Morgenausgabe Nr. 216 A 109 47. Jahrgang Wöchentlich SS Pf, monatlich S.SVM. «m voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. einschließlich 60 Pfg. Postzeitungs- und 72 Pfg. Postbestellgebühren. Auslands» abonnemem 6.— M. pro Monat. Der„SonDÖrts* erscheint wochentSg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Verlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Deilagen.Volk und Zelt" und.5iinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen» stimme"..Technik"..Blick in die Bücherwell" und.Jugend-Dono ärts� lr ▼ a. Ne«i°usr Soiesvlatt EonuabonS Mai 1YZ0 Groß-Äerlin 1O pf. Auswärts 15 pf. Die einspaltige Nonpareillezeil« 80 Pfennig. Re'lame'eile b.— Reichs» mark,„ftleine Anzeigen' das etlge» druckte Won 2ö Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), zedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengeiuche das erste Wort 1ü Pfennig, jedes weitere Wo?.' 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» »ählen für zwei Worte. Arbeitsmaikt Zeile 60 Pfennig. Familienonzeigen Ze le 40 Pfennig. 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Weshalb ist das Kompromiß von den Sozialdsmokrakeu im leisten Augenblick abgelehnt worden? Angeblich wegen der Befürchtungen tn bezug auf die A r- beitslosenversicherung. Erst die nächsten Monate weiden darüber Aufklärung bringen, was die Sozialdemokraten veranlaßt hat, damals aus der Regierung zu gehen. Sicher ist das e'ne, daß der Schritt, den die Reichetagsfraktion gemacht hat, nicht von der Sozialdemokratischen Partei gebilligt wurde. Run wird es Außenstehende verwundert haben, daß gerade nach der Kabine ts- bildung sich schlagfertig eine scharfe Agitation der SPD-Presse zeig e. Die Sozialisten hatten sichtlich ein Interesse daran, die Fehler der Politik der eigenen Fraktion durch Angriffe gegen die übrigen Parteien möglichst vor den eigenen Wählern zu verdecken. Die SBD�Prefse hat das aber in einer Form und in einem iaamaß getan, das mit der Wahrheit oft auf stärkstem Kriegsfuß stand. Es ist mir nicht leicht geworden, die Führuirg zu übernehmen, denn ich wußte, welch ein schwieriger Weg für die Zukunft zu gehen ist. Es geht nicht mehr so weiter, daß die Regierring aus mancher- lei Schwierigkeiten heraus nicht mehr die Politik macht, sondern daß die Polüik in den Fraktionsverhandlungen gemacht wird. Eine Regierung muß den Mut haben zu führen und ent- schlössen sein, mit allen Mitteln dafür einzutreten, daß das zur Rettung des deutschen Volkes als notwendig Erkannte auch tatsächlich parlamentarisch durchgeführt wird. Der Blick des deutschen Volkes, der vorher nach dem Westen ge- richtet war, muß sich nunmehr dem Osten zuwenden: wir haben zunächst den Wiederaufbau der sehr schwer daniederliegenden Landwirtschaft im deutschen Osten im Auge. Man kann nicht mit kleinen Summen Helsen, sondern man muß schrittweise die Wirtsihoft des deutschen Ostens wieder ausbauen. Das Agrar- Programm ist der neuen Regierung von den Deutschnationalen nicht ausgezwungen worden! Wie ungeheuer verschuldet die östliche Landwirtschaft ist, wisien all«. Es gilt, Maßnahmen zu treffen, die eine solche katastrophale Auswirkung verhindern, und es gilt weiter, zu einer Sanierung des gesamten Grundbesitzes Im Osten zu kommen. Die Förderung der Neu- und Anliegerstedlung muh hierzu mithelfen. Es kommt darauf an. daß wir im Osten die Bevölkerung nicht nur erhalten, sondern oergrößer nundver- mehren, damit gleichzeitig der nötig« Absatzmarkt für die östliche Industrie geschaffen werden kann. Die gesamte gesetzgeberisch« Aktion muß in den Rahmen eines weitzielenden Pro- g r a m m s für die nächsten Jahre hineingestellt werden. Wir müssen auch zu einer Gesundung der kommunalen Finanzen kommen. Di« Erwerbslosenfrage werde die neue Reichsregierung ganz besonders beschäftigen. Sie werde eine Reihe von Mahnahmen zu treffen haben, um den Arbeitsmarkt, vor allem den Baumartt, in Gang zu bringen. Dazu gehöre vor allen Dingen die Aufhebung der Sspitalertragsstsuer für die festverziuslicheu Papiere, die den Zweck haben, billige Pfandbriefzinsen und damit billige chypothekenzinsen herbeizuführen. AnderKontinuitätunsererchandelspolitik müffe unbedingt festgehalten werden. Desgleichen habe das Reichskabinett den deutsch- polnischen chandelsvertrag verabschiedet. Auch an das große Problem der Erwerbslosenver- sicherung müsse das Reichskabineit jetzt herongeheir. Es sei zu- nächst auch in diesem Sommer mit einer erheblich höheren Erwerbs- losenziffer als in den vergangenen Jahren zu rechnen. Kapital sei ober nicht vorhanden, da für langfristige Anlagen das Vertrauen fehle. Es müsse deshalb eine sparsame Finanzpolitik ge- macht werden, damit das Vertrauen zurückkehre. Das zwinge vus aber noch, für die Erwerbslosen oerstcherung in diesem Jahre erheblich höhere Mittel auszubringen. Der Reichskanzler hob zum Schluß hervor, in Welchsr fchwierl» gen Lage sich das Kabinett angesichts der scharfen Opposition der Rechten und der Linken befinde. Entscheidend ist, im Parlament nicht zu gestatten, der Verant- Wartung auszuweichen, sondern es zu zwingen, die Verantwortung zu übernehmen.(Lebhafter Beifall.) Ich bin überzeugt, daß der Pessimisnms gegenüber dem Parlament nicht wachsen wird, son- dern ganz im Gegenteil, der Glaube an das Parlament wird wachsen, und das brauchen wir, um wieder gesunde Ver- hällnisse herbeizuführen. Die verwerfliche Agitation von rechts und links kann man am besten dadurch beseitigen, daß man ganz klare parlamenta- rische Verhältnisse herbeiführt und die Parteien zur Verantwortung zwingt. Es geht nicht an, daß immer die Mittel- Parteien gezwungen sind, allein einspringen zu müssen. Ohne parla- mentarische Verantwortung ist es nicht möglich, zu einer Gesundung der Verhältnisse zu kommen. * Herr Brüning beschwert sich über die scharfe Opposition der Sozialdemokratie. Die Schärfe der Opposition ist be- gründet durch die Taten der Regierung Brüning. Worin be- steht im wesentlichen die Agitation der Sozialdemokratie gegen das Kabinett Brüning? In der Aufzählung seiner Taten und in der Enthüllung der M e t h o d e n, mit denen dies Kabinett Mehrheiten und Beschlüsse zusammenbringt. Es sind die eigenen Taten und die Selbstzeugnisse aus dem eigenen Lager, die Herr Brüning so schmerzhaft emp- findet. Daß über seinem Kabinett unauslöschlich das Wort des Herrn Schlack steht:„Das reaktionärste Kabi- nett seit der Revolution"— das ist seine eigene Schuld! Die Arbeiten der GAL. Zwei Kommissiorsberichie fertiggestellt. Von den in Berlin gegenwärtig arbeitenden Kommissionen der Sozialistischen Avbeiterinternational« haben bisyer zwei ihre Arbeit beendet, die Kommission für die Kriegsgefahr im Rahen Osten, die unter dem Vorsitz von Friedrich Adler tagt«, und die Kommission für die A b r Ü st u ng s f r a g e n deren Tagung A l b a r d a- Holland präsidierte. Die Berichte beider Kom- Missionen werden der Sonntag beginnenden Tagung der Exekutive der SAJ. vorgelegt werden. cheute nachmittag tritt unter dem Vorsitz von Bandervelde das Büro der SAJ. zusammen. Kn'ck provozieri. Hefiige Angriffe gegen Groener. Gokha, 9. Mai.(Eigenbericht.) Anläßlich der bevorstehenden Stadtverordneten- wählen in Gotha hielten die Nationalsozialisten hier am Frei- tag abend drei Kundgebungen ab. zu denen sie Anhänger aus ganz Thüringen kommandiert hatten. In einer der Versammlungen sprach der Putschist und thüringische Vollsbildungsminister Frick. Er griff insbesondere den früheren Reichsinnemninister Severin g und den Reichswehrmimster G ro e n« r wegen ihres Kampfes gegen nationalsozialistische Einflüsse In der Polizei und Reichswehr heftig an. Wenn man demnächst in Thüringen in der einen oder anderen Stadt Nationalsozialisten zu Polizeidirektoren ernennen würde, würde man sich von Berlin nicht hineinreden lassen. Alles Uebel komme von der Reichshaupt- st a d t, wo man eine geradezu schamlos« Tributpolitik treibe. Die Nationalsozialisten hätten es gar nicht notwendig, die Verfassung zu stürzen. Dies geschehe von allein, und dann wür- den die Nationalsozialisten ihre Macht antreten. Sehr zu begrüßen seien die Neuwahlen in Sachsen, damit dort die Narionalsozialisten ans Ruder gelangen würden und man dann durch «inen mitteldeutschen Block, gebildet durch Thüringen und Sachsen, in Berlin mehr noch als bisher«in entscheidendes Wort mitreden könne. Drufag-Verhandlungen in Moskau. Direktor D i t t l o f f von der deutschen D r u s a g- Konzession m Rußland, der seit einiger Zeit zur Leitung der Frühjahrs» saatkampagne im Konzessionsgebiet weilte, ist in Moskau ein- getroffen, um mit der Sowjetregicrung über die Wetterführung des Konze ssionsbetrieb es zu verhandeln. Gefahr im Osten! Ist ein polnifch-russifcher Krieg möglich? Von Voltx 2ov1olls, �ulleointQlstor a. v., Riga. Mit Ausnahme der italienlsch-französischen Beziehungen weisen die internationalen politischen Verhältnisse in West- europa für die n ä ch st e Zukunft eine Tendenz zur Stabilität und zum Frieden auf. Aber wenn wir die Verhältnisse in O st europa betrachten, so sehen wir— trotz des äußeren Friedens— eine Situation der Unsicherheit und sogar der Kriegsmöglichkeiten. Und dieser Frage muß das gesamte internationale Proletariat die größte Aufmerksam- keU zuwenden, weil der europäische Krieg von 1914 nicht nur die großen imperialistischen Gegensätze der Weststaaten als Ursache hatte; eine gewisse historische Rolle haben auch die nationalen und politischen Gegensätze in Südosteuropa(Bal- kan) mitgespielt. Gegenwärtig stehen im Zentrum des osteuropäischen Friedens und auch der Kriegsmöglichkeiten die polnisch- russischen Divergenzen. Weder Rußland noch Polen sind iistperialistische Staaten im Sinne der ökonomi- schen Expansionsnotwendigkeiten zum Verkauf von Waren und Anlage des Kapitals in ausländischen Gebieten. Und doö) bestehen politische Gegensätze zwischen diesen Staaten, die in einer gewissen Situation einen'Kriegskonflikt auslösen können. Die Grenzen Polens, die im Jahre 1921 im Rigaer Friedensvertrag zwischen Polen und Rußland gezogen wur- den, gründen sich nicht auf das nationale Prinzip, wie das in den Friedensverträgen zwischen Finnland, Estland und Lett- land einerseits und Rußland andererseits der Fall war. Polen hat gewisse größere fremdftämmige Gebiete, die uon Weißrussen und Ukrainern bewohnt sind, eingegliedert. Diese Grenze als, solche ist dennoch nicht eine Ursache der Kriegs- möglichkeiteil. zwischen dem kommunistischen Rußland und Polest. Die Frage der Revision der Ostnrenze Polens würde eher ein n i ch t k o m m u n i st i s ch e s Rußland auf-. werfen und womöglich mit Waffengewalt Korrekturen fordern. Und trotzdem sind in den Beziehungen zwischen Sowjet» rußland und Polen wichtig? Momente, die zum Kriege führeir können. Beide Staaten werden diktatorisch regiert, wobei die Diktatur sich im Grunde auf Militärmacht stützt.: Die öffentliche Meinung ist als Friedensfaktor ganz oder teil- weise ausgeschaltet, und über Krieg und Frieden entscheiden kleine Gruppen von Männern, in deren Mentalität sehr stark das Moment des inneren und äußeren Prestige mitspricht und nicht die realen Interessen der Nation ausschlaggebend sind. Die M a ch t p o l i t i k, die militärische Denkart hat ihre innere Logik, die zu gewissen Aktivitätskonsequenzen treibt. Das Entstehen des europäischen Krieges hat das zur Genüge bewiesen. Betrachten wir kurz das machtpolitische Denken der ausschlaggebenden politischen Faktoren Sowjetrußlands und Polens und die konkretenMöglichkeiten und deren Auswirkun- gen. Die machtpolitische Denkart der Sowjetherrscher ist be- kannt. Im Prinzip ähnelt sie derselben Methode, die in der großen Französischen Revolution große äußere Kriege aus- löste:„A.pporter avec les bayonnettes au Monde la' libertd, l'egalite et la fraternitd"(,Lkn der Spitze der Bajonette der Welt die Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit bringen.") In den ersten Iahren der bolschewistischen Revo- lution, als die realen Möglichkeiten der Weltrevolution mehr oder weniger unklar waren, war auch diese Methode der Weltreöolutionsmacherei mit Machtmitteln eine Bedrohung des Friedens seitens Sowjetrußlands. Gegenwärtig, wo für jeden, auch für die Kremlherrfchsr, klar ist oder klar sein sollte, daß in Westeuropa die sozialpolitischen Verhältnisse sich soweit stabilisiert haben, daß eine Weltrevolution im bolschewistischen Sinne ausgeschlossen ist, ist auch eine aktivistische Kriegspolitik der Sowjetherrscher gegenüber West- europa bzw. gegenüber seinen westeuropäischen Nachbarn (baltischen Staaten und Postl.) nicht realpolitisch möglich. Ein Spielraum für die Auswirkung einer bolschewistischen Unter- stützung der Revolution— wenn auch nichtkommunistischer Revolution— und indirekten Intervention ist wohl frei- geblieben, nämlich in Asien, hauptsächlich in Indien. Die tiefe wirtschaftliche Krisis, die Sowfet» rußland aus verschiedenen Gründen gegenwärtig erlebt, ist eine Ursache zur Abschwächung der außenpolitischen Macht- aktivität Rußlands. Mehr noch. Das gesamte wirtschaftliche Leben Rußlands ist— hauptsächlich durch die unvernünftige Agrarpolitik— gründlich zerrüttet, was in der Ber- sorgung der Städte mit Nahrungsmitteln zum Ausdruck kommt. Die Beziehungen zwischen Land und Stadt, zwischen Bauern und Arbeitern sind nicht nur gelockert, sondern in einen tiefen Gegensatz geraten. Ernste Bauernunruhen, hauptsächlich in der Ukraine, sind durchaus nicht aus- geschlossen, sondern vielleicht sehr möglich. Die Triebkraft zu aktiven Unruhen in der Sowjet- Ukraine ist nicht nur die Unzufriedenheit der Bauern mit der Wirtschaftspolitik der Kommunisten, sondern es spielt auch eine gewisse Rolle der nationale Degensatz zwischen den zentrifugalen Tendenzen der Ukrainer und den zentralisierenden Tendenzen der Moskauer Machthaber. Und wenn in der Zukunft eine mehr oder weniger ernste Revolte der ukrainischen Bauern auflodert, so kann das seinen Wider- hall auch außerhalb Rußlands finden. Werden in solchem Falle die polnischen Ratio» nalisten und Militaristen ruhig und neutral bleiben? Meiner Auffassung nach— nicht! Damit will id) nicht sagen, daß im Falle der Unruhen in der Ukraine die polnischen Machthaber sofort mit einem Krieg gegen Rußland h s- fchlagen werden. Aber eine Situation des Aufstandes in der Ukraine ist für die polnischen Nationalisten zu verlockend, um nicht mindestens indirekte Unterstützung durch Geld, Waffen und„Freischärler" zu gewähren. Es ist doch bekannt, daß die Idee Groß Polens recht starke Anhänger in Polen hat und gerade bei recht „starken Männern". Man muß zugeben, daß— vom rein militärischen und machtpolitischen Standpunkte aus de- trachtet— die militärisch-politische Sicherheit der Zukunft Polens noch sicherer ist, wenn Rußland geschwächt ist und wenn die politisch-strategische Lage Polens im Osten noch stärker als gegenwärtig ausgebaut wird. Das Selbständigwerden der Ukraine— und wenn möglich, ein politisch-militärischer Bund zwischen Polen und Ukrame— ist eine solche Schwächung Rußlands und eine solche machtpolitische Stärkung Polens in Ost- europa und in Europa überhaupt. Dadurch ent- steht die Möglichkeit der Unterstützung der ukrainischen Na» tionalisten durch Polen, die von Rußland tatsächlich als Pro- vokation aufgefaßt wird und die Situation bis zur K r i e g s- Möglichkeit zuspitzt. Andererseits— zur Stärkung der militärisch- politischen Lage Polens an der Ostsee— dienen auch gewisse Tendenzen oder Ideen der gewaltsamen Ein- beziehung von Litauen auf die eine oder andere Weise in die Zoll- und Militärgrenze Polens, wodurch Polen einen zweiten direkten Zugang zur Ostsee durch Memel bekäme. Das könnte als ein Ersatz für den Danziger Korridor und Gdingen dienen, falls in der Zukunft ein anderes internationales Statut für den Danziger Korridor hergestellt würde. Die Verwirklichung dieser beiden machtpolitischen Ideen ist nur durch die Methoden des Krieges mög- l i ch. Rußland als Großstaat, ob bolschewistisch oder nicht- bolschewistisch, würde nicht ohne weiteres zuschauen, wie die Machtpositionen Polens so gewaltig gesteigert werden. Eine solche Verschiebung des Gleichgewichts in Osteuropa ist nur durch den Krieg herbeizuführen. Ist diese Auffassung nicht einseitig? Sind nicht Momente feststellbar, die auf Polen friedenserhaltend wirken? Die ökonomischen Schwierigkeiten der Auslandskredite, die ungelöste Minoritätenfrage(hauptsächlich die ukrainische in Galizien!) sind tatsächlich Momente, die Polen zur Erhaltung der äußeren Ruhe veranlassen. Auch die„großen" Inter- ventionisten sind nicht so stark in Europa, wie sie es in den Jahren 1919 bis 1929 waren. StattChurchillregiert Macdonald in England. Auch die regierenden Kreise Frankreichs haben vielleicht nicht vergessen den Mise- rablen Ausgang der Intervention in Rußland von Anno dazumal. Aver anderersests sehen wir doch eine Verdichtung" der internationalen reaktionären Atmosphäre, die gerade in der letzten Zeit gegenüber dem Kommunismus und Sowiet- rüßland sich bemerkbar macht. Wie groß der politssche Ein- sluß dieser reaktionären Tendenz ist und welche konkreten politischen Ziele sie hat, das ist vorläufig unklar. Welche Tendenzen in Polen die Oberhand gewinnen werden, das wird die Zukunft zeigen. Wie man auch die konkreten Möglichkeiten eines polnisch-russischen Krieges beurteilen mag, der Schlüssel zur Erhaltung des Friedens in Osteuropa liegt in der gegen- wärtigen Situation in den Händen Polens. Es besteht zwar die begründete Hoffnung, daß jener hier ge- schilderte offene Konflikt nicht ausbricht, aber man muß dennoch sich die unabsehbaren Konsequenzen für ganz Europa vergegenwärtigen, wenn er dennoch ausbrechen sollte. Auf diese Folgen für Europa will ich hier nicht näher eingehen. Es ist klar, daß ein solcher Krieg große Konse- quenzen für Deutschland und die baltischen Staa» t e n nach sich ziehen muß, wie im ökonomischen so im politi- schen Sinne. Im Falle des polnisch-russischen Krieges würde die Situation der baltischen Staaten eine recht schwierige, hauptsächlich die Lettlands, das der Nachbar Rußlands, Polens und Litauens ist. In Anbetracht der Möglichkeit eines jhneges zwischen Polen und Rußland hat die lettische Sozialdemo- k r a t i e immer jede politische Bindung Lettlands an Polen scharf bekämpft, um Lettland nicht in die Gegensätze und möglichen Konflikte Polens mit seinen Nachbarn(Rußland, Litauen, Deutschland) hineinzuziehen. Uns ist es auch ge- lungen, diese Politik im Parlament durchzusetzen. Es besteht weder«in militärischer noch ein politischer Vertrag Lettlands mit Polen, der die Politik Lettlands in irgendeiner Weise bindet. Und ich denke, daß die lettische Sozialdemokratie so stark sein wird, um eine strikte Neutralität im Fall seines polnisch-russischen Krieges durch- zusetzen, auch dann, wenn man den � 16 des Völkerbundstatutes als ein Mittel zum 2lnlaß des Heraustretens aus der Neutralität nehmen würde. Unsere politischen Bestrebungen haben als Ziel, wenn es zu erreichen möglich wäre, eine international, in erster Linie von Rußland, Deutsch- land, England und Frankreich garantierte Neutra- lität Lettlands. Truppenbewegungen an der polnisch-russischen Grenze. Ivilaa, 9. Mai.(Eigenbericht.) An der polnifch-sowjetrussischen Grenze«rfolgen seit einigen Tagen groß« Umgruppierungen der sowjet- russischen Truppen. In der letzten Woche sind etwa 20 000 Infanterie-, Kavallerie- und Artilleriesoldaten in das Grenzgebiet befördert morden. Angeblich stehen die Truppentransporte mit Manövern der russischen Armee in Verbindung, die Mitte Mai stattfinden sollen. Die erste Bankrotterklärung. Schiele kam, sah und siegte— nicht! Seit Herr Schiele an. der Regierung ist. lobt ihn die Agrarier. presse täglich über den Schellenkönig. Das gehört zum Geschäft. Als die Börsenpreise für Agrarprodutte nach den Zollechöhimzen in die Höhe kletterten— anfangs war auch der Roggen dabei, aber nur anfangs— da wurde verkündigt, daß endlich der richtige Mann richtig« Politik mache. Di« Erfahrungen der Vergangenheit, daß mit Zöllen bisher noch sehr wenig ausgerichtet wurde, waren sehr schnell vergessen. Nun ist Schieles ganze Zoll- und Einfuhrscheinpolittk nur des- halb eine lückenlose Agrarzollpolltik, well in erster Linie dem Haupt. Produkt der Junker, das ist der Roggen, zu höheren Preisen verholfen werden sollt«. Der Roggenpreis klettsrte auch, da die Spekulation der Getreidehändler immer auf psychologisch« Momente reagiert, zunächst um etwa 29 Mark aus rund 165 Mark in die Höhe. Natürlich war es noch lange nicht der Preis von 239 Mark, den sich Herr Schiele zum Ziel gesetzt hat. Za den letzten Tagen ist e» aber wieder sehr viel schlechter ge- worden, und der Roggenpreis ist andauernd im Sinken. Die ganze ungeheuerliche ZollerhShung und Verteuerung der Ein- fuhrscheine mit ihren großen neuen Lasten für den Staat scheint also umsonst zu sein. Dazu kommt jetzt die deprimierende Tat- fache, daß der deutsche Landwirtschastsrat zum 15. April noch Roggenvorräte oei der Landwirtschaft im Betrage von nicht weniger als 2 Millionen Tonnen meldet. Für den Schluß dieses Ernte- jahres rechnet dt«„Deutsche Getreide-Zeitung" mit Beständen von 799 909 Tonnen oder 299 999 Tonnen mehr als vor einem Jahr. Der„Deutschen Tageszeitung' ist angesichts dieser Dinge vor dem Zorn der Junker bange geworden und sie sucht die Junker zu beschwichtigen. Es sei für Herrn Schiele keineswegs so einfach ge- wesen, nach dem allten Römerspruch nur einfach zu kommen, zu schen und zu siegen. Erst wenn der gesamt« Roggen. markt bereinigt sei, könne sich die Mission Schieles auswirken. Es wird also zugegchen, daß die ganze Zollatlio« für dieses Jahr vollständig umsonst ist. Zugleich wird der liebe Gott gebeten, daß die neu« Ernte nur sa nicht gut sein möge. Nachdem nun alles nichts genützt hat, um den Junkern die erwünschten hohen Roggenprelse zu schaffen, denkt man an neue Auskunstsmittel und an neue gesetz- geberische Maßnahmen. Natürlich macht man nicht das Eingeständnis, daß die Zoll- und Einfuhrscheinpolitik nutzlos war. sondern man klagt jetzt den Konsumenten an, daß er seine Ernährungsweise nicht so umgestellt hat. daß durch größeren Roggen- verzehr die Roggenpreife steigen konnten. 3ehl wird der einheitlich von allen Relchskagsgroppen abgelehnte Beimahlungszwaag vom Roggen zum Welzen verlang» und er- klärt, daß man bei der bösartigen Einstellung der Konsumenten. nicht einfach ohne weiteres mehr Roggen stolt Weizen zu essen, „im volkswirtschaftlichen Interesse zu gesetzlichen Rlaßnahmcn" greifen muh. Was hier vorliegt, ist die erste Bankrotterklärung für die «chielesche Zollpolitik, und zwar durch das Leibblatt Schieles selbst Es ändert sich nichts daran, daß dem Roggcnprolnem in Deutschland mit zollpolitischen Maßnahmen nicht begegnet werden kann, sondern nur durch Umstellung der Produktion und durch Der- ringerung des Roggenanbaues. Sozialismus am Aufbau. Oer Jahresbericht der Sozialdemokratie. ReichskuWclt und Tariferhöhung. Das Reichs kamnett wird sich in seiner Sonnabendsigung mit der vorgeschlagenen Tarif- crhöhung bei der Reichsbahn bcschöstigcn. Slaalssckrelä? Dr. Schmid hat am Freitag voimittag. seine Tätigkeit im Mimsterium jür die besetzten Gebiete wieder ausgc- nonmien. Vor uns liegt ein umfangreiches Buch, rund 528 Seiten stark. Es enthält eine Reih« von Bildern im Tiefdruckverfahren, im wesent- liehen aber anscheinend trockene Berichte und Tabellen. Es ist das Jahrbuch der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands für 192 9. Ein Tätigteits. und Rechenschafts- bericht, wie er alljährlich herausgegeben wird und wie er doch in dieser Form einzig im deutschen Parteileben dastehen dürfte. Für seden politisch, wirtschaftlich oder gewerkschaftlich tätigen Parteigenossen enthält dieser nüchterne Band eine Fülle des Materials, das in seiner Vielgestoltigkeit kaum zu übertreffen ist. Schon der Bericht der R e i ch s t a g s f r a t t i o n, der die politischen Ereignisse der letzten Zeit urkundlich belegt und in lebens« frischer Form abhandelt, führt mitten hinein in die Reihe der Probleme, die tagtäglich neu auftauchen und aufs neue bewältigt werben müssen. Daneben aber geben Berichte der Län-der- f r a t t i o n e n tiefe'Einblicke in-die politischen Fragen,' die unsere nych immer bestedevd«n�Einz?lfta.qten bewegen...