BERLIN Sienstag 20. Mi I9ZO 10 Pf. Nr. 233 B 116 42. Lahrgang C rf 4 t i nt t A s Ii 4 a b f er 6• nnt< 9*. K � Äf/ S) i§ J ti i �>A»«t«e»»ret«»Die einspaltige No»?areill«i«l» Zugleich Abendausgabe dv».DorwärttV Bezi�preit, A/ J«»f..«eN-m-,eil. S M. Ermäßigungen nach T.eif. b-.deAu«gabtB8SPf.pr°W°che.S.60M.proMon-e. ClCA 99 wOrti/tldWö»»Sscheckk-nt.- D°ewärl«-VerI-g G. m. b.H.. Redaktion und Expedition; BerlmSWöS.LlNdenKr.s/ // Berlin Nr.»7dZS. Fernsprecher: Dönhoff 292 bU 29? Die Todeskur von Lübeck. Erklärung Wirths im Reichstag.— Auch Lübeck gibt Erklämngen ab. Gollmann fragt nach Thüringen. I« �aushaüsausschuß des Reichstags wurde heut« mit der zweiten � Bctahmg des Haushaltes des Reichsinncn» Ministeriums begonnen. Vor Eintritt in die Tagesordnung machte Reichsinnenminister Dr. M rtH wer We Unglücksfälle in Lübeck sei Anwendung des Calinrttefchen Schutzimpfungs.Verfohrens folgende Mitteilung: Die rief bedauerlichen Vorkommnisse in Lübeck haben mir ver- anlassung gegebe», umgehend einen besonderenverichinom Reichsgesundheitsaml über die dortigen Vorgänge eiazu- fordern. Räch dem Bericht des Beichsgefundheilsamt» hat der fach- Lch« Leiter de» Gesundheitsamt» in Lübeck im Rovember v. Z. ans Grund der in Frankreich und auch in anderen Ländern an hundert- taufenden von Fällen gesammelten Erfahrungen empfohlen, da» Eal- wettesche Verfahre« zur Schuhimpfung gegen Tuberkulose in Lübeck zur Anwendung zu bringen. Zm Juli 1929 war von Professor Eal- mette eine Kultur bezogen worden, die in Lübeck durch weiter- Impfungen in vierwöchentlichen Zwischenräumen weiter gezüchtet war. Die welterimpsung und die Herstellung der Zmpsfiossanf- schwemmaugen war in Lübeck unter persönlicher veranl- «ortuug de» Professor Deuske. Direktor» de» Allgemeinen Krankenhauses in Lübeck, erfolgt, vor der Ausgabe der 13 Todesopfer eines Turmeinsturzes. s t a m b u k, 20. Mal.(Eigenbericht.) Za dem Dorf Dedebafchi bei Smyrna kostete am Montag der Einsturz eines alten Turmes 13 Menschen das Leben. Eine auf einem Opiumseld arbeitende Kolonne hielt im Schalten de» Turme» Mittagsruhe, als der Turm zu wanken begann und die an feinem Fuhc ruhenden 13 Frauen unter sich begrub. Die Arbeiterinnen wurden ans der Stelle getötet. Kulturen zu den Impfungen hat nach Mitteilung de» Gesundheit». rnnt» Lübeck eine Prüfung im Tierversuch aus Unschädlichkeit statt- gesunden. Im ganzen sind 246 Kinder geimpft worden. Am 26. April 19Z0 wurde dem Gesundheitsamt Lübeck ein Todesfall und vier Erkrankungen unter den geimpften Säuglingen bekannt, woraus die Herausgabe der Impsstoff-Aufschwemmungen eingestellt wurde. Da» Gesundheitsamt in Lübeck sehte am 14. Mai da» Reich». gesundheilsamt von dem Sachverhalt in Kenntnis und bat gleichzeitig um Entsendung eines Sachverständigen, die in der Person des Professors Dr. Ludwig Lange alsbald erfolgte. Aus Grund der bisherigen Untersuchungen, die Prosesior Ludwig Lange gemeinsam mit einem Vertreter de» Institut» Robert Koch anstellte, kamen die beiden Sachverständigen zu dem Ergebnis, daß die Todesfalle und wahrscheinlich auch die Erkran- kunge» durch eine durch die Impfung bedingte Tuber» kulose verursacht � sind. Bis zum 17. Mai waren 50 Erkrankungen unter den geimpften Säuglingen festgestellt. 11 Säuglinge sind an generalisierter Tuberkulose gestorben. Ein Säugling an einer anderen bakteriellen Infektion, aber auch im lehteren Falle konnte außerdem eine Darmtuberkulose festgestellt werden. Soeben trifft die Räch- richt ein, daß die Zahl der Todesfälle seht 14 beträgt. Glücklicherweise ist der überwiegende Teil der geimpften Säuglinge bisher gesund geblieben und auch ein Teil der erkrankten Säuglinge befindet sich bereits aus dem Wege der Besserung. An- dererseil» ist aber auch die Möglichkeit weiterer Erkrankungen unter den zuleht geimpften Säuglingen nicht ausgeschlossen. Die Frage, worauf e» zurückzuführeu ist, daß im Gegensatz zu allen sonstigen bisherigen Erfahrungen die benuhken Zmpsskofs- ausschwemmungen so verheerend wirkten, bedarf noch weiterer Klärung, ehe ein bestimmtes und endgültiges Urteil darüber abgegeben werden kann, ob etwa da» Kulwrmolerial eine biologisch nicht vorhersehbare Veränderung erlitten hat oder ob schuldhaste Verfehlungen oder Verwechslungen vorliegen. Umfassende Unter- suchungen., deren Durchführung sich noch über einen längeren Zeitraum erstrecken wird, sind hierüber im Gange. Falls Verfehlungen vorgekommen sind, werden die verantwortlichen Personen im vollen Mahe Zur Rechenschasl gezogen werden. Zch darf bemerken, daß ich alsbald nach Bekanntwerden der Vorgänge in Lübeck an sämtliche Landesregierungen ein Rundschreiben gerichtet habe mit dem Ersuchen. von der Anwendung des Ealmettefchen Ver- fahrens ganz allgemein abzusehen, bis eine völlige Klarstellung der Vorkommnisse in Lübeck erjolgt ist. Wirih drohi mii dem Siaatsgerichishof. Nach den Ausführungen des Reichsinnenministers Dr. W i r t h über den Säuglingstod von Lübeck berichteten Abg. Schreiber (Z.) und Frau Abg. Lehmann(Dnat.) über den Etat des Reichs- innennrinisteriums. In der Aussprach« nahm als Fraktion?- rcdner der Sozialdemokratie das Wort Abg. Sollmann(Soz.): Im Zufanmienhang mit den Sparmaßnahmen wird auch von einem neuen umfongeichsn Deamtenabbau gesprochen. Wir fragen den Rcichsminister des Innern in seiner Eigenschast als Beamtenminister, was auf diesem Gebiete geplant ist. Di« Absicht des früheren Reichsministers Severing, die Technische Rot Hilfe abzubauen, wird von dem jetzigen Reichsinnenminister leider nicht weitergeführt. Es werdcn sogar erhöhte Mittel angefordert. Wir werdcn die Streichung des Titels beantragen. Die Senkung des Fonds zur Bekämpfung des Alto- Holismus von 1,8 auf 1,4 Millionen Mark werden wir. bekämpfen. Wie steht.es mit. den Verhandlungen über die Aufhebung des Stahlhelmverbots? Di« breiten Volksschichten in Rheinland- West- falen sind cm der Aufhebung des Berbots nicht interessiert. Sollte Der Cid. Ein Eid hat mancherlei Geslall: Man schwört Ihn warm, man schwört ihn kalt. Man kann ihn alheislifch mormeln, Sowie mit religiösen Formeln. Einst schwur man aus die Monarchie. Ist Republik, schwört man aus sie. Ein Eid wird immerdar bestehen. (Es gibt, die einen Knopf abdrehen.) Ein Eid, der erdwärts abgeleitet, Der Seele Kummer nie bereitet. Run schlafen wir in Sicherheil. Wie schön ist ein versassungseid. �onstkian. das Verbot ausgehoben werde», so müßte man auch das Rot-Front- Verbot ausheben. Die beiden radikalen Organisationen müssen gleichmäßig behandelt werdcn. Ist es richtig, daß die Reichsregie- rung beabsichtigt, im kommenden Winter«ine umfassende Reform des Reichswahlgesetzcs