BERLIN Mtwoch 11 Mai 1930 10 Pf. 7lr. 223 BlU 47. Jahrgang «rschetat tS»lich aat«r S»»»t»s«. Lugleich Sdelldautgab« de«»Vorwärt«'. B-mgsprei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche, s,«iM. pro Monat. Redaktion und expedition; Berlin SW SS, ZindenKr.s SpxUautyaße Je*>• »teisenprett: Die einspaltige Nonpareilleiekl» Pf.. Keklamezeile S M. Ermäßigungen nach Tarif. stscheckkoato: Worwätts-Verlag G. m. b.H., Berlin Nr. S7«K. Fernsprecher: Dönhoff 2SL bis 2»? Deutsche Totlasten. Die Ausgaben für Gozialzwecke- Gtegerwald berechnet. Der Haushaltsausschuß des Reichstags befaßt« sich am Mittwoch mit dem Etat des Reichsarbeitsmini st«riums. Abg. Seil(Soz.) beantragt für diesen im Brennpunkt der politischen Er. Lrterungen stehenden Etat auch die erforderlich« Zeit zur Verfügung zu stellen und deshalb bereits heute«ine Abendsitzung alizuhotten. Di« Beschlußfassung über den Antrag wurde bis zum Ende der Sitzung zurückgestellt.• Abg. Aufhäuser((Sog.) »»eist als Berichterstatter einleitend darauf hin, daß aus dem vom Ministerium vorgelegten Material über die Sozialver- sicherung, die Fürsorge und das Derforgungs- wesen das furchtbare Ausmaß jener Schäden an der Loltsgesrmd- heit ersichtlich ist. die auch heute noch als Auswirkung des Krieges bestehen. Angesichts der wochsenden sozialen Notstände müsse der Haushaltsausschuß ernstlich prüsen, ob die Ausgabeverminderung im Elal de» Reichsar beilsminisieriums von insgesamt 129 Millionen Mark tragbor sei, ohne daß die Sozialpolitik materiell eingeschränkt und die Arbeitsfähigkeit des Ministeriums beeinträchtigt werde. Er dankt dem Reichsarbeitsminister Miss eil, der es in der Beridjfs- Periode verhindert hat. daß die bestehenden sozialen Errungen- schosten abgebaut»Verden konnten. Bei den Einnahmen des Mim- fleriums seien die Herausgabe des Reichsarbeitsblotts und, die Haus- druckerei als ivirtschaftlich günstig anzusehen. In den Aufgaben ist schon nach den Kürzungen von 1929 die äußerste Sparsamkeit festzustellen. Weitere Einschränkungen seien bedenk. l i ch, es sei auch falsch, nur durch mechanischen Personal- abbau sparen zu wollen, wirtliche Ersparnisse hätte die Derminbe- rung der Zahl an Behörden gebracht, wie sie durch die Auflösung von Hauptverforiurgsämtern und die Zusammenlegung der Schlich- tungsbehörden eingetreten ist. In der Personalsrage müsse festgestellt werden, daß sowohl bei oen höheren wie bei den übrigen Aeamten starke Ungleichheiten Zwischen dem Reichs- crbeils- und den übrigen Reichsbehörden zuungunsten des Sozial- Ministeriums vorliegen. In den eigentlichen sozialen Ausgaben er- gebe sich durch die Kürzung des Reichszuschuffes zur Familien- w o ch e n h i l f««in Fehlbetrag von mindestens 19 Millionen Mark, den die Krankenkassen ohne Belastung der Versicherten kaum aufbringen könnten. Di« Kürzung der Zollüberweijungen an die Invalidenversicherung von 49 auf 29 Millionen Mark, der Aus- fall für die Invalidenversicherung aus der Aenderung der Lex Brüning, müßten die ohnehin finanziell stark gefährdete Invaliden- Versicherung weiterhin bedrohen. In der Arbeitslosenversicherung zeige der neue Etat überhaupt keine Sanierung. Die vorgesehenen Mittel reichen noch nicht aus, »im die Unterstützung bei einem Erwerbslosendurchschnitt von 1,2 Mill. zu decken. Es fehlen also mehrere 199 Mill. Mark für das Jahr 193 9. Der eingesetzte Leertitel bring« »oeder für das Reich, noch für die Reichsanstalt irgendein« Deckung. Di« für die K ri s e n f ü rf o r g e vorgesehenen 159 Mill. reichen knapp für 299999 Unterstützte, auch hier ze-ge der Etat keinerlei Lösung. Der Berichterstatter richtete an das Reichsarbeits- Ministerium die Frage, wie hier eine Deckung geplant ist. Die für dl« produktive Erwerbslosenfürsorge vorgesehenen SS Mill. seien ganz unzulänglich, wenn irgendeine Regulierung der Konjunktur durch Arbeitsbeschaffung erreicht werden soll. Auch der Landarbeiter. Wohnungsbau rvär« hi«r aufs äußerste gedrosselt. Der Berichterstatter richtet weiter an das Ministerium die Frage, ob die bisherige Lösung für die Entsendung der sozialpolitischen Referenten ins Ausland genüge. Er habe den Eindruck, daß die Delegationen nur zu kurze Zeit im Ausland verweilen können. Bei der Gestaltung des Gesanüetats dürfe man sich nicht aus ein« Rech- nungsprüsung beschränken, zumal noch große gesetzgeberische Auf. gaben bevorstehen. Die Gestaltung des Arbeitsetots sei der Grad- messer, inwieweit der Reichstag gewillt ist, Menschenökonomie zu betreiben. Abg. Schlack(Z.) ergänzt als Mitberichterstatter die vorstehenden Ausführungen und wünscht Nachprüfung, ob lveiiere Ersparnisse im Arbeitsetat zu machen sind. Stegerwalds Berechnungen. Reichsarbeitsminister Dr. Slegerwald: Gegenivärtig treten an den Reichs arbeitsminister vier Gruppen heran mit Wünschen, die größere Mehrausgaben erfordern würden, und zwar die A r b e i t s- losen, bestimmte Gruppen der I n va l i d e n r e n t n« r. die Kleinrentner und die Kriegsbeschädigten. Auf der rnSeren Seite werden mit dem gleichen Nachdruck Forderungen nach Ersparnissen, auch beim Sozioletat aufgestellt. Ich Hab« mich daher & den letzten Wochen bemüht, einmal der deutschen öjfentlichen Au»gab««virtschoft nachzugehen und zu prüfen, ob sich nicht«in Weg smden lasse, mit dem sowohl den Wünschen der Wirtschaft nach Erleichterimg, wie auch jenem der sozialbedrängtesten Volksschichten nach besserer Fürsorge sich Rechnung tragen lasse. Dabei habe ich festgestellt,' daß die öffentlich-rechtlichen Gesamtausgaben (Reich, Länder, Provinzen, Gemeinden, Sozialversicherung, Kirchen usv».) rund 23 Milliarden Mark betragen. Davon haben wir aus gut drei Milliarden, die für Reparationsleistungen und Schuldentilgung und-Verzinsung benötigt werden, in den ersten Iahren keinen Einfluß. Für sozial-- Zwecke, allgemeine Fürsorge, Bcomtenpcnsionen und Gehälter wenden 10,799 Milliarden oder 83 Proz. aller öffentlich- rechtlichen Ausgaben benötigt, auf die wir Einfluß nehmen können. Aus öffentlich-rechtlichen Mitteln bekommen gegenwärtig Renten oder Urrterstützungen(die renten- und unterstützungsberechtigten Familienangehörigen einbegriffen, aber abzüglich der Doppelzah- lungen) gut 12 Millionen Personen oder nahezu 20 Proz. der deutschen Gesamtbevölkerung. Diese Zähl ist in Wahrheit größer, Gasunglück in Köpenick. Arbeiter und eine Frau Opfer einer undichten Leitung. Zn der FSr'berstraße 19 in Köpenick ereignete sich ln der vergangenen Rächt ein schweres Gasunglück, das erst heute vor- mittag durch die Aufmerksamkeit von Hausbewohnern entdeckt wnrd«. Leider ist dabei auch ivieder ein Todesopser zu beklagen. Gegen 11 Uhr vormittags bemerkten Mieter des Hauses Färberstraße 19 starken Gasgeruch, der aus der Wohnung des 33jöhrigen Arbeiters Georg P r z y b y l s k i kam. Da auf Klopf- zeichen nicht geöffnet wurde, benachrichtigten die Leute Polizei und Feuerwehr. Die Beamten drangen in die Wohnung ein und fanden in dem völlig mit Gas erfüllten Schlafzimmer den Wohnungsinhaber und seine um ein Jahr ältere Frau bewußtlos auf. Die Wieder- belebungsverfuche der Feuerwehrsamariter waren nur bei der Frau von Erfolg: in bedenklichem Zustande mußte sie ins Köpenicker Krankenhaus gebracht werden. Die Leiche des Mannes wurde de- schlagnahmt. Roch den polizeilichen Ermilllungen ist da- Ehepaar das Opfer eines Unglücksfalles geworden. Sämtliche- Gashähne waren geschlossen. Es scheint, daß die Gasmengen einer schadhaften Stelle der Hauptleitung entwichen sind. Grubenunglück in Oberschlesien Wieder drei Bergleute verschüttet. Gleiwih, 11 Mai. Auf der zum Oehringen-Pergbau gehörigen Iechenanlage Sosnitza in Gleiwih ereignete sich gestern ein schweres Unglück, das höchstwahrscheinlich drei Todesopfer forderte. Um Uhr ging im helnih-Flöz ein Pfeiler zu Bruch, wodurch drei Mann verschüttet wurden. Zn der vergangenen Rächt gelang es, einen Häuer lol zu bergen, während die beiden anderen zwei Förderleute noch eingeschlossen sind. Anzeichen, daß sie noch am Leben sind, liegen nicht vor. Man hofft, sie noch im Lause des heutigen vormittags bergen zu können. Auf der 3KS-Meter-Sohle des Andrsas-Flözes der Konkordia- grübe, auf der sich am Montag die schwere Schlagwrtierkatastrophe ereignete, verunglückte am Dienstag durch giftig« Gase der Maschinist Kurt Schmidt aus Sorau R.-L. tödlich. Bon den dm Schwerverletzten, die die Schlagwetterkatastrophe auf der Konkordiagrube am Montag forderte, ist gestern nachmittag ein Häuer seinen Ber- letzungen erlegen. Bei den beiden anderen Schwerverletzten ist in- zwischen«in« Besserung eingetreten und man hofft, sie am Leben erhalten zu können._ Arbeltszeiiabkommen abgelehni. Oer Schiedsspruch für die mitteldeutsche Metallindustrie Wernigerode. 11 Wal.(Eigenbericht.) Eine Konferenz der Vertreter des Deutschen Melallarbeiterver- bandes für die Bezirke der mitteldeutschen Metallindustrie tagte am Dienstag in Wernigerode und beschloh einstimmig, den am 12. Mai in Halle gefällten Schiedsspruch über das Arbeitszeitabkommen für die Bezirke Halle. Magdeburg, Anhalt und Thale am harz abzu- lehnen. Roch dem bisherigen Abkommen konnte die Arbeltszeil bis zu 52 Stunden verlängert werden, nach dem. Schiedsspruch sollte sie bis zu 51 Stunden verlängert roerdeu können. weil bei den Beamtenpensionären und deren Familien sowie Hinter- bliebenen genau« Ziffern nicht zu ermitteln sind. Von den Ausgaben der Sozialversicherung entfallen etwa 40 bis 45 Proz. nicht aus Renten und Unterstützungen, sondern aus Aerztehonorare, Arznei. Heilbehandlung, Wochenhilfe, Arbeitsvermittlung. Berussberatung, wertschassende Arbeitslosensür- sorge. Verwaltung usw. alles Ausgaben, die mit Rentenpsychos« nichts zu tun haben—, so daß auf Reisten und Unterstützungen in der gesamten Sozialversicherung, einschließlich der Arbeitslosen und Kranken, rtiva 3,5 Milliarden Mark entfallen, während die B e a m t e n p e n s i o- n ä r e, die Kriegsbeschädigten und die Kleinrentner, die nicht sozial- versicherungspflichtig sind, etwa 39L Milliarden Mark an Renten und Unterstützungen beziehen. Von den 29 Milliarden Mark Ausgaben, auf die wir Einfluß haben, ließen sich allerlei Ersparnisse machen. wenn eine Stelle(beispielsweise Reichsregierung und' Reichstag) A>er diese Mittel noch einem einheitlichen Willen und ein- heitlichen Gesichtspunkten Anordnungen treffen könnte. Ueber dies« Ausgaben verfügen gegenivärtig da» Reich. 17 Länder. über 00 000 Gemeinden. 7500 Krankenkassen. 100 Seruss- genosfenschaften. 