______ Von besonderem Interesse jedoch ist der umfangreich« Bericht des Partei vor st arides über di« Organisation der deutschen Sozialdemokratie. Ein flüchtiger Blick in diese Darlegungen und Tabellen zeigt ihre ungeheure Lebenskraft, di« umfassende Organisations» und Werbearbeit und di« immer weiter greifende kulturelle Auswirkung dieses einzigartigen politischen Werkes. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich mehr als nur eine Pflichtleistung beruss- mäßiger Funktionäre. In ihnen kommt das ungeheure Maß vom Idealismus getragener Slclnarbeit zum Ausdruck, das unsere Parteigenossen in Stadt und Land, in industriellen und agrarischen Gebieten mit gleicher Lieb« oerrichten. Am Schlüsse des Jahres zählte die Partei nicht weniger als 1 021 777 Aillglleder. Dos bedeutet gegenüber dem gleichen Termin des Vorjahres einen Zuwachs von 84 416 Mitgliedern. Die Gesamtzahl tellt sich in 893 442 Männer und 218 335 Frauen. Schon aus dieser Ziffer ist die Stärke des o r g a n i s a t o- risch e n Aufbaues zu erkennen. Noch mehr aber und genauer aus den Einzelzahlen, die die Bezirksorganisationon mitteilen. Das Netz der politischen Gruppen der Sozialdemokratie umfaßt insgesamt 33 Bezirksorganisalionen mit 9544 Ortsvereinen. Nicht weniger als 628 Ortsvercine wurden in dem vergangenen Jahre neu gegründet. Unter den Bezirken steht Thüringen mit 561 Ortsoereinen an der Spitz«. Ihm folgt Franken mit 511, Brandenburg mit 482, Hannover mit 468 und M o g d e- bürg mit 494 Ortsvereinen. Der Bezirk Groß- Berlin zählt 143 Abteilungen, die organisatorisch ungefähr di« Aufgaben der sonstigen Ortsvereine erfüllen. Die niedrigste Zahl der Ortsoereine hat der Bezirk Oldenburg mit 88. Etwas höher steht noch N i e d e r r h e i n mit 101 und O b e r s ch l e s i e n mit 126 Orts- oereinen. Betrachtet man die Zahl der Parteimitglieder, so sieht an der Spitze der Bezirk Hamburg mit 72585, ihm folgt Berlin mit 67 957, Schleswig-Holstein mit 55 278, Magdeburg mit 55 229, Dresden m>t 54 842, Franken mit 54 395, H a n- n o v e r mit 47 421. Thüringen mit 43 442, Breslau mit 43 989 und Leipzig mit 41491. Die übrigen Bezirke bleiben unter 49 999 Mitgliedern. Ebenso lehrreich wie diese Zahlen, die gewissermaßen das äußer« Gerippe der politischen Organisation darstellen, sind die Angaben über die Kassenverhältnifle der Partei. Gerade in diesen Tagen, da die Finanzsanierung im Reiche zum Tagesgespräch geworden ist,«scheint ein Blick auf die finan- zielle Fundierung der Sozialdemokratie von besonderem Reize. Es muß immer und immer wieder darauf hingewiesen werden, daß den Grundstock aller Einnahmen der Partei die Beiträge ihrer Mitglieder bilden. Der regelmäßige Wochenbeitrag beträgt in den meisten Bezirken für Männer 29 Pf., für Frauen 19 Pf. Daneben wird vierteljährlich ein besonderer Bei- trag für internationale Zwecke im Betrage von 15 Pf, erhoben. Läßt man diesen letzteren außer Betracht, so ergeben di« r e g e l- mäßigen Wochenbeiträgc von Männern und Frauen zu- sammcn in den Jahren 1926........ 4 542 800,84 M. 1927........ 5 359 708,70 M. 1928........ 6 522 992,49 M. 1929........ 7261 604,55 w. Wo ist in Deutschland eine politische Organisation, die in gleicher Weise nur von Beiträgen ihrer Mitglieder solche Summen lausend zur Verfügung hätte? Wo ist die Partei, die überhaupt so offen und ausführlich über ihre Organisation und Finanzen berichten kann. Die meisten der politischen Parteien leben kümmerlich von gelegentlichen großen Gnadenbciträgen, die Industrielle, Kauflevie, Bankiers und andere zahlungsfähig« Personen chncn für Wahlzweck« zur Verfügung stellen. Die Herren„Generalsekretär«' dieser Par- teien müssen ebenso wie ihre..Wahlkreisgeschäftsführer' unter Schwenkung des roten Lappens Bettelbriefe schreiben und Bettelbesuche bei den Geldgebern machen, um nur das Not- dürftigste für ihre Wahlfonds zusammenzubringen. Die Sozial- demokratie aber, deren Mitglicderzahl sich hauptsächlich aus den Kreisen der Arbeiter, Angestellten und Beamten zusammensetzt, bringt in.. regelmäßiger Beitragszahlung dieser ZMMoneumllglledschaft die iSeäier auf, die sie gegen alle politischen Üeberraschungen sichert. Man begreift, mit welchem Schauder die bürgerlichen Parteien an die Möglichkeit unvorhergesehener Reichstagswahlen denken, wäh> rend die Sozialdemokratie dank ihrer Organisation und der Opfer- freude ihrer Mitglieder in jedem Augenblick bereit ist, in den Wahlkampf einzutreten! Es ist selbstverständlich, daß die Deitragszahlen nicht samt- l i ch e Einnahmen der Partei umsaßt. Daneben laufen noch erhöhte regelmäßige Sonderbeiträge. die in sehr vielen Bezirken von zahlungsfähigeren Parteigenossen erhoben werden, Sammlun» gen und sonstige Einnahmen(Ueberschüsse der Parteigeschäfte u. o.). Die Ausgaben der Partei, die den Einnahmen entsprechen. erfolgen hauptsächlich durch die Bezirk« selbst. Die Ausstellung über die Kossengebarung der Bezirksorganisationen ergibt, daß im Jahre 1929 olchk weniger als 10 045 200 M. auf diesem Wege verausgabt wurden, davon allein 1 476117 AI. für Wahlen und 2 7S0 7S0 Rl. für sonstige Agitation. An den parteivorstand wurden abgeliefert 1 469 468 M. Dabei Wieb in den Sassenbestönden der Ortsoereine und der Bezirksvcrbände noch eine Gesamtsumme von rund 975 000 Rl. Entsprechend dieser inneren Festigung der Partei, der treuen Mitaibeit jedes ihrer Mitglieder, ist auch der Einfluß der Sozialdemokratie in den öffentlichen Körperschaften, den Institutionen der Republik. Sie hat Vertreter in den Par- la m e nt« n: Neben diesen rein parlamentarischen Perireiern zählt di« Sozialdemokratie 445 Provinziallandtagsabgeordnet«. 353 besolde!« Slädträte, 947 Bürgermeister, 1199 Gemeindevorsteher, 4278 Kreis- tagsabgeordnet«, 9957 Stadtverordnete und 37 799 sonstig« Ge- meindevertrcter! So ist die Partei durch ihre Funktionäre in allen Einrichtungen de» öffentlichen Lebens vertreten. Di« Spuren ihrer Arbeit sind nicht zu verwischen, und man begreift inmier deutlicher den Haß der Hugenberg-Garde und ihrer Trabanten gegen die„marxistische Verseuchung' der gesamten Republik! Ist doch das Wirken der Sozialdsinokratie nicht allein gerichtet ouf die Reichspolitik und was mit ihr zusammenhängt, vielmehr ouf die Vertretung sozialistischer Gedanlengänge in allen Körperschaften össentlicheii Rechts. Jeder unserer Parteigenossen, ob Oer torpedierte Kreuzer. Enthaltsamkeit ist das Vergnügen An Dingen, welche wir nicht kriegen, gsuh. Busch) Grand« über Italiens Außenpolitik Debatte im italienischen Parlament.— Angriffe auf Frankreich. Mann oder Frau, ob alt oder jung, wird beim Anblick dieser Jtchle» ein Gefühl des Stolzes und der inneren Genugtuung empfinden, daß er mitwirken konnte an der Ausbreitung unserer Ideen und an der Stärkung unserer Organisationen, die deutliche Zeichen für die Machtentwicklung des Sozialismus sind. Aber in dieser Orgam'satwn und in den parlamentarischen Vertretungen erschöpft unsere Krastentsallung sich nicht. Daneben bestehen die zahlreichen Sondereinrichtungen der Partei, die auf Spezialgebieten fruchtbringend« Arbeit leisten. Wir erinnern nur an das umfassende Bildungswesen, an die Tätigkeit des Sozialistischen Kulturbundes, an die erfreuliche Eni- wicklung der Sozialistischen Arbeiterjugend und der Arbeits- gemehrschaft der Kinderfreunde, an die Zusammeirfasiung kommunalpolftischer Arbeft in der Zentralstelle für Kommunal. Politik, an die Buchverlage und den wachsenden Einfluß der Partei- presse. Rechnet man dazu die innige Zusammenarbeft der Sozialderno- kratie mit den Gewerkschaften, den Genossenschaften, der Arbeiter- sportbewegung und den Nebeneinrichtungen dieser Organisationen. so ergibt sich eine so tiefe Verwurzelung der Parket in der deukscheu Arbeiterwell und im gesamten öffentlichen L«ben, daß sie für sich schon ein« erhebliche politische Macht und damit, um Laffalles Wort zu ge- brauchen, ein wesentliches Stück Verfassung darstellt. Der Rechenschafts- und Tätigkeitsbericht, der hier kurz besprochen wurde, sollte von jedem unserer Parteigenossen eingehend studiert und oerwertet werden. Er gibt jedem von ihnen das stolze Bewußt- sein, Mitglied einer umfassenden und unzerstörbaren Bewegung zu sein, die chren Weg gehen muß, allen Fußangeln und Gegenströmungen zum Trotz, die unüberwindlich ist, weil sie, tief im Volke verankert, aus dem Leben des arbeitenden Volkes ihre Kraft zieht, Wahrerin der Volksrecht« in der Gegenwart und Bahnbrecher in die Zukunft zu gleicher Zeit sein darf! -12 Millionen Gtaatsreniner? Maßlose deutschnationale llebertreibungen. Im Haushaltsausschuß des Reichstages hat der deutsch- nationale Abgeordnete Dr. Reichert am Freitag behaup- tet, Deutschland unterhalte gegenwärtig ein cheer von zwölf Millionen Staatsrentner. Das ist selbstoerständ- lich eine durch nichts gerechtfertigte Uebertreibung. Sie ent- hält nicht nur Doppelzählungen, sondern auch die Angehöri- gen. Ja, sie zählt sogar die Beamten von Reich, Ländern und Gemeinden mit, obwohl sie doch wie alle übrigen Beschäftigten ihr Gehalt nur für ihre Arbeitsleistung erhalten. Will man feststellen, wie groß die Zahl der ohne Gegen- leistung aus öffentlichen Mitteln unterstützten Personen ist, so muß man von den Zahlen der Sozialversicherung ausgehen. Sie ergeben, daß in der II n f al l-, Invaliden», Angestellten- und Knappschaftsoer- s i ch« r u n g 4 849 000 Renten gezahlt werden. Da aber häufig mehrere Renten in einer Person zusammentreffen, so ist die Zahl der Empfänger geringer als die Zahl der Renten. So erhalten z. B. von den Bergleuten, die wegen ihrer Un- fähigkeit zur Untertagearbeit Pensionen beziehen. 61 Proz. zugleich Invalidenrenten und 2,6 Proz. auch Unfallrenten. Die Bergmannswaisen erhalten fast alle Waisenzeld aus der KnappschastsoersicherunZ und aus der Inoalibenversichernng. Doppelrenten entstehen auch sonst im Verhältnis zwischen Invaliden- und Unfallversicherung. Das gleiche ist der Fall bezüglich der Invalidenversicherung und der Krankenversiche- rung Die wirklich« Zahl der Rentenempfän- gerinderSazialversicherungistdeshalbge- ringer als vier Millionen. Zu dieser Zahl kann man bestenfalls noch die Empfänger von Arbeitslosenunterstützung, Krifenunter- st ü tz u n g und Wohlfahrtsunterstützung der Ge- meinden hinzurechnen. Sie betragen gegenwärtig in der Ar- beitslosenoersicherung 1,7 Millionen, in der Krisenfürsorge 300 000, zu denen noch rund 230 000 Wohlfahrtserwerbslose hinzukommen. Insgesamt sind das 2250000 Erwerbs- lose. Betrachtet man diese Zahlen, so erkennt man bereits. wie unberechtigt es ist, davon zu sprechen, daß die deutsche Wirtschaft ein fjeer von 12 Millionen Staatsrentnern unterhalten muß. Eine solche Behauptung, die von den ununter- richteten Kreisen des Inlands und des Auslandes als Beweis für beispiellose Verschwendung angesehen werden muß, ist lediglich geeignet, das Ansehen und den Kredit Deutschlands auf das schwerste zu gefährde m Das preußische Oefizii. Deckung durch Erhöhung der GrundvermögenSfleuer. Die Zentrumsfrotfion des Preußischen Landtages hielt am Freftag nachmittag«in« mehrstündige Fvaltionssitzung ab, um di« Frag« der Deckung des Fehlbetrages im preußischen Haushalt in Höhe von 100 Millionen zu erörtern. Finanzminister D r. H ö p k« r- A s ch o f f hielt zu Beginn der Sitzung«inen Dortrag, um den Bor- schlag der Regierung zu präzisieren. Stach Schluß der Zentrumssitzung begaben sich die Beauftragten der Fraktion in die interfraktionell« Sitzung, die um 1814 Uhr begann imd sich bis gegen 20 Uhr hinzog. Das Zentrum erkläri« seine Bereitwilligkeit, grundsätzlich auf den Boden des Borschlages des Finanzministers zu treten� den Fehlbetrag durch Erhöhung der Grundsteuer auszugleichen. Es wird durch den Dorschlag auch ein angemessener Schullasten- ausgleich ermöglicht. Das Zentrum iordert«. daß Sicherungen gegeben werden. daß der aus besitz keine Mehrbelastung erfährt. Die Beratungen wurden noch nicht abgeschlossen. Ein« Annäherung der Meinungen wurde jedoch erzielt. Sonnabend nach- inittog 2 Uhr wird abermals eins interfraktionelle Beratung statt- finden._ Fricks Haßgebete. Weimar, S. Mai.(Eigenbericht.) In der Freitagsitzung des 5>aushaltsausschusses des Thürin- gifchen Landtags wurde der Putschist und Bolksbildungs- minister Fr ick von den sozialdemokratischen Vertretern nochmals wegen seiner volksfeindlichen Gebete festgenagelt. Auf eine sozial- demokratisch« Anfrage, was er unter den Ausdrücken„Mach' uns frei von Betrug und Verrat' verstehe, versicherte Frick, er stebe zu der Auslegung der Schulgcbeto durch di« sozialdemokratische Presse. Damit gab er zu. daß seine..Freiheitegebetc' Haß- gesäng« für künftige Krieg« nnd Erziehiwgsmtttel gegen den Geist der Reichsoerfagupg sind. Seft zwei Tagen ist in der sogenannten„Deputiertenkammer' von Rom ein« außenpolitische Debatte im Gang«, die natürlich diesen Namen nicht verdient, weil es sich ja um ein rein faschistisches Parlament handelt. Diese Kundgebung ist deshalb von Interesse, weil sie unmittelbar im Anschluß an die neue i t a l i e- nische Flottenvorlagc erfolgt, die besonders in Paris große Aufregung hervorgerufen hat. Der kriegsblinde Abgeordnete Del- crolx richtet« scharf« Worte an die Adresse Frankreichs und betonte. daß Italien von seiner Paritätsforderung gegenüber Frank- reich nicht abgehen werde. Anspielend auf den kürzlich deut- schen Flottenbesuch in italienischen Häsen, der von der Pariser Presse kritisiert worden ist. wies Delcroix auf den kürzlichsn Besuch französischer Kriegsschiff« in jugoslawischen Häfen hin und sagte: Italien wünsche kein« Bündnisse gegen irgendeinen Staat, es bedrohe niemanden und sei bereit, seine Freundschaft allen zu schenken. Frankreich möge dies« aufrichtig« Bcreftschaft anerkennen, sonst würde Italien»gemäß der römischen Tradition handeln'. Spätsr�fpräch Außenminister Graadi. der über seine Haltung iöwöhl Im Hää g wie in London Bericht«stattete. Hinsichtlich der Ostreparationen rühmt, er das faschistisch« Italien, daß als erstes einen sriedlichen Ausgleich(?) zwischen den Staaten Osteuropas in Angriff genommen habe(indem es nämlich die einen gegen die anderen systematisch ausspielt und Jugoslawien von ollen Seiten planmäßig umkreist. Red.) Wichtiger waren seine Ausführungen über die F l o t t e n k o n- ferenz. Er erklärte, das Ad rüst u ng» p r obie m sei in Ler- sailles geboren und besonders im Artikel 8 der Völker- dundsfatzungen fest gelegt worden, der eine V« r p f l i ch- t u n g der Siegerstaaten darstelle, die noch«us«in« Erfüllung warte. Die englisch. amerikanisch« Einigung habe Italien zu der bedingungslosen Annahm« der Londoner Einladung v«anlaßt. Da Italien überzeugt sei, daß«in« vorhergehend« italienisch- franzö sisch« Einigung fijr den Erfolg der Londoner Konserenz eine ebenso notwendig« Borbedingung darstellt«, wie di« Einigung zwischen Amerika und England, habe Italien Frankreich zu einem Gedankenaustausch über diese Fragen oufgesordert. Trotzdem Italien Frankreich gegenüber er- klärt halle, daß es die von Frankreich für sich nach eigenem Ermessen festgesetzt« Gesamttonnenzahl ohne weiteres auch für Italien annehmen würde, habe die französisch« Reg:»- rung ausweichend geantwortet. Di« Einigung in London sei nicht endgültig, solang« die Frage der Abrüstung Italiens und Frankreichs offen bleib«. Durch Neubauten könnten Italien und Frankreich die Rüstungen der drei Vertragsmächte jederzeft beein- flussen. Italien sei bereit, die unt«brochenen Verhandlungen sofort aufzunchmen und glaube nicht, daß eine endgültige Einigung auege- schlosseu sei. Cr bereit« sich schon jetzt vor, an der allgemeinen Abrüstungskonferenz in demselben Geist« teilzundjmen, in dem es an der Londoner Konferenz mitgearbeitet Hab«. Zum Schluß erklärte Grandi, daß der Bölkerbund den g«> eigneten Boden sür die allgemeine Abrüstungskonferenz dar- stelle. Italien werde darüber wachen, daß im Rahmen des Völkerbundes alle Staaten, die großen und die kleinen, gleiche Rechte und gleiche Pflichten allen anderen Staaten gegenüber behielten. Der Völkerbund sei nicht als Verband der Sieger gegen die Besiegten aufgefaßt worden, im Gegenteil, die Sieger hätten sich selbst gegenüber sowie gegenüber den besiegten Staaten und gegenüber dem Völkerbund ganz festumrissen« Verpflichtungen übernommen. Diese Verpflichtungen warteten noch auf ihre Erfüllung. * Diese Erklärungen Brandis verfolgen offenkundig den Zweck, die eigene Isolierung, in die sich der Faschismus in d«n letzten Jahren hineinmanövriert hat, zu beenden, dafür aber Frankreich zu isqNeren. Manche Wendungen zeigen sehr deutlich das Bestreben, die Sympathien Deutschlands zu gewinnen. Indessen sind diese Ausführungen des faschistischen Außenministers zu ob» rüstungsbeflissen und zu völkcrbundfreundlich, um aufrichtig zu sein, denn der Faschismus hat sich bisher zu sehr als«in Regime der Gewalt nach innen und des Imperialismus nach außen erwiesen, als daß er«nft seinen jetzigen, fast pazifistisch anmutenden Beteuerungen Glauben finden darf. Dennoch muß man Grandi, od« vielmehr seinen Gebieter Mussolini für di« Zukunft auf bies« Rede fest na gel«. Andererseits ist es für Frankreich eine nützliche Warnung, daß Rom jo ostentativ neu« Sympathien in der Welt zu erwecken sucht. Würde die französische Regierung bei ihrer bisherige» Haltung in der Abrüstungsfrage verharren, dann würden schließlich die Freund- schaftslockrufe, die Rom nach ollen Seiten sendet, eine gewisse Anziehungskraft selbst auf solche fremden Regierungen nicht ver- fehlen, dl« dem Faschismus im Grunde tief ablehnend gegenüber- stehen. Soll Henderson vermilteln? Parls, 9. Mai.(Eigenbericht.) Der englische Außenminister Henderson, der am Donnerz» tag abend um 11.28 Uhr in Poris eintraf, hatte am Freitag mit B r i a n d eine zweistündige Aussprache Der Unterredung wird in den hiesigen politischen Kreisen groß« Bedeutung beigemessen. Ein offizielles Kommunique betont, daß die Aussprache die„schwebenden Fragen der internationalen Politik zum Gegenstand' halle und zwar„unter besonderer Be- rücksichtigung der die englisch-sranzösischen Interessen berührenden Probleme'. Darunter fällt« vor allem das neue Iloktenbauprogramm Italien« Mit einer Deutlichkeit, die nichts zu wünschen übrig lisß, hoben die französischen Bläll« in den letzten Tagen an England zwecks Intervention gegen den unverhülltm Seerüstungsvorstoß Italiens appelliert. Mit großem Eifer sucht insbesondere d« „Temps' die Gemeinsamkeit der Interessen zwischen Frankreich und England den Gefahren faschistischer Agressivität gegenüber nach- zuweisen. Von englischer Sefte ist in der Frage bisher kein Wort gefallen, das Rückschlüsse auf die Taktik, die England der italienischen Seepolitik gegenüber einzuschlagen gedenkt, erlaubt. Doch dürsten die Gerüchte zutreffen, nach denen Henderson in seiner Unterredung mit Briond die Vermittlung Englands in dem ilalieuisch-sranzösischen Konflikt angeboten hat. Vermutlich wird dazu die Anwesenheit des italienischen Außen» Ministers in Genf benötigt wenden. Haager Verträge ratifiziert. Die letzten Etappen vor der Räumung. Paris, S. Mai.(Eigenbericht.) Am Quai b'Orsay fand am Freitag der feierliche Akt der Hinterlegung der anf den Boung-Plän bezüglichen Ratifikationsurkunde» statt. Das Protokoll wurde von Außenminister Briand und den Botschaftern der Gläubigermächte unterzeichnet. Die Ratifikationsurkunden beziehen sich aus drei Verträge: l. aus dos im Haag zwischen den Gläubigermochten und Deutsch- land getroffene Abkommen über die„vollständige und«ndgül» tige Regelung der Reparationsfrage': 2. auf das von den Re- gierungen übernomncene Memorandum der Noung-Sachver- ständigen vom 7. Juni 1929, das bestimmt, daß Deutschland bei jeder Ermäßigung der interalliierten Schulden aus ein« entsprechende Herabsetzung seiner eigenen Zahlungen Anspruch hat: 3. aus das Abkommen zwischen den Gläiibigermächten über die Verteilung der deutschen Zahlungen, das gleichfalls am 20. Januar 1930 im Haag abgeschlossen wurde. Durch die Hinterlegung der Ratifikationsurkunden am Quai d'Orsay ist der letzte politisch« Akt aus dem Wege zur Ingangsetzung des Noung-Planes vollzog«»!. Immerhin bleiben noch einig« technische Fonnal'täten zu regeln, «he der Doung-Plan offiziell in Kraft trist. Zunächst muß die International« Zahlungsbank in aller Form ins Leben gerufen werden: dann muß Deutschland die Schuldzertifikate bei der Bank hinterlegen und schließlich sind nach die Verträge zwischen der Internationalen Zohlungsbank und den Gläubigevmächten zu unterzeichnen. Sind alle diese Bedingungen erfüllt— man hofft in Paris, daß dies bis zum 13. Mai der Fall sein wird dann werden di« Vertreter der Rcparationstommission und der Kriegs- lastenkommiffiou in einer gemeiirfamen Sitzung ihr« Auflösung beschließen.» Was die Räumung der dritten Rheinlandzoni betriift, so haben die«instigen Alliierten vom 15. Mai bis zum 30. Juni genügend Spielraum, um den bei der ersten Haoger Konserenz vereinbarten Termin sür die endgültig« Befreiung des Rheinlandes einholten zu können. licucinlritt in den Rcichslag. An Stelle des Abgeordnete» Tantzcn. d« sein Mandat niedergelegt hat, tritt Frau D r. phil. Emilie Kiep-Altenloh, Altona-Hochkamp(Dt. Demokrat. Partei) in den Reichswg ein. bolschewistische Attentat. Verbrechen an der europäischen Arbeiierschast. Im Vorlag des Deutschen Metallarbeiterverband« ist soeben eine Broschüre erschienen, die in ihrer knappen, übersichtlichen und doch erschöpfenden Darstellung einen vollkommenen Einblick in die Theorie und Praxis der Kommunisten in die Gewerkschastsbewegung gewährt.