vorzulegen Welchen Inhalt wird der Gesetzentwurf haben, will mau der Zugend das Wahlrecht nehmen? Ist die Aushebung des Listensystcms und die Verminderung der Abgeordneten geplaiht? Meine Partei steht der Wahlreform sehr kritisch gegenüber. Wir glauben nicht, daß sich die an die Aende- rung des Wahlsystems, besonders an die Vcrklcincninz der Wahl- kreise geknüpsten Hofsnungen erfüllen werden. Seinesfalls sind wir zu einer verfassungsändernden Wahlresorm wie etwa Aushebung des Zugendwahlrechls und Beseitigung des Listensystems bereit. Reichsmnenminister Severing hat eine stark« Initiative zur Reichsreform entwickelt. Wie steht die jetzige Rcichsregierung zu diesem Problem? Es scheint, daß die Ländcrkonscrcnzen, die zwar reichliches Material mehr oder minder theoretischer Natur gebracht haben, praktisch ergebnislos zu Ende geführt werden sollen. Wir sind der Auffassung, daß von den Ländern für die Reichs- reform nichts zu erwarten ist und verlangen, daß dos Reich die Führung übernimmt. Damm haben wir einen Antrag ein» gebracht, der die Vorlage eines Gesetzentwurfs zur Reichsreform von der Reichsregierung verlangt. Nichts zeigt die Notwendigkeit der Reichsreform deutlicher, als das Regierungsdurchein» ander in den Ländern. Wir ersuchen den Rcichsinnen« minister sich ausführlich über die Vorgänge in Thüringen zu äußern. Man hat den Eindruck, daß die Reichsautorität darf eine schwere Niederlage erlitten Hot. Wie lzat sich der Kon- flikt entwickelt?. Das Thüringische Staatsministerium hat sich her» ausgenommen, ein« amtliche Anfrage des Reichsinnenministers, die sich mit dem Eintritt von Schülern in völkisch-mjtionale Schüler« bünde bsschäftigte, nicht zu beantworten. Der Minister Frick hat öffentlich erklärt, der Reichsinnenminister könne lange ivarten, bis er«ine Antwort erhalte. Das Thüringisch« Staatsministeriuin hat diese freche Herausforderung der Reich sautorität stillschweigend hingenommen und bis heute nicht gerügt. Thüringen also hat die Beziehungen zum Reiche abgebrochen und den ver, fosiungsmäßigen Rechtsbsden verlassen. Erst dann hat der Reichs» innenminister die Reichszuschiisse gesperrt. Was sollte er anderes tun? Er hat das einzige friedliche Mittel angewandt, um eins Länderregierung, die sich über die Verfassung Hinwege setzt und dse Reichsregierung verhöhnt, zu ihren Pflichten an» zuholten. Der Reichsinnenminister hat pflichtgemäß entsprechend den Richtlinien für solche Fälle von der thüringischen Regierung Be» weise gefordert, daß die Grundsätze für die Gewährung des Reichs- Zuschusses an die Polizei in vollem Umfang beobachtet werden. Dazu war er im, so mehr verpflichtet, als zur selben Zeit der Reichs wehr mini st er«inen Erlaß gegen nationa- listischc Zellcnbildung im Rcichshecr herausgegeben hat. Der Staatsmmister Frick hat erklärt, daß er trotz seinem Eid 1 seine bisherige nationalsozialistische Politik forlschca werde. Cr hat seine Ueberzengung am 21. Oktober 1927 im Reichstage wief folgt formuliert: „Solange nicht eine völkische Revolution mit diese? Arft Regiererei ausgeräumt und ein anderes System an die Stelle des herrschenden setzt, solange ist jede Zlenderung unserer Lagq aussichtslos." Di« Thüringische Staatsregierung hat sich hinter Frick gestellt, durch einen„Ausruf an das thiiringisci)« Volk", und zwar in beleidigenden Formen gegen den Reichsinnemninistcr. Sobald der Minister Severing zurückgetreten war, ist die Reichsregie- rung vor den thüringischen Slaatsministern zurückgewichen. Nach einem Besuch« des thüringischen Ministerpräsidenten in Berlin und dem Staatssekretär ans dem Reichsinncimriuisterium in Weimar wurden die Zuschüsse weiter gezahlt. Keine Spur davon, daß die Reichsoutorität dyräzgesetzt worden wäre. Wir fragen den Herrn Reichsinnenminister, welche Sicherheiten ihm gegeben worden sind, ehe er diese- Zohlungssperre aufhob. Hat sich dt« Thüringische Staotsr'egierung wegen der verächtlichen Acußerung entschuldigt und Erklärungen abgegeben, daß sie Frick zur Erfüllung setner Pflichten gegen das Reich anhalten werde? Hat die Thüringische Stoatsregierung Entschuldigungen wegen ihres verletzenden Ztufrufs an das thüringische Volk aus» gesprochen? Hat der Minister Frick amtliche Erklärungen abgegeben, daß er loyal seinen Pslichten gegenüber der Reichsver- fassung nachkommen, insbesondere die thüringische Polizei durchaus verfassungstreu führen würtie? Wenn solche Erklärungen nicht«rsolgt sind, hat die Reichsregierung eine Riederlage erlitten. Die heute bekanntgegebenen nationalsozialistischen Cix Nennungen zeigen, daß Thüringen den Grundsatz strikt durcl� jührt:„W i r pfeifen auf Berlin." Daß in Thüringen vcv» 17 tote Kinder klagen an. Große Fahrlässigkeii.— proieststurm in Lübeck. Lübeck, 20. ZNai.(Eigenbeclchl.) Die Erregung über das noch immer andauernde Sterben der mit dem Ealmette-Derfahren behandelten Säuglinge wächst lnLSbeckvo n� a g z u T a g. Die verantwortlichen Aerzle ver- suchen sich durch össenlliche Erklärungen von jeder Schuld reinzuwaschen. Aber ihre einander widersprechenden Kundgebungen können keineswegs darüber hinwegtäuschen, das} hier mit unverantwortlicher Fahrlässigkeit gehandelt wurde. Besonders bedauerlich ist die Erklärung des vom Reichsgesundheitsamt nach Lübeck entsandten Prof. Lange, der den Verdacht eines Mißgriffes aus das Pariser pasleur-Znstilul lenkt, von dem der Stamm der Bazillenkur bezogen wurde. Rachdem bei der Bekannt- gäbe des Unglücks von dem Lübecker Obermedizinalrat Allftaedl erklärt wurde, das Pariser Material sei bei Eintreffen sofort geprüft und als einwandfrei befunden worden, erscheint diese Verdächtigung vollkommen haltlos. Angesichts dieser Tatsache hat die sozialdemokratische Fraktion der Lübecker Bürgerschaft folgenden Antrag eingebracht. l. Die Bürgerschaft richtet an den Senat die Frage, ob er be- reit ist, 1. der Bürgerschaft alsbald Bericht über die Angelegenheit zu erstatten, 2. auch einen sachverständigen Vertreter des Pariser Pasteur-Inftituts zu hören, 3. ungesäumt eine gerichtliche Klar- stellung zu veranlasien, 4. alsbald die verantwortlichen leitenden Fachbeamten bis zur Notwendigen völligen Klarstellung der Sache zur Disposition zu stellen. II. Die Bürgerschaft beaustragt den Ausschuß für Volkswohl- fahrt und Gesundheitspflege, die mit der Durchführung des Calmette- Verfahrens im Zusammenhang stehenden Vorgänge zu untersuchen und ihr darüber zu berichten. Eine von einem Ausschuß zusammenberufene Versamm- l u n g der Eltern der mit dem Ealmette-Präparat gefütterten Kinder nahm nach längerer Aussprache eine Entschließung an, in der einmütig Protest dagegen erhoben wird, daß ein Ver- fahren in Lübeck«ingeführt wurde, dessen Ungefährlichkoit boj den sachverständigen Aerzten umstritten ist, und daß sie vor Anwendung des Verfahrens rricht genügend aufgeklärt wurden. Gefordert wird eine rücksichtslose Untersuchung der Ursachen und energisches vorgehen, um die gesundheitlichen Schäden an den geimpften Kindern nach Möglichkeit herabzumindern. Weiter wird gefordert, daß die entstandenen und noch entstehenden Vermögensschäden restlos vom Staat ausgeglichen werden. Lübeck. 