Nr. 74. Erscheint täglich außer Montags. Preis pränumerando: Vierteljährlich 3,30 Mart, monatlich 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. fret tn's Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit illuftr. Sonntags- Beilage Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abonnement: 3,30 Mt. pro Quartal. Unter Kreuzband: Deutschland u. DefterreichUngarn 2 M., für das übrige Ausland 3 Mt. pr. Monat. Eingetr. in der Poft Beitungs- Preisliste für 1896 unter Nr. 7277. = Vorwärts 13. Jahrg. Infertions- Gebühr beträgt für die fünfgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Bersammlungs- Anzeigen 20 Pfg. Inserate für die nächite Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn und Festtagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt 1, Nr. 1508 Telegramm- Adresse: „ Sozialdemokrat Berlin". Berliner Bolksblatt. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Beuth- Straße 2. Soldatenmikhandlungen. Freitag, den 27. März 1896. Expedition: SW. 19, Beuth- Straße 3. damit auch wir unsere Kenntniß deutscher Volksfitten durch| kommandeurs, des ängstlichen Kompagniechefs, des achtsamen ein interessantes Detail erweitern können. Feldwebels wacht; Gefahr ist im Verzuge. Da verabreicht Alljährlich wiederholt sich mit großer Regelmäßigkeit Aus der Bemerkung des Kriegsministers leuchtet mit ein umsichtiger Kamerad, vielleicht auch ein Unteroffizier, ihm mit bas sattsam bekannte Schauspiel: Abgeordnete unserer Partei, vollster Klarheit hervor, daß, wie so oft im täglichen wie der den Vorgang bemerkt, dem Kolben er Rippenstoß, daß die den Schutz des Volkes und seiner Kinder gegen Aus- in politischen Leben, die streitenden Parteien nicht über einen mit erstaunlicher Ge beutung und Mißhandlung durch die Angehörigen der den Inhalt des strittigen Begriffes übereinstimmen: schwindigkeit auf seinen richtigen Platz fliegt. Nach des herrschenden Klassen zur besonderen Aufgabe hat, bringen Genosse Bebel z. B. versteht und das mit vollstem preußischen Kriegsministers Theorie liegt teine Soldatens eine mehr oder weniger große Zahl von Beschwerden Rechte offenbar etwas anderes unter Mißhandlung", mißhandlung vor. über vorgekommene Soldatenmißhandlungen im Reichs- als der feudale Herr Minister, der den Begriff in seiner In Wirklichkeit aber kann es doch keinem Zweifel tage zur Sprache; dann erhebt sich ein schneidiger schneidigen Manier etwas" zu eng faßt. Für einen Mann, unterliegen, daß hier eine Mißhandlung, wo nicht eine Vertreter Seiner Heiligkeit des Militarismus, um zunächst dem die Angehörigen und Vertreter der größten politischen Körperverlegung mittels einer Waffe begangen ist, die im einmal von vornherein die Sachen als wahrscheinlich ent- Partei Deutschlands nicht bis an die Fußspizen reichen, Strafgesetzbuch( d. h. in dem für" Zivilisten"!) mit hoher stellt" hinzustellen und dann nähere Nachforschungen zu ver- wie er sich so überaus zart ausdrückte, mag es ja von sehr Gefängnißstrafe bedroht ist. sprechen. Und was ergeben diese näheren Nach- geringer Bedeutung sein, wenn ein polnischer oder pommer- Freilich, der arme Teufel, dem vielleicht seine Rippen forschungen? Da hat dann vielleicht nicht ein Unteroffizier scher Rekrut einmal geprügelt geprügelt oder getreten wird; 14 Tage lang schmerzen, wird nicht zu muckſen wagen, vom rten Regiment, sondern ein Gefreiter einen Mann ge- Männer aber, die in jeder Kreatur mit Menschenantlig denn durch das energische Dazwischenfahren seines Nachbars prügelt oder ihm ins Gesicht gespieen oder sonstwie ihn miß das gleichberechtigte Wesen sehen, die fühlen in der ist er wahrscheinlich vor einer schwereren Bestrafung seiner handelt; oder in einem andern Fall ist, attenmäßig festgestellt", Würde des Mitmenschen ihre eigene Würde durch den leisesten Unachtsamkeit oder seiner Unkenntniß( 3 Tage Mittelarrest daß der Mann nicht gepufft, sondern nur geknufft wurde, Schlag schon verlegt. Zwischen diesen beiden Auffassungen oder so etwas) bewahrt worden. Und ebenso sehen die daß er keine Ohrfeige, sondern nur einen Backenstreich er- von Werth und Würde des Menschen liegen Jahrhunderte Kameraden der forschen That" kühl bis ins Herz hinan halten, der ihm auch, wie ebenfalls gerichtlich erklärt" ist, ethischer Entwickelung. Es genügt, einfach zu konstatiren; zu, sind sie doch dadurch vor einer Stunde gemein ,, teinerlei Schmerzempfindung" bereitet hat- und was der aber zu bedenken bleibt, daß dieser Minister nicht nur eine fa men Nachererzierens wegen der That des einzelnen gleichen feine Unterschiede mehr sind. Personals solche ist er für uns sehr unwesentlich gerettet worden. So hat in diesem Falle die Art und Weise Alle diese schönen Dinge werden mit einem Elan und sondern der oberste und zugleich typische Vertreter eines der militärischen Bestrafungen, dies wundersame Gemisch einem satirischen Schwung vorgebracht, dabei in der Regel Systems ist. von Autofratie und Tortur, eine Soldatenmißhandlung genoch mit einer solchen Menge ganz unangebrachter persön- In diesem System, in dieser uns so fremden und zeitigt, die allerdings wenn anders der Kriegsminister licher Spigen durchsalzen, daß der Philister wieder einmal feindseligen alten Welt" und ihrer Ordnung liegen die recht hat das besondere Merkmal hat, daß sie mit Behagen sich über eine„ Niederlage" der Sozialdemo- unausrottbaren Gründe der steter Soldatenmißhandlung. keine ist. fraten freuen tann und beruhigten Herzen darauf schwört, Von vollkommen aufgeklärten und ganz modern denkenden So in diesem, so und anders in unzähligen anderen daß so etwas" gar nicht im deutschen Heere, sondern nur Männern, die im Zwange der militärischen Organisation Fällen; immer und überall aber Konsequenzen eines in der aufgeregten Phantasie sozialdemokratischer Fanatiker sich den klaren beobachtenden Blick nach allen Seiten einzigen mit unserer modernen Kultur im Widerstreit bewahrt haben, kann man häufig das traurige und befindlichen Prinzips. beschämende Zugeständniß vernehmen, daß sich die Ausbildung des deutschen Durchschnittsrekruten ohne Püffe" und Knüffe" nicht wohi denken lasse. Beweist das aber auch nur das allergeringste gegen die Berechtigung unseres energischen und andauernden Kampfes wider die Mißhandlungen? Das wäre ebenso vorschnell, wie falsch geurtheilt. Nein, gerade in dieser Erklärung liegt die denkbar schärffte Verurtheilung eines Systems, das solcher Mittel, sei es selbst nur im Berborgenen und contra leges bedarf. vorkommt. " Politische Webersicht. Berlin, 26. März. Wie aber verhält es sich in der That darum? Ernst haft zweifelt tein verständiger Mensch, der eine auch nur oberflächliche Kenntniß militärischer Verhältnisse besitzt, daran, daß im stehenden Heere fortgesetzt Soldatenmißhandlungen vorkommen. Gleich hier sei loyal bemerkt, daß Das Herrenhaus trat am Donnerstag nach längerer sie gegen den Willen der oberen Vorgesetzten geschehen, aber Pause wieder zusammen, um den Staats- Haushaltsetat noch die bekannten Erlasse, aus denen dies hervorgeht, so u. a. rechtzeitig vor dem 1. April zu verabschieden. Da das der des Prinzen Georg von Sachsen, beweisen doch eben Haus verfassungsmäßig nur das Recht hat, den Etat im beides: das Vorkommen ebenso wie das Verbot. Nun sagt ganzen abzulehnen oder anzunehmen, und da der Antrag freilich der Kriegsminister, es sei keine Mißhandlung, wenn der Kommission auf unveränderte Annahme lautet, so hätte Kameraden einander einen tüchtigen Puff" gäben; fo Es erforderte den Raum eines großes Buches, wollte das schwere Geschäft in kurzer Zeit erledigt werden etwas fäme auch, ohne daß auch, ohne daß sich jemand darüber man auf alle Gründe der Mißhandlungen eingehen, wollte können, wenn nicht die Agrarier es für angezeigt aufregte, zwischen Arbeitern auf der gemeinsamen Arbeits- man vor allem auch einmal die große, fast untilgbare Schuld gehalten hätten, in der Generaldiskussion einige Reden zum stätte vor. Wir wissen nicht, wo der Herr Gelegenheit ge- unseres Volksbildungswesens daran aufweisen. Hier nur Fenster hinauszuhalten und ihr schweres Herz zu erleichtern. nommen hat, den Verkehr zwischen Arbeitsgenossen auf noch eine kleine Jllustration zu den Anschauungen und Den Reigen eröffnete Graf Mirba ch, der über alles Arbeitsstätten zu beobachten: uns war bisher die Sitte der Aeußerungen des preußischen Kriegsministers. Nehmen wir mögliche, nur nicht über den Etat sprach. Er kritisirte das Arbeiter, durch Fußtritte und Kolbenstöße untereinander zu an, ein Bataillon exerziere und mache seine mannigfaltigen allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, bei verkehren, nicht aufgefallen, obwohl wir doch auch schon Bewegungen durch; plötzlich, einer besonders das an allem Uebel schuld sei und das es ihm unmöglich hie und da mit Arbeitern in Berührung gekommen sind. schwierigen und unvorhergesehenen Evolution verirrt mache, den Wunsch der Regierung zu erfüllen und eine Bielleicht hat der Herr Minister einmal die Gewogen sich ein armer Teufel und läuft in seiner Verwirrung in große konservative Partei zu bilden, wie sie in früheren heit, die Lokalitäten seiner Studien zu verrathen, ganz falscher Richtung davon. Das Auge des Bataillons Jahren bestanden hat. Jede Partei sei von den großen 90 00 " Und die, die diesen Plan erdacht, daß es auch dort erwacht, Ihr sei dies volle Glas gebracht, stoßt an: daß eine frohe Zukunft lacht, unsere Frau Doktorin, hoch!" Clokilde.( Nachdruck verboten.) Da haben wir's! Zuerst auf die Jagd!" rief der Major als alter Soldat dazwischen, erst gilt es, Quartier Alle hoben ihre Gläser, um mit Clotilde anzustoßen, machen für unsere Frauen und Töchter, damit dieselben die freudig bewegt wieder einmal ihr freudevollstrahlendes ein behagliches Heim, eine geordnete angenehme Häuslich- Geficht zeigte. keit vorfinden. Diese herzurichten sind Sie, Frau Die Majorin, stolz auf den Toast ihres Gemahls, Dottorin, am besten geeignet, und wenn Sie uns begleiten, fügte noch hinzu:" Möge die erste Reise unseres Kindes dann bin ich mit von der Partie, dann reisen wir so bald eine gesegnete werden." als möglich und verleben einen Winter einmal auf dem Die Oberförsterin konnte da nicht schweigen, sie erhob ihr Glas und sprach: Will's Gott, feiert unsere Tochter platten Lande." mit uns gesund und wohl die erste Weihnachten da, wo ihre Mutter den ersten Weihnachtsbaum fah!" Den Weihnachtsbaum hole ich selbst aus dem Forste, das laß ich mir nicht nehmen", setzte der Oberförster hinzu, ,, wir reisen." Na, na, soweit ist es doch noch nicht, ich," sprach die Oberförsterin wie gebietend, ich muß zuerst mit hin, und da giebt es noch vorher zu packen und viel zu überLegen." " Warum? Frische Fische gute Fische," fiel die Majorin ein, ermuntern wir und lassen wir die Doktorin ja bei ihren guten Vorsägen, gönnen wir unsern Männern die Danken wir Clotilde, Ruhe des Landlebens als Nachkur. daß sie diesen Plan angeregt."" " "! Der Oberförster ergänzte: Und wo ihr Vater fein bestes Weihnachtsgeschent, eine Braut, erhielt. " Theodor von Kürdorf sprach hierauf Clotilden noch besonders seinen Dank aus, daß sie seinen, im Stillen längst gehegten Wunsch: die Uebersiedelung seiner Familienmitglieder nach dem Vaterhause zur Sprache nnd zur Reife gebracht habe. Er sei angenehm überrascht gewesen, hier so viel Interesse und Theilnahme für ihn und sein Stammgut zu finden und freue er sich, zum Feste eine Häuslichkeit in seinem Besitzthum anzutreffen, die wohl geeignet erscheine, dauernd zu fesseln. Dabei trafen sich die Blicke Theodor's und Clotilden's wie im stillen Einverständnisse. War bei ihr eine Wandlung zu gunsten Theodor's in ihrem Innern vorgegangen? " Ja, und die Stimmung hier wieder in eine heitere umgewandelt hat", sprach der Major. Dabei füllte er, man sah es, mit sichtlichem Vergnügen die Gläser. Dein Wohl! Theodor! Laß uns anstoßen! Dir und Deinem Gute wider Rürdorf wollte sich ihr entgegenkommend gefällig fährt große Ehre. Wir überpflanzen die herzliche Gemüthlichkeit von hier nach dort, ein trauter Kreis hält Einzug in Deinem erzeigen und erwähnte wie nebenbei, nun müsse er wohl die Stammfige, um in der Einsamkeit dort eine Stätte der Freude und Pflichten eines sie begleitenden Zeugen feinlösen, indem er Freundschaft neu zu gründen. Unser belebendes Element sie erinnere, so bald als möglich sich von aller Ungewißheit liegt nicht in der Weltlust, der schönen Gegend oder zu befreien, die Frau Palavi möge sie mit ihm noch heute romantischen Umgebung, sondern in der stillen Zurück- aufsuchen. Clotilde wurde ernsthaft und sah wieder in gezogenheit und dem häuslichen Frieden im trauten Heim, den Brief. Diese will ich doch benachrichtigen," sagte Theodor, indem er aufsprang, ihr Mann soll sofort mit einem Wagen hier vorfahren. Ist Ihnen dies recht, Frau Doktorin?" " Ja," erwiderte nach einer Pause Clotilde und er hob sich. Theodor eilte, sich mit der Kutschersfrau noch zu vers ständigen, schnell hinaus. " Sind Sie denn garnicht neugierig," frug die Majorin, was die Wittwe Ihnen eröffnen wird?" Ach, ich habe zu früh gejubelt," wehklagte Clotilde, Frau Palavi wohnt ja in demselben Hotel, in demselben Zimmer, wo ich einst so unendlich tiefes Weh erfahren, schwer frank, unglücklich und fast irrfinnig geworden war und nur durch ein Wunder dem Tode unter Pferdehufcu entging. Welche Erinnerungen werden in mir wach! Ach!" Eine Thränenfluth erstickte ihre Stimme. " Die damalige Rettung muß Sie aber heute erst recht zum Dante gegen Gott und zu neuer Zuversicht anfpornen," flüsterte tröstend die Oberförsterin ihr ins Ohr. " Clotilde blickte auf, erhob sich, ihre Thränen frocknend: Sie haben Recht, ich habe versprochen, mich nie von der Schwäche bezwingen zu lassen, ich will start sein. Ich komme sogleich," rief Clotilde dem wieder eintretenden Theodor zu und dieser fühlte sich reich belohnt durch die dankbaren Blicke, welche Clotilde ihm zuwendete, denn sie sagten deutlich, daß sie froh war, einen so treuen Beistand gefunden zu haben. Sorge dafür, Theodor," begann der Oberförster,„ daß Clotilde bei dieser Konferenz nicht die Faffung verliert, ihr Seelenschmerz ist ein gewaltiger." D, sie ist resolut, fie faßt sich schnell wieder," bemerkte der Major, hoffen wir, daß sie durch gute Nachrichten endlich über ihr Schicksal beruhigt wird." wo jeder bestrebt ist, dazu beizutragen, die Häuslichkeit zu Die Majorin zeigte nach dem Fenster und sagte, dort einer angenehmen zu machen. Wo wir weilen und hinziehen, grüßt wieder die dankbare Kutschersfrau nach den Fenstern da ist die echte Würze des Lebens: das Glück im Hause. hierher, ohne daß sie jemandes anfichtig werden kann. regung." Wenn ich nur wüßte," setzte die Majorin hinzu, was sie erfahren soll, ich befürchte anstatt Erlösung neue Auf( Fortsetzung folgt.) Massen abhängig und die Konservativen würden vollkommen von der Bildflöche verschwinden, wenn man an ihrer Selb- ständigkeit zweifelte. Im übrigen brach Gras Mirbach eine Lanze für den Bund der Landwirthe, während er die faltung der Regierung in der Währungsfrage, in der rage der Rückerstattung der Grundsteuerentschädigung und ihre Stellung zum Antrag Kanitz einer scharfen Kritik unterzog. Wenn das Eingeständniß des Grasen Mirbach, daß die Landwirthe angesichts der großen Roth auch die Feste des 18. Januar nicht mit dem Herzen seiern konnten, die Regierung noch nicht mitleidig stimmt, dann scheint sie in der That kein Herz für die nothleidenden Agrarier zu haben. Die scharfen Worte des Grafen Mirbach, der noch von seinem Freunde Graf Klinckow ström unterstützt wurde, reizten den sonst so schweigsamen Ministerpräsidenten F ü r st zu Hohenlohe zu einer kurzen aber entschiedenen Er- widerung, in der er die gegen die Regierung erhobenen Vorwürfe, namentlich in bezug auf die Währungssrage, zurückwies. Seine Ausführungen deckten sich im wesentlichen mit der kürzlich im Reichstage abgegebenen Erklärung. Anstatt sich bei dieser neuen Absage zu beruhigen, suchten die streit- lustigen Junker den Kampf weiter zu führen, an dem sich von der Gegenpartei die Oberbürgermeister Becker, Struck- mann, Schmieding und Westerburg, sowie in bedingter Weise der frühere Minister v. Lucius be- theiligten. Nachdem die übliche agrarische Nothstandsdebatte ihr Ende erreicht hatte, wurden noch einige Spezial-Etats in schnellem Tempo erledigt. Am Freitag wird der Etat hoffentlich zu Ende berathen.— Die Zeugnißzwangsschraube wird weiter gedreht. Wie gegen die„Saale-Zeitung" hat, wie verschiedenen Zeitungen ge- meldet wird, der Reichskanzler das Zeugnißzwangsverfahren auch gegen die.Kölnische Zeitung", die„Vossische Zettung" und das Fachblatt„Deutsche Zuckerindustrie" wegen vorzeitiger Ver» öffentlichung von Regierungsvorlagen beantragt. So sehr wir prinzipiell das Zeugnißzwangsverfahren gegen die Zeitungen mißbilligen. so vortheilhast ist die neue Praxis der Regierung für die Bekämpfung der Reaktion im schönen Baterlande. Wir werden alle Verfolgungen gerne tragen, wenn überall gleiches Maß angewandt wird. Würde gleiches Recht für alle gelten und nicht Herrn Schönstedt's Grundsätze, dann wäre bald die Reaktion hinweggefegt.— Der Aerger über das Verhalten der sozialdenio' kratische» Abgeordneten in der Monlagssitznng des Reichstags veranlaßt den Berichterstatter der„Kölnischen Zeitung", über. Bebel's Austreten einen durchaus verlogenen Bericht in die Welt zu schicken. Dieser Bericht wird jetzt, um Bebel eins auszuwischen, von einem Theil der bürgerlichen Presse(„Nordd. Allg. Ztg.",„Deutsche Tagesztg." u. s. w. u. s. w.) abgedruckt, unter dem Vorwand, der Bericht der Oldenberg'schen Korre- spondenz, den jene Blätter zuerst abdruckten, sei ungenau gewesen. Die Absicht dieses Verhaltens liegt aus der Hand, es gilt den Eindruck, den Bebel mit seinen Anklagen gegen Peters x. bei der öffentlichen Meinung erzielte, um jeden Preis zu verwischen und um das zu erreichen, ist auch das kindischste Mittel recht. Um unfern Lesern ein Bild von dem Verhalten der Gegnerschaft zu geben, drucken wir zunächst den ver- l o g e n e n Bericht der„Kölnischen Zeitung" ab und lassen daraus den amtlichen stenographischen Bericht folgen. Die„Kölnische Zeitung" berichtete und das Geschwister druckts nach: „Bebel: Ueber den Königsberger Fall ist mein Gewährs» mann ein angesehener Bürger, der auch eine Beschwerde an den Kriegsminister eingereicht hat.(Minister v. Bronsart: Anonym, anonym I) Dann— dann— dann—(Große Heiterkeit.) Herr Kriegsminister, Sie irren!(Unruhe. Der Kr i e g s- minister, ans Bebel zutretend: Die Beschwerde war anonym!) Anonym! Ja, dann, dann—(Heiterkeit, Zwischenrufe.) -- dann(Große Heiterkeit.) Nun jedenfalls verwahre ich mich dagegen, daß der Kriegsminister sich herausnimmt(lebhafte Rufe: Oh, oh! Unruhe rechts), mich der Unwahrheit zu zeihen. Präsident Frhr. v. B u o l: Der Minister hat Ihnen lediglich gesagt, daß Sie unbewußter Weise objektiv unwahre That- jachen vorgebracht hätten. Bebel: Wenn Miller jetzt ableugnet, was er früher ge- schrieben hat, so hätte er sich das seinerzeit besser überlegen sollen." Im soeben ausgegebenen amtlichen stenographischen Bericht lauten die bezüglichen Stellen: Meine Herren, mein Gewährsmann ist ein sehr angesehener Königsberger Bürger, den ich jeden Augenblick bereit bin» dem Herrn Kriegsminister privatim namhaft zu machen. (Zurufe links.) — Meine Freunde rufen mir zu: thu das lieber nicht! Der Mann ist übrigens auch bekannt. (Zuruf vom BundeSrathstisch.) — Herr KriegSminister, Sie irren. Ist die Beschwerde anonym eingelaufen? (Zustimmung vom Bundesrathstisch.) Mir ist der Mann bekannt. Er ist eine sehr angesehene Persön» lichkeit in Königsberg, und jedenfalls konnte ich, gestützt auf diese, diesen Fall berichten wie geschehen. (Zuruf rechts.) Auf alle Fälle verwahre ich mich dagegen, daß der Herr Kriegsminister sich herausnimmt (Oho! rechts; Unruhe rechts; Zustimmung bei den Sozial- demokraten), Mich hier grober Unwahrheiten zu zeihen. (Andauernde Unruhe rechts. Glocke des Präsidenten.) Präsident: Der Herr Kriegsminister hat ausdrücklich betont:„undewußterweise", also„objektiv unwahr". Abg. Bebel: Die Aeußerung ist gegen mich persönlich gerichtet gewesen, gegen meine Person, und das lasse ich mir � Weiter ist der Herr Kriegsminister auf den Lieutenant— ich glaube nicht, daß der Herr Hauptmann ist— Edmund Miller zu sprechen gekommen und dessen Broschüre. Ich bin einiger- maßen erstaunt, daß der Herr Kriegsminister diesen Fall über- Haupt hier erwähnte. Vor etwa drei, vier Jahren— da war er allerdings, soviel ich weiß, noch nicht im Amte— habe ich an der Hand der Miller'schen Broschüre hier ausführliche Er- örterungen gemacht, aber in der letzten Rede umfaßten meine Aeußerungen über Miller kaum sechs Zeilen, das glaube ich behaupten zu dürfen, und die gipfelten darin: der Lieutenant Miller habe seiner Zeit selbst in seiner Broschüre ausgeführt. wie sein Vorgesetzter ihm bei einer Revue über eine Kompagnie Ersatzreservisten, die bekanntlich nach den früheren Anordnungen zunächst zehn Wochen zu üben hatten, das Zeugniß ausgestellt, er habe diese Leute innerhalb zehn Wochen so weit kriegs- tüchtig ausgebildet, daß sie sich von einer Linieukompagnie in nichts unterschieden. (Zuruf.) — Das war alles, was ich neulich in meiner ersten Rede über den Lieutenant Miller äußert«. Herr Miller hat heute auch keine Veranlassung genommen, sein Urlheil von damals irgendwie zurückzunehmen; er hat nur aus einem Grunde, der mir vorläufig ein Geheimniß ist, sich veranlaßt gesehen, sofort, nachdem sein Name in den Berichten des Reichstages genannt war, an den Herrn Kriegsminister zu schreiben und eine Art xator xeccavl zu sagen und zu bedauern, daß seine Broschüre noch nach K Jahren dazu benutzt würde, um auf- hetzende Reden zu halten. Nun, was ich damals über Miller sagte, war durchaus nichts aufhetzendes; hält Herr Miller es dafür, dann hätte er seinerzeit es sich besser überlege» sollen, was er schrieb." Dies der offizielle Bericht, der denn doch ganz anders lautet, als der Bericht des Reptils der„Kölnischen Zeitung".