Das Bildungsheim im Walde. Die Arbeiterfchule des ADGB. in Bernau feierlich eröffnet. VLRU� Montag S.Mai 1930 10 Pf. Nr. 207 B 103 47. Jahrgang Erscheint tSglich av?erGonnt«g«. Zugleich Adeudausgabe de«.Vorwärts'. BejugSprei« beide Ausgaben 35 Pf. pro Woche, S.mM. pro Monat. vledaktion und Expedition� Berlin SW es, Lindenstr.S BuieigenpretCDie einspaltige Nonpareillelcil« 80 Pf., Reklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vvrwärts-Verlag G. m.b.H., Berlin Nr.»7 536. Fernsprecher: Dtnboff 29? bi« 2S» Dam schönsten Wetter bezilnstizt wurde am gestrigen Sonn» tag die Sundesschule des Zlllgemelneu Deutsches Gewcrkschafksbundes in Bernau eingeweiht. Der stolze Bau verzichtet auf monu- mentale Wirkung, ist vielmehr ganz auf.Sachlichkeit und .iweedmähigkett«ingestellt. Nach ihrem Erbauer, dem Leiter des Bauhauses Dessau, Hannes Meyer, ist die Bundesschule ein Ver- ,«v.j Cr's;■'"<■'" £in Schlaf- und ICohnraum für sovei QemerkSchaH�Schüler Oefanilanflchl der Siwtdegfchule in SSemau such,-die Lebensvorgönge einer Schule baulich lebensrichtig gu orga- nisieren. Der Schulbau, mitten Im Bernauer Stadtforst, soll ein Bau des Lebens sein, kein Bau der Kunst. Der Hauptflügel enthält die Empfangshalle, die Aula, den Speisesaal, zwei Geselligkeitsräumc, die Bcrwaldungsbüros und die Küche. Der Wohnflügel bestcht aus vier Wohntrakts mit 60 Wohnzimmern für 120 Schüler. Je 10 Schüler dewohnen eine Etage. Weitere Zimmer find für das Hauspersonal und Gastlehrer bestimmt, während für Lehrer. Geschäftssichrer und Helfer beson- dere Wohnhäuser ggschafsen sind. Der Schulflügel weist drei Klassenräume für je 40 Schüler auf, zwei Seminarzimmer, die Bibliothek, den Lesesaal und die Turn- halle. Der sportlichen Betätigung dient außerdem ein Schwimm- decken im Freien und das Stadion Die Gesamtanlage ist durch «inen Glasgang verbunden Für die Zentralheizung ist Oelfeuerung vorgesehen Besonderer Wert ist in allen Räumen auf die größt- mögliche Besonnung gelegt. Das Werk ist bewußt der örtlichen Laichschaft«ingefügt, was ihm feinen besonderen Reiz verleiht. Graßmanns Eröffnungsrede. Dem Huldigungsmarsch von Grieg folgte die Weiherede des Bundesvorsitzenden peter Graßmann Nach Begrüßung der Vertreter der Reichsregierung und der Preußischen Regierung, des Landkreises Niederbarnim und der Gemeinde Bernau, hieß Genosse Graßmarar als erste Teilnehmer der Kurse im neuen Hause die Vertreter des Gesamtverbandes sowie die des Tcxtil- arbeiter-Berbandes als der zweiten großen Gruppe will- kommen Die von den Verbänden erwählten Schüler wurden be- reits am Sonnabend eingeführt. Dem Dank an die Geineind« Bernau und an die Behörden des Kreifes folgte der Dank für den Architekten und seine Mitarbeiter. Mit Wehmut ober gedachte der Redner des Mannes, der den Grundstein des Hauses gelegt hat und der durch eine Kur nach langer Krankheit an dieser Feier verhindert ist: des Genossen Theodor L e i p a r t. Auch der Bil- dungesekretär des Bundes Genosse Hehler hat sich um das Zu- standetommen des Werkes verdient gemacht. Die Aelteren unter uns in der Arbeiterbewegung haben es sich sehr sauer werden lassen müssen, um das bißchen Wissen zu- fainmenzukrotzen, das sie zur Erfüllung ihrer Ausgaben brauchten. Das ist heute anders geworden. Wir bedauern das nicht. Wir Aelteren neiden es den Jüngeren nicht, wir freuen uns, daß sie es leichter haben, ober wir sind der Meinung, daß dies« leichtere Mioglichken, über sich selbst hinauszuwachsen, auch verpflichtet, und daß darum diejenigen, die heut« unter wesentlich günstigeren Bor- ausfetzungen sich ein wesentlich größeres Maß an Wissen aneignen können, damit auch die Verbindlichkeit übernehmen, dieses ihnen überantwortete größere schwerer« Pfund vervielfältigt weiterzugeben an diejenigen, die nach ihnen kommen. Wir haben seit ungefähr zehn Jahren, ich darf sogen, zeitweise sogar in etwas stürmischerem Tempo nachholen können, was in dem vorausgegangenen Jahrzehnt an Bildung für die breiten Masten außerhalb und nach der Volksschule verabsäumt worden war. Wir haben eine ganze Reihe von DUdungsanstallen, ich erinnere an die beiden Wirtschaftsschulen in Berlin und Düsseldorf, an die Arbeiterakademie in Frankfurt, onge- gliedert an die dortige Universität, ferner an die Volkshochschule in T i n z, an«ine Unmenge anderer ähnlicher Einrichtungen und an die Hunderte, ja Tausend« von Kursen kürzerer Dauer in ganz Deutschland. Was hier mit dieser Schul« bezweckt wird, und was den Verbänden, die opferbereit die Mittel dazu bereitgestellt haben, den Mut gegeben hat, dies« erheblichen Opfer zu bringen, war die Notwendigkeit, die Jüngeren in den Organisationen mit dem Wesen, dem Wirten, der Taktik und den Notwendigkeiten der Gewert- schaften vertraut zu machen. Wir brauchen in stärkerem Maße als bisher den von seiner Verpflichtting gegen sich und gegen die anderen bis zum letzten Nerv durchdrungenen ehrenamtlichen Funktionär, der die Geschichte seiner Organisation, die Geschichte ihres Wachsens, die Gesetze ihrer Wirksamkeit, die Müglichket ihrer Nutzanwendungen und ihrer Kräfte kennt. Darum haben wir hier ein ganz neues Schnlprinzip aufgestellt. Es sind Kurf« des ADGB, aber sie sind veranstaltet und getrogen von den einzelnen Organisationen. Aus dem Betriebe kommende und wieder nach Absolvierung dieser kurzen Wochen in den Betrieb zurückkehrende männliche und weibliche Funktionäre sollen in diesen Wochen eindringen in die Geschichte, in die Verfassung, in die Struktur und in den Wesens- kern ihrer Organisation, und darüber hinaus in all die großen Fragen der Sozialpolitik, des gewordenen und des werdenden Ar- beitsrechts. Sie sollen die Kenntnisse erwerben, die notwendig sind zur Beurteilung der wirtschaftlichen Vorgänge und darüber hinaus sollen sie die großen Zusammenhänge von der einen Organisation zu den übrigen mit uns im Bunde vereinigten erkennen, dieser stolzen Armee von S Millionen Mitgliedern, die einen großen Heereskörper bildet, und weiter von Landeszentrale zu Landes- zentrale die großen tiesempfundenen, täglich stärker und inniger werdenden Bindungen im Internationalen Gewerkschaftsbund. Diesem Ziel soll der Schulbetrieb dienen. Wir wissen, daß wir eine große Mission zu erfüllen haben, und wir wissen, daß wir sie nicht nur für eng umgrenzt« eigene Interessen erfüllen. Wir wissen, daß wir mit der stärkeren geistigen Durchbildung und Durchdringung der Arbeiterschaft in Wirklichkeit das tun, was so mancher andere von sich behauptet: Dienst am Volke. Wir wollen in dieser Schule nicht Weltanschauung bilden oder stärken. Wer zu uns kommt, besitzt eine Weltouschauung. Wir wollen in dieser Schul« nicht übertrieben« Illusionen ankurbeln. Wir wollen hier eine Bildungsstätte schassen für das Tatsächlich«. Der Mensch, der zu uns kommt, soll die Dinge nicht sehen, wie wir sie wünschen, wie wir sie uns erhoffen, sondern wie sie sind. Er soll die eigenen Kräfte erkennen lernen, ihr Maß und ihre Grenzen, er soll erkennen lernen, was ihm an Widerständen gegenübersteht, weil er dementsprechend sich einstellen, weil er mit diesen Verhält- mssen nicht sich abjinden, aber mit ihnen ringen muß." Die Reihe der Begrüßungen. Ministerialdirektor Sitzler übermittelte die Glückwünsche der Reichsregierung, insbesondere die des Rsichsarbeitsmmisters und des Reichswirischaftsministers.- Die Bildungsarbett durch die gewerts chastlichetr Schulen sei überaus wichtig für die Sozialpolitik, die eine Hebung der Arbeiterkloste im allgemeinen erstrebe, vermehrte Derantwortung, vermehrte Mit- ivirfung in Wirtschaft und Gesellschaft und vermehrte Freiheit, die auch gesteigerte Pflichten bedinge. Die neue Schule möge zu einer weiteren Hebung der Arbeiterklasse beitragen. Staatssekretär Staudinger vorn preußischen Handelsministerium erwähnte in seiner Ansprache, daß das preußisch« Handels- Ministerium sich schön seit 1891 mit der Frage der Arbeiter- erziehung und Arbeiterschulung befaßt habe. Der damalige Staats- minister von Berlepsch hat sich ini Mai 1891 von dem Polizeipräsi- deuten von Richthosen über die Arbeiterschulen berichten lasten. Wilhelni Liebknecht wollte, daß die einzelnen Bildungsschulen in eine zentrale Schule zusammengefaßt werden sollen. „Die Ausführung unseres Werkes ist schwer— sagte Liebknecht—, doch wenn tüchtige Männer die Sache in die Hand nehmen, dann muß sie gelingen. Nur müssen die Arbeiter sich klar werden, daß sie sich selbst Helsen, für ihre Ausbildung auf geistigem Gebiet selbst sargen mästen." In seinem Bericht über die damals eingerichteten Arbeiterschulen bemerkt« der Polizeipräsident, ob das zur Zeit rege Interesse für die 3)e.r Erbauer der Sehlde,'Mannes llleyer Siefian, JCeUer des SSauhauSes bei feiner Anfpradhe Schulen vorhalten werde, lasse sich zur Zeit nicht annähernd beur- teilen. „Der Entwicklung der Schule wird diesseits fortgesetzt eine sorg- fältige Beobachtung zuteil werden." Der Referent im Handels in ini st erium aber be° merkte zu dem Bericht: „Gelesen. Mir ist nichl klar, warum der Polizeipräsident die Sache hat gehen lassen, wie sie will. Solange wir kein Unterrichts- gesetz haben, kann meines Erachtens von Aufsichts wegen der ganzen Schule ein Ende gemacht werden. Alles, was die Arbeiter lernen müssen, können sie in den Fortbildungsschulen, deren Zahl die Sladt beliebig ver- mehren kann, lernen." Die Anschauungen der Staatsregierungen zu diesen Schulen, fuhr der Redner fort, haben sich gewandelt. Wohl wird auch„diesseits fort- gefetzt eine sorgfältige Beachtung der Entwicklung der neuen Schule er- folgen".. aber nicht Mit Mißtrauen, sondern nnt Vertrauen. Unsere Wirtschast ist ohne die Gewerkschaft.'» nicht zu denken. Das ist das Große und Reue an den Arbeitersthulc«, daß die Männer und Frauen aus der Arbeit hcrausgenomnren werden und entwickelt wer- den, daß auf die Praxis die Theorie gesetzt wird. Wir hoffen, daß der Leiter der Schule, Dr. S e e l b a ch, der die Fachschule für Wirt- schuft und Verwaltung in Düsseldorf geleitet hat, auch hier die Ver- bindung zwischen der Schule und den Wirtschaftsschulen schlagen wird. Daß die Bundeeschul« der Erziehung der Arbeiterführer dienen möge, der fachlichen, technischen Vertiefung, der Ausbildung von Persönlichkeiten. ist der Wunsch der preußischen Staatsregierung. Landrat Schlemminger überbrachte die Glückwünsche großer Teile der Einwohner des Kreises Niederbarnim dafür, daß es gelungen ist, diese Bildungsstätte nach Bernau zu verpflanzen. Wenn es noch nicht gelungen ist, die Sympathie der Gesamt- einwohnerschast dafür zu erringen, so sei das ein nickt allzu großes linglück. Den Wünschen des Kreisausschusses und der Kreisverwal- tung ließ er den Wunsch an die Schüler folgen, stets dankbar dafür zu sein, was ihnen durch die große Arbeiterbewegung für ihr fer- »eres Fortkommen beschert wird. Mögen aus dieser Schule die Leute hinausgehen, die mit einferner Tatkraft, mit eisernem Willen und Arbeitsfreudigkeit an der Fortentwicklung der Arbeiterschaft für die Zukunft tätig sind. Beigeordneter H i l l i g- Bernau sagte, die Gewerkschaften können stolz sein auf diesen herrlichen Bau, und die Vertreter der Stadl freuten sich, den ADGB. als korporativen Mitbürger in, ihre Reihen aufnehmen zu können. Er dankte allen, die dafür sorgten, daß die Schule in Bernau gebaut wurde, Leivart. Graßmann, Knoll und Heßler sowie dem Landrat Schlemininger und dem früheren Bürgermeister Gehricke. Cr wünscht dem ADGB. und seiner Schule eine ersprießliche Entwicklung. Mit dein Spiel der Euryanthc-Ouvertüre von Weber endete der offizielle Teil der Feier, an den sich eine Besichligung der Schule und ihrer Einrichtungen unter Führung des Architekten Hannes Meyer anschloß. Sodann übermittelte Genosse Otto Wels die Glückwünsche des Partcivorstandes der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, und Genosse S t ä h r die des AsA-Bundes. Genosse S a s s e n b a ch, der die Grüße des Internationalen Gewerkschafts- b u n d e s bot, erinnerte daran, daß der Kölner Gewerkschaftskongreß vor SS Iahren die Schaffung einer Gewerkschaftsschule beschlossen habe, die«in Jahr später errichtet wurde. Der JGB. habe seit Jahren die Bildungsforderungen auf seinem Programm. Alljährlich sollen junge Genossen aus den verschiedenen Kulturländern zu Kursen herangezogen werden. Er freue sich, daß dies min in der letzten Aug»stwoche in dieser neuen Schule geschehen könne, und hofft, daß die daran geknüpften Erwartungen erfüllt werden. Gandhi verhastet. Indische Zeitungen verschwinden. � Ungewißheit im Lande. London,!