Morgenausgab« Nr. 228 A115 47. Jahrgang WSchoM ch SS Pf» m on aSZch S�SS M. tm vorau» zahlbar. Postbezug 4�2 V. einschließlich SO Pfg.Postzeitu»g». und 72 Pfg. Poftbestellgebühren. Auslands» abmmemem S�— M. pro Monat. vee»SorwSrts�«rschetm wochentSg» lich zweimal, Sonntags und Montaa» einmal, die Abendausgaben für Derlm und im Handel mit dem Titel.Der Abend-. Illustrierte Beilagen.Volk und Zeit- und.Äinderfreund-. Ferner .Unterhaltung und Wissen-.Frauen» stimme-..Technik-.Blick tu die Bücherwekt- und.Iugend-Borwärts- IpMG- m Neeliner VolkSvlatt Sonnabend 17. Mai 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Die ctntpalttgc Nonpareillezeil« SO Pfennig. Rellame'eile 5— Reich»- mark.„Meine Anzeigen' da» ettge- druckte©ort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), ledes weitere Won 12 Pfennig. Stellengejuche das ente Won 15 Pfennig, jedes weitere Wor»� 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Warte. Ardeitsmaiti Zeile KO Pfennig. Familienanzeigen Ze.le 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- «efchäst Lindenstraße S. wochentäglich von S»/, bis 17 Uhr. Jientrawesan der Sosiakdemoteatttche« Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönhos» L92— 297 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin S7S3S.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestellten und Beamten. Wallstr. SS, Dt, v,», Ditc-Gel,. Deposttenkass« Lindenltr S. Der Europäische Bund. Einzelheiten aus Vriands Genfer Memorandum. London, 16. Mai.(Eigenbericht.) Ter Sonderberichterstatter des..Daily Herald" in Genf ist in der Lage, seinem Blatt einen authentischen Ueberblick über das Briandsche Memorandum für eine europäische Föderation zu gebe«. Briand hat, wie der„Daily Herald" feststellt, nicht ein- mal de» in Genf anläßlich der Völkerbundsversammlung anwesenden Slußenmiuistern den volle» Text mitge» teilt und die französische Delegation hatte kein Exemplar »ach Genf mitgebracht. TaS Memorandum zerfällt in eine Präambel, vier Kapitel und ein Schluß» wort. ES ist nicht, wie ZeitungSmeldungen wissen wollten, ein bloßer Fragebogen, sondern eS entwickelt den Gedanken der europäischen Föderation nach allen Rich- tungcn hin und bittet jede Regierung um eine MeinungS» Äußerung. Im Vorwort entwickelt Briond die Notwendigkeit für Europa, eine Föderation zu bilden. Das erste Kapitel regt an, daß zunächst«in Vorvertrag abgeschlossen werden soll, in dem sich die verschiedenen Staaten verpflichten, jede mögliche Anstrengung zur Verwirklichung einer europäischen Föderation zu machen. In den übrigen Kapiteln werden die Methoden ge> prüft, die zur Verwirklichung des Gedankens angewendet werden sollen. Ferner gibt Brirnd Einzelheiten über die Art, in der die europäische Liga Innerhalb de» Völkerbundes funktionieren soll. Briand betont mehr als einmal, daß der Plan keineswegs gegen den Völkerbund gerichtet fei. noch den Völkerbund zu ersetzen sucht, es sei überdies gegen kein« einzelne Macht oder Mächtegruppe außerhalb Europas oder außerhalb des Völkerbundes gerichtet. Briand besteht darauf, daß ein« solche Föderation die Souveränität der einzelnen Staaten nicht aufheben werde. Es soll keineswegs eio Staatenbund im Sinne der vereinigten Staaten gebildet werden. Der Grundgedanke für den Aufbau einer europäischen Föderation ist folgender: Die europäischen Staaten bllden eine europäische Versammlung. die offenbar nach dem Muster der Völkerbundsverscrmmlimg konstruiert werden soll. Außerdem ist ein e u r o p ä i s che r Rat und ein st ä n d i g e s Sekretariat der Föderation vorgesehen, welches ihr« Zentral« in Genf haben würden. Die europäische Versammlung würde alljährlich«inen Präsidenten wählen. Briand hofft, daß die Organisation bereits im Laufe des nächsten Jahres ihre Tätigkeit aufnehmen kann. Im Schluß- wort weist Briand in seinem Memorandum mit überzeugender Wärm« darauf hin. daß die europäische Föderation den Wünschen der europäischen Völker entsprechen und daß es dabei staatsmännische Weisheit darstelle, dieses Verlangen der Völker in«ine feste or- ganifiert« Form zu bringen. Das Memorandum wird am Sonntay, 6 Uhr nachmittags in Paris der Qeffeutlichkeit übergeben werden, und es verlautet, daß zur gleichen Stunde die französische« Botschafter ia Moskau» Washington und A n g o r a und in jene« anderen Ländern, die nicht de« Völkerbund angehören, den betreffenden Regie- rungen einen kurze« Ueberblick über den Inhalt des Memorandums geben werden. Di« Botschafter werden bei dieser Gelegenheit nachdrücklichst darauf hinweisen. daß dieser politisch« Schritt keinerlei feindselige Wendung gegen eine europäische Macht darstelle. Verschärfung in Indien. Allgemeiner Boykott und Gteuerstreik verkündei. London, 16. Mal. Die Nachrichten aus Indien lauten am Freitag wieder außer- ordentlich ernst. Schwere Ausschreitungen haben sich in der Stadt vlymemslng(Bengalen) ereignet, wo die Menge die Ablieferung von Likör auf einem von Truppen begleiteten wagen zu verhindern suchte. Die Menge durchbrach die po- lizeiliche Absperrung, zertrümmerte einige der Fässer und sehte den Wagen in Brand. Noch wiederholten Mahnungen an die Menge, auseinanderzugehen, wurde der Beseht zum Feuern erteilt. Auf seilen der Polizei gab es 32, auf seilen der Menge 53 verletzte. Der indische Kongreßausschuß in Allahabad hat die B o y k o t- t i e r u n g aller britischen Waren, den vollständigen Steuer streik, die Mißachtung der Forstgesetz« und die Verschärfung des Kampfes gegen das Salzmonopo l be- schlössen. Das Kriegsgericht in Scholapur hat am Freitag eine Reihe schwerer Strafen oerhängt. So erhielt der Präsident des Kongreß- ousfchusies sieben Jahre und der Sekretär des Kricgsrates zehn Jahr« schweren K«rkers zuerteilt. Frau Naidu verhastet und wieder freigelassen. [ New Delhi, 16. Mai.(Eigenbericht.) Die Polizeibehörden haben dem Stellungskrieg zwischen Frau Naidu bzw. ihren Anhängern und der Po- t i z e> nach ZLstündiger beiderseitiger Unlätigkeit ein Ende bereitet. Frau Naidu und 166 ihrer Anhänger wurden ver- hastet und nach dem Feldlager der Anhänger Gandhis in Dhar- sane zurückgebracht. Dort wurden siewiederauffreienFuß gesetzt. Vor der Verhaftung hatte die Polizei Frau Naidu und ihren Anhängern jede Zufuhr an Nahrungsmitteln und Wasser ab- geschnitten. Die Nachricht von dem Stellungskrieg zwischen Frau Naidu und der Polizei hat Tousende von Anhängern Gandhis in allen Teilen der Promnz Bombay veranlaßt, nach Dharsana.zu wandern, um die gescheiterte Besitzergreisung des staatlichen Salzdepots vorzunehmen. Die Polizei, die sämtliche Zugangs- straßen nach Dharsana abgeschnitten hatte, hinderte die Anhänger Gandhis an der Erreichung ihres Zieles. Frau Tfchattopad- h y a y a, dw beabsichtigt hatte, mährend des kommenden Wochenendes von dem staatlichen Satzdepot in Wadana Besitz zu ergreifen, ist verhaftet und in Bombay zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. SO 000 Menschen an Troelstras Grab. Beteiligung der Internationale. Haag, 16. Mai.(Eigenbericht.) Am Freitag wurde der longjährig« Führer der niederländischen Sozialdemokratie, Troelstra, im Haag zur letzten Ruhe gebettet. Zahlreiche Sonderzllg« aus ollen Teilen des Landes führten Tausende von Anhängern Troelstras nach dem Haag. Aus Amsterdam waren in drei überfüllten Extrazügen 5000 Teilnehmer erschienen. Auch aus F r i e s l a n d, der Heimat Troelstras, und aus Groningen waren mehrere tausend Mitglieder der Sozial- demokratie herbeigeeilt, um dem Toten die letzte Ehr« zu erweisen. Aus den benachbarten Städten brachten Tauseirde von Autobussen groß- Menschenmassen in die Stadt. Im Auftrag der Internationale war Vandervelde erschienen, für die belgischen Sozialisten war Huysman und für die deutsche Sozialdemokratie Otto Wels anwesend. Auf dem Friedhof defilierten etwa 56 666 Menschen an dem Sarge des verstorbenen Führers. Auch zahlreiche b ü r g e r- l i ch e Politiker erwiesen dem toten Gegner die letzte Ehr«. In einer zweiten Gedächtnisfeier gedachte A l b a r d a im Namen der sozialistischen Kammerfraktion, in Gegenwart der Frau, der Kinder und Enkelkinder des Verstorbenen, des toten Führers, als eines Priesters der Menschheit, der sich selbst geopfert habe. V a n d e r- velde widmete dem Toten Abschiedsworte im Namen der Sozia- listischen Arbeiterinternationale. Otto Wels ehrte in packenden Worten den Mann, der wie ein Fürst zu Grabe getragen werde, als«inen Verkünder der Menschenlieb« und der Rein- heit im Handeln und im Wollen, der die sozialistische Welt wieder zu- sammengesührt und sich den besonderen Dank der deutschen Sozialdemokratie erworben habe. Am Freitag abend fanden in Holland überoll lokal« Trauerkundgebungen für Troelstra statt. Oer Demokrat bei Mussolini. Märchen und Wirklichkeit. Von unserem Italienischen Korrespondenten. Cocorno, 14 Mai.(Eigenbericht.) Wie man an den trefflichsten Menschen und den besten Institutionen Fehler entdecken kann, so läßt sich natürlich auch an schädlichen Persönlichkeiten und verfehlten Einrich- jungen Gutes und Brauchbares finden. Man darf sich also nicht darüber wundern, wenn von Zeit zu Zeit ein Tages- schriftsteller oder ein schreibfreudiger Tourist angenehme E�i n d r ü ck e aus Italien berichtet. Im großen und ganzen gönnt man Mussolini seine Lobredner, von den rein ästhetisch durch die Aufmachung Beeindruckten, deren Liste mit Bernard Shaw anfängt, bis herab zu denen, deren Eindruckfläche ganz woanders sitzt. Daß wir aber einen Vorkämpfer der Demokratie wie Theodor Wolff von der Tribüne des„Berliner Tageblatts" Wohlwollen und Sympathie für Mussolini äußern hören, fordert Beachtung und Einspruch. Solange andere dasselbe sagten, war es eben etwas anderes. Die Worte hoben anderen Klang und Widerhall in einer Heimwehr- oder Stahlhelmversammlung, als in einem Organ der Demokratie von stolzer Unabhängigkeit. Was hat nun Theodor Wolff in Italien Eindruck ge- macht? Zunächst die Auffor st ungsbe strebungen. dann Mussolini s e l b st. Aufgeforstet hat man in Italien längst vor dem Faschismus. Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts haben sich die nackten Felsabhänge der Abruzzen mit Nadel- bäumen bekleidet, womit man auch damals, wie heute, den ausdrücklichen Zweck verfolgte, den periodischen Ueberschwemmungen vorzubeugen, da ein würzet- gefestigtes Erdreich die Niederschläge zurückhält, die der kahle Stein talwärts stürzen läßt. Im faschistischen Regime forstet man weiter auf. Ob man in den Iahren 1928/29 wirklich, wie sich Theodor Wolfs hat sagen lassen, neuntausend- fünfhundert Hektar bepflanzt, fünfundfünfzig Millionen Pflanzen und fünfhundertsiebenunddreißig Kilogramm Wold- samen dem Boden gegeben hat, darüber wollen wir nickt streiten. Wenn es wahr ist, ist es zweifellos ein Verdienst. Wer kann das kontrollieren? Da man dem deutschen Iour- nalisten die faschistische W a l d m i l i z al? eine neue Ein- richtung hingestellt, ihn also hierüber falsch unter- richtet hat, könnte man ihm auch falsche Zahlen aufgetischt haben. Die faschistische Waldmiliz ist nur das u m g e- tauft« Personal der längst vor dem Faschismus be- stehenden staatlichen Forstverwaltung. Früher hießen die Beamten Forstmeister, heute heißen sie Konsuln, früher trugen sie«in weißes, heute tragen sie ein schwarzes Hemd. Was den Aquädukt von Apulien betrifft, so war er von Anfang an für 56 Ortschaften berechnet. Wenn man Theodor Wolff gesagt hat, man hätte„auf Mussolinis Geheiß ein ganzes Netz von Nebenkanälen angelegt", so gibt man diesem Geheiß, wie Mussolinis Strafgesetzen, rückwirkende Kraft. Daß die Malariabekämpfung ein schnelleres Tempo unter dem Faschismus angenommen hätte, ist eine falsche Information. Richtig ist, daß man heute ungefähr wieder das zurückerobert hat, was während des Krieges— durch Einstellung der Urbarmachungen, Vernach- Kssigung der Chininprophylaxe und Einschleppung schwerer Malaria aus Albanien— verlorenging. Zahlenmäßig steht man nicht weiter, als nach dem vor dem Krieg erzielten Fort- schrittstempo seit Rückkehr zu normalen Verhältnissen zu er- rechnen war; man steht sogar dahinter zurück. Wenn man übrigens dem Journalisten Errungenschaften gezeigt hat, die es noch nicht gibt, so auch wieder Dinge, die es nicht mehr gibt. In Bagnoli Irpino hat man ihn glauben lassen, er werde vom Bürgermeister(Sindaco) und dem Semeinderat empfangen: dergleichen gibt es im faschistischen Italien nicht. Der ..Bürgermeister" mit der begeisterten Rede, von dem Theodor Wolfs den Eindruck hatte, er spräche ohne Rücksicht auf den anwesenden Vertreter der faschistischen Regierung, war ja selbst ein Vertreter der faschistischen Regierung... Und hier kommen wir auf etwas, was gewissermaßen zur Technik politischer Entdeckungsreisen ge- hört. Man soll sich nicht in den Gefälligkeitsbereich derer begeben, über die man sich informieren will. Wer mir ein liebenswürdiger Begleiter ist, in dessen Auto ich sitze, an dessen Tafel ich speise, der entwaffnet meine kritische Ein- stellung, ob ich es will oder nicht, selbst, ohne daß es mir zum Bewußtixin käme. Und dieselbe verminderte kritische Wehrhaftigkeit macht sich bei den Mussolini-Empfängen geltend. Der Angreifende hat auch hier den Vorteil. Und Mussolini greift an mit dem schweren Geschütz dessen, was Wolff seinen ,,C Harme" nennt, nämlich mst seine? f a l- scheu Treuherzigkeit, die jeder � Deutsche beim Deutschen sofort durchschaut, für deren intuitives Erkennen ihm aber gegenüber dem Angehörigen eines anderen Landes der Instinkt versagt. Die gefrorene Pose scheint ihm echt. die Augen„ungewöhnlich groß", wobei er sich doch wundert, daß man so viel Weißes sieht, was bei vorstehenden Augen immer der Fall ist, wenn man sie gewaltsam aufreißt. Jeder Junge in Italien spricht von„Mussolini-Augcn", wenn er mit hochgezogenen Lidern um sich glotzt. Auf die persönliche Beeindruckung der Ausländer durch Mussolinis„geniale Persönlichkeit" erlauben wir uns, wenig zu geben. Sie sind zu sehr in der Hinterhand gegenüber einem routinierten Virtuosen, der, wie jeder gute Schauspieler sich selbst immer momentan fühlt, ob er dem Ausländer den überlegenen Staatsmann suggeriert oder in kindlicher Demut einem Bischof den Ring küßt. Immer wieder sind die Interviewer über die vornehme Umgebung und Mussolinis beherrschte Haltung verwundert. Ja, dachten sie vielleicht, ihn in einem mit Stuck und Kitsch überladenen Saal, in Hemdsärmeln und um sich spuckend vorzufinden? Mussolini hat ein feines Ge- fühl für das ästhetische Wirksame.— In der im„Berliner Tageblatt" wiedergegebenen Unter- redung mit Mussolini ist auch nicht ein einziges Wort, das nicht längst im Klischee im Umlauf wäre. Ait ist sogar die Lüge, daß die politischen Verbannten von den gemeinen Verbrechern getrennt seien. Wir verweisen darüber auf die Bücher von Lussu und F a u st o N i t t i, die Lipari und Ponza besser kannten, als ihnen lieb war. Es bliebe uns noch einiges über Musiolinis„a u t o r i» täre Demokratie" zu sagen und über seine Versöhnung von Kapital und Arbeit in der Korporation, aber unsere Einwände wären genau so alt und abgestanden wie diese bei jedem Interview mit einem Ausländer wieder- kehrenden Wendungen. Um diese wohlfeile Diskussion ist uns nicht zu tun. Im Grunde sagt uns Theodor Wolfs nichts anderes als etwa:„Musiolini ist gar nicht so schlimm. Seht ihn euch an: er ist ganz bündnisfähig. Kein Feuerfresser, son- dern ein Diplomat." Daraus möchten wir antworten, daß es gewiß schön und gut ist, wenn Mussolini den liebenswürdigen Gesellschafter spielt und den abgeklärten Staatsmann. Was die Demokratie interessiert, ist nicht seine Persönlichkeit, son- dern seine Methode und sein Staatsgebilde. Beide sind die Negation der Demokratie. Sie setzen Gewalt und Knechtseligkeit voraus und brechen zusammen, wenn eine von ihnen wegfällt. An dem Tage, wo Mussolini mit der Presieknebelung und dem„un- geistigen Polizeiregime" aufhörte, wär's mit ihm zu Ende. Ginge die Diskussion nur um die Dauer der„Schöpfungen, die er aus dem Boden stampft", wie Wolfs sagt, würden wir uns getrost auf Zeit und Freiheit verlassen, die all das wieder in den Boden stampfen werden— wenn wir es viel- leicht auch nicht mehr erleben. Aber das Wesentliche ist nun und nimmer seine materielle Verkörperung in Stein oder Pflanze. Er könnte alle Bergketten Italiens aufforsten, so würde das nicht dafür entschädigen, daß er die p e r s ö n- liche Würde, den Charakter, das Streben nach Freiheit und Recht s y st e nl a t i s ch abholzt. In Italien darf kein Mensch seine Meinung sagen, ohne seine Existenz aufs Spiel zu setzen. In Italien denunziert ein Hochschullehrer den andern, der Student den Kollegen, der Schüler den Mit- schüler. Werammeisten kriecht, kommtamwei- t e st e n. Man rottet den geistigen und sittlichen Hochwuchs aus, der sich seine Ueberzeugungen nicht vorschreiben läßt. Das sind nicht hohe�Worte, das ist der niedrige Alltag. Da haben wir noch nicht von dcr w'i r t s ch e s tli ch e n Not gespr-ochen) nicht von der chronischen Unterernährung auf dem flachen Lande, in das man, den Touristen zu Ehren, die Bettler von der Stadt abschiebt, nicht von dem Einstellen der öffentlichen Arbeiten aus Geldmangel, nicht von dem Pleitegeier über italienischen Banken und Industrien. Wolfs spricht uns von aufgeforsteten Bergen und sanierten Tälern. Wir halten ihm moralische Verödung und Ver- s u m p f u n g entgegen. Auch wenn das zugunsten des Faschismus angeführte so wahr wäre, wie es erlogen ist— es wäre nicht genug, um«in Volk schadlos zu halten für seine Knechtung. M u s s o l i n i- I nt« r v ie w s gehören in das Feuilleton. In die Politik gehört der Faschismus, als das Gewaltregime einer Bourgeoisie, die ange- sichts ihrer geschichtlichen Aufgabe versagte und sahnen» flüchtig wurde an ihrer eigenen Gesetzlichkeit. Zwischen diesem Regime und der Demokratie ist ein Abgrund, den alle Seiltänzerkunststücke Mussolinis nicht überspringen können.