BERLIN Mittwoch 2. Mai 1930 10 Pf. Nr. 211 Bios 47. Jahrgang erscheint tS,lich aoterGeaatas«. Zugleich Abendauegabe des.Vorwärts'. BeiugspreiS beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. O.SOM. pro Monat. Redaktion und Expedition! Berlin SW 68. ündenstr.S SfiaJau&gaße xlei n\�tu>w�6» aietgeaprei«: Die einspaltige Nonpareilleieil« so Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. »stfcheckkonto: DorwürtS-Verlag G. m. b.H� Berlin Nr.»7SZ«. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29T Stmmzelchen im �uhrrevier. Gegen Keierfchichien und Massenentlassungen im Bergbau. Die gesamten Betriebsräte der Vereinigten Stahlwerke, Gruppe II, Abteilung Bergbau in Bochum, nahmen am Sonn- abend zu den Feierschichten und Massenentlassungen im Bergbau Stellung. Vertreten waren: der Bergbauindustriearbeiter-Berband, der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter, der Bund der technischen Angestellten und Beamten und der Reichsverband der Bergbau- angestellten. Sie richteten eine Eingabe an den Reichsarbeiisminister, die folgenden Wortlaut hat: »Bochum, den 3. Mai 1930. Herrn Reichsarbeitsminister Stegerwald, Berlin. Die gesamten Betriebsräte der Vereinigten Stahlwerke, Gruppe II. Abteilung Bergbau, Bochum, nahmen in ihrer heutigen Versammlung zu der jetzigen Lage im Bergbau Stellung. Sie geben hiermit dem Herrn Reichsarbeitsminister und der gesflinten Reichsregierung kund, dah sie sich das weitere Einlegen von Feierschichten und die Massenentlastungen der Bergarbeiter unter keinen limständeu weiter gefallen lasten können. Sie fordern von der Reichsregierung energische und gesetzliche Matznahmen, die den Bergarbeitern«in erträgliches Dasein ermöglichen. Die Ruhrindustriellen haben vor einiger Zeit sehr hohe Reichssubventionen erhalten, ebenso im vergange- nen Jahre sehr hohe Gewinne erzielt, so dah es ihnen auch ohne Feierschichten und Massenentlassungen möglich ist. über die vorüber« gehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinwegzukommen. Die Betriebsräte bitten die Rcichsregierung um gesetzliche Matz- nahmen, wonach die Betriebsräte beim Einlegen von Feierschichten bzw. Kündigungen ein Mitbestimmungsrecht haben. Wer» den von der Reichsregierung geeignet« Maßnahmen gegen die Feier- schichten und Mastenentlastungen nicht ergriffen, so müssen die Be- triebsräte die Verantwortung für die Folgen, die sich aus der steigenden Rot ergeben, ablehnen" Dies« Entschließung ist aus Anregung der Betriebsräte, die dem ichristlichen Eewcrksverein angehören, gefaßt worden. Daraus geht mit Klarheit hervor, daß die Erregung und Erbitterung der Bergarbeiter im Ruhrrevier sehr ernste Formen angenommen hat. Weltsorgen um die Weltanteihe. England fürchtet für seine Kapitalsdecke.— Frankreich und der Kredit für Oeutschland. Paris. 7. Mai.(Eigenbericht.) Die Pariser Verhandlungen der Delegierten der Finanzminist«- rien der am Doung-Plan interessierten Großmächte scheinen aus eine Reihe von Schwierigkeiten gestoßen zu sein. Während die Privatbankiers in Brüssel sich an der ersten, von der Zah- iungsbank auszugebenden Reparationsanleihe stark interes- sie rt gezeigt haben, scheint ein Teil der Gläubigerregicrungen einig« Einwendungen namentlich hinsichtlich der Verteilung der Zeichnungen machen zu wollen. So protestiert London dagegen, daß der Londoner Markt von der Reparationsanleihe zu stark beansprucht werden soll, da er eine neue Kapitalverknappung nur schwer ertragen könne und da die kürzlich zur Zeichnung aus- gelegte Staatsanleihe Finnlands an London nur sehr geringen Erfolg hatte. Auch Frankreich will sich, weim man dein„Excelsior" Glauben schenken darf, an der ersten Reparationsanleihe nicht über Gebühr beteiligen. Jedenfalls soll der auf Frankreich entfallende Zeichnungsbetrag nicht größer sein wie der Anteil Frankreichs am Anleihecrtragnis. Das Blatt erklärt, Frankreich wünsche dos System des Poung-Planes nicht mit einer Kreditgewährung an Deutschland einzuweihen, bevor Deutschland schlüssig« Beweise dafür gegeben Hobe, daß es den Plan auch wirklich durchführen wolle. Weiter beständen auf ftanzösischer Seite gewisse Bedenken hinsichtlich der Verzinsung der Reparationsanleihe. Während London und Amerika den Zinssatz von 5%' Prozent als ziemlich niedrig ansehen, hält ihn Frankreich für zu hoch Do die gc- samten französischen Staatsanleihen, soweit sie nicht zur Konver- tierung reif seien, nur mit drei oder vier Prozent verzinst würden. bestehe die Sesahr, daß die Reparationsanleihe die Börsenkurs« her französischen Anleihen Ö ritten kömrte. Oer große Mann a. O. Hitler:„Qi ist doch merkwürdig, lieber Hilgenberg, wie sich seit den Tagen des Volksentscheids unser Ver- hältnis umgekehrt hat." Die heutige Sitzung des Ausschusses für den Reichs- Haushalt begann mit Abstimmungen zum Wehretat. Angenommen wurde ein sozialdemokratischer An» trag, der die Vorloge des Berichts des Reichsspar- kam missars über die Durchprüfung des Heere?- und Marine- Haushalts an den Reichstag verlangt. Dann gab es eine kurze, aber scharfe Debatte über den Geheimfonds des R e i chs we h r m i n ist e r s(1 Million Mark). Di« Sozialdemokraten verlangten, daß wenigstens 500 000 Mark gestrichen würden. Der Wehrnnnister erklärte, daß er den Fonds nicht erhöhen wolle, er könne aber auch keine Vemündening vertragen. Der sozialdemokratische Antrag wurde abgelehnt. Abg. Schöpftin(Soz.) besprach die Unterstützungen an Offiziere und Mannschaften. Der Reichswchrminister antwortet« darauf, daß bei den Offizieren eine„ungeheuerliche Ilollagc" bestehe, dagegen bei den ZNannschasten nicht. Diese Bemerkung führt dazu, daß Abg. heinig(Soz.) aus dem Einzelmaterial der Rechnungsprüfung über die einseitige Bevorzugung der Offiziere und die großzügige Verteilung aus den Unterstützungsmitteln an sie Mitteilungen machte. Daraufhin erklärte der Wehrminister, daß er nunmehr diese Unterstützungen persönlich kontrollieren werde. Die Abgg. Biedermann(Soz.) und Kuhn(Soz.) besprachen Fragen der Soldatenquälereicn und der Konkurrenz der Militärkapellen gegenüber den Zivilmusikern. Der R e i ch s weh r m i n i st c r erklärt«, er greife in jedem einzelnen Falle von Mißhandlung, der ihm zur Kenntnis komme, rücksichtslos durch. Leider urteilten die Z i v i l g e r i ch t c in solchen Fällen häufig milder, als er wünsche. Die G e r i ch t« s o l l- ten nach seiner Meinung wegen Mißhandlungen scharf u r- teilen. Das Ministerium könne, wenn eine Soldatenmißhand- lung zu milde verurteilt werde, nichts anderes tun, als gegen das Urteil Berufung einlegen, um strengere Bestrafungen zu erreichen. General von dem Bussche sicherte neuerliche Nachprüfung d:r Mißstände im militärischen Musikerwesen zu.. Mit dem Deutschen Musikerverband hofse er zu einer Verständigung zu kommen. Abg. Leber(Soz.) machte daraus aufmerksam, es liege nicht nur an den milden Urteilen der Gerichte, daß die Mißhandlungen noch vorkämen, sondern auch daran, daß in manchen militärischen Kreisen die Mißhandlungen immer, noch als„übliches Erziehungs- mittel' betrachtet werden. Abg. Moses(Soz.) kritisiert das milltäramtliche� sogenannte wissenschajtliche Material über die Ur jachen der Soldaten» Eine Mutier tötet sieben Kinder. Darauf mißlungener Selbstmordversuch der Frau. TlewZork,?. Mai. 2n Eolumbus im Skaale Ohio hol eine Frau sieben von ihren neun Kindern erschlagen, hieraus unternahm sie einen Selbstmordversuch, der jedoch mißlang. wie die Untersuchung ergeben hat, ist die furchtbare Tat in einem Zustand vollster verzweislung ausgeführt worden. Der Er- nöhrer der Familie verbüßt augenblicklich eine Zuchthausstrafe, so daß die Frau den Lebensunterhalt für sich und ihre neun Kinder allein verdienen muhte. Das war aber oft unmöglich und aus ver- zweiflung darüber hat sie die Bluttat begangen. Hitzewelle in Amerika. 30 Grad im Schatten.- Große Waldbrände. Rem Park, 7. Mai. Eine groß« Hitzewelle sucht« einen Teil der Vereinigten Staaten Nordamerikas heim. Das Thermometer steigt über 30 Grad im Schatten. Trotz einiger Regenschauer tritt keine Abkühlung«in. Die Hitze ist von ausgedehnten Waldbränden begleitet, die bisher nicht gelöscht werden konnten. Fünf Städtchen sipd von den fortschreitenden Flammen bedroht. Hunderte von Wohnungen sind vom Feuer vernichtet, und Tausend« von Menschen sind obdachlos geworden. Oer Wehretat unter der Lupe. Oer Geheimfonds unvermindert.- deiche Ltnterflühung für Offiziere. selbstmorde. Es heißt da, die Durchsicht des Materials habe erwiesen, daß ein Verschulden des Vorgesetzten in keinem Falle vorgelegen habe. Solche„Feststellungen" hätten mit einem Er- gebnis wissenschaftlicher Untersuchung nichts zu tun. Der Wehrmini st er zeigte an Haird von Zahlen, daß die Selbstmorde in der Reichswehr immer mehr nach- lasse». Die Kritik des Abg. Moses werde er sich zu Herzen nehmen und dafür sorgen, daß die Militärmcdizinalbchördc nicht wieder solche„Resultate" veröffentliche. Ein soziaidemokratischer Antrag, der die Vorlage einer ein- gehenden Zusammen st ellnng der von den Atilitär- behörden im Jahre 1929 gezahlten Löhne, Zu- lagen usw. fordert, wurde angenommen. Dann kam es zu einer Sonder de batte über die großen Herb st Übungen 1930. Abg. Schöpslin(Soz.) forderte weitere Ersparnisse. Für die 100 000 Mann Reichswehr könne man mit ge- ringeren Mitteln auskommen. Sozialdemokratische S t r e i ch u n g s- antrüge wurden jedoch von allen anderen Parteien, mit Aus- nahine der Kommunisten, abgelehnt. Es folgte noch eine Sonberdebatte über die Heeresfachschulen. Abg. Steinkops(Soz.) weist darauf hin, daß deren Lehr- plan überlastet und zeitlich noch nicht ausgeglichen sei. Sie Reichswehr spart. Aus Kiel wird uns geschrieben: In Kiel gibt es«ine Maschinonzcntrale Wiek, die der Morineintendantur unterstellt ist. Aufgabe dieser Maschinenzentrale ist es, Rcparaturarbeiten und Jnstallationsarbeitcn für die Standnrlsverwaitung auszuführen. Darüber hinaus hat die Maschinenzentral« die Aufgabe, festliegende Schisse der Reichs- marin« mit Strom, Dampf und Wasser zu versorgen. Diese Maschinenzentral«, in der 15 Mann beschästigt waren, führte auch Arbeiten für das Finanzamt Kiel aus. Der Betrieb arbeitet« mit einem lleberfchuß. Zuschüsse vom Reich waren nicht ersorderlich. Aus Anordnung des Eparkonimissars wurde mich dieser klein« Betrieb überprüft, lind siehe da: Man f a n d e t w o s zum Ein- sparen, nämlich Arbeiterlöhn«! Auf Anweisung des Sparkornmisiars und weitere Derfüguiig des Rcichswehrnninsteriums wurde die Zahl der Belegschaft der Moschiiienzcntrolc von 15 aus 3 Mann reduziert.„Wenn die Arbeit für das Kieler Finanzaint eingestellt wird und die Arbeiten, die von den rcst- lichen br�t- Mann nicht ausgeführt werben können, an Hand- werksmet st er vergeben werben,[o ergibt sich bie Möglichkeit ber Einsparung/' Zwölf Arbeiter waren also brausten. Sie bekamen für 14 Tage Lohn ausbezahlt. Aber als sie brausten waren, stockte bie Arbeit ber Mafchinenzentrale sofort. Die Leitung ber Maschinenzentrale war gezwungen, chanbwerks- in ei st er herbeizuholen. Und diese, es war das einfachste, holten sich die soeben entlassenen Arbeiter. So bezahlte denn die Marineinlendanlur Kiel nicht nur den Lohn für die Arbeiter weiter, sondern auch noch den INeisterzuschlag für die Unter. nehmer! Der Etat der Mvschinenzentrate senkte sich— weil die Ausgaben für die Untennehmerleiftungen in den Etat der Jntendon-- tur übertragen wurden. Ein netter, rechter Schildbürgerstreich. Di« entlassenen Arbeiter klagten gegen das Deutsche Reich und das Reichswehrmimsterium. Das war ober nicht so ganz einsach. Denn als das Arbeitsgericht von der Marineleitung Berlin ein Gutachten über die Rentabilität der Maschinenzentrale haben wollte, antwortete man ihm, da Hab sich das Arbeitsgericht gar nicht einzumischen. Do sei ein st a a t s p o l i t i s ch c r Akt und der Arbeitsgerichtsbarkeit nicht unterworfen. Arbeitsgericht und Entlassene gaben sich mit dieser Ablehnung jedoch nicht zufrieden und erreichten denn auch, daß zwei Gut. chten abgegeben wurden darüber, ob die Arbeiten und Aufgab«, der Maschinen zentral« von den verbliebenen drei Arbeitern aus- geführt werden könnten. Die Gutachten, ausgestellt vom Werk stätteniciter der Maschin«».zentrale und einem Regierungsoberbau inspcktor der Marineintendantur, sielen für die Marineleitung und den Sparkommissar sehr übel aus: Beide Gutachten sagen über einstimmend, daß zur Bewältigung der Arbeiten 13 bis 13 Arbeiter notwendig sind. Das Arbeitsgericht Kiel traf daraufhin diese Eni scheidnng: Der Sparkommissar hat nur bestimmte Arbeitsaus sühruitgen eingeschränkt. Darüber hinaus hat aber das Reichswehr- Ministerium angeordnet, daß 12 Mann entlassen werden sollen. Di« Bestimmung des Sparkommissars kann vom Gericht nicht nachgeprüft weiden, da es sich hier um einen staatspolitischen Akt handelt. Die Verordnung des Reichswehrmini st ers, die über die Bestimmung des Sparkommissars hinausgeht, unterliegt der Prüfung, da dos Reichswehrministerium Arbeitgeber ist. Dies« Prüfung ergab nach Feststellungen der Gutachten, daß die Entlassung der 12 Arbeiter eine unbillige ch ä r t e ist. Die Klage war also begründet. Falls das Reichswehrmimsteriun, die Ent- lassenen nicht wieder einstellt, muß es ll> 000 Mark insgesamt Enb schädigung zahlen. Das Reichswehrmimsterinm wird aber weder zahlen noch ein- stellen. Es wird„sparen", indem die Arbeiten unter Zuschlag der Unternehmergewinne ausgeführt werden. Und im übrigen wird„gespart", indem Berufung und Revision gegen das Urteil des Arbeitsgerichts eingelegt wird. Wirbelsturm über Texas. Bisher 73 Tote und mehrere hundert Verletzte. Oer Kall Marckwald. Hoffnung der Aerzte auf Rettung der Vergifteten. Frankfurt a. M., 7. Mai.