BERLIN SonnerStag 15. Mai 1930 10 Pf. Nr. 225 B112 47. Jahrgang erschtiat täglich aotek Senatag». Zugleich Abendausgabe des.Dorwürts'. Bezuzsprei« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche. S.mM. pro Monat. Redaktiv» und Expedition; TerlinSWSS.ündenstr.» Sfiaicutigaße xki>> aieigenprei«: Die einspaltige Nonpareillejeil« SV Pf.. Reklameieile ö M. Ermäßigungen nach Tarif. « fi sch e et k o n t»: Dorwärts-Derlag G. m. d.H> Berlin Nr.»7»ZK. Fernsprecher: Dönhoff SSS bis SV» Heute Mumungsbefehl. Die französische �Regierung befiehlt den sabotierenden Generälen. «IM 3)2000 das größte Xandflugmeug der Well, auf dem 3lug~ platz Vempethof Aufstand in Transkaukasien. Bericht aus der Armeekonferenz: Ruhe noch nicht vöttig wiederhergestellt. Paris, IS. Mai.(Eigenbericht.) I» Anschluß an die heutig« Pariser Konferenz zwischen den» Aufsichtsrat der Internationalen Zahlungs- dank, den Vertretern der beteiligte» Finanzministerien und der internatwnalen Großbanken, auf der die letzten Einzelheiten über die Auflegung der ersten Reparations- anleihe geregelt werde» sollen, wird der offizielle Befehl für de« Beginn der Räumung des Aiheinlandes dem General Guillaumat erteilt werde«. Vorbereitungen zur Räumung. Wiesbade», 15. Mai.(Eigenbericht.) Die Vorbereitungen zur Räumung der dritten Zone machen stch bereits bemerkbar. I« diesen Dagen find einige Munitionsdehots, Pionierübungsplätze, der Exerzierplatz bei Kehl und das Bekleidungsamt Mainz freigegeben worden. Die Räumung des Lagers Griesheim bei Darmstadt und des Barackenlagers Lud- wigSwickel stehe» bevor. «Segenoffensive poincaräs. In dem Augenblick, in dem die französischen Militärs zmv letzten Mole gegen die Räumung anzutämpsen versuchen, stellt der ehemalige Ministerpräsident Poincarä im„Excelsior* die Behauptung auf, daß Deutschland innen, und auhenpolitisch jeder Bertrauenswurdigkeit ermangele. Deutschland Hab« es nicht nur verabsäumt, die notwendige Finanzsanierung. die Dorbedin- gung für die loyal« Durchführung des Noung-Planes, vorzunehmen, fondern es habe darüber hinaus seine Militärausgaben in ungerechtfertigter Weis« und im flagranten Widerspruch mit den Dersailler Einschränkungsbestimmungen erhöht. Gegenüber den übertriebenen Kreditforderungen für Heer und Marine seien all« Hypothesen erlaubt. Man könne sich denken, daß di« Reichswehr geheime Verbände unterstütz«, daß sie schwarze Organisationen unterhalte, daß sie ihr Material über das erlaubte Maß erhöhe. Nicht minder beunruhigend sei Deutschlands Politik gegenüber Rußland. Auch seine Haltung in den Saar- Verhandlungen ermangele jeder Loyalität. Wenn Deutschland in Genf wieder die Abrüstung zu verlangen wage, so sei das höchste Heuchelei. Das Tempo des Reichstags. Oer Etat soll bis Ende Juni verabschiedet sein. Der Aeltestenrat des Reichstags hielt am Donnerstagmittog eine Sitzung ab, in der die Reihenfolge der Etatsberatung festgelegt wurde. Am Mittwoch, dem 28. Mai, wird der Reichstag in die Pfingstferien gehen. Am 10. Juni wird der Reichstag sein« Der- Handlungen wieder aufnehmen, um dann in Sitzungen, die b e- reits vormittags beginnen sollen, di« Etvtsberotung bis Ende Juni zum Abschluß zu bringen. Außer dem Etat sind vor der Sommerpause an größeren Bor- lagen noch das Osthilfeprogramm und die Sanierung der Arbeitslosenversicherung zu erledigen. Mit dem Deginn der Sommerpause ist für Anfang Juli zu rechnen. Der Aeltestenrat besaßt« sich weiter mit einem neuen Antrag der Funk st und«, di« Reichstogsreden entweder direkt zur Weitergabe oder zur indirekten Weitergabe aus Schallplatten aus- nehmen zu lasien. Reichstag und Rundfunk. Präsident Lobe setzt« sich stark für den Antrag ein und erklärt«. es sei für di« Dauer unmöglich, daß sich der Reichstag der lieber- tragung der Reden entziehe. Da aber einige Mitglieder des Aeltestenrates ihre früheren Bedenken aufrechterhielten, wurde die Angelegenheit nochmals den Fraktionen zur Ent- fcheidung überwiesen. Die Bedenken bestehen hauptsächlich darin, daß. da man nicht alle Reichstagsverhandlungen übertragen kann, bei der Auswohl kein« Garantie für eine objektive Verteilung gegeben werden könne. Moskau, 15. Mai.(Oft-Expreß.) Auf der Konferenz der kommunistischen parleiorganisation der transkaukasischen Roten Armee in Tislis berichtete der Regierungschef Iranskoukasiens Eliawa über die ernste Loge in Transkaukasien: Bei der Durchführung der Kollcktivisierung der Land- Wirtschaft im Saukasus feien große Fehler begangen worden. vor allem sei keine Rücksicht aus die nationalen Eigentümlichkeiten der einzelnen Gebiete genommen wordea. Besonders fühlbar sei die Abirrung von der Generallinie in den rückständigen Bezirken mit halbnomadisierender Bevölkerung gewesen. Sowjetfeindliche Elemente hätten versucht, diese Fehler für ihre Zwecke auszunuhen. 3n Aserbeidshan und in der Republik Ttachitschewan, wo ungeheure Fehler gemacht worden seien, sei es zu einem„offenen Auf st and gegen die Ltnruhe in Rordwestindien. Ärittfche Zlugzeugangriffe auf die Äergflämme. London. 15. Mai. Die Flugzeugangrisfe auf die Eingeborenen in der Nähe von Peschawar scheinen nicht den gewünschten Erfolg gehabt zu hoben. Einer Erklärung des Jndienmimsters Wedgewood Venn zufolge haben in den letzten Tagen 400 Bewaffnete einen englischen Dorposten angegriffen, wobei ein Soldat getötet wurde. Noch weiteren Flugzeugangriffen ist es nunmehr gelungen, di« Ein- geborenen zu entwafsnen und mehrere ihrer Führer zu oerhasten. In dem wichtigen Keiber-Paß, dem Tor nach Afghanistan, ist«in englisches Acmeeflugzeug abgestürzt. Ein Pilot und ein Mechaniker wurden dabei getötet. Zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und in die Strashaft abgeführt wnrde die prominente Kongreßanhöngcrin Lakshmipoti in Modras, die an einem Uebersall auf ein Salz- lager der Regierung teilgenommen hatte. In Kalkutta gab es anläßlich des Trauertages wegen der Der- Haftung Tyabjes Zusammenstöße. Fünf Inder wurden durch Schläge mit dem Gummiknüppel verletzt. Die verschiedenen Organisationen Sowjetmacht- gekommen. In vielen Bezirken sei„die Ruh« noch immer nicht völlig wiederhergestellt-. Die Mullah», die in diesen Gebieten sehr großen Einfluß haben, schürten gegen die Sowjelregierung. Erst vor kurzem sind sämtliche Sekretäre der transkaukasischen Organisation der kommunistischen Partei auf Beschluß de» Mos- kcuer Zentralkomilee» ihrer Posten enthoben worden. An ihre Stelle find Lominadse. Ischaplin und Achundoff getreten, die bisher lu der Zentrale in Moskau gearbeitet haben und jetzt in Transkaukasien die Beseitigung der„Abirrungen" bewirke« sollen. Dieser Tag« trete« die kommunistischen Songreste Georgiens. Armenien» und Aserbeidshan» zusammen, denen sich ein Kongreß der transkaukasischen Gesamtorgaoisation anschließen wird. Auf diesen Kongressen wird die ernste Lage in Transkaukasien natürlich im Mittelpunkt der Erörterungen stehen. für die Durchführung der Gehorsamsverweigerung sowie die Kongreß. ausschüsse in Kalkutta wurden für ungesetzlich erklärt. Serichtsboykott. Zalalpur, 15. Mai.(Eigenbericht.) Die Bauern von B a r d o l i(Indien) hoben beschlossen, die Widerstandsbewegung auf die Gerichtsbarkeit auszudehnen. In den nächsten Tagen werden in sämtlichen Orten, in denen britisch- indisch- Gericht« bestehen, unabhängige Gerichtshöfe zur Bei, legung ziviler Strafsachen errichtet werden. Di« Bauern habe« ferner beschlosten, die Zahlung der Steuern zu ver- weigern und alle Angestellten und Beamten der Regierung zu boykottieren. Zeitungsverbot. Bombay, 15. Mai. Di« Regierung hat Maßnahmen ergriffen, um da» Erscheinen des Mitteilungsblattes des Kongresses von Bombay zu verhindern. Di« Berleger des Blattes werden auf. ges ordert, binnen zwei Monaten keine Zeitung irgendwelcher Art und kein« Schriften zu oeröffentlichen, die aufrührerischen Inhalt hoben oder geeignet sein würden, Haß oder Verachtuna gegen die Regierung Britrsch-Indiens hervorzurufen. Schöffe im Dunkeln. Hakenkreuzerpressung an Groener versucht. Di« Nationalsozialisten sichren einen heftigen Feldzug gegen den Nsichswehrminister Groener, weil er sich energisch gegen national- sozialistisch« Zersetzung in der Reichswehr gewandt hat. In der Methode des Kampjes gehen die Nationalsozialisten mm von ge- wohnlichen Beschimpfungen des Reichswehrministers zu d u n e-l e n Andeutungen über. In der„S ch l e s w i g- h o l st e i n i- fchcn Tageszeitung" in I tz.e h o e, Nr. 112, erschienenen einem Artikel die folgenden Sätze: „Die jetzige Einstellung des Herrn Groener zum National- iozialismus hat diesen in den vergangenen Iahren nicht gehindert, den Versuch zu machen, d i e Nationalsozialisten für hochpolitische Zwecke zg verwenden. Wenn Herr Groener seine Hetze gegen uns fortsetzt, werden wir uns nicht scheuen, den mit ihm geführten Briefwechsel zu veröffentlichen. Di« Folgen, sowohl innen- als auch autzcnpolitisch, mag er dann selbst tragen." Diese dunklen Andeutungen wurden erweitert in einer Rede, die der N o t i o n a l s o z i a l i st K u b« am 9. Mai im Preußischen Landtag hielt. Diese Rede wird im„Völkischen Beobachter" in größter Aufmachung an leitender Stelle wiedergegeben. Darin heißt es: „Ich oersage es mir, das Material bekanntzugeben, das wir über den Herrn Reichswehrmiwster haben. Aber vielleicht wenden Sie sich an ihn und erinnern ihn an das Schreiben vom 2 3. April 1 929, das die Reichstagsfraktion der National- sozialistischen deutschen Arbeiterpartei an ihn gerichtet hat, um endlich eimnal gewisse Anbiederungsversuche zu- rückzuweisen, weil wir die Erfahrungen des unglücklichen Oberleutnants Schulz und anderer Leute unseren Leuten nicht zumuten wollen... Nachdem man wegen der angeblichen Zersetzung der Reichswehr durch die Nationalsozialisten das Recht dreist gebrochen hat, denken wir gar nicht daran, Herrn Groener dieses Spiel weitertreibsn zu lassen, sondern wir sind durchaus bereit, die Konsequenzen zu ziehen. Und wenn ich sie heute noch nicht ziehe, dann mir aus dem Gefühl der Verantwortung dem Staat gegenüber... Ich bin bereit, meine Herren, Ihnen bescn Briefwechsel einmal zur Kenntnisnahme vorzulegen." Was bedeutest, diese Schüsse aus dem Dunkeln, was sind das für hochpolitische Zweck? und für Anbiederungsversuche, von denen hier geredet wird? Was diese Andeutungen bezwecken sollen, ist klar. Herr Groener soll e r p r'e ß t werden, damit er die Bekämpfung narionalsozialistischer Zersetzungsoersuche einstellt, und wie alle Erpresser arbeiten die Nationalsozialisten dabei mit geheim- nisvollen Andentungen. Sie lassen erkennen, daß sie wichtige Geheimnisse besitzen und sie drohen mit ihrer Bekanntgabe. Diese heimtückischen Schüsse aus dem Dunkeln sollten den Reichswchrminister oeranlassen, durch vollste Klarheit der Widerlegung den Erpressern gründlich das Handwerk zu legen! Kricks Polizeidirektoren. Gr bat drei Hakenkreuzler vorgeschlagen. Weimar, 15. Mai.(Eigenbericht.) Di? thüringische Slqatsregierung hielt am Mittwoch eine längere Sitzung ab, in der ausschließlich Personalfragen erörtert wurden. Frick schlug, wie verlauter, drei Rationalsozialisten als künftige Polizeidirektoren vor. Die Mehrzahl der Kabinett:mi!glieder soll diese Vorschläge keineswegs grund/ sätzlich abgelehnt haben. Man einigte sich dennoch nicht, weil über die Persönlichkeit der. nationalsozialistischen Kandidaten noch Nachfragen gehalten werden sollen und der Wunsch besteht, daß Frick eventuell andere Kandidaten vorschlägt. Der Brief des Reichsinnenininjsters Dr. W i r t h a» die thllrin- gifche Staotsregierung, der hier übrigens als Prioatbrief Wirths an den Staatsminister Baum bezeichnet wird, soll in der gestrigen Kabinettssitzung kein? Rolle gespielt haben. Die Regierung werde sich vielmehr init diesem Brief erst heute befassen und gleich- zeitig eine Entscheidung über die Personalfragen treffen. Eine Antisemitenprofessur. Hakcnkreuzwissenschaft in Lena. Weimar, 15. Mai.