aber damals mit keinem Wort die Rede. Es geht also in keiner Weise an, die Vorgänge von 1922 und 1930 einander gleichzustellen. Da- mals waren die Konsumvereine sowieso schon der Umsatz- steuer unterworfen. Beide sozialdemokratische Parteien hätten sie von ihr am liebsten ganz befreit, doch scheiterte diese Ab- ficht an dem Willen des Zentrums, und. die Mehrbeitssozia- listen müßten sich infolgedessen damit begnügen, die Umsatz- steuererhöhung allgemein, dainit also auch für die Konsum- vereine, um X- Proz. herabzudrücken. Diesmal aber hat das Zentrum einer Ausnahmebelastu.ng d o r K o n f u m v e r e i n e z u g e st i m m t, also etwas ge-s tan, woran noch nie ein Sozialdemokrat auch nur im Traume gedacht hat. podmore hingerichiei. Elynes' Begründung. Am Dienstag früh ist im Gefängnis von W i n ch e st c r der zum Tods vcnirtcütc Podmo re.. mie.zu erwarten jvar, hin» fe***-h t e t i--.- .- Erstärungcn, die-der Innenminister.ßa hat? zur. Begründung feinet Haltung dem„D a i l i. Herald" gegenSber gemacht hat. leisen feinen Gsdankengang deutlich«rkeimen. Man kann ihn etwa 'iolgendcrmrßen zusammensossen: Wenn mir noch in letzter Stunde neue Tatsachen zur Kenntnis gebracht werden, etwa durch den Anwalt des Verurteilten, so bin ich selbstverständlich bereit, sie iorgsöltig zu prüfen und meinen Beschluß aufzuheben. Darüber sind nun ober keine neuen Talsachen gemeldet worden. Die Ge» s chw vre n«n haben seinerzeit, trotzdem sie eindringlich vom Gerichtsvorsitzenden-— auch hinsichtlich der Zweifel->- belehrt und «rnnlhnt worden waren, nach oerhältnlsmößig kurzer Beratung aus Todesstrafe erkannt. Da wir neues Beweiomotcrial, das geeignet gewesen wäi'e. diesen Spruch zu erschüttern, nicht bekannt geworden ist, hatte ich kein Recht, den Lauf der Justiz zu unterbrechen. Clvnes Auffassung geht also osfenbar von dem Gedanken aus, daß die Geschworenen der Ausdruck der Volks- fouveränität ssnd. Solange die Mehrheit des engisschen Volkes für die Aufrechterhaltung der Todesstrase ist. muß der Wille der Geschworenen maßgebend sein,«in persönliches Eingreifen eines Ministers würde dem demokratischen Prinzip widersprechen. Wir rönnen uns diese abstrakte und zugespitzte Ausfafsung der Volksjouveränität keineswegs zu«igen machen. Aber wir stellen fest, daß sie in England vorhanden ist und auf fest eingewurzelten,' jahrhundertnlten Ueberlieserungen beruht. Richtiger erscheint uns, besonders in Fragen der Justiz und der Todesstrafe, die Anerkennung des Korrekturrechtes der letzten Instanz. In Belgien werden seit Jahrzehnien Todesurteile grundsätzlich nicht mehr vollstreckt, in Deutschland l>.it sich' seit eineinhalb Jahren die gleiche Praxis eingebürgert, in Erwartung der gesetzlichen Abschassuirg der Todesstrafe. In c-inem Leitartikel hat der„Daily Herald" seine von lklynes abweichende Meinung über die vorhandenen Zweifel an der Schuld Podmores klar hervorgehoben, andererseits betont, daß es für die Zukunft darauf ankomme, das Gefetz-selbst, ins- besondere bezüglich der Todesstrafe, zu ändern. Nicht Clynes. sondern das Gesetz sei zu tadeln. Unter den gegenwärtigen Bc- sUmnurngett sei die Lage eines Innenministers, der über Leben und Tod eines Utenschen. zu entscheiden habe, nicht zu beneiden.' Nachspiel zu den Wormser Ltnruhen. GefcogniSstrafen für diOWt>el6füsr«r. Darmstadt. 22. April. In dem Prozeß wegen der Wormser Unruhen erfolgt« heut« die Urteilsverkündung.' Verurteilt wurden der preußische La ndtags-a-b geordnet« Oskar' Müller wegen Aufforderung ZU der verbotenen Marktversommlung und wegen Auf- forderung zum Widerstand gegen die Staatsgewett zu insgesamt einem Jahr drei Monaten G ef ä ngni s, der S t a d t- v« r o r d n e t e H a a s wegen Aufforderung zu der verbotenen Ver- sammlung in'einem Falle zu neirn Monaten Gefängnis. ' Di« Angeklagten Fay, Beierboch und Leu« wurden zu i« sieben Monaten und Le inhaa s zu sechs M onaten Gefängnis verurteilt,.weil sie sich der Staatsgewalt. widerscgten.- Der..Angeklagte Pax r äs chiewvt i erhielt wegen öffentlicher Auf- forderung zum Widerstand und wegen Widersetzung gegen die Staats- gnvaü insgesamt et» Jahr Gesängnis. Das kommunistische Verbrechen von Leipzig kommt der Reaktion sehr gelegen! Wie auf Kommando benutzt die deutschnätionalc Presse die blutigen Lorfälld zu einer Hetze g e g e n d i e S o z i a l d e m o k r a t i e. In dieser Hetze tritt ein ungewöhnliches Maß von Verlogenheit und politischer > Schamlosigkeit zutage. Für die Presse Hugenbergs gibt der „Deutsche Schnelldienst" die Parolen aus. Er schreibt:.. „Was wird am 1. Mai sein? Am 1. Mai ruft nicht nur- Moskau seine Scharen auf die Straße, sondern treiben auch die freien Gewerkschaften und treibt' die Sozialdemokratie ihr« Anhängerschaft zur Demonstration. Verhetzt ist diese Anhängers chist heute schon genug. Das ewige Trommel» mit per- Bo, hauptung, Deutschland habe ein« Bürgerblockre. g I e r-U n-j}-»- die gegen die Arbsiterfchäst ins Leben-- gerufen sei und- diese�Regstruritz �treibF'ZgZll» chld Vroiwucherr ist«in« Saat,-die bei- fast-drei Millionen- Arbeitslosen, am 1. Mäi-b lü t'i g a'ufzugdh en vermag."' Weil die Kommunisten Verbrechen begehen, werden die freien Gewerkschaften der Provokationstaktik bezichtigt! Was die Behauptung, Deutschland habe eine Bürgerblockregie- rung, anbetrifft, so hat der Arbeitsausschuß deutschnationaler Industrieller eben erst erklärt,„daß da? Kabinett Brüning als Bürgerblockregierung den Weg z ir n e u e r an tlmarxisst«scher Politik eingeschlagen ha t". Die Berliner Hugenberg-Presse hat die plumpe, nur für die Provinz bestimmte Hetze nicht mitgemacht. Diese Hugen- berg-Parole- ist nur füt das Land bestimmt. Um so dreister hetzen„Deutsche Tageszeitung" und„Berliner B ö r f e n z e i t u n g". Die„Deutsche Tageszeitung" ist das Organ des Ministers Schiele, die „Börsenzeitung" sympathisiert mit der Treviranus- Gruppe. Beide befolgen bei ihrer Hetze offensichtlich einer gemeinsamen Anweisung. Die„Deutsche Tagesze.i- t u n g" gibt unseren Kommentar zu den Leipziger Ereig- nissen wieder und fährt fort: „Man wird gegen diese Kennzeichnung des kommunistischen Jan- Hagels wenig einwenden- können, nur hat ausgerechnet ein so» zialistisches Organ nicht das geringste Recht, die- jenigen Verbrecher zu nennen, die es selbst mit zu Verbrechern erzogen Hot! Die„geistigen" und„po- litis che» Massen des Sozialismus unterscheiden sich von denen anderer marxistischer Richtungen in der Art nur sehr wenig. Di« Kamps Methoden des„Reichsbanner" sprechen eine zu deutliche Sprache." Diese schmutzige Verleumdung wider besseres Wissen wird noch übertroffen von der„Berliner Börsenzei- t u n q". Die übernimmt fröhlich von der„Roten Fahne" die Lüge, daß Reichsbannerkomeraden und sozialdemokra- tische Jungarbeiter an der Kommunistendemonstratiön teil- genommen hätten, und posaunt dann los: „W ir zweifeln nicht, daß die Angaben der „R v t« n Fa h n e" z u t r e f f« n, mag diese Osfenherzigkeit auch bei der Reichsbannerbundesleitung und der sozialdemokratischen Partei- sührung einige peinliche Gefühle auslösen. Gerade im jetzigen Augen- blick, da dos Reichsbanner allen Grund hat sich vor den schärfer blickenden Augen des Zontnims nicht noch weiter zu demaskiere», wird der Bericht der„Roten Fahne" i m L a g c r d e» H c r r.n H ö r s i n g oljl eine sehr unangenehmeUeb ex rajchung empfunden und. ohne Frage mit den üblichen Dementis beantwortet werden. Wir srcilich sind durchaus nicht üherrascht, daß man im Reichsbanner stets mit den R o t f r o n t l e u t en snmpathi- s i e r t und— wo Immer sich das, ohne besonders auszufallen, machen ließ— auch praktisch zusammen gearbeitet Hot, unter. lag sür uns nienwls einem Zweifel. Die Beteiligung von Re i che b an.n e r.d« p u tat i o ne n am Leipziger. Kom- in u n i st e n t a g bestätigt unsere immer wieder vorgetragene Auf- fassung von der Staatsfcindlichkeit der Hörsing- truppe. Was sagt dos Zentrum zu diesen neuen Beweisen?".'-.■ Nun: hier ist der Zweck deutlich, zu deutlich! Man- hat im Lager der Grupve um Schiele und Treu ir.a- nus beschlossen, das Leipziger Verbrechen der Kommn- nksten zu benutzen, um das Zentrum gegen die Sozial- demokratie und vor allem gegen das Reichs- baniier zu Hetzen, man hat es aber so plump angefangen, daß die Verleumdung ans die Verleumder zurückfallen niuh! Diese verächtlichen Methoden werden nur bewirken, daß die deutsche Oeffentlichkeit erkennt, wes Geistes Kinder die Leute sind, die den rechten Flügel des Kabinetts Brüning bilden! Verhaftungen. Dessau, 22. April.(Cigenbericht.) Aus Veranlassung der Leipziger Polizei- ist hier der Jung- kommunist Gerhard Weißner-verhaftet worden. Er steht in dringendem Perdacht, an den Leipziger Bluttaten beteiligt gewesen zu sei,,. o i-eeiÄ..v'-C..v Dresden,. 22.r. April..- ct.- Wie die Mxesdtier- Votlszelküng?- mitteilt, wurden- die Dresdener TellNehiNer an der kömMlinstsschen'-Iüg�ddimonstrativn m-.Leipztg Ai ihrer Rückkunst nach Dresden polizeilich durchsucht. Ein Teil der Kommunisten hatten Dolche bei sich, die ihnen abgenommen wurden. Vierzehn Personen wurden fest genommen. Oemonstraiionsverbot in Leipzig. Leipzig, 22. April. Auf Grund des Artikels 123 Abs. 2 der Reich'sversassuNg sind von heute ab bis aus weiteres alle Ver.samm« lungen und llmzüge unter freiem Himmel für das Stadtgebiet verboten. Zuwiderhandlungen gegen dos Verbot werden mit einer Geldstrafe bis zu 150 Mark oder Haft bis zu 14 Tagen geahndet, soweit nicht nach den Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind. Gowjetpresse feiert die Mörder. Wie aus Moskau gemeldet wird, veröffentlicht die gesamte Sowjetpress« am Dienstag In großer Aufmachung die letzten Er- eignisse in Leipzig. Die„Prawda" bringt zum Ausdruck, daß der Zusammenstoß zwffcheu der Polizei und den Iungkommumsten aus die Provokation der Polizei zurückzusi'chr«» ist. Das Blatt er« klärt,-daß die Taufe, die die kommunistische Organisation in Leipzig erhalten habe, zu weiteren sozialen Kämpfen gegen das deutsche Bürgertum sührei, werde. Die ganze Press« spricht ihre Bewunderung für die aktive Tätigkeit der kommunistischen Jugendverbände aus und hofft, daß sie weiter versuchen werden, die Ideen Lenins in Deutschland zu venvirilichen. Zeppe Aakjär. Vanemarks größter Lyriker gestorben. Der dänische Dichter Ieppe Aa-ksär ist Dienstag vormittags auf feiner Besitzung Ienl« bei Skwe gestorben. Aakjär wurde am 10. Juli 1866 als Sohn eines jiitländischen Bauern geboren. Er besuchte die Bauern Hochschule, wurde Sozial- deinokrat und lfatte schon als Zwanzigjähriger ein« Gcfängmsstras« wegen politischer Reden abzubüßen. Sein Bauerntum verleugnet sich nicht in seinen Dichtungen, sondern gibt' ihnen durch eine gewisse Erdnähe und llninlttelbarkeit ein besonderes Gepräge. Aakjär galt als der größte danische Lyriker dor Jetzzeit. Da seine Gedichte ober in jütländischein Dialekt geschrieben und daher schwer zu übersetzen waren, blieb er außerhalb der Grenzen Dänemarks fast unbekannt Biel« seiner Lieder wurden von Karl Riellen vertont und sind sehr volkstümlich geworden. Zu den eindrucksvollsten gehört; Däs Abendlied„Stille mein Herz, di« Sonne sinkt"..Konimond"„Ich trag« lächelnd die Bürde". Aakjärs dramatische Arbeiten sind. BolkSstücke. ähnlich denen Anzengrubers im Dialekt geschrieben. In seinen Romanen ist er nicht nur Dichter, sondern Volksausklärer, Volksführer und Politiker..... ' Der 60. Geburtsiog des Dichters wurde in Kopenhagen ühd ganz Dänemark festlich gegangen.' Und es-warein Beweis slir Re große Popularität Aakjärs,- daß an dieser Feier sich alle Volks- schichten ohne Unterschied der Partei beteiligten. Verkehrsarbeiter und Partei. Sie müssen für einander einstehen. Von einem alten Arbeiter der Vsrkehrs°AG. wird uns geschrieben: Wie es heute noch Menschen gibt, die behaupten, der Staat von 1S30 unterscheide sich durch nichts von dem vor lS18, so gibt e» in der Berliner Lertehrs-AG. noch Arbeiter und Angestellte, die van diesem größten städtischen Derkchrsunternehmen in der gleichen obfälligen Art reden. Die diese Aussäst ung vertreten, sind«mweder Berkehrsbetdienstete, die aus eigener Erfahrung die Verhältnisse bei d.n privaten Berliner Verkehrsunternehmen in der Vorkriegszeit nicht kennen, oder solche, in deren Gedächtnis die Vorkriegszeiten schon ausgelöscht sind. Daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Berliner Verkehrs- orbeiter heute wesentlich g ü n st i g e r sind als in der Vorkriegszeit und daß dies insbesondere der unermüdlichen zielsicheren Arbeit der Gewerkschaften im Verein mit den s o z i a l d e m o k r ä- t'schen Vertretern im Siodtparlament, im Aufsichtsrat der BVG. und in der Personollcitung zuzuschreiben ist, wird von den c. schworenen Feinden der Sozialdemokratie und der freien Gewerk- schaiten natürlich geleugnet. Die Berliner Verkehrsarbeiter sind heute glücklicherweise nicht mehr so leichtgläubig, die letzten Vetriebsralswahlen haben es bewiesen. daß sie chetlsverkündern von rechts und links blindlings nachlaufen. Sie beginnen mehr und mehr einzusehen, daß sie ihre wirtschaftliche und politische Jnteresseiioertvetung nur von den freien G?» werkschoften und der Sozialdemokratie erwarten können. Wer anders als die Gewerkschaften und die Sozialdemokratie hat schon jemals etwas Ersprießliches für die Vcrkehrsarbeitsr getan? Ein Rückblick auf die leßden Jahne beantwortet diese Frage von selbst. Die weit oorausschouend« Kommunalpolitik der sozialdemo- kratischen Stadtverordneten und Magistratsmitglieder Hot erst den Weg geebnet für«inen vorbildlichen Grohsladtoerkehr, der nicht nur bessere Beiörderungsmöglichkeii�n für die Bevölkerung, sondern auch neue Arbeitsmöglichkeiten für sie einschloß. Di« Ausammenfasiung der drei Verkehrsgesellschaften zu einem Groß- unternehmen, auch ein Hauptwerk der Soziatdcmokrotie, bracht« nicht nur Vorteile für die Berliner Bevölkerung mit sich, sondern auch für das Verkehrsperionol. Auf Grund dieser Zusammen- legung war«s erst möglich, einheitlich« Lohn- und Ar- beitsbedingungen und«in« einheitliche Ruhe- l o h n k a s s« für alle Verkehrsarbeiter zu schaffkn. Und wenn schließlich in den letzten Monaten die katastrophale Finanzlage der