Morgenausgabe Nr. 226 A 114 47. Jahrgang miDnad) tSVU awnam* 1�0 9t. Im Boraus tafelbaz, 5ofti>«}ttg02 9t. «Inlchlie�llch K> Pfg. Bostzrituugs- mh 72 Vit- voftdrstellgedllhre». Kuslaat» o&onnemenl fi,— M. pro Monat, Der»SenDfctf* erscheint»vchentLg. lich zweimal, Sonntag» und Montag» einmal, die Lbendausaaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend". Illustrierte Beilagen.Volk und Zeit" und�iinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen",.Frauen- stimme"..Technik"..Blick in die Bücherweit" und.Iugend-Dorwärt»" Nerlinee Volksblatt Kreitag 16. Mai 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die et n sPattige RonpareillezeNe 10 Pfennig. Reklame-eile 5.— Reichsmark.„Kleine Anzeigen' da» itttg». druckt» Wort 25 Pfennig lzuläffig zwei fettgedruckte Worte), jede» weitere Wort U Pfennig. Stellengesuch» da» erste Wort IS Pfennig, jede» wettere Wo?' 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» Ihlen für zwei Worte. Arbeitsmoikt eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zele ) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt« Geschäft Lindenslraße 3. wochentäglich von L»/, bi» 17 Uhr, Jentvalovgan der Sozialdemokvatischen Partei Deutschlands Redaktton und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönboft 832—237 Telegrmnnt.Zldr: Eoztoldemokrat Berlin. Vorwäris-Verlag G.m.b.H. Bostscheckkonlo: Berlin S7K36.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. An-iestellien und Beamten. Wallstr. SS. Dt. B. n. Di»«.-Gel.. Depositenkalie Lindensir 3. Siegerwald schweigt. Sozialdemokraten gegen die Vorschläge der Reichsanfialt. Die Verhandlungen im Haushaltsausschuß gewannen in der gestrigen Abendsttzung wieder erhöhte Bedeutung bei dem Kapitel Arbeitslosenversicherung. Abg. Aushäuser(Soz.) erklärte, daß der Reichsarbeitsmimster bisher bei allen Fragen über die Sanierung der Reichsanstalt ausweichende Antworten gegeben habe. Er habe auf Vorschläge verwiesen, die er vom Vorstand der Reichsanstalt er- wart«. Die Sozialdemokratie bedauere, daß die Reichsregierung ihre politische Verantwortung in einer wichtigen Frage nun auf den Präsidenten der Reichsanstalt abzu- wälzen versuche. Nachdem sie es aber unterlassen habe, bisher irgendwelche Maßnalimen für die Sanierung mitzuteilen, seh« sich der Redner gezwungen, den Haushaltsausschuß über den von der Mehrheit des Vorstandes der Reichsanstalt beschlossenen Abbau- plan Mitteilung zu machen. Es handle sich um«ine Sammlung von Abbauvorschlägen der ganzen lehkea Zahre. Die Jugendlichen unter 77 Iahren bleiben ohne Unterstützung, ebenso die Erwerbslosen über 65 Jahre. Die Anwartschaft zur Krisenfürsorge wird aus diejenige der Arbeitslosenversicherung nicht mehr angerechnet, das heißt, es gehen wiederum 13 Wochen ver- loren. Im Mittelpunkt der Abbauaktion aber stände die unerhörte Testimmung, daß alle Erwerbslosen, die vorher kein volles Jahr in Vsschäftigung gestanden hätten, statt ihrer rechtmäßigen Unter- stützungsansprüche nur mehr die Krisensötze ausgezahlt erhalten. Gcringsügige Beschäftigung wie die der Reinemachefrauen chjrd aus der Arbeitslosenverlicherung herausgenommen. Wenn beide Ehegatten erwerbslos sind, wird einem, in den meisten Fällen der verheirateten erwerbslosen Frau die Unterstützung auf SO Proz. gekürzt. Es handle sich um eine Aushöhlung der Heuligen Erwerbelosenversicherung in schlimmster Form. Die Ersparnisse werden von der Reichs- onftalt mit 116 Millionen Mark jährlich beziffert. Da die R e i ch s r« g i e r u n g keine Berechnungen vorlegt, so unterbreitet A u f h ä u s e r auf Grund der Ermitt- Jungen der Reichsanstalt die folgende Berechnung: Die Reichsanstalt rechnet für 1930 mit einem Erwerbslosen- durchschnitt von 1,5 Millionen Hauplunterstützungsempfönger, also mit einem Aufwand von 1550 Millionen Mark. Zur Verfügung stehen: Beitrag 3'/, Prozent....... 1015 Millionen Mark Beitragserhöhung'/, Prozent... 145,, Reichszuschüsse.......■. 200_,_ dazu Ersparnisse(Abbau) insgesamt.. 1 360 Millionen Mark 116 1 476 Millionen Mark Es bliebe also gegenüber dem Bedarf schon ein Fehlbetrag von 74 Millionen Mark. Für die Reichskasse aber entstehen insgesamt folgende Mehrlasten: Fehlbetrag......-- 74 Millionen Mark Beitragsausfälle 1. April bis 30. Juni. 36'/, m m Ausfall Unterstützungsabbau 1. April bis 30. Juni........•- 16'/.. Uebernahms des Gemeindefunftels zur Krisenfürsorge durch das Reich... 30, m Uebernahme der Verwaltungskosten. lO. 166'» Millionen Mark Diese Relchslasten müßten in den Etat eingestellt werden, da ja die sogenannte Reform frühestens am 1. Juli des Jahres in Kraft treten könne. Es sei unerträglich, angesichts diese» sichtbaren Defizits statt der Darlehen des Reichs einen Leer» titel in den Etat einzusetzen und es bedürfe wohl kaum eines Hinweises, daß die Sozialdemokratie gegen diesen sozialrcaklionSren Abbau der Leistungen schärssteu Widerstand leisten werde. Diese Dorschläge, die die Reichsregierung über die Reichs- cmstalt mache, bestätigen, daß die Befürchtungen der Sozial- demokrati« am?7. März noch weit übertroffen sind, und daß das damalige Kompromiß lediglich Leistungsabbou bedeute. Die Situation von heute sei: keine Sanierung. Beitrags- erhöhung und gleichzeitiger Leistungsabbau! Cr frage den Reichs- arbeitsminister. ob das die Absichten des Reichskabinetts sind. Der Minister müsse nicht mit dem Einwand kommen, daß es sich ja nur um Vorschläge der Reichsanstalt handle, denn er habe sie ja bereits gestern als den Weg angekündigt, den die Regierung gehen wolle. Die Beratungen der Reichsanstalt bestätigen die Richtigkeit des sozialdemokratischen Standpunktes, daß aus den laufenden jähr- lichen Mitteln eine volle Sanierung der heutigen Massenerwerbs- losigkeit nicht gewährt werden könne, deshalb müsse besonders für die Zeit der anormalen Wirtschaftslage wie bisher die unbegrenzte Darlehenspflicht aufrechterhalten bleiben. Reichsarbeitsmimster Sieger wald erklärte ziemlich hilflos, daß «r sich zu den Borschlägen und zu der Sanierung der Reichsanstalt in keiner Weise äußern könne und versuchen wolle, in 8 bis 14 Tagen den endgültigen Dorschlag des Reichskobinetts vorzulegen. Abg. wisfell(Soz.) weist darauf hin, daß die von der Reichsonstalt angenommene Durchschnittszahl von IL Millionen zu unterstützenden Arbeitslosen den tatsächlichen Verhältnissen nicht gerecht werde. Im Durchschnitt der vier Monat« von Januar bis April seien 2 348 000 Arbeitslose unterstützt worden. Wenn mit einer Durch- schnittszahl von nur IL Millionen Unterstützten gerechnet werden sollte, dann dürfte die Arbeitslosigkeit in den nächsten acht Mo- naten nicht über einen Durchschnitt von 1,076 Millionen hinaus- gehen. Dos sei angesichts der am l. Mai noch ,mt«rstützten 2 077 000 ganz ausgeschlossen. Hinzu komme nun noch, daß die Dorschläge der Reichsanstalt eine Wirkung haben, die geradezu verhängnisvoll sein wird. Nach der Erhebung über die Verteilung der Hauptunter- stützungsempfänger im vorigen Jahre noch der Zahl der zurück- geelgten Beitragswochen habe sich ergeben, dvh nur 25,8 proz. eine Beiragszeit von 52 Wochen zu verzeichnen haben. Jetzt solle aber nach den Vorschlägen der Reichsanstalt allen den Unterstützungsempfängern, die weniger als 52 Beitragswochen vor der Inanspruchnahme der Arbeitslosen- Unterstützung zu verzeichnen hätten, ihre Unterstützung auf die Sätze der Krisenfürsorge herabgemindert werden. Davon würden gerade die Unterstützten der höchsten Klasse bis zur Klasse 8 hinab be. troffen. Do« aber werde in erster Linie mit die V a n a r b e i te r treffen, die wohl ausschließlich in diesen höheren Veitragsklassen ver- sichert sind. Nach der Erhebung des vergangenen Jahres hätten nur 1l,7 Proz der Bauarbeiter eine Beitragszeit von 52 und mehr Bei- tragswochen gehabt. Die Vorschläge der Reichsanstalt liefen auch darauf hinaus, den auf Grund der Versicherungsleistungen erworbenen Rechtsanspruch in allen den Fällen zu mindern, in denen beide Ehegatten Unter. stühung bekommen. Nirgends sei es im Versicherungsrecht üblich, Leistungsansprüche, die auf Grund von Beitragsleistungen erwor« ben seien, von den Einnahmen anderer Familienmitglieder ab- hängig zu machen. Wissell erwartet, daß bei den Beratungen des Arbsitsministeriums und des Kabinetts diese Tatsachen für die vom Kabinett zu erwartend« Vortage berücksichtigt werden. Abg. Leopold(Dnat.) hielt es für zwecklos, schon heute zu den Borschlägen des Vorstandes der Reichsanstalt Stellung zu nehmen. Festzustellen sei jedoch, daß es auch heute noch ein« ganze Reihe von Fällen gebe, wo Arbeitslosenunter st ützungen an- gesichts der Notlage des Reiches nicht als berechtigt angesehen werden konnten. Abg. Graßmann(Soz.) beantragte, beim Etateposten, der die Krisenfürsorge für Arbeitslose betrifft, an Stelle von 150 Millionen Mark zu setzen 225 Millionen Mark. Das Gesetz für Arbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung sieht sür«inen andauern- den besonders ungünstigen Arbeitsmarkt die Gewährung der Arbeits- losenunterstützung als Krisenunterstützung vor. Bei der schwankenden Wirtschaftslage muß davon ausgegangen werden, daß im Jahre 1930 die im Etat vorgesehenen Mittel für die Krisenfürsorge ausreichen. In später Stunde wurde die Verhandlung abgebrochen. Liapischeff zurückgetreten. Zankoff wieder Ministerpräsident. Sofia. 15. Mai. Zu der Frage der Umbildung der bulgarischen Regierung ist jehk eine unerwartete Wendung eingetreleu. Räch dem geslrigeu Mißerfolg der verhandlungeu zwischen Liaptschefs und Zonkoff wollte Liaptschefs eine Regierung ohne Mitwirkung der Zankofs- gruppe bilden. Die Gruppe der progressisten, die 29 Abgeordnete zählt, ist daraufhin aus dem Demokralenbund ausgetreten. Unter diesen Umständen entschloß sich Liaptschefs, zurückzutreten. Der König hat heule abend 8 Uhr einen Ukas unterschrieben, mit dem folgendes Kabinett ernannt wird: Mlnlsterpräsldenl. Inneres und Unterricht: Z a n k o s f. Außenminister: B u r o f f, Finanzen: Mol off. Krieg: Tatardschjeff. O-ffcnttiche Ar- betten: Danailosf(Gruppe Zankoff). Handel: proseffor Zschajkoff(Gruppe Zankofs). Ackerbau: Wassiljeff(Gruppe Llaptscheff), Eisenbahn: Sojloff(Gruppe Buroff), Zustlz: Mironow(Gruppe Luroff). Maria Orska gestorben. An den Folgen der Veronalvsrgistung. W i e n. 15. Mai. heule abend um l-U2 Uhr ist im allgemeinen Krankenhaus die SchauspielerlnMaria Orska an den Folgen der Veronal- vergifiung gestorben. Vernünftige Agrarpolitik. Agrarprogramm des Neichsverbandö der deutschen Industrie Von Ltontssokretar Dr. Hans Krüger. Seit Iahren hat die Sozialdemokratische Par, tei darauf hingewiesen, daß der Landwirtschaft wirksam nur geholfen werden kann, wenn sie sich nach den Anforde- rungen des Marktes richtet, wenn sie ihre Erzeugungs- methoden verbessert, und wenn sie durch eine zweckmäßige Belieferung des Marktes ihren Absatz richtig reguliert. Wie in der Industrie, so ist auch in der Landwirtschaft die Besser- stellung der Arbeitenden— und dazu gehören ebenso wie die Landarbeiter in den Großbetrieben auch die Bauern und ihre mithelfenden Angehörigen in den kleineren Betrieben— abhängig von einer Erhöhung des Wirkungsgrades ihrer Arbeit. Unser Kieler Agrarprogramm hat diese Gedanken scharf herausgearbeitet und neben unseren sozial- politischen Forderungen(Bodenreform und Arbeiterschutz) eingehende Richtlinien für die Verbesserung der Erzeugung und die Regelung des Absatzes aufgestellt. Diese positiven Maßnahmen sind in der bisherigen offiziellen Agrarpolitik noch immer zu kurz gekommen. Und in der populären Agitation des Landbundes hgben sie neben dem stürmi- schen Drangen nach höheren Zöllen, Einfuhrverboten und Staatssubventionen nur eine recht bescheidene Rolle gespielt. Jetzt werden wir dadurch überrascht, daß der Reichs- oerband der deutschen Industrie, der bisher gegen die Forderungen des Landbundes keinen erheblichen Widerstand geleistet hat, der Oeffentlichkeit ein Agrar- Programm unterbreitet, das der Sache nach, wenn auch nicht in der Form eine Absage an die bisherige Landbundpolitik darstellt. Bemerkenswert ist zunächst die Stellungnahme zur Auslandskonkurrenz. Der Reichsverband der deut- schen Industrie weist klar darauf hin, daß auf wichtigen Gebieten(Obst, Gemüse, Molkereiprodukte) für die Nachfrage nach ausländischen Waren nicht der billigere Preis, sondern die bessere Qualität die Ursache ist. Er erklärt deshalb auch, daß Zölle als Mittel zur Sicherung ange- messener inländischer Preise durchaus problematisch sind. Er verlangt freilich nicht die Beseitigung der Zölle. Aber er scheint doch von der Grünen Front deutlich abzurücken, wenn er erklärt, daß Zölle auf Agrar- Produkte die handelspolitischen Beziehungen Deutschlands, auf denen sein Import beruht, und seine industrielle Weit- bewerbsfähigkeit nicht gefährden dürfen. Daher wird der Hauptnachdruck auf die positiven Matznahmen gelegt, welche die Landwirtschaft selbst treffen muß, zu denen Gesetzgebung und Verwaltung freilich die Grundlagen schaffen müssen: auf die Verbesserung der landwirtschaftlichen Technik mit dem Ziele, in erster Linie die Erzeugungskosten echr t se zu senken und erst in zweiter Linie die Erzeugung zu ver- mehren, sowie auf den Aufbau einer zeitgemäßen, den deut- schen Verhältnissen angepaßten Absatzorganisation. Der erste Punkt gibt in seiner Formulierung zu Miß- Verständnissen Anlaß. Aber das Programm will— wie aus dem Eesamtzusammenhange Hervorgeht— die landwirtschaft- liche Erzeugung in Deutschland vermehren und erklärt ausdrücklich, daß sowohl erhebliche Teile der bis- herigen Brotgetreideeinfuhr wie auch der Einfuhr pflanz- licher und tierischer Edelerzeugnisse sowie des dazugehörigen Futtergetreides durch Inlandserzeugung ersetzt werden können. Jedoch wird— offenbar auf Grund der bösen Er- fährungen der Jahre 1924/25— nicht die Parole aus- egeben: Produktionssteigerung auf allen Gebieten um jeden �reis! Vielmehr soll darauf Rücksicht genommen werden, daß diese Steigerung mitwirtschaftlichenMitteln erfolgen muß. Dazu gehört auch, daß sie sich nur erstreckt auf Erzeugnisse, die wirklich absetzbar sind. Hier liegt der S ch w e r p u n t t des ganzen Programms. Es stellt die Bedeutung des Marktes und des Ab- a tz e s in den Mittelpunkt. Das ist für uns nichts Neues. Vir können darauf hinweisen, daß unser Agrarprogramm .erade diese Frage mit allem Ernst und Nachdruck ent- prechend ihrer Bedeutung behandelt. Aber die Landwirt- schaft als Ganzes hat— trotz aller theoretischen Anerkennung — praktisch in den letzten zehn Iahren dieses Problem sträf- lich vernachlässigt. Sonst könnte es nicht vorkommen, daß der deutsche Markt überschwemmt wird mit Erzeugnissen, nach denen keine rechte Nachfrage vorhanden ist, während für Qualitätserzeugnisse, die gefragt sind, das Angebot nicht ausreicht. Man kann gespannt darauf sein, ob den Mahnungen des Reichsverbandes mehr Erfolg beschiedcn sein wird als den bisherigen Bemühungen auf' diesem Ge- biete. Das Programm geht nun davon aus— und mit Recht—, daß man die landwirtschaftliche Produktionen der Richtung auf eine Verbesserung der Qualität nicht durch direkten Zwang beeinflussen kann. Man muß vielmehr darauf hin- wirken, daß bessere Qualität als solche allgemein erkannt und besser bezahlt wird. Dann wird sich die Produktion darauf einstellen. In dieser Hinsicht soll die Gesetzgebung wirken. Und etwaige Beihilfen oder Darlehen Das Hilfsgeseh für den Osten. Reichskabinett beendet seine Neratungen /Industrielle machen neue Vorschläge. Das Reich, kablaell beendete gestern abend sein« De- rakungeu über den Lntwtirf eines Gesetzes über HUssmaßaahme» für die notleidenden Gebiete des Ostens(Osthilfegeseh). An der Sitzung nahmen Vertreter des preußischen Staatsmtnlstcriums, der Relchsbank, der Prenßenkasse und der Renlenbont-Sreditanstalt teil. Die Grundlinien des Osthilfegefetzes. In der gestrigen Sitzung des Rcichskabinett» scheint eine end- gültig« Verständigung mit dem preußischen Staate herbeigesührt worden zu sein. Preußen dürfte einen Teil der für das Oft« Programm oorgesel)enen finanziellen Garantien übernehmen. Die Preußische Zentralgennosseschaftstosse wird an der Durchführung der Maßnahmen beteiligt, so daß die Bemühungen um ihre Ausschaltung als gescheitert angesehen werden dürfen. Zwischen der Preußischen Zentralgenostenschaftskass« und der Rentenbankkredit- anstatt dürfte auch über die Abgrenzung der Interessen ein« Der- ständigung erzielt worden sein. Der Inhalt des Gesetzes steht eine starte Förderung der Siedlung im Osten mit verbesserten Finanzgrundlagen vor. Für die ostpreußische Wirtschast wesentlich ist die gesicherte Durchführung eines Arbeit sbefchafsungsprogramme«, da, den Bau von Eisenbahnen, Landstraßen und Wasserstraßen vorsieht. Die Um- schutdungs- und Besitzerhaltungsmaßnahmen werden auf der Grund- lag« betriebswirtschaftlicher Prüfungen im Einzelfalle durchgeführt weiden, wobei man wohl annehmen darf, daß diese Prüfungen durch die betriebswirtschaftlich« Abteilung der Preußischen Zentralgenossen- schostskasse erfolgen. Ein Moratorium ist in dem Gesetz nicht vorgesehen. Dogegen sollen Maßnahmen ergriffen werden, um oermeidbar« Zwangsooll st reckungen vorläufig zu unterlassen. Ob ein Reichskommissar eingesetzt wird, ist im Ge- setz noch offen. Auch über die Personen scheinen noch kein« Ve- stnmnungen getroffen zu sein. Die Vorschläge der Industrie. Der Reichsoerband der Deutschen Industrie, di« Spitzenorgani- satlon der deutschen Unternehmer, hat in feiner Präsidialsstzung auch zu dem von der Reichsregierung geplanten Ost h ilf« g es e tz Stellung genommen und durch sein Präsidialmitglied Geheimrat Dr. Kastl in einer Pressekonferenz der Oessentlichkeit von dieser Stellungnahm« Kenntnis gegeben. Bemerkenswert an dieser Stellungnahme des Reichsverbandes zum Osthilfegesetz sind die Zu- geständnisse, die di« deutschen Unternehmer in den Ostsragen ganz offenbar dem Landbund zu machen bereit sind, nachdem das an anderer Stelle von uns behandelte Agrarprogramm des Reichsoerbandes sicher bei den Landbundvertretern mir eine sehr gemischte Aufnahme gefunden hat. Dies« Zugeständnisse bewegen sich in der Richtung der von dem Rcichsernährungsminister Schiel« und auch von chugenberg immer mit Nachdruck erhobenen Forderung, daß dem Reich bei der Durch- führung der Osthilfematznahmen die Führung zustehen müsse. Immerhin ist es bemerkenswert, daß mich der Reichsverband für die Durchführung des Osthilfegesetzes