Morgenausgabe Tlr. 192 A 97 4?.Iahrga»g WZchcnSIch zz?>. mmMTIQ ZMM, Im DDraus jablbnr, Postbezug C32 SS. eluschlleßllch S0Psz.Postzeituug». nah J2 Pfg. Postdestellgebühre». Zluilasb» oicimtmcm 6.— M. Bto Monat, Ttt.Bnrraärtj* rnlchewt noAnrtSg- lich zmetmal, Connlog» und Mor.iog« einmal, die SUjenbausgoben für Berlbt und im Sfanbel mit dem Titel.Der Abend'. Illustrierte Beilagen.Polt irnd Zeit' und �Andersreund'. Ferner �Unterhulwng und Wissen',»Frauen» stimme'.»Technik'..Blick w die Bücherwclt'mid.Jugend-Borwürt»' Verlinee Voltsblatt Freitag 75. April 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. fMt« l» fp aktl y, NovpareillezeN« 80 Pfennig. Reklame�eile 5.— Reichs» mark.„Kleine Anzeigen' dqs iettgc- druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuche das erste Wort 15 Pfennig, jedes wettere Wor»' IV Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» lählen für zwei Worte. Arbeitsmarki «eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile. l) Pfennig. 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In der Debatte hatte Richthofen außerordentlich heftige Angriffe gegen Hugenberg als Parteidiktalor gerichtet. Er prägte folgende Satze: „Viel Gefolgschaft wird er nicht haben: denn das Volk ist der Worte und Programme müde..." „Ist haute die Stellung eines O r g a u i s a t i o n s f ü h r e r s mit der des einstigen Königs von Preußen oder der des Reichs- Präsidenten vergleichbar? Wohl kein Vergleich kann stärker hinken als dieser?...*„Hinweg mit den schwarzen F a h- nen des Todes, der Verzweiflung. Stinnm werde das negative Gegreine! Hißt die grünen Fahnen der Hoffnung! Legt Hand ans Werk! Verzweifelt nicht, baut auf! Nur so kann der Staat wieder geschaffen werden, den wir uns wünschen." Der Landbund fühlt sich Hugenberg unendlich ü der- legen, und die„Deutsche Tageszeitung" formuliert die K a p i t u l a t i o n s b e d i n g u n g c n, auf die Hugenberg oingehen muß, wenn er den agrarischen Flügel nicht verlieren will: Hugenberg soll anerkennen, daß die Mehrheit der deutschnationalen Fraktion nicht anders handelst konnte und durfte, er soll der Fraktionsmehrheit Handlungsfreiheit geben, Und schließlich soll er die Polemik gegen die Froktionsmehr- heit einstellen. Mit anderen Worten: der Diktator soll sich den Aarariern löblich nnterwerfen und soll bekennen, daß er � die falsche Linie gehabt hat. Diese Sitzung des deutschnationalen Parteivorstandes verspricht interessant zu werden! Wie Diktator Hugenberg umfiel. Am 2. April hatte Hugenberg noch stolz und unnahbar erklärt, daß er das Kabinett Brüning stürzen werde. Am 3. Slpril gab er im Reichstag die Erklärung ab. daß er gegen die Regterung das schärfste Mißtrauen habe und deshalb— geg�i das Mißtrauensvotum stimme. Wie es dazu kam, schildert ein Brief von Westarp, der jetzt veröffentlicht wird: Am Donnerstag, den, 3. April, um 10 Uhr, machte der Frak- tiansvorfißende der Fraktion die überraschende Mitte i° lang, daß«r entgegen dem Mehrheitsbeschluß vom vorigen Abend jetzt'die einmütige Ablehnung des fozialdemokro- tischen Mißtrau cnsont rag s vorschlage und daß der Herr Partcivorsitzende bereit sei, diese Haltung der Fraktion im Plenum zu begründen. Darauf.wurde die Sitzung unterbrochen� Der Herr Partcioorsitzende erschien gegen 10.3 0 Uhr, begründete seinen Entschluß und begarm etwa 10.65 Uhr mit der Verlesung der beabsichtigten Erklä- r u n g, deren Vortrog später im Reichstogsplenum etwa eine halbe Stunde in Anspruch genommen hat. Eine F r a k t i o n s d i s k u f s i o n über Fornr ulier ungcn und Einzelheiten der Erklärung war, da dos Plenum um U Uhr begann, und seine Entscheidung nicht weiter hinausgezögert werden kannte, rein zeitlich nicht mehr möglich, wurde aber auch von dem Herrn Fraktioncoorsitzcndcn, der es ausdrücklich ablehnte, dazu dos Wort zu erteilen, nicht zugelassen. Unter diesen Unrständen kamitc die Fraktion in dem gegebenen Augenblick imr ihre Iuftinnnung zu dem hochbedeutsamen und über- raschcnden politischen Entschluß als Ganzes geben, sich aber nicht auf andere feste Entschlüsse binden lassen, die von der weiteren Entwicklung der Lage abhängig waren." Man versteht, in welcher Stimmung die deutschnationale Fraktion der unsagbar komischen Erklärung Hugenbergs im Reichstag zuhörte! Die nüchterne Darstellung der Vor- geschichte sagt alles! Rache an Westarp. Der„Reichsbote", der glücklich gestern entdeckt hat. daß zu den taktischen Gegensätzen bei den Deutschnationalen eine Erbitterung hinzugetreten �ist, teilt mit:„Der deutsch- nationale Landtagsabgcordnete S t e i n h o f f hat, wie in der Presse mitgeteilt wird, dem Graf Westarp kundgetan, daß der Wahlkreis Potsdam II Graf Westarp bei einer Neu- wähl nicht wieder aufstellen werde." Brüning und der Stahlhelm. Gin Schritt zur Aufhebung des Verbots in Rheinland-Westfalen. Die Neichsregicvung hat das preußische Ministerium des Innern vor etwa acht Tagen um eine gemein- same Besprechung über die Aufhebung des Bcr- bots des Stahlhelms für Rheinland und West- faleu ersucht. * Der mtellektuelle Urheber dieses Ersuchens ist die Leitung des Stahlhelms in Magdeburg, die in den letzten Monaten wegen de? Aufhebung des Verbots wiederhost in der Wilhebnftraße vorstellig geworden ist und nach der Bildung der Regierung Brüning in dessen Ehef endlich' den lange gesuchten Fürsprecher gefunden hat. Immerhin war auch Herr Brüning vorsichtig genug. weder eine Anregung zur Aufhebung des Verbots zu geben, noch eine, im Sinne einer Aufhebung gerichtete Anfrage an das preußische Ministerium des Innern zu richten. Er begnügte sich, vorsichtig wie er nun einmal ist, zunächst mit dem Ersuchen um eine gemeinsame Er- örterung der von ihm angeschnittenen Frage durch die zuständigen Ressorts des Reiches und der preußischen Staatsregierung. Kurz darauf ist der Herr Reichskanzler in Urlaub gefahren und da weder die zuständigen Reichs, noch die zuständigen preußischen Staatsmmister sich zur Zeit in Berlin befinden, wird die gewünschte Erörterung kaum vor Mitte oder Ende der nächsten Woche statl- finden können. Rechtlich liegen die Dinge so. daß das Verbot des Stahll)elm- m Rheinland und Westfalen aus Grund des Gesetzes zur Ausführung des Friedensvertrages vom Jahre 1921 erfolgt ist und zwar mit der erforderlichen Zustimmung der Rcichsregieruv.g. Diese Z u st i m- m u n g i st unwiderruflich, so daß die Reichsretzicrung von sich aus nicht die geringste Handhabe zur Aufhebung des Verbots befitzt. Es Legt ausschließlich bei der preußischen Regierung, und hier zunächst wieder bei dein p r c uß i s ch c n I n n c n in i n i st e r, ob uird wann sie ihre Hallung zu dem Verbot des Stahchelms in Rheinland und Westfalen ändern will. Voraussetzung dazu ist selbstverständlich, daß die damals für das Verbot maßgebenden Mißstände für alle Zeit behoben sind und von der Lellung des Stahlhelms dafür entsprechende Garantien geleistet werden können. Diese Frage kann nach der ganzen Einstellung des Stahlhelms, seiner Agitation und den agitatorischen Anordnungen seiner maßgebenden Persönlichkeiten aus der letzten Zeit keineswegs bejaht werden. Die Rcichsregierung hat sich zum Fürsprecher des Stahlhelms gemocht, obwohl die fragliche Angelegenheit mir noch Sache der preußischen Regierung ist. Sie hat sich zum Fürsprecher gemacht um ihrer EListeuz willen. Der Stahlhelm hat sich seit der Bildung des Kabinetts Brüning für dessen Tolcrierung selbst gegenüber den Deutschnationalen eingesetzt. Einmal, weil maßgebende Ber- t r c t e r seiner Organisation in dieser Regierung sitzen, dann aber auch, um durch diese Regierung die Aushebung des Verbots seiner Ortsgruppen für Rheinland und Westfalen zu erreichen. Es soll von Herrn Treviranns sogar eine ent- sprechende Zusage vorliegen. Jetzt muß der Wechsel eingelöst werden. Nachdem die Reichsregierung vor F r i ck kapituliert hat, befolgt sie die Befehle des Stahlhelms. Daher wohl der Krakeel der Zentrums- presse gegen das Reichsbanner? Von wem ist Herr Brüning noch abhängig, welche Wechsel muß er noch einlösen? Wo alle, die Bayerische Bolkspartei, die Wirtschaftspartei und wie die um Herrn Brüning versammelten Interessenclsquen heißen, ihr Geschäft gen'.ächt haben, dari der Stahlhelm nicht fehlen. Das ist der Gruird, warum Herr Brüning sich für eipe Sache engagiert, für die Preußen zuständig ist und deren Vertreter er deshalb von vonherein an Preußen hätte verweisen müssen. L. G., Buenos Aires, im April. Dem großen„Pebliszit" der Präsidentenwahl im April 1928 ist das kleinere, aber um so bedeutungsvollere bundes- hauptstädtische Volksgericht bei der Erneuerung der Hälfte des Nationalkongresscs gefolgt. Selten hat eine Partei das Ber- trauen des Volkes so schnell und so gründlich verloren wie die Radikale Partei des Präsidenten I r i g o y c n. Obgleich in „Personalistcn"(Anhänger Zrigoyens) und in„Anti- personaliften"(dessen Gegner im eigenen Lager) gespalten, halten die Personaliften vor zwei Iahren im ganzen Lande von 1 299 099 Stimmen 899 999, also eine Zweidrittelmehrheit und dadurch einen Sieg errungen, den sie selbst stolz als „Pcblifzit" bezeichneten. In der Bundeshauptstadt konnte allerdings von einem Pebliszit nicht gesprochen werden, denn da hatten die oppositionellen Parteien— Antipcrsonalisten. Sozialisten und Unabhängige Sozialisten— mehr Stimmen bekommen als die Personaliften, nämlich 127 871 gegen 127 736 Stimmen. Aber schon lkamals wäre das Wahlergebnis den Persostalisten wesentlich ungünstiger geworden, wenn die Zlntipersonalisten einen Präsidentschaftskandidaten gehabt hätten, der weniger von den n o r d a m e r i k a ni s ckz e n Petroleum intercssonten abhängig gewesen wäre als Dr. Leopoldo Melo. Nordamerika genießt eben nicht die Sympathien des argentinischen Volkes. Das hatten die Wahlmocher Irigoyens geschickt ausgenutzt. Sie trommelten den Wählermassen ein, daß ein Sieg der Zlntipersonalisten gleichbedeutend wäre mit der Auslieferung Argentiniens, nämlich seiner ungeheuren Bodenschätze an das nordamerikanische Kapital. Das ist natürlich Unsinn. Allein welcher Unsinn wird, mit nationalistischen Phrasen gc- schmückt, in der Hitze des Wahlfeldzuges von der urteilslosen ländlichen Wählermasse nicht geglaubt. So wurde aüch hier die nationalistische Demagogie für bare Münze genommen und das„Volk" wählte Irigoyen. Die Kosten hat es dafür jetzt zu' tragen: Steigende Entfremdung zwischen der„Casa Rosada" in Buenos Aires und dem„Weißen Haus" in Washüigtou; keine diplomatische und nur eine geringe kon- sulaxe Vertretung in Nordamerika und in den lateinamcrika- nischcn Staaten: Rückgang des argentinisch-nordamerikam- fchen Warenaustausches: stetes, mitunter sogar katastrophales Sinken des argentinischen Papicrpcsos:' verheerende Wirt schaftskrise: beängstigendes Anwachsen der Arbeitslosigkeit und so weiter. Bedauerlich ist, daß die geradezu vernichtende Nieder- läge des Irigoyenismus in der Bundeshauptstadt die Machtstellung des Präsidenten im Kongreß nicht im mindesten er- schüttern wird, denn jdie Regierung besitzt von den 138 Mandaten noch immer rund 199. Eine gründliche Aenderung wird wahrscheiiiluch 1932 eintreten, sobald die zweite Hälfte des Kongresses erneuert wird. Wenn dann der Stimmen- vertust der Jrigoyenisten ebenso katastrophal sein wird wie diesmal, wird die beherrschende Stellung dieser Partei end- gültig gebrochen. Anzeichen, daß es so kommen kann, bietet die gegenwärtige Wahl in Fülle. Gibt es doch nur eine Provinz,(San Juan, die zwei Deputierte stellt), in der die Jrigoyenisten nicht bedeutenden Stimmenverlust zu verzeichnen hätten! Vielfach haben sie nur noch mit wenigen Stimmen Mehrheit und ungeheurem Druck auf die ländliche Wähler- schaft den Sieg errungen. Entführung der opposi- tionellen Mitglieder der Stimmenzähl--' k o m m i s s i o n c n und sogar Mordanschläge gegen die hervorragendsten Führer der Opposition spielten dabei eine Rolle. Daß es in den nächsten zwei Iahren zu einer Sinnes- änderung der Wählerschaft zugunsten des Irigoyenismus kommen könnte, ist nicht wahrscheinlich. Die Ursache ist das völlige Versagen der- Regierung. Nicht eine der zahllosen Hoffnungen, die zwei Drittel der ganzen Wählerschaft auf Irigoyen bei seiner zweiten Wahl zum Präsidenten der Republik gesetzt haben, ist erfüllt worden. Im Gegenteil!- Weder Irigoyen noch seine Sekretäre(die Minister) denken auch nur daran, diese Hoffnungeis zu erfüllen� Der Kongreß wird von der Regierungspartei förmlich tyrannisiert, so daß die Opposition vollauf beschäftigt ist, die Autorität des �Kongresses und die Verfassung durch Zurückweisung der diktatorialen Vorstöße der Jrigoyenisten zu schützen Noch schlimmer ergeht es dem sipcnat mit seiner oppositionellen Mehrheit, der von der Regierung einfach ignoriert wird- Eine fruchtbare par- lamentärische Arbeit ist unter solchen Umständen nickt mög- lich und die Regierung will sie auch nicht haben. Deshalb hat bereits am 26. September 1929 der konservative Depu- tiertc Vinas im Kongreß den Antrag gestellt, den Prasi- deirten der Republik in A n k l a g e z u st a n d zu versetzen. Dieser Antrag wurde von der irigoyenistischen Mehrheit in der Iustizkommission begraben. Allein schon die Stellung eines solchen Antrages ist ein Beweis, wie stark die Volkstümlichkeit des Präsidenten Hipälito Irigoyen und seiüer Partei geschwunden ist. Das Wahlergebnis in der Bundes- Hauptstadt ist eine Bekräftigung der Anklage, daß Irigoyen i die ihm von der Verfassung auferlegten Verpflichtungen nicht erfüllt. Der überwältigende Sieg der Unabhängi- gen Sozialisten bekommt in diesem Sinne eine be- sondere Bedeutung. Vor allem zeigt er, daß ihre Opposition gegen den Jrigoyenismus von der Wählerschaft ernster ge- nommen wird, als diejenige der Altsozialisten. Wohl haben auch diese ihre Stimmenzahl gegenüber derjenigen von zwei Iahren um 37 878 erhöht, allein sie tonnten nur einen Sitz der Minderheit erobern, während die Irigoyenisten drei ge- wannen, die Unabhängigen Sozialisten aber die Mehrheit, 10 Mandate, an sich rissen. Die Unabhängigen Sozialisten haben im Kongreß jetzt 18 Mandate, die Altjozialisten nur noch ein Mandat. Sie sind also parlamentarisch bedeutungs- los geworden, was nicht ohne Einfluß auf die Arbeiterschaft bleiben wird. Es zeigte sich schon während des Wahlfeldzuges das Schwinden des Ansehens der Alisozialisten unter den Arbeitern und kleinbürgerlichen Elementen: auch war die Pro- paganda der Unabhängigen überlegen. Besonders«indrucks- voll war, als kurz vor dem Abschluß der Wahlkampagne die Unabhängigen Sozialisten 800 Automobile mit roten Fahnen, Inschriften und Plakaten durch die ganze Stadt fahren ließen. Eine andere sehr originelle und auch recht wirkungsvolle neue Methode der Unabhängigen Sozialisten war. allen Wählern am Wahltage ein Telegramm zu senden, worin sie ausgefordert wurden, für die Kandidaten der Unabhängigen Sozialisten zu stimmen. An diesem Tage, d«n 2. März, haben die unabhängigen Genossen 300 000 Tele- gramme den Wählern in die Wohnung zugestellt. Auch andere gute Ideen haben die Unabhängigen gehabt. So haben sie ein Preisausschreiben unter allen Künstlern, Malern, Zeichnern usw. für die besten farbigen Wahlplakate veranstaltet. 150 der glänzendsten Arbeiten wurden mit hohen Geldpreisen bedacht, öffentlich ausgestellt und 12 der besten Arbeiten wurden ge- druckt und in einer Million Exemplaren überall angeschlagen. Auch zwei Flugzeuge überflogen ständig die Hauptstadt und warfen Wahlflugblätter in großen Mengen ab. Die finanzielle Opferfreudigkeit der unabhängigen Genossen fand ihren Ausdruck in der Sammlung von mehr als 100 000 Pesos für den Wahlfonds allein in der Bundeshauptstadt. Um wie- viel größer und erhebender hätte die sozialistische Aufklärungs- arbeit sein können, wenn sich Unabhängige Sozialisten und Altsozialisten im Wahlkampf nicht als feindliche Brüder gegenübergestanden hätten! Vielleicht wird der herrliche Sieg des Sozialismus in Argentinien die Internationale veran- lassen, einen entscheidenden Schritt zu unternehmen, um diesen Bruderkrieg zu schlichten! Die Frage, ob die Unabhängigen Sozialisten auch bei der Wahl in zwei Iahren mit den Stimmen des unzufriedenen Bürgertums werden rechnen können, das schließlich zu ihrem überwältigenden Sieg viel beigetragen haks kann man be- jähen. Der Irigoyemsmus wird nach dem ihm günstigen Gesamtwahlergebnis dank der großen indifferenten Wähler- Massen in den Provinzen nun erst recht gegen die Interessen des Landes weiterwirtschaften. Das wird die Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik verallgemeinern und dadurch den Kampf gegen den Ingoyenismus verschärfen, zumal wenn es Irigoyen in seinem Machtrausch gelüsten sollte, nach der Allmacht eines Cäsars zu greifen. Das Beispiel der Diktatoren von Chile, Peru, Bolivien. Venezuela und Kuba nachzuahmen, hat er schon einige Male versucht. Es würde also nicht überraschen, wenn er einen solchen Versuch vor den nächsten Wahlen 1932 noch einmal unternehmen würde. Ob mit Erfolg, bleibe dahingestellt. Das Schicksal der argentinischen Demokratie wird nicht in den Provinzen ent- schieden, sondern in der Bundeshauptstadt, und die ist jetzt nicht nur demokratisch, sondern s o z i a l i st i s ch! Auch Litauen protestiert offiziell. Gegen die Agrarpolitik Schieles. Da» Brümng-Kabinett hat die Freude, nunmehr auch einen offiziellen Protest Litauens gegen die Agrar- Politik des Bürgerblocks notieren zu dürfen. Der litauische Gesandte in Berlin hat bei der deutschen Regierung ein« Erklärung abgegeben mit dem Hinweis, daß die Anwendung der neuen deut- fchen Zölle die litauische Wirtschaft schwer belaste und daß deren Beibehaltung sich auch auf die gegenseitigen Beziehungen ungünstig auswirken könne. Von zuständiger deutscher Slelle wirb der Protest der litauischen Regierung bestätigt, der sich hauptsächlich gegen die Erhöhung der Schweinezölle richte. Oer Dank der Lunker ist Herrn Schiele gewiß. Unoingeschränkte Begeisterung hat die Agrarzollpolitik des Brüning-Kabinetts natürlich bei den Iunk«rn ausgelöst. Die Vor- sitzenden der östlichen Landwirtschaftstammern haben an Herrn Schiele eine Dank- und Ermunterungsabresie gerichtet, in der das Schielesche Agrarprogramm als Voraussetzung und Grundlag« für«in wirkungsvoll«? Ostprogramm bezeichnet wird. Diesen von den Junkern präsentierten Ostwechsel wird das Reichs- kabinett wohl In der nächsten Woche einzulösen versuchen, wo neben der Erhöhung der Einfuhrscheinwerte Schiele auch seine Subven- tioncn für den Osten durchzusetzen gedenkt. Preußischer Zenirumsparieiiag. Am 11. Mai in Verlin. Der viert« Parteitag der Preußischen Zentrums- partei findet am Sonntag, dem II. Mai, im Plenarsaal des«he- maligen Herrenhauses zu Berlin statt. Das Hauptreferat über„Die politisch« Lage unter besonderer Berücksichtigung Preußens' wird d«r Vorsitzende der Zentrumsfraktion des Preußischen Landtages Dr. Heß erstatten. Unioersitätsprofessor Dr. Brauer wird über ..Wirtschaftspolitische Probleme der Gegenwart' sprechen. Eine Aus- spräche über die Referate wird sich anschließen. Zurückgewiesene Anträge. Die deutschnationale Fraktion des Preußischen Landtags hatte in mehreren kleinen Anfragen um Aus- kunft ersucht über die Ausgaben für die Unterhaltung der Dienst- wohnungen der Minister und der Oberpräsidenten sowie über die Kosten der Dienstkrastwagenhaltung. Der preußische Finanzminister «rklärt jetzt, daß er von der Beantwortung dieser kleinen Anfragen absehen müsse, da die zur Auskunsterteilung erforderlich wer- denden Erhebungen sehr umfangreich und zeitraubend seien. Einigung über die Ostreparallonen. Die in Paris tagende Ostreparationskommission gibt in einem ofsiziösen Kommunique im„Temps" bekannt, daß sie voraussichtlich in der Loge sein wer'd«, ihre Arbeit durch ein prinzipielles Schluß- Protokoll am Sonnabend abzuschließen. Kroatenprozeß in Belgrad. Schwerste AnNagen.— Einschränkung der Verteidigung.-Zusammenstöße. Belgrad, 21. April. Hier begann vor dem Siootsgerichtshof zum Schutze des Staates der Prozeß gegen den Leiter der ehemaligen kroatischen Bauernpartei mW Nachfolger Stefan Raditschs in der Parteiführung, Dr. Wl ad i m i r Ma t f che k und 23 Genossen. Die Anklage geht aus die Mitte Dezember des Vorjahres in Agram erfolgte Aufdeckung einer kroatischen Verschwörerorganisation zurück, die beabsichtigt haben soll, mit einer Höllenmaschine den Zug in die Luft zu sprengen, in dem eine kroatische Huldigungs- obordnung nach Belgrad fuhr, um am 17. Dezember, dem Ge- burtstog des Königs, diesem zu huldigen. Weiter soll die in der Hauptsache aus jungen Leuten bestehende Organisation geplant hoben, ain 17. Dezember in Agram die Kathedrale in die Lust zu sprengen, in der der Feftgottesdienst abgeholten wurde, so- wie das Hotel, in dem der Festball war. Dr. Matsche? wird in der Hauptsache angeklagt, bah er die Verschwörer durch Geldzuwendungen, die der Vorbereitung der terroristischen Akte gedient hätten, unterstützt habe und somit der Mithilfe schuldig sei. Für die 24 Zlngekiagten hatten sich 180 Vcr- leidiger angeboten, doch wurden nur 7 zugelassen und einer, der montenegrinische Abg. Drnjewitsch interniert! Auch der ehe- malige jugoslawische Außenminister P r i b i t s ch hat sich als A«r- teidiger gemeldet. Pribitfch war kurz vor Proklamierung der Diktatur von der Leitung der kroatischen Bauernpartei nach Paris nnd London entsandt worden, um die französische und die englische Regierung über die Forderungen der Kroaten zu unterrichten. Hauptverteidiger ist der frühere Führer der Kroatischep Föderal!