Stadt Berlin auch di« BVG. zu Personäleinschränkungen zwang, so ist der Abbau von Personal in einer Weise durchgeführt worden, die «rkcnnen ließ, daß an der Spitze der Personalabteilung dieses Unter, nehmen? ein sozialdemokratischer Direktor steht. Gerade daß auf diesen Mann in der letzten Zeit von der sogenannten kommunistischen ..Opposition" Kübel von Schmutz enlleert wurden, beweist nur, daß den Verkehrsorb«itern. im Gegensatz zur Vorkriegszeil kein Gesianungszwang auferlegt wird. Wer hätte es in der Vorkriegszeit z. B. wagen dürfen, einen konservativen hosteger— viel weniger noch einen Auiieher oder gar ein Direktionsmitglied— wegen seiner Gesinnung zu schmähen. Kein ehrlicher Verkehrsarbeiter wird leugnen können, daß für ihn der sozialdemokratische Einfluß in der Direktion der BVG. und den übrigen maßgebenden Körperschaften von Lorteil gewesen ist. Diesen Einfluß gilt es zu stärken, und zwar nicht zuletzt im JMereffe der Vcrkehrsarbeiter selbst. Genau so, wie es Pflicht eines jeden vorwärtsstrsbenden Bcrkehrsarbeitcrs ist, einer freien G«- werkjchajt anzugehören, ist es seine Pflicht, sich der Sozial- demokratischen Partei anzuschließen, der Partei, die in Gemeinschaft mit den freien G»:w«rkschait«n die Arbeiterschaft frei machen will von den kapitalistischen Fesseln. O. S. Gewerkschastsscheue Feuerwehr Feuerfchutzwoche ohne LerufSfeuerwehr. Eine Feuer schutzwoche ohne die deutschen Be- r n f s f e u e r w e h r m ä n n e r ist ein unmögliches Ding. Das fühlt wohl auch der Deutsche Feuerwehrverband. Daher sein krampfhaftes Suchen nach faulen Ausreden zur Erklärung der Tatsache, daß der Perband deutscher Berufsfeuer- mehrmänner trotz seines Ansuchens nicht in die Arbeits- und Laterefsengemeinschoft deutscher Feuerwehrorgane aufgenommen morden ist. Die Aufnahme soll, wie der Deutsche Feuerwehrv.er- band der Oetfentlichkeit mitteilt, nur aus dem Grunde derzeit als nicht durchführbar abgelehnt worden sein, weil der Verband der deutschen Berussfeuerwehrmänner die Zusage zur Mitarbeit an der Deutschen Feuerschutzwoche persönlich nnd gewerkschaftlich nur dann in Aussicht gestellt habe, wenn seine Aufnahme in die deutsche Feuer Wehrgroßorganisation genehmigt würde. Was soll dieses nichtssagende Gestammel? Müßte es nicht ein- fach eine Selb ft Verständlichkeit sein, daß man einer Organ:- sotion wie dem Verband deutscher Berufsseuerwehrmänner, die man zur Mitarbeit bei der Fenerschutzwoche einlaßt, auch den Zw tritt zur Arbeitsgemeinschäsi gesiatier? Warum darf denn der Verband deutscher Berusssenerwehrinänner nicht in die Arbeitsgemein- schalt? Der Deutsche Feuerwehroerband weih nichts anderes zu antworten, als: die Aufnahme fei nicht erfolgt, weil die Mitwirkung an der Feuerfchutzwochs als Druckmittel für dos Aufnahmegesuch des Verbandes deutscher Berussfeuerwehrmänner benutzt worden fei. Merkwürdig ist. daß anfangs ein anderer Grund für die Ablehnung ongegelren wurde. Anfangs hieß es, daß die Arbeits- und Interessengemeinschaft nur aus Verbänden bestehen könne, die keine gewerkschaftlichen Interessen nwhrnehinen und lediglich die Förderung und Vervollkvmmming das deutschen Feuerwehr- wesens sich zur Aufgab« gestellt hoben. Der Deutsche Feuerwehr- verband sollte sich die Müh« neuer Begründungen sparen, denn für den objektiven Beobachter der Vorgänge liegt die Sache höchst einfach, nämlich so: Man kann wohl die Mitwirkung der Gewerk- schastcn bei der Feuerschutzwoche gebrauchen, aber man liebt diese Gewcrkschasten nicht. Ein deutscher Feuerwehroerbond mag keinen Gcwerkschoftcr leiden, doch seine Unterstützung nimmt er gern. Die Wirtschast der öffentlichen Hand. Die Meinung der Angestellten. Der Zentral verband der Ange st eilten verarrstaktete in seinem Verbartds-Erholungsheim in Bad Fintenmühle in Thüringen eine Reichskonferenz der Angestellten in den kamtiiunalen Betriebsverwaltungen(Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerkes. Die Konserenz beschäftigte sich mit den Fragen des„Arbeitsrechts der Angestellten in den kommunalen De- triebsverwaltungen". fzaußherr gab den Geschäftsbericht der Reichsfach- gruppenleitung. lieber„die Stellung und Bedeutung der kommunalen Betriebe in der öffentlichen Verwaltung" referierte Genosse Dr. O:to Suhr von der wirtschaftspolitischen Abteilung des AifA-B» indes. Referate nnd Diskussion zeigten den Willen, tätig bei der Aus- gestaltung dieser Betriebe mitzuwirken. In einer Entschließung kommt zum Ausdruck, daß der Aufbau der kommunalen Werk« und Betriebe nach wirtschaftlichen Grundsätzen zu erfolgen hgt. Es wird geiordert, daß all« Arbeitsplätze in den kommunalen Betrieben und Betriebsverwaltungen nist den bestgeeigneten Personen besetzt werden. Sie sind auf Privotdienfwertrag anzustellen und ihre Arbeitsverhältnisse durch Tarifvertrag vorbildlich zu regeln. Di« große Bedeutung der Wirtschaft der öffentlichen chand, die Fragen, ob die Betriebs in Regie oder als Gesellichaiten geführt werden fallen, ob es zweckmäßig ist, diese Betriebe als Bersorgungs- betriebe zu führen, wurde erörtert. Die Betriebe können sein, so schloß Dr. Suhr, kapitatisrische Produktionsstätten, aber auch Keim- zellen der Gemeinwirtschast. Für letzteres zu sorgen, ist unsere Aufgabe. Friede bei Leineweber. Vereinbarung mit dem Vekleidnngsarbeiterverband. Die Viskerenzen bei der Firma Bernward Leineweber sind in direktem Verhandlungswege zwischen der Firm-mleitung nnd der Zeulralleitung des Deutschen Sekleldungsarbeiterverbandes beigelegt worden. Die Arbeit wird auf der Grundlage der ollgemeinen Vereinbarung mit dem Arbeilgeberoerband heule früh wieder ausgenommen. Alle seitherigen vergünsli- g u u g e n in der llrlanbsgewährung usw. bleiben unverändert bestehe». Do» Arbeitsverhältnis gilt als nicht unterbrochen. All« Be- fchästigten werden restlos wieder eingestellt. Durch diele zufrieden- stellende Erledigung der Differenzen werden alle Aloßnahmen der Organisation gegenstandslos. „Wie man miiAngestettien umspringt." Der Angefielltenrat von Zonoß& Co. berichtigt. In Nr. 177 des„Vorwärts" vom 15. April veröffsnllichten wir ein« Zuschrift des Zentraloerbondes der Angestellten, die sich gegen die Lohndrückermethoden der Finna I o na ß u.(To. richtete. Darauf erhalten wir eine Berichtigung, aber nicht von der Firma Ionaß u. Eo., sondern vom Angestelltenrat, der sich schützend vor die Firma stellt. Weim die Firma etwas zu berichtigen Hot, dorm mag sie sich gefälligst selbst bemühen. Soweit der Angestellten rat zu seiner eigenen Verteidigung etwas zu sagen weiß, geben wir im nach- stehenden der Zuschrift Raum: „Es ist nicht wahr, daß die alt« Arbeirsordnuug Bestimmungen enthält, die wider die guten Sitten verstoßen, da sie vom Gewerbe- aufsichtsamt genehmigt war. Richtig ist vielmehr, daß nach Rück- sprach« mit den einzelnen Verbänden hei Aufstellung der neuen Arbeitsordnung nur unwesentliche Aenderungen vor- genommen wurden. Der Betriebsrat hat den Berbänden ein Exemplar zur Stellungnahme eingesandt, ohne bis heute«ine Antwort zu erhalten. Es ist nicht wahr, daß die Gefchästele.iturrg der Firma Ionaß u. Eo. A.-G. über die Arl>eitsordn»n>g mit dem Air- gcstelltenrat allein verhandelt hat. Richtig ist vielmehr, daß sie durchaus gewillt war. in Uebereinstimmung mir den Arbeit. nehmerverbänden die Arbeitsordnung auszustellen, sie Hot von sich aus die in Frage kommenden Arbeitnehmerverbände hierzu auf- gefordert." Darauf erwidert der ZdA.: „Es entspricht den Tat lachen, daß Herr Tanneberger lelbst. der Lorsitzende des Betriebs- und Angeftellterrrates, noch zuletzt in der Sitzung vom 17. Je mar 1930 persönlich zugeben mußte, daß mehrere Bestimmungen der Arbeitsordnung vom 1. Juli 1929, die feine Unterschrift trägt, wider die guten Sitten verstoßen. Unwahr ist die Behauptung, der Betriebsrat habe den V«r- bänden ein Exemplar des Eniwurfez einer Arbeitsordnung über- fandt, ohne eine Antwort erholten zu haben. Richtig ist vielmehr, daß der Angestellten- und Betriebsrat zuletzt m der Besprechung vom 17. Ianrear 1930, des weiteren durch schriftliche Mitteilungen des ZdA. vom 10. Februar und 17. April d. I sehr eingehend unterrichtet worden ist über sehr wesentliche Ab- änderungsvor schlage bezüglich der Arbeitsordnung im Interesse der Angestellten, die allerdings bisher vom Angestelltennat weitgehendst vernachlässigt wurden. Es trifft zu, daß dt« GeschSftÄertmig de? Firma Ionaß». Sil, dem ZdA. VerhaMungen über eine neue Arbeitsordnung zugesagt hat. Es trifft aber fernerhin zu, daß die Firma Ionaß u. Co. bis heut« noch ntcht dies Versprechen durch- geführt hat. Gerade aus dieser Haltung der Finna ist zu schließen, daß die Firma genau weiß, warum sie mit dem Angestelltenrat allein verhandeln will." Die Gelben des Reichslandbundes. Eine Aufklärungsfchrist des Landarbeiterverbanves. Im Selbstverlag des Deutschen Landarbeiterverbandes ist eine 100 Seiten starke Broschüre„Der Reichs landorbetter- b u n d und seine Unlerverbände"(Preis 2,50 M.) erschienen, in der das Vorstandsmitglied des Landarbeiterverbandes. Genosse Walter Kwasnik, die Frage behandelt, ob der Reichs- landarbcllerbund und feine Unterverbände wirtschastliche Verein:- gunzen von Arbeitnehmern im Sinne der arbeitsrechllichen und wirt- schoftspolliischen Gesetzgebung sind. Die Frage ist eigentlich für den, dem das Wesen und der Zweck einer Gewerkschaft bekannt ist. längst gelöst. Auch die Arbeiisrechtlec von Ruf haben ganz klar nachgewiesen� daß solch« Gebilde wie de? Reichslandarbsiterbund, die„Voterländifchen" usw. wirtschaftliche Vereinigungen von Arbeitnehmern nicht sind, weil ihnen das Hauptmerkmal, die wirtschaftliche und moralische Unabhängig- keit von den Unternehmern fehlt. Es gibt aber noch Arbeitsrichter, die diesen Scheingebilden von Gewerkschaften attestieren, daß sie keine Kulissen der Lohndiktatu.? der Unternehmer, stmdem..selbständige" Vereinigungen zur Wahr- nehmung der wirtschaftlichen Interessen der Arbeiterschaft. Eine solche Desinition hat bekanntlich das Landesarbeitsgericht in Frank- sutt a. d. O. im November v. I. getroffen in einem Schein- prozeß, den die Kreisgrbeitgebergruppe des Pommerfchen Land- bundes in Arnswalde gegen die Arbe.tnehmergruppe des P»mmer- schcn Landbundes in Stettin geführt hat. Mit diesem Urteil geht der Reichslandarbeiterbund nun krebsen in der Hoffnung, auch seine Anerkennung im Reichswirffchastsrat und den anderen öffentlichen Körperschaften durchzusetzen. Genosse Kwasnik hat in seiner Schritt ein umfangreiches und durchschlagendes Mattrial zusammengetragen, das ganz klar die Ab- hängigkeit des Reichslandarbeiterbundes und seiner U Itter verbände von den Vertretern der„grünen Front" beweist. Nach dem Smdium dieser Broschüre dürfte sich eigentlich kein Arbeitsrichier wehr finden. der ein gleiches Fehlurteil fällt wie das vom Landesarbeitsgcricht in Frankfurt a. d. O. gefällte. Die Lektüre dieser interessamen wchrift sollten sich aber nicht nur Arbeitsrichter. Arbeiisrechtler uft». angelegen sein lassen, sondern mich alle die, die einmal einen Blick werfen mochten in die sozialreaktionären Schmieden der„notleidenden" Großagrarier.__ Wahlen zum Verbandstag her Schuhmacher. Morgen, Donnerstag, finden in Berlin die Delegierten- wählen zu dem im Juni in Magdeburg tagenden Derbandslag des Zentralverbandes der Schuhmacher statt. Di« Zahlstelle Berlin da: zwei Delegierte zu entsenden. Ihre Mitglieder veffammlung vom 8. April hat vier kommunistische Kandidaten durch Mehrheitsbeschluß zur Urwahl ausgestellt. jBon der Amsterdamer Richtung steht kein Kollege aus den Stimmzettel. Dennoch haben unsere Kollegen die Pflicht, zur Wohl zu gehen und ihr Wahlrecht ouszuüben. Da wir kein Vertrauen zu den KPD.-Kandidcn7!rtii»i dir RetriebsrcU« tZ iink> tZuntliouärr der SP?, der aelcmten AS:bnunfl. Sicftrent Senoge Ssteffel. W« SienoSen müssen erscheinen. Der ge-Itr-n»»», stand. s m .Znoendaruvv« Ses!?,nverband«S der Anaeftellten beute. Mittiroch, finte» folaend« Peranstaltunqen siott: Werbefeirr in der Aula der S�uie ssrontlurtee All»«»7. Benin»« Übe.— che» suitddnnuicit: guasnddein, Ottliftt. 10. Port. Partraa:.Sie Kedeutuna des 1. Rai". SUfet-nt Artur Nochen».— Sintbaft: guqenddeim Daiuiaer Str. 83 l Baracke 8). Vortrag:.Der Jugendliche im Ardeiisreckt". Neferent Erwin Bun-rl.— Osten: Zua-Nddeim der Schule Litauer£:r. IS. Werbe reier in der Aula der Sckiule lZrankkurter Allee 87.— SchöuSausce Borftadt: guaendbeim der Schule»altanienalle« 8l. Pnrivaa:..Die weltankchaiitichen Srundlaaen einer sn�ialiftitch orientierten?sSrlaraeer»i«l>una". Ne'erent Auauit Knauer. IZünorqer int Er,ikbunasi;e!m Ctruvesbos.— Stralau: Iunentcheim der Schul« Eablerttr. Iii. Werdrseier in der Aula der Schul« lsrankiur'er Allee öl.— Sieukölln: guq'ndbr'M PSbnusch« Str. 1— 4, Ecke ka»»-r Straf.«.„April. April." Nefercnt Oswald Mudrack.— Sil doli: guacndlieim Wranaelstr. 128. Ausspracheabend: Wir und die Berusskchule".— Spandau: Iuaendbeim Linden. »ser l. Wir lesen aus dem Buch«.3m Weiten nichts Neues".— Batsda». Rawawea: guaendderbeene in Ncrwawes. Prieltersirass«. Borkran:.Di« Jugend im 3dA.". Referent Kein» Rann. Brraniwortlich ssir Doliiit: Dr. Kurt Seger: Wirttchaft: ib. Klinaelh-.ier: Dewertschail-bewegung: Z. Eteiner: geuilletun: N. S. Döscher; Lokale« und Sonftioe,?ri» Kaeslädt: Anteioen: Td. chlacke: sämtlich in Beelin.