Morgenausgabe Areiiag I®««,« gfefr. � rsr�ÄSt■■ MM WF 1, W■ a M MMD»' susw-ri«»M .wichtt.ß,!ch»oP�Poft,.iw°�«»: hs4B W W■ V) H H Bi BW BH W //■ 72 PI» Postdeft-llgkbahre». RufLaub#» LA�sIH j�H Hj IH■B HM) /B Hl 1 N»««»>»» Itlg, Nonpar-ttlez? abomtemenl 6.— TO. pro Mo Bat WIW WS>W W>W � M|B I ÄL 10 Pfennig. Reklame. eile 6.- SReid TM Mi■■■ H W WH M EH H lWM*Tiy«norl..«leine da« j W W> /DMxWRV Wl» drockle Wo« Zö Pfennig(ziiläll� za Der.Lorwürts' erfcheint»ochmetD» WW BW f �— 4HVvBS|K/.��WV Hl TT/ �W 1 feuoebnictte»orle), lebe« meiter» äii llch zweimal, Eonnlaae und TOantaa» WM �Wl �W/ /mOr/ A' MB U Pfennig. Eieilengefuche da- ei einmal, die«dendaaegaden für Peelin/''' X' MH 1 tBort US Pfennig, lebe» weitere W und im Handel mü dem ritei Der 10 Pfennig. Warle über 15 Puchstab Bbenb", Illustrierte Bellagen.Palt rtblen für zwei Warle Ardeii-ma sas-.'.rayÄ»mt««»wä»® 7rÄ,Äsx.Ä�■4JglrlttlCT?-- �.?s.'j!!!?'"-- Jentrawrsan der GozialdemoSratischen Partei DeMOlands Redaktion und Verlag.- Berlin SW 68, Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönioff WS— 297 lelegramm-Zldr.: Sozialdemokrat Berlin. Die Dauerkrise in Sachsen Schluß mit der Kleinstaaterei! Von Richard Lipinskl. Im Arbeiterstaat Sachsen, in dem 191g die Sozialdemo- kratische Partei mit S8.1 vom Hundert der abgegebenen gül- tigen Stimmen die absolute Mehrheit in der Volkskammer (späterer Landtag) hatte, und mit kurzer Unterbrechung bis Ende 1923 eine sozialistische Regierung bestand, hat das Bürgertum seit den Landtagswahlen 1926 die Mehrheit. Kommunistische Putschtaktik 1923, Besetzung Sachsens durch Reichswehr, Inflation, Absplitterung der 23 hat dies zuwege gebracht. Und dennoch: seit 1926 ist das Bürgertum, das ja angeblich die sachkundigen starken Männer stellen will, nicht aus der Regierungskrise herausge- kommen. Selbst der Staatsgerichtshof bescheinigte den bürgerlichen Parteien 1929, daß ihre Regierung zu Unrecht bestehe und der Landtag aufzulösen sei. Die darauf am 12. Mai 1929 vorgenommene Neuwahl besserte zwar den Anteil sozialdemokratischer Stimmen von 31,7 auf 31,1 vom Hundert der abgegebenen Stimmen auf, allein an der bürgerlichen Mehrheit änderte dies nichts. Dennoch saß dem Bürge.rblock der Wurmfraß im Leibe. Die Kommunisten und Altsozialisten hatten je zwei Mandate ver- loren, die von der Sozialdemokratischen Partei nicht voll aufgefangen wurden. Die einst 22 Abgeordnete starke Demo- kratische Partei sank auf 4 Abgeordnete. Dagegen stiegen die Nationalsozialisten von zwei auf fünf Mandate. Sie wurden statt der Demokraten das Zünglein an der Waage und er- zwangen vom Bürgerblock das Ausscheiden des demokrati- schen Innenministers Dr. Apel aus der Regierung. Ein Stachel für die Demokratssche Partei, der um so tiefer saß, als die Bürgerregierung nur durch Abgabe ungültiger Stim- wen der Kommunisten zustandegekommen war. Die Un- gültigkeit der kommunistischen Stimmen wurde aus der Ge- schäftsordnung hergeleitet. Es entstand die Frage, ob die Ge- schäftsordnung Vorschriften der Verfassung aufheben kann. Um einer neuen Klage beim Staatsgertcht durch die Alt- sozialisten aus dem Wege zu gehen, kaperte Bünger die Alt- sozialistsn durch Wiederhineinnahme des früheren altfoziali- stischen Arbeitsministers Elsner in die Regierung. Sein aber- maliger Rücktritt wurde von den Nazis erzwungen. Am 18 Februar wurde die Bünger-Regie- rung zum Rücktritt gezwungen. Aus Angst vor einer Neuwahl, dem Verlust bürgerlicher Mandate zugunsten der Nazis, hat die Krise nach elf Wochen eine vorläufige groteske Lösung gefunden. Durch Enthaltung der National- sozialisten hat der Präsident der Oberrechnungskammer Schiek mit 46 Stimmen die Mehrheit erhalten und ist zum Minister- Präsidenten gewählt worden. Nach der Verfassung ernennt der Ministerpräsident die Minister. Das will aber der Bürgerblock nicht, denn Schiek soll zwar ein Beamten- kabinett bilden, aber die Minister erst er- nennen, nachdem er sich mit den bürgerlichen Parteien über die einzelnen Ministeran- wärter verständigt hat. Wie erst d'e Alüozial'sten. so haben jetzt die Nazis das Pressionsmittel der Anrufung des Staatsgerichts wegen der Gültigkeit der Wahl gegen die Regierung in der Hand, obendrein bleiben sie das Zünglein an der Waage und bilden so ein doppelt starkes Druckmittel gegen die Regierung. Diese für die Dummen bestimmte Komödie haben'die Demokraten ausgeheckt und die Deutsche Volkspartei und die hinter ihr stehenden Industrie- kapitäne haben den Plan zweifellos durch Versprechungen an die Nazis durchgeführt. Und das kam so: Durch die Erfahrungen seit 1923 gewitzigt, war die Sozialdemokratische Partei in Sachsen Gegnerin einer Koalitionspolitik. Nach der Wahl 1926 änderte sich dies. Sie erklärte sich zwar zur Teilnahme an der Regierung bereit. legte sich aber durch Ausstellung eines Mindest- Programms und Ablehnung von Verhandlun» gen mit bürgerlichen Parteien so fest, daß jede taktische Wendung unmöglich war. Nach der Wahl 1929 voll- zog sich eine neue Aenderung. Das Mindest Programm sollte Verhandlungsprogramm werden und aus diesem wurden wieder speziell sächsische Tagesforde- ru n gen herausgezogen, die als V er h a n d l u n g s- grundlage dienen sollten. Mit ihnen sollte versucht wer- den. die wirtschaftliche Not der Arbeiterklasse zu mildern. Außerdem verlangte die Sozialdemokratie als stärkste Partei Führung und Mehrheit in der Regierung und lehnte es ab, mit der Wirtschaftsvartei zu verhandeln. Den Demokraten und der Deutschen Volkspartei wurde die Bereitschaft zu Verhandlungen mitgeteilt.. Die Demokratische Partei lehnte eine Unterstützung der Bildung einer Negierung anfänglich ab.' die unter dem Einfluß der Nazis stehe. Da- durch schuf sie sich eine günstige politische Situation, denn mit ihren vier Abgeordneten wurde sie jetzt für die Mehr- heitsbildung ausschlaggebend, sie schwang sich als Ver- handlungsführerinundMittlerinauf Zunächst nahm sie Fühlung mit der sozialdemokratischen Fraktion und der Deutschen Voltspartei. Die Folge war strikte Ablehnung Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Der HaushaltsauSschuß des Reichstages hat gestern die erste Baurate für das Panzerschiff S mit 19 gegen 13 Stimmen abgelehnt. Gegen die Baurate stimm- ten die Sozialdemokraten. Demokraten, Kommunisten und zwei Zentrumsabgeordnete. Der Stimme enthielten sich die Bayerische Volks» Partei und ei» Zentrumsabgeordneter. Für die erste Rate stimmte« die übrigen Fraktionen und ei« Zentrumsabgeordneter. Sozialdemokratische Erklärungen. Im Laufe der Debatte über Panzerschiff 3 im Hcmpwnsfchuß des Reichstags gab für die Sozialdemokratie Abg. keil die folgende Erklärung ab: lieber die Stellung der sozialdemokratischen Fraktion za dem Panzerschiff S ist kaum noch etwas zu sagen, wir lehnen den Vau dieses Schiffes ab. der von der Regierung einschließlich des Herrn Reichswehrministers nicht beantragt worden ist. In der Erklärung des Reichswehrministeriums ist nun die Position für den Panzerkreuzer, die vom R e i ch» r a t eingesetzt wurde, nach. dem er von einzelnen Mitgliedern der Reichsregierung dazu ermuntert worden war. in Zusammenhang gebracht worden mit der Frage der Aufstellung eine» Schiffbau- ersahplane«. wenn das frühere Kabinett beschlossen hat, ein solches pro- gramm aufzustellen, so hat es damit dem Beschluß de» Reichs- tags vom 8. Zuni 1929 entsprochen. Die Feststellung dieser Tatsache durch den Minister wäre vielleicht richtiger gewesen, als der Hinweis daraus, daß der Kabineltsbeschluß mit Zustimmung der vier sozialdemokratischen Minister gesaßt worden sei. Auch für den In- hall des Programms waren durch den Reichslagsbefchluß bereits Richtlinien aufgestellt, per Beschluß lautete, umgehend e i n aus lauge Sicht abgestelltes Bauprogramm vorzo- legen, der die Bereitstellung der Mittel für ein langfristiges Bauprogramm unterstellt. Selbst wenn der Kabinettsbeschluß dahingeht, daß das auf längere Sicht gestellte Bauprogramm auch den Ersah der Linien- schiffe erhallen soll, so erscheint es uns doch sehr zweiselhasl, ob damit eine prinzipielle Zustimmung zum Bau dieses Schiffes ausgesprochen ist. Die Ausstellung eines Bauprogramms auf lange Sicht, das vor allem auch der Deckungsfrage nicht aus dem Wege gehl, kann an sich zweckmäßig fein. Dom Standpunkt einer stabilen Etatsgeftaltung aus kann es nur erwünscht sein, zu wissen, mit welchen Ausgaben auf eine längere Zeit von Jahren hinaus gerechnet werden muß. Anregungen dieser Art sind ja auch schon für andere Aufgabengebiete gegeben worden, zum Beispiel für Kanalbauten. Abg. Hertz(Soz.) wies darauf hin, daß durch verschiedene Er- klärungen von Abgeordneten der Regierungsparteien in der Debatte von Verhandlungen durch die Voltspartei. Um den ungünsti- gen Eindruck zu verwischen, stellte die Deutsche Volks- Partei nach der ergebnislosen ersten Ministerpräsidenten- wähl ein Programm auf, dessen erster Satz dahin ging, daß sie ohne die Wirtschaftspartei in keine Koalitionsverhandlungen eintreten würde. Die Wirtschaftspartei ihrerseits erklärte, mit Sozialdemo- traten nicht oerhandeln zu wollen. Trotzdem stellten die Demokraten em eigenes Programm auf, so daß nun drei Programme nebeneinander bestanden, ohne daß auch nur die Möglichkeit einer Verhandlung gegeben war. Dennoch lud die Demokratische Partei für Montag, den 28. April, zu Ver- Handlungen ein, die gar nicht zustande kamen, weil die Volts- parte! ablehnte, ohne die Wirtschaftspartei an den VerHand- lungen teilzunehmen. Schon vorher hatte der Demokrat Dr. Külz einem sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten den Vorschlag ge- macht, die Sozialdemokraten sollten durch Abtommandie- rung einiger Ab geordneten oder Stimmen- enthaltung die Wahl eines bürgerlichen Mi ni st erpräsidenten ermöglichen, damit dieser ein Beamtenkabinett bilden könne. Alsol Die Sozialdemokraten sollten sich s e l b st a u s- schalten und keinen Einfluß auf die Regierungsbildung und Regierungsbeteiligung haben! Eine gemeinsame Sitzung der sozialdemokratischen Land- tagsfraktion mit Vertretern der vier Bezirksvorstände Sachsens lehnte am 26. April dieses Ansinnen ab und beschloß, die Auflösung des Landtags zu beantragen, falls die Koalitionsverhandlungen ergebnislos fein würden. Poftscheckklmto: Berlin 87888.— Bankkonio: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamte«. Wallftr. 88. Dt. B« Ditc.-Ges.. Depositenlasi« Lindenstr. 8. der Eindruck hervorgerufen worden sei. als ob die gegenwärtige Stellung der Sozialdemokratie als Oppositionspartei sich im Wider- spruch befände mit ihrer Haltung innerhalb der Regierungskoalition im vorigen Jahre. Als Vertreter der Sozloldemokralle bei den inlersraktlonellea Verhandlungen de» Vorjahre» stelle er fest, daß eine solche Aussassung durch den Inhalt der damaligen Verhandtungen — und er habe an alle« teilgenommen— nicht berechtigt sei. Es ist von der Sozialdemokratie niemals«ine Zusage für die Bewilligung der Ausgaben für die Herbst- Übungen im Jahre 1930 gegeben worden. In Gegen- wart der sozialdemokratischen Vertreter wurde überhaupt nicht dar- über verhandelt. Falls die übrigen Koalitions- Parteien dem Reichswehrministerium eine derartige Zusage ge- geben hätten, so könne das nur in Verhandlungen geschehen sein, die ohne die Sozialdemokraten geführt worden sind. Es ist nicht ohne Bedeutung zu erfahren, daß solche Verhandlungen statt- gefunden haben. Zum Beweise dessen, daß die Sozialdemokratie stets den gleichen Standpunkt innegehalten hat, zitiert Dr. Hertz aus der Reichstagsverhondlung vom 17. Juni 1929 einen Ausspruch des sozial- demokratischen Abgeordneten Schöpft in, worin dieser ankündigt, daß die Sozialdemokratie mik aller verfügbaren Kraft darauf dringen werde, daß die Ersparnisse am wehrelat 1929 im Jahre 1930 noch wefcnklich vergrößert werden sollen. Kritik an der Marine. Auf die beiden unter größter Aufmerksamkeit vom Haushalts- ausschuß angehörten Erklärungen der Abgeordneten Keil und Hertz folgte ein wahres Bombardement von fozialdemokra» tischen Anfragen an die Marineleiwng und an das Reichs- Wehrministerium. Die Abgeordneten Egger st ädt(Soz,). Moses (Soz.), Kuhnt(Soz.), Hühnlich und Roßmann(Soz.) zeigten in ihren Anfragen, welche Fülle von Kritik gegen die Marine in der Oeffentlichkeit sich angesammelt hat. Bei diesen Anfragen ergab sich u. a., daß der bekannte Marineoffizier E a n a r i s, der im Zusammenifang mit der Er- mordung Liebknechts usw. eine gewisse Rolle gespielt hat. noch heute als erster Offizier auf der„Schlesien" Dienst tut. Weiter wurde bekannt, daß ein Kapitänleutnant Wegemann von der Marinefunk st ation Neumünfter bei der letzten Wahl«in Rundschreiben an alle Wahlberechtigten der Funkstation verschickt hat. Das Schreiben hatte folgenden Inhalt:„Ich erinnere an die Pflicht dem deutschen Vaterland« gegenüber, daß jeder zur Wahl geht. Ein Wagen steht um 13 Uhr zur Verfügung. Für die Wahl empfehle ich die Listen der deutschnationalen Parteien." Außerdem erklärte der Kapitönleutnant Wegemann, daß derjenige, der Sozialdemo- traten oder Kommunisten wählt, gar nicht wiederzukommen brauche. Das Reichswehrministerium antwortet«, daß Wege- Da am 28. April die Verhandlungen nicht zustande kamen, stellte die Landtagsfraktion den Antrag auf Auflösung des Landtags der am 6. Mai aber nicht auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Die Beschlußfassung steht noch aus. Die Ent- scheidung liegt bei den fünf Nazis. Da sie aber die Wahl Schiets zum Ministerpräsidenten ermöglicht haben, so würden sie wahrscheinlich nur dann für eine Auflösung zu haben sein, wenn Schiek die ihm gestellten Bedingungen nicht zur Zu- friedenheit der Nazis erfüllen kann. Die Krise ist also noch nicht behoben. Di« Wahl des Ministerpräsidenten und ote den Sozialdemokraten gestellte Zumutung zeigt, daß die Komödie der Demokraten nur dazu diente, ihre Wähler zu täuschen. Die Festigung des Bürgerblocks vollzieht sich in Sachsen unaufhaltsam, wenn die Arbeiterklasse nicht bald diesem Spiel ein Ende macht! Die Krise selbst zeigt die Ohnmacht des Bürgertums, sie zu meistern, und die Notwendigkeit, S ch lGß mit der Kleinstaaterei zu machen. Das Beamtenkabineit. Dresden, 8 Mai(Eigenbericht.) Der neuen Regierung gehören an: Ministerpräsident Schiek, der gleichzeitig das Volksbildungsministerium übernimmt, der bis- herig« Ministerialdirektor im Finanzministerium Hedrich als Finanz- und Wirtschaftsminister, der bisherig« Minister des Innern und Arbeitsminister Richter und der bisherige Justizminister M a n s s e l d t. Als man sich über die Personenfraae verständigt hatte, erklärte Schik, daß er dos Amt des Ministerpräsident:» annehme. Panzerschiff V abgelehnt. Mehrheit im Haushaltsausschuß gegen erste Rate/ Neuer Kampf im Plenum bevorstehend. nimm fristlos enNaffrn morden}d. er habe aber b»Ai»u Skfpruch erhoben. Die merkwürdige Minderbewertung der Wertmeister und die Notwendigkeit ihrer gerechten Eingruppierung wurde« ebenfall» erörtert. Diese Frage wird im llntemusschrch chre posttto« Er- ledigung finden. Der angeblich ungehinderte Ausstieg der Söhne einfacher Eltern zum Marineossizier fand durch ein« Statistik charakteristisch« Be- leuchtung. Sie stellte fest, daß von 439 Offiziersanwärtern nach dem chcrhommen(Elternberufe) noch nicht 20 aus sogenannten freien Verüben und aus Arbeiterverhältnissen stammen. Die Merkwürdigkeiten bestimmter einzelner Titel des Marine- Haushaltes fanden ebenfalls lebhafte Erörterung. Die Abstimmungen. Inzwischen war die Spannung im chewsholtsaus schuh weiter gestiegen. Es begannen die Abstimmungen. Zuletzt kam man zu den einmaligen Ausgaben und damit zur ersten Rate für den Panzerkreuzer L(Ersatz Lothringen). Die Abstimmung ergab die Ablehn»»g der ersten Rate für den Panzerkreuzer B. Für die Ablehnung stimmte« die U Sozi otdeinok raten, die 4 Kommunisten, die 2 Demokraten und 2 Zentrumsabgeordnete (Schlack und Ersing)� diesen 19 Abgeordneten standen 13 Stimmen der Ja-Soger gegenüber, darunter«in Zentrum«- abgeordneter(Weg mann), der Stimmen enthielte« sich die zwei Abgeordneten der Bayerischen Volkspartei und«in Zentrums- abgeordneter(Pertitius). Diese Entscheidung führte dazu, daß der Lb» Crsiug(Ztr.) mrnmehr beantragt daß bei drei Titeln der einmaligen Ausgaben die 2,9 Mill. M. wieder hinzu gefetzt würden, die im Reichsrot gestrichen worden waren, um als sogenannte Ersparnis zur Deckung für die erst« Rate des Panzerkreuzer» B zu dienen. Aber auch diese drei wiedererhöhungsanlräge verfielen der Ablehnung mit dem gleichen Slimmenoerhältnis. Durch diese Entscheidung sind im Martneetat durch de» fyxm- Haltsausschuß insgesamt 5,8 Mill. M. gestrichen worden. 2m übrigen versieten alle sozialdemokratischen Anträge der Ablehnung durch die Einheitsfront, die von den Demokraten bis z« den Deutschnationalen reichte. » Bei der Abstimmung über die erste Rate de» Panzer- schiffs i; ist das Zentrum indreiGruppenzer fallen. Zwei Abgeordnete stimmten gegen das Panzerschiff, einer dafür, ein vierter enthielt sich. Eine Sicherheit für die Haltung des Zentrums im Plenum ist nach dieser Abstimmung nicht gegeben, um so mehr, da die Rechtsparteien in dieser Frage einen sehr starken Druck auf das Kabinett Brüning ausüben werden. Die erste Rate für Panzerschiff H wird also im Plenum des Reichstags noch sehr lebhast umkämpft werden! Kabinett Brüning will sparen. Es fragt sich nur wo. Amtlich wird mitgeteilt: Sester» nachmittag fand unter Vorsitz des Reichskanzlers Dr. Brüning eine Fraktionsführerbesdrechnng der hinter der Regierung stehenden Parteien statt. An dieser Ans- spräche nahmen die Führer»nd Haushaltssachverftän- digen des Zentrums, der Deutschen Bollspartei, der Wirtschaftspartei, der Demokratische« Partei, der Christ» l ich. nationalen Arbeitsgemeinschaft und der Bayerischen Vollspartei teil. In der Besprechung herrschte darüber Einmütigkeit. daß mit alle« Kräfte« versucht werde» müsse, im .Hanshaltsplan Ersparnisse zu erzielen und Ab- striche vorzunehmen. Ueber Streichungen poli- tischen und grundsätzlichen Charakters solle vorher eine Einigung erzielt werden. Die Regierung versprach ihrerseits, den Entwurf eines Ausgabensenkungsgesetzes den gesetzgebenden Körperschaften mit tunlichster Be- fchleunigung vorzulegen. * Der Haushaltsausschuß des Reichstags hat gestern die Lesung des Marineetats beendet. Es wurden insgesamt 2,9 Mistionen Mark gestrichen— also ein Betrag, der kaum ins Gewicht fällt. Die Mehrheit von den Demokraten bis zu den Deutsch- nationalen hat alle sozialdemokratischen Streichungsanträge abgelehnt. H e e r e s e t a t und M a r i n e e t a t sind die beiden Etats, die überaus reichlich ausgestattet sind, es sind Luxus- e t a t s. Sie sind als erste im Haushaltsausschuß des Reichs- tags verabschiedet worden. Der einmüttge Wille zu Erspar- nisten und Abstrichen ist bei der Beratung dieser Etats nicht in die Erscheinung getreten. Das feierliche Bekenntnis zur Sparsamkeit kommt ausgerechnet nach der Der- abschiedung der Luxusetats. Wo wird sich der Sparwille der hinter dem Kabinett Brüning stehenden. Parteien nun auswirken? Man wird fie bei der Lesung dss Wehretats im Plenum sehr kräftig an dies Bekenntnis zur Sparsamkeit erinnern müssen! Kn'cks Gteuergesehe. Er will von Regerkullur nichts wissen, führt aber die Kopf« sieuer ein! Der Thüringische Landtag verabschiedete am Donners- tag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Kommunisten, nach Ablehnung sämtlicher von der Opposition eingebrachten Ab- änderungs- bzw. Streichungsanträge, die Steucrgesetzent- würs« der Regierung Baum-Frlck. Ein großer Teil dieser Gesetze bedeutet siir die arbeitenden Massen neue B e- l a stu!»gen. Außer der Mietzinssteuererhöhung ist u. a. eine Kopfsteuer vorgesehen, die jede über 29 Jahre alte in Thürin- gen ansässige Person jährlich mit 5 M. belastet. Genosse Marcklvold außer Lebensgefahr. Der Zustand des Ge- nassen Hans M a r ck w a l d hat sich am Donnerstag weiter ge- bessert. Unmittelbar« Lebensgefahr besteht nicht m ehr. Lluch seine Frau befindet sich außer Lebensgefahr. Die Verhandlungen mit Rußland, bisher in Berlin geführt, wird Botschafter von Di r k s« n nun in Moskau fort sitzen. Der britische Bergbaumlnlster Ben Turner wird aus Gesund- l>eitsiücksschten zurücktreten: ersitzen soll ihn Abg. Attie«, der gegenwärtig als Mitglied der Jndienkommission tätig ist. England und Gandhi. Vit tragische Zwangslage der Labour-�egierung. London. 