(Eigenbericht.) Der Zustand des preußischen Landtagsabgeordneten Genosten Marckwald und seiner Ehefrau, die am Montag abend große Mengen Beronal zu sich nahmen, hat sich in der Nacht zum Mitt woch wieder verschlechtert. Im Lause des heutigen Vormittags glaubten die Aerzte jedoch«ine leicht« Besserung feststellen zu können, so daß sie chofsnung hegen, die noch immer bewußtlosen Kranken dem Leben zu erhalten. Verfahren auch gegen Stadtrat Katz? Skandal ohne Ende/ Neue Maßnahme des Oberpräsidenten Der Oberpräsident hat sich genötigt gesehen, den jehigen Leiter des Grundstückdezernats der Stadl Verlin, den demokratischen Sladtrat Käß, der augenblicklich in Lugano zur Erholung weill, sofort zurückzuberufen, da von der ver nehmung des genannten Stadtrats durch den Oberpräsidenten die Entscheidung abhängen wird, ob gegen Kah ein Disziplinarverfahren eingeleitet werden wird. Im Oberprasidium will man zunächst das Material gegen Katz noch nicht bekanntgeben, bevor der Angeschuldigte in Berlin zu den Dingen, die ihm zur Last gelegt werden, durch den Oberpräsidenten vernommen worden ist. Wie wir jedoch erfahren, stützt sich die Anschuldigung gegen Katz zunächst auf die Verhandlungen vor dem L a n d t a g s a u s s ch u ß, die am 14. April d. I. stattgefunden haben. In dieser Sitzung hatte der Grundstücksmakler Blobelt unter seinem Eide bekundet, daß er bei einer Verhandlunz zwischen Busch und Katz zugegen gewesen sei, bei welcher davon die Rede gewesen sei. daß Busch von Blobelt verlangt Hab«, er soll« von einer Firma in der Leipziger Straße eine Provision für«inen Grundstückskauf zahlen. An dieser Provifton sollten Busch. kah und Blobelt beteiligt sein. Stadtrat Katz hatte in dieser Sitzung ebenfalls unter Eid dies« Behauptung von Blobelt energisch b e st r i t t e n und wollte es auch nicht wahr haben, daß der Makler Blobelt früher sein Duzfreund gewesen sei. Inzwischen ist Blobelt von der Staatsanwaltschaft vernommen worden und hat dort nicht nur seilte Aeußerungen, die er vor dem Landtagsausschuß getan, wibderholt, sondern er hat darüber hinaus noch präzise An- gaben gemacht, die Staatsanwalt Weißenberg oeranlaßten, das Material, das ihm nach dieser Richtung hin bekannt geworden Ist. zusammenzufassen und dem Oberpräsidenten zur weiteren Voran- lassung zu übermitteln. Neue ErNärung Nyöahls. In einer neuen Erklärung wendet sich heute Stadtschulrat Rydahl von seinem Krankenlager gegen die Behauptungen der Nationalsozialisten, er habe bei Pianoankäufen lt> Proz. Provision erhalten und sei an einem Grund st ücksankauf be- teiligt gewesen. Wir haben diese neuen Anwürfe bereits im heutigen Morgen-„Vorwarts" als Verleumdungen gekennzeichnet. Nachstehend veröffentlichen wir den Wortlaut der neuen Er- klarung des Stadtschulrats, dessen Zustand sich heute weiter ver- schüchtert hat. 3" dem Antrage der Nationalsozialisten gebe ich folgende Er- k l ä r u n g ab: kurz noch der Znslalionszest wurde unter Zu- slimmung des Kämmerers der Firma ZNah u. Co. ein Sammel- auftrag zur Lieferung von Klavieren an Volksschulen gegeben, um dadurch einen billigeren Einkauf zu erzielen. Soweit ich mich entsinne. Handelle es sich um S bis 10 Klaviere, weitere Sammelbestellungen wurden nicht gegeben, um den Schulen die Möglichkeiten der freien Auswahl zu überlasten. Irgend- welche Provisionen sind an mich nie gezahlt war- den. Ferner habe ich nie einen Menschen ausgefordert. ein Grundstück in Schmöckwitz der Stadt zum verkauf anzubieten. Ein Antrag des Bezirksamts Köpenick, ein in Schmöckwitz gelegenes Grundstück für Schulzwecke anzukaufen, ist vom Magistrat abgelehnt worden. gez. N y da hl. Dallas(Texas), 7. Mai. Ter«irden des Staates Texas ist von einer» schweren Wirbel stürm heimgesucht worden. Wie- viel Orte von der Katastrophe betroffen worden sind, war bisher infolge der Zerstörnng der Verbindungen nicht festzustellen. Viele einzelstehende Farmen sind verwüstet worden. Ter Tornado hat auch zahl- reiche Todesopfer gefordert. Während man an- fangs mit etwa 30 Toten rechnete, hat sich«ach den letzten Meldungen die Zahl der Toten bereits a u f 7 3 erhöht, Verletzte sind mehrere hundert zu verzeich- nen. Eine genaue Erfassung der Zahlen ist noch nicht möglich, denn die Verkehrsmittel sind durch den«türm vernichtet worden. Da der in den Krankenhäusern zur Verfügung stehende Raum nicht ausreicht, sind Privat- Häuser und öffentliche Gebäude als Verbandsstationen und Nothospitäler eingerichtet worden. Aus den«tädvc» der Nachbarschaft werden in aller Eile Aerzte und Krankenschwestern nach dem Katastrophengebirt gebracht. Das Rote Kreuz hat bereits Maßnahmen zur Linderung der Not in dem betroffenen Gebiet eingeleitet. Der kleine Ort Frost, der nur 1030 Einwohner hat, hat an- scheinend am schwersten gelitten, hier find 20 Personen getötet worden. Ter Wirbelsturm raste in einer Bahn von einem Viertelkilometer Breite über eine Strecke von wenigstens 100 Meilen dahin und entschwand schließlich im Golf von Mexiko. Auch in anderen Teilen von Texas ist durch schwere Stürme großer Schaden angerichtet worden. Schweres Autounglück in Westfalen. berliner Wagen rammt kleinen Opel.— 6 Schwerverletzte. Hagen, 7. Mai. Ein schwerer Autozusammenstoß ereignete sich gestern nachmittag an einer Bahnüberführung in Hagen. Ein in Richtung herdecke fahrender großer Berliner Personenkraftwagen hatte in der Kurve ein« Reifenpanne, geriet ins Schleudern und fuhr einem entgegenkommenden kleinenOpel-WagenindieFlanke. Der Anprall war so heftig, daß der Opel- Wagen völlig zer« t r ü m m e r t und der Berliner Wagen schwer bejchä- d i gt wirr de. Vier Insassen des großen Kraftwagens und der Chauffeur wurden herausgeschleudert. Mit zum Teil schweren Ber- letzungen wurden sie ins Krankenhaus eingeliefert, während eine Person leichter verletzt wurde und bei Verwandten nt herdecke Unterkunft saird. Die schwersten Verletzungen erlitt der Selbstfahrer des Opel-Wagens, ein Kauf manu W ü st h o s s aus Elspe im Sauer- land. Lebensgesahr besteht jedoch nicht. Die übrigen Verletzten sind herdeckcr Bürger, die von dem Berliner Chauffeur namens Richard Frömmelt, einem 40jährigen verheirateten Manu, der den Fiat-Wagen aus Esten(Ruhr) ans der Reparatur geholt hatte, ein Stück Weges mitgenommen worden waren. Motorrad rast in Zuschauer. Toledo, 6. Mai. Bei einem Motorradrennen in Dalmojado fuhr ein Motor- rad in die Zuschauermenge hinein. Sieben Personen wurden schwer mtd mehrere andere leichter verletzt. Die beiden Fahrer mußten von der Polizei vor der Wut der Menge geschützt werden. Vulkan Krakatau in Tätigkeit. Ausbrüche bis zu 150 Meter Höhe. Balavia. 7. Mai. Der berüchtigte Inselvulkan Krakatau macht sich nach kurzer RnhepWise wieder bemerkbar. Die verschiedenen Aus- bräche erreichten eine höhe von 150 Meter und wurden von Aufwellmigen des Meereswassers und vonzahlreichenExplo- [Ionen begleitet. Außerdem wurde ein leichtes Beben verspürt. Erdstöße in Ealabrien. Rom, 7. Mai. „Popolo di Roma" berichtet, daß gestern abend, um SA, Uhr, in der gesamten Provinz Ealabrien ein starkes Erd- beben verspürt wurde, das zum Glück nur wenige Sekunden Dauer hatte. Schäden sind bisher noch nicht gemeldet. Liberale retten Konservativen. Labours knappe Niederlaqe in West-Fulham. London. 7. Mai.(Eigenbericht.) Die am Dienstag in West-Fulham stattgefundene Nachwahl zum Unterhaus, die durch den Rücktritt eines Abgeordneten der Arbeiterpartei notwendig geworden war, endete entgegen den ersten Meldungen nicht mit einem Siege der Arbeiterpartei, sondern mit einem Sieg der Konservativen. Der konser- vative Kandidat Cobb erhielt 16 223 Stimmen, während auf den Sozialisten 13 983 Stimmen entfielen. Die kleine konservative Mehr- heik ist nur dadurch möglich geworden, daß diesmal die Liberalen keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hatten und die Mehrzahl der Liberalen in Widerspruch zu der parteioffigiellen Parole gegen den Sozialisten und für den konservativen Kandidaten stimmt«. Die Krise ber Demokraten. Scharfes llrteil aus Hamburg. Homburg, 7. Mai.(Eigenbericht.) In einer Sitzung des Parteiausschustes der Hamburger Demokraten wurde am Dienstag abend nach einein Referat des Reichstagsabgeordneten Bull und nach längerer, stark kritischer Aussprache nnt großer Mehrheit gegen nur drei Stimmen folgende Entschließung angenommen: „Die Deutsche Demokratische Partei hainburgs stellt durch ihren Parteiausschuß fest, daß sie in den letzten Entscheidungen der demo- kratischen Reichstagsfraktion eine Verletzung demotrati- cher und sozialer Forderungen erblickt. Sie verlangt von den Führern der Partei, daß sie die künstige Wirtschafts-, So- zial- und Agrarpolitik eindeutig im Sinne der demo- kratischen P a r t e i g ru nds ö tz«, die am besten den großen Gegenwartsausgoben der deutschen Republik entsprechen, führen, oder von der Führung zurücktreten." Der Parteiausschuß wandte sich gleichzeitig gegen jede Verschmelzung mit anderen Parteien. lassen. Frau Altmann gab schließlich eine Erklärung ab, daß sie mit dem„gekauften Lump" nicht Dr. Klauber persönlich gemeint habe, sonderndi«ganzeGruppe,zu der er gehört. Ein geringer Trost! Frau Altmann übernahm auch die Gerichtskosten. Wer wird nun der nächste gekaufte Lump' sein? „Der gekaufie Lump." Kommunistische Vrüber vor bürgerlichem Gericht. In welcher Parle! ist es möglich, daß einer heule angesehenes Parleimikglied ist und morgen„getaufter Lump" geschimpft wird? Natürlich in der kommunistischen. Diesmal traf das Geschick den kommunistischen Arft Dr. k l a u b e r. Als die Brandler-Opposition, Schlör an der Spige, aus der Roten hilf« ausgeschlossen wurde, gründete sie die Internationale A rb e i te r h i l f e. Die„Rote Fahne" reagierte darauf prompt, indem sie Dr. Klauber einen gekauften Luinpcn nannte. Daß K. sich eine derartige Titulierung von seinen früheren Gesinnungsgenossen nicht gefallen lasten wollte, ist ihm nicht zu verdenken. Alle seine Bemühungen,«inen Schiedsspruch herbeizuführen, blieben vergebens. Also rief er das bürgerliche Gericht an. Nun fand die Verhandlung statt. Der bürgerliche Richter versuchte zwischen dem angeklagten verantwortlichen Redakteur der „Roten Fahne", Frau Altmann, und Dr. Klauber einen Ver- gleich zustand« zu bringen. Frau Altmann zeigte sich aber äußerst hartnäckig. Zur Bestätigung dessen, daß„gekaufter Lump" nicht ein Schimpfwort, sondern vielmehr ein klassischer Ausdruck aus Marx und Engels sei, zitierte sie den ultraradikalen Mgslow. Im übrigen, so erklärte sie, habe die Brandler-Gruppe sich selbst den Ausschluß zuzuschreiben, denn sie habe in der Roten Hilfe Parteipolitik hineingetragen. Die Gegenpartei war anderer An- ficht. Nein, sagte sie, die Rot« hilf« ist es gewesen, die Parteipolitik getrieben hat. Sie versagte den oppositionellen Kommunisten Rechtschutz und gewährte ihnen auch keine materielle Ilnterstütz'.ing. Daher die Gründung der Internationalen Arbeiterhilse. Es ist schwer zu sagen, wie der Prozeß geendet hätte, wenn der zufällig im Gerichtssaal anwesende Rechtsanwalt Dr Apfel aus Ersuchen des Richters nicht feine Bergieichslünste hätte spielen Die Lena-Goldfelder schließen. Englische Konzessionäre stellen Betrieb ein. Sowno. 7. Mai. Nach Meldung aus Moskau hat das hauptkonzesstonskomitee der Sowjetunion aus die Mitteilung der Direktion der Lena-Gold- field-Konzesstonsgesellschast über die Zurückberufung ihrer Vertreter und die Schließung ihrer Betriebe kn seiner Antwort unterstrichen, daß die Direktion der englischen Gesellschaft damit die Durchführung der auf Grund des Konzessionsvertrages übernom- metten Verpflichtungen eingestellt habe. Die Verantwortung für diesen einseitigen vertragswidrigen Beschluß falle auf di« Direktion der englischen Gesellschaft. Denn die Betriebe würden dadurch in ein« außerordentlich schwierige Lage gebracht. Die eng- lisch« Gesellschaft müsse daher auch die Folgen tragen. Iedensalls. so betont das haupttonzessionskoniitee wester, habe dainit auch das Schiedsgericht zu bestehen aufgehört, das zur Schlich- ttntg von Streitigkeiten eingesetzt war. Zur endgültigen Abrechnuttg und zur Durchführung der Liquidierung des englischen Unter- nehtnens schlägt die sowjetrussische Behörde eine gemeinsame Be- sprechung für den 7. Mai vor. * Die Betriebe der Lena-Goldfield-Gesellschast gehören zu den ältesten ausländischen Konzessionssirmen in der Sowjetunion. Sie wollen die Goldfelder an dem Lenafluß in Sibirien ausbeuten und haben in der letzten Zeit auch unter anderem Kupferbergwerke im Ural erworben._ Gebührende Antwort. Gegen den Mißbrauch der kleinen Anfragen. Der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Kube hatte in einer Kleinen Anfrage behauptet, daß der Futtersatz für einen preußischen Polizeidiensthund 60 Mk. monattich betrage, während ein arbeitsloser Angestellter eine monatliche Unterstützung von 63 M. beziehe. In ihrer Antwort erklärt die preußische Regierung, daß der Futtersatz sür einen preußischen Polizeidiensthund nicht 60 M., sondern nur 18 bis höchstens 20 M. beträgt. Im übrigen habe die Staatsregierung bereits Schritte bei dem Präsidenten des Landtags getan, um dem unwürdigen Zustand ein Ende zu be- reiten, daß Angelegenheiten, die mit dem eigentlichen Zweck parlamentarischer Anfragen in keinem Zusammenhang stehen, aus agitatorischen Gründen zum Gegenstand kleiner Anfragen gemacht werden. 1400 kleine Anfragen. Ministerpräsident Dr. Braun hat ein Schreiben an das Prä- stdium des Landtags gerichtet, in dem er gegen dos Ueberhandneh- inen der Kleinen Anfragen Stellung nimmt. Der Ministerpräsident stellt fest, daß im letzten Jahre etwa 1400 Kleine Anfragen gestellt worden sind und daß in der Hauptsache daran die Rechtsopposiiion, namentlich die Deutschnationalen und die Nationalsozialisten, be- teiligt waren. Wasserschierling statt Petersilie. Verhängnisvolle Verwechslung.— 5 Personen erkrankt. (Chemnitz, 7 Mai. Durch Verwechslung von Petersilie mit dem gif- t i g c n Wasserschierling erkrankten«m Stadtteil E-h« m- nitz-Hilbersdors süns Personen. Sie wurden sofort in das Städtische Krankenhaus übergeführt. Lohnzahlung auf Siottern. Hartnäckiger Pleitegeier im Karl-Liebknecht-Haus. Seit dem verunglückten Ausoerkauf von kommunistischen Parteiunternehmungen ist die Geldverlegenheit der KPD.-Macher ins Chronische u-nd kaum noch länger Erträgliche gestiegen. Es ist tatsächlich soweit gekommen, daß den politischen Ange- stellten, den Büro- und Druckereiarbeitern, soweit sie politisch konununistisch organisiert sind, die verdienten Löhne längere Zeit vorenthalten werden. Auf der anderen Seite werden den wenigen Unorganisierten und Ausgeschlossenen, die noch im Be- triebe vorhanden sind, die Löhne aus begreiflichen taktischen Gründen mit Ach und Krach gezahlt.(Also raus aus der KPD.— wenn man als Arbeiter zu seinem wohlverdienten Lohn kommen will.)— Am Freitag vor 8 Tagen bedurste es erst eines zweistündigen Proleflstreiks, um für die organisierten kommunistischen Drucker wenigstens ein« Ratenzahlung auf den fälligen Wochenlohn herauszuholen.— Kommunistische Arbeiterfürsorge auf Stottern, die neueste soziale Er- rungenschaft der kommunistischen Maulhelden! Aehnlich liegen die Dinge für die gesamten politischen Kräfte, für das Büropersonal und die Mitarbeiterschaft. Es ist nicht übertrieben, wenn man, unserem Gcwährsinanne folgend, behauptet, daß in fast jedem Zinnner die verschiedensten Truppen führender Männer mtt heißen Köpfen über die Fragen debattieren, wie man die KPD. wieder slott machen könnte. Es kommt auch nicht selten vor, daß die Abteilungsleiter des roten Studolf von JCaban der zum Ballettmeister der Staatstheater als Nachfolger von Max Terpis berufen wurde. Zeitungsmtternehmens aus ihren Kontrollgängen feiernde Arbester- und Angestelltengruppen antreffen und auf chre besorgte Frage nach den Gründen der Arbeitsruh« die galgenhumorige Antwort erhalten: »Wir unkerhallen uns, wie wir selbst und die KPD. zu Gelde kommen." Die auss äußerste gestiegene Geldknappheit hat natürlich die mannigfachsten Ursachen: Es ist einfach an keiner Stell« der'vielsettig verzweigten Ge° schäftsunternehmungen der Partei mehr flüssiges Geld vorhanden. Der Berlag der ,, Roten Fahne" bezahlt seit längerer Zeit kein Geld mehr für die Druckausträg«. Der Abonnentenstand der Zeitung ist so gering— gerichtsnotorisch unter 20 000—, daß die Abonnentengelder knapp ausreichen, um die Gerichtsftrasen für die blödesten Beleidigungsprozess« zu zahlen. Die Plest« des Drucker ei untcrnehmeirs ist so offenbar, daß selbst die geringsten Mengen von Druckpapier erst nach Bezahttmg abgeladen werden. Die Schwierigretten werden dadurch noch gesteigert, daß alle übrigen kommunistischen Unternehmungen wohl ihre Druckaufträge in der Partexdruckerei herstellen lassen, aber seit Monate» nicht mehr an Bezahlung denken. So konnte die doch nach außen hin so fabelhaft tönende Organisation der roten chilfe nicht mehr die Drucktosten für chren„roten Helfer" bezahlen. Aber was noch schlimmer ist, die bescheidenen Zuwendungen an die Angehörigen der politischen Gesungenen können seil einiger Zeil nicht weiter zur Auszahlung gebracht werden. Es scheint also auch im Gebälk der Münzenbergunternehmungm an allen Ecken zu krachen. Man spricht ganz offen davon, daß die Zeitung„Berlin am Morgen" aus em Drittel ihrer früheren Auftage zurückgegangen ist._ „IKvoluiionäres" Theater. Maifeier mit aufgepflanztem Geitengewehr und Stahlhelm. Wie da» Moskaublatt berichtet, demonstrierten am Dienstag „50 000 Soldaten der roten Klasienfront". Offenbar bedauerten die!