BERLIN Mittag 12. Mi 193« erscheiattSglich a»ter S»««tas<> Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejugsprei« beide Ausgabe« 85 Pf. pro Woche, Z.eoM. pro Monat. «edaktiva und Erpedition; Berlin SWe8, kindenstr.» 10 Pf. Nr. 219 B109 47. Jahrgang /y Inzeigeupreitt Die einspaltige Nonparelllejekl« «o Pf., gleklamezeile 6 M. Ermäßigungen nach Tanf. PoSscheckkont»! Dorwärls-Verlag G. m.b.H.. Berlin Nr.»?««. Fernsprecher: Dönhoff 2SS bis 89? Die Internationale in Berlin. 22 Länder vertreten!— Die Abrüsiungsforderung. Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Jnter» nationale ist am gestrigen Tonntagmorgen nnter de« Vorsitz von Emile Bandervelve im Hause der Sozial- demokratischen Partei Deutschlands zu Berlin zusammen- getrete«. Die Anwesenheitsliste weist folgende Länder und Delegierte auf:' Di« Exekutive sprach einstimmig dem Genossen V l i e g e n (Holland), der aus der Exekutive ausscheidet, ihren herzlichsten Dank sür sein« langjährige hingebungsvolle Tätigkeit in der Internationale aus. Vandervefbe dankte den deutschen Genossen sür ihre Gast- sreundschast. In der Vormittagssitzung wurde der gedruckt vorliegende Tätig- keitsdericht des Sekretariats der SAJ. diskutiert. Bei dieser Gelegen- heit sprach Otto Lauer-Oesterreich den Dank der österreichischen Ar. beiterschast an die der SAI, angeschlossenen Parteien aus für die wertvolle moralische Hilfe, die ihr während der schweren Krise vom Herbst 1929 gewährt worden ist und die wesentlich dazu bei» getragen hat, daß die Heimwehrgefahr abgewehrt und die Demo- krati« ohne allzu schwere Opfer behauptet werden konnte. Diamand-Polen sprach ebenfalls den Dank der PPS. an die International« für die wirksame Unterstützung der sozialistischen Demokratie in Polen aus. Gegenüber einzelnen, z. B. auf dem letzten holländischen Partei- tag geäußerten Kritiken an der unzureichenden publizistischen Tätig- keit des Lehrinstituts wies Friedrich Adler-Zürich auf die Beschrankt- heit der Mittel, die dem Sekretariat zur Verfügung stehen, und stellte dabei Bergleiche an mit anderen internationalen Organisationen, die duxchaus zugunsten der SAI. sprechen. Der Bericht wurde sodann einstimmig gebilligt, wobei Vanderoelde-Belgien unter lebhaftem Beifall dieser Zustimmung den Eharokter-eines besonderen Dankes und Vertrauensvotums für den Sekretär Adler verlieh. Sodann gab der Kassierer van Roosbroeck-Belgien den K a fs e n- b e r i ch t der Iitternalionale und legte einen neuen Entwurf für die Beiträge vor, dem sich«ine kurze Diskussion ans6)lotz. I» der Nochmitragssitzung erstatteten de Lrauckäre-Betgien und Otto Lauer-Oesterreich im Namen Mission den Bericht über die Arbeite« der sozialistischen Abrüstungskonnnission und di« von ihr ausgearbeiteten Resoluttonen. Di« erste Resolutton besaßt sich hauptsächlich mit allgemeinen Gesichtspunkten, während die zweite zu den aktuellen Fragen des Abrüstungsproblems— Londoner Konferenz, italiemsches und französisches Bauprogramm, deutsche Panzerschifsspläne, französisch-belgifche Festungebauten— Stellung nimmt, lieber diese zweite Resolution gab es eine längere Diskussion, an der Gillies-Englaud, Albarda-Holland, Lenoudel- Frankreich, IRöfler-Schweden, Fenner.Lrockwoy. JLP., England, Lauer-Oesterreich und Anderson-Dänemark teilnahmen. Nach Ein- bringung und Beratung verschiedener kleiner Aenderungsonträge wurden dt« Resolutionen«in st immig angenommen.. Sodann wurde als zweiter Punkt der politischen Lage die Frag« der Lage in Sowselrußland und der Kriegsgefahr im Nahen Osten besprochen. Zunächst gab Abramowitsch-Rnßland einen eingehenden und fesselnden Bericht über die kritische wirtschaftliche und politische Entwicklung in der Sowjetunion nach dem Scheitern der Zwangskollektivisierung der Bauernschaft, während Otto Lauer über die in der Kommission ausgearbeiteten Resolution berichtete. Die Diskussion über die Referate und den Rcsoluttons- entwurf findet in der Montagssitzung statt. Sin SSlick in den Derhandltmggfaal der Abrüstungskom» Wahlsieg in Bern. Gin Drittel des Großrats sozialdemokratisch. Lern. 12. Mai.(Eigenbericht.) Heute fanden im Kanton Bern die Gesomterneuerui�swahlen ln den Großen Rat(Landtag) statt. In dem 214 Sitze zählenden Parlament hofften die Bauern di« absolute Mehrheit zu erzielen, während die Fveffinnigen auf Kosten der Arbeiter eine Erhöhung anstrebten. Siegerin des Tages ist die Sozialdemokratie geworden. Während sämtliche bürgerlichen Parteien Mandate ver- lieren, gewinnt die Sozialdemokratie 7 und verliert 1 Mandat. Sie erhöht ihren Bestand von 63 auf 69 und erhält damit ein Drittel aller Moudat«. Deutscher Wahlerfolg in Ost-O.-S. Gin Drittel des provinziaUandiags deutsch. kattowih, 12. Mai. 1 Nach den Meldungen der polnischen Morgenpresse haben di« Deutschen bei der Wahl zum schlesffchen Sejm einen„unerwarteten' Erfolg davongetragen. Das Korfanty-Organ„Polonia" billigt, ob- wohl noch keine amtlichen Wahlziffern vorliegen, schon jetzt den Deutschen im Sejm 16 Mandate und somit ein Drittel der Gesamttnandat« zu. Falls die Berechnungen der polnischen Presse zutreffen, würde der zukünftig« Sejm sich aus 16 Deutschen, ein schließ. lich der deutschen Sozialisten, 10 Regierungsparteilern. 13 Korfanty- Leuten, 4 polnischen Sozialisten, 3 nationalen Arbeiterparteilern und 2 Kommunisten zusammensetzen. Einzelergebnisse Kattowih, 12. Mai.' Köntgshütte-Stadt 43 761 Wahlberechtigt«, 40 863 gülttge Sttmmen: deutsche Wahlgemeinschost 18 746, Korsanty- Listen 9309, Sanacja(Regierung) 5412, auf die beiden Sozialisten (deutsch und polnisch) 4691 Stimmen, ferner 2969 kommunistische Stimmen und— 5 Sttmmen für den schlesijchen Selbstschutz. Tesche n-Stadt: Korsanty 767, 798 sozialistisch« Stimmen, Sanacja 2306, deutsche Wahlgemeinschast 1912, Schlcsijcher Selbstschutz 301, Kommunisten 7, Vereinigte Landwirt« 38. Bielitz-Stadt: Deutsche WahlgemeinsäMft 4270, Sozia« listen 3372, Sanacja 1093, Korsanty 763, 6 tommuntstisch« Stimmen, Erst gegen 12 Uhr lag das vorläufige amtliche Endergebnis von Kattowitz-Stadt vor. Danach haben von 69 473 Wahlberechtigten 24 798 für die deutsch« Wahlgemeinschaft. 17 7.6« für die Korsanty- Liste, 13 669 für die Sanoja-List«, 6798 sür die beiden sozialistischen Listen, 2169 für die kommunistische Liste und 47 sür den Schlesischen Selbstschutz gestimmt. Gefängniskrach. kattowih. 12. Mai. Etwa 60 Kommunisten im Kattonützer Gerichtzgesängnis wum den am Sonnabend aufsässig, schlugen an die Zellentüren und sang-n, Der Gesängnisdirektor versuchte, die Gefangenen zu beruhige». Diese gaben aber nicht früher Ruhe, bis der Staatsanwalt nach Rücksprache mit den einzelnen Demonstranten die E r f ü l l u n g verschiedener Forderungen zusagt«. Heute: internationale Kundgebung! „Neue Welt", Hasenlieide, Beginn 19.30 Uhr. Redner: Vandervelde-Beigien, Albarda«Holland, Abramowitsdi- Rußland, Bauer' Oesterreich, Crompton'England, Crispien- Deutschland, Diamand- Polen, Longuet- Frankreich, Grimm- Schweiz, Modiglilani' Italien, Möller'Schweden, Soukup' Tschechoslowakei und Wels' Deutschland. Kaiholizismus Oer Zentrumspa Jur Vorbereitung des Preußentages der Jentrumspartei ver- sammelte sich am Sonnabendnachmittag der Vorstand der preußischen Zentrumspartei unter dem Vorsitz des Geheimrats Dr. Porsch, der allerdings, mit Rücksicht auf sein hohes Alter, sofort darum bat, ihn von seinem Amte zu entbinden. Der Vorstand beschloß daraufhin, den Führer der Landtagssraktion, Dr. Heß, als Vorsitzenden der Partei vorzuschlagen. Ausführlich beriet der Parteworftand dann über Richtlinien der preußischen Politik. Am Sonntag srüh begann im Saal des ehemaligen Herrenhauses der preußische Parteitag sechst. Einschließlich der Reichstags- und Landtagsabgeordneten waren nahezu 600 Delegierte aus dem ganzen Lande erschienen. Einstimmig wurde Dr. Heß zum Vorsitzenden der preußischen Zentrumspartei gewählt. Dr. Heß gelobte unter dem Beifall des Parteitages, gute Zentrums- p o l i t iE zu treiben. Als Vorsitzender der Landtagsfrattion hielt Dr. Heß dann das Hauptreferat über die politische tage in Preußen. Die sogenannte Länderkonferenz, führte«r aus, habe Klarheit dar- über geschaffen, daß für eine Neuaufteilung des Reiches und Zer- schlagung Preußens eine parlamentarische Mehrheit nirgends zu haben sei. Di« Zentrumsfraktion des Landtags bleibe bei ihre? Ueberzeugung, daß es für Deutschland kein Segen wäre, wenn man versuchen wollte, an ssiner Struktur etwas Wesent- liches zu ändern. Der staalspolitische Ausbau der jungen preußischen Republik habe sich ruhig und stetig vollzogen. Vei der ewigen Unruhe im Reich sei es von unberechenbarer politischer Tragweite gc- wesen, daß die Kurve der politischen Linienführung in Preußen von Fieberschwankungen so gut wie frei geblieben sei. Dr. Heß kam dann auf die Zentrumspolitit in Preußen zu sprechen und erklärt«: Der große Ersalg des Zentrums war das Konkordat, ein historisches Ereignis von weltgeschichtlicher Bedeutung. Der deutschen Zentrumspartei ist es hier zum ersten Male ver- gönnt gewesen, ein« große parlamentarische Aktion in unmittelbarer Verbindung und m engster Gemeinsamkeit mit dem Heiligen Stuhl durchzukämpfen. Der soz ia ldem o k ra t is che Kultus- und Koalition. teitag in Preußen. minister in Preußen ist ein unbequemes Minus, wenn dies auch gegen das überragende Plus des Konkordats in den Hintergrund zu treten hat. Unverändert geblieben ist die isolierte Stellung der katholischen Kirche innerhalb der verschiedenen weit- anschaulichen Strömungen in Deutschland überhaupt. Dagegen hat sich grundlegend geändert die Bewegungsfreiheit der Katholiken auf staats politischem Gebiete. Die große Emanzipation, die uns Katholiken mit der deutschen De- mokratie erstanden ist, hat dem Zentrum mit einem Schlag« ganz andere Auswirkungsmöglichkeiten verschafft. Darin besteht der große Wandel unserer Zeit, und daraus resultiert auch die ganz veränderte Arbeitsweise unserer Zentrums- fraktion. So wie die politischen Machtverhältnisse in Deutschland gelagert sind, ist im allgemeinen die Formder großen Koa- lition das Vernünftigste. Die Weiteventwicklung müssen wir abwarten. Nach weiteren Referaten mit anschließender Diskussion, in deren Verlauf auch die Minister Stegerwald, Steiger und Hirtsiefer das Wort ergriffen, wurde«instimmig eine Entschließung ange- nommen, in der der Erwartung Ausdruck gegeben wird, daß die Pariser Verhandlungen zur restlosen territorialen und Wirtschaft- lichen Wiederoereinigung des Saar gebt eis mit dem Reiche führen. Bon der bevorstehenden Tagung des Völkerbundrates wird die Abberufung des sranzösisch-belgischen Bahn- schütze? im Soargebiet erwartet. Der Parteioorsitzende Dr. Heß schloß den Parteitag mit einer Ansprache, in der er das Ergebnis des Parteitages noch einmal zusammenfaßte. Er unterstrich dabei, daß sich der preußische Mini st erpräsident Braun entschieden gegen die sozial- demokratische Hetze gegen das Kabinett Brüning ge- wandt habe. Wenn es der sozialdemokratischen Parteileitung nicht gelinge, ihr« Presse auf ein« wirklich staatspolitische Einstellung zu führen, dann werde das Zentrum auf den Punkt geraten, wo es nicht mehr mitmachen könne. Es gewinne fast den Anschein, als wolle die sozialdemokratische Presse das Zentrum auf einen kritischen Punkt der inneren Politik hindrängen. Endlich gab Heß d«r Erwartung Ausdruck, daß die preußische Regierung das Zentrum in seinem Kampf gegen die Erscheinungen des Kultur- bolschewismus mit allem Nachdruck unterstützen werde. ' Lustfahrt und Wafferfchutz. Oer VerkehrSetai vor dem Reichstag. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde heute der Haus- halt des Verkehrsministeriums beraten. Der Abg. Ouaah(Dnat.) sprach als Berichterstatter im befon- deren über die Entwicklung des Wnsserstraßengesetzes. Abg. Schumann-Frankfurt(Soz.> erklärt, für den Ausbau der Wasserstraßen sei in den letzten Iahren nicht alles geschehen, was notwendig war. Besonders der Ausbau der Oder» Wasserstraße müsse beschleunigt werden. Wann wird endlich die lange fällige Revision der Seemannsordnung dem Reichstags unterbreitet werden. Auch den Söhnen Minderbemittelter nmß die Möglichkeit gegeben werden, an den Einrichtungen der se«» männischen Ausbildung teilzunehmen, im besonderen durch Lehr- mittelbeihilfe und Freistellen. Unsere Haltung zum Luftverkehr ist bekannt. Wir sind immer für Luftverkehr und Luftfahrtindustrie gewesen. Aber die Reichssuboentionen forderten imm«r wieder zur stärksten Kritik heraus. Wir verlangen genaueste laufende Kontrolle der verteilten Mittel. Die Eozialdemo- kratie verlangt vierteliährliche Nachweifungen der Subventionen an den Haushaltsausschuß des Reichstages. Ein entsprechender Antrag ist von uns eingebracht worden. Die Frage der Fliegerschulen muß geprüft werden. Der Bedarf an Fliegern beträgt jährlich 40 bis 50, jetzt werden viel zu viel Flieger ausgebildet. Wir haben überhaupt zuviel Fliegerschulen. Es könnten an den 2,3 Millionen niindestens 1,3 Millionen gestrichen werden. Der Kampf zwischen Eisenbahn und Auto wird immer unerträglicher. Eine Ent- scheidung muß irgendwie herbeigeführt werden. Heute hat der Kraftwagen schon 5 bis 7 Proz. des Gesamtverkehrs(Fracht- und Personenverkehrs) an sich gezogen. Die Kraftwagentransporte haben eben gegenüber der Eisenbahn viele Vorzüge. Die einzige Möglich- kcit, die Eisenbahn zu entschädigen, wäre eine Entlastung von der Ablieferung der Verkehrssteuer an das Reich. Die Reichsbahn muß ober auch kaufniännischer werden. Abg. Ersing(Z.) erklärt«, das Verkehrsministerium habe 72 höher« Beamte, mindestens«in Drittel davon fei zuviel. Der Reichswasserschutz in seiner jetzigen Situation sei nicht mehr zu halten. Verkehrsminister von Guerard erklärt, daß schon aus Wunsch des Ministeriums der Sparkommissar die. Deutsche Lufthansa durch- geprüft habe, das Gutachten werde dem Haushaltsausschuß vorgelegt werden. Die Fliegerschulen bilden nicht nur den Nachwuchs der Lufthansa aus, sondern auch für die Industrie, für Technik, Meteoro- logie usw. Der Oderstraßenbau ist in der Tat recht langsam vor sich gegangen. Das Auto ist ein vollgültiges Verkehrsmittel, darauf muß sich die Eisenbahn einrichten, sie hat im Auto sogar selbst ein Mittel zur Sparsamkeit, wenn sie das Auto als gleichwertig für bestimmte Ausgaben ansieht. Wir können uns der Motorisierung nicht wie ein Held in den Weg werfen. Die Boförderungssteuer kann nicht abgebaut werden, aber sie kann auf einen festen Betrag begrenzt ivevden. Das wird aber nur ein erster Schritt sein. Die Revision der Seemannsordnung ist eine Angelegenheit des Arbeits- Ministeriums. Der Vertreter Preußens, Ministerialdirektor Brecht, begründete den Antrag de» Reichsrots auf Uebergang des Reichswasserschutzes auf die Länder zum 1, Oktober dieses Jahres. So erspar« man die Neueinstellung von 300 Polizeiwachtmeistern. —( Auch Gandhis Nachfolger verhastei. Zunehmende Gteuerverveigerung. j New Delhi, 12. Mai.(Eigenbericht.) Am Sonntag wurde in ganz Indien zum 73. Mal die Soldaten- Meuterei von 185? und das hohe mohammedanische Fest Cskr-Jd gefeiert. Der Tag verlief in allen Zentren Indiens ruhig. Der Bewegung ist es inzwischen gelungen, den Widerstand gegen die englischen Behörden und Gesetze dadurch zu erweitern, daß auch die Bauern von Barduli die Steuerzahlung verweigern. Oürndhis Nachfolger, der 8t)jäbrige Abbas Tyabji, und alle sein« 59 Freiwilligen wurden in Navsari verhaftet, als sie ihren Marsch nach Dharasana angetreten hatten, wo sie das staatlich« Salzdepot„in friedlicher Weise" besetzen wollten. Abbao Tyabji und die Freiwilligen sangen beim Beginn des Marsches Gandhis Lieblingshymne:„Ein Jünger des Gottes Wischnu ist, wer die Leiden der anderen kennt." Frau Gandhi und andere be- malten die. Stirnen Tyabjis und seiner Freiwilligen mit Safran» zeichen, und Frau Gandhi segnete sie mit den Worten:„Möge Gott Euch Kraft geben, um die Regierung zu bekämpfen." Dmm setzte sich Abbas Tyabji, begleitet von Frau Gandhi, um 6.15 Uhr in Bewegung, gefolgt von den Freiwilligen. Die Dorfbewohner schlössen sich an. Weit sind sie nicht gekommen. Jetzt soll Frau Sarodschini Naidu die Führung übernehmen. Reichsbanner in der Bombenstadi. Große republikanische Kundgebung in Neumünster. Rcumünsker, 12. Mai.