35 Lande» versicherungsansialtcn usw. In diese Dinge einzudringen, soll Ausgabe mehrerer Ausgaben- srnkungsgesetze sein, die demnächst dem Reichstag zugehen»Verden. Im Mittelpunkt des innerpölitischen Streits steht seit einem Jahr das Arbeitslosenproblem. Im Jahr« 1939 dürfte die Artzeitslostgkest wesentlich größer sein als im Jahre 1929. Die bis jetzt noch fehlenden zwei Milliarden Mark für die deutsche Bau- Wirtschaft im Vergleich zum Vorjahre bedeuten 599 999 bis 699 999 Arbeitslose. Dies« ein« Tatsache wirkt sehr viel stärker aus den Etat der Arbeitsloscrwersicherungsanstalt zurück, als alle ausdenkbaren Reformen und Verbilligungsmaßnahmen. Und hier sind wir an der Stell« angelangt, wo Wirfschafts- und Sozialpolitik miteinander korrespondieren und die beiderseitigen Interessensphären auf einer einheitlichen Lime sich begegnen. In neuerer Zeit wird wieder der Satz stark variiert„hat der Bauer Geld, hats die ganze Welt". Dieser Satz enthält für Deutschland nur ein« Teilwahrheit. Ich bin überzeugter Anhänger aller Maßnahmen, die geeignet sind, die deutsch« Landwirtschaft wieder zur Rentabilität zu bringen. Dabei dürfen wir aber nicht über- sehen, wo wir gegenwärtig gesamtwirtschaftlich stehen. An Löhnen und Gehältern iverden in Deutschland gezahlt an 46 Milliarden Mark. Diese Ziffern zeigen, roas die deutsche Ausfuhr und»vas insbesondere die Kaufkraft der Lohn- und Gehaltsempfänger für die deutsche Volkswirtschaft bedeuten. Von den 46 Milliarden Löhnen und Gehältern entfallen aus Beamte und Pensionäre 9,6 Milliarden, auf die höheren An- gestellten in der Privatwirtschaft, di« nicht der Sozialversicherung unterstellt sind, 3 bis 4 Milliarden und auf die fozialoersicherungs- Pflichtigen Arbeiter und Airgestellten 33 bis 34 Milliarden Mark. Größere Ersparnisse sind erst dann bei der Arbeitslvsenversiche- rung und der Wohlsahrtspflege möglich,»venn wir in absehbarer Zeit zu halbwegs günstigen und to-nsolibierfen Wirtschaitsverhältnissen kommen. Für Arbeitslose m»d Wohlfahrtsunter- stützte müssen im laufenden Jahr über drei Milliarden Mark aufgewendet werden. Davon kann bei Bewältigung des Arbeitslofenproblenis rund die Hälfte gespart werden. Als erster Diskussionsredner»sendet sich Abg. Graßmann(Sog.) gegen Sieger Iva lds Vorschläge aus Ersparnisse in der Kranken- Versicherung. Es bedürfe nur einer Vereinheitlichung der Krankenkassen und der zahlreichen Werkskossen, um wirk- l i ch e Ersparnisse zu machen. Die Schäden der Rattonalisierung müßten endlich ausgeglichen und eine Verkürzung der Arbeitszeit erreicht werden. Der Abbau der heutigen Mehrarbeitszeit ist dringend erforderlich, angesichts der Belastung der Konsumenten durch neu« Zölle und Mieterhöhungen müsse der von der Industrie betriebene Lohnabbau mit aller Entschiedenheit bekämpft werden. Zn Sachsen stehen ISO 000 Man« im Arbeitskampfe, in Mitteldeutschland sei durch einen Schiedsspruch die Gefahr der Verlängerung der Arbeitszeit erhöht worden. Im Mansfelder Bergbau stehen 15 900 bis 16 000 Mann mit ihren Familien vor dem Erwerbslosenelend. Die fortgesetzten Stillegungen und die Einlegung von Feierschichten im Bergbau seien unerträglich. In der Krisenfursorge müsse« i n Ausbau erfolgen, wenn mcht unmögliche Belastungen für die Gemeinden eintreten sollen. Der Redner gibt Zahlenmaterial über das bedrohliche Anwachsen der Mohlsahrlserw erbslosen und richtet nn den Arbsitsminister di« Frage, wie sich di« Reichsregierung die Sanierung der Arbeitslose»Versicherung und der K r i s e n j ü r j o r g e denkt. Sie Warenhäuser klagen... Weil Kauftrast und Llmsah sintt. Sie Drosselung der Massentauftrast verschärft sich infolge der u>»holtend schweren Arbeitslosigkeit zusehends. Dies kommt im der Umsotzentwicklung der Worenhäuser in den ersten drei Monaten dieses Jahres und besonders im März, die jetzt von der Zeitschrift für Waren- und Kaufhäuser" veröffentlicht sind, deutlich zum Ausdruck. Der Einfluß der allgemeinen wirtschaftlichen Depression prägt« sich besonders bei dem Umsatz an Bekleidung aus, der um Z-l Proz. sank, während der Umsatz für Hausrat sich um S Proz. verringerte. Neben den konjunkturmäßigen Einflüssen ist zedoch bei diesen Zissern auch der Ausjall des Ostergeschäftes zu berücksichtigen. Am stärksten machte er sich bei Konfitüren bemerkbar. Entscheidend sür die Umsatzentwicklung der Warenhäuser ist jedoch die außer- ordentlich starke U m ja tz o e r r i n g e r u ng bei Bekleidungs- gegenständen. In der Herren- und Knabenkonfektion sowie in den Hutabteilungen blieben die Umsätze gegenüber dem Vorjahr u m nahezu Zll Proz zurück, in der Damen- und Mädchen- konsektion, in Herrenwäsche und Schuhwaren um etwa«in Drittel. Da diese Warengruppen zusammen etwa ein. Fünftel de» gesamten Warenhausumjatzes ausmachen, sind sie sür die ttzesamtentwicklung bei den Warenhäusern entscheidend. Im ersten Vierteljahr 1930 blieb der Gesamtumsatz der Warenhäuser um 5 Proz. hinter der entsprechenden Zeit des Vorjahres zurück. In der Bekleidung sowie in Geschenk- und Luxusartikeln lag der Umsatz um rund 19 Proz. niedriger, während bei Hausrat und Möbel dagegen eine Steigerung gegenüber 1929 von 6 Proz. festzustellen war. In dieser Konsum- Verschiebung kommen zweifellos auch die Wirkungen der Frost- Periode im Winter 1929 zum Ausdruck, wo hinter dem außer- gewohnlich großen Bekleidungsbedarf die übrigen Käufe zurück- treten mußten. Aus saisonmäßigen Gründen und infolge des Ostergeschäftes hat der Monat April eine beträchtliche Umsatzsteigerung gebracht. Im Mai pflegen die Umsätze erfahrungsgeniäß weiter zu steigen, jedoch fragt es sich; ob bei dem unverändert starken konjunkturellen Druck die Besserung mit der des Vorjahres Schritt holten wird. Das größte Landflugzeug. Zunkers v Z(XK) auf seinem ersten lleberlandflug. An Bord D 2000, Deutschlaadslug. heute morgen, ö Uhr, ist in Dessau da» Zuntersslugzeng II 2000, daß gröhke tandslugzeug der well, zu seinem ersten lieber. landslug geslarlel, der zehn bis zwölf Stunden dauern soll, wie der an Bord befindliche Dessaucr Korrespondent des„Soz. Presse- dienstes" durch poslabwurs über Berlin nach dreistündiger Flugdauer meldet, verläuft der Flug trotz ungünstigen Wetters aus- gezeichnet. Die Maschine flog über Magdeburg und nahm Surs ans Hamburg; die Funknachrichten über die Wetter- läge zwangen jedoch über der Lüncburger Heide zur Umkehr, ln der Bähe Hannovers wurde der Kurs nochmals gewechselt und v e r l i n angeflogen. Ze nach den Wettermeldungen wird von verlin an« voraussichtlich nach Schlesien weitergeflogen werden. Schwatzer aus Prinzip. Die Deutschnationalen wollen weiter anfragen. Wie wir mitteilte,!, hotte der preußische Mimsterpräsident Braun zur Eindämmung der Hochflut der Kleinen An- fragen— ihre Zahl hat bereits 1499 überschritten— ein Schreiben an den Landtagspräsidenten Bartels gerichtet, das dieser an die Fraktionen des Landtags weiterleitete. Der Borsitzende der deutschnationalen Landtagsfraktion von W i n t e r f« l d t hat dem Präsidenten erwidert, daß er nicht in der Lage sei, den Inhalt des Schreibens seiner Fraktion zur Beachtung zu empfehlen. Er sei vielmehr der Ueber- zeugung,„daß die Minister sich mit allen Begleiterscheinung«» des porlanr entarischen Systems ab- finden müßten, selbst wenn ihnen oder ihren Ministerien dadurch Unbequenrlichleiten entständen". Mit anderen Worten: die Dcutschnationalen wollen weiter durch offensichtlichen Mißbrauch an sich zweckmäßiger parlamentarischer Einrichtungen das parlamentarische System diskreditieren. Es ist dos nicht der erste Fall, in dem die ausgesprochenen Gegner des parlamentarischen Systems sich zu Hütern demo- kratifcher und parlamentarischer Einrichtungen aufwerfen, um in Wahrheit mit ihnen Schindln der zu treiben. Jedenfalls hat der Brief des Herrn von Winterfeldt«ine klare Situation ge- schaffen: die deutschnationale Opposition will von sich aus den Miß- brauch der Kleinen Anfragen fortsetzen. Es wird nunmehr Sache des Parlaments bzw. seiner' parlamentarisch gesonnenen Mehrheit sein, aus dem weg über die Geschäftsordnung eine Bcfchneldung der bisherigen Auswüchse herbeizuführen. Di« Geschäftsordnung des Reichstags, die kein« Bervielfälti- gung der Kleinen Anfragen vorsieht, weist bereits einen praktischen Weg. Außerdem wind es Aufgabe des Präsidenten sein, mehr al, bisher daraus zu achten, daß die Kleinen Anfragen der Deutschnationalen, was bisher selten der Fall war, >n Ton und Inhalt der jetzt bereits gültigen Geschäftsordnung entsprechen, wonach Anfragen kurz und sachlich gehalten fein müssen. Es reizt zum Gelächter, wenn Herr von Winterfeldt sich in seinem Schreiben über einen zu schroffen Ton der Regierungsantworten beschwert. In Anbetracht der absichtlichen Schnoddrigleit und Rüpelhaftigkeit vieler Kleinen Anfragen ist dieser Ton oft noch sehr milde zu-nennen. Lords gegen Labpur. Overhausmehrheit gegen Negierung. London, 14. Mai(Eigenbericht.) Das Oberhaus nahm mit 134 gegen 38 Stimmen einen konser- votiveu Abänderungsantrog zur Kohlenfrage an. Irgendweiche Konsequenzen wird der Beschluß nicht nach sich ziehen. Ein Antrag auf Streichung des Absatzes 1, dessen Bestimmungen noch Anficht von Lord Danbury aus die Rationalisierung des Bergbaus hinausliefen, wurde abgelchnt. Der angenommene Anirag Lord Dudleys fordett. daß die Höchftförderungsgrenze eines Bezirk» nicht geringer fein soll als fein innerer Derbrauch. Dauersitzung im Unterhaus. London, 14. Mai. Das llrueihaus beriet eine Gefetzesoorlage über die Behandlung von Geisteskranken und erlMgte sie um 4 Uhr 39 früh. Stadijubiläum £uckentvalde Die Stadt Luckenwalde feiert die 399. Wiederkehr des Tages, an dem ihr im Jahre 1439 stadtartige Rechte oerliehen wurden. Die Stadt hatte damals 789 Ein- wohner und zählt deren heute 29 999. Mick auf den TltarMplatu in£uckentvalde Die Flucht auf den Schornstein. Eine Berliner Oiebesfahrt mit Hindernissen. Line Diebesjagd, wie man sie als filmische» Geschehen lieb«, gab e< in der vergangenen Nacht und heute früh in verschiedenen Stadtteilen. Fünf funge Burschen im Alter von 29 bis 26 Iahren hatten am Dienstags« in Privatauto gestohlen und damit eine Diebesfahrt nach außerhalb unternommen. In den ersten Morgen- stunden kamen sie zurück und fuhren Öle Heerstraße entlang. Auf der Charlottenburger Ehauss�e am Großen Stern hatten sie einen Zusammenstoß mit einem Wafchwagen des Magistrats. Beide Wagen wurden erheblich beschädigt. Der Chauffeur des Waschwagens sprang herunter, um die Missetäter anzuhalten. Ein Schupowachtmeister des 29. Reviers, der den Zu- sammenstoß mitangesehen hatte, eilte ebenfalls hinzu. Als er in den Privatwagen hineinsah, erblickte er darin einen größeren Posten Weine, Liköre, Zigarren, Damen kleider usw. Ehe er noch fragen Rannte, was dies« seltsame Frachf zu bedeuten hatte, liefen die Burschen nach allen Richtungen auseinander. Zwei konnten nach längerer Jagd, an der sich auch Passanten beteiligten, im Tiergarten erwischt werden. Einig« Stunden später wurde der dritte am Hairsa-Platz von Schupobeamten des 21. Reviers, die inzwischen schon Kenntnis bekommen hatten, gesehen. Er flüchtete nach dem Bahnhof Tiergarten und warf unterwegs«in Paketfort. Er konnte aber eingeholt und festgenommen werden. Mit besonderen Schwierigkeiten war die�Festnahme des vierten ver- knüpst. Er hatte auf der Charlottenburger Chaussee einen Gemüse- wagen, der zur Zentralmarkthalle fuhr, angerufen und gebe�u, ihn in die Stadt mttzu nehmen. Der Kutscher, der sah, daß der junge Mensch schwer an einem Paket schleppte, nahm ihn gerne mit. An der Holle kamen ihm aber Bedenken und er ftagte, ob er in dem Paket etwa„Sore" habe. Der Bursche bekam jetzt Angst, warf das Paket weg und flüchtete in das Haus SpandauerStraße2 hinein. Llrbeiter der Zentralhalle und Polizeibeamte eilten ihm nach, konnten ihn aber nicht mehr erreichen. Der junge Bursche war auf das Dach geklettert und von dort auf«inen Schornstein gestiegen. Er konnte nicht wieder herunter, die Verfolger nicht hinauf. Jetzt rief man hie Feuerwehr, die mit einer mecha- nischcn Leiter den unfreiwilligen„Säulenheiligen" herunterholte. Er will Danzer heißen. Di«„Rettung" des Berstiegenen hatte natürlich ein« Masse Menschen herbeigelockt. Auch Danzer be-. streitet alles und will wie die anderen nur harmlos mitgefahren sein. Der fünfte Teilnehmer an der Fahrt hatte wie die anderen, ehe er flüchtete, aus dem vollgeladenen Wagen ebenfalls«in Paket an sich genommen. Beamte der Dienststelle B 7 überraschten ihn heute früh in einem Lokal in der Linienstraße, wo er die Sachen loszuwerden versuchte. Alle fünf sind jung« Burschen aus der Munzfttaße, die der Polizei schon bekannt sind. Nach der Beute zu urteilen, scheinen sie in der vergangenen Nacht«inen Einbruch in ein« Gastwirtschaft in Potsdam verübt zu haben. Darauf deuten die Spirituosen und Zigarren. Die Damenkonfektion dürfte von einem Schaufenster- einbruch, vielleicht in der gleichen Gegend, herrühren. Di« Sache» sind beschlagnahmt worden, bis man den Eigentümer ermittelt hat. Indien und die Internationale. Entschließung der Exekutive. Die Exekutive der Sozialistischen Arbefter-Internationole hat am Dienstag beschlossen: Die Exekutive erinnert an die Resolution des Brüsseler Kongresses der TAI., die das Recht der Völker Indiens auf Selbst- bestimmung anerkennt. Sie ist der Ueberzeuguttg, daß durch Verhandlungen zwischen der englischen Arbeiterregierung und den Vertretern aller Teile der indischen Bevölkerung dieses Recht sich unter den wirk- somsten und sichersten Bedingungen wind auswirken können. Sie hat dos Vertrauen zur britischen Arbeiterregierung, daß sie diese Verhandlungen möglich machen wird und, um sie zu erleichtern, die baldigste Amnestie der politischen Gc- fangenen in Erwägung ziehen und sie in der Weife führen wird, daß sie am schnellsten zu einer vollkommen verantwortlichen und autonomen Regierung führen. Oer Kampf wird gesteigert. London, 14. Mai.