7. Mai.(Eigenbericht.) Die Stell ungEnglandszu den Ereignissen, die sich gegen- «värtig in Indien abspielen, beweist, wie sehr das menschliche Denken und Bewußtsein von seinen Interessen bestimmt ist. Während die öffentliche llKeirnrng Großbritanniens seit den Zeitm des liberalen Radikalismus traditionell sich aufbäumt, wenn »ogenidwo die Freiheft geknechtet, eine Minderheit vergewaltigt wird, bleibt die Nation, als Ganzes gesprochen, gegenüber der Stimme des untendrückten Indien stumm. Es ist nicht Heuchelei, nicht der viel mißbrauchte englische„cant", wenn England heute nicht sieht, was Gandhis Feldzng bedeutet. E« ist die Unfähigkeit, gegen die eigenen ökonomischen. geographischen und politischen Grundlagen zu denken. Während die gange Well wie gebannt nach dem Gefängnis starrt, in dem Mahatma Ga ndhi, der indische Foeiheitsführer und Heilige, sitzt, während die ganz« WÄt hinter der Unrast in Rord-indie« noch einem tieferen Sinn sucht, sich« England, als Ganzes gesprochen, ein« Revolte wievieleandere.der man mit der altbewährten Methode des Zuckerbrot» und der Peitsche, das ist mit der altbewährten Kombination aus Gewalt und Nachgiebigkeit, bei- kommen werde, kein Rlensch in England zweifelt, daß die De« wegnng binnen kurzem wieder zusammenbrechen wird. In diesem Rahmen gibt es selbswerständlich eine hundert- sältigeAbstufungder Auffassungen. Die konservativen Die- H a r d s, die äußerst« englische Rechte, die niemals das Recht Indiens auf Selbstregierung anerkannt haben, nisen zynisch nach der st a r k e n Hand. Für sie ist Gandhi nichts als ein Chorladan, ein verschlagener Regisseur des Ausruhrs, ein Mann, der den Mantel der Heiligkeit als eine passende Derkleidung trägt. Für sie war die Regsirung all die Monade lang zu tolerant, zu schlapp. Die blutigen Vorgänge in Peschawar, in Tschittagcmg, in Kalkutta sind für sie kein Menetekel. Sie machen die Schwäche der Regierung dafür vor- antwortkich. Die konservative Mitte Englands ist znrück- haltender, sie will der Regierung keine Schwierigkeiten machen, sie hat in der Person des indischen Dizekönigs Lord Irwin(eines früheren tonsirvaftven Abgeordneten) einen Bertrauensmann an maßgebender Stelle. Auch sie ist für Unterdrückung, aber sie ist nicht für ersinsressensche Methoden. Sie ist zu englisch, um die Gewalt als solche zu verkünden oder zu bejahen. Indien hat, nach ihrer Auffassung, ein theoretisches Recht auf Selbst- regierung. Aber die Verwirklichung liegt inunendlicherFerne. Indien ist nicht reff. Die Nationalen sind«ine kleine Minorität. Die gegenwärtigen Unruhen sind nichts als das Produkt von Pro» paganda und Aufwiegelung. Indien braucht eine starke Hand, der gang nah« und ferne Osten braucht ein« starke Hand. Alles andere ist verhängnisvoll, nicht nur für England, sondern auch für die Völker Indiens selbst. Don dieser Auffassung führt eine schmale Brücke zum Liberialismus. Hier wird das Recht auf Selbstregierung des indischen Volkes besaht, der DominiomStatus für Indien als das notwendigeZielder Entwicklung der nächsten Jahre und Jahrzehnt« betrachtet. Aber der alt« englisch« Radikalismus ist tot. Die liberale Partei fft längst imperialistisch geworden. Man bedauert die Ereignisse, man bedauert die Notwendigkeit, die zu Gandhis Artest geführt hat. Man ist einerseits gegen die Eewallanwendung, betrachtet sie aber andererseits für unvermeidlich. Man hofft, daß sich Indien beruhigen wird. bis Man in der Lag« fit, dem indischen Volk die Reformvorschläge der Simon-Kommission zu unter. breiten. Und die Labovr-party. die Labour. Regierung? Grundsätzlich gesprochen steht die Arbeiterpartei auf dem Standpunkt, daß die indffchen Nationen«in Recht auf Selbst- regierung und Selbstbestimmung besitzen. Aber dies Recht findet schon im Parteiprogramm der Lobour Party ein« Deutung, die sie einschränkt. Es heißt da: Einbeziehung Indiens in das britische Eommonovealch aus gleicher Basis mit den sich selbst regierenden Dominien". Nicht voll« Unabhängigkeit ftir Indien also, sondern sein« Eingliederung ins Reich als gleich- berechtigter Partner, wie Australien. Kanada. Irland, Ist das Ziel der Lobour-Poütik gegenüber Indien. Dies Recht auf Selbstbestimmung Indiens(im Rahmen des Empire) hat die Labour Party in zahllosen Be- schlüssen und Parlamentsdebatten anerkannt und immer wieder ihr« Stimmen gegen«ine Unterdrückungspolitik erhoben; sie hat ihren politischen Gegnern jahrzehntelang die Gefahre« vor Augen ge- führt, die aus einer Verschleppung der indischen Forderungen drohen. Aber die Labour Party hat— bei aller tiefen Reverenz vor der uralten indischen Kultur— niemals ihre Zweifel über die politisch« Reis« der indfichen Nationen verhehlt und in Ge- meinschast mit den anderen politischen Parteien ihrer Meinung dahin Ausdruck verliehen, daß eine überstürzte Gewährung voller Selbstregierung nichts als das Signal zum Ausbruch gigantischer innerer Wirren bilden würde. Der Unterschied zwfichen der Indienpolitik Labours und der übrigen Parteien besteht also mehr in einer verschiedenartigen Be- urterlung des Tempos der Entwicklung und daher in einer Empfehlung anderer Methoden. Im Gegensatz zum Konservatismus betrachtete und betrachtet die Arbeiterpartei die Borwegnahme eines Teiles der indischen Forderungen, ehe sie Explosivkraft erlangt haben, als das einzig richtig« staatsmännische Verhallen. Die Arbeiterregierung war fest entschlossen, dies« ihre Auf- sassungen in die Praxis umzusetzen. Sie wollte den Simon- Bericht abwarten und gestützt aus die Empfehlungen der Kommfision den indischen Freiheitsroünschen einen guten Schritt entgegenkommen. Da verkündet Gandhi den bürgerlichen Un- gehorsam und entfesselte damit die Gewalten, die heute das ganze nördliche Indien erschüttern. Trotz ihrer tiefen und ehrlichen Sympathie für die Freiheitswünsche des indischen Volkes ist die Arbeiterregierung gezwungen, den Bruch des Gesetzes durch Gandhi und seine Anhänger mit der ganzen Schwere des Gesetzes zu beantworten. Trotz Labours Abneigung gegen die Gewalt ist die Regierung genötigt, Gewalt gegen Gewalt zu stellen. S i e kann nicht anders, obwohl sie weiß, daß eine wettere Ver- giftung der indfich-englffchen Beziehungen und eine weitere Er- schwerung der geplanten englisch-indischen Berhandlungen am runden Tisch die notwendigen Folgen sein werden. So sind die Vor- gänge, die sich heute in Novdindien abspielen. für dt« Arbeiierrezierung eine nngehenre Tragödie. ober sie sind für sie aucki unonsweichbar und unvermeidlich wie das Schicksal in der antiken Tragödie. Dos Blut in Indien wird im Namen einer Regierung vergossen, deren Führung die Arbeiterparia besitzt— aber sie fit an dem Blut unschuldig. In ihrem Namcn werden die Freiheitskämpfer Indiens in die Kerker geworfen, aber sie fit entschlossen, Indien die Freihett im Reich zu bringen. Die geschichtlichen Kräfte haben Mahatma Gandhi und Ramsay MacDonald zu Gegnern gemacht, wiewohl jeder der beiden sich treu geblieben fit. Dieselben Kräfte werden die britische Avbeiterportei und das indische Volk wieder versöhnen. Was heule geschieht, fit nur ein« Etappe im Ringen zwischen Indien und England. S Kilometer östlich von Bombay; sie begannen am Mittwochabend mit einer große» Demo u- st ratio« gegen die Spelunken und die Schankstätten. Die erregte Meng« zerstörte den größten Teil der Branat- weinschankstätten und steckte sechs Polizeistatwne« in Brand. Um Mitternacht trat Ruhe ein. Am Tonnerstagvormittag begannen Leute mit der Fällung von Palmbänmen, ans denen der Palmwcm gewonnen wird. Der Polizei gelang es nicht, die Menge zu zerstreuen. Hierauf schössen die Beamte«. Zahlreiche Personen wurden getötet und verwundet. Nach einer kurze» Ruhepause kam es am Nachmittag zu einen» neuen Zusammenstoß, bei dem die Polizei wiederum schoß. Auch zwei Polizisten fanden den Tod. Insgesamt sind seit Mittwoch in Scholapur 25 Personen getötet und 120 verwundet worden. Da die Polizei nicht mehr Herr der Lage ist. wurde« Truppen au- gefordert. Das Herzog-Bork-Kavallerieregiment ist von Achmednagar auf dem Wege nach Scholapur. Stahlhelm gegen Wirth. Sine ErNärong Oüsterbergs. Zeitz. 8. Mai. Der zweite Bundesführer d«» Stahlhelm. Oberstleutnant Düsterberg, erwidert« in einer in Zeitz gehaltenen Rede auf die Vorwürfe des Neichsinnerauinisters Dr. Wirth: J5Btr stehen dem Kabinett Brüning noch heute m i t dem stärksten Mißtraue» gegenüber. Herr Wirth hat dieser Tage die Besprechung über eine Aushebung des Stah-helm- Verbotes in Rheinland-Westfaleu abgelehnt, weil ich ihn in Magdeburg in einer Red« schwer angegriffen habe. Ich finde, die Herren sind sehr empfindlich. Sie nehmen olles Mögliche übel. Ich habe gesagt, und wiederhole«s heut«: Wir haben kein Ver- trauenzuMännernwieDr. WirthundDr. Curtius, von denen uns der eine als Feinde bezeichnete und der andere uns, die Mitglieder des Reichsausschusses, schwer angegriffen Hot. Das Kabinett Brüning sieht keinen Anlaß, das Verbot aufzuheben, trotz- dem festgestellt worden ist, daß der Stahlhelm sich an den Gelände- Übungen überhaupt nicht beteiligt hat. Für eine eventuelle Aufhebung des Verbotes hatte man die Bedingungen gestellt: L den dortigen Stahlhelmführer zu opfern und 2. der Stahlhelm möchte sich mit der katholischen Geist- l i ch k e i t besser stellen. Das haben wir strikt ab- gelehnt. Wir gehen durch kein kaudinisches Joch, nur um Herrn Wirth die Freude zu machen, uns gedemütigt zu sehen. Der Kurs Brüning» war eine groß« Enttäuschung insofern, als das Verhältnis zwischen Zentrum und Sozialdemokratie trotz der Trennung im Reiche in Preußen unverändert bestehen bleibt. W i r haben Anlaß, unsere Haltung gegenüber dem Kabinett Brüning nur zu verschärfen.' * Die Behauptungen des Herrn Düsterberg über die Be- dingungen einer Aufhebung des Verbots, namentlich über Punkt 2, bedürfen dringend einer amtlichen Aufklärung. polenparlameni im Kamps. Einberufung verlangt. 208 Wgeordnete, die Mehrheit des polmschen Sejm, verlangen in einem Antrag an den Staatspräsidenten die Einberufung des Parlaments: 38 Nationaldemokraten, 18 christliche Demokraten. 15 recht« nationale Arbeiterparteiler, 21 Mitglieder der Bauern» pariei Plast, 38 von der Bauernpartei Befreiung, 25 von der dritten Bauernpartei und 53 Sozialisten. Ihnen steht der Regie- rungsblock gegenüber� der nach der Kassierung einer Anzahl seiner im Osten erschwindelten Mandate nur 112 Mit- glieder zählt. Die nichtpolnfichen Parteien mit rund 10(1 Mandaten gehen zumeist mit der Opposition. Der Ministerpräsident S l a w e k, Führer des Regierungsblocks, hat wiederholt erklärt, der Sejm werde in seiner jetzigen Zusammen- setzung nicht mehr zusaimnentreten: trotzdem soll in einer langen Konferenz Pilsudski— Slawek die Einberiifung beschlossen worden sein, wahrscheinlich, um ihrer Erzwingung gemäß der Verfassung durch einen genügend unterstützten Antrag zuvorzukommen. Oer Gudan-Konfliti. Anglo-ägyptische Verhandlungen gescheiteri. London, 8. Mai.(Eigenbericht.) Wie der Außemninfiter Henderson dem Unterhaus mitteilte, sind di« Verhandlungen mit Aegypten abgebrochen; man konnte sich über den Sudan nicht einigen. England hiell an der bestehenden gemeinschaftlich anglo-ägyptischen Sudan Herrschaft fest und wollte ausdrücklich anerkennen, daß Aegyptens Rechte dort unverändert fortbestehen; Aegypten forderte jedoch Einräumung der ägyplischen Souveränität. Dies ist der Standpunkt der jetzigen verfassungs- mäßigen Regierung R a h a s Pascha, dt« vorige Oiktaturregierung war ziemlich bereit gewesen, den englischen Vorschlag anzunehmen. Abrüstungskommission am S.Aovember Einberufung erst nach der Vötterbuntsver-ammlunq. Genf. 8. Mai. Die nächste Tagung des Dölkerbondsausschusfes für die Vor- bereilung der Zniernationalen Abrüstungskonferenz ist ans AI o n. lag. den Z. November, einberufen worden. Das ist das Ergebnis der Vorbesprechungen des Präfidenlen London mit den TNIlgltedcrn dieses Ausschusses, die fast alle auch dem gegen- wärtig tagenden Sicherheilskomilee angehören. Zn einem Rund- schreiben an die Mitglieder des Abrüstungsausschusses erklärt London, er habe die Mitteilung des englischen Premierministers Macdonald über die Ergebnisse der Londoner Seeabrüstungs- konserenz geprüsl und„offiziös sich unkerrichtel über die verschiede- nen Im Abrüstungsausschuß vorhandenen Meinungen be- treffend dos Dalum, zu dem der Ausschuh mit Nuhen seine Arbeiten wieder aufnehmen könnte. Dabei sei er zu der Meinung gekommen, daß eine Zusammenkunft des Abrüstungsausschusses in diesem Sommer auf große materielle Schwierigkeiten stoßen würde, die den Ausschußarbeiten schädlich werden könnten." Bemerkenswert an der Mitteilung des Präsidenten Loudon ist. so fügt WIB. hinzu, daß trotz der Verschiebung der von England, Deutschland und den nordischen Staaten gewünschten Sommer- tagung wenig st ens das Datum der nächsten Tagung bereits jetzt festgesetzt worden ist. Wie man vernimmt, wurde bei den osfiziösen Vorbesprechungen von verschiedenen Seiten darauf ge« drängt, nicht einmal das Datum der nächsten Tagung jetzt schon festzusetzen. Präsident Loudon, der nach dem Austrog der letzten Völkerbundsversammlung über die Einberufung des Vor- bereitenden Abrüshmgsausschusses zu entscheiden hat, bestand jedoch unter Berufung auf das Ergebnis seiner Vorbesprechungen und aus die hauptsächlich von deutscher Seite aufgestellte Forderung auf der sofortigen Festsetzung der nächsten Tagung des Abrüstungs- ausschusscs, die bekannMch auch den Abschluß der Vorarbeiten für die Internationale Abrüstungskonferenz bringen soll. * Im Gegensatz zu diesem deutsch-offiziösen Optimismus, der einen Erfolg darin erblickt, daß man wenigstens e i n Datum festgesetzt hat, erblicken wir in der Hinausschtebung der Tagung bis zum Spätherbst, d. h. bis nach der Jahres- Versammlung des Völkerbundes eine» sehr bedauerlichen Sieg jener Kräfte, die die Abrüstung systematisch hintertreiben. Die„materiellen Schwierigkeiten", hinter denen sich der holländische Präsident Loudon verschanzt, bestehen lediglich in dem schlechten Willen einzelner Regierungen, ins- besondere der französischen und der italienischen, auf die Loudon seit jeher weitgehend Rücksicht genommen hat. Nach dem Abschluß der Londoner Seeabrüstungskonferenz sprach alles für und nichts gegen ein unverzügliches Zu- iammentreten der Borbereitenden Kommission, so daß die Välkerbundstaaten, insbesondere die kleinen, im Rate nicht vertretenen Länder, die nur einmal im Jahre wiederkehrende Gelegenheit gehabt haben, auf der Vollversammlung vor aller Welt zu den Ergebnissen der Kommission Stellung zu neh- men. Das aber wollten gerade die Abrüstungshintertreiber vermeiden, und es ist ihnen wieder einmal gelungen. Wer weiß, wie oft das Datum des 3. November noch geändert werden wird! ' Schlußbericht des Sicherheitskomitees. Genf, 8. Mai.(Eigenbericht.) Der S i cher h e itsau ss chuß des Völkerbundes hat am Donnerstag seinen Schlußbericht mit einer Entschließung an die Dölkerbundsversammkung über die Verkehrsregelung der im Dienste de« Völkerbundes stehenden Flugzeuge, sowie den Kon- ventionsentwurf und«inen Begleitbericht über die finanzielle Hilfeleistung an angegrisfcne Staaten zu Ende beroten und genehmigt. Die Frag«, ob der Völkerbund auch eigen» Verkehrs- flugzeuge anschössen soll, wogegen sich u. a. auch die deiitsche Dele- gation aussprach, ist offen gelassen worden. Im übrigen über- nahm man die Borschläge der Internationalen Kommission sür Lust- schiffahrt, so daß die Sraaten von ihren Souveränitätsrechten nicht viel preiszugeben brauchten. Sie behielten sich vor, jedem Flugzeug eines anderen Landes oder jedes Flugzeug mit einem stemden Pilo- ten, auch wenn es im Dienste des Völkerbundes fliegt, dos Ueber- stiegen des eigenen Staatsgebietes zu untersagen, verpflichteten sich jedoch einstimmig, die dadurch aufgehaltenen Passagiere(Delegierte oder Kuriere des Völkerbundes) so rasch als möglich an die Grenze zu befördern. Di« Gewährung der finanziellen Unterstützung nn einen Staat für den Fall einer Bedrohung durch Krieg kann nach den Mehrheitsbeschlüssen des Ausschusses erfolgen, wenn ein Staat die SriegvverHüiungsmaßnoHtnen des Völker- bundes ablehnt oder ss« nicht berücksichtigt und der andere Staat die finanzielle Unterstützung des Dölkerbundes anruft. Die deutsche, kanadische, italienische und japa irisch« Delegation verfochten demgegenüber einen Antrag— der auch an die Völker du ndsversammlung geleitet wird—, daß im Kriegsdrohungsfalle der Völkerbundsrat den am Konflikt be- teiligten Staaten nur mitteilen soll, daß er dem angegriffenen Staate finanzielle Unterstützung gewähren würde. Wichtig ist, daß die Konvention mit der in Aussicht steheichen Abrüstungskonoention verbunden werden soll; d. h. die eine Konvention soll nicht vor der anderen in Kraft treten. Damit wird man auf die Derhand- lungen der Slbrüstungskoimnissson einen gewissen Druck(?) ausüben. Am Freitag wird der Sicherhatsausschuß noch den Konvcntions- entwurf sür die Verstärkung der Kriegs Verhütungsmittel zu Ende beraten. Seine Session Ist damit beendet. jsleißaer bleibt. In der L«ipzig e rStadtverordncten. Versammlung sind sämtliche Zlnträg«, den Poiizcipräsideiiten Fleiß ne r wegen der blutigen Ereignisse am konnnunistischen Reichsjugendtag ab zu berufe u, abgelehnt worden. A n g e» n o m m m e n wurden sozialdemokratische Anträge, die Aufhebung des angesichts der Ostervorgänge erlassenen Demon- strmions- und Bersamnüungsverbots verlangen. Eine(frau als Vrcssereferent. Arm, Referenten im Reichs- Ministerium der besetzten Gebiete ist Fräulein Dr. Josephinc Bl-sch ernannt worden. Seipels würdiger Nachfolger als Chef der christiichsozialcn Partei wird der Wehmrimster und Exreaktwnär Daugoin. An der südslawisch- rumänischen Grenze fischt« der südslawisch- Bauer Stefan Decsi aus Hetin iiud geriet mit der rumänischen Grenzwache rn Streit. Die rumänischen Grenzwächter haben den Bauern erschossen. Nochsorschungen nach der Leiche waren ergebnislos. Man irinunt an, daß die Grenzwächter aus südslawisches Gebiet kamen und die Leiche so r ts cha ffte n. Untersuchung des Vorfalles durch dte tütffawffchen Behörde« ist«ingefeitd Die Ofihilfe. Stolin Die Regierung Brüning'Schiele plant ein Zünfjahreprogramm für den Osten. ön/ninq Schiele Siali«: ,Meine Herren/ ich warne Sie aus eigenster, bitterster Erfahrung vor der Aufstellung von Fünfjahresplänen!