____ Wieder„Tägliche Rundschau" Eine Zeitung mehr in Berlin. Me die„Telsgrciphen-Union" meldet, wird am 21. Mai die „Tägliche Rundschau' wieder zu erscheinen beginnen. Diese alte Berliner Zeitung hotte unter Ripplers Leitung Zeiten des Er- salges erlebt, namentlich durch ihren ausführlichen FeuiUetonteil. der auf die Bedürfnisse des gebildeten Bürgertums zugeschnitten war. Politisch stand sie mit ihrem Herausgeber auf dem rechten Flügel der Boltspartei. Jetzt soll sie unter der Leitung eines ihrer früheren Redakteure, des Dr. Schultze-Pfälzer— der ehedem auch Hugenberg-Redakteur war, später sich etwas nach links wandelte— wieder auferstehen. Es wird angekündigt, daß sie„in jeder Beziehung politisch und wirtschaftlich ungebunden" und „wahrhast unabhängig" sein wird. Es wird aber nicht gesagt, wer das viele Geld hergibt, das zu einer Zeituugsgründung be- kanntermaßen gehört. Kundig« wollen wissen, daß der neue Reichs- � darrkdirektor Dr. Hans Luther deni neuen Unternehmen nicht c.anz ferne steht. Das Programm der Zeitung, das von einem„Um- bau des überalterten Parteiwescns" spricht, ist zum mindesten nicht larnach angetan, dieses Gerücht zu widerlegen. Länger« Lebens- lauer kann der Wiedererweckten nur dann vorausgesagt werden, wenn die Kreise, die hinter ihr stehen, finanziell sehr leistungsfähig sind. Denn die Gründung einer neuen Zeitung ist unter den gegebenen Verhältnisien wirtschaftlich ein sehr kühnes Unternehmen! Junker- oder Osiprogramm? Auf die Durchführung kommt es an. Oer Kampf gegen die Llmfahsteuer. Protest der Bauindustrie. .Eine steuerliche Ungeheuerlichkeit" nannte vor einigen Togen das Prästdialmstglicd des Reichsverbandcs der beut- scheu Industrie, Dr. Kastl, die Sondcrumsatzsteucr der Brüning- Regierung. Man wird diese wenig freundliche Charakterisierung rincS von den Unternchinerpartcien gemachten Gesetzes sich merken dürfen. Die Fachgruppe Bauindustrie beim Reichsverband hat jetzt beim R e i ch s f i n a n z in i n i st e r ebenfalls gegen die (Zondcrumfatzstcur aufs schärfste protestiert. Der vom.Finanz- Ministerium festgelegte Begriff des Einzelhandels bedrohe auch die Bauunternchmungcn mit der Umsatzsteuer, da auch sie für den letzten Verbraucher Waren herstellen. Das Oschilfegesetz ist— als sechster oder siebenter Entwurf— jetzt fertig. Bedauerlich, daß es nicht sofort veröffemlicht woiKen ist, was um so natürlicher gewesen wäre, als es scheinbar nicfyf als Vorlage der Regierung, sondern ochs Jnitiavvgefctz der Regie?ungs° Parteien eingebracht werden soll. A-Zbau uchd Inhalt lassen sich aber jetzt mit einiger Deutlichkeit überseh»m. Es liegt auch ein osiziäses Eominunique jetzt vor. Neben einem umfassenden Gesetz über Lastensenkung, Umschul- dung, Besitzerhaltung, Bollstreckungsschmtz. SiedlM'gs- und Wirt- schafts maßnahmen— an Stelle der besher vorgesehenen süns Ge- setze— steht noch das Gesetz über die A b lö s u n g s b a n k. Ucber dem ganzen Entwurf steht politisch beherrschend die vollzogene und für die Durchführung im einzelnen ebenfalls maßgebende B e r- stSndigung mit Preußen. Agrarpokitisch am wichtigsten sind die vorgesehene« Eiedlungs-, Umschuldungs, und Befitzerhqjltnngsmaß- nahmen, die in einem gewissen inneren Zusammenhang gebracht zu sein scheinen. Bei der Umschuldung, besonders aber bei der Befitzerhaltung, soll die Aktion auf Güter beschränkt werden, die weder unrettbar verschuldet sind, noch sich selbst weiterhelfen können. Nicht mehr lebensfähige Güter sollen grundsätzlich gesiedelt wer- den, in allen Fällen gilt das Prinzip der r ndi vi du« ll e n Prüfung und Kantrolle, und die Anliegersiedlung — Zuteilung von' Land an Nachbarbetriebe— wird eingeschaltet, wo Besitzcrhaltungsntaßnahmen noch für nützlich �erachtet werden. Zinsoerbilligungen sollen die Zinslast aus 77 Proz. senken. Das politische Schwergewicht liegt natürlich bei den Besitz- erhalt ii ngsmaßnahmen, die keine Subventionen werden dürfen. Der finanziell« Teil soll hier durch die besondere Ab- lösungsbank geleistet werden, an der das Reich, die Preußen- lasse und die Rentenbankkreditanstalt(diese zu gleichen Teilen mit je 12.5 Mill.) sowie die Industrie-Obligationenbank beteiligt sein sollen. Alles kommt hier auf die Durchführung im einzelnen und auch auf die Statuten der Ablösungsbank an. Die Durchführungsbestimmungen dürfen nach dem Gesetz auch im einzelnen nur im Einvernehmen mit den» preußischen Staate festgelegt werden. So ist zu hoffen, daß in den provinzweise zu bildenden Land- stellen durch die Mitwirkung Preußens und auch der Preußenkasse der nach alter Erfahrung drohenden lanbündlerischen Cliquenwirtschaft der Großagrarier eine wirksame Sachkontrollc entgegengesetzt wird. Das im Rahmen der Besitzerhaltung von Schiele gefordert« M o r o- torium ist grundsätzlich gefallen. An die Stelle des Moratoriums tritt ein begrenzter Vollstreckungeschutz. Di« Ein- leitung von Zwangsvollstreckungen wird nicht behindert, die Zwangsvollstreckung selbst wich imr auf drei Monate ausgesetzt, während dieser Zeit wird die Erhaltungsmöglichkeit geprüft: fällt die Prüfung negativ. ans» dann wird die ZwsNgdvollstkecküng durch- geführt. Der Bollstreck ungsschntz selbst- ist bis Ende 1930 zeitlich begrenzt. Die Lösung der Personen- frag« bei dem vorgesehenen Rcichskommissar und Preußenkom- missar ist natürlich auch hier entscheidend. Uebcr die Frage der Kosten und vom Staate zu über- nehmenden Garantien ergibt sich folgende« Bild: Im ersten Jahr« sollen etwa 126 Millionen Mark bar vom Reiche aufgewendet werde«. und zwar 50 Mill. für die Durchführung der Besitzerholtung(wobei auch Betrag« zur Entlastung örtlicher Genossenschaften aus der Haftpflicht vorgesehen sind) und rund 75 Mill., die sich ouf Real- steuersenkung, Frachtzujchüsse, Zinsverbilligung und die erste Reichs- rate für die Ablösungsbank erstrecken. Innerhalb fünf Jahren sollen die baren Reichslasten bis auf jährlich 60 Mill. sinken. Insgesamt kommen etwa 200 Millionen Barleistun- gen des Reiches in Frage. Zu diesen 300 Millionen Barleistung treten innerhalb derselben fünf Jahre etwa 773 Millionen Mark Garantien, von denen Preuße« 230 Millionen übernehmen soll. Eine 225-Mill..Gawntie dient der Umwandlung von Siedlungskrediten in langfristige Schulden(die Rückflüsse bleiben fiir die Siedlung reserviert), eine ZOO M'll.« Garantie dient der Sicherstellung der Gläubiger(Ab- lösungsscheine) während der vorübergehenden Maßnahmen zur Be» sitzerhaltung. Die Kostendeckung im ersten Jahr ist nach sehr un- klar.'Man will iin Etat 1930 die letzte Siedlungsrate von 50 Mill. heranziehen, ferner die 22-Mll.°Rate des Ostprogramms des Innen- Ministeriums, schließlich den Reservefonds der Industrie-Obligalionen- dank und sehr dunkelbleibende Ersparnisse im Reichshaushoit. Dia Streichung der 50 Siedlungsmillioncn ist ein tolles Stück, di« Deckungsfrage wird auch sonst noch viel Kopfzerbrechen bereiten! Das Reichskabinett hofft das Gesetz, das ein Ennöchtigungs- gesetz bleibt, in drei Wochen durchzudringen. Vom beut- scheu Steuerzahler verlangt dieses Ost hllfegesetz außerordentlich und fast unerträglich viel. Wir haben den Eindruck, daß hier absolut zuviel des Guten und Er- träglichen gewollt ist. Imemrhin ist die Einschaltung Preußens in die Gesamtheit der Aktion«in starker politischer Erfolg des preußischen Staates. Durch die Mitarbeit Preußens kann man hoffen, daß der von den Großagrariern gewallten Sub- ventionswirtschast kein Vorschub geleistet, sondern die Achtung produktiver Gesichtspunkte nachdrücklich geför- de r t wird. Der Reichstag wirst bis ins Letzte Klarheit und weitest- gehende Festlegung auch von Einzelheiten schon im Gesetz fordern müssen, besonders hinsichtlich der finanziellen Lasten ünd Garantien. Der Gesetzentwurf muß sofort veröffemlicht wer- den, dasselbe gilt.für die Gesamtheit der Durchführungsbestini- münzen, bei denen ohne schärfste ösfentliche Kontrolle die bescheide- neu Ansätze.zur Vernunft wieder zuschonden gemacht werden können- Der Personalfrage muß die größte Aufmerksamkett gewidmet werden. Wenn setzt Trevirauus und Hirt- ssefer als Kommissare für Reich und Preußen ge- nannt werden, so ist festzustellen, daß mit den maß- gebende« preußischen Instanzen darüber noch nichts -•.' festgelegt ist. 5 Da? Ihtefeftff'tiet BatrertT ftet de* ftmsiHulstüng und Lesstzerhasftmq muß schon im Gesetz ssch-rgtstellt werden, die Bewilligimgeii muß der Reichstag vornehmen, und zwar alljährlich in scharf spezialisier- ten Positionen. Der Abbau der jetzigen Zölle,' die ja wesentlich für den Osten gemacht wurden, gehört ebenfalls als Richtlinie ins Gesetz. Der Reichstag steht vor einer sehr schweren Verantwortung, wenn «r diesen Entwurf.. zu beraten haben wird! Fricks Nazi-Polizeidirektoren. Krach in der Krick-Koaliiion.— Oie Hakenkreuzler drohen mit Neuwahlen. Weiinar. 16. Mai.(Eigenbericht.) Die Differenzen innerhalb der thüringischen Regicrungskoalition über die Ernennung des Nationalsozialisten Ort» lepp zum Polizeidirektor von Weimar wurden auch am Freitag nicht behoben. Ob sie überhaupt behoben werden können, erscheint zur Zeit äußerst zweifelhaft. Im Verlauf der Freitagsitzung des Thüringischen Landtags. in der sich der nationalsozialistische Minister Frick gegen den Vorwurf der sozialdemokratischen Opposition, umstürzlerische Bestre- bungcn anzubahnen, verteidigte, nahm er u. a. auch zu der Frag« der Ernennung von Nationalsozialisten zu Polizeidirektoren Stellung. Frick erklärte: Wenn man von Reichs wegen«inen National- fozialisten als Polizeiminiftcr in Thüringen dulde, dann dürften auch Nationalsozialisten in Thüringen Polizcibcamte und Polizeidirek- toren sein. Die Nationalsazialistcn seien keineswegs dazu da, in Thüringen unpopuläre Steuergcsctze mitzubeschiießen, während sie sonst als Menschen zweiter Klasse behandelt und bei der Besetzung von Beamtenstellen ausgeschlossen würden. Eine derartige Einste!- lung widerspreche der Reichsvcrfassung. Die Stellung des Polizei- direktors von Weimar sei zur Zeit noch umstritten. Die Ratio- n a ls o z i a l i st« n würden jedoch an dem von ihnen vor- geschlagenen Kandidaten, dem Nationalsozialisten Ortlepp, festhalten. In parlamentarischen Kreisen spricht man davon, daß die Nationalsozialisten aus der Regierung austreten würden, wenn der nationalsozialistische Gerichtsassessor Ortlepp nicht zum Polizei- direktor von Weimar ernannt werden sollte. Die Kommunisten haben inzwischen«inen Antrag auf Auflösung des Thüringischen Landtags eingebracht. Eine Provokation gegen Wirth. Die Landtagsfraktion der Hakenkreuzler demonstriert der Volkspartei und dem Landbund, daß sie die- Stütze der Frick-Koalition ist. Sie bleibt seit zwei Tagen dem Landtag fern und macht damit die Regierungsparteien aktions- unfähig. Die Leute Fricks sind entschlossen, ihre Koalitions- partner völlig zu unterjochen. Der„Völkische Beobachter" kündigt diese Absicht in folgenden Ausführungen an: „Der derzeitig« Re i ch si nn e nm ini st e r hat es m jeiner bekannten Weife—„Der Feind steht rechts"— für nötig befunden, seine Nase in Sachen zu stecken, die ihn nichts angehen. Mit welchen sachlich geeigneten Persönlich- leiten Thüringen die Pasten der Polizeidirektoren besetzt, gehl ihn einen Dreck an. Aber ofsenbar will Joseph Wirth in der Opposition auch gegen Staatsanwalt Floel f i ch b e i bei Hebräerschaft br liebt machen, die gegen Floel eine wüste Hetze betreibt: hat er doch den meineidigen jüdischen Staatsanwoli Frieders(Friedloender) vor Gericht gezogen, etwas, was ihm weder die Grenadierstraße noch der Kurfürstcndamm verzeiht. Da sich die Schulgcbete auch gegen Volks- ünd Landesverrat richten, hat sich natürlich eine schwarzrote Einheitsfront gegen sie gebildet. Während in allen kaiholischen Kirchen Ungarns aber ein Nationalgebet feit Jahren abgehalten wird, tabt das Zentrum bei uns gegen die Wiedergeburt des nationalen Ehrgefühls. Weil«s ein solches nicht besitzt, wütet es gegen seine Stärkung bei den anderen Deutschen. Es versteht sich von selbst, daß die NSDAP, sich durch dies ganze Getue nicht einschrecken lassen wird. Und wenn Volkspartci und Landbund zitternde Kniekehlen bekommen, so sind wir zuNeuwahlen auchinThüri n g e n bereit." Die Frechheit dieser Ausführungen gegen den Reichs- innenminister ist nicht, zu. übertreffen. Sie läßt nur den Schluß zu, daß die Nationalsozialisten das Ende der Ministerschaft Frick für gekommen halten: denn daß die Reichsregierung bei solcher Provokation ruhig zusehen werde, können sie schwerlich glauben I Reichsgelver für Hakensreuzler! Weimar, 16. Mai.(Eigenbericht.) Der thüringische Innenminister Frick Hai aus dem Staats. fondpzur Förderung künstlerischer und kultureller Bestrebungen dem sogenannten.Lampsbund für deutsche Kultur" einen größeren Geldbetrag überweisen lassen. Dlesem Kämpfbund der Hitlerjugend gehört neben anderen nalionalsozialistlschen Organisationen auch der berüch» «igte nalionalsozialistssche Sund„Adler und Falk e.n" an. Damit ist erwiesen, daß Frick Slaalsgelder zur Unterstützung nationalsozialistischer Organisationen und Umtriebe zur Derfügung gestellt hat. Das Deutsche Hygienc-Musemn in Dresden ist mn Freitag unter regster Anteilnahme der Bevölkerung feierlich erössnet worden. « Ein„Verkehrs"-Hmberm'6. 'vXjOfRARD TREV/RAHUS plah da für das Gardestetlenjägerregiment! Oer Kampf um die Abrüstung. Oie Resolution der Sozialistischen Internationale. Nadolnys Patentlösung., Wie der rührige Diplomat die Südtiroler Frage bereinigen wollte. ■ Der deutsche Botschafter in Angora, Herr N a d o l n y, weilte dieser Tage in Genf, um Dr. Curtius zu bewegen, ihm einen wichtigeren Batschafterposten anzuvertrauen als die Vertretung des Deutschen Reiches bei Mustapha Kemal. Lange Zeit hatte Nadolny sein Augenmerk auf Rom ge- ridhtet, doch ist durch die in Aussicht genommene Kombination — Neurath in London und Schubert in Rom— das Ziel seiner Sehnsucht einstweilen unerreichbar. Aber Herr N a- dotny hat es eilig. Er hat bereits viele Wochen hin- durch im vergangenen Herbst in Berlin verbracht, um seine römischen Plane persönlich zu betreiben und mußte unver- richteter Dinge schließlich seinen alten Posten wieder antreten, weil das Auswärtige Amt es nicht länger mitansehcn konnte. wie die Botschaft in Angora monatelang verwaist blieb, nur weil Herr Nadolny seine Beförderungsschmerzen heilen wollte. Wutschnaubend kehrte er nach Angora zurück, aber die Aussicht auf das„T r e v i r e m e n t" hat ihn natürlich sofort wieder in Europa auftauchen lassen. Jetzt, wo der Weg nach Rom wieder versperrt ist, hat er es auf Moskau abgesehen und will Herrn von D i r k s e n verdrängen, ob- wohl gegen den letzteren nicht das geringste vorliegt. Aber Herr Nadolny hat mächtige Protektoren in der U m g e- b u n g des Reichspräsidenten. Er denkt sich, daß in einer Zeit, wo eine schwache Reichsregierung fast aus- schließlich davon lebt, daß sie mit dem Namen des Reichs- Präsidenten jongliert, man es nicht wagen wird, Wünsche, die aus. dieser Umgebung stammen, unberücksichtigt zu lassen. Daher die recht ausfallende Reise nach Genf. Und gerücht- weise verlautet, daß diesmal Herr Botschafter Nadolny sich nicht u m s o n st bemüht habe. Wir wollen diesen Gerüchten trotzdem noch keinen Glauben schenken, denn im Auswärtigen Amt weiß man genau, was von den sachlichen Fähigkeiten dieses rührigen Bewerbers zu halten ist. Als Herr Nadolny sich vor einem Jahre um den Posten in Rom bewarb, wollte er seiner Kandidatur besonderen Nachdruck durch einen Bericht ver- leihen, in dem er einen großzügigen Plan für deutschitalienische Annäherung entwarf. Er setzte darin auseinander, daß die Voraussetzung für eine solche Freund- schaft die B e r e i n i g u n g d e r S ü d t i r o l.e r F r a..g e sei. Sei erst dieses Hinderenis beseitigt, dann stehe einer engen Freundschaft zwischen Berlin und Rom nichts mehr im Wege. Was schlug nun Herr Nadolny für die Beesitigung dieses Hindernisses vor? Man lese und staune: Er regte an, daß man die gesamte deutsch-südtiroler Bauer nbevölkerung, also eine Viertelmillion Mcn- schon, von Südtirol nach— Ostpreußen ver- pflanze und sie dort ansiedle. Damit wären zwei Fliegen mit einem Schlage getötet: einerseits wäre die Bahn frei für eine hundertprozentige deutsch-italiemiche Freundschaft, andererseits würde Ostpreußen durch«inen neuen Wall deutscher Menschen gegen die Polonisierungstendenzen starker geschützt. Als S t r e f c m a n n von dieser genialen„Patentlösung" Kenntnis erhielt, packte ihn ein wahrer Lachkramp f. In jenen Tagen konnte der.Ramc Nadolny in dey eingeweihten Viersen des' Auswärtigen Amies gar nicht, oüs'gesprpchey.' werden, ohne daß die anwesenden Herren' sofort, in per» gnügtes Lächeu ausbrachen. Solange Stresemann lebte, war von irgendeiner Beförderung Nadolnys auf einen wichtigeren Posten, trotz aller Protektionen aus dem Nachbarhause in der Wilhelmstraße, natürlich nicht mehr die Rede. Kaum war Stresemann gestorben, da tauchte der Name Nadolny prompt wieder auf, ja er selber trat wieder auf den Plan, um fich in empfehlende Erinnerung zu bringen. Reichsaußenmiyister jDr. Curtius hat bisher das per- fonelle Erbe Stresemann? nicht gerade im Sinne seines ver- ftorbcnen Borgängers und Parteifreundes verwaltet Wir wollen aber nicht glauben, daß. wenn er erst über diese Tat- fachen unterrichtet ist, er es dennoch verantworten wird, einen so unmöglichen Diplomaten auf einen so exponierten Posten wie Moskau zu stellen! Das gefchandsie Hindenburgbild. Die Gesinnung der Hakenkreuzler. Der Berliner Polizeipräsident teilt mit: Am 4. Mai d. I. veranstaliete die Ortsgruppe Mehrow. Kreis Niederbarnim, der NSDAP, in Ahrenefclde einen„Deutschen Abend". Zu dieser Per- an staltung wurde von einem M-Hrawer Führer die Schalmeien- kapclle einer Berliner Abteilung bestellt, die gegen ITA' llhr in Mehrow eintraf und im Lokal von Meißner eine Ruhepaus« machte. Der größte Teil der Zlnwesenden hotte im Garten des Lokals Platz genommen: nur wenige, darunter die Spielleute, hatten den Saal aufgesucht. Zwei Spielleute brachten dann das Bilddes lfteich«- Präsidenten, das im Saale des Lokals hing und das den Reici-- Präsidenten in Generalscldmarschallsuniiorm der alten Armee darstellte in den Garten. Hier wurde das Bild an einem dürren Zweig eines Baumes aufgehängt. Der«ine Spielmann stach mit einem Stock dem Bilde die Auge» aus und schlug mit dem Stork nach dem Bilde, so daß es in zwei Hälften herabfrel. Hierbei solle» Wort« gefallen sei» wie:.Hildas, der Verräter", und „Das ist der Netter von Ostpreußen". Nunmehr wurden die Teile des Büdes zu sammengeballt und verbrannt. Tags darauf hat das Mitglied der NSDAP.. Müllerm-ister Rudel aus Mehrow, der b-i der Tat anwesend war, ein glesthes Bild beschasst und der Bc- stgerin des Lokals üdcrbracht. Die polizeilichen Ermittlungen war- den fortgesetzt.__. Tardieu und die Miiiiars. Sie wollen die Räumung verzögern. Paris, tö. Mai.(Eigen bcrichf.) 2£m Jceifcg fand im hiesigen Auswärtigen Amt unt-r dem Vorsitz Tardleus eine Konferenz über die zu ergreifenden Maßnahmen znrRSumungdesRheinlandes statt. An der Sitzung nahmen u. a. teit der Oberkommandierende der Rheinatmee. General Gu i l l a u m a t und der Chef des französischen Generalflab». W e n q c n d Ob cs Xardieu in dieser Sitzung gelang, die w i d e r. stände der Militär» und gewisser pelitlscher Cliquen zu brechen und seinen eigenen wie Briand, willen zur Einhaltung des vereinbarten Termins, des Z0. Zuni lSZü. durchzusetzen. wird weder in einen, ossiziellen Communiqnä über den verlaus der Sitzung gesagt, noch ist in der ossizivsen Presse eine befriedigende Cr. klärung über diesen Punkt zu lesen. Die Exekutive der Sozialistischen Arbeiter-Inter- national« hol auf ihrer Berliner Tagung einstimmig folgende Resolution über die Abrüstungsfrage be- schlössen: Die Exekutive begrüßt die Anstrengungen der britischen Arbeiterregierung um die Flottenabrüstung und betrachtet den auf der Londoner Konferenz zwischen den drei größten See- mächten abgeschlossenen Bertrag als«inen, wenn auch be scheide- neu, so doch wichtigen Schritt zur Beschränkung der Rüstungen zur See. Mit um so größerer Besorgnis betrachtet die Exekutive die Tatsache, daß«k der Londoner Konferenz nicht gelungen ist,' die Seemächte des' europäischen Kontinents in die Verein- barung einzubeziehen. Di« Befürchtung, der die SAJ. in ihrem Pariser Manifest vom 8. Mai lf)30 Ausdruck gab, ist bestätigt worden. Italien besonders hat sich P r e st i g e e r w ä g n ng« n überlassen, die es zur Forderung noch Parität ohne Rücksicht aus seine jetzigen Kräfte zur See führten. Frankreich hat sich auf„absolute B c d ü r s 11! s f«" berufen, Heren Aufrechierhaltil.ng.«in d a y« r n- .{, e§, Hz n der n.l's M zur See darstellen- würde'.'. S�v- hgt.Zuh ein t« i'lwe.i se-v- Mi ßerfolg -der Konferenz ergtbeb.'''