BERLIN Sonnabend 12. Ml 1930 10 Pff. Nr. 229 B114 42. Jahrgang erschetnttSglich avterGonataz«. f 4M/ � H t M elnsoaltige Nvnpattille,cil« Sugle.chAbwd-u«g-bt de».Vorwärts'. BejuMrei« i| A.« M Jl-mJ t« Pf..«-N.me.cil. b M. Ermäßigungen nach Tarif. beid« Ausgaben ssPf. proWoche. S.mM. pro Monat, JlQX mm IkOTMMTT�lV»oft, checkkonto: DorwärtS-V-rl-g®. m. d.H. «edaktion und Lkveditto»; Berlin SW6S.!indenstr.S/ ff~~ ff Berlin Nr.»7636. Fernsprecher: Dönhoff m bU 2»» Todesopfer der Hakenkreuzler. Blutige Zusammenstöße in der vergangenen Nacht. 3t» der vergangenen Nacht kam es an verschiedenen Stellen der Stadt zu blutigen Zusammenstößen zwischen So«. munisteu und hakentreuzlern, bei denen Schußwasfen wieder ihre verderbliche Rolle spielten. Drei Tote— es soll sich dabei ausschließlich um Angehörige der Kommunistischen Partei handeln— blieben aus dem Plah. Die mutmaßlichen Täter sind festgenommen und der politischen Polizei übergeben worden. Der schwerste Zwischenfall ereignet« sich um-7» 3 Uhr im Nord- osten Berfins, in der Nougarder Straße. Schon in den Abendstunden war es in der Gegend zu wiederholten Anfammlun- gen und Reibereien gekommen. Die Straßen logen später in völliger Ruhe, als nlötzlich zahlreiche Schüsse die Anwohner aufschreckten. Äommunistische und nationalistische Trupps waren in ein Handgemenge geraten. Von den Hakenkreuzlern wurden mehrere Schüsse abgefeuert und die Arbeiter Erich Schuhmann aus der Naugarder Str. 10 und W o l o n o w s k i aus der Gubitz- ftraße 51 schwer getroffen blutüberströmt zu Boden. Wolonowski starb in wenigen Minuten. Auch Schuhmann, der durch das StA>- tische Retwngsamt ins 5trankenhaus am Friedrichshain gebracht wurde, ist dort im Laufe der Morgenstunden seinen schweren Ber- lcßungen erlegen. Das Ueberfollkommando nahm einen der mut- mählichen Schützen fest. Er bestreitet zunächst noch, die Schüsse ab- gegeben zu haben. Mehrere Zeugen, die auch heute noch einmal auf dem Polizeipräsidium vernommen werdeu. sollen, belasten ihn dagegen schwer. Die politische Polizei hat die weiteren Ermittlungen nach den übrigen Tätern aufgenommen. Der zweiten nächtlichen politischen Mordtat fiel der I5jährige Arbeiter Walter Heinburger aus der Sedanstraße in Schöneberg zum Opfer. H. befand sich gegen 1 Uhr auf dem Heimweg. An der Ecke der Haupt- und Stierstroße fielen ohne ersichtlichen Anlaß mehrere Burschen mit Messern über den Ahnungslosen her. Der Ueberfallene erhielt einen tiefen Stich in die Herzgegend, der den sofortigen Tod herbeiführte. Die Täter flüchteten, doch konnte einer von ihnen, der vermutlich auch den tödlichen Stich geführt hat, später verhaftet werden. Außerdem kam«s in der W a l d e m a r st r a ß e, am Tegeler Weg, in der Weber st raße und in der Brandenburg!. schen Straße in. Wilmersdorf zu Reibereien zwischen Links- und Rechtsradikalen. Durch das rechtzeitige Einschreiten der Polizei konnten bei diesen Vorfällen jedoch weitere Bluttaten verhindert werden. �... s______ l. Nazis geben nach. Llm der pöstchen willen verzichten sie auf Ortlepp. Weimar, 17. Mai.(Eigenbericht.) Heute vormittag wurde im Thüringischen Landtag bekanntgegeben, daß die Nationalsozialisten in der Person ihres Kandidaten für den Weimarer Polizeidirektorposten nach- gegeben haben. Sie haben den Assessor Ortlepp zurückgezogen und werden jetzt einen älteren Warte st andsbeamten für den umstrittenen Posten vorschlagen. Durch diesen Rückzug der Nationalsozialisten kann die Regierungskrise in Thüringen vorläufig als beigelegt gelten. Die nationalsozialistischen Landtagsobgeord- neten werden am Montag wieder im Landtage erscheinen, um die Abstimmungen über den Haushaltsplan 1930 zu ermöglichen. Ihr Verhallen erregt hier um so mehr Aussehen, als sie gestern abend noch in Weimar ei?« Kundgebung abhielten, in der sie versicherten, an ihrem Standpunkt, der von Adolf Hitler geteilt werde, unerschütterlich festzuhalten. Schikanen bei der Näumung. Scharfer prolest deS„populaire". Paris. 17. Woi.(Eigenbericht.) Roch einer Aussprache mit dem deutschen Botschafter in Paris hat Ministerpräsident Tardleu am Freilag abend erklärt, daß der Räumungsbefehl erst dann gegeben werden könne, wenn Deutsthland der bisher nicht endgültig konstituierte« Zahlungs- bank in Bafel feine Anerkennungsschuldverschreibun- gen übergeben habe. Der sozialistische..P o p u l a i r e" bezeichnet diesen Vorbehalt Tardieu» als ebenso zweideutig wie schikanös und erklärt, die sozialistische Partei werde es nicht zulassen, daß die Regierung Tardieu �Frankreich die Schande eines Wortbruchcs" antue. Gleichzeitig teilt das sozialistische Blatt mit. daß der Große Generalstab einen Räumnugsplan ausgestellt habe, dessen Durchführung nicht weniger als 5 0 Tage beansprucht. Dabei find bis zum 30. Zuni. dem von Frankreich oerjprocheneu»Sumungstrrmin. nur noch 43 Tag« übrig, Bürgerfront für Fememörder. Von Oingeldey bis Coloffer Der Reichstag setzte heute um 10 Uhr die Beratimg des Justizhaushalts fort. Abg.vingeidey(DVp.): Die Philippika des Abg. Rosenfeld ist nur ein Teil, der großen Zahl von fortdauernden Klogen der Linken über das Reichsgericht. Das beweist, daß die Gegensätze welt- anschaulicher Art auch durch Debatten nicht aus der Welt zu schassen sind. Gegen den Vorwurf der Verfälschung des geltenden Rechts muß ich«nsschieden Einspruch erheben Die Arbeit der Reichsgerichtspräsidenten Simon und Bumke erkennen Sie doch mich an(Zuruf von den Kommunisten: Diese Herren mit ihren Blut- Nazi-Gozialismus „vie Hinzunabme des Sozialismus in das Programm war nicht fiti von vemagogie und ein äußerst geschickter propa- gandistischer Schachzug." Kapitän Ehrhardt. Oer Kapitalist: Dieser.Sozialismus" war doch einer unserer besten Einfälle. urteilen sind eine Schande!) Die sensationelle Behandlung des Jakubowski-Prozesses in der Presse' hinderte die objektiv« Rechtsprechung. Die Einschränkung der Frcizügiglcll der Rechts- anwältc durch die verschiedenen Ausbildungsvorschriften der Länder müssen beseitigt werden. Eine allgemeine schrankenlose Amnestie mindert dos Ansehen der Rechtspflege, aber wir find dafür, daß zur Bsfreiung der Rheinland« mindestens auch die Feme« Mörder befreit werden müssen. Frau Abg. Dr. Lüder,(Dem.) erklärt sich für ein« großzügige organische und systematische Justizrcform. Die Amnestie darf nicht auf Parteiunterschiede Rücksicht nehmen. Die Ehescheihungsreform muh unter dem Gesichtspunkt der Erhaltung der Ehe endlich durch- geführt werden. Al'g. Eoloffer(Wirtfchp.): Di« Fememörder find nicht schlechtere Menschen als andere, die sich gegen Leib und Leben, Staatsgesetze und Eigentum yergqngen haben.(Sehr richtig! rechts.) Gewiss« Iournolisten erschüttern das Vertrauen in die Rechtspflege, indem sie schon bei Prozcßbeginn das Urteil vorwegnehmen und kritisieren. Dagegen können wir leider nichts machen. Aber ein Jurist wie Dr. Rosenfeld sollte sich daran nicht beteiligen. seinen eigenen Berufsstand herabzusetzen, denn die Richter sind ja auch Juristen. Das deutsche Volk ist seinem Richterstand Dank schuldig für die Leistung der Erhaltung des deutschen Rechts über die Zeit der Not hinweg. Dr. Rosenfeld hat erzählt, daß die Wacht- meister beim Reichsgericht schon vorher missen, welche Strafe»er- hängt wird. Das ist doch unwahrscheinlich.(Abg. Dr. Rosenfeld (Toz.):„Ist aber so!") Denn ist es gut so, denn das beweist, daß gleiches Maß angcweiGet und nicht noch der Person unterschieden wird.(Dr. Rosenfeld:„Armes Reichsgericht!*) Das Fluchtlinien- urteil des Reichsgerichts dient nicht der Raffgier der Grund- stücksbesitzer, sondern hindert die Raffgier der Städte: die treiben Schwindel und Betrug, verschärfen das für Grünflächen ob- getretene Land gleich für ungeheures Geld weiter und nehmen bei diesem Verramschen mächtige Provisionen. Der Redner schließt mit dem salbungsvollen Wunsch, daß der jetzige Reichsjustizminiftec möglichst lange im Amt bleibe. Abg. Dr.»est(Ausivertimgspörtei) begrüßt die tags zuvor vom Minister geäußerte Absicht einer Zinserhöhnng für Answertungs- Hypotheken. Reichsjustizminister Dr. Äredt: Ich habe Bedenken gegen einige der Forderungen der Frau Dr. Lüders zur Ehescheidungsreform. Auf ihre Frage noch der Zahl der weiblichen Richter teile ich mit, daß 74 Frauen sich in Deutschland in Richterslellen befinden. In der Iustizreform müssen wir uns natürlich auf die Reichsvereinheitlichung hinbewegen. Die Entwicklung ist aber in dieser Richtung seit 1871 schon weit fortgeschritten. Die in Berlin zu Besuch weilenden e st n i s ch e n P a r l a m e n- tarier folgen von der Diplomatentribün« aus den Verhandlungen. Präsident Löhe und Direktor Galle geben die nöt'gen Er- klärungen. Abg. Dr. Schetler(Z.): Die grundsätzliche Stellungnahme meiner Fraktion zur Amnestie ist lange bekannt. Eine allgemeine Amnestie lehnen wir grundsätzlich ob, nur besondere Anlässe haben uns zu einer Aufgabe dieser Haltung veranlaßt. Schrankenlose Amnestierung bedeutet ein« Schwächung des Rechtsstaates und der abschreckende» Wirkung der Strafen. Da wir uns im Haag ver- pflichten mußten, die zu amnestieren, die sich mit der Besatzung in strafbarer Weise«ingelassen haben, wird eine Amnestie nicht zu umgehen sein. Sie wird sichaufeinenTeilderFemetaten erstrecken: aber wir sind nicht der Meinung des Ministers, daß sie all« Femetaten erfassen muß, um nicht zwecklos zu sein. Das Fluchtlmienurteil des Reichsgerichts mußte auf Grund der Reichsversassung so aussallen, deren Bestinnnung„Das Eigentum wird gewährleistet* Kollege Rosenfeld nicht verlesen hat. Er hält sich nur an den zweiten Absatz„Eigentum verpflichtet* und setzt hinzu„es abzugeben*. Wir stellen uns schützend vor die Reichs- versa ssring(Dr. Rosenfeld: Und vor da» Prioateigen- tum!). Iowohk, auch vor das Privateigentum, das die Verfassung oerbürgt. Abg. Dr. Alexander(Komm.): Das Gotteslästerrmgsurteil des Reichsgerichts gegen Georg« Grsfz ist ein negatives Kultur- d o k u ni«» t. Damit ist der I u st! z e t a t erledigt. Gegen 13 Ilhr vertagt sich das Haus auf Montag, 3 Uhr.i-'Reichswchretat. Krch paeplow Jahre. In das biblisch« Alter ist heute Fritz Paeplow eingetreten, der mehr als ein Menschenaller besonders als Führerder Bau, a r b ei t er im Dienst« der Arbeiterbewegung stand. Auch heute noch. im wohtoerdienten Ruhestand, ist er u. o. Mitglied der Hamburger Bürgersckxist und bearbeitet die Geschichte des Dscllschen Bougewerks- bundes. die ihm sozusagen auf den Leib geschrieben ist. 1898 Redok- teur des„Grundstein", dann zweiter Vorsitzender des Bauarbeiter- Verbandes, wurde er 1913, nach dem Tod« Bömelburgs, erster Bor- sitzender. Paeplow war einer der Gründer und eifrigsten Förderer der Bauhütten, Vorsitzender des Verbandes Sozialer Bau, betnebe, Mitglied des Reichstags und des Reichswirtschaftsrots, Vor- sitzender der Bauarbeiter-Internationol« usw. Vorsicht irnd Entschlossenheit, zähes Festhalten, kluge Voraussicht haben ihn immer ausgezeichnet. Unsere besten Wünsche dem Nimmermüden für seinen weiteren Lebensweg! --■liwwit. Kl IIH-> % Wh'jenhrnml in ffiergen 'Mick auf den JCafen der onregnlfchen Stadl äiergen, die ron einer verheerenden Seuersbrunfl heimgefudh} ivurde. lieber 100 Jtäufer j find eingeäfcheri morden 'Der Säuglingstod in Lübeck. Das Kindersterben geht weiter. � Das Lübecker Gesundheitsamt hat es als erster deutscher Staat siir notwendig gesunden, das sogenannt« Calmettesche T u b« r- tuloseschubvcrfahren zur Anwendung zu bringen. Essekt: Von 246 Säuglingen sind bis jetzt 12 an Tuberkulose ge- storben, 25 schweben in Todesgesahr. Mit weiteren Er- krankungen, ja sogar mit Todessällen wird gerechnet. Das Lübecker Gesundheitsamt ordnete die sosortige Einstellung der Behandlung an. Das Reichsgesundheitsamt entsandte einen Kommissar zur Unter- juchung nach Lübeck.„Man steht vor einem Rätsel", heißt es in der Presse. Rätsel? O, nein! E» handelt sich hier um keine Rätsel, wie man der Oessentlichkeit jeht einreden will, sondern um eine grobe und strastxrre Fahrlässigkeit, eine würdige Fortsetzung jener Experimente, die zu den Richtlinien des Reichsgesundheitsrates Anlaß gegeben haben. Es wird Sache der Gerichte sein— nicht nur der Gesundheitsbehörden—, den Ursachen der Lübecker Katastrophe nachzugehen und die Schuldiger� ihrer Strafe zuzusühren. Das Gesundheitsamt in Lübeck sucht sich damit zu rechtfertigen, daß es behauptet, in anderen Ländern, besonders in Frankreich, seien gut« Ersahrungen mit dem Mittel gemacht, aber kein« Schädigungen beobachtet worden. Es handele sich nicht um die Uebertragung von Laboratoriumsoersuchen auf Menschen, sondern um die Anwendung eines Verfahrens auf Kinder, das bereits an über 300 000 Neugeborenen seit längerem rnderswo untersucht worden sei, ohne daß Schädigun- zen nachgewiesen werden konnten. Die Eltern hätten »cm Verfahren zugestimmt. Zunächst vermeidet das Lübecker Gesundheitsamt sorgfällig eine Widerlegung des Vorwurfs, daß nicht nur im Lübecker Kranken- >ius Kinder mit den Kulturen von Rinder-Tuberkel-Bazillen be- rändelt worden sind, sondern daß auch die Lübecker Hebammen das ZNillel ausgehändigt erhielten und selbständig, also ohne die unbedingt erforderliche ärztliche hontrolle,„nach Calmette praktizierten". Ist es so, dann ist schon deshalb die Staatsanwaltschaft zum Einschreiten verpflichtet. Man braucht nicht erst Arzt zu sein, um zu wissen, daß solch« gefährliche Bazillenkulturen nur in die Hand des sachverständigen Arztes gehören! Aber auch sonst sirotzt die Erklärung des Gesundheitsamtes von Unklarheiten. Es ist nicht wahr, daß im Auslande keine Schädigungen durch das Mittel beobachtet und daß sehr gute Erfahrungen damit gemacht wurden, wahr ist vielmehr, daß eine große Anzahl bedeutender Forscher und Aerzte in Frankreich das Eatmette-Dcrsahren wegen seiner Gefährlichkeit absolut ablehnt. Der berühmte Tuberkulose- forscher Prof. Li gn leres ist der Calmette-Impfung wegen ihrer Pathogenität entgegengetreten. In der Pariser Gesellschaft für Kinderheilkunde publizierten die Professoren Leon Tixier und Frank Viala den rapiden Tod eines kräftigen Kindes am 15. Tage nach der Calmette-Impfung. !Ein dreijähriges, nicht nach Calmette geimpftes Kind der- selben Eltern ist jetzt g a n z g e s u n d.) Die Autoren erklären, daß Todesfälle und Schädigungen nach einer Calmette-Impfung keineswegs selten seien. Das gieiche berichtet Dr. B r u n e t. In der geburtshilflichen Abteilung der Charite in Paris, erklären Tixier und Diala, ist eine derartig große Serie rapider Todesfälle vorgekommen, daß sich der geburtshilfliche und interne Chef weigern, die Calmette- Impfung noch vorzunehmen. Diverse Geburtshelfer haben in der Praxis die gleichen Feststellungen gemacht. Ablehnend gegen den Calmette-Empfstoff äußern sich ferner A s f i s und D u p o n t(Brasilien), W a t>' o n(Kanada). Greenwood (England), Wallgreen(Schweden) und Spyropoulos (Athen) u. a. m. Professor Nobäcourt- Paris teilte im Februar >929 Schädigungen durch BCG.