� Preußen in der Reichspoliiik. politische Rede Otto Brauns.— Benachteiligung Preußens gegen Bayern. Auf der Tagesordnung des Preußischen Landtag» stand am Donnerstag der Etat de» Staatsmini st erium». Zur politischen Aussprache nahm sofort das Wort Ministerpräsident Braun: Es wird vielleicht zur Abkürzung der Debatte beitragen, wenn ich eingangs der Besprechung den Standpunkt der preußischen Re- gierung zu den wichtigsten Fragen kurz zum Austrag br nge. Nach einer ölten, wenn auch nicht gerade guten Uebung wird bei meinem Etat olles mögliche besprochen, wofür ich nur mittelbar oder gar nicht zuständig bin.(Zuruf bei den Komm.: Sie bestimmen doch die Richtlinien der Politk!) Gottseidant, bis jetzt noch.(Große Heiter- keit.) Ich habe in einer Magdeburger Kundgebung meiner Partei anläßlich des zehnjährigen Erinneningstages des Kapp-Putsches ge. sprachen; das ist mir zum Lorwurf gemacht worden, weil die Ber- sammlung gerade mit dem sogenannten Dolkstrauertag zusammenfiel. Dieser Volkstrauertag ist«ine Erfindung des Vereins für K ri e g s g r ä b e r f ü r s o r g«. der seinen Tätig- keitsbereich erweitern möchte. Me öffentlichen Körperschaften haben diesen Volkstrauertog abgelehnt, ich sehe ihn mehr als Vereins- angelegcnhcit wie als Volkssache an. Wie in anderen Iahren. so ist auch m chiesem. das Gedächtnis der Toten zur Wachhaltung des Revanchegedankens und zu scharfer Kritik an der. Republik miß- braucht wordern Selbst bei den Kirchen feiern für die Kriegsgefallenen haben besonders evangelische Geist« sich« sich nicht oersagen können, vom Dolchstoß, vom.polnischen Aasgeier und.gallischen Hahn', vom heillosen Parlamentaris- mus und der �unfähigen Stümperei der Heutigen Staatslenker zu sprechen, und Sie werden es begreifen, daß ich an solchen Der- an staltungen nicht teilnehme, wie auch, daß ich durch solche Veranstaltungen mir in meiner außerdienstlichen politischen Tätigkeit keinerlei Beschränkung auferlegen lasse.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Die Stahlhelmseiern der evangelischen Kirche tragen übrigens nicht dazu bei, den republikanischen Kreisen eine positive Stellungnahme zum künftigen Staatsvertrag mit der evangelischen Kirche zu erleichtern.(Sehr wahr! links.) Gleichwohl hoff« ich, daß die Verhandlungen in absehbarer Zeit zu einem Ergebnis führen werden. An der Abberufung der drei hannoverschen Land- röte muß die Staatsrcgierung festhalten. Wenn der Oberpräsi- dent als Kommissar der Staatsregierung erklärt, daß«ine Stellung- nähme gegen das Provinzialschulkollegium nicht Gegenstand der Beratung und Beschlußfassung des Provinziallandtogs sein kann, dann dürfen L a n d r L t e. als politisch« Beamte sich an dieser Er- örterung und Beschlußfassung nicht beteiligen. Taten sie es doch, so war' das ein Affront gegen die Staatsregiernng und ihren Kommissar. Wenn diese Maßregelung Anlaß zu einer Los-oon-Berlin-Bewegung gegeben hat. so scheint mir das für die Reichsrcform ein schlechter Ausgangspunkt. Wer aus diesem Anlaß wegen einer durch die Staatsraison absolut erzwungenen Maßnahme den Gedanken der Separation von Preu- ß e n propagiert, verrät wenig füiatspolitiscbes Denken und Deraut- wortlichkeitsgefühl.(Sehr wahr! links.) Ich hoff«, daß der Pro- ninziallandtog daraus lernen wird, sich in dem ihm durch Gesetz ge- zvgenen Rahmen zu halten und Beamte nicht wieder in eine der- artig« Situation zu bringen.(Zuruf rechts: Wie ist«s denn mit der Abstimmungsfreiheit hier im Landtag?) Ja, ich warn« Reu- gierige!(Große Heiterkeit.) Die Reichsrefonn als solche ffl ei« schwieriges Kapitel. Zu der Arbeit der Sachverständigenausschüsse Stellung zu nehmen, hatte die preußische Regierung noch keine Veranlassung. Do« Re- gierungs wegen haben wir uns darauf bescbränkt. im Reichsrat den Abbau des§ 35 des Finanzausgleichs zu forden,. Die preußische Regierung gönnt durchaus allen Ländern ihre Selb st än- d i g t« i t. die willens imd in der Lag« sind, sich aus eigener Kraft zu erhalten. Wo das nicht der Fall ist. kann sie den Eni» ichluß zun, Anschluß an Preußen nur als Konsolidierung der Der- hältnisse begrüßen. Der ss 35 selbst ist ein Ueberblcibsel ans der Inflationszeit; er kostete dem Reich im Jahre 1924 7.6 Millionen, 1928 aber bereits 40.7 Millionen. Davon erhielt Bayern allein 26 Millionen, Lippe VA Millionen. Mecklenburg- Slrclltz?4 Millionen. Wir haben die Pflicht, einer derartigen Pflege des klein- staatlichen Partikularismus auf Kosten der Reichstosse entgegenzutreten, schon weil wir selbst unsere Steuerguellen bis auss äußerste a-usschöpfen müssen. Au» den neuen Relchssleuern erhält Bayer» eine Zuwendung von 24 Millionen, das sechsmal so große Preußen nur eine solche von 34 Millionen. Außerdem erhält Bayern aus Grund eines länast vom Stual-gerichtshof für versassungswidrsg und nichtig erklärten Gesetzes eine Sonderzuwendung von 4S Mit- llonen jährlich: und dazu dann die Leistungen aus ss 35. Preußen würde eine um- fassende Steuersenkung vornehmen können, wenn es vom Reich ebenso bedacht würde wie Layern. Man hat versucht, die Ost h i l f e als besonder« Vergünstigung Preußen» hinzustellen. Ja, wenn es ein besonderer Vor» zog für Preußen wäre, daß es al,«tazige» deutsche» Laud durch den Weltkrieg erhebliche Gebietsteile und drei Milliarden Vermögens- werte verloren hat. daß seine Provinzen durch den polnischen korri- dar zerrissen werden! Die Hilfsmaßnahmen des Reiches für den Osten haben stets auch den preußischen Etat belastet, und wir haben dabei bereits erhebliche Verluste erlitten. An der neuen Osthilfe w.-r- öcn wir loyal mitarbeiten, wenn wir die Gewähr hoben, daß der Wirtschast wirklich nachhaltig geholfen wird. Wenn aber Bayern von seinem Osten spricht, dem geholfen werden müsse, so ist das einfach grotesk. Wo sind denn in Bayern die neuen Grenzziehungen, wo die Zerreißung des Staatsgebiets durch eine auswärtige Macht, wo die Zerstörung der Wege- und Eisenbahnverbindungen? (Sehr gut! links.) In zahlreichen Amtsstuben des Reiches herrscht iinabhäiigig von der parteipolitischen Zusammenietzung der jeweiligen Reichsregierung«in« ausgesprochen preußcnseiiidliche Gesinnung.(Sehr wahrt links.) Bei aller Bereitschaft zur Osthilfe dürfen wir nicht vergesscn. daß auchdorWesten außerordentliche Mittel beanspruchen kann. um die wirtschaftlichen und sonstigen Schäden der langen Besetzung zu heilen.(Sehr gut! links.) Eine offene Wunde ist die Saar- frag«. Hier bleibt die Liquidation des Kriege? noch durch, zuführey, Der preußische Staat muß dt« la sie nfr e ie Rückgabe seiner Gruben verlangen. Sollten uns erhebliche Zugestand msle ftbver- (angt werden, dann müßten wir lieber die fünf Jahr« bis zum Ter, min des Friedensvertrogs noch abwarten. Einer allgemeinen Am ncstierung de r Fememörder au» Anlaß der Rheinlandräumung wird die preußische Staotsregie- rung nicht zustimmen.(Unruhe rechts.) Diese feigen und bestialischen Mordkaten hatten mit dem Besatzungsregime gar nichts zu tun.(Sehr wahri links.) Auch die Forderung auf Einstellung der Disziplinaroer- fahren gegen Beamte wegen aktiver Teilnahme am Volksbegch en werden wir nicht erfüllen. Wir können keinen Strich unter di-.s« Episode machen, weil die Parteien, die hinter dem Volksbegehren standen, selbst die Fortsetzung ihrer Aktionen angeliiiidigt haben. Wir haben die Pflicht, auch sür die Zukunft vorbeugend zu wirken. (Beifall links. Pfuirufe rechts.) Auf das Urteil des Staatsgerichts- Hofs ,n dieser Sache werde ich bei anderer Gelegenheit ausführlich zurückkommen. Der auch aus diesem Anlaß erhobene Vorwurf, die preußische Regierung lasse sich von einseitigen parteipolitischen Grundsätzen leiten, entbehrt jeder Bsgrünbung. Die preußisch« Regierung wird nach den Richtlinien geführt, die ich am 19. Novem- ber 192l in diesem Hause entwickelt habe, als ich mein erstes Kabi- nett porstellt«. Ruhige sachliche Arbeit am Wiederaufstieg Deutsch« lands zu einer bessern Zukunft ist seitdem das Leitmotiv der vreu- ßischen Politik geblieben und wird es bleiben, solang« ich Minister- Präsident bin. Bei aller Rücksicht auf den Standpunkt der in der Regierung vertretenen Parteien wird ausschlaggebend für d!« preu- ßische Regierung letzten Endes immer das Staatsinteresse sein. (Lebhafter Beifall links und in der Mitte.) Abg. Schluchlmann(Soz.): Der früher übliche frisch-fröhliche Ansturm gegen den Bestand der preußischen Regierung hat nachgelassen. Die im Ausschuß am Ministerpräsidenten Brau,, geübte Kritik war eigentlich nur«ine Brockensammlung verpaßter Gelegenheiten und eine Wiederau«- nahm« vergessener Anfragen aus der Verwaltung der einzelnen Res- sorts. Man besprach Einzelheiten aus der Personalpolitik— zu» ständig der Innenminister), aus dem Konkordat(zuständig der Kultusminister) und an» der allgemeinen Wirtschaftslage(zuständig der Reichswirtschastsmimster).(Heiterkeit) Dt« politische Arbeit des preußischen Staatsministeriums hat die Opposition überhaupt nicht angreisen können. Jedenfalls wird man im Lande dos groß« Aktioum der Stabilitäk Preußens nicht verkennen, einer Festigkeit der Kegierungsocrhällnlssc. die bisher weder das Reich noch ein anderes Land erreicht hat. In, Anschluß an die Bildung der neue» Reichsrsgierung und namentlich im Anschluß an da» Glückwunschtelogramm des Abg. Dr. Heß an Brüning ist die Frage nach dem Fortbestand der preußischen Koa- lition aufgeworfen worden. Wir glauben, daß dos Zentrum nicht ahne Not auf den preußischen Ausgleich für seine Rechtsschwen- kung im Reich verzichten wird. Wir sind aber vor allem überzeugt, daß jede Reichsregierung Wert auf den Fortbestand der sicheren Regierungsverhältnisse in Preußen legen muß. Wir selbst sind be- reit, die fruchtbare Regierungsarbeit in Preußen fortzusetzen.(Leb- haster Beifall bei den Soz.) Abg. Skeuer(Dnat.): Nicht Staat und Ration, sondern Koa» sition und Parteiarithmetik gaben jetzt in Preußen den Au eschtag. Herrn Braun verbindet ein Maximum an Machtbewußtseln mit einem Minimum von Rechtsgefühl. Este Frontdildung gegen den Marxismus ist auch im Reiche unmöglich, solange Braun der preußischen Regierung dos Gepräge gibt. Eine bürgerliche Staats. Politik muß durch einen Regierungswechsel in Preußen inauguriert werden. Wir verlangen Schluß der Unterscheidung zwischen repn- blikänischen und nichtrepublikanischcn Parteien, Beseitigung de» Tages der Selbstreklame, des 11. August, aktiv- sten Kampf aller positiv christlich gesinnten Kreise gegen die kulturelle Bolschewisierung und gründlich« Finanzrefonn durch den Lernwl- tungskostenbeitrag. Unl«r« Aussorderuiig an di« bürgerlicti« M tte lauten Stürzen Sie Brauu und retten Sie VreuKen!(Lebhaster Beifall rechts.) Abg. Grebe(Z.): Wir haben im Reich mit der Sozialdemokratie den Doung-Plan verabschiedet. Ich habe daher die Deutschnationalen zuerst zu fragen, ob sie zur Forlführung unserer Friedens» aubenpolitik bereit find. Denn der Außenpolitik ist die Innen- Politik naturgemäß untergeordnet. Die Politik des Zentrums im Reich wird von uns unbedingi und durchaus unterstützt. Aus diese innere Homogenität innerhalb der Zentrumspartei lege» wir den größten Wert. Die äußere Homogenität der Gleichartig- keil der Reichs- und der preußischen Regierung ist uns nicht in gleichem Maße wichtig. Wir sind uns auch nicht gewiß ob ein« dem Kabinett Brüning analoge preußische Regierung di'. ehrliche Unterstützung der Deutlchnationalen fände. lZuruf rechts: Lassen Sie das unsere Sache sein!) Ndn. darüber möchten wir vorher Bescheid wissen. lZuruf rech.s: Machen Sie uns eine Offerte!) Ich glaube nicht, daß die Lage derart ist, daß wir Ihre Unterstützung nachsuchen müßten. Wir werden schwerlich einen Weg einschlagen, an dessen Ende vielleicht nur die gestern auch von den Deutschnationalen bekämpsle Selbstauslösung de s Landtags bliebe,(«ehr gut! im Zentrum.) 3m übrigen bedauern wir es, daß die Sozialdemokratie die notwendigen inneren Konsequenzen der Annahme des Joung-Planes nicht hat ziehen wolle« und seht et«« vgl tatst*, gegen da» Kabinett Brüning treibt, die unserer polittscheo Zusammenarbeit in Preußen mindesten» nicht förderlich ist. Die preußisch« Sozialdemokratie sollt« über diese Seite der Sache mit ihrer Press« und chren Freunden im Reich einmal ein ernstes Wort sprechen.(Zustimmung im Zentrum.) Ministerpräsident Braun: Die Sozialdemokratie hat sich den Konsequenzen des Toung- Planes weder entzogen noch zu entziehen oersucht. Darin allerdings kann ich dem Vorredner unbedingt zustimmen, daß die im Reich zwischen Zentrum und Sozialdemokratie entstandenen Disserenzen ohne hetze und persönliche Beleidigung ausgekochten werden können. Ein« verantwortungsbewußte Partei muß auch in der Opposi» t i o n ihre Haltung zur Regierung so einrichten, daß ein späteres Zusammenarbeiten mit den in ihr vertretenen Par.eien nicht unnütz erschwert wird. Im übrigen hat die preu. ßische Regierung schon unter den verschiedensten Parteikonstellauonen im Reiche gearbeitet, und ich seh« auch jetzt keinen Grund, wavum die preußische Regierung gefährdet werden müßte.(Sehr gut! links.) Abg. Schulz(Komm.) polemisiert eine Stund« lang gegen die Sozialdemokratie besonders im Reichs. Abg. Stendel(D. Dp.)- Politische Fehlgriffe der preußischen Regierung werden uns niemals darin irre machen, die Einheit- lichkeit Preußens zu verteidigen. Abg. v. Detten(Wpt.) führt Klag«, daß die Deutschnationalen dem Antrag aus Auflösung de» Landtag» Rur homogen« Regierungen Wirts----''"' ■» A*----- 01------»*... ittajt sngfiniiuiu oarrcTit in Reich und Preußen könnten vi« tschastskatastrophe abwehren. Di« Weiterberatung wird auf Freitag früh 10 Uhr vertagt. Sozlaldemokrattscher Juristentag. Am Sormabtrüs, dem 10., und Sonntag, dem 11 Mai 1930. findet in Düsseldorf die 1. westdeutsche Landestagung der parteigenössischeu Juri st en statt. Aus Anlaß dieser Tagung vervnstaltet die Paneiorgantsarnm Düsseldorf ein« öffentliche BersamnÄung, rnderDr. KurtRosen- feld über die Strasrechtsreform sprechen wird. Auf der Konferenz am Sonntag wird Landge vichtsdtrettv r Ruben-Berlin über die Iusttzreform und die damit zusanrmenhän- genden Fragen sprechen. 3n der gestrigen Sitzung des Keichrsat» unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Z w e i g e r t lagen nur Vorlagen und Anträge von geringer Bedeutung vor, denen nach den Anträgen der Ausschüffe ohne weitere Aussprache Zustimmung erteill wurde. sGewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Lerantworllich wr Politik: Dr. gort Seq«: Dirttchakt:®. tNi-oslhöl»! Dewerkschaitsbewegung: 3. Steiner: Feuilleton: R. b Dölcher: Lokale« und SonNiacs ilri» K-rslädt: ilnaeiaen: Tli. Slock«: sämtlich in Berlin. Verlan: Vorwäris-Verlaa®. rn b. S. Berlin Druck: Vorwärts-Buchdruckerel unt> Verlaasaustait Paul Sinaer u. To., Berlin SW SS, LindcnKraste 1 Sierz» 3 Beilagen und.Stadtbeilage�. WERTHEIM Leipziger Str.(Versand-Abt.) Königstraße Rosenthaler Str. Moritzplatz $reStai u» Sonnabend hWtge Jßehensnrittel SniDBll Dorral, niengonafiaabB norbElialln. Ohl o. öemüia oerda nldil ingeund. Fsrisehes Gu�asdi........ nuno 0.95 Suppenfleisch...?kuod 0.78 Rindcrkamm tmd 0.88 Sdimorflcisch 0 SkSJüm 1.1 0 Roastbect ml' Knochen, Pfd. 1.10 Fr. Rinderzungen Hd. 1.25 Kaibskamm u.Bm.t.pid. 0.84 Kalbsnicrcnbratcn pid.0.94 Kalbskeule 0.98 Kalbsschnitzel.. pw-d 2.20 Fische Schellfisch 0.45m. Kabcijau'Filet"Zu 0.25.° Bralschollen 3""»n 0.35.° Spiegelkarpfen 1-«"� 0.98«. Lebende Aale''""'tob 4.40m, Leb. KrebSC Mandel von 0.75.° 1.06 1.18 1.32 Fleisch Liesen 0.65 Gehacktes 0.85 HammelvordcrfL p«. 1.04 Schwcincrückcn mit Beilage, Pfunc Schweineschinken Kamm a. Blali, mil Beilage, Pfd. Kaller mllü gesalzen, Pfand Pa. ausgclass. Talgpfd. 0.50 Prima aafriarllelach Suppenfleisch...Pfand 0.74 Rinderkamm ma �Sd 0.84 Räucherwaren Fcttbücklingc �"toa 0.30" Flundern... Pfand von 0.30» Seelachs>n suck" pfaad 0.38 0.38 2.80«n pfd. Dorsch u. Rogen Raucheraal B Huldroil i>;,r: ßr.~ u. Schnitthohn. Br.'U. Schnittbohn. 1 0.75 Jg. Erbsen Do« 0.45 0.70 Jg. Erbsen �no« 0.20 4.20 Kaiserschoten£ 0.9 0 4.60 Karotten«xu« uain.... 0.55 Konserven J 1. POM* 0.55 Vi v«- 050 Leipziger Allerlei Apfelmus s-, com 2.70 0.54 Pflaumen. 0.60 Ä 0.25 Mirabellen'„v-« 0.58 0.95 Kirschen»n» 4.40 1.35 Kolonialwaren Olympia-Mehl..Ä S-PiunC-Beutel l.OO, 1.34, 1.40 Karto fci-Mehl..Pfund 0.20 Sultaninen 0.36 0.52 0.65 Korinthen. pfa°° 0.50 0.62 Mandeln sau 4.70 2.40 2.40 Zitronat........ Pfand 4.60 Tafclrciso.3e 0.24»-nc 0.49 Pflaumen»"" ohne.�3 0.52 Backobst 0.58 0.68 Makkaroni iul An. Pfand 0.65 Kabejau p/d. ohne Kopf, panze bische an Hechte �QPf. Pfund von"H® an lebend, Pfd. v. 78 Pf. an Matjesheringe 2 Stück 25 Pf. Bratwurst 4.. frische, Pfund|20 lungeTauben Stück von an Hühner gefroren Pfund AtftPf. von V V an Hühner �05 frisch geschl cht U w Pfand von■ an Puten � 05 gefr., Pfd. von■ an Jg Gänse d4C Pfund von■ an Brathähnchen junge*75 Stück von| � Konfitüre Pflaumen_. V, bimei W Aprkote, � Orange, Eimer 1 15 Gebr. Kafffee eigene Rösterei Konsum-Mischung Sorte U 2.00 Sorte 1 2.40 Haushalt-Miscfa. 