die Vermeidung von Liebesgaben an nicht mehr erhalknngsfSHIgc Betriebe fordert, sondern Maßnahmen zur Förderung und D e r b e f s e< rung der Produktion in den Vordergrund stellt. Der wichtigste Punkt der Unternehmervorschläg« für das Ost- Programm ist die Verbindung der I nd u st r i e b e l a stu n g mit den von der Reichsregierung zu treffenden finanziellen Maßnahmen. Der Reichsverband der Industrie hält seinen schon früher erhobenen Protest gegen die Perwendung der Reserven der Bank für In- dustrieobligationen für Zwecke des Reichshaushaltcs ausrecht. Er steht auf dem Standpunkt, daß nach der Annahme des Aoung- Planes die Weitererhebung der Jndustriebelastung ein« u n g e- rechtfertigt« So n d e r b e st e u e r u n g fei. Daraus leitet er die Berechtigung ab, sowohl über die Reserven der Industrieobliga- tionenbank als auch über das Austommen der Industriebelastung in den nächsten Jahren zu verfügen. Nach der Auffassung des Reichsverbandes, die er der Reichs- regierung zur Kenntnis gegeben hat, sollen die Reserven der In- dustrieobligationenbank und das zukünftig« Auskommen aus der Industriebelastung— abgesehen vom Jahre 1930— zu einem Zweckvermögen gemocht werden. Dieses Zweckoermögen soll einmal dem Mederausbau des Realkrediks bei der kleinen und mittleren Industrie und sodann der llmschuldung im Rahmen des O st pro- gramms dienen. Di« Industriebelastung selbst soll ab 1931 derart abgebaut werden, daß zunächst alle Betriebs mit unter 1 Mill. Vi. Betriebsoei�nögen im Jahre 1931 von der Erhebung der Industrie- belastung befreit werden, wodurch die Belastung auf 200 Mill. M. verringert würde. Bis zum Jahre 1936 soll dann die Industrie» belastung in der Weis« endgültig beseitigt werden, daß 1932 nur noch 160 Mill. M., 1933 120 Mill. M.. 1934 80 Mill. M. und 1935 nur noch 40 Mill. M. erhoben werden. Di« Verwendung dieser Gelder soll zu 40 Proz. dem Realkredit der kleinen und mittleren Industrie, zu 60 Proz. der Umschuldung der landwirtschaftlichen Betriebe im Osten nutzbar gemacht werden. Alle aus dem zu ge- währenden industriellen und landwirtschastlichen Hypothekendarlehen eingehenden Zinsen- und Tilgungsbeträge sind den gleichen Zwecken auch späterhin wieder zuzuführen. Man sieht, es handelt sich hier um di« Durchführung der Bor- fchläg«, die End« vorigen Jahres der Großindustrielle Paul Silverberg schon einmal gemacht hat. Aber die Bedenken, die damals gegen diesen Plan erhoben wurden, gelten auch heute noch. Der Reichsverband der Industrie irrt sich in der Annahme, daß der Young-Plon als solcher mit der Beseitigung des Industrie- Pfandes auch das Reckst des Reichstags beseitigt habe, die In- dustriebelastung für Reichszwecke zu erheben. Die Forderungen de» Reichsverbandes können daher nur als Vorschlüge gewertet werhen, über die Reichsregierung und Reichstag zu entscheide« haben. des Staates sollen ebenfalls nur unter Bedingungen gegeben werden, die den gleichen Anreiz ausüben. Der Rcichsoerband erinnert sich dabei auch der Konsumenten. Man glaubt, einen Satz aus unseren Schriften zu lesen, wenn es heiht: „Ein derartiges Programm der Selbsthilfe oerspricht ohne Mehrbelastung anderer Teile der Bevölkerung eine dauernde schengewinne des Althausbesitzes an der Hauszins- steuer erfaßt werden. Di« Veränderung des Vcranlagungssystems und die Vermeidung solcher Zwijchcngewinne sei in verschiedenen anderen Ländern z. B. Sachsen, Baden, längst durchgeführt worden. Das Defizit im Staatshaushalt von etwa 110 Millionen Mark könne auf diese Weise ohne Mieterhöhungen gedeckt werden und die überschießenden Beträge könnten zur Förderung des Wohnungs- Neubaues und zur Senkung der Ncubaumictcn Verwendung finden. Münchmeyers milde Richier. '1500 Mark statt einem Jahr Gefängnis. Magdeburg. 15. Mai. In dem Prozeß gegen den früheren Pfarrer Müirchmeyer wurde nach viertägiger Verhandlung heute abend das Urteil verkündet. Der Angeklagte wurde wegen Vergehens gegen 8 8 Abs. 1 des R e p u b l i k sch u tz g e s e tz e s in zwei Fällen in Tat- einheit mit öffenttichcr Beleidigung der jüdischen ReUgionegemein- jchast— es handelt sich um die Fälle Hamm i. W. und Nord- hausen— an»stelle einer verwirkten Gesängirisstrase von drei Monaten zu einer Geldstrafe von 1500 Mark verurteilt. In den übrigen fünf Fällen der Anklag«(Pyritz, Stolp, Minden i. W. Bcr- den und Magdeburg) erfolgt« Freisprechung. Der Staotsanwatt hott« insgesamt ein Jahr Gefängnis beantragt. In der Verhandlung stellte sich übrigens heraus, daß di« natio» nalsozialistijchen„Entlastungszeugen� aus Stolp sämtlich mst aus» führlicher brieflicher Information Münchmeyer, über den Inhalt seiner Aeußerungen versehen waren. Deshalb lau. teten ihre Zeugenaussagen übereinstimmend wie auswendig gclerntl Relchstngsabgcordneter Genosse Hermann-Thüringen hat die Leitung des Parteijekretariais in Weimar übernommen und hat, um sich ganz seiner neuen Tätigkeit widmen zu können, sein Rcichslags- mandat niedergelegt. Sein Nachfolger ist Genosse Dr. Zlugust S i e m s e n, Lehrer in Jena,«in Bruder der Reichstagsabgeortmete« Dr. Anna Siems«. Neu-Madow. Faust-Rusch: �Gröffn' ich Räume vielen Millionen.. S Mephisto-Lutti(beiseite):«.Millionen— ha, er spricht von Provisionen\* Mcdonald über das Londoner Ergebnis. Polemik gegen den„Gicherheits"- Aberglauben. London, 15. Mai.(Eigenbericht.) Im Unterhaus erklärt« Macdonald am Donnerstag, daß die Flottenkonferenz nicht nur eine Angelegenheit der Seeabrüstung gewesen sei, sondern daraus abgezielt Hab«, einen wesentlichen Beitrag für die Land abrüstungen zu leisten. Der Friede der Welt— so fuhr Macdono ld sort— könne durch die Beschränkung der Rüstungen auf eine einzelne Wassengattung nicht wesentlich gefördert werden. Seit dem Zusammenbruch der Flottenaussprache In Genf im Jahre 1927 sei ein Rückschritt in der Friedensgesinnung festzustellen. Jeder Blick auf die Flotten, und sonstigen Militärprogramm« der Staaten zeig«, daß das Scheitern der Besprechungen im Jahr« 1927 in Gens den militärischen Rüstungen einen großen Anstoß verliehen Hab«. Die Nationen fielen in ihre alt« Vortriegsmentälität zurück. Die überlebten Befürchtungen und abergläubischen Vorstellungen über die Sicherheil seien wieder lebendig geworden und es wurden wiedenon Argumente gebraucht, die im Jahrs 191! landläufig waren. Macdonald gab dann einen Ueberblick über die Boraus» setzungen der Abrüstung zur See. Cr wies unter dem leb» hasten Beifall der Fraktion der Arbeiterpart« darauf hin, daß als eine der wichtigsten Grundlagen hierfür ein« Verständigung zwischen England und Amerika hergestellt Warden sei. Das DreimSchte- Abkommen stelle ebenfall»«ine große L e i st u n g dar. Die Ersparnisse im Vau von Sreuzcrn, Zerstörern und U-Boolen belaufe sich aus 300 Millionen Mark. Es habe keinen Sinn, die Ergebnisse der Konferenz zu übertreiben, aber man dürfe st- auch uicht verringern. Di« Konferenz Hab« einen wesent- lichen Beitrag zur Sache des Friedens geleistet. Curtius und Briand einig. lleber da« Oatom der Rheinlandräomvng. Genf. 15. Mai.(Eigenbericht.) In einer am Donnerstag abend abgehaltenen Besprechung zwischen Briand und Dr. Curtius wurden Richtlinien s 2 r die Rheinland räumung festgelegt. Ihre endgültige Gestaltung soll im einzelnen durch Derhandlungen des deutschen Botschafters in Paris mit der französischen Regierung erfolgen. lieber das Datum der Rhemlandräumuitg ergab stch zwischen dem Reichsaußenminister und Briand vollkommene Ueberein» st i m m u n g. Sobald die Rheinlandräumung erfolgt ist, werden auch die Bahnschutztruppen aus dem Saargebiet zurückgezogen. Am Donnerstag abend hatte Eurtius u. a. auch mit dem ita- liemschcn Außenminister G r a ndi ein« Aussprach«. Schluß der Ratstagung: Palästina, Oberschlesien. Genf, 15. Mai.(Eigenbericht.) Der B ö l k« r b u n d s r a t, der an, Donnerstag seine dies- jährige Maitagung beendet«, genehmigte in seiner Schlußsitzung das Gesuch des Berwaltungsratcs des Internationalen Ar- beitsamtes zur Eiichollmg eines Gutachtens des Internationalen Gerichtshofes ü�er die Aufnahm« des Freistaates Dan- zig als Mitglied des Internationalen Arbeitsamtes. Außerdem. wurde die Aushebung der Finanzkontrolle über Ungarn beschlossen. Der englisch« Außenminister Henderson unterrichtet« den Rat über die Verhältnisse in Palästina. Der Unter- fuchungsb ericht über die Unruhen des vergangenen Jahres, der in aller Kürz« der Mandatskommission des Völkerbundes zu- gehen werde, Hobe einen Umfang von 100 0 Druckseiten er- reicht. Zwecks Derhütung ähnlicher Zwischenfäll« wie 1929 sei die Dennehnmg der Truppen und eine Reorganisation der Polizei vor, genommen worden. Ferner lasse die britisch« Regierung die Rege- lung der Einwanderungs- und Ansiedelungsverhältniss« zurzeit durch Fachleut« einer neuen Prüfung unterziehen. Sie Hofs«, daß über die erforderlichen Mohnahmen mit den arabischen und jüdischen Bevöllerungskreisen eine Verständigung erzielt werden könne. Der Rat befaßte sich zum Schluß noch mit den Beschwerden des Deutschen Volksbundes in Oberschlesien über die Eni. lasfung mehrerer Aerzte einer Knappschaftskoss«, ohne jedoch zu einer Entscheidung zu gelangen. In bezug aus die Streit- frage hinsichtlich der Anmeldung der Schulkinder für die deutsche Minderheitsschul« Hot die polnische Regierung lnzwischen ihr« Meinung dahin geändert, daß die Eltern oder Erziehungs- berechtigten der Kinder nicht mehr vor ein« Koimnifsion zu er- scheinen brauchen. Die gewünschten Auskünfte köimen von jetzt ab durch die Beantwortung eines Fragebogens erteilt werden. Das Geschäft um Treviranus. Wie Guörard verschoben werden sollte. Köln. 15. Mai.(Eigenbericht.) Di« Donnerstag-Ausgabe der.Kölnischen Zeitung' ent- hält zu ihrer Koblenzer Meldung über den bevorstehenden Rück- tritt des Berkehrsministers Guerard folgenden K o m- mentar aus Berlin: „Nach unseren Informationen aus parlamentarischen Kreisen laufen zurzeit zwei Pläne nebeneinander her. Der Reichskanzler Dr. Brüning möchte auf jeden Fall ein Ausscheiden des Ministers Treviranus aus dem Kabinett aus Anlliß der Auflösung des von ihm verwalteten Ministeriums oermeiden. Daher ist vor einiger Zeit schon der in der Koblenzer Meldung der Kölnischen Zeitung erwähnte Gedanke erörtert worden. In parla- menlorischen Kreisen glaubt man jedoch, daß der Reichskanzler diesem Gedanken nur widerstrebend nahegetreten sei, da er sich bei einer Ausschiffung des Ministers von Guerard hauptsächlich deshalb zu einem Ministerium verholfen, weil sie seinem unruhigen Tätig- keiisdrang ein Arbeitsfeld außeichalb der Fraktion verschaffen wollte. Demnach wäre es sehr wohl möglich, daß die Fraltion einer Rückkehr des Minister- von Guerard Widerstand entgegensetzen und damit in Meinungsverschiedenheiten mit dem eigenen Reichskanzler ge- raten würde. Dem Reichskanzler sind diese Erwögungen seiner Fraktion natürlich bekannt und er hat daraufhin einen anderen Plan erwogen. Er wird dem Kabinett den Antrag unterbreiten, den Minist« Treviranus mit dem Hauptreferat für da« Ost Programm zu beauftragen. Sollt« dieser Antrag im Kabinett gebilligt werden, so könnte für die Durchführung des Ostprogromms schwerlich der Apparat des Ministeriums für die besetzten Gebiete eingesetzt werden. Vielmehr müßt« dann damit gerechnet werden, daß das Ministerium einem völligen pe r s o» n ell e n und sachlichen Umbau hauptsächlich noch der Ver- walwngsseit« unterzogen würde. Damit aber wäre der Gedanke eines Grenzlandministeriums, der schon seit längerer Zeit in parteipolitischen Köpfen spukt, verwirklicht. Wir können uns zunächst nicht vorstellen, daß das Kabinett Brüning, dos die Sparsamkeit in der Verwaltung als Programmpuntt führt, durch die Erhaltung eines längst abbaureifen Ministeriums unter anderem Namen seine Hand bietet und damit seinen eigenen Grundsätzen untreu werden sollte. Wie weiter verlautet, setzen sich führende Per- sönlichkeiten des Reichsverbandes der Industrie dafür ein. daß das Ostprogramm unter der Leitung von Treviranus durchgeführt werde. Besprechungen in diesem Sinne sollen bereits aufgenommen sein." GiiNegungderNerginspektionMausthal Der Hauptausschuß des Preußischen Landtages behandelte am Donnerstag«in« Reihe von Uranträgen über die Stillegung des Betriebes des Erzbergbaues Clausthal. Nach längerer Aussprach« wurde ein sozialdemokratischer An- trag angenommen, der das Staatsministerinm ersucht, anläßlich der nicht zu umgehenden Stillegung der Berginspektion Claustahl ein Notstandsprogramm für den Oberharz auszuarbeiten, das zen Zweck hat. der einheimischen Arbeiterschaft dauernde Beschäftigung zu sichern und unter Euiwicklung des wirtschaftlichen und gewerblichen Lebens die beteiligten Ge- meinden vor dem Zusammenbruch zu bewahren, zu diesem Zweck d«, beteiligten Behörden die erforderlichen GeLmnttel zur Verfügung zu stellen. Einstimmig angenommen wurden Anträge des Zen- trum» und der Sozialdemokratie auf beschleunigte In- angriffncchme des Baues der Okertalsperre sowie der An. trog der Bolkspartei, wonach die Stadt Clausthal-Zellerfeld in ihren Bemühungen unterstützt werden soll. Arbeitsmöglichkeiten für die zur Entlastung kommenden Bergleute zu schaffen. Sonstig« Antröge wurden abgelehnt. Zniernationale Paneuropa-Konferenz. Ausländische Politiker in Berlin. In diesen Togen werden in Berlin Delegiert« fast aller euro- päischen Staaten zu einer Internationalen Paneuropa-Konferenz in Berlin zusammentreten. Auf zwei össeirtlichen Kundgebungen, die am Sonntag, dem 18. und Montag dem 19. d. M., abends 8 Uhr, in der Singakademie stattfinden, werden sprechen: Der frühere sranzösisch« Minister Louis L o u ch e u r über„Die wirtschaftliche Organisation Europas', der frühere britisch« Kolonialm'mistcr A m e r y über„Pancuropa und British Empire', der chilenische Staaksrechtler und Dertreter der Panamerikanischen Union Alexander Alvarez über„Paneuropa und Panamerika', der früher« jugoslawisch« Außen- minister Rincic über„Paneuropa und Völkerbund", Professor Joseph Barthelmy über„Paneuropa und der Souverönitäts- begriff', Thomas Mann über„Europa als Zhilturgcmeinschaft', Serruys über./Etappen der Paneuropa-Bewegung', Professor Kelsen über„Wandlungen des Völkerrechts', der Direktor der Hochschule für Bodenkultur, Profestor A e r e b v e, über„Pan- «uropas Agror-Problem'._ Schober über seine Auslandsreife. O!to Bauer über Doraussehungen für innere Entwaffnung. Wie«. 15. Mai.(Eigenbericht.) In der Donnerstagsitzung des Nationalrats äußert« sich Bundeskanzler Schober über sein« letzten Auslandsreisen. Die italienische Reise habe— so führte Schober aus_ den Zweck gehabt, die Spannung zwischen Oesterreich und Italien zu beseitigen. In Pari« und London habe er bie öfter- rcichischen Verhöltnist« schildern und die Aoraussetzungen für die Inoestitionsanleihe schaffen müsten. die sofort nach der deutschen Anleih« noch vor den Sommerferien aufgelegt werden dürfte. Zu pari» und London habe man die engen und herzlichen Be- Ziehungen Oesterreichs zm» Deutschen Reich als vollkommen be- gründet anerkannt. In wenigen Tagen werde dem Parlament ein Gesetzentwurf über die Aenderung des Waffengesstzes zugehen. Im Namen der Sozialdemokratie erklärt« Abg. Dr. Otto Bauer. de erste Voraussetzung sür die Entwaffnung sei die E n t m i l i t a r i. sierung de, öffentlichen Geistes, die nicht möglich s«. so lange an jeden Sonntag Ausmärsche und Gegen- nufmärsche stattsänden. Die zweite Boraussetzung sei. daß die Enkwasfnung unparteiisch, gleichmäßig und unter gegenseitiger Kon- trolle durchgeführt werde._ Der Ministerwechsel im Reichsarlicitsminifterivm hat auch einen Wechsel in der Leilung der Pressestell« dieses Ministeriums zur Folge gehabt. Zum Nachfolger des bisherigen Referenten VictorNoack ist Regierungsrat Dr. Münz, der au« dem Rcichsversicherungsamt kommt, ernannt worden. Estland besucht Berlin. Parlamentarier und Zonrnalisten wollen Deutschland kennen lernen. Revat. 15. Mai. Ein« Abordnung des Parlaments ist unter Führung des Kammerpräsidenten Einbund heute abend nach Berlin ab» gereist. Auch vier«stländstch« Journalisten, darunter der Di- rektvr der estländischen Telegraphenagentur Kornel, nehmen an dieser Reis« teil. Tteue Polizeitaktik in Indien. Beiderseits passive Resistenz. Rem Delhi, 15. Mai.(Eigenbericht.) Die Palizoi, für die die BerHoftung der indischen Dichterin Frau Naidu, der gegenwärtigen Führerin der Widerstandsbewegung. «ine arge Verlegenheit bedeuten würde, hat am Donnerstag den Ver- such gemacht, die Methoden der Anhänger Gandhis ihrerseits nachzu- ahmen. Der von Frau Naidu geführte Zug, dessen Ziel das st a a t- liche Salzdepot von Dharsana ist, hatte kaum den zum Depot führenden Weg erreicht, als er stch einem großen, mit Knüppeln bewaffneten Polizeiaufgebot gegen» übersah. Ein höherer Polizeibeomter trat an Frau Naidu heran und teilte ihr statt der erwarteten Verhaftung mit, daß die Behörden die Fortsetzung des Marsches nrcht gestatten könnten. Frau Naidu erwiderte, daß sie mit ihren Anhängern an O r t u n d Stell« zu bleiben gedenke, ohne daß der Polizeioffizier jedoch oersuchte, die Teilnehmer an dem Zug zu zerstreuen. Er gab seinen Leuten vielmehr den Befehl, in passiver Resistenz zu ver- harren. Die beiden Parteien liege» sich nunmehr in einer Art von unblutige n> Stellungskrieg gegenüber und warten auf «ine gegenseitige Offensive. Die Anhänger Gandhi» haben sich ihre Handwebstühlc hervorgeholt und vertreiben sich die Zeit/,D°°. 0.58 0.95 SüHe Kirschen ohne stein 1.40 Pflaumcn-Konfit. 0 90 Aprikoscn-Konfit. Eimer 1."18 GeSlügel Puten gefroren.. rfnnd von 1 ,05»n Hühner ,risch8Ächvon 105.° Junge Gänse p». von 1.40» Brathähnchen s'tackv. 1.50« Wein Pre Mai trank»» r-uchtwein.. 0.75 Aptelsüfjmost elkoholfrel 0.80 1929 Oberhaardtcr 0.73 1929 Bergzaberner Letten pieizwein..... 0.80 Feiner Kirsch- u. Himbccr- Saft...ltt Flasche 0.85 1.40 Salat......... 2 Kopf 0.1 5 Rhabarber... 4 piund 0.18 Spinat........ 5 Pfnnd 0.26 Grüne Gurken 0.32» Junge Kohlrabi Bund 0.45 Fische Seelachs fu'S'.?!";'Ä 0.15 Schellfisch«. Rotbars 0.20 KabelJau'Fiiet prund 0.24» Lachs ge,toteD''TLÄ 0.98« Räucherwaren Fcitbüddingc PfanTO« 0.35» Flundern, Seelachs v. 0.38» Schellfisch...... prund 0.40 Makrelen...... Pfund 0.45 Räucheraal BÄ0;� 2.60» Matjesheringe 2 s«5 0 25» Gebrannter KatfCC Konsum-/ sotten.phud 2.20 MiSChung\ Sorte I..Plnnd 2.40 Haushalt-Mischung 2.80 Sonder-Mischung Pfd. 3.20 se für\ Flasche, ohne U'as 1928 Obermoseler.. 