— Die Verlogenheit tmd sittliche Verkommenheit der Ordnungsparteien haben sich nie glänzender bethätigt als jetzt bei Besprechung der jüngsten Rcichstagsverhandlungen über den Fall Peters und über den sogenannten Gnaden- erlaß-Prozeß. Die größten Anstrengungen werden gemacht, um den christlich-germanischen Mädchenmörder reinzuwaschen. Der arme Märtyrer seiner patriotischen Flottenpläne sei unschuldig wie ein nengeborcnes Kind— der angebliche Brief an den Bischof Tncker sei nie geschrieben worden. Und statt des Peters wird Bebel beschimpft. Das Ordnungsgesindcl bedenkt nicht, daß, selbst wenn dieser Brief, dessen Vorhandensein Bebel aus englischen und deutschen Missionsblättern erfahren hat, nicht geschrieben worden wäre,— er ist aber geschneben worden— der christlich- germanische Recke Peters als ein genau ebenso großer Hallunke dastehen würde aus grund seiner eigenen Erzählungen undGeständnisse. Bei einem so ungeheueren Schuldkonto kommt es auf ein bischen niehr oder weniger nicht an. Das ist ja gerade so belastend für diese Ordnungssippe, daß sie den Peters als Mustermenschen verehrte und beweihräucherte noch Jahre nachdem sie aus seinem eigenen Munde seine Infamien erfahren hatte. Es ist dasselbe Spiel, wie beim Fall Hammerstein, dessen Verbrechen für diese Sippe ja auch blos ist, daß er sich hat erwischen lassen. Und diese Peters- und Hammerstein-Ge- scllschaft sucht nun die Gnadenerlaß-Lappalie zu einem Verbrechen schwärzester Art aufzubauschen! Der„Diebstahl" von Makulatur im Werthe nicht eines Hundertstel Pfennigs! ea, wenn die Makulatur ein Bündel Werthpapiere im etrag einiger Millionen gewesen wäre— dann hätten diese Entrüstungskomödianten sich demüthig vor dem redlichen Besitzer verneigt— vorausgesetzt, daß er von der Polizei und dem Staatsanwalt nicht gepackt war— was den Wiillionenspitzbuben ja nicht so leicht passirt. Und von Liebknecht sagt dasselbe Gesindel, er habe den Diebstahl vertheidigt! Die Vertheidiger der Millionen- diebe und Großverbrecher, die über die Wegnahme eines werthloscn Papierwisches ein Zetergeschrei anstimmen und ihre„heiligsten Gefühle" dadurch verletzt fühlen— nein, diesen Abgrund heuchlerischer Verlogenheit haben die französischen und amerikanischen Staatslangfinger auch nicht annähernd erreicht. Wir können stolz sein auf unsere „nationalen" Früchtchen.— Ten sozialdemokratischen Redakteuren wird es mit jedem Tage schwerer gemacht, es dem Gesetze— oder richtiger der Rechtsprechung— recht zu machen und so der Strafe zu entgehen. Bekanntlich hat unser Minister der Gerechtigkeit, Herr Schönstedt im Reichstage die Losung ausgegeben, daß es ein alter Rcchtsgrundsatz sei, daß, wenn zwei dasselbe thun, es nicht dasselbe ist. Ganz in diesem Geiste hat der Reichsgerichtsrath Stenglein in der „Zukunft" einen Artikel veröffentlicht, in dem er verlangte, daß die Richter bei der Rechtsprechung sich nicht nur an den That- bestand halten, sondern vor allem auch sich die Person an- sehen sollten, welcher das Vergehen zur Last gelegt ist. Ueber diese Rcchtsauffassung des Herrn Reichsgerichtsrathes hat sich nun der„Ulk" lustig gemacht und einen„Sang an Stenglein' gedichtet, welches Gedicht unser Erfurter Partei- organ zum Ausdruck brachte. Die Folge davon war eine Anklage und ein Monat Gefängniß wegen Richter- beleidigung, da das Gedicht dem Beleidigten den Vor- wurf mache, er swünsche eine ungleichmäßige Recht- sprechung, was einer Beugung des Rechtes gleichkomme. Nun sage uns einer, wie es ein sozialdemokratischer Redakteur machen soll? Der Herr Minister lehrt: wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe. Das kann doch nur den Sinn haben, daß die Strafbarkeit einer Handlung unter Ansehung der Person d. h. des Thäters zu bemessen ist. Ist man anderer Ansicht— und für uns trifft dies allerdings zu— so wird man bei Wiedergabe derselben sehr vorsichtig sein müssen, soll man sich nicht der Gefahr einer Ministerbeleidigung aussetzen. Giebt man aber zu, daß wirklich Urtheile gefällt werden nach dem Grundsatze: wenn zwei dasselbe thun«., und wie Herr Stenglein sie in der„Zukunft" verlangt hat, dann kommt der Staatsanwalt und belangt einem wegen Richter- beleidigung, wie das Beispiel in Erfurt zeigt. In Frankreich nimmt die Debatte über das Ein- kommcnsteuergesetz von Tag zu Tag eine größere Heftigkeit an. Daß die Panama-Leute das Prinzip der Einkommen- steuer für ein sozialistisches und sie selbst für den Anfang des Sozialismus erklären, zeigt, wie der Kapitalismus das Hirn ebenso wie das Herz einschrumpfen läßt. Der Ausgang läßt sich nicht absehen. Das aber steht fest: die ungeheuere Mehrheit des Volks steht aus Seiten der Regierung, und sollte diese durch ein Kammervotum gestürzt werden, so würde sie durch das Volksvotum bald wieder an die Spitze des Staates gebracht.— Tie Idee der britischen Reichsföderation ist von dem Kolomalminister Chamberlain einmal wieder in einer Rede erörtert worden. Nach einer vorliegenden Depesche sagte er: „Die Reichsföderation sei eine zn große umfassende Frage, als daß sie augenblicklich gelöst werden könne, sie müsse sich ihrem Ziele aber auf anderem Wege nähern. Er erkläre, die größte Verpflichtung liege in der Vertheidigung des Reiches, die größten Interessen in dem Handel des Reiches. Das erster« müsse durch das letztere erreicht werden, wie dies bei der Schaffung des Deutschen Reiches der Fall gewesen. Be- züglich des Vorschlages der kanadischen Regierung, auf Ankünfle aus dem Auslande einen Zoll zu legen, meinte Chamberlain, er sei«in ausgesprochener Freihändler, aber gleichzeitig nicht ein solcher Pedant, daß er nicht, falls ihm genügende Vortheile ge- boten würden, eine Abweichung von dem strikten Dogma in belracht zöge. Aber so lange nicht ein genügendes aniä pro gno geboten werde, um England zu veranlassen, einen sicheren Verlust und ein möglicherweise darin eingeschlossenes Risiko hinzunehmen, sehe er, im Hinblick auf die ganze augenblickliche Handelspolitik Eng- lands, in einer Zollunion des ganzen Reiches keine unmögliche Alternative." Herr Chamberlain vergißt nur völlig bei seinem Hin- weis auf das Deutsche Reich, daß die deutschen Staaten, ganz abgesehen von nationalen Gemeinsamkeiten, durch wirth- schastliche Interessen zusammengeführt werden, während die englischen Kolonien durch gar keine natürliche Wirthschafts- Gemeinsamkeit untereinander und mit dem Mutterlande verbunden werden.— Crispi's letzte Regierungsarbeit war, wie seine erste, die Staatskassen zu leeren. Er stahl, stahl, stahl. Seine ganze Regierung war eine Kette von Dtebstählen und Unterschleisen. Und da die„Vossische Zeitung" ihn zu einem Heiligen zu machen sucht, so empfehlen wir ihr als Wappen für ihn das Wappen seines Urahns und Namensvetters, des Heiligen Crispinus: einen Stiefel. Aber einen umgekehrten— denn ein Unterschied war doch; er hat zwar ebenso eifrig gestohlen wie sein Urahn, jedoch niemals für a n d e r e. In welchem Zustand die neue Regierung beim Einzug in die Ministerien die Kassen vorfand, darüber schreibt man der„Frankfurter Zeitung" aus Rom: Der„Messagero" meldet, daß Rudini die geheimen Fonds nicht mehr vorgefunden habe; die Kaffe war, trotzdem das Finanzjahr erst am 30. Juni endet, nicht nur schon leer, sondern auch schon mit einem Defizit von 50 000 Lire belastet, die unter der Rubrik:„Uniformen für die Sicherheitswachleute" gebucht waren. Ein witziger Abgeordneter soll die Rubrik als falsch bezeichnet haben; es müsse nämlich heißen:„Für Livreee» der Crispi'schen Journalisten." Die„Stampa" von Turin schreibt: „In den letzten Tagen des verflossenen Ministeriums wurden ganze Kisten voll Akten aus dem Ministerium des Innern und dem des Aeußern hinweggeschafft, aus dem letzteren sogar vier gewaltige Exemplare von Kisten. Darinnen haben sich. 5�, wie man sagt, alle Papiere, die über die letzten Monate des Afrikakrieges Aufschluß geben, befnnden, besonders aber schien die Akten über die Uebergabe von Makalle. Das neue Ministerium war also gezwungen, sich von Massauah eine Kopie de? Ueber- gabevertrages zu erbitten. Der„Messagero" erzählt ferner: „Die Kassen der verschiedenen Ministerien wurden geradezu ge- plündert; im Ministerium des Ackerbaues wurden nur 3000 Lire gefunden; im Ministerium des Innern fand sich von der etat-- mäßigen Summe von 100 000 Lire„zu wohlthätigen Zwecken" nichts Mehr vor. Einige Minister und Unterstaalslekreläre ver- anftalteten sogar einen Umzug aus den Amtszimmern zu gunste» ihrer Privativohnungen." Der„Don Chisciorte", der schon früher gefragt hatte, wo die großen Summen geblieben seien, die einst für die Erdbebengeschädiglen in Calabrien gesammeltj worden seien, erhält einen Brief, in dem sich ein Wissender danach erkundigt, wo die Gelder geblieben sind, die zur silbernen Hochzeit des Königspaares für den Zweck gesammelt wurden. ein Heim für die Waisen vernnglückler Arbeiter zu bauen. Das Heim ist bis jetzt noch nicht gebaut. Die„Uuita Cattolica" von Florenz bringt die Meldung, daß wegen obiger Unregelmäßig- leiten vom neuen Ministerium schon Untersuchungen an- besohlen seien, und knüpft daran die Forderung, daß endlich auch einmal über die Gelder, die zur Entschädigung für die Opfer von Aigues Morles gezahlt worden sind, öffentlich Rechenschaft abgelegt werde. Die französische Regiernng zahlte bekanntlich 420 000 Franks in Gold, also mit ülufgeld 450 000 Lire; außerdem brachte eine Nationalsubskriplion 200 000 Lire ans. Bis jetzt weiß man aber noch nichts über die Vertheilung dieser 050 000 Lire. Zum Schlüsse noch eine Mittheilung des„Secolo" i>ber den verflossenen Minister des Auswärtigen.„Als Rudini sein voriges Ministerium bildete, wurde Baron Blaue als Gesandter zur Disposition gestellt: kaum aber wurde er unter Crispi Minister des Auswärtige», so reaktivirt« er sich selbst mit 12 000 Lire Gehalt. Später befand er sich in Castella- mare in der Sommerfrische und berief dorthin amtlich den Ge- sandten Antonelli. Diese Berufung faßte er als Amtsreise auf und liquidirte dafür 14 000 Lire; der Rechnungshof widersprach dem, Alane ließ mit sich handeln und nahm nur 7000 Lire. Außerdem ließ er die zahlreichen Depeschen, die ihm Nachricht brachten von den Besitzungen seiner Familie in Kuba, als Staats- depeschen buchen, Kommentar überflüssig."— Die egyptische Frage ist jetzt wieder einmal in das bekannte Stadium der türkischen Mißstimmung getreten. Aus Konstantinopel wird nämlich tele- zraphirt: Der Sultan und die Pforte sind dadurch unangenehm be- rührt, daß man es untcrlfssen hat. die Türkei bezüglich der Expedition nach Dongola um Rath zu fragen. Auch gegen den Khedive macht sich eine erregte Stimmung bemerkbar, weil dieser die Pforte übergangen hat. und Mukhtar Pascha ist getadelt worden, daß er es nicht verstanden hat, die Expedition zu verhindern. Nach stattgehabter Erwägung im Ministerrathe hat die Pforte an Frankreich und Rußland appellirt, durch ihre Intervention eine Regelung der Lage in Egypten herbeizuführen, die Pforte hat auch Deutschland um seine guten Dienste in dieser Angelegenheit gebeten und Instruktionen an Kostaki Pascha nach London ge- 'chickt bezüglich der Schritte, die er beim Marquis Salisbury zu unternehmen hat. Unterrichtete Kreise versichern, das Vorgehen der Pforte stütze sich auf Rathschläge Frankreichs und Rußlands, welche durchblicken ließen, daß der gegenwärtige Augenblick für die Pforte günstig wäre, die egyptische Frage aufzurollen, und die beiden Mächte hätten ihre Unterstützung zugesagt. Wenn die Sultansregierung sich zum Ausrollen einer trage bewegen läßt, so pflegt dazu der rollende Rubel den nstoß zu geben. Meist geht es dem armen Ausroller aber dann so, daß er unter die Walze geräth. Vorläufig ver- läuft die egyptisch- sudanesische Angelegenheit noch nach Wunsch Englands, denn aus Kairo wird gemeldet: „Die Kasse der Dette publique beschloß, der egyptischen Re- gierung aus dem Reservefonds 500 000 Pfund zur Expedition nach Dongola vorzuschießen, 200 000 Pfund sofort anzuweisen."— *« Internationale Solidarität. Zu dem Fraktions- est vom vorigen Dienstag waren herzliche Glückwunsch- Telegramme an Liebknecht von sämmtlichen sozialistischen Orga- nisationen Englands und Frankreichs, und von den sozialistischen Fraktionen der französischen, italienischen und belgischen Kammer. des dänischen Reichstags, des bayerischen und sächsischen Land- tags, der sozialistischen Organisationen Oesterreichs. Schwedens und Dänemarks, von polnischen und russischen Sozialisten und von zahlreichen Genossen Deutschlands, der Schweiz und Amerika's eingelaufen. Bei dieser Gelegenheit sei mitgetheilt, daß die int er- parlanientarifche Konferenz sozialistischer Abgeordneter während des Internationalen Arbeiter- kongreffes in London stattfinden wird.— Deutsches Reich. — Der Bundesrath überwies in seiner heutigen Sitzung den Beschluß des Reichstages zu einer Petition wegen Vornahme periodischer Erhebungen über die gesammten Arbeiterverhältnisse in den Be- trieben des Reichs k. dem Reichskanzler. Der Vorlage vom 10. März d. Js. betreffend die Revision der Brennstener- Vergülungssätze wurde die Zustimmung ertheilt.— Das Etats- yesetz für Elsaß-Lothringen für das Jahr 1886137 wurde in der Fassung der Beschlüsse des Landesausschusses angenommen. — Die Reichskommission für Arbeiterstatistik setzt ihre Vorarbeiten zur Ermittelung über die in der Wäschefabrikation und in der Konsektions-Jndustne �herrschenden Mißstände fort. Den Vorsitzenden der verschiedenen Berufsorganisationen ist ein Schreiben zugegangen, worin sie ersucht werden, zwecks späterer Vernehmung vor der Kommission für Arbeiter-Statistik aus den betheiligten Kreisen Auskunftspersonen vorzuschlagen. Insbesondere sollen Ermittelungen über die Lohnverhältnisse, über die gesund- beitlichen Verhältnisse der Arbeiter in den Werkstätten und in den Wohnräumen der Heimarbeiterinnen, über das System der Zwischenmeister und über die Weiterungen bei der Aushändigung der Arbeit und der Ablieferung der fertig hergestellten Waaren vorgenommen werden. Mitte April sollen die Vernehmungen der Auskunsspersonen vor der Kommission stattfinden.— — Die Informationen des Staatssekretärs des Reichsmari ne»Amtes über die Arbeiterentlassungen in Wilhelmshaven, von denen in der Reichstagssitzung vom 13. März gesprochen wurde, scheinen sich nicht durch absolute Genauigkeit auszuzeichnen. Wenigstens meldet das„Nordd. Volksblatt" in seiner Nummer vom 24. d. M. aus Wilhelms- Häven das folgende: „Die Arbeiterentlassungen sind nun eingetroffen. Wie uns mitgethcilt wird, haben im Maschinenbauressort an 166 bis 200 Arbeiter die Kündigung erhalten. Davon entfallen etwa 100 aus die Maschinenbauwerkstatt, die übrigen aus die Kesselschmiede und Kupferschmiede.«Wenn wir auch die Entlassungen nach den zahlreichen Einstellungen der letzten Jahre begreiflich finden, so machen sie doch angesichts der Thatsache, daß in diese» Betrieben fast den ganzen Winter Ueberstunden gemacht worden sind und der M a r i n e m i n i st e r im Reichs- tage gesagt hat, in Wilhelmshaven fänden keine Arbeiterentlassungen statt, einen eigenthümlichen Eindruck. Der einfache Verstand der Arbeiterschaft kann den Widerspruch, der zwischen den Entlassungen und der Ueber- siundenarbeit besteht, nicht fassen, und finden die Arbeiter aus diesem Grunde die Entlassungen nicht in der Ordnung. Die Entlassungen zeigen auch wieder die ganze Windigkeit der Be- Häuptling, die von den Marinefanatikern aufgestellt wird, daß, je mehr Schiffe gebaut, desto mehr Arbeitsgelegenheit auf den Staatswerften vorhanden. In dieser Allgemeinheit ist die Be- hauptung falsch und verlogen. Die Neubauten bringen unter gewissen Umständen vermehrte Arbeitsgelegenheit, aber was eine schlimme Beigabe: forcirte Arbeit und Ueberzeit-Arbeit und dann das drohende Gespenst der Arbeiterentlassungen." — Professor Delbrück hat Gelegenheit genommen, das Tischtuch entzwei zu schneiden, an dem er mit der frei- konservativen Partei getafelt. Anlaß dazu boten ihm die ge- wundencn Erklärungen, die auf seine Anfrage erfolgten, wie die Partei, sich denn jetzt zum allgemeinen Wahlrecht stelle. Herr Delbrück schreibt: Es seien auf seine Anfrage drei Antworten erfolgt: ein Leitartikel der„Post"(Nr. 58), eine persönliche Ant- wort des Herrn v. Kardorff in den„Berliner Neuesten Nachrichten" und eine Antwort von Herrn v. Stumm selbst in der„Post"(Nr. 62) unter der Einkleidung„Es wird uns geschrieben", unter der merk- würdigerweise Herr v. Stumm, wohl in der Hoffnung, dann um so weniger erkannt zu werden, versichert, man glaube, er iverde nicht antworten. Die drei Antworten stimmen in allem Wesentlichen überein. Es wird zugegeben, daß die Fraktion den von mir angezogenen Beschluß(für das allgemeine gleiche und direkte Wahlrecht einzutreten) gefaßt hat. Er ist auch nicht formell aufgehoben worden. Aber nichtsdestoweniger giebl man deutlich genug zu verstehen, daß man ihn nicht mehr als bindend ansehe, und Herr v. Stumm erinnert ausdrücklich daran, daß er im Reichstag bereits einmal erklärt habe, das allgemeine und gleiche Wahlrecht zwar nicht, aber das geheime abschaffen zu wollen. Damit ist der Zweck meiner Anfrage erreicht. Ich kann das Ergebnis konstatiren mit den Worten einer Zeitung, die meinen ehemaligen Fraktionsgeuossen und mir gleich unparteiisch feindlich gegen- übersteht, der„Germania", die sagt,„Professor Dr. Delbrück hat darauf hingewiesen, daß nicht er, sondern die sreikonservative Reichspartei in ihren sozialpolitischen Anschauungen sich geändert hat, und damit hat er Recht behalten." ... Nur durch einen Staatsstreich, wie auch Herr v. Kardorff mit runden Worten ausspricht, kann es(das Reichstags-Wahl- recht) einmal abgeschafft werden. Ein solcher Staatsstreich würde bedeuten, daß das Kaiferthum sich mit der großen Mehrheit des Volkes in einem dauernden, unausgleichbaren Zwiespalt befinde. Und ein solcher Zwiespalt wäre der Tod. Weder wäre eine weitere gedeihliche Entwicklung im Innern, noch auch nur a lückliches Bestehen in einem auswärtigen Kriege zu erwarten. ane Wehrverfassung wie die unsere kann nur dann eine brauch- bare Armee ergeben, wenn das Volk in seiner großen Masse mit seinem Fürsten in Harmonie lebt. Ein Staatsstreich, der diese Harmonie unwiederbringlich zerstören würde, würde auch gleichzeitig den inneren Halt unserer Armeeverfassung zerstören und Deutschland damit rettungslos seinen äußeren Feinden überliefern. Bei den nächsten Wahlen wird von allen patrioti- schen Männern darauf zu achten sein, daß die Wähler darauf aufmerksam gemacht werden, ob die Kandidaten, denen sie ihre Stimme geben wollen, gewillt sind, ihnen ihre politischen Rechte unverkümmert zu erhallen. Ich gebe Herrn v. Stumm nun in ehr zu. daß ich mit einer Fraktion, die das nicht will, eine innere Gemein schaft nicht mehr habe." „Bei den nächsten Wahlen" werden gerade die Männer, die sich für Patrioten halten, in das Horn des Herrn v. Stumm tuten. Die Blinden werden deshalb nicht sehend werden, weil ei» Einäugiger wie Herr Delbrück sie eindringlichst vor eineni Abgrund warnt.— — Den deutlichsten Beweis für die Unverbesser- lickkeit derer um Stumm liefert die„Post" in folgenden Aus- sührungen: „Die Sozialdemokraten sitzen im Reichstage, obwohl sie offen die Bestimmung der Verfassung, welche die Gewährung von Diäten an die Mitglieder des Reichstages verbietet, verletzen; sie werden trotz dieses offenen Verfassungsbruchs nicht nur ge- duldet, sondern als eine Partei, wie eine andere, mithin als voll- berechtigt behandelt, und man gestattet ihnen unbeschränkt, den Resonanzboden der Reichstagstribüne zur Verhetzung des Volkes gegen Reich. Staat und Gesellschaft zu mißbrauchen!" Wie naiv, zu glauben, daß diese Stumm-Gesellen zu belehren seien!