(Bazilles Calmette-Guerin) mit. B a i g n e(Frankreich) berichtet über vier Schutzimpfungsfälle nach Calmette, in denen Kinder gesunder Eltern tuberkulöse Finger- eiterungen, Wirbelsäuletuberkulos«, Tracheo-Vronchialdrüsentuber- tulo!« bekamen. Aber Frankreich steht nicht allein da. Die Wiener Professoren Pirquet, Nobel, S. Rosenfeld, Götzl und Moll u. a. m. lehnten die Calmettesche Methode z. T. wegen ihrer Gefährlichkeit ab. Der erst vor kurzem verstorbene berühmte Wiener Kinderarzt, Pros. Pirquet wohl ein« der größten Autorität auf dem Gebiet der Kinderheilkunde, schrieb wärt- lich(„Wiener Med. Wochenschrift". Nr. 23. 1028): „Es handelt sich um richtige I m p f tu b e r k u l o se: Knoten, Geschwür«, Fisteln: mehrere der Kinder sind sogar ge- starben. Der Tuberkelbazillus kann bei der Calmette- schen Methodik im Organismus Fuß fassen und das Ende i st nicht abzusehen. Ein so gefährliches vorgehen tatm niehf gebilligt und geduldet werden." So steht es also um die Behauptung des Lübecker Gesundheits- omto, daß leine Schädigungen nachgewiesen werden tonnten! Ist selbst der Name einer wissenschaftlichen Autorität wie Pirquet den Herren in Lübeck unbekannt? Uebrigens: Das Wiener Gesundheitsamt hat die Anwendung des Calmellefchen Verfahrens abgelehnt, solange seine Ungefährlich- keit nicht mit absoluter Sicherheit erwiesen ist! Weiß man es in Lübeck besser? Und in Deutschland? Heute steht es in den Zeitungen: Gegenüber einer Lübecker Behauptung, daß der berühmte Düffel- dorfer Kliniker Geheimrat Prof. S ch l o ß m a n n, der Leiter der dortigen Universitäts-Kinder-Klinik, das Mittel ebenfalls angewandt habe, erklärte der Vertreter des abwesenden Geheimrats, Prof. E ck- stein, das Calmette-Verfahren fei feit einer Reche von Iahren in Düsseldorf erprobt wordezi— aber an Tieren! Di« Tier- versuch« haben ergeben, daß das Calmette-Serum in der vorliegenden Zusammensetzung niemals für Menschen Verwendung finden könne. Selbstverständlich habe man in Düsseldorf nach diesem Ergebnis niemals einen Versuch an Menschen gemacht! Das Calmettesche Präparat BCG. ist also umstritten, es wird— wie unsere kurz« Aufzählung zeigt— wegen feiner Gefährlichkeit von namhaften ausländischen Forschern v e r- w o r f e n, es sind im Auslande schwere gesundheitliche Schädigungen und Todesfälle vorgekommen! Die Anwendung des Mittels an Säuglingen in Lübeck war also von vornherein«in Versuch ge- fährlicher Art, die damit praktizierenden Aerzte mußten, wenn sie die in- und ausländische wissenschaftliche Literatur sorgfältig und pflichtgemäß verfolgt hätten, mit der Möglichkeit eines Unglücks rechnen! Was in Lübeck gemacht wurde, war wieder nichts anderes als ein gefundheitsgefährliches Experiment an Kindern! Wer die Vorkonmmisie in Lübeck zu entschuldigen sucht, macht sich zum Mitschuldigen! In der„Nachtausgabe" vom 14. Mai dieses Jahres teilt Geheimrat Neufeld vom Berliner Institut für In- fektionskrankheiten mit, daß das Calmettesche Verfahren an vielen Tausenden von Kindern angewandt worden sei, ohne daß bisher eine schädigende Nebenwirkung beobachtet wurde. Es ist uns unoer- siündlich„.wie Geheimrat Neufeld, der lllachfolger Wasiermanns, eine solche objektiv unrichtige Behauptung aufstellen konnte. Auf dem Tuberkuloje-Kongreß im Jahre 1929 in Pyrmont saß Neu- feld in der ersten Zuhörerreihe, als der bekannte Berliner Tuberkulose-Spezialist Dr. Nagelschmidt die von uns oben genannten Berichte namhafter französischer Forscher und des Wieners Pirquet über Schädigungen und Todessälle durch das Calmetle-verfahrea vortrug! Demnach mußte Herr Neufeld, auch wenn er sonst die wissenschaftliche Literatur nicht verfolgt haben sollte, schon aus dem Vortrag von Nagelschmidt wissen, daß schädigende Wirkungen und Todessälle beobachtet worden sind. Was soll man ferner zu dem Direktor des Lübecker Kranken- Hauses, Prof. Deycke, sagen, der in der gleichen„Nachtausgabe" mitteilt, er selbst habe kein Kind nach Calmette be- handelt. Es ist doch ganz selbstverständlich, daß alle Versuche zu Heilungszwecken unter der persönlichen Verantwortung des Vorstehers einer Krankenanstalt vor sich gehen. Schon in einer Verfügung des preußischen Kultusministeriums aus dem Jahre 1910 heißt es, daß Eingriffe zu Versuchszwecken nur von, Vor- st eher selbst oder mit des�n besonderer Ermä chti- gllng vorgenommen werden dürfen. Und in den Richtlinien des Reichsgesundheitsrates über experimentelle Untersuchungen an Menschen wird darauf hingewiesen, daß Versuche in Krankenanstalten aller Art nur von dem leitenden Arzt selbst oder in dessen Auftrag und unter seiner vollen Verantwortung von einen, anderen Arzt ausgeführt werden dürfen. Daß es sich beim Calmette-Verfahren um einen Versuch handelt, wird doch nach den letzten Ersahrungen niemand bezweifeln können. Prof. Deycke ist voll verantwortlich! Wir wollen uns nicht mit der Frage beschäftigen, welcher Fehler in Lübeck gemacht wurde, ob ein technisches Versehen vorlag, ob die Tuberkelkulturen verunreinigt oder die Tuberkulosebazillen plötzlich wieder virulent geworden sind. Das alles sind Nebensachen. Entscheidend ist. daß 246 Säuglinge mit einem unerproblen und gefährlichen Mittel(Rinderluberkelbazillen!!) behandelt wurden. einem Mittel, über das man in Deutschland keine abschließenden Ersahrungen besitzt, einem Mittel, vor dem längst von in- und ausländischen Aerzten gewarnt worden ist. einem Mittel, das bereits im Auslande gesundheitliche Schädigungen und Todes- fälle von Kindern zur Folge hatte. Das Vorgehen des Lübecker Hauptgesundheitsamts bödarf der schnellsten gerichtliche» Klärung! Es hat absolut nichts zu sagen, daß man sich die Einwilligung der Eltern geben ließ. Wie sollen Laien sich von der Bedenklichkeit einer komplizierten Imniunisierungsmethode eine Vorstellung machen, wenn selbst die Wissenschaft über sie sich nicht im klaren ist! Or. Julius Moses. 1 Manaffe Zn'edländer geisteskrank. Oer Brudermörder als gemeingefährlicher Kranker in der Irrenanstalt Herzberge. Das Urteil gegen den jugendlichen Brudermörder Manasie Friedländer ist nicht rechtekräftig geworden. Bekanntlich hatte Manasie Friedländer seinen Ibjährigea Bruder Walde- mar und desiea gleichaltrigen Freund Tibor Fo e l d e s in der elter- lichen Wohnung in der pasiaucr Straße niedergeschossen und war wegen doppelten Totschlags zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt worden. In der Revisionsverhandlung vor dem Reichs- gericht hatte R.-A. Dr. Artur Brandt sich aus ein Gutachten des Gerichtsarztes Sanitätsrot Dr. Leppmann berufen, wonach be- gründete Zweifel an der Zurechaungssähigkeit des Angeklagten be- ständen. Entgegen dem Oberreichsanwalt hatte das Reichsgericht dem aus Grund des§ 81 gestellten Antrag des Gerichtsarztes stattgegeben und beschlossen, daß Manasse Friedländer einer sechswöchigen B e- o b a cht u n g seines Geisteszustandes in einer öffentlichen Irren- anstatt unterzogen werden sollte. Diese Untersuchung hat inzwischen stattgefunden und nach dem Gutachten des Oberarztes Dr. S a- l i n g e r von der Heil- und PflegeanstÄt Herzberge, in der Manasie Friedländer beobachtet worden war, ist Manasie Friedländer geisteskrank. Daraufhin hatte nunmehr das Landgericht III den Haftbefehl gegen ihn wegen Haftunfähigkeit aufgehoben. Die von befreundeter Seite gestellte Kautton von 10 090 M. ist freigegeben worden. R.-A. Artur Brandt wird nunmehr den Antrag stellen, das Verfahren gegen Manasie Friedländer, das bisher nicht rechtskräftig geworden war, gemäß§ 205 der Strafprozeßordnung vorläufig einzustellen. Manasie Friedländer wird jedoch nichl in die Freiheit zurückkehren, sondern als gemeingefährlicher Geisteskranker weiter in der Irrenanstatt Hxrzberge fest- gehalten werden.__ �atiborer Mörder festgestellt. Ratibor, 16. Mai. Ueber die Person des Ratiborer Mörders ist endlich volle Klarheit geschaffen worden. Freitag weitte ein Brünner Kriminalpolizist in Ratibor, der in Leopold Pausner den tschechischen Raubmörder, der am" 14. März 1930 aus der Irren- anstalt Sterttberg entwichen war, einwandfrei feststellen konnte. Es ist sonnt ausgeschlossen, daß Pausner als der Massenmörder von Düsseldorf in Frage kommt. Während seiner Veobachwngszest in der Anstalt trug Pausner genau dasselbe stumpfsinnige Betragen zur Schau, wie während seiner Verhaftungszeit in Rattbor. Tatsache scheint zu sein, daß Pausner an Geistesgestörtheit lSidet. 600 Verhaftungen in der Toscana. Während Mussolinis Besuch. Bern, 17. Mal.(Eigenbericht.) während Mussolims Besuch in der Tascaua wurden 800 Personen, meist Mitglieder der geheimen anli- faschistischen Vereinigung„Gerechligkelk und Freiheit", verhaftet. Trotz verschiedener Kreuzverhöre konnte die Geheimdruckerei der Vereinigung, die tausende antifaschistische Manifeste herstellte, nicht ausfindig gemacht werden._ Hygiene als Völker-Zriedensbrücke. Die Eröffnung der Internationalen Hygiene-Ausstellung. Heute vormittag wurde die Internationale Hygiene- ausstellung 1930 mit einer Ansprache des ersten Präsidenten, Stadtrats Dr. Johannes Krüger, eröffnet. Der Redner be- grüßte die Vertreter der Reichsregierung, der deutschen und aus- ländischen Staaten, der in- und ausländischen Presie, der Wissenschaft, der Industrie und des Handwerks und gab der Hoffnung Ausdruck. daß die Ausstellung eine neu« Brücke der Verständigung zwischen den beteiligten Nationen zu gemein- samerFriedensarbeitan Monschheitsziele der Volksgesund- heit und an der Entwicklung der Kultur und der Zfoili satton bilden möge. Wilmersdorf oder Prenzlauer Berg? Wann endlich kommt das neue Krankenhaus für den Osten? In der letzten Sitzung des Haushaltsansschufses der Stadtverordnetenversammlung beschäftigte man sich im Rahmen des Etats der Gesundheitsverwaltung im besonderen mit den Berliner Krankenhänsern. Die Vertreter der Sozialdemokratie beantragten 79 000 M. für die Renovierung eines Pavillons des Urban-Krankenhauses einzusetzen, der seit 40 Iahren nicht renoviert worden ist. Der zuständig« Dezernent, Stadtmedizinalrat von Drigalski, mußte die dort herrschenden, wenig sauberen Zustände zugeben, erklärte aber, daß augenblicklich für eine Aende- rung kein Geld vorhanden sei. Gestrichen werden sollen auf Wunsch der Sozialdemokraten 60 000 M., die für vertrag?- mäßige Leistungen an die Ka if« r- Wü lh elm- Gesel l- schaft eingesetzt sind, zu denen die Stadt aber vertragsmäßig nicht herangezogen werden kann. Di« Kommunisten haben ehr Herz plötzlich dem Berliner Westen zugewandt. Sie beantragten für den Neubau eines Krankenhauses in Wilmersdorf 1 Million Mark. Dabei hat dieser Stadtteil erst kürzlich ein neues katholisches und ein neues eoangelrsches Krankenhaus erhallen. Seit Jahren ist dagegen der große Arbeiterbezirk Prenzlauer Berg unversorgt. Für Bchebung dieses unglaublichen Zustande? setzt sich seit langem besonders die Stadtverordnete, Frau Dr. Frankenthal(Soz.), tatkräftig ein. Gegen den Widerstand der bürgerlichen Parteien hatte die sozialdemokratische Fraktion bereits vor einigen Monaten erreicht, daß in der Dringlichkeitsordnung der Neubau Prenzlauer Berg an erster Stelle steht. Eine neue. mit Hilft der Kommunisten betriebene Benachteiligung des proletarischen Ostens wird auf den schärfsten W i d e r st a n d der Sozialdemokratie stoßen. Briand und paneuropa. Fraqebooen in Berlin überreicht. Der französische Botschafter de Margerie hat heute um �12 Uhr dem Staatssekretär von Schubert den Paneuropa- Fragebogen überreicht. Er cnlhätt 16 Sellen und die Ueber- setzung wird mehrere Stunden in Anspruch nehmen. Horthys Rache an dem Dichter Uihely wird vielleicht nicht ge- lingen. Justizminister Dr. S l a m a- Wien hat einer Schriftsteller- abordnung versprochen, diesen Auslieftrungsantrag im Geist der Humanität und Objektwität zu prüft n. Tragödie? Bemerkungen zum Tod der Maria Orska. An sich widerlegt dies Schicksal die gesamte Filmromantik. Im Kino ist das„Happy end" gesichert, sobald das verkannte Genie sich vor jubelnden Zuschauermassen verneigt, oder wenn der Mil- lionär das Mädchen aus dem Volke heiratet. Das Publikum oer- läßt beruhigt den Saal: nun kann nichts Böses mehr passieren. Das Leben der Orska hatte ,�)appy end" in doppelter Auflage: sowohl der künstlerische Riesenerfolg wie die Heirat des Millionärs waren da. Und gerade auf diesem Gipfel setzte ein, was nun die „Tragödie" genannt wird. Dieser Geist war nicht imstande, sein Glück, sein Künstlertum, sich selbst zu ertragen. Von den jochlichen Voraussetzungen alles seelischen und körperlichen Wohlbefindens umgeben, mußte diese Frau sich selbst zerstören Ist das Tragödie? Tragödie für die anderen? Zwingt dies Ende u n s zu Milleid, was sagen will: fühlen wir unser eigenes Leid in ihm mitschwingen?