- stischen Partei und ehemalige südslawische Außemninistcr Dr. Antou T r u m b i t s ch. Bei- der Verlesung der Hamen der verleidiger kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Nachdem der Vorsitzende erklärt hatte, daß mehrere Verteidiger zur Vernehmung nicht erschienen seien, erwiderte Dr. Trumbitsch, daß die Verhandlung vertagt werden nmsi«, bis oll« Verteidig«? anwesend seien. Dr. Matschet fragte, wo sein Hauptuerteidigce Dr. Drnjewitsch sei. Auf die Antwort des Vorsitzenden, daß Dr. Drnjewitsch nicht anwesend sei, erhob sich auf der Angeklagten- dank und der Verteidigerbank großer Lärm. Es wurde ge- rufen: Dr. Drnjewitsch ist interniert. Der Präsident crn, ahnte zur Ruhe. Der Verteidiger Dr. Decak beantragte, der Gerichtshof möge alle Rechtsanwälte, die sich zur Verteidigung Matscheks angeboten hätten, zum Erscheinen ausfordern und die Verhandlung bis dahin verürgen. Der Präsident erklärte, daß er sich die Ent- scheidunz darüber vorbehalte. Darauf wurde mit der Verlesung der Anklageschrift begonnen. In der Anklageschrift wird eine Gruppe der Angeklagten mit dem Priootangestelltei, Bernarditsch und dem Rechtsanwalts- anwärter Hadzija an der Spitze beschuldigt, eine Orgoirisatiou in Agram gegründet zu haben, die terroristische Akte geplant habe. Zur zweiten Gruppe der Angeklagten gehört der frühere bmiern- parteiliche Abgeordnete Professor Ielatschitsch, sowie der ehe- malige Oberstleutnant und Journalist Bcgitsch, die die Jnspi- ratoren der genannten Organisation gewesen sein sollen. Dr. Matschet wird beschuldigt, Ielatschitsch und Begitsch mit Geldmitteln zur Ausführung der Terrorakte vcrsel)en zu haben, ferner soll er dazu aufgefordert haben, sich mit Revolvern zu be- waffnen, und schließlich auch einen Artikel veröffentlicht hoben, der gegen die politische Ordnung gerichtet gewesen sei. Die Straftaten der Angeklagten sollen gegen Artikel 1 des Staatsschutz- gesetzcs verstoßen und daher mit dem Tode»der mit zwanzig Zahren Zuchthaus bestrast werden. Nach Verlesung der Anklageschrift protestierte Dr. Trumbitsch gegen die Beschränkung der Recht« der Verteidigung, die bis vor der Hauptoerhandlung mit den Angeklagten mir unter Kontrolle des Untersuchungsrichters ver- kehren durfte. Demokratische Götterdämmerung. Vom sterbenden Liberalismus. „Sie waren längst gsftdrben und wußten es selber kaum.' (Hsne.) Vor Ostern hat im„Vorwärts" Genosse Wilhelm D i t t m a n n klargelegt, daß hinter den offiziellen Partei- kulissen Verhandlungen über eine neue christlich-demokratisch- liberal-konservative Partei geführt werden. Diese Pläne haben einen Alarmruf im„Berliner Tageblatt" her- vorgerufen. Dort schreibt Dr. Ernst Feder über diesen merkwürdigen Versuch zur„liberalen Einigung": „Einige Jahr« lang hat die„Liberale Vereinigung' sich bemüht. Sie hat nichts vereinigt, und sie ist sanft ent- schlummert. Dann wurden hinter den Kulissen Ge- spräche und Verhandlungen geführt. Die Republikani- sierung des Jung deutschen Ordens, soine Umbildung, zur Vollsnationalen Reichsvereinigung gab den Kombinationen neue Nahrung. Die Volkskonservativen traten hin-zu. Die Hoffnungen auf di« staatstreue Partei der Mitte wurden noch weiter gespannt. Die Große Koalition brach zu früh zu- s a m m e n. Gern hätte man noch länger im stillen vorbereitet. Als dann der Kampf um das Kabinett Brüning ging, gingen auch die Besprechungen weiter. Wenn es zur Auf- l ö s u n g kämmten sollt«, mit der man bei den Zusallsab�immungen von einem Tag zum anderen rechnen mußte, dann wollte man nicht mit zersplitterten Listen sich gegenseitig bekämpfen, sondern gemeinsam vorgehen. Roch waren keine Vereinbarungen getroffen. Roch waren die zuständigen Instanzen nicht gefragt. Aber schon hörte man von gemeinsamen Listen. Sie lauteten angeblich, um ein paar Beispiele zu nennen, für Potsdam II Kardorff(Volkspartei). Oskar Meyer(Demokrat), Drewitz(Wirt- schafttzpartei); für Frankfurt a. C.: Keudell (Volkskonservativ), Hoff(Volkspartei), Hermann Fischer(Demokrat). Darf man fragen, was bei solchem Mischmasch noch übrigbleibt von Liberalismus und Demo- kratie? Ein solcher Weg führt nicht zur Begründung einer liberalen Partei, sondern lediglich zur Zerschlagung der Demokra- tischen und damit der einzigen Partei, in der der liberale Gedanke noch eine Stätte hat, und die als Kern einer sozialrepublikanischen Partei des kulturellen Fortschritts in Betracht kommt. Will wirklich die demokratische Reichstags- frattion diese verhängnisvollen Pfade wandeln? Kann sie solche Wege und Abwege einschlagen, ehe noch im Partei- vorstand oder auf dem Parteitag der Wille der Leitung und der Anhängerschaft zum Ausdruck gekommen ist. Ueberall im Lande sollten die demokratischen Organi- sationen Rechenschaft von ihren Abgeordneten ver» langen über die jüngste Vergangenheit und über die Pläne der Zukunft. Dann wird sich zeigen, ob diese Haltung, dieser Abmarsch nach rechts, diese Zustimmung zu einer höchst einseitigen und schädlichen Agrarreform, zu i-ndustrie« und handelsfeindlichen Steuern auf die Billigung der Partei selbst rechnen kann. Eine Partei, die alles dies willenlos über sich ergehen läßt, könnte nicht mehr den Anspruch erheben, als eine lebendig wirksame Organisation angesehen zu werden. Man würde von ihr sprechen, wie es im Liebe heißt: „Sie waren läng st gestorben und wußten es selber k a u m.' Es soll ein Alarmruf sein. Aber wen alarmieren? So ist es eher eine Elegie. Stahlhelm gegen Nazi. Ablehnung des„Sozialismus in nationaler Verbrämung". lieber eine Tagung des Stahlhelms, Landesverband Groß- Berlin, die in der Osterwochc stattfand, berichtet dessen Organ. Wir würden von den Referaten, die im Stil des seligen„Reichs- Verbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie' den Marxismus in Grund und Boden verdammen, keine Notiz nehmen, wenn nicht bei dieser Gelegenheit auch der„Landessührer' Major a. D. von Step hani eine Attacke gegen die National- f o z i a l i st c n mitgeritten hätte. Ihm ist offensichtlich der Abfall, der sich zur Zeit aus de,, Reihen des Stahlhelm zu den Hitler- garden hin vollzieht, stark in die Knochen gefahren, denn er zeterte: „.... Wir wenden uns mit ollen Mitteln gegen eine An- b o h r u n g unseres Bundes. Wir haben zehn Jahre gegen dia isozialdemokratie gekämpft, weil wir gesehen haben, daß nicht der Sozialismus, sondern der Notionalisinus unser Volk weiterführen kann. Wir lehnen deshalb«ine national« Ver- brämung des Sozialismus ab. Wir verbitten es uns, Lenin als Vorbild vorgesetzt zu bekommen. Wir haben die berechtigte Befürchtung, daß aus den Lehren der Ber- liner Führer der Nationalsozialisten der Bolsche- wismus geboren wird, aber nicht die Volksgemein- s ch o f t. Unser« Arbeit gilt nicht einen, Stande, sondern sie gilt allen. Zwingi man uns den Kampf aus, so sind wir bereit. Es ist doch heute bereits kein Geheimnis mehr, daß Hitler den Stahl- Helm um seine disziplinierte Führerschaft beneidet.' Wir oerstehen durchaus, daß Herr von Stephani die lästige Konkurrenz der�Hitlerlepte�mit alley.Mitteln bekäinpst. Im übrigen weiß er genau so gut wie wir, daß die„sozialistischen' Garnitur«� und Staffagen der Hitlerleute mit Sozialismus nicht mehr zu tun haben als eine Theaterdekoration aus dem Wilhelm Teil mit den Alpen. Hitler und die Seinen haben ein paar Schlagworte und Fachausdrücke kopiert, ohne die geringste Einsicht in di« Wirtschaft- lichen Zusammenhänge zu haben oder auch nur gewinnen zu wollen. Im Gegenteil: hinter der„sozialistischen' Fassade verbirgt sich eine ausgesprochene Knüppel- und Söldnergarde des P r i v a t k a p i t a l: s m u s. Hakenkreuz-Hauskn'eg. Goebbels gegen Ehrharbi. Der.Angriss' des Herrn Goebbels greift den Kapp» Putschisten Ehrhardt an. Herr Goebbels sieht den Herrn von OE. und Wiking schon an der Seite von Treoiranus und R e ch b e r g bei der.Mitarbeit' angelangt. Der Zorn Goebbels auf Ehrhardt hat fein« Ursache. Die Zei- tung des Herrn Strasser„Der nationale Sozialist' hat sich Herrn Hartmut Ploas als Leitartikler zugelegt, denselben, der in die BoMbenassäre verwickelt ist. Herr Plaas ist der Adjutant Ehrhardts. Herr Goebbels ist der intime Feiich des Herrn S t r a f s c r. Es ergeben sich zwei Zusammenhänge. S t r a s s e r hat Der- bindung mit der Ehrhardt-Elique aufgenommeni Weil dem so ist, hat sich die Feindschaft Goebbels' von Strasser auf Ehrhardt übertragen. Goebbels gegen Kricf. Der„Angriff' des Herrn Goebbels nimmt sich der Jazz- mustt an.'Ein musikalischer Sachverständiger zeigt ein« Linie, die im Zeichen des Rhythmus von den alten Landsknecht- liedern über die preußische Militärmusit zum Jazz führt:„Jode G«meinschastsgruppe zeigt Rhythmus, das lammende nationalsozialistische Jahrhundert wird also eine Musik des Rhyih- mus haben.' Die Abhandlung schließt: „Deutfches Wesen braucht durch Ueb«rnahme von Elementen fremder Voltsmusik nicht degradiert zu werden, Ebenso- wenig wie wir die K o s a k« n l i« d e r und den Eza r da z der Zigeuner ablehnen, ebensowenig brauchen wir uns den Elemen- ten des Jazz verschließen, können uns gleichfalls wie Brahms und Lifzt geschickt anderer Voltsmusik bedienen und dennoch unsere eigen« Eigenart erhalten, ja, unser« Eigenart dem Frem- den den Stempel aufdrücken.' Wo bleibt Herr Frick mit seinem Ukas gegen den Jazz? Sein Name wird nicht genannt, aber auf ihn geht es! Er wird als der wildgewordene reaktionär« Spießbürger gezeigt, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat, aber dennoch die Musik resor- mieren will. Die Herren Goebbels und Frick müssen sehr einig sein! Reich— Thüringen. Amtlich wird mitgeteilt, daß Staat»- sekretär Z weigert vom Reichsinnemninisterium vorausstchtCich am Mittwoch, dem 30. April, nach Weimar kommen wird, um den Berliner Besuch des Vorsitzenden des thüringischen Staatsmini- steriums.zur Beilegung der zwischen dem Reiche und Thüringen bestehenden Spannungen zu erwidern. Die Sudan-Frage. Das ägyptisch« Kabinett hat über ein Memo- randum der ägyptischen Delegation in London beraten, dos mit einem Sonderkurier im Flugzeug eingetroffen war. Die Beratungen werden fortgesetzt. Hugenberg:„MEITi Kurs ist der richtige, er wird gesteuert!" Clynes und die Todesstrafe. Ein Aachspiel zur Hinrichtung podmores. Lügen um die Volksbühne. Die„Kamps' Methoden der sog. Volksbühnen-Opposition. Das Scheitern der von den kommunistischen Drahtziehern be- fohlcnc» neuen Aktion zur„Rcvolutionierung' der Volksbühne, über das wir berichtet hoben, hat die bedauernswerten Vertreter der bolschewistischen Ideen aus dem linken Flügel der„Sonderobtci- lungen' völlig aus dem Häuschen gebracht. In der kommunistischen Presse toben sie ihre Wut und ihren Schmerz aus. Di« „Rote Föhne' tot es dieser Tage mit einer über die ganze Seite gehenden Ueberschrist aus nahezu drei Spalten ihres kostbaren Papiers. Der Arbeitsausschuß der Sonderabteilungen, d. h. die Vertretung des radikalen Flügels innerhalb der Sondcrabteilupgen der Volks- bühne, war bekanntlich an den Vorstand mit einer Liste von Forde- rungen, wie die der Hinzupachtung eines eigenen Theaters zur aus- schlietzlichen Verfügung der Opposition usw.. herangetreten und hotte sich zuletzt daraus sestgebissen, daß der Vorstand der Volksbühne unter Ausschaltung aller sür die nächste Spielzeit getroffenen Vor- arbeiten, unter Mitzochtung aller bereits mit anderen Bühnen ge- trofsenen Verträge, auch ohne Rücksicht auf das damit entstehende Risiko einer Zubuße von etwa ISO 000 Mark einer neuen, ständig in Berlin spielenden Piscator-Bühne zum Leben oer- helfen solle. Der Vorstand mußte dies Verlangen ablehnen. Darauf erklärten die Mitglieder des Arbeitsausschusses ganz unzweideutig, daß dies für sie eventuell die Notwendigkeit zum Auf- bau einer neuen Organisation bedeuten würde: ja, man verriet bereits, daß man in dieser neuen Organisation die Möglich- keit sehe, die Beiträge der Volksbühne zu unter- bieten, und nannte ein Entgelt von etwa 1,40 Mark je Platz. Von einem Mitglied des Vorstandes wurde darauf lediglich erklärt, daß solche Taktik immerhin verständlich wäre und vielleicht sogar eine sür alle Teile befriedigende Lösung bringen würde. Was macht aber die kommunistische Presse aus diesem Verlauf der Verhandlungen?„Volksbühnen- vorstand will Spaltung. Ein Anschlag auf die Sonderabteilungen und die Piscator-Bühne!' überschreibt die„Rote Fahne' ihren Schimpfartikcl. Der arme unschuldige Arbeitsausschuß soll also ganz wider seinen Wunsch und Willen vom Vorstand hinausgedrängt wer- den. Und nun muß er sich gegen diesen„S ch a n d st r e i ch'(dies Wort gebraucht die„Rote Fahne') zur Wehr setzen:„Es gilt, eine großzügige Mobilisierungsarbeit durchzuführen, es gilt, einen wirk- lichen Proteststurm der Mitgliedermafsen der Volksbühne gegen den Vorstand und seine Spaltungspläne zu entfesseln.' In Wirklichkeit ist es nicht einmal der Dolksbühncnvorstand, der die„Spaltung' will. Hinter dem Vorstand steht vielmehr, wenn man dem Kommunistenblatt glauben darf, die„Sozioldemo- k r a t i e". die dem Vorstand dekretiert,„mittels eines Federstriches 0000 Mitglieder, den fortschrittlichsten, besten Teil der Mitglied- schast, aus der Organisation hinauszuwerfen'. Der Vorstand hat, wie man weiter erfährt, die„Spaltung' überdies s«it Monaten vorbereitet. Bekannttich ergab sich die Notwendigkeit, vom 1. Januar ab für die Mtglioder der Volksbühne beim Besuch des Theaters am Bülowplatz eine Garde- robegebühr von 30 Pfennigen einzuführen, weil die Beiträge nicht mehr ausreichten, um die ständig wachsenden Kosten des Theater- betrieb«? zu decken. Was hat nun die„Rote Fahne' entdeckt? Die Einführung der Geöderobegebühr wurde lediglich beschlossen, um die„gewöhnlichen' Arbeiter aus der Volksbühne hinauszudrängen und das Haus am Bülowplatz„zu einem reinen Theater des Klein- bürgerttnns und der Arbeiteraristokratie' zu machen.. Das Lächerlichjte...ist...ober woht. da�-dte�iiWifahn« auch-Mch behauptet, der„Hiiwnswurf' der Rädlkaimskis-fei der--,Ka�f- preis', um den ,chie Volksbühne vom Staat übernonmien, fafchisiert(!) und zu einem kulturreaktionären Stützpunkt des Staates' ausgebaut werden solle. Muß man zu solchem Unfug wirklich noch ein Wort sagen? Offenbar hat der Arbeitsausschuß, nachdem er im Interesse seiner Forderungen allerlei Drohungen ausgestoßen hatte, inzwischen Angst vor der eigenen Courage bekommen. Man sieht ein, daß die Gründung einer kommunistischen Konkurrenzorganisation gegen die Volksbühne mit einem ungeheuerlichen Fiasko enden würde. So leugnet man jetzt, was man vor drei Tage» behauptete. Aber man beschränkt sich nicht daraus. Man unterstellt nun dem Gegner, was man selber erklärte. Daß num bei der Gelegenheit immer von einer„Spaltung' der Volksbühne redet, ist noch ein Witz für sich. Wenn aus einer Organisation von 90 000 Mitgliedern wirklich 3000 oder 4000 aus- scheide'»(und größer ist der Anhang des Arbeitsausschusses der Sonderabteitung bestimmt nicht), dann muß man schon ein Mikroskop zu Hilf« nehmen, um darin eine„Spawng" zu sehen. Vollends wird das Wort„Spaltung' lächerlich, wenn man bedenkt, daß ein Ausscheiden der berufsmäßigen Stänkerer der Volksbühne zweifellos die Bahn freimachen würde, um viele Tausende «euer Mitglieder zu werben. Wa, immer auch die kommunistischen Schreihälse machen wer- den, der Bestand der Volksbühne bleibt uner- schüttert. Die große Mass« der Mitglieder wird das hysterische Geschrei der„Roten Fahne' mitsamt ihrer Aufforderung zum„Empörung»stürm' gegen die Leitung der Dolksbühne nur mit einem Hohnlachen quittieren. Gerade die Art und Weise, wie die Herrschaften vom Arbeitsausschuß ihre Sache in der Oefsentlichkcit verfechten, kennzeichnet sie ln ihrer ganzen Verlogenheit und Ver- bohrtheit. Di« Festnagelung ihrer Kompsmethcden scheint t>as beste Mittel, um die Masien der denkenden Arbeiter enger noch als bisher mit der Volksbühne und ihrer derzeitigen Leitung zu verbinden. Kommunisten oder Lärmmacher? Schießerei in einem Münchener Vorort. München, 24. April. Wie die Münchener Zeitung meldet, wollten im Münchener Vorort Feldmoching nachts Gendarmen zwei Kommu- n i st e n festnehmen, die Skandal machten, als plötzlich dreißig junge Burschen mit Zaunlatten und Steinen gegen die Gen- darmen vorgingen, die schließlich von der Waffe Gebrauch machen mußten. Es wurden etwa zehn Schüsse auf die Angreifer abgegeben, di« in die umliegenden Gebäude flohen und von dort aus die Schüsse erwiderten. Da die Lage immer gefährlicher wurde, mußte das Ileberfollkommando von München gerufen werden, das dann gegen die Kommunisten vorging. Zwei Polizeibeamte wurden durch Stein- würfe und Schläge mit Zaunlatten verletzt. Versammlungsverbot in München. Di« von der Ortsgruppe der KPD. und ihren Hilfsorganisationen für den 1. Mai geplanten Kundgebungen unter freiem Himmel sowie sämtliche Versammlungen in geschlossenen Räumen wurden durch die Polizeidirektion München o e r b o t e n. Das Verbot wurde durch Aufrufe der Kommunistischen Partei und Ausführungen m der kommunistischen Presse veranlaßt. Auf die Protestkundgebung des Parteitages der JLP. in Vir- mingham gegen die am Dienstag vollzogene Hinrichtung des mut- maßlichen Mörders Podmores hat Innenminister C l y n e s mit folgender Erklärung geantwortet, von der man wird zugeben müssen, gleichviel wie man zum Fall Podmores an sich und zur Todesstrafe überhaupt steht, daß sie einer gewissen Logik nicht entbehrt: „Die Resolution der Unabhängigen Arbeiterpartei fordert von mir, daß ich feierliche Entscheidungen von Gerichten, Richtern und Geschworenen ignoriere und daß ich aus Grund einer Auffassung über die Frage der Todesstrafe cnt- scheide. Ich hoffe, daß sich kein Minister jemals durch eine solche unhaltbare Doktrin wird beeinflussen lassen. Ich habe den Fall tagelang geprüft in der Hoff- n u n g, einen Gnmd zu finden, um eine Begnadigung empfehlen Peschawar für Weiße gesperrt. Rücktritt des indischen Parlamentspräsidenten. Neu-Delhi, 24. April. Der Präsident der indischen gesetzgebenden Versamm- lung, Patcl, hat in einem Schreiben Sein Vizekönig seinen Rüettritt als Präsident des indischen Parlaments erklärt. Das soN zum Protest gegen die Behandlung indischer politischer Gefangener geschehen sein. Allen Europäern ist vorübergehend der Gintritt nach Peschawar verboten worden. Ausgenommen von dieser Verordnung, die eine Vorsichtsmaßnahme gegen weitere Unruhen darstellt, sind nur solche Europäer, die dienstlich in der Stadt zu tun haben. Nach einem Bericht aus Allahabad soll Gandhi seinen ttampf gegen das Salzmonopol aufgegeben und sein Hauptinteresse dem Boykott von Alkoholstuben gewidmet haben. Im Bezirk Ghittagong wurde heute nachmittag ein Aufständischer getötet» der mit zwei Pistolen bc- waffnet war. Rumäniens Kurs gegen Minderheiten. ES darf nur noch rumänisch verhandelt werden. B u k(i r e st, 24. April.(Eigenbericht.) Der Siebenbürgcr Regionaldireklor hat als Regie- rungsmitglied des Bukarester Ministerrates und oberste Regierungsbehörde de» Landes Siebenbürgen eine Bersügung erlassen, der zu- folge der Gebrauch der Minderhellensprachen, also des Deutschen und Ungarischen, in Zukunft bei sämtlichen Der- Handlungen der komilalsräle, der Komitalsdelegationen und der Ge- meinderöte— selbst in reln deutschen und ungarischen Gemeinden— verboten ist. Die Veralungen aller offiziellen Körper- s ch a s l e n dürfen künftig nur noch in der rumänischen Landessprache geführt werden. Erklärungen gellen als nicht abgegeben und Entscheidungen bzw. Beschlüsse als nicht gefaßt, wenn sie nicht in der Landessprache vorgetragen worden sind und rumänisch im Protokoll festgehalten werden. * Die Regierung der Bauernpartei, dort„Nationalzaranisten' ge- nannt, hat schnell ihre revolutionäre Herkunst verraten. Längst herrscht wieder Polizeiwillkür im Lande. Der Finanzminister Madgearu erklärte im Parlament ganz offen, daß er sich als finanzieller Diktator fühle. Während man an den notwendigsten und dringendsten Ausgaben spart, werden die D i s p o s i t i o n s- f o n d s des Ministerpräsidiums und des Innenministeriums sehr gut gespeist: so hat der letztere zu dem im Generalbudget bewilligten Summen frische 10 Millionen bekommen, weil jene sür das ganze Jahr b-stinmuen Summen in wenigerolsdrei Monaten aufgebraucht waren für Parteizweck«, indem Partei- blätter aus ihm Subventionen bekommen werden. Vor der sich„liberal' nennenden, der studentischen und der mili- Staatstheater. .Wird Hill amnestiert?" Komödie von Oon Feuchtwanger. Ein Stück mit viel Gehirn und wenig Gestaltung. Darum entgleist das Gsdonkenkarussell häufig. Man erfreut sich nur an Bruck)- stücken und besonders am Schluß. M. H. zu können. Ich habe vergebens gesucht. Ich bin nicht bereit, das Gesetz zur Farce werden zu lassen, gleichviel, wie stark der Wunsch nach einer Aendenmg des Gesetzes auch sein mag. Die öffentliche Meinung lölßt sich in solchen Fragen nicht immer durch erschöpfende Kenntnisse der Angelegenheiten leiten: sie darf sich nicht an Stelle eines Gerichtshofes setzen. Es ist das gute Recht des Volkes, das Gesetz zu ändern. Es ist aber die Pflicht des Ministers, das bestehende Gesetz anzuwenden.' Es ist dies eine oickleicht allzu starre Ausfossung von den Pflichten der Exekutive gegenüber der Legislative unter der demo- krotischcn Staatsfornr. Aber der Stondpunkt hat zweifellos etwas für sich, daß es nicht angeht, die Vevantworwng einem einzelnen Minister aufzutnirden, solange das souveräne Volk von seiner gesetz- gebenden Macht keinen Gebrauch macht und sich also vor der eigenen Verantwortung drückt. tartstischen Reaktion weicht die Regierung zurück, desto schärfer g«l)en ihre Organe gegen Arbeiter, Arbeitslose und Invaliden vor, die ihre Forderungen auf der Straße zu erheben wagen. Vollendet wird das Bild Dieser„Demokratie" durch die Erklä- rung des Innenministers Va ida, er unterschreibe mit beiden Händen den oben zitiertcirErlaß des Region« ldirektors für �iebeiibllrgeil, Dodreseu. 2lic rumlliiischen Gesetze,.enthalten allerdings, kein Wort davon,- daß es'im Reiche auch andere Völker gibt als das minämsrh«! Ebensowenig hat aber das Vorgehen des Paschas von Siebenbürgen einen Rechtsgrund im Gesetz: der Innen- minister Bajda tritt diesen: Erzchauvinisten zur Seite, obwohl der Ministerpräsident M a n i u von dem Herrn Dobrcscu abgerückt ist. Neuer Gprachenterror in SüdtiroZ. Innsbruck. 24. April.