>. Mai. Gandhi ist in Jalalpur verhaftet worden. Er wird „zur Verfügung der Regierung" gehalten. Nach„Times" erfolgte die Verhaftung auf Grund der Ordonnanz vom Jahre 1827. Der Verhaftete wurde von den Polizei- beamten auf der Eisenbahn nach Vorivli an der Linie Bombay— Varoda gebracht. Dort erwartete ihn ein Kraftwagen mit militärischer Eskorte, der ihn„mit un- bekannter Bestimmung" abtransportierte. Nach„Times" wird er in Puna in Haft gehalten werden. Zur Verhaftung Gandhis in der Nacht zum Montag werden folgende Einzelheiten bekannt: Gandhi sprach am Sonntagabend in einer Versammlung in S u r a t, etwa 229 Kilometer nördlich von Bombay. In dieser Rede wandte er sich besonders an die Frauen, die er aufforderte, seinen Feldzug für gewaltlosen Ungehoksam aktiv zu unterstützen. Gandhi wurde während seiner Rede nicht gestört und nichts deutete auf die unmittelbar bevorstehende Verhaftung hin. Diese erfolgte um l Uhr früh in größter Heimlichkeit. Gandhi wurde nach der Eisenbahnstation Achmedabad gebracht und dort unter Bewachung eines indischen und eines englischen Polizeibeamten in einem besonderen Salonwagen, der dem fahrplanmäßigen Zug angehängt wurde, nach Borivli gebracht. Gandhi war ruhig imd gefaßt. In Borivli wartete dos Auto, dos ihn nach dem Gefängnis in Puna bringen sollte. Die heräbge- lastenen Vorhänge des Autos und der Chauffeur in Zivil sollten nach außen den Eindruck erwecken, als handle es sich um reisende indische Damen. Der Haftbefehl besagt, daß die Regierung seine Tätigkeit mit Besorgnis betrachte. Die rechtliche Grundlage für Gandhis Verhaftung ist eine Beroidnung von 1827, welche Freiheitsentziehung auf unbestimmte Ziet ohne gerichtliche Aburteilung ermöglicht. Di« Verhaftung wurde in Bombay durch die Sonderausgabe einer Zeitung noch während der Nacht bekannt und hat groß« Erregung hervorgerufen. Der„K r i« g s r a t" des indischen Nationolkongresses trat sofort zusammen und beschloß, den heutigen und morgigen Tag zum Hartal, d. i. zum ollgemeinen Trauertag zu machen. Anhänger Gandhis haben in den frühen Morgenstunden das Geschäftsviertel aufgesucht und die einheimischen Geschäftsleute zur allgemeinen Arbeitsruhe aufgefordert. Die Regierung hat für die regulären und für die Hilfstruppen Bereitschafts» dienst angeordnet. Die Europäer in Bombay, Bank- mck Ge- schäftsleutc sind von den Behörden mit Waffen versorgt worden. Die Lage in Bombay ist gespannt. . Zur Verhaftung Gandhis wird noch mitgeteilt, daß die britische und die indische Regierung zu der Ucberzeugung gelangt waren, daß Gandhi nicht länger in Freiheil gelassen werden könne, ohne daß die Ruhe in Indien schwer gefährdet werde. Es ist Vor- '-rge getroffen worden, daß Gandhis Gesundheit nicht unter der Haft leidet und daß er während seiner Gesangenschast keine Bc- quemlichkeit entbehrt. Indischer Arbeiterführer verhastet. Amritfar, S. Mai. Der Vorsitzende eines Ausfchustes des L a h o r e- Kongrestes, Dr. K i t f ch l e w, wur�e unter der Beschuldigung aufrührerischer Betätigung verhastet. Daraufhin wurden die Geschäfte in der Stadt zum Zeichen der Trauer geschlossen. Polizei, und Militärpatrouillen durchzogen die Stadt, doch kam e»»ich zu Zwischenfällen. Die Gärung in Indien. eondon.?. Mai. Wie„Daily Telegraph" berichtet, ist die Lage in Indien nach wie vor geeignet, die größten Besorgnisse zu erregen. Dos gelte besonders für den Norden, wo eine gewisse Unruhe unter den Grenz st ämmen festgestellt worden ist. Das Aatt meldet aus Bombay: Es bestätigt sich, daß sich bei den Unruhen in Peschawar Truppen eines Regiments von der Menge entwaffnen ließen. Unter den Verlusten der Eingeborenen wurden mindestens 29 dadurch verursacht, daß Panzerwagen über Leute sichren, die sich auf den Boden ge- worsen hatten in der hoftnnng, sie aufzuhallen. Der Korrespondent weist darauf hin, daß allmählich«in bekannter Führer nach dem anderen verhaftet wird. Hunderte Blätter haben das Erscheinen eingestellt, und es ist jetzt schwierig zu erkennen, was vorgeht. Gestohlener Zünder explodiert. Puna. S. Mai.(Reuter.) Als in Kirkli eine Anzahl Inder auf dem Wege nach der Eisenbahnstation waren, ereignete sich plötzlich in ihrer Mitte eine Explosion. Sechs Inder wurden verwundet, zwei von ihnen schwer. Man glaubt, daß einer von ihnen einen aus der hiesigen Munitionsfabrik gestohlenen Zünder bei sich trug und diesen versehentlich fallen ließ. Die Bewachung der Munitionsfabrik und des Arsenals war vor einigen Tagen erheblich verschärst worden. Berliner Aerzte verunglückt. Schwere Autounfälle am gestrigen Sonntag. Am gestrigen Sonntag hoben sich bei dem außerordentllch st a r k e n v e r k e hr ans den Landstraßen außerhalb Vertins mehrere schrtlere Autounfälle ereignet. Unter den Der- unglücklen befinden sich mehrere Berliner, darunter eine Zahnärztin aus Moabit, die tödlich verletzt wurde. Der Zahnarzt Dr. Albert Schragenheim aus der Flens- burger Straße 19 m Moabit befand sich zusammen mit semer uin einige Jahre jüngeren Frau Erika, die gleichfalls als Zahnärztm praktizierte, auf einer Autoreise nach Italien. In Begleitung des Ehepaares war noch eine befreundete Familie, Dr. Gesrg Silber- st e i n mit feiner Frau, die in der Dortmunder Straße wohnen. Das Unglück passierte kurz vor Wittenberg, als Frau Dr. Schrägen- lzeim, die am Steuer faß, ein in gleicher Richtung fahrendes Berliner Auto überholen wollte. Der Wagen geviet dabei auf den Sommer- weg und sauste mit hoher Geschwindigkeit m den Ehausseegraben. Das Auto überschlug sich und wurde zertrümmert. Die In- fassen erlitten fast sämtlich schwere Verletzungen, sie wurden durch andere Automobilisten, die sofort hilfsbereit eingriffen, noch dem Paul-Gerhard-Sttft in Wittenberg gebracht. Dort ist Frau Dr. Schragenheim, die Rtutter von zwei klemen Kindern ist, inzwischen ihren schweren Verletzungen erlegen. Wieder ein schweres Flugzeugunglück. Absturz bei Bafel.— Zwei Tote. Lasel. 4. Mai. Ein schwere» Flugzeugunglück ereignete sich am Sonntag nachmittag in der Nähe von D o r n a ch bei Lasel. Sin von dem Deutschen Ivllli Starrer, dem Herausgeber der Zeitschrift„ZndividualilS!", der in der Schweiz lebt, gesteuertes Flugzeug, das von Bafel aufgestiegen war, wollte den Aossichtsiurm auf dem SOO Meter hohen Gempe» umkreisen, wo anscheinend Dekmnie weilten. Das Flugzeug flog zu diesem Zweck unverhältnismäßig tief. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist e» a b g e r u t s ch t. Es blieb dann mit den Flügeln in den Bäumen hängen und stürzte ab. Willi Starrer wurde auf der Stelle getötet, ebenso der 19 Zahre alte wolsgang Renzberger aus Essen, der erst am Tage zuvor von Deutschland nach Dornach gekommen war. Der dritte Mitfliegcr. der 19 Zahre alte Leutsinger aus Dörnach, ist schwer verletzt. Todessturz eines Nugartisten. Aus eigenem Versehen ums Leben gekommen. Geldern. S. Mai. In der Nähe der Stadt smiid sin F l u g t a g statt, dessen Haupt- ii nd Schlußnummer ein Fallschirmabsprung des 3S Jahre alten Fall- schirmpiloten A. L o n g e r aus Darmstadt.bildete. Kurz noch Ber- lassen des Flugzeuges öffnet« sich programmmäßig Oer Fallschirm. Plötzlich bemerkten die Zuschauer jedoch, daß der Fallschirmpilot keine Verbindung mehr mit den« Schirm halte. Den Schirm über sich lassend, stürzte er in unmittelbarer Bähe der Zuschauer zu Boden. Der Pilot war s o f o r t t o t. Die luftpolizeiliche Unter- fuchung ergab, daß Langer vergessen hatte, die Karabiner- haken des Schirmes an den Tragriemen seines Körpers zu besesttgen. Der Vorfall ist um so unerklärlicher, als der Verunglückte als außerordentlich vorsichtig bekannt war und von den Beamten der Luftpolizei vor dem Aufstieg mit dem Flugzeug mehr- mats befragt worden war, ob alle Vorbereitungen sicher getroffen seien. Oer Skandal um Siadirai Busch. Mnanzamt beschlagnahmt umstrittenen Akfienbefih. Zu der Untersuchung gegen den Stadtrat Busch hat sich jetzt die Staatsanwaltschaft zu einem aufsehenerregenden Schritt enffchlossen. Auf veranlassung des Staatsanwalts Dr. Weißenberg hatte bekanntlich Krimioalkommisiar Seifert den Geschäftsfreund Büschs, den Holländer L u t k i in Rotterdam, vernommen, der mich Angabe von Busch der Haupt» aktionär der Kunzendorfer Werke sein soll, bei denen ddr Sohn Büschs als Geschästssührer tätig ist. Ueber die Aussagen Lutkis sind von der Staatsanwaltschaft bis- her keine Mitteilungen gemacht worden, um die Untersuchung nicht zu gefährden, doch läßt sich aus dem Vorgehen der Behörden schon jetzt mit Sicherheit schließen, was der Holländer in Wirtsichtest aus- gesagt hat. Zunächst ist Lütke über den Besuch der Schwiegertochter des Stadtrats Busch anscheinend aufrichtig gewesen. Er gab zu, daß die junge Frau ihn besucht und ihm mstgeteilt habe, daß eine große Bersiner Auskunftei auf eine Anfrage geantwortet hätte, es fei ihr unbekannt, daß Luttl Aktionär in Kunzendors oder bei der Petrolea fei. Frau Busch habe ihn dringend gebeten, die Auskunftei zu veranlassen, eine solche Auskunft nicht mehr zu geben. Ueber sein Verhältnis zu Busch hal sich Lutki jedoch in einer überaus vorsichtigen Werse ausgedrückt. Jedenfalls hat Staatsanwaltschaftsrat Dr. Weißenberg sich veranlaßt gesehen, die Angelegenheit dem Finanzamt zu übergeben, da er sehr starke'Zweifel an den Behauptungen des Stadtrats Busch hat und annimmt, daß LuttiinWahrheitnurd erStroh mann ist. Das Finanzamt hak daraufhin am Sonnabendnachniiltag die Vermögenswerte der Petrolea und der Sunzendorfer Werke beschlagnahmen lassen. Ob die Kunzendorfer Aktien allerdings noch irgendeinen Wert be- sitzen, ist schr fraglich, da das Unternehmen bei einem Aktienkapital von 39 099 M. Verpflichtungen in Höhe von 123 909 M. besitzt und da die Liquidation der Werke kaum abzuwenden sein wird.— Im übrigen soll das Ermittlungsverfahren durch die Staatsanwaltschaft jetzt auch aus den in den Verhandlungen des Lnndtagsausjchusies mehrfach genannten Kaufmann Sachs ausged.ehnt werden. Ehrenplakette der Stadt Berlin für Hedwig heyl. Der Magistrat uberreicht Fron Hedwig Heyl aistählich ihres 89. Geburtstages am 3. Mai die Plakette der Reichshaupt st adt für ehrenvolle Verdienste. In einem Anschreiben heißt es:„Mst besonderem Stolz erfüllt es uns, die wahre Menschenfreundin Bürgerin unserer Stadl nennen zu dürfen. Unoergessen werden Ihre Verdienste um die E r- n ä h r u u g de r Berliner Bevölkerung in de» schwere» Kriegsjahren bleiben." Soziale Wohntvirlschast. Reichstagung der Mieter. Dresden, 5. Mai. Der Reichsausschuß des Bundes Deutscher Mieter» vereine e. B., Sitz Dresden, hat hier eine Tagung abgehalten, zu der alle Landes-, Provinzial- und Gauverbände Vertreter ent- sandt hatten. Das Ergebnis der zweitägigen Beratung wurde in einigen Entschließungen seslgelegt. in denen es unter anderem heißt: Die deutsche Mieterschaft hat die unveränderte Annahme der Mieterschutzgesetze begrüßt. Sie bedauert dabei, daß die Regierungsvorlage um ein Jahr gekürzt worden ist. Den Bestrebungen auf öffentliche oder ver st eckte Mietsteige- r u n g e n tritt die Mieterschaft nachdrücklichst entgegen, da nach- weislich die jetzige IZOprozentige Miete die chausb« wirtschaftung voll- kommen deckt. Das erträgliche Verhältnis zwischen Einkommen und Miete muß in der Zeit allgemeiner Verarmung auch bei der Miet- Preisbildung beachtet werden. Die Angleichung der Neubaumieten an die Altmieten muß durchgeführt werden. Die Mieterschaft er- wartet von der Reichsregierung die alsbaldige Verlegung eines ijeimstättengesetzentwurses(Bodenreformgesetz) nach dem Entwurf des„Ständigen Beirats* und eines Entwurfs für ein künftiges Wohnwirtschaftsgesetz auf sozialer Grund- lag« nach dem vom Bund Deutscher Mieteroerein« e. V.(Sitz Dresden) bereits vorgelegten Gesetzentwürfe. Jeglicher Abbau der Bayern- Ost Sayern verlangt, von der Osthilse abzubekommen, da es im Osten läge. „Wann'S ins net glaaben tuan, dös inla Bayernland znan Osten g'hört. nacha drahn mir halt den Globus o Weng!" chauszinssteuer muß mit der entsprechenden Herabsetzung der gesetzlichen Miete verbunden sein. Zur Finanzierung des Wohnungsneubaues ist unbedingt der Gesamtsteuerertrag der Haus- zinssteuer dem Wohirungsneubau zur Verfügung zu stellen, damit endlich die große Not der Wohnungslosen und der unter dem Woh- nungselend besonders Leidenden rascher behoben werden kann. Geschenke ja, Gieuern nein! Das Geschäst der Agrarier. Di« Deutschnationalcn haben im Reichstag den Antrag gestellt, „die Reichsregierung zu ersuchen, die am 15. Mai 1930 fällig wer- dcnxde Varmögenssteuerrate der Landwirtschaft angesichts der Zahlungsunfähigkeit der Landwirtschast und der mit den nachhaltigen Rentabllitätsoerhältnissen nicht zu vereinbarenden Höhe der Einheitswerte niederzuschlagen oder im Falle der Ablehnung die Reichsregierung zu ersuchen, die am 15. Mai 1930 fällige Vermögens st euerzahlung der Landwirt- s ch a s t bis nach Durchführung der Einkommensteuerveranlagung zu st u n d e n und dann soweit niederzuschlagen, als es die mangelnde Leistungsfähigkeit des Landwirts erfordert.* Ein gleichlautender Antrag ist von den Ehristlich-Nationalen und dem Bayerischen Bauernbund eingereicht worden. Alle Zu- geständnisie, die die Regierung Brüning bisher den Agrariern ge- macht hat, haben also noch keine Zufriedenheit ausgelöst. Di« Er- füllung der Forderung, die Vermögensteuerrate vom 15. Mai zu eriasien, würde dem Reich schätzungsweise 25 Millionen k o st e n! Man kann außerdem annehmen, daß auch damit die Agrarier nicht zufrieden sein werixn, sondern daß unmittelbar hinterher die Forderung nach Erlaß aller übrigen Steuern austauchen wird, um so mehr, als die Regierung Brüning ja zu allen Zugeständnissen an Agrarier bereit zu sein scheint. Oeuische Mehrheit in Königshütte. Verringerung durch Abwanderung. Kaffowih, 5. Mai.