(Eigenbericht.) Der Aktionsausschuß des allindischen Kongresses hat an, Diens- tagabend beschlossen, die Widerstandsbewegung gegen die britische Herrschaft in Indien zu verschärfen. Das nächste Ziel der Agitation dürfte allgemeine Steuerverweigerung fem. Die Erklärung des Dizekönigs von Indien, in der sich die Regierung bereit erklärt, die Reformarbeit mit der Schaffung eines indischen Dominions als Endziel fortzusetzen, hat den erwarteten Eindruck auf die indische Oeffentlichkeft nicht gemacht. Selbst die Gemäßigten, auf deren Mitarbeit die britische Regierung rechnet, machen aus ihrer Enttäuschung über die Vieldeutigkeit der ErNärung des Vizekönigs keinen Hehl. Die einflußreich« indische Handelskammer in Bombay hat eine Entschließung gefaßt, die soibert, daß der Dizekönig oine Deputation führender Inder empfängt und mit ihnen die Lage zur Wiederherstellung des zur Zeit außer- ordentlich wankenden Vertrauens bespricht. Bei einem Sturm von 299 Freiwilligen auf das Salzvepot von Schiroda verhaftete die Polizei 158 Personen; bei dem Handgemenge wurden 16 Personen verletzt. Im Gefängnis von Sabarmati sind zahlreiche politische Gefangene, darunter Vallabhai Patel, in den Hungerstreik getreten. Wie man in Belgrad uniersuchi. prügelpolizei erpreßt erlogene Velaftungen. Belgrad. 14. Mai. Die Angeklagten im Matschek-Prozeß sind zum Zeichen des Einspruchs gegen die Verpflegung, die schon seit Monaten nur aus Wasser und Brot besteht, in den Hungerstreik getreten. In der Verhandlung am Dienstag brach der Angeklagte. Abg. Professor Ielatschitsch ohnmächtig zusammen. Auch er erklärte, daß er von der Polizei schwer mißhandelt worden sei und widerrief seine früheren Aussagen. Ielatschitsch erklärte, daß er sich in der Zeit, in der er die Straftaten begangen haben, soll, in einem Ort. etwa 599 Kilometer von Agram entfernt, aufgehalten habe. Womtt mau ihn überhaupt belaste, habe er erst bei der Gegenüberstellung mit den Angeklagten Hohschjija und Bernarditsch erfahren. Hadschjija habe ihm dabei gesagt-' „verzeihe, daß ich dich belasten muß. aber man hat mich so geprügeil. daß ich auch meinen eigenen Vater belasten würde!" Ielatschitsch schilderte dann die furchtbaren Folterungen, denen er auf der Polizei ausgesetzt wurde. Als er aus seiner Be- wußtlosigkeit erwacht sei, habe die Polizei die Aerzte Dr. Farkas und Dr. Stantschitsch gerufen, die jedoch der Meinung waren, daß er kaum mit dem Leben davonkommen könnte und des- halb von einer Ueberführung ins Krankenhaus Abstand nahmen. Nach fünf Tagen sei er vor den Polizeidirektor Bedekowitsch geführt worden. Er wurde wieder Bernarditsch gegenübergestellt und die furchtbaren Szenen beim ersten Verhör wiederholten sich. Bei diesen Aussagen des Professors Ielatschitsch entstand unter den Verteidigern furchtbare Aufregung. Der Borsitzende war ihren Zwischenrufen gegenüber längere Zeck machtlos. Ielatschitsch erklärte weiter, er habe den Eindruck gehabt, daß es der Polizei vor allem auf die Belastung Dr. M a t s ch e k s ankam. Die Verteidiger sprangen auf und riefen:„Matschek und kein anderer ist der Ver- treter des kroatischen Volkes." Ielatschitsch betonte noch, daß ihm seine Verurteilung gleichgültig sei, denn es sei sein Gesundheitszustand infolge der Mißhandlungen so geschwächt. daß er keinen Beruf mehr ausüben könne und doch nicht mehr lange leben werde. Der Aerteidiger Dr. Kostitsch erklärte darauf: Da der Agramer Polizeidirektor Bedekowitsch die Mißhandlungen unter Eid ab- geleugnet Hot, diese aber durch die Aussagen der Aerzte und die Narben oller Angeklagten bewiesen sind, stell« ich den An- trog, Bedekowitsch sofort unter Anklage zu stellen und sofort zu verhaften. Der Staatsanwalt überließ die Stellungnahme zu diesem Antrag dem Gerichtshof. Anhalt taust Kürflenland. Aufteilung an tteinere Landwirte beabsichtigt. Der Anhaltische Landtag nahm in allen Lesungen eine Vorlage des Staatsministeriums an, durch die der Ankauf der beiden herzoglichen Domänen Wörlitz und Münsterberg sowie der Forstreviere Oranienbaum mit Kapen'md Brambach durch den Staat erfolgt. Es handelt sich um mehrere tausend Morgen Wiesen, Aecker und Forsten, die zu einem ipre.�e von rund 1 799 999 M. aus dem Besitz des früheren herzoglichen Hauses in den des Staates übergehen Der Landtag erhob die Forderung, daß die Domänen zum größten Teil an k l e i n e? s Landwirte aufgeteilt werden, um das vorhandene Acker- bedürfnis zu stillen. Die Annahme der Vorlag« erfolgte mit allen Stimmen gegen die der Kommunisten. „Lohnzahlung auf Giottern." Wir erhalten vom Kosmos-Berlag die folgende Berichtigung: Zu dem Artikel.�Lohnzahlung auf Stottern" tn der Zeitung „Der Abend" vom 7. Mai, Nr. 211/B 195, ersuchen wir Sie um folgende Richtigstellung: Es ist unwahr, daß die Zeitung„Berlin am Morgen" auf ein Drittel ihrer früheren Auslage zurückgegangen ist. Wahr ist, daß bisher keinerlei Rückgang zu verzeichnen war, sondern ein ständiges Steigen; allein im letzten Monat betrug der Abonnentenzugang über 5999. " Thüringer Schulgebet. In Thüringen übt man Schulgebet: „AufgestanSdn, Hände gefaltet! Deutscher Gott, der über uns nxiltet... Primus, sag', wie es weiter geht!--- Wird's bald, ich habe nicht lange Geduld." „Vater, vergib uns unsere Schuld!" „Unsinn! Setz' dich herunter zur Mitte! Dos war ja die Vaterunjerbitte. Die ist für Thüringen gänzlich veraltet. Seitdem Herr Frick unser Land verwaltet, Ward ein anderer Text ersonnen, Er entspringt des Vaterlands Not. Nun, wer weiß ihn? Ich Hab' schon begonnen: Deutscher Gott... V wie geht's weiter, Hans?" „Lieber Gott, schlag die Juden tot!" „Beinah' richtig, doch nicht ganz. Es heißt: Du strafst unsres Landes Verrat Und segnest der Heimat befreiende Tat. Karl, wer ist mit den Verrätern gemeint?" „Sozis und Juden, der inner« Feind." „Richtig. Die hat unser Text im Sim», Auch Freidenker und den Gewertschaftsverband. Wer hebt denn da schon wieder die Hand?" „Mein Vater ist im Reichsbanner drin." „Meiner ist Mitglied in der Partei." „Mein Vater sagt, er will auch beitreten." „So, immer schöner! Da könnt ihr drei Den Text auch in andrer Fassung beten. Merkt aus: Gott, strafe die Landesverräter, Vor allem unser« eigenen Väter. Laß bald uns erleben den Tag der Rache. Eltern verreckt! Deutschland erwache!" Jonathan. Alter Conförencier-Witz. Frist v. Llnruh:„phaea" Neinhardt-Inszenierung im Deutschen Theater. Großer Abend im, Flutschen Theater". Max Reinhardt war entschlossen, an Fritz v. Unruhs„Phaea" seine Regie- künste strahlen zu lassen. Man wußte, er probierte an der Komödie monatelang herum, man wollte dabei sein, man erwartet« eine Sensation. Es wurde auch eine, nämlich ein sensationeller Durch- fall, der sich trotz des lärmenden Beifalls nicht vertuschen läßt. Bei näherem Zusehen erweist sich das Stück als anspruchsvoll oufge- zäumter Unsinn und die Inszenierung als' mißbräuchlich« Benutzung einer pompösen Bühnenapparatur. Phaea ist keine Heldin aus der Antike, Phaea ist eine Ton- film-A.-G. Sie dreht den Film eines jungen Autors, der das Wirken einer antirepublikanischen Organisation mit Fememord- versuch und vollendetem Fememord darstellen will. Der Film- direktor hat sich in den Kopf gesetzt, um jeden Preis den Publikums- geschmack zu treffen und dabei keine Schauspielerleistungen, fondern das wirtliche Leben zu geben. Bon dieser Idee ist er so besessen, daß«r rücksichtslos in das Privatleben seiner Darsteller eingreift. Er filmt sie insgeheim, wenn sie ahnungslos ihre Seele aufzeigen. Der Autor, der selbst eine Hauptrolle seines Films spielt, wehrt sich verzweifelt gegen die schamlose Preisgabe tiefinnerster Gefühle, nebenbei auch gegen die Vergewaltigung seine» Manuskripts. Zum Schluß sind alle Mitwirkenden des Films seelisch zerbrochen. Der Regisseur, der Dichter, die Schauspieler nebst der Trägerin der Haupt- rolle, die man sich irgend woher von der Straße geholt hat, nur nicht der Filmgewaltige selbst: er hat endlich da» Leben eingesungen. Max Reinhardt verschafft seinem Publikum einen Blick in diesen monströsen Filmbetrieb. Es fängt großartig an: Variete in einem luxuriösen Vergnügungslokal, blendende szenische Zurichtung. Dagny Servaes singt mit Schmiß von Friedrich Holländer verfertigte freche Lieder, E u r t B o i s produziert sich als gelenkiger Foxtrottänzer und unwiderstehlich-ukkiger Eon- serencier. Plötzlich Schüsse, Hilferufe, Fememordversuch, ein Ruf ertönt:„Stopp, Aufnahm« wiederholen!" Es war alles nur Film- aufnahm«. Das wirkt, man ist begeistert und wartet auf Steigerun- gen. Aber man wartet vergeblich. Mit der ersten Szene ist der Höhepunkt erreicht, von da ab versandet die Inszenierung in ge- krampsten Künsten, es folgen endlose Dialog« von verschwommenem Inhalt, vier Stunden lang. Fritz o. Unruh will scheinbar mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Cr versucht, ein aufregendes Fememorddrama mit Ratschlägen für eine ideal« Filmgestaltung zu verbinden. Was der mysteriöse Filmdirektor will, was dem Film- autor selbst vorschwebt, wird aber scheinbar weder dem Publikum noch dem Autor selbst klar. Fritz v. Unruh hat das Pech, Dagewesen- Helten mit aufgeregtem Pathos aufzuwärmen. Filmatelierszsnen haben wir zur Genüge gesehen. Fememorddramen ebenfalls. Max Reinhardt glaubt ostenbar den mangelnden Inhalt durch be- wunderungswürdige Regiekünfte schmackhafter machen zu können. Da bewegt sich eine Wendeltreppe aus der Versenkung herauf, der Darsteller, der ins Wasser gestoßen wird, fällt in ein richtiges Bassin und kommt triefend und schlotternd wieder hervor, das Direktions- zimmer des Filmgewaltigen nimmt mit den vielen Borzimmern fast den gesamten Raum der großen Drehbühne ein. Aber alles das kann über die Hohlheit der Dichtung nicht hinwegtäuschen. Fritz v. Unryh hat sich bei seiner Komödie sicherlich etwas gedacht, Max Reinhardt ebenfalls, aber offenbar nicht dasselbe. So kommt ein Sammelsurium von wirren Eindrückest zustande, in dem sich kein Mensch zurechtfindet. Man hat den Eindruck, Reinhardt hat die Aufgabe gereizt, aus einem unausführbaren Manuskript eine publikumswirksam« Aufführung zu gestalten, und sich so in die Aus- „Die Berfasier des eben gesehenen ersten Aktes sind SpV. und Zentrum. Oie Steilen, die Ihnen nicht gefallen hoben, sind von der SPD."