(Eigenbericht.) Aus Südtirol wird gemeldet, daß das verbot des Privat- Unterrichts in deutscher Sprache trotz des kürzlich von dem gegen- � wältigen österreichischen vundeskanzter Schober abgeschlossenen österreichisch-italienischen Freunds chastsvertrages wieder nußer. ordentlich streng gchondhabt wird. In letzter Zeit sind wiederum zahlreiche Personen wegen Uebertretung des Verbots streng bestraft worden. Spaniens Wahllisten werden hergestellt Man läßt sich Zeit: Wahlen nicht vor Dezember. Paris, 24. April. Die spanische Regierung hat nunmehr die A u f st« l l u n g von W a h l l i st e n angeordnet. Wahlberechtigt und wählbar ist jeder Staatsbürger, der das Alter von 2S Jahren erreicht hat. Das F rau c n st i m mr« ch t, für das nach dem Umsturz der Diktator so stark Stimmung gemacht wurde, wird bei diesen Wahlen noch nicht zur Anwendung gelangen. In der spanischen Ätadeinie der Recht« kam es bei der Beratung der künftigen Verfassung zu h e f t i g e n Z w i s ch e n s L) len., als ein ehemaliger Mitarbeiter der Diktatur, A r g e n t e, sich mit den � heftigsten Worten gegen die geplante Verfassung wandte. Die Zwischenfälle veranlaßten den Vorsitzenden, di« Sitzung auszuhebern Mehrere in der Akademie vertretene Rxchtswissenschaftler habeil daraufhin einen Antrag eingebracht, wonach alle Mitglieder der Akademie, die in irgendeiner Weise an der Diktatur beteiligt waren, ausgeschlossen werden sollen. Da die Aufstellung der Listen nicht vor November beendet sein dürft«, rechnet man mit den Wahlen für frühe st ens Dezember oder Januar._ Moskau verhöhnt Trohki. Ein Haßartikel der„prawda". Die Nachrichten russischer Emigrantenblätter. daß Trotzkf nach Rußland zurückkehren und sogar Leiter der Agrarpolitik weichen solle, mußten jedem, der die vehementen Zlngrisse auf Statin in Trotzkis Buch kennt, unglaubwürdig erscheinen. Run bringt die Moskauer„Prawda" einen außerordentlich scharfen und hämischen Artikel gegen Trotzki. Er wird darin spöttisch als„Wojewode' (allrussische Bezeichnung für Heerführer) bezeichnet, dessen„Heer" allerdings„auf einem Diwan bequem Platz finden würde". Die militärischen Anspielungen erklären sich dadurch, daß aus Grund von Trotzkis neuen Schriften ihm vorgeworfen wird, er verfolge eine kominternfeindliche„Strategie", die seine nahe bevorstehende voll« ständige„Assimilierung mit dem S o zi a l fa s ch i sm u s" erkennen lasse. Er wird in dem Artikel als der„alternde und ver« kommende Mister Trotzki' bezeichnet und der Artikel schließt mit dem Gruß:„Auf.in den Dienst der W c lt b o u r g c o i s i e, Wosewodc Trotzki!' Dieser Artikel zeigt deutlich genug, wie wenig an eine Rehabilitierung Trotzkis gedacht wird. Oer Arbeiter in Oalmatien. Schatten auf dem Sonnenland. Der deutsche Publizist A. Wirth zählt die südflawisch« Adriokuste zu den herrlichsten Landschaften des Erdballs und wagt nur, sie mit dein japanischen Ostufer zu vergleichen. (Hartlebens Reiseführer, Die jugoslawische Rioicro,) Die südslawische Adrlaküste ist wegen ihrer mäßigeren Preise ein Reise, und Erholungslond weniger für die Großkopfcton als sür las, was sich Mittelstand nennt, und auch Arbeiter lernen aus Ge- sellschoftsreisen dos Sonncnland Dalmaticn kennen. Der Durchschnitt der Deutschen, die dort Himmel, Mccr und Strand des Südens genießen, ahnt freilich nichts davon, daß sich hinter Glanz und Gloria einer unvergleichlichen Landschaft sehr ernste ökonomische und politische Arage» verbergen. Schuld daran trägt zum Teil die deutsche Reiseliteratur, die das dalmatinische Gestode zumeist mir als Tcuristciiland behandelt, aber auch unter den. serbokroatisch ge- schriebcncn Büchern über Dalmatien gab es bisher keines, das die wirtschaftliche und gescllsch astliche Problematik des Landes so ins Helle rückte wie das eben erschienene „Privreda i radnici u Dalraaciji"< Wirtschost und Arbeiter in Dalmatien). Das macht: Sozialisten haben den schwierigen Stoff ge- sammelt, Sozialisten den inneren Iusonnncnhang gefunden, Sozialisten die Darstellung zuwege gebradst; Herausgeber des Werks ist ein Selbstoerwaltungskörpcr der Arboiterschast, die Arbeiter- kammer für Dalmatien in Split; als verantwortlich zeichnet der Sozialist Bogoljub T s ch u r i t s ch. Auch von Dalmatien als Reiseland ist in dem Buch insofern die Rede, als der Fremdenverkehr ein ökonomischer Faktor ist: im Iahresdurchschriftt befruchtet er das Land mit 85 Millionen Dinar. Aber die eigentlichen Wirtschaftsgrundlagen sind andere. Daß von 625 000 Einwohnern Dalmatiens nur 86 000 oder 14,72 Proz. in Städten oder Städtchen wohnen, laßt auf überwiegend landwirt- schaftliche» Charakter schließen. In der Tat herrschte seit je das Agrarische vor. Aber die Unfruchtbarkeit ist in diesem öden, kahlen, von der unbarmherzigen Sonne lcergebranntcn Karst zu Haus«. Dalmatien gilt als„passives" Gebiet-, zu seiner Ernährung muß es jährlich 10 000 Waggons Getreide und Mehl einführen. Dafür ist cs von Natur ein Wein- und Oelland ersten Ranges. ober der Weinbau leidet an katastrophaler Absatzstockung, und auch für die vernachlässigten Olioonkulturen ist die Krise in Permanenz erklärt. Der Grund liegt nicht nur darin, daß in venetianischer und österreichischer Zeit ein mittelalterliches Pachtsystem, dos Kolonat, di« Entwicklung der Landwirtschaft hofsnungslos hemmte, und daß auch im neuen Staat mit feiner oerschleppten Agrarrefon» noch keine klaren Verhältnisse geschaffen sind, sondern auch darin, daß der Bauer seiner eigenen Unwissenheit und Tcilnahmslosigkeü überlassen blieb. Infolgedessen ist der Verfall des Dorfes mit Händen greifbar. Die Auswanderungs Ziffern sprechen eine beredte Sprach«. Wenn zwischen 1021 und 1928 rund 100 000 südslawische Staatsbürger nach Uebersee gingen, entfielen davon auf Dalmatien allein 16 697. aber weil höher ist die Zahl der„inossi- ziellen", nicht registrierten Auswanderer. Das Buch nimmt an, daß jährlich rund 10 000 Dalmatiner ihr« Heimat versoffen, um in der weiten Welt rhr Brot zu finden. Zum größeren Teil noch treibt der Hunger den Landwaun in die Industrie. Fast die Hälfte der dalmatinischen Arbeiterschaft setzt sich aus Bauern zusammen, die in der Stadt arbeiten, aber ihre Fapiili« aus dem Dorf wohnen haben. Nur ist mit der meist in Kleinbetriebe zer- splitterten Iirdustric auch nicht allzuviel los. Dalmatien, die Meeresküste des südslawischen Staates, könnte für den Seehandcl erhebliche Bedeutung hoben, aber die sechs Häfen, über die es neben vielen kleine» Anlegeplätzen verfügt, Sufchck, Schibenik, Splil, Du- brovnik(Ragusa), Zelenika und Metkowitjch, ermangeln des not- wendigen Ausbaus und der modernen Anlagen und vielfach auch der günstigen Bahnverbindung mit ihrem Hinterland. Kein Wunder, daß sich etwa vier Fünftel der südslawischen See- einfuhr über die italienischen Höfen T r i e st und F i u m« vollziehen. Trugschluß auch, wenn die Statistik sogt, daß sich die Tonnage der südslawischen Handelsmarine seit 1921 um stattliche 146 Proz. vennehrt habe, den» es handelt sich dabei vorwiegend um den Ankauf alter, fast überalterter Schiffe: ,57 Proz. der Fracht- dompser sind 20 bis 30 Jahre alt! Auch die Berhältnisse des Schiffspersonals siud, was Arbeftszeit, Lohn und Unterkunft angeht, unbefriedigender als in den meisten seefahrenden Ländern Europas. Aber genießen die Seeleute wenigstens die Wohl- taten der Sozialversicherung, so sind die 2000 bis 3000 Fischer, Arbeiter eines für Dalmatien sehr wichtigen Gewerbezweigcs, vollkommen ungeschützt: keine Unfallrente, keine Altersrente, keine Invalidenrente!. Im ganzen erfaßte 1927 die Sozialversicherung 27 301 Arbeiter, darunter 5071 weibliche. Davon waren 18.69 Proz. in Stein- brüchc» mid Zementfabriken beschäftigt, 12,18 Proz. in der Schiffahrt. 11,22 Proz. im Handwerk, 9,77 in häuslichen Diensten und 865 Pro.z. im Baugewerbe. Schon weil immer wieder anspruchs- lose und billige Arbeitskräfte aus der Elendswelt des Dorfes zu- strömen, ist, von einzelnen qualisizierten Gruppen abgesehen, das soziale und kulturelle Niveau dieser Arbeiter beklagenswert niedrig. Ungenügender Lohn, lange Arbeitszeit, miscroblc Wohnungen und Analphabetentum als Hemmnis gewerkschaftlicher und politischer Ausklärung. Obwohl, ähnlich wie in dem zivilisatorisch hochentwickelten fast analphabetenfreien Slowenien, eme Volksschule aus 1300 Einwohner entfällt, ist die Hälsle der Bevölkerung de? Lesens und Schreiben» unkundig: Arbeiter und Bauern weisen noch höheren Prozentsatz auf.„Die Kannner fand einmal", berichtet das Buch,„unter 62 Arbeiten: nur einen, der seinen Namen schreiben konnte." An Arbeiterorganisationen, die nicht sänftlich auf freigewerkschaftlichem Boden stehen, sind, fast alle mft dem Sitz-in Split, in Dalmatien vertreten: Vereinigter Arbeitergewerkschafts- bund. Jugoslawischer Fachverband, AllgemeiiZer Arbeiterverband, Arbeiterfachoerband Jugoslawischer Nationalisten, Kroatischer Arbeiterfachverband, ferner die Verbände der Bankangestellten, der Privatbeamte ir, der graphischen Arbeiter, der Seeleute, der Schiffs- mäschinisten, der Eisenbahixr, der Friseure, der Bergarbeiter, der Arbeiter ch Lebeitsuuftelb et rieben sowie eine Eha usfeurveredngung. Wenn von 3499 Seeleuten 918, von 2913 Hausangestellten 260, von 2239 Arbeitern der Nahrmiysmittelmduftrie 146, von 1560 Hotz« arbeiten: 316 und von 4705?1rbeftcrn der Steinbrüche und Zement« fobrikcn nur 160 organisiert waren, zeigt das, welch steiniges und dorniges Feld die Gewerkschaften hier zu beackern habm. Aber zu den Bürgschaften, daß chre Articit Früchte tragen wird, zählt nicht zuletzt ein so nnftiges, klares und aufhellcnchcs Buch wie das der Arbeiterkammer Spitt. Denn auch hier steht an der Schwelle einer Wandlung zum Bessere:: der revolutionäre Grundsatz- Aussprechen, was ist! Hermann Wendel. Aus der Partei. p. I. Troelstra 70 Jahre ali. Am Osterfest dieses Jahres hat der Führer der holländischen Sozialdemokratie, Genosse Troelstra, die Schwelle des I» genannten Patriarchenolters überschritten. Leider ist er seft Jahren durch schweres Leiden gehindert, das Zimmer zu verlassen und hat deshalb sein« Tätigkeit in der Oeffentlichkeft aufgeben müssen, so crnch das Abgeordnelenmaichat. Darum ist es um so mehr schade, als Troelstra durch seine außerordentliche Rednergabe und seine geistige ilcberlegcnheit die Kammer, trotz der Schwäche der sozial- demokratischen Fraktion, ost geradezu beherrscht hat. Die Partei- leitung wie die Internationale entbehren seinen weisen Rat und seine große Erfohning schwer geimg. Aber unermüdlich schafst Troelstras Geist in der Krankenstube' weiter, und so ost eine neue Arbeit Troelstras die Druckpresse verläßt, findet sie größte Be- achtung. Es mag unserem Freund und Genoffen Tryefftra zun: Trost dienen, daß er auch außerhalb seines Landes in den sozialdemo- kratischen Parteien der ganzen Erde nicht vergessen ist und daß mft ihnen auch wir ihn: möglichste Besserung in seinem körperlichen Zustand und eine noch recht lange Zeit ergiebiger Geistesarbeit wünschen.___ 46 000 Parleimikglicder weist der Jahresbericht der sozial- demokratischen Bezirksorganisation Ottakring(Wien 16) aui. Er hatte am 31. Dezember 1929 45 810 Parteimitglieder— 28 967 Männer und 16843 Frauen. 5712 Mitglieder sind 1929 neu der Partei beigetreten. Bon den 45810 Mitgliedern waren 6006 arbeitslos. Der älteste Parteigenosse ist 85 Jahre, d>e älteste Parteigenossin 84 Jahre alt. Ein katholischer Pfarrer. zwei aftkarholischc Pfarrer sind unter den Organisierten. Ferner ein Kapitän, drei Ofsizsere des Ruhestandes. Seft 1910 hat sich die Zahl der Parteimitglieder Ottakrings nicht weniger als vcr- siebenfacht.___ t Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Berantwortlich«ilr Volitil: Dr. CurtUi»a«lI,ifer! Sewerlschaktsbea>ec!ung: z. Stein«: ReuiUolon: ft.$. D Sichre: iiotalr« und Sonftiacsi Sri* SarNädt: JIn«iacn; Zch tSIodc: sämtlich tri Berlin. Bctlaq: Borwärts-Beriaq®. m b.£>.. Berlin Druck: Lorwärte-Buchdruckeret und Berlaasanfialt Paul Sinaer u. Co.. Berlin£® 68. tinbrnftroB« 8. Hierzu 3 Beilagen..Stodtbeilnge« Uub.Unterhaltung und Wissen". Packungen von Mk, 1.25 an in Apolneken und Drogerien, sonst durch OTTO REICHEL, Berlin SO, Eisenbahnstraße 4. Verlangen Sie kostenlos das reich Illustrierte Buch„Guter Rat In gesunden und kranken Tagen", WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz Fsrlsches Kalbskamm»•. urmt. ph. 0.86 Kalbsschnitzel.. pumd 2.20 Rinderkamm iradDnut 0.88 Querrippe...... ptom 0.84 Guiasch........ p/und 0.92 Schmorfleisch 1.10 HalbsDiereoslück» 0,94 Räucherwarefis Flundern Seelachs i Stücken. Pfund Aale"von 3-20-n Buv� 4 von �- Matjesheringe ketNkliMe . Pfund von 0.40 au 0.40 0.40 an 2Stück von Pfund von 0.25- 0.30. Fleisch Rinderzungen..Pfund 1.25 Hammelvorderfl. p». 1.04 Liesen 0.70 Gehacktes 0.85 Schweinerücken- OA mit Beilage, Pfund I*vO Schweineschinken j. ft Kamm u. Blatt, mi! Beilage, Pfd. 1• 1 ö Kaller taile gesalzen, Pfund 1*34 Suppenfleisch 0.80 Fische •Seelachs 0.48.° Schellfische pin°d von 0.24-u Kabeijaufilct nfund von 0.28»» Zander gefroren, Pfund von 0.60 an Leb. Hechte VÄ" 0 98« Leb. Aale...Pfund von 4.90 an Wurstwaren Dampf« und Rotwurst 0.96 Sülzwurst..... Pfund 0.96 Leberwurst ififflumiuiin] P'd. 1.20 Fleischwurst---- Pfund 1.20 Mettwurst(-raun£Ch,p-pf�1 1.35 Jagdwurst...... Pfund 1.40 Bierwurst O. MortadeUa 1.45 Sitsfeinefleisilisäize8.62 Filet wurst...... Pfund 1.70 Schinkenpolnische pid. 1.70 Tee- n. Leberwurst fem 1.80 Zervelat u. Salami 1.80 Speck fett, Pfand 1.10 mager 1.45 Schinkenspeck lTiucrk" 1.90 Königstr., Rosenthaler Sir. Moritrpl.: Blut' nrdLcbcrw. Ä 0.70 Berliner Mettwurst 1.20 Kolcnlalwaren Viktoria-Erbsen 0.1 6 0.24 Grüne Erbsen..fiund 0.18 Linsen---- wund 0.18 0.32 Wcifjc Bohnen 0.24 0.32 Bruchreis...... pwne 0.19 Hartgrie�...... Pfund 0.30 Schnittnud. f'l 0.44 0.62 Gem. Backobst 0.48 0.68 Aprikosen"'Ä 0.74 0.98 Frische Eier 10 Stück von 75 Pf. an Hühner gefroren, Pf. Pfund von an Puten Pfund von 1.05 an Enten Pfund von 1.20 an Tauben 80 ge-chlachtet, AR- Stack ven 10 W an Suppen- Pfund von frisch Her schlach*. 1.05 an Kabellau ganze Fische M E Fk. o. Kopf, Pld. B �9 an Rotzungen 30 iPt. Pfund von an $rettai u* Sonnabend SoideU Dorral, Hlengenabgabc norbelialten. Obst u. DemOie ra erden nidit nignandt. Obst und Gemüse Kalif. Acpfcl... Pfund 0.45 Zitronen vutr°nd 0.35 0.40 Apfelsinen Dutz 0.58 0.75 Blutapfelsinen du o.ro 0.55 Weüjkohl. Möhren pu 0.06 Rot' u. Wirsingkohl 0.12 Junger Salat Kopf von 0.15» Frischer Spinat 5 pfund 0.28 Rhabarber... 3'wnd 0.35 Neue Kartoffeln 2 ptnod 0.35 Schwarzwurzeln pmnd 0.20 Frische Ananas r,,"n 0 75» Käse und Fett Ramadou...... stock 0.20 Limburger 0.48 VS 0.82 Edamer m 0 70 VÄ 0.98 Tllsiter voltfett, Pfund von 0.82 an Schweizer 0.82 Steinbusch er vtU'e,ptUnd 0.90 Holländer voii ett. piund 0.94 Schweizer baJ- v° 1.35.0 Kokosfett.. i-pruod-iiw 0.50 Margarine nund 0.50 0.58 Molkercibutter Pfund 1.34 Tafelbutter...."und 1.52 Dan. Butter"«'""And 168 Camsinberl 0.18 0.30 Konserven Br.' u. Schnittbohn. Jg. Erbsen■/» vo» 0.45 Jg. Erbsen 0.70 Kaiserschoten 0.90 Leipziger Allerlei.. Gern. Gemüse-metfetn i 1 Dose 0.58 0.70 1.20 1.60 080 1.10 Sellerie.'.......... 1.05 '/< Dose Bruchspargel ohneKspre 1.90 Apfelmus s, vor« 2.70 0.54 Pflaumen.. 0.60 sÜaZ MirabeUen'i dom 0. 58 Saure Kirschen Stein 0.75 0 95 1.45 ijooDlüre In 1fl Elmern su billigen»reisen Wein 1928 Wöllsfeiner Ä 0.80 1928 Ingelb Rotwein 0.90 1929 Freiiauhershcimer 0.95 1927 f>1andelcr flosen- garten oiumig......... 1.20 1928 PialtcnerNcubcrg j sn itzieei Tisc mosei ; iuf ii 1 ohne G as 1928 Niersteiner 1 40 1927 Liebfraumilch 1.80 Jobannisbeerwein Än fe ne Qua it5t, vom ra Litei Tarragoaa lü vo If pf, utc. 110 und weitere S Sorten vom FaB Apfclsü�most 0.85 Balkon�Slanz�n Leipziger Sir. Uöni�tir. MotUzpIaiz Petunien....... 3 Stück 0.S5 Siie.mutterchen.... 3 Sfiick 0.25 Lobelien........ 3 Stück 0.2ü Petunien 3 Pflanzen im Top', Topf 0.60 Pe'argonien.... Tonf von 0.75 an Pelargonie� hängend, Top von 1.7 j an Rankrosen...... ♦'• kllick 0.75 Viclder Wein...... Staude C. 75 BaSkoinkästen mit Spalier und wfläem Wein Uft, bepflanzt, e0-l2u cm lang, von an Fr. 19Z» 41. Jahrgang *1. Beilage des Vorwärts Z-reiiag, 25. April 4S30 Nvra«na Selbstmord im AnwaUsbflro Tragisches Ende einer zerbrochenen Ehe. Zu einem Rechlsanwallsbüro in der hardendergstrahe 24 in Charloilenburg spielte sich am gestrigen Spätnechmlktag eine blutige Tragödie ab. Die ZZjährige Iran Alclanie Böhmer gab ans ihren um sechs Zahre älteren früheren Ehemann, den Sunsi maler Kurt Molsgang Böhmer einen Schuß ab. der ihn sofort tot zu Boden st reckte. Dann richtete die Täterin die Masse gegen sich selbst und schoß sich eine Kugel in die Herzgegend. Sterbend wurde sie in das wilmersdorfer Krankenhaus in der Zlchenbach- straße cingeliesert. Die Böhmersche Ehe ist erst kürzlich rechtskräftig ge- schieden worden. Frau Böhmer kehrte nach München zu ihren Angehörigen zurück, ihr geschiedener Mann wohnte in der Tantener Straße 4 in Wilmersdorf, wo er gleichzeitig auch sein Atelier hatte. Frau Böhmer, der die Trennung wieder leid geworden war, ver- suchte sich ihrem früheren Manne wieder zu nähern, mn eine Aus- I ö h n u n g herbeizuführen. Böhmer, der den Versuchen seiner«he- inaligen Frau zunächst ablehnend gegenüberstand, ließ sich schließ- lich zu einer Aussprache bei einem Berliner Rechtsanwalt bewegen. Diese Unterredung, die ei» so tragisches End« nehmen sollte, war für Donnerstag nachmittag um 4 Uhr bei dem Rechtsanwalt W. in der hardenbergstraßi vereinbart worden. Frau B. war aus diesem Grunde bereits am Mittwoch nach Berlin gereist. Zur ver- abredeten Zeit traf Frau Böhmer nnt ihrem früheren Mann« im Wartezimmer des Amvaltsbüros zusammen. Man begab sich ge- meinsam in das Büro des Rechtsanwalts, in dessen Anwesenheit die Unterhaltung geführt wurde. Es wollte jedoch zu keiner Einigung und Aussöhnung komm«. und schließlich veranlaßt« der Anwalt gegen 17 Uhr in wohl- wollender Weise die früheren Eheleute, in ein Nebenzimmer zu gehen und dort unter vier Augen noch bestehende gegen- seitig« Widcrstälche zu beheben. Die beiden befanden sich wenige Minuten allein, als ein Schuß fiel. Der Anwalt, der nichts Gutes ahnend herbeieilte, sah Frau Böhmer in wenigen Metern Entfernung mit erhobenem Revolver vor sich stehen. Böhmer lag leblos auf dem Boden. Die Kugel hatte fein Herz durchbohrt. Ehe der Anwalt die völlig verzweifelte Frau daran hindern konnte, hatte sie die Waffe gegen sich abgedrückt. Mit einem Herzschuß schaffte man die Unglückliche ins Zlcl)«nbachkranken- haus, wo sie kurze Zeit nach ihrer Einlieferung starb. Die Leiche des Mannes wurde ins Schauhaus gebracht. Opfer des Aufspringens. Fücksichlsloser Fahrgast verursacht Tod des Zugbegleiters. Die üble llnsille des Ausspriugeas auf einen bereits in Aahrl befindlichen A-Bahnzug forderte gestern das Leben des feinen Dienst versehenden Zugbegleiters. Auf dem U-Bahnhof Bergstraße stand«in zur Abfahrt bereiter Zug. Der Bahnhofsvorsteher hatte das Abfahrt- fignal bereits gegeben, als im selben Augenblick ein Fahrgast in großer Hast angelaufen kam, um den Zug noch zu besteigen. Dabei prallte er mit solcher Wucht init den: Zugbegleiter, der gerad« das Signal„Fertig" an den Zugführer gegeben hatte, zusammen, daß dieser aus die Gleise stürzte und Übersahren wurde. Der Unglückliche, es handelt sich um den Zöjährigen Erich M a n i g aus der Wöhlertstraße 2l. wurde auf der Stelle getötet. Seine Leiche wurde nach der Buckower Halle gebracht. Leider ist es dem Urheber des tragischen Unfalles in der allgemeinen Aufregung gelungen, zu entkommen. Die Kri- minalpotizei hat inzwischen die Ermittelungen nach dem Täter ausgenommen. Hastbefehl gegen Wessels Wirtin. Sie Frau der Mittäierschast verdächtig. In der Voruntersuchung wegen Ermordung des nationalsozioli- sttschen Studenten H o rst Wessel hat der Untersuchungsrichter die ehemalige Wirtin Wessels, Frau Salm, vernommen und Haftbefehl gegen sie erlassen. Frau Salm, die zu Beginn der Ermittlungen vorübergehend von der Polizeit festgenommen worden war, ist verdachtig, die Täter Hohler, Kandulski und Rückort her- beigeholt zu haben. Erwin Rückert ist vor einigen Togen in Span- bau festgenommen und in Untersuchungshast übergeführt worden. Die Nachfors6)ung«n nach weiteren Beteiligten werden fortgesetzt. Iuw.elenraub in Berlin. Aasseite mit Kostbarkeiten im Wert von �50000 Mark. Die Nsährige Hausangestellte Frieda Rothe dos in Berlin wohnenden Direktors der Preußischen Pfanddriesanstolt, Dr. M. Frankel, hat aus einer d«r Frau des Bankiers gehörenden ver- lchlofsenen Kassette für 150000 Mark Juwelen gestohlen und ist mit dem Raub spurlos verschwunden. Bereits am 4. April hat sich Frieda Rothe auf dem zuständigen Polizerreoier«inen Auslandspaß ausstellen lassen. Es ist wahrscheinlich, daß die Diebin die Tat unter Beihilfe eines Mannes verübt hat, mit dem sie gemeinsam geflohen ist. Die polizeilichen Nachforschungen er- gaben, daß der Diebstahl bis ins kleinste vorbereitet war. Wie sich jetzt herausstellt, ist Frieda Rothe auch aus ihrer vorigen Stellung wegen Diebstahls entlassen worden. Die Grenz- stationen sind durch Polizeisunk von dem Vorfall in Kenntnis gesetzt worden. Llnfall der„Bremen". Zusammenstoß mit einem englischen Oeltanker. London. 24. April. Der Norddeutsche Lloyddampser..Bremen" stieß am Donoerslag vormiliag Im Kanal zwischen Aolkeslone und Duagensß im dichten Nebel mit dem englisch«» Tankdampfer „BrtHfh Grenadier" zusammen. Die„Bremen", die nur eine leichte plakkeneindrückung im Lug davontrug, fehle nach viertel- stündigem Aufenthalt am Ort de? Zusammenstoßes ihre Fahrt nach Soulhampkon fort. Der Tankdampfer hak sich nach Deal begeben uuh ist dort vor Anker gegangen. Er ist schwer beschädigt. Die Backbordseike ist von der höhe der Brücke bis unter die Wasserlinie aufgerissen worden und seine Tankbehäller haben große Mengen Oel verloren. El» Mann an Bord des Tankdampfers ist bei dem Zusammenstoß erheblich verwundet worden. Einer später eingehenden Meldung zufolge hat die Bremen die Fahrt von Southampton nach New Zork forkgesetzt. Gistgasexplosion bei Lüttich. Bisher 2 Tote und 60 Bergistete. Brüssel. 24. April. Im Hüttenwerk Ougröe Marihahe bei Lütt ich explodierte am Donnerstag ein Behälter mit 50 Kubikmeter Ammoniakgas, das sich mit ungeheurer Tchnelligkeit in der Fabrik und der ganzen Umgebung ausbreitete. Unter der Bevölkerung entstand eine große Panik. Vier Arbeiter starben sofort an schwerer Gas- Vergiftung, während 80 weitere Personen mit schwere» Vergiftungscrschcinungen Kran- kcnhäuseru zugeführt werden mußten. Durch die Gewalt der Explosion stürzte eine Fabrikmauer ein. Die Trum- mer wurden 100 Meter weit fortgeschleudert, wobei ein Arbeiter auf der Stelle getötet wurde. Einer letzten Nachricht zufolge» sind noch zwei weitere Arbeiter dem Giftgas erlegen. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf sieben. Acht englische Gportstieger in Berlin. Sieben weitere am Freitag erwartet. Von den 20 englischen Leichtflugzeugen vom Heston Air Park Elub, die am l7. April zu ihrem ersten Europarundflug aufgestiegen waren, waren bis Donnerstag abend gegen 8 Uhr acht Maschinen im Flughafeg Tempel Hof gelandet. Die Gebäude waren mit den Flaggen Groß-Britanniens, des Deutschen Reiches, Preußens und der Stadt Berlin festlich ge- schmückt. Zum Empfang der Piloten waren Vertreter des Reichs- vcrtehrsminfftoriums, der Flughafengcsellschast und der Deutschen Lust-Hansa erschienen. Der Leiter der Expedition Norman und sechs Piloten mit ihren Maschinen werden noch aus Dresden erwartet. Massenausbruch von Sträflingen? Wieder Unruhen im Staatsgefongnis von Ohio. Eolumbus. 24. April. 1 Etwa 50 Sträflinge des Slaatsgefängnisses. die Nachtarbeit im Sohlenlager verrichleten, verließen frühmorgens ihre Arbeilsplätzc. Alle Vorsichtsmaßnahmen sind gelrossen. um den befürchteten Massenausbruch der Sträflinge zu verhindern. Da man annimmt, daß sich die Sträflinge großer Mengen Gasolin und Oel bemächligl haben, ist man auf eine neneArandstiftullg gefaßt, um so mehr, als gestern und heule wiederholt Kundgebungen der Unzufriedenheit veranstaltet wurden. Neue Bestimmungen für das Meldeweseu. Der Preußische Minister des Innern hat die Be- stimmungen über das Meldewesen neu geregelt und zu diesem Zweck eine Musterpolizeiverordnung nebst Aus- führungsanweisungen erlassen, die in dem Ministerialblatt für die Preußische innere Verwaltung vom 22. April veröffentlicht worden ist. Nach dieser Musterpolizeiverordnung werden die Regio- rungspräsidenten und der Polizeipräsident in Berlin für ihr« Bezirke Polizeiverordnungen erlassen, die am 1. Juli d. I. in Kraft treten werden. Snderabdrucke des ausführ- lichen Runderfasses sind von Carl Heymann's Verlag, Berlin W 8, Mauerstraße 44, zu beziehen. „Ich bin wahnsinnig, ich' kenne keine Betten." ..Dann wissen Sie wohl auch bestimmt nicht mehr, dag Sie sich an Frau Delhis vergangen haben? Und Frau Delhis ist eine Lügnerin, und die Gräsin und Witwe Jensen und. die kleine Betten haben ihre Aussagen gegen Sie alle nur erfunden. Und das Kind von dem armen Dienstmädchen, das gibt es wohl gar nicht mehr. Das alles, was in diesem Akt hier protokolliert und amtlich festgelegt ist, das alles ist völlig aus der Luft gegriffen. Und nur Sie allein, Sie Torben Rist, Sie sprechen die Wahrheit. Und Fährmann Hansen hat nur geträumt, als er Sic im schwarzen Mantel nach Lynö übersetzte, und Sie besitzen nicht die Krawatte der Osstpowna und haben niemals anstößige Gedichte ge- schrieben, das alles ist wohl nur Phantasie, Halluzination. Sie allein, Torben Rist, sind normal und vernünftig. Sie sind auch nicht aus dein Fenster gesprungen, als meine Leute Sie verhaften wollten, das ist wohl auch die reine Ver- leumdung. Und wenn man Ihnen zuhört, dann ist das Badehaus von Aaresund überhaupt nicht in die Lust ge- gangen und die Ossipowna geht heute rioch auf Lynö spazieren. Um Gottes willen, lachen Sie doch nicht schon wieder! Ist das alles, was Sie mir erwidern können'?" „Herr Untersuchungsrichter, ich bin wahnsinnig." Kgl. Amtsgericht Sandrup. 