1.00 1928 Braun eberger Bürgerslay'�Ll 1.50 1928 Sdi!o$bockclhciin.l.70 1921 Medoc krän. Bordeaux 1.60 Johannisbeerwein„ leine Qualität, vom FaJ, Liter"•öü Wein vom FaA besonders billig Ttr. 226» 47. Jahrgang Freitag, �S. Mai ilS30 Sic wollen nichis als Hakenkreuzler gegen sachliche Arbeit im Sladlparlament. Zu Aufang bot die gestrige Skadlverordnekensitzung ein Bild, wie man es im Stadiparlamenl stets sehen möchte: E s wurde intensive und schnelle Arbeit geleistet. Innerhalb der ersten halben Stunde waren bereits 1b Tagesord- nung-punkle erledigt. Das paßte jedoch denrodikalenFlügel. Parteien nicht in ihren Kram. Die Kommunisten hatten in holder Gemeinschast mit den Nationalsozialisten bereits eine Stunde nach Beginn eine Unterbrechung der Sitzung erreicht. Scheinbar hatten sich die erregten Gemüter nach der lviedererössnung völlig beruhigt. Gegen Schluß der Versammlung kam es dann jedoch noch einmal zu wüsten T u m u l t s z e n e n bei einer Rede des sozialdemokratischen Stadtverordneten Riese. Das Durcheinander wurde durch das Achten einer kraftvollen versammlungssührung noch begünstigt. Der stellvertretende Vizepräsident, der deutschnationale Stadtverordnete Dr. G r a n a ß. stand der Situation völlig ratlos gegenüber. Als am Ansang der Rede unseres Genossen Riese die nationalsozialistische Fraktion geschlossen zur Rednertribüne vordrängte. wurde ihnen von den Sozialdemokraten Widerstand geleistet. Dabei kam es zu einer Schlägerei, an der sich auch deutschnationale Stadtverordnete beteiligten. Die Schuld an den bedauerlichen Vorfällen tragen allein die Nationalsozialisten, denen es lediglich auf die Diskreditierungdesvon den Bürgern gewählten Parlaments ankommt. » Für das in Aussicht gestellte Darlehen von 000 M. für die Verlängerung der Schnellbahn nach Z e h l c n d o r f soll die Stadt Berlin für die Berliner-Vcrkchrs-Aktiengesellschaft die selbst- schuldnerische Bürgschaft übernehmen. Die Vorloge hierüber wurde angenommen, ebenso die Uebernahme einer Bürgschaft für dos Sanatorium B i r k e n w e r d e r G. m. b. H. Bericht- erstatterin hierfür war die sozialdemokratische Stadtverordnete Frau Dr. Käthe Fronkenthal. In schneller Folge wurde ferner angenommen die Bewilligung von Mitteln zur Errichtung eines Kindergarten- und Hortgebäudes in Obcrschöncwcide, Bezirk Treptow, die Uebernahme der Bürgschaft für eine dem Verein„Wöchnerinnenheim am Urban" e. v. von der Reichs- Versicherungsanstalt für Angestellte zu gewährende Hypothek von 30 000 Goldmark. Verabschiedet wurde weiter ohne Debatte die Vor- läge betr. Auslösung des Kuratoriums für das Pflegeamt der Stadt Berlin. Aus geminsamen Vorbehaltsmitteln bewilligte die Versammlung chJOOO M. zur Beschaffung der notwendigsten Lehr- mitcl für das K l e i st- L y z e u m im Bezirk Tiergarten. Die sich als notwendig erwiesene Errichtung eines neuen städtischen Wochenmarktes in der Soorstrah« in Charlottenburg wurde gutgeheißen. Für die Neuköllner Arbeiter- bevölkcrung von besonderer Bedeutung ist, daß die Stadt- verordneten die vom sozialdemokratischen Neuköllner Bezirksamt geforderte» 13 000 M. für die Einrichtung eines Frei- bades am Tellowkanal bewilligten. Phrasendrescherei statt sachliche Arbeit. Kenntnisjzenommen wurde von der Vorlage über das Aus- scheiden von Sachverständigen aus de» Aufsichtsräte» der Gasag, Bewag und den städtischen Wasserwerken. Den Kam- in u n i st e n behagte das schnelle Llrbeitstempo der Versammlung wenig. Nach einer Jungfernrede des Kommunisten Kube, der sich sichtlich abmühte, seinen Fraktionskollegen an Aufwand von Lungenkraft nicht nachzustehen, hielt Pieck(Komm.) eine seiner altbekannten, sich stets wiederholenden Brandreden. Er hielt die Versammlung beinahe ein« halbe Stunde ntit langatmigen Aus- führungen auf, die sich gegen die Annahme des Finanzprogramms der Reichsrcgieruna richteten. Zu einer Abstimmung der diesbezüg- lichei, kommunistischen Anträge kam es nicht, da die Versammlung ans Vorschlag der Volkspartei und der Demokraten zur Tages- ordnung überging. Schließlich begründete der Kommunist Schwenk in langer Rede einig« Anträge seiner Fraktion zu den Sparmaß- nahmen, die gegen die Stimmen der Nationalsozialisten und Kam- munisten abgelehnt wurden. Nun wollten die Nationalsozialisten ihren Antrag begründen, der das Stadtparla ment zu einem Einspruch bei der Reichs- und Staatsregierung gegen die Annahme des Poung-Planes veranlassen sollt«.(Der„Vorwärts" hat die U n s i n n i g k e i t dieses Antrages bereits gekennzeichnet.) Volkspartei und Demo- kraten beantragten wieder Uebergang zur Tagesordnung, um dem Hause einen völlig nutzlosen Zeitraub zu ersparen. Der Kommunist Pieck sprang jedoch sofort auf, um den Standpunkt der National- sozialisten zu verteidigen! Als nach ihm der Demokrat E y ck das Wort erhielt, kam es zu beschämenden Tumullszenen. Der Naziführer Engel eilte geschäftig zu den Kommunisten, um die Parole auszugeben. Dann setzte von beiden Parteien«in ohrenbetäubender Lärm ein. Kommunisten und Nationalsozialisten brüllten in holder Einheitsfront ununterbrochen:„Juden raus!" Schließlich sah sich der Vorsteher Haß gezwungen, die Sitzung auf zehn Minuten zu unterbrechen. Nach Wiedereröffnung der Sitzung erhielt Stadtv. Engel (Nat.-Soz.) das Wort. Di« Versammiung mußte eine seiner wüsten, völlig konfusen Agitationsreden über sich ergehen lassen. Er wetterte annähernd 45 Minuten gegen den Poung-Plan. Geschäftsordnungsmäßig hätte nach der Rede Engels sofort die Abstimmung über den Antrag„Uebergang zur Tagesord- n u n g" stattfinden müssen. Die Nationalsozialisten beantragten namentliche Abstimmung. Als daraus die Antragsteller ihren Antrag zurückzogen, kam es zu einem völligen Durcheinander. Der deutschnationale Vizepräsident Dr. Granaß war der Situation in keiner Welse gewachsen. Unter dem Gelächter des ganzen Hauses ließ er schließlich darüber abstimmen, ob man sich vor Zurückziehung des Antrages bereits in der Abstimmung befand. Die Versammlung verneinte das und die„Poung-Debatte" ging daher munter wester. Vor leeven Bänken sprach Stadtverordneter W i s n e w s k i(Komm.) teils für, teils gegen die Nationalsozialisten. Dann langweilte Stadtv. Krüger(Nat.-Soz.) durch konfuses Stammeln das Haus. Ms der stellvertretende Vorsteher dann dem Stadw. Riese(Soz.) das Wort erteilt, drängen die Nationalsozialisten geschlossen gegen die Rednertribüne vor. Es entsteht ein allgemeiner Tumu/k, da die Sozialdemokraten selbstverständlich ihren Redner zu schützen suchen und den Radaubrüdern Widerstand leisten. Der lauten Stimme Rieses gelingt es anfangs noch, den Radau zu über. tönen. Plötzlich versucht der nationalsozialistische Stadl». Krüger. der während seiner Rede eine mehr als lächerliche Figur ab- gegeben halle, bis zu dem sozialdemokratischen Fraktionsredner vor» zudringen. Das ist der Auftakt zu einer allgemeinen Schlägerei. Noch einigem hilflosen Stammeln verläßt der deutschnationale Vorsteher seinen Stuhl. Die Sitzung ist auf- gehoben. Erst allmählich ebbt die Erregung ob und die Stadtverordneten verlassen heftig diskutierend den Saal. Oer Amtsvorsteher unter Anklage. Er bestreitet die Wahrheit der Aussagen seiner Töchter. Der Prozeß gegen Amlsvorsteher Frenzel. der unter der schweren Anklage steht, seine minderjährige Tochter Jahre hindurch mißbraucht zu haben, teilweise unter An- wenduug von Gewalt, dürfte erst am Sonnabend zu Ende gehen. Die Beweisaufnahme wickelte sich gestern nicht so schnell ab, wie das Gericht angenommen hatte. Ueber dem Schwurgerichtssaal lag die ganze Zeit über ungeheure Spannung. Ein Mann, der im politischen Leben eine gewisse Rolle spielte, für den seine Ehrenämter und seine öffentliche Tätigkeik alles bedeuteten, kämpft hier um seine bürgerliche Existenz. Vor de» Schranken de? Gerichts steht die noch nicht sechzehn- jährige Gertrud. Frühreif, mit Augen, die bald schreckhaft groß aufblicken, bald madonnenhaft in sich versinken, das Gesicht bald ängstlich verzerrt, bald von einem Lächeln verschönt. Wollen Sie ausjagen, fragt sie der Vorsitzende. Ja. Entschlossen und be- stimmt. Sind Sie sich aber klar darüber, ermahnt die Zeugin der Verteidiger, daß es elrvas Ungeheuerliches ist, wenn ein Kind gegen seinen Vater aussagt. Es gibt auch menschliche Pflicht des Verzeihens. Ich will aussagen, ebenso hart wie entschlossen. Der Vor- sitzende will für die Dauer dieser Aussage auch für die Presse die Oesfentlichkeit ausschließen. Die Verteidigung widerspricht. Fühlen Sie sich durch die Anwesenheit der Presse besangen, fragt der alte Richter. Nein. Und die noch nicht sechzehnjährige Zeugin erzählt Einzelheiten des angeblichen Verkehrs mit dem Vater. Nach mehreren Jahren veranlaßt« Gertrud die Mutter, sie als Haus- tochter aus dem Haufe zu geben nach Waltershaujen. Das war am 1. April vorigen Jahres. Nach Weihnachten sollte sie ins Eltern- haus zurück. Davor fürchtete sie sich. Sie schrieb an ihre Schwester Hilde, schrieb an die Frau Pfarrer Schenk in Bornstedt, ob sie nicht eine Stellung ftir sie hätte, bat sie, mit der Mutter zu sprechen, damit diese dem Vater klaren Wein einschenke. Die Frau Pfarrer tat das. Als Gertrud Mitte Dezember nach Haufe zurückkehrte, brachte der Vater in Gegenwart der Mutter und der ältesten Schwester Else das Gespräch auf den Selbstmord, mit dem sie ge° droht haben sollte. Da sagte sie ihm die Wahrheit, wie er sie be- lüstigt und wie er immer dabei geäußert habe, es sei ja nur„mensch- lich". Der Vater schalt sie der Undankbarkeit und klagte über seine großen Geldauusagben. Nun besuchte sie die Kächschule, der Vater rührte sie nicht mehr an, verfolgte sie aber mit seinem Haß: die Leiterin der Schule merkt«, daß sie immer schmäler und blasser wurde, sprach auch mit der Mutter darüber. Schließlich konnte sie es nicht mehr zu Haust ertragen, sie blieb eine Nacht bei ihrer Freundin und klagte ihr Leid der Frau Pfarrer. Der '0 Herctusgegeben'� EstherGrenen (Schluß.) Brief von Marfa Ossipowna Morislom an Herta Wuppe. (Dieser Brief wurde von der Adressatin an die Tante der Verschollenen, Frau Helene Delius, übermittelt, welche ihn dem Amtsgericht Sandrup umgehend aus Bayreuth zugehen ließ, wo er am 27. Juli 1929 zur endgültigen Aufklärung des Falles Rist beitrug.) Rio de Janeiro, jawohl, Rio de Janeiro! Hertatind, geliebtes! Also da staunstel Sicher warst du schon böse, weil ich für so lange verstummt war, aber wenn du hörst, was ich alles mitgemacht habe— du hast ja keine Ahnung, einfach knorke, und nun brauch ich überhaupt nicht mehr zum Film, das alles war so viel, viel interessanter. Vor allem aber, damit ich es nicht vergesse, dieser Brief ist streng geheim. Verstanden! Du verbrennst ihn gleich wie alle die anderen. Tante darf keineswegs erfahren, daß ich noch am Leben bin, sie muß mich mindestens noch ein Jahr lang als verbrannte Leiche betrauern, sonst zahlt sie nie im Leben den Schaden, den ich angerichtet habe, und ich kann alles Geld, das ich beim Film verdienen werde, dieser grüß- lichen Gräfin geben, die ohnehin schon viel zu viel davon hat und deshalb immer Morphium nimmt. Ich habe nämlich einen furchtbar dummen Streich begangen. Aber das kommt nur von der ekligen Langenweile auf der Insel und dem vielen Rauchen. Ich rauche jetzt höchstens fünfzehn bis zwanzig Zigaretten mehr, aus lauter Reue über den Brand. Stell dir vor, ich habe mit meinen Zigaretten das ganze chaus angezündet und ich fürchte, auch in die Lust gesprengt. Es war zwar kein ganz richtiges Haus, sondern nur em Badehäuschen, aber es war furchtbar kostbar,«in Boudoir mit allen nur möglichen Parfüms und Pyjamas und ein chinesischer Teesalon. Es gehörte der Gräfin Aaresund, von der ich dir si6)er schon geschrieben habe, und der Doktor von unserer Insel, der mit ihr nämlich sehr gut war— er hat mit beinahe jeder was gehabt, dieser Kerl—, der hatte einen Schlüssel. Und den gab er mir, und da war ich oft allein dort und badete und zog mir die schönen Pyjamas an und trank Tee aus den winzigen Täßchen und rauchte und bildete mir ein, hinter jedem Vorhang steht ein Regisseur mit einem Kurbelkasten. Und einmal nahm ich mir auch einen mit, den schönen Dichter, der immer so geheimnisvoll tat und in den ich anfangs so verknallt war, aber das war eine fürchterliche Enttäuschung, davon will ich lieber gar nichts erzählen. Der Doktor wollte auch immer kommen, aber ich hatte nicht viel Lust, denn eigentlich gefiel er mir gar nicht so furchtbar, aber wie es dann immer langweiliger wurde auf Lynö und ich bei- nahe schon mit einem schauderhaften Lehrer mit Plattfüßen angebandelt hätte, da dachte ich mir, warum denn nicht und ich werde es einmal versuchen. Und alles wäre vielleicht ganz anders geworden, und ich säße jetzt nicht in Rio de Janeiro, wenn der rücksichtslose Mensch nicht knapp vor unserem Rendezvous Wein getrunken hätte, das kann ich mal nun nicht vertragen, und da gab ich ihm denn bei dem ersten Kuß einen Tritt in den Lauch. Dann blieb ich allein und badete und weinte vor Aerger. Und als ich wieder angekleidet war, rauchte ich rasch noch eine Zigarette, aber ich muß nicht recht vorsichtig gewesen sein oder Gott weiß was, denn auf einmal stinkt es und wie ich mich umdrehe, steht die Chaiselongue mit dem kostbaren chinesischen Ueberwurf in Flammen und alles brennt wie Stroh. Ich raus aus dem Haus und über den Steg und das war auch ein Glück, denn kaum bin ich am Ufer, gibt es auch schon einen Riesenkrach wie bei einer richti- gen Explosion, ich glaube, es muß von Benzin gewesen sein, es stand so eine Kanne dort für das Motorboot, also jeden- falls ich renne und renne und weih gar nicht, wohin, nur eines weiß ich: nur nicht wieder zu Tante Delius. Wie ich dann im Hafen von Sändrup in das schwedische Schiff hin- eingekommen bin, könnte ich dir gar nicht mehr schildern, da war ich sicher sinnesverwirrt oder wie das heißt. Ich krieche also zwischen ein paar Kisten, und dort bleib ich und mucks mich nicht, und am nächsten Tag, wie das Schiff so furchtbar schaukelt, und alles um mich herum— na, ich will das lieber nicht näher schildern, jetzt werde ich übrigens nie mehr see- krank—, am nächsten Tag also fällt mir ein. daß ich das feinste bin, was man jetzt überhaupt trägt, nämlich ein blinder Passagier. Es war zwar nur ein Frachtendampfer, aber da- für war der Kapitän besonders reizend, einfach süß. Und sie wußten gar nicht, wo ich zu ihnen hineingeschlüpft war, sie dachten, ich sei ganz verhungert, so elend sah ich aus nach dieser gräßlichen Seekrankheit und schon weiß Gott wie lang zwischen ihren Kisten. Und ich zeigte auch gar nicht, daß ich dänisch kann, sondern sprach immerfort nur russisch und ein paar von den Matrosen glauben heute noch, ich sei eine echte Zarentochter. Und dann die Reise und wo wir überall waren! So was kann man gar nicht aufschreiben, das wird sonst kein Brief, sondern gleich ein Roman, ein Roman mit einer richtigen Liebesgeschichte. Denn, Herta, ich habe endlich, endlich was „erlebt"— ob es die ganz große einzige Liebe war, die Tante Helene immer von mir verlangte, weiß ich zwar nicht, aber jedenfalls war es herrlich und wunderschön und ist es eigentlich noch, und ich bin ganz glücklich. Und wenn wir im Herbst nach Schweden zurückkommen, dann fahre ich viel- leicht auch ein bißchen zu dir nach Berlin und erzähle dir alles, alles! Vielleicht bist du inzwischen auch schon eine ganz berühmte Schauspielerin und verschaffft mir ein Engagement beim Film. Es muß ja nur ein kleines sein im Anfang. Leb wohl, liebe Herta, und erzähl nur ja niemand was von der ganzen Geschichte, außer vielleicht Lu und Käte, die werden sicher vor Neid zerplatzen und mich kolossal bewun- dern, wenn ich wieder zurückkomme. Aber Tante darf um Gotteswillen noch lange nichts erfahren! Deine dich liebende Ossipowna. üagens Nyheder, Kopenhagen, 10. September 1929: Aus Oslo wird gemeldet: Die Gerichtssaalkorrespondenz berichtet heute über einen ganz ausnahmsweisen Fall, bei dem die norwegische Justiz eine tiefe Einsicht und wahres menschliches Verständnis bewiesen hat. Der Defraudant Thoroald Stirre, der sich eine Zeitlang unter dem Nam'en Torben Rist auf einer kleinen Insel Dänemarks versteckt ge- halten hatte und bei dieser Gelegenheit unter dem falschen Verdacht, ein gemeiner Lustmörder und Frauenschänder zu sein, wochenlang in Untersuchungshaft gehalten wurde, hatte sich gestern für seine Veruntreuungen zu verantworten. Die Bank selbst, die er mit Hilfe einer alten Tante die ganze Summe wieder zurückgestellt hatte, war zwar von der An- klage zurückgetreten. Dessenungeachtet verurteilte der Ee- richtshof den reuigen Sünder unter Anwendung äußerster Milde zu einer Gefängnisstrafe von fünf Wochen, die aber durch die Untersuchungshast in Dänemark für verbüßt erklärt wurde. Thoroald Stirre verließ glückselig mit seiner Braut am Arm das Gerichtsgebäude. Man jagt, daß dänische Freunde ihm die Ueberfahrt nach Kanada, wohin er auszu- wandern gedenkt, vorschießen wollen. Dagens Nyheder, Kopenhagen, 6, Oktober 1929: Herr H. G. Jacobsen, Richter in Sändrup, hat sich gestern mst Fräulein Kamma Schmitt. Lynö. vermählt. Aatcr rief den Pfarrer an, was das bedeuten soll«, daß seine Tochter nicht nach Hause komme und vereinbarte für den Montag— das Tclephongespräch fand am Sonnabend statt— eine persönliche Aussprache. Am Montag früh begab sich aber Gertrud zum Vormundschaftsgericht. Die Sorg« um das Mädchen wurde dem Vater entzogen, der Pfarrer als Pfleger bestellt... Am Tage darauf erfolgte Anzeige. Der Angeklagte bestreitet jede Schuld. Seine Tochter Hilde, die ihn anfangs gleichfalls besäzuldigt hat, haßte ihn. Das Gäuglingssterben in Lübeck. �eichsgesundheitsamt untersucht das Calmette-Material. Lübeck. 