(Eigenbericht.) Das thüringische Staatsministerium hat in einer am Mittwoch- abend abgehaltenen Sitzung beschlossen, für den Rassenforscher Hans Günther mit Wirkung voni 1. Oktober d. I. in Jena einen Lehrstuhl für Rassenkunde unter dem Namen„für soziale Anthropologie" einzurichten. Ob das Staatsministerium auch in dem Fall Rüge einen Beschluß gefaßt hat, ist noch nicht bekanntgeworden. Hakenkreuz und Sowjetstern.' $0 Berlehte, 5 Echwerve' letzte. Dresden, 15. Mai.(Eigenbericht.) In Heidenau kam es am Ptittwochabend Zü einer schweren Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und einer größeren Menschenmenge, die sich hauptsächlich aus Kommu- nisten zusammensetzte. Di« Menge hatte sich vor einem Lokal angesammelt, in dem die Natipnalsozialisten«ine öffentliche Ver- sammln ng verqnstalstn wollten. Die Schlägeres führte zur B e r- letzung pon annähernd 3l)P?rsonen. Fünf an der Schlägerei beteiligte Personen wurden oerhältnismäßig schwer ver- letzt. Dep nationassozialistische Dresdener Rechtsanwaft fln g l« r, der als Rxjerent in per nationalsozialistischen Ber- sanmrlung sprechen sotzt«, wurde durch einen Steinwnrf am Kopf so schwer verletzt, daß er«inen Schädelbruch erlitt und sofort operiert werde» mußte. Oie Tragödie des Vaters. pqul Levis Vater aus dem Fenster gestürzt. Der Bater des Genossen Paul Lern. Jacob Lew. hat sich gestern abend in Hechingen aus dem Fenster gestürzt und ist bald daraus gestorb«n. Er tonnt« den Tod seines Sohnes Paul nicht verwinden, und ist deshalb aus dem Lehen geschieden. Er war 66 Jahre alt. Kampf um die Sozialversicherung Die Sozialdemokratie gegen Abbau. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde heute über die Kapitel, die die Sozialversicherung betreffen, die Beratung fortgesetzt. Abg. Karsten(Soz.) wandte sich gegen die Kürzung der Zu- Wendungen zur Jnoalidenversicherung, die aus Z o l l m i t t e l n bis zum Jahr« 1935 gegeben werden sollen. Das Verlangen der Regierung, den Betrag von 49 auf 20 Millionen zu ermäßigen, bedeutet«ine erhebliche Mindereinnahme der Invalidenversicherung, die die ohnehin schon schwierig« Lag« des Versicherungszweiges noch verschärfe. Die Kürzung kann nicht vorgenommen werden, wenn der Reichstag sich nicht dem Vorwurf aussehen will, gegen Treu und Glauben zu verstoßen, was damals der Versicherung gesetzlich zugesichert worden ist. muh eingehalten werden. Durch die Kürzung würde auch der Beschluß aus dem Vorjahr, von den 49 Millionen vier Millionen für Kinderspeisung abzuzweigen, stark gefährdet. Durch die setzt vom Reichstage beschlossenen Zoll- und Steuererhöhungen sind in erster Linie die ärmeren Bevölke- rungsschichten in ihrer Lebenshaltung geschmälert. Der Reichstag hat die Pflicht, diesem Kreis durch Rentenerhöhung einen Ausgleich zu geben. Di« Sozialdemokratie habe einen entsprechen- den Antrag gestellt. In einem weiteren Antrage verlangen wir einen Ausbau der Invalidenversicherung nach der Richtung, daß der Rentenbezug nicht mehr bei einer Erwerbsunfähigkeit von mehr als 66% Proz., sondern schon bei mehr als 59 Proz. einsetzt. Das heutige scharfe Arbeitstempo scheidet die minder Arbeitsfähigen in immer stärkerem Maße aus dem Arbeitsprozeß. Hier muß die Invalidenversicherung helfend eingreifen. Die Bestimmungen über Gewährung von Witwenrenten verlangen wir nach der Richiung hin geändert, daß auch solchen Witwen Rente gegeben wird, die über 59 Jahre alt sind oder denen die Erziehung ihrer Kinder obliegt. Ein dringendes Erfordernis ist die Einführung neuer Beitragsklassen für Löhne, die über 36 M. wöchentlichhinausgehen. Die Invalidenversicherung leidet an einer ungeheuren llnterver- sichcrung, die aus die Dauer nicht zu ertragen ist. Durch die Aufstockung neuer Lohnklassen werden der Invalidenversicherung wesentliche Einnahmen gegeben, die zur Aus- gestaltung der Leistungen erforderlich sind. Durch einen Antrag fordert die Sozialdemokratie weiter, daß die Unfallrenten nach den heut« geltenden Löhnen neu berechnet werden. Frau Schröder(Soz.) ersucht das Avbeitsministerium um A u s- tunft über die Streichung von 17 Millionen Mark für den Reichszuschuß zur Familienwochenhilse. Wenn die Krankenkassen gezwungen werden sollen, anstatt des bis- herigen Zuschusses von 59 Mark pro Wochenhilfsfall sich mit einem kleineren Betrage zu begnügen und ihnen dadurch 19 Millionen bis 15 Millionen Mark auferlegt werden, so wird das bedeuten, daß sie zum Abbau ihrer Kannlei st ungen(Familien-, Kran- kenhilf«, Genesendenfürsorge, Echöhung oder Berlängerung des Krankengeldes) gezwungen werden. Schon jetzt sind einige Landtrankenkassen infolge der starken Belastung durch die Arbeits- losigteit ihrer Mitglieder zu solchen Maßnahmen veranlaßt worden. Will der Relchsarbeilsminister da» verantworten? Es entsteht aber auch die weitere Gefahr, daß die Stimmung gegen die Familienwochenhilse so verschlimmert wird, daß ausgerechnet zur Zeit der ständigen Klagen üstpr den Geburtenrückgang die wich- tige Mutterschaftshilfe abgebaut wird, was ein nicht wieder gutzumachender Schaben fier unsere Volksgesundheit wäre. Das Zeatniin ließ durch Dr. Brauns einen Antrag be- gründen, der den sozialdemokratffchen Antrag auf Ausbau der Invalidenversicherung abschwächt. Dieser Antrag verlangt ledig- lich, daß die Regierung Material vorlegt über Möglichkeiten des Ausbaus der Versicherung. Der Arbeitsminister Sstgerwald versaht« die Hastung der Regierung zu den Etatsabstrichen damit zu verteidigen, indem er die Bemerkung mochte, daß er den Etat von seinem Amtsoorgänger unverändert übernommen habe. Die jetzt gemachten Abstriche be- deuten keine Schmälerung der Leistungen, lediglich Mindereinnahmen für die Versicherung. � Die Zavalidenvcrsicherung müsse in einigen Jahren sowieso aus neue finanzielle Grundtagen gestellt werden. Da käme es jetzt nicht so sehr daraus an, ob ein paar Millionen mehr oder weniger gegeben würden. Der deutschnational« Abg. Leopold ritt eine Attacke gegen die Sozial Versicherung, insbesondere gegen die Krankem und Knapp- schastsversicherung. Er forderte Einschränkung der Leistungen ins» besondere bei der Knappschaftsoersicherung. Ministerialdirektor Dr. Grieser gab Auskunft über ein« Frag«, die Genosse Aufhäuser bezüglich der Beihilfen zuden Werks- penfionskaffen gestellt hatte. Er erklärte, daß jetzt mit 18 Lassen Bereiirbarungen getrossen seien, nach denen die Regierung den Betrag von monatlich 48 Mark für jeden pensionierten Ange- stellten und 24 Mark für jeden pensionierten Arlxnter hinzuzahle. .Mit anderen Kassen würde noch verhandelt. Die Kesetzcntwürse über die Ausgestaltung der Unfalloersicherung würden im Herbst dem Reichstage zugehen. Genosse Wisse« wandt« sich in ganz entschiedener Weise gegen die Ausführungen Stegerwalds. Er erklärte, wenn er noch am Platz« Stegerwaids sähe, dann würde neben ihm der Finanzmimster sitzen, der die Streichungen im Etat zu vertreten habe, da er es abgelehnt habe, diese Kürzungen am Sozialetat mitzumachen. Die Streichungen der Ausgaben für die Wochensürsorge sei eine große Ungerechtigkeit, gegen die wir uns mit aller Entschiedenheit wehren. Di« im vorigen Jahre beschlossenen Rentenerhähungen aus der Invalidenversicherung basieren auf dem Beschlutz des Reichstags, die Ueberschüsie aus der Lohnsteuer hierfür zu verwenden. Dieses Ber- sprechen des Reichstags wolle man jetzt brechen, ebenso das Ber- sprechen, aus Zolleinnahmen jährlich 49 Millionen zur Verfügung zu stellen und das Versprechen, für jeden Wochenhilfefall 59 Mark aus Reichsmitteln den Krankenkassen zu ersetzen. Eine solche Politik gegen Treu und Glauben müsse jedes Vertrauen In die Gesetzgebung untergraben. Bei her Abstimmung wurden sämtliche sozialdemo- kratfschen Anträge, die einen Ausbau der Versicherung be- zweckten, vom Bürgerblock abgelehnt. Ebenso wurden alle 21». träge der Sozialdemokraten abgelehnt, die die Verhinderung der Streichungen am Sozialetat bezweckten. Zwei Tote auf den Schienen. Grauenhafter Fund auf der Wannseevorortstrecke. Heute früh machte ein Streckenwärter ans der wannseevorortstrecke einen grauenhasten Zund. Zwischen den , Stationen Zehlendors-Mitte und-West entdeckte der Beamte zwischen den Gleisen die zerstückelte Leiche eines Mannes. Bach dem Befund liegt zweifellos Selbstmord vor. In den Taschen des Toten wurden Papiere gefunden, die auf Walter D o s s o w aus Rheinsberg i. d. M. lauteien. Die Kriminalpolizei hat die weiteren Ermittlungen aufgenommen. In der vergangenen Nacht warf sich der 22jährige Arbeiter Arthur M a g u l l in der Nähe des Bahnhofs Wannjee vor die Räder eines Vorortzuges. Der Lebensmüde wurde aus der Stelle getötet. Wohnungs- und lange Arbeitslosigkeit dürsten den jungen Menschen zu der Verzweiflungstat getrieben hoben.— In der vergangenen Nacht wurde die 57jährige Emilie Wolter in ihrer Wohnung in der Prenzlauer Allee 237 durch Gas oergiftet tot aufgefunden. Das Motiv zu dem Selbstmord tonnte noch nicht geklärt werden. Unwetter über Sübdeutschland. Lleberfchwemmungen in Bayern und im Schwarzwald. waldklrch(Baden), 15. Mai. Im Simonswälder Tal und dem anschließenden Elztal ging gestern nachmittag ein heftiger einstündiger Wpskenbruch nieder, dem ein mehrstündiger Dauerregen folgte. Tie Elz schwoll rasch zu einem 399 Meter breiten(ptrom an, der das ekw« einen Kilometer breite Tal vollkommen unter Wasser sehte. Teilweise stieg das Wasser über einen Meter hoch. Felder und Wiesen wurden vollkommen verwüstet. Zahlreich« Bäume wurden entwurzelt. Viele Häuser haben Schaden erlitten, klein« Gebäude sind eingestürzt. Die Elztalbahn kann nur bis Waldkirch verkehren. Oberhalb von Wald- kirch sind zwei Dammrutsche eingetreten, die den Zugverkehr voll- kommen lahmgelegt haben. Zwischen den beiden Dammrutschstellen wurde ein Personenzug eingeschlossen, der Freiburg um 4 13 Uhr verlassen hatte, seine Passagiere konnten nicht weiterbs- fördert werden, da auf den überschwemmten Landstraßen kein Zier- kehr möglich ist. Auch der Telegraphenverkehr ist vollkommen unterbrochen. München, 15. Mai. In Südbayern haben die fortwährenden Regenfälle zahl- reiche Ueberschwemmungen und eine bedrohliche Hych- Wassergefahr an verschiedenen Orten hervorgerufen. Im Münchener Stadtgebiet hatte die Isar bereits gestern nachmittag die Hochwassergrenze erreicht. Bon dem Nordende des Ammersees wird große Hochwassergefahr gemeldet. In Schondorf sind die Wassermassen bereits in die Häuser eingedrungen. Von den Zäunen ragpn nur noch die Spitzen aus dem Wasser. Zahlreiche Scheunen wurden von der Gewalt des Wassers weggerissen. Seit 29 Jahren hat die Bevölkerung dieser Gegend eine derartige Ueberslulung nicht mehr erlebt. Auch im bayerischen A l g S u haben sich die Ge- birgeflüsse durch den fortwährenden Regen in reißende S t r ö m e�oerwandelt und teilweise die Wiesen und Felder über- schwemmt._ Selbstmordversuch Aorchardts? Oer Magistratsoberinfpe.ttor mit den Provisionen. Der in der Skandalaffäre der Provistonsgeschäfte