20. Mai. Das Gesundheitsamt in Lübeck gibt am Dienstag vormittag folgendes bekannt: Räch dem Stand vom 17. Mai» sind 243 Säuglinge mit dem Calmelte- Schuhpräparat genährt worden, von diesen Säuglingen sind 17 gestorben, jedoch ist nur bei 13 dieser Fälle die Calmette-Fütterung als positive Todesursache festgestellt worden, während in den übrigen vier Fällen eine andere Thdesursache in Frage kommt. Erkrankt sind 33 Säuglinge, davon acht schwer. Gebesiert sind zehn Säuglinge. In ärztlicher Beobachtung befinden sich 78 Kinder. 61 der mit dem Ealmette-Präparat genährten Säuglinge sind gesund, doch besteht die Möglichkeit, daß ein Teil von ihnen noch erkranken wird. Unbekannt ist noch der Gesundheitszustand von 42 Kindern. Zwei der mit dem Ealmette-Präparat genährten Säuglinge sind infolge anderer Ursache erkrankt. fassongswidrig regiert wird, zeigt auch die Einführung der völ- tischen Haßgebete, die dem Artikel 148 der Reichsoerfassung widerspricht, denn dieser verlangt die Jugenderziehung nicht nur im Geist« des deutschen Volkstums, sondern auch der Völkerversöhnung. Reichsinnemninister Dr. W i r t h muhte wissen, daß man sich mit einem Manne vm dem politischen Wesen und der politischen Der» gangenheit Dr. Fricks nicht in große Verhant�ungen einlassen darf. Der Nationalsozialist mußte zu spüren bekommen, daß das Reich über hinreichende Machtmittel verfügt, den Willen des thüringischen Polizeiministers zu brechen. Wie anders würde die Rcichsregierung und würden die bürgerlichen Parteien vorgehen, wenn etwa ein Kommunist Polizeiminister in Thüringen wäre Wir brauchen uns nur an das Jahr 1923 zu erinnern. Wenn die bürgerlichen Parteien so vor den Nationalsozialisten zurück- weichen, brauchen sie sich über deren Wahlerfolge nicht mehr zu wundern. Das Keimzeichen des Verhaltens der Reichsregierung und ihrer Parteien ist Schwäch«. Der Größenwahn und der Terror der National sozial! st en werden nun noch wachsen. Um so notwendiger ist, daß die großen republika- nischen Organisationen im Lande sich fester erweisen als diese Reichsregierung. Der deutschnationale Abg. Berndl wandte sich in scharfer Weis« gegen die systematische und angeblich immer rücksichtsloser werdende Unterdrückung der nationalen Bewegung und gegen die Verbote des Stahlhelm, Bismarckbundes usw. Er verlangte, daß das Reichs- innenministerium mit Preußen, Hamburg und den anderen Ländern in Verhandlungen wegen Aufhebung der Verbote eintreten müsse. In ausführlicher Weise behandelte der Redner sodann die Vorgänge in Thüringen. Was heut« Thüringen passiere, könne morgen irgend- einem anderen Lan.de geschehen. Die Politik des Parteibuches, wie sie von Severing pncktiziert sei, müsse zur Zersetzung des Beamten- tums führen. Rcichsinnenminifter Dr. Wirth, der nach Mamm(Volkskonferv.) dos Wort nahm, wandt« sich zunächst gegen die Aeußerungen von Sollmann, daß die Thüringer Sache zu einer Niederlage der Regierung geführt habe. Er Hab« auf seinen letzten Brief an den Thüringischen Minister Baum vom 12. Mai noch kein« Antwort: bis diese Antwort vorliege, könne er, der sich bemühe, strengste Gerechtigkeit nach allen Seiten zu wahren, ein endgültiges Urteil nicht abgeben. Ebensowenig dürfe die Oppo- sition sein Verhalten schon jetzt kritisieren. In diesem Brief habe er auf die Erklärung der Thüringischen Staatsvegierung bezug ge- nommen, daß nur solche Ernennungen erfolgen sollten, die v o r> her bereits in Aussicht genommen waren. Dies sei für sein« Stellungnahme entscheidend gewesen. In sehr scharfer Weise spricht, sich der Minister gegen die von Frick empfohlenen Gebete aus. Diese Gebete verstoßen in gröblichster Weis« gegen die Weimarer Verfassung und seien geeignet, die EmpsinÄungeu andersdenkender auf das schärfste zu verletzen. vi« Aeußerung Fricks, daß die Entsistlichung des deutschen Volkes �urch rassensremde Elemente, das heißt in erster Reihe durch Juden, herbeigeführt werde, sei eine derartige, daß er nicht einen Tag länger im Amt bleiben würde, wenn er nicht dagegen sofort einschreiten könnte. Das Reichsministerium des Innern habe über Sinn und Geist der Weimarer Verfassung zu wachen. Er warte auch hier di� Antwort der Staatsregierung ab, nehme aber keinen Anstand, schon jetzt zu erklären, daß er eventuell die Sache vor den Staatsqerichtshof bringen werde. Nach dem Minister wandt« sich der thüringische Reich»ral,. oerlrelcr gegen die Behauptung des Abg. Sollmann, daß die thüringische Regierung den verfassungsmäßigen Boden verlassen habe. Er oerliest den Amlseid. den auch Frick auf die Verfassung geleistet hat. Die Thüringer Regierung nehme den Standpunkt ein, daß Nationalsozialisten auch in der Polizei als Beamte tätig fein könnten. Und der thüringische Vertreter behauptet, daß die Nicht» linien des Reiches dieses zulassen. Unmittelbar noch dieser Er- klärung hes thüringischen Bevollmächtigten nahm Reichsinnenminister Dr. Wirth noch einmal das Wort, um auszuführen: es werde zu prüfen fein, ob die Bestimmungen über die Reich szuschüfs« an die Polizei- Verwaltungen der Länder nicht grundsätzlich geändert werden müßten, wenn nicht die Bezuschussung an die Länder überhaupt aufgehoben «erden solle. BSß vor seinen Richtern. Verhandlung hinter verschlossenen Türen. 