Morgenausgabe flr. 224 A 113 47. Jahrgang «Sch«»Mch 855t. monatlich 8,80 TO. Im voraus zahlbar. Posttejlig 4J2 TO. -inlchlleßlich 60 Pfg. Postzeiwnx»- und 72 Pfg. Postdist-llg-bühreu. ilu-land»- abonnement S.— M. pro Mona». Set.Somirts'«Ich« INI mochenlig» lich zweimal, Sonntags und Moniags einmal, di» Äbendau, gaben für Berü« und im Handel mit dem Titel ,I>et Abend", Illustriert» Beilagen„Loil und Zeit" und.Äinderfreuno". Zerner .Unterhaltung und Will-n".»Frauen» stimme"..Technil"..Blick in die Bücherwelt" und.Zugend-Lorwärts" Bievliner VottSblaÄ Vonnerstag 15. Mai 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. ru ctnYpalttgc NonpareMezeN« SO Pfennig. Reklome-eiie 5.— Reichsmark„Kleine Anzeigen' dos ettge- druckte WoN 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erst» Wort IS Pfennig, jedes weitere Won' 19 Pfennig. Worte über IS Buchstabe» »aisten für zwei Worte. Arbeitsmaikl Zeile 69 Pfennig. Familienanzeigen Zeil» 49 Pfennig. Anzeigenannahme imfjaupt- ßejchäst Lindenstraße 3. wochenlägiich »on 8»/, bi» 17 Uhr, Senttawesan der SoziakdemoSvattschen Kartei Deulichlands Redaktion und Verlag: Berlin EW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhos» 292—297 Telegramm-Zlstr,: So,iald«mokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Poslscheckkonto: Berlin 27526.— Bankkonto: Bank der Arbeiler, Angeltellten und Beamten, Wallstr, 65, Dt B», Ti8c,. der Reichs' arbeitsminister Stegerwald steht nun vor der Frage, ob und wieweit es feine Vorlagen an den Reichstag auf dies Gut- achten des Vorstandes der Reichsanstalt aufbauen soll. Wenn das Kabinett Brüning dieser Vorentscheidung einschließlich des Abbaues der Sätze für Erwerbslose mit kurzfristigen Än» wartschaften restlos nachfolgen sollte, so würde es damit er- Härten, wie begründet die entschiedene Ablehnung des be» kannten Brüningschen Kompromißvorschlages durch die sozial- demokratische Rcichstagsfraktion gewesen ist! Von Gnaden der Ltniernehmer. Roch ein Urteil über die Funktionen der kommunistischen Partei. Die„Deutsche Allgemeine Aeitung"' Nr. 56 vom 3. Februar 1930 hatte in einein Artikel über die Funktionen der deutschen Kommu- nisten erklärt: „Die Kommunisten müssen verhindern, daß die Sozialdemo- tvaTe übermächtig wird, fle sind für den bürgerlichen und ftrpita- kistischen Staat so lange ein wertvolles Werkzeug, als sie als Pfahl im Fleisch der Sozialdemokraten wirken." An diesen Ausspruch wird man erinnert, wenn man jetzt Kest, was die„Sudetendeutsche Tageszeitung", das Haupt- ovgan der dcutschnotionalen Nnternehmer. und Hausherrenpartei in der Tschechoslowakei, aus Anlaß eines parlamentarischen Zu- [animenstoßes zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten im Prager Abgeordnetenhaus schreibt. Herr Viktor Stern, früher in Deutschland tätig, jetzt Führer der tschechischen Kommunisten, hatte einem deutschen Sozialdemokraten ein« Ohrfeige versetzt, die ihm allerdings auf der Stelle zurückgezahlt worden war. Die „Sudetendeutsche Tageszeitung" schreibt nun darüber: „Was die groß« veffentlichkeit noch nicht weiß und was sich die kommunistisch organisierten Arbeiter vielloicht nicht einmal im Traume einfallen lassen, ist die Tatsache: Die Kommunisten stehen unter dem Schutze der Agrarier. So unglaub- würdig dies auch klingen mag. so wahr ist es. Den Agrariern ist es klar, daß sie ihre ständischen Forderungen mit weit weniger Widerstand durchgedruckt hätten, wenn ihnen nicht die Soziallieinokraten Hindernisse in den Weg gelegt hätten. Je stärker also die Sozialdemokraten werden, um so mehr Opposition haben die Agrarier von ihnen zu erwarten. Den -lgrariern muh also an einer Schwächung der Sozial- demokraten unbedingt gelegen sein. Nun wissen sie aber auch, • daß der Verfall der Kommunistischen Partei den Sozialdemokraten ein« Anzahl Stimmen zuführt, die mit dem weiteren Schwinden .der Äommu nisten immer mehr wachsen. Hm Gegensatz hierzu kann eine kommunistische Opposition, auch wenn sie sich noch so heftig äußert, die Agrarier in ihrem politischen Vorgehen keines. falls behindern. Di« Kommunisten läßt man einfach toben, um sie dann glatt zu überstimmen. Mit den. Sozialdemo- traten muß man aber verhandeln und beim Veichandeln muß man immer« t w a s z u g e b e n. So ist es nicht zu wundern, daß die Agrarier an dem Bestände der Kommunist!. jchen Partei direkt interessiert sind. Dieser Tatsache entsprechen auch die Ereignisse der letzten Zeit. Bor nicht allzu langem fand— nach unseren verläßlichen �nsorinationcu— bei der Prager Potizeidireltion eine Enquete statt, bei der der Antrag auf Auflösung der Komunisttschen Partei ausgearbeitet werden sollte. Das Groteske wurde wahr'. Die tschechischen Agrarier haben mit allem Nachdruck gegen diese Absicht ihr Veto eingelegt, da gerade durch die Auslösung dieser Partei die Agrarier infolge der daraus entstehenden Stärkung der Sozialdemokraten sehr zum Schaden gekomnren wären. Also Kommunisten von des Bauern Gnaden!... Daß doch die Politik die besten Witz« macht... Freilich sinkt unter solchen Gesichts- punkten die amüsante Ohrseigenszene zur bedeutungslosen Ko- mödi« herab." Unternehmertum und Großagrarier freuen sich über die Spal- ttrng der Arbeiterschaft durch die Kommunisten. In Deutschland und aitderwärtsl Schähel über die Reichspost. Sitzung des Aenvaltungelrais. Im Venvaltungsrat der Deutschen Reichspost erklärte Reichs- postministsr Dr. Schätzet, daß ein saisomnößiges Nachlassen ein- getreten sei. Vor allem sei der Paket» und Telegrammverkehr um 2 Proz. weiter zurückgegangen. Die Finanzlage sei ernst. Der Monat März Hab« 10 Millionen an Einnahmen weniger gebracht als veranschlagt. Das Rechnungsjahr 1929 werde mit einem Einnohmeausfall von 20 Millionen abschließen. Dem stehen ober Ersparnisse und Reste gegenüber, die für den Ausfall Ausgleich bieten, so daß die Ablieferung an das Reich ohne weitere Inanfpnichnahme der Postscheckgelder gesichert bleibe. Die 224.MIl. lionen Mark Anleihe, die im Laufe der letzten. Jahre genehmigt worden sind, aber nicht begeben werden tonnten, sind verbraucht worden. Für das Fernsprechwesen habe«in Vorgriff von 80 Mil- lionen Mark stattfinden müssen. Das sei«ine Anspannung von 304 Millionen M o rk, eine weitere Belastung der Post, sch-ckg-ldcr sei nicht möglich. Dadurch aber, daß auch noch einig« nndcre Reste zur Verfügung stehen, sei die Kassenlage liquid. Die Entlastung der Postscheckgcldcr sei nunmehr unbedingt erforderlich. Der Minister hofft auf ein« Konjuntturbcsserung, da es sonst in Frage stehe, ob die monatlichen Teilzahlungen an das Reich. noch durchgeführt werden könnten. Die Drosselung der Ausgaben im Fernsprechwesen sei mit Rücksicht auf die große Ar- beitslosigkeit bisher nicht sehr streng durchgeführt worden: man habe aus die Arbsiterschoft und ganz besonders auch auf die Arbeiter der Reichspost Rücksicht genommen. Dies enthält aber das Risiko, daß später«ine schärfere Drosselung eintreten müsse, wenn es nicht ge- lingl, die. erforderlichen Mittel auszubringen. Jedenfalls mache die Reichspost die größten Anstrengungen, die Wirtschaftskrise zu über. winden. Dann trat der Verwoltungsrat in die Tagesordnung ein und genehmigt« zunächst eine andere Zusammensetzung seines Arbeits. misschusses. Die Beratung de, Ostprogramm, im Reichskabinett, die am Mittwoch stattsinden sollte, ist verschoben worden, da Reichswirt- jchastsmiwster Dietrich eck rankt ist. Glegerwalds Im Haushallsausschuß des Reichstags kündigte Reichs- arbeitsminister Stegerwald an. daß die Beitrags- erhöhung bei der Arbeitslosenversicherung mehrals Vi Prozent betragen werde. Ein Notopfer zur Finanzierung der Krisen- fürsorge sei abwegig. Der Reichsarbeitsminister betont«, daß er in Dortmund nicht gesagt Hobe. Deutschland habe etwa 12 Millionen Staats- rentner oder Sozialrentner» sondern daß er nur an- geführt habe, daß in Deutschland zur Zeit ungefähr 12 Mil- lionen Menschen aus öffentlichen Mitteln unter- stützt würden. Unter diese Zahlen fallen nicht nur die Sozial. rentner. sondern auch die vorsorgungsbsrechttgten Kriegsbeschädigten. die Pensionäre, die Hinterbliebenen. die Witwen, die Waisen, die Kleinrentner usw. Der größte Teil von diesen Unterstützten habe aber mtt der Sozial» Versicherung nichts zu tun. Renten aus der Sozialversicherung er- hi-llen noch nicht die Hälfte dieser. 12 Millionen. Zu einer Diskreditierung der Sozialversicherung habe er sich nicht hergegeben und werde sich auch nicht hergeben. Abg. Or. Hertz(Soz.) wandte sich gegen die Zahlenausstellung, die hinsichtlich der Belastung der Wirtschaft durch öffentlich« Zahlungen Reichsardeitsminister Stegerwald gegeben habe. Wenn auch der Minister selbst vielleicht keine Tendenz in diese Sache legen wollte, so habe es sich doch als unvermeidbar herausgestellt, daß diese Zahlen«in willkom- menes Mittel für tendenziöse Verdrehungen und Mißdeutungen seien. Die Höhe der öffentlichen Belastung ist— wenn man sie rein zahlenmäßig annimmt— gewiß beängiti- gmd angewachsen. Aber volkswirtschasMch betrachtet, darf man doch keineswegs so schematisch verfahren, daß man einfach alle Zahlungen, die durch össentllch- rechtliche Kassen lanfen. als Belastung für die Wirlschasl ansehe. Mjt demselben Recht könne man auch dieFrachtenderRei chs- bahn, die Abgaben bei den Wasserstraßen, die Gebühren bei Auwi mii dem Hakenkreuz. Von Enttäuschung zu Enttäuschung. Prinz Auwi— August Wilhelm von Preußen— war einst die Glanznummer des Stahlhelms. Welche Hofsnungen mögen Auwi die Brust geschwellt haben, wenn er die Parademarschbeine des Stahlhelm vor sich auf und niedergehen sah! Er ist jetzt enttäuscht— es ist nichts passiert, und Deutschland immer noch eine Republik. Er sieht sich nach einem neuen Hoffnungsanker um und hat ihn gefunden. Auwi nimmt Dienst« bei Hitler. Er steckt den Stahlhelm ah und da» Hakenkreuz an. Hell Hitler— die Hahenzollernsonne leuchtet über dir! - Die Landräte von Hannover. Es bleibt bei der Amtsenthebung. Eine Deputation der bürgerlichen Fraktionen des hannoverschen Provinziallandtage» forderte am Dienstag vom preußischen Innen- minister die Aufhebung der auf Beschluß des preußischen Staats- Ministeriums angeordneten und inzwischen durchgeführten Amts- enthebung von drei rechtsstehenden Landräten der Provinz Hannover. Der preußische Innenminister hat diese Forderung abgelehnt und lediglich zugesagt, daß er die Wünsche der Deputation dem Staatsministerium unterbreiten werde. Bon einem Verzicht auf die Amtsenthebung kann jedoch keine Rede sein. Möglich ist. daß einer der amtsenchobenen Landräte, und zwar Landrat Rottberg, in einigen Monaten wieder verwendet wird, nachdem er sich wegen seines Verhaltens bereits vor etwa 14 Tagen von sich aus brieflich bei der preußischen Regierung entschuldigt hat. Eine Wiederverwendung der beiden anderen deutschnattonalen Landrät« kommt unter keinen Umständen in Frag«. lteberleiiung der Gtrafrechtsreform. Für den Fall einer Reichstagsauslöfung. Sozialdemokraten, Demokraten und Deutsche Boltspartei haben im Reichstage emen Gesetzentwurf zur Fortführung der Strafrechtsresorm eingebracht, der für den Fall einer Reichstagsauslösung in Kraft treten soll. Darin wird bestimmt, daß der Entwurf eines Strafgesetzbuches und eines Strafvollzugs- gesetzes, wenn der gegenwärtige Reichstag nicht darüber beschließt, der Beschlußfassung des Reichstags in der folgenden Wahlperiode unterliegen, und daß es ihr er erneuten Einbringung nicht bedarf. Ferner wird m dem Gesetzentwurf die Regelung der mildernden Umstände vorweggenommen. Bis zum Inkrafttreten des neuen Strafgesetzbuches soll bei allen Berbrechen und Vergehen beim Vorliegen mildernder Umstände die ordent- liche Strafe nach folgenden Grundsätzen gemildert werden können: bei Berbrechen kann, sosern nicht das Gesetz bereits eine niedriger« Mindeststrafe Vorsicht, an Stelle der Todesstrafe und an Stell« von lebenslangem Zuchthaus auf Zuchthaus nicht unter drei Jahren, an Stelle von lebenslang«! Festungshaft auf Festungshaft nicht unter drei Jahren, an Stelle von zeitiger Festungshaft auf Festung?- Haft nicht unter drei Monaten und in allen übrigen Fallen aus GefSuguis nicht unter drei Monaten erkannt werden. Bei Ber- gehen kann aus das gesetzliche Mndestmaß der angedrohten Straf. ort herabgegangen werden. Treffen mit mildernden Umständen andere gesetzliche allgemeine Mildenmgsgründe zusammen, sa ist die ordentlich« Straf« nur entweder aus dem Gesichtspunkt der mildernden Umstände oder aus den sonstigen allgemeinen Milderungsgründen zu mildern, und zwar nach den für den Täter günstigsten Umstäichen. Diese Bor- Ichristen sollen auch für- das Sprengstoffgesetz, für das Gesetz gegen den Berrat militärischer Gsheimniss« und für das Republikschutz- gesetz gellen.__ Die Pfälzer Wmzer-Revettion. Amtliche Erklärung zu den Kundgebungen in Germersheim. München. 