(Paul O l b e r g,„Die Rote Gewerkschaftsinternationale und die europäische Gewerkschaftsbewegung", Stuttgart 1930, Per- lagsgesellschoft des Deutschen Metallarbeiteroerbandes, 198 Seiten.) Oll>«rg, der selbst Russe ist, keNnt nicht nur die russische Gewerk- schcftsbewegung und die innere Struktur der Kominunistischen Partei und die Komintern, sondern auch die europäische Gewerk- schaftsbewegung. Diese Kenntnis ist der Darstellung zugute ge- kommen. Endlich eine Dokumentensammlung, kritisch beleuchtet, kurz und gründlich genug, um jeden Gewerkschaftsfunktionär die Möglichkeit zu geben, an der chand dieser Dokumente dem infamen Intrigenspiel der Machthaber Moskaus in den Gewerkschaften mit Erfolg entgegenzutreten. Es ist gut und notwendig, wenn unsere Gewerkschaftsmitglieder über die Absichten und Beschlüsse der sogenannten roten Gewerk- schaftsinternationale im Bilde sind. Es ist gut und notwendig, wenn zum Beispiel folgender Beschluß der Kommunistischen Partei Deutsch lands vom August 1929 nicht verloren geht: „Die kommunistischen Gewerkschaflssroktionen unterstehen in ihrer ganzen Tätigkeit den Parteiorganen. Diese haben jederzeit das Recht und die Pflicht, die Tätigkeit der Fraktionen zu kontrollieren, bestimmle Anweisungen zu geben, Beschlüsse auszuheben oder zu korrigieren, nötigenfalls Funktionäre abzuberufen und unker Umständen selbständig Fraktionsversammlungen zu veranstalten____" So wie hier die gewerkschaftlichen Fraktionen und auch die Zellen den von Moskau bezahlten und ernannten Handelangern, die noch außen die KPD. repräsentieren, unterstehen, so unterstehen jene Handlanger den Machthabern Moskaus, die wieder unbeschränkt über die sogenannte Rote Gewerkschaftsinternationale und damit über die gesamten gewerkschaftlich tätigen Kommunisten herrschen. Man muß die Schrift Olbergs lesen, um ein klares Bild .zu bekommen von dem bolschewistischen System. Dies« System geht von oben nach unten. Oben, das ist gegenwärtig S t o l i n, wie« gestern Lenin und T r o tz t i waren. Alle anderen sogenannten kommunistischen Parteien haben sich dem Mochthaber oder den Machthabern Moskaus bedingungslos zu unter- werfen. Ebenso bedingungslos unterstehen die kommunistischen Gewerkschaftsmitglieder den kommunistischen Parteien der verschiedenen Länder. Die Gewerkschaften bilden in dem bolschewistischen System die u n t e r st e S t u f e. Sie dürfen kein Eigenleben führen. Sie sind nach dem bolschewistischen System nur dazu da, um für die Macht- Haber Rußlands zu manövrieren. Gewerkschaflliche Kämpfe zur Berbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen sind nach diesem System schon ein halber Berrat. Olberg weist nach, daß die Bolschewik! an der Möglichkeir der Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen nmsrhalb der kapitalistischen Gesellschaft nicht glauben. Daher auch der stete Versuch, die wirtschaftlichen Kämpse in politisch« Putsche und Revolten zu verkehren. Daher auch die immer mehr hervortretende Borliebe der Bolschewik! sür die Unorganisierten, die nach L o s o f s k i„fortgeschrittener sind als die In den reformistischen verbänden organisierten Arbeiter." Rur so erklärt sich auch die verbrecherische Taktik, die nach dem Beschluß der Straßburger Konferenz darauf ausgeht, während des Kampfes die Gewerkschaften zu sprengen. Nach diesem Beschluß haben die Kommunisten besondere Streikleitungen zu bilden: „Die Streikleitung muß die Tätigkeit der Gewerkschasts- bürokratie aufmerksam verfolgen, im Fall von Verhandlungen und Machinationen hinter den Kulissen Demonstrationen vor dem Verbandshaus veranstalten. Versammlungen sür Organi- sierte einberufen, die A b s e h u n g der reaktionären Gewerkschasls- bürokratie verlangen. Geld sammeln und allen Streikenden zu hilse kommen und das Vertrauen, besonders der Massen sozialdemokratischer christlicher Arbeiter, zu dem reformistischen oder christlichen Gewer kschastsapparat systematischunlergraben." Von diesem organisierten Verbrechen zu den„parallelen Masten- organisationen", die Stalin zu gelegener Zell empfiehlt, ist nur ein logischer Schritt. Es ist notwendig, daß überall in den Gewerkschaf. ten, in Versammlungen, wo sich kommunistische Abgesandte bemerk- bar machen, die in der Schrift von Olberg sestgihaltenen Tatsachen herausgestellt werden. Die Schrift Olbergs ist«in« ausgezeichnete Waffe zur Ueberwindung des bolschewistischen Attentats gegen die eueropüische Arbeiterklasse. Ein Jahr AOK. Was die Lozialveriichcrung bedenket. Die Allgemeine O r t s k ra n k e n ka s f« der Stadt Berlin wurde am 1. Januar 1914 errichtet. Die beiden größten der zusammengelegten Kassen, die Ortskrankenkasse der K a u f l e u t« und die Allgemeine Ortskrankenkass« zu Berlin, hotten damals 136 133 und 81 436 Mitglieder. Am 1. September 1929 war die Mitgliederzohl der AOK. der Stadt Berlin auf 488 919 angewachsen; zu dieser Zeit waren 24.23 Proz. versicherte Arbeitslose, über 44 990 freiwillige Mitglieder. Man muß diese Zahlen kennen, um die ganz« Unsinnigkeit— oder Böswilligkeit— der Angriffe auf die Sozialversicherung zu verstehen, die von bestimmten Seiten immer wieder unternommen werden. Unter den heutigen wirtfchaftlich unsicheren Zeiten liegt in der S o z i a l o e r s i ch e r u n g für den größten Teil aller Er- werbstätigen die einzig« Stütze in Zeiten der Not. Würden aber wirklich die Leistungen einer zentralisierten Orts- trankenkaste so mangelhast sein, wie oft von den Gegnern— den Unternehmern und den Privatklankenkosten— behauptet wird, so wäre die Zahl der freiwilligen Mitglieder der AOK der Stadt Berlin völlig unbegreiflich. Dabei darf man nicht vergessen, daß die gesetzlichen Bestimmungen die Aufnahme freiwilliger Mitglieder sehr erschweren und überhaupt nur dann gestatten, wenn längtre Zeit ein« versicherungspflichtige Tätigkett ausgeübt wurde. Die AOK. der Stadt Berlin stellt in ihrem Bericht über das Jahr 1929 zwei sehr interessante Zahlengruppen gegeneinander, nämlich den Aufwand, den die Ersotzkrankenkassen und den, den die AOK. im Berichtsjahr« 1928 pro Kopf jedes Mitgliedes hatten: Ersatzkasten Allg. Ortskasten Krankengeld...... ln,64 M 44,79 M. Aerztliche Behandlung.. 39,49. 17.92„ Arzneien und Heilmittel.. 19,14„ 19,47, Krankenhaus...... 9,H7, 29,53, Sterbegelo....... 1,11. 1,66, Wochenyilfe...... 3,24, 3,67, verwallong...... 13,78. 9,99„ Die Mitglieder der AOK. erhallen also eine ganz be- t r ä ch t l i ch höhere Leistung, als die der Ersatzkosten, deren Derwallungsaufwond 3,88 Mark pro Kopf mehr beträgt als bei der Ortskrankenkaste. Der Jahresbericht der AOK. zeichnet sich überhaupt durch eine sehr gute Ueberstcht und sehr saubere Rechnungslegung aus. Es ist erstaunlich, wie weit das Gebiet der Krankenfürsorge ausge- baut wurde; gegen Geschlechtskrankheiten und Tuberkulose wird immer energischer und erfolgreicher zu Felde gezogen, Wohnungs- fürsorg« nimmt sich der durch ihr Milieu besonders Gefährdeten und andere Gefährdeten an, die Heilstätten werben noch immer ver- mehrt und bester ausgebaut. Ein langempfundener Uebelstand soll endlich behoben werden: die Verwallung der AOK. soll zentralisiert werden in einem Neubau, der seit der Gründung der Kasse geplant war und der nur durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre verhindert wurde. Die Ab- ferligung der Kranken und ihrer Angehörigen wird dann rascher und weniger umständlich als bisher vor sich gehen können. Moldenhauer und die Beamten. Wo man sparen will. Der Reichsfinanzminister Dr. Moldenhauer empfing am Freitag die Beamtenspitz-enorganifationen, die mit Rücksicht auf die angekündigten Sparmahnohmen der Reichsregierung um eine Besprechung gebeten hatten. Der Finanz- minister legte den Vertretern der Beamtenschaft noch einmal sein Programm dar. Es besteht, soweit die Beamten dabei in Frage kommen, im wesentlichen aus Vereinfachung der Derwal- tung, Zusammenlegung von Behörden, Urlaubskürzung. Anrechnung von Einkommen auf Pension und Angleichung der Besoldung in den Ländern und in den Gemeinden an die iin Reiche. Der Minister betonte, daß er keinen schematischen Personalabbau plane, Betnebsratswahlen der Eisenbahner. Kroch in der„Opposition". Zu den Betriebsrätewahlen bei der Reichsbahn Hot die KPD dem Einheitsverband der Eifenbabncr Großkompf angesagt. Acht Tage lang vor der'Wahl hal die„Rote Fahne" täglich einen Artikel zu bringen, mir den Einhellsoerband herunterzureißen. Dieser Fraktionsbeschkuß der KPD. kam wohl zustande, weil den„Stand. sondern nur im Auge habe, eine Reche von Stellen bei n a t ü r- lichem Abgang der Posteninhaber nicht mehr neu zu besetzen. So seien vor allem durch den Abschluß der Besatzungsperiode im Westen und ebenso auch bei den Finanzämtern Stelleneinsparungen möglich. Die Sparpläne des Reichsfinanzministers wurden in der Aussprache von dem Vertreter des ADV., Dr. V ölt er, als ein unsoziales Programm charakterisiert. Die'Ersahrungen hätten gezeigt, daß bei solchen Sparmaßnahmen meist nur die unteren Gruppen getroffen werden. Stell enoertretung beim Urlaub komme bei den 99 999 Beamten des Reiches überhaupt nicht in Frage, dg hier die Arbeil der in Urlaub Gehenden von den übrigen Beamten miterledigt werde. Stellvertretung sei mir notwendig bei den B e tr i e b s v e r w a 1 t u�n g e n, vor allein bei Post und Bahn. Hier bedeute eine Einschränkung der Stellvertretung wiederum nur eine Belastung des Personals, das, wie die Krankheitsziffern zeigten. bereits überaus scharf angespannt sei. Die Krankheitsziffern bei Post und Bahn seien weit über den Durchschnitt gestiegen. Bei den Penstonen sei Nichtanrechnung von Kapitaleinkommen, wie der Finanzminister beabstch- tige, eine unsoziale Maßnohme. In seiner Antwort auf die Kritik des Bertreters des All- gemeinen Deutschen Beamtenbundes reagierte der Finanzminister, der vorher die Lage Deutschlands schwarz in schwarz gemall hatte. mit einigen wieder etwas optimistischer klingenden Wendungen. Er meinte,« würden.schließlich auch für Deutschland wieder lichtere Tage kommen. Heutzutage Finanzminister sein, sei ein undankbares Geschäft. Ein Finanzminister, der vom Sparen spreche, sei eine unsympathische Figur. Der Reichsfinanzminister befindet sich im Irrtum. Wenn er z. B. ernsthast den Versuch machen würde, bei Heer und Marine zu sparen, würde er bei dem größten Tell des deutschen Volkes sehr rasch sich große Sympathien erwerben. Lohnerhöhung für Gemeindearbeiter. In den Werken wie in den Kämmereibetrieben. Der im„Vorwärts" berells mitgeteill« Schiedsspruch für die Berliner Kämmereiarbeiter beschäftig.« gestern abend die gesamten Funktionäre der Kämmereibetriebe, der städtischen Werke, der Verkehrs-A.-G. und der Gasbetriebsgesellschaft. Der für beide Parteien bindende Schiedsspruch sieht bekannilich ein« Lohnerhöhung von insgesamt 3 Pf. in zwei halbjährlichen Etappen vor. Der Be- vollmächtigte des Gefamtoerbondes Genosse Schaum zeigte an dem Gang der langwierigen Tarisoerhandlungen, daß es seit vielen Jahren keine Lohnoerhandlung mehr gegeben hat. die un.er einem so ungünstigen wirtschaftlichen Stern stand und demzufolge so wen'g Aussicht auf Erfolg hatte wie die jetzt beendet« Bewegung. Aus Grund des Tarisabschlusses für die Kämmereiarbeiter ist nach an» sänglich hartem Sträuben der Direktionen der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk« jetzt von den Aufsichtsräten dieser Gesellschaften die Anweisung gegeben worden, aus der gleichen Basis neue Qohntarise abzuschließen. Der Aussichtsrat der B e r- kehrs-A.-G. hal noch keine Entscheidung getroffen. Die Gasbe- triebsgesellschaft Hot, wie üblich, jedes Zugeständnis von vornherein abgelehnt, so daß hier die Verhandlungen winder vor dem Sckzlichtungsausschuß geführt werden müssen. Gegen etwa 19 Stimmen nahm die von annähernd 799 Funk- tronärcn besuchte Versammlung«ine Entschließung an, in der zum Ausdruck gebrocht wird, daß die Funktionäre dem un- befriedigenden Schiedsspruch nur unter Berücksichtigung der allge- mein schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse zustimmen und im übrigen die von der Organisation hinsichtlich der Lohnbswi-gung ge- troffenen Maßnahmen ausdrücklich bill-gen. festen", im Betrieb es schon schwer fällt, die KPD.-Schwierigkeiten direkt an den Mann zu bringen. Jetzt ist« darüber sogar zum offenen Krach gekommen. Der bisherig« Spitzenreiter der Kommunisten, S ch i e m e n z, um deffent- willen sogar Thälmann vor Jahren sich in Moskau verantworten mußte, erscheint nicht mehr auf der Liste. Warum, das ist in der Betriebszeitung„Der Rote Puffer" nachzulesen: „Der Ausschuß war einmütig der Ansicht, den Kollegen Schiemenz nicht als Betriebsrat aufzustellen, weil sein Verhalten im Betrieb nicht den Anforderungen entsprach, die an einen Kandidaten der Opposition zu stellen sind. Statt die Interessen der kollegeu zu wahren, vertrieb er sich die Zeil in der Kantine in trauter Harmonie mll Vorgesetzten und Verwallungsbeamten. Sehr oft ist« vorgekommen, daß er in völliger Trunkenheil durch das Werk taumelte und in diesem Zustande natürlich nicht die Inter- essen der Kollegen oertreten tonnte." Die gleichen Vorwürfe gegen diesen kommunistischen Kandidaten hat der Einheitsverband vor Iahren erhoben. Trotzdem war Schiemenz eine Säule der KPD. Nach diesem Beispiel müssen die Eisenbahner alle die von der KPD. aufgestellten Kandidaten der„Oppositton" unter die Lupe nehmen. Es gibt noch mehr solcher„Helden" bei der„Opposition"! Wie gefährlich die KPD. diesen Opposittonsstrell ansieht, ergibt sich aus der Tatsache, daß sie jetzt drei ihrer Größten heranholt, um die Eisenbahner einzufangen. Die Herren Pieck, Geschk« und Steinfurth müssen jetzt in die Bresche springen, um die mit- unter sehr zweifelhaften Elemente, die die KPD. als Eisenbahner- Betriebsräte ausersehen hat, herauszuhauen. Aber warum so feige, ihr Herren von der KPD.-Zenttale, warum ruft ihr eure Versammlung an einem Tage ein, an dem der Einheitsverband seine Generawersammlung abhält. Haben die Herren Geschke und Sieinfurth vielleicht Angst, daß chnen unangenehme Dinge von gut insonnierten Eisenbahnern gesagt werden könnten? Die Eisenbahner haben es fall, sich noch länger von der KPD. beschwindeln zu losten. Sie wählen am 11. und 12. Mai als klasten- bewußte Arbeiter die Liste des Einhcitsverbcutdes. Abbau auch im Gaarbergbau. Saarbrücken, 9. Mai. Heute vormittag fand auf der Bergwerksdirektwn eine Be- sprechung zwischen der Bergwerksdirektton und den Vertretern der Vertragsorganisationen stall. Der Vertreter der Bergwerksdireklion erklärte dabei, daß sich die Lage im Saarbergbau weiter verschlechtert habe und im Juni und Juli sich noch weiter verschlechtern werde. Es lägen bereits jetzt etwa 399 999 Tonnen Kohle auf den Halden, und es sei nicht möglich, noch wettere Borräte unterzubringen, so daß man dazu übergehen müsse, zunächst im Mai noch zwei Feier- schichten einzulegen, dann aber am 1. Juni 1499 Bergarbeiter zu entlasten. Obwohl sich die Vertreter der Organisationen mit oller Entschiedenheit gegen diese Maßnahmen wandten und vorschlugen. lieber alle 49 Tage eine weitere Feierschicht einzurichten und sofort mit den Urlauben zu beginnen, blieb die Bergoerwaltung bei ihrem Beschluß. Die Vertreter der Organisationen beschlosien darauf, bei der Regierungskommission und beim französischen Arbeitsministe- rium vorstellig zu werden. „Die Praxis der Betriebsräte im Aussichtsrat" betitelt sich das zweit« Heft der wirtschostspolitischen Schritten des Allgemeinen freien Angestelltenbundes, das im Freien Volksoerlog GnibH./ Per- lin RW49, Werststraße 7. 36 Seilen umfassend, erschienen ist. Der Allgemein« freie Angestelltenbund verö-sfemlicht in dieser Broschüre Lehren und Erfahrunzen, die er in Zusanunenarbett mit Hunderten von Betriebsräten im Aufsichtsrat in vieljähriger Praxis und Schulungsarbeit gesammelt hat. 25 Jahre Berbaadsangeftellter ist der Genosse Carl Rühle. Er wurde am 19. Mai 1995 als besoldeter Kassierer der Zahlstelle Berlin des Verbandes der Fabrikarbeiter angestellt, nachdem er diesen Posten beretts sott 6 Iahren ehrenamtlich versah. Genosse Rühle gehört zu den Gründern der Zahlstelle und hat seit dieser Zeit, August 1896, stets Funktionen im Verband aus- geübt. Seit 1893 ist Rühle auch Mitglied der Sozialdemokrattschen Partei, der er stets unwandelbare Treue gehatten hat. Wir sprechen dem Jubilar zu seinem Ehrentag« unsere besten Wünsche aus, möge es ihm oergönnt sein, seine Tätigkett noch mehrere Jahr« auszuüben. �d»�reie Gewerkschafts-Iuaend Berlin S-mte solgende D-ranstallunaen: Jugend« rup?« de» Dcutlchen Be- llcidnogearbeiternerbandc«: Wanderung Brieselang— Spandau. Treffen um I« Xllir Lehrter Hauptbahnhof. Uedernachtung in der Jugend» Herberge Lindenhof.— Äeltcien.SrbeitsqemelnfeFaft: Um I8V2 Uhr im Ee- rorrkschaftshauo, Engclufer 24—23.»Sewertschaftlich« Gegenwartsfragen." Nkferrnt G. Zialbl«,- Lpree.cho»probe um ISli Uhr im Saal u. des Ge- werklebafishauses, Engelufcr 24—23(Saal des!7abr!Iarbe>tkrverbande«>.— Sonntag, 11. Rai, BefiÄligung des Flughafens Tcmpelhaf. Treffe» um IHK Uhr vor dem Hauptcingang.— Die Urlaubszeit naht! Wandert mi'! grenz und quer durch Sedleswig-Holftein fvon der Ostsee zur Nordsee! vom in. bis 27. Juli ISSN. Koste» für stahrg-id. Milt-gessen. Kaffee, Uebernach. tung. Besichtigung!» und Damp'crfahrtcn Kl 3R. fsahrtleiter ssrietrich Waat. Meldeschlng IN. Juni.— Sieben Tage im Thüringer Waid vom 20. bis 27. Juli. Kost-N für Fahrgeld. Uebernachtung, Mittogbrot NN AU. IZahrtleiter Georg Gerhard. Meldefchiuh 3. Juli.— Dvrch das malnris»« Scenaebiet zur Sau- l-ndlüstc vom 24. Juli bis.3. August Kosten: Tahrgeld. Taarsrerpflegung. Uebernachiung, Dampferfahrten etwa k-3 M. ffahrtleiter Erich Priehei. Melde- fchluh 1. Juli.— Xuppince SUiwe-I, tBuppin—Rheinsberg— Lachen) vom 27 ftuli bis Z. August. Uniosten 20 M. ssahrtleiter Max Calbach. Meide- schlich 13. Juni.— Zur«o-dlretSste vom 81. Juli bis 10. August. Kosten: Tahrgeld. Verpflegung. Uebernachtung, Dampferfahrten. Besichtigungen e'wa 65 M. Tahrtleiter Kurt Belchke. Meldeschluß 13. Zunl.— Durch da» Thüri». ger Land vom 2. bis 10. August. Kosten: ss-hra-Id. Uebernachtung. Kaffee, Miltagesten etwa 30 M. fsahr'ieiter Karl Golifch. Meldeschluß 1.3. Juli. Meldungen im Iugendsetretariol, Berlin SO. 16, Engelufer 24— 25, Zimmer 26. f Funendc'rupve k>es'.�ep vKrhonifes k>er AnoesteUten ' Seut«. Sonnabend, von IS bis 20 Uhr. Uebunqsabcnd der Sinogemein- fchaft und von 20 bis 22 Uhr Arbeitsgemeinschaft:„Sozialismus". Berantworllich«iir Bolilil: Dr. Enr» Geyer: Wirtschaft:®. Klixgclholcr! Tewerffchaftsbewcgung: 3. Steiuer: Feuilleton: K A. Töfcher; Lokale» uns Sonstige» äii» Karstiidt: Anzeiocn: Tb Glocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Bormarts-Berlaa G. m b. H Berlin Druck: Vorwärts.Buchdrnckcret und Veriagsanstalt Paul Singer u. So. Berlin SW. 68, Lindenstraße 4. Hierzu 3 Beilage». L Pfarrer Heurnsnn's Hellmittel bewährt bei zahlreichen Krankheiten./ 180000 Dankschreiben./ Das Pfarrer Heumann-Buch (272 8.150 Abb!) erhält jeder, der sich auf dieses Inserat beruft, völlig umsonst und portofrei durch Ludwig Heumann& Co., Nürnberg S 10 Die Pfarrer'*Tv'*TtÄn Sie ' in allen Apotheken Berlins, bebtimmt Zion-»-Apotheke, Berlin X" 81, Anklamer Straße 39. an der Ecke Brunnenstraße, ca. 5 Minuten vom Rosemhaler Platz, Adlei'-Apothoke, Berllit-Friedenan, Rheinstraße 16, Eleege*- Apotheke, Berlin O, Gubener Straße 33, Schweizer- Apotheke. Berlin W 8. Friednchs'raßc 173, Friedrieh- Wilhelm- Apotheke, Charlottenburg, Leibnizslraße 106. Bosen- Apotheke, Eichwalde-Berlln Kr. 216* 47. Jahrgang *1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 40. Mai 4930 Wochmiute Ausflüge In Ali-Landsberg. Große Ereegmsie werfen auch in kleinen Städten chre Schatten voraus und so erscheint Alt»Landsberg schon heut« in dem Eck/muck der Embleme, die sein TOOsöhrigcs Dasein verkünden sollen. Zu Pfingsten wird das Fest selbst gefeiert werden. Ilm 1230 unterwarfen die Markgrafen den Barnim, und auf einer vorhandenen Wendenschanz« erstand die deutsche Burg— der ..Landsberg'— ein vorgeschobener Posten zur Sicherung des neu gewonnenen Gebietes. Und wie es so geht: das wirtschaftlich« Interesse verband stch bald mit dem politischen— die Orte an den damaligen chandelsstratzen gewannen früh Stadtrechte und hielten ihre Bedeutung aufrecht, solange der Sandweg und die Chaussee noch nicht vom Schienenwege abgelöst waren. Dann wurde der durch eine Nebenbahn bei der Station choppegarten an die Berlin— Küstriner Strecke angeschlossene Ort eine kleine, geruhsame Stadt. die freilich in der Neuzeit als Schnittpunkt der Autoweg« von Norden nach Süden und Westen nach Osten Sonntags Lärm genug empfängt, um davon die Woche über zu zehren. Mit ihren 3000 Einwohnern wird sie von dem am Anfang der Kleinbahn liegenden �Dorf' Neuenhagen(ebenfalls 3000 Einwohner) bald übertroffen werden. Di« zentrale Lage zwischen Blumberg— Werneuchen, dem Blumenthal und choppegarten ist heute, wo alles auf Berlin hinzielt, nicht mehr ausschlaggebend. So sind denn auch die Wahrzeichen der alten Beste— Tortürme, Mauer- rcste— nicht von den bekannten„Beriehrserfopdernissen' beseitigt worden— darin in kleinem Maßstabe dem Borbilde Bernaus folgend, dessen Stadtaltertünckichkeit freilich in der l1vrg«bung Berlins einzig dasteht. Schön ist der Alt-Landsberger Forst, der— nach% Stunden dem nach Osten Wandernden sich öffnend— bis zu den Strausbcrger Waldungen und dem Blumenthal hin sich erstreckt. Namentlich der berühmt« Gamengrund, dessen Reize schon den Dichter-Pfarrer Schmidt von Werneuchen begeisterten, fällt in das Ausflugsgebiet der Stadt. An dem von Norden kommenden Langsn�flsen-Fließ und dem Umgebung gleichgerichteten Mühlemließ gelegen, fehlt es Alt-Landsberg nicht an malerischen Punkten— seine materielle Zukunft richtet sich freilich nach Süden, wo längs der Ostbahn nicht nur Häuser sondern ganz« Kolonien aus dem Boden wachsen, ein Beweis, daß der Landhunger und die Wohnungsnot den Berliner heute mehr nach dem billigeren Osten als nach den alleren Siedlungen in den anderen Himmelsrichtungen drängen. IS? W Berliner Torturm in Alt-Landsberg. Oer Tote im Gpaudauer Gtadiwalö. Gelbstmord eines Schwerkriegsbeschädigten. Den Nachforschungen der Berliner Srlmlnalpovzei ist e» schnell gelungen, die Persönlichkeit des Zoten, der gestern mittag im Spandaner Stadtwald gefunden wurde, festzustellen. Es ist ein ZSjähNger Albert Dahns aus der Surstraße 19 in Spandau. Die Polizei rechnet nach den bisherigen Ermittlungen nicht mehr damit,. daß Dohms einem Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Vielmehr glaubt man mll Bestimmtheit annehmen zu können, daß er selbst Hand an sich gelegt hat. Dohms ist Schwerkriegs- beschädigter, den rechten Arm hat er im Kriege eingebüßt. Außerdem machte ihm ein Nervenleiden, das er gleichfalls der »Korreichen' Kriegszeit verdankte, besonders in letzter Zell wieder schwer zu schaffen. Der Bedauernswerte, der laufend in ärztlicher Behandlung stand, mußte zu Beginn der Woche erst wieder krank geschrieben werden und seiner Dienststelle fernbleiben. Dohms hat sich am Mittwoch nachmittag aus seiner Wohnung entfernt. Seiner Frau«rzählle er, daß er noch«in« Besorgung zu machen habe. Bon diesem Ausgang ist der Mann dann nicht mehr zunickgekehrt. wahrscheinlich hat er in einem neuen Ncrveaansall zur Waffe gegriffen und sich einen Schuß in den Kopf beigebracht. Die Einschuß- öffnung liegt unter dein rechten Aug«, die Kugel ist in der Schädel- decke stecken geblieben. Der Tod muß auf der Stell« eingetreten sein. Bisher komUc die Waffe— es muß sich um einen kleinkalibrigen Revolver handeln— noch nicht gefunden werden. Kalibergwerk verloren? Hoffnungslose Lage in Vienenburg.