3m großen Sitzungssaal der Preußischen Vau- und Finanz- direktion trat heule um iOli Uhr der Bezirksausschuß Berlin unter dem Vorsitz des Präsidenten Mooshake zur hauptverhandlung Im Disziplinarverfahren gegen OberbürgermeisierBöß zusammen. Vor dem Gebäude war Polizei postieri: eine Anzahl Reugieriger hatte sich eingesunden. Oberbürgermeister Löß entzog sich etwaigen unliebsamen Szenen da- durch, daß er bereit» etwa eine Stunde vor Leginn der Verhandlung eintraf. Die Anklage vertritt Oberregierungvrat Gäbe vom preußischen Innenministerium. Oberbürgermeister Löß. der trotz seines Erholungsaufenthalts recht bleichnndangegrlffen oussah, wurde von seinem Verteidiger, dem demokratischen Reichs- togsabgeordneten Fischer, in den Saal geleilet. Da, Urteil wird für den Abend erwarlei. Das Gericht war bereits vollzählig oersammett, als Böß 10 Minuten nach 10 Uhr, gefolgt von seinen Verteidigern, den großen Sitzungssaal betrat. Di« Verteidiger haben bisher leine neuen An» träge eingereicht. Die Verhandlung, die unter völligem Aus- schluß der Oeffentlichkeit stattfindet, dürfte sich Ms in die späten Nachmittngsstunden hinziehen, da der Vorsitzende, Präsident Mooshake, die feste Absicht hat, das Urteil heut« noch zu fällen. Der Angeschuldigt« tonn durch Berufung gegen das Urteil des Disziplinarhofss noch die Entscheidung des vberoerwaltungsgerichts anrufen, was selbstverständlich wieder eine Verzögerung auf Monate hinaus bedeuten würde. Das Verfahren vor dem Bezirksausschuß ist ein sogenanntes schriftliches Verfahren, d. h. es werden nicht, wie bei den Strafgerichten, Zeugen geladen, die ihre Aussagen vor- zutrogen haben, sondern oll« Zeugen sind schriftlich vernommen worden, ynd ihr« Aussagen werden vom Vorsitzenden bzw. dessen Stellvertreter verlesen. Allerdings hat die Verteidigung in besonderen Fällen dos Recht, Anträge auf Ladung von Zeugen zu stellen. Das Röhvemverk der Laurahütte hatte vor etwa zwei fMonaten infolge Mangels an Aufträgen 120 Mann der velegschasl aus zehn Wochen beurlaubt.(!) Da inzwischen keine neuen Aufträge ein- gegangen sind, hat die Verwaltung der Laurahütte diese Arbeiter «oilasie». Der übrigen Belegschaft ist die Kündigung zum 3. Zu»i zugestellt worden. Die unterlassene Röntgenaufnahme. War Frau Grosser noch zu retten? Der Mord cm der 3 cigenieursseau«Grosser in Ruhleben soll Anlaß zu einer behördlichen Untersuchung über höchst merkwürdige Zustände im Krankenhaus Westend gegeben haben, in dem Frau Grosser gleich nach dem Ueberfall an dem Abend vor dem ersten Osterfeierkag noch lebend eingeliefert wurde. E» wird behauptet, daß der behandelnde Arzi seine Pfllchtverleht habe. Den Tatbestand wird erst die U n i e r s u ch u o g ergeben. Den am anderen Morgen nachfragenden Angehörigen, ebenso wie den Beamten der Mordkommission gab der Stationsarzl die Auskunft, daß die Verletzungen nur leichter Natur seien und eine Lebensgefahr nicht bestehe. Die von Frau Grosser behaupteten Lähmungsevscheinungen seien auf Hysterie zurück- zuführen. Als dem Arzt von einem Kriminalbeamten nahegelegt wurde, der Sicherheit halber die Art der Verletzungen doch durch eine Röntgenaufnahme festzustellen, um zu entscheiden, ob nicht eine sofortige Operation nötig sei. erklärt« der Arzt, an den beiden Feiertagen könnte eine Röntgenaufnahme im Krankonhaus Westend nicht vorgenommen werden. In der Nacht vom ersten zum zweiten Feiertag ist Frau Grosser gestorben. Die Sektton ergab, daß sie zwei Pisiolenkngeln im Körper hatte. Von der Familie wird die Ansicht vertreten, daß die Unglückliche, die von sehr kräftiger Konstitution war, durch eine rechtzeitige Operation hätte gerettet werden können. Don dem Direktor der chirurgischen Abteilung I des Kranken- Hauses erfährt eine Korrespondenz, daß Frau Grosser, die zwei Halsfchüss« erhalten hatte, dGrch die das Rückenmark der Wirbelsäule verletzt worden sei. Die Art der Verletzung habe man schon aus den Lähmungserfcheinungen erkennen können, die bei der Patientin an Armen und Beinen aufgetreten seien. Die Leitung des Krankenhauses will ihrerseits jetzt untersuchen, aus welchem Grunde der Stationsarzt dem Beamten der Mordkommission und den Angehörigen erklärt hat, daß während der Feiertag« Röntgen- aufnahmen im Krankenhaufc nicht gemacht werden könnten. Roch der Mitteilung des Leiters der chirurgischen Abteilung werden Röntgenaufnahmen, gleichgültig, ob es sich um Feiertage oder Wochentage handelt, unter allen Umständen vorgenommen, wenn der Zustand der Patienten das erfordert.— Man darf auf das Ergebnis dieser Untersuchung einigermaßen gespannt sein. Naubüberfatl auf Geldbn'efiräger. Selbstmordversuch des Taters nach mißglückter Flucht. heute früh wurde auf einen Geldbriefträger des Postamtes R0.5S in der Zmmanuelkirchstraße ein Roubübersall versucht. Durch die Geistesgegenwart des ve- amlen mißlang der Ueberfall jedoch und der Täler mußie flüchten. Als er sich nach wilder Jagd durch die Straßen umstellt und keine Möglichkeit mehr au ein Entweichen sah. gab er einen Schuß aus sich selber ab. Der Geldbriefträger, ein älterer Beamter, hatte gegen%9 Uhr seinen Bcstcllgang angetreten. Etwa eine halb« Stunde später war er in der Immanuelkirchstraße angelangt, wo er im Hause Nr. 23 eine Geldsendung abzuliefern hatte. Während dieser ganzen Zelt ist der Geldbriefträger wahrscheinlich schon von dem Täter be» obachtet und vorfolgt worden. Der Postbeamte stieg die Treppe hinaus und bemerkte, daß jemand eiligen Schrittes hinter ihm her- kam. Als er sich ahnungslos halb umwandte, sah er ssch einem jüngeren Manne gegenüber, der ihm eine Pistole vor das Ge- ficht hielt und unter Drohungen die Herausgabe des Geldes verlangte. Der Beamte lieh sich nicht einschüchtern und wehrte den Täter, der jetzt auf ihn einzudringen versucht«, unter gleichzeitigen Hilferufen ab. Da der Räuber nun sein« Eni- deckung und Festnahme fürchten mußte, feuerte er aus seiner Pistole einen Schreckschuß in die Luft ab und eitte in großen Sätzen di«� Treppen hinunter. Mittlerweile waren Hausbewohner auf- merksam geworden, die mit dem Postbeamten die Verfolgung des Flüchtigen gemslnsom aufnahmen. Auch Polizeibeamte einer Streif« beteiligten sich an der Verfolgung, so daß der Täter einige Straßen- züge weiter gestellt werden konnte. Bevor er jedoch ergriffen wer. den könnt«, hatte der Flüchtende die Waff« gegen sich selb st gerichtet. Er jagte sich ein« Kugel in den Hals und brach zu- saminen. Schwervetletzt wurde der Täter, der später als ein 26- jähriger Kaufmann Willi P r e u ß aus der Elbingerstraße sestge- stellt wurde, als Polizeigefangener ins Staatstrantenhaus gebracht. Tornado wüiei in Arkansas. Zahl der Toten bereits auf 90 gestiegen. Rem Park. 20. Mal. Die Zahl der Todesopfer in dem Orte Elaioe in Arkansas. wo ein Tornado und ausgedehnte lleberschwemmungen großen Schaden anrichteten, ist bereits auf 00 gestiegen. Drei- tausend Personen wurden obdachlos und fanden Zuflucht in einem Flüchtlingslager. Man befürchkek den Ausbruch einer Epidemie. Cin seltsamer Oemonstrationszug. Für was alles die Stadt verantwortlich gemacht wird. Heut«'vormittag zog durch die Berliner Straßen ein tilometer- langer Zug von Fuhrgespannen zum Lustgarten, wo«in« Reso- llltion verlesen wurde, die sich gegen die angeblich« Schädigung des Fuhrgewerbes durch den städtischen Fuhrpark richtet«. Delc- gierte d«s Fuhrgewerbes wurden gleichzettig bei dem zuständige» Magistratsdezernenten vorstellig. Der Verkehr erlitt durch den Umzug unzählige Störungen. Das Nachrichtenamt der Stadt Berlin teilt uns auf Anfrage mit, daß die Stadt lediglich die Gespanne und Kraftwagen unterhält, die für eine ordnungsmäßige Abwicklung des Dienstes dringend benötigt werden. In vielen Fällen ist die Stadwenvaltung sogar selbst Auftraggeberin des Fuhrgewerbes. Man be- kommt eine richtige Anschauung von den falschen Voraussetzungen der Demonstranten, wenn man weiß, daß in Berlin 42000 Pferde- gespanne und 70 000 Lastkraftwagen im Fuhrgewerb« Verwendung finden, während d!