-''�-''�' Wenn Frankreich vor dem Beginn der Konferenz«in er. weiteres Schiffsbauprogranmi bekanntgegeben und nicht anfge- geben hat, so hat die italienische faschistische Regierung, die sich geweigert hat, ihre wirklichen Wsichten der Konferenz bekannt zu geben, unmitielbar n o ch der Konferenz neue Seerüstun- gen angekündigt. Die ernste Gefahr eines Wettrüstens zur See, die sich nachdrücklich im Charakter und Umfang des italienischen Rüstungsprogrammes ankündigt, droht. Der nationalistische und militaristische Geist des f a f ch i st i- f ch«» Regimes in Italien ist die größte Gefahr für den Frieden, er be-droht auf diese Weise mehr noch als bisher den Frieden der Welt. Di« Exekutive hält es daher für notwendig, den stärkstmög- l i ch e n Druck auf das despotische und kriegerische Regime Jta- liens auszuüben, um es zur Einschränkung seiner Rüstungen zu veranlassen und zum Abschluß eines Vertrages über die Einschrän- kung der Rüstungen bereit zu machen. Es besteht die ernst« Gefahr, daß die italienischen Forderungen mißbraucht werden, um die französischen Maximal- forde rungcn zur See zu rechtfertigen. Die Exekutiv« rechnet darauf, daß die sranzöfischen Sozialisten den stärksten Druck auf die franzöfische Regierung für die Einschränkung der französischen Seerüstnngen und sür den Beitritt' Frankreichs zum Londoner ■ Abrüstungsabkommen ausüben werden. Die Exekutive gibt sich keiner Täuschung darüber hin, doß die französischen Seerüstnngen in ihren weiteren Kons«- quenzen die Fortsetzung des von der Londoner Konferenz begonnenen Werkes, ja selbst die schon erreichten Resultat« dieses Estländischer Besuch in Berlin. Politiker und Journalisten. Eine Reihe von Parlamentariern aus Estland ist, wie wir schon kurz berichteten, unter Führung des Parlaments- Präsidenten E i n b'u n d zu Besuch in Berlin eingetroffen. Unter ihnen befindet sich auch der sozialistische Abaeord» »et« Rot, der früher« Staatspräsident von Estland. Mehrere Ver- treter cstländischer Zeitungen haben sich ihnen angeschlossen. Dia Besuchsreis« erfolgt in Erwiderung des Besuches, den deutsche Reichstagsabgeordnete und Journalisten früher in Estland machten. Die politischen Beziehungen Deutschlands zu dem nördlichsten der drei baltischen Freistaaten sind immar durchaus frenndschafttiche ge- wesen, wem, auch-die Frage der Entschädigung für enteigneten Grundbesitz an reichsdeutsch gewordene frühere Besitzer zuweilen unangenehm« Schärfen zeitigt«. Im allgemeinen sehen wir in Estland da» Bestreben, die kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland zu pflegen und. weiter zu entwickeln, ein Bestreben, dos „Skandal im Savoy." Erstaufführung in der Tribüne. Eine hübsche und originelle Anekdote hat der Berfasser Viktor Kelcmen geschickt zu einem leichten, mit witzigen Einfällen ge- würzten Lustspiel verarbeitet. Das Publikum amüsiert sich köstlich. Drg. Werkes gefährden können und mißt darum dem Kampf der französischen Sozialisten gegen die Entwicklung der französischen Seerüstnngen die größte Bedeutung bei. Di« Exekutive erinnert daran, daß die Londoner Konferenz nicht geschlossen, sondern nur vertagt wurde. Sie erwartet, daß durch den Beitritt Frankreichs und Italiens zum Londoner Abkommen die Grundlage geschaffen werde für«in« weitere Einschränkung der Rüstungen aller Seemächte. Des weiteren stellt die Exekutive fest, daß der beabsichtigt« pan des deutschen Panzerkreuzers B dien Adniirolstäilieii der anderen Staaten einen willkommenen Varwond für die techiische Erneuerung der Kriegsflotte und damit für eine Ausdehnung der Rüstungen liefert. Ohne zu bestreiten, daß der Bau diese, Panzerkreuzers im Rahmen der dem Deutschen Reich im vertrag« von Versailles auferlegten Rüstungsbeschränkungen bleibt, und ahne zu verkennen, daß die Richterfüllung des feierlichen Versprechens der internationalen Abrüstung die deutschen Militaristen in ihren Bestrebungen ermutigt, begrüßt die Exekutive doch den Kampf der deutschen Sozialdemo. kratie gegen den Bandes �Panzerkreuzers B als«ine wertvolle und uolwendiga Unterstützung de» Komps« der Arbeiterparteien gegen die Verstärkung der Seerüstungen. Die Exekutive macht die sozialistischen Arbeiterporieien oller Länder nachdrücklich darauf aufmerksam, daß derselbe Geist des Militarismus, der sich in den sorischreitenden Seerüstungen offenbart, sich derzeit auch. in neuen neuartigen Formender Rüstungen zu Lande betätigt. Die Bestimmungen des Derfaillcr Vertrages hoben Frankreich und Belgien für den Fast eines bewaffneten Konfliktes mit Deutsch- land Vorteile gewährt. Es ergibt sich daraus die Schlußfolgerung, daß di« Grenzbeftigungen, die Frankreich zu errichten begonnen hat und Belgien in Aussicht nimmt, infolge ihrer Bedeutung nicht als bloße verkeidigungsmitkel erscheinen können. Der Krieg hat gezeigt, daß im Schutze von Befestigungen der De- ginn der Offensive vorbereitet werden kann. Die Exe- kutiv« begrüßt und unterstützt den Kampf gegen diese neue Tendenz des Nationalismus und des Militarismus. Es fei weiter betont, daß auf beiden Seiten der Grenz« die« n t m i l i- tarifiertcn Zonen festgelegt werten sollten, auf denen weder Befestigung«» errichtet noch Truppen stationiert werdcn dürften. Indem die Exekntive auf olle diese Gefahren der Kriegs- rüstungen zu Lande und zur See hinweist, fordert sie die sozialistischen Arbeiterparteien aller Länder neuerlich ans, nicht nur ihren Kampf um di« internationale Abrüstung fortzusetzen, son- dem auch in jedem einzelnen Lande gegen den Mili- tarismus und für di e Einschränkung der Rüstun- gen zu kämpfen. besonders bei unseren estländtschen Genossen ebenso stark ist wie bei den Üeutjeheu Sozialdemokraten. Wir hoffen,-daß die Gäste in Deutsehland beste Eindrücke gewinnen, daß sie besonders unsere Landsleute bei der Arbeit kennenlernen. Dann, so zweifeln wir nicht, werden sich alte Bande dar Freundschaft festigen und neue knüpfen. Wir heißen die Gäste aus dem Norden auf deutschem Boden und in der Reichchauptstadt herzlich willkommen! Das Z�adio den Arbeitern! Großer Erfolg in Holland. Amsterdam, 16. Mai.(Eigenbericht.) Der holländische Verein der Arbeiter-Radio-Amateure DMA. hat nach jahrelangem Kampf von der Regierung einviert elder gesamte n Sendezeit beider Sender des Landes zugeteilt er- halten, und zwar fo, daß dem Verein dreieinhalb ganze Tage pro Woche auf beiden Sendern zusammen zur Verfügung stehen.- Einen Tag muß er mit einem allgemeinen, nicht Partei- mäßig gebundenen Programm füllen. Die übrige Sendezeit ist unter der gleichen Bedingung den kirchlichen, konservativen und liberalen Radiovcreinen zugeteilt worden. � Autzenminisker Curtius stattete am Freitag dem Direktor des Internationalen Arbeiteamtes Albert Thomas einen kurzen Besuch ab. Um 2 Uhr vevließ er Genf. Die deutsche Delegation reiste abends um� 6 Uhr. ab. Dr. Curtius wird noch einig« Tage in Baden- w e i l« r bleiben. BIIUCE ANGEBOTE Vornehmer VSMSN»Ut SB0 ans Hanlborde, mit fescher 114 ßchleilengamitur aus breitem Atlasband................... Fesche jusendl. 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Im Mai seines Lebens verschied nach kurzem, aber schweren Leiden am 14 Mai 1930 unser guter Junge, Bruder. Bräutigam, Onkel, Neffe und Enkel, der Schüler der Städtischen Baugewerksschuie Martin Knobel im Alter von 24 Jahren Um stille Teilnahme bitten im Namen der trauernden Hinterbliebenen Ernst Knobel und Frau. Berlin O 112, Pettenkoferstr. 18 Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 20. Mai, 15 Uhr(nachm. 3 Uhr), von der Leichen halle des Friedhofes am Wagnerplatz, Lichtenberg Bornltzstr-, statt. Ibeater fl. Mm Täglich SV, Uhr: Der Bellelstudenl Sdiützcnilort. Ca/ala. Lidrtciulein. Elson Sonntags 4 Uhr Der Bettelsluden! Lessing-Theater Wefdendamm 2797 O.0846 Täglich 8V* Uhr; Frau Peters hat einen Geliebten v. Louis Verneuil mit Eriki tod Tiallmann LodIs yemeuil Metropol-Th. Täglich SV, Uhr mit Dir allein auf einer einsamen Insel Midiael Bohnen. Blfrtd Braan, BitaGooiD. 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Um fo wertvoller ist es. daß die Stadt Verliu gerade l« dieser Zeit neue Beweise ihrer ungebrochene« Tat» kraft gibt. Z« diesen Tagen nehmen die zahlreichen städtische« Strand,«ud Freibäder— Berlin verdient längst die Stadt der Volksbäder genannt zu werde«— ihre« Betrieb wieder aus. Trotz der finanzlellell Schwierigkelle« ist alle, getan worden, um der erholungsbedürftige« Bevölkerung Möglichkeit de» Ausspauneus und der Kräftigung zu geben. Eine völlige Reu. gestaltung ist dem Slraudbadwannfe« zuteil geworden, das. ziveek mätzig und gediegen für jede« Mostenbesuch eingerichtet, nun. mehr als das schönst« volksstraudbad Europa», wen« nicht der well, angefehe« werden kann, wir Berliner könne« stolz auf unser„Seebad" sei», da» so vielen in de« schönen Sommer- «uz noten die Reise an die ferne See ersehe« mutz, wir Sozial- demokrate« dürfe« mit besonderer Genngtnuog feststelle«, dotz e» sozialdemokratische Sladtvertreler waren, die die Er. Weiterung de» riesige« Volksbades und seine« Ausbau ermöglichten und durchsetzten. Unermüdlich war besonder» der Direktor des Stnmdbades. der sozialdemokratische Stadtverordnete Clojus, für.sei»" Bad tätig. Er fand sowohl im Magistrat wie mich in der Stadtoerordnetenversammlung Berstänimis für seine Arbeit und Unterstützung. Der sozialdemokratisch« Stodtbaurat Dr. Martin Wagner liefert« den Gencrolbcbauungsplan, besten erster Abschnitt jetzt vollendet ist. Krüher regierte hier der Gendarm. Noch vor 25 Jahren bestand dort, wo sich heute«n schöner, nicht abzusehender Strand hinzieht, generelles Badeverbot. Schutzleute zu Pferd« und zu Fuß notierten jeden Badenden. Schlictzlich konnte der damalize Landrat, nachdem Polizeiftrasen keinen Erfolg zeigten, nicht umbin, den Wannsee zunächst in einer Strandlänge von tOO Metern für Radende freizugeben. Dos warder Erundstein zum heutigen Strandbad Wonnsce. Mit der Schaf» fung Grotz-Berlins kamen im Jahre 1920 die dem Zweck- verband gehörenden Wälder und Userstreifen in den Besitz der Stadt Berlin, und damit wurde ein Meilenstein aus dem Weg« der Eni» inicklung erreicht. Im Jahre 1924 entschloß sich der Magistrot, das bisherig«.milde" Bad zu übernehmen. Zum vorläufigen Geschäfts- sichrer wurde der Stadtoerorkmete Clojus gewählt. Im Jahr« 1924 wurden dann die alten Leinmcmdzelte abgeristen und mit dem voll ständigen Neubau begannen. Nach dem Muster des schon im Jahre 1912 erbauten Freibades Müggelsee errichtete man die mit Sch'lfrohrdach versehenen cholzhollen. Heute ist nun der erste Bauabschnitt des van Stodtbaurat Dr. Wagner aufgestellten Gcnerolbebauungsplanes abgeschlosten. Beim Bau der neuen massiven Garderobenhallen(die Holz- hallen haben in den Freibädern Grünau und A d l« r s h o f Auf. ftellung gefunden) und Straßen vmrde die Böschung zum Teil ange- schnitten und ein« etwa 500 Meter lang« Böschungsfuttermauer (Stützmauer) gezogen. An diese Mauer sind die 4 großen, massiven Ü m k lei de h a ll e n, da? Strandrestaurant und ein großer Verbrennungsofen angebaut worden. Jede der Um» kleidehallen ist etwa 45 Meter lang und zweistöckig. Im Crd- geschah befinden sich die allgemeinen Umkleideräume, im oberen Stockwerk Dauer, und Wechselkabincn. 10 000 Garderoben können hier unlergcbrachl«»erden. Vor den Gorderobonhallen zieht sich längs des Strandes«ine mit Fliesen ausgelegte, etwa 6 Meter breit« Fahrstraß« hin. die in Höhe des ersten Stockwerkes durch ein« Goleriestraß« überdacht ist. Das ist die Strandpromenade des Wannsees. In den Garderobenhallen und unter den Treppen find die Brausen eingebaut, während die Dächer als Luftbad Verwendung finden. An den Stirnseiten der Gorderobeichallen find Fußspülbecken eingebaut. Die Wäscherei ist mit den modernsten Moschinen und Trockenapparaten misgestattet. Diese Einrichtung bietet Gewähr dafür, daß die Leihwäsche keimfrei au das Publikum ausgegeben wird. Das Restaurant ist am Südende ganz in die Böschung«in- gebaut; bogenförmig mit dem Blick auf den See bietet es un- gefähr für 2200 Gäste angenehmen Aufenthall. Südlich vom Restaurant ist ein« Strondsläch« von ungefähr 150 Meter durch den. Umzug des Vereins„Wannseeoten 1911* freigeworden Dieser Teil des Strandes wird für die K i n d« r, die roährend der Große« Ferien hier Erholung finden sollen, zur Verfügung gestellt und später auch dem Publikum zugänglich sein. Vorgesehen ist hier auch em« be- sonder« Schwimmkampfbahn, di« Direktor Clajus ohne Inonspruch- nahm« weiterer städtischer Mittel einrichten will. Ebenso will man einen großen Landungssteg bauen, um den Besuchern die Mög- lichkell zu geben, das Bad auch vom Master aus zu erreichen. Der obere Teil des Bades, das in einer Höhe von 40 Meter liegend«, mit Kiefern und Laubbäumen bepflanzte Waldgeländ« mit prächtigen Rasenflächen und Lagerplätzen. wird ovo einer nmd 2000 Meter lange« Hochuserprnmevade «Zngesävml. All« Gebäude und Einrichtung««, di« seit 1924 gaschaften wurden. repräientieren beute«inen Anlagewert von rund 3 250 000 M. Di«se Summ« rit zum Teil aus eig«nen Betrieb smillsln der Gesell- fchaft aufgebracht worden, zum Teil müssen di« hergegebenen Bau- tredite von der Gesellschaft verzinst und amortisiert werden. Die «f-ch, Berlin hat außerdem einen erheblichen Teil der Baukosten im Interesse der Dolkegesundheit der Groß-Berliner Bevölkerung - kooö perciu hergegeben. Di« Unterhaltungskosten der gesamten umfangreichen Anlagen, einschließlich der Bepilänzunge,', die gesamten Handlung?- und Beiricl'sunlosten werden von der Gc- sellschaft restlos aus den EinnaHiwn gedeckt. Obwohl 1929 nicht weniger als über eine Million Berliner das Bad benutzten, bereitet die Reichsbahn der Verwaltung bei ollen möglichen Gelegenheiten Schwierigkeiten. Seit langem bemüht man sich, zu erreichen, daß der nächstgelegene Bahnhof Nikolassee seinen irreführenden Namen ändert. Vergeblich! Alle Benuchungen auf Herabsetzung des Fahrpreises in Sonderzügen sind gleichfalls bisher gescheitert. Warum so wenig Entgegenkommen gegenüber der arbeitenden Bevölkerung? Hossentlich ändert die Reichsbahn- Verwaltung ihr« Haltung in diesem Jahre. Dann dürfte das Strandbad Wannsee die Besucherzahl von zwei M i l- lianen, sofern Petrus uns die nötige Sonne schenkt, noch in diesem Sommer erreichen. Line Siadf in Flammen! Wieder Gro�feuer in Bergen.— Ucbcr tOOO Personen obdachlos. Oslo. 16. Mai.(Eigenbericht.) I» eine« der vielen Holzhäuser der norwegische» Hafenstadt Berge» brach heute nachmittag Feuer ans, das rasend schnell»m sich griff und auch ei« Kohlenlager in Brand steckte. Erst nach mehr als fiinfstiindigem Kampf konnte die Feuerwehr, die von Tausenden Freiwilligen nnterstützt wurde, des Feuers Herr werden. Es waren aber bereits gegen 56 Holzhäuser niedergebrannt, fast ebensovtel sind schwer beschädigt. Rund 10 0 0 Personen sind obdach. los. Der Schade» beträgt viele Millionen. Militär ist herbeigerufen worden, um zu helfen, Unterkunft für die Obdachlose» zu schafft» und aufzuräumen. Im Jahre 191(5 ist Bergen schon durch einen gewaltigen Brand heimgesucht worden. Autounglück auf der Avus. Entsetzlicher Tod des Chauffeurs. Auf der Aousbahn wurde gestern nachmittag ein schwerer Wagen der Autofirma Winter aus der Cicerostraße eingefahren. Am Steuer faß der Wsahng« Konstrukteur Brömmel mm der Franklinstraße 20. als Begleiter fuhr der Monteur M e r ch« l ans der Schmidstrah« 10 mit. In sehr hoher Geschwindigkeit war die Bahn bereits mehrmals umkreist worden, als sich gegen 14 Uhr das folgenschwere Unglück, das in seinen Einzelheiten noch nicht ganz geklärt werden konnte, ereignete. In nächster Röche de» Kilometer-- steins 5 geriet der Wagen plötzlich ins Schleudern, das Auto drehte sich dabei und überschlug sich. Dos Verdeck wurde zum Teil weggerissen und Brömmel, sowie sein Begleiter wurden auf die Asphallbahn geschleudert. Merchel kam wie durch ein Wunder mit geringfügigen Verletzungen und Abschürfungen davon. Bröm- mel dagegen lag neben dem verunglückten Wagen blutüberströmt und regungslos am Boden. Aerztliche Hilfe vmr bereits vergebens, dem Ilaglücklichen mar von der zertrümmerten Madschuhscheibe buchstäblich die Sehl« durchschnitte« worden. Die Leiche wurde ins Eharlollenburger Schauhaus gebracht. Die weitere Untersuchung über das Avusunglück wurde im Laufe des Abends noch von dem Sachverständigen, Oberkommistor Militmann, sortgesetzt We einwandfrei festgestellt worden ist, hatte der Wagen eine Geschwindigkeit von 165 Kilometer. Sl« wolle« uicht» als Radau. Zu unserem Bericht über die letzte Stadtoerordnetenversammlung bemerken wir. daß der Stadtverordnete Krüger nicht der nationalsozialistischen. sondern der d e u ts ch n ati o na l« n Fraktion angehört. Wochmdi Ausflüge in die w Eberswald« als Wocheuendzentmm. Der Wasserfall im Eherswalder Forst. Was Potsdam und Brandenburg im Westen, Strausberg im Osten als Ausflugszsnlleil bedeuten, gill für den Norden hin- sichtlich Eb«rswaldei zahlreich sind die Touren, ober auch die Spa- ziergänge, die die Stadt, halb Luftkurort, halb Industriefitz, für den länger oder kürzer Verweilenden bereit hält. Unter den erfteren sind Ausflüge, die in Wald- und Hügelgebietc führen, deren machtvolle Schönheit den Eindrücken in Thüringen und dem zah- meren nördlichen Schivarzwold nichts nachgibt. Solcher Art ist naoientlich die durch Postauto verkehr bequem geniachtc Straße VNALSk»HAlftL nach Oderberg. Wer an dem Wasser des Groß-Schiffahrtskanals und der Seen bei Liepe und Oderberg noch nicht genug hat, kann zur Oder pilgern, auf 8 Kilometer langer Wanderung nach Norden von Oderberg aus über Hohertsaathen, Lunow, Stoltenhagen, Stolpe nach Angermünd« oder mit der Bahn südöstlich nach Freien- walde und Schifsmühle sich begeben. Eine Verbindung beider Touren stellt die Wanderung Schiffmühle— Neu-Tornow— Gabow— Alt-Glictzen— Neu-Glietzen— Hohenwutzer.— Hohensaathen dar. Auch das vor Freienwalde an der Bahn gelegene Falkenberg wird gern aufgesucht. Der zweit« Glanzpunkt des Eberswalder Pro graimns ist Kloster C h o r i n und das zwischen Chorin und Oderberg gelegene Waldgebict mit dem interessanten Naturschutzpark Plagefenn(160 Hektar Moor mit drei Werdern), von Chorin in einer Stuiche zu erreichen. Der Seenreichtum der Gegend wird durch den großen und den kleinen Plagesee, den Brodowinsee und den Paarsteiner See gekennzeichnet. Letzterer ist 1000 Hektar groß. Brodowin wird auf zwei Touren berührt: von Kloster Chorin(für das bekanntlich Chorinchen Bahnstation ist) nach Brodowin, dann südlich über Forsthaus Liepe nach Liepe(4 Stunden) oder von Bahnhof Chorin über den Weißen See nach Brodowin, von dort über Behlitz zur Marienseebucht des Paarsteiner Sees und wester zum Forsthaus Vreitefenn am Krcbssee. Von da südlich nach Oderberg.(4 bis 5 Stunden.) Chorin wird auch der besuchen, der den dritten Glanzpunkt, den Werbellinse«, kennen lernen will. Don Chorin geht der Weg über Senftenhütte«ml- weder nach ALH Ullendorf und Joachimschal(Bahnstation) oder nach Allenhof, am südöstlichen Ufer des Werbellinsecs gelegen. Diesen Ort«reicht man auch direkt von Eberswalde durch Bahnfahrt nach Schöpfurth und von da Wanderung nordwärts Steinfurth-Eich- Horst— Menhof(3 Stunden). Die Bahn nach Schöpfurch fährt an dem Jndustrieort Heegermühle vorbei, von wo wir«ine größere Südtour— zum Somichsee und noch Biesenchal antreten können. Die direkt« Wanderung Cberswalde— Schwärzesee— Samith- fee— Biesenchal erfordert 5 Stunden. Das südlich Eberswald« um- gebende Forstrevier bietet zahlreiche kleine Spaziergänge. Bsllebt ist der Rundgang Eberswalde— Spechthausen— Liesentrüz— Bornemannepsuhl— Eberswald«, der uns die Schönheiten des Schwärzetals und des Nonnenfließes«schließt. Hier findet sich auch der hübsche Wasserfall, den unser Bild zeigt. Schöne meltze Zähne.»Auch ich möchte nicht verfehlen, Ihne» mein« größte Aiierkeniwng und vollste Zufricdc-nheit über die „Thlowdont-Zahnpasie" zu übermitteln. Ich gebrauche„Chlorodont" schon fest Jahren und ich werde ob meiner schmim u-eißm Zähne ost beneidet, die ich letzten Endes nur durch den täglich™ Gebrauch Ihr« ..Thlorvdoni-Zahnvaste" erreicht habe." C. Niüchclt, Schwerz. Amt llkiembera, Saaltreis.