- Verlag: Vorwärts. Verlag D. m b. H.. Berlin Druck: Vorwärts.B»ii:drnckeres und Lerlagoanltalt Banl Singer u. E».. Berlin SW 88 Lindcnltrasse 8. Hierzu> Beilage und.Unterbaliuuo und Wissen" Würz« hilft in der Küche sparen. Schon wenige Tropfen geben schwachen Suppen, Soßen, Gemüsen und Salaten kräftigen Wohlgeschmack—- Vorteilhaftester Bezug in großer Originalflasche zu R.M. 6.50. Verlangen Sie ausdrücklich MAGGl5 Würze 7tr. 158* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 23. April 1930 Verfchwinclenclc AAüKlenromantilc. Nicht weit von der Chausiee zwischen Lichterfelde und Zehlendorf streckt«ine alt« Holländer Mühle ihr« Flügel wie be- schwörend zum Himmel. Der Straße zu wächst ihr«ine lang« Reihe Neubauten über den Kopf, hinter denen sie bald völlig verschwun- den sein wird. Auf der anderen Seite, gegen den Fasanenberg zu, ist noch freie Fläche, die aber bereits in der Hand eines Dauunter- nehmers ist. Binnen Jahresfrist wsrden sich auch hier Neubauten breit machen. Den Anfang tnochts die auf dem Boden der ehemaligen königlichen Domäne Dahlem vor zwei Jahren errichtete komforlabl« Wohnkoloniedes Landes- finanzamts Dahlem. Die fing im Beim mit den Chaussee- bäumen(Süjährigen Eichen) den Windmühlenflügsln den Wind ab. Heute ist die Mühl« ausschließlich auf Motorbetrieb«ingestellt. Ein Gasmotor von 30 PL treibt die Arbeitsmaschinen und setzt auch «inen Fahrstuhl in Betrieb, der die einzelnen„Böden*(Etagen) der Mühle verbindet. Diese Holländer Mühle, die einzige im Ber- linerWesten, wurde auf einem alten Mühlenplatz in den 70cr Jahren von den Radloffschen Erben errichtet. Sie liegt 49 Meter hoch. Breit und massig steigt der Zicgelunterbau, sich allmählich verjüngend, bis zu 15 Meter Höhe. Die Mühls mahlt hauptsächlich Roggen mehl für Schrot- b r o t und für das sogenannte„Landbrot*. Im allgemeinen kann man sagen, daß siefürSOOO Menschendas tägliche Brot liefert. Als beliebtes Moüv ist sie namentlich Sonntags das Ziel mefer Amateurphatogrophen und Maler. Zluch Schulen machen hierher häusig ihre Ausflüge. Zahlreich« Fahrverbindungen(Au.o- bus, Straßenbahn. Untergrundbahn) führen in die Nähe der Zehlen- dorfer Holländer Mühle, deren Aeutzeres an die„gute, alle Zeit* erinnert, die aber immerhin schon lange vor dem Maschinenzeitaller kapituliert hat. Auf der Spur des Raubmörders. Veobachtvngen einer wichtigen Zeugin. Die Erwartung der in Spandau stationierten Mordkommission, daß sich am Dienstag Zeugen melden würden, die zur Aufklärung des Kapitalverbrechens an der Frau Mari« Grosse beitragen könnten, hat sich m gewisser Weise bereits bestätigt. Es hat sich«ine Frau gemeldet, deren Bekundungen von Wichtigkeit sind. 2lm Sonnabend vor Ostern begeFnete ihr auf der Straße zwischen Ruhleben und dem Kraftwerk II n t« r s p r« e ein etwa ZOjähriger Wann mit einem Fahrrad, der etwa fünf» oder sechsmal an ihr vorüberfuhr und sie dabei dreist und auffällig mustert«. Di« Belästigung wurde der Frau allviähsich zuviel� sie blieb stehen und erwartete den Radler rn an- griffsbereiter Hallung. Da er nun wohl einsah, daß er hier kein leichtes Spiel haben würde, wandt««r fein« Maschine um und verschwand. Die Nachprüfung dieser Bekundung in bezug auf Zeit und Ort hat ergeben, daß fast mit Sicherheit diese Frau dem Mörder der Frau Gross« gegenübergestanden hat. Der Radler war Ende der zwanziger Jahre und von hagerer schmächtiger Gestalt. Er hatte eine auffallend spitze lange Nase und dunkles Haar. Bekleidet war er mit einem dunklen Anzug, weißem Kragen, dunkler Krawalle und eurer blauen Schirmmütze, deren Kopfteller größer war als bei den Üblichen Seglermützen. Di« Mütze war von der Art, wie sie wohl Chauffeur« tragen. Weiter hat ein Arbeller der Mordkonrmifsion mitgeteill, daß ihm am Sonnabend nachmittag gegen 5 Uhr— der Mord wurde bekannt- I lich gegen 6 Uhr 20 Minuten verübt— in der Havel st raße in Spandau, wo er zu tun halle, fem fast neues Borussia- Fahrrad, Nr. 1552 283. gestohlen wurde. Man vermutet nun, daß der Mörder auch das Rod gestohlen hat und damit den Weg nach Ruhleben und dem Kraftwerk zurücklegte. Die Zeiten würden damit zusammenstimmen. Zusammenstöße im„zalke"-prozeß. Die Verteidiger drohe» mit Riederlegaag. Hamburg. 22. April. Im weiteren Verlauf der Demchmung des Zeugen Dietz im „Falk«*>Prozeß kam«s zu heftigen Zusammen- st ö.ß e n zwischen Rechtsanwalt Dr. Alsberg uiid der Staatsamvall- fchaft. Der Aonsitzende erklärte, Dr. Alsberg habe den Streit durch fein« häßliche und verletzende Art provoziert. Nach kurzer Beratung verkündete der Borsitzonde dann den Beschluß, der Dr Alsberg«inen scharfen Tadel für fein Verhallen ausspricht, da die Art und Weise, wie er die Staatsanwälte angegriffen habe, außerordentlich verletzend fei. Darauf wurde eine Pause eingelegt. Nach der Pause verzögerte sich der Wiederbeginn der Derhand- lung, weil die Verteidigung nach Bcfprechmrgen über die Zwischen- fälle vom Bormittag Halle. Rechtsanwalt Dr. Alsberg weigert sich, weller vor dem Gericht aufzutreten. Schließlich wird auf Antrag der Staatsamvaltschaft die Verhandlung aus morgen vertagt. Nach der Verhandlung gab Rechtsanwall Dr. Alsberg der Presi« «in« Erklärung ab, wonach ihm der Generalstaotsonwalt sein Be- dauern über die Borgänge ausgesprockzen Hab«. Dr. Alsberg erklärte anschließend, er werÄe die Verteidigung nicht weiter führen. mono das Gericht die an seinem Verhallen geübte Kritik nicht ab- ändere. Auch die übrigen Verteidiger werden«ine ähnliche Er- klänmg abgeben. Der erste Mai in Berlin. Die Polizei im Einvemehmen mit den Parteien. Di« blullgen Krawalle bei der kommunistischen Demotistration in Leipzig dürsten, falls nicht noch besondere gefahrdrohende Umstände hinzukreleu. vorläufig zu keinen besonderen Matz- nahmen hinsichtlich der kommenden Maifeiern Anlaß geben. Man rechnet in Berlin im Hinblick aus die van der Polizei im Einvernehmen mit den verschiedenen politischen Richtungen gell offenen Vorkehrungen, daß die zeitliche und r ä u nz� i ch e Trennung der verschiedenen öffenllichen Maikundgebungen, und zwar der Sozialdemokratischsn Partei und der freien G e w e r k- sch asten und weller der Syndikalisten und der Kommunisten genügen werdc. nm Zwischenfälle und vor ollen Dingen Zusammen- stoße zwischen den verschiedenen Gruppen zu verhindern. Schließlich wird man von de» Konunu niste« llotz allem, was»orgctummen ist, immer noch so viel Uoberlogung erwarten dürfen, daß sie am 1. Mai dem Bürgerllun nicht den Gefallen erweisen, sich mll Gewalttaten gegen die«igsiren proletarischen Klasseng snosien zu wenden. Selbstverständlich wird die Schutzpolizei unter erhöhter Alarmbereitschaft stehen, domll zur Ucberwachung der in Frage kommenden Straßenzüge und der Demonstrationen selbst jederzeit genügende Polizeikräfte bereitgestellt werden können. Tie Leipziger Vorfälle hoben, soweit aus den vorliegenden Berichten zu entnehmen ist, bewiesen, daß der Einsatz zu geringer Polfzeikräfie seine Gefahren hat, zumal wenn es sich auf der anderen Seit« um Tausende von Demonstranten lzandett. Oer Fall Motnm und Paragraph 51. Entgegen anders lautenden Nachrichten ist dem Verteidiger der Frau Dr. Momm, Justizrat Josephsohn- Potsdam, bisher nichts davon bellnmt, daß die von der Staats« mvoltschait beaufllägten medizinischen Sachverständigen bereits zu dam Ergebnis gekommen seien, daß die Gallin des früheren Potsdamer Regierungspräsidenten für ihre Handlungen nicht verantwortlich genmchl werden könne. Auch wenn«ine gewiss« Wahrscheinlichkeit dafür spricht, daß das Gutachten schließlich in diesem Sinne ausfallen wird, so muß doch zunächst einmal das Ende der Becbachtungszeit in der Eharit-i und das Gutachten selbst abgewartet werücn, das dann der Entscheidung der Staatsanwaltschaft über Außerversoloungsetzung oder Einleitungeines Verfahrens zugrunde liegen wird. Auch nach Auskunft der Potsdamer Staatsanwaltschaft suid öit Ding« noch nicht soweit gediehen, daß schon jetzt mll Sicherhell von der Anwendung des§ 51 auf Frau Momm gesprochen werden könnte. Busch wird vernommen. Nachdem der'rühetc Stadtrat Dusch aus der Klinik zunächst für einige Zeit in feine Privatwohnung zurückgekehrt ist„ hat sich die Staatsanwallschaft mll dem behandelnden Arzt, in Verbindung gesetzt, um festzustellen, ob eine Vernehmung Büschs möglich seill wird. Aus Grund des Gutachtens des Arztes dürfte imnmehr, wie wir hören, schon in den nächsten Tagen Staatsanwaltschasts- rat Dr. Weißenberg sich tn die Wohnung des früheren Stadtrats begeben, um eine erste Vernehmung zu den in der letzten Zell im Zusammenhang mit den städtischen Grundstücksgeschöften erhobenen schweren Anschuldigungen gegen Busch durchzuführen. „Die sexuelle Erziehung des Kindes*. Am Donnerstag, dem 24. April, 20 Uhr, veranstaltet der Kreis Berlin-Mille der„Kinder- freunde" im Lesesaal, Brunnenstraße I8l. ein« Kreiseltern- Versammlung mit dem Thema„Die sexuelle Erziehung des Kindes". Eltern und interessierende Genossen sind herzlich eingeladen. 1' W h'&nxusfiweixyi�ä ** EstherQrenm .Thören Sie mal. Iakobsen. wenn Sie mir schon nicht glauben, daß ich mich auf diesen sanften Knaben Torben Rist verstehe, so werden Sie mir doch nicht abstreiten wollen. daß ich meine eigene Tochter kenne oder nicht?" „Aber gewiß, natürlich. Was sagte denn Ihre Tochter?" „Ich Hab sie doch nicht erst viel gefragt. Ich Hab sie her- genommen und— wissen Sie, meine Kinder wachsen alle ohne Schläge auf, Sie können meine Frau fragen, alles nur in Güte— aber wie die Betten so vor mir steht und ein Gesicht mackit wie eine geknickte Lilie, da. ich Hab mich nicht halten können, und da Hab ich ihr eben eine runtergehaut—" „Aber Daktor Manke—" .Lch bin ein gutmütiger Mensch. Iakobsen, und an der ailzen Geschichte sind wirklich nur Sie schuld. Was jagen ?ie das Zeitunasgespenst nicht aus der Gegend! Betten und Rist! Ausgerechnet! Wenn einer da Gewalt gebraucht. übrigens weiß ich genau, daß die beiden sich nie geküßt haben oder sonsllxas— aber wenn schon, dann war's meine Betten und nicht dieser Waschlappen von Norweger: ich kenne meine Tochter, die gerät nach mir. Und dann kommt natürlich auch noch dieser jun�e Herr Graf, dieser Kai und blast mir die Ohren voll../ „Ja. aber lieber Doktor, das sind doch nun alles wieder nur persönlich« Eindrücke, immer wieder nur persönliche Ein- drücke. Wäre es nicht viel bester gewesen, Sie hätten Ihre Tochter einmal still beiseite genommen?"— „In meine Erziehung brauchen Sie mir nichts drein- zureden. Iakobsen. Was aber die Eindrücke betrifft— ich bin ein Mann und ich bin Arzt und kenne den Burschen. Soll ich Ihnen den mathematischen Beweis erbringen, daß Torben Rist kein Lustmörder sein kann?" „Das wird sckwer möglich sein." „Und wenn ich Ihnen den Beweis erbringen könnte, daß er am 11. Juni abends nicht mit der Osstpowna im Aarejunder Badehäuschen war?.,. Sagen Sie mal, bester Iakobsen, Sie sind doch schließlich nicht nur«in Richter mit Protokollen und wie der ganze Mumpitz nun einmal heißt, Sie sind doch auch ein menschliches Wesen, mit Ihnen muß man doch auch mal ohne das Fräulein da sprechen können?" „Sie können mit mir persönlich reden, wann Sie wollen, Doktor Manke. Aber im Fall Rist bin und bleibe ich Amts- perfon." „Man kann Ihnen also nichts mitteilen— auf Dis- kretion, so wie sich Männer manchmal was erzählen?" „Doktor Manke. ich mache Sie darauf aufmerksam, daß es Ihre staatsbürgerliche Pflicht ist, den Behörden alles mll- zutellen, was Sie von der Aaresunder Explosion zu wissen scheinen." „Sie sind wohl des Teufels, Iakobsen. Wie reden Sie denn auf einmal mit mir. Bon der Explosion weiß ich soviel wie Sie, das schwör ich beim Leben meiner Frau, die jeden Tag ein Kind bekommen soll- Wenn'? nur diesmal kein Mädel wird. Sonst schreibt das liebe Fräulein Hosting im nächsten Artikel.. „Doktor Manke!" ,Va. ja, schon gut. Schmeißen Sie das Frauenzimmer hinaus oder nicht?" „So leid es mir tut, ich habe dazu keine Befugnis." Kgl. Amtsgericht Sändrup, 30. Juni 1029. gez. Karl Henrik Meike. H. G- Iakobsen. Protokoll aufgenommen mii dem Zeugen Ole Limd, geb. J901 auf Lynö, eoangelUdi, ledig, Lehrer auf Lynö. „Herr Lund, ich habe Sie vorladen lassen, weil Sie, wie ich erfuhr, mll Torben Rist in freundschaftlichen Beziehungen standen." „Freundschaftliche Beziehungen kann man wohl nicht sagen, Herr Untersuchungsrichter, das wäre zu viel. Aber Sie können sich denken, daß auf einer kleinen Insel wie Lynö der Gedankenaustausch mit einem immerhin well gereisten Menschen— da ist es kein Wunder, wenn man eben eine Ansprache sucht— ich suchte Herrn Rist allerdings auf. nicht zu oft, aber an manchem freien Abend, das kann ich nicht leugnen."— „Aber ich bitte Sie, kein Mensch wird Ihnen daraus emen Borwurf machen. Nach dem, was Frau F«driksen hier erzählte, scheinen Sie sogar große Stücke auf ihn ge- halten zu haben." „Große Stücke, das wäre zuviel gesagt, Herr Unter- suchungsrichter, viel zu viel... Es war nur eben... Wer so ausgehungert ist wie ich nach Geistigkeit, dör freut sich, wenn er einmal an einen literarisch Geblldeten kommt. Wer konnte ahnen— es sind ja eben die schwersten Verbrecher oft überragend hoch begabt— schon Lombroso sagt—" „Herr Lund, ich sagte doch schon, Sie brauchen sich hier, wie schon gesagt, für nichts zu entschuldigen. Niemand ver- mutet hier, daß Sie Mitwisser von Torben Rists Geheimnissen waren." „Um Gottes willen. Herr Untersuchungsrichter, ich würde mir sofort eine Kugel durch den Kopf jagen, wenn auch nur der Schatten eines Verdachts— wer Krafst-Ebbing gelesen hat, weiß ja, daß eben die gefährlichsten Scxualoerbrecher—" „Sie standen also zu Rist in einer rein geistigen, sagen wir literarischen Beziehung. Soll das heißen, daß er Sie mll feinen Werken bekanntgemacht hat? Hat er Ihnen viel- leicht vorgelesen?" „Nein, niemals." „Sie kennen auch nicht diese Gedichte?" „Nein, nein, Herr Untersuchungsrichter, so wahr ich lebe, ich habe nie eins von diesen Gedichten gejehen. Sie glauben mir doch?" .Llber ja, gewiß. Seien Sie doch nicht so aufgeregt, Sie benehmen sich ja wie ein Angeklagter." „Herr Untersuchungsrichter, ich habe nichts als meinen guten Namen und meine Stellimg. und ich habe mein« allen Ellern zu erhallen— mir ist das furchtbar, in dies« Affäre hineingezogen zu werden. Und ich gedenke, mich in absehbarer Zeit zu verheiraten. Meine Stelle—" „Machen wir es kurz. Herr Lund. Worin bestand eigentlich Ihre geistige Beziehung zu Torben Rist?" „Wir lasen mlleinander." „Was denn?" .Lolberg und— und Björnsen und die Aufsätze von Georg Brandes... und den Stein der Weisen."— „Detektivroman« nicht? Oder sonst was Blutrünstiges, Aufregendes?" „Niemals. So was kommt mir nicht in die Hände. Ich sah allerdings bei Herrn Rist einen Band Shsrlok Holmes."