« Stadt insgosanst SO Lastkraftwagen und SS Ge- spann« iin Stadtsuhrpark unterhäU. Die Not lag«, in der sich das Fuhrgewerb« befindet, wird von der Stadwerwaltung keineswegs verkannt. Jedoch liegen die Ursachen viel ttefer. Das Baugewerbe, das sonst zu der Hauptauftraggeberin der Fuhrleute gehört, hat selbst mit große,, Schwierigkeiten zu kämpfen, und die allgemeine wirtschaftliche Depression wirkt sich naturgemäß auch für das Berliner Fuhr- gewerbe schädigend aus._ Der Kampf gegen die Salzsieuer. Salz wird bezahlt— Steuer nicht. London, 20 Mai. Im Hause des indischen Nationalkongresfes in Bom- bay wurde gestern das bei dem Angriff auf das Salzdepot von Wwdala erbeutete Salz zusammengetragen Der Kongreß hat sich bereit erklärt, den Eigentümern der Salzlager däsSalz abzüg- lich der Salz st euer zu bezahlen. Aus Verhampove(im Ganjam-Bezirk) wird gemeldet, daß dt« dortigen Gandhi-Freiwilligen beschlossen haben, einen Angriff auf die Salzgebiete von Naupada zu unternehmen (Sin Gowjetboischaster Hais schwer! Sotolnikow darf nicht in Moskau protestieren. London. 20. Mai. Der sowjetrussische Botschafter Sokolnikow hat der„Mor- fingpost" zufolge von der Sowjetregierung keine Erlaubnis für seine Reise nach Moskau erhalten Er wollte In Moskau der Kommu- pistischen Internationale die Schwierigkeiten darlegen, die eine Ver- legung des westlichen Propagandabüros von Ber- l i n n a ch L o n d o n für ihn mit sich bringen würde. Ein Sonder- kurier mit Anweisungen für Sokolnikow soll auf dem Wege nach London sein Der britisch« Innenminister wies im Zusammenhang mit dieser Angelegenheit im Unterhaus darauf hin, daß er nicht in der Lage sei, amtliche Mitteilungen über die Gerüchte von einer Verlegung des Propagandabüros nach London zu machen. Außenminister Henderson erklärte in schriftlicher Beaiü- wortung einer Anfrage über die Unantaslbarkeit der Iowj«trussischeu Handelsdelegation in Lohn, daß sie nur dem Leiter und den beiden stellvertretenden Direktoren zusteht. Dlrcksen bleibt Volschafter. Entgegen dest in der Presse ver- breiteten Meldungen wird von offiziöser Seite mitgeteilt, daß ein Wechsel in der Besetzung des Moskauer Botschafterp osten» nicht be- absichtigt ist. Das Papier. (Ein modernes Märchen). Das Papier hatte allen Anlaß, größenwahnsinnig zu werden. Es war feinstes, unzerreißbares, von ausgesuchten Hadern her- gestelltes Papier, unvergilbbar, mit Fäden durchwebt, Wasserzeichen eingepreßt, es war ein Papier, desien Farbe in S vle Schaulplelkr-Itachivorstellon» von.Phoeo'. die sör Sonnabend im Dcutichen Tbcotcr angescht war, findet sibon flretlaa. abends 12 Uhr statt. Die bereits bestellten und gelösten Karten behalten Gültigkeit. Mazedonien um Wien. Vaugoinpariei gegen innere Abrüstung. Wien. 13. Mai. Bei einem Aufmarsch der heimwehr in Kornneuburg bei Wien überbrachte der christlich-soziale Landeshauptmannstellvertreter von Biederösterreich, Reither, die Grütze des Landeshauptmanns und des Christlich-Sozialen Bauernbundes und betonte, datz von einer Ab- rüstung heule noch keine Rede sein könne, da die heimwehren ihre Arbeil noch nicht beendet hätten. Die heimwehren würden nicht eher abrüsten, bis wieder normale Verhältnisse herrschten, bis es keinen Terror mehr gebe und bis die Gesetzgebung wieder stark genug sei. Recht und Ordnung, Religion, Sitte und Kultur ausreichend zu schützen. Unser Bruderland Deutschösterrcich mit seinem 6,5 Millionen Einwohnern ist ein Kleinstaat, und seine mitteleuropäische Lage und das reine Deutschtum seiner Bevölkerung haben nicht hindern können, daß ihm allerhand batkanische Züge ausgeprägt worden sind. Die herrschende Koalition der Christlichjozialen, Großdeutschen und Lanhbündler hat ihre Hauptstärke aus dem Land«. Für die Auswahl der höheren Beamten ist vor allem die Zugehörigkeit zu den klerikalen C.-V.-Studententon-vent bestimmend und bezeichnend ist der Stoßseufzer eines alten Wieners:„Früher hat man die Beamten aus Prag und Brünn geholt, jetzt aus Kufstein und Judenburg!" Nicht minder voll bitterer Selbstcinschätzung ist die Aeußerung eines klugen Oestcrreichers, dem ein Landmann erzählte, in einer Berliner Organisationszentrale des Wiener Organs derselben Bewegung vergebens gesucht zu haben:„Na, glauben Sie, daß die das bulgarische Fachblatt halten?" Diese mazedonische Einstufung Deutschösterrcichs ist besonders eine Folgerung aus dem Bandenkrieg, den die„Komitatschi" der H e i m w e h r mit gröbstem Terror gegen die Arbeiterklasse und ihre politische Geltung sühren. Obwohl die vielen blutigen Zusammenstöße ebenso wie die schwer- bewassnele Militärsorm der heimwehr längst die beunruhigte Aufmerksamkeit der demokratischen westmächle erweckt haben, von denen die Regierung Schober eine große Anleihe er- hofst, geschieht in Deutschösterrcich gar nichts gegen das gesetz- widrige Treiben der Faschisten. Ja, Herr Schober schwieg sogar, als in der Parlamentsdebatte über seine Regierungserklärung die Sozialdemokraten ihn nach der Richtigkeit der Behauptungen des steirischen Heimwehr-Landesfuhrers fragten, daß nämlich die herz- lichen Beziehungen ungemindert sortdauerten, die Schober schon als Polizeipräsident von Wien mit der Heimwehr unterhalten habe, daß die Heimwehr die Entwaffnung-nicht zu fürchten hätte und wenn sie überhaupt käme, sie schon nicht zum Nachteil der Heimwehr aussallen würde. Ein alter Rechlsgrundsatz lautet, datz Schweigen Zugeben bedeutet. Herr Schober Hot geschwiegen. Zu solchen Zuständen paßt trefflich das Bestehen des letzthin aufgedeckten Geheimfonds der Bundesbahn aus Industrie- geldern zur Faschisierung des ganzen Unternehmens— es paßt dazu die bezeichnende Tatsache, daß als Redner der bürgerlichen Parteien in der erwähnten Parlamentsdebatte fast ausschließlich Industrie» j y ndiz: ziusgetreteiz sind— und..