2.80 Sonder-Misch. 5.20 Olympla-Misch. 3.00 Obst und Gemüse Jaffa-Orangen 5 0 50" Apfelsinen D.t*end von 0.55" Kalif. Acpfcl Pfand von 0.52» Frische Ananas � 9 68" Radieschen... 4 Bund 0.10 Junger Spinat 5 pfa»<) 0.28 Junger Salat. 3*•»> 0.28 Rhabarber.. 3 fand 0.20 Grüne Gurken stfl*n 0.35« Wurstwaren Sülzwurst...... Pfand 0 90 Dampt- u. Roiwurst 0.96 Leberwurst nugmuikai p«). 1.20 Fleischwurst... Pfand 1.20 Wiener Würstchen m. 1.20 Jagd'U. Mettwurst pfu. 1.40 Pökelfleisch gekocht,. fd. 1.60 Filet wurst...... Pfund 1.70 Schinkenpolnische pu.].7o Tee- o. Leberwurst um 1.80 Zcrvclat u. Salami pm. 1.80 Speck lett, Pfand 1.10 nugec 1.40 Schinkenspeck 1.90 Königstr., Rosenthaler Str., MoritzpL: Blut' u. Leberw. Ä 0.70 Berliner Mettwurst 1.20 Käse und Fett Ramadou...... stach 0.20 Camembert"'"s'ch.chtei 0.25 Limburger 0.44"Äl 0.80 Tllsiter volllett, Pfand von 0.78" Schweizer d,nlsch- Vfanö 0.80 Steinbusch er Ton:e,piund 0.85 Edamer o. Holländer 0.95 Kremkäse ,unÄpfand 1.20 Schweizer 135" Margarine pw»» 0.50 Kokosfett I-Plnnd-Tifel... Molkereibutter pfaa« Tafelbutter..... pfaad Dän. Butter u 0.58 0.50 1.34 1.52 1.66 nSTAfl«« Preise für Vi Flasche, Vw �SSS ohne G as Frankfurt. Apfelwein n f.K .Rackles U-queh« U.OO Maitrank»n, F.uchtweia.. 0.75 1928 Wöl Ist einer 0.80 1929 Dürkheimer Portu' gicscr Rotwein...... 0.80 1929 Frciloubershcim. 0.95 1929 Licblraumilch. on iGolukapsel) � 1928 Clottener Rosen' berg momi......... 4.35 1926 CaslilloRomcro..A Sauternes ihnllch 1927 Nierstein. Domtal 4.70 1928 Oberemmelcr RoSCnbcrg Semrtia. 2.00 Wein vom FaB besonders billig Zitronen Dutzend von 42 P». an Spargel Pfund 14, 38, 78« ' Hausfrauen! 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Balle J ainmeflspenüßD lebet Art Itcttrt preiswert Paul Golletz ootm. Rohen Meyer Maiienncm trade» ckcke Naunynstraße Sml Morigpi 10303 Äall nitiraisr. i Silivii vLCZcS* i KrCger» jS): 1 La Uian£%* Pampofiiril Im FriidridBtr. 107 !«hl. f. Bhf. Jesnritrtrfi Nach Innrem, schwerem Leiden verschied am 7. Mai 1930 mein lieher Mann, nnser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater, der Maurerpolier Hermann Unnenberg im Alter von 81 Jahren. Helene Lindenberg neb«t Kindern. Bln.-Steglitz, Forststr. 61. Die Einäscherung findet am Montag, dem 12. Mai, nachmittags 6'/, Uhr, im Wilmersdorfer Krematorium statt. Am 7. Mai verftarh.nfalge Schlag. an all« eine« unserer ällelten Mitglieder, 0er Druckettnvalibe Pau! yuosixk im Auer oon 73 Jahren. Sut ehrende» Andenken dewahrt ih n der Verein Berliner Drucker. Die Einäscherung finde: am Sonn- abend, dem 10 Mal. im Krematorium Baumichulenwes. stau. -MditsiisuU. inaägl. wtulj Im. Erfind, b. tntL(ukasfl g. Ridn. rat.-jng. J. m. siumanr SferiinSWIl. Kdnitnrfizer Pt, 85 Typegraphla tesangveiein BerUnei diu dduUialeter Am MiUwoch. dem 7. Mai,«erstarb blbjgid) unser langjähriger Reoisor. Otto Hasser «fite feinem Unhenfeo Die Beeibigung stnbet am Sonn- abend, dem to Mai. nachm.-.1/, Uhr. von der Kavelle de« Reuen ßwSis» Apoftel-Friedhoie», Bin-Schöneterg � achjenbamm. au» Halt. Sahroer. binbungen: Straszenbahnen Rr.«, 3t. 60.«5: Ringbahn bi» Papestraße. Die Siln-er werben gebet", sich recht zahlreich tu beteilig". Nr. 214» 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Kreitag, 9. Mai 1930 Keine Erhöhung der Böderpreise Neuer Vorstoß gegen die städtischen Wirtschaftsbetriebe im Stadtparlament. 3n der gestrigen Stadtverordnetenversammlung war das Hauptinteresse auf die Abstimmungen über die vom Magistrat geplauien Erhöhungen der Preise in den städtischen Darmwasser bä de rn konzentriert. Mit den Sozialdemokraten lehnte eine grohe Mehrheit die Verteuerung ab. Die Deutschnalionalen unternahmen, unter- stützt von der Wirtschaflsparlci, wieder einmal einen Vorstoß gegen die städtischen Wirlschaslgbetriebe, der aber völlig doneben geriet. .L leine Anfragen" auch im Stadtparlament! Den Dc u Ii ch nationalen hatte es ein Film„Aus der Zugendwohlsahrts- arbeit der Stadt Berlin" angetan, linier der Bezeichnung„Was die Stadt in den letzten zehn Jochren an der Jugend leistete" sollen auch schon länger beltxchende Wochlsahrtseinrichtungen gefilmt worden fein: außerdem erkundigt« man sich nach den Kosten des Films. Stadtrat Ortmann(Soz.) antwortete sofort: In dem Teil des Films mit der genannten Bezeichnung sind wir Einrichtungen aufgenommen, die erst nach dem Krieg entstanden sind. Im zweiten Teil werden allerdings auch ältere Anstalten gezeigt. Den Film haben Beamte der Stadt gedreht, er kostet ganz«-Wvv M.— Filmgesellschtaf» ten forderten 25001) M. Mit der Unterstützung der Kam» mu nisten setzten die Deutschnationalen die Besprechung durch, in der dann ein kommunistischer Redner der«tadtoerordneten Frau Kaußler(Dnat.) die settesten Happen wegschnappte.— Dann kam wichtigeres heran: Borlage wegen Erhöhung der Bäderpreise in den städttschen Anstallen. Der Magistrat begründete die Er. höhung mit der Steigeruno oller Zlusgaven. Die Preise sind seit 1924 nicht erhöht worden, der Zuschuß für die Bäder ist jedoch ständig gestiegen: er wird für 1930 mit 2 M i l l i o n e n M a r k oer- onschlagr. Man wollte also einheitliche Preise festsetzen, so sollte ein Schwimmbad 40 Pfennig tosten, die Brause- böderpreise sollten entsprechend erhöht werden. Der vor- beratende Ausschuß hat die Vorlage abgelehnt, so berichtete Stadlv. Doywod(Soz.). In der Debatte ineinte Stadrv. von Dal- wigk sDnat.), die Stadt solle zunächst einmal die Bandeanstalten von allen möglichen Unkosten befreien, die zu tragen Sache der Stadt wäre. Dann könnt« man die Bäderpreise so wie bisher belassen. Die Nationalsozialisten hatten sich in einem dritten Antrag gegen die Erhöhung der Bäderpreise gewandt, allerdings verschlief ihr Ber- treter die Beratung des eigenen Antrages im Ausschuß: er kam ein- fach nicht in die Sitzung. Siadlmedizinalrai von Drigaloki begrüichetc die Vorlage mit«tatrechttichen Erwägungen. Stadto. Varthelmann (Sitz.) gab zu bedenken, ob eine Erhöhung der Läderpreise nlchl einen Rückgang der Besucherzahl zur Folge haben könnle, so daß dann die ersehnt« Mehreinnahme ausbliebe. Eine Verminde- rung der Besucherschaft hätte auch gcsundbeitliche und volkshvgieni- sche Nachteil« un Gefolge, das könne aber nicht die Absicht des Magistrats sein. Die sozialdemokratische Fraktion lehn« die Erhöhung der Bäderprette a b. Mit großer Mehrhelk wurde die Erhöhung dann auch adgclchnl. Zugestimmt wurde einer Lor- lag«, die 84009 M. für feuer» und«xplosivnsfichere Schränke zur Aufbewahrung von Röntgenfilmen in den Krankenhäusern vorsieht.— Nach einer Vorlage des Ma- gistrats soll die Schlußzeil in den Markkhallm am 24. Dezember jeden Jahres auf 17 Uhr, für Lebensmittel- und Gemüsehändler auf IS Uhr sestgesetzt werden: die Markthallen sollen mn 23. Dmembcr von, 7 bis 19 Uhr ohne Unterbrechung geöffnet bleiben. Auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion wurde in diese Bs- stimmungen die Verpflichtung nach Jnnehastung der gesetz- lichen Ruhepausen für das Personal aufgenommen mrd mit dieser Ergänzung dann die ganze Vorlag« angenommen. Die Nattonalsozialisten protestierten gegen die Zahlung von Reprösenialionsgelder« an städstsche Beamte>md Angeslellie. Es sollt« wieder einmal eine muntere Hätz gegen den Magisttat werden und da fehlte selbstverständlich Herr Lang« von den Kommunisten nicht. Nur beschäftigte er sich nicht mit seiner Entfernung vom Vor- stondsposten des Roten Frontkärnpferbundes in Neukölln, als seiner- zeit sein Kassierer wegen„doppelter Buchführung gehen mußte. Nach denr nationalsozialistischen Redner führtc Stadtv. Caspar i (D. Bp.) das Geschrei über„R«präsentations"geld«r auf feinen wahren Wert zurück. Dienstaufwandsentschädigungen werden auch an kleine und kleinste Maglstratsangestellte gezahlt, sofern ihr be- sonders gelagerter Dienst dies erfordert: msbefondere erhalten Autzendiensthabende solche Gelder. Wenn sich die Nationalsozialisten gegen diese Beamten- und Angestelltenkategorien wenden wollen, so wolle inan sie nicht hindern. Vom Magisttat erhalten nur die beiden Bürgermeister Dienstaufwandsentschädigungen, aus die sie ein vertragliches Recht haben. Sadlrat Dutzky tSoz.) erklärte als Stell- Vertreter des Vürgermcisters, daß sich der Magistrat nicht vorstellen könnte, daß bei dem nationalsozialistischen Antrag auch die oer- traglichdurchdieEtadtverordnetenversammiung festgesetzten Dienstouswandsentschädigungen der Bürgermeister gemeint waren. Demzufolge habe der Magistrat auch von einer Gegenäußerung Abstand genommen.— Dann ging es wieder einmal gegen die städtischen Dirkschaftsbelriebe. In einem Antrag auf Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung der Möglichkeiten ihrer Auflösung leierten die Dcutschnariopalen die alt« Platte wieder ab und fanden dabei— was wäre selbst- verständlicher!— die Unterstützung der Wirtschastsparteiler. Abbau der Brennstossgesellschaft, Lösung des Vertrages mit der Berliner Hafen- und Lagerhausgefellschaft, fort mit der Berliner Reklame- gesellfchaft— fcf forderten die Redner, bis dann Stadtrat Hahn (Dem.) die Notwendigkeit der Beibehaltung städtischer Wirtschasts- betriebe nachwies und besonders die Wirtschaftlichkeit der„B e h a l a" an Hand ihres letzten Gefchästsberichtes betonte. Schließlich bean- tragtcn die Demokraten die Einforderung eines Rechts- g u t a ch t e n s über den Erfolg einer Anfechtung der Bshalaverträg« und die Kommuntstcn forderten die Aufhebung der„Plakatzensur" durch die Berel. In der A b st i m m u n g wurden mit den Stimmen der Sozial- demokraten und Kommunisten alle Anträge abgelehnt nur der demokratische Antrag fand fast einstimmige Annahme. Schluß der Sitzung gegen 21 Uhr. Oer Kall der Gängerin. Aafibefehl gegen Elisabeth Rethberg aufgehoben. In einem Dresdener Konzertsaal hat sich bei einem Gastspiel der Sängerin Rethberg ein seltsamer Zwischenttill zugetragen. Di» Künstlerin sollte auf Grund der Forderungen einer Konzertageniur verhaftet werden, und nur ihr angegriffener Gesundheitszustand schützte sie vor dieser Maßnahme. Amtlich wird jetzt dazu mitgeteilt, daß es sich um die Noll- Ziehung einqr Anordnung des Landgerichts Berlin gehandelt hat. Danach war gegen Frau Rethberg wegen einer umftrittenenForderungder Berliner Internationalen Konzertbetriebsgesellschaft w. b. H. der sogenannte persönliche Arrest und zu dessen Vollstreckung die Verhaftung der Künstlerin angeppd- net morden. Mit der Ausführung dieser Anordnung des Berliner Arrestgetiäztes war auf Veranlassung der Gläubiger, n der zu- ständige Dresdener Gerichtsvollzieher beauftragt word»n, dem auf Verlangen der Gläubigerin durch das Vollstreckungsger-cht gestattet worden war, die Vollstreckung auch zur Nachtzeit, d. h. nach 9 Uhr abends, vorzunehmen, und der bei seinem Borgehen an den Auftrag der Gläubigerin gebunden gewesen ist. Welche Gründe zur Anordnung des persönlichen Arrestes durch das Berliner Gericht geführt haben und warum zur Bollstreckung dieser für bestimmt« Ausnahmefälle gesetzlich vorgesehenen Maßnahme an Stell« minderer Freiheitsbeschränkungen(Paßentziehung) die Hast angeordnet worden ist, ist nicht bekannt und konnte, da es sich um eine richterliche Entscheidung handelt, nur durch das hierfür zuständige Berliner Gericht nachgeprüft werden. Die sächsische Regierung hat daher keine Möglichkeit, in die Behandlung dieses Falles einzugreifen, für den die gesetzlichen Grundlagen be- standen haben, dessen Auswirkung aber im Interesse der berühmten Künstlerin nur bedauert werden kann. Dresden. 8. Mai. Die zur Regelung des Falles Rethberg erforderliche Summe v o n 8 2 0 0 0 M. ist dem Vernehmen noch inzwischen durch Bank- bürgschaften des Bankhauses Gebr. Arnhold aufgebracht und beim zuständigkn Amtsgericht hinterlegt worden. Frau Nothberg, die, wie sie erklärt, die Angelegenheit selbstoerstäMich nicht auf sich beruhen lassen, sondern gerichtlich weftterverfolgen wirft, fühlt sich durch die Vorgänge der letzten Tag« noch sehr angegriffen, hofft jedoch, ihren Verpflichtungen gegenüber dem Dresdener Opern, Haus nachkommen zu können. Die Künstlerin, die gegenwärtig noch in der Privatklinik des Sanitätsrats Dr. Salzburg weilt, hat sich für vter Opernabende verpflichtet und soll heute zum erstenmal als Elisabeth im.Tannhäuser austreten. Berlins Wohnungsfürsorge. Bede des Stadtrates Czeminski. Der haushaltsausschllß der Sladlverordnelenver. sammlung fehle gestern seine Etalsbcratungen beim Kapitel Sledluogs- und Wohnungswesen fort. Dabei hielt der sozialdemokratische Dezernent Stadtrat Ezeminski, eine bedeutsame Rede über die Tätigkeit der VerNner Wohnungsfürsorge. In einigen Zeitungen sei behauptet worden, in diesem Jahre werde für den Wohnungsbau nichts getan. Die Zahlen reden jedoch eins andere Sprache. Bis zum 1. Mai find im llahre 1930 12 000 Wohnungen ferliggebaut und bezogen worden. 23 000 weitere Wohnstätten sind im Bau: hiervon werden noch IS 000 in diesem Jahre fertig. Im ganzen sind seit 1924 rund 127 000 Wohnungen mit hilse! von Hauszinssteuermitteln erstellt worden. Diese Zahl könnte noch um ein bettächtliches größer sein, wenn Verlin von den im gleichen Zeitraum aufgebrachten 1,7 M i l« liarden Mark Hauszins st euern einen gerechteren Anteil erhalten hätte. Man hat der Reichshauptftadt nur 650 Millionen gelassen. Auf eine Anfrage, die sich mit der Ver- teuerung der Mieten in den Neubauwohnungen beschäftigte, ant- wortete der Redner mit der Feststellung, daß außer der Steigerung der reinen Baukosten, die gegenüber der Friedcnszeit um rund 75,6 Proz. gestiegen seien, die A u f s ch l i e ß u n g s k o st e n (Sttatzenbaukosten) stark mitverteuernd wirken. Diese Kosten machen teilweise das Vierfache des für den Erwerb des Grund und Bodens gezahlten Betrages aus. In verschiedenen deutschen Städten werden die Aufschkießungskosten ganz oder zum Teil von der Gemeinde getragen,«in Ziel, das bei einer besseren Finanz- läge Berlins gleichfalls zu erstreben sei. Auf eine Anfrage des deutschnationalen Stadtverordneten Dr. Steiniger über die Grund- sätze der Ausstellung von Wohnberechtigungsschelnen bei von auswärts Zuziehenden erklärte Stadtrat Czeminski, daß die Scheine nur an verheiratet« Leute gegeben werden, die polizeilich gemeldet sind, eine Beschäftigung nachweisen können und die an ihrem bisherigen Wohnort eine Wohnung inne hatten, die der Zwangswirtschaft unterliegt. Entgegen früher ge- nannten Zahlen über den Wohnungsbedarf teilte der Redner mit. daß in Groß- verlin zurzetl etwa 70 000 Familien wohnungs- bcdürfllg sind. Zum Kapitel Kleingartenwefen begründete der sozialdcmotra- tische Stadtverordente Reinhold einen Antrag seiner Fraktion .„fterr Jakobsen, so können Sie nicht weiter sprechen. Das ist ganz unmöglich, verstehen Sie, das ist ganz unmög- lich. Gott fei Dank, dah gerade nur ich Sie in dieser Ver- fassung antreffe. Schicken Sie sofort Ihren Amtsdiener in die Apotheke und nehmen Sie Brom. Drei Gramm wird genügen.", „Fräulein Schmitt!" „Sie dürfen den Kopf jetzt nicht verlieren, das dürfen Sie nicht, Jakobsen, und rnftin alles noch so sehr drunter und drüber geht. Schau» Sie, bis jetzt haben sie alles so gut geführt, so klar und so sachlich, so unparteiisch. Herr Wessel hätte es nicht besser machen können, Herr Wessel hätte sicher öfters die Geduld verloren. Und nun wollen Sie sich auf einmal alles von ein bißchen Nerven verpatzen lassen- Das dürfen Sie nicht." „Fräulein Kamma—" „Wenn das nicht wahr ist, dieses dumm« Gerücht von Frau Fredriksen,— ich Hab es ohnehin nicht glauben wollzn —, so kann ich Ihnen vielleicht in anderer Beziehung nützlich sein. Ich dachte mir, schaden kann es aus keinen Fall." „Ich bin froh, daß Sie da sind, ich bin glücklich. Sie haben so was Beruhigendes. Ein Segen, daß Sie so ganz ohne Phantasie sind, und überhaupt— Fräulein Nielsen. sind Sie denn ganz des Teufels, merken Sie denn nicht, daß das ein Privatgejpräch ist und kein amtliches Protokoll. Wenn man Ihnen ihr eigenes Todesurteil diktiert--- (Das Protokoll wird für einige Minuten unterbrochen, da der Untersuchungsrichter von leichtem Unwohlsein befallen wurde.) . daß er«in Bankdefraudant ist, wundert mich gar nicht. Dumme Menschen sind einfach alles imstande. Schade, daß man ihn erwischt hat." „Aber Fräulein Schmitt!" „Es tut mir leid um ihn, er�wird sehr viel leiben müssen wegen dieser albernen Geschichte." „Ich könnte Ihnen auch leid tun. Was mache ich nun mit diesem geständigen Lustmörder? „Die Zeuginnen müssen eben noch einmal her." ..Um Gotteswillen!" „Warten Sie nur. Vor allem sorgen Sie dafür, daß die ganze Geschichte von der Defraudation rechtzeitig in die Presse kommt. Jawohl, in die Presse. Und zwar nicht erst durch Fräulein Hasting, sondern„amtlich wird gemeldet". Berstanden!" „Ich weiß aber noch immer nicht—" „Sie dürfen keinesfalls veraessen, von seiner Reu« und seinen Tränen und seiner liebenden Braut zu sprechen, und sie müssen jedenfalls erwähnen, mit was für einer geringen Summe dieser Esel durchgebrannt war." „Ich begreife immerhin keineswegs—" „So warten Sie doch. Sie werden im Leben wissen, was Frauen sind. Ein kleiner Bankbeamter. Defraudant und bürgerlicher Bräutigam ist ganz was anderes als«in ge- heimnisooller Schriftsteller und Verbrecher. Mit dem wird keine was zu tun haben wollen." „Aber sie waren doch alle in ihn verliebt gewesen." «Richter Jakobsen, Sie sind ein unrettbarer Fall." „Und Birgit Hosting, die wird doch auch nicht mit einem- mal die Waffen strecken." „Birgit Hosting— ja, di« ist immer noch eine Gefahr. Wissen Sie was, ich Hab eine Idee: lassen Sie Birgit Hosting verhaften." „Fräulein Schmitt, Sie sind zwar sehr gescheit, aber von juristischen Dingen verstehen Sie einmal gar nichts. Ich kann doch die Dame nicht ganz einfach, nur weil Sie uns un- bequem ist, ohne weitere Ursache verhasten lassen." „Ohne weitere Ursache klingt großartig. Die ist doch überhaupt schuld an dem ganzen Betrieb." „Das werde ich aber schwerlich beweisen können. Nein, nein, auf solche Streiche lasse ich mich nicht ein. Das kann mich wie nichts meine Stellung und meine Karriere kosten." „Gibt es sonst noch' Beweismaterial gegen Rist? Daß er mcht im Badehaus gewesen war. wissen wir." „Er wird es aber wieder behaupten." „Unfimr. Was gibt es noch" Der Sprung aus dem Fenster ist ausgeklärt, das ge- heimnisvolle Bild ebenfalls, bleiben noch das blaue Band, doch das soll ja auch dieser Braut gehören, und die Gedichte." „Zeigen Sie mir doch mal das Band. Ich kannte ja auch die Kleider der Oflipowna." „Dieses Band gehörte natürlich der Braut mit den blonden Zöpfen. So ein kitschiges Vergißmeinnichtblau hätte die Ossipowna nie getragen. Sie liebte immer nur starke Farben." „Das wäre alles." „Kann ich nicht auch die berühmten Gedichts sehen?" „Nein, Fräulein Schmitt, das ist keine Lektüre für«ine junge Dame." „Ach was. machen Sie doch keine Geschichten. Ich bin gar nicht so. Und außerdem: was wird Torben Rist denn schon slyreckliches geschrieben haben." „Es ist wirklich nicht ganz appetitlich— nein—, es ist wirklich schlüpfriges und ekelliastes Zeug." „Und ich habe wirklich nicht die Absicht, mehr als drei Zeile» davon zu lesen. Ich hege nur einen bestimmten Ver- dacht. So geben Sie doch." „Ich wußte es ja. Diese Gedichte sind nicht von Rist." „Von wem also?" „Da«— das werde ich nicht sagen." „Dann weiß ich es. Dann sind sie von demselben, der auch im Badehäuschen von Aaresund gewesen war und sich nachher bei mir gemeldet hat." „Was für ein Einfall! Dxr hat doch bei Gott nichts mit Literatur oder mit Poesie zu tun." „Mit Poesie— warten Sie mal. Dann meinen Sie also Lehrer Lund." „Nein, den meine ich nicht. Wae fällt Ihnen ein. Das kann den Mann feine Stellung kosten. Herrgott, dieses ewige Protokollieren. Ich bin doch nicht als Denunziantin zu Ihnen gekommen" „Fräulein Schmitt, lassen Sie diese Geheimnistuerei, ich weiß ja doch, diese Gedichte sind von Ole Lund, von Ihrem ehemaligen Bräutigam." „Und wenn Sie das noch einmal sagen, dann werde ich erzählen, von wem die Gedichte wirklich sind." „Also?" „Diese Gedichte—- wenn Sie es unbedingt wissen müssen, diese Gedichte sind von mir." „Fräulein Schmitt!" „Zwingen Sie einen nicht zu Aussagen, die man nicht machen will." „Das ist nicht wahr! Das fft nicht möglich!" „Ich werde Ihnen es gleich beweisen."