Morgenausgabe Mittwoch äääss H lü MM Maul 1. 1 b U WWW? Ausw««i-M einschließlich KOPfg.Pvftzeitung.. vnj> J2m. T�WS W W MM) W Dg W WM W ff W r�V/ 72 Psg� Postbeslellgebühren� Ausland»- äESSS i! RH HR 9H W H| SH HR Ml DB Li»,> n I p n 1 1 1 g, Nonporeillez« »donn-mem o.— M. vro Monat. WWW l WW iW VW SW M M BW WR H M—' BS SM l»o Plennig. ReNnme eile S- R-i-i �WW I WWl W W WD W RW. MR DW HB HB W Marl..Kleine Anzetßeo' da» �HD! I WW W W RHv �Hk JH\ RW B �jUWJB/ dnnlte Won 2S Piennig izuiallig zr Ler.vorniirt,� erschei« wachentSs» I BW WDk�W�» �B> W wla-dru«.«aeie,. s.de» weilere W lich zweimal. Sanntag, und Montag» BW I DWv fläRV>/ W« Pl-nnig. S-ell.ng.such, da»-I einmal, die Abendausgaben für Berlin BR-,�1 �B�>~// DM»or, lb Psennig.-de» weilere W und im Handel mit 1>.m TUel Der M II Psennig. Won. übe. lö Buchstat Abend-. Illustnen. Beilagen.Boll V/ ßBU�—A. tühlen für zwei Wane. Arbeili-m- s«sss-'.'i,� RitaAiÄÄSAiAjM � MraesÄS3; ts�mjsCx» IgirolHIgg NvBWHHDGVßV— s«#»sr- Jentvawvsan der Sozialdemokvaiischen Vartei Deuifchlands Redaktion und Verlag: Berlin EW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbof» L92— 297 Telepramm-Adr.: Eozialdemokrai Berlin. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett beriet heute nachmittag unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning und in Anwesenheit des Reichsbank» Präsidenten Dr. Luther sehr eingehend den Entwurf eines Gesetzes über Hilfsmaßnahmen für die notleidenden Gebiet« des Ostens(Qsthilfegesetz). Die Besprechungen werden Mittwoch nachmittag fortgesetzt. * Die Teilnahme des Reichsbankpräsidenten Dr. Luther an den Dienstagberatungen des Reichskabinetts über die Osthilfe stand, wie die Telegraphenunion von gut unterrichteter Seite erfährt, im Zu- fammenhang mit der Umfchuldungsfroge und den damit her- vorgerufenen Kreditfragen. Im übrigen hat sich das Reichskabinett am Dienstag im wesentlichen mit den Möglichkeiten der Finanzierung des Sofortprogramms beschäftigt, dem als der ersten und grundlegenden Teilattion des für eine Reihe von Jahren ins Auge gefaßten Ostprogramms auch finanziell ein« besondere Bedeutung zukommt. Bekanntlich sind im Reichshaushalt selbst für das Ostprogramm 31,3 Millionen Mark vorgesehen. Weiter sollen der Reichsbesitz in dem frei werdenden Gebiet im Westen sowie gewisie Restbetröge der Bank für Jndustrieobliga- tionen zur Finanzierung herangezogen werden. Die Reichs- regierung beabsichtigt nicht, den Reichsbesitz in dem noch besetzten Gebiet zu verschleudern. Das hat aber zur Folge, daß die aus diesem Posten flüsiig zu machenden Summen nur sehr all- mählich einlaufen können. Der hierdurch zu mobilisierende Betrog Borwäris-Verlag G.m.b.H. zusammen mit den Restbeträgen der Bank für Industrieobligationen wird gleichfalls auf rund 30 Millionen oder etwas mehr geschätzt. Das Sofortprogramm wird noch vorder Sommer- pause des Reichstags verabschiedet werden müssen. Schwierigkeiten bei den vorbereitenden Kabinettsberatungen macht im übrigen noch immer die Frage der Begrenzung des zu erfassenden Ost- gebiete?. Auch mit Preußen wird man sich noch über Fragen der Durchführung des Programms auseinanderzusetzen haben. Arbeiier-Rachwahl-Gieg bei London. Freihandel siegt über Schuh, oll. London, 6. Mai.(Eigenbericht.) In West-Fulham bei London wurde am Dienstag bei einer Nachwahl der Kandidat der Arbeiterpartei ge- wählt. Die Liberalen hatten keinen Kandidaten aufgestellt und die Parole ausgegeben, für den sozialistischen Kandidaten zu stimmen. Da gewisse konservative Kreise die Wahlparole„Schutz- zoll oder Freihandel" ausgegeben hatten, erhielt die Nach- mahl, die mit großer Leidenschaft ausgefochten wurde, besondere politische Bedeutung. Australische LaSour-Negierung rüstet ab. Canberra,(5. Mai.(Eigenbericht.) Die a u st r a l i s ch e Arbeiterregicrung hat aus Gründen der Sparsamkeit beschlossen, zwei U-Boote und einen Zer- störer außer Dienst zu stellen. Die australlfch« Flotte besteht aus vier Kreuzern, acht Zerstörern und zwei U-Booten. Postscheckkonto: Berlin 37 236.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellte» und Beamten. Wallstr. 62. Dt. B.». Diic.-Ges.. Deposnenkasie Lindenstr. 8. Keine Ruhe in China. Neuer Bürgerkrieg droht. Vor» kotor Garwy. Es gärt wieder in China. In den nordwestlichen Provinzen feiert der Hungertod feine Orgien. Millionen sterben, ohne daß die„weiße" Welt sich darum kümmert. Der katastrophale Preisfall auf dem Silbermarkt hat eine akute Währungskrise heraufbeschworen. Die Wirtschaftslage verschlechtert sich. Teuerung und Arbeitslosigkeit drücken wie Bleigewichte auf das junge chinesische Proletariat. Die bolschewistische Presse übertreibt, wenn sie über eine „steigende revolutionäre Streikwelle" in den Städten und über im ganzen Lande auflodernde Bauernaufstände unter. kommunistischer Führung berichtet. Sie will damit das Bor- handensein einer neuen„revolutionären Situation" beweisen. Nach der jüngsten Schlappe der putschistischen Taktik der Komintern in Westeuropa und Amerika ist das Bestreben der Komintern, die„revolutionäre Situation" wiederum nach dem Fernen Osten zu verlegen— nur zu begreiflich. Die chaotischen Zustände in China bieten viel mehr Nähr- und Zündstoff für die putschistische Taktik der Komintern, als im Westen. Der Bürgerkrieg steht wieder vor den Toren. Der drei- fache Sieg Tschangkaischeks über seine Widersacher im Iabre 1929 bedeutete nur eine kurze Atempause, die zu einer Um- gruppierung der Gegner Nankings geführt hat. Der Krieg der Generäle ist wieder da. Wie kam es dazu? Der kommunistische Versuch, die chinesische Revolution nach russischem Muster über ihre geschichtlichen Grenzen hinauszutreiben, führte zur vorzeitigen Spaltung der revolutionären Einheltssrant..zur politischen Ausschaltung des Proletariats und zum Sieg des bürger- lichen Flügels der Knomintanz-Partei. Die Diktatur Tschangkaischeks, die sich seither auf der stark verschmälerten sozialen Basis aufrichtete, konnte sich nicht als eine wirklich nationale Regierung behaupten. Die Zentralisierungsbestrebungen der Nankingregierung, die auf eine Kontrolle der Ortsfinanzen und einen Abbau der zahlreichen Provinzarmeen hinzielen. sind auf heftigen Widerstand der Provinzmachthaber und der militärischen Befehlshaber gestoßen. Die großzügigen Reorganisierungspläne der Nankingregierung auf allen Ge- bieten des Wirtschafts-, Staats- und Kulturlebens blieben— zum Teil dank der Finanznot— auf dem Papier stehen. Aber am meisten wurden die Rivalen Tschangkaischeks durch die letzten Schlappen der Nankingregierung auf dem Gebiete der Außenpolitik ermutigt. Chinas militärische und diplomatische Niederlage im Ostchinabahn-Konflikt mit Rußland hat die Lage der Nankingregierung ungemein geschwächt. Ebensowenig Erfolg hat die Nankingregierung mit ihrer Offensive gegen die„Bertragsmächte" gehabt. Es gelang ihr nicht, am 1. Januar die Exterritorialitätsrechte einleitig aufzuheben. Zwar besteht die Kraft der Nankinger„Nationalregierung" zum großen Tell in der Anerkennung und Unterstützung durch die Großmächte und in erster Reihe durch Amerika. Aber die außenpolitischen Mißerfolge der letzten Zeit haben die Stellung Nankings als nationaler allchinesischer Regierung stark erschüttert. Noch mehr: wieder regt sich die Gefahr des Zerfalls Chinas, wieder geht ein gefähr- licher Riß durch China, wieder droht ein Krieg zwischen dem Süden und dem Norden aus- zubrechen. Nanking hat bisher einzelne Gruppen semer Gegner nacheinander zu treffen, aber nicht zu vernichten ver- macht. Das Gefährlichste aber für Nanking ist die neueste Umgruppierung seiner Widersacher, die sich kürzlich in einer Koalition im Norden zusammengefunden. Im Ver- gleich zu dieser mächtigen Koalition sind die Linksgefahr und sogar die Bauernaufstände in Südchina eine zweitrangige Gefahr. Die Kombination F e n g j ü s i a n g— I e n h s i s ch a n, die sogar in Peking eine Gegenregierung aufzustellen ver- suchen, wird dadurch für Nanking besonders gefährlich, daß sie den alten Gegensatz und das alte Mißtrauen zwischen Nord und Süd zu schüren und auszunutzen sucht. Die Eni- thronung Pekings hat bekanntlich die Nordchinesen, besonders das alte abgebaute Beamtentum, gegen die Vorherrschast der Südchinesen, gegen Nanking, aufgebracht. Die buntscheckige Koalition im Norden, die die Linksoppositionellen der Kuomintang mit den Militaristen aus der Kaiserzeit vereinigt, wird durch kein positives politisches Ziel, sondern durch den Haß gegen Nanking zusammen- geschmiedet. Die Wiederherstellung der Hegemonie des Nordens ist wenigstens für die nächste Zeit eine wirtschaftliche und.staatspolitische Unmöglichkeit. Es ist kaum zu zweifeln, daß hinter dieser Nordkoalition gewisse Fremdmächte stehen, die gerade jetzt an der Schwächung der Nankingregierung und folglich an der Abstumpfung ihrer außenpolitischen Offensive interessiert sind. Peking gegen Nanking. Aber die entscheidende Rolle in dieser Kraftprobe fällt Mutdenzu. Es handelt Gruß der Internationale! Exekutive und Kommissionen der SAZ. treten in Berlin zusammen. Zum ersten Male seit der in Hamburg im Mai 1923 er- folgten Gründung der Sozialistischen Arbeiter-Jnternationale tritt in Berlin die ExekutivederSAJ. zusammen. Im Zusammenhang mit der Tagung dieser wichtigsten Körper- schaft der Internationale, die erst am Sonntag beginnt, ver- sammeln sich in den vorangehenden Tagen die meisten der ständigen Kommissionen der Internationale. So weilen die Mitglieder der Kommission für die Kriegs- gefahr im N a h e n O st e n, die eine ganze Reihe von außen- politischen und innerparteilichen Fragen des Ostens zu be- handeln haben, berests fest Montag in Berlin: sie dürften ihre Beratungen im Laufe des heutigen Tages beenden. Heute tritt die ständige Abrüstungskommis- s i o n der SAI. zusammen, deren Arbeiten in der jetzigen Zeit von besonderer Bedeutung sind und für deren jetzige Tagung zweieinhalb Tage vorgesehen sind. Daneben werden sich noch andere Ausschüsse, z. B. die Kommission für die politischen Gefangenen, ver- sammeln. Am Sonnabend tritt das Bureau der Internationale und schließlich am Sonntag die Exekutive der Inter- nationale zusammen, die.von Delegierten aller der SAI. angeschlossenen Parteien gebildet ist. So werden zum ersten Male seit Iahren und während einer ganzen Reihe von Tagen zahlreiche von den berufensten Vertretern des sozialistischen Proletariats der ganzen Welt als willkommene Gäste in unserer Mitte weilen. Die Mitglieder der Sozialistischen Exekutive und der ver- schiedenen Kommissionen persanuneln sich in Berlin in einem Zeitpunkt, in dem die deutsche Partei, nach jahrelangem Ringen innerhalb der Regierung um die Interessen der Ar- beiterschaft, wieder ihre ganze Kraft in der Opposition entfalten kann. Die Berliner Tagung der Internationale er- folgt in einem Augenblick, in dem die deutsche Sozialdemo- kratie geschlossener denn je zusammensteht, um die reaktionären Anschläge eines Bürgerblockkabinetts abzu- wehren und um kommende Kämpfe für die Erlangung noch größerer Macht im demokratisch-republikanischen Deutschland zu führen. In dieser Zeit innerpolitischer Hochspannung ist uns die Anwesenheit der führenden Genossen der Internationale ganz besonders willkommen. Denn immer hat die deutsche Partei einen wesentlichen Teil Ihrer Macht und ihrer An- ziehungskraft aus dem Gefühl jener internationalen Verbundenheit geschöpft, die allen Gliedern des sozia- listischen Proletariats in der Welt moralisch und physisch zugute kommt. Der Kampf, den die deutsche Sozialdemo» kratie gegen den jetzigen Bürgerblockkurs aufgenommen hat, ist nicht nur für die deutsche Arbeiterschaft, sondern für die ge- samte Internationale von Bedeutung. In diesem Kampfe stehen namentlich die Berliner Sozialdemokraten an vorderster Stelle. Sie haben, selbst in den schwierigen Iahren der Koalitionspolitik und der Wirt- schaftsnot, glänzende organisatorische Erfolge erzielt und die Zahl ihrer Mitglieder seit der Stabilisierung mehr als ver- doppelt, Unter den neuen günstigeren Umständen werden unsere Berliner Genossen erst recht ihre Reihen vermehren und ihre Erfolge gegen rechts und links steigern können. Stärkstes Leben pulsiert gegenwärtig in der Berliner Partei- organisation. Die Berliner Genossinnen und Genossen wer- den es sich zur Ehre anrechnen, dies vor den Delegierten der Internationale zu bewessen, indem sie in Scharen zu der großenKundgebung erscheinen werden, die die Partei am kommenden Mo ntagabend in den Gesamträumen der „Neuen Welt" aus Anlaß dieser Exekutivtogung veranstaltet. Die Abrüstungskommission der SA). Die ständige Abrüstungskommission der Inter- nationale, die ihr« beiden letzten Tagungen Anfang Januar im Haag und Mitte März in Paris abgehalten hat, tritt heute noch- mittag drei Uhr in den Räumen des Parteivvrstcmdes der SPD. zusammen. Es gehören ihr an die Genossen A lb a r da-Holland als Dar- sitzender, de Brouckere- Belgien, B r e i t s ch e i d- Deutschland, Gillies-England. R e n a u d e l- Frankreich, Otto Bauer- Oesterreich, H a n s s o n. Schweden und Andersen- Dänemark als Vertreter Skandinaviens sowie Fritz Ad l e r als Sekretär der International«. Kabinest und Osthilfe. Es wird beraten.— Zm Beisein von Luther. Hakenkreuz über Sachsen. Bürgerblock unter der Zirma Beamtenkabinett— abhängig von den Tfazis. sich um ein lnnerpolitisches Dreieck. Der fast unabhängige Beherrscher der Mandschurei hält sich einstweilen„neutral". General Tschanghsüeliang ist keineswegs ein Freund Tschang- kaischeks. des Befiegers seines Baters. Aber ebensowenig ist er geneigt, an einer Kombination mit dem treulosen Feng teilzunehmen, der seinen Bater, Tschangtsolin, oerraten hat und der immer noch unter dem Verdacht steht, mit Moskau in Verbindung zu fein. Der Mukdener Diktator braucht außerdem Nankings diplomatische Unterstützung gegen Sowjetrußland und Japan, die in der Mandschurei Träger der Fremdherrschast sind. Auch Nanking braucht seinerseits Mukdens Unterstützung sowohl auf dem Gebiete der Außen- Politik, als auch im inneren Kampfe gegen die Nordkoalition von Jen und F«ng. Immerhin ist die Lage in China stark gespannt, was zum großen Teil auf die Rechnung der Fremdmächte kommt, die der Wiederherstellung der Souveränität Chinas immer noch im Wege stehen. Ob es zu einem wirklichen Krieg zwischen Nanking und Peking, zwischen Süd und Nord kommen wird, bleibt dahingestellt. Die Rivalen befinden sich zwar i n voller Kriegsbereitschaft, aber sie zögern einst- weilen, zu den Feindseligkeiten überzugehen. Im chinesischen Generalskrieg entscheidet nicht so sehr die Macht der Waffen, als die Macht des Geldes. In beider Hinsicht befindet sich die Nankingregierung in einer günstigeren Lage als die rebellische Gegenregierung. Tschangkaischeks ausweichende Taktik wird in der Hauptsache durch das Bestreben bestimmt, Zeit zu gewinnen, um seine Gegner durch Verhandlungen und Zahlung von Unterstützungen zu zersetzen. Aber auch diesmal wird der Sieg Nankings über die Nordkoalition von Jen und Feng keine endgültige Lösung der verschleppten chinesischen Krise mit sich bringen. Die Bauernaufstände können freilich nicht völlig auf die Rechnung der kommunistischen Agitation gestellt werden. Die Kommunisten suchen zwar die vorhandene allgemeine Unzufriedenheit in China zu ihren Parteizwecken auszu- nutzen. Die in Moskau in kurzer Zeit bevorstehenden russisch- chinesischen Verhandlungen wegen der chinesischen Ostbahn sollen— wie es scheint— unter den Druck der kommunisti- schen Bauernaufstände in China gestellt werden. Aber im Grunde genommen sind die Bauernaufstände durch die Tat- fache zu erklären, daß die«inst von der Kuomintang ver- kündete radikale Agrarreform, die die Ägrar- revolution von lSLü— 27 abschließen sollte, so gut wie aus- geblieben ist. Die Not der Bauernschaft ist unbeschreib- lich. Die Bauern wie die Arbeiter fühlen sich durch die Herr» schende Clique betrogen, die sich immer noch als Revolutio- näre, als Vollstrecker des Vermächtnisies.Sunjatsens ge- bürden. Nicht nur die Kommunisten, sondern auch die auf- ständischen Generäle aller Schattierungen bauen auf diese zu» nehmende Unzufriedenheit der Volksmassen. Die parteipolitische Diktatur Tschangkaischeks oersagt. Es war ein Grundfehler Sunjatsens zu glauben, daß das chinefi- sche Volk durch eine militärische Parteidiktatur zur Demo- kratie erzogen werden könne. Nur mit demokratischen Methoden kann ein Volk zur Demokratie erzogen werden. Es ist sehr merkwürdig und symptomatisch, daß die Führer der Nordkoalition— freilich aus rein demagogischen Gründen— die Losung der Einberufung eines..Nationalkongresses" auf- stellen. Das Land hat das Generalsgezänk und die Diktatur satt. Eine'chroffe Wendung in der inneren Politik Chinas tut not. Die soziale. Basis der Nankingregierung muß ent- schieden erweitert werden. Die radikälV A g r a r- r e f o rm und die sozial- Gesetzgebung müssen Wirk- ttchkeit werden. Die freie Selbstbetätlgung der Arbeiter wie der Bauarn muß wieder hergestellt werden. Nicht die Diktatur, nur die Demokratie ist imstande, das neue China von Zerfall und Untergang zu retten! Vorläufige Nationalversammlung nach Peking einberufen. Vekivg. 6. Mai. Die Regierung Zensluschon hat beschlossen, ein« vorlSufige Rationalverfammlung in Peking einzuberufen, zu der Vcrkeler der chinesischen Provinz eingeladen sind. Die Nallonal. Versammlung soll eine neue Regierung wählen und außer. dem über eine neue chinesische Verfassung beraten. Hehe ohne Sachkunde. Hemmungsloser Haß gegen die Sozialdemokratie. Der„Deutsch e". das Organ der christlichen Gewerk- schasten, übt sich in Hetze gegen die Sozialdemokratie. Er hat das Geschrei gegen die Berufung Egon Wertheimers nach Gens kräftig unterstützt. Er war über die„mangelnde Qualifikation" Wertheimers ganz genau informiert, nur leider nicht über die Person: denn er hielt Wertheimer, den Korrespondenten des Soz. Pressedienstes, für den Londoner Korrespondenten des Wolfsbüros. Am Sonntag eiferte der„Deutsche" gegen«inen anderen Fall einer angeblichen Berufung eines Sozialdemokraten. Er schrieb über das Revirement im Auswärtigen Amt: „Außerdem hat der Persvnalreferent im Auswärtigen Amt, Schneider, gebeten, ihn spätestens bis zum Herbst von diesem Amte zu entbinden. Schneider will in die Gelehrtenloufbahn zurückkehren. Al» fem Slachfolger ist der Gesandte K ö st e r in Oslo in Aussicht genommen. Köster ist u. W. Sozialdemokrat. Damit hat also die Sozialdemokratie den für die Personenpolitik des Auswärtigen Amt» wichtigsten Posten in der Hand; die Sozial- demokrati« nennt dag bei anderen Futterkrippe. Und dos von einer Regierung, die gestern noch ein sozialistischer Abgeordneter als Purgerblockregierung des antisozialdemokratischen„Klassenkampfes" beschimpfte." Die Niedertracht dieses Angriffs ist unübertrefflich wie die Gesinnung, aus der er hervorgeht— die Personal- ke n nt n i s aber auch! Die Redaktion des„Deutschen" hat den Gesandten R. Köster in Oslo mit dem verstorbenen Ge- nassen Adolf Köster, den Gesandten in Belgrad, ver- wechselt. Der tragische Tod Adolf Kösters ist an ihr ebenso unbeachtet vorübergegangen wie die Würdigung seiner Per- son und seines Wirkens in der gesamten deutschen Presse. Am Montag erklärte nun der„Deutsche": „Zu den Personnloeränderiingen im Auswärtigen Amte er- fahren wir, daß«s sich bei Köster um den früheren Chef des Pro- lokolls nn Auswärtigen Amt handelt. Unsere polemischen Bcmer- kungen ontsalken also." Diese Art von Journalismus kann nicht verlangen, ernst genommen zu werden— sie ist ziemlich einzigartig! Dresden, S. Mai.