«? wäre die Krönung solcher Zustände, wenn nun auch noch der Großaktionär der Grazer und weiterer Lokalbahnen, der Antisemit und Heimwehrmann Slrafella Generaldirektor der Bundesbahnen iwerden sollte. Dieser Kapttalist hat seinen Patriotismus längst bewiesen, als er 1925 gegen den Versuch der Regierung, die Lokalbohnen zum damals niedrigen Aktienkurs aufzukaufen, die ausländischen Aktienbesitzer aufrief. Aber er ist der Mann des—„Heimat- schutzes" und hat durch diese politische Tätigkeit erreicht, daß nach dem Gesetz von 1928 da aufgewertete Aktienkapital bei der Berstaatlichung abgelöst werden muß. Die Ernennung des Herrn Strasella zum Generaldirektor der Bundesbahnen an Stelle des— wegen seiner Anständigkeit abgesägten— Jng. Günther wäre die Enthüllung des Heimwehr- charakters dieser Regierung, der zwar ein Michael Hainisch, aber auch, und noch dazu als Bizekanzler, ein Baugoin angehört. Aufmärsche und Fremdenverkehr. Die Heimwehrparaden in Niederösterreich haben den Republi- konischen Schutzbund gezwungen, zur Beruhigung der bedrohten Arbeiterbevölkerung in den Landorten mit Geländemärschen zu ant- warten, an denen sich stets Tausende Schutzbündler stramm be- teiligen. So hatte der Schutzbund auch für den großen Kurort Baden bei Wien eine solche Gegenkundgebung ankündigen müssen. Da sie im Gegensatz zur Duldung des Heimwehrausmarsches— verboten wurde, ordnete der Schutzbund ganziätiges Spazieren- gehen seiner Mannschaften im Kurpark am Sonntag an. Da be- kam es der christlichsoziale Bürgermeister und ehemalige Bundes- finanzminister Kollmann doch mit der Angst um die einträglich« Sommersaison zu tun und— verhandelte. Ergebnis: Die christlich- soziale Partei ist bereit, dem sozialdemokratischen Vorschlag folgend alle Aufmärsche bis zum Herbst zu verbieten; da jedoch die Heim- wehrleitung das noch nicht erlaubte, dauerte es tagelang, bis der Landeshauptmann breitgeschlogen war, das Verbot— für den Sommer!— zu erlassen. Nach dem 15. September kann es wieder losgehen! Neamie der Republik. Disziplinarverfahren gegen den Wiking-Mann. Bekanntlich Hot die Politische Polizei am 3. Mai 1930 bei dem Rcgierungsrat Dr. Karl Lübben in Dahlem ein Waffen- l a g e r gesunden und dasselbe beschlagnahmt. Dieser Regierungsrat im Reichspatentamt war 1920 beim Kapp-Putsch in ein Straf- oerfahren oerwickelt, und es wurde damals«in Steckbrief wegen Hochverrats gegen ihn erlassen. Die Republikanische Be- schwerde stelle Berlin griff diese Angelegenheit auf und bat den Präsidenten des Reichspatentomtes, gegen diesen völlig un- würdigen Reichsbeamten das Disziplinarverfahren ein- zuleiten und Dr. Lübben mit sofortiger Wirkung vom Amt zu suspendieren. Darauf hat der Präsident des Reichspotentamtes am 13. Mai der Beschwerdestelle mitgeteilt, daß„gegen den Regicrungs- rat Dr. Lübben ein förmliches Disziplinarverfahren eingeleitet worden ist, allerdings wegen Berfehlungen, die mit dem Waffenfund nicht im Zusammenhang stehen. Er ist vorläufig seines Amtes enthoben worden." Oer Oberregierungsrat feiert Wilhelms Seburtstag Am 27. Januar 1930� fand in der Landwirtschaftlichen Schule in Kalau eine Abschiedsfeier für die Schüler statt. Hierbei hat ein vom Kuratorium der Anstalt gestellter Redner, der La n db u n-d f ü h r e r von Killi.ich-Hor.u, ein« Rede gehalten, die nichts weiter als eine Huldigung für Wil- Helm II. war, und bei dieser Lobhudelei auf die Hohenzollern hat er die Schüler aufgefordert, ,chcm großen Herrscher für alle Zeit nachzueifern". Während der Junker nun dies« monarchistische Rede in der Landwirtschaftlichen Schule vom Stapel ließ, härte der Oberregierungsrat und Sachbearbeiter für Schulangelegenheiten bei der Regierung in Frankfurt a. d. Oder, Herr Padderatz, dies« Ausführungen ruhig an, ohne den Saal zu verlassen oder auch nur irgendwie Einspruch zu erheben. Die Republikanische Beschwerdestelle Berlin griff die Angelegen» heit auf und bot den Regierungspräsidenten in Frankfurt a. d. Oder um Einschreiten. Der Regierungspräsident erklärt unter dein 12. Mai folgendes:„... Das Vorkommnis stellt ein« grob« Takt- l o s i g k e i t dar und ist auss äußer st e zu bedauern. Dein Mitglied der hiesigen Regierung, das nicht als entsandter Vertreter des Regierungspräsidenten, sondern zufällig anwesend war, habe ich entsprechende Vorhaltungen gemacht. Die Angelegen- heit selbst habe ich dem Herrn Landwirtschastsminister zugeleitet, damit er auf die Landwirtschaftskammer dahin einwirkt, daß sich derartige Vorkommnisse nicht wiederholen." Wer über 55 Lahre alt ist... den stellt die Reichsbahn nicht mehr an. Der Bezirkskonferenz der Reichsbahnsahrbeamten in H a l l« am Sonntag berichtete T h y e s. die Reichsbahngesellschaft beabsichtige, alle über 35 Zahre alten Veamlenanwärtcr in Zukunft nicht mehr anzustellen. Ausgenommen sollen nur die gelegentlich des Beamten- abbaue? in das Arbeitsverhältnis rücküberführtsn Beamten und außerplanmäßigen Beamten sein. Bon dieser Gruppe sind noch un- gefähr 11 000 Mann vorhanden. Die beabsichtigte Maßnahme dürfte rund 26 000 Beamten. anwärler treffen. Diese Hilfsbeamten sollen weiterhin vcrant- wortungsvollen Beamlendienst leisten bei geringerer Bezahlung und ohne Aussicht auf spätere Anstellung. Die Konferenz nahm einstimmig eine Entschließung da- gegen an, die vom Einheitsverband der Eisenbahner erwartet, daß er alles daran setzt, das drohende Unrecht abzuwehren. Die Kon- serenz betrachtet als stärkste Waffe gegen solche Pläne ein« starke Organisation, den Ausbau des Einheitsverbandes. Wetter für Berlin: Wechselnd bewölkt ohne wesentliche Nieder- schlage. Wenig Temperaturänderung, westliche Winde.— Für Deutschland: Im östlichen Küstengebiet strichweise leicht« Rcgenfällc. Im übrigen Deutschland wolkiges und weiterhin ziemlich kühles Wetter ohne wesentliche Niederschläge. vieostse. 20. Mai. Berlin. 16.05..Berliner Betriebe," 16.40 Hanns Eieier. Acht Klavierstücke, op. 8(Uraalführuns).(Hans EricK Ricbensahni. Flügel.) 17.00 Dichten oder berichten. Gespräch jwischen Georg Fröschel und Leo Lama, 17.25 Jugendstunde. 17.55 Johannes R. Becher liest eigene Dichtungen. 18.10 Stunde mit Büchern. Kriegsromane.(Am Mikrophone Heinrieh Bachmannjj 19.05 Unterhaltungsmusik. 20.00 Konren Dichter die Welt ändern? Gespräch ririschen Gottfried Bcng und Otto Distler. 30.30 Unterhaltungsmusik. 21.00 Uraufführung:„Und wir haben nichts dagegen getan-. Von MaswcII Andersen und Hanoi Hickerson. Rundfunkbearb. von Konrad Marli. 22.30 Dr. Josef Rauscher: Politische Zeitungsschau. Königswusterhausen, 16.30 Von Leipaig: Nachmittagskonaert.> 47.30 Paul Witikc: Hamburgs Anteil an Deutschlands Kultur. 17.55 Walter Hofinann; Die öffentliche Bücherei der Gegenwart. 18.30 Direktor Lombaräiuo; Geiahren der Straße. 18.40 Fraiirösisch für Anfänger. 19.05 Dr. Hans Speicr: Marx und Engels, 19.30 Otto Theil: Vogelschutz. 