10 Pf. Nr. 191 B 95 47. Jahrgang BERLIN Donnerstag 24. April 1930 erscheisttigllchaißerSsistags. Zugleich Abeudausgebe de«»Dorwirt«'. BeMgeprei« beide Ausgabe» SS Pf. pro Woche. Z.eoM. pro Mouat. Redaktion und Ltpeditivnz Berlin SWSS.LiudenKr.» SftSiaafyfaße xtei> i}Jofv>wd& Inteigenprekti Dl« elnspaltkze SHonpareittejelT« 80 Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto.' Vorwirts-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr.»7öZS. Fernsprecher: Dönhoff 298 bis»7 Störungstrupps am 1. Mai! Zentrale Anweisungen der KPD. Das Zsrtralkomite« der KPD. hat am 10. April ein Rund- schreiben an die Bezirksleitungen der Partei versandt, in dem zur planmäßigen Störung sozialdemokratischer und freigewcrkschastlichcr Maifeiern ausführliche Anmcifimgen gegeben werden. Nachdem das Rundschreiben festgestellt, daß auch in diesem Jahr gemeinsame Feiern nicht möglich sind, entwickelt es einen genauen Plan für die Bildung und die Aktwn »rganijierker Störungskolonnen, die,.um ihnen den Anschein der Harnriosigkeit zu geben, als „Diskussionsgruppen" bezeichnet werden. Die llnterbezirkc werden aufgefordert, den Bezirken„st a n d f e st e Genossen" zu melden, die gemeinsam geschult und dann in Trupps verteilt werden sollen. Dabei soll vermieden werden, daß die kommunistischen Partei- Mitglieder in Gegenden geschickt werden, in denen man sie schon tennt. Die„standfesten" Genossen sollen dann„sich an den Feiern der Resonnisten beteiligen, Gespräche mit Teilnehmern an- knüpfen und so Diskussi«»en in die Wege leiten". Für den Fall, daß gegen diese organisierten Störungsversuchc der Ordnungsdiciist an- gerufen wird, ist nun, aus eine Schlägerei gesaßt und durchaus auf sie eingerichtet. Zwar wird vor Gewalttötigkelten gewarnt, doch wird ggnz richtig vorausgesehen-, daß das Auftreten imes Gruppenredners, der in eine sozialdemokratische Kundgebung stine kommunistischen Phrasen hineinwirst, zu Tumulten führen muß. E- wird daher angeordnet, daß immer eine entsprechende Zahl von„Standsestcn" in die Nalic des Diskussionsleiters kommandier: wird. Diese„haben dafür zu sorgen, daß den Gruppenleitern kein thaar gekrümmt wird". Der Gruppenleiter hat danach die Aufgabe, als Provokateur zu wirken. Versuchen die Ordner, seinem Treiben Einhalt zu tun, so sind die„Standfesten" sofort zur Stelle und die Schlägerei ist schon da. Eine besondere Aussordcrung, sich an der Aktion zu beteiligen, wird an die Jugend gerichtet.„Für die Jugend", heißt es in dem Rundschreiben,„sind die schon bestehenden Kolonnen, die sich bisher gut bewähri haben, zu oerwenden." Die hinzugefügte Bemerkung, die Jugend habe be- sondere Disziplin zu wahren, da die meisten SAJ.-Mitg nationale Hungersnothilfe, daß nur ein Fünftel des ver- fügbaren Bodens bepflanzt werden könne. Infolge der Hungersnot feien Frauen und Mädchen in großer Zahl nach anderen Hiebieten verkauft worden. In dem Be» richt eines Missionars wird mitgeteilt, daß zahlreiche Fälle von Kannibalismus zu verzeichnen feien. Petroleum gegen Panzerwagen Schwere Unruhen in Nordwestindien. London, 24. April. Die Unruhen in Peschawar an der Nordwcstgrenze Indiens find nach den jcht vorliegenden Berichten aus Lahor? und Bombay weil ernsterer Natur gewesen, als es zunächst den Zlnschein halle. Zwei in den Straßen der ökadl patrouillierende Panzer- wogen waren von einer großen Menschenmenge angegriffen, mit Petroleum Übergassen und in Brand gesteckt worden. Zn einem anderen Teil der Stadl war ein europäischer Sergeant von seinem Motorrad herobgeworfen und mit einer Axt erschlagen worden. Daraufhin wurden britische Truppen und Gurkhas eingesetzt, die von der Menge mit einem Hagel von Steinen empfangen wurden und zahlreiche verletzte hatten. Die Truppen eröffneten Gewehr- und Maschinengewehrseuer und brachten den Aufständischen große Verluste bei. Die Stadl ist gegenwärtig ruhig, aber an allen.wichtigen Punkten wird ein sehr starker Patrouillendienst durch britische Truppen durchgeführt. Zn der Nacht zum Vonnerstag wurden von Lahor? starke Truppenabteilungen nach der Nord- westgrenze entsandt. Zn Madras ist es gleichfalls zu Unruhen gekommen, die aber nicht so ernster Natur waren wie in Peschawar. Das Kuckuckszunge ist troh aller Anstrengungen der Pflegeeltern nicht satt zu füttern. Alle Stimmzettel verbraucht. Kammer beschließt über HO Anträge zum Sozial- versicherungSgeseh. Paris, 24. April.(Eigenbericht) Die Dirtusfion über das Sozialversicherungsgesetz ist in der Kammer seil Mittwoch vormittag neun Uhr im Gange. Die Nachtsitznng dauerte bis 7',b Uhr morgens. Die Kammer hat schließ. lich mit 547 gegen 29 Stimmen das Gesetz angenommen. Ministerpräsident Tardieu gab in einer Erklärung seiner Befriedl- gung über die Annahme des Gesetzes Ausdruck. Zm Laufe der Nacht- sihung hotte sich das Haus mit nicht weniger als 170 Znsatzanlrögen zu befassen, die so viele Abstimmungen notwendig machten, daß gegen Morgen sämtliche Stimmzettel verbraucht waren und man Nolzellel verwenden mußte. Das Haus vertagte sich daraus aus heute nachmittag, um die von der Regierung eingebrachte Vorlage über die Steuerermäßigungen in Angriff zu nehmen. In der Nachtsitzung erlitt die Regierung zweimal cinpsiichttcha Niederlagen. Das erstemal, als auf Antrag Herviots die Leistungen der Krankenkassen für die Geburtshilfe, das zweiternal, als auf Antrag des sozialistischen Abg. Lebrct die Pensionen der Altersrenten erhöht wurden. Ministerpräsident Tardien vor- wahrte sich in einer energischen Rede gegen ein« derartige„finan- zielle llnterhöhlung" des Projekts, die eventuell die rechtzeitige In- kraftsetzung des Sozialversicherungsgesetzes zum 1. Juli unmöglich machen kömtte. Er nahm sür sich das. Verdienst in. Anspruch: seine -Rechtsmehrheit für das Gesetz gewonnen zu haben. Denn er habe „seine Mehrheit aus ein Gebiet gelockt, wohin sie so schnell nicht zu gehen wünschte". Aber er verlange dafür von der Linken als Gegenleistung den vollständigen Verzicht aus jene„dcma- gogischen Regelungen". Trotzdem wurde Tardieu, der aus die Stellung der Vertrauenssrag-e verzichtet hatte, mit 29Z gegen 257 Stimmen geschlagen. Treviranus enthülll. Hilgenbergs Koalition mit dem Zentrum. Detmold, 24. April.(Eigenbericht.) Gestern abend sprach der neugebackene Reichsminister T r c- vi ran ns in einer öffentlichen Versammlung in Detmold. Trc- viranus ist im Wahlkreis Weftsolen-Nord, wozu auch Lippe gehört, 1928 zusammen mit Hilgenberg auf der dendschnationalen Liste in den Reichstag gewählt worden. Jetzt versucht er, die deutschnationalen Wähler Hugenbergs ab, fpenstig zu machen und den Wahlkreis für sich zu erobern. Jir seiner Rede betonte er immer wieder, daß die Regierung V r ü» n i n g keine Regierung von kurzer Dauer sei, wie man ihr prophezeih«, sie gedenke nicht, vorzeitig abzutreten. Wer mit angesehen lmbe, wie von früheren Rcgicnlngen immer gefeilscht worden sei, werde mit ihnen der Meinung sein, daß jetzt endlich einmal von einer fraktionell nicht gebundenen Regierung wirklich regiert und geführt wenden müsse. Der Fehlbetrag in den Reichs« sinonzcn sei von der Regierung Müller verschuldet. Die Parteien hätten Dienst zu tun. aber keine Ansprüche zu stellen. Brüning sei anfänglich für die Große Koalition gewesen, weil er meinte, man müsse die Sozialdemokratie mit der Snmerung der schwierige» Finonzoerhättnisse belasten. Die Tributzahlungen verpflichten alle Schichten zu Abstrichen in ihrer Lebenshaltung. Die Rcichszuschüsse würden bei steigender Arbeitslosigt-eit doch nicht zur Sanierung der Arbeitslosen Versicherung ausreichen, und mit Unterstützungen könne man weder Arbeit noch Brot schaffen. Leidenschaftlich setzt sich Treviranus für die S u b, ventionen an d'e Landwirtschaft im Osten und für den Zollwucher ein. Durch die Zölle würden diejenigen, die Ware nach Deutschland einführen, ihren Anteil an unseren Reparation?« lasten bezahlen. Zur Kapitalslucht bemerkt er: Es gibt keine Macht der Welt, die das Kopital daran hindern könne, im Ausland gewinn, bringend« Anlogen zu suchen. Deshalb müsse das Kipital>» Deutschland pfleglich behandelt werden. Man könne heute in Deutsch» land nicht regieren, ohne irgendwo in«in Wespennest zu greifen. Die Deuischuationale Partei zerbreche an der Uumözlichkcik, olle Berufs- und Standesinleressen' in einer einzigen Kampsfront zu« sammcnzusasscn. Die parol«„gegen den Marxismus" zieh? nichi mehr, sie sei keine bürgerliche Sammlvngsparole. Ausführlich polemisiert Treviranus gegen Hugenberg, wobei er um alle wesentlichen Ding« ängstlich herumgeht. Zur Frage der Diktatur erklärt er, daß es keinen einzigen Mann gebe, der allein in der Log? märe, die Schwierigkeiten zu meistern, denen wir heute gegenüber- ständen. Das gegenwärtige System, dem er seine Mitarbeit zur Verfügung gestellt habe, liebe er nicht, aber sein Ziel wäre, eine große Rechte zu schaffen, und er rechne mit einer Million Gefolgschaft. Dann werde die Sozialdemokratie wie immer ein beachtlicher Faktor im politischen Leben bleiben, werde auch den notwendigen Gegenspieler haben. In der Diskussion wurde Treoiranus von chugenberganhängern heftig angegriffen Sie warfen ihm politische Fahnenflucht vor. Er habe die 5)errschast des Zentrums in Deutschland stabilisiert. Im Schlußwort machte Treoiranus, gereizt durch die derben deutschnationalen Angriffe, eine interessante Enthüllung: die Deutschnationalen hätten kein Recht, ihm Vorwürfe wegen der Koalition mit dem Zentrum zu machen. Hugenberg habe dem deutschnationalen Partcivorftand erklärt, er hätte unmittelbar vor dem Abschluß einer Regicrungekoalilion mit dem Zentrum gestanden, die nur durch das Dazwischentreten Treviranu» zerschagen worden fei Die Herren aus der deutschnationalen Reichstogsfraktion kämen zwar nurfrühamTage oder spät abends nach Dunkel» werden zu ihm, weil sie sich noch nicht offen mit ihm zu zeigen wagen. Boshaft fügte er hinzu:»wenn der Reichstag in den lrilischen Tagen ausgelöst worden wäre, hätten die Atitlelparleien einen anesichtslosen Wahlkamps gegen die Sozialdemokratie führen müssen, die in guter Position gewesen wäre. Wir konnten diese Regierunzsteilnehmer nicht der Sozialdemokrat« ans Messer liefern! LangsameEntlasiung des Arbeiismarkts In Verlin immer noch SilS 000 Arbeitsuchende. Za der ersten Hälfte de» April hat sich endlich auch auf dem Berliner Arbeitsmarkt eine spürbare Entlastung durch- geseßt. Zm Vereich des£andesarbeil»amts Brandenburg (Berlin. Brandenburg, Grenzmark) sank vom 1. bis lS. April die Zahl der Arbeitsuchenden um 21 536 auf 437 532 Personen. Die Zahl der Unter st ühungsbezieher in der Arbeitslosen- Versicherung ging in der gleichen Zeit um 20 713 aus 3lSS4g per- fönen zurück, hiervon entfallen 27l 5lt Personen aus die Haupt- unterstühongsempfängee und 47 338 Personen aus die Aeiseuunter- stützten. Die Zahl der Arbeitsuchenden lag Mitte April noch um fast 40000 Personen höher al» zur Zeit der größten Arbeits- loflgkeil im Salastropheuwinter 1929. Dieser Vergleich zeigt am deutlichsten, unter welchem starken Druck besonders der Berliner Arbeltsmarkt trotz der selten günstigen Witterungsverhältnisse in diesem Frühjahr steht. Die Entlastung des Arbeilsmarttes wurde auch in den beiden Aprilwochen ausschließlich von den Saisonberufen getragen, dagegen waren Anzeichen einer konsunktnrellen Besserung «och nicht zu verspüren. Die Anforderungen der Landwirt- schast nach Arbeitskräsleu blieben auch in den letzten beiden Wochen noch gering. Zm Braunkohlenbergbau setzte sich der Abbau fort. Die zögernde Aufnahme der Bauläliqkeit läßt daraus schließen, daß die allgemeine Unsicherheit in der Wirtschast noch nicht über- wanden ist, Loepelmann verurteilt. Der Nazi als Studienrat. vSer' vom Provinziolschulkollegium Berlin-Brandenburg vor- lanffg seines Amtes en hobene Berliner Studienrat Loepel» Kann wurde am Mittwoch wegen Beleidigung des früheren preußischen Innenministers G r z e f i n s k i zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Der Antrag des Staatsanwalts lautete auf 14 Tage Gefängnis. Loepelmann, gegen den zur Zeit auch noch ein Diszipli- narverfahren mit dem Ziete der Amtsenthebung schwebt, dürfte nach diesem Urteil nicht mehr in sein Amt zurückkehren. Loepelmann ist nationalsozialistischer Stadtrai Oer Füllfederhatter von Locarno. An eine Jriedensausstellung verliehen und nicht zurück- gebracht. Parts, 24. April. Der goldene Füllfederhaller, mit dem seinerzeit die Unter- Zeichnung des Locarno-Vertrages vollzogen wurde, ist spurlos verschwunden. Der Haller, der die Form einer Gänsefeder hatte, blieb in Verwahrung der Stadtverwaltung von Locarno. Er wurde jedoch gelegentlich der Friedensousstellung im Haag im Februar der Ausstellungsleitung geliehen und kehrt« nie wieder in den Besitz der Stadt Locarno zurück. Die holländische Polizei hat bereits bei allen Goldwarenhändlcrn Amsterdams und in den übrigen Großstädten Nachforschungen eingeleitet, die aber bisher ohne Ergebnis verliefen. Fememörder und Hochverräter Oer Anstister des parchimer Fememordes in das Verfahren verwickelt Detmold, 24. Apnl.