_ Winzer marschieren auf. Kundgebung gegen die bayrische Regierung. Das pfälzische Amtsgericht Germersheim hatte gegen mehrere tausend Winzer, die entgegen den gesetzlichen Vorschriften ameri» konische Hybridentrauben angepflanzt haben, Strafbefehl erlassen. Als Protest gegen diese Maßnahme veranstalteten die Winzer einen Umzug, der in erster Linie gegen das Be- zirtsamt Germersheim gerichtet war und zeitweise so bedrohlicheFormen annahm, daß die Behörden sich zu einem starken Polizeiaufgebot oeranlaßt sahen. Als der zuständige Land- wirtschaftsreserent der pfälzischen Kreisregierung in Speyer erklärte, daß die Regierung keinerlei Konzessionen machen könne, ohne in München Rückfrage gehalten zu haben, wurde an den bayerischen Landwittschaftsminister folgendes Telegramm gerichtet: ,J>ie Lag« in Germersheim so: 5000 Hybridenbauern stehen gegen Gendarmerie mit karablnyn in den Straßen gegenüber. Be- ruhigende Antwort von München noch nicht eingetroffen. Die erregten Bauern wollen nicht eher abziehen, bis Ant- wort aus München vorliegt." Man ist schließlich dennoch abgezogen, ohne daß die befriedigende Antwort aus München vorlag und will in diesen Tagen eine neu« Demonstration veranstalten._ Magistrat für neue Autotaxe. In seiner heutigen Sitzung beschäftigte sich der Berliner Magistrat mit dem Borschlag des Polizeipräsilenten über die Erhöhung des Droschken tarifs. Der neue Tarif soll be. kenntlich eine Erhöhung von 20 Pf. für jede Fahrt bringen, ohne Rücksicht aus die Fahrtlängc. Nachdem die städtische Verkehrs» deputotion dem Borschlage des Polizeipräsidenten bereits zugestimmt hat, erklärte sich heute auch der Magistrat mit der Neuregelung ein- verstanden. Di« neu« Autotaxe wird daher schon in kürzester Zeit in Kraft treten. gäbe verbissen, daß ihm der Ueberblick über die Inszenierung verloren- gegangen ist. Bühnenzurichtungen, eine Parade glänzender Dar- steller von Namen und Können schasfens allein nicht. Es muß auch ein« Substanz da sein. In den Leitsätzen für die ideale Gestaltung eines Filmwerks, die der Filmdirektor im zweiten Akt ausposaunt, heißt das erste Gebot: Du sollst nicht langweilen. An dieser Stelle ertönen aus dem Zuschauerraum, der mit Befremden die Entwicklung des Spiels verfolgt hgtte, zustimmend« Rufe. Man war eben ehrlich gelangweilt. Mehr als drei Dutzend Darsteller bemühen sich um das monströse Werk. Eduard v. Winter st ein, Tibor v. Halmay, Hubert v. Meyerinck spielen forsche preußische Offiziere und Michael Tschechoff einen rufsrschen Prinzen, der ewig be- trunken lallt. Harald Paulsen ist der vergewaltigte Film- dichter dessen Menschheitsbeglückungsideen nicht durchdringen. Er ist«in wenig gehetztes Wild, ein aufgepeitschtes Nervenbündel, ein armer Idealist, der sich weder in der Welt des Films noch im Leben zurechtfindet. Heinrich George verleiht dem Film- gewaltigen geheimnisvoll« sadistische Züge. Wenn er bei der Eni- deckung eines neuen Filmstars, mit einer riesenhaften Lins« be- waffnct, die Körperformen seines Opfers untersucht, so denken wir eher an einen Wahnsinnigen als an einen Filmdirektor. Kurt Gerron hat als Oberrcgisseur der Filmgesellschaft die mysteriösen Anordnungen seines Direktors In die WirNichkeit umzusetzen. Er tut das mit resignierter Energie und großem Stimmaufwand. Das Erlebnis des Abends ist Grete Mosheim, das Flittchen, das der Zufall ins Atelier geweht hat. und das nun zum Filmstar dressiert werden soll. Sie ist eine kesse Berlinerin mir dem Aeußeren nach, im Innern entwickelt sich die menschliche Wärm« eines unberührten Wesens, das sich nach wahrer Liebe sehnt und im Filmautor die Erfüllung ihrer geheimsten Sehnsüchte sieht. xHhre Liebeserklärung atmet einen zauberhaften Dust von Hingebung, der unvergeßlich bleibt. Der frenetische Beifall, der am Schluß des endlosen Abends ertönte, galt vor allem Grete Mosheim. Sie wurde immer wieder vor die Rampe gerufen. Mit ihr erschienen Max Reinhardt und auch Fritz v. Unruh, der einst die Hosfming einer neuen Dramatik gewesen war. Lnist Degner. ♦ Ueber die Musik zu„Phaea" schreibt unser Wusikreferenl: Di« Musik zu„Phaea" hat Friedrich Holländer geschrieben. Die besten Stuck« daraus erscheinen pünktlich am Tage der Urauf- führung auf Schallplatten bei Electrola. Grete Mosheim singt. vom Komponisten am Flügel begleitet, zwei Lieder. Ein bißchen konventionell, das«ine, das Lied von der„kleinen Sehnsucht", die der Mensch bekanntlich haben muß: durch einen glücklichen Einsall ansprechend, ein wenig im Stil einer volkstümlichen Ballade, das andere:„In Sankt Pauli bei Altona." Die musitalische Schau- spielerin singt das in dem ihr eigenen sachlich-nüchternen Gefühls- ton, durch den ihre Stimme persönlich überzeugenden Ausdruck er- lMt. Und Holländer bringt mit seinen„Iazzsinfontkern", wie diese Orchesterchen sich heute nennen, dieselben Lieder und noch ein paar andere dazu, als instrumentale Tanznummern: die üblichen Formen und Rhythmen— Foxtrot, Slowfox, Tango— von einem Musiker lsetreut, der das Metier kennt und sicher beherrscht. Eine wesenuich« Bereicherung des Repertoires bedeuten diese Sachen wohl nicht, sie haben ihren Ort auf der Bühne: aber für die Besucher des Deutschen Theaters werden die Platten gewiß eine freundliche Erinnerung bilden. X.?. Fridtjof Nansens Ableben. Aus Oslo wird geschrieben: Das Ableben Fridtjof Nansens ist ganz unerwartet erfolgt. Der Forscher starb an einer Herzlähmung. Er war eine Zeitlang ernstlich krank gewesen, hatte sich aber bereits wieder recht erholt und konnte das Bett verlassen. Dienstag früh hatte er noch eine Besprechung mit seinem Bruder. Aus Anlaß des Todes des Forschers erschienen all« Zeitungen mit Trauerrand. In den Nachrufen wird der bedeutenden Leistungen Nansens als Wissenschaftler und Polarforscher sowie seiner lebhasten Anteilnahme an internationalen Angelegenheiten, besonders am Völkerbünde, gedacht. Der Storting wird zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreten, der Präsident wird die Gedächtnisrede auf Nansen halten. Ueber die Beisetzung ist noch kein Beschluß gefaßt worden. Staatsminister Mowinckel erklärte einem Vertreter des „Morgenblad" anläßlich des Hinscheidens von Fridtjof Nansen u. a.: Der Name Fridtjof Nansen leuchtet mit eigenem Glanz über die ganze Welt. Seine mutige Fahrt über Grönland und das Polar- meer machte ihn zu einem Helden der Jugend aller Länder, seine Arbeit für Frieden, Versöhnung und Verständnis zwischen den Völ> kern zu einem Bannerführer für alle, die an eine neue und bester« Zeit glauben. Seine unermüdliche Arbeit für die Unglücklichen des Krieges, sür die Gefangenen, für die Hungernden, für die Land- flüchtigen machte ihn zu einem Apostel der Liebe zwischen den Menschen. Norwegen hat seinen besten Sohn, die Welt e-nen guten Bürger verloren." * Der Reichspräsident hat dem norwegischen König ein Beileids- rclegramm gesandt._ Neueste Vilderfälschung. Aus Paris wird gemeldet: Die Serie der französischen Bilder- fchschüngen hat sich um einen neuen Skandal bereichert. Die neueste Affäre betrifft die deutsche Baronin Edmond v. Landauer aus Hannover, die ein angeblich von Tiepolo stammendes Gemälde „Ehnstu- und die Ehebrecherin" zu verkauft, hatte. Sie fand bei ihrem Frühjahrsaufenthalt in Nizza in der Person des amerikani- schen Obersten Sayer einen Käufer, der einen Preis von IM Millionen Franken für das Bild anzulegen bereit war. Als das Ge- mälde aber in Nizza eintraf, tonnte man unschwer feststellen, daß es sich um eine höchst minderwernge Kopie handelte. Der ge- prellte Oberst reichte sofort Nage ein. Die Baronin beteuerte ihre Unschuld und versicherte, daß das Gemälde von dem bekannten han- noverschen jHinstsammler Oppermann zusammen mit einigen Rembrandts, van Dyks, Poufsins gekauft worden sei. Ihre Aus- sagen fanden bei der Polizei um so wen'ger Glauben, als ihr Gatte vor zw« Iahren schon in Paris wegen ähnlicher Bilderschwindeleien zu 8 Monaten Gefängnis mit Strafaufschub verurteilt worden war. Die»GeseUschast der Kunstfreunde�. Prof. Max Liebermann, der Präsident der Preußischen Akademie der Künste, hat jetzt einen lange gehegten Plan verwirk- lichen können: die auf seine Anregung gegründete„Gesellschaft der Kunstfreunde zu Berlin" ist eben amtsgerlchtlich ein- getragen worden. Die Gesellschaft, die mit Liebermann als erstem Vorsitzenden die deutsche Kunst unserer Zeit fördern und für die ma- tcrielle und ideelle Not des Künstlerstandes nach Möglichkeit Abhilfe schaffen will, stellt sich eine vielfache Aufgab«. Sie erwirbt Kunst- werke und stellt st« zum Selbstkostenpreis ihren Mitgliedern zum Ankauf zur Verfügung. Dann leiht sie Kunstwerke an Museen. Ausstellungen und Veranstaltungen von Kunstvereinen, und auf Beschluß ihres Vorstandes können ihre Erwerbungen unter den Mit- gliedern verlost werden. Aber die Gesellschaft wird in späterer Zeit auch Kunstwerke, die sie erworben hat, wieder verkaufen können, und erzielt sie dabei mehr als ihren Einkaufspreis, so soll die Hälfte den Schöpfern der Werke oder ihren nächsten Abkömmlingen zu» kommen— also ein erster Anfang des bei den Urheberrechts- beratungen soviel berufenen Nachfolgerechtes. Noch ehe sie ihre fachliche Arbeit begann, hat sich die Gesellschaft einen Mitglieder- stand von übbr 60 verschafft: der Jahresbeitrag beträgt mindesten« 300 Mk. Im Vorstände sind neben Max Liebermann: von Kühl- mann als stellvertretender Vorsitzender. Prof. Dr. Alexander Amers- dorffer, der Erste Ständige Sekretär de Akademie, al» Schriftführer, and Bankier Hugo Simon als Schatzmeister. Tagur a's Maler. In Paris wird gegenwärtig eine Ausstellung von Bildern des berühmten indischen Dichters Rabindranath Tagur gezeigt. Es ist interessant, zu erfahren, daß Tagur erst seit zwei Jahren malerisch gestaltet, und daß er begonnen hat wie moderne Konstruk- tivisten, indem er sich nur in Linien und Farben ausdrückt. Die augenblicklich gezeigten Arbeiten find farbige Tuschzeichnungen, meist Tiere und menschliche Figuren. Für die Landschaft zeigt Tagur kein Interesse. Zuerst wurde— auch das ist beachtenswert— auf seine malerischen Arbeiten in Japan aufmerksam gemacht, als er dort vor einem Jahre weilte. Er hatte seine Bilder einigen hervorragenden japanischen Malern gezeigt, und diese Maler zollten den Bildern l die höchste Bewunderung und bewogen Tagur, der sich nicht an die Oeffentlichkeit getrauen wollte, die Bilder einem weiteren Kreise zugänglich zu machen Auch die Pariser Ausstellung hat er bisher nur einem engeren Kreise von Künstlern und Freunden gezeigt. Dennoch hat sie die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit wachgerufen. Ein sonderbares Rundfunkgerät. Bei einem Gcräiewetibewerb in dem westaustralischen Orte Perth erhielt ein höchst origineller Apparat den ersten Preis, der mit dem sondcrbaren Nomen „Bierödyn" eingereicht war. Eine gewöhnliche Bierflasche w r gleichzei.ig als Frontplatte, Grundplatt« und Spnlenha'ter benutzt worden. Mit diesem Empfänger und einem Paar Kop hö« konnte man den Ortssender außergewöhnlich gut empfangen. Li« Itovembergru-'pe onanstnllel vom 2S. Mai bis 20 Juni eines Uhr in den„Zltlantiksälen", Behmstr. S(am Bahnhof Gesundbrunnen). Rezitationen: Ge- nossin Martha John. Filmvorführung:„Giftgas". Ansprachen: Genossin Köche Kern, Genossin Else Michaelis, AfA-Bund. Un- koftenbeitrag 30 Pf. 4. KreiS Prenzlauer Verg. Sonntag, den 25. Mai, 11 Uhr vormittags. Frouenkundgebung im„Elysium", Danziger Str. 65, Eingang Prenzlauer Alle« 56. Filmvorführung:„Giftgas". Clternchor der weltlichen Schule. Ansprachen: Genossin Clara Bohm-Schuch, M. d. R., Genossin Emma Ritsche, ADGB. Unkostenbeitrag 30 Pf. 3. Kreis Friedrichshain. Sonntag, den 25. Mai, 10 Uhr vor- mittags. Comenius-Lichtspiele, Memeler Str. 67. Filmvor- führung:„Giftgas". Zlnsprachen: Genossin Köche Kern, Ge- nossin Frida Gladosch, ADGB. 6. Kreis Kreuzberg. Montag, den 19. Mai, um 19� Uhr, bei Rabe, Fichtestraße. Filmvorführung:„Giftgas". Ansprachen: Genossin Dr. Käthe Frankenthal und Gertrud Ellert, AsA-Bund. 7. Kreis Charlottenburg. Donnerstag, den 22. Mai, um 1954 Uhr, in„Ahlerts Festsälen", Berliner Straße. Filmvor- führung:„Die Wunder Asiens". Ansprachen: Genossin Mari« Kunert, M. d. R., Genossin Gertrud Ellert, AfA-Bund. 8. Kreis Spandau. Sonnabend, den 31. Mai, um 19 Uhr, auf der Freilichtbühne auf dem Zitadellengelände, Spandau, Ber- liner Chaussee. Feierstunde. Filmvorführung:„Die Mutter". Rezitationen: Genossin Margarethe Merrbach. Chöre, ge- sungen von den Sängern des Vereins„Typographia". An- sprachen: Genossin Gabriele Prost, Rationalrätin aus Wien, Genossin Marie Weber, ADGB. i>. Kreis Wilmersdorf. Mittwoch, den 21. Mai. um 20 Uhr im„Diktoriagarten", Wilhelmsaue 114/115. Politische Kund- gebung. Referenttn: Genossin Clara Bohm-Schuch, M. d. R. It. Kreis Schöueberg. Mittwoch, den 28. Mai. um 20 Uhr, in der„Chamissoschule", Barbarossaplag. Filmvorführung:„Ohne Auto durch Afrika". Ansprachen: Genossin Marie Kunert. M. d. R.. Genossin Frida Licht. AfA-Bund. 14. Kreis Neukölln. Dienstag, den 20. Mai, um 19)4 Uhr. im „Saalbau", Bergstr. 147. Filmvorführung:„Giftgas". Ansprachen: Genossin Clara Bohm-Schuch, M. d. R., Genossin Frida Licht, AfA-Bund. 13. Kreis Treptow. Montag, den 26. Mai, um 14 Uhr. Aus- flug noch dem Wendenschloß mit den Kindersreunden und der SAJ. Ansprachen: Genossin Lisa Alb recht, Genossin Else Krummschmidt. ADGB. Erwerbstättge Genossinnen können später teilnehmen. 