13. Mai. Die S l a a t s a n w a l l s ch a s l hat das Colmekte-ZNate. rial, das den Säuglingen verabfolgt wurde, beschlagnahmt, um es im Reichsgesundheitsamt nachprüfen zu lasten. Bekanntlich find bisher acht Säuglinge infolge der Behandlung mit den» Calmette- Schußverfahrcn gegen Tuberkulose gestorben,»vährend 23 schwer erkrankten. Zu den bisherigen Veröffentlichungen über das Calmette-Schutz- verfahren gibt nunmehr das Gesundheitsamt Lübeck eine ergänzende Darstellung, in der es u. a. heißt, daß die Tuberkulose gegenwärtig in Lübeck noch jährlich etwa 150 Todesopfer fordere, wobei zu beachten fei, daß die Zahl der Erkrankungen sicher das Zehnfache betrage. Tuberkulose der Erwachsenen sei aber in der überwiegenden Zahl der Fälle in der Kindheit erworben worden, wo sich am ehesten die Tuberkulose bekämpfen lasse, wenn es gelinge. schon die Kinder zu schütze»». Aus diesen Erwägungen heraus habe der sachliche Leiter des Gesundheitsamtes, Obermedizinalrat Dr. Alt- staedt, im Gefundsheitsomt die Anregung gegeben, das Calmette- Verfahren in Lübeck zur'Anwendung zu bringe»», nachdem in vrrderen Ländern, besonders in Frankreich, sehr gute Ersahrungen damit gemacht, aber keine Schädigungen beobachtet worden seieri. Es handele sich also nicht um Ueber- tragungen von Laboratorinmoversuchen aus Menschen, sondern um die Anwenkrnng eines Verfahrens auf Lübecker Kinder, das b e- reits an über 300 000 Neugeborenen feit länge- rem anderswo untersucht worden sei, ohne daß Schädi- gungen nachgewiesen werden konnten. Auf Grund der Wissenschaft- lichen Berichte und der vorherigen Prüfung des Materials im Laboratorium des allgemeinen Krankenhauses habe dann der Ge- sundheitsrat einstimmig im Novenlber vorigen Jahres dem Vorschlag auf Anivendung des Ealmette-Verfahrens in Lübeck zuge- stimmt. In der Darstellui»g des Gesundheitsamtes wird noch«r- wähnt, daß m jedem einzelnen Falle der Anwendung die Eltern der Säuglinge auf Grund der Empfehlungen des Gesundheits- amtes das Verfahren schriftlich beantragt haben. 'lO Jahre wettliche Schule. Der Bczirksverband Berlin des Bundes der freien Schulgesellschaften Deutschlands veranstaltete im Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses«in« Feierstunde zur Zehn- jahresfeier der weltlichen Schulen. Der Vorsitzende Richard Schrocter sprach Vogrußungsworte z» den zahlreich Erschienemm, unter denen sich Vertreter»wschiedener Behörden besandcn. Er er- innertc an die erste weltliche Schule in Adlcrshof: heute srnd es bereits 33 Schulen mit insgesamt S 7 0 K l a s s e n. Er betonte, daß die weltliche Schule dogmerrsrei bleiben will, damit sie später die Schule des gesamten Volkes— ohne Unterschied des Bekenntnisses— werden kann. Rsichstagsabgeordnstcr Kurt Löwen st ein hob in seiner Festansprache die Bedeutung der ivelt- lichen Schule für den Befreiungskampf der Arbeltorklaffe hervor. Die weltliche Schule ist die große aesellschastliche Erziehungsgemeinschaft geworden, die unser« Zeit braucht! sie»st dt c Schule für die die Ar- beiterklasse kämpft: die Schule der kommenden plaiwollen Gesellschaft. Mustkalischc»md gesangliche Darbietungen gaben der Voran- staltimy das Gepräge einer wahren Feierstunde. weil er sie streng hielt. Die Gertrud beschuldigt« chn, weil sie aus dem Haus« wollte. Sie stand unter dem Einfluß des Pfarrers. Der Pfarrer habe auch einen Haß auf ihn, weil er dagegen gc- stimmt habe, daß die Geistlichkeit im Vorstand der Fachschulen Sitz und Stimme erhalte. Als ihm das erstemal zu Ohren gekommen sei. was über ihn gesagt werde, habe er dos als Klatsch betrachtet. Alles sei unwahr, was Gertrud erzählt habe. Gertrud ist aber der Ansicht, daß sowohl die Mutter als auch die älteste Schwester Else von allem gewußt haben. Das Nundfunkproblem. Zubiläumsiagung der DReichsrundfunkgesellfchast. Anläßlich ihres fünfjährigen Bestehens veranstaltet? die Reichsrundfuntgefellschaft im Plei»arsaal des Reichswirtschaftsrates eine Arbeitstagung, in der wichtige Problei»»« des Rundfunks behandelt werden sollten. Man erwartete also, daß Fragen etwa über Prograrmngestaltung, Hörspiele, Arbcitersunk oder Zensur zur Debatte stehen uiürden. Das war leider nicht der Fall. Schon der Bortrag des Kölner Soziologen Professor Leopold von Wiese über das Thema„Auswirkung des Rundfunks auf die soziologische Struktur unserer Zeit" zeigt«, daß man hier um oll. gemeine, oft erörterte Fragen debattieren würde. Tatsächlich brachte Wiese auch nicht viel mehr als die soziologische Eingliederung des Rundfunks in das Leben der Gcgeirwart. Mit diesem Vortrag war das Thema angeschlagen und in denselben Buhlten bewegte sich im großen und ganzen die darauffolgende Diskussion. Weiter als die anderen Diskussionsredner ging Professor Schub atz, der Leiter der Deutschen Welle, der über Arbeiterschaft und Rundfunk sprach. Die Arbeiterschaft müsse unter allen Umständen bei der Programmbilidung berücksichtigt werde»». Der Erziehungsausgabe der arbeitenden Massen darf sich kein Runidsunkleiter entziehen. Ausbau dieses Gebietes bedeutet eine Notwendigkeit. Er ist aber erst möglich,»venn das Abendprogramm geändert wird und seinen nur mrterhaltenden Charakter verliert. Sehr gut waren die Be- merhingen Kurt Baabes über die Neutralität im Rundfunk. Er versteht sie nur so, dag sich entgegengesetzte Meinungen gegenüber- treten könne»», ohne daß ihre Vertreter dieselben Erregungen zeigen dürfen, uirter denen heute das politische Leben Deutschlands leidet. Die' Tagung brachte sehr wenig neue Gesichtspunkte und sie trug nur einen dekorativen Charakter. Großes Bergunglück in Amerika. 400 Bergarbeiter betroffen.— Bisher II Tote. washiagkou lBeuusylvanicu), 15. Mai. 3a einem Bergwerk der powhali-m kohlengesell schast in Aoella. in dem 400 Arbeiter beschäfkigk wurden, ereignete sich eine Explosion schlagender Wetter. Nach den bisher vorliegenden Mel- düngen sind 17 Personen bei dem Unfall nm, Leben ge- kommen. Jrühling im Wintergarten. Das Maiprogranun des Wintergartens bietet fei,»an Besuchern einige sehr bcmtcrkenswcrte, in Berlin noch nie gesehene Attraktionen, so den Jongleur Howard Nicholls, der es mit feinen Reifen zu einer Höchstleistung bringt. Nicholls tritt übrige»»» auch un Kabarett der Komiker auf. Di» russischen Geschwister Nadja und B o b a ernten reichen»vohlo erdienten Beifall durch die natur- getreu« Wiedergab««hier Jazzmusik: sie ahmen die einzeliven Instrumente mit dem Mund ohne jeglichen Hilfsmittel nach Di« beiden A i m 4 e s sind wirklich, was das Programm sagt: an. mutige und graziöse Tänzerinnen. Das Role-Creß-Trio zeigt mit unübertrefflicher Sicherheit unglaubliche Kunststücke auf Rollschuhen. Clown Fratellini bildet mit zwei Partnern das Lopez-Trio, d. h. artistische Höchstleistungen am Trapez vcr- binden sich mit überwütiger Clownerie. Die grotesken Tänzer Rem« und Andy ernten stürmischen Bestall iwrch eh*»» paro» distischen Tanz. Sehr erfreut ist man, auch tirmcA eine IwBiiw dische Artistentruppe zu scheu: die zehn Brooks meistern ihr« Mundharmomla vortrefflich. Sehr erfreut ist man aber auch, sa vortreffliche Künstler wie die drei Bennos wiederzusehen. Di« Tierdressur nummer der Iohn»»y C o.- Terriers, Affen und Katzen wird allen Tierfreunden große Freude bereiten. Die Terriers sind die Kinder des berühmten Rechenhundes Togo. D 2000 in Tempelhof. Trotz der ungünstigen Witterung pilgerten gestern ncchmittag Taufende nach dem Tempelhofer Feld hinaus, um das neue Riesenflugzeug von Junkers in Augenschein zu nehme»». Die silbcr- graue Maschine stand vor den westlichen Flugzeughallen und bot einen überwältigenden Ai»blick. Die Maschine macht trotz der großen Ausmaße einen überaus schnittigen, eleganten Eindruck. Kurz nach ein Uhr sprangen die vier Propeller an und die D 2000 fuhr auf das Rollfeld. Nach einem verhältnismäßig kurzen Anlauf erhob sich die Maschine in die Luft ul»d zog in scharfen Kurven über das Feld. Nach kurzem Fluge, in den» die Manövrierfähigkeit der Maschine bewiesen wurde, landete D 2000 wieder, wendete auf der Stelle und fuhr an ihren Startplatz zurück. Das Riesenflugzeug wird im Laufe des heutigen Nachmittags nach Dessau zurückfliegen und in den nächsten Wochen einige größere Flüge unternehmen. Billige Sonderfahrt an den Rhein. Die Reichsbahndirektion Berlin veranstaltet vom 13. bis 22. Juni wieder ein« billige Sonderfahrt an den Rhein und an die Mosel, di« bei Be- nutzung der 3. Klasse 98 M.(2. Klasse 117 Mst kostet. In den Preisen sind die Fahrpreise für die Hin- und Rückfahrt im Sonder- zug und für die Dampferfahrten sowie die Kosten für Uebcrnachtung � und Verpflegung(täglich drei Mahlzeiten) enthalten. Näheres wird noch bekanntgegeben werden. Allgemeine Wetterlage. Im Laufe des Donnerstag sind wieder kühle Luftmassen nörd. lichen Ursprunges in Norddeutsckstand eingebrochen. Dieser Vor- gang vollzog sich unter teilweise kräftigen Regenschauern. Das Barometer steigt jetzt über einen, großen Teil von Europa. Daher dürfte sich das Hoch, das z. Z. non Spanien bis nach Nordskandi- navien reicht, noch verstärken. Nainentlich noch Osten dürfte es an Raum gewinnen. Die Nordwinde»Verden voraussichtlich nachlassen. «- wetleraussichlcn für Berlin. Teils heiter, teils»völlig ohne erhebliche Niederschläge, Tagestemperoturen etwas höher.— Für Deutschlcn»d. In der östlichen Hälfte Wctterbesjerung bei etwas höheren Tagestemperaturen. Im Nordwesten zeitweise auskom- mende stärkere Be»völkung, im Südwesten meist heiter und am Tage warm."_ Sport. Rennen zu Ruhlebcn am Donnerstag, dem IS. Mai. 1. Rennen. 1. Cyllame fffl. Lautenberg er), 2. Fata Morgan», 3. Allmacht. Toto: 25:10. Platz: 14, 24, 38:10. Ferner liefen: Dalond (o. W.). Prior. Coiirw Baron. cSoldusfY, St. Bernhard, Beta Lee. Etile. 2. 31 e n n e n. 1. Eil her Prinzessin tJ.KaupPer), 2. Marone, 3. Harjneriu. Toto: 24: 10. Platz: 14, 28, 31: 10. Ferner liefen: Alpenseuer, Gerhard, Jallenstcin, Morgentau. 3. N e n n e n. 1. AU-sPitze(I. Mille), 2. Meisterschuß, 3. Osfi LSwatda. Toto: 4S:10. Platz: 30, 24, 19:10. Ferner liefen: Olan. Erich L., Dhcwuschka, Bristol, Feodora Eudoxia, Jlsenburg, Costa Rica. Baron Dufsy, Drama. 4. Renne»». 1. AeschhIoS(P. Finn). 2. Jngelinde, 3. Per aspera, Toto: 4S: 10. Platz: 18, 17; 10. Ferner lief: Parmenio. 5. Rennen. 1. Ordnung(I. MillS), 2. Etruiler, 3. Baroneh Bacon. Toto: 38: 10. Platz: 15, 14, 12: 10. Ferner liefen: Schenkendorff. P-schlelch, Brise, Lu-L», Champignon. Morgan. Perlenkette. 6. Renne n. 1. Freund Edelstein(P. Linn), 2. Abendstern. 3. Eckst-iir, Toto: 33:10. Platz: 13, 15:10. Ferner liefen: Briiton. Königiadlcr. 7. R e n n c n. 1. Silberpappel(F. Brandt), 2. TeuiclSbua, 3. Hippologe. Toto: 21: 10. Platz: 12,17,23:10. Ferner llcten: Kroschel. Rulnaga Bon, ScintDusty, Hänsi Dillon. Hellogabal, PrachtmädclZ Tochler, Vicar, Primel, Sleinncllc. 8. Zlenneu. 1. Silvaplaiia(Jausj fr.). 2. TcuselSbursch. 3. Friesin, 4. Wagner. Toto: 25:10. Plötz: 14, 23, 21, 65:10. Ferner liefen: Hut ab, Biastcr. Qucenie, Rönne, Bicdermann, Galeere, Selamlik, Siege-adier, Lad» Duffv. g. Renne n. 1. Heidcbwme iE. MillH, 2. Ziaphia, 3. Mary Holsten, 4. Kapitän Halle. Ferner liefen: Weinbrand, Cosimo. Heliotrop, Friedrich Rex. Taniajec. Harfenmädchen, Goudsier jr.. Esst. Peter Harvester. Baron slloest«. Fredegundis, Florian(o. W.). je blonder Ihr Haar umso nötiger PIXAVON Der Hausbesitzer und seine Portierfrau. Ein massenmeineidsprozef). Bier Tage hindurch verhandelte das Landgericht III in einer Meineidssache gegen den Hausbesitzer S. und seine Portier- frau Z. S. war wegen Meineides in drei Fällen und An- stfftung zun» Meineide und die Portievfrau Z. wegen Meineides in fünf Fällen angeklagt. Als Frau Z. im Jahre 1922 einen Kriegsinvaliden heiratete, der Säufer war, hatte sie bereits ein sehr bewegtes Leben hinter sich. Vier Jahr« später ließ sie sich von dem Manne scheiden, machie aus der Straße die Bekanntschaft eines Herrn P., wurde seine Haus- hälterin, lernte durch P. den Hausbesitzer S. kenne», der zu P. zog und mit Frau Z. ein Verhältnis begann. Er überließ ihr eine Portierstelle in seinem Hause und teilte seitdem mkt ihr die Portier» löge. Seine Frau mit drei Kindern lebte von ihm getrennt. Kurz darauf setzen die Meineide ein. Die ersten beiden Meineide beschwor Frau Z. in einem Be- seidigungsprozeß, den S. gegen«inen„Schokoladcnfritzen" führte? sie behauptete, mit S. nicht in wilder Ehe zu leben. Weitere zwei Meineide schwor sie in einem Unterschlagungsprozeß, der gegen einen Kassierer der Wasserwerke eingeleitet worden war. Sowohl sie wie S. sagten aus, daß der Mann, der Jahrzehnte ehrlich seinen Platz ausgefüllt hatte, die 270 M., die er nicht erhaltei» haben wollte, einkassiert und unterschlagen habe. Den fünften Meineid leistete Frau Z. in einem Hausklatschprozeß. Auch S. schwor damals falsch. Vielleicht wäre trotzdem alles gut gegangen, wenn eines Tages die Frau des Hausbesitzers S. sich nicht mit ihren Kindern ganz unerwartet in der Portierloge eingefunden hätte. Als die Z. nun hinausgeworfen werden sollte, machte sie ihrer Empörung Lust, nannte S. einen Meineids schuft, schrie, er habe sie für 30 M. zum Meineid angestiftet, sie habe alle falschen Eide um seinetwillen geschworen, auch in der Sache mit dem Wassermann usm usw. So kam die Sache zum Klappen. Die Verhandlung gestaltete sich für beide Angeklagten geradezu vernichtend. Der„Wassermann" sagte unter seinem Eide aus, daß er das Geld nicht erhalten habe: an der Richtigkeit seiner Aussag« konnte kein Zweifel sein. Eine Reihe Zeugen bestätigte die intimen Beziehungen zwischen beide»» Angeklagt«!»: die Zeugin, deren Anwesenheit in Berlin die Angeklagten seinerzeit behauptet hatten, beschwor, daß sie zur sragliche»» Zeit überhaupt nicht in Berlin gewesen sei. Dr. Leppmann bezeichnete die Angeklagte Z. als schwere Psychopathin, die eirrfach wild daraus los erzähle, was ihr gerade in den Sinn kommt, ohne a»» die Folgen ihrer Aussagen zu denken. Das Gericht verurteilt« beide Angeklagten wegen Meineides bzw. Anstiftung dazu zu je drei Jahren Zucht- haus und süns Jahren Ehrverlust. Beiden Angeklagten wurden auch auf Lebensdauer die Fähigkeit als Zeug« und Sachverständige aufzutreten abgesprochen. Cin übler Rechtskonsulent. Er betrog eine arme Frau auf gemeine Weise. Bis nach Berlin war ein 40jähriges Fräulein von Riga aus ihrem Freunde„achgereist, hier fiel sie einem schwind. lerischeu Rechtskonsulenten in die Hönde und wurde von ihm belogen und betrogen. An einer Straßenecke von Berlin traf der Rechtskonsulent das ältere Fräulein und lud es zum Kaffee«in. Er erfuhr dabei, daß das 40jährige Fräulein B. in Riga gewohnt hatte und dort von ihrem 72iährigen Freund, der sie jahrelang unterstützt hatte, plötzlich verlassen sei. Da sie sich in ihrer großen Notlage nicht zu helfen wußte, war sie ihm nachgereist. Der Rechtskonsulent meinte, daß er ihr doch vielleicht Helsen könne, und verabschiedete sich von der Frau, ohne ein weiteres Treffen mit ihr zu verabreden. Auf eigene Faust trieb er jetzt die Nachforschungen nach jenem Freund und erfuhr tatsächlich seine Adresse. Er wandte sich an ihn unter der Drohung, daß er sein Familienleben zer- stören würde, wenn er nicht die Forderungen des Fräulein B., die ihn mit der Eintreibung beauftragt hätte, erfüllen würde. Er erhielt auch sofort 3000 Mark ausgezahlt, die er aber nicht an die Frau, für die sie bestimmt waren, weitergab, fanden» in dos Geschäft seines Bruders steckte. Durch einen späteren Briefwechsel erfuhr Fräulein B. durch ihren Freund von dem Manöver des Rechtskonsulenten, der sich aus ihre Anzeig« hin gestern vor dem Schöffengericht Charlottenburg wegen Betruges zu ver- antworten hatte. Er verteidigte sich mit der Behauptung, daß er das Geld nur einkassieren wollt«, um sich«ine Provision ab- zuziehen. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte, der schon erhebliche Vorstrafen verbüßt hatte, von vornherein auf Betrug aus- gegangen war, und daß er nicht daran gedacht hatte, der Frau zu ihrem Gelde zu verhelfen. Er wurde wegen Betruges im Rückfall zu 1 Jähr 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Privatbesitz gegen Volksinteresse! Wann kommt das neue Bauland-Gesetz? Reichsgericht und Artikel 153 der Weimarer Verfassung Am 38. Februar 1930 hat d.'r III. Zivilsenat des Reichsgerichts eine Entscheidung gefällt, die wohl zu den merkwürdigsten Sprüchen dieses hohen Gerichtshofs gehört. Bisher waren wir olle der Meinung, dafj die Weimarer Verfassung im Vergleich zu den Verfassungen des 19. Jahrhunderts«inen gewaltigen sozialen Fortschritt darstelle. Die Entscheidung belehrt uns darüber, daß wir uns zum mindesten in bezog auf das Verhältnis von OcffentlichkeitundPrtvateigent'.imin einem schweren Irrtum befunden hoben. Fünfundzwanzig Jahre lang. seit dem 2. Juli 1875. ist in Preußen keinem Gericht und keiner Be- Hörde je der Gedanke gekommen, der§ 13 des F tu chtlini enge setze s tönn« verfassungswidrig sein. Dieser Paragraph bestimmt genau, unter welchen Voraussetzungen dem Eigentümer eines Grund- stücks bei der Festsetzung von Fluchtlinien eine Entschädigung zu gewähren ist. Vicht steht in dieser Bestimmung, dasz— sofern nicht vorhandene Gebäude von der Fluchtlinie betroffen werden— die Gemeinde dann eine Entschädigung zahlen müsse, wenn sie das betreffende Gelände als Freifläche ausweist, ohne dem Eigen- tümer das Eigentum daran zu entziehen. Diese Bestimmung war es, mit deren chilfe es den Genieinden nur möglich war, eine Baupolitik zu betreiben, die— wie der Stadtbaurat Genosse Dr. Martin Wagner in seiner lesenswerten Schrift„Das Reichsgericht als Scherbengericht gegen den deutschen Städtebau"(siehe auch„V o r w ä r t s" Nr. 212 und 222) nachweist— amerikanische Zustände bei uns bisher v e r- hindert hat. In Preußen war es bisher üblich, daß die Ge- meinden mit Hilfe jener Bestimmung des Fluchtliniengesetzes selbst, ohne allzu erheblich« finanzielle Belastung, ein« planmäßige Städtebaupolitik betreiben konnten. Dem hat das Reichsgericht ein Ende gemacht. Prüfen wir seine Gründe! Das Reichsgericht geht von dem UMerfchied zwischen Z 12 und§ 13 des Fluchtlimengcsstzcs aus. Es gesteht zu. daß§ 12, der es Ortsstatutcn freistellt, das Bauen von Wohngebäuden an für den öffentlichen Verkehr noch nicht fertig- gestellten Siraßen zu untersagen, den Inhalt des Eigentums an ollen Grundstücken regelt: denn ein solches Ortsstatut treffe sämtliche Grundstücke, die an einer unsertigen Straß« liegen. In Gegensatz hierzu stellt das Reichsgericht§ 13, der keine Inhalts- bezrichnung des Eigentums enthalte, sonder» eine Enteignung. Schon die preußische Abgeordnetenkammer 1875 stellt fest, daß die Verpflichtung des Eigentümers, gewisse künftighin zu Straßen und Plätzen bcsttimnte Flächen unbebaut zu lassen,«ine gesetzliche Ein- schränkung des Eigentums fei, die keinen Entschädig ungs- ansprach auslösen dürfe. Das Reichsgericht hat diese Meinung des gewiß nicht sozialistisch verseuchten Gesetzgebers von 1875 über- hört. Nach ihm ist das Fluchtlinienfesksetzungsverfahren ein Ent- «ignungsverfahrcn, weil hier keine ollgemeine, alle Eigen- tümer treffende Verpflichtung vorliege. Die Tatsache, daß es aus- schließlich von dem