14. Mai. In einer amtlichen Erklärung zu den gestrigen Kundgebungen der H y b r'iden- P f la nz e r in Gcrinershcim(Pfalz) heißt es lt. 04 In de» heutigen Morgenblättern finden sich alarmierend« Rechenfehler. im Hauptausschuß. der Reichspost als Lasten der Wirtschaft auf eine Seite stellen. der gegenüber man dann angebliche produktive Arbsll stellt. Für die volkswirtschaftliche Wirkung öffentlicher Ausgaben ist der Der- wendungszweck allein entscheidend, nämlich die Frag«, ob die Aus- gaben produktiv oder unproduktiv im wirtschaftlichen Prozeß ver- wandt werden. Hier liegen die entscheidenden Fehler der Zusammenstellung, die der Minister gegeben hat. Wie kann man Ausgaben für den Wohnungsbau schema tisch gleichstellen mit Unfallrenten. Es wird wohl niemanden geben, der den Ausbau der Wohrningswirtschoft als unproduktiv bezeichnen kann. Selbst die Ausgaben für soziale llnlerstühungcn dienen ton- sumliven Zwecken, sind also nicht gänzlich ouprodukliv. Die Zusammenstellung des Mnisters kann den völlig falschen Ein- druck erwecken, als ob die darin genannten Ausgaben«in nutzloses Schwergewicht für die Wirtschaft darstellen, ein Schwergewicht, das seinerseits der Produktionsprozeß mit sich schleppen muß. Bor allem sind in der ministeriellen Ausstellung vierFehler. quellen zu nennen: die Zahlungen an die Beamtenpensio» n S r e bilden ein Entgelt für produktive Leistung, denn die Beamten- tätigkeit ist im wirtschaftlichen Prozeß unbedingt erforderlich. Weiter ist es falsch, daß bei der Benennung von 12 Millionen Menschen, die aus öffentlichen Mitteln leben sollen, die Familienangehöri- gen mit hinzugerechnet sind, also höchstwahrscheinlich 3 Millionen schematisch mit vier multipliziert worden sind. Indem man an- genommen hat, daß eine Familie aus vier Köpfen besteht. So kam man zu der Zahl von 12 Millionen Menschen, die nun keinesfalls an der Zahl der Erwerbstätigen gemessen werden durften. Schließlich sind Doppel Zählungen sicherlich vorgekommen, denn von Rc- gierungsseit« wurde selbst erklärt, daß die Zahl der Rentenempfänger sich nicht genau bestimmen läßt, sondern lediglich aus den durch die öffentlichen Kassen laufenden Beträge zu bestimmen waren. Auch die vorübergehend gezahlten Unterstützungen durften in dieser Zusammenstellung, die sich doch mit dauernden Zuständen befassen will, nicht aufgezählt werden. Der Ausschuh vertagte, seine Beratungen auf. Donnerstag. Nachrichten über die gestrigen Kundgebungen der Hybriden-Pslanzer in Germersheim. Ein Teil der Berichte enthält die Behauptung, die bisherige Einstellung der bayerischen Staatsregierung gegen die Hybriden-Bauern müsse als eine verfassungswidrige Bergewaltigung der Eigentumsrechte deutscher Staatsbürger angesehen werden. Demgegenüber ist mit Nachdruck darauf hinzuweisen, daß der Anbau von Hybriden in Bayern auf Grund des Reblausgesetzes vom 0. Juli 1904, eines Reichsgesetzes, verbyten ist. In Deutschland ist im Sommer 1927 zum ersten Male die Blattreblaus aufgetreten. Da die Blallreblaus mehr an Hybriden(DirekttragenV Amerikaner-Reben) auftritt, während die Europäer-Reben gegen iv« Blottreblaus unanfällig sind, war es notwendig, weiter« verschärfte Maßnahmen gegen den Anbau von Hybriden zu ergreifen und ein ausnahmsloses Verbot jeden wetteren Neuanbaues von Hybriden zu erlassen. In einer Bekanntmachung vom.31. Juli 1929 hat das bayerische Landwirtschaftsministerium die Winzer ausdruck- lr ch darauf hinweisen lassen, daß' es notwendig ist. de» ferneren Anbau von Hybriden zu unterdrücken. Trotz dieses aus- drücklichen, überall bekanntgegebenen Verbots und trotz dieser ein- dringlichen Warnungen sind in der Pfalz außerhalb des eigentliche» Weinbaugebietes auch in diesem Frühjahr Hybriden neu angepflanzt worden. Sowett solche Uebertretungen sestgestellt werden könnt«», wurde Strafanzeige erstattet. Ein Eingreifen in hie schweben- den Gerichtsverfahren ist der Staatsregierung ebenso unmöglich wie eine Abweichung von Reichs- und Landesgesetzen. In verschiedenen Nachrichten ist behauptet, daß der Landwirtschaftsreferent der pfäl- zischen Kreisregierung den Demonstranten zugesagt habe, die Kreis« regierung werde die Wünsche und Forderungen der Hybriden-Bauern unterstützen. Diese Nachricht ist in jeder Hinsicht falsch. Ausdrück. lich ist ferner darauf hinzuweisen, daß die Staatsautor i tat bei den gestrigen Vorkommnissen aufrechterhalten wurde. Opposition in der Roten Armee. »Abirrungen in nahezu allen Militärbezirken.* Moskau, 14. Mol.(Ost-Expreß.) Anläßlich der gegenwärtig tagenden Bezirtskonferenzen der Kommunistischen Partei in der Roten Armee befaßt sich dos Armceblatt„Krasnaja Swesdo" mit der Frage der Opposition im Heer. Das Blatt erklärt, daß in nahezu allen Militärbezirken „Abirrungen von der Generallinie" zu verzeichnen seien. Dabei nennt dos Blatt zahlretcheRegimcnterundDivifionen mit diesen Abirningen. So habe die Versammlung der Partei. Mitglieder des 22. Infanterieregiments gezeigt, daß in be.zug auf die Kollektivierung der Landwirt schaft„allerlei opportu- nisttsch« Jdeechen" unter den Rotarmisten verbreitet sind. Diese Opportunisten verlangen, daß die Partei ihr Hauptaugenmerk auf die„linken Abirrungen" richte, die eine größer« Gefahr bildeten als die Rechtsopposition. P a w l o w, Leiter der chemischen Ab w« h r des 19. Jnfonterieregiments, hat auf einer Parteikonferenz erklärt, das Offizierskorps der Roten Armee müsse sich nur mtt militärischen Fragen befassen und habe keine Beranlassung. die Kollektivierung zu fördern. Im 31. Schützenregiment seien eben- falls ähnliche Stimmungen vorhanden. Auch die Jnfantrie schule in Drei sei„abgeirrt".■ Das Armeeblatt teill mit, daß die Z a h l d e r K o m m u n i st c n in der Armee am 1. Januar d.J. 102 749 betragen habe gegenüber 82018 vor zwei Jahren. In den ersten drei Monaten dieses Jahres seien wettere 20 000 Rotarmisten in die Partei eingetreten. Don den Kommunisten der Armee sind 58,3 Proz.' frühere Arbeiter. Der Kommunistische Jugendbund hat im Sowjetheer 155 082 gegenübe? 119 780 Mitglieder vor zwei Jahren., Welitrust unter Anklage. Große patent-Affäre in USA. washingion, 14. Mai.(Eigenbericht.) Das Justizdepartement strengte angesichts der geplanten Der. schmelzung der � amerikanischen Radio- Unternehmungen ein Antitrustverfahren gegen führend« Elektro- und Radio- gesevschasten on. Die Justizbehörden bezeichnen den Radiotrust der G e n era l- E l« et vi c- und der Ra d i o- K o rp o rati on al� eine Verletzung des Antttrustgesetze». Sächsische Regierung. Das Ministerium sieht ohne jede Sorge der Zukunft entgegen.� Die Busch-Geschäfte. Wie die Schiebung mit Reu-Cladow erfolgte. Der Untersuchuiigsousschuh de» PreuMchen Landtag» zur Prüfung der Mißwirtschaft in der Bertiner Stadtverwatwng trat am Mittwoch wieder zusammen. Ais erster Jeuge wurde Bezirtsbürgermeister Schumacher- Zehlendorf(Dnat.). über den Ankauf von Düppel-DreUinden vernommen. In semer Aussage er- klärte der Zeuge den Ankauf als ein« Lebensnotwendigkeit für seinen Bezirk, der dabei«in gutes Cleschäft gemacht habe. Damals hat die Stadt l,4S Mark pro Quadratmeter gezahlt, während man jetzt für% des Geländes 8 bis 10 Mark pro Quadratmeter erhalten könne. Die Befragung dieses Zeugen über die Devkaufsverhand- lungen selbst ergab nichts Wesentliches über das bisher darüber im Ausschllß festgestellt« hinaus., Dabei mich allerdings als Dakfache hingenommen«erde«, daß die Stadt Berlin«ach billiger hätte kaufen kSnae«. wenn sich nicht der Makler Hiller dazwischen geschoben hätte. Inzwisch"* hat sa auch Staatsanwaltschaftsrat Weißenberg die Tätigkeit des Hiller bei diesem Geschäft kritisch unter die Lupe genommen. Sodann vernahm der Ausschuß die Zeugen Bücherrevisor Maywald und Geschäftsführer Groß über den Ankauf des Gutes Neu-Cladow. Beide sind hierbei als Vermittler tätig gewesen, und zwar haben sie sich die Arbeit so geteilt, daß Maywald die Verhandlungen mit dem Verkäufer und Groß die Verbindung mit dem Magistrat, also mit Stadtrot Busch, über. nahm. Busch ist ursprünglich an Groß herangetreten mit dem An- suchen, den Berkaus an die Stadt zu vermitteln, da dies« nicht selbst in Aktion treten wolle, und Groß hat sich dann an Maywald ge- wandt. Es ist daraus ein Angebot von 3,2S Mark pro Quadratmeter erfolgt, das aber Busch zu hoch fand. Busch hat dann die Angelegenheit dilatorisch behandelt und schließlich erklärt, die Der- kä-uferin solle sich nnt samt ihrem Gut einpökeln lassen. Aus den Hinweis von Groß, daß schließlich doch neben der Stadt zahlungs- kräftig« privat« Käufer vorhanden stnd, hat Busch nach einigem Nachdenken Ihn auf eia holländische» Konsortium aufmerksam gemacht, an dessen Spitze tutN stand. Heute ist bekannt, daß hinter dem Holländer Lutkl kein anderer al» Stadtrat Busch stand. Lutki ist dann auch später als Käufer von Neu.Cladow aufgetreten und der Zeuge Groß war seinerseits bemüht, ihn au» dem G«> schöft herauszubringen, well er der versprochenen Provision wegen das Geschäft mit Berlin zustand« bringen wollte Er hat ihn gefragt, w ie h och er sein Interesse beziffere, und Lutki hat darauf die Summ« von einer Holben Million Mark genannt. Busch Hot übrigen« dem Zeugen Groß ver- schictentlich empfohlen, Lutki nicht so leicht zu nehmen und sich mit ihm unter ollen Umständen zu«inigen. Er soll« vernünftig sein und Lutki nicht, wie ursprünglich beabsichtigt ISO OVO Mar», sondern 300 000 Mark zahlen. Schließlich ist dann das Geschäft mit der Stadt zustande gekommen und es wurde die vereinbart« Provision von insgesamt SSO 000 Mark gezahlt. Maywald und Groß haben davon je 150 7SO M. erhalten und Lutki 230 SOO M. Diese Summe ist Lutki von Groß im Büro der Susch'schen Petrolea übergeben worden. Lutki ist hier also im entscheidenden Moment als Käufer aufge« treten, obwohl er in Wirklichfeit nie ein Angebot gemocht hat, und er hat diese Provision von beinah« � Million Mark erhalten, ob« wohl der Ankauf inzwischen durch die städtischen Instanzen he« schlössen war. Für Maywald und Groß ist diese einträglich« Der- mittlung übrigens.nur«in, Gel e genh« i t s g« s ch S s t" gewesen....... Berichterstatter Abg. Koennecke(Dnaf.) berichtete Hann kürz über die vom Vorsitzenden und ihm vorgenommen« kommissarische Dernshmung des Herrn von Zeschau, der Gmeratbqpoll- mächtigter der Frau von Brandis al» Derkäuferin von Keu-Elo- dov» war. und de« Iustizrots und Stadtrerordneten Lü d iaus). Diskussionsvortrag:„GemerkschaftNche Eigenbctriebe".— Dampelhof: Gruppenheim, Liueum Germaniastr, 4—6. Teihenrortrag. 1. Abend:»Sozial. vcrncherung— Krankenversicherung".— Moabit: Jugendheim Lehr'er Str. 16:19. Reihenvortrag:»Da» Recht auf Arbeit".— Lichtenberg vvd Reu-Lichtenbrrg: Jugendheim Sanfistrahc, an der Lessinasirafi». Bortrag:»Das modern« Duhnen» bild".— Rahrungswittel- und Gctruulcartxiter. Verband in der Reue» Schön» Häuser Str. 4—5. Heimabend im Sitzungssaal der Ortsverwaltung. Iuoendoruppe desZentralverbandes der Anoeflellten Heute, Donnerstag, fanden folgend« Beranstaltnngen statt: Paak»«» RiederfchSahaulea: Jugendheim GSrschstr. 14 sgrotzes gimmer), Bortrog: „Derufsschuifragen". Referent: Willi Derkow.— Treptow: Jugendheim der Schule Wiidenbruchstr. 53 sZugang von der Draetzstrasie In Treptow). Kurzreierate.— Schöneberg: Iugenbheim Hauptstr. 15 sSofgebäud«. Thüringenzimmer). Gruppen. befprechnng, anschliehcnd Schallplattenvortrag:.Arbeiterdichtungen".— Lichten- bcrg: Ad IS'.H Uhr Dollztanzlursu» im Desialozzi-Lnzeum, Prinz.Aldcrt. Straße 44. Tcravtwortiich sitr Politik: Dr. Kurt Geyer: Wirtschaft: S. Klingelhöfer-, Gewerkschaftsbewegung: I. Steiner: Feuilleton: JL H. D Sicher: Lokale» und Sonsiiges: Tri» Karltädt: Anzeigen: Td. Glocke: sämtlich tn Berlin. Verlag: Borwgrls.Periag G. m d. H. Berlin Druck: Borwärls-Buchdruckcrel und Berlagsanltait Paul Singer u. So.. Berlin SD. 63. Lindenstratze tz Hier,» 2«eilogen. (Berel tun ff von yieischbrühsuppen Sie sparen dadurch das teure Suppenfleisch Zllr. 224» 47. Jahrgang Donnerstag, 45. Mai �930 Der Proöeflus des Riesenvogels. D 2000 in Tempelhol glatt geiendei. Va, Zvnkerssche Grohflugieug v 2 0 0 0>sk am gestrigen Mittwoch nachmittag gegen 4%. Ahr nach soft l 1 st ü n d i. gem 5lvZ. der sehr vnler der Ungunst de? Wetters ,u leiden hatte, im Luslhafen Tempelhos glatt ge. landet. Die Iilnkersmoschine war am Mittwoch morgen um 6 Uhr mit einer Anzahl Pressevertretern an Bord in Dessau ausgestiegen. Der Flug stellte die Maschin« infolge des schlechten Wetters gleich auf ein« sehr Hort« Probe, die sie aber dank ihrer außerordentlichen Manövrierfähigkeit glänzend bestand. Die Reis« führt« zunächst von Dessau über Magdeburg und Sal�wede! ü, der Richtung nach ch a m b u r g. Das Wetter wurde aber so schlecht, die Wolken hängen so tief und begrenzten die Sicht so sehr, daß die Piloten die Maschin« über der Lüneburger cheide wendeten und 5hirs auf Hannover nahmen. Indes konnten die an Bord einlaufenden Wettermeldungen auch für die nsue Flugrichtung keine Besserung versprechen, so daß der Kurs abermals geändert werden mußt«. In der Ist. Bormittags. stunde kreuzte die Maschine über Berlin und empfing die Mel- düng, daß im Osten und Nordosten Deutschlands besseres Flugwetter herrschte. Der Flug wurde daher in östlicher Richtung bis nach Frankfurt a. d. Oder mid dann in nördlicher Richtung über Stettin bis zur Ostfeeküste fortgesetzt. Trotz böigen Wetters log die Ma- schin« ruhig in der Lust. Di« Piloten überflogen strecken- weise das offene Meer und nahmen dann über Stralsund, Trave- münde und Lübeck Kurs auf chamburg. Hier geriet die Maschin« mieder in dichten Nebel und mußte sehr tief HerunIcrgeHeir Bon Hamburg wurde in gerader Luftlinie der Nückflug nach Berlin durch- geführt. Die Landung in Berlin. Das diesige Regenwetter ist der Swine gewichen. Hell und weit liegt das Tempelhofer Feld in den Nachmittagsstunden da. Es ist zehn Minuten nach vier. Di« Ankuntt von„V 2000" wird jeden Augenblick erwartet. Eine Masienwanderung zu den Anlege- platze» hat eingesetzt—, zu Fuß, niit der Straßenbahn und auch in Auws kommen Taufende. Doch der Landungsplatz der Luschansa ist streng abgesperrt: die Dtenschen, die das Tempelhoier Feld in breiter Front um säumen, können die Ankunft des Rissennogels nur aus reckt weiter Ferne beobachten. Kurz vor fz.Z Uhr wird das An- kunftssignal gegeben. Bold kommt das Flugzeug näher und näher. In der untergehenden Sonne erglänzt der gewaltige Leib des Flug- zeuges ieltiam aui. Die silbernen Schwingen hängen wie Riesenslügel in ivr Luft. V 2000 nwcht«ine elegante Schleife über dem Flugplatz imd setzt dann in vorbildlich guter Landung aus dem Erdboden aus. D 2000 ist ein Flugzeirg, dos die Iunkers-Werke mst ganz be- ..sonderer Sorgiokt hergestellt haben. Aui Präzision ist erhöhtes Ge- wickst' gelegt, rund 2 Jahr« haben 200 Arbeiter an ihm gearbeitet. -Di« lSesatzung dies Flugzeugs ist sechs Mann stark: Zwei Führer, die Kapitän« Zimmermann und Iothe, zwei Bord- Monteure,«in Bordwart und ein Funker. Im Prinzip ist die Maschine weniger für den Pasiaglerverkehr eck, für Frachtbesörderung für hochwertig« Nutzlast geeignet. Sie erlaubt bei einem außer. ordentlichen Aktionsradius von mehreren tausend Kilometern ein« Stutzlast von drei bis fünf Tonnen mitzunehmen. Di« Höchstgefchwindigkeit des Flugzeuges beläuft sich auf 220 Kilo- Meter pro Stunde. Auf der ersten Fahrt erzielte man bei allerdings durchaus ungünstigen: Wetter eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 bis 130 Kilometer. Das Auffällige und Neuarttge an der mofchmellen Einrichtung der v 2000 ist, daß die insgesamt vier Motoren mit zusammen 3000 LS einen außerordentlich leichten Gang hoben und das Flugzeug während des Uugzeugcs kaum gehört wird. Das von vier I,.