« „50 000 Soldaten"— so genau kommt's bei der Zählung nicht darauf an. so daß sich'« nach oben gut abrunden läßt—, daß sie nicht wie die Moskauer am 1. Mai demonstrieren konnten, unter den gleichen Fahnen,„aber mit ausgepslanzlcm Seilengewehr, mit Feldgeschühen und dem Stahlhelm aus dem Kaps". Dem Roten Frontkämpserbund, der KPD. und der Weltrevo- lution bracht« Leow ein dreimal kräftiges Rot Front. Das Heer der Roten Frontkämpser antwortet mit einem drei- fachen Rot Front,„da» die Erde erzittern läßt". Das ist eine der verhängnisvollen Täuschungen, in denen die KPD. sich bewegt. Die Erde erträgt so viel, daß st« selbst von dem lautesten und„revolutionärsten" Geschrei nicht erzittert. Ob die Kapedisten„N i e d ä ä rl" rufen oder„H o ch!"—die Eide bleibt fest, nur die Lust wird vorübergehend durch Schallwellen ein wenig be- wegt. Wir wollen über„das Meer roter Klassenkämpfer", über das messerscharf die Worte der Leow und Heinz Neumonn hinweggingen. und einiges andere, was sich sonst noch in dem blumig-revolutionären Bericht findet, nicht rechten. Doch scheint uns, etwas weniger messer- scharfe Aufschneiderei bei diesen„Soldaten", die in der I'ingftont riefen:„Wir alle sind Führer", wäre auch noch gimug. Wahlrecht für europäische Frauen. Die gesetzgebende Versamm- lung von SÄrvestafrita hat mit 18 gegen 7 Stimmen einen Antrag aus Ausdehnung des Wahlrechts auf europäische Frauen ange- nommen. ZuOskar v.MittersTS.Geburisiag Oer Begründer der elektrischen Krastübertragung. Die elektrische Kraftübertragung ist zu einem derartigen unent- behrlichen und nicht mehr wegdenkbaren Werkzeug unserer tech- irischen und Wirtschaftsorganisation geworden, daß es kaum glaub- Haft erscheint, daß ihr Begründer noch unter uns weilt. Und doch ist dem so: am 7. Mai feiert Oskar von Miller, dem dieser ent- scheidende Fortschritt zu danken ist, seinen 75. Geburtstag, und wer ihn bei seiner Tätigkeit, sei es im Reichswirtschaftsrat, fei es in einer der zahlreichen technisch-wirtschastlichen Bereinigungen, denen er angehört, beobachtet hat, wird kaum glauben, daß dieser Mann schon mehr als das biblische Alter aus seinen Schultern trägt. Bon seinem Vater, dem berühmten Erzgießer Ferdinand Miller, erbte er, wie alle seine neun Geschwister, die Leidenschaft für technisches Schaffen, was sich auf der Schule zunächst in sehr geringen Leistun- gen in den asten Sprachen ausprägte. Sein damaliger Klassenlehrer pflegte, wenn er die Leistungen seiner Klasse in Griechisch und La- teinifch besprach, zu sagen, wie Miller selbst erzählt hat:„Der Letzt« ist der Westermaier, dann kommt lang nix und dann kommt der Oskar Miller." Um so besser verlief sein technisches Studium. Die entscheidende Wendung seines Lebens kam auf der P a r i s e r E l e k- trotechnischen Ausstellung von 188l. Hier erkannte er instinktiv die Zukunftsbcdeutung der neuen Technik, und mit Feuer- eifer arbeitete er sich in die Materie ein. Sein« Heimat sollte- eben- falls eine solche Ausstellung aufzuweisen haben. Sein organisato- risches Genie zeigte sich mif dieser, der ersten elektrotechnischen Aus- stellung in Deutschland, die im September 1882 im München«? Glaspalast stattfand, so überzeugend, daß einige namhafte Industrielle die Mittel aufbrachten, um ihm eine Studienreise durch England und die Vereinigten Staaten zu ermöglichen. Nach seiner Rückkehr machte er der bayerischen Regierung einen Vorschlag, der von einem derartigen Weitblick zeugt, daß man der Regierung nicht eimnal einen Vorwurf daraus machen kann, daß sie ihn erst nach— 30 Iahren ausführte. Er schlug nämlich vor, eine staatliche Stelle zur planmäßigen Ausnutzung der baye- rifchen Wasserkräfte zu gründen. Man bedenke, daß da- mals der Technik nahezu alle Mittel fehlten, um Elektrizität in solchem Umfange zu erzeugen und auf solche Entfermmgen fortzu- leiten, wie es heute möglich ist. Die größten Maschinen, die es gab, waren kaum 100?L. groß, und es waren Gleichstrommaschinen für etwa 100—120 Volt, Der Wechfelstrom war zwar bekannt, aber wurde kaum angewendet, Drehstrom gab es noch nicht, und der Transfor- mator war wohl gerade erfunden, aber noch ganz unbekannt. Kein Wander, wenn die bayerische Regierung die Zuversicht Millers, alle die fehleirden Hilfsmittel würden binnen kurzem geschaffen werden, nicht teilte. So fehlte ihm zunächst die Möglichkeit, seine Idee in die Praxis umzusetzen. Diese Gelegenheit bot sich ihm acht Jahre später, als abermals eine elektrotechnische Ausstellung stattfinden sollte, im Jahre 1891 in Frankfurt a. M. Diese Ausstellung wurde durch ihn zu einer der berühniteften technischen Ausstellungen der Weltgeschichte. Er suchte sich eine Wasierkrvst aus, die, 180 Kilometer von Frankfurt entfernt, in Laufen a. N. bis dahin ein Dasein vollkommen nn Dunkeln geführt hatte. Eine dort eingebaute Turbine trieb«inen Wechselsttomgenerator, dessen Spannungen durch den inzwischen bekamst gewordenen Transformator auf den für jene Zeit riesigen Wert von 20 000 Volt gebracht wurde. Wieder- um war Miller sttner Zeit mit mehrere Längen voraus, denn als späterhin die Technik elektrischer Kraftübertragungen sich einführte, »nißte man mit sehr viel niedrigeren Spannungen anfangen, weil die Isolationsschwierigkeiten zunächst unüberwindlich waren. Die von Laufen nach Frankfurt übertragene Energie trieb dort alle Motoren und die Beleuchtungsanlage der Ausstellung, von der am meisten Eindruck«ine gewaltige Leuchtfontäne machte. Der Eindruck dieier Tat war derartig stark, daß die Verbreitung der elektrischen Fern- überttagung nun rasch vor sich ging. Wenn heute Deutschland von einem Netz von Hochspannungsleitungen überzogen ist, wenn elck- irisches Licht und Elektromotoren im kleinsten Dörfchen zu finden sind, wie in kaum einem anderen Lande der Welt, so ist das un- streitig das Verdienst Oskar v. Millers, dessen Rat in diesen Fragen immer wieder von allen Seiten eingeholt wurde. Die letzte Tat des fast Siebzigjährigen wird seinen Viamcn vielleicht am dauerndsten festhalten. Es ist die Gründung des Deutsche» Museums von Meisterwerken der Technik und Naturwissenschaften in München, in dem in unübertrefflicher Weise die Entwicklung aller Techniken fest der Urzeit bis zur Gegenwart, vielfach an Hand von lebens- großen und betriebsfähigen Modellen, gezeigt wird. Dadurch, daß jeder Besucher an ihnen selbst Versuche ausführen kann, wird tech- nifches Denken u-nd Berstehen ungeahnt gefördert. Diplomingenieur Dr. Artur Hamm. Jahresversammlung des Oeuifchen Museums 1930 Zur diesjährigen Jahresversammlung des Deutschen Museums hatten sich wieder zahlreiche hervorragende Vertreter von Politik, Wirtschaft und Wissenschaft des Deutschen Reiches in der bayerischen Landeshauptstadt eingefunden. In die Tage der Iahresversamm- lung fällt die Feier eines vierten großen Bauabschnitts in der Gc- fchite des Deutschen Museums, das Richtfest des neuen S t u- diengebäudcs. Mit einer Sitzung des Borstandes im Rat- Haufe nahm Dienstag vormittag die Jahresversammlung ihren An- fang. Nachmittags versammelten sich die Teilnehmer im Deutschen Museum zu einem Vortrag von Professor Dr. E. S ch r ö d i n g c r über„Die Wandlungen des physikalischen Welt- begriffes". Im Anschluß an den Vortrag hatten die Gäste Ge- legenheit, die Entstehungsgeschichte des Denkmals deutscher Bau- arbeit in allen ihren Phasen in einem Film zu sehen. Trotz der schwierigen und gefährlichen Bauarbeiten hat sich während der ganzen Bauzeit kein Unfall ereignet. Der Festredner, Prof. Bcstel- meyer, führte aus: Die Begeisterung und die Zuversicht, mit der Oskar v. Miller jederzeit an seinem Wert gearbeitet habe, müsse auch auf das deutsche Bolk übergehen, damit das endliche Gelingen nicht ausbleib«. Das neue Siudiengebäude des Deutschen Museums. Heute wird in München das Richtfest des Studiengsbäudes vom Deutschen Museum begangen, das nach dem Entwurf von German Bestelmeyer errichtet wird. Die Bibliothek, die neben dem Saalbau den Hauptteil des Neubaues einnehmen wird, ist die erste öffentliche technische Bibliothek, die in Deutschland«rrichiet wird. Sie enthält eine Bücherschau- und Handbibliothek, in der 20000 Bände der meistgelesenen technischen Bücher und Zeitschrii- ten des In- und Auslandes frei aufliegen. Anschließend daran liegen die Lesesäle. Zum Organismus der Bibliothek gehören ferner Sammlungen von Plänen, Patentschriften, Urkunden, Medaillen, Lichtbildern, Filmen und Firmenkatalogen, eine große Anzahl Forscherzimmer, Katalogsäl« und ein Bücherspeicher für eine Million Bücher und Zeitschvisten. Der Saalbau enthält einen Kongrehsaal für 2000 Personen und zwei kleinere Hörsäle. Die Bauten sind als Stahlskelettbauten errichtet: nach der Ferttgstellung werden sie als Putzbau erscheinen, mit sparsamer Verwendung von Muschelkalk. „Das Meinlandmädel." Titania-palast. Das süße Wiener Madel, die Rheinlandtöchter und die Jung- frau von Heidelberg sind immer noch die Lieblingsgestalten des deutschen Films, auch in seiner neuen Form des Tonfilms. Sie sind unsterblich und crle-bey jetzt unter den Aufpizien des Gesangß von Liebes- und Kommersliedern ihre Wiederauserstehung auf der ganzen Linie. Den Anfang macht„Das Rheinlandmädel", Text und Musik bekannt: Regie des Johannes Meyer in bekannten Bahnen. Zur Abwechslung sind es Studentinnen, die wahrend des Karnevals in einem Kölner Lokal Musik machen und sich die Herzen erobern. Es ist die alt« süßliche Geschichte, doch wird sie ewig neu. Kneipszenen aus dem Leben eines feudalen Korps, Karnevals- u-inzüg« und Rheinfahrtcn sorgen in altgewohnter Weise für das bildliche, das Liebespaar stellen Gretel Bertidt und Werner Fuetterer— sie arme Studentin, er Sohn eines Großindu- sttiellen—, beides keine guten Sprecher und in schmachtender Senttmentalität ertrinkend. Luftiger und flotter sind schon die an- deren Mädels: Lucie Englisch, Truüe Berliner und Ilse Rast. Wir gehen herrlichen Zeiten i-m Tonfilm entgegen. r. „Einbruch im Bankhaus Gichenbach." Primus-Palast. Di« Lichtspieltheaterbesitzer flehen die Industrie um Lieferung guter Filme an. In den großen Städten des Reiches ziehen die Ankündigungen„Stummer Fitni und Orchester". In Berlin sind werwollst« Musikerkräfte bereit, den stuimne» Film mit Schmiß zu illustrieren: aber die Hersteller stummer Filme verabsäumen die sich ihnen bietende günstige Gelegenheit. So wurde auch wieder Dr. Landsbergers Roman„Bankhaus Reichenbach" im alten Trott verfilmt. Das Filmmanuskript ist ohne jede Strasfting: es besteht aus lose zusammenhängenden Szenen. Eine dunkle Eistenz will in die Gesellschaft«indringen, ruiniert einen Bankier, saniert sein Geschäft und heiratet sein« Tochter. Seine Geliebte muß in sein eigenes Bankhaus einen Ein- bruch verüben, damit der Vetter seiner Frau verdächtigt werden werden kann. Doch im Film bekommt immer der Schurke seine Straf«. Der Bösewicht gerät in Streit mit seiner Geliebten, bei dem der Mann den Tod findet. I. und L. Fleck, die Regisieur«. behandeln die ganze Ange- legenheit spießbürgerlich. Sie schieben peinlich gewollt die Liebes- epftoden in den Vordergrund. Evelyn Holt— nur noch schöne Pos«_ ist das leidende Bankierstöchterchen. Elza T e m a r y oersagt: doch ist Paul Otto als vornehmer Bankier ganz an seinem Platze. Glänzend ist Theodor P i st 6 k als widerlicher Emporkömmling._ e- Sarl krau» schlieft an die Reibe seiner Vortragsabende jetzt noch einen Ofsenbach-'llbend an. bei dem er.Die Krosiberzogin von iSerol- stein" in eigener Be-abeiiung verträgt. Der ttbend sindet Donnerstag, 8., abends 8 Uhr, lm Breltkops-Taal, Steglitzer Straße 35, stait. Die Volksbühne schafft Ordnung. Arbeitsausschuß der Sonderabteilungen amteenthoben. In einer fast vollzählig besuchten Sitzung der leitenden In- ltanzen der Bolksbühn« E. B. am Dienstagabend wurde folgender Beschluß gefaßt:„Berwaltung und Künstlerischer Ausschuß der Volksbühne E. V. stellen im vollen Einvernehmen mit dem Vorstand fest, daß der derzeitige Arbeitsausschuß der Sonder- abteilungen die Boraussetzungen, unter denen seinerzeit die Einrichtung dieser in den Satzungen nirgends vorgesehenen In- stitution gutgeheißen wurde, nicht erfüllt.— Statt im Sinne der da- maligen Vereinbarungen den Borstand bei seiner Werbearbeit für die Sonderabteilungen zu unterstützen, schädigt er durch ein« mit Entstellungen und Unwahrheiten arbeitende, skrupellose Verhetzung der Mitglieder das Ansehen der Volksbühne wie die Werbekraft der Sonderabteilungen.' In herausfordernden Resolutionen verlangt er Maßnähmest von offenkundig parteipolitischer Prägung, die den Grundsätzen der Volksbühne widersprechen. Die in offener Ver- sammlung erfolgte und ohne Widerspruch gebliebene Drohung eines seiner Mitglieder, man werde de» Kampf gegen die Vereinsleitung nunmehr auch in die Vorstellungen hineintragen und die übrigen Besucher durch Entfesselung von Diskussionen und fonsttge Attionen stören, läßt die weitere Wirksam/eit dieses Arbeitsausschusses als eine offene Gefahr für die Volksbühne erscheinen.