— Sämtliche Schächte ersoffen. Vienenburg, V. Mai. Die Lage im Kaliwerk Vienenburg hat sich dadurch stark verschlimmert, das« jetzt sämtliche drei Schächte ersoffen sind. Zn amtlichen Stellen hält man die Lage für sehr ernst, fast für hoffnungslos: Hoffnung auf Wiederinstandsetzung der Grubenbetriebe sei nicht vorhanden. Damit wäre das Schicksal der Saliindustric in Vienenburg besiegelt, was für die Berg- arbeiterschafl, für den Ort und seine Umgebung schwere wirtschastliche Schäden znr Folge haben müßte. Auch bei Wiedelah ist ein Trichter entstanden, ebenso aus dem Gelände von Sievers Fabrik: dieser Trichter hat einen Durchmesser von 30 Meter, et ist drei Meter tief. Durch den wastereinbruch aus dem Kallwerk sind bis jetzt etwa 400 Arbeiter au» Vienenburg und weitere 100 aus der Umgebung brotlos geworden. Nach Ansicht der Ingenieure bestehen mehrere Möglichkeiten. das Versiegen des Laugeneinbnichs zu erklären. Entweder ist der Durchbruch in die Kaligrube aus einem unterirdischen Reservoir erfolgt, das stch nun geleert hat, oder es handelt sich um den Durch- brach einer Wasserader, die an der Mündungsstelle im Schacht durch Geröll verstopft sein kann. Im ersten Fall wäre die Lage insofern günstig, als man dann versuchen würde, mit Hilfe großer Kreiset- pumpen das Bergwerk leer zu pumpen. Sollte dagegen eine unterirdische Wasserader durchgebrochen sein, dann wäre das Schick- sal der Graben wahrscheinllch besiegelt, da es fraglich ist, ob so viel Wasser aus den ersoffenen Schächten hcrausgepumpt werden kann, daß man am Einbruchsort die nötigen Slbdämmungsarbetteni vornehmen kann. Die Verwaltung der Grabe will zunächst noch drei bis vier Tage) warten, ehe sie den Versuch macht, durch Taucher festzustellen, i ob mit einem definitiven Aufhören des Einbraches gerechnet' werden kann. Im Laufe des Freitags haben sich nur noch wenige kleinere Risse gebildet, und man hofft, daß jetzt die Erdbewegungen allmählich aufhören werden. Der Ort Vienenburg selbst ist nicht gefährdet, obgleich in vielen Häusern sich Risse gebildet haben. In der Stadt hatte sich das Gerücht verbreitet, daß auch Vienenburg selbst geräumt werden müsse, doch hat sich diese Alarm- Meldung glücklicherweise nicht bewahrheitet. Dagegen sind die Anlagen der Zuckerfabrik, die übrigens feit mehreren Iahren schon stillgelegt ist. so ernsthaft gefährdet, daß man wahrscheinlich die Gebäude wird abreißen müssen. Der Bahnhof Vienenburg befindet sich noch immer in Gefahr, weil man nicht voraussähe», kann, ob mcht durch Nachstürze des Erdreiches die Gleis« und die Gebäude ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden können. Die Haupkschwicrlgkeil befleht darin, die Stelle:,, an denen das Erdreich unter den Gleisen in die Tiefe gesunken ist. wieder so aufzufüllen, daß die Züge mit voller Sicherheit diese Trlchier passieren können. Der Verkehr muß deshalb auf unbestimmte Zeit umgeleitet werden. Epft im Laufe der nächsten acht bis zehn Tage wird es sich enr> scheiden, ob die Reichsbahn an die Wiederherstellung der Strecke gehen kann, oder ob man inzwischen eine Umzehungskinit' bauen muß. Cr schleifte seine Frau zu Tode. Aus Glatz wird gemeldet: Der Maurer Joseph Kl esse m Alt-Wilmsdorf, der seine Frau schon öfters schwer mißhandelt! hotte, schlug bei einer häuslichen Auseinandersetzung auf diese ein und schleift« sie an den Haaren solange im Zimmer umher, bis sie besinnungslos liegen blieb. Die Schwerverletzte wurde so- fort m das Krankenstift Scheibe übergeführt, wo sie bald darauf ihren Verletzungen erlag. Der Mörder wurde verhaftet. Protokoll aufgenommen mit der Zeugin üelene Delius.(Die Zeugin langte dringend, vorgelassen zu roerden.) „Herr Jacob sen, ich komme geradewegs aus meinem> Bett. Es wird mein Tod sein. Aber das ist mir gleichgültig. Ihr wollt mich eben alle unter die Erde bringen! Eine beispiellose Roheit, eine schwerkranke Frau..." „Aber gnädige Frau, so beruhigen Sie siel) doch." „Mein Herz! O mein Herz! Dieser Skandal! Nicht auszudenken! In aller Früh schon Polizei in meinem Hause. Ich telegraphiere nach Kopenhagen, ich telephoniere mit dem Justizministerium. Was fällt Ihnen denn ein. eine Dame wie Birgit Hasting, eine weltberühmte Schriftstellerin, ver» haften zu lassen, ohne Grund, ohne Sinn, ohne Zweck." „Doch, gnädige Frau, es hat einen Zweck." „Sie gaben ja nicht einmal an, weshalb, ließen sie einfach mir kurzweg abführen. Wie wollen Sie das je entschuldigen. Iacodsen. Das kommt davon, wenn man einem so jungen Menschen die wichtigsten Funktionen überläßt. Mein Herzl Mein Herz! So reden Sie doch!" „Es geschah im Interesse der öffentlichen Zucht und Ordnung, gnädige Frau." „Das ist eine Frechheit! Das ist eine Unverschämtheit! Setzen Sie sofort meine Freundin wieder in Freiheit. Die Geschichte kann Sie Ihre Stelle tosten!" „Tut mir leid, gnädige Frau, aber ich muß darauf bestehen, daß Fräulein Hasting bis auf weiteres in Hast bleibt." „Weiß Gott, Birgst hat rccht. Sie gehen über Leichen, über Frauenleichen,«ehen Sie denn nicht, wie ich leide. Mein Herz! Mein Herz! Wenn ich an diesem Skandal zugrunde gehe, so werden Sic vor Gott die Verantwortung tragen." „Gnädige Frau, glauben Sie mir, es fällt mir wirklich nicht leicht, Sie so vor mir zu sehen. Aber ich kann nicht anders, ich kann nicht anders. Uebrigens bin ich im Interesse der Untersuchung außerordentlich froh, daß Sie sich zu uns in dicjStadt bemüht haben." ..Im Interesse welcher Untersuchung?" „Im Interesse der Untersuchung gegen Thorvald Stirre." „Hören Sie mir auf mit diesem Schwindler, mit diesem Betrüger." (Fortsetzung folgt.) „Das können Sie mir nicht beweisen. Nie im Leben!" „Ich werde Ihnen gleich was vordeklamieren." „Um Gotteswillen!" „Spür ick) Scham in allen Schenkest, zittern--" „Hören Sie auf!" „Und dann reimt sich noch etwas mit Gewittern. Genau Hab ich mir es nicht gemerkt." „Fräulein Schmitt, ich verbiete Ihnen, derartige Schweinereien hier vor Gericht verlauten zu lassen, ich ver- biete Ihnen, es über Ihre Lippen zu bringen, ich verbiete Ihnen, daß Sie so scheußliche und unappetitliche, jawohl unappetitliche——" „Um Gotteswillen, Herr Jakobsen, Sie verlieren ja schon wieder Ihren Kopf." „Es liegt mir nichts dran, wenn ich den Kopf verliere, meinechalben kann ich auch meine Stelle verlieren, ich pfeife drauf, ich will sie überhaupt nicht mehr haben. Nein, nein, lassen Sie mich ausreden, bin ich hier der Unterfuchungs- richter oder nicht. Ich hätte nie diesen Beruf ergreifen dürfen. ich bin ihm nicht gewachsen, meine Nerven sind ihm nicht ge- wachsen, jawohl. Fräulein Schmitt, und wem, Sie mir noch zehn Gramm Brom zu essen �geben. Sie sehen ja. was es mir nützt. Ich kann diesen«schmutz und diese Gemeinheit nicht mehr ertragen, ich kann es nicht ertragen, daß man sich auf keilten Menschen, auf keinen Menschen mehr verlassen kann." „Armer Herr Jakobsen." „Lassen Sie. Ich schließe überhaupt die Einvernahme. Ich hätte sie schon längst schließen sollen." „Halt, erlauben Sie nur einen Augenblick. Sie sagten doch, daß Sie Ihren Beruf aufgeben wollen." „Ja." „Dann ist es ja gleich, ob Sie Ihre Stelle verlieren oder nicht. Dann tun Sie vorher rasch noch ein gutes Werk." „Und zwar?" L»Lerhastal Sie Birgit HafLag. „Meinethalben. Mir ist alles gleich. Wir unterzeichnen noch das Protokoll und dann stelle ich den Haftbefehl aus. Ich mache dmnit die größte Dummheit meines Lebens." Kgl. Amtsgericht Sändrup. 1ö. Juli 1S2S. gez. Kamma Schmitt. Jakobsen. Sändrups Amlsovis, 16. Juli 1929: Torben R i st ein gewöhnlicher Defraudant. Amtlich wird gemeldet:„Es steht nunmehr ein- wandfrei fest, daß der Ilntersuchungsgcfangene Torben Rist, der unter dem Verdacht steht, an dem Brand des Bade- Häuschens von Aaresund beteiligt gewesen zu sein, mit dem ehemaligen Bankbeamten und Defraudanten Thorvald Stirre aus Oslo identisch ist. Seine Braut, Maria Sandel, die aus Norwegen gekommen war, um ihn aus der Haft zu befreien. wurde unter dem dringenden Verdacht der Mitwisserschaft ebenfalls in Sändrup in Haft genommen. Thorvald Stirre brach bei seinem Geständnis in Tränen aus. Seine Reue ist groß. Es handelt sich um einen Schaden von öOOtt Kronen." Wir können uns bei dieser Meldung eine gewisse Genug- tuung nicht versagen.„Sandrups Amtsavis" war die einzige Zeitung, die von allem Anfang an dem Kesseltreiben gewisser Kreise, die unser stilles Städtchen unbedingt im Mittelpunkt einer grauenhaften Sensation sehen wollten, auf das ener- gischste entgegentrat. Wir waren die ersten, die in dem romantischen Bild der schönen Maria mit den blonden Zöpfen nichts Verdächtiges finden konnten, unsere Vermutung, es handle sich hier bestimmt um eine harmlose Liebesbeziehung. hat sich bestätigt: Maria Sandel ist nicht das Opfer, sondern die Braut und Mitwisserin des Defraudanten. Frauen und Mädchen von Lynö! Wer hat euch rechtzeitig und leider doch vergeblich gewarnt, gewissen- losen Reportern blind zu vertrauen und eure kleinen Geheim- nisse, die ihr ja bestimmt nie gehabt habt, der össenttichen Sensationslust prelszugeben? Wir hoffen nur, daß ihr eine Lehre daraus ziehen und Leuten, die das gemäßigte und ge- ordnete Bürgertum der Stadt vertreten, in Zukunft mehr Gehör schenken werdet. Der Fall Rist erscheint uns also Gott sei Dank ein für allemal erledigt. Wir hoffen nur. daß Herr Thorvald Stirre und seine Komplicin möglichst bald über die norwegisch« Grenze'abgeschoben werden, und daß die ganze üble Ge- schichte, die sich nicht ohne Schuld von gewissen Revolver- blättern und gutaläubigan Behörden an seine Person knüpft, damit auch endgültig der Vergessenheit anheimfallen wird. Schnellzug bei Metz enigleisi.| Schienenstrang in 200 Meier Longe zerstört. Paris,». Mai. syigcnberikhi.) Der Schneilzug Mick— Lille, der an» Freitag- früh am 7.33 Med verlief, ist in der Gegend der alten Grenze knapp vor Longvyou entgleist. Mehrere Passagiere wurden leicht verletzt, konnten atzer ihre Reise fortsetzen. Der Jachselwdcn wird als sehr gros, bezeichnet. Die Lokomotive war aus bisher unbekannten Gründen aus den Tchieneu gesprungen und ritz die ersten fünf Wogen mit sich. Ter Schienenstrang wurde in einer Länge von LOO Metern zerstört. Schießwütiger Kommunist. Schüsse auf Schupobeamte.— Gefängnis für den Täter. Schöffengericht Berlin. Mitt<\ Guten Tag, Willelm, begrüßl der Zuhörerruum rm Chor mit erhobener Faust den Angeklagten. Ain 7. März hat er in der Landsberger AUoe gelegentlich einer Kmn- mumstendemonstralion auf P o l i z e i b e a in t e. g-e schasse n. Autzer einer alten Frau, die I>eute noch an der Schuhmmrde daniederliegt, hat er zwei Schupoleute verletzt, den einen am chdls— einen Millimeter höher oder tiefer und der Mann wäre tot gewesen den andern an drei verschiedenen Stellen zu- gleich. Die Anklage gegen„Willetm" lautet auf Landmedenebruch, gefährliche Körperverletzung und unbefugten Waffenbesitz. Einmal •st er bereits wegen Widerstand gegen die Staatsgewalt, Sachbeschö- digung, Körperverletzung, ein anderes Mal wegen unbefugten � Waffenbesitzes, bestraft worden... Am 6. März hatten die Kommunisten ihren„Weltardeitslosen- . tag". Am 7. März demonstrierten sie in der Landsberger Allee. . Das Ueberfallkommanda wurde alarmiert, noch etwa 50 Personen waren beisammen. Plötzlich ertönten Schüsse. Einer der Beamten sah, wie sein Kollege einem Mann nachsetzte, dieser drehte sich um und seuert« einige Schüsse ab. Es gelang, ihn zu fassen, es war der Angeklagte. Vor Gericht gab er. zu, geschossen zu haben. .An der Demonstration sei er nicht beteiligt, sondern unterwegs zu ! seinem Cousin gewesen. Eine Waffe trage er bei sich, seitdem er Ictrtmal überfallen und beraubt worden sei— die erste Strafe wegen � unbefugten Waffenbesitzes liegt aber vor dein Raubübersall. In ,der Landsberger Allee habe er plötzlich das Menschenknäuel vor sich -gesehen, dann seien Schupobeamten-herbeigeeilt. Ein Beamter sei mit der, Kanone" in der fjanö hinter ihm hergewesen. In seiner Angst Hab« er den Revoloer gezogen und blindlings geschossen. Die Gerichtsverhandlung ergab zwar, daß ein Beamter tatsächlich seinen Revolver in die Hand genommen hatte, mit der Bersolgung Willelms hatte aber gerade dieser Beamte nichts zu tun. Das Gericht nahm als strafmildernd die Erregung des Angeklagten an und verurteilte ihn zu 10 Monaten Gefängnis. Durch Zinspflicht zum Gesetzesbrecher.! Nach dem Geständnis in ein Eanaiokium. .-. Sifivetc Verfehlungen find es. die sich der 71 Zahrc alte öuwlliM Wilhelm£«x rn.ti zuschulden tominen Hetz, der in > der Nimrodstraße 30 i n Wai d ma n n»l u st auf seinem elgei�n Grundstück init seiner Schwägerin wohnte. . Lamy hat von zehn Iuweleugroßhandlungen in.Y a Ii a u und Pforzheim Iuwelenauswahlsendungen zum Verkauf erhalten, die ihm aus Anforderung ü-bersandt wurden. Während bisher seine Regulierungen durch Ueberweisung des Geldes oder Rücksendung der nicht verkauften Waren prompt erledigt wurden, stockien sie seit etwa sechs Wachen. Die Firmen-wurden stutzig und kamen nach Berlin, um nach ihren Waren zu forschen. Eine Abrechnung konnie nicht erfolgen. In die Enge getrieben, gab Lamy zu, einen-Teil -der Sachen in vier Berliner Psandieihen zu ansehnlichem Preise oer setzt zu haben. Den Erlös hatte er benutzr, u>n seine H y p o t h e k e n z i n s c n und andere Verbindlichkeiten, die ihm aus seinem-Hausbesitz entstanden waren, abzudecken. Es sehlen 25 bis 30 Pro;, der gelieferten Waren, die er wahrscheinlich durch Ler- mitlluug eines anderen Juweliers verkauft hat. Dos Geld ist zu denselben Zwecken verbraucht. Die geschädigten Finnen konnten gegen Einlösung der Pfandscheine ihre Waren zurückerhalten. Der alte Mann erlitt nach dem Geständnis«inen Zusammenbnich und mußte ein Sanatorium am Nollendorfplatz aussuchen. Rennauto rast in Zuschauermenge. Sinnlose Naserei kostcl wieder zwei Menschen dos Leben. London, g. Mai. > De» dem am Freitag vormittag begonnenen internationalen Auto mobil rennen aus der Rennbahn in Broockland ereignete sich abends einschweresUnglück. Kurz vor 19 Ah� stießen zwei Seite an Seite fahrende Taibol-lvagen, als ein vor einein der beiden Wegen bejlndllches anderes Rennauto plötzlich ins Rutschen geriet, zusammen. Einer der Talbot- Wogen überschlug sich, während der andere Talbol-Wagen 20 Schrille weiter in eine große Zuschauermenge hineinfuhr. Zwei Personca wurden auf der Stelle gelötet und mindestens ein Dutzend zum Teil schwerverletzt. Der Führer des Autos und der Mechaniker kamen mit dem Leben davon. Stadtrat Katz schwer belastet. Das ZRaterial gegen den demokratischen Stadtrat K a tz hat so belastende Tatsachen ergeben, daß der Oberpräsi- denk nunmehr das Disziplinarversahren gegen ihn mit dem Ziele der Dienstentlassung erössuel hat. Steuerermäßigung für die kleinen Kinos. Die städtische Finanzdeputatron schloß sich in ihrer letzten Sitzung in der Frage der Ermäßigung der Vergnügurrgssteue-r während des Sommers im wesimtl-ichen den Vorschlägen ihres Unterausschusses an. Eine Ermäßigung tritt nur für die Kinos sin und auch hier nur für die kleineren bis zu 730 Sitz- Plätzen, wenn ihr Eintrittspreis höchstens IM M. und für 90 Pro;. der Sitzplätze 1 M. beträgt. In Betracht kommt die Zeit vom 1. Mai bis 15. September- Di? Ermäßigung der' Steuer beträgt sin Drittel. Ihr ZS jährige, ShejubiiSum b-zinzen die. lmgjähriaen.�llorwärtt?« L»s« Ärchard L°. hlert und\vat Gattm FrarzlSta Oehlst. Schiller- Freibad Müggelsee mit Tanzdiele. In Erwartung der Berliner.- Eröffnung am �6. Mai. Das 19.28 durch Feuer zerstört« städtische Freibad Müggelsee ist jetzt in neuer Form wiedererstanden und wird am 15. Mai eröffnet Merden.. Noch dem Muster von Wannsee hat das bisherig« Freibad den Namen geändert: es heißt jetzt offiziell „Strandbad Müggelsee". Die neue, zu den großen Ter- rossen führende Eingangshalle, di« sich, wie die Gesamtanlag«, in kühnem Bogen der Linie des Müggelsees anpaßt, ist in hellen. freundlichen Farben gehalten. Fünf Meter über dem Wasserspiegel erstreckt sich die 160 Meter lange Terrassenflucht, von der man einen prächtigen Ausblick auf die Müggclberg« hat. Sie wird links und rechts von zwei riesigen steinernen Pilzen gekrönt, die als Schatten- spender gedacht sind und unter denen man Tee oder Brunnen trinken kann. Auf der östlichen Seite der Terraffen ist eine Tanzdiele vorgesehen. Der 1000 Meter lange Strand, aus dem sich 30 000' Menschen tummeln können, ist mit neuem, gesiebten Sand ausgefüllt worden. Die Ankleideräume sind ebenialls völlig neugestalict worden. Unter den Terrassen zieht sich in Halbkreissorm eine Ladenflucht hin; hier können die Besucher ihr« Einkäufe machen. Links und rechts sind große Ne st aurationsbet riebe ange- ordnet, mit einer- großen, vorgelagerten Schutzhalls für den Ausent- halt bei ungünstigem Wetter. Für den Rettungsdienst steht«in neues Hausboot zur Verfügung. Im nächsten Jahre wird der zweite Bauabschnitt des Bade? durchgeführt werden. Sehr vernünftig: Neukölln schafft Kreibadestclle. Für einen großen Teil des proletarischen Neuköllns fehlte es bisher an einer leicht erreichbaren Ba d s mö gl i ch.i« i t i m F r e i« n. Die Schwimmhungrigen halicn sich, indem sie„wild" im Teltowkanal badeten, was zu vielen Unzuträglichkeiten führte. In diesem Sommer wird das aber, dank einer sehr v e r- nünftigen Entscheidung des Neuköllner Bezirksamtes, anders werden. Das unter sozialdenr akratischer Führung stehende Be- zirksanu hat vorgeschlagen, ein« F r e ib a d c ge l c g« nh eit für Schwimmer an d«m noch freien Teil de? Kanalufers an oer G r e n z- alle« zu errichten. Für die Schaffung dieser behelfsmäßigen Bade. stelle, der Abgrenzung und der Errichtung einer offenen Kleider. ablagehalls und eines Sanitätsraums hat der Magistrat b«. schlössen, 1Z 000 M. aus Dorbehollsmitteln des Jahres 1929 zu be- willigen. Der Stadtverordnetenversomnrluug wird eine«vt- sprechende Vorlage zugeleitet. Der Magistrat hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, eben- falls aus Vorbehaltsmitteln des Jahres 1929 für die betriebsfertige Herstellung des Freibades Adlershof 11750 M. zur Der- fügung zu stellen. Für die Fertigstellung der Bauarbeiten auf dem Ferien spielplatz Tegel, und des Küchengebäudes auf-dem Ferienfpielplatz Pferdcbucht wurden 11 000 M. bewilligt. Schulnot Aeuköllus im Ausschuß. Kein Siadtboodirektor im laufenden Hasshallsjahr. Der Haushaltsausfi�üß der Stadtverordnetenverfamm- lung beendet« gestern die Abstimmung über di« Tiefbauver- waltung. Es wurde beschlossen, die Stelle des Stadtbau» direktors im laufenden Jahre nicht zu besetzen und die dafür vorgesehene Summe: zu streichen. Gestrichen wurden ferner die Ein- nchtung eines feuersicheren Archivs im Krankenhaus Friedrichshain und die unterirdische Bedürfnisanstalt in der Mühlenstraße, in Pav- kow. Die Ansätze hei-den Mieten und Anerkennungsgebühren für die Benutzung von Straßen- und Platzland wurden um rund 100 000 M. erhöht. Der Ausschuß wünscht vom Magrstrat bis zur zweiten Lesung einen Vorschlag, wie er der Schulnot Neuköllns für Grund- schulen und höhere Schulen begegnen will und in welchem Umfang« unter Zugrundelegung des vorliegenden Projektes für die Damm- w e g j ch u l e der dringend notwendige Teil des Baues begonnen werden kann. Im übrigen wurde die Deramng des Etats des Hauptgesundheitsamtes fortgesetzt. {nlernaüonale Kundgebung am momag, 12. mal,?s, utir.„neue waft", Kasenheme Treffpunkt der Sozialistischen Arbeiterjugend um 19 Uhr in der Camphausenstraße am L'ntergrundbahnhof Hasenheide Oas Ltnwetter über Südsrankreich. Immer wieder Unglücksmeldungen. Hart». 9. Mai. Aus dem jüdseanzöfischen llvwettergebict laufen immer ncue Uaglücksmeldustg.«» ein. äu.den Lgsirken Heroul und Sa r d halte» die ftiirzbacharNgen Niederschläge nun schon seit zwei- Tagen an. Die.Flüss- ivad'chmunvllsWrllch an und man befürchtet neue lieber schwemmungen. 3n den oberen Gebiete,, de» Departements Gart, sind neue Schneefälle eiugeteeten. Auch in Toulouse regnet es schon seit zwei Tagen'ununterbrochen. Der Wasserstand der Garonne nimmt beträchtlich zu. Am Donnerstag. abend ging ein schweres Gewitter über die Stadt nieder. Durch Blitzschlag wurde ein Teil der Elektrizitälsanlagen beschädigt und still- gelegt, so daß die Straßenbahn längere Zeil ihren Betrieb einstellen mußte. Eine hutsabrit wurde gleichfalls vom Blitz getroffen und ging in Flamme» auf, desgleichen eine Druckerei. Glücklicherweise sind Blenschenleben dabei nicht zu Schaden gekommen. Auch die ganze Umgebung von Marseille hat unter der Einwirkung der kälte und der Schneefälle zu leiden. Der Lusthasen van Ma- rignaue Hot den Luzlvcrkehe eingestellt. Aus Lyon wird der Wasserstand der Rhöne mit 2,§6 Meter gemeldet. Seit Tagen ist der Fluß über die User getreten und überschwemmt die benachbarten Landstrecken. Auch die S a ö n e ist im Steigen begriffen. Manche Rebeuflnsse verzeichnen ein hochwasier, wie e« seit zehn Zahren in dieser Gegend unbekannt ist. Krankes Fleisch für die Armen? Ein kommunistisches Abendblatt bringt unter der lieber- fchrift„Tuberkulöses Fleisch für die Aermsten" in großer Aufmachung eine Bekanntmachung des Gesundheitsamtes, Bezirksamt Tempelhoi, rnid) der am 6. Mai 1930 auf der Freibank in Berlin-Tempelhof Berkaus von Schweincileisch in gcb-rühlcm Zu- stände stattsände. Gcund der tierärztlichen Beanstandung des Flci- sdzes iei Knochentuberkulose.■ Wir haben uns sobald uns das Blatt vor Augen kam. mit allen zuständigen Stellen in Verbindung gefetzt.- Nach den gesetzlichen Bestimmungen ist Fleisch, das in irgendeiner Weis« gesundhcitsschädi- gend wirken kann, von jedem Verkauf auch auf Freibanken selbst- verstandfich vollkommen ausgeschlossen. Der amtliche tierärztliche Befund aus Knochentuberkulose besagt, daß das Tier wohl in den Knochen tuberkulös infiziert ist, daß aber dos Fleisch durd, Krank- Vor 123 Jahren, am 9� Mai 1805, starb Friedrich Schiller. Die Funlstundc erinnerte sid» an ihn in der Veranstaltung der Jugendbühne, die Szenen aus„Don Carlos" und Rezi- tationen aus den Prosaschriften brachte.-Am'Abend übernahm Königswuslerhausen die Gedenkfeier vom Schwabisdzen Schiller- Verein. Die Funkstunde läßt in einem Vortragszyklus den Vcr- such unternehmen,-die klassischen Duhter unserer Gegenwart lebendig zu machen, häite sie doch an diesem Tage dos gleiche versucht. Der Revolutionär Schiller, der kampssroh« Dichter, der Wahrheit suchende Mensch sind unserer Zeit verwandt. Die sehr atademische Feier wußte ccher von diesem Schiller wenig, und Ludwig Wüllnors techmsch virtuose Rezitation der„Glocke" konnte diesem moralischen Lehrgedicht auch kein Leben«irchauchen.— Heber„G r oßst o dt ly r i k" wollten sich Ernst Blaß und'Fri-edrich Durichell unterhalten- Es ivuröe. e-y Gespräch über die Lyrik von Ernst Blaß-— /Am'Na�mittg-o sxrgch.der neue Pressechef-im Polizei- vrasldium, Gehajfe Dr. Jcheoior Haubach über Organe der vffestlzHex Msi-L»z l» Z»«-: LKMSiratzs*. Tss». Heckskeime in keiner Werse angegriffen-ist. Um aber auch der zu 99 Prozent unmöglidzen Wahrscheinlichkeit zu begegnen, daß den- noch das Fleisch in irgendeiner Weise angegriffen sein könnte, darf es nad, den gefundheitsamtlichen Bestimmungen nur in völlig gebrühtem Zustande verkauft werden. Mit dem kommumstischcn Blatt find wir der Ansicht, daß es dächst traurig ist, wenn a-ir Arbeitslose, an Wohlfahrtsempfänger Fleisch verkaust wird, das mit dem tierärztlichen Visum:„Knochen- tuberkulöse" versehen ist. Die Sozialdemokratie arbeitet daran, diese Zustände zu ändern, aber es sind gerade die Kommu- nisten, die ihr bei ihren Bestrebungen immer wieder in den Rücken sollen. Wenn das kommunistffehe Blast in seinem Kommentar sagt. daß sich diese Zustände in Berlin zutrügen, von dessen Wagistrat .-zahlreiche Mstgiieder unglaubliche?.-Schiebungen beschuldigt und LlhSstMO.'