Willen der Gemeinde abhänge, ob sie sich eine derartige Fläche vom Eigentümer für die öffentlich« Benutzung abtreten lassen wolle, kennzeichne den Enteignungscharakter. Gegen diese Entscheidung ist zunächst rein j u r i st i s ch anzu- führen, daß sie das Merkmal der 2l l l g e m e i n h c i t verkennt. Bauverbot und Fluchtlinienfestsetzung unterscheiden sich mir graduell, aber nicht begrifflich voneinander. Beide treffen einen personell»n- begrenzten Kreis von Eigentümern. Wenn das Fluchtllniengesetz von 1873 bis zur Revolution immer als rechtsgültig und vcr- fassungsmäßig betrachtet worden ist, und wenn es nunmehr als im Widerspruch zur R e i chs v c r fas s u n g stehend verfassungswidrig sein soll, so muß der Artikel 9 der preußischen Verfassung von 1SS0 fort- schrittlicher und sozialer gewesen sein als die Weimarer Verfassung. Wer aber nicht der Ansiäst sein sollte, daß das Verhältnis von Eigentum und öffentlichem Interesse von der Wei- marer Verfassung mit unfreundlicheren Augen betrachtet wird als von der preußischen Verfassung von 1850, der wird sich nur der Auf- fassung des Berliner Haus- und Grundbesitzer- Vereins anschließen können, daß sich das Reichsgericht hier „wiedcralz Hüterdes Privateigentums bewährt hat". Daß dieses merkwürdige Urteil sich nicht auf den Artikel 153 stützen kann, zeigt auch das Urteil des Staatsgerichtshofs über hie Rechts- gültigkcit der preußischen Notverordnung vom 10. Oktober 1927, dessen klare und beivciskräftige Sätze das Reichsgericht vergebens auszuräumen sucht. Dort ist ausdrücklich ausgesprochen, daß solche Eingriffe in das Privateigentum durchaus vcrfasfungs- gemäß sind. Hätte das Reichsgericht den Artikel 155 der Reichsoorsassung nur halb so ausdehnend ausgelegt, wie es di«s mit dem Artikel 153 tut, so hätte die vorliegende städteferndliche Entscheidung nicht herauskommen können. Der Wortlaut der Der- fassung:„Die Ivcrtstcigerung des Bodens, die ohne eine Arbeit oder Kapitalaufwendung ans das Grundstück entsteht, ist für die Gesamt- heil nutzbar zu machen", hätte den 3. Senat des Reichsgerichts zu der Erkenntnis führen müssen, daß die auf das Fluchtlimengesetz gestützte Praxis der Städte nur die in der Verfassung liegenden Befugnisse ausnutzt, wenn sie so den öffentlichen Anteil an der arbeitslos erworbenen Grundbesitzerberciche- rung im Interesse aller, hauptsächlich aber der Anwohner ver- wertet. Die Fotgcn der wirtschaftlichen Auswirkung des Urteils find unübersehbar. In den Prozessen, die aus Grund dieses Urteils allein gegen die Stadt Berlin bezüglich oller nach dem 14. August 1919 festgesetzten Fluchtlinien angestrengt werden können, dürste die Stadt Berlin allein zur Zahlung von Hunderten von Millionen Mark verurteilt werden. Aus Grund des be- stehenden Rechtsznstandes, wie er sich aus diesem Urtell ergibt, wird eine städtische Baupolitik, insbesondere die für die ärmere Großstadtbevölkerung so unendlich wichtige Ausweisung von F r e i f l ä ch e n aus finanziellen Gründen überhaupt nicht mehr erfolgen können. Auch das geplante prsußffche Städtebaugesetz ist als Landes- gcsetz demgegenüber machtlas. Helfen kann hier nur ein Reichs- g e s e tz, wie es gegenwärfig im Arbeitsministerium in Form des BanlaNdgesetzes vorbereitet wirb. Die Fertigstellung eines solchen Reichsgesetzes, das Entschädigungsforderungen ausschließt und dem Entschädigungsausschluß ruckwirkende Kraft beilegt, wird d r in-' gendzubeschleunigen sein. Darüber hinaus wird der Reichs- gesetzgeber in jedem einzelnen Fall Vorsorge treffen müssen. Cr wird in Gesetzen, die mir irgendwie im entferntesten von berufe- mäßigen Hüterndes Privateigentums als Eingriff in die Eigentumssphäre gedeutet werden könnten, durch eine Klausel jede Entschädigungsfordcrung auszuschließen haben. Denn sonst wird der Kampf, ob das Parlament oder da» Reichsgericht die Grundlagen des Ivirtschaflslebens und der öffentlichen Ordnung festlegt, bald zugunsten jenes unverantwortlichen Gesetz. g e b« r s. der Rkillioncn bewilligt, ohne für ihre Deckung sorgen zu müssen, ausgcfochlcn sein. Otto Kirchheimer. Erholung für die Q'chtenberger Kinder. Das Jugendamt Lichtenberg beabsichtigt, trotz des geringen städtischen Zuschusses die diesjährige Erholungsverschickung in demselben Umfange durchzuführen wie im Vorjahre. Da» Kindererholunashcim Müntz(Ostsee) soll viermal mit 150 Kindern auf ein« Dauer von je 5 Wochen belegt werden, das Kindcrerholungs- heim Mohlsdorf sechsmal mit 50 Kindern je 6 Wochen, und die Walderhalungsstätt« Ravenstein zweimal mit 100 Kindern auf je 5 Wochen. Der tägliche Vcrpflcgungskostenbeitrag beträgt für das Müntzer mid Mahlsdorfer Heim 2,50 M. und für die Erholungs- statte Ravenstein 50 Pf. Das Kmdererholungshcim Mahlsdorf ist seit dem 1. März d. I. von städtischen Pflegekindern belegt, die bis- her in Privatanstalten untergebracht waren. Soweit ein Bedürfnis hierfür fortbesteht, soll das Heim dauernd für Pflegekinder vor- behalten bleiben. Die für die Erholungsverschickung nach Mahls- dorf vorgesehenen Kinder werden dann in anderen Heimen unter- gebracht-werden. Die wachsende Welistadi. Welche Bezirke haben den größten Zuwachs? Der Berliner Bevölkerungszuwachs, der sich im Laufe des vergangenen Jahres auf 49 277 Personen belief, ließ, allerdings allein auf Grund des Wände- rungsgewinnes. das heiß«, des lleberfchusses der Zu. ziehenden über die Fortgezogenen, die Einwohnerzahl Berlins auf 4346437 Menschen ansteigen. Die Zunahme verteilt sick? jedoch recht verschiedenartig auf die einzelnen Verwaltungsbezirke, unter denen— bei einer Gruppierung nach Größenklassen von je 100 000 Einwohnern— die Verwaltungsbezirke mit 100 000 bis 200 000 Einwohnern den größten Bevölkerungszuwachs aufzuweisen haben. Zu diesen Gruppen ge- hören Steglitz, Reinickendorf, Spandau, Pankow und Treptow, deren Einwvhnerzaht im letzten Jahre von ins- gesamt 003 084 auf 089 437 Personen, mithin um 25 753 oder 38.8 pro Tausend anstieg. An zweiter Stelle folgen die Bezirke bis 100000 Einwohner, zu denen Tempel Hof, Köpenick, W e i ß e n f« e und Ze Hiendorf gehören, mit einer Gesamt, zunähme der Einwohnerzahl um 12 870 Seelen oder 45,7 pro Tausend. Tiergarten, Schön cbcrg, Lichtenberg und Wilmersdorf, deren Einwohnerzahl zwischen 200 000 und 300 000 liegt, hatten«inen Zugang von 0031 Personen zu vcrzeich. nen, während die dicht bevölkerten Bezirke Kreuzberg, Med» ding, Charlotten bürg Prenzlauer Berg, Fried» richshain, Neukölln und Mitte, von denen jeder ein» zelne mehr als 300 000 Einwohner zählt, nur eine Zunahme ihrer Gefantteinwohnerzahl um 4017 oder 1,9 pro Tausend aufweisen. Den stärksten Zuwachs haben somit diejenigen Bezirks zu verzeichnen, deren Einwohnerzahl unter 200 000 liegt, da hier im Gegensatz zu den dicht bebauten Inncnbezirken noch genügend frei« Flächen für eine ausgedehnt« Bau- und Siedlungstätigkeit vorhanden find. In der ständig steigenden Tendenz der Einwohner- zahl Berlins, die im Laufe der letzten zehn Jahr« um 5 8 8 14 4 .Personen gestiegen ist, war nur eine einzige Unterbrechung im Jahre 1923 zu verzeichnen, als die Stadt infolge des überwiegenden Wegzuges 24 027 Personen durch die Wanderungsbewegung und weitere 10 908 durch Sterbeüberschuß verlor, was«ine Bevölke- r n n g s a b n a h m e um insgesamt 34 935 Personen im Gefolge hatte. Das Maximum der Bevöllerungszunahm« brachte da- gegen das Jahr 1920, das nicht nur eine bedeutende Zuwanderung in die Reichshauptstadt, sondern auch«inen G e b ur t« n ü b« r- fchuß aufwies, mit einer Vermehrung der Bevölkerungszahl Ber» lins um 100 325 Personen. Es wird weniger geboren in Berlin. Obgleich die Zahl der Eheschließungen in Berlin sich seit 1924 in einem stetigen Wachstum befindet, ist die Geburten- Ziffer weiter gesunken. Im Jahr« 1929 wurden 43108 Kinder lebend geboren, 2 0 4 w c n i g e r als im Jahre vorher. Auch die Zahl der unehelichen Geburten fit gesunken, das Zahlenverhältnis zwischen Mädchen und Knaben ist seit dem Jahre 1921 konstant geblieben. Im letzten Jahre entfielen auf 100 Mädchengeburtca 105,3 Knabengeburten. Auf die Sterblichkeit hat der ungewöhnlich kalte und lange Winter des Jahres 1929 einen außerordentlich betrüb- l i ch e n Einfluß ausgeübt. Die Sterbeziffer des ersten Halbjahres liegt mit 14.4 pro Tausend wieder so hoch wie vor 9 Jahren. Abgesehen von diesem ungewöhnlichen Ereignis ist aber die Sterbe- ziffer in Berlin dauernd im Rückgang begriffen. Dies beweist die zweite Hälfte des Bcn6)tsjlchrcs, die so günstig war, daß auch die Gesamtzahl sich immerhin noch aus 12,5 pro Tausend senkte. Der Sterbeüberschuß ist aus dem angeführten Grunde sehr erheblich gewachsen. Er beträgt 10 040, wovon fast 7000 allein auf die Monate Januar bis März entfallen. Wochencndkursus der Arbeiter-Abstuumlen. Der Deutsche Ar» lunter-Abstincnten-Aund, Ortsgruppe Berlin, veranstaltet einen Wochen« irdkurs u» in der Jugendherberge Nowawes bei Potsdam für Funktionär« der Jugend-, Sport- und Kultnrorgani- sativnen sowie der sozialistischen Lehrer. Folgend« Themen sollen- behandelt werden:„Kinderschicksal in Trmkersamilien",„Methodik des Unterrichts über den Alkohol",„Die Bedeutung der Alkohol» frag« für die Schulgesundheitspslege",„Alkohoffreil: Fruchffaflge- wimning und alkoholfreie Festkultur" mit praktischen Vorführungen. Der Lehrgang ist kostenfrei. Alle Teilnehmer treffen sich am Sonnabend, dem 17. Mai, 19 Uhr, Alexanderplatz(«tadtbahn). oder Sonntag, 7 Uhr, ebendort. ano Privat! Lugendweihen der Sozialisten und Freidenker Die Anmeldungen für die Herbstjugendweihen d. I. bitten wir, unter Zahlung der Einschreibegebül)r von 50 Pf., sofort bei den nachstehend aufgeführten Anmeldestellen vorzunehmen: Vcn»altuag»b«,Irl Mitte: H. Lehmann, N. 54, Ackcrltr. 174(„Bonuärts"' Spedition)—?rutscher Metallarbeiterverband, C. 25, Linicnstr. 83—85(jcBftnet 0— Iii Uhr, Freitago 9- 19 Uhr, Eonnabends 9— 13 Uhr),— ssreigewerlsihaf'- liche Iugcndzcntralc, SO. 16, Engclufcr 24—25, 1 Tr., Zimmer 7»(geöffnet 9— 17 Uhr, ssrciiags 9— 19 Uhr, Sonnabends 9—13 Uhr). P. Dobrohlaw, 91. 37, Swinemtlndcr Str. 11ärts"-Spedition>. Verwaltungsbezirt Kreuzberg:„Vorroärts�-Spcdition SW. 61, Bacrwald- straße, an der tSncisenaustraße.— Urban, SO. 36, Lauscher Platz 14— 15(„Bot- n>ärts"-Spcditon).— P. Licr, CO. 36. Naunnnstr. 9 lRcstaurant).— Verband für �reidenkcrtum und Feuerbestattung, SW. 29, Sneisenaustr. 41(gc- öffnet 8— 16 Uhr).— Sekretariat der Jugendweihen der Sozialisten und ssrci- denket Berlins, SB. 68, Lindenstr. 3, II. Hof, 2 Treppen links, Zimmer 2 lgeöffnct 9—17 Uhr, Mittwochs und ssreitags 9—19 Uhr, Sonnabends 9 bis 13 Uhr). Verwallungsbezirk Eharlottenburg:„VorwSrts".Spcditwn Eharloltenburg, Sesenheimer Sir. 1, pt.— ssrau Ioachimie, Chorlottcnburg, Laiserda mm 95. Eingang Rognißstraße(.VorwSrlz"-wpedition), 14—18 Uhr.— ss. Schmidt, Charlottenburg, Am Bolkshaus 1.— Deutscher Verkehrsbund, Eharloltenburg, Danreuthcr Str. 31. Verwaltung-bezirk Spandau: Rektor M. Schulze, Spandau, Wilhelmstadt, Konkordiostraße ILebensgcmeinschaftsschuIe).— Rektor T.!scchner. Spandau- Neustadt, Mittelstraß?(Lebensgcmcinschaftsschulc).—„PoIIsblatt".B»chhand- luug, Spandau, Potsdamer Straße. Verw-ltu-g-bezirt Wil«er«d»rs: Frau Unserer, WUmrrsdors. Hanau» Straße 43, Siedlung. Verwaltungsbezirk Schöaeberg: Rathmann. Schönebcrg, Belzlger Str. ST l�Zorwarts�-Speditioii).— Iran Klawitter, Schönebcrg. Apostel-Paulus�-tr. 7. — E. Sllmudt, Friedenau, Bachestr. 9. Dcrwaltuugsdczirt Steglitz: I. Hamburg, Steglitz, Schloßstr. 163.— St. Schönwetler. Lichterfeldc-West, Hindcnburgdamm 71.— S.!?elgcntrru, Lankwitz, Charlottcnstr. 34. Verwaltungsbezirk Reudolla:„Borwärts'-Spedition Neukölln. Siegfried- straße 25—26, 14—18 Uhr.— ,.Vorwärks".Epcdition Neukölln, Neckarstr. 2, 14—18 Uhr.— Parteibüro. 91eutöll», Kuidastraße(Jdcalpassage), Ausgang 5, 17—19 Uhr,— A. Schwartz, Britz. Eroß-Siadlung, Liningstr. 58. Verwaltungsbezirk Treptow: E. Meckelfmrg, Treptow, tbroetzstr. 50 f„Bor. wärts".Spedition>.— W. Kallas, Baumschulcnwcg. Setnaderstr. 16, p. III.— M. Thiele, Nicdcrschöncwcidc, Berliner Str. 38 lRcstanrant.„Zur PosK).— Ziege, Adlcrshof, Bismarckstr. 29(Restaurant). A. Bader, Oberschöneweid:, Wilhelmincnhofstr. 17(Zigarrenladcn). Verwaltungsbezirk Köpenick: E. William, Köpenick. Alte Dahlwitzcr Straße 72.— Otto, ssriedrichshagen, Kirchftr. 34«Restaurant).— ff.«lein, Grünau, ffriedrichstr. 17.— ücimann, Bohnsdorf, Waltersdorfcr Eir. 166 (Restaurant).— ff. Krail, Rahnsdorf, fforststr. 9. Verwaltungsbezirk Lichtenberg: Rektor Sänger, Lichtenberg, Schule ffried- richstraße.— Rektor Pride. Licktcnbcrg, Schule Marktstraße.— Rektor Völker- ling, Lichtenberg. Schule Holtcistraßc.— 9!cktor Sydow, Lichtenberg, Schule Leopoldstraße.— Rcllor Lenz. Lichtenberg, Schule Scharnroeberstraße.— Rektor Schlicket, Lichtenberg, Pfarrstraße.— A. Rakcwitz, O. 112, Gärtner- straße 6. Verwaltungsbezirk Weißensee: O. Eallas, Weißenlee, Lehdcrstr. 122 sRestau- rant).— Marguardt, Hohenschönhausen. Berliner Str. 85(Restaurant). Perwaltungsbezirl Pankow: Konsumverkaufsstellen in Pankow: Wollank- straße 102, Berliner Str. 47. Breite Str. 16, Kissingenstraße. Brehmcstraße, Trelleborgcr Straße, Achtennannstraße.— Konsinnverkaufsstellen in Nieder- schönhausen: Kaiscr-Wilhelm-Str. 79, Kaiserwcg 6«.— Banscgrau, Buchholz, Bahnhosstr. 15. Berwaltungsbezirk Reinickendorf: Schönewerk. Reinickendorf-Ost und Rosen- thol, Provinzstr. 48 lRcstaurant).— Bolkshaus, Reinickendorf-West und Wittenau. Scharnwebcrstr. 114.— Tornow, Tegel, Schlicper- Eck« Trcsckow- straße, für Tegel, Borsigwalde und Heiligensee. Außerdem nehmen alle Hauskafsierer des„VeiHandes für Freidenkertuin und Feuerbestattung E. V." Anmeldungen für die Jugendweihen entgegen. Oer Tod lauert... Dringende Mahnung: Mehr Vorsicht auf der Straße! Ein Blick in die Berliner Unfallstatistik des ver- liigenen Jahres zeigt, daß die Straßcndisziplin der berliner noch sehr zu wünschen übrig läßt. Der verkehr der Weltstadt forderte allein im lehten Jahr 2 04 Tote. Unter den tödlich Verletzten befanden sich nicht weniger als 3 5 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren, die vorwiegend beim Spielen auf der Fahrbahn im Verkehrsgetriebe den Tod fanden. Immer und immer wieder-muß die dringende Mahnung an alle Eltern und Erzieher gerichtet werden, die Kinder darauf hinzuweisen und anzuhalten, daß die Fahrbahn der Straße kein Spiel- platz ist. Aber auch von den Erwachsenen muß in ihrem ureigensten Interesse unbedingt größere Vorsicht beim Ueberschreiten der Fahrbahn, eine sorgfältigere Beachtung der Verkehrszeichen sowie mehr Rücksichtnahme aus die Verkehrsregelung durch die Licht- s i g n a l e an den belebtesten Straßenkreuzungen verlangt werden, damit blühendes, kostbares Menschenleben vor einem gräßlichen Tode bewahrt werden kann. Bürger, schützt eure Anlagen! Achtet auf Älumendiebe. In letzter Zeit treiben wieder Blumendiebe auf den städtischen Platz- und Parkanlagen ihr Unwesen. Leider ist es, besonders bei der jetzigen Finanzlage der Stadt, nicht möglich, die Anlagen Tag und Nacht so überwachen zu lassen, daß diese Gesellen nicht doch eine günstige Gelegenheit abpassen Deshalb die Bitte an die Oeffentlichkeit um Mithilfe bei der Unschädlichmachung des Gesindels. Arbeiten in den Anlagen außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeit sind immer verdächtig, besonders dann, wenn sie mit der Herausnahm« von Pflanzen verbunden sind. In solchen Füllen sollte sofort der nächste Polizeibeamte aufmerksam gemacht werden, der dann die erforderlichen Feststellungen machen wird. Gleichzeitig muß darauf hingewiesen werden, daß viele Garten- anlagen— meist aus Gedankenlosigkeit und Unachtsamkeit— beschädigt und zeistört werden. Vor allem werden auch häusig die R a s e n e ck e n bei den Uebergängcn im Straßenbahnkörper acht- los abgetreten, oder Blätter und Zweige gedankenlos von Sträuchern und Bäumen abgerissen. Auch sollte darauf geachtet werden, daß nicht Hunde die für di« kleinsten Mitbürger bestimmten Sand- spielplätze verunreinigen. Das Gartenamt bittet daher alle e i n s i ch- tigen Bürger, sich der Ehrenpflicht zu unterziehen, Diebstähle, Zerstörungen, Beschädigungen und sonstigen Unfug in den öfsent- lichen Grünanlagen zu verhüten. Wieder eine Z�adausitzung. 20. Dezirk— Reinickendorf. Zu Beginn der Sitzung wurde ein Antrag angenommen, der sich gegen das weiter« Abladen von Straßenkehricht in dem Waldgeländc neben der Polizeikaserne am Spandauer Weg wendet. Zu einem sozialdemokratischen Antrag, der die Höherlegung der K r« m m e n e r B o h n an den Gefahrenpunkten in Tegel oerlangt, erklärt« Gvnosse Wollschläger, daß durch die stärkere Bcsiedelung und den größeren Verkehr die Bahnschranken immer hinderlicher werden. Der Antrag wurde einstinnnig angenommen. Bei der Beratung der folgenden kommunistischen Anträge wurde die Versammlung wiederholt von dazu bestellten koimnuni- stischcn Tribünenbesnchern gestört. Ein Antrag verlangte, allen Wohlfahrtsarbeitern Fa h r g e l d zu gewähren. Nachdem der Dezcr- nent erklärt hatte, daß— ,50 Mark Fahrgeld stets gewährt wird, wenn der Weg mindestens 2 Kilometer, also ungefähr eine halbe Stunde, betrögt, wurde der Antrag abgelehnt. Nachdem weitere kommunistische Agitationsanträge abgelehnt worden waren, inszenier- tcn die Kommunisten einen wüsten Lärm. Nach mehrfachen Vcr- Warnungen des Borstehers an die Tribünenbcsucher, folgte die Auf. forde rung die Tribüne zu verlassen, die aber nicht befolgt wurde. Daraus wurde die Sitzung bis zur Räumung oes Zuhörer- roums durch die Polizei unterbrochen. Bei Wiedereröffnung der Sitzung waren die kainrnunistischert Antragsteller nicht anwesend, wo- durch die Tagesordnung als erledigt betrachtet wurde. Arbeitsamt gegen Volksschule. Aus unserem Leserkreise erhalten wir folgend« Zuschrift: Seit mehr als einem Jahre kämpft die Elternschaft der 13 3. Volksschule in der Bergmannstr. 