., (Fortsetzung folgt.) Professor Lazarus klagt an. Zeileis— eine öffentliche Gefahr/ Oer Prozeß vertagt. Die 17. Zivilkammer des tandgerichls HI kam gestern in der Verhandlung des wunderdokiors Valentin Zeileis gegen Professor Dr. Lazarus zu keiner Entscheidung. Sic v e r l a g l c die Verhandlung, ohne einen neuen Termin festzusetzen: sie ließ auch die 5 rage offen, ob fie zu einer llrtcilsoerkündung gelangen oder einen Beschluß über die Grenzen der Beweisaufnahme fassen würde. Den Höhepunkt der gestrigen Verhandlung bildete aber die Rede des Beklagten Professors Dr. Lazarus. Er sagte: Ich kämpfe nicht für meine Person, mcrzn ich hier gegen Zeileis austrete, sondern für die wifsenschaflliche Wahrheit und für die Kranken der ganzen Welt. Ich fuhr nach Gallspach, um mich dort persönlich von de» Zeiteisschen Methoden zu überzeugen. Schon auf den Straßen des Ortes sah ich Hunderte von Frauen, die den Stempel der Unheil- lmrkeit trugen. Ich sah Blinde mit vollständig zerstörten Sehnerven: was sollten diese Leute in Gallspach? Dann kam ich in den Warte- räum des- Instituts. Als man diese Masse von Menschen eng anein- andergepfercht sah, empfand man sofort die mit Explosivstoffen ge- laden« Atmosphäre. Ich gab meine Msitenkarte ab und bat, Zeileis sprechen zu können. Er habe jetzt keine Zeit, sagte man mir, ich möchte später kommen. Ich bat um die Erlaubnis, mich gleich den Patienten.' für drei Schilling einer Behandlung unterziehen zu dürfen. Daswurdemirvermoigcrt. Ich beobachtete dabei mit der Stoppuhr in der Hand, mit welcher E eschmindigkeit der sogenannte„Zaub er st ab" arbeitete und wie schnell die Diagnosen fertig waren.. Zu 30 ZMauleu marschierten 200 Personen vorbei. Das Problem der Diagnose ist aber in der Medizin das Problem der Therapie überhaupt. Das, was sich im Warteraum abspielte, war eine Parade des Elends. Der einzige Mensch, den ich zu sprechen bekam, war der Ingenieur F l e i s ch m a n n. Don ihm erfuhr ich die Dosierung der Strahlen und des angewandten Radiums: die war so lächerlich gering, daß sie völlig unwirksam sein mußte. Mit Stolz erzählte der Ingenieur aber, daß auch Mil- hclm II. und Franz Joseph Patienten des Instituts gewesen wären: auch andere Könige hätten sich unter diesen befunden. Das war der Geist von Gallspach. Wie unheilvoll er sich auswirkte, davon über- zeugte ich mich, als ich mich im Orte umsah. Ick) fand hier«ine Gelähmte, die bereits seit acht. Iahren von Zeilcis bc. handelt worden war und über tausend Bestrahlenden über sich ergehen lassen mußte. Dieser Kranken wurde das letzte Vermöge» entzogen. Ich suchte Patienten in Häusern auf, oie weder Wasser noch Kanalisation hatten. Ich lernte eine Frau kennen, die durch eine Operation bestimmt von ihrem Kropfleiden hätte gerettet wer- den können, durch Zeileis' Behandlung ist sie gestorben. Die Akten über diesen Fall sind verschwunden. Ich habe geradezu schreckliche Feststellungen in bezug auf die Berschlinunerung von Leiden imd in bezug auf Todesfälle treffen können. In Sk Fällen ist mit der Zeileisschen U n i v ers al- The ro pi e offene Lungentuberkulose beha n d elt worden: 28 Fälle davon sind tödlich veriausen. Ich kenne auch eine Reihe von Fällen aus der Münchencr Universitätsklinik, bei denen Zeileis ganz. falsche Diagnosen gestellt hat. Ich kemw Fälle, bei denen Menschen durch die Behandlung von Zeile ro gestorben sind. In vielen Fällen sugge- rierte Zelleis erst seinen Patienten gefährliche Krankheiten, um sie dann von ihnen zu heilen. Ich habe bisher 1203 Fälle von Zeileisschen Fehldiagnosen gesammc«. 84 davon waren schwere Fälle und 61 hätten unweigerlich zum Tode der Patienten geführt. Ich nehme nichts, von meinen Bchaup. tungcn zurück und halte sie in vollem Umfang aufrecht, möge das Urteil ausfallen wie es wolle. Ich habe vor meinem Gewisien nicht anders handeln können, als ich gehandelt habe, denn ich halt» den Schädling Zeileis für eine öffentliche Gefahr. Zch Nage ihn vor der ganzen weit der fahrlässigen Tötung. an und werde in der Lage sein, überoll und vor jedem Forum zu beweisen, daß ich recht habe. Professor Lazarus zeigte dem Gericht u. a. ein Kehlkopfkrebs- präparat eines Zeileis-Patienten, der bei rechtzeitigem ärztlichen. Ein- griff hätte gerettet werden können. Die Rede des Profesims Lazarus löste im Gerichtssaal ungeheure Erregung aus. Als er dem Vertreter von Zeileis, dem Wiener Rschtsanwall Werner, zurief: Würden Sie sich im Ernstsalle von Zelleis behandeln lassen?, erwiderte dieser: „Jawohl, ich bin auch dort verblüffend schnell von mehreren Magen- geschwüren gehellt worden." Die Replik der beiden anderen Zeileisschen Anwälte fiihrte zu weiteren Aeußerungen von Iustizrot Dr. Bernstein und Professor Lazarus. Wird Zeileis die öffentliche Anschuldigung der fahrlässigen Tötung unbeantwortet lassen? auf Bereitstellung von 100000 M. zum Ausbau und zur Färbe- rüng der Kleingärten. Die Abstimmungen finden erst in einer der nächsten Sitzungen statt. Die Herren von Schöneiche. Nennweiten ans Kosten der Gemeinde. wie bereits kurz milgckeill, hol der Gemeindevorsteher von Schöneiche, A l b r c ch t, in Swinemünde einen Selbst- mordvcrsnch veriibl, dessen Ursache aus Verfehlungen finanzieller Art zurückzuführen sind. Von einem kenn« der Verhällnissc in der Gemeinde Schöneiche werden uns dazu folgende ausschluhreichc Einzelheiten zur Verfügung gestellt. Schöneiche ist ein Ort mit etwas mehr als 2000 Ein- wohnern, der, nahe vor den Toren Berlins gelegen, zum Kreise Riedcrbarnrm gehört. Im Kreis Niederbarnim zählt die Gemeinde mit zu den reichsten des Kreises, die mit der Gemeinde Kolkverge eine Straßenbahn betreibt, aus dieser jährlich erhebliche Mittel bezieht und so außerordentlich niedrige Steuerzuschläge erhebt. Schöneiche gilt als der Ort der kleinen Pensionäre und Geschäfts- leute, die als ehemalige Berliner sich dort in dem schönen Waldgebiet angesiedelt haben. Bis zum 17. November 1929 war unter den neun Gemeindcuerordneten nur«in Sozialdemokrat. Die Ge- ineinde hatte zwei Gemeindebeamte, den Sekretär A l b r e ch t, der zu gleicher Zeit ehrenamtlicher Gemeindevorsteher war, und den Rendanten Steffen. Die beiden Herren haben es verstanden, feit vielen Jahren die früheren Gemeindevertretungen vollständig zu be- herrschen. Seit der?ieuwohl der Gemeindevertretung im November 1029 ändert« sich das Bild. Neue Männer zogen in das Gemeinde- Parlament ein, darunter auch zwei Sozialdemokraten, die bisher dem Gemeindeparlament nicht angehörten. Seit dem Zusammentritt der Neuen Gemeindevertretung hat innerhalb dieser ein schwerer Kampf getobt. Entschließungen und Mißtrauensvoten gegen die Ber- waltung der Straßenbahn, von denen zu gleich« Zeit der Gemeinde- vorsteh« von Schöneiche getroffen wurde, kamen mit Hilfe und auf Betreiben der beiden Sogiäldemokraten zur Annahme. Durch den Schuß, den sich der 38jähr!ge Gemeindevorsteher in einem Hotel in Sw i neinün de selbst beigebracht hat, sind die Dinge ins Laufen gekommen. Auch der Rendant Steffen ist verschwunden. Welchen Schaden die' Gemeinde hoben wird, ist noch nicht sestzustellen. Bündel unbezahlter Rechnungen wurden vorgc- funden. Inwieweit durch eine unzulässig« Kreditpolitik die Ge- memde geschädigt ist, läßt sich noch nicht übersehen. Sichtbar wurde nur/ daß die sonst wohlhabende Gemeinde Schöneiche über die schlechtesten Schul Verhältnisse im Bezirk verfügt. Sie war auf Grund der Finanzniißwirtschasr nicht imstande, zwei kleine Zw«sschulen. die zehn Minuten im Orte voneinander entfernt seit über 20 Jahren existieren, miteinander zu verschmelzen, weil auf Grund der Mißwirtschaft die Mittel fehlten. Di« Aufsichtsbehörde, das Landratsamt Niederbarmm, griff verschiedentlich ein. Es gab Verwarnungen gegenüber dem Gemeindevorsteher und ein Straf- niandat gegenüber dem Rendanten. Aber die alte Gomcindcver- tretung versagt«. Sir nahm ihr Kontrollrecht höchst oberflächlich wahr, auch Unfähigkeit dürste dabei eine wesentliche Rolle gespielt haben. Der Gemeindevorsteher und der Rendant sollen das Geld bei Pferderennen und mit Wetten durchgebrachi haben. Nach letzten Aufzeichnungen des Gemeindevorstehers sollen sich die Buchmacherschulden des Rendanten, der seit Tagen nicht mehr auffindbar ist,, auf Huildcrttallseiide belaufen. Er selbst soll nach aMeneq. Angaben Büchmacherschitlden kn- Höhe van 30000 bis 49000 'Mart-chabeiL' Steffens gehölt der MtiiMMzaststffchtn Ji&L-ähr, starker Biergouießer sich««schiodeittlsch'nicht den'°l«lien -Ausruf oerkneifen. kannte::,>Wl der Prof. Dr. Oskar Die eine kurze, im besten Sinne volkstümliche Charakteristik Tschaikowskys beisteuerte.— Eine Neueiiiführung, die man im Prinzip freudig begrüßen darf, ist die Vorbesprechung des Pro- gramms der fötaanven Woche, die Intendant Dr. Hans Flosch jetzt regelmäßig gsben wist. Dr. Flesch betonte in dieser«stau Ein- sührung, daß gerade die Deraustaltungen besondere Verücksichtlgung bei der Vorbesprechung finden sollten, deren Charakter sich aus ihrem Titel nicht vhno weiteres«gibt. Aber dann hätte sich doch eigentlich ein besonder« Hinweis z.B. auf Offenbachs./Sroßherzogm von Gerolstein" erübrigt, und es schien weiter überflüssig, die Namen der meisten Darsteller m den SeNdelpkelen zu neimen. Sehr wichtig wären dagegen ern gehen de'Hinw et fe ausVortrag e, gerade hier ist doch der Mr« am häufigsten im ymoxoi darüber, 12)05 lfrtm aebüi&JL ryrlVw i'oIL Schweres Ltnweiier in Krankreich. Schneestürme in den Sevennen. Paris. 8. Mai. In ganz Frankreich ist ein erheblicher Temperatursturz eingetreten. In den südöstlichen Gebieten sind schwere Unwetter niedergegangen, die zu Ueborschwemmungen geführt haben. Bei Montelimar sind die Flüsse Iahron und R o u b t o n über die Ufer getreten und haben zwei D ei ch e durchbrochen. Die niedrig gelegenen Telle. der Stadt stehen ZiNtt Tell üntar Wasser. Aus einigen HSifferu mußten die Bewichn« gerettet werden. Zluch.dos Wasser der L o i r e fft erheblich gestiegen. und hei Pertuiset steht es drei Meter über dem normalen Stand. Starke Schneestürm« wurden aus den Sevennen ge» meldet. Die Stadt St. Etienne, in deren Umgebung m den letzten Tagen � sintflutartige Regenfälle niedergegangen sind, erlebte ein stundenlanges Schneegestöber. Zluf den Höhen er- reicht« di« Schneedecke stellenweise eine Höhe von 50 Zentimeter. Feuer im Potsdamer Warenhaus. Kurz nach 9 Uhr wurde die Potsdamer Feuerwehr durch Großalarm m das Waren hau s Hirsch, Branden. burger Ecke Jägerstraße, gerufen. Di« Feuerwehr unter Oberbrand- Inspektor Senst fand das Warenhaus vom Erdgeschoß bis oben vollständig verqualmt vor. Mit Rauchschutzmaslen drang die 2B«hr vor, und es gelang ihr nach mühevoller Arbeit, den Brandherd im Keller.zu entdecken: als der Keller Luft bekam, schlugen helle Flam- men hervor. Nach ovdcrlholbstündiger Arbeit war jede Gefahr beseitigt.__ Großseuer im New Porter Hafen. New gork. 8. Mai.' Durch Explosion eines 10 000 Gallonen fassenden Oektanters entftand am Pier von Bayonne gegenüber Brooklyn.«in riesiges Feuer, das sich schnell in den auf Cvnstable Hook gelegxneu Anlag« der Golf Ztafining Co. ausbreitete. Bisher sind zw et Tanks, die 80000 bis 100 000 Faß Gasolin enthielten, und fünf Tanks ge- ringeren Umfangs sowie eine Anzahl Tankwagen explddtert. Die Explosionen erschütterten ganz Bayonne. Das brennende Gasolin wurde»ach ollen Richtungen geschleudert und die Flammen zer- störten die Dockanlagen. Bisher sind drei verletzte Personen ermittelt worden. 1« Personen bei Murmansk ermordet. Wieaus Mo 5t au amtlich gemeldet wird, wurden auf der Ba hnstation S chajugun in der Nähe von Murmansk 15 Per- sonen, darunter acht Frauen und vier Kinder, ermordet ausgefunden. Di« Mörder sind entkommen. Deutscher Rennfahr« tödlich vernnglnckl. Am ersten Tage des Trainings für die am kommenden Sonntag stattfindenden Autonwbil- rennen auf der Strecke Königsaal— Iilowffcht bei Prag stürzte der reichsdeuffche Rennfahr« St c g m a n n, Inhaber des vorsöhrigen Rekords, beim Training mit seinem Motorrad so unglücklich, daß « schlvcrc innere Verletzungen erlitt, denen er alsbald im Kranken- Haus erlag. Sechs Tote bei einem Flugzeugabsturz. Bei einem Absturz eines Flugzeugs zwischen Aguas Calien.t«.s und Zacatecas in Mexiko kamen sechs Personen ums Leben. blandes Haar: PIXAYON als Shampoon ' Solid 50.4_ Berlins Verkehrsadern. Drei große Ringstraßen geplant.- Pionierarbeit lür den Sdineliverhebr. Der Verkehr der Retchshaoplstadl wächst ins Riesenhafte. Ströhen nnd Brücken müssen erneuert werden. um den verstärkten Anforderungen genügen zu können. Nachstehend gibt der sozialdemokratische Stadtverordnete Gute- kunst ein Bild von der Notwendigkeit unseres Straßen- ausbaues und den geplanten Neuanlagen. Die starte Zunahme der Bevölkerung und des Verkehrs zwingt die Stadt Berlin zu außerordentlichen Maßnahmen. Die sozial- demokratische Rathausfraktion hat sich im Interesse der arbeitenden Bevölkerung stets sür den Ausbau der Masienoer- kehrsmittel eingesetzt. In diesem Zusammenhang mußte besonders dem Straßenbau erhöhte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Nach dem Norden, Osten und Süden haben wir genügend Ausfall- straßen, dagegen nach dem Westen und Südwesten sind sie dem Verkehr entsprechend nicht vorhanden. Die vorhandenen wie die zu bauenden Aussallstraßen und Ringstraßen müssen so gestaltet wer- den, daß in der.Mitte die Straßenbahn mit besonderem BleiSkörper und beiderseitigem Richtungsfahrdamm von 5,50 bis 6 Meter Breite, Radfahrerweg, Promenadenweg und Bürger- steig aufweisen. Um aber den Verkehr, der Berlin nur durchkreuzt, abzulenken. find große Ringstraßen geplant. Jeder Fahrer wird lieber einen kleinen Umweg in schneller Fahrt in Kauf nehmen und Hauptverkehrsstraßen in der Innenstadt mei- den. Der erst« Ring soll Alt-Berlin umfassen, beginnend am Halleschen Tor, Landwehrkanal, Herkulesbrücke, Kaiserin- Augusta-Straße, Hofjägerallee,. Brückenallee, Lüneburger Straße, durchschneidet den Ausstellungspart, Invalidenftraße, Stettin«: Bahnhof, durchbricht den Häuserblock Bernauer Straße, Danziger Straße, Elbinger Straße, Petersburger Straße, Warschauer Straße, Skalitzer Straße, Eitschiner Straße, Hallefches Tor. Der zweite Ring hat seinen Anfang in T e m p e l h o f. Er soll folgenden Weg nehmen: Sachfendamm, Tempelhofer Strohe,, Mühlenstrahe, Ru- dols-Wilde-Platz, Badensche Straße, Westsälische Straße, Hochmeister- platz(Wilmersdorf), Bahnhof Charlottenburg, Nestorstraße, Kaiser- Friedrich-Straß«, Johann-Georg-Straß«, Ioachim-Fri«drich»Straße, Holtzendorffstrahe, Suarezstraße, Schloßstraße,- Hebbelstraße, Kaiser- FricdrichGtraße, Kaiserin-Auguste-Allee, Keplerstraße, Tauroggener Straße, Westhaf�, Seestraße, Mristmniastraße, Bprnholmer.Straße, Wisbyer Straße, Ostseestraße, Weißenseer Weg, Möllendorfstraße, Gürtelstraße, Dahnhofstraße, Markgrafendamm mit einer Brücke über die Spree, Äsenstraße, Hertzb«rg- und Richardplatz. Thomas- straße, Grüner Weg, Tempelhofer Feld. Dorfftraße. Der dritte Außen- oder Umgehungsring beginnt in. Lichtenrade Dorf- straße nach der Richtung Lichterfelde-Süd über Schönow und führt an dem Gut Düppel vorbei nach Schlachtenfee, Aousbahn, Bahn- Hof Grunewald,. Teufelsseechaussee, Heerstraße, Insterburgallee, Gar- tenfeld, Tegeler Schießplatz, Tegel, Bahnhof Nordend, Industriebahn Tegel, Blankenburg, Malchower Rieselfelder, Friedrichsfelde, Karls- Horst, Oberschöneweide, Buckow, wieder nach Lichtenrade. Weiler sind sechs Schnellverkehrsstreckeu vorgesehen. die zum größten Teil für den Westen geplant find. Im Osten soll eine solche Verkehrsader von der Urbanstraße nach Köpe- Nick führen. Die Bauzeit ist auf 15 Jahre in drei Bauabschnitten berechnet. Die Baukosten dürften rund 150 Millionen Mark be- tragen. Die K r a f t f a h r z e u g st e u e r, die eingeführt worden ist, um die Straßen zu unterhalten, und Neubauten vorzunehmen, hatte in Berlin ein Aufkommen 1926 von 12,9, 1927 18,2, 1928 20,5, 1929 23V Millionen Mark? Berlins Anteil war 1926 2,717, 1927 2,309, 1928 2,337, 1929 2,342 MUlionen Mark. Würde man Berlin auch nur die Hälft« der aufgebrachten Steuern belasten, so könnte ein Heer von Arbeitslosen beschäftigt werden, um für den Verkehr die Straßen zu schaffen, die er nun einmal dringend braucht. Zu erwägen wäre, ob man nicht jene Firmen, die unverantwortlicher. weise Lastkraftwagen bis zu 20 Tonnen zu lausen haben, obwohl unsere Straßen und Brücken für pur 12 bis 17 Tonnen Belastung vorgesehen sind, steuerlich besonders heranziehen sollte. Eine andere Aufgab«, die dringend der Erledigung harrt, ist die Umbenennung der 2400 Straßennamen, die noch immer doppell in Groß-Berlin vorhanden sind. Dieses Projekt harrt schon seit,- sechs Iahren seiner Erledigung. Ein besonderer Ausschuß hat sich lange Zeit damit beschäftigt, eine Einigung kam aber bisher nicht zustand«. Ein U n t e r a u s f ch u ß d er Ti efb a u d e p u t a ti o n hat die Vorschläge der Bezirke.und der Zentrale geprüft und weitere Borschläge gemacht. Das Ergebnis wird seinen Niederschlag in einer Vorlage an die. Stadtverordnetenversammlung demnächst finden,....