(Eigenbericht.) Zu den Verhaftungen einiger nationalsozialistischer Führer in Lippe, gegen die ein Versahren wegen gemeinschaftlichen Mordversuchs und Verleitung zum Meineid einge- leitet wurde, erfahren wir, daß nun vom Oberreichsamvalt auch noch ein Verfahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat an- hängig gemacht wurde. Die bürgerliche Presse versucht die Sache damit abzutun, daß der beschuldigte jetzige lippisch« Bezrrksfiihrer der NSDAP., Dr. Fuhrmann aus Hiddesen, erst seit Februar 1930 das Amt des Bezirksführers übernommen habe, während die Schriststücke, die bei einer Haussuchung bei ihm gefunden wurden und auf die sich das Verfahren angeblich stützen soll, bereits aus dem Herbst 1929 stammen. Damals sei aber Bruno Fr icke noch Bezirksführer gewesen und Fuhrmann habe die Partelaren und damit auch die inkriminierten Schriftstücke erst im Februar von Fricke übernommen. Die Staatsanwaltschaft teilt dazu mit, daß das � beim Oberreichsamvalt anhängige Versahren wegen Vorbereitung zum Hochverrat sich nicht allein und auch nicht in der Hauptsache gegen Dr. Fuhrmann richte. Wie wir weiter erfahren, ist der frühere Bezirksfiihrer Fricke der sich zur Zeit in D a n z i g aufhält, identisch nrl dem ehemaligen Roßbacher Bruno Fricke. der in den P a r ch i m e r Fememordprozeß versteckt war. In der Nacht vom 3l. Ma zum 1. Juni 1923 wurde in Parchim(Mecklenburg) der Angehörige der Arbeitsg-meinschast Roßbach, Walter K a d o w auf viehische Weise von Fenu.müvdtrn„umgelegt". Bruno Fricke gab den Mördern einen Empfehlungsbrief mit, der folgenden In- halt hatte: Atdodrofdike gegen Straßenbahn ßeftern mHlag 12 Wir fliesten an der frkr Zimmer- und CharloUenfiraße ein Slrasten- bahnirageu der Xinie 98 und eine Autodrofchke sufammen, rrobel autit mehrere 9er Jonen fefuver rerlelal rrurden'Unjer SBild xe.lgi die mil der Strafen bahn xujatnmengejtoftene und vOltlg»erirUmmerie Auto drojdthe kura nach dem Zu- JanunenpralL Mißbrauchte Schiffsmannschafien. Vorläufer des Nebellenschiffes„Kalke".— Waffeniransport und Spritschmuggel. Der scnsakionelle Hamburger Prozeß des deutsch-venezolanischen Rebcllenschisfes„Falke" tust ähnliche Fälle mißbrauchter Schiffs- Mannschaften ins Gedächtnis. Um de» schnöden Mammons willen fehl der Kapitän aus Wunsch des Reeders das Leben seiner Malrosen rniss Spiel, macht sie durch Versprechungen oder Gewaliandrohung seinem Willen gefugig. Zm Falle der„Falke" kann e» selbst nach bisherigem Verlauf der Verhandlung nicht mehr zweifelhask fein, daß die Reeder im Vorgeschmack reicher Profile für billiges Geld Schundwafsca eingekauft halten und der Kapitän wohl wissend, worum es ging, sich nickii scheute, die Mannschaft im Znleresse der geldglertgeu Reeder zu mißbrauchen. Für unzuständig erklärte sich vor einigen Iahven das Seemanns» omt im Falle des deutschen Spritschmuggelschiffes„P r c e m q s l". Der Kapitän befand sich im Dienste eines amerikanischen Boot- legers, eines Mannes, der mit der New- Porker Unterwelt engst« Beziehungen unterhielt.„Prcemysl" war ein Tankdampser. Er holte sich in Tanzig Alkohol, überquerte den Ozean und legte sich zwei Seemeilen vom amerikanischen Ufer, also außerhalb der Hoheitsgrenze der Vereinigten Staaten, vor Anker. Die schnellen bewaffneten Motorboote des Bootlegers eilten hin und her zwischen„Prcemysl" und dem Ufer, tankten Alkohol und oerstanden es, den Versr'ch'nqen der bewaffneten Zollboote zu«nt- gehen. Em«s Tages waren diese aber M der Hitze der Verfolgung zu nahe an„Prcemysl" herangekommen; vielleicht hatte sich dieser auch versehentlich in die Hoheitsgrenzc hineingewogt. Wie dem auch sei, er wurde beschossen, Matrosen kamen zu Schaden. Das Hamburger Seemannsamt erklärt« aber, es liege kein Seeunfall vor. Dem Kapitän wurde das Patent nicht entzogen. Der Mißbrauch der deutschen Flagge im Dienst« des amerikanischen Sprit- schmugglers blieb ungestraft... Uebrigens nicht der einzige Fall. Der deutsche Spriffchmuggel nach den Dereinigten Staaten blüht. Erst vor kurzem hat der Reoistonsbericht der Frankfurter All- gemeinen Versicherungs A.-G. gezeigt, daß diese Gesellschaft einen ausgiebigen Alkoholschmuggel betrieben hat. „Prcemysl" und„Falke" waren deutsche Schisse; hier wie dort waren Matrosen im Interesse der Reeder, nicht im eigentlichen Schiffsdienst zu Schaden gekommen. Darin das Gleichartige dieser beiden Fälle. Der Fall des englischen Dampfers„Sultan von Vorneo" erinnert in anderer Hinsicht an den des Dampfers „Falte". Auch er schmuggelte Waffen nach Südamerika für Auf- standische. Kuba rebellierte gegen sein Mutterland Spanien. Noch war der Krieg nicht offiziell erklärt. Di« Vereinigten Staate» Amerikas und Englands wetteiferten miteinander in der Versorgung der Insurgenten mit Waffen, bis England ein scharfes Ausfuhr- verbot erließ. Der englische Parlamentarier Erawford, ein Waffenhändler gleich Prenzlau, charterte den Dampfer„Sultan von Borneo". Der Kapitän Eattl nahm in New Kastel Kohlen an Bord, angeblich für Manila— ein« Sinnlosigkeit, da Manila sich nie mit New-Kastler Kohl« oersorgen ließ. Der„Sultan von Borneo" diftchquerte die Nordsee, traf hier die Prioatsacht des Reeders Erawford und verstaute Waffen unter den Kohlenbunkern. Dann dampfte das Schiff seinem Ziele.zu, einer Lucht auf Kuba. Die bunt durcheinandergewürfelte Mannschaft rebellierte. Sie ahnte Schlimmes. Der Kapitän hielt sie mit seinen Offizieren in Schach, besonders Auffässige wurden angeschlossen. Während der ganzen Fahrt war auch der Kapitän seines Lebens nicht sicher, bald wurde gegen ihn mit Kohle geworfen, bald mit Schiffsblllzeu. Endlich war das Ziel erreicht. Schon in der Bucht versperrte aber plötzlich ein Kanonenboot den Weg und legt sich langsseits des„Sultan von Borneo". Die Mannschaft verkriecht sich im Innen: des Dampfers, packt ihre Sachen. Der Spanier fragt, was los sei, weshalb sich niemand an Bord sehen lasse.„Dos Schiff habe Ruhe",«chält er zur Antwort.„Was für Ladung", fragt das Kanonenboot.„New- Kastler Kohle für Manila." Das scheint verdächtig.„Beidrehen." Im selben Augenblick leuchten am Ufer drei rote Lampen aus. das mit den Insurgenten verabredete Zeichen: die Waffenlodung wird erwartet. Der Kapitän, anstatt beizudrehen, gibt Bolldamps und rammt das Kanonenboot.„Sultan von Borneo" erreicht das Ufer. Die Insurgenten erhallen ihr« Waffen. Kapitän Eattl wird zum General ernannt und kämpft aus feiten der Auf- ständischen... Auch Kapitän Zipplill sollte venozolanischer Admiral werden und wäre es geworden, wenn del Gado nicht gefallen wäre und die Macht an sich gerissen hätte. Was vor 30 Iahren möglich gewesen fft, sollte heutzutage unmöglich erscheinen. Und fft es doch nicht. Auch der Fall des Dampfers„Falke" ist kein Einzelfall. Waffen- tvansporte deutscher Reeder über den Ozean b ödeten in den letzten Iahren, wie behauptet wird, einen blühenden Geschäftszweig. Das Mekka der Waffenhändler war Ehina— in der Regel kamen aber nicht die deutschen Waffen in Frage, da deren Export durch den Versailler Bertrag verboten ist. Hohe Frachtsätze spornten zur gegen» seitigen Konkurrenz an. Und wenn der Angekiagi« Prenzlau im Hamburger Prozeß den Namen des reichsten Mannes in Europa erwähnte, den Namen Sir Basil Saharoff, so hatte er damit viel- leicht nicht ganz Unrecht. Die Woffenindustri« verfolgt in ihren Expansionsgelüsten mit Hoffnungen auf Geldsegen die revolutionäre Gärung in Asien. Sie riecht Blut und wittert Profite. Auch im Tscherwonzensillscherprozeß war die Rede von Wafsengeschästen, allerdings nach dem Fernen Osten. Auch der bekannte Finanzmann Michael, besten Name in Verbindung mit dem Kutisker und einem anderen Berliner Betrugsprozeß genannt wurde, soll Waffen- geschäften nicht ganz fernstehen. „lleberbringer sind Zurisch und Zenz. Beide haben aui meinen Befehl kadow beseitigt. Bitte bringe diese beiden Leute sicher unter." Obwohl Fricke in diesem Brief sich selbst der Anstiftung zum Mord bezichtigt, wurde er vom Staatsgerichtshof zum Schutz der Nepublik in der Berhandlung vom 12. bis 15. März 1929 nur wegen Begünstigung zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Dieser Empfehlungsbrief Frickes für die Fememörder ist deshalb von besonderem Interesse, weil bei dem Detmolder Versahren gegen den Nationalsozialisten Winkelmann wegen Mord- Versuchs ebenfalls ein Empfehlungsbrief Frickes eine Rolle spielt, der dem Täter die Flucht erleichtern sollte. Dieser Brief ist seinerzeit bei einer Haussuchung beschlagnahmt worden. Etaatsdienfi am-t.Mai. Weitgehende Gewäsirunq von Ll'laub. Amtlich wird mitgeteilt: Das Preußische Staatsministerium hat beschlossen, daß für die Regelung des Dienstes am 1. M a i die Bestimmungen des Jahres 1923 auch für das laufende Jahr und bis auf weiteres gellen Demgemäß ist bis auf weiteres w'e foigl zu verfahren: „Beamte, Angestellte und Lohnempfänger, welche zwecks Teil- nähme an einer Feier am 1. Mai dem Dienst oder der Arbeit fernbleiben wellen, haben rechtzeitig bei ihrem Dienstoorgesetzten um Befreiung vom Dienst nachzusuchen Solchen Anträgen ist g r u n d• j l ä tz l i ch überall inioweit zu entsprechen, als dadurch die notlvendige Fortführung des Dienstbetriebes nicht in Frage ge stellt wird. Bei der Ent-scheidung über derartige Gesuche soll nicht engherzig verfahren werden Hiernach beantragte und bewilligte Freizeit ist bei Beamten und Angestellten auf den Erholung»- Urlaub anzurechnen Das gleiche kann auf Wunsch bei Lohnempfängern geschehen Wird von Lohnempfängern nicht aus- drücklich um Anrechnung auf den Erholungsurlaub nachgesucht, so j wird für die Dauer der Arbcllsversänmnis Lohn nicht ge- währt. Bon der Anrechnung auf den Erholungsurlaub und von der Lahnkürzung kann abgesehen werden wenn die Nachholung der versäumten Arbeitsstunden anderweitig sichergestellt ist. Anrechnung der gewährten Dienstbefreiung auf den Erholungsurlaub und Lohn- kürzung sollen nicht erfolgen, sosern auch für religiöse Feiertage, die nicht zugleich gesetzliche Feiertage sind, eine Anrechnung der Dienst- befreiung aus den Erholungsurlaub oder ein« Lohnkürzung nicht stattfindet." Schobers Europareise. Nach Nom und Verlin: Paris, London, Prag, Vvdapest. Wien, 24. April.(Eigenbericht.) Der österreichisch« Bundeskanzler Dr. Schober reist am Sonn- tag nach Paris, um dsr französtfchen Regierung emm Be-uch abzustatten. Am 1. Mai reist er nach London weiter wo Be- spiechungen mit der Arbeiterregierung stattfinden sollen. Im Verlaufe des Mal wird Schober den Regierungen in Prag und Buda- pest Höflichkeitsbesuch« abstatten. Zwanzig Kinder an Masern gestorben. Paris, 24. April. In Chamböry herrscht seit drei Wochen eine Masern- epidemi«, der bisher 20 Kinder unter fünf Jahren zum Opfer gefallen sind._ Die Mat-eiinng ausverkauft. Wie uns der Verlag I. H. W. Dictz Rachf. mitteilt, ist die dies- ahrige Maizeitung, in der unter dem Motto„40 Jahre Mai» fcier" Isistorische Beiträge von alten Kämpfern aus der Zeit des Sozialistengesetzes veröffentlicht werden, bereits vergriffen. In Anbetracht der hohen Auslage von fast einer halben Million Ist das ein besonderer Erfolg, den man als gutes Dov, zeichen für das Gelingen der Maffeier ansehen kann. Nationale Solidarität. Sin Fememörder---- 630 Reichsmark. Die notioncilistische„Deutsche Zeitung" veröffentlicht folgenden SMschm. der wortgetreue Wiedergabe verdient: Im Stich aelassen. Die Kaution für Oberleutnant z. S. Eckerwann ist zwar ge- stellt, aber nicht infolge des Aufrufes der„Ratio- n a l e n N o t h i l sc", sondern durch Bürgschaftsleistung der Ver- teidiqung. Der Aufruf der„Nationalen Rothilse" ist, wie diese feststellt, fast ohne Erfolg geblieben. Die Bereitschafts- erkläiungen zur Stellung einer Kaution für Eckermann haben knapp die Summe von 630 Mark erbracht Scheint es damit nicht fast ernncsnt zu(ein, daß das nationale Deutsch- land seine Märtyrer im Stich und diese Männer im Elend zu- gründe gehen lassen will? Aus der anderen Seite arbeitet die „Rote Hilfe" Deutschlands nach wie vor mit großem Erfolg. (?? Schnitt, u. Red. d.„B.") Ist diese Tatsache nicht tief be- schämend sür alle diejenigen Bolksgenossen, die sich national nennen? Uns wundert diese Mißrevoste nicht. Herr Eckermann ist ein ziemlich Unbekannter und muß gegen das Schoßkind der„Ratio- nalen Nothilfe", den Oberleutnant Schulz, bescheiden zurück- treten. Schulz ist allerdings auch noch nicht der Hauptgeldnehmer. Für ein sachlich wertloses jurist'sches„Gutachten" des deutsch- nationalen Professors Grimm in Sachen Schulz, für dessen Herausgab« m einem unerhörten Luxusdruck, sowie für die sonstigen Bemühungen Grimms sind seinerzeit von den diversen Nothilfen Beträge gezahll worden, die im Einzelfall mehrere zehntausend Mark ausmachen und zusammen eine sechs- stelligeZiffer ergeben. Was soll da für die Verurteilten selber übrig bleiben? ... und kommunistische Hilfsbereitschaft! Die„Internationale Hllssvereinigung". bestehend aus einer An- zahl Intellektueller, deren Nomen früher auf keiner kommunistischen Veranstaltung fehlen durften, versendet unter dem 9. April 1930 ein Rundschreiben, das gegen die Schließung des Kinder- heims Barkenhof durch die tommunistifch« Rote Hilfe protestiert. Das Kinderheim Barkenhof war seinerzeit der Roten Hilfe von dem bekannten Worpsweder Maler Heinrich Vogeler gestiftet worden, der in begeisterter Aufwallung sich der KPD. angeschlossen hatte. Sehr bald aber kam es wegen nicht genügender Linientreue Vogelers zu seinem Ausschluß aus der KPD.