2. Juli 1929. Auf eine Unterschrift des Häftlings muß verzichtet wer- den, da er unter hysterischen Lachkrämpfcn abgeführt wird. gez. H. G. Jakobson. Gutachten über den. Geütcszuitand des Uniersr/chungsfiefangenen Torben Pisf, derzeit Amisgeridil Sändrup. Der Häftling ist vor allem ein tl?pischer Simulant. Dies geht allein aus der Art hervor, in der er immer wieder in ein krampfhaftes Gelächter auszubrechen versucht, fo oft die Unterredung auf einen Punkt kommt, der ihm peinlich werden könnte. Ferner deutet darauf hin seine geradezu unglaubliche Verstocktheit, mit der er allen Fragen begegnet, und die man eigentlich sonst nur bei strafbaren Jugendlichen findet. Ein deutlicher Beweis, daß der Häftling in feinem Sexualleben schwer gestört ist und wahrscheinlich noch an heftigen Pubertätsphantasien leidet, die sich leider auch manchmal beim Wegfall sozialer und ethischer Hemmungen in wilden und realen Trieben auszuleben versuchen. Aus der Tatsache, daß der Häftling nicht zu bewegen ist, über die Verhältnisse in seinem Elternhaus und seine ersten Kindheitseindrücke zu sprechen, geht mit aller Wahrschein- lichkeit hervor, daß der Vater Trinker war und an vkwvotia tremens zugrunde ging, während die Mutter bis heute noch vom Häftling mit stark infantiler Neigung begünstigt wird. Geschwister dürfte er keine gehabt haben. Nicht ausgeschlossen ist bei dem Häftling eine beginnende Hebephrenie(Iugendwahnsinn), ein Verdacht, der besonders durch die hyperthymische Art, in der«r seine momentane Situation auffaßt, berechtigt scheint. Bedenklich scheinen serner die zu starken Pupillenreflexe, das Zittern in den Händen, der schwankende Gang. Daß der Häftling zur Zeit seiner Exzesse bei Sinnen ist, ist kaum anzunehmen. Zusammenfassend ist zu sagen, daß Torben Rist ein Mensch mit geschwächter Willensfähigkeit ist, was feine mangelnde Intelligenz nicht auszugleichen vermag. Jeden- falls aber hat er seine Taten bei vollem Bewußtsein verübt und ist für dieselben auch zur vollen Verantwortung zu ziehen. Zu Aushebung der Untersuchungshaft und Ueber- führung in eine Anstalt ist kein Anlaß gegeben. 5. Juli 1929. Professor Axel Behrens. Brief von AmUridiier Wessel an Unier sudiungsriditer Jakobsen. Anacapri, Pension Loretto, 27. Juni 1929. Mein lieber Jakobsen, Das sind ja nette Geschichten, von denen ich hier in meiner Abgeschiedeichest erfahre. Kaum kehrt man seinem kleinen Städtchen, in dem man dreißig Jahre redlich ge- schuftet und sich mit Diebstählen� Einbrüchen, Alimentations- klagen und Ehrenbeleidigungen abgemüht hat, den Rücken, so ist auch schon der Teufel los: ein Haus geht in die-Luft und ein leibhaftiger Lustmörder wird�erwischt. Am liebsten haste ich meine Sachen gepackt und wäre gleich wieder heim- gefahren, um mir die Sache mal in der Nähe zu betrachten, ober davon ist leider noch keine Rede, kaum daß ich mich ein kleines Stündchen im Tag herumschleppen kann. Mein Herz will immer noch nicht recht parieren. Wenn ich Ihnen heute schreibe, so glauben Sie nur ja nicht, lieber Freund, daß das ein Mißtrauensvotum für Sie jem soll. Im Gegenteil. Sie sind einer der austichtigsteu und ernstesten jungen Menschen, mit denen ich je gearbeitet habe. Aber der Fall, dem Sie da mit einemmal allein und von allen Seiten angegriffen gegenüberstehen, scheint mir so schwierig und verzwickt zu sein, daß ich mir nur den Kopf zerbreche, wie Sie damit fertig werden sollen. Denn Sie sind noch'sehr jung, mein Lieber, und wenn Sie auch alle Gesetz- bücher Dänemarks auswendig kennen, so können Sie doch in einem doch unmöglich so erfahren sein, wie es hier nötig wäre: in der weiblichen Phantasie. Ja, lieber Jakobsen, glauben Sie nur ja nicht, daß ich mir den Kopf zerbreche, wie Sie mit dem angeblichen Lust- mörder fertig werden. Keine Spur. Aber wenn ich mir denke, welche Flut von Gerüchten, Vermutungen und—- sagen wir es nur ganz offen— geheimen Wünschen seine Verhaftung auf der kleinen Insel in Wallung gebracht haben muß, so kann ich mir vorstellen, daß auch Ihr sonst so kühles und gerade denkendes Hirn in Berwirrung gebracht> wird. Versührung. Vergewaltigung, wen» nicht noch Schlimmeres wird Ihnen täglich von allen Seiten gemeldet — ich lese das aus allen unseren Zeitungen heraus. Ich hätte es auch nicht anders erwartet. Jedes dumme Frauen- zimmer glaubt etwas Besonderes versäumt zu haben, wenn sie den Bösewicht nicht wenigstens einmal abgewiesen hat; es wird bald keine unehelichen Kinder mehr auf Lynö geben, deren Vater er nicht sein soll. Sie wundern sich. Sie sind ein Großstädter, ein lieber Junge. In Kopenhagen aufge- wachsen, haben Sie in Berlin und Paris studiert. Sie können ja nichts ahnen von der ungeheuerlichen Langweile, an der alle Frauen in der Provinz kranken, von der Sen» sationsluft, die mc_ befriedigt wird. Sehen Sie sich doch die Leute auf Lynö einmal genau an: da ist Frau Delius mit ihrem Wagner, mit ihrer Kunst, mit ihrem Schlagwort von der große» Liebe und mit ihrer ganzen traurigen Tugend. Da ist die schöne Frau Doktor Mauke, die alle Jahre ein Kind bekonimt, wahrend ihr Mann hinter jeder Schürze her ist. Da ist die interessante Gräfin Aaresünd mit ihrem viel zu asten Mann, ihren verunglückten Liebesaben- teuern und ihren ewigen Morphiumspritzen. Da ist die Witwe Jensen, die böseste Zunge der ganzen Insel, die ihren Mann zu Tode gekeift hat. Da war die arme melancholische Marie-Louise, ihre Tollster, ein sonnenloses Geschöpf, von der Mutter in ein Zwangsmiedcr von Vorurteilen geschnürt und ausgehungert nach allen Männern, von denen sich keiner was aus ihr machen wollte. Da ist die kleine schwachsinnige Dyoete, Tochter eines Säufers, ein armsesiacs Tierchen, das nach jedem Tanzabend mst einem Burschen hinter einer Hecke verschwindet. Und so weiter,,«(Forts, folgt.), Gerichissaal als Ringkampfarena. Steglitzer Rowdys vor Gericht. Den Schrecken der Slegliher Bevölkerung bildete im ver- gaugencn herbst eine Horde junger Leute, die abends Lokale besuchten, die Zahlung der Zeche verweigerten, Gäste verprügelten und wenn sie hcrausgeworsen wurden, dem Mrl die Scheiben eins6>lugen. Nach solchen Lokal. besuchen' stellten sie sich auf den Straßen Ztutos entgegen. warfen ihnen Bierflaschen in den Weg und griffen die Ehauffcurc tällich an. *" Einige dieser Rowdys halten sich wegen sechs Fällen solcher Ausschreitungen, die sie teils einzeln, teils genieinschaftlich begangen lMlen, und die ihnen nachgewiesen werden konnten, vor dem Schöffengericht Schöneberg zu verantworlten. Sämtliche Angeklagten waren bereits mehrmals vorbestraft, darunter einer, namens Sporn, schon fünfzehnmal. Sie behaupteten in der Verhandlung, daß sie von all ihren Straf- taten kaum mehr ctivas wüßten, da ste vollkommen betrunken waren und n»r in der Trunkenheit solchen Unfug hätten verüben können. Die Beweisanfnahme ergab, daß die Angeklagten noch solchen Exzessen den Polizcibeamten heftigsten Widerstand entgegensetzten, so daß einige von ihnen fast immer gefesselt abgeführt werden mußten. In der VerhanMung protestierte ein anscheinend angetrunkener Zuhörer gegen eine Anordnung des Aorfigenden. Als cr der Ausforderung, den Saal zu verlassen, nicht nachkam, sondern im Gegenteil den Versuchen der Wachtmeister, ihn herauszuführen, heftigsten Widerstand entgegensetzte und die ganze Zeit lärmte, verurteilte ihn der Vorsitzende wegen Un- gebühr vor Gericht zn 24 Stunden hast und verkündete die sofortige Verhaftung dieses Zuhörers. Da sich jener immer noch weigerte, dem Wachtmeister zu folgen, entspann sich im Gerichtssaal ein Ringkampf zwischen ihm und einigen als Zeugen anwesenden Polizeibeamten. Der renitente Zuhörer wurde schließlich überwältigt und gewaltsam ms Unterfuchungs- gefängnis gebracht. Nach der Erledigung dieses Zwischenfalls stellt« der Staats« anmalt seine Strosanträge gegen die Angeklagten wegen ge- fährt icher Körperverletzung, schwerer Körperverletzung, Widerslandes, ,.Betruges, Sachbeschädigung und wegen groben Unfugs. Das Gericht verurteilte den Angeklagten F e r l e y, der bei allen Aus- . jchreitungen dabei war und der einer der Haupttäter der Steglitzer Bande zu fein scheint, zu einem Jahr zwei Monaten Gefängnis und ließ ihn sofort im Gerichtssaal verhaften. Unter Abtrennung einer Reihe von Fällen wurden die übrigen Airgeklagten verurteilt und zwar der Angeklagte Schulz zu fünf Monaten Gefängnis, Wilde zu drei Monaten Gefängnis und Sporn zu zwei Wochen Haft. Das Gastwirisgewerbe in Preußen. Weitere Zunahme per alkoholfreien Wirtschaften. Das Preußische Slalistische Landrsaml leill in Nummer lZ seiner„S l a k i st i s che n ftorte- s p o n d e n z" über die Erhebungen, die das Amt für das Jahr 1928 über die Gast- und Schankwlrtschaften in Preußen machte, mit, daß im Freistaat Preußen 179 401 Gast- und Schankwirtschaslcn bestehen, d. h. Zä49 mehr als 1927. Die Zunahme gegen das Vorjahr, kommt Zu 90 Proz. auf. Beckmüng der. Städte. Sehr erfreulich ist die weitere Zunahme der a l ko h vi fre i e n Wirtschaften. Zwar bilden sie noch den kleinsten Teil, nämlich 8 Proz. der erfaßten Betriebe. Ihre Zahl ist aber bereits fegt um 6? Proz. höher als 1921. An dem Zuwachs sind nächst den Bronntweinkleinhandlungen mit 1827 Betrieben, darunter 1ö14 in den Stödten, die alkoholfreien Wirtschaften mit 901, darunter 8Z1 in den Städten, am stärksten beteiligt. Der Zuwachs an reinen Schankwirtjchaitcn und an Gastwirtschaften beträgt nur 5fi3 und 258. Die Zahl der reinen Schankwirtjchasten hat in den Städten um 695 zugenommen und ist auf dem Lande um 152 zu- rück gegangen. Es ist aber nicht zu vergessen, daß dieser Rück- gang zum Teil darauf beruht, daß früher ländliche Wirtschaften infolge van.Eingemeindungen zu städtischen geworden sind und bisher reine Schank- und Speisewirtschaften sich wegen des zunehmenden Fremden,, Wachenends- und Ausflugsverkehrs durch Bereilftellung einiger Betten in Gasthöfe mit F re ni denbehe rbergung imd-ner-pflegling umgewandelt haben. Von den 1 3 9 9 5 a l k o h o l- freien Wirtschaften entfallen 6 4 8 5 auf die Städte mit 100 000 und mehr Einwohnern. Die alkoholfreien Wirtschaften sind im Verhältnis zur Be- polterung, namentlich auf dem Lande, und zwar vor allem in der Grenzmark Poien-Westpreußen, in Oberschlesien, Sachsen und Ost- preußen noch recht jch wach vertreten. Di« stärkste Durchsetzung mit Wirtschaften ohne Alkoholausschank weisen die Rheinprovinz, Westfalen, Hessen-Nassau und Schleswig-Halstein auf. Im Bevölkerungsdurchschnitt von Gesamtpreußen kommt ein alkohol- freier Betrieb erst auf 2797 Menschen, mährend eine Gast- und Schankwirtschaft mit Ausschank alkoholischer Getränke auf je 282 Personen entfällt. Im Verhältnis zur Bevölkerung ist die Ver- breitung der Wirtschaften mit Verabfolgung geistiger Getränke in den Städten der dichtbevölkerten Provinz Westfalen, Oberschlesien und Rheinprovinz und in'den ländlichen Bezirken Ostpreußen, Grenzmark und Pommern gering gewesen. Das Anwachsen der alkoholfreien Gaststätten ist ohne Zweifel gerade vom Standpunkt der Arbeiterbewegung aus zu begrüßen. Man darf hoffen, daß durch das G a st st ä t t e n g e f e tz eine Regelung gefunden wird, die auf der einen Seite den Ansprüchen auf einen starken Schutz der Bevölkerung und namentlich der Jugendlichen gegen Alkoholmißbrauch Rechnung trägt, auf der anderen Seite aber auch die berechtigten Wünsche des Gast- wirtsgewerbes berücksichtigt. Her mit dem Vierpfennig! Wir erhalten folgende Zuschrift: Die Brauereiunternehmer haben beschlossen, die neue Bier- steuererhöhung von 3,8.5 M. auf den Hektoliter in voller Höhe auf den Konsumenten abzuwälzen. Di« Alkohotindustrie, die im G e l d e schwimmt, drückt sich als« vor der geringsten eigenen Belastung und läßt den Konsumenten die ganze Rechnung allein zahlen. Das Liter Bier verteuert sich durch die Reichssteuer um 3,85 Pf-, wozu noch die Erhöhung der Gemeindebiersteuer um 0,4 Pf. tritt, so daß' der Preis für ein Liter Bier sich um insgesamt 4,25 Pf. erhöht. Die in Berlin so beliebte „Molle" von drei Zehntellltenz, für die bisher durckrfchnittlich 20 Pf. zu zahlen waren, dürste also h ö ch st ensaufZZPf. ver- teuort wenden. Wie schon 1927 besteht aber auch diesmal die Gefahr, daß der Mollenpreis nach oben, also auf 25 Pf. adge« rundet wird. Das mäve eine znststjttche Belastung de» Bier, Kamp f dem Boden wucher! Freiflächen und die ff Heiligkeit des Privateigentums" gm An.sck>luh an den in der vorigen öroMZxnlogr des„Äjnvärti* orrSffeueliHtcn Artikel des sosialdenloiratitchei, Landiagsabgeordnetrn Otto Meier liber die Gutsankitufe der Stadt Berlin erhielten wir die nachstehenden Ailsfithrnnzen. Ber Bersaffer weist insdesonder« auf die Dringlichkeit der Neugestaltung des C N t e i g» nungsveifahrens hin. Es ist bekannt, daß in dem Augenblick, in dem die Stadt als Grundstückskäufer auftritt, die Preise ganz ungemeflen steigen. Ja manche Verkäufer fühlten sich bei den getätigten Geschäften be- trogen, als sie bei Einfchiobung von Vermittlern hinterher erfuhren. der eigentliche Käufer fei die Stadt gewesen. Sie wollten jogar Schadensersatz anspräche gegen die Stadt wegen „arglistiger Täuschung" geltend machen. Man sollte meinen, die Stadt kannte sich auch bei unmittelbarem Kauf gegen llebervorteilmtg schützen, iitdem sie die Grundstücke, welche sie in öffentlichem Interesse braucht, auf dem Wege der Enteignung erwirbt. Aber die harmlosen Gemüter, die solchen Glaubens sind, kennen nicht die Praxis unserer Gerichte und der „Sachoersländigetl". Wir geben hierüber ganz unverdächtigen bürgerlichen Politikern dos Wort. Der frühere preußische Finanzminister Lentze führte zu diesem Thema au»: „Man macht sich keinen Begrii! davon, wie unsinnig hoch bei Enteignungen die Entschädigungen zugesproehen werden, wie Land, dos im Endeffekt wertloses HiMerland ist. als wert- volles Borderland entschädigt werden nruß, und wie Werte zu- Ungunsten der Städte konstruiert werden, die sie durch ihr« Maßnahmen erst geschaffen haben." Freilich ftihrte er diese bewegliche Klage nicht als preußischer Finanzminister, s andern als Oberbürgermeister von Magdeburg auf dem Deutsi�n Wahnungskongreß im Jahr« 1904. Es ist nicht be- könnt geworden, baß«r seine spätere starke Machtstellung benutzt hat, um dieser von ihm beklagten Praxis der Gerichte durch gesetzliche Maßnahmen entgegen z» treten. In dem seither verflossenen Vierteljahrhmtdert ist es auf diesem Gebiet« nicht um ein Haar bester geworden. So Nagte auf dem Kleingärtnertog in Frankfurt a. M. im Jahre' 1927 der Oberbürgermeister Dr. L a n d m a n n: „Es ist nicht möglich, die Pläne neuzeitlicher Siedlung durch- zufuhren, wenn es nicht gelingt, ein Bodenrecht zu schassen, das es den großen Stödten möglich macht, den Boden für Dauert anlogen zu einem erschwinglichen Preise in ihre Hönde über. zuführen." Wir werden von der kapitalistischen Gesellschaft und den an ihrer Erhaltung interessierten Kreisen sa nicht erwarten können, daß sie die Bodenschätze und den Boden, diese natürliche Grundlogs jeder meirschlichen Betätigung und Arbeit, vollständig dem Privatbesitz und der privaten Ausbeutung entzieht. Am 28. Februar erst nmßten wir ein Urteil des höchsten deutschen Gericht?, des Reichsgerichts. erleben, das die auf dem preußischen Fluehtliniengesetz beruhende Hebung der Städte be! der Festsetzung von Fluchtlinien und Schaffung von Freistächen für ungesetzlich erklärt, weil das preußische Fluchlliniengesetz teilweise(in seinem§ 13) gegen die Reichsoersassung verstoße, da es die„Heiligkeit des Privateigentums" nicht genügend acht«. Wir wollen alnr den unerhörten Bodenwucher zu-- ungu ist ten der Städte, dem durch das erwähnte Reichsgerichtsnrteil noch Vorfelpib geleistet wird, nicht geduldig ertragen. Man muß ihm auch jetzt schon durch eine Gesetzgebung entgegentreten, durch welch« � die Entschädigung für den für öffentliche Zwecke zu ein- eignenden Boden nach dem der Steuer zugrunde liegenden Wert zn bemesten ist. Um bei der Schätzung den Eigentümer vor behördlicher Willkür zu schützen, müßte die S e lb st« i nf ch ä tz ung eing«. führt, zugleich aber der Stadt ein Vorkaufsrecht zu /dem gcichätztcn Wert eingeräumt werden. Dieses letztere sowie die eventuell drahende Enteigmnrg schützt den Eigentümer vor zu niedriger EtNschützung, während die hohe Steuer Schutz vor zu hoher Einschätzung und damit vor liebe rvorteilung der Stadt beim Erwerb gewährt. Solche TNaßnahmen werden wir nvr durchsetzen können, wenn weil stärker als gegenwärtig in das allgemeine Bewoßlfcin der Ge- danke eingedrungen ist. daß die allgemeinen ösfcnt- lichenZnteressenvorprivalenZntcresfen voraus- zugehen haben. Dos erwähnte Reichsgerichisurlcil mit seiner llcbcrsleigerung des Schutzes privater Ansprüche zclgk. wie weit wir noch davon entsernl sind. Es wird ober vielleicht auch bürgerliche Kommunalpolitiker unseren Gedankengängen geneigt machen und auch mit zur Reform der Gesetzgebung über die Enteignung beitragen. Dr. Bruno Borchardt, trinkers um glatte 150 Proz. gegenüber der reinen Steuer« belastung. Warum sollte das, was dem bayerischen Bier« trinker möglich ist, dem Berliner nicht auch möglich sein? Und warum sollte der Knpserpfennig, der sich beim Bäcker einge- bürgert hat, nicht ebenso gut über den Schanktisch rollen? Für den Arbeiter, Angestellten und kleinen Beamten ist es von Be- deutnng, ob man ihm zwei oder fünf Pfennig auf die Malle aifffchlägt. Jeder gerechtdenkende Gastwirt wird zugeben müssen, daß. wenn die Brauerei die Steuer auch auf ihn abwälzt,. der Gast dach nicht mehr bezahlen mag, als die Steuer ausmacht. Schweres Autounglück in Tempelhof. Drei pcrsoncn schwer, drei vettere leichi verseht. Gestern vormittog crcignele sich an der Straßenkreuzung Kall- w i h- und Ordensmckssterstraße in Tempelhos ein folgenschwerer Zusammenstoß zwischen einem Lastauto und esner Autodroschke. bei dem drei Personen schwer und drei weitere leicht verletzt wurden. Der Znfanunenprall erfolgte mit solcher Gemalt, daß die Autodroschke auf den Bürgsrsteig gegen einen Gaskondelaber ge- schleudert wurde, der wie Glas wegkroch. Beide Fahrzeuge wurden sehr schwer beschädigt und mußten von der Feuermehr abgeschleppt werden. Der Führer der Droschke, Kurt Witbick aus der Bismarckstraße 7 in Steglitz, und der Fahrgast, Max B! n ck aus der Kniephosstroß« 4.5 in Steglitz, sowie der Mitfahrer des Lastautos, Franz Sokora aus der Ringbahnstr. 59 m Tempelhof, erlitten schwere Verletzungen. Außerdem wurden drei Arbeiter, die sich auf dem Lastauto befanden, leicht verletzt. Die Verunglückten wurden durch die Feuerwehr nach dem Tewpelhoser Josefskranken- Hans gebracht. Während die Sck?u>eroerletzten im Krankenhaus verbleiben nmßten, konnten die drei leichtverlegten Arbeiter nach An- legung von Notverbänden wieder entlassen werden. Die Schuldsrage ist noch ungeklärt. * In Staaken zwischen der Seeburger Strotze und dem Friedhof fuhr heute früh ein Rothe no wer Ainoinobilist, Gottsried Thal, mit seinem Wagen in hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum. Schwer versetzt wurde der Verunglückte aus den Trümmern gezogen und in das Hildegard- 51rankenhaus am Reichstanzlerplatz gebracht. Das Hörspiel„Rendezvous" van Alfred Otto P a i i tz f ch gab ein paar Ausschnitte aus dem Alltag. Der Verfasser, hat der Tragik des einzelnen, dem fungen Menschen im Großstadtgetrieb« nachgespürt, dieser Tragik, deren tragischste Seite es ist, daß sie sich tausendfältig' wiederholt, daß sie nichts anderes ist als ein« Alltag- lichkeir. Die Menschen dieses Hörspiels bekamen Gesichter, wurden Fleisch und Blut, wurden Klage und Anklage. Ilnd deshalb ist diese«zenenfolge ein Kunstwerk— wem» es auch gegen das Ende zu Form und Gestalt verliert und schließlich wie ein Frogment wirkt, dem man einen Berlegeicheitsjchluß angehängt hatte. Die Regie, die bis dahin das Werk scharf zusammengeiaßt hatte, mußte hier versagen. Bei der Rollenbesetzung hatte eine sehr glückliche Hand gewaltet. Sehr hübsch war das Konzert der Gesanggemein- fchaft der Reichesche n Jugendchöre Hermsdorf-Spandau- Staaken. Man sollte dieie mit Lust und Können singende Schar gelegentlich in der Jugendstunde singen lassen. Mintsttrialdirektor Dr. Klausener behandelt« in«inein Vortrag dm.Llbbau von Polizeinerordiuitigeu und Polizeistraien". Er betont«,«ine wie erfolgreiche Arbeit unter dem Innenminister G r z« s i n s k i bereits auf diesem Gebiet gelefftet wurde. Alle Polizewerordnuirgen bis zum. Jahre 1900 sind heut außer Kraft gesetzt. Die Entlaswna der Gericht«— und des Publikums— ist beträchtlich, wurden doch bis dahin noch von manchen Polizeibehörden auf Grund von Ber- ordnungen aus dem 17. und 18. Jahrhundert Strafen verhängt. Das kommende Polizeiverwoltungsgeseg soll weitxr« Reformen bringen, vor ollen Dingen das Recht emichrairten, neu« Pnli.z«ioerc.:d!iU!'g«n zu verhav.aen. Der Vortragend« wies darauf hin, haß Polfteioeroednurg'n dort pöllig überstüssig sind, wo«in ltöflicher Zh»pell an das soziale Gewissen' genügt.•*■' T«. Paddelboot stürzt über ein Wehr. Ein Paddler ertrunken. Deffau. 24. April.' Zwei Musiker des Dessauer Friedrichstheaters unternahmen am Donnerstag vormittag eine Paddelbooffahrt auf der Mulde. Sie kamen auf dem hochgehenden Fluß einem Wehr, dem sogenannten Gestänge, zu nahe, so daß das Boot von der Strömung erfaßt und von den reißenden Fluten über das Wehr getrieben wurde. Während sich der eine an dem Boot festhalten kannte und von hilfsbereiten Personen aus dem Wosicr gezagen wurvc, ertrank sein Kollege. Was ist denn nun mit dem<5uropaHaus? Die Baugeschichte des mit dem pompösen.Namen..zEuropahous" bedachten Neubaus am Anhalter Bahnhof, dessen Stahlskelett. nun schon seit fast zwei Jahren unvollendet dasteht und den Platz vor dem Bahnhof verunziert, ist sehr wechielreich. Zuerst wurden die Arbeiten aus Einspruch des Wohlfahrts- Ministers stillgelegt und nachdem die Verhandlungen des Mi- nisters über die Plangestaltung des«lfftöckigen Hochhauses Mitte Mai vorigen Jahres zum Abschluß gekommen waren, mußten all« zuständigen Stellen der städtischen Baubehörden die Einzelhettcn des Projekts durchprüfen. Endlich am.30. Oktober 1929 wurde der Bauschein erteilt und die Arbeiten hätten sofort in Angriff genommen werden können. Bis heute ruhen sie ober noch. weil inzwischen andere Schwierigkeiten aufgetaucht sind und zwischen dem Bauherrn und der ausführenden Architekten- firma Unstimmigkeiten aufgetreten sein sollen. Eine wettere Verschleppung in der Vollendung des halbfertigen Stahlgerüstes, an der die städtischen Baubehörden keine Schuld treffen würde, würde aber in den Hauptmonaten des Fremdenverkehrs hiinderttausends Besucher der Reichshauptstadt als ersten Eindruck die wenig schönen Baurninen am Anhalter Bahnhof vermitteln. Jimnerhin kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß, wenn seinerzeit Wohl- fahrtsministerium und städtische Baubehörden etwas schneller gearbeitet hätten, das Hans noch vor Eintritt der allgemeinen Geld- klemme fertig geworden wäre. Die Erbauer des gewaltigen Kathreiner-Hächhauses in der Potsdamer Straß« hoben zweifellos mehr Glück gehabt. Explosionsunglück auf Truppenübungsplatz. Warschau. 