1K. Kreis Köpenick. Dienstag, den 27. Mai, um 20 Uhr, im großen Saal des Stadttheaters am WAHeimplag. Filmvor- sühnmg:„Streifzüge durch Frankreich". Ansprachen: Genossin Paulo Kurgaß. eGnofsin Emma Ritsche, ADGB. 17. Kreis Lichtenberg. Mittwoch, den 21. Mai, um 14 Uhr. Treffen in Kaulsdorf-Sud, Lokal„Sanssouci".. Um 18 Uhr in der«Schule Kaulsd orf Filmvorführung:„Giftgas". Ansprach«: Gertrud channa, M. d. L. IS. Kreis Pankow. Donnerstag, den 22. Mai, um 19)4 Uhr, in „Linders Konzerthaus", Breite Str. 34. Filmvorführungen: 1.„Erwachendes Aegypten", 2.„Streifzüge durch Frankreich". Ansprachen: Genossin Hertha Gottheft, Genossin Carola Wedl, ADGB. Rätsel um den Mörder von Ratibor. Sin seit langem gesuchter Raubmörder. Troppau(Mähren), 14. Mai. Der in Rattbor wegen Mordes verhaftete Leopold Paus- n e r aus Komein bei Brünn ist ein äußerst gefährlicher Raubmörder, der von den tschechoslowakischen Behörden seil langem ge- sucht wird. Pausner hatte 1918 in Komein den Gendarmerieober- Wachtmeister Mazurek ermordet, gegen den er vom Militär her einen Groll hegte. Außerdem hat er sich noch eines Raububersalles schuldig gemacht. Pausncr wurde 1919 vom Brünner Schwur- gericht zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Nach teilweiser Berbußung der Haft täuschte er Geisteskrankheit vor und wurde in die mährische Landcsirrenonstalt nach Sternbcrg über- geführt, aus der er am 15. Januar dieses Jahres flüchtete. Seitdem wird er von den tschechoslowakischen Sicherheitsbehörden gesucht. Am 1. Mai verlautete, daß Pausner sich in den Wäldern bei Brünn umhertreibe, und es wurde ein großes Gendarmerie- und Polizeiaufgebot in Bewegung gesetzt, um Pausners wieder habhaft zu werden. Jetzt kommt die Meldung, daß Pausner auch in R a t i b o r des Mordes verdächtigt wird und dort verhaftet worden ist. Wenn sich diese Meidung bestätigt, wäre es ausgeschlossen, daß Pausner auch die Düsseldorfer Morde aus dem Ge- wissen hat, da diese vor seiner Flucht aus der Irrenanstalt verübt worden, sind. Leichenteile bei München gefunden. Im Garchinger Mühlbach in der Nähe von München wurde ein rechter Fuß gefunden, der im Sprunggelenk abge- trennt war. Nach dem Gutachten eines Arztes Handell es sich um di« absichtliche Zerstückelung einer Leiche. Beim weiteren Absuchen entdeckt« man noch ein abgestreiftes gut erhaltenes Stück fiberhaut eines menschlichen linken Fußes, an dem zum Teil noch die Zehen hingen. Die beiden Fußtelle gehören lchn« Zweifel zusammen. Nach den vorgenommenen Messungen dürsten die Reste von einem jugendlichen Menschen stammen. Der ganze Fuß macht nach seinetn Entwicklungszustand einen kräftigen Eindruck. Man kann schätzen, daß der Mensch etwa 1,40 bis 1,45 Meter groß toai und Schuhe von der Größe 31 bis 33 ge- tragen hat. Ob es sich um einen Knaben oder ein Mädchen han- delt, läßt sich nicht sagen. Da die Leichenteile' etwa 6 Wochen im Wasser gelegen haben, so muß die betreffende Person auch seit so langer Zeit vermißt sein. Lniernaiionaler Bergarbeiterkongreß. Kohlendumping und Rationalisierung.- Krakau, 14. Mai.(Eigenbericht.) Am Montag wurde im Krakauer Rathaus der Internationale Bergarbeitenkongreß eröffnet. Z u l a w f k i, der Generaftekretär des Polnischen Gewerkschastsbundcs, S t a n c z y k, der Borsitzend« des«Polnischen Bergarbeiterverbandes, sowie der Bürgermeister von Krakau begrüßten oen Kongreß. Verkreten sind auf dem Kongreß 12 Länder. Bis jetzt sind 150 Delegierte anwesend: 50 davon stammen aus England, 2 0 aus Deutschland, 12 aus Frankreich und 10 aus Belgien. Dejordin, der Präsident der Bergarbeiterinternationale, schilderte in seiner Eröffnungsansprache den bisherigen Kampf der Bergarbeiter um eine soziale Lösung des internationalen Kohlen- Problems. Er betonte, daß da, Berttvuen. d« Me Bergardeder d» dl« Unparteilichkeit des Internationalen Arbeitsamtes gesetzt hätten. g-rechtsertigt worden sei. Der Völkerbund, besten Wirtschaftsabtei« long sich mit den Arbeiterorganisattotten nicht in Berbindung setzen wolle, habe sich wenigstens dazu bequemen müssen, die Arbeitervcr- ireter als ebenso berechttgt wie die Unternehmer- und Regierungs- delegierten zu den Berhandlungen zuzulassen. Man könne hier wenigstens von einem moralischen Erfolg der Bergorbeiter sprechen. Der Besserung der Wirtschaftslog« auf dem Kohlenmarkt sei nuinnehr eine neue Krisenperiode ge- folgt. Die Bergarbeiter müßten daher nun erst recht ihre Anstren- gungen zur Bekämpfung des inlernalionalen Kahlendumpwgs. das auf ihre Kosten durchgefochten werde, verdoppeln. Mit einem Wort des Gedenkens über die Opfer der vielen Grubenkatastrophen der letzten Zeit schloß Dejordin. Das Unglück auf der Konkordlagrube wurde in der Dienstagsitzung bekannt. Zum Zeichen der Trauer erhoben sich die Kongreßteilnehmer von den Plätzen, weiter wurde die Absendung eines Beileidstelegramms an die Hinterbliebenen, der Bergwerkskatastrophe beschlossen. Der Kongreß begann hieraus die Beratungen des Berichts des deutschen Delegierten B e r g e r über die Rationalisierung im Berg. bau. In der Diskussion kritisierten sämtliche Redner den gegen. wärttgen Stand des Rationolisicrungsprozesies im Bergbau: sie wiesen übereinstimmend darauf hin, daß durch die Rationalisierung nur«ine Intensivierung der Produktion erreicht werde. Die Lage der Arbeiter werde dadurch erschwert; einerseits wurden die S i ch e r» h-itsoerhältnisf« verschlechtert, andererseits führe die Einschränkung der Produktion zu einer Bergrößerung der Arbeitslosigkeit. Die Rationalisierungsfrage wurde schließlich aus Antrag des englischen Delegierten Cook einem Sonderausschuß der Berg- arbeiterinternationale überwiesen. Wetter für verlin: Größtenteils bewölkt mit Regenföllen und wenig veränderten Temperaturen. Für Deutschland: Ziemlich trübe und regnerisch bei geringer Tcmperaturänderung. Mittwoch, 14. Mal Berlin. 16.45 Was Jeder vom Sport vrtssen maß. 17.00 Jugendstunde. Der Trühling im Liede. 17.25 Bolz: Der gelernte Arbeiter in der Berti gindastrie. 17.50 Dr. B. Diebold: Provinztheatcr und Berlin. 18.15 Violinvorträge.(Boris Bcliciant. Am Flügel: Alice Jacob-Loevenson.) 18.55 Das Interview der Woche. 19.00' Mandolincnorchestcr-Konzert. 19.55 Vom Arbeitsmarkt. 20.00..Konkurssachc Wurmbach." Hörspiel von Aoditof. Regie: Max Bing. 21.00 Uraufführung: Drei Chorvokaliscn für drei Solostimmen, gemischten Chor und fünf Saxophone von Wladimir Vogel. 21.20 1. Haydn: Streichquartett, op. 74, Nr. 3.— 2. Mozart; Streichquartett F-Dur K. V. 590.(Rostal-Ouartctt.) 22.30 Dr. F. Anders: Kartenspiele. Nach den Abcndmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. K ö n lg sv usterhauscif. i6.00 Rektor H. Wille; Dpr. Wandertag uiftT die neue Tier- und Pflanzen� schutzverordnunsr. 16.30" Nachmittagskonzert vmT Hamburg, 17.30 August Halm-Feier. 17.55 Genossenschaftliche Selbsthilfe durch die Cdcka.(Dr. Fritz Bormann, M. d. R.) 18.20 W. C. Goraoll: Dome an abseitigen Straßen, 18.40 Spanisch für Anfänger. 19.05 Prof. Dr. Kröß: 10 Jahre Völkerbund. 19.30 Wilhelm Flügel: Das Bcrufsbcamtentnm in der Rcichsverfassung. 20.00 Von München: Bunter Abend. Berantwortl. füc die Rrbaktion:«olfgaug Schwaß Bckrlw; Anzeigen: Tb- Slocke. Berlin. Verlag: VorVärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: VorVärts Buch. bruckerei und Verlassanftalt Paul Singer in Co., Berlin SW 68, Linbenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. 1 TUealet. Liclilspiele usro.| Tägl. g u.S'/j Uhr. Ü 3 Bar«. 9256 Pr. 1-6 M Woehentg. 5 U. 60 Pf.-3 M. Oscar Sana u. Lotta Ulerhnieistar In der Szene Belm B-Tage-Rennan Rlgoletto Brothers A Swanson SUters und 8 internation. Neuheiten. plAza Tägl. S u. 815 Sonnl. 2..S11.6" Ale*. E 4, 8066 Tägl. 8.15 u-d Sonntags 5Uhr naclim. EroDß internationale Rinokifinpfe ned e sltlassic« Varle'e-Meunelien. Wochem. 5 Uhr u Sonnt 2 U. nachm. lOVarl le-Allrakilonen ohne Rtnqsample Großes Schauspielhaus 8 Ubr Nur im Mai Die lustige Witwe Regie: Erik Charell Letzte Woche I TlhX&Hßhßii- dißTdnzßhiru Große Operette in 3 Akten. VeduoL 8.1 i. jideii Sonnt 5.15 L 9 Ohr Voranzeige: Ab 18. Mai „SennyUeigt empor" ÜrauffOhrung von H. A. Kiiin (Autor von„Meiseken") 0 17. firoß« Franktarler Str. 132. BlIlcttKasse: Alex. 3422 u. 3494 Volksbühne Theater in BOlowplati. SVt Uhr Rost von Kirchon und Ouspensky Regie: Mier Stark Staatsoper AmPl.d. Republik 8 Uhr Hast Mliog StaatLSiiller-Th. 8 Uhr O'wiiseßsworni Deotsdies Ibeater D 2 Weldendamn 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Rege Ma* Reinhardt Muik: Friadridi HoilaiHter. Kammersplele D 2 Weidnilaniin 5201 SVt Uhr Die liebe Feindin RmdSiü« tos A. P. Antfliu R15U: GutifGrfladq«« Die Komödie II Bismck.2414/7SI6 SV. Uhr Soll man heiraten! taädie nuBermnlSliaw Sitoisdu Bariditng: Karl Heinz Martin M\i\ d. Westeos Täglich 8'/, Uhr: Sonntag auch ♦ Uhr Das Land des LAehelos von Franz Lehar. Direktion Dr. Robert Klein Deotsclies Kflnsller-The»! Barbarossa 3937 SVs Uhr Sex Appeal Unh;. r. Frtdtnk londili Rijis: Fontir Urhugl Uheit Bassennaoo. UadT timstlans Berlioer Theater Dönhoff 170 SV. Uhr Dar TBulelsschoier! Komödie v Bernard Shaw Regie: Hefnz Hilpert. Operettenhaus Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral-Theaicr) Dönh. 2047 Täglich 8V, Uhr Totentanz von Aug. Strindberg Rundfunkhörer halha Preise. Lessiog•Ttieater Wtidailuin 2197 g.OIIS Täglich 8V, Uhr: Frau Peters tut einen fieiieöten v. Louis Verneuil mit Erike von Mlmano Louis teraeuil Theater am Sdiinhauerßamm Sommerspielzeiil Heute SV« Uhr Ura uffOh run g Tratsch Komödie v Coward PaudlcrtSchwcikart Norden 5813, 0281 »>W Direktion: Dr. Martin Zickel WWW Komische Oper Fritdricbstr.104. Merkur 1401/4330. Täglich 8'/, Uhr Majestät lässl bitten Musik von Walter Kollo. Lustspielhaus Friedhchstr. 236. Bergmann 2922/23. 8 Vi Uhr. Geschäft mit Amerika. Vorverkauf In beiden HSusern ab 10 Uhr ununterbrochen. flieaterl. d. Behrenstr. 53-54 9 Uhr A4 Zentrum 926-927 9 Uhr plrekHon Ralph Arihnr Roberts Vögel, die am Morgen singen! Komödie in 3 Akten von Lonsdale. »./.uhr CASINOTHEATER Loihriatfer Strafte 97. Die Berliner Posse Rentier Mudicke und das Riesen-Variete-Piogramin. Billig! Bliligl Sommcrpreisc i 50 Pfg. Mark 1.50 Mark Sonnabend u. Sonntag kleiner Aufschlag Reichshallen-Theater Allabendlich[T] Uhr Sietfiner Sauger „Eine Hochzeit in de MQIIerstraBe" TiL Zntr. 112 63, i. Säuleo-Plat. Dönhoff- Brettl: VarleK— Konzert— Tanz Donnerstag, den 15. Mai nadcmlttags 3 nur Ernst Phllippbaar Gegründet 1885 Gardinen Dekorationen Polslentiöbel Gedfcge», dock prelsverf kosenthaler Strafte 40-41 ZOOLOGISCHER OARTEK iHisiiiiiiiiiiiiiaaliiiiiiiiiiiiiiiMf im iiiiiiii im in uif iiiiii iSaitoneröffnung Mittwoch, 1 4. Mai �Ballettmeister Max Terpls von der' ) Berliner Staatsoper mitsemer Ballett- 1 Mruppe eröffnet 5 Uhr nachmittags< | mit Tanzvorführungon die Tanz-' platze im Freien. i Ab 4 Uhr: Grosses Konzert Abends: Festbeleuchtung j Leitung d. Programms: Karl Weiss. Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich S'h Uhr Groöeo Erfolges wegen verlängert Gastspiel Gisela Werbezirk in ieyer's sei. Witwe Schwank von Fritz Friiiliiiun-FritlridL Dir. Dr. Kirtio Zickel Komische opor Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8V3 Uhr Majestät läßt bitten... Musik von Walter Solle. Lustspislbaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23 Täglich 8Vj Uhr Gescbällmll AmerlKa Lustspiel von Frank und Hirschfeld Resideiz-ThDater Tägl. 8V, Uhr Der Herzog and die Sünderin BantDvsky-BBluien Tbeatir In dtr»resmamittr. (frlinragiggrilarStr.) Täglich 8V. Uhr Napoleon greift ein toi Walter Basnclner Komödienhaus Täglich Pk Uhr: Meine Sdiwester und idi MiBlkv.Raftli Beoalzk; ThnL a. RotiD.Tor Kottb. Str. 6 Tägl» Uhr Elite- Sauger. Uli- Festspiele Suselli oliriiigtMlaist» Voi Zeiger dieses Inserats Voizugs- preise. Trianon-Jlieatpr Täglich SV» Uhr Ein galantes Abentener! Netropol-Th. Täglich 8V. Uhr Dei BellelstuM tarela, SitOhiKlorf. Elsner, Lidrteinteia L-]uergens Alexander platz Neue Königslr. strumpie wasche Gardinen Rauiliaiis Emil Moses liadd. Birkeostr.29(Edte Pollitzstr.) föeftloge Mittwoch, 14. Mai 1930 SivMipnd StüUaukaaße jld l�uhxcö Die Legion derVerdjammten Hundert Jahre Fremdenlegion— Erlebnisse eines Amerikaners Ich begreife, warum die Franzosen so oft von der Legion fite von einer Hölle sprechen. D o t y. Wenn gelegentlich in deutschen Blättern zu lesen steht, dah in diesem Jahre die französische Fremdenlegion chren hundertsten Geburtstag feiere, so verlegen sie irrtümkch die Gründung der Truppe in das Jahr, in dem die Eroberung Algeriens durch die Franzosen begann. In Wirklichkeit kann die Legion erst im kommenden Jahr ihr„Jubiläum* abhalten, denn am S. März 1831 ermächtigt« ein Gesetz die Regierung Ludwig Philipps zur Ausstellung von sieben Bataillonen, die au« Nichtsranzosen bestehen ilnd nur außerhalb des französischen Mutterlandes verwendet werden sollten. Seitdem hat die Gliederung und Uniforniierung der Jreindenlegion niannigfach gewechselt, im Wesen ist sie geblieben, was sie von Anfang an war: das große Reservoir, in das unsere faul« Zivilisation ihr« brüchigen Teile speit und aus dem der fran- zösische Koloniolimperialisinus sein Kaiwnensutter schöpft. Aber keineswegs suchen nur Menschen, die mit den Gesetzen ihres Vater- landes in Widerstreit geraten sind, hier Unterschlupf: der erfolgreichste Werber für die Legion ist die soziale Rot, der Hunger derer, für die die kapitalistisch« Orb- nung, obwohl si« über kräftige Arm« verfügen, weder Arbeit noch Brot hat. Junge Männer, die, wie der Amerikaner Bennet I. Doty, «ms Liebeskummer, Weltschmerz, Abenteuerlust oder irgendeinem agieren seelischen Mankogesühl in die Legion geraten, sind weit seltener. Dieser Sohn einer sogenannten guten Familie nahm schon als sechzehnjähriger Freiwilliger an d«n Schlachten der Amerikaner auf französischem Boden teil, studiert« danach in der Heimat vier Jahr« Literaturgeschichte und Nationalökonomie, saß in einem Kon- 0 tor, ober das unruhige Blut trieb ihn in die weit« Weit, als Hand- langer auf Seeschiften, als Matrose, und eines Tages, als Abd el Krim mit seinen Kämpfen gegen die Franzosen in Marokko in aller Munde war, klopste Doty an die Tür des Rekrutierungsbüros in Bordeaux.„Sie wünschen, mein Herr?*„In die Fremden- legion einzutreten*„Schön!* Was d«r Amerikaner von di«s«n Augenblick bis zur Stund« seiner Rückkehr ins Boterlond erlebt hat, schildert er in dem Buch „Die Legion der Verdammten*, das auf Englisch und Französisch herausgekommen ist und wohl eines Tages auch deutsch erscheinen wird. Freilich ist es keine Tendenzschrift gegen die Fremdenlegion, sondern ein Crlebnisbuch, männlich, sachlich, ohne Heulmeierei und Moralinsäur«, dafür nicht ohne sportliche Freude an militärischem Schneid, so daß einige Stimmen in Frankreich sogar ei»« Verteidigung der Legion darin erblicken wollten. Aber man braucht nicht zwischen den Zeilen zu lesen, um zu gewahren, daß, mit Freimut und Wahrheitslieb« geschrieben, das Buch etwas ganz anderes ist. Als Doty am 18. Jum 1925 eingestellt wird, ist die Legion, auf ihre national« Zusammensetzung hin angesehen, noch immer das bunte Gemisch, das sie stets war: Polen, Italiener, Oest«rreicher, Ungarn, Belgier, Luxemburger, Russen, Griechen, Spamer, Araber, Reger, Deuftche, ja, vor allem Deutsche stehen mit Gilbert Clair, wie er sich jetzt schamhaft nennt, in Reih und Glied auf dem Kasernenhos des 1. Fremdenregiments zu Saida. Er macht die wahrhaft schrecklich« Dressur der Legion durch: Di« Bewegungen sind dieselben wie in jeder anderen Armee» �iber in der Legion verlangt man ein« viel gmauere Exaktheit *in der Ausführung als irgendwo anders. Der Vorgesetzte ist in diesem Punkt van einem unerbittlickien Fanatismus. Eine Be- wegung muß klappen, und dieses Klappen ist«in gerade noch physisch erreichbares Ideal. Ilm seinen Zweck zu erreichen, wird ein Sergeant der Legion im Notfall tausendmal dieselbe Bewegung wiederholen lassen. Der Rekrut sängt immer von neuem an, bis es ihm vor den Augen flimmert, bis er vor Erschöpfung zusammenzubrechen droht; ganz gleich! llnter dem unbarmherziAen Blick des Sergeanten, im Crescendo seiner An. schnauzereien, wiederholt er die Bewegung, bis sie klappt. Das Exerzieren, das mit dem„Frühstück der Legion*, «ine Stunde Laufschritt, unterbrochen durch Atemübungen, beginnt, dauert von bis 9% und von 1414 bis 17 Uhr; dazwischen liegt Jnnendienst, Essen und Mittagsruh«, die in der heißen Jahreszeit unbedingte Notwendigkeit ist. Auch auf der Stube, deren jede 28 Betten zählt, ist der Legionär von Gefahren umlauert. Wehe, wenn sie nicht bis ins letzt« Eckchen peinlichst sauber gekehrt und ge- scheuert ist! Wehe, wenn der rechtwinklige Aufbau aller Uniform- und Ausrüstungsstücke über dem Bett, Paquetag« genannt, dem prüfenden Blick des Sergeanten mißfällt! Eine Handbewegung fegt das ganze auf die Erde, alles purzelt durcheinander, und mit zu- sammengelnssenen Zähnen beginnt der Legionär den mühselig kunst- vollen Aufbau abermals, und mancher, der bei der Gelegenheit fein Temperament nicht zügeln konnte, hat Zeit, f ü»t f lange Jahre in einer Gefängniszelle über die Folgen einer mangelhaft ausgerichteten Poquetoge nachzusinnen. Wer dabei er- tappt wird, daß er nicht gereinigte Sachen in die Paquetag« gestopft bat. für den fetzt es acht Tqge„pälote* oder Strafererzisren: t ä g- lich neun Stunden ordmrnosmäßigen Marsches rund um; den Kasernenhof im Tormber einen Tandsack von sechzig Pfund, machen auch den Widersvenstiglten mürbe. Ab«'' lo eisern. so barbarisch, so mörderisch dt« Disziplin ist. körperl'ch« M'ßhand- lungen kennt die Legion nicht: es stimmt mit anderen Bekundungen überein, wenn Doty vermerkt:„Ich habe niemms gesehen und auch niemals von anderen gehört, daß«in Mann geschlagen wurde.* Eines Tages findet sich Gilbert C l o i r in einer neu aufgestellten 29. Kompagnie wieder. Voran die„Clique", die Mullk mit ihren elektrisierenden Märschen— die Legion ist die einzige sran.zösisch« Truppe, d'e neben Trommeln»nd Clairons Querpseften hat—. geht es zum Bahnhof, Fahrt nach Biserta. Einschiffung nach dem syrischen Ausstandsgebict. Eine erhebliche Streitmacht, Jnsantene. Jäger, Artillerie. Sonegalschützen. Spahls, ein rusiisches Tscherkessenkorps jogar, steht m Syrien, aber wo es hart«if hart geht, wivd. billigstes Kanonenfutter feit jeher, die Legion eingesetzt. Mit schauerlicher Eindringlichkeit schildert Doty die kämpfe gegen die Drusen. Etwas anderes, minder Mechanisiertes, Mittelalterlicheres ist es als der Graben- und Minenkrieg zwischen 1914 und 1918. Di« 29. Kom- pagnie hat nach der Borschrift in der Stepp« um ihr Lager ein« schulterhohe Steinmauer aufgeführt. Gegen diese Brustwehr branden von allen Seiten die drusischen Sturmwellen, ungedeckt, Tausend« und Tausende,„D a Jlla Lahl Da Jllah Sah!* brüllend, ein Emir, von vier großen schwarzen Fahnen umgeben, auf sich bäumendem Vollbluthengst voran. Rollen des Salvenfeuers, Geschnatter der Maschinengewehre, Krachen der Handgranaten, Geschrei, Geschrei— so stundenlang, und ob die Leichenhaufen sich vor dem Lager türmen, die Drusen rennen stets von neuem an. Die Log« der kleinen Trupp« wird bedenklich, Verluste über Verluste, von Minute zu Minute schmilzt ihre Gefechtsstärk« zusammen, als plötzlich aus dem Hintergrund freudige französisch« Clairons er- tönen, und die Eingeborenen in der Flank« gefaßt weiden: �nftatz, durch Flugzeug« herbeigerufen, ist da! In der Dunkelheit geht schreck- liches Schlachten weiter: kein Druse darf lebend entkommen! Die Gefangenen müssen die Leichen, die, der aufsässigen Bevölkerung zum abschreckenden Beftpiel, unbegraben zu verwesen bestimmt sind, zu- sammenschleppen und in Reihen legen. Nach dieser Arbeit werden die Gefangenen an die Mauer gestellt und durch Salvenfeuer erledigt: Es ist ein Ausrottungskrieg ohne Gnade und Barmherzigkeit, den Frankreich, von Europa nicht behelligt, im Jahre 1925 in Syrien führt In diesem Kriege brechen die Landsknechsin stinkt« der Legion ohne Hemmung durch.„Hüten Sie sich vor dem Pinavdl* hat der Stabsarzt bei der Untersuchung wohlwollend zu Doty gesagt: der Pinord ist der nicht gerade an Rotschilds Keller erinnernde Wein, von äem jeder französische Soldat täglich ein« Ration erhält und den im übrigen die Kanttne ausschenkt. Ohne Pinard keine Legion! Wenn der Legionär nicht die Hoffnung liebkoste, ab und zu so viel Alkohol in sich hinein. zuschütten, daß die ganze graue, grause Wirklichkeit oersinkt, wäre die Truppe überhaupt nicht zusammenzuhalten. In der Garnison bei 75 entwerteten Centimes, also 12 Pfennig, Tageslöhnung bedarf es schon der Listen, um zu den nötigen alkoholischen Ausschweifungen zu kommen. Im Felde ist die mobil« Löhnung dreimal höher, und es fehlt selbst im Kampsgebiet nicht an Kantinen und Bordellen in der Nähe des Lagers, aber die Sehnsucht jedes Legionärs ist, durch Plünderung ein solcher Nabob zu werden, daß«r für ein paar Tage Wein und Weiber nach Herzenslust haben kann. Die Legion plündert! Wir wollen uns nicht aufs hohe Pferd setzen; auch im Weltkrieg ging, wo«ne Truppe in Feindesland kam, die im Konfirmanden- Unterricht eingetrichterte Ehrfurcht vor dem siebenten Gebot rascher in die Binsen, als es das offizielle Generalstabswert wahr haben will. Aber bei der Legion ist dos Plündern in kindlich naiver Weif« so ein Zweck des Krieges wie dcremst für die wilden Scharen Till y s oder W a l l« n st ei n s. Ein« Strafexpeditton gegen ein unterworfenes Drusendorf, dos die Steuern oerweigert, steht in Aussicht. Jubelstimmung bei den alten Legionären. Sie wissen, was das heißt: beharrt das Dorf bei seiner Weigerung, wird es angezündet und geplündert, und jeder Legionär gelangt in den Besitz von Hühnern, Ziegen, Hämmeln, wenn es gut geht, auch von Wäsche, Seide, ja, von Kleinodien und Geld. Aber als die Kolonne nach mühsamem Marsch das Pars erreicht, zahlen die Eingeborenen. Greuliches Gefluche in den Reihen der Legion! Dafür leert man nach dem Gefecht den gefallenen Gegnern die Taschen und fördert strahlend Uhren und Geldbörsen zutage: Delaporte ist in einer Kellerecke aus einen verborgenen Schatz gestoßen, Geldstücke und Edelsteine für gut 50X) Franken. Monate hindurch wird er. wo es Gelegenheit gibt, sich königlich betrinken, bis glles. was er nüchtern an einem Morgen gewonnen hat, ver- geudet ist. Ein andermal glückt wirklich eine Strafexpeditton gegen«in störrisches Dorf: Gruppen schlagen mit Kolbenstößen die Türen ein und dringen in die Häuser. Man kami ihre Fortschritte verfolgen, denn man hört, wie Spiegel, Geschirr, Möbel zertrümmert werden. Die Legionäre plündern dos reiche Dorf mit einer Hingab», mit der gewiss« Pompiers das Feuer brennen lasten. Wenn�illcs drunter und drüber geworfen ist, kommen sie heraus, beladen mit Stoften, mit Seidenzeug, mit großen Honigtöxsen und Traubenbroten: sie bringen Edelsteine und Krimskrams mit, Taschenuhren. Stand- uhren, Gott weiß was alles! Und dann auf in die Kantin«! Auf ins Bordell! Aber Doty lernt nach Abflauen der Gesechtstättgkeit in Syrien die Legion auch von ihrer anderen Seit« kennen: wer sich ihr aus- liefert, wird nicht nur als Kanonenfutter rücksichtslos verbraucht. sondern auch als Arbeitstier schamlos ausgebeutet. Zu Bauten im Interesse der Besatzung schleppen die Legionär« in Syrien Steine herbei, morgens Stein«, mittags Sterne, abends Stein«, immer Stein«, Tage, Wochen. Monate.