— Schließlich war auch dieses Schicksal nur ein Produkt bestimmter Zeitumstände. Die Orska lebt« und spielte einen Frauentyp, den sich das Raffinement eines übersättigten Luxus geschaffen hat und dem fast allein die geistige Schicht, die dieser Luxus hochtreibt, huldigt. Dieser Frauentyp gehört in die Welt der ganz Reichen, die mit ihrem Reichtum nichts mehr anzufangen wissen, als ihn in einer Nacht am Spieltisch durchzubringen oder an eine Frau in Gestalt von unerhörten Juwelen zu verschenken. Das weibliche Raubtierchen, das Männer serienweise zu Ruin oder Selbstmord treibt, um mit den Opfern sich selbst zu verzehren, das gehört durchaus in die Welt der„hoch- angeschenen Rechtsanwälte", die man eines Tages erschossen vor den geleerten Schatullen der Mündelgelder findet, in die Welt der GrundstückAriakler aus den'Vusch-Afsären, die Provisionen von einer halben Million bei einem einzigen Abschluß verdienen, erst recht in die Welt der„seriösen" Bank- und Industrieherren, die aus dem Weg des gesetzlich legalisierten Raubes(lies: Fusionierung, Rationali- sierung usw.) noch weit größere Summen an sich heranziehen. Das Luxusweibchen ist das Gegenstück des Großverdieners. Hier ist der Punkt, wo seine Raffsucht ein Ziel firidet. Sein Geiz wird aus geschlechtlichem Gebiet Masochismus: er. der alles ausbeutet, wünscht sich den Dämon, dem er kniend die errafften Schätze zu Füßen legt. Ganz egoistisch, launenhaft, triebhast und unberechenbar muß das Weib sein, vor dessen Glut der Kassen- schrank zu Rührung zerschinilzt. Je wahnsinniger ihre Befehle, die keinen Widerspruch dulden, je unsinniger ihre wechselnden Wünsche sind, je weniger sie den Wert des Geldes kennt, je ver- schwenderischer sie es herauswirst, desto mehr wird diese Frau imK giert: das Verlangen züchtet den Typ. Dieser Typ des„Vampir", der die Männer aussaugt, richtet auch sich selber zugrunde. In allen Gedanken nur um das eigene Ich kreisend, muß die dämonische Frau wie alle Ichsüchtigen an den Unmöglichkeiten eines reinen Egoismus zerbrechen. Es gibt keine Steigerung der Genüsse ins Unendliche, der Luxus über- sättigt um so schneller, je wahnwitziger er sich gebärdet: und so bleibt eben nur die Zuflucht zu den äußersten Reizmitteln, deren Genuß den Verfall bereits einschließt. Es ist die Tragödie der Ueberfättigten. Und deshalb wirkungslos auf die Ungesättigten. Was geht sie es an, wenn Luxus und Ichsucht sich selbst ruinieren? Die Tragödie einer kranken Mutter, die für ihr« Kinder schaffend letzte Reste von Ge- sundheit und eigener Lebensfreude opfert—, diese wirkliche Tragödie ist hundertfach größer und heldischer, als die Zuckungen einer Ichgierigen, die von eigener Gier aufgefressen wird. Die Arbeiterklasse, in der der einzelne nicht für sein Ich, sondern für seine Sache zu kämpfen gewohnt ist, sieht in diesem Leiden etwas ihr absolut Fremdes. Sie sieht die schaurige Grimasse, das an sich selbst verzweifelnde Stöhnen einer Bürgerwelt, die doch jedem ihrer Kinder den hohnoollen Spruch in die Wiege gelegt hat: Jeder ist feines Glückes Schmied!.sonarbsn. Entlassen— entlassen— entlassen... Oer kapitalistischen Weisheit letzter Schluß. Essen. 17. Mai. Infolge des Wlaufs der Kündigungsfrist kommen bei der August-Thyssen-Hütte in Hamborn morgen die am Z. Mai d. I. gekündigten 750 Arbeiter zur Entlassung, nachdem der Antrag auf Abkürzung der Sperrstist genehmigt wurde. Es ist in Aussicht genommen, die seit drei Monaten still liegende Schlackenmühle wieder in Betrieb zu setzen. 42 Mann werden dadurch Beschäftigung erhalten. Das Oberbergamt in Do r t m u n d teilt mit: Die Zeche Sachsen in Heessen bei Hamm hat vorsorglich Anzeige gestellt auf Entlassung von 500 Arbeitern, die Zeche F ü r st Leopold in Dorsten hat zum 15. Juni 50 Bergarbeitern ge- kündigt, nachdem schon 50 Arbester zur Entlassung gekommen waren. Die Grube Füsseberg bei Daaden im Sieg-Kreis hat ihren Arbeitern durch Aushang bekanntgegeben, daß mit dem letzten dieses Monats die Arbeiten eingestellt werden. Als Grund wird Absatzniangel angegeben. Von der Mahnahme werden nahezu 300 Arbeiter betroffen. (Stahlwerk Necker macht(Schule. Krefelder Baumwollspinnerei legt ststl zwecks Lohndruck. Krefeld, 17. Mai. Die Krefelder Daumwollspinnerei hat ihren Betrieb voll- kommen e i n g e st e l l t. Die Direktion hatte angekündigt, daß sie von heute ab ein« Kürzung der Löhne für Akkordarbeiter, die über Tarif lagen, um 10 bis 20 Proz. vornehmen würde. Die Belegschaft hatte sich jedoch geweigert, dies« Lohnkürzung anzu- erkennen, woraufhin die Firma allen Arbeitern— es handelt sich um über 400 Köpf«— gekündigt und sie für heut« entlassen hat. Die Firma will den Betrieb erst wieder aufnehmen, wenn die Lohnherabsetzung, die aus wirtschaftlichen Gründen notwendig sein soll, von den Arbeitern angenommen wird. « In Wirklichkest handelt es sich hier um«ine Aussperrung. mn die Löhne zu kürzen. Den Arbeitern wird mnner gepredigt, sie müßten mehr und intensiver arbeiten, dann könnten sie auch mchr verdienen. Run will man diesen erzwungenen Mehrverdienst wieder abzwacken. Die Textilindustriellen sind der Meinung, daß sie allein das Recht auf Mehrverdienst haben. Los von Slasial Der von Mussolini drei Jahr« lang in Ver- bannung gehaltene Führer der Kommunistischen Partei Italiens, A B o r d i g a. ist von der Komintern alsAnhängerTrotzkis aus der M Internationale ausgeschlossen worden. Albs Ver- such« Stalins, Bordiga sür sein« Polstck zu gewinnen, sind miß- lungeu. Berliner Erstausführungen. Ein originelles Lustspiel. Tribüne„Skandal im Savoy � Eine lustige Geschichte hat sich der junge ungarische Autor Mktor K e l e m e n für sein Lustspiel ausgedacht. Es droht ein Skandal im Kurhotel Savoy, weil die Millionärsgattin einem win- digen Eintänzer einen Liebesfrief geschrieben hat, der ihr gefährlich werden kann. Ihr Man sucht schon lange einen Scheidungsgruno Den Brief will der smart« Junge für 5000 Dollar verkaufen, der Frau oder dem Mann, für beide ist er ein wertvolles Dokument. Da die Frau das Geld nicht hat, bittet sie in ihrer Verzweiflung ihren früheren Verlobten, einen Nervenarzt, um Hilfe. Und der kommt auf einen famosen Einfall: er läßt sie zwei genau« Kopien des ominösen Briefes schreiben. Kaum hat der Eintänzer dem Mil- lionär das Wertobjekt angeboten, da erscheint ein anderer mit genau demselben Brief und kurz darauf der Nervenarzt selbst mit einem dritten. Dem verdutzten Ehemann erklärt er, daß er sich mit ihm ein psychologisches Experiment erlaubt habe, um die Wirkung der Wiederholung eines Ereignisses zu untersuchen. Die geängstigte Frau ist gerettet, und der klein« Erpresser zieht mst dem plötzlich wertlos gewordenen Brief betreten und ohne Dollars ab.' Das ist eine von dem üblichen Schema erfreulich abweichende Idee. Der Verfasser hat sie bis ins letzte durchgearbeitet und allen Einwänden von vornherein die Spitze abgebrochen. Daher wirkt die Geschichte von A bis Z wahrscheinlich. Ein witziger, flott geführter Dialog, hübsche Bonmots, die sich ständig steigernde Spannung brin- gen die Zuschauer in Stimmung, die bis zum Schluß anhält. Die übermütige Laune der Darsteller tut das übrige, dem Stück den endgültigen Erfolg zu sichern. Der lusttgste ist Oskar Sima, der einen auf seine Kunst eingebildeten Schmierenkomödianten spielt und das mit so überwältigender trockener Komik, daß er Beifall auf offener Szene erzielt. Ueberraschend in ihrer natürlichen und spaßigen Naivität die Filmschauspielerin Dina G r a l l a als Zimmer- Mädchen, die sich Heimatrecht auch auf der Bühne erwirbt. Karcha Toell« hat die dümmliche und anspruchsvolle, gehetzte Millionärs- gattin zu verkörpern, ein« Rolle, die ihr nicht ganz liegt, die sie aber mit Anmut und Frische bewältigt. Ludwig S t ö s s e l, Walter S t« i n b e ck und Kurt v. W o l o w s k i fügen sich famos dem von Paul G o r d o n geführten Zusammenspiel ein. Der Beifall ist sehr herzlich.__ Dgr. „Madonna im Gchlafcoupck" Residenz-Theater. Es ist falsch, wenn man behauptet, das Thema eines Stückes sei kitschig gewesen. Auf die Hand kommt es an, die das Thema nach innerem Gesetz geformt hat. Die Zahl der Themen, die dramatischen Reiz versprechen, ist riesengroß, aber doch begrenzt. Die Hand des Künstlers wird dem gleichen toten Stoff abertausend verschiedene, lebendige Gestaltungen entlocken können. Und so ist es nicht wahr, daß das Stück„Madonna im S ch l a f k o u p 6", das uns im Resldenztheater aufgetischt wurde, kitschig und schlecht sei, weil es eine Aneinanderreihung von Bildern ohne innere Notwendigkeit ist, weil sein Stoff dumm, ab- gcschmackt und ordinär wirkt. Das Stück war mit seinen sechs Bildern eine zum Ueberdruß bekannte, alternde, hysterische Dirne, die sich in sechs gemeinen, eingelernten Posen darbietet. Das alles, weil die Hand des Künstlers fehlt, weil es sich um keine Dichtung, sondern um ein Machwerk handelt. Dennoch wäre auch in diesem Misthausen Gold zu finden ge- wesen, wenn etwa ein Reinhardt inszeniert hätte. Aber es war nicht Reinhardt, sondern nur Karl Jban, der hier suhrwe--». ohne Temperament, ohne Freude, ohne Geschicklichkeit war inszeniert. Es handelt sich um eine schrecklich vornehme, englisch« Ladx Diana, die von Mann zu Mann taumelt, sich allen gevankenlo- und frivol hingebend, um, wie sie selbst sagt, das große Erlebnik zu suchen. Ihr Sekretär Gerard, der sie liebt, ist der einzige, mi: dem nur platonisch geliebelt wird. Diese unglückliche Frau, die ihi Leben in Luxuszugen und auf den Tournierplätzen der großer Welt verbringt, wird plötzlich ihre Petroleumquelle im Kaukasui los. Natürlich die Sowjets! Sie macht daher Herrn Warischkin dem Berliner Vertreter der Tscheka, einen unanständigen Antrag Richtig verschafft ihr dieser spitzbärtige Revolutionär di< Petroleumkonzejsion wieder. Aber nur sür kurze Zeit, denn Irina die eifersüchtige Geliebt« Warischkins, erscheint aus dem Plan uni verettelt alles. Bum! Bum! Irina schießt an der Lady vorbe und jagt sich dann selbst eine Kugel durch den Kopf. Die be dauernswerte, völlig verarmte Lady Diana begibt sich auf«im Weltreise. Mitunter wirkt die Handlung kolportagehaft und dann ist st« noch am amüsantesten. Hedda Larina ist als Lady Diana nui gewöhnlich, nichts weiter. Man ist entsetzt. Herr Berti G r o t h, ist als Gerard tappsig wie ein Waschbär. Max Walter« Matrose leiert klanglos, stimmlos, wie ein altes Grammophon Hans Hellenberger müßte Hauptrollen spielen, mit den beider Ersterwähnten als Statisten. Eine komische Rollenverteilung. Dil wirklich begabte Lilli Schubert als Irma Murawieff beleb diesen todtraurigen Abend durch frisches Spiel. Ein sehr ulkige: Oberkellner ist Ferdinand Weiter, ein bemerkenswert originell«: Gastwirt Hellmuth B e r g e r und ein nicht gar zu unangenehme: Warischkin Werner Heinz Borken. Die Geschmacklosigkeit der Theater ist unerträglich und wiri nur durch die Dreistigkeit übcrtroffen, mit der sie uns Stücke w» „Madonna im Schlafkoupe" auftischen. .�.iexznäcr von Sacher-Ma*"■' Metropol-Theaier. »Mit vir allein auf einer einsamen Insel.* Das ist eine Operette, von der es wirklich nicht zu reden lohnt Eine dumme, langweilige Geschichte, wie die Tochter des amerika Nischen Zuckerkönigs und der Sohn des ameiikanischen Kaffeekönigl ein Paar werden: auf einer einsamen Insel im Ozean haben sie sick gefunden. Wo Ralph Benatzty, der geschickte Arrangeur, die Musik dazu gefunden hat, interessiert so wenig wie diese selbst. E: versucht es mit erprobten Mitteln in allen gangbaren Stilen, es isi ein Rekord der Unoriginalität, schon Dagewesenheit, Einsallslosigkeit Man staunt, daß für das viele Geld, das noch immer mit Operette: verdient wird, nicht ein bißchen mehr Talent aufzutreiben ist, al! diese Autoren, der Buchmacher Arthur Rebner und der Musik- Verfasser, einzusetzen haben: daß sich in diesem Geme nichts Besseres findet, das den Aufwand solch eines Abends ein bißchen lohnt. Der Darstellung sehtt es auch diesmal nicht an guten Kräften In den Hauptrollen Rita Georg, unter den jüngeren Nachfolg«? rinnen im Fach der Massary eins der besten Talente, und Michael B o h n« n: es ist freilich«in Jammer, wie der große Künstler sich a: Aufgaben vergeudet, sür die ihm bei allem Willen, sich dem Milieu anzupassen, die Eignung fehlt. Charlotte Ander, Alfret Braun(der nicht singen sollte), Willy Stettner und F« r r r Eiklar, der im letzten Akt die lustigste Figur des überlange« Abends auf die Bühne bringt. X.?. Bewegte Rundfunkbilder? Probleme des Fernsehens. Für Fachwelt und Publikum ist das Fernsehen und seine Möglichkeiten heute wohl das interessanteste Problem auf dem Gebiet des Funkwesens. Wie Prof. Dr. I h b e r g in einem Dortrag im Harnack-Haus mittellte, hat man schon— in den Grenzen kleiner Reichwetten— technisch sehr befriedigend« Lösungen g«° funden. Di«„träge" Selenzelle und die ebenso träge Glühlampe sind für Sendung und Empfang bewegter Bilder unbrauchbar. Aehnlich wie beim Film muß das Auge beim Bildfunk in der Sekunde«ine bestimmte Anzahl Bildeindrücke— 16 bis 20— aufnehmen, um den Vorgang bewegt und einigermaßen slimmerfrei zu sehen. Diese Umwandlung kann mit Selenzellenfendung und Glüh- lampenempfang nicht erreicht werden. Beim Fernsehen arbeitet man daher mit gasgesüllten„Photozellen", die ebenso wie die Selenzelle leitend werden, wenn Licht sie trifft, die aber praktisch völlig„träg- heitslos" sind, das heißt, für die Umwandlung von Licht in elektrischen Strom keine Zeit oerbrauchen. Als Empfangsvorrickstung benutzt man eine ebenfalls trägheitslose Glimmlampe, di« mit Hilfe der Nipkvw- Scheibe oder mit Hilf« einer sehr sinnvollen Spiegel- konstruktion, des Weilevschen Spiegelrades, ein scheinbares, bewegtes Bild entwirst. Das Weilersche Spiegelrad arbeitet schon außer- ordentlich rationell, da es von dem Lichteindruck des Vorganges sämtliches Licht zur Bilderzeugung oerbraucht. Außerdem läßt sich der Empfangsapparat mit ihm bei Serienerzeugung verhältnismäßig billig herstellen. Das Rundsunkfernsehen bewegter Borgänge Ist sür das Publikum also in absehbare Nähe gerückt. Freilich wird die Reichweite des Bildfunks bei weitem nicht an die des Hörfunks heranreichen. Heute lassen sich bei tadelloser Anlage bewegte Bilder etwa 40 Kilometer weit störungssrei senden. Man muh sich dabei vorläufig mit Schwarzweißbildern begnügen, wenn auch die farbige Wiedergabe durchaus im Bereich des technisch Möglichen liegt. Tcs. Vierzig Lahre„EavaNeria rusticana". 