24. April. Aus einem Truppenübungsplatzin Wilna explodierte während einer Hebung des 23. Ulanenregiments eine Granate. 15 Ulanen trugen teils leichte, teils schwere Verletzungen davon. Einige der Schwerverletzten nmßten ins Krankenhaus übergeführt werden, an ihrem Auskommen wird gezweifelt. Trichmosefall in Thüringen. Wie dem Amtlichen Preußischen Pressedienst aus dem Preu- ß i i ch e n Wohlfahrtsministerium mitgeteilt wird, ist die Trichinose von Stuttgart aus auch nach Suhl im Thüringer Wald (Reg.-Bez. Erfurt) verschleppt worden. Ein junger Mann, der in Mannheim in Stellung war und gelegentlich eines Ausflugs nach Stuttgart im donigen Königshof eine Portion Bärenschinken ge- gesien hatte, ist schwer an Trichinose erkrankt zu seinen Eltern nach Suhl heimgekehrt. Er befindet sich aber glücklicherweise auf dem Wege der Besserung. Geburlstag cloes achtzigjährigen Parleigenosien. Der Vergolder Reinhold Weber, ein alter PoNeigenosie, feierte am 23. dieses Monats seinen achtzigsten Geburtstag. Er ,st in Potsdam geboren und wohnt feit 1877 im Hause Manteuffelstraße 80. Eine 91 jährige Berlinerin. Die Rentenempiängsrin Witwe Rosine Brandes, Prenzlauer Berg S, begeht heute ihren 91. Geburtstag. Das tdeafe tM Abfüh�Konfakf Wo Berlins Ertrag bleibt Ein Ueberhlick über die Ausgaben im Etat 1930-31 ?m Rufboöf wirb die ichi hcrrsckirnbc unzewohnie Ruhe-- die Sfobfoctorbncfen erfreuen sich noch der Öfter- pause— lialb wieder dem aufgeregten Treiben intensivster Arbeit weichen müssen. Das Sladtparloment tritt am kommenden Dienstag wieder zusammen, nachdem bereits am Montag im hanshaltsanssckius; die ersten Kämpfe um die Gestaltung des neuen Etats geführt sein werden. Vei den schwierigen Etatsberatnngcn wird der Kampf nicht nur um die Steuern, also um die Ertragsseite, sondern auch besonders hart um das Gesicht der Ausgabenseitc gehen. Durch unsere bitd- liche Darstellung wollen mir daher einen lieberblick über die Der- teilung der Ausgaben nies die«inzelnen Ver- waltungsgebiete im chaushcckt der Stadt Berlin geben. Die Darstellung gibt, um übersichtlich ju fein, nicht die Einnahmen und Ausgaben inner- halb der Etatskapitsl, sondern den am Schlusi sedes Kapitels errechneten Ertrag oder Bedarf, also di« Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Steuern und Werksabgaben sind die einzigen Etatskapitel, die einen Ertrag auf- weisen, d. h., bei denen die Einnahmen die Aus- gaben übersteigen. Alle anderen Kapitel weisen einen Bedarf auf: die notwendigen sachlichen � und Verwaltimgsmisgaben übersteigen also hier die Einnahmen um jenen Betrag, der als„Be- darf" de» betreffenden Vermal tu ngsgebieis er- ichenrt. Aettoerirag von 495 Millionen. Die gesamten Steuereinnahmen wllen im Jahre ISZO rund 518 Millionen Mark erbringen, denen Verwaltungsausgaben in Hähe von rund 2ö Millionen gegenüberstehen, so daß bei der Steueracrwaltung ein Nettoertrag von 495 Millionen bleibt. Bei den gewinn- bringenden Betrieben wird die Kämmereiabgab« und der zu erwar- icnd« Ueberschuh im einzelnen wie folgt geschätzt: Gaswerke 14.5 Mil- lionen, Elektrizitätswerke 40,8 Millionen, Wasserwerke 9 Millionen, Güter 0,1 Millionen Mark. Wofür unser Geld vcrvandt wird. � Die Gesamtausgaben auf dem Gebiete der Wohlfahrt be- 'ragen 250 Millionen Mark. Zentrale und Bezirke sind hier wie im folgenden zusammengefaßt. Nach Abzug der Einnahmen bleibt ein Zufchußbedarf von rund 218 Millionen. Der Bedarf der« ch u l- Verwaltung beträgt 117 Millionen bei 154,7 Millionen Gesamt- ausgaben. Die restlichen 7 Millionen des Bedarfs in obiger bild- sicher Darstellung entfallen auf Kunst und Bildung. Beim B a u- w e s e n sind Hoch- und Tiefbau.zusammengefaßt. Da neue Hoch- bauten in diesem Jahre nicht in Angriff genommen werden, so be- tragen die gesamten Neubaumittcl der Ordentlichen Verwaltung in der Ausgabe nur 15 Millionen.(In der Außerordentlichen Ver- waltung sind für Hochbauten noch 11,8 Millionen Mark,. für Straßen- und Brückenbauten noch 20,4 Millionen Mark eingesetzt.) Für das Si e d l u n g s- u nd W oh nun g s w e f e n gibt die Stadt nach dem vorliegenden Etat insgesamt über 135 Millionen allein in der Zentralverwaltung aus, denen Einnahmen insbesondere aus den Hauszinssteuereingängen von 130,4 Millionen gegenüber- ililLllliillill!;! Hl!? ff M-MUI stehen. Aus diesen Einnahme» erklärt sich der geringe Bedarf, der für das Wohnungswesen in der Zentrale und in den Bezirken zusammen nur rund 15 Millionen beträgt, während auf die gemein- nützigen Betrieb« fFeuerwehr, Slraßenretnigung und Park- und Garlenverwoltung 32,3 Millionen Mark Bedarf entfallen. Die A l l- 3.«. che.'. N.K.P�e r.w a stu.ng umfakst. auch.die.Soichorverwaltungen wie" Standesämter. Swtsttifches Amt, Ve�icherungsroescn. Handel inch'Gewölle. Vcrkehrswefeir, Wählamt' usw.' Innerhalb der Finanz Verwaltung stehen einander Ausgaben bei d«r Kapi- tal- und Schuwenvenvaltung in Höh« von 155,2 Millionen(darin find die Fehlbeträge der Jahre 1928 und 1929 mit zusammen 44,5 Millionen Mark enthalten) und Einnahmen von 130,6 Millionen Mark gegenüber. Die bedrohten Freiflächen. Der Stadibaurat über die Folgen des Reidisgericbtsurteifs. 3tt der kommunalpolitischen Prcssckonscrcnz sprach gestern Stadtbaural Genosse Dr. Martin Wagner als Dezernent des Amts für Stadtplanung zu dem Reichsgerichl». urteil über die Eulschädigungspflicht bei Freiflächenaus- wcisungeu und seine Folgen. Bekanntlich hatte der Buchdruckereibesiger Bethke gegen hie Stadt Barlin einen Schadenersatzanspruch gestellt, weil sein zwischen dem Stölpchen- und Pohlesee gelegenes Waldgrundstück als Frei- fläche erklart und so der Bebauung entzogen worden war. DaK 20 000 Quadratmeter große Grundstück, das unmittelbar an ein städtische» Dau erwaldgelände stößt, hatte Bethke in der Inflationszeit für 250 000 Papiermark erworben. Für den Quadratmeter ergab sich ein Goldmarkpreis von ungefähr einer halben Mo ick. Die Stadt hatte dos Gebiet als F r e i s l ä ch c er- klärt, um den rrhalungsuchenden Ausslüglcrn die Möglichkeit zu gehen, zu dem Dauern» Wgclände zu gelangen, dos den Äriebnih- iee umschließt und das sonst nach dem Stolpchensee völlig a b g c- i ch l o s s e n geblieben war«. Der Gnmdstücksbcsitzer war mit ssiner Klage vom Oberperwaltungsgcricht und Kmnmcrgericht obsästögig beschiiden worden, das Reichsgericht aber hat sich auf den Stand- punkt gestellt, daß die Stadt bei Freiflächenausweisungen e n t- schädigungspslichtig ist. Für die städtebauliche Gesetzgebung ist diese Entscheidung von außerordentlicher Bedeutung und Tragweite. Bisher gab es ein R e i ch s st ä d t e b a u g e s e tz nicht. Seit 55 Jahren arbeiteten die Gemeinden aus Grund des preußischen Fluchtliniengesetzes, dessen Lückenhaftigkeit jetzt besonders in die Erscheinung tritt. Dr. Wagner wandte sich dann gegen die Ausjassmig des Reichsgerichts, wonach die Festsetzung von Fluchtlinien bereits ein Entslginmgsocrsahren darstellt. Wie hoch die Entschädigung in diesen Fälle« sein soll, läßt der Urteilsspruch of'cn. In Entcignungs- fragen herrscht heute eine Rechtsprechung, di« die notwendige Klar. hcit sehr vermissen läßt. Die Städte schrecken vor Enteignungs- verfahren zurück, weil die Rechtslog« sich meist stark gegen die kommunalen Interessen auswirkt. Di« Reichsgerichts- entjchsidung gebe— meint« der Stadtbaurot am Schlüsse seiner interessanten Darlegungen— den privaten Grundbesitzern e>n Höchstmaß von Recht in die Hand. Noch misse man nicht, in welcher Höhe sich die Entschädigungsansprüche bewegen werden. Die in einem Teil der Presse genannten Zahlen(noin„V o r- wärts'" bereits widerlegt. Die Red.)' seien jedoch völlig unzu- treffend. Der Deutsche Städtetag müsse jetzt bei Slaat und Reich vorstellig werden, um di« Lücke in der heutigen Gesetzgebung durch ein schleunigst zu erlassendes Reichsgeseg zu schließen. Sollte die Stadt jedoch unbilligerweise gezwungen sein, hohe Knt- schädigungssummen aus sich zu nehmen, werde man den preußischen Staat um Rereitstellung der Mittel angehen, da die Stadt eben auf Grund der p r e u ß i s che n Gesetzgebung die Flucht- Knien ausgewiesen habe. Der Magistrat habe bereits«in Schreiben an die beteiligten Ministerien des Reichs und Preußens gerichtet, in dem eine Prüfung der Rcchtsbasis und eine generelle gesetzliche Regelung verlangt wird. Auch die Stadtvcrord- n c t e n v e r s a in m l u n g dürfte sich in nächster Zeit mit dcni be- deututigsvollen Reichsgerichtsurteil beschäftigen. Der sozialdemokratische Stadtverordnete Dr. Siegsried kiawetau hat sich aus G e s u n d h e i t s r ü ck s i ch t« n gezwungen geselzen. fein Amt als Stadt- und Bezirksverordneter niederzulegen. Sein Aus- scheiden aus dem St-odt Parlament wird besonders bedauert, da Kanxrau, der auch in zahlreichen Ausschüssen und Deputationen arheitetc, zu den verdienstvollsten Stadtverordneten gerechnet werden durfte. Sein Nachfolger in der sozialdemokratischen Fraktion ist der Eharlottenburger Bezirksverordnete Dr. Simon K aßen st« in. Im Hauptausschuß erscheint an-tell« des Ausgeschiedenen der Sladwcrordiielc Kreutz ige r. Nachwort zur Möbelschau. Warum so. wenig für den Arbeiter? i $» Berliner Möbelausstellung in den Funkturm. Sailen, iider die mir einsehend berichteten, ist i»i(fnde. Dah viel« Arbeiter lind Angestellte eine stärkere Berstckstchtigung ihrer Wohn» nriiglichkeiten und ihres Geldbeutels begrilßt hätten, ze'gt uns die folgende Zuschrift eines Lesers: Ein großer Teil der Bevölkerung, besonders die Arbeiter und klein«» Angestellt.-», kann mit dem gezeigten Wohnstil nichts an- sangen. Wem nur Stube und Küche»der auch zwei Stuben und Kammer zur Verfügung stehen, kann nicht einen dieser Räume mit Betten vollstcllen und diesen aus die alleinig« Funktion des Schlaf- Zimmers festlegen. Zahlreich« Familien haben sich dadurch geholfen, daß sie.die r a u m f r c si c n d« n B e t t e n aus der Wohnung«nl- scrnt und.sogenannte Ruhebetten mit Bettkasten onqeschasst hoben. Damit ist die geheiligte Tradition: Eßzimmer- Schlaszim- mer allerdings zerstört. Aber mit dieser Zerstörung beginnt ein frricr«s, bequemeres Wohnen. Zlüs der Ausstellung wäre Gelegen- heit gewesen, in dieser Richtung neue Wege zu zeigen, ganz ab- gesehen von den Wobzrbedürsnisscn einzeln lebender Menschen, an die man überhaupt nicht gedacht hat. Bon der Möbelindustrie könnte immerhin erwartet werden, daß sie der W o h n u n g s k u l t u r neue Wege weift. Jedenialls wäre es nicht zuviel verlangt, daß sie das gerade bei dem kulturell fortgeschrittensten Teil der Be- völkcrung zu beobachtende Suchen nach rationelleren Wohn- formen aufgreift und realisiert. Im modernen Wohnungsbau erleben wir das heiß« Ringen ver- antwortlich denkender Architekten um Ausnutzung jedes Quadrat- Zentimeters Wöhnftöche, um jedes Quäntchen Licht und Lust. Unter Verzicht auf alle Fäsiadcnkunftftückchcn werden die erdenklichsten Anstrengungen gemocht, um den Werl des Wohnraumes zu steigern. Die wenigen gezeigten G r a p.i u s- M ö b e l waren die einzigen ernsthaften Versuche, di« verantwortliche Baugcsinnung auch auf die Gestaltung des Hausrots zu übertragen. Aber da mich diese Möbel zu teuer sind, zeigen sie ebenfalls keinen Weg, der von der großen Masie der Bevölkerung beschritten werden könnte. Ick» habe mir Einzelmöbel in kleinen Tischlöreicn noch eigenen Angaben bauen lassen und gelangte so zu wirklich praktischen, gut ousselzenden und erstaunlich billigen Möbeln. Ein Beweis, daß gut und billig in Einklang zu bringen sind. Geschickte Ovganisalion und Werbung würden zweifellos einen genügend großen Interessen- kreis zusammenbringen, um«in« Reihe von Betrieben zu beschös- tigen.(Selbstverständlich müßten klug«, mit den Wohn- und Ein- kommensocrhöltnissen dos„kleinen Mannes' vebtroutc Architekten mitwirken.l Das wäre ein Feld für die K 0 n-su M'g« N o s s« N- j chg f t, wert, beackert zu werden. Es gilt, die werktätige Be-' völkerung iri' ihrem Ringen um«ige n e K u l t u r fo r m« n zu unterstützen. Di« Befriedigung döeseS migemcin wertvollen Stre- - bens nach kultureller Selbständigkeit befähigt ihn, stirr Recht auch auf anderen Gebieten zu erkämpf«». lvk. Werbearbeit m den Betrieben. In einer sozialdernokratischen Mitgliederversammlung des Kreises Mitte referierte Emil Borth über die Parteiarbeit in den Betrieben. Die Sozialdemokratische ParH sei territorial gegliedert, sie umfasse di« melsälliglten Volksschichten. Dies« Einteilung sei gesund, weit dadurch der Blick von den Einzelausgaben abgelenkt und auf die Lag» der Gesamtarbeiterschast gerichtet werde. Die Arbeiterbewegung wurzele in den Betrieben. Dort, wo Kapital und Arbeit aufeinanderstoßen, sei der Mutter- boden der Partei. Darum sei auch mit Recht das Betriebssekre- tariat der Partei in den letzten Monaten ausgebaut worden. Jetzt könne ein« systematische Agitation in den Berliner Betrieben orgorn- sicrt werden. In den Betrieben, wo die Sozialdemokraten gemeinsam mit ihrem Sekretariat die Werbung für die Partei aufgenommen haben, seien auch die Ergebnisse zu den Betncbsrätemcchlen zu einer Niederlage für die Kommunisten geworden. Das beste Beispiel sei hierfür der Betrieb C. Lorenz in Tempelhof, wo bisher nur Kommunisten im Arbeiterrat saßen. Bei dei letzten Wahl konnten. die Gewerkschaften ein� eigene List« aufstellen und sich einen erheb- lichen Einfluß im Arbeiterroi sichern. Ucbcrraschuug im Hufeland-Hospital. Dje Reichsbanner- Kapekle des Oitsvereins Weißenses des Reichsbanner» Schwarz-Rot-Gold überraschte am ersten Oster- seiertag die Insassen des H u f e l and-Hos pit a l s in der Frühe!- straße mit einem sehr M' gelungenen F e i e r t a g s k a nzgz t. Die Fenster der Krankensäl« öffneten sich und alle nicht bettlägerigen Kranken sammelten sich um die Raichsbannertapelle. Befriedigend kannte man feststellen, wie sich bei den alten Lernen Feiertags- stmimuirg einstellte und die Musik ihnen für kurze Zeit ihr trauriges Los vergessen half. Es wäre wünschenswert, daß sich recht bald wieder solche nicht besonders eingeladene Freunde dort einfinden, um den Alten und Kranken einige frohe Stunden zu bereiten. Martha Demwnings Todestag. Der 15. April war Martha Demmn-ings sechster Todestag. Di« vor einigen Wachen ins Leben gerufen« K i n d e r f r e u n d e g r u p p e, die den Namen der Toten trägt, oersammelte sich, um hmauszupilgern zur Ruhestätte auf dem städtischen Friedhos in Friedrichsseld«. In schlichten Worten schilderte Genosse Paul Krause, wie Martha Demmning gelebt und gewirkt hat. Mit einem„Freundschaft" und dem Lied- „Brüder, zur Sonne" schloß die schlichte Feier. Der neue Wimpel der Gruppe senkte sich über die Ruhestätte. vpiiW abstoßend. Häßlich gefärbte Zähne entstellen das schönste Antlitz. Beide Schönheitsfehler werden oft schon durch einmaliges Putzen mit der herrlich erfrischenden Zahnpaste Chlorodont beseitigt Die Zähne erhalten schon nach kurzem Oebraudi einen wundervollen Elfenbeinglanz auch an den Saitenflächen, bei gleichzeitiger ßenutzüng der dafür eigens konstruierten Chlorodont- Zahn- bflrstc mit gezihnfam Borstencchnltt. Faulerda Spaiesreste in den Zahnzw'.schen- räumen als ürsadie des üblen Mundgeruchs werden gründlich damit beseitigt.- Chlorodont: Zahnpaste. Mundwasser, Zähnbürsten Einheitspreis 1 Mark bei höchster f'-kMn ja aMfn Chlorodont-Verkautsst eilen. Mas verlange nur echt Chlorodont in blau-weiß-grüner Originalpackung und weise jeden Ersatz dafür zurude. Am 1. Mai werbt für den..Vorwärts i EH Aus der Arbeit der Bezirke. Kür die städtische Volksspeisung. 4. Bezirk— Prenzlauer Berg. Die am Mittwoch stattgefunderte Bezirtsverardneteiwersamm- fung nahm havon Kenntnis, daß von dsn sechs als unbeioldcte Siodtröte Vorgeschlagenen vier— darunter unsere Genossen G ü r n e und Schenk— bestätigt find und den Kommunisten Jahnke und Kautz die Bestätigung oersagt wurde. Eine Vorlage über den Verfalls eines Grundstücks in der Nähe der verlängerten Kniprodestraße wurde angeiwmmen. Bei einer Vorlage, betr. den Haushaltsplan 19Zl). bemängelte Hilmer sKomin.) die vom Magistrat vorgenommenen Abstriche. Er glaubte, daß aus anderen Gebieten, z. V- bei den Opern und der Polizei gespart.worden könne. Gen. Fricdländer muhte ihn erst belehren, daß für die Versammlung«ine Anahmc oder Ablehnung gar nicht in Frage komme: er betonte aber, daß auch vom Bezirksamt manche Maß-- nähme bedauert werde. Bei einem Antrage der KPD.-Fraktion über die vom Magistrat beschlossenen Sparmaßnahmen im Schulwesen, der von Schubring begründet wurde, holte sich dieser eine derbe Absuhr. Er mußte sich von unseren. Gen. K r e u tz i g e r sagen lassen, daß die von ihm vorgetragenen Zahlen und feine Behauptung, daß die höheren Schulen von den Sparmaßnahmen nicht betroffen würden, durchaus irrig seien und er zu gegebener Zeit versagt hohe. Gen. Kreutziger oerwies weiter darauf, daß die Summen im Haushalt auf den Stand von 1328 zurückgesetzt werden mußten und von unseren Genossen im Haushaltsausschuß der Stadt- verordneten alles was möglich war getan wurde, um Härten zu verhindern. Er hielt es für selbstverständlich, daß das Bezirksamt sich mit allen Mitteln sür die Schule einsetzt. Hübner von der Fraktion der Mitte forderte für die jugendlichen Wandergruppen eine Erhöhung der Wandergeldcr und Buchwitz(Dnat.) wandte sich gegen eine Entgleisung Schubrings, der ausgeführt hatte, daß schon jeder„lumpige" Schuster bei der Einstellung von Lehrlingen eine höhere Schulbildung verlange. Der Antrag der KPD. wurde abgelehnt. Bei der Beratung eines nationalsozialistischen Alttrages zeigte unsere Genossin Kay die Ursachen des Rückganges der Volkssps.sung und bewies die Abwanderung von der Volks- speisung zur privaten Wohlfahrlsspessung. obgleich deren Essen minderwertiger ist. Sie hielt diesen Zustand sür unwürdig und beantragte sür die sozialdemokratische Fraktion, daß die Lcr- sainmlung beschließe, auf den Magistrat durch das Bezirksamt dahin einzuwirken, daß die öffentliche Volksspoisung von den bisherigen einschränkenden Bestimmungen befreit und wieder zu einer Speise- «inrichtung gemocht wird, d'e alle Bedürftigen mit warmer Mittogs- mahlzcit beliefern kann, außerdem fordert« sie, daß der privaten Wohlsahrtsspeisung jede sonstwie geartete Zuwendung zur Auf- rechterhaltung ihrer Armenlüchen entzogen wird. Diesem Zusatz- ontrag wurde selbstverständlich van den Vertretern der DNGP. und der Mitte widersprochen, aber beide Anträge wurden mit großer Mehrheit angenommen. Die Mühlenflraße wird verbreitert. 5. Bezirk- IriedrichShain. Eine dringende Vorlage des Bezirksamtes auf Erwerb eines Grundstückes in der M ü h l e n st r a ß e gab Beranlossung zur Ein« berufung einer außerordentlichen Sitzung. Die Vorlag«, d'.« bereiiz die zu Beginn des Monats tagende ordentliche Versamm- lung beschosiigte, war einem Ausschuß überwiesen, der jedoch die Ablehnung des Ankaufs vorschlug. In oertraulicher Sitzung«rwog die Versammlung noch einmal das Für und Wider der Vorläge und beschloß dann, im Gegensatz zur Stellungnahme des Ausschusses, die Annahme der Vorlage. Dadurch ist der Weg freigemacht, in ab- sehborer Zeit ein« dringend im Verkohrsintcresse liegende 25« r* breiterung der Mühlenstraße durchzuführen, und nicht minder kommen erhebliche Steuerrück stände des jetzigen Vesitzer« der Stadt wieder zugute. Nach feierlicher Einführung des nachträglich bestätigten Stadtrates Steinig vom Zentrum durch den Bürger- meister Genossen M i e l i tz und der Einführung der Genossen Lamprecht und Lenz als Dezirksverordnete stieg der„unterhaltende" Teil. Don 24 Tagesordnungspunkten waren allein 13 übliche Demonstrationsanträg« der KPD., die. wie d«r Kommunist Bänsch erklärte, nicht mit der Aussicht aus Annahme gestellt sind. sondern lediglich nur. um sür die Tribüne zu reden. Bier Anträge. die sich mit der R e s o r m d e r S« l b st o e r w a l t u n g B e r l i n s befassen, gaben allen Parteien die Möglichkeit zu ausgedehnten Ausführungen. Im Namen der sozialdemokratischen Fraktion sprach Genosse K l i n g l e r. Er legte den' bekannten Standpunkt der Ler- lincr Parteiorganssation zu dem Gesetzentwurf dar und erklärt«, daß die sozialdmwkrotssch« Bezirksverordnetensraktion schärfster Gegner des Entwurfs in der vorliegenden Form sei. Der sozialdemokratische Antrag fand Annahm«. In einem wetteren Antrag verlangten die Kommunisten, daß einem Gesangverein Erlaß bzw. Herabsetzung der Miete für die Benutzung«wer Aula gewährt werde. Ve' nahmen den Antrag zum Anlaß, über die Benachteiligung kommumstlscher Organisationen Klage zu führen. Stadtrat Genosse Klo dt er- widerte ihnen, daß bei der Vergebung von Schulräumen der Bezirk unzuständig sei. Nach den geltenden Richtlimen werden srlche Räume sür bestimmt umrissen« Zwecke freigegeben, lieber mangelnde Unterstützung können sich die Kommunisten jedoch nicht beschweren. Der Zahl der Mitglieder ihrer Organisation entsprechend, haben sie sogar den größeren Test der Unterstützungen in Anspruch genommen. Um die„Arbeit" unter der Jugend zu demonstrieren, legte Genosse Klodt unter großer Bewegung des Hauses eine Reihe von Schlag. ringen und eine in Holz geferttge Uebungshandgranate auf den Tisch nieder, die sämtlich Jugendlichen abgenommen worden sind. Einen Scherz leisteten sich die Kommunisten mit einem An- trog, für die Ehe�. und Sexualberatungsstelle ein« Aerztin anzustellen,«tadtrat Genosse Günther wies unter großer i)eiterkcit darauf hin, daß seit Bestehen dieser Einrichtung die Be- ratung der Frauen und Mädchen mir durch eine Zlcrztii, erfolge. Die Stelle selbst werde getragen vom Bund sür Mutterschutz. Leider sei es dem Bezirksamt bislang nicht gelungen, eine eigen« städtische Einrichtung zu schaffen. Mit einem noch reichen Rest von Anträgen wurde die ltzersammlung um 22 Uhr vertagt. � �Sozialistische Arbeiterjugend Gr.-Verlm | cJinffnÄimaen für Heft.TZdlirir nur an da« Zuzcndsttrelarla» I SrrNn 638«8, ttndmftrat« 3 heule. Freitag. 19'/- Uhr. Attananlati: Schule Elisabechlirchstr. IS: gohttenfcerichr.— Sewerüchaft». bau«: Schule Nöpenickee Str. IZö:„Sozial tsmus im Alliaa".— ZlosenUdatre Aurftallt: Heim tzehdeuicker Str. 2t: ,.Taa°«Poli!II".— gentr»»: Lanösberaer -Straße.30: 10- Minuten-Referate.— Kania: Keim Rochumcc Str. Sb:„Äa, dabin»Ii nom Yaung.Plvn zu erwarten?"— Moabit I: Schule Walbenser, straße 20:„Tagespolitil".— Moabit II: Keim Lehrter Str. 18—10: Vericht ran Orr rfterfaijrt.— Arnimzilatz: Schule Sonnenburzer Str. 20:„Di« SRetchf. foftfetenz".— Ar»«»« Iber Platt I: Stzrechchornrobe zum Maijugeubtag qemeln- sam mit Nordost I im Heim Danziqer Str. 62, Baracke 3. Morgen, 20 Uhr, am Riimbahnbol Prenzlauer Allee Treffpunkt zum Wochenenbkurl:,«.— Ar»«- walder Platz II: Schule Pafteuritr. 11—!6:„Wir und die freien Gewerk» fchoften".— Zallplatz II: Schul« Sonnenturger Str. 20:„Bub und MSdel".— HclmholKrlatz: Heim Danziger Sri. 82. Barocke 2:„Die Technik erobert die Wtlf.— Hohenfchiwha-fcn- Keim ffreienmalder Str. S: Lichtbilder:„Unsere ämienfahrt".