— „Interessieren Sie sich für Politik?" „Göll bewahre, ich bin Patriot!" „Herr Rift sprach auch niemals mll Ihnen über seine politischen Anschauungen?" „Nein, bestumnt nicht." (Fortsetzung folgt.) Vorsichi bei Vooisfahrten! Unglücksfälle forderten wieder mehrere Menschenopfer, darunter zwei Knaben. Bremerhaven, 22. Aprrl. Am Abend des ersten Osterfeiertages sank auf der Weser kurz vor Bremerhaven ein mit drei jugendlichen Personen besetztes Ruderboot. Dabei fanden ein löjähriger Wesermünder Junge und ein 1 1 j ä h r i g e r Schüler aus Bremerhaven den Tod. Der dritte Insasse, ein l'Zjöhriger Schüler aus Wesermünde, wurde durch den Führer einer Bremer Jacht gerettet. Aschaffenburg, 22. April. Am Nachmittag des Ostermontag ereignete sich an der Ober- nauer Mainschleuse ein schweres Bootsunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Ein Faltboot, in dem sich ein junger Mann und ein junges Mädchen aus Frankfurt am Main befanden, fuhr auf die Schleuse zu, die den Insasien an- scheinend nicht bekannt war. Das Boot kippte plötzlich um, und die beiden Leute ertranken. Zahlreich« Passanten mußten tatenlos zusehen, wie die bewen Menschen mit dem Tode rangen. Die Leichen tonnten noch nicht geborgen werden. Berlin fördert den Gchüleraustaufch. Zm Dienste einer deutsch.französischen Jreandschast. Es ist geplant, wie im Vorjahre, den vom Landesjugendamt Berlin gefölfcerten Schülcroustausch zwischen Frankreich und Deutschland von Familie zu Familie auch im Sommer 1!l30 fortzusetzen. Bereits jetzt liegt wieder eine große Zahl von Gesuchen, die von den Berliner Bezirksjugendämtern entgegenge- nominen würden, für den Schüleraustausch vor. Im Jahre 1329 gelang es, 38 deutsche Schüler durch Vermitt- lung der Deutschen Liga für Menschenrechte und des deutsch- jranzösischen Schüleraustauschdicnstes, Heidelberg, nach Frankreich auszutauschen. Die Berliner Jugendlichen waren fünf Wochen lang Gäste in französischen Familien und hatten in dieser Zeit Gelegenheit, mit gleichaltrigen französischen Jugendlichen die großen Ferien zu verbringen und ihre Sprachkenntnisie durch ständige praktische Uebungen im Verkehr mit den französischen Jugendlichen und Familienongehörigen zu erweitern. Di« gleiche Zahl französischer Schüler weilte ebenfalls fünf Wochen lang bei den Berliner Familien. Das Landesjugendamt hofft, daß es gelingen wird, auch in diesem Jahre diese schön« jugendpflegerisch« und völkerver- bindend« Arbeit mit dem gleichen Erfolg zu fördern. Bundesiag der Arbeiter-Esperaniisten. Kommunistische Wühler zerstören die Einheit. Vom 18. bis 21. April fand in Essen der Bundesüig der Arbeier-Esperantisten statt. Er hatte besondere Be- deutung für die sozialistischen Esperantisten, da hier«ntschieden werden sollt«, ob der Bund weiter im Fahrwasser kommunistischer Politik segeln sollte. Am Begriißungs- abend waren Vertreter vieler kommuni st i scher Organisationen und Organisatiönchen zugegen. Die fast rein kommurnstische Ortsgruppe Esten hatte im Verein mit dem linientreuen Bundesvorstand alles getan, um dem Bundestag d e. n So wjetstem�el aufzudrücken. Berichte und Dis- 'kussicm oerliefen ziemlich ruhig. Es war bemerkenswert, daß im Steii Jahre 18 Gruppen ausgetreten sind. Bei 17 wieg sich der Bundesvorstand über den Grund aus! Von 237 Bundesgruppen waren nur etwa Sö vertreten. Bewegung kam in die Verhandlungen, als die Anträge beraten wurden. Insbesondere war von vier Gruppen vorgeschlagen ein« Aenderung des§ 6 des Bundesstatuts. Sie besagt«, daß an einem Ort mehrere Gruppen bestehen könnten. Die Aenderung war not- wendig, weil an verschiedenen Orten sozialdemokratisch« Genossen ausgetreten waren und eigene Gruppen ge- gründet hatten, denn die Kommunisten hatten ihre Mehrheit aus- genutzt, und di« Sozialdemokraten terrorisiert. In Verlin z. B. war die Bundesgrupp« in das kommunistische Sportkartell eingetreten, trotzdem dos den Austritt der sozialdemokratischen Genossen zwangsläufig zur Folge hoben mußte. Die Statuten- ändenmg wurde abgelehnt. Von ebenfalls grundsätzlicher Bedeutung war der Eintritt des Bundes m den Jnteressenverband für Arbeiter- kultur(Jfa), die Vereinigung konimunistrscher und ausgeschlossener .Kulturorgamsationen. Es ist damit di« Maske gefallen. Und die sozialdemokratischen Delegierten werden ihren Äruppen berichten müssen, daß der Bundeine Filiale Moskaus geworden ist und daß in ihm sür Sozialdemokraten kein Platz mehr ist. Lleverfall in der Küsterei. Gestern am späten Nachmittag wurde das Ueberfall- kommando noch der Küsterei in der Steglitzer Straße 68 alarmiert, wo der Küster und dessen Frau von meh- rercn jungen Burschen im Flur des Gebäudes überfallen und schwer mißhandelt worden waren. Zwei der Tmer konnten festgestellt werden. Allem Anschein nach handelt es sich um einen Racheakt Linksradikaler. Die Politische Polizei hat die weiteren Ermittiungei» aufgenommen. Osterkonzert des Reichsbanners. Wie alljährlich gab das Mufikkorps„Reichsbanner Neukölln" auch in diesem Jahre am ersten Osterfei«rtag in Klienis Konzertsaal ein Osterkonzert. Die Veranstaltung hat seit Jahren eine» treuen Besucherstanmi und so war auch diesnml der Saal gut besetzt. Mas Musikkorps wollte zeigen, daß es auch klassische Musik beherrscht und hatte ein gutes Einleitungsprogramm zusammengestellt. Neben der Fantasie aus der Oper„La Traviaia" gefiel vor allem der Walzer„Mein Traum" vor. Waldteufel. Das Beothoven-Streichquartett spielte das Streichquartett Ez-Dur in vier Sätzen von Schubert. Dann fang das Ebert-Manz-Ouartett »ier Lieder, von denen besonders das' Landsknechtslied ans dem 15. Jahrhundert von Orlando di Lasso und das Ständchen von 21 dam de la Haie gefielen. Im weiteren Programm brachten di« Sänger noch eine Reibe lustiger Lieder zum Vortrag, die inuuer wieder mit starkem Beifall ausgezeichnet wurden. Auch die weiteren Darbietungen waren geschickt zusammengestellt. Der Leiter des Musikkorps, Erwin Borsonti, hielt eine kurze Begrühungs- anspräche und wies auf den Zweck der Veranstaltung hin, die gute Musik vermitteln und die republikanisch« Bevölkerung sammeln soll. Die Beranstaltung war ein voller Erfolg. Die Freie Schulgemeinde Prenzlauer Lerg hatte sich für eine O st erfahrt nach Brandenburg Berlins populärstes Schiff, das Kabinen-Motorschiff B a l d u r gechartert. Bei der Abfahrt am Soniial>ie arbeitende Frau und die Frau in der Familie, die Frau als Mutter und als sozialer Faktor genießen auch heute noch nicht den nötigen Schutz. Mit den Stimmen der Frauen werden heute die größten Feinde der Frau in die gesetz- gebenden Organe gewählt. Die Frau muh noch mehr politisiert, zur aktiven Kämpferin gemacht werden. Mit großem Beifall wurde als Vertreterin Deutsch- l a n d s Abg. Minna B o l l m a n n empfangen. Ihre von starker Ileberzeugungskraft getragene Ansprache wirkte tief auf die Ber- fammlung. Außer in Riga fanden auch in Mitau und Libau stark besuchte Kundgebungen der sozialistischen Frauen statt. Iwsendiuigeu für dies« Rubrik sind »« r l t» SB«. Ltndenstrahe 3. parieinachrichten/M�sürGroß-Berlin stet»»n da» Beziri»Iekr«tar>ai !. Hos, 2 Treppen reiht».,» richten. Versammlung der Ableilungsmlelervertreler sowie aller sonst im Miel- und Wohnungswesen tätigen Parteigenossen an> Toaneretaa, dem 24. April,>9— Uhr. im Saal I de, Gewerischostibause», knaeluser 24. Taoesordnuan: 1. Die Baulparkasie»»om Standpunkt der Partei und der E-cwerklchaften. Referent: Geansie Dr. Karl Brockfchmidt»oa der Deutschen Wod»uaa»fLrsora« A.-S. 2. Stclluaanadm« ,» der Rcubaumieter- beweauua, insbesondere i» der Kiedluna Arid. 3, Verschiedene». * 1. itrei» Ritte. Di« Besichtiaunq de» grauenoefiinanisses für die Rursusteil- nedmerinnen(nur g r a u e ni. findet am Donnersta», 24. April, um 15 Udr statt. Trefspunkt 15 Udr vor dem Tor. 5. kreis Friedrich» Hain. Di« Adteilunaskassicrer Halen sofort die Maifeier. Plakate vom Lokal Wertalla. Hohenladestr. 3. ab. 7. Streit Iharlottendur«. Donnersta«. 24. April. 19V4 Uhr. erioeitert« Kreis- Di« Sonntag Abenddarbietung nannte sich„3u- gen d". Es wurde oersucht, Jugendorsioneii der letzten Epochen an Hand von Dichtungen zu geben. Von Knut Hamsuns süß-melan- cholischer„Viktoria" und Wedekmds revolutionärem„Frühlings Erwachen" führte der Weg zu unseren jungen Dichtern. Wer es noch nicht wußte, der mußte es hier spüren: Nichts ist sich so gleich geblieben wie die Jugend. Das Wunder des Menjch-Erwachens im Kinde wird so stark erlebt, daß Zeit und Umwelt davor versinken, und immer wieder muß der cinzelnie diesen Kamps für sich und seine Welt aufs neue ausfechten. Eine Reihe junger Kräfte nahm der Werte mit natürlicher Freude an. Alfred Kerrs Tagesglossen nxrrcn gut und nützlich zu hören.— Am Montag vormittag sollte aus der Sixtinischen Kapell« in Rom«in Konzert übertragen werden. Leider mußte man die Hörer mit einer Absage eicktäuschten. Statt des Konzerts gab es eine Wanderung im Colssseum in Rom, die sich immerhin anschaulicher und interessanter gestaltete, als die Wanderung durch die Katakomben am Sonnabend. Trotzdem konnte man sich em noch plastischeres Hörbild von dieser antiken Stätte wohl denken. Dann erst findet doch die lebendige Führung ihren Sinn, wenn durch sie stärkere Eindrücke vermittelt werden als durch einen guten Vortrag.— Alfrod D ö b l i n wußte in seiner Autobiographie wirtlich Wesentliches zu sagen. Er hielt sich nicht bei Einzelheidon seines Lebens auf,.soniern schilderte, was er wurde und weshalb er es wurde: Proletarier. Arzt und Dichter. — Mar Kolpes Ehanisons, vertont von Allan Gray, die unter dem Titel„Der Tag zweie r Menschen" zusammengesaßt waren, hatten andere Erwartungen geweckt: man hatte sich unter dem Titel Ernsteres oder bissiger Pointiertes vorgestellt. Das klein« Liebes- uttermezzo mit sachlich grohstädtischeni Ausgang— er vergißt ihr« Telephonnummer und kennt sonst nur ihren Vornamen— war immerhin eine amüsante Unterhaltung.— Ein schönes Osterei war di« Uebertragung der„Z a u b« r f l ö te" aus der Oper am Platz der Republik. Der Dienstag wurde vom Rundfunk zum dritten Feiertag proklamiert und die Hörer mit einer leichten, netten Abendunterhal- tung unter Führung von Rudolf Nelson versorgt.— In der Jugend- stunde brachte Harry Kahn ein« Plauderei„Ich komme eben aus Paris", deren frischer Ton auch vielen Erwachsenen Freude bereitet haben dürste. Gelegentlich siel Harry Kahn zwar auch in Land- kartensprache, und dann erfuhr man, was rechts, was links und was geradeaus liegt und wurde schwindlig von so vielen verschiedenen Richtungen, weim man nicht auf einer Stadtkart« von Paris Halt fand.— Fred Hildenbrandt sprach über das geplante Reichs- ehren mal, das, wie er mit Recht forderte, statt einer toten, prunkenden Steinmasse ein lebendiges Wert werden müßte: eine Siedlung für die Invaliden des Krieges: das würde wirtlich Dank an die Toten und Mahnung für die Lebenden sein. Tos. rvrsiantssiwma im Limmer 1 Ins RaÄaufc». Alle Mftglkieter der ffrcöioit müssen oiuvcfeni fein. 14. Serie Neukölln. BildnrasaueiSnü: Uiirnna am Dsnnerrtaa. 24. April, um IS Udr. im Sekretariat, guldaftr. 55— S«. Mitgliederversammlungen und Zahlabende heute, Mittwoch. 2Z. April, in den nachstehenden Lokalen: 3, Abt. 11� Ub« im arosse» Saal de» Ecwerkilbaftsbaule», stnselufe« 24— 25, qeofie Äil.vtctonftc'.p.ina. Vortran und Rilmpotfäliiuna de» Genossen Karl Schrl,:.Die Voltsfürforae und ihre �«derrtuna für bie Arbeiters chatt". Danach ,isei weitere unterdallende Kulturfilme. Eintritt kaftenlo». sin- tritt dabeu«uch Sumratbisscrenbc»nd einaefSdrtc Gälte. 4. Abt. lStb Udr bei Grolle, Blum-Nftr. SS, Vortraa:»Soiialdemolratic und Dolschem'smus". Nefcrt Alfred stod». S. Abt. ISVl Uhr?ad labend« in den dekannten Lokalen. 3. Abt. Nationalbof, Bworoftr. 37. IS Uhr ssunktianLrndnn«. 19K Uhr Mit- aliederverlammluna. Tauesardnmra: I. Wahle». 2. Referat de» Genossen Knttner, M. d. L.. über..Pdlitrsche Laae". 1». Abt. 20 Udr in den Mvabiter Dierdallen, Kirchstr. 1Z. 12. Abt. 20 Udr üuntl'onörfikuno bei Schmidt. Meie für. 17.— 9.'trieb« töte. Betriebsoblente und Petrieb-nerteancnelente der 12. Bbteiluna können tMaimarken beim Genosse» Wenzel, Wiclesstr. 2S. Oneraed. I. von 18 bis IS Udr in Enrpfana nehmen. 14. Abt. 20 Ubr im Sminenründer Gekellfchakt-daus, Swinemünder Str. 42. Vortraa des Genossen Geora Stiealiti. 15. Abt. 1 IIb- bei Mnth. Enaeldardt-Ausschank, Prnnnenftr. 140. Vor» traa:.Die rolitikche Laae". Referent Robtrt Brener. Gäste haben Ku'ritt. 18. Abt. IS'b Uhr in der Löwenbrauerei. Kochstr. 2. Vortraa:.Wirtschaft». fraaen und ginanzen". Refereirt Rektor Walter gitcher. Nach dem Vor» traa aemütliche» Beifammcnfcin. Gäste herzlich wisskommen. 1». Abt. Abteilunasverfammluna fässt ans. 20. Abt. ist» Udr bei Wende, Koloniestr. 147. Vortraa:.Verwaltuno»re-orm ber Gtabt Berlin". Referent Stadtrat Karl gobiunke. 22. Abt. 1914 Uhr in der Hochfchulbrauerei. Sek. Ecke Amrumer Stvalle. Bor- traa:..Di« faschistische Gefahr". Referent Victor Schiff. 23. Abt. 1914 Udr Mitalikdernerfammluna im„Steinackcr", Seestr. 45. Bor» traa:.Republik und Sozialdemokratie". Referent Genoss« Dr. Kanvach. 24. Abt. 1»14 Udr im Altersbeim. Danz>aer Str. 82. Vortraa:„Die politlsche Laae". Referent llvhanne» Stessina, M. d. R. 25. Abt. Pünktlich 1,-1 Ilde im Borsaal de»«aalban» Friedriche dein Partei. weide. Referat:.Iuaend und Partei". Genosse Diederich. Gäste dürfe» einaefüdrt werden. 27. Abt. l»-4 Udr in den Echändaufcr gestsälcn. Schönhauser Alle« 129. Vor» traa:..Finanz» und Wir�schaftsfraaen". Referent Kurt Keinia. M. b. R. 28. Abt. 19-4 Uhr in den Berolina-Festfälen. Schönhauser Allee 28, Vortraa: ..Die politische Laae". Referent Loren, Vreunia. 30. Abt. 19-4 Uhr in den Kassno-Feftsälen. Pappclallec 15. Vortraa des Gr» nassen Hermann Harnisch. M. b L. 32. Abt. 29 Udr in Schmidi» Gesellschaftsbaus. Frnchtftr. 88», Vartroa:»Das Revublikschullaefell". Referent Eduard Fächert. M. d. L. 38. Abt. 19 Udr Silluna des Vartwndes mit den Bezirksfllbrcrn bei Wertalla. Hohenlodestr. Z.— 1S?4 Udr in der Säiuiaula Hohenladestr. 10, Vartraa: ..Wirtfrbaflsvolitik vor und nach dem 27. März". Referent Dr. Kurt Lom- bera. Diplom. Landwirt. 85. Abt. D-e Abteilunasversammluna findet erst am Mittwoch, dem 80. April, statt. Die Abteilunasfunktipnärsslluna fällt aus. 88. Abt. 19-4 Ildr in ber Schulanla Etrallmannstr. 8. Vortraa:»Der Kampf um die Sozialpolitik". Referentin Gertrud Hanna. M. d. L. 37. Abt. 19-1 Udr Mltaliederoerfammluna in der Pahendofer-Vranerei. Lands. beracr Allee. Taaesordnuna: Ber-chterstattuna voni Bezirksparteitaa. 