28/29 um Freigabe der Schulräume, die noch immer von der Erwerbslosen- f ü r s o r g e in Zlnspruch genommen wird. Bei allen maßgebenden Stellen des Magistrats und des Bezirksamtes, der städtischen und staatlichen Schulbehörden ist die Elternschaft bereits vorstellig ge- worden: von allen Dienststellen-st di« völlig unzulängliche Unter- bringung der Kinder der 133. Volksschule eingesehen und Abhilfe versprochen worden. Die Bezirksversammlung Kreuzberg hat«in- stimmig beschlossen, für die Freigabe der Räume«inzutrsten und sie zu verlangen. Der Bürgermeister Dr. Herz hat dem Arbeits- amt Räume in der Gneisenaustraße angeboten, die den Ansprüchen des Arbeitsamts nach eigener Angabe auch vollständig genügten. Gelder für Umzug und neue Einrichtung wurden vom Bezirksamt zur Verfügung gestellt. Das Arbeitsamt hat ober alle Angebote abgelehnt, weil es, wiedermn nach eigener Angabc, durch diese Weigerung Erfüllung anderer Wünsche sReubau für Arbeitsamt Ost in Neukölln, Räume für das Landesarbeitsanu Zentrum) erhofft. Kann aber di« Stadt Berlin bei der angespannten Finanzlage die gewünschten Neubauten zur Zeit nicht ausführen, so sollte das Arbeitsamt unser« Volksschuikinder nicht dafür büßen lassen. Wa» ist..Fasoka"? Wer dieses nicht erraten kann, dem sei jetzt schon gesagt, daß die Genossen der Gartenstadt-Siedlung Falten. b e r g bei Grünau ihr diesjähriges S o m m e r s e st bald steigen lassen. Seit Monaten werden schon die Vorberoitungen zu „F a f o k a" getroffen, um den Besuchern am 6. Juli 1930 ein wirkliches Volksfest zu zeigen. Genossinnen und Genossen haltet den 6. Juli für„Fasokc" frei. „Zu de» Schweizer Hvchalpcu" lautet das Thema des Vortrage«, diu Herr Wolfgang Hamacher am Mittwoch, dem 21. Mai, 29 Uhr, im großen Saal der Treptower Sternwarte im„Verein von Freunden der Treptower Stern- warte" Gäste haben gegen Lösung einer Karte Zutritt. fein., olt. Korn 38 olLtr.Fl. M. WEINE UND SPIRITUOSEN Frankf. Apfelwein...u, 0.48 Johannisbeerwein.... li. 0.33 Erdbeerwein.......... ur. 4.40 Dürkheimer........... u. 0.90 Tarragona............ tu. 4.00 Malaga................. ti». 4.20 Domo Portwein..... u-, 2.00 Alter Sherry.......... jut. 4.80 27er Sautemes ,._....n 2.00 Obstschaumwein,.t u. n 4.00 KONSERVEN /g. Erbsen mrtuif. 3 pm Di 4.40| Jg. Karotten.3 pw d. 4.05 Jg. Erbsen ZLWi». 4.00 Jg. Wachsbohnen ViD. 0.35 Jg- große Bohnen ViDs 0.85 Spinat 3 Pfd. d,.«.so viDj. 0.50 Sellerie......... y, d-, 4.00 Jg. Kohlrabi...% d>. 0.30 Zwetschensiif-sautr 0,82 Hühner /t<-A t«AiaAi«i pm« 4.05 Lauben stA 0.85 Enten pm. a. 4.40 Im Verkaafskeller: Garten- Möbel- Ausstellung! Auf dem Dachgarten spielen die Weintranb-Syncopators o. die Kammer-Symphoniker Starikow-Stupel WURSTWAREN Schinkenspeck.. pm. 4.90 Nußschinken... pm 2.20 Nußschinken i. bi p/d 2.80 Speck mager....... PM 4,58 Speck fett�. �. an Pfd 4.40 Harte Mettwurst 9.. »m Fettdarm......o. Pfd Äw Pomm.TeewurstJjto 4,80 Zervelatw.�Ad 2.40 Zervelatw.i Prttd. ph. 4.85 Zervelatwurst..pm 4.68 Braunschweiger Enden........... pm 4.95 Poln. Bratwurst pfd 4.60 ELIK AT ESSEN Salm................ v, D. 0.35 Crcab Meato�p�uDr. JJJ 4.40 Langusten............ d. 2.25 Krabben...... Dj- 0.45 Edellachsg"�"* i sAeA. d, 0.95 Sardellen...... et<.«I Heute, 30 IQt, wichtig« fftcL tionstitmng bei Burg. Prenzlauer Allee Sie Raumerstraße. Tagesard» nung w rd in der Versammlung bckunntgegeden. Di« Genossen des Q sowohl' werten gebeten, zu erscheinen. �reie Gewertschafts«Lugend Verlin fj- Eonnabend, 17. Mai. findet Im«rossen Daal des Geweickschaftshaules, Engelufcr S4— 2S, um 20 Ussr, der Begriissuugsabknd für die englisch» Bergarbeitirbelegalion statt. Eintritt frei. Bezeugt eure Berbunden» beit durch starten Besuch der Veranstaltung.— Heute, ssreitag. Ifl'j llbr, tagen die Gruppen: Rordrtng: Jugendheim, Schule Tonnenburger Str. 20. Vortrag:.Gewertsüiaften und Berufsschule".— Hermannplag: Eruppenheinr S-ndkrstr. II. Eck« Hobrechtstrass«. Vortrag:„Die Aufhaben der Vertrauens- leut« und Betriebsräte".— Süden, Südwesten: Gruppenheim Wassertorstr. 9, o. pt. Dislussionsabend:.Bürgerliche und proletarisch« Jugendbewegung in Deutschland".— Charlotten bürg! Jugendheim Eprecstr..10. Lichtbildervortrag: „Berliner Vcrlcbr von gestern, heute und morgen".— fteppelinplad: Zugeud- heim Turiner Ecke Scestrass«(Eingang Turiner StrasseZ. Arbeiterdichtungen auf Sckallplaiten.— W-ddiag: Gruppenhcim, Schule Pont. Ecks Wielenftrobe. Lustiger Abend.— Schönhaufer Tor: Gruppcnheim Tieckstr. IS. Bortrag:.Die Gemeinschaft der Gefchltchtcr". .�uoendaruppe veSZeniralvertandeS der Anaesteliten Heut«, IZreitag, finden folgend« Beranstaltungen statt: Oberfpree: w Jugendheim Loufener Str. 2. Bunter Abend.— Köpenick: Jugendheim Dahlwisser Str. 15(Gasanstalt am Bahnhof Köpenick). Vortrag:.Regierung� formen". Referent: Arthur Rachow.— Südwest: Jugendheim Porckstr. 11 <2. Hos, Quergebäude 1 Treppe, Zimmer 5t. Bei UNS leuchten die Geister (Brettspielabend, Rätselraten). izmNUiin 105 Irisch geschlachtet Pfd. von HOHNER msim gefroren Pfd. von FCHSCKES FLEISCH SthwelnebauchobneBeilag�Fld.94F(. Schweincschulterblatt. Pid.1,04 Schweineschinken...... Pfd. 1,14 Schweinekanim9.Scbiitt,ia 1 ,50 Preiselbeeren........ 1,25 Portug. OeMnen Mtah.OC«PortQE dosen W Jp�Dosen� JPi GuLKen�iM.Qr scher Art....2 Dosen»pIp. Angebote unserer Wein-Abteilung Johannisbeerwein, Holtäelboarweln, Stachel boerweln, süsser Ap.elwoin„Clder"........ 1928er Edenkobener Gerech................... 1323er Obcrmoseler, sehr guter Bowlenwein.... 1929er AlsterweDerer Letten.................. 1929er Trglcer Treppchen...................... :829er Llebfraumllch, lieblicher Dameawein..... 1926er RUdeshelmer Kiesel.....—......... 1926er Graves superieur, süsser weisser Borchairw� Preise ohne Flasche .'/.FI. 10 FI .7oPt. 7,00 .e3Pf. 8,00 . 1,00 9,50 . 1,10 10,50 . 1,25 12,00 . 1,40 13,50 . 1,85 17,50 s 1,83 17, SO Boter süsser lohannitbeerweln sehr gute Qnalitit ur.85ÄLVri.400 Biieinpkäizsr Weisswein bekannt gute Qualitii 100 5-�-475 Ur. Malaga sehr gute Qualität dunkel Ltrl�F,:?00 Kolonialwaren Bruchreis.......... Pfd. 1 8pf. Moulmain-Reis..tu. 30pt Blue-Rose........ Pfd. 36pt Weizengriess....Pfd. 30pf. Harlweizengries$pid.34pf. Eierfadennudeln Pfd. 54pt Bohnen weiss»..... tu. 28pt Kalif. 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PmIBfi. *Rolzungen............ pü 22p>- *Rotbars................... 20pf. *Za nd e r gefrom....ptd. von 60pf.»u *Xabel|aufi!el....... pfd.25�. *Grune Heringe...3Ptd 32p; *Leb. Schleie, pid von 1,20 an ) In allen H&u?era aueser Andreasitr. Nr. 226- 47. Jahrgang ÖS�f 0 Freitag, it6. Mai it930 Mit Oieh-Büchern auf die Fahrt. Es bedarf keiner langen Einleitung und Vorrede: Die Reife- und Wanderzeit ist da, und jeder soll sie nach Kräften aus- nutzen. Dabei soll man nicht mißgünstig auf den blicken, der etwa ein Auto oder«in Motorrad hat. Zwei gesunde Beine helfen auch bei schmalem Geldbeutet zu mancherlei schönen und köstlichen Erleb- nissen. Man muß es nur richtig anfangen. Es ist nun wenig be- könnt, daß der Dtetz-Verlag neben seinen vielen ernsteit wissen- schastlichen Werten auch ein« ganze Anzahl von Büchern und Schriften herausgebracht hat, die dem Reisen und Wandern der arbeitenden Klassen dienen, und die soll man zuerst zu Rate ziehen, wenn man aus große oder kleine Fahrt gehen will. Zwei Bücher von klassischem Wert liegen vor: zu einer Zeit erschienen, als die Sozialdemokratie in schärjstem Kamps gegen die Reaktion stand. Dennoch gab es damals Sozialisten, die die Fähig- tcit lMten, in den Seelen der alten und jungen Kämpfer die Gemüts- saite anzuschlagen. Das«ine ist von Jürgen Brand geschrieben, lreißt U l e n b r o o k(geb. 2,80 M.), ist in vielfacher Auflage er- schienen und gibt all denen, die unbeholfen fragen: Was ist denn eigentlich draußen in der Natur los, die Antwort eines großen Natur- kenners und Naturfreundes. Das zweite, das unsere Parteigenossen schon vor 25 Jahren erfreut«, ist so frisch und zeitlos geschrieben, daß auch die heutige Jugend nicht daran vorüber darf. Es ist das Buch des Mannes, der auf dem Dorffriedhof in Müggelheim ruht: Kurt Grottewitz, Sonntage eines Großstädters in der Natur(geb. 1,90 M.) Was Grottewitz in diesem herz- erfrischenden Buch seinen Herrn Tanzmann in allen zwölf Monaten des Jabres über das Erleben mit Tier, Pflanz« und Mensch sagen läßt, das ist, als ob es erst gestern geschrieben wurde. Wenn Grotte- witz einmal erklärt:„Eine Stimmung radikalster Friedfertigkeit breitete sich über Herrn Tanzmanns Gemüt", so kennzeichnet das wohl am besten die Tendenz des Buches. Herrscht hier ein behaglicher stiller Humor, so geht es in einem zweiten Buch von Grotte- witz, Unser Wald(geb. K,7Z M.), ernsthafter zu. Es könnte in der Tat als zwecklos erscheinen, Wälder überliaupt zu durchwanden:, wenn man nicht vorher dieses prachtvolle Buch gelesen hat, in dem sie alle, die Kiefern, Fichten, Eichen, Buchen, Linden, Ulmen, Birken, Eschen, Erlen, Espen, Ahorn und Ebereschen, durch schöne Abbil- düngen erläutert, eindringlich und liebevoll geschildert worden sind. Dient das Vaumbuch von Grottewitz der botanischen Ausklärung, so ist die Erwanderte Deutsche Geologie an dem Beispiel der Sächsischen Schweiz von Wilhelm Bölsche(geb. 1,50 M.) die allerbeste Einführung in die Geologie. Zu Bölsches Lob braucht nichts mehr gesagt zu werden. Seine leicht verständliche Art gewinnt jeden, und eine Reise in die Sächsische Schweiz sollte nicht inehr ohne dieses hübsch zu lesende Büchlein angetreten werden. Nach Deutschland, wo es am schönsten ist, führt uns Josef Maria Frank in seinem Wanderbuch: Straße der Religien (1,50 M.). das in amüsantem Plauderton eine Reise von Nürn- berg über Rothenburg nach Würz bürg beschreibt. An solch» Wanderplauder-ien, die die trockenen Reiseführer lebendig er- ganzen, fehlt es une noch immer. Diesem Bedürfnis kommt auch Willi Möbus nach, der in seinem Büchlein Die östlich« Insel in anzreliender und fesselnder Weise über das ferne O st- preußen und seine vielen unbekannten Schönheiten und Eigenheiten plaudert. In der Nähe Verlins hält sich Walter Trojan mit seinen Streifzügen durch wendisches Land: Sonnentage in Reiherhorst(0,70 M.s Von dem idyllischen, südlich von Königs- Wusterhausen gelegenen K l e i n- K ö r i s aus durchstreift er das noch ziemlich unbekannte Vorland des Spreewaldes und weiß allerlei Bemerkenswertes über Land und Leute, Wirtschafts- und Kultur- geschichte der Gegend, über die Reiherhorste in der Dubrow und über die Märkische Riviera zu berichten. Dem Büchlein ist eine gute Wanderkarte beigegeben. Wr dann aber in fernes Land reisen will, der nehme Jürgen Brands Reise nach Island(geb. 1,20 M.) in die Hand,' das zu ungeahnter Aktualität gekommen ist. Bereits im Jahre 930, also vor rund 1000 Jahren, wurde in Island der Grund zu einer republikanischen Landesverfassung gelegt, und die große, berühmte Parteigenossen! Besucht die amtlichen Wählervcrsammlungen zwecks Wahl des Wahlvorstandes!— Werbt für die Liste «( „Schulaufbau! Thingvallebene, in der damals die kundigsten Männer zum Thing zu sainmen kamen, um gemeinsam über das Wohl des Landes zu beraten, wird in diesem Jahr eine große Erinnerungsfeier sehen. Wie Uhlenbrook ist auch das Islandbuch besonders für die Jugend geschrieben, die es mit Nutzen und mit Vergnügen lesen wird. Die Bedeutung der Hochseefischerei. Deutschland kann nach dem Kriege seine Lebensmittelversor- gung nicht mehr aus dem Inland decken, es muß vielmehr Lebens- mittel aus dem Ausland einführen. Wenn man diese Tatsache berücksichtigt, läßt stch erkennen, welch großen Nutzen die Hochseefischerei durch das Heranschaffen großer Nahrungsmittelmengen bringt. Im Jahre 1928, in dem wie in den Vorkriegsjahren die sonst ertragreichen Sommermonate in- folge Absatzstockungen wiederum nicht voll zum Fang ausgenutzt werden konnten, wurden von deutschen Fischdampfern allein in Deutschland 341 Will. Pfund— 3,41 Mill. Zentner Seefische ge- landet. Hierzu kommen 147 Mill. Pfund, die von Kuttern, d. h. kleinen Fahrzeugen mit Segeln oder Motor innerhalb und außer- halb der Küstengewässer gefangen waren und ferner die wertvolle Ausbeute der großen Heringsfischerei mit 256 000 Faß oder etwa 54 Mill. Pfund Salzheringen. Alle diese Mengen wurden zum größten Teil für die Ernährung des deutschen Volkes verwendet: nur etwa 20 Mill. Pfund mußten anderweitig verwertet werden, und zwar wurden 5,4 Mill. Pfund Masfenfische, die der deutsche Markt nicht aufnehmen konnte, getrocknet und ins Ausland aus- geführt, während 14,6 Mill. Pfund, die für den menschlichen Genuß nicht mehr geeignet waren, sowie die beim Versand oder bei der Verarbeitung entstehenden Abfälle zu Fischmehl verarbeitet wurden und als Kraftfutter unserer Landwirtschaft zugute kamen. Weiterhin bringt der Seefischfang, der Versand und die Verarbeitung der Fische vielen Volksgenossen lohnende Beschäftigung. Schiffs- und Maschinenbau- und Reparaturwerkstätten, Draht- und Hanftauwerk- sowie Netzsabriten an der Küste und weit im Binnenlande arbeiten für die 352 deutschen Fischdampser. Auf jedem Dampfer finden 12 Mann Besatzung Brot und Lohn, die Fänge aller Fischdampser- reisen, die in deutschen Häfen gelöscht wurden, gaben vielen Huu» dertcn von Löschmannschaften Arbeitsgelegenheit. Allein am größten deutschen Seesischmarkt Wesermünde beschäftigten 18 Reede- reicn etwa 150 Fischversandfirmen und etwa 60 Fischindustriebetriebe viele tausend Menschen. Dazu kommen die unzähligen Hilfsgewerbe und Industrien: Klipp�ifchwerke zur künstlichen Trocknung von Masfenfischen für den Export, Lebcrtransabriken, Eisfabriken zur Herstellung von Kunsteis zur Konservierung der Seefische aus den Dampfern, während des Bahntransports usw. Es liegt auf der Hand, daß dem Staat und den Gemeinden der Scefischmärkte aus der vielseitigen Wirtschaft der Hochseefischerei außerordentliche Einnahmen erwachsen. Fast sämtliche deutsche Fischereihäfen sind staatliche oder städtische Anlagen. Von dem Erlös der hier gelandeten Seefische bekommen die Staaten bzw. die Städte einen erheblichen Anteil, die Gebühren und Mieten für Benutzung der Häfen und Gebäude oder sonstigen Anlagen usw. verzinsen das darin angelegte Kapital der öffentlichen Hand. In richtiger Erkenntnis der Wichtigkeit dieses Zweiges unserer Volkswirtschaft, der unser Wirtschaftsleben so vielseitig befruchtet, lassen Reich, Länder und Gemeinden der Hochseefischerei eine ziel- bewußte Pflege angedeihen. Ihre weitere Förderung liegt im öffent- lichen Interesse. Reichsbahn und ,Benta". Zu den Mitteilungen über betrügerische Machenschaften im Betriebe der Blawkendurger Eisenbahnbödarfs- und Maschinen- sabrik G. m. b. H.„B e m a", schickt uns die Firma jetzt eins Richtigstellung, daß sie in den Jahren 1924 bis einschließlich 1923 bei der Roichsbahn einen Umsatz von nur rund 2 Millionen Marl für Wiederinstandsetzungen von Güterwagen gehabt hat. Die „Bema" habe bei den Jnstandsetzungsarbsiten kein minderwertiges Material verwandt, sie habe auch nicht das Reichsbahninaterial auf das eigene Lager geirommen. Durchstechereien bei Wagen, die nicht reparaturbedürftig waren, seien nicht vorgekommen. Von drei Privatfirmen seien in sechs Jahren nur einige Hunderttausend Mark an Instandsetzui�skosten bei Güterwagen von Privat« firmen überwiesen. Auch seien nicht instandsetzungebcdürftige Wagen nicht mit fogenanicken roten Reparaturzetteln versehen worden, Beamte der Reichsbahndirektion Dresden feien in keine unlautere Machenschaften verwickelt. Wir geben dieser Berichtigung natürlich gern Raum. Dia Hauptverwaltung der Reichsbahn teilt uns dazu mit, daß augenblicklich durch die Staatsanwaltschaft nachgeprüft wstd, ob bei der Zuteilung von Wagen und bei der Jnrechnungs- stcllung durch das Werk Unregelmäßigkeiten v arge kommen sind. Wir bringen einen Satz aus der Berichtigung der„Bema" wörtlich: „Was den Dberingenieur Kosch veranlaßt hat, die an sich be- deuwngÄosen Stllckliisten zu verbreimen, ist uns unbekannt, denn wenn Unregelmäßigkeiten vorgekommen wären, würden diese auch aus anderen Unterlagen und Belegen noch nachzuweisen sein." Eine Erklärung gerade dieses Punktes wäre für uns von Interesse. „71a- wec ist muh fasset dcan?" „Jetzt hast du Zwiebeln, Sellerie, Lauch, Zitrone und Gewürze eingekauft. Das mußt du alles einzeln vorbereiten, dann Mehlschwitze anrühren usw. Ich habe es nicht mehr nötig, weil ich Knorr-Braten- soße verwende." AlleBe- 1 WOrfcI— Vt Liter— 15 Fi Versuchen Sie T&wvl Bratensoße standteile einer pikanten l unke, von der Mehlschwitze bis zum feinsten Gewürz, sind in Knorr- Bratensoße enthalten. Ein Würfel zu 15 Pfennig gibt ohne jede Zutaten so viel Soße wie 2 Pfund Braten. Knorr-Makkaronl dazu! Der neue Anzug Herrlich in Qualität, Verarbeitung und Sitz. Dazu unsere niedrigen Preise Sie erhalten für wenig Geld einen Anzug, der unserer Leistungsfähigkeit Ehre und Ihnen Freude macht! Sakko- Anzüge 11«.- 95.- 75. 60.-45.-56.- Sport- Anzüge S 112 93.- 78. 65.- 55.- 40.' fUiitininiMiiiifMiiiiiiiimtMiuntmiu I BLAUE I ISAKKO-l (ANZÜGE) : um, reines Kammgarn- I 48.- ■•••(•■••••••(iiiiiiim BAEA SOHN A G Berlin N 4, Chausseestraße 29'30 UNTERGRUND: Stettiner Bahnhof Vorwärts na sind u. G parteinachnchten für Groß-Berlin Mwscudu»«» kür dies« Rubrik st »« r l I» ö« U, Sinbenftroje stet»«n da» Scjirtsfc(r?toriot i. Hol,: Lr-voen recht», zu richte». lt. S«i» Reuköll». Di« Zozialistifch« Ardeit-rlugend Neukölln«eranstalt-t beute. Ä) Ubr. eine» Filuiabend IM Ltadtsaal Aeritst?. 147. In der lieft- aniMrung läuft de- Illm:..Dl!» cr«»chende Aegypten". Außerdem noch ein gutes Beiprogramm. Einlaß Zdie Übe. De ginn 20 Uhr. Eintritt da Pf. Di» Parteigenossen werden geölten, diese Bergnitaltung durch recht regen Besuch zu unterstllßcn,— isrcitag, 1«. Mai, 20 Uhr, Elteenoer» sampilqog atlce Elter», deren chinder das jkaiscr-Kricbrich-RcalgdMnasinnt »der di, Anfeauichutr besuchen. Tagesordnung! Wahl des SLabluorstoodrs. Aufstellung der.«tandidaten, Anefprache. Erscheinen driiigend crs»rd-r. li-li.— Der UN» nahesiehevd« ssentralveiband der Ardeittinualiden und Wituien Dentschland». Ortsgruppe Zieutölln, lobet all- Scuofflnne» und stenosseu zum 1.«rühlingsfcst am Sonnt««, dem 18. Mai. im Lslal «-»»schloßhiib«.«arlsga-tenstr. i>�l>. ein. Mrtwirlcnbc sind: Da« Mvsss- larp« de» Reichsbanner, Reutölln, der Lendtosa-Elmr de»«rtistcruc-ein, „Freie Union" und Fr. S. Walter lLieder zu,«an!-). Anfang 1K Ahr. Eintritt 7/1 Pf. Tanz frei. IS,»reis Pontom. Montag, 1». Mai. bei 95")", Sürttfche» Zelt, Breite Strasse 14, 1» Ahr,«rcieuorstondsfidunz. Am pünktlich 2» Uhr kkrei». delegierten« ersammlnrg. heute. Arcilag, tö. ZNai. ZS Abt. Slb IS't llhr Mugblattausgabe an die Funktionäre bei Polist, Lnchen.ir Str. Ich). 87. Adt. 19H Uhr wichtige Funktionärssssung bei Zepke, Ebertystr. 7. Nie. mond darf scl'len, 102. Abt. Baumschulenmeq. ISIs Uhr bei Streubel, Baumschulen» Ecke Echeiblerstrasse. Versammlung aller Eltern der Bollsschulen, de» ttazeums und Egmuasiums, zmecka eudqiUtige« Festsessuug der t'andidatcnliste für dir Elternbeiratswahl nnb Besprechung der Beahlarbeit. Niemand darf fehle». 