— — G e g e n die Gewerbe-Ordnungs-Novelle. Am 24. d. M. traten eine große Anzahl hervorragender Firmen der Uniform-, Militär-Effekten und Herrenmoden-Branche im Restaurant Imperial, Unter den Linden 27, zusammen, um noch in letzter Stunde Stellung gegen den Artikel 8 tz 44 der Gewerbe- Novelle zu nehmen. Durchgehends wurde die Ueberzeugung ver- treten, daß nicht nur die Inhaber solcher Geschäfte, sondern ebenso auch die in denselben beschäftigte» zahlreichen Arbeiter und nicht zum geringsten Theil das Publikum Schaden nehmen, sofern auch in der dritten Lesung das Verbot des Detailreisens vom Reichstage bestätigt werden sollte. Es wurde deshalb ein- stimmig beschlossen, eine große Volksversammlung zum Protest gegen das gedachte Verbot ohne Verzug einzuberufen, für welche Herr Rechtsanwalt Hugo Sonnenfeld das Referat übernommen bat.— Wie wir hören, sollen gleiche Protestversammlungen in Breslau, Köln, Stettin und anderen Orten stattfinden.— — Der verbotene Rübezahl. Das Verbot des Freiligrath'schen Gedichts„Aus dem schlesischen Gebirge" durch die Magdeburger Regierung ist thatsächlich erfolgt und stammt — wie jetzt bekannt wird— vom 9. Februar d. I. Es ordnet an. daß das Freiligrath'sche Gedicht als wenig geeignet nicht mehr zu lernen und zu behandeln und durch ein anderes zu ersetzen ist. Am zweckmäßigste» wäre es wohl zu ersetzen durch ein Gedicht des diplomatischen Barden Graf Phili Eulenburg. Wenn dann noch Prof. Knackfuß es illnstrirt, wird der veraltete Freiligrath völlig ausgestochen sein.— — Ans dem gastlichen Preußen ausgewiesen. Die„Barmer Zeitung" berichtet:„Dieser Tage traf hier in Barnten ein 8ljähriger Israelit krank von Krefeld ein und nahm die Hilse des Rabbiners unserer hiesigen jühischen Gemeinde in Anspruch, um von einem Arzt ein Rezept für sein Leiden zu erhalte». Nach seinen Verhältnissen befragt, wies er unter Vorlegung seiner Papiere nach, daß er dreißig Jahre in Deutschland gelebt und zuletzt in Krefeld sich als Kammerjäger schlecht und recht ernährt habe, unter dem 7. März aber plötzlich von seilen des dortigen Oberbürgermeister-Amts aus grund des deutsch- russischen Uebereinkominens vom 10. Februar 1834 die Auf- forderung erhalten habe, binnen vier Wochen das preußische Staatsgebiet zu verlassen, da er die russische Staats- angehörigkeit infolge seiner 30jährigen Abwesenheit von Rußland jetzt verloren habe. Der Ausgewiesene ist ein i n jeder Hinsicht unbescholtener Man n." Vielleicht findet der 81jährige Greis noch ein wildes Land, das die Ausweisungssitten der preußisch- russisch über- tünchten Zivilisation nicht kennt.— —„Ein sehr einfaches Rezept", um anständige Leute und Zeitungsredakteure vor Untersuchungsrichter und Zeugnißzwang zu bewahren« giebt die„Frankfurter Zeitung". Es lautet: Mittheilungen, die nach des Einsenders Meinung die Neu- gierde der Behörden nach der Person des Verfassers berechtigter oder unberechtigter Weise erwecken können, sind in einem zwei- fachen Umschlag einzusenden; aus dem inneren braucht nur das Wort Zeugnißzwang oder irgend eine Formel, etwa„cavs canem" zu stehen. Die Redaktion versendet alsdann den ge- schloffen gebliebenen Brief an irgend einen ihrer Korrespondenten im Auslande und erhält ihn von diesem zurück, der natürlich von den» Namen des Einsenders Kenntniß genommen hat. Erfolgt dann die Einleitung der Untersuchung gegen „Unbekannt", so kann der Redakteur guten Gewissens eidlich aussagen, daß er den Einsender nicht kenne, daß aber Herr A in Paris oder Herr B in London über die Person des Un- bekannten die beste Auskunft geben könne. Die aber wird man wohl, sintemalen sich die famose Institution des Zeugnißzwangs nicht exportiren läßt, mit der peinlichen Frage verschonen. Ganz gut. Aber wir kennen ein noch viel einfacheres Rezept. Wer etwas mitzutheilen hat, läßt von sicherer und unverfänglicher and das Kouvert:c. schreiben, und läßt dann den betreffenden rief ebenfalls von sicherer und unverfänglicher Hand in den Redaktionsbriefkasten legen. Nur keine persönliche An- Näherung, krobatmu est!— �„Im Hinblick auf die vorgerückte Fasten- zeit" darf in Neu-Brandenburg(in Mecklenburg- Strelitz) nicht gegen das Junkerthum geredet worden. Wie nämlich der„Volks-Zeitung" mitgetheilt wird, war dort von freisinniger Seite am 21. März bei der Regierung um die Ge- nehmigung einer Versammlung mit dem Thema:„Der Geist des Junkerthums in der Gesetzgebung und die neuen Vorlagen des Reichstages, mit besonderer Berück- sichtignng der Zuckersteuer-Vorlage" ersucht worden, denn in Mecklenburg hängt jede Versammlung von vorheriger obrigkeit- licher Genehmigung ab. Dem Antragsteller wurde jedoch durch den Polizeimeister im Auftrage des Polizeikolleginms mitgetheilt, daß er abschläglich zu bescheiden sei. Der betreffende Bescheid lautet: Hr. m. c. orig. s. 1. r. an das Polizeikollegium in Neu- Brandenburg, um den Antragsteller im Hinblick aufdie vorgerückte Fastenzeit abschläglich zu bescheiden. Steustrelitz, 24. März 1336. Großherzogliche Landesregierung. F. v. Dewitz. M. Selmer. E. v. Blücher. Wieder neues Material für die Nothwendigkeit eines Reichs- Vereinsgesetzes!— München, 26. März. In Richtigstellung einer Meldung der„Frankfurter Zeitung" können die„Münchner Neuesten Nach- richten" mittheilen, daß an die bayerischen Bundesrathsbevoll- mächtigte» eine Instruktion, gegen das Börsengesetz in der Fassung der Kommisston zu stimmen, nach dem Stande der Sache nicht abe ergehen können, daß sich vielmehr die Stellungnahme der ayerischen Regierung erst aus dem weiteren Stande der Dinge ergeben werde. Die Bedenken, welche das bayerische Staats- Ministerium aus mehreren Kommissionsbeschlüffen erhoben habe, beruhten in der Gefahr, durch zu weitgehende Maßnahmen ein- heimisches Geld den ausländischen Börsen und Werthe» zuzudrängen.— Oesterreich. Wien, 26. März. Abgeordnetenhaus. Die Re- gierung bringt Gesetzentwürfe ein, betr. die Neuregelung der Bezüge der aktiven Staatsbeamten, die provisorische Regelung der Bezüge der aktiven Slaatsdiener, ferner die Dotation Iber katholischen Seelsorge- Geistlich- keil, die Regelung der Bezüge der Professoren an Uni- versttäten und denselben gleichgestellten Hochschulen, die Regelung der Bezüge des Lehrerpersonals der staatlichen Mittel- schulen und der staatlichen gewerblichen Unterrichtsanstalten, endlich die Regelung der Bezüge des Lehrerpersonals der staat- lichen Lehrer-Bildungsanstalten. Sämmtliche Gesetzentwürfe ent« halten bedeutende Erhöhungen der Bezüge der genannte» Beamten; das dadurch hervorgerufene Mehrerforderniß beträgt zirka 14 Millionen Gulden. Der Motivenbericht stellt als unerläßliche Bedingung die Bedeckung des Mehrerfordenlisses durch Erhöhung der Staatseinnahmen aus der Börse»st euer, der B r a n n t w e i n- n u d B i e r st e u e r auf und macht die Vor- legung zur Sanktion abhängig von der parlamentarischen An- nähme der diesbezüglichen Steuerprojekte der Regierung.— Wien, 26. März. Nach Meldung hiesiger Blätter wurde die B ü r g e r m« i st e r w a h l auf den 8. April sestgesetzt.— Frankreich. — Der Südbahn- Prozeß, dessen Untersuchung ihrem Ende zugehen soll, wird sich ohne großen Zwischenraum a» de» Dupas-Prozeß anschließen. Untersuchungsrichter Le Poiltevin beabsichtigt, wie es heißt, nicht allein verschiedene Bau-Unier- nehmer und Vermittler, sondern auch 3 Parlamentarier in de» Anklagezustand zu versetze».— Belgien. — Die einige reaktionäre Masse. Aus Brüssel wird telegraphirt: Der Staarsminister und Führer der Klerikalen Woeste gab gestern in der Kammer die Er- klärung ab, er sei bereit, mit den gemäßigten Liberalen Hand in Hand gegen die Soziali st en zu Felde zu ziehen, wenn dieselben die Familien und das Eigenthnm ernstlich bedrohen sollten. Der Ei s e n b a h n- M i- ni st erBande npereboon» erklärte, er werde die s ch r i f t- lichen Anfragen der sozialistischen Abgeord- neten unbeantwortet lassen, da die Sozialisten den tanzen Umsturz der bestehenden Gesellschaftsform anstrebten. >er Genosse Vandervelde benützte diese Gelegenheit zu einer scharfen Rede gegen die vereinigte» lleri- kalen und liberalen Reaktionäre.— Brüssel, 24. März. DaS Brabanter Schwurgericht ver- urtheilte gestern die sozialistischen Brüsseler Gemeinderäthe De Bronclöre und Leken, welche in dem sozialistischen Blatte„La Conserit" die heftigsten Artikel gegen die Armee- Einrichtungen veröffentlicht und angeblich die Soldaten zum Ungehorsam auf- gereizt hatten, zu 6 Monaten Gesängniß.— Italien. Rom, 25. März. Ter Senat nahm nach langer und zum theil stürmischer Debatte folgende Tagesordnung an: Der Senat hat die Erklärungen der Regierung angehört und ist über- zeugt, daß die Regierung ihre Politik gegenüber den Schwierig» leiten in der erythräischen Kolonie in einer der Würde und den Interessen des Landes entsprechenden Weise regeln wird, und geht zur Berathung der einzelnen Artikel über. Kriegsminister Ricotti erklärte, er glaube nicht, daß es nothwendig sein werde, jetzt noch weitere Truppen nach Afrika zu schicken. Die Ehre unserer Fahne» und unser Prestige werde nicht vermindert, wenn wir einen ehrenvollen Frieden schließen, der unseren Fnteressen entspricht. Für den bisherigen Krieg fehlte die Vorbereitung und das Un- recht der Regierung war vor Amba Aladschi. Die Re- gierung habe auch unrecht gehabt. Baratieri nicht ab- zuberusen. Er würde nicht Frieden schließen, wenn er nicht die Ehre und das Interesse der Kolonie rette. Ministerpräsident Rudini erklärte: Die Regierung wird Erythräa in einer starken militärischen Stellung erhalten, auf jeden Eroberungsversuch und auch aus Tigre verzichten und nicht be- stehen auf der Protektoratsklausel in einem eventuellen zukünftigen Vertrage. Das Protektorat über Abessynien war einfach das Streben eines Ministeriums, aber das Protektorat wurde niemals ausgeübt und, indem wir es aufgeben, verzichten wir auf nichts. Mit diesen Vorsätzen wird die Regierung den Krieg fortführen, wenn sie nicht einen Italien würdigen Frieden schließen kann. — Bezüglich der Behauptung des Baron Blanc, er habe die Beziehungen mit England verbessert, erklärte noch Rudini, die- selbe sei durchaus unzutreffend; diese Beziehungen konnten aus dem einfachen Grunde keine Besserung erfahren, weil sie bereits die möglichst besten waren. Rudini be- stätigte, daß die über Afrika vorgefundenen Schriftstücke nicht vollständig seien und sagte, er habe von General Baldissera Duplikate der Dokumente betreffend die Uebergabe von Makalle verlangt. Baldissera habe geantwortet, daß der betreffende Bericht seit dem Verschwinden des Oberstlieutenants Galliano sehle.- Rom, 26. März. Wie es heißt, soll Menelik die Drohung ausgesprochen haben, er werde auf Massauah los- m a r s ch i r e n, wenn Italien sich nicht bald zum Frieden bequemen werde.— Schweden. Stockholm, 26. März. Die erste Kammer bewilligte heute 11 780 000 Kronen zur außerordentlichen Vergröße- rung der Flotte; die zweite Kannner hat diese Bewilligung auf 5 Millionen Kronen herabgesetzt. Norwegen. Christiania, 26. März. Der Storthing lehnte mit 53 gegen 56 Stimmen den Antrag, die Apanagen des Königs und des Kronprinzen auf die früheren Beträge von 326 000 bezw. 80 000 Kronen z u e r h ö h e n, a b und be- willigte die jetzigen Beträge von 256 000 bez. 30 000 Kronen. Die Regierung brachte heute im Storthing eine Gesetzes- vorläge ein über den Anschluß Norwegens an die Bern er Konvention betreffend das literarische E i g e n t h u m.— RnFland. Petersburg, 26. März. Der Senat beschäftigte sich mit der Klage des Kleinbürgers Warzin. welcher aus Befehl des Gouverneurs Rocaffewsky Prügel st rase erhalten hatte, und beschloß dem Gouverneur Vorstellungen hierüber zu machen. Ter Beschluß wurde der Sanktion des Kaisers unter- breitet.— Türkei. Konstantinopel, 24. März.(Times.) Der türkische Ge- sandte Mavroyeni Bei und der erste Legationssekretär Norigian Effendi wurden wegen der zahlreichen in den Vereinigten Staaten für die Armenier kundgegebenen Sympathiebeweise von Washington abberufen. Das klingt ja so, wie der Abbruch der diplomatischen Be- ziehungen zivischeu der Türkei und den Vereinigten Staaten. Die Türken sind aber wohl zu schlau, sich zu ihren europäischen Feinden noch solche im mächtigsten Reiche der neuen Welt zn schaffen.- Amerika. Jacksondille, Florida. 26. März.>Der Flibustierdampfer „Three Friends", dessen Abgang nach Kuba mit großen Waffen- und Munilionssendnngen jüngst gemeldet wurde, ist heute hierher zurückgekehrt, nachdem sein Versuch, die spanische Blockade zu durchbrechen, mißlungen ist.— Afrika. Johannesburg, 26. März. Hier wird jetzt allgemein an- genommen, daß Präsident Krüger England nicht besuchen wird.— N�rkei-Nschvichten. Ein neues Schriftendcrzeichniß der Buchhandlung Vorwärts ist eben ausgegeben worden. Dasselbe ist voll- ständiger als seine Vorgänger; alle neu erschienenen Partei- schriften sind aufgenommen und auch die anderen Rubriken: Nationalökonomischcs, Geschichtliches, Naturwissenschaft, Gedichte, Romane, Dramen, Verschiedenes(Zeitschriften, Photographien. Kunstblätter, Musikalien, Einbanddecken), Gesetze, Gelegenheits- kauf, sind durch Aufführung der wichtigsten Neu-Erscheimmgen ergänzt. Eine neue Rubrik:„Flugschristen zur Masseuver- breituug", wird den Parteigenossen sehr willkommen sein. Wir sind überzeugt, daß das neue Schrislenverzeichuiß für Freund und Gegner ein nützlicher Wegweiser beim Studium des Sozia- lismus sein wird. Ans Sachsen. Die Parteigenossen aus dem 4. sächsischen Wahlkreise(Dresden rechts der Elbe) faßten in einer gut besuchten Versammlung mit Zweidrittelmehrheit folgende Resolution:„Die Versammlung erklärt sich gegen jede aktive Bctheiligung an der Landtagswahl unter dem neuen Wahlgesetz. weil eine Aussicht aus Erfolg nicht vorhanden ist." Dagegen wurde der Schluß dieser Resolution:„Ferner hält sie es zur Wahrung der Würde der Partei wie im Interesse einer energischen, zielbewußten Agitation für nothwendig. daß unsere Abgeordneten an einem hierzu geeignete» Zeitpunkte ihre Man- date niederlegen", mit großer Mehrheit verworfen. Gleich- falls abgelehnt wurde ein Antrag, wonach das Vorgehen der„Sächsischen Arbeiter-Zeitung" gegenüber der„Leipz. Volks- Zeitung" aus das„entschiedenste getadelt" und das Vorgehen des letztgenannten Parteiblattes für„prinzipiell richtig" erklärt werden sollte. In Freiberg beschloß eine Parteiversammlung des 9. sächsischen Reichstags-Wahlkreises einstimmig:„Die Versamm- lung erklärt sich entschieden für Betheiligung an de» Landtags- wählen unter dem Dreiklassen- Wahlsystem und erblickt in der Absicht, die Landlags-Abgeordneten zu bewegen, infolge der An« nähme des Dreiklassen-Wahlsystems ihre Mandate niederzulegen, einen taktischen Fehler. Im Gegentheil erfordert es das Jnter- esse der Partei, daß die Abgeordneten bis zum letzten Singen- blick ihre Pflicht erfüllen. Die zur Landeskonferenz gewählten Delegirten des 9. Kreises sind verpflichtet, für Beibehaltung der Mandate einzutreten." Die Parteigenossen in Riesa faßten in einer Polls- Versammlung einstimmig folgende Resolution:„Die Versammlung erachtet es für nothwendig. sich an den nächsten Wahlen mit aller Macht zu betheilige», und erklärt sich entschieden gegen eine sofortige Mandatsniederlegung." Eine in Meerane abgehaltene Parteiversammlung für den 17. Reichstags- Wahlkreis hat sich mit der Mandatsnieder- legung nicht einverstanden erklärt. In Hartmannsdorf beschloß eine Versammlung des 1ö. Reichstags- Wahlkreises(Mitl weida- Limbach) mit Treiviertel-Majorilät:„Die Versammlung erkennt an. daß uns das Dreiklassen-Wahlsystem die Möglichkeit nimmt. ferner- hm noch sozialdemokratische Vertreter in den Landtag zu bringen. sieht aber darin keinen Grund, die jetzigen Mandate vor ihrem Ablauf niederzulegen. Die Reaktion will ausgesprochenermaßen durch das neue Wahlsystem die sozialdemokratischen Vertreter aus dem Landtage hinaus- bringen, die Mandatniederlegung würde also nur den Absichten der Reaktionäre entgegenkommen und die Mandate würden nicht der Reaktion, sondern den sozialdemokratischen Wählermassen vor die Füße geworfen. Diese aber der Reaktion eher aus- zuliefern, als die Rothwendigkeit zwingt und die politische Position der Partei zu opfern, erachtet die Versammlung als einen taktischen Fehler. Durch das fernere Verbleiben unserer Vertreter im Landtage wird die Würde der Partei nicht verletzt. vielmehr erheischt es die Würde der Partei, daß sie in Reich. Staat und Gemeinde so lange ihre Vertreter habe, als sich ihr hierzu die Möglichkeit bietet." Diese Versammlung ist noch insofern von Bedeutung, als — auf Ersuchen— Echoen lank aus Leipzig herübergekommen war. um seinen bekannte» Standpunkt zu vertreten. Trotzdem er, wie die Burgstädter„Volksstiinme" sagt,„mit wahrem Feuer- eiser. mit verblüffender Redegewandtheit" klarzulegen suchte, daß es der Partei unwürdig sei, unsere Abgeordneten in der Kammer zu belassen mit der Gewißheit, nach vier Jahren vollständig herausgedrängt zu werden, gelang es ihm doch nicht, die Mehr- heit der Parteigenossen für seine Anschauung von der Zweck- Mäßigkeit der sofortigen Mandatsniederlegung zu überzeugen. In Bautzen sprachen sich in einer Parteiversammlung sämmtliche Redner für die Beibehaltung der jetzigen Landtags- Mandate aus; dagegen waren die Meinungen über die fernere Wahlbetheiligung sehr getheilt. Schließlich wurde folgende Re- solution angenommen:„Die Delegirte» von Bautzen mögen auf der Landesversammlung dafür wirken, daß sich die Sozialdemo- kratie künftig nicht mehr aktiv an den Landtags-Wablen be- theiligt, wohl aber desto mehr für das allgemeine Wahlrecht agitirt. Doch sollen die Delegirten nicht unbedingt gebunden sein." Von der Agitation. In Osnabrück sprachen am Sonntag vor einer von 1300 Personen besuchten Wähler-Ver- sammlung Reichstags-Abgeordneter Dr. L ü t g e n a u und der Reichstags-Kandidat Schräder über die bevorstehende Wahl. Beide Redner ernteten für ihre Ausführungen stürmischen Beifall. Eine Resolution, wodurch man sich verpflichtete, für die Kan- didatur Schrader's energisch einzutreten, wurde einstimmig an- genommen. Todtenliste der Partei. Ein treues Proletarierherz hat aufgehört zu schlagen. Am Mittwoch Morgen ist in K o t t b u s unser braver Genosse Alfons Beyer gestorben. Er war bis zu seiner vor Jahresfrist eingetretenen Erkrankung, von der er sich nicht wieder erholte, unermüdlich für die Interessen des arbeitenden Volkes thätig. Dem internationalen Kongreß der Textilarbeiter wohnte er seinerzeit als Delegirter bei. Die Arbeiterschaft wird dem tapferen Kampfgenossen, der allezeit seine Pflicht als braver Mann gelhan, dauernd ein ehrendes Andenken bewahren. Polizeiliches, Gerichtliches:c. — Gegen das freisprechende Urtheil, das gegen den der Majestätsbeleidigung beschuldigten Parteigenossen Paul Jahn in Berlin vom Landgericht II gefällt worden war, hat der Staatsanwalt Revision eingelegt. — Genosse Reichelt in B u r g st ä dt i. S. hat dieser Tage die achtmonatige Gefängnißstrafe angetreten, die ihm wegen Majestätsbeleidigung, begangen nach Ansicht der Richter durch einen Artikel im„Textilarbeiter", auferlegt ist. Er war wegen Krankheit in seiner Familie um Aufschub der Strafe eingekommen, man hat ihn aber abschlägig beschieden; eine Kritik dieses in Deutschland mehr und mehr in Schwang kommenden Verfahrens erübrigt sich wohl. Wünschen wir. daß Genosse Reichelt die acht langen Monate Kerkerausenthalt gut überstehen möge! Sozmle Meberfirhk. Der Vorsitzende des Gcwerbegerichts zu Berlin, Assessor v. Schulz, ist mit Rücksichl auf die Erhebungen über die Lage der Arbeiter in der Konfektionsindustrie und Wäschebranche in die Reichskommission für Arbeiterstatistik als Kommissar des preußischen Handelsministeriums entsandt worden. Jnstrnktionsknrse zur Ausbildung von Gewerbe- Aufsichtsbeamten. Aus Anordnung des Handelsministers v. Berlepsch hat in Preußen auch in diesem Jahre, und zwar in der Zeit vom 24. Februar bis zum 21. März ein Jnftruktions- kursus zur Ausbildung der Gewerbe-Aufsichtsbeamten statt- gefunden. An diesem Kursus haben außer den genannten Beamten auch Beamte der Bergverwaltung, sowie Offiziere und Beamte des Kriegsministerinms und des Reichsmarineamts und einige Vertreter der Privatindustrie theilgenommen. Es wurden Vorlesungen geHallen über Wohlfahrtspflege(vom Geh. Reg.-Rath Dr. Post, dem Leiter des Kursus), über Dampskesselwesen(Geh. Reg.-Rath L u s e n s k y), über die gesetzlichen Bestimmungen betr. die Sonntags-, Kinder- und Frauenarbeit, über gewerbliche Gesetzeskunde und die geschichtliche Entwickelung der Gewerbe» Inspektion(vom Geh. Reg.-Rath E v�e r t), über Unfallverhütung (vom Geh. Reg.-Rath H a r t m a n n), über die Entwickelung der gewerblichen Arbeiterverhältnisse(vom Professor Gering), und über gewerbliche Hygiene(vom Dr. A l b r e ch t). Den Be- sprechungen über Wohlfahrtseinrichtungen schloffen sich Besichli- gungen von solchen an. Gcvufzls-Jeikung. Polizeisergeant Pöschla aus Spandau wegen Mein- cides vor Gericht. Eine Anklage wegen Meineides kam gestern vor dem Schwurgericht am Landgericht II zur Verhandlung. Die Anklage richtet sich gegen den Polizeisergeanten Gustav Friedrich Pöschla, in Spandau wohnhaft, am 2. März 18S8 zu Groß-Lubolz Kreis Luckau geboren. Landsturmmann, Inhaber der Dienstauszeichnung dritter Klasse. Er wird angeklagt, durch zwei selbständige Handlungen zu Spandau I. am 21. März 18SS als Beamter bei Ausübung seines Amtes vorsätzlich eine Körper- Verletzung des Maurers Johann M i e l k e begangen zu haben; 2. am 10. April 1895 vor dem königlichen Amts- gericht Spandau wissentlich einen Meineid geleistet zu haben.