.stnb.'h.korePeftötSgen wir-auch. dics und nennen nur die Rsiyen- Göpel und Degner, um die ganze aur'gablakene- Lächerlichkeit dieser kommunistischen hetzerischen Polemik kemitlich zu nurchen. Wir Sozialdemokraten bedauern es am allermeisten, daß es überhaupt noch Wohffahrisempsemgcr und Fleischbezieher bei den Freibanken gibt. Die Kommunisten haben kein Recht, sich um die Armen Berlins zu- kümmern. Dies war bisher stets die Sorge der Sozialdemokratie. Die Kommunisten schauen auf Moskau. Mögen sie uns gewiisenhost berichten, was dort an gesund- heitlid) nicht einwandfreien Nahrungsmilleiir die Armen zu vor« tilgen gezwungen sind!. i. Ein Kind im Teliowtanal ertrunken. Das Berfchwinden des-tlijährigen Wilfried Po raizc s aus der Herwirrthstraße 16 in Lichte rfe lde hat jetzt eck'« recht tlaurtgc Zlufklärung gefunden. Der kleine Junge wurde gestern an der.Emll-Schulze-Brück« aus dem Teliowkanal als Leich-e geborgen. Nach den palizesi-ichen Ermittlungen ist der Kleine zweifellos das Opfer eines llnglücksiaUes geworden. Bei der KrimiruApollzei Hot sich ein Mann gemeldet, der am Sonntag vormittag mit seinem Schäferhund am Kanal spazieren ging. Dos Tier sprang mehrmals ins Wasser, um zu aportieren. Ein kleiner Junge sah dem Treiben des Hundes belustigt zu, und als der Besitzer des Hundes imch einiger Zeit weiterging, sogt« er noch zu dem Kind, daß es nun zu seinen Estern nach Hause gehen müsse. Das hat der kleine Junge aber nicht getan und ist dann später wahrscheinlich von der.ziemlich steilen Böschung abgestürzt und ertrunken., Berlin gratuliert Haus Baluschck. Magistrat und Stadtverordnete haben mit nach- stehendem Schreiben Hans Balüschek die Glückwünsche der S.adt. Berlin zu seinem 60. Geburtstag ausgesprodzcn:„Aus Anlaß Ihres 60. Geburtstages beehren wir uns, Ihnen zugleich im Namen beider städtischer Körperschaften herzliche Glückwünsche auszusprechen. Wir gedenken hierbei Ihres künstlerisches und fördernden Wirkens für die Berliner Kunst, mck der Ihr Name bc» reits untrennbar verbunden ist, Ihres Rates und Ihrer aufopfern- den Tätigkeit als Bürgerdeputierter in unserer Deputation für Kunst und Bildungswcsen. Mögen Ihnen noch viele Jahre reich an Arbeitsfreude und Arbeitskraft boschicdcu und möge es uns ver- gönnt sein, in gleicher Dauer Ihrer weiteren Mitarbeit uns erfreuen zu dürfen, der Kunst und der Stadt zum Wohle!" Das Schreiben ist unterzeichnet von Stadtverordnetenvorsieher 5z a ß und Stadtrat W u tz k y, in Vertretung des Oberbürgermeisters. Der Prozeß gegen den Bornstedter Amtsvorsteher Arcuzcl, der beschuldigt wird, seit vielen Jahren sartgasetzt mit seinen Töchtern Bliu schände begangen zu haben, beginnt am 15. Mai vor dem Großen Schöffengericht Potsdam. Frenze! stellt die Vornahme rm- sittlicher fourdlungen mit seinen Töchtern auf das entschiedenste in Zlbrede. Zeugen, die unmittelbare Beobachtungen gemacht haben. sind nicht vorhanden. Ccyftte weiße Zahne.„Auch ich möchte nl meine größte llmetkenmcig und vollste Jus verfehlen. Ihne» iichett über die „Ehlorodont" „EHIorvoont- Zahnpaste" zu Lbermitteln. Ich g schon seit Jemen und ich werde ob meiner sibSnen weißen Zähne oft beneidet, di« ich lebten End» nur birch din"?ig!ich«n Gebrauch Ihrer „Thsorodont-Zahnpaste" erreicht habe." E.'Reichest. Schwerz. Amt Niemberg,©acBteis.— Ehlorodont: Zrhnvasle,- Zahr bürsten, Mund. "'tspr«, IM. d« höchM Luaiitäh L» allQ Chlorsdost» ! M gatafe J,--■ i Der Kraftwagen al§ VerKetirsmlM. Dis Gleichheit aller Deutschen vor dem Gesetz ist durch die I fahre i', der zu' seintm Lerznügen hen Kroknvagen doust�ch bs- s daß es sich mn blinde Passagiere handelte, fand auch sozieich seine L-stätigung..Die beiden Zlnkönunlinze, die eilig dem End« der challe ! zustrebten, wurden eingeholt und festgehalten. Bei ihrer polizeilichen , Vernehmung gaben sie an, die Fahrt von Warschau bis Sonderrcdif gegen fflle Fafircr?- Die„Störung der Verkehrssfdierbcit". 1 Paris zu befinden. Groß war ihr Erstaunen, als sie erfuhren, wo .sie tatsächlich gelandet waren. Beide, wurden zunäa'sit eimnal einer grundlichen Reinigung unterzogen und dann, dem Polizeipräsidiuin zugeführt. Reichsverfasfuna gesichert. Keinerlei Motiv kann ungleich« Behandlung begrüitden. es sei denn, daß ein verfassungsÄ'.dernddZ nutzt, kann nicht eingesehen werden. Warum soll. diesem eine größere '-orgialtspflicht auferlegt werden als jenem? Und bisher ist. der Gesetz anderes bestimmt. Im gellenden Zivilrecht herrscht-ebenso! Begriff des Berufs noch immer sehr eng ausgelegt worden; der wie im geltenden Strofrecht der Grundsatz, daß für ein schadeltbrin- gendes Ereignis nur haftbar gemacht werden lann, wen das Verschulden daran trifft. Dieses Verschulden kann darin bestehen, daß er entweder vorsätzlich einen Schaden angerichtet od«r zumindest chn dadurch verursacht hat, daß er s a h r l ä s s i g, d. h. ohne Beob- achtrutg der jeweils er'orderlichen Sorg'alt, gehandelt Hot. Da! Hsrrenfahrer fällt zumeist nichl darunter. Der Reichsiag muß eine genaue Rachprüfuug dieser Sesehssbestimmungen vornehmen. Wir haben leider keinen Grund, bezüglich der strafrechtlichen Reform allzuviel zn erwarte«. Aber hier, wo es sich allein um die praktische Auswirkung rechtlich unmöglicher Gesetzesbestimmvngen handelt, die nichts Zivilrecht kennt einige wenige Fälle einer.staftung ohne Verschulden, mit der Weltanschauung oder politischer Einstellung zu tan haben, muh man Klarheit und Restimmthett verlangen. Der Reichstag wird sich bei der endgültigen veschluhfassung klar lein müssen, daß ein einmal geschaffenes Gesetz nicht so schnell wieder umgemodelt werden kann. Der Entwurf ist to nmzugestalten, daß er praktisch brauchbar ist. Es handelt sich seht darum, das neue Gesetz juristisch klar und auch dem Laien verständlich zu gestalten. _ Max WoKt. Wieder blinde paffagiere. Zwei Reiselustige unter dem Warschau- Paris Expreß. Das billig« Reisen zwischen den Wagenachsen der internationalen Fern-L>-Züge scheint sich einzubürgern. Jetzt waren es wieder zwei junge Polen, die im Drehgestell des Luxusexpreß Warschau— Paris die Fahrt nach der französischen Haupisladt als blind« Passagiers machen wollten. Sie wurden heute früh auf dein Schlefischen Bahnhof entdeckt und festgenoimnen- 11m S.50 Uhr lief der Luxusexpreß fahrplanmäßig auf dem Schlestschsn Bahnhof«in. Ein Bahnfteigbeamter beobachtete zwei jung« Männer, die mir mehreren kleinen Paketen unter dem Zuge hervorkrochen. Beide waren über unü über mit Schmutz bedeckt, man hätte sie für Möhren hallen können. Di« Vermutung, rn Es Dabei ging der Gesetzgeber von der Erwägung aus, entweder man könne vermuten, daß den Verursacher des Schadens auch ein Ver« schulden trifft, oder aber davon, daß derjenige, der ein gefährdendes Moment fetzt, �ür die daraus entstehenden Schäden auf jeden Fall haftet. Ob und welche dieser Erwägungen speziell auch auf den Kraftfahrzeughalter und»fahrer zutreffen, kann hier dahingestellt bleiben. Ob man heute noch unter allen Umständen jene Iheorie gellen lassen will, daß der Kraftsahrzeugführer ohne wei- teres für die Gefahren haftet, die sich mit dem Benutzen eines Kvaktfahrwazens verbinden, ist sehr fragwürdig', vor allem ist zu bedenken, daß der Kroktwagen nicht mehr ein Objekt des Luxus ist. er ist zum volkswirtfchastlich notwendigen, nicht zu entbehrenden, oder auch nur wegdenkbaren Verkehrsmittel geworden. In diesem. Zusammenhang interessiert uns mehr als die zivilrechtliche Regelung dos Problem, wie das künftige Strofrecht speziell bezüglich der Fragen, die den Kraftsahrzeugführer betreffen, gestaltet werden muß. Mit dem Kraftwagen als Verkehrsmittel wurde e ne Onslle von Gefahren geschaffen, die zu bannen eine ganze' Reihe von Gegenmaßnahmen notwendig machten. Die darau' zielenden Bestimmungen müssen alle- eiichallen, was erforderlich ist, dürfen aber nichl darüber hinausgehend zvr Schikane für die Sraffnjogcn- iührcr werden. Für genaueste Einhaltung der unter diesen Per» fpettivsn erlassenen Anordnungen hastet lelbstverständlicherweis« der Krastwagensührer. Diese Feststellung darf uns jedoch nicht davon ab- bringen, daß ein« strafrechtliche Hastung auch nur dann als Folg« eines Unfalles eintreten kann, wenn nicht nur das Unglück feststeht, als Ursache des Schadens unzweiielhaft ist, sondern auch ein Schul- Äger für diese Ursache gefunden ist, wenn jemand da ist, dessen Vor- iatz oder dessen Fahrlässigkest an dem Unglück Schuld trägt. Ebenso das gellende Strafgesetzbuch wie der noch in Bearbeiwng befindlich« Reformvorschlag gehen davon aus, daß sich eine strafrechtliche Hof- tung nur an ein ursächliches Verschulden knüpfen kann. Leider enisprcchen jedoch die Ergebnisse der Rechtsprechung bei weitem nicht diesem theoretischen Grundsatz. Nicht, daß man auf die wesentlichste Nachprüfung verzichtet, ob«in Verschulden des angeklagten Kraftwoqensührers vorliegt, im Gegen- »eil, man stellt es immer, wie das Gesetz es fordert, ausdrücklich fest, man rechnet aber das Unmöglichste dem Krastwagenführer zum• ..Verichuldsn an. Je mehr die in Betracht kommenden Staatsanwälte f und Richter üö-rudi«' Führung' des Äraisvagene, ül er die Schwierig-! ketten des Verkehrs.' und über die ir.ü beiden verbundenen Gefahren-: quellen unterriötket sind, uiN so stärker wird das Dirständniz sein, «m so eher wird die irrige Vermutung zunichte, daß das Kraft- rvagenungliük stcts einen Schuldigen voraussetzt, und daß der Schul- dig« immer der Krastwogenffihrer ist. Der neue Entwurf noch den Aenderungen, die er durch die Beschlüsse des Reichstogsausschusse« >n erster Lesung erfahren Hot, ist nicht so klar, nicht so eindeutig und läßt unter Umständen eine Willkür des Richters zu, di» gefährlich erscheint. Denn es läßt sich nunmehr aus den, Gesetz an manchen Stellen jeweils das herauslesen, was man herauszulesen wünscht. Ts wäre trotz des allgemeinen Teils gerade an die'cr Stelle wün- ichenswert geweien, nochmals hervorzuheben, dag zwar§ 232 die iahrläfsige„Störung der Verkehrssicherheit" beobsich- tigt. Denn der folgende Paragraph ist ohne diese Sonderfeststellung, daß auch hier der Borsäg gemeint ist, an dieser Stelle nicht ohne weiteres zu verstehen. Im. allgemeinen gilt die„Schwere Pflicht- Verlegung" lediglich als qualifizierte Fahrlässigkeit, deren Folge dann leweils nur eine Erhöhung des Strafmaßes für die einfach« Fahr- lässigkest ist. In§ 231 a normiert man aber eigentümlicherweise emen Vorsatz, der deshalb schmerer bestraft werden soll, wenn er zugleich eine schwere Pflichtverletzung darstellt. Diese Qualifikation des Vorsatzes erscheint irr>g und überflüssig, weil jeder Vorsag not- wendigerwcij« ein« grobe Pflichtverletzung in sich schlfetzt.'ß JZI» ist deshalb unter allen Umständen zu streichen, weil die Ungercchtiz- keil, die doch darin liegt, daß derjenige, dessen vorsätzlich strafbares Handeln zugle:ch eine besondere Pflichtverletzung darstellt, in dem Sinne, wie das Gesetz es hier meint, unberechtigt ist. Bei der Bestrafung der fahrlässigen Verkehrsgefährdung sollte eines nicht vergessen werden. Die Frage, wann das Verhallen z. D. gerade eines Krastwagcn'oh'ers fahrlässig ist, ist o'l so schwer zu beantworten, daß es vielleicht doch zweck- mäßig wäre, hier eine bestimmte Grenze zu setzen. Die?« Grenze könnt« darin gesunden werden, daß die einfach« Fahrlässigkeit nur dann bestraft werden soll, wenn die Folge des sahrlässigen Handelns ein bereits eingetretener Schaden ist. nicht schon daim, wenn dadurch nur zunächst ein Schaden droht oder gedroht hat. Will man nicht unbedingt für alle Fahrlässigkoit so weit gehen, so mag man wenig- llens den Unterschied machen zwischen einfacher und grober Fahrlässigkeit und m-r die Bestrafung der groben Fahrlässigtest auch dann warfchreinen, wenn ein Schaden noch nicht eingetreten ist. Diese grobe Fahrlässigkcit wäre dann identisch mit der Fahrlässigkeit, die sich zugleich als eine schwere Pflichtverletzung darstellt. Wem, im Gesetz eindeutig normiert sein wird, was mir den Vorsatz, und was die Fahrlässigkeit tresfen soll, und andererseits was als Vorsatz oder gleich der Fahrlässigkeit behandelt werden soll, so wird das Gesetz eindeutiger und die Auslegungsmäglichkeir eingeschränkter(ein; die Rechtsprechung wird die Möglichkeit haben, auf einer klareren Basis dos Recht zu suchen. Die Momente der„B e r u f s p f i i ch t v« r l« tz u n g" oder des .Besonders schweren Falles" sollten näher angegeben werden, um rickterlich« Willkür auszuschließen. Dabei ist vor allem -auch wichtig, daß tne besondere Haftung des berufsmäßigen Kraftwagenführers nicht über das Maß des Erforderlichen verschärft wird. Es kann nur«ins geringe Spann« gegenüber der nicht Äs „Berufspfllchtvsrletzung" in Erscheinung tretenden Fahrlässigkeit sein, die ihre Ursache darin zu finden hat, baß man' denjenigen,.dar ständig iznd berufsmäßig mit dem Kraftwagen zu tun Hot,«ine befoudsre Kenntnis und damit eine dasoNbere Umsicht zumutet. Warum dabei, wie es oisher geschehen ist. ein Umerschied gemacht> S«t» M. jaföea tea„Sarutstrastfahrer"«d dem«fterees«' Attersheim Schonholzer Heide. Eröffnung um i. Juli.— Gesuche jehi einreichen. Das neue städtische Altersheim„Schönholz er Heide' Niederschönhausen. Podbielskistraße, wird am 1. Juli eröffnet. stehen dort 125 Stiftstellen— Stube und Küche— zur Verfügung. Zentralheizung und Warmwasserversorgung ist in dem Heim vor- handen! außerdem wird freie Beleuchtung und Kochgas gewährt. Die Bewerber müssen mindestens 65 Jahre alt sein, seit min- bestens 16 Iahren in Berlin wohnen, eine Altwohrrnng zur Verfügung stellen, ein Monatseinkommen von mindestens 56 M. nach- weisen und«in Eintrittsgeld von 1666 W. zahlen. G es u ch e um Aufnahme in das neue Allersheim sind an das Landeswohl- kahrts- und Jugendamt Verlin, Abteilung Stiftungswesen, O 27. Schicklerstraß« SU, zu richten. Zn der„Plaza" drängt der Ringerwetrstreit das artistische Programm sehr zufamimen. Di« sechs Programmnummern bringen erste Darbietungen bis auf eine, die wohl Äs„Füller" betrachtet werden darf. Der weiblich)« Teil der zwei R u d o r f fs verdient die Bezeichnung Wunder weiblicher Kraft mit Rechst. Es soll Äs große Leistung anerkannt werden, wenn die übrigens nickst nach„Riefen- dame" aussehende Artistin den 166 Pfund schweren Partner mit den Beinen im Trapez hängend mit den Armen herausstemmt. Man und T h i t, die komischen Akrobaten, erHestern auch bei ihrem Zwesten Gastspiel im Ostbahnhof die Besucher. Das internationÄ« Tanzpaar Cz e r y und D a rle-y bringt arrcbatisch-ränzsrische Reu- heiten, Rolf Holbein nrumst die als Schnellmaler au.? die Lein- wand geworfenen Dinge sofort in Gebrauch und der Wunder- schimpanse Daphne— ist kein Affe oder ist er es doch?— Die Ringer haben viele Freunde im Publikum. sagt 6erJ5är? f t jM l. Unsere leii erkann /e dm der sporilichen Betätigung und die Bedeutung Völker verbin d enden Weit kam pfe. Hö chsil eistun gen reißen, wo immer sie gezeigt werden, die Messen mit, und deshalb bekennen sich auch Tausende zur «Mosejtii«funo B erlin s m eistgerau cht er 4*$ Clgaratt e Melmui Süofe: Ol Grade war das Biest an mir vorbei gerast und hatte mir ein« .anze Psütze über die Beine gespritzt. Da fluchte ich und der im Auto grinste. Jetzt stand das dampfende Ding mitten auf der Straße und tat, als fei es noch nie in Bewegung gewesen Da flucht« der andere und ich grinste. Und er tanzte, mit einer riesigen Hornbrille geschmückt, mit Oelkanne und anderem Handwerkszeug bewaffnet, um den bockenden Reimer wie Wandervögel ums Sonnweirdfeuer. llnd dos Auto sah so unschuldig aus! Aber das hinterlistig« Ding verstand es gut, inich zu täuschen, denn der ander« schimpfte mit ihm wie mit«inem ungezogenen Hund. Er drehte an einer Schraube, klopfte hier, rüttelte da. versuchte den Anlasser,— fluchte— nter di« Karre ging nicht. Fluchte— sah noch der Uhr. „Verstehen Sie was von Autos?" schrie er mich an. Cr war aber nicht böse gemeint, eher war etwas Flehendes in der Stimme. „Bei nassem Wetter spritzen sie.— bei trocknem stauben sie,— auch fahren sie verdammt schnell. Sonst verstehe ich nichts davon." Himmeldonnerwetter und so weiter! Ilm 1 Uhr muß ich in der Stadt sein." „Das sind noch Sä Kilometer mein Herr." „Ich weiß! Jetzt ist es 12 Uhr 36. Verflucht« Saukarre!" Eigenllich wollte ich lachen, weil ich mir in meinen zerlotzchten Schuhen viel sicherer vorkam, als er in feinem Lackkosten. „Wenn ich das nicht schaffe, geht mir dos ganze Geschäft zum Teufel. Himmeldonnerwetter und so weiter!" ärgerte er sich und begann nur leid zu tun. Was oersteht ein Landstreicher von den Eingeweide» eines Autos!'Aber ich fing an daran herum zu basteln. Es war mehr ein Streicheln, ich wollte es sozusagen im Guten schassen. Zuckckck— und beinahe hätte ich im Graben gelegen.?llso das ist ein elektrischer Schlag! Ich rappelte mich wieder zusammen und untersuchte die Stelle genauer. Der elegante Herr drückte auf den Anlasser und zwischen den Drähten schmorte es wie«in Ei in der Pfanne. Der Mann schimpft«— ich griente. Dann bog ich die Drähte vorsichtig auseinander, warum, weiß ich nicht. Der schweißtriefende Gentleman sah nach der Uhr und verfluchte die Zeit und sein Geschick. Verzweifelt drückte er auf den Anlasser. Surrr— surrrrr— es klappt! Nanu? Ich drückte die Drähte wieder zusammen— burr— burr— tu mm— aus! Ahal„Hier an den Drähten liegt's! mein Herr." „Ich denk« Sie verstehen nichts von Autos!" „Nein, ich verstehe nichts." „Dann liegt's auch nicht an den verflu--" „Probieren Sie doch!" Und es lag daran.— Er ist kein schlechter Kerl, er will mir was geben für meine Hilfe. Aber er hat nur großes Geld. „Kommen Sie mit nach Rostock. Hopp! Machen Sie zu! Tempo! Tempo!!" Ich zögere einen Augenblick, weil ich meine Beine nicht de- leidigen will. „Machen Sie doch, los, Menschenskind! Tempo! Tempo! Es ist schon 12 Uhr 421" Also ich rein ins Polster. „Sind Sie nervös?" „Ich nervös? Ich? Keine Spur!" Die Jagd mit den Minuten geht los. 40— 45— 60— zeigt her Kilometermesser. Es ist 12 Uhr 44. Die Chausseebäume rücken zusammen wie ein Lattenzaun. 75— 80— stö Kilometer. Die Landschaft dreht sich um die Mühle im Hintergrund wie eine bunt« Grammophonplatte. 105 Kilometer! Die Kühe sind nur noch Färb- klexe in Grün.„Es geht gut, es geht ausgezeichnet!" schreit der Mann am Steuer durch den kitzelnden Gesang der Maschine. „Wenn's so weiter geht, schaffen wir's noch!" Zunächst ist das, was sich da weit vor uns grau bawegt, noch nicht zu erkennen. Jetzt schon. Eine Herde Schafe. Ein Fluch— so lang wie die Straß« von Wismar nach Rostock. 90— 80 60— 20 Kilometer. Der Schäfer lacht— der Hund bellt— die Schase haben unglaublich viel Zeit. Der Mann am Steuer kocht vor Wut. Sein Finger auf dem Signalknops wird blau. Die Uhr zeigt 12.40! Die Hammel springen genau vors Auto. Aester, gottlose! und der Wagen holpert über zwei Hainmelleiber. Der Schäfer schwingt den Knüppel hinter uns und schreibt, wie mir mpo! ftempo!! scheint. Ich kann es aber schon nicht mehr recht erkennen.„Wir haben schon wieder 60 draus". stM beriedigt der Rasende fest. „Was kosten zwei Schafe?" frage ich. „Schnuppe, ganz schnuppe— es ist 12 Uhr 50!" Die Häuser eines Dorfes fliegen vorbei wie Papiersetzen im Wind. Ein Gendarm springt erschreckt vom Rade und trudelt mit- samt dein Stahlroß in den Graben, wo die Schweine wühlen. Das macht mir den meisten Spaß. Der Erbfeind ist geschlagen! Durchs Dorf sind wir. Es hat ein paar Hühner gekostet. Sie liefen in selbstmörderischer Absicht mcker die Räder. 120 Kilometer! Weit vor uns geht ein Mensch Nein, er muß gestanden haben. Er ist schon weit hinter uns. Ebenso«in Heuwagen. Wir schleuderten um ihn herum, daß ich fast aus den Polstern geflogen wäre. Bor uns «in Dorf— mein, schon drin,— schon durch! Vorbei an einem Grünen, der das Luch in der Hand mitten auf dar Straße, ge- standen hatte, als wollt« er uns stoppen. Uns! Er ist auch ver. dämmt schnell zur Seit« gesprungen. Ob's diesmal Hühner gekostet hat, weiß ich nicht. Kam auch nicht mehr dazu zu überlegen.„Was kostet der Grüne?" fragte ich noch. Bekam aber keine Antwort. Sah vor uns etwas Hundeöhnliche»— verspürt« einen Ruck... ... als ich die Wirklichkeit wiedersah, war ich damit beschäftigt, mir zähen, schwarzen Schlamm aus dem Gesicht zu kratzen. Ich sah mich um, und stand am Ufer eines breiten Baches neben einer hohen Brück«. Aus dem Wasser krabbelte noch ein Schlamm klumpen. Ich vermutete in Ihm den Autobesitzer. Hinten und vorn konnte ich nur unterscheiden, weil ich mir dachte, daß«in Mensch sich nicht zuerst am Hintsrkopf den Morast abwischt. Allmählich wurden bei ihm auch wieder Naie und Augen sichtbor. Ich hatte mich nicht getäuscht in meiner Vermutung, er war es. Aber— seine Hose, die vordem weiß gewesen, war jetzt eben so unkenntlich wie meine, die vordem Lpcher und Flicken zeigt«. Statt der weißen Schuh«, hotte«r eben solche Klumpfüße wie ich. Mein Hemd, das früher ungefähr erkennen ließ, daß es ganz früher mal grau od«r grün gewesen sein mußte, war eben so blauichwarz wie das seine, das vordem blendend weiß war. Wir sahen an einander herauf und herunter und erkannten uns wieder an«inem zuerst zaghaiten, dann freien Lachen. Plötzlich wurde er ernst. Sein„Wie spät ist es?" inachte auch mich stumm. Wir rannten die hohe Böschung hinauf und standen im nächsten Moment vor einem Blech- und Eisenknäuel, das eher einer riefigen, weggeworfenen Handharmonika glich, als einem Auto. Fünf Schritte hin log der Leichnam eines Hundes.— Wahrend ich oersuchte, in Gedanken aus dem Hausen Gerumpel ein -lackglänzendcs Auto zu rekonstruieren, und die ausgerissenen Chausseesteine chetrachtete, kam ein Lastwagen, den mein Schicksals- genösse stoppte. Wir stiegen auf. Gerade als das polternde Gefährt sich in Bewegung setzen wollte, rief der Mann, der vor 10 Minuten noch eine Hornbrille trug:„Warten Sie bitte einen Augenblick. Meine Aquarelle!" Wir sprangen vom Wogen und suchten in der näheren Umgebung des Schutthaufens, der vor 10 Minuten noch ein blitzsauberes Auto war. Unten,«inen Schritt vom Wasser entfernt, log hie Mappe mit den Kunstwerken... Vor einer Villa stiegen wir ab. Ich mußte mit hinters Haus gehen. Der Mater sagte der Köchin, sie möchte den Herrn Kommerzienrat herausbitten. Es erschien eine sympathisch« aller« Dame und blieb ein paar Schritt« vor uns stehen. Dann erkannte sie den Maler. „Was ist Ihnen denn passiert?" ,L),— nicht» Besonderes, gnädig« Frau" verneigte«r sich. .Kann ich nicht den Herrn Kommerzienrat auf«inen Moment sprechen?" „Rem, lett»«, rnern Mann kommt erst heut« abend.— Aber ich werd« Ihnen Sachen bringen lassen, damit si« sich umziehen können" „Ich bin Ihnen dankbarst verbunden, gnädig« Frau, ich dank« Ihnen! Aber ich sollt« doch heute um 1 Uhr hier sein, um den Kunsthändler kennen zu lernen." „Ich glaube wohl, erst morgen. Herr Ierg." Der Maler sucht« in feiner Tasche und brachte«inen.zerwischten Notizblock zum Vorschein.„Nein, heute, gnädig« Frau. Ich habe es mir notiert, extra, weil ich sonst alles durcheinander bringe. Heut«, Donnerstag, den IS." „Das ist richtig notiert.— Aber heute ist Mittwoch, der 14." £rich Qrifar: Parlament im dreien Es ist nicht zu sagen, daß es gerade angenehm ist, in einer Riesenstadt wie London Angestellter zu sein. Zwar handhabt mau den Achtstundentag loyal, aber viel Zeit geht verloren, um in das Zentrum dieses unübersehbaren Häufermeers hinein und wiedec herauszukommen. Mittags, wenn sür eine oder zwei Stunden die Arbeit in den engen Büroräumen, in denen ewig die Lampen brennen, ruht, ist schon gor nicht daran zu denken, nach Hause zu fahren und in Ruhe und Bequemlichkeit die stärkend« Mittags« mahlzeit einzunehmen. Und so bleiben denn Zehnlausenda von jungen Menschen in der City. In einem der zahllosen LuNchrooms, die es in manchen Straßen in jedem zweiten Haufe gibt, bestellen sie sich ein billiges Essen, oft nur ein gebackenes Er auf geröstetem Brot oder ein Stückchen Käse, seltener schon eine richtige Mahlzeit mit Suppe und Fleisch, und dann geht's auf die Straße. Draußen haben sich Obsthändler aufgebaut. Milchmänner sind gekornmen. Schokoladenoerkäufer, die ihre Ware an die abfetzen, deren Gehalt nicht mal zum Betreten eines Luirchrooms langt. Und so sieht man die jungen Männer, manche noch mit dem Zylinder bekleidet, der das Symbol ihrer Tätigkeit in einer der Banken ist, andere barhäuptig und die Hände in den Hosentaschen, in den oom Benzin- geruch durchsetzten Straßen promenieren. Wer Zeit genug hat. verschwindet wohl zu einem der nahen Parks, um dort Schwane zu füttern, oder er geht zur St. Pauls-Kathedrale. um hier den Tauben zuzusehen, die von Angestellten und Vorüberkommenden gefüttert werden und die den jungen Mädchen dankbor aus die Schultern fliegen. Doch nicht alle, die da für eine Sttmde oder zwei dem dumpfen Druck ihrer Arbeitssron entronnen(iitd, finden ihr Vergnügen an den dicken Tauben; zu flirten gibt es auch nicht viel, denn die Zahl der weiblichen Angestellten in diesem Viertel ist gering und wo schon eine hübsche Kleine sich sehen läßt, ist sie von drei oder vier Verehrern, weniger um der Verehrung willen, als aus Gründen der Langeweile, umschwärmt und das Ergebnis ist, was man tot- schlagen wollte, Langeweile. Das wissen natürlich auch die Wanderredner, die Sonntags im Hydepart ihre Weisheiten verzapfen, und so kommen sie denn, ein kleines Gestell, aus dem sich mit weniger Handgriffen eine Art Kanzel machen läßt, unter dem Arm und bauen sich mitten im i Bankenviertcl auf, um«inen Angrifj auf Sie Langeweile zu unter- nehmen. Wenige Minuten nur, laum, daß einer dieser Straßen- rodner Zsit gehabt hat, sein Gestell aufzubauen, da sst er schon von einigen Dutzend Neugierigen umschwärmt. Aus den Neugierigen werden Zuhörer und ehe noch der Rcdnar, der für die christliche Heilslehre werden will, mit dem Gebet fertig ist, das seine Ansprache einleitet, hat sein Konkurrent, der für die rein« Wissenschaft unter Ausschaltung allen Aberglaubens eins Lanze bricht, fuirszig Mann um sich versammelt. Mit der Zahl der Zuhörenden wachst die Begeisterung und war zunächst nur mit dem Munde sprach, redet mm mit Kopf, Händen und Füßen zugleich. Da' kann der Mann von der Nattrrheillunde nicht viel werben, aber er hat Zeit. Bald ist nebenbei die Zahl der Zuhörer sa groß geworden, daß die Letzt«» nicht mehr oerstchen. was da vorn« gejagt wird. Und nun hat auch der Naturheil künden rann seine Zuhörer. Nicht viel, ober seinem Ehrgeiz genügt«S. Nebenan hat ein alter Mann ein halbe« Dutzend Menschen um sich versammoll, denen er gerührt seine Lebensgeschichte erzählt. Zum Nutzen der Jungen, denen er immer wieder sein„l-ewk up" zuruft.