(Eigenbericht.) Die Stadt Neumünster, von der aus die Bomben- attentate in Schleswig. Hol st ein ihren Ausgang nahmen, stand am Sonntag völlig unter dem Eindruck einer KundgebungdesReichsbannersoerNordmark. An der Veranstaltung nahmen etwa 15 000 Personen teil. Der preußische Innenminister Dr. Wa entig führte im Ver- lauf der Kundgebung aus:„Wir wollen und können es uns nicht gefallen lassen, daß mit verbrecherischen Mitteln gegen den Staat angekämpft wird, der von dem Vertrauen der breiten Massen des Volkes getragen wird. Nachoem das deutsche Volk sich die Ver- fasfung von Weimar gegeben hat, ist jeder Kampf gegen die darin begründete S t a a t s f o r m. gegen die sie schützende Staatsgewalt auch ein Kampf gegen den Staat, ein Komps vor allem gegen dos Volk, das sich mit diesem Staat und dieser Staats- form unzertrennlich und unlösbar verknüpft fühlt. Es ist eine Lüge, wenn von rechts und links der Kampf geführt wird mit der Losung, daß die Interessen des Volkes bei einem anderen Regie- rungssystem besser als in der demokratischen Republik gewährleistet würden, und es ist ein Verbrechen, glauben zu machen, daß man mit GewaltmiUeln, mit Terrorakten und Putschen den Wieder- aufstieg beschleunigen könne. Wer wie die Bombenatten- täte? in Schleswig-Holstein mit Gewaltmitteln glaubt seine Ueberzeugung vertreten zu müssen, der kann von uns nicht in An- spruch riehmen, daß er von uns auch geistig als politischer Gegner gewertet wird. Uns eint der Wille, nur selbst gegebenen Gesetzen Untertan zu sein.„Auf freiem Grund mit freiem Volk zu stehen"— dos ist unsere Losung." Beim Aufmarsch erschossen. Blutiger Krawall zwischen Nazi und KPO.. Stettin. 12. Mai. Am Sonntag veranstalteten die Nationalsozialisten in Storgard einen Aufmarsch ihrer uniformierten Abteilungen aus den Kreisen Saatzig und Pyritz. Während der Nachmittag voll- kommen ruhig verlief, kam es am Abend zu Zusammen st äßen mit Kommuni st e n. Dabei wurde der Nationalsozialist Engel aus Stargard durch einen Reoolverschuß getötet. Di« Polizei verhaftet« den Kommunistenführer Koltermavn aus Stargard. Heim ins Neich! Anschlußkundgebung in der Stadt Walthers v. d. Bogelweide. Würzburg, 12. Mol. Der Oesterreichisch-Deutsche Lolksbund hielt hier ein« Delegierten» tagung ab, auf der 94 Ortsgruppen aus dem ganzen Reich und Oesterreich vertreten waren. Die Bürgermeister der österreichischen Landeshauptstädte legten das Bekenntnis zum Anschluß ab, zu dem sich 98 Proz. der Deutschösterreicher bekennen. Die Tagung forderte u. a., daß die doppelte Staatsangehörigkeit der 300 000 im Reich lebenden Oesterreicher gesetzlich anerkannt und ihnen das aktive und passive Wahlrecht gegeben werde, ebenso den Reichs- deutschen in Oesterreich. Reichstagsprästdent L ö b e wurde er- sucht, den Parteien und dem Reichsministerium des Innern diese Forderung vorzulegen. Der Bundestag schloß nachmittags mit einer mächtigen öffent- lichen Anschlußkundgebung im größten Saale Wllrzburgs, in welcher elf Redner aller Parteirichtungen aus Deutschland und Oesterreich den gemeinsamen Willen zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Länder betonten. Reichstagspräsident Lobe schloß die Kundgebung mit einem Hoch auf die Groß deutsche Republik der Zukunft. Gtadiräiswahl in Gotha. Nazi zerschmettern den Rechtsblock. Gotha, 12. Mai.(Eigenbericht.) Am Sonntag wurde der Gothaer Stadtrat neu gewählt. Die alte im Dezember 1928 zustande gekommene Stadtverord- »etenversammlung war wegen Arbeitsunfähig- keit aufgelöst worden. Die Wahl ergab ausschließlich auf der Rechten zugunsten der Natiopalsozialisten eine außerordentlich starke Veränderung. Es erhielten: Nationalsozialisten 6136 Stimmen, 11 Sitz« (1928: 1328 Stimmen): Deutschnational« 2077 Stimmen, 4 Sitze: Deutsche Volkspartei 2318 Stimmen, 4 Sitze. Deutschnationale und Deutsche Volkspartei marschierten 1928 aus einer gemeinsamen Liste (Bürgerbund) und erzielten 6792 Stimmen bzw. 14 Mandat«. Die Sozialdemokratie erhielt 1574 Stimmen, 3 Sitze(1928: 1671 Stimmen). Die Zentrale-Kommunisten oereinigten 5694 Stimmen, 10 Sitze, auf sich. Die Opposition erhiell 447 Stimmen. 1928 er- hielt die kommunistische Einheitsliste 5304 Stimmen und 11 Mandate. Die Demokraten brachten 600 Stimmen, gleich einen Sitz auf(1928: 605 Stimmen): die Wirtschaftspartei erhielt 1119 Stimmen, 2 Sitze(1928: 1926 Stimmen, 3 Sitze). Bei den Landtagswahlen im Jahre 1929 erzielten die National- foziolisten 5193 Stimmen, bi«, Deutschnationolen 2503, die Volkspartei 3220, die Wlrtschastspartei 1837, die Demokraten 931, die Kommumsten 5279 und die Sozialdemokraten 1947 Stimmen. Zaschisten-Angst. Granbi steigt vor Genf aus. Gens, 12. Mai.(Eigenbericht.) Die Mitglieder des Völkerbundrats sind zu der Ratstagung an, Sonntag vollzählig eingetroffen. Der italienische Außenminister kam nicht mit dem angekündigten Zug. Cr soll unterwegs ausgestiegen sein, aus Attentatsfurcht die Reise unterbrochen haben und erst heute in Genf eintreffen. Nazi drohen Schieck. Sie wollen für Auflösung stimmen. Dresden, 12. Mai.(Eigenbericht.) Das Organ der sächsischen Nationalsozialisten, der„Sächsische Beobachter", veröffentlicht heute einen Aufsatz, aus dem hervorgeht, daß die sächsischen Nationalsozialisten am Mittwoch f ü r d e n A u f» lösungsantrag der Sozialdemokraten stimmen werden. Sie sind mit der Zusammensetzung der Regierung Schieck nicht zufrieden, weil Herr Schieck das Wirtschaftsministerium und insbesondere das Arbeitsministerium, für das sie einen ihnen nahestehenden Kandidaten in Bereitschaft hatten, nicht besetzt, sonder« Ministern, die ein anderes Ministerium haben, im Nebenamt übertragen hat. Am Schluß des Artikels wird gesagt, es hätte im Interesse des Landtages gelegen, wenn Herr Dr. Schieck darauf verzichtet hätte, einen Tag Minister- Präsident zu spielen, da«r genau habe wissen müssen, daß die Nationalsozialisten nunmehr für die Auflösung des Landtages stimmen würden. Schwerer Verkehrsunfall in der Lindenstraße Heute vormittag ereignete sich vor dem„Vorwärts"- Gebäude in der Lindenstraße ein schwerer Zusammen- st o ß zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie 66 uttd dem L a st a u t o einer Berliner Kartoffelgroßhandlung. Der Vorderperron der Straßenbahn wurde stark beschädigt. Der Führer erlitt so schwere Handverletzungen, daß er ins Urban- krankenhaus.gebracht werden mußt«. Außerdem wurden mehrere Fahrgäste durch Glassplitter der zertrümmerten Fensterscheiben leicht oerletzt: noch ärztlicher Behandlung konnten sie jedoch ihre» Weg fortsetzen. Der schwerbeschädigte Straßenbahnwagen mußte aus dem Verkehr gezogen werden. Oberammergauer Eindrücke. Vbcrammergau, 11. Mai. Oberammergau ist ein« Sache, von der in diesem Sommer viele Leute reden. Nicht nur in Deutschland, sondern auch im Aus- land, vor allem in England und Amerika, die regelmäßig fast ein Drittel der Besucher des Passionsspicles stellen. Das letztemal vor dem Kriege waren es rund IvvlXX) Angelsachsen, die über den Kanal und über den Atlantik in das oberbayerische Bergdorf fuhrcn- Heuer werden noch mehr erwartet, und gerade ihnen zuliebe hat sich Oberammergau auf Glanz hergerichtet. Das Dorf hat eine Vergangenheit bis in die Zeiten der Kelten und Römer, und es hat Tradition. Draußen in der Welt spricht man von ihm, weil es seit 300 Jahren ein religiöses Bolksftück, die Passion des Nazareners Jesus, aufführt und dieses Theaterspielen von jeher den ganzen geistlichen und zum Teil auch materiellen Lebensinhalt der Generationen bildet, die in Oberammergau auf- gewachsen und dort ansässig geworden sind. Was hie Oberammer- gauer sonst noch treiben? Viele haben eine kleine und kleinste Land- Wirtschaft, die auf vier oder gar auf zwei Schultern der Familie lastet. Die meisten aber sind Schnitzhandwerker und lassen durch eine besondere Verkaufsorganisation seit langem ihre Erzeugnisse überall in der Welt vertreiben. Was darüber hinaus zur kleinbürgerlichen Lebenshaltung nötig ist, ziehen sie aus dem Fremdenverkehr. Das Spiel geht auf«in Gelöbnis zurück, das beim großen Pest- sterben der Jahre 1632 und 1633 die Gemeindeältesten vor dem Altar der Dorfkirche abgelegt haben. Di« Pest nahm ein Ende, und tu« erlöst« Einwohnerschaft hielt ihr Gelübde. In Abständen zunächst und unregelmäßig, seit IvlZ Jahren aber ohne Unterbrechung, nach- dem das Zeitalter der Aufklärung den Leuten beinahe einen Streich gespielt hätte. Die Regierung des Herrn M a n t g« l a s wies die Bittsteller immer wieder ab mit den Worten, sie sollten sich den Herrgott vom Pfarrer in der Kirche predigen lassen, anstatt ihn auf ihrem Theater herumzuziehen. Wittelsbachcr Einflüsse weiblicher Herkunft milderten aber schließlich den Machtspruch des französischen Emigranten, und seither sind die Oberammergauer absolut monarchistisch und römisch-kirchlich Der Franzose hatte eigentlich nicht unrecht. Denn die genaue Nachahmung der feierlichsten Gotlesdiensthandlung des katholischen Ritus(Kommm.ion) auf einer Theaterbühn« ist nichts anderes als Profanierung. Anderen Vauerntheatern, die allerdings nicht so zweckgebunden sind, hat die kirchliche Obrigkeu derlei nie durch- gehen lassen. Das Oberammergauer Spiel ist in seinem Wesen ländliches Bauerntheater. Das tritt klar in Erscheinung, wenn man die Auf- führung entkleidet von den Kompromissen, die um der Bühnen- Wirkung willen mit dem ursprünglichen Spiel in seiner modernen Darstellung geschlossen wurden. Wie sich heut« die bis ins Kahle modernisierte Bübne in ihrer grauen Betonfarbe darbietet, erscheint sie geeignet für Reinhardtsche Massenregie. Diese zeitgemäß« Sachlich- keit, deren starre Schematisierung den modernen Charakter absichttich etwas verkleiden will, entdeckt man selbst in der Ausstattung, der szenischen sowohl wie der persönlichen. Der römisch« Statthalter Pilatus mußte z. B. seinen ganzen früheren Militarismus opfern: er spielt seine Rolle jetzt demokratisch und als Zivilist in der Togb. Es ist nicht nur Geschäftsinteresse, das die Oberammergaucr dieses Theater spielen läßt. Gewiß verdienen sie damit einen Gutteil ihres angenehm geordneten Lebens. Nicht so sehr durch Spiel- Honorare, die für die 700 Mitwirkenden in großen Abstufungen aus- fallen. Das letztemal vor dem Kriege war es nicht ganz eine Mil- lion, die nach fünfmonatiger Spielzeit bezahlt werden konnte. Wichtiger ist der Nutzen, der für die gesamt« Wirtschaft der Ge- meinde abfällt, denn jährelang vor der eigentlichen Spielzeit gruppiert sich das ganze Leben der Kommune um den Bedarf und das Interesse ihres Theaters. Die Oberammergauer glauben aber auch mit ihrem Spiel ein« kirchliche Mission zu erfüllen. Das eine muß man ihnen jedenfalls lassen: sie verstehen es nicht ohne Ge- schicklichkeit, beides, Mission und Geschäft, so miteinander zu ver- schmelzen, daß es materielle und geistige Früchte trägt.?. B. Busch verhafiungsreif. Seine Krankheit bewahrt ihn jedoch vor der Festnahme. Jetzt zeigt es sich, wie richtig schon 1326 die sozialdemo. kratische Sladtverordnetensraktton die Verhältnisse beurteilte, als sie bereits damals die Abberufung des Dezernenten für die Grundstücksgefchäfte energisch im Stadtparlamcnt forderte. Die neueren Vernehmungen Büschs, des ehemals prominentesten Mannes der ZDirtschaftspartei, und eine kürzlich in seiner Wohnung vorgenommene Haussuchung haben so stark belastendes Material ergeben, daß an sich eine Verhaftung des ehemaligen Stadtrates gerechtfertigt sein würde. Lediglich seine schwere Erkrankung bewahrt ihn vor der Festnahme. Heute vormittag ist die Untersuchung fortgesetzt worden. Man behandelt« im besonderen die Umstände bei dem Ankauf von B i e s- dorf. Di« Staatsanwaltschaft, die bisher noch Stillschweigen über das Material bewahrt, das Ende der vergangenen Woche beschlag- Oer Oiplomatenschub �odin-AquareW. Rilke berichtet in seinem schönen Rodin-Büch über die Art, wie diese Aquarelle entstanden. Rodin überließ das Modell seinen natür- lichen Bewegungen, und indem er das„unmerklich Vorübergehende" bei der sich unbeobachtet Glaubenden mit rascher Hand festhiell, „zeichnete er eine Unmenge nie gesehener, innner versäumter Ge- beiden auf, und es ergab sich, daß die Kraft des Ausdrucks, dtd von ihnen ausging, ungeheuer war... Ein Pinsel voll Ocker, schnell, mit wechselnder Betomnuj durch diese Kontur geführt, modellierte so unglaublich stark die eingeschlossene Fläche, daß man meinte, plastische Figuren aus gebrannter Erde zu sehen," Noch heute und immer wieder erleben wir das Erstaunen über dies« Schöpfungen göttlicher Augenblick«, für das Rilke die beglücktesten Worte findet. Sieht man eine größere Anzahl dieser toll verkürzten, unnachadmlich und fast akrobatisch bewegten Aktstudien beisammen, so mag man den Ge- danken nicht zurückweisen, daß Rodin in ihnen sein Bestes gegeben hat. Wenigstens sagen sie uns Heutigen weit mehr als seine allzu impressionistisch naturgetreuen und sogar das Süßliche nicht ver- meidenden Skulpturen. In den simpeln Bleistiftskizzen, zu klassisch wilden Silhouetten gesteigert durch die füllende Orangetusche, lebt«in geniales Gefühl für das ganz Ursprüngliche der Natur. Die Galerie Flechtheim hat 80 dieser meisterlichen Akte zu einer auserlesenen Schau zusammengebracht: ein überlegenes Seitenstück zu den hundert La-Fontain«-Aquarellen Chagalls. Hier spürt man das Unsterbliche an Rodin.?aul F. Schmidt. Ein neues Insiiiui in Dahlem. Am 1. Mai ist am Geheimen Staatsarchiv in Berlin-Dahlem «in neues Institut für Archivwissenschast und geschichtswissenschaftliche Fortbilduirg eröffnet worden. Die gesteigerten Anforderungen, die seit geraumer Zeit an die Archivbeamten herantreten, ließen es not- wendig«rfchcinen, eine besondere Pflanzschule für die archivtcch- Nische und wissenschaftliche Ausbildung der künftigen staatlichen und nichtstaatlichen Archivare zu schaffen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst hierzu erfährt, soll das neue Institut aber zugl«ich be- sonders befähigten jüngeren Historikern, die bereits die Doktorprüfung oder das Staatsexamen bestanden haben, die Mög- lichkeit geben, ihre auf der Universität gewonnenen Kenntnisse zu oertiefen. Das Institut für Archivwissenschaft und geschichtswissen- schastliche Fortbildung untersteht dem preußischen Ministerpräsidenten Dr. Braun als dem obersten Chef der Archivverwaltung, und dem preußischen Minister für Wissenschast, Kunst und Volksbildung Grimme. Die Leitung hat der Generaldirektor der preußischen Staatsarchive, Prof. Dr. A. B r a ck ma n n. Den Unterricht«rteilen Staatsarchivräte des Geheimen Staatsarchivs und Dozenten der Ber- liner Universität. Musikpädagogifche Tagung in Gietiin. Am Sonnabend vormittag wurde die öffentlich« Tagung des Reichsverbandes Deutscher Tonkünstler und Musiklehrer von dem Vorsitzenden des Hauptoorftandes, Dr. Arnold Ebel-Berlin, eröffnet. Dr. Ebel wies auf die großen Aufgaben mit der Erneuerung der deusschen Musikkultur hin, deren Ziel.ein wahrhaft volkstümliches Musikleben sei, das nicht m«hr die Grenze zwischen der Musik für den Künstler und der Musik für den Menschen kenne. Der Ver- treter der Regierungsbehörde, Oberregierungsrat Bahr, betonte, zwar werde von den Privatmusiklehrern die staatliche Aufficht als lästig empfunden, im Grunde genommen aber trage sie mit der Auswahl geeigneter L«hrkräfte auch nur zur Förderung des Musik- wesens bei. Ferner sprachen die Vertreter der Stadt Stettin und der Stettiner Theatergemeinde. Besondere Bedeutung gewann die öffentliche Tagung durch den Dortrag von Minssterialrat Professor L«o Kestenberg-Berlin, der über die Beziehung zwischen Staat und Musik sprach. 