--------- .r&txbL s-atiii-iSBÄ'jbia-i-ijp-li.f- kS&iCck-iTS M-Öf" bÄ h.■ I KWMMW «.6 13,6 Slpaasen*s.6ruckenb0u Hochbau £ C o S r Der Bedarf(nadi Abzug der Einnahmen) für den Straßen' und Brückenhau im neuen Berliner Haushalt, 10,7 3,0 Strassen- Stadtpl. t Beleuchtung Vermqjung Reiiungsamt: Dl 001S. ?keve Selbstanschlußämter: Albrecht und Norden. Zu der Nacht zum 11. Mal wird die neue Fernsprech. «ermlwuugsstelle mit Selbstanfchkußbckrieb Alb recht er. öffvek, der Teilnehmer der Vermiilluugsslelle Steglich zage- kestt werden. Gleichzeitig wird die Fernfprcchvermitkluags- stelle Nordeu vom Handbetrieb auf den Selbst- anschlpßbetrieb umgestellt. Das Rettung samt der Stadt Berlin ist nach Einführung des Selbstanschlußbetriebes bei der Veriyittlungsstelle„Norden"' ab 11. Mai 1930 von Fernsprechteilnehmern, deren Vermittlungsstelle noch nicht auf Selbstanschlußbetrieb umgestellt ist, wie bisher, unter „Amt Norden, Rettungsamt", anzurufen. Die S e l b st a n f ch l u ß- teilnehm er. haben das Anrufzoichen O 1 0013 zu wählen. Di« Telegrammaufnahme ist� künftig für Selhft- anschlußteiliuchmer unter v 1 1111 zu erreichen. Am Sonnabend, dem 10. Mai, in der Zeit von 17 bis 18 Uhr findet auch bei dem Berliner Magistrat die Umstellung des Fernsprechbetriebes von der Handvermsttlung auf den Selbstanschluß- l verkehr statt. Teilnehmer, welche an Selbstanschlußämter ange- schlössen sind, erreichen den Magistrat zukünftig unter der Sammel- nummer S 2 Lupsergraben 0021. während die übrigen Teilnehmer den Magistrat wie bicher ohne Nummernangabe erhalten. Die lehrerkammer für Rydahl. Der Borst an d der Lehrerkammer der Stadt Berlin verbreitet die nachstehende Erklärung: Gegenüböb Mitteilungen in der Presse, daß Herr Skadlschulrat Nydahl den Empfang einzelner Lehrer abgelehnt habe, hallen wir uns für verps lichtet, festzustellen, daß die Lehrerkammer und die Lehrerorgauisakioueu jederzell bereitwillig Ge- legenhell zu Rücksprachen und Besprechungen mit ihm erhallen haben und daß er für die Förderung des Volks-, Sonder, und Mittelschulwesens stets warmherzig und tatkräftig eingetreten ist. Der Sterin 6k Schnlh«»«meister nnd Zn-nh-llrnanttehK TdaÄ-ttrndnrg feiert am Sonnabend, V. Mai, im Restaurant„Tiergartenhof'. Berliner Straffe l. sein 2bjÄ>rigcz Stiftungsfest, ffeeuirbt und©bttner sind biersu herzlichst«ingeladen. Stadt muß Brücken sperren. Weil die Krastfahrzeugsteuer i» die Provinz fließt. Nach den Milleiluogcn des Magistrats Berlin und der Brückcu- bauverwaltung ist damit zu rechnen, daß in kürze zahlreiche Berliner Brücken, die über Wafferläuse führen oder die Eisenbahngelände überbrücken, dem Verkehr entzogen werden müssen, weil ihre weitere Benutzung eine Gefahr für den Verkehr und damit sür die Oesfentlichkeil darstellt, wie wir von zuständiger Stelle er- fahren, muß man damit rechnen, daß iu allernächster Zelt folzeude Drücken sür deu gesamten Verkehr gesperrt werden: 1. die Kölligsdämmbrücke am Bahnhof Bensielstraße, 2. die Deusselslraßenbrücke, 3. die Brücke am Spandauer Berg. 4. d!e warschauer Brücke, die wenigstens zum Teil für den Fuhrwerks- und Fußgängerverkehr gesperrt wlcd, 5. die Kr onprinzenb rücke am Lessinglheater und 6. die lleberführnng in der Landsberger Allee. Durch die außerordentliche zahlenmäßige Steigerung des Straßenverkehrs, besonders durch das rapide Anwachsen der Verkehrslasten und Raddrücke, sind dl« Beanspruchungen der Berliner Brücken derartig gestiegen, daß die täglich auftretenden wirklichen Belastungen der Bauwerke nicht mehr mit den seinerzeit der Be- rechnung der Brücke zugrunde gelegten Lasten im Einklang stehen. Diese Mehrboanspruchungen sind bei einer großen Anzahl der Brücken Berlins derart hoch, daß sie für den Verkehr gesperrt werde» müssen, da eine weitere Gefährdung des Verkehrs auf und unter diesen Brücken nicht länger verantwortet werden kann und die Wiederherstellung oder der Ersatz der Bauwerke durch Neubauten unaufichieblich ist. Welche steigend« finanzielle Belastung der Stadt durch den ver- stärkten Kraftwagenverkehr erwächst, zeigt in deutlichster Weise das rapide Ansteigen des jährlichen Brückenbauetats Berlins, der sich ln dem Zelkaum von 1925 bis 1929 versiebenfacht hat. Für diese gesteigerten Ausgaben würde die Kra f t fa h rz e u gst ev« r neben der Deckung der eigentlichen Straßenbaukosten noch einen angemessenen Beitrag liefern können, wenn der Stadt Berlin der volle Betrag ihres örtlichen Aufkommens aus dieser Steuer zuflösse. Infolge des für Berlin äußerst ungünstigen prciis"-- schen Berteilungsschlüssels für die Kraftfahrzeugsteuer erhielt jedoch Berlin für 1929 nur 2,356 Millionen Mark, das sind nur rund 10 pro;, des örtlichen Gefamlaufkommens von 23,272 Mit- lionen Mark, neun Zehntel des Berliner Aufkommens-fließt in die P r o b i n z l Der normale Etat des Brückenbaues im Gebiet der heutigen Stadt Berlin betrug in der Vorkriegszeit ungefähr 3 Millionen Mark. Märe die Steigerung des Verkehrs durch die Kraftwag« n nicht .pekommen, so hätten wir also bei dem heutigen Bauindex nur . Brückenbaukosten von höchstens 5% Millionen Mark zu erwarten. Der diese Summe übersteigende Betrag des Brückenbauetats tür das Jahr 1929, rund 8� Millionen Mark, müßte gerechlerweile an» der krastfahrzeugsteuer gedeckt werden, da der Kraft wagenverkehr allein diese Mehrkosten verursacht hol. Nene Sparkassen-Nebenskelle. Die Sparkasse der Stadt Berlin hat in Wilmersdorf, Nauheimer Str. 26. eine weitere Ne- b e n st e l l e eingerichtet und mit deren Verwaltung den Kaufmann Wilhelm Ströcker(Zigarrengeschäst) betraut. Die Nebenstelle nimmt Einzahlungen von 1 M an auf sämtliche Sparbücher der Sparkasse der Stadt Berlin entgegen und fertigt neue Sparbücher aus. 12 Mir ¥or W und noch so viel zu erledigen. Orba-Bitter besänftigt den knurrenden Magen, regt zur Arbeit an und erquickt köstlich. ..HOCH FEIN BIT I Lfe. MS 41»r iSgSBlE'TT KZ BZ SCHOKOIADEN u PRALINEN Aus der Arbeit der Bezirke. Schluß mit kommunistischem Theaier! S. Bezirk— Friedrichshain. Mu einem Restprogramm von 17 kommunistischen und 2 deutsch- nationalen Anträgen aus einem halben Dutzend oeraangener Setzungen sollten sich am verflossenen Mittwoch 5i« Bezirksverord- neten des Bezirks Fnedrichshain beschäftigen. Bon einer Vorlage des Bezirksamts über die Bereitstellung weiterer Mittel für den Ausbau der Z l). Gemeindeschule in der Rüdersdorser Straße nahm die Bersammilung hehattelos Kenntnis. Dainit war dje sachliche Arbeit erledigt. Da die Kommunisten in positiver kam- munaler Arbeit keine Befriedigung finden, müssen die ihnen von der Zentrale vorgeschriebenen Anträge dazu herhasten, verantwort- lichc Selb st Verwaltungsarbeit zum Wohl« der Bürger- schalt zu diskreditieren. In engem Kontatt mit den aus der Tribüne placierten Äungspartakusbündlern und Rotfrontlern terrorisieren sie die gesamte Versammlung. Drohungen und Bc- schimpfuHgen von Sozialdemokraten durch jung« Burschen nahmen so ausaedehiNe Formen an, daß die Sitzung sogar unterbrochen werden imißte. Von Kampf gegen die Sozialdemokratie und einem ständigen Liebeswerben um Deutschnatiouale und National- sozialistcn sind die rüpelhaften Reden der Kommunisten getragen. „Auf was wollen sich die bürgerlichen Parteien verlassen", sragte ein kommunistischer Redner und prampt antworteten ihm die Deutsch- nationalen:„Auf die Kommunisten." Und dankbar häufte dann der Kommunist Verleumdungen auf Verleumdungen. Es war daher nicht verwunderlich, daß die Sitzung, die planmäßig gestört wurde, ausflog. Die sozialdemokratische.Traktion ist es ihrem Ansehen. ihrem Willen zu fruchtbringender Arbeit und ihrer Äeraalworkung vor der Zlrbeikerschast schuldig, diesem gewissenlosen demagogischen Treiben der Kommunisten nicht mehr langmütig zuzusehen. Daß auf Kosten der Steuerzahler kommunistisches Theater gespielt wird, kann und wird die sozialdemokratische Fraktion in Zukunft nicht wehr dulden.. Gszialdemokraien verlassen den Saal. �3. Bezirk— Tempelhof. In der letzten Bezirksversammlung zeigte sich wieder einmal, daß der augenblickliche Vorsteher Herr Rettor i. R. Ianetzke von der D. N. Fr. einfach nicht in der Lage ist, die Geschäfte der Lcr-. sammlung zu leiten. Nach Einführung der unbesoldeten Stadträt« K ü t e r(Soz.), Thiele(Soz.), Dr. Jager, Dr. Saar und Kramer wurde in die eigentliche Beratung eingetreten. Lebhaft« Diskussion lösten zwei deutschnational« Anträge, die die Einkäufe des Bezirksamts behandelten, aus. Bezirksverordneter Bürgemeister(Soz.) sowie andere Redner der sozialdemokratischen Fraktion wiesen nach, welchen Vorteil die Stadt Berlin durch ihre eigenen Gesellschaften gehabt habe. Die gesamten bürgerlichen Parteien stimmten schließ- lich für die deutschnationalen Anträge. Beim nächsten Punkt, der einen von den Kommunisten ver- langten Protest gegen den Hungeretat des Magistrats vorsah, wurde von den Sozialdemokraten Vertagung beantragt. Dagegen wandten sich die Komnmnistep. Gegen unseren Berta gungsantrag stimmte die KPD., der Vertreter der Nazis und nach langem Warten zwei Deutschnationale. Dies schien dem Herrn Vorsteher nicht ge- nehm zu sein. Gegen seinen Vorschlag, nochmals abzustimmen� gab Genosse Ä u r g e m e i st e r die Erklärung ab, daß seine Fraktion an einer nochmaligen Abstimmung kein Interesse habe. Herr Ianetzke� glaubte, seinen Willen trotzdem durchsetzen zu müssen. Darauchin verließ die sozialdemokratische Fraktion den Sitzungsz taal. Erfreulicherweise wandte sich nach Wiedereröffnung der Der- sammlung die Fraktion der M!tte gegen eine derartige Geschäfts» sichrung und beantragte Befragung des Büros über das Wstim- mungcergebnis. Trotz Wiederholung lehnte dies der allgewaltig« Herr Ianexke ab, woraus die Fraktion der Mitte ebenfalls den Saal verließ und die Versammlung beschlußunfähig war. Abrechnung mit den Oeuischnaiionalen. 16. Bezirk— Köpenick. Der stellvertretende Bürgermeister Genosse Ehrlich vollzog bei Beginn der Sitzung die Einführung der bestätigten unbesoldeten Stadträte. Unter ihnen befanden sich die Genossen B e n d i g und T p l k s d o r s. Debattenlose Annahme zoitigten die Vorlagen des Bezirksamts betr. Ankauf von Gelände zur Ei" Hofes' gung rweiterung des Schul- gebäudes auf dem städtiscken Sportplatz im Ortstcil Friedrichs. Hagen. Eine derbe Abfuhr erfuhr ein Antrag der Deutschwrtionnloir, betr. Einsetzung eines Ausschusses zur Prüfung von Arbeiter» sinstellungen auf Grund von Parteibüchern. Genosse Klatt stellt« die'Demagogie der Deutschnationalen Partei effektvoll heraus. Besonders beleuchtete der sozialdemokratische Redner die erzieherische Tätigkeit des deutschnationalen Zlntragstellers im Stahlhellnzeift, was insbesondere die Aussichtsbehörde interessieren sollte. Gleiches Aussehen verursachte ein ebenso übler Pädagoge derselben Partei, der Sportlehrer Klapper, durch Zwischenrufe und Unter» lUlfimil f Sichert Euer Wahlrecht zur Eltern- OHffS IIa helrsteufahi durcii Einsecht Eddie uiähiefilsten, die in den schulen bis 17. mal ausilegen brechungen. Eine weitere Aiffrag« beschäftigte sich mit der Tatsache, daß ein zu Schulzwecken in Schmöckwitz dringend notwendiges und vom Bezirksami erstandenes Grundstück von der Zentrale nicht gekauft und damit die unhaltbaren Schulzustände dortselbst nicht abgestellt worden seien. Vom Bezirksamtstische wurde erklärt, daß die Schuld an den eingetretenen Umständen einzig und allein der Zentrale zuzuschieben sei, die in dieser Sache mehr als fahrlässig gehandelt habe. Die Verhältnisse seien nunmehr nur durch einen Barackenbau und damit außerordentlich gesteigerte Mittel abzustellen. Das BezirksanU werde der Sache weiter nachgehen, sobald die Akten, die augenblicklich dem Lberpräsidenten zur Prüfung unterliegen, an das Bezirksamt zurückgelangt sind. ToZ!e Zustände an der Oberrealschule. 19. Bezirk- Pankow. Zu Beginn der Sitzung wurde beschlossen, 5890 M. aus Vor- behalismilteln für die Verlegung der Hausmeffterwohnung m der 4. Schul« bereitzustellen. Ausführlich beha>ü>elt wurde eine sozial» demokratische Airftage über die Zustände in der O berr eal- schule. Bei der letzten Abschlußprüfung durch den Oberschulrat wurde bekanntlich festgestellt, daß sich in zahlreichen Aussätzen der letzten Jahre die sinnlosesten und widerwärtigsten B c s ch i m p f u n- gen der Republik, der Verfassung, der Richter und der Presse befanden, ohne daß offenbar die Lehrer oder der Direktor Ver» anlassung genommen hätten, diese Schimpfereien zu rügen cder irgendwie zu beanstanden. Das Provinzialschulkollegium hat nun endlich eingegriffen. Zwei Studienräte sind vom Dienst suspendiert, der Direktor an eine andere Anstalt versetzt worden. Vor Iahren sind im..Pankower Generalanzeiger" die häßlichsten Angriffe gegen den damaligen sozialdemokratischen Bürgermeister K u b i g und Schulrvt Düring erlolgt. Den: Schulausschuß wurde damals in Gegenwort des Direktors berichtet, daß das gesamte Kollegium hinter dem Schmähartikel stände. In der Debatte erklärt« jetzt der Demokrat A h r e n s, daß damals schon heftige Auseinandersetzungen stattgefunden hätten. Im Jahre 1S2Ü fand ein Beleidigungsprozeß des Direktors vor dem Landgericht statt, wp durch Zeugenaussagen alle möglichen Prügeleien der Schüler durch Lchrer und Direktor festgestellt wurden. Im Schutousfchuß wurde festgestellt, daß«m allerer Schüler in einem seelischen Zusammenbruch zu Haufe erklärte,„wir werden behandelt wie die Hunde". Es wurde immer weiter geprügelt bis in die neueste Zeit. Hakenkreuze wurden ständig von den Schülern getragen. Bei der Annahm« der foung. Gesetze beschimpften Schüler den Reichspräsidenten Indcnburg. Die hetzerrscqen Aussätze wurden mit g u t und sehr gut gezeichnet. Als'der Sozialdemokrat Z i e ch e r t am Ber» fasiungstage mit kräftigen Worten die Lehrerschaft auf ihr« Pflicht hinwies, für dsn Staat einzustehen, da wurde die Rede als ver» hetzend hmgestellt. Genosse Kubig hatte die Aufgabe, diese Dings festzustellen, Lehrer. CllcrNschaft und Schüler auszusordcrn, sich gegen diesen Umgeist zu. wehren und zu helfen, daß das Per- trauen zur Anstalt wieder, hergestellt wird. In der Dielulsion stellte Peters(Dnat.) fest, daß die Ellernfchast schärfsten Protest erbebe gegen das Lorgehen des PSK� Er ist anscheinend mit seiner Nieder- kage in der Klrchenbewegung noch nicht zufriedengestellt und sucht weitere Lorbeeren. Semen besonderen Haß erregt es, daß es jetzt gelungen ist, einen Demokraten als Oberftudienmt an die Anstalt zu wählen und weiter an das Gymnasium einen Demokraten als Direktor. Der Demokrat Ahrens gab Herrn Peters eine kräftige Antwort und ergänzte wirkungsvoll die Ausführungen unseres Genossen Kubig. Ist vorgerückter Stunde erfolgte dann noch die Legriindung eines kommunistischen Antrags wegen Massenkündigungen von Kleingärtnern auf dem bürg. Salzsicder erg I drohte, wer das Gelände W. heruntergeschlagen werden. Unser Genosse Lucht stellte dann erst die Tatsachen wieder richtig und zeigt«, daß Salzsieder erschreckend« Unkenntnis der Vechällmss« bewiesen hob«. Der Antrag der Koo»- munisten wurde angenommen mit der Maßgab«, daß die Kündigung mit sofortiger Wirkung zurückgenommen werde. Die(Schulferien in Verlin. Für die Berliner Volks» und höheren Schulen sind die dies- jährigen Ferien folgendermaßen festgesetzt worden: Pfingssferlea: S. Juni bis 17. Juni. Gtoßc Sommerferien: 2. Juli bis 7. August herbstferieu: 30. September bis 14. Oktober. Weihvachteferien: 23. Dezember bis 6. Januar 1931. Schluß des Schuljahres am 31. März 1931. Die Osterfenen des Jahres 1931 sind vom 31. März bis zum 14. April. Sport. Rennen zu Ruhleben am Donnerstag, dem 6. Mai. 1. Rennen, l. Nordpol<23. Lemzer), 2. Agina. 3. Olli Oswald«. Toto; 143:10. Platz: 21, SS. Sä: 10. Ferner liefen: Echwelterlohn Stein. kauz<2. dlsq.. SO Proz. Platzw. znr.), Dyewuschka, Bristol, Feodora Eildoxia, Nanu. Costa Rica. 2. Rennen. 1. Pancil»«»i.-Fie 0,25 Nudeln Etcn*hnut Pid 0.4S Ringäpfel Riirss9ß« ck Dir-Dr 0*38 Eismarckheringe ■i titer-Oos«........... 0.38 * Krebse Ä."' O.SO iflaie[.Iis:.' O.SS U»Bahnhof HooMiannolaSs• Oav Kavstfajii-Bahnhof ?!r. 214 ♦ 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts 5reitag, 9. Mai 19Z0 Der Etat des Wirtschastsministers. Ganze fünf Stunden Haushaltsberatung. Das Eiltempo der Beratungen des t)auTl)alts4 Uhr, tagen folgende Eruppeu: Nordring: Jugendheim(schule Eonnenburger Ctr. 20. Dortrag:.Was ist Faschismus?"— Hermaanplag: Gruvpenheim Eandcrftr. U, Eck« Hobrechtstrafie. Hiimbefprechuva. Erinnerungen an unsere Ostcvfahrt.— Tüdcn, Stidweften: Ein Tag auf dem Arbeits- Heimbesprechung. Alfred Gruppcnheim Wafscrtorstr.#, vorn Part. Dortrag: geeicht".— Eharlot-tenburg: Jugendheim Spreestr. SO. Beierle auf Sprechplatten.— geppelinplah: Jugendheim Turiner ecke See- strahe(Eingang Turiner Straße). Dortrag:„Sozialversicherung.— Das neue Arbeitslofengefetz".— Wedding: Gruppenheim Schul« Dank- Ecke Wlefenstrasie. Vortrag:.Erste Silk« bei Unglllcksfiillcn".— Schönhauser Tor: Gruppenheim Ticckstr. 1». Liederabend. @�uaendqruppe desZenlralverbande« ver Anaeflellten Heute. Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: Obeefpre«: Jugendheim Laiikener Str. 2. Dortrag:.Der Einfluß der Römer auf die v beigen Völker". Referent Dr. Map Schütte.— itöpenick: Jugendheim Dahlwißer Str. 15, Gasanstalt am Dahnhof Köpenick. Handballspiel». Treff» Punkt um LOH Uhr am Dahnhof Köpenick.— Südwest: Jugendheim Dorck- straß« U.(2. Hof, Qucracbäud« 1 Treppe, Zimmer S). Lortrag:„äBcrks- Jugendpflege". Referent Werner Decker. Ssssnrtvskdsnci der Arbeitnehmer der öffentlichen Vettlebe und des Personen' und WarenvertehrS henie Arettoa. den 9. Mai 1950. 19 Uhr(7 Uhr abend») findet in den Sammersolen. Berlin. lellower Slraße 1—4, eine srolte Funktionärkonferenz der Funktionäre der Sämmereibelriebe. der Gaswerke, der Elek rl- zilälswerke. der Wasserwerte, der Gasbelriebsgeselljchaft und der Berliner Verkehrs-Gesellschast statt. Tagesordnung: Bericht über die Lohnverhandlungea. Die Bezirks- und Orlsverwaltvng. V Verkäufe «i«ig, Teppich«. Ohne Webfehler 2X8 18.