2lm 17. Mai 1890 ging unter dem Jubel eines begeisterten Publi- kmns ein« neu« Oper über di« Bretter des C o n st a n z i- Theaters in Rom:„Cavalleria rusticana" Ein bis zu diesem Tage völlig unbekannter, mit der Not kämpfender Musiker namens Pietro Mascagni, Sohn eines Bäckermeisters in Lioorno, war mtt diesem Werke, das er in nur fünfzig Tagen niedergeschrieben hatte, aus einem Preisausschreiben des Verlegers Eduards Sonzogno siegreich hervorgegangen und gelangte über Nacht zu Weltruhm. De: berühmte Tenor Roberto Stagno und Gemma Belli«. cioni sangen Turiddu und Santezza. Schon nach der von Leopoldi Mugnone dirigierten Einleitung� begann das Publikum überrascht aufzuhorchen, und gleich nach de-„Siziliona" brach ein Sturm der Begeisterung los, der sich von«stritt zu Auftritt bis zur jubelnden Raserei steigerte. Der Siegeszug dieses Werkes, dessen Melodien unsterbliche- Gemeingut der Menschheit wurden, ist bekannt, und noch heut« steh: es mtt seiner glutvollen dramatischen Handlung an einer der erste: Stellen des Weltopernspielplans. Vortragsabend im Lyzeumklub. Zum Besten erwerbsloser Schauspieler fand im Lyzeumklub ein Unterholtungsabend mit Darbietungen von Lotte Holstein und Käte H y a n statt. Die gute Sache und die Aussicht aus di« verheißenen künstlerischen Genüsse hatten ein zahlreiches Publikim herbeigeführt, dos, wie der Beifall bewies, voll auf seine Koste« kam. Käte Hyan ist noch immer die unermüdlich« Lautensängerin am eindrucksvollsten im leisen melancholischen Bänkelsang, so i« eineb: Lied von fahrenden Lcuicn und auch in der erschreckliche« Geschichte vom Hühnchen und Hähnchen. Lotte Holstein besitzt ein« gut entwickette Sprechtechnik. Sie rezitiert« ausgezeichnet antike Chöre des Sophokles: weniger gut lagen ihr kleine Niedlichkeiten die schon der leiseste Anhauch von Pathos rettungslos zu Kitsck umformt. I?. Die Leiche Alaria Orskas wurde von der Staatsanwaltschof! beschlagnahmt und ist im gerichtsmedizinischen Institut geäfsnet worden. Gegen den Arzt, der der Schauspielerin das Verona! ver- ordnete, wurde eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Di« Leich« wurde nach der Freigäbe in der Wohnung der Schauspielerin aus- gebohrt und wird am Montag, dem 19., in: Grabe ihrer Mutter aus dem Hietzinger Friedhos beigesetzt werben. Reinhardt-Feier. Die gesamt« Theoterwott Berlins, Direttorci: Schauspieler, Regisseure, Bühnenbildner usw. hat sich zusammen- getan, um mit einer Feier Max Reinhordts am Jubiläums- tage seiner Sösöhrigen Direktionstätigkeit am Deutschen Theater zu ehren. Diese Ehrung wird am 31. Mai, nachts 12 Uhr, Im Fest- saal bei Kroll, in Form eines großen Künstl-rfestes statt- finden, bei dem an die Mitwirkung aller Berliner darstellenden Kunst- lerinnen und Künstter von Namen gedacht ist. Aus der Genossen- schast deutscher Büh ncna ng«höriger und dem Verband Berliner Bühnenleiter hat sich ein Arbeitskomite« gebildet, dessen Geschäits- stelle sich Dorotheenstrah« 11(Deutscher Dühnenverein) befinde� Voltsböhne, ftn der am 29. Mai im Tdeater am Bftlatnvlatz stattfindenden ffrftaufföbnuifl van Thakelpeareü.IuIluüSoeint* spielen unter Karl Heinz Martin« Ree:« den Saffac: Hau« B.hpler, Antaniu«: Han« Rebmann, vrutu«:«alter fiseank. Sasfiu«: Kur: Harioit. Sa'ca: Leonhard Stecket. Dclavtu« Erich Tbormann den«abriaper: Erntt Karcha». lerner find in den mlinulichen Hauptrallen beschSsligt: Almas. Berghol.«Ziinsberp. Mretler, Huch, Kausmann, Kielst, Kaberling. Lahde. Manz, Nunberg, Baelckcr. Weisse. Ibealer am Bfilomplah In der kommenden.Julius E ä l a r'-Anl- sülnung spielt Erika Wagner vom Wlener BolkStveater die.Portia' un Cäcitie Loovskh die.Calpurnia'. Die erschossene Tänzerin. MacUUMU»Sv«»' vrM»IM»AU»d: Berlin IV. S4, Oriii*dcr SlrnBe 0*3f....................... Theater,| Lichtspiele usw.<) Winter ★ Garten* Tägi. S u. S» Saun. 2.,3a. 8" Alex. E«. 8066 Ta«itcb nmags 5 Uhr naebmittax Das neue Varlet4-Programm und Entscheldungs-Ringkampfe Wochent. 5 Uhr u. Sonnt 2 U. nachm. lOVariata-AttramimtB»Inn tuiMmpla Nur im Mai Die lurtwe Witwe Regie: Erik Chareil Oirektlon: Ur. Ilirtin Zictai mm Komische Oper Fnedrlchstr.lOi Merkur 1<01/4330. Täglich 8Vi Ubr Majestät lisst bitten MtLsik von Waltor Kollo. tustsplelhaus Friedridutr. 336. Bergnuma 2922/23. S'!t Uhr Geschäft mit Amerika. Vorverkauf In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. iheaterl. d. Behrenstr. 33-54 9 Uhr A 4 Zentrum 926-927 9 Uh. Dtreldlon Ralph Arthur Roberts iMeel. die am morgen sing«) Lustspiel in 3 Akten von Lonsdale. VolHsistltine Tlmtir im Btlovchtz. 8". Uhr Rost von Kirch on und Ouspensky Kigk; Cüotbir Stark Staatt.Sdiiller-ni. 8 Uhr DerTraam ein Leben Degtukei Tteater 1 2 Weidtadaun 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Re2tMaz Reinhardt Unit; FrMnt llillindtr. Operettenhaus Alte Jakobstr. 30/32 (Zentral-Theater) Dönh. 2047 Täglich 8-i, Uhr Totentanz von Aug Strindberg Rund tu n khöre i halb» Preise. Direktion Dr. Robert Klein Oialsehes Zlnsller-Tbeal Barbarossa 3937 81« Uhr Sex Appeal T.Firirik laudib ; Ftnlir Larriiizi Albari Bassernmnn, Maoy nmuns Beriloer TöMlir Dönhoff 170 8V» Uhr Der IfHilslsscMier! Komödie v Bernard Shaw Regie: Heinz Hilpert. Kaminerspiele D 2 Wtidicdamo 5201 SV» Uhr Die liebe Feindin KanMia tm JL P. AbIcIbi kssl»; Cntaf Gr&odgm Die Komddle II Bismck.2414/7516 SV» Uhr Soli man heiraten? ItnödiiniBtnianlSluv linlid» Baridihn]: Karl Heinz Martin Lessing-Ttieater Viiiluchiu 2197 O.08I6 Täglich EV» Uhr: Frau Peters hat v. Louis Verneuil mit Mu«an sivllinnm Lsnii lerascil Mer d. Mm Täglich 8V. Uhr: Der BelleisHiilenl SiMtindorf. tandi. Udrtnslni, Ehmr Sonntags 4 Uhr Dir. Dr. Martin litkel Komische Oper Friedrichstr.104. Merkur 1401/4330. Täglich 8V2 Uhr Majestät läßt bitten... Musil!«oa Waller Kalla. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8'r Uhr fiescbädmll Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld BaniovskHBlüin TBtaier In Oer StreseDegnstr. (fiitKrlialssritar Str.) Täglich 8V» Uhr Napoleon greift ein in Wille; Hastsdnu Komfidinnhaus Täglich 8V. Uhr; Meioe Mwester ojulid) Kssfty. Ralph StatiH Metropol-Th. Täglich SV» Uhr ItHt Dir allein aut Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8V» Uhr Grollen Erfolges wegen verlängert Gastspiel Gisela Werberirk in Mew's sei. Witwe Schwank von Fritz FriidiiiMi-FrtdridL Theater am Süillftiaucrdamm Sommerspielzcit Täglich 8V3 Uhr Tratsch Komddle v. Coward Paudler.Schweikart Norden 5813, 02BI ßn!iinz-Theater Tägl. 8V» Uhr Madonna Im schiaicDupa v. Maurice Dekobra Fürjugendl. verb. Tfiapon-Tliealef Täglich 8V» Uhr Ein galantes Abenteuer! Insel HHiMi B/�ian,(Uired Bran. RilaOeonj, Ouilotti lädt-'. S on n tags 4 Uhr: Das Und des Llebelns Tum a. Roiu.Tai Kortb. Str. 6 Tägl.« Uhr Elite- Singer. lal- Feslspieie fteilli ohfieijt Kinisltr Vorzeiger dieses Inserats Vorzugspreis«. <$as püsTswefte l�nupng* R�teurant Berlins BETRIEB /O» KEMPINSKI« ßci JUERGENS Alexanderplatz Neue Konigetr. 4S 1 in vollem Beirieb| |915 FEUERWERK Konzert Varitt* CASWO-TBEATER Lothriptfcr Strafe 37, Die Berliner Posse Rentier Mudicke und das Riesen-Varlete-Piogramm. Billig! Billig! SommerprcUe: 50 Pfg. f.- Merk 1.50 Merk Sonnabend u. Sonntai kleiner Aufschlag Reichshallen-Theater Allabendlich(Ts Uhr Sfclflner sanier „Eine Hochzeit in de MDHerstraße" Tel. lentr. 11263, s. Skiis-Plali. Dönhoff-Drettl VarictS— Konzer 1— Tanz Ken! TUchtele/one Xenl Im(roiillchen Weinberg Tanx Stimmung ■er'l"«rUIkTrio N C■ R 0 1 1 R 74175.1 Letzte Woche! (bis Sonnabond, 17., tägl. 8") (Sonntags 5'* und 9 Uhr) vih)i&fiohai- dmTdnz&dru Grolle Operette in 3 Akten. Soogtif. d» 10. Mai IW. 5.15 u. 9 Ohr Uraufführung „Jemtt) fteigt empot" Komödto von H. A Kihn (Autor von Meleekenl Hauptdarsteller: Traut«, Hans r. VVUli Rose, Erna Kersta. s. HiiJo Hofer, Edg. Kanisch, Rob. UQIar, Franz Stein. 0 17. Große Pranftlo.tcr Str. 132. Blllcttxasse: Alex. 3422 u. 3494 föelfoge Sonnabend, 17. Mal 1930 SivÄbimd StiUouÜajSe Ja\JoYaätii Der„vorwans" anno dazumal Erinnerungen eines alten„UorwirtsM-RedaKteurs/ vonHugoroeizsch Der alte.vorwärts" Der tfi\W Vorwärts— damit meine ich den in der D e u i h» st r a h e 2— nicht in der Partcidruckcrci, sondern in der Druckerei von Max Bading gedruckten... Im November 1893 wurde ich nach der Katzbach st raß« 9 bestellt, wo sich damals das, och, so bescheidene Parteibüro befand. Der hohe„Olymp" wurde durch Auer und Richard Fischer, die beiden Sekretäre, vertreten. Erst später übernahm Fischer die Buchhandlung„Vorwöris". Der Genosse Fischer kannte mich von Zürichs Hottingen her, wo ich bei ihm in den Jahren 1888/89 meinen Bedarf an Parteiliteratur gedeckt hatte. Fischer war nach Bernsteins Aus- Weisung aus der Schweiz ja noch einige Zeit dort geblieben, ehe auch er noch London übersiedelte. Da ich auch als ehemaliger „Briefabonncnt" des„Sozialdemokrat" bekannt war, und da ferner die beiden Genossen Bernstein und Fischer mir sogar die groß« Freude bereitet hotten, zwei meiner von Florenz aus eingesandten Artikel(erste Versuch« aus diesem Gebiete) zur Wahl 1899 im „Sozialdemokrat" auszunehmen, so kam mein« Verpflichtung für die Redaktion des„Vorwärts" schnell zustande. Uebrigcns war ich schon vorher als Berichterstatter tätig gewesen. Auch hotte ich— und das ist bezeichnend für die damals noch recht bescheidenen Verhältnisse in unserem Zentralorgan— kleine Artikel und Notizen geliefert, bearbeitet nach französischen und englischen Zeitungen, die ich im„Cafe Baue r" hotte einsehen müssen. Die Redaktion Nun wurde ich an den Genossen Singer gewiesen, der Linden- straße 44 wohnte. Er führte mich in die Redaktion ein und stellte mich den Kollegen vor. Die Redaktion lag Beuthstraße 2 auf dem Hofe im zweiten Stock. Im unteren Geschoß befand sich die Buchhandlung, wo die Genossen Bruhns und Pätzel tatig waren. Setzerei und Druckerei waren im 3. und 4. Stock untergebracht. Die R e d a k- tion bestand aus fünf Zimmern, Raum genug für die b bis 7 Redakteure. Hinten in einem kleinen Zimmer saß oder stand vielmehr der „Alte" an seinem Stehpult. Umgeben von Bergen alter Zeitungen, die er abends zusammen mit den Wolfsjchen Depeschen einpacken ließ, um sie mit nach Hause zu nehmen. Am Vormittag rief dann häusig Frau Natalie Liebknecht an und teilte mit, daß ihr Mann«inen Leitartikel mitbringen werde. Er hatte ihn abends zu Hause an einem ebenso einfachen Stehpult— er faß nie bei der Arbeck— geschrieben. Liebknecht kam nur des Abends, nach Schluß des Reichs- tags, in die Redaktion', auch im Reichstag arbeitete er stets. Adolf Braun war dagegen vom frühesten Morgen an da, blieb meistens ununterbrochen bis spät nachts und kümmerte sich um alles, selbst um den Umbruch. Seine stets lustige und freundliche Art wurde nicht als unberechtigte Einmischung empfunden. Ab und zu saß Adolf in hockender Schneiderstellung auf dem Tisch und holt« ein Stück Kommißbrot hervor. Das genügte seinen be- scheidenen Ansprüchen meist für den ganzen Tag. In der ersten Zeit war in der Politik noch der alte Genosse Kukowsky tätig. In der Lokalredaktion schuftete'vor- und nachmittags der Genosse Wilhelm Schröder,„Jungfer Schröder", wie Ignaz Auer ihn wegen seiner hohen Stimmlage r-* nannte, vom Berichterstatter Bauermeister trefflich unterstützt. Alles war nach Restarts eingeteilt; in„Soziales",„Partei- Nachrichten",„Gewerkschaftliches" und„Versammlungen" teilten sich Enders, Robert Schmidt und ich. In einem kleinen Zimmerchen war später noch der Genost« Kraus, der Feuilletonredakteur, untergebracht. Wenn er morgens gegen 11 Uhr ankam, hatte er schon zu Mittag gegesten. Dieses zwei Zentner schwere Egerländer Kind konnte sich ein Mittagesten ohne Knödel nicht vorstellen, und so bereitete er mit Hilfe seiner Wirtin sein Essen nach heimatlichen Rezepten selbst zu. Cr raucht« dann im Laufe des Tages so etwa 30 bis 40 Zigaretten und trank einige Kännchen starken Kaffee dazu, die er aus dem Cafä„Royal" holen ließ. Neben ihm saß Dr. Kühl, später an besten Stelle der Genast« Lessen. Das sozusagen Sekretariat wurde durch Roland-Dierl vertreten, einem ehemaligen Schauspieler, den Auer entdeckt hatte. Er quälte sich mit dem Telephon herum, damals«in noch primitiver Kasten mit einer Anzahl Löcher und Stöpsel, die Roland ständig mit» einander verwechselte. Der Genosse Winkle r, der heute noch im Sekretariat der Redaktion tätig ist, begann 1893 seine' Laufbahn als Rodaktionsbote. Des Abends erschien der Genost« Stadthagen, der den „Vorwärts"-Lesern Rechtsauskünfte erteilte. Eine willkommen« Unterbrechung der Arbeit bot ab und zu der Genosse Bamberger (der Sozius von Bading), der, sobald er auf der Bildfläche erschien. Anekdoten aus seinem unerschöpflichen Fonds jüdischer Witze zum besten gab. Stttredakleure Natürlich war die Redaktion keineswegs immer vollzählig, einer mindestens, oft mehrer«, saßen in den für den„Vor- wärts" reservierten Zellen in Plötzensee. Nach einer Schanzest von sechs Monaten kam auch ich an das verantwortliche Zeichnen. Siebzehn Anklagen in sechs Monaten war das Resultat meiner erfolgreichen Tätigkeit. Erst Geldstrafen bis zu 1000 M., dann Gefängnis, langsam ansteigend von sechs Wochen auf zwei, drei und vier Monate usw. wegen der Unverbesterlichkeit. So saßen wir 1893/96, teilweise zu gleicher Zeit, Robert Schmidt, Enders, Stadthagen und ich. Auch der alte Dierl mußt« ein ganzes Jahr brmnmen, und kam in bedauerlichem Zustande heraus. Denn— nicht zu vergessen— es gab damals für politische und Prehsünder bezüglich der Kost keinerlei Vergünstigungen.