88. Abt. 1914 Udr in Scknnidts Gascllfchaftsbaus, Fruchtstr. 88», Vortraa:»Di« politische Laae". Referent Mar Gillmeister. 89. Abt. Di« deutia« Abteilunasversamnrluna fällt aus. 48. Abt. Di« Abteilunasversammluna fällt aus. 45. Abt. Die Abteilunasversammluna fällt aus. 48. Abt. 1911 Ubr Mitaliedernerfammluna bei Mozart. Gärlider Str. 72. 47. Abt. 19 II Ubr im Saal I des Gewerkschaftsdauses. Enaelufer 24— 25. Vortraa:„Die Kefadren de« Faschismus". Referent Gvttlieb Rees». Edarlottenbura. 51. Abt. 20 Uhr Abteilunasversammluna mit Filmnorflldruna im Wodffahrtsfaal. Köniain-Elifabetd-Str. 8:»Das Reichsbanner und fein« Bedeutuna". Referent Genosse kstter.— 58. Abt. 20 Ubr Funk. tionärfiduna bei Lierfck. Kantstr. 82. wichtia« Taaesordnuna. Sämtliche Funktionäre müssen erscheinen. Di« Abteifunasverfammfuna fällt aus und stndet am 80. Avril lroli— 57. Abt. 20 Udr bei Tdlinass. Wieland- stralle 4. Vortraa:»Di« politisch« Laae". Referent Emil Bartd. 81. Abt. Friedenau. 20 Ubr im Gefellfcha'tszimmcr de» Rathause» in Friedenau. Am Lauterplah. Vartraa:„Politische Taaesfraacn". Refcventin Ma'dilde Wurm, M. d. R. 78. Abt. Schönebera. Di« Abteiiunasnersammfuna fallt au». Neukölln. 91. Abt. Anllerordentllche Abteiluuasnerlamwluua I» Restaurant Berufchlalldöde, Kaeltt-artenstr. 8—11. Beaiu» 19-1 Udr. Taaesordnuna: 1. Vortraa de» Genosse« Prof. Mark Abramowitfch über.Diktatur»nb Demokratie". 2. Disknlfion. 3. Abteiluna,ana«leaenbeiten.—»4. Abt. 1S>4 Udr bei Schräder. Stcinmehstr. 52. wichtiae Funkttonärssllunq. 102. Abt. Banmschnlcnwea- Maifeier der Abteilnno im»Alten Eierdäuschen" (Nielerl. Anfana der Feier 18 Uhr. Eintritt 80 Pf., elnfchlielllich Tanz. Eintrittskarten sind erhältlich bei den Bezirksführern und beim Kafsserer Hertel. Barnnschulenstr. 20. 103. Abt. vberfchöneweid«. 19-4 Uhr Eltrazodlabend kür die Bezirke 4. 5 und 8 im Lokal Sachs. Schillervromenade 2. 125. Abt. Weillenlee. 20 Uhr. 1. Aich bei Minae. La'hrinaenstrall«. 2. Abt. tri Gallas. Ärenstr. 122. Z. Abt. fällt aus. 4. Abt. bei Stärke. Tasso» stralle, 5. Abt. fällt aus. 137. Abt. RetuIekenborf.Wes». 20 Uhr im Volksdaus. Scharnaxberstr. 114, Funk- tianärfiduno mit den Elternbeiräten und den Funktionären der Freien Schnlaemeind« und den varteiaeuäfsifchen Lehrern der weltlichen 9. Schul«. 140». Abt. Wittenau. 20 Uhr Fnnkfionärfiduna im Lokal Schulz, am Nord- badndof. Taaesordnuna u. a...Der Ausbau unserer Aaitation." Alle Funktionäre, besonders die BczirksMbrer. werden«ebeten, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. � 85. Abt. Funklionärsthuna Donnerstaa. 24. Avril. 20 Uhr. bei Scnnia, Mvllk«. Ecke Kaiscr-Wildslm-Etralle. Elternbeiräte und vartciarnösstsan: Lehrer stnd mit cinaeladen. 92. Abt. Reukölln. Donnerstaa. 24. Avril, 1914 Udr, wichtia« Mitaliedcr. verlammluna in der Aula Kaiskr.Friedr-ch.Str. 208. Taaesordnuna: 1. Di« Aukaaben der Sozialdemokratie. 2. Bericht vom Bezirksparteitaa. 8. Alisschttillantraa. 4. Wahl des 2. Abteilunasleiters. Mitaliedsbuch dient als Ausweis. Arauenveransiallungen. Den Genolsinnen zur Kenntui», baft das TheatersÄck„8 218" im Wallnertheater von Mittwoch. 23. April, bis Sonntaa, 27. April, und am 1. Mai nicht aespielt wird. Kursus Käthe kern:»Der oraanisatorisch« Aufbau der Partei"(lehter Abendl. Schulraum der Ardeitcr-Vildunasfchule. Lindenstr. 8. 2. Hof, 2 Treppen. 8. kroi« krrnzbera. Donnerstaa. A. April, um 19-4 Uhr, bei krüaer. Grimm- stralle 1, Funltionärinnenllduna. Fed« Abteiluna Mull»ertreten(ein. 9. Abt. Der Besuch der Vorstelluna im Wallnertdeater:„8 2lZ" fällt in dieser Woche aus. Näheres wird noch bekanntaeaeben. 99. Abt. Am Donnerstaa. 24. Avril. 1914 Uhr. im Iuaendheim Edausse«. stralle 48(Ratdausl. Frauenlefeabend. 1. Vartraa über JZraamfatian»nd Auiaoben des öffentlichen Gesundheitswesens". Referent Genosse Petersen. 2. Verschiedenes. Bezirksausschuh für Arbeilerwohlsahrt. ssss Fürsoraer. Füesoraeriunen! Der Kursus des Genossen Dr. Eroner sss fZ findet am Donnerstaa, 24. Avril, 1914 Udr, im Sidunaszimmer. Linden. Kl stralle 3. 2. Löf, 2 Tr„ wie immer statt. Um pünktliche» Erscheinen wird aebeten. 13. ftrei« Tempelhos, Norientorf, Marienfew«, Lichtenrade. Freitaa. 25. April. 20 Ildr. im Eidunaslaal 1. Dorfstr. 42. Arbefferwohlfahrlsverfamm. luna. Genosssn Dr. Rvsenfeld spricht über.Defanacnenfiirforae". Betciktauna aller in der Wodlfadrtspfleae iätiaen Geiwssenlinnrnl wird erwartet. Zungsozialisten. iklZcrbedezirk Westen: Am 3.14. Mai findet ein Wochenendkurlus mit dem Thema„Proletarisches und biiearrliches Bcrrclltsem im Verhältnis der Geschlechter zueinander" statt. Referentin Genossin A. Harioch.?n Rvwaives. stnaendherberae Priesterwea. Beainn Sonnabend 2014 Uhr. Sonntaa 9 l'hr Fort. Icduna.— Die Grupperleiier des W.-V. komm:» moraen. Donnerstaa. beim Genossen E. Markus. Eharlottentmra. Frttschestr. 40, zusammen um 20 Uhr. Wichtiae Taaesordnuna. Arbeilsgemeinschast der Sinderfreuude. Addolnna der Maislnablötter au» der zentrale am Donnerstaa, 24. April, von 19—20 Uhr.— Sic Krelsleiter werden aebeten, durch uinoehenb« Bcnach- rlchtiauna der Gruppen dafür Sora« zu traoon, dall die Flnadlätter am Frei. taa rechtzeitta von ihnen abneholt werden, damit sie am FrcUaa au die Kinder verteilt werden können. Gruppe Prenzlauer Bera: Heute. Mittwoch. 23. April, treffen sich alle Rest. Funa» und Roten Falken in den Baracken Danziaer S-r. 82 zur Pprbereituna der Maifeier im Saaltau Friedrichsdain. Die Untersuchunaen für die Iuna» falken finden erst im Mai statt. Gruppe Mariendarf: Donnerstaa. 24. Avril, 7 Uhr. im Fnaendbe-m Marien- dorf. Dorfstrall«. Um 19 Uhr Helfersstnina sämtlicher Helfer cdendort. kret, Neukölln: Der Sinaekrei» M ilbt deute. Mittwoch, im Iuaendheim Kanner Ecke Böhmische Stralle van 17—19 Uhr. Wcaen der Maipcranstaltuna Erscheinen aerade aller Nestsalken notwendia. Geburtslage, Zubiläen usw. 12. Abt. Unserem Genossen Franz Dlckaw. Waldstr. 34,»um 25>ädri. aen PartcijnbUänm die herzlichsten Glückwünsche. 140». Abt. Wittenau. Unser« lanaiädriae Genosssn Katharina siimmermau» beaeht heute. Mittwoch. 23. April, ihre» 70. Gebirrtsta«. Wir wünsche»»»fem alten Mitkämpferin einen frohen Lebensabend und hoffe» »och recht laaar auf ihre tatträttiae Mitarbeit. Gterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 20. Abt. Di« Beifelluna der Aschenreste unsere» verstorbenen Genossen R. V v i t e l findet am Donnerstaa. 24. April, um 11% Udr, auf dem Friedhof Seestralle Natt. 27. Abt. Unser Genosse Otto M i t s ch i n a, Sonnenduracr Str. 8, 24 Jahre alt, ist an den Folaen eine» Verkedrsunialleo am Sonntaa. 20. Avril. verstorben. Ehre feinem Andenkenl Die Reit der Eiiräfcheruna wird noch bekanntaeaeben. Allgemeine Wetterlage. 22Bpril 4330ä>bäs�f=zii��� wckkonlos.O hestar.CS helbbcöeckt 9 woikig,® bedeckt�RegeaaGraupeln Schae&äNobel.TiGewifteoC�'MndstÜlB Im Laufe des Dienstag wurde ganz Dseutfchland wieder van etwas kühleren Luftmaffen überflutet, wobei es im Norden des Reiches zu leichten Schauern, vereinzelt zu Gewittern kam. Die Temperaturen blieben daher allgemein niedriger als am Vortage. Nur in der südlichen Hälfte des Reiches und in Ostpreußen erreichte das Thermometer mehr als IS Grad Celsius, lieber Westeuropa geht zur Zeit verbreiteter Druckfall vor sich, während das Barometer im Bereich des flachen mitteleuropäischen Hochs noch schwach stei�- Diese Druckänderungen sprechen für baldiges Eintreten einer wärmeren Luftströmung»ach unserem Bezirk. Wetteraussichien für Verlin. Teils hs-ter, teils wolkig und wärmer.— Für Deulschland. Größtenteils ziemlich heiteres und wieder wärmeres Wetter. fcul-diczs 5A LAM AN DER. Her ren. die Wert auf � tadellose Qualität, vorzügliche Passform------- Verarbeitung u. elegantes Aussehen legen, bevorzugen sis-s DAS ERZEUGNIS DER GROSS! EN DEUTSCHEN SCHUHFABRIK., Trusts der Llnterhaltungsindustrie. Die die Cmelta kaufen sotten.- Zm Schatten Owen Uoungs. Wen« Herr Küchenmeister von der Tabis und Herr Sobernhsrnheim von der Commerz und Privatbank aus Zlmerika zurück sind, wird Herr Moldendauer die/ Emelto» aktien aus dem Lefitz des Reiches wohl an die Amerikaner vertairfen. Die folgende Darstellung gibt über die jüngst« Entwicklung jener amerikanischen sinanzkapitalistischen Wirt- schaftskreise ein Bild, die ihr« teilweise monopolistische Herr- schast über die amerikanische Unterhalmngs- und Nachrichten. industri« durch den Erwerb der Emelkaaktien auch aus Deutschand ausdehnen würden. Das deutsch« hundert- prozentig„nationale" Bürgerblockkobinett würde dazu den Mittler abgeben. Einer der wichtigsten amerikanischen Unterhaltungstrusts ist der Filmkonzern Warner Brothers, der soeben dos gesamt« Eprechnoschnen-, Schallplotten- und Radiogeschätt der Chicogver Finna Brunswick-Balke-Eollender Co. übernommen hat. Der Warner-Konzern Hot eine fast beispiellose Entwicklung genommen. 1915 alz Filmproduzent und Verleihs irma gegründet. ging er bald zum Betrieb von Lichtspieltheatern über. Rechtzeitig sicherte er sich Lizenzen zur Herstellung von Tousilmen. Das Ton- filmgeschäft erwies sich als überaus rentabel, so datz der Rein- gewinn von 2 Millionen Dollar 1927/28 auf 17,3 Millionen Dollar 11328/29 gesteigert werden konnte. In der letzten Zeit wurden weitere Film- und Kinokonzerne erworben, u. a. auch eine Far- b e n f i l m gesellschaft. DI« Beteiligung an der Brunswick-Gesell- schast kostete rund 59 Millionen Mark. Diese Brunswick-Gesell schast ist chrerseits eine Weltfirma. Sie steht mit der deutschen Polyphon-Gesell- schast(„Grammophou"-Schallplatt«n) in tecktiischer Interessen- gemetnschast, und aa dieser sind wiederum die Siemens u. H a l s k e A.-G. wie die A E G. interessiert. Diese drei deutschen Firmen kontrollieren wiederum die führende deutsche Tonfilmgrupp« (T o b i s und K l a n g f i l m), so dah sich auch hier durch die Expansion des Warner-Konzerns das Bild abrundet. Denn die Inicressengemeinschastsverhandlungen zwischen der Tobis-Süchellmeisler-Gruppe und dem Wuruer-Konzern. die seit Monaten geführt wurden, sind soeben zu einem Abschluß gekommen. Sie bestehen in einem Patentaustauschvertrag, der die Patentrechte der deutschen Gruppe anerkennt, aber gleichzeitig dem amerikanischen Partner das Recht gibt, ins deutsche Tonfilmgeschäft zu kommen. Ein anderer umsassender Trust ist der Filmkonzern Para- mount-Famous-Lasky, der sich gleichzeitig auch im Unter- Haltungsfunk betätigt. Schließlich sei an die Äontrollierung des William-Fox- Film- und Kinokonzerns durch die große Tele- phonbau. und Sprechfilmsirma Western Electric Co. er- innert, die wiederum von der American Telephone and Tele- graph Co. beherrscht wird, dem führenden Telephonbetriebskonzern der Bereinigten Staaten. l?S(üo Corporation of America.— Morgan uud Zouug. Dieser Tage wurde aus New Vork gemeldet, daß der größte Rundfunkfabrikant der Welt, die Radio Corp. of America, ihr Kapital verdoppelt und daß der Hauptteil der neuen Aktien von den beiden größten Elevrofirmen des Landes, der General Electric Co. und der Westinghous« Electric ond Manusacturing Co., übernommen wird. Di« gesamte Fabrikation, die bisher in den Anlagen der beiden genannten Elektrokonzern« betrieben wurde, wird nunmehr von der Radio Corp. in eigenen Betrieben konzentriert, und auch die der Radiofabrikation dienenden Tochtergesellschaften der General Electric und der Westinghouse sollen von ihr übernommen werden. Damit wird die Kontrolle der beiden amerikanischen Elektrosirmen, die bisher ein Viertel des Aktienkapitals besaßen, zu einer absoluten Beherrschung der riesigen Radio- Corporation. Dies« Stärkung rundet das Bild dieses größien„Amüsemeutlrusts" der Welt ob. Die Radio Corp. ist nämlich erstens die größte Fabri- kantin von Radioapparaten; sie beherrscht etwa ein Fünftel der amerikanischen Produktion, die im Jahre 1929 einen Wert von 899 bis 999 Millionen Dollar hatte. Die Untergesellschaft für Radioröhren, die Radiatron Ca, kann z. B. täglich 219999 Röhren produzieren, also Z9 bis K9 Millionen Stück im Jahrs, während 1929 die Gesamtproduktion in den Bereinigten Staaten 175 Millionen Stück betrug. Zweitens beherrscht die Radio Corp. durch ihre Fusion mit der größten Schallplattenfirma der Vereinigten Staaten, der Victor Talking Machine Co., auch das Sprech- nwrschnengsschäft in erheblichem Unnang. Eine Tochtergesellschaft der Victor Talling ist die englische Grammophone Co., Ltd., die ihrerseits über weitere Tochtergesellschaften verfügt, so in Deutsch land über die Electrola-Gesellschaft. Drittens betreibt die Radio Corp. durch die Rational Broadcafting Co. und deren Untergesellsä-aften«inen großen Teil des amerikanischen Unterhaltungsrundfunks. Viertens befitzt die Gesellschaft umnittelbar und durch von ihr kontrollierte Gesellschaften eine große Zahl von Funkstationen, die den drahtlosen telegraphischen Nachrichtenverkehr zwischen dm Vereinigten Staaten und fast der gesamten übrigen Welt vermitteln. An der Spitze des Verwaltungsrats dieses umfassenden Nach richte«, und Kulturtrusts, der erst 1919 gegründet worden ist. steht derselbe Owen D. J o u n g, der die gewaltige General Clec- tric Co. beherrscht und nach dessen Vorschlägen der neue Reparationsplan seinen Namen erhalten hat. Im Jahre 1929 war in den Vereinigten Staaten wie ja auch in anderen Ländern, das Rundfunkgeschätt derartig übersättigt, daß die Preise für die Empfangsgeräte um 29 bis 39 Proz. herabgesetzt wurden. Infolgedessen war auch der finanziell« Ertrag rückgängig. Zwar stieg die Roheinnahme der Gesellschaft auf 182 Millionen Dollar(drei Viertelmilliarden Mark) gegenüber 155 Millionen Dollar, die 1928 die Radio Eorp. und die damals noch selbständige Bictor-Gesellschaft eingenonnnen hatten. Während aber der gemein- san« Reingewinn 1928 noch fast 27 Millionen Dollar betragen hatte, ging er 1929 auf 15,2 Millionen Dollar(64 Millionen Mark) zurück. Durch die Produktionszsntrolisiermig und die erheblich« Vertrustung der Kapitalmittel hofft man im Jahre 1930 auf einen neuen Aufschwung auch in finanzieller Hinsicht. In den sieben Iahren fett 1922 wurden all«» in den Ver- einigten Staaten für mebr als 19 Milliarden Mark Rundfunk- gerate verkauft. Da noch immer etwa 19 Millionen Hausholtungen