— Humannolatz: Schul, Echkr«nä,r,str. 7:. �brtenerlebnilse".— Weißen sc«: Keim Parkst r. 3«;„Botton-Adend".— Balte upiatz: Keim Tilstter Straße i—i:„Der Zugendlich« im Betrieb".— Zrtedrichedaiu: Leim Diastel- menerstr...Da» wahre. Die Schülcrzusaurmcnkunst Sonnabend, 28. April. IS Uhr. in Steglitz, Albrccht. Werbebezirl Prenzlauer Berg: Wochonendkursus 2K.fZ7. April in Brieselang. lauer Allee. Allgemeine Wetterlage. Im größten Teil des Reich« herrschte auch am Donnerstag ziemlich heiteres und warmes Wetter. Di« Höchsttemperaturen lagen meist zwischen 20 bis 22 Grad. Wesentlich tiefer waren sie nur unmittelbar an der Nord- und Ostseeküstc. Im Westen des Reick?» ist etwas R,gen gefallen. Lustdruckanstteg über West- und Mittel- europa läßt erwarten, daß die Ostwindwetterlage in msserem Gc- biet ihrem Ende zugeht. * IBdfetousnchlcn sür Berlin; Wolkig bis heuer, im ganzen etwas kühler a» heute.— Für Deutschland: Im Westen wolkig. vereinzelt etwas Regen, in Mitteldeutschland Bewölkungszunahme mtt Gewitterneigung, im Osten wenig Aenderung. Weine u,SpM4uosen Delikaietsen KonfiiUven Cef. Katsenzg.'Bonb.-114 0*30 Cef. Hasdnuß BonbonPii 0.30 Saure Drops......... Ptd 0.30 Schokoladen-Bruch PH 4.20 Russisch ts Brot-',-... Pt4 4.80 Herren ferin gel........ rr* 4,00 Haushalt-Kakao..... PI4 0*8$ Pralinen-Mischung... Fid 4.20 Kotoniniwaven Zudterl&i............. Pfd. 0.28 Kartoff eLmehl........'.Pfd. 0.40 Auszugsmehl......... Pid 0.28 Erbsen«-u> uuä pun..... pu 0,48 Pflaumen.......... an pid 0,48 ötnie.n h>u/»rm»ch«....... itd. 0.90 Mischohst........... an Pfd. 0.48 Kaffee stl>,annt......, an Pid 2*00 Wursiwaven Kleinfleisch gesülzt.• Pfd. 0JS8 Konsum-Sülze........ Ffd- 0.63 Blut-u Leberwurst'a�t- Pfd. 0.80 Sülzwurst............. Pfd- 0.96 Berliner Mettwurst•• Pfd- 4.00 Schinkenpolnische....Pfd. 4.40 Streich me tt wurst..... Pfd. 4.48 Dampfwurst.......... Ptd- 0.96 Wiener-Würstchen...Ffd 4.20 Zervelatw. Bravn�diw. t Htndsd 2,40 hleischwurst........ Pfd. 4.08 Jagdwurst...Ptd 4,48 Speckwurst........... Pfd. 0.96 Bierwurst.,........... Pfd 4,68 Grobe Teewurst.....Ptd 4�0 Schinkenspeck........ Pfd 4.90 Fetter Speck.......... Pid 4.40 Zervelatwurst m-FMdarmPfd 4.88 Gek. ScKinfeen........ Ptd 2.20 Wild und Geflügel Wolga-Hühner.... Pfd an 0.90 Ungarische Hühner Pfd«. 4,48 Masthühner hvA..... Ptd«n 4,28 Brathühner......... Pid«. 4.8S Enten........ Ptd an 4.20 Hühner- Frikasse..... Pid 4.40 Puten ptrann........ Ffd an 4,0& Rehblätter............ Pfd. 4.30 Ragout............... Pfd. 0.30 Suppen- Hühner und Suppen- Hähne caMadit,:. Ffd an 0,83 Apfelwein......... Edenkobener....... St. Marüner........ larragona......... Sarnos.............. Malaga Muskat............ Utiel(.paniMtk, Batwtin). Dürkhtim.Cdtuudi ttiw Johannisbeerwein•• Rän Wcinbr..fiptaiai" Weinbr.-Verschn.•.. Rum- Verschnitt... a»«» Mar. Schwärzt... 28«: Bosenheimer Berg rserLiehfraumüch... as» Dürkheim(Fatw.). M" Grand Beaujolais Alkoholfr. Apfelsaft u» 0.68 0.00 L" 4.00 3 L* 4.00 x t*» 4.40 : ill».<.20 -! i* 4.40 tt».<.00 te». 0.90 u» 0.33 tt» 6.60 tt» 4.40 u. 4.80 Fi 0.95 n-4.00 n4.2Sß kl 0.98 rt 2.40 n 4.20 Cluhsardinen........ 20* 0.68 Anchovis............... et 0,38 Feitheringe 1 Tom... th«.so 0.80 Sardellen.......... Ci<•« 0.30 Gewürzgurken...1 Ptd 0- 0.80 Sen fgurken....... 3 Pid Di 0.90 Kussische Gurken z Ptd- V*- 4.40 Bratheringe....... 1 tt». Di 0.38 Koiesereen Stangen-Spargel dann Di 4.93 Junge Erbsen...... � P. 0.38 Junge Schnittbohnen tz D» 0.82 Grünkohl............ tz Di 0.80 Spinat............. tz D. 0.80 Apfelmus........... tz vi 0.80 Birnen.............. tz Di 0.98 Reineclauden-...... tz Di<.20 Apfel-Gelee...... r-F/d-ci 0.50 Zweifrucht-Marm. ati-PfdE 0.98 Bienen-Honig— eoai-oi 4.00 Obsi und Gemüse Apfelsinen........... zph 0.93 Blutapfelsinen....... 3 Pfd 0.32 Zitronen.............. Di» 0.33 Industriekartoffeln•>oPtd 0.43 Rhabarber.......... 3P»i 0.38 Gurken............. so*, an 0.38 Kopfsalat«»»?....... itapi 0.48 Blattspinat.......... sph 0.28 Sellerie»--?» An-ik»».... 2 Ffd 0.68 Julinieren(Ka�agaw)... s Pfd 0.88 Ttlafoi, i.c Ii e Bastei BuHev und Käse M olker eibutter....... Fid. 4.34 Finnische Butter..... Pid 4.82 Dänische Butter int*.. Pid 4.63 Margarine«d ptian»«*/»« Pfd O.SO Eier sri-ch-.......... so st/> an 0.33 Bratenschmalz........ Pfd 0.68 Tilsiter..«»«—*>1, Pfd. 0.63 Edamer.......... jo'i, Ftd. 0.30 Limburger........»tzPtd 0.48 Harzer............... Pfd 0.38 Ungar»«arait.aban Fische u, Räucherwaren Goldbars.............. Ptd- 0.34 Seelachs<*". tz-tck....... Pid 0.48 Schellfisch mit Kopi...... Pid 0,24 Kabeljau»bn» tzapi e Canum Pfd 0.48 Kaheljaufilet......"s 0.28 Grüne Heringe...... 3 Pfd. 0.48 Räucherlacks- sm*»..Pfd. 4,40 Bücklinge............. Ptd 0.30 Seelachs.............. Pid- 0.30 SiuckenfluTidem..... Pfd 0.84 hr rr• L> 8 U e u> a i« oo<»> « Nr. 492» 4?. Jahrgang 2. ��0<�01�)1�01�0 Freitag, 2S. April �930 Aufstieg der Waggonindustrie. Wachsende Rentabilität.— Das internationale Waggonkartell. Bei der Gründung des Deutschen Woggcmtartells, der Denwi. im Juni vergangenen Jahres hatten wir die Lage im Waggonbau dahin gekennzeichnet, daß die Ereignisse in' der deutschen Waggon* iriduftric noch voll im Fluß sind. Die Entwicklung der letzten neun Monate hat diese Annahme vollauf bestätigt. Seit dem Sommer vergangenen Jahres ist im Waggonbau«in Wichtiges Ereignis dem anderen gefolgt, und ähnlich wie in der verwandten Lokomotivindustrie hat in dieser Zeit eine durchgreifende Zusammenschlußbewegung und Umgruppierung in dieser Industrie stattgefimden. Die im Jahre 1928 von Westdeutschland ausgehende K o n z e n t r a t i o n s w c l l c, die dirrch Verschinelzm«g von drei rheinischen Werken zu der Gründung der Vereinigten Westdeutschen Waggonfabriken und im Osten zun, Zusaminenschluß des stärksten deutschen Waggonuntemehmens, Linkc�s)ofmann, Breslau, mit Busch, Bautzen, und der Sächsischen Waggoissadrik Werdau führte, hat seit dem Herbst vergangenen Jahres neuen Auftrieb er- hallen. Nach den verschiedenen Verschnielzirngsaktioncn, die in dieser Zell von Linke-Hofmann. West waggon und in den letzten Wochen auch von dem Berliner Unternehmen Orenstein u. Koppel ausgingen, haben diese drei Konzern« rund 56 Proz. der gesamten Waggonfabrikation in Deutschland aus ihre Betriebe konzentriert. Rechnet man hierzu noch die gleichfalls starke Görlitzer Woggonsobril mit einer 5iartellquotc von nrnd 7 Proz, so sind jetzt in diesen vier führenden Untemehmen fast zwei Drittel der ge- samten Leistungsfähigkeit des deutschen Waggonbaus zusammengefaßt. Damit such gegenüber der heillosen Zersplitterung und Aufblähung in den ersten Jahren nach der Inflation, die zu einer außerordentliche« Verschärfung der W a g g o n k r i s e führte, zweifellos bedeutende Fort- schritt« erziell worhen. Es fragt sich aber, ob die seit 1928 durch- geführt« Ausschaltung von zwölf Unterirehmungen schon ausreicht. um die Leistungsfähigkeit dieser Industrie dem vorhandenen Bedarf auch nur annähernd anzilpalien. Neben den vier führenden Unter- rwhmungcn, die nunmehr 62,2 Proz. der Fabrikation beherrschen, «xisKeven zur Zeit immer noch über zwanzig mitller« inch kleine Betriebe, von denen einige nur ganz geringfügige Quoten im Kartell besitzen. Ob diese kleinen Betrieb« bei den Reichs bahnlieferungen wie mich im freien Geschäft den infolge der Rationalisierung ver- schärften Anforderungen nachkommen werden, muß bei der Eigenart de? Waggongefchäftes sehr bezweifelt werden. Vergleicht man allerdings die durch die Reugruppierung jetzt geschaffenen Verhältnisse noch mit 1923, wo in Deutschland ein mastlos aufgeblähter Produktionsapparat mm rund 199 Waggonfabrik-m mit einer jährlichen Leistungsfähig- kell von 890 Millionen Mark Produkt ionswcrt bestand, und auch noch mll den Zuständen von 1920, wo trotz der schon zwei Jahre andauernden Krise immer noch fünfzig Waggonwerke mll einer Leistungsfähigkeit von 139 Millionen Mark den Friedensftand um rund 59 Proz überstiegen, muß doch zugegeben werden, daß der Umbau in dieser ausgeblähten Industrie immerhin well gediehen ist. So hart die Konzentration und die damit verbundene Still- legung von Betrieben auch die Arbeiter undAng« st eilten getroffen hat, so ist doch gerade im Interesse der von der Dauerkrise schwer mitgenommenen Belegschaften wie auch im Volkswirtschaft- liehen Interesse eine endgüttige Bereinigung dieser Krisenindustrie unumgänglich notwendig gewesen. Jedenfalls läßt sich auch eine aktive Lohnpolitik erst dann wieder in einem Industrie- zweig durchführen, wenn die Grundlagen der Wirtschaftlichkeit wiedergewonnen sind. Die feit d�m Ende der Inflation in der Waggonindustrie ent- standenen Kapitalverluste lassen sich auch nicht annähernd übersehen, da«on den hundert Betrieben, di« 1923 noch existierten, mehr als 79 Werke aus der Waggonfobrikation ausgeschaltet wurden, von denen jedoch imr ein Teil gänzlich verschwunden ist, während andere Betriebe neue Fabrikatiönszweigc aufgenommen haben. Da im übrigen«in großer Teil der Waggonfabriken sogenannte Gcmischtbetriebe darstellten, läßt sich auch aus diesem Grunde ein genauer lieberblick über die im reinen Waggonbau entstandenen Kapitalverluste nicht gewinnen. Immerhin geben aber die nachstehend angeführten Beispiele ein ungefähres Vild von der Kopitalverschleuderung, die in dieser ausgeblähten Industrie Platz gegriffen Halle. Das krasseste Beispiel bildet die Gotha«r Waggonfabrik, die bereits 1926 zur Sanierung des Unternehmens ihr Kapllal von 7,5 Millionen Mark auf ein Viertel des Wertes zusammenstrich, im vergangenen Jahre aber wiederum so fest saß, daß von dem in- zwischen auf 19 Millionen heraufgesetzten Kapital 9 7 Proz. wieder als verloren angesehen werden mutzten. Die Gesellschaft sah sich also zu einer nochmaligen und weitaus schärferen Zusam- m e n st r e i ch u n g des Kapitals im Verhältnis 19: 1 gezwungen, so datz der tatsächliche Wert einer 199-Mart-Aktie durch die beiden Sanierungen auf 2,50 M. zusammengeschrumpft war. Auch der Betried der Waggon, und Ma s ch ine nb a u- G.- G. Gör- litz war durch die von 1921 bis 1926 erlittenen Verluste von au- nähernd 6 Millionen Mark so festgefahren, daß auch diese Gesell- schaft zu einem scharfen Kapitalschuitt von 12 Millionen auf 2,1 Mil- lionen Mark gezwungen war. Die Waggonsabrik Fuchs in Heidelberg, die gleichfalls 1926 chr Kapital auf ein Drillcl zusammen- legen mutzte, sah sich im vergangenen Jahre zu einer nochmaligen scharfen Sanierung genötigt. Inzwischen hat sich das Blällchen gehörig gewendet. Don einigen hoffnungslosen Unternelnnen abgesehen, beschränken sich die Verlustabschlüsse in den beiden letzten Iahren auseinigewenige Fälle, während, wie die folgende Tabelle zeigt, bei verschiedenen Gesellschaften wieder eine kräftige Dividendcnsteigcrung eingesetzt hat. Linke-Hofmann.... Görlitz«: Waggon.. Hannoversche Waggon Waggons Uerdingen Gebe Schöndorsf... Orenstein u. Kappel. C s s s s in Millionen Morl lS2e/27 n 1927/28|| 1928/29 0,16—0,23 0,22 i!— 11,09 ,0,075—0,11 — 0,23 0,811— 12,0 —11.08 — 0,67 — 0,25 —10,27—0,39 -0,201—0,4; 1-12,7||-|? Dividende» in Prozent Bon den sechs angeftihrtcn Unternehmungen blieb 1927 npch die Hälfte ohne Dividende, und die Gebrüder Schöndorfs A.-G. in Düsseldorf mutzte sogar noch den hohen Verlust von 810 000 M. aus- weisen. Im legten Betricbssahr 1928/29 ist nur»och die Hannoversche Waggonfabrik dividendenlos geblieben, mährend drei Unter- nehmen die hohen Dividenden von 10 Proz auszahlen koimten. Der Abschluß des Berliner Großunternehmens Orenstein u. Koppel steht nach aus, doch lami nach dem hohen Auftragsbestand des Unternehmens im Frühjahr«ergangenen Jahres mll«ncr weiteren Steigerung der Gewinne gerechnet werden. Bemerkenswert ist, daß trotz schleppender Reichsbahnbestellungen der Auftragsbestand bei verschiedenen Werken zur Zeit sehr befriedigend ist. Neben anderen Werken konnte auch der Linke-Hofmann- Buf- Konzern in seinem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht darauf hinweisen, datz der Auftragsbestand von 42,2 Willionen Ende September jetzt auf über 54 Millionen g e st i e g e n sei. Sind innerhall,, der deutschen Waggomndustrie die Derhällmssc durch die Konzentrationsbewegung weitgehend bereinigt, so hat der setzt in Poris abgeschlossen« Vorvertrag für das inkernationolc Waggonkartell auch mit den verworrenen Zuständen im Export ein End« ge» macht. Da in den meisten europäischen Ländern die Waggon» industricn ähnlich wie in Deutschland stark übersetzt waren, führte der Zwang zirni Export aus dem Weltmarkt zu einem Komps mn die Aufträge, der allen Grundsätzen der Rentabilität Hohn sprach. Es wurden daher bereits im vergangenen Jahr« Vor- Verhandlungen zur Bildung eines internatioimlen Waggonkartells aufgenommen, die jetzt überraschend schnell zu einer Einigung der beteiligten Gruppen geführt haben. Dem neuen Kartell haben sich mit Ausnahme der englischen Industrie sämtliche Waggon- industrien Euröpas angeschlossen, so datz dos neu« Kartell ähnlich wie die Internationale Rohstahlgememschaft ein kontinental-europäisches Syndikat darstellt. Die Organi- sation stellt ein reines Exportkartell dar, das jedem Lande einen bestimmten Antell(Quote) an dem gesamten Waggonexport der be- teiligten Länder zuweist. Di« größte Quote wurde Belgien mit 31,6 Proz zugesprochen, da die belgische Industrie zu 80 Proz auf die Aussuhr angewiesen ist. Deutschland folgt mit einer Quote von 28,8 Proz. an zweiter Stelle, während in weitem Abstand Frankreich mit 13 Proz und Italien mit 10,5 Proz folgen. Der Erfolg dieses Kartellvertrages, dessen endgültiger*" Abschluß im nächsten Monat zu erwarten ist, wird sich schon in verhältnismäßig kurzer Zeit dorm zeigen, daß mit der wohllosen Preisunterbietung und den Verlustexporten Schluß gemocht wird. Do die eng- lisch« Industrie sich dein Kartell nicht angeschlossen hat und auch die auf dem ganzen südamerikanischen Markte sehr aktive Waggon- industrie der Bereinigten Staaten Außenseiter geblieben sind, kann von einer Beherrschung des Weltmarktes durch das Kar- toll natürlich nicht die Rede sein. Für die Arbeiter und Angestellten der deutschen Waggon- industrie, die jahrelang unter dem schweren Druck der ewigeu Existenzunsicherheit gestanden haben, ergeben sich aus dieser Neuordnung im Waggon- bau wichtige Folgerungen Die wieder erstarkt« Rentabi» l i t ä t der Untern-ehmungen, die durch das Aufhören der Zwangs- ex parte im laufenden Jahr sich zweifellos noch verbessern wird, gibt ihnen endlich die Möglichkeit, die seit langem versanbeten Lohn- und Gehaltsfragen neu anzupacken. B— c. Expansion der Konsumvereine. Oer verkauf von Textilien, Schuhen und Hausrat könnte vervierfacht werden. Zur Frage, wie die Konsumvereine den Steueranschlag des Bürgerblocks abzuwehren in der Lag« sind, bringt für den bereits bestehenden Verkauf von Textilien, Schuhen und Hausrat die Konsumgenossenschaftliche Rundschau einen interessanten Beitrag- Bon den Ende 1929 dem Zentralverband angeschlossenen 991 Vereinen verkaufen 610 Vereine in größerem oder geringe- rem Umfang bereits Textilien, Schuhe und Hausrat. Für die Pflege dieses neben der Lebensmittelversorgung bisher nur sekundär einher- gehenden Versorgungszipeiges sind vielfach vorzüglich ausgestattete und mit einer reichen Auswahl verfel/ene Worenhausbctrieb« er richtet worden. In diesen ßtO Beteinen wurden b« Schuhen, Textilien und Hausrat im Jahre 1929 Umsätze vou 96 Millionen Mark erziell, was gegenüber 1928 mit 563 Vereinen und 81 Millionen Mark Umsatz«ine Steigerung von*14 Proz gedeutet«. Um 4,5 Proz. ist der Textilien- usw. Umsatz in diesem Jahre schneller gestiegen als der Gefamtmnsatz überhaupt im Zentralverband. Diese zusätzliche Steigerung beweist, daß ein ungewöhnlich starkes Be- d ü r f n i s nach dieser Art Versorgung über die Lebensmittel hinaus zweifellos vorliegt. Je Mitglied betrug der durchschnittliche Textil-, Schuhe- und Hausraiumsatz im Jahre 1929 38 M.; bei der Textilwarenabteilung der Sächsischen Verbondsgenossenschaften erreichte dieser Durchschnlltsumsatz sogar 82 M-, worauf die Thüringer mll 58, sowie die bayerischen und nordwestdeutschen Vereine mtt je 37 M. folgen. Im Durchschnitt des Zenttaloerbondes kamen bei den besonderen Textilwarenabteilungen aus reine Textilien 70 Proz. auf Schuhe 12 Proz. und auf Hausrat 18 Proz Noch der Ausfaffimg des Zentraloerba:ü>es ergibt sich die Not- wendigkeit des Ausbaus dieser Ahteilungen aus der Tat- fache, daß dieser speziell« konfumgenossenschaftliche Umsatz an dem Gesamtumsatz von Textilien, Schuhen und Hausrat im Deutschen Reich nur mit etwa 1 Proz. beteiligt ist. Der konsmn- genossenschaftliche Textilienumsatz müßte und könnte, wenn dos gebotene Verhältnis zum Lebensmittelumsatz hergestellt würde, auf das Vier- bis Fünffache jener heute bereits umgesetzten 96 Millionen Mark gesteigert werden. Von diesen 96 Millionen Mark wurden übrigens im Jahre 1929 bereits 40 Proz. aus den eigenen Produktionsbetrieben der GEG. gedeckt! Wir fürchten, die Anhänger der Mittel st andsportci werden von diesen Ausdehnungsmoglichkeiteii der Kmssunwereine, die nur einen ersten Schritt der Abwehr bedeuten würden, kaum mit bssonderer Freude Kenntnis nehmen, was sie aber nur ihrem Mittel- standsmarschall im Rcichskabinett, Herrn Dr. B r c d t, z u ver- danken haben. Konjunktur nur langsam besser. Feststellungen des Instituts für Konjunkturforschung. In seinem letzten Wochenbericht.stellt das Institut für Kon- lunkturforfchung die Frage, ob die anhaltende Flijssigkeit des Geldmarktes die Hoffnungen auf einen unmittelbar bevor- st eh« n d e n. K o n j u n k t u r a u f f ch w u n g rechtfertige. Das Institut beantwortet die Frage mit N e i n. Auf lange Sicht könne zwar mit einer Besserung der Wirt- schaftslage in Deutschland gerechnet werden, nach der gegenwärtigen Lage sei ober für die allernächste Zeit ein durchgreifender Konjunktur- auffchwung nicht zu erhoffen. Die Lage sei anders als 19 2 6, wo die Vorräte stärker abgebaut worden seien, der englische Kohlen- streik wesentliche Exportanregungen geboten habe und die Wirtschast vor der Rationalisierung gestanden sei. Die besonderen Momente fehlten heute, die Unternehmer seien in ihren Dispositionen zurück- haltend, cs sei nicht gelungen, für die gewachsene Kapazität den nötwendigen Absatz zu. finden, und betriebswirtschaftlich seien die Möglichkeiten für eine neue Verschuldung begrenzt. Ein"Aufschwung der Gesamtwirtschast entwickle sich erst, wenn die Unternehmer in stärkerem Umfang zu investieren beginnen. Dem stehe die noch z u geringe Entspannung des Kapitalmarktes entgegen. Stärkere ausländische Käpitalzusuhr könne erst innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate zu einer erheblichen Besserung führen. Die günstigen Folgen des Preisrückganges träten erst allmählich in Er Icheinyiig. Eine starke Erhöhung des Exportes sei angesichts der Verschlechterung bei den meisten großen Abnehmerländern kaum zu erwarten. Diese Auffassung des Konjunktunnstituts ist alles weniger als erfreulich: die Grundmeinung, daß der Wiederausstieg relativ lang- sam erfolgen werde,, dürfte aber richtig sein. Sie ist durchschlagend insbesondere deshalb, weil unter der g e g e n w ä r t i g e n R e- g i e r u n g zoll- und wirtschaftspolitisch— das Institut sollte diese Tatsache nicht vernachlässigen, sie ist auch für die Konjunktur- bcachwng eine Realität wie ander«— alles geschieht, um den Wiederanstieg der Konjunktur zu ver'nachlässigen. Alle Gründe, die fsir eine längere Dauer der Stagnation sprechen, sind ebenjo sehr Gründe für ihre Beendigung, wenn eine Wirtschasts-, Kapital- und Zollpolitik getrieben wird, die die Besserung der Lage ernsthaft unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten betreiben will. Dem steht die Regierung Brüning mit jeder ihrer Lebensäußerungeii i m Wege—_ Ein Koblenrekordiahr. Absah im bestrittenen Gebiet 1929 30 stark erböbt. Obwohl auch im Monat Viärz Kohlenförderung und Kohlenobsatz beim Rheinisch-Wcstfälifchen Kohlensyndikat ruckgängig waren, bleibt dos ganze Jahr 1929 1930(April bis April) ein Rekordja.hr. Der gesamte Absatz des Syndikats betrug 117 Millionen Tonnen gegen nur 110,6 Millionen 19281929. Der Absatz im bestrittenen Gebiet ist von 22 ans 28 Millionen Tonnen gestiegen(!), der im unbestrittene� Gebiet ist von 30 auf 28,8 Millionen Tonnen zurückgegangen. Die Gesamtförderung der Mit- gliedszechen ist mit 123,5 Millionen Tonnen eine selbst das Jahr 1926 27 mit seiner Gunst des englischen Bergarbeiterstreiks noch übersteigenden Leistung. Oer Telefunken-patentstreii. Lorenz darf nicht mehr an Philips liefern. Ein schiedsgerichtliches Urteil hat jetzt in zweiter Instanz in der Frage, ob die Lorenz A.-G. unter Benutzung von Telefunkenpatenten an die Philips-Gesellschaft liefern darf, gegen Philips entschieden. Das zweite Urteil ist in dem Sinne noch schärfer als das erste, als Lorenz jeglicher Geschäftsverkehr mit Philips in Einpjangs- apparaten verboten wird, bei denen Telejünken patente benutzt werden. Lorenz soll die Lieferung an Philips bereits emgestellt haben. Wie man hört, will Philips die Zuständigkeit des Schiedsgerichts an- fechten und evtl. dos Äartellgericht anrufen. 124 Bankpleiten in LtGA. Oie Ailanz nur eines Bierteljahres. Wic. ernst die Krise in den Bereinigten Staaten ist, zeigt auch die Zunähme der Bankpletten. wie ist gegenüber dem ersten'Viertel- jähr 19*29 im ersten Vierteljahr 1930 von"81 auf 124 gestiegen, wobei rund 52 Millonen Dollar oder über 210 Millionen Mark im Feuer stehen. Das erste Vierteljahr 1930 brachte die höchste Zahl der Bankpleiten seit 1927. Gutes Zentralheizungsgeschäst. Gebr. Körting-Hannover wieder S proz. O videnve Das im Bau von Zentralheizungsanlagen führend« Hannoversche Unternehmen Gebr. Körting A.-G. kann seine im Vorjahr von 4 auf 6 Proz heraufgesetzte Dividende auch für das jetzt abgeschlossene Geschäftsjahr 1929 aufrechterhalten. Der B e l r i e b s g e w i n n konnte sogar um 12 Proz auf rund 2 Millionen Mark gesteigert werden, während der Reingewinn insvlge höherer Zinsen und Abschreibungen dem Ergebnis des Vorfahrcs entspricht. Di« Gesellschaft konnte im Berichtsjahr bei allgemein be- friedigender Beschäftigung im Zentralheizung s- und Mororenbau besonders ihren Export steigern. Bemerkenswert war im Hinblick auf die Baukonjunktur die Erklärung der Benvoltmig auf der Generalversammlung, daß der gegenwärtig« Aus- tragsbestand sich auf der Höhe des Vorjahres halte. Der Haupt- auftragseingang werde jedoch erst in den kommenden Monaten erwartet. Das Berliner Verkehrspersonal. Es gehört zur Sozialdemokratischen Partei. Die Berlicnr Verkthrs-A.