„Rum futsch" und „blauer Heinrich" waren auch für uns die üblichen Delikatessen. Haussuchungen in den Redaktionsräumen und in den Wohnungen der Redakteure nahm die Polizei sehr häufig vor; sie verliefen meiner Erinnerung nach immer ergebnislos. So mußte immer wieder neuer Ersatz herangezogen werden; denn die Kosten für die Rücksälligen wurden auch für den Verlag schließlich zu hoch. Da wurde auf Beschluß der Preßkommission Ignaz Auer als Zensor über die Neulinge auf preßgesetz- lichen Boden gesetzt. Er kam des Abends in die Redaktion, las mst dem Verantwortlichen die Fahnen durch und strich ohne Gnade natürlich immer die„Perlen" heraus. Hätten wir damals in der unverantwortlichen Weise darauflos geschrieben, wie heut« etwa die Kommunisten oder die Nazis, wir wären aus dem Gefängnis überhaupr nicht mehr hcrausgekommem Dafür haste aber das, was der„Vorwärts" schrieb. Gewicht, und fand, wenn auch wider- willig, Beachtung selbst beim Gegner. Hie prekkommlLSion Die liebe Preßkomm ision, ja. wir waren ihr Sorgen- und Schmerzenkind! Da waren die Berichte zu kurz oder zu lang; die Artikel zu flau befunden. Und die Beschwerden über vergessene Anzeigen, unvollkommene Angaben über Zeit und- Ort der Vor- sammlungen und Veranstaltungen! Das Feuilleton wurde meist bemängelt. Aber Kraus ließ sich in den Sitzungen der Preß- kommission nicht sehen. Es dauerte immer einige Zeit, bis die lieben Genossen von der Meinung abgebracht waren, daß Mitarbester gar nicht nötig seien, weil man dafür die Redakteure habe. Waren sie endlich aufgeklärt, dann wurden sie in der Regel als zu flau nicht wiedergewählt. Es fehlte aber auch nicht an Auseinandersetzungen prinzipieller Natur. So. über die Stellung zu den preußischen Landtagswahl�cn. In der Redaktion wie inner- halb des Parteivorstandes waren die Meinungen geteilt. Die Berliner Parteigenosten in ihrer großen Mehrheit waren dagegen. Schließlich siegte in dieser Frage bekanntlich die Einsicht, daß der Landtag doch nicht von selbst„verfaulen" werde, daß die Sozial- demokratie überall einzudringen habe, wo über das Schicksal des Volkes beraten wird. Und die ehemals schärfsten Gegner der Wahl- beteiligung saßen als die ersten Vertreter der Sozialdemokrati« im Landtag und spielten hier zur großen Befriedigung der Partei- genossenschast die Hechte im Karpfenteich. Vor jedem Parteitage taucht« irgendeine Frage auf, die bis zur Entscheidung durch den Parteitag innerhalb der Parteigenossenschaft auf das heftigste um- (SLoloty stritten war, so die Agrarfrage, die Maifeier, dos Verhältnis von Partei und Gewerkschaft. Erklärlich, daß weder der Porteivorstand noch die Redaktion in der Beurteilung solcher Fragen durchaus einheitlich waren. Das kam dann zum Leid- wefen eines Teiles der Prehkommission und auch der Berliner Parteigenossen— denn auch hier waren die Meinungen geteilt,— auch im„Vorwärts" zum Ausdruck. Es setzte heftige Debatten, bis der Parteitag die geschlossene Front wieder herstellte. Mittlerweile war in die politische Redaktion der Genosse Dr. Gradnauer und später, als Braun ausgewiesen worden war, der Genosse E i s n e r eingetreten. Auch Ledebour war eine kurze Zeit bei uns. Ferner: die Genossen Jakobey» Ströb el, Cunow und Wetzte r von Dresden. Im August des Jahres 1900 starb Liebknecht, seine Stelle blieb unbesetzt. üer technische Apparat Die Hilfsmittel der Redaktion waren, gemessen an den heutigen Verhältnissen, äußerst bescheiiden. Natürlich nichts von Sender und Empfänger, keine Rohrpost nach der Druckerei, nicht einmal eine Schreibmaschine. Die Hauptzeitungen der großen Parteien standen zur Verfügung und die Wolsfschen Depeschen. Daneben einige ausländische Zeitungen, aus denen ich häufig etwas entnahm. Wir kamen dann immer noch zeitig genug damit. Das heutige Tempo kamst« man noch nicht. Als ausländisch« Mitarbeiter kamen Vaillant und Jules Guesde für Frankreich, Enrico Ferry und Bissolati für Italien in Betrocht. Ihre Einsendungen mußten übersetzt werden. Ihre Berichte folgten de» Ereignissen nicht übermäßig schnell. Ueber England schrieb der Genosse Eduard Bernstein, solange er dort im Exil lebte. Der Druck der Zeitung dauerte natürlich viel länger als heute und wenn wir nach 8 Uhr abends noch cm längeres Manu- fkript abliefern wollten, machte der Mktteur— das war damals der„Vater Lampe"— ein bös' Gesicht. 1901 schied ich aus der Redaktion aus, um eine„Auslands- Korrespondenz" herauszugeben, die von 1910 ab der Genosse Katzen st ein bis zum Kriege weitergeführt hat. Bald darauf siedest« Redakston, Verlag und Druckerei nach Lindenstroße 69 über, in der Beuthstraße war es längst zu klein geworden. (31. Forts« tzunH.) Der Portier des Hotels l'Europe tonnt« den Mann, der an ihm n>i« der Blitz vorbeischoß. Es war d«i' Sekretär Keads. Das Spalier bunter Messengerboys wich unwillkürlich zurück. Cr fragte nach dem Aufenthalt seines Herrn. Stürzte dann in den Lift, der mit ihm zum Dach schnellte. Taumelte mitten durch die Tanzpaare, wieder treppenabwärts, durch die Prunkränm«. Traf endlich auf Keod. Hat!« keinen Atem mehr in der Lunge Kead, der bei feinem Anblick auf alles gefaßt war, verlor nicht die Beherrschung. Entschuldigt« sich bei den chinesischen Kaufleuten, die sich bedeutungsvolle Blicke zu- warfen. Tao und Aung schlichen behutsam davon. Unter dem drohenden Blick Keads wagte sein Sekretär sich nicht zu rühren. In Kead arbeitete ein Vulkan. Schrecken ging von ihm aus. Jetzt hob er die Faust, nahm die Stellung eines Boxers ein, schlug dem armseligen Häuflein Sekretär mitten ins Gesicht, daß der so Ueberraschte in eine Ecke flog. „Für allzu sichtbare Gefühle vor Chinesenbäuchen', begründete Kead sein Vorgehen. Auf dem Gesicht des Sekretärs stand«in erbärmliches Lächeln. Mühsam richtete er sich auf.„Ihre Antworten, Sir, werden innner deutlicher.' Diese sklavische Ergebenheit des Mannes war nichts anderes als der Kampf um das Dasein. Keads Antwort war:„Die einzige Sprache, die man in diesem Lande noch sprechen kann, die verstanden wird. Weiter!' Der Sekretär konnte sich von dem Schlage noch nicht ganz er- holen. Keads Ungeduld war Unruh«, Katastrophenahnung.„Morgen auf ein Schiff mit dir zur Erholung in die Heimat. Bring' ihr meine Grüße und dem König meine Ergebenheit.' Nun berichtete der Sekretär von der soeben ltattgefundenen Sitzung der Hongkong Schanghai Banking Corporation, die sich in nicht zu unterschätzenden Schwierigkeiten befinde: ein Sturz an der Börse sei nicht mehr aufzuhalten. „Aufkaufen, Ionny! Auskaufen!! Uebermorgen schon habe ich ganz China in der Tafch«' Sein« Adern waren dick, blau, geschwellt. Jetzt betete ihn der Sekretär an. Der Nasenhieb war vergessen. Noch wagte diese gedemütigt« Menschenseele einzuwenden:„Aber morgen muß ich doch abreisen? Ich bin entlassen—?* Der Groß« schlug ihm auf die Schulter, brüllte:„Aufkaufen!!' Auf der Treppe stieß Kead auf Marin:„Wann schießt man in Schanghai?' Zog ihn mit sich. Sein« Worte überstürzten sich: .„Hier untergräbt man. Hier gibt es nur Explosion. Der einzige, aus den ich mich noch verlasse, sind Sie. Haben Sie das Dokument, von dem Sie sprachen--" Marins Zähne bissen aufeinander. Jetzt haßte er Kead. Er hott« sich ihm mit Haut und Haar verkauft. Was sollte er nun wn? Seine Niederlage eingestehen, dies« Blamage? Ihn belügen? Das wäre noch gefährlicher. Hatte er denn schon wirklich alles verloren? Mußte er sich aufgeben? Tage lagen noch ungenützt vor ihm. Sie könnten diese Schlapp« ausgleichen. Der Gararckiepakt war nicht außer der Stadt. Sogar in bestimmten Händen. Diese Hände waren ihm nicht fremd. B. War es also ausgeschlossen, das Dokument diesen Händen zu entreißen, mit Gewalt? Mit List? Mit-- „Ja, ich besitze bereits den Garantiepakt, Sir. In kaum einer Woche bin ich dort, wo Sie und ich mich haben wollen.' Kead umarmte ihn, schüttelte ihm die Hände Wie hätte er auch an der Glaubwürdigkeit Marins zweifeln können. 36. Auf dem Dache tanzten die Paare immer dichter gedrängt und mit Lillian Marin, der den schlanken, biegsamen Körper des Mädchens fest in seinen Armen hielt. Prüfend glitt sein Blick über den Frauen- körper. Und plötzlich war sein Entschluß gefaßt. Er bat Lillian zu sich nach Hause. Sie war vollständig willenlos, berauscht. Vor dem Hotel stand das Auto Marins. Dem Chauffeur gab Marin Auftrag, in sein« Wohnung zu fahren. Lillian wußte eigentlich selbst nicht, wie sie hierher gekommen war, in die ihr sonst so oertraute Wohnung Marins. Im Auto hatte sie teilnahmslos und apathisch an der Seit« des Mannes gesessen. Jetzt war ihr Ich völlig ausgeschaltet. Sie sah wie durch einen zarten, seingewebten Schleier, hörte wie durch ein« dünne Tapetenwand. In ihren Ohren sang es. In ihren Gliedern stak«ine wohlige Müdig- keit. Dieser Zustand dauert« schon Wochen. Man hätte ihn am besten mit einem Tropenkoller vergleichen können. Da marschieren die Kolonnen brauner zerlumpter Männer tage- lang, nächtelang durch Wüsten, Sumpf und Steingeröll. Durch Wüsten aus glühend heißem Sand, an Sümpfen, aus denen giftig« Gase aufsteigen, vorbei und durch, über Steingeröll, das di« Schuhe wie Zunder frißt und in die nackt« Sohle sein« Kanten und Setzen stößt Im Geyick sitzt die mörderische Sonne. Aber das alles ist noch lange nicht das Schrecklichste. Erst wenn der Durst sich in die aus- gebrannten, dürren Kehlen schleicht, wenn dann die Zunge schrumpft und wie ein Stück fremdes Fleisch im Hals« hängt, de Lippen bersten und in der Hitze dörren, dann atmet man die Hölle. Der Mensch mit seinem Bewußtfein hört auf zu sein. Bisher verborgen gehaltene Instinkt« beginnen sich zu rühren. Das Tier im Käfig rüttelt an den Gittern. Meist sind sie so schwach und geben der elementaren Kraft nach. Di« Kolonnen marschieren wie im Rausch, ein sich vor. wärts bewegendes Tollhaus. Dann kommen wieder Tage und wieder Nächte. Und der Marsch dauert an. Keiner weiß, wohin ihn eigentlich seine Füße schleppen, nicht der gemeine Mann und auch kein Offizier. Es wird immer stiller und stiller in den Reihen. Es ist eine �6Tec&tc/r Jjc/z&tefar seltsame Verklärung. Der Geisterzug bewegt sich immer nach vor- wärts. Dann kommt die Oafe, das Paradies. Ein tiefer Schlaf senkt sich über die Schar. Nicht olle erwachen daraus. Draußen, irgendwo im Sand, bleicht die Sonne die Gebein« der Zurückgelassenen. Und was von einer solchen Kolonne übrig bleibt, ist ein armseliges Häuflein Marodeure, denen es vorbehalten bleibt, morgen zu krepieren. Ueberall trifft man diese Kolonnen, die„Pioniere der Zivilisation'. wo es gilt, Europas Macht zu demonstrieren. Aber man muß nicht nach der Wüste sehen und auch nicht in den Busch. Es leben Riesen- siädte inmitten üppiger Vegetatton mit eleganten Hotels, gigantischen Palästen, wo das Geld gemacht wird, weißen, blanken Villen von Millionären und breiten, glatten Straßen, in denen sich der Verkehr staut. Es gibt viel Licht hier und noch mehr Menschen, und die Städte sind nicht besser als die Wüste und das Sumpfland und die Steinfelder. Die Kolonnen, die hier marschieren, sind zwar größer, aber nicht glücklicher. Sie sind nur bervuschter und bewußtloser als die da draußen im gelben Sand. Lillian, die jetzt süße Früchte aß und Whisky mit Soda trank, kleine schmal« Zigaretten rauchte, erinnerte barem. Sie lebte rasch und intensiv. Die Städte sind bloß lügnerischer und rücksichtsvoller in der Enthüllung Ihres Schicksals. Lillian versank in Gedanken. Es war aber kein« beschauliche Nachdenklichkeit, sondern blitzartiges Aufschießen erlebter Momente und Vilder, die sie durchjagten. War nicht alles sinnlos? Sinnlos dieser unbedeutende Mann, der eines Tages vor ihr gestanden hatte. Sinnlos ihre Liebe zu ihm, sinnlos sein Betrug, sein Verbrechen an ihr. Sinnlos die Begegnung mit einem Halbchinesen, der nicht auf- hören wollte, in ihr zu sein. Sinnlos, daß sie eines Nachts die Geliebt« des Mannes ihrer Mutter wurde, und jetzt wieder hier faß. Wieder hatte sie sich von Marin bestimmen lassen, war ihm gefolgt, diesem Menschen, der ihr im tiefsten Wesen fremd geworden war. Sie fand aus all dem nicht heraus. Es war nirgends»in An- fang, nirgends ein Ende. Sie lebte nicht, sie wurde gelebt. S!« war nichts anderes als«in Glied in der Kette von Ereignissen, die iie nicht begriff. Es ging mit ihr unaufhaltsam weiter. Und so ließ sie sich treiben. Mit geschlossenen Augen. Aber plötzlich riß sie sie wett auf, sie spürte die Nähe eines Menschen, der sich lautlos an sie heran. geschlichen hatte und nun sein Gesicht dicht an das ihre schob. Mavin küßte sie. Sie ließ alles mit sich geschehen. Sie lacht« nur. Aber dieses Lachen war wie ein Krampf. Plötzlich wurde sie still. Ihr Blick musterte den Mann, der sich wieder in Entfernung von ihr hielt. Was wollte er eigentlich von ihr, fiel es Lillian ganz un- vermittelt«in. Er mußt« etwas ganz Deflliwntes von ihr wollen, meldete sich ihr Naturtrieb. „Dielleicht kann ich dir das geben, was du willst, was du brauchst, damit du nicht an einer rätselhaften Krankheit zugrunde gehen mußt." Marin sprach zu ihr mit der Stimme eines Fremden. Diese Stimme kam aus ihr. Sie wußte kaum, ob er oder sie di« Worte gesprochen hatten. ,�Du brauchst den Aufriß deines Lebens, sonst stirbst du an deinem nutzlosen Ich.' Nutzlos, was meinte er damit? Einmal selbst sein, durch sich selbst? Nicht mehr getrieben werden, selbst treiben? Aushalten die Flut, die sie mit sich schwemmt«— gegen die Strömung—„Und du willst—" Sie sah ihn mit brennenden Augen an. (Fortsetzung folgt.) £ Buch 'ßev Fall 3)reyius. Der Prozeß um den Hauptmann Dreyfus, der die Generation von 1900 politisch aufgewühlt hat wie kein Ereignis seitdem, ist durch ein erfolgreiches Theaterstück wieder lebendig gemacht worden. Aber doch nur zum Teil. Denn dieser Stoff ist nach jeder Richtung so groß, daß nur ein Film ihn an einem Abend entwickeln könnte. Das Theaterstück gab den Fall Dreyfus als Fall Zola. Aber auch der Prozeß Zola war ein Fall Frankreich, und diese voll« Wahrheit spricht Genosse Gustav Radbruch in dem Borwort zum „Dreyfus' von W a l t h e'r S t e i n t h a l aus, einer aklen- mäßigen, journalistisch brillanten Darstellung.