mit Rundfunkeinrichtungen nicht versorgt sind, sieht die amerikanisch« Industrie auch für die nächsten Jahre noch wachsend« Absatzmöglich. leiten. Verschmelzung aller moderneu khillur- und Massen- beelnflussungemilkel: Ruodsuokapparalcbau. llnlerhallungsfuok, Film, Tonfilm, Licht- spiellhealer. Sprechmajchineubau. Schallplattmsabrikaklsv, Vach. rlchkeowesen, das ist die Tendenz, die sich in dieser Entwicklung zeigt. Einig« große Trusts beherrschen die meisten dieser„Geschäfts- zweige" gleichzeitig, so daß die kulturell« Entwicklung des ganzen Landes mrmer stärker entsprechend den Interessen dieser Trust- g nippen gelenkt wird. Unterhaltung und Vergnügen der Bevölle- rung werden zur Domäne weniger Industrie- und Finanztrusts, unter denen I. P. Morgan an erster Stell« steht. Die Ausdehnung dieser amerikanischen Gruppe im Ausland, so auch die Gründung der deutschen Standard Elektrizitäts-Gcsellschaft unter Mitwirkung der International Telephon« ond Telegraph Corp. und das Ein- dringen in das deutsche Tonfilmgeschäft sowie di« zahllosen ausländischen, von den amerikanischen Gesellschaften kontrollierten Nachrichtenorganisationen, ist nicht nur als Merkmol einer fort- schreitenden Amerikanisierung zu werten, sondern diese Amcrttanisierung bedeutet zugleich die Unterwerfung des Nach. richtenwesenz, des Films, des Rundfunks usw. unter die monopo» listischen Interessen einiger zunehmend internationaler Trusts. Dieser InterNationalisierung leistet auch das hundert- prozentig„nationale" Bürgerblockkabinett Brüning-Schiele (H u g e n b e r g) Vorschub, wenn di« Emelka durch den Mittler Tobis über den großen Teich hinübergereicht wird. Uns schreckt der Vorgang nicht. Er wäre nur charakteristisch für die nationale Koalition Brüning-Schiele-Hugenberg. Die Wiener Arbeiierbank. Neuer Aufstieg trotz allaemeiner Wtrtschastsnot und privater BantlrachS. Auch in Oesterreich können die Cigenbetriebe der Ar» beiterschaft für das Jahr 1929 eine erfreuliche Aufwärts- entwicklung melden, obwohl in Oesterreich neben schweren Bank- Zusammenbrüchen eine weiter« Verschlechterung der Wirtschaftslage und des Arbeitsmarktes zu verzeichnen war. Nach dem Bericht der Arbeiterbank A.-G. in Wien sind die Umsätze der öfter- reichischen Großeinkaufsgesellschaft um 19 Proz. gestiegen, die Konsumgenossenschaft für Wien und Umgegend hat ihren Umsatz um etwa 12 Proz. erhöht. Recht erfreulich Ist die Entwicklung der Wiener Arbeiterbank. Die österreichischen Prwatbankeu stände» be- sonders im zweiten Halbjahr 1929 unter einem sehr schweren Druck. Der Zusammenbruch der Allgemeinen Oesierreichischen Bodenkredit-Anstalt, einer der ältesten österreuhischen Großbanken, griff wie ein» Lähmung in der österreichischen Gc- schäflswelt um sich. Don Sep«mber bis Dezember sind nach der offiziellen Bankstatistik lue Einlagen bei den Privatbanken um 126 Millionen Schilling gesunken. Dennoch meldet, ganz ähnlich , wie in Deutschland die deutsche Bank der Arbetter, Angestcll«n und Beamten, die Wiener Arbeiterbank einen neuen Aufftieg. Die ge- samten Cmlagen sind von 44,9 auf 53,3 Millionen Schilling gestiegen. Die daraus gewährten Kredite haben sich von 31,9 auf 42,6 Millionen Mark erhöht. Die Flüssigkeit der Bank wurde trog der steigenden Schwierigkeiten verbessert. Di« gesamten Einnahmen stiegen von 1,41 auf 1,86 Millionen Schilling. Gehälter, Steuern und Der- watturtgskosten vermehrten sich auf der anderen Seite von 9,78 auf 1,12 Millonen Schilling. Der Reingewinn stieg von 9,58 auf 9.65 Millionen Schilling. Das Vermögen der Gewerkschaften und Genossenschaften, die das Aktienkapital von 2,3 Millionen Schilling voll in der Hand haben, wurde durch eine Dividende von 19 Proz. gestärkt. Dem ordentlichen Reservefonds wurden neue 329999 Schilling zugeführt, und aus dem Reingewinn wurden wieder 59999 Schilling für Wohlfahrts- und Kulturorgamsationen der österreichischen Arbeiterschaft verwendet. Auch die Oesterreichische Arbeiterbank finanziert mit den Lrbeitergeldern in erster Linie gemeinnützig« Gesellschaften, Ge- meindcn und Genossenschaften. Das ständige Wachstum der Ge- schäfte verlangt jetzt eine Kapitalerhöhung auf 4 Mil- l i o n e n Schilling, di« im Jahre 1939 durchgeführt werden soll. Der Geschäftsbericht der Wiener Arbeiterbank schließt mit den Worten:„In einer Zeit, in der kapitalistlsche Großbanken auf dos Schwerste erschüttert wurden, große Wirtschoftsunternehmungen um chr« Existenz rangen, ist es der Arbetterbonk gelungen, inmitten gehässigster Anfeindungen auf allen Linien Fort- schritt« und Erfolge zu erzielen." Margarineverbrauch sieigt. Weil es zur Butter immer weniger reicht. Di« gesunkene Kaufkraft in Deutschland hat im letzten Jahr amen verringerten Butterkonsum zur Folge gehabt. In verstärktem Maße mußte daher Margarine zur Deckung des Fettbsdarfs her- hallen. Nach dem Geschäftsbericht der Deutsche Jürgens- werke A.-G. in Hamburg, einem Tochterunternehmen des holländisch-englischen Margarinetrusts, stieg 1929 der Margarineoerbrauch in Deutschland von 459 999 auf 479 999 Ton- nen. Auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet, wuchs der Margarineverbrauch von 14,4 auf 15.2 Pfund im vergangenen Jahr. Von den infolge dar reichen Wellernten zurückgegangenen Rohstoff- preisen haben die Berbrmichermassen bisher allerdings herzlich wenig zu spüren bekommen. Dafür konnte die deutsche Iurgenswerke 2l.-G. ihren Reingewinn um 16 Proz. auf 2,3 Mill. M. steigern und nach Vornahme größerer Gewmnrückstellungen wieder 19 Proz. Dividende zahlen. Das Stammunternehmen in Holland erzielt« im letzten Jahr einen Reingew. nn von 89 gegen 33.2 Mill. M. im Vorjahr. Gmkende Zleischpreise im März. Die Massen fönren n cht taufen- Da sollen Zölle helfen? Trotz Schieles Zollerhühungspolirik sind die deutschen Fleischpreis« im Sinken. ver Kleinhandelspreis fiir Schweinefleisch ist im Monat März um 7 Pfennige je Ptund ge» sunlen, der Kalbflaischpro.s zeigte eine» Rückgang von 6 Pfcnmgen je Pfund, und auch die Rindfleischpreije sind zurückgagangen. Es ist S-nz Lock, daß sich dies« maAgec ms sastäeiwn Angebot als aus der rückgängigen Kauftraft der städtischen Berbrauchermasjen erklärt, und«S ist klar. daß diese Preisrückgänge trog aller Zollerhöhungen anhalten müssen. weil der städtische Verbraucher einfach nicht kaufen kann. Der Betrogene bei olncr solchen Politik ist der Landwirt, dem ge- Holsen werden soll. Interessant ist die Preisentwicklung beim Gefrierfleisch, die sich allerdings mehr nach dem Weltmarkt orientiert. Das Ge» frierfleisch war je Piund im März um 8 Pfennig« teurer als zur gleichen Zell des Vorjahres. Es war aber dach noch um 49 Proz. billi-ger als Rindfleisch, um 48 Proz. billiger als Schweins- fleisch und um 59 Proz. billiger als frisches Kalbfleisch. Wenn jetzt zum 1. Juli die Einfuhr von Gefrierfleisch überhaupt weg- fallen soll, wird der Fleischkonsum der Massen noch weller sinken. Da aber Frischfleisch zum verbilligten Preise an di« Stelle von Gefrierfleffch treten soll, wird das Reich in einer Zell beabsichtigter Steuersenkungen von neuem tief in den Geldbeutel des Steuerzahlers greifen müssen. Es lebe die neudeutsche Wirtschaftspolitik! GEG.-Llmfatz wächst weiter. Der Gesamtumsah der GroßeinkaufsgesÄlschofk deutscher Kon- sumvereine Hamburg ist im erste» Vierteljahr 1939 gegenüber dem gleiche» jZuartal des Vorjahres weiter von 1143 auf 118,0 Mill. M. oder um 3. 03 Proz. gestiegen. Der Umsah aus Erzeugnissen der eigenen Produktionsbetriebe erhöhte sich gleichzeitig von 28,7 auf 303 Mill. M. oder nm 7.92 proz. Die mehr als doppelt so starke Steigerung des Umsatzes der Cigenbetriebe bei den Vereinen ist besonders erfreulich. Konjunktur für(SpezialMaschinen. Oer Kältemaschinenkonzern erhöht auf-lS Prozent. Die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen in Wiesbaden hat sich während ihres jetzt 59jährig«n Bestehens zu dem mächtigsten Konzern in der deutschen Källemoschinenindustrie ent- wickelt, der zugleich im europäischen Ausland über eine starke Pwduktionsbasts verfügt. Der Konzern hat im abgelaufenen Gsschäftsjohr 1929 seinen seit vier Iahren anhaltenden Auftchwung sortgesetzt. Der Gesamt. Umsatz stieg von 49 auf 45 Millionen, so daß das Kapital von 19 Millionen Mark fast dreimal u-mgeschlagen werden konnte. Daß die Steigenmg des Umsatzes trotz der Klagen der Direktion auch bei guten Preisen durchgeführt wurde, beweist der von 2,79 aus 3,2 Millionen Mark um 15 Proz. gewachsene Reingewinn. Es wurden also trotz Heraussetzung der Ab- schreibungen von 2,13 auf 2,41 Millionen Mark am Umsatz ge- messen mehr als 7 Proz. rein verdient, während der ausgewiesene Reingewinn einschließlich der Abschreibungen f a st 35 Proz. des Aktienkapitals entsprechen. Da der Konzern im letzten Jahre in weit stärkerem Umfang« Auslandslieferungen durchführte als in den vorhergehenden Iahren, zeigt es sich, daß im Hegensatz zu den vielfachen Behauptungen der Maschinen- industriellen auch der Auslandsverkauf recht rentabel fein kann. Der Rohgewinn des Unternehmens stieg im letzten Jahr« von 12 auf mehr als 14 Millionen, während er 1927 nach nicht 19 Mil- lionen erreicht hatte. Wie schon im Borjahre, entfallen auch die?- mal nur 45 Proz. auf die reinen F a b r i k a t i o n s g c w i n n e, während der größer« Teil von Liefer- und Beteiligintgsgewinnen, sowie der Ausnutzung der hochwertigen Patente herrührt. Die Dividende, die von 1926 bis 1928 Jahr für Jahr von 19 auf 14 Proz. erhöht wurde, ist für dös letzte Betriebsjahr weiter auf 15 Proz. heraufgesetzt worden. ZNasseuveruichwng von Spiaak. Ein« holländisch« Gartenbaugenossenschaft in Beverwkjk hat beschlossen, daß der von ihr auf den Markt zu bringend« Spinat Vernich- tet werden soll, sobald aus den offiziellen Gemüsebörseni der Spinatpreis unter 19 Cents für die 19-Kilo-Äffl« fällt. Auch die holländischen Gemüsebauern Verden schnell sehr gründliche Kopita- listen. Inländische S-INillionen-Anleihe der Provinz Pommern. Unter der Führung der Preußischen Staatsbank(Seehondlimo) wird ein Bankenkonfortium für die Provinz Pommern eine 24 Jahre laufende 8prozcntige Anleihe über 6 Mill Mark in Deutschland zur Zeichnung auslegen. Für di« ersten fünf Jahre sind verstärkte Tilgung und Gesamtkündigung ausgeschsossen.— Der Zeichnungskurs, auf den es bei dieser 8prozeittig«n'Anleihe heut« ankommt, ist noch nicht be- kannt. Aber auch unabhägig davon wäre es vielleicht ver- nünftig gewesen, mit dieser Inlandsanleihe noch etwas zu warten, da es durchaus möglich ist, daß die Entwicklung des Kapllalmarkts bald eine erheblich niedriger verzinsliche Anleihe rechtfertigt. Supferbalsse führk zu Drosselungen bei Mcmsfeld. Das inter- nationale Kupf«rkar:«ll hat sein« überhöhten Preise angesichts des Rückganges der Konjunktur in der ganzen Welt nicht halten können.» Van diesen hohen Preisen hatte bisher auch die Mansfeld A.-G für Bergbau und Hüttenbetrieb profitiert. Im Jahr« 1929 konnte die bergmännische Belegschaft um 699 bis 799 Mann erhöht wer- den. Jetzt geht die Mansfeld A.-G. zu Stillegungen über. Auf den Schächten sollen sofort etwa 899 Mann oder etwa 9 Pro- zent der Belegschaft zur Entlassung gelangen. Der schwedisch« Kuaellagertrust läßt sich sein Monopol mit 40 proz. Dividende bezahlen. Nachdem er n Deutschland innerhalb von zwei Iahren samt' übe bedeutend« Kugellager-Werk« mit Aus- nahm« der Kugellagerfabrtt Fischer GmbH.. Schmeiusurt. ausgesogen und auch in Frankreich die beiden größten Kuqellagertabriken unter sein« Kontrolle gebracht hat, braucht er sich in seiner Preis- Politik auf dem europäischen Kontinent ke'n« Schranken mehr auserlegen. Der jetzt veröffentlicht« Abschluß der fron- zösischen Tochtergesellschaft des skugellagertrusts zeigt das. Di« Französische Gesellschaft für Rollenlager meist bei einem Kapital von 22 Mill. Franken für 1929 einen Rein- gewinn von 13,8 Mill. Franken, also von mehrals69Proz. aus. Während im Vorjahr die�beiden noch mch" vereinigten französischen Tochter gesellschaben je 29 Proz. Dividende vertellten, wird diesmal von dem französischen Unternehmen die Rekorddividend« von 40 Proz. mrsgezahlt. Wie in Deutschland die ver- arbeit-n-d« Fcchrzeujftndusttte, so HM die g'eichfalls sehr bedeuterde ftanzöstsch« Automobillndustrie die Kosten für diese enorm« Profit- rate zu bezahlen. „Deutschlands Reparakionslast", ein Vergleich zwischen Dawes- Plan und Vouna-Plan. ist der Inhalt der ersten Veröffentlichung einer Schrrfrenreih«, die die Derlagsgejellschaft..Magazin der Wirt- schast", Berlin, herausgibt. Neben einer Darstellung der Bestirn- mungen des neuen Plans von Professor M. I. Bonn sind in dem Heft die beiden wertvollen. Aufsätze von Ministerialrat Dr. Fritz Soltau enthalten, in denen die Bedeutung des Wohl- siandsindexes und seines Fortfalls für die Reparationen im Neuen Plan und«in inftruttwer Vergleich der Poung-Laften gegenüber den Dawes-Laften abgehandelt werden. Unterhaltung unü ÄVissen jzz~ .Andreas£nliko: MCm Theophil Banner wurde als der Sohn eines Gren�wächtcrs in einem Grenzwächterhäuschen geboren. Vor semem Geburtshaus« stand ein Schlacchaum, der auf der einen Seite rot, auf der anderen 'chwarz angestrichen war, und wir wollen die beiden Königreiche. die sich rechts und links von diesem Grenzzoichen erstreckten, der Einfachheit halber das rote und dos schwarz« Land nennen. Nun traf es sich, daß zwischen beiden Ländern ein Grenzstreit ausgebrochen war. Eine Kommission� zusammengesetzt aus Gco- meiern, Politikern, berühmten Juristen und hohen Würdenträgern beider Länder, durchstreifte die Grenzgebiete und machte nach kurzem Spaziergang schon die sensationell« Entdeckung, daß die Grenz« tot- sächlich falsch gezogen sei. Nicht nur, daß rund einundzwanzig und sieben Achtel Baumstämme irrtümlich dem roten Lande zugefallen waren: nein, auch das rot« Wächterhäuschen stand mit seiner ganzen rechten. Hälfte im schwarzen Lande da drüben. Erregt ob der historischen Tragweite dioser Erkenntnis, drang sie Komnuffion in die Behausung des Grenzwächters ein. just in dem Augenblick, als Theophil Banner dos Licht der Welt erblickte. Oer letzte Schnierzensschrei der glücklichen Mutter, der erste Gruß des neuen Weltbürgers' empfing die