(Clgcnbmd)!.) 3ti der Dienstagsihung des Sächsischen Laudlages wurde der Präsident de» Staalsrechnungshofe» Schick mit<6 Stimmen der bürgerlichen Araktionen zum Minifierprästdenteu ge- wählt. Die Ratio nalsozialisten enthielten sich der Stimme. Auf de« Sozialdemokraten Fleißner entfielen 32 Stimmen, der Kommunist Renner erhielt 12 Stimmen. * Bor der Wahl gab der volksparteiliche Abgeordnete Dr. Blüher im Namen sämtlicher bürgerlichen Parteien ausschließlich der Nationalsozia listen eine Erklärung ab, nach der eine Persönlichkeit gewählt werden solle, die ein unpolitisches Beamtenkabinett bilde. Der Gewählte solle sich für die Annahme der Wahl erst erkläre«, nachdem das Kabinett gebildet fck md er mit den Parteien, die ihn gewählt hätten, zu einem Volksparieilicher Separatismus. Neichsresorm im Zeichen des Welfenrosses. Die preußische Regierung hat drei hannoversche Land- rät«, die offen frondierten, ihres Amtes entsetzt. Der volts- parteiliche„Hannoversch« Kurier" veröffentlichte darauf unter der Ueberschrist„Kampfansage" einen Aufsatz im Stile des kleinlichsten Partikularismus gegen die„preußische Zentral- regierung", der zu einer Lostrennung des «Selbstoerwaltungsgebietes Niedersachsen" von Preußen aufforderte. Dieser lächerliche Anfall von Separatismus aus Miß- vergnügen über die Maßregelung deutschnationaler Landräte ist von niemand erustgeflommeu worden. Der geschäfts- führende Ausschuß des-Landesverbandes Südhannover- Braunschweig der Deutschen Volkspartei, der unter Hinzu» ziehung der Vorsitzenden der Kreisvereine tagte, erklärt nun folgendes: „Durch die Entlassung der drei hannoverschen Landräte ist in weiten Kreisen der Bevölkerung eine starke Erregung verursacht. Der Staatsregierung liegt die durch Staatsnotwendigkeiten gebotene Pflicht ob. dieser ernsten Lage Rechnung zu tragen. Wir richten an unsere Fraktion die dringende Bitte, die danach gebotenen Schritte bel den maßgebenden Regierungsstellen zu tun. Die Wahlkreis- Vertretung richtet einmütig an die Reichsparteileitung das nach- drückliche Verlangen, die immer dringlicher gewordene Rcichsreform beschleunigt zu einem praktisä)«» Ergebnis zu führen." Da spricht man zwar nicht mehr separatistisch, aber man merkt, was die wackeren Bolksparteilcr von Hannover sich unter Reichsreform vorstellen: eine Entfesselung parti- kularistisch-reaktionärer Tendenzen. Reichsreform im W e l f e n g e i st e! Die Bevölkerung von Hannover ist über ganz andere Dinge erregt— so zum Beispiel über das Sparkassenbuch und da»„Abschiedsgefchenk" des abgesetzten Landrats Kleine, worüber inzwischen amtliche Ermittlungen eingeleitet worden sind.___ Wieder Länderkonferenz. Die Reichsreform in Reden. Amüich. wird mitgeteilt: Der Reichsminister des Innern beabsichtigt, für Ende Mai. spätestens Anfang Juni, die Aus- schösse der Ländcrkonfcrenz zur Fortsetzung der Ver- Handlungen über d.« R e i ch s r e s o r m einzuberufen. Di« nach zweijähriger Daner alsfcami abgeschlossenen Verhandlungen über Organisation und Zuständigkeit von Reich und Ländern geben d i e Einverständnis über die Zusammensetzung des Regierung gelangt sei. Der sozialdemokratische Abgeordnete Edel verwies darauf, daß die Demakraien, die ursprünglich kein von den Nationalsozialisten abhängiges Kabinett unterstützen wollten, von diesem Ent- schluß abgegangen seien. Die Sozialdemokratie sei bereit gewesen, sich an einer Regierung zu beteiligen. Am Dienstag der kommenden Woche soll die neue Regierung dem Landtag ihr Programm unterbreiten. Am Mittwoch wird dann über die vorliegenden Auflösungsanträge abgestimmt werden. Die Nationalsozialisten haben nicht die Absicht, in jedem Falle für die Auflösung zu stimmen. Sie wollen ihr« Siellung- nähme von der Zusammensetzung der. Regierung abhängig machen und benutzen die Drohung mit der Auslösung des Landtages offenbar, um auf diese Weise eine ihnen genehme Zusammensetzung der Regierung zu erpresse». Grund lag« für die endgültige und wirklich organische Gestaltung des Reichs, die mir vom gesamtdeutschen Gesichtspunkte aus er- folgen darf. � Selbstmordversuch Hans Marckwalds. Er und seine Frau in Lebensgefahr. Frankfurt a. 6. Mai.(Eigenbericht.) Der sozialdemokratisch« Abgeordnete des Preußischen Landtags Hans Marckwald, bisheriger Ehesredakteur der Frankfurter „V o l i s st i m m«", und feine Frau nahmen am Montag abend eine so große Menge Verona! zu sich, daß sie am Dienstag in bewußtlosem Zustande ousgesunden wurden und in lebensgefährlichem Zu stände in das Kranke n- haus übergeführt werden mußten. Der Zustand des Ehe- paares hat sich am Dienstag gegen Abend etwas gebelfert. Es besteht jedoch nach wie vor Lebensgefahr. Noch einem Beschluß der zuständigen Parteiinstanzen sollte Gcnoss« Marckwald in Zukunft die Berliner illertretung des Blattes übernehmen, während für die Leitung Genosse Satern u s be- stimmt wurde. Es scheint, daß Marckwald, der nervös erschöpft un!» überarbeitet war, diesen Beschluß falsch aufgefaßt und zum Anlaß seines Verzweiflungsschrittes genommen hat. Oer Wehreiat im Ausschuß. Genosse Künstler über die Kieler Munitionsaffäre. Die Kieler Mumtionsaffäre wurde im Haushollsaussckmß von, Reichswchrministor mit recht unzureichenden Bemerkungen behan- delt. Dos gab dem Abg. K ü n ji l c r(Soz.) die Gelegenheit, jenen Standalfall nochmals an Hand eingehenden Materials zu erörtern. Dabei kam das Reichswehrministerium nicht gut weg. Danach er- örtsrts Abg. Künstler die falsche Auffassung des Reichswchrmini- steriums über das B e s ch we r d e r e ch t und die Etatsunklar- heiten in bezug auf die A r b e i t e rb« s chä f t i g u n g bei der Reichswehr. Zum Schluß nahm er sich noch die Komma. nisten vor. Abg. Biedermann(Soz.) betonte, daß die republikanische Gesinnung in der Reichswehr entgegen den Bestrebungen de» Wehrministers nicht di« Fortschritt« macht, die nötig sind. Immer noch seien Veranstaltungen von Teilen der Reichswehr mit staats- feindlichen Vereinen festzustellen. Die Strenge bis Ministers dringe einfach nicht mich unken diirch. Visle'K o m in a n d e n r«' f«! e n noch in den Gedankengängen der wilhelminischen Zeit besangen. Notwendig sei es, daß die Reichswehr bei Verfaslungsfeiern mehr in die Erscheinung trcte. Weiterberaiimg am Mittwoch, vormittag» 10 Uhr Gchieles neue Nachdem das Kabinett der Eiustchrschrni Politik Schiele s bereits in der vorigen Woche im Prinzip zugestimmt hat, sind nunmehr mit Wirkung vom 13. Mai die Einsuhrscheine für Getreide und Schweine erhöht und neue Elufuhrscheine für Rinder, Schafe und Rinder- und Schafslessch eingeführt worden. Für Roggen. Hafer und Gerste tomite während der Regierimg Hermann Müller eine Erhöhung der Exportprämie Über<> Mark pro Doppelzentner ver- hindert werden. Nunmehr sind die Einfuhrscheine für diese drei Getreidearten auf 9 Mark, hps heißt also um 30 Prozent g e- steigert worden. Damit hotte der Einsuhrschein 100 Prozent und mehr des Weltmarktpreises erreicht. Zu Mühlen- und sonstigen Getreideerzengnissen werden die Einsuhrscheine erst in den nächsten Tagen festgelegt. Der Einsuhrschein für Schweine ist gegenüber einem bis- herigen Stand von 18 Mark auf 27 Mark pro Doppelzentner er- höhl, für Schweinefleisch wurde er auf 30 Mark festgesetzt. (Schweineschinken 48 Mark!) Neu eingeführt wurden Export- Prämien für Rinder und Schaf« in der jeweiligen Jolthöhe von 24.30 Mark und 22H0 Mark je Doppelzentner, ferner für Rinder. und Schnffleisch in Höhe von 45 Mark(in versthlossenen Dosen 60 Mark). Da in dem Zollgesetz vom 13. April die Bcstümrng endhalten ist, daß auch bei Erhöhung der Einfuhrscheine die Belastung der R« i ch e k a s s« durch das Exportdmnping die Belastung des Bor- jahres nicht überschreiten darf, wird der Reichsfinanzmimster er- i nächtigt, die Vergebung von Einfuhrscheincn zu sperren. wenn die Ausfuhr von Roggen, Roggcnschrot und Hafer zu den neuen Einfuhrscheinsätzen 700 000 Doppclzentner, von Hafer 300 000 Doppelzentner zu überschreiten droht. Die diesbezügitchen Meldungen scheinen allerdings bisher nicht vollständig zu sein. Denn, ein« Ausfuhr von 1 200 000 Doppelzentner Roggen und Hafer würde die Belastung der Neichskoss« im vorigen. Jahr nach-mcht überschreiten. ja sogar erst zu 20 bis 30 Prozent erreichen. Ist jedoch diese? Export- lontingent als monatlich« Höchstausfuhr gedacht, so war« allein schon au» den Einfuhrscheinen für Roggen und Haser ein« Heber- schreitung der bwheriyen Einfuhrscheinbclastunz von 75 Millionen zu erwarten. Einfuhrscheine. erei mit Agrarprodutten. Wir sind überhaupt der Meinung, daß die Erhöhung und Reu- einführung der Einfuhrschein« in verhältnismätzig kurzer Zeit zu einer Mehrbelastung der Reichskasse gegenüber dem letz- ten Jahr führen müsse. Denn bereits bei gleichbleibendem Export ergibt sich infolge der höheren Festsetzung der Exportprämien eine gesteigerte Belastung. Die Ausgabe der neuen Maßnahme ist es jedoch, die Ausfuhr wesentlich zu steigern und die Inlandspreise zu erhöhen. Auf welch« Weise bei Ausdehnung des Exports und erhöhten Exportprämien die Belastung der Reichskasse auf d.m Stande des Vorjahres von 73 Millionen Mark gehalten werden soll, bleibt«in Geheimnis des Reichsernährungsministers. Di« große Belastung der Reichskasse steht fest. Dabei ist es jedoch sehr wahrscheinlich, daß sich diejenigen Länder, die unter den deutschen gesteigerten Exporldumping besonders zu leiden haben, nicht ohne weiteres mit diesen Maßnahmen abfinden werden. Bereits jetzt ist die Erbitterung in den skandinavischen Ländern und auch in England über die deutsche Exportschleuderei sehr groß. Be- sonders in den Ostseestaatcn wird die deutsche Roggenschleuderei immer mehr mit einem Kampf gegen den deutschen In- dustrieworenexport beantwortet. Dabei ist die von Schiele gewünschte Erhöhung der Inlands- preise für Agrarprodukte h ö ch st fraglich. Auch ohne Gegen- maßnahmen des Auslandes ist besonders bei Roggen und Rindern die Wirkung der Einfichrscheine sehr zweifelhaft. Bei Roggen erfolgt eher eine Senkung der ausländischen als eine Steigerung der in- löndiscken Presse. Die letzte deutsche Zollerhöhung für Rinder Hot zu einer Senkung der dänischen Rindcrpreise geführt. Im A u?> I a n 1) werden durch die neuen Maßnahmen aber auch die ausländ!» 'schen Lebensinittelpreij? künstlich gesenkt und damit die Kon» Tu rr«n zsäh> gl e i t de? Ausländes gegenüber Deutschland in der industriellen Produktion weiter verbessert. Im Inland sind neue Preissteigerunge» gewollt und die Verteuerung der Lebens- Haltung wahrscheinlich. Man wird also wieder M i l l i on en du tz e n de— zum großen Teil ans Ausland— verschenken, wobei nur ubm den angerichteten Schaden Klarheit besteht, nicht über den Nutzen. Der Landtag tagt wieder. Beratung kleinerer Haushaltspläne. Nach lcmgmr Ostcrpouse trat der Preußische Landtag am Dienstag wieder zusammen, um vor allem«ine Reihe kleinerer Haushaltspläne aufzuarbeiten. Es ging dabei im wesentliche» ahn« größere Debatten ab, so daß die umfangreiche Tagesordnung in einer knapp vierstündigen Sitzung erledigt werden konnte. Die Kommunisten unternahmen«inen Vorstoß gegen die Verordnung des Wohlfohrtsministers, küirjtig den Anträgen auf Herabsetzung des Zinssatzes der Hauszinssteuerhypotheken von 3 auf 1 Proz. nur dann stattzugeben, wenn di« Gesamtbelastung 150 Proz. der Friedensmiete überschreitet. Diese Frag« soll im Wohnungs- und Siedlungsausschuß näher geprüft werden. Die einzige längere Debatte kam bei der Beratung des Haus- Halts des Landtages, wobei di« Vertreter der Oppofitions- Parteien sich mit kleinen Bemängelungen begnügen mußten, stick� haltige Kritik aber kaum übten. Verbunden mit dieser Beratung war der schon länger logernd« Antrag d«r Wirtschaftspartei auf Auflösung de» Landtags, einen Antrag, den di« Antragsteller offenbar selbst schon vergessen hatten und den jetzt Herr Ladendorff in einer S.Minuten- Rede«benso kurz wie kläglich begründete. Die Ab- st i m m u n g über diesen Antrag wird am Mittwoch erfolgen, gleichzeitig mit den wichtigen Abstimmungen über den Haushalt des Kultusministeriums. Ueber die Tagungszeiten des Landtags hat der Aeltestenausschuß in seiner Dienstagsitzung beschlossen, di« Woche vom 12. bis 17. Mai freizulassen, dafür aber vom Ig. bis 24. Mai zu tagen und dann in die Pfingstferien«inzutreten, die voraussichtlich bis zum 23. Juni dauern sollen. peier Schlack vor Zenlrumsarbeiiern. Glaubst du an Wunder? Unter den Arbeitermassen des Zentrums gärt es. Die Empörung und Erbitterung über die neuen unsozialen Steuern, die die vom Zentrum geführte neue Reichsregierung zu verantworten hat, schlgg«n in den katholischen Arbeit«rversamml!lng«n hohe Wogen. So ging es auf einer Protestkundgebung d«r christlichen Genossenschafter in Essen überaus stürmisch zu. Der Hauptredner war Reichstagsabgeordneter S ch l a ck, derselbe Zentrumsabgeordnete, der den Kurs der neuen Reichsregierung am treffendsten charakterisiert hat durch den Satz: ..Das Kabinett Brüning ist die reaktionärst« Regierung seit der Revolution." Immer wieder gab es bei der Protestkundgebung gegen die Belastung der Konsumvereine aus den Massen heraus sehr ein- deutig« Zwischenruf«, die dem Unmut über die un- gerechten Steuern Luft machten. Stürmische, minutenlange Zu- stimmung fand di« Bemerkung des Redners:„Je weiter wir von der Revolution wegkommen, umso näher rückt die Reaktion heran." Wiederholt machte stch die Einpörung so elementar bemerkbar, daß über die wahre Stimmung der christlichen Arbeiterschaft kein Zweifel mehr bestchen kann. Kein Wunder, wenn Schlack außer- ordentlich scharfe Töne anschlug. Er schloß mit den Worten:„Wir sind nicht bereit, die Peitsche zu küssen, die uns schlägt: wir werden uns«ine solch« ungerechte BehanMng nicht mehr gefallen lassen." Den jetzt plötzlich sehr arbeiterfreundlichen Versicherungen des Zentrums stehen aber die katholischen Arbeiter ollem Anschein nach sehr skeptisch gegenüber; denn al» der Referent mit erhobener Stimme rief, es muff« endlich Schluß gemacht werden mit der Massenbclashmg, da kam spontan der Zuruf:„Glaubst du an Wunder?" Amerikanische Gilberlinge. Ttazigeschäst mit Ehristusspielen. München, 6. Mai.(Cizenbericht.) Der gesamte Bilderdienst über die Oberammer» gauer Passionsspiele ist der„New Pork Times" a l» Monopol vertauft worden. Die„Augsburger Postz«itung" erfährt dazu von der Festspiclleiwng in Oberannnergou: „Seit 1910 hat die Festspielleitung die gesamt« Bilde rbericht- erstattuiig sowie das unbeschränkte Verlagsrecht aller offiziellen Oberammergauer Spieloufnahmen einem einzigen deutschen Kunstverlag übertragen. Auch für das Spieljahr 1330 hatte dieser Vertrag seine Gültigkeit. Lediglich dem Münchener Kunstverlag Bruckmann war das alleinig« Verlagsrecht übertragen. Dieser deutsche Kunst- vertag verkaufte ohne Wissen und Wollen der Ober- ammergauer Spielleitung die gesamte Bilderbericht- erstattung dem erwähnten amerikanischen Unternehmen. Auf sofortige Anfrage bestätigte der Bruckmann-Verlag seine Handlungsweise und suchte sie mit allen möglichen Ausreden zu beschönigen. Der Verlag(dessen führende Leute der Hitler-Bewegung n a h e st e h e n, die sie auch schon materiell unterstützt haben. D. Red.) wurde von der Festfpielleiwng sofort nach Bekanntwerden dieses Schachers gezwungen, unverzüglich und ohne Kompromiß den Vertrag mit der„New Park Times" zu lösen." Mexiko gegen Moskau. Sowjetrussifcher Gefchöststräger verhastet und ausgewiesen. Mexiko. 6. Mai. Der sowjelrufsische Geschäftsträger Zakob Jrledmann.dct seil dem Bruck) der diplomatischen Beziehungen zwischen Mexiko und Sowjetrußland hier amtierte, wnrd« wegen kommunistischer Umtriebe festgenommen. Er wird unverzüglich außer Lande» gebracht werden._ Auf der Kluchi erschossen. An der bulgarischen Grenze. Sofia, 6. Mai.(Eigenbericht.) Am Donnerstag versuchten zwei bewaffnete junge Männer bei Berkmpitza illegal die Grenz« nach Südslawien zu über- schreiten. Obwohl sie bereits südslawisches Territorium erreicht hatten, schösse» di« bulgarischen Posten ihnen noch, wodurch einer der beiden Männer getötet, der andere schwer ver- wund et wnrde. Die Feststellungen ergaben, daß beide Kam- mu nisten sind, die vor der politischen Polizei ins Ausland fkSchten wollten Demokratische Korffchritte. Ireyjiuvi ,t)ie älteren finden schon ganz gut in den neuen Stall, nur ein paar junge Le tntner versuchen noch bisweilen auszubrechen!� Indiens Nationaltrauertag. Blut in Delhi und Kalkutta geflossen. New Delhi. 6. Mai.