„Wae*, sagt sich der Amerikaner,„vielleicht soll ich noch vier Jahre long wie ein Fellache wie die Sklaven, d'e die Pyramiden gebaul haben. Steine auf dem Recken schleppen?" Der C a s a r d". d«r typische Wahnsinnstaumel der Legion, packt ihn: er deserttert mit drei Gefährten, einem Engländer und zwei Deutschen, in der Hoffnung, durch nächtliche Fußmärsche die meso- potamische Grenze, also britisches Hoheitsgebiet zu erreichen. Aber sie verirren sich, geraten mit Eingeborenen aneinander, schießen einige über den Hausen und werden am Ende, zerlumpt,, verhun- gernd, verdurstend, von Gendarmen ausgegriften. In Ketten nach Damaskus gebracht, stehen sie bald vor einem unerbittlichen Kriegegericht: Urteil: Acht Jahre Zwangsarbeit! Doty, der die Straf« in dem leidlichen Militärgefängnis zu Albert- oill« iy Saooyen antritt, wird hold m das Zimlgesängms noch Clairvaux übergeführt, um bei miserabler, entkräftender Kost in der unbeschränkten Gewott roher korsischer Wärter ein« neu« Hölle durchzumachen. Aber seine Eltern gehören der amerikanischen Ober- schicht an; auf ihr Betreiben legt sich die Washingtoner Regierung ins Zeug: dank diplomatischer Einmischung wird Doty»ach kaum einem Jahr durch den Präsidenten der französischen Republik be» g nadigt. Zweite Gnade: wieder in Algier bei seiner Truppe«in» gerückt,. empfängt er die Nachricht, daß auch seine Dienst ver» pflichtung auf dieselbe Weise gelöst wurde. Er ist srei.�gonz frei, kein Gefangener mehr, kein Legionär mehr, sondern Bürger. Zum Abschied sieht ihn der gefürchtet« Oberst mit seinen kalten blauen Augen etwas sarkastisch an:„Sie haben Schwein, Gilbert Clair, Sie hoben wirklich Schwein!" Aber wie viele, ungezählt viel«, die wie Doty den Legions» kontrakt unterzeichneten, hoben, jeder hohen Protektion entbehrend, keinerlei Schwein! Sie sterben und verderben, und von ihren Mühen und Leiden kündet kein Buch, sondern, wenn's hoch kommt, ein simples Holzkreuz in Algier, in Tunis, in Marokko, in Tonting, auf Madagaskar, in Syrien oder sonstwo in heißer Sowie. Hermann Wendel. Der Bericht eines Deutschen Im Verlag Gretlein& Co., Zürich und Leipzig, ist pnter dem Titel„Afrika weint" das Tagebuch des Legionärs Ernst F. Löhn- d o r f f erschienen. Interessant werden seine Auszeichnungen, wenn er in die Zustände im Sammellager Sidi bel AbbfS in Algerien hineinleuchtet. Menschen aller Nationen sind hier oevjam- melt, und leider in hohem Prozentsatz Deuftche! Das Ergebnis des Lebens und der Erziehung in diesen: Sammellager schildert LöH.'i» dorsf folgendermaßen:„Und unser Götze ist der Alkohol, er bringt uns Legionäre alle, mag sich sträuben, wer will, früher oder später in seine Gewalt. Jeder, der sich noch fern der großen Mäste hält, wird durch die Eintönigkeit, die mechanische Behandlung der Vorgesetzten, die in uns mir Tiere, günstigstenfalls marschierende Maschinen sehen, denen man Waffen und Lader.zeug abnimmt, wenn sie nicht mehr töten können und wenn sie unter den' Himmel der Wüste oder in den Atlasbergen verrecken, als Fraß für Schakale und Hyänen... er wird sein« Stunde fühlen... Ich weiß, daß e& m der Fremdenlegion zwei abscheuliche, riesengroße Laster gibt. worüber die Bücher, die von der Fremdenlegion handeln, alle ziemlich schweigen oder darum herumgehen. Es ist der Alkohol und die Homosexualität!" Löhndorsf hat seinen Eintritt in die Fremdenlegion bitter bereut. Wiederholt Hot er Fluchtversuche geinacht, immer wieder ist er gesaßt worden. Er sträubt sich dagegen, dem„Pinard", dem Süss zu ver-. fallen. Er wird zu einer berittenen Kompagnie versetzt und kommt: in die entlegenen Forts, die am Rande der Saharischen» Wüste dos französische Kolonialgebiet decken. Hier, am äußersten: Rand« der europäischen Macht und im Kamps mit den Eingeborene»' hat er die letzten Schrecken des Daseins eines Fremdenlegionärs kennengelernt. Monatelang sitzen dies« Besessenen der Sahara in einem jener vereinsamten Forts. Tag um Tag vergeht, Woche für Woche in furchtbarer Tatlosigkcit und glühender, verzehrender iiitze: sie sind die Gefangenen der Wüste. Der C a f a r d, der Tropen- toller der Legionär«, meldet sich. Die Männer kennen einer des anderen Schwäche, laufen aneinander vorbei, um einander herum, beäugelu sich wie wilde Tiere verschiedener Gattung, die in den- selben Käfig gesperrt sind, zechen Absynth, bedrohen sich mit den Waft«n, fallen sich schluchzend um den Hals— und immer gähnt die Sonne, ein gewaltiger Blutrachen. Sehr selten kommt, einsam durch die Wüste wandelnd, eine arabische Hetäre, die von ollen bcimtzt wird.„Mit dem gesamten, uns alle Tage auch hier in der Einsamkeit ausbezahltem Sold« geht sie, ein« wandernd« Hagar." So breitet sich mehr und niehr der Brauch widernatürlicher Befrie- digung aus. Der Kleinkrieg in der Wüste ist ein Kampf um Leben und Tod. Der Legionär, der von einer Patrouille abgekommen ist oder zu fliehen versucht, ist, fällt er in die 5)änd« der Eingeborenen, ein Mann des Todes. Der Tuareg»wirft«inen vom Rumpf« ge» schnitten«« Kopf über die Mauer des Fort» oder läßt sid) das Belohnungsgeld für die Ermittlung eines entflohenen Legionärs mis- zahlen. Das Kommando der Fremdenlegion zahlt, gleichgültig, ob der Deserteur tot oder lebendig ist. Die Gefedste sind von wüster Grausamkeit.„Gemetzel in der Wüste. In fünf Minuten lagen di« Hälfte der Menschen und fast alle Kamele tot auf dem gelben Sande. Der Rest breitete die als Gebetsteppid)« dienenden Schaffells aus... Wenn ter Tuareg sich im Kamps« auf sein Schafsfell stellt oder setzt, so sagt er damit, dah er weder Pardon gibt noch nimmt, sondern in Allahs Himmel will." Dann geht es eines Tags noch Marokko in den Krieg gegen Abd «l Krim. Hier sah Löhndorff den Kolonialkrieg in noch furchtbarerer Grausamkeit. Die Marokkaner töteten unsichtbar. Manch» mal, wenn die Soldaten durch eine Schlucht stolperten, knallt« es irgendwo aus den Wänden und der Nebenmann brach zusaminen. „Wir rächen uns aber, in den verlassenen Dörfern hauen wir die Dattelpalmen um... es dauert zwanzig Jahre, bis neugepflanzte tragfähig find." In dem vorgeschobenen Fort I o f f r e waren die Legionäre wochenlang belagert. Löhndorff erzählt von drei Denk- malen, hie aus Steinen von den Legionären errichtet wutden Ctn mal handelt es sich um einen Feldwebel spanischer Her. kunst der den Tropenkoller bekam und sich an der M-u-r des Forts den Hals in die Schlinge legte, mit dem Ruf«:.Bin ich nicht«in schöner Glockenschwengel?" Das andere Mal wurde e i n Russe erschossen, ein Bolschewik, der im Forts die Revolution organisieren, die Offiziere über die Klinge springen lassen und zu den Marokkanern übergehen wollte. Der dritte war ein Wiener C x st u d e n t mit Schmissen im Gesicht, der ein Dumdumgeschoß m die Eingeweide erhielt. Als Löhndorff nach dem marokkanischen Feldzug floh, sah er im Muluya-Fluß ein Floß aus Palmklötzen, auf das ein Legionär mtt lange» Nägeln durch Hände und Füße gekreuzigt war... Da» Symbol des Fremdenlegionärs! Jgtommg Duderstadt (28. Fortsetzung.) Mara brannte wie im Fieber. Ihre Finger trampften sich zur Faust. Sie sprang auf. schlug wild barbarisch auf den Tisch und schrie in besinnungstoser Wut: ..Laß dich köpfen, ich komm« durch!" Die Zeit verstrich in einem nutzlosen Hin- und Herreden. Da setzte ganz unvermutet Genosse Bagin ein« ernste, nachdenkliche Mi«ne auf, winkte den beiden Begleitern Maras, mit ihm vors Tor zu kommen. Mara sprang ihnen quer in den Weg. „Geh zum Teufel," warf sie Bagin zur Seite,„Hab' mit den Männern zu reden, was ein Weib nichts angeht." Die beiden aus der Garde Oogulins gingen voraus» während der„Vertrauens- mann" aus Niutschwang sich noch in der Tür grinsend noch ihr umdrehte. Mara rannte wie irrsinnig in dem Zimmer auf und ab. lln- gefähr eine halbe Stunde später kamen die Männer zurück. Mara forschte in ihren Zügen. Ihr« Blicke aber sahen stumpf und gleich- gültig wie sonst. Sie wagte nicht zu fragen. Fühlte, wie sie von Minute zu Minute zermürbterlrnd apathischer wurde. Die Männer rauchten, tranken Schnaps, erzählten sich ordinäre Witze und sangen zwischen den einzelnen Pointen revolutionäre Lieder. Als es Nacht wurde, begonnen sie still zu werden. Bagin stierte lange vor sich hin, bevor er zu sprechen begann:„Ich werde euch was sagen, Ge- nassen. Im Rausch fallen mir oft die besten Sachen ein. Ich glaube, mir wird auch ein Ausweg einfallen." Er wieherte ver- gnügt. Worllos erhoben sich die Begleiter Mara», gingen grußlos hinaus, wie auf ein Stichwort. Mara riß sich auf. Sie wollte den beiden nach. Mit Gewalt warf Bagin sie aufs Sofa zurück.„Laß sie laufen� die Hasen," sagte er begütigend,„sie können dir nicht helfen. Du bist jetzt auf dich ganz allein angewiesen. Wenn du vernünftig bist, wird e» dich nicht reuen, Genosse Wassilli Wassilliwitsch Bagin. kennen ge- lernt zu'hoben." Er hatte sich nun an ihre Seite gesetzt und klopft« ihr mit der Handfläche wohlwollend auf den Schenkel. Brüst rückte sie von ihm ab. Er ober griff nach ihrer Hand und hielt sie fest. „Genossin, du willst also um jeden Preis über die Grenze?!" Mara sah ihn groß an. „Wenn dich ein paar Gewehrkugeln nicht schrecken, können wirs versuchen, Genossin." Impulsiv sprang sie auf.% Bagin drückte sie wieder auf ihren Sitz zurück. „Ich Hab' ein Auto. Mit dem fahren wir hinüber. Verlaß dich auf mich." „Diese Nacht noch, Genosse," bestürmte sie ihn. „Diese Nacht schläfft du bei mir," sagte kalt und bestimmt Bagin. „Schuft," brüllte ihn Mara an. „Dann hinaus mit dir!" Bagin ging zur Tür, öffnet« sie weit. Mara wollte schon hinauslaufen, da blieb sie wie angewurzelt stehen. Sah in das rote aufgedunsene Gesicht des Mannes, lange, lange. Dann schloß sie die Tür. 30. Vierundzwanzig Stunden» später jagte ein Auto an die niand- schurisch-chinesische Grenze, mit abgeblendetem Lichte und einer Stundengeschwindigkeit von 120 Kilometern. Noch zwei Minuten, dann waren sie geborgen. Der Weg mußte über die Sperre ge- nammen werden, da keine andere fahrbare Straße vorhanden war. „Jetzt!", rief Bagin. Mara zog den Kopf tief in die Schultern. An der Sperre standen Grenzsoldaten. Die Kathiumformen der Gelben leuchteten weithin sichtbar durch die Nacht. Das erste, was sie dem herannahenden Auto entgegenstellten, waren riesig« Blendlaternen.„Halt!", schrien sie. Bagin fuhr mit seinem Wagen in das Licht und mitten durch den Häuf, der auseinanderfwb. Dann Gewehr in Anschlag. Ein« Salve. Eine zweite: eine dritte. Regelrechtes Trommelfeuer. Mara hörte die Kugeln um ihren Kopf pfeifen und in die Karosserie«inschlagen. Endlich verstummte das Schießen. Statt dessen war das Rattern von Motorrädern vernehmbar. Stunden- lang dauerte diese ausreibend« Jagd. Bagin und der Motor leisteten Unglaubliches. Ueber das Gebirge ging die Fahrt, halsbrecherisch. verwegen. Endlich war von den Verfolgern nichts mehr zu hören. nach zwölf Stunden schwersten Langens und zerfleischender Er- regung. Kaum, daß die beiden etwas zu sich nahmen; nur die heißgelaufene Maschine ließen sie abkühlen. Dann ging es weiter. ein« Nacht, einen Tag— bis nach Tientsin. Hier oerließ Bagin Mara. Sie bestieg den Zug, der sie nach Hantau bringen sollte, Von hier aus wollte- sie mit dem Schiffe nach Tschingkiang fahren und dann mit ver Bahn noch Schanghai. Bagin ließ das Auto im Stich, kroch in einen Waggon, der in der Richtung nach Niut- schtbang rangiert wurde. Es war kein langer Abschied. Man hott« glatte Rechnung gemacht. Der Waggon, in dem Mara matt und erschöpft aus einer Holz- dank lag, war von Chinesen und Russen überfüllt. Während die Russen schweigsam an den Wänden und Türen lehnten und hockten, übertrafen sich die Chinesen an Höflichkeiten Mara gegenüber. CRcnnct/t, Steuermann Tehel 3:g7�. «ind 3:3%$; 2. Behrens, Conrad,«campe, » Gerlach, Erweiterter Arbeitersportbetrieb Die„Freien Schwimmer Groß-Berlin" werben durch die Gruppe Mitte im neuerbauten städtischen Hallen- schwimmbad in der G arten st raße«inen Schwimm- betrieb einrichten. Der werktätigen Bevölkerung des Bezirk» Mitte ist hierdurch Gelegenheit gegeben, den so gesunden Schwimm- spart intensiv und vokstümlich zu pflegen. Di« Eröffnung des Stadtbades dürfte, falls nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, am 24. Mai erfolgen. Auch während der Sommermonate'ist ge- plant, die reservierten Bereinsllbungsstunden beizubehalten. Jnier- I essenten für den Arbeiterschwimmsport, die Berlins größtem Arbeiterschwimmverein beitreten wollen, sollten sich schon heute zur Aufnahme melden. Schwimmunterricht kostenlos an alle Mitglieder. Für die Aus» und Weiterbildung im Schwimmsport stehen Fach- kräfte zur Bersügung. Während der Sommermonate sind die Uebungsstunden außerdem Dienstags und Freitags ab 17% Uhr auf dem Wassersportplatz Psötzense« angesetzt. Den Mit- gliedern wird auch hier gegen geringen monatlichen Beitrag Er- Mäßigung des Badepreises und freie Benutzung der reservierten Umkleideräume gewährt. Auskunft erteilt in allen Fragen W. Thiem, Berlin N., Brüsseler Straße 7. Wie alljährlich verläßt der Schwimmbezirk Kreuz- berg der Freien Turnerschast Groh-Berlin Mite Mai das Hallen- bad, um feine Uebungstätigkeit im Freien fortzusetzen. Das Schwimmen ist in diesem Sommer im„Berliner Bad", Loh- mühlenstraß« an der Freiarchenbrückc, Montags, Mittwochs und Freitags von 18 Uhr bis zur Dunkelheit. Das Anbaden ist am Freitag, 16. Mai, wo alle Mitglieder antreten werden. Auskunft beim Vorsitzenden, Hermann Schlottmann. Berlin SO. 36, Mariarmenftrahe 4. 