bei der Be- stellung von städtischen Schulbüchern vielgenannte Mogistrats- Oberinspektor Borchardt soll heut« mittag in seiner Wohnung ig Westend«inen Selb st Mordversuch unternommen haben. Wie es heißt, soll er sich einen Kopfschuß beigebracht haben. Ein« Bestätigung dieser Nachricht war bis zum Schluß des Blattes n i ch t zu erhalten. Auwi. Oer Hohenzollernprinz und die arme Frau. Man schreibt uns: Die Notiz des„Vorwärts" über den Prinzen August Wilhelm, auch Auwi genannt, erweckt eine charaklerist'sche Erinnerung an diesen schneidigsten aller prinzlichen Landräte. August Mlhelm hatte bekanntlich den Ehrgeiz gehabt, die Berwa:- tung zu erlernen, war L a n d r a t und als solcher im Kriege der Militärverwaltung In Bialystok zugeteilt. Von dort, wo er im übrigen kein sehr schlechtes Leben führte, ist uns noch eine hübsche Anekdote bekannt. Bekanntlich wurden alle Lebens- mittel, deren man nur irgendwie habhaft werden konnte, von der Militärverwaltung aus dem besetzten Gebiet herausgezogen, so daß die Bevölkerung in den Städten, der es strengstens verboten war, vom Lande sich Borräte hereinzuholen, ganz außerordentlich stark hungerte. Es war in Bialystok zwar nicht so schlimm wie in Wilna, aber es war für die arme Industriearbeiterschaft dieser Textilstadt doch außerordentlich schlimm. Als einmal ein« sehr arm« ganz alte Frau es gewagt hotte, trotz der strengen Vorschriften nach einem benachbarten Dorf hinaus- zupilgern und sich im Rucksack einige Lebensmittel zu holen, be- gegnete ihr-unterwegs im Auto Prinz August Wishel in. Er hielt die alte Frau sofort on und nahm ihr, damit nur dem Ge- setze sein Recht werde und königlich preußische Ordnung herrsche, den Rucksack ab, konfiszierte ihn sozusagen durch höchsteigene Amtshandlung. Befriedigt fuhr Auwi weiter und die arme alt« Frau, zu Tode erschrocken über dieses Zusammentreffen und über die zu erwartende Strafe, zog heulend und hungrig nach ihrem vergeblichen Marsche nach dem Dorfe in die Stadt zurück, wo das Elend auf sie wartet«. Dieser durch und durch sozicüe Hohenzollernprinz hat sich jetzt der Nationalsozialistischen Arbeiter partei angeschlossen. Man weiß nicht, wem von den beiden man mehr gratulieren soll! . Im Magdeburger Münchmeyer-Prozeß beantragte der Oberstaatsanwalt eine Gesamtgefängnisstras« von einem Jahr gegen > Münchmeyer. Unter der Anklage der Blutschande. Der Amts- und Gemeindevorsteher von Aornim-Bornstedt vor Gericht. Mil einem Zeugenausgebot von 45 Personen begann heule vor dem erweilerlen Potsdamer Schössen- geeicht unter Vorsitz von eandgerichtsdirettor VZarmuth der Prozeß gegen den am 20. März tSSZ geborenen Amts- und Gemeindevorsteher von Bornim-Bornstedt 2lrtur grenzet. Die Anklage tautet auf Blutschande und Silt- lichkeitsverbrechen. begangen an seiner jetzt ISjährigen Tochter Gertrud. F r e n z e l, der sich seit dem 7. März dieses Jahres in Unter- suchungshaft befindet, bestreitet jede Schuld. Unter den Zeugen sieht man Pfarrer Schenk aus Bornim und dessen Frau, bei denen jetzt die Tochter Freuzels untergebracht ist. Im Bornimer Pfarrhaus vertraute sich die zur Frömmelei neigende Gertrud den Pfarrersleuten an, daß ihr Bater sie seit ihrem 11. Lebensjahre mit Gewalt unter Drohungen mißbraucht habe. Als Sachverstän- d i g e treten auf: Kreismedizinalrat Dr. Geißler und Frauenarzt Dr. med. choeck aus Potsdam. Der Angeklagte ist Obermeister der Schornfteinfeger-Zwangsinnung im Regierungsbezirk Potsdam. Ab- geordneter im Brandenburgischen Provinziallandtag, Abgeordneter d-es Kreistages Osthavelland. Vorsitzender der Wirtschaftspartei, Kreisbrandinspektor von Osthooelland und vieles andere mehr.' F. bekleidete im ganzen etwa 2 l> E h r e n ä m t e r. Er ist Vater von drei erwachsenen Töchtern. Auch eine zweite Tochter hatte gegen ihren Vater seinerzeit schwerste Vorwürfe erhoben. Später sind diese Anschuldigungen widerrufen worden. Die große Frage in diesem Prozeß ist die, inwieweit darf man der ISjährigen Tochter Gertrud Glauben schenken? Der Gerichtskorridor bietet ein eigenartiges Bild. Viele junge Mädchen,.. Freundinnen der Töchter Frenzels, junge Freunde, da- zwischen der Seelsorger von Bornim die Angehörigen des Ange- klagten, Vertreter des Kreises Osthavelland und andere mehr. Der Zuhörerraum ist überfüllt. Auf Antrag d:r Staatsanwaltschaft wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Die Verteidigung be- antragte die Zulassung der Presse. Der Staatsanwalt ist aber nur teilweise mit dem Antrag der Verteidigung einverstanden. Er bean- tragt eventuellen Ausschluß der Presse bei der Vernehmung Jugend- licher. Dann erfolgte die Vernehmung Frenzels, der im 47. Lebensjahr steht, Schornsteinfeger war und als chusar den Krieg mitgemacht hat. Frenzel hat einen Sohn und drei Töchter. Die Anklage wirst ihm vor, sich an der jüngsten Tochter Gertrud vergangen zu haben. Weinend oersichert der Angeklagte, daß er nichts Ärafbares begangen habe, und schildert dann die Erziehung seiner Kinder. Die zweite Tochter childe sei kauf- männilch tätig und habe bis 1927 eine Stellung bei einem Kauf- mann B. innegehabt, bis er erfahren habe, daß der Chef mit seiner Tochter ein Verhältnis angefangen habe. Er habe das Mädchen sofort»ach Hause genommen, ohne ihre Lebenslust eindämmen zu können. Seine Tochter Gertrud habe 1927 ständig im Pfarrhaus verkehrt und dadurch die Hausarbeiten und ihre Pflichten voll- kommen vernachlässigt. Deshalb habe er das Mädchen im April 1925 zu einer Frau Zimmermann als Haustochter gegeben. Gertrud sei dann alle vier Wochen einmal nach Haus gekommen und habe hei diesen Besuchen stets ein freundliches Wesen gezeigt. 1929 habe ihm seine Ehefrau zum erstenmal erzählt, daß Hilde und Gertrud dem � Vornstedter Pfarrer Schenk erzählt hätten, sie würden von ihrem Vater unsittlich verfolgt. Er habe Hilde sofort zur Rede gestellt, was diese Erzählungen bedeuten sollten und ob er seinen Kindern jemals unsittlich zunahe getreten sei. Darauf habe Hilde geantwortet: „R ein, Papa, aber laß das Kommandieren. Wir wollen unsere Freiheit!" Einige Tage später habe er zu seiner Ueberraschung von der ältesten Tochter Else gehört, daß Hilde sich in Potsdam ein möbliertes Zimmer genommen habe. Hilde habe ihn sogar brieflich gebeten, ihr monatlich 49 M. zu geben, da sie mit ihrem Gehalt von 99 M. nicht auskommen könne. Das habe er aber abgelehnt, weil er sich ärgerte, daß das Mädel in überschweng- licher Weise geschrieben hatte, sie sei zu Höherem geboren, könne die Aussicht der Eltern nicht ertragen und wolle sich ausleben Blntiger Ehestreit in Berlin O. Mit dem Messer gegen die Hrau Zm verlaufe eines Streite» drang heule früh der ZSjährig« Wächter Otto 3t aus der Großen Frankfurter Straße S4 aus seine um einige Zahre jüngere Frau mit einem Messer ein und verletzte sie sehr schwer durch Stiche in die Brust. Zwischen den Eheleuten kam es in letzter Zeit häufig zu er- regten Auseinandersetzungen. So auch heute früh wieder, als R. vom Nachtdienst heimkehrte. Der Streit artete schließlich in T ä t- lichkeiten aus. In seiner Wut griff der Mann zum Messer. Er stach aus seine Frau, die laut um Hilfe rufend auf den Flur flüchtete, ein. Als Nachbarn hinzueilten, ließ N. von seiner Frau ab und flüchtete. Die Verletzte wurde zur nächsten Rettungsstelle gebracht, wo ihr erste Hilfe zuteil wurde.— Nach dem Täter, der oennutlich umherirrt, fahndet die Kriminalpolizei. Kleinwftschiff über der Ostsee. !?ür die Stockholmer Ausstellvng in Seddin gebaut. M a l m ö. 15. Mai. Das für die Slockholmcr Ausstellung gebaute S e d d i n e r Kleinlustschiss traf gestern nachmittag um Z Uhr aus dem hiesigen Flugplatz ein. Die Fahrt ging von Slolp über Rügen direkt der s ch w e d I s ch e n k ü st e zu. wie der Führer. Major von Stelling. milteille. ist die Fahrt zur»ollen Zufriedenheit verlausen. Die weiterfahrt nach Stockholm findet heute statt. Willkommene englische Söste. Auf ihrer Rückreise vom internationoten Bergarbeiterkongreß Verden eine ganze Anzahl englischer Delegierter unter Führung ihres Generalsekretärs Cook einige Tage in Berlin verweilen. Um Sonnabend, 17. Mai. folgt die britische Delegation einer Einladung der„Freunde der internationalen Klein- arbeit" zu einem Begrüßungsabend im großen Saal des Gewerkschaftshauses. Engeiufer 24/25, pünktlich um 29 Uhr, zu der auch die Partei und Gewerkschaften ihre Vertreter ent- senden. Wie schon früher, wird�auch an diesem Abend der Sprech- und Bewegungschor, sowie die Schattenspiel- und Musikgruppe der Freien Gewerkschaftsjugend erneut ihr Bestes geben. Der Eintritt ist frei. Gssinmingssreunde sind herzlich willkommen. Von Bühne Theater am Gchiffbanerdamm. Tioel Coward:„Tratsch." Sie betrügt ihn nicht, aber er glaubt, daß sie es doch tat. Sie betrügt ihn doch, aber er glaubt, daß sie es nicht tat. Diese tiefe Lebensweisheit und Eheerfahrung wird in der Ko- mödie des Engländers Co ward demonstriert. Coward ist der Verneuil von London, zugleich Autor und Schauspieler. Er balanciert eigentlich noch leichter mit den fröhlichen Gedankensplittern. Und er ist ein noch junger Mann, und die anglosächsischen Bühnen können auf den französischen Konkurrenten verzichten, weil ihr geschickter und munterer Landsmann die Unterhaltung so glänzend besorgt. Wir haben in Deutschland keinen Lustspieldichter von so leichter Hand. Wir sind auf den Import angewiesen, mögen die deutschen Kollegen, die über diesen Ausfall ihrer Einnahmen entrüstet sind, auch jammern. Coward trifft eigentlich nicht nur angelsächsische Typen. Er schematisiert und schablonisiert dos vergnügliche Theater, das in allen fünf Erdteilen beliebt ist. Zanken sich in dem Schwank Gattin und Gatte, so werden natürlich auch Schwiegermutter und Mutter und Seelenfreundin, Hausmädchen und Lakai an dem Handel beteiligt. Alles, was seit Jahrhunderten auf der Bühne als komisch befunden wurde, wird bei den Haaren herbeigezogen. Das Stück wirkt so ganz iickernational, doch es ist in seinem Genre beste Gebrauchsware. Solches Lustspiel braucht, genau wie die internationale Spiel- dank, eine Primadonna. Maria Paudler spielt diese ver- lockende Dame. Sie steht, sobald sie die Bühne betritt, sofort außerhalb des übrigen Personals. Das, was ihr die Natur mitgab, die einschmeichelnde, ja den härtesten Menschenfeind erheiternde Stimme, die außerordentliche Gemütlichkeit ihres ganzen Wesens, auch eine nicht zu verachtende, bis ins Banale gesteigerte Haus- backenheit, das alles gefällt unmittelbar. Sie ist eine von den Naturtomödiantinnen, die wenig erzogen werden können. Sie ge- fällt eben oder sie mißfällt. Es scheint, daß sie in dem englischen Schwank nur gefällt. Um die Primadonna kreisen dann die sehr nützlichen, mehr als durchschnittlichen, ja sogar ausgezeichneten Damen und Herren, die die Sommerspielzeit des Theaters am Schiffbauerdamm bestreiten sollen: Frau Lvovsky, Frau Kupfer, Frau Marbo, Frau Monnard und die Herren Schweikart, Platte. Schnell usw. dl. H. 100 Jahre Eisenbahnfahrkarte. Die Eifenbahnfahrkarte, dieses kleine unscheinbare viereckige Pappstückchen, das für viele Menschen, besonders im Sommer, das Ziel der Reifesehnsucht, der Schlüssel zu Freiheit, Erholung und Natur bedeutet, kann jetzt das erste 19vjährige Jubiläum feiern. Es war im Mai 1L39, als der Engländer Edmondson zum erstenmal auf der Stockton— Darlington-Bahn, die im Jahr 1525 eröffnet worden war, die Einführung der»ach feinem System hergestellten