— So erwächst für ihre verantwortlichen Stellen die Pflicht, diesen Arbeits» ausschuhmitsosortigerWirksamkeitseinesAmte» zu entheben. Unter Slbänderung der früheren Beschlüsse er» mächtigt die Berwaltung den Vorstand, die Werbearbeit für die Sonderabteilungen neu zu regeln." In der gleichen Sitzung wurde serner folgender Beschluß ge- faßt:„Verwaltung und Künstlerischer Ausschuß der Volksbühne E. V. schen in der Art und Weife, wie die Wortführer des bisherigen Ar- beitsausschusses der Sanderabteilungen den künstlerischen Leiter des Theaters am Blllowplatz, Karl Heinz Martin, in ihren Kampf um die„Eroberung" der Volksbühne hineinziehen, die deutliche Ab- ficht einer weiteren Beunruhigung und Beeinträchtigung der gesunden Ausbauarbelt, die von der Leitung des Vereins in Gemeinschaft mit der Leitung des Theaters am Bülowplatz geleistet wird. Sie sind der Ueberzeugung, daß Karl Heinz Martin sich durch diese Angriffe nicht davon abhalten lassen wird, in verantwortungsbewußter Stetigkeit das Haus der Volksbühne gemäß den Grundsätzen der deutschen Volksbühnenbewegung zu führen." Ehrung O. o. Millers. Der Reichspräsident hat dem Scköpfer und Leiter des Deutschen Museums, Oskar von Miller, zu seinem 75. Geburtstage den Adlerschild des Reichs verliehen. Die Große Berliner kunftoutstedung 1930 findet in deu lchönen Räumen des 1785 von Boumann errichteten Schlosses Bellevue statt. Sie wird wie bisher vom Kartell der Vereiniflten Verbände Bildender Künstler Berlins mit Hille des Siantes veranstaltet, unter Führung seines Vorsitzenden. deS Malers Hans Baluschek. Die Ausstellung wird vor geladenen Gästen eröffnet. Zwang, Angst und Sucht. Die Psychotherapeuten in Baden-Baden. End« April tagte in Baden-Baden, der„5. allgemeine Kongreß sür Psychotherapie", zu dem etwa SM Aerzte aus Deutschland, Oesterreich, der Schweiz und den jkandinavischm Ländern erschienen waren, um sich über die b«d«u!same, tief in unser gesamtes Gesellschastsleben eingreifende Frage des feelen- kranken und damit sozial untauglichen Menschen auszusprechen und ihre g«gcnseitigen Erfahrungen über Entstehungs- Ursachen, Bererbbarkeit, Symptome und Bchandlungsweisen speziell der.Zwangskrankheit" auszutauschen, die das Hauptthema der ganzen Tagung bildet. Die„Z w a n g s t r a n k h e i t", so führt Dr. S t e ck« l- Wien in seinem allgemein verständlichen und mit großem Beifall aufge- nommenen Erösfnungsvortrog aus, ist in ständiger Zunahme Wegrissen. Bor 30 Jahren etwa, als man gerade die ersten schritte in das noch unerforschte Land der Seelenkunde tat, wim- melte es in den Sprechzimmer» der Nervenärzte von Hysterikern, insbesondere von hysterischen Frauen. Heute dagegen ist das Bild ein völlig anderes. Die Hysterie, in jenen groben Formen jedenfalls, ist sehr selten geworden und an ihre Stelle ist die Zwangskronkheit getreten. Ein solcher Wandel des Kronkheitsbildes muß sozial« Ursache haben: Die Hysterie beruhte in der Hauptsach« auf unterdrückter Sexualität und war«in« Folge der strengen bürgerlichen Moral früherer Jahrzehnt«. Mit der Lockerung der sexuellen Moral wurde die Hysterie, die eine Krankheit der Unterdrückungen und Bersagungen war, überwunden, und die Zwangskrankheit hat ihr« Herrschaft angetreten. Diese ist, wie auch Dr. Ernst M i tz r i e g l« r- Wien betont, in gewissem Sinne eine Revolutionskrankheit; sie kommt im Gefolge der von ihrem Piedestal gestürzten Autoritäten. Revolutions- epochen, sei es die individuelle der Pubertät, seien es menschheits- geschichtliche wie unser« jetzige, die durch den Freiheitsdrang und die Loslösung von der Vorherrschaft der Eltern, Lehrer, Kirche, Staat usw. charakterisiert sind, zeigen stets eine Zunahme der Zwangsneurosen. Mit scharfen Strichen entwirft Dr. Stecke! das Porträt jener bedauernswerten Menschen, die den Alltag nicht zu meistern vermögen, für die jede kleinste Verrichtung zum Problem wird. Der Zwangskranke, um sich an seiner. Familie für den Ver- lust seiner Ideale zu rächen, sabotiert die Arbeit, solange sich irgend «in Familienmitglied findet, das ihn unterstützt. Stirbt der Helfer oder sperrt er die Bezüge, so arbeitet der Zwangskranke not- gedrungen, aber auch nur gerode so viel, daß er vor dem Der- hungern geschützt ist. „Der Familienroman", zerstörte Ehen und die„doppelte Moral", d. h. Sexualfreiheit der Eltern und gleichzeitige Er- Ziehung der Kinder zu der überlieferten Tugend der ehelichen Treue, ist in der Mehrzahl der Fälle die Wurzel der Zwangskronkheit, die durch ein« Analyse der Persönlichkeit, Aufdeckung der Motive, die zur Errichtung des Zwanges führten, durch Beseitigung der doppel- ten Moral und Wiederherstellung des elterlichen Ansehens, weit- gehend, oftmals mit einem Schlage zu heilen ist. Dr. Schultz-Hencke- Berlin charakterisiert den„Zwangs- neurotischen Charakter" als einen solchen, dem die großen, klaren. praktischen Gesichtspunkte fehlen. Im Mittelpunttder Neu- rose stehe die Angst. Der Angstkranke ist immer-«n un- tapferer Mensch, und es ist schwer, eine Therapie zu sinden, die aus einem Untapferen einen Tapferen macht. Trotzdem darf man die Flinte nicht ins Korn werfen, sondern muß mit allen Mitteln versuchen, ganz allmählich, in kleinsten Dosen, die Schuld- und Angstgefühle zu beseitigen und den Kranken für praktische Ziele zu gewinnen. Das Referat Dr. S i m m e l s über„Zwang und Sucht" findet eine Ergänzung in den praktisch bedeutsamen Ausführungen Dr. G e r st e r s- Braunfels über„Narkotomanie und Zwangskrankheit", in welchen der Vortragende auf die ausnahmslose Gefährlichkeit aller Narkotika hinweist, die von Aerzten und Patienten noch viel zu sehr unterschätzt wird. Manchem Narkotiker ist die„erste Tablette zum Verhängnis geworden". Immer wieder wird betont, wie leicht gerade Aerzte und Pflegepersonen, die in ständiger Berührung mit Rauschgiften leben, zum Narkotikum greifen. In der Mehr- zahl der Fälle ist es aber gar nicht der Beruf, noch die Veranlagung, noch auch der Gedanke an die den Rausch begleitende Lust, die«inen Menschen zum Narkotikum treibt. Vielmehr bildet die Brücke fast stets ein aktueller Konflikt, ein unerträglicher, seelischer Spannungszustand. An Hand eines großen statistischen Materials entwickelt Dr. Schindler-Berlin„Das Schicksal des Zwangs- kranken", das sich für die n i ch t b e h a n d e l t e n Kranken im allgemeinen sehr viel tragischer gestaltet, als für die behandelten. Der Freitod sei bei jenen viermal so häusig, wobei eine schlecht« wirtschaftliche Lage sehr oft den Ausschlag gibt. Und wenn auch die Behandlung in vielen Fällen keine volle Heilung herbeiführt, so doch jedenfalls eine erhebliche Besserung. Oftmals erfolgj ein völliger Umbau der Persönlichkeit, und der Zwangskranke, der dahin gebracht werden kann,„sich über feine Symptome zu stellen"(Kronfeld), kann wieder arbeite- und genuß- fähig werden. Große Beachtung verdienen die Ausführungen Dr. S. S ö r y s- Bratislawa(Tschechoslowakei), der im Verlauf der Generaldebatte erklärte, man müsse auf den ungeheuren politisch- st aat- lichen Zwang hinweisen, unter dem soviel unschuldiges Menschenglllck leidet. Die Seelenärzte aller Staaten sollten sich nicht nur um ihre Patienten kümmern, sondern auch um die psychologisch-soziale Hygiene der Me n s ch h e i t. Ungeachtet der politischen Rücksicht sollt« die Aerzteschaft gegen den „Persönlichkeits- und Affektmord der Politik" arbeiten! Wohs das wichst gste Ergebnis der Tagung erscheint das Be- kenntnis zur sogenannten„akstven Methode", d. h. zu einer ab- gekürzten Analyse, die sich bemüht, den Kronken wieder aktiv zu machen und ihn der Arbest und einem geordneten Alltagsleben zurückzugewinnen. Nicht nur Stecket- Wien, sondern ebenso Prof. Kre ts chm e r- Marburg, Dr. von Hattingberg-München und Dr. Schindler-Berlin treten für die abgekürzte Analyse ein, und nur so oermag diese ja auch für breitere Massen zu dem zu werden, wozu sie berufen ist: zur Helferin einer unter dem Gc- spenst der Zwänge, Süchte und Aengste leidenden Menschheit. Dr. Lily Herzberg. Autobus, wohin rollst du? Uns wird geschrieben: Wer eimnal in eine chm fremde Gegend Berlins oerschlagen wurde, wird bestätigen, daß es für den Unkundigen außerordentlich schwer ist, die Autobuslinie zu entdecken, die ihn zum ge- wünschten Ziel führt. Bei der Straßenbahn mehren sich, nament. lich an den Derkehrszentren, die Haltesäulen, die nicht nur über Nummer, sondern über genaue Linienführung der vorbeikom- menden Wagen schriftlich, wie auch noch graphisch auf einen beson- deren Stadtplan Auskunst geben. Wo solche Säulen noch fehlen, verniag immerhin ein Blick auf die am Dach der Triebwagen an- gebrachten Längsschilder über die Haupthaltestellen zu orien- tiere», die von der Linie berührt werden. Anders bei den Auto- Hussen. Die Haltestelle gibt nur lakonische Auskunft darüber, daß hier eine J5* oder„11* vorbeikommen wird. Niemand law, heut« die Linienführung sämtlicher Autobusse im Kopf haben. Kommt nun der betreffende Wogen angerollt, so gewahrt man aus der Ent- fernung nur sein Endziel. Man erfährt, daß man mit diesem Auto- bus einmal in Pankow oder Lichterfelde landen kann. Was da- zwischen liegt, bleibt dunkel. Denn erst wenn der Wagen stille steht ist es möglich, die im Innern des Wagens, am letzten Fenster, hän- gende Papptasel zu entziffern. Ehe man sich jedoch an diesen viel zu kleinen Druck, dessen Leserlichkeit oft noch durch beschmutztes Glas getrübt ist, orientieren kann, zieht der Wagen schon wieder an und rollt davon. So ist es dem nicht Ortskundigen vielfach unmög- lich. festzustellen, ob er ein« vorbeifahrend« Autobuslinie benutzen kann oder nicht. Warum hat der Autobus nicht ähnlich lesbare Außenschilder wie die Straßenbahn, die man schon während des Heranrollens des Wagens«ntzifsern kann? Antwort: Es find zwar an den Aufbauten der Autobusse sehr große Flächen vorhanden: diese aber sind zu Reklamezwecken vermietet. Bei vielen Wogen sind die Flächen in Erwartung künftiger ReName leer gelassen. Run beträgt die Höhe dieser Flächen ziemlich«inen Meter. Sollte sich von dieser Breite nicht ein Streifen von etwa ein Viertel Breite für die Orientierung der Fahrgäste abtrennen lassen? Schließlich kommt doch erst das Interesse der Fahrgäste und die Orientierung des Publikums, dos erfahren möchte, wohin der Autobus rollt und nicht, welches die beste Margarme ist._ Treviranus und Schweine-Schmid. Wie der Abbau des RheinministeriumS beginnt. Der Reichsminister sür die befetzten Gebiete soll in Essen er- klärt hoben, daß er den auf Urlaub befindlichen Staatssekretär Schmid am 8. Mai in sein Amt zurückberufen werde. Diese Auslassung hat Reichsminister Treviranus am Dienstag dahin interpretieren lassen, daß die fachlichen Anforderungen bei der Auflösung seines Ressorts die Wiederbesetzung des Staats- fekretärpoftens notwendig machten und er mit Ablauf dieser Woche in Uebereinstimmung mit dem Kabinett feine Entscheidung treffen werde. � Di« Erklärung des Ministers für die besetzten Gebiet« können wir keineswegs als sachlich anerkennen. Wir sind vielmehr der Auffassung, daß man aus sachlichen Gründe» gerade m i t d em Abbau des Herrn Schmid beginnen und damit bewerfen sollt«, daß man ernsthaft im Begriff steht, nach der Räumung der besetzten Gebiete das überflüssige Ministerium schnellstens ab- zubauen. Es ist im Ministerium sür die besetzten Gebiete monatelang ohne Herrn Schmidt gegangen, monatelang haben andere Beamte die Arbeit sür Herrn Schmidt mit- gemacht. Sollte das auf einmal nicht mehr möglich sein? Die Zentrumspresse ist in den letzten Wochen ebenfalls wiederholt gegen die Rückkehr des Staatsfekre- tärs Schmid in das Ministerium für die besetzten Gebiete Sturm gelaufen. Das Essener Zentrumsblatt, die„Bolls. z e i t u n g", schrieb dieser Tage zu dem„Fall Schmid":„Wir er- warten mit aller Bestimmtheit, daß das Kabinett nach dem Auf- treten Schmids sein« weitere Tätigkeit nicht mehr zuläßt. Es darf vielleicht gerade jetzt wieder darauf hingewiesen werden, daß der Etat ursprünglich die Besetzung des- Ministeriums für die besetzten Gebiete nur durch einen Minister oder emen Staatssekretär vorgesehen hat, und daß es an sich schon sicher der Sparparol« der Regierung entsprechen würde, diesen Zustand wieder herzustellen." Im Landtag von Schaumburg-Lippe führte die bürgerliche Ar- beitsgemeinschaft durch Obstruktion gegen ein Steuergesetz Beschluß- unsähigkeit herbei. Tltealet, Lidtlspiele usw. Mittwoch, 7. 5. Staats-Oper Unter d. Linden leil-ild. D. Mi. Ho. 9 Jahres-Ab.-V. Ho. 123 20 Uhr cavaiieria rusiteana Bajazz) Ende 22': Uhr Staats-oper tn Piltz dir Ibwilik Vorst 77 I?> 2 Uhr Lebendes Orest Ende g. 23 Uhr Mittwoch, 7. 5. staut. Oper Bistnarckstr. Turnus 1 19>yi Uhr Carmen Ende 22"« Uhr Staat). Sdiansph. an Gendamenmarkt St. R. 4 Mi. Ro. 7 Jabm-lb.-T.lfo. 108 20 Uhr Wird Hill amnestiert? Ende g. 223uUhr Staat!. Miller-Mur.Mlig. 20 Uhr Der Traum ein Leben Ende 22 Uhr CAS1N0-THEATER•■♦uhr Loihrtngcr Strafe 37. Die Berliner Posse Rentier Mudicke nnd das Riesen- Variete-P« ogramm. . Billig! Sommerpreise; SO P(g. I.- Mark 1.50 Mark Sonnabend u. Sonntas kleiner Aufschlag GROSSES SCHAUSPIELHAUS i:«V•'>" f fegÄ Or0an,' S?J?S 0n, Arn —'fit UM Winrer * uemen* Li US mir ZHtr.2810 BaiMa triaabt Bestes internationales Variete Theater Ld.Betirenstr. 53-54 9 Uhr A« Zentrum 926-927 9 Uhr Olrekflen Ralph Arthur Roberts Vögel, die am Morgen singen! Komödie in 3 Akten von Lonsdalc. Stern • 1 1 M» Olraktion i Dr. Martia Ziektl Komische Oper Frledrkbstr.lOA Merkur 1401/4,30. Täglich 8'/« Uhr Majestät lässt bitten Musik Ton Walter Kollo. Lustspielhaus Friedridutr. 236. Bergmann 2922/23. «>h Uhr Geschäft mit Amerika. Vorverkauf in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Reichshalien-Theater Abends Hl Sonntag nadim. HZ Hat große Mai-Progratmn der „Stettiner" Hadim. halbe Preist, Zsotr. 11263. Dönhoff-Brettl: Das lustigt M3i-Progr. Kapeilt BansFaliner. Im InanoD- Jliealer Täglich 8'/. Uhr Ein galantes Abenteuer! Tlieater d. Wetteos Täglich«>/, Uhr: Sonntag auch 4 Uhr Das Land des Läehelns von Franz Lehar. Tigl. 5 u.S'lt Uhr.» i Bart. KS« Pr. 1-6 M. Woohentg. SU. 50 P(.-S M. Oscar Sabo o. Lotte Ulerhmetster In der Szene Balm 6-Tage-Rennen Rigolalto Brothers& Swanson Sistcrs und 8 luternstion. Neuhelten. plAza Tigl.» Ii. SdRt. 2-, 5 8. 8 u Alex. E 4, 8066 Tigl. 8.15 und Sonntags 5 Uhr nachm. firobe Internationale Blngk&mpfe and tiitklasslgi Varftie-lieaUelien. Wochent. 5 Uhr u. Sonnt. 2 U nachm. lOyart la-ittralttloaeo ahnt Iliii»i8mgle Volksbühne Tbutir im Wimpddr. 8«;. Uhr Rost von Kirchon und Ouspensky Ktgit: üünthtr Stab Staat). Sdiiller-T)i. 8 Uhr DcrTraam ein Leben Staatsoper AmPl. d. Republik Ta Uhr Lebendes Orest Piiuior-BQbDe (Wallner- Tiealer) 8 Uhr §218 Frauen in Not Deafsdies Ilieater 1 2 Wildtudanm 5211 8>,. Uhr Oer Kaiser v.Amerika von Bemard Sbaw Re&:AUx Reiiüiardi Saniowsky- Bühnen Thtaiar Ii «« Slresaniaoastr. (ftSur Uniäsrthr Str.) Täglich 8';. Uhr Napoleon groift ein von WiHtr Bastnjltw KomSdienhaua Täglich 8V« Uhr: Maine Sdivester und idi Mnsibv. Ralph Benatiky Direktion Dr. Robert Klein Deoisebes lanstler-Theai Barbarossa 3937 8Vj Uhr Sex Appeal Lothar. FmlihkLoiiuhla rtigii: Fintzr Lirriiagz AlBert Bassermann, mady Urtsilaos SerÜDEi Tßeater Dönhoff 17U 8V. Uhr Der leuteissctiuier! Komödie v Bernard Shaw Regie: Heinz Hilpert MW Vorletzte Woche I ZJhX&fiohßii-\ dfaTcUveßhliv Große Operette in 3 Akten. Wotbot IIS, jtin Sowt. 5.15 l 9 Uhr| Voranzeige: Ab 18. Mai �Jenny fleigl empor" Uraufführung von H A. K i n a| (Autor von„Meiseken") I IT. CroBt Fraaklnrter Sir. 1 Billettkasse: Alex. 3422 u. 34 Kammersplele D 2 Weidentoim 5211 «-/. Uhr Die liebe Feindin IraUh na L P. lataiai Rigit: Ceitif Gräataim Die Komödie II Bismck.2414/7516 8V« Uhr Soll man heiraten! Komödie iDoBerunlSluw Sunisd» Einriditgog: Karl Heinz Martin Dir. Dr. lartiu Ikkei Komische Oper Friedrichstr. 104, Merkur 1401/4330. Täglich S'/a Uhr Majestät läßt bitten... Musik von Waller Kollo. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8ö> Uhr Gesc&ailmll Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld Donnerstag, den 8. Mai nackun. 3 Uhr Tttat.