(Ost-Expreß.) Bei der Gememdewahl in Königshütt« konnten die Deutschen die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung behaupten, wenn auch unter V e r l u st von 7 Mandaten. Bon den 54 Man- daten haben die Deutsche Wahlgemeinschaft 24 und die deutschen Soziali st en 5 erhalten. Die polnischen Parteien erhielten 25 Mandate, davon aus die Regierungspartei 7; Korfanty und die Nationale Arbeiterpartei zusammen 12. Bemerkenswert ist der Stimmenverlust der polnischen Sozialisten sowie der Gewinn von 3 Mandaten für die Kommunisten und einem Mandat für die Pilsudski ergebenen Faschisten, die„revolutionäre Fraktion der polnischen Sozialistischen Partei* Der Slimmenrückgang für die deutschen Listen gegenüber der vorigen Wahlen läßt sich, wie über- all in Öst-Oberschlesten durch Abwanderung deutscher uyd durch Znzug polnischer Wähler erklären. Bad Kreuznach ist von der französischen Besatzung geräumt worden. Theater und Tanz. „Carmen" neu einstudiert. Städtische Oper. Träger des Schicksals, um das es geht, Held der Oper ist Don Jose, der Sergeant. Nicht das Zigeunermädchen Carmen. Und gewiß nicht der Stierkämpfer Escamillo(desien Darsteller, Ludwig Hofmann, sich als Hauptperson des Abends zu fühlen scheint). Als tragisches Spiel vom Soldaten, den die Liebe zu einer Dirne zu- gründe richtet— so ist Bizets unvergängliches Werk in der Republitoper neu entdeckt worden. Ein Jahr später soll es in der Städtischen l?Per wieder, nach alter Tradition, die wir überwunden glaubten, Star-Oper werden. Die Beliebtheit einer schönen Altstimme soll den Kassenerfolg machen, Carmen wird neu herausge- bracht, weil Sigrid O N e g i n die Titelrolle singen will oder soll. Sie versucht Opern-Lulu zu sein, aber dieser Carmen fehlt alle Weibchendämoni« und alle Urtümlichkeit der Rasse. Wieder wird, als wäre es beabsichtigt, der Don Jose Hans F i d e s s e r s nicht nur zur zentralen Gestalt des Dramas, sondern zum darstellerischen und im zweiten Akt auch zum gesanglichen Mittelpunkt. Lotte Schöne hat für die Micaela Anmut der Erscheinung und den rührenden Klang ihres kultivierten Soprans. An die Inszenierung(Oto Krauß) und Ausstattung(Gustav Vargo) ist viel gute Arbeit gewandt; auch an die Gestaltung der Tänze(Lizzie Maudrik), insbesondere des Zigeunertanzes im zweiten Akt mit dem Tänzerpaor Ciryl-Zehnpfenning. Am Dirig�ntenpult waltet, als Gast, Leo Blech. Seine Carmen- Interpretation ist eine berühmte Leistung, die leiner Würdigung mehr bedarf. Diesmal übertreibt er sie, so scheint es, ein wenig ins Virtuosische. Der Geist des Star-Regimes, der den Spielplan und den Betrieb des Hauses beherrscht, scheint es dem Musiker der unfehlbarsten Sachlichkeit angetan zu haben. K.P. „Gaukelei." Labans Tanzballade in der Bolksbübne. Die letzte Tonzmatmoe der Boiksbühne in dieser Saison brachte ein Gastspiel der Essener Folkwang-Tanzbühn«. Kurt Ivos, der Leiter dieser Tänzerschar, hatte Rudolf von Labans Tcmzballade„Gaukelei" zur Ausführung gewählt, ein Werk, das geeignet ist, verschiedensten Geschmacksrichtungen Rechnung zu tragen und auch dem nicht unbedingt Tanzinteresfierten Unterhaltung bietet. Es rollt sin geschlossenes Spiel vor dem Zuschauer ab: Zln den Hof eines Tyrannen kommt ein Gaukler, dessen lebensfreudiger Rhyth- mus das Volk und die Prinzessin mitreißt. Der Gaukler soll sterben, wird im letzten Augenblick aber vom Volk gerettet und nach mancherlei Wirrnis zum Herrscher ausgerufen. Die neu« Macht zieht ihn in ihren Bann; er zerbricht daran. Die tänzerische Durchgestaftung bewies das Können der Essener. Außerordentliche Technik bot schon jeder einzelne Tänzer im Tanz- chor, der bei aller Präzision der Zusammenarbeit die in diesem Spiel so notwendige Eigenart der einzelnen zur Geltung kommen ließ. Daß alle übrigen Rollen Gestalter von entsprechenden Fähigkeiten gefunden hatten, versteht sich von selbst. Kurt Ivos tanzte den Gaukler, der in seiner ViÄ selbig keit— Volksbeglücker, Liebender— eine anspruchsvolle, aber auch dankbare Roll« ist. Ivos verstand es, die tänzerischen Möglichkeiten nach allen Seiten auszuschöpfen; sein Doppelgänger, das Phantom, getanzt von Kurt Grafs, zeigte stark« Einfühlungsfähigkeit in die Ausdrucksrvelt seines Partners. Arno Siirnolo war die Partnerin von Ivos. Sie gestaltete die Prin- zessm in fast spielerischer Zartheit, entwickelt aus einer vollkommen unmerklichen Körperbeherrschung. Als Tänzerin von hervorragen- der Ausdrucksfähigkeit siel in der Narrenrolle Angiola S a r t o r i o auf, die der vermittelnde Gestalt zwischen Bühnenspiel und Publikum darstellt«. Diese Rolle, die gewiß leicht zum Posieren verlocken könnte, wurde von Angiola Sartorio ganz in durchlebte tänzerisch« Geste aufgelöst. Noch ein Name muß aus der Fülle herausgegriffen werden: Ernst U t h o f f, der den etwas gefährlichen Requisitentanz des Henkers weitab von jeder pantomimischen Spielerei rückte. Der lebhaste Beifall rief neben den am Spiel Beteiligten auch den Schöpfer des Werkes, Rudolf von Laban, an die Rampe.— le. „Die Lustige Wiiwe." Großes Schauspielhaus. „Die lustige Witwe* hat den Operettenkomponisten Franz Lehar berühmt gemacht. Das war vor fünfundzwanzig Iahren der Anfang einer neuer» Operettenära, die Musik hatte einen neuen Ton, der das Publikum faszinierte, und melodische Einfälle, die dein Musiker auffielen. Der Welterfolg ging von Wien aus, wo Louis Treumann aus der Rolle des Danilo eine unvergeßliche Figur ge- rnacht hat. Aber damals begann es mit der Gattyng der„seriösen Operette*— der Name bezeichnet ein peinliches Kapitel der neueren Theatergeschichte, das einmal geschrieben werden muß. Es braucht nicht gerade aus Anlaß des Lthar-Jubiläums zu geschehen, ge- legentlich dessen Charell in, Großen Schauspielhaus seine Infzenie- rung der„Lustigen Witwe*(aus dem Metropoltheater) erneuert. Mehr freilich als nötig, nämlich durch die Raunwerhältnisse bedingt erscheint, ist die Erneuerung eine Vergröberung geworden. I» manchem— so in der Besetzung des Danilo— erkennt man die reduzierten Ansprüche des Sommerpublikums, an das offenbar schon gedacht ist. Geblieben ist, beinahe unverändert, Ernst Sterns wahr- hast sehenswerte Ausstattung. Hauptdarsteller und Träger des großen Erfolgs, der nicht ausbleibt: Trude H e st e r b e r g und Max Hansen. Neben Ihnen S-iegfried Arno und Paul Morgan. Und die Tänzerin Marianne W i n t e l st e r n. K. P. Di« 17. Internationale Kunstausstellung in Venedig wurde am Sonntag eröffnet. Sie tritt heute zum erstenmal als selbständiges Unternehmen auf. Sie umfaßt Bilder von über 1400 Matern. Der deuffche Pavillon gibt wegen seines beschränkten Raumes nur einen sehr kleinen Ausschnitt der deutschen Kunst, der aber von dem deutschen Reichskunstwart und Dr. Hans Posse wirkungsvoll ZU- sammengestellt ist. Oeffeuliche tühnmge« während der Sommermonate finden MontaqS im Kaiser-Friedrlch-Muleum; Mittwoch»>m Alten und Neuen Museum; Sonnabend« in den Muleen für Bälker» l un d e I und II statt. Beginn 1t Mr. Gleichzeitig finden Sonn- abends 14— 15 Ubr eine fortlaufende Reibe von Vorträgen m der Borderasiatischen Abteilung de» Kalser-Frledrich- Museums statt, die diese Kultur und ihre Voraussetzungen erläutert. SIntrittZkarten und Pi ogamme in den Muleen. Fremdsprachige Führungen veranstaltet das deutsch« Ladies Guides Office an anderen Wochentagen. Die Berliner Philharmoniker treten im Mai wieder ihre alljährliche Frühjabrstournce an. Sie fahren mit Furtwänglcr durch das Rheinland und Süddeutichland nach Paris. Von dort gebt die Reise über Lyon durch die Schweiz nach München und Mitteldeutschland. GchiNer-Theaier. Griilparzer:„Oer Traum ein Leben." Der Schwermelancholiker Grillparzer quält sich 50 Jahre long, weil er zwischen der Sehnsucht nach Aktivität und Gedankenoinjam- keit hm un-d her schwankt. In der Mitte soines Lebens volleirdet er das dramatische Märchen, das diesen Gefühlszwiespalt zum erstenmal gestaltet. Ruswn, der immer der selbstverräterijch« Dichter ist, btodelt in hitzigen Wünschen nach Erfolg, nach einer Königskrone, nach Kriegsruhm. Da alles nicht leicht gewonnen wird, mordet und betrügt der Träumer. Wacht er auf, dann hat der Traum ihn über seine geheimsten Laster aufgeklärt. Er beschließt, sich artig und gesellig m alltägliche Bescheidenheit zu fügen. Obwohl Grillparzer dies« Schalheit des Entschtusses empfiehlt, riß er sich selbst immer wieder zu einer freieren Höhe empor. Er band nur seine banale Pantoffelbehagllchkeit an die Frau, die ganz gegen alle sonstige Liebesregel i h n umwarb, anstatt sich umwerben zu lassen. Er spann sich in seine Wunschtraume ein und war der Unsterblichkeit so gewiß, daß er seine besten Werte in Geheimschatullen einsperrte und der Nachwelt die Pflicht auferlegte, fein« Ewigkeitsbedeutung zu entdecken. Das war das Traumleben, dem er sich ergab. Der Regisseur Legal verkürzt die Dichtung von dem Wirk- Iiichen, um schnell zu den TraumeroignissSn zu gelangen. Er streicht d-te Lyrik des Lebensidylls unbarmherzig. Der Mrrd- und Kriegs- spektakel bleibt hauptsächlich übrig. Der Regisseur verwandelt den Traum in realistisches Leben und das realfftisckrs Leben in bläß- lichsn Tvaum. Dadurch wird von der Logik dieser Seelenwanderung vieles weggenommen und das Märchen erniedvi-gt zu einem Wirr- warr undurchsichtiger Ereignisse. Trotzdem behauptet sich der Dichter gegen den Regisseur. Hans R e h m a n n, her Darsteller des Rustan, ragt durch das Athtetenmaß hervor, mit dem der zierliche und schwachbrüstige Grillparzer feine Helden gern ausstattete. Nur sehll diesem Heldendarsteller eigentlich das Grillparzerische Sondertemperament, die Beklommenheit, der Glaube an das Uebenrdische. Sein leibgewordenes Gewissen, Zanga, der Neger mit dem Teuselsinstinkt, wird von Granach gespielt. Er ist prächtig anzusehen als der wahrhaftige Teufel und auch lustig in seiner niederträchtigen Blutgier. Theo Otto, der Bühnenbildner, hat das orientalische Märchengepränge phantastisch gemalt und glücklich beleuchtet. Watter Franck, der unglückselige König, und Thill Klockow, der ihm als Tochter schwankend und schwach zur Seite steht, tragen ein Mürchenkleid, das die Augen entzückt. Hofschranzen, Krieger, Kämmerer und Hexen entführen den Zuschauer, der ihrer ansichtig wird, sofort zu der magischen Ferne. dl. H. Das Grab Alexander des Großen. Der englische Archäologe Howard Carter, der Entdecker des Tutanchamon-Grabes, hat sich jetzt eingehender über seinen aussehen- erregenden neuen Plan geäußert, das Grab Alexanders des Großen zu suchen und zu erforschen. Aus dem Grabe des Tutanchamon sind jetzt gegen 5000 Stucke geborgen, aber es bleibt noch manches zu tun, und die vier großen Grabschreine müssen noch geborgen werden. Wenn dies geschehen ist, will sich Carter der Suche des Alexander- grobes zuwenden. Der Herrscher starb in Babylon und soll im Jahr« 323 v. Chr. in der von ihm gegründeten Stadt Alexandria in einem goldenen Sarge beigesetzt worden sein.„Die genau« Lage des Grabes ist unbekannt*, sagte der Gelehrte.„Wir werden es aber in einem der königlichen Friedhöfe finden, freilich erst nach langen, schwierigen und kostspieligen Forschungen. Eins der größten Hemmnisse ist die große Ausdehnung, die das alte Alexandria hatte. Wir müssen das ganze Gelände cchsuchen, in dem Probeschächte an den verschiedensten Stellen in die Erde getrieben werden. Haben wir dann den Friedhof gefunden, dann müssen die Ausgrabnngs- arbeiten allmählich nach dem Mittelpunkt zu hingeleitet werden. Wie allgemein bekannt, waren ja alle altägyptischen Begräbnisstätten nach dem gleichen Plane angelegt. Das Königsgrab lag in der Mitte und war von den Gräbern der königlichen Prinzen und Fürstinnen umgeben. Danach waren in einem weiteren Umkreis die Höflinge begraben und die Personen des gleichm Ranges. Dann kam die Mittelklasse und in einem noch entfernteren Umkreis waren die unteren Klassen bestattet. Wenn unser Suchen von Erfolg gekrönt wird und wir das Alcxandsrgrab finden dann werden die Ent- deckungen von noch viel größerem Wert sein als beim Grabe Tutanchamons. Das ergibt sich aus der ungeheuren geschichtlichen Bedeutung des mazedonischen Welteroberers. Große Bilderfälfchungen in Paris. Die fvanzöfffche Polizei ist in dem Pariser Vorort Barbizon einer ausgedehnten Bilderfäljchungsangetegenheit auf die Spur gs- kommen und hat bereits wertvolle Feststellungen gemacht. Der Führer der Fälscher band« ist ein Enkel des berühmten sranzäsischen Malers Millet namens Charles Millet; seil mehreren Jahren bereits beschäftigte er sich mit dem Verkauf von Kunstgegenständen. Unter anderem waren ihm in den letzten Monaten von engte s-her Seite wertvolle Bronzen zum Verkaus übergeben worden. Millet hatte durch verschiedene mehr oder weniger zweifelhast« Ver Hand- lungen die Ausmerksamkeit der Polizei auf sich getenkt, die das Ge- schöst genau beobachtete. Hierbei entdeckt� die Polizei bald, daß Millet mit einem geschickten Kopisten in einem Pariser Vorort zusammenarbeitete. Der Kopist stellt« die falschen Millets her, und der Enkel des großen Franzosen wies sie mit Hilf« von Briefen des Großvaters oder aber, indem er erklärte, die Bilder seien oisher Familienbesitz und Erinnerungen gewesen, als echt aus. Der gewinn- bringende Absatz der Fälschungen brachte die Fälsäzer erst aus den Geschmack, jetzt beschränkten sie sich nicht