(Was hat auch ein AUruist unter den Stipendiaten Moskaus zu suchen?!) Bogeler wurde aus der KPD. ausgeschlossen. Aus der Roten Hilf« ihn auszuschließen wagt« man zwar nicht, da deren überparteilicher Cha- rakter geheuchelt werden muß: aber Vogeler wurde aus der Lei- tung entfernt und auf Veranlassung des Vorsitzenden der RHD., des Reichstagsabgeordneten Pieck, auf dem 3. Kongreß zum„Feind der Roten Hilfe und der Arbeiterklaff«" erklärt. Das von Vogeler gestiftete und mit werwollen Gemälden seiner Kunst ausgeschmückte Kinderheim Barkenhof wurde nun von dem linientreuen Vorstand der RHD. so heruntergewirtschaftet, daß das Kinderheim Ende vorigen Jahres geschlossen werden mußte. Die hinter Vogeler stehende.Internationale Hilssvereinigung" äußerte die Befürchtung, daß das Kinder- heim zusammen mit dem lommmüstlschen Parteieigentun, zugunsten der Porteikasse verramscht und perfchleuder.t werden wird. Sie verlangt, daß die Stiftung, da sie ihrem Zweck eist- fremdet worden ist. an den Stister Vogeler zurückgegeben werde. Worauf ste vermutlich lange warten wird: denn in der KPD. gilt einstweilen der Satz: Wer hat, der hat! Die„Nombe" in der D-Vahn. Herkunst und Bestandteile noch nicht ermittelt. Wie berichtet, wurde gestern im U- B a h n z u g auf der Strecke Seestraße— Bergstraße ein Paket gefunden, das einen Gasmasken- behälter, Pulver, mehrere verkorkte Fläfchchen und«ine Spreng- kapfet. an der eine Zündschnur befestigt war, enthielt. Die Ermitt- lungen der poliiischen Polizei nach dem„Verlierer" sind bisher er- gebn'.slos geblieben. Der Fund bietet auch keinerlei Anhaltspunkte für sein« Herkunft. Die ganze Angelegenheit ist wohl auch kaum ernst zu nehmen und man glaubt, daß sich irgend jemand des Paketes entledigen wollte und es unaufsällig im U-Bahnzug liegen ließ. Di« Fläfchchen. in denen sich eine dunkle Masse befand, sind der „C h e m i s ch- i e ch n i s ch e n Reichsonstalt" zur Untersuchung übergeben worden. Bor Freitag ist mit dem Untersuchungs«rgebins, wie uns aus dem Polizeipräsidium mitgeteilt wird, jedoch kaum zu rechnen._ Oer degradierte Generalstabschef. Sajda klagt wegen Seha tskürzung. Prag, 24. April. Bor dein Obersten Veruxlitungsgericht begann heut« die Ver- handiung über die Beschwerde des emstigen General st abs- ch« f s und tetzig«n Abgeordneten Rudols G a> d a gegen die Entscheidung der Oberdisziplinarkmnmijsion beim Ministerium sür National« Verteidigung, durch die der damalige Generalstabschef zum gemeinen Soldaten degradiert und mit Kürzung seiner Bezüge um 23 Prozent in den Ruhestand versetzt werden war. Bei dem Verfahren vor der Dssziplinarkammission wurde Gasda be- schuldigt, sich um Ausnahn'« in den Sowjetdienst beworben und Geheimnisse, die er m der Generalstabsschule in Paris er- fahren habe, den Sowjets ausgeliesert zu haben: ferner wurde er der Bestechung, der Auslieferung emes französischen Militärbuches an die Sowjetregierung, der Duldung des Miß- b r a u ch e s seines Namens zu politischen Demonstrationen der Faschisten und umstürzlerischer Absichten bezichtigt Di« jetzig« Ver- Handlung, zu der Gajda persönlich erschienen ist, dürfte vier Tag« in Anspruch nehmen. Büschs weitere Vernehmung ausgesetzt. Die Vernehmung Büschs sollte, heute vormit.og fortgesetzt wer- den. nachdem er gestern nur über ganz allgemeine Fragen, über sein Vorleben und über den Beginn seiner Beziehungen zu der städtischen Verwaltung gehört worden war Heute soll auf die eigentlichen Vorwürfe eingegangen werden, und zwar zunächst auf die Tätigkeit Büschs als Dezernent des Berliner Viehhofes. Hiervon ausgehend sollten dann nach und noch die einzeln«', E r.ppen des Wirkens Tuschs In der Berliner Verwaltung, vor allem auch auf dem Gebiet Grundstllckswesen» erörtert werben. Heute früh wurde die Staatsanwaltschaft jedoch benachrichtigt, daß sich der Zu- stand des ehemalige!, Stadtrates so verschlechtert habe, daß seine A-rzte für heute einer Fortsetzung der Vernehmung wider- sprechen müßten. Theater< „Das lockende Ziel." Tauber-Tonfilm im Eapitol. Das lockende Ziel— das ist der große Erfolg des Opernsängers, dos Amerikaengagement, die große Karriere. Toni Lechner macht sie. Bauernsohn, Naturbursch und fröhlicher Natursänger: frisch aus dem Dorf entdeckt wie der Opernpostillon von Lonjumeau. Seinen jähen Aufstieg begleitet und umspielt ein bißchen konventionelle Romanhandluug— wie so ein Film sie halt braucht. Dieser nennt sich„hundertprozenirger Sprech- und Gesangsfilm"— der Vorgang ist Nebensache. Hauptsache, daß gesprochen und gesungen— und »«gleich für den Tonsilm die Beliebtheit des Sängers ausgenutzt wird, um den herum dieser gemacht ist: Richard Tauber. Höhepunkt der Handlung und des Tonfilmgcschehens: Lechners Debüt, eins vcritoble Opernvorstellung— selbstverständlich konnte es nur„Martha" fem: mit Tauber als Lyonel. Hier ist auch etwas wie sin tonfilmischer Einfall: wie der Sänger im Kostüm auf der Opernbühne steht und seine Arie singt— und mitten im Takt wechselt das Bild, aber seine Stimme klingt wetter aus dem Radio- apparot, um den das ganze Bauerndorf hoch oben in den Alpen andachtsvoll versammelt ist. Im übrigen aber, welch fortwährende Verlegenheit des Drehbuches, Situationen zu schaffen, aus denen Musik sozusagen natürlich hervorwachsen soll. Kaum ein Bild, in dem nicht gesungen oder gespielt wird. Welch kirtbliche Vorstellung vom Tonfiln,. welche Perspektive: jeder Filmheld, Held der Film- Handlung, Sänger oder Musikant: alles Fitmgefchehen, erdacht nur unter dem Gesichtspunkt: was läßt sich daraus in tönender Wirkung holen! Warum muß das gesprochene Wort— wenn schon nicht in Musik gebettet, immer zumindest in Geräusch, Stimmengewirr, Straßenlärm gehüllt werden? Bon seinem lockenden Ziel ist der Tonfilm noch unendlich weit entfernt. Zlllerdings, wir haben schon Tonfilme kennengelernt, die technisch fortgeschrittener waren als dieser. Oder ist zum Teil vielleicht die Apparatur des Hauses schuld, daß soviel Nebengeräusch zu hören, daß der Klang der Stimmen oft peinlich entstellt ist? So- weit Tauber zu erkennen ist, hat er stimmlich glänzende Momente und überrascht als liebenswürdig frischer Darsteller. Ein paar lebendige Typen im Bauernmilteu: Lucie Englisch, Sophie P a g a y, Oskar S i m a, übrigens als Schauspieler der einzige, den, die typischen Sprachfehler des Tonsilmapparates nichts anhaben. K. P. „Oer Detektiv des Kaisers." Atrium. Die Beröffentlichungen einer Berliner Zeitung wurden für diesen Film als Grundlage benutzt. Durch das Manuskript ist der Regisseur Carl B o e s e wie mit Zentnerlast niedergezogen: denn er hat die Auszeichnungen verfilmt ohne jede persönliche Stellung- nahm«. Ohl« den Stoff dramatisch zu meistern, mit einer langweiligen Einleitung, aber treffsicheren Kriegserinnerungen, erzählt Voese das Schicksal eines kleinen Beamten, dem es im Kriege gelingt, eine teuer bezahlte Spionin der Gegen jpionage zu überführen. Ihre Helfershelfer bei der Gegenspionage find ihr eifersüchtiger Geliebter und der Sohn eines höheren preußischen Beamten, der als Schwer- kriegsbefchädigler heimgekehrt ist. Diese letzte Figur ist sehr unklar gezeichnet. So natürlich und verständlich eine Sinnesänderung durch die furchtbaren Kriegserlebnisse ist, so unglaubhaft ist doch ein Verrat am eigenen Volk. Tagung der Chirurgen. Die 54. Tagung der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie wurde am Mittwoch im Langenbeck-Wrchow-Haus eröffnet. Die Ver- sammlung wählte Prof. Körte zum Ehrenvorsitzenden, eine Ehrung, die bisher nur Bernhard von Langenbeck zuteil geworden war. Aus dem Geschäftsbericht ist zu erwähnen, daß Ende April 1930 die Deutsche Gesellschaft für Chtrurgie 2560 Mitglieder hatte. Prof. Stich- Eöttingeu hielt einen Vortrag über das erste Hauptthema:„Blutung. Blutstillung und Blutungs. Verhütung." Besonders eingehend bespricht er die Berhättnisj«, die durch großen Blutverlust zu lebensbodrohenden Zuständen V«r> anlassung geben können.. Der zweit« Teil des Vortrages erörtert, wie die Gefahren der Blutungen beseitigt werden können. Der menschliche Körper versucht selbst durch Blutgerinnung, Zusammen- ziehung der Gefäße und Aenderung des Blutdrucks den Gefahren zu begegnen, kann jedoch ihrer nicht immer Herr werden, so daß durch mechanische und chemische Mittel versucht werden muß. ine Blutungen zu stillen und zu verhüten. Unter den mechanischen Mitteln sind besonders die Hochlagerung und Kompression, sowie die künstliche Blutleere zu erwähnen. Bauer- Göttingen berichtete über experimentelle und mikrosko. pische Untersuchungen über die Blutstillung bei Operationen mtt dem Hochfrequenzstrom, die dadurch eine Sonderstellung einnehmen, daß bei ihnen das elektrische Messer selbst die Blutstillung übernimmt. Von S e e m« n- München empfiehlt das Operieren mtt dem elektrischen Messer wegen der ihm eigenen außerordentlichen Gewebschonung und berichtet über die Erfolge, besonders bei Behandlung von Furunkeln und Karbunkeln._ Entdeckungen in der Südpolarzone. Die Expeditionen Byrds und der Noroegia haben für die Er- kenntnis der Südpolarwelt bedeutende Erweiterungen gebracht. Die Norvegia-Expeditton unter Riiser-Larsen und Lützow-Holm ist auf Land gestoßen, das mtt dem Flugzeug südwärts verfolgt wurde. Es dürft« sich i:m di« antarktische Küste in nordöstlicher Fortsetzung von Coats-Qmd handeln. Noch wichtiger sind die Feststellungen Byrds, über die die„Zeitschrist der Gesellschaft für Erdkunde" berichtet. Bon der Königin-Maud-Kette, in der Mt. Nansen zu 4487 Meter Höhe bestimmt wurde, zweigt am Axel'-Hciberg-Gletscher ein Gebirge rem östlichen Streichens ab, das bis 440 Grad westlicher Länge verfolgt iverden konnte. In diesen Charles Bob Mts. wurden eingehend« geologische Unterjuchungen angestellt. Auch die Derhältniss« östlich des Kmg-Edward-Vll.-Landes konnten aufgehellt werden. Oestlich der Alexandra Mis. liegt wieder der Schelfeis, jenseits dessen ein mächtiger Gebirgszug von rund 400 KUometer Erstreckung entdeckt wurde. Er scheint die östliche Vegrenzung der Roß-Sc« zu bilden, innerhalb derer King-Edward-VII.-Land, die Alexandra, und Rocke- leller-Kellen oder Inseln ähnlich der Roß-Insel aufzufassen wären. Zwischen dem ncuentdeckten Maria-Byrd-Land« und den Charles- Bob Mt». klafft eine Lücke. Hier liegt, noch unentscksteiert, ein Haupt- Problem der Antarttio. Besteht eine Verbindung mit der Roß-See zur Weddell-Se«? Hängen West- und Ostantarktis zusammen? Gibt es überhaupt einen geschlossenen westantarktischen Landkomplex? lno Film. Eine bemerkenswerte Ueberroschung ist Otto Gebühr. Man befürchtete schon diesen guten Darsteller durch di« angeiionmienen Fridericus-Rex-Manteren verloren zu haben. Nun sehen wir ihn lebenswahr als pflichttreuen Beamten, dem oft die Pflicht zum Ekel wird, da sie ihn mit seinen eigenen moralischen Anschauungen in Widerspruch bringt. Olga Tschechowa ist als Spionin«in« glänzende, verführerische Frau Anton P o i n t n e r ist schroff, brutal: er kann sich der Frau gegenüber alles herausnehmen, da er zu viel von ihrer unsauberen Arbeit weih. Auf der Bühne sah mau G o l e m a n mit einer entzückenden Tierrevue und Joe Moser, einen Schulreiter von Klasse. e. b. Verunglückte Ghaw-Aussührung. Berliner Theater:„Ver Teufelsschü er." Bernard Shaw treibt in dieser Komödie die Handlung stärker vorwärts als sonst, und doch ist sie weniger wirksam als seine Hand- lungsärmeren S.ücke. Di« Schwäche des„Teuselsschülers" beruht in der Inkonsequenz der Linienführung. Noch bewährtem Muster will Shaw zeigen, daß ein Gottloser oft genug«in besserer Mensch sein kann als die anerkannt Frommen. Der Pfarrer hätte sich also als der Lump entpuppen müssen, für den bisher Dick gehatten wurde. Dabist das Geheimnis der Shawschen Erfolge, daß es bei ihm immer anders kommt, als man erwartet. Im„Tenfelsschüler" aber geht im Pfarrer eine innere Wandlung vor sich, er besinnt sich auf seine Mens che npflicht. Als„Der Teufelsschüler" vor über dreißig Iahren in New�rk aufgeführt wurde, waren sich all« Kritiker darüber einig, ein sehr gutes Stück von höchster Originatität vor sich zu hoben. Shaw schrieb damals:„Der Teufelsschüler" wird sicherlich seinen G'.anz im Verlauf der Zett verlieren, med das Stück wird als das faden- scheinige, volkstümliche Melodrama enthüllt werden, das«s in iech- nischcr Beziehung fft." Wie die gestrige Aufführung beweist, hat Shaw damit Recht behalten. Das liegt aber weniger am Dichter als an der Inszenie- rung durch Heinz Hilpert. Die geistreichen Paradoxe, der ge- pflegt«, von überraschenden Einfällen sprühende Dialog bilden immer den Haupigenuß an Shaws Werken Die Wort« dürfen also nicht in einer schludrigen Sprechweise gesprochen werden, wie sie Heinz Hilpert gestattet. Der Regisseur glaubt, durch Hastentes Tempo einer überalterten Komödie neues Leben einhauchen zu können. Er erreicht damit, daß die enlzückenden Ausfülle Shaws gegen Heldentum und Militär und gegen g: heiligt« Begriffe glatt unter den Tisch fallen. Uebrig bleibt ein kitschiges Reiter- und Räuberstück. Dazu kommt schlechte Besetzung auf der ganzen Linie. Eilse Bassermann Ist kein«, durch das Leben verbitterte, sondern «ine widerlich keifende Mutter Dicks. Karin Evans nimmt der anmutigsten Rolle der Komödie ihren Reiz durch linkische Unze- wandtheit: Theodor L o o s spricht in kaum verständlichem Krähen und macht eher den Eindruck eines Säufers, als eines jovialen Pfarrers. Di« unverständlichste Fehlbesetzung ist der Teufelsschüler des Ernst Deutsch. Ernst Deutsch spielt keine Rollen, sondern spiett jedesmal Ernst Deutsch, also«inen Menschen, der sich von vornherein verausgabt und sich damtt jede Stcigerungsmöglichkcit abschneidet, und dessen hastig« Bewegungen seinen Figuren, jede Spur von Natürlichkeit nehmen. Sein Dick- ist ein bedauernsw�aei: Neurastheniker und nicht der sieghafte Teufelsschüler, den Shaw meint. Beim Schwßbeifall wurde denn auch Ernst Deutsch weniger laut gerufen als Theodor Laos, der durchaus keine Spitzenleistung ausgebracht hatte. äzr. Oas Problem derLndukiion. Innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft pflegt di« sogenannte Philosophie häusig nichts anderes zu sein, als eine Gloriffzierung der jeweils herrschenden Klasse. Das ergibt sich durch«ine einfach« Slnwendung der materialistischen