(Berlin. Oesterheld u. Co. Broschiert 3 M.) Es fft das erste deuffche Buch über den Prozeß, über den es in Frankreich eine riesige Literatur gibt, ein« Darstellung, die nüchterne Sachlichkeit mit psychologischer Durch- dringung vereinigt, keine kleinen Nebenzüge vergißt, die das Leben wiederherstellen, und politisch in der Darstellung dieses Kampfes als Symbol der Ueberwindung des nationalistischen Militarismus durch die republikanische Demokratie auf der Höhe ihrer Aufgabe steht. Liest man die Darstellung Steinthals, so kommt man auch dem Grunde nah, warum uns dieser Fall so beispiellos erregt. Und ich glaube es nun sagen zu können und verdanke diese Erkenntnis Steinthals Darstellung: das Ungewöhnliche ist nämlich, daß im Lauf« dieses Prozesses, der von 1894 bis 1906 spielt, immer wieder neuen Personen das Schicksal, wie ein glänzender Dramatiker, ein Stichwort von entscheidender Wucht bereit hält. Dieses Stichwort heißt: Justizmord. Hier ein Militär, dort ein Richter, hier«in Advokat, dort ein Journalist, hier ein Polttiker, dort eine Frau— jeder hört es, erschrickt— und schweigt nicht! Es sind nicht nur die berühmten Personen der Affäre, der Bruder des Unschuldigen, der Oberst Piquard, Clemenceau und Zola, es ssnd nicht nur die bekonnten Figuren des Vordergrundes, es sind vielmehr die kleinen, unbekannt gebliebenen, vergessenen Personen des Hintergrundes, denen Schicksalsfügungen verschiedenster Art die Wahrheit mitteilten, und die sich getrieben fühlten Vorkämpfer der Wiedergutmachung zu sein. Ohne die Mitarbeit dieser Einzelpersonen wäre die Enl- hüllung niemals möglich gewesen, sie waren es, die den großen Figuren des Vordergrundes erst die Möglichkeit gaben zu handeln. Auf diesem Wege wurde der Prozeß eines Offiziers zum Prozeß der Nation, die Rettung eines völlig Unschuldigen zum Kennwort der Geschichte Frankreichs. Die deutsche republikanische Generation hat einen solchen Kampf zwischen alter und neuer Zeit nicht mitgemacht, aber noch kann er auch ihr bevorstehen. Bleibt er Deuffch- land erspart, um so besser. Aber um Republikaner mit republikam- schem Kampfgeist zu erfüllen, fft dieses Buch ein« wahre Schule. Jeder junge Mensch kann es lesen. Jeder Erwachsene sollte es. kelix Stössingcr. Rätsel-Ecke des„Abend". •iniuiiuiuiunuiiiiiiniitiiinuuiiiiniiHiiinunti Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Seuche; 4. Stoffart: 8 Inselbewohner; 10 männlicher Vorname; 11. Wärmeeinheit: IS. russi- scher Staatsmann: 17. italle- nische Note: 19. Nebenfluß der Donau; 29 spanischer Artikel; 21. griechischer Kriegsgott: 22 Brennmaterial: 23. italienische Note; 24. stete Ber» neinung; 26 Ton der Grund- skala; 27. Berliner Maler; 29. ftomme Sage: 31 weib- liches Schwein:. 32 Kälteprodukt: 34. Gartenfrucht: 3S nordische Göttin— Senkrecht: 1. griechischer Buch- stabe: 2. BoltsIIederkomponist: 3. Pelzart: S. Verfall: 6 Ab- schiedsgruß: 7. Fluß in Italien: 9. Stadt am Rhein: 12 Stadt in Sachsen: 13. Stadt an der Weser: 14. Bühnenwerk; 16. geisterhaftes Wesen: 18 Schuhputzmittel: 29 Arbeitseinheit: 2S. Stechpalme: 27 griechischer Gott: 28. Nebenfluß der Fulda: 29 Mittel zum Gerinnenmachen von Milch: 39. Schwur: 31. Bindewort: 33. Abkürzung für Summe. kr. Gestörte Idylle. In wundervollem Blau siehst du Das Wort mit i hoch droben, Das Wort mit u stiegt nun herzu,« Der Blumen Honig proben. Das Wort mit a plumpst täppisch drein Und stört die heil'ge Still«. Das Wort mit u läßt's Suchen fem Und aus fft die Idylle. Küllrätsel. St, Die Buchstaben a a a a a a a a b b b b o�o d d d d d e oeeeeeeeeoeeekg gbbhiikklillmnn niinnooprrrrrrrr rsssstttuuwwww z sind in nebenstehende Figur einzusetzen Die Wörter be- deuten: 1. Ort bei Hamburg: 2. Stadt in Westfalen; 3 Stadt in der Rheinprovinz: 4. Stadt im Harz; S. Neroenheilanstatt in Berlin; 6 Stadt in der Neumark; 7 Stadt in Holland: 8 Stadt in Belgien: 9 Euro- päischer Staat.— Sind die Wörter richtig geraten, sa er» gibt die schräg pmcktierte Linie den Namen eines deutschen Kur- ortes. kr. Kurz entschlossen. Der Arbeiter Max Fintenstein War fleißig, doch sein 1 war»ein, Drum könnt'«r'e zu nichts bringen. Nun droht ihm auch noch 1-, 2, 3. Da war's mit Sparen ganz vorbei Zu schwer ward ihm das Ringen, Darum bestieg den 3 er da, Er wollt« nach Amerika. Mög es ihm dort gelingen! ts. 44; 8 Karee-Rätsel. lSesttzllch geschätzt.) Jede Zahl der zu erratenden Wörter entspricht einem Buchstaben, der in das mit der gleichen Zahl bezeichnete Karree einzutragen ist. Die Buchstaben, von 1 bis S8 fort- laufend gelesen, ergeben«in Wort von Lassalle: BedeuwngdereinzelnenWörter: I.Vorbild 19 1 2 14 44: 2 Bildungs- anstolt 11 7 39 31 44 6; 3. Ablauf- stelle beim Sport 12 13 14 3 16: 4 Körperstärke 8 26 14 51 21; 5. asiatisches Reich 23 32 9 28 19 36; 6. Nachtvogel 17 34 44 24; 7. Schweizer Freiheitsheld 39 25 44 Südfrucht 51 29 41 33 37: 9 Zahlungsmittel 47 53 44 22; 19. europäische Hauptstadt 5 54 2 38: 11. deutsches Rechtschreibebuch 36 45 1 6 46; 12. Turnerabteilung 59 57 19 33 56; 13. flüchtig hingeworfene Zeichnung 18 43 19 4 27 17; 14 Tanz 49 15 44 48 24 52; 15. Teil des Rumpfes*9 42 55 49 44 58 25 59. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträts«!. Waagerecht: 1. Elba: 5. Ella: 9. Darm; 19. L«ib: 11. Idiot: 13. Regel: 14. Sierra Nevada: 16. FCA: 17. «dei: 18. Emir: 29. 6orc; 24. Sarai 27. IIa; 30. Fiebermesser: 33. Edith: 34. Satin; 35. Re: 36 l«; 37. Debit: 38. Osten.— Senk- recht: 1. Edison: 2. Lain: 3. Brief: 4. Amorce: 5. Eleve: 6. legal; 7. Lied; 8 Ablaß; 12. Tram: 13. red; 15. Nero; 19. Isar: 21. Ries; 22. Elsaß: 23. Pferd: 24. ß-i: 25. Abtei; 26. Reh; 28. Ast: 29. Urnen: 31. Idee: 32. Eile. Füllrätsel: 1. Montmedy: 2. Landshut: 3. Lindenau: 4. Gernrode: 5. Mühlheim: 6. Graudenz: 7. Bentheim: 8. Weilheim.— Mannheim. D« r Wortbastler: Bulgarien, England, Ztalien. Nor- wegen.— Bein. Diamonträtsel: J. r; 2. Rom: 3. Eidam: 4. Scheide; 6. Eisbahn; 7. Stahl: 8. Uhu; 9. n.— Rodelbahn. Schieberätsel: Mikkelsen. Valboa, Orellana, Hudson, Chamisso, Kotzebue, Amundsen, Nansen.— Kolumbus,, Nr. 229 47. Jahrgang Sonnabend 17. Mai 1930 Neue Hochleistungsschalier. Oclfrel und lichtbogenfrei. Auf dem Gebiete der elektrischen Hochleistungsschalter ist seit kurzem eine lebhafte Entwicklung zu verzeichnen. Während der Oelschalter seit 30 Jahren das Feld beherrschte und seine Entwicklung in den Hochleistungsprüfseldern der Großfirmen zu einer solchen Vollkommenheit gesteigert wurde, daß er den gewalligen Leistungen moderner Kraftwerke gewachsen war, bewegt sich die Entwicklung der Hochlelstungsschalter nunmehr nach anderer Richtung. Es gilt, nicht nur das brennbare Oel zu beseitigen, sondern vielmehr darüber hinaus die beim Schalten frei werdenden elektrischen Energien so zu bändigen und zu beherrschen, daß der Schaltvorgang mehr und mehr feinen gewalttätigen Charakter verliert und Brände und Zer- störungen ausgeschlossen werden. In der„Technik" wurde vor kurzem über einen neuen Hochleistungsschalter der AEG. berichtet. Die großen Elektrizitätdfirmen stehen auch auf diesem Gebiet in einem harten Wettbewerb. So haben auch die Siemens-Schuckert- Werke die Lösung des Schalterproblems auf mehreren Wegen in Angrisf genommen. Sie haben neben dem Preßlustschal? er den Expansionsschalter entwickelt. Während bei dem Preß- lustschalter der Lichtbogen durch einen Luftstrom ausgeblasen wird, Browck eines alten Oelschalters ist beim Expansionsschalter eine natürlichere Löschung des Licht- bogens zur Anwendung gekommen: sie beruht daraus, daß der Licht- bogen beim Schalten sich in einer Atmosphäre hohen Dampfdruckes bildet, und daß durch plötzliche Ausdehnung des Dampses eine Nebel- bildung in dem Dampfraum erzeugt wird, die die elektrischen Ladungsträger des Lichtbogens beschwert, so daß bei wiederkehrender Spannung eine Neuzündung nicht eintritt und der Strom zu fließen aushört. Für Spannungen bis 100<300 und 200 000 Volt wird er mit mehrfacher Unterbrechung ausgeführt: die Expausionsschalter werden die Entwicklung der Hochspannungsanlagen in bezug auf vereinfachte Leitungsführung, Platzersparnis und Betriebssicherheit ganz außer- ordenUich befruchten. Neben diesen Konstruktionen, die auf der dies- jährigen Leipziger Frühjahrsmesse besondere Beachtung fanden, wurde nun noch ein weiterer neuer, ölsreier Hoch- leistungsschaltcr entwickelt, dessen Kennzeichen gegenüber allen bisher bekannten Schaltern darin besteht, daß ein Lichtbogen überhaupt nicht mehr auftritt. Dieser lichtbogenfrcie Hochleistungs- Oer llohtbogeulrele Schalter(X-Schalter) lür 10000 Volt schalter, kurz T-Schalter genannt, beruht auf der durch Versuche getroffenen Feststellung, daß durch geeignete Formgebung der Elektroden und Verwendung einer noch geheim gehaltenen Flüssigkeit die Entstehung des Lichtbogens ver- mieden werden kann. Es ist ein äußerst verblüffender Vorgang. daß die Unterbrechung hoher Stromstärken bei hohen Spannungen ohne jegliche äußer« Erscheinung, d. h. ohne Lichibogenbildung und ohne Unterbrechungsgeräusch sich vollzog. Man sieht nur, daß die Kontakt« sich nach oben bewegten und die oszAographischen Auf- nahmen ergeben, daß der Strom nach wenigen Halbwellen auf Null abgesunken war. Es scheint also wirklich das letzte Stündlein des Oelschalters geschlagen zu haben— und das ist im Interesse der Sicherheit sehr zu begrüßen. kür und gegen die Wünschelrute. Die Frage, tst die Wünschelrute vom Standpunkt der Wissen« schast oder des Aberglaubens zu beurteilen, ist noch immer nicht entschieden und wird auch sicherlich niemals entschieden werden. Anhänger der Wünschelrute weisen auf eine große Menge Erfolge hin: die Gegner behaupten, daß diese angeblichen Erfolg« nicht auf Konto der Wünschelrute, sondern auf naturbedingt-' Verhältnisse zu schreiben sind. Wo hier das Recht liegt, kann an dieser Stelle nicht umersucht werden. Es sollen vielmehr einige allgemeine Aussührun- gen über die Wünschelrute und über das Für und Gegen gemacht werden, ohne sich dabei in den Widerstreit der Meinungen zu mischen. Das Streben der Menschen zu übernatürlichen und geheinmis« vollen. Treiben»st fast so alt wie das menschliche Geschlecht selbst. Schon im grauen Altertum glaubt« man, mit Hilf« von Zauber» stöben gewisie Wunder vollbringen zu können. Hieraus hat sich der Glaube an die Wünschelrute entwickelt, der man zunächst die Eigen- schast zuschrieb, verborgene Erdschätze anzeigen zu können. Das Aussuchen von unterirdischem Wasser— das heut« als Hauptzweck der Wünschelrute angesprochen wird— war in früheren Zeiten noch nicht bekannt. Der allgemeinere Gebrauch der Wünschelrute ist Verhältnis« mäßig jüngeren slrsprungs. Noch im Mittelalter wurde die Rute wenig gehandhabt. Sie war allerdings unter mancherlei Bezetch- nungen, so als Springwurzel, Alraunswurzel oder Schlüsielblum« bekannt und wurde gelegentlich dazu verwendet, leichtgläubige Menschen von dem Vorhandensein verborgener Schätze zu über- zeugen. Ob diese Ueberzeugung in einem einzigen Falle gelungen ist, kann leider nicht gesagt werden. Die Anwendung einer Wünschelrute, verborgene Wasseradern aufzusuchen, stammt aus Frankreich, wo in einzelnen Landstrichen stets großer Wassermangel herrschte. Bei uns traten die Quellen- sucher erst im 17. Jahrhundert an die Oefsentlichteit und konnten bald aus verschieden« Erfolge hinweisen, die jedoch wohl mehr dem Zufalle ihre Entstehung verdankten. In der Folgezeit artete das Gebiet der Wünschelrute aus. Man benutzte sie, um Flurgrenzen zu berichtigen, versunkene Grenzsteine und verschüttete Weg« wieder aufzufinden und dergleichen„Feldmesiungen" mehr. Im 18. Jahr- hundert war noch das„Feldmessen" mittels Wünschelrute vielfach im Gebrauch. Heute sind wir soweit, daß das„Rutenschlagen" sogar von Behörden und hochstehenden, urteilsfähigen Persönlichkeiten als un- fchlbare Kunst, unterirdisches fließendes Wasser aufzufinden, bezeich- net wird, trotzdem hiergegen alle möglichen Proteste erhoben worden sind. Es muß nochmals betont werden, daß es müßig ist, zu ent- scheiden, wo in der Wünschelrutenfrage die Wahrheü endet und der Aberglaube, oder sagen wir auch die Selbsttäuschung, beginnt. Fest stcht jedenfalls, daß eine große Anzahl Wünschelrutengänger fest von der Wunderkraft chres Instrumentes überzeugt sind, und daß da- gegen alle Einwendungen bisher nicht vermocht haben, diese Frage einer neutralen und objektiven Prüfung zu unterziehen. Di« Wünschelrute soll, wie schon gesagt, alle Naturschätze aus- zufnrden in der Lage sein, so Gold. Platin, Oelquellen. Kali, Kohlen und andere Stoffe, die im Erdreich vorhanden sind. Darm soll sie jedoch fließende unterirdische Wasserläufe seststellen. In besonderer Weise soll man mit der Wünschelrute auch die sogenannten Blitz- stellen ermitteln, das sind sich kreuzende unterirdische Wasserläus«, die besonderer Blitzgefahr unterliegen. Die Wünschelrute besteht aus einer Gabelung von Weideholz. Haselmißholz oder Kirschholz, es werden auch von einigen Wünschelrutengängern andere Holzarten, wie z. B. Pappelholz u. dgl., verwendet. Ander« Quellensucher nehmen Gabelungen oder Schlingen aus Eisendroht, Messingdraht oder Kupferdraht. Bei der Anwendung der Ruie sind Haltung und Ausschlag ganz individuell verschieden. Am meisten wird die Hal- tung der Rute mit Untergriff vorgenommen, wobei die Daumen jeder Hand nach außen stchen. Die Rute soll lose in den Händen liegen, also ohne Muskelanspannung. Früher wurden bei dem Rutengange geheimnisvolle Sprüche oder Worte g«n>urmelt, die sich auf den gesuchten Gegenstand beziehen sollten. Die modernen Wünschelmänner verwerfen jedoch diesen abergläubischen Brauch und vertrauen fest aus die Wunderkrast der Rute selbst Zum Aufsuchen des Verborgenen begeht der Wllnschelmann, sein« Zauberrute vorschriftsmäßig in den Händen haltend, das fragliche Gelände, wobei er seine Sinne stets auf das Ziel seines Suchens gerichtet hält. Gelangt er dabei in die Nähe der Stell«, worunter oder an welcher sich das Gesucht« befindet, so verspürt er in seinen Händen schon«ine gewisse, wenn auch noch sehwache Bewegung, die mit der Annäherung an die genannt« Stelle zunimmt, bis die Erregung senkrecht über dem aufgespürten