— Am 21. März befand sich der Angeklagte in dem Lokale des Gastwirths Wecke in Spandau, wo auch der Arbeiter Mielke mit noch anderen Personen weilte. Diese ver- zehrten ö Flaschen Selterwasser ohne sie zu bezahlen, namentlich lehnte der stark angetrunkene Mielke die Bezahlung ab und ent- fernte sich mit den übrigen. Der Sergeant Pöschla übernahm dann von dem Wirth den Auftrag, den Mielke zu verfolgen, ihn einstweilen festzunehmen und seine Persönlichkeit festzustellen. Der Angeklagte holte den Mielke an der Ecke der Mönchs- und Breitenstraße ein. Er vertrat ihm den Weg und forderte ihn aus mitzukomnien. Mielke kam aber dieser Aufforderung nicht nach, er wurde von dem An- geklagten ergriffen und in die MönchZstraße hineingezogen und hier entstand zwischen beiden ein Ringen. Schließlich kam Mielke derartig zu Fall, daß er quer über dem ziemlich tiefen Rinnstein fort rücklings mit dem Oberkörper auf dem Bürgersteig, mit dem Unterkörper auf der Straße lag. Mielke war durch den harten Fall betäubt. Gleichwohl kniete der Angeklagte auf ihn nieder und schlug ihn mit der F a u st mehrmals auf Mund und Nase, sodaß das Blut hervor- quoll. Der Vorfall hatte bei den Zuschauern lebhafte Ent- rüstung hervorgerufen, umso mehr, als diese der Ansicht waren, daß Mielke gar keinen oder höchstens doch nur einen passiven Widerstand geleistet habe, der jedenfalls aufgehört halte, nachdem Mielke hingefallen war.— Die Folge des Vorfalles war eine gegen Mielke gerichtete Anklage wegen Widerstandes gegen die Staats- gewalt, über welche am 10. April 1895 vor dem Schöffen- gericht verhandelt wurde. Bei dieser Gelegenheit wurde auch der Angeklagte als Zeuge vernommen und vereidigt. Als ihn der Vorsitzende, Amlsgerichtsrath Dr. Neuhaus fragte, ob er den Mielke geschlagen habe, antwortete Pöschla zunächst,„daß er davon nichts wisse", dann besann er sich und erklärte: „Ich habe es auch nicht gethan". Diese eidliche Aus- sage soll nach dem oben Gesagten falsch sein, sie ist nach An- ficht der Anklagebehörde auch eine wissentlich falsche, da dem Angeklagten der Vorgang, der er st drei Wochen alt war und durch seine begleitenden Umstände ihm sich ein- geprägt haben mußte, noch erinnerlich sein mußte, so daß von einem Vergessen keine Rede sein kann. Die Verhandlung, zu welcher ein Ergänzungs-Geschworener aus- geloost wird, wird vom Landgerichtsdireklor R e n ck h o f f als Vorsitzenden geleitet. Die Anklage vertritt Staats- anwalt Rhode, die Vertheidigung führt Rechtsanwalt Dr. Fla tau.— Der Angeklagte, welcher verheirathet und Vater von vier Kindern ist, bestreitet nach beiden Richtungen der Anklage hin seine Schuld. Nach seiner Darstellung habe sich Mielke seiner Sistirung widersetzt, und als er z» Falle kam, habe er ihn mit zu Boden gezogen. Mielke habe unten, er selbst aber oben gelegen, und da sei es möglich, daß seine Kniee die Brust des Mielke berührt haben. Bei diesen» Vorfall habe der Rechtsanwalt Löwe das Fenster geöffnet und ihm zugerufen:„Diesmal sind Sie dran, Herr Pöschla!" Er habe erwidert:„Merken Sie sich nur, was Sie eben gesagt haben, Herr Rechtsanwalt!" Er bestreite entschieden, den Mielke ins Gesicht geschlagen zu haben und wenn dieser geblutet haben sollte, so müßte dies eine andere Veranlassung gehabt haben. Er halte die ganze Sache für einen Racheakt des Rechtsanwalts Löwe. Er habe wegen des oben angegebenen Zurufs den letzteren wegen Beleidigung belangt und dieser wolle ihn nun unschädlich machen. Ebenso sei ihm ein Theil der Belastungszeugen feindlich gesinnt. — Die Beweisaufnahme erstreckt sich zunächst auf den von dem Angeklagte» vor dem Amtsrichter Dr. Neuhaus geleisteten Eid. Als Vertreter des als Nebenkläger zugelassenen Zeugen Mielke ist Rechtsanwalt S e e l e r zur Stelle. Aus der Zeugenvernehmung über die angebliche Mißhand- lung ist hervorzuheben, daß der Rechtsanwalt Baumert, an den sich Mielke am Tage nach dem Vorfalle zunächst wandte, von diesem eine Darstellung der Thatsachen erhalten halte. Hierbei ist von einem Schlage ins Gesicht zunächst nichts gesagt worden. Der Zeuge Sonnemann, einer der Zechgenossen des Mielke am 21. März will gesehen haben, daß der Angeklagte lhatsächlich geschlagen hat und Gesicht und Bart des Mielke mit Blut be- sudelt war. Dieser Zeuge war über den Vorfall so empört, daß er zum Rechtsanwalt Löwe bezw. dem Rechtsanwalt Baumert gegangen ist und diesen seine Wahrnehmungen mitgetheilt hat. — Der Klempnermeister Arnold bekundet, daß nach dem Vor- fall der Angeklagte in der Restauration von Schönemann sich der That gerühmt und gesagt habe, er habe dem betreffenden Arrestanten„ordentlich eine Heruntergefeu er t." Der Angeklagte bestreitet dies entschieden.— Polizeiscrgeant Böhm, der mit dem Angeklagten öfter das Schönemann'sche Lokal besucht hat, hat von einer solchen Aeußerung des Pöschla nichts gehört.— Polizei-Inspektor Lindau giebt dem Angeklagten das Zeugniß eines Pflicht- treuen, guten, zuverlässigen und energischen Beamten, über den ihm Klagen aus dem Publikum n i e zu- gekommen seien. Da bei der angeblichen Aeußerung des An- geklagten in dem Schönemann'sche» Lokale ein Polizist zugegen gewesen sein soll, so habe er alle seine Beamten gefragt, ob jemand mit, dem Angeklagten bei Schönemann war und jene Sleußerung gehört habe. Alle Beamte haben dies verneint. Rechtsanwall S e e l e r behauptet, daß in Spandau in der Bürger- schaft eine ziemliche Erregung darüber herrsche, daß wiederholt Gefangene von Polizeibeamten zu rigoros behandelt worden seien.— Polizei- Inspektor Lindau bestreitet, daß ihm derartige Klagen zu Ohren gekommen seien. Richtig sei es, daß die Spandauer Exekutive wiederholt vor die Stadtverordneten- Versammlung gebracht worden und„da sei denn nach allen Regeln der Kunst auf die Polizei geschimpft worden." Daraus sei dann eine gewisse Mißstimmung gegen die Polizei entstanden. Es handelt sich speziell um vier ganz bestimnite Fälle, welche aber alle mit Ver- urtheilung der Beschwerdeführer geendet haben.— Rechtsanwalt S e e l e r: Vielleicht ist der An- geklagte ein etwas zu„energischer" Beamter. Als solchen hat ihn ja der Zeuge gerühmt.— Zeuge: Jeder wird wissen, mit welchem Janhagel wir zu thun haben.— Rechts- anwalt Flatau: Ist es vielleicht richtig, daß in Spandau auch zwischen den Vertheidigern und den Polizeibeamten eine gewisse P i k a n t e r i e sich herausgebildet hat?— Präs.: Wir brauchen darüber wirklich keinen Zeuge». Der ganze Vor- fall ist ja psychologisch ganz klar.— Zeuge Lindau: Sogar der Amtsgerichtsrath Dr. Neubaus hat sich einmal vor dem Schöffengericht erlaubt, zu Polizeibeamten zu sagen:„Euch P o l i z i st e n werde i ch s ch o n!" Er hat den Angeklagten, „einen richtigen Rowdy", freigesprochen, dieser sei dann aber in zweiter Instanz zu 14 Tagen Gefängniß ver- urtheilt worden.— Amtsgerichtsrath Dr. N e u h a u s erklärt sich bereit, den Vorfall aufzuklären, der Vor- sitzende erklärt dies aber für u n n ö t h i g, da ohne weiteres anzunehmen sei, daß er als Richter zu einer etwaigen Aeußerung gegen die betreffenden Polizeibeamten sich verpflichtet gehalten habe.— Zeuge Lindau behauptet noch, daß der Zeuge Arnold zu seiner be- lastenden Aussage wohl nur aus Haß gegen die Polizei gekommen sei, da er mehrere Polizei st rasen dekoinmen habe. Außerdem habe Arnold, als er von einer dritten Person gefragt worden, wie er den» dazu komme, die angebliche Aeuße- rung des Angeklagten im Schönemann'schen Lokale anzuzeigen, diesem geantwortet:„Ich kann ja die Polizei auch einmal an- zeigen." Der Zeuge Arnold bestreitet dies und bekundet, daß er in 5 Jahren nur dreimal wegen Uebertretung poli- zeilicher Vorschriften bestrast worden sei. Der Zeuge bleibt dabei, daß er in dem Schönemann'schen Lokale ge- hört habe, daß sich der Angeklagte der That rühmte. Sergeant Weyland, der nach gegebener Personalbeschreibung bei jenem Vorfall im Schönemann'schen Lokal zugegen gewesen sein soll, verneint letzteres. Er hat aber das Renkontre des An- geklagten mit Mielke am 21. März mit angesehen, von einem Schlagen des Angeklagten nichts gesehen, nachher auch nur eine Schramme am Munde des Mielke bemerkt.— Rechtsanwalt Löwe bekundet: Er sei am 21. März von feiner Frau ans Fenster gerufen worden, um die Mißhandlung eines Arrestanten durch einen Polizisten mit anzusehen. Das Schlagen habe er selbst nicht gesehen, sondern nur bemerkt, wie Mielke am Boden und der Polizeisergeant auf ihm lag. Er habe durchaus den Eindruck der Mißhandlung gehabt und auch gesehen. daß Mielke einen blutigen Mund hatte. Er habe dann aus dem Fenster dem Angeklagten die schon erwähnte Bemerkung zugerufen, wegen deren der Angeklagte später eine Strafanzeige gegen ihn erstattete. Da ihn der Vorfall empört hatte, sei er zunächst nach dem seiner Wohnung gegen- über liegenden Steuerhaus gegangen, um näheres über den Vorfall zu erfahren, er habe bei den dortigen Beamten aber gar keine Gegenliebe gefunden. Diese seien vielmehr durchaus für den Polizeisergeanten eingetreten. Später seien drei Männer in sein Bureau gekommen, um ihn zur Ver- f o l g u n g der Sache zu veranlassen. Er habe sie aber an seinen Kollegen Baumert gewiesen. Als er später die Vertheidigung des Mielke übernahm, habe er diesen im Gesängniß besucht und von ihm zunächst allerlei nebensächliche Dinge gehört. Er habe ihn dann allerdings direkt gefragt, ob er denn nicht auch von dem Polizei« sergeanten geschlagen worden sei. Mielke habe zunächst so gethan, als ob er nichts davon wisse und er habe es dann für seine Pflicht gehalten, dem Mielke vor- zuhalten, daß ja schon verschiedene Zeugen für die Miß- Handlung vorhanden seien und er sich ausbitten müsse, daß M. zu seiner Vertheidigung damit nicht hinter dem Berge halte. Das Verfahren gegen Mielke hat mit dessen Verurtheilung in erster Instanz geendet; seine Berufung ist verworfen worden.— Frau Rechtsanw. Löwe bleibt als Zeugin dabei, daß nach ihrer Wahrnehmung der Angeklagte den Mielke zu Boden gestoßen und den am Boden Liegenden ge- schlagen habe. Ei» Steuerbeamter R e i n s ch hat von seinem Fenster aus den Vorfall zum größten Theil mit angesehen. Er hat gesehen, daß Mielke sich sehr renitent gezeigt habe und beim Ringen zu Boden gefallen sei. Bei dieser Gelegenheit habe der Angeklagte nur die Bewegungen gemacht, die dazu gehörten, um sich selbst wieder vom Boden aufzuraffen. Von einem Schlagen hat der Zeuge nichts gesehen. Der Hauptzeuge Mielke wird aus dem Gefängniß vor- geführt. Er ist nämlich wegen eines gerade am 21. März ver- üblen Diebstahls an einem Sparkassenbuche zu einem Jahre Ge- fängnlß verurtheilt worden. Nachdem er das Sparkassenbuch zu Gelde gemacht, war er angetrunken in das Wecke'sche Lokal gekommen und von dort haben sich dann die weiteren Vorgänge entwickelt. Der Zeuge behauptet, daß ihm der Angeklagte einen Schlag ins Gesicht versetzt habe. Daß er als Nebenkläger in diesem Verfahren auftrete, habe Rechts- anwalt Löwe veranlaßt. Die Aussagen der übrigen Zeugen lassen sich schwer mit- einander vereinbaren. Einige behaupten mit aller Be- st i m m t h e i t, daß der Angeklagte den am Boden liegenden Mielke mehrmals mit der Faust gegen de» Mund stieß, während der Mißhandelte um Hilfe gerufen habe. Andere Zeugen bekunden dagegen ebenso bestimmt wie der Steuer« beamte Reinsch, daß der Angeklagte nicht geschlagen und der angeblich Mißhandelte auch nicht um Hilfe gerufen habe. Eine andere Gruppe Zeugen hat zwar nicht das Schlagen gesehen, wohl aber, daß Mielke einen blutigen Mund hatte, als er schließlich zur Wache geführt wurde. Damit wurde die Beweisaufnahme geschlossen. Der Staatsanwalt begann sein Plädoyer mit der Bemerkung, daß die Staatsanwaltschaft wohl geneigt fem möge, die Polizei- beamten in ihrem mühe- und dornenvollen Berufe zu schützen, aber andererseits müsse auch gegen Beamte, welche ihre Macht- befugnisse überschritten, ohne Rücksicht vorgegangen werde». Durch die Beweisaufnahme fei nun zweifellos dar- gethan worden, daß der Angeklagte sich habe hinreißen lassen, seinen Arrestanten zu Boden zu werfen und zu schlagen. Wenn er sodann später vor dem Schöffengericht bestritt, daß er den Mielke geschlagen habe und dies mit s e i n e»> E i d e b e- kräftigte, so habe er eben so sicher einen Meineid geleistet, allerdings mit dem mildernden Zusätze, daß er sich bei Angabe der Wahrheit selbst einer strafbaren Handlung hätte be- zichtigen müssen. Der Staatsanwalt ersuchte die Geschworenen, die Schuldfrage in diesem Sinne zu beantworten, dem Angeklagten, der sich bisher tadellos geführt habe, auch mildernde Um- st ä n d e zuzubilligen. Der Vertheidigcr, Rechtsanwalt Flatau, wies auf die Wider» sprüche hin, welche zwischen den Aussagen der Zeugen zu tage getreten seien. Der größte Theil der Belastungszeugen sei nur z» geneigt gewesen, die Partei des Arrestanten zu nehmen, selbst der Rechtsanwalt Löwe spiele in dieser Sadje eine eigenthümliche Rolle. Der Auftritt auf der Straße könne sich doch sehr gut so abgespielt haben, wie der Angeklagte ihn dar- gestellt habe, wer wolle, wenn zwei Personen sich gegenseitig hin- und herzerren, entscheiden, ob der eine den anderen zu Boden werfe oder ob sie beide zu Falle kamen? Zweifellos habe ter zu nnterst Liegende sich an dem aus ihm Liegenden festgehalten und die Be- ivegungen des letzteren, sich aufzuraffen und freizumachen, sei von manchen voreingenommenen Augenzeugen als Schlagen aufgefaßt worden. Er bitte sämmtliche Schuldfragen zu ver- n einen.— Der Vertreter des Nebenklägers. Rechtsanwalt Seeler, stellte sich auf den Boden des Staatsanwalts, suchte nach. zuweisen, daß der Rechtsanwalt Löwe durchaus korrekt ge- handelt und wies darauf hin. daß der vorliegende Fall nur einer von denen sei, welche die Spandauer Bevölkerung in eine berechtigt« gereizte Stimmung gegen die dortigen Polizeiorgane brachte. Die Geschworenen beriethen nur eine Viertelstunde. Sie verneinten sämmtliche Schuldfragen. Der Angeklagte wurde freigesprochen und sofort auf freien Fuß gesetzt. Man beachte dies freisprechende Urtheil. führe sich die be- kannten Thatsachen vor Augen, welche die Geschworenen im Essener Meineidsprozeß veranlaßt haben, unsere braven Parteigenossen, die Bergarbeiter Schröder und Ge- »offen ins Zuchthaus zu schicken, und stelle dann einen Vergleich an zwischen beiden Fällen! Vepefögen und letzte Ascheichken« Köln, 26. März.(W. T. B.) Die Stuckateure haben ihre Arbeiten wieder aufgenommen, nachdem die Meister ihre Forde- rungen bewilligt haben. Paris, 26. März.(W. T. B.) Wie der„Agence HaviZ" aus Kairo gemeldet wird, hat die Kommission für die egypniche öffentliche Schuld die von England für die Dongola-Expedirion verlangten Mittel bewilligt ohne Rücksicht aus den Widerspruch Frankreichs und Rußlands, deren Kommiffare sich zurückgezogen haben, nachdem sie Protest erHobe» hatten. London, 26. März.(W. T. B.) Wie das„Reuter'sche Bureau" aus Wellington von heute meldet, crsolgle in der Kohlengrube zu Brunnertow» eine Explosion schlagender Wetter, durch welche 5 Bergarbeiter getödtet und 60 verschüttet wurden. Die Rettung letzterer scheint hoffnungslos. Das Pariser Syndikat der Inhaber egyptischer Schuldtitres hat sofort beschlossen, die Kommission und die Minister für diese Bewilligung verantwortlich zu machen. Kapstadt, 26. März.(Meldung des„Reuter'sche» Bureaus".) In zwei Distrikten des Matabele-Landes, Jnseza und Filabusi, ist ein Aufstand ausgebrochen. Eine Anzahl Weißer ist getödtet, unter ihnen der Kommissar für die Angelegenheit der Ein- geborenen, Rentley; die Weißen flüchteten sich»ach Buluwavo und Gwelo. 75 Freiwillige mit einem Maximgeschütz sind gegen die Ausständischen ausgezogrn. Port au Prince, 25. März.(W. T. 83.) Der Präsident der Republik Haiti ist plötzlich verstorben. Das Parlament ist zur Wahl eines Nachfolgers einberufen. Verantwortlicher Redakteur: August Jarobcy, Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu ft Beilagen. .. Beilage zum„Vorwärts" Berliner VoWlatt. Ur. 74, Freitag, den 27, März 1896. 13. Jahrg. V�rlsmenkAVifches. Aus der Kommission für das Bürgerliche Gesetzbuch. Die Lohnschwindelei, insbesondere auf dem Gebier der Bau- und der Konfektionsindustrie, würde erheblich vermindert werden, wenn der Satz gesetzliche Anerkennung erlangt, daß jeder, der einen Nutzen von der Arbeitskraft eines andere» hat, für Zahlung des Arbeitslohnes hafte. Eine ähnliche Bestimmung enthält das Binnenschiffergesetz, das Fracht, und Schiff für den Lohn des Schiffsknechts haften läßt. Die Kommission hatte bei Gelegenheit der Berathung über den Dienstvertrag einen Antrag unserer Genoffen F r o h m e und S t a d t h a g e n, der diesen Grundsatz allgemein aussprach, für recht beachtenswerth erklärt, aber gemeint, er sei zu allgemein gehalten und dürfte besser bei der Materie über ungerechtfertigte Bereicherung erledigt werden. Stadthagen und F r o h m e nahmen den Antrag deshalb bei§ 736 des Entwurfs wieder auf. Z 796 des Entwurfs lautet:„Wer durch die Leistung eines andern oder in sonstiger Weise auf dessen Kosten etwas ohne rechtlichen Grund er- langt, ist ihm zur Herausgabe verpflichtet. Diese Verpflichtung besteht auch dann, wenn der rechtliche Grund später wegfällt oder der nnt einer Leistung nach dem Inhalt des Rechtsgeschäfts bezweckte Erfolg nicht eintritt. Als Leistung gilt auch die durch Vertrag erfolgte Anerkennung des Bestehens oder Nichtbestehens eines Schuldverhältnisses."§ 786 giebt somit lediglich einen Theil des vltrömische» Rechts aus der Sklavenwirthschastsperiode wieder. Daß das römische Recht, das den Ver- kauf der Arbeitskraft an dritte als Massenvertrag nicht kannte, nur an Herausgabe von Sachen bei der Frage wegen ungerechtfertigter Bereichernng dachte, ist natürlich: die„Arbeitskraft" als Maare eines rechtlich Freien ist erst für unsere Wirthschaftsperiode von großer Bedeutung ge- worden. Die Rechtsprechung der Gewerbegerichte hat auch ohne besondere Bestimmung z. B. den Bangeldgeber für verpflichtet erachtet, den Lohn des Arbeiters, der mit einem vermögenslosen Bauschwindler kontrahirt hat, seine Arbeitskraft aber in dem Nutzen des Geldmannes verwerthel hat. zu bezahlen. Anderer Ansicht blieben viele formalistisch urtheilende„gelehrte" Gerichte. Man darf von einem neuen bürgerlichen Gesetzbuch erwarten, daß es der Lohnschwindelei wenigstens soweit entgegentritt, daß es den Baugeldgeber, der durch die Arbeit des vom Bauschwindler be- gaunerten Maurers bereichert wird, für Zahlung des Lohnes hafte» läßt. Aber weit gefehlt— sowohl der allgemeine oben- skizzirte Antrag unserer Genossen, wie der eventuelle: dem§ 796 Satz 2 zuzusetzen:„sowie die auf grund eines Vertrages mit einein anderen erfolgte Arbeitskraft in dem Nutzen des Be- reicherten" wurden von der Kommission am Montag abgelehnt. Es ist wohl selbstverständlich, daß beide Anträge in der zweiten Lesung der Kommission und eventuell im Plenum wiederholt werden. „Unerlaubte Handlungen" ist die Ueberschrift des letzten Abschnitts im Obligationenrecht des Entwurfs für das Bürgerliche Gesetzbuch. Die drei ersten Paragraphen dieses Abschnitts (88 667—809) enthalten die wesentlichsten Bestimmungen darüber, was der Gesetzgeber für zu schützende Güter hält. Die drei Paragraphen lauten: 8 867.„Wer vorsätzlich oder fahrlässig das Leben, den Körper, die Gesundheit, die Freiheit, das Eigenthum oder ein sonstiges Recht eines anderen widerrechtlich verletzt, ist dem anderen zum Ersätze des daraus entstehenden Schadens verpflichtet. Die gleiche Verpflichtung trifft denjenigen, welcher gegen ein den Schutz eines anderen bezweckendes Gesetz verstößt. Ist nach dem Inhalte des Gesetzes ein Verstoß gegen dieses auch ohne Ver- schulden möglich, so tritt die Ersatzpflicht nur im Falle des Ver schuldens ein." 8 868.„Wer der Wahrheit zuwider eine Thatsache be. hauptet oder verbreitet, die geeignet ist, den Kredit eines anderen zu gefährden oder sonstige Nachtheile für dessen Erwerb oder Fort- kommen herbeizuführen, hat dem andern den daraus entstehenden Schade» auch dann zu ersetzen, wenn er die Unwahrheit zwar nicht kennt, aber kennen muß. Durch eine Mittheilung, deren Unwahrheit dem Mittheilenden unbekannt ist, wird dieser nicht zum Schadensersatze verpflichtet, wenn er oder der Empfänger der Mittheilung an ihr ein berechtigtes Interesse hat." Z 809.