Geschichtsauffassung. Demgegenüber vertritt di« International« Gesellschaft sür empi» rische Philosophie eine vorzugsweise an den exakten Wissen- schasten orientierte wissenschaftliche Wettauffassung, die sich im schärfsten Gegensatz weiß zu jeder wl« immer gearteten VerHerr- lichung der herrschenden Mächte des Kapitalismus. Sie kämpft damit Schulter an Schuller mit den philosophisch interessierten Wiener Austro-Marxisten um Otio Bauer, die sich zu dem Verein„E r n st M a ch", der Wiener Schwestergesellschaft der genannten Berliner Bereinigung, zusammengeschlossen haben. In einer der letzten Beranstaltungen dieser Internationalen Ge- sellschast sür empirisch« Philosophie sprach Genosse Prioatdozent Dr. Walter D u b i s l a v von der Technischen Hochschul« Berlin über das Problem der Induktion. Unter Induktion versteht man das wissenschaftliche Perfahren, aus einzelnen Beobachtungen auf allgemeine Regeln zu schließen. So stellen wir z. B. durch Versuchs fest, daß Wasser bei 100 Grad verdampft, und wir erwarten, daß dies immer geschieht. Dieses Verfahren wird überall gebraucht, und es ist eine wichtige Frag«, ob es«in begründbares Mittel gibt, um vernünfiige von sogenannten unvernünftigen Erwartungen zu unterscheiden. Es scheint leicht zu sein, vernünftig« von unver- nünftigeli Erwartungsbildungen zu trennen. Sobald man aber v«r- sucht, ein solches..Induktiv nsprinzip" streng wissenschaftlich zu be- gründen, stößt man auf prinzipiell unüberwindliche Schwierigkeiten. Dubislav zeigte in lichtvoller Weise, wi« jeder Versuch«in Kriterium für vernünftige Erwartungsbrldung zu begründen, scheitern muß: denn jedesmal wird das zu beweisende Prinzip ent- weder ausdrücklich oder stillschweigend vorausgesetzt. Es gibt also keine logisch beweisbare Sicherheit für wlssenschasfliche Induktionen. Der Wissenschaftler ist in der Lage des„Hühnck>ens": wird dieses täglich zu einer bestimmten Zell in gleicher Weise gefüttert, so er« wartet es nach kurzer Zeit, dies müsse immer so sein Das ist aber ein« sogenannte„unvernünftige" Erwartungsbildung: denn eines Tages kommt der Besitzer nicht in aller Weise, um das Hühnchen zu füttern, sondern um ihm den Hal» abzudrehen.— Die wissenschaftlichen Theorien sind zwar wichtig und unentbehrlich, aber auch sie geben keine logisch notwendige Gewißheit. Deshalb bleibt für lsbenspraktische Einstellungen ein weiter Spielraum. Diese Darlegungen sind deshalb bedeutungsvoll, weil sie»er- hindern, daß aus der Wissenschaft eine Art Götze gemacht wird: sie verhindern auch di« Bildung Halbwissens chastlicher Systeme, die besonders heute großen Schaden anrichten. Vr. 8. W. Da» UHIIHarmonit»« Oribrfter belchlietzt die Sonjn tiaifon vor dem Aiilrilt einer mediwöchigen KoiizeiUo»>nee Sonntag, lg'/, Uhr, in der Philhalinont« mit einem»Wiener'Abend". Ein« infrtnafto'iate Kegel. Tagung wurde am Mittwoch im Haag eröffnet. Es soll ein Hegel-Wcltbund gegründel werden. Ein neuer Plaue! euidccki? Das domiN'kanilche Observatorium in Ottawa glaiiBt den zehnten tranSnevtiinffchen Planeten»nideckt zu baden. Er weift aber eine andere Position aus, atS der kürzlich enidcisti. Bata pfeift auf öas Geseh. wiechötier Lleberstundenunfug. bezeichnendes Licht auf die A r b« i t s m c t hv d e N in den betrieben des bekannten„Schnhkönigs der Tschechoslowakei" B a t a, der sich nun auch in Deutschland mehr und ind>r auszubreiten scheint, warf eine Verhandlung vor dem Amtsgericht in Lichtenberg. Angeklagt waren ein Borste ndsmitgiied der deutschen Zweiggesellschaft und der srühere Leiter der Filiale Frankfurter Allee wegen Vergehens gegen die Arbeitszeit- Verordnung. Im Verlause der Verhandlung ergab sich aus den unbestritten gebliebenen Aussagen früherer Verkäuferinnen dieser Filiale, dost hier wochenlang oftmals bis 1, ja bis 3 Uhr nachts gearbcilel wurde. Als die Verkäuferinnen eines Abends gegen 2» Uhr das Geschäft verlassen wollten, um zur Be t r i e b s r a t s wa h l zu gehen. wurde ihnen niit fristloser Entlossuug gedroht. Daraus wagten die achtzehn- bis ncunzchnjährigen Mädchen es nicht, zu gehen und muhten bis zum nächsten Alorgen um HG Uhr arbeiten! Di« Bezahlung der il eberstunden war so gering, daß die Verkäuferinnen auch in den Monaten, in denn sie zu solcher Nachtarbeit gezwungen wurden, nur 11l) bis III Mark ver- dienten. Einem anderen Zeugen, einein Schauiensierdelorateur, der gleichfalls in dieser Weise Ueberstundcn leisten mußte, wurde tue Mehrarbeit überhaupt nicht bezahlt. Lohnerhöhung-- Lohnkürzung. Auslegungskunst der mitteldeutschen Braunkohlen- Unternehmer. ljalle a. d. Saale, 2-4. April.(Eigenbericht.) Seit Monaten besteht zwischen den Arbeiterorganisationen und dem Arbeitgebervcrband für den Braunlohlenbergbau in Mittel- deutschland ein Streit wegen Erfüllung des Lohnschicds- f p r u ch s vom 2. Dezember 1Ü2Ö. Damals wnrüe durch Schicds- spruch den Arbeitern eine Lohnerhöhung von 2Z Pf. pro Schicht zugesprochen. Um diese geringfügige Lohnerhöhung ver- suchten die Unternehmer im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau sich zu drücken. Sie brachten die Lohnerhöhung nicht nur nicht zur 2lus- Zahlung, sie kürzten sogar die bisher gewährten Prämien- und Leistungszuschläge um den doppelten und dreifachen Satz. Statt Lohnerhöhung, ein ganz enormer Lohnabbau! Die mitteldeutschen Brauntohlenunternehmer verstehen es auf diese Weise ausgezeichnet, den Arbeitern beizubringen, wie gut sie die Tarifauslegung verstehen. War die Tariftreue der Unternehmer im mitteldeutschen Braunkohlenbergbau schon seit Jahren nicht über jeden Zweifel erhaben, so ist dieses Vorgehen eine klare Tarifver- letzung. Di« Gewerkschaften haben selbstverständlich gegen diese mehr Das Urteil, das nur gegen den Filiollester eine Verhältnis- mäßig geringe Strafe verhängte, brachte in seiner Begründung zum Ausdruck, daß in diesem Verfahren die eigentlich Schuldigen nicht gclrosfen werden konnlen. Die eigentlich Schuldigen sind Bata und sein Stab tschechischcr Direktoren, die hier die Betriebe organisieren. Interessant war es, von den Angeklagten wie von den Zeugen zu hören, daß Bata, der wegen der gegen ihn in der deutschen Press« erhobenen Vorwürfe zahlreiche Beleidigungsprozesse angestrengt hat, össentlith bei der Ucbcrnahme der deutschen Filialen erklärte, die dcutschea Soziolgcsehe und Tarifverträge gingen ihn nichts an-, wenn man ihn fasten würde, so würde er eben die Strafen bezahlen. Aber man würde ihn als Ausländer ja nicht fasten können. Vielleicht gelingt es den deutschen Eewerbeaufsichts- behörden doch einmal, Herr» Vota oder die wirklich vcrantwort- lichen Direktoren zu fasten. Jedenfalls kann dieses raffinierte Aus- beutungssystem, das die deutschen Gesetz«— ober nicht den Geld- beutel der Deutschen— mißachtet, nicht scharf genug unter die Lupe genommen werden. als eigenartige Auslegung des Schiedsspruches Protest erhoben und von den Unternehmern die Erfüllung des Torifoertrages ver- langt. Die Unternehmer behaupten dagegen, dost sie den Tarifvertrag sowie auch den Schiedsspruch voll ersüllten. Diese Behauptung stellen sie auf. obwohl nachgewiesen, wurde, daß ganz«norme Lohnkürzungen durch den Prämienabbau vorgenommen sind. In die Enge getrieben, bequemten sie sich zu dem Geständnis, daß es sich bei den Abzügen um den Abbau von„freiwillig ge- währten Zuwendungen" handelt. Die mitteldeutschen Arbeiter in der Braunkohlenindustrie haben infolge der Nichtdurchführung des Schiedsspruches sowie der falschen Auskegung des Tarifvertrages einen ganz erheblichen finanziellen Schaden erlitten. Der Schaden für die Absatzstockung soll nach Ansicht der Unternehmer möglichst restlos auf die Schullern der Arbeiter adgewälzt werden. Ob dabei Treu und Glauben zwischen TarifkoMrohenten zum Teufel geht, laßt die mitteldeutschen Brauntohlenunternehmer kalt. Wetter für Berlin: Trocken, teils wolkig, teils heiter, im ganzen etwas k ichler, ästliche Winde.— Für Deutschland: Im Westen stark bewölkt, im Rheingebist noch stellenweise Regeniällc, im übrigen Reich trockenes und zeitweise heiteres, aber meist etwas kühleres Wetter. Gin Etudentenwohnhaus. In der FranNinfiroße.— Mit 245 Einzelzimmern. Um minderbemittelten Studenten eine billige Wohngelcgenheit zu verschaffen, sind noch dem Kriege in der Bähe der Technischen Hochschule in Ehar- (Ottenburg die„Studenten-Barocken" errichtet wor- den. Sie haben so manchen armen Studio in schlimmen Zeilen Unlerkunsl und Wärme gewährt. Zeht aber sind sie baufällig und müssen in einiger Zeil geräumt werden. Die Volkshotcl-A.-G.. die bereits(M? als gemeinnützige Gesellschaft in Eharloltenburg gegründet wurde, plant nun die Errichtung eines großen Ledigenheimes für mann- liche Studenten, das 245 einbettige Zimmer erhalten soll. Man will da; Studcntenwohnhaus gleichfalls unweit der neuen Baulichkeiten der Technischen Hochschule an der Franklin- st r a ß c erbauen. Die Gesellschaft hat nun gebeten, ihr zur Verwirklichung ihres Vorhabens ein Erbbourecht für die Dauer von 50 Jahren an dem 3230 Ouadrotmeier großen städtischen Grundstück zwlschen Franklinstraße, Straße 14a, Gicßplatz und Straße 14 zu bestellen. Der Magistrat ist dem Vorschlag der Charlottenburger Bezirks- körperschaften und des Grundeigentumsausjchusscs beigetreten und hat dem Abschluß eines Erbbauvertrages auf 60 Jahre gegen einen Erbbauzins von jährlich 6000 M. zugestimmt. In einer Vorlage werden die Stadtverordneten um ihre Zustimmung gebeten. DoonersUx. 24. April. Berlin. 17.30 Diclitungcn von Ruth Schaumann(Sprecher: Inncia von Dulcng). 17.55 Teemusik. 18.20 Marcus«: Die Erde als Minimclskörpcr. 18.45 Das Interview der Woche. 19.00 Dr. Klauscncr: Abbau von Polizeivcrordnungcn und Polizeistrafen. 19.30 Chorgesancc. 20.00..Rendezvous", Hörspiel von Alfred Otto Palitzsch. Regie* Alfred Braun. 21.00 Kompositionen von William Walton. Dirigent: Der Komponist.(Berliner Funkorchcstcr.) Nach den Abcndmcldunscn bis 0.30 Uhr Tanzmusik. Königs Wusterhausen. 17.30 Paul Gurk(Einführung: Dr. Johannes Günther. Rezitation: 17.55 Prof. Dr. Steinacker: Oesterreichs Anteil am Werden Volks- und Kulturbodens. 18.20 Erich Mahrbolz: Wie findet der Seemann seinen Weg? 18.40 Spanisch für Eortgeschrittene. 19.05 Dr. Hans Weinert: Zickzackwege in der Entwicklung des menschlichen Körpers. 19.30 E. v. d. Warth: Die Schweinezwischenrählung vom l. Märt. � � 20.05 Von Frankfurt: Orchesterkonzert. 21.00 Von Leipzig: Querschnitt durch die Operette..Fatinitza". Lerannvortl.'ür die Redaktion: Doljgang Schwarz. Berlin: Anzeigen: Th. Glocke. Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerel und Verlag sanftalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 58. Linden ftrake Z. Erich Walter.) des deutschen <) � Tbeatsr, np Lichtspiele usw. Donnerst, 24. 4. Staats-Oper Unter d. Linden Teil-Ab. t. De. Ho. 9 Jate-Hb.-V.Ho. 110 20 Uhr cauaiieriii rusticana aajazzi Ende 22' r Uhr staats-Oper Üm Mi der Rcpablft Vorst. 69 19"- Uhr ote stumm« von Portio! Ende 22"- Uhr Donnerst., 2«. 4. StidL Oper Bismarck str. Turnus III 20 Uhr Der TioiMom Ende 22*4 Uhr Staat). Stosph. in Ge-drnenmrU St. R. I Do. Ho. 7 Jlhm-Il).-!. Ho. 97 19 Uhr wird HUI üinnesUen? Ende 21 V. Uhr ilaall.Sdiiller-Mer.Oiarlttig. 20 Uhr Das Friedensfesl Ende 22 Uhr Tägl. 5 u. Ö'l, Uhr. B» BarD.«258 Pr. 1-6 M. Wochentg. 5 U. SO Pf.-3 M. Amerikas ■ WlV berühmtester Clown und 9 weitere Varieti-Neuhelten «o?! K _ BerOaletpeigeWr ajia DAS CEPFIEgIe ERZEUGNIS DER ÄLllslEN MALZBIERBRAUEREI GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr; Hur noch 7 Yorstellungen! 3 Musketiere Regie; ERIK CHARELL M» Direktion: Dr. Martin Zickel mKM Komische Oper Fnedrlclistr.t 04. Merkur 1401,4330. Täglich 8'/« Uhr Majestät lässt bitten Jlusik von Walter Kollo. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bcrgmcmn 2922/23. 8'h Uhr Geschalt mit Amerika. Vorverkauf In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. m i Winker ★ uarren* Reste, Fabrikabfälle für Leib- und Bettwäsche VarrkauSszeld -S Kl Bar. Sona «oolionisoltoPoiitwodoraltdlsroliof».-9. ib«n«as»-a UDar B erlln* Adlcrshef, Adlet OegenOher Stadtbaha. Ftrnspr.: Uttrdwf 137. 231. 241 S.lSUlir Zentr. 2818 Baatiini er«tili Otto Reutter US». Theater i.d.Behrenstr. 53-54 SV« Uhr A 4 Zentrum 926-927 SV* Uhr Direktion Ralph Arthur Roberts Letzte I AotttUirunSe» .. Vater sein, dagegen sehr #v. um- CASINO-THEATER»*uhr Lothringer Strafte 37. Nur nodh bis 30. April Der wahre Jakob Sonnentag, den 1. Mal zum 1. Male Die Berliner Posse Rentier Mudlcke Qutscnein tür 1—4 Personen Fauteuil nur 1.25 M-, Sessel 1.75 AU Sonstiee Preise. Parkett u. RansoJtOM Reichshallen-Theater Abends 00 Sonntag nadun.[T] (zu halben Preisen) Stettiner Sänger TaijKiasa 11-7, Abendtiasss ab 6 Uhr. lentmm 11263. Dönhoff. — Konzert r© 1 1 1: Tanz -Theater Wndnlaao 2197 i.tÜtE Täglich sV« Uhr Flamme mit Kilc Dorsch Franz Lederer Operettenhaus Alte Jakobstr. 20/32 (Zentral«Theater) Dönh. 2047 Täglich 9i,, Uhr Das Land des Lächelns von Lehar VolksbUlme Tbuttr am Bülowplah. 8 Uhr Das Lied von Hohohen Ein Negerstflck v. Gold-Weisenborn Musik: W. Qrosz Iizi,: Htim DiffridiKmlir Staatl.tdiiller-Th. 8 Uhr Das Friedensfest M\m TKeatiü D 7 WeidiadJinm 5201 8'/, Uhr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg.: Max Reinhardi Kammerspleie 1 2 Weidsoda üi 31 5201 8',. Uhr Die liebe Feindin RimUif von A. P. Antaini Regie: Gostif Grüochfos Die Komödie II Bismck. 