700-Lahrfeier Walthers von der Vogelweide. Die Stadt Würzburg steht dieser Tage im Zeichen der 700.Jahrfeier Walthers von der Vogelweide. Auf dem mit Fahnen in den Farben des Reichs, des Landes und der Stadt geschmückten Residenzplatz, vor dem mit dem Standbild Walthers geschmückten Frankoniabrunnen, fand Sonnabend vormittag«in« große öffent- liche Feier statt, zu der sich außer einer tausendköpfigen Menschen- meng« zahlreiche Ehrengäste eingefunden hatten. Reichsinnenminister Dr. W i r t h legt« am Denkmal einen Lorberkranz nieder und feiert« den Vogelweider als Sohn des deut- schen Volkes und als Freund der deutschen Heimat. Der bayerische Kultusminister Dr. Goldenberger hob bei seiner Kranznieder- legung den Willen zur Einigkeit als Vermächtnis Walchers hervor. Der österreichische Bundeskanzler a. D. Streeruwitz gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Feier allen Deutschen im Reich«ine Mahnung sei, ihrer Brüder jenseits der Grenze nicht zu vergessen und den Auslandsdeutschen ihr Volkstum zu bewahren. Reichstags- Präsident L ö b e k«nnzeichnete Walther von der Vogelwerde als Zeu- gen für die jahrtausendlange Verbindung Tirols und Deutschlands. Landtagspräsident Stanz sagte, Walther sei«in Mahner deutscher Einigkeit, ein Vorbild deutscher Vaterlandsliebe, ein Herold deutscher Art und Sitte. Nach der öffentlichen Feier fand im Kaisersaal des Residenz- schlosses«in« Morgenfeier statt. Musikpflege und Gesellschost. Neue Musikzeitschrifien.' ,D>i« Musik pflege" nennt sich eine neue Mcmatsschri-jt für Musikerziehung, Musikorganisation und Ehorgesangwesen, die in Verbindung mit der Musikabt«ilung des Zentralinstituts für Er- Ziehung und Unterricht und der Interessengemeinschaft für das deutsche Ehorgesangwesen von Dr. Eberhard Pr«uhn«r heraus- gegeben wird(im Verlag von Quelle und Meyer, Leipzig). Sie will, so lesen wir, die musikpädagogischen und organisatorischen Zeitsragen in der musikalischen Berufs- und Laienbildung, im Hochschulwesen, in der Schulmusik, in Lehrerbildungsstätten, im Prioatmusikunter- richt und Chorgesangwesen behandeln, sowie di« BezielMngen der öffentlichen Musikpfleg« zur staatlichen Organisation und zur Musik- erziehung untersuchen. Das erste Heft, April 1930, liegt vor. Mit größeren Aussätzen von Leo Kestenberg, dem vielseitigen Spezialisten in allen Fragen der Musikpädagogik und-organisation, von Heinrich Kaminski, von Herman Scherchen, Maria Leo sowie«iner Reihe interessanter Beiträge zu aktuellen Fragen der Musikpflege und ein- schlägigen Berichten. Und ein« zweit« Neuerscheinung auf angrenzendem Gebiet: „Musik und Gesellschaft, Arb«itsblätt«r für so- ziale Musikpflcg« und Musik Politik". Die Vlätti* erscheinen alle sechs Wochen(bei Georg Kallmeyer, Wolffenbüttel und B. Schotts Söhne, Mainz); als Herausgeber zeichnen Prof. Fritz I ö d e und Dr. Hans Bo e t t ch« r. Beide Zeitschriften, mit teilweise gemeinsamen Mitarbeitern, ergänzen einander nicht nur inhaltlich in vieler Hinsicht. Ihr gleichzeitiges Erscheinen kenn- zeichnet das dringende Interesse, das heute im Bereich der Musik allen sozialen, pädagogischen und organisatorischen Fragen zu- kommt.. K. P. Nicola Berscheid, der bekannte Berliner Photograph, ist gestern im Alter von 66 Iahren in der Charit« gestorben. Perscheid war Begründer d«r sogenannten künstlerischen Photographie. Sein Spezialgebiet war das Bildnis. Es gibt kaum eine geschichtliche Berühmtheit unserer Tage, die nicht vor seiner Kamera gesessen hat. Im Herbst vorigen Jahres feierte Perscheid sein ZOjähriges Berufsjubiläum, vor wenigen Wochen löste er fein Atelier auf. Ein neuer Urvogel. Die Spuren eines Urvogels, der oller Wahrscheinlichkeit nach noch älter ist als der bisher als älteste bekannte Urvogel, der Archäopteryx, wurden im Bayerischen Iura gefunden. Auf Solnhofener Plattenkalk wurden Faßspuren entdeckt, die auf«inen Vog«l etwa von d«r Größe einer Amsel schließen lassen. Wie Prof. Iaeckel feststellte, muß dieser Urvogel nicht ge- fiebert, hindern mit Borsten bedeckt gewesen sein, wodurch sich die Borste als Vorform der Feder und als eine Zwischenform zwischen B«schuppung und Befiederung Herlelten läßt. Für die Nutzbarmachung der Museen. In London hat sich ein Ausschuß gebildet, der eine stärkere Nutzbarmachung der staat- lichen Sammlungen für di« Volksbildungsarbeit fordert. Dieses Ziel soll, nach den Richtlinien des Ausschusses, durch stärkere Auf- tlärung. durch Werbeschriften, volkstümlicher gehaltene Katalog«, den Ausbau der Führungen und durch stark« Herabsetzung des Ein- trittspr«is«s erreicht werden. Auch in der Genehmigung zu Licht- bildaufnahmen und in d«r Beschaffung von Abbildungen sollen weit- gehende Erleichterungen geschaffen werden. Schurman Ehrenvorsitzender der Karl- Schurz- Stiftung. Der frühere Botschafter Schurman hat, wie aus New Vo»k gemeldet wird, den Ehrenvorsitz der Karl-Schurz-Stiftung übernommen. Den, Vorstände der Stiftung gehören eine Reihe Amerikaner deutscher Abstammung sowie auch der frühere Botschafter Houghton an. Für die Stiftung Ist bisher eine halbe Million Dollar ausgebracht worden. Museum, Vorträge. Am lS., 11 Uhr. spricht im Kaiser-Friedrich-Auleum Dr. Dreyer über.Niederländi iche und dculiche Malerei�: am 14, 11 Ubr, im Reuen Museum Dr. Huggler über.Ausstellungen de» Kupferstich. Kabinett»; am 17., 1t Uhr, im Museum für Völlerlunde II Dr. von Iennp über„Hauptrichtungen vorgelchichtlicher Kunst'.— Ferner findet am 17. von 14 bis 15 Uhr in ber Vorderasiatischen Abteilung d«S Kaiser-Friedrich. Museums ein Vorlrag statt, der diele Kultur und ihre Vorausietzungen erläutert.— Teilnehmerkarten(einschl. Eintrittsgeld) 1,— M., für Studierende 50 Pf. nahmt worden ist, betont, daß«ine Verhaftung Büschs mit Rücksicht auf die schwer« Krankheit des Beschuldigten nicht bevorsteh«. Außerdem seien die Gefahr einer Verdunkelung oder die Möglichkeiten ein«r Flucht nicht vorhanden., « Im Fall Katz ist auch heute noch keine Entscheidung des Ober- Präsidenten über die Einleitung des Disziplinarverfahrens erfolgt, weil noch einige Zeugen, die außerhalb von Berlin wohnen, kommissarisch vernommen werden müssen. Auch von der Staats- anwaltschaft wird das gegen Siaötrat Katz vorliegende Material geprüft und gesichtet, obwohl ein eigentliches Ermittlungsverfahren noch nicht«ingeleitet ist._ Krauen a�s Freiwild. Mädchenhändlerorganisation in Argentinien ausgehoben. , Buenos Aires. 12. Mai. Das Blatt„La Razon" macht sensationelle Mitteilungen über den Mädchenhandel. Das Blatt behauptet, die Polizei habe eine Organisation entdeckt, die in den letzten Jahren durch Mädchenhandel- Millionen verdient habe. Ueber 1500 europäische Mädchen befänden sich gegenwärtig in Argentinien, die zum Preise von S00 bis 2500 Mark in Europa gekauft worden feien. Neun Männer feien bereits verhaftet worden. Die argentinische Regierung habe im Einoernehmen mit der Regierung von Uruguay beschlossen, den europäischen Regierungen eine �N o t e zu übersenden, in der diese aus die Zustände aufmerksam gemacht und gebeten würden, ihre Wachsamkeit zu verdoppeln, um dem Mädcheuhandel ein Ende zu bereiten. Nach einer weiteren Mit- teilung. sollen in der Affäre bisher 400 verhoilungen erfolgt fein. Der jährliche Import der Händler belaufe sich auf durchschnittlich 200 Frauen. Rund 2500 Frauen und Mädchen sollen von der Bande ausgebeutet worden sein. , Paris, 12. Mai.(Eigenbericht.) Die argentinische Regierung hat. wie das„Petit Journal" be- richtet, in Paris, Berlin und Warschau ersucht, die Be- kämpfung des Mädchenhandels zu verschärfen; aus D euts chland und Polen seien in den letzten Wochen zahlreiche Mädchen nach Buenos Aires verschleppt worden. Die argentinische Regie- rung sei einer weitverzweigten Organisation auf die Spur gekommen, deren neun Hauptorganisatoren bereits ver- haftet werden konnten. Zu viel phoios. Beim Essen will man nicht geknipst werden. Das preußische Kabinett hat beschlossen, daß seine Mit- glieder künstig an gesellschaftlichen Veranstaltungen nur dann teil- nehmen, wenn ihnen zugesichert wird, daß sie beim Essen nicht photographiert werden. Das Reichskabinett beabsichtigt, diesem Beispiel zu folgen. Gütertarise erhöht. Personentarif wird geprüft. Die Reichseisenbahngesellschaft hat eine Erhöhung der Tarife um 150 Millionen beantragt. Der Reichsverkehrsminister hat vor- läufig eine Erhöhung der Stück- und der Expreßgüter- tarife ab 1. Juni bewilligt; sie soll 50 Millionen ergeben. Weitere 16 Millionen sind bereits durch Verteuerung der Zeitkarten auf der Berliner Stadtbahn erzielt worden. Eine weitere Er- höhung der Frachtentarife hat der Minister abgelehnt mit dem Hinweis auf die schlechte wirtschaftliche Loge. Der Minister hat anheimgestcllt. zu prüfen, ob eine Erhöhung der Personentarise zulässig und zweckmäßig wäre. Die Entscheidung darüber sst nicht vor Ende Mai zu erwarten. Die Reichseisenbahngesellschaft bestreitet, daß große Unregel- Mäßigkeiten bei einer Blantenburger Firma im Zusammenhang mit Lieferungen für die Reichsbahn erfolgt feien. Angestellte der Reichs- bahn feien nicht oerwickelt. Autounglück bei Potsdam Lastauto gegen Personenwagen.— Zwei Verlehte. Am Sonntag abend ereignete sich aus der Potsdamer Chaussee, die nach Wannsee führt, ein schweres Automobil. Unglück, durch das die Kausleute Hermann weinberger und Alexander Kirchner aus Leipzig verlehl wurden. Ein grohes Lastauto mit Anhänger der Firma henckel in Altona, das mit kupferplatten beladen war, fuhr mit voller Wucht gegen das aus der Richtung Potsdam kommende Auto der Kausleute. Da das Lastauto und der Anhänger sich quer über den Fahrdamm gestellt hatten, musite die Feuerwehr alarmiert werden. Die beiden Insassen des Privatwagens befanden sich auf einer Geschästsreis«. Die meisten ihrer Verletzungen sind aus (tzlossplitter zurückzuführen. Weinbcrger erlitt außerdem einen schweren Schädelbruch, als er mit dem Kopf gegen die Decke des Autos stieß. Mit dem Auto in die Elbe. Reichswehrsoldat rettet die betrunkenen Insassen. Magdeburg, 12. Mai.(Eigenbericht.) Am Sonntag ereignete sich hier in aller Frühe ein schweres Automobilunglück, indem ein mir drei Personen besetztes Magde- burger Personenauto auf der sogenannten holzbrücke auf den Bürgersteig fuhr, das Holzgeländer der Brücke durchriß und 12 Meter tief in die Alle Elbe stürzte. Dort blieb dos Automobil auf einer Sandbank liegen. Es lief so schnell voll Wasser, daß die betrunkenen Insassen sich nicht selbst befreien konnten und wahrscheinlich ums Leben gekommen wären, wenn nicht zufällig ein Reichswehrsoldat des Weges gekommen wäre und das Un- glück bemerkt hätte. Der Soldat sprang oberhalb der llnglücksstclle ins Wasser, schwamm an dos etwa zehn Meter vom Ufer liegende und vom Wasser überspülte Auto heran und schlug die Scheiben ein, damit die Insassen, die sich bereits in Erstickungsgefohr befanden, Luft bekommen konnten. Schließlich gelaug es ihm auch, die Tür zu öffnen und die drei Znsassen des Autos herauszuholen. Sie wurden von der inzwischen alarmierten Feuerwehr ans Ufer gebracht. All« drei haben Knöchelbrüche und schwere Schnitt- wunden erlitten. ZaNschirmakrobaien in Tempelhof. Landung zwischen Daumen. Wind und Regenschauer fegten am Sonntag über den Flughasen. Von zwei bis vier Uhr die üblichen Rundflüge, ausgeführt von der Lufthansa und vom„Sturmvogel". Dann starteten die ersten Fallschirmpiloten. Einer noch dem. anderen klettert« aus der Maschine, Körper wirbeln, sich überschlagend, durch die Lust, die weißen Schirme entfalten sich und gl«ten sicher mit den Piloten zur Erde. Einen Augenblick gab's Herzklopfen: einer der Piloten sprang zu früh, wurde vom Winde abgetrieben und geriet in die Bäume des Neuköllner Dolksporkes, unter denen gerade eine Kaffeegesellschaft faß. Aber alles ging glatt. Der Schirm wurde etwas beschädigt, der Pilot blieb unverletzt. Einen bösen Ausgang hätte beinahe der Absprung des Fallschirmpiloten E o n r a d genommen. Die am Flugzeug befestigte Aufziehleine war schadhaft und riß, ohne den Derpackungssack zu öffnen. Conrad bemerkte im Augenblick des Absprungs den Fehler und riß geistes- gegenwärtig den Schirm heraus. Di« ganze Angelegenheit spielte sich in sincm Zeitraum von zwei, drei Sekunden ab, so daß die meisten Zuschauer gar nichts von der Gefahr bemerkten, in der sich der Pilot befand. Di« Flugzeugführer Alt. Dechert urtd Heine zeigten beachtenswerte Leistungen im Kunstflug. Neumonds(Lude. Da keine Anzeige, Höhe der Verbindlichkeiten unbekannt. Die Schwierigkeilen, in denen sich der Rechlsanwalt Dr. R e u m o n d befand, der am Sonnabend, wie berichtet, in einem Hotel in der Vellevuestraße Selbstmord verübte, find keineswegs neuereu Datums, sie liegen zum Teil schon Zahre zurück. Wie wir erfahren, ist bisher weder bei der Polizei noch bei der Sioatsonwattschaft auch nur«ine Anzeige eingegangen, die sich gegen Dr. Neumond richtet. Nur die Berliner A n wa l t s k a m m e r war durch Vcröffeittlichungen eines Berliner Blattes, das gegen Dr. Neumond oersteckte Angriff« erhob, ausmeeksam geworden und hatte sofort, um völlige Klarheit zu schaffen, eine Untersuchung eingerichtet. Das war am Freitag voriger Woche. Inzwischen hatte Dr. Neumond von der Absicht der Anwaltskommcr erfahren. Um ollen Weiterungen aus dem Wege zu gehen und einen öffsnt- lichen Skandal zu vermeiden, ist in ihm dann wohl plötzlich der Entschluß gereift, Selbstmord zu verüben. Am Sonnabend ging er am frühen Nachmittag aus feinem Anwaltabüro in der Potsdamer Straße 134 fort und begab sich direkt nach der Belleouestrahe. wo er in einem bekannten Hotel abstieg. Einig« Stunden später wurde Dr. Neumond schon als Leiche aufgefunden. Er hatte seinem Leben durch Gift ein Ende gesetzt. Die höhe der Verbindlich- keilen Dr. Neumonds steht noch nicht fest und-ob die Bücher darüber einwandfrei Aufschluß geben werden, erscheint ebenfalls noch höchst zweifelhaft. Der Selbstmord mit feinen Ursachen kam ollen denen, die mit Dr. Neumond geschästlich zu tun hatten, oder mit ihm befreundet ware� völlig überraschet». Niemand wußte, daß der Anwalt, der eine sehr gut« Praxis hatte, mit finanziellen Sorgen zu kämpfen hotte. Dr. Neumond hatte in früheren Jahren eine Praxis in Frankfurt a. M. Er siedelte dann nach Berlin über, während feine Familie in Frankfurt blieb. Dr. Neumond war vom Glück begünstigt, er schaffte sich hier bald eine große Praxis. Die hohen Einnahmen waren auch gleichzeitig fein Verderb und er oerfiel wieder seiner alten Leidenschaft. Treuhandgemeinschaß der Anwälte? Nach den letzten Feststellungen sind eine Reihe von Klienten um größere Beträge geschädigt worden. Der Fall Dr. Neumonds hat in Berliner Anwoltskrcijen berechtigtes Aufsehen erregt. Die Bor- stände der Berliner Anwaltskommer und Anwaltsvereine werden jetzt erneut Maßnahmen erwegen, um ähnliche Dorkommniss« für die Zukunft unmöglich zu machen. Bor allen Dingen soll ein weg gesunden werden, der dem Klienten volle Sicherheit für seine Gelder bietet. Es sollen die Gelder nicht mehr auf das Privatkonto der Anwälte, sondern auf Separatkonten«ingezahlt werden, so daß sowohl die Bank, wie auch der Klient jederzeit eine Kontrolle aus- üben kann. Weiter ist darüber hinaus eine Trenhandgemeinschast geplant, bei der die Klientengelder hinterlegt werden können. Dieser letzte Weg erscheint auch uns der günstigste, da er in jedem Falle die beste Gewähr und Sicherheit bietet. Wetter für VerNn: Teils heiter, teils wolkig, ohne nennenswerte Niederschläge, wenig Temperaturänderung.