„Wer eine Frauensperson durch Anwendung hinter- listiger Kunstgriffe zur Gestattung der außereheliche» Beiwohnung verleitet, ist ihr zum Ersätze des daraus entstehenden Schadens verpflichtet." Demnach ist nur das Leben, der Körper, die Gesundheit, die Freiheit und das Eigenthum als ein zn schützendes Gut vom Entwurf erachtet, die Ehre und Sittlichkeit nur in den sehr be- scheidenen Grenzen der Zg 808 und 809. Auch schweigt der Eni- wurf von der„Arbeitskraft" als einem zu schützenden Gut. In .der Kommission wurde am Dienstag von F r o h m e und Stadthagen begehrt, daß auch Arbeitskraft, Ehre und Sitt- lichkeit, vom Abg. Gröber, daß wenigstens Ehre und Sittlich- keit im Z 807 als zu schützende Güter bezeichnet würden. Unsere Genossen konnten ihr auf Einschaltung der„Arbeitskraft" bezüg- liches Verlangen zurückziehen, nachdem seitens der Regierung betont war, daß in einer Minderung der Arbeitskraft stets auch eine Minderung der Gesundheit zu erblicken sei. Durch diese Erklärung, die im Bericht Aufnahme finden soll, ist den, Begriff„Gesundheit", eine sehr wesentliche, insbesondere für jugendliche Arbeiter erhebliche Ausdehnung gegenüber der bestehenden Praxis gegeben. Die Einschaltung der „Ehre und Sittlichkeit" wurde»ach mehrstündiger Debatte leider abgelehnt. Es wurde nur erreicht, daß im§ 809 hinter Kunstgriffe eingeschaltet wurde:„oder unter Mißbrauch seiner Stellung als Arbeilgeber u. dgl." Der fernere Versuch unserer Genossen, aus§ 807 die Worte„vorsätzlich oder fahrlässig" zu streichen und damit zu dem deutschrechtlichen Grundsatz zurückzukehren: „wer einen Schaden veranlaßt hat, hat ihn zu ersetzen", wurde abgelehnt. Desgleichen fielen ihre Anträge, statt„verletzt" im§ 807 zusetzen:„verletzt oder beschädigt" und„widerrechtlich" sowie den letzten Satz des 8 807 zu streichen.—§ 810 des Entwurfs lautet: §310.„Wer durch eine Handlung, die er nicht in Ausübung des ihm zu st ehe n den Rechtes vor- n i>m in t. in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Weise einem anderen vorsätzlich Schaden zufügt, ist dem anderen zum Ersätze des Schadens verpflichtet." Abg. Gröber beantragte, die gesperrt gedruckten Worte zu streichen und ein allgemeines Chikaneverbot dahin aufzunehmen, daß ein Recht nicht nur zur Belästigung eines dritten ausgeübt werden dürfe. Nach außerordentlich langer Debatte wurden beide Anträge gegen die Stimmen der Freisinnigen und einiger 5iibnservativer angenommen. Die§§ 811 und 812 werden ohne wesentliche Debatte angenommen, aber eine klarere Fassung für § 811 verlangt. Die beiden Paragraphen lauten: § 811.„Wer im Znstande der Bewußtlosigkeit oder in einem die freie Willensbestimmung ausschließenden Zustande krankhafter Störung der Geistesthätigkeit einem anderen Schaden zufügt, ist für den Schaden nicht verantwortlich. Hat er sich durch geistige Getränke oder ähnliche Mittel in einen vorübergehenden Zu- stand dieser Art versetzt, so ist er für einen Schaden, den er in diesem Zustande widerrechtlich verursacht, in gleicher Weise ver- antwortlich, wie wenn ihm Fahrlässigkeit zur Last fiele; die Ver- antwortlichkeit tritt nicht ein, wenn er ohne Verschulden in den Zustand gerathen ist." § 812.„Wer nicht das siebente Lebensjahr vollendet hat, ist für einen Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht ver- antwortlich. Wer das siebente, aber nicht das achtzehnte Lebensl jähr vollendet hat, ist für einen Schaden, den er einem anderen zufügt, nicht verantwortlich, wenn er bei der Begehung der schädigenden Handlung nicht die zur Erkenntniß der Beraub wortlichkeit erforderliche Einsicht hat. Das gleiche gilt von einem Taubstummen." Eine längere Debatte begann bei§ 813. Dieselbe wurde auf den 14. April vertagt. Die Komnnssion wird vor Zw sammentritt des Plenums am 14. und 13. April Sitzungen ab- halten. In der ersten Sitzung wird voraussichtlich das Obligationew recht zu Ende berathen werden. Sie wird insofern von größerer Erheblichkeit fein, als in ihr u. a. die Grundsätze über Wild schadensersatz und über den Ersatz der durch Be a in t e angerichteten Schaden zur Verhandlung kommen wird.— MommunÄles. Stadtverordneteu-Versammlung. Oeffentliche Sitzung vom Don n er st ag, 26. Mär Stadtverordneten» Vorsteher Langer Hans eröffnet die Sitzung um SVs Uhr mit einem ehrenden Nachruf für den ver storbenen Stadtrath und früheren Stadtverordneten de Neue den die Versammlung stehend anhört. Auf besondere Einladung werden die Mitglieder der Ver sammlung ani nächsten Sonntag die Ausstellung Kairo und die Gewerbc-Ausstellung besichtigen. Die Etalsberatbung wird fortgesetzt. Es werden folgende Etats festgestellt: Markthalleu, Kanalisationswerke und Riesel selber, Hauptkasse der städtischen Werke. Verschiedene Einnahmen und Ausgaben, Kapital- und Schuldenverwaltung, Hochbau, Bauplatzftcuer, Betriebssteuer, Hundesteuer, Braumalzsteuer Zuschlag und Wanderlagersteuer, Umsatzsteuer. Zum Etat der M a r k t h a ll e n- V e r w a l t u n g hatte die Versammlung bei der vorjährigen Etatsberathung den Magistrat ersucht, Ermittelungen anzustellen, in welcher Weise eine gerechtere Vermielhung der Siandplätze in den Markthallen herbeb geführt werden kann. Der Magistrat hat daraus erwidert, daß er von zeder Aenderung des Markihallen-Tarifs zur Zeit Abstand nehmen wolle, diese Angelcgenheitjedoch unausgesetzt im Auge behalten werde Der Etalsausschuß beantragt nunmehr, die Angelegenheit dadurch nicht für erledigt zu erklären und den Magistrat zu ersuchen, baldmöglichst eine Vorlage über anderweite Regelung der Ver miethung der Standplätze zu machen. Im Ausschuß wurde eine Ermäßigung der Tarifsätze für die Hallen der Außenbezirke gewünscht und eine Erhöhung derselben in der Zentral Markthalle für möglich gehalten. Der Antrag des Ausschusses wird angenommen. Ueber die zum Markthallen-Etat eingegangenen Petitionen geht die Versammlung zur Tagesordnung über. Beim Etat der K a n a l i s a t i o n s w e r k e und Riesel selber war im Ausschuß die Funktionszulage bemängelt worden. die der Administrator in Großbeeren seit drei Jahren für die gleichzeitige Verwaltung der Gütergruppe Sputendorf, Schenkendorf und Gütergvtz im Betrage von 300 M. erhält der Ausschuß beantragt, den Magistrat zu ersuchen, die den Adnlinistrator von Großbeeren übertragene Aufsicht über Sputen dorf baldigst in Wegsall zu bringen und auch für Sputendor einen eigenen Administrator einzusetzen. Ferner beantragt der Ausschuß zum Kanalisations etat, den Magistrat zu ersuchen, der Versammlung bald möglichst Normativbestimmungen für Anstellung, Gehälter, Pensionsberechtigung und Pensionsberechnung der Angestellten sämmtlicher Werke und der Nieselfelder, sowie Normativ- bestimmungen für Anstellung und Besoldung der technischen wie der Bureall-Hilfsarbeiter der Werke und der Rieselfelder vor- zulegen. Die Zulage von je 200 M. für fünf Betriebsinspektoren der Kanalisationswerke hat der Ausschuß gestrichen. Stadv. V i r ch o w bespricht die Frage, ob die Rieselfelder jährlich zweimal beackert werden sollen, um die große Salzmenge des Rieselwassers zu beseitigen. Ueber die Untersuchungen da rüber habe der Magistrat leider noch keine Mittheilungen ge macht, er wisse nicht, woran diese Verschleppung liege. Die Quelle der großen Menge an Kochsalz im Rieselwasser sei zum Theil darin zu suchen, daß die Berliner in ihrem Harn eine große' Menge Salz entlassen. Eine zweimalige Bestellung der Felder nütze nichts, weil die Pflanzen doch kein Salz ausnehmen, die Gefahr für die Rieselfelder sei aber be- deutend, weil den Pflanzen nicht ungemessene Quantitäten Salz- wasser zugeführt werden dürften. In hygienischer Beziehung sei jedoch nichts zu fürchten. Die Anträge des Ausschusses werden angenommen. Im Etat der verschiedenen Einnahmen und Ausgaben hat der Ausschuß die Forderung von 300 000 M für die Herstellung eines Werkes über die neueren Brücken Berlins abgelehnt, weil es für die Beurtheilung der Forderung noch an jeder materiellen Unterlage fehle. Die Beihilfen für die Grauen Schwestern von der heiligen Elisabeth(1000 M.), für den Preußischen Frauen- und Jungfrauen-Verein zur Unterstützung nicht anerkannter Militärinvaliden(1000 M.), für das Evangelische Magdalenen-Stift(3000 M.), für den Deutschen Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke(100 M.), für die Freiwillige Sanitätskolonne Berlin(300 M.), für den Frauen- verein zur Unterstützung verschämter Armer in Berlin(500 M.) und für das Kuratorium der Berliner Unfall-Stationen(1000 M.) hat der Ausschuß ebenfalls gestrichen. Dagegen beantragt der Ausschuß, den Magistrat zu ersuchen, dem Komitee zur Errichtung eines Denkmals für Herr mann v. Helmholtz einen Beitrag, vielleicht von 2000 M., zu bewilligen. Im Ausschuß war über die Zensur geklagt worden, welche die Firma N a u ck u. H a r t m a n n an den Plakaten für die Anschlagsäulen übt. Der Magistrat hat dagegen ans die straf- rechtliche Verantwortung der Firma für den Inhalt der Plakate hingewiesen. Sladtv. Friede mann begreift die Vorsicht der Firma Nanck u. Hartmann, hätte aber gewünscht, daß die Firma ihr jetziges Zartgefühl bei Plakaten, welche das Publikum beleidigen könnten, schon zu der Zeit bewiesen hätte, als die Hochfluth der A h l w a r d t' s ch e n Agitation durch Berlin ging. Neuerdings scheine die Firma eine nicht ge- rechtfertigte Taktik zn üben: dem fortschrittlichen Verein der Potsdamer Vorstadt habe die Firma ein Plakat zurückgewiesen, aus welches ein Vortrag über„das Berliner Volksfchulwesen und den Minister Bosse" angezeigt war. Der Magistrat solle seinen Einfluß auf die Firma dahin ausüben, daß dergleichen nicht wieder vorkomme. Stadtv. Cassel empfiehlt dem Magistrat, die rechtliche Frage zu prüfen, ob die Firma überhaupt berechtigt sei, solche ganz gesetzlichen Anschläge zurückzuweisen. Stadtv. Sachs I. beantragt, die Frage der Unfallstationen und die Regelung des Verhältnisses der Sanilälswachen zu den Unfallstationen von einem Ausschuß von 10 Mitgliedern vor- prüfen zu lassen. Stadtv. Cassel beantragt, die Beihilfe an das Kuratorium der Uufallstationcn von 1000 M. zu gewähren und den Magistrat zu ersuchen, zu gleichem Zwecke noch weitere 4000 M. zu gewähren. Stadtv. S a ch s I spricht sich dagegen aus, daß den Unfall- stationen eine so hohe Summe gewährt werde. Die Sanilnls- wachen erhalten einen städtischen Zuschuß, und wo die Sanitätswachen mit den Unfallstationen der Berufs- genossenschaften in Verbindung stehen, komme dieser Zu- schuß schon den Unfallstationen mit zu gute. Mindestens müsse die ganze Frage in einem Ausschuß genau geprüft werden. Die Sanitätswachen haben den wohlthätigen Zweck, des NachlS bei Unfällen zu helfen, die Unterstützung der Unfallstationen be- deute aber nur, den Aerzten Konkurrenz zu machen und die reichen Berufsgenossenschaften zu unterstützen. Stadtv. Cassel hebt die Nothwendigkeit dK Unfallstationen im Interesse der Berufsgenossenschaften und zur schleunigen Hilfe bei Unfällen am Tage hervor, da oft Aerzte in ihrer Behausung nicht angetroffen werden. Daß die Sanitätswacheu ihre Räume am Tage den Unfallstationen überlassen, sei nur anzuerkennen. Die Berufsgenossenschaften seien zwar wohlhabend, dürften aber ihr Vermögen nur für die verwenden, welche ihrer Obhut gesetzlich unterstellt seien, aber nicht für jeden Armen, der auf der Straße einen Unfall erleide. Die Sanitätswachen erhielte» jährlich einen Zuschuß von 38 000 M., die Summe, die er beantrage, sei dagegen sehr gering. Mit einer wohlwollenden Berathung seines Antrages in dem Ausschuß sei er einverstanden. Stadtrath N a m s l a u theilt mit, daß die U»fallstationen im Monat Februar in 1133 Fällen benutzt seien, 693 entfielen davon aus Angehörige der Berufsgenossenschaftell; von den übrigen 435 Fällen sei es nur in 261 gelungen. Gebühren für die Behandlung in den Stationen einzuziehen. Die Berufs- genossenschasten seien nicht zu Ausgaben für solche verpflichtet. welche ihnen nicht angehören; deshalb müsse hier die Stadt mit einer Beihilfe eintreten. Stadtv. Zadel: Ich beantragte im vorigen Jahre, eine Organisation des RettungSwesens herbeizuführen und führte aus, daß unsere Stadt darin hinler anderen Städten zurückstehe und die Lösung der Aufgabe durch die Unfallstationen nicht genüge. Unser Antrag wurde abgelehnt. Die erst platonische Liebe des Magistrats zu den UnfaUslalionen ist jetzt in klingende Münze uiligewandell und die Beihilfe ivird später auf 5000 und schließlich im Lause der Jahre auf 50 000 M. steigen. Es ist eine un- zulässige Vermischung zweier Dinge, wenn wir das Rettung»- wesen den Berufsgenossenschaften übergebe»; hier haben wir keine städtischen beamteten Aerzte, sondern Aerzte reicher Eltern, die in der Lage sind, sich eine Klinik zu schaffen, die von den Berufs- genossenschaften veranlaßt werden, Unfallstationen auszumachen, die von den Verufsgenossenschaften ihre Kranken empfangen; dieselben haben nicht das Interesse für ihre Kranken, sie wollen möglichst viel Kapital aus dem Betriebe herausschlagen, ein Interesse, das wir bei städtischen Anstalten nicht verfolgen dürften. Die Unzufriedenheit gegen die Unfallstationen ist unter den Aerzten Berlins sehr allgemein; deren Vertretung hat vielfach erklärt, die Unfallstationen leisteten nicht das, was sie versprechen und bildeten einen unlauteren Wettbewerb gegen unsere Privar- ärzte, Kliniken und städtischen Anstallen. Es ist vorgekommen. daß, obivohl ein Arzt bei einem Verunglückten aus der Straße zugegen war, der Schutzmann doch den Kranken nach der Unfallstation bringen ließ, auch wenn eine städtische Anstalt oder ein Krankenhaus dicht dabei war. Beim Cafe Bauer erschoß sich ein Mann und wurde nach dem Halleschen Thor in die Unfallstalio» in der Wilhelmstraße ge- bracht, obwohl die 5ililik in der Ziegelstraße näher liegt, und von der Wilhelmstraße wurde der Mann doch ins Krankenhaus gebracht. Es besteht das Bedürfniß für eine Rettung bei plötzlichen Erkranknngen und Unfällen am Tage; aus Arbeiter- kreisen ist wiederholt berichtet, daß es nicht möglich war, einen Arzt zu finden. Deshalb ist eine Siegelung des Rettungs- wesens nothwendig. Wie viele Fälle davon entfallen denn auf die Sanitätswachen des Nachts? Auch der Schluß des Stadt- raths aus der Nichtbezahlung der Gebühren trifft nicht z». Die Sanitätsmachen haben überhaupt nicht das Recht, Geld zu nehmen, und es giebt Krankenkasse», die eS verweigern, dafür Bezahlung eintreten zu lassen. Der Schluß, den der Stadtrath daraus zieht, daß die Stadt die Kosten für die nicht bezahlten Fälle tragen muß, ist falsch; in ehr vielen Fällen sind die Krankenkassen und andere Jnstitlue dazu da. Im Interesse der Arbeiter, der Aerzte und aller der- enigen, die heuie zum theil zwangsweise in die Unfall- stationen gebracht werden, bitte ich Sie, dem Antrag Sachs zn- zustimmen. Stadtv. Virchow meint, daß wir noch nicht soweit seien. um eine definitive Organisation des Rettungswesens machen zn können; es könne sich jetzt nur um ein Provisorium handeln. Eine Reihe von Vorwürfen gegen die Unfallstationen sei wohl auf Nero zurückzuführen, der nicht human sei. Die Beschwerden, welche gerechtfertigt waren, iverden von Jahr zu Jahr geringer. Die Leiter der Austalteii haben sich auch bemüht, besser geschulte ärzliche Kräfte an die Spitze der Stationen zu stellen. Es sei eine weise Politik, diese Entwickclung nicht durch eine Organisation von außen zu stören. Nach Annahme eines Schlußantrages wird die Beihilfe von 1000 M. für die Unfallstationen angenommen. Ter zweite Theil des Antrages Cassel und der Antrag Sachs werde» daraus zurückgezogen. Die übrigen Anträge des Ausschusses zum Etat„Verschiedene Einnahmen und Ausgaben" werden angenonimen. Im Etat des Hochbaues hat der Ausschuß die Forderung von 100 000 M. zum Umbau des Leichcnhauses und Neubau eines Stalles für Versuchsthiere beim Krankenhause Friedrichs- Hain abgelehnt, weil zunächst ein generelles Projekt über die in Aussicht genommenen Umbauten und Verbesserungen in diesem Krankenhause vorgelegt iverden müsse. Ferner beantragt der Ausschuß, die vorjährige Resolution z» wiederholen, worin der Magistrat ersucht wird, thunlichst darauf bedacht zu nehmen, daß Ausgabeposteii erst dann in den Etat eingestellt werden, wenn die bezüglichen Projekte und Kostennn- 'chläge von der Versammlung definitiv genehmigt sind. Die Beschlüsse des Zlusschusfes werden bestätigt. Die zur Durchführung der P a r o ch i a l st r a ß e nach der Neuen Friedrichstraße projcktirlen Baufluchllinien werde» ge- nehmigt. Die Vorlage, betreffend die Veranstaltung eines Zyklus von Vorträge» über Elektrotechnik für städtische Be- amte ist gegenstandslos geworden, da der dafür in Aussicht genoinmene Vortragende Professor an der Technischen Hoch- 'chule Dr. W e d d i n g seine Bereitwilligkeit dazu infolge >er Verhandlungen in der Stadtverordneten- Versa»»«- lung zurückgezogen hat; der Ausschuß beantragt ,»»!- mehr: die Versammlung erklärt es für wünschenswerth. daß wissenschaftliche und technische Vorlesungen für städtische Beamte eingerichtet werden, und ersucht den Magistrat um eine dies- bezügliche Vorlage. Der Ausschußantrag wird angenommen. Bezüglich der Vorlage über die von Mitgliedern der Versamui- Tung beantragte Herstellung einer rechtsfeitigen Uferstraße Eines noch. Der Verfasser des Artikels in der„ Vossischen Die Anlage der Fettgas- Anstalt, welche von der Eisens zwischen Waisenbrücke und Mühlendam m, 3eitung" fordert mit Recht, mit Recht, daß der Kriminalbeamte, bahn- Berwaltung in der Gegend des Anhalter Bahnhofes ge= in welcher der Magiftrat die Herstellung dieser Straße ablehnt, dem die Aufgabe gestellt ist, die Aufgabe gestellt ist, einen Mörder zu ent plant war, hat die erforderliche behördliche Genehmigung nicht wird auf Antrag des Stadtv. Sa ch 3 Il beschlossen, den Magi- decken, beileibe fein trockener Attenmensch, sondern ein Mann erhalten. strat zu ersuchen, die Angelegenheit nochmals in gemischter Depu- mit Kombinationsvermögen, mit Phantasie sein müsse. Er bedauert, tation zu berathen. daß solche Köpfe nur gar zu selten in der Berliner Kriminal- Künstler mit einem fogen. Bigblatt gemacht, das unter dem Titel Seltsame Erfahrungen haben neuerdings verschiedene Das Verzeichniß der im Etatsjahre 1896/97 neu- bezw. um- polizei zu finden feien. Wohl ebenfalls mit Recht. Defto häufiger Große Schnauze" in der Friedrichstraße ausgeboten wird. Sie zupflasternden Straßen und Pläge wird genehmigt. finden wir diese phantasiebegabten Beamten aber in der politischen Die Vorlage, betreffend den Erwerb des Insel Abtheilung vertreten, wo sie nur zu oft ihre Talente unnütz ver- waren nicht wenig überrascht, als sie das Blatt mit alten speicher Grundstücks An der Fischerbrücke 17/18 wird pulvern und, wie in der Aktion gegen Auer und Genossen, in der Illustrationen von ihrer Hand ausgestattet fanden. Obendrein nach dem Ausschußantrag abgelehnt, weil eine Verbreiterung der Admiralstraßen- Affäre u. f. w. u. s. w. Gräuelthaten vermuthen, haben jene Künstler niemals mit dem Blatte etwas zu thun gewaren von den Bildern die Jahreszahlen entfernt. Thatsächlich Straße An der Fischerbrücke zur Zeit noch nicht nöthig und der wo solche absolut nicht vorhanden sind. geforderte Preis von 3 Millionen Mart für das Grundstück exorbitant hoch sei. " Der preußische Landtag sollte einmal eine Statistik der poli- habt. Die Sache ist eine Folge des" Cliché- Handels. Vielfach Der Ausschuß für die projektirten Brückenbauten hat& tämen da vielleicht manche interessante Daten an den Tag. blätter und werden dann zum Schluß an„ Cliché- Händler" vertischen und kriminalistischen Polizei und ihrer Thätigkeit fordern. machen Jllustrationen, nachdem fie der Verleger für seinen es eigenen Berlag benutzt hat, noch die Runde durch die Sonntagsden Neubau einer Brücke im Zuge der Köthenerstraße ab- Jedenfalls ist auch in Deutschland wie anderwärts die tauft, die womöglich im gegenseitigen Austausch mit einander gelehnt, die Umbauten der Potsdamer, Schöne politische Polizei das größte Hinderniß einer guten Sicherstehen. Die Illustratoren wollen jetzt, wie schon erwähnt, daberger und Alsenbrücke aber genehmigt, und zwar den heits- und Kriminalpolizei.Umbau der Potsdamer Brücke mit der Maßgabe, daß gegen energisch Stellung nehmen. Wie die Tägl. Rdsch." hört, der Fahrdamm der Brücke im Zuge der Potsdamerstraße auf tretung des Preßgesetzes ist gegen Mitglieder der Kommiffion 9aben sich auch einige maßgebende Verleger schon auf ihre Seite 15 statt der projektirten 13 Meter und im Zuge der Viktoria- für den Austritt aus der Landeskirche eingeleitet straße auf 11 statt 9 Meter verbreitert werde, sowie den Umbau worden. Vor kurzem wurde bekanntlich von Sistirungen und Herr und Fran Müller. In Nr. 127 der Boff. 3tg." der Alsenbrücke mit der Maßgabe, daß die Brücke von 141/2 Ronfistationen gemeldet, welche sich gegen die Kommiffion ge- ftehen hintereinander zwei Anzeigen, die für die Anschauungen, auf 16 Meter und der Fahrdamm von 8/2 auf 11 Meter verrichtet hätten. Diesem behördlichen Vorgehen liegt folgender welche noch in gewissen Kreisen des europäischen Reiches der Die Bersammlung lehnt die Brücke im Zuge der Röthener: Thatbestand zu grunde: Die Kommission hat für ihre Zwecke Mitte herrschen, unvergleichlich typisch find. Formulare drucken lassen, die folgendermaßen aussehen: straße ohne Debatte ab. Berlin, den... breitert werde. Das Projekt der Potsdamer- Brücke wird auf Antrag der Stadtvv. Wohlgemuth und Klefeld zur nochmaligen Prüfung an den Ausschuß zurückgewiesen. Die Umbauten der Schöneberger- und der Alsenbrücke werden genehmigt. Die Vorlage, betreffend die Einfeßung einer selbständigen ,, Deputation für die städtische Frrenpflege" anstatt des bisherigen Kuratoriums der Frrenanstalten wird genehmigt. • 18. zeichnete... hiermit den Austritt aus der Landeskirche an. Einem Königlichen Amtsgericht I melde 6. Unter Wohnung Religion Vor- u. Zuname Stand Anzeige 1 lautet: Suche zum 1. April ein älteres besseres Stubenmädchen, das schon in adligen Häusern gewesen. Meldungen zwischen 11 und 1 Uhr. Frau Müller, geb. von Wedel, W.,.... ftr. 9 I." Anzeige 2: Suche zum 1. April eine Kinderfrau oder ält. Kindermädchen, d. schon in adligen Häusern gewesen, zu zwei Kindern von 10 Monaten und 2 Jahren. Meld. zwischen 11 und 1 Uhr. Rittmeister Müller, W., R.. ftraße 9 I." Bei all seiner erheiternden Wirkung wird dies Bild gerade die einfichtigen Interessenten der absterbenden bürgerlichen Gesellschaftsordnung recht trübe stimmen. Denn während draußen Die Vorlagen wegen Erwerbung eines Landstreifens immer vernehmlicher und siegesfroher für die foziale Gleichheit des alten Garnison- Kirchhofs an der Gormannstraße zum Zwecke Auf der Rückseite des Formulars befindet sich die Adresse: alles dessen, was Menschenantlig trägt, gekämpft wird, bringt der Straßenverbreiterung und wegen Erwerbung des Grund- An das königliche Amtsgericht I 2c. Auf diesen Formularen man, wie Figura zeigt, im bedrängten Heerlager noch die Beit stücks der Firma F. Gaebert, Lothringerstraße 36 und Zehdenicker- fehlt nun, genau so wie auf amtlichen und wohl so ziem- damit zu, Distinktionen selbst zwischen bürgerlichen und adeligen ftraße 23 zum Zwecke der Verlängerung der Gormannstraße bis lich allen sonstigen Geschäftsformularen der Name Kindermädchen zu finden. Das ist eine abgeschmackte Kopie zur Zehdenickerstraße werden einem Ausschuß von 15 Mitgliedern des Druckers und Verlegers() und daher ist auf des tragi- komischen Gebahrens der Vertreter des ancien régime überwiesen. grund des§6 des Reichs- Preßgefezes die gerichtliche Beim vorigen Jahrhundert. Die Stadtv. E3mann, Michelet, Hellriegel, fchlagnahme erfolgt. Es hat dabei für den Richter nichts Säsecke und Alt haben folgenden dringlichen Antrag gestellt: ausgemacht, daß derselbe§ 6 des Reichs- Preßgefeßes, von Den Magistrat zu ersuchen, er möge schon jetzt Schritte thun beim dem er die Berechtigung zu dieser von der Amtsanwaltschaft Polizeipräsidium dahin, daß die nach der Berliner Bauordnung beantragten Handlung herleitet, ausdrücklich" Formu bei Neubauten inne zu haltenden Fristen bei Erbauung lare, Preiszettel, Bisitenkarten und dergleichen" als Druck: des Feuerwachtgebäudes in der Wilnerstraße ausnahmsweise ab- fchriften bezeichnet, die den Namen des Druckers und Berlegers gekürzt werden, so daß die Ingebrauchnahme spätestens am nicht zu tragen brauchen! 