illustre Gesellschaft. Der Geometer des schwarzen Landes erholte sich als erster von der U eberras chung. �Die neue Grenzlinie geht mitten durch das Kind!" schrie er. Sofort wurden die Dreifuße aufgestelll: alle Mitglieder der Konnnission lugten der Reihe nach durch die Apparate, und der Aus- ruf des scharfsichtigen Geometers bewahrheitete sich. Da trat der Iustizminister des schwarzen Landes mit feierlicher Mene aus der Reihe. Er war ein gefürchteter Jurist von außer- gewohnlicher Spitzfindigkeit und brannte darauf, sich den Gelben Drachenorden zu perdienen. „Dieses Kind gehört zu uns!" erklärte er mit schlauer Miene. Der rote Teil der Konmrissivn kicherte höhnisch: „Exzellenz irren sich!" hieß es,.Her Vater des Kindes ist roter ckniertan und der Neugeborene somit, ohne Rücksicht auf seinen Geburtsort, ebenfalls." Der ehrgeizige Iustizminister ließ sich dadurch nicht abschrecken. „Der Vater des Kindes ist auch in diesem Hause geboren, auf diesem Bette, das mit seiner rechten Hälfte in unser Land hineinragt. Er ist roter Untertan geworden aus Grund einer vorhergegangeneir falschen Abmarkierung. Es handelt sich hier um ein Judicium finum regundorum, und in solchen Fällen ist es allgemein üblich, das -weifelliaft bleibende Areal zugunsten der Beteiligten zu Haibieren. .chir haben euch den Vater überlassen und nehmen uns nun dos Kuid..." Großer Lärm folgte diesen Worten. Die Schwänzen schrien . Bravo!" und„Hoch!", während die Roten mit Rücksicht auf den t» ihrem Lande hcrrichendcn Soldatenmangel vor einem Miß- tttmensnohrm' im Parlament zitterten. Nach endlosem Hin und Her, nach glänzenden Reden und Gegen- reden faßt« die Kommission endlich einstimmig den Beschluß, beider- icüs an allerhöchster Stelle über die unerwartete Komplikation zu referieren. Jahre vergingen. Dec Streit um die Staatsangehörigteit Tl>eophil Banners wütete immer noch. Spezialkommifsionen tagten: di« Sache wurde cineni internationalen Schiedsgericht vorgelegt: und die Farben des Regenbogens genügten nicht mehr, um die diplomatischen Elaborate, die über diese Frage ausgearbeitet ivorden waren, mit entsprechenden ttmschlagdeckeln zu versehen. Der kleine Theophll war einigemal nahe daran, ein Casus belli zu werden. Zum Glück hatte er selbst keine Ahnung von seiner Wichtigkeit. Er wuchs und gedieh, war ein munterer kräftiger Junge geworden und benutzte den Schlagbamn vor seinem Eltcrnhauke zur Einübung turnerischer Kunststücke. Im Alter von sechs Iahren hatte er es bereits zu einer tadellosen Exekutierung des Bauchaufschwunges gebracht. Nichts lag semem reinen Kindergemüte ferner als der Gedanke on eine symbolische Bedeutung des zweifarbigen Turngeräts. Da erreichte ihn auch schon sein Schicksal. In der Wohnung seines Vaters erschienen zwei Boten und vor- kündeten dem verblüfften Grenzwächtcr, daß es an allerhöchster Stelle beschlossen worden sei, die Augehörigkeit feines Sohnes Theophil auch fürderhin in Schwede zu belassen. Gleichzeitig wurde 3)oppelpaMoi dem Vater, Karl Banner, im Namen des Gesetzes beider Länder streng befohlen, seinen Sohn an jedem Monwg, Mittwoch und Frei- tag in die zunächst gelegene Volksschule des roten, an den anderen Tagen der Woche hingegen in eine Schule des schwarzen Landes zu schicken. Derselbe Lehrplan war laut Beschluß auch für die Gym- nasialzeit Theophil Banners vorgesehen. Im Aller von einundzwanzig Jahren sollte es dann Theophil Banner selbst überlassen werden, sich auf Grund seiner innigsten Ueberzeugung das Vaterland zu wählen. (Natürlich war man auf beiden Seiten gleich fest davon über- zeugt, die glorreiche Geschiäste des Landes werde Hand in Hand mit der augenfälligen, auck; historisch genügend erwiesenen Minder- Wertigkeit des Nachbarlandes Theophll zu einem begeisterten Roten respektive Schwarzen machen: und beide Teile freuten sich daraus, dem verhaßten Gegner eine so glänzende Niederlage zu Herellen.) Theophil Banner selbst blieb bis auf weiteres auch jetzt noch ahnungslos. Gleichgültig trottete er bald diesseits, bald jenseits feines geliebten Turngerätes in die Schule, bis endlich auf beiden Setten der Buchstabe„i" an die Reihe kam. Es gehörte nämlich zu den heiligsten Gütern der schwarzen Nation, dos„i" als„ei* auszusprechen, und es zirkulierten in diesem Lande unzählige spöttisch« Scherze und Lieder gegen die ganz alberne und bornierte Aussprache der Roten. In den Kaffee- und Wirtshäusern wurden die Leute, die das„i" als solches emssprachen, unhöflich bedient, und die Kauf- lcute verkauften an solche„Ausländer" nur mtt erheblichem Zuschlag. In die Waldeinsamkeit des Grenzwächterhäuschens, das über-- dies im roten Land« lag, war dieser Sprachenhaß noch nicht ge- drungen, und so sah der ahnungslose Theophll auf Grund der tags vorher in der roten Schule empfangenen Lehre das ,ü" überzeugt für ein„i* an. Der schwarze Lehrer war einer Ohmnacht nahe. An der Wand hing das Bild feines höchsten Vorgesetzten, des schwarzen Unter. richtsministers, der als außerordentlich begeisterter Patriot besonders Gewicht auf die tüchtige Gesinnung der Volksschullehrer und auf die streng nattonale Erziehung der Jugend legte. Getrieben von der Verehrung für den großen Mann unid von der Sehnsucht, sid, her- norzutun, ergriff der Pädage»gc sein geschmeidiges Rohrstäbchen und verabreichte dem armen Theophil vor allem eine mörderische Tracht Prügel. Hinterher schüttete er auch noch dos Füllhorn seiner Beredsamkeit über den jugendlichen Verräter aus und war ehrlich bemüht, alle patriotischen Sehlagwörter, die anläßlich des letzten Lehrertages von Seiner Exzellenz dem Untervichtsminister in Umlauf gebracht worden waren, der Reihe nach anzuwenden. Theophll nahm die flammenden Wort« ebensosehr zu Herzen wie die Hiebe: was ihm tags darauf— wie jeder Scharfblickende bereits erraten haben dürste— eine nickst minder beträchtlidie Tracht Prügel und eine nickst minder flammende Rede zugunsten der cnt- gegengesetzten Aussprache eintrug. Dieses erste tragische Erlebnis berettete der schönen Voraus- setzungslosigkeit und edlen Naivität Theophil Banners ein jähes Ende. Er wußte nun, daß die zweifarbige Stange vor seinem Eltern- Hans nicht nur ein Tnrngerät sei, sondern vielmehr ein ernstes Wahrzeichen, dos die Well in zwei Teile teilte. Hier endigten die Keile für„ci", setzten die Kelle für ,.i" ein! Das merkte er sich genau, stellte als kluger Junge sein Gehirn vor jedem Schulgang auf die dem Tage entsprechende Aussprache ein und blieb min längere Zeit ungeschoren. Erst auf dem Gymnasium zeigten sick) neue Schwierigkeiten. Der Unterricht in den arakten Wissenschaften wies nur unwesentliche Unterschiede auf. Nur über den Geburtsort und die Zuständigkeit einzelner berühmter Erfinder herrschten teilweise entgegengesetzte Meinungen. Schweier hatte er es schon mit der Ltteraturge-schichte. Da mußte er ängstlich darauf bedacht sein, die Begeisterung, die ihn Montag. Mlltwoch und Freitag für die Dichter des roten Landes erfüllte, Dienstag, Donnerstag und Tonnabend auf achselzuckende Anerkennung herabzustimmen.„Der Dichterfürst", der am Monlag „die Soime seines Geistes über den ganzen Erdball leuchten ließ". war Dienstag ein„begabter Mensch", dessen zwei bis drei Hauptwerke als„nennenswert" galten. Und Vict versa. Glücklicherweise war Theophil ein heller Kops und hatte sich bald an diese Art doppelter Buchführung gewöhnt. (Schluß folgt.) Wax Cervus:*11 fallt' fflÖfltCllkßii Ein Straßenbild: Eine. alte Streichhoilzverkäufenn geht mtt einem kleinen Henkelkorb, der mtt Streichholzschächtelchen gefüllt ist, den Fußsteig entlang, den Passanten ihre Ware ent- gegenhaltend und zum Kauf anbietend. Ein Zündholzkästchen fällt aus dem vollen Korb zu Boden, ohne daß die Alte es bemerkt. Ein Herr geht vorüber. Gut gekleidet, in Aussehen und Wesen den Gebildeten verratend. Er sielst das Kästchen fallen, stößt die Wie am Ann und deutet im Weitergehen stumm mit dem Finger aus das Verlorene hin. Die Frau dankt eifrig, bückt sich mühsam und hebt die Zündholzschachtel auf, woraus sie dein Davongehenden nochmals ein Dankeswort nachruft. Der Herr ist weitergeschritten. Der Zufall will es, daß vor ihm wieder eine Frau etwas verliert. Ihr Taschentuch. Es ist eine vornehm gekleidete Dame. Eilig bückt sich der Herr, hebt das Tuckx auf, zieht vor der Dame den Hut und überreicht ihr das Tuch mit einem verbindlichen Wort. Ein anderes Bild: In den besetzten Straßenbahnwagen steigt eine Marktfrau ein, wirft einen kurzen Blick in den über- füllten Wagen und stellt sich dann mit ihrem Korb aus die Platt- form. Sie erwartet offenbar gar nicht, daß einer der im Innern des Wagens sitzenden Herren ihr Platz macht: sie ist daran gewöhnt. Sie findet es selbstverständlich, daß sie stehen muß. Eine Dam« steigt ein. Sie ist nickst jünger und nicht älter als d?e Marktfrau. Aber sie gehört den„guten" Ständen an. Ihr Pelzmantel verrät es, und auch ihr sonstiges Aeußere, das Gepflegt- heit und ausgeruhte Vornehmheit zeigt. Sie schaut aus die besetzten Plötze. Longe, prüfend und wartend. Erwartend. Und sie hat sich nicht getäuscht. Zwei Herren erheben sich beinah gleichzeitig und vi*» it ihr höstich den Sitz an. Freundliche aber ohne besonder« lleberralchnng demkend, setzt sie sich nkd«,_______ Ein drittes Bild: Der junge Herr Prinzipal, Inhaber eines größeren Geschäftshauses, spricht mit der stellungsuchenden Kontoristin, di« schüchtern vor ihm steht und der die Ermüdung und die Hossnungslosigkeit der vielen Bittgänge und Anfragen von dem blassen Gesicht abzulesen ist Und doch häll der Chef es nicht für nötig, dem jungen Mäd-�en einen Stuhl anzubieten. Am gleichen Tage aber erhält er einen anderen„Damcnbejuch", den er mit ausgesuchter Höflichkeit empfängt und mit vollendeter Artigkeit und Liebenswürdigkeit, die es an nicksts fehlen läßt, behandelt.. Warm» in all diesen Fällen zweierlei Maß? Warum diese krassen Unterscheidungen? Wahre, eckst« Höflichkeit, die man die Gesittung des Herzens nennt, äußert sich ohne Ansehen der Person. Sie macht nicht Halt vor dem Kleid, sie ist weit eher gegen Aermere noch um einige Grad herzlicher. Nach dem Wort Platens, daß man gegen Geringere höflicher sein soll als gegen Höhere. Oder, wie es Raimunds Tischlermeister Valentin im„Verschwender" in seiner simplen, aber schönen Weise ausdrückt:„Mit Unglücklichen muß man subtil umgehen. Die Glücklichen können schon eher einen Puft vertragen." Gott sei Dank, es gibt Taufende, die in der Höflichkeit zwischen reich»nd arm keinen Unterschied machen. Aber es sollten nicht nur Taufende sein, sondern alle. Die gesürchlele Zahl Dreizehn hat in Richard Wagners Leben ein« ausfallende Rolle gespiett. Er wurde 1812 in Leipzig geboren: auch die Quersumm« dieser Jahreszahl ergibt die Zahl 1?. Der Name Richard Wergners emhäli 13 Buchstaben. Richard Wagner hat 13 große Tonwerke geschaffen. Der„Tannhäuser" wurde am 13. April vollendet und am 16. März des nächsten Jahres ausgeführt. Schließlich starb Wagner am 13» Februar 1883. It. Xebedeff: JÜtlder Itl ItlOSk&ll In der in Vcaa crickicinrnden Scitffcift»Welta Roiiii" filHwii der bekannte SoaioIccooIuMonät W. Lebedep. der im Serii roriaen Jahres eine illeaale Reise durch SomictcustonJ» unternahm, seine Eindrucke. Wir entnehmen diesen Schilderunaen eiuiae interessante Abschnitte. Die Schönheit und Mannigfaltigkeit Moskaus berauschte mich. Gierig genoß ich das bunte Treiben der Menge, welche die Straßen der inneren Stadt füllte. Welch eine sarbenprächtige Menge. Kurz« Joppen wechseln mtt Tolstoiblusen und russischen Hemden, Hüte mit Mützen. Man sieht viel rote und weiße Kopftücher, ober auch viel barhäuptig« Frauen. Auffallend ist die Menge der asia- tiscben Gesichter: Chinesen. Perser, Mongolen, Burjaten und Kir- gifen und dazwischen plötzlich— Westeuropa,«in.Häuflein„«uro- päischer" Touristen mit dem Führer in der Hand. Eine bunte Menge. Eine farbenprächtige Menge. Aber wie verbraucht, wie abgenutzt. Abgenutzt sind die langen Reihen der Schlange an den Äoope- ratwen. Abgenutzt die Straßen. Ab g« nutz r die Häuser. Abgenutzt« Kutscher lenken abgenutzte magere Gäule an abgenutzten Droschken. Lastwagen und Aute-mobile— alles abgenutzt. Hier und da flitzt ein neues Auto eines Sowjetbeamten vorüber. Wer über dem einförmigen Lärm der Straß« schwebt wie ein heller Tour das fröhliche klingende Lachen und Singen der Kinder. Die Kinder lassen di« Derbrauchtheit und Abgenutzthett der Er- wachsenen noch fühlbarer werden. Von Zett zu Zett marschieren ihre Abteilungen vorüber. Mit wehenden Fahnen, Trommlern und Hornisten. Di« Augen glänzen. Und die Füße marschieren im Takt— Moskau grüßte mich mit feinen Kindern. Und es lockte mich mtt ihnen durch die Straßen zu gehen. Kinder gibt es überall Auf dem ganzen Erdenball. Aber Kinder so wie wir, Werdet ganz gewiß vergeblich In Berlin In Pekin(Peking), Ja, in Rom ihr suchen gehen... Dos waren die Pioniere, die sich in Moskau zum erstenmal ans allen Teilen der Sowjetrepublik zusammengefunden hatten. Wen konnte man hier nicht alles sehen... Die b ramig« brannten stupsnäsigeil Gesichter der russische» Kinder: Kaukosier-, Zlrmenier- kinder mit gebogenen Naschen, Tataren, Gruster und Mongolenkinder. Alle Länder, alle Bölkerschastcn sah man hier vertreten-in ihrer wunderbarsten Verkörperung— ihren Kindern. Das grüne Pionierabzeichen auf dem Aevmel: die rote Schleife cm der Bluse, Durnsweater. kurze Rockchen: braungebramtte Bein«: frohes Lachen und glänzende Augen. Welch ein erfreulicher Gegen? fotz zu der finsteren zerschlissenen Menge der zerschlissenen Er-. wachjerien. 