— Chlorodont: Zahnpaste, Zahnbürsten, Mund« wasser Einheitspreis 1 Ml. bei höchster In allen Chlorodont- BerlaussstellM zu haben. Zrenzel Opfer sexueller phanlaflen? psychologische Ltntersuchung der Hauptbelastungszeugin erscheint notwendig. Das Ergebnis des Melken Tages der Verhandlung gegen den Zlmisvorsieher Arenzel gesialkeie sich noch nn- durchsichtiger als das des ersten Tages. Ts lieh die Forderung nach einer eingehenden psychologischen Untersuchung der Hauptbelastungszeugin, der ISjah. rigen Gertrud außerordentlich dringend erscheinen. Man dachte unwillkürlich an den französischen Fall de la Ronziere, wo«in Offizier aus Grund hysterischer Notzuchts- Bezichtigungen eines jungen Mädchens zu einer schweren Straf« oer- urteilt wurde, an den Fall Langanke, an andere Fälle, bei d«nen di« gerichtliche Entscheidung nicht so sehr von der psychiatri- schen Untersuchung d«s Angeklagten als von der psychologischen Hauptbelastungszeugin abhing. Die Sachverständigen dieses Pro- zesscs hatten nicht die Möglichkeit, Gertrud Frenze! eingehend kennen zu lernen. Die bisher vernommenen Äugen, Prof. Wie demann, dem sie zum erstenmal das Geständnis von dem Grads des mit ihr getriebenen Mißbrauchs gemacht hatte und das Pfarrerehepaar Schenk, das sich ihrer angenommen hatte, er- klärten zwar, daß sie selbstverständlich die«igenartigen sexuellen Phantasien junger Mädchen im Pubertäts- alter in Rechnung gezogen hätten Um jedoch zu beurteilen, wie weit in diesem Fall« derartige Phantasien«ine Rolle gespiell haben könnten, wäre es erforderlich gewesen, sich ganz genau über di« E ig e n a r t der jugendlichen Zeugin zu orientieren Die Aussage der Frau Pfarrer Schenk war nur geeignet, dieser For- derung ganz besonderen Rachdrmk zu verleihen. Gertrud war Mitglied«ines christlichen Iungmädchenkreises, der von der Frau Pfarrer geleitet wurde. Zwei Freundinnen der da. mals noch nicht Fünfzehnjährigen teilten der Frau Pfarrer eines Tages in höchster Aufre gung mit, daß Gertrud ihnen unter Tränen«rzöhlt habe, der Vater wolle sie verführen. Gertrud war trotz allen gütigen Zuredens nicht zum Sprechen zu bewegen, sie nickt« nur bejahend und weinte. Auch in den darauf» folgenden Monaten blieb es bei den Tränen und beim Nick«n. Dann kam Gertrud nach Waltershausen, Frau Pfarrer Schenk nahm sich unterdes auch der H i l d e an, die sich als ein äußerst leichtsinniges Mädchen erwies und auch ihrerseits den Dater beschuldigte. Als Gertrud am 14. Februar erklärte, nicht mehr nach Haufe gehen zu wollen, da sie sich vor dem Vater ängstige und fürchte, sie würde an sich Äind anlegen, da behielt die Frau Pfarrer die Kleine bei sich und bat den Manu, mit dem Voter Rücksprache zu nehmen. Sie selbst sucht« die Mutter auf und sagte ihr, worum«s sich handele. Pastor Schenk bestätigt« di« Aussagen seiner Frau; es sei ihm in erster Linie darum zu tun gewesen, das Kind zu schützen, er habe einen Prozeß vermeiden wollen und nicht aus feindlicher Einstellung gegen den Angeklagten gehandelt. Elf Todesopfer in Lübeck. Entsendung eines bekannten Taberkuloseforfchers. Lübeck, IS. Mai. Aach einer Mitteilung des Lübecker Gesundheitsamtes sind bereite 11 Todesopfer unter den mit den Calmette-Präpa- raten genährten Säuglingen zu verzeichnen. Lei den drei neuen Todesfällen kann nur. einer positiv als Folge der Anwendung des Ealmette-verfahrens angesehen werden. Lei den anderen Fällen kann e» sich a u ch um eine andere Todesursache handeln, wobei die Schwächung infolge der Ealmette�Ernährung die Hauptrolle gespiell haben dürfte. Die Aerzte hoffen jedoch, die meisten anderen der Säuglinge am Leben erhalten zu können. Me der Amtlich« Preußische Pressedienst mittellt, hat der preußische Minister für Volkswohlfahrt sofort nach Bekanntwerden der Erkrankungen nach der Tuberkulose-Schutzbehandlung in Lübeck, den Professor Lange, Abteilungsleiter im Institut für Infektionskrank» Helten„Robert Koch" nach Lübeck entsandt, um sich über die Ursach« der Erkrankungen zu unterrichten. Busch kann nicht verhastet werden. Keine Einstellung des Verfahrens gegen Kah. Der ehemalige Stadtrat Busch ist auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft am gestrigen Freitag durch llmversitätsprosessor Geheimrat Caspar auf seinen Gesundheitszustand unter- sucht worden, da auf Grund der letzten Untersuchungsergebnisse immerhil» mit der Möglichkeit einer Inhaftierung zu rechnen war. Wie jedoch schon aus dem Gutachten des behandelnden Arztes hervorging, ist Busch nach den Mitteilungen, die er am Freitag nach- mittag Staatsanwall Dr. Weißenberg gemacht hat, keineswegs haftfähig. Nach Ansicht des Arztes muß di« Behandlung, die Busch jetzt im Haus« erhält, weiter durchgeführt werden und der Gutachter steht gleichfalls auf dem Standpunkt, daß bei Busch«in neuer Eingriff notwendig werden würde, wenn die Beselligung des Eiterherdes in der Blase durch die setzt angewandte BeHand- lung nicht restlos durchgeführt werden kann.. Schon der Transport des Kranken würde bei seinem gegenwärtigen sehr geschwächten Zu- stand eventuell eine Lebensgefahr bedeuten. Auf Grund dieses Gutachtens wird die Staatsanwallschast, wie wir hören, deshalb von irgendwelchen Maßnahmen absehen. In den letzten Tagen ist durch Staatsanwalt Dr. Weißenberg der Grundstücksmakler Ludwig Sachs mehrfach vernommen war» den, der auch voraussichtlich in der kommenden Woche noch weller gehört werden wird. Augenblicklich finden Zeugenvernehmungen über den Ankauf von Biesdorf und Neu-Cladow statt. Entgegen den Meldungen einer Berliner Abendzeitung ist an amtlicher Stelle von einer Einstellung des Verfahrens gegen den demo- kratischen Stadtrat Katz nicht das mindeste bekannt, zumal Katz selbst überhaupt noch nicht vernommen worden ist. Aitr eine Kundgebung an einem Tage. Eine Verfügung des Polizeipräsidenten. Der Pollzeipräsideat leill mit: Mit Rücksicht aus ver- schledenklich gemachte Erfahrnageu wird der Pollzelpräfldeus in Zukunft nicht in der Lage sein, mehrere Kundgebungen am selben Tage und aus ein und demselbeu Platze zuzulassen. Rur in ganz besonderen Ausnahmefällen wird von dieser grundsätzlichen Regelung abgegaogeu werden, allerdings unter der Voraussetzung, daß zwischen dem Ende der einen und dem Beginn der anderen Veranstaltung ein Zeilraum vou mindeste»» füus Stunden liegt. OaS Rüstzeug der Barbaren. In der Gegend am Görlitz er Bahnhof ist die lleberheb» lichkeit der Hotenkreuzler schon feit langem besonders groß. Ueber» fälle auf Andersgesinnte sind keine Seltenheit. Heute stellt uns ein Gastwirt aus der Stadtgegend eine Postkarte mit dem Bild marschierender Nationalsozialisten zur Verfügung, die auch an meh. rere Berusskollegen von ihm ging und folgenden Text enthält: „Sie werden höflichst gebeten, diese Karte in Ihrem Lokal sichtbar anzubringen. Wir werden den Aushang geheim kontrol» lieren lassen. Andernfalls wir mit Gummiknüppeln, Revolvern und Pieken Ihren Laden aufräumen werden. Aufschüttung Don» nerstag, 20 Uhr. Hochachtungsvoll..." Wir empfehlen den mit dieser Karte beglückten Gastwirten, sie auf diese spaßhaft« Weis« zu verwenden: Sie hängen sie so auf, daß nicht nur das Bild zu sehen; sondern auch der Text zu lesen ist. Dann wird jede? denkende Gast über die Gummiknüppel, dts! Revolver und die Piken, kurz, über das ganze nationalsozialistische Rüstzeug der Barbaren aus humorvolle Weise unterrichtet. Polltische Schlägerei in Schöneberg. Am Innsbrucks, Platz gerieten gestern in später Abendstunde kommunistische und nationalsozialistische Trupps in eine Schlägerei. Drei an dem Handgemenge Beteiligte erlitten Kopfverletzungen. Zwölf der Rowdys— fünf Kommunisten und sieben Hakenkreuzler — wurden von Beamten des alarmierten Ueberfallkommandos f e st« genommen und der Abteilung IA des Polizeipräsidiums zugeführt. Mehrere Hieb- und Stichwaffen wurden beschlagnahmt.— Die Nationalsozialisten veranstalteten gestern am G ö r l i tz e r Bahnhof eine Versammlung. Um die 22. Stunde bildeten sich nach Schluß der Kundgebung Gruppen auf der Straße, die das stattgehabte Palaver fortsetzen wollten. Zu ernsten Zwischenfällen ist es nicht gekommen. Es handelt sich um Jugendliche und um Menschen, nach deren Beruf zu fragen peinlich wäre. Zwischen Kommunisten und Anhängern Hitlers kam es wiederholl zu Aus- einonderfetzungen, bei denen ein gewisses Zitat aus Goethes Gö.z von Berlichingen nach genauer Zählung des Verichterstatters nicht weniger als siebenmal angewandt wurde. Dienstjubiläum eines treuen„Vorwärte"-Lesers. Der Ober- Monteur August Scholz, ein langjähriger Abonnent des„Vor- w ä r t s", Neukölln, Hermannstraße 138, feierte am 16. Mai sein 40jähriges Dienstjubiläum bei der Firma Siemens». Halste. Allgemeine Wetterlage. 46. Mai 4930, abds. gg QMadruj f ©wölken loa. 0 heiter.ahatti bedeckt ® wolkig,® bedeckt'ffegejzaGraupelo 'SduiegsHtHliSewittec�lY/indstille Mitteleuropa liegt zur Zeit im Bereich eines Hochdruckgebiets, das von den Azoren über Mitteleuropa bis nach Finnland reicht. Da aber noch einzelne Druckstörungen vorhanden sind, war die Be- wölkung noch ziemlich stark. Eine solche Störung befindet sich jetzt an der Weser. Aus ihrer Vorderseite stiegen in der westlichen Hälfte des Reiches die Temperaturen allgemein auf 26 Grad oder darüber. Werte, die in den letzten zwei Wochen in Deutschland nicht erreicht wurden. Die erwähnte Störung wird vermutlich weiter nach Osten ziehen, unserem Gebiete aber nur«ine vorübergehende Wetter- Verschlechterung bringen. * wetteraussichlen für Berlin: Teils wolkig, teils heiter, ohne wesentliche Niederschläge. Tagestemperaturen noch etwas höher.— Für Deutschland: Im Norden zeitweise etwas stärker bewölkt, aber nur ganz vereinzelt leichte Niederschläge. Im übrigen Deutschland vorwiegend heiter und am Tage ziemlich warm. Sehen wir Bami vor Sonnenrüste?— Sehen wir Bami vor Sonnenrüste, � dann wird der große Weiße uns fürstlich belohnen und reiche Gaben uns geben, o Brüder! Er, der starke Wanderer mit dem langen Bart, der wie Lianen bedeckt seine Brust, hat offene Hände. Salz wird er geben, Tücher und Perlen und schöne Flaschen! Bielleicht sind die Flaschen nicht leer, o Brüder, Er, der alles vermag, läßt uns schmecken das Wasser, das brennt auf der Zunge, stärker als Strahlen der Sonne die Haut. Ai. Ai, dann rieselt im Bauche die Freude, gibt uns Kraft und Ueberfluß an Gesang! Alles ruht in des Weißen Hand! Er. ist Herr des Salzes, des Weines und unseres Lebens! Sehen wir Bami vor Sonnenrüste, dann ist es gewiß, daß der große Weiße uns reiche Geschenke gibt, Brüder! Es war gegen Ende der großen Regenzeit. Ich kam ben. Flußweg von Dombo nach Bami, beides Stationen der Zivilisation im Dezirk HÄe, der sich vom Aequator bis hinauf zu den Quellen des Blauen Nils erstreckt. Eine ungewöhnlich anstrengende Reise, über zwei Wochen lang ging es flußaufwärts, im Pirog, von vor Sonnenauf- gang bis tief in die Nacht hinein. Und an so einem harten Rudertag gelang es im besten Falle, eine Entfernung zurück- zulegen, die man in der trockenen Jahreszeit ohne Schwierig- keit in ein paar Stunden hätte bewältigen können. Denn das Boot mußte oft gestakt oder geschoben werden. Viertel- stundenlang konnte es auf demselben Fleck stillstehen, völlig unbeeinflußt von Rudern und Schieben, oft glitt es gar ein kleines Stück rückwärts, noch weiter zurück, immer weiter, um plötzlich in neckischer Laune vorzuschießen, abermals still- zuliegen, bis schließlich ein Stromwirbel den Ruderern zu Hilfe kam und sie das Boot unter dem Gesang ihrer dreißig wilden Stimmen vorwärtstreiben konnten. Aber es dauerte festen lange, bis wir in eine neue Un- tiefe gerieten und sich die gleichen Anstrengungen wieder- holten. An mehreren Stellen hatte der Fluß das Waldufer kilometerweit überschwemmt. Drinnen unter den Bäumen sah ich die kleinen Fische aus dem Wasser hervorschnellen, zwischen Stämmen, aus denen man mit Leichtigkeit ein Fünfzigmännerboot hätte aushauen können. Nächtens hörte ich Angst- und Wutgebrüll von Tieren, die nicht zu ihren gewohnten Trinkplätzen hinfanden. Oft mußte ich mein Lager in der Piroge bereiten lassen, aus Mangel an einem Landungsplatz. In dem schmalen Boot war es natürlich nicht möglich, das Kofferbett aufzu- schlagen. Ohne Moskitonetz war ich ben Heimsuchungen aller Arten von blutsaugenden und Ansteckung verbreitenden In- selten preisgegeben. Und das Malariafieber, diese tückische, verheerende Krankheit, machte Streitkräfte mobil, die sogar Eingeborene niederwarfen. Die Ruderer stimmten einen neuen Gesang an: Gewiß erreichen wir Bami vor Sonnenrüste! Aber sollen wir uns dessen wirklich freuen, o Brüder? Vielleicht wird der kleine, böse Weiße uns mit Fesseln Uha, Uha, Uha![empfangen, Aber warum nur? Warum? Weil wir des Stromes reißende Kraft nicht bezwingen, wie di« Weißen und ihr Herrscher Bula Matari befehlen, uns Bakangos, dem Seevolt I Aber der große Gefängnisöffner ist mit uns! Selbst hat er die Macht des Stromes gefühlt! Weiße und Schwarze kann in Ketten er legen, doch nicht den Strom, U�ly niemals! Der geht seinen Weg,» kein Arm hemmt seinen Lauf! Deshalb wird der Gerechte seine Lianen vor Bamis kleinem Weißen schütteln, wenn der uns zur Arbeit in Ketten verdammt. und herrliche Gaben werden unser, o Brüder! Vielleicht auch ein wenig von jenem Wasser, das unsere Bäuche wärmt?! Die Bakangos sind nicht nur die tüchtigsten und ver- wegensten Fischer und Schwimmer des ganzen Kongobeckens, sondern auch seine frechsten Lügner, seine erfindungsreichsten Schwätzer und dreistesten Schmeichler. Daher vertraute ich dem Versprechen der Sänger, daß wir Bami noch vor Sonnenuntergang erreichen würden, nicht so unbedingt. Ein kktzin wenig Hoffnung entfachte die immer erneute Versiche- rung aber doch, und diese Hoffnung wiederum belebte meine Unternehmungslust. Den ganzen Tag hatte ich dösig und hitzegeschwollen im Boot gelegen. Ich griff nach der Post, die ich bei der Abreise von Dombo empfangen und in den verstrichenen Reisetagen schon so oft gelesen hatte. Wesentlich bestand sie aus Befehlen, Rund- schreiben, Gesetzauszügen und Gesetzesänderungen, Druck- fachen aus Boma, alles schon mehrere Monate alt. Diese Papiere schienen mir fast Kleinigkeitskrämereien und Dosen von Bürokratismus zu sein, unmittelbar aus der europäischen Staatsmaschinerie übertragen. Die routinierten Kongobeamten in Boma, die noch nie mehr von Afrika ge- sehen hatten als seine Küste, hatten sie ohne jegliche Anpassung an die örtlichen Verhältnisse losgelassenl Hier wurde verordnet und ausgelegt, als ahnte man nicht, daß die Volksrassen des Hochkongos Analphabeten find, denen Vorladungen, Arbeitsverträge und Immatri- kulationen weiter nichts bedeuten, als nur: Papier! Nur das Ehezeugnis bildete hiervon eine Ausnahme, eine ganz tragische Ausnahme sogar. Seine überaus große Bedeutung begannen die Eingeborenen dort, wo die Missionare ar- betteten, allmählich zu begreifen. Das eheliche Eigentums- recht, das das„Papier" verlieh, wurde, wenn die Frau von anderer Rasse war als der Mann, oft so gründlich ausgeübt, daß von dem„Eigentum" nur noch die Knochen übrig blieben — der Mann fraß seine Frau nämlich auf. Oder waren diese Verordnungen vielleicht Ausdruck eines bestimmten Systems— von höherer Art als der Büro- kratismus? Entsprangen sie wirklich einem bewußten Ver- such„zu verallgemeinern", Rassen und Stämme homogen zu machen, die zahlreicher waren als die Völkerschaften Mitteleuropas und die ein Land bewohnten, wo die Art der Beförderungsmittel allen Verkehr unsäglich erschwerte und wo der Unterschied zwischen den Rassen weit größer war als zwischen Europas Nationen? Oder stellten sie etwa nichts anderes dar, als versteckte Raubgelüste einer Handelsgesellschaft, die„Forderungen" durch ausgesandte Vertreter eintreiben läßt? Eine einzelne Zeile hier und da konnte darauf hindeuten. Durch besondere Schärfe in dem Verlangen nach rascher Steuereintreibung etwa sonderte sie sich aus, als wäre sie aus dem Konzept der Motive unbearbeitet in die endgültige Verordnung über- gegangen. Das konnte aus Unachtsamkeit geschehen sein oder einen deutlichen Wink für die Abgestuften oder wenig In, telligenten bedeuten.-(Fortsetzung folgt.) Einsendungen für diese Rubrik sind «» r U- CS M, Liudeuitrab« 3. ® pariemachn'chien für Groß-Vertin stet,»» du, Bezirkisekretaria« 3. Hof, 2 Treppe» recht», zu richte». 7. strei» üharlotteniurg»»d Spandau. Juristische Sprechstunde findet al» Sonnabend, dem 17. Mai. von 17 bis 1« tibr. im Zugendheim Rostnen. straße i, statt. Gelegenheit zu« stirchenauetrittl 11. strei, Schiineberg. Sonntag, 18. Mai, 9 Ilhr,»i cht ige sfsugblattverbrritung uird Agitation filr den„Vorwärts" im Laubrngelände. Die Genossen treffen sich in der Kantine der Kolonie Deutschland. heule. Sonnabend, 17. Mai: 17. Abt. Di« Sammerlisten„Notopfer" müssen beim Genossen Hähne abgerechnet werden. 2». Abt. Ab 18 Uhr Mugblattverbreitung von den Rahrabendlolalen aus. 29. Abt. Zur sNugblatlverdreitung anläßlich der lfrauenwerbcwocke treffen sich die Genossinnen und Genossen am Ämnabend ab 16 Uhr bei Burg, Prcnz- lauer Allee 189. 83. Abt. Bon 18 bis 20 Uhr sslugblatl Verbreitung zur Frauenwertbewoche vom kokal Wertalla, Hohenlohcstr. 3. 36. Abt. 18 Uhr und Sonntag 9 Uhr sslugblattvevbreitung von den bekannten Lokale» aus. 64. Abt. Chaelotieaburg. Bon 18 bis 19 Uhr Ausgabe der Islugblittter zur shrauenmerbewoche im Jugendheim Rosinenstr. 4. 71. Abt. Wilmersdorf. Die Genossen werden gebeten, in der Zeit von 18 bis 19 Uhr im Restaurant Lau, Hildegardstr. 14, Flugblätter abzuholen. 88. Abt. Ltchtcneabc. 18 Uhr bei Semmler. Kaiser-Wilhelm�Str. 8. Flugblatt. Material abholen. 194. Abt. Kirderschineweide. 18 Uhr bei Tomalla, Berliner Str. 38, Flugblatt. Verbreitung. III. Abt. Treptow. Ab 17 Uhr und Sonntag ab 8 Ubr Flugblattverbreiwng zur Frauenwerbewoche. Alle Genossinnen und Genossen müssen erscheinen. 1., 2. und 3. Bezirk in der„Vorwärts�-Soedition. 4. Bezirk bei Goßmann, 6. Bezirk bei Falkenhagen. 114. Abt. Lichtenberg. Ab 17 Uhr Flugblattverbrcitung van Schwarzer, Gabriel- Mar-Str. 17. 119. Abt. Lichtenberg. 18 Uhr Flugblattverbrcitung bei Bark, Möllendorfstraße. Morgen. Sonnlag. IS. Mai: 9. Abt. All« Mitglieder treffen sich zur Flugblattverbrcitung um 9 Uhr bei Hsibner, Wilsnacker Str. 34. Niemand darf fehlen. 62. Abt. Sharlottenburg. 9 Uhr bei Bade. Kaiserin-Augusta-Allee 62, Flug- hlattverbreitung. gz. Abt. Steglitz. Die Mitglieder beteiligen sich an der Veranstaltung der bundestreuen Arbeite rlportler im Lichterfelder Stadion. 93. Abt. Rcnlölla. 108. und Ivö. Bezirk um 9 Uhr im Lokal Därwinkel Flug- blatwerbreitung. 116. Abt. Lichtenberg. Ab 9 Uhr Flugblattverbreitung. 1. und 2. Sruvve bei Stäber, Jung- Ecke Oderstraße. 3. Gruppe bei Radtke, Mllggcl- Ecke Scharnweberftraßc. 4. Gruppe bei Seipke. Kronprinzen. Ecke Schorn- weberstraße. Erscheinen aller Genossinnen und Genossen erforderlich. 131. Abt. Riederschönhauseu. Alle Genossinnen und Genossen werden gebeten, an der Veranstaltung der Kinderfreunde um II Uhr im Kino Tivoli, Bankow, Berliner Str. 27. teilzunehmen. 137. Abt. Reinickevbors'West. Flugblaltverbreitung. Flugblattmaterial kann vom Dolkshaus, Scharnweberstr. 114, abgeholt werden. Frauenveran staltungen. 13. Alt. Die Flugblattverbreitung findet heute von 17 bis 18 Uhr her Schrevel, Krünthaler Str. 3, statt, klarten �znr Filuweranstaliung am 20. und 27. Mai find noch bei der Genossi» Dietrich, Prrnzenallee 46». zu hoben. Zuugsoziaksleu. Srnppe Prenzlauer«erg. Sonntag, 19 Uhr, Mvanglsse Zusammenkunst hei Genosse Renner. Grellste. 41 lau der Sreifswaltrr Straßel. Reukälln. Heute Teilnahme an der Gaukonferenz in Käri». Radfahrer treffen sich wn 17 Uhr Bahnhof Neukölln. Für die anderen Genossen gilt der Treffpunkt der Berliner Organisation. Gruppe Reinickeudors. Sonntag Fahrt nach Brieselang mit der SAF. Treffpunkt OVi Uhr Jahnhos Gesundbrunnen(U-Bahnhof). Beteiligung aller erwünscht. Gruppe Tempelhof-Mariendorf. Sountag, 18. Mai, Fahrt nach Erkner. Treffpunkt 8sh Uhr Bahnhof Tcmpelhof. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde. IM. Kttit Bankow. Sonntag. 18. Mai, u Uhr, Filmvorführung W im Tivoli, Pankow. Berliner Str. 27. Zur Borfllhrung gelangen: Ohne W Auto durch Afrika. Rot« Fallen,«indcrrcpudlit Namedv a. Rh. Z Erevachsene 60 Pf.. Kinder 26 Pf. W 5. Ittel, Friebvichshain. Heute. Sonnabend. 9 Uhr. müssen alle Zungfalken, die in, Zeltlager gehen, zur Untersuchung kommen, Gelundheitsamt Schilling. drücke sBadeansialt).— Gruppe„Paul Singer". Sonntag, 18. Mai, Fahrt nach Brieselang. Treffen 8 Uhr Modei» Ecke Fruchtstrgße. 60 Pi� Fahrgeld. .. weiße»see. Wir treffen uns heute zur Fabrt nach Meißnershof um ISii Uhr am Antonplatz. Unkosten 86 Pf. Jungsallen und Rote Fallen nehmen aber nur daran teil. Ende der Fahrt Soniitag gegen 20 Uhr. Dien». tag Spielen auf der Planschwiese. Mittwoch Lichtbildervortrag fstr Rote Fallen. Donnerstag Heimabend nur für Jung, und Rrstfallen. Kohe»schS»ha»seii. Wir gehen heute aus Fahrt nach Meißnershol. Treff. pnnkt 16 Uhr Berliner Ecke Freienwalber Straße. Mitzubringen ist: Deck«, Waschzeug und Eßgeschirr, ferner 2 M. Montag, 19. Wai, von 17 bi» 19 Uhr, Spielen auf der Siedlung. Dienstgg, 20. Mai. von 18 bi» 20 Uhr. Turnen in der Schulaula Rocdernstraße(FTGB.). Mittwoch. 21. Mai. fällt au». Donnerstag. 22. Mai. Wir find im Jugendheim Freienwalber Straße von 17 bis 19 Uhr. kteci« Reukäll». Helfcrkrei». Der Kreisvorstand hat beschlossen, den Sviel- platz im Eportpark nicht mehr zu benutzen. Alle Gruppen spielen ab Dien». tag. 20. Mai. auf dem Sportplatz Sonnenallee, der uns immer zur Berfügunq stcbt.— Gruppe Lichttäwpser. Morgen, Sonntag. Fabrt aller Zungfallrn und Roten Falken. Tretfpunkt 7)1 Uhr am Rtngbahnhof Zleukälln. Tiergarten. Rote Fallen. Treffpunkt zur Fahrt nach Zossen heute. 16 Uhr, Kleiner Tiergarten(Denkmol). 1 M Fahrgeld, Trinkbecher und Decke mit. bringen. Dienstag. 20. Rkai. von 17>ch bi» I»>/i Uhr, Kampflieder, und Di». kulsionsabend. Iungfallen. Wir treffen uns am Sonntag um 8 Uhr Bahnhof Putlitzstraße. 50 Pf. Fahrgeld und Trinkbecher mitbringen. Dienstag. 20. Mai. Tanzabend. Nestfallen I. Sonntag. 18. Mai, treffen wir uns zur Fahrt nach Meißnershpf um 8 Uhr Restfallenecke. Mittwoch, 21. Mai, von 17 bis 19 Uhr, Keim Waldenferstraße. Tanzabend. Rrstfallen II. Mittwoch ebenda Leim- abend. Donnerstag, von 1» bi» 20 Uhr. auf dem Bremer Spielvlatz Spielen. R«stsaNe«h«lserI Wir treffen uns zu unserem Kursus am Sonntag, dem 18. Mai. 7 Uhr, Lehrter Bahnhof, vor dem Laupteingang. Kurfusbcginn in Brieselaug 9 Uhr. GiMnostikanzug nicht vergessen. | Sterbetafel der Groß• Berliner Partei• Organisation 5. Abt. Unser Genosse San» Masche. Lothringer Str. 40, ist verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Trauerfeier hat bereit» stattgefunden. Ü1 SozialMcheArbelterjugendGr.-Verlln lllnfendungm für diese Rodest nur an da« Zozendselretartot Berlin«W 68, ttndenftroSe S Fnnktionörverfamnrlung Montag. 19. Mai, ISih Uhr, im Jugendheim Lintcnstr. 4. Tagesordnung: 1.„Politisierung der Jugend in Beruf und Be. rufsfchule." 2. Berufsangelegenheiten. Alle Funktionäre müssen anwesend sein. .Di« Freund« der internationalen Kleinarbeit" veranstalte» beute an- läßlich der Anwesenheit von etwa 60 Dergavbeiterdelegierten au» Groß. Britannien einen Begrüßungsabend um 20 Uhr Im großen Goal de» Gewerk. f-baftsharrfes,«ngelufer. Wir empfehlen unseren interefsterten Genossen den Besuch dieser Veranstaltung. heute. Sonnabend. t7. Atai. Schönhauser«orstabt: Fahrt nach Bernau. Treffpunkt 1« Uhr Gesund. brunnen.