«. Rottn.Tor Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr Elite- Sanger. ■«t- Festspielt RustOi ohrfeigt Minister Votzeiger dieses Inserats Vorzugspreise. Operettenhaiis Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral-Theater) Dönh. 2047 Täglich 8«/. Uhr FrOhlingsmädel Operette von Lehar mit Lilly Flohr, Ilse Muth, Lukas, Hoensclaers. Rundfunkhörer halbe Preise. Lessing-Dieater WtlOndaiiB 2191 1.0046 Täglich 8>/. Uhr: Frau Peters hat einen Gettehten v. Louis Verneuil mit Erika voo Thellminu Louis Veruiuil Theater am Sdiinbaaerdamm Gastspiel d. kleinen Thealers S'b Uhr mzüame hat Ausgang Komödie in 6 Bild. Vorverk.ununterbr. Norden 281 u 1141 Raideaz-Tbutei Tägl. 8»/. Uhr Der Herzog und die Sünderin Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8'/, Uhr Letzte Woche 1 Gastspiel Gizela Wer bezirk in Meyer's tel. Witwe Schwank von Fritz Friodmaim-FredridL Metropol-Th. Täglich 8>1» Uhr Der Bettelstudent Corala. StMtzeodori. Pittita Udrtnstni JUERGEN5 Alexanderpfafz Neue Königstr. 43 tefonaers «irksam sin« die KLEINEN ANZEIGEN In derQesamt- aallace des „Vorwärts" und trotzdem tibuiuen r-Grünac— Bohnsdorf — Kirchplatz— mit Omnibus 36 auch von Rudow und Altglienicke leicht erreichbar, wettere lOO?Br2eUsE qm 1.20M. an 93 e 1 1 a u I täglich o b.tBelänbr Schönefelb Ehoulir (5 Min. Dom£fe)b Maz Mewe«. Bln.-Altglienicke Sizblung• „Eigenheim II" F 3 Gronau 6405. Prospelt gratis! Franz Schlüte: Berlin-RodoT strample wasche Gardinen Kanttians Emil Moses last BirkeDstr.28 Me Putiitzstr.) Gegründet 1908 Beiden' Fllrsi EUerne Bettitellen, Kinderwagen,' Betltedem. Inlett» Fabrik tür täznülche PoUiermfibel.-. Bettenrelnigung erfolgt auf modernster eicktiirther Maschine Barl in. Neukölln, Her mannstr. 31-33 Tel.: F 2 Neukölln 1424 Filialen: Berlin-Tempelhot. Berliner Str. 151 Britz, Cbauueeiir. 56 a. Ernsl Phliippbaar Gegründet 1885 Gardinen Dekorationen Polstermöbel Gediegen, doch preiswert Roscnthaler Strafe 40-41 Beilage Mittwoch, 7. Mal 1930 SivÄbnid SfinJaaigaBe.dm lifWÖrC Flucht aus Oslelbien 3)as Ergebnis einer Wanderung/ ton srux Möhler Die von uns im vorigen Artikel angeführten Lohnsäi�e, die übrigens oftmals iveder in bor noch in Naturalien eingehalten wer- den. waren den Gutsbesitzern nach zu hoch. Deshalb wurde von ihnen das Tarifabkommen für die Kreis« Meseritz und Schwerin gekündigt und Forderungen auf Abbau des Barlohns van 3 bis 5 Pfg. pro Stunde gestellt, hierzu noch Wstriche in Naturalien, so daß sich für die einzelne Familie dos Jahreseinkommen um rund 2St> M. ermäßigt hätte. Der Deutsche Landarbeiter- Verband hatte diese Stellungnahme der Gutsherren erwartet und deshalb mehrere Landarbeiterfamtlien beauftragt, über jeden Pfennig ihrer Einnahmen und über jeden Pfennig ihrer Ausgaben gewissenhaft Buch zu führen. Mr sind in der Lage, zwei solcher Äaushaltsrechnungen, die dem Schlichtungsausfchuß Schwiebus Anfang dieses Jahres vorgelegen hoben, zu veröffent- lichen. Die erste sieht so aus: Bestand vom Jahre 1928 5,15 M. Barlohn einschl. Ueberftunden 933,36 M. Verkauf von Naturalien........... 189,55 M. Verkauf aus der eigenen Wirtschaft....... 7,14 M. Entbindungsgeld für die Frau......... 94,51 M. Erhaltene Sitzungsgelder.. 44,89 M. Sa.: 1274,51 M. Gesamtausgaben(notiert bis zur letzten Stecknadel). 1279,92 M. Bleibt ein Defizit von 4,51 M. Hierbei handelt es sich um eine verhältnismäßig klein« Familie von. nur drei Personen, die Ehefrau hat mitgearbeitet, der Mann hat allein 171 Ueberftunden geleistet und erhielt außerdem noch ein« Zulage für sein« Tätigkeit in der Brennerei. Trotzdem stirb die Ausgaben höher als die Einnahmen. Wie hätte dos Budget aber erst ausgesehen, wenn die Familie größer gewesen inäre! Wir können das ungefähr erkennen an dem zweiten Beispiel, wo sich folgend« Endziffern in der Haushaltsrechnung ergaben: Barbestand vom Borjahr, Barlohn usw..... 848,39 M. Verkauf von Getreide.......... 74,78 M. Verkauf von Erzeugnissen der eigenen Wirtschaft 104,55 M. Sitzungsgelder.. 23,20 M. Sa.: 1060,92 M. Gesamtausgaben.. 1112,65 M. Bleibt ein Defizit von 51,67 M. Diese Familie war fünf Köpfe stark und konnte 1929 das Schuldenmachen nur dadurch abwehren, weil der alte Vater eine Unterstützung von 50 M. erhielt und diesen Betrag zur Deckung der Lebenshaltungskosten mit beisteuerte. Und trotz dieses zwingen- den, detaillierten Beweismoterials der gewerkschaftlichen Organisa- tio» fällte der Schlichtungsausschuß einen Schiedsspruch, der den Lohn der Deputanten, Hofegängcr und Freiarbeiter um einen Pfennig pro Stunde herabsetzt. Also eine Beschneidung der Bareinnahme eines jeden einzelnen Landarbeiters um 27,50 M. pro Jahr! tlrteile ohne Richter Das traurigste Kapitel ostelbischer Junkerherrschast dürste aber wohl die Behandlung der Landarbeiter sein. Wir be- schränken uns auf die Wiedergabe einiger besonders skandalöser Fälle, die sich jüngst in den südlichen Kreisen der Grenzmark er- eigneten: Herr Vietz auf Rokitten(Kreis Schwerin) pflegt auf ferne Arbeiter zu schimpfen. Der Arbeiter Majczak sagt zu seinen Kollegen, diese Schimpfereien wären nicht mehr zu ertragen. Vietz hört dies und schlägt M. dermaßen, daß er hinstürzt und zum Arzt geschafft werden muß. Das Arbeitsverhältnis wurde felbstverständ- lich gelöst. Der Inspektor auf dem Gut des Herrn Lauke in Bronikowo (Kreis Meseritz) erzählt Lauke, die Frau des Schweizers Grellak habe Briketts gestohlen. Daraus geht Lauke zu Grellak, kriegt ihn zu packen und würgt ihn. Der Sohn des G. kommt seinein Vater zu Hilfe, daraus nimmt Laute die Mistforke, st i ch t dem Schweizer in den Arm und schlägt den Jungen über den Kopf, so daß dieser zwischen die Kühe fliegt. Nach einigen Stunden kommt Lauke zu G. und bittet ihn, wieder zu arbeiten. Selbstverständlich geht die Familie des Schweizers nicht darauf ein. Weil eine Arbeitersamitie Häusler ihre» Vater in einem Alters- heim unterbringen wollte, entließ sie der Besitzer Fähnrich fristlos. Die Eheleute gingen fort, sich eine neue Arbeitsstelle zu suchen. Als sie am späten Abend zurückkommen, kommt Fähnrich in ihre Woh- nung, nimmt die Betten und wirft sie auf den Hos. Obendrin stürzt er sich auf die Frau, würgt und schlägt sie und droht, er werde die Leute in Stücke schlagen. Die geschlagenen und geschundenen Arbeiter nehmen die Velten unter den Arm und wanden: noch in der Nacht nach Meseritz. Zlls die Eheleute am nächsten Tage kommen, um sich den Rest ihrer Habe zu holen, finden sie ihre drei Schweine nicht mehr im Stall. Herr Fähnrich hat sie beschlagnahmt, weil die Leute angeblich 2 Zentner Gerste(!) zu viel bekommen hätten. Der Inspektor Schäler auf dem Gut Georgsdorf des Grafen von der Schulenburg(Kreis Meseritz) ist Richter und Gerichtsvoll- ziehor in eigener Person. Weit ihm die Witwe Götze nicht paßt, befiehlt er ihr, innerhalb drei Tagen die Wohnung zu räumen. Di« Witwe Götze weigert sich, daraus kommt Schät«r kurz vor dem Schlafengehen und läßt all« Möbel auf den Hof stellen. Die verzweifelte Frau wurde beiseite gestoßen. Erst noch Eingreisen der Gendarmerie wurde ihr am nächsten Tag ein Ersatzraum g«> geben. Die Frau des Inspektors Trammler auf Gut Oderthal(Kreis Züllichau-Schwiebus) hat Streit mit der Arbeiterfau Eichner. Herr Trommler hört davon, dringt durch das Kammerfenster in die Stube der Frau Eichncr ein, reißt jener das acht Monate alte Kind vom Arm und setzt es auf die kalte Erde, stürzt sich dann auf die Frau, würgt und schlägt sie. Der Vogt Pelg aus Gut Ryhn(Kreis Schwerin) betitelt die Landarbeiterinnen ständig als„S ä u e" und„Schwein<*. Darauf verlassen zwei Arbeiterinnen das Feld und beschweren sich bei der Gutsverwaltung. Die Antwort der Verwaltung auf die Unge- geHörigkeiten des P. erfolgt noch am gleichen Abend: Bei der Deputatausgab« erhalten die Väter der beiden Mädchen ihr gesamtes Monatsdeputat nicht ausgehändigt. So geht das in einem fort. Alle die kleinen Unzuträglichkeiten wiederzugeben, die das Leben zur Hölle machen, müssen wir uns versagen. Da werden einem Arbeiter einfach die Birnen von fernem Baum gestohlen, dem anderen so und so viele Zentner Kartoffeln abgezogen, alte Leute, die 30 Jahre und noch mehr auf einem Gut dienten, werden eines Tages mittellos auf die Straß« gesetzt, aus Betriebsräte wird förmlich Jagd gemocht von den Guts- besitzen,, einhundertundvierzehnmal muhte im vorigen Jahr die Organisation die Gericht« anrufen, um auf der Hand- voll Güter im Kreise Meseritz den Landarbeitern zum Recht zu ver- helfen. Dazu kamen fünfzig Anträge an das Arbeitsgericht, die Gutsbesitzer zur Ernennung eines Wahlvorstandes für die Betriebs- rätewahl zu zwingen. Wie sich die Gutsbesitzer die Betriebsräte vom Halse zu halten versuchen, dasür aus der großen Fülle des Materials nur ein einziges, bezeichnendes Beispiel: Herr Rodatz aus Politzig(Kreis Meseritz) wird vom Zlrbeiks- gericht aufgefordert, einen Wahlvorstond zu bestellen. Er geht also zu den bei ihm beschäftigten Arbeitern und sogt:„Sonntag seid Ihr alle beim Gastwirt." Die Landarbetter lassen sich das nicht zwei- mal sagen, vichtig, es gibt Freibier. Als die Stimmung am schönsten ist, holt Herr Rodatz ein Stück Papier aus der Tasche und ehe es sich die Lanidorbeiter versehen, haben sie ein Protokoll unter» zeichnet, wonach sie einmütig auf die Wahl eines Betriebs- rats verzichten! Das ist Ostelbien. Milfe dem Xandarbeiier! Wir können zum Schluß kommen. Wir sahen den Freiarbeiter mit seinen 30 Pfennigen Stundenlohn. Das heißt, wenn er sie tatsächlich erhält und den Lohn nicht erst einklagen muß. Dieser Mann sieht nun Tag für Tag dos Sägewerk am Bahnhof. Dort beträgt der tarifliche Stundenlohn 69 Pfennige, aber für 60 Pfennige wird auch schon gearbeitet. Dazu läuft er in der Schneidemühle nicht Gefahr, mit der Mistforke über den Haufen ge- stachen zu werden. Also kann man es dem Mann verübeln, wenn er nur daraus brennt, von dem Gutsarbeiterleben loskommen und in die I n d u ft r i e überzusiedeln. Wo er dann endlich in der Lage sein wird, sich eine Wohnung zu mieten, in die es nicht hin- einregnet. Die Tatsache, daß im Jahre 1928 in der Grenzmark dreitausend Landarbeiter gefehlt haben, so daß 100 000 Morgen Ackerland u n b e st e l l t blieben, st augenblicklich Gegenstand einer Unter- suchung des Landesarbeitsamts in Schneidemühl. Diese Zahlen dürften übertrieben sein, aber fest steht der ungeheure Wand«» rungsverlust der deutschen Ostprovinzen. Und langsam, aber sicher drängt das polnische Element noch W«nn das Hilfs- werk für den Osten überhaupt einen Sinn haben soll, dann darf man an der erschütternden Not des deutschen Landarbeiters in den Grenzprovinzen nicht vorübergehen. �Bekehrung in Werder {Philosophie einer MdelHas/'Don St. Stemmer Wenn ein Dolfc eins ift Es ist kein schlechter Plan, als Neuankömmling eine Stadt, ohne Hilfsmittel, für sich selbst zu entdecken, sich ohne Bädeckerstern« ein Urteil über das Gesehene zu bilden. Ich ließ mich in R o m vor einem Caföhaus nieder, besah mir zuerst d,e vorbeiziehenden modernen Römer, und ging dann auf Entdeckungsreisen aus, tror ein, wo Eintritt erlaubt war, und versuchte zu erraten, wo ich mich befinden könne; nicht anders Hab« ich es in Paris und Sydney gemacht. Ein« große, oft entscheidend« Rolle spielt aber der Zeit- punkt des Besuches. Man mag ein Jahr in einer fremden Großstadt leben und findet Häuser und Herzen der Menschen wie mit Riegeln verschlossen; dann kommt plötzlich ein Tag, wo man einen Blick in das Inner« werfen kann und alles versteht, was man so lange mit fremden Augen gesehen, der Ausdruck auf den Gesichtern wird deutlich, man fühlt sich eins mit der Bevölkerung und ist zuhause. So ist es mir(vor Berlin) schon in Rio ergangen, das in ganz anderem Sinne eine Stadt der Gegensätze st. Einen Tag gibt es im Jahr, oder vielmehr ihrer drei, da fallen alle Schranken, ganz Rio ist ein Herz und eine Seele, vom zerlumptesten Neger- jungen hinauf bis zum Präsidenten der Republik, und in den marmomen Klubs tanzen, was noch unerhörter ist, Welt und Halb- weit einträchttg durcheinander, drei Nächte lang bis zum Morgen. Ganz Rio ist in diesen F e b r u a r t a g« n auf den Beinen und feiert gemeinsam das grandioseste Fest, das ein Mensch heutigen Tages mit erleben kann. Kein Polizeiaufgebot könnte verhindern, daß zu dieser Zeit geplündert und gemordet wird und doch geschieht gar nichts in dem wilden Trubel, der überall herrscht, kommt es nirgends zu Ausschreitungen: man ist nur einfach naiv lustig und freut sich, herzlich, denn— es ist Karneval. Nicht kennt Rio, wer nicht seinen Karneval gesehen und nickst kennt den Karneval, wer ihn nicht in Rio erlebt hat(auch setzt man alles llbelberüchtigt« Gesindel schon vorher hinter Schloß und Riegel, so kann nichts pas- sieren, selbst wenn man sich Tag und Nacht in den sommerlich fest- lichcn Straßen herumtreibt). Sidelitas in Wien und SSerlin Es ist sonderbar, daß gerade die Wiener Nachbarn die größten Mißversteher der vorwärtsstürmenden deutschen Reichshauptstadt sind. Für Berliner Einrichtungen und Geschäftstüchtigkeit bringt der Wiener, wenn sie ihm nicht auf unangenehme Weise unter die Nase gerieben werden, oft Worte der Bewunderung auf. Aber das Ber- Imer Menschentum versteht er vorerst gar nicht. Mag's noch so viel besser sein drüben in Berlin, sagt man, gemütlicher lebt sichs jedenfalls in Wien. Andererseits höre ich den Berliner mit nichts, rein nichts so oft sich brüsten als damit, daß e r ein gemütlicher, ein ganz urgemütlicher Mensch sei. Es ist seine innerste lieber- zeugung. Es muß also angenommen werden, daß der Begriff von Gemütlichkeit in den zwei deutschen Hauptstädten ein wesentlich ver- schiedener sei, und dos ist taffächlich der Fall. Man vergleiche etwa die Wiener Vorkriegs-Silvesternacht(aus einer Zell also, wo es dort einen„Betrieb" annähernd wie hier gab. und Geld unter den Leuten war) mit dem Berliner Silvcsterrum- mel: welch himmeltveitcr Unterschied. Allein das Wort„Rummel" macht den Wiener«rjchoudern. Das lässige Wien, wo sich die Mon- schen im täglichen Verkehr viel mehr aneinander anschmiegen, kennt leine solche plötzliche Zügellosigkeit der Unterhaltung wie das steifere. korrettere Berlin, wenn einmal taffächlich die Vorbedingungen dazu gegeben sind. Di« Werder Baumblüte und der Grinzinger Heu. r i g e—. dos ist ein vielleicht ergiebigeres, wenigstens ein aktuel- lerer Vergleich, der sich zur Stunde lohnt. Für eine Woche oder zwei, wenn dort die Bäume blühen, ist Werder gewiß der fidelste Ort der Erde und eine ausgezeichnete Vorbedingung zur Gemütlichkeit. Wiener Heurigenstätten sind«ine zahme Angelegenheit dagegen. Im Vergleich zu Werder ist Grinzing ein schwach frequentierter, melancholischer, stiller, verträumter Lorort. Ich war zur Zeit des Hoch» betriebes in Werder und habe alles in frischester Erinnerung, di« heftig gestikulierende Polizei aus einer farbenfrohen Insel, umtost von rasenden Autos und schnorrenden Motorvehitels jeglicher Kon- strvktion... Berliner Polizei, natürlich, die vier Werder Ord- nungswächter beschäftigten sich friedlich mit Steuertontrolle, denn iolchem Anstürm sind sie nicht gewachsen. Abgesehen von der Menge der Menschen und Blüten kommt es in Grinzing(oder in anderen Wiener Vororten) niemals auch in den spätesten Stunden zu so etwas wie der werderischen