20.00 Aus der Philharmonie; The Hampton Institute Choir. Dir.: Dr. R. Na< thaniel Dctt. 21.30 Vou Breslau: Licht und Schatten. Verontwnrtl. für hie Seioftüm; Stich. Veen stein, Berlin: Vnzeigent TU- Sluckr, Berlin. Bctlofl: Vurwarfs Berla-i/s Uhr Geschfiffmli Amerika Lustspiel von FranV und Hirschfeld ROSE] -THEATER 1 Grote Frankfurter Str. 132 1 | Billettkaeaa: Alex.3422 u.3484| Täglich 8« Uhr ISonntaga S« u. S Uhr Lt7«/my | Komödie In 6 Etappen| von H. A. Kfhn Regle: Paul Rose | BOhncnbilder: Wftltar Fihchar| Hauptdar&tellar: 1 Traut«. Han« un« Willi Raa«. 1 Milte Hofar. Cm« Karataiw. f d« oar KaniRch. Rebart MQilar, Franz 1 Staln, Erich Wild«, Gotthard Bog« u.a. 1 Kamm für des Vonrerkaof tlglieb I tob 11-1 ühr u. r. 4-9 übr feöffoet BETRIEB/ KEHPIMKI' Trianog Tlieatei Täglich SV» Uhr Ein galantes Abenteaerl Täglich 8V< Uhr: Der Bellelsludefll SdKtaoBorf. Carola, ItttaMi Bot CASINfl-THEATEß Lothringer Strafe 37. Die Berliner Posse Rentier Mudlcke und das Riesen-Variete-Programm. Billig!- Billig! Somracrp reite; 50 PL 1.- Mark 1.50 Mark Sonnabend u. Sonntag kleiner Aufschlag mm Birektlon: Dr. Martin Zickel Komische Oper Frledrlchstr.lOO. Metkur 1401/4330. Täglich 8V» Ulir Majestät lässt bitten Musik von Walter Kollo. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. S'h Uhr ßssctiäft mit Amerika. Vorverkauf In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Qroßes Schauspielhaus sunr Nur im Mai Die Imtige Witwe Regie: Erik Charell Reichshallen-Theater Allabendlich IT] Uhr Sfettiner Sänger „Eine Hochzeit in de MUIierstraBe" Tal. leirtr. 11263, s-Shletm Dönhoff- Brettl: Variete— Kontert— Tanz LUN/J Schon am Nachmittag der angenehmste Aufenthalt. Mäßige Preise. Karkeegärten fOrSOOO Personen. Abends: Feuerwerk 1 u. das große Attraktionsprogramm Iheaterl.d. Behrenstr. 53-54 9 Uhr A4 Zentrum 926-927 9 Uhr Direktion Ralph Arthur Roberts Vögelje am Morgen singen Lustspiel in 3 Akten von Lonsdalc. Direktion Dr. Robert Klein Deulsches lönslIer-Theal Barbarossa 3937 8 Vi Uhr Sex Appeal lostsp. f. Fredsrik Lcnsdile Regie: Förster Larringa Albert Bassermann. Mady Cbrisdans Beriinef Theater Dönhoff 17U SV. Uhr Der TeulGissGiiaier! Komödie y Bernard Shaw Regie. Hein? Hilpert., Die KomOdle II Bismck.2414/7S16 SV. Uhr Soll man heiraten I Koinädie wo üeraard Shaw SmisAi Einrichtung; Karl Heinz Martin TBut. a. Koim.Toi Kottb. Str. 6 TägUSUhi Elite- Singer. Mal- Festspiele Ruselfi obrfeigiM'uiiito Vo'zviger dieses Inserats Voizugs- preise. Baroowsky-BDIineR Thaaitr in der Sireseraannsir. (frührr Kiniggrfti.r Str.) Täglich 8V. Uhr Napoleon greift ein voa Wolter tatlever Komödienhauc Täglich 8V. Uhr: Heins Sdiwsster ond icii Musik v. Ralph Benatzky 0 2 Weidfndaram 5201 • 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.: Max Reinhard) Mnsil: frltdridc Kollanibr. Lessing-Theater WeidtndasRi 2797 n.0846 Täglich SV« Uhr: Frau Peters hat einen Geiietüen v. Louis Verneuii mit Erika von fliellmon Louis Verneuii Resideoi-ThBater Tägl. SV.Uht madonna im schiafcoupd v. Maurice Dekobra Für Jugendl. verb. ■ wo s polst man i gut und billig 7 Nur Bross-Berün Alexandorplatz DAS ALKOHOLARME STÄRK BiIr CrmDdungserscholnungen beheben Sie rech» eeitig durch diesen herzhaften Trunk, dessen belebende, Wirkung die Latatungsfähigkeft und ÄoadavarataigeiX 8ia jadoob oieäsü 99 .. bedanke dich herzlich!" Landverschickung und Kinderarbeit Von Eugen Lederer 5n den letzten Dohren hat die Unterbringung nicht heimbedürf- tiger Stadtkinder während der Schulferien in Einzelpflegestellen auf dem Lande«inen überaus starken Rückgang erfahren. Wenn auch noch umstritten ist, ob die wirtschaftliche Ausnutzung der Kinder durch die Aufnahmcfamilien als Ausnahme- oder Regelfall zu gellen hat, so ist man sich doch in allen maßgebenden Fachkreisen im großen und ganzen darüber einig, daß bei der P f l e g e s o m i l i« auf dem Lande die notwendigsten Voraussetzungen für eine verantwortliche Unterbringung erholungsbedürftiger Kinder im allgemeinen über- Haupt nicht gegeben stnd. Als in den Städten schlimmste Nahrungsmittelnot herrschte, wurde die Verschickung der Kinder in Landaufenthalt in der einzigen Erwartung vorgenommen, daß sich die Stadtkinder im Interesse einer Stärkung ihrer geschwächten körperlichen Konstitution mehrere Wochen hindurch sattessen können. Diese durch außer- ordentliche Notzeiten gerechtfertigte primitive Magenfür- sorge kann aber, wie es irrtümlicherweise immer noch geschieht, mit Erholungsfürsorge nicht identifiziert werden. Die Er- füllung auch nur eines Teils der Mindestforderungen, die an die systematische Durchführung der einfachsten Erholungsfürsorge- Maßnahme in Form der örtlichen Erholungsfürsorge geknüpft sind, kann in. den ländlichen Familienpslegestcllcn nicht im entferntesten gewährleistet werden. In der örtlichen Erholungssürsorg« sind pädagogisch und hygie- nisch geschulte Kräfte mit der Aufsicht und Pflege der Kinder be- traut. Hier wird nach einem unier ärztlicher Mitwirkung fest- gestellten Plan, der die Tageseinteilung, ferner Bekleidung, Körper- pfleg« und-Übung, zweckmäßige Ernährung. Beschäftigung und Spiel der Kinder umfaßt, gearbeitet. Hinzu kommt die ständig« ärztlich« Ueberwachung. Außerdem findet in der örtlichen Erholungsfürsorge ein gesellschaftsbildendes Zusammenleben der Kinder statt, das aus psychischen und pädagogischen Gründen von hervorragender Bedeutung ist. Danach ist gegen die Entsendung von Stadtkindern aufs Land selbstverständlich dann nichts einzu- wenden, wenn am Aufnahmeort eine örtliche Erholungs- fürsorgeeinrichtung besteht, von der die Kinder tagsüber erfaßt werden, so daß lediglich eine Unterbringung in der Familie während der Nacht in Frage kommt. Die angedeuteten Erwägungen müssen aber, von guten Ausnahmen und der verwerflichen wirt- schaftlichen Ausnutzung der Kinder einmal völlig abgesehen, zwin- gend zu einer grundsätzlichen Ablehnung der Verschickung von Stadtkindern in Einzelpflegeskellen aus dem Lande führen. Ein beschämend trauriges Kapitel im Rahmen her Stadt- kinderverschickung in Landaufenthalt. stellt die heute noch geübte Entsendung von erholungsbedürftigen Ruhr lindern dar. Diese Kinder werden nicht etwa nur während der Schul- seriell, sondern in der Zeit von April bis November, also für die Dauer von 7 bis 8 Monaten, aufs Land in Einzelfamilien gegeben. Hierbei handelt es sich um Hundert« von Kindern, die in bäuerlichen Familien östlicher Landkreise Aufnahm« finden. Bor der Entsendung sind sie größtenteils überhaupt nicht ärztlich untersucht worden. Nicht einmal das Körpergewicht der Kinder wird bei der Entsendung oder ihrem Eiiüreffen vor Antritt de» Landauftnthalts festgestellt. Von vornherein unterbleibt somit jegliche Feststellungsmaßnahme, die für«ine Beurteilung der Wirkung der Landunterbringung auf das einzelne Kind während und nach Ablauf der Aufenthaltszeit