(Eigenbericht.) In allen größeren Orten Nordindiens wurde der Dienstag als Trauertag wegen der Verhaftung Gandhis durch Arbeitsruhe begongen. An zahlreichen Orten kam«s zu mehr oder minder schweren Zwischenfällen und Zusammenstößen. In Delhi feuerte die Polizei auf ein« Menschenmenge, die eine Polizeistation um- lagerte und sich trotz Aufforderung nicht zerstreute. Mehrere Ein- geboren« wurden verletzt, zwei sind gestorben. In Kalkutta. wurden ein Polizeiins«pktor und ein Polizeisergeant durch Stein- würfe aus der Menge verletzt. Sie antworteten mit Revolverschüssen. In Bombay versuchten Textilarbeiter eine Spinnerei in Brand zu stecken. Auch hier feuerte die Polizei auf die Menge. Wie aus Puno gemeldet wird, hat sich die Regierung durch die Gerücht« über schlechten Gesundheitszustand Gandlsis veranlaßt gesehen, Gaickchi durch drei Aerzt« untersuchen zu lassen. Sein Zustand wird als befriedigend bezeichnet. Tausend« Mensch«« pilgern zu. GanLNs Gesänguis., Im Laufe des Dienstag verbreitete sich durch ganz Indien di« Nachricht von dem Erdbeben in Birma, dem 5 000 Menschen zum Opfer fielen. Di« Bevölkerung betrachtet dieses Naturgeschehen als Strafe Gottes für die Derhastung Gandhis. Dem Tiger die Zähne gezogen? London, 6. Mai. Der Sonderkorrespondent der„Times" in Simla vertritt in einem langen Telegramm die Ansicht, daß die Berhaftung Gandhis im richtigen Augenblick erfolgt sei. Er sagt: Di« Geduld der Re- gierung hat ihr taktische und materielle Vorteile gesichert; vor allein hat sie erreicht, daß sich die anfängliche Begeisterung der Anhänger Gandhis abkühlte. Die große Mehrheit der Londleute und der Stadtbewohner fängt an, der Störung des normalen Lebens und der Stockung des Geschäftsverkehrs müde zu werden. Außer» dem Hot die unauffällige Verhaftung zahlreicher Unterführer Gandhis, während dieser selbst in Dandi im hellen Rampenlicht stand, di« lokalen Aktionskomitees der Nationalisten geschwächt und in Unordnung gebracht. Während der nächsten Tag« wird in- den großen Zentrolpunkten, chi« Bombay, Kalkutta usw., zweifellos Anlaß zur Sorge besteheN.V.'Äher es ist Tatsache, daß dem„nationalistischen Tiger die- meisten seiner Zähne gezogen" worden sind. Gtraßenkampf in Madrid. Llniversität geschlossen.— Gtvöenten werfen Dachziegel. Madrid. 6. Mai. Die Unruhen im Unioersitätsviertel dauerten auch am Montag nachmittag noch an und fanden erst ein End«, als der Rektor und der S«nat beschlossen, die Universität bis auf weiteres zu schließen. Zwei von den bei den Zusammenstößen am Montag verwundeten Leuten liegen im Sterben, so daß sich die Zahl der Todesopfer auf drei erhöhen wird. Die katholischen Studenten befinden sich in schärfftem Gegensatz zu den R«b«ll«n und klagen Unamuno wegen semer„Hetzreden" als indirekten Urheber der blutigen Zwischenfälle an. Der Straßenverkehr war am Montag- mittag nach verschiedenen Teilen der Stadt bis zu drei Stunden unterbrach««. Die Arbeiterschaft verhält sich bis jetzt neutral. Aehnliche Zwischenfälle wie an der medizinischen Fakultät haben sich auch an der juristischen Fakultät abgespielt. Als Professor Unamuno dort heute vormittag erjchien. uni dem Rektor d«r Universität einen Besuch abzustatten, wurde«r von einer Gruppe von Studenten mit Iub«l empfangen, während ander« protestierten. Studenten erstiegen das Doch, demolierten di« Turmuhr und rissen Dachziegel ab, die sie nicht nur gegen die Gendarmen, sondern auch gegen Passanten schleuderten, von denen mehrere oerletzt wurden. Zu den Zwischenfällen in der Universität wird mitgeteilt, daß di« Getöteten nicht Studenten sind. Die Regierung Hot den Dortrag des republikanischen Führers Rudolf von Laban. Zum Balletimeister der Staatssper ernannt. Die Frage, wer als'Nachfolger von Terpis an die Spitze der wichtigsten deutschen Theatcrtanzgruppe treten werde, hat monate- lang die Gemüter beschäftigt. Alle Projekt« zerschlugen sich, keine Kandidatur konnte ausrecht erhalten werde». Schon schien die ganze Sache hoffnungslos verfahren, die günstigst« Gelegenheit verpaßt, «ine Reform an Haupt und Gliedern reinlich durchzuführen. Da kommt die Nachricht, Rudolf von Laban, der Schöpfer des modernen Tcmzes, der Mann, der der neuen Kunst der rhythmischen Körperbewegung die theoretischen und praktischen Fundament« gelegt hat, übernimmt als Choreograph und Regisseur die Loitung des Tanzensembles an der Berliner Staatsoper. Nach Beende- gung der Bayreuther Festspiele, bei denen«r di« Bewegungsregi« führt,«iib Laban sein neue, Amt antreten. Ueber die kiinslicrische» Leistungen Labans, noineiitlich in den letzten Jahren, mögen die Ansichten geteilt sein. Der ungestüme Drang, unbedingt Neues zu schaffen, auf unerprobten Wegen Zielen zuzustreben die nicht immer ganz klar«schaut waren, und darüber Domingo am 8. Mai im Athenäum sowie all« Versammlungen, die zu Zwischenjällen sichren könnten, verboten. Professor Unamuno wurde aufgefordert, nach Salamanca zurückzukehren. Die Lehrkörperschast der Madrider Unioersitot hat den vom Rektor ge- faßten Beschluß, di« Universität vorläusig zu schließen, gebil» ligt. Ein« Erklärung der Regierung bedauert die Zwischenfäll« sehr und betont, daß sie ihre Pflicht zur Aufrechterholtung der Ruhe und Ordnung im Land« tun werde. Ersparnis am Wehreiat. In Spanifch-Marotto. Tetuan. 6. Mai. In'Ausführung des Sparplanes in Spanisch-Marokko werden demnächst mehrere Jnsantericbatailloiie, sowie einige Ab- teilunaen Artillerie, Pioniertruppen und Militälverwoltungsein» Herten nach Spanien zurückkehren. Die K a v a l l« r i« wird ebenfalls vermindert werden. Dieses Jahr werden 5000 Mann heiinbefördert, was eine Ersparnis von 11 Millionen Psse» t e n bedeutet. Die künftig« Besatzung von Spanisch-Marokko wird ausschließlich aus einer kleinen mit spanischen und einheimischen Freiwilligen gebildeten Kolonialarmee bestehen. Nicht von Schuberl. sondern von Neurath soll deuticher Bob. schafter in London werden, dafür soll Schubert noch Rom. Tanhens Mcmdalsniederlcgung. Der frühere demokratische Reichstaasabgeordnete Tangen hat nunmehr sein Reichsiogsmandat niedergelegt. das ruhig« Ausarbeiten und Ausreisentassen zu vernachlässigen, mag an manchem äußeren Mißerfolg schuld sein. Bestehen blieb und bleibt di« überragende Persönlichkeit, der aus unversiegbaren Quellen Schöpfende, der vom heiligen Geist des Tanzes Besessene, dem die Kunst Leben und Sein bedeutet. Labans Name hat Weltruf. Seinem Träger wird es, wen» überhaupt einem, gelingen, sich gegenüber den allmächtigen mulitalischen Opernbeherrschern durchzusetzen, die heute noch vielfach Hemmnisse einer gesunden Entwicklung des Bühnentonzes find. Er wird sich kaum dazu verstehen, als dienender Bruder der Kapell- meister zu fungieren und die Mitglieder seines Ensembles Statist«!»» dienste tun ,zu lassen. Ein Rudolf von Laba« hat den Anspruch den berühmtesten Taktstockstrategen gleichberechtigt zu sein. Hoffen mir, daß die maßgebenden Instanzen sich der Erkennt» i» die!« Taffachen nicht verschließen. Hassen wir, daß sie sich der histo» rischcn Bedeutung des Augenblicks bewußt sind, eines Augenblicks, wie er in der Entwick'ungsgeichichte des modernen Tanzes nicht so bald wiederkehren dürfte. Hoffen wir. daß sie nicht nur den rechten Mann an den rechten Platz zu setzen verstanden, sondern auch willens sind, ihm diesen Platz zu sichern. J. S. Herausforderung! Ltngeheuerliche Lohnabbaupläne im Lithographie- und Gteindruckgewerbe. Für dos deutsche Lithographie- und Steindruck- gewerbe finden gegenwärtig Verhandlungen statt zum Abschluß eines neuen Reichstarifvertrages. Der Vertrag ist vom Schutzverband Deutscher Offset- und Steindruckereibesitzer zum 31. Mai gekündigt worden mit dem Ziel, ihn g r u n d� e g e n d zu verschlechtern, was von den Unternehmern in die Worte gekleidet wird,„einen Weg für den Fortbestand des Tarifes unter Berücksichtigwtg der so überaus schwierigen Lage der Arbeitgeber zu findend An der Spitze der 12 Unternehmeranträge zur„Abänderung� des Tarffoertrages steht der, der einen Abbau der INindcstlöhne der Ausgelernien im ersten Gehllfenjahr um 10 pcoz. und aller übrigen Gehilfen- löhne um den gleichen Prozentsah vorsieht. Damit aber nicht genug, wild noch verlangt,«ine niedrigere llmgruppierung von 61 Orten in das Ortsklasienverzeichnis, die unbegrenzte Leistung von llebersiunden, Abbau der Ferien, Ver- schlechterung der Tarrfleistungen über Probezeit und Aus- h i l f s a r b e i t usw. Kurzum, die Unternehmer des Steindruck- und Lithographiegewerbes haben einen Großangriff auf olle Errungenschaften der Gehilfenschaft eingeleitet. Die Gehilfen haben dieses unerhörte und unverfchäinte An- sinnen der Unternehmer mit Gegenforderungen beantwortet, die u. a. dos Verlangen noch cheraufsetzung des Ausgelenrten- lohnes auf 45 M. pro Woche enthalten, sowie die Einführung der sieben stündigen Arbeitszeit, die Einstellungs- sperre für Lehrling«, Beschränkung der Ueberstunden auf höchstens 60 im Jahre usw. Die Unternehmer geben sich anscheinend der Hoffnung hin. wenigstens einen beträchtlichen Teil ihrer Forderungen m- folge der ungünstigen Beschästigungslage durchsetzen zu können. In dieser Beziehung haben die Unternehmer aber auf eine falsche Karte gesetzt. Die vorbildliche finanzielle Solidarität ge- rode der arbeitenden Steindrucker und Lithographen gegenüber ihren arbeitslosen Berufskollegen hat hier einen Damm geschaffen, an dem solch« Unternehmerspekulationen zerschellen müssen. Ob es angesichts der überspannten Forderungen der Unternehmer überhaupt zu einem positiven Verhandlungsergebnis kommen wird, erscheint mehr als fraglich. Fest steht jedenfalls, daß die hundertprozentig organisierte Gehilfen. s ch a f t im Lithographie- und Steindruckgewerbe jedem Verhand- lungsergebnis ihre Zustimmung versagen wird, das auch nur den geringsten Abbau der bisherigen Tarijpositionen ent- hält. Die Arbeiterschaft des Deutschen Steindruck- und Lithographie- gewerbes ist darauf vorbereitet, ernsten Auseinander- setzungen mit ihren Unternehmern entgegenzugehen. Die Organisationsleitung zählt auf die Mitglieder, daß sie die weitere Entwickelung der Ding« aufmerksam verfolgen und sich in alt- bewährter Disziplin an den Appell des Houptoorstandes zu halten, der mit der Aufforderung an die Verbandsmitglieder schließt: „Vorerst geht der Kampf im Verhandlungssaal. Da steht die Kampstnippe mit Gewehr bei Fuß und hält eisern« Disziplin. Wer auf eigene Faust frühzeitig losschlägt, g e- fährdet das Ganze. Das gibt es nicht! Erst nach Erstattung des Berichtes über die Verhandlungen wird entschieden, was zu tun ist. Bis dahin heißt es trotz eventuell aggressiver Haltung der Unternehmer: Ruhe gehalten!' Ein internationcles Programm. Fünftagewoche als Ziel. Der Dundesausschuß des Allgemeinen Deutschen Gewerk- fchaftsbundes beschäftigte sich im weiteren Verlauf seiner inzwischen beendeten Berliner Tagung auch mit dem Entwurf für ein i n t e r- nationales sozialpolitisches Programm, das von dem I G B.- K o n g r e ß, der im Sommer in Stockholm zusam- mentritt, aufgestellt werden soll. U m b r e i t, der Leiter der„Gewerkschaftszeitung', betonte. daß ein internationales Sozialprogramm nicht zu sehr in Details gehen dürfe: sein« Aufgabe müsse sein, große, weithin leuch- tende Ziele auszustecken. Eine allzu starke Spezialisierung führe zur Verwirrung. Ein internationales Programm müsse knapp und weit gesteckt sein. Sache der Landeszentralen sei es, die Lücken bis zu den Zielen auszufüllen. Auch müßten die Ziele im Bereich des gewerkschaftlichen Vermögens liegen: sie dürfen kein« Uto- pien fein, über die kein Gegner mit den Gewerkschaften ernsthaft streite und die höchstens die Kommunisten reizen könnten, die Gewerkschaften beim Wort zu nehmen. So habe es z. B. keinen Zweck, heute allerorts den Sechs stundentag zu fordern, selbst wenn man überzeugt wäre, daß die rationalisierte Wirtschaft da- mit heute vielleicht schon auskommen könne— weil die Gewerkschaften keines Landes ernsthaft an seine Erkämpfung herantreten könnten. Dagegen sei der Sieben st undentag oder die Fünf- tagewoche oder selbst die Fünfeinhalbtagc-Woche als Ziel noch immer weitreichend genug, um die Kräfte anzuspannen, wenn die ollgemeine Forderung einer weiteren Verkürzung der Arbeitszeit nicht ausreichen sollte. Der Bundesvorstand erbitte vom Vundesaus- fchuß die Vollmacht, mit den gewerkschaftlichen Vertretern der Sozialpolitik im Bundesbüro den Entwurf einer Nachprüfung und Vereinfachung unterziehen zu dürfen. Zu Delegierten für den Internationalen Kongreß in Stock- Holm wurden vom Bundesausschuß einstimmig gewählt: Bernhard, Baetz, Brandes, Reichel. Schumann, Schef- fel, Schräder, zu Stellvertretern Mahler, Brey. Ströhlinger, Pucher, Hufemann sowie die fünf vom Bundesvorstand vor- geschlagenen Kandidaten Leipart, Graßmann- Umbreit, Eggert und Frau Hanna. Graßmann machte noch aufmerksam auf die Jnternatio- nale Hygieneausstellung in Dresden. Er empfahl gewerk- schaftliche Tagungen dort abzuhalten, um den Verbandsdelegierten zur Besichtigung der Ausstellung Gelegenheit zu geben. Lniernationaler Eisenbabnerkongreß. Die Kernfragen öffentlicher Wirtschast. In Madrid fand dieser Tage ein Kongreß der Eisen- bahnersektion der Internationalen Transportarbeiterfödera- tion(ITF.) statt. Er beschäftigte sich zu einem guten Teil mit den gleichen Fragen, die zur Zeit auf der ebenfalls in Madrid tagenden internationalen Konferenz der Eisenbahnverwaltungen erörtert werden. Die Tagesordnung der Eisenbahnerkonferenz ent- hielt folgende Themen. Mitwirkung des Personals an der Verbesie- rung der Betriebsergebnisse und Beteiligung des Personals am Ge- minn, allgemeine Sicherheit bei den Eisenbahnen, Autokonkurrenz, Ausbildung des Etsenbahnpersonols, Rationalisierung des Eisen- bahnbetriebs und internationales Mitsprachrecht. Die Frage der Autokonkurrenz wnrde vom Vorsitzenden des Schweizer Eifenbahnerverbondes, Brqtschi, behandelt. Er führt« aus: Im kapitalistischen Staat ist Konkurrenz notwendig. Was sich aber in den einzelnen Staaten zur Zeit zwischen Eisenbahn und Auto abspielt, ist nicht Konkurrenz, sondern unlauterer Wettbewerb. Konkurrenz darf nur unter gleichen Bedingungen vor sich gehen, die Eisenbahnver- waltungen dagegen arbeiten zur Zeit zweifellos unter ungleich schwierigeren Verhältnissen als die Autogesellschaften. In fast allen Ländern ist die persönliche Hastung der Autogesellschaften sehr unzulänglich, d. h. die Haftpflicht der Gesellschaften gegenüber den Reisenden ist bedeutend schwächer als bei den Eisenbahnen. Ebenso sind bei den Eisenbahnern in der Frage der Betriebs- s i ch e r h» i t viel weitergehende Vorschriften in Geltung als bei dem Auto. Das Personal wie der Reisende sind im Autobetrieb viel mehr Unfällen ausgesetzt als bei den Eisenbahnen. Bratschi wies weiter an Hand statistischer Zahlen nach, daß die All- gemeiccheit infolge der erhöhten Strahenabnutzung durch den Autobetrieb ungeheuer belastet werde, während die Eisen- bahnoerwa! hingen die Kosten für Herstellung und Unterhall der Verkehrsanlogen selbst aufzubringen haben. Ein Konkurrenz- kämpf mit so ungleichen Waffen sei auf die Dauer für die Arbeiterichaft in beiden Betriebsarten außerordentlich gefährlich, denn das Personal sei es, das schließlich die K o st e n des unlauteren Wettbewerbs durch Verschlechterung seiner Arbeitsbedingungen zu zahlen habe.— lieber die Ausbildung des Eisenbahnpersonals sprach der Vorsitzende des Einheitsveobandes der Eisenbahner Deutschlands, Franz Scheffel, in einer Riesenkundgebung der Madrider Arbeiterschaft. Er gliedert« die Ausbildungsfrage in zwei Gesichtspunkte: dienstliche und freiwillige Ausbildung. Die Summen, die heute van den Derwaltungen für die Aus- und Fortbildung aufgebracht würden, seien zu gering. Unter diesen Um- ständen müßten die Gewerkschaften außerordentlich große Anstrengungen zur Förderung der Ausbildung machen: denn auf t>er einen Celle erfordere der Eisenbahnbetrieb ein gut ausgebildetes Personal und aus der anderen Seite erkenne die Arbellerschaft immer mehr, daß sie nur durch Steigerung ihres Bildungsgrades die Auf. gaben meistern könne, die ihr infolge ihre» wachsenden polllischen Einflusses zufallen. Scheffel, der seinen Vortrag durch zahlreiche Lichtbilder belebte und vor allem auch die Lehrlingsausbildung bei der Deutschen Reichsbahn sowie das Schulungswesen des Einheit?- Verbandes eingehend behandelle, erntete für seine Ausführungen bei der Madrider Arbellerschaft stürmischen Beifall. Schiedsspruch für Gemeindearbeiier. Drei Pfennig Lohnzulage in der Spitze. In dem Lohnstreit zwischen dem Gesamtverband und dem kam- munolen Arbeitgeberverband Groß-Berlin wegen der Kämme- reiarbeiter ist jetzt eine endgültige Entscheidung getroffen. Nachdem der Zentralausschuß für Torissachen als letzte larrsliche Schlichtungsinstanz zu keinem Schiedsspruch gekommen war, hatten sich die Tarifparteien dahin geeinigt, die Beilegung der Lohirsireitigkell einem neuen Schiedsgericht zu übertragen, in dem drei Unpartenfche den Vorsitz führten. Dieses Schiedsgericht, das gestern zusammentrat, fällte nach mehrstündiger Beratung einen für beide Tarifparteien binden- den Schiedsspruch, wonach sich das bisherige Lohnabkommen der Kämmereiarbeiter bis zum 31. März 1931 verlängert mit der Maßgabe, daß ab 1. L o h n w o ch e im April die Löhne der männlichen Vollarbeiter u m 2 P f g. je Stunde und ab erster Lohn- woche im O t t o b e r um einen weiteren Pfennig erhöht. Die Löhne der Frauen und Jugendlichen erhöhen sich zu den gleichen Zeitpunkten im prozentualen Verhältnis. Dieser Schiedsspruch ändert die Entscheidung der tariflichen Obevschiedsstelle vom 10. April insofern ab, als die Lohnerhöhung von 3 Pfg. je Stunde nicht sofort voll, sondern in zwei Etappen in Kraft tritt._ Bauunternehmer gegen poliere. Stellunanahme der Organisation. Den Berliner Dauunternehmern ist jedes Mittel recht, um ihre Wünsche aus„Senkung des Lohn- und Gehallskonios' zu verwirk- lichen. Nachdem ihr« Bemühungen auf Abbau der Bauarbeiterlöhne sehlgeschlagen sind, versuchen sie jetzt ihr Heil bei den Polieren, Werk- und Schachtmeistcrn. Daß es sich bei diesem Vorgehen der Berliner Bauunternehmer um einen fett längerer Zell vorbereiteten Anschlag handell, beweist die Tatsache, daß mit den Massenkündigungen bereits Ende Septem- der vorigen Üahres begonnen wurde und sie hauptsächlich hen Polieren und Schachtmeistern gegenüber ausgesprochen wurden, die entweder Anspruch auf den erhöhten gesetzlichen Kündigungsschutz haben oder übertariflich bezahlt werden. In vielen Fällen haben die Bauunternehmer ihr wahres Gesicht unverhüllt Hervorgekehrt, indem sie den Gekündigten frank und frei erklärten, neue Dien st vertrage mit ihnen abschließen zu wollen, wenn sie in einen Abbau der Löhne und Gehälter ein- willigen. Die Absichten der Berliner Bauunternehmer wurden noch deutlicher erkennbar bei den Verhandlungen, die zwischen dem Bezirksverein Groß-Berlin des Polier-, Werk- und Schachtmeister- i bundes und den Verbänden der Berliner Bauunternehmer über den Abschluß eines neuen Lohnabkommens geführt wurden. Der Tarii- oertrag. war am 31. März abgelaufen. Die Poliere und Schacht- meister hotten eine Erhöhung ihrer Löhn« und Gehäller um 15 Proz. gefordert. Die Tarifverhandlungen verliefen ergebnislos, weil die