„Paßt auf!" Das werden sie wohl tun, d«nn sie sind ja jung und zum Aus- passen hergekommen. Da hat sich mich ein struppiger Prolet aus die Brüstung, dt« den Platz oon ein«r tieserliegenden Straße ab- grenzt, geschwungen, um den Leuten, die ihn umdrängen, vom Sowjet Paradies zu erzählen. Da kann nun keiner von den anderen mit. Nicht der Katholik, nicht der Naturheiltundemann, nicht der Weife, nicht der Evangelist, wo es was über Rußland zu hören gibt, da stauen sich die Massen. D«>m Rußland, das ist noch ein Thema, mit dem man sich auseinandersetzen muß. Für oder gegen, dos ist gleich, aber das Thema geht den Menschen von heute an, der sich aus den Zustanden, in denen er lebt, heraussehnt. Freilich, hier gibt's auch di« meisten Zwischenruf« und der Redner hat nicht die Lammsgeduld des Evangelisten nebenan, der sich jeden Einwand mit überlegener Ruhe anhört, um ihn mit der gewohnten Routine abzuttm. Wer von Rußland was weih, kämpft um seilte Meinung, und so gibt es hier allerlei interessantes Leben. Aber die Köpfe schlägt man sich nicht ein. Der Schutzmann. der sich auch eingesunden hat, hat nichts zu tun. sagen darf man hier, was man will, und handeln... Gott ja, um zwei ilhr, da wird wieder gehandelt. Baumwolle, Stahl, Seite, also was sie wollen. London sst ein Zentrum des Wellhandels. lleberhaupt die Zuhörer. Da gibt es alt« Grauköpfc, deren einzig« geistige Nahrung diese Reden sind und junge Burschen, die hier chre erst« Lektion in der Politik bekommen, die alles noch sehr wichtig nehmen, und alle erfahrene Arbeiter, die oon der über- legenen Warte eines gefestigten Standpunktes aus halb amüsiert anhören, was man ihnen hier mit vielem Ernst vorträgt. Stamm- gaste gibt es auch, die lebeü Mittag wieder zu dem gleichen Redner gehen, die ihm den Vorwand geben, seine Rede zu halten, itze memaich sonst hören will. Denn das ist das Schöne bei diesem Parlament: niemand muß zuhören, wenn er nicht will. Und jeder kann sich den Redner aussuchen, der ihm zusagt. Alle können zu gleicher Zeit reden und dennoch stört keiner den anderen. Und wer nirgends zu Worte kommen kamt, hier kamt er sein Steckenpferd reiten und scheu, ob er Anhänger bekommt. Und obwohl jeder der Ztedner aus seiner Stimme rauszuhalen versucht, was drinsitzt, d:s Luft, der Lärm der nahen Straße schlucken viel oon seinen Worten und wer sich nur fünf Meter well wagstelll, hört vonjill den schonen Reden nichts. Rur wemt die Frommen ihren Speech beendet haben, gibt's einen Augenblick mehr Geräusch, weil sie sich em Liedchen singen. Aber bei den Frommen stehen nicht viel mtd.so klingt auch dieses dünn. Nur ein halbes Dutzend origiueller Typen. denen das Singen um des Singens willen Spaß macht, fallen in die Melodie des Vorsängers ein, um. wenn sie fertig sind, beim nächsten, der ein Lied anstimmt, ebenfalls mitzusingen. Ein seit- samer Gesangverein, der sich da produziert. Ihn anzusehen ist interessanter als ihm zuzuhören. Einer, der den Mund sehr weit ausreißt, hat ein verbundenes Auge, wie die Männer in den G«> schichten aus den Derbrechervierteln es gewöhnlich haben. Ein anderer sieht aus wie Jesus. Wenigstens hat er einen Bart, der 12 Jahre lein Messer mehr gesehen. Aber auch sehr bürgerlich aussehend« Sänger gibt es, die aus Ueberzeugung ihre Stimme ertönen lassen. Und das sst gar nicht gut. denn wo soviel Ueberzeugung sst, du sind die Geschäfte schlecht für die, die reellere Dinge als Weisheiten und Wahrheiten an den Mann zu bringen haben. Denn in diesem Gedränge gibt es auch welche, die mit Seife und Gummikragen handeln. Einer hat sogar einen richtigen Stand ausgebaut und zeigt den Zuschauern, wie man mit Hilfe eines„Storchschnabels" eins Zeitungszsichnung oder irgendeine Zeichnung vergrößern kann. Und merkwürdig, obwohl doch ein photographijchcr Bergrößerungs- apparot heute aktueller ist, es gibt immer noch Leute, die sich einer. Storchschnabel kaufen. Er kostet ja auch nur einen Schilling. Inzwischen geht die Uhr auf zwei. Truppweise bröckeln die Hörer ab. Die Redner müssen zum Schluß kommen. Da und dort versucht noch ein Hörer eine Diskussion in Gang zu bringen, aber die Zell vergeht. Die Redner packen ihre Gestelle ein, ziehen sick den Mantel wieder an, den sie in der Hitze des Gefechtes ausgezcfgsn. und wenige Mimiten nach zwei ist der Platz leer, auf dem eineinhalb Stunden ein Parlament im Freien getagt hat. Salamon äkmibUser: 3n diefem Moment... Jetzt, während ich beim Schreivtssch sitz« und nachdenke... liegen Tausende und krümmen sich vor körperlichen oder seelischen Schmerzen... erscheint der Tod und reißt Mütter von Kfndern und Kinder von Müttern fort____ Jetzt, in diesem Moment werden Gefängnisse geöffnet und junge Menschen hineingebracht, um Monate oder Jahre darin zn verleben... und die vielleicht dasselbe verbrochen haben wie ich. nur etwas ungeschickter und ehrlicher... während ich hier sitze, Zigaretten rauche und jederzeit hinausgehen kann in eine Bar oder sonstwohin... Jetzt, in diesem Moment läuft aufgeregt auf einer Brücke ein junges Mädchen. Si« wartet, bis die dort Gehenden verschwinden werden, damit si« sich dann ins Wasser werfen kann und ertrinken. War ist geschehen? Ihr Freund hat sie im Stich gelassen. Ach, all« Menschen lassen sich gegensellig im Stich, das ist schon so. ein finsteres Gesetz. Wenn alle sich deshalb ertranken würder.' wäre ja die Well leer... Das möchte ich diesem dummen Mädcher sagen, aber sie itt messen well entfernt und kann mich incht hören und deshalb muß sie zugrunde gehen... aus dem sinzigen Grund. weil sie mein« Stimme nicht vernehmen kann, muß dieses unschuldige Leben enden. Ist das nicht merkwürdig? Jetzt, während ich hier an meinem Schreibtisch sitze und nach- denke, seh« ich plötzlich, daß verregnete, finstere Parkanlagen von alten und jungen, zermürbten Menschen aufgesucht werden, un: die Nacht dort zu verbringen... irgendwo in schmalen, finstern, un. heimlichen Gassen spazieren junge Menschan, um sich diese?iacht zu verkaufen____ Jetzt, in diesem Moment sigen bebrillte und gelehrte Herren und denken nach über die Rätsel des Lebens und glauben endlich etwas Licht entdeckt zu haben. Ach, das haben sie schon vor tausend Jahren getan und da? weiden sie tausend Jahre später noch bin und dabei immer glauben, daß si« endlich etwas Licht in dieser Duntelhell entdeckt haben... Jetzt, in diesem Moment geschehen plötzlich Dinge— es wird mir schwindlig, wenn ich alle Möglichkeiten überdenke... ich halt« es für klug, die Zigarette noch auszurauchen und mich dann schlafen zu legen. Das Bett ist gemacht und eine Flasche Wein ist auch vorhanden und ich gebe zu, es sst leichter, über fremd« als über eigene Schmerzen zu dichten... das gebe ich ohne welleres zu... ich will nickst verhehlen, daß ich es gut habe... wirklich gut... aber auch nur in diesem Moment; im Grunde bin ich ja verwundet. denn ich habe bereits Angst, daß ich mll diesen Zeilen das Schicksal an meine Existenz«rinnert habe und möglicherweise morgen schon zu jenen Elenden gehöre, die mir leinen Moment aus dem Kopfe gehen und deren Leiden ich, mll Ausnahme dieses Augenblicks, sonst immer mll mir herumtrage!— So verwundet bin ich. Sind Schlupfwespeu nützlich? Wie weitgehend der Mensch in seinem Kampfe gegen die Zerstörer seiner Kulturpflanzen, bestm- der» aus dem Reiche der Schmetterlingsraupen, von den Schlupf- wespen unterstützt wird, zeigen die neuesten llntersuchungen dieser Frag«, die der russssche Zoologe F. Meyer an Raupen das Kohl- und Rübenweißlings ausfübrte. Er stellte fest, daß von den Kohl- weißlinasraupen einige 80 Prozent, von den Rübenweißlingsraupen etwa 10 Prozent ven Schlupfwespsneiern bzw. Maden befallen waren. Dabei zeigte sich ober die sehr interessante Tatsach«, daß die befallenen Raupen den Eindringlingen nicht rettungslos preis- gegeben sind, es gelingt vielmehr den Raupen in einigen Fällen. die in sie abgelegten Eier abzukapseln und zu zerstören. Es sterben also nicht alle befallenen Raupen, sondern einige entwickeln sich bis zum Schmetterling weiter, so daß dadurch der Nutzen der Schlupfwespen ganz erheblich herobgeietzt wird, denn der Prozent- satz der Raupen, die sich trotz der Iissektion mit Schlupf wespen- eiern weller entwickeln, ist ziemlich bcirachtlieb. So entwickeln hundert von der Schlupswefpe /cpeniele- angestochene Rüberaveiß- lirgsraupen vierzig zu ganz normalen Schmetterlingen. Aufschwung des Fraueubilduug-wesens in Japan. Die aus kleinen Anfängen hervorgegangene, heute zur bedeute ndsten Bll- dungsstätte der Frau in Japan geworden« N'hon Joschi Daigaku, die japanssche FrauenunioerssitÄ in Tokio, konnte vor einiger Zeit ihr 2SjLhrtg«s B? stehen feiern. Die Geschichte dieser Universität, die heute von mehr als 1100 Studentinnen besucht wird, ist ein getreues GptegokbiÄ» des Aufschwunges, den das Frauenbi'dungswesen'im Lauf der letzten kVibr« in Japan genommen bat. Heute gibt es dort über 700 höhere Mädchen schössen. 2 staatliche Mädchenly-cen, 2 private Hochschulen für Frauen, 14 Anstalten nach Art der englischen Colleges und 4 Spezrolhochjchulen für Medizin und Zahnhsilkundt. T«. 216• 47 3o6rsactä 2« ��OrtDdl�� SonnaSsnd, 10. Moi 1930 Unsere Kunden haben Oer Z�aiffeisen- Skandal. Beschluß des Llntersuchungsausschuffes vom Landiag gebilligt. Hierauf vertagt sich das Haus auf Montag, den 19. Mar. 1 Uhr. Tagesordnung: Aweite Lesung des Haushalts der allgemeinen Finanz Verwaltung, kleine Vorlagen. Der Preußische Landtag erledigte am Freitag zuerst einige kleine Vorlagen. Dabei wurden u. a. die Anträge der WirtschaftS' partei auf Ausdehnung der Amnestie auf alle politischen Vergehen aus Anlaß der Itheinlandräumung und der Deulschnationalen aus Einwirkung der Staatsregierung auf das Reich für Beibehaltung der Todesstrafe abgelehnt. In der fortgesetzten zweiten Lesung des Staasministevwms kritisiert. Abg. Falk(Dem.) die Zersplitteniug der preußischen Stimmen im Reichsrat und den 8 36 des Finanzausgleichs, der Preußen schädige. Preußen Hab« nach dem Kriege im Osten außerordentlich gelitten, doch sei auch der Westen hilfsbedürftig. Das Reichs- kabinett Brüning sei zwar nicht nach seinem Her.zen, doch sei ihm schon deshalb eine längere Lebensdauer zu wünschen, damit es versuche, ein« finanzielle Gesundung herbeizufuhren. Ab«. Vollmers(Dt. Fraktion) wendet sich gegen die Politik des Ministerpräsidenten und spricht die Hoffnung aus, daß dessen Etat- rede«in Schwanengesang gewesen ist. Abg. kube(Nab-Soz.) setzt sich mit großer Schärfe mit d«n Bestrebungen des Reichswehrministers Groener auseinander, der nationalsozialistischen Agitation im Heere entgegenzutreten. Groener sei seit 1917 eine der unheilvollsten Erscheinungen der deutschen Geschichte. Vorläufig halten die Nationalsozialisten nur die Liebe zum Staat« ab, unter Beweis zu stellen, daß Groener sich in gewissen Situationen anders ihrer Partei gegenüber eingestellt habe. Der Landtag solle sich endlich auslösen. Ministerpräsident Braun werde auf keinen Fall das 2l>jährige AmtsjubUäum feiern. Ministerpräsident Otto Braun weist die Anwürfe gegen Reichswehrminister Groener zurück und bedauert, daß der Vorredner nicht daran gehiirdert wurde. Roch Ausführungen des Abg. Lachem(Dtn.) über die Saar- frage und gegen die Kriegsschuldlüge wird ein Schlußantrag angenommen. Die Abstimmung über die angefochtenen Titel des Haushalts findet später statt. Es folgt der erske Teilbericht des Untersuchungsausschusses über die Kreditgewährung der Vreußenkasse an die Raifseisengeuosien- schaft. Abg. Kuttner(Soz.) als Berichterstotter: Der dem Haus« vorgelegt« Feststellungsantrag über dos Ergebnis der Untersuchungen ist sehr umfangreich. Aber als Extrakt eines Protokolls von mehr als 2909 Druckspalten konnte cr nicht kürzer und objektioer gefaßt werden. Ich kann deshalb auf einen Gesamtüberblick über die Untersuchung verzichten. Als wesentlichen Punkt muß ich allerdings die betrübliche Tatfache hervorheben, dach der Staat durch die Verbindung der Preußenkasie mit der Raisseisenbaak erhebliche Verlust« erlitten hat. die sich aus etwa 50 bis 60 vlillionen Mark bezisfern. (Hört, hört! links.) Diese Summe würde genügen, setzt das Defizit im Staatshaushalt zu decken(Sehr wahr! bei den Soz.) Anderer- seits ist dabei erfreulich, daß im Ausammenhang mit diesem Riesen- verlust nicht von Korruption gesprochen werden kann. Die per- sönli che Integrität der leitenden Beamten der Preußenkass« ist nicht anzutasten. Trotzdem darf die Leitung der Preußenkasse nicht von aller Schuld freigesprochen werden. Präsident Semper hat mit einer Fahrlässig- k« i t und Rechlässigkeit gehandelt, die auch nicht durch die schwierigen Verhältnisse der Jahre 1924/23, mit Inslatton und Deflation entschuldigt werden können. Er darf auch nicht als Entschuldigung für sich in Anspruch nehmen, daß er aus Anweisung des damaligen Finanz Ministers Dr. Richter gehandelt hat. Es wäre seine Pflicht gewesen, diesem Minister gegenüber auf die sich ergebenden Mißstände ousmerksam zu machen. Aber seine Ber- nehmnng hat mit aller Deutlichkeit ergeben, daß dazu sein Respekt vor der tiefeingewurzelten altpreußischen Tradition der Raisseisen- bank und deren Präsidium Dietrich, Dr. Seelmann-Eggebert und Schwarz viel zu groß war. Es hat sich aber auch herausgestellt, daß die Preußenkasse rein organisatorisch nicht auf die Schwierigkeiten der Inslations« und Deklationszeit vorbereitet war. Es fehlte an ausreichender kaufmännischer Kontrolle, der Betrieb war viel zu schwerfällig. Der frühere Präsident Semper hat diese Dinge viel zu sehr schleppen und schleifen lassen, was zu dem gro- tesken Umstand führte, daß die Preußentasse der Raisfeisenbank nachlaufen mußte, daß die Schuldnerin der Gläubigerin die Maß- nahmen diktierte. Die Mehrheit des Ausschusses hat dem Finanz- minister Dr. Höpker-Afchoff um so weniger einen Vorwurf machen können, als die Bernehmungen ergeben haben, daß er nicht recht- zeitig und ausreichend, sondern sogar falsch informiert wurde. Der Finonzminister hat in dem Augenblick, als er daraus aufmerksam wurde, sofort den Präsidenten Semoer abberufen und alz Noch- solger Herrn Klepper bestellt. Mehr konnte von dem Minister nicht verlangt werden. ZUsa auch hier liegt in der mangelnden Znformaiion des vor- gefetzken TUiaisters ein verschulden des Präsidenten Semper. gegen dessen persönliche Ehrenhastigkcit hierbei kein Vorwurf erhoben werden soll. Anders liegen die Dinge bei der Raiffeisen- b o n k, die als Genossenschaftsbank und große Kreditnehmerin durch- aus als gemeinnütziges Institut anzusprechen ist. Sie wäre unter allen Umständen der Preußenkasse gegenüber zur Aufrichtigkeit und Ossenheit verpflichtet gewesen. Mit anzuerkennender Aufrichtigkeit hat sich der frühere deutschnationale Abgeordnete und Direktor Dr. Seelmann über die Leitung der Raisfeisenbank und deren Geschäftspraktiken ausgesprochen. Die Raisfeisenbank hak die Vreußenkasse über die abgeschlossenen unzulässigen Geschäfte getäuscht: die Stalulea sind ganz will- kürlich ausgelegt worden. Die Geschäfte mit der Ostwolle und mit Uralzeff waren phantastisch. Auch hierbei muß sestgestellt werden, daß sich die Direktoren Zweifel. los nicht persönlich bereichert haben. Aber ihr« Leichtgläubigkeit grenzt an das Märchenhafte, um so mehr, als Uralzeff seinerzeit schon als Schwindler und Hochstapler entlarvt war. Es hat sich herausgestellt, daß sich hier einer auf den andern verlassen hat und daß schließlich die Staatsfinonzen der leidtragende Teil waren. Leider hat sich trotz der eindeutigen Beweiserhebung kein ein- stimmiges Untersuchungsergebnis feststellen lassen. Deshalb muß hervorgehoben werden, daß es nicht parteipolitisch gefärbt ist und daß ein Teil der Opposition zugestimmt hat. Di« übrige Oppo- sition hat aus verschiedenen Motiven dagegen gestimmt: die Rechte, weil es ihnen zu weit geht, die Kommunisten, weil es nicht scharf genug ist. Dabei sind die Feststellungen außerordentlich vorsichtig formusiert. sie sind lediglich eine objektive Darstellung des Tat» bestandes. Ich bitte deshalb um Annahme des Ausschußbeschlusses. (Beifall links) Abg. Laecker-Dersin(Dtn.) erklärt, daß die Raisfeisenbank nicht verteidigt werden kann, daß ihm aber die Feststellungen gegen- über Direktor Dr. Seelmann zu weit gehen. Abg. Schulz-Neukölln(Komm.) macht den Ministerpräsidenten Otto Braun und den Finanzminister Höpker-Aschofs, die beide vor den Staatsgerichtshof gestellt werden müßten, sür die Verluste der Preußenkass« verantwortlich. Abg. Dr. Bösenhausen(DBP.) stellt fest, daß die Verichterstat- tung des Präsidenten Semper an den Finonzminister optimistisch gefärbt waren und stimmt den Feststellungen des Ausschusses im wesentlichen zu. Abg. Dr. Ley(Nat.-So.z.) erklärte den ganzen Ausschuß, dessen Berichterstatter der Jude Kuttner gewesen sei, für eine jüdische Schiebung. Abg. Kuttner(Goz): Herr Dr. Loy hat auch nicht einer einzigen Ausschußsitzung bei- gewohnt. Wenn die Raisfessengenoss enschasten nach seiner Behaup- tung den Einfluß des jüdischen Kapitals bekämpfen sollten, so ist unerfindlich, warum die Raisfeisenbank 20 Millionen Mark an Herrn Uralzeff verschleudert hat, den die nationalsozialistische Presse als Ostfuden bezeichnet.(Heiterkeit.) Daß der Ausschuß die persönliche Ehrenhaftigkeit der Herren Dietrich und Scelmann nicht anzweifelt, bezieht sich darauf, daß sie sich persönlich nicht haben bereichern wollen. Sonst aber standen ihre kaufmännischen Handlungen im absoluten Gegensatz zu den Grundsätzen, die das Gesetz von einem ehrbaren und ordentlichen Kaufmann verlangt. Sie haben die Preußenkasse getäuscht und Bilanzen aufgestellt, die an den Tatbestand der strafbaren Bilanzfäl» s ch u n g grenzen. Wenn von rechts behauptet worden ist, daß das Ergebnis des Ausschusses politisch mager gewesen sei, so nur das: wir verzichten darauf, den Fall Uralzeff gegen die Deutschnationalen in ähnlich hetzerischer Weise auszubeuten, wie die Deutschnationalen den Fall Barmat gegen uns. obwohl der Schwindler Uralzeff tief unter Barmat und sogar unter Kutisker rangiert. Wir machen ihnen keinen moralischen Vorwurf daraus, daß sie die Person des Uralzeff nicht rechtzeitig durchschaut haben, während die Deutschnotionalen seinerzeit jeden Linksstehenden öffentlich verfemten, der sich von Barmat täuschen ließ: Im übrigen hat sich ae.zeigt, daß das System der Untersuchungsausschüsse durchaus qut ist. Das demokratische System ist das einzige, dos alle internen Vorgänge einer schonungs» losen Durchleuchtung auesetzt. Nicht ist im demokratischen Staat die Korruption größer als unter anderen Staatsformen, größer ist nur die Möglichkeit, sie aufzudecken und durch ösfenlliche Behandlung zu beseitigen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Laecker(Dtn.) oersucht den Präsidenten Dietrich gegen die Vorwürfe des Vorredners zu verteidigen. Zn der Abstimmung wird ein Antrag der Kommunisten gegen ihre Stimmen abgelehnt, sodann der Aurschußantrag mit den Stim- men der Koalitionsparteien und der Deutschen Voltsparlei angenommen. Der Reichswirischafisetat. ?ietch6kuratorium sür Wirtschaftlichkeit wird reformiert. Nach Abschluß der allgemeinen Debatte ging der Hairshaltsous- fchuß des Reichsiatzes dazu über, die einzelnen Kapitel des Etats des Wirtschaftsministeriums zu besprechen. Abg. Tarnow(Sozi besprach den Titel des Reichskura» toriums für Wirtschaftlichkeit, der eine Ausgab« von S99 999 M. enthält. Die Organisation ist durchaus reförmbe» dürftig. Die Sozialdemokraten hotten zu dem Titel Reichs» kuratormm einen Antrag eingebracht, daß in den Vorstand und in den Ausschüssen des Reichskuratoriums ein« stärkere Beteiligung von Arbeitnehmer- Vertretern herbeigesühn wird, daß den Fragen der Rationalisierung auch hinsichtlich der so» zialen und gesundheitlichen Auswirkung stärkere und dauernde Ausmertsamkeit zugewendet wird, daß hierfür«in besonderer Ausschuß gebildet wird und daß ein entsprechendes Re» ferat einzurichten ist, daß der Rechnungshof die Verwendung der Reichsmittsl durch das Reichs kuratormm für Wirtschastlichkeil für die Jahr« 1929 und 1939 bis ins einzeln« prüft, daß bis zur Etatsberotung für 1931 ein Plan zur Neu» organisotion des Reichskuratoriums für Wirtschaftlichkeit vorgelegt wird, nachdem alle deutschen Rationalisierungsaufgaben beim Reichskuratorium zentralisiert werden, das Reichsturatorium ist in«in Aufsichtsorgan etwa im Sinne der deutschen Forschungsgemeinschaft umzuwandeln. Dieser Antrag wurde auf Wunsch verschiedener Parteien in seinen einzelnen Teilen getrennt abgestimmt Zur allgemeinen Ueberaschung ergab sich dabei, daß sämtliche einzelnen Teil« der gesamke Antrag mit 17 Stimmen angenommen wurde. Zur Frag« der Subvention an die Leipziger Messe stellte das Zentrum den Antrag, daß einmalig 499 999 M. bewilligt würden. Dieser Antrag wurde von der Mehrheft des Ausschusses o n g e- n o mm e n. Bei dem Kapitel Statistisches Reichsamt fragt« Abg. Steinkopf(Soz) nach dem Bestehen nationalsozialistischer Zellen im Statistischen Reichsamt Abg. Roßmann(Soz.) erörtert« eingehend Klagen der mittleren Angestellten und Beamten im Statt» stischen Reichsamt. Minister Dietrich sagte zu. daß er sich um die Angelegen» heften des Statistischen Re.ichsamtes besonders kümmern werde. Bei dem Kapitel Reichsaufsichtsamt für Privat» Versicherung erlebte diese Behörde eine schlimme Stund«. Die Rodner aller Parteien machten dem Reichsaufsichtsamt und seiner vorgesetzten Behörde die heftigsten Vorwürfe. Abg. Heinig(Soz.) erörtert« im besonderen das völlig« Versagen des Roichsauftichtsamtes bei dem Skandal der Frankfurter Allgemeinen Bersicherungs A.-G. Die Deutschnationalen brachten«inen Antrag ein, daß das Reichswirtschaftsmimsterium an den Reichstaa eine Denk- sckrift über die Angelegenheft der Frankfurter Allgemeinen Der- ächerungs A.