1. Januar 1897 erfolgen tann. Für die gehörige Austrocknung der Wohnräume, nöthigenfalls durch künstliche Mittel, wolle der Magistrat Sorge tragen. Stadtv. E3 maun wirft in feiner Begründung des Antrages dem Magiftrat vor, daß dieser die Angelegenheit bisher nicht mit der wünschenswerthen Schleunigkeit gefördert habe. Der Magistrat folle sich nun vom Polizeipräsidium einen Vortonsens geben laffen, damit sofort mit dem Bau begonnen werden tönne, sobald das Bauprojekt fertig sei. Die Straffache richtet sich gegen Hoffmann und Genossen. Auf den Ausgang dieser für die Entwicklung unserer Preßzustände bezeichnenden Aktion darf man füglich gespannt sein. = Der jüdisch- chriftliche Sängerkrieg wird in der bürgerlichen Bresse munter fortgesetzt. Jetzt liegen sich Reichsbote" und Berliner Tageblatt" in den Haaren. Beide Blätter kämpfen mit Waffen, die ihrer Natur entsprechen. " Die berühmte Ravené'sche Gemäldesammlung soll, wie biesige Blätter melden, im Juli d. J. nach dem Prachtbau der tatt wie bisher wöchentlich zweimal, brei bis viermal in der Firma Jakob Ravené Söhne u. Cie. verlegt werden und dann, Woche geöffnet sein. Woche geöffnet sein. Die Treptower Chauffee soll nach neuerer Bestimmung nicht schon am 1. April, sondern erst am 7. April für den öffentlichen Verkehr gesperrt werden. Daß vom Richtertische aus den Beamten Höflichkeit gegen das Publikum ans Herz gelegt wird, ist ein sehr angenehmes Ereigniß, welches leider nur vereinzelt vorkommt. In der gestrigen Schwur gerichtssitzung des Landgerichts II. hatte ein Gerichtsdiener einen Zeugen aufzurufen, er öffnete die Saalthür und rief einfach den Das Paftorenblatt faucht: So anerkennenswerth die Ab- tamen auf den Korridor, ohne den üblichen Zusatz Herr" zu sicht ist, die Schäße der evangelischen Kirchenmusik den weiteren machen. Der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Renckhof rügte Stadtbaurath Blantenstein vertheidigt sich gegen den Boltskreisen zu erschließen", so wird doch ein feineres chriftliches dieses Verfahren mit den Worten:" Etwas mehr Höflichkeit Vorwurf, das Bauprojekt habe verschiedene Anstände der Polizei Empfinden dadurch verlegt, daß seit geraumer Zeit die Kaifer- gegen das Publikum wäre dringend zu empfehlen!" Das zog, erfahren, dadurch sei die Sache verzögert; das Projekt werde Wilhelm- Gedächtnißkirche einem zu einem großen Theile aus der nächste Zenge wurde„ Herr N." gerufen. so schnell wie möglich aufgestellt. Ob die Fristen für die Be- jüdischen Mitgliedern bestehenden und von einem jüdischen nugung abgekürzt werden könnten, hänge wesentlich vom Wetter Dirigenten geleiteten Gesangverein zur Aufführung chriftlicher Abermals ein Duellmord! Im Duell wurde gestern früh bei der Aufführung des Baues ab. Chorwerte überlassen wird." Stadtv. Wohlgemuth ist gegen den Antrag, weil die Versammlung nicht die Verantwortung dafür übernehmen könne, der sich freilich in seinem engherzigen Parteifanatismus um Darauf das Organ des Herrn Moffe:„ Der„ Reichsbote", wenn die Bewohner infolge der Feuchtigkeit frant würden. Wegen eingetretener Beschlußunfähigkeit wird die Situngünstlerische Dinge wenig kümmert, weiß nicht, daß die Wieber des Paulus durch den Stern'schen Gesangverein gegen 9 Uhr geschloffen. Nächste Sigung Montag 5 Uhr um diesen handelt es sich vom Kaiser, dem summus episnachmittags. " Stelle melden. Lokales. " in den Potsdamer Jägerschießständen der dortige Recht 3. schossen. Sein Gegner ist Marine- Offizier, ein Herr anwalt und Reservelieutenant Ernst 8enter erv. effelbold. Den Anlaß zu dem Duell sollen, wie das Berl. Tgbl." schreibt, die Beziehungen des Mörders zu einer Dame gegeben haben. Nur luftig so weiter gemordet, ihr be copus der evangelischen Kirche, befohlen worden sind." rufenen Rämpfer für Ordnung, Religion und Sitte! Jhr wißt Bislang that der Reichsbote" sich etwas darauf zu gute, ia garnicht, wie sehr solche Heldenthat und die Art, wie sie von im Verein mit einigen Blättern seiner Geiftesrichtung im denun- Euch betrachtet wird, jeden Menschen von Ehre und Gefittung ziren besonders frisch und munter zu sein. Wie wäre es, wenn geradezu in das Lager des„ Umfturzes" drängen muß! Den Parteigenoffen in Charlottenburg sei zu bevor- nunmehr bei geeigneter Fortsegung des Krieges das Tageblatt" Ein zweites Pistolenduell hat gestern früh im Grunewald stehendem Quartalswechsel die Parteispedition in Grinnerung dem Reichsboten" zu einem kleinen Majestätsbeleidigungsprozeß zwischen zwei Rechtsanwälten stattgefunden. Einer der Gegner gebracht. Bestellungen auf den Vorwärts", das Volksblatt" verhülfe? wohnt in Berlin, der andere in Breslau. Die Veranlassung zu den Wahren Jakob" sowie auf die sonstige Parteiliteratur wolle Das Nachrichtenmonopol des Wolff'schen Telegraphen- dem Zweikampfe ist auf das Verhalten des einen Anwaltes man bei G. Scharnberg, Pestalozzistraße 27, aufgeben. Be- Bureaus, das wir in unserer Nummer vom 6. März d. I. ge- gegenüber einer Dame zurückzuführen, die dem anderen sehr nahe schwerden über unpünktliche Lieferung sowie Wohnungs- legentlich der Ueberraschung mit offenbar polizeilichen Lokal- fteht. Die Bedingungen waren nicht allzuscharf; es wurde aber veränderungen wolle man ebenfalls möglichst zeitig an dieser nachrichten entsprechend gewürdigt haben, wird jetzt auch in der mit gezogenen Pistolen geschossen. Der Forderer wurde am bürgerlichen Presse zum Gegenstand der Kritik gemacht. Die rechten Arme nicht sehr bedeutend verlegt. An die Parteigenoffen in Treptow( Baumschulenweg)! Freis. 3tg." schreibt:" Jezt ladet auf einmal die Aktiengesell- Daß am Mittwoch Abend ein Gewitter über Berlin Seit Jahresfrist ist die Spedition unseres Parteiorgans durch schaft des Wolff'schen Telegraphen Bureaus die Berliner Zeitungen dahingezogen ist, haben sicherlich nur wenige Personen bemerkt, Bersammlungsbeschluß dem Bertrauensmann des Ortes im ein, an sie monatlich den Betrag von 35 M. zu bezahlen für die dahingezogen ist, haben sicherlich nur wenige Personen bemerkt, wohl aber hat es die Telephonämter zur Unterbrechung ihres Barteiintereffe übergeben; da die hieraus erzielten Ueberschüffe Mittheilung von Lokalnachrichten, die sich nach den eingesandten Betriebes in der Zeit von 6 Uhr 55 Minuten bis 7 Uhr 40 Min. faft die einzige Einnahmequelle für die zur Förderung unserer Proben darstellen als die alten Polizeinachrichten, welche früher genöthigt. Daß schon im März derartige durch Gewitter ver Interessen nothwendigen Ausgaben bilden, ist es Pflicht eines direkt vom Polizeipräsidium den Zeitungen zugingen. Es scheint anlaßte Störungen eintreten, ist ein sehr seltener Fall, in der jeden Genossen, seine Zeitung durch die Parteispedition zu be- also, daß die Aktiengesellschaft des Wolff'schen Telegraphen Regel fanden bisher solche Unterbrechungen erst im Mai statt. ziehen. Bestellungen auf den„ Vorwärts" werden entgegen. Bureaus die Verhökerung der Polizeineuigkeiten übernommen hat. Regel fanden bisher solche Unterbrechungen erst im Mai statt. genommen bei P. Fischer, Bigarrrenhändler, Baumschulenweg; Ob das Polizeipräsidium auf diesem Umwege aus der Ueber- Im Eisenbahnbetriebe ist Donnerstag früh der Arbeiter G. Schmidt, Riefholzweg; und beim Vertrauensmann Th. Teutsch, mittelung jener Nachrichten eine Einnahme zieht, wissen wir Böhm aus der Lehrterstraße 52 schwer verunglückt. Böhm war Ernststr. 9. Bugleich richten wir an diejenigen Genoffen, welche nicht, ebenso wenig, ivo eventuell diefe Einnahme etatisirt oder auf dem Lehrter Rangirbahnhofe beim Rangiren beschäftigt und Mitglieder des Lese- und Diskutirklub Hasenclever" waren und verrechnet wird." Auch die Staatsb.- 3tg." meint: Die Deffent- gerieth so unglücklich in das Getriebe, daß ihm die rechte Hand sich noch im Besige von Büchern aus der Bibliothek des Klubs lichkeit hat jetzt allerdings ein Interesse an der Beantwortung vollständig abgerissen wurde. Der Unglückliche wurde außerdem befinden, die Bitte, diefelben an Genossen R. Pietsch, Baum der Frage: Bekommt das" Wolff'sche Telegraphen- Bureau" die zu Boden geworfen und am Kopfe nicht unbedeutend verlegt. schulenweg 82, vorn 8 Tr. abzuliefern. Polizeinachrichten" umsonst, oder was bezahlt es dafür? Man brachte ihn mit einem Trageforbe in ein Krankenhaus. Es muß mindestens auffallen, daß das Berliner Polizeipräsidium gerade jetzt die Monopolisirung der Berichterstattung auf diese Weife förderte. Der Vertrauensmann: Th. Teutsch. " " " Auf entsetzliche Weise ist gestern vormittag um 9/4 Uhr der 52 jährige Monteur Holzendorf aus Wlagdeburg auf gesehen Die Unzulänglichkeit der Berliner Sicherheitspolizei ist allgemein anerkannt. Die Urheber größerer Verbrechen werden dem Grundstück Blumenstraße 32 ums Leben gekommen. feit längerer Zeit in der Regel nicht mehr entdeckt. Einzelne Bei Einrichtung der Bahnsteigsperre wurden als Sperr- Sier befindet sich die Hätselschneiderei von Meyer, die vor vier Fälle aufzuzählen ist nicht nothwendig, da die Thatsache Schaffner hauptsächlich Bugbeamte angestellt, die bis dahin im Wochen eine neue Maschine von Rappler aus Magdeburg be notorisch. Ein längerer Aufsatz der Bossischen Zeitung" vom Fahrdienste beschäftigt worden waren. Da diesen Beamten in zogen hat. Mit der Aufstellung und Einrichtung der neuen Donnerstag giebt dem„ kriminalistischen Zopf" die Schuld. Mit ihrer neuen Stellung die im Zugdienste vorkommenden Rilometer Schneidemaschine war Holzendorf feit vier Wochen beschäftigt. Unrecht. Der„ friminalistische Zopf" ist auch in England noch gelber verloren gingen, so drängten sie sich natürlich nicht zu Gestern dachte er mit seiner Arbeit fertig zu werden, und morgens nicht abgeschnitten, und doch ist die Londoner Polizei weit ge- diesen neuen Stellungen, die auf größeren Stationen durchaus früh hatte er eben eben an seine Firma geschrieben, daß er schickter im Entdecken von Verbrechern als die Berliner. Der feine Ruheposten sind, sondern sie wurden einfach zu dem neuen abends nach Magdeburg zurückkehren werde. Um 91/4 Uhr hörten wahre Grund ist, wie wir schon neulich hervorgehoben haben, Amte befohlen, und dem Arbeitsbefehl gegenüber giebt es feinen Arbeiter der Hätselschneiderei, die in einiger Entfernung von daß in Berlin die Kriminalpolizei der politischen Polizei" Widerspruch. Diese Beamten erhielten im Fahrdienste eine der neuen Maschine beschäftigt waren, einen lauten Schrei. Sie untergeordnet ist und erst in zweiter Linie fommt. Was Stellungszulage, die im Voraus gezahlt wurde, bei Antritt der stürzten auf die Maschine zu und fanden den Monteur, der diese die politische Polizei" ist, das wissen wir fie hat auf neuen Stellungen den Betreffenden also bereits für das begonnene probirt hatte, in einem furchtbaren Zustande auf. Holzendorf Und Vierteljahr ausgezahlt worden war. Nunmehr ist, wie die war, wie man nach Lage der Sache annehmen muß Staatsfeinde und staatsfeindliche Ideen Jagd zu machen. Und Vierteljahr ausgezahlt worden war. diese Jagd ist eine noch weit schwierigere Arbeit als das Fahren Brest. 3tg." erfährt, verfügt worden, daß die Stellungszulage hat niemand den Vorgang mit einem Rockzipfel an die Welle mit dem noch nicht erfundenen lenkbaren Luftschiff. im Sperrschaffnerdienste nicht nur wegfällt, sondern daß die gerathen, von dieser aufgerollt und wiederholt herumgeschleudert Alle Versuche sind bisher mißlungen aber je bereits ausgezahlten Quoten durch Gehalts worden. Mit großer Wucht war er mit dem Kopfe gegen die größer das Fiasto, desto eifriger wird die Jago fort abzüge wieder einzubringen sind. Das ist die Sozial- Wand geschlagen und schließlich ganz zerschmettert worden. Der gefeßt. Und bei den heutigen Machthabern steht diese politit im Reiche des Herrn Thielen. Tod war auf der Stelle eingetreten. Die Leiche wurde von der Jagd noch über den anderen Jagden. Die besten Köpfe Fünfpfennig- Omnibusfe. Zwei hiesige Unternehmer( Kauf- Revierpolizei nach dem Schauhause abgeholt. der Polizei werden die politische Abtheilung mann Theodor Sernan in Firma Gebr. Sernau und der Bei der Arbeit ist gestern mittag der Schloffer Weiß vom geftedt, die kriminalistische muß natürlich hierunter Stadtbaurath a. D. und Regierungsbaumeister Otto Lohausen) Grünen Weg Nr. 2 verunglückt. Er war beim Schloffer Franke Leiden. In Frankreich hat man bies schon lange haben beim königl. Polizei- Präsidium und beim Magistrat die in der Admiralstraße beschäftigt. Als er gestern am Schraubstock bemerkt und öffentlich festgestellt. Je mehr die politische Grtheilung einer Konzession auf die Dauer von 25 Jahren zur stand, fiel ihm von einem Brettergestell, auf dem altes Eisen Bolizei dort zu thun hatte, desto schlechter war die Kriminal- Betreibung von nachbenannten 12 Omnibuslinien bei einem Fahr aufgehoben wird, ein Eisenstück auf den Hinterkopf und verlegte polizei. Und so zahlreich befeßt wie in Deutschland war die preise von 5 Pfennigen nachgesucht und zwar für die Linie ihn so schwer, daß er sich in ärztliche Behandlung begeben politische Polizei niemals( 3) in Frankreich, selbst nicht unter dem 1. Friedrichstraße von der Leipzigerstraße bis Bahnhof Friedrich- mußte. britten Kaiserreich. Die Anklageschrift in dem Vereinsgefeß- ftraße, 2. Leipzigerstraße vom Potsdamer Platz bis Spittelmarkt, Arbeiterrifiko. Von dem Dache eines Neubaues in der Prozeß gegen Auer und Genossen beweist die bauernde, B. Königstraßen- Linie vom Werderschen Markt über den jahrelange Verwendung von mindestens einem halben Schloßplay bis Alexanderplat, 4. Oranienstraße von Jerufalemer Bannierstraße zu Rigdorf fiel am Dienstag Abend ein KlempnerDutzend Kriminalpolizisten und das zur Ermittelung eines Rirche bis zum Oranienplay, 5. Lindenstraßen- Jerufalemerstraßen- geselle auf die Straße hinab. Schwerverletzt wurde der Unglück. Verbrechens", das in den Augen aufgeklärter Menschen Linie vom Belle- Alliance- Platz bis Hausvoigteiplay, 6. Lands- liche nach dem Krankenhaus am Urban gebracht. überhaupt tein Verbrechen ist, sondern die bergerstraße vom Alexander- bis Landsbergerplay, 7. Königgräger- Als Leiche ist der 42 jährige Fuhrherr Friedrich Schmidt Ausübung eines natürlichen Rechts. straße vom Botsdamer Bahnhof bis Hallesches Thor, 8. Chauffees aus der Scharnhorststr. 7a in der Spree wiedergefunden worden, ftraße von Oranienburgerstraße bis zum Weddingplay, 9. Rosen- der sich am 26. v. M. in Pantoffeln aus seiner Wohnung ent thalerstraße vom Hackschen Markt bis Invalidenstraße, fernte, während die Frau im Stalle zu thun hatte. geschwemmt und gelandet wurde gestern am Mühlendamm die Leiche einer etwa 20-25 Jahre alten Franensperson, die wohl schon 8-10 Wochen im Waffer gelegen haben mag. in Wäre dieses halbe Dugend Polizeibeamter dem Kriminaldienft nicht entzogen und wäre es zur Verhütung und Entdeckung von Verbrechen verstärkt worden, wer weiß, ob der Mord der Galle nicht verhütet oder wenigstens der Mörder entdeckt worden wäre. 10. Röpnickerstraße vom Schlesischen Thor bis Mariannen- Ufer, 11. Küstriner Play- Schlesischer Bahnhof- Breslauer, Holzmartt straße, 12. Blücherstraße von Blücherplatz bis Hafenhaide. An= Sundert Mark Belohnung sind auf die Auffindung des unsolidarische Bildhauer pochend den Kampf aushalten zu können Ju der Schuhfabrik von Heinrich Töpfer in Herrn Dr. Eduard Ferber, der, wie wir in der Sonntags: glauben, oder aber solche, welche wegen mangelnder Aufträge Dresden ist wegen Herabfehung des Lohns ein Streit aus nummer berichteten, feit 3 Wochen vermißt wird, ausgesetzt keinen Bedarf an Leuten haben, hat keinerlei Einfluß auf das gebrochen. worden. Der Vermißte war mit grauer Hose, schwarzem Geh- günftige Gesammtergebniß. Es ist in einer ganzen Reihe von leber 1000 Maurer legten gestern in Hannover die rock, braunem Winterpaletot und braunem Hut bekleidet, hat Werkstätten, wo es nicht zu erwarten war, die Lohnarbeit und Arbeit nieder, weil die Unternehmer es ablehnten, den schon dunklen Vollbart, Zahnlücke im rechten Oberkiefer und gekrümmte 81/2 stündige Arbeitszeit eingeführt worden. Sämmtliche noch früher gezahlten Stundenlohn von 45 Pf., der auf 38-42 Pf. geUnterarme. Meldungen nimmt Polizeirevier 11( Jnvalidenstr. 144) Streitende sind bereits anderweitig in Arbeit getreten. sunten ist, wieder zu zahlen. entgegen. Mit einem Knaben auf dem Arme fiel Donnerstag Vormittag gegen 91/2 Uhr eine unbekannte Frau, nach dem Tragen der Ringe zu urtheilen, eine Wittwe, in der Friedrichstraße vor dem Hause Nr. 104 plöglich um und blieb bewußtlos liegen. Der etwa 2 Jahre alte Knabe, der kurz vorher operirt worden zu sein scheint, tam ohne Verlegung davon. Ein Schuhmann des 6. Reviers nahm sich der Kranken an und brachte sie mit dem Kinde in ein Krankenhaus. Die Frau ist noch nicht vernehmungsfähig. Versammlungen. Die Gipsbildhauer und Modellenre Berlins sind gleichfalls in eine Lohnbewegung eingetreten.( Die Forderungen sinden unsere Leser in dem Bericht, der unter der Rubrik" VerDie freie Vereinigung der Händler- und Händlerinnen sammlungen" veröffentlicht ist.) Sie beschlossen ferner, alle verhandelte am 20. März in einer längeren Auseinandersetzung Studateurarbeiten, die ihnen zur Fertigstellung während über die fernere Gestaltung der Organisation. Hierauf wurde des Lohnkampfes der Stuckateure angeboten würden, zurückzu- die Abrechnung vom letzten Vergnügen unterbreitet, die einen weisen, wodurch dokumentirt werden soll, daß die Modelleure, Ueberschuß von 11,40 M. ergab. Sodann bewilligte die Vertrotzdem sie zum ersten Male in eine Lohnbewegung treten, den sammlung den Textilarbeitern in Rottbus 5 M. Charakter und die Aufgaben der Gewerkschaftsbewegung begriffen Die Stellmacher faßten am Dienstag in der öffentlichen haben. Endgültige Entscheidung darüber, ob die Forderungen Versammlung bei Noad, Brunnenstr. 16, folgende Resolution: burch einen allgemeinen Streit oder im Wege des partiellen Beim Fensterpuken verunglückt ist gestern Nachmittag Kampfes erfochten werden sollen, wird in einer Versammlung Die Versammlung bedauert das Vorgehen der Streitbrecher, die 22 jährige Tochter des Gärtners Adam in der Balliſaden am nächsten Mittwoch nach Ermittelung des bis dahin erreichten durch welche der Streit zum größten theil illuforisch gemacht ist. Pallisaden- Kampfes Straße. Das junge Mädchen hatte sich zur bequemeren Reinigung Ergebnisses getroffen werden. Aber trotzdem wird beschlossen, ehrlich weiter zu kämpfen. der Fenster der im vierten Stock gelegenen elterlichen Wohnung auf die Fensterbrüstung gestellt, verlor plötzlich das Gleichgewicht und stürzte nach dem Hof hinab in die Tiefe. Mit zerschmetterten Gliedern und schweren inneren Verlegungen wurde die Unglückliche nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht, wo sie kurz nach ihrer Einlieferung verstarb. Wetter Prognose für Freitag, den 27. März 1896. Ziemlich trübes, am Tage fühleres Wetter mit Regenfällen und frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Gewerkschaftliches. Die Berliner Gewerkschafts- Kommission. J. A.: R. Millarg. Den Tischlern in Rigdorf und Berlin zur Nachricht, daß der Tischlermeister Maat, Hermannstr. 