Unternehmer nicht nur die Lohnforderungen glatt ablehnten, sondern kategorisch einen Abbau der Löhne und Gehälter forderten. Die Berliner M tgliedschaft des Polierbundes Hot in ihrer außerordentlichen Generalversammlung am Mittwoch zu diesem scharfmacherischen Vorgehen der Bauunternehmer ganz eindeutig Stellung genommen. Der Geschäftsführer, Genosse F ä s l« r, er- mahnte die Versammelten zunächst, auf den Baustellen Maß zu kalten mit der Arbellsleistung. Es müsse endlich mit der Unsitte gebrochen werden, daß ein Polier einen so großen Bauabschnitt übernimmt, den er gor Nicht mehr vorschriftsmäßig überwachen kann. Der Polier wird für alle Unglücksfälle und ähnliche vorkommnifs« zur Verantwortung gezogen, ohne daß danach gefragt wird, ob er einen großen oder kleinen Bauteil zu werwochen hatte. E» müsse in allen solchen Fällen die Einstellung ein» zweiten oder dritten Polier» bzw. Schachtmeister» verlangt werden und zwar nicht nur im Interesse einer wirklich verantwortlichen Bauüber- wachung, sondern auch im Interesse der arbeitslosen Berufs- angehörigen. Bon der Lohnforderung dürfe gleichfalls nicht ab- gegangen werden, nur müsse es der Lohnkommission überlassen bleiben, sie zu einem günstigeren Zeitpunkt erneut vorzubringen. Die Generalversammlung stimmte einmütig den Borschlägen des Genossen Fäsler zu und beauftragte ebenso einstimmig die Lohn- kommission mit der weiteren Wahrnehmung ihrer Interessen. „Einheitsfroni" mit Spaltung. Die„neue* Taktik der KpO. Merker ist weggestellt. Die„neuen' Handlanger Moskaus betonen die„Einhellsfront' mll den sozialdemokratischen Arbeitern. Wie aber sieht diese Einhellssront in der Praxis aus? Am 9. April ist in Essen ein„revoluttonär-oppositioneller' Bergarbeiter- verband gegründet worden, der sich vorläufig im Weltmaßstabe aller- dings erst auf zwei Ruhrdörfer„ausdehnt'. Die Kommunisten haben aiso zur Wiederherstellung der gewerk- schaftlichen..Einheitsfront'— zur Bekämpfung einer freien Organi- fation, nämlich des„Verbandes der Bergbau-Industriearbeiter'—. einen neuen Verband mll zum Teil abgeschriebenen,„reformi- stischen' Statuten gegründet. Hier liegt eine unbestreitbare Tatsach« vor. Di« Leute, die in ihrer Presse den Gewerkschaften täglich die Schuld der Gewerkschafts- fpaltung zuschieben, sind glatt entlarvt. „Moralischen Schutz' suchen diese Füchse hinter einer auch nicht mehr neuen Taktik. Sie haben vor, dem Vorstand des Verbandes der Bergbau-Industtiearbeiter Lssten der Ausgeschlossenen mll der Forderung der Wiederaufnahme bis zum 15. Mai einzureichen. Lehnt der B. d. Be I. A. die kollektive Aufnahme ab, so soll ihm die Spaltungsschuld zugeschoben werden. Der B. d. B. I. A. wird seine Tore den mit ausrichtiger Gewerkschastsgesinnung Zurück- kehrenden sicher nicht verschließen. Wer aber Mitglied einer freien Gewerkschaft werden will, kann es nur sein unter unbedingter Anerkennung der von der Generaloersammlung alz höchsten Verbandsinstanz geschaffenen Statuten. Beiriebsratewahlen bei der Reichspost. Die diesjirhrigen Beirtäbsrätewahlen bei der„Deutschen Reichs- post" gehen am 10., 11., und 12. Mai vor sich. Es sind zu wählen ein Zentralbetriebsrat mit 15 Mitgliedern, 45 Bezirks- betriebsräte mit 221 Mitgliedern und 1472 örtliche Betriebsräte mit 3953 Mitgliedern. Wahlberechtigt sind gut 100 000 Arbeiter. Zur Wahl des Jentralbetriebsrats sind fünf Dorschlags- listen eingereicht. In diesem Jahre beteiligen sich auch die „Kommunisten' und der„Verhand Deutscher Post- und Telegraphen- beamtinnen" zum erstenmal an der Wahl des Zentralbetriebsralz. Don den 15 Mitgliedern des jetzt amtierenden Zentrakbetriebs- rots gehören 11 dem Gefomtverband, Reichsabteilung All gemeineDeutschePo st gewerk schaft als Mitglied an. Die sreigewerkschaftlich organisierten Arbeiter der„Deutschen Reichspost' werden auch bei der bevorstehenden Wohl wieder dafür sorgen, daß dieser Wahltag zu einem Siegcstag der sreigewerkschasi- lichen Zdee wird. U ZZirchoirtraiikcnkao».?onn«rs'aq. 15H tkbr, DersamaUung aller W :■ Genossinnen unb Gih ollen bei Böttcher, Tovfstr. IS. Wichtige Tages- ö orbnung. Vollzähliges Erscheinen wirb erwartet. M Der �raltion.vorltand. 0 Bcjürkoamt jtrrngdcrg. NSchste Betriebsfraktionsjiwtng Donnerstag, c-j W so Uhr, hei Ewalb. L lolcher Str. 126. Tagesorbnung: 1.„Die Arbeits, ö Z losenversicherung unb hie Bekämpfung ber Arbeitslosigkeit'. Referent g W Genosse Karl Litke, M. b. R. Anschließe nb Aussprache. 2. Mitteilungen. W W Z. B-richiebenes. Der graltion»oorst»»b. W Dss Erich u. Graetz, Eltenstroße. Donner�ag, WA Uhr. bei Döhling, äi g Elsen str. 100, Ecke Kiesholgstraße, SPD.-Besprcchung. Das ParteimU- --- gliebsbuch ist mitzubringen. W ?1 SPD..graltion»»ersammlu»a ber Belle! buugsarbaiter, Mliale Berlin, j-Z � greitag. IS'j Uhr, Resibeiupgestsäle, Lanbsbergcr Str. 31. Tagesorb» 53 =3 nung: 1..Die Berhllltnisse in Rumänien". Referent Kollege August W Heitmann. 2. Stellungnahme zu ben Delegiertenwahlen ber Braun» i i rS schwciger Kasse zur 21. orbentlichen Generoloersammiunq unb Stellung W D von Anträgen»u bersctben. 3. Bcrschiebene». Der Uraktiousvorstonb. W kandes-Wohlsahrt,» und Jugendamt mit-ngelchloss-nen Anstalten. R Wi Freitag. 19 Uhr, Versammlung aller SBD.-Genossen hei Branbendnrg, 3 siss Stralauer Str. 3. Ecke Maisenstrasie. Referat bes Genossen Adolf Solz W ssZ llber„Bedeutung unb Aufgaben unserer Betriebsagitation". Znter» R Z essierti Genossen auch aus ben Bezirksämtern sind eingeladen. kW Deutlckee Holzarbeitcroerhanb. Bodenleger! Versammlung am Mittwoch, 7. Mai, 20 Uhr, im Bcrbanbshaus, Rungcstr. SO. �reieGewerkfchafiS'Iuqend Verlin Unsere Iugenbberawngssielle im Gewerkschaftshaus. Engelufer 24— 25, kZimmcr 26, ist jeben Mittwoch von lütb dis 20 Uhr geöffnet.— Heute, Mittwoch, WA Uhr, tagen bie Gruppen: Banmfchnlenweg: Jugendheim Ernslftr. 16. Seimbcfprcchung.— Zlordring: Jugendheim Schule Sonnendurgcr S'raße 20. Lichtbildervortrag:„Die Kirch« in der Karikatur".— Schönhauser Tor: Jugendheim Zchdenicker Str. 24—23. Heimbefprechung. Berbandsbuch- kontrolle.— Weihen!«: Gruvpenheim Weihcnfc«, Barkftr. 36. Heimbefprechung. — Rcuköllu: Gruppcnhcim Bcrgftr. 29, Hof. Heimbefprechung und Brettspiel» abend. Berbandsbuch und Heimausweis mitbringen.— Süden, Südwesten: Stäbt. Jugendheim Rorckstr. U sfZabrikgebäube).„Maigedenken."— fflug» Hafen: Jugendheim Neukölln, sslughafenstr. 68. Seimbesprechung. Mussk» abend.— Schöneberg: Jugendheim Hauptftr. IS. Heimbefprechung unb Lieder- abend.— Sonntag. 11. November, Besichtigung des Flughafens Tempelhof. Treffen um l03t Uhr vor dem Haupteingang. Teilnehmerkarten find in den Bezirkslugendgruppen zu haben. �.�uaenstnruppe desZenirolverbandeS der Anaestettten Heut«, Mi'twoch. folgende Beranstaltungen: Gesundbrunnen: Jugend- heim Orthftr. 10. part. Ausspracheabend:„Die Schädlichkeiten de» Alkohols und des Nikotins".— Nordost: Jugendheim Danzigcr Str. 6'. Baracke 3. Bortrag:„Lieber der Arbeit". Referent Theo Marct.— Osten: Jugendheim ber Schule Litauer Str. 18. Arbeitsgemeinschaf!:„Sozialismus". Referent Wilhelm Lewintki.— Schönhauser Vorstadt: Zugendheim ber Schule Kastanienallce 81. Dortrog:„Praktische Erziehungsarbeit in Struveshof". Referent Arlt, Erzieher in Struveshof(Erziehungsheims.— Stralau: Jugend» heim der Schule Gosiicrftr. 61. Bor'rag:»Ein Besuch bei Bata, dem tfchechi» säen Schuhfabriianten". Referent Kurt Krause.— Neukölln: Jugendheim Böhmische Str. 1— 4, Ecke Kanner Strafte. Wir besuchen die Versammlung des Werbebezirks.— Südest: fiugendhe�m Wrangelstr. 128. Vortrog:„Die De- werkschaltsbewegunq in Mittel» und Osteuropa". Referent Otto Lamm.— Spandau: Jugendheim L'i'd-nufer 1. Vortrag:„Es klingt im Sturm ein altes Lied", Rrferentin Dricdel Holl,,— Potsdam. Nowawcs: Zuge ndh erb erp« Nowames, Prirstirstrafte. Vortrag:„Moderne Reklame". Referent Heinz Mann. Bcrantwortlich sslr Politik: Dr. Gurt Seqer: Wirtschaft: G. ikliagclhöser: Gewerkschaftsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: K. H. DSfchee: Lokale» und Tonftiars Fei» KarNädt: Anzeigen: Tb, Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Borwärts-Veriag S. m d. H Berlin Druck: Vorwärls-Buchdruckeret und Verlagsonstalt Paul Singer u, Co, Bcrlin SW. 68, Lindcnstraft» 8, Hierzu 2 Beilagen. Das Gesundheifs- wasssr! Fxebiqger Fersandslelle, Berlin SW 11 Seböneberger Str. 16a. Tel. Llluow 8260-61 Ttr.ZiO* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 7. Mai 1930 Das schiefe Haus an der Fischerbrßcke. „■Schiefe* SfrtfjtrrfVl'cn weisen»tele Städte auf; Pisa mit feinem schiefen Turm ist dadurch weitbekannt; warum sollte unsere Aaterstadt zurückstehen? Zwar das Bauwerk, das wir in der Zeich- nunz zeigen, tritt rtich eben durch Meisterhastigkeit seiner Archtektur hervor, es wäre völlig unbekannt und unbeobachtet geblieben, wenn nicht eben seine„Schiefheit" wäre. Die ist allerdings so hervor- ragend, daß selbst der aufmerksam« Betrachter kaum noch einen geraden Balken entdecken kann. Trotzdem ist das Gebäude bis auf den letzten Platz bewohnt, und seine Bewohner sollen sich recht wohl suhlen. Es hat jedenfalls mehrere Jahrhunderte siegreich überstanden, und anscheinend hat die Baupolizei gegen sein« Existenz nichts ein- zuwenden. Zwar der Schriftsteller Barnberger, durch dessen Sorm- tagsführungen durch W-Berlin(veranstaltet vom Bezirksamt Schöneberg ab 10.30 Uhr Spittelmartt) wir das chaus kennenlernten, warnt in seiner launigen Werse sein« Zuhörer vor Betreten des Hauses; aber alle folgen ihrem Führer auf den Hof eben im Ber- trauen auf die Behörde, die sogar ein Bewohnen zuläßt, können sich dann allerdings eines gewissen ängstlichen Gefühls nicht er» wehren.„Die Kiste sieht doch zu wackelig aus." Die ersten Stützen, das große stützende Andreaskreuz, das, wie die Zeichmrng zeigt, den in den Hof hrneiitragenden Giebel hält, bekam das Haus bereits vor 140 Iahren, also etwa zur Zeit der Franzö- fischen Revolution. Was hat fa ein altes Gemäuer alles erlebt! Zwei weitere Stützen wurden notwendig, die schützende Dachpappen- fiekleidung hängt in Fetzen herunter. Schließlich kam ein genialer Schlosser aus die glänzende Idee, durch zwei Eisenstangen den weg- sackenden Giebel an den Hauptteil zu ketten. In der Mitte erhielten die Stangen ein Gewinde, und durch cm« Schraube, die nachgezogen werden kann, wird die nötige Spannung erzeugt. Auch die Fassade zur Straße„An der Fischerbrücke" zu, macht einen mehr alz alter- tümlichen Eindruck, der Putz will absolut nicht mehr am Mauer- werk haften. Aber sonst ist die moderne Zett mit ihrer Hygiene eingezogen. Die Toiletten sind zwar in einem Holzschuppen auf dein Hof, haben aber Wasserspülung. Und so wird das alte Gemäuer, nun schon„historisch" geworden, hoffentlich erhalten. Es ist eben doch mehr als altes Gerumpel, macht es doch wie kaum ein onderez die Entwicklung Berlins zur Weltstadt deutlich. Vor 140 Jahren wurde die erste Stutze angebracht. Aaiionalsozialistische Gemeinheiten. Verleumdungen unter dem Schuhe der Immunität. Wir berichteten ausführlich über den feigen Feuerüber» fall Berliner Hakenkreuzler aus Angehörige des Reichs- b anner? Schwarz-Rvt-Gold m Röntgental am 5. Mörz dieses Jahres, bei dem der völlig unbeteiligt«, den Kommunisten nahestehende Arbeiter Kubvm beim Bersasson einer Mieterversammlung durch einen Schuß getötet und drei Angehörige des Reichsbanners durch Schüsse verletzt wurden. Die eingehenden polizeilichen Ermittlungen haben einwandfrei ergeben, daß der Zusammenstoß von den ausdrücklich aus Berlin.zu diesem Zweck herbeigerufenen nationalsozialistischen Derstärkungs-- trupps provoziert wurde, und daß die Schüsse nur von den Nationalsozialisten abgegeben worden sein können. Mit einer nicht mehr zu überbietenden Frechheit sucht der von dem Rcichstagsabgeordneten Strasser herausgegebene„Nationalsozialist" dem Reichsbanner die Blutschuld zuzuschieben. Nach der wahrheits- widrigen Darstellung des Blattes soll der Reichsbannerkamerad Genosse Fleck am Z. März in Röntgental einen Ueberfall von Reichs- bannerleuten auf Hakenkreuzler inszeniert haben. Fleck sei deshalb verhaftet worden, die Hakenkreuzler aber feien sämtlich unschuldig. Tatsache ist, daß Fleck niemals verhaftet oder vorläufig sestgenawmen oder auch nur verhört worden ist. Das Strasser-Blatt selbst gibt zu, daß der Zusammenstoß vor den, BersanmÄungslotal des Reichsbanners stattfand. Zur Bemäntelung des Umstand«, daß nur Gegner der Hakenkreuzler durch Schüsse zu Schaden kamen, versteigt es sich zu der unsinnigen Behauptung, daß die Reichsbanner- leute sich gegenseitig beschossen hätten. Der kommende Prozeß wird hoffentlich volle Warhcit über die wahren Schuldigen bringen._ Kampf den Nazis! Der Ortsverein Tiergarten des Reichs- banners Schwarz-Rvt-Gold veranstaltet am heutigen Mittwoch, dem 7. Mai. 20 Uhr, in den Arminiushallen, B renter Straße 72—73, eine öffentliche Bcrsammiung mit dem Thema: Kampf den Nazis! Es spricht Reichstagsabgeord- neter Kamerad W e st p h a l. Eintritt 20 Pig. Erwerbslose Mit- glieber republikanischer Parteien oder Berbäitde frei! Der Spiel- inannszug Tiergarten spielt vorher von 13.30 Uhr bis 20 Uhr auf dem Zftminiusplatz. Erscheint m Massen! Sprechchor für Proletarische Feierstunden. D>« Ucbungsstunde findet in dieser Wo6)e nickst an, Donnerstag, fondern am Freitag statt. Es wird für die Soniuveiidfeier geübt. Erdbeben fordert 6000 Tote! Eine Stadt völlig zerstört.— Religiöse Demonstrationen. L v ud v», 6. Mai.(Mgenbericht.) a>« Erdbebenkatastrophe in Indien soll nach den hier vorliegenden Berichten annähernd 6V00 Todesopfer gefordert haben. Der größte Teil der Opfer ist in Pegn zu verzeichnen, einer Stadt von etwas über 11000 Einwohnern, die vollständig zerstört worden ist. I« Rangoo« wurde die Wendagoopagode. eines der siebe» Weltwunder, die in, sechsten Fahr hundert erbaut wurde und deren Kuppel aus reine u» Gold besteht, schwer beschädigt.— Der indische« Be Völkern ng hat fich angesichts der Katastrophe eine awßerordentliche Erregung bewSchtigt, die zu neuen Zwischenfällen und Zusammenstößen beitragen kann. Da die Verbindungen mit Rangoon unterbrochen sind, liegen keine genauen Einzelheiten Über das Unglück vor, doch ergibt sich aus den verschiedenen indirekten Meldungen etwa folgendes Bild; Ans die Erdstöße folgte eine Springflut und der Ausbruch von Feuer. Pegu ist völlig vernichtet. Rangoon hat zum Teil sehr schwer gelitten. Etwa 30 Gebäude wurden zerstört; die weltberühmte Schwe Dagon Pagode wurde beschädigt. Dem Hauptbeben ging «ine Anzahl kleinerer Erderschütterungen voraus. Di« große Eisenbahnbrück«.? Kilometer nördlich von Pegu auf der Hauptfiuis nach Mandalay wurde zerstört. Die indischen Extremssten. die in dem Erdbeben eine Strafe für die Verhaftung Gandhis selten, haben in Rm�oon große refigiösc Demo nftrati oiten abgehalten. 700 Arbeiter durch Feuersbrunst arbeitslos. Brandlatastrophe in Amerika. Rem Dort. 6. Mai.(Eigenbericht.) Eiue Braudkatastrophe in Rafhuaia(Rew-Hampshice) führt« zur Zerstörung«km 260 Gebäuden. Vau der Katastrophe sind haupssächlich Arbeiter betroffen, die an dem obge- brunuleu Stadtteil ansässig und nur natdürstig versichert waren. Der Bürgermeister der Stadl hat einen Aufruf zur Unterstützung der Nokleidenden erlassen. 7 00 Arbeiter wurden durch die Kata- strophc arbeitslos. Opfer der Spielleidenschast. Selbstmord eines Berliners in Zoppoi. D a n z i g. Mai. Der aus Berlin-Eharlolleuburg stammende bZjährige Dr. jur. Ewald Z o h n k e hat sich in Zoppak in den Anlagen der Mlhclm straße durch einen SchußindenMundgekölet. Der Gruvd zu der unglückseligen Tat liegt in den zerrültÄcn Familienverhätt- nisten. Frau Zohnke ist eifrige Bcsucherin des Zoppatcr Spielklub« und befand sich, als mau ihr die Nachricht vom Selbstmord ihr« Mannes überbringen wollte, gerade am Spieltisch. Der kuastsonds der Stadt Berlin. Eine Korrespondenz verbreitet die Nachricht, die Stadt Berlin habe sich infolge der sinan- ziellen Notlage gezwungen gesehen, im neuen Haushaltsplan den Kunstsonds völlig zu streichelt. Diese Meldung entspricht nicht den Tatsachen. Der Magistrat hat in dem Etatentwurs lediglich «ine Herabsetzung des Postens zum Ankauf von Kunstwerken von 400 000 M. aus 300 000 M. vorgesehen. Di« Deputation hat sich mst der Vorlage noch nicht beschäftigt. „Ich versichere Ihnen, daß Herr Rist bei voller Vernunft ist. Das find alles nur diese vermaledeiten Zeitungsartikel." „Ist das wirklich wahr? Oder wollen Sie mich nur trösten? Ich muß alles erfahre», ich bin ja doch die einzige, die wirklich ein Anrecht darauf hat. Sprechen Sie, erzählen Sie. ich flehe Sie an darum! Leidet er jetzt wirklich an schwerer Tuberkulose?"' „Keine Spur. Das ist ja alles Unsinn." „Und er darbt auch nuht? Und er hungert nicht?" „Wenn Sie allen Quatsch glauben, der in Dagens Ryheder steht, dann ist Ihnen nicht zu helfen, Fräulein Sandel. Glauben Sie wirklich, daß ich meine Häftlinge ver- schmachten lasse? Dann fragen Sie mich doch bitte auch, ob ich wirklich von geradezu sadistischer Grausamkeit bin, wie Fräulein Hosting sich auszudrücken beliebt." „Wer ist Fräulein Hasting?" „Die Korrespondentin von Dagens Nyheder. Haben Sie denn nicht gelesen? B. H. Das ist Birgit Hasting, immer wieder nur Birgit Hasting." ..Ach— dann meinen Sie, daß Dagens Nyheder nicht ganz die Wahrheit sprechen?" „Ja, das meine ich." „Dann— ja dann— dann entschuldigen Sie bitte, ich möchte Ihnen Ihre kostbare Zeit nicht länger rauben— ich glaube Ihnen, daß mein Bräutigam nicht wahnsinnig ist und nicht schwindsüchtig— nehmen Sie mir bitte ein M'ß- trauen nicht übel— und grüßen Sie meinen Bräutigam— und dann fahre ich wieder nach Hause." „Halt, holt, liebes Fräulein, so schnell geht das nicht. Was fällt Ihnen ein, gleich wieder davonzulaufen! Sie wallten doch Ihren Bräutigam eben erst noch befreien" „Ja. aber ich glaube Ihnen. Sie sind sicher nicht von geradezu sadistischer Grausamkeit. Ich sehe es Ihnen an. fgie werden sein« Unschuld sicher auch ohne wich herausfinden. Entschuldigen Sie also mochmols und besten Dank und auf Wiedersehen?" »Halt, hall, find Sie dam ganz des Teufels. Ich werde Si« jetzt doch nicht einfach wieder davonlaufen lassen.'Nein, nein, Fräulein Sandel, das gibt es nicht. Sie wollten uns doch dringliche Mitteilungen machen. Sollten diese Mit- teilungen sich nur auf«inen wahnsinnigen und tuberkulösen Bräutigam beziehen und bei einem normalen und gesunden keine Geltung mehr haben?" „Ja." „Fräulein Sandel, Sie haben sich selbst freiwillig zu einer Aussage gemeldet. Ich werde Sie jetzt etwas fragen und Sie haben mir darauf zu antworten: Halten Sie Ihren Bräutigam für unschuldig oder nicht?" „Mein Bräutigam hat mir Treue geschworen, und ein Mann wie mein Bräutigam bricht seine Schwüre nicht." „Wenn ich aber hier, sehen Sie, in diesem Aktenbündel mehrere Aussagen von verschiedenen Frauen habe, daß er sie oerführt, belogen, überfallen und Gott weiß was noch hat— es tut mir leid, Ihnen das mitteilen zu müssen— was sagen Sie dann dazu?" ,T)aß es nicht wahr ist." „Das ist eine etwas einfache Erklärung." „Alle diese Frauen sind böse, daß er sich nichts aus Ihnen gemacht hat. Alle diese Frauen lügen. Ich allem, ich kenne meinen Bräutigam. Er ist so zart, daß er es kaum gewagt hat, mich zu küssen. Kann ich jetzt gehen?" „Nein, zum Donnerwetter! Setzen Sie sich, setzen Sie sich sofort wieder hin." „Was wollen Sie denn noch von mir?" „Ich will, daß Sie dableiben, daß Sie solange dableiben, bis es mir gelungen ist, Torben Rist aus einem Gespenster- gewebe von Lügen und Verleumdungen zu befreien. Ich w'll. daß Sie mir dabei helfen. Verstanden! Schon hat sich einiges, was gänzlich unerklärlich schien, aufgehellt. Vielleicht gelingt es uns. Licht in die Sache zu bringen. Sie können jetzt nicht einfach davonlaufen. Sie müssen mir helfen, seine Unschuld zu beweisen. Ich muß nur rasch noch dieses Tele- gramm durchlesen. Entschuldigen Sie einen Augenblick, dann sprechen wir weiter—" „Fräulein Maria Sandel, so leid es mir tut, ich sehe mich gezwungen, Sie im Auftrage der Polizeidirettion von Oslo m Haft zu nehmen. Sie sind dringend verdächtigt, mit ihrem Bräutigam, dem Bankdefraudanten Tharwald Stirrs im Bunbe zu sein und Norwegen fluchtartig verlassen zu haben." Das Protokoll wird abgebrochen. Kgl. Amtsgericht Sändrup, 15. Juli 1929. gez. H. G. Iatobieu. Radiogramin. richter jakobfen sändrup amtsgericht abgängig fett vierzehnten dieses maria sgndel stop reist unter paß auf sandel stop blond zöpfe dreiundzwanzig jähre besondere Merkzeichen keine mittelgroß stop dringend ver- dächtig Mitwisserschaft an bankdefraudation stop erbitten wenn möglich sofortige Verhaftung stop torben rist nach Photos sicher identisch mit thorwald stirre stop bantdefrau- dant aus oslo stop bräutigam der sandel stop vermitten sandel sändrup stop erbitten auslieferung stirre sandel stvp Polizeidirektion oslo. Protokoll aufgenommen mii dem TJntersuehu.net gefangenen Torben Rist, rede Thorvald Bürre. „Herr Thorwald Stirre. ich habe Ihnen mitzuteilen, daß die Polizeidirektion Oslo Ihre Auslieferung von uns ver- langt hat." ,L> Gott, o Gott!" .