— Lmsenftadt: Keim Wassertorstr. 9. 20 Uhr„Buuter Abend".— Eharlottenburg: Heim Rosinenstr. 4. 20 Uhr Elternabend.— Lankwitz: Ab- teilungsvorstand und Jugendbeirat 18% Uhr Bahniws Zeblendorf.Mitte. Werbe- bez-rksoorstandssttzung im Heim des GdA., Zehlendorf, Teltower Ehaussee. Uebernachtung ist angemeldet Sonntag, 9 Uhr. Funktionärkursu». Alle anderen Genossen treffen sich Sonntag um 7 tu Uhr Bahnhof Lankwitz zur Fahrt nach Finieakrug.— Marienfelde-Lichtenrade: Wochenendfunktionärkonferen, des Wcrbebezirls in Rowawe». Treffpunkt 18� Uhr Bahnhof Lichtenrade. Roch- zügler Sonntag 7 Uhr ebendort.—«anmsGnleuweg: Fahrt nach«»nigs- Wusterhausen. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof.— Smnboldthain: Fahrtcuausfchuß. Sitzung beim Genossen Günther. Ufedomftr. 23», IV/i Uhr. «erbebezirk Wedding: Pünktlich IVA Uhr im Stadtbad Gerichtstraße letzter Boteabend Mitgliedsbücher find zur Kontroll« mtt, ichringen. Werbe beztrt Teltowkanal: Jugendherberge de« GdA., Zehlendorf, Teltower Ehaussee. Arbeitsbesprechung«wissen Werbedezirlsvorstand, Abteilungsleitern QfgSfSfllfef—----...«..._______ 18 Uhr Gärlitzer Bahnhof. 2. Gruppe 21 Uhr ebendort. Morgen Treffpunkt Sih Uhr ebendort. �. Morgen. Sonnkag. lS. Mai. Humboldthai»: Wir treffen uns S Uhr Bahnhof Gesundbrunnen. Fahrt nach Strausberg.— Rorden: Fahrt nach Lcrmstorf Trrfspunlt 7 Uhr Bahn. Hof Gesundbrunnen.— F-lkplatz I und II: Radfahrt»ach Bernau-Uetzdorf. Tresspunkt der Radfahrer Sib Uhr„Evlosseum". Gruppe 7 Uhr Bahnhot Ge. sundbrunnen«B-llennannstraße). Sesamttrcffpunkt 12>4 Uhr Uetzdorf.— Hnwoanplatz: Fahrt nach Summt. Tr-sfpunlt 7 Uhr Bahnhof Prruziaucr Allee. — Schinhauser«orstadt: Trefwunlt 7 Uhr Gesundbrunnen. 20 Uhr Heim. abend.— Luisenstadt: Fahrt nach Finkenkrug. Treffpunkt 7 Uhr Kochbahnhof Brinzepstraße.— Tempelhof: Fahrt. Treffpunkt 014 Uhr Bahnhof Tempelhof. Sport. Rennen zu Sarlshorst am Freitag, dem 16. Mai. 1. Nennen. 1. HohenselZ(Kreienbring), 2. Legende, 3. Hol' Duldew Toto: 13:10. Platz: 12, 18, IS: 10. Ferner liefen: Othello, Most(agh.), Kißling, Emigrant, Mentor, Galtgarben kgef.). 2. R e n n e n. 1. Staroste(C. Rupprecht), 2. Neuer Ulster, 3. Felsen. Toto: 36: 10. Platz: 13. 12: 10. Ferner lief: Wildfang. 3. Rennen. 1. Sigmar(Unterholzner), 2. Mein Julius, 3. Viei. Toto: 69:10. Platz: 22,_29, 19:10. Ferner liefen: Don Joss, La Paloma, Brillant, Tiber, Senta, trhalimar, Künstlerin(gef.). 4. Rennen. Annulliert. H.Rennen. 1. Hagen(d. Götz), 2. Ardoritin, 8. Tzalan. Tolo: 48:10. Platz: 22, 30: 10. Ferner liefen: Enkel, Baladin, Turnet. 6. Rennen, t. Sturmbaube(Huguenin), 2. Eiland. 3. Walhall. Toto: 62:10. Platz: 19, 20, 36:10. Ferner liefen: Henvill, Gerald, Tantor, Attila, Laetitia, MaravediS. 7. Rennen. 1. Surha(Häuser). 2. Le. 3. Edelstein. Toto: 36:10. Platz: 15, 16, 18:10. Ferner liefen: FrundSbcrg, Regan, Wuheifu(gef.), Zarenlrone. lieber die Wandlungen im deutschen Partei wSsen lönncn Bände gesprochen werden. Gemäß der neutralen Tendenz, des Rundfunks beschränkt sich der volksbildend? Abgeordnet« von Lindeiner-Wildau auf Konstatierung bekannter Totsachen. Akfrsd K e r r spricht Ge- denkworte für die verstorbene Maria O r s k a. Es sind Worte der Trauer, vielleicht konventionelle Worte, aber dahinter steht dos Wissen um die Persönlichkeit, und in wenigen Sätzen umreißt Kerr das Wesen dieser Frau, ihr künstlerisches Sein. Er gibt ein paar anekdotische Bemerkungen, durchdringt die Gestaltungen, zeigt einen skizzenhaften Ausriß, aber immer wieder dringt er zum Kern vor. Wedekinds„M u s i k" wird abends dem Hörer als Sendespiel serviert. Wedekinds Dichtungen eignen sich fiir den Rundfunk, da sie eigentlich balladesken Charakter tragen, da sich diese Menschen in ihren'Worten völlig entkleiden und Bühnenbild, Haltung und Geste keine entscheidende Roll« spielen. Die Regie Martin K e i b s drängt zusammen, konzentriert und sucht Ballungen auch da. wo sie vielleicht nicht notwendig sind. Keib hat, abgesehen von seiner Freude an zu sprachlich ausgeprägter Großaufnahme, Sinn für das Tempo, das der Rundfunk unbedingt für feine Wirkung braucht. Lest. Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Gellhäkts stell»: Berlin£. 14. Sebastianstr 37—38. Lok 2. Tr Sonntag, 18. Mal. Kreis Berlin-Westen. Für sämtliche Ortsvcreiue Pflichlveranstaltung in Nowowes. Treffpunkt 13 Uhr Bahnhof Reu. bahelsberg. EharloUenburg. Zur Fahrt nach Nowowes Treffpunkt des Ort». Vereins um 12 Uhr Bahnhof Eharloltcnburg. Wilmersdorf(Orlsoerein). 12') Uhr Bahnhof Eharlotienburg, Bahnsteig 0. zur Kundgebung in Rowawes. Pflichianireten. Steglitz(Ortsverein). Zum Kreistrcffen in Nowawes. Antreten IZ'e Uhr Düppelplatz. Nachzügler 13'-.' Uhr Bahnhof Neubabelsberg. Renlälln. Britz. Betciligung in Ziowawes. Pflichlautretrn 12 Uhr Potsdamer Bahnhof. Bahnhofsvorhalle. Köpenick. 10 Uhr Echutzsporloerfammlung im Restaurant Bülow. Hirschgarlenstr. 1. Sportler und Magdehurgfahrer sind eingeladen. Reinickendorf fOrlsorrein). Kameradschaft Kermsdorf. 6)4 Uhr Schule Freiherr- v.-Stein-Slraße. Ausmarfch nach Tegel. 3 Uhr Abfahrt von Tegel nach Pullitz. — Montag, 19. Mai. Arcuzberg. Kameradschaft Südost. Oefsentliche Bevsamm. lung im Reichenberger Kol. Reichenberger Sir. 147, 20 Uhr. Thema:„Theorie und Praxis der Nationalsozialisten". Redner: Arno Scholz. Freie Aussprache. Aktive Kameraden erscheinen eine Stunde vorher in Bundeskleidung. Tempel- Hof(Orisoerem). 20 Uhr bei Ma-Li, erweiterte Borstandssitzung. Lichtenberg (Ortsverein). Ab IS'H Uhr erscheinen Jungmannschaften und Schutzsportler in der alten Turnhalle, Rummelsburger Str. 64. Sanitätsdienst Kamerad Jönicke.— Wcbding(Ortsverein). Sonntag. 18. Wai, Treffpunkt zur Autofahrt nach Pi.tlitz 5'/j Uhr bei Kamerad sillmann, Nazarethkirchstr. 41.— Schöneberg. Friedenau. Sountag. 18. Mai, 12)4 Uhr, Antreten mit Angehörigen Bahn- Hof Großgörfchenftraße. Nachzügler 13)4 Uhr Neubabelsberg.— Wintersport. abteilung. Sonnabend und Sonntag Arbeitsdienst auf unseren neuen Tennis- platzanlagen an der Avus. Früher SEE. Bahnhof Ausstellung. Interessenvertretung, Selbsthilfe der geschädigten Ausland»-. Kolonial- und Grenzland» deutschen E. B. Berlin. Montag, 19. Mai, 29 Uhr, im Schubertfaal, Blllowstr. 194, Mitgliederoerfammlung. Gäste herzlich willkommen. Derein ehem. Krieg-gesangener, Berlin-Südwest. Monatsverfanrmlung heute, 17. Mai. Kreuzbergstraße, Zelt 3. Nepnblilamsche Rednervereinigung. Sozialdemokraten und Evmpathisterende erhalten an unseren Kursusabenden kostenlose Rednerausdildung. Die RRB. steht unier Leitung des Genossen Kerod. Meldungen Montag. 20 Uhr, Anhalt. straße 11, Alter Askamer. Ausspracheabend über das Thema:„Sozialismus und Demokratie". Deutscher Arbeite r-Abstinenten-Bund. Sonnabend, 17., und Sonntag, 18. Mai, in der Fugendherbergr Nowawes, Wochenendkursus. Für den ver» hinderten Genossen Rektor Teuune-Nordhausen spricht Genossin Beruisschul. lehrerin Bater über das bereits angekündigte Thema. Treffpunkt 19 Uhr Alexanderpsatz(Stadtbahn) oder Sonntag 7 Uhr ebendort. Juteressenverband der durch Automobil» und andere Berkehrsunsälle Ge. schädigten®. B. Geschäftsstelle Berlin RW. 40, Rathenower Str. 4(am alten Kriminalgericht). Sprechstunden und kostenlose Auskunftserteilung täglich von 17 bis 19 Uhr. Schntzverband der Untermieter. Montag, 19. Mai, 20 Uhr. Neukölln. Passage. Restaurant, Bergstr. 151— 152(Untergrundbahnhof Bergstraße), Bortrag Redakteur Rauch:„Inwieweit kann eine grobe Beleidigung des Houswiri» ein Aufhebung des Mietsgrundoerhältnisses fein?" Feeiecligiöfe Gemeinde. Sonntag, U Uhr, Pavvclalle 15, Bortrag des Herrn Dr. K. Sturm: Die deistsche Reformation al» gefelllchaftliche Erscheinung. Har» monium: Aus„Die Perlenfischer"(Bizet). Gäste willkommen.— Bezirk Lichte». berg. Dienstag. 20. Mai, 29 Uhr, öffentlicher Bortrag:„Dr. Freud'sche Pfniboanolnse". Referent: H. Atften. Lokal E. Tempel, Gudrunstr. 7. Vereinigung der Freunde von Religion und Bölkerkrieden. Genosse Pfarrer Bleier spricht am kommenden Sonntag, dem 18. Mai, 18 Uhr, in her Tinitatis- - kirche, Eharlottenburg. Korl-August-PIatz. über das Thema: �Das Ehristen. tum und das Lied". Was faAt 6erBär? • //. Pilatus und Bürgenstock beschirmt, Zürich mit semem blauen See und seinem leuchtenden Gestade Rapperswil, die Rosenstadt, Meilen, Küsnacht, Tholwil, Wädenswil, der Zuger- und Walensee mit den reizenden Ferienorten Weesen, Amden usw.. der B o d e n s e« mit Arbon, Ramanshorn, Rorschach, der Bieler und Neuenburgcr See, herrlich im Iura eingebettet. Da- neben die anregenden Schweizerstädte Bern. Basel, Luzern. Zürich, St. Gallen, Solothurn, Genf, Lausann«, die Bodeorte des Tieflandes wie Baden, Ragoz, Rheinfelden, Schinznach, Breltcnbcrg, Acqua- rossa, Box, U Verden usw. Ein Kranz der herrlichsten Blumen, eine oerlockender als die andere, so daß es schwer hält, sich zu ent- scheiden. Und wie nun dieses freundlich« Lenzerwochen ungestüm hereinbricht, das letzte Gräslein mit HoffmmgsglÜck erfüllend, schieb ten wir fast unbemerkt, von Wundern mogeben, in den jungen. üppigen, verschwenderischen Sommer hinein. Lad Grund sOberharzf. Da die Nachfrag« nach ermäßigten Pauschal-HeAküren für die Hochsaison leb hast geworden ist. hat sich die Kur- und Badeverwaltung entfchloffon, diese Kuren gegen einen Tageszuschlaa von 50 Pfg. auch in der Hochsaison durchzuführen. Der Preis für eine I-Wochen-Kur(einschließlich Wohnung, Pension, Bäder, Arzt, Kurtaxe usw.) beträgt dann 146,50 Mark. Die Anmeldung.zu einer Pauschol-Heilkur muß 14 Tage vor ihrem Antritt bei der städtischen.Kur- und Badsverwaltung Bad Grund erfolgen. — Die Bergstadt, die in diesem Jahre das Jubiläum des 75jährigen Bestehens ihrer Kur- und Badeeinrichtungen begeht, plant anläß- lich dieser Feier die Beranstaltung einer Lichtfestwoche in der Zeil vom IS. bis 27. Juni. Ferner werden 3 Ehoraufführunaen des Musikwerkes„Die Zwerge am Hübichenstein" sowie einige Fest- aufführungen eines historische» Schauspieles veranstaltet. Schließlich wird das Ergebnis der Ausschreibung der Vertonung des Harz- spruches„Es grüne die Tanne, es wachse das Erz' bekanntgegeben. Lad Zraukeuhausen am Systhäuser. Die Goldene Aue ist zur Zeit der Baumblüte ein lieblicher Anblick. Wer möchte sich nicht das Blüternncer am Fuße des sagenumwobenen Kyfihäuser-Denkmals ansehen? Ein gern besuchter Badeort zur Frühjahrszeit ist das reizend am Südabhang des Kyffhäufers gelegene Solbad Fronken- Hausen. Die Kurzeit Hot am 1. Mai eingesetzt. Im Unteren Bad- wurde ein wrniermähiger Tennisplatz hergestellt.— Ein« Anzahl Fremde haben sich eingefuirdcn, um sich am Dust des Flieders, der gerade in Fronkenhausen recht üppig wächst, dessen Blau von den Bergen heruntergrüßt, ,)U ergötzen. Zu Ausflügen in die enger- und weitere Umgebung, so z. B. nach dem Thüringer Wald und nach dem Harz, stehen zwei moderne Lerkehrswagen zur Verfügung. Rihrzn. Sie. nach. BeToizngtfls Saebad/ Warmbad Moorbad In Ostpommern. Knrxelt: L Jnni big 1\ flgplembgT. Prosp. durch d. Budevgrwa.lt g, kosten]. ' f> o-l, 7ft& r ry Skro/atose, Par.kihs, BLatarnet, CüJlL, Rhjumui.KraHkJuiietiierHattUAtmmuc*- 0.9 d Vtrdanu*gvy rgaMA 8«i Rhaumatismus, Gicht, Ischias, Frauenlalden Ner- venkrankhaifen. Altersar- scheinungen, Hautleidart, Unfallfolgan sowie bei Kriegsverletzungen hilft BAD SCHLES. radioaktive Schwe-{ felthermen. Moorbäder, Radlurn-Emanatorlum Herrliche Sommerfrische Auskünfte, ftresoekto durch die 1 Badevefwaitunq u. WejsebOnoft| OW* das QeiCbad färfierz u.TCeruen '•"'MBlut-, Frauen-, Nieren-, rheumat Leiden, Basedow. Stärkste kohlensaure Arsen-Eisenquelle Deutschlands. Neuerbaute Wandel- und Trinkhalle. 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Zum Etat der Reichskanzlei mahnt Abg. Rauch(Baqer. Vp.) die Regierungsparteien, sich nicht gegen- fettig Nadelstiche zu versetzen und bittet, die Reichsgesandtschaft in München nicht als„künstig wegfallend"(k. w.) zu bezeichnen. Abg. Torgler(Komm.): Also die'Sozialmisgaben sollen gesenkt werden,«ine so überflüssige Einrichtung will man dauernd aufrecht erhallen. Ebenso überflüssig sind die geforderten 200 000 Mark für Neuausstattung des Reichskanzlerhauses. Zum Etat des Reichs sustizministeriums beantragen die Kommu- nisten ein Mißtrauensvotiun gegen den Minister Dr. Bredt. (Heiterkeit.) Abg. Or. Rosenfeld(So;.): Eine größer« Stetigkell in der Leitung des Rcichsjustizininiste- riums wäre gewiß zu begrüßen, aber nicht etwa so, daß der wirt- schastspartelliche Minister von heute länger im Amt bleibe. Das lännte von ungünstigem Einfluß auf die Justiz fem. Das Reichs- gericht hat sowieso letzthin schon im wirtjchaftsparteilichen Sinne entschieden, indem es nämlich entgegen dem preußischen Fluchtlinien- gesetz von 187S Grundadtretungen bei der Flucllllimensestsetzung als entschädigungspflichtig erklärt; dabei hat das Reichsgericht das preußische Fluchtliniengesetz als der sozialen Bestiminunq der Reichs- Verfassung über das Eigentum widersprechend erklärt, da diese das Eigentum schütze. In ständiger Rechtsprechung war früher das Fluchtliniengesetz als im Einklang mit der preußischen Verfassung von 18Z0 erklärt worden— jetzt auf einmal soll es dem sozialen Geist der Reichsverfassung zuwider laufen, der doch zweifellos weit stärker ist als in der alipreußischen Verfassung. Die Reichsverfassung be- stimmt doch, daß Eigentum verpflichtet, und daß es zum allgemeinen Besten zu verwenden ist. Dieses Reichsgerichtsurteil aber zwingt die Gemeinden zu ungeheuren Entschädigungszahlungen. Der Kläger in diesem Prozeß verlangt von der Stadt Berlin 1,7 Millionen Mark Schadenersah für ein kleines Stück seines Besitzes, dabei hat er für das ganze Grundstück in der Inslations- zeit 20 000 Mark bezahlt! (Hört, hört! links.) Der Reichstag hat die Macht, dieses außerordeist- sich gefährliche Urteil wieder gutzumachen, aber den moralischen Schaden, den ein solches Urteil' an den, Bertranen zur Justiz an- richtet, kann er nicht reparieren. Das Reichsgericht geht rücksichtslos gegen Gesetze vor, die ihm nicht passen, schützt aber veraltete und überholte Gesetz«, die ihm gefallen. Das Reichsgericht stellt sich über die Verfassung, indem es so vorgeht. Ein besonders kennzeichnender� Fall ist der, wo das Reicksgericht ,zu entscheiden hatte, ob der Sohn aus der 1S1Z geschlossenen Ehe des damaligen Herzogs von Croy mit der jüngsten Tochter des amerikanischen Botschafters erbberechtigt sei. Das Reichsgericht erklärte, die Mutler sei als Bürgerliche und als Bürgerin eines Landes, das den Adel abgeschasst habe, nicht ebenbürfig (Lebhaftes: Hört, hört! links.), und zwar könne man das unbedenklich erklären. Dabei schafft die Reichsverfassung all« Vorrechte des Adels und der Geburt ab.(Zurufe rechts: Fürstliches Privatrecht!) Mit der Revolution und der Republik ist«in fürstliches Privotrecht un- vereinbar und kann daher nicht mehr bestehen.(Abg. Dr. Kahl (D. Vp.): Die Reichsverfassung sagt kein Wort davon!) Aber man muß doch die Reichsverfassung nach dem Geist beurteilen, aus dem sie entstanden ist.(Sehr wahr! links.) Die Zahl der erfolgreichen Revisionen und Wiederausnahme- anträge steigt von Jahr zu Jahr. Da wäre es die Ausgabe des Reichsjustizministers, die Rechtsprechung zu besonders sorgfältiger Prüfung der Frage anzuhalten, ob ein Angeklagter wirklich als überführt anzusehen ist. Das Reichsgericht hat aber durch eine Entscheidung den Gerichten gerade die entgegengesetzt« Weisung gegeben! Sa komnll es dazu, daß«in Feldwebel, der den Befehl zum Schwnnmen nicht befolgte. well er krank war, wegen Gehorsamsoerwetgerung verurteilt wurde. Der Oberreichsanwall beantragte die Freisprechung, weil der Befehl nicht rechtmäßig war und auch einem Soldaten nicht zugemutet werden könne, ohne Rot sein Leben zu gefährden. Das Reichsgericht aber verwarf die Revision mit der Begründung: Befehl ist Befehli (Lebhaftes: Hört, hört! links.) Das ist«ine Militarisierung unserer Rechtsprechung wie in der Kaiserzeit. In einem anderen Fall war eine Frau infolge Abtreibung ge- starben. Di« Frau, die die Adresse der„weisen Frau" gegeben hatte, ist bestraft worden. Dann wurde noch der Ehemann angeklagt, und zwar als Anstifter, weil er nicht alles getan habe, um feine Frau davon abzuhalten. Es wurde festgestellt, daß er ihr abgeredet hat. Das Schöffengericht Halberstadt verurteilte ihn jedoch zu neun Monaten Gefängnis und sagt« in der Begründung u. a., energisches Verbot hätte zur Verhinderung der Abtreibung genügt. Zst ein solches Urteil vielleicht die Folge unserer Bemühungen. den§ 218 abzuschaffen, oder ist es eine Folge, daß die Laien sich in der Rechtsprechung nicht genügend durchsehen können? Wir sind stolz aus die Mllwirkung der Laien, aber sie ist an Zalft und Bedeutung ungeheuer zurückgegangen, zum größten Teil nach der Emmintzerschen Verordnung von 1924. Wahrend 1923 von Gerichten mtt Laien noch 348 000 Urteile gefällt wurden, waren es 1926 nur noch 69 000. In der gleichen Zell sind die Urteil« ohne Beteiligung der Laien von 10 000 im Jahre 1923 auf 301 000 im Jahre 1926 gestiegen.(Hört, hört! links.— Abg. Dr. Pfleger (Bayer. Vp.): Diese Statistik ist falsch.) Aber auch materiell ist der Einfluß der Laien in der Rechtsprechung erheblich zurückgegangen. Der Zwischenfall mit Herrn Marschner in Berlin zeigte, wie leicht— Irrtümer über die Stellungnahme der Schössen möglich sind. Bei den Hochoerratsprozessen erklärt das Reichsgericht die von niemand mehr ernst genommenen kommunistischen Agllationsphrasen als Vorbereitung zum Hochverrat: die viel aggreffi�ren Aktionen der Rechtsradikalen dagegen werden gar nicht deachtet. Un- bekümmert um den Wandel der Zeiten hält das Reichsgericht an feiner Auffassung von 1923 fest. Wir verlangen, daß dieser Recht- sprechung ein End« gemacht wird. Im Ausschuß hat der Minister einer Einschränkung des Hochverratsparagraphcn zugestimmt. Das Reichsgericht wendet ihn aber geradezu autokratisch an. Als Berleidiqer in solchen Prozessen weiß man genau, daß oben dle Anklage hineingeworfen wird, woraus uuken die Der- llrleilung herauskommt. 3a, nicht selten weiß der Wachlmeisler schon vor der Verhandlung, welche Tarifflufc im Strafmaß angewendet werden wird. (Hort, hört! links.) Will der Reichstag es sich gefallen lassen, daß das Reichsgericht in einem Beschluß erklärt, die Wiedergabe einer ein- zeknen Reichstagsrede(des Abg. Thälmann) genieße nicht den Schutz des Arttkels 30 der Reichsverfassung?(Hört, hört!) Das ist ein klarer Verfassungsbruch Ist es übrigens richtig, daß der Anwalt der Rechtsradikalen Dr. Grimm mit dem Reichsjchtizministerium über eine Amnestie verhandelt? Wenn diese Amnestie etwa die Fememörder befreien, die Kommunisten aber im Gefängnis lassen wollte, so werden wir uns unsere Stellungnahme um so genauer überlege», als schon die Anwendung der vorigen Amnestie in diesem Sinne gehandhabl wurde, heute noch sitzen Leute Im Fuchlhaus, die von Kriegsgerichten verurteilt worden sind, und über ihre Begnadigung hat keine zivile Stelle, sondern nur das— Reichsivehrminiflerium mitzuentscheiden. Man bestreitet das Bestehen einer Klasienjustiz. Aber im Ausschuß sind genug Beweise für eine, wsnn auch unbewußte Klassen- und Parteijustiz erbrach worden. In einem Fall, wo Anklage wegen Beschimpfung Rathenaus und der Republik erhoben war. erklärt« der Reichsanwalt, es sei keine Beschimpfung im Sinn« des Republik- schntzgesetzes, wenn Rathenau als Jude und Verräter bezeichnet wurde, denn Jude sei er gewesen, und für einen Verräter habe der Angeklagte ihn eben gehalten. Bei dem Ausdruck„Saurepublik" sei nicht klar erkennbar, ob die Republik oder der Reichstag gemeint fei.(Stürmisches: Hört, hört! links.) Das Reicksgerich besteht 50 Jahre. Eine Verjüngung ist drin- gend nötig. Die Altersgrenze von 68 Jahren für die Reichsgerichsmilglieder ist viel zu hoch. Es wäre kein Schaden für die Justiz, wenn man die Entscheidungen der ersten 25 Jahre vernichten würde. Ein eiserner Besen sollte in Bewegung gesetzt werden. Die Hüter der Klassenauffassung, die kein Verständnis für die neu« Zeit haben, können nur Schoden an der Rechtsprechung anrichten. Wir werden unermüdlich arbeiten, um aus der Klassenjustiz«in« Justiz zu machen, an der auch die Arbeiterschaft ihre Freude haben kann.