— Für Deutschland: Im Osten noch meist bewölkt mit etwas Regen, im Westen Aufheiterung und am Tage etwas wärmer. Klammeniod einer Greisin. Furchtbare«! Vranvunglück in Schöneberg. Zu der Rächt zum Sonntag hat sich in der E h e r u» k er. firaße 12 in Schöneberg ein furchtbares Vrandunglück ereignet. Aus der Wohnung der 74jähr!gen Witwe Marie A u d i l e k drangen gegen 3 Uhr plötzlich gellende Hilferuf«. Nachbarn eilten hinzu und fanden die alte Frau mit lichterloh brennen- den Kleidern auf. Durch Aufwerfen von Bekleidungsstücken versuchten die Leute die Flammen zu ersticken. Die Bedauernswerte hatte jedoch so schwere Brandverletzungen erlitten, daß sie bald daraus starb. Man nimmt an, daß die Greisin beim Anzünden einer Kerze einen Schwächeanfoll erlitten hat, wobei ihre Nachtkleider sofort Feuer fingen. Di« Leiche wurde beschlagnahmt, Vienenburg teilweise in Betrieb. Ordnungsarbeiten in den Schächten. heule morgen ist ein Teil der Velegschasi aus Schacht III wieder eingefahren, um zunächst außer einer Wiederausnahme der Förderung auch die noiwendigen Sicherungsmaßnahmcn zu treffen. Ueber diese Arbeiten hat die Direktion der Preußag in einem Schreiben an den Londrat des Kreises Goslar Aufschluß gegeben. Darin heißt es, daß man zunächst versuchen wird, dos Schachtield des Röhrig-Schachtes(Schacht III) gegen das des Schachtes II in höhe der vierten hauptsohle abzudämmen, und zwar soll dieser Schacht bis unterhalb der vierten Sohle zugeschüttet und durch einen starken Mauerpfropfen abgedichtet werden. Im Falle des Gelingens dieser Arbeiten soll auf der vierten hauptsohle wieder die Förde- rung in Angriff genommen werden, so daß in einem mäßigen Umfang der Betrieb sowohl in den Gruben wie in der KaP- salzsabrik wieder aufgenommen werden kann. Die Zahl der zunächst bei den Sicherungsmaßnahmen beschäftigten Arbeiter soll lllll bis 130 betragen, und nach Beendigung dieser Arbeiten hofft man, etwa 200 Mann, also ungesähr die Hälfte der Belegschaft, weiterbefchäftigen zu können. Der Röhrig-Schacht, der erst un- längst fertiggestellt wurde, ist ein« der modernsten Kalischachtan- lagen Deutschlands. Bei den Schächten I und II will man zunächst weiter abwarten, wie sich die Situation gestaltet. Entgegen anders lautenden Nachrichten ist das Wasser in den letzten Tagen nicht wieder gestiegen, vielmehr, wenn auch in verhältnismäßig geringem Grade, zurückgegangen. Definitiv steht jetzt fest. daß es sich um einen Einbruch der Ecker handelt, die völlig v e r s i e g t ist. In erster Linie wird es sich also darum handeln, dieses harzflüßchen in der Gegend von Vienenburg umzuleiten und ihm eine neue Einflußmündung in die Oker zu verschossen. Erst wenn der Zufluß endgültig verhindert ist, kann man daran denken, mit Kreiselpumpen an die Entleerung der Schächte zu gehen. Dabei sind aber neue Schwierigkeiten zu erwarten. Man weiß vor- läufig nach nicht, wohin man dann die riesigen Mengen Solzlauge leiten soll. Sie gleich an Ort und Stelle in die Oker abzuleiten. ist ausgeschlossen, weil dadurch erheblicher Schoden angcrich et würde. Als vor«inigen Jahren die Zeche Asse bei Wolfenbüitel einen ähnlichen Wassercinbnich erlitt, entschloß man sich zur Anlage einer viele Kilometer langen Rohrleitung, die die ausgepumpte Solzlauge hinter Braunschwcig in die Oker leitete, wo dieser Fluß schon so groß ist, daß ein Schaden nicht mehr zu befürchten wäre.' Die riefigen Erdsenkungen und Kratcrbildungen bei Vienenburg waren am gestrigen Sonntag das Ziel einer wahren Völker- Wanderung. Tausende waren herbeigeeilt, um die angerichtcieg Zerstörungen zu sehe». Verontwartl. sdr die Rrdoktian: IS.lfg»»« Schwan, Dkrlin: Anzeigen: Zch. SlnS«, Perlin. Veelog: Vorwärts Verlag q m S-Tege. Rennen «Inoietto Brother«& Swanson Si icrs u d 4 ialrrnaiior. Neubclieo. Tig.. S u. Bio onm. 2-, 3 n. 6 � Alex. E 4, 806b Tlgl. 8.15 utd Sonntags 5 Uhr nachm. flroBe Internationale Rlnohfimpfe ■nd eisUtldsslge Varlete-NdolielUn. Wochent. 5 Uhr u Sonnt 2 U. nachm. lOVari U-MltaRllowBn düiib Bingtampla Winter * uarrem 8.15 Odr Ztntr.2Big Baumen erlandl Hose dress-Trlo— Inhnnv Cobd. Ilimoll— lopez-Trto usw. IMi Direktion: Dr. Hartia Zickel im Komische Oper Fnedridislr.lM. Merkur 1401/4330. Täglich S'/i Uhr Majestät lässt bitten Musik von Walter Kollo. Lustsplelheus Fri rtirir hstr. 236, Bergmann 2922/23. 8'/t Uhr Geschäft mit Amerika. Vorverkauf in beiden HSusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Theater I. d. Behrenstr. 53-54 Uhr A 4 Zentrum 926-927* 9 Uhr Dtrcktfon Ralph Arthur Roberte Vögel, die am Morgen singen! Komödie in 3 Akten von Lonsdale. uoihrin�er Straffe 37. Die Berliner Posse Rentier Mudlcke •ind das Riesen-Variete-P. ogramm. Billig Billig! Sommerprebct 40 Fig. Mark 1.40 Mark ionnabend u. Sonata kleiner Aufschlag Reichshailen-Theater Allabendlich[ä] Uhr Sfettiner sanier „■Eine Hochzeit in de MOIIerstraBe" Til lentr. 11263. l Uolia-Plak. ___ O ö n h of f- B ro tt I: Variete— Konzert— Tanz VolKsbtlhne üitater üb nUnrpbh. 8V< Uhr Rost von Kirehon und Ouspensky lag'»: GButlnr Strt Staatl.Sdiiiler-Tb. 8 Uhr Dcrlramn ein leben Staatsoper Am PI. d. Republik T/7 Uhr Hoffmanns ErzäMnngen Deotsdies Met a 2 WiidnihnB 5201 Oesdaloucn, Dienstag, 13. Mai 7V. Uhr Uraaffahnmg Phaea von Friiz v. Unruh. Reg.- Max Reinnerdi Musik: Friidridi Hdlugdtr. Kammersplele 0 2 Weidudaairn 521t 8'k Uhr Die liebe Feindin fssHii m LP. Aitoini Rllk; Dutsl Drbchau Die Komödie II Bismck.2414/7SIS »V« Uhr Soll man heiraten! KomiSfii nnBtrunlSbav Smiidn Biriitnj: Karl Heinz Martin Lessing-Theater «litaibna 2797 O.0J18 Täglich S'U Uhr: Frau Peters bat einen Beliebten v. Louis Verneuii mit Erik] TO.ThelliiünD laoblinnD Theater 1 Wuteos Täglich 8»/. Uhr: Sonntag auch 4 Uhr Das Land des Lächelns von Franz Lehar. Theater am Sthiilbauerdamm Gastspiel d. kleinen Theaters 8V. Uhr Madame hat Ausgang Komödie in 6 Bild. Vorverk.ununterbr Norden 281 u 1141 0b. 07 Mirfi] Ikkit Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8V. Uhr Majestät läßt bitten... Musik von Walter Rollo. Lustspiatnaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23 Täglich 80, Uhr GescuaUmif Amerika -ustspiel von Frant und Hirschfeld Metropol-Th. Täglich S'k Uhi Der Betteisludeiil Carola, SdiDtieniiorf, Elsnr, Lidrtnstaio Sonntags auch 4 U. Direktion Dr. Robert Klein DeotsehM lOnstler-Theil. Barbarossa 3937 8V. Uhr Sex Appeal Lulsp. i. kndnd Uu4di Bigii; iintir Lirriu.. liiert Basumann, Mady Ctrlsttais Berliner Theater Dönhoff 170 8V, Uhr D«r TeulelsscbOler! Komödie v. Bemard Shaw Regie; Heinz Hilpert Kleines Theat. Merkur 1624 8V. Uhr Zum letzten Male: Gastspie! Gisela Wer bezirk in Meyer'i tel. Witwe Schwank von Fritz FriiilniiiB-FreiiridL Residoot-Theater Tägi. SV. Uhr Der Herzog and die Sünderin Saroowsky-äDhoen TOealor Ii in Slmaaaiinstr. .Mlnr Kaaizgrlhr Str.) ragiich»v» uhi Napoleon prelN ein m Walter Basnclnn Komödienhaus Täglich 8V. Uhr; Meine Schwester und ich MKiky.hliitBBatik) Operettenbans Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral» Theater) Dönh. 2047 Täglich 8V. Uhr Totentanz von Aug Strindberg Rundfunkhörer kalbe Preise. Trianon-Theater Täglich 8V. Uhr Ein galantes Abentener! «MW Theat. i. Koiih.Toi Kottb. Str. 6 Tägi. a Uhr Elite- Sanger. ■al- Festsplele äusolli olirfäijt Minister Vo-zclger dieses Inserats Vorzugspreise. fOtiren, Nil»,. Bnatiieiie Pnlaliatt prallt lODluCD. Pumpenfabrik BERUH H BS. Jitlniikeiidorin Str. 95 Letzte Wocfael 3hhß Hoheit' diäTdnzehüz, GroBc Operette In 3 Akten. WodnL 8.15, jetin Sonnt. 5.15 L 9 Uhr Voranzeige: Ab 18. Mai „Jenny fleigf empor" Uraufführung von H. A. K i n n| (Autor von.Meiseken") B IT. dniM Franktarter Str. Billettkasse: Ale*. 3422 u.£ VSSfM'HEATER LICHT Gesundbrunnen TBaiich fcäö]|too||9-08| Das Qonkosakeniied Ein Toirtlm mltH. A.v. Scnlettow Uen Oejera. Orlg. Oonkoaaken- chor.F.Kampers.He thav.Walther BOhnsn-Gastsolel: Leo Horgenstem die Lachkanone mit Ensemble In seine i besten Burleaken Vorverkauf täglich von 11-02 Uhr ßoentldf Are Wirksam sind dl» ocauiiucr» Klelnen Anzeige, in der Oesamt» Antlage hJ,« J,.« des Vorwärts und trotzdem DllllJgJ Greftes Schauspielhaus s um Nur im Mai Die lustige Witwe Regie: Erik Charell Berliner IflkTriO N C II k B 1 1 R. w Lahnstr. 74/76.1 Verkäufe Möbel SRibct. 24 Monotsrofen. Beamte ohne 'Anzahlung. Aster. Sfalitzerstraße 98.• Möbel, 24 Monatsraten, Beamte ohne Anzahlung. 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Alle fluchen, daß wir die 30 Meilen bis zum F i f h L a k e zu Fuß machen sollen und als wir bei Sonnenuntergang an eine Quelle kommen, weigern sich die wilden Gesellen entschieden, noch weiter ihrem berittenen Führer zu folgen. Der antwortet nicht weniger freundlich, doch das erhöht nur die gegenseitige Achtung und als wir bei loderndem Lager- feuer die unvermeidlichen parle and beans(Bohnen mit Speck) aus den Dosen löffeln, wird gute Freundschaft geschlossen. Der ein« leiht dem anderen ein« Wolldecke, man lädt sich bei der Kälte gegen- seitig zum gemeinsamen Nachtquartier ein und die seltenen Exem- plare von Seife, Handtuch und Zahnbürste werden rasch Allgemeingut. So wird die zusammengelaufene Bande schnell zu einer leben- digen Arbeitsgemeinschaft, denn sie sind auf die gegenseitig« Hilfe angewiesen. Noch am Nachmittag lungerten wir in dem kleinen Städtchen arbeitslos herum, bis der Agent des Iure Departements (Feueramtes) uns auf seinen Fordwagen lud und uns kurzerhand hoch in den Bergen, wo die Straße aufhört, jenem verdammten Indianer übergab, der uns jetzt in diese Wildnis hineinschleppt. Man hatte uns 40 Cents Lohn die Stunde verfprochen und ich tonnte mir kein« romantischere Geschichte im wildesten Westen der kanadischen Rockies vorstellen, als mit Tramps, Wanderarbeitern und Indianern als„Fire fighter" den riefigen Urwaldbrand ein- zudämmen helfen. Vorläufig mußte die Karawane erst ihr Standquartier erreichen und am Morgen trabte wieder einer hinter dem anderen den„trail" entlang, der oft kaum zu sehen war und nur durch eingehackt« Mar- kierungen in den Bäumen von Zeit zu Zeit erkenntlich wurde. Zehn Meilen durch den verwilderten, kanadischen Nadelwald sind kein Spaziergang, fondern«ine körperliche Anstrengung. Abwechselnd geht es durch niedriges Gestrüpp, dann wieder durch Hochwald, in dem kreuz und quer die umgestürzten Stämme herumliegen. Es erinnert mich an wilde Stellen in den französischen Vogesen, nur daß der kanadische Wald noch viel unberührter und vor ollem unheimlich groß ist. An einem der nächsten Tage kannten wir von einem Aussichtsbcrg« Hundert« von Meilen tn der Runde nichts als Nadelwald, undurchdringlichen, noch nie begangenen Ur- wald sehen. Zedern st ämm« von 30 bis 40 Meter Höhe sind keine Seltenheit und wertlos vermodert das Holz in dem Boden. Di« Tiere sind so wenig an Menschen gewöhnt, daß sie zutrau- lich herankommen. Ein wildes Huhn läßt sich sogar in di« Hand nehmen und sieht uns mit seinen großen Augen verwundert an. Da brechen in einem der Gesellen, der mit seinem dicken, rot versoffenen Gesicht schon keinen guten Eindruck macht, die alten Raubtiergelüste des Menschen durch: der Starke lebt vom Schwächeren— mit einem dicken Knüppel zerschmettert er das Tier und schwenckt es wie eine Jagdtrophäe in der Luft:„we got a chicken for dinner*—„Da haben wir einen Braten fürs Mittag- essen", schreit er uns zu, worauf mir einige Flüche erwidern. Als ihm das Tragen zuviel wird, wirft er es wieder weg, seine Urinstinkte sind befriedigt, doch er hat ja noch nicht mal Hunger. Der Löwe ist sriedlicher, er greift den Menschen nur an, wenn er nichts mehr zu fressen hat. Zeltlager am Zish Xahe Wir durchwaten ein paar Bäche und sind dann plötzlich auf einer Wiese, die rund um einen kleinen See führt. Jack packt hier die Pferde ab, wirst jedem ein« Decke zu und wir können es uns gemütlich machen. Außerdem bekommt jeder eine Schaufel und eine Axt zugeteilt und macht sich aus Zweigen und Baumstämmen eine windgeschlltzte Lagerstelle, denn die Nächte sind in dieser Höhe von etwa 1800 Metern doch noch empfindlich kalt. Auf einem riesigen Lagerfeuer werden über dem Dreizock die Konserven warm gemacht, Toast geröstet und die unheimlichen Mengen Tee gekocht, die man an einsamen Abenden draußen mit den Kameraden vertrinkt. Von dem Brand ist bis�jetzt nichts zu sehen. Jack sagt, wir müssen erst noch auf den vor uns liegenden, etwa 500 Meter höheren Berg, was uns morgen ein schönes Stück Arbeit kosten wird, denn hier hört bereits jeder Weg auf. 3)em Jeuer entgegen Unser Führer und boss erweist sich als ausgezeichneter Kenner des Gebiets und verfolgt mit einer Sicherheit die Richtung durch dos immer gleich aussehende Dickicht, die uns erstaunen macht. Hinter uns lassen wir eine Gasse durch das Labyrinth der umgestürzten Stämme zurück, denn jeder haut ein anderes hinderndes Stück weg. So geht es in harter Arbeit ein paar Stunden auswärts. Schon kommt bei starkem Wind von der Gegenseite derRauchindicken Schwaden über den Gipfel. Von oben sehen wir noch weit weg die B r a n d l i n i«. Fast schnurgerade läuft sie rn südlicher Richtung nach der Grenze der Bereinigten Staaten zu. H u n d e r t e v o n Meilen weit, soweit überhaupt das Auge sehen kann, ein ein- ziger, blauer Rauchstreisen, der nur ab und zu schwarz mifqualmt, wenn ein Windstoß neu« Baumreihen vernichtet. Sonst glimmt dos Feuer ja nur weiter. Es frißt sich langsam durch die vcr- moderten Stämme im Boden fort und oft zwanzig Meter von der eigentlichen Feuerzone entfernt flammt es plötzlich auf. und wenn der Wind die Glut in die Zweige hineinjagt, dann rauscht und krocht es plötzlich und ein« überhaushoh« Flamme schießt in die Luft. So sehen wir das schaurig-schöne Bild: Ein Gebiet, das wahr- scheinlich größer ist als die ganzen Woldbe stände Deutschlands, ist ein Flammenmeer, und allmählich erscheint uns die Aufgabe riesengroß: was können zehn Mann gegen ein solches Naturgeschehnis tun? Auch Jack macht ein bedenkliches Gesicht. Er meint, wir können vorläufig nichts tun. als zurückkehren, denn es ist schon spät und wir müssen vor dem frühen Vvnnenuntergong wieder an unserem Loger sein... Am nächsten Morgen brechen wir in verschiedenen Kolonnen Otts Es gilt vor allen Dingen festzustellen, wo wertvolle Woldbestände sind, die besonders geschützt werden müssen. Unser indianischer Führer, ein Australier und ich gehen als besondere Erkundunqsobteilung. Wir sind wohl di« einzigen, die an der Sache auch Spaß haben, während es den anderen nur um iWB geht, denn wir war«» die die sich z« ittejern schwereren, aber viel interessanteren Dienst freiwillig gemeldet hatten. Ueberhaupt ist der Australier«in besonderer Mensch: in seinen ehe- mals eleganten Kleidern und seinem feinen Gesicht fiel er schon von vornherein auf und auch beim Esten stürzt er nicht wie die übrige Bande wild drauflos. Er ist wegen Streitigkeiten seinem reichen Vater ausgerückt und war in dem schweren, arbeitslosen Winter in B a n c o u v e r fast verhungert. Trotzdem weigert er sich, das nachgeschickte Geld seines Vaters anzunehmen und lebt jetzt von Ge- legenheitsarbeit, wie wir alle. Sein Traum ist/ einmal noch Europa zu kommen. Er liebt Musik und schwärmt von Beethoven und Mozart. Er, der Fremde, spielt uns abends beim Mondenschein deutsche Melodien vor, daß es uns schwer ums Herz wird und wir müssen ihm dafür Bolkslieder vorsingen. Heute sind wir schneller auf dem Aussichtsposten, da ja der Weg schon fertig war, und wieder überrascht uns die großartig- wilde Szenerie. Wir sehen die Spuren der Tiere, die aus den zerstörten Gebieten geflüchtet sind und heut« sollen wir selbst durch diesen Friedhof der Natur marschieren. Schwarz und gespen- stisch, wie Grabessäulen stehen die Stümpfe der verkohlten Stämme, unsere Füße sinken bis über die Schuh« in der Asch« ein und eine grau« Staubwolke bezeichnet unseren Weg, den wir fast laufend zurücklegen, um unsere Schuhe nicht zu verbrennen. So geht es bergauf, bergab, bis wir auf die felsige Kuppe des höchsten Gipfels kommen. Selbst der rot« Waldläufer lobt uns für die Leistung, doch noch mehr steht uns bevor. Wir müssen einen anderen Weg zurück und wieder heißt es, erst Platz zu schaffen. Doch wir wissen nun Bescheid. Di« nächsten Tag« arbeiten wir uns etwa eine halbe Meile an die Feuergrenze heran und laut klingen die Aexte, um die wertvollen Hochstämme vor den Flammen zu bewahren. Das II e b« r- springen des Feuers wird durch einen großen Zwischenraum verhindert, der dann noch mit den Schauseln umgegraben wird, da- mit auch das unterirdische Durchglimmen verhindert ist. Natürlich sind das alles nur klein« Hilfsmaßnahmen, um dem Feuerdeparte- ment Rechenschaft ablegen zu können. Im übrigen stehen wir der Katastrophe machtlos gegenüber. Glücklicherweise weht der Wnd nach der anderen Seite, sonst müßten wir selbst auch noch aus- rücken. Endlich nachneunTagen hat der Himmel ein Einsehen. Es erhebt sich ein furchtbarer Sturm, der zunächst di« Flammen mächtig ansacht, so daß wir uns schleunigst aus dem Staube machen. Doch dann kommt der allein Hilfe bringende Regen. Wir gehen zum Lager zurück, warten noch einen halben Tag und machen uns dann auf den Heimweg. Verdreckt, naß und abgerissen kommen zehn verdächtige Männer wieder im Tale an. Dock) am Abend gibt es den Löhnungsscheck. Eine neue Khakihose,«in buntes Hemd, ein« Derschönerungskur beim Friseur und fertig ist der Gentleman der kleinen Wildwest-Stadt im sernen Britisch-Columbien. Es winken Mädchen, im Regierungsstore gibt es Whisky und in ein paar Tagen andere, genau so schmutzige und anstrengende Arbeit auf den Farmen oder in der Prärie. Karl Möller, s. Zt. Penticton, B. C. Der Alte Idealismus, der auf der Landstrasse endet Lieber hätte ich draußen gefchlascn, ober es regnet« und ich meldete mich obdachlos.