-G. vorlegen solle. Di« Sozialdemokratische . r a t t i o n erklärte, daß sie mit einer solchen Denkschrift nur ein» verstanden sei, wenn ihre Vorlegung in kurzer Frist erfolge. Reichs- wirtschaftsminister Dietrich erklärt« darauf, daß die'« Denkschrift dem Reichswg etwa innerhalb eines Monats vorliegen werde. In den Einzelabstimmungen wurde der Haushalt des Reichswirtschaftsministerium» nach der Vorlage genehmigt. Die Haushaltssstzung am Sonnabend wird sich mit dem Etat des Reichssparkvmmissars und des Iu sti z m i n ist e» rium s befassen._ Aus der Partei. Dr. wladlslam vosner ist im Alter von 61 Iahren zn Warschau einem Herzleiden erlegen. Posner gehörte zur alten Garde der polnischen Sozialistischen Partei, lebte während der zaristischen Fremdherrschaft, die ihn verfolgt«, in Paris und gab dort eine fozia- listische Schriftenreihe heraus. In der Republik war er feit Iahren Vizemarschall des Senats und Mitglied verschiedener Völkerbunds- ausfchüss«. Ein aller Soziasist ist in dem ehemaligen Belgrader Vizebürger- meister Dr. Kosta Iovonovitfch gestorben. 187S in Branj« geboren, war Iovanovitsch, der in Bonn Landwirtschaft studierte, gegen Ende des Jahrhunderts einer der eisrigsten jener Gruppe der akademischen Jugend Serbiens, der die sozialistische Ueberlieserung Markowitsch' wieder zu beleben und mit den Erkenntnissen des west- europäischen Sozialismus zu befruchten begann. Wenn Jooanooitsch, ohne sich deshalb der Reaktion zu oerschreiben, später zu den Jung- radikalen abschwenkt«, so ist er doch der, der unter den Gründern der Gewerkschaften und der sozialistischen Partei in Serbien wie unter den Mitarbeitern der„Rodnitschke Nooine"(Arbeiterzeitung) an der Spitz« marschiert. Fronten des Stickstoffkampfes. Die Gefahren der internationalen Lleberpwduktion. Dsr wachsend« Widerspruch zwischen dem Weltstickstoffverbrauch und der Leistungsfähigkeit der Weltstickstosfindustri« schafft trotz der bestehenden nationalen und internationalen Abmachungen immer von neuem schwierige Situationen. Seil de« Vorkriegsjahren hat sich die Stickfioffproduklion der weit mehr als vervierfacht; f.. stieg von 500 000 bis 650 000 Tonnen Reinstickstoff auf 2.« bis 2,7 Millionen Tonnen im kommenden Dünge- jähr 1930/3!. Während vor dem Kriege zwei Drittel der Stickstofsprodultion der Welt auf Chilesalpeter entfielen, ist es gegenwärtig noch nickst einmal mehr ein Fünftel. Der Stickstoff v« r brauch der Welt hat jedoch mit dieser Pro- duktionsentwicklung nicht Schritt holten können: er steht zur Zeit um etwa 200 000 Tonnen jährlich hinter der Weltproduktion zurück, ganz abgesehen davon, daß auch bei der gegenwärtigen Produktionshöhe die Stickstoffanlagen keineswegs voll aus- genutzt werden. Die Produktions f ä h i g k e i t beträgt schon heute mehr als 3 Millionen Tonnen und steigt noch ununterbrochen weiter. Insbesondere aus den Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich, der Tschechoslowakei und Polen wird immer wieder von neuen Anlagen von zum Teil gewaltigen Ausmaßen berichtet. Jedes halbwegs industriell entwickelt« Land will in der Stickstoffoersorgung national unabhängig fein, ineist weniger aus Wirtschaft- lichen als aus militärischen Gründen. Japan, Frankreich, Polen, die Tschechoslowakei werden den Punkt, wo ihre eigene Pro- duktion den Bedarf ihres Landes übersteigt, wohl bald erreicht haben. Verschärft wird die jetzige lleberproduklion durch die gegenwärtige internationale Agrarkrise, die die Landwirtschaft fast in ollen Ländern der Welt zu großer Zurückhaltung in Käufen von künstlichen Düngemitteln zwingt. So hat denn die I. G. Fa rb e n i n du st r i e, wi« ihr soeben ver- öffentlichter Geschäftsbericht sagt, die Produktion an Dünge- st ick st off er st malig eingeschränkt,„um die Logervor- räte nicht zu sehr über die als eisernen Bestand notwendigen Mengen anwachsen zu lassen. Insbesondere aber oerfügt Chile über riesenhafte Lagervorräte.» Der Stickstofspakt von 1929. Im vergangenen Jahr kam zwischen den größten Produzenten der Welt— densenig«n Gruppen, die fast den gesamten Welt- Handel mit Stickstoffdünger in der Hand hoben— ein« Preis- und Produktionsvereinbarung zustande: Deutschland(Stick- stoffsyndikot), Norwegen(lftorsk Hydro, von der I. G. Farben, dem stärksten Glied des deutschen Stickstofffyndikats, kontrolliert), Großbritannien(Imperial Chcmikol Jndustri«? Ltd., Haupt- Produzent Englands) und der chilenischen Salpeterindustrie. Diese Bereinbarungen bezogen sich auf gemeinsame Preissest- sctzungen und— Genaues hierüber ist nicht bekannt— offenbar cudh darauf, daß eine Erweiterung der Produktionsanlagcn über den gegenwärtigen Stand hinaus bei den Vertragspartnern nur nach Maßgabe der Absatzentwicklung stattjindet. Es scheint, als ob diese recht losen Vereinbarungen teilweise nicht eingehalten wurden. In den ersten Maitagen dieses Jahres fand In Paris«in« neuerliche internationale Konferenz statt, d'« jedoch sehr schnell ver. schoben wurde: die Grund« l«nnt man nicht, dürfen ab«? in� bestimmten hohen Forderungen Frankreichs, das jetzt einbezogen werden sollte, liegen, ferner in gesteigerten Ansprüchen der Chile- Produzenten. Inzwischen sind drei wichtige Ereignisse eingetreten: t Deutschland: Hier ist durch die Erneuerung des Stickstoff- syndikots in erweiterter Gestalt eine gemeinsame Front fast der gesamten Zahl der Stickstosfproduzenten erreicht worden. 2. Chile: Die chiUnischc Regierung plant die Errichtung einer einheitlichen Gesellischost(Eompania Salitrera Racwnal) mit einem Kapital von etwa IL Milliarden Mark: die Regierung will mit 5 0 P r o z. an dieser Einheitsgcsellschaft, die alle chilenischen Produzentengruppen endgültig unter einen Hut bringen würde, be- teiligt sein, onderersetts würde ste künftig auf die Exportzölle verzichten. Die Exportabgaben machen zur Zeit 14 P r o z. der Gesamteinnahmen des chilenischen Staats aus. Die Folgen dieser Vereinheitlichung wären: eine Zentralisierung der Produttion, die zusammen mit der Aufhebung der Exportabgaben ver- billigend auf die Gestehungskosten für Chilesolpeter wirken würde. Diese Verbilligung und die Schaffung einer einheitlichen Front würde die Stellung der chilenischen Salpeterindustrie bei kommenden internationalen Verhandlungen ganz erheblich st ä r k e n. 3. Znlernaiionalcs kalkstickstosfkarlell: Der soeben abge- schlossene Europapokt für Kalkstickstoss hat an sich zwar keine über- ragend« Bedeutung: die Gesamtquote von 250 000 Tonnen Reinstickstoff(hiervon Deutschland 40 Proz.) macht etwa nur 10 isiroz. der Weltproduktion aller Stickstoffarten aus. Es ist aber von großer Wichtigkeit, daß hier u. a. folgende Gruppen zu festen produktionsmäßigcn Bindungen gelangt sind: I. G. Farbcnindustrie(Deutschland). Societc des Phosphates Tunisiens) St. Gobain 1 Frankreich), Etablissements Kuhlmann l Staatliche Polnische Stickstoffabriken. Denn da diese Gruppen außer Kalkstickstoff auch andere Arten Stickstoff herstellen, ist es wahrscheinlich, daß sie über kurz oder lang auch aus größerer Basis sich einigen werden. Für die nächsten internationalen Berhand- lungen, die nach Paris diesmal in Berlin stattfinden sollen, ist diese Tatsach« jedenfalls ein wichtiger Austakt. Stickstoff-Frieden oder Stickslosfkrieg? Ob die neuen Berliner Verhandlungen einen umfassenden Wcltpakt bringen werden, ist noch immer reichlich un- sicher, zumal angesichts der wachsenden Zahl der Außen- s c i t e r. Kommt er zustande, so wird er vorläufig noch eine all- gemeine Preiserhöhung kaum vorsehen können, da noch immer genug konkurrierende Gruppen neben den Hauptproduktionsgruppen vorhanden sind und da gerade ein höheres Preisniveau zur Reu- errichtung von Slickstofsanlagen erst recht reizen würde. Kommt er nicht zustande, so wird mit einem Neuaufleben starker protektionistischer Tendenzen in einer Reihe von Ländern zu rechnen sein, sei es in Form von Zöllen und Einfuhr- verboten, sei es durch weitere direkte staatliche Betätigung auf dem Gebiet der Stickstofferzeugung. Der Wille zur Dcrständigung ist bei ollen Haupt- gruppcn zweifellos vorhanden, auch bei der I. G. Farbcnindustrie, die heute den größten Stickstvfsproduzenten der Welt darstellt und sich technisch und wirtschaftlich in einer verhältnismäßig noch recht günstigen Lag« befindet. Nachdem die jüngste kapitalistische Aera der Welt umjassend« einheitliche Organisotionemsür Kupfer. Nickel und anders Robstaffe beschert hat, dürste eine ähnliche restlose Monopol,- stisch« Gestaltung der Stickstoffoersorgung des Erdballs durchaus im Bereich des Möglichen liegen. Auf dem Weg« dahin müßt« das Stickstoffkapital aber die Gefahr großer lleberproduklion bannen können. Kupfermarkt besser. Große Verkäufe in London. Der gestrige Londoner Supfermarkt brachte zum ersten Male seit langer Zeit wieder graste Käufe der Verbraucher. Die Umsätze stiegen gegen die Vortage aus das vierfache. Der Preis zog etwas an. Starke Kabelkonjunktur. 24S Millionen Umsatz bei Zelten und Gulllaume. Im Rahmen der allgemeinen Elettrokonjunkwr haben die Kabelwerke im letzten Jahr besonders gut abgeschnitten. So konnte die Norddeutsch« Kabelwerke A.-G. in Berlin ihre schon im Borjahr von 8 aus 10 Proz. heraufgesetzt« Dividend« für 1929 auf 12 Proz. erhöhen, die Deutsche Kabelwerke A.- G. nahm mit 6 Proz. die DioidertZenzahluiig wieder auf und die H ä ck e t h a l Dvaht- und Kabelwerk« erzielten im vergangenen Jahr sogar den h ö ch st« n Umsatz seit dem 24jährigen Bestehen des Unternehmens. Auch das bedeutendste deutsche Spczialwerk für Kabel und Drähte, die Feiten und Guilleaume Carlswerk« A.-G. in Köln-Mülhcim, hat in seinem Betrieb den allgemeinen Konjunkturrückgang nicht zu spüren bekommen. Der Gesamtumsatz in dem Konzern konnte sogar von 225 aus 245 Millionen, also um zehn Prozent, gesteigert werden.?tach dem Geschästsberickst entfällt die Umjatzsteigerung fast ausschließlich auf die zahlreichen Tochter- Unternehmungen des Konzerns, während der Absatz der Kölner Stammbetriebs sich auf der Höhe des Borjahres hielt. Bei fast unveränderten Unkosten und Steuern st i e g d e r Roh- gewinn des Unternehmens von 18,6 auf 19 Millionen, während sich der Reingewinn nach Absetzung stark heraufgesetzter Ab- schreibungen von 5,3 auf rund 5,6 Millionen Mark erhöht Hot. Di« Dividend« bleibt mit 7Vj Proz. unverändert. Im Rahmen de« dreijährigen Umstellungsprogramms sind im Berichtsjahr 4L Millionen neu in die Anlagen gesteckt, deren Kosten„über Betrieh" aus laufenden Gew innen bezahlt wuvden. Die Flüsiig- feit der Finanzen ist hierdurch aber keineswegs beeinträchtigt worden, denn allein die Bankguthaben von 12,8 Millionen decken bis auf 2.4 Millionen die lausenden Schulden. Hierzu kommen jedoch noch 28,7 Millionen Dtark Forderungen, so daß die gesamten Außenstände die Schulden um fast das Droisache überst«gen. In dem fast 33 Millionen ausgewiesenen Posten„Betelligungen und Wertpapiere" tritt der Doppelcharakter des Feiten u. Guilleaume. Konzems als Fabrikations- und sogenanntes Holdingunternehmen in Erscheinung. Die starke Machtposition und vielseitige Gliederung dieses von der SlEG. kontrollierten Konzerns geht aus der Aufstellung der wichtigsten 100 prozenngen Betelligungen hervor, denen noch die große Anzahl anderer in- und ausländischer Unter- nehmungen hinzuzurechnen sind, in deren Besitz sich der Kabelkonzern mit anderen Gesellschaften teilt. In dem völligen Besitz von Fetten und Guilleaume befinden sich: Kapital Nooddeutsch« Seekabelwerke 2.4 Will. M. Walzwerk Böcking......... 3D„.,' Eschweiler Draht werke........ 1,0„„ Kabelwerk Wilhelm inelchof, Berlin.... 1,6„„ Südd. Telef.-Draht- und Kabelwerke... 3,0„„ Isoiiatorenwerk Meyrowski Köln.... 2.8..„ Braunkohlengrubs Liblar....... 3,2„.. Wenn sich also die Belegschaft in den Kölner Stamm- betrieben auf etwa 6500 Mann belauft, so dürste sie im Gesamt- konzern reichlich 13 000 Mann umfassen. Bemerkenswert ist di« im Verein mit Siemens und der AEG. erfolgte Neugründung einer Fabrik für Stark- und Schwacksstramkobel bei Warschau, die bereits Ende dieses Jahres den Betrieb aufnehmen soll. Oiskontsenkung zweckmäßig. In der ersten Woche des Mai ging die Inanspruchnahme der Reichsbank in normaler Weise zurück. Die Bestände an Reichsschotzwechseln wurden um 70,1 auf 6,9 Millionen abgebaut. Der Wechsvlbestand sank um 85,6 auf 1853,5 und der Bestand cm Lombarddarlehen um 81,8 auf 53,6 Millionen Mark. Die fremden Gelder vermehrten sich um 64,9 auf 601,4 Millionen Mark. Der Notenumlauf ging um 260,5 auf 4403,7 Millionen Mark zu. rück. Die Goldbestände sind geringfügig, nämlich um 85 000 Mark auf 2565,4 Millionen gesunken, die Dcckungsdevisen um 2,8 auf 330,2 Millionen gestiegen. Der Zufluß an ausländischen Devisen ist nach wie vor stark, denn außer den Dcckungsdevisen zeigen auch die sonstigen Aktiven ein« Vermehrung um 23,3 Mil- lionen Mark. Di« Notendeckung durch Gold und Deckung«- deoisen hat sich von 62 auf 65,8 Proz. verbessert. Bankmäßig ist nach wie vor eine Diskontsenkung geboten. Oüngerexperimenie für den Bauern. Die neue Versuchsanstalt des Kalisyndikats. Seit kurzer Zeit ist in Lichterfeld«-Ost eine neue landwirt- schaftliche Bersuchsanstalt des Deutschen Kalisyndikats in Tätigkeit, die in Ergänzung anderer landwirtschaftlicher Institute Wissenschaft und Experiment labomtionsmäßig in den Dienst der landwirttchaft- lichen Düngerwirtschast stellt. In Freiflächen. Warmhäusern und Laboratorien wird das Optimum der Düngergaben nach Pflanzen- und Bodenart genau sestgestellt, wobei man sich nicht auf die Kati- düngung beschränkt, sondern auch die besten Mischungsverhältnisse mit Stickstosf und Phosphoriünger erprobt. Schaden und Nutzen einseitiger Düngeroerwendung werden besonders untersucht. Dabei werden nicht bctriebswirtschofilickze und Ncntabilitätsfrogen, auch keinerlei Züchtungsonsgaben gelöst, sondern unter Herstellung der günstigsten Wachstumsbedingungsn für die verschiedenen Pflanzen« und Bodenarten die zweckmäßigste Art und Größe der Düngergab« zur Erzielung des absolut höchsten Ertrags festgestellt. Das Ziel ist also in erster Linie«in theoretisch-wisscisschaftliches, das Ideal» werte für die Praxis sucht. Bon besonderem Interesse für den Landwirt sst die kosten» lose Untersuchung der Bodenarten nach dem Neu» bauerschen System, laboratoriumsmäßig den Wert der Böden b.xn. Krankheiten des Badens sestzustellen. Zweifellos, daß diese unter der Leitung von Professor Eckstein stehende Versuchsanstalt des Kalisyndikats, wenn sie auch auf die Dauer die Kalidwidende noch erhöhen soll, ein« sehr«rsreuliche Ber- Wendung von Ueberschüssen der Äaliindustrie darstellt. Karstadt zieht Bilanz. Große Umsatz- und Gewinnsteigerung. In dem jetzt veröfienilichten Jahresabschluß des Karstadt- Konzerns für 1929 kommt die groß« Machterweitevung und Geschäftsausdehnung dieses größten deutschen Worenhausunterneh- mens deutlich zum Ausdruck Das Berichtsjahr stand noch im Zeichen der Expansion. Fünf neue Warenhäuser, darunter das große Neuköllner Haus in Berlin am Hermannplatz, wurden neu in Betrieb genommen und außerdem die 14 Niederlassungen der aufgekauften Linde- m a n n- A G. dem Gesamtbetrieb eingegliedert. In welchem Um- fang der Karstadt-Konzern in den letzten Iahren Umsätze und Ge- winne infolge seiner starken Expansionspolitik steigern konnte, zeigt folgende Ausstellung: 1926 1927 1928 1929 in Millionen Mark Rohgewinn... 56.3 75,3 63,4 118,7 Reingewinn... 4,8 10,3 10,6 15,1 Dividende... 10 Proz. 12 Proz. 12 Proz 12 Proz. Gefamtumsalz.. 175 277 300 454,5 Die Umsätze im Detailgeschäft stiegen 1929 von 234,4 auf 328,8 Millionen, die Umsätze im Engrosgeschäft von 46 auf 61 Millionen. Einschließlich der von den E p a-(Einheitspreis-) Geschäften erzielten Umsätze in Höhe von 74.5 Millionen hat also der Gesamtumsatz von Karstadt einen Stand ei�eicht, der nicht mehr weit von einer halben Milliarde entfernt ist. Mit der letzten Kapitolerhöhung von 70 auf 80 Mil- lionen Mark dürfte die Expansion des Unternehmens zunächst einen Abschluß erreicht haben, und für die folgenden Jahre wird man wohl das Schwergewicht auf einen Abbau der zinsenfressenden Schuldenlast legen. Da Karstadt seine Neubauten und Aufkaufakttonen zum großen Teil mit Bank- k r e d i t e n finanzierte, sind die Bankschulden im Berichtsjahr von 43,8 aus fast 72 Millionen angewachsen. Hierzu kommen noch 38,5 Millionen weitere laufende Schulden, so daß di« kurz- fristige Verschuldung des Konzerns HOL Millionen erreicht hat. Demgegenüber find die Bankguthaben un, weit mehr als die Hälfte auf 22 Millionen Mark zurückgegangen, während die Forderungen allerdings um mehr als 10 auf 33,3 Millionen Mark gestiegen sind. Die Einheitspreisläden erzielen zur Zeit einen monat- lichen Umsatz von 9 Millionen. Die Gesamtzahl der Ar« beiter und Angestellten erreichte 31 000 Pettsonen. Das Kaliunglück der preußag. Der ÖchaM noch yicht abzusehen, er ist aber außer« ordenttich hoch. Der plötzliche Wossereinbruch in da» Kalibergwert Lienenburg bei Horzburg sst ein außerordentlich schwerer Berlust für die Preu- ßssche.Bergwerks- und Hütten A.-G., kurz Preußag genannt. Die drei Schächte des Kolibergwcrts repräsentieren«inen Wert von etwa rund 50 Millionen Mark. Das Bergwerk mit zwei Schächten wurde im Jahre 1908 aus den Händen der Emil-Sauer-Gruppe vom preußischen Staat für etwa 30 Millionen Mark erworben. Süt» dem hat Preußen sehr hohe Beträge investiert. Im Jahre 1929 wurde erst der dritte Schacht fertig, der«in« der bedeutend st en Leistungen in der deutschen Kaliindustrie darstellt und auch eine relativ hohe Beteiligung erhalten hat. Wenn es richtig ist, daß in der Hauptsache Schacht II betroffen ist— Schacht I soll schon seit längerer Zeit stillgelegt sein— und wenn darüber hinaus die Förderung aus Schacht III aufrecht erhalten wenden kann, freillch ein sehr zweifelhaftes Wenn, dann verringern sich natürlich die Verlust«. Sie können sich auch dadurch verringern, daß die dem ersoffenen Schacht zukommende Quote von anderen Wer- ken gegen Entschädigung Preußens übernomemn wird. Beschäftigt waren auf der Grube rund 400 Mann. Wassereinbrüche in Kalibergwerke sind deshalb sehr bös« artig, weil ein unterirdischer Abfluß nicht erwartet werden kann, weil das Kali von dem eindringenden Süßwasser sofort aufgelöst wird und weil auch das Auspumpen nichts nützt, da in der Regel neu« Wassermassen eindringen. Don den innerhalb 50 Jahren er- sofsenen 24 Kalischächien konnte bisher noch kein einziger gerettet werden. Oer Kampf um die Gonderumsahsteuer. Der Abwehrkampf der Warenhäuser und des größeren privalen Einzelhandsls Aegen die von der Mittelstaudspartei diktierte Sonderumjatzsteuer wird in verschärfter Form sortgejührt. Zwischen dem ZZerband deutscher Waren- und Kaufhäuser, dem Ber- band Berliner Spezialgeschäft«, dem Berein Berliner Butterkausleute, dem Verband deutscher Filialbetriebe und unter Beteiligung der Organisationen der Herren« und Damenkonfektion wurde eine Arbeitsgemeinschaft gegründ t, Heren einziges Ziel die Bekämpfung her Sonderumsatzsteuer ist Die Abwälzung auf die Industrien, wag sich wieder am Mittelstand- lerischen Kleinhandel rächen muß, scheint auch hier das Haup.inttr. esse zu sein. Zwischen dem Reichsverband der Deutschen Indu. strie und dem Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser laufen Verhandlungen wegen der Abwälzung auf die Industrie, die aber noch zu keinem Ergebnis geführt haben. Die Leipziger Messe, und Au-stellungs-A..« erzielt« 1929 bei einem Kapital von 8 Millionen Mark«inen Gewinn von 40 000 Mark, der auf neue Rechnung vorggtragen wird. Der Kammgarn- Sköhrkonzera in Leipzig schlägt der Generaloer» sommlung für das Iabr 1929 auf das erhöhte Stammkapital von 22 Millionen ein« Dividende von 5 Proz. gegen 10 Proz. im Bor» jähr zur Verteilung vor. Ivonß u. Freytag ZL-G. Der Aufsichtsrat der Waqß u. Frey- tag A.-G., Fränkfurt a. Main, beschloß, der Generalversammlung bei annähernd gleichem Umsatz wie im Vorjahre eine Dividende von 3 Proz. vorzuschlagen. Eltern! s�eaXneS,r„Schulaufbau"? CbtfeabsitgeB fBx dies« Nabrik ffadi >«rli» SB CS, Liudrastratz« 3. parieinachrichien für Groß-Verlin stet» ca da» Se�zbftbetstial 2. Hos, 2 Treppea recht», za richte a 5. strei» Nriedrichehcia. Hierdurch den Mitgliedern»ur Seantnl«. daß da» Reichsbanner isriedrich-bain beut«, Cnnnabend. IN. Mai. sein« ßrihtdungz» feiet im Lofal Märchenbrunnen begebt. Um recht rege Beteiligung unserer Mitglieder wird gebeten. Anfang 20 Uhr. Eintritt, 1 M.. Hie Inter- nationale Artistenlog« stellt das Programm. Anschließend Tan». 7. Ärei» Eharlottendarg und Spandau. Juristische Sprechstunde findet am Eonnabend, 10. Mai. uvn 17—13 Uhr, im Jugendheim Rostnenstr. t. statt. Gelegenbeit»um stirchenaustritt! Lichtenberg und Außenbezirfc. Alle Parteigenossen, die schulpflichtige Kinder hoben, wolleil sich s o f o r t bei den Abteilungsleitern melden. heule, Sonnabend. 10. Mai. 1». Abt. 1»'V Uhr znaltionärsitlung bei Schrepel, lbrüllthale» Str. 13. 75. Abt. Wannsr«. 20 Uhr Milglirderversammlung im Lokal Reichsadler, KLnigstraße. Wichtige Tagesordnung. Eltcrnbeiratswahlen. SC. Abt. Sieulöll». Die BegirkssUhrer werden gebeten, die Mitteilungsblätter vom Genossen Iuritlo, Schdncweidcr Str. 0. abzuholen. ICC. Abt.»öpenick. Die Genossinnen und Genossen beteiligen ssch restlos an der Internationale» Kundaebuim am 12. Mai in der Neuen Welt. Ab- fahrt Bhf. Epindlersseld 13.11 Uhr, Bhf. Köpenick 18.23 Uhr. Mrhrt bis Warschauer Straße, dann mit de«. Hochbahn bis Kottbusscr Tor, Umsteigen in die U-Bahn, bis Hermannplaß fahren. Treffpunkt Bhs. Warschauer Straße um 18% Uhr. Morgen, Sonnlag. 11. MaL 17. Abt. Rum Daldfest der Kinderfreundr auf der Waldwies« Sadowa fSans- soust) sind oll- Parteimitglieder, alt und fung. eingeladen. Zwischen 14 und 15 Uhr werden die Abteilungsmitgliedcr am Bahnhof Buhlhcid« von der Gruppe„Martha Demmning" abgeholt. Inngsozialistische Vereinigung Groß-Verlin. »I« Funktionärlonferen, der Berliner Inagfozialisten findet am «ou-obend, 1«. Mai, IS'r Uhr, Im Rofenthaler Hof, K-ckefche» Markt, Has recht», Zimmer 1, statt. Gcnossta Dora Isabian spricht über„Poli- tisch« aad oeganisatorisch« Richiliaien»at Arbeit der Zungsozialistcu". Alle Faaktionäre der ZS«. fiad verpflichtet, aa der«oaferea, teilza- nehme». Die Kreisbildangsobleatc sind eingeladen. Mitgliedsbuch legitimiert. Gruppe Eharlotteuburg! Mvrgen, 7% Uhr, Treffpunkt»ur Fahrt nach dem Seddiner See om Bhf. Eharlottenburg. Junge Parteigenossen sind willkommen. Gruppe Moabit: Montag füllt der Gruppenabend ans. Wir beteiligen uns geschlossen an her' Parteivcranstaltung w der Neuen Welt, Hasenheite. Treff- plinkt 18% Uhr Turm- Ecke Stromstraßc lAuiobushaltestclle Richtung Kriminal- aerichr). Sonntag, ll. Mai, Fahrt Oranienburg— Stichgrabcn— Grabowsee. Treffpunkt 8 Uhr Bhf. Putlißstraße. Friedrich« bai» und Lichtenberg: Sonntag. 11. Mai, treffen wir uns ol» dem Borvrtbahnsteig Gefundbrunnen an der Holttrcppe um 7% Uhr»nr Fahrt noch Borgsdorf. Bon da aus Wanderung bis Mcißnershof»ur Teilnahme an dem Maifest der Naturfreunde. Pünktlich sein! Auf Nachzitglcr wird nicht gewartet! Arbeilsgcmeinschaft der kinderfreunde. strei« Prenzlauer Berg: In der kommenden Woche werden die Iunafalken irntersucht. Montag von 11—18 Uhr in der Schul« Ebcrswalder Straße Gruppe Horst und Freiheit: Freitag Gruppe Bikior Adler und Friedrich Ebert. Gruppe Mariendorf: Sonntag, ll. Mai. Fahrt nach den Kononenbergen. Treffpunkt sämtlicher Gruppen 3 Uhr an der Notcn.FaIkcn.Ecke. Fahrgeld �Krei, Fricbrichihai»: Sonntag, 11. Mai. Waldfest in Wnhlheid«. Alle Gruppen treffen sich INN 10 Uhr vor dem Bahnhof Wuhlheibe. Kosten: 2V Pf. für Fahrgeld. Trinkbecher ist mitzubringen. Alle Eltern und Genosse» kommen rnn H Uhr nach. Gruppe Laulmberger Plaß: Heute. Eonnadend, trifft stch die Gruppe llhh Uhr Faiteneckr. Wir spielen auf dem Landsberger Plaß. Alle Theater- fpieler mltsscn pstnktlich erscheinen.' Morgen. Sonntag. Waldfest in Wuhlheide. Treffen der Gruppe 8 Uhr Faikcnecke. Kosten: 20 Pf. sttr Fahrgeld. Alle Eltern werden zwischen 14 und 18 Uhr am Bahnhof Wuhlheide eraiartet. Krei» Neukölln: Zur HelferfaHrt Ist der Treffpunkt heut«, Sonnabend, um 14% Uhr am RingbgD>.ho-.RsukÄlvl..AÜ- Seiter werden erwartet.