(Lebhafter Beifall links.) Abg. Dr. Everling(Dnat.): Die Kompromisse der alten Koa- lition in der Staatsrechtsreform darf die jetzige Regierung nicht«in- fach übernebmen. Vom Standpunkt der höheren Gerechtigkeit fordern wir Ausfüllung der Lücken der bisherigen Amneftten. Unser vierter Vorstoß dafür war der Antrag des Abg. Treviranus in der Doung-Debatte auf«in« großzugige Amnestie zur Feier der Rhein- landräumung. Der Staat darf nicht Unschuldige, die er gebraucht hat, einkerkern. Die Regierung der Frontsoldaken hat die Pflicht, dem Stahlhelm sein Recht gegen Preußen zu verschossen. Dem kommunistischen Antrag auf Vorlegung einer Statistik der Verurteilungen nach dem Republitschutzgesetz sttnnnen wir zu. Reichsjvstizminister Or. Vredt: Nach der gestern erfolgten einstimmigen Ablehnung der kleinen Justizreform war ich der Meinung, daß der Reichstag auf die Justizresonn im ganzen keinen besonderen Wert legt. Ich sehe, daß ich mich getäuscht habe.(Sehr wahr!) Man mutz aber erst wissen, nach welcher Richtung sich die große Justizreform erstrecken soll. Das Urheberrecht soll in der Weis« geändert werden, daß die dreißigjährige Schutzfrist wie bisher bleibt und sich dann eine zwanzigjährige eingeschränkte Schutzsrist anschließt, wo jedem der Nachdruck von Werken gestaltet ist, aber nur nach Erwerb einer Lizenz. Mit der Erhöhung der Zinsen f ür die Auswertungs- Hypotheken soll der Anreiz geschaffen werden, die Hypotheken nicht zu kündigen. Ein Moratorium soll nur in Fällen besonderer Not eintreten. Die Entscheidung des Reichsgerichts über die Aus- legung des Baufluchtliniengesetzes in der Frage der Freiflächen- beschaffung hat uns bereits zu der oerlangten Initiative ver- anlaßt. Das Bausluchtliniengesetz war ursprünglich zur Crleichte- rung des Straßenbaus bestimmt und lag infolgedessen auch im Interesse der Anlieger. Die Anlieger hoben aber kein Interesse an der Freiflächenschaffung, da dies« keine Wertsteigerung der Grundstücke bedeutet. Eine grundsätzliche Neuregelung wird vom Justiz- Ministerium vorbereitet. Mit Amnestien hat sich das deutsche Volk bisher etwas übernommen. Aber ich gebe Abg. Everling recht, daß «in dicker Schlußstrich unter die Ereignisse bis 1924 gezogen werden muh. Gegenüber Ministerpräsident Braun erfläre ich, daß eine Amnestie anläßlich der Rheinlandräumung nur dann einen Zweck hat, wenn die Fememörder auch sreigelassen werden. (Sehr wahr! rechts.— Hört, hört! links.) Sonst bekommen wir keine Ruhe. Die Besprechung mit dem Anwalt Grimm bestand darin, daß dieser mir seine Denkschrift vortragen wollte, und als ich ihm erklärt«, daß ich sie bereits gelesen habe, gab er sich zufrieden. Weiter habe ich nie etwas mit ihm zu tun gehabt. Reichsgerichtsrat Jörns hol nach seiner Beurlaubung keinerlei Arbeit mehr im Reichsgericht geleistet. Es mag sein, daß er sein Amtszimmer aus privaten Gründen.noch mehrere Male betreten hat.(Abg. Alexander(Komm.): Wozu denn?) Ich versicher« dem Abg. Alexander auf das bestimmteste, daß Jörns nicht mehr im Reichsgericht tätig ist. Die Art der Krittt des Abg. Rosenfeld an den Reichsgcrichtsurteilen kann ich nicht unwidersprochen hinnehmen. Die Richter sollen von Klassenvorurteilen besangen sein. Demgegenüber stelle ich fest, daß ohne das Reichs- gericht die Ueberleitung des alten Rechts, das nach der Reichs- Verfassung erhalten bleiben soll, in die neuen Rechtszustände nach der Staatsumwälzung nie gelungen wäre. Bei der Auslegung der Grunderchtc der Weimarer Verfassung hat das Reichsgericht sich hohes wisienschastliches Lob erworben. Es ist mit dem Justizministerium zusammen bemüht, das all« Recht kontinuierlich dem neuen Rechtsbewußtsein des Volkes anzupasien. (Bravo! bei den Regierungsparteien.) Abg. Bell(Z.): Strcifrechtzresorm, Einsührungsgejetz, neuer Straf- und Zivitprozeß, Reform des Eherechtz und der Anwalts- ordnung müssen gemacht werden, was freilich in diesem Reichstag nicht mehr erledigt werden kann, aber größere Teilnahme des Volkes und auch des Reichstags verlangt. Abg. Dr. Alexander(Komm.): Die Minister wechseln, aber es bleibt der reaktionäre Staatssekretär Joel- und mit ihm Herr Jörns. Ein Berichterstatter, der sich das Reichsgerichtsgebäude ansah und an das Zimmer des Herrn Jörns kam, klopft« an, trat ein und fand Herrn Jörns im Reichsgericht arbeilend vor. obwohl er nach Gerichtsurteil in seinem früheren Amt das Recht gebrochen hatte. 21 Zersetzungsprozesse wurden wegen Verbreitung von Flugblättern geführt, die mir gesetzlich zulässige Forderungen enthielten. Eine theoretische Auseinandersetzung über den Kkieg wurde unter Anklage gestellt. Der Reichstag vertagt die Weiterberatung nm 19'(> Uhr auf heute 10 Uhr. Selbs+vers+ändlich is+ dies eine der vielen schönen Som- merschöpfungen.die sich durch apar+e Far- bengebunq, elegan+e Auss+aH-ung, hervorragende Paßform u.große Preiswürdig keif auszeichnen.Wirfiihren sehenswerte Neuheiten f Damen u.Herren in allen uns.Verkaufsstellen Elektrozukunst in Europa. Oannie Heinemanns Gofina-Programm/ Es geht Deutschland sehr an. Die vreslauer städtischen Elektrizikäls- werke drohen durch das Znsommenspiel des Herrn Oliven von der Gessürel mit dem Elektrosinanzicr D a n n i e heinemann von der belgischen Sofina privatisiert zu werden. Der folgende Bericht spricht über die Sofina und hememanns weitzielende Pläne. Die belgische Sofina ist im Begriff, eins jener Unternehmen zu werden, dessen Tätigkeit die Bevölkerung aller Länder Europos angeht; bis nach Kanada, Mexiko, Argentinien, Siam hat sie ihre Fühler ausgestreckt. Wenn wir hier besonders an ihre Rolle in Deutschland erinnern, so holte man sich vor Augen, dah ihr Einfluh in einer Reihe anderer Länder noch weit größer ist. Internationaler Machtbereich der Sofina. Die enge Zusammenarbeit mit der G e s f ü r e l ist bekannt und mannigfach zum Ausdruck gekommen. Di« Sofina(»Finan- zierungsgesellschaft für Verkehrs- und Jndustrieunternehmungen*) ist am Kapital der Gesfürel beteiligt; Dannie heinemann, der Chef der Sofina, sitzt im Aufsichtsrat der Gesfürel. wie anderer- seits Oskar Oliven, der Generaldirektor der Gesfürel, dem Ber- wallungsrat der Sofina angehört. Auch die Gesfürel ihrerseits ist , ein weitreichender Elektrizitätskonzern mit zahlreichen großen und mittleren Elektrizitätsstützpunkten. An zwei Gesellschaften de» Ges- füref-Lonzenis(Neckarwerke A.-G. in Eßlingen und Elcktrizitäts- werk Schlesien A.-G. in Breslau) ist außerdem die Sofina auch �och unmittelbar beteiligt. Interessant war vor einigen Wochen die aktive Mitwirkung der Sofina, als die Gesfürel von der Stadt Ber- lin das Minderheitsaktienpaket der Elektrizitätswerk Südwest A.-G. übernahin. Die folgende tabcllenmäßige Zusammenstellung gibt ein Bild aller augenblicklichen Beteiligungen der Sofina, wobei .zu berücksichtigen ist, daß ebenso wie die Gesfürel auch die meisten übrigen Gesellschaften Konzerne mit zahlreichen Untergesellschaften und Beteiligungen darstellen. Diesen Konzernen und Gesellschaften leiht die Sosina finanzielle Unterstützung, sei es in Form von Bctelligungen oder von Vor- schüssen; sie ermöglicht so die Erwerbung von Gesellschaften, den Bau neuer Werke und stellt in dem in letzter Zeit verschärften Kampf des Privatkapitals gegen die Unterneh- mungen der öffentlichen Hand(insbesondere Elektrizi. tätsgesellschaften des Deutschen Reiches, der Länder, der Gemeinden usw.) einen Ijöchst aktiven Faktor dar. Bisher galt die Sofina vorwiegend als Finllnzierungsgesell- fchaft. Ihr soeben veröffentlichter Geschäftsbericht entwickelt ein großzügiges technisches und wirtschaftliches Programm. und man darf wohl Herrn Dannie Heinemann, der seine Lausbahn als Ingenieur begonnen hat. nachsagen, daß«r in der Tat sehr weittragende Ziele verfolgt. Der in jeder Hinsicht interessante Ge- fchäftsbericht schildert die elektrizitätswirtschaftliche Entwicklung in allen hauptsächlichsten Industrieländern der Erde und bringt ein- leitend folgende Gedankengänge: „Der Kampf gegen die Verluste(insbesondere die Ra- tionalisierung gemeint. D. R.) ist die Parole der letzten Jahre. Die Elektrizität ist«in wesentliches Hilfsmittel moderner Fabrikation, und nach R. S. Muir(von der amerikanischen General Electric Co.) beirägi in den Bereinigten Staaten der mittlere Preis elektrischer Energie nur den 39 l>. Teil dessen, was die entsprechend« Muskelarbeit menschlicher Arbeitskräfte kosten würde. Aber auch die Elektrizitätserzcugung und-Verteilung selbst muß immer rationeller gestattet werden. So muß z. B. mit den unerschöpflich erscheinenden Wasserkrafireserven in der Weise haus- gehalten werden, daß alle nicht sofort angewandte elektrische Energie aufgespeichert und erst an Orten und in Zeiten hohen Be- darfs abgegeben wird. Hierzu ist die Verbindung der einzelnen VerforgungLnetzs miteinander unerläßlich. Ein Beispiel: In Pennsylvanien(Vereinigte Staaten) werden zurzeit drei größere Elektrizstätsversorgungsnetze mit- einander verbunden. Dies erspart schätzungsweise Werkbauten in Höhe von 40 Millionen Dollar. Ein weiteres Beispiel: Die jetzt in Belgien bei Lütt ich durchgeführten Berlündirngen erlaubten im Jahre 1929. nicht weniger als 12 9 999 Tonnen Steinkohle zu ersparen und auf die Installierung neuer Anlagen mit einer Leistungsfähigkest von 63 999 Kilowatt zu ver- zichten.* Dies« Gedankengänge, die an sich keineswegs neu sind, aber im Geschäftsbericht der Sofina programmatisch wirken, werden ergänzt durch eine Auszählung künstiger europäischer Aufgaben. Das norwegisch- deutsche Elektrizitätsaustauschprojekt, dessen Durchführung 369 Millionen Mark kosten würde, wird erwähnt und weitere Pläne angedeutet: Groß« Dampfkraftwerke werden an den Wassertraftreserven Europas— einerseits Schwedens. Finnlands usw., andererseits der Pyrenäen, d er Alpen einschtteßlich des Tauerngebiets, der Karpathen usw.«inen Rückhalt finden, und die Elektrifizierung eines ganzen Erdteils wird mit einem Mindestmaß von Verlusten sichergestellt sein. Parallelschaltung der Arnanzmächte. Eine parallele Netzverbindung sei ebenso notwendig: die engere Zusammenarbeit der großen Banken und Emis- sionshäuser der Erde, damst auch auf diesem Gebiete der Wirt- schast die Arbeit mtt den kleinstmöglichen Verlusten durchgeführt werden kann. In diesem Zusammenhang erinnere man sich zweier Ding«: daß die Sofina in der belgischen Elaktrizstätswirtschast gemeinsam mit anderen Gesellschaften aktiv an der erwähnten Zentralisierungs- und Rattonalisierungsarbeit mitgewirkt hat, und daß auch auf dem Gebiet eine Zusamnienarbeit aller großen Wellbanken gerade von der Sofina«ingelettet worden ist: als sie vor V/i Jahren umorganisiert wurde, hat sie an ihrem Kopital«ine ganze Reihe großer Banken beteiligt: in Belgien die Banque de Bruxelles(yach- träglich auch die Societe Generale Belge), in Frankreich die Union Parifienne und das Comptoir National dEscompte, in Deutschland die vier v-Vanken, Berliner Handelsgesellschaft usw., in Italien die Banca Commerciale Iiallana, in Eng- land die Midlandbant und so fort. Schon mehrmals ist die enge Zufammenarbett dieser Banken rnst der Sofina und den ihnen nahe- stehenden Gruppen in Erscheinung getreten. Diese Tatsachen entsprechen somit durchaus dem im Geschäftsbericht skizzierten Wirtschastsprogramm. Man wird daher anzunehmen haben, daß die Sofina versuchen wird, sich an allen Werk- und Leitungsbauten von internationaler Bedeutung zu beteiligen und vielleicht auf d'ese Weife die zahllosen von ihr direkt oder In dirctt-toiür Olli ttUti Ge- , sellschaften und Netze miteinander in Verbindung zu bringen. Akti- vität und Kapttalkraft dieser Gruppe sind außerordentlich groß. Die deutschen öffentlichen llnkernehmungen. das Reich, die Länder, insbesondere die Kommune werden gczwun- gen sein, sich an dieser Großzügigkeit ein Muster zu nehmen, sich rechtzettig zur Durchführung gemeinsamer Projekte und zur Schaffung einheitlicher Netze zusammenzuschließen, sich auch an internationalen Unternehmungen dieser Art zu beteiligen, ehe die Möglichkeiten hierzu von den großen privatkapitalistischen Grup- pen nwnopolisiert worden sind. Denn die Zukunft der Elektrizi- tätswirffchaft liegt, wie der Sofina-Bericht mit Recht betont, bei den ganz großen Kraftwerken und Leitungsnetzen, die ganze Länder versorgen.— h. Kerkelflucht aus Deutschland. Verheerende Wirkungen der Einwhrscheiae und des Kuttergerstenzolles auf die Schweinemast. Wir entnehmen dem Getreivewochenberücht der Zeitschrift„.Hansa- bbnn* vom 19. Mai 1939: „Auch Gerste litt unter der allgemeinen Lustlosigkeit im Ge- ireidehandel, besonders aber unter dem verderblichen Einfluß des hohen Zolles Die durch den Zoll so unfinnig verteuerte Gerste hat die Schweinemast unrentabel gemacht und zwingt die Landwirte und Mäster, ihre Schweine, ob reif oder unreif, in großen Massen an den Markt zu bringen. Eine Neuauffüllung der Ställe unterbleibt fast allcnt- halben, weil unter dem Einfluß der Einfuhrscheins die Ferkel von holländischen und dänischen Mästern in großen Mengen aufgekauft werden zu Preisen, die der hiesig« Landwirt und Mäster nicht zahlen kann. Die Maßnahmen eines deutschen Er» nährungsministeriums bewirken daher, daß die holländischen und dänischen Mäster mtt Hisse der Reichs stnanzkasfe auf dem Weg« über die Einfuhrsckieine villig« deutsche Ferkel kaufen können und diese ausländischen Konkurrenten unserer deutschen Landwirtschaft infolge des zollfreien Futtergetreides(Gerste und Mais) so billig werden Schwei,« mästen können, daß sie, sobald . die Schweine schlachtreis sind, solche viel billiger und mit besserem Nutzen nach Deutschland liefern können als der deutsche Landwirt, denn der Zoll der Schweine beträgt im Verhältnis nur ungefähr 39 Proz. des Gerstenzolls. H o f f e n t- l i ch entdeckt man im Crnithrungsministcrium den verderblichen Zusammenhang dieser Dinge noch rechtzeitig genug, um einen völligen Zusanunenbruch der nordwestdeuffchen Biehwirtschoft vermeiden zu können." Das sind also die Wirkungen des Futtergerstenzolls und des Einfuhrscheinesl Zuerst wurden der nordwesideiitschen Landwirt- fchaft ihre Futtermittel derartig durch, einen Zoll verteuert, der hoher ist als der Weltmarktpreis für Futtergerste, daß selbst bei Verhältnis- mäßig günstigen Schweinepreisen die Mast keine Gewinne mehr abwirft. ja, daß bei den zu erwartenden sinkenden Schweinepreisen sehr bald die Schweinemast ein Bertustgeschäst wird. Est» Ehaos In Ilordwefideulschland. da Abschlachten der Ferkel und Schweine in jedem Alker ist die Folge dieser nnflunigea Politik. Aber mcht nur die gegenwärtige Schweineproduktion wird hierdurch betroffen, son- dorn durch die Gewährung außerordentlich hoher Exportprämien für ischweine und Ferkel wird ein« zwangsweise Ber- schleuderung der Ferkel ins Ausland bewirkt. Denn wenn die dänischen und holländischen Landwirte 4,50 M. für Futtergerste ! pro Zentner bezahlen müssen und außerdem auf Kosten des Deutschen Reichs ihre Ferkel halb geschenlt bekommen, dann können sie noch mtt Gewinn Schweine produzieren bei einem Schwcinepreis von 33 bis 49 M., während in Deutschland die Grenze der Rentabilität ungefähr zwischen 69 und 63 M. liegt. Das einzige Mittel, um diesen Ausverkauf der deutschen Ferkel zu verhindern, ist die Aufhebung der Einfuhr- scheine fürFerkel. Außerdem ist es aber dringend notwendig, nunmehr endlich die Herabsetzung des Futterger st en- zoll.es bei gleichzeitiger Roggenbezugsverpflichtung, wi« sie von der sozialdemokratischen Fraktion und auch von der deutschen Bauern- schast im Reichstag wiederhott verlangt worden ist, durchzuführen. Monopolgewinne des O'noleumtrusts. Der unter deutscher Führung stehende internationale Linoleumtrust wird mtt seinen einzelnen Tochterunternehmun- gen für 1929 wieder eine Dividende von 13 Proz. auszahlen. Das Unternehmen, das 1928 ollein in seinen deutschen Betrieben einen Umsatz von etwa 199 Millionen erzielt«, Hot im letzten Jahr sein« Umsätze weiter erhöhen können. Da auf der Ausgabenselte sich die Unkosten infolge der schar- fen Rationalisierung gesenkt haben, anderersette aber im vergangenen Jahr die Preise zweimal heraufgesetzt wurden— «ine dritte Preiserhöhung folgte im Februar dieses Jahres—, wer, den neben den 13 Proz. Aktiomirsgewinnen noch schwere Reserven aufgestapelt sein._ Europäische Tonfilm-Wochenschau? Die Chancen der deutsche« Tonfilmindvffrie. Di« Klangfilm-Tobis-Gruvpe hat ibren Arbeits- geraeinfchaftsvertrag mit der führenden schwedischen Filmgruppe, der Svensk-Film-Industri A. B. in Stockholm, erweitert; es sollen gemeinsam« Tonfilms gedreht und auch Tonfilm-Expsditio- nsn unternommen werden, u. a. ein« in da» Polargebiet. Darüber hinaus sollen' Verhandlungen zwischen beiden Partnern darüber ge. pflogen werden, die die Schaffung einer europäischen Tonfilm-Wochenschau zum Ziel haben. Erst vor knapp zwei Wochen wurde das Abkommen der deutsch- bolländffchen Tobis-Küchenmeffter-Gruppe mit dem amerikanischen Filmkonzern Warner Brothers bekannt. Kurze Zeit vorher erfolgte der Vertragsabschluß mtt der großen französischen Filmgruppe Gaumont-Aubert-Franco-Fittn. Achnlich« Verträge be- fiähen ferner n«i Kner britkfch en Gruppe. Silf dWe Wdse rw« fu/cht die europäische Gruppe, den Tonfilmen— ähnlich wie in den Bereinigten Staaten— einen größeren einheitlichen Markt zu schaffen: und wenn auch in Europa sprachliche Verschiedenheiten hinderlich sind, so ist ein größeres einheitliches Feld für die Tobi-- Klangfittn-Patente bereits als wesentlicher Fortschritt zu buchen. Der Marttunterschied zwischen Europa und Amerika ergibt sich aus folgenden Ziffern: Ende des Jahres 1929 waren in den Vereinigten Staaten von etwa 22999 Kluotlzeatcrn bereits rund 9999 mtt Tonfittnwiedergabeopparaten ausgestattet.� In Deutschland aber waren es von H399 nur knapp 399: gegenwärtig sind es etwa 439, und im Herbst soll diese Zahl auf 999 anwachsen. Nur durch Ueberbrückung der nationalen Grenzen wird es der europäischen Tonfittngruppe möglich sein, den gewaltigen Marktvorsprung des amerikanischen Toirfittns auszugleichen. Die Ernte des Papierkapitals. Afchaffenburger Zellstoffkonzern zahlt 12 Prozent. Wenn es gatt, wirtschaftlichen Zweckpessimismus zu treiben, sind die Zellstoff- und Papierfabrikanten stets zur Stelle gewesen. Auch im letzten Jahr haben die Klagen dieser Indu- strie über schlechtePreise. oerschärfte Auslandskonkurrenz und zuhoheLöhneinden deutschen Betrieben kein Ende genommen. - Wie glänzend es dabei den großen Zellstoff- und Papierkonzernen tatsächlich gegangen ist, zeigt der jetzt veröffentlichte Abschluß der AG. für Zellstosf- und Papierfabrtkation in Aschafsenburg. Der Rohgewinn dieses Unternehmens er- höhte sich 1929 von 7.7 auf 9.1 Millionen Mark. Trotz beträchllich heraufgesetzter Wschreibung von 1,72 Millionen liegt allein der ausgewiesene Reingewinn rntt rund 3 Millionen Mark um rund 39 Proz. über den Ergebnissen des schon sehr guten Konjunkturjahres 1928. So ist die Gesellschaft auch ohne weiteres in der Loge, auf das von 14,4 auf 23 Millionen erhöhte Kopttal die gleich hohe Dividende von 12 Proz. zu zahlen. Die hierfür erforderliche Summe erhöht sich infolge der Kapttalherauf- setzung um eine volle Million auf insgesamt 2,7 Millionen Mark. Daß auch in der Zellstoff- und Papieriiürustrie die Unternehmen von der Rattonattsterung kräftig profit iercrr. beweist die Tatsache, daß trotz der erhöhten Umsätze und Gewinne die U n k o st e n st a b i l geblieben sind. Die Betriebe des Konzerns, der im letzten Jahr auch die Memelcr Zellstoff- und Papierfabrik aufgekauft hat. waren das ganze Jahr über voll beschäftigt. Hohe Zemenidividenden. Der Abschloß des fchlesifchen Zementkonzerns. Der führende ostdeutsche Zementkonzern, die Schle fische P o r t l a n d z e m o n t- I n d u st r i e AG. in Oppeln, hat ebenso wie der große süddeutsche Zement-Konzern Heidelberg- Mannheim den Rückschlag auf dem Baumarkt verhältnismäßig wenig zu spüren bekommen. So hat sich trotz des Absatzrückganges der Bettiebsgewinn nur wenig— von 19.5 auf rund 19L Millionen— verringert. Die Abschreibungen bleiben mtt 2,77 Millionen sehr hoch, obwohl nach Be- endigung des Bauprogramnis im letzten Jahre kein weiterer Anlagenzuwachs zu verzeichnen war. Der Reingewinn ist van 4 auf 3,8 Millionen leicht gesunken, jedoch bleibt die Dioi- dende mit 12 Proz. unverändert. ------ Bemerkenswert ist der Hinweis im Geschäftsbericht auf den sogenannten Gcgenseitigkeitsvcrtrag mit dem süddeutschen Zement- kanzern Heidelberg-Mannheim. Die Bcrwattung weist in ihrem Bericht darauf hin. daß dieses Abkommen sich unabhängig von der jeweiligen Organisation der Zememindustrie günstig auswirken werde. Dieser Vertrag der beiden Großkonzerne stellt nichts mehr und nichts weniger dar als die Verpflichtung, sich gegen- fettig nicht die Kreise zu st ö r e n. Da die Zementsynditate infolge der Vorstöße des westdeutschen Wickingkonzerns etwas brüchig geworden sind, tjabcn diese beiden Großkonzcrne zur Verewigung ihrer bequemen Vlonopolrenten dieses Abkommen geschlossen, um auch nach einem etwaigen Auf- fliegen der Zemcntsyndikate weiter ihren sicheren Markt zu behalten. (Stark verminderte Eisenproduktion. Wie die Zeitschrift„Stahl und Eisen" mitteiU, stellte sich die Produktion der deutschen Hochöfen im April an 30 Arbeitstagen auf 901 358 gegen 1 007 576 Tonnen an 31 Arbeitstagen im März. Di« Produktion im April v. I. stellte sich insolge des kräftigen Früh- jahrsaufschwunges auf 1,11 Millionen Tonnen. Die durchschnittliche orbeitstägliche. Leistung ging im Berichtsmanat von 32392 auf 39 943 Tonnen zurück. Gegenüber dem April 1929 hat sich die arbeitstägliche Leistung im Bcrichtsmonat um 23 Proz. gesenkt. Roch ungünstiger ist die Entwicklung bei den Stahlwerken gewesen. Die Erzeugung von Rohstahl ging von 1,2 Millionen Tonnen im März auf 1.93 Millionen Tonnen im April zurück. Mit einer arbeitstäglichen Leistung von 43058 gegen 46224 Tonnen im März liegen die Ergebnisse im April um KB Proz. unter denen des Vormonats. Noch schärfer kommt der Konjunkturrückgang in diesem Frühjahr bei einem Vergleich mtt den einsprechenden Monaten des Vorjahres zum Ausdruck. Mit einer Gesamtproduktion von 1,41 Millionen Tannen und einer arbettstäglichen Leistung von 56652 Tonnen im'April 1929 ist die Stahlproduktion im Berichtsnionat arbeitstäglich um mehr als 30 Proz. zurückgegangen. l�eichsausschuß für das Zugabeverboi. Am Freitag hat sich in Berlin ein Reichsausschuß für das Verbot von Zugaben gebildet. Er will alle Kreise zusammenfassen, die entschlossen sind, den Kamps gegen die Verwilderung der Weit- bewcrbssitten auszunehmen. In der Erkenntnis, daß die Zugabe das typische Bild dieser Auswüchse des Konkurrenzkampfes bestimmt, erstrebt die unter parlamentarischer Führung stehende Organisation die völlige Unterbindung der einschlägigen Geschäftspraktiken. Reichsjustizminister Dr. Brcdt soll gewillt sein, einen entsprechenden Gesetzentwurf, der sich in Dorbercttung befindet, den gesetzgebenden Körperschaften mtt tunlichster Beschleunigung zugehen zu lassen. Vertrustung in der tthrenlaimstric. Wi« jetzt von der Perwal- tuna des Iunghan«. Konzerns mitgereitt wird, sollen die bisher durch eine Interessengemeinschaft verbundenen Unleruehmun- gen Gebrüder Junghan» A.