„Warten Sie!" knurrte der Gastwirt, als ich ihm den Schein hinreichte, und führte«inen Streit sort, den«r mit einem alten Mann lzatte.„Ich weiß genau was wir aus- gemacht haben. Am ersten bekommst du deine Rente und am fiins- zehnten sollst du von mir deinen Lohn haben." „Das ist nicht wahr!" antwortete der Alte,„ich habe am achten angefangen und will am achten mein Geld haben. Meine Rente geht Euch gar nichts an. Ihr wollt mich bloß um die acht Tage Lohn b e g a il n e r n." „Also gut, gut! Kein Wort mehr! Du sollst morgen dein Geld haben!" erwiderte ärgerlich der Gastwirt und jorderte mir meine Papiere ab. Nach einer Weil« kam der Alte und schob mir ein paar belegte Brote zu.„Steck ein!" flüsterte er.' Ich sollte in der Schenke warten. Gäste kamen, schätzten und taxierten mich und ließen sich bei Bier und Tabak zum Karten- spielen an die weißgescheuerten Tische nieder. Nach einer halben Stunde wälzten sich dicke graublaue Rauchschwaden durch di« Schenke und der Lärm eines Lautsprechers vermengt« sich mit dem Geschrei und Gelache der Menschen die ihr Wochenende feierten. Der Alte kam und sragte mich, ob ick) schlafen gehen wollt«. Auf dem Weg über den Hof sagte er:„Hast du gehört? So ist di« Blase! Da wollen sie mich alten Knochen noch um acht Tag« Lohn begaunern. Es ist sowieso bloß ein Trinkgeld. 15 Mark im Monat! Und muß mich schinden dafür von nachts bis nachts. Drei Gäule besorgen und acht Stücken Rindvieh. Und dann den ganzen Tag auf dem Felde arbeiten, das Vieh füttern ist bloß so nebenbei." Wir waren im Stall, wo ich schlafen sollt«.„Du bist wohl fremd zugereist hier?" fragte ich den Alten. „Freilich. Vor zwei Monaten. Ich meldete mich auch obdachlos. Der Knecht wollte abhauen und ich nahm die Stelle an. Ich lzatte die Landstraße ein bißchen satt und versprach mir ein paar ruhige Tag«. Der Wirt sagte, ich hätte nur das Vieh zu versorgen. Es geschieht einem immer recht, wenn man sich verspekuliert. Denn für die Bauernbengels ist das Fressen und da» Dienstmädchen, bei dem dos Kammerfenster offen steht, die Hauptsache. Sie kennen das Gefühl nicht, das wir„menschenwürdig" nennen. Komm, sieh dir zum Beispiel mal das Loch an, wo ich schlafe." Im K u h st a l l war in einer Ecke aus rohen Brettern eine kleine Kabine zusammengeschlagen. In einer alten Bettstelle lag loses Stroh, auf d«m Stroh ein paar zerrissene Decken. Auf einem wackligen Stuhl stand eine Blechschüssel. An Nägeln hingen zerlumpte Kleidungsstücke und Striegel für die Kühe. Das Licht fiel aus dem Kuhstall durch ein Loch in der Bretterwand. Er sagte nichts, zog die Tür wieder zu und ging zurück nach meinem Stall. Wir saßen auf meinem Loger und sahen' uns ein« Weil« schweigend an. Sein zerrunzeltes Gesicht war wie weich- gegerbtes Leder. Der Schatten der dicken Brauen lieh die Farbe der ruhigen Augen nicht erkennen. Um den schmalen Mund hing ein weißer Schnurrbart. Er bot mir seinen Schnupftabak.„Nun, was sag st du zu meinem Lebensabend?" Ich schwieg. Ein bitteres Lächeln zuckte um feine Lippen.„Der Wirt hat einen alten Gaul, der sich kaum noch auf den Beinen halten kann. Du mußt ihn pflegen, als ob er dein kranker Vater wäre", sagt« er zu mir../Ich fände es unmenschlich hart, ihn dem Schinder zu über- geben, bloß well er nicht mehr arbeiten kann. Denn sein Gnaden» brot hat sich jedes Tier verdient." Weilich ein Mensch bin, bin ich weniger als der Gaul. Ich habe jetzt 73 Jahre auf dem Buckel. Aber meine Knochen taugen noch zur Arbeit! Wenn ich auf dem Felde mal schlaf mache, sogt der Wirt:„Aber di« Faulenzerei kann ich nicht bezahlen! Ich Hobe keinen Freiplatz an meinem Tisch." Es ist eben«in Unterschied zwischen einem Gaul und einem Menschen." Er hielt seine gichtigen Finger um die Stallatern« gefaltet, um sie zu wärmen. Rote Härchen glänzten auf den vertrockneten Hand- rücken. „Wir Menschen begreifen nur was wir kennen. Wenn ich nicht cm mir selber erleben würde, wie für drei Mahlzeiten und«in paar wmpig« Mark Schindluder mit einem getrieben wird, ich könnte mir nicht vorstellen, daß es das gibt. Und dos ist das Schlimmste: di« meisten Menschen wissen nicht einmal, was für Tyrannen oder Sklaven sie sind. Ihre Gedanken sind nur die Diener ihre» Magens, sie hoben kein Bewußtsein von der Weite des Lebens und der Tragtraft chrer Handlungen. Du mußt nicht denken, daß ich immer«in Sklave war. Ich begreife gar nicht, warum ich mich hier noch mißbrauchen lasse. Aber ich bin mal ein freier Mann unter.Hlltchischen Menschen gewesen. Ich war kein Kämpfer, ich habe meine Gedanken gehabt, wenn ich rückwärts gehend die Seil« drehte. Ich war einsam, keiner wollte anhören, was ich erkannt hatte über die Stellung des Menschen zum Leben. So bin ich in meinen vier Wänden geblieben. Mein« Frau und meine Jungen sind nach und nach meine Freunde geworden. Sie haben angefangen zu denken und erkannten wie ich: man muß offene Augen haben, Gott ist ein« Spekulation und der Stadt ein Gefängnis. Wir haben eine Gemeinschaft des Geistes gehabt, denn eine Gemeinschaft des Blutes gibt es nicht. Was ich im stillen an Erkenntnissen gesammelt hatte, trug mein Sohn als Ankläger und Er« wecker zu den Menschen. Als der Krieg ausbrach, wurde er er« schössen und ich kam auf Festung. Meine Frau glaubte an das Verantwortungsgefühl oder den Egoismus der Mütter. Aber wo sie Liebe erwartete, sprang ihr der Haß entgegen, und wo sie an Schmerz glaubte, erkannte sie verhetzt«, verirrte Gemüt«». Man riß ihr die Kleider vom Leibe und sperrte sie ins Irrenhaus. Sie ist dem Wahnsinn durch den Tod entgangen. Als ich von Festung kam, war mir zumute wie einem sein muß. der von einer Reise zurückkehrt, und statt seines Hauses einen Trümmerhaufen, statt seiner geliebten Familie verkohlte Leichen findet. Ja, das Leben legt einem wohl manchmal mehr auf die Schultern, als die Knochen tragen können. Ich konnte nicht mehr und habe meiner Stadt und damit der Welt den Rücken gekehrt. In mir war alles zerbrochen. Mein« Seele war ein rauchendes Trümmerfeld. Vor mehr als 50 Jahren war«in alter Kunde der Vater meinet? Gedanken geworden und hotte mich die Freiheit erkennen gelehrt. lind ich kam wieder auf die Landstraße. Aber es war ein� andere Tippelei als die Wanderschaft damals. Ich war allein, war weder reich noch arm. Ich wollte von der Welt nichts mehr, Die Landstraße führt durch sie hindurch und ich wollte allein bleiben. Aber sie ließen mich nicht. Sie sperrten mich wegen Bettelei und wegen Vagabondage ein. Sie wollten mich bessern. Sie wollten mich zum Bürger machen und alle Mittel wären ihnen recht gewesen. Aber ich bin wie gebrannter Ton, da läßt sich nichts mehr modellieren. Und so fand ich mich allmählich wieder zusammen. Doch mein Leben liegt hinter mir,«in halbocrgessener Traum. Ich bin ohne Schmerz und ohne Empörung. Ich habe wieder sehen und denken gelernt. Aber meine Gedanken gehen nach innen. Ich habe erkannt: ich kann nichts mehr verlieren, nicht einmal dos Leben, das Hab« ich schon hingegeben. Und ich kann nichts mehr gewinnen, denn meine Seele ist verschlossen gegen olles, was von außen kommt. Ich lebe bloß, weil ich noch nicht gestorben bin." Er reichte mir den Schirupstobak, stand aus und ging. Am Morgen weckt« mich ein Sonnenstrahl, der durch eine Spalt« der Tür siel. Ich stand auf. Als ich am Kuhstall vorbei wollte, rief mich der Alte:„Geh hinein, hol dir deine Meppen und wart» einen Augenblick auf mich. Ich hau mit ab." Der Wirt hatte keine Zeit und ich mußte in der Schenk« warte», Da hörte ich in der Küche den Alten sein Geld verlangen. Der Gastwirt schimpfte, schien es ihm ober zu geben.„Und dann auf Wiedersehen, ich wünsche euch«inen tüchtigen Knecht", sagte der All«. „Weg willst du? Worum denn das?" fragte erstaunt der Wirt. „Ich dachte bis gestern, ich sei bloß noch ein altes Stück Arbeits« tier. Aber heute naclst habe ich erkannt, daß ich doch auch nach ein Stückchen menschliches Empfinden Hobe. Wißt Ihr, warum ich gestern auf dem Felde zusammengeklappt bin? Weil Ihr die müden P f e r d e' so barbarisch geschlagen habt. Ich weiß schon, Ihr sagt„Quatsch!" Gerade deswegen hau ich ab." „Das hätte ich wissen sollen!" brummte der Wirt hinter uns her. Keltnot Klose. (26. Fortsetzung.) 'A. soupiert« in einem vornehmen Restaurant der Tschekiang- Road, o(s ihm der Kellner«ine Karte überbrachte. Er las einen ihm unbelannten russischen Namen. Erblickt« daran nichts Sonder- . bares, empfand dennoch ein wenig Unruhe. Wußte«r doch yur allzu gut, auf welchem Vulkan er tanzte, und die Agenten Marins wurden auch immer lühner und zudringlicher. Er führte deshalb das Leben eines reichen Nichtstuers, um unauffällig zu bleiben, jedem Verdacht aus dem Wege zu gehen. So zögerte er, ob er dem Wunsche des Unbekannten, der ihn sprechen wollte, nachkommen solle. Er entschied sich abweisend. Doch die Unruhe wich nicht von ihm. Er fühlte sich unbehaglich: Nervosität quälte ihn. Fluchtart'g verließ er das Lokal, wollte ein Auto nehmen. Eine Hand hielt ihn am Arme fest. Ein« Stimme flüsterte ihm in russischer Sprache zu: „Kommen Sie!" D. fuhr herum und musterte den Fremden. Fragte ihn, was er von ihm wolle. Wurde immer aufgeregter, zuletzt grob. „Man erwartet Sie." „Wo erwartet man mich?" schrie ihn P. an. „Auf der russischen Gesandtschaft." Y. überlegte, wurde ruhiger. Maro, der Garantiepakt, alles kam ihm plötzlich in den Sinn. Fuhr mit dem Fremden zur Sowjetgesandtschast. Rasch entstiegen beide dem Wagen, stürzten in das Haus. Passierten einige schläfrige Wachen. Gingen über schlecht erleuchtete Korridore. Vor einer Tür machte» sie halt. D- sah auf: das Büro des Gesandten. Sein Begleiter hieß ihn warten und trat allein in das Zimmer ein. In kaum einer Minute war er wieder zurück und drängte U. in den Raum. Eine kurze Begrüßung. Der Gesandt« Älexei Wladimirowitsch Wqlinski forderte T- auf, sich zu setzen. Wolinski war ein Mann in mittleren Iahren, mit einem breiten Kopf, der unverhältnismäßig groß auf seinem veinen und gedrungenen Rumpf saß. An seinem Aeußeren war sonst nichts Auffallendes. Seine Kleidung war ge- wählt, nicht ohne Eleganz. Auch roch er nach Parfüm. Ohne ein Wort des Gesandten abzuwarten, begann Z. zu sprechen:„Sie haben mich auf eine sehr seltsame Art—" Wolinski winkte mit einer höflichen Handbewegung ab. Bat um Entschuldigung.«Sie werden einsehen, Genosse, daß mir kein anderes, vorsichtigeres Mittel zur Verfügung stand, Sie zu mir zu bringen." „Es handelt sich um Dringendes?" schnitt D. die EntschuRngun- gen des Gesandten ab. Er hatte hier Oberhand, das fühlte er. Das Abrücken Wolinskis von seiner Aktion hatte ihn verstimmt, er fand nun den Augenblick für gekommen, seiner Verstimmung Aus- druck zu oerleihen, indem er jeder sich anknüpfenden Liebenswürdig- kcit streng aus dem Wege ging. „Es handelt sich um Dringendes," bestätigte der Gesgndte, ohne von der Art P's Notiz zu nehmen: im Gegenteil, er oerstärkt« den Grad seiner Zuvorkommenheit und unterstellt« sich förmlich seinem Besuche.„Der Garantiepakt ist von der Sowjetregierung in Mos- kau unterzeichnet worden." P. zuckte mit keiner Wimper. Nur sein Blut schien aus den Wangen zu weichen. Seine Finger waren gespreizt, steif wie»m Krampf. Seine Lippen preßten sich fest aufeinander, weigerten sich zu sprechen. Es war wie Trotz, beinahe wie Widerspruch. Dann hob sich seine Brust, und Stoß um Stoß kämpfte sich der Atem aus seiner Lunge. Unbeirrt, gleichmäßig führte der Gesandte das Gespräch weiter. Beteuerte immerfort, daß er dem Beschluß seiner Regierung nichts hinzuzufügen habe und in jedem Falle den Wunsch und die Idee seines Volkes vertreten und für sie einstehen werde. Mit diesem Augenblick stellte er sich in Vertretung Rußlands in die Dienste des künstigen Diktators von Schanghai, hoffentlich bald von ganz China und der Mongolei und des arbeitenden Ostens überhaupt. Als Wolinski schwieg, verlangte P den schriftlichen Beweis des ratifizierten Garantiepakles. Der Gesandte bedauerte, diesem Wunsche nicht entsprechen zu können, da es nicht in seiner Macht stehe, di« Gcheimpost, die der Kurier aus Moskau bringe und die für ihn allein bestimmt sei, vorzulegen. Setzte aber dem hinzu:„Genossin Swarsk ist mit dem Garantiepakt auf dem Wege nach Schanghai und dürfte in einigen Tagen in Wladiwostok eintreffen." P. nickte stumm. Etwas beengte ihn. War es das Zimmer, das Haus, das ganze Milieu? War es vielleicht in ihm selbst? Jedenfalls konnte er es hier nicht länger aushalten und war be- strebt, die Unterredung abzukürzen. Schließlich bat er aus purer Höflichkeit um die weitere Gesellschaft des Gesandten. Wolinski wehrt« bedeutungsvoll lächelnd ab. Es sei ihm un- möglich— und er wolle ihm, dem Genossen P., auch sofort die Erklärung hierfür geben. Er halte nämlich mit allen seinen Leuten heute nacht das Gebäude besetzt, denn man plane, von der Polizei inspiriert, einen Anschlag auf die Gesandtschaft: es gelle angeblichen Geheimdokumenten, die in der augenblicklichen Spannung der chinesischen Politik eine wichtige Rolle spielen sollten. „Also unsere Sache." bekräftigte Y. mit versteckter Ironie. Alexei Wladimirowitsch Wolinski hatte aber für di« Absichten der bürgerlichen Kreise bloß eine verächtliche Geste übrig.„Außer dem von Ihnen verlangten schriftlichen Beweis für die Unter- fertigung des Garantiepaktes würde man nichts für uns Bloß- stellendes hier vorfinden. Und von dem können die Herrschaften nichts wissen. Ich hatte also diesen Anschlag, auf den ich hier warte, für einen absichtlich hervorgerufenen Eklat seitens der«uro- päischen Regierung, um damit die allgemeine und immer straffere Spannung zwischen Sowjetrußland und Großbritannien zu fördern. Der Anlaß ist gegeben. Sie werden morgen mehr wissen, Genosse Y." 28. Während auf den Schiffen, in versteckt gelegenen Höfen und Hafenkneipen kleine Gruppen von Menschen oersamMell waren und «seltsamen, wild bewegten Reden lauschten, während dem Manne, der eine einsame finstere Gasse durchschritt, verstohlen Zettel und Flugschriften in die Hand gedrückt wurden, flüchtete P. in das Herz der Stadt. Er wollt« nichts als vollständige Loslösung von allem, das in sein Leben so bestimmend eingetreten war. Seine Flucht in das Dickicht der Stadt glich einer Flucht vor sich selbst. Er war von Gedanken, die er im Grunde verabscheute und gegen die er mit titanischen Kräften ankämpfte, bedrängt. Verlor beinahe jede Herrschaft über sich. Seit er den Sowjetgesandten verlassen hatte, war es mit ihm so. Er hatte Angst vor etwas, vor Maro, vor diesem Garantiepakt, der ihm wie ein Verkauf seiner eigenen Seele dünkte. Sah Lillian.