199, den unterschriebenen Tarif nicht mehr bezahlt, weshalb sich die bei ihm beschäftigten Kollegen feit Montag im Streit befinden. Da die Arbeit sehr dringend ist, will sie Herr Maat an andere Meister vergeben. Deutscher Holzarbeiter Verband, 3ahlstelles Rigdorf. 1 Der Streik in der Eisenmöbel Fabrik von C. Schulz in Berlin, Hafenhaide 9, ist zu ungunsten der Arbeiter beendet. Der Streik der Steinarbeiter bei Schlick in Hamburg hat sich auf den Platz von Reimer ausgedehnt, weil den dort be" 1 Berichtigung. In dem Bericht der öffentlichen Putzerversammlung in unserer gestrigen Nummer muß es heißen statt ( organisirt 730) un organisirt 730. Organisirt 358. Arbeiter- Bildungsschule. Unterricht am Freitag. Südo ft- Schule, Waldemarstr. 14: Rede- lebung. Nord- Schule, Müllerstr. 179 a: Geschichte. Beginn 9 Uhr, Schluß 10% Uhr. Die Schulräume sind zur Be= uuzung der Bibliother und des reichhaltigen Zeitschriftenmaterials schon von Uhr an geöffnet. Verein für gesundheitsgemäße Erziehung der Jugend. Freitag, den 27. März, abends 8 Uhr, in Kühne's Gesellschaftshaus, Niederwallstr. 20: Tagesordnung: Die gewerbliche NebenDeffentliche Versammlung. beschäftigung der Schulkinder. Referenten: Frau Sanitätsrath Dr. Schwerin Vermischkes. und Herr Rettor Bandt. " An die Gewerkschaften Berlins! Wir geben hierdurch schäftigten Kameraden zugemuthet wurde, Arbeit für Schlick zu Verhaftet wurde in Glatz wegen eines Sittlichkeitsvergehens bekannt, daß innerhalb der nächsten Woche die Abrechnung machen, was sie selbstverständlich verweigerten. Wir ersuchen der Spezialarzt für Gehörleidende", Gustav Giese aus Berlin. über den Konfettionsarbeiter- Streit stattfindet. die Steinmeßen Deutschlands um solidarisches Verhalten gegen. Der Verhaftete hatte sich in einem dortigen Hotel einlogirt und Wir fordern hiermit Inhaber von Listen für die Konfektions- über den Hamburgern. Die Geschäftsleitung der Steinarbeiter empfing u. a. auch eine Frau, welche mit ihm über Entnahme arbeiter zum letzten Male auf, dieselben auf dem Gewerkschafts- Deutschlands. J. V.: Ph. Thomas. eines Gehörapparates unterhandeln wollte. Nachdem der Kauf Bureau, Annenstr. 16 part., in der Zeit von 9-1 Uhr vormittags und 6-8 Uhr abends abzuliefern. Die Namen der Restanten Lohnbewegung einzutreten. Die Branche der Stuhlmacher hat jedoch und schrie aus Leibeskräften, infolgedessen Hotelbedienstete Die Tischler in Burg bei Magdeburg beabsichtigen, in eine abgeschlossen, hielt er die Patientin gewaltsam zurück und be läftigte dieselbe mit unfittlichen Anträgen. Lehtere wehrte sich werden den einzelnen Gewerkschaften alsdann mitgetheilt werden, bereits am 7. März ihre Forderungen gestellt: 9/2 ftündige herbeieilten, welche die Verhaftung des Spezialarztes" verwenn diese Aufforderung nichts genutzt haben sollte. Arbeitszeit und Lohnzuschlag bis zu 10 pet. Die Forderungen anlaßten. Derselbe wurde hierauf dem Gerichtsgefänguiffe zuwurden bewilligt. Das Groß der Tischler wird am 1. April die geführt. Arbeit einstellen, wenn ihm dieselben Forderungen nicht gleichfalls bewilligt werden. Der Ausfah in den russischen Ostsee- Provinzen. Die In den Ausstand würden dann hiesigen Neuesten Nachrichten" erhalten folgende Nachricht aus 200 Tischler treten. Die Innungsmeister sind bis jetzt noch nicht Thorn:" Wie der„ Ostdeutsche Grenzbote" meldet, sind in den zur Bewilligung geneigt; es wäre deshalb wohl an der Zeit, ruffifchen Offeeprovinzen mehrere bundert Menschen wenn die Berliner Tischlerinnung ihre Beschlüsse, be- am Au 3say erkrankt. Die entfegliche Seuche verbreitet treffend Anstrebung einer Verkürzung der Arbeitszeit in der sich immer weiter, da nur ein Theil der Erkrankten in besonderen Provinz, in die That umsehen und zu diesem Zwecke einen kleinen Asylen untergebracht worden ist. Der Livländische Landtag hat Druck ausüben würde auf ihre Innungskollegen in den Städten, daher beschlossen, daß jeder Ausfähige auf Kosten des Landes in von den Gehilfen Forderungen auf Verkürzung der Arbeits- ein Asyl aufgenommen werden muß. Der Bureaukrat thut seine Pflicht. Aus Wien wird Zur Buchdruckerbewegung. Der Verein Leipziger dem Berl. Tageblatt" berichtet: Vielbesprochen wird hier eine Buchdruckergehilfen beauftragte seinen Vorstand, bei der Innung eigenartige Entscheidung der Wiener Polizeidirektion. Das soLeipziger Buchdruckereibefizer dahin vorstellig zu werden, daß genannte antispiritistische Ehepaar Laue wollte gemeinsam mit dieselbe das seinerzeit erlassene Verbot des Einfaffirens der Vereins- dem Elektrotechniker Stoltz hier öffentliche Produktionen veran beiträge und des Vertheilens des Fachorgans, Correspondent" in stalten, darunter auch solche mit Röntgenstrahlen. Die Polizei bewilligte die Produktionen aus dem Gebiet des Antispiritismus, den Innungsdruckereien wieder fallen laffen möge. des Gedankenlesens 2c., untersagte aber das Experiment mit den Röntgenstrahlen, weil darüber keine Details hier amts bekannt geworden sind". Bum Streit in der Berliner Jntespinnerei( Aktiengesellschaft) in Stralau ist mitzutheilen, daß am Donnerstag Morgen ein Platat am Fabrifthor angeschlagen war, worin der Direktor bekannt machte, daß die Fabrik bis Sonnabend geschloffen bleibe, daß die Streifenden am Sonnabend ihren Lohn holen sollten und daß dabei mitgetheilt werden würde, wann die Arbeit wieder beginne. Von Maßregelungen ist in der Bekanntmachung erfreulicherweise nicht die Rede. Weiter hören wir, daß die Pläge der Arbeiter furz nach wo seit gestellt werden. Ausbruch des Streits mit Gefangenen aus der Rummel3burger Strafanstalt besetzt worden sind. Das wäre, wenn es zutrifft, wieder ein neuer Beweis für die Nothwendigkeit einer Revision der Bestimmungen über den Strafvollzug. Da die Streifenden, wie uns versichert wird, gewerkschaftlich gar nicht organisirt find, teine Leitung irgend welcher Art haben( fogar ein Arbeiterausschuß fehlt in der Fabrit) und ebenso wenig Geldmittel oder sonstige Hilfsquellen befizen, so rathen wir Aus Kottbus. Die in einer Boltsversammlung gewählte ihnen, zur Arbeit zurückzukehren und sich mit den Zugeständnissen zu Rommission der Bürgerschaft hatte am Dienstag Abend begnügen, die der Direktor der Fabrit ihnen vor dem Streit ge- eine gemeinschaftliche Sigung mit den Fabrikanten, um den Ver Eisenbahn Odessa- Hamburg. Aus Petersburg wird telemacht hat. Diese sind für die einzelne Person sicherlich äußerst such der Anbahnung von Verhandlungen zwischen beiden graphirt: Gerüchtweise heißt es, es werde eine besondere Eisengering wie geftern schon mitgetheilt ist, betragen sie speziell Barteien zu machen. Stadtverordneter Liersch berichtete bahnverbindung zwischen Odessa und Hamburg eingerichtet für das Personal der Spinnerei, das den Streit begann, nur am Mittwoch in einer öffentlichen Versammlung über werden. Es würde dies wohl die längste direkte Eisenbahn1 Pf. pro Stunde, während 2 Pf. verlangt wurden aber dieses des Resultat." Danach find die Fabrikanten geneigt, mit verbindung in Europa sein. geringfügige Bugeständniß ist vorläufig immer noch besser als den verschiedenen Fabritkommissionen die speziellen Fabrit Angar nichts, und daß der Streit vollständig scheitern müßte, weil gelegenheiten der Arbeiter zu besprechen und mit einer aus die Bedingungen, ihn zu gewinnen, fehlen, ist uns nicht zweifel- Diesen Kommissionen zu wählenden Fünfer Kommission die allhaft. Wollen die betheiligten Arbeiter und Arbeiterinnen der gemeinen Differenzpunkte zu erörtern. Die 11ftündige ArbeitsJutespinnerei in Stralau die Lehre, die er giebt, beachten, nämlich zeit soll in allen Fabriken durchgeführt werden, außerdem sind daß ohne Organisation die Arbeiterklasse ihre Lage nicht verbessern die Fabrikanten geneigt, auch betreffs der Löhne Zugeständnisse zu fann, so müssen sie, was sie längst hätten thun machen. Der Kardinalpunkt ist jedoch noch immer die Frage der sollen, sich fammt und sonders dem Textilarbeiter- Verband Maßregelung von Streifenden; 5 pet. der Weber, ca. 100 Mann, anschließen. sollen gemaßregelt werden, doch wurde gleichzeitig erklärt, daß Achtung, Zimmerer Berlins! eine schwarze Liste nicht aufgestellt werden sollte, sondern daß Unsere Forderung haben ferner anerkannt: Herhold, jeder Fabrikant berechtigt sei, die von anderen Fabrikanten E. Schwarz. Tausend Millionen sind eine Milliarde. Kantstr. 19 in Charlottenburg; Anders, Steinmeßftr. 20, Entlassenen einzustellen. Reichstags- Abgeordneter v. Elm, der S. V.( 5). Diese Adressen finden Sie in jedem Adres Jakob, Juliusstr. 27, König, Bergstr. 148, Kleinert, auf Wunsch der Streikenden in Rottbus anwesend ist, er- buch. Jägerstr. 69, 2utas, Steinmehstr. 20, Plantmeister, Brinz flärte, daß die Arbeiter den Maßregelungsplan der Martha 3. Sprechen Sie doch zu einer von Ihnen be Handjeryfir. 47, Palaste, Ringbahnftr. 23, Radice, Jäger- Fabrikanten nicht annehmen fönnten und Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( zwei Buchstaben oder eine Baht) anzugeben, unter der die Antwort ertheilt werden soll. Die juristische Sprechstunde findet am Montag Dienstag, Freitag und Sonnabend, abends von 6-7 Uhr statt. G. Schmidt. Der Vorwärts" wird an die Vertrauenspersonen nicht mehr gratis geliefert. dürften, doch liebten Zeit auf der Redaktion vor. ftraße 57, Bechler, Lothringerstr. 9, sämmtlich in Rigdorf; scheine ihm auch bezüglich dieser Frage eine Verständigung Karl Köhnke. Lassen Sie das Mädchen zu uns kommen. Westphal, Schloßstr. 82,& üppert, Flensburgerstr. 2, beide möglich, wenn den eventuell Entlassenen Aufnahme in andern Weißensee. Schriftführer. Ihr Bericht über eine in Steglit; Lehmann in Briz; Neumann, Grimmstr. 35 Fabriken in Rottbus garantirt würde. von Elm rieth, den Kommunalwähler- Versammlung, die am 14. März abgehalten in Berlin. Die mit dem Stempel der Gewerkschaftskommission ver- Versuch zur Einigung nicht daran scheitern zu lassen, daß nur wurde, ging bei uns am 20. März ein. Da nun die Wahl sehenen Sammellisten find spätestens bis zum Sonntag, den mit der bestehenden Streiffommission verhandelt werden solle. bereits am 17. stattfand, sollten Sie es wohl selbst begreifen, daß 29. März in unserem Bureau, Neue Friedrichstr. 44, abzuliefern, Die Kommission Der Ausständigen erklärt darauf die Veröffentlichung zwecklos ist. Man sollte allerdings erwarten, da alsdann mit der Abrechnung begonnen wird. Etwaige Un ihren Rücktritt und wurde sofort eine neue von der daß Sie es ein wenig eiliger hätten. regelmäßigkeiten auf den Arbeitsplägen find ebenfalls dort Fabrikkommission gewählt. Wir wollen nicht verfehlen, Agitationskommission der Schuhmacher Berlins. Die zu melden. Die Lohntommission der Berliner darauf hinzuweisen, daß es gerade in dem augenblicklichen Buschrift ist unverständlich. 3immerleute. J. A.: Theodor Fischer. Stadium des Streifs dringend nothwendig ist, dafür zu sorgen, daß den Rämpfenden die Munition nicht ausgeht. Die Textilarbeiter von Rottbus haben in bewundernswerther Einmüthig feit bis jetzt im Kampfe ausgeharrt, der befriedende Ausgang des Streits ist um so sicherer, wenn die Arbeiter Deutschlands auch noch ferner hinter den Rottbuser Klassengenossen stehen. Die Lohnbewegung der Holzbildhauer Berlins darf als abgeschlossen betrachtet werden, da die gestellten Forde rungen in den meisten Werkstätten bewilligt worden find. Die geringe Anzahl der Geschäfte, welche die Forderungen nicht bewilligten, entweder weil sie auf ihr Kapital oder auf einige Bur Agitation in Stadt und Land! Soeben erschien im Verlage der ,, Münchener Post", München, Senefelderstraße 4/0 und ist auch durch die Buchhandlung Vorwärts zu beziehen: 46872* Der Militarismus auf der Anklagebank. D Ausführlicher Bericht über die Schwurgerichts Verhandlung vom 29. Febr. 1896 wegen Beleidigung der Offiziere der bayerischen Armee. Preis 15 Pf. 64 Seiten. Wiederverkäufern hohen Rabatt. Die Broschüre eignet sich vorzüglich zur Agitation in Stadt und Land Land und machen wir die Vertrauensmänner und Agitations- Komitees besonders darauf aufmerksam. usstellung für Kochkunst, Volksernährung, Bäckerei, Conditorei und alle verwandten Gewerben vom 21.- 29. März Leipzigerstr. 4( alter Reichstag), vom 21.- 24. März Königgrägerstr. 132( fr. Eisenbahn4630L* Betriebsamt). Eröffnung 21. März, vorm. 11 Uhr. 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Versammlungen. damit Don den Bildhauern und = Modelleuren an der Regulirung heran, als er aber bald merkte, daß die von 7 M. pro Tag für Bauantrage Arbeit. Bescheiden seien Gerichts- Beifung. ganze Geschichte Schwindel sei- schwindelte er mit. Als Aus diese Forderungen deswegen gestellt, da dies die erste LohnDer Eventual- Dolus im Majestätsbeleidigungsprozek. Michelson'schen Millionenerbschaft seine Richtigkeit habe und unorganisirt sind. funftsperson bestätigte er jedermann gegenüber, daß es mit der bewegung der Modelleure, die bis dato noch zum großen Theil Domscheit ergänzt die Ausführungen Wegen Majestätsbeleidigung wurde unser Parteigenoffe, der schon in allernächster Zeit das heidenmäßig viele Geld an den Dupont's in der Diskussion, indem er besonders auf die große Redakteur Karl Lorenz am 14. Januar 1896 vom Landgericht Glückspilz ausgezahlt würde. Für diesen Liebesdienst erhielt Arbeitslosigkeit der Modelleure hinweist, und bezeichnet die Königsberg zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt. Der Dr. Goldschmidt nicht nur von Michelson verschiedentlich Forderungen als lächerlich bescheiden, da ja schon die inkriminirte Artikel war in der Nr. 100 der vom Angeklagten fleinere Summen ausgezahlt, sondern schließlich schwindelte Stuckateure niit einem Minimallohn von 30 M. in den verantwortlich redigirten Rönigsberger Bolfstribüne" vom er auf eigene Faust. Er fuhr nach Berlin nach dem ihm be- Kampf getreten feien. Die Stuckateure Grüneberg und 20. April 1895 abgedruckt. In demselben erblickte das Gericht fannten Geschäftsführer des Nagel'schen Reitinstituts Mundt und Rieh erwarten nicht blos eine Ehrfurchtsverlegung des Kaisers, sondern eine erschwindelte sich durch Vermittelung desselben von Franz ein solidarisches Verhalten gegenüber den Stuckateuren und direkte Berhöhnung desselben. Der Angeklagte erklärte, den Artikel Wagner unter auf die Millionenerbschaft bezüglichen falschen An- empfehlen, mindestens gleiche Forderungen wie die Stuckatenre nicht in Druck gegeben zu haben; es wurde auch erwiesen, daß gaben 45 000 M., die er natürlich nie wieder zurückzahlte. Als zu stellen. An der weiteren Diskussion nehmen noch dies während seiner Abwesenheit durch den Stellvertreter des Lorenz, ihm dann später die Geschichte zu brenzlich wurde, verduftete er Schneider, Walter und Blasig theil. Folgende Resolution den Redakteur Calame, der sich inzwischen in Charlotten aus Hamburg und wurde bisher nicht gefunden. Ueber Michel gelangt alsdann zur Annahme: Die Versammlung er= burg erschossen hat, erfolgt sei. Lorenz erklärte, er habe den son's" Vermögen" ist dann später der Konkurs eröffnet und da klärt daß am Sonnabend, Verstorbenen bevollmächtigt, fleine Lückenbüßer nach Bedarf noch bei stellte es sich heraus, daß er Vermögensstücke, nämlich das den 28. d. Mts. in allen Werkstätten der Stuckbranche folgende einzuschieben, jedoch ausdrücklich verlangt, daß alles, worin des erschwindelte Geld bei seite geschafft hatte, weshalb er des be- Forderungen an die Prinzipale gestellt werden: 1.8ftündige Raisers Erwähnung geschieht, ihm erst vorgelegt werde. Lorenz trügerischen Bankrotts angeflagt ist. Den Meineid soll er Arbeitszeit. 2. 27 M. Minimallohn. 3. 7 M. pro Tag Mindest hat den Artikel übrigens auch selbst noch gelesen vor der Ver- in einem Offenbarungseide geleistet haben. Die anderen An- verdienst für Antragearbeit. 4. 25 pet. Ausschlag für Ueberbreitung des Blattes, als daffelbe aber schon fix und fertig war. geklagten sollen ihm bei der Beiseiteschaffung des Geldes be- stunden. 5. Für Stuckarbeiten einen Minimallohn von 30 M. Das Gericht maß den Ausführungen des Angeklagten vollen Bifftigt, ge vejen fein. Zederer, joll außerben noch baburch einen für Biehen und Buſammenſeßen. Das Reſultat iſt in der am hilflich gewesen Glauben bei, insbesondere auch, daß Calame ohne Wissen und Erpressungsversuch begangen haben, daß er drohte, er werde die nächsten Mittwoch in demselben Saale stattfindenden öffent Willen des Angeklagten den inkriminirten Artikel in Druck ge ganze Familie Michelson ins Unglück stürzen, wenn man ihm nicht lichen Versammlung kundzugeben, um dann über den geben habe, meinte jedoch, der Angeklagte hätte gewußt, daß eine Summe von 320 M. als Schweigegeld gebe. 3u der Ver- Verlauf der Bewegung weitere weitere Beschlüsse fassen git Calame ein exzentrischer Mensch war, und hätte wissen müssen, handlung, zu der vorläufig vier Tage angesetzt sind, sind an die fönnen. Die Modelleur Kommission erhält den Aufdaß es letzterem ganz egal gewesen wäre, ob Angeklagter etwas 60 Zeugen und Sachverständigen geladen; die Wertheidigung trag, die heute festgesetzten Forderungen den Kollegen in verboten hatte oder nicht; wenn Calame etwas thun wollte, dann führen vier bekannte Hamburger Rechtsanwälte. Der Zubrang allen Werkstätten zu übermitteln, mit dem Hinzufügen, im Sinne that er es eben. Die Revision des Angeklagten rügte Beschrän: des Publikums zu der Verhandlung ist so groß, daß zur Aufrecht der angenommenen Resolution zu handeln. Ferner nicht nur kung der Bertheidigung durch Ablehnung eines Beweisantrages und erhaltung der Ordnung ein startes Aufgebot von Schußleuten Vertreter zur nächsten Versammlung zu entsenden, sondern insfühlte sich durch die Anwendung des Eventual- Dolus beschwert. nöthig ist. gesammt zu erscheinen. Eine weitere angenommene Resolution Der Reich 3 anwalt erklärte die Beschwerde für begründet, erklärt die Forderungen der Stuckateure für gerecht und da die Konstruktion des Eventual- Dolus bedenklich sei. Der Angeklagte hat ausdrücklich behauptet, daß die Veröffentlichung beschließt, nach Kräften dahin zu wirken, daß bei etwaiger Arbeitsniederlegung der Stuckateure die Arbeiten derselben nicht wider sein Wissen und Willen erfolgt sei; er beruft sich auf Eine Versammlung der Berliner Markthallen Stand von Bildhauern angefertigt werden. den Zeugen Drucker Braun; das Gericht glaubt ihm auch, inhaber tagte am 25. März bei Bolz, Alte Jakobstr. Nach Eine öffentliche Versammlung der Tapezirer tagte am daß der ihm das bestätigen werde, das Zeugniß werde aber einem Vortrag des Stadtverordneten Fr. Wilke, in dem der Mittwoch. Friedmeyer theilte zunächst mit, daß für künftig wohl nur die subjektive Ansicht des Zeugen zu erkennen geben. Anschluß an eine Berufsvereinigung empfohlen wurde, wählte die kein Säulenanschlag mehr stattfinde, sondern nur noch im„ BorDies fei eine unzulässige Antizipation des Beweisthemas. Ebenso Versammlung eine Kommission, die beauftragt wurde, eine Petition wärts" die Versammlungen bekannt gemacht würden. Zum ersten unhaltbar sei die Konstruktion des Eventual- Dolus, der Angeklagte auf Herabsetzung des Standgeldes auszuarbeiten. Der eingebrachte Punkt der Tagesordnung erstattet Ratky Bericht über den habe voraussehen müssen, daß Calame seine Weisungen doch Entwurf hierzu begründet die Forderung damit, daß die gegen Arbeitsnachweis. Jim Anschluß hieran wurde ein Antrag an nicht befolgen werde, also sei die Beleidigung auch mit seinem wärtigen Standgelder zu hoch und folgedeffen die Stand- genommen, daß vom 1. April 1896 ab jeder nicht organisirte Wissen und Willen erfolgt. Das Reichsgericht verwarf ie inhaber mit den Ladengeschäften nicht fonkurrenzfähig Zapezirer 10 Pf. Gebühren für nachgewiesene Arbeit zu zahlen doch die Revision; allerdings wurde dem Reichsanwalt feien. Des weiteren waren mehrere Redner der Meinung, daß hat. In die Arbeitsnachweis- Kommission wurden für die Dauer darin beigeftimmt, daß die Grundsäße des Gerichts über den der Magistrat nicht berechtigt sei, lleberschüsse, die sich auf über des Jahres gewählt: Rasty, Linnstadt, Alment, Eventual Dolus in hohem Grade bedenklich seien; das Urtheil 60 000 m. belaufen, aus den Standgeldern herauszuschlagen. 