Fahrkarten erreichte. In der ersten Zeit des Eisenbahnbetriebes waren als Quittungen Zettelbillette üblich, die den Billetten nachgebildet waren, welche von den Perfonenposten ausgegeben worden waren. Anfangs über- nahmen de Eisenbahnen diese Zettel, die sich aber allmählich als unpraktisch erwiesen, da sie für den Mafsenhetnob der Eisenbahnen nicht geeignet waren. Das Persahren Edmonhsons war darunz für den Betrieb bedeutsam, weil die neuen Fahrkarten viel stabiler waren, eine schnellere Abfertigung am Fahrkartenschalter und eine bessere Prüfung durch die Schaffner ermöglichten Auf den Zetteln mußte z. B. der Tag der Abreise und die Nummer der Fahrt mit Hilfe eines besonderen Stempels aufgedruckt werden. Di« steifen Kärtchen des Edmondfonschen Billettsystems enthielten bereits in der ersten Zeit Slbgangs- und Bestimmungsort, Preis und Fahr- nummer gedruckt und mit Hilfe einer kleinen Stempelmaschine konnte sehr schnell das Datum eingeprägt werden. So wurde Handarbeit teilweise durch Maschinenarbeit ersetzt. Die Eisenbahnfahrkarte bedeutete trotz ihrer Unscheinbarkeit eine große Umwälzung und Erleichterung im Verkehr und fand sehr schnell auch bei den anderen Eisenbahnen Nachahmung, wenn auch noch verhältnismäßig viele kleinere'Unternehmungen bei den Gilten Zetteln, sogar bis in unsere heutige Zeit, geblieben sind. Im Laufe der 199 Jahre hat sich diese kleine Eisenbahnfahrkarte in großartigster Weife entwickelt. Sie ist wohl einer der meist- gebrauchten Gegenstände der Welt geworden. Man findet sie in den fernsten und unkultiviertesten Gegenden, in allen Erdteilen, und selbst die Neger, die wenig von der modernen Zivilisation ge- sehen haben, kennen sie ebenso gut wie die Jndiayer, und nur ganz primitive Völker in gottverlassenen Gegenden haben wohl noch niemals Gelegenheit gehabt, eine Fahrkarte zu erblicken Aon der ersten Fahrkarte für die kleine Strecke Stockton— Daxlington bis zu den modernen Weltreifefahrkqrlen führt ein ge- waltiger Weg der Entwicklung. Schon frühzeitig erhielten die Fahrkarten verschiedene Farben, je nach der Eisenbahnklasse, für die sie geläst wurden. Dann wurde ein besonderes Kennzeichen, nämlich eine senkrechte rote Linie für diejenigen Fahrkarten geschahen, die für Schnellzüge und später für D-Züge gälte». Zur Bequemlichkeit für den Benutzer und zur Verbilligung der Reisen wurden Rückfahr- karten hergestellt, deren Gültigkeit anfangs auf drei Tage bei einer Entfernung von 290 Kilometer und für se 100 Kilometer auf einen Tag länger beschränkt war, fett dem Jahre 1991 aber für die deutschen Eifenbahnen auf 45 Tage ausgedehnt wurde. J» der späteren Zeit sind diese Beziehungen mehrfach abgeändert worden. Bei großen Reisen kehrte man wieder zu den alten Zetteln zurück, die allerdings bester ausgestattet waren, als die ehe- maligen Personenposibilletts. Es wurden zufammenstellbare Fahr- scheinhefte geschaffen, die entweder auf bestimmte Strecken lauteten und längere Aiü Gültigkeit hatten oder für Rundfahrten gültig waren. Sie brachten den neuen Borteii, daß man die Reise inner- halb der Gültigkeitsdauer der Fahrscheinhefte an jedem beliebigen Tage antreten konnte. Die Ausdehnung der Reifen über mehrere Länder ließ die Einführung dieser Fahrscheinhefte als günstig er- scheinen. Eine neue Erweiterung erfuhr die Zahl der Eisenbahn- fahrkarten durch die Einführung der sogenannten Platzkarten für D-Züge, ferner der besonderen Ausweise für Schlafwagen und enirtich der sogenannten Kilometerbilletts und Kilometerhefte, die auf verschiedenen europäischen Eisenbahnen längere Zeit in Gebrauch waren. Das gewaltige Atzschwellen des Verkehrs und die Marmigsaltig- keit der Reiseziele hat es mit sich gebrocht, daß man von der bisherigen Art der Cisenbahnsahrtartenherftellung abkommt und dazu übergeht, sie von den Beamten an den Schaltern je nach Be- darf durch besondere Drucker herstellen zu lasten. Die Fahrtarten werden also vielfach nicht mehr wie früher in ungeheuren Mengen vorgedruckt in besonderen Schränken bereitgehalten, sondern sie werden in wenigen Sekunden durch den Schalterbeamten gedruckt, um ein« schneller« MsertiAMfl her Reisenden zu-�Wichen. und Podium. �Doktor Klaus." Theater in der Klosterstraße. Man sitzt da und wundert sich. Nicht über das Stück. Auch nicht darüber, daß vor einigen Jahrzehnten mal so was gefallen hat: damals gefielen auch Butzenscheiben, imitierte Renaissance- möbel und Vers« von Julius Wolfs. Das Wunderbare an dieser Aufführung war, daß sie noch heute gefiel, daß es ein Publikum gibt, dem dieses literarische Gerümpel Spaß macht. Nicht wunder- bar, aber traurig ist es, daß Franz Sondinger, der für sein Theaterchen in der Klosterstraße einmal künstlerischen Ehrgeiz zeigte, jetzt diesen„Dr. Klau s" von l'A r r o n g e aufführt.— lz. Die Kentucky-Singers. Negerkonzert im Bach»t allen größeren Büdne» DcütickilandS ausgesllbrt wurde, wird in» Englische übersetzt und gcsaygt in der nächNen Spielzeit in London zur Aiifsüdrung. Dt« Galerle Rudols wiltsche». Vittorlastr. 30. eröffnet am 27. eine Au» jtellung von Oechildern und Aquarellen von Pol Cassel. Wie groß ist der Leistungsabbau? Die Auswirkung der Vorschläge der Reichsanstalt Der Norstond der Reichsanstolt war wieder Der die unmögliche Aufgabe gestellt, ein Problem lösen, das zu lösen er gar nicht in der Lage ist. Die L a st e n, die aus der katastrophalen Arbeitslosigkeit entstehen, können nur durch die Beschaffung von Arbeit herabgesetzt werden. Der Rcichsarbeitsminister hat selbst im choushaltsausschuß ausgeführt, dah die Beschaffung der notwendigen Mittel für den nicht minder notwendigen Wohnungsbau eine Verminderung der Arbeitslosigkeit um wehr als eine halbe Million bedeuten würde. Was bedeuten demgegenüber die Abstriche, die durch die Bor schlüge der Reichsanstalt gemacht werden könnten? Alles in allem S3 Millionen im Jahr. Davon infolge der Herabsetzung der Unter stlltzungssätze insgesamt 65 Millionen. Bei den tatsächlichen Aus gaben von über ll/s Milliarden fällt diese Summe gär nicht ins Gewicht. Sie fällt aber sehr stark ins Gewicht bei den Unter stützten. Nach den Vorschlägen der Reichsanstalt würde der Unterstützte in Lohnklasse VII— die Lohnklassen I bis VI bleiben »mverändert— bis jetzt pro Woche beziehen 14,63, nach den Sätzen der Krisenfürsorge aber 13,26 Mark. Di« Differenz st e i g t dann «>i-bis zur Lohnklasse XI, wo sie 6,30 Mark d i e Woche beträgt: in Lohnklasse XI würde nach den Vorschlägen des Vor- siandes der Reichsanstalt der Hauptunterstützungsempfänger nur 15,75 Mark pro Woche erhalten statt 22,65 Mark. Am härtesten davon würden also gerade die Arbeiter der Großstädte und darunter wieder die Facharbeiter be- troffen werden. Es würde wahrscheinlich in vielen Fällen die Wohlfahrtspflege mit Zuschüssen einspringen müssen, so daß von einer Einsparung so gut wie gar nicht die Rede sein kann. Jedenfalls fällt diese Einsparung für die Gesamtausgaben nicht ins Gewicht. Wie groß die Zahl der Versscherten ist, die von diesem Leistungsabbau betroffen würden, ist schwer zu ermitteln. Schätzungsweise dürften es aber zwei Drittel oller Unterstützten überhaupt sein. Darunter befinden sich aller- dings auch die So i s o n a r b e i t s l o s e n, die während der sogenannten berufsüblichen Arbeitslosigkeit, das heißt in den Winter- monoten, schon jetzt auf die Unterstützungssätze der Krisenfürsorge gestellt sind. Es wird aber nicht nur ein allgemeiner Leistungs- a b b a u vorgenommen, gleichzeitig werden die Beiträge auf 4 Proz. erhöht. Wenn auch die Familie«Zuschläge bei diesem Leistungsabbau unberührt bleiben, so ist er doch so stark und trifft den einzelnen so hart, daß er um so weniger annehmbar erscheint, weil dadurch die Frage der Finanzierung der Arbeitslosen- Versicherung nicht gelöst, das Problem der Arbeitslosigkeit überhaupt nicht berührt ist. Das personal der Reichsanstalt klagt an Verfehlte Sparpolitik. Eine gut besuchte Versammlung der in der Reichsgewerkschoft Deutscher Kommunalbeamten organisierten Beamten und Fest- angestellten der Berliner Arbeitsämter beschäftigte sich eingehend Mit den Personolverhältnissen. Genosse Z i e s l e r übte an dem Verhalten der Reichsanstalt scharfe Kritik. Die Opfer der„Sparpolitik" der Reichsanstalt sind ■nicht nur die Beamten und Angestellten, sondern auch die Arbeits- lasen. Besonders wurde bemängelt, daß die Reichsanstalt die Gestellung von Ersatz! rösten für die vom 1. April 1636 er- krankten Angestellten abgelehnt Hot. Durch die Ueberlastung des Personals und seine Beschäftigung in gesundheitsschädlichen Räumen ist eine hohe Krankheitsziffer zu verzeichnen. In der Aussprache wurde über die Zustände in den ver- sch-edenen Berliner Arbeitsämtern lebhaft Klage geführt. Ein- stimmig wurde dann eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Die für Berliner Verhältnisse unzulängliche Meßziffer von 156 Arbeitslosen(266 Arbeitslose draußen im Reich) als Arbeits- penfum des einzelnen Angestellten führt zu einer Vernachlässigung der wichtigen Aufgabengobiete der Reichsanstalt. Der Abbau des Personals bewirkt, daß die notwendige Kontrolle der Unterftützungs- bezieher und die Nachprüfung von Ueberzahlungen der Arbeitslosen- unterstützung durch Mangel an Personal für diese Zwecke gänzlich unmöglich gemacht wird und dient ferner dazu, daß zu Unrecht Unterstützungsbeträge an Schwarzarbeiter ohne Schuld des Personals gezahlt werden. Jede objektive und einwandfreie Nachprüfung der augenblicklich herrschenden Zustände in den Arbeitsämtern wird ergeben, daß kleinen Ersparnissen an Derwaltungskosten eine Ver- schleuderung von Versicherungsbeiträgen gegenübersteht." Die Beamten und Dauerangestellten protestieren gegen die verfehlte Sporpolitik der Reichsanstalt und verlangen, daß mit diesen Maßnahmen endlich Schluß gemacht wird. Oer wohltätige(Stahlhelm. Der Stahlhelm übt sich in Wohltätigkeit. Seine Erfur- t e r Ortsgruppe zahlt jedem„Kameraden", der Brennstoff irgendwelcher Art bei chr bestellt, einen Zuschuß von 16 Pfennig pro Zentner aus einer hierfür gemachten Sonderzuwendung eines Stahlhelmgönners. Schade, daß die Stiftung nicht bereits im Herbst gemacht wurde! Schade, daß die parlamentarischen Freuiide des Stahlhelme nicht gegen die Brennstoffwucherpreije Front machten: denn dann könnten die Kameraden vielleicht 26 Pfennig pro Zentner sparen! Oder gehört der stille Gönner zu den Raubrittern, die erst die Leute ausplündern und dann zur Buße fronnne Stiftungen machen? Tardieu droht den Postbeamten. Paris, 15. Mai.