Gegenstand, so stark wird, daß dadurch die Rute aus ihrer bisherigen wagerechten Loge sich aufrichtet.»Oer Aus- schlag, ben die Rute gegen die Brust zu macht, soll je nach der Tiefe, in der sich die gesuchten Erz- oder Wasseradern befinden, ganz ver- schieden stark sein. Dies« Bewegungen der Wünschelrute werden zu Berechnungen der Schürfungstiefe benutzt, und es wird gesagt, daß es möglich ist, mit ziemlicher Sicherheit die genauen Bohrtiejen anzugeben. Es war vorstehend schon angedeutet, daß di» Wünschelrutengänger eine große Anzahl von erfolgreichen Schürfungen auf Erze oder andere Bodenschätze und auf unterirdische Wasserlöu-f« anführen. Dies« vermeintlichen oder rechtlichen Erfo'ge haben ja auch letzten Endes dazu geführt, daß vor noch nicht allzulanger Zeit anerkannte Wünschelrutengänger von allen möglichen Behörden, so z. B. von Eisenbahnämtern, Tiefbauämtern u. dgl. m., in Anspruch genommen wurden. Selbst höher« Beamte haben praktisch die Wünschelruten- tätigtest ausgeübt und wollen hierbei große Erfolge erzielt haben. Es war nur natürlich, daß, dem Beispiel der Behörden folgend, auch ein« große Meng« von Privatpersonen, die an dem Aufsuchen unter- irdischer Schätze oder Wasserläus« interessiert waren, Wünschelruten- gänger für sich in Anspruch nahmen. Dasssoll übrigens heute noch in ziemlich großem Umfang« der Fall sein. Aus einer Sammlung von Schürfungsprotokollen geht hervor, daß die Erwartungen, die man an die Wünschelrute geknüpft hatte, auch prompt zu verzeichnen waren. Meist handelt« es sich dabei um das Aufsuchen von Wasser, Quellen, die in angegebener oder annähernd angegebener Tiefe festgestellt wurden— wenn man sich zu Bohrungen entschloß. Demgegenüber muß aber objektiv hingewiesen werden, daß die Gegner der Wünschelrute sehr oft nachweisen tonn-en, auf wie hall- losen Fundamenten die angeblichen Erfolg« der Wünschelrutengänger standen. Aus diesen Behauptungen sollen einige besonders markante herausgegriffen werden. So wurde z. B. ein« Bohrstelle angegeben, die nach der Wünschelrute in etwa 8,S Meter Tiefe Wasser ent- halten solle. Bei der Bohrung wurde erst in 30 Meter Tiefe Wasier gefunden, und zwar äußerst spärlich, etwa 10 Liter in der Stunde. In einem anderen Fall« erklärte der Rutengängcr, daß an einer bestimmten Stell« mit einer Wasserlieferung nicht gerechnet werden könne. Auf das tatsächliche Wasservorkommen jedoch aufmerksam gemacht, meint« er, daß es sich um eine sogenannte„tiesliegende Ader" Handel«. Der folgende Vorfall, bei dem ein sehr bekannter Wünschelruten- gänger eine ziemlich zweifelhafte Rolle gespiest hat. soll noch ab- schließend geschildert werden: Anläßlich eines Besuches bei einem Fabrikanten wollte ein Rutengänger unter dem Fußboden eines bestimmten Raumes eine Quelle von 1,50 Meter Breite entdeckt haben. Der Raum lag In einer Straße, In der Grundwasser überall in geringer Tiefe vorhanden ist. Der Besitzer erNärt« sich auch bereit, die Quelle erschließen zu lassen, wenn der Wundermann die Kosten der Erschließung tragen wolle, sobald sticht eine Quelle, sondern nur Grundwasser gesunden wäre. Da man hierüber nicht einig werden tonnte, so verblieb die Erschließung der Quelle. Es scheint danach, daß die Feststellung, es liege eine unterirdische Wasserader vor, dem Wünschelrutengänger selbst nicht ganz geheuer gewesen war. Auf welchen Voraussetzungen benihen nun eigentlich die Wunder der Wünschelrute und welche Erklärungen für ihre über- irdischen Eigenschaften werden seitens ihrer Anhänger gegeben? Zunächst erscheint die Behauptung, daß es sich um gewisse Aus« strömungen der Erdelektrizität handele, die die Wünschelrute zum Bewegen bringe, wenig stichhaltig zu sein. Wäre das der Fall, so tonn es unmöglich stimmen, daß man neben Wasseradern auch alle möglichen Erze und schließlich sogar versteckt« Gegenstände, wie Goldsachen und dergleichen mehr aussinden könne. Hierbei sind bestimmt keine elektrischen Spannungsunterschiede gegeben. Ein sehr erfahrener Fachmann saßt seine Meinung über die Wirkungs- kraft der Wünschelrute wie folgt zusammen: „Der Ausschlag wird bewirkt durch eine befördernde Bewegung der Hand. Es fragt sich nun, wodurch wird die Hand zu dieser Bewegung veranlaßt? Gehört die Erscheinung in das Gebiet der Psychologie oder der Physiologie, regiert die bewußte oder un- bewußte Idee das Instrument, oder handelt es sich um ein« Nerven- erregung, welche Wirkung vom Wasser, das wir suchen und finden, ausgeübt wird?"» Wir wisien das nicht und so bleibt die Schlußerklärung desselben Forschers übrig: „Der großen Mehrzahl Menschen fehll die Eigenschaft, mit der Wünschelrute Wasser zu finden. Weit schlimmer ist aber die Tat- fache, daß unter denen, welche vorgeben, mit der Rute Wasier finden zu können, und davon vielleicht ehrlich überzeugt sind, dies tatsächlich bei kaum einem von zehn zutrifft. In neun Fällen von zehn täuschen sie sich selbst und andere. Die Summen, welche schon ver» geblich an Rutengänger gegeben, und die viel größeren Summen, welche ganz verkehrte Grabarbeiten verschlungen haben, die nach Angaben der Rutengänger gemacht wurden, sind keineswegs un- bedeutend. Die zufälligen oder begründeten Erfolge der Ruten- gänger werden an die große Glocke gehängt, die Mißerfolge ver- schwiegen, auch von feiten des getäuschten Austraggebers, denn dieser fürchtet, daß nun dem Schaden auch der Spott folgen werde. Nach meiner Erfahrung ist der Schaden, den die berufsmäßigen Rutenmänner erzeugen, viel größer als ihr Nutzen, und es ist im allgemeinen vor diesen Erwerbsmännern zu warnen." Ing..Mlred Nauck. Eine elektrische ZNust ersann. Die im Mai d. I. beginnende Kunstgewerbe- und Heimindustrieausstellung in Stockholm wird in der Zeit vom 19. bis 24. Juni eine landwirtschaftliche Schau bringen, deren größte Sehenswürdigkeit ein« im Betrieb gezeigte, mit den modernsten Landmaschinen ausgerüstete, vollkommen e l e k t r i f i- zierte Mustersarm sein wird. Das Melken der Kühe wird sowohl im Stall als auch auf dem Felde auf«! e k t r I s ch e m Wege erfolgen, die Haustiere werden durch eine automalische Vorrichtung gefüttert werden, der Boden des Schweinestalls wird elektrisch ge- wärmt sein, zum Ausbrüten der Eier werden elektrische In« k u b a t o r e n dienen usw. Aus den Wiesen wird ein neues System künstlicher Beregnung vorgeführt werden, das auf einem großen Gute unweit Stockholms ausprobiert worden ist und die Verbesse» rung der Ernte um ein Drittel ermöglicht. Das Getreide will» mit einer ganz neuen Dreschmaschine eiektrisch gedroschen werden, für das Aufspeichern und Trocknen von Korn und Stroh werden gleich- falls die modernsten Systeme gezeigt werden. Auch für Milchwirt- schaftseinrichtungen werden ganz»eue Typen zu sehen sein. Die Farm wird serner ein« elektrische Waschküche und die voll- kommen elektrisch eingerichtete Werkstatt eines Zimmermanne ent- halten. Man erwartet, daß die Musterfarm die Landwirte zur Nach- ahmung anspornen und sowohl für die Landwirtschaft als auch für die Industrie von Nutzen sein wird.' L. dl. Eine Verordnung zum Schuhe des Rundfunks gegeu Störungen durch hochfrequenzapparale. Die Technischen Werke in Greifen- b e r g(Pommern) haben am 22. Januar, 1930 solgenden Nachtrag zu ihren Bedingungen für die Lieferung bon elektrischem Strom be- kanMgegeben: „Jeder Stromabnehmer, der gleichzeitig Inhaber von Hoch- frequenzapparaten ist, ist zur Anmeldung derartiger Apparat« binnen drei Tagen nach der Anschassung verpstichtet. Apparate, die bereits vorhanden sind, sind ebenfalls binnen drei Tagen den Technischen Werken anzumelden. In den Hauptsendezeiten des Rundfunks dürfen Hochfrequenz- apparat« ohne Prüfzeichen des Verbandes Deutschen Elektrotechniker nicht in Betrieb genommen werden, da hierdurch der Rundfunk- empfang gestört wird. Als Hauptsendezeiten gelten werktags die Zeiten von 11.30 bis 14 Uhr und von 20 bis 23 Uhr und Sonn- und Festtag, die Zeiten von 9 bis 14 Uhr, von 16 bis 18 Uhr und von 20 bis 23 Uhr. Di« Technischen Werke sind berechtigt, bei Zuwiderhandlungen die Stromzuleitungen ohne vorherige Kündigung zu sperren." Nach dem Ereignis Was man„neutralen, völkerverbindenden" Sport nennt Jfrfte Schwimme? Eharlottcnbura M,«. B. Äanuabteilung: 6eim4aft, 18. M»i. ftfiroiDiB« ÄrbcUsdicnst in Ticftrerder Mit 6— iO llchr. 91 1* [chlicfifnö Beteiliqung oji bot SBctbcfalirt bei„Gollfqla". KTSB.. iüotboft Sreffpuntt jum Anturnen in Teael für t>,e Erwachsenen. »bteilungen 7 Übe Baliuhof Wcistcnsee urch für bie Ainderabteilunzen 1 Uhr Danjüaer Ecke Srcifswalbcr Straße.. Ruberrxrein„Eolleina", Sharlottenbnr«. e.«.?»0tshaus: Tlefwerber 7». Alle Rubcrmanuschaften werben aebeten. am Sonntaa um 8 Uhr pünktlich int Bootr-Haus zu fein. Die Steuerleute müssen schon um 7ln Uhr ba sein. Mir bie Nicht im Sportboot teiluchmenben Mitgtieber steht am Restaurant Pichels. dorfer Garten, an ber Heerstraßenbrückc, ein Dampfer zur Verfügunp. Ad» fahrt II Uhr. jsreunbe Itnb Snmpathissercnbe ber bunbcstreuen Arbeiter» wasserfahrerbcweaung ssnb herzlichst eingeladen. Wossersportlcrinuen l. Zkrri». Die Bezirkafrauenpersammlun« ber Wasser» sportlcrinneu findet für den 2. Bezirk am Montag, l». Mai. um 38% Uhr, bei Lehnig. Mühlcnstr. a«. statt. Die Stauen des 1. Bezirk? haben ihr« Ber» sammlung am Donnerstag, 22. Mai, bei Wegner. Srankfurter Allee 228. Site die Wasser fahre rinnen findet außerdem am Freitag, 23. Mai, ebenfalls eine Sihung bei Wegner statt. Alle Genossinnen, welche den t8er»Reigen mit» geschwommen haben, treffen sich am Sonnabend. 3t. Mai, um llhe Uhr in der Gartenstrasie lBerlin.Mittel por der Babeanstalt. um an ber EinweiHungs- feiet des neuen Stadtbodes teilzunehmen. Der Reigen wird dort nochmals eil«- gelaufen. FTGB.. Renkölln. Brih. Ouartalsnersammlung heute, Sonnabend, 17. Wal. 18 Uhr, auf dem Sonuenplah. Bezirk svorstandsmitglicder müssen l«sh Uhr anwesend sein. Kinbcrabtcilungeu t Sonntag. 18. Mai:„Dir tummeln UN, auf dem Sonnenplab". Treffpunkt: 2. Knaben, und 2. Mädchenabteilung alz Uhr Buschkrua. Nachzügler lund auch die Eltern) kommen noch Belieben später. Gelegenheit zum Kaffeekochen vorhanbcn fKafsee mitbringen). Jugend» liche Funamäbchen, Frauen und Männer: Anturnen im Lich'erfelbcr Stabion. Zonristenoercin.Dir R-tnrfrennde». Abt. Prenzlanee»erg. Fahrt am Sonntag. 18. Mai. nach Strausberg— Tiescnsee. Treffpunkt 7 Uhr Schlesischer Bahnhof. Strausberger Bahnsteig. Sonntazskarten lösen noch Strausberg und zurück non Tiefenscr. Sportnerein Moabit. Sonntag, 18. Mal. Bereinswanberung nach dem Seiligen Saiu. Treffpunkt 7 Uhr Bahnhof ButtliWtraß«. bie Frauenabteilunq 8 Uhr ebenda. Das Sportplahtraininq hat begonnen, Uebungstage: Dienstag und Donncrslag ab 18 Ubr für alle Abteilungen. Di« Turnabende der Jugend. »nd Iungmäbchenabteilung tollen während der Sommermonat« aus. dafür Blahtrainina. Turnobend der Frauenobteilung lüder 2ä Jahre) bleibt de» stehen, also jeden Dienstag Turnhalle Onihowstraße. Turnobend ber Männer. abteilung jeden Freitag Turnballe Rostockrr Straße. Mittwoch. 2.. Mai, 20 llhr, allgemeine Funktioniirssßung. Lokal wird noch bekanntgegeben. Arbeitcr-Redfahrer. Verein Sroß-Berlin. Sonntag. 18. Mai, 5 Uhr, Kossen. Weinberge. 13 Ubr Lichtenrade. Dorfflr. 10. Start Waldemarstraße Ecke Mariannenplaß. Gäste willkommen Em Sportgcnosse macht die folgenden bemerkenswerten Aus- Führungen: Das grohe Ereignis im bürgerlichen Sport ist nun vorüber. Ein neuer historischer Meilenstein im bürgerlichen Fußballsport ist gesetzt: England— Deutschland 3:3.— Ich war an jenem denkwürdigen Sonnabend gegen Uhr abends in einem Friseur- geschöft. Ich muß sagen, daß ich noch nie so schlecht rasiert worden bin, trotzdem es nicht weit vom Zoo war. Kaum hatte ich mich gesetzt, da wußte ich schon, daß es 3:2 für Deutschland steht, und Zwischen nervös umherfliegenden Flocken von Seifenschaum mußte ich immer und immer wieder das stereotype..... und Sie müssen bedenken, daß die Engländer P r o s i s sind," über mich ergehen lassen, ohne daß ich etwas auf die„deutschen Amateure" sagen konnte. Desto mehr dachte ich natürlich darüber, chatte ich freilich daraus etwas erwidert, so bin ich gewiß, daß ich heute mit einer Narbe am Kinn herumliefe, oder ich hätte am Ende riskiert, daß der gaiiZe fiebernde Laden über mich hergefallen wäre. An den Nebenstühlen verwechselte man andauernd die beiden chofmänncr. Der eine de- I>auptete, die große Kanone wende mit einem f geschrieben, der andere bestritt, das sei ja gerade der andere. Noch weiter hinten in der Ecke meinte der Stift ganz ernsthaft, die ausgehende Sonne am Fußballhimmel sei jedenfalls Kreß und Stuhlfaut käme über- Haupt nicht mehr in Frage. Vor dem 3: 3 bin ich leider heraus- gegangen— leider, denn ich hatte gerne noch erlebt, wie man darauf reagierte. Wer aber diese Atmosphäre, wie sich das größte deutsch« Sport- Vreignis in den Gehirnen von deutschen Friseurgehilfen auswirkt, weiter genießen will, der braucht nur zu lesen, wie sich dasselbe Er- cignis in den Gehirnen von deutschen Sportjournalisten spiegelt. Zu diesen, Zweck nehme er den letzten„S p o r t s o n n t a g" (Leipzig) in die Hand. Er kann aus dem Bericht über England— Deutschland nicht nur ganz vorzügliches Deutsch lernen, sondern er wird am Ende dieses„enthusiastischen Ergusses" auch beschämt erkennen müssen, daß die„geistige Tiefe" in diesem Falle doch noch mehr auf feiten der Friseurgehilfen liegt. Soweit wird uns Arbeitersportlern der Rummel wenig inter- cssieren. Aber in diesem Bericht ist wieder einmal ein klassischer Abschnitt, der die bürgerliche„N e u t r a l i t ä t" dokumentiert, jener Neutralität, auf die man so gerne Stein und Bein schwärt und hinter deren Aushängeschild oft sogar etwas wie von Liebe, min- destens aber von Verständnis zu den„unteren" Bcvölkerungs- schichten geheuchelt wird. Dieser Abschnitt ist so klasstsch, daß er unseren Lesern nicht vorenthalten meoden soll. Er lautet: „Heil Dir im Siegerkranz" ertönt, aber nein, ja doch, natür- lich, das ist ja