124. Am. Mahlsdorf. 20 Uhr Elternoerfammlung in der Schule Waldenser. strasse. Alle lozloll�uolralis-ljeii Eltern sowie Sympathisierend, müssen "scheint1», Sonuadiud,>7, Rai, 2? Uhr, Flughlalipcrtciluug oou den bekannten Stellen. Kilo. Abt. Wittenau. All- Parteigenosse», deren Kinder die Borstgwalder Mittelschule, Borssgwaide, Eouradstrasse, beluchen. werden auf die heute, IS's llhr, in genannter Säiple slat'lfindende zwellc Elterxocrsammliing »»iinerr'am gemacht. Sorgt auch dort für Ausstellung einer„Schul' gusoau", Liste! Morgen. Sonnabend. 17. ZNai. 12. Abt. Iii Ilh« Fllighlattucrhpeitung bei Schmidt, Wirsefstr. 17. SZ. Abt. 19 Uhr Flugblallpepbreitung von den Iahlal'kudlolalcn aus. Tie Bezirksfithre- holen die Flugblättcr«om Eenofse» Höhnisch ab. LZ. Adt. Achtungf Di» Iahiadendleiter holen um lll Ulir dir Runblätter filr di« FraueaAerdrwoche vom roigl ttrainer, Eoilicniuasir..1. ab. Bezirks- Nthrer und FlugklottverbrcUep hole» um 20 Uhr die Flugbläücr aus ihren?!ahlabendlokale» ad. ZI. Abt. Ab 1« Uhr Aurgabe von Rugblättern bei choldschmidt, Stolpischc Strasse?8. Ncge Beteiligung ro» allen chcnosstnnen wird erwartet. 4-4, Abt. Albtnug, Bezirkafnhrer! Bon 17 di» 18 Uhr Rngblättcr aoholen «o» Schiehold, Admiraistr. ü. «0, Abt. 17 llhr Rugdlattnerbrellung bei Eichholz. Eunrystr. 28. 4H., 40.. 47. Abt.»c Nossen, deren»iohrr die Ll.»>«Uliü>« Schule,»ijrljhcr Straß« lll. besuch«», t-rffm sich»m Me Uhr im üokgl»an Adam, Sör- lisser Ecke Lübllearr Strasse. Aufstellung der Ztandidatenlistc. It. Abt. Steglitz. Die Fluablistter der Frauen müssen uon Schellhgse. Ahor». strosse lüa. von 18 bis lb UH-. abgeholt werde», Mr bitten besonders die Genossinnen um rege Beteiligung, »4. Abt. chruiölN. 18 Uhr Flugblatto-rhreitung. Lolal Schröder. Steinmetz' steatz! dt Erscheinen der tllenpsssnncn und Genossen ist Parteipflicht. III. Abt. Bohnsdorf. SO Uhr bei Seimann. Walteppdorfer Str. 10g. 112. Abt.>«h»«d»rs. 20 Ahr bei Witte, chahnsdorf. Furstenwalder Strasse. Iohlabanb. Portrag!.Selbstoeenpoltung in Essohr". Referent! Stodtoer. «rbneter Paul Robinson. III. Abt. Lichtenberg. Ab lg Uhr und Sonn'oa ab ll Uhr Flügblattnerbreitunz von b-n Lolalen Robert Sievcr: und Richard Klose aus. 117. Akt. Lichtenberg nvb 121. Abt. Karlsholst. Srupp« Klingenberg: ' Ulss Uhr im Lolal Städtisch«» glussbad. Lichtenberg. Reserent! Daniel Bärckel. 118. Atzt. Lichtenberg. Sonnabend und Sonnlag Flugblattvcrbrciiung von den bekannten Lokalen aus. Pokere Hagen. 20 Uhr im Lokal ,.Inm alte» Dessau"", oberer Saal, Monats. verfomuilu»«. Tagesordnung: 1,„Die Frau und der Sozialismus." Re, frrent: tSeuoss« Dr. ssiorbcrt Marr. Aussprache. 2. Die Ellerndciratpwohl. Aufstellung einer Liste. Ü Verschiedenes. Anhänger als Gäste willkommen. Frauknoeranstalkungen. 7. Abt.«sc Im Frouennbend bestimmten Genofflnnen holen sich die Flug- blätter. die an besonderen Stellen verteilt werden sollen, im Lokal Bärwaldc. Schlegelstr. 8. ab. ». Abt. Sonnabend, 17. Mal. 10 Uhr, bei Lllbncr, Wilanacker Str. 84. Kn- sämmenlunst der Funktionärinnen. Verteilung des Agitatlsnsmateeials. 28. Abt. Die Genossinnen beteiligen sich alle a» der Flnqdlattvcrtcilung. ssluoblätler sind am Freitag, dem Iii. Mai. um 18 Uhr, bei Pinncr, Kigarrengcschäst, Ticskrnvsir. Zg. abzuholen. LZ. Abt. Die Flugblattvcrbrcitung findet am Sonnabend, dem)7. Mal, Im Lokal Wcrtalla, Hohenlohcstr. Z, von 18 bis 20 Uhr, statt. Die Ge- nosssnnen werden gebeten, sich zahlreich zu beleiligen. 7ll. Abt. Schänebcrg. Di« Genossinnen treffe» sich zu unserer Flngblattver. breitung am Sonnabend, dem 17. Mai, um 10 Uhr, bei Gross, Scdan- strosse 17. Zungsozialisten. Die Gauksnscrrnz d" Iungsozlalisten. Ha» Brrlin-Brandenburg, findet am Svnnadenb. bei» 17., und Ssantag, dem 18. Mai I9:)l), im Jugendheim der Natarsrcvnbe„Reiderhars�!» Erass-Kdri» bei Känigowuftrrhauscn statt. Sannal-end, 17. Mai. 20 Uhr. organjsatarisch« Frage». Sonntag. 18. Mai. 9 Uhr, Referat he» Genosse» Dr. Fritz Lewo-Brealau über,.Szzialdemasratic und Staat". Ansckliessrnd daran Auoiprache. Die Berlin" sahren am Sonn. abend mit dem Fug 17,llZ Uhr ab Görlitzer Bahnhof di» T«upitz,Gr«ss,Köris. Rachzfigl" 18.46 Uhr mit Umftrlgen in«Öniaawustrrlmnfen. Am Sonntag früh ist der Tiasspuntt bf, llhr am Görlitz" Bahnhos. Alle Berliner Gruppen entsenden einen Delegiert«», darüber hi»au» sind olle anderen selbstverstänb. Parteigrnossep sind cbenfoll» eingeladen. Der Gauleiter. lich millkomman. SAZ. und jünger, Aedbing-Sesuubbrunnen. Leute, lO's Uhr, im Jugendheim der weltlichen Schule, Pank- Ecke Wlefenstrasse. Porlrag:..Religio» und Sozialdemokratie". Neserrntin: Ginpfsi» Schneider. Gaste h'.-zlich willkommen. Alle Mitglieder bringen ihr» Mitgliedtkart« zum Umtau!?.) mit, kuirättonifre der Arfceiterwolilfalirt. FfirsorflerOnnen)! Freitag, den 16. Mai, abends 8 Uhr, im Bürgersaal des Rathauses Königstraße. Vortrag des Genossen Stadtrat Dr. Walter Friedländer über sozis(8 ßuswsrkungsn dersparmaßnanmen AnschücEend piskufsion.— Eintritt nur gegen Vorzeigung des Funktionärauswelses der Arbeiterwohlfahrt, für die Fürsorger und Fürsorgerinnen soweit sie nicht Funktionäre sind, ist der Ausweis das Parteibuch. ttesopdere Einladungen ergeben nicht. SaalOflnong 20 Uhr Gruppe Süden. Leute, 20 Uhr, im Augendhpim Llorckstr. ll. spricht Se» nosse Punte über„Der Wandel des Staatsbegrifes in unteecr Partei". SAZ.-, junge Partei, und Spoxtg-passcn sind herzlich willkommen. Erupp« Südast. Heute, Freitag, im Lugindheim Wrangelstr. 128, Bor. trag:„Die Internationale und Ihre Anfgaven", Referent: Genosse Heydeman». "Gruppe Schänoderg. Heute. Freitag. 20 Uhr, Jugendheim Haupt str. lä. Schivabenlandzlmmer. oussenpolitifcher Diakussionsah-Iid. Gaukoiiserenzi'ahrr Sonnabenb, 17„"Z Uhr Görlitzer Bahnhof bis Tcupitz-Gross-Koris. vrei-»u tt Jugendherberge Aeiderhorft lKlein-Kprip). Nachzügler Sonntag ll.üö llhr. Sonn- tozorltckfahrlarte 2.RI M, Sterbetafel der Groß- Berliner Porte»- Organisation 100. Abt. Friedrichshagen. Am 11. Mai verstarb unser Genosse Hermann Mcislcr. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Freitag. 10. Mai, 17 llhr, im ttrcmatorinm Baumschulcnweg. Rege Beteiligung wird erwartet. U SozlalifijscheArbelterjugendGr.-Verlm Einsendungen für diese s�ubftk nvr»a das �uatnysekretarEat Äerlin SW6L, ZItndensiraKe Z Berttfsgruppeuversammluug. Ungelernte Arbeiter, Heut». W, Uhr, im Aupcndheim Lindcnstr. 4. Tage», erbnung: 1.„Politisierung der Fugend in Beruf und Berufsschule," 2. Bc- rufeangelegenheite». Mitgiiedoduch rarzetgen, » Funltionärversammlung Man log, 10. Mgl. Ill's Uhr. in her Schulaul-, stochstr. 18. Vortrag:„Der jianipf um die Iungarbeiterschofl". „Die Freunde der intcr-ational«»«I-inarb-it" veranstalten aulässlich der Anweienhcit von cjwa Zi> Berggrdeiterdelegierleu aus'Gross-Britannien einen Regriissung.'abcnd am Sonnahend, dem 17. Mai. 20 Uhr. im grossen Saal des Grwerkscha-islians,». Wir empseh!«» unsere» iutrressierten Genossen den Be. such dieser Veranstaltung. Die Anmeldung-» für dr» s«a»bi»«»ischcn Zupendtag miiffrn sokort vor, genommen verdenj heute. Jreitaks.!ö. Mai. IS.'Z Uhr: Gcwerllchaftshaus: Schule K-ülenidrr Str. lÄ sWerkraum). Arbeiterführer: „.stark Aiar; und Friedrich Engel»".-- stöllnischer Park: Keim Waiscnslr. 18. „SAA� und stiZI."— Rasenthaie» Borst adt: Heim Fehdenicker Str. B.„stirdie und Sozialismus."— Hansa: Heim Bochumer Sir. iji>, Organisationasragen, Moabit l! Schule Waldenserstr, M.„Die Feltlagerbewegung."— Moabit ili Heiin Lehrter Slr. Ifk-IO.„Vom Searlftug zum Zeppelin."-i- Rorbcn: Spiesen am der Biese im Humboldthain ab 18 Uhr.— Arnimplatz! Schule Soniienburger Str. 20, Zimmer 17...Seruelle Fragen."—«rnswalber Pla« 1; Heim Raste nburger Sir. m„Freikörperkultur."— Foltplatz Iii Srinilc San. nenburger Str. 20. Elternabend. HelwholtzplOtz! Seim Danziger Slr, 02. s. 2.„Die(zewerktcha tten."— Rlrderfchünbaufenl Leim Freienwalder Str.«. l»-Mi»uten-Refer»!e. OSelss-nice! Seim Parkstr. 80.„Die politische Lage."— Aörthrr Platz l Schule Aastauienallee 82.„Dos neue Rpssland,"- Andreas, platz: Lelm Lrpmmnstr. 1..�ameradkchaktsehc."—«altcnplatz! Lelm Dil. Itter Str. 4...Geschichte der Arbeiteriugond"— Frltbtld'jhoin; Lelm Di eitel. mei)"(tr, 5-6,„Das Äödcl als-stamcrqbin»n der SA. 7."— Stralau" Lirrtel! Helm Gosstecftr. M.„Das Eiftarrungsproblem d'r Arbclterbewlanna." — Warschaiier Liertel! Heim Litauer Str. 18.„Die DZIB."— Warschauer Der Schaiispiklar Rudals Förster liest Gedicht« von Claudius und Mörlk«. Es fehlt jode blthnenmäßige Geste. Kcin l'ctontso Bemühen UNI Berinnerlidinng. Forster spricht kühl, fast nur he- ridziigcnd. er erzählt, er schildert, aber arbeitet dadurch sehr stark den RhythmilS horau» und zeisst b'c absolute, aus dem Vosksmähissen ssewadifene Einfachheit her Gedichte.— Am späten Nachmittag singt der Liebanthalfche Fraiienchoi unter Leitung Liebenthals, Di« Stimmen sind bis zum feinsten Detail auscina'>ld«r abgestimmt und werden rhythmisch sehr behandelt. War allem Überrascht die sorgfältige Pflege des Pianos und der Wohllaut der Stimmen. Auher- dem ist Martha Tamara zu erwähnen. Sie verfügt über»inen schönen, cdlcn und gutgcbildeten Kalaratursapran. der eine spielerische Leichtigkeit zeigt. Abends wird dann aus der Philharmonie das Festkonzert anlöhlich des fünfjährigen Bestehens der R« i ch s r u n d f u n k- G e s e l l! ch a f t auf fast alle deutschen Sen- der übertragen. Der Leiter ist Hermann Scherchen, der sich wieder als Dirigent van ganz grohem Formal erweist. Das Zkanzert wird erösnet mit der Uraufführung van Paul haefsers Festlichem Bar- spiel, einer reizvollen, graziösen Kompositlan. Das Programm ist repräsentativ, ohne mit den gewähnten Paradestücken zu prunken. S. Seh. Vi-rtcl lR.'Fd: Seim Litauer Str. 18.„B-Iksgesundkleit."� Schöneberg I: Heim Hauvlfte.'~......"'"" „Wir und die rak probe zum Recht bes Arbeiters im Betrieb?."— Vsricudorf l nnd II: Aussprache uvee das»Reichsbanner im„Ma-Li" gemeinsam irtii dem Aeichsbanner. Inter- eisierte Genossen sind wlllkominen.— Maricnfcthc.LichteArabe: Der Heim. abend fällt au».— StcaFz tIvnaer«): Heim Flcmniingslr. 14b.„Die Arbeit der Roten Falken."— Britz! Beteiligung am ssilmabend de, Werbebezirk»— Köpenick: Leim Grünauer Str. 15. Lichtbilder:„Mutter Grün".— Falke»' brrg(Sl.'F.): Heim aus dem Gutehos.„Unser Zukunftostaot.— Sourafdjulcn' weg: Beteiligung an der Veranstaltung de, Sharp„yberspree im Real» »Iivinasium. Troffpunkt 10 Uhr om Bahnhof.— Zohanmothal: Rathaus. „SOlI. und Reichsbanneciugend."— Aicderschönweide: Schul» Berliner Strasse ZI. Lichtbilder: ,.?um fröhlichen Iugendmondern".— Tropta«: Kein, Elsenstr. 3.„SAI. und Partei." Naulidorf! Schul« Adoltstr. 28—26. Platt- deutsche Dichtung.— L>chtenb"g-Mitte: Keim Scharnweb-rstr. 20.„Äcid)s. konkcrenzen."—' Reu-Lichtenhorg: Heim Hauksstrasse. lO.Minuten.Rckerate. � Pankow l und II: s-im Görschstr. 14. u-ben.— Pankow 1U tR.'M! Heim Ailsingenstr. 48.„LuaendfchuS pnd Lugenbrecht." H Werbebrzirk Reulijlln: Stadtsaal Bergstr. 147, 20 llhr, Filnrahend: ich„Das erviachende Aegypten" u. et. Musik. Sinlass lSi4 tlhr. Ein- D p tritt 50 Pf. Weriebezirl Lichtenderg: Spielen und Sport auf dem Sportplatz Ror» mannrnstrassc. Beginn 18',« Uhr. TurnNcidmig mitbringen, Vortrags, Vereine und Versammlungen. es 2« Reichsbanner..Schwarz.Rot.Gold". S e k ch ä i l s st c l i-: Derli» S 14. ScbastianNr. Z7-58. Hak Z. Dr. Freitag. 1». Mai. Schöncbcrg.Zricdenau. komeradfchoft Nollondorf und Ratbau». Die für hcntc angesetzt- Aani-rads-haftivors-umllnnz wird ans End« des Monats»erlegt. Nähere Krkanntmadmnz durch die Presse. — Sanaabend. 17. Mai. Tcwprlbsf(ßttenfteln). Beteiligung an der Benchti- anna des grossen klingenbergwertes. Treftpunkl Bahnhof Tcmveihol pünktlich >7 Uhr. Sonntag. IS. Mai. Tiergarten. Pklichtveranstaltung»i Aowawc,. Antreten Moabit IZ Uhr kleiner Tirroaeten. Westen l�k Uhr Bahnhak Grotz. göetchensteasse. Angohörigc lönne» mitgebradit werben. Rachzügler l.,, Uhr Bahnhoi 2!-u,Bab-isbrrg. grenzberg. Abiahrt kL5 Uhr Patsöamer Fernhohnoof mit Fahnen und Tambaurkorps. Fahrt bis Zlenbabelsberg. Rachzitgl" ISaL Uor dto. Ailmereborf tVric-vkrein). 12':, Uhr Bahnhaf Eharlottenburg. Bahnsteig 1>. Fahrt nod' SZeubnltel-bcrg. P-flichtveranstaktiing. W-iss-üfra. Pünktlich.r', Uhr Absah« vom Autonvlatz nach Pttliitz. kameradkchgit 1 um 6 llhr ivpitze. Pa»t«w tSrtvoer-in). öl- Uhr Antreten„Sllrttsdies.z-tt". Breite vtrage Autefahrt noch Pullitz. Pilio tocrgnstaliuug. Reinickendorf(CttsoerciiO.» Uhr Antreten an den Saininelstessen der»amcic.dschakte» zur Auiekahrt na» Putlitz. Artnicken. v...» An.ri..nr..i__.____ r ort... Ol.„ l,. � Okiek nk,»4- fstfh"st�lliTlij VTrlinlta HWW»MWWWWWW»» Schönhal«" Weg.— Feiedrickshain. Die Kameraden, die a» der Aiiloiahrt des Kreises Osten teilnehmen wollen, melden sich bis Montag, 10. Mai. hei ihren ktsmeradschaktsführer».— T-epiem sOrtavercinj. Umzug in Oberschäti-w-ide. Antreten 10'ch Uhr Murllplatz. Pflichlrcranst-ltung. Gruppenführer einladen. Espernnto-Grselllibaft Eha-latienburo. Montag, 10. Mai. 20 Uhr, Konbiiorei Wolter, Eharlotienburg. Vi»m«rckstr. III tknie), Klubzimmer,«airpersatians. abend. Gäste willton»>ien.„.™ Pereinigte Berbände heimattrrner Oberfchlesier E. B., FentvaNeitnna. Am Sonntag, dem 18. Mai, 1« Uhr. kämpft im Postftadio». Lehrter StraW. der sndoltdeu'kchc Fussballmeister Beulhen 10 gegen Hertha BSE. 4n der Poerunde um di- deutichc Fusiballineisteridmft. Fiir unscre Laitbsleute ssiü» im linken Black Arenasitzplätze zu 1.75 M. reserviert. Dahinter deiindeii sich Stehplätze zu l.ZZ M. und 0,80 M. Jtgrien sind in unser" Geschltslsstelle, Berlln SckS. ll. Schöneberoer Slr. II. zu haben. So'artige Bestellung notwendig. Für Ober- fchststtt ist rediticit'oe» und zahlreiches Erscheinen Ehrenpflicht, jtach dem Kamps Trrsspunkt Ziestaurant A.tlantik. am Bahnhof Gesundbrunnen. Relchsvcrband der sreicn Lautbesttzer Dentichlanbz. Versammlung sozialer Housbentz" tRelchsverbanb der Freien Hauodesitzee Dentldllandsi am Montau. dem 20. Mai. 10 de Uhr. im städtischen Rätskeller tBerltner Rathau», König. stcasse, Srondauer Zimmer), Borirag des Herrn.Rechtsanwalts Lr. Ttchauer: „Das künftige kazlale Mleleeckit". �. L.- i'�t Deutick-" Esneeanta-Bund, erste Ortsgruppe Berlin. Freitag. 20 Uhr, Kail- diiarei Dadpin, Lockesch" Markt. Brrcin Sozialistischer Arrzie kOrtsqruppe Gross-Berlin). Mittwoch, Ll. Biai, A'i Uhr, im Easc Iagcnburg. Slülowstr. 1. I IRollrnborsplatz). Sitzung. Tages. rrdnung: 1..Offene Fürsorge sitr Nerven-»nd Geistesiranke". Zieferent: Kc- nosse Dr. Fritz Frankel. 2. Das Treffen des BSA. in Dresden am 1. Juni. Gäste widkomiiicn. Fu den vielen Sehenswürdigkeiten Berlin» gehört der«loa. letzt„im neuen Gewände". Es lassen sid> dort sehr ohwechklungäreiche Stunde» verlehen, und dg» deim E-nuss einer Locscr öe Wolff-Ziaarre. die man neuerdings om Loeser ch WohfMiosk im Ncstaurationsgarten des Foa zu Originalprcisen erhält. Da» komhuius Paul Held Rachk.. Brunnen- und I»»ali»rnstrasse»-Ecke, rr, öfinet Montag, 10. Mgl. selnen Neu- und Erweiterungsbau. sSiehe Inserat und Besprechung in der Sonntggsnummrr.) f). kl. F.— viel gelobt und Sritlich empfohlen bei: Rheumotiamus, lochia*, gichtischen | Afvektionen, Hexenschuß, Migräne, KrcuuchmcrsBR.Neuraiglen aller Art | sowie als kräftigendes u. wohltuendes [ Massagamittel vor und nach körper- I liehen Anstrengungen für Muskeln, , Sehnen und Gelenke. InTuben ru 80 Pf.u. 1.50 RM erbähl. in allen Apotheken o, Drogerien. 1 fa'htcn Sie||»ef brlm£lnk,s«fen Nsmeo �Khau�i»» I hpMil** und»uf die orappenfürbep« pPt�unj uijt dem grtinmi | UailHe. Pfobrtube auf U upmJi keateniot»Iure*« J nhrMino-�ffneit-u.Senyngfn'Fabrik» Herlin SW48 OPEL-MOTOCLUB das zuverlässigste Motorrad zu neuen, niedrigeren Preisen! Jeder Fachmann wird Ihnen sogen, daß Opel-Motoclub die einfachste, unbedingt zuverlässige Ventilsteuerung hat, und daß sich diese Maschine überhaupt in allen Teilen durch bewährte Konstruktion auszeichnet. NEUE, NIEDRIGERE PREISE> BEQUEME ZAHLUNGSBEDINGUNGEN. In den niedrigeren Preisen ist die vollständige elelttrisdie Ausrüstung enthalten! 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Regen Zuspruch fanden die frühen Schenken, es ging darin hoch her. Rücksichtslos dlirchstööerten die Hummeln, bäuerische Wirts- hausgäft«, die Schagkammem der Samtblüten. Wespen lärmten herbei, Bienen schössen heran. Auch gelbe Falter flockten durch das Maß. und Gittermerk de? Zweige. Alle strebten zur Labe. Schwirr- rnuslk machte» dazu die Fliegenflügel. Auf einem frischen Blütenqutrl saß ein Zitronenfalter. Er hatte di« Flügel zusammengeklappt: von hier ging er nicht so bald fort. Mit guten Gewürzen war der Nektar durchmischt. Der Falter ziesteltc seinen langen Rüssel In die Ncktarien der Blüte, das Pollen- Mehl stäubte ab. Durch den gebogenen Saugheber stieg der feine Honigftrohl. Großartig schmeckt« es dem Gelben. Dunkel summte die Weide, e? war«in Lied von verworrenem Jnsektenklong. DI» gemusterten Hinterleiber der gierigen Fliegen blitzt«,,, die Flügel der Wespen klirrten an nnünev, seßhaften Falter vorbei. Di« mach- t«n klirren, ihn störte das wilde Wölk nicht. Er tat seinen«rsten Trunk im neuen Faltersahr, es war ein Zitronenfalterzug voll Bedacht, dazu mußte man sich Zeit gönnen Auch ein zartes Weibchen verkostete den Honig. Ihr tvsißlich- gelbes SU«!d schimmerte und zeigte nicht den kleinsten Winterschaden. Sic war gut durchgekommen in ihre neu« Zeit. Ob d«r gelbe Falter sie wittert«? Der alt« Weidenbusch, das nahrhafte Haus zu? Honigmutter. strahlt» und prunkte. Selb«? ein Schlemmer, tauchte er seinen Wipfel in den Sonnenschein, windunruhig fischte er mit dem Zweig- netz im Licht. Gold und Silber Überflossen ihn. Seiden blinkten di« Puderquasten. Wie gehämmert schimmerten die noch geschlos- senen Blütenzapfen der unteren Stockwerke. Zw Holz sotten Früh- lingsströme. Mit starkem Leben lockte der Busch die Seiden-, Glas- und Florflügler weither. Da löste sich das Weibchen von der Knospenquaste. Elegant flatterte es durch di« grüne und silberne Konditorei, suchte naschhaft darin herum, schwebte hinaus und umstrich den Busch. Aber der gelbe, verwunschene Zitronenfalter sah es nicht. Er war kurzsichtig u»i> starrte nur auf seine Knospe. All seine Schmctterlingsstnn« galten dem guten Tropfen. Elesantenhait hott« er den Rüssel In den Saftbrunnen gesteckt. Sein« Fühler nähme,, nichts andere? als Blütenhauch wahr. Ich«erd« ihn ausstören! Ein Dlütenzapfen, den ick) gegen die Knospcvspindel schnellte, woran der Träumer sag, verursachte«ine starke Erschütterung. Er- schrock-n floppte auch sogkich der Faller auf und ging vor Wind. Die Brise nahm ihn mit und spült« ihn rund um den Busch. Dabei geriet der Schisfer in den weiblichen Dust. Ilm durchdrang das be- lebende Wunderarom, das Liebosclixier. Aufgeregt zappelnd, warf er sich herum, stieß gegen den Wind, zickzackte steuernd und fuhr aus die zarte Spur. Ii, seine Fühler schössen die Gernchzlinien, w!