-83-Motoren betriebene Flugzeug ist aus Dur» aluminium berge stellt und bundertprozentig deutsches Er- zeugnis. Einen wichtigen technischen Fortschritt bedeuten die Knorr- Luftdruckbrenisen, die es bei der Landung ermöglichen, nach einem ganz kurzen Auslouf stillzustehen. Der Landungsradius von V 2000 betrögt nur 50 Meter, während olle anderen Flugzeuge bisher«inen Radius von 300 bis 400 Metern brauchten. D 2000 ist Eigentum Se« Staates und vom Reichsverkehrsministerium übernommen. Wie die Direktton der Lvithonsa mitteilt, soll es ob Juni im Frachtverkehr der Luft-Hanfa Verwendung finden.. Die Höhe des Flugzeugs betrögt üb«r fünf Meter, die Spannweite 4-5, die Länge 20 Meter. Eine Preßluftanlog«, die vom Führer- und vom Maschinenmeisterstand aus bedient werden kann, ermöglicht es bei Unfällen, z. B. bei einem Vergaserbrand, d-e Gefahr im Keim zu ersticken. Ein scharfer Scheinwerfer gestattet c?, daß l) 2000 auch ttn Nacht flu g Derwendung finden kann. platz für 34 Fluggäste. Die erste Possagierkabine mit sehr komfortabler Leder- Polsterung und kuppelartiger Deckenbeleuchtung ausgestattet, bietet Platz für neun Personen und hat das Aussehen eines O-Zug-Wagens I Klasse. Ilngesöhr in der Größe 2'/. 4 gehalten, ist die Kabine allerdings nicht sehr geräumig. Neben der Tages labine be- findet sich eine Schlafkabine, die nicr Betten enthält. Die Betten sind zu je zwei üheretnander geschichtet und im Mitropa- SchZafwaxenstil geholten. Innerhalb oer Tragflächen, die auf beiden Seiten Ausblickroume für die Passagier« enthalten, kann man eine Anzahl improvisierter Sitze für die Reisenden schassen. Insgesamt kann l> 2000 34 Passagiere mitnehmen. Den ersten Flug hoben 15 Passagiere und die sechs Mann stark« Besatzung, also msgesamt 21 Personen, mftzemocht. Diese 15 Reisenden konnten sehr bequem untergebracht werden. Tödliche Schutzimpfung. Acht(Sauglinge nach der Tuberkuloseimpfung gestorben, 25 erkrankt. Lübeck, 14. Mai. Seif einiger Zeil wurde in Lübeck aus ciastimmigen Veschloß des Gesundheifsamfes das sogenannte C a l m e t t c- Schuhverfahren angewandt. Es handelt sich dabei um ein Tu der» kuloscserum, dos Säuglingen im Alter von 1 bis lv Tagen ein- geimpft wird, um sie für Lebenszeit gegen Tuberkulose immun zu machen. Das Schutzmittel Ist in verschiedenen Staaten der Velt mit Erfolg angewandt worden. Nachdem in einer Sitzung der Medizinischen Gesellschaft in Berlin im März sowie in einer Versammlung des Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose keine Bedenken gegen die Anwendung des Eatmette- Schuhversohrens geäußert waren, hatte sich die Stadt Lübeck entschlossen, einen Ver- such zu machen. Seit ungefähr März wurde dos Schuhmittel in Z4f> Zöllen abgegeben. Die Abgabe und die Ernährung der Säuglinge erfolgte unter ausdrücklicher Zustimmung der Eltern. Nun hat sich die Tatsache herausgestellt, daß von mit Eatmette genährten Säuglingen im Laufe der Zeit ZZ erkrankt und S g e. starben sind. Das Gesundheitsamt ordnete sofort die Ein- stellung des Ealmett«. Schutzverfahrens an. Die Eltern wurden aufgefordert, sich bei weiteren Säugling serkrankungen sofort an den Arzt zu wenten. Der 11 r ff o f f des Ealmsttc-Schlltzoerfahrens wurde aus Paris bezogen. Di- Anlage weiterer Kulttiren erfolgte durch Professor Dr. Deycke. Dieser erklärt«, daß ein Versehen oder falsche An- Wendung des Ealmettc-Schutzverfohrens In Lübeck nicht in Frag« England~Oesierreidi 0:0 Wien. 14. Mai. tEigenberichl.) Da« am Mittwoch auf der hohen warte in Wien aus- getragen« Fußball.Länderwettspiel Eaglan d— Oesterreich endete mit 0: 0. Por Beginn des Spieles kam es zu einem Zwischenfall, als Bundespräsident Miklas erschien. Eine Musikkapelle begrüßte den Bundespräsidenten mit der neuen Bundeshymne, deren Melo- die identisch ist mit der des früheren Koiseriiedes. Die Kapelle hatte kaum zu spielen begonnen, als sich nahezu alle Zuschauer erhoben und aus Protest gegen die Jntonierimg der Hymne in stürmische Pfuirufe ausbrachen. komme. Auch sei«in Irrtum bei der Absendung des Urstosfes von Paris ausgeschlossen. Die Theorie Colmettes, die neuerdings in Frankreich allerdings wieder umstritten ist, besonders wird gegen sie das auch in Deutsch- land lebhaft diskutierte Friedmannsche Mittel ausgespielt— behauptet, daß durch die Berpslanzung der Bazillen auf künstlichen Nährboden die Vitalität dieser Bazillen so abgeschwächt wird, daß eine krankmachende Wirkung nicht mehr bestehen kann. Im all- gemeinen ist der menschliche Darm für Bazillen überhaupt nicht durchgängig. Immerhin sind Neugeborene in dieser Hinsicht noch nicht so unempfindllch. In Berlin ist dos Calmette-Verfahren besonders im Koch-Institut ausprobiert und experimentell nach- geprüft morden. Professor Ulrici,«in hervorragender Fachmann auf diesem Gebiet, erklärt im Gegensatz zu den Lübecker Aerzten, daß man sich in Berlin durchaus nicht restlos von der Harmlosigkeit des Verfahrens Hobe überzeugen können. Es müßt« jedoch nachgeprüft werden, ob in Lübeck auch taijächlich das Originalversohr ui bzw. der Originalimpfftoff von Colmette zur Anwendung gelangt ist. Buckower Kleinbahn elektrisch. Alle Schönheft und Lieblichkeit der Mark liegt um das Städtchen Buckow im Kreise Lebus. Es hieße Eulen nach Athen tragen. wollte man diese jedem Berliner bekannte Tatsache nach besonders unterstreichen. Und doch ist hier wieder ein Stückchen- Kleinstadt- rvmantik verschwunden: die.Buckower Kleinbohn existiert nicht mehr. Buckow will Weltbadeort werden. Es hat seine alte Kleinbahn von Dahmsdorf-Müncheberg noch Buckow(12 Kilometerl — normalspurig mit Oberleitung— elektrifiziert. Am Dienstag fuhr die neue Bahn zum erstenmal. Man hat olles gleich ins Große gedacht, 5 Personenwagen des madernsten Typs, die 300 Personen fassen. Triebwagen, die es bis auf 120 Kilometer in der Stunde bringen können, deren Geschwin- digkeit aber nicht über 50 Kilometer die Sttmde betragen soll, weil die Strecke zur kurz ist. Es war«in großer Tag für die Umgebung. In Dahmsdorf-Müncheberg durchstrhr der mit Girlanden geschmückte neue Zug ein von Ehrenjmrgsrauen gehaltenes Band. Es wurde gefilmt und photographiort, und zum erstenmal auf der Normal- spur begann die Reise. Noch sechs Minuten war die umfriedete Waldstation Sieversdors erreicht, nach- weiteren tz Minuten Buckow. „Schade, ich hätte sie länger brummen lassen. Und also, nicht' wahr. Sie verzichten aus alle weiteren Einvernahmen der Gräfin Aaresund?" „Ich glaube, ich kann darauf verzichten." „Und wenn möglich, so tun Sie mir noch einen Gefallen: schmeißen Sie den Wlsä, in den Papierkorb, ohne Unter- schrift hat er doch ohnehin keinen Wert. Und wenn im August der König zu mir kommt, so werde ich mich sehr freuen, Sie auch einmal zum Lunch empfangen zu dürfen." Kgl. Amtsgericht Sändntz), 18. Juli 1929. gez. Aaresund. H. G. Iacnbsen. Prof ob oll auf ce.norp'men mit dem Zeugen Ole Land.(Der Zeuge hat selbst, vorgelassen zu merdev.) „Sie wünschen. Herr Luftd?" Ich— ja. ich wünsche wirklich etwas, sozusagen— ich wünsche meine Gedichte., Was.— was reden©'c da? "Jawohl, meine Gedichte. Herr Untersuchungsrichter. Durch einen bedoueriichen Zufall waren sie unter die Sachen des Defraudanten Thornald Stirrc geraten, ich wollte sie schon längst zurückverlangen, vergaß es nur, jawohl, man vergißt ja so leicht etwas. Diele Gedichte hier sind also von Ihnen?" "Jawohl. Herr Untersuchungsrichter. Nur möchte'ch einstweilen noch um Diskretion bitten. So lange ich noch meinen Lehrerposten auf der Insel ousfuve— Sic verstehen. "Aber�cben�Si� nun ist wir ein großes, man kann schon sagen ein unverhofftes Glück widerfcchre.n./ Fräulein Birgit Haftina hotte nämlich die Freundlichkeit. W oiiftcrordentftche (Ritte vielmehr, meme Gedichte mi Dagens Rheder et». zusenden, und denken Sie, ich werde gedruckt, jawohl, ich werde gedruckt, vielleicht sogar noch in diesem Monat, im Sonntagsmagazin von Dagens Nyheder, ich, Ole Lund, natürlich unter einem anderen Nomen." „Das ist ja ausgezeichnet, Herr Lund. Das ist ja groß- artig. Ich gratuliere Ihnen auf das herzlichste. Hier. nehmen Sie nur Ihre Gedichte. Und viel Glück und Erfolg." „Einen Augenblick. Herr Untersuchungsrichter, nur noch einen kleinen Äugenblick. Ich möchte mir eine Frage er- lauben. Haben Sie vielleicht auch«in wenig in diesen Gedichten geblättert." „Eigentlich nicht, lieber Lund. oder doch, aber nur ganz flüchttg. Ich kann Ihnen leider gar nichts darüber sagen, ich verstehe nicht das geringste von Poesie." Kgl. Amtsgericht Sandrup, 18. Juli 1929. gez.: Ole Lund. H. G. Jacobsen. Profoholl auf genommen, mit der Zeugin Dyveke Madsen. „Fräulein Madsen. ich habe hier eine wichtige Frage an Sie zu stellen... nehmen Sie sich zusammen und weinen Sie nicht gleich wieder... Fräulein Madsen, mer ist der Vater Ihres Kindes?" „Was meine Pia ist..." „Reden Sie nicht von etwas anderem. Sie missen genau, was ich meine. Wer ist der Vater Ihres zukünftigen Kindes?" „Das weiß ich doch nicht." „So. Das wissen Sie nicht. Und trotzdem beschuldigen Sic einen unschuldigen Menschen." „Das war doch nicht ich. Das haben doch die anderen gesagt. Und was Fräulein Hasting ist, die hat immer gesagt, der und kein anderer nicht muß es gewesen sein." „Aber Sie haben doch selbst hier vor uns bei Gericht Herrn Torben Rist als Vater Ihres Kinder angegeben." „Ich HStT ihn eben so gern gehabt." „Das ist doch kein Grund, um einen Menschen zu verleumden." „Er mar so ein schöner Mensch, Herr Richter. So ein schöner Mensch. Und wenn er einen nur angesehen hat, ganz steif Ist man geworden." „Erzäblen Sic jetzt nur nicht noch die Geschichte von dem steifen Hals." �Ich kann nichts dafür,.-.. Vater hat auch gesagt, er wird's wohl sein... Und er hätt's ja auch gewesen sein können." „Fräulein Madsen, jetzt verliere ich langsam die Geduld. Geben Sie zu, uns etwas vorgefaselt zu haben oder nicht? Geben Sie zu, daß jeder andere auf der Insel ebenso gut wie Herr Rist der Vater Ihres Kindes sein könnte? Geben Sie das zu oder nicht?" „Oh Gott, oh Gott, das ist ja eben das Unglück." „Was Frau Delius ist, die schmeißt mir raus. Und Dater will mir auch nimmer hoben. Nu kann ich gleich ins Wasser gehen." „Ach was. reden Sie doch keinen Unsinn. Warum sollte Frau Delius Sie denn hinauswerfen?" „Solange das Kind von Herrn Rist war, vom richtigen Herrn Rist nämlich, der uns olle verführt hat, und nicht von diesem Herrn Stirre, da war nämlich alles in Dutter und Frau Delius und Fräulein Hasting. die sprachen auch schon von Windeln und Hcmdchen— oh Gott, oh Gott—" „Dyveke, seien Sie vernünftig, weinen Sie nicht so furcht- bar, das werden wir olles schon in Ordnung--" „Und Frau Delius. die sagte schon, sie wird das Kind adoptieren, aber jetzt, wo ich nicht weiß von wem, und es war keine Vergewaltigung nicht und auch nicht die große Liebe wie bei meine Pia, Einar hieß er und war ein M-ätrofe aus Kopenhagen, fast so schwarz wie Herr Rist, aber nicht katholisch— oh Gott, oh Gott--" „Dyveke, Sic heulen ja so, daß man Sie bis auf die Straße hinaus hört. Dos geht doch nicht." „Und was Frau Delius ist, die verzecht mir das nicht. nein, nein, die verzecht mir dos nicht. Und war doch alles so schön gewesen. Ich mache es wie. Jensens Mar'e Louise, ich geh ins Wasser." „Nein, Dnneke, so was Dummes werden Sie bestimmt nicht tun. Und wenn Sie nur«wen Augenblick still sein wollen, dann werde ich Ihnen was sagen. Geben Sie nur getrost Ihre Stelle bei Frau Delius auf. Wir werden Ihnen eine andere suchen. Wer weiß, vielleicht heirate ich in nächster Zeit. Na. Gott sei Donk, jetzt wachen Sie schon ein anderes Gesicht. Aber bessern müssen Sie sich. Dyveke. Und nie mehr falsche Väter für Ihre Kinder angeben." Kgl. Amtsgericht Sandrup, 18. Iuft 1929. gez. Dyveke Madsen. H. G Jacobsen- ( Schluß folgt-! Hier stand vor den festlich geschmückten neuen Vahnhofsanlogen ganz Buckow. Und während m der Bahnhofshalle von den anwefeirden Vertretern der Behörden feierliche Reden gehalten wurden, versuchte dvauhen die Buckower Jugend die neue Wunderbahn in Bewegung KU fegen. Alles war nur auf das große Ereignis des Fortschritts eingestellt, gegen das der See und die„Märkische Schweiz" genannte Umgebung wesentlich zurückfiel. Die kleine alte Bahn mit den vier Personenwägelchen— wenn sie nicht ausreichten, fuhr»mn auch gern in den offenen Güterwagen—, die auf einem Nebengleis ver- lassen stand, schien wenig über diesen ncuzeitigen Spuk zu trauern. 