mchr allein aus Millets, sondern stellten auch Gemälde von Monet, ffezanne, Degas, Corot usw. her. Ausländische Agenten sorgten für einen reget- mäßigen Absatz d»r Waren. Die Polizei stellte fest, daß«in Sammler erst kürzlich«inen falschen Millet für 250 000 Mark erworben Hot. t�cu�tmdseiJtuJc fiuekna die hygienische Kleiderpflege. Riffe heuie noch an B 4 Bavaria 9101 lliaienlag der Winderfreunde ■Die SierUncr Jtrbellsgemein- fchaHderJünderfrmnde rer anftalMe am Sonnlag im Colkspark fleukölln einen ftlaienaufmarfch, der großes Jnlercfje fand. Theaternot— Kulturnot. Eine lehrreiche Statistik über städtische Theater. Die Epitzenorganisaticmen der freien Gowerkschaften haben in nthrer grahen Stwmb�ebimg vor kurzem mit Recht auf das große Verdienst hingewiesen, das sich die deutschen Städte erworben haben, als sie im Laufe der letzten Jahrzehnte Prioatthcater in ge« mein nützige oder subventionierte Theater um- mendelten. Das Ziel der Städte war dabei die Pflege der Kultur und die Förderung des sozialen Theaters. Die Gewerkschaften haben mit Sorge auf-die schwierige Finanzlage der r reisten Komnmnen aufmerksam gemacht und fordern, daß über dem Sozialetat der Städte der Kunstetat nicht vergessen werden dürfe. Sie haben an alle beteiligten Kreis« den Mahnruf gerichtet, ernstlich an der Reform der Theater mitzuwirken, um Wege zu finden, das Theater zu erhalten und für die breiten Massen verständlich und zu- äangig zu niachen. Dieser Mahnruf ist sicherlich nicht ungehört vcr- hallt. Die Städte jedenfalls stehen auf demselben Baden: ein Leben ohne Kultur, ohne Kunst wäre nicht lebenswert. Wenn irgend moglsch, bleiben die Stadttheatcr erhalten, die wert- volle Sammelpunkte kulturellen Schaffens im Lande sind. Auf der anderen Seite darf man sich nicht doriiber täuschen, daß das deutsche Theoterwefcn, insbesondere die Oper, an gewissen llebertreibungen krankt, die in glücklicheren Zeiten ertragen werden konnten, im Zeit- alter eines verlorenen Krieges nicht ungefährlich sind. lieber den gegenwärtigen Stand der öffentlichen Theater und Orchester gibt eine ausgezeichnete Statistik Aufschluß, die der Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Mannheim, Prof. Dr. Schott, in dem soeben erschienenen ersten Teil des„Statistischen Jahrbuches deutscher Städte" veröffentlicht. Die Statistik betrifft die Lage der Theater un� Orchester in den deutschen Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern im Rechnungsjahr 1028/29. Gegenüber dem Vorjahr haben sich d>c Auswendungen der Städte für Theater und Orchester fast genau um ein Viertel erhöht. Der Gesamtzuschuß der erfaßten Slädtc betrug im Berichtsjahr 58,5 Millionen M., nämlich 49,6 Mill. für Theater, 7V Mill. für Orchester, 60 100 als Zuschüsse für Theater- gemeinden, lV Mill. für außerordentliche Zwecke(im weseMlichen Bauten). Die Beträge, die von den einzelnen Städten gezahlt werden, sind zweckmäßig für den Kopf der Bevölkerung ausgerechnet worden. An der Spitze stehen Freiburg mit 8,27 M., Darmstadt mit 8,23 M., .Heidelberg mit 7,78 M., Aachen mit 7,55 M., Mannheim mit 7,38 M., Bochum mit 6,30 M., Duisburg mit 6,29 M., Münster mit 6,12 M., Hagen mit 5,90 M., Bonn mit 5,80 M. und Düsseldorf mit 5,68 M. auf jeden Einwohner. Es ist bewunderungswürdig, daß auch In- dustriegemeinden die Theaterkunst mit solchen Beträgen fördern. Die geringsten Kopsbeträge leisten unter den Städten mit mehr als 200 000 Einwohnern Breslau mit 1,82 M., Dresden mit 1,75 M., Berlin mit 0,71 M. und Gelsenkrrchen mit 0,59 M. Dabei ist zu bedenken, daß in Breslau aus dem Ostfonds ein Teil des Theater- Zuschusses getragen mird, daß Berlin und Dresden Staats- t h e a t e r haben, und daß Gelsenbirchen feine Vorstellungen nur aus Gastspielen erhält. Unter den Städten von 100 000 bis 200 000 Einwohenrn liegen die geringsten Kopfbeträge bei Brauisichweig (Staafstheater!), Oberhaufen, Ludwigshafen. Gleitnitz, Harburg, hindenburg und Kassel(Staatsthcater!). Int Berichtsjahr leisteten 9 Städte Zuschüsse an Staatstheater, nämlich München, Dresden. Stuttgart, Kassel, Wiesbaden, Karlsnche, Braunschweig, Darmstad-t und?etta. Die Zuschüsse liegen zwischen 25 000 und 1 023 000 Mark. Die Personalzahlen haben sich gegenüber dem Vorjahr nicht wesentlich geändert: Verwaltung 552, Opernsolisten 1333, Schaufpiel- f ollsten 1189, Orchestermitglieder 3289, Singchor 1803, Tanz personal 468 und übriges Personal(insbesondere Bühnenarbeiter und tech- irisches Personal) 6366. Zahlreiche städtische Theater und Orchester geben Gastspiel« in anderen Orten. Stellt man, wie es Prof. Schott tut, die Veranstaltungen fremder Ensembles in den Berichtsstädten den auswärtigen Gastspielen des eigenen Ensembles, also gewisser- maßen Theater£in- und-ausfuhr einander gegenüber, so zeigt sich, daß der Verfand mit 1653 Veranstaltungen den Empfang mit 1601 um ein Geringes überwiegt. Oper und Operette sind vorwiegend Exportartikel,«chauspiel Importartikel. Das liegt daran, daß die in der Statistik erfaßten größeren Städte diejenigen kleineren Städte mit Oper und Operelte beliefern, d'e keine Oper besitzen, während die(vorwiegend Berliner) Schau- spiet-äs!« in der ganzen Provinz, auch in den größeren Städten, willkommen sind. föl Prog. der Besucher waren Gäste der Abeitdvorstellungen, 9.6 Proz. der Nachmittagsvorstellungen und 1,4 Proz. der Bor- mittag svvrsteilungen. Interessant ist noch die gegliederte Einnahmen- und Ausgaben st ati st ik: von den Betriebseinnahmen kamen 19,8 Prozent aus dem Verkauf der Tageskarten(1926: 21,6 Proz.), Il.1 Proz. aus Abonnements(1926: 13h Proz.), 3,6 Proz. aus ge- jchlcjsenc«! Vorstellungen(1926: 4,7 Proz.), 2V Proz. aus Konzerten (2,7 Proz.), 2H Proz. aus Garderobe, Texten und Zetteln(2H Proz.). 1H Prog. aus Gastspielen(1h Prog.) und 1,7 Prog. aus sonstigen Eimtahmen(2 Proz.). Nur 43,1 Proz. der Gesamtausgaben wurden im Rechnungsjahr 1928/29 aus Betriebseinnahmen gedeckt(1926 waren es noch 47,5 Proz.), 56,9 Proz. mußten durch Zuschüsse ge- deckt werden, die von den Städten mit 54,9 Proz., vom Staat mit 1H Prog. uitd von Provinzen mit 0H Proz. getragen wurden. Diese Entwicklung ist außerordentlich bedenklich. Am höchsten liegt der prozentuale Zuschuß der großen Städte bei Essen mit 78 Proz., Düsseldorf mtt 70,6 Proz., Gelsenkirchen 70 Proz., Bochum 69,6 Proz. und Dortmund 66H Proz. der Gesamteinnahnten. Es liegt nahe, aus diesen aufschlußreichen und überaus mter- esfonten Ergebnissen Schlußfolgerungen für eine künftige Theater- politik der Städte zu ziehen. In Schlagworten zufainmengefvßt, würden diese Folgerungen lauten: Aufrechterhalwng des Standards und des Niveaus, Rationalisierung durch wirtschaftliche Führung des Betriebes, durch Kooperation geeigneter Städte und mit Reich und Staat, durch Zusanimenarbeil mit Theotergemeinden, stärkere Ver- bindung mit dem Rundfunk, neuzeitliche Abonnentenwerbung. lieber allem Geschäft ober steht die Verpflichtung der Kunst und der sozialen Gemeinschaft gegenüber. Dr. Otto Be necke. Blutiger Kampf in Güdafrika. Eingeborene gegen Polizisten. , London. 5. Mai. In Worcester, einer kleinen Stadt 130 Kilometer östlich von Kapstadt, wurden bei einem Zusammenstoß zwischen Eingeborenen und der Polizei fünf Eingeborene getötet und der Bs- fehlshaber der Polizei sowie zwei Polizisten schwer verletzt. Di« Polizei hotte unter Führung des Leiters der Geheimpolizei in Kap- stodt, Thomas, einen im Besitz eines Gewehres befindlichen Ein- oeboreuen während einer Dersammlttng verhasten wallen. Nach den vorliegeirden Meldungen wurde die Polizei dabei angegriffen und mußte sich nach einem Kampf von 10 Minuten zurückziehen. wobei sie eine Salve abgab. Der Polizeiches wurde schwer verletzt: die Polizisten erlitten durch Stemwürfe und Messerstiche ernste Wunden. Sonntag abend trafen 50 Polizisten aus Kapstadt ein. Die europäische männliche Bevölkerung von Worcester ist er- sucht worden, sich für den Notsall in B e r« i t s ch a f t zu holten. Die Unruhen sind nach späterer Meldung von betrunkenen Far- bigen, die nicht zu der eingeborenen Rezerbevölkerung gehören, her- vorgerufen worden. Das Befinden des verwundeten Polizeihaupt- manns ist äußerst kritisch. Er ist nicht nur durch Axthieb« nieder- gestreckt worden, sondern es sind ihm auch von einer Frau Sch n i t t- wunden in den Hals beigebrocht worden. Wahlsieg in Frankreich. Knegshafen Lorient erobert. Pari», 5. Mai.(Eigenbericht.) Im Wahlkreis L o r i e n t in der Bretagne wurde her sozio- listische Kandidat l'Heveder im ersten Wahlgong mit 8784 Stimmen zum Deputierten gewählt. Die Radikalen, die bisher den Wahlkreis in ihrem Besitz hatten, konnten nur 2500 Stimmen aufbringen. Die Reaktionäre verloren von 5000 Stimmen beinahe die Hälfte. Sie erhielten 2800 Stimmen. Der sozialistische„Papulaire" führt den Wahlausgang darauf zurück, daß die Radikalen sich durch ihre Zusammenarbeit mit der Reaktion in der Komunalpolitii in Lorient kompromittiert haben. Im Wahltreis Lorgentiniere(Ardeche) wurde bei der Stich- wähl der reaktionäre Kandidat B a i s s i n mit 7900 Stimmen gewählt. Sein sozialistischer Gegenkandidat Froment erhielt die ver- hältnismäßig hohe Stimmenzahl von 6300. Roch bei der vorigen Kammerwahl hatten die Linksparteien in dem Wahlkreis insgesamt kaum etwas über 1000 Stimmen aufgebracht. Großtag der Feuerwehr. Auf dem Flughafen Tempelhof gab am Sonntag die Berliner Feuerwehr den Ton an Die Flughasengesellschast vermied es, ihr den Erfolg durch eigen« Darbietungen streitig zu machen. Den ganzen Nachmittag donnerten die Verkehrsmofchinen der Lufthansa über den Platz. Der Rundflugpreis betrug nur 6 M. und der Anstunn der Passagiere war ganz gewaltig.• Gegen 6 Uhr kommt etwas Abwechslung in das eintönige Bild. Der Pilot H a st e r steigt mit einer Montgolfiere hoch und landet kurz darauf wieder glatt auf dem Platz. Plötzlich walzen sich riesige Oualm walken über das Gelände. Mit Benzin getränkte Fäiser sind in Brand gesetzt worden, dos Feuer wird innerhalb weniger Minuten durch das Schuurnlö fchoersahren erstickt, Als sich die LutMheit auf den Platz hat. h-ntet mit«mem Mal« tU Sirenen los..Löchster Alarms Da» D a ch d« r H all« I brennt. Löschzüge brausen heran. Fackeln flammei, cms, mechanische Lettern schießen empor, die Dampfmaschinen be« ginnen zu arbeiten, und aus 26 Rohren schießt das Wasser heraus. Die Arbeit der Feuerwehr bietet ein überwälttgendes Btld.� Sam- töter rennen mit Trogbahren umher. Puppen werden m Sprung- tücher geworfen, Pfeifen trillern. Das Publikum betrachtet gespannt jede einzelne Phase der Löscharbeiten. Als die letzten Züge der Feuerwehr davmtrasselit, knallt dos Feuerwerk empor, und Zehntausend« von Großstädtern, die sich die Lunge wieder voll srifcher Luft gepumpt haben, pilgern befriedigt noch Haus«. Maijugendtag in Kaussdorf. Die große Feier auf der Spielwiese. Aus allen Richtungen der großen Stadl slrömken die sozialistischen Tugendgnippev gestern hinaus zu den Spiel- wiesen in kaulsdors. Aus dem frischen Grün der Bäume und Sträucher leuchten die roden Fahnen und Wimpel. Immer neue Scharen kommen mit klingendem Spiel angerückt. Auch die Parteifreunde haben ihren Sonntagsausslug nach Kaulsdorf-Süd geniacht und erfreuen sich an dem Loben und Treiben. Ueberall auf der Wies« schließen sich dichte jtreis« Schaulustiger um die Arbeiterjungen und Mädel, die ihre Volkstänze vorführen. Aus der Fern« schallt Trommelschlag herüber. Don Köpenick rückt ein neuer Zug an. Schließlich sind olle ver- sammelt. Die Bonner der Arbeitersportler, der Jugend- gruppen des Zentralverbandes der Angestellten, der Freien Gewerkschaftsjugend zeigen, daß die Berliner Arbeiterjungen imd Mädel diesen Festtag gemeinsam begehen. Signale rufen alle zur Eröffnungskundgebung zusammen. Gemein- samer Gesang:„Wir sind das Bauvolk der kommenden Wett". aus viertausend Kchlen angestimmt, leitet über zu den Rezitationen und der Ansprache des Vorsitzenden Leudstedt.