das„Gocl save tlic king", seitdem der deutsche Text nicht mehr ganz„zeitgemäß ist. Aber es ändert nichts an der Tatsache, daß es einmal die Hymne von vier Ländern, nämlich Englands, Amerikas, der Schweiz und— Deutschlands war. lind die Mützen reißen auch die ab, die vor kur.zem oni Wedding Barrikaden bauten und es vielleicht schon morgen wieder tun. Aber heute sind sie ja inkognito da, und der Genasse, der sie möglicherweise verpetzen könnte, nun, auch er verharrt ja ini achtungsvollen Schweigen und hat auch das Krätzchen in der Faust. Einen gemeinsamen Boden gibt es gottlob also doch noch, auf dem sich Deutsche linden können, ohne sich gegenseitig Liebens- Würdigkeiten oder Handgranaten ins Gesicht zu schleudern. Freilich, ein Körnchen Salz ist schon dabei. Die„Genossen", die für die KPD. am Wedding Barrikaden bauten, gehören zu jenen „revolutionären Unorganisierten", jenen asozialen Elementen, die, das wissen auch die kommunistischen Funktionäre ganz genau, morgen ein Pfeifskonzert im Sportpalast machen, übermorgen unter dem Hakenkreuz marschieren. Aber im ganzen steckt hinter diesen Zeilen doch eine zynische Genugtuung, daß es so etwas gibt wie einen neutralen Boden, ans dem sich die Masse findet. Wenn diejer Boden mich nur ein« bürgerlich« Sport s e n s a t i o n ist, die noch dazu durch das Trommelfeuer einer allmächtigen Presse seit Wochen ausgiebig vorbereitet ist. Auf solchem Boden soll der Arbeitslose dem, der ihn gewissenlos brotlos gemacht hat, die Hand reiche»? Sollen die Klassengegensätze liquidiert werden? O ihr Naiven, ihr Armen� an Geist! Die Triebfeder für die geäußerte Genugtuung ist aber im Grunde der Haß, daß es noch so etwas gibt wie Ar- beitcrsport— und gar international und a n t i- monarchisch! God save tlic king(„Gott erhalte den(englischen) König--") auf die Melodie: Heil dir im Siegerkranz, Herrscher des Vaterlands— leider ist der deutsche Text nicht mehr„ganz zeit- gemäß". Aber es war einmal mich die Hymne von Deutschland. Also, ihr Engländer, wir sind nicht schlechter als ihr, wir haben auch ei n m a l diese Melodie leidenschaftlich gesungen Und die „Genossen" reißen vor dieser Königshymn« sogar das.„Krätzchen" ab. Das ist die völkerverbindende, klasienüberbrückendc Kraft des Sports. Jawohl— wer wagt da zu zweifeln? F ö., Köpenick. i V ÄppMimö ist die Spätausgabe des..vorwärts". Das vlatt ist bei den Straftenhä tidlern, an den Zeitungskiosken und in den Bahn- hofsbuchhandluagen zum Preise von 10 Pf. zu haben. Außerordentlich vorteilhaft ist ein Abonnement de» ..vorwärts", dessen Lesern der..Abend" ohne besondere ver- gütung ins Haus geliefert wird.„Vorwärts" uud„Abend", oou denen 12 vummern wöchentlich erscheinen, kosten zu- sammen nur SS Pf. die Woche oder Z,S0 M. den Monat. Ich abonniere den.Vorwärts"(und die Abend- X < ausgäbe für Berlin.Der Abend") mit den illustrierten Bei» i < lagen„Volk und Zeit" und..Kinderfreund", sowie den Bei- i < lagen.Unterhaltung und Wissen",.Frauenstimme"..Technik", i <.Blick in die Bücherwelt" und„Iugend-Borwärtz" in Groß- 5 < Berlin täglich frei ins Haus l(Monatlich 3,60 Mk„ wöchentlich SS Pf.) < Name:___ �■: > Wohnung:____ e >--- Straße Nr--> j vorn- Hof— Quergeb.— Seitenfl__ Tr. links— rechts> | bei____| Ausfüllen und einsenden an den Verlag de»„Vorwärts", Berlin SW öS, Linden strahe 3. Arbeiter-Handball Am heutigen Sonnabend spielen um 18 Uhr FTGB.- Nord- r i n g 1 gegen F T G B.- O st e n auf dem Platz an der Schönhauser Allee und FTGB.-Weddmg 3 gegen FTGB.-Äorden 3 im Dolks- park Rehberge. Da am Sonntag das Anwrnen in allen Vereinen stattfindet, sst die Spielbetätigung nicht reichhaltg. Zum Anturnen der Nordgruppe des t. Bezirks im Lichterfelder Stadion spielen um 14.30 Uhr Berlin 12 1(Jugend) gegen Teltow, mn 16 Uhr Wilmersdorf (Frauen) gegen FTGB.-Neukölln und Teltow 1(Männer) gegen Berlin 12: um 17 Uhr Schöneberg 1(Männer) gegen FTGB.-Süden. Zum Anturnen der 1. Gruppe des 2. Bezirks in Tegel, Graf-Rödern- Korso, spielen um 16 Uhr Tegel 1(Männer) gegen Hennigsdorf 1. Iii Hennigsdorf selbst spielen die Frauen gegen FTGB.-Ncinickendors um 11 Uhr und die 2. Männer gegen Wedding 4 um 16 Uhr. FTGB.-Rosenthal spielt int der 2. Männer um 13V* Uhr gegen Eharlottenburg-Spieler und mit der 1. Männer um 161- Uhr gegen Eharlottenburg-Schwimmer. In Mahlsdorf, Hönower Chaussee, spielen um 13 Uhr Mahlsdors 1(Jugend) gegen Strausberg und um 17X Uhr die l. Männer gegen Kaulsdorf. In Klansdorf spielen die 2. Männer gegen Speremberg um 16 Uhr»nd die 1. Männer gegen Jossen um 1714 Uhr. Velten spielt gegen Biesenthal um 14 Uhr im Plänterwald Platz L. Eberswalde empfängt um IS Uhr FTGB.-Stralau. FTGB.-Mershof spielt um 14 Uhr in Bornstedt. I. Bezirk In der Bezirtsserie haben sich in der 2. Klasse in Gruppe A M a h l s d o r f 1 und in G nippe B�-K ö p e n i ck 2 an die Spitze gearbeitet. Bede Mannschaften haben nunmehr das E n t- fcheidungsspiel um den Ausstieg in die 1. Klasse zu crledgen. Das Spiel findet heute, Sonnabend, den 17. Mai, um 18 Uhr, im Köpenicker Stadion, Wendenschloßstraße, statt. Schieds- richter: W. Nahrgang. Aditung, Arbeiterkegler! Man schreibt uns: Die gestrige„Welt am Abend" brachte eine Ankündigung, nach der am Sonntag, 18. Mai, in der„Berliner Kegler-Sporthallc" ein Bezirkstegeln stattfindet, das eine Vorschmi für das„Mitteldeutsche Keglertressen" des Deutschen Arbeiter-Kegler- Bundes am kommenden Sonntag in Halle a. d. S. sein soll. Als Ber- anstalter zeichnet der Bezirk Berlin-Teltow des Gaues Berlin des DAKB. Es ist dies eine Irreführung, denn hier hairdelt es sich um den oppositionellen alten Gau Berlin, der wegen Nichtanerkennung der Bundesbeschlüsse durch Bundesvor- standsbeschluß vom IS. März d. I. aus dem DAKB. ausgeschlossen worden ist. Kein buichestreuer Arbeitertegler darf daher diese Beranstaltung besuchen. Als Unterorganisation des DAKB. besteht für Berlin und Umgegend nur der Gau Berlin-Brandcn- bürg, dessen Geschäftsstelle sich beim Sportgenossen Siegsried Zöllner, Berlin SW. 19, Kommandontenstr. 77(Merkur 7752) be- findet. Neu beigetreten ist dem Gau Berlin-Brandenburg der AKK. „Frei Holz" in Spandau. remm-Bot Die Serienspiele im 1. kreis nehmen am kommenden Sonntag ihren Fortgong und zwar stehen sich die Mannschaften wie solgl gegenüber: Frauen Gruppe A: Tennis-Rot-Friedrichshain gegen Tennis-Rot-Wedding(9 Uhr Volkspark Rehberge), FTGB.- Wedding gegen Tennis-Rot-Gesurck>brunnen(8 Uhr Voltspark Reh- berge), Tennis-Rot-Lichtenberg gegen Tennis-Rot-Prenzlauer Berg (14 Uhr Stadion Lichtenberg). Männer Gruppe A: Tennis- Rot-Frisdrich»I>a>n gegen Tennis-Rot-Wedding(9 Uhr Volkspark Rehberge), FTGB.-Wedding gegen Tennis-Rot-Gesundbrunnen (8 Uhr Voltspark Rehbergc), Tennis-Rot-Lichtenberg gegen Tennis- Rot-Prenzlauer Bevg<8 Uhr Stadion Lichtenberg). Frauen Gruppe L: Tennis-Rol-Fricdrichshain gegen Tennis-Rot-Wed- ding(16 Uhr Sportplatz Friedrichshain), Tennis-Rot-Neukölln II gegen Tennis-Rot-Prenzlauer Berg(8 Uhr Sportplatz Schönhauser Allee). Männer Gruppe B: Tennis-Rot-Gesundbrunnen gegen Tennis-Rot-Prenzlauer Berg(8 Uhr Sportplatz Schönhauser Allee) Tennis-Rot-Wedding gegen FTGB.-Neukölln(8 Uhr Bolks- part ff�iin) Die Spicke der Kruppe L Tennis-Rot-Köpenick gegen FTGB.-Neukölln(Frauen) und Tennis-Rot-Köpenick gegen FTGB.-Wedding(Männer) finden wegen Platzschwierigtsiten erst am 25. Mai, 9 Uhr vormittags in Köpenick, Achenbachstraße statt. Spielfrei sind: Männer Gruppe A Tennis-Rot-Neukölln, Frauen Gruppe A Tennis-Rot-Neukölln, Männer Gruppe B Tennis- Rot-Friedrichshain._ Freiluftkampfabend in der Bodebrauerei Der gestrige Eröfsnungskampfabend des Freiluftringes in der B o ck b r a u e r e i in der Fidicinftraße war«in viel- versprechender Beginn der Sommersaison unserer Berussboxer. Gleich dem ersten Abend war auch ein guter Publikumsersolg beschieden. Bon den fünf Kämpfen, die auf dem Programm standen, gingen allein vier über die volle Rundenzahl und endeten unentschieden. Frankie P o u l- Belgien hatte Gustav E de r als Gegner. Zwei gleichwertige Boxer, die mit wechselnden Erfolgen und Borteilen«in ilnentschieden erreichten. Einen guten Eindruck hinterließ der frühere Amateur B u ch b a u m- Dortmund, der A n k l a in- Berlin einen gleichwertigen Kamps lieferte. Sehr flott verlies die Begegnung Cz i rs on gegen Volkmar: auch hier lautete dos Ergebnis: un- entschieden. Mit demselben Resultat trennte» sich Hölzl-Hamm und K o s k o- Gleiwitz. Koska hatte wohl kleinere Borteile» zu einem Punktsieg« langte es jedoch nicht. Die einzig« Entscheidung siel im Kampf der Schwergewichte S w a r t- Wilhelmshasen gegen S ch u- mann Dortmund. Swart mußte in der 7. Runde völlig groggy ausgeben. Trabrennen zu Ruhleben Die vier Tage umfassende 2. Maiveranstaltung nimmt am Montag, dem 19. Mai, ihren Ansang. Die dreijährigen Pferde treten jeht immer mehr in den Vordergrund und das Programm des ersten Tages gipfelt in dem Dr«ijährig«n-Moi-Preis über 2300 Meter. Der von seinem Stallgefährten Landsknecht begleitete Derbykandidat Semper idem oes Stalles Runkel, wird hier wieder am Start erscheinen und steht vor einer schwierigen Auf- gab«, da er an seine Altersgenossen bis zu 80 Meter Vorgaben zedieren muß. Di« zweite Hauptnummer das den internationalen Trabern reservierte Semper-idcm-Renneu erhält durch die Teilnahme von Walter Dear hohen sportlichen Reiz. Der aus- gezeichnete Amerikaner hat an erprobte Gegner gleichfalls große Vorgaben zu leisten. Die Rennen begimien wieder um 3 Uhr. 100-km~Mannschaftsrenncn bei Hüft Die R il l t- A r e n a bringt am morgige» Lonntagnachmittag wieber ein Mannschaftorenne» nach Sechstagcart über die Disian» non 100 Kilo- nieler. Das Etferfelb wirb in folgenber Zufammenifetzung antreten: Leinoine- viuimbrettibre, Tonani-Knapp«. Rieger.Krofchel, Ebmcr�Franlensiein, Preusi. Resiger, Kilian-Püsifelb, Krüger. Funda, Lehmann-Rickel, Schenk-GrofssmIIng- h«us, Longardt-Schwemmler, Evert-Mühlbach. Ein besonderer Reiz des Rennens liegt in dem nenartigen Wertung»- fnsiem, das Rütt anwendet, um b!« 100 Kilometer ttl»glichst farbig und inter- rssani zu gcstaltrn. Reben den feststebenden acht Dertungssnurt»(je zwei alle 27. Kilometer) kommen noch zwölf weitere zum Austrug, aber niemand, auch bie Fahrer wissen nickt vorher, wann biefe vor sich gehen. Dem lange» Wann. schaftsrennen. das etwa 2'.« Slunbcn dauert, gcht ein minbesten» ebenso »ltcrcssantes Fliegerrennen voraus. Retiungutatfonen an Dahme und Spree Der Bezirk Berlin der Deutschen Lebensrettungsgesellschast nimmt auch dieses Jahr wieder seine beiden Rettungsstatio- nen Schmetterlingshorst(am weihen Strand gegenüber Grünau) und Hirschgarten(zwischen Billo Machnow und den Albatroswerken) in Betrieb. Di« Eröffnung erfolgt am Sonntag, dem l 8. Mai 1930. Dos Hauptaugenmerk der Rettungs- ftationen ist auf die am Strand Badenden sowie auf den den Sta» tioncn benachbarten Verkehr auf dem Wasser gerichtet. Die Freie Sportvereinigung Tegel 1S44 E. v. veranstaltet am Sonntag, dem 18. Mai. auf dem Sportplatz in Tegel, Graf-Rödern- Korso, ihr diesjähriges Anturnen. Am Vormittag findet ein Mann- schoftskampf der Jugend zwischen Tegel und„Saxon-Brandenburg"' im Ringen statt. Außerdem Schülerkämpfe zwischen Tegel und Sparta. Am Nachmittag Handballspiel Hennigsdorf— Tegel und leichtaihlZtische W-ltkämpfe mehrerer Berliner Vereine. Eintritt frei.— Am Sonntag, dem 18. Mai, nachmittags 5 Uhr, in Hartings Festjäle Luckenwalde Kamps um die Gruppenmeisterschast (Zwischenrunde) zwischen Luckenwalde und Langend lelau(Schlesien). Aus dem Kamps Königsberg und Stettin-Stofzen Hägen, der am 11. Mai in Königsberg ausgetragen wurde, siegt« Stolzenhagen mit Sonnabend 17. Mal. Berlin. 18.05 Heinr Eneel. H Medan; Im TrSdlexladen. 18.30 Von Leipzig: Konzert. 17.30 Aktuelle Abteilune. 17.55 Die Erzählune der Woche.(Sprecher: Emil Falrter.) 18.70 Lieder zur Harfe(Lilly Bieyer-MIhilyfO. 18.35 Prof. Dr. Klein. Jena: Das Naturheilverfahren nnd die Cntwiekluns der ärztlichen Kunst. 19.00 Zcitbeiichte.„Der Giftprozeß im Theiß-Winkel." 19.40 Orchestcrkonzerl. In der Pause segen 20.15: Vom Arbeitsmarkt. 21.00..Pilm und Funk", ein lustiger Wochenschluß. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Kßnigswnsterbautea. 16.30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Prof. Dr. Sachs: Jahrtausende der Mosik- 17.55 Dr. Lemmer und Min.-Rat Prof. Woldt: Arbeitgeber— Arbeitnehmer. 18.20 Dr. A. von Andreewski: Der schwarze Sonntag und der rote Pope. 18.40 Französisch für Fortgeschrittene. 19.05 Ob.-Reg.-Rat Dr. Paetsch: Verkehrsunfälle. 19.30 Stille Stunde;..Heimat und Welt". 20.00„Grotesken" von David Luschnat(Sprecher: Der Autor). 20.30 Von Hamburg:„Wie der Schnabel gewachsen ist". SonntaK. 18. Mau Berlin. 6.30 Funkgvmnastlk. 7.00 Von Hamburg; Hafcnkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 8.50 Morgenfeier. 10.05 Wettervorhersage. II..30 Knabcr.chnre. Mitw.: Mary Wuxm-Melscnberg. Sopran.!' j. 12.00 Mittagskonzert., 14.00 Märchen.(Sprecherin: Elisabeth Huth.) 14.30 1. Chopin: Barcarole, op. 60.(Felix Dyck. Klavier.)— 2. Marx; Lieder. (Ellen Ahlborn. Sopran; Flügel: Julius Bürger.)— 3. ä> Ravel; Wasserspiele; b) Albeniz-Oodowski: Tango; c) Weinberger-Dyck: Polka aus „Schwanda, der Dudclsackpfeiffer".(Felix Dyck.)— 4. Lieder v. Plitzncr u. R. Strauß,— 5. Liszt: a) Gnomenreigen; b)„Rigoletto"-Fantasie. (Felix Dyck.) 15.30 Albert Daudistel liest aus eigenen Werken. 16.00 Unterhaltungsmusik. 17.30 Aktuelle Abteilung. 18,30 Jugoslawische Volkslieder. 19.00 Bandonion-Trio des Meyerhold-Theaters. 19.30 Tagesglossen(Alfred Kerr).'• 20.00„Die Königin von Saba." Oper von Carl Goldmark. Anschließend: Zeit. Wetter, Nachrichten. Sport. Anschließend bis 0.30: Tanzmusik.-" Königswusterhause«, 11.00 Dominicus: Turnen und Sport für die schulentlassene Jugend. 18.30 Dr. Werner Schuftan: Bewegte Schönheit. 19.00 Dr. Johannes Günther: Oberammergau 1930. 19.30 Egon von Kapherr; Der Jäger als Tierstimmcnünttator. 20.00 Von Stuttgart; Unterhaltungskonzert.