170 000 Personen halte sie im Jahre durchschnittlich besördert. LZ Jahre ist sie auf dem wohlbekannten Wege hin und her gc- pendelt, manchmal mit Schwierigkeiten, aber ohne ernsthaft« Ge- sährdung ihrer Passagiere. Der Hintergrund der Angelegenheit ober ist, das Bad Buckow es den Ausflüglern bequem machen will. Der Berliner soll das Ge- fühl haben, daß auch Buckow Berlins würdig ist. Und man rechnet damit, daß eines Tages die elektrischen Großzügc der Hauptstadt bis noch Buckow fahren werden. 5 Lahre Neichs-Runösunk-Gesellschast. Auch der Arbeiter-Radiobund gratuliert. Nachdem vor mehr als fünf Iahren eine Runftmkgesellschaft nach der anderen gegründet wurde, kam endlich am 15. Mai 1925 als Dachorganisation die Reichs-Rundsunt-Gesellschaft zustande, die zunächst die Aufgabe hatte, verwaltungstechnisch zu reorganisieren. Ihr Tätigkeitsgebiet wurde erweitert, als der Rcichspostminister die parlamentarische Verantwortung für den Rundfunk übernahm. Trotzdem gerade die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft als wichtigste Instanz des deutschen Rundfunks gerechnet werden muß, hat die Oeffentlichkeit kaum etwas von ihr gehört. Durch diese Dochorgani- sation werden alle technischen und organisatorischen Aufgaben durchgeführt: sie ist Vertreterin De utschlands im Welt- rundfunkverein und bereitet also internationale Abkommen vor, in ihrem Besitz befindet sich die Aktienmehrheit der Rundfunk- gefellschaften, die auf privatwirtschastlicher Grundlage aufgebaut sind. Der Einfluß des Reichspostministeriums, dem die Reichs- Rundfunk-Gesellschoft untersteht, ist also erheblich genug, um staat- lich« Beaufsichtigung durchzuführen. Obwohl die politische Kontrolle der Programmgestaltung durch das Reichsministerium des Innern geschehen soll, kann auch die Reichs-Rundfunk-Gesellschaft auf diesem Gebiet Einflüsse geltend machen. Ihre Anweisungen erhält die RRE. durch ihren Verwaltungsrat, der von Staatssekretär Bredow geleitet wird. Trotz aller Meinungsverschiedenheiten über das Programmwesen sind well über drei Millionen Teil- nehmer vorhanden, deren Gebühren einen weiteren Aus- bau des Sendewefens gestatten, wenn auch die Sendegesellschaften heute weit größere Summen als früher an den Staat abführen müssen. Di« RRG. treibt intensive lohnende Propaganda und hat als Mitarbeiter den Arbeiter-Radiobund heran- gezogen, der diese Jnteresieugemeinschaft gern fortsetzen wird, wenn es sich darum handelt, soziale Möglichkeiten zu finden, die den Kreis der Arbeitcrhörer vergrößern Helsen. Die Oiebessahrt mii Hindernissen. KonfektionSgefthäst und Ausflugslokal ausgeraubt. Zu der Festnahme der fünf Autodiebe und Einbrecher, über die wir in der Abendausgabe berichteten, läßt sich ergänzend berichten, daß jetzt auch die Herkunft des Wagens und der darin gefundenen Sachen geklärt werden tonnte. Einer der Burschen hatte das Auto, einen oiersitzigen Sportwagen in der Cadiner Straße, als sich der Besitzer nur auf wenige Minuten entfernt hatte, g e st o h l e n und war damit in rasender Fahrt geflüchtet. Der Autodieb fuhr zur Münzstraße, wo er seine Spießgesellen, die in einem Lokal warteten, abholte. Zu- nächst fuhr die Gesellschaft nach Lichterfelde hinaus und stahl dort aus einem Konfektionsgeschäft in der Bismarckstraße 93, dessen Schaufenster sie zertrümmerten, sämtliche Blusen, Kleider und Seidenstoffe. Um den einmal angebrochenen Abend nicht un- genützt verstreichen zu lassen, wurde beschlossen, in eine Schankwirt- schaft einzubrechen und sich mit alkoholischen Genußmitteln zu ver- sehen. Die Kolonne fuhr danach nach dem Grunewald hinaus. Einer der Beteiligten hatte wohl schon früher einmal ausbaldowert, daß in dem Ausflugsrestaurant im Jagdschloß Stern, das für einen Einbruch sehr günstig war, ohne große Mühe etwas zu holen sei. Der Wagen hielt an versteckter Stelle des Jagdschlosses und vier Mann begaben sich nach dem Ausflüglerlokal und brachen ein. Spirituosen, Zigarren, Zigaretten usw. wurden in großer Menge vorgefunden und in das Auto verfrachtet. Zuvor hatte sich die Verbrecherkolonne noch an Weinen und Schnäpsen gütlich getan, und zwar in so reichem Maße, daß der Führer den Wagen kaum noch steuern konnte. Im Tiergarten ereilte dann alle, nach dem Zusammenstoß mit dem Waschwagen, ihr Geschick. Hatenkreuzler überfallen Rcichsbannermann. Ein junger Reichsbannermann der Kameradschaft Südost wurde gestern am Ausgang der Hochbahnstation GörlitzerBahn- h o f, wo er Flugblätter verteilte, von mehreren Nationalsozia- l i st en überfallen. Einer der Rowdys schlug mit einer Fahr- radzange solange auf den Reichsbannermann ein, bis der lieber- fallene blutüberströmt zu Boden sank. Erst als andere Reichs- bannerleute dem Bedrängten zu Hilfe eilten, ließen die national- sozialistischen Strolche von ihrem Opfer ab und versuchten zu flüchten. Zwei von ihnen wurden von der Polizei jedoch noch eingeholt und sie wurden der Abteilung I A. übergeben. Der schwerverletzte Reichsbannermann, der außer anderen Wunden einen Nasen- b e i n b r u ch erlitten hat, mußte ins Krankenhaus gebracht werden. Konzert des Schupochores. Im Clou, Mauer st raße, ver- anstaltete der Gemischt« Chor der Schutzpolizei gemeinsam mit dem Schupoorchester III sein 6. Stistungssest. Das reichhaltige Konzert- Programm, an das sich zum Schluß«in Fcstball schloß, brachte als Einleitung die.,�reischutz"-Ouvertüre, dann folgte„Das Lied von der Glocke" für 4 Solostimmen, Chor und Orchester, das durch die Gewalt seiner sprachlichen Struktur schr eindrucksvoll wirkte. Sehr hübsch klangen die.Veappella-Ehöre aus.Lphigenie in Aulls", Mendelsfohn-Barcholdys„Erster Frühlingstag" und aste Volks- lieber, dann holte sich die Sopranistin Gerda Javer mit der Arie der Adele aus„Fledermaus"«inen ganz besonderen Erfolg. Auch olle übrigen Mitwirkenden, Solisten. Chor und Musiker boten gute Leistungen. Im 2. Teil des Programms tanzte Iolanth« Elest mit Grazie und Humor Tänze aus„Peer Gynt" und den Marsch her „Drei Musketiere". Der anschließende Festball vereinte die zahl- reich erschienenen Gäste noch lange bei sröhlicher Laune. Sc-siLte dem[Grunewald. Mutwillen behindert die Pflege der Kulturen. Die Berliner sind doch recht merkwürdige Menschen: Auf der einen Seite sind sie mit Recht sehr stolz aus ihr« schönen Parks, Plätze, Anlagen und Stadtwälder, und auf der anderen Seit« wollen seit Jahr und Tag die Klagen darüber nicht verstummen, daß die Berliner nicht imstande sind, ihre Wälder und Parks vor wutwilliger Verunstaltungen und Verunreinigungeil zu schützen. Man könnte dies« Klagen für übertrieben halten, mußte sich aber anläßlich einer Besichtigungsfahrt, die die F o r st d e p u t a t i o n der Berliner Forst Verwaltung und der Berliner K o m- mifsar für Naturdenkmalspflege gemeinsam durch den Grunewald veranstalteten, leider eines anderen belehren lasten. Dos, was man von dem Berliner Naturschutzkommistar Dr. Hilz- heimer und dem Forstdirektor G rass e r hörte, war der Form nach«in« Klag«, dem Sinn nach aber«in« sehr ernst« A n- klage. Man hört da z. B. mit freudiger Ueberraschung, daß auch die Berliner Forstverwaltung eine Feindin der vielen Verbots- tafeln im Wald ist, daß ober Polizei und Gerichte sie verlangen. Es ist sogar vorgekommen, daß man Ausflügler, die man bei Uebertretungen erwischt hatte, sich darauf beriefen, daß ja keine Verbotstafeln da seien. Um die vielen jungen Kulturen zu schützen, ist man wohl oder übel dazu übergegangen, sie mit Draht einzuzäunen. Da es nun vorgekommen ist, daß Leute, die dem Draht zu nahe gekommen waren, und sich die Kleider de- schädigten, Schadenersatzansprüche an die Stadt stellten, mußte man auf den Schildern ausdrücklich vermerken: D i« Benutzung der Wege geschieht auf«igen« Gefahr. Den Einwand, daß es doch wohl nicht nötig sei, jede junge Kultur mit einem Zaun zu umgeben, können die Berliner Forstleute mit dem Hinweis entkräften, daß es leider gemig Leute in Berlin gibt, die sich einen Spaß daraus machen, mit Drahtzangen mut- willig den Draht zu zerschneiden nnd die jungen Kulturen zu zertrampeln oder zu beschädigen. Aus diesen: Grund muhten auch, jedoch nur zeitweilig, viel« Abhänge ob- gesperrt werden, da sie vom Publikum völlig abgetreten werden. Nach einiger Zeit werden sie wieder freigegeben. Besonders schlimm wüsten die Ausflügler in dem jungen Frühlingsgrün des Unter- Holzes und in den an sich geringen Blumenbeständen. Leider ist wiederholt sestgestellt worden, daß Hunde das wenige im Grüne- wald vorhandene Wild aufgestöbert, gejagt und zerrissen haben. Durch achllos fortgeworsene glimmende Zigaretten st unimel wird sehr viel Brandschaden angerichtet. Wie dankbar sollte es die Bevölkerung begrüßen, daß folibe Ruhebänke auf- gestellt werden. Was aber geschieht? Man hat Männer ertappt, die sich schwere Werkzeuge mitgebracht hatten, um die Bänke zu zertrümmern. Man könnte seitenlang so fortfahren/ Aber das eine muß gesagt werden: So darf es nicht weiter gehen! Die Berliner Bevölkerung muß die städtisch« Forstverwaltung und den Naturschutzkommissar in ihren Bemühungen, den Grunewald zu einer schönen und würdigen Erholungsstätte zu machen, weitestgehend unterstützen. Lm Zeichen der Kastanienblüte. Berlin hat an Freundlichkeit gewonnen, wenn die Taufende und aber Tausende Kästanienbäume blühen. Jene Kastanienbäume. die vereinzelt im Tiergarten die Wege überschatten, die an öffent- liehen Plätzen stehen oder über oie altersgrauen Mauern alter Gärten mit weit ausladenden, dichten Kronen schauen. Das Lob der blühenden Stadt verlangt jetzt am lautesten gesungen zu werden. Es ist etwas Eigenes um die Kastanienblüte, die Berlin den Oden: des Vorfrühlings verleiht, wie den Lenz in vollster Geltting ein- führt. Die jungen und vollen Kronen bauschen sich u,rd stecken My- riaden von Lichtern auf mit weißlichem oder rölliäzem Schimmer, ob und zu auch in der bleichen Tönung des Wachses von Kirchen- kerzen. Ein seiner, zärtlicher Duft umspielt die dicht beblätterten Kronen wie südländisches Märchenrauncn. Trotz der wuchtigen, grauschwarzen Stämme hat dieses Blühen der Roßkastanien typisch fraulichen Charakter, der anziehend wirkt, ber zum Wahrzeichen des wirklichen Frühlings in Berlin wird. Diese Kastanien haben nichts zu tun mit den namensgleichcn Bäumen, die die echten, die eß- baren Kastanien und Maronen tragen. Nur die Früchte haben eine gewisse Aehnlichkeit, nicht die Stämme, Blätter, Blüten. Auch die echte Kastanie(Castanea vcsca) mit den hell oschgrauen Aesten, mit den länglich-lanzettlichen, stachclspitzigcn, gezähnten Blättern. blüht jetzt in unseren Anlagen. Aber ihre weiblichen Blüten sind klein und unscheinbar, wie bei der Eiche, während die männlichen Kätzchen steif, aufrecht auf den Zweigspitzen stehen und im Wasgau, im Schwarzwald, wo die echte Kastanie ganze Wälder bildet, in ihrer Mäste einen majestätischen Anblick gewähren. Die Roß- kastanie sXescuIus hippocastanura), deren Kastanien von Pferd und Wild gerne gefressen werden, ist bei uns, aus Persien stammend, so heimisch geworden, daß sie in ihrer Blütezeit charakteristisch für Berlin geworden ist. Ihre zu Sträußen geordneten Blütchen mit den roten und gelben Flecken beherrschen jetzt das Straßenbild. Die rotblühende, die gelblich blühende und die strauchige Roßkastanie, Pavien geheißen, sind Kinder Nordamerikas, deren Frucht- becher kein« Stacheln tragen. Sie werden weniger in Berlin an- gepfianzt und stehen der weißlich blühenden Roßkastanie an Blüten- pracht und Dichtigkeit der Blattkron« nach. Die Provision für Katz. Weshalb man das Haus Äellevuestr. 2 unbedingt brauchte. Die Meldung, daß Sladkral Satz von dem Vertrauens- maun von Spkyer. Ellijsen. Ludwig Sachs«inen Vrovijionsschein erhalten, dicjep aber- unglücklicherweise verloren hübe, wird von anderer Seile«nst einer Darstellung beaülworfcl, derzufolge 6ah den Empfang bzw. den Verlust eines solchen provisionsscheins bestreite. Demgegenüber stellt eine Korrespondenz aus Grund von Mitteilungen aus unterrichtetem kreise folgendes fest. Das Bankhaus Speyer-Cllissen hatte für seine Grund- stücksinteressen am Potsdamer Platz und später in der Tauentzien- gesellschast eine Holdinggesellschaft gegründet, die Canada-Land- Comp., die am Potsdamer Platz ursprünglich ein Bürohaus errich- ten wollte. Für diese Zwecke hätte auch das ursprünglich zur Verfügung stehende Gelände genügt. Da kam eines Tages ein Herr aus Paris zurück mit einem Vertrag, den er dort mit der„Galenes Lafayette" abgeschlossen hatte, wonach diese gegen Provisionen vom Einkauf den Namen für ein am Potsdamer Platz zu errichtendes Kaufhaus hergab. Hierfür war das Gelände zu klein, und man beschloß, die Grundstück« B«ll«vuest.raßs 2 und 3 hin- zuzukaufen. Die Finna A. Werth ei in, die von diesem Plan Wind bekam, kaufte der Canada-Land-Comp. das Grundstück Bellevuestraße 3, das Künstlerhous, vor der Nase weg. Das ganze Projekt„Galeries Lafayette" am Potsdamer Platz stand und si«l nun mit dem Grundstück Bellevuestraße 2, das der Stadt Berlin gehörte, und um die städtischen Instanzen für diesen Berkauf gefügig zu machen, erhielt ein Makler den„Bertrauensouftrag", die not- wendigen Schritte hierfür zu ergr«ifen, zumal von ihm bekannt war, daß er die besten Beziehungen zu dem Grundstückxdez.'rnat der Stadt Berlin hatte. Dieser ManN hat dem Stadtrat Katz einen Provisio>>s schein ausgestellt für den Fall, daß die Stadt Berlin dos gewünschte Grundstück verkaufe. Wenn Katz diese Provisionszusicherung als unwahr hinstellt, dann müßte er den Makler wegen Verleumdung verklagen, denn dieser hatte eines Tages seinen intimsten Freunden von dem Unglück Kenntnis gc- geben, das ihn betroffen habe, weil Stadtrat Kotz den von ihn, ausgestellten Provisionsschein auf unerklärliche Weise verloren habe. kirchenauslrilt. Am Freitag, dem 16. Mai, von 18 bis 20 Uhr, hat die. Fr ei religiöse Gemeinde. Pappelallse 15, ihren üblichen Kirchenaustrittsabend. Jede über vierzehn Jahr« alte Person kann gegen Vorzeigung einer Legitimation und Zahlung einer Notoriatsgebühr von 2,— Mark ihren Kirchenaustritt erklären. INene Ersohronsen In den Stnechzlnurein Berliner yeUkundlger. Uebcr MefcS Tbemo wird Herr Dr. med. HonS Ullmann. Berlln-Cba'Iotten- burg, in einer Sitzung der Berliner«»'elellslbaft für öffentliche ßiciunddeil*. pflege t. V., Dienstag, den 20. Mai 1930, abends 8 Ubr, im k-hgienischen Institut der Universität, Berlin, Dorotbeenirraße 28a iprechcn. Gäste find willkommenl Dm.?est der Goldenen Hochzeit feierten gestern der Rentner Heinrich P a v e n i u fi und feine Ebesrau Emilie, geb. M r o t b, Berlin NW. 8, Vbilippitrasie 9 in geistiger und körperlicher striiche. Papeniui, lebt icit 1878 alS Arbeiter in Berlin und ist treuer Leser des.BortvärtS- und alter Parleigenosie. Wir wünschen den beiden alten Freunden alles Gute. Sport. Rennen zu Hoppcgarien am Rlilkwoch, dem t4. ZRai. 1. Rennen, 1. Prellitcin(Grabow), 2. Machooran, 3. Fernläuder Toto: 17:10. Platz: II, 12:10. Ferner lief: Hochdruck. 