„Herr Stirre, Ihre Braut Maria Sandel ist vor wenigen Minuten ebenfalls auf Aufforderung der Palizeidircktion Oslo van mir in Haft genommen worden." „Sie ist unschuldig. Sie hatte von nichts eine Ahnung. Ich schwöre es bei meiner Liebe zu ihr. Aber was soll denn das alles heißen? Wo bin ich denn? Und wie konnten Sie Maria in Hast nehmen?" „Sie war hergereist, um Ihnen zu Hilfe zu eilen." „Sie ist hier? Hier in diesem Hause? Herr Untersuchimgs- richter, ich flehe Sie an, ich will alles gestehen, alles, alles, ich habe genug gelitten, ich— ich— lassen Sie mich Maria sehen, lassen Sie sie mir sprechen, ein paar Worte nur, o Gott, was wird sie von mtr denken." „Ihre Braitt ist von Ihrer Unschuld— ich meine natür lich wir van Ihrer Unschuld auf der Insel überzeugt, Her,: Rist— Herr Stirre. Weinen Sie doch nicht. Sie sind ja ein Mann. Sie können doch nicht so fürchterlich wckinen. Ich werde Sie mst Fräulein Sandel zusammenführen, sowie unser Protokoll hier zu Ende ist. Ich muß dann sofort mtt Oslo telephonieren. Also nehmen Sie sich zusanrmen." „Diese Schande, diese entsetzliche Scliande!" .�tetzt passen Sie auf. Sie müssen mir nur ein paar Fragen beantworten, dam, können Sie mit Ihrer Braut sprechen, natürlich nicht allein, sondern im Beisein einer Amtsperson. Weinen Sie nicht so jämmerlich. Ich kann das nicht aushalten" (Fortsetzung folgt.) Flegel, aber nicht Volksvertreter. Knh Lange gestäupt.— Kommunisten beanspruchen Gonderrechte. Der kommunistische Stadlverordnele Arth Lange Halle in der Neuköllner Dezirksoersammlung vom 29. 3a- nuct sürchlerlichen Radau gemacht, weil ein krimiualbeamler aus der Pressetribüne weilen sollte. Als der Bezirksverord- nelenvorsteher Joses Arndt die Sitzung unterbrach und den Saal verlassen wollte, nahm Lange die Glocke des Dorstehers und warf sie Arndt mit den Worten nach:„Nehmen Sie dos Zeichen ihrer würde nur gleich mit!" wegen dieser Beleidigung muhte sich Lange am Dimstagvormittag vor dem Amtsgericht Neukölln verantworten. Bezirksverordnetenvorsteher Arndt war als Nebenkläger zuge» lassen. Lange hielt wieder lange Reden und warf Arndl vor, die Geschäftsordnung durchbrochen zu haben. Das hätte ihn in so große Erregung gebracht. Auf Zwischenfragen gab Lange zu, daß sich zwar die Kommunisten das Recht nähmen, die Gefchäftsord» nung nicht zu beachten, daß sie aber von allen anderen Fraktionen die Befolgung der Geschäftsordnung oerlangen müßten. Dieser komische Standpunkt erregte Heiterkeit. Im übrigen konnte der Bezirksverordnetenvorsteher Arndt nachweisen, daß die Bor- würfe Langes nicht zutreffen. Der Staatsanwalt beantragte«ine Geldstrafe von 200 M. Der Rechtsanwalt des Nebenklägers, Sieg- fried Weinberg, betonte in seinem Plädoyer, daß Herrn Lange endlich einmal die Lust genommen werden müsse, sich derart rabiat zu benehmen. Der Verteidiger Langes, Rechtsanwalt Löwenthal, verstieg sich, als daran erinnert wurde, daß Lange auch dem Volks- parteiler Falz ein Tintenfaß an den Kopf geworfen hatte, zu der unglaublichen Geschmacklosigkeit:„Soll man gleich Handgranaten nehmen? Die Zeit ist noch nicht da!" Das Gericht erkannte schließlich auf eine Geldstrafe von 150 M., im Nichtbcitreibungsfalle 15 Tage Gefängnis. Außerdem wuro« dem Nebenkläger die Befugnis zugestanden, das Urteil nach Rechts- kraft im„Vorwärts" und„Neuköllner Tageblatt" zu vcröffent- lichen. Auch Kommunist Weise verurieilt. Am gleichen Tage wurde auch gegen den Kommunisten Weise wegen grober Beschimpfung des Stadtverordnetenvorstehers Arndt verhandelt. In der gleichen Sitzung, in der Lange dem Vorsteher die Glocke nachwarf, hatte Weife Arndt als„erbärmlichen Lügner" bezeichnet. Als die Kommunisten ihren Radau veranstalteten, weil auf der Pressetribüne ein Kriminalbeamter sei, hatte der Bezirks- verordnetenoorsteher auf Befragen erklärt, daß ihm davon nichts bekannt sei. Der Kommunist Weise glaubte dem Borsteher nicht und rief ihm zu:„Sie sind ein erbärmlicher Lügner." Bezirksoer- ordnetenoorfteher Arndt gab in seiner Zeugenaussage eine genaue Darstellung der Vorgänge. Die Karten zu den Tribünen werden zum großen Teil über die Fraktionen ausgegeben: ihm fehle jede Kontrolle, wer im Besitz von Tribünenkarten sei. Er konnte also unmöglich wissen, daß, wie es sich nachträglich herausgestellt Hobe, ein Stadtverordneter tatsächlich einem Kriminalbeamten eine Tri- bünenkarte verabfolgt hatte. Da die Pressetribüne von der übrigen nicht scharf abgegrenzt ist und auch kein« besonder« Kontrolle sür die Pressetribüne stattfindet, ist es immer möglich, daß dort auch Tribünenbesucher sitzen. Nach dieser Darstellung, die auch unterstützt wurde durch eine Reihe Zeugenaussagen, beantragte der Staatsan- walt gegen Weise ein« Freiheitsstrafe von 3 Wochen. Das Gericht erkannte auf 150 M. Geldstrafe oder 15 Tage Gefängnis. : der Vorsteher des zuständigen Reviers, als er einen kommunistischen Demonstranten feststellen wollte, von etwa 20 bis 30 Kommunisten, die zum großen Teil die Uniform der Roten Frontkämpfer trugen, übersallen und niedergeschlagen. Der Beamte erlitt glücklicherweise nur leichte Kopsverletzungen, so daß er seinen Dienst weiter versehen konnte. Das alarmierte lieber- fallkommando schritt ein und nahm eine Durchsuchung des kommu- nfftischen Bcrkehrslokals am Koppenplatz vor. Die Suche nach den Tätern oerlief jedoch ergebnislos. Raucherzähne. Die Speziallonstruktion der Eblorodont-Zahnbllrst- ermöglicht das Reinigen und Weißputzeil der Zähne auch an den Seitenflächen. Nur echt in blcm-weiß-grüner Originalpackung in allen Chlorodont-Verkaussstelleiu Einsendungen für diese Rubrik sind >« r I i» SB 68, LiadenKratze Z. parieinachnchim��� fürGroß-Berlin stet» an da» Brz'rkssrkrrteriai 2. Hos, 2 Treppe» rechts, zu richte». 14.»reis Neukölln.?on»crzlag, S. Mai, 19H Abr, Eiimng des erweiterten Vorstandes mit allen Abteilungsleitern im Parteibüro. Heuic, Mittwoch, 7. Mai. !Z. Abt. Alle Genossen, die schulpflichtige Kinder haben, sehen die Listen zur Slternbeiratsioahl ei». 127. Abt. Hohenschönhausen. 20 Uhr im Lokal ssiebc Dorslonds- und ssunk. tionärsttzung. Lerhindertc Kenasien werden ersucht, sich wegen der wich» tigen Tagesordnung zu entschuldigen. Morgen, Donnerstag. 8. Mai. 4. Abt. l»>; Uhr Funktionarsitiung bei Brandis, Stralaucr Str. Ul. b. Asrt. 20 Uhr bei Lehmann, Bartclltr. 7, siunktionärsittung. 20. Abt. 20 Uhr(nicht am 12. Mai) bei Pose, Lolonicstr. IS, ssunktsonilr- sihung. 27. Abt. lS>4 Uhr ssunktioniirsihung mit den Elternbeiräten im Sport. restaurant Osvalski, Kantianstraße. 8t. Abt. Igst Uhr ssunktivnärntznng bei Loiock, Bcnmcstr. 8. ZS. Abt. 19'? Uhr bei Busch. Tilstter Str. 27, Funktionärsitzung. 46. Abt. 20 Uhr Sitzung der Elternbeiräte bei Sclnltowlki, Wrangelftr. 67. Alle Genossen, deren Kinder in den Schulen Dörlitzcr Strohe und Görlitzer Ufer Un»erricht haben, sowie alle Bezirksfiihrer und interessierten Sc. Nossen sind dazu eingeladen. IXZ. Abt. Oberschönewridc. i!>>7 Uhr bei Winklcr, Wilhelminenhofstr. S2d, Funktionärsitznng. Auch die Gewerkschaftsfunktionäre müssen erscheinen. Lichtenberg. 114. Abt. 1914 Uhr Vorstands» und Funktionärsitzung bei Schwarzer, Kobricl.Mar.»Str. 17.— IIS. Abt. 19'� Uhr bei Radtke, Müggel- Ecke Scharnweberstraße, Funktionärsitzung.— 118. Abt. 29 Uhr bei Ludwig, Prinz«, all«, ousnahmeweis« Funktionärsitzung. Wichtig« Tagesoidnung.— US. Abt. 20 Uhr bei Dartz, Möllendorfstrahe, Funk- tionärsitzung. Besondere Einladungen erfolgen nicht. Zreikag. den 3. Mai. 99. Abt. Britz. Buckow. 1g?j Ubr Becker, Ehausseestr. 97, Funktionärsitzung. Alle Beziriskassicrer und Unterkassierer müssen restlos vertreten sein. Arauenveranstaltungen. Aus Ansorderungcn können Abtriluugsleitcrinae» Gastkarte» zum Bezirk»- sroucntag im Fraucnscirrtariat. Lindenstr. 8, 2. Hof, 2 Treppen, erhalte». Durchschuittlich entfallen aus jede Abteilung drei bis vier Kartcu. * Borzugsbons für da» Theaterstück„h 218" im Wallnerthcater sind wieder bei den Kreisleiterinncn und im Frouensckrctariat, Lindenstr. 8, erhältlich. Sviclzeit voraussichtlich bis zum 20. Mai. Am 11. und 14. Mai findet kein Vorverkauf mehr statt. 4- 2. Krei, Tiergarten. Donnerstag. 8. Mai, Besichtigung der Konsumgcnosscn. fchaft, Lichtenberg, Rittergutstrahe. Treffpunkt um 9 Uhr vor dem Haupt- gebäude. Auch Nichtmitglikder sind herzlich eingeladen. 9. Abt. Donnerstag. 8. Mai. Besichtigung der Konsumgenossenschaft, Lichtenberg. Rittergutstraße. Treffpunkt pünktlich vor dem Hauvtgcbände. 17. Abt. Freitag, 9. Mai, um IZsh Uhr, bei Dose, Nordhafen 6, wichtige Funktionär,»nensitzung. 74. AM. siehlendors. Umständehalber findet der Frauenabrnj» erst am IS. Mai statt. Nähere Einladungen erfolgen. 10Z. Abt. ObcrsckS-eweide. Die Genossinnen treffen sich zum Besuch de» Wallnertbeatcrs, ,.§ 218", am Freitag, 9. Mai, um 19 Uhr Hauptbahnhof Schönewcide 166. Abt. Johannisthal. Die Genossinnen treffen sich Mittwoch, 7. Mai, zum Besuch des Wallncrthcatcrs, ,§ 218", um 19' i Uhr vor dem Theater. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrl. 7. ftreis Chailottenburq. Die Aktenbesprechung am Freitag, 9. Mai, fällt au«. Sie findct t�afür am Donnerstag, ts. Mai. 19% Ilhr, im Nathaus, Finrmcr 140. statt. Anschließend daran Vortrag über„Pflegekinder". Um voll- »ähliges und pünktliches Erscheinen wird gebeten. Iungsozialisten. Gruppe Neukölln! Heute. Mittwoch. 7. Mai, 20 Uhr, Jugendheim Treptower Strafte 98—96. Kruppenabend mit Vortrag. Gruppe Pankow: Am Mittwoch, 7. Mai, 18$i Uhr, Pankow. Nordbahnhof, Treklpunkt zum Besuch von 218". Werbebezirl Westen: Morgen, Donnerstag, veranstaltet die Gruppe Spandau im Jugendheim Lindenufer 1 einen Filmabend:.Slam, im Lande des weiften Elefanten". Deginn 19', tz Uhr. Die Genossen werden gebeten, zahl- reich daran teilzunehmen. Arbeitsgemeinschaft der Kindersreunde. 125.. Abt. Weihtnse«. Vir hierdurch'alle B«rteip?i?ofscrr ein. sich nnsrrrr hente abend sta�findcnd�n W?rde-verartstat'Nlng»u brteilig�n. Wir treffen uns um 17'-: Uhr.zum Gerbeumzug an der Prenzlauer Promenade und(bus'.ov.Adols-Straöe. Anschließend, um l!»* Uhr, Saalvcranstaltung im Lnzeum Pistoriusstraße. Wir zeigen u. a. den Film..Ohne Auto durch Afrika". Eintritt frei. Partcigeno!1>n, sorgt für eine gute Beteiligung und kommt selbst mir Frau und Kind, denn auch alle Kinder sollen fick) daran beteiligen. Gäste und deren Kinder nehmen ebenfalls an dem Umzug te*. Parteigenossen, übt Solidarität!—?lkht"ng. Eltern! Heute abend 17' 2 Ubr findet unser Werbe» innzug mit anschließender Saalveranstaltung statt. Die Beteiligung aller Eltern und Kinder ist Pflicht. Gäste mit Kindern willkommen. Morgen� Donnerstag, treffen wir uns um 17 Uhr an der Planschwiese zum gemein- semen Spielen mit Hohenschönhausen. funWsvZre der ArbelterwoWIafiit Försorger(Innen)! Freitag, den 16. Mai, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses Königstraße. Vortrag des Genossen Stadtrat Walther Friedländer über Soziale ausfolrtmen der spaniiaßntten mit anschließender Diskussion.— Eintritt nur gegen Vorzeigung des lunkiionärausweises der Arbeiterwohitahrt, für die Fürsorger(innen) soweit sie nicht Funktionäre sind, ist der Ausweis das Parteibuch. Besoiidere Einladoogen ergeben nicki. Saelöfinnng 20 Uhr HohcnschSnhensen: Wir. gehen heute nach Weiftensee zun Werbeveransialtnng. Treffen Siedlung, lOVt Uhr. Hohenschönhausen: Frcienwalder Ecke Berliner Strafte um 16?j Uhr. Alle müssen mitkommen. Are!» Prenzlauer Berg: Die Untcrsudzunge» für Zeltlager Schweiz und Sylt finden an den Montagen nnd Freitagen der solgebden ,7 Wochen von 11 bis 13 Uhr in der Schule Eberswvldcr Strafte statt(Schularzt Dr. Liptan). Mon. tags Hort und Gruppe Freiheit, Freitags Gruppe Viktor Adler nnd Gruppe Friedrid) Ebcrt. 1. Woche Lungfalken, 2, Woche Ncstfaiken, 3. Woche Rote Falken. krei» Friedrichshein: Heute. Mittwoch, spielen olle Gruppen aus der Weberwiese. Donnerstag spielen alle Gruppen ans dem Andreasplatz von 18 bis 19 Uhr. kreis Neukölln: Arbeitsstunde. Morgen. Donnerstag. 8. Mai, in der Baracke Gonghofcrstrafte. Alle Gruppen holen das Material für das sfelh lager ab. Sammellisten, Bausteine, Postkarten. Berich'e von den Osterfahrten und Tcilnchmerlistcn für das Schweizer Lager müssen abgegeben werden. Weiterhin ist Mcldetcrmin für die Helferfahrt am 10. und 11. Mai. Mitte: Alle Helfer, die ins Zeltlager fahren, treffen sich heut« abend um 20 Ubr im Jugendheim Waifenstr. 18(hinteres Zimmer) zu einer Sitzung. Sämtliches Material sowie Anmeldelisten nfw. ist mitzubringen. Gruppe Landsberger Platz: Heute. Mittwoch, trifft sich die Gruppe 17>b Uhr Fallenecke. Wir spielen ans der Wcbcrwiese. Spielen ans dem Sportplatz fällt aus. Morgen, Donnerstag, Treffen der Gruppe IVA Uhr Falkcnecke. Der Gruppenabend fällt aus. Wir spielen auf dem Andrcasplatz. Geburtskage, Jubiläen usw. 7. Abt. Wir gratuliere» beu Genossen Stadtke, Ackeesir. 1Z, zu seinem 70. Geburtstag oufs herzlichste. 67. Abt. Grunewald. Unserer langjährigen Senossi» G«n» Stock, Bczirisverorduetc, zu ihrem heutigen 69. Geburtstag« die herzlichsten Glück- wünsch«. Sterbetafel per Groß- Berliner Partei» Organisation 66. Abt. Eharlottenburg. Unser Genosse Theodor Winter, Rönne- strafte 14. ist verstarhen. Ehre seinem Andenken! Einäscherung am Donner». tag. 8. Mai, 10!o Uhr, im Krematorium Wilmersdorf. Wir bitten um reg« Beteiligung. 90. Abt. Neukölln. Am 3. Mai verstarb unsere langjährige Genossin Paulin« Baatz. Idcalpassage 18. Ehre ihrem Andenken! Einäscherung am Donnerstag, 8. Mai, um 161h Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Wir bitten um rege Beteiligung. 128./130. Abt. Pankow. Unser Genosse Franz Slingbeik. Rordbahn- straft« 2, ist am 2. Mai verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung am 9. Mai. 18 Uhr, im Krematorium Gerichfftraftc. sunßw/n Der Deutschlandsender übernahm aus Leipzig„Magnet P o 1", sechs Szenen van Arno Schirokauer mit einer illustra- tiven Musik von Hermann Ambrosius. Diese und die gestraffte Aufführung faßten das Spiel zusammen. In einer Mischung von breit dahinfließenden Sätzen— zum Teil wohl aus Niederschristen der Polarforscher zitiert— und sprachlichem Expressionismus will es «ine Vision der Nordpol fehnsucht geben; doch es gelingt Schirokauer nur auf Augenblicke, die Atmosphäre dieser geheimnis- vollen Anziehungskraft, die die Menschen immer wieder in den eisigen Tod trieb, heraufzubeschwören.— Der um K20 Uhr im Berliner Sender beginnende Tanzabend des Fred Bird-Orchesters wurde in seiner Programmzusammenstcllung dem verschiedensten Tanzgcsd)mack gerecht und dürfte daher den Beisall zahlreicher Hörer gefunden haben.— In der Jugendstunde erzählte Hans K a f f k a von Luther Burbank, den im Jahre 1926 verstorbenen Er- finder neuer Pflanzen. Der Vortrag nahm leider gar keine Rücksicht aus die jugendlichen Hörer. Burbank mit seiner verhexten Pflanzen- weit, der er Entstehungs- und Entwicklungsgesetze der Natur zum Trotz vorzuschreiben schien— das wäre Stoff für eine spannende, sarbenfrotje Erzählung gewesen. Kasska begnügte sich mit einer populär-wissenschastlichen Abhandlung, die er zum Schluß, noch dazu im Eilzugstempo, herunterlas: er hätte lieber auf die wortgetreue Wiedergabe verzichten sollen. Ics. Sport. Rennen zu Grunewald em Dienstag, dem 6. Mai. 1. Nenne n. 1. HerodiaS(Printen). 2. Gerolstein, 3. Puppenspiele�. Toto: 103:10. Mitzi'37, 16:10. Ferner ltefen: Rotbuche, Tramonto, HerodeS. 2. R e n n e n. 1. Fcrnlänber(O. Schmidt). 2. Fürstenbrauch, 3. Ledon. Toto: 45:10. Platz: 16, 19, 16:10. Ferner liejen: Faretra, Anskar, Pale, Pronto. 3. Rennen. 1. Laolfe(Hugneniv), 2. Princeh Mascha, 3. Schmclchlerw. Toto: 18:10. Platz: 15, 26:10. Ferner liefen: Tauperle, Servatrlx. 4. Rennen. 1. CsampaZ(H. Blume), 2. Palmicr!, 3. Lltlaiitii. Tolo: 44:10. Platz: 18, 24, 20:10. Ferner liefen: Mantegna, Irmin, Felix csto, Wanderer. 5. Rennen. 