0 Neukölln hat in der Arbeiterleichtathletik eine Verstärkung er- fahren. Der Athletik-Sport-Club trainiert Montags und Donnerstags mit allen Wteilungen ab 6 Uhr im Neuköllner Stadion. Der ASC. dürste sich mit seinen tüchtigen Sportlern und Funk- tionären recht bald die Sympathie der Neuköllner Bevölkerung er- obern; im Interesse der Entwicklung der Arbeitersportbewegung ist der Arbeiterschaft der Besuch der Uebungsabende sehr zu empfohlen. Für jeden wird dort etwas geboten. Am 1. Juni veranstaltet der Athletik-Sport-Club im Stadion Berlin-Lichtenberg ein großes bundesoffenes Früh- jahrsfportsest. Schon jetzt liegen aus dem Reiche zahlreiche Meldungen vor, so daß mit einer guten Besetzung der Kämpfe zu rechnen ist. Die Ausschreibung sieht folgende Konkurrenzen vor: Männer: lüÜ-Metcr-Lauf(Klasse A und B), Mü-Meter-Lauf, ZiM-Meter-Lauf, Hochsprung, Speerwerfen, 4X106 Meter(Klasie A und B), 4 X 400 Meter. 3X1000 Meter. 10X100 Meter. Für Turner, Schwimmer, Spieler usw.: lOXlOO-Meter-Stafette. Frauen: 100-Meter-Lauf, Hochsprung. Kugelstoßen,� 4X100 Meter, 105�100 Meter. Jugend: 100-Meter-Lauf(Jahrgang 14/15 und 12/13), 1000 Meter, Kugelstoßen, Weitsprung, 4X100 Meter, Schwedenstasette. Aeltere Sportler: 100-Meter-Lauf, Weitsprung. 4X100 Meter. Kinder: Dreikampf, 10X100 Meter. Meldungen sind bis zum 18. Mai an H. Rahn, Berlin NO. 55, Marienburger Straße 47, zu richten. Arbeiterschützen überall 1 Zahlreiche Neuanmeldungen geben Anlaß zur Konstituierung einer neuen Abteilung in Steglitz-Lichterfelde. Am Montag, 12. Mai, 20 Uhr, findet im Lokal Rosenthal, Lichterfelde. Händelplatz 2, der nächste Uebungsabend statt, bei dem Neuauf- nahmen gemacht werden. Eintrittsgeld wird die ersten Abende nicht erhoben. Auekunst erteilt die Geschäftsstelle Stefan Brumirski, SW. 19, Kommandantenstr. 77. Merkur 7752,— Die letzthin ab- geHalene Gauleiterkonferenz hat gezeigt, daß die Be- hauptung fügt hin, zu, daß de Empfang jedenfalls wieder so herzlich sein dürfte, wie bei den bis herigen Kontinentfahrten englischer Arbeitersportler. Besonder: freuen sich die Arbeitersportler aus das Spiel in Nürnberg, übo dessen Stadion sie anläßlich des vorjährigen Bundeesestes v« Anerkennendes hörten. Die Mannschaft wird nach den Spielen ii Deutschland an dem großen belgischen Arbeitersportfest in Lüttiö teilnehmen. Organisator ist M. I. Bunyan, der bereits mit bei Borarbeiten 0er Fahrt begonnen lzat. Jeder Spieler muß Mitgliei der Gewerkschaften oder der Arbeiterpartei sein. «.Eiche Kopenidc" Am Sonntag, dem 18. Mai d. I., beginnt„Eiche"-Köpenii seine Sommersaison in Form eines Ansportelns auf dem Vereine platz in der Wendenschloßstraß«(Amsseld). Gemeinsam mit seine: jungen Abteilungen. Bohnsdorf und Rahnsdorf-Wilhelmshagei Di« Wettkämpf« beginnen 13 Uhr mit einem Dreikampf für Schäle und Schülerinnen, 14 Uhr treten die Frauen und Jugendlichen zi den vier Kämpfen an. Die Männer starten 14.30 Uhr-zu den fün Kämpfen in Klasse A und B. Nach den Mehrkämpfen folge: Staffettest der Männer» Frauen und Jungen. Den Schluß bild« ein Handballspiel der Männer. Die Traininnsabende verteilen ssch auf folnente Tage: giir«»»> e n i ck Dien»tag undvDonnecstaa sUr Schillcrinnrn vo» 16—20 Ul,r und fllr grauen na IS— A Uhr. Mittwoch und greitass von 18—20 Uhr fllr Schüler und van 1« T>i 21 Uhr fllr Männer und Jugend auf dem Nrreinsplall in der Wendenschlok stroß».— Bahn»darf: Dienstag von 16—22 Uhr fllr alle Abteilungen a> dem Städtischen Sportplah in der Schulzendorier Straße.— Rahnsdorf Wilhelm, Hägen: greita» von 18—22 Ubr auf dem Schnlhvf der neuo Schule in Rahnsdorf, Alte ssllrllcmvoldcr Strasse. Ankunft erteilen ,u ietx -P«,t: Rruno Schlag, griedrichshoaen, griedrichstr. 11«: A. choffmann, Käpemi Stubenrauchstr. 7; SB. Sortfchanski, Wilhelmshagcn, Bismarckftr. 27; fllr Bohndorf auf dem Svortplass._. Neue Turnabende im Nordosten Dem Bezirk Nordosten der Freien Turnerschast Groß Berlin ist es jetzt gelungen, vollständig getrennte Turnabende fü die Erwachsenenabteilungen durchzuführen. Die Jugend- uir Männerobteilung turnt jetzt jeden Dienstag in der Senefelderstrah und jeden Freitag von 19/4 Uhr bis 211- Uhr in der Turnhalt der Schule Mendelstraße 2. Dadurch ist auch den Bewohnern de „BLtzowviertels", wo in letzter Zeit neben vielen Neubauten de Legien-Hof der Gehag entstanden ist, Gelegenheit gegeben. Turne: und Sport im Arbeitersportverein zu treiben. Die Schule befinde sich an der Greifswolder Straß«, Ostseepark und Earmen-Sylva Straße in der Nähe des Bahnhofs Weißensee. Die Uebungszeitei des Bezirks Nordost sind jetzt: Turnhall« Mandclstraße 2 Freitag von 19H bis 21)4 Uhr, Turnhalle Sencfelderstraße 4(an der Dan ziger Straße) Dienstags von 20 bis 22 Uhr, Turnhalle Heinrich Roller-Straße 18(am Känigstor) Montags und Freitags voi 18 bis 20 Uhr, Kleinkinder-, Knaben- und Mädchenabteilung. Vo: 20 bis 22 Uhr Jungmädchen- und Frauenabteilunq(über 25 Jahres Mittwochs ab 18 Uhr Training auf dem Sportplatz Friedrichs hair Arbeikerrad- und krastsahrerbund„Solidarilät, Gau 9, Bezirk 1 Molorfahrer. Sonntag. 18. Mai, findet die Austragung der Bezirks Meisterschaft im 200-Kilometer-Zuverlässigkeitsfahren statt. De Start ist um 8 Uhr in Groß-Ziethen. Die Bundesgenossen, die cr. der Zuverlässigkeitsfahrt nicht teilnehmen, fahren von Graß-Zivthe: nach Wannsee zum Bahnrennen der Rennfahrer und gleichzeitiger Ziel der Zuverlässigkeitsfahrt. Dazu starten die' Abteilungen: Norden 7 Uhr, Hermannplatz(Hasenheid« Ecke Hermamistraße)': Charlotten bürg: 7 Uhr bei Reimer. Wilniersdorfer Str. 21; Kreuzberg, Neu kölln und alle anderen Abteilungen, 8 Uhr, in Groß-Ziethen. Ber sammlung, Abt. Lichtenberg, am 15. Mai bei Henkel, Oder- Eckl Finowstraße. Der Ruderverein»vorwärts", Leipzig, im Arbeiter-Turn- um Sportbund, veranstaltet am 20. Juli aus dem Hochslutbecken ii Leipzig ein« bundesofsen« Ruder- und Kanuregatta. Auc diesmal wird mit gutem Zuspruch �>on allen Seiten gerechnet. Dd Ortsgruppe Leipzig des Arbeiter-Radiobundes stellt für die Ber anstaltung eine Lautsprecheranlage zur Verfügung. Mathias Engel, der kürzlich aus Australien zurückgekehrt- deutsch« Fliegermeister,- wird am Freitag in Bonn zum ersten Mab an den Start gehen. Cr hat es in den Fliegerkämpsen mit seinei Landsleuten Stesses. Oszmella und Frankenstein zu tun. Die bürgerliche Olympiade in Los Angeles wird für den beut schen Sport eine recht teure Sache werden: wie der»Leichtathlet mitzuteilen weih, müssen die deutschen Sportoerbände 100 0 Dot l a r pro Mann an Kosten sür den Start bei den oHmplschei Spielen aufbringen. Die deutsch� Expedition soll 150 Köpfe star sein; 630 000 M. sind also notwendig, um in Los Angeles»rech würdig" oertreten zu sein.__ gl«®.,«anB-SSoitrt. Am IS. Mai 1lelluns«lbrnd rih Anfänger der sstaum und MSnnrrmanns<6aft«n. Freie Faltbvotsadree Berlin. Donnerstag, 15. Mai. 20 Uhr. Bortrag: Kos» mann:„Suntor. Satire und anderes" im KackefKen Hof. am Hackefchcn Markt Sonntag. 18. Mai. Bflichtfassrt. Alle Genossen beteiligen tich an der Auffallt des Ruderverciii»„Gollegia" ,ur Zd-Iakit-Feirt. Abfohrlzeiten und Sreffpuntti «erden am Bereinsabend delonntgegeben. Kandlmlljiiielcrblrfe. Der Böricnadend findet beute, Mittwoch. 19': Uhr bei Wegner. Frankfurter Allee 236, statt. I. SN: Richter. FTGB.. Frauen. Heute grosse Fraucnausfchusssissung, Schule Bcinmcifter Krasse, Beginn pünktlich IVA Ubr. Gieinarbeiter für Znvalidenhilfe. Die Urabstimmung im Zentraloerband der Steinarbeiter über die Einführung der I n v a l i d e n u n t e r st ü tz u n g hat die Annahme der Vcrbandsvorlage ergeben. Die Beteiligung an der Abstimmung war verhältnismäßig gering, was die Verbands- leitung auf die große Arbeitslosigkeit im Steinarbeiterberuf zurück- führt. Zur Zeit der Abstimmung waren noch fast 50 Proz. der Mitgliedschaft ohne Arbeit. Von 67 982 Mitgliedern sind 40 943 gleich 60,2 Proz. der Ge- samtmitgliedschaft zur Wahlurne gegangen. Von den Abstimmen- den haben 30 309 gleich 74 Proz. für die Invalidenunterstützung und 10145 gleich 26 Proz. dagegen gestimmt. In 178 Zahl- stellen von insgesamt 718, die an der Abstimmung teilnahmen, stimmten die Mitglieder geschlossen für, in 34 Zahlstellen geschlossen gegen die Einführung der Unterstützung. Der Gau Berlin des Steinarbeiter-Verbandes steht sowohl hinsichtlich der Beteiligung wie der Abstimmung selbst am s ch l e ch t e st e n da. Von 5393 Mit- gliedern haben sich nur 2517— 46,6 Proz. an der Abstimmung be- teiligt und davon wiederum für die Jnoalidenmsterstützung nur 69 Proz. gestimmt. Interessant ist der Vergleich mit der Abstimmung auf dem letzten Verbondstag in Berlin, chier sprachen sich 28,7 Proz. der Delegierten für die Inyalidenunterstützung und 71,3 Proz. dagegen aus. Das damalige Abstimmungsergebnis hat sich also gerade in das Gegenteil oerkehrt, was gleichfalls nach der Meinung des Verbandsvorstandes nur auf sachliche Ursachen zurück- zuführen ist. Die Beitragserhöhung um 10 Proz. pro Woche für den Jnoalidenfonds tritt am 1. Juli in Kraft, während die Gegen- leistung der Organisation am 1. Oktober beginnt. Schweden gibt ein gutes Beispiel. Wird Deutschland ihm folgen? Der. schwedische Reichstag hat dem Internationalen Uebereinkommen, betreffend den Schutz der mit dem Be- laden und Entladen von Schiffen beschäftigten Arbeit- nehmcr gegen Unfälle zugestimmt. Dem Reichstag mar für die Beratung der Üebereinkommensoorlage'von dem konservativen Sozialminister ein ausführlicher befürwortender Bericht zu- geleitet worden. Der Minister bedauert an dem Uebereinkmnmen das Fehlen des Grundsatzes der Gegenseitigkeit und empfiehlt zwecks Abschluß von Gegenseitigkeitsoerträgen schnellstens Derhand» lungen mit allen interessierten Staaten aufzunehmen. Zur Emp» fehlung des Uebereinkommensentwurfs, wonach bei der Ausarbci- tung der entsprechenden Vorschriften durch die Behörden die Berufs- verbände der Unternehmer hinzugezogen werden sollen, bemerkt der Mimster in seinem Bericht, daß die Empfehlung für Schweden keine besondere Maßnahme erforderlich mache, da dieser Grundsatz in Schweden allgemein beachtet werde. Für Deutschland gelten in noch höherem Maße die gleiche» Gründe, die in Schweden die Regierung und den Reichstag zur Ratifizierung des Uebereinkommens veranlaßt haben. Die Schutz- b e st i m m u n g e n für die gefährliche Hnsenarbdit sind in Deutschland viel unzureichender als in Schweden. Trotz der über dem Durchschnitt liegenden Unfallzifser der Hafenarbeiter hat das Reichsarbeitsmimsterium allem Anschein nach n i ch t die Absicht, die Ratifikation des internationalen Schutzübereinkommens vorzu-» bereiten. Jeder Versuch des G« s a m t v e r b a n d e s. der zuständigen Organisation der Hafenarbeiter, beim Reichsarbeitsministerium eine Aussprache über diese wichtige Frage herbeizuführen, war bis , jetzt ergebnislos. (Qezirfc bilden- IVeften. Genossen! Unterstützt Enre eigenen Betriebe! Deckt Euren Bedarf a. Urnen u. Grabdenkmälern nur in der Stein m etzh ütte, aeSb,n�0B�e •Cholrawet, Klefholziir., gegenüber d. Kremalorinm. Tel: F3. 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