2. Rennen 1. FlaviuS(H. Schmidt), 2. Lehnsherr. 3, Fenelon. Toto: 70:10. Piatz: 23, 21, 17:10. Ferner liefen: SiloiuS, Ararat, Goldene Rose, Flaggengrufi. 3, R e n n e n. 1. Versöhnung(Böblkei, 2, Faianenheune, 3. Schmeichlerin, Toto: 43:10. Platz: 14, 19, 12:10. Ferner liefen: Vwat, Windsbraut Fides II, Dejaneira, Tiefeusurt, Mia. 4. Nennen, 1. MajordomuS.57, 139: JO, Ferner, sieicv: Fabulist..RotestitiM. Eidora, Puppenipicler, Silvio, Neirdelln, Norgenrok, Eöu, Senöw, Sorvilia, HäuHinrarm'S Schwester, Gastet atfij; Shirjana, Ehriftroje. .nsd-ri#.. kinsendnnge» für diele Rubrik find »» r l i n SW 68, Llndenstratze 3. parieinachrichien für Groß-Nerlin stet» an da» Bezirt»sekret»rla« 2. Hof, 2 Treppen recht», zu richten. 7. tt«i» Tharlottrnburg. Tonnerstog, 22. Mai, 20 Uhr. Sitzung der Zugend- kommissurn im Zugendheim Rosinen str. 4. Alle Abteilungen und Sparten müssen vertreten sein. 13. 5tr«i« Tempelhos. Eonnabend. 17. Mai, Besichtigung de» Srotzkeastroeel» Klingerrberg. Treffpunkt pünktlich 18 llhr(nicht 17 Uhr) am Bahnhof Tempelhof, 14.«rci» Reulölln. Freitag, 16. Mai, 19 llhr. Sitzung de» engeren«reis- vorsionde» im Parteibüro,— 45. und 46. L«ben»ge«einschaft»sihnle. Freitag, 16. Mai, nach der amtlichen Slt«rn»ersammlllUg Sitzung sümt. lich« SPD. Sltern im Physilraum aur Ausstellung der Saudidateolift«. 15.«rei» Teeptaw. Zreitag. 16. Mai. 19>4 llhr, in Niederschöneweide. Ber. liner Str. 88. llieisvorstandositzung mit den Abteilungsleitern. 2».«rei, Reiniikendors.«eeitag. 16. Mai, 1914 llhr, im«othhau»,«riaicken. boef.West, Scharnwebeestr. Il4, Sitzung aller Abteilungsleiter mit de- Obleute» der«lternbriräte. Erscheinen alle« dringend ensorderlich. heule, Donnerstag. 15. INai: 19. Abt. 20 Uhr Bersammlung der SPD.»Eltern und Sympathisierenden der 208. Volksschule(weltliche), Eotenburger Straße, bei Steffen. Prinzen- allee 57. Morgen, Freitag. IL. Mai: 38. Abt. 29 Uhr bei Dartusch, Friedenstr, 88, Sitzung der Bezirksführet und ssunktiouLre. Alle Bezirke müssen vertreten sein, 44. Abt. Alle Mitglieder des Freidenkerverbandes besuchen die Bersommlung des Verbandes um 191» Übe bei Rabe, stichtestr. 29. 46. Abt. 29 llhr Sitzung der Elternbeiräte bei Chwillkowsk», Weangelsie. 67. 85. Abt. Tempelhof. Funktionärversammlung um 29 llhr im Lokal Damme. rening. Berliner Eir. 199. Elternbeiratsmitglieder und parteigenölsilche Lehrer wollen gleichfalls teilnehmen. 93. Abt. Neulällu. 29 llhr bei Jtöiüg, Böhmische Str. 43—44, Versammlyug aller SPD.-Mitgiieder der 45.'Abcrnbesielle dbr K-nsumgenossenschaft. Vortrag der Denossi» Eannen£oU. Berschiedene». 108. Abt. Köpenick. Pünktlich 1« llhr Bewreeftung oller SenaMnnen und Ge- nassen, die Kinder in der Dvrolheenschule haben, in der Schlofsir, 27, I. 29 Uhr Versammlung der Eltern in der Aula ber Doratheenschule. Er- scheinen Pflicht. Zrauenveranstaltuna. All« Abteilungsleitcrianen können noch im Zemienlekeetariaf vastkarte» zum Bezirks lraucntag am Sonntag, dem 18. Mai, erhalteu. Jungsozialisten. Gruppe Fei«brich»haiu. Leute, Donnerstag. 29 Uhr, lm Zugendheim Frankfurter Allee 597, Hof, Hermann-Löns-Zimmer, Boetrag:„Nationalsozialismus". ZIeferent: Dr. Klotz Gruppe Prenzlauer Berg. Heilte. 29 llhr, weltli6>e Schule, Danziger Straße 23, Vaeteag des Genossen Goldstei»:„Marxismus in Eomietrußland". Wegen Erledigung organisatorischer Dinge ist das Erscheinen aller Genossen notwendig. Säue gern gesehen. Gruppe Mitte. Heute, Donnerstag, pünktlich 29 llhr, im Jugendheim Thema:„Erziehungsfragen". Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. 13. Krei, Tempelhos. Donnerstag, 15, Mai. pünktlich ILib Uhr. im Ma-Li. Wameniorf. Chaussee. Ecke Eisenacher Straße. «rei» Reuktlln, Gruppe Tritz Reuter Zur BollveAamnelunq treffen sich alle Znngfalken und Ro'e Talken heute. Donnerztag, 16 Uhr,' an der Drang. Körner. Ecke Rudower Straßc. Iveiteraussichten für Berlin. W-chselnd bewölkt, zeitweise heiter. nur noch vereinzelt leichte Regeüschaller, noch ziemlich kühl.— Für Deutschland. Im Südosten und Süden noch stark bewöikt mit leichten Regepsällen, im übricen Reiche zeitweise heiter und nur noch vereinzelt leichte Regenschauer, noch ziemlich kühl. Gelbe Naucherzasine.„Nach langem Suchen endlich das Nichtig« für meine Zähne. Nach dreimaligem Gebrauch blendend weiße Zähne, trotzdem dieselben durch vieles Rauchen braun und unschön wirlten. Ich werde nichts anderes mehr gebrauchen, als Ehlorodont." B., Horst Berg.— Chlorodont: Zahnpaste, Zahnbürsten, Mundwasser Einheitspreis 1 Ml. bei höchster Qualität. In allen Chlorodont- Verlaussstellen zu haben. Not der produktiven Kürsorge. Mehr Reichsmittel!— Will das Reich die Landflucht fördern? Die Arfieitslosigteit liegt in diesem FruhjoHr(Enidc Äprtl) um mehr als 700 01X1 iüwr der vorjährigen Arbeitslosigkeit und um mehr als l 100000 über der Arbeitslosigkeit im Frühjahr 1928. Di« Arbeiterschaft verlangt dringend Arbeitsbeschaffung. Verleumdungen von bürgerlicher Seite ändern nichts daran, daß die Arbeitslosen weniger nach Unterstützung als nach Arbeit verlangen. Als im Jahre 1926 eine Wirtschaftskrise von ähnlicher Schwere herrschte wie in diesem Jahr, wurde vom Reich ein großzügiges'Arbeits- beschaffungsprogramm aufgestellt und durchgeführt. Gegen die Auf- stellung eines neuen Arbeitsbeschaffungsprogramms wirb die F i n a n z n o t der öffentlichen Körperschaften ins Feld geführt. Man wäre versucht, dagegen einzuwenden, daß dos Reich, wenn ein entsprechender politischer Wille dahinter steht, auch in der heutigen Finanzlage Mittel und Wege findet, um Hunderte von Millionen Mark für Notstandsmaßnahmen aufzuwenden, wie das Beispiel des Ost Hilfeprogramms beweist, lind man wird auf jeden Fall mit Naihbruck darauf hinweisen müssen, daß heute, bei dem internationalen Druck auf die Z i n-s s ä tz e, die Ge- legeich eit gekommen ist, di« Hilfe des kopitalkröstigen Auslandes für arbeitsintensive Investitionen der öffentlichen Körperschaften, insbe- sondere der Kommunen, in Anspruch zu nehmen. Dennoch hat bisher die Arbeiterschaft die Forderung nach einem umfassenden neuen Arbeitsbeschaffungsprogramm noch nicht gestellt: ein Beweis für das disziplinierte Verständnis der freien Gewerkschaften und der Sozialdemokratie für die Lag« der Staats- finanzen. Mit aller Entschiedenheit aber muß gesagt werden, daß unsere Zurückhaltung in dieser Frage nicht zur Folge haben darf, daß die einzige organisierte Form der Arbeitsbeschaffung für die Arbeitslosen von der Rücksicht aus die Staatssi inmzen in Mit- lcidenschaft gezogen wird: die werteschassende Arbeits- losenfürsorge. Ein Blick in den Reichshaushalt wird darüber Aufschluß geben, welche Gefahren der werte- schaffenden Arbeitslosenfürsorge drohen. Schon im Vorjahre bekam die wertefchaffende Arbeitslosenfürsorge die Finanznot des Reiches zu spüren. Die Regierung Hermann Müller hatte ursprüng- lich in den Etat 1929 noch 54,25 Millionen Mark für die werte- schaffende Arbeitslosenfürsorge eingesetzt. Aber in den langwierigen Verhandlungen zwischen den Fraktionen, die damals geführt wurden, nm zwischen den Ausgabensenkungsbestrebungen der bürgerlichen Parteien und� unserem Anspruch auf Aufrechterhaltung der sozialen Ausgaben des Reiches einen Ausgleich zu finden, mußte von uns eine Verringerung dieses Etattitels um 20 Millionen Mark zugestanden werden. Es standen zwar noch R e st e aus dem Rech- nungsjohr 1928 in Höhe von 42,5 Millionen Mark zur Verfügung, so daß im Rechmingsjahr 1929 insgesamt 76,75 Millionen Mark für die werteschassende Arbeitslosenfürsorge aufgewandt werden konnten. Aber auch dieser Betrag erwies sich infolge der fort- schreitenden Verschlechterung der Konjunktur als zu niedrig. Er wurde zwar nicht erhöht, aber der damalige Reichs- arbeitsnnnister Wissel! setzte es wenigstens durch, daß er für den Bau von Landarbeiterwohnungen Darlehen in Höhe von 15 Millionen Mark zusagen konnte, die im Rechnungsjahr 1930 aus- gezahlt werden sollen. Man kann astb. sagen...daßatn Rechnung?? jähr 1929 der werteschaffenden Arboitslosenjürsorge faktisch über 90 Millionen Mark zugewandt wurden. Und trotzdem konnte auch schon im Jahre 1929 nicht verhindert werden, daß die Zahl der Notstandsarbeiter zurück- ging— doppelt bedauerlich, da die Zahl der Arbeitslosen dauernd stieg. Folgende Ziffern geben über das wachsende Mißverhältnis zwischen Arberitslosen und Notstandsarbeitern Aufschluß: Im I a h r e 1 9 2 8 betrug die monatliche Durchschnittszahl der Hauptunter- stützten in der Arbeitslosenversicherung und in der Krisensürsorge (einschließlich Notstandsarbeiter) 1070 000, die Durchschnittszahl der Notstandsorbeiter 64 000. Für das Jahr 19 29 brüten die ent- sprechenden Ziffern: 1 505 000 und 53 900; in Verhältniszisfern: im Jahre 1928 wurden durchschnittlich 6 JJtoj. der unterstützten Arbeitslosen bei Rotstandsarbeilen beschäftigt, im Jahre 1929 nur 3,6 Proz.t Im Rechnungsjahr 193 0 droht aber die Situation noch kritischer zu werden. Der Ansatz für die werteschaffende Ar- beitslosenfürsorge ist im Haushaltsplan 1930 zwar von 34,25 Mil- lionen Mark auf 55 Millionen Mark erhöht. Inzwischen sind ober alle Reste aufgezehrt, so daß der faktisch verfügbare Betrag niedriger.ist als im Vorjahre, lind selbst von diesem Betrog ist über 15 Millionen bereits verfügt. Es stehen also dem Reich zur Förderung von Rotstondsarbeiten der Länder und Kommunen nur mehr 40 Millionen Mark zur Lersügungl Dieser Betrag von 40 Millionen Mark ist offensichtlich völlig unzureichend. Es mag dies nur an dem einen Beispiel des Baues von Land- arbeiterwohnungen gezeigt werden. Das Reich hat in den letzten Jahren den Bau von Landarbciterwohnungen dadurch ge- fördert, daß es aus den Mitteln der werteschafsenden Arbeitslosen- fürsorge unverzinsliche Darlehen mit sehr langen Tilgungsfristen für diesen Zweck gewährte, lieber die große sozialpolitische und volks- wirtschaftliche Bedeutung dieser Aktimi braucht kein Wort weiter gesagt zu werden. Gibt es eine dringlichere soziale Aufgabe als die Schafstmg menschenwürdiger Wohnungen für Landarbeiter? Aber auch die Fortführung dieser Aktion scheint gefährden Wissell hat, wie erwähnt, für das Jahr 1929 durch Borgriff auf das Jahr 1930 das Bauprogramm für Landorbeiterwohnungen noch einhalten können. Für das Jahr 1930 steht aber, wenn man die 15 Millionen abzieht, über die bereits oerfügt ist, kein genügender Betrog für diesen Zweck mehr zur Verfügung. Run hat der R e i ch s r o t zur Frage der werteschaffenden Ar- beitslosenfürsorge eine Entschließung angenommen, in der er die Neuregelung der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorge„aus banktechnischer Grundlage" oerlangt. Es kann damit offenbar nichts anderes gemeint sein, als daß die in die Hunderte von Millionen gehenden Darlehen, die das Reich aus den Mitteln der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorge bis jetzt gewährt hat(allein an Rückflüjfen aus diesen Darlehen sind für das Rechnungsjahr 1930 46L Millionen Mart in den Etat eingestellt), zur Grundlag« von Anleihen gemocht werden sollen. Das würde darauf hinaus- laufen, daß die Notstandsarbeiten statt wie bisher aus Steuern, w Zukunft aus Anleihen finanziert werden. Grundsätzlich ist gegen den Plan der Aufnahme von Anleihen für diesen Zweck nichts einzuwenden. Die Notstandsorbeiten. die aus Mitteln der werteschaffenden Arbeitslosenfürsorge finanziert werden, sind im allgemeinen— von wenigen Ausnahmen, wie dem Bau des Nüriurgringes abgesehen, des unglücklichen Projektes eintf ehrgeizigen Landvates— durchaus produktiv, d. h. sie bringen zwar, wie der Bau von Straßen, keine unmittelbare Per- zinsting, aber sie heben, an der richtigen Stelle eingesetzt, die Leistungsfähigkeit und den Wirkungsgrad der Dalkswirtschaft. Da- für bürgt im allgemeinen die Kontrollorganisation, die für die Per- wendung der Mittel der werteschafsenden Arbeitslosenfürsorge ge- schassen wurde. Die Mittel, die im neuen Haushallsplan für die werlefchasfende Arbeitslosenfürsorge vorgesehen sind, sind angesichts der Verfchär- sung der Situation auf dem Arbeilsmarkl völlig un- zulänglich. Sie gewährleisten nicht einmal die Fortsuh- rung der Rolstandsarbeiten im bisherigen, ohnehin schon bescheidenen Ilmsang. Eine wesentliche Verstärkung dieser Mittel ist schon deshalb zwingend geboten, weil die erhosfle Frühjahrsbelebung auf dem Arbeitsmarkt ausgebsieben ist. die voraussehung also, unter der der Haushaltungsplan aufgestellt worden war. sich nicht erfüllt hat. Sollte der Plan bestehen, die notwendigen Mittel durch eine Anleihe aufzubringen, so wäre dagegen grundsätzlich nichts einzu- wenden. Sonst aber, oder wenn die Durchführung dieses Planes nicht gelingen sollte, ist eine Erhöhung der Haushalts- mittel des Reichs für die Zwecke der werteschafsenden Arbeits- losenfürsorge auf« dringendste zu fordern. Verantwortung! Eine Drosselung des Landarbeiter, Wohnungsbaus wäre angesichts der Klagen über die Landslucht im Osten und der sie ver- Ursache irden miserablen Wohmingsverhöltnisse der Landarbeiter unbegreiflich. Noch in den allerletzten Tagen haben wir in Mecklen- burg-Strelitz, im Kreise des Londrats Dr. Foth, feststellen können, wie außerordentlich durch die Mittel der produktiven Erwerbslosen- fürsorge die Wohmmge. und Lebensverhältnisse der Landarbeiter verbessert werden. Für 7700 Mark erwirbt der so gesiedelte Land- arbeiter durch Monatszohlungen von 20 Mart— Miete einbegriffen— in 30 Jahren das Eigentum an einem Haus(ratio- nelles weites Tonnendach) mit 3 Stuben und Küche(70 Quadrat- meter Wohnfläche), einem massiven Stall(40 Quadratmeter) und Scheune(40 Quadratmeter) sowie 4 bis 9 Morgen Land(je nach Güte), wobei die Arbeiterfamilie zur Uebernahme nur 300 Mark in bar mitzubringen hat. Will man wirtlich die Leutenot im Osten und die Abwanderung der Landarbeiter in di« Städte durch eine finanzielle Aushöhlung dieses eminent wichtigen Kultur- und Wirtschaftswerks gefährden? Wer will dafür die Verant- wortung tragen? Neue Erfolge bei Lindcar. Wieder fast 50 Prozent Llmfahsteigerung.