2414/7516 8Vi Uhr Die Kreafar Sthjotpiil ns Fort. Credut Begii: Mu Bslatardi lötslsr d. Westoni Täglich 8'/, Uhr: Paganini R.Taubtr.V.Scliwari Theater ein Sdiillbauerdainin Gastspiel d. kleinen Theaters 8',- Uhr madarna hat Ausgang I. Tktllmm, Hoonr.mn, Wilnaso. Lw.nti Vorverk ununterbr Norden 281 u IUI Dir. Dr. Hartii Zidil Komische Oper Kriedrishstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8';» Uhr Majestät läßt bitten... Mnik ioh Walter Rolle. Lustspialhaus Friedrichstr. 235. Bergmann 2922-23. Täglich 8'ä Uhr Gescbailmif Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld BaniDvski-BQbDeD TAaUer la der Stresenaantir. (IrSur IltiMrltir Str.) Täglich S'/t Uhr Napoleon greiK ein nn Waller Basendever Komddinnhaua Täglich 8>/. Uhr; MhIbd SdiwBster üHd ich Musik f. Ralph Binatrk} Residenz-Thutet Künsti. Leitung Gaston Briese Täglich 8V« Uhr Efsrieke Bandtankd. kalbe Pr. Piscator-Biiliaß im Wallner-Theater Alexander 4592,<93 Täglich 8 Uhr: Uovarkold■ Gaslsplti „Brülle China" Ab 28. 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Der Begriff Hoch* s ch u l r e a k t i 0 n ist zum alltäglichen Schlagwort geworder». Die sich inehrenden Ausschreitungen nationalistischer Studentengruppen, die sich der niedrigsten Lausebubenmethodcn bedienen, haben in weitem Maße die öffentlichste Aufmerksamkeit hervorgerufen. In den Parlamenten und in der Presse geht immer wieder die Diskussion um die politische Radikalisierung und Verhetzung der akademischen Jugend. Hierbei fordert man allgemein ein Eingreifen des Staates durch reformerische Maßnahmen; man debattiert Fragen des Studentenrechts, der studentischen Selbstverwaltung und der Hochschulreform. Man nennt die Studenten und will die reaktionäre Studentenmehrheit, die vennöge des vollen Geldbeutels des Vaters studieren kann, ersetzen durch Studierend«, die begabt sind und aus den unteren Volksschichten kommen. Man nennt die Hochschule, den organisierten Bildungsapparat, und will sie ihrer überalterten Romantik entkleiden und sie verwaltungsmäßig sowie technisch den Erfordernissen der Neuzeit anpassen. Das alles ist gewiß richtig, und die erstrebten Aenderungen werden nötig sein. Aber in demselben Maße gilt es, mit ähnlicher Deutlich- kcit einmal auch die Hauplträger des jjochschulwesens und Mittler der akademischen Bildung, die Professoren, in die Kritik einzubeziehen. Von ihnen redet man nicht offen und nicht energisch genug; vielleicht, weil sie unter dem Nymlrns der Weisheit achtungsvoll verborgen bleiben, vielleicht, weil sie sich selbst mehr und mehr in den Hintergrund rücken. Dabei aber sind sie die Sachwalter und staatliche» Funktionäre der akademischen Lehrstätten, die Lehrer und Erzieher des geistigen Nachwuchses im Staate.. So ist es wohl an der Zeit, daß wir Studenten einmal aus- sprechen, wer unsere Professoren sind und wie sie ihr Amt vor uns und vor der Gesellschaft erfüllen. Man weiß von den Professoren nicht viel inehr als von der Reichswehr: die Herren beziehen von der Republik ihr Gehalt,, sie haben den Eid auf die Weimarer Verfassung geleistet— und sie tuen im Grunde nichts für diesen Staat; sie lehren um der Lehre willen, sie forschen um der heiligen„Wahrheit" willen, aber selten einmal sind sie bewußte Geistestämpfer im Dien st« des Volks st aates mit dem Gefühl der Ver- pflichtung und Verantwortung vor den Millionen übrigen Volksgenossen. Wir nennen aus einer.Reihe von etwa fünfzig dieser Hochschullehrer.Namen wie Radbruch, Heller, Suizheinrer, Tillich, Vorn, Hellpach,> Anschüg, Schreiber, Kahl... Aber.es gibt einige tausend Hochschulprofefforeii in Deutschland, und ivenn wir diese Masse besehen und den Durchschnitt stich«», so bleibt das Ergebnis: unsere Professoren sind reaktionär! Das beweisen wir nicht nur an den Erfahrungen, die wir Studenten täglich in den Vorlesungen und Seminaren machen, nicht nur an den Erfahru>»gen einzelner überschwenglicher Pro- fessorennaturen, die sich, wenn es um ihre Stellung ernst wird, init irgendwelchen tattifchen Aeußerlichkeiten vor dem Minister ent- schuldigen oder gar den Z 31 für sich beanspruchen. Hier zeigen sich vielniehr nur die ain wenigsten Gefährlichen, die„Dummen" im politischen Sinne. Das sind die Harmlosen, die von Zeit zu Zeit aus Ressentiment dein neuen Staat Knüppel zwischen die Beine werfen wollen, aber es so anstelle», daß man es merkt und sie zurückwirft. Die Masse der Professoren redet wenig von sich selbst, sie schweigt über ihre Leistungen für die Gesellschaft, deren geistige Führer sie sein ivollen. Sie sordern auch wenig, solange man ihre geheiligte akademische Freiheit nicht antastet. Sie lwlten sogar Vcrfassungsreden am 11. August, weim sie weiterhin am 18. Januar die Bismarcksche Kaiserrcich-Gründung behimmeln dürfe». Sie ertragen sogar jüdische Professorenkollegen, wenn sie dafür täglich in den Kollegs den billigen Beifall phrasenhimgriger. nationalistischer Hörer einheimsen dürfen. Man höre sich nur einmal das Studcntcngejubel an. wenn der Berliner Professor B o r n h a k die Reichsverfassung für einen unverbindlichen Gefetzestert erklärt! Ach, unsere Professoren dulden scheinbar in dieser Republik, die die Hochschulen autonom läßt; sie halten ihren Eid und bäumen sich innerlich auf. Sie hoffen auf die Masse dttser heutigen Studenten, die so frei sind, gegen Minister und Staat offen rebellieren zu dürfen, dl« es sich leisten können, ohne geistig verpstichtet zu sein, zu tämpsen wie der Straßenpöbel mit Schlagringen und Stink- bomben. Es gab Zeiten im deutschen Geistesleben, wo die Professoren führende Männer des politischen Lebens waren, wo sie sich init aller Macht für oder gegen bestehende Zustände aussprachen und die Nation auf sie hörte. Man hat nicht ohne Gnind das Frank- f urler Parlament das Professorenparlament gc- nannt. Ilnd von dort ging dann eine Strömung und geistige Durchdringung auf' die Studenten aus. In diesen Zeiten hatte alles, was akademisch war, sich vor dem Volk das Recht erwirkt, ernst genommen und gewertet zu werden. Diese Zeiten sind vorüber: Die Hochschulen sind nicht mehr die Stätten der geistigen Führung, die Studenten nicht und ebenso wenig die Professoren. Fragt unsere Professoren, wo sie politisch stehen. Für oder gegen den Staat? Sie antworten nicht, sie weichen aus. Sie nennen sich u n p o l i N s ch oder überparteilich. Das aber, wenn nmn es nicht Feigheit nennen will,- ist das Zeichen der Schwäche, der eigenen Entrechtung. Sie gehen denselben Weg, den das deutsche Bürgertum mit dem Ausstieg des deutschen Militär- staates nach 1870 gegangen ist: den Weg der Entgeistigung und des passiven Beiseitesteheus, wo neue Kräfte lebendig werden, neue Volksschichten Träger staatlichen Seins geworden sind, dencn sie Helfer zu fein berufen wären. So ist es kein Wunder, daß der nn Volksmund längst bekannte Professor— kurzsichtig, hinter der eigenen Brille begraben— zum Typ uisscrer Zeit geworden ist. F a ch s i m p l c r, die lohraus und jahrein dasselbe Kolleg lesen, S p e z i a l i st e n, die ihr Leben long eine neue Formel suchen oder ein Stück Schrift zu entziffern bemüht sind, wirken nicht mehr fremd, sondern natürlich. Die Z u s a m m e n° hänge des Tages verblassen ihnen hinter dem Bewußtsein. daß alles Moderne verderbt sei und alles Alte entweiht werde. Nur eines bewahren sich unsere Professoren, und das ist ihr letztes Stückchen Klugheit, hinter dem sie sich verbergen und mit dem sie allen volksseindlichen Elementen zum Helfer werden: sie sind national. Aber auf ihre Art! Was nach Wehrhaftigkeit um jeden Preis schreit, was von Lolksgemeinschast im Dienste der Heilig- kcit des Eigentums faselt, was von Religion schwatzt, weil sie dem Volk„erhalten" werde» muß. das ist ihnen natioiial. Bewegungen und Menschen, die als Pazifiste», Antiimperiolisten, Sozialisten oder Demokraten wirken, sind ahn« weiteres nicht national, sondern Phantasten, Internationalisten oder gar verjudete Gauner. Daher kommt es, daß an den 5>ochschulen Korporationen, völkische Freischaren, Stahl hclmgruvpen, Kolo- nialvereinigungen usw. anerkannt, gefördert und geschützt werden—, sie gelten überparteilich, unpolitisch und national! Da- gegen werden sozialistische und andere Links- gruppen der Studenten von den Hochschulsenaten immer wieder nicht zugelassen oder bei jedem Anlaß in ihrer Betätigung ein- geschränkt und verboten—, den» diese stempelt man zu Partei- fanatikern, die die Ordnung der Hochschule gefährden! Wir ivollen allerdings nicht ocrschweigen, daß hier Besserungen und Wandlungen im Werden sind. Nicht mir durch staatliche Einflußnahme— diese wirkt oft gerade henrmend, wie n. a. die Herauf- setzung der Alrersgrcnze der Professoren oder das gegcnwänige Be- rufungswesen, sondern durch das allmähliche Vordringen neuer Studenten- und Prosessorenschichten. Es kommen in letzter Zeit bereits junge Professoren an die Hochschulen, die von ihren Hörern anders als die Masse der akademischen Lehrec betrachtet werden, die besser« Pädagogen sind und die bei allem Fachstudium die gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Zu- Frou Meier ist platt, als eines Tages ein Zeitungsmann bei ihr erscheint, um sich nach dem Ergebnis ihres ersten Erziehungsversuchs zu erkundigen. „Es ist durchaus kein« Spionage dabei, liebe Frau Meier, unsere Leser haben es im..'Abend" schwarz auf weih gesehen, daß der kleine Hans M i e s e m a n n aus Bremen zu Ihnen geflüchtet ist, und nun brennen wir alle daraus, zu erfahren, wie Sie mit diesem, Ihrem ersten Kinde sozusagen, fertig geworden sind, möchten auch wissen, ob Ihr Mann, der doch in Erziehungssragen anderer Meinung ist, Ihnen keinen Strich durch die Rechnung gemacht hat." Frau Meier macht zunächst ein verlegenes Gesicht, kaiin auch eine gewisse Enttäuschung nicht verbergen, so, als ob alles schief ge- gangen wäre, legt aber dann doch ganz entschieden los: „Was Erziehung ist, Herr Berichterstatter, das weiß ich ganz genau. Erziehen heißt, aus dem Innern herausziehen, so wie man etwa aus einem Samenkorn durch sargfällige Pflege eine Pflanze zieht, die schließlich Blüten und Früchte trägt. So steht es wenig- stens auf Seite 1 von dem kleinen Heft, das ich mir gekauft habe. Und so stinimt et auch, die Pfleg« inuß et machen. Sehen Sie sich doch gefälligst meine Jeranien an: von alleine wächst ja»ischt im Blumcntopp." „Und nun wollten Sie sagen, liebe Frau Meier, daß sich der klein« Miescmann unter Ihrer sorgfältigen Psiege auch zu so einer blühenden Pflanze entwickelt hat?" „Den Deubel hat er! Entwickelt hat er sich schon, und daß ein Unkraut davon geworden ist, kann ich eigentlich auch nicht sogen. Aber es ist alles so ganz anders gekommen, als ich mir vor- gestellt habe. Sehen Sie, ich habe mir alles so nett ausgedacht. Jeden Morgen, wenn es im Geschäft noch ruhig ist, wollte ich den Jungen«in« Stunde oder zwei vornehmen, ihm Geschichten von braven Kindern vorlesen, ihni ein bißche» ins Gewissen reden— er hat doch die tolle Zicke mit dein Fluchtversuch gemacht, wissen Sie— und damit wollte ich das Gute, was nun mal im Menschen drin steckt, ranslocken. Ja, der Himmelhund ließ sich inan nicht lacken! Bei jeder Gelegenheit k n i f s e r m i r a» s. Wollte meinem Mann !in Laden helfen, nach dem Lager rennen, Ware nach der Kundschaft bringen. Mein Mann hat ihn dabei gewähren lassen und da? war verkehrt." „Wieso denn, Frau Meier, der Junge tat doch nichts Unrechtes?" „Entschuldigen Sie. Herr Berichterstatter, hier muß ich Sie be- lehren. Mit der Erziehung ist es geimu so wie mit der Zahnpraxis. Zu allererst muß der Patient mal stille sitzen; erst denn kann ich dran gehen und ihm die Würmer aus der Nase ziehen, wie man so sagt. Mein Mann lacht mich natürlich aus: Du mit deinem Sanft- mutssimmcl! Prügel muß der Bengel haben, dann hält er von alleine stille, und dann kannst du ihm eintrichtern, was du willst. Aber Sie können sich ja denken, daß er sich an fremden Kindern nicht vergreift." Der Zeitungsmann hat inzwischen Frau Meiers kleine Er- ziehungsbroschüre ergriffen und darin geblättert. „Das Muiterherz", sagt«r artig zu Frau Meier, die darüber hold errötet,..wiegt sich gern in der Hoffnung, daß es ganz allein in der Lage ist. Erfolg oder Richterfolg der Erziehung zu bestim- wen. Es gibt aber außerdem noch eine ganze Anzahl von Mit- erziehcrn. die einen mindestens ebenso großen Einfluß auf das Kind ausüben Sehen Sie. hier aus Seste 3 Ihres Heftes ist von diesen Faktoren lne Rede; sie werden in ihrer Gesamtheit als Milieu bezeichnet." sammenhänge nicht außer acht lassen, sondern in Verbindung mit ihrer Wissenschasi vielmehr aufzuzeigen und zu tlären suchen. Diese Prvsessoren, die zumeist noch unter dem niederen Titel der Privat- dazenten oder ni-chtbea mieten Professoren ran- gieren, werden van einer neuen, aber noch kleinen Studeiiteiischafi, die sich aus den Reihen der republikanischen Studierenden, der links- bürgerlichen, der Arbeiter- und Werkstudenten stark und bewußt heranbildet, nicht nur als Fach- und Pflichtdo.zenten gehört, sie werden vielmehr immer weiteren Studentenkreisen auch mensch- lich autoritäre Lehrer. Die Mass« der heutigen Professoren weiß und fühlt das noch nicht. Es nützte ihr auch wenig. Sie ist reaktionär; sie kann nichl anders, weil sie im Grunde diesen Staat nicht will, ihn aber trotz- dem fester niid fester werden sieht. Die Demokratie ist nickst in Gefahr, wenn nationalistische Studenten den Minister beschimpfen oder bestürmen, auch nicht, wenn eine„nationale" Professorenschaft mit der Faust in der Tasche duldet oder murrt. Ueber alles, was sich lachhaft macht oder komisch wirkt, geht die Zelt hinweg. Freilich, wo es nötig wird, muh der Staat kurz entschlossen und fest zu- greifen, noch mehr als bisher geschehe» ist. Die zu erwartende Hochschul- und Studienreform wird auch an den Professoren nicht vorübergehen. Wenn dann die Professoreirschaft den Mut aufbringt, endlich ein entschiedenes Ja oder Nein zu sagen, um so besser! Das Schweigen muß durchbrochen werden. Wir Studenten werden immer lauter unseren Professoren sagen, wenn sie weiter nur„vorlesen", Stunden absigen und absitzen lassen: Die d e m o- kraft i che Gemeinschaft braucht andere Menschen an eurem Platz. Ihr seid uns Schülern nicht mehr Autorität und dem Staat kein Nutzen. Wenn ihr euch nicht ändern könnt und nicht bekennen wollt, dann verschwindet!, Heinr Hasen. „Und da soll ich als Mutter die Hände in den öchofcJfcjÄ'it lassen, soll es seelenruhig mit ansehen, wie der Junge so ein Mstlsöh- geschöpf wird, wie der,»a, wie heißt er gleich, der Zille sie gezeichnet hat? Das wäre doch..." Es kostet allerlei Wort«, un> die erregte Frau zu beruhigen. „Ausschalten können Sie diese Umwelt überhaupt nicht; denn Sie können das Kind unmöglich vom Laden, van Tanten und Verwandle», van der Straße und den Spielkameraden fernhalten. Das ist auch gar nicht wünschenswert. Alles, was Sie können, ist, das Kind vor dem Milieu zu bewahre», das Ihnen als verderblich er- scheint." „Nach meiner Meinung ist die ganze Umwelt verderblich!" erbost sich nun die gute Frau.