-G. zäHlt hinsichtlich ihrer. Größe unÄ Bedeutung zweifellos zu den wichtigsten Unternehmen, der Stadt Berlin. Sie ist ein typisches Beispiel dasür, daß g e in e i n s ch a f t- liche Unternehmen imndestcns ebenso leistungsfähig sein können wie Prioolunteriiehmen und ohne Hinwiistellung betrieb- lichcr Verbesserungen ihrer Arbeiter- und Angestelltcnschoft wesentlich günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen bieten können als die privatkapitalistischen Unternchmungen gleicher oder ähnlicher Art. Uebcr die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Berliner Ver- kehrsarbeiter ist an dieser Stelle schon mehrmals eingehend berichtet worden, so daß sich eine Wiederholung erübrigt. Obwohl nicht bestritten werden soll, daß auch die Löhne der Berliner Verkehrsarbeiter verbesserungs- bedürstig sind, wie der Lohn jedes Arbeiters, auch die sogenannten best- bezahlten, soll nicht verschweigen werden, daß ihre Entlohnung jedem Vergleich standhält mit der ähnlich qualifizierter Arbeiter in der Privatindustrie. Wenn die verhältnismäßig günstig« Regelung der Lohn- und Arbeitsbedinglungen nicht zuletzt daraus zurückzuführen ist, daß den Gewerkschastsvertretern bei den Lohn- und Tarifverhandlungen ein freigewerkschastlich geschulter sozialdemokratischer Personaldirektor als Verhandlungspartner gegenübersaß, so wäre das allein für dos Gros der Verkehrsarbeiter noch kein ausschlaggebender Grund, ohne weiteres in die Front der Sozialdemokratie einzuschwenken. Aber schließlich sind die Berliner Verkehrsarbeiter nicht nur bei einem städtischen Unternehmen beschästigte Menschen, sie sind viel- mehr als Bürger auch an der Berliner Kommunalpolitik inkcrcssicrt. Sic verrichten ihren schweren und gefahrvollen Dienst in einem Unternehmen, an dessen Erhaltung und Ausbau sie auch als ein Teil der Berliner Bevölkerung ein Interesse haben. Unddaß dieses Unternehmen in den letzten Jahren, seitdem es unter sozial- deinokratischem Einfluß steht, nicht schlechter geleitet worden ist, als früher die drei Verkehrsgesellschaften, kaim ernstlich nicht be- stritten werden. Solange die Sozialdemokratie in Berlin einen ent- scheidenden Einfluß auf die Kommunal- und Verkehrspolitik ausübt, ist der Ausbau des Verkehrsnetzes in einer Weise betrieben wovden, die jedem, der einige Jahre von Berlin abwesend war, bei seiner Rückkehr Bewunderung abnötigt. Es sind Autobus- und Straheir- bahnliuieti bis in die entferntesten Teile der Stadtgeineind« Groß- Berlin gelegt worden, die der BVG. keinen Gewinn bringen, sondern von sozialen Gesichtspunkten geleilet sind, UNI dem an der Peripherie wol/ncnden Teil der Bevölkerung eine billigere und schneller« Beförderung zu seinen Arbeitsstätten oder zum Stadtzentrum zu sichern. Dem Erholungsbedürfnis der Bevölkerung trägt der in den letzten Jahren bedeutend erweiterte Ausflugsverkehr und die Sonderfahrten in die Mark Rechnung. Daß die BVG. dazu beitragen will, gerade der werktätigen Bevölkerung die den Achtstundentag illusorisch machenden stundenlangen Wege von und zur Arbeitsstelle abzukürzen, hat sie erst jüngst wieder mit der Fertigstellung der Untergrundbahn Gesundbrunnen— Neukölln bewiesen. Ihr Personal selbst versucht sie dadurch in der zweckmäßigen Verwendung der Freizeit zu unterstützen, daß sie sich bemüht, in der Nähe der Bahnhöfe Wohn h a u s b l o ck s zu errichten, und zwar zu einigeimaßen Erschwinglichen Mieten. Doch weil das alles in der Hauptsache das Werk von Sozialdemokraten ist, macht man in der Oeffentlichkeit nicht viel Aussehens>davon. Man benutzt vielmehr jede Gelegenheit dazu, den allen Arbeiter- feinden unerwünschten sozialdemokratischen Einfluß in der BVG. als schädlich für dieses Unternehmen hinzustellen, bei welchem Bemühen sich die linken und rechten„Freunde" der Sozialdemokratie immer so ziemlich einig sind. Die letzten Betriebsrats wählen haben ober schon ge- zeigt, daß auch die rund 27 000 Köpfe zählende Belegschaft der BVG. die falschen Propheten mehr und mehr durchschaut. Zu der unverkennbaren Saimnlung um das Banner der g e w« r k s cha f t- licheki Organisation gehört aber auch«ine klare politische Stellungnahme. Die gewerkschaftliche Organisation ist zwar vor allein notwendig, doch sie allein genügt nicht. Notwendig ist zu- gleich die politische und die genossenschaftliche Organisation. Für die Verkehrsavbciter, denen nicht nur die weitere fort- schrittliche Entwickelung des größten gemeinwirtschastlichen Verkehrs- Unternehmens am herzen liegt, die nur ein kleiner Teil des all- gemeinen Fortschritts nn Reiche, Mi Staat und den Gemeinden sein kann, darf es nur eine politische Interessenvertretung geben: die Sozialdemokratische Partei! AusHaizen eines Arbeiteps, Angestellten �.Beamten in DentscKland m.2 NaKpim�u Genußmiittel imiiiniiimmiiimimmiiiiii n.i Bekleidunf, u.WascKe W cmnim?>sm.ieke jr Instandkaltuii�<].¥oKimn£[' uu" n' Bildung BTtIj olun�? Ka p x balanla S cB.uld en b.» T9.. i 0/o d er (d esamtaus�aBen BArBeikei' Q An�e s t eil k er I B e a m k e r Betriebsratswahlen im Bankgewerbe. Bei der gestern durch Arbeitsgerichtsbeschluß erforderlich ge- wordenen Neuwahl" des Betriebsrates der größ:«u Bank Dsutschlairds, der Deutschen Bank und Disconlo-Gesellschast, hat der Allgemeine verband der deutschen Bankangestellten trotz der lügenhaften Propaganda der Gegner von links und rechts einen Sieg daoongetrageii.> Der Allgemeine Verband konnte trotz des ungeheuren Abbaues und der kurzen Zeit von vier Monaten nach der lstzten Betriebs» ratswahl die gleiche Stimmenzahl für sich buchen und seinen pro- zentualen Anteil an den abgegebenen Stimmen erhöhen, von 21 Betriebsratssihen eMsallen 11 aus den Allgemeinen Verband, während sich die übrigen Verbände den Rest teilen muhten. Bemerkenswert ist, daß die K o m m u n i st e n st a r k genug waren, um vor dem„bürgerlichen" Arbeitsgericht eine Neuwahl zu erzwingen, doch reichte ihre Stärke nicht a u s, um in einem Betriebe von etwa 6200 Angestellten ganze drei Unter- s ch r i s t e n für eine eigene Betriebsratsliste aufzubringen. In der Berliner Stadtbank wurden ohne Wahlgang 10 frei- gewerkschaftliche Betriebsräte, darunter 9 allgemeine Berbändler und 1 Gssamtverbändler, gewählt. Aus der Schuhindustrie. MißstänSe in der Zuschneiderei von H. Niamant Der Zentralverbmrd der Schuhmacher. Zahlstelle Berlin. schreibt uns:. In der Zuschneiderei der Firma Hermann Diamant, Berlin, werden seil Januar fast täglich U eberstunden geleistet. trotzdem die Firma genügend freie Arbeit-plätze zur Verfügung hat uno arbeitslos« Zuschneider in großer Zahl vorhanden sind. Die Ursache liegt in den äußerst niedrigen Verdiensten, di« bei dieser Firma erzielt werden. Manche Zuschneider glauben, durch U e b e r st u n d e n den Verdienstauxgleich herbeizuführen, anstatl mit der Firma die Akkordsätze so zu vereinbaren, daß sie auch ohne Ueberstunden«ine» Verdienst haben, von dem sie leben können. Die Finna Diamant hat die Akkordsätze wiederholt gekürzt. Tüchtige Zuschneider lehnen es ab, bei dieser Finna zu arbeiten, weil sie sich mit den geringen Verdiensten, die leilweisc nur 80 Pf. pro Stunde auf Grund der Akkordsätze betrugen, nicht abspeisen lassen. Wenn auch die Disserenzen bis zum Tarjslohn vielfach zu- gezahlt wurden, so fft ein solcher Verdienst für die Berliner Ver- Hältnisse höchst ungenügend. Die Firma sucht nun in ganz Deutschland Zuschneider. Aus Pirmasens hat st« acht Mann geholt, von denen nur noch einer im Betried« ist. Die übrigen ziehen es vor, lieber in Pinnasens als Arbeitslos« zu hungern, anstatt bei der Firma Diamant in Berlin als Zuschneider für Luxusschuhe. Jetzt sucht die Firma Zuschnerder in Köln und Breslau. Der Zuschneide- meister Fischer benutzte seine Osterfeiertage, um in Breslau Zu- fchneider zu kapern. Einen einzigen 19jährigen unerfahrenen Arbeiter hat er mitgebracht. Di« Firma Diamant will di« bisher gezahlten Differenzen bis zum Tarifmindestlohir nicht mehr zuzahlen. Sie sucht nun solche Arbeiter, die mit 80 Pf. bis 1 Mark die Stunde zu- frieden sind. Daß ihr dies bisher nicht gelang, beweist der große Arbeiterwechsel. Bei 18 Zuschneidern wurden im März 20 ein- gestellt und wieder entlassen. Wir ersuchen alle Zuschnerder, die bei Diamant Arbeit annehmen wollen, sich vorher mit dem Verbandsbüro in Berlin, Engelufer 24, in Verbindung zu setzen. Ein wilder Sireik. De» der Firma Härtung A.-G., Lichtenberg. Bei der genannten Finna kam es in der Abteilung Puherci zu Differenzen. Di« Arbeiter dieser Abteilung, die bisher einen Verdienst von 1,30 Mark hatten, bekamen für die Bearbeitung von leichtem Guß weniger bezahlt. Die Firma lehnte es ab, für den leichten Guß den früheren Lohn zu zahlen. Daraufhin wurde von der Kommunistischen Partei ein« Versammtung abgehalten. Es sollte nochmals versucht weichen,«me Erhöhung der Pr«ise herbei- zuführen. Derartige Difjerenzen mit leichtem Guß kommen in allen Gießereien im Laus« eines Jahrss sehr oft vor, sie wurden ader bisher stets auf dem Wege der Verhandlung zur Zufriedenheit geregelt. So auch bei der Firma Härtung, Lichtenberg, in Dutzenden von Fällen der vergangenen Zeit. Der Deutsche Metallarbeiterverband hat seinen Mitgliedern vor Niederlegung der Arbeit mitgeteilt, daß er bereit ist. Verhandlungen zu führen, sobald der Generaldirektor Kremmener von semer Geschäftsreise zurückkommt. Dieser Weg, den die Organisation wies, ist nicht beschritten, sondern einfach die Arbeit eingestellt worden. Es ist nicht wahr, wenn die„Rote Fahne" schreibt, daß ein allgemeiner Lohnabbau sür den Betrieb im Ein- Verständnis mit dem VBMJ. und dem DMA. erfolgt sei. Wahr ist vielmehr, daß,, nachdem der Direktor Kremmener zurück- gekommen war,.er sich bereit erklärt hat, wenn die Arbeit von den am Tarifvertrag beteiligten Arbeitern ausgenommen wird, im Betrieb noch einmal zu verhandeln. Nachdem«in Teil von Hilfsarbeitern und auch einige Mafchinenformer geputzt hatten, hat die KPD. in einer Versammlung die Parole aus- gegeben, wenn die Betreffenden weiterhin Putzevarbeitcn machen, auch die Maschinenformer die Arbeit einstellen müssen. Die Maschinenfonner sind dieser Parole am 16. April gefolgt. Die Firma hat daraufhin durch Anschlag bekanntgemocht, daß der Betrieb geschlossen werden soll, und die Arbeiter, die ihre Papier- haben wollen, diese in Empfang nehmen können. Alle Maßnahmen der KPD. auch in diesem Falle sind ein weiteres Zeichen dafür, in welcher verbrecherischen Weise die KPD. gewerkschaftsfeindliche Politik treibt um die Arbeiter aus Lohn und Brot zu bringen, und in diesem Falle ausgerechnet in einem Betriebe, dessen Inhaber der Vorsitzende der Lohnkommission im VBMJ. ist. Die KPD. hat diese Bewegung glatt vom Zaune gebrochen. Sie will zeigen, daß man auch in einem Betriebe, der sehr schlecht organisiert ist,„etwas machen" kann und welche Art Gewerkschaftsarbeit von der Opposition geleistet werden kann. Versuche zur Verhandlung über Ausnahme der'Arbeit durch den berüchtigten i) e i n an den Generaldirektor Krcmmener wurden abgelehnt. Es muß den Arbeitern gesagt werden, daß so wie hier die Bewegung angekurbelt wurde, kein« praktische Gewerkschaftsarbeit im Interesse der Metallarbeiter geleistet werden kaim. Di« weitere Behauptung der„Roten Fahne", daß ein Streik bei Ja chmann, Borsigwalde, nahe bevorsteht, ist unsinnig, da die dort gewerkschaftlich gut organisierten Arbeiter nicht gewillt sind. für unorganisierte Arbeiter und für die KPD. di« Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wie es mn die Bewegung steht, beweist, daß der K l I n g e k- b�utel von der KPD. sür die Hein-Genossen bereits herunrgeht. Deshalb:„Taschen zu!" Differenzen bei der Lusthansa. Die vom„B. T." gemachte Angabe, die Deutsche Lufthansa wolle ungefähr die Hälfte ihrer Piloten entlassen, wird von der Lufthansa als unzutreffend bezeichnet. Ebenso, daß bei Wieder- cinstellung den Fliegern ihr Gehalt um die Hälft« gekürzt würde. Nicht bestritten wird, daß Differenzen entstanden sind, die sich angeblich nur auf den technischen Betrieb beziehen. Direktor Milch hat aus Gründen der Loyalität verlangt, daß ihm Be- schwerden zur Prüfung und Abstellung mitgeteilt werden sollen, be- vor sie„einem bestimmten Teil der Presse" zugeleitet werden. Das hieße denn doch, den Teusel bei seiner Großmutter verklagen. Bei den Fliegern scheint es noch an der notwendigen g e- wcrkschaftlichcn Organisation zu fehlen, durch die sie ihre Beschwerden der Direktion unterbreiten können, ohne deshalb Maßregelungen befürchten zu müssen. Da die bis jetzt vorliegen- den Nachrichten sich widersprechen, werden wir versuchen, den Dingen auf den Grund zu kommen. �____ � � � Es wird noch immer enilaffen! Bei Phönix jn Ruhrort sollen 3272, b« Phönix in Hörde 900, bei der niederrhcinischcn Hütt« in Duis- bürg 269 und bei der August-Thyssen-Hütte in Ham- b o r n 1000 Arbeiter entlassen werden— im ganzen 5941 Ar- beiler. Die Bezirksleitung des Deutschen Metall» a r b e i t-e r per band« e in Essen hat bei den Regierungsprösi? dentem in Düsseldorf und Arnsberg,, beim preußischen Handels- Ministerium und beim Reichsarbeitsniitiistexuim eine Besprechung über die geplante Stillegungsaktion beantragt. Di«„nationale Arbeiter Vereinigung" b«i Phönitz in Ruhrort hat beim Betriebsrat den Antrag gestellt, ähnlich wie im Stahlwerk Becker durch einen Lohnabbau di« Stillegungen zu verhindern._._ j, Zniernationales Arbeiisami. Paris. 24. April. sTigcnberichl.) Die 48. Tagung des Vorstandes des Internationalen Arbeitsamtes wurde am Donnerstag in Paris durch den französischen Arbcilsminister L a v a 1 eröffnet. Der Direktor des Internationalen Arbeilsamtes, Thomas, der im Verlauf der Begrüßungsansprachen ebenfalls das Worl nahm, hol» vor allem die besondere Rolle hervor, die Deutschland aus sozial- politischem Gebiet in den letzten Jahren gespielt hat. Städtisch« ßctwtrle, Abt. Rohr»«»! Heute WH Uhr bei?>>droh» W law, Cwinemttndcr Str. 16, wichtige Bersaimnlung aller SPD.-Senossen. Hj De» Zraltioneeorstand. Freie Gewerkfchafts-Jugend Berlin J Dienslag. 29. April, 20 Uhr, in der Aula der 7. Soltsschute l?orothcen. schulet, Berltn-ttitpeiiick, Freiheit IS, Werdercranstaltung. Programm: Musik, Lieder zur Laute, Ewattenspielc, Sprech» und Bewegungschoe: .Dividende". Unkostenixitrag 30 Pf.— Iugendgrnppe de» Verbände»»er Maler, Lachiirer, Titncher und Weihbindtr im Eidmigs'aal de» DMP. Linien- strahe 63— 80, Lustiger Lichlbildcrabend Wilhelm Busch:.Maler Klecflel". öt» werbcobcrlehrer S>. Wulst— Heute, Freitag, 19H Uhr, tagen die Truppen: Siordring: Jugendheim Schul« Sonnendurger Str. 20. Vortrag:„««schlcchts. krankheiten".— Hrrmannplai,: Eruppenhcim Sanderstr. 11, Ecke Hobrcchistrahc. Bortrog:„Arbciterschast und Siaat".— Süden, Südwesten: Grupvcuheim Wostcrtorstr. 0. vorn parr. Heiterer Abend.— Eharlottenburg: Jugendheim Eprccstr. 30. Auesprache über unsere Ostcrfahrt:.Was muh besser Werdens"— Zeppelinplah: Jugendheim Turiner Ecke Eecstrahe sEingaug Turiner Slrahel. Wir ta Irschen Fahrtenerlebnisse au».— Wedding: Gruppenheim Schul« Pank» Eck- Wicsenstrohc. Vortrag:.Da» Berui-ausbildungogesetz".— Schänhanser Tor: Jugendheim Tieckstr. 18, Feuerwehrgedäude. Llchlbildervortrag: ,Die FEO. IN Dort und Bild".— Soliiiab-Iid, 26.. und Sonntag, 27. April, Wander» leiter-Exlurfion, Jugendherberge Neu-Vehlefanit, strilmcr, Bögow BlockbrUcke, Teiifelobruch. Heiligensec.— Sonntag. 27. April, Bellmtigung der Anlagen der Hoch» und Untergrundbahn. Treffen um 9% Uhr U-Bahnbof Potsdamer Plag. - Montag. 2«. April, um 20 Uhr, im Saas I, de» Gewerlschaftnhäusc». Enge!- Ufer 24—25, Wanderleiter tu rfu». Lichtdildervortraq:.Der Fläiwng" Pesrr.'ur Wilhelm Rathep.- Montag, 2«. April, um 19!» Uhr. im Saal 3 de» Dewerk. schaftshause». Engelurer 24—23, Mädchen Veranstaltung. Portrag:.Die rng- tische Scwcrkschaftobewcgung, unter besonderer Berücksichtigung der Frauen". �»uaendarupve desZentfalverbondes der Anaesiellten Freitag, fwden folgende Beranstalwngcn statt:«erdefeie, im Stadttheater ltSpentck, an, Wtlhelmplad,— Obertpree: Jugendheim Laufemer Str. 2. Vortrag:.Handel und Verlehr im Altertum". Bekirent Tr, Mar Tchu.te.—«eveuick: Zugendheim Dahlw.grr Str. Ii tKasanlial'. am ISJü.1'«' Werbeabend im Stndttheotrr Sbpenirf, am Wilhelmplag.— Südwest: �ugendhelm Porckstr.>1<2 Hof, lZuergebäude. 1 Trcvpe. Zimmer j). Bortrag:-A tufsberatung und Berufsauslese". Referent Berufsberater Schar?, stiidt.— Ab 20 Uhr b«ruf»lundlich« Ardeitoaemeinschast de: Bejirl« Rrutiillu und Urban IM Jugendheim Neukölln. Bdhmische Str. 1-4. Wenn Schmerzen....... 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RM. 12 000 000 1 200 000 500 000 163 187 865 2 109 602 r—: TL 68 14 Soll Ilandlungsunkosten Steuern........... Reingewinn....... Gewinn- und Verlustrechnung per 51. Dezember 1929. Gewinn-Vortrag..... Zinsen-Dovisen-Sorten Provisionen......... Sonstige Erträgnisse. 178997 063■ 82 Hoben r—= £ RM. 60 506 5 053 093 1 051>45 351906 99 59 31 Berlin, den 19. März 1930. Bank der Arbeiter, Angestellten u. Beamten, A.-G. Der Vorstand: Dt H. Bachem, Dr. F, Davidson-SA miedet, 4 456 652 56 Vorstehende Bilanz per 51 Dezember 1929 nebst Gewinn- und VeriustrcAnunp der Bank der Arbeiter, Angestrllicn und Beamten. A.-G.. Berlin Sir. haben wir naAgeprült und in sAaft befunden' ordnungsgemäß geführte» ßiiAeru und Unterlagen der Gesell- Berlin, den 19. März 1930. (Stempel) GesölUAaJt für Vermögenswahrung und-verweb ung (Treuhand und Revision) m. b, IL Heidlberg. p. pa. Dr. Kirchner, * vtr.".?-,, iiL TlteaUc, LiJilspiiU usw. Freitag, 2S. 4. Staatsöper Unter d. Linden Teil-Ali. A. Fr. Na. 9 JahrevSb.-V. 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Bernard Shaw Regie; Heinz Hilpert Plsestor-Rüboe im Wallnor-Theater Alexander 4592 93 Täglich 8 Uhr: üRTerhoid- finsispiei „Brülle DhinaM Ab 28. April«r:edfir figlidi LICHT SURS Gesundbrunnen _ T Sgl! eh_ |3-»OI N l».»OI Ridianl Oswald'! 100% Surtdi-Toufilin uuen. du Slam der Lieder iiiiniiiiiiiiiiiiitiiiiinniiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiniiiiitiMiiiiMiiii Charl. Ander— Max Hansen Slegfr. Arno— Paul Morgen Auf der'Bühne: AMBERG-SCHAU 15 seuaiiim. Bilder, Teiupn-Bumor-Iosslalliiiis 24 Mitwirlaende Taddy'a Jazz-Syncopators. Vorveikaui lägiieh von 11�-22 Uhr Staatsoper Am PI. d Republik 8 Uhr Die Merllöle Deulstbes IDestet C 2 Wiideodamm 5201 8 v* Ohr Der Kaiser v.Amerika von Bernard Shaw Reg: Max Rtlnhardl Kitmmerspiele D 2 Weidtudimm 5201 8 Vi Uhr Die liebe Feindin FanHii hü iL P. Mtici aqi«: Clltrf Gründete Friede bei Leineweber! Die Differenzen bei der Firma B. Leineweber, Spezialhaus für Herren- und Knabenbekleidung, Am Köllnischen Fischmarkt, sind durch direkte Verhandlungen beigelegt worden. Vereinbarungsgemäß wurde die Arbeit bereits am 23. 4. wieder aufgenommen. Die von der Fa. Leineweber außertariflich gewährten Vergünstigungen bleiben unverändert bestehen. Durch diese zufriedenstellende Erledigung werden alle Maßnahmen der Organisationen gegenstandslos. Deutsdier Bekleidungsarbeiter-Verband Zentraileitung Bernward Leineweber G.m.b.H. LASINO-THEATER 81 Lothringer Strafe S7. Nor noch bis 50. April Der wahre Jakob Donnerstag, den I. MM tarn 1. Male Die Berliner Posse Rentier Mudicke Qutscnein für 1— 4 Persuneo Fauteuil nur 1-2S M., ScsmiI 1.75 M-, Sonstige Preise; Parkett u. Rang 0.80 M Die Kcmödie 1 1 Bismck.2414/7516 8'. Uhr Die Kreator iUusijiü«u Ftrl Inukmr Reale: Dax BeiBhami ,»ZW«, k•-•«w-'.i•■'Ji'V'-.•'.. .. r �-.t S e n s a\ I o n FEINSEIFE AO ca. 80% Fettgeholt Pfand Beachten Sie unser Seifenfenster HAÜSVÄTERIAND KUMFUN91 /»eeo REVUE LSERVUS 1930' Dir. Dr. Martig Zidtl Komtsche Oper Friedrichsir. 104. Merkur 1401 4330. Täglich 8', Uhr Majestät läßt bitten... Marlii in Wilter Btüo. Lustspiemaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8's Uhr Gesch&fimll Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld Theater am Sthlflhauerdamm Gastspiel d. kleinen Theaters 8', a Uhr Madame hat Ausgang T. TMInmii, ÜHmias. WiSzam, Ivtvtki Vorverk.ununterhr Norden 28! u 1141 Metropol- ID. Residenz-Itiealei Täglich 8'» Uhr Der Bettelstudent AlparySchutzcndorf, Jöken, Pattiera KOnstl. Leitung Gaston ßriese Täglich 81» Uhr Efsrieke RnndtunkU. nalDe Pr. Lessing-Theater Wiideiäretm 2137 I.Uli Täglich 8>. Uhr Flamme mit Kätc Dorsch Franz L«dcrcr U-BAHNHOF HEKMANNPiATZ DIR KARSTADTiAUNHOF SanwvsJnf-BiliiDeB TRpaior In ««r StmomaaBjir. (frtko SitiHtSto Sil.) Täglich 8V. Uhr NspoUaon greift ein tm Wjltn BaseKlwr Komödianhau» raglich£!•» thr; Operettenhaus Alte Jakobsir. 30/32 (Zentral- Theater) Dönh. 2047 Täglich 8>« Uhr Das Land des Lächelns von Lehar GROSSES SCHAUSPIELHAUS 8 Uhr: Hur noeb 8 Vorstellungen! 3 Musketiere Regie: ERIK CHßRELL Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8>> Uhr Gastspiel Gisela Werbczlrk in Meyer's sei. Witwe Schwank von Piltz fiiejmaan-Fftjridi. Blutnenspsudsn jrd» Sri Itcfcrtptttstriert Paul€>oIIetx Bstnt, Robert Mej er Mariannensirahe Z Site 31ouni)nfttaRe Ami Morigpl. 10303. Theater l.d.Behrenstr. 53-54 8% Uhr A 4 Zcninjm 9i6-927 8'.« Uhr Direktion Ralph Arthur Roberts letzte v»llttminmseii ... Vater sein, dagegen sehr So n ms g such nachm. 4 Uhr(halbe Pr.»; V--«.<*«>;•■■ uersin d. Berliner BuchdrucHeru.ScnnngieBer Unerwartet verstarb ant 2. Osterfeier- tag nach kurzer Krankheit im Kranken- ha'us Uricdrichshain unser Gauvorstands- kollcp-o, der Vorsitzende des Berliner Korrektorenvereins Richard Pandura im Alter von 53 Jahren. Unermüdlich und stets hilfsbereit hat eich der Verstorbene innerhalb und außerhalb des Gau- vorstandes für die Interessen der Berliner Kollegenschaft und die seiner engereu Spartenkollegen eingesetzt. Die Berliner Mitgliedschaft wird sein Andenken in Uhren halten. Der Berliner Gauvorstand. DioEinäscherung des Kollegen Pandura findet am Montag, dem 28. April, nachmittags ö Uhr. im Krematorium Gericht- straßo statt. Reichshallen-Theater Abends OlI Soontag nadim. U] (zo halben Preisen) Stettiner Sänger Tageslnss« 11-2. fbsmikas«>d 6 Dhr. Zeatram 11263. Varieli Dönhoff-Brettl: — Konzert— Tanz Mer 1 Westsns Täglich S'k Uhr: Paganini R.Taul>«r.V.Sclr»arz Kennen zaKarlshorst Freitag, den 25. April 1930 nachmittags 3 Uhr, Silberner Humpen. Tnmt. a. Koiu.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr Sonntags SUür m sraBIficn Pr. Eiite- Singer. OnphlDOiiieiiale CslerprojiMim mit l btlieiilu tottsoor Kart Wanger. DeDtsdier Melallariieiter-VerbaDil j Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Ten Mitgliedern»ur Nachricht, daß! unser Kollege, ber Schlasser DskaT BerAen geb. 28. Juli 1863. am 22. SIplil 1 xeiiorben ift' 1 Die Cinätifimms findet Sonnabend. den 26. Äpril. 20 Uhr. im Ztrematorlum Gerichlfiraße statt Rege Leteiligunz erwanel. Haekruk 21m 16. April starb unser Kollege, der Lchloflee Rixlolk Jacoby geb. 22. Juli 1909. Die Beerdigung bot bereits slolt» gesunden. Chtc ihrem Andenken! Die OrfsverwottaDg. Verband der Budibinder und Panierverarbeiter DeutsdDands OrtfiTerwaltung Borlln Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht daß unser« Aolligbu die Buchbinderei- azbeilenn Marie Klaftert Niiders chöneweid e. Brückenste. 19 o erstorben ist. Di- Einäscherung findet Zrei- tag, dem 25.?iprii, nachm. 