*■ „Gruppe ffageln)«-, Ullk.Botest". Uild IungifaTin, die in, Zeltlager fahren mallen, treffen sich heute.. um 15% Uhr an der Folkeneck«»ur Probezestfahrt noch Briefelong. Zeh er muß außer dem stbirche» Gepäck 1�0 M. mitbringen. Gcbnrlskage, Inbilöen nfw. 7. Abt. Unserem Genosse»»a»Id Warschauer«am CC. Gebnrt»tag» die herzlichsten GUickwüniche. 18. Abt. Uni crem Heben Genossen und Abteilungslerte» Adolk Hader- st r o h.»ösliaer Str. 3, zu seinem?zj°hiigcn Dorteijubiiänm die herzlichsten Glückwünsche. Wir wünschen unseren treuen Mitstreiter»och«cht lang« im unseren Reihen zu sinben.— llmsere» Genossen»ngaft«ichdeeg, Kolbergcr Str. 28—2», zum 2öjährigen Parteijnbilänm herzlichsten Elückw nasch. � Sterbetafel der Groß> Berliner Partei» Organisation 17. Abt. Nach langer schwerer Krankheit»erstarb unser treuer Genosse Hermann Bloch, Sparrstr. 5. im Alter von 80 Jahren. Genosse Bloch ist Mitbegründer de» Spcicherarbeitervereins, welcher sich später dem Tran»- portarbeitcrocrband anschloß. Der Partei gehörte er seit 1801 an. Beerdigung am Sonnabend, 10. Mai. 15 Uhr, auf dem Städtischen Gemeindcfriedhof in Reinickendorf, Aumboldlstraße. Rege Betriligung wird erwartet. W Sozialistische Arbeiterjugend Gr.-Verlin Einsen düngen sä: diese lRubrt» nur an da« FugendsetttlerUs Herl in SD o«. timb-nslr-ie S Vernfsgrnppenversammlnngen. Holzindustrie: Dienstag, 13. Mai, 17 Uhr, im Jugendheim Lindcnstr. 4. .«agefttlte: Nicht Montag, sondern erst Donnerstag. 15. Mai, 1»% llbr. im Portragssoal de» Parteivorstandes. Lindenstr. 3. 2. Hof links. 2 Tr. link». Internationale K�nndgebnng der Partei Moataq, den 17. Mai, la der R-aea Belt. Hafenheid». Treffpaakt der GefaaA- oeganisatioa püattlich IS Uhr E-mphanlenftraß« lSpige zum«aifei.Zri-drich. Pkß). Alle»ruppenveraostaltungen fallen an». henke, Sonnabend. Luilenftadt: Seim Wassertorftr. S: Buitter Abend.—«riß: Fahrt nach Pot» dam. Trefspuntt 18 Uhr Jahn- Ecke Nubower Straß».— Rcniilln V: Fahrt nach Neu-Vehlnfanz. Treffpunkt 18 Uhr Bhf. Renkölln. Unkosten 1 M.— Lichtenberg.Ritte: Treffpunkt zur Fahr: 20% Uhr Stralau-Rummelaburg._ Pankow III: Spiel und Tanz mit den Kinderfreunden.— Kottbnsser Xu: Trefspuntt zur Fahrt 18 Uhr Görlißer Bahnhos. «erbebezirl Prcnzlanee Berg: Heim Danziger Str.«2: 1814 Uhr Vorst den. denkonserenz. Werbebezirk Pankow: Heim Kissingrnstt. 48: 18 Uhr W..B..Borstand». und Delegicrtensidung. Thema: �v-Zahr-Feier". Erscheinen unbedingt nStiz. Morgen. Sounlag. Gea»rlichalt»h«n»: Treffpunkt zur Führung durch All-Berlin 8 Uhr Ger- traichtenhrlick«.— Tempelhos: Fahrt nach Strausberg. Tieffpunit C% Uhr Bös Tempelhof.— Renlölln I: Trefspuntt»ur Fahrt 7 Uhr Neuterpsoß.— Xu. Iclln IV: Trekfvunkt zur Fahrt 6 Uhr Dbl. Sernmnnstraße.— Pankow l und ll: Fahrt nach Erkner. Treffpunkt 5 Uhr Bbs. Schönhauser Allee.— Pankow M R. Z.: Treffpunkt zur Fahrt mit SSG. 7 Uhr Rordbohnhos.— Hollesch«» Zu: Fahrt nach Birkenwerder. Tresfpunlt 7 Uhr„Rote Ecke". Kosten 50 Pf' SGG. Renlölln- Treffpunkt zur Fahrt nach Erkner 7 Uhr Bhf. Neu � �Werbebezirt Ritte: Achtung, die Borsißendenionferenz am Montag fällt wegen der Beteiligung an der Internationalen Kundgebung aus! Näher« Mit- teilungen später an dieser Stelle. «erbebezirk D-dbtng: Achtung, die Wander. und SpieN-il-rau-fprach« fällt am Moniag wegen der Internationalen Kundgebung aus. eukölln. Vorträge, Vereine und Versammlungen # Reichsbanner..Schwarz Roi-Gold". Gefchüfts stelle: 2'crlln S 14. Sibastionstr 87-38. Hot 2. Tr Sonntag. II. Mai. Tiergarten. SomeraMckoft Westen: Antreten l.'i Uhr bei Nickcrt. Strinmenstr. 30. zur Kundgebung in Schöne. herg. Nachzügler n'» Uhr Wortburgplasi. Pflichtperanstallung. Stetnickendarf, Kamrrodfcholt Ziafenthal: 14% Uhr Abfahrt Kirchploß zum Gaufporffest. PNlchtveranstaltung.- Rontog.>2. Roi. Pttazlan«« Bugz 20 Uhr Schüla Sonnetlkmrgei Straße.«Hcitu« AbenH". Wir leien aus dem Buch«Lachead» tUtf. Achiireberc. Kameradschaft Friedenau: 20 Uhr sm Reit.«aß. Sornstr. 5, «aawradschastsoersaarallung. Referent Dr. Sirschberg. Stegllh: Mitglieder. persamalluvg 20 Uhr hei Schulz. Birkbuschstr.«0. Vortrag de» Kameraden Herme«:„Di» Französische Revolution'.— Friedrichahain: Sonnabend, 10. Mai. 20 Uhr, Gründungsfeier de» Ortsvereivs in den Prachtsälen am Märchen. brunnen. Eintritt 1 M. Kameraden und Gäste herzlich willkommen. Arbeiker- Samariker-vnnd. Kolonne verlin. In der Reit vom st. bis lC. Mai finden folgende Monatsversnmm. langen statt: Freitag, 8. Mai: Lichtenberg: Lokal Seipke. Kran- vrinzensrr. 47. Stegliß bei Schmidt, Lichterkelde. Roonstraße.— Montag. 12. Mai: Kreuzbcrg: Urbanhafen. Am Urban 20. Temvel. Hof bei Lindisch, Königstr. 44. Reufölln bei Schrciter, Kirchhofstr. 41. Schöne. berg bei Grrick«, Ebersstr. 00. Bohnsdorf bei Heimann, Walte rsborfer Str. 100. Köpenick bei Hinze, Schönerlindcr Str. 5. Weißenfee bei Stärke, Eharlottrn. burger Str. 3.— Dirn»t«g, 13. Mai: Hcrm-dorf in der Turnhalle Noonstraße. Friebrichshain bei Busch. Tilsiter Str. 27, Mitte in der Schule Gipsstr. 23».— Mittwoch, 14. Mal: Wilmersdorf bei Kraiß. Holsteinische Str. 00.— Donner». tag, 15. Mai: Tiergarten bei Lausch, Bredowstt. 35. Eharlottenburg im Zllgenbhelm Rostnenstr. 4.— Freitag, IC. Rai: Reinickendorf bei Matter, Eichbornstr. S4. Prenzlauer Berg in der Schule Kostanienallce 81—83.— Am Sonntag, 11. und 18. Mai, findet ein ssilmvortrag im Lichtbildsaal de» Deutschen Mcwllardeiterverbandes. Linicnstr. 197, statt. Thema:„Das Werden des Menschen von der Empfängnis bis zur Geburt'. Vortragender: Herr Hcrß. berg. Rege Beteiligung wird erwartet. Freireligiöse Gemeinde. Sonniag, 11 Uhr, Pavpelallee 15, Musikalische Mitagsstund«. Ein Jahrhundert heiterer Wiener Musik. Gäste willkommen. Repnblikaaisch« Redaervereinlftnng. Montag. 20 Uhr, Alter Askanier, Anhalistr. II, spricht Herr Grams über„Das Ostprogramm der Regierung". Diskussion. Gäste willkommen. Reichabnnb der Kriegsbeschädigten. Kriegsteilnehmer nnd Krirgerhinter- bliebeaen. Ortsgruppe Westen: Bezirispersammlung am Dienstag. lZ. Mai, 20 Uhr. im Rahnärztchaus, Bülowstr. 104.— Bezirk Weiching: Mitgliederversammlung am Dienstag, 13. Mai. um 20 Uhr, im Lokal Paßenhofer, Ehausscc- sttaßs 04. «chatoerbend der llatervrrwieter. Inwieweit kann«ine grob« Bcleidi- gang de» Hauswirt»«in Aufhebungsgrund de» Mietverhältnisse, fein?" lautet da» Thema zu dem Borttag von Redakteur Rauch am Mittwoch. 14. Mai, 20 Uhr, Berliner Rathaus, Königstraße lam Aleranderplaß), Eingang Span- dauer Straß«, Zimmer 53(kein Verzehr). Eintritt frei. Gäste willkommen. Sport. Rennen zu Grnnewald am Freilag. dem 9. Mai. 1. Rennen. 1. Merkur II(ZS. Schmidt), 2.»Iii, 3. Euierpe, 4. Jateider. Toto: 36:10. Pwh: 14, 13, 21, 16:10. Ferner liefen: MenelaoS. CfikoS, Kern. Faimr, Emigrant, Jongleur(angch.), Schwertlilie, Dar ti Salaom, Florida. 2. Rennen. I. Fleiß(Lüder), 2. Eminenz, 3. Brabont. Toto: g?: 10. Platz: 32. 18, 30:10. Ferner liefen: Olbello, Most(gef.), Mossut(ges.), Sonate(ges.). Mimt, Blaubeere. Undinc(ges.). 3. Nennen. 1. Granit(Kreuz), 2. Flinkeä Mädel. 3. Arorat. Toto: 40:10. Platz: 26, 42:10. Ferner lic'en: Königstochter, Hcrbstzelllose, Metamorphose. 4. R e n n e n. 1. Affuan(Müschen), 2. Fürstenbrauch. 3. ManneSIreue. Toto: 89:10. Platz: 77, 53:10. Ferner liefen: Parademarsch, Schwarz- dorn(angeh), Maltaften. 5. Rennen. 1. Staroste(E. Rupprecht», 2. Hadrian.& Eulalia. Toto: 43:10. Platz: 14, 15, 20:10. Ferner liefen: Enzian, Firn II(ges.), Ehäri, Houlgate. 6. Rennen. 1. Großfürstin lDstermann). 2. Ottogebe. 3. Paroli. Toto: 97:10. Platz: 25, 19, 26:10. Ferner Uesen: OsiriS, Edelstein, MitbrrdateC, Eaftor, Zarenkrone(gef.). Dirschau. 7. R e n n e n. 1. Gebelaune(H. Blume), 2. Rolenstein. 3. Mat abedis, 4. Trianon. Toto: 7l: 10. Platz: 29. 29, 30, 25:10. Ferner liefen: Brillant, Severus. Lieierer. Edu, Eisläuser, Hagen, Lockenkops, Beluga, Heidelerche, Kurzschluß, Eontessa, Verwechstung. Allgemeine Wetterlage. 9.MaH93a abds. Swolksnlos,0 Hcifer.ohclhbcdcckt 9 wolkig,•bedeckt'Resec�lVaiipelri «SehfteßsMcbe),I'Gewjff»c<§MW3tille Im Lause des Freitag wurde auch Ostpreußen von den külzlen nordwestliche!, Lustmassen überflutet. Im größten Teil Mitte!- europ'is kamen noch leichte Regen und Graupelschauer vor. Die Temperaturen überschritten selbst in den Mittagsstunden 10 Grad Celsius nur wenig. Der im Bereich der kalten Lustmassen Herr- schende Lustdnllkanstieg hat'ssum Anibmi eines Zwischenhoch über dem mittleren Europa geführt. Eine neue Störung befindet sich aber schon wieder über Südengland. Sie wird vermutlich schon am Sonnabend unser Wetter beeinflussen. Da aber die über dem Eismeer lagernde arktische Luft an Aktiaität verliert, dürste aus der Rückseite der Störung kein alUu empsindlichcr Wettersturz.zu de- jürchten sein. � Wetleraussichten für Berlin. Zunächst trocken und ziemlich heiter, später erneut Bewölkungszunahme mit etwas Regen, Tewpe- raturen höher als heute.— Tsiir Deutschland. Im Westen stark wolkig bis trübe mit Regenfällen, sartdauernd kühl. Im Süden und Osten ziemlich heiter ohne erhebliche Niederschläge, am Tag« elwas wärmer. Im mittleren Teil des Reiches zunächst noch ziemlich heiter: später neue Wetterverschlechterung. '. e-Z. „Siehst du, das ist die ÜÄsmq l" „Du hast immer schon gestaunt, daß seit einiger Zeit die Soße beim Essen so reichlich ist— Und gestern hatten wir gar kein Fleisch und doch Bratensoße! Wie ich das mache? Siehst du, t Würfel----»/c titer=» 15 Pt Versuchen Sie T&wvl Bratensoße in diesem Würfel liegt das Geheimnis!u Ein Würfel Knorr- Bratensoße gibt in wenigen Minuten ohne jede Zutaten eine vorbildliche Tunke, die auch ohne Fleisch vorzüglich sdimeckt Knorr-MaVkaroul daiul AUS UNSERM CROSSEN WERSE-VERKAUF Fescher Damen-Hut »»» Huitborde mit Orlnol abgesetzt, mit iwellarbiger AUubandganütar............. 575 STRUMPFWAREN FÜR DAMEN Seidenflor gbt« QnaJUlt, oder echt Igyptiaoh Mibe, Für 95pt Kunstseide lelnlädlge IjiialitAt........................ Pttr l�5 _i__! feinmaschige Qnalitat. moderne Farben, oder Igg IxUnSlSeiQe prima Konstseide plattiert................ Paar I FÜR HERREN Jacquard schbne Master.............................Paar 75pt JaCqUard Flor«d. Maho mit gacslselde, gemnstert..Paar 9 5 Pf. Elegante F!erren-8cci/. Uhr Rost von Klrchon und Ouspensky hgii: GtothM SM Staat). Sdiiltei-Th. 8 Uhr Florian Geyer DeBtsßies meater 1 2«ildeDdunn 5211 Dienstag. 13. Mai 7«/. 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Lüstspieinaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 86. Uhr GeschSftmU Amerika Lustspiel von Frank uno Hirschfeld Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich S'd Uhr Leiste Wo cht i Gastspiel QiaeU Wer bezirk in Meyer'i sei. Witwe Schwank von Fritz Frinftnun-rredridL Tbui. a. KoiolTdi Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr Elite- Singer. Hl- Festspiele HuilO aWiigt Minist« Vo zriger dieses Inserats Vorzugspreise. Lessing-Theater WeidmUna 2197■.8141 Täglich 8'/« Uhr: Frao reters hat einen Geiiehten V. Louis Verneuil mit Erita wn TtsDaun LaihTtrataD rheater o. Weitet» Täglich 8'/« Uhr: Sonntag auch 4 Uhr Das Land des Lächelns von Franz Lehar. Barnovsky-eßta Tttnurla der StresdiniuuniT. (finhir Uolgiiitnr Str.) Täglich«'/. Uhr Napoleon preHl ein tu Walter Essntiever Komödionhaus Täglich RVa Uhr: MeiDD Sdiwsster Mnsfln.BalphBmatikj ResIdeoz-TliDatDi Tägl. 8'/. Uhr Der Herzog and die Sünderin #■100 ItULK. 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EmUie Ratzlow otbn Ktmlern. Bln.-Relnlckendprs/Scharnweb«rstr.lOS Die Einäscherung findet am Dien«- tag. dem 18 Mai. nachmillag« 6 Uhr. im Kremalprium Gerichtflraße(latL Danksagung. Für hie zahlreiche Belelliguna bei der Einäscherung meiner lieben Frau, unlerer guten Mutter, Schwieger- muttec und Großmutter Lina Beck sagen mit allen Berwanblen, Freunden und Belannien. sowie dem Personal der 71. Berlaulsftelle der SGL. in Ablerahos unseren herzlichsten DanL �ngnst Beck nebst Kindern. Ablershos. den IU. Mai 1956 Mvdel Möbel, 24 Monatsraten. Beamte ohne Anzahlung. Aswr, Slalißerstraße 98.- Möbel, 24 Monatsraten. Beamte ohne Anzahlung. Stein. Lranienfirafie L* MöbeNänler nurte Kredit nnd b«, Möbelbazar. arohe«»»wähl. (Uma«reilel BeifpielaacHo Schlak, immer 455,—. Svellealmmer 517,—, cherren, immer 880,-, gpitaeU schränk, 118.—. Dielengarnitur 38,—, »nrlchlekilche 99.—. MelTiligbelifiell» 66.— Kleiderschränt, 48.—. Ehaile» lonaues 28.—. Melalldellfielle 18,—. 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April 1930 beschlossen: Der Ardelter Paul Kerfowskl, un- bekann.'en Ausenihalt«, ist sllr dl« Dauer der FUrsorgebedüritigkeil le.ner unierhaii«. derechtigten Ghesrau und leiner 2 Kinder m einer össenilichen ArbeUsanftalt oder in einer ftooiiich a>» geeignet auerlannten Prioaianttalt unterzubringen. Segen dielen Beschluß ist Innerhalb zweier Wochen der Antrag auf milnftlidie Berhandiung im«erwMungsstreitoer. sahreu zuiäisig. Marienwerder, den 24 AprU ISZO. Der vezlrksausschuh. B. A. 85/30.(Umerschrilt.) - oon Millionären. Fabeldalt billii TaillrnmSntel. kina». Sehiockanzüg». Kosen. Gehpelze. Selearnheltskäu«» In Garderobe. Weitester Weg l« Dardero. Loihringerstraße tdaler Pia». » Preise. Smpiehl« letot». Fracks. Sm». Koken. Sport. aeuer lohnend. 56. 1 Trepp«. Rosen. » von Kavalieren wenig gelragene. teils aus Seide, und neu« Backetlanzilge. Smokinganzüg«. AbendanzLge. Frack. anzllae. Ulster. Paletot». Bauchanzstge. jede Figur passend. Lerren. und Damenpelze, enorm billig. 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Mutter Natur hat das Mcnschenwerk schon längst wieder erobert und in ihren Schoß zurückgenommen. Bewaldet sind die Ufer, vom Grün überwuchert die Dämme. Einige Teiche sind nur klein, swfenartig übereinander steigen ihre spiegeln- den Flächen in den Tälern auf, andere aber hoben beträchtlichen Umfang und bilden groß«, tiefgrüne Seen, in denen sich Berge und Wäld" geheimnisvoll widerspiegeln. Wo man im Oberharz auch wandert, überall trifft man diese stillen Bergseen, immer wieder.bietet ihre abwechslungsreiche Lage in den Tälern oder auf den Hochflächen neu« Ueberraschungcn und Eindrücke. Ueberall begleiten uns auch auf unseren Wanderungen die an den Bergeshängen sich hinziehenden Sommelgräbcn, die Pulsadern des Bergbaues, die weithin von den Höhen den Wald- und Wiefcnteichen das klare Wasser zuführen. Nur ein Test der Seen und Teiche dient heute noch seinem alten Zwecke, viele von ihnen sind in neuerer Zell zu Familienbädern unigewandelt. Gos- lar. Hahnenklee, Altenau, Clauschal-Zellerfeld, St. Andrcasberg. Wildcmonn und Buntenbock haben in diesen Woldseen prachtvolle Freibäder errichtet: andere Orte wie Osterode, Bad Grund, Lauten. thal und Sieber bauten in windstiller, sonniger Lage besondere Freischwiinmbäder mit anschließendem Luft- und Sonnenbad und einer Liegewies«.„Wo Wasser ist. herrscht Lebenr sagt ein alles Wort. Dos trifft auch auf die Waldseebäder des Oberharzes zu. Hier ist jetzt, mitten in der Oberharzer Aergwelt. ein Badelebcn entstanden, wie man es sonst mir in Seebädern konnte. Gebirge, Wald und Wasser, Höhenluft und Höhensonne, das sind die Heil- saktoren des Oberharzes. Es ist etwas Wundervolles, sich in dem kristallklaren Harzwasser zu tummeln, in dem man bei der Rein- beit des Wassers viele Meter tief bis auf den Grund sehen kann. Wie erfrischt und stärkt es, am Ufer liegend, sich von der Sonne bräunen zu lassen und die reine ozonreich« Berglust zu atmen! Neu« Kraft und frischen Mut für kommende Arbeit, Erholung und Stärkung bringt der Aufenthalt an den idyllischen Waldseebädern des Oberharzes. Tief find die einsamen Seen, die weitab von den Orten ver- steckt im Walde liegen. Als treu« Wächter schirmen hohe Tannen chre Ufer und schützen die smaragdne Fläch« vor dem Wind, der nur die Baumkronen leise bewegt. Unvergeßlich sind die Wende am Wasser, wenn sich die Dämmerung über die Wälder des Ober- Harzes senkt. Spiegelglatt sind die Waldseen, aus langsam gle,- lender Fahrt bricht der Mond aus bestrahlten Wolken hervor und malt eine silbern« Straße in die ruhende Flut. Jeder Stern hat sein leuchtendes Bild im See, schwarz steht der Wald und Geheim- in» klingt aus ihm von uralten, längst verklungen«» Sagen und Märchen. Wunschlos ruhig wird das Herz in diesen stillen Stunden und well für die traumhaste Schönheit deutschen Landes. Besucht den Bayerischen Wald? Die Bayerische Waldvereinssektion Lichtach hat einen hübschen Werbeprospekt nebst Eoststättcnverzeichnis für den Besuch des Bezirkes Biechtach(Regen-, Teisnach- und Zellertal) herausgegeben. Der Bezirk liegt im Herzen des Bayernwaldes, der uns als bayeris6)es Gren.zland besonders nahesteht. Reizende Aufnahmen von Orten und Landschaften geben ein eindrucksvolles Bild von der stillen Schönheit der Gegend. Nach den, Gaststättelwerzeichnis be- wegt sich der Tagespensionspreis(mit Zimmer) zwischen 3,50 und 5 M. Der Waldverein Sektion Biechtach in Niedcrbayern sendet Werbeprospekt._ Im Zuge der Mosel. Moselland und Moselfluß ist sozusagen die zweite Stufe des Rheinstudiums. Das Paddelboot hat seinen Siegeszug aus dein Rhein und seinen Nebenflüssen angetreten. Die Moselstrecke ist über 200 Kilometer lang und nach Vorschrift der Trierer Sports- freunde soll man sie so langsam wie möglich durchfahren. Man sollte sich unter allen Umständen wenigstens acht Tage Zeit dazu nehmen. Wer wirklich alles genießen will, nehme die doppelte. Es lohnt sichl Man braucht nicht einmal ein eigenes Schiff zur Mosel- fahrt. Wenige nur wissen, daß auch täglich nach beiden Richtungen zwischen Trier und Koblenz ein Dampfboot verkehrt. Wanderer zu Fuß und zu Wasser werden sich an der Mosel schnell heimisch fühlen. Das Mofeltal ist nicht breit. Don hüben und drüben dringt der Ruf. das Lied. Windung um Windung ein underez, oft überraschendes Bild. Ueber 200 Kilometer lang ist der glußlmif, an dessem rechten Ufer nicht ganz und am linken mehr als ein halbes Hundert Dörfer liegen. Berühmte Zlamen tragen Quellen—— stark kohlensäurehaltig, alkalisch muriatisch Die idyliisdie Lage— das milde Klima— die modern ausgebauten Kurelnrlditangcn: diese drei Heilfaktoren machen Bad Orb zur bevorzugten Heilstätte für Herz-, Rhcuma-.Lcbcr-undGallenleidcndc im I Nöh»r« Auskunft und Praipnkt durch dis Kurdlrektion I Bad Orb Spessart ißtrsixk dk7dunS&iS0L In jeder Höhenlage vorbildlich geführte Hotels, Pensionen, Erholungsstätten, Heilbäder, Strandbäder, Erziehungsinstitute, Rundreise-Fahrkarten zu ermäßigten Preisen, Generalabonnements. Auskünfte, Prospekte, Hotelführer und Fahrkarten durch die Reiseagenturen und das ABKTldlCMS BEISSBÜRO OER SCHWEIZER. B II K O E S B A M N E ... BERK.» KWY, CS TER DES K.TSDEN'"■'——~ WALLIS GieSt» fü* Spott und Toonstik. IdooW SeeoatrcafemhBlc.— Ausgeackhnetc« Klima mit den wonifMen Rcfeougtn der Scbwdr.— Bede- und Loft- korort« in jeder Höh Höh anlege von 400 bia>aoo m. Zenirmri für Spazirr- Tcanis. Angelsport. rerketir»Wr6. 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Ohne Schleusen, ohne Stromschnellen, ohne lebensgesähr- liehen Dampferoerkehr ist die liebliche Mosella der bequemste und schönste Paddelfluß. von Schlcswig.k)olsicin bis Mcmclland. Der neue Führer durch die deutschen Ostseebäder für 133» durch 86 Ostseebäder und 7 Ostseestädte nnt Karte der Küste ist erschienen! Der Führer enthält wie alljährlich die neuesten Nachrichten über die Orte von Schleswig- Hol st ein bis Memelland, ihre Beschreibung, chre Unterkunstsmöglichkest und chrsn Reiseweg. Nach oder in dem beschreibenden Tert der Bäder sind kurze Hinweise auf die Anzeigen der Hotels und Pensionen. Größere Bekanntmachungen der Häuser, resp. Fahrpläne der einzelnen Reedereien befinden sich im Anhang und erleichtern jedem Reiselustigen die Auswahl seines Ziels. Der Preis des Führers— 242 Sellen— ist 1 M. zuzüglich Porto 36 Pfg. und ist durch die Auskunftsstellen des Verbandes in Berlin, Strefemannftraßs 128 und Kantstraße 161, sowie durch die Bertre- tungen in allen größeren Städten(Nachnahme 1,66 M.) zu beziehen. Der Westfälische Verkehrsverband e. V.. Sitz Dortmund, hat in Zusammenarbeit mit dem Saucrländischen Gebirgsver- ein in Iserlohn auch in diesem Jahre einen Führer durch die Sommerfrischen des sauerländischcn Gebirges herausgegeben, der rund 200 Sommerfrischen nennt. Die«chrift zeigt in recht geschmackvoller Aufmachirng auf Kunstdruckpapier zahlreiche gute Bilder und enthält neben einem einleitenden Artikel über das Sauerland als Erholungsgebiet knappe Beschreibungen der einzelnen Orte mll wesentlichen Angaben, wie man sie bei der Auswahl seiner Sommerfrische zu erhalten wünscht. Di« Schrift ist bei allen Reise- büros, bei den Verkehrsvereinen und bei dem Sauerländischen Ge- birgsoerein Iserlohn, Schmiedestr. 5, zu der geringen Gebühr von 2S Pfg. zu erhalten. Bad Kreuznach, das für Frauenleiden, Äinderkrankhsllen, Gicht, Rheuma, Ischias und für Berjüngungskuren bekannt ist, beginnt die Saison. Dem schon in den letzten Jähren stetig wachsenden Frequenz» zugang wird ein noch steileres Ansteigen sicherlich der diesjährigen Frequenzkurve folgen. Die bedeutenden Anstrengungen des Bades, dem Fremden zustrom gerecht zu werden, die Gäste würdig zu emp- fangen, finden stärksten Ausdruck in dem während des vergangenen Winters nach Plänen von Professor Roth(Darmstadt) errichteten Kurhaus-Neubau. Immer noch üben die natürlichen Werte Bad Kreuznach, Sole, Mutterlauge, Radiumemanation, die stärkste An- ziehungskraft aus. Die dank der altbewährten Methodik der Kreuz- nacher Aerzte vollendeten Hsllbehandlungcn im sogenannten kom- dinierten Kreuznacher Verfahren werden, nach dem günstigen An- fang der Saison zu schließen, erfreulicherweise noch weit mehr Kranken Heilung bringen als bisher. Die Wissenschaftler führen die außerordentliche Heilwirkung der Kreuznochcr Quellen außer aut ihve Radioaklivllät auf ihr« günstige chemische Zusammensetzung (Kalzium, Jod, Brom, Lsthium u. a.) zurück. Zum andern aber gründen ssch die Heileriolge sicher auch auf die dauernd mit feinsten Solehestandteilen gesättigte Lust des Bades, eine Folge der �Arbeit der gewaltigen Gradierwerke im Salinental, der kleineren Salinen und des einzigartigen Solezerstäubers im Kurpark. Sermsberf tTHSe.). Ztnr ürholuna und Stärkuns, leine kost- sviclizen gesellschaftlichen Verpflichtungen und keine Kurtare. findet ledrr Kops- und Handarbeiter in den herrlichen, ozonreichen Nadel, holzwaldungen des Altendurger Holzlandes. Die größte Ecmeinde dieses Holzlandes, die non einem sozialistischen VLrgerineister geleitete Ge- nieinde HermsdorsaIkirtß I15Schneilzugsmin.von Bingena.Rh., wird besatzungsfrei Pension ab M. S—, im KURHAUS PALASTHOTEL ab M. 12.— HEILT FRAUEN RHEUMA/ GICHT KINDER/ ALTER Hotel easfebieser Hot Größtes Haus am Platze. FrOher Konsum der SPD. Herrlich an Wald, Wasser, Bade-, Angel- gelegenheiL Raub- Ti'changeln gestatt Zimmer(Morgen- kalfe«. Mittag) i- M. Besie Referenzen Besitzer SEWOLD. GHiieniessSn-Tei 12 Eisenmoorbad Prctzsdi Elbe Beste Erfolge bei Gldif, Rhcama, Ischias, Nerven', Franenleid. usw. Das Bad Ist da» ganze Jahr geöffnet/ Femspr.£9 Näheres durch kostenlos. Prosp. d. Badererwaltung Ostseebad Kolberger Deep .Pensisn Waldlrleuen, 2 Min. v. Badestrand Mai, Juni Pension m Zimmer 4.00 bis 5.00 M, Juli 6 00 M 5 Mahlzeiten. Gute Küche Max Bonmann, Post Langenhagen- Inferieren brlagt erpolg: luftkurott Wienrode d. Llunlenburg u H Gute pzeiswerte Denüon. ruhige Lage. Garten. 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