„Wenn ich nach Ist Tagen Erziehung?- arbeit bekennen muß, daß all meine guten Absichten für die Katz waren, dann muß nach meiner Meinung ein cn-dentlichez Kind von der Straße weg oder d'o Eltern und Lehrer können getrost einpacken." „Sie sagten selbst, Frau Meier, daß Sie sich dem Jungen nur für eine oder zwei Stunden am Tage widmen tonnten. Wie vie'e Eltern ezibt es, die nicht einmal diese wenige Zeit aufbringen können! Wer soll sich nun des Knabe» in all der übrigen Zeit annehmen? Die Erwcrbsnat unserer Zeit drängt die Väter und Müller ganz van selbst, ab sie nun wollen oder nicht, aus ihrer bisherigen Er- zieherstellung heraus. Di« Kinder sind auf sich allein a n g c- wiesen, sie meiden das Haus, sie suchen sich eine ander« Um- gebung." „Freilich," muß Frau Meier bekeimeil,„der Hans war cigent« lich nur zu den Mahlzeiten sichtbar; weiß der Kuckuck, wo er sich immer herumgetrieben." „Und nun fragen Sie einmal bei Ihren Kundinnen»ach, Frau Meier, was die von dem Privatleben ihrer Kinder wissen. Die meisten werden die Achseln zucken, verlassen Sie sich darauf, werden sagen: Sie stecken im Turnverein, beim Fußballklub. vielleicht gar bei de» K i n d e r f r c» n d e n Und dann haben sie ihre kleinen Börsen, wo Austauschgeschäste in Briesmarken nn» mancherlei Reklamebildern getätigt werden. Ich sehe, Sic staunen. Frau Meier; Sie haben van all diesen Diirgen vermutlich nach gar nichts gewußt?" „Wie sollte ich wobl, bester Herr! Glaube» Sie vielleicht, ich habe tagsüber Zeit, die Fußballpille zu treten oder aus dem Treppen- absah stundenlang mil Zigareltenbildern zu schachern� Meinen Sie am Ende, daß ich als Erzieherin auch in dieses sogenannle Milieu reinkriechcn soll?" „Gewiß nicht, Frau Meier. Aber an da» Gedanken müssen Sie sich inzwischen gewohnt haben, daß Sie als Erzieherin nicht a s l» mächtig sind. Straße und Spielkameraden, Nachbarn und Ver» wandte, Kindergarten und Schule, Sport- und Wandergruppen leisten ihr gut Teil Erziehungsarbeit mit, ja, lenken die Erzi-churijr mehr und mehr in die Bahnen der O e f f c n i l i ch k« i t. Unter- schätzen Sic auch die Borzüge dieser Wandlung nichl, Frau Meier." „Ja ja, die neuen Zeiten." sagl Frau Meier nun mit einem Seufzer;„mit dem Bubikopf allein ist man noch kein moderner Mensch, Ich will mir die Sache mit den Mtterziehern mal durch den Kaps gehen lassen." „Und es gibt twch ein Drittes, das die Macht Ihrer Erziehung beschränkt," sagt der Zeitungsmann nun vorsichtig. „Kein Wort mehr!" wehrt sich Frau Meier;„ich habe mich von der ersten Niederlag« nach nicht erholt. Aber besuchen Sie mich später mal wieder, wenn Sie wollen." Frau Meier ist platt Sin Interview (12. Fortsetzung.) Mara lächelte ihm zu:„Du hast recht behalten, mein Kleiner. Ich bin hier.- Ougulin verrnmrt« sich in Wut.„Ich ha-b's gewußt. Ich hätte darauf schwören können, bei meinem Leben. Wußte ich doch auch, ldaß du dich für den Mann, den du liebst, auch opferst, chab' ich es nicht erlebt? Ist nicht deshalb meine Seele wund geworden und mein Leben olt?" Di« Tatarin verharrte in eisigen, Schweigen. „Du liebst einen Mann!" Mara erhob sich rasch und beschwingt. Blieb dicht vor ihm stehen.„Ich liebe einen Mann. Es ist derselbe, um dessentwillen ich hier bin. Es ist unrichtig von dir, Genosse Oogulm, daß du persönliche Gefühle in Angelegenheiten mischst, die nicht dich, mich oder ihn ollein berühren, sondern vielleicht die ganze Welt." „DI« ganze Welt?!" Oogulin lachte bitter ans. ,/)ast du an die ganze Welt gedacht, als du für mich gekämpft oder dich geopfert hast? Geliebt hast du mich, nicht mehr. Warum belügst du mich dann setzt, wo keiner dich so kennt wie ich." „Du warst nicht der einzige. Der aber, den du hassest, ist der ekizig«." „Morgen schon ist er Masse. Und du wirst auch von ihm gehen, wenn du dich für nichts mehr zu opfern hast. Und er wird so alt werden wie ich und auch so krank wie ich. Und du wirst ein- mal zu ihm kommen wie heute zu mir. Dann wird dich einer niehr hassen." Mara wurde ganz still. Nach einer Pause eröffnete sie von neuem das Gespräch.„Genosse Oogulin, willst du.mich nun anhören?" „Genossin Swarsk, ich will dich anhören." Mit einer unsicheren Bewegung lud er sie zum Zitzen ein und sagte:„Vorerst will ich dir danken für die Rettung meines Lebens. Du hast getan, was jeder in Rußland an deiner Stelle getan hätte." Sein Blick war fest auf sie gerichtet. Und nun sprach Mara von China, von den Kulis, von der Erbitterung und dem revolutionären Gedanken, zuletzt aber von D. Oogulin nickte bloß, zustimmend, verstehend. Erweckte des öfteren den Eindruck, nicht zuzuhören und in seine eigenen Gedanken verstrickt zu sein. Niara jedoch sprach mit Glut und Innerlichkeit. Ihre Rede steigerte sich zum Fanatismus, gipfelt« in dem Schluß: Rußland habe die revolutionäre Pflicht gegen sich selbst, die Bewegung in Ehina zu nähren imd als Patron schützend über ihr zu stehen. China sei die große Lebensnotwendigkeit des gesamten Bolschc- wismus, wem, sein Bestehen eine Welterrungenschaft darstellen und nicht engherzig sich in«ine Lokalangelegenheit wandeln sollte. China sei Asien, Asien die neue Welt. Kühl und gelassen erwiderte Oogulin:„Ich bin über alles orientiert. Der Sowjet Hot China lange schon ein starkes Interesse gewidmet. Wenn ich mich nicht täusche, gingst du selbst auf Auf- forderung ins Ausland, um im Intcresie jener Sache, die du heut« so begeistert vertrittst, schon damals zu arbeiten. Der Sowset reagierte bisher nicht. Das mochte dich in Lerwirrung gebracht haben." Mara entnahm ihrer Tasche, die sie bis jetzt nicht aus der .Hand gelassen hatte, ein Bündel Akten, warf es auf den Schreibtisch des Kommissars,.„stier ist der Garantiepakt, den wir brauchen." Oogulin überflog ihn mit aufreizender Oberflächlichkeit. Mara fieberte vor Erregung. Erst dos beiliegende Schreiben des Sowjet- gesandten in Schanzl�ai versetzte ihn in Bewegung. Er war sichtlich erbittert. Erhob sich. Durchschritt rasch den Raum. Blieb endlich stehen. „Der Gesandte scheint über die Politik nicht sonderlich orientiert zu sein. Und es bestehen seit fünf Minuten in mir die un- angenehmsten Befürchtungen über die autonome Herrschaft unserer Vertreter im Ausland, die uns die gefährlichsten Konflikte bringen könnten. Du selbst, Genossin Swarsk, scheinst diesen Dingen fremd geworden zu sein. Ich glaube, du stehst unter falschen, irre- führenden Einflüssen. Du mußt wissen, daß unser System praktisch geworden ist, seitdem sich erwiesen hat, daß ein Staat an Theorien verhungert, und wir all« daran krepieren müssen. Ein Grinsen verzog sein Gesicht. Sein« Augen verschwanden gänzlich. Den Rauch seiner Aigarett« blies er vor sich hin. „Ich will dich mm, Genossin Swarsk. über die Ding« in Klar- heit setzen. Den Gorantiepakt, den du unterbreitest, wird der Sowjet niemals unterfertigen, da im Augenblick Rußland keinerlei Interesse am Ausland hat. SPir haben uns sozusagen mit einer chinesischen Mauer umgeben, die uns von allem, was sich außer- halb unseres Staates zuträgt, abschließt." Behaglich setzte er sich in seinen Thronsessel, lehnte sich geborgen zurück, verschränkte im vollsten Machtbewuhtscin seine Arme. „Jedoch, wenn ihr genug tüchtig seid und von uns in den wenigen Jahren gelernt hobt, könnt ihr es zu etwas Anständigem bringen. Der Boden, auf den die neu« Revolution gesät wird, ist gut und verspricht ein« üppig« Ernte abzugeben. Im gegebenen Augenlick wird es an unserer Hilf« nicht fehlen, und ich hoffe zuverstchtlich. daß die beiden Reiche den Sturmblock zur Welt- repolution bilden werden. Das alte, dumme Europa wird bestimmt daran glauben müssen." Oogulin hüllte sich immer dichter in Rauch ein. Verschwamm zu einer formlosen Masse. „Weißt du, was du bist?" schrie ihn Mara an.„Ein zaristischer Beamter, der sich um ein paar Rubel Monatsgehalt die Füße und den Verstand abtritt. So bist du, wenn man dich hört. Ein Zar hinter einem Postschalter, das bist du, du Bauer!" Mara schlug mit beiden Fäusten auf den Schreibtisch. Unwillkürlich wich Oogulin zurück und hielt abwehre nd die stände vor sich. .„Ich werde dir beweisen, daß du lügst! Ich werde dem Sowjet beweisen, daß du ihn betrügst. Was du mir da erzählst, das könnt ihr den ausländischen Zeitungen sogen, mir aber, die ich eure Politik in Unterhosen gesehen habe, mir müßt ihr schon imponierender kmmnen. Ich werde dir und denen, in deren Namen du sprichst, klipp und klar beweisen, daß ihr ganz China und die Mongolei mit Agenten durchsetzt habt, die in stümperhafter Weise euer Prestige an einem Tage mehr ruinieren, als.. Oogulin stieß den Stuhl rücklings von sich, daß er umtippie. Mit beiden ständen langte er nach Mara. Di« Tatarin warf ihn zurück, daß er strauchelte.„Benimm dich anständig. Ich gehe zu..." Sie machte eine Bewegung zur Tür. Oogulin schnitt eine komische Grimasse. Die Tür war»er- sperrt.„Ich weiß, zu wem du willst. Al>er, du wirst wenig Gelegenheit dazu finden. Du wirst weder Rußland noch China mehr sehen. Denn nun ist die Stunde für mich gekommen." Einer Mappe entnahm er wohl ein Dutzend Briefe und hielt sie ihr vor die Nase.„Da! Lies! Wird das bekannt, mußt du sterben." Mara überflog die Schreiben. Dann schrie sie erbittert:„Das ist Verleumdung!" „Die Briese sind ans dem Weg zur Tscheka." „Die Briefe sind gefälscht." „Aber sie beweisen." „... daß du ein Schuft bist." „Daß du in Verbindung mit England stehst. Daß du im Aus- land gegen den Sowjet gearbeitet hast." „Und der Garantiepakt?" Oogulin wippte:„Gewiß bist du unschuldig. Auch sind die Briese gefälscht. Mein Sekretär, den du erschossen Host, war in solchen Dingen ein tüchtiger Mann." Vor Maras Augen drehte sich das ganze Zimmer und ver- schwamm zu eincin sormlosen Grau. Ein Gedanke schoß ihr blitz- artig durch den Kopf. Sie gewann wieder vollste Klarheit. Ueber- legte külst. Sagte mit Ruh«:„Also«ine Fall«, in die ich dir ging. Eine Mausefalle." „Warum eine Falle? Ich war überrascht, dich auf einmal vor mir stehen zu sehen." „So," war die langgedehnte Antwort Maros.„Der Sekretär hat nrich dir doch gemeldet?" Der Komrnissar zog die Stirne in Falten:„Er hat mir jemanden anderen gemeldet: jemanden, den ich auf keinen Fall vorlassen konnte. Um so mehr war ich erstaunt, als du plötzlich hereinstürztest. „Der Sekretär hat mich doch mit meiner Legitimation bei die gemeldet." Oogulin sah sie groß und nachdenklich an.„Er nannte mir bloß einen Namen, aber nicht den deinen." „Wäre ich also diesmal meiner impulsiven Natur nicht gefolgt, ich hätte deiner Falle leicht entkommen können." Oogulin empfand tiefe Genugtuung. „Wann werde ich verhaftet, Genosse Ougulin?" begann wieder Mara mit frostiger Stimme. Sie lehnte in einer Eck« des Zimmers, den Kopf ein wenig geneigt: das staar verhängt« ihr Antlitz. „Bestimmt morgen, Genossin Swarsk", antwortete der 51om- missar sehr nüchtern. „Zwischen heut und morgen liegt noch eine Nacht, eine lange Nacht. Sie genügt mir, mich auf mein Leben zu besinnen." Ihre Stimme klang verschleiert, aber ihr Ton war bestimmt. „Ich werde dich nun auf dein Zimmer bringen lassen. Bis zu deiner Verhaftung bist du inein Gast. Vielleicht nicht mit allen Freiheiten, wie man es andernfalls gewohnt ist." Er drückte auf einen Knopf. Mara war keines Wortes mächtig. Oogulin wog den Garantiepakt in seinen ständen, warf ihn mit einer leichten Geste auf den Schreibtisch.„Morgen ist alles Asche. Und du kannst sie dir aus den Kopf streuen." Mara war in sich zusammengesunken, als die Tür sich öffnete und zwei Muschiks eintraten. „Bringt Genossin Swarsk auf ihr Zimmer." Sprach? und setzt« sich gelassen an den Schreibtisch.