- Mark Ohne Webfehler 2X8 21�- Mark Ohne Wedfebler 2H>' 3H Mark Ohne Wedfebler 8x« SZ,— Mark «berbach. Friedrichstraße 188, 1. Etage. ecke Debrenltraßc..Dorwärt»">L-Ier Draient Rabatt. Teppich kauf Derirauenslach». Rur OuaUtötsteppich« hoben meinen«jährt. «en Kundenkreis vergrößert. Einige -p-ifoiele: Doucl« mit Feftrückeu, 800X200 48 Mark. Smnrno, SOOxm 4S- Mitk.«el-etvliifch. 550X250, 8ch- aiotl. Elur. h-ndgew�.«AXZM. 328,— Mark. 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LpunWstiiettsvei'ItS»»«« Parzellen, schöne Lag«, dillig. Kiewett. Oranienburg, Berliner Allre(Auto am Bahnhof L-chniß). fldang»a»»s' 20 Uhr, bei Krugmann, Memeler Str. Kursusabend am Montag fallt au«, dafür Besuch der Parieiveranstaltung in der Neuen Welt. t.«rci» Kreutberg. Heute, Freitag,». Mal, UU Uhr, erreetterU ftais- »orstandsfltzuug bei Krüger, Grimmstr. 1. inaeladen. »schuh: Siftung am Frertaa,». Mai, Str. 63. Brbeiter�zilbuugilchule: Der Heule. Areilag. 9. Mai. z. Bbt. 1S>4 Uhr im Saal 3 des Gewerkfchaftshauses. Engelufer 24— 2ß, wichtige Funktionärsstzung. I. Abt. 20 Uhr Konfcreng der Be,irksfllbrer bei Dodrohlaw, Swinemünder Straße 11. Sämtlich« Bezirksfllhrer müsse» anwesend sein. 17. Abt. lg'4 Uhr bei Dose, Nordhafen 6, ssunktionärssßung. 26. Abt.»Unser Weg" ist abzuholen rom Genossen Walter, Meh«r Str. 37. Abrechnung der Maimarkcn und Maizeitungen muß umgehend erfolgen. 33. Abt. 19M Uhr ssunktionärsihung bei Schulz. Samariterstr. W. 86. Abt. Mariendors. 20 Uhr bei Gärlih, Chausseestr. lg, ssunktionitrsstzung mit Elternbeiräten. Neukölln, gz. Abt. 26 Uhr Funktionärsißung bei Sinkops, Kaiser-Friedrich. Ecke Marcschstraße. Ausgabe der neuen Funktionärkarten. Genossen, die sich für die Gltcrnbeiratswahl interessieren, sind eingeladen.—»6. Abt. Di« Funktionärslßung fällt in diesem Monat aus.— S8. Abt. 19H Uhr bei Noack, Juliusstr. 2li, Funktionärsshung. 161. Abt. Treptow. 26 Uhr in der Borwärts-Spedltion, Graeßstr. 36, Eistung t«r Elternbeiralslandibaten und der Eltern, denn Kinder di« Treptower Schulen besuchen. Stellungnahme zur Elternbeirotswahl. 126. Abt. Frledrichssetb«. 26 Uhr bei Schwarz, Capriviallee 164. Funktionilr- IZSa/' Abt?' Feile Scholle. Pünktlich 2« Uhr I« Lokal Schollenirnq Mitglieder. «rfammlung. Vortrag:.Der Kur, der Neqiernng Brüning". Referent Gottlieb Reese. All« Senosssaae» und Genossen müsse» zur Stell« sei». Morgen, Sonnabend. 10. Mai. LI. Abt. 19% Uhr Sitzung aller Betriebs, und Gewerkschaftsvertrauensleute, der Elternbeiräte, Bbteilungsreferentrn und Funktionkir« i» der G«. schaftsstclle. Utrechter Str. 21. 23. Abt. Di« Funktionärsstzung findet bereit» am Eonnabend, 1». Mai. 191h Uhr, bei Kramer, Gotheniusstr. I, statt. 62.«it. Eharlottenburg. 26 Uhr Funktionärsstzung bei Bad«. Kaiserin» Augusta-Allee 52. 112. Abt. Schmöckwitz, K»roliaenhof und Ranchsong-werder. 26 Uhr im Ease Landhau», Schmöckwitz, an der Brück«, Mitgliedern eesammlnng. 117. Abt. Lichtenberg, igih Uhr bei Klose wichtige Funktionärsstzung, Er. scheinen bringend erforderlich. Di« Elternbeiräte müssen ebeiesall» bestimmt «rschiinen. 123. Abt. Kanledoef. 29 Uhr im Lokal Hühner, Bahnhof. Ecke Wilhklmftraße, Funktionärsitzung. Zrauenveranstalkung. 1. Krel, Mitte. Montag. 12. Mai, um 18 Uhr, bei Spiegel, Ackerssr. 1, ffunktionllrinnenkonserentz. Kurz« Besprechung der Flugblattperbr«it»na. Die Sitzung findet schon um 13 Uhr statt, damit die Genossinnen noch die International« Kundgebung in der Neuen Welt besuchen kdnnnen. ttz Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratische, Lehrer und Lehrerin»«» sASLO, Fachgruppe höhere Schule». Sitzung am Dienstag, 12. Mai, ISih Uhr, im Köllnischen Gymnasium, Berlin S. 14. Inselstr. 2— s kam U�Sahnhaf Insel. brücke), Saal 17. Tagesordnung: Genossen Götz stiegler und Mari« Torhorst: »stur Frage der Schulgcmeinde". Genosse Korsen erstattet Bericht über das zur Frage.Schuljugend lind Politik" eingegangene Material. Achtung. Eltern! Zweck, Aufstellung der«lternbeiratslifte» werden die parteigenilsischen Elter», di« ihr. Söhn« a»f da» Köllnische Gymsafimm»der die Kexmps�tnilc, Inselstr. 2—6, schicke», gebeten, ihr« Adresse» i»»erschlösse»«« Umschlag bei» Schulha»,meislee fKerr» Vieth?) abgebe» z» lassen. Der Umschlag mutz»tit folgender Anschrift»ersehen sei»: ,A» de» Varsitzende» de» Elternbeirat»". «ach nimmt dieser direkt« Zusendungen entgegca. Adresse: Herr S. Schäfer, SW. 68, Marlgrascustr. IS. Zungsozialisten. Gruppe Schoaeberg: Im Jugendheim Hauptstr. IL, Schwabenlandziznmer, um Sa Uhr, findet heute, Freitag, 6. Mal, ein.Autzenpolitischer Abend" statt. sGruppenreferenten.) Thema:.Flottenkonfereng". Gaste au» der SAZ. und die jüngeren Parteigenossen ssnd eingeladen. Wedding-Sesnudbrun»«»: Heute, 13% Uhr. Im Jugendheim Pank- Ecke PZieseustratze, Vortrag: �sieligion und Sozialdemokratie". Reserent Genosse Schmidt. Arbeitsgemeinschafi der Swderfreuad«. Nestfalkeuhelserl Voranzeige! Der kursu» Montag, 12. Mas, fällt wegen "'' Dafür Sonntag, 18. Mai. L Bericht von Munster. _____________________________ nlieder lFritz Hossmann). Beginn 8 Uhr. Treffpunkt für gemeinsame Fahrt wirb noch bekanntgegeben. ErsGeinen aller Restfalkenhelfer ist unbedingt erforderlich. RestfalkrnheFer, di« nicht mit nach Munster gehen, werden dringend gebeten, ebenfalls teilzu- nehmen. Aiigemeine Wetterlage. S.Mai 4930, abds. �4� .= 0 wolkenlos.(5 heirer.O halbbedsckr »g:aphisckr» O.ckcster. Dirigent: Erich Gutzeit. Uetbungssiunden jeden ssrcitaa, 20% b s 2214 Uhr. Im Idealkasino. Neukölln. Weichselstr. 8. Bläser und Streicher willkommen. Fllr Bassist Instrument« vorhanden._ D. R. P.— viel gelobt und ärrtlich empfohlen bei: Rheumatismus, Ischias, gichtischen Affektionen, Hexenschuß, Migräne, Kreuzschmerzen,Neuralgien aller Art sowie als kräftigendes u. wohltuendes Massagemittel vor und nach körperlichen Anstrengungen für Muskeln, Sehnen und Gelenke. In Tuben m 80 Pf. u. 1.S0RM erfaahl.iaallen Apotheken u. Drogerien. Aebie« Sie aber bei» Einkauf«tcta«uf des Namea.Rbeuw Semit" and auf die ennsenfarbcoe Packung«it de» grtaee Band«. Probetube auf Wunacb koatea!oa durch i Rheuma-Scnjit-u.Scnsogen-Fabnk. 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Schweizer 86«,...m 80pt SteinbuscherToui,P(d.Ton 85pt»n Edamer to»i...... pm. tob 95pi.»b Margarine......... Pfd. 50. 62pi. Qriebensdimalz....... Pfd. 82pf. Frische Eier io sttek reu 78pt» Molkereibulter........ pm. 1,34 Tafelbuller.............. pm. 1,52 Dänische ButtalF.«], 66 Obst u. Gemüse Apfelsinen«o-d.............« piü LSp.. Smtspfels�nen.......„...sm 73pl Jafffa-Mpf eisinen....... spuSSpi Zitronen....................... d�tob 421° Radieschen■,...........»...« Band IOpl Salat................................... s Kopf 28p(. Rhabarber..................., p� 2«? SrLne LurKen......... 25»° Junge �i.ohrengnmBaBde.BBnd 25pt Junger Spinat.............- m 2Sp Spargel.......................... pfd-vo- 15« Malta-Kartoffeln........» pid. 50pl Konserven Kaiserscholen............. 1.60 Junge Erbsen fein.......... 1,20 Junge Erbsen.............. 70». Gemüseerbsen............ 55p( Junge Erbsen mlttost mit Karotten........... yjPt Junge Karollen............ 75pi. Karotten geaeluilttea........ 3 5 PI Sellerie to Seheiben......... 1,10 PJilferlinge.............. 1.50 Aprikosen tuibeFracM..... 1,25 Sauerkirschen mit st«!»... 1,30 Rofe Rüben................ 60». Kürbis....................... 78pt Kalif. Pfirsiche tuibePmeht 1,45 Kolonialwaren Bruchreis................ pm. 1 9pi. Patna-Reis........-„.pm. 30pt Carolinen-Reis....... pm. 38p». Harlweizengrless..... Pfd. 33pt Weizengriess.....„„JKd. 30pt Eiermakkaroni....... Pid. 56pi Viktoria-Erbsen...... Pid. 20pt Bohnen................. Pfd. 28pt Kali{orn.Ringäpfel...Pid. 82pt Kaliforn. PflaumenPM.m 48?».»° Kali jorn. Birnen....... Pfd. 90?«. Krümelschokolade Pulver...................«e.P/d. OUPf. j00 Pfund von i Kaffee �„2' FRISCHES FLEISCH Fische und Räucherwaren 'Kabeljau im ganz, Pfd. 12Pt 'Schellfisch........ Pfd. 15pt 'Seeladis im gm», Pfd. 1 6pi. 'Reizungen....... pm. 22pt 'Schollen.......spid. 38pt 'ZaHder gefr, Pkd.Ton 60Pt.ar 'Kabeljaujilef.... pm. 25pt 'Suppenkrebse.. 10 Stflok yonSUPf.an 'Leb. Schleie pid. von l,20an 'Leb. Aale........ pm. 95p<. 'Matjeshering 2 stnck 25 pi Bücklinge...pid. tob 30Pf. an Bundaale..BandTon30Pf.an Schellfisch gertnelL,Pkd. 32pl Seelachs gerlaohart,PM. 38Pt. Gurken5�."!bliÄ95Pt *) ln allen mmarn autser»ndreaMtr. Kalbshaxen.............. pm. 68p(. Kalbskamm ohne Bellaga..Pid. 84?! Kalbsnierenbraten 0. ohne Beilage................ Pkd. Kalbskeule.. bis9Ptd_ganz oder geteilt, Ptd.von SoPf.an Schweinebauch 0. Beug., pid. 94?,. Schweineschinken..... fm.1,16 Schweineschuiterblatt pid. 1,03 KaSSler gerollt, ohne Knoch., PM. 1,34 Pöketkarnrnmiid........... pm. 1,38 Eisbein mit s?lt»h� gepöbelt, pm. 53 p«. GEFRIERFLEISCH Suppenfleisch... pm. v« 78pi an Schmorfleisch Kenlee.K,P(d. 1,28 Schabefleisch........... pm.1,28 Hackepeter gewtmt...... Pfd.1,12 HammeJ-Vorderfleiach, Pfd. von 1,04 an RilCkenfStt bnPtrtig.a.Schnrta, Pfd. 72p(. GUlaSCh gemischt.......... Pill. 90pf Kalbsschnitzel„pid. von 2,20 an Kaitf:rou!ac:e...pfd.von 1,58m Roastbeef obne�,Ptd.von 1,23 an Kalbskotelett,. pm top 1,53°° Port. Oßisorflinen 4 PorÄ 95?� ��95?.! Schmorfleisch ohne Knocken, PM. 1,20 Qulasch ohne Knochen........ Pfd. 90Pf. Suppenfleisch........ Pfd. von 74Pf.an Ham.nslvcrderflelsch Pfd. von 83:-(.an Hammelrdclccn.............. Pid. S8pi. Rinderback en o. Knoch., frisch, pm. 54P(. ßl.ideriierzen frisch.......... Pfd. 54?»- ßlndsrlunsen frisch.......... Pfd. 44?-. ßinderschwänze............. pm. 84"!. Euter frisch.................... Pfd. 22Pf. S;h weinenleren............. pü 94:'f. Rinderleber gefroren......... Pfd. 1,18 Schweinekäpfe mit Backe, frisch......... PM. 44Pf. ___ Preiae ohne Flasche__________ HJSer MenioftaMrSwecSvoreOgl.Bowlenwein'f, FI 85 PL 16 I9M er üiicrasir. er HaUacinercr............. Fi. 85 Pf io 1921« Irelser freies ra. mgenehm. Tischwein>/, FL 1,10 10 191S er Senhci-er lar. rassiger Moselwein...», FL 1,25 10 I92Ser tärthclinerkeiitrSerj. Eoiweia........ r, Fl. 1,23 lü IMSer LieSiraomilc:, lieblicifr Dameaweia>/. Fl. 1,40 10 I95fior aliaeiheiaitrBEi«!../hirvonggendel'/.FL 1,85"0 IM/CTllmtelerHljeiupnai V Eheingauer/■/, FL 2, SO 10 W@ine und Fruchtsafte FL- S.on FL 9, CO FL 10, lü FI. 12, OO KL 12,00 FL 13, 5( FL 17,50 FI. 22,5;, Jlr. 21-1» 47. Jahrgang Zrcitag, S�Mai 1930 3imn dtudoif iiewberi: Em (Schluß.) D«r Geschäftsführer hatte thr bald nach chrem Debüt zu ver- stehen Zogebsn, daß sie zu manchen Gästen«izentlich etwas entgegen- kommender sein kännto, es war gar kein Zweifel, was er meint«. Vielleicht hätte Slrrni ihre Stellung nicht lange halten können, da sie nach nicht das nötige Entgegenkommen zeigte, wenn sie nicht im Lause der Wochen für eine Rarität angesehen worden wäre, der man mit Verwunderung nahte, über die man in den Kreisen der istammgäfte flüsterte und Wetten abschloß:„Roch nichts erreicht, cherr X.i Wie lange noch, bester Herr$.? Wann wird Ihnen diese keusche Blüte zufallen, Verehrtest«!?" Räch einem halben Jahr ungefähr, als Annis Raritätswert vom Geschäftsführer doch nicht länger gebilligt worden wäre, hatte Ann! aber schon soviel gelernt, daß vorauszusehen war, sie würde bald in jeder Beziehung eine richtige Borsrau werden. „Es kommt, wie's kommen muH," dacht« sie manchnml an Karls Wort. Sie empsand einen tragischen Sinn darin. So kam«s auch, daß eines Abends der Stammtisch in glänzender Stimmung war, weit jemand eine Wette gewonnen hatte. Herr I. hatte sie gewonnen und konnte sie mit drei Flaschen Sekt feiern. Von nun an hätte man viele Wetten um Annis Rarttätswert gewinnen können, aber es fand sich keiner mehr, der darum wetten und— verlieren wollte. Anni war eben eine totsichere Sache geworden. Wie schnell alles ging, wenn man den ersten Schritt getan hatte. Ami wurde bald alles selbstverständlich. Sie war in chrem Beruf anfgegangen. Ihre Welt war der Bartisch und sie stand unter seinen besonderen Gesetzen. So war Jazzmusik ein Gesetz für sie, eine gefüllt« Brieftasche, ein leidenschaftliches Männergesicht desgleichen. Diesen Gesetzen unterlag sie, und jede Niederlage wer ein Rausch. Sie erwachte verschieden aus diesem Rausch. Manchmal streckte sie froh und in Erinnerungen die Arme von sich, manchmal saß sie vor dem Spiegel, erschrocken die Hände vor dem Gesicht. Morgens waren ihr« Augenbrauen ein verwischter Kohlestrich, ihr« Lippen trugen verlüßte Spuren von künstlichem Rot und ihre Augen... brrr. Sie kühlle und inassierte, sie cremte und stärkte sich mit Delikatessen und viel Schlaf am Tage. Ehe sie so müde einschlief, tauchte manchmal die Erinnerung an Karl auf. Jahre noch blieb ihr dies« Erimerung lebendig, und manchmal ersehnt« sie ihn nach verflogenem Rausch. Ihr weiteres Leben hatte keine besonderen Stationen mehr. Vergnügen war ihr Berns, aber ihr Beruf machte ihr kein Ver- gnügen mehr. Es war längst eins bittere Zlngelegenhett geworden. Ein Kampf mit unzufriedenen Geschäftsführern, intrigierenden Kol- lezirmsn, großschnauzigen Kellnern, sadomasochistischen Musikern und perversen Stammgästen. In Berlin wechselt« sie ihre Stellungen. Von mondänen Lokalen des Westens stieg sie zu kleinen Bartischen des Nordens herab. Sie floh Berlin und suchte in der Provinz Unterschlupf., ... In einer Provinzhauptstadt— nach vier Iahren— traf sie dann einmal Karl. Mit mehreren Herren war er in die Bar ge- kommen, ahnungslos, in heiterer Stimmung. Man hatte ein Fuß- bollwettspial hinter sich und gewönnen, das sollt« gefeiert werden bis zur morgigen Rückfahrt noch Verlin. Em bramrgabrannter Mann trat an den Bartisch. Eine Stimme, die sie zum letztenmal vor vier Iahren in einem Walde bei Berlin gehört:„Wenn es dein Glück ist. Anni, dann geh.. Diese Stimm« schlug jetzt an ihr Ohr. Karl hätte Anni kaum erkannt, aber als sie ihn erblickte, fiel ihr das Glas aus der Hand... Natürlich blieb Karl die Nacht da. Sie hatten kein« Verabredung getroffen, aber es war selbstverständlich, daß er auf Anni wartete, und daß sie dann zusammen die Treppen zu Anni? Wohnung hinauf- gingen. Anni kochte Tee und stellt« Liköre und Zigaretten hin. Sie lief geschäftig hin und her, sie schämte sich und war selig. Karl, Karl war bei ihr! Sie hatten sich noch nicht einmal geküßt— Anni kam das plötzlich schmerzlich zum Bewußtsein— und Karl streckte sich gesund und behaglich müde im Sessel au? und erzählte zwischen einem halben Dutzend Zigaretten, wie es ihm ergangen. Natürlich ging es ihm jetzt gut. Er war damals zwar sehr down gewesen, nach der Ge- schichte dort im Walde, ober er hatte sich nicht unterkriegen lassen. Nein! Er war dann einem Sportverein beigetreten, hier hatte man ihn alsbald schätzen gelernt. Cr machte Endspiele mit uerd man rechnet« bei Meisterschaftsspielen mtt seinem Können. Natürlich bekam er danm auch durch Verbindungen eine besser bezahlte Stel- lung. Er machte Vevemsrersen mit in größere Städte, war sogar nn Ausland gewesen und einmal— er lacht«— einmal auch in einer illustrierten Zeitschrift. „Und du, Anni?" fragte er dann und sah sich in der Wohnung um,„du hast es auch nicht schlecht, wie ich sehe." „O nein!" Anni schüttelte heftig den Kopf. Eigentlich war sie dem Weinen nahe, aber nun erzählt« auch sie. Namen von großen Vergnllgungslokalen flammten auf, es war im Grunde immer das- selbe, immer Bartisch, mal eine Elehw Reise an die Ostsee, aber sie erzählte sehr eisrig, sie ließ auch ihre Ringe miterzühlen, die an ihren Fingern funkelten und die Photographien dort an den Wänden, Bilder von Artisten, Kolleginnen, Soxophonbläsern, Lebemännern... . Er sah sich diese Photographien an und las hier und da mich die Widmimgen. Er wunderte sich durchaus nicht, daß sein Bild in dieser großen Kollektton nicht vertreten war. Er hatte auch nicht bemerkt, daß Anni vorhin ein Bild vom Schreibtisch geimmmen und in ein Fach eingeschlossen hatte. Es war sein Bild. Es hatte absetts gestanden, wie auf einem besonderen Ehrenplatz, als gehört« dieses Bild eigenllich nicht in dies« Gesellschaft. Anni hatte sich geschämt und darum das Bild schnell versteckt. Wegen der o»-deren Plzotographien hatte sie sich geschämt. Aber Karl störten die gar nicht. Er faird alles jo selbstverständlich. Er. hatte schließlich nichts anderes erwartet. Er nahm Anni eben so, wie sie mm eimnal war. Es war ein Märchen, daß sie sich hatten heiraten wollen. Er nahm auch nachher Anni nur wie irgendeine fremde Frau auf einer Reife. Anni kam das vor wie ein« schwere, furchtbar«, Rache, die sich an ihr vollzog. Ms er, wie früher den Kopf an ihre Brust geschmiegt, eingeschlafen war, war ihr, sie müsse in sein Herz schauen und seine Gedanken erraten. Neben ihr lag der einzige Mensch, den sie liebte und um dessentwillen sie ein neues Leben beginnen könnt«. Wird dieser einzig« Mensch morgen, ehe er wieder ging, zu ihr sogen:„Wollen wir uns eimnal schreiben, wollen wir uns wieder einmal sehen? Wollen wir..?" Sie würde... ach, was würde sie nicht alles für ihn tun... Er atmete ruhig neben ihr und sie blickt« vom Bett aus duf die Bilder der Kolleginnen, der Lebemänner, der Barmusiker. Sie sah wie auf etwas Fremdes, nicht zu ihr Gehörendes. Sie küßte leise den neben ihr Schlafenden und dacht«:„Meine Liebe hat die Kraft, alles auszulöschen. Mein« Lieb« ist unendlich stark. Du könntest mich schlagen und mich betrügen, ich würde immer dein bleiben. Nur sag' nachher, nur sag' nachher... mein Gott, sag' nachher, daß wir uns wiedersehen werden.. Er aber frag» in dieser Nacht noch em paarmal schlaftrunken, wie spät es sei. Cr dachte an seinen Zug. Und als er morgens eilig aufstand, und Artni ihm noch schnell einen Kasse« machen wollte, sagt« er:„Nein, nein, dazu ist es zu spät. Ich erreiche sonst den Zug nicht." Ihr war, sie wäre noch nicht richttg erwacht oder dieses grau« Erwachen wäre«in Traum. Er küßte sie nachher noch und sagte„Annichen!" zu ihr.„Annichen, mm haben wir uns doch noch gesehen!" Ale er dann gegangen war, lag sie noch lang« wie erschlagen im Bett. Sie streckte die Arme nach ihm aus, rief seinen Namen. Die vielen Photographien int Zimmer wurden lebendig. Die Lebemänner lächelten auf sie herab, der Saxophonbläser blies melan- cholisch,-die Kolleginnen sahen sie mitleidig an. Da fror sie. Sie hob die Decke an ihre Augen, denn sie sah ihre Zukunft, irgendwo eine Straße... 0. 