- 44000 Kahrräder 4929 verkaust. Die Lindear-Fahrradwerke?l.-G. in Berl'm-Lichten- rode hat ihren Geschäftsbericht für das Jahr 1929 der Oeffenllichkeit übergeben. Der Gedanke der Eigenproduktion für einen Massen- bedarfsartrkel unter Ausschaltung des Zwischenhandels, durchgeführt von einem Unternehmen der freien Gewerkschaften, das zur Liefe- rung bester Ware rationellste Produktions- und Abfatzmethoden an- wendet, hat sich von neuem bewährt. Die private Fahrradindustrie ist in der schwersten Krise: in derselben Zeit konnte di« Lindcar- Fahrradwerke A.-G. ihre Produktion von 36 000 auf 50 000, ihren Verkauf von 30 000 auf 44 000 Räder erhöhen. Einen besieren Beweis für die Richtigkeit des Gedankens der Eigen- Produktion von Fahrrädern für die Massen und für die erfolgreiche Durchführung dieses Gedankens kann es nicht geben. 1927 1928 1929 (in Taufend Mark) Aktienkapital 506 505 2 005 Offene Reserven....... 12 50 101 Bankschulden........ 1 206 3 645 3 234 Warenschulden.....,. 376 347 431 Anlagen- und Fabrikwerte... 406 1 309 1 368 Außenstände....... 1 320 2 167 3 324 Waren und Vorräte..... 611 1 257 1 341 Bilanzsumme....... 2 241 4 735 6 041 Betriebsüberschuß...... 2156 3 405 5 004 Material und Löhne..... 1 357 1 978 2 791 Betriebskosten...... 334.588,_ 830 Steuerrr, Zinsen, Gchälter, Unkosten 310 586"-1026 Abschreibungen....... 78 140 138 Reingewina........ 81 125 242 Unser« Tabelle zeigt den Weg der Lindear-Fahrradwerke A.-G. seit dem Jahre 1927. Die Bilanzsumme, die die Entwicklung am deutlichsten erkennen läßt, ist gegen das Vorjahr von 4,8 auf 6,0 Millionen gestiegen, was gegenüber 1927 fast eine Verdrei- f o ch u n g bedeutet. Das Fohrradwerk der Gewerkschaften zahlt selbstverständlich höchste Löhne. Dennoch hat sich das Material- und Lohnkonto gegenüber 1927 bei einer Berdreifachung der Bilanzsumme mit 2,79 gegen 1,36 Millionen nur etwas mehr als verdoppelt. Dieselbe günstige Entwicklung zeigt das Konto der Be- triebskosten, di« langsamer stiegen als der Umsatz. Wenn dos Konto Steuern, Zinsen, Gehälter und Unkosten 1929 auf 1,03 gegen 0,59 Millionen Ende 1928 gestiegen ist, so erklärt sich dos aus dem teil- weise einmaligen besonderen Aufwand für die stark vermehrten Filialen im Betrage von 303 000 Mart. Entsprechend der sprunghaften Umsatzsteigerung wurde dos Kapital im vergangenen Jahre von einer halben auf 2 M i l» lionen, also das Vierfache, erhöht. Der Steigerung des Eigenkapitals entsprach ein Rückgang der Bankschulden von 3,64 auf 3,23 Millionen und eine Steigerung der Außenstände von 2,17 auf 3,32 Millionen. In den 1,34 Millionen für Waren und Vorrat« stecken offenbar beträchtliche stille Reserven; dasselbe gilt für einige andere Konten der Bilanz. Der Reingewinn wird mit 242 000 gegen 125 000 Mark im Vorjahr ausgewiesen. Das Vermögen der freien Gewerkschaften, die alleinige Besitzer der Lindcar-Aktien sind, wird durch eine zehnprozentige Divi» d e n d e(wie in früheren Iahren) wieder gestärkt. Das neue Jahr hat mit der außerordentlich stark erhöhten relativen Arbeitslosigkeit naturgemäß auch bei der Lindcar-Gefell- :sch0ftt.Zur'-�Z->0r Mck lMk-P»«.g-i-ü' dee< P-rodu kt i o n geführt. Immerhin� mar der- Absaß bis: Enhe April, noch fast ebenso hoch wie' in den ersten vier Monaten des vergangenen Jahres. Die Zurück- Haltung in der Vorratsproduktion ist berechtigt, da sich di« Dauer der gegenwärtigen Wirtschaftskrise und ihre Auswirkung auf die Kaufkraft der Masten noch nicht absehen läßt. Äeffere Anleiheausfichten. Institut für Konjunkturforschung für Oiskontsenkung. Im letzten Wochenbericht vom 14. Mai prüft das Institut für Konjunkturforschung die Frage, tn welchem Umfange mit der Auf- nahm« von Ausländsanleihen in den nächsten Mo- naten gerechnet werden kann. Auf den wichtigsten ausländischen Kapitalmärkten sei seit einigen Monaten ein« Erleichterung� unver- kennbar; weitere Verflüssigung sei noch zu erwarten. Für die Kapitalausfuhr werden auch deshalb größer« Beträge zur Verjügung stehen, weil der noch rückgängige Tätigkeitsgrad in fast allen Kapital- ausfuhrländern den Eigenbedarf dieser Länder an langfristigen Kre- diten vermindern dürfte. Die wichtige Frage, ob die Auflegung der 300-Millionen-Dollar.Reparationsanleihe die Entspannung dir ausländischen Kapitalmärkte unterbrechen werde, wird dahin be- antwortet, daß höchstens eine vorübergehende Be- einslussung der großen ausländischen Kapitalmärkte eintreten werde. Auf dem deutschen Kapitalmarkt werde der Eingang des 100-Millionen-Dollar-Teiierlöses der Mobilisierungsanleihe die bis- herige Entspannung des deutschen Kapitalmarktes verstärken. Zur Frage der Diskontpolitik wird bemerkt, daß im Interesse der Wirtschaftsbelebung eine weitere, die Entspannung des Kapitalmarktes begünstigende Derstüssigung des Geldmarktes er- wünscht wäre. Das Institut hält ein« Diskontsenkung für konjunkturfördernd: eine später notwendig werdende Wiedererhöhung des Diskonts laste einen erneuten Kon- junkturrückgang als Folge der Diskonterhöhung kaum befürchten. Geht's den Ltniernehmern schlecht? Nach einer Untersuchung des Statistischen Reichsamts, die sich auf rund 300 Gesellschaften erstreckt, die ihren Abschluß in der Zeit vom 1. Juli bis 30. September 1929 veröffentlichten, wurde«ine Durchschnittsdioidende von 7,1 Proz. ge- zahlt. Die Durchschnittsdioidende hat sich also gegenüber dem Vor- jähr nicht verändert. Da sich aber das Nominalkapital von 2,7 auf 2,8 Milliarden Mark erhöhte, erfardert die Zahlung der Durch- schnittsdividende 192,3 Millionen gegenüber 188,4 Millionen Mark im Vorjahr. Interestanr ist, daß die B r a u i n d» st r i« fest als einzige Industrie ihre Durchschnittsdioidende erheblich, von 11 auf 11V Proz., steigern konnte. Die Brauindustrie zahlt auch die höchste Durchschnittsdioidende. Maschinenbau wieder ungünstiger. Das Joch der Kartelle dem DOMA willkommen? Nach dem Bericht des Vereins Deutscher Maschinen- bo u- A n sta l te n hat sich die geringe Märzbesserung im April nicht fortgesetzt. Der inländische und ausiäudische Austragseingang wird sogar als schwächer bezeichnet. Die Abwärtsbewegung rm Be- schästigungsgrad hielt an. Leichte Besserungen zeigten sich nur beim Bau von Werkzeugmaschinen, Landmaschinen, Wasserkraftmaschinen, im Walzwerksbou und beim Zementmaschiuenbau, hauptsächlich durch größere Auslandsaufträge. In der Kennzeichnung der Ursachen dieser Entwicklung übt sich der VDMA. wieder in Bescheidenheit gegenüber den kartellierten Rohstofsindustrien. Bon Ueberlastungen(gemeint sind offenbar steuerliche und soziale) ist die Rede und von der Beunruhigung durch die Tariferhöhungsplän« der Reichsbahn. R i ch t d i e R e d e ist von den die arbeitsintensive Maschinenindustrie heute am schwersten drückenden Kartellpreisen für Rohmaterialcen und von de» Sub- rentionstarisen der Schwerindustrie, für die die verarbeitende In- dustrie bluten muß. Wann endlich wird sich die verarbeitende In- dustrie in diesen Dingen zu einer deutlichen Sprache auf, raffen? Es wäre nur zu ihrem eigenen Nutzen. Schokolade im Schmelzprozeß. Llebernimmt Etollwerk die Wandsbeker Reichardtwerke? Auch über die deutsche Schokoladeninduftrie ist in den letzten beiden Iahren eine starke Konzentratio nswelle hinweg- gegangen. Die bedeutendsten Ereignisse in dieser Entwicklung waren das Eindringen der zum Margarinekonzern gehörenden Schicht- g r u p p e(Elidacreme) bei den deutschen* Schokolodefabrlkcn Rcichordt• Wandsbek, Hauswaldt- Magdeburg, Gaedtk-- Hambmcg und Goldina- Bremen, sowie die Verschmelzung der großen Berliner Schokoladenfabrik Sarotti mit dem britifch-fchweizer Nestle- Konzern. Zur Zeit ist wieder eine größere Aktton in der Richtung eines weiteren Zusammenschlusses in der Schokoladenzroß- fabrikation im Gange. Wie jetzt bestätigt wird, will die Stoll- werk A.-G. in Köln und. Berlin die Schokoladen- und Pralinenbetriebe von Reichardt übernehmen. Dagegen sollen schein- bar die sehr gutgehenden Kakaobetriebe bei Reichardt verbleiben. Mit der Uebernahme der genannten Reichardt-Fabrikationsabtei- lungen würde die Stollwsrk A.-G., die mit einem Kapital von 16,4 Millionen und einer Belegschaft von annähernd 3500 Per- sonen zu den bedeutendsten noch selbständigen Schotoladefabriken in Deutschland gehört, ihren Einfluß wesentlich erweitern 10 Prozent Dividende bei Martint u. hünlcke. Die Martini u. Hünicke Maschinenbau-A.-G., Berlin, die in ihrem Apparate- konzern 900 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, verteilt für das Jahr 1929, wie schon im vorhergehenden Jahre, 10 Prozent Divi- dende. Es liegt ein ansehnlicher Auftragsbestand im neuen Jahre vor. doch leidet der Bestellungseingang unter der un- günstigen Wirtschaftslage. Einen Käsekrieg mil Finnland durch eine Kündigungdes Handelsvertroges wünscht der milchwirtschaftliche Verein des Allgäu. Der Appetit kommt beim Esten. Herr Schiele, der Reichsminister für die Ernährung und Landwirtschaft, hat den baiierischen Käseproduzenten vor kurzem erst die Magazinierung von einer großen Menge Weichkäse versprochen, mit anderen War- ten«ine Subvention auf Kosten des Meiches. Dieser wirtschaitt'� Unfug genügt den bayerischcn Käseprodiizenten noch nicht. Dis Ausführungen Bernhard Diebolüs, des Theaterkritikers der „Frankfurter Zeitung", über„P r o o i n zt h« o te r u n d B« rl i n" lverden zu einer Anklage gegen das Berliner Theater und dos Ber- liner Publikum. Sie richtet sich nicht gegen bestimmte Personen, Diebold konstatiert nur ganz objektiv gewisse Tatsachen. Die Forderung der Höchstleistung und damit oerknüpft die großen Kosten, ver- hindern heute die Berliner Theaterleiter, Neuland zu suchen. Dies entdeckt vielmehr die Provinz, in der größere geistige Werte ge- schafen werden als in Berlin. Diebokds Portrag ist prägnant und von großer Perspektive aus gesehen. Der Geiger Boris Feli- c i a n i beweist in kleinen Stücken von Kreisler und Sarasate«in glühendes Temperament, dem sogar manchmal technische Feinheiten zum Opfer fallen. Sonst modelliert er einen schönen gesättigten Ton heraus und entwickelt olle Fähigkeiten eines Virtuosen. Das Hör« fpiel„Konkursmasse W u r m b a ch" von Auditor in der Regie Max Bings ist ein neues in der Reihe des Verfassers, der schon öfter mit Sendespielen hervorgetreten ist. Diesmal entsteht eine Satir« auf die schlechten Zeiten der Geschäftsleute und auf allerlei Schwächen der Mitmenschen, die sich auch gern mit Verschleierungen und Schiebungen beschäftigen. Aber außerhalb dieser Satire berührt Auditor auch die ganze, sehr ernste geschäftliche Situation. Hinter dem Lächeln verbirgt sich ein« Tragödie. Kein Hörspiel mir be« sonderen Anforderungen, sondern«ine Reihe von Dialogen, die»ber die ganze Situation erschöpfen. ss. Sek. Vorträge, Vereme und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-GoUT. Berlin 6 14. Eebaltiintlr 87—38. Kok 2. Tr. Sonn«»f«fl, 15. Mai. Treptow tSrtsoereint. Pflichtverantwltnng in SberlchSneweide. Antreten IS'z Uhr Markipla�. Pnalow tOrt». verein). I!p» Ukir Antreten zum Werbeumzug Aals-r-fsriebrich. Site Reumann« strafte. Pfiichtveranstaltung.— isreitag,>5. Mai. Tiergarte». Iunabanner. Heim» abend bei Echlrsinger, Litbecker Strafte,?0 Uhr. Anmeldung zur Magdeburgfahrt. Kriedrichohade. Kameradschaft Memel. IS'p Uhr AamrroHschaftewersammluitg Set Hensch-l, Memelrr Str. 13. Referat. Pontow tOrtsverein). Repuhlssantschr Kundgebung in Linders Sonzerthaus, Breite Strafte. Referent: Kamerad Stelling. Iugendabend im Jugendheim fällt aus. Pflnhtveranslaltung. A Uhr. — Sonnabend, 17. Wal. Mitte, ssrllhlingsfeft im Märchendrunne» am fsried- rilbshoin unter Mitwirkung der Iungbannerzruvpe des Ortsvereins. Eintritt 1 M. Anfang 18 Uhr. Eintrittskarten bei den isuuktionärrn. Lichtenberg kOrts» nerein). 20 Uhr Kameradschaft Biesdorf bei Borath, Marzahner Str. 31.— Prenzlauer Berg. Putliftfahrcr. Donnerstag, lä. Mai. IS UI,:. Wisbnerftrafte Ecke Schönhauser Mee, Antreten mit Musik und Fahnen. Pflichtveranstaltung. — Weiften see. Donnerstag, lä. Mai, is Uhr, Antreten der aktiven Kameraden Spifte zur Beteiligung an der Demonstration in Pankow ohne Zu- strumente und Fahnen. Bundeskleidung. Arbciksr-Samariker-Rund, Kolonne verlin. «Geschäftsstelle R. 24,«Srofte Hamburger Str. 20. Telephon: v 1 Rorden 3340. Abteilung Wedding hat Donnerstag.—. Mai. 20 Uhr, im Lokal Duws,«Schulstr. 