(Eigenbericht.) Der französisch« Ministerpräsident erklärte am Mittwoch einer Delegation der Postbeamtengewertschast, daß er einen Streik in der Poswerwaltung nicht zulassen werde. Er beabsichtigt im gegebenen Falle mit den schärfsten Maßnahmen einzugreifen. Oos Badeparadies in Weißensee. Wo der Sand vom Alexanderplah blieb. Jetzt haben auch die Weiß enseer ihr richtiggehendes Strandliod. Nachdem dos Sportbad sür die Badelustigen des Nord- ostens nicht mehr ausreichte, wurde im Vorjahre der O r a n k e- See den Wasserfreunden überlassen. In diesem Jahre wurden nun bedeutende Ausbau- und Ver- fchönerungsarbeiten vorgenommen. Das Bad hat jetzt ein« richtig« Strandpromenade mit Sitzbänken. Den Sand für den herrlichen Strand lieferte der Alexanderplatz. Große Aus- und Aiikleideräume mit 3666 Patent-Kleiderbiigeln warten auf den Massenbesuch. Der 18 Morgen große Oranke-See wurde zuerst einer gründlichen Reinigung unterzogen und als man das Wasser abpumpte, fanden sich aus dem Grund wohl keine Seestern« und Muscheltiere, dafür aber ein reichhaltiges Wirtschvftsinventar an Kaffeetassen, Löffel, ja sogar Tischen und Stühlen. Älles wurde also fein gesäubert und man harrte des feuchten Segens von oben: der kam aber nicht und fo mußte man sich von den anfänglich etwas widerstrebenden Wasserwerken Wasser„pumpen". Der Oranke-See erhält vom nahen Oberfee, der wieder mit der Kanoli- satton Verbindung hat, ständigen Zufluß. Das Bad, das an schönen Tagen bereits stark besucht wurde, ist vom Besitzer des dortigen Wirtfchostsbetriebes finanziert worden, die Stadt leistete eine Beihilf« von 16 666 M. Kleinhandel für Sozialdemokraiie. Gautagung Oes Einheitsverbandes. Der Gau Brandenburg des Einheitsverbandes der Handel und Gewerbetreibenden und freier Berus« hielt Sonntag in Berlin seinen Gautag ab. Aus dem Geschäftsbericht des Gauleiters Genossen Fuchs war zu entnehmen, daß es mit der Organisation rüstig vorwärts geht. Zur Zeit bestehen Ortsgruppen in Berlin, Franko fürt a. d. O., Wittenberge, Rathenow. Branden- bürg a. d. H. und Stendal. In Potsdam und R o w a w e s wird auf Wunsch der dortigen Parteigenossen eine Ortsgruppe ge- gründet werden. Weitere neue Ortsgruppen sollen folgen in Forst, Sagan, Luckenwald« und Fürstenwald« Immer mehr kommen nämlich die kleinen Handel- und Gewerbetreibenden und freien Berufe zu der Erkenntnis, daß sie im Schlepptau der Wirtschastspartei hängen, deren reaktionäre Politik im Verein mit den anderen Rechtsparteien nur die Geschäfte des Großkapitals besorgen. Es bricht sich die Erkenntnis Bahn, daß nur eine moderne Organffation, wie der Einheitsverband für den kleiner« Handel- und Gpwcrbctreibende nutzbringend fein kann. Der Einheiis- verband sieht nicht in den bürgerlichen Parteien seine Vertretung, sondern einzig und allein in der Sozialdemokrati- scheu Partei. Die Regierung Brüning zeigte allzu deutlich �aß sie die Jnteressenvertreterin des Großkopitals und des Großagrariers ist zum Schaden des kleinen Unternehmers und des Proletariats. In der sehr lebhasten Aussprache wurde betont, daß ein inniges Zusammenarbeiten mit der Partei notwendig sei. Es muß dani« gelingen, die in der Partei organisierten Handel- und Gewerbe- «reibenden dem Verbände zuzuführen. Andererseits muß es für die in der SPD. organisierten Handel- und Gewerbetreibenden nur eine Parole geben: Heraus aus den mirielständlerischen Vereinen und Verbänden und hinein in den Einheitsverband. Daß auch die Innungen reaktionäre Arbeit leisten, kam klar zum Ausdruck; es wurde' beschlossen, geeignete Maßnahmen zu treffen, den freiheit- lich gesinnten Innungsmitgliedern bei der kommenden W a h l z u r Handwerkska m'm e r den richtigen Weg zu zeigen, um sich frei zu machen von attertümlichen Ballast. Der Gautag beschloß sodann, einen Sekretär anzustellen, um den Gau Brandenburg besser be- arbeiten zu können. Genosse Fuchs wurde zum Gauleiter gewählt._ Wetter für Berlin: Teils wolkig, teils heiter, nachts kühl, am Tage rasche Erwärmung. Zwischen Nord und West schwankend« Winde.— Für Deutschland: Im Nordosten noch mehrfach Regen, im übrigen Reiche wolkig bis heiter und am Tag« mäßig warm. 16.05 16.30 17.30 18.00 18.30 19.00 19.25 19.45 20.15 Nach 16.00 17.30 17.55 18.20 18.40 19.05 19.,*) 19.55 Donnerstag, 15. Mal. Berlin. Obermazistratsrat Dr. Häußler: Kunst und Sport. Konzert. Hermann Kasack: Dichter— Briefe. Rudolf Förster liest. Chergesänge. Hans Fiesch: Programm der nächsten Woche. Hans Bredow: Fünf Jahre Rcichs-Rundfunk-Gcscllschaft Unterhaitunsrsmusik. Philharmonie: Orchesterkonzert anläßlich des Sjähritren Bestehen? der Rcichs-Rundfunk-Gcscllschaft m. d. H. Dirigent: Hermann Scherchcn. 1. Paul Häffer: Festliches Vorspiel(Uraufführung).— 2. Beethoven: Klavierkonzert Nr. 5, Es-Dur, op. 73.(Edwin Fischer. Flügel.)— 3. Reger: Variationen über ein Thema von Mozart.(Berliner Funkorchcstcr.) den Abcndmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Königs Wusterhausen. Prof. Dr. Hermann Ottendorf: 50 Jalvc Schülcrrudcrn. Dr. Julius Lewin liest aus eigenen Dichtungen. Maximilian Mullcr-Jabusch: Weltpolitische Stunde. Dr. Karl Hagemann: Reiseerlebnisse Im Orient. Spanisch für Fortgeschrittene. Dr. Hugo Prcllcr: Internationalismus als geschichtliche Tatsache. 36. Wanderausstellung der deutschen Landwirtschaftsgcsellschaft in Köln. Hans Kyser: Die unsichtbare Welt. Verantwortl. für die Rtdoktisn: Wolfganq Schwarz, Berlin: Anseigen: Th. S locke, Berlin. Berlaa: Borwarts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch» bruckerei und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68. Lindenstrahe 3. Hierzu l Beilage. Riltt-Arena Sonntf cm£t.«I«sn 19. 1*1 al. nadan». 3.30 MM»»-: Internationales Mannschaftsrennen G-Tatf e-A»** Uber lOO bnr» Donnerst, 15.5. Staats-Oper Unter d. Linden TeiHli. I. Do. Ho. 10 Jahns-«).-«, ho. 131 19 Uhr, Der Rosen- Kavalier Ende 23 Uhr Staats-Oper *n U ihr RepiiUik R.-S. 45 20 Uhr Die stumme von Pcrtici Ende n.ZZ'hllhi Donnerst., 15.5. sm oper Bismarckstr. Turnus II 20 Uh: Simone Boccaneora Ende 22-/4 Uhr Staatl. Sdiaospb. am Gendarmenmarkt St. I.«. Do. Ho. 7 Jahns-«!.-«. llo.115 20 Uhr Lieb« Leid und Lust Ende 22"» Uhr MI.Wet'NMMIU 20 Uhr Cwi senswurm Ende 22-,. Uhr I Täai. S u.8'1, Uhr. u 5 Daib. 8238 1 Pr. t-6 M Wochentg.SU. 50 Pf.-3 M. Tag,. S u. 613 SORDt. 2-, 5 D 8� Aicx. E 4. 8066 Ab morejen tägl. 8.15 tnd Sotniaos 5 Uhr nachm. Das neue Vcrlat�-Programm und Entschetdungs-Ringkämpfe Wochen». 5 Uhr u Sonnt. 2 U. nachm. lOVarl te-AltraktlODsn ohoe Rlnonample Winter ★ Cjarren* 8.15 Uhr Zemr. 261 B RanOKB sriiBhl Rose Kress-Trio— lohanv Comp. Ntmall— Lopez-Trio usw. Großes Schauspielhaus 8 uur Nur im Mai Die lustige Witwe Regie: Erik Charell Dir. Dr. Martin Zickel Komische Oper Frledrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8-/» Uhr Majestät läßt bitten... Moiüi von V,'aller Kollo. Lustspioihaus Fnednchsir. 236. Bergmann 2922/23 Täglich 89» Uhr Geschäft mii Amerika -Uitspiel von Frank und HirschTeld Metropol-Th. Täglich 8>/. Uhr Der Bemiieni Carola. Sdrützemrl, tlsntr, Litenteo Lessing-Theater Wtidiultma 1731 g. 0345 Täglich«>/. Uhrt Frau Peters het einen Geliebten v Louis V.rneuil mit ErDta*00 Thallmam) louis Veraooil Tneai. 0. Saiih.Toi Kottb. Str. 6 Tägl.« Uhr Elitesanger. Mai- Festspiele tolli ohrfeigt Minister Vo'zcigcr dieses Inserats Voizugs- preise. Volks btUine Theater ao BDIovpbh. SVt Uhr Rost von Kirchon und Ouspensky Regie; CMier Start StaatLSduller-Hi. 8 Uhr b'WMlWW WM Theater D! Weitodanun 5201 8 Uhr Phaea von Fritr v. Unruh. Reg-- Max Reinhardt Nasik: Friiaridi Hollandtr. Kammerspiele D 2 Weidendamm 5201 8-/4 Uhr Die liebe Feindin HgnMii mg A. P, igtgigi ügjig: Cutlgf GtHgiUici the KüfflOQie 1 Bi$mck.2414/75I6 Uhr Soll man heiraten? Komödie noBeniani Shaw Stggiidu Snrithtggg: Karl Heini Martin w« mw man> got Mfl billig r Nur Bross-sersm Aloxandorplatz Operettenliaus Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral- Theater) Dönh. 2047 Täglich 8'/. Uhr Totentanz von Aug Strlndberg Rundfunkhörer halbe Preise. Direktion Dr. Robert Klein Dealselles Kflnsller-Theal. Barbarossa 3937 8Vj Uhr Sex Appeal Usltp.». FnOank iMsdili fagig: Fgntti Urrlugi Albert Bassennaan «ad? CbrliUoBS Berlioer Iheaier uönholl 17i SV« Uhr Der Komödie v Bernard Shaw Regie Heinz Hilpert. Reste, Fabrikabfälle für Leib- und Bettwäsche V aauCnz er Id S-9 Vlar. Scan Mechanische Feinweberei Adlershof A G Berlin- AdlershoF, Adlergestell 965 ■ QogenOber Stadtbahn. Fernspr.; Adlershof 237, 231. 2M Kleines Ttieat. Merkur 162« Täglich Vk Uht CroOen Erfolges wegen rerlängert Gastspiel Giaela Wrrhrxirk in Meyer'i»I. Witwe Schwank von Fritz fritdiuii-Mft fheaterl.d.Betirensfr. 53-54 9 Uhr A4 Zentrum 926-927 9 Uhr Direktion Ralph Arthur Robert» Vögel, die am Morgen singen! Komödie in 3 Ak en von Lonsdale. Letzte Woche! (bis Sonnabsnd, 17., fägl. 8") (Sonntags 5" und 9 Uhr) 'JhhaHohßii- iiaTcurzehiri \ Große Operetie in 3 Akten Sooitag. dea Id. Mai 1930, 5.15 u. 9 Uhr Uraufführung „Jenny fleigt empoc" Komödie von H. A Kihn (Autor von Meiseken) Hauptdarsteller: Traute, Hange. Wiiii Rase, Erna Ksrsts a, Hilde Hafer, Edg. Kaniach, Hob. Mill er, Frani Stein. 0 17. EroS« Pianhlntler Sir. 132. Blliett.asse: Alt*. 3422 u. 3494 M V3S CASINO-THEATER Lothringer Strafe s7._ Die Berliner Posse Rentier Mudlcke und das Rlesen-Varietc-Pi ogramra. Billig! Billig! Sommerpreiae; 50 Pig. Mark 1.50 Mark Sonnabend u. Sonntao kleiner Aufschlag Reichshallen-Theater Allabendlich|T| Uhr Sldflner Sänger „Eine Hochzeit in de Müllerstraße" T«L Zentr. 11263, t Sulen-Plak. DönHoff- Bretti Varictd— Konzert— Tanz Qsbruder Hulh Sabne-GroßhandlunS Gegründet 1861 1145 Berlin SO, Oraalenslr.105 Lieferant erster Konditoreien Eigene Damplmolkereien Fernspr: Moritzpiatz 9689 u. 16792 Maxlsdiadie&Co. Fachgeschäft fürBandagen und Krankenpflege-Artikel Bln.'PanKow,WolIanlf$ir.l 2S Fernsprecher; O 8 Pankow 2779 Lfeferanl der Krankenkassen Eigene Werkstatt ißeilo�c Donnerstage 15. Mai 1930 SprÄbpnd ShÄlaul&xße de* Die Fachausbildung der Werktätigen Vemcrkungen zur Verlincr Vcrufsschulfrage/ vo« Hermann«a»skx Nicht um eine theoretische Fachergänzungsousbildung, auch nicht ln» eine Ausbildung in Lehrwerkstätten kann es sich bei der Frage der Berufsschule hantxln, sondern lediglich um eine zweckmäßige Ergänzung der praktischen Werkarbeit und um ein« Ausbildung auf bestimmten Gebieten der praktischen Betätigung. Diese Ergänzung hat der jung« Mensch heute dringen- der nötig als je, zumal er in den zum großen Teil auf Spczial- arbeiten«ingestellten Werkstätten nur einen Teil seines Berufes kennenlernt. Auch wird er bei der heutigen Wirtjchastseinstellung als Glied des Betriebes in erster Linie Arbeit leisten müssen. Eine systematisch« Einsührung in die gesamten Arbeiten des er» wählten Berufes ist aus diesen Gründen in den Werkstätten seltener möglich. Die. Wirtschaft fordert aber bestdurchgebildet« Arbeiter. Es liegt im Interesse des späteren Fortkommens des Arbeiters, daß er in seiner Jugend alles das kennenlernt, was zu seinem Berufe gehört. Bor dreißig bis vierzig Iahren versammelte sich die Berliner Jugend freiwillig in der von Jessen organisierten Handwerker- schule in der Liitbenstraße. Nach und nach entwickelte sich aus dieser Schule eine Reihe von Spezialfachschulen: die Baugerverk- schule, die 2. Handwerkerschul«, die Tischlerschule, der Gewerbcsaal, die Beuthschule und die Gaußschule. Alle diese Schulen wurden in „höhere Fachschulen" umgewandelt. Di« städtischen Bildungs- statten für praktisch tätig bleiben wollende Fach- arbeiter und Handwerker verschwanden fast ganz, den Arbeitgeberoerbänden(Innungen) war es überlassen, in ihren „Innungsschulen" für die Ertüchtigung ihres Nachwuchses zu sorgen. Die größeren Werke richteten Werkschulen ein. Diese Jnnungsschulen verschwanden auch nicht, als vor 2S Jahren in Berlin die Pflichtsprtbildungsschule ins Leben trat. Die letztere übernahm wohl die theoretische Elementorfach- ergönzung, kümmerte sich aber herzlich wenig um den prak- tischen Fachunterricht. Aus der Pflichtfortbildungsschule wurde unter teilweiser Aufnahme der Jnnungsschulen die allgemein« Berufsschule als Lebens- und Erziehungsschule mit ihrer heutigen Einstellung, die sich am besten charakterisiert in der Zweiteilung des Unterrichtes: Gemeinschaftskunde und Fach- t u n d e. In den an den