„Wann wir schreiten", klingt über den Platz und dann kommt wieder Spiel und Sport zu seinem Recht. Am Abend ruft ein Signal wieder zmn Sammeln. Die Freie Sport- und Musik ver« in gung Berlin spielt, dann bringt der Sprechchor wuchtige Verse zum Vor- trag, und daran schließen sich Musikdarbiettingen des Streichorchesters der SAJ. Reichstagsabgeordneter Dr. Kurt L ö w e n st e i n spricht zur Jugettd. Kuhneris Anleihefabrik. Ein Neiner„Fall Stinnes" vor Gericht. Herr Kuhnert, Inhaber der„Iolandsbank", ist in INoabit keine unbekannte Persönlichkeit. Sein Akten- schiebungsprozeß hat seinerzeit viel Aufsehen erregt. Er war angeklagt, an» Gerichtsakten einige Seiten entfernt zu hoben: da» Urteil gegen tfH lautete auf drei TNoaate Gefängnis, heute verantwortet er sich wegen V e- trüge» und Urkundenfälschung. Er soll Alt- besihanleihen in höhe van 31 Millionen Mark bei der Reichsbehörde als Reubesih angemeldet haben Mit ihm ist ein gewisser Herr vnnkelblum angeklagt, aber nicht erschienen. Die Verhandlung beginnt mit der Frage, ob der Prozeß ohne Herrn Dunkelblum geführt werden kann. Dunkelblum hatte noch gestern seinen Anwalt Dr. Themal aufgesucht und mit ihm alle Einzelheiten durchgesprochen. Heute ließ er seinem Verteidiger Mitteilen, er habe wegen der Krankheit seiner Mutter plötzlich vc/reiscn müssen. Staatsanwalt Dr. Berliner ist zwar der Ansicht, daß cherr Dunkelblum ats polnischer Staatsangehöriger nicht wich Berjin zurückkehren werde, erklärt sich schock) bereit, seinen Antrag aus Erlaß eines Haftbefehls vorläufig zurückzustellen, damit der Der- leidiger den Bersuch uitternchmen könne, das Erscheinen Dunkel« blums im Gerichtssaal zu veranlassen. Die Verhandlung wurde auf zwei Tage ausgesetzt, womit dos Gericht sich einverstanden er- klärte. Vorher mußle ober noch über einen Antrag der Verteidiger des Angeklagten Kuhnert, der Rechtsanwälte Sandack und Serini, entschieden werden, die die Einstellung des Verfahrens gegen ihre Klienten beantragten. Kuhnert ist nämlich seinerzeit von der französischen Regierung in der Aktenschiebung s- angelegenheit ausgeliefert, aber gegen Kaution frei- gelassen worden. Spater wulbe Kunert in der Anleiheafsäre wieder verhaftet. Die Verteidigung vertrat den Standpunkt, daß das Rachtragsouslieferungsbegehren unzulässig gewesen sei. Nach Erhebung der Anklage habe der Untersuchungsrichter infolge des Einspruches der Verteidigung einen neuen Haftbefehl erlassen, ob- wohl er nicht mehr zuständig war. Bei dem Nachtragsarrtrage an die französische Regierung sei auch verschwiegen worden, daß Kuhnert gegen Stellung einer Kautton von der Untersuchungshasr verschont bleiben sollte. Man könne nicht zwei Haftbefehle zur Auswahl erlassen. Staatsanwaltschaftsrot Dr. Berliner hielt den Einspruch der Verteidigung nicht für stichhaltig. Die französische Regierung habe sich mit der Auslieferung einverstanden erklärt. Ein neuer Ankrag sei nur vorsorglich gestellt worden und an sich nicht notwendig gewesen; denn es handle sich bei Kuhnert um eine sortgesetzte Handlung, die sich ausdehne bis auf die Zeit nach erfolgter Auslieferung. Zum Inhalt der Anklage soll im Augenblick nur so viel gesagt werden, daß Kuhnert.und Dunkelblum zwei gemein- schaftiich« Fälle des Betruges zur�Last gelegt werden und dem letzteren außerdem nach fünf weitere Fälle. Die Alibcntz- anleihestücke wurden von Kuhnert durch Strohmänner in Polen, Frankreich. Amerika und Holland erworben, an seine eigene Jniands- baut überwiesen und von dieser ihm ausgehändigt. Staatsanwoltschaftsrat Dr. Berliner, der ebenso wie gegen Stinnes auch die Anklage gegen Kuhnert erhoben hat. vertritt in I feiner Anklagefchri'st die Ausfassung. daß sich alsbald nach Jnkraft- treten des Gesetzes Personen des In- und Auslandes zusamme» getan und die Vorbereitungen sür«ine betrügerische Anmeldung von Altbesitzrechten getroffen haben. Im Inland« sei es vor ollem Kuhnert gewesen, der zu diesen ausländischen Persönlichkeiten Be- Ziehungen unterhielt und gemeinsam mit ihnen m einer größeren Aizzahl von Fällen durch betrügerisch« Anmeldung von Altbeslg- rechten das Reich zu schädigen gesucht habe. Di« betrügerischen An- träge gingen sämtlich über das Ausland durch vorgeschobene Person- lichkeiten. Dieser Weg über das Au-land sei de? halb gewählt worden, weil die Kontrollmittel, insbesondere die Heranziehung der Steuern kten, nicht möglich war. . Gewerkschak'lichch' Rundsunknorlrag:„Der Anoestellke einkl und jehl." Um 18 Uhr spricht heul« der 1. Bevollmächttgte des Zentral- Verbandes der Angestellten, Genosse Hans G o t t s u r ch t, durch den Berliner Rundfunk über das Thema:„D e r Angestellt: e i n st u n d j e tz t." (Beilage Moniag, 5. Mai 1930 SprÄbmd |(fffft t�iWoWl Flucht aus Ostelbien Ergebnisse einer Wanderung 0- Von Fritz Köhler Wir hatten uns einig« Meter von der polnischen Grenze ver- cibrcdet, am Marktplatz des stillen Korbmacherstädtchens Tirsch- tiegel, dessen östlicher Teil mitsamt dem Bahnhof an Polen gefallen ist. Dieser Bahnhof heißt jetzt nicht mehr Tirschtiegel, sondern Trzciel und ist das Mittelstück der Linie Zbaczyn— Miedzychod, was vor zwölf Jahren� als Posen noch zum Deutschen Reich gehörte, ganz einfach Bentschen— Birnbaum hieß. Je näher der Zeitpunkt der Verabredung rückt, desto un- ruhiger werde ich: bis Meseritz sind es fünfundzwanzig Kilometer, das wären also fünf Stunden Morsch, wenn der Freund nicht kommt. An sich ist das gar nicht schlimm, aber hier in dieser weiten weiten Ebene Ostelbiens, wo Menschen, Tier« und Telegraphenstangen silhouettengleich am Horizont dahinschleichen, da wiegen Raum und Zeit schwerer, breiter,, fast drückend. Gestern noch Berlin und heute die Feldmark von Naßlettel: abwechselnd braune und grüne Karos in riesenhafter Dimension, in die Pflug und Egge Furche neben Furche und Rille neben Rille eingezeichnet haben. Sonst nichts, bis auf die ein« Krähe, die sich auf ein grünes Karo mit junger Saat gesetzt hat. Und dazu regnet es in Strömen. Die schneeweißgewaschenen Chausseesteine, die wie große Brocken Kreide daliegen, führen immer die Grenze entlang, jenseits der Seenkette sind die Karos polnisch. An dieser Ecke ist mal Polen etwas größer, mal Deutschland, je nachdem, wie das Wasser steht. Denn das Wasser ist polnisch und wenn der See im Frühjahr über die Ufer tritt und das Land überschwemmt, dann reicht Polen bis an die Häuser von Schloß N e u d 0 r f. Im Sommer, wenn der See einschrumpft, wächst das Deutsche Reich. Man gewähnt sich langsam das Staunen über diese Art von Grenzziehung ab. Wir müssen bald abbiegen, noch«in paar hundert Meter, dann führt die Chaussee über polnisches Gebiet nach Bentschen. Rechts liegt Groß-Dommer,«in Dorf mit 1300 Einwohnern, wo bei den letzten Kommunalwahlen fünfhundert polnische Stimmen ab- gegeben wurden. In der Minderheitenschul« unterrichten zwei Lehrer die Kinder in polnischer Sprache. In P o s e m u ck e l liegen die Verhältnisse ähnlich. Auch in K u t s ch k a u, das schon längst außerhalb des Zollgrenzgebiets liegt, horcht man auf, wenn die Leute sich nicht mit einem„Guten Tag" begrüßen, sondern mit einem polnischen Gruß. Junker und Popen Man hat anfänglich gar nicht aus die vielen Pfälste acht ge- geben, die am Wege stehen und von denen jeder Pfahl ein kleines .Häuschen zu tragen hat. Aber jetzt, wo ein Landmonn vor einem solchen Psalst den Hut zieht und sich bekreuzigt, sieht man genauer hin: Muttcr-Gottes-Bilder sind es, die an jeder Weg- treuzung die Schritte der Leute hemmen. Ein anderes Bild: etwas außerhalb des Dorfes liegt der Kirchhof von Kutschkau, ich sagt« schon, es goß in Strömen vom Himmel, als wir durch Kutschkau kamen, aber ungeachtet des Unwetters knieten vor einem frisch auf- geworfenen Grab« vier verhärmte, weinend« Frauen nieder und beteten. Und der Herr von Sithmer-Grodski-Fuß Hot im ersten Stockwerk seines Herrenhauses, an dem die Straße vorbei- führt,-in die Wand einen großen Glaskasten eingelassen, in dem noch einmal Maria und Jesus in buntester Bemalung zu sehen sind. Schräg gegenüber vom Herrenhaus, gleich hinter dem Dorsteich, steht die Kirche, neu abgeputzt, ziegclgedeckt und seit der Reno- vicrung mit einer..... Zcntrolheizungsanlage versehen. 135 000 Mark Hot der Umbau gekostet. Dazwischen die Wohnungen der Landarbeiter. Halb zerfallene Fachwerkbauten, strohgedeckt, von Moos überwuchert. Da und dort ein Stück Aech auf den Dächern. Ich frage:„Was soll denn das Blech da oben?"„Run, damit es nicht durchregnet." Ja, und dann erzählt man mir folgendes: Nach vieler Mühe hat der Genosse vom Deutschen Landarbciterverband ein« Versammlung der Gutsarbeiter im Dorfkrug zustande gebracht. Nach vieler Mühe, denn in verschiedenen Orten dieser schwärzesten Gegend Ostelbiens gibt der Budiker die Gaststube erst gar nicht her, weil der Stahlhelm gesagt hat:„Gibst du den Roten dein Lokal, dann haben wir das letztemal bei dir gesoffen." Also der Genosse spricht, aber ein Gutsarbeitcr nach dem anderen drückt sich zur Tür hinaus.„Wo wollt ihr denn hin?"„Wir müssen nach Hause." „Warum denn?"„Es regnet draußen."„Dann geht man doch nicht auf die Straße."„Das hilft alles nichts, wir müssen ganz schnell nach Hause und Tonnen aufftellen, sonst können die Enten bei uns in der Stube schwinnnen." Das ist Ostelbien. Wir gehen in eins der Häuser. Daß die Türen windschief in den Angeln hängen und nirgends schließen, fällt schon niemandem mehr auf,„in Naßlettel ist das viel schlimmer, da kannst du mit der Hand durchs Dach fassen und Sonne, Mond und Sterne sehen", sagt man mir, und wirklich, nach dem, was ich noch andernorts an Landarbeiterwohnungen zu sehen bekam, war Kutschkau tatsächlich nicht dos schlimmste. Hier gab es wenigstens neben der Stube noch eine Küche, fo daß man also nicht in der Stube, wo sechs, acht, zehn Menschen essen, trinken, schlafen, auch noch das Schweine- futter kochen mußte. Aber Dielen am Fußboden gab es auch in Kutschkau nicht, überall nur Ziegelstein neben Ziegelstein, kalt, zerbrochen, ausgetreten: es gibt mehr als eine Land- arbeiterfrau, die auf diesen ostelbischen Fußböden mit einem Kessel kochenden Wassers umgeknickt ist und sich schwer verbrühte. Ich frug die Frau, da in der Stube nur zwei Betten standen, wo denn hier sieben Mann schlafen.„Ja, die Kinder schlafen nebenan in der Kammer", meint« die Frau und schlägt einen Vorhang zurück. Aber so sehr ich in das dunkle Loch starre, so wenig vermag ich zu sehen, erst noch einiger Zeit, als ich in die „Kammer" getreten bin, in der tiefen Finsternis dort herumtapsend, merke ich, daß ja rechter Hand ein Bett steht. In dieser fensterlosen Bucht schläft die deutsche Landarbeiterjugend. Stundenlohn: 12 Pfennige! Das sind alles nur subjektive Eindrücke, mag jemand einwenden. Schön, obwohl der Deutsche Landarbeiterverbond allein im Kreise Meseritz(Grenzmark) in jüngster Zeit fünfzig Gerichts- c r l e n n t n i s s e durchgesetzt hat, nach denen die Gutsherren diese himmelschreienden Wohnungen wenigstens notdllrftigau.s- bessern mußten. Aber nehmen wir einmal die Löhne in Ost- elbien, über deren Höhe doch die Lohntüten erschöpfend Auskunft ßeben. Was verdient ein Deputairt, was eis Freiavbeiter, was em Hofegänger, also Leute, die auf den Gütern arbeiten, und was ver- dient«in Knecht beim Bauern? Unter Zugrundelegung einer tarif- lich festgesetzten Arbeitszeit von 2775 Stunden pro Jahr kommen wir dabei zu solgender Jahreseinnahme: 1. Der Deputant Barlohn: 2775 Arbeitsstunden a 12 Pf..... 333,— M. 19 Zentner Moggen ä 7,50 M.....».. 142,50. 4 Zentner Futtergetreide ä 7,50 M....... 30,—, 80 Zentner Kartofseln ä 1,20 M.(Feldpreis).. 96,—, 12 Raummeter Rollholz 8 6 M....... 72,—„ 25 Zentner Briketts ä 1,30 M........ 32,50„ 6 Fuhren Strauch............ 9,—, Freie Kuhhaltung oder täglich 2 Liter Bollmilch, umgerechnet............ 146,—. Freie Wohnung, nach den Richtsätzen des Deutschen Landarbeiterverbandes......... 84,—, 65 Quadratruten Land ergeben 9 Zentner Kartoffeln 10,80, 955,30 M. Also 955,30 M. beträgt die jährliche Einnahm« eines Deputat- arbeiters, wovon allerdings noch rund 7 Proz. Soziallasten abgehen, was ungejähr 65 M. ausmacht. Dann der Hofegänger,«ine ledige Arbeitskraft, die der Deputant zu stellen hat. Deren Bar- lohn schwankt zwischen 6 Pf. pro Stunde bei Vierzehnjährigen und steigt bis auf 14 Pf. pro Stunde bei Achtzehnjährigen. Dazu kommen einige Naturallöhne, so daß günstigenfalls 2. Der Hofegänger an Barlohn: 2775 Arbeitsstunden 4 14 Pf.... 388,50 M. Ti, Zentner Roggen ä 7,50 M........ 56,25, 15 Zentner Kartoffeln........... 18,—. 462,75 M. einnimmt, wovon ebenfalls 7 Proz. Soziallasten abgehen. Bleibt von den Gutsarbeitern der sogenannte Freiarbeiter, der in einer Mietwohnung wohnt, und sofern er verheiratet ist und sich für das ganze Jahr verpflichtet, einen Stundenlohn von 30 Ps. «rhÄt. Seine Jahreseinnahme sieht solgenderniahen aus: 3. Der Freiarbeiter an Barlohn: 2775 Arbeitsstunden ä 30 Pf.... 832,50 M. 12 Zentner Roggen ä 7,50 M........ 90,—» 18 Zentner Kartoffeln........... 2),60„ Vz Morgen Land ergeben 20 Zentner Kartoffeln 24,—„ 968,10 M. Auch von dieser Summe gehen 7 Proz. Soziallasten ob. Dem- gegenüber steht sich der Knecht beim Bauern entschieden besser. Hier ist er in Kost und Logis, kann immerhin mit einem monatlichen Barlohn von 50 M. rechnen, bei weiblichen Arbeits- kräften beträgt dieser 40 M., bei Jugendlichen 25 M. Hierzu kommen in jedem Fall 6 Zentner Etzkartoffeln pro Jahr, bei Frauen Kleiderstoff, Bettsedern bzw. Schafwolle, und nicht zu ver- gessen: die Soziallasten gehen zu Lasten des Bauern. Nun berechnen die ostdeutschen Finanzämter für Kost und Logis täglich 1,50 M., so daß die Jahreseirmahme eines Bauernknechts 4. Der Knecht beim Bauern an Barlohn 12 mal 50 M.......... 600,— M. an Kost und Logis, nach den Richtsätzen der Finanzämter............. 547,50„ 6 Zentner Eßkartosseln......... 