109. Mitgliederversammlung. Reichsbund jüdischer Frontsolhatra, Ortsgruppe Berlin, Bezirk Stodtparl. Dvnnerstag, 15. Mai, 20U. phr. im Caf« Schöneberg, Haupt» Ecke Akazienftrofte, Vortragsabend. Referent: Herr Burghard von Reznieek. Thema:„Bleib jung durch Sport". Anschließend Aussprach! und gcmiUIichez Beisammensein Mit Tanz. Säste herzlich willkommen. Landsmannschaft der Schleswig. Kolsteiner 1892. Geschäftsstelle S. 14. Prin» zenstr. 61. Donnerstag, lä. Mai. 20 Uhr, im Dresdener Garten. Dresdener Straße 45. geschäftliche Siftung. Aufnahme neuer Mitglieder. Wabl der Del«. gierten zum Plattdeutschen Berbandstag s24. und Lä. Mai), Anträge. Berichte. Nachher gemütliches Beisammensein verbunden mit buntem Keimatabend. Bor» träge: I. Hamburger Humor. 2. Aus Lauenburg. 3. Dos Torf Wisch. 4. Wand«- beker Bote. ö. Grillcnscheuchtr. 6. Rein Fricsenland. 7. Volks- und Heimat» lieber. Landsleute, Damen und Herreit, sind willkommen. „Lnelisb Conversaiiunal Cub kvtnä�r 1 73." Meetings every Friday 8 v m Calä Schotienhanil Bellevuestraße IIa. Lecturer: Mr. U'. P. Jones M A. on:„Dutj". Cuests, Ladies& Qentiemen, are welcome. Iii 9 SozialistischeArbeiterjugendGr.'Verlm nlendungen für diese Ztudrsk nur an dop Zugendsekretariat Ulm SW58. Ltndenstrat« 5 Funktionäroerkammlung Montag, IS. Mai, 19 V5 Uhr. in der Schulaula, Kochstr. 13. Vortrag:»Der Kamps um die Zungarbeiterschaft". Bcrufsgruppcnversammluugen: Angestellte: Heute, 1S>H Uhr, im Bortrogssoal des Parteivorstande«, Lindenstr. 3, II. Hos. 2 Treppen links.— Metallindustrie: Heute, 17 Uhr, im ZvgendheitN, Lindenstr. I. Tagrsrrdnunq:»PoNtisteriing in Beruf und Beruf» schul«". Berufsangelegenheiten. Mitgliedsibuch vorzeigen. Di« Anmeldungen für de» skandinanischea Ingendtag witssen sofort vor» genommen werden. Heule, Dounerslag. l5. Mai. IS�- Uhr: Hnmbolbthain! Die interessierten Genossen am Tambourkorps treffen sich 19>>, Uhr„Rote Allee".— Arnsmalder Plag ll: Heim Raftenburger Str. 16. »Die Arbeit unserer Par>»t im Reichstag."— Nordoste» TI: Seim Danzigrr Strafte 62, B. 3.„Erwerbslos."— Schönhauser Dorstadt: Schule Sonnen» ourger Str. 20. Politisch-satirischer Abend.— Köpenicker Viertel: Schule Wrangelstr. 128.„Parlamentarische Gebräuche."— Kotthvsscr Tor: Seim Brifter Str. 27— 30.„Wir und das Reichsbanner."— Südwest: Heim Linden- strafte 4.»Partei und Gewerkschaft."— Schöneberg lU: Heim Hanptstr. lö. »Wir und die Kirche."— Tegel: Heim Bahnbosstr. 15.»Di« faschistische Gr, fahr."— Wittenau: Keim Rosenthaler Str. Lä.»Warum feierten wir den 1 Mai?"— Rorden: Heim Lorging. Ecke Graunstrafte. Einriihrungsabend: „Was will die TAI.?"— Wefterd IR..F,): Sportplag Westend lIugend» Herberge).„Sozialistengeset,."— Zehlendors-Dahli«: A Uhr Heimabend in Dahlem. SSG. Lichtenberg: Heim Scharnweb erste. 20. 19 Uhr Dorieag:»Die Politik der Lobour Partv". Werbedezirk Mitte: Heim Elisabethkirchstr. 19. WcrbebezirlsoorNandsstfturg. Wer l»c bezirk Wedding: Aelterengruppe. Seim Sorichtstr. 12—13.„Politische Erz'ehung.— Die Aelierenarbeit." Züngerengruppe, Arbeitsgemeinschaft um 20 Uhr Schule Utrrdfter Strafte. Werbebezirt Renkölln: Wichtiqe Bildung-auzschuftssftuug mit den Bilbungs. »bleuten der Abteilungen im Parteibüro, Fuldastraße. Zed« Gruppe muß vertreten sein. Werbebezirk Pankow: 20 Uhr Mustkabend im Lokal.stimm« Bierhallen". Fehlen dors, Dahlem: Die Einäscherung de» Genossen Max Oskar ssnhet lksh Uhr im Krematorium Dilmcisdors statt. viel« Köpfe,»ielc Sinne, so heißt ez wohl, und doch ist die große Gemeinde ber deutschen Hauzftauen sich einig darüber, daß Maggis Würze ein. ideale, Küchenhilfsmittel darstellt. Seit Jahrzehnten leistet sie in der Küche nnschäN- bare Dienste: Wenige Tropfen verbessern augenblicklich schwache Suppen und Soften und oerleihen Gemüsen und Salaten aller Art hohen Wohlgeschmack. Koftmann-Pianoa. Die beste Propaganda ist die Leistung. Koffmann-Pianos von der Pianofortefabrik Georg Soffmann G. m. h. 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Mai 4930 Srnfl Mol erichler: 3)as Jlulo des Meinen Cannes Uitb es tarn eine Zeit, du die Sehnsüchte der Menschen grenzenlos nnrrden— und nur mehr das eine Ziel kannten: ein Auto zu de- sitzen, das dem Nächsten den Stand der Reifen unter die Nase pudert. Jeder Traum, jedes Hciratsinscrat und jede Kindtaussrede degann mit„Auto'... Tippfräuteins und Empfangsdamen bei Zahnärzten seufzten in ihren schicksalstiefsten Stunden:.. Ja, das Leben wär' schön, wenn man 200 Mark Monatsgehalt Hütt'— und einen Liebhaber, mit'nem Automobil!" Aehnlich geformte Wünsche bewegten sich schlängelnd auch im Busen der Damenschwimmbadkassiererin Annemari« Dackkobel. Sie ivar seit einigen Tagen mit dem Schwimmlehrer Tooer Hahnrieder nah und näher bekannt geworden. Gestern schlug sie ihm ihre Haus- türe wie ein« Briefmarke auf die Nase, so daß er heute Augendeckel machte, als ob er sie zu leihen genommen hätte: „Fräulein Schwimmbad", sprach er also,„Ihnen tät' i' jeden Wunsch erfüllen, um die Tiefen Ihres Gemüts auszuspülen..." „Herr Oberlehrer, ich weiß, daß Sie ein weiches Herz und olles habLn, was eines Mädchens Sinn betöret— aber das haben meine Verflossenen auch gehabt... Meiner Entwicklung zum Höheren bin ich es aber schuldig, daß ich in die Schichten der edleren Lebens- formen aufsteige— und dazu braucht man heutzutage ein Auto— und sei es auch noch so klein..!" Taver Hahnrieder dachte lange darüber nach und fand diese Kritik des Herzens auch berechtigt. Der Frau, die man lieb hat, die man gern hat— muh das Außergewöhnliche und Uebergrohe gc- boten werden, dann fällt aus ihr die himmelsrein« Gegenliebe wie die Schokolade aus dem Bahnhofsautomaten hervor. Und es war ihm messingklar, daß das Werk, las große, getan werden müsse... Er konnte für sie keine Schlachten gewinnen, Pyramiden bauen oder den Weltmeisterschaftsrekord im Boxen aufstellen. Aber«in Auto, das liegt nicht jenseits der Menschheitsgrenzen! Und die Lieb« und eine auf die Nase geschlagene Houstüre machen erfinderisch— und die Frage:„Wie schenkt der kleine Mann aus dem Volke einer Frau von Welt und Leben ein Auto?" harrte nicht allzulange der erlösenden Antwort. Und sie hieß: er baut es selbst mit Hebeln und mit Schrauben... Er begann also gleich. Den Grundstein de» Schaffens bilde« die Broschüre„Der kleine Maschinenbauer— Ein Bastelbuch für jung und alt, Ausgabe C für Realschüler". Daraus konnte man ersehen, wie man sich aus Bierflaschen und Stanniolpapier eine Elektrisiermaschine baut, wie man für 37 Pfennig eine Klingelanlage herstellt und in die Wunder der Physik und Technik vom Kanapee aus einzudringen vermag. Es war kultusministeriell empfohlen und— wie es im Vorwort hieß„besonders für unsere Kleine» aus den Weihnachtstisch zu legen geeignet"... Da Zlaver Hahnrieder aber 133 Meter groß war und man gerade mitten im Sommer lebte, schien es ihm nicht ganz für fein Borhaben zu passen. Trotz dieser Bedenken aber fing er an— das ersehnte Auto in die Welt zu setzen. Als Karosserie benützte er da» abmontierte Obergestell eines Kinderwagens, dos«r sich bei einer siebenkindrigen Beamtensamilie gegen ein« Patentmatratze eingetauscht hatte. Den 69-PS-Motor versucht« er aus dem Flaschenfüllopparat eines Limonadenfabrikanten herzustellen, die Kühlanlage gewann er aus einem lädierten Eis- kästen, zum Benzinbehälter arbeitet« er«ine Sitzbadewanne pm. den Auspuff ergab ein gestutzter Grammophontrichter und die Bereifung war nicht allzuschwer aus schiefgetretenen Gummiabsätzen herzustellen. Dann waren die Hupenzeichen nur noch durch Magengeräusche zu erzeugen und das ganze in die übliche Form d-s Automobils zu oersetzen— und schon warteten Wald und Flur auf die aussteigende Staubwolke, hinter der her die Bauern ihre Rechnungen für das totgefahren« Geflügel schrieben... Und das Schönst« ist dies: so ein Auto kommt nicht allzu teuer, ist leicht zu steuern und unschwer zu beschreiben. Man braucht nur die geniale Idee zu haben, daß das Einfach« und Nächstliegende immer auch das Beste ist— und nicht nur lauer Hahnrieder, sondern jeder kleine Mann aus dem Volke— kann zum Erbauer seines eigenen Autos werben... Aber wer zählt die Flüche, nennt die heiligen Namen, die schwitzend hier zusammenkamen.. I Und nur die Allgewalt der Liebe zu Fräulein Schwimmbad hielt den Tauer zu diesem Werk aufrecht und waagerecht. Cr arbeitet« Tag und Nacht— durchgehend. wie ein Schlafwagenkellner. Er übersah Brotzciten und Feierabende uich kümmerte sich, wie Parzival, weder um des Jahres Anfang, der Wochen Zahl und der Tage Namen... Und eines Sonntogmorgens stand das Werk schöpfungswarm fertig vor ihm da..! Der veilchenblaue� Strohhutlock war trocken gswrrden, wie Amerika vom Alkohol. Sogleich schob er es vom Kwhenbalkon ins Treppenhaus, wo es dann in Gottes freier Natur hinaus zum Stapel laufen sollte. Unten wartete Fräulein Dackkobel auf die erste Ausfahrt. Zur Vollendung der stilistischen Einheit hatte sie sich Veilchensträuße auf ihres Hutes Plattform gepflanzt und das himbeerfarbige Reform- kleid übergezogen. Taver kam nun, mit dem Auto auf dem Rücken, die Treppen herab. Und sie umarmte beide— und vor Rührung weinten sie vereint lange hin und her und waren des Gottes voll... Tavcr sagte unter Tränen:„So— jetzt weinen wir noch fünf Minuten, dann fahren wir ab... Inzwischen vollziehe ich die Benzinfüllung..!" „Gut", erwiderte sie,„solange möchte ich auch gerne noch weinen..!" Die Zeit war um— und Taver kurbelte die Maschine an.„Der schönste Augenblick meines Lebens ist da..!" rief Fräulein Dachkobel— und sie erinnerte sich aller anderen erhebenden Stunden ihres Daseins. Aber keine �gab es, die sich mit diesen Mimcken voll Jubel und Ausschlvung der Seele messen konnte. To»er kurbelte noch immer. Bis ein fabrikneuer Motor sich an die Arbeit gewöhnt, das dauert oft lange... Plötzlich ober gab es einen Knacks..... Es zündet schon!" wollte sie frohlocken,— aber es war nur die Kurbel abgedreht und abgebrochen worden. „'s Benzin taugt nichts..!" rief Taver unter dem Wagen hervor, wo er den Tücken des Motors nachgerutscht war.„Begib dich nicht in Lebensgefahr, Liebster, denn wenn der Wagen plötzlich losfahren würde, über dich hinweg..! Entsetzlich..!" „Der fahrt so schnell net... da brauchst keine Angst nicht zu haben... Es fehlt am Benzin... das Benzin funktioniert nicht..! Da riech einmal, das schmückt gar nicht nach..?" „Na, das ist ja koh'ensaures Wasser.!" „Aha! Das sst noch von dem Limonadenfabrikanten ün Flaschen- füllapparat zurückgeblieben, den i' zuin Motor umgebaut Hab'.. «So ficht mcaff aber.,! Sa« man noch so exakt arbeitet und mir Präzisionsinstrumente verwendet, es kann doch immer noch'was dazwischen kommen!" „Ja... jetzt mußt mir noch um 20 Pfeimig in der Apotheke ein Benzin holen..!" Sie eilte, kam zurück und Taver schüttet« es diesmal vovsichts- halber nicht mehr in den Motor— sondern direkt über das ganze Auto hin... Somit war auch dos Ankurbeln nicht mehr nötig. Er entzündete mit Hilf« eines Streichholzes den ganzen Wagen, Funken knisterten, Tover und sein« Geliebt« sprangen auf die Seit« — und dos Auto kam jetzt jäh in eine plötzliche Bewegung... Da es anfahren wollte— war es vor überstürzter Hast an Ort und Stelle in eine solche fliegende Eil« geraten, daß es gar nicht dazu kam— geradeaus zu laufen... Es flog nämlich direkt in die Luft..! War explodiert.. I Und so glücklich, daß die einzelnen Teil« wieder, vollkommen gebrauchsfertig zu ihrer einstigen Bestimmung, nebeneinander logen. Die Reifen wurden wieder zu Gummiabsätzen, der Benzin- behälter zur Sitzbadewonne, der Auspuff zum Grammophontrichter und der Motor zum Flafchenfüllapparot für Limonaden- fabritanten... Ja. sogar die beiden Insassen warf es wieder in ihr gewohntes Milieu zurück. Ttroer Hahnrieder ward wieder Schwimmlehrer— und Fräulein Annemarie Dachkobel Kassiererin des Damen- fchwimmbades. Denn das Schicksal sst einmal rein kapitalistisch gesinnt— und vergönnt dem kleinen Mann und der kleinen Frau aus dem Volke nicht das Auto, das ihrer sozialen Stellung allein schon dem Bau und der Zusammensetzung nach— entsprechen würde. Taver Hahnrieder aber baute von nun an aus seiner Broschüre nur mehr die leichteren Arbeiten. Und als Ersatz bekam Fräulein Dachkobel von ihm zu Weihnachten eine Leydener Flasche und ein Aquarium mit selbsttätigem Springbrunnen. Im Sommer darauf bauten sie zusammen auf ihrem gemein- samen Familienheimgarten— Kohlrabi an, die an Güte und Ge- diegenheit das ehemalige Auto weit übertrafen. 3)ie Jßunge rrlrd gefilml! Nach mühsamen Borarbeiten ist es Dr. Werner S i e b e r t von der 1. Medizinischen Klinik der Charit« gelungen, einen Film von Gegenständen und Vorgängen im Pneumochoraxraum(dem luft- gefüllten Brustfellraum) eines lebenden Menschen aufzunehmen. Diese aufsehenerregenden Aufnahmen sind ermöglicht wurden durch «ine zweckentsprechende Verbindung des Brustspiegels mit dem Kurbelkastcn, wobei mittels einer seitlichen Beobachtungsvorrichtung der aufzunehmende Gegenstand genau«ingestellt werden tonnte. Da die Lichtoerhäitnisse im Brustraum sehr kompliziert sind, so war die Konstruktion eines ganz neuen Linsensystems für den Brufsspiegel erforderlich Der Forscher wurde jedoch aller entgegenstehenden Schwierigkeiten Herr und konnte bereits sehr schöne Aufnahmen der atmenden Lunge und einer Lungenoperation zeigen(Durchtrennung eines Berwachsungsstranges), die er mit Hilfe des Brustspiegels gemacht hat., Auch den Rhythmus des pulsierenden Herzens konnten die Zuschauer im Film beobachten und damit einen tiefen Einblick gewinnen in die Werkstatt des Lebens ielbst. Ausgegangen ist Siebert von den Arbeiten I I. Stutzins, der bereits ftüher in ähnlicher Weise Filme vom Blaseninnern herge- stellt hat. Ein neues Forschungsprinzip ist damit gefunden, kinemato- graphische Aufnahmen in lichtdicht abgeschlossenen Körperhöhlen zu machen, und gleichzeitig ein ausgezeichnetes diagnostisches Mittel, das auch für den Lehrbetrieb von großer Bedeutung ist. Denn während man bisher immer nur einen einzelnen Menschen in den Brust- hzw. Blasenspiegei hineinsehen lassen konnte, was zudem noch mtt Un- bcquemlichkeiten für den Patienten verbunden war, kann man jetzt im Film das erkrankte Organ Hunderten von Studenten gleichzeitig demonstrieren. 