4,z Uhr. im.stremotoriuw Baumsitnilenmrg, jtiesholzftraße. statt. sthre ihrem An denken' SjiQt 5«I«'I,g,,»g frmnrl,! Dia Ortsrerwittee« Freitag 25. April 1930 Unterhaltung unü �Vilsen Beilage des Vorwärts max �anhei: �fclieMU D«r Tschckist hieß gar iricht Siebenhaar, er hieß Leitner und war Kriegsgefangener gewesen, ehe er sich der politischen Polizei verkaufte. Er operierte znerst im Ural und war mit Charlie Moser zusammen, einein Kaineraden aus den? Gefangenenlager. Mit diesem Charlie kam ich später in einer Fischerei bei Astrachan in Berührung. Wir befreundeten uns. Charlie war ein wilder Bursche und hatte den Bürgerkrieg an den sibirischen und chinesischen Fronten mitgemacht. Und an einem Abend erzählte er von der Tscheka. „Also, mit dem Siebeiihaar hob« ich auch in der Tscheka ge- arbeitet", sagte er,„ober ich blieb nicht lange dabei, es war ein« zu blutige und zu schmutzige Geschichte. Ich wurde Spekulant, In der Stadt gab's nichts zu fressen, es wurde geschoben und spekuliert, und ganz zufällig entdeckte ich eine Lebensnnttelquelle. Ich nutzte das gut aus und droht« mit der Anzeige bei der Tscheka, wenn ich nicht an den Gewinnen beteiligt würde. Ich wurde beteiligt. In der Hauptsache verschoben die Leute Kaffee und Tee. Eine Woche lebte ich auch ganz gut, da tra-f mich Siebenhaar und sagt«: „Lieber Charlie, hast du genug verdient? Wir sind hinter den Spekulanten mächtig her, seh' dich vor." Das war ganz anständig von ihm, die Warnung, meine ich. Er war hinter den Spekulanten her. Die Bahntransporte waren für den freien Berkehr gesperrt, Tee und Kasse« flogen nicht durch die Luft. Er- bekam den Auftrag, die Spekulanten zu ermitteln. Einen Händler zu fassen, hätte keinen Sinn gehabt, sicher war eine ganz« Kette von Zwischenhändlern vor dem einen Mann. Siebcnhaar wandt« sich an mich. Er sagte: Ich Hab« dir einen Tipp gegeben, aufzuhören mit spekulieren, jetzt muht du mir einen Gefallen tun. Geh' doch zum Konditor Meißelhardt und offeriere ihm zwei Sack Kassee. Wir wollen sehen, ob er anbeißt. Und wenn er anbeiht, gehe zum dicksten 5)ändl:r und frage ihn, ob er dir zwei Sack Kassee für Meihelhardt ver- schassen kann." Meihelhardt war ein Deutscher und aus Moskau in den Ural vertrieben. Schön, ich ging zu ihm. Und«r wollte Kaffee haben. Dann fragte ich den dicksten Händler, und der wollt« schon den Kaffee liefern. Um ganz sicher zu sein, lief er selbst zu Meißel- I>ardt. um sich den Austrag bestätigen zu lassen. Das hätte er nicht tun sollen, denn er wurde vom. selben Augenblick au bespitzelt. Und man sah ihn am nächsten Abend durch di« Stadt schlendern, an einer Ecke lvarien, und da kam ein Wagen. Der Händler stieg auf und hielt bei Meihelhardt. Das Geschäft wurde schnell erledigt. Der Wagen rollte davon. Es stand immer noch offen, woher über- Haupt der Kaffee kam." „Aber warum Hot nmn denn nicht Meihelhardt und den Händler verhaftet?" frage ich „Weil man doch den Hauptschieber fassen wollte, du Narr", knurrte Charlie,„Siebenhaar verfolgt« den dicken.Händler bis zum Eajc„Kaukasus". Dort schüttelte er einem gut angezogenen Mann« dit' Hand. Diese�Mawl. kannte Siebenhaar. Das war der Ingenieur Zuckorowusch Und zu diesem Zuckorowitsch kamen an diesem Abend auch noch ander« Händler. Et wurde deutlich, wer der groß« Schieber, wer der Vermittler von Kasse« und Tee war. Aber auch das hätte wenig Sinn gehabt, ihn jetzt zu verhaften. Man wollte erst die Quelle des Spekulanten kennen. Man wuhte auch nicht, wo Zuckorowitsch wohnte. An der von ihm gemeldeten Stell« fand man nur seine Geliebte, ein mords- häßliches Frauenzimmer, wie mir Siebenhaor erzählte. Ein Gesicht wie eine Ziege, sagt« er. aber sie hatte Busen wie zwei Mehlsäcke!" Charlie öffnete di« Hände, wiegte st« auf und ab und sagte:„Also, bei dieser Frau war nichts zu machen. Siebeichaar war für magere Frauen, er ging los und war klug wie zuvor. Siedenhaar, mußt du wissen, hati« viel Glück bei seinen Unter- nehmungen. Er hatte mehr Glück als ein gewöhnlicher Mensch. Und das Glück fiel ihm bei dieser Geschichte bsinahe um den Hals. Am zweiten Abend nämlich erkaimte er zufällig den.Kutscher wieder, der den Kaffee geliefert hotte. Er verfolgte ihn bis zum Lagerhaus der Stadtverwaltung, Abteilung Kinderheime. Zwei Männer schleppten einen prallen Sack heraus, der Kuffcher, der gar nicht erst abgestiegen war, vcrstauie ihn und raste davon. Siebenhaar lieh ihn rasen. Jetzt wußte«r, wo di« Quelle von Tee und Kaffee war. Er wuhte jetzt, wo die Schokolade und die Früchte herkamen. All das war nämlich den armen Kindern vom Munde weggestohlen wordenl Am anderen Vormittag begab sich Siebenhaar in das Büro der Abteilung für Kinderheime und fragt« noch dem Ingenieur Zuckorowitsch. Det Verwalter erklärte, von einem solchen Mann nichts zu wissen, darauf wurde erwidert, das sei jammerschade, er sei gekommen, weil ihn her Konditor Meihelhardt geschickt habe. Der Verwalter zögerte, als wolle er sagen:„Bitte sehr, womit kann ich dienen?", aber das gerode sagte er nicht, er sagt«: „Zuckorowitsch? Moihechardt? Nein, das muß wohl ein Irrtum sein!" Nun tritt Nadjeschda auf, ein kleine» Mädchen, mit dem ich damals befreundet war. Sie liebte di« Ausländer, und sie glaubte, mir zu dienen, als sie zu dem Verwalter sagte: „Aber Maxim Qssipowitsch. dem Herrn da können Sie ja ruhig die Adreste geben, er ist ja Ausländer!" Aber Maxim Qssipowitsch erklärte noch einmal: „Ein Zuckorowitsch ist mir unbetanitt." Das Mädchen schrieb geschwind etwas auf einen Zettel, öffnete dem Fremden die Türe und steckte ihm das Papierchen zu. Es war ein Prachttnädelchen, die Kleine, so behilflich, so liebenswürdig imd— so dumm! Sic hatte auf den Zettel die Adresse von Zuckorowiffch geschrieben! Und aus den Zettel schrieb sie noch: „Erwarten Sic mich um sieben Uhr am Pserdemarktl" Siebenhaar ging nach der angegebenen Adresse und fand Frau Zuckorowitsch vor, eine durchaus männliche Frau, groß und mager, dos Gegenstück zu der wohlabgerundeten Geliebten. Der Ingenieur war nicht zu Haus«, aber der Besuch fand heraus, wo er jeden Abend zu treffen sei. Und die Frau fragt« nicht einmal noch Sicbenhaars Namen, sie nahm ohne weiteres an, dah er ein Spekulant sei. Am Pserdenwrkt wartete das kleine Mädchen. � Siebcndaar nahm sie in die Oper mit. Als T'chekift hatte er die besten Karten bekommen. Es wurde„Carmen" gegeben. Die Kleine war über- roscht. als sie in das Parkett geführt wurde, sie sah den Tschckistcn verliebt an. das Schäfchen, wie sie mich verliebt angesehen hatte. als sie merkte, daß ich Ausländer war. Die Carmen-Musik muh ja eine Frau verrückt machen, aber sie behiest doch soviel Klarheit und erzählte in der Pause von den Besuchen des Zuckorowitsch. Und nach der Vorstellung folgte sie Siebenhaar ohne große Ziererei ins Hotel. Und min kommt das groteske Zwischenspiel, lieber Junge. Dos Mädel war in das Ausland, in mich, in Siebenhaar, und wenn du dort gewesen wärst, auch in dich verliebt gewesen. Und sie gab dieser Liebe greifbaren Ausdruck und wollte handgreifliche Gegen- beweise haben. Der Siebenhaar wollte aber Zuckorowitsch über- führen! Du kannst dir also vorstellen, daß die ersten Minuten peinlich für beide Pdrtner warejx. Der Siebenhaar wollte erst das Geschäft und dann das Vergnügen. Also, er holte ein« Tafel Schokolade aus dem Tischkasten, machte sie mundgerecht und sagt«: „Diese Schokolade ist ausgezeichnet. Ich kann sie mir empsehlen. Bei euch muß es doch auch welche geben, oder nicht, Seelchen?" Und das dumme Ding antwortet«: „Ach, Schokolad« gibt es schon, aber nicht für un». Die fressen die Chefs selber auf. Und der Hauptsresser ist Zuckorowitsch." „Er nimmt wohl nur Schokolade?" fragte Siebenhaor. „Nein," ereijerte sie sich,„nein, er nimmt alles, Butter, Schinken, Kakckd und Kaffee. Und wenn eine neue Sendung aus dem Zentrum kommt, müssen für ihn Proben gemacht werden. Di« nimmt er mit nach Hause." „Sage mir, mein Daunenkissen," schmeichelte Siebenhaar, „dieser Zuckorowitsch ist bei euch wohl Vertreter oder Agent?" Das Daunenkissen antwortete: „Weih nicht. Unser Chef sagt, dah der Ingenieur das Geholt von der Hauptverwaltung bekommt. Aber warum fragst du soviel, mein Falke?" V Und der Falke sagte: „Ach. lassen wir den dummen Ingenieur! Ich habe nur Wut auf ihn und den Chef, weil sie dir, mein Gold, keine Schokolade geben!" Da bewunderte das kleine Mädelchen das höfliche Ausland mahlos und mochte verliebte Augen. Natürlich hatte auch st« manchmal Schokolade bekommen, ober das waren Dinge, von denen n«n in jenen Jahren auch seinem besten Freund nichts erzählte. Der Techniker der Tscheka, der Siebenhaar, war auch ein guter Techniker in erotischen Dingen. Er goß dem Mädelchen ein neues Glas Likör ein und berechnete, als sie ihn liebkoste, die stvategischen Anmarschlinien, um Zuckorowitsch zu sangen. In den ersten Morgenstunden weckte er die kleine Sekretärin und brachte sie nach ihrem Quartier. Sie sagte zum Abschied: „Kühner Falke!" Er antwortete: „Du, mein Daunenkissen!" Charlie schwieg. Ich fragte: „Mensch, woher weihs du denn so genau, was sie sich zum Abschied alles gesagt haben?" „Siebenhaar hat mir später alles erzählt. Er wuhte damals noch nicht, daß sie auch mich„kühner Falke" genannt hatte. Uns wenn er's gewußt hätte, ihm war's sicher gleich gewesen. Cr war bei der Arbeit, er verfolgte ein« Spur, und da kannte er keine Sentimentalitäten, mein Lieber," erklärt« Chorlie. „Er verfolgte eine Spur," fuhr er fort,„und am nächsten Tag wurde der Herr Zuckorowitsch ganz genau überwacht. Als er die Wohnung verlieh, hängte sich ein Spitzel an seine Fersen. Der Ingenieur besucht« zuerst die Konsumgenossenschaft und mochte dort sein« Offerten. Dann verhoichelte er mit einem Krankenhaus, und es wurde vollkommen Nor, daß er der große Unbekannte war, aus dessen geheimen Verbindungen und geschäftigen Händen der Ueber- sluß an Tee und Kaffee auf dem Markte kam. Er war ein genialer Schieber, dieser Zuckorowitsch. Er nahm die Sendungen aus dem Zentnim genau so sicher in seine Hände wie die Lieferungen der Bauern, die mit Butter, Fleisch und Eiern ihre Steuern bezahlten. Der Sowjet war mit der Gegenrevolution beschäftigt, ringsum war Ausruhr und Chaos und ein gerissener Schurke ergaunerte sich mit der Not einer großen Stadt ein Vermögen. Aber das war nun vorbei. Der Ingenieur und feine Helfer und Heffersheiscr wurden mit einem Schlage verhaftet. Zehn Männer und zwei Frauen. Die kleine Sekretärin war auch irgendwie mit in die Spekulationen verwickelt, aber Siebenhaor schonte sie und ließ sie auf freiem Fuß. Vielleicht, weil sie ihn auf die Haupffpur gebracht hatte. Schon nach zehn Tagen wurde der Prozeß gemacht. -Cr rollte sich im Stodttheater ab und wirbelt« viel Staub auf. Es war ein richtiges Theater, weißt du, aber das Spiel ging um Leben und Tod. Sechs Angeklagte wurden in„kälter« Zonen" verschicht, die anderen sechs, unter ihnen Zuckorowitsch und der Berwalter, wurden zum„höchsten Strafmaß" oerurteilt. Die kleine Nadjeschoda reifte noch Moskau." Chariic schwieg. Ich war müde. Der Schlaf wogte wie eine schwarze Welle heran. Bevor mich aber diese schwarze Welle begrub, fragte ich: „Was ist das höchste Strafmaß?" „Erschießen," antwortete Charlie. deppe Mkiär: SrfteS tßad IUI WCCV Dillads, der Hütejunge, stand vor einem Schiffswrack. Es war ein altes, grünjpanüberzogenes Eisenschiff mit halb verroste'.en Bat- ken, die kreuz und quer liesen. Das Wrack sah aus, als hätte es schon sehr lange dort gelegen; es lag halb auf der Seite, so daß die Sonne ungehindert in seinen rostigen Bauch hineinleuchten konnte: die Brandung hatte es in der Unheilstund« vorn empor- gehoben, den Hintersteven aber vom Meer überspielen lassen, so daß das verwitterte Eisengerüst des Vorderteils, von Vogelschmutz über und über gesprenkelt, hoch in die Lust ragte.— Dillads.ging langsam in schweigender Verwunderung darum herum. Er be- trachtete die zerbrochenen Schiffsseiten, an denen das zolldicke Eisen so gewunden, verdreht und' verbogen worden war, als wären es schmiegsam« Haarlocken. Heute war das Meer saust wie«in Lamm: aber das war es offenbar nicht immer. Doch dort hinter dem Schiffsrumps schien es ungefährlich zu sein wie ein ruhiger Teich. Das Wrack teilte sa förmlich«ine riesige Badewanne ab, die ange- füllt war von frischem, plätscherndem, salzigem Meerwasser. Das über den Körper rieseln zu lassen, das mußte etwas anderes sein als die rote, laue und schmierig« Brüh«, mit der Billads zu Haust in den Schlamm- und Torslöchern der Heide sürlieb nehmen mußte. Er hatte keinen rechten Mut, vom offenen Strand aus zu baden, da er noch dazu nicht schwimmen konnte. Aber ans Meer zu kom- men und nicht zu byden„ fand Billads doch zu kümmerlich: und hier war d«r gegeben« Ort dazu! Hier konnte er sich ja an den Balken des Wracks jesthalten, falls ein« Sturzsee ihm über den Kopf gehen sollte, was gar nicht so unmöglich schien. Mit Windes- eile zog Billads seine verschwitzten Lumpen aus und kletterte über die schiefliegende Reling in das Schiffsgeripp« hinein. Billads schlug vorsichtig prüfend seinen Arm um einen Balken im Mittel- schiff und tauchte dann. Aber hier reichte ihm das Wasser kaum bis zu den Knien: darum kletterte er zum nächsten Balken weiter. Hurra, das half: nun ging ihm das Wasser schon bis zu den Hüf- ten. Er tanzte und sprang zu seiner eigenen lustigen Musik:«r wirbelt« herum wie ein Stück Holz, das in einen Strudel geraten ist. Aber noch verlieh ihm das Wasier nicht die genügend« Leichtig« kcit zum Sprung. Sollte er sich noch bis zu dem nächsten Balken vorwagen? Es war der letzte über dem Wasserspiegel: er ragte nur wenige Zenti- meter darüber empor. Aber warum eigentlich nicht? Hier war ja nicht die geringste Gerahr: Billads sah über die Reling. Die Brau- dung kam ja gar nicht bis hierher; höchstens eine einzige Welle, ober daran starb man wirtlich nicht! Billads begann sich vorsichtig an der gewölbten Schiffswand zu dem äußersten Balken hinüber- zuarbeiten, während das Wasser Zoll für Zoll stieg. Bald schlang er seine sehnigen Arme um den rostigen Balken und taucht«. Ha! Run war es gerade so wie es sein sollte. Das Wasser ging ihm hier bis über die Schultern. Auf dem Boden des Wracks hatte sich allerlei Tang und Kies abgelagert, so dah man sich einbilden towte, den Meeresgrund selbst zu stampsen. Bei jedem Aufstampsen gegen den Boden des Wracks schnellte man wie ein Ball in die Höhe. Er wog nicht mehr wie eine Feder, er konnte ja flie— ie— gen, juchhe! lind er flog, auf und nieder, auf und nieder, ohne auch nur eine Spur zu ermüden. Villade stampsle und sprang unter dem rhythmischen Gleiten und Fluten des Meeres. Auf einmal vernahm sein Ohr ein« Unter- brechuug in dem Rhythmus. Ein Stoß ging durch das Schiffs- gerippe, der sich auf seine gestreckten Fersen übxrtrug: ein Lärm, «in Getöse erhob sich, wie wenn ein Bclnintener mit Gewalt in ein 5iaus hinein will. In demselben Augenblick stürzte sich die geifernde Brandung auf Billads und wälzte sich über seinen �ops hinweg in das Wrack. Villads' Kopf war unier den Balken und die Wassersläche geraten, aber seine Arme spannten sich wie Riemen um das rostige Eisen. Schon wurde sein Körper wieder aus der Tiefe emporgehoben: die wütenden Wassermassen drehten ihn hier- hin und dorthin, trieben ihr Spiel mit ihm wie mit einem toten Fisch, der den Bauch nach oben wendet. Aber Villads klammerte sich nur noch fester mit seinen Armen um das rote Eisen wie ein Tintenfisch. Er hatte gerade mit den Füßen wieder den Bode» gefunden und das geschluckt« salzige Wasser ausgespuckt, als er eine neue Sturzsee bekam: wieder wurde sein weißer Körper in dem Eisengcrippe heruyigewirbelt und von Schneckenschalen und Kork- stücken gejagt. Das wiederholte sich, nur durch sekundenlange Pau- sen unterbrächen, dreimal. Dann glitt die Brandung wieder in ihren alten Rhythmus zurück. Mit zitternde» Gliedern, wie einer, der schon mit einem Fuß auf der Leiter zum Totenreich gestanden hat, kam Dillads endlich von dem Wrack los. Seine Arme hatten fast ihre Haut eingebüßt, seine Knie und der übrig« Körper waren gebräunt von Rost. Doch war er gerettet— wie durch ein Wunder gerettet. Aber zu neuem Spiel mit dem launenhafien Meer hatte er nun jede Lust verloren. titu» ixm BUcherkrci»Band Icppe Aaliär:„Därrndt Rcäftc tLonbarbeitcr- romanF. Preis silr Mitglieder des»llcherkreises Z M.. im freie» Buchhandel 4,80 M.)_ t's grüßen und grüßten: Die Hebäer:„Schalom lecha"— Friede sei mit euch! Di« Griechen:„Chaire"- Freue dich!(Selbst bei Beerdigung.) Die Römer:„Ave"— Sei gegrüßt!„Vale" Lebe wohl! „Salve" Befinde dich wohl! Die Araber:„Es selam aieikum':= Friede sei auf euch!„Wa aleikum es selam"— Auf dir auch! Die Goten:„Holls"=: Heil! Die Althochdeutschen:„Hailazjan"— Ich grüße dich und wünsche dir Heil, Segen und noch viel mehr. - Das 12. Jahrhundert:„Sit willetommen" oder„Sit gote wille. kommen"(gote war nicht gut, sondern Gott). Das 13. Jahrhundert:„Aller Liebs gnug" und„Gott erhalt Ewch". Als Anwort:„Gsnade— Danke! Die Herren Ritter:„Salui"(von salutieren:= grüßen). Das 14. Jahrhundert:„Akdc" und„Ade". Das 18. Jahrhundert:„Adieu" und„Adies". Die Oesterreicher:„Serous". Die Süddeutschen:„Grüß Gott",„Behüt dich Gott",„Sallui". Unsere Väter:„Guutcn Morgen",„Guuten Tag",, Gimte» Abend"„Leben Sie wohl". Das Jahr 19-30: Die Radfahrer:„All Heil!" Die Turner:„Gut Heil!" Die Schwimmer:„Gut Roß!" Die Kegler:„Gut Holz!" Die Bergleute:„Glück auf!" Die Studenten:„Unfern Gruß zuvor!" Di« Hamburger:„Hummcl-Hummel!" Die Berliner?„Mojen!" Der Chef:„Keiner zu spät gekommen?" Der Schaffner:„Noch jemand ohne Fahrschein?" Das Amt:„Sprechen Sie noch?" Der Steuerbeamte:„Wie geht's Ihnen?" -Cndert. Einsendungen für diese Rubrik sind V e r li n SÄ 68. Linden, tratze 3. parieinachrichien/�AifürGroß-Beelm stet,«» da» Bezirkisekretariai 2. Hos. 2 Trepp«, recht», zu richte» t. ttnii Mitte. Karlen»irr Maifeier sind bei allen Seiicifübrcrn m ieftn. 2.»rri« licrfiuetcn. ssreltog, 18 Übt. wichtig« Bezirksverfanuirinng in der ödiuioulo Vochumer öit. Sb. 3, fteoi» Kedding. Bil!>ung»au»st. Abt. khgrlottcnbnrg. 20 Uhr ssunktwnärsitzung bei Easper, Guerickestr. 1. tltl. Abt. Treptow, ssstr die Maifeier im Paradiesgarten werden an unsere erwerbslosen tdenossen am Sonnabend. 26. April, in der Borwarts» Spedition die Sin tritts7art«n für sich und ihre Angehörigen ausgehiindigt. Legitimation ist mitzubringen. 702. Abt. Vaumschulcnwcg. Die am l. Mgi.�K Uhr. im„Alten Eierhäuschcn" ltattiindende Maifeier bitten wir restlos tu besuchen. Die Ansprach« hall prmßischcr Innenminister o. D. Albert Grzestntcki. III. Abt. Bohnsdorf. 20 Uhr bei Heimann. Waltersdorf» Str. 100. Funkt ionü» 5 rauenveranstaltungen. lS. Kreis Wcißeusec. Der THe« Fcrtcnuutcrbringuugcv im großen Saal des Bezirksamts Pvenzlaucr Berg, Danziger Str. 61. Es werde» gespielt:„Rurj, der Elefant" und Minder- lepublik Namedv". 16 Uhr für Hort und Gruppe Viktor Adler, 18 Uhr für Gruppen Freiheit und Friedrich Eberl, 20 Uhr für alle Eltern. Karten in den Kruppen und an der Kasse. Kinder 20 Pf., Jugendlichc 30 Pf., Erwaässene 40 Pf. Geburlstage. Jubiläen usw. 28. Abt. Unserer Genossi- Meyer, Oderderger Str. 2»,»um 70. Geburt». tag die herzlichsten Glückwünsche. 4». Abt. Unsere» lieben Senossc» Georg und Marth» Fischer. Ratibvrstr. Z, zur Silberhochzeit die herzlichste» Glückwünsche. 66.«bt. Eharlottenburg. Unser Seuosse Wilhelm Siedl« feiert hcutr feinen 70. Geburtstag. Schon vuter dem Sozialistengesetz für die Partei tätig. war er auch bei Mitbegrünber de» Wahlverein» Eharlottenburg. Wir gratulieren ihm herzlichst und Holsen, ihn noch recht lange in unserer Mitte z« siuden. 07. Abt. Reullll». Unserem Seuosse» Eduard Steckcl, Zona»stroße, »u seiuem 60. Geburt»tage dir herzlichste- Glückwünsche. J Sterbetafel der Groß- Berliner Partei« Organisation 80. Abt. Schöneberg. Die ffvau unsere» Genossen Rodert Sommer. Peter-Vischer-Str. 13, ist plötzlich verstorben. Beerdigung am Sonnabend, 26. April, IV 1 Uhr. auf dem Friedhof Blanke Hölle. 82. Abt. Steglitz.!». Bezirk. Unker seit 30 Za?rs» organisiertes Partick- mitgtieh Richard Krug verstarb am 22. April tiss Altar von�hö Fahren, Ehre ieüuun Andenken!'Sic Beerdigung findet Sonriabend. 26. Apcu. ULs Iltzn, auf dem Friedhof tu Steglitz, Bergstraße, statt. Um reg« Beteiligung bittet der Borstand. 07. Otbt. Reuköll». Am A. April verstarb unser längs öhrige« Mitglied Genosse Mar Lampe, Tstomasstr, 34. Ehr« seinem Audenkenl Einäscherung am 26. April. 16 Uhr. Krematorium Baumschulcnweg� Kicfholzstraße. Rege Bc'eiligung wich erwartet., Vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwaez-Rol-Gold*. Geschäftsstelle: Berlin S- 14. Eebastianstr. 37—88. Sof:. Tr. Freitag. 23. April. Tiergarten, Iungbanner: 20 Uhr Bersamm- lung bei Schlesinger. Lübecker Straße, Wichtige Tassesordnnng. Et" scheinen Pflicht. Wilmersdorf. Im-gdanner. 20 Uhr Jugendheim Wlthelmsaue. Sel'önekerg, Friedenau. Kameradschaft Insel: 20 wir im Lokal Scheffler. Äolonnenftr 43. KaeneradschaftsorrsamnUung. Thema:„Das Reichsbanner und hie Politik der jetzigen Regierung". Lichtenberg: Berfanunlungcn um 20 Uhr, Kameradschaft Gustav Temoel I: Sitzung im neuen Berkehrslokal.„sum Dan- »ger Wappen". Rormanneustr. 68. Kameradschaft Boxhagen bei Stöder. Jung- Ecke Oderstraßc. Kameradschaft Friedrichsfclde bei Schwarz. Eapriniallee 102. Kameradschaft Rummelsburg: 19') Uhr bei Klose, Rupprechtftr. 37. Alle aktnien und passiven Kameraden haben zu erscheinen. EharlottenbNrg, Kameradschasc Stuttgart: 20 Uhr Kameradschaflsoersammlung in Grimms Bierstuben. Kä ser- Friedr!ch-Str. 63.— Ruderricgc: Sonnabend, 26. April, 20 Ubr. Bootshaus. Bierabend, verbunden mit Trainingsverschlichtung. Erscheinen Pflicht. Gäste herzlich willkommen..— Sountua. 27. April,«reis Oft«-! Die Iungbanner- gruppen des Kreises treffen iiöi pstnk'lt» V- Uhr Monbiiauvlatz tBahngor Börse) mit Wimpeln zur Teilnahme an der Zugendkundgebung. Weddtug, Iungbanner:»>,. lehr'.Intreten Vinetavlatz zur rcpubNkanischen Jugendkund- gebung. Alle Iungtameraden müssen antreten. Krenzber«: Die Kameraden beteiligen sich möglichst zahlreich an der«eranitalwng des Gaukartells fKKS.) auf dem Sportplatz Frieörichssclde. Leginn 13 Uhr. Schöneberg, Friedenau, Iungbanner: Antreten n-\• Ubr Kaiser-Wikhelm-Platz in Bunö-skleAung. öpielleute mit Instrumente». Lichtenberg: g'v Uhr Antreten der gesamten Jungmannschpst Monbijouptatz zur Beteiligung an der Iugcndkundgcbuug im Metro-Balast. Ehausscestr. 30. Bundeetlcidung mit W'Mpel.— Ruderriege: 8 Uhr Bootshaus llebungs- und Wanderfahrten. Wiutersportnbteiluog: 8sp Uhr Training für die Schwimmer im Wellenbad Lunapark. Rcichskarjcll Republik. Sportplatz Friedrie: Sonntag, Zf. April, ab 13 Uhr Dauschießen. Vorher Uebungsschießen für all« Teilnehmer. Berliner Verein für Einhettikur, schritt, e. B. Uebungen s-ten Freitag von 19'v bis 23 Vi Uhr IM Friedrich- Willielm-Gnmnasium, Kochstr. 13. Vereins- heim:.Wilhelmshof", Anhaltstr. 12. Näher« Auskunft erteilt die Geschäfts- stelle Betllii.Halciisee. Bornimer Str. 8. 90..... jselroren Plieon I ENTEN 120 W {[eiroren Pick. TON MHSTHUHNER 128 ■ u Pf i von Pp«l*a nur Frsltag unet Sonnabend. Verkauf soweit Vorrat— Mengenabgabe vorbehalten Eier, Fitcha. Obit und SernDaa»ind»am Versand luigeichioKen! , gefroren Wurstwaren Feller Speck fii ▼. l.lOan Leberwurst Häusm-Art. pö. 1, 1 0 Jagdwurst.......... pm.1,18 Knoblauchwurst..Pia. 1,15 Mettwurst BriuMim.iw.Ptd. 1,35 Schinkenpolnische pm. 1 ,40 Feine Leberwurst pld.1.40 ZervelaladefSalamip«. 1.65 Teewurst............ Pfd. 1,80 Flolst. Zervelat-oder,.. Salamiwurst....... Pld. IjOU Zervelatwurst in Fettdarm........... Pfd. I,o3 Sdiinkenspeck..,. Pfd. 1,90 Dampfwurst...... 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