1. Dirulin(Ludwig). 2. MaximuZ, 3. Araber. Toto: 230:10. Platz: 36, 15, 21:10. Ferner liefen: Verena, Barbar, Dianlhu?, Iffezheim. 6. Rennen, 1. Garwhal(Derman), 2. Marketenderin, 3. Fasancii- henne. Toto: 268: 10. Platz: 40, 2l, 23:10. Ferner liefen: Versöhnung Till Eulenjpicgel, Hcrera, Asmena, Roxana, Sturmhaube, Römerin. 7. R e n n e n. 1. Habatuk cHugucnin), 2. Bcluga, 3. Lllienfee. Toto: 66:10. Platz: 22, 24, 29:10. Ferner liefen: Elias, Hochdruck, Morgenrot, Hagen, Rivlera, Donau, Marlitta(gef.), Jnnocenzia. Allgemeine Wetterlage. 6.MaM930 abds. 0iM!il(enios.O heirsr.Ohalbbedeckr »wolkig,•bsdeeki�RegeaAGraupeln Schnb&SNeiel.ltGewittecldWindslille welleraussichien für Verlin...Start wolkig bis bewölkt mit ein- zelnen Regen fällen. Temperaturenretwos niedriger.— Für Deutsch- land. Im Westen langsame Besserung ohne nennenswerte Tein- peraturänderung, im übrigen Reiche wolkig bis trübe, vielfach Regen- fälle, Temperaturen mit Ausnahme des Küstengebiets allgemein sinkend. Die 3ah».Zwilck>«aiä»m« als Sitz übelriechender Speisereste reinigt man zwcckmäftig mit einer eigens dafür konstruierten.ftahnbürste mit gczahntenl Borstcnschnitt. Die EHIoiodoni, Zahnbürste von höchster Qualität, die in zwei Härtegraden in hnaienischer blau-wcift.grüner Origiualpackuttg in den Stdouif gelangt, dürft« daher bestens zu empfehlen sein. Jeden Mittwoch Kindertag Schul hosen auswaschstoffcn...... 6S pf- Hemdblusen Gr............. I25 Waschsamtanzüge..Gr. 45-50 350 Waschanzüge blau/weiß gestr., Gr. 0 3®° Windjacken............. 375 Sch ulanzüge Gr, 7/9. haltb.Waschstoflfe 500 gwwwawifly Verkäufe Teppichhaa»«mit Leffore. Berlin. seit 1382 nur Oranicnstrafte 158. gab. lungserleichterung ohne Ausschlag. Neuer ka taloa kosten krei.______• Kochherd«. Kos. Kohle. Ofentüren, Ofenrohr. Wafchkessel, Waschnmfchincn, Abwaschtisch«. Wäscherollen. Teilzahlung, Eissdiränke, Badewannen. Oese», eiserne, jeder Art und Gröft« von 12.50 Mark. Amerikaner, irische Dauerbrand sanch für Säle bis nOOO Kubikwetcr), transportable Kachelofen. Di« alt- Spezialfabrik Semmler u. Bleu. berg A.-G.. Dresdenerstrofte 98—99.» Ob»« Anzahlung bi, 24 Monatsraten. Schlafzimmer. Küchen. Ankleideichranke Metalldettstcllcn, Ehaiselongues, Sota» Federdetter. Antel. Srofte Franksurier. strafte 34(S>rau»bergirplatz). Möbel ob»« Anzahlung bei ffUtsi- sristigstcr Ratenzahlung und gröfticr Rückst du nähme. Komplette Wohnung». einrichtnngen wie and) einzelne Möbelstücke. Freie Liescrung. Möbel-Eohn. Gräfte Frankfurter Strafte 78, Bad- strafte 47—48. Kottbusscr Damm 77. Tnrmstvaftc 7Z. Steglitz, Albrechtstr. 8, Möbelkän'er merke Kredit und bar Möbelbazar, arofte Answadl, «leine Preiirl Beispielswcile: Schlafzimmer 455.—. Speisezimmer öl7,—. Herrenzimmer Z89.—, Spiegel. schränke 118.—, Dielengarnitur 88,—. Anrichtcküche 99,—, Mellinabeltstell» 66,— Kleiderschränke 48,—, Eliaile. lonaues 28,—. Metallbettstelle 18,—, Auileaematratze 13.— Sonstig« Möbel angemessene Preise. Teiizahluna ans. schlagire!. Wochenraten, Monatsraten Kanarabatt bis zehn Prozent, auch auk Anzahlungen. Klein« auch ohne Anzab- lungen. Kredite bis zwei Jahre. Möft. 3lnz. Katalog franko. Hauptgelchoit: Stealitz. Schloftltrafte l97: 2. Gelchäff: Reukölln, Hcrmannplatz 7: 3. Gelchäff: Belle-Alliance.Srrafte 95.—. Untergrund. bahn: 4. Geschäft: Eckönebera. Haupt. strafte 146. qcaenüber Hauptpost: i. Ge. schaff: Kottbusscr Strafte 23. aegensiber Elitesänaer.__* Potentm-tratze»„Primissima". Me. tallbeticn. Anilegematratz-n, Ebaiselon» «ues. Walter, Ctargardersirafte acht» «hn. Kein Laden._______• Möbel. Kamcrliag,«astanienallee M Herrenzimmer. Sodelingainiwren.«lulv tische. Armlehns-ssel Riefcnauswahl Spottpreise, siahlungserleichteruna.* Möbel. Speifezimmer, Eiche mit Ruft. bäum, Büfett 2 Meter, englisch, mit Gläscrschrank komplett 826,—. Herren- zimmer. Eich« mit Ruftbaumtstren, Bi. bliolhe, 2 Meter, koneplett 796.—. Schlaf, inuner. Ankleihcschrank, 1,86, Fri» siertoilette, komplett 750.—, neuzeitliche Muster, gut« Qualitätsarbeit. Auk Wunsch Teilzahlungen. Georg Sake, Qraniensiraft« 127. Wohnungsau». stat lungen. Möbel, 24 Monatsraten, Beamte ohne Anzahlung. Aftvr, Ekalitzerltrafte 98.* Möbel, 24 Monatsraten, Beamte ohne Anzahlung. Stein. Oraniensiraftc I.' KetzteidungsstücKa�äsetie usw.. DeBMBntöBlel, Frühjahrmnäntel 4,—, Serrcnstoff 10,—. Burberrymäntel. Rips. Mäntel 16,—. Eharmelaine, Flcnr de Lain«, Wollgeorgette. Modsllmäntel 29,—, 39,—, 49,—, Seidenkleider, Nie, senauswahl. Schmechel, Sipsstrafte 15, Dahnhof Börse.___ Leihb»»» Moritzplatz 58a verkauft billigst Kavalier-Karderobe, teils auf Seid«. Gabardinemäntel. Paletots. An- züae von 25.—. Bauchanzüge. Gelegen. heitskäiffe in Pelzmänteln. Jacken, Füchse von 20,—. Keine Lombardware. Verleih von Frack- und Smoking- anzüaen.' Musikinstrumente Bandonions. Lange. Udlig, weltbe. rühmt. Fabriklager. Fabrikpreise. Teil- Zahlungen, kleine Anzahlung. Musik. weiael. Adalberkstrafte 9t' Gebranchtc Pianos 300,—, 350.—, 40«.—, 500,—, 580,—, 650,—. Neu« Pi. anoz von 900,— an. Teilzahlung. Hoff. mann» Pianos, Leipzigerstrafte 57 iSpittelmarkt)._ chntpianos. überaus vretswcrt. Plan»- tabrik Link. Brunnenkraft- 35.' Pia»», 250.—. 825,—, 350�-. 875,—. gebrauchte, Teilzahlung. Herer. Prin» zenstrafte neunzig. Moritzplatznähe. Pia»,», neu und gebraucht, mit berr. sicher Tonfülle, kleine Noten, sehr preiswert Langjährig« Garantie. Herer, Stresemannstrafte 14 und Brun» nensirafte 191.* Anoden, Neunziger 4,40, Hunderter 4,90. Eparröhren 2,50. Apparate Teil. Zahlung. Schönleinstrafte 2. Filiale Dresdenerstrofte 118. ♦ Fahrräder Laterne» 1,50, Fahrraddecken 2,20. Schläuche 1220, Pedalen 1,50, Vorder. räder 3,50. Schönleinstrafte 2. Filiale Dresdenerstrofte 118. Steuerfrei. Motorräder, DKW., stün. dap, englische, große Gelegenheit, ein Besuch lohnt wirklich. Weist, Schön. ha uscr Allee 40a._ 300 gebrauchte Fahrröder 15,—, 20,—, 25,—, 80,—. 35,—. Machnow. Wein. meisterstrafte 14. Garten, Laube u. Ballon Laubeuhölzer, Schalbretter. Fuftböden, Kanthölzer. Lotten billig, Petterkofer. strafte 4e. Kaukgesuehe ssabugebisse. Platinabsälle. Lötzinn Blei, Quecksilber, Silberschmelze. Gold» schmelzerei Christionat, Kövenlcker- straft- 39 tL-ltestcll- Adalbertltrafte),' Unterricht Schaellfördcrude Priv-tz>rk-l. Kur» schritt. Maschinenschreiben. Buchhaltung. Bücherrevisor Aulich. Sendelstrafte 1, Svittelmarkt.' Wäschereien Köpeulcker Damviwäscherei„Charlotte". GrÜnanerstrofte 38», Telephon 687. wäscht ohne Anwendung scharfer Mittel, trocknet Im Freien. Billigste Preisberechnung. Abholung täglich. Sewissenhqfi schichten geschickte Hände die Stofflagen des Unterbaues für den SICKSUHEZTS-REIFEN MIs-ZW MW fw» fSß Einsendungen �1||V I' ftm Berlin es 68 SozialistischeArbetterjugendGr.-Verlin ffir diese Jtndrf? nur UN bei 3aämbft(rdar!ai Ctndcnflrait I Streichorchester©taJ-SVaSRn. Keute, SOVs efff-r Mit- Slieder bei EnV.schmwt. Stnlpisch« Str. SS ill-Dlif. Dort, ringt. Photozrophc»! Wer Ausnatzoren ni� Mai-Zugendtaz grniacht bot. wird gebeten, sie»cht umgebend an �ugeodsekreiariot ,ur Ansicht»or�ilegen. Bilder vom Mar.Zugeudtog liegen gur Bestellung im Seltetoriot au». ZlblellllugsmltgNederversammlungen. heule. 19�> Uhr. Moabit M: S«im k.chrter Str. 18— lg.— Norden? Keim Loiching. Ecke Svaunstraße.— Wcdding: Keim See. Site Turiner Strotze.— �ravksirnter viertel: Heim frankfurter Alle» M7.— Peterobnrger Viertel: Keim Tilsitrr Straß« t.— Seichevberger Viertel: Keim Britzer Str.?7— ZV.— Lindendos: Restaurant Lindenbos.—«charlo ttenlnr-a.R o r.t>: Keim Siderestrotze.— Lank. nritz: Schule Schulst'oße.— Marienfeldc-Lichtenrad«: Lichtenrade, Schule Sinon. strätze.— fricdrichnbagen: Hei» friedrichstr. Kl.— friedrichsselde: Keim Lichtenberg. Sunterstr. lt.— Sarl»Horst: Keim Treslowallce 11.— Aonltdors: Schule Adolsstr. Ti. » Arkouaplatz: Schnl« lklisad«tb>!irchftr. 1»:»Alt-Berliner Kuvwr".— Se» snndbrnnaen ll: Keim Christianialtr. R: Grupvengeburtstogofeier.— Stra- sonor Viertel: Keim Entzlersir. 61;„Warum Beltseiertag?"— Lnisenftadt: Keim Wasserwrstr. S: SinAbrungeobend.— Spandan: Keim Lindenufer 1: ,1. Mai".— Wonafee: Schule Sbarlottenftrotz«:„Bad will die SSI.?"— ______: JIrcfe« Spiele". sss. Reulölln: Wichtige Mitgliederversammlung, danach: �agespolltische Rundschau". Veibedesirl Renkölln: Wichtige WnB..Dorstandssitzung Mit den Adteilungs- leitern im Parteibüro, fuldastrotz«. Alle Gruppen mliffcu vertreten sei». Vorträge, Äereme und Versammlungen. Reichsbanner.Schwarz-Rot-Gold'. Geschäftsstelle: Berlin S bl. Eeboüianstr S7— Ztz. Kol 2. Tr W«ddi»g: Achtung, Sportler! Tratningsabend« im Sportplatz Hum. W boldtbain jeden ZÄtimocki und Freitag: Sportplatz Rehbergs jeden Dienstag. Beginn 18 Ilde. Gaste willkommen.— Mittwoch. 7. Mai. Mitte. 3..gameradsthaft: Berkehrslotal jetzt„Sportklause". Dircksensir. 1.?l> Ilbr sionieradschaftsversgmmlnng. Bvrttag des Äameraden Dr. Tlotz:.-Rnse der Demokratie". 4, Kameradschaft: Die Kameraden nehmen nicht am Ilmmatzsch teil. Kameradschosteperlammlung 20 llbr bei Brandis, Stralau'r Stt. in. Referent Kerman.n Küter. Wichtige Bekanntmachungen. I., 8. und 8. Kamerod. 'dürft: 13 llbr Antreten Landsberger Platz. Ilmmarsch fricdrichsho'n. Bundes, kleidung. Schugspo rtler 20 Uhr Turndalle Gartenstratze- Lichienderg sDrtsner. eins: Alle aktiven Kameraden sammeln sich pünktlich ISVJ Uhr in Bundes- kleidung bei Se:?f.s. Schornwebe» Scke Kroirprtnzenstratze. Föhnen und Zn. frrumente nicht mitbringen. Soolfchutz. krfcheinea Pflicht. Treptow lDrts» verein): IStb Uhr Bahnhof Sermann, rratze Pflichtveranstaltung.— Dovoer». tag. 8. Mai. Schöneberg-Zriedenou: iS% llhr Turnhalle Wariburgplatz, Schutz- fpvrs. Turne» fem'« Zia chri chten d irrst. Reukösiv-Britz: Plklrchdantt eben IS LZr Msi. Kermannstratze. Lichteuberg, Amegmonnschatt und Schutz'vortler: Srst« Trainingsabend od 18 llhr aus dem Etadtische« Sportplatz. Treskowollee Lcke llppsiallweg. Kandbälle und Wursipeer sind»ur Stelle, erscheinen Pflicht.— Freitag, Ii. Mai. Lichtenberg slStzj: Alle Komeradschastssitzungen fallen aus. Die Kameraden besuchen dafür restlos die sRitgliederversomm/unq des Orts- nereins in Kerns Fe.sisä?en. Türrsihmidttttatze. Vortrag. Die Mablsdorfer Kameraden fahren 7.20 lldc vom dortigen Bahnhof ab. Rrivickendorf, Kameradschaft Tegel: 20 Uhr Mitgliederversammlung im Nesiaurant Alter Krug, Tegel. Hauptstr. 14. Pankow: Iuugkameraden 20 llhr Pugendhe.im GSrschstr. 14. Reichsbund der Kriegsbofchadigte». Kriegsteilnehmer nvd Kriegerhtnter. bliebe neu. Osten 3. Mittwoch. 7. Mai. 20 Uhr. im BcreinÄokal. Schmidts Sesellfchaftsbauz. Fruchtstr. 36,. Mpnarsverfammlung. Briefkasten ver Redaktion. ZK. R, Britz. Die Steuer, erlaßt den Wertzuwachs, das ist drr Ilnt erschien gwifche» dem Erwerbs- und dem Leräußerungsprei». Sie. betrügt hdchftens 30 Pro,, des Wertgumachles.— Sch. 32. Ks hamdelt sich um den, nuschlag ,ur Grundvermbgepssteuer. Er betragt tur feit in Berlin 200 Pro». Kiervon kann. der. Vermieter 100 Prot, auf die Mieter umlegen. Diel« 100 Pro», entsprechen nnaefabr 4 Pvat. dm Friedensmiet«. die neben der. gesetzlichen Mete 3127 Pro«. eber 122 Pro,.) ,u fahlen sind.— M. S. 13. Wegen der Ebrenkrankungen können S'e gegen die in Frage koiirmendcn Personen«auch gegen ihren Ehemann) im Wege der Privatklage vorgehen. Die ErheKung der Klag« aber ist erst zu» lässig, nachdem von der Vcrgleichsbchortze(dem Schiedsmann) die Sühne erfolglos versucht worden ist. u n,—' tj'j i(.2 � Tägl. 6 u. SV, Uhr. B S BsrB. 83SB Pr. 1-6 M. Wochenlg.5U.SaPf.-S M. Oscar sabo u. Lotta Uienuneister In dar Szen» B«lm S-Tag»-Rannan Rigolet to Brothers A Swaoson Sisters um] 8 Internatton. NeudeUeo. Tägl. S u.»» SOIUII. 1,5 0 Bu Alex. E 4, 8066 Tägl. 8.18 und Sonntags 8 Cbr asc8m. SroDe Internationale Ringkampfe oad oistklosaigs Vorleu-ätiiäcUau Wochen'. 5 Uhr u Sonnt ZU nachm. IBVarl fg-Aitratiloato etn«»laiminpl« W» Direktion: Or. Mirtin Zickel WWW Komische Oper Fnetfricbstr.UM. Merkur 1481/4380. Täglich SV» Uhr Majestät lässt bitten Musü von Walter Kollo. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2022.23. 8'.(j Uhr Geschäft mit Amerika. Vorverkauf in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Reichshallen•Theater Abends g) Sonntag ggduB. CD Das sroBe Hai-Progranmi der „Stettiner'* Äaiim. halb« Puhl. Iutr.112El Oönhoff-Brottl; In lustige Hai-Progr. btuli Bus FiDair, Tjb Die Berliner Posse Rentier Mudlcke und das Riesen-Variele-P, ogramm Billig! Billig! SommerpreUci 50 Pfg. t- Mark I.SO Mark Sonnabend u. Sonnta, kleiner Aufschlag »./.uhr CASINO-THMTER Lothringer Strohe'7. „GW Vorletzte Woche 1 3hJieflofißä~\ dj&lcutz&dru GroBe Operetie in 3 Akten. WodnLLtS. jodu SouL S.U i. S Okr| Voranseldct Ab 18. Mai Jenny ftetgi empor" I Uraufführung von H A. K) n n| (Autor von„Meisaken") • IT. firoBe FianMuler Str. Bllletti.a£S£; Ali«. 3422 u. S V�?-THEATER fl® VEREINIGTE INDUSTRIE• UN TBRNEHMUNGEN iL G.(VIAGJ, BERUM. BUanz zum ZI. März 1030. 8.H AKTIVA Nichtelngezahnes Aktlenkapital....... Beteiügungen und Wertpapiere Poraei Porderungen..... Bankguthaben.... Kasse...... Einrichtung...... Bürgschaft für Elektro- werke-Anl. RM. 52 500 009 Bürgschaft f. Ostpreußcn- werk-Ani. RM. 14 700( 00 Sons Ige Büroschafttn für uns angeschlossene Un- t£niehmung.RM 8 788100 20300000— 240 224 44! 41 33311 10.57 9)32931-4! 3903.88 I.— 311 V7 40 Passiva Aktienkapital..... Gesetz! Rücklage..» Sonde: rücklage.... 6si« amorr. Ooldschnldver. SChr.v. 1925(5400— Doli.) S>/, Vo amort. Ooldschu'd- ve rsch r.v.l 926( 5 880.— D) 7•/» amort. Reichsmark- schuldverschr. v 1926. Verbindlichkeiten... Ueberganesposten. Gewinn: Vortrag aus 1928 bis 1929. 38300251 Reingewinn. 11 977 403 95 Bürgschaft für EIbkito wet)te-Anl. RM. 52 500 000 Bürgschaft t Ostpreußen- »erk-Anl RM 14700 000 Sonstige Bürcschafien für uns angeschlossene Unternehmung. RM 8788100 150000000 30 800 000— 3 000 000— 22 680 000.— 24696 000,— 20000 000— 29 693 027.26 8 642 967.52 12 360 408.49 oll 87240327 VolKsbfmne Thfflt« bd niirplath 81*. Uhr Rost von Kirchon und Ouspensky Bßgii: GDiliur Start SlaatÜdiilier-Ih. 8 Uhr DerTraom ein Leben Staatsoper Am PI. d Republik Pk Uhr Lebendes orest Pistaior-Bine (Vsllnu• Ttznaur) 8 Uhr §218 FraoeniDNot Deottdies TDeater 12 ViltadiBD 5211 8V. Uhr Oer Kaiser v.Amerlka von Bemard Shaw Reg.: Max Reinhardt Rammerspiele D 2 WeMetdion 5211 81/« Uhr Die liebe Feindin boUi na L F. IoMm Regier EiuM irwtMi Die Komödie 1 1 BismcK.2414/7516 Wi Uhr Soll man heiraten I KoißUiingllznianlSiuT SinUda Culdiln;: Karl Heinz Martin Direktion Or. Robert Klein Oeatsebss Ransller-Theai. Barbarossa 3937 8'6 Uhr Sex Appeal LöKp.?. fwarik UttCrk Repe: Fmor Lamugi Udert Bosserauoi. Med? CBtldius Berliner TBeater Dönhoff 170 8'/« Uhr Der TBüIeiSSCSCICT! Komödie v Bemard Shaw Hei Regie. nz Hilpert. Iii. Ii. Mirtin Zitkel Komische Oper Friedrlchstr. 104. Merkur 1401/4.330. Täglich Sii Uhr Hajeslät läßt bitten... NM vu Wiitei Mo. Lustspieihaus Friednchstr. 236. Bergmann 292223 Täglich S' j Uhr Gesc&ailEnli Amerlita Lustspiel von Frank und Hirschfeld Gewinn- undVerlastrechnungzum 81. MSrz 1930. Aufwendungen RM. Unkos ao einschl Steuern 785 49608 Zinsen.......'308 520.1' Gewinn....... 12360 408.4 1645! 4?4.6g Erträgnisse RM. Gewinnvortiag..... 383 002.51 Provisionen..... 1 428 40 Dividendeneinnahmen. 16 069 993.77, 16 454 4244:8! Vorstehende Bilanz und Gewinn- und Verlustrgehnung haben wir geprüft und mit den von uns ebenfalls geprüften, ordnungsgemäß geführten Büchern übereinstimmend gefunden. Treuhand. ARiicu-G-vclttckaf Köln, im Aprli 1930. Dr. Schnick, Dr. Hankopf lC\einen WiM»" � to&S Theater 1. d. Beörenstr. 53-54 9 Uhr A4 Zentrum 926-927 9 Uhr Direktion Ralph Arthur Roberts Vögel, die am Morgen singen! Komödie in 3 Ak en von Lonsdale '««Stt yytt "fs/e, Ha* Nu, /-y**,&tt. Lessing-Theater Weidnchaun 1737 1.11146 Täglich 8'/» Uhr: Frau Peters hat einen Ceiienten v. Louis Verneuli mit Dikl nu IkUnaii Laiis Tentnil Theater am SdiitfoaucrdaiDm Gastspiel d. Meinen Theaters 8'6 Uhi Madame hat Aussang Komödie in A Bild. Vorverk ununterbr Norden 281 u 1141 Operettenhaus Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral-Theater) Dönh. 2047 Täglich SV, Uhi Frohllngsmddel Operette von Lehar mit Ully Flohr. Ilse M.ih, Lukas. Hoeuselaers. Ru sdfunkhöre r lalB« Preise Triaooo- Jheatir Täglich 8'i Uhr Ein galante! Abenteuer! »wo M• 1 1 Fheater a. Mm Täglich SV» Uhr: Sonntag auch 4 Uhr nas Land des Lächelns von Franz Lehar. Banmky-Ilta TDtlMr Ii dir Slrosemannttr. ürilM I!d>lzziii»r Str.) Täglich 8V» Cht Napoleon greift ein vm Kalter Sasadi?« KomödimnhauB Täglich 85/4 Uhr; Meine Sdivester Musik». Ralph Es aatilrj Residm-Theatet Tägl-rtzUhr Der Hcrzor» und die Sfinderln Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 846 Uhr Letzte Woche 1 Gastspiel GUela Werberlrk in sei. Witwe Schwank von Fribe Fiudiuiii-Mrirt. vÄtlV'>' Metropol-Th. Täglich Vk Uhr Det Beltelsiailenl tarsla. SdiOtzuiterf. Pittica UditRAstita TDoat. 8. Kniia.Toi Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr Elite- Sanger. ■ti- F es(spiele Russili ohrleigt MiRisrh? Vo z ige« dieser. Insera'sVo zusa- preise. DeotsdierMMeltrtliaiid Achtung. Betriebsräte! • Di« Setriebst die. Aettfchrist Nr. 9 t(i erjchieneN und kann gegen Vorzeigung der Sigitimatinnskarle de» Beiriebsrats-Ob- manne« m unierem Büro, Zimmer 5 täglich bis 4 llhr. Freitag» bis 7 Uhr. entgegengenommen werden. Die Ortsverwalhmg. Am 6. Mai enifchiiei fanst«ich kurzem ichweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater. Schwieg er- vaier und Graßvater Bernhard Lietsche im Aller von 82 Jahren. Z» tieler Trauer Frort dlortho Uelsdie and Kinder. SKpenii Kaulsdorfer Str. 2 a. Einäscherung. 10. Mai. nachm. 4 llhr im Kremalorinm Baumichuienweg Mütim Metallarlieitei VerliaDii Verwaltunpsstelle Berlin Todesanzeige De» Mitgliedern-ur Nachricht, daß unser Kollege, der Mechani er �.Ikrecl L�uetc geb ist März 1000. am 4. Mai gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Sonner». tag. dem a Mai, 15 Uhr, von der Leichenhalle des Dom-Sirchhose» in der Liefenftr. 8 statt. Rege Beteiligung wird erwartet Nachruf Am 28 April starb unser Kollege. der Bandagist Neiiiricl»Turr»ck geb. 25 November 1861. Die Einäscherung hat dereit» statt- gejundeit__ Am 2a April starb nnser Kollege. der Arbeiter «hiHus Kolz geb 4. Navemder 1850. Die Beerdigung Hot bereit» statt- gefunden. Bnt 29 AprU starb unser Kollege. der Schlosser Gustav Walther ged ' D gesunden. Ehre ihrem andenke»! vir Ortzvervraltnntt. a Januar 1888 Die Etnäscherung hat bereit» statl- Ziekers KxkienT l Schönes Garteniokai- Cafä-Kest mit Saal In iebh. Kreisstadt Nd-Schles. 