Berufsschulen bestehenden Schulbeiräten für die einzelnen Berus«, die sich in gleicher Zahl aus Arbeitgebern, Arbeit- nehmern und Lehrern der Schule zusammenfetzen, ist uns ein be- stimmter Einfluß nicht nur auf die Arbeit in der Berufsschule, sondern auch in.den Fachkursen gesichert. Dieser rein sachlich ein- gestellte Schulbeirot hat alle Fragen des Schulbetriebes, der Schul- zucht, der geistigen, fachlichen und sittlichen Ausbildung zu be- arbeilen, er hat aus Grund einer„Ordnung für die Beiräte an den Berufsschulen" das Recht Anträge und Anregungen der Deputation für das Berufs- und Fachschulwesen zu unterbreiten. So ist es jetzt gelungen, das praktische Fachausbildungswesen dort einzugliedern, wohin es eigentlich gehört. Das frühere Neben- rinonderlaufen des Unterrichts in der Berufsschule und in der Fach- schule kann durch einen systematischen Ausbau ersetzt, die geopferte Zeit rationell ausgewertet werden. An einigen Stellen, zum Bei- spiel bei den Tischlern in Charlottenburg, bei den Reklame- und Firmcnherstellern in Moabit, ist dank der energischen Arbeit der Echulbeiräte mit einem solchen Aufbau begonnen worden. Doch es fehlen die W-rkräume. In Klassenzimmern ist ein in diesem Sinne liegender Unterricht schlecht durchführbar. Wir haben überall in den moderner eingestellten allgemeinbildenden Schulen Werkstätten. Werkarbeit als Erziehungsmittel steht dort im Vorder- gründe. In den Berufsschulen fehlen Werkstätten fast ganz, trotz- dem die Schulen in diesem Jahre aus ein fünsundzwanzigjähriges Bestehen zurückblicken. Große Arbeit ist hier noch zu leisten, sollen unsere den Gewerben dienenden Schulen wirklich« Schulen der praktischen Arbeit werden. Schulen mit praktischem Werk- arbeitsunterricht, bei dem die Fortschritte auf den Gebieten der Technik und Wirtschaft, bzw.«ine kunstgewerbliche Betätigung in neuzeitlichem Sinne im Mittelpunkte des Unterrichts stehen. Nur so könnten sie ihrer eigentlichen Aufgabe, der lferanbiidung qualifi- zierter Facharbeiter, gerecht werden. Und nun in diese Zeit fällt die finanzielle Notlag« der Stadt mit ihren Sparmaßnahmen, durch die auch die Schulen in Mit- leide nfchoft gezogen werden. Es sollen nur die für die Aufrecht- erhaltung des bestehenden Schulbetriebes durchaus notwendigen Mittel bewilligt, es soll eine Heraussetzung der Klassen- frequenzen und«ine Erhöhung des von den Schülern aufzubringen- den Schulgeldes beabsichtigt sein. Man könnte auch sagen, es soll der weitere Ausbau der Schulen eingestellt, es sollen Lehrer entlassen werden und den säst durchweg den minderbemittelten Kreisen angehörenden Schülern der Besuch erschwert werden. Letzteres dürfte gleichzeitig einen starken zahlenmäßigen Rückgang des Besuches der Berufsaufbauschulen bedeuten. Wir dürfen «inen solchen Gesamtabbau nicht dulden. Das Heer der Brotlosen wird vergrößert, die schon durch Ueberbelastung der Lehrkräfte geschwächte Leistungsfähigkeit der Schulen wird durch jede weitere Belastung noch weiter herabgedrückt. Für das noch immer in der Entwicklung stehende, in Berlin noch lang« nicht ge- nügend ausgebaut« gewerbliche Schulwesen gilt mehr als anderswo der Satz„Stillstand bedeutet Rückgang". Wir lesen tagtäglich von geplanten Maßnahmen zur Hebung der allgemeinen Wirtschaftslage und Abhandlungen darüber, wie die soziale Lage des einzelnen ge- hoben werden kann, hier aber sollen einem starken Baum der Wirt- schast die Wurzeln abgeschnitten werden. Man müßt« sich wohl darüber klar sein, daß die Mittel, die für die Ausbildung leistungs- fähiger Arbeiter ausgegeben werden, in der Zukunft das Plus für die Hebung der deutschen Wirtschaft bedeuten. Bei den Kultureinrichtungen, die für die künftige Entwicklung unserer Wirtschast von Bedeutung sind— und bei den Bildungs- stätten der Werktätigen handelt es sich ohne Frage um solche—, zu sparen, ist grundsätzlich falsch. Müssen aber trotzdem aus diesem Gebiete Einsparungen gemacht werden, so sollt« man dort mit einem Abbau beginnen, wo die Schädigung am wenigsten spürbar wird. Es wäre wohl zu überlegen, ob nicht die Einschränkung der Aus- b ldung von technischen Beamten und Ingenieuren an unseren höheren Fachschulen am Platze wäre. Vom Standpunkt« der Arbeitnehmer aus wäre es bei der Ueberfüllung dieses Berufes zog« wünschenswert. Weiter besteht in Berlin eine groß« Unter- Haltungskosten beanspruchende höhere Textilfachschule, trotzdem in Berlin das Textilgewerbe«ine ganz untergeordnet« Stellung einnimmt. Dies« Schul« könnte aufgelöst oder«s könnte wenigstens der Betrieb stark eingeschränkt werden. Die tunstgewcrb- lichen Entwurfsklassen dieser Schule gehören an die Kunstgewerbeschule, die Klassen der Bekleidungsindustrie an«ine BeNeidungsfach- schul« oder an«ine dem Zeitgeist gerechtwerdend« neu zu schassende Modeschule. Auch die Kunstgewerbeschul« Berlin-Ost ist für die Auflösung durchaus reif. Auch hier könnten die Eni- wurfsklossen der Kunstgewerbeschule Berlin-West überwiesen wevden. Dort wäre es dann möglich, aus den zum Teil nur vegetierenden Klassen lebensfähig« aufsteigende Kurse für einzelne Unterrichts- gebiete zu schaffen. Die Klassen, die als Hauptaufgabe die Ertüch- tigung der kunsthairdwerklichen Betätigung betreiben, wären den neu aufzubauenden Gewerbe-, Berufs- und Fachschulen zu überweisen. In den freiwerdenden Gebäuden könnten Schulen nüt einem Aufbau in angedeuteter Art also die Schulen für die erwerbstätig schaffenden Facharbeiter untergebracht werden. Dringend notwendig sind diese SpezialberufSschulen für die Maler, für die Holzarbeiter, für die graphischen Gewerbe. Wir müssen fordern, daß hier einmal ganze Arbeit geleistet wird. Die Gelegenheit dazu ist gegeben, die Zeit fordert es. Ärbciter'klbcnöttuöium €iu Veifpiel aus Sesterreich Zu dem vielfach besprochenen Versuch eine» Abend- gymnasiums bringen wir den Beitrag eines österreichischen Genossen, der an einer Wiener Abendschule Vor- urid Nachteil« eines solchen abendlichen Studiums erlebte. Aus einer Vortragsreihe über das Arbeiterprogramm Lassalles bei jugendlichen Arbeitern, geleitet von einer jungen Studentin, ent- stand eine Arbeitsgemeinschaft, die die Geschichte des lg. Jahr- Hunderts behandelt«. Aus dieser Arbeitsgemeinschaft entwickelte sich dann der Mittelschulkursus sozialistischer Arbeiter (MSA.) in Wien., Anfangs war nur ein Durcharbeiten des Stoffes einer Mittelschule gedacht, ohne irgendeinen Gedanken an«in« öffentliche Prüfung— es zeigte sich aber bald, daß aus psychologisch- pädagogischen Gründen ein« Zielsetzung. geboten war. Das Ziel wurde die Reifeprüfung an einem staatlichen Real- gymnafium. Zur Aufnahme in den MSA. sind folgende Bedingungen gestellt: Soziatsstische und gewerkschaftliche Organisation und vollendete» lä. Lebensjahr. Besondere Schulbitdung wird nicht gefordert, auch wird von jeder Ausnahmeprüfung abgesehen, da eine solche keinerlei Gewähr für die künftige Leistungsfähigkeit bietet. Vorausgesetzt wird serner, daß jeder Hörer und jede Hörerin beruflich tätig ist. Bisher wurde auch noch keinerlei Unterstützung, wie etwa ein Beruf mit verringerter Arbeitszeit o. ä vermittelt. D�e Studien- dauer beträgt vier Jahre. Unterricht wird jeden Wochentag von tz bis 9 Uhr abends, Sonnabends von 5 bis 9 Uhr abends erteilt. Nötigenfalls werden auch Sonn- und Feiertage zu Exkursionen, Wiederholungen und unter Umständen auch zum Unterricht heran- gezogen. Desgleichen auch fallweise die Ferien, die mit den all- gemein üblichen Schulferien zusammenfallen. Ein Bild über die Schule gibt uns die Berufsstatistik, der wir für das Schuljahr 1928/29 folgendes entnehmen: Männliche Hörer: insgesamt 326(81 Proz. der Gesamt- Hörerschaft). Handarbeiter: 178(35 Proz. der männlichen Hörer»der Proz. der Gesamthörer). Keine Hondarbeiter: 148(45 Proz. der männlichen oder 37 Proz. der Gcsamchörcrschaft). Weiblich« Hörer: 78(19 Proz. der Gesamthörerschast). Di« Gruppiening dem Alter nach ergibt folgendes Bild: am stärksten vertreten ist die Gruppe der Neunzehn- bis Sechsund- zwanzigjährigen. Aber auch.39-, 42-, 43-, 45-— ja 5Ajährige be- suchen den Kursus. Darunter eine Anzahl von Verheirateten. Der Aufbau des Kursus ist als Arbeitsgemeinschaft sozialistischer Arbeiter und sozialistischer Mittetschulprofessoren gedacht. Juridisch ist der Kursus«in eingetragener Derein. Di« Verwaltung erfolgt durch die Vertrauensmänner der Schüler- und Lehrerschaft im Einvernehmen mit dem Vereinsvorsigenden. Jede Klasse wählt zwei Ver- trauensleute, die die Interessen der Schüler zu vertreten hoben, außerdem aus der Reih« der sie unterrichtenden Lehrer den Klassen- vorstand, der ebenfalls die Aufgabe hat, die Interessen seiner Hörer zu vertreten. Das Lehrerkollegium wählt aus seiner Mitte den pädagogischen Leiter der Schule, entscheidet über den Lehrplan und sonstige pädagogische Angelegenheiten, beruft neue Lehrkräfte usw. Es kami als ein Beispiel der tatsächlichen Selbst oerwol- tu n g angesehen werden, daß es vorgekommen sst, daß«ine Masse einen Lehrer abgelehnt hat, weil er ihren Anforderungen(und die sind bei abgearbeiteten Erwachsenen sehr groß) nicht ganz ent- sprachen hat. Jede Klasse hat 19 Wochenstunden Unterricht. Di« größten Schwierigkeiten bereitet im Unterricht, da wir«s ja mit Erwachsenen zu tun hoben, die Erlernung der Sprachen. Ihnen wird deshalb von Anbeginn größtes Augenmerk zugewandt. Auf Grund der gesammelten Erfahrungen ist folgend«? Lehrplan aufgestellt worden: Deutsch: D«r Unterricht wird vom ersten bis zum letzten Schuljahr erteilt und umfaßt die deutsche Sprach- und Literatur- geschicht«. Grammatik und Syntax werden in den Fremdsprachen- Unterricht einbezogen. Latein beginnt im zweiten Semester des ersten Jahrgangs und nimmt einen großen Teil der verfügbaren Stunden(4. später 5 von 19)«In. Englisch beginnt mit dem ersten Schuljahr und hat 3 bzw. 4 Wochenstunden belegt Begonnen wird mit Sprechübungen. Be- vorzuqt wird der freie Aufsatz, die Lektüre neuzeitlicher Werke und Zeitschriften, die Aussprach«. Geschichte und Geograph'« wird vom ersten bi« zum dritten Unterrichtsjahr vorgetragen. Wöckentlsch 2 bzw 3. im letzten Halbjahr des dritten Unterrichtsjahres 4 Wochenstunden Hier bietet sich denn auch Gelegenheit, in einer der sozialistischen Einstellung der Schule entsprechenden Weife zu unterrichten Mathematik wird in 2, 3 bzw. 4 Wochenstunden vom An- fang bis zum Ende des Kursus vorgetragen. Physik und Chemie wird vom dritten bis zum vierten Schuljahr in 4 Wochenstunden unterrichtet, Naturgeschichte, die Somatologi«, Zoologie, Botanik, Mineralogie und Geologie um- saßt vom ersten bis zum zweiten Jahrgang 2 Wochenjtunden. Stenographie im ersten Semester des Kursus und Einführung in den Sozialismus im zweiten Se- mester des Kursus. Es ist ganz unmöglich, daß ein so großer Stoff in so kurzer zur Verfügung stehender Zeit vom Schüler mit Hilf« des Lehrers in der Schule erarbeitet werden kann. Es ist daher ein andauerndes Studium auch außerhalb der Unterrichtszeit un- bedingt notwendig. Da der Unterricht in den Abenstunden erteilt wird und die Hörer all« im Beruf stehen, ist es begreiflich, daß nicht nur di« ganze Freizeit, sondern in den meisten Fällen auch e i n T« i l der Nacht zum Studium verwendet werden muß Vier Jahr« hindurch konsequent durchgeführt, bedeutet dies schon an sich betrachtet «in ungeheures Maß von Energie und Idealismus, das nur die Allertllchtigsten aufzubringen in der Lage sind. Sehr viele unter- liegen