58. Wendler: 3>er Stund Qtasamge fföri den Srühling Der Hund hat ein Glasauge. Er heißt darum Glasauge. Bei den Kindern rundherum. Der Mann, dem er gehört, der auf der Bank sitzt, ist blind. Auch dann, wenn es leicht regnet. Aber be- sonders im Frühjlng, wenn dieser kleine Part ganz zart aufblüht in Farben. Die Birken tragen sie und die jungen Mädchen. Die Birken hat der Bezirksschornsteinfegermeister Reichstein gestiftet. Er hat deshalb ein Denkmal im Park. Dort drüben. Der Mann und sein Hund sind vorstadtbekannt. Sie haben ihre Geschichte. Und außerdem zogen sie beide einst von morgens bis mitternachts durch die einfachen Bierstuben und da wird man be- kannt. Verdorbener Alkohol sst dem Mann auf die Augen geschla- gen. Das war seine Geschichte. Und die seiner Rente, von der er nun lebt. Er hat es nicht nötig, zu betteln. Es hat sich von selbst so ge- macht. Fremde, die hastig oorüberellen. werfen«in Geldstück in den Hut. Und im Frühling holen die jungen Mädchen einer Groschen aus den bunten Handtaschen, weil sie das Glück erkaufen wollen. Träume für die Abende und die hellen Kleider. Die Wirklichkett mit einem jungen Mann. Immer, wenn ein Groschen in den Hut gefallen ist. reibt der Hund Glasauge seinen Kopf am Knie des Blinden. Der nimmt dann den Groschen und steckt ihn in die ausgebeutelte Westen- lasche. Nur die Frauen um vierzig rum werfen nie einen Groschen in den Hut. Sie wissen, daß der Blinde ein Taugenichts war. Einer, der sang uttd trank und seine Frau schlug, bis sie ihm davonlief. Gewiß war sie zänkisch und hatte immer recht. Das soll olles sein. Aber sie plättete doch bis in die Nacht hinein die Wäsche süc die feinen Leute. Und wer arbeitet, der singt nicht. Und«ine Frau, deren Mann im Wirtshaus sitzt, am allerwenigsten. Die Frauen um vierzig wissen das genau. Und Frauen um vierzig rum wollen es partout nicht wahr haben, daß Schläge zur Liebe gehören wie das Salz ans Essen. Ihn«» passiert es ja auch nicht mehr, daß sie das Essen versalzen. Sie muh mit ihrem Bündel oft an dem Blinden vorbei. Die Frau, die er schlug. Die Frau, die schon schwer arbeitet«, als ec noch in den Kneipen lachte. Die Frau, die ihm davonlief. Geht si- mtt ihrem Bündel vorüber, knurrt der Hund Glasauge. Wett er an die Prüget die er von ihr erhielt. Der Mann sitzt dann M, während es die Frau eilig hat. Der Mann, der Blinde, kennt ihren Schritt, aber er wartet nicht auf ihn. Noch eiliger hat sie es jetzt. Im Frühling Sie sieht nicht hin zu dem Mann und iricht hin zu dem Hund. Sie hat einen heim- jichen Kummer. Sie denkt an den Mann. Sie denkt an srüher. Sie hört wieder sein Lachen und singen. In den Nächten im Bett. Sie möchte wohl iangsamer gehen, ober dann knurrt drohend der Hund. Und einmal hatte er ja auch elwas mtt einer Nachbarin. Einer jungen Blonden. Deren Mann sechs Wochen auf Montage war. Sie durfte n'cht vergessen. Die Blonde war allerdings als heiß bekannt, und vielleicht hatte sie ihren Mann nur verrückt ze< macht. Damals hatte sie auf seine Reden nicht gehört. Er konnte so etwas gesagt haben. Gemein war es trotzdem. Di« Schntte wurden eiliger. Der Hund knurrt«. Das Grün der Bäume, nur Hauch bisher, wurde wirklich. Wurde Blatt. Die Sonne lag schon in offenen Fenstern, und die Frauen knöpften die Blusen oben nicht mehr zu, wenn sie den Milchmann einließen. Die Kinder sangen«inen Kreis Schon wenn die Frau nickst unnötig warm werden wollte, mußte sie lang- samer gehen. Sie konnte sich doch nicht noch seinetwegen«inen Schnupfen holen. Eines Tages saß der Blinde allein auf seiner Bank. Der Hund war nicht zu sehen. Ein junges Mädchen warf einen Groschen m den Hm, er hatte es nicht gemerkt. Die Frau blieb zögernd stehen. Der Blinde hob lauschend den Kopf, er hatte sie wohl erkannt. „In deinem Hut liegt Geld!" Der Mann schob den Groschen in die Westentasche. „Es geht dir wohl schleckst'?" Der Blinde nickte. Er hatte heute morgen gerade«inen Tanz mtt seiner Wirttn gehabt. Sie betrog ihn, wenn sie auch manchmcst zärtlich tat. Betrog ihn um sein Geld und in der Liebe mtt zwei Schlafburschen. Er hatte heute morgen gut gehört, was m der Kammer nebenan passiert war. Mit dem Schlosser. Und dann hatte sie es nicht wahr haben wollen. Er war in einer etwas weh- leidigen Stimmung, „Tut es dir nun leid, daß du mich immer geschlagen hakt?" Der Blinde überlegte. Das konnte er yun nicht behaupten. Deswegen hatte er sich noch nie Kopfschmerzen gemacht. Die Schläge waren doch immer in der Ordnung gewesen. .„Wenn du sagst, daß es dir leid tut, würde vielleicht wieder zu dir zurück kommen."- Der Blinde überlegt«. Das Paradies würde es ja auch nicht werden. Mit seiner alten Frau. Aber ein Wechsel tat wieder mal gut. Mit dieser konnte er von alten Zeiten erzählen. Es lockte, so von alten Zeiten zu erzählen. Und seine Wirtin würde sich die Platze ärgern, wenn er kündigen würde. Von den paar Groschen des Schlossers konnte sie nicht immer in den Kientopp rennen. Er hatte seine Rache. Und dann müßte sein« Frau in der Figur noch ganz hübsch sein. Bloß ihre Schnauze hatte ihn doch früher gestört. „Na, was meinst du?" „Ja. Es tut mir leid." „Na. siehst du." Und dann fühlte er, daß die Frau sich zu ihm setzen wollte, und er rückte leicht beiseite. Sie roch immer noch wie früher nach frischer Wäsche und das war angenehm im Frühling. Er legte seinen Arm behutsam um sie. Mehr konnte man hier nicht tun. Aber«in klein wenig piekte er sie, und das Fleisch war noch fest. Da wollte er sie beim Vornamen nennen, da kam der Hund. Wie rasend sprang der die Frau an, und der Korb Wäsche fiel von der Bank. Di« Frau schlug nach ihm. Da biß er sich in ihren Rock fest. Die Frau schlug nach ihm. Er knurrte drohend. Der Hund Glasauge sprang auf den weißen Oberhemden herum. Da tat die Frau den Mund auf. Die Schimpfworte kamen. Di« alten Schimpsworte kamen. Wie eine Sturzflut. Wie«in Frühlings- gewitter. Der Frühling im Blinden wurde wieder sehr klein. Seine Wirtin betrog ihn, aber sie schimpfte nicht. Und diese hier hatte kein Wort vergessen. Heute bekam es der Hund, morgen er. Nein, er bekam es noch heute. Sie sing auch noch mit ihm am Warum er den Hund nicht zurückrufe? Warum er diese Töle nicht abschaffe? Seine Frau, sei ihm wohl nicht einmal den Hund wert? Er sei wohl doch noch der alte Vagabund? Weil der Hund den Rock losließ und das Dein packte, heulte sie. Da rief er den Hund an. Knurrend legte sich Glasauge unter die Bant. Die Frau rafft« unter Flüchen die Wäsche zusammen. Sie sprach kein Wort mehr zu dem Mann, ging davon. Der Frühling war in ihr nicht mehr jung genug, um Arbeit über ihn vergessen zu können. Der Frühling war gestört. Man hört« sie noch lange schimpfen. Der Blinde saß wieder regungslos. Glasauge rieb seine Schnauze an dem rechten Bein. Ein junges Mädchen warf einen Groschen in den abgegriffenen Hut. Qerdland: •Die{Kinderklapper 2ljff dem winzigen Kinderspielplatz, der eingebettet daliegt zwischen den allen, trosttos-grauen Häusern und den roten Brand- mauern, in der Nähe des Kanals, in der Gegend der Arbeiter- quartiere, spielen ein paar Kinder in dem nassen, festgebackenen Sand mtt dem Abfall der Straße... Es sind die Kinder armer Leute. Di« Laternen werden schon angesteckt. Unruhig flackern die schwel« nöen Flammen, und aus einer Restauration dringt leise Musik in die Dämmerung. Die Kinder spielen. Sie spielen„erwachs«!" und„alt". Wa» sollten sie wohl sonst spielen, diese Kinder mtt den alten Gesichtern, die keine Kindheit haben, und deren Jugend Kamps ist? Ein kleines Mädchen spielt mtt einer Klopper. Sie veranstaltet einen. infernalischen Lärm, aber si« freut sich daran: und das ist ja die Hauptsache. C? wird Abend. Und die Mütter kommen, oder die älteren Geschwister kommen aus dem Heimweg vorbei und holen die Kleinen ab. Nur jene» Mädchen bleibt. Es blinzell mit seinen Augen in da» Licht des Kandelabers, es steht da und hält die schweigende Klapper in der Hand. Es hat wohl nicht viel Liebe auf der Welt, dies Kind, kein Mensch kommt nach ihm sehen, nie- mand holt es ab: es trägt ein buntes Röckchen und eine blaue Strickjacke, wer kleidet es, wer gibt ihm sein Essen? Ich trete heran. Die Straße ist ganz leer. Ein Lastwagen holpert über das Pflaster. Das kleine Mädchen steht uno weiß nicht, was das ist: Einsamkeit... Ich aber weiß es. Ich spreche zu dem Kind und zu mir. Aber ich habe e» erschreckt, denn als es mich sieht, schrett es leis' auf und läuft davon. Ich setze mich auf die Bank. Da sehe ich vor mir das Spielzeug des Kindes. Ich heb« es auf: eine Kinüerklapper, ein Stück Papp« an einem Holz- griff mtt zwei kleinen Hämmern zu beiden Seiten. Aber die Poppe hat«in« Form, ist bemalt. Die Pappe stellt ein« nackte Frau dar. Die Tupfen auf den Brüsten sind rot getuscht, auch die Lippen, und der Körper leuchtet rosig. Das ist ja fürchterlich, grausam! Die nackte Frau hält eine kleine weiß« Muff« vor ihrer Scham. Aus dieser Muffe steht in dicken Lettern der Name eines Tanzpalastes im Zentrum dieser Stcrvt. Mit diesem Spielzeug, mit Luftballon» imd Papierschlangen wird den Gästen des Tanzpalastes Stimmung suggeriert— ★ Stimmung. Musik. Gelächter am laufenden Band. Feiste Kavaliere, die sich die Bäuche halten vor»Lachen. Tanz schöner Frauen, laut Plakatanschlog. Nackter als nackt. Eine Bar. Ein Mädchen mtt wehem Lächdn. Frauen und Fleisch. Schillernd« Haut uno schlummernd« Gemeinheit. Ein Tusch. Die Wahl der Königin für diese Nacht. Prämiierung des kleinsten Damenmundes, de« längsten Schuhabsatzes. Racktplastit. Bilder von Rausch. Sünde. Erotik und Ekstase. Stimmung steigt. Kavaliere trinken Sekt, Mädchen heimlich Selters, weil sie den Sekt in die Kühler gießen. Mitternacht Alle Nischen besetzt. Schwellende Kissen. Im Takt der Musik weroen Papierschlangen geworfen, werden Papier. biusen vertrompetet, wird mit Kinderklappern geklappert. Eine Frau mit umnachteten Augen in den Armen eines Kavaliers. Der Mund lächelt. Die Augen sagen nein. Sie sielst den Allen nicht. Diese Animierfrau denkt wie tausend ander«, noch in der letzten Umarmung an den Einen. Torkelnd erhebt sich der Mann. Die Frau tuschell mit dem Kellner über ih):e Prozente. Der Mann sagt:„Komm!" Und sie geht mit ihm. An der Tür aber reißt sie sich los, eilt zum Tisch zurück und nimmt die Kinder- Napper mit. Sie möchte weinen, möchte bei ihrem kleinen Mädchen liegen, dos ihr Trost ist und... ach, was weiß ich! Aber sie geht mit ocm Herrn in ein Hotel.... 'Je Ich sitze aus der Bank des winzigen Kinderspielplatzes in der nachtduirklen Gegend der Arbeiterquarttsre einer schönen, großen Stadt. Diese Stadt hat ein Herz aus Stahl und Stein... Die häufigste Geburlszeil. Nach einem sehr großen statistischen Material, das von der Amerikanischen ForschungsgesellsckMt durch- gearbeitet worden ist, ergibt sich, daß Geburten um 1 Uhr nachts häufiger vorkommen als zu jeder anderen Zell des Tages uns der Nacht. Dagegen tritt der Tod am häuftgsten um 3h Uhr nachts ein. » Lozialisiische Arbeiterjugend Gr.-Verlm K!ns«nd»ngen für dies« Zivbri? uur aa da« Zllzmdselreiaria» ZZeelin SWdS. ltndenstrale z Betelligu»-! an der Iilternetiaaalcn Ziulldgclmng der Partei am Montag. 12. Mai, in der Neuen Welt, Sascnheide. Treffpunkt der Gesamtorganisation vitnltlich IS Uhr LomphausenstraA« sU-Bahn Hasenheidc) zur Demonstration. Spitze zum Kaiscr-?Hedrich.Platz. Alle Sruppenreranftaltungen fallen an diesem Tage aus. Heute. Freilog, 19� Uhr. Arlonaplag: Tchule Elisabethkirchstr. IS:„Jüdische Sitten und Gebräuche". � Gcwertscho-'sdaus! schule Köpenickcr Str. 125: Mitglicdcrvcrsaimnlung.— Äonfo: Heim Bochumcr Str. 8b:„Die Aufgaben der Jugend in unserer Zeit".— lllloadit I: Schule Baldenferstr. 20—21:„Warum SAZ.?"— Moabit II: Heim Lechrter Str. 18— lg:„Die Frau und der Sozialismus�— Araimpla�: Schule Sonncnburger Str. 20. F. 17:„Proletarisch« Lebensgestaltung".— Araswalder Plast I: Heim Nastenburger Str. 16:„Die freien Gewerkschaften".— Kalk» platz ll: Schule Sonnenburger Str. 20:„Der Lehrling und sein« Rechte".— Helmhalstplast: Leim Danziger Str. 62, B. 2:„Der Freidcnkerverband".— Sohenschönhausen: Seim ssreienwalder Str. 6:„Tagespolitik".— Humann. Plast: Schule Schcrenbcrgstr. 7: Lichtbilder:„Das Gesicht der Kirche".— Weihen- sc«: Heim Partstr. 86: Mitgliederversammlung.— Wörthcr Plast: Schule Kastanicnallee 82:„Kommunalpolitik".— Friedrichshain: Heim Diestelmener- strahe 5—6:„Alt-Berliner Humor".— Stralauer Bicrtrl: Heim Gohlerstr. 61: „Brauchen wir eine Religion?"—Warschauer Viertel: Heim Litauer Str. 18: „Die innenpolitische Lage".— Warschauer Viertel. R. F.: Heim Litauer Str. 18: lO-Minute». Referate.— Schiineberg II: Heim Hauptstr. 15;„Arbeiterjugend und Mode".— Schoneberg IV: Heim Hauptstr. 15:„Freund und Freundin in der SAF."— Eharlottenburg: Heim Rosinenstr. 4:„Die Gewerkschaften".— Gharlottcnbnrg.Siib: Heim Eoethestr. 11:„Unsere Gruppenzeitung".— Wilmers» dors: Heim Wilhelmsauc 128: Mitgliedcrpersammlung:„Die Weltwirtschaft".— Mariendors II: Siedlung Daheim, Strahe 159.120:„SPD. und KPD."— Marienfelbc-Lichtenrade: Mitgliederversammlung in Marienfelde. Lichtenrade: Treffpunkt 19 Uhr Bhf. Lichtenrade.— Neukölln III: Heim Fiethenstr. 58: Heiterer Abend.— Neukölln IV: Heim Cchierkcstr. 44;.Hehrlinge erzählen".— Neukölln V: Heim Böhmische Str. 1— 4: Funitionärsistung.— Renkölln VI; Heim Treptower Str. 96:„Kameradschaftsehe".— Neukölln VII: Karl-Marx. Schule:„Der Jugendliche in der Familie".— Neukölln X: Heim Bcrgstr. 29: Arbeitsgemeinschaft.— Brist l und II: Parackcnschule Parchimer Allee: Arbeits- gemeinschaft.— Baumschulenweg: Heim Grnststr. 16:„Die Arbeiterjugend» bewegung".— Johannisthal: Rathaus:„Warum sollen wir in den freien Gewerkschaften organisiert sein?"— Ricberschönewaid«: Schule Berliner Str. 81: Mitgliederversammlung.— Pankow I und II: Heim Görschstr. 14: Ueben.— Pankow III, R. F.: Heim Kissingenstr. 48: Arbeitsgemeinschaft.— Frankfurter Viertel: Heim Frankfurter Alle« 807:„Tagespolitik". Werbe bezirk Mitte: Der W.-B.-Abend fällt aus. Werbebezirt Tcltowkanal: Eteglist. Heim sslemmingstr. 14a: W.-B.-Wit- gliederverfammlunq. Berickit von der Reichskonferenz. Referent Erich Lind- ftasdt. Der Politisch« Informatwnsabend mit Engelbert Graf sindet erst am 80. b. M. statt. Verb« bezirk Lichtenberg: 18 Uhr Spiel und Sport auf dem Sportplast Normannstrahe. Turnkleidung mitbringen. BcrteBczW Prenzlaue« B«rg:«orzen.«c JSrc.«vessheuH-uioustunn, st» Heim Danziger Strahe(Baracken). «erbebezirk Pankow: Morgen. I« bis« Uhr, im Heim Kissing« nstr. 48: W.-B.-Vorstands- und Delegiertensistun«. Thema: �O-Iahr-Feier". Erscheiaeu unbedingt notwendig. Die alte Spezialsabrik Temmler n. Blcnberg. Berlin S. 14. Dresdener Strahe 98—99, dringt für die Nuqe Sausfrau zum Sommer die besonders günstige Gelegenheit, Eislchränie zu sehr vorteilhaften Preisen auf Teil- Zahlung zu kaufen. Alle Gegenständ«, welche für den Haushalt gebraucht werden, findet man dort: Kochherde jeder Art, Sefen in jeder Ausführung, Badewannen, Badeöfen, Wäscherollen, AbWaschtische, Waschkeffel, Keiselöfen. Äloscttanlagen, Waschbecken. Die Frisur bildet bi- Umrahmung des Gesichts. Z» Gegensatz zu den Feiten unserer Grostmlltter ist es heute leicht für die Dame, den Reiz ihres Gesichts durch den Rahmen der Frisur zu erhöhen, denn bi« Frisur von heut« eignet sich dazu besonders gut. Wenn aber das Haar schön aussehen und sich jeder gewollten Form anschmiegen soll, ist vor allen Dingen die regelmäßige Kopfwäsche notwendig: Flüssiges Pixavon oder Pixaoon-Shampoon ist dafür besonders zu empfehlen. „Die roten Schuhe", das große Ausstattungsballett auf dem Eise, kommt mit Charlotte in der Hauptrolle am Sonnabend im Sportpalast zur 25. Auf- fiihrung. Borher geht„Earnaval" von Schumann, in Szene. Die Eisballett. trupps des Sportpalastes ist nach ihrem großen Berliner Erfolg zu einem längeren Gastspiel nach England eingeladen. ----V---— v■--— v. � v'. v»"—»V il / kea-iet, Lichtspiele usw. j Freitag, 9. 5. Staats-Oper Unter d. Linden Teil-Ii L Fr.«o. 9 JahiK-Ai-t. Ho. 125 20 Uhr La Wala Ende ZZ'h Uhr Staats-Gpsr Arn Plif: der Rejebiii Vorst 78 20 Uhr Sswme Enden 21 � Uhr frei tag, 9. 5. stsöt. Oper Bisrnarckstr. Turnus 1 20 Uhr Sie[ottirong aas deni Serail Ende g.22'/»Uhr Volhsbttiuie Tlieater ara Movsilak. 8V« Uhr Rost von Kirchon und Ouspensky Regia: Gibiber Sbrk Staat). Sdiauspti. im GeadameiDirll St. 114 Fr. Ho. 7 Jahres-SU. Ho. HD 20 Uhr daiiiuna, a. mai Ende 22�.4 Uhr Staat). Sdiiller-Tti. 8 Uhr Oer Traum ein leben Siaail.Stiiiiler-Tlisater.Niarltlig. 20 Uhr Der Tranm ein Leben Ende 22 Uhr Tägl. 5 u.8'/, Uhr. B 5 Battl. 3258 Pr. 1-6 M, Wochentg. 5 U. 50 P».-3 M. Oscar sabo u. Lotte werHmeister in derSrene Belm 6-Tage-Rennen RIgoletto Brothers& Swansen L Isters und 8 Internatlon. Neuheiten. L ä U. 813 sonnt 2.50.8" Alex. E 4. 8066 Tägl, 8.15 und Sonntags 5 Uhr nachm. Große iDternationate BinßkSmpIe and eisiklassige Varlnto-Noulielien. Wochenr. S Uhr u Sonnt 2U nachm. lOVari la-AiUakilanaii ohne Ringpampsa Staatsoper Am PI. d Republik S Uhr Salome Seotstties Tlieater D 2«ooiwoi 52DI «v. Uhr Der Kaiser V.Amerika von Bernard Shaw Re�.: Max Reinhardt S1* Uhr— Ztr. 2819— Rauchen eriauhl 1 RoseKm-Trio-JiMiiRCßinii. nichoii- lopez-Trio m. Iliai NNlck MM! Sonnobond und Sonnteg ja 2 Vorstellungen 4 Uhr und— 4 Uhr kleine Preise Kammerspiele 0 2 WeWoodamm 5201 8Va Uhr Die liebe Feindin Konidis tob A. P. Actoine Regl»: Gatttf Gdta�gwi proßss Schauspielhaus 8 Uhr Nur im Mai Die iHSlise Witwe Regie: Erik pharoll •'"Uh» CASINO-TBEATM Lothringer Strafe 57. Die Berliner Posse Rentier Mudicke und das Riesen-Variete-Pi-ogramm. Billig! Billigt Sommerprebci 50 Ptg. 1.— Merk 1.50 Mark Sonnabend u. Sonntag kleiner Aufschlag Die Komödie 1 1 BIsmck.2414/7516 8Vi Uhr Soll man heiraten! MdioTooltnianiShav Sierlsda kihtltloii: Kart Heinz Martin Direktion Dr. Robert Klein Deutsches KSnstler-TbeX. 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Geändert sind die ZA 84, 85, 87, 83 Abs. 1, 91 Abs. 3, und zwar wird das Wort.Geschästssührer- gestrichen und dalür die Worte„Dtreltor der Krankenkasse" gesetzt. Druckstücke der Aenderung können im Kassenlokal w Empsang genommen werde«. Der Borstand: H. Krüger, Vorsitzender, R. Freund, Schristsührer. Kieiues Theat. Merkur 1624 Täglich 8 Vi Uhr Letzte Woche I Gastspiel Gisela Wer bezirk in üeyEr'i sei. Witwe Schwank von Fritz Friedmann-FredriiL Metropol-Tn. Täglich 8V* Uhr Der Mlstimenl üiala, SdiQtxendorl. Pntlinn, Liditensteln ßesidenz-itisatas Tägl. 8V» Uhr Der Herzog und die Sünderin S ommer- Prossen auch in den hartnäckigsten Fällen. werden in ewigen Tagen unter Sa- rantte durch da» echte unschädliche Teint- Berichöne- �WMzmtgtmittel „Deuue" Stärk, B beseitigt. Striae Schälkur. Preis M' Degen»»»«>,«1. mUU««MSR> Stärke A, Berrrelung und Lager Alexander 7150. Drezeri« Adolf Neumann, 5. Oranienstraße 45. Drogerie Th. Hmn. N, Schönhauser Allee 129. 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