— Fand nicht aus dieser unbegrenzten Wüste, in der er umkommen mußte, und die ihm so viel Weite gab, sich zu Tode zu hetzen. Wollte von Mara los, endgültig los. Wie aber, wenn sie kommt. Ich werde nie mit mir fertig, erkannte er. Auf einer Dschunke hocke ich, in ein Rikscha bin ich gespannt. Dock- orbeiter bin ich und Kohlenkcepcr. Jetzt mache ich Revolution, ich allein. Diese Fremdherrschaft eines Weibes will ich stürzen, stieg in ihm Verzweiflung empor. Sie muß aus meinem Leben, zuerst, dann wird alles anders, dann werden meine Ideale freier, belog er sich. Mara müsse aus seinem Leben, das stand in ihm fest. Wäre es auch Verrat. Etwas hatte Oberhand über ihn gewonnen: das weiße blühende Fleisch Lillians. Und Marin? Er muhte ihn um jeden Preis schlagen und ihn dort treffen, wo er verwund- bar war. Die Ereignisse der folgenden Tage überschlugen sich sörmtich. Der von Kead finanzierte, von Marin inszenierte, vom Gouverneur gebilligte Einbruch in die Sowjetgesandtschaft war fehl gegangen. Die den Anschlag verübt hatten, Konfidenten der Po.lizei, mußten ! völkerrechtlich in Hast gesetzt werden. Der Polizeichef, Mr. Duval, der eigentlich ohne Schuld daran war, aber alles mit seinem spar- lich vorhandenen Ansehen decken mußte, geriet in eine arge Lage. Regierungen interpellierten. Roten gingen hin und zurück. Duoals Thron im Polizeipräsidium begann bedenklich zu wackeln. Mr. Gar- rickson, der die Dinge durchschaute, konnte sich über eine Stellung- nähme zu ihnen nicht leicht entscheiden. Hatte er doch seitdem er mit der Revoluttonspartei ganz offen paktterte, berechttgtes Jnter- esse an der Erhaltung dieses Polizeichejs. Die Nachsolge Marins, die kein Geheimnis mehr war, fürchtete er. Aber auch Duval war es nicht unbekannt, wie es um ihn stand. Mit ollen ihm noch zur Verfügung stehenden Mitteln lähmte er das Wirten Marins, drosselt« ihn, wo er nur kannte. Das alles aber war nur planlos« Verzweislung, ziellose Verwirrung. Allein mit sich schlug er sich mit den Fäusten vor di« Stirne, be- kannte: Verrückt sei er gewesen, als er sich an diesen Mann ge- hängt habe. Vernichten habe er ihn wollen. Wegen eines Weibes, Lillian. Irrsinnig sei er gewesen. Jetzt gehe es abwärts mit ihm. Marin aber steige. Er erinnerte sich wieder jener Affäre mit dem Russen: Warum Marins Entlassungsgesuch damals? So unvermittelt! So bedenklich! Warum bin ich der Sache nicht auf den Grund gegangen?! Gestand sich ein: Unfähig war ich von jeher. Eigentlich wäre es ja das Beste für das Heil der Stadt, wenn ich ihr den Rücken kehrte. Verkommen bin ich. Ausgeronnen. Mor- phrnistert. Dies« Selbstgespräche begleiteten den Polizeiches auf Schritt und Tritt.(Fortsetzung folgt.) eBuch Suropas Schicksalsfrage Die Welt wird internationaler mit jedem Tag. Das ist eine, von verbohrtem oder böswilligem oder in romantischen Ueberliefe- rungen befangene Nationalismus zuweilen noch geleugnete, aber nichtsdestoweniger völlig unumstößliche Grundtatsach« unserer Epoche. Auf di« Dauer wird man nicht darum herumkommen, aus dieser Erkenntnis die politische Folgerung zu ziehen, und diese Folgerung wird Paneuropa heißen... oder vielleicht heißt sie auch anders, aber dem Sinne nach wird sie Paneuropa sein. Die Vereinigten Staaten von Europa sind ein« durchaus sozialistische Zielsetzung: aber nicht nur eine sozialistische, die Front ist heut« schon recht breit und hat die verschiedenartigsten Elemente in ihren Reihen. Auch Ar. Pauli menos propagiert in seinem Buche„Euro- päisch« Politik"(Europäischer Verlag Hans Schmidt, Leipzig) den Zusammenschluß Europas. Er stellt sich einen Bundesstaat vor, dessen Gesetzgebung bei einem Zweikammersystem liegt und dessen Regierung über alle wichtigen ollgemeinen Angelegenheiten be- schließ? vor allem auch die Außenpolitik bestimmt Seine Moti- vierung Paneuropas ist vornehmlich wirtschaftlich und politisch. Den Nachdruck bei semer Argumentation legt er auf das Aufkommen und den wirtschaftlichen Expansionsdrang Nordamerikas, in dem er einen gefährlichen Rivalen, ja: Feind der europäischen Völker sieht, vor allem aber«inen Feind Englands, und er geht so weit, eine kriege- rische Auseinandersetzung zwischen England und Amerika für nicht weniger unvermeidlich zu halten, wie die Auseinandersetzung zwischen Europa und Rußland. Das ist«ine Hypothese, wie vieles andere in diesem Buch Hpothese ist, und recht abwegig erscheint es auch, in dem Kelloggpakt, über den man im übrigen verschiedener Meinung sein kann, nun ausgerechnet die moralische Vorbereitung auf einen neuen Krieg zu sehen. Leider bedeutet es auch einen Nachteil dieses Buches, daß es mit Zitaten bis zum Bersten über- füllt ist: mit oft genug obskuren Zettelkastenzitaten, die den Eindruck reichlich willkürlicher Auslese machen. In manchen Einzelheiten fordert Poulimenos zu offener Gegnerschaft heraus, beispielsweise wenn er die wirtschaftliche Betätigung der öffentlichen Hand kritisiert, und von überragender politischer Einsicht zeugt es nicht gerade, wenn er ein« gelegentlich« verwachsene Aeuherung des Stahlhelm- führers Seldte im paneuropäischen Sinne deutet Im ganzen handelt es sich trotzdem um ein förderliches, wenn auch das Thema Europa nicht gerade von neuen Seiten anpackendes oder gar an die Touden- hovesche Gestaltungskraft und Konzeption heranreichendes Werk. Hsns Bauer. WAS DER TAG BRINGT. Fünf Siebentel der Erde noch unentdeckt? Nach vielen Forschungsreisen der letzten Jahrzehnte, durch die in verhältnismäßig kurzer Zeit mehr von der Erde entdeckt wurde, als in Jahrhunderten vorher, ist vielfach die Ansicht ausgesprochen worden, daß di« Oberfläche unseres Planeten jetzt im wesentlichen bekannt sei, die wissenschaftliche Arbeit der kommenden Zell könne sich daher der Untersuchung des Meeresbodens und der Erforschung der Luft zuwenden. Gegen dies« Annahme wendet sich der bekannte amerikanische Geograph Alexander Hamilton Rice aus Washington mit der Erklärung, daß erst zwei Siebentel der Erdoberfläche bekannt seien und daher auf geographischem Gebiet noch aus lange Zeit hinaus vieles zu tun sei. Auch der Flug Byrds über den Südpol habe nur einen kleinen Teil der dortigen gewaltigen Ländermassen berührt, während endlose Gebiete der Südpolarländer noch völlig unbekannt seien. Wie die Gegenden des Südpols, so stellten auch die des Nordpols noch viele ungelöste Aufgaben. Der gewallige Länderkomplex von Labrador bis zum nördlichen Sibirien und von Grönland bis zum Fraserfluß im Norden der Vereinigten Staaten von Amerika sei bisher noch von keines Menschen Fuß betreten worden. Ebenso sei es mit dem Innern Südamerikas, vor allem Argentiniens und Brasiliens, und mit dein Innern von Australien und China. Selbst die Halbinsel Pucatan in Mexiko mit den uralten Mayastädten liege noch in tiefem Dunkel. Alle di«se Forschungs- reisen würden nicht nur geographische Ergebnisse, sondern vielfach auch wichtige Aufschlüsie über di« Geschichte und Entwicklung d«r Menschheit in vorhistorischer Zeit zu liefern vermögen. Ein Kragenknopt-Rekord. Edward F. Silloox,«in kl«in«r Beamter im großen New Pork, ist heute dank seines unverwüstlichen Kragenknopfes eine amerika- nffche Berühmtheit. Wie er dies anstellte? Sehr einfach. Vor eben 40 Jahren, als 20jähriger Jüngling, bekam er zu seinem Ge- burtstag in einem wunderschönen Etui einen vergoldeten Kragen» knöpf geschenkt. Edward war sich im klaren, daß solch«in schöner Knopf nicht verloren gehen darf. Er entschloß sich nach langem Ueberlegen, den Knopf in Gebrauch zu nehmen und ihn wie ein Kleinod zu behüten. Es verging Jahr für Jahr, der Knopf war noch immer in seinem Besitze. Er heiratete, ließ sich scheiden— der Knopf überdauerte das alles Einmal jedoch als er«ine wichnge Geschäftsreise unternehmen wollte, fiel ihm ein« halb« Stunde vor Abgang des Zuges der Kragenknopf beim Ankleid«» aus der Hand und oerschwand. Edward war entsetzt. Er begann zu suchen. Es oergingen zehn Minuten, es vergingen zwanzig Minuten. Als er endlich den Knopf gefunden hott«, war natürlich der Zug längst abgefahren und es entgingen ihm durch das Versäumnis 20 000 Dollar Verdienst. Nun feiert« dieser Tage Edward F. Silloox seinen 60. Geburtstag, und der Knopf sein 40jähriges Gebrouchsjubiläum. Einige Reporter erfuhren dieses und Silloox wurde im Hand» umdrehen ein berühmter Mann, berühmt durch seinen Kragen krwpf. Zunahme der alkoholfreien Wirtschaften. Wie aus einer soeben veröffenllichten Zusammenstellung des Preußischen Statistischen Landesanrtcs hervorgeht, hat es in Preußen im Jahre 1928 insgesanrt 179 401 Gast- und Schankwirt- schasten gegeben. Di« alkoholfreien Wirtschaften bilden mit 13 995 den kleinsten Teil der von der Statistik erfaßten Betriebe,"nämlich 7,8 Proz. Aber wichtiger als diese absolute Ziffer ist die Tatsache, daß ihre Zahl seit einer Reihe von Jahren ständig gewachsen ist. Während die Zunahme der Schankstätten im allgemeinen seit 1927 nur 2 Proz. betrug, haben sich die alkoholfreien Wirffchaften um 7 Proz. vermehrt und ihre Anzahl ist jetzt bereits um 63,3 Proz. größer als 1921. Während in ganz Preußen auf 237 Einwohner bzw. auf 1,7 Quadratkilometer eine„alkoholische" Gaststätte entfällt, gibt es je eine alkoholfreie Wirtschaft auf 2797 Einwohner bzw. 20,9 Quadratkilometer. Bon den alkoholfreien Wirtschaften ent- fall«» 60,8 Proz. auf Städte und hiervon wiederum drei Viertel auf Großstädte. In Berlin allein gibt es deren 1171(unter insgesamt 14168 Schankstätten). Der uralte Herr. Die Straßenbahn ist voll Ein uralter Herr steigt ein. Ein Jüngling erhebt sich. Der uralte Herr nimmt Platz, zahlt, steckt den Fahrschein in die Tasche. Die Straßenbahn fährt weiter. Fährt und fährt. „Wie kann ich." fragt da der uralle Herr den Schaffner,„nach dem Luisenplatz kommen?" „Da sind Sie nach der vertchrten Richtung gefahren," sagt der Schaffner,„steigen Sie aus und nehmen Sie den nächsten Wagen. der von der anderen Seite kommt." Der uralte Herr nickt. Die Straßenbahn hält.„Jetzt müssen Sie aussteigen." ruft der Schaffner. Der uralle Herr bleibt sitzen. Die Leute gucken ihn an. Der Schaffner klingelt ob. Die Straßenbahn hält wieder.„Aussteigen!" sagt der Schaffner. „Sie müssen aussteigen." sagt ein junger Mann. Di« Leute flüstern. sind voller Mitleid. Versteht er sie nicht? Ist er im Kopf vielleicht mcht mehr...? Der uralte Herr bleibt sitzen. An der nächsten Haltestelle wird aber der Schaffner energisch. Er geht zu dem uralten Herrn, zieht chn sanft vom Sitz und will ihn vor sich herschieben. Aber der alte Herr sträubt sich. „Nein," sagt er,„warum denn das, ich will noch sitzen bleiben." „Das geht nicht," redet der Schaffner ihm zu.„Sie wollen doch zum Luisenplatz." „Zum Luisenplatz," sagt der uralle Herr,„will ich. aber doch erst in der nächsten Woche!" Arbeiter-Ballspiele Fugball'Kreismannscfaaft gewinnt 4: 1 Ein Spiel, wie es in der Arbeitersporibewegung nicht vor- kommen sollte, wurde am Sonnabend in der Kynaststraße gezeigt. Die Neuköllner können anscheinend eine Niederlage nicht ver- tragen, sonst Hütten sie die Entscheidungen des Schiedsrichters nicht sortwöhrend kritisiert. Nur durch Können, nicht mit dem Mund werden Anhänger für den Arbeiterfuhball geworben. Der Sieg der Kreis Mannschaft war verdient, einig« Umbesetzungen werden noch vorgenommen werden müssen. Schon der Ansang.zeigte«ine klar« Ueberlegenheit der Auswahlelf. Die schnellen Läufe der Außenstürmer bedrohten das Heiligtum der Neuköllner sehr oft. Zunächst gelang der Neuköllner Hintermannschaft noch ein« erfolgreiche Abwehr. Nach zehn Minuten war es dann der Halblinke der Kreismannfchast, der eine gute Vorlag« von rechts zum ersten Treffer verwandelte. Wohl versuchte Neukölln den Aus- gleich zu erzwingen, an der sicher arbeitenden Hintermannschaft scheiterte ober alles. Das Hauptverdienst gebührt allerdings dem Torwart.„Klein aber oho!" Der Angriffseifer der Neu- köllner dauerte jedoch nicht lange. Di« Auswahlmannschaft über« nahm wieder das Kommando. Neuköllns Torwart wehrte aber alles ab. Mit viel Glück und Geschick koniste er die gefährlichsten Schüsse meistern, in der 23. Minute mußte er allerdings wieder einen Ball des Halblinken pasfieren lassen. Die Auswahlmannschaft lag also mit 2:0 in Führung. Nun legten die Neuköllner ein Höllentempo vor, aber mit dem Mund. Hauptsächlich waren es die fanati- fierten Neuköllner Anhänger, die ein Recht zu haben glaubten, jede Entscheidung gegen Neukölln miß- billigen zu können. Nach einigen oergeblichen Versuchen gelang es dem Sturm der Neuköllner in der 38. Minute den ersten Treffer zu buchen. Lange sollte die Freude aber nicht dauern. Einen hoch auf das Tor kommenden Ball konnte der zur Mitte gelaufene Halbrechte der Auswahlmannschaft zum dritten Tor einköpfen. Wohl versuchten der linke Neuköllner Läufer und der Torwart die Gefahr abzuwenden, der Ball befand sich aber bereits hinter der Linie. Mit dem Resultat 3:1 für die Auswahlmannschaft ging es in die Pause. Nach dem Wiederanstoß macht« sich auf beiden Seiten eine große Nervosität bemerkbar, nur die Hintermannschaft der Auswahlspieler blieb ruhig. Sie konnte daher mit aller Ruhe dem Ansturm der Neuköllner begegnen. Erst ein viertes Tor für die Auswahl- mannfchaft, wiederum vom Halblinken erzielt, ließ die Spieler ruhiger werden. Zehn Minuten vor Schluß gelang den Neuköllnern dann ihr zweites Tor. Ein Spiel, reich an Aufregung, war beendet. Vorspiel zur Bundesmeisterschaft 10 000 Zuschauer erlebten auf der Kampfstätt« des A l t o n a e r Stadions eine große Ueberrafchung. Der Mitteldeutsche Meister Steinach enttäuscht« restlos. Di« Mannfchaft ließ bereits nach dem ersten Tor jeglichen Siegeswillen und Kampfgeist vermissen. In der ersten Spielhälfte waren sich beide Mannschaften noch ziemlich gleichwertig. Bor dem Tor versagte der Sturm der Steinacher oder der Torwart der Nordwestdeutschen verhinderte jeden Torerfolg. In der zweiten Spielhälst« ging Sreinach sofort zur Offensive über. Ein Tor wurde aufgeholt Wider Erwarten blieb es das Ehrentor. Bahrenfeld ging jedoch gleich wieder zum Angriff über und stellte kurz darauf den alten Abstand wieder her Dann änderte sich das Bild vollkommen. Bahrenseld wurde stark überlegen und hatte � keine Mühe, noch weitere vier Tore zu erzielen. Endergebnis: Vahrenfeld 191? schlägt Steinach(Thüringen) 7:1(2:0). * Arbeiler-Außball auch in Friedenau! Der Bezirk Friedenau der Freien Turnerschaft Groß-Berlin gründet heute, Montag,«ine Fuß- ballabteilung. Interessenten treffen sich im Lokal Rosenau, Friedenau, Blaubacher Ecke Vardiner Straße, 20 Uhr. üAjYidJocUSj Wedding gegen Magdeburg 3: 5 Beim Hauptereignis des gestrigen Tages, im Handballkampf zwischen FTGB.- Wedding und Magdeburg-Fermers- leben, gewann Magdeburg mit S: 3. Bereits nach fünf Minuten gelang es dem Magdeburger Mittel- stürmer das erste Tor zu geben. Neun Minuten später konnte Weddings Linksaußen bei einer Strafeck« ausgleichen. Dann konnte sich Weddings Mittelläufer durcharbeiten und unhaltbar zum zwetten Tor einsenden, dem bald wieder der Ausgleich folgte. Bis zur Pause blieb es dann bei dem Resultat. Zu Beginn der zweiten Halbzeit drückt« Wedding sehr stark und fand auch oft Gelegenheit freistehend zu schießen, aber der Torwächter meisterte alle Bälle. Wedding konnte sich dann aus der Umklammerung freimachen, aber alle Schüsse gingen auf den Mann oder neben das Tor. Erst in der 4S. Minute gelang dem Hakbrechten das Führungstor. Jetzt war das Kampfobjekt da und es dauerte auch nur zwei Minuten und Magdeburgs Halbrechter sandte zum Ausgleich ein. Eine Glanz- leistung vollbrachte Magdeburgs Mittelstürmer, der einen Freiwurf zugespielt bekam und den Ball vor der Mseitstinie zum 4. Tor einsandte. Wedding machte noch viel Anstrengungen um wenigstens ein Unentschieden herauszuholen, aber vergebens. Aus dem Ge- dränge heraus tonnt« dann Magdeburg noch das fünfte Tor buchen. Wedding mußte noch zwei Strafecken ausführen, die aber nichts einbrachten und dann erfolgt« der Schlußpfiff. Verdient gewonnen hat die technisch bessere Mannschaft. San st ige Resultate: FTGB.-Rofenthal 1 gegen Hennigs- darf 1 5: 4(1:3); FTGB-Nordring 2 gegen FTGB.-Baumschulen- weg 2 2:1(1:1): Nordring 1 gegen FTGB.-Adlershof 1 9:3 (3: 2) und Nordring 1(Jugend) gegen FTGB.