vorzeitig den Anstrengungen. Und selbst bei den Arbeitslosen ist der Studienfortgang nicht so, wie man nach der zur Verfügung stehenden Zeit erwarten könnte. Die Prüfung wird in einem staatlichen Realgymnasium vor Professoren abgelegt, die nicht lm MSA. unterrichten dürfen. Zur Hauptprüfung, die in den Gegenständen Latein, Englisch, Deutsch und Mathematik abgelegt wird, wird man erst dann zugelassen, wenn man die Vorprüfungen abgelegt hat. Den deutschen Verhältnissen der Arbeiterabiturientenkurse gegenüber bedeutet es eine Erleichte- rung, daß wir in Wien die Prüfung geteilt haben in vier Vor- und ein« Hauptprüfung. Der Zu drang zum MSA. ist sehr groß, zu groß, um alle Bewerber aufnehmen zu können. So mußten denn im letzten Schul. lahr. gegen 250 Bewerber abgewiesen werden. Interessieren witd die Abnahme der Hörer im Verlaus der vier Kursusjahre. E s z- i g t sich, daß die Schwierigkeiten von den meisten unterschätzt werden. So kommen von den 239 Schülern der ersten Klassen in die zweite un- gefähr 8 9. Im vierten Jahrgang ist die Zahl auf 25 zusammengeschmolzen! Wenn sich aus dem kurzen Bestehen des MSA. bisher auch noch kein« positiven Ergebnisse für die Arbeiterschaft gezeigt haben, so kann damit nicht gesagt werden, daß dies in der Zukunft nicht sein wird. Im Gegenteil, alles weist darauf hin, daß sehr wohl Dorteil« für die Partei und für di« Gewerkscktzisten zu sehen sein werden. Melden sich doch alljährlich gegen 2) Absolventen zum Besuch der Parteischule, um sich als Funktionäre weiterzubilden. Auch die sozialistische Studentenbewegung gewinnt manchen wertvollen Funktionär aus dem MSA. Zum Hochschulstudium geht jedoch nur «in Teil über. A Adler. Neifeprufung am Äbenögymnasium End« der vorigen Woche ist zum erst«« Male eine Abi- turientcnprüfung des Berliner Abendgymna- siums abgeschlossen worden. Nach dreitägiger Prüfung durch Lehrer des Abendgynmasiunis hoben von 26 Prüflingen 23 dos Reifezeugnis erholten: 7 Kandidaten«rhielten das Prädikat„gut", einer dos Prädikat„mit Auszeichnung". Don den zugelassenen 13 Frauen haben alle, von den. 13 Männern haben 19 dos Ziel der Prüfung erreicht. Dieser Jahrgang begann im September 1927 und setzt sich zu- sammen aus kaufmännischen Angestellten, Beamten, Technikern und Sekretärinnen. Die Kursusteilnehmer hatten zumeist«in« Vorbil- dung, di« in der Zielrichtung kurz vor dem Abitur steht: sie verfügten über die Reife der Obersekunda. Von dieser Tat- fache ausgehend, mag es nicht absonderlich erscheinen, daß sie in 2% Jahren dos Reifezeugnis'erlangten. Doch es muß betont werden, daß dies« Arbeit in den Abendstunden neben voller Berufstätigkeit geleistet ist. Das Resultat darf daher als voller Erfolg gebucht werden. Jedoch betrachten wir dies«« Erfolg des Abendgynmasiums in der Gesamtheit d«r außerovdentlichen Weg« zum Hochschule studium, so muß sestgestellt werden, daß dafür di« Arbeiterschaft nicht einmal der berühmte Tropfen auf den heißen Stein ist. Das Abend- gymnasium und die Arb«!ter-Abiturient«nruxl« sind die wenigen Ausnahmen, außerhalb der geregelten Schule die Berechtigung zum Hochschulstudium zu erlangen, wobei wir von der Möglichkeit bes Kulturexamens als noch geringfügiger absehen. Für ein« M i l- lionenstadt wi« Berlin, für das ungeheure Heer der Fähigen und Willigen in der Arbeiterschaft bedeutet es im Grunde genommen gar nichts, wenn nach dreijähriger mühevoller Ar- beit 23 Leute dieses Ziel«rreichen. Das Bildungsprivileg des Besitzes, das nicht nur eine soziale, undemokratische Un« gerechtigkeit, sondern auch staatlich und volkswirtschaftlch gesehen ein Fehler ist, wird damit nicht gebrochen. Wir können«s uns aber nicht leisten, daß tausende geeignete Kräft« dem Hochschul- studium und den daran anschließenden unmittelbaren Staotsauf- gaben«nfzogen werden, während gleichzeitig aus aiten Dorrechten Kreise die Hochschulen bevölkern und damit Steuermittel in An- spruch nehmen, deren Eignung oft genug zweifelhaft ist W.T. Dann wird es still, entsetzlich still. Soldaten marschieren unter Absingen der Nationalhymne auf die Straße. Eine Frau beugt sich über den ausblutenden, entseelten, arm- seligen Kulileib. Ihre Hände färben sich rot. Auf ihrem Gesicht aber brennt eine furchtbar« Verantwortung. Plötzlich fühlt sie sich von kräftigen Armen angepackt. Sie ist oerhastet: von den Agenten Maring, die sie in ein Auto schleppen und mit ihr davonsausen. Die Fahrt geht aber nicht ins Polizei- Präsidium, sondern in die Chinesenstadt, in die Hankou-Road, wo das Haus P's steht. Das Auto hält vor diesem Hause. Mr. Pfund und Mr. Dollar, die„Agenten Marins", geleiten sie hinein. (Fortsetzung folgt.) (29. Fortsetzung.) Mr. Kead, führend in diesem Kreise, prüft« kaltblütig berechnend die Gesichter seiner Umgebung. Als ober im Verlause der Debatten das Wort„Generalstreik" fiel, sprach er zum ersten Male an diesem Abend:„Meine Herren, packen Sie Ihr» Kosser, reisen Sie ab. Es wird sich bestimmt noch ein Platz auf den überfüllten Schiffen und Bohnen für Sie finden." Betrosfenes Schweigen. „Ein Generalstreit bedeutet den Auftakt zur chinesischen Revo- lution und späteren Bürgerkriegen: somit unseren Untergang in diesem Lande. Der Sieg dieser Revolution ist gleich dem Auf- fluten einer Empörung ganz Asiens. Wir halten es nicht auf. Die Gefahr für Europa ist demnach nicht mehr von der Hand zu weisen." Mr. Kead lächelte verbindlich, sagte:„Das alles wird sein, wenn der Generalstreik einsetzt." Dann lachte er:„Aber er wird nicht einsetzen." Di« Stimmung hob sich. Der Konsum an Whisky verstärkte sich. Die Zigarren qualmten wieder. In der nächsten Minute gründete Kead einen neuen Konzern. Das Vertrauen zu der curo- päischen Macht im Osten war wieder hergestellt. Er aber wußte, daß er einen Betrug beging, der ihm gefährlich werden tonnte. ZS. Ja— oe! 2a— oe! Abfahrt! Hongkong! Peking! Whisky! Platz! Pla— a— atz!! Starte Ellenbogen braucht man hier. Platz ist das wichtigste. Platz ist alles. Weh dem, den da Kraft und Brutalität verläßt! Morgen schon ist er ein Kuli und zieht den Wagen, in dem sein Herr wie«in Götze thront. Den krummen Nacken biegt ihm keiner mehr gerade. „Daily News!" „New Port Heralb!" „Matin!"„Figaro!"„Journal chinois!"„Schewuschepau!" Di« ganze Welt hat sich scheinbar auf diesem Bahnhof ein Rendezvous ge- geben. Sämtliche Rassen des Planeten drängen und stoßen sich in der weiten Halle. Engländer, Franzosen. Amerikaner, Japaner, Neger, Malaien, Parsi, Koreaner, Perser, Türken, Singhalesen, Javaner, Annomiter, Hindus, Braminen, Sikhs und zuletzt der Mann des Landes hasten, gestikulieren, schimpfen, fluchen, handeln und betrügen. Züge donnern in die Halle und speien immer wieder neue Menschen aus. Gellende Pfiff« durchschneiden jäh den chaotischen Stimmentumult. Riise zur Abfahrt! Man stürzt schreiend in die Waggons, läuft wie gejagt, flüchtet durch dos Menschenlabyrinth. Die Chinesen glauben sich nämlich stets von bösen Geistern verfolgt und mischen sich daher auffallend unter die Weihen. Sei meinen damit ihre unsichtbaren Dersolger den„fremden Teufeln" anzuhängen. Der Weiß« hat dafür nur ein mitleidiges Lächeln. Die Züge sind vollgepsercht von Menschen. Die Dächer der Waggons zum Brechen überladen. Das Ganze gleicht einer regel- rechten Flucht. Eine panikartig« Stimmung ist nicht mehr abzu- leugnen.(Mr. Kead dürfte in dem Kampf« mit Mr. Gorrickson allmählich unterliegen. An der Börse kann man die ersten Erd- stoße verzeichnen.) Kulis schleppen riesige Gepäckstücke und drohen fast unter der Last und der stechenden Hitze zusammenzubrechen. Ihre hohlwangig gelben Gesichter erregen Schauder. Neger brüllen das Kauder- welsch ihrer Sprache, benehmen sich höchst amerikanisch Selbst sie fühlen sich als Herren der Situation und behaupten sich mit Füßen und Fäusten. Inder wandeln schweigsam und erhaben wie Pfgu« dahin. Dicke, feist gefressene Chinesen ziehen mit ihrer ganzen Familie und ihren Reistöpsen durch die Menge: die Bourgeoisie des Landes. Und üb«r all dem Chaos diefts Menschenkonglonwrats schwebt das süße, lockende Lächeln der Frauen. Ihre Eleganz ist die der Boulevards. Die Frau des weißen Manne» weiß, was sie wert ist. und sucht daher den größten Gewinn aus sich zu schlagen. Und ber Kuli schreit: Io?oe! Ia-oe! Der Mann mit den Zeitungen kreisckq unermüdlich die aufsehenerregendsten Titel. Dröhnende Schritte. Ein Trupp englischen Militärs stürmt in die Hall«. God save the King." schlägt es mächtig von den Wänden zurück. Die Chinesen wollen sich unsichtbar machen. Di« Abendländer brechen in frenetische Begeisterung aus. Ein Neger, aufgeputzt w!« ein Affe, boxt einen Kuli nieder Dieser Akt nationaler Kundgebung löst schallendes Gelächter aus. Ein alter Amerikaner schenkt ihm dafür zehn Dollar. Der Nigger steppt davon. Zwei Amerikaner prallen mit den Bäuchen aufeinander. Der Kuli läuft mit dem Koffer des einen davon. Der Gentleman merkt es nicht, so sehr fesselt ihn sein Bekannter. „Goddam. Siel" ..Sehr erfreut." .Komm« soeben aus Honkau." „Geschäft?" „Baisse." „Stimmung?" „Kritisch." „Beruhige« Sie sich, mein Freund. Auch vir kriegen Militär. Goddam, ein tückisches Volk, der Gelbe. Wasserratten. Sie können auf manches gefaßt fein Kommen Sie in den Klub." Er zieht ihn mit sich. Erst jetzt bemerkt der Kaufmann aus Hankou, daß ihm das Reisegepäck fehlt. Er stößt einen wilden Fluch aus und fügt sich feinem Verluste. Hier muß man Augen und Ohren offen halten. Oberster Grundsatz. „Generalstreit in Hongkong! Regierung demissioniert!" Die Blätter werden den Kolporteuren entrissen.(Mr. Gorrickson kämpft wie ein Berserker.) Zwei Chinesen drücken sich dem Ausgang zu. „Was hältst du davon?" „Glaubst du nicht daran?" „Und der Gewinn?" „Woran denkst du?" „Wird es?" „Schweigen wir davon. Es lauert in ollen Ecken." Als' sie das Rikscha besteigen wollen, werden sie(von den Agenten Marino) verhaftet. Der ganze Bahnhof ist mit Pollzetagenten überjät.(Jeder einzelne wird von ihnen beobachtet, belauscht.) Die Passagiere der einlaufenden Züge werden scharf ins Auge ge> nommen.(Jeder der Agenten hat ein Bild im Kopfe, dos Bild einer Frau: Maro.)» „Freindenverfolgung In Tientstn! Di« Regierung verhandelt nicht!" Die Gesichter der Kolporteure laufen blau an. Diese Nachrichten sind Oel ins Feuer gegossen. Wen eine weihe Haut umspannt, der schreit jetzt seine ganze Erbitterung gegen den Gelben heraus. Die Stimmung wird immer kritischer. Ein betrunkener Matrose oerschafft sich dank seiner herkulischen Figur Gehör: „Briten! Europäer!" Er findet bald Begeisterung für diese Anrede.