2c warchecte ich durch Moskaus Straßen, bis ich mich jehlteßlich einer Gruppe älterer Kinder anschloß, die nicht bloß Moskau studierten, sondern das revolutionäre Moskau. Die Gruppe stand unter der Führung eines Jungkommuntsten. Er war ebenfo kräftig, strahlend und vergnügt, wie die Kinder. In der Hand hielt er ein Buch, aus welchem er den Kindern Notizen vorlas. Hier fand ISttZ ein Zusammenstoß zwischen Studenten und dem „schwarzen Hundert" statt: hier war 1906 dos Standquartier der Sozialdemokraten: hier war eine Massenversammlung der Bolsche- wiki: dort nahm Lenin an einer Versanmttimg teil. Hier waren die illegalen Komitees, Propaganda und Barrikaden... Hier wurde die Revolution gemacht! So kämpften die Bolschewiki gegen das schwarze Hundert, gegen Polizei, Kosaken und Militär... Schweigend zog ich mit der Kinderschar durch die Stadt, mit den einen studierte ich das revolutionäre Moskau, mtt den alliieren besuchte ich das Große Theater und genoß mit ihnen den phantastischen Anblick des vielköpfigen„WoMi Bsaschenmj", freute mich an den Zinnen und Türmen des Kreml, bewunderte das grandiose Bild der„Torgowie Rjadi" und staunte gemeinsam mit den Kindern über die Größe des kontmumstischen Fricdhrfes, der sich au den Mauern des Kreml entlangzieht.' Der Friedhof ist licht und fitzundlich, von Alleen durchzogen. Und Gräber, Äräber, Gräber. Wieviel Hunderte von Gräbern! Hier ruhen die Tote-i� Lenin, seine Max schäle und Soldaten. „Was diese Kinder auszeichnet", sagte mir eine Freund,.das ist das Gefühl des Eigentums am gangen Lande. Ganz Rußland ist erfüllt von diesem Gefühl: Kinder, Iungkonnnumsten, Arbeiter, Soldaten, Bauern... Dieses Gefühl hat die Revolution erzeugt: alles gehört uns." „Und der Bolschewisnms?" fragte ich.„Sie haben alles mit ihrer Ideologie angefärbt." „Wer„sie"?"„Emen Bolschewismus gibt es nicht mehr," ant< wartete mein Freund,„mich eine Bolschewistische Partei gibt es nicht mehr, ebenso wenig wie eine bolschewistisch« Ideologie.„Äe" können nicht färben, denn„sie* existieren nicht mehr." „Was existiert denn?" .Die Macht existiert, die Maschinerie der Macht, die Magie der Macht, die Anziehungskraft der Macht. Diese Anziehungskraft übt auf die Jugend'keine Wirkung aus. Lassen Si« sich nicbt durch die kominunistische Glaubensstjmbote verwirren. Das ist Formalität." », Dören Sie," sagt«'Mein Freund,„ich war selbst dabei, als am Todestage eines„Führers*(er nannte einen kommunistischen Namen von Klang) ein Professor der Botanik feinen Vortrag mit einer Verherrlichung des Verstorbenen begann. Der Professor war kein Kmiummist, die Studenten waren keine Kommunisten. Aber in den vorderstcn Reihen faß die„Zelle" und wartete daraus, was der Professor sagen würde. Weder der Professor, noch die Studenten, noch die Zelle hatten die geringste Beziehung zu dem Verstorbenen. Aber bei Richtbcachtimg dieser Formalität wäre der Professor unweigerlich geflogen. Das wäre dock) einfach Wohnsinn— bei unseren Verhältnissen, wegen einer solchen Dummheit— seine Stellung ztt riskieren." „Protest? Lieber Freund, wir befinden uns nicht in der Vairkettperiode der russischen Revolution. Man hätte den Professor vielleicht auch nicht eingesteckt. Man hätte' ihn nur aus dem Amt gejagt. Sem« Frau wäre gesagt worden. Seine Kinder wären gejagt worden. Aus der Wohnung hätte man sie gejagt, lind mit der großen Menge der Unglücklichen wären sie untergegangen, schweigend, ruhmlos, namenlos.", .Dassen Sie sich also nicht durch das kvinmunisttsche Glaubensbekenntnis auf den Lippen der Kinder uritieren." __£££ qrfpvy Sozialistische Arbeiterjugend Gr.'Verljv Einsendungen für diese nur an das Zugendfekretariat VeN in SWü8. �tnvenNraüe? aeivewsa« mh de» Leiter« �wixierjttta. 21 Äpell, xtlld) 19 Ufer im DortraassaQl des Paxteivorftandes. Mkkwoch. 23. April. 13� Uhr: b-u-U! Schul« Diuatlsiädlrr Straß« ißaredtti)..Sie Seieutusa bee L Mar." — Äinnlfuii« Biarteli Krim fftarffu«« AL«« xo?. JBatum so,ial-IUsch« Susmßeraanifaj�ncn?*— StierftnraCT viertel- Stirn Tilstter Str. 4. »Uaser Wandern."— Warschaucr Biertcl Stint Ü'auK Str. 18. "Bericht von der Ofttrfabrt."— Rtichtnberocr viertel- Sein, Brißer Str. 21190. Scaisvol't l.— Sharlattentnea-Rord! Seim Llberestraf,«..Schul- uni» Er- 8itduna«resorm."— Marienfelde-LIchtenrad«! Seim Lichtenrade. V-onftraße. "Die Osterfahrt.— Rculölla XI: S-im Muabafenstr.«8. KunliionSrfißun«.— jsalleubera: Seim in der Gar'enstadt. LZas wir wollen."— isriedrichoßaaeu: .—_.-------------------------------- Seim Schar n- weberftr. 2g..Unser Wandern."—«eu-Lichienbera: Seim Saunstrakl.„Die Ncvolutmn von lgl8." Werbe tejirt Tier- arte»: Svrechchorllbunaeadend, Waldenserfir. 20. ffleibebwlrt«eulöll». Der Sprechchor übt beut« pünktlich ISVj U5t im Auaendb: m«anner Straße. Alle Genossen, die sich in die Lisi«» etnaetraae» baden, müssen erscheinen._ vortrage, Vereme und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz- Rol-Gold". G-schZkfSell«! Berlin S 14. Sebaltiansir 37-38 Set 2. Sc Lichtender» lOrtzvereini: Mittwoch. 23. April, Antreten pünktlich IS Udr Bdf. Stralau-Rummelsdura, Basinstei» A. Ziacki«linier 1IUi Usir Sobnbsf S»indl»r«feld. vflichtoeranstaltuna in«Svenilk. Nur die Ortsver- freie Sozialistische Hochschule Sooiubetui, den?». April, ZO Uhr, spricht Genosse Prot. Dr. Ho�o Sinrhclmer• Frankfurt a, M. im «hceollgen Hcrreebanse, LcipzlZcr Strohe 3. über ..Der Mensen im neuen er&eiisreciir Karten zum Preise von SO Pt felnsehl. Garderobe) sind an folgenden 5t5l,e.n.rV haben: BUto de» Beziiksbildungsausschuires, Und«n»tr i 7 Höf links. 2Trepre.i; Arbeiterjugend Groll- Berlin. Llndenstr. X 2 Hof hnki, 2 Treppen; Buchhandinng J. H. W. Dieu Vach f. Lindenstr. 2; Bank der Aibener, Angestellten und Biamten, Wallstr. 65; Deutscher Holzarbeiter-Verband, Am Köllnischen Park 2u.Rungestr 30; Verband Hedemannstralle 12; Verlagsgesellschaft des ADO 8-, Abteilung Sortiment. Inselstr«id«-Aobanui»tbal: Sonnabend. 28. April. 20 Ubr. Mitaliederoerfatmulung in der Brückenklaule. Brücken. Ecke Svreestvaße. Bortraa»am. Gillmeister:.Faschismus und Zieichsbannrr". Er- scheinen Pflicht. ttflttfiÄdrfTS � Montau. 28. April. II »ochstr. 13 IKeichensaal) spricht Edith Schwaig 4 Übt- über die �unaenauaelis che Zuaendbewcuunu". Gäste willkommen. I ansieilov sinrllsh v-dchirg L'ub Mittwoch 20 L'hr. Zahnärztehaus Böloww straße 104, Outueannsaal: Prof Wendlandt: Jsow to make tbe Best of Live.* Sport. Rennen zu Marieudorf am Di'euslag, dem 22. Aprll. t. Rennen. 1. Seibin(CH. Mll?). 2. Heureka, 3. Viid» tbe(Sreat Sofo; 20:iö. Platz: 15, 18, 14: 10. Ferner liefen: Gütz de Bai, Heinz. Padrel, Diefirae. S. R e n n e n. 1. Rigoletto CS. ftnnbber), 2. Pistazie. 3. Ebbt Tots: Id: 10. Platz: 12. 14. 15: 10. Ferner liefen: Herz Atz, ösa Fordes, Sorlez, Corh Belle, Pirna, Elite. Fata Morgana. 3. Rennen. 1. Semver ibent sJ. MillS). 2. TeufelSbursch, 3. Hanna Arckdale. Tsls: 12:10. Platz: 12,28,18:10. Ferner liefen: Lonifetle, MaxtmuS, Marone, Quirw. 4. R e n n e n. 1. Vavid, 2+. Dria Wall«. Sf. Dorolbea. Toto: 106:10. Platz: 26. 14, 14: 10. Feiner liefen: Herbftasler, EliuSler, Dienelle, Bergamolle, Lu Lo, Boston, EaroL Tote« Rennen. 7. R e n n e n. 1. Baron Duffq sJ. Kaupber). 2. Costa Rica, 3. Feodora Euboxia. Toto: 25:10. Platz: 15. 18, 25:10. Ferner liefen: Dyewuschka, Tnllia, Morgengruß, Bristol, Cresceu«, Ziann. VMMlUMM-WIüIIl! Mittwoch de» 23. April, oachwlttao» 4'H Ahr, im Cofal von Topp, Alte Zafodstr. 1 »SZ'SSMINiUNg «Ner Lehel!»»«, kugeodl. Ar bei irr »od Aehetteeiooeo an» den Betriehen desto. Seslrke desOMV, Tagesorbnun«: 1 Die Bedeutung des 1. Mai. 2. Bezirtsangeiegenhetten. All» Iuqendlollegen müssen zu dieser Versammlung unbedingt pünktlich an- wesend lein. Die JagendkommlMiOD. SanneTslag, den 24. Apett, abends t Ahr. in den Sophien-Sdlen Sophteostrotze 12 IS Si'sneiisn- vsTssmmiung a ier Hobler, Bohrer, swser. Fräser und weihfichen Berufs- angebsrigan Tagesordnung 1 lliorlra«:»UnkalwerbüiungA Refe rent! Kollege Neltner, Gewetds Odert'Nirolleur. 2. Stellungnahme zur Neuwahl der Branchenieilung 3. BraiichenanaeieaenheUen und Per schieden««. Mitgliedsbuch legitimiert. In Anbeiracht dir äiisierst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller SranchenangehSrigen zwingende Pflicht. Senaetgfag, den 24. Steril, abend» T Ahr. tm Sihunosfaal de» Aerdandshnufes, Cialcnftc. 83/89 II Konferenz der welhiiciien Vertrauens- Personen und Beirieösrato Tagesordnung de« Kollegen Fritz 2Ztn> —' odli 1. Bortrtzl____________. iu t h über:»Wirt Ichastipro Meine dir «genwari.- i Verdandsangsisgenhiitea und verschiedenes Da e, sich um wichtige Fragen handelt, werden die Ntiistionotinnen ersucht, rege Propaganda sür diese Psranlialiuna zu machen und pünltstch zu erscheinen. vonuerstag. de» 24. Steril, add». 9 Ahr.>n EwpIdS tSerri hon» Sfalther Straf)« 128 Branchen-uersemmiung der Gürttrr, Monteure, Krouen- tdiloMer und-Klempner. Broa- aeore, Bronrleierinnen uod Montier crlonco Tagesordnung: J. vericht S Diskussion. 3. Neuwahl der Btanchenlommisfion. 4. verichiedene». Cbne Mitgliedsbuch kein guteitt. gahlreichrr Besuch wird erwartet. Soatutretae, da» 24. April, oachnr. SUttc.laCofal von(Butfan(Scelfsa- hergar, Rifietficafee 80 fMetzpalast) Versammlung* der Bold- und silberschmiede Tagesordnung 1. Neuwahl der Branchenleitung. 2. verschiedene«. Ohne Mitgii-dZbuch kein gutritt. Ge ist Pflicht»in» jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Vonoerslag, dem 24. SIpril, »ochta. 5»Hr. In«rrnolds Vereins- Hans. Steilhor Sir. 128: Versammlung sämtlicher In deaStempelbctiicben beschäfHgien OrnTCDre, besonders die von des Finnen Bernert. Chor» I Ottenburg, Auerbndi, Grünauer Strohe. Thiel«, Mlchaclkirdtstrahe, B. K6hlcr, Wnssertorstrafec, Krebs. Blameostratze, Th. Kaiser, Char- lattrnsirah« Tagesordnung 1. Lohn- und Btrufsftogcn im Gewerbe. 2. DiskuMon. Alle Kollegen werden erstichL bestimmt »u erscheinen. vonnarsla». h-n 24. April, abends T Ahr. imtvemerftdtnstshnns. enget. Bfsc 21 23«vrotzar Saal) Branchen- Versammlung der Rohrlaser und Heller Tagesordnung: 1, Perbands- und Branchenan ge! egen- heiien 2. verschiedenes. Mugliedebuch legitimiert. Zahlreicher Besuch wird erwariei. via vrtsversrnllnntz. bilitvocll, 23. 4. Staats-Opsr Unter d. Linden TaiWUbA. MlHaJ Jibres-M.-T.lit). 109 20 Uhr Madame Batterfly Ende n. 22>/- U. Mittwoch, 23. 4. staut. Oper Biemarckstr. Turnus IN 20 Uhr Hasdiliilst aopmns Ende g. 23 Uhr Staats-oper «a st, Ii te ItpiUik Vorst 68 20 Uhr Salome Enden- 21'.i Uhr Staatl. Sdiausph. Jibni-M.-T.RL 96 20 Uhr Prinz frledridi s.SMm Ende 22V> Uhr !taatl.Sdi!ller'Tlieater.Qiarlt!)9. 20 Uhr Boubouroclia- Gaorga Dandlo Ende gegen Wch Uhr TSgl. S u.8'1, Uhr. B S Baill. 9330 Pr. 1-6 H Wochontg. 50. 50 Pf.-3 M, TüaAüw Amerikas I OüO berühmtester Clown und 9 weitere Virietb-Neuhelten Tigl.» u.•» Senat. S-, Setz" Alex. E 4. 8066 INTERNAT. VARIETE eon Direktion; Dr. Martin Zickel WWW Komische Oper Frie4rieli«ti.104. 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Amerika von Bernard Shaw Reg.: Max Relnlurdi Kammerspiele B 2 Vtitlfldnin 5291 S1;, Uhr Die liebe Feindin RMUil TN«.sttatllDI «Ni,: Cintii I'chchnn Die KomOdie II Bismck.2414/7SI6 8V. Uhr Die Krcttfnr tdiiBMI ra Fird. Bnidoti Utglc: Max Btlniuirdi ßeatef 1 Westens Täglich 8V« Uhr: Paganini R.Teuber.V�cbwerz TüsaL a. Kotib.Tgr Kottb. Str. 6 Tlgie Uhr Sonntags NcktzAt !<■ iraUigta ft. Elite- Sänger. UsiihiitiiiMula Cäcrpreiraan mit i. beUrbtm-üutiieor Kort Wanger Direktion Dr. Kobcrt Klein Deoisebes KOnstler-Theal. Barbarossa 3937 S'tz Uhr Sex Appeal Latn.r.FnMiftlnuUI« tele: Fentniemug« Mbert Basstrmann. Mochr Clrisilaas BerllDer Titealer Dönhofl 170 P) Uhr Zum 1. Maie Oer Teuf IssdiBler! Komödie v ßemard Shaw Regie Heinz Hilpert Dir. Dr. Martin Zickel Komtschu oper Frledrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8". Uht Majestät läßt bitten... Mnsik fen Tlzssu Hello. Lustspiefhaus Friednchstr. 236. Bergmann 2922/23. 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Vater sein, dagegen sehr Sonntag auch nachm. 4 Uhr(halbe Pr.i Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich«Vi Uhr Gastspiel Gisela Wcrbcxlrk in Mever's ssI. Witwe Schwank von Priu ZJhheHohßU- cU&Tcutze�üv Podoits-Oüeretlt m Wiitv w. tetu Täglich 8.15 und Sonntag» 515 und 9 Uhr Sonntao» 2 30 Uhr „Der Mustergatte" Befils 0, SroRe Franklnrier Str. 13! AI-x. 3422 u. 3494 V�P-THEATER Reichshalien-Theater iDends D sonnlag nadun. El Das große Ostor-Progragim der „Stettiner" Itabm. ball» Preise,«elits Prep.' Dönhoff-B r* tt I; Varleft— Konzerf— Tons Verband der Budihinder und Paplervcrarbener Deotsdilonds Ortsrerwaltunj Berlin Todesanzeigen Den Mitgliedern zur Nachrichi. datz unser Kollege, der vuchbwber RuSoli Voixt NeniSlla,»opfstratze 46 verstorben ist. Di« v»erdigung sind»! am Miti- woch, dem 2Z April, nachm 4 Uhr. auf dem Neuen Zacodi. Friedhof, Reukölln, Hermannstratze, statt. Ferner starb unser Kollege, der Buchbinder Hans Halendorf Kolzwarklstratz« 89. SU Beerdigung findet am Sonnet«- taa, dem 24 April, nachm. 4V, Uhr, auf dem Friedhof Wilhelmsderg, Markus- gemeinde. HohenschöNhauien. stau. Ehre ihr«« Andenke»! Rege Beteiligung erwartet vi« Ortsverwaltaag Oenisdier MelallaMer VeM Venraltongastelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser Kollege, der Rohrleger Hermann KSLert ged 27. Nooemter IS64. am 20. April gestorben ist Die Einäscherung findet am Fr,I. tag. dem 26. April. I7>P Uhr. tm Krematorium Gerichistratze statt. Rege Beteiligung wird erwartet. NacTtruk Sm 5. April starb unser Kollege, der Former Hermann danke geb. 6. Juni ISSO. Di» stinäschcrung hat bereus stau, gesunden. ll.hrr Ihrem Andenke» l Die Oilaoei oolhrng. Am 20. AptiL morgens 5V« Uhr. ist unser Pater Hodolf Jennerlabn im 60. Lebensjahre nach schwerem >>ampfe heimgegangtn. Bart« I«an«rjaha, geb. Roth« Erna len» ersah» Die Trauerfeier findet am Donner»- lag. de« 24 Apri� lS>z Uhr. im Krematorium Bauwichulenweg stall. j Bleibend« Bert« bedeute» unsere an- erkannt autgearbeiteteu Möbel. 14 Sta- gen Ausstellung. Gtadtdekaanl billige ! Preis«. Moritz chirschowi». nur Süd. osten. Gkalitzerstratze 25, Lochbabn Soll- busser Tor._* Möbel ohne Auzahluug bei lang. fristigster Ratenzahlung und grützler -lücksi annahm«. Komplette Wohnungseinrichtungen wie auch einzeln« Möbel- stücke, strei» Lieferung. Möbel-Gohn. Große Frankfurier Gtratze 78, Bad- kratze 47—48. Kottbusser Damm 77, Turmstrasie 73. gteglik, Albrechtstr. 8. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme beim setmgang meiner inniggeliebtenFrau haziile Schuir lag« ich allen Freunben und vekannien. insbesondere dem Gartenbauverein, Gchlllerring. meinen Herzlichsten Sank. Albert Scholz nad Kinder. Verkäufe Ocfcn. eiserne, jeder AR und Grötz: von 12.50 an. Amerikaner. Irische. 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