-Reinickendorf- West 1 0: 2(0: 0). Jungmädchen werben Das Fest auf dem rechten Platz Jer Sportplatz an der Sonnenallee in Neukölln—„Sonnen» platz" nennen ihn in treffender Weis« die Sportler— hatt« zum gestrigen Sonntag ein ganz neues Gesicht erhalten: Da waren viele fleißige Hände am Wert, um nicht nur der Sportmannschaft, son- dern auch den Besuchern einen schönen Aufenthalt zu bieten. Da wurden fix und geschickt Tische und Stühle gezimmert, eine fliegende Kanttne errichtet, Garderoben- und Toilettenräume geschaffen, und als sich am Nachnrittag die Zuschauer zur Werbeoeranstal- tung der Neukölln-Britzer Iungmädchen« und Frauen- gruppe der FTGB. einfanden, da war aus dein schönen Rasen- platz auch schon ein gemütlicher Aufenthaltsort geworden. Das Musikkorps der FTGB. spielte forsch und unermüdlich zu den guten und abwechslungsreichen turnerischen Vorführungen. Nach einem flotten Aufmarsch von über 100 Amazonen in orangefarbenem und schwarzem Sportdreß wurden gymnastische Freiübungen gezeigt, dann trat der Medizinball in Aktton. der sich trotz seiner Größe geschickt auch durch das strammste Beinepaar hindurchzuwinden wußte. Ein gutes sportliches Bild bot dos Turnen am lebenden Gerät und das Handballspiel der Jungmädchenmannschaft 1 gegen 2; im humoristischen Stafettenlauf und lustigen Allerlei kam der Froh- sinn zu Worte. Ungemein erfreulich berührt die Tatsache, daß sich auch viele Frauen, die nicht den reinen Sportgirltyp darstellen, sportlerisch betätigen. Mit einem werbenden Schlußwort des Bor- sitzenden und dem Gesang des Liedes„Wenn wir schreiten Seit an Seit' schloß die wohlgelungen« Veranstaltung, der außer einer zahl- reichen Freundesschar auch Vertreter des Bezirksamtes beiwhonten. Zum Maienfest in Meilznershof Hunderte auf allen Wegen: so strömten die Naturfrunde am Sonntag nach Meißnershof zum M a i e n f e st. Sie kaznen von Wanderungen her, hatten vorher Faltbootfahrten gemacht, selbst starke Radfahrergruppen fehlten nicht. So gern man sich auch bei Handball, Völkerball und Gymnastik ergötzte, so schnell sammelte man sich zum Maienzug, voran Dutzende von Faltbootfahrern mit ihren Paddeln. Musik und Gesang bilden den festlichen Rahmen, ein Laienspiel der Jugend führt den Sinn des Manderns und der Naturbetrachtung vor Augen, scharf unterschieden vom Land- streicherturn. In seiner kurzen Maiansprache unterstrich der Obmann Mas- pfuhl die ernsten Bestrebungen dieses Bundes d!« bereits aus dem vorangegangenen Spiel hervorgingen. Ein großes Werk er» steht jetzt im Ferienheim am Uedersee. zu dessen Errichtung die Naturfreunde in weitgehendem Opfermut gelangten. Dann«nt- wickelle sich«in rechtes V o l k s f e st, an dem weit über taufend Naturfreunde teilhatten. Wanderlieder klangen. Photofritzen flitzten, Wasser sprang auf bei ganz Unverbesserlichen, die sich mutig in dieses Element stürzten; beim Volkstanz waren nicht nur die Jungen zu finden, die Kleinen schnappten an der Kletterstange nach der Wurst; und dann der Clou des Ganzen: Der„Zirkus, nie gesehen. nie dagewesen, so was!" Jugend hat immer Lust zum Parodieren. Fahrrad künstler, Ringer. Jiu-Jitser, Jongleure, Hypnottseure, Clowns, Heldenamateure und viele andere erhielten in oft recht geistreicher Form eine treffende Charakterisierung, wobei zum Schluß der kurze Hinweis auf ernstere Aufgaben nicht fehlle. Ein frohes Fest fand frohe Menschen und ward treffliche Werbung für Arbeiter» spart und Arbeiterkultur._ Die Allgemeine Wassersportausstellung findet in diesem Jahr« vom 24. Mai bis zum 2. Pfingstfeiertag auf dem Gelände des che- maligen Luftschiffhasens in Potsdam statt. Sechs Steher bei Rüit Möller in großer Form Das Hervorragende Programm dsr Rütt-Arena war gestern In der Hauptsache den Stehern gewidmet. Es starteten zum ersten- mal sechs Sicher auf der kleinen Holzbahn. Exmeister Walter Rütt teilt« die zwei Rennen, insgesamt 90 Kilometer lang, in vier kurze, recht interessante Läufe. Der mäßig« Besuch und der während der Rennen anhaltende feine Regen war das einzige Manko des vierten Renntages der Rütt-Arena. Möller fuhr in allen vier Läufen großartig, er überrundete seine Gegner nach Belieben, von den hintersten Startplätzen schob er sich bereits nach kürzester Zeit an die Spitze. M a n e r a, Leddy und Thollembeck mußten die Ueberlegenheit des Hannoveraners anerkennen, sie waren nie im Bilde. Wißbröcker erwies sich als eine gute Hoffnung, hinter der geschickten Führung von Hoffmann konnte er den ersten Lauf knapp gewinnen und belegte in den anderen Läusen zweimal den zweiten und im letzten Lauf den dritten Platz. Lewanow versagte, es reicht« stets nur für den letzten Platz. Der Favorit � Möller hatte im ersten Lauf des.�Scheuermonn-Preises" Pech,«in Reifenschaden zwang ihn die Maschin« zu wechseln, diesen Verlust konnte er zum Schluß des Laufes bis auf 1 Meter gutmachen. Den zweiten Lauf beendet« er mit S80 Meter vor seinem Landsmann Wißbröcker. Die beiden Läufe des„Theile-Preifes" gewann ebenfalls ganz überlegen Möller: der Belgier Thollembeck belegte hier den zweiten Platz vor dem ebenfalls überrundeten Wißbröcker. Manera hatte nach dem 20. Kilometer aufgegeben.— Die Amateur« bestritten zum erstenmal in dieser Saison ein offenes Fliegerrennen. Den Endlauf gewann Dafch(Argo) mit einer halben Länge vor seinem Klub- kameraden Golz. Das Mannschaftsverfolgungsfahren wurde ein« Beut« des Cvncordia-Teams Manthey-Bauers nach fast 30 Runden. Kch«uerma»»»Pni,! I. MSller, SS.WS Kilometer: 2. Wißbröcker, 39,420 Kilometer! 3. Lrdbil. 39,80 Kilometer: 4. Manera, 38,170 Kilometer: 5. Tbollembeck 37,975 Kilometer: 6. Lewanoa» 37,750 Kilometer.— Tbeile-Prets, »«samt: 1. Möller. 50 Kilometer: 2. Wißbröcker, 48,860 Kilometer: 3. Tbollem- beck 48,760 Kilometer: 4. Leddll, 48,400 Kilometer: 5. Lewanow 47,740 Kilo. Meter: Manera oufaegrtfN._ 4. Etappe der Deutschlandfahrt So wie es der Industrieverband mit der Durchführung der� Radrundfahrt durch Deutschland handhabt, wird es bei einer Wiederholung nicht weitergehen können. Es handelt sich bekanntlich um eine Zuoerlässigkeitsfahrt, bei der nicht nur das Können der Fahrer, sondern auch das Material auf seine Güte er- probt werden soll. Man hat es erlebt, daß in der dritten Etappe von Dresden nach Erfurt etwa 20 Fahrer die Weiterfahrt«in- stellten, und dennoch ließ man zur vierten Etopp« von Erfurt nach Schweinfurt olle 02 Fahrer zu. Man brummte allen Nachzüglern «ine Stunde Zeitverlust auf und damit war der Fall erledigt, weil eben jede Etappe auch als Sonderrennen gewertet wird Dadurch g«ht natürlich jede Uebersicht verloren. Bei der vierten Etappe Erfurt— Schweinfurt regnet« es fast den ganzen Tag, die Straßen befanden sich zumeist in miserabler Verfassung und die vielen Berge taten ein übriges, daß sich die Reihen mehr und mehr lichteten. Viele Fahrer oerbrauchten den gesamten Reifenoorrat und waren so zur Aufgabe gezwungen. Bon Erfurt ging es zunächst über Gotha und Eisenach nach Hünfeld, dann wester über Fulda und Brückenau nach Hammelburg. Hier, etwa 30 Kilometer vor dem Ziel, lagen noch 10 Mann an der Spitze, und zwar Siegel, Ussat, Stöpel, Thierbach, Buse, Unger, Tietz, Schön, Manthey und Tomasini. Im letzten Abschnitt der Fahrt wurde die Spitzengruppe durch Defekte zwar noch verkleinert, aber fünf Fahrer blieben beisammen und lieferten sich vor einigen tausend Zuschauern «inen heftigen Endkampf, aus dem der Gewinner von Berlin— Kottbus— Berlin, der Breslauer Alfred Siegel knapp vor Oskar Tietz, Kurt Stöpel, Alfred Schön und Oskar Thierbach als Sieger hervorging. Motorboote bei Tcmplin Auf der klassischen Dreieckstrecke des Templiner Sees ver- anstaltete gestern der ADAC, seine erste Motorbootwett- fahrt des � Jahres. In den Außenbordklassen war die Beteiligung recht schwach, obwohl beispielsweise die Renneck der L-Klasse als Ausschsidungsrennen für das kommende Mannschafts- fahren um den Preis der Nationen bei der internationalen Regatta Ende Mai ausgeschrieben war. Man kann selbstoerständlich nicht von einem Rennen sprechen, wenn zum Beispiel nur ein Boot über die Strecke geht.„R. IV" bot dabei-war mit seinem englischen Neubau in konstruktiver Hinsicht etwas Neues, in sportlicher aller- dings gar nichts, denn er kam über 40-Stund«nkilometer nicht hin- aus. Beim Start in der v-Klasse, die schwerere Maschinen vor- sieht, war er überlegen, kenterte aber in der Kurve bei Caputh. In der C-Klasse siegte„Arda IV". David, der Führer von„WÜpp", machte mit seinem leichten Schlitten den Versuch, das Bollwerk zu rammen, was dem Boot schlechter bekam als den eingerammten Pfählen. Er hatt« dos Gas zu spät weggenommen.„Bussard III", zur Zeit noch Deutschlands schnellstes Boot in der Tourenbootklasse, erreichte als höchste Rundengeschwindigkest 57,1 Kilometer, seine Durchschnittsleistung fiel aber bis auf 55 Kilometer. Cr ist schon über 60 Kilometer gefahren. Hübsche Rennen boten die offenen Tourenboote und die K a j ü t k r e ü z e r in allen Klassen. Es ist nun mal nicht wegzuleugnen, daß sie zwar lang- samer, dafür aber zuverlässiger sind. Motorradrennen in Mariendorf Die 3. Veranstaltung der Berliner Renngemeinschaft(ADAC.- DMV.) hatte auf der Trabrennbahn Mariendorf wieder einen vollen Publikumserfolg. Von den auswärtigen Fahrern war der Mün- chener Möritz arg vom Pech verfolgt, denn er wurde in den von ihm bestrittenen Rennen stets durch Defekte um sein« Aussichten ge- bracht. Di« b«ste Leistung bot der Berliner R y l l, der im Rennen der Halbliterklasse auf Sunbeam mit 96,9 Kilometer die schnellste Zeit herausfuhr. Er kam ebenso wie der Berliner Rasch(FN.) zu einem Doppelerfolg. Ergtbitifl«. Bis 330 ccra,«tiswcUfofttcr, 9,6 kilomkt«: 1. Nasche Berlin(RS.) 6:15; 2. Klett-Berlin(irckrtlHoff) 6:24,2.- St« 350 com, Li,0ti,sah«r. 9,6 Kilo. Meter: 1. Rnll.Bcrlm 6:28,3; 2. HUb-l-Berlin(HgS.) 6:29,4; 3. ffiefffts-Sctliit 6:38,3.— Ms 360 com, Ausi»ei»s»I,>«r, 14,4 Kilometer: 1. Scrttom-Setlin 9:00; 2. SoIM-Sfrlinabi«r, 12 Kilometer: 1. Tbeois.Berlin(Norton) 8:00,4: 2. W. Schancr-LUneburg (Viktoria) 8:13,3.— Seitenwagen bis 1200 com, 12 Kilonrete», Li,«n,lahe«r: 1. Möhring-Berlin(Brougb Suscciot) 7:54,3; 2. E. Iost-Herne(Gillet) 8:01: 3. Thevis-Berlin(Norton) 8:05,2._ JPlaza''-Ringcrwettstrcit Den ungleichen Kampf Thomson gegen Grünberg gewaim gestern der Neger in der 12. Minute. Dos«-Hamburg und der Italiener E q u a t o r e trennten sich mit einem Unentschieden, mit dem gleichen Resultat schieden Urbach- Köln und der Lette L e s- kinowicz voneinander. U. erhielt vom Schiedsrichter eine be- rechttgte Crmahnung wegen zu aggressiven Ringens. G. Grün- eisen vermochte seinen zweiten Start mit Erfolg zu beenden, bereits nach 6.20 Minuten erlag der Naumburger Opitz einem blitzschnellen Untergriff.— Am Sonnabend rangen Urbach— Cquarore und Thomson— R. Grllneisen unentschieden. G. Grüneifen siegte über Stange nach 6 Minuten. Im Entscheidungskampf verlor Sairst-Mars gegen den stärkeren Russen Petrowitsch in der 33. Minute durch Untergriff von vorn.— Heute, Montag, ringen Equatore— Saint-Mars, Dose— Dogtmann, R. Grüneijen— Penetzk! und Kawan-Kochhanski. Kleine Sportresultate Bei dem Rudern„Quer durch Berlin" des Spree- Havel-Ruderverbandes blieb bei den Bierern das Boot der Berliner Rudergesellschast von 1884 auf der ganzen Strecke überlegen. In der 2. Abteilung war, wie im Vorjahre, die Rüdervereinigung Jahn von 1887 wiederum erfolgreich. Sie ruderte die 8,5 Kilometer lange Strecke in 34:28 Minuten herunter. Einen Speerwurf von 65,32 Metern erreichte bei einem Sportfest in Potsdam der für den Charlottenburger Sport- klub startende ungarische Meister Vela Szepes. FTGB. Ostring, hat wieder feine ständigen Uebungsstunden im Lichtenberger Stadion aufgenommen. Da Ostring gute Funktio- näre hat, wird eine sachgemäße Ausbildung gewährleistet. Das sollten sich besonders die Sportler des Berliner Ostens zunutz« machen und sich dem Sportbezirk anschließen. Uebungsstunden Dienstag. Donnerstag und Sonnabend 18 Uhr. Auskunft im Stadion. Veichswerbelag für das Zugendherbergswerk. Der vom Reichs- verband für deutsche Jugendherbergen in diesem Jahre erstmalig vorgesehene Reichswerbetag wird voraussichtlich Sonntag. 21. Sep- tember, stattfinden. Wie die Nachrichten erkennen lassen, werden in allen Gauen und Ortsgruppen Vorbereitungen für diese Werbever- anstaltung getroffen._ z»urift«a»e«l».Die Natu es xunde", Zentrale Wien. Dienstag, 13. Rai, 20 Uhr. Abt. Friedrichsbain: ssrantfurtcr Allee 307:„Die ssrau in bcr heutigen Gesellschaft". Abt. Zeiedenau: Offenbvcher Str. 5»:„Was die Natur beim Wandern erzählt". Abt. Mitte: Iohanuisstr. 10:«beschäftliche«. Heitere Vorlesungen. Abt. Rarden: Sonnenburaer Str. 20: Geschäftliches, Musik, Gesang. Abt.»euköNn, I-gendgrnpve: glughasenstr.«8: Heimabend. Ab». Wedbing: Turiner Eck- Seestraste: Ecschäftlichea, Gesang. Abt. Huwbolbthaia: Orth- strafte 10: Gruppenfragen. Ingendgeupp« Liidost: Wranaelstr. 128: Luftiger Abend. Abt. Lichten»«»«: 1914 Uhr Deblam, Bahnhof- Ecke Golftsteafte: Zehn- Minuten-Referate.— Mittwoch, 14. Ma:, 20 Uhr. Iugendgrupp« Osten: Gaft- I-rslraft- 61;„Erste Hilf- bei Unglücksfällen".— Donnerstag. 13. Mai, 20 Uhr. Abt. Prenzsauer Berg: Danziger Str. 62, Baracke II:..Bcfreiunqskampk der farbigen Rassen". Ratnelunblick« Abt.: Iohannisstr. 15:„Die Bewohner des Süftwossers". Abt. Tiergarten: Lehrter Str. 18—19: Cagenabcnd. Abt. Lichten. »erg: Gunterstr. 44:„grohsinn und Sciterkeit". Abt. Südwest: Vorckftr II: „Dao Urchristentum" sDr. M. Schütte). Abt. Weiftense«: Pisto'riusstr. 24: „Durch den Harz". Abt.»enkölln: Bergstr. 29:„Unser Sternhimmel"(mit Lichtbildern, Gottschar). ZT»»., NeukSIn-Brih. Achtung. Termlnänderunqenl Vorstandssiftun« fällt heute aus. Quartalsversammlung Sonnabend, 17. Mai, 18 Uhr, Sonnenplatz. Vorstandsmitglieder 16(d Uhr.— 2. Mädchenabtellung: gunktionärsitzung Dienstag. 18- Mai. BrH. sstcnj-flöcnct-Str. 23. Alle in Britz übenden Abteilungen Dienstag. 13. Mai, ab 18 Uhr, Spiel und Sport Treseburger Ufer. B«z:rt»t-»sell P-nk-w. Dienstag, 13. Mai. 20 Uhr, Vorständeionfrrenz mit befreundeten Organisationen.-,»- gTGB., Bezirk Eharlottenbeerg. Fuftballabteilung: Donnerstag im Jugend- heim Eprecstr. 80, 20 Uhr. Sitzung. 's"!»», BfA.(Mitgl. d. A.-T.-u. Sp.-B.) Geschäftsstelle: Karl Kienbaum, SO. 36. Naunynstr. 6. Alexander 2533. Anturn-n Sonntag. 18. Mai. 14 Uhr, >n Erkn:r am Dämmcritzsee. Treffpunkt 19Z3 Uhr Bhf. Warschauer Brücke. �'itwoch ab 18 Uhr Spielen im iZricdrichshain. grofte Spielwiese: an» schliefter.d Gymnastik. Halle ssriedenstr. 31. Jeden Donnerstag. 19H Uhr, Gudtnet Str. 53. Jeden Montag, 20 Uhr, weibliche Mitglieder Halle Waldemar- strafte i7. Die Mitteilungen Nr. 5 stnd gegen Uebersendung eines adressierten ffreikuoerts von der Geschäftsstelle anznfordern, iereie Schwimmer Eharlsttenbnrg 04, e B. Dienstag, 13. Mai, 20 Uhr, Monatssttzung bei Sriesche, Kaiser-Zriedrich-Etr. 13. 1. Vortrag de. Schwimm- Meisters W. Kcftler:„Erlernung der Echwimmkunst nach neuester Methode". 2. Einteilung der Baicabendc für Iungfernheite und Westend. Gäste w:si kommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Mörderhand über Ratibor. Drei ratselhaste Bluttaten.— Ausländer verhastet. Rattbor. 12. Mai. Am Sonnlag früh wurde auf dem Prälalenweg hinler einem Park der verheiratete Zuschneider Joses Dane» ermordet aufgefunden. Die Leiche befand sich in sitzender Stellung, in die Ecke eines Gartenzaunes gelehnt, und wies dicht unter dem Herzen eine etwa fünf Zentimeter breite Stich- wunde aus. von der Leiche führte eine breite Vlutspur ungefähr Z00 Meter die Oderpromenade entlang in Richtung auf eine Mühle. wo vermutlich nach vorausgegangenem Kampf das verbrechen begangen wurde. Da keine Schleisspuren festzustellen waren, ist anzu- nehmen, datz der Mörder sein Opfer bis zur Fundstelle getragen hat. Bei dem Toten fand man noch einen Geldbetrag in Höhe von 10 M. vor. Die Hände des Ermordeten waren blutbefleckt. Auch am Gartenzaun waren Vlutspriher zu bemerken. Der am Vormittag von der Mordkommission angesetzte Polizeihund konnte eine sichere Spur nicht mehr ausnehmen. Der Mord mutz bereits am Sonn- abend abend gegen 10 Uhr ausgeführt worden sein. Um diese Zeit wollen Leute aus dem park Hilferufe gehört haben, denen sie jedoch keine weitere Beachtung schenkten. Der Mord ähnelt in auffallender Weise einem anderen noch unaufgeklärten Vorfall, der sich am vergangenen Montag hier ereignet hat. Damals fand man in einem Weizenfeld unweit des Schützenhauses den ISjährigen Gymnasiasten Zeller gleichfalls Der Mittellandkanal gefährdet? Dringende Forderung: Weiterbau! Essen. 