8in te, Lugmann, Hartig, Löschke, Schulz. werde jedoch auch noch auf einen zweiten Grund gestützt, daß Die Kommission soll die Petition einer demnächst stattfindenden Strauß und Oble. Bum 2. Punkt der Tagesordnung berichtet nämlich der Angeklagte den Artikel noch vor Verbreitung des Versammlung unterbreiten und sämmtlichen Standinhabern zur Friedmeyer über die Streits im Tapezirergewerbe. Der größte bis Blattes las. Dieser zweite Grund trägt aber das Urtheil. Unterschrift vorlegen. jezt ausgebrochene Streit sei der in Budapest, wo in einem Wichtig für Apotheker. Ein Urtheil von grundsätzlicher Die Maler und Berufsgenossen waren am Mittwoch im Betrieb allein 450 Mann die Arbeit einstellten. Die Forderungen Wichtigkeit hat das Reichsgericht in der Konkurssache des großen Keller'schen Saale versammelt. Ueber den gegenwärtigen richten sich auf Einführung des Neunstundentages und Beseitigung Apothekers Döhl in Schöneberg gefällt. Die von den Gemein: Stand des Streits theilte int mit, daß bis jetzt 1300 Kollegen, Kommission wurde von der Versammlung gut geheißen. Der der Kellerwerkstätten. Die Uebersendung von 50 M. durch die Schuldner eingelegte Revision wurde verworfen und es ist damit die zu den neuen Bedingungen arbeiten, der Lohnkommiffion ge- Streit bei der Firma Jäckel in Berlin zeitigte eine längere endgiltig für Recht erkannt, daß dem Käufer des Grundstücks meldet seien, dazu könne man noch etwa 200 Nichtgemeldete Streit bei der Firma Jäckel in Berlin zeitigte eine längere der Schöneberger Apotheke auch die Einrichtung der Apotheke rechnen, ferner sei anzunehmen, daß eine Anzahl von Kollegen Diskussion, in der der Ausstand als gescheitert betrachtet wurde, da ein Theil der Kollegen zwar anfangs gestreift, aber zwar die Forderungen bewilligt erhalten hätten, jedoch ohne die Chef Verzeihung gebeten Das Geschenk des Grafen Oppersdorff. Ein für die unterschrift des Meisters zu erlangen; die Zahl derselben laffe später ben het bebingung und zut den alten Bedingungen weitergearbeitet haben. Stadtgemeinde Berlin bedeutungsvoller Prozeß gelangte gestern sich natürlich nicht feststellen. Durch den etwas schwachen vor dem Kammergericht zur Entscheidung. Graf Eduard Karl Besuch solle man sich nicht entmuthigen lassen; es war voraus- Die Gemaßregelten wurden hierauf als im Streik befindlich be. von Oppersdorff zu Wien, der Besizer von sehr umfangreichen zusehen, daß eine Krise in der Lohnbewegung um diese fommission mehrere Sigungen einberufen und die Zustände in trachtet. Da bi stein berichtet, daß die Werkstätten- KontrollTerrains in der hiesigen Geestraße ist, hatte sich durch eine in Beit eintreten würde. In anbetracht des bisher günstigen einzelnen Betrieben untersucht und für deren Beseitigung agitirt Form einer protokollarischen Berhandlung gekleidete Offerte vom Berlaufs des Streits fönne man immer noch auf einen Sieg Bene de berichtet über den Streit bei Jakob u. Braun23. Juni 1891 verpflichtet, der Stadtgemeinde Berlin ein rechnen. Die Bewilligungen der Meister laufen noch täglich ein Terrain in jener Straße von etwa 8400 Quadratmeter un- und in gleicher Weise vermindert sich die Zahl der am Streit fifch, wofür 330,60 M. eingenommen, 327,10 M. ausgegeben entgeltlich und pfandfrei abzutreten. Nachdem der Magistrat Betheiligten. Die Arbeiter der großen Wertstellen ständen leider wurden; der Rest von 3,50 m. wird für die Streifenden in und die Stadtverordneten- Versammlung die Offerte angenommen, der Bewegung größtentheils fern, jedoch sei die Annahme be- Hannover überwiesen. Markiehl und Hartig wurden wurde dem Grafen davon in einem Schreiben vom 19. Sep- rechtigt, daß man nach Aufhebung des Streits durch die Werk als Revisoren hierfür gewählt. Der Delegirte bei der Gewerktember 1891 Mittheilung gemacht. Dieses Echreiben war stellensperre auch die größeren Firmen zum Nachgeben zwingen schaftskommission Friedmeyer erstattete Bericht über seine unterzeichnet:" Magistrat hiesiger Königlicher Haupt- und Resi- werde. Die Unternehmer verbreiten in den ihnen zugänglichen Thätigkeit und betonte dabei, daß nach der Statistik die Frauenarbeit und Lehrlingszüchterei im Beruf immer mehr zunimmt, dengstadt. v. Forckenbeck Es vergingen nun etwa 3 Jahre, Preßorganen die falsche Behauptung, daß der Streik mangels der sogenannte Durchschnittslohn aber auf 18 M. pro Woche in welcher Zeit die Stadtgemeinde große Aufwendungen für die genügender Geldmittel als verloren anzusehen sei. Demgegenüber Die Unterstützungen zu Streits im TapezirerRegulirung des betr. Geländes machte, ohne daß ihr Besitzrecht erklärt der Referent, daß Streikgelder genügend vorhanden seien, gesunken sei. vom Grafen angefochten wurde; dann aber verlangte letterer die und an der Unterstützungsfrage der Streit nicht scheitern werde. gewerbe feien bis jetzt immer aus eigenen Mitteln aufgebracht Rückgewähr des Terrains, dessen Werth etwa 380 000 m. be- Der Redner kennzeichnete ferner die Machenschaften des Vor- worden. Bezüglich der Maifeier beschließt die Versammlung, tragen habe, und beantragte im Wege der Feststellungsklage, die standes und der Lohukommission der Berliner Maler- Junung; daß bei vollständiger Arbeitsruhe vormittags eine Versammlung und hierauf ein Ausflug stattfinden soll. Stadtgemeinde Berlin fostenpflichtig zu verurtheilen, anzuerkennen, von dieser Seite sei ein Zirkular verbreitet worden, worin es und hierauf ein Ausflug stattfinden soll. Eine Gemeindewähler- Versammlung in Schöneberg, taz ihr Rechte aus der betreffenden Offerte auf unentgeltliche heißt, daß die Lohnkommission der Gehilfen unwahre Dar die am Mittwoch stattfand, nahm Stellung zu der am Montag Ueberlassung des fraglichen Grundstücks nicht zustehen. stellungen über den Streif verbreite, um die Meister zur BeSläger machte dafür hauptsächlich den Umstand geltend, willigung der unsinnigen Forderungen" der Gehilfen zu ver- vorzunehmenden Stichwahl zwischen unserem Genossen Bäumler und dem Kandidaten der bürgerlichen Parteien 3obel. Nach daß das Schreiben betreffs der Annahme feiner anlaffen. Schließlich warnt die Innungskommission die Meister und dem Kandidaten der bürgerlichen Parteien 3obel. Nach ( des Klägers) Offerte vom 19. September 1891 nur vor der Bewilligung des Lohntarifs. Auch die Deutsche Maler eingehender Darlegung der Gründe, welche für und gegen die Wahlbetheiligung sprechen, beschloß die Versammlung: Den die Unterschrift des Oberbürgermeisters v. Fordenbeck trage, Beitung" habe unzutreffende Auslassungen über die Lohnbewegung fozialdemokratischen Wählern zu empfehlen, während zu einer rechtsverbindlichen Annahme des Anerbietens gebracht. Solches Verhalten beweise zur genüge, daß den noch die Mitunterschrift eines anderen Magistrats- Mitglieds er- Meistern der Streik recht fühlbar sei; die Kollegen hätten dem sich an der Stichwahl nicht zu betheiligen, forderlich gewesen wäre, weil es sich nicht blos um den Erwerb nach feinen Grund zur Muthlosigkeit, sondern könnten vielmehr und zwar aus folgenden Gründen: Bei der Hauptwahl habe von Rechten, sondern auch um übernommene Verpflichtungen der bei Fortsetzung des Kampfes ihres Sieges gewiß sein. Mehrere fich herausgestellt, daß bei der letzten Steuereinschätzung eine Stadt gehandelt habe. Nachdem das Landgericht I die Klage Diskussionsredner bemängelten die zu niedrig bemessene Unterstützung auffallende Milde gegen einen großen Theil der Schöneberger Arbeiter gewaltet habe, so daß mancher, der früher höher eindes Grafen abgewiesen hatte, erkannte das Kammergericht, bei von 6 M. pro Woche und meinten, dadurch würden viele geschätzt war, für dieses Jahr unter 660 m. veranlagt worden welchem Berufung eingelegt war, in seiner gestrigen Sigung dem Kollegen bewegt, fich vom Streit fernzuhalten. Klägerischen Antrage gemäß und verurtheilte die Stadt zur mehrere Anträge auf Erhöhung der Streifunterstützung gestellt. fei, wodurch natürlich die Zahl der Wahlberechtigten gegen Herausgabe des Terrains, indem es die Ausführungen des Grafen von anderen Seiten wurde dagegen betont, daß nicht die Höhe früher zurückgegangen wäre. Aber auch den wahlberechtigten zu den feinigen machte. der Unterstützung, sondern die Ueberzeugung von der Noth erschwert durch die Feſtfehung Babrechts bedeutend Wahlzeit auf Ein großer Millionenerbschafts- Schwindelprozek be: wendigkeit, die Lebenshaltung zu verbessern, die Kollegen zur Stunden von 11-5 Uhr. Ferner wurde von den Gegnern, Theilnahme an der Bewegung veranlassen müsse. Andere Redner gann vorgestern vor dem Hamburger Schwurgericht. Angeklagt sprachen sich für Aufhebung des Streifs und für Durchführung die sich also von vornherein in günstigerer Position befänden, find der Geflügelhändler Moses Michelson, wegen Diebstahls, der Werkstattsperre aus. Lint trat in seinem Schlußwort den alles gegen unsere Kandidaten aufgeboten. Abhängige Wähler, Unterschlagung, Betruges u. f. w. bestraft, der Händler Jakob Anträgen auf Erhöhung der Unterstüßung energisch entgegen und wie Straßenfeger, Nachtwächter und dergleichen, wären bei der Lederer, wegen Hehlerei und Betruges bestraft, die Ehefrau des tadelte das unsolidarische Verhalten mancher Kollegen, die zu den Hauptwahl truppweise angetreten, um für die gegnerischen Kanerften Angeklagten, Therese Michelson, deren Tochter Malwine nenen Bedingungen arbeiten und trotzdem nicht die beschlossenen didaten zu stimmen, wodurch der Vorsprung der letzteren vor Michelson und der Vater der Frau M., der Effigfabrikant Simon Beiträge zum Streiffonds zahlen. Er bezeichnete die Situation des unseren Kandidaten ein so großer geworden sei, daß es angesichts Zacharias, schon bestraft wegen Hehlerei und Meineides. Der Streits als günstig und forderte die Kollegen zum Ausharren auf. der ungleichen Verhältnisse, unter denen beide Parteien an ber Wahl theilnehmen, erste Angeklagte ist des Betruges, Meineids und des betrügerischen Bezüglich der Streifunterstützung wurde beschlossen, dieselbe so Bankrotts angeklagt, während die übrigen Angeklagten der Be- wie bisher zu belaffen; nämlich für die erste Woche 5 M., 6 M. nossen Bäumlerin der Stichwahl durchzubringen. Man günstigung zum betrügerischen Bankrott und Lederer außerdem noch für jede fernere Woche, und den Verheiratheten für jedes Kind der versuchten Erpressung beschuldigt werden. Michelson, der in 50 Pf. pro Woche zu gewähren. Ein Antrag, auf Aufhebung Hamburg- St. Pauli in sehr dürftigen Verhältnissen lebte, hatte es im des Streits und Durchführung der Forderungen mittels Wert Anfang des Jahres 1894 geschickt verstanden, das Gerücht aus: stattsperre wurde abgelehnt. zusprengen, daß er der Erbe von ungefähr 4 bis 5 Millionen Mart sei, die ihm von einem Verwandten, einem Kommerzien Die Modellenre und Gipsbildhauer beschlossen am rath Fischel in Berlin, hinterlassen wären. Auf diese Kunde Mittwoch, den 25. März, in Cohn's Festsälen, in eine Lohnhin meldeten sich allerhand profitwüthige Leute bei dem glück- bewegung einzutreten. Einleitend rejerirte Dupont über die lichen Erben", um einen Rebbach zu machen, Advokaten, die die Frage: Wie sind die Verhältnisse in der Modellbranche zu Der Beschluß der Schöneberger Genossen ist nach unserer Erbschaft" reguliren wollten, Bankiers, die Geld auf die bessern?" Nach einer allgemeinen Uebersicht über die Beselbe vorstrecken und das geerbte Vermögen" verwalten wegungen und die gewerblichen Verhältnisse der Bildhauer in Meinung der denkbar ungeschickteste, der gefaßt werden konnte. wollten und allerhand Geschäftsleute, die dem schmutzigen den letzten Jahren schilderte er besonders die Arbeitsbedingungen Er ist nichts weiter als der Ausdruck einer Muthlosigkeit, die jüdischen Schnorrer, der bisher in einem tiefen Keller der Modelleure und Gipsbildhauer. Diese ständen vielfach binter am allerwenigften sozialdemokratischen Arbeitern geziemt. Werden gewohnt hatte, Einrichtungen und Ausstattungen für Villen und dem Verdienst der Stuckateure zurück, auch sei die Arbeitszeit in von den Gegnern grobe Wahlbeeinflussungen verübt, so mögen herrschaftliche Wohnungen liefern wollten. Alle wollten sie vielen Werkstätten eine zu ausgedehnte. Jn 24 Werkstätten werde unsere Parteigenossen Protest gegen die Wahl einlegen, nie aber natürlich in erster Linie den glücklichen Erben" um einige nach der neuesten Statistik 9 Stunden exklusive Pausen, und in ist es bisher vorgekommen, daß man mitten im Wahlkampf 91/2 Stunden, in 3 Wert- schmollend von der Wahl zurücktrat. Daß Nachtwächter und Tausende erleichtern, und alle wurden bei dem Geschäft von dem 11 werde 10 Stunden, in 8 Das übermäßige Volontär Straßenfeger wählen, werden unsere Genoffen doch nicht als ein schmutzigen jüdischen Schnorrer, wie ihn einer der Geschäftsleute stätten 11 Stunden gearbeitet. höhnend nannte, ganz gehörig über den Löffel barbirt. Einem unwesen, schlechte Behandlung, das Alfordsystem, die Nachfeier- unerwartetes Ereigniß bezeichnen können. Die Abhängigkeit der Bankier Goldschmid hat er allein 25 200 M. abgeknöpft, von abendarbeit, die bei den Modelleuren in hoher Blüthe steht, Beamten ist so bekannt, daß man mit diesen Dingen schon voreinem Möbelhändler hat er für 8000 M. Mobilien auf Kredit sowie mannigfache sanitäre Mißstände in den Ateliers häzten die her rechnet, ehe man die Betheiligung an der Wahl beschließt. erhalten, ohne natürlich je auch nur einen Pfennig zu zahlen, Modelleure, welche zur Erlernung ihres Faches eines eifrigen Wir können es begreifen, wenn die Betheiligung an der Geund auch noch andere Geschäftsleute hat er gehörig ausgebeutelt. Studiums und Intelligenz bedürfen, in eine außerordentlich üble meinderathswahl unter gewissen Umständen abgelehnt wird, aber Einen Rechtsanwalt Dr. Goldschmidt hatte er mit der Regulirung wirthschaftliche Lage verseyt. Zu empfehlen sei behuss Abbilje dieser bei der Stichwahl zum Rückzug blasen und den Kandidaten aufDer Erbschaftsangelegenheit betraut und ihm für seine Be- Mißstände eine 8/ 2stündige Arbeitszeit, Minimallohn von 24 M., geben, ein solcher taktischer Fehler steht bisher einzig da. mühungen 250 000 m. Provision versprochen. Dr. G. ging nun 25 pet. Aufschlag für Ueberstunden und ein Minimalverdienst( Die Red.) " Arbeitern sei die Ausübung Tönne aus aussichtslos fei, diesen Gründen den unfern Ge Parteigenoffen nicht zumuthen, wegen des für uns so ungünstigen Kampfes einen halben Arbeitstag zu opfern, was für die Arbeiter gerade jetzt in anbetracht der bevorstehenden Feiertage doppelt fühlbar sei. Die Nichtbetheiligung an der Stichwahl sei daher kein Zeichen von Schwäche, sondern das Resultat ruhiger Erwägung der Verhältnisse und gleichzeitig ein Protest gegen das Treiben unserer Gegner, denen jedes Mittel recht ist, die ungünstige Lage der Arbeiter zu ihrem Bortheil auszunuzen. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Achinng. Schraubendreher ( Zahlstelle Berlin.) Heute, Freitag, Abend 82 Uhr, bei Schöning, Köpnickerstraße 68: Sigung der Orts- Verwaltung. Zur Beachtung. Alle Unregelmäßigkeiten in den Werkstätten sind in den verschiedenen Bezirken an den betreffenden Obmann der WerkstattKontrollkommission zu melden. 276/11 Westen: Aug. Wiemers, Potsdamerstr. 85. Süd- Westen:. Köster, Mittenwalderstr. 45, Seitenfl. 3 Tr. r. Süd- Osten: Bieler, Wrangelstr. 111. Osten: Quili, Große Frankfurterstr. 16, Quergeb. r. Aufg. 3 Tr. Nord- Osten: Loge, Tilsiterstr. 80, Hof 4 Tr. Norden: Hellwig, Lorgingstr. 3. Nord- Westen: Gramenk, Triftstr. 4 bei Müller. Moabit: W. Baumann, Lehrterstr. 53, Quergeb. 4 Tr. Friedrichsberg: Hoke, Jungstr. 48. Drechsler. Süd- Ost: E. Toft, Grünauerstr. 5, v. p. Ost: M. Gründel, Landsberger Allee 134. Süd u. SW.: immergut, Wafferthorstr. 32, v. 4 Tr. Nord: H. Helming, Pankow, Brehmerstr. 62. Kammmacher. h. Treubig, Weberstr. 48, Quergeb. 2 Tr. Knopfarbeiter. Krause, Röpnickerstr. 181. Parquetbodenleger. Alb. Heh, Hohenstaufenstr. 79. Bürstenmacher. Wirse, Granseerstr. 9, v. 4 Tr. Alle ausbrechenden Differenzen, welche eine sofortige Erledigung erheischen, sind in dem Arbeitsnachweis- Bureau des Verbandes, Innenstr. 39, zu melden. Dasselbe ist täglich, außer Sonntag, geöffnet von 8-12 und 3-7 Uhr. Die Ortsverwaltung. Möbelpolirer! Versammlung jämmtl. Möbelpolirer Berlins und Umgegend am Montag, den 30. März, abends 8 Uhr, bei Joël's, Andreasstraße 21. Tages Ordnung: 1. Abrechnung vom Streit. 2. Stellungnahme zum 1. Mai. 3. Das Zirkular des Verbandes der Holzarbeiter betreffs des Arbeitsnachweises und Verbandes ist hierzu eingeladen.) 148/7 und Façondreher! Heute morgen, am 26. d. M., wurden sämmtliche Forderungen durch das einmüthige Vorgehen der Kollegen bei der Firma Reichelt bewilligt. Da aber noch Kämpfe speziell in Finsterwalde bevorstehen, so sind die Sammlungen laut Beschluß der Sonntag Versammlung fortzusetzen. 122/19 Die Streikkommission der Schraubenund Façondreher. Achtung! Achtung! Buchdruck- Maschinenmeister. Sonntag, den 29. März 1896, vormittags 10 Uhr, in Cohn's Festsälen, Beuthstr. 21: Allgem. Maschinenmeister- Versammlung. Lages Ordnung: 1. Besprechung der Anträge der Maschinenmeister zur Tarifrevision in Leipzig. Referent: Robert Mörke. 2. Distuffion. Allg. Kranken- und Sterbe: 533b kasse der Metallarbeiter ( E. H. Nr. 29) zu Hamburg, Berlin Filiale 4. Der Einberufer. Stellmacher. Brunnenstr. 16: Am Sonntag, den 29. März, von Freitag, 27. März, abends 8 Uhr, bei Herrn Noack, 10 Uhr vorm. bis 2 Uhr nachm. findet im Lokal des Herrn Albrecht, Memelerstraße 67, die Wahl der Delegirten zur diesjährigen General- Versammlung statt. Um recht rege Betheiligung an der Wahl ersucht 5416 Die Ortsverwaltung. NB. Mitgliedsbuch legitimirt. 10 Mai. Zum 10 Shelaf Freiwilliger Beitrag unsere Stellung dazu.( Die hiesige Ortsverwaltung des Deutschen Holzarbeiter Maimarken und Unsere Arbeitsnachweise befinden sich nach wie vor: Anklamer- Maikarten( intrittsstaße 32 bei Schibolsti; Blumenstr. 38 bei Wiedemann und Oranienftraße 197 bei Mohn. Der Vertrauensmann. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltung Berlin Often. Sonnabend, den 28. März 1896, abends 82 Uhr, bei Wilke, Andreasstraße 26: karten) 46472* in bekannter geschmackvoller Ausführung wie bisher liefert Conrad Müller, Schkeuditz- Leipzig. Muster und Preislisten gratis. Möbel Kaufgelegenheit passendste Gelegenheit zum Umzug für BrautMitglieder- Versammlung. leute und Hotels. Gneisenaustraße 15 parterre, Tages Ordnung: " 1. Vortrag des Genoffen Paul Jahn über: Die natürliche Religion". 2. Stellungnahme über die Beschlüsse der gem. Mitgliederversammlung. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. Achtung! 121/16 Achtung! Große öffentliche Versammlung für Männer und Frauen in der Möbel Fabrit sollen zirka 200 tomplete Wohnungs- Einrichtungen, verliehen gewesene Gr. öffentliche Versammlung. Tages Ordnung: 1. Berichterstattung über: Die Situation des Streiks. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen derjenigen Werkstätten, in denen die gestellten Forderungen bereits bewilligt sind, besonders eingeladen. 159/18 Die Lohnkommission. Fr. Vereinigung d. Bananschläger Berlins. Versammlung am Sonntag, den 29. März, vormittags präzise 11 Uhr, bei Röllig, Nene Friedrichstraße 44. Zages Ordnung: 1. Antrag betreffs Herrenpartie am Himmelfahrtstage. Fiebiger. 3. Verschiedenes und Fragekasten. 31/12 2. Antrag B. Claas. Große öffentliche Versammlung fämmtlicher Schmiede u. Berufsgen. 1761/3 Berlins und Umgegend am Sonntag, den 29. März, vormittags 10 hr, im ,, Feen- Palast", Burgstraße 22. Tages Ordnung: Weitere Beschlußfassung behufs unserer Lohnbewegung zum 1. April. 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Tages Ordnung: 1. Wie stellen sich die Bau- und nicht gewerblichen Arbeiter Charlottenjowie Gas- rumeaux mit Stufe 60 mt., Plüschgarnituren burgs zur Organisation. Referent Karl Krüger. 2. Diskussion. 3. Verder auf Holz- und Kohlenplägen, Bahnhöfen, sowie GasAnstalten beschäftigten Arbeiter und Kutscher Es ist Pflicht eines jeden Kollegen zu erscheinen. 60 Mt., neue hochelegante Garnituren 105 Mt., schiedenes. Buffets, Coulissentische, Bancelsophas mit Satteltaschen und Plüscheinfassung in allen Diplomatentische, Antleide- Schränke, Frisir= am Sonntag, den 29. März 1896, abends 6½ Uhr, Farben, Damen- und Herren Schreibtische, bei Joel, Andreasstr. 21( 1 Tr.). Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Paul Jahn über:" Die Entwickelung des Sozialismus". 2. Diskussion. 3. Bericht der Delegirten zur Gewerkschaftstommission. 4. Verschiedenes. Aufnahme neuer Mitglieder. 42/12 Der Vertrauensmann: Fr. Ahrends, Rremmenerstr. 15. Achtung! Zimmerer. Gente, Freitag, abends 8 hr, bei Buske, Grenadierstraße 33: 258/18] Bihung der Plakdeputirten. Bon jeder Arbeitsstelle muß ein Vertreter anwesend sein. Sonntag Vormittag auf Morgensprache. fämmtlichen Bahlstellen: Die Lohnkommission der Berliner Zimmerleute. Charlottenburg. Sonntag, 29. März, vorm. 10 Uhr, Brauerei Gambrinus, Wallstraße 94: Grosse öffentliche Tischler- Versammlung. Tages Ordnung: 40 1. Der beendete Streit und wie erhalten wir das Errungene. 2. Verschiedenes. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 276/10 Gegründet im Jahre Der Einberufer. Der Einberufer. / 80/ 6 toiletten, Garderobenschränke in allen Größen, R. F. Mittelstädt, Berlin N., Brunnenstr. 152. Chaiselongues, Bücherspinden, Salon- Garni turen. Vollständige Salon, Schlafzimmerund Speisezimmer Einrichtungen, alles zu noch nie dagewesenen Preisen. 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