„Den krätzigen Hunden den Schädel«inhouen! Schleift sie aus den Häusern und pflastert mit ihren Leibern die Straße. Das Gesindel muß baumeln. Es lebe der König von England! Hoch dl« Nation! Es lebe Europa!!" Die Matrosen brüllen au? vollem Halse. Daß sie ein Blutbad herausfordern, ist den Eingeweihten klar. Di« Maus aus dem Loch« kitzeln, das wollen sie. Die Chinesen oerslüchten sich. Die unzähligen Kulis rufen noch ihr langgezogenes Ja— oe. Der Tumult in der Halle hat seinen Höhepunkt erreicht. Es bereitet sich etwas vor. Plötzlich zerreißt«in gellender Schrei die Lust. Man stiebt nach allen Seiten auseinander. Frauen und Kinder kreischen in panischem Schrecken. In wenigen Minuten ist der Schauplatz leer. Selbst die Agenten Marins werden vom Strome der Menschen mitgerissen, auf die Straße gespült. Nur ein Trupp Soldaten ist Herrscher auf dem Plan. Ein Röcheln bebt durch den Raum. Ein blutüberströmter Kuli kriecht dem Ausgang zu. Dann kaim er nicht mehr weiter. Die Hände wollen sich in den Boden eingraben. Sterbend haucht er sein Ja— oe. � Buch John Cowper Potrys„Wolf Solen f') Dieser dreibändige Roman des Engländers Powys zeigt, daß ein« Zeit nicht reibungslos auf einen Generalnenner aufgeht. Notieren heut« objektive Zergliederung der Oberfläche, Beschreibung äußerer Vorgänge, die nur die seelischen Prozesse ahnen lassen, vielleicht schon über ihren wahren Wert, so trägt Powys die Fassade ab, durchdringt das Aeuhcre, um zur Mechanik des seelischen Apparats zu gelangen. Er zeichnet nicht mit mehr oder minder Begabung Welt und Mensch, sondern gestaltet, wie sich die Welt im Innern eines Menschen bricht, wie er auf sie reagiert und mit welchen Gefühlen und Gedanken er sie untermalt. Der Loser sieht mit den Augen Wols Solents, erlebt das Geschehen aus seiner Perspektive. Die Begriff« Mystiker, Romantiker oder Dekadent umreißen die Persönlichkeit Solents nicht vollständig. Er ist der Mensch, der sich selbst und die Welt als Problem erfaßt, dem die einfachsten Vorgänge rätselvoll erscheinen. Der Seismograph seiner Seele reagiert auf den feinsten Druck. Der Lehrer und Schriftsteller, der Moralist, der glaubt, amoralisch zu sein, arbeitet als Privatfekretär da» Werk eines saunischen Landedelmannes aus, das sich mit den sexuellen Skandalafsären der heimatlichen englischen Landschost be- saßt. Dadurch kommt ein offener Bruch in seine Persönlichkeit. Er muß die Arbeit leisten, um Geld zu verdienen, wird von ihr jedoch auch dämonisch angezogen. Am Schluß will er das Geld nicht nehmen, aber seine Frau zwingt ihn dazu, eine Frau, die organisch und triebhast in der Erde verwurzelt ist, und die er liebt. Aber dies« Lieb« erfüllt ihn nicht. Ein« andere Frau soll ihm das seelische Aequivalent bieten. Dieser Dualismus durchzieht sein ganzes Leben,«s ist der Gegensatz von Traum und Leben, von Ideal und Wirklichkeit. Be- wüßt lehnt sich Sosent gegen die Welt mit ihrer Technik und ihrem Wollen auf. Er will allein um sich selbst kreisen, bis er schließlich zu einem Kompromiß gezwungen wird. Schmerzvoll schließt er Frieden, die Realitäten sind stärker als feine„Mystik". Unh um ihn«in« Reihe merkwürdiger Gestalten, die an sich Durchschnittsmenschen sind, aber in seiner Phantasie zu Monstrosi- täten oder zu mindestens grotesken Figuren heranwachsen. Auch sie erhalten am Ende Ihr wahres Maß. Es sind nur Menschen, die irgendeine Perversftät oder«in« abseilige Neigung kultivieren, oder sich überhaupt durch nichts auszeichnen. Die Welt dieses Hamlet im Sakko wird«ntgöttert, entdämonrsiert. Der mystisch« Individualist gibt den liebsten Teil seines Lebens auf. Bergleicht man den Schriftsteller Powys mit anderen, so liegt Dostoiewski nahe. Bei beiden die absolute Durchleuchtung der Menschen, bei beiden der mystisch« Untergrund und die Scheu vor Einschaltung lebender Menschen in psychologisch« Begriff«, aber der Engländer ist konzentrierter. In ihm lebt die Tradition des englischen Romans, in ihm lebt der Begriff des Gentleman, der Haltung bewahren will, und der sich nicht schrankenlos ausgibt. Ein Rest der Scheu, letzt« Ding« zu sagen, spürt der Leser aus jeder Seite. Felix Scherret. *) Verlag Paul Zsolnay. «« «» FÜR DEN KLEINGÄRTNER. ■iWiiiuiiiuiiiiiiuiiiiiiiiuiiiuiiuiuiiuiiiiiiiiiiiiiMiiniiiiiiuumiiiiiiiiiinniiiiiuuiiiiiuuiiuiuiiunuiiiuiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiniitiuuiiiiiiiiiiiiuuuiiiiiiiitiiiuiiiiiiiuiiiiiniiiiiiiiiimiiiiiiiimiiNiniiniiiiiiiiiu» Oemüseverptlamungen im Mai. Wer seine Pflanzen selbst herangezogen hat oder eine Bezugs- quelle für sie in. der Nähe hat, kann jetzt eine ganze Anzahl von Beeten mit dem Gemüse besetzen, das entweder wegen seiner Emp- sindlichkeit bisher zurückgehallen werden mußte oder dessen Ernte erst spät in den Herbst fällt. Zu«rsteren gehören Tomaten, Bohnen und Gurken, zu letzteren vor allem die späten Kohlsorten. Für Weiß-, Rot-, Wirsingkohl wird man den passenden, in guter Dung- kraft stel�nden Boden aufgespart haben und nun den Pflanzen jenen weiten Abstand geben, der sie zur vollen Entwicklung bringt. Unter 50 Zentimeter sollt« man jedenfalls nicht gehen. Dunggüsse sind während des Wachstums sehr willkommen. Der späte Kohlrabi ist nicht ganz so anspruchsvoll, was den Boden betrifft» auch genügt bei ihm eine Distanz von 30 bis 40 Zentimeter. Sellerie ist eben- falls im Mai zu pflanzen: man nehme einen humusreichen Boden, der aber nicht frisch gedüngt sein soll— ein« Regel, die für olle Wurzelgemüse gilt. Auch der tief zu setzende Lauch ist jetzt zu pflanzen. Abstand bei Sellerie 30, bei Lauch 13— 20 Zentimeter. Rote Rüben bringt nian mit 20 Zentimeter Abstand ins Land. Rosenkohl und Grünkohl haben Zeit bis zum Juni eventuell Juli. Während bei der Heran�ucht der Setzlinge im Warmbeet für die früh« Bestellung leicht mancher„Kümmerling" mit unterlief, wird man jetzt im Interesse einer guten Ernte strenge Anforderungen an die Güte der Pflanzen stellen. Lieber ein paar Pflanzen weniger als sich mit Schwächlingen abmühen, die viel leichter zu. Brutstätten vo« Schädlingen aller Art werden, als gesunde, flott weiter wachsende Setzlinge. Jung« Pflänzchen sollen es sein, aber mit guter Wurzel- blldung: sie sind besser als jene, die schon sehr groß geworden sind und daher der Gefahr des„Ueberoltertfeins" unterliegen. Fern- Halten des jetzt noch üppig schießenden Unkrauts, namentlich ober Lockerung des Boden» sind weitere Voraussetzung für den Erfolg. Starter Platz, oder Gewitterregen schlägt den Boden hart und nimmt den Pflanzen die Möglichkeit des Atmens: dasselbe tritt bei lange anhaltender Trockenheit«in und der Boden muß durch Hacken aufnahmefähig für das aus der Kanne oder dem Schlauch strömende Gießwasser gemacht werden. P. D. Tomatenverpackung. Schon wiederholt ist betont worden, daß Sortierung und Der- Packung dos Ihrige dazu tun müssen, um der deutschen Ware die Konkurrenzfähigkeit gegenüber dem Angebot des Auslandes zu er- holten. Mitteilungen, die Rud. Ocklitz in der„Gartenbauwirtschost" über Berlins Tomatenoersorgung veröffentlicht, enthalten auch Be- trochtungey, die den Einfluß der Art der Verpackung auf den Ver- kauf zeigen Während sür Treibtomaten ein« vom Reichs- verband des deutschen Gartenbaues in Verkehr gebrachte Tomaten- kift« mit netto 10 Pfund Inhalt verwendet wird, werden Frei- landtomaten in Spankörben von 10 und 20 Pfund Inhalt verkauft, doch liegt bei dem 20.Pfund-Äorb die Gefahr des Drückens und Platzens der Toinoten vor. Aus dieser Erkenntnis heraus haben die Holländer in den sogenannten Tomatenhorden ein „Ideales Derpackungsgefäß" hergestellt:„Die Horden hoben ein Fas- sungsvennögen von 2S Pfund. Sie stehen beim Transport waage- recht übereinander. Durch Kanthölzer, die um etwa 5— 7 Zentimeter die Seitemvände�berragen, ist es möglich, daß die Luft auch durch die untersten HM>en des Stapels streichen kann und so die Ware immer frisch bleibt." P. D. Empfehlenswerte Birnensorten. Während bei den von uns bereits veröffentlichten Himveifen auf die O b st b a u- M u st« r l i st« n der Landwirtichastskaminer Niederschlesien auch dem weniger guten Boden und der raulen Lag« ihr Recht wurde, findet sich in der L i st« der Birnen fast übemll die Bemerkung: für guten Boden und warme Lage. Es werden für Erwerbsobstbau und Hausgärten 11 Sorten ge- nannt und nur bei einer— es ist die bekannte„Williams Christ- Hirne"—'steht vermerkt:„für all« Bodenarten und noch für rauh« Lage"� lieber ihre Reisezeit wird gesogt:„Reist im September, ist aber vor Baumreife zu pflücken" Ein« zweit« Sorte„Frühe von Trevoux" stellt kein« hohen Ansprüche an den Boden, fordert aber geschützte Lage.„Reist August bis September, ist aber bald zu ver- brauchen." Nachstehend verzeichnen wir die an Boden und Log« höhere Ansprüche stellenden übrigen 9 Sorten nach ihrer Reif«-. zeit geordnet, Juli bis August„Bunte Iuiibirn«": August, September„Clopps Liebling": September„Triumph de Menne": Oktober, November»Bofes Flaschenbirne" und „Köstliche von Charneu": November, Dezember„Alexan- der Lucas": November. Januar„Gräfin von Paris": De- zember, März„Iofefine von Mecheln". Für Stratzenobftbau werden empfohlen:„Böses Fiafchenbirne",„Bunte Iuiibirne", „Köstliche von Eharneu",„Pastorenbirne" und„Williams Christ- birne". P. 0, Motorrad- Sedisiagefahrt Alarienberg, 15. Mai.(Eigenbericht.) Die nun zum dritten Mal« vom Deutlchcn Motorradfahrervcr- band durchgeführte Deutsche Motorradsechstagefahrt leidet sehr unter schlechtem Wetter. Drei Tagesetappen haben-die Teil- nehmer nun hinter sich. Von den am Montag gestarteten K3 Bs- wcrbern sind heute noch 48 in der Wertung: von ihnen 31 ohne Strafpuntic. Die drei Tage haben also schon ausgeräumt. Kein Wunder, denn die Fahrt ist nicht leicht, wenn sie auch in dieser Art, wie sie durchgeführt wird, manches zu wünschen übrig läßt. Gewiß haben sich die Teilnehmer bisher recht tapfer durchze- kämpft. Di« Veranstaltung ist aber, schließlich mehr eine physische Anstrengung der Fahrer als«ine Materialzerreißprob«. Diese sollte aber doch immerhin die Haupisache sein. Es war ein Fehler des DMV., die Organisation ganz und gar seiner Landesgruppe Sachsen zu übertragen. Diese hat nicht die Erfahrungen, die zur Durchjüh- rung einer Veranstaltung solchen Formats gehören. Dies hätte lieber die Berliner Zentrale allein in die Hand nehmen müssen. Es ist ein Mangel an Organisation, wenn sich nachträglich herausstell:, daß eine Streck« anfänglich nicht richtig vermessen worden ist und dann zur nachträglichen Streichung von einmal ausgeteilten Straf- punkten führt. Einen Unfall erlitt am zweiten Tage Julius von Krohn- Berlin(Zündapp) vom Mowrradklub von Deutschland, der von einem anderen Teilnehmer angefahren wurde und eine Arm- Verletzung erlitt, trotzdem aber weiterfuhr. Recht tapfer hat sich auch die einzige Dame. Thea Hanzal-Rürnberg(Triumphs gehalten. die trotz einer leichten Schulterprellung weiterfährt. Ob sich der Aufwand der beteiligten Firmen bei der nicht ganz lückenlosen Aus- fchreibung whnt, erscheint fraglich. Immerhin zeigt die Veranstal- tung, daß es eine Reihe von Firmen gibt, die sich nicht scheut, ihr« Erzeugnisse vor aller Oeffentlichkeit �iner harten Prüfung zu unter-, ziehen. Anders jedenfalls als in unserer Automobilindustri«. Acht Marmschaste» sind bisher gesprengt, fünf liegen noch zusammen, haben aber Strafpunkte, während vier(Motorradklub von Deutsch- land, Triumph, Puch und DKW. II. Mannschaft) noch straspunkt- frei sind. Interne» Frühjahrssportfesi in Neukölln Am kommenden Sonntag steigt im Neuköllner Stadion ein internes Frühjahrssportseft. Athlctik-Sport-Club, ASV. Neukölln und Freie Turnerschaft Britz werden im Mehrkampf: in Einzel- und Vorgabekonkurrenzen aufeinandertreffen. Di« Stafetten 4 X 100 Meter für Männer, Frauen und Jugendliche, die 3 X26 Oute Küche ii gepflegte Biere» Solide Preise II- Rieh. Noack fMMM dritte«• Versandgeschäft[m jeder Art Torten usw. KonKnrrenzlos Klappkamera sehr stabil, Lederbalgcn m. la Aplanat 1:8 i. Varia 6X9 16.-, 9X12 19.- Prima 9X12 Kamera Triebeinsteliupg, Rahmensucher mit Meyer- Trioplan, 4.5 in Varia nur 47.50.— dito. edoch Doppelauszug mit dem erst- «lässigen Steinheil D.-A Unolocal 6.8 in Varia nur SO,—. Verlang. Sie Liste S kostenfrei. Muster unserer Papiere 0,25. 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