(Fortsetzung folgt.) eBuch 3)as JCeiden am 9ch „Anweisungen und Betrachtungen zur praktischen Geistes- fiihrung" verspricht Wilhelm Michel in einem bei Carl Sckstincmann, Bremen, erschienenen Buche„Da» Leiden am I ch" z» geben. Anweisungen zur Lebensführung würden sich mit dem Aufeinandcrprall von Ich und Welt zu beschäftigen haben, Anweisungen zur Seelenhaltung mit den Beziehungen zwischen Ich und„Gott". Beides meint Michel nicht, sondern er macht den Widerstreit zwischen unserem einen Ich und unserem anderen Ich zum Gegenstand seiner Untersuchung: unsere Zerrissenheit, Zwie- spältigteit, Zerspaltenheit, Entzweiung, unsere dunklen Aengste, quälenden Nöte: das Leiden des Ichs am Ich. Einzuwenden bleibt, daß Wilhelm Michel durchaus davon aus- geht, daß Ich fei eine souveräne Gegebenheit und man könne es durch Belehrungen, durch gutes Zureden, durch Gebote bestimmen, sich zu ändern, zum inneren Frieden, zur Vollwertigkeit zu gelangen. Dos Ich, unser seelisch-geistiges Besinden in seiner Totalität(also nicht nur jenes Tcil-Ich, das die Sumiik aus Charakter und Ver- anlagung ist), ist vorwiegend Produkt äußerer Umstände: der sozialen Lage, der erotischen Spannungen, der Unsicherheit unserer vom Tod und vom Nichtwissen, was nach dem Tode geschieht, über- schatteten Existenz als Kreatur. Will man die Beschaffenheit des Ichs ändern, so wird man zu erwägen haben, in welcher Weis« die Dinge geändert werden müssen, in die das Ich gestellt ist, aus denen es seine Färbung bezieht. Wilhelm Michel nimmt von den ent- scheidenden Motiven der Körper- und Ideenwelt, die das Ich beeinflussen, kaum Notiz: er will das Ich ausschließlich vom Ich her restaurieren, unserem standeln die Nebengedanken an Lohn, Ruhm, Zweck austreiben, die Lieblosigkeit verscheuchen, die Neigung zu hämischer Ironie töten. In Einzelproblemen schürft Michel vielfach sehr tief, zieht allerletzt« Konsequenzen, verfolgt Daseins- fragen bis in ihre Urgründe, Urabgründe hinein, kommt zu ver- blüffenden, phosphoreszierenden Formulierungen: ober am End? steht doch das Gefühl, mehr einem feinsinnigen und überkultivierten Philosophen als einem praktischen steifer aus Seelen« und Geistesnöten begegnet zu sein. Hsns Bauer. «» FÜR DEN KLEINGÄRTNER. ■iiiiii&inuigHUiuinunnBnnBiwiiiiuiiiiniimwiiiiuiuuiiinniiiminuiinuiUuminiiiniifliiuiuiiiininiiuuiiirniuranuiiiiiuiuioniuuuiruiiuinuuiiiuiiiimDmummiimiüiiiiiiiiiiiniiinnw Artischocken. Unsere Gemüsegärtner klagen über schlechten Zlbsatz— haben sie schon mal versucht, dem großen Publikum etwas Neues preis- wert zu bieten? Wie wäre es mit der A r t i s ch o ck c, die heute in Luxusläden mit ewa 1 M. ausgezeichnet wird, während sie in den romanischen Ländern Volksnahrung ist. Die Kultur ist wohl etwas mühsamer als steranzucht sonstigen Gemüses, aber weiter nickst schwierig, so daß sie auch Dem Kleinsiedler empfohlen werden kann. Der M a i ist der passende Monat, mit der Kultur zu beginnen. falls man Wurzelschößlinge erhalten kann, welche Ver- »whrungsart besser ist als die durch Saat. Zur Zeit dürften wolst nur die großen Samenfirmen in der Lage sein, solche Schößlings aus Frankreich herbeizuschaffen, aber dieses ins Ausland getragene Geld wäre nützlich angelegt. Samen dürste es in Deutschland geben und man kann ihn im Mai, auch noch im Juni, in hohe Töpfe säen (zu zweien, nachher die stärkste Pflanze stehen lassen!), diese frvstfrei überwintern und im Mai nächsten Jahres auspflanzen— also zwei- jährig« Kultur(nachher eigene Wurzelschößlingevermehrung). Will man durch Aussaat im Mai Pflanzmaterial haben, so muß man ausgangs Winter im PZarmbeet aussäen. Die Saat gibt aber nicht immer reine Nachzucht. Bei guter Pslege: beste Gartenerde, warme Lage, sorgfältige Bewässerung, reichlich« Dung- gllsse— kann man ab August die Blütentöpfe ernten, deren Fruchtboden und untere fleischige Teile der Kelchblätter verwendet werden. Pflanzweite allseitig ein Meter — man kann zunächst Zwischentulturen(Salat, Kohlrabi) machen. Di« Artischocke ist mehrjährig— bei verständiger Behandlung hält sie vier bis sechs Jahre aus. Will man sie im Lande lassen, so oerlangt sie sehr starken Winterschutz— es ist besser, die Pflanzen mit ihren Wurzelballen aus der Erde zu nehmen und sie in einem trockenen Keller in feuchter Erde einzuschlagen. Dies ist auch des- wegen empfehlenswert, weil jeder aljen Pflanze nur zwei Wurzelschößlinge gelassen werden dürfen: man wählt dann die beiden kräftigsten au?. Die Abnahm« der anderen Schößlinge «folgt vor dem Wiedereinpflanzen im Mai. Die abgenommenen Schößlinge dienen dann der Vermehrung. Das Pflanzen geschieht an einem trüben Tage: bis zum Anwachsen beschatte man die Schößlinge. Bei den im Boden gebliebenen Pflanzen müssen die überzähligen Schößlinge ebenfalls abgenommen Verden. Man legt die Wurzel bloß und nimmt die Schößlinge so ob, daß jeder einen kleinen Teil des Wurzelstocks mit bekommt. Schnelle Ausführung der Arbeit ist erforderlich. B. D. Unkraut vertilgen. Die Monate April und Mai stellen die höchsten Ansprüche an die Zlrbeitskrast des Kleinsiedlers. Es gilt die neue Saat In den Boden zu bringen, gleichzeitig aber auch, Land, das vorläufig noch nicht bestellt wird, sowie solches, das mehrjährige Pflanzen trägt, von Unkraut frei zu halten. In diesem Jahre war die Trockenheit des Winters dem Wuchern der Unkräuter nickst günstig: nachdem aber auch unser Gebiet reichlich Regen erhalten Hot, beginnt das Unkraut üppig zu wachsen. Ihm energisch zu Leibe zu gehen, ist absolute Notwendigkeit— vor allein muß das Land von Peden frei werden. Aber auch die Miere ist ei» zähes Wurzelgewächs, das mit seinen Wurzeln entfernt werden muß. Das bloße Abreißen des oberirdischen Teils eines Unkrauts hat wenig Zweck— je radikaler vorgegangen wird, desto gesicherter ist die Ernte. Außerdem trägt die Lockerung des Bodens durch gründliches backen zum besseren Gedeihen der Kulturpftan-en bei. B. D. Saatzeit für Bohnen. Wegen der Frostempfindlichkeit der Bolznen ist es ratsam, die Saatbohnen so zu legen, daß die drei kalten Tage im Mai noch keine Pflanzen vorfinden. Die Hauptsaatzeit ist daher von Mitte M a i an Doch kann man Stangenbohnen, die eine längere Ent- wlcklungszeit hoben als Buschbohne», schon Anfang Mai legen. Wer früh« Buschbohnen haben will, muß sich die Mühe nicht verdrießen lassen, jeden Abend sich über die Frostgefahr zu vergewissern, um eventuell durch Umhüllen der einzelnen Pslanzen mit Heu die Gefahr des Erfrierens zu bannen. Bequemer und sicherer ist es, die Bohnen etwa Ende April in k l e i ne Töpfe, am besten Papp- oder aus Kuhmist hergestellte Töpfe zu legen und diese zunächst u n t e r G l o z zu stellen. Man versetzt dann die Pslanzen, eventuell mit den Töpfen, noch Abschluß der Frostperiode in den Acker, dessen Boden locker und nahrhast sein soll. Frühe, womöglich Herbst- Zubereitung des Ackers und Anreicherung durch guten Kompost ist wertvoll. Es empfiehlt sich mehrere aufeinander in Abständen von vierzehn Tagen folgende Aussaaten zu machen: als letzter Termin ist Anfang August zu nehmen, und die späten Pflanzen sind nötigen- falls durch Auflegen von Fenstern zu schützen. Die Buschbohnen so- wohl wie die Stangenbohnen sollen �anf Plötz« kommen, die der Lust und dem Licht offen stehen. Zu beachten ist noch, daß die Bohne gegen Krustenbildung des Bodens empfindlich ist. Man muß daher schweren(Lehm) Baden ordentlich lockern. Bei nassem Erd- bodcn soll man kein« Bearbeitung vornehmen. B. D. Die Erstürmung des ATSB. beim kommunistisdien Reichsju�cndtag in Leipzig Der kommunistische Sport oerbond hott« olles mobil geniocht, u,n beim Reichstreffen der Kommunistischen Jugend Ostern in Leipzig durch eine besondere„wuchtige" Demonstration in der Fichtestraße— dem Sitz der Bundesschule des Arbcitor-Turn- und Spartbundes— den Bundesvorstand vor der Macht des KPD.- «portaerbandes erzittern zu lassen. Ganze löo Don Quichottes in Sportkleidung, einschließlich der Kinder, hatten sich zu diesem lächerlichen Versuch zusammengefunden. Das war also die„Streitmacht" fencs�KPD.-Gebildes. das vorgibt, allein aus dem Arbeiter-Turn- und Sporrbund 100 OOO Ausgeschlossene in seinen Reihen zu zählen. Besser als durch diesen„Aufmarsch" konnte die Lüge von den 100 000 Auegeschlossenen nicht widerlegt werden. Die auswärtigen KPD.-Sportl«r haben vergebens sehnsüchtig noch den„Tausenden" Leipziger Mitgliedern des kommunistischen Spcrtoerbandes gelugt. Die Tausende kamen nicht, weil sie nicht existieren. Zlicht einmal der Redakteur des„Roten Sachsensporl" und zugleich Angestellter bei der„Sächsischen Arbeilerzeilung"(!), Mltig. hielt es für nötig, an der Demonstration teilzunehmen. Während der Zeit der Demonstration in der Fichtestraße und Innenstadt spielt« Wittig im Vorort Gautzsch mit seiner oppositio- nellen Monnschost gegen den kommumstrschen Verein Bitterfeld bei Holle vor 2g Zuschanern Fußball! Er hielt sich fern vom Schuh, wie das bei Komm un isten s ichre r n üblich ist.„Unzählige" Spiel« auswärtiger Mannschaften sollten am Ostersonntag im Rahmen des Reichsjugendtages stattfinden. Dieselbe Mitteilung des„Roten Sachsensports" enthielt die Aufforderung, daß die auswärtigen Mannschaften sich in einem Lokal melden sollten, um zu den Spielen «ingeteilt zu werden. Man wußte demnach gar nicht, wer alles kommen würde, und hatte weder Spielzeiten. Plähe, noch die Gegner feststehen. Das ist wohl das beste Beispiel für die Kraut- und Rübenwirtschaft im Kommunistischen Sportverbond. Das mit dein Reichsjugcndtreffen verbundene Reichstresfer, der oppositionellen Radfahrer aus dem über 300 000 Mitglieder um- fassenden Arbeiter-Rad- und-Motorradsahrerbundes„Solidarität" war gleichfalls ein Reinfall. Roch nicht 300 Radsahrer wies der Umzug auf. Kommunistisches Theater Marionciien an der Sirippe der Zentrale Der„A b e n d" hat vor kurzem auf die Rolle hingewiesen, die von den linientreuen Kommunisten im„Arbeitertheater- d u n d" gespielt wird. Dieser Bund ist, wie wir damals mitteilten, ganz in die Hände der Kommunisten übergegangen: Vorsitzender ist der auf den Namen Artur hörende Sprößling des Herrn Pieck. Unserer damaligen Glosse können wir heute«in neues Stückchen an- fügen, dos besonders die nicht kommunistischen Gruppen des Bundes interessieren dürfte. Das Oppositionsblott der Brandler-Richtung „Gegen den Strom" erzählt das folgende erbauliche Stück: Die Theatergruppe„Rote Raketen" hatte sich zur Ausnahme in den Bund gemeldet und hott« dabei die Unterstützung von zwei Bundesgruppen erhalten, lieber den weiteren Verlaus der Sache schreibt das gc- nannte Blatt: .. Diese Tatsache hat die Porteiinstanzen in.Aufruhr ver- setzt. Mit dem üblichen Jnquisitionsversahren wurden die Leiter der Truppen streng verhört. Denn, so sagten die Bürokraten, das Eintreten dieser Truppen für unsere Ausnahme in den ATB.„sei ein Verbrechen an der Partei". Ans den Hinweis eines Genossen, daß ja auch SPD.-Truppcn im ATB. find, wurde ihm erwidert, daß es sich um Truppen handle,„die sich zur Partei entwickeln". Dagegen seien die„Roten Raketen" eine absolut parteifeindliche Truppe. Run, wir werden mit einem Herrn Valentin seiner der Inquisitoren) nicht darüber streiten, wer parteifeindlich ist. Ein Mensch, der noch nie im Leben gearbeitet hat, kann über die die Arbeiter an- gehenden Dinge nicht sprechen. Er sollte m>r!o viel Anstand be- sitzen und aus der Arbeiterbewegung verschwinden. Denn durch seine Tätigkeit wird der Partei dauernd Schaden zugefügt. Der „Erfolg", den die Bürokraten mit ihren Maßnahmen gegen diese Truppen erzielt haben, ist im Interesse der Partei wirtlich ver- Heerend. Der aktivste Teil der Truppe„Kurve links" wird höchstwahrscheinlich herausgeschmissen werden, und die Organisation ist wieder um«ine ihrer besten Truppen ärmer..." So geht es also in den Organisationen zu, die der KPD. ver- fallen sind. Nicht die Mitglieder oder auch nur die Vorstände ent- scheiden über die Aufnahm« von Vereinen, sondern die Zentral« der Kommunistischen Partei. Genau so unabhängig wie dieser Theater- bund find auch die kommunistischen Sportler. Die Leiter dieser Gruppen sind nichts als Hampelmänner der KPD. Die„sozial- demokratischen" Gruppen des Bundes erfahren von den kommu- nistischen Drahtziehern allerdings eine verdiente Einschätzung. fürstliche Entlohnung Der kommunistische Sportladeu hält sich einige Angestellte, die nach außen hin so etwas wie«ine unabhängig« Firma markieren müssen. Diese Leute werden anscheinend nach dem Auswartesrauen- torif bezahlt, denn einer dieser Helden namens Kurt P l e n« r hat jetzt den Ossenbarungseid geleistet und dabei angegeben, er habe ein ZNonatsgehalt von 160 in Worten: Einhundertsechzig Mark. Danach scheint die KPD. ihren kleinen Funktionären richtige Hungerlöhne.zu zahlen, übersteigt doch der genannte Betrag kaum de» Unterstützungssatz für eine arbeitslose Familie mit zwei Kindern. Wirklich ein« noble Firma! Werbespieltag in Neukölln beider FTGB. Als Abschluß der Wintersaison veranstaltet der Bezirk Neu- k ö l l n- B r i tz der FTGB. am Sonnlag, 27. April, früh 9 Uhr, im Neuköllner Stadion, Platz 6 und 7, einen Werbespieltaz sämtüchcr Hand-, Hockey-, Fuß- und gaustbollspieler. Als Gegner sind Aerewe aus Kottbus, Landsberg a. d. W., Koßlau-Anhatt und Kogel verpflichtet. Da alle Marchs«Hasten m der verflossenen Serie gut abgeschnitten haben, ist auch für Sonntag ein guter Sport zu erwarten. Der Beginn der Spiele ist aus 3 Uhr, der der Haupt- spiele' auf 1314 Uhr festgesetzt. Es spielen: P l a tz 6. H a u p t s p i e l e. 13.40 Uhr: Hockey Neukölln I. Männer— Cottbus I. 15.10 Uhr: Handball Neukölln I. Frauen— Roßlau I.(Anhalt) 16 30 Uhr: Fußball Neukölln I. Männer— Kogel I. Platz?. 14.00 Uhr: Handball Neukölln I. Jugend— Landsberg I. a.d W. 15.20 Uhr: Handball Neukölln II. Männer— Roßlau II.(Anhalt) 16.50 Uhr: Handball Neukölln I. Männer— Roßlau I.(Anhatt) Anschließend jindet im Lokal von Karl Schauer, Neukölln. Treptower Straße 90, ein Beisammensein mit Rcsultotbetanntgade statt. Als Einleitung zum Wcvbcspieltag findet Sonnabend für die auswärtigen Arbeitersxortler im Lokal Verein-Hmis„Einigkeit", Neukölln, Kirchhosstraßc 41, ein Empsangsabend statt. Unkosten- beitrag 50 Psenreig und 30 Pfennig, für Somrtag ist der Eintritt frei. Auskunft über all« Epielarten sowie auch Turnen und Leichtathletik erteilen P. Schulz«, Neukölln, Stuttgarter Str. 18 III. (Fernruf? 