3ez. Liegnitz, gr Umsatz, gute Wohng. ist«r M. 40000.—, bei 20 Mille Bar an Zahlung, zu verkaufen Gewerksch bevorzugt. Näh. Postfach 180, Berlin W. 9. Stellenangebote Pntz. Flotte und gut» Earniererin. nen«»d Suraieiterbütcn verlangt fo- fort Ehler mann. Surfürstendamm 319, Echo Fa'ancn strotze. KnabenKonfeKlIon Zur Mitanfertigung meiner Knaben- Konfektion wird ZwtzdienmeUter gesucht Nur Offerten mit la Reo- renzen haben Interesse. Angebote um tz. tA Hauptexped. d..Vorwärts" Oanlaaginig. Für 1!«»ahlreichen Beweis« van Lied« beim Heimgänge meiner lieben Frau, unserer guten Mutter Ukilitolmlns Kern sag« ich allen Beleiiigten meinen derzlichstea Dane. Ott» Kern nebet Kindern. Die durch den Tod de» bisherige» Steüeniiihaders erledigte Stelle de» Bürgermeisters der Stadt Bad Ealzelmen. Kr«i, Halb«, 10500 Einwohner, ist sofort neu z» besetzen Die Wohl erfolgt ans 12 Fahr« Besoldung erioigt noch Maßgabe der Besoldungsgruvoe 2 b, Ottsklasse C, der Preußischen Besoldung»- Ordnung mit einer ruheaehaUsiähigen Au lag« oou jähr. itch 8V0 ÄM. Persänltche Borstelluug nor noch auf- lorderung. Die Uebernohme von Nebenämtern Ist nur mit Genehmigung der städtischen Körperschaften gestaltet. Bewerber muß in der Sommunasver- wailung eriahren sei». Ausiühriiche Meldungen mit lüden- losem Lebenslaus, beaiaudigien Aeugnis- abichrislen und Lichtbild, iiud bi» zum IG Juni d. Is. an den Unterzeichneten einzureichen. Die Briefumschläge sollen die AuMchrift „Bürgermeifterwahl" tragen. Bad Salzelmen, de» Z Mai 1030. Der Stab toerordueten- Dorsteher. Paul Schwalbe Der Bezirk Diitielschlesten dez SPD. mcht für den L Inlt 11130 einen LnterbezirlSsekretär für den llnterbezirk Oe», umfassend die Kreise Oels. Trebnitz. Miliisch, Tracheudera. Groß» Warteilberg und Namsiau. Wohnsitz Oel». einen LnterbezirlSsettetär lür den llnterbezirk Vrieg. umiassuid die Kreise Brieg und Ohlau, Wohnste Btteg. einen Blldmtgs' und Jugendsekretär für den Bezirk, ilmirssend den Zlegie- rungebe ir Dr«»la», Wohnsitz Breslau Beuangi werden Rednerische und or» gani awri ch bervoi lagen de Be ähi» ia Die _ Pehtnamp gen bes Berein, Arbeilerpresse B«. werbvagen, denen Lebenslauf und eine kurz« Abhandlung über die Auf. gaben eine? Sekretär» b. igesügi werden müssen, bitten wir bis zum 16. Mai iW an Bezrrksselrttiir Paul Lehmann, Breslau I. Margaretevstr>7. Zimmer 172. Sattenhaus mit der aufjchrijt „Bewerbung" einzureichen. Zk.no. 47. IahrgiMg 2. Mittwoch, 7. Mai 4 930 Muri Offenburg: �ITStlflkirßlCtlS QTOjjÜßW IlfSMllfllCl* QuUave Plauberi sum 50, Todestag Die geniale Begabung, die ihrer eigenen Zeit gegenüber immer revolutionär erscheint, wird erst von den Nachfahren erkannt in chrer geschichtlichen Stellung, in ihrer Rolle in der Stilbildung, in ihrer Anknüpfung an die Tradition. Die individuell« Einmaligkeit der Persönlichkeit gibt Antriebe zu neuen Prägungen, die, weiter- getragen von Jüngern und Schillern, allgemeines Lebensgut der Kultur werden. Flaubert hat wie Michelangelo, Beethoven, van Gogh, die Pein des Widerstandes gegen fein« Arbeit erfahren. Nur wenige Menschen erkannten, daß der Roman der„Madame Boaan)* eine Tat war; daß das Wahrzeichen des Naturalismus— die Vergötterung der Wahrhaftigkeit— zum ersten Male über diesem Werk stand; über einem Werke, das, im Gegensatz zu den berühmten Romanen Victor Hugos und EhStoaubriands, auf die idealistische, tragende Behandlung des Helden verzichtet; das alle Figuren, Landschaft und Milieu, das Niederste und Höchste mit der gleichen Andacht umfing; das sogar auf die Erfindung extra- vaganter Geschehnisse verzichtete. Der Dichter ist nicht mehr Rhapsode und Prediger; er ist der Psycholog« der Menschen und Dinge, der sie mit dem ganzen Fluidum ihrer Umwelt hinstellt. Dos Künstlerische der Technik liegt darin, daß ein Lichtstrahl, ein all- gemeines Wort Stimnnmgswerte von suggestiver Eindruckskraft schafft: das seelische Erschütterungen und sittliche Wirkungen erzeugt werden, ohne daß der Dichter sich in den Wlaus der Geschehnisse einmischt. IL Maupassant, der Schüler Flauberts, erzählt eine Anekdote, die fast zu charakteristisch ist, um wahr zu sein. Im Kreis der Eoncourts. denen Literatur heißeres Leben war als die Wirklichkell, die sie nachschufen,— schrieb jemand«ine Postkart« und fragte Flaubert 'nn eine Wendung, die dem Schreiber fehlte. Flaubert nahm die Karte, betrachtete sie, wartete einen Augenblick, ging ins Neben- zimmer, erschien nach einer Stund« wieder:„5ch muh mir das überlegen; ich werde dir die Karte zuschicken." Wieviel mm auch an diesem Vorfall wahr sein mag oder nicht, das ist gteichgültig; auf jeden Fall ist es ein treffendes Beispiel für die ungeheure Eewisienhaftigkeit, mit der Flaubert seiner Arbeit oblag. In einem seiner Briefe an Gearge Sand Nagt er, daß er wieder einmal die ganze Nacht hindurch gearbeitet und kaum eine einzige Manustriptselle zu seiner Zuftiedenhell vollendet hob«. Sein leidenschaftliches, bis zum Fanatismus gesteigertes Ringen im Kampf um das Wort macht es begreiflich, daß Flaubert nur vier große vollendete Werke hinterließ; an jedem einzelnen arbeitete er ungefähr siebe» Jahr«. 18ö6:„Madame Bo-vary"; 1863:„Salaminbo";.1863:„Educa- hon sentimentale"; 1874:„Di« Versuchung des heiligen Antonius".— Daß dem Genie die Geschicklichkell abgeht, das beweist das Beispiel Flaubert. Seine Romane, diese einfachen lapidaren Sätze, die sich lnakillloz und klingend aneinanderschließen, sind das Resultat einer letzten Verdichtung.— Der Roman der„Madame Bovary" steht aus wie«ine belletristische Angelegenheit: das simpelste Milieu, 'aum«ine Handlung, der engste Umkreis,— und dies hat ein Mann geschrieben, dessen eigentliches Leben die künstlerische Zchöpftmgsstulid« war, für die er fein bürgerliches und menschliches Dasein hingab; ein Mann, der schon als Gymnasiast über einen klingenden Satz in einen Begeistenrngstairntel geriet. Die« wäre das Ideal des Naturalismus: alle Kunst, aller Schöpftmgswille. alles Schönheitsbewußtsein in die Masse gegossen, nn ein kleines, obskures, enges, lebendig pulsierendes Stück Leben zu erhasche»! Bis„Madame Bovary", so objektiv, so geschlossen, so wnpreßt von der Atmosphäre der Wirklichkeit wurde, und doch der Roman von dem vergeblichen Ringen des Menschen um die blaue Blume; der Roman der ewigen Sehnsucht nach der schim- mernden Erfüllung, der Roman von der Jagd des Menschen nach der Liebe blieb; ein sehr einfach vollendet klangvolles Prosawerk wuchs,— mußte Flaubert unendliche Weg« gehen. Bevor Flaubert die erst« Zeile niederschrieb, sammelte er Notizen, die allmählich Bände füllten. So verarbeitete er für „Madame Bovary" die Ersahrungen seiner Jugendzeit: Ponville, ein Marktflecken unweit Rouen, und sein« Menschen: den Landarzt Charles Bovary, diesen pflichttreuen Trottel von Ehemann und Hahnrei; besten Frau Emma, diese tragische Inkarnation des ver- üchrerifchen und verführten Weibes; den robusten Weiberhelden und Grundbesitzer Doulanger; den senihrurierl Notargehilfen Läon de Pms und den selbstgefälligen Dummkopf Homais, seines Zeichens Apotheker und fteigeistiger Spießer.— Der erste Erfolg der .Madame Bovary" war, daß der Stoatsanwalt den Verfasser unter Anklage stellt«. Religion und Moral verletzt zu haben. Der Prozeß machte Aussehen, und der Msgang war. daß der ackvocet impörial Flaubert freisprechen mußte, auf dessen Namen man durch dieses Verfahren aufmerksam wurde. Der Etil war der Gott Flauberts, dem er unge- zählte, verzweifelt« Opfer brachte. Als er die„Bovary" vollendet hatte, konnte er nicht mehr, verließ ihn die Kraft. Dieser gräßbche Stoff, den er anbetete, ekelte ihn. Er muhte endlich die Freiheit einer überschwänglichen Gestaltungssehn sucht haben. Als Reaktion auf den enggewählten Stoffkreis der.Madame Bovary", dieses von dem Dichter aus tieffter Seele gehaßten Kleinbürgermilieus, lockte die erotische Reizung und die Grenzenlosigkeit des Themas der „Salaminbö". Der Romantiker Flaubert, der aus den„Rcisctagc- büchern" spricht; der in der glühenden Farbigkeit Aegyptens immer weiter nach stärkerer Seltsamkeit hnngert; der nie von der Wirtlich- keit erfüllt werden konnte, weil seine Phantasie ihm glühendere Irdischteiten versprach, als die Erde geben kann; dieser Romantiker hat in„Salammbö" das Ditd geschaffen, das aus Wirtlichkeit und Sehnsucht brünstig-ungeheuerlich gemischt ist. Dieser„Roman aus dem alten Karthago" erschien 1863. Das Publikum, dos eine zweite„Madame Bovary" erwartet hatte, war enttäuscht/ denn es konnte diesem karthagischen Schlachtgemätde keinen Geschmack abgewinnen. Man verspottete den Dichter in Karikaturen und Parodien und übersah, daß diese Schöpfung.der Typ»? de, heidnische» Mystizismus, des Fatalismus des Liebes- gedantens" war. In heißen Farben malt Flaubert die Wunder des Orients, seine Landschaften und Menschen; läßt den punischen gfrMf neu erstehen, daß wir längst Verfallenes lebendig, bwtdurch- pulst erleben.— In einem sehr ausführlich«, Brief an dm Kritiker efrinj Beuv«(abgedruckt in„Salammbö" der Calle ctiou lllcanz), der Flaubart den Borwurf machte, daß„sich nirgends der Zauberer M{HBew gfrchf zeige"', fchpi-b Flauberte Lch wollte«ine Fata morgana schildern, indem ich die Berhältniste des modernen Romans auf das Altertum anwandte." In diesem einen Satz bestätigt Flaubert, daß es ausschließlich seine Absicht war, in einer Reihen- folge von Szenen ein Weltbild zu schassen, in dem sich die Menschen und ihre Zeit in ihren eigemm Worten und Handlungen charakterisieren. Auch hier, wie in„Madame Bovary", verschwindet der Dichter völlig hinter seinem Werk; er ist so sehr objektiv, daß er noch nicht einmal die Vergleichs aus seiner modernen Eefuhlswelt ninmrt, sondern sie in der Alltäglichkeit seines Romanstoffes sucht, indem er sich bemüh:, den primitiven Dorstellungskreis einer halb- barbarischen Welt in keinem Augenblick zu durchbrechen. Ende 1869 erschien die„Sentimentale Erziehung". Ihre erste Fassung unter dem Titel„Jules und Henry" wurde,.begonnen Februar 1843— sortgesetzt Septenrber und Oktober 1843— und beendigt von Mai 1844 bis Januar 1842".(Die erstmalig« Der- deutschung von„Jules und Henry", 1921, haben wir E. W. Fischer, der auch die Herausgabe der„Reisetagebücher" besorgte, zu ver- danken.) Die letzte Fassung, die sowohl im Inhalt wie in der Formung.völlig von der ersten abweicht, wurde 1869 vollendet. Sieben Jahre arbeitete Flaubert an der„Education sentimentale": sie bereitete ihm die meisten Sorgen; er glaubte, wie bei jedem neuen Werke, fest an den Erfolg und erlebie die größte Enttäuschung seines Lebens. Der Verkauf des Buches war mäßig, die Kritik zerriß es, um es schließlich zu begraben.— So das äußere Schick- sal der„Sentimentalen Erziehung", die die Zeitspanne von 1849 bis 18S2 umfaßt. In die Szenerie— Julimonarchie und Republik von 1848— stellt der Dichter wieder Personen seiner Kindheit. Das Werk, das unter anderem eine Fundgrube an Flaubertschen Ansichten über die Liebe darstellt, und in dem er sich selbst als Frödöric Moreau porträtiert, ist nicht, wie Zola einmal gesagt hat, die grausige Satire„einer entsittlichten, von der Hand in den Mund lobenden Gesellschaft, sondern dieser„Roman eines jungen Mannes" spielt um das ewig« Thema des Skeptikers und Romantikers Flaubert: um die unerfüllbare Kluft zwischen Wunsch und Er- fülllmg, um das trügerische Wunschbild der Liebessehnsucht. Die Untermalung des Milieus ist wieder von derselben Ehrlichkeit und inbrünstigen Versenkung, die in ihrer Wahrhaftigkeit an die Hin- gäbe der alten Meister erinnert. Immer größere Stoffe locken. In„Antonius" treffen die Welten um den Büßer.„Die Versuchung des heiligen Antonius" ist der Kampf des Fleisches mit dem Geist; das Ringen zwischen freiwilliger Armut und Machtgier; ist das erschütternde Gemälde menschlickzer Wahnvorstellungen und Nichtigkeit. Jahrtausende rollen vorüber: Götter, Religionen, Heiligtümer, Tiere und Menschen. Wie nie zuvor entfaltet Flaubert den Prunk seiner Sprache; ge- peitscht von der Fülle der Geschichte häuft er Metapher über Metapher: wühlt in Phantasien bis zur Ungestaltbarkeit. Und dann folgte das Werk des alten, enttäuschten Romantikers, des sanotischen Wahrheitssuchers:„Bouvord und Pöcuchet". Die lapadar« Zertrümmerung aller wisienschasttichen und philosophischen Erkenntnisse, die Satire auf sich selbst und die geliebte und gehaßte Welt.— Man braucht nur einen Teil der in der ungeheuer an- geschwollenen Moterialsammlung Flauberts ausgestellten Klassifikationen wiederzugeben: Moral, Liebe, Philosophie, Mystizismus, Propheti«, Religion, Sozialismus, Kritik, Aesthetik; dann die Besonderheiten der Stilarten, zehiH Abteilungen über die Schönen Künste, allgemeine Dummheiten und so ins Unendliche weiter.— Dieses Werk war dichterisch nicht zu bewältigen. Aber was aus dem ungeheuerlichen Kampf der armen Don Quichotes, im Kampf um die geliebt« Wahrhaftigkeit aufklingt, ist bezwingender als der Positivismus eines kleinen Geistes. So unfruchtbar das Ringen, so trügerisch das Verlangen, so unerreichbar das Ziel: FlaUberts ganzes Sein und die rem« Entzückung, die dies« Werke eines vom Trieb zur Kunst Besessenen uns verschaffen, beweisen, daß dieser Traum, wie Alkibiades von Sokrotes sogt, die Bilder der Gottheit in seinem Innern trägt. Es wären in diesem Zusammenhang noch die„Drei Cr« Zählungen" zu erwähnen:„Herodias",„Die Sag« vom heiligen Julian, dem Gastfreien" und„Ein schlich- tes Herz", deren jede einzelne in ihrer bezwingenden Kürz««in Meisterwerk darstellt. Flaubert, der stets«in« große Vorliebe für das Theater hatte, schrieb zwei Stücke für die Bühne. Eins davon,„Das schwache Geschlecht", verfaßte er gemeinsam mit seinem Freunde Vouilhet; das andere,„Der Kandidat", das in Daudemll« zur Ausführung gelangte, erlebte einen Durchfall; nach wenigen Abenden zog es Flaubert zurück. Die Grundgedanken dieser Kompdie verarbeitete Carl Sternheim; doch auch sein.Londidat"—„nach Flaubert"— erwarb sich kaum Buhnenheimat. III. Gustav Flaubert fft 1821 in Rouen geboren. Sein« Jugendzeit verfloß, ebenso wie sein übriges Leben, rchne bemerkenswerte äußer« Stationen. Er studierte in Poris Rechtswisienschaft; mit achtzehn Jahren unternahm er seine erst« Reffe nach dem Süden. Nach seiner Rück- kehr wohnte er zeitweilig in Paris, dann wieder in Rouen. 1848 erhielt er von seinem Voter, der Chirurg war, ein Landhaus in Croisset, dos er nach dem Tode seiner Mutter dauernd bezog. Er richtete nur zwei Zimmer ein, Arbeits- und Schlaframn; die übrigen Räume ließ er leerstehen. Monatelang arbeitete er hier; rang um Form und Gestaltung, inbrünstig, nur hingegeben dem Werk; asketisch, abgeschlossen von aller Welt; fuhr manchesmal zur Zlb- lenknng nach Paris, wo er Einladungen onnahm und sein« Freunde empfing. 1843 bis 18S1 unternahm er«ine Reise nach dem Orient („Aegyptisches Tagebuch"); 1857 bis 1862 die Reise nach den Ruinen Karthagos, auf der er Material für„Salammbö" sammelte. Am 7. Mai 1886 starb Flaubert, ein„armer und berühmter" Mann, von spärlichen Freunden und einigen Bewohnern Rmiens zu Grabe getragen. Und— unübertreffliche Groteske, die dos Leben selbst ist—„fünf Bauernlümmel, in schmutzig« Chorhemden gehüllt, haspeln an der Bahre dessen, der die Dummheit in jeder Form schlimmer als die Pest gehaßt hatte, mit blöder Miene lateinische Litaneien ab, von denen sie keine Silbe verstehen!" Flauberts ganzes Loben steckt m seinen Werken. Dasein und Arbeit sind die mtzertrennliche Einheit, und daher mag es wohl auch kommen, daß seine äußere Lebenslini« demjenigen wenig Interessantes bietet, dem nicht die geistige Entwicklung eines Menschen das Primäre ist.