7,20, 1 154,70 M. beträgt. Ol' wohl dieser Betrog schon etrbas günstiger aussieht als diejenigen der Gutsarbeiter, übersteigt er jedoch nurum8, 10M. die Unter st ützungs summe eines ledigen Berliner Erwerbslosen der obersten Klasse! Triumph der Maschine Ein Vergleich zwischen Vogel und Flugzeug Den Flug der Vögel mit den Leistungen eines Flugzeuges aus Menschenhand exakt zu oergleichen, d. h. wirklich genaue Zahlen- werte zu gewinnen, ist, wesentlich schwieriger, als man aus den ersten Blick meiitt. Es reicht nicht aus, die absoluten Leistungen de« einen denen des anderen gegenüberzustellen, ein« brauchbare Parallele könnte man nur erhalten, wenn man zunächst einen Vogel von den Dimensionen eines Flugzeuges konstruieren und dessen Eigenschaften bestimmen würde. Ein solcher Riescnvogel würde sich nämlich ganz anders verhalten, als man nach den Fähigkeiten der, kleinen Naturflieger gewöhnlich annimmt. Worauf wir Menschen bei einer vergleichenden Betrachtung des Bogelsluges allerdings stets zuerst und immer noch mit berechtigtem Neid blicken, das ist die hohe Betriebssicherheit der fliegenden Tiere. Noch nie hat man einen Bogel wegen Flügelbruches oder wegen Ver- sagens der Muskclmotoren oder wegen falscher Steuerbewsgungen abstürzen sehen. Der Vogel ist— alter Traum der Flugzeug- konstrukteure— absolut trudelsicher. Er Hot die unschätzbare Fähig- keit vor dem Menschen voraus, bei Störungen des Gleichgewichts die entsprechenden Ausgleichsbewegungen vornehmen zu können, ohne das Großhirn bemühen zu müssen, er balanciert ohne nachzudenken, denn die entsprechenden Reaktionen der Flügel und des Schwanges sind reflektorisch. Was also der Mensch in langjähriger Schulung erst mühsam lernt, das macht der Vogel automatisch! Auch die Geschwindigkeit der Reaktion hat der Vogel dem Menschen weit voraus, er ist imstande, mit seinen raschen Muskeln 70 einzelne Bewegungen in der Sekunde zu vollbringen, während es der Mensch im Durchschnitt mir aus 12 in derselben Zeit bringt. An Beweglichkeit ist der Bogel dem Menschen sechsmal überlegen. Das scheint zunächst ein unüberwindlicher körperlicher Nachteil zu sein, in dem sich der Mensch bei Steuerung seines Flugzeuges gegen- über dem Vogel befindet. Diesen Vorsprung holt aber der Mensch auf andere Weise wieder auf. Die Zeit, welche ein Flugzeug braucht, um eine Kippbewegung um einen bestimmten Winkel zu machen, ist um so länger, je größer das Flugzeug ist, und zwar ist dies« Zeit proportional der 6. Wurzel aus dem Gewicht. Soll also eine Steuerbewegung gemacht werden, so hat der Führer einer großen Maschine dazu mehr Zeit als der einer kleinen. Es folgt daraus: Die menschliche Steuerfähigkeil kommt der de« Bogels bei einem Flugzeuggewicht von etwa 16 000 Kilogramm gleich. Die heutigen Riesenflugzeuge wie Dornier X und Junkers<5 38 kann der Mensch cheoretisch ebenso sicher steuern wie der Vogel sein kleines, er darf allerdings keine Zeit mit Nachdenken verlieren. Besonders interessant ist ein Vergleich zwischen Vogel und Fllig- zeug in bezug auf die relative und absolute Leistung des Motors. Die Leistungsfähigkeit eines Vogelmuskels ist experi- mentell ziemlich exakt bestimmt worden, sie erreicht z. B. bei der Taube im Maximum 6 Kilogrammsekunden pro 1 Kilogramm G«> wicht, danach wäre das Gewicht des Muskels für 1 PL.= 12,5 Kilogramm. Das entsprechende Gewicht bei einem Flugzeugmotor liegt bei Berücksichtigung von Getriebe, Kraftstoff und Oel zwischen 3 und 4 Kilogramm. Unsere Flugzeugmotoren sind also e!wa drei- einhalbmal so leistungsfähig wie der Tauben- muskel. Dieser Vergleich ist aber noch nicht genügend exakt. Man müßte, um wirklich brauchbare Verglfichszissern zu erhalten. zunächst einen Vogel von den Maßen eines Flugzeuges konstruieren, denn die Leistungsfähigkeit eines Muskels pro Gewichtseinheit nimmt ab mit zunehmender Größe(mathematisch ausgedrückt: proportional mit der 3. Wurzel aus dem Gewicht). Es läßt sich also die inter- «ssante Frage stellen, wieviel Muskelmasse pro 1 PL. Leistung bei einem Vogel von der Größe etwa der Junkers<5 38 nötig wäre. Die C, 38 wegt mit Passagieren und Benranming bei Höchstbelastung 24 000 Kilogramm Die Taube normalerweise 350 Gramm. Die G 38 übertrifft also die Taube um dos 68 571snche. An Lineer- dimcnsion übertrifft die G 38 die Taube um 1... 3.' ..... V 68 571— 40.9...... ' Di« Muskclleistung eines Vogels, der so schwer wäre wie die G 38, berechnet sich also als 12,5 X 40,9— 511,6 Kilogramm pro PL. Ein Riesenvogel von der Größe des G 38 benötigt 511 Kilogramm Muskeln für 1 Pferdestärke Flugleistung. Das ist eine fast 50sache Ueberlegcnheit des Flugzeuginotors über den Vogclmuskel. Während die G 38 mit ihren 4 Motoren 2400 PL. leistet, würde es der Riesenvogel nur auf 47 PL bringen. Ein solcher Vogel wäre ein hilfloses Spiel jeder Luftströmung, seine Kraftleistung reichte zu einem dynamischen Fluge gar nicht mehr aus. Nicht günstiger fällt die Dcrgleichung der Rckordleiswngen von Flugzeug und Vogel für den letzteren aus. Di« l ä n g st e Strecke. welche man einem Vogel von Flugzcuggröße zumuten kömüe, wenn er imstande wäre, wie die kleine Taube 24 Proz. seines Gewichts in Lesstung umzusetzen, wären 980 Kilometer, die er in etwa 8,5 Stunden bewältigen würde: der Weltrekord im L a n g st r e ck e n- f l u g wird jedoch heute von den Franzosen Coste-Codos mit 8100 Kilometer gehalten: eine zehnmal größere Leistung als sie ein Vogel bewältigen könnte. Auch an absoluter Schnelligkeit erreichen die Vögel das Flug,;eug nicht annähernd. Die höchste Geschwindigkeit einer Taube ohne Treib- und Gegenwind beträgt 20 Metersekunden, das sind 72 Kilometer pro Stunde gegenüber 460 Stundenkilometern, die bei den letzten Kämpfen um den Schneiderpokal von einem Wasserflugzeug erreicht wurden. Was die Erreichung großer Höhen angeht, so sind wohl in 7000 Meter Höhe und sogar dar- über gelegentlich Vögel angetroffen worden, doch kann selbst der Kondor, der den Rekord im Höhenflug unter den Vögeln hält, nicht aus eigener Muskelkraft, sondern nur unter Benutzung günstiger Windströmungen so hoch hinaussliegen. Dauerflüge in Höhe von mehr als 5500 Meter sind bisher noch nie beobachtet worden. Wenn man also diesen interessanten, wenn auch notwendig un- vollkommenen Vergleich noch weiter fortführen will, dann kann man sagen: infolge der größeren Leistungsfähigkeit des Motors und der daraus folgenden weit höheren Eigengeschwindigkeit sind die Flug- zeuge weit unabhängiger von den Luftströmungen als die Vögel. Ein« Taube kann Z. B. bei Windstärken von mehr als 20 Meter- sekunden nicht mehr fliegen, während das Flugzeug mit einer Eigen- geschwindigkeit von durchschnittlich 50 bis 60 Metersekunden sich gegen solchen Wind noch durchaus behaupten kann. In allen Punkten ist also das Flugzeug dem Vogel heute schon überlegen, nur in einem einzigen nicht: in der absoluten Sicherheit der Konstruktion, und da man eine Maschine immer nach ihrer schwächsten Eigenschaft beurteilen muß, hat also der Vogel heute noch einen Vorsprung. Aber wie lange wird es dauern, bis auch dieser Vorzug des Lebendigen vor dem Erzeugnis menschlicher Technik praktisch keine Rolle mehr spielen wird? Dr. L. Lteindero Wer telephoniert über den Ozean? Im Jahre 1929 wurden im Durchschnitt täglich 50 trans- atlantische Gespräche geführt, am meist frequentierten Tag waren es 139. Merkwürdigerweise kommen weitaus an erster Stelle reine Privatgespräche, die 48 Prozent des Verkehrs ausmachen, erst an zweiter Stelle Börfengespräche mit 27 Prozent. Mehr als die Hälft« aller Gespräche wurden zwischen England und Amerika geführt. Deutschland ist nur mit der bescheidenen Quote von 8 Prozent am gesamten Tale phonverkehr über den Ozean beteiligt. (20. Fortsetzung.) Noch war man unentschlossen. Es gab nur einen Weg: Flucht. Die Besonnenen wußten, l>aß es nicht so sehr auf ein glattes Eni- weichen aus der Affäre ankäme, als auf den ungeheuren Verrat ihres ganzen Programms. Jedes ihrer Worte war nun ein offenes Geheimnis geworden, das sich die verbündeten Regierungen zunutze n»achen würden. Um sie drohte alles zusanwnenzubrechen. Das Gefühl der Verantwortung drückte sie nieder. Man beschloß fürs erste, keinen Schritt aus dein Zimmer zu setzen, die Ereignisse an sich herankommen zu lassen. Was man aber auch immer beschloß, erwog, bedachte, war die Auswirkung einer grenzenlosen chilflosigkeit und Ohnmacht gegenüber einem raffiniert angelegten Attentat aus die geheime Sitzung der revolutionären Partei Chinas. Es war damit der Beweis erbracht, daß die Behörden auf das Tun und Treiben dieser Partei aufmerksam geworden waren. Man war gewiß nicht so naiv zu glauben, die Auslandsmächte einmal vor die Tatsach« des plötzlichen Ausbruchs aufgespeicherter, zusainmen- geraffter Energien zu stellen und ihre Herrschaft in einem taifun- ähnlichen Sturm« zu brechen. Es gibt keinen Staat der Wett, der seine Feinde nicht auch ernährt, duldet und ihre Gegnerschaft offen- sichtlich übergeht. Je schroffer die Gegensätze, desto autoritativer gebärdet sich die Repräsentanz eines Staates. Was aber die Herren eines sich neu konstituierenden Chinas im„Hotel Kanton" erleben Und begreifen mußten, war bereits der erste Schlag einer nicht zu unterschätzenden Gegnerschaft gegen ihre Bewegung. Noch immer wanderte das Mikrophon von Hand zu Hand und ward augestarrt von düsteren, verzweifelten Augen. Es war allseits ein unheimliches Vorsichhinbrüten. Nur B- blieb jeder inneren Erregung unzugänglich. Unbeteiligt sah er an allen vorbei und gerade vor sich hin, als zöge feinen Blick ein dunkler unsichtbarer Punkt an. Plötzlich kam Bewegung unter die Schar. Der Krampf begann sich zu lösen. Die Blicke waren auf P. gerichtet. Sie forderten. Man nahm gegen ihn eine gegnerisch« Haltung ein. Was wollten die, die ihn bedrängend umstanden, ihn, der bis jetzt in undurchdringlichem Schweigen verharrte, abseits von allen Leidenschaften stand? Ließ ihn das alles unberührt? Ahnte er, wußte er vielleicht mehr? In diesem Lande baut doch keiner auf das Gute des Nächsten. Also verlangte man von P. Bescheid über sein« Stellungnahme. Man bezeichnete ihn als den Kopf der Bewegung und überantwortete ihn seiner nun endgültig feststehen- den Pflicht, einzustehen für das Wohl jedes einzelnen des Landes. P. tat den Herren nach ihrem Wunsche und nach seinem Rechte. Nicht daß er sich verteidigte, nicht daß er Bedenken rücksichtslos zer- streute, unbeirrt steuerte er dem Ziele seiner Endkonsequenz zu: „Wir haben den Kampf auf uns genommen. Und wir haben mit denen zu rechnen, gegen die wir zu kämpfen begannen. Wer den Erfolg will, muß sich auch mit Niederlagen abfinden." „Und di« Verantwortung dem Volke gegenüber," tönte es ihm entgegen. P. verzog keine Miene:„Wer gewillt ist, sie zu tragen, zögert nicht beim ersten Zusammenstoß mit dem Feinde. Meine Herren, ich würde Ihnen dringend raten. Ihre Provinzen aufzusuchen, denn für Si« kann Ich kaum ein« Verantwortung übernehmen. Warten Sie dort. Si« müssen sich für diese Tage aufsparen, wo das Volk nach Generälen und Diplomaten verlangen wird— und nicht mehr nach mir. Schanghai möge fallen oder nicht— China wird wissen, daß seine Zeit gekoininen ist." Er senkte den Ton seiner Stimme. „Lassen Sie sich von den paar Detektiven, die uns hier belauern nicht einschüchtern." Er spielte mit dem Mikrophon, das er ab- wägend bald in der einen, balid in der anderen Hand hielt..Liefe kleinen Beamten haben ganz anderes erwartet. Man wird es vor- sichtigerweise unterlassen, den Inhalt dieser Tagung der Oeffentlich- teit vorzusetzen. Was die Regierungen betrifft, finden wir sie längst nicht mehr unvorbereitet, schon seit dem Boxeraufstond." Nach diesen Worten war die Sitzung aufgehoben, die Herren bereit zu gehen. Man wünschte sich schon längst aus dieser Stadt und überantwortete P. und dein glücklichen Zufall sein Schicksal. P. selbst wollte bleiben, das Hotel nicht«her verlassen, bis er die Herren geborgen und verschont von Uedeln wüßte. Nach der üblichen zeremoniellen Begrüßung, wobei sich jeder seine eigenen Hände herzhast schüttelte, Bekräftigungen behutsamer Begeisterung ging man daran,«inen Ausweg aus dem„Hotel Kanton" zu suchen. Der dem Chinesen angeborene Familiensinn scheint auch in solchen Augenblicken des Lebens nicht aufhören zu wollen, über klaffende Zerwürfnisse und innersten Zwiespalt hinweg- zulügen. Die Herren spähten aus ihrem Wege aus dem Hotel ver- gebens nach Agenten. Ungeschoren gelangten sie auf die Straße, Mann für Mann. P. aber blieb hartnäckig zurück. Die leeren und halbleeren Gläser stimmten ihn wehmütig. Die verschobenen, wie verloren dastehenden, teilweise umgeworfenen Stühle mahnten ihn an die Unordnung des Geistes. Die Linien überschnitten sich scharf wie Gegensätze. Von den Wänden schlug noch das Wort zurück und hallte d-umpf im Innern des Mannes, der da allein war, zurück. gelassen. P. betrachtete noch immer das Mikrophon, daß er vor sich auf den Tisch gestellt hatte. Plötzlich durchmaß er mit wenigen Schritten den Raum, während er die Stühle, die sich«hm entgegenstellten, rücksichtslos mit dem Fuß zur Seite stieß, und drückte auf die elektrisch« Klingel. Wartete. Nach kurzer Zeit trat mit tiefer Verbeugung der Zimmerkellner Fa«in und fragte nach dem Be- gehre» des Gastes. Da er ohne Antwort blieb, wiederholte er feine Frage. U stand abgcwandt. Sagt« Nebensächliches. Sah versteckt nach ihm. Fas Augen blieben auf dem Mikrophon haften. P. ver. folgte jede Regung in dem noch kurz zuvor fast ausdruckslosen Ge- eines C&tjs&c/tc/s ficht des Kellners. Ueberraschung, Bestürzung, gespannt« Aufmerk- samkeit wechselten ab. Ein vorsichtiger, prüfender Blick schlich sich an P. heran.