12. Mai. Die Industrie- und Handelskammern Krefeld, Duisburg-Wesel, Essen, Lochum, Dortmund, Münster, Bielefeld, Minden und Magdeburg wenden sich gegen die in letzter Zeit auch in der Presse geäußerten Bestrebungen auf Unterbrechung oder gar völlige Einstellung der Arbeiten am Mittelland- k a n a l. Der Mittellandkanal sei wegen seiner überragenden volks- wirtschaftlichen und verkehrspalitischen Bedeutung nur von all- gemeinwirtschaftlichen Gesichtspunkten, nicht aber vom reinen In- tcressenstandpunkt aus zu beurteilen. Die deutsche Wirtschaft werde in ihrer Gesamtheit Vorteile aus einem K a n a l b a u ziehen, der den Rhein mit Weser, Elb«, Oder und Weichsel die west- und mitteldeutsche Industrie mit der R e i ch s h a u p t st a d t, den deutschen Osten und alle bedeutenden Seehäfen(Stettin, Danzig, Königsberg) durch eine zusammenhängende Binnenwasserstraße oerbinden werde. Abgesehen da- von, datz es eine nicht zu verantwortende Verschwendung des bisher für den Kanalbau verwendeten Kapitals wäre, könne weder eine Unterbrechung noch«ine Einstellung der Arbeiten irgendwo ins Gewicht fallende Ersparnisse bringen. Die erhobenen Einwen- düngen beruhten in der Hauptsache auf der Befürchtung, der Mittel- lanocu.'al würde eine starke Bevorzugung des Westens und eine Verschiebung der Wettbewerbsgrenze zugunsten der westlichen Wirt- jchast zur Folge haben. In der Erwiderung darauf wirk» u. a. der Nachweis geführt, daß die Braunkohle ihre Förderung seit 1313 mehr als ver- doppelt Hab«, während der Ruhrbergbau 108,2 Proz. seiner Vor- kriegsförderung erst im Jahre 1923 erreichte, ferner datz die Fracht- -Verteuerung für Kohlen von Oberschlesien nach Berlin gegenüber 1313 eine Verteuerung von 21,5 Proz. erfahren habe, wohingegen die Mehrfracht der Ruhrkohle nach Berlin 52,4 Proz. betrage. Die Befürchtungen Obcrschlesiens bezüglich einer Verschiebung der Wettbewerbsgrenze zugunsten der westlichen Eisen- t induslrie erschienen schon deshalb abwegig, weil schon jetzt aus dem Westen für Eisentransporte in größerer Zahl der Rhein-Seeweg gewählt wende, wohingegen die oberschlesisch« Industrie in ihrer Eingabe offensichtlich nur die jetzigen Reichsbahnfrachten mit den künftigen Abgaben des Mittellandkanals vergleiche. Die Kammern bejahen die dringende Notwendigkeit, die Bau- arbeiten des Mittellandkanals in dem bisherigen Umfang fortzu- führen. Gegen die Arbeitslosigkeit. 25 Millionen Dollar für Llnterstühung gefordert. f Rem Jork. 12. Mai. Der Präsideirt der staatlichen Anstalt für Arbeitsvermittlung in den Vereinigten Staaten veröffentlicht eine Erklärung, in der ei feststellt, daß es in den vereinigten Staaten in den letzten drei Monaten 3 bis S Millionen Arbeitslose gegeben hat. Er forderte ein« staatliche llnterstühung von 25 Millionen Dollar für Arbeits- losenversicherung. Portugal gegen ausländische Arbeitskräfte. Lissabon, 12. Mai. Zur Linderung der Arbeitslosennot hat die portugiesische Regie- rung«in Dekret erlassen, das allen Industrie- und Handelsfirmen die Beschäftigung vo» Ausländern, selbst an leitender Stelle, für die Dauer der Krise untersagt. Für bereits angestelltes Personal wird ein« Ausnahm« zugelassen, jedoch dürfen freiwerdende Stellen nur mit Portugiesen besetzt werden, es sei denn, datz eine besondere Er- laubnis des Innenministers eingeholt wird. Wieviel Arbeitslose sind in der Sowjetunion? Kowno, 12. Mai. Wie aus Moskau gemeldet wird, hat der Rat der Volks- kommissare die amtlichen Zahlen über den Stand der Arbeitslosigkeit in der Sowjetunion verösfentlicht. Danach gibt es zurzeit auf dem gesamten Gebiet der Sowjetrepublik«0 000 Arbeitslose. Gegenüber dem Vorjahre hat sich die Zahl u m 3 8 P r o z. v e r r i n g c r t. In verschiedenen Industrien ist dieser Hundertsatz sogar noch größer und steigt bis 48 Proz. an. Die Zahl der Arbeitenden hat sich vom Vorjahr um 1,5 Mit- lionen vermehrt. Angesichts der wachsenden Nachfrage nach Arbeits- kräften ist beschlossen worden, die Bedingungen für die Aufnahme von Arbeitsuchenden in die Listen der Arbeitsbörse abzumildern. Die Zahl von 660 000 Arbeitslosen ist lediglich die Zahl der registrierten Arbeitslosen. Di« Arbeitslosen, die nicht registriert jverden, können auch nicht mitgezählt werden. mlk einer ttefe» Stichwunde unter dem Herzen in einer Vlnttache tot ans. Eine breite Blutspur führte zu einem benachbarten Wege, wo sich ebenfalls eine Blutlache befand. Eine völlige Aufklärung dieser Angelegenheit war bisher nicht möglich, doch neigte man eher zu der Annahme, datz Zeller Selbstmord begangen habe, weil er nicht oersetzt worden war. Di« Gerüchte, datz Zeller ermordet worden sei, haben nun durch die Sonntag festgestellte Bluttat neue Nahrung erhalten. Eine weitere schwere Bluttat wurde im Lause der Nacht zuni Sonntag in N i e d a n e bei Rattbor verübt. Als der dort ansässige verheiratete Kaufmann Alfred R u s k e den Hof betrat, um aus einem Schuppen Kohlen zu holen, wurde er von einem unbekannten Mann angefallen und durch einen Messerstich in den Unterleib so schwer verletzt, datz die Eingeweide heraustraten. Das Uebersallkommando war rasch zur Stelle, konnte jedoch des Täters nicht mehr habhaft werden. Der Schwerverletzle wurde ins Krankenhaus geschafft und sofort operiert. Lebensgefahr besteht im Augenblick nicht. Unter dem verdacht, die Bluttaten in Rattbor begangen zu haben, wurde am Sonntag abend ein Ausländer ver- haftet, in dessen Besitz ouher einer Schuhwasfe auch ein Messer gefunden wurde. An den Kleidern des verhafteten worden Blutspuren festgestellt. Er verweigert jede Aus- sage. Seine Personalien stehen noch nicht fest. Arbeiislosigkeii und Lteberarbeii. Zusammenarbeit zwischen Arbeitsämtern und Gewerbe« aufsicht. Einem Wunsche des preußischen Handelsministers folgend, hat der Präsident der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeits- losenversicherung die Landesarbeitsämter und die Arbeitsämter an- gewiesen, den Gewerbeaussichlsbeamten bei ihr«n Bemühungen zur Einschränkung der Arbeitslosigkeit jede Unterstützung zuteil werden zu lassen und in den Fällen, in denen die Genehmigung zur lieber- arbeit mangels geeigneter Arbeitskräfte am Betriebsorte erteilt werden mutzte, unverzüglich, falls nötig, durch zwifchenbezirklich« Vermittlung für eine Heranziehung geeigneter Arbeitskräfte Sorge zu tragen. Abbau— nur nicht bei uns! Ein Notschrei des Offiziersbundes. Zu den Organen, die am lebhaftesten gegen die gesamte Sozial- und vor allem gegen die Arbeitslosenversicherung wettern, gehört die„DAZ.", das Blatt bestimmter Jndultriellenkreise. Diese allgemeine Abneigung gegen die Unterstützung der ohne eigen« Schuld arbcits- und brotlos gewordenen Arbeiter hindert das Blatt aber nicht, der Zuschrift des„Deutschen Offiziersbundes" Raunt zu geben, in der nicht mehr und nicht weniger verlangt wird, als das— Recht a ii} Arbeit, natürlich n eben der Offiziers- Pension! Wörtlich heißt es in der Zuschrift, die sich gegen ein allgemeines Penfionskürzungsgefetz wendet: � Viele Pensionär« sind gezwungen, zu ihrer erdienten Pension sich noch einen weiteren Verdienst Züschen, um sich und ihre Familie zu erhalten und den Kindern ihr Fort- kommen zu sichern. Jeder Deutsche hat ein Recht auf Arbeit und dieses Recht ist durch die Reichsoersicherung geschützt.(Art. 163.) Ein Penfionskürzungsgefetz hemmt zum Nachteil der wirtschaftlichen Entwicklung die Arbeitsfreudigkeit der Empfänger der Verforgungsbezüge und bringt sie in die Ver- suchung, ihr« Einnahmen zu öfrschleiern. Die Kürzungs- beftimmungen verursachen nicht mir bei den Versorgungsberechtigten Verbitterung, Aerger und Aufregung, sondern bringen auch den Behörden ein solches Maß von Mehrarbeit, datz die ent- stehenden Kosten die von der Pensionskllrzung zu erwartenden ge- ringen Erträge autzerordentlich mindern, wenn nicht ganz ver- schlingen. Das ist also die von dem volksparteilich-industriellen Organ g«> billigte neue Moral: Die Opfer der Wirtschastsanarchie, die wachen-, monate- und jahrelang vergeblich nach Arbeit suchen, sollen ihrer Unterstützung ganz oder zum Teil verlustig gehen, trotz- dem bei ihnen Zeit ihres Lebens am Lohn gespart wird. Zum Zurücklegen„aufgesparter" Teile ihres Lohnes auher ihrer Sozial- beitrüge kommen sie fast nie. Trotzdem sollen sie sich Widerspruchs- los in ihre Notlag« schicken, um sich dafür mit patriotischen Redens- arten vollstopfen zu lassen. Die Herren Offiziere der kaiser- lichen Armee aber, die heute zum Teil sehr erhebliche Pensionen beziehen, dürfen an das„Recht auf Arbeit" erinnern, das die republikanische Verfassung als Grundrecht für alle ausspricht. Arbeit neben der Pension— wohlgemerkt! Wenn ein arbeitsloser Arbeiter jedoch Erwerbslosenunterstützung bezieht und daneben noch„schwarz arbeitet", dann muß die„DAZ." pflichtgemäß über die„Mißstände in der Sozialversicherung" greinen. Wenn zwei dasselbe tun, ist es eben nicht dasselbe.., Blütenschau im Kleingarten. Was der Obstgarten Werder an Baumblüte. Anlagen ut>5 Parks, an Blumenschmuck im großen bietet, das zeigt der vorsommerliche Kleingarten im kleinen. Und hier, wo man der einzelnen Blüte Wachsen freudig miterlebt, ist der Kontakt mit der Narur natürlich ein noch viel innigerer. Die schon langsam entschwindend- Blütenpracht der Obstbäume hat der Hagel der vergangenen Woche unbarmherzig weggefegt, dafür ziert aber eine bunte Fülle von Frühlingsblumen den Kolonistengarten. Schlank und rank, Hachaus- geschossen mit leuchtendem Blütenkelch, steht die Tulpe da. in ihrer nächsten Nachbarschaft braunsamtener Goldlack, Primel und Vergiß- meinnicht, das leuchtendrote tränende Herz und im Obstbeet recken unter dichtem Blütendach schneeweiße Erdbeerblllien das Köpfchen hoch: ein sützlich-zarter Duft entströmt dem Fliedergebüsch. Der « r st o E r n t e s e g en d e s K o l o n i st e n. Da lädt man freudig und dankbar die armen Würmer aus der Stadt zu Gast«, die sich nur im Vorübergehen oder auf käuflichem Wege an fremdem Blühen erfreuen dürfen. Gern gibt man ihnen auch einen Strauß mit auf den Nachhauseweg.— Der Pflanzerverein„Neu-Tempelhof 13 20" hatte am Sonntag zur Blüten schau geladen: vor allen, galt es der Jugend des Bezirks, für die außer einer Kaffeetafel auch noch ein ganzer Vergnügungspark mit Karussel und Turngerät, Bonbonregen und sonstigem lustigen Schnickschnack aufgebaut war. Im Rahmen des Frühlingsfestes fand auch das Jugend- anspielen der Tempelhoser Bezirksvercine statt: dann führten die Kleinen Maienspiele nach Art der Blocksbergspiele auf und«ine unermüdliche Hauskapelle sorgte für die musikalische Ettmulanz. Trotz einer wenig frühlingsmäßigen Temperatur hatten sich viele Gäste eingefunden und man begnügte sich bis in die späten Nachmittagsstunden, umsurrt und umschwärmt vom Brummbaß der nahen Brooourflieger, die kapriolenschlagend oder am Fallschirm ihre Künste zeigten.> Oie öffentlichen Arbeitgeber. „Für restlose organisatorische Erfassung." In Aachen wurde am 10. Mai die X. ordentliche Mitglieder- Versammlung des Reichsarbeitgeberoerbandes Deutscher Gemeinden und Kommunalverbände eröffnet. Der Vorsitzende Dr. Elsas, Berlin, behandelte die Entwicklung der Reichsorgani- s a t i o n der öffentlichen Arbeitgeber in den vergangenen zehn Jahren und die seit Gründung geleistet« Arbeit. Stadtrat a. D. Dr. für. Sternbcrg-Raasch sprach über „Die Erfüllung der satzungsinäßigen Ausgaben des Reichs- Verbandes". Es sei ein n« u e s Zeit gewissen entstanden, das den Menschen und den Beziehungen von Mensch zu Mensch erhöhte Bedeutung beimesse, eine Bedeutung, die sich freilich der Mensch der Zeit immer wieder neu verdienen müsse. Endziel sei die organisatorische Erfassung aller öffentlichen Arbeitgeber Deutschlands durch die Landes- und Provinzlaloerbänd« in der Reichsorganisation. Zu den Aufgaben der Mitgliedsverbände gehöre auch, sich mit allen Mitteln und Kräften für die restlose orgarrtsatorische Erfasiung aller öffentlichen Arbeitgeber des jeweiligen Gebiets einzusetzen. Stadtrat Schmidt(München) hielt einen Vortrag:„Der Berufstreis der öffentlichen Arbeitgeber Deutschlands und seine tarifrechtliche Bedeutung." Eine große Kommunalverwaltung bedürfe heute zahlreicher und mannigfacher Einrichtungen, um ihren gefeg- ltchen Aufgaben zu genügen. Beschäftigt würden ungelernte Ar- beiter der verschiedensten Art, daneben Facharbeiter aller nur denk- baren Berussgruppen, wie z. B. Metallarbeiter, Holzarbeiter, Elektro- arbeiter, Sattler, Bauarbeiter. Es sei unmöglich, diese vielgestaltigen Arbeitsverträge den einzelnen Fachtarifen zu unterstellen. Die Praxis anderer Berufskreife gebe schon«inen Anhalt. Auch d e Rechtsprechung können nicht an dem Gedanken vorübergehen, daß ein Tarifvertrag die Arbeitsbedingungen nur für den Berufskreis regeln könne, dem die Mitglieder der Gewerkschaft und die des Arbeitgcb«rverbandes normalerweise angehören. Doch trage die Praxis des Reichsarbeitsministeriums bei der Allgemeinverbindlich- «rklärung den notwendigen Erfordernissen und dem zwingenden Gedanken einer klaren Abgrenzung der Geltungsbereiche von Tarif- vertrügen öffentlicher und nichtöffentjichcr Arbeitgeber durchaus nicht hinreichend Rechming. Restlose organisatorische Erfassung oller Gemeindearbeitcr im G-samtverband wird dessen Aufgab« sein._ Von einer Sprengkapsel zerrissen. Ein Gärtner getötet, Frau und Sohn schwer verletzt. Frankfurt a. M., 12. Mai. Am Sonnlag vormittag hantierte in Groß-Gerau der Gärtner Schwab in seiner Werkstatt mit einer Sprengkapsel, als diese plötzlich explodierte. Schwab wurde schrecklich ver- stümmelt. Seine Frau und sein 2ljähriger Sohn erlitte r schwere Verletzungen.. c.. Oer Gaitenmörder stelli sich. Der Friseur Fritz h e r k t. der in Tempelhos seine Frau erdrosselte, hat in der Rächt zum Sonntag sich selbst aus dem Polizeipräsidium gestellt. Me er angibt, verdient« seine Frau, die zuletzt Kassiererin in einem Warenhause in der Leipziger Straße war, im Monat 160 M. Die Ehe wurde«rst kürzlich geschlossen und das junge Paar hotte noch Ab, Zahlungen auf Möbel und andere Anschaffungen zu leisten. Herkt hatte in der Iuliusstraße in Neukölln«in Frifeurgefchäft ge- kauft, muß aber zugeben, daß es unter seiner Führung immer weniger einbrachte. Er konnte nicht einmal seinen Verpflichtungen, die Miete und die Löhne zu zahlen, nachkommen. Um das Unglück zu vergrößern, erkrankt« die junge Frau und auch bei dem Manne stellten sich Lungenbeschwerden ein Am Freitag suchte die Frau nach Schluß ihrer Arbeit ihren Mann im Geschäft auf und beide kamen überein, noch in der Nacht zu sterben. Sie bejuchten zusammen ein CafS und begaben sich dann in ihre Wohnung. Auf einem Grammophon ließen sie sich ein Lieblingsstück aus der Boheme vor- spielen und tranken eine halbe Flasche Rotwein. Auf den Wunsch der Frau erwürgte sie der Mann. Er schrieb Abschiedsbricfe und versuchte dann, sich mit Luchigas zu vergiften. Er irrte planlos umher, ging schließlich zum Polizeipräsidium und stellt« sich selbst. Die nächste Stadtverordnetenversammlung 0m® 0 n' n e r s t a g, dem 15. Mai, statt. Beginn der Beratungen um 16'R Uhr. Auf der 42 Punkte umsasienden Tagesordnung steht auch die Beratung der Vorlagen über die Errichtung des neuen Wochen Marktes in der Soor ft ratze in Charlotlenburg und über die Freibade stelle am Teltowkanal in Neukölln. i Montag. 12. Mai. Berlin. 16.05 Dr. Martin Tisclier: Die deutsche Presse in Südamerika. 16.50 I. Tartini: Tcuielstriilcr-Sonate.(Christa Richter, Violine und Winfried Wolf am riüael.)— 2. loh. Brahms: Zwei Rhapsodien, op. 79. Nr. I. H-Moll und Q-Moll.(Winfried Wolf.)— 3. Pfilzner: Sonate E-Moll, op. 27.(Christa Richter und Winfried Wolf.) 17,30 Trits Müller: Schülerrudern. IS. 00 J. M. Wehner erzählt sein Leben. 18.30 Reicbsbahndirektor Baumsarten; Deutschland im internationalen Verkehr 19.00 Unterhaltungsmusik. 19.30„Berliner Betriebe." I. Slaatl. Porzellanmanufaktur. 19.55 Vom Arbeitsmarkt. 20.00 Die Großherzoein von Gerolstein, Operette von Jauues Ottenbach. Nach den Abendracldunsen bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Dr. med. Ilse Szagunn, Dr. Lina Rossius; Die Schulärztin an der Berufs- 17.30 Dr Balet: Moderne Flötenliteratur. 17.55 Dr. Gerhard Schultze-Pfaelzer; Hindcnhurg 5 Jahre Reichspräsident. 18.20 Dr. Bohncr' Warum wir Italien so liebten. 18.40 Englich für Anfänger. 19.05 F. A. Schmidt-Noerr liest eigene Dichtungen 19.30 Ock.-Rat Keiser; Lehren der Berliner Maslviehansstellung. 20.00 Spanische Musik. 20.30 Von Budapest: Faust-Sinfonie von Franz Llszt. IFerenc Szekelyhidv, Tenor. Orchester und Chor der Königl. Ungarischen Opef. Dir.: Dr. Ernd Dohnanyi.)