« Pcitschenschnüre spannten sich die Rcizwcllen. Die seinen Sinnes- kegfcl der Fühlerleulen vibrierten und schlugen immer heftiger,, je näher der Folter der Bersolgtcn kam. Er holte sie»In, warf sich mit einem wilden«chwung fast auf das verblüffte Weidchen, das behend einer so scharfen Werbung zu entgehen trachtet«. Seine Fühler berührten ihre Fühler, ein« elektrische Sendung von unbe- greiflicher Stärke und Dersührungsmacht: nie wird man erfahren, was der gelb« Postillon der Erkorenen telegraphierte.... Sie hasten einander einen Augenblick berührt, nun kniff sie aus. Aber er. ein Meisterfllcger, gut bei Kräften, folgte ihr gewandt mit Hin und Her, Auf und ob, rempcllts sie dreist an, sie flitzten geschmeidigen Flugs. Er ließ nicht au». Geschickt hielt er bei. Wie ein« Schwalbe segelte er. Seine Bewegungen hatten sich in ihre Bewegungen. Mutwillig jagt« er sie. Steil sausten sie empor. Nicht ungünstig seine Aussichten. Ihr Drang, ihm zu entfliehen, schien nicht mehr so nachhollig, wie nach vor einem Augenblick. Der Verfolger mußt« sie mit seinem Fühlerwort gelähmt haben. Das saß sest und niacht« sie gefügig. Gleich einer hilflosen, verschüchterten Blütenflock« slat- terte st« von der Erde zum Himmel zu. Aber oben konnte sie nicht bleiben. Erdenschwere und Gattungstriebe holten sie sanft her- unt«r: ihr hochzeitlicher Wirbelflug hob an. innig zitternder Braut- tanz. Entzückendes Menuett: zärtlichste Flügel, keuschste Leib«r ,.. Falterkiebe. Sic schwebten herab, einer vom anderen liebend gebannt: so sollen zu Keicher Zeit zwei gelb« Rosenblätter vom Stack, zu gleicher Zeit miteinander im Rasen landend. Eine Falterstrophe flatte:t« mir im Sinn: Wenn sie sich«inander nähern, tanzen sie. Einen sie sich aber, dann sind st« ganz ruhig, Die Schmetterlinge.,. So geschah es, sie«inten sich. Bodennah faßten sie aus einem 5)eidelbeertri«b Fuß: sie oben, er unter ihr. Zu einem reinen Orna- ment erstarrt« an dem grünen Szepter ihr vollkommenes Bild. Mit zusamomngeklappten Flügel,, und verbuudencn Leibern hingen sie still ein regungsloser gelbweißer Doppclfalter. Die Schmetter- lingsehe, von mir gestiftet, war geschlossen. Moii Jibiev: lloUmidimg bei Jßaon Durch den frischen Morgen bringt uns das große Auto aus dem Zentrum von Parts nach dem Flugplatz Le Bourgct hinaus. Eine bunt« infernotioualc Gesellschaft hat sich in dem Wagen zusammen. gesulchcn, all« mSgklchen Sprachen schwirren durcheinander. Nur zwei Domen beteiligen sich nicht an der Unterhaltung, vielleicht heinmt sie«>, uervöe-banges Denlen an die bevorstehende Lnftreise. Auf dem Flugplatz werden uns zunächst die Pässe abgenommen und von«mein Kriminalbeamten geprüft. Er drückt den Ausreise- stempel hinein, womit die amtliche Kontrolle erledigt ist. Dann ruft ein uniformierter Platzangestcllter di« Abfahrt der einzelnen Flugmaschinen aus. „Nach London— zweiter Apparat rechts!� „Nach Berlin— erster Apparat rechts!" „Nach Marseille— letzter Apparat links!" Die Reisenden teilen sich in Gruppen, je nach dem Reiseziel. Für den Flug noch Berlin ist außer mir nur noch eine Dame da. Wir kommen sehr rasch ins Gespräch, und ich weiß innerhalb weniger Minuten, daß sie die Gattin«ine» Münchener Gasthof» hesstzers ist. die ein« Woche in Paris sich vergnügt l)ol und nun bi» Köln fliegen will. Von dort will sie«>>t der Bahn nach München zuiwcklehttm. Es ist ihr« erste Flugreise, aber ihr Mann würde sich niemals in«in Flugzeug setzen. Der hält nichts von der Fliegerei. Da» alles plappert st« in«cht bayerischem Dialekt. Und dann sitzen wir in dem Farman-Doppeldecker. Ich habe mir den Platz an der Tür gewählt— den nehm« ich mir immer bei meinen F'-ugreisen und der bayerische Sprudel lehnt be- haglich in dem Sessel zu meiner Linken. Der Pilot konmit, ein« Zigarette rauchend, langsamen Schrittes auf die Lust lutsch« zu. Plötzlich sogt mein« Reisegefährtin:„Eine Haichdeutcrin hat Mir prophezeit, ich komme durch«Inen Unglücksfall ums Leben." „Sie sind ja ein« angenehme Fluggefährtin." entgegne ich ihr. „Aber für alle Fälle: Sie find durch Ihren Lustsahrschein mit fünf- vndgwanzigtausend Mark in de? Lebensversicherung." „Die kriegt dann mein Mann, der Saushahn." grollt sie. Der Pilot klettert in seinen Sitz. Der glugdienstkeiter wünscht BN» glückliche Fahrt und schließt die Kabinentür. Der Propeller wird angeworfen. Ein Zischen, ein Sausen. Da beginnt der Motor zu laufen. Ein Zittern tobt durch das Flugzeug, das immer stärker, rasender wird, j« mehr Touren der Propeller macht. Es ist. als wollte der Apparat in ungeheurer Wucht daoonstürmen, ober wie von unsichtbaren Riesensäusten gebändigt, ächzt und heult er auf der festen Erde. Gestalten springen zur Seit«. Nun schießt der metallen« Vogel über das Flugfeld. Weit, weit ist der Alllauf. Immer schneller, gewaltiger wird da» Lorwörtsstürmen. Und dann —— schweben wir frei in der Luft. Eine groß« Schleife beschreibt der Pilot, über Bäume hinweg, und schon sehen wir den Flugplag mit seinen Gebäuden, Hallen, Anlagen winzig klein unter uns liegen. Wie Spielzeug aus einem Steinbaukasten sehen die Häuser aus. Und die viel«,, Flugzeuge im'Hajen scheinen wirklick)« Vögel zu sein, mit silbernen Korpern und leuchtend weißen Schwingen. Uns«? Doppeldecker gewinnt ein« groß« Geschwindigkeit, denn wir haben den Wind im Rücken. Ii, 400 Meter Höh« ziehen wir dahin. Immer neue Bilder bieten sich dem Aug«. Dörfer. Felder, Seen tauchen auf und verschwinden wieder. Nur der Himmel dehnt sich in« Unendliche in gefälligem Blau, warm locht d'« Sonne durch di« Kabinenfcnster. Da reckt sich vor un? ein Bergkegel mit ein« Stadt: Laon. Und wieder steigt die Erinnerung aus dem Weltkrieg auf. Laon... Do ich«w Pferd in einer zerschossenen Straß, liegen sah. Dem hingen von einem Sranattrefser die Gedärm« au, dem Leih. Da- Pferd wälzte sich in Schmerzen auf dem Rücken, schlug Eckend mit den Beinen in di« Luit und schrie, schrie, schrie So qualvoll klang das, so unheimlich, gravsend, unsagbar aufwühlend, daß ich die Nerven verlor. Anstatt den zersetzten Leib durch ein« Kugel der Gnade von seinen Schmerzen zu erlösen, rannte ich davon. Aber ßa» Schreien de» Pferde» trug ich noch tagelang in meinen Ohren. _ iva» Nr«eug— Da geht«In Ruck durch meinen Körper. Ein Aufhorchen. Wo» ist das? Das gleichmäßige Hämmern des Motors ist unterbrochen. Ein Fauchen,«in dumpier Knall. Drei, vier Sekunden lang wieder das Dröhnen de» Motor», wuchtig, exakt, brüllend. Und abermals«In Knall. Es ist. als setz« der Wem des Flugzeuges aus. um dann mit gewaltiger Kraftanftrengung neue Luft aus dem Körper zu stoßen. Die bisherige Melodie des Motors: ratata— ratata— ratata klingt jetzt unheimlich'infolge der unmelodischen Töne: rata psss— rum— ratata— pfff— rum— rapfsrumm— Es blitzt durch mein Hirn: Motordesektl Was ist zu tun? Sekunden des Uabcrlegens Die Passagierkabine ist vollkommen abgeschlossen vom Piloten- sitz. Nicht einmal ein kleines Verbindungoscnster ist vorhanden. Ein dumpfer Schlag geht durch den Motor, wie von einer Explosion, wie wenn der Motor auseinandergerlssen werden sollte. Ich habe das Gefühl, als vermindere sich die Fluggeschwindigkeit. Ein Blick auf den Höhenmesser in der Kabine: knapp dreihundert Meter: Deschwindigkettsmcsscr nicht da. Wir sind vollkommen van der Umsicht und der Entschlossenheit des Piloten abhängig. Nicht», nichts', nichts können wir tun. Ohn. mächtig gegen alles, was kommt. Die Münchnerin schreit aus:.Besses Maria! Der Motor ist nicht in Ordnung! Es gibt's a Unglück!" Ick) stelle mich an die Tür. Der Griff gibt meinem Druck nach. Gott'eidonk, ich kann wenigsten», wenn es fein muß, die Tür öffnen und abspringen. Ick) wundere mich selbst über meine eiskalte Ruh« In diesem Augenblick. Der Motor bockt heftiger, und die Gewalt des Auseinander- relßens wird immer unheimlicher. Wenn jetzt der Pilot versucht, durch Experimente den Motor wieder in Gang zu bringen, sind wir verloren. Abstellen müßte er ihn und im Gleitflug irgendwo landen. Links von uns eine Chaussee, dahinter in kurzen Abständen Bauernhäuser und kleine durch Hftkc,, und Draht abgeteilte Felder. Ungeeignet für eine Landung. Aber rechts ziemlich weite Felder und ein großer Kartosselacker. Da könnte man zur Not eine Not- iandung vornehmen. Nein, da muß er landen! Und jetzt hört der Motor auf zu arbeiten. Und der Apparat macht eine halsbrecherisch« Kurv«, daß die Tragslöchen fast senkrecht übereinander zu stehen kommen. Ich hätte den Piloten küssen können in diesem Augenblick. Cr hat das einzig richtige getan: Runter»nd landen. Unser Apparat beschreibt einige ganz kleine Kreis«. Ich sehe Achmer und Frauen aus den Feldern zusammenlaufen. Aber jetzt— Jetzt s tonnt Benzin in unsere Kabine! Der scharfe, dicke Geruch legt sich schwer in die Nase. Unser Gepäck ist bereits ganz fettig. Und mm erreicht die gefährliche Flüssigkeit unsere Füße. Wen» jetzt beim Auffetzen des Apparates auf die Erde ein« Explosion des Motors, erfolgt— wenn mir ein Flinkchen nach hinten schlägt. müssen wir bei lebendigem Leib« perbrennen. Da brumst der Apparat heftig aus die Erde, macht einen Satz wieder in die Luft. Stößt dann abermals auf. Schon habe ich die Tür ausgerissen— der Apparat rollt--- ich sprmg-— taumele—~- «ii, paar Schritte—— Backe, mein Stift-ahn! Ich hab's geschafft und stehe pustend aus dem Kartoffelacker. D«r Doppeldecker hopst rollend weiter, macht eine scharf» Wendung nach rechts und hält dann nach einigen Metern mit einem gewaltsamen Ruck. Der Pilot springt in einem großen Satz au» seinem Sitz auf di« Erde. In der Kabinentür steht hie Münchnerm und winkt mir freudig lächelnd zu. Ich eile herbei und helfe ihr beim Aussteigen. .Mein Mann hat schon recht," sagt sie,„die ganze Flieger«! ist belömmert." Aber zwei Stunden später saß sie wieder neben mir im neuen Flugzaug, da» aus Anruf de» Piloten«tut Pari» gekommen war und uns«ach Köln brachte x,, Itarum Flugunfälle gefchehen Immer wieder ereignen sich Flugunfälle, die Op'er an Menschen« leben fordern und großen Sachschaden anrichten. Nicht aber ist es chn« weiteres klar, wieso es bei anscheinend günstigen, Wetter zu diescn Unfällen komme;, konnte. Die Fälle, in denen schlechtes Wetter, besonders Nebel, die Ursache war, geben keine Rätsel auf, häufig aber hat sich gezeigt, daß ganz unscheinbare Umstände pst katastrophale Folgen hatten. Di« Unfälle sin» ein teurer Preis, der für die Weiterentwicklung des Flugwesens gezahlt weiden muß: es ist deshalb wichtig, ihr« Ursachen jedesmal einwandfrei jestzu- stellen, um daraus für die Zukunft zu lernen. Ein hervorragender Sachkenner, Diplomingenieur U d i n g, der kürzlich im Flugver- bandslM-us ja Berlin über dieses Thema sprach, hat sich auf'diesem Gebiete betätigt: er pflegt den itrsachen solcher Unfälle nachzugehen und auf privatem Wege Material darüber zu erlangen. Bei de? Konstruktion von Flugzeugen, für die es noch nicht so viele durchgearbeitete Regeln und Gesetze gibt wie auf anderen Gebieten des Maschinenbaues, muh das technische Gefühl des Erbauers die Erfahrung ersetzen. Hier kämpft die„Schläue" gegen die Tücke de? Objekts. Im Absang des Flugzeugbaues fehlten eben noch oft die Erkenntnisse über die zweckmäßige Anwendungssorm technischer Gesetze, obwohl hier an Mensch und Material besonders hohe An- sorderungen gestellt werden. Por drei bis vier Iahren nahm twn noch keine Rücksicht auf dynamische Beanspruchung, das heißt, die Belastung durch plötzlich stoßweise auftretende Kräfte, oder auf die Notwendigkeit, einzeln« Bestandteile gegen Steinschlag hiebfest aus- zilstatten. Man l>atte früher auch fast keine rechnerischen Unter- lagen für die Konstruktion. Während die Berechnungen eines neuen Apparates jetzt bis zu 1000 Seiten füllen, begnügte man sich an- fänglich mit einer Ausarbeitung Im Umjang von 40 bis 00 Helten. Anfänglich machten die Erbaue? auch grobe, primitive Denksehler, die jetzt kaum mehr vorkommen: auch hat sich das Gefühl der Kon- struktcure verfeinert. Viele Dinge sind bei», Flugzeugbau noch un- genügend erforscht. Diese Untersuchungen sind deshalb so»lästig, weil da? unvorhergesehene Versagen eines Bauteils manchmal mit einer glatten Notlandung, manchmal aber mit völliger Vernichtung des Flugzeuges enden kann. Und dazu dient eben die genau« Erforschung der Unfallgeschichte. Von wie geringfügigen Umständen oft die Sicherheit des Fluges abhängt, beweist das Beispiel eines Unfalles, bei dem die Stange, die den Führersitz mit dem Steuer verband, sich in zwei Teile ge- trennt hotte, weil sich ein kleiner Splint, der«inen Bolzen an seinen, Platz« srsthielt, loegelöst hatte. In einem anderen Fall löste sich kurz nach dem Start ein Vertleidungsblech und klemmte sich zwischen Seiten- und Höhenruder fest, ja daß beide in der Bewegung ge- hemmt waren. Glücklicherweise gelang in diesem Fall noch die La»- dung. In einem anderen Fall Imtte ein« Firma die Aufgabe über- nonnncn, einem bereit» vorhandenen Modell ein neues Flugzeug nachzubauen: bei der zweiten Konstruktion änderte sie die Größe des einen Steuers, ohne das Material zu verstärken. Dadurch wurde di« Sicherheit des Bestandteiles auf acht bis neun Prozent herab- gesetzt, so daß er auch beim Flug zusammenklappte. All« diese Untersuchungen, zu deren Durchführung Im Ausland eigene Zentralstellen errichtet worden sind, haben bereits zu wert- vollen Erkenntnissen geführt, so daß für den Passagierslug jetzt nur einwandfrei konstruierte, behördlich genau untersuchte Flugzeuge Verwendung finden. ffiennfierfleifcb gefällig? Noch langer Wanderung ziehen jetzt 3000 Remitiere in den Norden Kanadas ein, um hier den Kern für eine»eue Industrie' zu InIben. Die Renntierzucht ist in Alaska mit Unterstützung d«r Der- einigten Staaten seit 1002 sehr gefördert worden und aus den ILöS Tieren, die ursprünglich aus Sibirien eingeführt wurde», sind jetzt Herden von mehr als einer Million geworden, die bereits alljährlich mehr als 10000 Stück für den ainelikanischen Speisezettel ljeskr». In New Tork und Ehikago ist Renntierbraten eine ganz alltägliche Delikatesse, die man nicht nur im Restaurant, sondern auch beim Fleischer erhält. Auch in Europa ist dieses wohlschmeckend« Fleisch bereits eingedrungen und wird in Paris von Feinschmecken, sehr gesckstitzt. Wenn aber jetzt auch noch in Kanada di« Renntierzucht im großen betrieben wird, dann dürste zum erstenmal in der Geschichte neben den vielen neuen Früchten und Gemüsen auch eine neue Fleischsorte bei uns«iugeführt werden, und die Frag«:„Remttier- fleisch gefällig?" lstjufig zu hären sein. Frühere Versuche, das Renn- ti-r in Basfinsland heimisch zu machen, scheiterten, weil die Lappen, die man mit den Herden mitschickte, nichts von der Pflege ver- standen, denn sie waren Fischer. Di« Herden zerstreuten sich daher und mischten sich mit den wilden Renntieren. Run aber sind 3000 Renntiere, von sachverständigen Hirten begleitet, aus Alaska„ach Nordkanada gekommen, wo sie die günstigsten Lebensbedingungen finden, und es Ist daher zu erwarten, daß bald gewaltige Herden von Renntieren hier gezüchtet werden, 3>as Parthenon ans Stahl und IBeion Die Amerikaner, die so stolz auf ihre Errungenschaften sind, müssen in der Kunst die Uederlegenheit der Alten Welt freilich oncr- kennen: sie suchen daher möglichst viele Schätze zu sich herüber- zulirlng«», und wenn sie nicht die Originale habcit.können, be- gnügen sie sich mit Nachbildungen. Das ist besonders bei Bau- werten der Fall. Zwar ist es schon vorgekonnnen, daß Bantee» prächtig« Architekturwerke an Ort und Stelle ausgekauft, Stein für Stein abgetragen, sorgfältig alle Teile muneriert, verpackt und dann Übers Meer verfrachtet haben, Mn sie bei sich zu Hause ganz so wieder aufzubauen. Dos läßt sich ober bei Teufeln und Domen nicht durchführen. Deshalb sind di« Bewohner der Stadt Nashville Im Staate Tennessee jetzt ihren Landslenten mit eine,,, großartigen Beispiel vorangegangen: sie haben das Parthenon, den Wuicherbau aus der Akropolis in Llthen, sunkelnazelneu ans Stahl und Beton ausgebaut, und ihr Tempel hat sogar vor der altgriechischeu Architektur noch den Vorzug, daß er nicht zerstört und unvollständig ist. Der Gedanke dieser Nachahmung geht ivett zurück. Im Jahre 1897 fand in Nashville eine Ausstellung statt, bei der man ein Gebäude im Stil de» Parthenon aus Holz»nd Gips ausführte. Doch dieser Bau, der graste Bewunderung ecroeckte, verfiel allmählich, und die Ruine, die jn dem Park stand, genügte den Bedürfnissen der iunst, verständigen Bürger nicht mchr. Man beschloß daher sin Jahre 1920. das Parthenon neu aufzubauen und diesmal als eine ganz genau« Nachahmung de» alten Tempel» unter Benutzung der neuesten wissenschaftlichen Forschungen und in einem dauerhaften Material. So ist nach neunjähriger Arbeit dieses Parthenon aus Stadl und Beton entstanden: die sehlenden Säulen und Bildwerk« an den Friesen wurden ergänzt, ebenso das Dach und sogar des June,« des Bauwerks, dessen Schmuck bis auf winzige Spuren ver- schwunden ist. wurde„sinngemäß" ausgeziert. Jetzt fehlen nur noch di» großen Bronzetüren, von denen jede 10 Tannen wiegt, un» da» Parthenon von Nckshville zu vervollständigen. DRIHA MÖBEL Preise, Qualität, Auswahl, Bedienung j sind nirgends gQnstlgerl Küche„Grete*1 welB, geschmackv. Wirtsch.-KQcheRM. ISS.. Audi Zahlungs-Erleiditening nach Ihren Wünschen. DRIHA Möbel-Spezial-Eimichtungshäuser Elsasser Sir. 37 1 Brnnnenstr. 33 a. Oranlenbg. Tor| Nahe Invalld.-Str. Senden Sie mir Ihren reichillustrierten Katalog E kostenlos. Name- Adresse. Straße— Freitag, 16. 5. Staats-Oper Unter d. Linden 12II)ir: Sinfonie- Mittagskonzsrt 20 Uhr 6. Sinfonie-Konzert. Ende 22 Uhr In Platt dar Repablik Vorst 83 20 Uhr Die verkaufte Braut Ende n.ZZVjführ Freitag, 16.5. 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