Gelöstheit. Dazu ist der Wein zu schwach, die Musik zu einschmci» chel-nd, der Wiener überhaupt zu wenig geneigt, gewisse(soziale) Grenzen zu überschreiten. Ein Wiener Heurigenlokal gerät wohl nach und nach in eine Stimmung allgemeiner Fidelitas, aber die Struktur der einzelnen Gesellschaftsgruppen ver- ändert sich dabei nur sehr unwesentlich. Auch in der gemütlichsten Laune duldet der Wiener keinen Eingriff in seine persönlichen Lebensgewohnheiten. Der einzelne verharrt auf seinem Niveau, es geht nur so etwas wie eine leise Schwingung durch die All- gemeinheit. Der gemütliche Wiener würde gerade das für unge- mütlich empfinden, was in Werder inmitten der allgemeinen Formlosigkeit und Ausgelassenheit das versöhnende Element bildet. Die allgsmeme Verbrüderung, die Vermischung sämtlicher Volks- elemente einer ganzen Straße. Dos verträgt der Wiener weder am Silvesterabend, noch beim Heurigen, er empfindet es als derb, ja als aggressiv. Wie ich eingemeindet wurde Mir ging es nach einem ganzen Berliner Jahr selber nicht aichers: bis ich noch Werder kam. Ich besah mir also die blühenden Bäuin« auf der Höhe, junge strotzende und knorrige alte, wundersam wiedererweckte, viele, viele, wurde aber schließlich abgedrängt in die wüste Bahnhofs st raße hinab, in den Zug der Bacchanten und Bacchantinnen hinein, die einander johlend umschlangen, ge- legentlich aus dem Rinnstein zogen und häufig aus umgehängten, mit genialem Maschennetz versehenen Flaschen zutranken— es war nicht gerade erbaulich. Irgendwie geriet ich unter xin Zeltdach und bestellte«ine Flasche und bald daraus ein? zweite von jenem Fruchtsaft, der süß und harmlos schmeckt wie Nektar und verheerend wirkt wie da» feurigste der Feuerwasser. Anfänglich sah ich mit einer cm Cnt» rüstung grenzenden Mißbilligung z», wie zwei einander fremde Liebespaare am Nebentisch inerhalb 3 Minuten Bruderschaft tran- ken, inerhalb 5 ihre Partner tauschten und innerhalb 10 in neuen Gruppen aufgingen. Unter der Einwirkung dieses herzauffchließen- den Getränkes erlahmte jedoch allmählich meine wienerische Oppo» sition und ich leistete den an mich von Nebentischen ergehenden ursprünglich mir dreist erscheinenden Aufforderungen keinen Wider, stand. Nichts störte mich mehr in dem vor Fröhlichkeit überfchäu» inenden Lokal als die Schrammeltapelle, die so mißtönig wie hart» näckig das Lied„Mei Mutter is a Weanerin" spielte. War ich berauscht? Nein, ich war bloß e i ng« m e i nde t. Zwet Flaschen Werder Fruchtwein hatten mich in einen wasch- echten Berliner verwandelt. In dieser einen fidelen Stund« unten» Zeltdach hatte ich mehr vom Wesen dieser Stadt in mir aufgenom» n,en als durch ein jahrelanges Einfühlenwollen, Beobachten, Aus- klügeln. Der Menschlichkeitsqehalt sonst verschlossener Physiognomien tat sich mir auf. ich oermag auf Männer- und Fraucngesichtern zu lesen, die mir bislang unverständlich geblieben waren. Künftig werde ich mich unter Berlinern wie unter Wienern bewegen können und die richtig« Dosis von Ernst und Scherz, Eni» gegenkonnnen und Festigkeit zu mischen wissen. Man mag gegen doppelt gegorenen Fruchtwein einwenden was mon will:«r wirkt zweifelsohne Wunder zum Verständnis des Berlinertums, das leider auf der Welt, nah und fern, noch nicht hinlänglich gewürdigt wird. Könnte man denn nicht den— den Völkerbund nach Werder oerlegen? (22. Fortsetzung.) Der Polizeichef noch blaß, aber schon gesagter, saß in einem Lehnstuhl. Ihm gegenüber hott« Marin Platz genommen, so, daß es Kead, der stehen wollte, schwer sollen mußte, gleichzeitig in beide Gesichter zu sehen. Der Organisotor der Geheimpolizei war in solcher Situation nicht nur sattelsest, sondern auch von so rascher U«b«rsicht, daß er es mit den geriebensten Hochstaplern des Lebens ausnehmen konnte. Augenblicklich bediente er sich einer überraschten, nichtsahnenden Miene. Irgendwo in einem Winkel seines Gesichtes stak ein witziges Lächeln. In, ganzen machte er den Eindruck rest- losester Besriedigung. Hätte Kead bloß geahnt, in welche verfäng- liche Falle er sich selbst hineintrieb, er hätte sich verächtlich ins Gesicht gespien. So aber schrie er Duoal an:„Wissen Sie, wer Sie sind?!' Diese Art an ihm war ungewöhnlich. Seine gehemmt« Brutalität drängte noch einem Auslaß. Wollte einmal wahr und ehrlich sein. Kam vom Herzen. Dieser Anrede folgte tiefes Schweigen, das von Duoal und Marin nicht gebrochen wurde.„Herr Polizeichef, Sie sind der größte Intrigant, der sich bisher in meiner Umgebung aufgehalten hat. Sie werden kaum ein« Entschuldigung finden." Aus seiner Rocktasche riß Kead ein« verknüllte Zeitung und hielt sie dem Polizeichef unter die Ras«.„Was darin zu lesen ist, brauche ich Ihnen erst nicht zu sagen. Was Sie mit Ihrem Vor- gehen bezweckt haben, bleibt mir, uns allen, die wir daran interessiert sind, unverständlich. Eines aber wage ich Ihnen an den Kopi zu werfen, Sie haben gegen die Regierung, gegen die Stadt, gegen das Volt gahondelt. Dessen beschuldige ich Sie vor der goizzen Stadt. Kennen Sie die Folgen der von Ihnen preisgegebenen Mitteilungen an Mr. Garrickson über diese angebliche Konsercnz«iner Anarchistengruppe im„Hotel Kanton"?! Rein. Ich sage es Ihnen: Krach an allen Ecken und Enden, Bankrotte, Förderung des Bolschewismus, Ihr und unser aller Ende." Damit warf er sich in«inen Fauteuil, der unter seiner schwunghaft niedersausenden Last zusammenzu- brechen droht«, stieß sich eine dicke Zigarre ins Gesicht und tat einen kräftigen Atemzug. Duoal hielt Mund und Augen weit ossen und erweckte den Ein- druck eines Geistesgestörten. Marin behielt Fassung. Die Ader an seiner Stirne war leicht geschwellt. Seine Finger trommelten nach dem Takt eines Militürmarsches. Die Zigarette schob sich auto- rnatisch von einem Mundwinkel in d«N anderen. Es mochte der unvermutete Ausbruch Keads schuld daran sein, daß sich seine Nerven leicht entzündeten. Es trat eine quälende Pause ein. Für Duoal war es an der Zeit, sich zu äußern. Mr. Kead schwieg ostentativ. War kein zu unterschätzender Gegner. Das wurde den beiden Franzosen jetzt so recht klar. Duoal entschloß sich, endlich das Wort zu ergreifen, nach» dem«in Versuch, Marin zum Sprechen zu bewegen, fehlgeschlagen hott«. Schließlich galt es, wieder in den Besitz vollster Autorität zu gelangen, die ihm der Brite entzogen hatte. Mit mehr oder weniger Geschick ging er daran, die Blöße zu decken. Marin weidete sich offensichtlich an diesem Anblick. „Mr. Kead". versuchte der Polizeichef vornehm den Gegen- angriff,„bevor ich mich veranlaßt sehe, Ihnen Erklärungen zu geben — die ich eigentlich nicht nötig habe—", Mr. Keads Oberkörper fiel nach vorne. Duval kam in Fluß„Also vorerst muß ich Ihr Be- nehmen tadeln Ich schätze Ihre werte Bekanntschaft sehr und kenne auch Ihren Einfluß. Nichtsdestoweniger entschuldigen Sie Ihr Vorgehen mir und diesem Herrn gegenüber." Dabei wies er auf Marin, der diese Art zuvorkommender Verteidigung mit einem leisen Kopffchüiteln und einer kleinen Handbewegung zurückwies.„Ich habe den Vorzug, das Vertrauen einer ganzen Stadt wie Schanghai zu genießen", steigerte Duoal seine Rede,„und bin gewillt, uncer allen Umständen, auch unter den schwersten, meine Repräsentanz zu wahren." Marin lauschte vergnügt dieser edlen, noblen Rede. Stumpf, gleichgültig zog Kead an seiner Zigarre, die sich unter seinen kräftigen Zügen rasch verzehrte.„Ich bitte Sie daher, Mr. Kead, zu oergesien, daß ich kern seltener Gast Ihres Hauses bin, sondern sich darauf zu beschränken, mich als den Polizeichef von Schanghai zu berverten. Handlungen, die außerhalb meines Wir- kungskreifes stehen, müssen Sie schon mir, der ich sie auch zu ver- antworten habe, überlassen. Ich werde jede Einmengung auf das entschiedenste zurückweisen, selbst die Ihre. Jawohl, Mister Kead." Mit diesen Worten erhob sich der Polizeichef, zum Zeichen des Ab- bruchs jeder weiteren Unterredung. Marin senkte den Kopf und sah von unten herauf. Es war wie Lauern.„Ich bin auch mit meiner Zigarre zu Ende", höhnte Kead dreist, warf den Stummel in den Aschenbecher, blies ein« dichte Wolke, Rauches vor sich hin. Duval, vollständig in ihr eingehüllt, wollte diese Anzüglichkeit übersehen. begab sich zur Tür. „Eine Minute noch, Sir", rief ihm der aufgeblähte Eng- länder nach. „Ich habe nichts mehr zu sagen", Duval. Mr. Kead bäumte sich wild auf. Ballt« dohend die Fäuste. Setzte mit einem Sprunge zur Tür, versperrt« dem Polizeichef den Weg. Das war Gewalt. Die Situation wurde bedrohlich. Dennoch unterließ es Duoal, nach der Wache zu klingeln. .Nicht, daß Sie glauben, daß mich dieses Zeimngsgewäfch irgendwie beunruhigt oder empört. O, Sie sollen sehen, wi« John Kead diesen Anschlag auf die Börse abwehrt. Sie werden morgen schon Kurse erleben, vor denen es Sie schwindeln wird." Ein hustendes Lachen heulte gegen die Wände.„Aber daß man mich geprellt hat, darüber speie ich Galle.. Und daß gerade Sie es find, der das zustande brachte. Ihre Regierung wird Sie wegen Ihres �tcdrtf/r jL/ck/rte/Cej� Vorgehens nicht beiästigen. Wer ich, ich habe Sie bezahlt, und Sie haben diese Bezahlung angenommen und sich meinen Diensten ver- pflichtet. Sie hatten jede Publikation einer keimenden Revolution zu unterdrücken. Hatten über Ihre Erfolg« zu schweigen. Dafür wur- den Sie bezahlt. Sie aber haben, wie heute bewiesen, das Gegenteil getan. Und das ist Betrug, der straffrei ist. Und dagegen wehre ich mich." Duval lehnte totenblaß an der Wand, die Knie schlotterten ihm, er war einem Schlaganfall nahe. Ein leises Klopfen auf der SchuUer lenkte den Blick Mr. Keads von Duval ab. Er drehte sich um. Hinter ihm stand Marin.„Nehmen Sie nochmals Platz", lud er Marin ein. Kead fvlgte seiner Aufforderung. Sein« Angriffslust flaute merklich ab. Sein Interesse für Marin war gesteigert. „Mister Kead, Sic sind in einem großen Irrtum begriffen." Marin sprach betont, durchaus mit Sicherheit.„Sie haben sich an einem Unschuldigen vergriffen. Dieser liebenswürdige Herr, der von Ihnen bezahlt sein soll und den Sie karnpsunsähig gemacht haben, hat mit all den,, für das Sie ihn verantwortlich machen, nichts zu tun." Mr. Kead sah ihn ausdruckslos an.„Mein Name ist Marcell Marin, oberster Leiter der Geheimpolizei. Ich beschäftig« derzeit 500 Agenten, die mich über den kleinsten Vorgang in der Entwick- lung einer staatsfeindlichen Bewegung in Kenntnis setzen. Seit dem 14. Februar stehe ich im Kamps gegen diese Bewegung. Wenn bereits Nachrichten aus dem Kampfgebiet in die breit« Oeffentlichkeit gedrungen sind, so ist das meine Sache, Sir—" Marin prüfte die Wirkung auf Kead. Dann überflog er mit einem flüchtigen Blick den Polizeichef.„Da nun dieser Herr— ich meine unseren Polizeichef, Monsieur Duval— durch Ihre wörtliche Jnsultierung verhindert' ist zu sprechen, übernehme ich seinen Stand- punkt in dieser peinlichen Angelegenheit." Duval wvllte etwas ein- wenden. Marin gab ihn, einen stillen Wink, sich weiter wortlos zu verhalten, setzte alsdann fort:„Sic sind, wie ich sehe, schlecht orientiert, Sir, und müssen es nun mir überlassen, die Dinge in ihr rechtes Licht zu rücken. Herr Duoal möge bezahlt sein— um dos ordinäre Wort zu gebrauchen— oder nicht. Er hat gehandelt, wie Sie es von ihm verlangten, nnt ihm vereinbarten", fügte er hinzu, um die bloßstellende Wirkung etwas abzuschwächen.„Bon ihm gelangte kein Wort an einen Mister Garrickson. Ich bürge dafür. Es wäre auch zu dumm. Welches real« Interesse hätte auch Herr Duval damit verfolgen können. Mister Garrickson wäre eiu schlechter Geschäftsmann, zu bezahlen, was er umsonst haben kann. Denn ich war so frei, die Ergebnisse meiner ersten Untersuchungen ihm zur Verfügung zu stellen. Man soll wissen, was man unter seinen Sohlen hat." Er schob sich dicht an Kead heran. Bald wäre er auf dessen Füßen gestanden. Kead zog die Füße ein, hob wenig und mühsam den Kopf, drängte seinen Körper in das Fauteuil hinein. Marin hatte Duval im Rücken. Um so beredter konnte er seine Mienen spielen lassen, die Kead sofort die ganze Lag« erklärten. Marin sprach durch die Zähne:„Ich, Sir, habe doch keine moralische Verpflichtung gegen Sie?—"(Fortsetzung folgt.) � Buch Vlehr Vraum als Vag Kurz vor Walter von Mo I 0 s 50. Geburtstag hat der Paul- Zfolna?- Verlag ein neues Buch des Dichters herausgeöracht: „Zwischen Tag und Trau m", eine Sammlung von Reden, Vorlesungen und Aufsätzen. Walter von Molos Vorzüge: Seine Lauterkeit, sein« Wahrhaftigkeit, sein Helferwille, sein« Freude an festem Zupacken, fein alle Loisetreterei tödlich hassender, immer be- schwingter, innner befeuerter, immer vollsaftiger Tonsall: oft mit einem, aber durchaus sympathischen, durchaus liebenswerten Stich ins Jungenhafte. Seine Nachteile: Eine gewisse Unzulänglichkeit,- Probleme zu durchleuchten und zu entwirren, ein gewisses dialek- tisches Unvermögen, sein absoluter Widerwille gegen jade Spur materialistischer Geschichtsbetrachwng. Auf eine kürzere Formel gebracht: Molo ist durchaus Dichter, er fft sehr viel weniger Denker. In einer Rade über das deutsche Theater prägt Molo diesen Satz:„Der Dichter kann und soll nicht Politik machen, sonst steigt er herab, aber der, welcher Politik zu machen sich rufen läßt, muß vom Dichter lernen, sonst ist er nicht auserwählt und daher fälschlich gerufen." Dieser fanatische Glaube an den Vorrang der dichterischen Sendung, diese schlechte Meinung von aller jenseits lyrischer Erhabenheit sich abspielenden Tagespolitik: das ist hundertprozentiger Mala. Bai solcher Einstellung rst es kein Wunder, daß immer dann, wenn Molo politisch wird, und er wird es oft genug, zwar keineswegs etwas Reaktionäres oder Verbiestertes, im Gegenteil, etwas Forsches, Gutsinniges, Schwunghaftes, aber doch auch etwas herauskommt, das eine ganze Kleinigkeit naiv anmutet. AeHnlich liegen dl« Diirge, wenn Molo Kulturpolitik treibt, etwa über die„deutsche Jugend" redet, sich mit der Frage„Zensur oder Richtzensur" oder mit der Sexualnot beschäftigt, oder von»„Welt- bild der Deutschan" spricht. Der Grundton ist immer vorwärts- weisend, draufgängerisch, aber dem Pathos seines Vortrages ent- spricht doch nur falten Stoßkraft und Klarheit im Gedanklichen.„Wer ästhetisch Bahn bricht, bricht auch sittlich Bahn": das ist eben wieder ein sehr anfechtbares und die Form auf Kosten des Inhaltes recht ungebührlich überschätzendes Axiom. Am vorteilhaftesten kommt die Leuchtkraft des Molsschen Di chterlnge nieurs zur Geltung, wann er Charakteristiken gibt: über Knut Hansnm, Gogol, Friedrich List. Tolstoi, Max Dauthendey oder seinen Liebling Friedrich Schiller schreibt. Aber auch hier neigt er, in seinem Willen, zu beseelen und starke Konturen zu geben, zu pathetischen Formulierungen, die der Dermenschlichung seiner Figuren nicht zugute kommt. Hsns Bauer. RätseI*Ecke des„Abend". Silbenrätsel. Aus den Silben ard der bo bürg del der dorf du du c e c eu fud gie in len li li« lo mann na non ne ni nie nik o pa ro ro ruh je si ster ta tät the tit u un ver wold zeh sind 15 Wörter zu bilden, deren Anfangs- und die dritten Buchstaben, beide von oben nach unten gelesen,«in Zitat von Goethe ergeben.