-G.. Schramberg. die Hamburg- Amerikanisch« Uhrenfabrik Schramberg sowie die Bereinigte Fr«. burger Uhrenfabriken A.-G, völlig verschmolzen werken. Da die Gedrudcr Iunghan» A.-G. bereit» fast den gesamten Aktien- bestand der beiden anderen Unternehmungen besitzt, so ist diese Ber- schrnelzungsaktion nur organisatorisch von größerer Ledeu- tung. Reben steuerlichen Borteilen erwartet der Iunghans-Konzern von der Berschmelzung eine verstärkte Stoßkraft der ,zu- fammengefaßten Fadritaüan und Ersparnisse durch die Zusammen- lsgung de? Verwctttung. Katastrophe des Arbeitsmarktes. Größie Arbeitslosigkeit seit dem Kriege. Sie kommt vom Naumarkt. Der Mcti-Bcricht des ADGB. über den Stand der Arbeitsiosig- kcit in den Verbänden bestätigt das unerfreuliche Bild, das bereits auf Grund der Angaben der Rsichsonstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung zu erkennen war: die Arbeitslosigkeit fleht gegenwärtig auf einer-flöhe, wie sie seit dem Kriege zu dieser Jahreszeit noch niemals erreicht wurde. Von 1») Gewerkschaftsmitgliedern waren arbeitslos: 2Kanatsende 192Z 1924 1925 1926 1927 1928 1929 1950 Januar.. 4.2 26,5 8,1 22,6 16,9 11,4 19,4 22,2 Februar.. 5,2 23.1 7,3 22,1 15,9 10,5 22,3 23,7 März.. 5,6 16,6 5,8 21,6 11,8 9,3 16,8 21,9 April... 7.0- 10,4 4,3 18,7 9,0 6,9 11,1 20.5 Nur im Jahre 1926 war im Frühjahr eine ähnliche Stagnation zu beobachten. Damals konnte man aber von einem einmaligen Opfer reden, das die Arbeiterklosse bringen muhte, damit die Ra- Pönalisierung der Betriebe den Weg zum Aufstieg der Wirtschaft und zur Wiedereinstcllung der abgestoßenen Arbeitskräste vorbereite! Jetzt wird aber die grausame Lage auf dem Arbeitsmarkt vom Unternehmertum lediglich für den Druck auf die Löhne und die Sprengung der Sozial- Versicherung ausgenutzt. Die flauptursache der katastrophalen Lage auf dem Arbcitsmarkt ist die t i e f e Depression im Baugewerbe. In der Regel liegen bei uns die Bauarbeiten ün Dezember, Januar und Februar still. Im März beginnt man wieder zu bauen, End« April stich bereits die Bauberufe ziemlich gut beschäftigt, im Mai arbeitet man mit Hochdruck. In diesem Jahre aber blieben die üblichen Bau- austrage aus. und Ende April herrschte in den Bauberufcn eine Arbeitslosigkeit, wie sie bis jetzt nur im tiefen Winter festzu- stellen war. Bon 100 D-rbandsmitgliedern waren arbeitslos: Verbände: Baugewerksbund. Zimmerer... Dachdecker... Steinarbeiter.. Code Ende Ende ZXriembcr Januar Frdrudc ,S2S I!>S0!SS0 > 53,0 57,3 62,4 , 52,5 62,5 66,2 . 59,0 63,0 74,7 . 58,3 58,4 59,0 Ende«»de Würz«pril isso 1KO 51,9 45.1 60,0 51.4 67,2 53,7 48,4 41.4 Das Ausmaß der Katastrophe, in dessen Zeichen die Bauwirt- schaft steht, wird am deutlichsten charakterisiert durch den Vergleich der durchschnittlichen Arbeitslosenzahl in der Saisongruppe zu dieser Jahreszeit während der letzten sieben Jahre- Ende April betrug diese Zahl: im Jahre 1924.,»,,»»»» 13,4 Proz. 1925 5,0» 1926 24,9» 1927 11,9 0 1928......... 12,0„ 1929 19,2„ 1930 42,9„ Was die Konjunkturgruppe betrifft, so traten hier im April keine besonders wichtigen Veränderungen in Erscheinung. Im Durchschnitt für sämtliche Berufe der Gruppe betrug die Arbeits- losigkeit bzw. Kurzarbeit: Arbeitslosigkeit Kurzarbeit Ende November 1929.... 10,2 8,6 Ende Dezember 1029..... 12.8 9,4 Ende Januar 1930..... 14.2 12,6 Ende Februar 1930..... 15,0 15,1 Ende März 1930...... 15,1 14,7 Ende April 1930...... 15.2 14,3 Es scheint, daß bei den beiden Zahlenreihen der.Höhepunkt erreicht worden ist und wenn man nun die Ablösung des Stillstandes durch einen allmählichen Rückgang der Arbeitslojenzahlen erwarten könnte. Mit voller Sicherheit läßt sich aber dieser Schluß nicht ziehen, da die geringe— leider verschwindend geringel— Besserung der Beschäftigung in einzelnen Berufen sich zum Teil aus den Saison- cinflüssen erklären läßt, während in den anderen Berufen eine weitere Verschärfung der Depression festzustellen ist- In der Schwerindustrie, ebenso wie in der Tcxtil- und Glasindustrie steigt die Arbeitslosigkeit an. flier waren arbeitslos bzw. standen in Kurzarbeit von 100 Verbandsmitgliedern: warm»rbrltswa Februar Mörz April Bergarbeiter.. 4,3 4.7 6.3 Metallorbeiter..15,7 16,6 17,0 Textilarbeiter.. 12.8 13.« 14,8 Glasindustrie.-. 18,0 19,0 20,2 stände» In Kurzarbeit Februar MSrz April 31.0 25.2 21.4 19,4 19.6 19,3 26,8 30,3 314 11,2 10,1 9,4 Dagegen giiü» im April die Arbeitslosigkeit zurück: in der Porzellanindustrie(von 14,6 aus 13,4 Proz.). in der Ehemischen Industrie(von 13,7 auf 13,1 Proz.), im Bekleidungsgewerbe(von 18,0 auf 14.0 Proz.), in der Lederindustrie(von 21,9 auf 20,6 Proz. bei gleichzeitiger Verminderung der Kurzarbeit), in der Zucker, und Konservenindiistrie(von 16,4 auf 15,4 Proz.), im Nahrungsmittel- und Geträlckegewerbe(von 10,7 auf 10,2 Proz.), in der Tabak- industrie(von 21,3 auf 204 Proz.) und im Organisationsbercich des Gcfamtverbandes(von 7,1 auf 6,7 Proz.). Im flolzgewerbe und Vervielfältigungsgewerbe blieb die Lag« unverändert. Wenn man die Arbeitslosen, zahlen in der Saison- und Kon- juntturgruppe miteinander vergleicht, bemerkt man, daß Ende April die Spanne zwischen den beiden Zahlen mehr als 27 Proz. war (42,9 bzw. 15,2 Proz.). In den früheren Jahren hat dies« Spanne — zu dieser Jahreszeit— nur einmal 10 Proz. erreicht,— dies war im Jahre 1926, beim ungewöhnlich späten Winter. In diesem Jahre hätten die Witterungsverhältnisse bereits im Februar die Wiederaufnahme der Bauarbeiten gestattet. Die Zerrüttung der Bauwirtschast ist in diesem Falle keine saisonüblich«, sondern eine ausgesprochen konjunkturelle Erscheinung: es handelt sich hier um«ins ungewöhnlich tiefe Sonderkrise(wie es Sonder» koniunkturen gibt). Dies ist mit besonderem Nachdruck gerade jetzt zu betonen, wo man versucht, die dürstige Unterstützung der Opfer dieser wirt» schaftlichen Krise weiter zu kürzen und sich daher auf den „s a i s o n m ä h i g e n" Charakter ihrer Arbeit beruft. Wl. Woytinsky. Ein Kampfjahr der Textilarbeiter. Für 252 242 Personen Tarifverirage.- 6,42 Millionen Mark Ltnterstützungen. Das vergangene Jahr war auch für die deutsche Textilindustrie wirtschaftlich ungünstig. Dennoch haben die Textilindustricllen trotz chrcs Geschreis über die„katastrophale Krise in der Industrie" auch im Jahre 1929 im großen und ganzen gut abgeschnitten. Die Bilanzen der Textllsirmcn lassen dies, wie das in den nächsten Tagen erscheinende Jahrbuch des Deutschen Textilarbeiter-Berbandes ausweist, deutlich erkennen. Der Deutsch« Textilarbeitcr-Berband hat sich deshalb auch nicht abholten lasten, seinen seit Jahrzehnten energisch geführten Kampf um die Verbesserung der Löhne und Arbeits- bedingungen in breiter Front fortzuführen, und er hat dabei beachtenswerte Erfolge erzielt. Das Jahr 1929 war, wie das Jahrbuch sagt, bisher in der Geschichte, des Deutschen Textil- arbeitcr-Berbundes das größte Sampfjahr. Der Verband lzat nicht nur durch Streiks, die mit Aus- sperrungen größten Stils beantwortet wurden, die Lohnabbau- versuche der Unternehmer abgewiesen, sondern auch darüber hinaus ganz ansehnliche Lohnaufbesserungen erkämpft. Besonders Hort war der Kampf in Schlesien, wo allein rund 50 000 Textilarbeiter sieben Wochen lairg gegen ein herrschsüchtiges und profitgieriges Unternehmertum kämpften. Der Plan der fchle- sischen Unternehmer, die auf höheres Geheiß den ersten großen Schlag gegen die bestehenden Löhne in der Textilindustrie führen solllcn, zerschellte an der Macht der Organisation. Lohn-, Arbeitszeit- und Manteltarifbewegungcn wurden vom Deutschen Textilarbeiter-Verband im Jahre 1929 insgesamt 239 ge- führt, an denen rund 420 000 Arbeiter und Arbeiterinnen beteiligt waren. 66 Streiks und Aussperrungen waren mit den vom Deutschen Textilarbeiter-Derband geführten Bewegungen verbunden, an denen 787 Betriebe mit 88038 Personen beteiligt waren und wobei rund 2 770 000 Arbeitstage verlorengingen. An Lohnerhöhungen wurden für 362 092 Beschästigte rund 455 390 M. pro Woche erzielt. Arbeitszeitoerkürzung wurden für 51 160 Personen pro Woche 139 640 Stunden— das smd für den einzelnen Beteiligten rund 2% Stunden— erreicht. Außerdem wurden für 88 851 Personen sonstige Derbesjerunzen der Lahn- und AckeitSbedingunzen. die sich vor allen Dingen aus die Urlaubsfrogc beziehen, erreicht. Abgewehrt wurde ferner durch die im Berichtsjahr geführten Abwchrbewogmrgen für 2650 Personen ein« Lohnkürzung von zusammen 7996,49 M. pro Woche. was auf den einzelnen Beteiligten rund Z M. pro Dock e ausmacht. Di« Zähl der Tarifverträg« konnte von 151 im Jahr« 1928 ans 174 im Jahre 1929 erhöht werden, die sich aus 9665 Be- triabe mit 7S7 24Z Beschäftigten erstreckte. An Streik- und Gemäß- reaeltennnterstützung wurden im Berichtsjahr rund 3860 000 m. an die Mitglieder ausgezahlt. Eine glänzende Leistung für seine Mitglieder hat der Deutsche Textilarbeirer-Verbond auch durch seine erfolgreiche Prozeßführung volwracht. Es wurden insgesamt 1934 Klage» geführt, von den» mm JohreSschwh 688 Klag« mit vollem Echolg«nd 705 Klagen durch Vergleich beigelegt werden kannten. 16 503 Ber- bandsmitglieder waren an den Klagen unmittelbar beteiligt, für die eine Gesamtsumme von 134 853,95 M. eingeklagt und sonstige sehr ansehnlich« materielle Vorteile anderer Art erreicht werden konnten. Bon der Schlagkraft der Organisation in finanzieller flin- ficht zeugen neben der Summe für Streiks und Gemaßregelten- Unterstützung auch die Ausgaben für die Unterstützungsarten des Verbandes und die Ausgaben für Bildungszweck«. Das Jahrbuch besagt hierüber folgende»: Für Bilbungszwecke wurden 1929 insgesamt rund 612000 M. verausgabt. Die Unterstützungsau»gaben des Verbandes für«rwerbs- lose und kranke Mitglieder betrugen rund 2403000 M. Die Aufwendungen für die Reise-, Umzugs-, Sterbe» und Notunter- stützung betrugen außerdem 158 000 211. Insgesamt an Unterstützungen also 6 4 21 00 0 M. Gewaltige Anforderungen wurden also an den Deutschen Textil- arbeiter-Verband im Jahre 1929 gestellt. Seine finanziellen Lcrswn- gen stellen einen Rekard dar. Nur engstes Zusammenwirken der umsichtigen Verbandslcitung mit den rührigen Funktionären und den Mitgliedern der Organisation ist es zu danken, daß der Ansturm des fest zirsammengeschlostenen Textilunternshmertums abgewehrt und das Wirken des Deutschen Textilarbeiter-Berbandes für die Textilarbeiterfchaft so erfolgreich war. M. B. Neiriebsräiewahl bei der Reichsbahn. Sinheitsverband mehr als zwei Drittel aller«Stimmen. Das vorläusige Gesamtergebnis der Wahlen zum Haupt- betriebsrat bei der Deutschen Reichsbahn liegt nun vor. Es haben an Stimmen erhalten: der sreigewerkfchaftliche Einheit?- verband der Eisenbahner 205 665, die christliche Gcwerk- schalt deutscher Eisenbahner(GDE.) 50 686, der Hirsch-Dunckersche Allgemeine Eiscnbahnervcrband(AEB.) 21721, die kommu- n i st i s ch e„Opposition" 21 523. Die Zahl der Wahlberechtigten hat sich gegenüber den Dar- jähren um etwa 30 000 bis 40 000verringert. Durch den Ausfall der Zeitarbeitcr und durch Mastcnentlastungen gingen dem Ein- heitsocrband zirka 20 000 Wühler verloren. Trotzdem fleht er mit rund 205 000, nahezu 69 Proz. aller Stimmen on der Spitze. Der Eücheitsverbavd hat diesen großen Erfolg trotz der Ungunst der Verhältniste und trotz eines von den Gegnern mit besonderer Gehässigkeit und Verleumdungen geführten Wahlkampfes erzielt. Obwohl die KPD.-Zentrale den ganzen Parteiapparat und die kommunistische Press« für die Betriebsrätewahlen in den Denst gestellt hat. ist der erhoffte Erfolg ausgeblieben. Im Gegen. teil, die„Opposition" hat an verschiedenen Stellen empfindliche Verluste erlitten. So verliert sie beispielsweise in der früheren Hochburg Königsberg einen Sitz im Bezirksbetriesrat, wäh- rend der Einlzeitsverband Stimmen gewonnen hat. Außerdem hat die Opposition in den Bezirken Berlin, Erfurt und Halle erheblich« Verluste aufzuweisen, denen nur geringfügige Gewinne an anderen Stelle« gegenüberstellen. Auch der AE2. hat in verschiedenen Bezirken Stimmen stark eingebüßt. Ebenso hat die christliche Gewerkschaft in Bayern zwei Bezirksmandate eingebüßt, während der Einheitsvcrband nicht nur sein« Position behaupten, sondern auch im Bezirk Regensburg die Mehrheit im Bezirksbetricbsrat erobern konnte. Das Ergebnis in Berlin. Bei den Betriebsräte wählen der Reichsbahn im Reichsbahn» dircktionsbezirk Berlin erhiellcn: der Einheitsvcrband 14 401 Stimmen(im Vorjahr 14 053), der Hirsch-Dunckcrjch« All- gemiene Eiscnbahneroerband 4076(3674), die christliche Gewerkschaft deutscher Eisenbahner 988(973), der syndikalistisch« Industrieverband 242(4SI), die kommunistische„revolutionäre Opposition" 3969(4526), ungültig jvaren 431 Stimmen. Insgesamt wurden 23 675(23 677) göltige Stimmen abgegeben. Während die Stimmen der Kommu- nisten, die in Berlin einmal eine groß« Rolle gespielt haben, weiter von über 19 Proz. im Borjahr auf 16,8 Praz. zurückgingen, stiegen die Stimmen des Einheitsverbandes von 59,5 auf 62,2 Proz. Kein Lohnabbau bei den Lithographen. Die Unternehmer ziehen ihre Anträge zurück. Die Lohnabbauaktion der Unternehmer des deutschen Lithographie-»nd Steindruckgewerbes Ist im Sande verlaufen! Der Tarifvertrag für das Lithographie- und Steindruck- gewerbe gilt für ein Jahr unverändert weiter. Das ist das Ergebnis der Parteiverhandlungen, die drei Tage und eine Nacht angedauert haben. Hartnäckig wurden von beiden Verhandlungspartnern die Ab- änderungsanträge zum Reichstarifvertrag vertreten. Di« Unternehmer hatten bekanntlich den Tarif gekündigt und. neben der Verschlechte- rung verschiedener sozialer Tarifposttioncn, einen generellen Lohnabbau um 10 Proz. verlangt. In den Verhandlungen boten die Unternehmer alle Beredsamkeit auf, um den Vertretern der Gehilfcnorganisation weiszumachen, daß diese Maßnahme der einzig« Ausweg aus der schwierigen Lage des Gewerbes sei. Nach der Auffassung der Unternehmer würde eine zehnprozentigc Lohnsenkung auch einen dementsprcchenden Preis- abbau ihrer Erzeugnisse nach sich ziehen, was wiederum eine Er- schließunz der Warenmärkte und verstärkte Beschäftigung zur Folge haben müßte. Fürivahr, eine höchst cinsache„Losung" des Arbeitslosenproblems, auf die die Wirtschaftspotitiker und vor allem die Ge- werkschastssllhrer noch nicht gekommen sind. Die Unterhändler der Gehilfenschaft wiesen ober darauf hin, daß die Wirtschafts- und Arbeitsmarktlage nicht zuletzt eine Kaufkraftfrag« ist, und nach der Theorie der Unternehmer eigentlich die beste Konjunktur herrschen müßte, wenn den Arbeitern überhaupt keine Löhne gezahlt werden würden. Setzten die Gehilfenvertreter also den Unternehmerwünschen de» schärfsten Widerstand entgegen, so taten die Unternehmer das gleiche gegenüber den Forderungen der Gehilfen, die in einer Aufbesterung der Löhne und einer vorläufigen Lehrlingssperre gipfelten. Schließ» lich erklärten die Vertreter der Unternehmer, daß sie die Tarif» kündigung und damit auch die Wbauanträge zurückziehen. Dos Verhandlungsergebnis ist zwar noch nicht von den Tarif- Parteien angenommen worden. Der Verband der Lithographen und Steindrucker empfiehlt seinen Mitgliedern die Annahme, was zweifellos auch in allen anderen Orten des Reiches mit der gleichen Mehrheit geschehen wird, wie es in der Versammlung der Berliner Lithographen und Steindrucker am Donnerstag der Fall war. Maßfchuhmachersireik erfolgreich. Die Arbeit überall wieder aufgenommen. Nachdem der Schiedsspruch des Schlichtungsausfchufses Groß- Berlin vom 9. Mai, der den Stundenlohn der Maßschuhmacher von 1,21 M. auf 1,23 M. erhöhte, von den Unternehmern an-geiwmmen war, stimmten ihm auch die Arbeiter zu, allerdings mit dem Vor- behalt,-daß alle Streikenden wieder eingestellt werden, das Arbeitsverhältnis als nicht unterbrochen gilt, die vor dem Streik angefangene Arbeit bezahlt wird und die Streikwochen bezüglich der Ferienberechnung angerechnet werden. In einer Verhandlung am 13. Mai erkannten die Unternehmer die gestellten Bedingungen mit Ausnahme der Anrechnung Oer Streikwochen bei der Fericiwcvgütung an. Auf dieser Grundlage wurde die Arheitscmfnahme zum 14. Mai vereinbart, die inzwischen in allen Betrieben erfolgt ist. Nur die Firma D a h l q u i st, die während des Streiks aus dem Arbeitgebcrverband ausgeschieden war, crkamite die Der- einbarungen der Organisationen nicht on. In diesem Betriebe wurde der Kämpf wette rgeführt. In weiteren Verhandlungen, die am 14. und 15. Mai mit der Finna geführt wurden, erklärte diese sich ebenfalls bereit, sämtliche Streikende ihres Betriebes wieder«in- zustellen, die Lolinzulage von 2 Pf. die Stunde und die bereits vor dem Streik geleisteten Arbeiten zu zahlen. Damit haben die Maßschuhmacher auf der ganzen Linie«inen Erfolg zu buchen. Der Erfolg ist einzig und allein dem in ge- schlössen«! Front geführten Kampf auf gewerkschaftlicher Grund- läge zu danken. Diese Geschlossenheit werden die Maßschuhinacher auch in der Zukunft zu wahren wissen. S. L-rcnz. Tcm pclhos! Mviiia«, lü'l Uhr. bei gupp, gricl>rsch.Wilh«liii.Str. 80, wichtige Vcrlcnnmlunq oiler SPD..Genoslen. Der?ralti»»«»»ista»d. SPD.-Fraktion im Gesamtverbaudi R.ptoa. tels Uhr, i» Saal« lie» Sewcrlichoft.havkc». enarinfn U—K, «tflt»oUixri-mmlNNg her Betrleborötr. Stelluignxhme»ttin Ausbau Kt»»f tricfcetfticldn.