$. fing ihn auf, umging den Tisch, um den Kellner vor sich zu haben. Wußte, daß es an der Zeit war, den Rücken zu decken. Wußte aber auch, welche Rolle Fa heute zu spielen hatte und in wessen Auftrage. Marins Agentenl Darüber war sich P. kaum mehr im Zweifel. Er wußte auch noch, daß es um sein Gesicht ging, um sein leibhaftiges Gesicht, das man suchte. Es ging demnach um alles. Daher war er auch zu allem bereit. Das inochte der andere ahnen. Und so war auch d«r, wenn nicht zu allem, aber doch zu manchem bereit. Die Lösung der Situation war nur mehr eine mechanische Frag«, nämlich die der Schnelligkeit. P. war sich bewußt, den Vorteil zu besitzen, daß man an seinem Leben interessiert sei. Sein Tod würde die gewünschten Erwar- tungen nicht bringen. Also war es Mord, den er beabsichtigte. War er dazu fähig? Aber sein Gesicht— Der Kampf war doch bereits eröffnet. Ging es nicht auch um ein Mehr als dies« sich schon im Keim verzehrende Revolution. A schloß die Augen. Wollte etwas auslöschen. Aber es kam Rauch über ihn. Den Blick nach seinein Bewußtsein gerichtet, erstand vor ihm Marins Gesicht, das sich in ein Frauenbildnis auflöste— Lillian— Ihre Züge härteten sich, der Schnitt ihrer Augen verzog sich zur Breite, aus blühenden, schmalen Wangen stießen barbarische Knochen hervor, von gelber, ungegerbter Haut bespannt. Jäh ging die Ver- Wandlung vor sich— zum Bild« Fas. Dann stürzte es in sich zu- sammen, und P. sah in ein dunkles Loch. Ein roter durchsichtiger Schleier schob sich vor seinen Blick. Aus Verschwommenheit trieben aufdringlich klare, nüchterne Formen hervor. Unweft von ihm lag der erschossene Zimmerkellner Fa. 22. Das stille, vergessen« Haus in der Honkau-Road führte nach außen hin ein versonnenes Leben. Wie von Träumen umsponnen stand es abseits von allem Getriebe. Darüber hing ein tiefblauer, unbewölkter Himmel, der drückte. Zwischen ihm und der Erde preßte sich heiße Luft und zitterte. Der Garten wucherte wild, in sinnlicher Ueberfüll«. Zu dieser Stund« berührte ihn nicht der leiseste Windhauch. Er sah üppig tröge, gelangweilt und gleich- gültig in den Tag. P. hatte eine kleine Gesellschaft um sich versammelt. Sie bestand aus vier jüngeren bebrillten Herren, die sich alle aufs Haar ähnlich sahen. Intellektuell, unsympathisch glichen si« einem einzigen perga- menthäutigen Gesicht, aus dem unter Schlitzaugen winzig« Pupillen stachen. Ihr Verhältnis zu P. war das unbedingter Ergebenheit, wenn auch nicht Unterwürfigkeit. Der Begvift Genosse war ihnen längst nicht mehr fremd. Neben Jus, Medizin, Philosophie offen- barte sich ihnen auf den Universitäten die Wissenschaft des radikalen Sozialismus. Rußlands Geschichte seit 1917 lehrte sie den Bolsche- wismus..War es ihr alles von Grund auf verwerfender Wille, war es der originelle Einfall Tl.s, die vier jungen Herren hatten ihre bürgerlichen Namen abgelegt. Benannten sich: Dollar, Pfund, Tael, Pen. Also nach den vier gebräuchlichsten Geldsorten des Landes. Darin lag viel Schlauheit und Witz. Wenn wir noch die Begriffe von„Fallen",„Steigen" usw. vor uns haben lieeft die Vermutung tieferer, praktischer Bedeutung dieser Bezeichnungen nicht allzu fern. Sie könnten sich demnach unauffällig einer über den anderen unter- hallen, und man würde sie als Kulissenjäger an der Börse über- gehen. Die vier benahmen sich ungebunden. Teils saß«n, teils standen oder gingen sie auf und ab. B.s Augen begleiteten sie. Die Unterhaltung ging im Gegensatze zu der Bewegung still und leidenschaftslos vor sich.„Es würde mich interessieren, über den Besuch bei Mr. Garrickson näheres zu erfahren", wandte sich P an Mr. Dollar. Es klang ironisch und ärgerlich. Eine gewisse Un- stimmigkeit gegen seine Person blieb ihm nicht verhohlen Den Grund hierfür brauchte er nicht erst zu erraten. Im Augenblick aber mußte er ihn übergehen.(Fortsetzung folgt.) e Buch Klippen der Philofophie Die im Verlag Carl Heymanns, Berlin 1930. herausgekvinmene, von erstaunlicher Sachkenntnis und souveräner Beherrschung der in Frage stehenden Materie zeugende Abhandlimg Dr. Siegfried Wein- b« r g s üb«r„Erkenntnistheorie"— ein«„Untersuchung ihrer Aufgab« und ihre Problematik"— ist in Neinkultur die Aeuße- rung eines revolutionären Geistes, sofern man unter dem Ausdruck „revolutionärer" Umschichtung, Umstellung und Neueinstellung der Denkart und Erschütterung jeder angemaßten, wissenschaftlichen Autorität und leder erbeingesessenen, lieb gewordenen Denkgewohnheit verstehen will. Denn dieses Buch unternimmt den ebenso kühnen wie not- wendigen Versuch, zunächst alles und jedes anzuzweffeln, leder satten Selbstsicherheit in wissenschaftlichen und philosophischen Fragen den Boden zu entziehen und den Leser gewissermaßen zu einer Revision seiner Ansichten über die Grundlagen oller Erkenntnis zu zwingen, die allein schon für so manchen philosophierenden Bourgeois(zu deutsch Spießbürger!), der nur zu oft auch unter der Verkleidung von Doktorhut und Professorentalar sein Unwesen treibt, eine s«hr heilsam« Aufgabe— in jedem Sinne dieses Wortes— bedeuten mag. Darüber hinaus jedoch rechnet es ab mit der sogenannten „naiven" und den verschiedenen metaphysischen Sluffassungen und führt mit Kant, dem Vater der modernen Erkenntnistheorie,„die mögliche Erfahrung" zurück auf„etwas ganz Zufälliges" Der Autor sieht, dem Hafen der Erkenntnis vorgelagert, drei„Klippen", die restlos überwunden werden müssen, weim es zur Durchführung von Erkenntnistheorie kommen soll: die Tendenz zur Apnorifle- rung,— den Hang,„aus irgendwelchen Gründen die Prinzipien zu apriorischen", im voraus gegebenen ,/lbzustempeln", die Tendenz zur Hypostasie rung,— die Neigung,„aus Hypothesen Hypostasen, aus Worten Dinge zu machen", und schließlich die Tendenz zur Stabil!- tät,— di« Gefahr,„deshalb ein« transzendent« Außenwelt an- zunehmen, weil sonst jede„Stabilität" verschwände und Erkenntnis «ine willkürliche und schwankende Ausstellung sei".— Inwieweit nun aber die oben angeführte Bezeichnung der„mög- lichen Erfahrung" als„etwas ganz Zufälliges" Berechtigung hat oder nicht, bleibe zunächst dahingestellt. Denn gerade der durch die Schulung erkenntnistheoretifcher Methoden Hindurchgegangene muß dem Autor hier entgegenhalten, daß dies« Annahme eines„Zu- fälligen" in der Erfahrung, der— etwa im Sinne Henri Bergfons— sehr wohl auch ein durchaus„Planmäßiges" zugrunde liegen mag. leicht selbst wieder eine dogmatische Apriorisiermig, eine unberechtigte Voraussetzung darstellen könnte. Sei dem jedoch wie immer, jedenfalls birgt dieses trotz der Flüssigkeit der Sprache sehr„gelehrt" geschriebene Buch ein« solche Fülle von neuen Ideen und Gesichtspunkten, daß jeder, der es nicht nur gelesen, sondern auch wirklich verstanden hat, außerordentliche Anregung und Belehrung aus ihm ziehen wird. Hans Zeuger. WAS DER TAG BRINGT, Englische und amerikanische Buchproduktion. Während noch im Jahre 1919 die Anzahl der Neuerscheinungen in England und in den USA. fast völlig die gleiche war(8622 eng- lische gegen 8594 amerikanffche Bücher), hat in der Zwischenzeit die Verlagstätigkeit in England ungleich größere Fortschritte gemacht als in Amerika. Bereits 1920 betrug der englische Vorsprung 2582 Bücher, 1923 waren es 3401 und 1928 waren die englischen Verlag« mit 14 399 ilieuerscheinungen den amerikanischen mit 10 354 um mehr als 4000 Bücher voraus. Ein kostspieliger Schreibfehler. Eine alle Dame in Paris oermachte ihrem Diener ein Legat von 5 Millionen Franken. Auf Antrag der Verwandten der Verstorbenen wurde das Testament jedoch ungültig erklärt, weil es von der Erb- lasserin nicht unterzeichnet war und der Notar fälschlich beurkundet halle:„Die Erblasserin konnte wegen vollkommener Lähmung nicht selbst unterzeichnen", anstatt„Die Erblasserin erklärte, sie könne wegen vollkommener Lähmung nicht selbst unterzeichnen". Der Diener beabsichtigt min den Notar für das ihm entgangene Ver- mögen haftbar zu machen. Die Sphinx von Nevada. Di« amerikanischen Zeitungen beschäftigen sich augenblicklich viel mit einem mysteriösen Schotten, der, seine von der Sonne ein- gedörrten Runzeln mit Wüstensand verklebt, plötzlich auf irgendeiner kleinen Endstation der Eisenbahn am Rand der Neuadawüst« zu erscheinen pflegt: dort zieht er einen seiner Riesenlederjtiefel aus, nimmt eine Rolle mit Tausenddollarnoten daraus hervor, wirft einen Hausen Scheine auf den Tisch und bestellt einen Exttazug.„Seotty" muß eine Goldmine haben, nattivlich, sagen die Leute, wi« es ihm nur gelingt, sie nun schon seit Iahren versteckt zu halten! Jetzt auf einmal wurde Scotty von Berichterstattern aufgespürt, belagert, und sein Geheimnis wird aller Welt preisgegeben. Der geheimnisvolle Schatte(Scotty, wi« man sie drüben nennt) hat sich in der wüstesten Wüst« Amerikas, im Totental von Nevada unter glühender Sonn«, vvn brennend heißen Winden überstrichen, von Sanddünen über- schüttet, dem Normalmenschen unzugänglich, ein Zauberschloß erbaut. Scotty drückt auf einen elektrischen Knopf, und ein feiner Regen rieselt über sein« kleine Oase. Das einzig« Bergriesel quellchen, das es hier für Meilen und Meilen gibt, hat Scotty zu einem kleinen Schwimmsee vor seinem Schloß gestaut, überall spritzen Spring- brünntein auf und tröpfeln auf bunte Blümchen hernieder Zwölf opalene Badezimmer, zugehörig zu zwölf blitzenden Schlafzimmern, trinken aus Scottys Quelle. Er hat auf einer kleinen Flotte von Motorwagen Antiquitäten aus Att-S pennen in sein im altspanifchen Stil erbautes Schloß heranbringen lassen, jahrhundertealle Kirchen- glocken läuten am Abend lies hinein in di« tote Bergwett. Drei Millionen Dollar hat Scotty bereits ausgegeben für fein Wüstenschloß. Aber wer schläft in den zwölf Betten, und wer springt unter die springenden Springbrunnen? Nun wissen es die Amerikaner: ein alter, kranker Mann aus Chikago, dem hat die wetterfest« Wüsten- ratt« das Schloß erbaut— aus Dankbarkeit. Es ist ein« merk- würdig« Geschichte, wie dies« beiden Gegensatze-Menschen zusammen- kamen.--- Im Jahre 1900 krachten zwei Eisenbahnzüg« auf amerikanifcher Strecke ineinander: halb zerrissen zog man einen ge- wissen Johnson unter dem Gerümpel hervor, einen hoffnungslos zerbrochenen. Johnson hatte Geld, und die Aerzte flickten ihn halb- wegs wieder zusammen, aber seine Hände wurden immer schmäler und seine Finger klapperten hölzern, wenn er das im fein« Hand strömend« Geld nachzählte. Eines Tages staubte Totental-Scotty in Johnsons Privatbüro, legte seine harte Pfote auf den Tisch und bat zögernd um Geld. Ja, wahrhaftig, Scotty hatte ein« Goldmine gefunden in den Bergen Nevadas, aber er hatte keinen Heller, um si« auszubeuten. Würde Johnson ihm vertrauen? Johnson hörte von den harten braunen Bergen in Nevada, sah Sonn«, Ruh«, Kbaft, Gesundheit, ihm war, als streck« ihm die Lebenskraft die Hand entgegen— er schlug ein und zeichnete einen Scheck über 3000 Dollar. Scotty packte seinen neuen Freund in Watte, nahm ihn mit in die Bergwelt, badete ihn mit warmem Wüstensand und pflegte ihn ge- sund. Mit Johnsons aufblühender Gesundheit blühte auch seine Chikagoer Bant auf, und die Millionen rollten ein. Und nun be- hampten die Leute, Scotty habe gar keine Goldmine, dnim hätten sie all die Jahre in der Sand- und Steinwüste vergeblich nach dem oersteckten Gold gesucht... sie behaupten, Scottys Goidmine säße in Chikago auf einem Bürosessel. Aber Scotty lächelt sphinxartig:„Sucht nur weiter, sucht nur weiter." Es sst immer noch leichter, viel leichter, eine Goldmine in der Wüste von Nevada zu finden, als eine Goldmine in der Lebenswüste: Freundschaft. he he. Ein vorsorglicher Gatte. Der vor einigen Tagen in Miami verstorbene Erinnerungs-Rennen" gab es zur Hebung des Rennens nach jedem zehnten Kilometer eine steigernde Punktwertung. Die ersten Runden im ersten Laus waren die abwechslungs- reichsten. Beim zehnten Kilometer lag der prächtig fahrende Holländer L e d d y knapp vor Sawall und Breau an der Spitze und wurde erst beim dreißigsten Kilometer von Sawall für kurze Zeit in der Führung abgelöst: durch Motordesekt verlor der Meister aber wieder die Spitze, die damit an Leddy kampslos zurückfiel. Breau sicherte sich den zweiten Platz. Hille fuhr groß, Möller, Lewanow und Lrchvss waren«ine Enttäuschung. Leddy siegte schließlich mit 32 Punkten vor Sawall 27, Breau 22 und Hille 10 Punkte. Im Schtußstand beim fünszigsten Kilometer war Leddy 110 Meter vor Breau: Sawall 395. Hille 050 Meter zurück. Der zweite 50-Kilometer-Laul, das.Franz-Krupkat-Erinnerung-» Rennen", wurde in umgekehrter Startreihenfolge angeläutet. Sa- wall, Möller und Breau starteten vom Mal, Hille, Leddy und Lewanow erhielten je eine Vorgaberunde, Lohoff erhielt zwei Runden. Sawall fuhr in diesem Lauf in überraschend großer Form, schon beim zehnten Kilometer waren die Malleute Breau und Sawall zu dem führenden Lohofs aufgerückt und lagen mit diesem in gleicher Runde. Der zwanzigste Kilonieter brachte Sawall an die Spitze, nur von dem Franzosen bedrängt Nach einigen erfolglosen Versuchen wurde der Bahnmatador in der 87. Runde bei einem überraschend schnell geführten Borstoß dennoch über- spurtet: Breau gab die Spitze dann nicht wieder ab. Sawall l'.ef 40 Meter zurück als Zweiter über das Zielband. Von den Nach- wuchsfahrern war Hille der weit besser«; Lohofs landete auf den vierten Platz. Lewanow. Möller und Leddy vermochten kein- Rollen zu spielen. Die Bundesamateure lieferten das Rahmen- Programm. SinzeleraebRifle! Ziobl.Erianeniiigsrconcn, 50 Nilometcr: 1. Ledtn» 41:ZS.Z <32 Punkte): 2. Sawall 395 Meter(27 Piinftt); 3. Brea» 110 Meter(22 Punkte): 4. Lille 650 Meter(16 Punkte): 5. Müller 880 Meter(0 Punkte): 6. Lewanow 2770 Meter(0 Punkte): 7. Lohoff 2WU Meter(0 Punkte).