— Di« Wörter bedeuten: 1. Weiblicher Vorname: 2. Stadt in Ostpreußen: 3. Bergrücken am Rhein: 4. Lehr- anstalt: 6. Straußenart: g. Wüsten in Arabien: 7. Deutscher Dichter: 8. Männlicher Borname: 9. Lahre von Gott: 10. Borort von Berlin: 11. Deutscher Maler) 12. Erdteil; 13. Pflanzenkunde: 14. Liebes- lehr«; 15. Handwerkzeug,(ue= ü, st= 1 Buchstabe.)— ekr.— Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Zeichen: 4. Fluß: 5. Monat: 8. Schriftzeichen: 10 Tonart: 12 Bergtrift: 14. weibl. Vorname: 15. Getränk: 17. Himmelsrichtung(Abkürzung): 19 persönl Fürwort: 20. Tier: 22. französ. Artikel: 23 Bewohner Irlands; 25. Gefäß: 28. weibl. Vorname: 30 Handelsgesellschaft(Abkürzung): 32 Präposition: 33. Erzählungsart: 35. Lebensbund', 36. Spielkarte: 37 Ge- srocencs: 41. männl. Vorname: 43 weibl. Vorname: 45. Halbedelstein; 47. orientalischer Name; 48. Artik.l: 50. Stadt in der Schweiz; 51. Frageniort: 52. Doppelkonsonant: 53. Erfrischung.— Senkrecht: 2. Körperteil; 3. weiblicher Vor- name; 4. Flüssigkeit: 6. Teil des Baumes; 7. Brennstoff: 9. Gegen- teil von„alt"; 10. Märchengestalt: 11. Speerart: 13. Schicksal: Ib. Tier; 18. Eilbote: 19a. Verschluß: 21. Wiesengnind:'22. fvan- zösischer Artikel; 24. Doppelvokal: 26. Doppelkonsonant; 27. Hinweis: 29. Auerochs: 31. Zahlungsmittel: 33. Doppelkonsonant: 34. Nahrungsmittel: 38. Sonnengott: 39. Schwur; 40. telegraphi- scher Hilferuf: 41. Äierart: 42. weiblicher Vorname: 44. Abschieds- grüß: 46. Klosteroorsteher; 47. Münze: 49. Flächenmaß. H. S. Ergänmngsrätsel. Werden die Buchstaben � E G l l„ N N N O O R Z richtig in die leeren Felder eingeordnet, so erhält man Worte folgender Bedeutung: 1. Haupt- stadt, 2. Elsenkönig, 3. Stadt im Elsaß, 4. Handwerker. Z. Rösselsprung. (Auslösung der Rätsei nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Rummer. Rösselsprung: Wer nichts vermißt und wer nicht leidet, Ein Glücklicher wird er genannt; Doch fragt ihn, eh' ihr ihn beneidet. Nur erst, ob er sein Glück erkannt. Den meisten gtlt in späten Tagen Als Inbegriff des Glücks das Kind. Si« wissen, daß sie glücklich waren, Erst dann, wenn sie es nicht mehr sind. Ka pf elrätfei: Gelehrter Leunawerk, Randglossen, BerA- rücken. Gesinde, Bündnis, Richter, Pianet, Beduinen. Dampfer, Gemahlin, Angebot, Gesundheit, Hindenburg.—„Ehre und Glück sind nicht an einem Pfahl gebunden." Schieberätsel: Schlieben, Wirth, Wissell, Scheidemann, Rathenau, Hilserding. Eaprivi, Nooke.— Bismarck. Buchstabenrätsel: 1. Sie; 2. Ina; 3. Eid: 4. Hai; S. Rar; 6. Eta; 7. Gnu: 8. Era; 9. Rot: 10. Boy: 11. Rot: 12� 3U; 13. Rab; 14. Gut; 13. Tal; 16. Sam; 17. Eli: 18. Gig: 19. Elm: 20. Ril.—„Sich regen, bringt Segen." Zahlenrätsel: Walzertraum, Alma, Laute, Zar, Emma, Ramler, Turm Ratte. Artur, Ulme, Memel. Moderne V erkehrsgeschwindigkeiten Die Möglichkeiten ihrer Steigerung Für alle diejenigen, die Im aufreibenden Kampf des Lobens in vorderster Front stehen, ist Zeit Geld geworden, und..Tempo" ist die Forderung, auf die das moderne Wirtschaftsleben eingestellt wird. Wobei es müßig ist, die Frage crufzuwerfen, ob die Frage nach Schnelligkeit die techirifchen Errungenschaften nach sich gezogen hat oder ob wir auf Grund der durch die Technik uns gegebenen Schnelligkeit selbst zu so rastlosen, schnellebigen, mit der Zeit rech- ncnden Menschen geworden sind. An die Stelle von Postkutsche und Pferdebahn sind heute Schnellbahnen, Automobil, Fl u g z e u g, Schnelldampfer und die Schnellfahrzcuge des städtischen Verkehrs getreten. Geschwindigkeiten, die noch vor einem Dierteljahrhundert als phantastisch angemutet hätten, sind heute selbstverständliche Begriffe des Verkehrs geworden, und die Reifs- poefie der Postkutsche ist der Romantik der Technik gewichen. Uns will es scheinen, als wären die heutigen Reisegeschwindig- leiten schon so außerordentlich hoch, daß sie kaum noch gesteigert werden könnten. Dabei ist doch alles nur eine Frage der Zeit, und nicht mehr allzu fern wird die Zeit sein, dann werden Eisenbahn- züge mit mehr als 12l) Kilometer Durchschnitt dahin donnern, Auto- »nobile auf eigens dazu geschaffenen Straßen Durchschnitte von 1 und»nehr Kilmnetern erreichen und Flugzeuge in riesigen Höhen als Reisegeschwindigkeit die heute als Weltrekordleistungen verzeichneten Geschwindigkeiten von 600 Kilometern im Durchschnitt erzielen. Hält man sich dies« eben erwähnten Zahlen vor Augen, so erscheinen einem die heutigen Verkehrsgeschwindigkeiten teiliveise schon als zu gering, jo sogar der Schluß ist zulässig, daß einige Geschwindig- keiten an den heute möglichen Leistungen geinessen schon nicht mehr den Anforderungen der Zeit entsprechen. Die Fern- D-Züge, die als schnellste Verbindungen für wichtige Strecken in Deutschland geschaffen wurden, erreichen Durchschnitts- geschwindigkeiten von 77,5 bis 88,8 Kilometer, durcheilen also eine Strecke von 400 Kilometern in etwa fünf Stunden. Wie rückständig erscheint es einem da, daß z. B. für die 452,8 Kilometer lange Strecke Berlin— Kopenhagen, allerdings mit Einschluß der Seefahrt, elf Stunden gebraucht wurden. Selbst wenn man die Seefahrt von 45,7 Kilometern, für die insgesamt 2% Stunden benötigt werden, abrechnet, so bleiben für die reine Laudfahrt von 402,4 Kilometern 8 Stunden und 15 Minuten übrig, was einem Durchschnitt von 49,3 Kilometern gleichkommt. Wenngleich hierin allerdings das zeit- raubend« Ein- und Ausladen auf die Fährschiffe und die Zoll- kontrolle mit einzurechnen sind, so entspricht diese Leistung nicht mehr den heutigen Anforderungen. Es sei im Gegensatz hierzu auf die Fahrt London— Paris hingewiesen, bei der mit Seefahrt, Ein- und Ausladen, Zollkontrolle ein Durchschnitt von 71 Kilometern erzielt wird. Würde man diesen Durchschnitt auf der Fahrt Berlind- Kopenhagen erreichen, so wäre man in 6-K Stunden cm Ort und Stelle. Glücklicherweise ist dieses Beispiel vereinzelt. Es sei auch nur angeführt, um augenfällig darzutun, wie stark sich die verschic- denen Durchschnittsgeschwindigkeiten auswirken und wie weit wir noch vom Reiseschnelligkeitsideol entfernt sind. Die zur Zeit höchsten Durchschnittsgeschwindigkeiten betragen in Deutschland z. B. siir die Strecken: Berlin— Frankfurt a. M. 539 km Gesamtlänge--- 77,5 km ,— Köln.... 579„,= 77,5, ,— Breslau... 336,,= 83,7, ,— Hamburg.. 287.. 88,8, Die Durchschnitte für die gewöhnlichen Schnellzüge liegen durch- weg unter 70 Kilometer und fallen bis auf 58 Kilometer. In Frankreich werden höhere Durchschnitte herausgefahren. So beträgt die stündliche Reisegeschwindigkeit für die Strecken: Paris—(Nizza)Marseille 862 km Streckenlänge— 79,0 km ,— Bordeaux... 588.,— 86,0, „—Nancy.... 353,,= 89,3„ „—Calais.... 298,,= 94,4. lieber kürzer« Strecken werden noch höhere Leistungen erzielt, so z. B. Bordeaux— Boyonne 198 Kilonwter— 95,8 Kilometer, Dax— Bordeaux 148 Kilometer— 99,8 Kilometer, Paris— St. Ouentin 153 Kilometer= 99,9 Kilometer. Auch England läßt einen sehr großen Reisedurchschnitt zu, der sür die Strecken: London— Edinburg.. 632 km Gesamtlänge— 77,4 km ,— Plymouth.. 363,,— 90,8, ,—Bristol... 190.„--- 95. Svindon— London•. 124„»— 106,6 m In DeutMaich ist die hoch st zugelassene Geschwindigkeit aus 110 Kilometer und in Frankreich auf 120 Kilometer fest- gesetzt, während in England kein« Grenze gesetzt ist und Geschwindig- keiten von 128 Kilometern durchaus normal sind. Die absolut höchste Geschwindigkeit dürfte die elektrische Ber- suchsbahn Berkin— Zossen— vor dem Kriege— mit 211 Kilometern erreicht haben. Auch die Reisedurchschnille der Flugzeuge sind seh? oerschieden, sie schwanken, je nach der Art der Verwendung de- Flugzeugs und der in Frage kommenden Maschine zwischen 135 bis 190 Kilometer, wobei die großen Maschinen, wie Junkers D31 und Rohrbach „Roland", mit den zur Zeit größten Geschwindigkeiten fliegen und die Poststugzeuge Durchschnitte von 230 Kilometern erreichen. Holland, Italien, Oesterreich. Schweiz und Schweden, die sich fast durchweg deutscher Erzeugnisse im Verkehrs-Flugdienst bedienen, haben die gleichen Geschwindigkeiten wie die deutschen Verkehrslinien aufzuweisen, während in England und Frankreich— durch die Verwendung von Doppeldeckern fast durchweg langsamer geflogen wird. Technffch ist eine weit größere Fluggeschwindigkeit möglich. Doch darf man nicht glauben, daß etwa die Rekordgeschwindigkesten von rund 600 Kilometern als Verkehrsgeschwindigkeiten m Frag« kam- men. Die Rekordmaschinen sind wegen ihrer Konstruktion und vor allem wegen ihrer Landegeschwindigkeit für den Verkehr unmöglich. Es müssen erst technische Einrichtungen getroffen werden, die dos Landen verlangsamen, wie z. B. jetzt die Handley-Page-Emrichwng der Spaltslügel, die als Windiänger wirken und ein lanzsames Landen gestatten. Auch beschäftigt man sich zur Zeit mit der Her- stellung von Abbremsvorrichtungen für die Laufräder, doch kann die Bremseinrichttmg nattirlich erst dann betätigt werden, wenn das Flugzeug schon«Nif der Erde aufgesetzt ist. so daß also auch hier die Berlangscmmng der Landegeschwindigkeit voraufgehen muß. Wesentlich geringer als die Durchschnittsgeschwindigkeiten der Eisenbahn und der Flugzeuge ist die der schnellfahrenden llebersee- dampser. Hier bedeutet«in Durchschnitt von 16 Knoten, d. h etwa 30 Kilometer, schon eine günstige Leistung, da man mit der enormen Wasserverdrängung, den Wetterverhältnissen und den erheblichen Kosten bei Mehrleistung rechnen muh. Rur die modernsten Heber- seedampfer kommen über diese Geschwindigkeiten hinaus. So er- reichen die„Colunbus" 23 Knoten— 42,596 Kilometer und die „Bremen" und„Europa" 27.6 Knoten— 49,015 Kilometer im Durchschnitt, und auf kurze Strecken ist es den Neubauten des Nord- deutschen Lloyd sogar möglich, 30 Knoten= 55,56 Kilometer her- auszuholen. Doch das sind vorläufig noch Ausnahmen, die nicht ver- allgememert werden dürfen und für die allernächste Zeit im all« gemeinen Schiffsverkehr ein Hinausgehen über 16 Knoten nicht wahrscheinlich machen. Die normalen serienmäßigen Personenautomöbile kommen sür den allgemeinen Verkehr mit regelmäßig befahrenen Verkehrslinien nicht in Betracht. Hierfür werden Schnellastwagen eingesetzt, deren Durchschnittsleistung im allgemeinen 35 bis 40 Kilometer nicht über- steigt. Als reine Geschwindigkeit sür den modernen Personenwagen kann man 50 bis 55 Kilometer Durchschnitt in Ansatz bringen, doch sind auch hier schon Rekordleistungen von 70 bis 75 Kilometer erzielt worden, und nur eine Frage der Zeit und damit der Er- bauung von reinen Automobilstraßen ist es, daß wir bei den ständig verbesserten Kraftfal)rzeugen mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von 99 bis 100 Kilometer werden rechnen können. Höhere Leistungen werden wir kaum erzielen können: denn auch hier gilt— wie bei allem— der Satz, daß erhöhte Geschwindigkeit auf Kosten der Sicherheit geht. Major Segraoes Weltrekord von 372,478 Kilometern über den fliegenden Kilometer kann man nicht als Vergleich für Reisegeschwindigkeiten heranziehen. Die in den vorderen Abschnitten angegebenen Verkehrs- geschwindigkeiten gelten für den Ueberland- und Ueberseevcrkehr. Es ist ganz klar, daß im Stadlverkehr derartige Geschwindigkeiken nicht innegehalten werden können und dürfen. Selbst die U-Bcchn und die elektrischen Straßenbahnen mit eigenem, völlig abgoschlosse- nen Bahnkörper lassen große Durchschnitte nicht zu. Immerhin erscheint der allgemeine Durchschnitt der elektrischen Straßenbahn in Berlin nüt 15,2 Kilometern reichlich niedrig zu sein. Dieser Durch- schnitt ist bedingt durch die zahlreichen Haltestellen mit ihrem zeit- raubenden Ein- und Aussteigen, durch die notwendig werdenden Haltepausen an Uebergängen, durch die dicht« Aufeinanderfolge der Bahnen, durch enge Straßen usw. Für die innere Stadt sind in Berlin nur 20 Kilometer Durchschnittsgeschwindigkeit, in den äußeren Stadtteilen 25 und nur in Einzelfällen 30 Kilometer zugelassen Nur Bahnen mit eigenem Bahnkörper, die den Charakter der Ueberland- bahnen haben, dürfen 40 Kilometer fahren. An sich könnte inehr geleistet werden, denn die alten Fahrzeugtypen erreichen eine maximale Geschwindigkeit von 28, die neuen Wagen aber eine solche von 40 bis 45 Kilometer Die Omnibusse, die an die Kraftfahrzeug- Verordnung gebunden sind, dürfen, da über 5,5 Tonnen schwer, nur 30 Kilometer Geschwindigkeit fahren, gestatten ober auf Außen- strecken eine größere Geschwindigkeit. Der Durchschnitt der Auto- omnibusse dürfte 15 bis 20 Kilometer betragen, während die U-Bahnen in Berlin bei einer nonnalen Leistung von 50 Kilo- meiern in der Stunde, 24,5 Kilometer Durchschnitt erzielen. Einen Durchschnitt von 35 Kilonietern etwa wird der moderne Auto- droschkenverkehr in der Stadt erreichen können, eine Geschmindigkeit, die bei zunehmender Verkehrsdichte aber leicht geringer werden kann. Als absolut schnellstes großstädtisches Verkehrsmittel ist dle Stadt- und Ringbahn in Berlin anzusprechen, die zur Zeit auf einen Durchschnitt von 43,4 Kilometer koimnt. �rtur Vieregg. Der Bundestag der Angler Nachlese zur Tagung in Breslau Wie im„Abend" berichtet, fand Ostern in Breslau der Bundes- tag des Arbeiteranglerbundes Deutschlands statt. Mit erfreulicher Gnnnütigkeit Habel» die Arbeiterangler durch chre Beschlüsse zum Ausdruck gebracht, daß keine Ursache vorliegt, den Anschluß an die Zentralkommission sür Arbeitersport und Körper- pflege zu bedauern. Nur eine Stimme richtete sich gegen die dies aussprechende Resolution, und diese Stimme kam auf Grund eines gebundenen Mandats zustand«: der Berein, der diesen Delegierten mandatierte, hatte weniger gegen die ZK. protestieren wollen als gegen einige im Berfolg der vorherigen Aussprachen zutage ge- tretenen Widersprüche Es ist daher zu erwarten, daß auch die bis- her ausgeschlossenen Pereine in einer demnächst stattfindenden Sitzung Ihre Ansicht revidieren und daß damit die Geschlossenheit der Berliner Angler wieder gewährleistet ist. Die Behörden waren auf der Tagung zahlreich vertreten. Da« Ministerium sür Landwirtschaft, Domänen und Forsteil hatte mit seiner Vertretung den sozialdemokratischen Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, Llldemann, betraut. Der zweite Bürgermeister von Breslau, Mache, Dr. Mehring vom Fischereiverein, Dr. Genne- rich als staatticher Oberforstmeister für Schlesien, Regierungsrat Dr. Kleckow für die Wirtschaftsgenossenschaft und die bereits im„Abend" vom 22. April genannten Vertreter von Arbeiterorganisationen begrüßten aufs herzlichste die Arbeiterangler, die Stadt Breslau hatte zur Schmückung des Saales Blumenschmuck aus ihren Gärtne- reien zur Verfügung gestellt und außerdem den Delegierten«ine Rundfahrt durch Breslau zugestanden. Die Arbeiterschaft rvird solche Aufmerksamkeiten dankbar anerkennen. In den Räumen des Gewerkschastshauses fand eine bescheidene Aue stellung des Bundes statt. Wir sind ehrlich genug, um zuzugeben, daß diese Ausstellung nicht an die Ausstellungen der bürgerlichen Bünde heranreichte. Aber wir wollen ihnen auch keine Konkurrenz machen. Aber das, was die klein« Ausstellung zeigte, waren die Bürgerlichen doch nicht imstande aufzurveisen. Denn die Arbesterangler zeigten in Breslau die sozialen Ausgaben und Erfolge des Bundes. Di« Photographien