2 Neukölln 8612). Die Techniker in den Turnhallen Lejsingstraße: Dienstag, Mittwoch, Freitag: Donaustraß«: Donners- tag: Britz, Echausseestraß«: Montag, Mittwoch und Donnerstag, in der Zeit von 20 bis 22 Uhr. Immer nobel im bürgerlichen Relcordspori! Verlin beherbergt in den Tagen vom 25. bis 30. Mai den Internationalen Sportkongr e ß. Es ist das eine Ber- anftoltung des bürgerlichen Sports, die dazu dient, die nächste in Kalifornien stattsindendc Olympiade vorzubereiten. Die Beranstai- tung scheint ein Heidengeld zu tosten, denn wir lesen in der dürger» lichen Presse, daß das Reich dazu das nett« Sümmchen von 50 000 Reichsmark gespendet hat, obwohl der Reichs- sportfonds bekanntlich auch in diesem Jahre um eine halbe Million gekürzt worden ist. Die Stadt Berlin darf sich natürlich auch nicht lumpen lassen, sie wartet mit einem Festessen auf. Außerdem gibt es noch ein Gartenfest beim Reichskanzler, einen Empfang beim Außenminister, eine Vegrüßung durch die preußische Regierung und ein« Galavorstellung in der Staatsoper— alles im vorgeschriebenen Anzug! Alles schön und gut, Gastfreundschaft und Repräsentation müssen sein, ober es w-ill uns scheinen, als ob man bei Arbeiter- kongresscn weniger Aufwendungen macht. Bisher hat man nichts davon gehört, ob denn das Reich sich verpfl'chttt fühlt, die nächste Arbeiterolympiade, die bekanntlich 1931 in Wien abgehalten wird und die an Bedeutung der bürgerlichen kaum nach- stehen dürft«, entsprechend zu fördern. Wahrscheinlich wird man sich dabei wieder unserer„Finayznot" und der.Kürzung der Fonds" erinnern! Ganz so leicht dürste es ober der Rechksregierung nicht gemocht werden, denn es müssen ja auch die Millionensorderungen für die bürgerliche Olympiode wieder in den Etat aingestellt werden. Dabei wird es sich dann zeigen, wie die Mütelpa riefen sich zur Ar- beiterschast stellen. Einstiveilen wollen wir annehmen, daß die R:- gierung und die bürgerlichen Parteien klug genug sein werden. Parität zu üben, wobei die Arboitersportler aus Galavorstellungen verzichten und das Geld dem Sportaustxru zukommen lassen werden. „Trudclsicberhcil" Auf dem Wege zum abslurzsicfaeren Flugzeug? Seitdem das Flugzeug in den Bertehrsdienst gestellt worden ist, haben die Flugzeugkonstrukteure versucht, die Flugmaschinen so zu verbessern, daß der Sicherheitsfaktor' immer größer vrird. Gelingt es, die Zahl der Flugzeugunsälle noch mehr herabzudrücken, dann ist der Weg frei zu einer ungeahnten Entwicklung des Verkehrsstiig. zeuges. Eines der größten Gesahrenmomentr ist das Trudeln. Ein Flugzeug, daß aus seiner Ronnallage geraten ist, schwebt immer in Gefahr, über den einen Flügel abzurutschen und nach unten zu trudeln. In den wenigsten Fällen gelingt es dem Piloten, seine Maschin« wieder aufzurichten, sie stürzt ab und begräbt Piloten und Fahrgäste unter einem Trümmerhaufen. Um Flugzeuge trudel sicher zu machen, wurden schon un- zählige Experimente gemacht. Bisher gelang es nur den F o k k s- Wutf-Werken,«ine Maschine vorzuführen, die auch aus den schwierigfren Situationen immer wieder in ihre Normalage zurück- kehrte. Diese Wirkung wurde mit besonders konstruierten Flügeln erzielt. Nach dem gleichen Prinzip hat Schul aus Magdeburg ein Sicherheitsflugzeug konstruiert, das kürzlich bei der Deutschen Bersuckzsanstott für Lustfwhrt vorgeführt wurde. Di« Versuch« wurden mit zwei Modellen unternommen. Von einem hohen Turm aus wurde das Modell aus den verschiedensten Lagen abgeworfen: zunächst aus der Normal-, dann aus der Rückenlage, dann an einem Flügelende erfaßt, noch unten fallend, kurzum: aus jeder mir denk- baren normalen und anormalen Lage heraus. Aus der Normallage schwebt es in weitem Fluge im überraschend guten Gleitwinkel flott dahin. Wurde es anormal geworfen, also beispielsweise mit der Oberseite nach unten oder an einem Flügelende gefaßt, so siel es etwa zwei Meter herab, richtete sich dann sofort in seine Normallage und flog im normalen Gleitflug weiter. Rückslchts- los erfolgten die Starts, so daß beispielsweise noch kurzem Fwg das Modell hart gegen den Turm, gegen einen Lichtmast oder einen Baun, anrannt«, dabei umkippte, oder sich sesthängt« und erst nach einigem Hin- und Herpcndei» durch sein Eigengwickst wieder herab- fiel. Aber auch hierbei ging nach kurzem Fallen das Modell wieder in seine Normallage zurück, schwebte normal weiter und landete sanft nach entsprechendem Weitslug. Weder seitlich, noch vorwärts, noch rückwärts kann das Flugzeug, wie die Versuche ergaben, kentern, sondern die selbsttätige Einstellung in die Normallage geschieht mit voller Sicherheit und völlig automatisch. Dies« Stabilisierung aus jeder Lage wird durch keinerlei Mechanismus bewirkt, sondern ist durch die F I ü g e l s o r m be- gründet. Dos Flugzeug besitzt lediglich eine einzige starre Flügel- fläche in vollkommen normalem Profil, an deren beiden Enden je eine stark gewölbte, nach unten ostene, lütcnsörmige Zusatzfläche an- gebracht ist. die nicht mir keinerlei Hemmung darstellt, sondern im Gegenteit seine Flugleistung verbessert. Das Modell war maß- stäblich getraut und nwr auch im Gewicht seiner einzelnen Teil« eine gewissenhafte Verkleinerung eines Normalslugzsuges Es dürfte nicht schwer sein, noch den geglückten Versuchen ein Flugzeug mit der Flügelform zu bauen und dann die Versuch« fortzusetzen. Viel- leicht ist hier der Weg zum trudelsicheren Flugzeug gefunden. Sduneling reist ab Morgen, Freitag, wird Max S ch m e l i n g die Ueberfahrt nach ?t«w Vork antreten, um dort seine letzten Vorbereitungen zum Kamps mit Jack Shorkey um die Weltmeisterschaft am 12. Juni im New-Aorker Pankee-Stadion zu treffen. Sein Intereffenvertreter hat inzwischen ein neues Trainingsquarticr ausfindig gemocht, dos auf einer mehrere Bahnstunden von New Tort gelegenen Farm ein- gerichtet wird. Eine provisorisch gebaute Arena soll den Jnter- essenten die Möglichkeit bieten, die Kampsoorbereiwngen des deutschen Weltmeisterschajtskandidaten oersolgen zu können. -ARBEITER. TUSSBALL Internationale Spiele der letzten Tage Arbeiterfußballmonnschasken aus der Schweiz, Ret- gien, Holland. Oesterreich und Böhmen waren in der Osterwoche Gäste des deutschen Arbeiter-Turn. und Sportbundes. Die Gäste spielten mit wechselndem Erfolg. Besonders günstige Ergebnisse erzielte Wien- Stockerau in Württemberg und H e s j e n- N a s f a u. Di« Wiener gewonnen gegen Schönaich(Württemberg) 11:1, spielten in Eßlingen (Württemberg) 2: 2 und siegten in Mittelstadt(Hessen-Nossau) 5: 1, in Nauheim(Hessen-Nassau) 4: 3 und in Raunheim(5)eIs«n-Nassau) 4:1.—„Union 14-Wien" ist auf einer Spielreise in Thüringen und verlor gegen Steinach-Hallenberg 1: 2, bezwang aber die Be- zirksmannschaft Zella-Mehtis 5: 3. Turnhout-Belgien, eine der besten belgischen Mannschaften, weilte in Württemberg und fand dort spielstarke Gegner. Turnhout verlor gegen Feuerbach 3:4, gegen Hedelfingen 2: 4 und gewann gegen Nürtingen 4:3. In der K a s s e l e r Gegend spielte Gent und trennte sich von Eschwege mit einem 3: 3-Ergebnis und von Lzannöoersch-Münden mit einem 4: l°Sieg. E n s ch ed«-Holland errang in Nordwestdeutschland gegen Hahlen einen eindrucksvollen 6: 3-Sicg. Die Spielstärke der holländischen Mannschaften nimmt zu. Das bewies auch Maa strich, das in Köln gegen Gleuel 6:2 gewann. Mit wechselndem Erfolg spielten die Schweizer Mannschaften in Württemberg.„Red Star-Zürich" behielt gegen Welschingen mit 5: 2 die Oberhand. Zürieh-Wiedckon wurde von Kaltental 4: 3 und von Stuttgart-Degerloch 7: 3 geschlagen. In Leonberg blieb der„AFC.-Bern" m-it 4: 3 siegreich, verlor aber gegen Zussen- Hausen 0: 2. Zahlreich waren die Spiele d e u t s ch- t s ch« ch i s ch e r Mann- sehoften in Sachsen.„Biktorla-Teplitz" spielte gegen Bernsdarf 3: 4 und gegen Kamenz 2: 5. Günstiger schnitt„Lassalle-Kroichwitz" ab. Nach einem 3: 3-Resultat gegen Döbeln gewann die Mannsehast gegen Brockwitz-Sörnewitz 3: 0.„Hedwig-Dux" verlor gegen Kon- kordia-Schneeberg 3: 6, spielte mit Wacker-Crimmitschau 2: 2 und unterlag gegen Crotenlaide i. Thür, l: 3.— Rumburg war Gast in der Lausitz. Die Einheimischen waren sehr gut in Fahrt, und so kam es, daß R. gegen Komet-Hörlitz 2: 4 und gegen Grub« Marga 0: 6 verlor. Auch Faltenau, das in Bayern spielte, konnte nicht er- solgreich sein: Bindlach siegte 2: 1. Bon den deutschen Mannschaften im Ausland be- haupteten sich die Sachsen in der Tschechoslowakei(ESR.) am besten. Oederan— Preschen(ESR.) 2: 1. Oederan— Prohn(ESR.) 2: 2. Bannewitz— Gartitz(ESR.) 5: 4. Brond-Erbisdors— Bilin(ESR.) 3:4. Schwarzenberg— Fischern.(ESR.) 1:3. Viktoria-München erlebte bei dem ersten Start in Linz-Oeslerreich eine Ueberraschung. Rapid-Linz schlug die München«? 6: 1. Viktoria-München— Admira- Linz 2; 2. Iahn-Gildchaus-Nordivestdeutschland war in Alinelo- jzolland mit 1:5 der Unterlegene. Die rührige Sektion der Sozialistischen Arbeitersportinter- nationale in Palästina sandle vor einiger Zeit eine Fußball- mannjchast nach S y r i e n, wo ein Freundschaftsspiel stattfand. Wie uns aus Palästina gemeldet wird, hat dieser Besuch gute Früchte getrogen. In Damaskus wurde ein Arbeitersport- verein gegründet, und e» besteht die Möglichkeit-einer weiteren Entwicklung der Sportbewegung in den Städten und Gc- meinden Syriens...... • iiucl Arbcitersporlvercinc laden ein' Lehrkursus bei der Sportlichen Vereinigung Lichtenberg-Fricd- richzseldc 04. Um speziell den Freunden des Ringkampfes Gelegen- heit zu geben, sich mit den Geheimnissen der Ringkampskunst vertraut zu machen und ihren Körper zu stählen und gesund zu erhalten. wird der Verein ab Freitag, 2. Mai, unter Leitung erfahrene? Ringer einen Kursus beginne», wozu Interessenten, die gewillt sink� der Bereinigung beizutreten, herzlich«ingeladen werden. Eine Kursusgebühr wird nicht erhoben. Meldungen Dienstag und Frei- tag 20 Uhr Turnhalle Rummelsburger Straße 1 in Friedrichsfelde oder bei Paul Binder, Berlin 0. 112, Gürtelftrahe 16. *• Arbeitsrsporlverein Schöneberg-Friedenau 07. Sonntag, 27. April, findet die fällige Mi t gl ied« rv« rsommlu ng im Picadilli, Ebcrsstr. 80, um 18 Uhr, statt. Da ein Bortrag über Freikörperkultur gehalten wird, bittet der Vorstand um rege Beteiligung. Als Ausweis gelten di« Mitgliedsbücher.— Sommer-Uebungsbetrieb: Diens- tag ab 18 Uhr und Sonnabend ab 16 Uhr Do-minicusspielpla� Sachse ndanmr Ecke Priesterweg, südlicher Tcyl- Donnerstag, Turn- Halle Belzlger Straße: Turnen, Spiel, Sport. Altersturner: Frei- tag, Beruisfchule, Koburger Straße. Iungnrädchen: Freitag, Uhland- schiele, Kolonnenstraße, Musikturnen. Frauen über 25 Jahre: Obere Turnhalle, Ebersstraße. Alle Uebungsgciten ab 20 Uhr. Auf die neue Abteilung in Lindenhof sei des onoers hingewiesen: Dienstags ab 18 Uhr Knaben, ab 20 Uhr Männer: Freitags ab 18 Uhr Mäd- che«, ab 20 Uhr Frauen. Radio berichtet über Arbeiter-Olympia Wie di« Sozialistische Arbeitersportinternationale(SASJ.) mit- teilt, wird der Vorsitzende des internationalen technischen Haupt- «usschusses der SASJ., Bühren(Leipzig), am 7. Mai, 18,15 Uhr, im R a d i o Wien über das technische Programm des 2. Arbeiter- Olympia» vom 19.— 26. Juli 1931 in Wien sprechen. Radiohörer jäzalten um diese Zeit aus Welle 517 Icbr 581. Ein neuer bindbergb-Relcord. Oberst Lindbergh stellte in Begleitung seiner Frau als Navigator «in« n«iie Flugwelthöchstleistung über das amerikanische Festland von Küste zu Küste aus. Er bewältigte die Streck« Los Angeles bis NewPork in nur 14 Stunden 44 Minuten mit einer Zwifehenlandung in Wichita(Kansas). Der bisherige R«tord betrug 17 Stunden 38 Minuten. Lindbergh benutzte ein eigens für diesen Flug erbautes Flugzeug und hielt sich in Höhen von 3000 bis 7000 Metern. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 288 Kilometer in der Stunde. JfKit 1M3. g»it->a. A>-Äonl. 2# tifit, Stkun« im „StionbfAIciR", O&ctftf' imrtn.it.. M mioo. Avril. amn Ictit'nmol im Zieol- omitBoflum Trovtow SoJTmtubcin. T'ann üben Dicnstaa unb gr.Itoq Ilebuna»- afcenb im Sooträiu«. SZftS., a.jitt Pontne». SZeirtt, Tttmicrftaa. 20 Uhr. SiertrUabtfSD.rmmtii- Inn« bei SKtrnn. Berliner öde SvibliditüoRf.— Beuel«tmelottcnbura. Sonn- ebenb. Z5. Anril. 20 Übt,•Dliiatiebcnxrfaemnlun« oller Bbteilunflcn bei Sarnin, i£j>plrie-Chot!i)tt<. Öde Potsbomer®troRc. Sfreü SUnm-Unün ftioh-Bctli« C. S., Abteilnno Dbetipt«. öttmui Stet- tafl. 25. Avril. 20 Ubr. jur öiche". Zleulölln. Äolser-Sriebritb. öde coole- ftroie. ffidft. tniff'oBiitt-n. ssteü Stf.tEitnatet«tvft-ferli* e.«..»rnvve«enliilln. Stouenveriamm lano ftteüaa, 25. Avril. 20 Übt, bei Stanl, Eonaboferstroke. Serie Soltbnotfobrer Berlin. Dvnnerbwa, 24 Avril, 30 Uhr..Zusammen. luteft im.Sadefdien fiof". Rvsentboler Str. 41. Beriditerstotttino von den Oller» fahrten, söllr triSloiiowa. Btkcmctaafcc der cwtatoasfahtün. SlEIB£H2Bn fäezirfc Jlowden- Cfien. tMHB—M— H— iIilllllMIIIIIIHI— IM J VOLKS* FiUEBBESTATTUNGS'YEBEill W&i, UNTER REICHSAUFSICHT M Nach drsimonatigor Mitgliedschaft unbedingten Rechtsanspruch auf Kostenlose, pietätvolle Bestattung Kein Kirchenaustritt erforderlich |R. 141 Man verlange kostenfreie Zusendung eines Prospekts oder Vertreterbesuch Haupt. QeschUftsstell«: Berlin N. 4, Invalidenstr. 110 Fernruf Norden 38 SS— SB, 50 44 I MvBMr Bierabteiiung» uieinaDteiiung Königstr. 13-18 Künstlerkonzert (/crzüciiciie Hücne mwpw&zssi Paul Binder Hoch- und Tiefbau 0. Simpionsiraoe 38 Teiephon; Andreas 4984 �Roliln-Mosirldi Roilfn-fösig vMS8.EaerswalflerStr.2S j Möbel-Kamerling Kastanienallee 56 Seil. Opeisoz.. eleg. Schlafz.. ooto, yerrenz.. apart. ttSchra. 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