-»ruplat.Crjane- riinqsrenacn, 50 Kilometer: 1. Breau 42:33,3(Mal): 2. Sawall 40 Meter (Mal): S. Hille 170 Meter(1 Runde): 4. Lohoff 600 Meter(2 Rurckcn): 5. Lrddp 020 Meter(1 Runde): 6. Lewanow 3200 Meter(l Runde): 7. Müller 3700 Meter(Mol).— Punttefahre»! 1. s. Schul,: 2. W. Schmidt: 3. Stock.— gweifltzerfahrcn: 1. Bauers-Manthey: 2. Decker-Stock: 3.«rün>n<>.Ncnma«n. — Borna befahren: 1. Bock: 2. H. Schmidt, 3. Scherst. Erste Etappe der Deutschlandfahrt Die große Deu t fchl a n d fa h r t der B e r n f s st r a ß e n. fahre r ist im Gange. In 10 Etappen sind 2513 Kilometer zu bewältigen und erst am 25. Mai treffen die Teilnehmer wieder in Berlin ein. ZSor einer großen Zuschauermenge ersolgte am Sonn» tag früh in Berlin-Fricorichsselde der Start zur ersten Etappe nach Glogau über 220 Kilometer. Bald nach der Abfahrt Hollen Wissel, Tietz, Geyer und Bus« zum ersten Sällage aus und sicherten sich«inen Vorsprung von 3 Minuten, ober hinter der Verpflegungs- kontrolle Frankfurt a. d. Oder, die um 9,18 Uhr passiert wurde, sahen sich die Ausreißer geholt. Auf der Strecke nach Grünberg log das Feld fast geschlossen beieinander; schließlich bildeten sich aber doch einzelne Gruppen, da verschiedene Fahrer durch Defekte zurück- gefallen waren, andere, wie beispielsweis« Rebe, Schwächemomente halten. Bei einer starken Steigung gaben die Walkes den Ton an und min wurde das Feld sehr in die Läng« gezogen. Die Spitzen- gruppe, bestehend aus Gebr. Wolke, Bufe, Sieronski, Manthey, ilssat, Stöpel, Bulla, Kroll strebte in rascher Fahrt Glogau zu. Nach und nach arbeiteten sich Tietz. Berger, Mandelkow. Brandes und Effing nach vorn, später auch Geyer und Metze, dagegen siel Kroll durch Reifenschaden zurück. Zum Endkampf rüsteten schiießlich 13 Fahrer. von denen der Hannoveraner Brandes nach scharfem Kampfe den Spurt sieg errang. Zeit für Brandes: 0:47:00 Stunden. — Die zweite Etappe am Dienstag sieht folgenden Strecken- plan vor: Glogau— Liegnitz— Görlitz— Bautzen— Pirna— Dresden (245 Kilometer). Was uns die Schule kostet. Die kommunale Leistung der Stadt im neuen Haushalt. Der neue Haushalt der Stadl Berlin, dessen Beratung der Ausschuß der Stadtverordnetenversammlung begonnen hat, wird in der Oefsentlichteil noch immer im wesentlichen nach dem beurteilt, was er nicht enthält. Streichungen und Sparmaßnahmen stehen im Bordergrund der Erörterung. Demgegenüber kommt die k o m m u- n a l c Leistung, die auch dieser Etat eines Jahres notwendiger Einschränkungen darstellt, nicht genügend zu ihrem Recht. Und doch ergibt erst der Vergleich des Geleisteten mit dem, was nicht mehr oder'noch nicht wieder geleistet werden kann, ein objektives Bild des Haushalts. Auch ein Hinweis aus den unmittelbaren Zusammenhang zwischen der höhe der Leistung und der höhe der Steuern dürste sür die öffentliche Diskussion des Etats, für Wünsche, die geäußert, sür Forderungen, die erhoben werden, von VoiKsscKulen f Milllontfv Höher«-und Mittelschulen 'Million«« •Stauern Sonstiges- 4S Staatliehe Zuschüsse 11,4 Steuern 442 Sonstiges_ 1/53 Schulgeld 11,7 Berufs-und Fachschulen Steuern 128 Staatliche Züsch. 2,-8. Arbcitaeber Beiträge 4,9 ' Millionen erheblicher Bedeutung sein. Nachstehend geben wir, unterstützt durch die bildlichen Darstellungen, einen Ueberblick über Einnahmen und Ausgaben des Berliner Schulhaushalts, wie ihn der Entwurf vorsieht: Die G�c l d s ä u l c n geben die gesamten Ausgaben für die einzelnen Schulgattungen an, wobei höhere und Mittelschulen zu- sammcngefaßt und die zentralen Anforderungen sür diese Gebiete (Verwaltungsausgaben usw.), die insgesamt nur 3,Z Millionen Mark betragen, auf die beiden Schulgattungen anteilmäßig ausgeteilt sind. Die Darstellung zeigt, daß die landläufige Auffassung, wonach ein. sehr erl>cblicher oder wohl gar der größte Teil der Aiisgaben aus den, Schulgebictc durch Staatszu schlisse bei den Volksschulen und durch Schulgeld bei den höheren Schulen eingebracht würde, durch- aus irrig ist. Der Bedarf, der durch S t e ue r m i t t e l gedeckt werden muß, also die Differenz zwischen Ausgabe und Einnahme, beträgt vielmehr bei den h ö h« r e n Schulen 46,2 Millionen Mark— 77 Proz. der Gesamtausgaben, bei den Volksschulen sogar 58,2 Millionen Mark— 80 Proz. der Ausgaben. Auch bei den Berufs- und Fachschulen ist noch immer ein Zuschußbedars von mehr als SO Proz. der Ausgaben vorhanden. Die G e s a in t s ch ü l« r z a h l beträgt zur Zeit in den städtischen Volksschulen 277 105, in den Mittelschulen 10 801 und in den höheren Schulen 78 500. Rechnet man den Bedarf, der aus Steuermitteln der Bevölkerung, gedeckt werden muß, auf diese Schülerzahl um, so Berlin zahlt' jährlich für jeden Schüler ötr Beruf asehuh«Volksschule■ Mittelschule• Höheren Schule ergibt sich, daß für jeden Schüler nach Abzug der Einnahmen, die aus Staatszuschüssen oder Schulgeldern fließen, und ohne die Unkosten der zentralen Verwaltung von den Steuereinnahmen der Stadt eine Summe abgezweigt werden muß, die von 74 M. bei den Berussschülern über 204 M. bei den Volksschülern bi» aus 510 M. beim Schüler einer höheren Lehranstalt steigt, hierbei sind nur die Steuermittel berücksichtigt, die die Stadt selbst für das Schulwesen aufzuwenden hat. Das Bild verschiebt sich etwas, wenn man auch die staatlichen Steuern, die in dem Staotszuschuß enthalten sind, hinzummmt. Dann sind für den Volksschüler 250 M. gegenüber 510 M. für den höheren Schüler insgesamt aus Steuermitteln aufzuwenden. Bei den Sätzen für die höhere Schul« ist bereits die soziale Schulgeld st afselung der Stadt berücksichtigt, die bekanntlich den Besuch der höheren Lehranstalt für Kinder, deren Eltern unter 2500 M. jährliches Einkommen haben, to st« n l o s gestattet, und weiterhin das zu zahlende Schulgeld nach der Zahl der Kinder und dem Einkommen der Eltern festsetzt. Anwalt und Richter bei Crede. Im Kampfe gegen den H TitS. Der Berliner Anwaltsverein und der Deutsche Richterverein waren gestern morgen der Einladung Piscators gefolgt und ihr? Mitglieder hatten sich äußerst zahlreich im Wallner-Theater zur Auf- sührung des Credefchen„§ 218* eingefunden. Dabei verwandelte sich das Theater zeitweilig in eine Bolksoersammlung, und der Bei- fall, der den Rednern gezollt wurde, bewies, wie die Zuschauer über den llnfug des Abtreibungsparagraphen dachten. Sanitätsrat Dr. Magnus h i r s ch f e l d beschäftigte sich mit dem Paragraphen vom soziplhygiemschc» Standpunkt aus, während die bekannte Schauspielerin Hedwig Mangel von rciii fraulichen Gesichtspunkten dazu Stellung nahm. Bon Interesse waren auch die Ausführungen eines Berfechters des 8 218, des evangelischen Pfarrers Schreiner vom Äohanmsstisr in Spandau. Es gebe, sagte er, in bezug auf den§ 218 zwei Situationen: die eine bei der proletarischen Frau, eine andere bei derjenigen, die im materiellen II e b c r s l» ß lebe. Selbst die Kirche wäre nicht abgeneigt, der ersteren Zugeständnisse zu machen, nicht aber der letzteren. Bei Jenen könne von Ana soMen Notwendigkeit der Abtreibung gesprochen werden, nicht aber bei der letzteren. So müsse gefordert werden, daß die soziale Notlage in jedem einzelnen Falle festgestellt werde. Dem Pfarrer wurde mit Recht erwidert, daß der§ 218 sowieso nicht für die wohlhabende Frau existiere, der Kampf gegeu den Paragraphen werde ja:n erster Linie im Interesse der proletarischen Frau ge- führt._ Wenn man 103 Jahre alt wird. Apenrade(Dänemark), 5. Mai. Uiüer starker Teilnahme der Bevölkerung konnle am Sonntag die Wilwe T h i« l l es e n Uhren 103. Geburtstag in erstaun- licher geistiger und körperlicher Rüstigkeit begehen. Zahlreich waren die Aufmerksamkeiten, die ihr aus diesem� Grunde zuteil wurden. Es erschien sogar ein«'Abordnung des Stadtrates, die ihr neben den Glückwünschen der Stadt 103 Kronen überbrachte. Unter den Gratulanten befand sich auch der deutsche G e n e r a l. k o n s u l. Frau Thiellesen, die älteste Frau Dänemarks. ließ sich bei der letzten Rcichstagswahl im vorigen Jahrc zur Mahl- urne tragen, um ihr« Stimme abgeben zu können. Montez. 3. Mai... Berlin.' 16.05 Marcuse: Der Sternhimmel im Mai und Juni. 16.30 1. Beethoven: Sonate Es-Dur, op. 7(Walter Kacmpfer, Klavier).— 2. Arnold Ebel: Lieder(Prof. Albert Fischer, BaB; Flficcl: Der Komponist).— 3. a) Itnaz Moscheies: Hommate ä Händel: b) Julie* Bürjcr; Doppelfuge(Julius Bürger und Walter Kaerapfer, auf zwei Fiügoin). 17.30 Dole tor Overali erzählt. 18.00 Hans Gottfurcht: Der Angestellte einst und jetzt. 18.25 Dr. Erich Urban; Zum 70. Geburtstage E. N. v. Rczniceks. 18.40 Prof. Dr. G. Schott, Hamburg; Reiseeiodrückc aus Australien, Tasnanicn und Neuseeland. 10105 Unterhaltungsmusik. In der Pause(19.55 etwa): Vom Arbeitsmarkt; 20.15„Berliner Typen"(Mitw.; Hans Brennert, Res! Langer). 20.45„Satuala", Oper, von E. N. v. Reznicek. Dir.: Der Komponist. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik.!l Königswusterhansen. 16.00 Prof. Dr. Paul Hildebrandt und Schulrat Georg Wollt: Volksschule und höhere Schule. 17.30 Dr. Heinrieh Michaelis und Mitwirkende:„Mai". 17.55 Keg.-Rat Dr. Kaphahn: Die Abendvolkshochschule. 18.20 H. von Byern: Internationale Jggdansstellung in Leipzig.. 18.40 Englisch für Anfänger. 19.05 Lola Landau-Wegner liest aus eigenen Werken. 19.30 Dr. Kannenberg: Wiesen und Weiden im Frühjahr. 20.00 Von München: Unterhaltungskonzert. 21.00 Von München: Anekdoten aus dem alten Wien. 21.15 Von München; Schubcrt-Stundc. Wetter für Berlin: Wolkig bis heiter, Temperaturen b�enig ver- ändert: meist schtvache Lustbewcgung. Für Deutschland: Int Westen stark wolkig und ziemlich warm, strichweise Gewitter, iin Osteu ziem- '.ich heiter mit etwas Gewitterneigung. Prrontwortl. riit die Sieboftion: Woilganz Schwor», Derli»: Sictrigen: Tb. Stade- Bertin. Lerlog: Botmötta Cetlog ffl. m. b. H.. Berlin. Druck: Borwurta Buw- beudetel und Bezlogsonflolt Poui Singet& Co., Seelin£3ß 68, Cinbcnltroftz S- Sittia 1 Beilage. Sleibtc motten Leute. Nur der Mensch wird es im Lehen normörts bringen, der steis gut gefieidet ift. Ader stets neue Stieibung, dos kostet sehr v.ek Selb,„tzch kann mit nicht jeden Augenblick neue Soeben kaufen" sogt wohl monche Lesetin und monchet Leser. Nein, mein Freimd. dos dost du nicht nötig, denn du lösit dich einfach nolliercn.„Saletieren" htifit dos Serfobren, noch welchem die„Boleieria", die hng enifche Nleiderpslege. für nur 2,23 M. einen Anzug. Moutek, Stosfiim, enlfloiibt, dämpft und bügeit. Auch die diemische Reinigung und eueniuell»otmenbige Ansbefferimgen kamift du Poll Serirotien der„Soicferio" übertragen, Abholung und Lieferung erfolgt jedcr- jeit durch Salctctio Ciptcfcdicnft. MI.MIüJ-IdMMW. 20 Uhr Der Traum ein Leben Ende 22 Uhr Theater 1. d. Behrensir. 53-54 A 4 Zentrum 926-927 Direktion Ralph Arthur Roberte 9 Uhr Vögel, die am Morgen singen! Komödie in 3 Ak en von Lonsdaie. »W» Direktion; Or. Martin Zickol MM Komische Oper Friedrlcfaslr.lDA Merkut 1401,4330. Täglich SV, Uhr Majestät lässt bitten Musik von Walter KoDo. Lustspielhaus Friedrichstr. 2%. Bergmano 2922/23. 8% Uhr: Geschäft mit Amerika. Vorverkauf in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Tägl. 5».»'/, Uhr. B 5 Btll». 9231 Pr. 1-6 M. Wochantg. 5 U. 50 Pf.-3 M. Oscar saöo u. Lotte UJerhmelster in der Szene Beim 6-Tage-Rennen RIgoletto Brothers& Swanson Sisters und 8 ioternation. Neuhelten. PlAZa TSgl. 9 u. 8" Sonnt. 2, S u.•" E 4. Altx. 3066 TtOl.»» und Sonntao* 5 Uhr nachm. Große internationale RinCkaittpf- Konkurrenz und entkl. VarletO- Neuheltea. Wochentage 6 U. u. Sonntge. 2 u. nachm. 10 Internatlonili Virliti- Attrittloi» ohne Rlngkampl- Konkurrenz. Reichshallen-Theater Abends D sonning naflira. Ul Das große Mai- Programm der „Stettiner1' Hadrni. halbe Preist, ltntr.11263, Dönhoff- Brettl; Bas lustige Mai-Pragf. 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Merkur 1624 Täglich 8'b Uhr Gastspiel Gisela Wer bezirk in Mever's sei. Witwe Schwank von Fritz FriedmaoihFreilniL KesidesF-Tlieatei Tägl. 8'/« Uhr Oer Herzog und die Sünderin Theater 1 Westens Täglich 8'.'. Uhr; Sonntag auch 4 Uhr Das Land des Lächelns von Franc Lehar TihteHoheii- diaTcinzehitv I Rsioiü-Oprrffti Ii 3 Utn nn Vilm«. Genta 1 8.15, Sonntags SIS und 9 Uhr Hauptdarsteller; Erna Rgtslens, Traute Bosg. Carl GUinib. Eduar Kanlsdi. Bans Rosa l Berlin 0. BroBg Franltlorier Str. 132 Alax. 3422 u. 3494 vM�THEATER Lessing-Theater Wiidmdamm 2797 1.0846 Täglich Vit Uhr: Frau Peters hat einen Geiiehten v. Louis Vcrneuil mit Erika von Tbeilmana buis Varamil Metropol-Th. Täglich 8>U Uhr Der Bettelstudent Alpar.SchOtzendorf, Pattiera, Arnold T Täglich 8V« Uhr Ein galantes Theater am Slhiilbauerdamm Gastspiel d. kleinen Theaters SVj Uhr Madame hat Ausgang Komödie in 6 Bild Vorverk ununterbr Norden 281 u 114! Poinpen Sllbrea. Ftuei. Ersauielle frsiaii«!, rra'Ji MokuCo. 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