«« u«d der DctiieS-r-tearbcit i» her neuen SroSomoullatiou. Rekc-et übet;„fjebti Jahre BctricbaStegelch". Alle«euoffen. hi-«etrieharat. «rheiterret«der Betrieb« bmauu fiild, haben hie Wlicht, biese veriammluug zu besuchru. I Der Fraktion»»« rstanh. ®Iuaenbaruppe desfZentralverbandes ster Anaeftellten H-irt«. Sounabend. sindcir lolgend« Veranstaltungen statt: 111 bis R Uhr Uenungsadenh her Singgemeinschaft und von 20 hie 22 Uhu Arheitsgemeinschaft:„Soziali»»»»"._ Parte genösse 37[ahra alt, verheirate», war bereits eine Reihe von Jahren in Pa tel und Geweikschaft In Verwaltung und als Redner ihiig. M'tglied der Konsurn- r enossenschaft, de« Vere'ns der Frei- denltar und des Arbeitersportkarteils, sucht Beschäftigung gleichviel welcher Art. Offerten uruer A. 29 an die Expedition des „Vorwärts", Berlin SWÄLindenslr 3. Allemredakieur lüc uuitto Zeitung„Tagosposl" tnj QalmffaM(StvpiWatt des.Volk-s reunb" ta Braun chweig) gafiuOt., Bewerber müilen übet gute frmmur.Qi- polttl'ch» Kenutnllle verfügen �Bewerbungen HI» 20. Hl«l an( Hau» Sicocr». OtaonftfnuelB-J • JUaecmtg 1 Sin Gafi am dem Jenieits Vor vielen Jahren uxir unserem Freunde folgendes passiert: Einmal lag er an einer ziemlich ernsten Krankheit darnieder,— was ihm fehlte, dessen erinnern sich die Leute nicht mehr, jedenfalls ober war es so schlimm, daß man meinte, es geh« mit dem Mann, Gott behüte euch davor, zu Ende. Daher lieh man den„AbHeber' Schlojme holen, das Mitglied des Bestattungsoereins der Chewra Kadischa, dem es obliegt, die Verstorbenen vom Totenbett zu heben und sie nach den rituellen Vorschriften der Juden auf den Fußboden zu legen. Da Seist oj nie sah, daß es um den Mann schlecht stand, ließ er Kerzen anzünden und begann die für solche Gelegenheiten passenden Gebot« zu murmeln. Die Frau des Kranken rannte in ihrem Schmerz mit dem Kopf an die Wand, und die Kinder erhoben ein solches Jammern und Wehklagen, daß die halbe Stadt vor den Fechtern zusammenlief und die Straße schwarz von Mechchen war Als Schlojme am Bett alles gemurmelt hatte, was bei solchem Anlaß üblich ist, hielt er unserem Freunde ein« Gänsefeder unter die Nase,— doch weder sie, noch der Mann bewegte sich. Da drückte ihm Schlojme die Augen zu, breitete ein Tuch über ihn und— alles schien vorüber zu sein. Doch als Schlojme und ein zweiter Jude uirseren Freund aus dem Bette hoben und ihn auf die dünne Schichte Stroh legten, die man nach dein Brauch auf dem Boden ausgebreitet hatte, da— nieste der Mann kräftig. Ihr könnt euch vorstellen, was darauf folgte: Erschrocken lief alles aus dem Zun- nur. selbst Schlojme, der olle Toten„abhob' und eigentlich mit Verstorbenen in-hr zu tun hatte als mit Lebeirden, nahm Reißaus. So etwas war ihm noch nie untergekoinmen! Als man sich wieder ins Zimmer wagte, saß unser Freund auf dein Stroh, das man für ihn ausgebreitet hate, blinzelte mit lichtschwachen Augen in eine Kerze, die ihm zu chäupten brannte, und sprach mit matter Stimme: „Sure, gib mir ein bißchen Hafergrütze!' Als er später genas und erfuhr, was ihm passiert war,«r- innerte er sich, daß er tatsächlich schon im Himmel gewesen war: dort trat ein Engel auf ihn zu und fragte ihn:„Wie heißt du, lieber Freuich?' Damit faßte er ihn am Rockiatz und rief:„Komm mit!" Doch da legte sich«in anderer Engel, der dabei stand, ins Mittel; er hatte ein sehr gütiges Anllitz und trug weihe Flügel, daraus schloß Bavuch-Mojsche(so hieß unser Freund, von dem wir hier erzählen), daß es der gute Engel Gabriel sein müsse. Der Engel Gabriel aber rief:„Hall, nur schön langsam! Wir müssen vorerst feststellen, wem der Mann gehört, zunächst muß das Gericht ab- gehalten werden, und das ist Sache des Herrn der Welt!" In einiger Entfernung aber standen, von einer Wolke halb verhüllt, Männer in weißen Totengewändcrn und Gebetinänteln und nickten dem guten Engel Gabriel beifällig zu. „Das waren wohl'— fügte Baruch Mojsche erklärend hinzu— „meine Vorfahren; die Slhnen kamen mir entgegen und wenn ich mich nicht täusche, sah ich unter ihnen meinen seligen Vater xrsam- men mit meinem Großvater Reb Chune, der ein berühmter Zaddik war. Mein sellgcr Vater streckte mir bereits— so glaub« ich,— die Hand zum Gruß entgegen. Genau erinnere ich mich allerdings nicht mehr daran, denn gerade in diesem Augenblick gab mir jemand einen Nasenstüber und rief:.Baruch Mojsche, nwm braucht dich hier noch nicht!' Und ich schlug die Augen auf.' Das erzählte der Mann und setzte, wie im Selbstgespräch, hinzu: „Also war ich eigentlich schon im Jenseits.' Und alles bekam vor Baruch-Mossche ganz gewaltigen Respekt, in den sich auch ein wenig Furcht mischte: Ein iNann, der schon Im Jenseits gewesen war! Man wich ihm aus, wo man konnte. Wer ihm begegnete, ging auf die andere Straßenseite. War es aber unmöglich, ihm auszuweichen, so beeilte man sich, ihm„guten Mar- gen' zu sagein als fürchtete man, ihn zu erzürnen. Den Gruß begleitet« stets ein freundliches Lächeln, und da es, aus Hochachtung oder aus Furcht, nun einmal soweit gekommen war, wechselte man auch mit Baruch-Mossche ein paar Worte, um sich jedoch so rasch als es nur ging, zu verabschieden... Als Baruch-Mossche merkte, daß man ihm auswich und Angst vor ihm hatte, hob sich sein Selbstbewußtsein, und er kam sich sehr wichtig vor. So oft er sich irgendwie getroffen oder benachteiligt fühlte,— wenn man ihm etwa am Sabbat nicht zu jenem Abschnitt der Thoravorlesung ausrief, auf den er Anspruch zu haben glaubte, wenn er im Bade keinen Platz fand, oder wenn auf dem Markt jemand für einen Sack Getreide oder«in Maß Kartoffel dem Bauern niehr bot als er,— zog unser Freund den Leibgurt fester u:rd rief: „Mit mir ist nicht zu spaßen! Ich bin ein Mann, der auch schon im Jenlfeits war!' Das Wort„Jenseits" erfüllte all« Umstehenden mit Angst und Schrecken, und jeder beeille sich, mll einer rasch zurechtgemachten Grimasse, die um Entschuldigung bat, zu versichern: „Aber es ist mir gar nickst eingefallen, wahrhaftig, es ist mir nicht eingefallen..."— damit ging man Baruch-Mossche schnell aus dem Wege. Mit der Zell kannte sich Baruch- Mojsche im Jenseits so gut aus. als wäre er dort zu Hause. Zunächst einmal vergönnte er es niemandem. Wenn er hörte, daß jemand durch den Tod ins Jenseits übersiedell war, sagte er kühl: „Das kenne ich, im Jenseits war ich auch schon!'— dabei verzog er verächtlich die Lippen und machte eine herablassende Hand- bewcgung, die auszudrücken schien, das ganze Jenseits fei nicht wert, auch nur ein Wort darüber zu verlieren, und er, Baruch-Mossche. wundere sich bloß, daß man von einer solchen Lappalie soviel Auf- Hebens mache. Und da das Jenseits ein Land war, in dem Baruch-Mossche De- scheid wußte, gab er, an Sommerabenden auf der Bank vor dem Bad, im Winter beim Ofen im Bcthaus, Schilderungen vom Jen- seits. Er kannte dort gewissermaßen jede Gass« und jeden Be- wohner, war mit dem Engel des Gerichts, dem Engel Gabriel,— furz mü jedermann gut Freund. An diese Erzählungen schloß er regelmäßig einen Bericht über fem« eigene« Erlebnisse, wie ener- gisch er drüben ausgetreten war und wie«r's den Leuten dort ge- geben hatte: „Ich Hab keine Angst vor ihnen; denn wohin mau kommt, dort heißt e-, den Mund am rechten Fleck haben. Man muß eben ver- stehen, zur rechten Zeit das rechte Wort zu finden,— das ist das Wichtigste.' Baruch-Mossche schob den klein«, Hut mit dem schmalen Rand ins Genick, kraute feinen mit Federn durchzogenen Bart, auf dem der Staub des ganzen Marktplatze« zu Segen sthien. und ließ vor den gespannten Zuhörern seiner Phantasie die Zügel schießen: „Ich erinnere mich ganz genau,— Schlojme hat mich oben vom Bett gehoben und ich liege auf dem Boden und'warte aus die Dinge. die da kommen sollen. Da erscheint der Bursche— ihr wißt ja! mm ich weine—: und beginnt mit(efatem gewohnten„Wie heißt Ton Schalom.flieh du?' Da ich ihm nicht rasch genug antwortete, packt er mich denn Kragen und ruft:.Komm mit!" Meint ihr, ich hätte Angst vor ihm gekriegt? Ist mir nicht im Traum eingefallen!„Hör* mal!, sag ich ihm,„du bist freilich der Engel des Gerichts, und is ist dein Amt, alle, die über die Grenze kommen, nach ihrem Paß zu fragen; so ist es eben üblich, wenn man ein anderes Reich betritt; ich ver- stehe das', sag ich,„mir muß man die Dinge nicht erst des Langen und Breiten erklären; aber mich fortzuschleppen, dazu hast du kein Recht! Wir sind hier nicht in jener oerfluchten Welt von Polizisten und Genüormen, aus der ich komme! Dort wird man mir nichts dir nichts ins Rathaus geschleppt und ins Loch gesteckt. Hier aber, in der Well der Wahrhell', sage ich.„hier geht das nicht so hui, pfui! Hier herrscht Ordnung, Gerechtigkeit und Rechtschasfenhell; so steht es in der Schrift! Mich," sag« ich,„wirst du nicht schrecken, ich kenn« die Vorschriften! Solltest du dir aber einfallen lassen, mit mir,' sage ich,„Geschichten zu machen, die sich nicht gehören, so gehe ich sofort vor Gottes Thron mich beschweren! Augenblicklich er- stalle ich die Anzeige! Denn ich bin nicht der erst« best«, ich bin ein Enkel des Erzvaters Abraham, bin beschnitten, wie sich's gehört, und auch mich hat Moses auf dem Berge Sinai das Gesetz gelehrt. Ich habe,' sage ich,„genügend Protettion! Wenn du bei mir ein« Amtshandlung vornehmen willst, so legitimiere dich zu allererst!' Ja, so Hab' ich mll ihm gesprochen! Warum denn nickst? Brauchte ich dem: Angst vor ihm zu haben? Huhn, in Butter ausgebacken. habe ich mein Lebtag nicht gegessen, mit Weibern nicht getanzt, wenn man weiß, daß man koscher ist, dann kann man gleich ganz anders austreten! Und während ich so rede, versammeln sich meine Ahnen; in ihre Gebetmäntel gehüllt, nicken sie mir freundlich zu;„So ist's recht, Baruch-Mojsche, gib's ihm nur ordeilllich!" „Und tatsächlich, er kriegt«inen mächtigen Schrecken vor mir, der Engel des Gerichts: sofort wird er zahm und sagt:„Schleppe ich dich denn, Baruch-Mojsche? Ich schleppe dich ja gar nicht! Ich ersuche dich bloß, zu Gericht zu kommen, zur Verhandlung vor Gottes Thron.' „Vor dem Gericht,' sage ich,„habe ich auch keine Angst, denn ich weiß, daß ich koscher bin. Gut,' sage ich,„gehen wir! Ich traue mich auch, mit dem lieben Herrgott Prozeß zu führen, ich habe reine Angst! Es gab dort unten kein Honiglecken für mich, ich mußte mich schwer und bllter plagen, im Sommer in der cjlühenden Hitze, rm Winter in Frost und Kälte, und allM satt Hab' ich mich an den Kartoffeln nicht gegessen. Und meine Kinder Hab' ich, wie sich's ge- hört, in den Cheder geschickt. Ich werde dem Herrn der Well schon zeigen,' sage ich,„wie meine Schultern aussehen, auf denen ich die schweren Säcke durch die Dörfer getragen habe. Ich werde ihm schon zeigen, dem lieben Herrgott', sage ich,„wie mir die Gen- d arme n die Hüfte lahm geprügell haben, als sie mir darauf kamen, daß ich ohne Lizenz den Hausiererhandel treibe! Soll ich am Ende hier auch noch Prügel kriegen? Ich bin dort unten schon gemig ge- prügell worden! Ja, ich werde es ihm schon sagen, dem lieben Herrgott!', sage ich„Meinst du vielleicht, ich hätte Angst? Warum denn? Mein Päckchen Gebete und Psalmen habe ich mitgebracht. da unterm Arm ist es.' „Ihr glaubt am Ende, sie hätten keine Angst vor mir gekriegt? — Alle, die ganze Gesellschaft dort oben bekam gewaltigen Respekt! Als ich zu Ende war. da wurde es mäuschenstill. Ja. man muß nur den Mund am rechten Fleck haben, überall muß man den Mund aufmachen, auch im Jenseits!' „Nach meinen offenen Worten tritt-der gute Engel Gabriel auf mich zu, gibt mir einen Nasenstüber und spricht zu mir, indem er freundlich lächelt, jawohl, er hat freundlich gelächell:„Baruch- Mojsche, du kannst zu deiner Frau und deinen Kindern nach Hause gehen, du darfst auf die Erde zurückkehren, wir brauchen dich hier noch nicht!'— Wie ich das hör«, nehme ich den Hut ab, verneige mich, danke sehr höflich(schließlich weiß man, was sich schickt) und gehe meines Weg«____' Als Baruch-Mojsche viele Jahre später wirklich gestorben war. log er drei Tage und drei Nächte aus dem Totenbett. Niemand ivagte ihn anzurühren, denn wer weiß, am Ende hat Baruch-Mossche abermals vor dem Gerichtshof im Iensetts Protest erhoben und wird als„untauglich" zurückgeschickt; ein gutes Mundwerk hat er ja! Wird das Schaf immer alles stahlen? Das ist die Frage, die für das Schicksal des australsschen Kon- tinents von ausschlaggebender Bedeutung ist. Ihre Bedeutung sür das Land kennzeichnet der Forschungsreisende Dr. C o l i n R o ß, der vor kurzem von einer längeren Australienreise zurückgekehrt ist, in einem fesselnden Buche, das die Ergebnisse seiner Beibachtungcn zusaimnensaßt und in kurzem bei F. A. Brockhaus in Leipzig unter dem Titel„Der unvollendete Kontinent" erscheinen wird. Pkan mag Australien anpacken, wo man will, so schreibt er. man stößt immer wieder aus das Schaf. Die eleganten Läden und Theater Sidneys, das Geld, das bei den Rennen in Melbourne verwettet wird, die kostspieligen Staalsbohnen, der Luxus des Versuchs, ein« neue Hauptstadt mitten in der Wüste anzulegen, die hohen Löhne und die kurze Arbeitszeit: alles, alles trägt letzten Endes das australische Schaf. Unter Schaf ist etwas summarisch die australische Landwirt- schast und Viehzucht gemeint; denn schließlich führt der Kontinent ja nicht nur Wolle, sondern auch Felle und Häute, Fleisch, Butter und Weizen, Wein und Früchte aus. Aber all diese Erzeugnisse, so wichtig sie sind, spielen neben der Wolle nur eine untergeordnete Rolle. Die ein bis anderthalb Milliarden Mark, die Australien alljährlich vom Ausland für seine Wolle erhält, geben schließlich doch den Ausschlag nicht nur für die Gesamtwirtschast, sondern auch sür das Privatbudget jedes einzelnen; denn am Ende hat jeder Australier irgendwie Nutzen an der Wolle. Di« Bedeutung der Wolle liegt nicht einmal so sehr darin, daß sie zwei Fünftel der Gesamtaussuhr beträgt, sondern in etwas anderem. Australien ist das Land der hohen Produktionskosten. In Produkten, die viel menschliche Arbeit erfordern, wie Früchten, Fruchtkonserven, Wein und Zucker, ist es heute bereits hoffnungslos konkurrenzunfähig. Lediglich mll Hilfe von Vorzugszöllen und Aussuhrprämien kann ein beschränkter Export nach Großbritannien aufrecht erhalten werden, dessen Zukunft jedoch bedroht ist, sobald eine englische Regierung die Vorzugszölle aufhebt. Di« gleiche Schwierigkeit besteht sür die Unterbringung des Fleisch- «xports. Neuerdings gibt es auch mit dem Weizen Schwierigkellen, der mit 20 Proz. in der australsschen Ausfuhr an zweiter Stelle steht. So bleibt wirklich nur das Schaf. Für die Wollindustrie besteht die Gefahr des Konkurvenz- Unfähigwerdens nicht, und so ist das Schaf A und O aller australische» Wirtschaft. Australien hat bisher in der Wollindustrie bei- nahe ein Welttnonopol. Schafe gedeihen nun einmal am besten in dem trockenen Klima, wie es die australischen Ebenen bieten. Di« paar Merinoschafe, die ein australsscher Siedler im Jahre 1797 aus der aufgelassenen fpansschen Schafzucht König Georgs lll. kaufte, haben sich trefflich vermehrt. Trotz der regelmäßig wiederkehrenden Dürren, die furchtbar unter den Schafen aufräumen, ist der Schafbestand in den letzten Jahrzehnten mehrfach an die 100-Millionen- Grenze herangekommen. Uebrigens ist es«in Witz der Welt- gefchichte, daß die Ausfuhr lebender Schafe aus England damals unter Todesstrafe verboten und nur unter größten Schwierigkeiten möglich war. Nicht nur die Zahl der Schafe ist ungeheuer gewach- sen, sondern auch die Menge der Wolle, die ein einzelnes Tier gibt. Wog ein Vlies in der Anfangszeit höchstens dveieinhalb Pfund, so ist heute der Durchschnitt acht Pfund, während Preisvliese es auf 39 oder 49 Pfund bringen. Mll der Quantttät verbesserte sich auch die Qualität. Und die Quatitöt seiner feinen Merinowolle ist es, die Australien ein Weltmonopol gibt; denn an sich liefert Australien nur ein Viertel des Wollbedarfes der Erde. Auf Grund dieses Qualitätsmonopols hat man in Australien lustig drauflos gewirtschastet, hat Luxusstädte, Bahnen. Verwaltung und-schulen in einem Stil eingerichtet, den sich ein Sechs-Mlllionen-Volk sonst niemals leisten könnte. Schlimmer ist noch, daß nmn künstlich«ine Industrie aufgepäppelt hat. die auf dem Weltmarkt völlig konkur- renzunfähig ist. Um der Arbeiterschaft dieser Industrie die hohen Löhne und die kurze Arbellszeit zu gewähren, hat man Australien mit Schutzzöllen umgeben, die nicht nur die gesamt« Lebenshaltung verteuern, sondern auch die Landwirtschast in ihrer Konkurrenz fähigkelt auf dem Weltmarkt bedrohen. Wenn man Australien um seiner hohen Löhn« und günstigen Arbeitsbedingungen willen lobt, darf man nicht vergessen, daß keineswegs«ine vorbildliche Ratto- nalilierung der Industrie dieses Mehr an Löhnen, dieses Weniger an Arbeit ermöglicht, sondern daß das australische Schaf es zahlt. Dr. Colin Roß weist aber zum Schluß seiner Ausfuhrungen nach- I drückljch darauf hin. daß es durchaus«cht feststeht, daß dieses I australische Wollmonopol ewig währen muß. In den letzten Iahren haben auch andere Länder, besonders Südafrika und Rußland, an- gefangen, Merinoschafe zu züchten, und dann bereitet sich anschei- nend ein Umschwung in der Bekleidungsindustrie, eine Abkehr von der Wolle, vor, die bei der Damenwelt fest dem Aufkommen der Kunstseide schon sehr spürbar ist und sicher auch einmal in der Her- renlleidung Tatsache werden wird. Die australische Wollausfuhr hat bereits mll einem Ausfall von einigen hundert Millionen Mark zu rechnen, und der SchafzLchter hat sich eine gewisse Unruhe be- mächtigt, die in der Sammlung eines Propagandafonds von meh- reren Millionen, um die Frauenwelt wieder zur Wolle zu belehren, Ausdruck fand. Sollte diese Entwicklung sortschrellen, so könnte die Lage sür Australien kritssch werden. Heues vom Hrmenfchen Die ersten ausführlichen illustrierten Berichte über die Entdeckung des Peking-Schädels, die Ende vorigen Jcchres ge- lang, liegen jetzt in der Zeisschrsst der Geologischen Gesellschaft von Ehina vor und zeigen die außerordentliche Bedeutung der Eni- deckung. Nach den Ergebnissen scheint es außer Zweifel zu stehen, daß es in der Pleistozän-Zett verschiedene heute erloschene Menschemassen nebeneinander gab, und daß dies« dem Gorilla sehr nahe verwandt waren, so daß die Annahme nahe liegt, daß der Mensch und die großen Affen von einem großen Vorsahren abstammen und erst in verhältnismäßig junger tnologsscher Zeit voneinander getrennt sind. Der Peking-Schädel wurde in der Nähe der Stadt Schon Kon Tien, etwa 50 Kilometer südwestlich von Peking, gesunden, und zwar in einem Kalksteinhügel, der eine Menge Spall«« und Höhlen ausweist. Die Höhlen waren mit rotem Ton und Kalksteinbruch- stücken gefüllt, und man hatte in dieser Schicht schon seit 1919 Fossilien gefunden, aber erst nachdem man 1929 zwei Menschen- zähn« entdeckt hatte, wurden genauere Nachforschungen unternom- men. 1928 wurden Teile der unteren Kinnbacken und Bruchstücke eines Schädels entdeckt, dazu kamen 1929 Funde von Zähnen, und am 2. Dezember, dem letzten Tage vor dem Aufhören der Avbellen, das durch das Einsetzen der Winterkälte bedingt war, bohrte W. C. Pei durch eine Spalte in eine Höhl« und fand aus dem Boden, teilweise in losem Sand und hartem Grund, den fast vollkommen erhaltenen Schädel des Sinanthropus. Er wurde sorgfältig verpackt und nach Peking geschickt, wo man ihn mll aller Vorsicht von den umgebenden Bestandteilen reinigte. Nach den Ausführungen des Paters de Chardin mllersiegt es keinem Zwessel, daß die Knochen zur mittleren Pleistozän-Period« gehören, während der dieses erloschene menschliche Geschlecht zu- sammen mit Affen, Bären, Ottern. Hyänen. Rhinozeros, Schwein«, und manchen Nagetieren entweder die Kalksteinhöhlen bewohnt« oder mll ihren Ueberresten durch Fluten in sie hineingewaschen wurden. Der gefundene Schädel scheint einem jüngeren weiblichen Wesen zu gehören. Er hat eine niedrige Stirn, die Teil« um das Ohr herum, die beim Pithecanthropus u-rckekamtt sind, sind prnn!- tioer als bei allen anderen meisschlichen Schädeln. Sie erinnern sehr deutlich an die Teile beim Gorilla und Schimpansen und führen zu der Annahme, daß der primitiv« Mensch mehr den asri- konischen groß«, Assen ats dem asiatischen Orang-Utan nahe steht. Bisher glaubte man. daß der Orang-Utan wie typische asiattsche wo- derne Menschenrassen rundschädelig sei. im Gegensatz zu den lang- schädeligen Negern und ofrikansschen großen Affen, aber sorgsäl- tige Messtmgen einer großen Anzahl von Schädeln der Gorillas und Schimpansen ergaben eine beträchtliche Schwankung in den Größenverhältnissen. Der Java-Mensch ist der am Wellesten entfernt« vom modernen Menschen, der Peking. Mensch liegt etwa zwischen ihm und dem Neandertal-Menschen. Der moderne Mensch auf der anderen Seit« ist dabei durchaus kein einheitlicher Typus, sonder« nur de? Nach- komme einer Rech« von ganz klar zu unterscheidenden menschlichen Typen aus der Pleiftozän-Zell. die vielfach zu finden sind. Ve!T.iiI;r«!l!»»ür Volilik:«Tr«urt Gtvc: Wirt'ch-n-®. Sliaflcliiölfi; Scw-rii'chaüsbew-auug: Z. eteuue; ffcutEcIon: Ä. S. kölchei; Co Calci und vöonritaes: ffti» ftnCtat: Umtiata: Tb.«Uift! finntlidi in Berlin. Bettaa:?i>rwärti.Lerlaa 6.«. d. Berlin Druck: v«rn>Srti.B»chdrnchr«i bn» Bnelaasinftolt Baal«na« u. Ca.. Berlin LS.«.