waren ein Appell an die Behörden, dem Wochenende der Arbeitersportler mehr Eni- gegenkommen zu zeigen, so waren ein vollendeter Beweis der Ge- meinnützigkeit und zugleich der Opferwilligkeit und Arbeitsbereit- schaft der Bestrebungen der Slrbeiterangler. Und was die kleine Ausstellung besonders auszeichnete: sie war nicht auf Pump bei anderen Bünden, Fischereioereinen und Angelgerätehandlungen auf- gebaut. Sie war ein Eigenwerk, ein Sinnbild der Gemeinnützigkeit. Sa wird auch dieser Bundestag als Mahnung und Werbung an die dem Arbeitersport noch Fernstehenden hinausgehen. Er wird den im bürgerlichen Lager-»»eilenden Gesinnungsgenossen zeigen, daß ihr« Interessen niemals im bürgerlichen Lager vertreten werden können. Ein Werbeflugblatt, das der Bundestag beschlossen h»t, wird diesen Freunden den rechten Weg weisen. Freie Ge- werkschaftler, Parteigenossen gehören nicht in die bürgerlichen Ber- eine und Bünde, sondern zum Arbeitersport. Indem sie durch ihre Beiträge die Kassen der bürgerlichen Bünde füllen, stärken sie die Reaktion. Lk. Von Giogau nach Dresden Zweite Etappe der Deutschlandfahrt Alle 62 Radfahrer, die am Sonntag in Berlin die Deutschland- Rundfahrt zunächst nach Glogau in Angriff genommen sjatten. setzten nach einem Ruhetag am Dienstag die Weiterfahrt von G l o- gau nach Dresden fort. Auf fast staubfreien Straßen wurde Kilometer um Kilometer bewältigt, ohix daß vorerst Versuche zur Sprengung des Feldes Erfolg hatten. Fahrer, die von Defekten heimgesucht wurden, konnten zumeist schnell weder aufschließen. Hinter Vlschosswerda kam es zu verschiedenen scharfen Vorstößen. die eine vorübergehende Zersplitterung des Feldes mit sich brachten, nach und nach schloß aber alles wieder auf. Als in den Bergen bei Stolpen vorn wieder einmal„die Post abging", erlitt der sehr stark fahrende Kroll Reifenschaden. An einem gefllrchteten Verg bei Dobra wurde das Feld weit auseinandergeriffen, und nun ging es in rasender Fahrt dem nicht mehr weiten Ziel entgegen. Kurz vor Pirna stürzte der Dresdener Hertwig, der ober nach einigen Mi- nuten Zeitverlust wieder das Rad bestieg. Vorn hatten sich inzwischen Manthey und Geyer aus dem Staube gemacht und eineu be- trächtlichen Vorsprung herausgeholt, den die starke Berfolgergruppe trotz größter Anstrengungen nicht mehr einzuholen vermochte. Ms die beiden Ausreiher dem dicht umlagerten Ziel an der Hygiene- ausftellung in Dresden zusteuerten, lag Manthey an der Spitze, der auch zu gewinnen schien, als er kurz vor dem Bande von dem Schweinfurter Ludwig Geyer um Handbreite ab» gefangen wurde. Nach drei Minuten kam die starke Verfolger- gruppe in Sicht. Aus dem erbitterten Endkampf ging der Berliner Stöpel vor seinem Landsmann Sieronski und dem Westdeutschen Stübecke als Sieger hervor. Da das Ende zwischen Geyer und Manthey äußerst knapp war. erkannte der Wettfahrausschuß noch langen Verhandlungen aus totes Rennen. AM Plaza"- Ringerwettstreit Den ersten Entscheidungskampf der Konkurrei-z trugen gestern die beiden technisch gleichwertigen Cziruchin und Grünberg (Lettland) aus. Es»var eine glänzende Fortsetzung ihres ersten Treffens. Nach zwei völlig offen verlaufenen Gängen bevorzugten beide Gegner dann abwechselnd den zermürbenden Doppelnelson. Cziruchin brachte den Letten oft an den Rand einer Niederlage, der sich dann gebührend revanchierte. Nach einer Gesamtzelt von 56 Minuten sprengte der Russe einen minutenlangen Doppelnelson und riß mit einem blitzschnellen Hüstsprung den Letten aus die Schultern. Der trickreiche Holländer van Niel erreichte gegen den technisch besseren Ka wa n- Berlin in 25 Minuten ein Unentschieden: er vermochte Ka-van sogar in gefährliche Situationen zu bringen. Das temperamentvolle Ringen Tomson gegen den Bayern Voigt- mann beendete ljer Neger nach der 7. Minute durch einen Aus- Heber. E q u a t e r n brauchte 12 Minuten, um den Charlotte» burger Philip zu besiegen.— Am sünsten Tage des Turniers mußte sich der leichtere S a in t- M a r s dem bärenstarken, aber noch unfertigen Hamburger Dos« bereits noch 6 Minuten durch einen Schleuder beugen. Der körperlich überlegene Urbach warf Opitz in 11,30 Minuten durch Schleudergriff. Das Treffen des etwas ungleichen Paares Leskinowicz-Kochhanski ge- »vann ohne viel Anstrengung der Russe in der 6. Minute durch einen Hüftzug. Cziruchin— van R i e l gingen über die Distanz. Heute Mittwoch ringen: Grüneisen— Kochhansti: Dose— van Riet: Ezontes— Penetzki und im Entscheidungskampf Kawan— Saint- Mars.' Beginn 20,15 Uhr. Radsportliches aus alier Welt In Ermangelung einer eigenen geeigneten Bahn wurde die belgische Stehermeisterschast wiederum auf der Pa« riser Bus fa lobahn zum Austrag gebracht. Der Titewev- tekdiger L i n a r t hotte sich zum 14. Male in ununterbrochener Folge die Meisterschaft: es gelang ihn in dem 100-Kiloinetcr-Rennen mit der glänzenden Zeit von 1: 19: 05,6 einen neuen Bahnrekord«ruf- zustellen. Er siegte»mt 5000 Meter vor Benoit und Berkeyn(5200); Thollenbeeck und H. Aerts hatten ausgegeben. Den„Großen Flieger- preis von Belgien" gewann Faueheux gegen Michard und M. Ber- gamini. In dem über zweimal 20 und einmal 30 Kilometer führenden Dauerrennen auf der Rädrennbahn in Lausanne besetzte L ä u p p i im Gesamtergebnis mit 4 Punkten den ersten Platz vor P. Suter mit 6 und Engler mit 9 Punkten.— Das französische Straßenrennen Paris— Tours gewann M a r e ch a l in 7: 0: 25 vor Bidot und Bonduel.— Die Radrundfahrt um den Toscana über 297 Kilometer mit Start und Ziel in Piombino ge- wann Caimi in 11: 12: 39 vor Binda. Das Dauerrennen in Lyon über eine Stunde gewaim Pailard(72,694 Kilometer) vor Grassin und Maronnier.— In dem Eröfsnungsrennen über 50 Kilomeier auf der Bahn in Plauen siegte der Chemnitzer Schindler in 45: 23,2 Minuten vor Corpus, 280 Meter zurück, während in dem Reimen über 25 Kilmetcr Baum- gärtet mit 130 Meter vor Schindler durchs Ziel ging. Das klassige Bunües-Straßenrennen„Rund um Köln" über 293 Kilometer war wieder ein durchschlagender sport- licher Erfolg. Der Dortmunder Graß fuhr in der-A-Klasse vor Hodey-Essen einen überlegenen Sieg(9: 25: 00) heraus: erster der L-Klasse wurde Lindenau, Hanau. Eiire Radrennbahn in Vieleseld. Aus Anregung des Vereins für Fahrradwege, Ortsgruppe Bielefeld, sind die Stadtoäter der Fcrhrradstadt dem Borschlag nähergetreten, Bielefeld eine Rad- rennbahn zu geben. Es handelt sich um ein« Holzbahn in der Läng« von 333)4 Meter, deren Aussührung der ehemalige Renn- fahrer und jetzige Rennbahnarchitekt Schürmann übernehmen soll. Die Bahn wirb für Fliegerrennen, Daüerrennen hinler Motoren und Motorradrennen erbaut werden.' Eine Ienlraltommission in der Tschechoslowakei. Di« sozio- Wischen Arbettersportverbände in der Tschechoslowakei sind dazu übergegangen, eine Zentral kommission— ähnlich der in Deutschland— zu bilden, um ihre Interessen beim Staat und an- deren Behörden gemeinsam zü vertreten.— Der Berbandstag des deutsch-tschechischen Arbeiterradfahrerbundes beschloß mit überwältigeiüier Mehrheit den Beitritt zur Sozialistischen Ar- beiter-Sportlnten,ationale. Weiter wurde beschlossen, bis zu dem rn zwei Iahren statffindenden Verbandstag alles vorz»ibcreiten, um den Zusammenschluß mit dem deutsch-tschechischen Arbeit er-Turu- und Sportverbcmd durchführen zu können. ASS. cBcrrin für Leichtathletik, Hondbaä, chockeii, Wassersport). Sportplatz- training für Miwiicr, grauen im!» Iuarnd setzt rcgcUnvKig Montag» und cromirrstag» ab 18 Uhr Im Neuköllner Stadion, Platz 2. Interessentrn«oill- kommen, abend, 10. Mai. 17 Uhr. im Lichtcnberger Stadion. Fortsetzung Donnerstag. 15. Mai, 18 Uhr. und Sonnabend, 17. Mai. 17 Uhr. Teilnehmer erschelnen im Sportjeug. Der Lehrgang wird hei sedem Wetter abgehalten. Interessierte Be» tzlrk« können noch teilnehmen.— itoiru. Beuel. Dannerztag, 8. Mai. Mitglieder- mstammUmfl im..gallensteiner'', galckenfteinsir. 49, Dortrag:„Arbeitersport". 9. Mol Badrabend beim Schwimmbezirk.— Ziuderieztek. 8. Mai Sitzung bei Schmidt, Niederschöneweide, Berliner Str. 97—98. Deginn 29 Uhr. lledung«- abcnde Dienstag und Donnerstag im Boot»haus Niederschöneweide. Kartell Prenzlauer Berg, Heute, Mittwoch, 29 Uhr, Sitzung der Dele- vierten bei Pohst, Lochen« Ecke Stargarder Strotze, geeie galtbaotfahre, Berlin. Donnerstag, 8. Mai, Im„Kackeschrn Sof. am kmckeschen Markt, Vortrag Dr, Georg Löwenssein:„Trachten im Wechsel der Jahrhunderte" smit Lichtbildern). Gäste herzlich willkommen. Sonntagsfahrten: Werder- Potsdam, gührer: Zungbluth. Abfahrt 5,03 Uhr ab Stralau- Nummelsburg. Ferner Beteiligung an der Veranstaltung der FTGB., flanu- Bezirk. Nennen und Vierertaus« in Nahnodorf...... Frei« itaiia-Union Sroß-Berlin c. V. Donuerstaa, 8. Mai, 19ZH Uhr, trefsc» sich alle Photofreunde her Union Im B-ot-hau- Wuhlh-id- zur Besprrchmi? wichtiger Phowtragcn. Flirsorgeerziehungs-Höllen in Rußland Verwahrloste Jugendheime/ 10 000 minderjährige Rechtsverletzer in Gefängnissen Erst dir siegrcichr Arbeiterschaft Wirb, wie die vorbildlich acleilcten Kinderbciine und Erziehunasschulc» IN Sowjetruklond beweisen, aus den Erzichungslleimcn wirkliche Erziehunashcime gestalten. „Rote Fahne" vom 30. April 1930. Die Kommunisten machen in der letzten Zeit die Fürsorge- erziehung zur Zielscheibe einer unglaublichen Hetze. Anstatt an einer entscheidenden Reform von autzenher mitzuarbeiten, gefallen sie sich in sinnlosem Aufwiegeln der Fürsorge.zöglinge, verbittern diese und machen ihnen ihr ohnehin schweres Leben noch schwerer. Sie wissen, weshalb sie so handeln. Läge es nämlich in ihrer Macht, die Fürsorgeerziehung nach ihrem Sinn zu gestalten, so erhielten wir in deutschen Fürsorgeanstalten Zustände, w'« sie in Sowjet- rußland heimisch sind. Auf keinem Gebiet haben die Sowjets so versagt wie auf dem der Erziehung jugendlicher Rechts- verletzer. Ohne die Zustände in der deutschen Fürsorgeerziehung beschönigen zu wollen, kann man wohl sagen: Die deutschen Kom- munisten hätten allen Grund, anstatt Märsche auf deutsche Fürsorge- anstalten zu organisieren, sich aus Menschlichkeitsgründcn der Unglück- lichen Sowjet-Fürsorgezöglinge anzunehmen. Wie schlimm die Dinge in den russischen Anstalten liegen, erfuhr man erst kürzlich ans einer Notiz in der Leningrader„Roten Zeitung". Dort ist zu lesen: In der Sitzung des Kollegiums des Volkskommissariats für Justizwefen wurden die Ergebnisse der Untersuchung in einer Reihe von Heimen für jugendliche Rechtsverletzer und die Lag« der Minderjährigen in den Gefängnissen besprochen. Es wurde sestgestellt, daß die Werkstätten, in denen die Jugendlichen beschäftigt werden, ausschließlich fiskalischen Interessen dienen. Fachwissenschaftliche Kenntnisse und eine systematisch« Erziehung zur Arbeit werden ihnen nicht zuteil. In vielen Fällen, selbst in Mos- kau, werden die Jugendlichen ohne jede rechliche Grundlage festgehalten; Ausweisungen als Sicherungsmaßnahm« wird in übertriebener Weis« angewendet: die sozialen Schi tzmaß» ahmen werden bei den Jugendlichen schärfer gchandhabt als bei erwachsenen Rechtsverletzern. t Die Arbeilsheime befinden sich in ankifonitärem Zustande; die Kinder waschen sich nicht täglich: Handtücher gibt es nicht; zum Abtrocknen dienen Kleider und Bettdecken. Die Gemein- schaftsräume sind unwohnltch, staubig und übel- riechend: es wimmelt von Läusen, Flöhen und Wanzen. Die Kinder machen einen verwahrlosten Ein- druck: die Ernährung ist ungenügend: die Behandlung grob. Auch Züchtigungen kommen vor. Viele der Jugendlichen sind nervenkrank. Sowohl Bildungsarbeit wie Körperkultur und Sport fehlen vollständig. Bei der Entlassung aus den Arbeits- Häusern erhalten die jungen Leute keip« Hilfe. Angesichts aller dieser Tatsachen hat das Kollegium des Volkskommissariats für Justizwesen eine Anzahl Maßnahmen ausgearbeitet. Ueber die Art dieser Maßnahmen las man in einer anderen Nummer der„Roten Zeitung" vom 31. März. In Zukunft soll die Erziehung in den Arbeitsheinien einer schärferen Kontrolle unterliegen. Der Oberste Gerichtshof soll nicht so oft wie bisher gegen Minderjährig« Verbannung und Ausweisung in Anwen- dung bringen und die gegen sie zu verhängenden Strafen mildern. Die Arbeitsheime sind zu Lehrlingsschulen auszugestalten und Fabrikkommunen sind ins Leben zu rufen, in denen die Zöglinge die Möglichkeit erhalten sollen, nach zweijährigem Aufenthalt die Aufhebung der Zwangsfürsorge zu beantragen. Mit anderen Worten: das Kinder- und Zugendparadies Sowjetrußlands zählt in den Erwachsenenanstalten etwa 10 000 Minderjährige, die nun in wenig bewohnten Gegenden, hunderte Kilometer von den Eisenbahnlinien entfernt, in speziellen Kolonien für jugendliche Verbrecher angesiedelt werden sollen. Das einzige Glück, daß das phantastische Projekte sind. Denn welche pädagogische Möglichkeiten wären in solchen entlegenen Gegenden gegeben und wer wäre imstande, die jungen Menschen, die gewohnt sind, bei wind und Wetter lausende Kilometer zurückzulegen. in diesen Gegenden zu halten. Sic würden trotz allem aus und davon gehen, den Wölfen, der Kälte und dem Hunger zum Opfer fallen.— So sieht es also in Wirklichkeit mit der Zwangserziehung in Sowjetrußland aus— von den ganz wenigen Musteranstalten abgesehen. Die ändern aber nichts an den wahren Tatsachen. hlittvock, 7..Msi. Berlin. 16.05 Inx. Joachim Boehmcr: Technische Wochenplauderci. 16.30 Karl Bleylc(ecb. 7. Mai isso). Zehn Lieder.(Trudc StiUfried-Puschcn- dort, Sopran: am F!üs:c!: Willy Jaeger.) 16.50 Volkstümliche Unierhaltung. 17.20 Aktuelle Abteilung:. 17.40 Alice Ehlers: Das Cembalo bis Bach und Händel. 18.00„Was verlangt das Publikum vom jungen Dramatiker?44 Gesprädi zwischen Herbert Ihering, Hellmut Carsch und Hans Rehberg. 18.35 Heilfron: Rechtsfragen des Tages. 19.00 Unterhaltungsmusik. 19.55 Vom Arbeitsmarkt. 20.00 Das Interview der Woche. 20.30 Uraufführung:„John D. erobert die Welt*4, Hörspiel von Friedrich Wolf, Regie; Alfred Braun. 22.30 Dr. F. Anders; Bridge für alle. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik. König-swusterhansen. Englisch(kulturkundlich-literarischc Stunde). Nachmittagskonzert von Hamburg. Das Chanson in alter und neuer Zeit.(Mitw.: Maja v. Spengler, Gesang: Kapellmeister Böhmelt, am Flügel.) Prof. Dr. Ries; Aufgaben und Stand der Landarbeitsforschung und-lehre. Hans Reimann: Familie und Sprache. Dr.- Kirchboff: Deutschland im Völkerbund. Otto Mosbach: Die Krise der Zivilversorgung. Direkte oder indirekte Steuern(Abgeordneter Dr. Hertz und Abgeordneter Dr. Rademacher). Von Köln: Abendmusik. Von Köln: Der heitere Mittwoch. 16.00 16.30 17.30 17.55 18.20 19.05 ly.30 20.00 20.40 21.00 Wetter für Berlin: Stark bewölkt mit Regenfüllen und Ab- kühlung. Für Deutschland: Im Westen kühl mit etwas Besserung, im übrigen Reiche Temperaturrückgang, besonders im Osten und Süden Rcgenfälle. Verantwortl. ülr die Redaktion: Wolspong Schwae,. verlin! Anzeigen: TV Stocke, Berlin. Berlog: Lorwärt, Berlag(5. in. b. 6., Berlin. Druck: Vorwärts Buch. drucke«! und Lerlaasanstalt Paul Einaer& Co. Berlin S3B 68, Lindenstraße 3. Hierzu l Beilage. � ßifdiäß$-JhiSßfggr 4* ffiezirfc füdewt-Wefien. 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