— Flaubert, der zwei Generationen angehört, ist ein Stilist von seltenstem Ausmaß. Die Linie,„die von seinen lyrisch zerflossenen Jugcndwerken„Erinnerungen eines Narren" und„November" zu dem unvollendet gebliebenen Drama„Bsuvard »md Pecuchet" führt, ist di« Entwicklungslinie des literarischen Frank- reich von Victor Hugo bis— auf unser« Tage. 3. Steiner Sullien: TertvirklicMer WimfcMrmmt In unserer Jugend lasen wir alle irgendwelche utopische Trau- mereien vom künstigen sozialfftischen Wunderland, in denen di« Wunder das Alltägliche, die Träume Wirklichkeit wurden. Dazu gehörten vor allem Bellamys„Rückblick ans das Jahr 2666" oder Hertz- kag„Reffe nach Freiland", aber auch Jules Dernes technische Phan- tasten. Denn der Traum für uns junge Arbeiter, die wir mit klopfenden Schläfen bedn unsicheren Schein einer Petroleumlampe oder einer Kerze uns an dcn Reden Lassalles begeisterten, nach zehn- elf. und zwölf stündiger harter Fron, Schiller verschiangen und Frei- ligroth dellamierten, oder sonstwie„unser bißchen Wissen mühsam zusammenkratzten", wie Graßmann in seiner Eröffnungsrede der Bundesschnl« des ADGB. sagte, für uns jung« Autodidakten ver- band sich der Traum von der sozialen Gleichheit mit der Ueberwin- dung der Arbeit als Mühsal und Pein. Und wenn wir uns zu ganz kühnen Träumen verstiegen, dann sahen wir uns irgendwo in einem Märchenschloß, tief im Wolde versteckt, losgebunden von den Dornenfesseln der Lohnarbeit, geistige Waffen schmiedend für die Befreiung der Menschheit. Aber dabei waren wir uns schließlich be- mußt, daß dieser Wunschtranm, die unerfüllbare Ausgeburt der Sehn- sucht des ahnenden Nichtswissers, niemals Wirklichkeit werden kimn«. Am Sonntag habe ich diesen Wunschtraum verwirklicht gesehen. Zehntausende werden ihn erleben: der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund hatffeine Bundesschul« bei Bernau eröffnet. Bier Kilometer hinter Bernau, im Walde versteckt, hinein- gebaut in die verträumte Herbheit einer echten märkischen Laudichoit und mit ihr verschmolzen, liegt dieses Märchenschloh. Der Erbauer, Hannes Meyer, der Leiter des Bauhauses von Dessau, führte uns durch diese Arbeiterschule, die gewissermaßen eine Synthese ist der Phantasien der Bcllamy, Hertzka, Bern« und dem erdgebundenen Wollen der Millionen, die ihr eigenes Schicksal und das der Mensch hsit zu formen entschlossen sind. So wird auch verständlich, wenn Hannes Meyer uns warnend zunächst sagte, wir müßten alle überkommenen Begriffe von Schön- heit beiseite lassen. Da wölben sich nicht funkelnde Kuppeln; da glänzen nicht marmorn« Wandbekleidungen; da blinken nicht vergoldet« Wandtäfelungen; da prunk«, nicht Säulengange und von Karyatiden getragene schwulstige Stuckfassaden. Nach unseren über- konnnenen Schönheitsbegniffen scheint die Schul« erst im Rohbau fertig zu sein. Man sieht die Eisenträger, di« Betonblöck«, den Putz zwffchen den Mauersteinen. Und doch ist es ein Märchenschloß, neben, dem sich ein Prunkbau von Sanssouci ausnimmt wie eine Petroleum- lamp« neben einer elttrifchen Birne. Denn hier werden all« Wunder ter Technik angewandt und der Idee dienstbar gemacht. Die Idee aber ist. daß junge, varwärtsstrebende Arbeiter, Funktionäre der Gewerkschaften und von diesen ausgewählt, vier Wochen lang aller Qexgm, aller Häsleqstessu enfrutfl. sich ach fich stjldst besinnend den festen Untergrund der Geistigte« gewinnen sollen, der dem not- tut, der in der Wirtschaft und in der Politik führen will. Darum fort mit dem falschen Prunk! Kühnste Nüchternheit, gemeffterte Technik herrschen. Die architektonische Großtat dieses Baues beruht nicht so sehr daraus, daß die weitgestreckten BauÄchteiten gleichsam eins sind mit der Landschaft. Hannes Meyer Hot der Schule den Geist der Arbeiterbewegung«ingehaucht. Denn diese Schule ist ge- baut nicht von einen, reichen Philanchropen oder einem aufgeklärten Potentaten, auf den unsere ersten Utopisten hofften. Sie ist buch- stäblich aus. Arbeitergroschen gebaut, ausgeführt von unseren Bau- Hütten, die wie«n Stück Sozialismus in die kapitalistisch« Bauwirt- schaft hineinragen. Hunderttausende, Millionen Arbeiter haben von dieser Schule geträumt, ehe unsere Gewerkschaften sie schassen kann- fcn. Der Bundesvorstand des ADGB.. Leipart. Graßmann, Hehler, der Bildungssekretär, Arbeiter, die mühsam sich emporgerungen haben, um für ihre Klassengenossen zu kämpfe», sie waren nicht knickrig, sie haben dem Baumeister Raum gegeben, auf daß es in dieser Schule eine Lust sei, zu leben und für das Leben zu lernen. •der Stegemvurm und die Farben lieber die verschiedene Wirkung der einzelnen Bestandteile des Lichts auf wirbellose Tiere hat Heß schon früher interessante Beob- achtungen gemacht, die eine eigenartige Unterempfindlichkeit gegen Rot bei zahlreichen niederen Tieren erkennen ließen. Neuerdings hat Walton ähnliche Versuche am Regenwurm angestellt, der zwar keine eigentlichen Augen besitzt, dessen vorderer pignicnireicher Körperabschnitt aber ausgesprochen lichtempfindlich ist. Durch rotes Licht ließen sich die Würmer in ihrem gewohnten Berhalten nicht beeinflussen, während blaues Licht so stark auf sie wirkt«, daß mgn geradezu den Eindruck hatte, als ob es ihnen Schmerzen verursache. Eine eigenartige Lralpsannc befindet sich im Pariser Cluny- museum. Vor etlichen Iahren kam der dam all ge Direktor des Museums in ein kleines Wirtshaus in St. Denis und bemerkte hier an der Wand ein« Lratpfann«, die ihm durch ihr« eigentümliche Form auffiel. Er nahm sie herab und schabte den Rost ob, sa daß ein Teil der Inschrift zum Vorschein kam. Er kauft« die Pfanne und ließ sie gründlich reinigen, und nun sah man, daß die Pfanne mit den Wappen Frankreichs und Raoarra? geschmückt war und di« Inschrfft trug:.Hier ruht der erhabene Herrscher Ludwig XIV., Kämg von Frankreich und Navarm. ReqyixeRrt in p.«ce" Die Pfanne war also ursprünglich ein« Platt« gennsen, die sich aus dem Sarge des„Sonnenkönigs" befunden hatte, be, der Zerstörung der Königsgräber in St. Den» im Jahre 1793 hatte man sie metje» nomman. eaest Süd btwtn achqr und xm eS»~ Eine politische Tariferhöhung? Das Guiachten des Reichseisenbahnrais.- Verantwortung der Reichsregierung. Der R«ichsoerkehrsmmlster unÄ das Reichskabinett haben sich in dies«, Togen mit der außerordentlich ernsten Frage der Tarif- erhöhung der Reichsbahn zu beschäftigen. Die kürzlich veröffentlichte Stellungttcchm« des Reichs« ifenbahnrates, die in einem Mehr« h e i t s g u t o ch t e n sich für eine generelle Erhöhung der Personen- torbfe ausgesprochen hat. läßt befürchten, daß Reichsoerkehrsminister und Rcichskabinett ihre frühere ablehnende Haltung mit Rücksicht auf die neuen Äoalitionsoerhältniss« im Reich aus- geben und einer Belastung des Maffenperfonenverkehrs zustimmen. Es ist der Oeffentlich.'eit nicht entgangen, daß Herr von(Buerard, der Reichsoerkehrsminister, dem Reichseisenbahnrat mit dem Zaun- pfahl gewunken hat, indem er erklärte, daß er volles Nerstaudnis für die Abwehr der Industrie gegen die Erhöhung der Wagen- ladungstarifc Hab« und daß soziale Gründe«ine Verteuerung der Zeitkarten allein als ungerecht crfchciiwn lasten. In der bürger« tichen Presse wurde dieser Wink mit dein Zaunpfahl o» die Industrie richtig als ein Umfall des Reichsoerkehrsminister» und als die Bereitschaft gekennzeichnet,«ine Personentariferhöhung eventuell hinzunehmen, wenn der Reichsestenbohnrat sich dafür aus» ipreche. Das ist leider geschehen, obwohl sich alle Arbeitnehmer. Vertreter einheitlich gegen eine Erhöhung der Personentaris« ausge- sprachen Höchen. Die Reichsbahngescllschast hat ISO Millionen Mehr- «innahmen verl an gt, um ihren Etat in Ordnung zu halten. Di« Verteuerung des Berliner Vorortverkehrs sollt« 16 Millionen. die Neuordnung der Stückguttarif« SO Millionen, die Erhöhung des Expreßgut- und Gepöcktarifs 3 Millionen erbringen. Um die Er- höhung der Wagenladungstorif«(Klaffe E um 7 Proz., Klaffe F und G um 9 Proz.), die die restlichen 81 Millionen erbringen sollte, ging der eigentliche Kampf. Nachdem der Reichsverkehrsminister ron Gucrard den Vertretern der Industrie und der Arbeitgeber sein« eventuelle Bereitschaft zum Umfall zu erkennen gegeben hatte, kam da? Mehrheitsgutachten zustande, das ein« generell« Erhöhung der Personentarife vorsieht. Es ist zugegeben, daß wegen der bei einer Bertcuerung der Personentarif« drohenden Abwanderung im Reifeverkehr und der Abstinenz der großen Massen gegenüber dem Reisen überhaupt die Verteuerung doppelt so hoch sein müßte, um die erwünschte Mchreinnahm« zu bringen. Rur nebenbei hat der Reichseisenbahnrat die an sich viel wichtigere Empfehlung beschlosten, daß der Reichsverkehrsminister Dorschläge zu einer dauernden Eni- lastung der Reichsbahn, insbesondere von den sogenannten politischen Ponsionslasten und von der Verkehrssteuer machen soll«, so daß allen Ernstes«ine Verteuerung der Personentarife gegenwärtig droht. Zille wirlschafiUche Vernunft und auch das Interesse der Reichsbahn sprechen gegen eine Erhöhung der Personen. tarise. Die Vertreter der Re i ch s b ah ng es c ll s cha st selbst hoben im Reichseisenbahnrat daraus hingewiesen, daß Mehr- einnahmen aus dem Personenverkehr auf die Dauer nicht zu er- warten seien, weil die Abwanderung aus der Polsterklasse und die unvermeidliche stärker« Verteuerung der untersten Wagenklast« ein« erhebliche geringere Frequenz der Reichsbahn zur Folge haben müsse. Di« neuen oder noch in Auftrag gegebenen Wagen der Polsterklasse würden zum toten Kapital. Don allen Arbeit- nehmervertretern wurde im Reichseisenbahnrat noch- drücklich unterstrichen, daß das Defizit des reinen Personenverkehrs, wenn die erforderliche lOprozentige Erhöhung durchgeführt würde und die dritte Wagenklaffe pro Kilometer von 3,7 auf über 4 Pf. verteuert würde, nicht beseitigt werden könne und daß die Per- teuerung der Zeitkarten schließlich auch Lohnerhöhungen unver- weidlich mache. Es besteht kaum ein Zweifel darüber, daß sich die Arbeitgeber, und Unternehmervertreter im Reichs- eisenbahnrat diesen durchschlagenden Argumenten nicht haben«nt- ziehen können. Dennoch kam das Mehrheitsgutachten zustande, das an Stell« einer Verteuerung der Wagenladungstarife die Berten«- rung des Personenverkehrs empfiehlt. Nun liegen die Dinge gewiß nicht so, daß sich die Arbeiter- schaft—ihr« Interessen sind mit denen der Gesomtwirtschaft absolut identisch— einfach für«in« Verteuerung des Massengüter- Verkehrs aussprechen könnt«, weil sie ein« Verteuerung des Personen- verkehrs ablehnt. Auf der anderen Seite ist es«ine Selbstver- ständlichkeit, daß Einnahmen und Ausgaben der Reichsbahn in Ein- klang gehalten und die finanzielle Gesundheit der Reichsbahn unter allen Umständen gesichert werdeir muß. Nachdem aber der Reichsverkehrsminister fein« Vereitfchoft zum Umfall hatte er- kennen lassen, haben sich die Vertreter der Arbeitgeber und Unter- nehmer leider herzlich wenig mehr um dieses eigentliche Kern- Problem der jetzigen Diskussion der Tariferhöhung gekümmert. Um so nachdrücklicher muß die Oefseutlichkeit das Gewissen des Reichsvertehrsminifters und des Reichskabinetts stärken. Eine Tariferhöhung muh im gegeuwärligeu Augenblick und nach Möglichkeit für alle Zukvnft überhaupt ver- meidbar gemocht werden. Es ist das Verdienst der Arbeitnehmervertreter im Reichseisenbahnrat. nicht nur auf dieseKardinalforderung hingewiesen, sondern auch Weg« zu ihrer Erfüllung auf- gezeigt zu haben. Die Finan.zpolitik der Reichsbahn ist immer noch durch«ine mehr oder weniger offen« Thesaurierungs- Politik gekennzeichnet. Es müßte und könnte ein erheblich größerer Test der Erneuerungskostcn statt aus laufenden Einnahmen aus Anleihen bestritten werde», für deren Auslegung sich die Ver- Hältnisse zunehmend bessern Die Veteiligung der Reichsbahn an der Reparationsanleihe rechtfertigt angesichts der gegen- wartig schlechten Konjunktur, die durch eine Tariferhöhung auch sür die Reichsbahn nur verschlechtert werden kann, auch einen teil- weisen Vorgriff auf den Anleiheerlös zum Ausgleich des.szaushalts, wenn in absehbarer Zeit Vorkehrungen getroffen werden, um die finanzielle G e sa mtst t u a t i o n der Reichsbahn zu bessern. Auf diese Besserung der Gesamtsituotion der Reichsbahn müßte jetzt sofort der größte Nachdruck gelegt und die Aufmerksamkeit des Reichsverkehrsininistcrs in erster Linie gelenkt werden. Es ist in der Tat auf das ernsthafteste zu prüfen, ob der gegenwärtige Zu- stand, daß die Reichsbahn jährlich 480 Millionen Mark für Ruhe- gehälter, Wortegeld und Hintcrbliebenenbezüge ausgibt, also erheb- lich mehr als ein Drittel ihres gesamten Personalaufwandes, ange- sichts der Tatsache zu rechtfertige,? ist, daß darin sehr große Be- träge enthalten sind, die als' reine K r i e g s f o l g« n diq Reichsbahn belasten. Bis 1942 soll der Pensiansctat 600 Millionen Marl oder rund SO Proz. des heutigen Perfonalaufwandes erreichen. Es muß auch ernsthaft geprüft werden, ov die K o n t u r r e n t e n de? Reichsbahn. Kraftverkehr, Binnenschiffohrt und auch die Rcichspost, die weder Reparationslasten nach eine Verkehrssteuer zu tragen haben, bei der Konkurrenz gegenüber der Reichsbahn nicht in tat- sächlich unzulässiger Weise begünstigt werden, nur weil es sich beim Kraftverkehr und der Binnenschiffahrt um Privatunterneh- m u n g e n handelt. Es ist ein sehr ernstes, dle Relchspoliii! berührende» Problem. daß jede Verteuerung der Zieichcbahalarise. gleichviel auf welchem Gebiet, die Konkurrenzfähigkeit der Reichsbahn zugunsten der Pri- vatunteruehmungen immer stärker untergraben und auf diese weise die Existenzsähigkeit der Reichsbahn selbst, aus der jetzt mehr als ein Drittel der deutschen Reparationslast liegt, gefährden muß. Der rechtliche Privatcharakter der Reichsbahngesellschast und der politisch« Widerstand der Privatwirtschaft dürfen kein Hindernis sein, um der Frage einer Erweiterung der Monopolrecht« der Reichslxchn im deutschen Personen- und Güterverkehr näher zu treten. Die Reichsbahngesellschast selbst dürfte aber noch die Mög- lichkeft haben— leider ist auch das infolge der einseitigen Besetzung des Verwaltungsrates eine politische Frage—. ihr System der Ausnahmetarife auf das Vorhandensein nicht zu rechtfertigen- der Subveniionstarife nachzuprüfen. Wenn in dieser Hauptrichtung endLch etwa» geschehen wuch«, so wären auch die akferteßte« Hin- dernisse beseitigt, um auch die Inanspruchnahme der jetzt auf SOO Millionen aufgefüllten Ausglekchsreferv« zur Vermeidung einer Tariferhöhung zu rechtfertigen. Die Möglichkeiten zur finanziellen Sicherung des Reichsbahnunternehmens unter Vermeidu n g einer Tariferhöhung sind also in hohem Maße gegeben. Es kann nicht darauf ankommen, ob der Maffengütervertehr oder der Personenverkehr höher betostet werden soll. Es muß erreicht wer- dein, daß eine Tariferhöhung überhaupt unterbleibt. Das liegt nicht nur im Interesse der Gesamtwirtschast, dos liegt vor allem im Dausrinteresie der Reichsbahn selbst. Um so gefährlicher wäre eine Neigimg des Reichsverkehrsministers, aus Gründender pol?- tischen Bequemlichkeit vor den Gestchren einer Tariferhöhung jetzt die Augen ZU verschließen. Zwischen der von der Mehrheit des Reichs eisenbahnrotes empfehlend begutachteten und dem junkerlichen Ost Programm Schiele« besteht eine trau- r i g e Parallelität: Wie der Besitzerhaltung nicht mehr zu rettender östlicher Großbetriebe Dutzende von Steuermillionen um- sonst geopfert werden sollen, weil man ohne Herrn Schiele nicht regieren kann, so soll bei der Reichsbahn das Defizit de» Personen- verkehrs durch ein« neue Belastung des Personenverkehrs ausgeglichen werden, weil sowohl die Unternehmer als auch der Reichs- verkehrsminister das für die Gesundung der Reichsbahn Notwendige nicht auf ihre Derantwortung nehmen wollen. Was droht, ist eine völlig nutzlose Belastung der Gesamtwirtschaft wesentlich aus poli- tischen Gründen. Vor dieser gilt es im letzten Augenblick, den Reichsverkehrsminister und die Reichsregierung zu warnen. Reichsbank soll verbilligen. Verzögerung der Oiskontsenkung ist nnbegrnndet. Die Reichsbank zögert noch, ihre Kredits zu verbilligen. Wir glauben, daß die Reichsbank nicht zögern sollte; sie hätte«» auch nicht nötig gehabt, was jetzt offenbar geschieht, noch den Reichsbankstatus vom 7. Mai, dem Ende der ersten Maiwoche abzuwarten. Es wäre wünschenswerter, die Reichsbank hätte Grund zum Zögern. Aber die letzten internationalen Diskontfenkungen auf 3 und 2W Proz. in London, New Pork und Paris haben leider viel weniger in der Beeinflussung des Zinssatzes der Reparationsonleihe nach unten ihren Grund, als in der tatsächlich fortdauernden, her verschärftenWirtschastsdepression in der ganzen Welt, die von der amerikanischen Wirtschaftskrise zunehmend noch zum Schlechteren beeinflußt wird. Amerikas Wirffchaststrife enthüllte sich nicht nur plötzlich, sie ist auch sehr schwer; Herr Hoover bemüht sich umsonst, ihre Schwere zu verleugnen. Ist es aber so, dann besteht kaum eine Aussicht, daß die internationale Geldflüssigkcit in absehbaren Monaten verschwindet. Daran ändert auch die Auflegung der Reparationsanleihe nicht viel; nur ein Drittel von den 1200 Millionen Mark, der deutsche Anteil, dient Invesiitionszwecken; der große Rest kehrt ja auf dem Geld- und Kopitalmarkt wieder. Darum kann es fein, daß in Deutschland, so widerspruchsvoll das scheint, im Laufe dieses Sommers noch ein Reichsbanksatz sogar von 4 Proz. sich als angemessen erweisen kann, währenb die Reichsbank sich jetzt noch gegen eine Senkung auf VA Proz. sperren möchte. Für die Reichsbank ist das erfahrungsgemäß nicht gut; sie verliert selbst mehr als nötig und sie erfüllt ihre Funktionen nicht. Dem Geld- und Kapitalmarkt nützt es nichts, und dem Wirtschafts- leben wird Schaden zugefügt. Wenn Amerikas Wiederau ff lieg auf sich warten läßt, dann muß die Export in dustrie mit denkbar billigstem Kredit zur Er- höhung der Konkurrenzfähigkeit gestützt werden. Die Konkurrenz- ländcr verfahren auch nicht anders. Die Berbilligung der Banken- kredite, die der Diskontsenkung folgen muß, fördert auch die in- ländischen Märkte, senkt tendenziell die Kosten und Preise, regt zur Investierung und Lagerauffüllung an. Die Banken profi- tieren jetzt zu Unrecht von der erhöhten Zinssponne zwischen Aus- landkgeld und inländischen Kreditzinsen. Da sicher noch monatelang die Geldflüssigkeit andauern wird— die amerikanische Wirtschaftskrise hat ein viel zu großes Gewicht in der Well— können innere und äußere Anleihezinsen, die Deutschland zahlt oder zahlen soll, gesenkt werden, wozu auch eine Diskontsentung beiträgt. Achtprozentige öffentliche oder Pfandbriefanleihen sind jetzt schon«in Unding; die Zeit ist möglicherweise schon da, wo die zunehmende Normalisierung der Kapitalmärkte— auch infolge der wachsenden deutschen Kopitalbildung— den sicbenprozentigen Anleihetypus rechtfertigt. Auch auf diesem Wege ist eine öffent« liche Ausgabensenkung möglich. Eine Diskontsenkung würde auch die Neigung stärken, öffentliche Kredite niedriger ver- zinslich zu konvertieren, was der Gesamtwirtschast sicher nützlich iväre. Alle diese Momente können die Initiative zu neuer Kapital- invcstition in Deutschlond wesentlich fördern und, auch wenn man noch eine längere Fortdauer der Depression cmartct, die Voraussetzungen zu ihrer schnellerenUeberwindung verbessern. Das aber ist, wirtschaftlich gesehen, die Aufgabe der Dis- kontpolitik in Depresstonszeiten, wenn gleichzeitig bankmäßig die Reichsbank stark genug ist. Aber die bankmäßige Rüstung der Reichsbank ist ja gewaltig. Also herunter mit dem Diskont! Pfandbriefrekorde. 3m Marz und im ersten Quartal 1930. Der Pfondbriefabfatz im ersten Vierteljahr 1S30 hat sich, wie erwartet, rekordmäßig erweitert. Der Absatz übertraf im März mit 24S,8 Millionen die Ergebnisse des März ISA u m das Sechseinhalbfache und die des Dergleichmonats 1928 um weit mehr als dos Doppelte. Der Gesamtabsatz im ersten Quartal 1930 stellte sich aus 446,6 Millionen gegenüber 238,2 bzw. 262,6 Millionen in dem entsprechenden Quartal der beiden vorhergehenden Jahre. Da sich die Rentenhauss« im ersten Vierteljahr soft ausschließlich auf den Pfmchbriefmarkt beschränkte blieb da» Geschäft in Kommunolobligationen noch verhältnismäßig gering. Immerhin übertraf der Absatz im März die Ziffern des entsprechenden Monats 1929 um fast das Dreifache. Der Gesamtabsatz vom Januar bis März stellte sich auf 69,7 Millionen gegen 95,4 bzw. 91 Millionen in den entsprechenden Quartalen der beiden Vorjahre. Seit langer Zeit konnten im Mörz 1930 wieder Pfand- briese im Auslande abgesetzt werden. Der Posten belief sich auf 5,69 Millionen. Huikonzern zahtt wieder W/o Dividende Der Aussichtsrot der Berlin-Gubener Hutfabriken A.>G. hat ivjchtosseu, für das Geschäftsjahr 1929 wieder 16 Prozent Dividend« auszujchutten. Die gleich hohe Dividende wurde auch in den beiden vorhergehenden Iahren gezahll. Da die Gesellschaft trotz ihrer Rrtvrddioidende in den letzten Iahren nur einenTetlderReingewinnezur Auszahlungat boschlossen. der Generalverseunmwng die Verteilung einer Dividende von wieder 12 Proz. vorzuschlagen.