3)ie lällige IHännerkleidung Immer wieder find lebhaste Proteste der Männer gegen ihre unbequeme, unpraktische und unhygienische Kleidung ausgetaucht. Das Kleid der arbeitenden und sporttreibenden Frau ist von Jahr zu Jahr leichter, zweckentsprechender und gejundheitsmähiger geworden. Dadurch hat sich die Abwehr der Männer gegen den Zwang zu Kragenknöpfen, zu zahllosen Schnallen und Knöpfen, zu steifen Hemdkragen, Hosenträgern und wie alle die anderen Unbequem- lichkeiten noch heißen mögen, immer nrehr verschärft. Es ist wirk- lich nicht einzusehen, warum sich nicht im Anzug des Mannes eine durchgressende Aenderung durchsetzen lassen soll. Bor einiger Zeit hat nun einer der eifrigsten Vorkämpfer für eine durchgreifende Reform der Männerkleidung, der Tänzer Kurt Hagen, ein«„Gesellschaft zur Reform der Männevkleidung" in Stuttgart gegründet. Kurt Hagen hat«inen Anzugschnitt ausgearbeitet, bei dem alle Knöpfe, die Weste, die Hosenträger, Kragen usw. überflüssig werden. Der Anzug, den er„S ch l u p f z u g" nennt, wird von ihm selbst getragen. Er hat in allen großen deutschen Städten Vorträge über die Vorzüge einer durchgreifenden Neugestaltung der Herren- mvde gehalten und sehr viel Anhänger für seine Ideen geworben. Die Intendantur des Stuttgarter Stadttheaters unterstützt die Re- formbestrebung Kurt Hagens, der dort als erster Solotänzer tätig ist. Er erscheint in seinen Tänzen auf der Bühne ebenfalls in seinem„Schlupfzug", der für diesen Zweck aus farbenprächtigem Material gearbeitet wird. Auch im Ausland verfolgt man die Reformbestrebung sehr interessiert. Die Bestellungen, die aus Kurt Hagens Schlupfzug«inlausen, mehren sich täglich und es werden jetzt bereits Verhandlungen mit mehreren Firmen geführt, von denen eine bei der wachsenden Nach- frag« die Herstellung der Schlupfzüg« im großen übernehmen soll. Eine große amerikanische Kleiderfabrik hat Kurt Hagen bereits das Angebot gemacht, ihm 10 000 Dollar zu zahlen, wenn«r ihr das Herstellungsrecht für seinen Schlupfzug überträgt. Gleichzeitig müßte er sich verpflichten, in einem Auto, das ihm die amerikanisch« Firma zur Verfügung stellt, die ganze Welt zu bereisen und überall Werbevorträge für«ine gründliche Umgestaltung der heutigen Herrenmode zu halten. Drei Jahr« soll sich Kurt Hagen der Firma mindestens als Propagandist verpjlichten. Bisher hat Kurt Hagen sich noch nicht zur Annahme dieses Angebotes entschließen können, weil er sein« Künstlerlaufbahn nicht aufgeben möchi«. Der neue Anzugtyp erinnert sehr stark an die Arbeitskleidung der Monteure und die Anzüge, die die Motorradfahrer tragen. Auch diese Anzüge sind ganz auss Praktisch« und Bequeme gestellt und man hat sich jetzt schon vollkommen daran gewöhnt, die Motor- radfahrer in dieser Kleidung bei dem Rasten in den Restaurants auftauchen zu sehen. Man wird sich sicher sehr schnell an die äußere Wandlung gewöhnen. Zuerst werden vielleicht praktische leichte Sommeranzüge Erfolg haben und von da aus wird die Entwick- iung dann weiter gehen. Es ist auch wirklich bei ernsthafter Ueber- legung nicht einzusehen, warum sich ausgerechnet die Gestaltung der Männerkleidung allen Erkenntnissen der modernen Hygiene verschließen und der Mann für all« Zeiten zu dem heut« gülttgen Anzugtyp verurteilt sein soll. F. K. Mit dem Flugzeug um die Welt in 30 Tagen. Der Engländer Captain Barnard trifft gegenwärtig seine Vorbereitungen zu einem Fluge um die Welt in 30 Tagen. Der erst« Weltflug im Flugzeug wurde im Jahre 1924 von zwei amerikanischen Fliegern ausgeführt, aber diese brauchten für ihre tzroß« Leistung 173 Tage. Wenn der englische Flieger dasselbe jetzt in 30 Togen vollbringen will, so muß er an 25 Tagen je 1600 Kilometer zurücklegen, und er behält dann nur fünf Tage für Ruhe und Ausbesserungen an seinem Flugzeug übrig. Barnard hat kürzlich bereits einen Flug von Lonoon nach Kapstadt und zurück in der Rekordzeit von 21 Tagen äusgeführt; er ist auch bereits nach Indien und zurück in Rekordzeit geflogen. Auf Grund seiner Ersahrungen äußerte er sich sehr zuversichtlich, daß er die geplante Leistung des Rekordfluges um die Wclt auch durchführen wird. Es sei dabei daran erinnert, daß der..Graf Zeppelin" die Reise um die Welt im vorigen Jahre in 21 Tagen vollbracht hat. Wanfens Klord Nnoergeßlich wird in der Geschichte der Polarforscher die kühne Schlittenreise sein, die Nansen mit seinem Freunde Jdhansen unter- nahm, um den Nordpol zu erreichen. Am 23. Februar 1893 fand an Bord des„Fram" das Abschiedsfest statt. Tags darauf traten die beiden Pioniere ihre abenteuerliche Reise an, kehrten jedoch sehr bald zum Schiff zurück, weil sich herausstellte, daß sie zu viel Gepäck mit sich führten. Nansen errechnet« sorgfältig das Mindest- maß an Proviant, Geräten und Kleidungsstücken, um vor neuen Ueberraschungen bewahrt zu bleiben. Am 14. März� 1895 erfolgte dann unter Mitnahme von drei Schlitten mit 28 Hunden und zwei Kajaks die endgültige Abreise. Mit beispielloser Kühnheit und Todesverachtung drangen die beiden tapferen Männer trotz schwierigster Geländeverhältnisse gen Norden vor und legten in etwa drei Wochen fast 300 Küometer zurück. Angesichts der ungeheuren Strapazen verloren sie den Glauben an den Endsieg nicht. Und der Kampf gestaltete sich zuweilen titanisch: „Wie ivaren wir doch oft so schläfrig, wenn wir vom Frost geschüttelt im Schlafsack lagen und darauf warteten, daß das Abend- essen fertig werden sollte! Ich, der ich der Koch war, mußte mich einigerinnhen wachhalten, um auf das Kochen aufzupassen: es gelang mir auch zuweilen. Aber oft erwachte ich und fand, daß die Spei- fen viel zu lairge gekocht hatten. Endlich war das Abendessen fertig und ausgeteilt: es schmeckte immer köstlich. Diese Augenblicke waren die Glanzpunkte, auf die ivir uns schon den ganzen Tag freuten. Allein manchmal waren wir so müde, daß uns die Augen zufielen und wir mtt dem Löffel auf dem Wege zum Munde«nsschliesen. Die Hand fiel leblos zurück, und die im Löffel befindliche Speis« flog auf den Sack. Nach dem Esse» gestatteten wir uns in der Regel den Luxus eines Extratrunkes Wasser, so heiß, wie wir es schlucken konnten: in dem Wasser war Molkenpulocr aufgelöst. Es schmeckte ähnlich wie gekochte Milch, und wir fanden es wunderbar belebend; es schien uns bis hinab in die Zehenspitzen zu wärmen. Dann pflegten wir wieder tief cn den Sack hineinzukriechen, die Klappe über den Köpfen sorgfältg festzuschnallen, uns dicht aneinander- drängend und bald den Schlaf des Gerechten zu schlafen. Aber selbst in den Träumen marschierte» wir unaufhörlich weiter nach Norden, quälten uns mit den Schlitten ab und trieben die Hunde an... Morgens war ich als Koch gezwungen, zuerst aufzustehen, uro das Frühstück zv bereit«, wozu ich etat Stunde Zeit brauchte.., Nachdem wir das Frühstück behaglich verzehrt hatten, schrieben wir ein wenig an unfern Tagebüchern; dann mußten wir an den Auf- bruch denken. Ader wie müde waren wir manchmal noch! Wie oft würde ich nicht alles darum gegeben haben, wenn ich wieder in den Sack hineinkriechen und volle 24 Stunden durchschlafen könnte. Es schien, als ob dies der größte Genuß der Welt sein müsse, aber es galt, nach Norden zu kommen, immer nach Norden." Während des Monats Aiärz ging es in der Tat unaufhalssain weiter nach Norden. Die Strapazen wuchsen: die Fahrt über altes, zusammengeschobenes, von breiten Spalten durchsetztes Scholleneis kostete manchen Schweißtropfen. Die Temperatur wechselte zwischen — 23 Grad und— 45 Grad Celsius. Bon der Mühseligkeit der Schlittenreis« geben allein schon wenige Zeilen aus Nansens Tage- buchaufzeichnungen einen Begriff: „Wir haben einige Kilometer zurückgelegt, Rinnen, Ketten und rauhes Eis. Es sieht wie eine endlose Moräne von Eisblöcken aus. Dazu das unaufhörliche Heben der Schlitten über die zahlreichen Unebenheiten: es würde allein genügen, Riesen zu ermüden... Wir sind nicht imstande, weiter nach Norden zu koinmen: es wird«ine ungeheure Arbeit, wenn wir auf dem Wege nach Franz-Joseph-Land solches Eis überwinden sollen." Etwas wie Verzweiflung erfaßte die beiden Pioniere angesichts der Aussichtslosigkeit und ungünstigen Lage. Um dies« Zeit hatte Nansen auch noch das Mißgeschick, daß seine beiden Uhren stehenblieben. So war er nicht einmal in der Lage, den genauen Stand- ort zu ernrittel». Nansen crkannle trotz der bisherigen übermeissch- liche» Leistungen, daß er den Pol nicht werde erreichen können, so sehr ihn die stolze Ausgabe, die er sich gestellt hatte, auch locken mochte, den Kampf mit den zahllosen Mühseligkeiten, Entbehrungen, ernsten Gefahren und Hindernissen vo» neuem aufzunehmen. Er wollte aber auch die Kraft und das Leben seines treuen Schicksals- geführten nicht fahrlässig auss Spiel setzen. So entschloß er sich zur Umkehr und schlug nunmehr westlichen Kurs ein. Am Sonntag, dem 17. April, wurde die Schlittenreise zum Pol endgültig ab- gebrochen. Die Beobachtungen ergaben«ine nördliche Breit« von 83 Grad 14', genauer 86 Grad 146'. Nansen war etwa noch 430 Kilometer vom Nordpol eittfernt.] Ans diesem nördlichsten Punkte, den damals noch keines Menschen Fuß betreten hotte, pflanzt« Nansen zwei Flagg« aus. Mitten aus einem arbeitsreichen Leben, in unmittelbarer Ausübung seines geliebten Bergmannsberufes, wurde uns heute unser Generaldirektor Herr Dr.-Ing. e.h. Hugo Gabelmann durch den Tod entrissen. Tief erschüttert stehen wir an der Bahre dieses Mannes, der bis zu seinem letzten Atemzuge uns allen ein leuchtendes Vorbild strengster Pflichterfüllung war. Wir werden des Heimgegangenen, der nicht nur uns, sondern auch der gesamten Braunkohlenindustrie Fuhrer war, stets in Dankbarkeit und Verehrung gedenken und rufen ihm schmerzbewegt einen letzten Bergmannsgruß„Glückauf41 zu. Berlin, den 12. Mai 1930. Die Direktoren, Prokuristen und Handlungsbevollmächtigten der Niederlausitzer Kohienwerke Heute verunglückte bei einer Werksbesichtigung tödlich unser Generaldirektor Herr Dr.-Ing. e. h. Hugo Gabelmann kurz vor Vollendung seines 63. Lebensjahres. Der auf so tragische Art aus dem Leben Geschiedene war 20 Jahre Vorstand unserer Gesellschaft und hat seine ganze Kraft und sein reiches bergmännisches Können dem Aufbau und der Vervollkommnung unserer Werke mit rastlosem Eifer gewidmet.— Seine unermüdliche Arbeitskraft war vorbildlich. Der Verstorbene war einer der bedeutendsten Führer auf dem Gebiete des Braunkohlenbergbaues, zu dessen Entwicklung er tatkräftig seine großen Erfahrungen zur Verfügung gestellt hat, und sein Name wird in der Geschichte des deutschen Bergbaues mit an erster Stelle stehen. Unsere Gesellschaft erleidet durch seinen Tod einen schweren Verlust Sein Andenken werden wir für alle Zeiten in Ehren halten. Berlin W9, den 12. Mai 1930. Oer Aufsichtsrat der Niederlausitzer Kohlenwerke J. Petschek Die Trauerfeier und Beisetzung finden am Donnerstag, 15. Mai, nachmittags 3 Uhr, in Wormlage N./L statt. • vV.- Am 1 2. Mai verunglückte bei einer Werksbesfchtigung tödlich der Generaldirektor unserer Gesellschaft Herr Dr.-Ing. e. h. Hugo Gabelmann Der unerbittliche Tod entriß uns unseren langjährigen Führer, der uns durch seine Dienstauffassung, strenge Pflichterfüllung und seinen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn ein vorbildlicher Vorgesetzter war. Sein Hinscheiden bedeutet für uns einen schweren Verlust. Dankbar werden wir das Andenken dieses hervorragenden Mannes für alle Zeit in Ehren halten. Die kaufmännischen und technischen Beamten der Niederlausitzer Kohlenwerke Unser hochverehrter Herr Generaldirektor Dr.-Ing. s. h. Hugo Gabelmann ist am 12. Mal infolge eines Betriebsunfalles tödlich verunglückt. Der so früh Dahingeschiedene hat seine Tätigkeft in unserer Mitte begonnen, und an der Stätte unserer Arbeit hat Ihn auch der Tod ereilt. Seine stets vorsorgende und humane Hilfsbereitschaft bewahrt ihm ein bleibendes Andenken über das Grab hinaus, Die Gesamt-Arbeitorschaft der Niederlausitzer Kohienwerke Am Sonntag, dem ll. Mai.»er. (ä)tPi> nach langem Seiben mein lieber Mann, unfet Sater, Stiefvater. Groß. und Schwiegervater, der Tischler Ködert Paul i»»7. Ledensjahre. Di» trauernde« Hinterbliebene« Aatfael« P.ol nebet Kisdern. Bln. O. UZ Grllni erger Strafte U Die Trauerfeier findet am Freitag. dem l«. Mai, mittag» lZ Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. Kies. holzstrafte, statt. verwaitungsmitgiiederi Am Frettaa, dem W. Mai.(cta« Sitzung der Mittlere» Orteaenoattong. Die Orteverveltnng. Bädtöradi mrniei» Belrelaogsteier 30. luni 1 1. Als Genossen empfehlen Zimmer mit Frühetück J,»o— j,Tf M.,»olle Pension S.IO dl., Bad Im Hause Herrlldie Auslieht auf den Rhein. Adoii Basguü Bscharacb. AnderStrrBedes aerühimenWeln- Ortes Steeg gelex. FritzüeiDOmiilty Bacborocn. Inserate im Vorwärts dringen Erfolg! 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VrounschivelZ,' JUuttmft t Für die Parteizeituna im oder- sehlesischen Industriegebiet mir Site In Hindenburg wird für möglichst baldigen Eintritt ein Ii M Redakteur gesucht Veitangt weiden: Hervorragende Kenntnisse auf dem Gebiete der Kommunal- und Pro- vinzialpoHtik, Befihipjng, die politischen Taaesfraoen schnell und geschickt in volkstümlicher Welse ausruwerten, Beherrschung der modernen Reportage. Umgehende 4n- aebote an Oetchif eftthrer Hein««. Hlndeuhur«, Kronprinzenstr. 390,