erforderlich ist. Erschreckend deutlich wird die Situation, wenn man zu hören bekommt, wie sich der Erholungsaufenthalt der Ruhrkinder auf dem Lande abspielt. Die Beschäftigung ist da. Elementare. Die schulpflichtigen Knaben und Mädchen finden in der Hauptsache als landwirtschaftliche Hilfsarbeiter, Kuh- und Gäirsehirten, Haus- angestellte, Laufboten oder meist alles in einem Verwendung. Cha- rakteristifch ist, daß von der einzelnen Pflegefamilie, obschon für die Zuweisung schulpflichtig« Kinder im Alter von g bis 14 Iahren in Betracht kommen sollen, bis auf geringe Ausnahmen nur Zwölf, bis Vierzehnjährige und häufig Schulent- l a s s e n e angefordert werden. Wenn man weiß., daß es sich bei den Aufnahmefamilien vornehmlich um Ackerbürger oder kleine Landwirte handelt, deren Wirtschaft gewöhnlich etwa 20 bis b0 Morgen groß ist, die sie ohne Zuhilfenahme irgendwelcher An- gestellten mit ihren Angehörigen selbst betreiben, wird dieser Wunsch „verständlich". Das 12- bis 14jährige Mädchen soll Woh- nung und Küche in Ordmmg halten sowie die vorhandenen Klein- kinder versorgen und der 12- bis 14jährige Knabe(mag- lichst„kräftig") außer zum Kühehüten zu allen vorkommenden landwirtschaftlichen Arbeiten herangezogen werden. Hunderte von Fällen könnten hier Anführung finden, in denen 12- bis 14jährige Mädchen mit der„Beaufsichtigung" von zwei Kleinkindern(jeweils im Alter von Vj und 1%, 2 und 4, 3 und 5, 4 und 6 Iahren) sowie der„Reinigung der Wohnung", und 12- bis 14jährige Knaben mit Viehhüten, Liehfüttern und landwirtschaftlichen Arbesten planniähig beschäftigt werden. Wie sehr es darauf ankommt, unbezahlte Arbeitskräfte zu erhalten, geht meist klar aus der Art, in der die Pflegefamilie die Anforderung meldet, hervor. Di« Mädchen benötigt man zur Verrichtung aller häuslichen Arbeiten, zum „Spielen" mit den Kleinkindern, zur Unterstützung der Hausfrau oder Haustochter, für. Gartenarbeiten(„Blumenpflücken"). zum Gemüsebündeln, Gänfehütcn usf.. die Knaben zum Kühe, und Schaf- hüten, Getreidegarbenwerfen, Unkrautjäten, Kartoffellesen, Rüben- ernten, Bohnenpflücken, Milchbesördern in die Molkerei und zu son- stigen'landwirtschaftlichen.Handdienstcn". And dies alle« ia der Zeil der Frühjahrsbestellung, haupkernke. und Herbstbestellung! Wer vermag die monatelange Verpflanzung schwächlicher Ruhrkindcr aus der rußgeschwängerten Industrieluft in die„gute" Landluft unter diesen Umständen zu bejubeln? Wie sieht die Wandlung prak- tisch aus? Da rückt ein IZjährigcr schlecht ernährter Junge ita» dig Pflegemutter gelegentlich mit einem Lcderriemen be- arbeitete, dertäglichum XS Uhr in der Frühe die Kühe zu füttern und die Streu zu besorgen hatte, um 7 Uhr alsdann zur S ch u l e ging, nachmittags Kühe hütete und abends wieder die Streu zurecht zu machen hatte. Seine häuslichen Schul- arbeiten konnte er«rstnach8Uhrabends erledigen. Dann schlief er auf einem Strohsack in einer Bretterkoje neben dem Stall. Ein Fall von vielen! Nur dann und wann werden sie bekannt. Es kann keinem Zweifel uitterlicgen, daß der Land. w i r t, der in der Zeit von April bis November keinerlei Personal einstellt, durch die Arbeitsanspannung schulpflichtiger Kinder, denen er vorfchriftsgemäß lediglich Kost, Kleidung, Wäschereinigung und Wohnung zu gewähren hat, die Ausgaben für Hilfskräfte, Saison- arbeiter, Hausangestellte usw. einsparen will. Man wende nicht ein, daß Kühe hüten, Kartoffel lesen, Rüben ernten, Getreidegarben werfen, Unkraut jäten, Gemüse bündeln, Wohnung reinigen, Kinder hüten und dergleichen für zwölf- bis vierzehnjährig« erh olungs- bedürftig« Kinder, die durch die Wirkungen von Krieg, Inflation, Lebensmittelnot und Arbeitslosigkeit besonders schwer geschädigt sind,' eine„leichte Beschäftigung" ist. Die Verrichtung derartiger Arbeiten ist schon für Erwachsene hinreichend anstrengend. Wiederholt hat sich auch die Wohlfahrtspresse mit der traurigen Lag« der söge- nannten„Hütekinder" befaßt und zum Ausdruck gebracht, daß sie eines besonderen Schutzes bedürfen, denn„überlang« Arbeitszeiten, gesundheitliche Bedrohung durch die Witterung, unter Umständen sehr schwer zu erfüllende Obliegenheiten, Hemmung der geistigen und sittlichen Entwicklung, auch Schädigung durch unzureichende Unter- bringung, Behandlung und Schulvcrsorgung läßt»ach den Berichten der Fürsorgerinnen schwere Gefahren für Leib und Seele befürchten". Durch Richtlinien, ine das badische Landesjugendamt über die Auswahl und das Halten von Hütekinder» Anfang 1928 vorge- geschrieben hat, wird diesem ungeheuren Uebclstand infolge stets mangellmster Ueberwachungsmöglichkeit niemals abgeholfen. Nicht allein durch ein gesetzliches Verbot kann die Beseitigung der Kinderarbeit(sowohl für eigene als für fremde Kinder) auf dem Lande erzielt werden, sondern bezüglich der Stadtkinder hauptsächlich dadurch, daß alle in Frage stehenden amtlichen Stellen mit der ver- schickung von Stadtkindern in pflegefamillen ans» Land endgültig Schluß machen. Daß di«s eine unumstößliche Notwendigkeit ist, dürfte durch dies« Ausführungen zur Genüge nachgewiesen sein. Nur auf die Schulverforgung sei zur Bekräftigung dieser Forderung noch hingewiesen. Di« Schulverhältnisic im Ruhrgediei sind zweifellos unvergleichlich bessere als in den Keinen Gemeinden östlicher Landkreise. Wie'die als erholungsbedürftig deklarierten Kinder ohne vorherige ärztliche Untersuchung abtransportiert werden, so wird unerhörterweis« auch kein Schulbogen ausgestellt, der dem Jugendamt zur Wcitcrleitung an den L«hrer, der das Ruhr- kind während sieben oder acht Monaten zu unterrichten Hot, zuzu- stellen wäre. Eine Ueberweisung von Schule zu Schul« findet also nicht statt. Sind diese und all die anderen dargelegten Verschlechte- rungen, die dem Ruhrkind auf diese Weise widerfahren, zu recht- fertigen? Kinder als Ersatz für beruflich« Hilfskräfte zur Arbeit heranzuziehen, ist ein s ch w« r e s U n r« ch t, das der vielgerühmten Sorge um unser wertvollstes Gut, die Jugend, hohnspricht. Was sagen übrigens die Ruhrkinder zu ihrer Unterbrin- gung auf dem Lande? Nur zwei Beispiele. Einem dreizehnjährigen Jungen stürzen auf die Frage, wie es bei ihm zu Haufe aussieht und als was sein Vater beschäftigt ist, die Tränen in die Augen. Dann stammelt«r„Voter ist Bergarbeiter und verdient nicht viel". Ein anderer vierzehnjähriger schulentlasiener Junge, dessen Vater Invalide ist, möchte Bauschlosser werden, kann ober erst mit 16 Iahren damit rechnen, daß er eine Lehrstelle erhält. Schmerz- bewegendes Motiv der Eltern, einen„Esser" los zu sein! Di« Kinder wissen das. Und um dieses Wissens willen ertragen ihre schwachen Körper Demütigung und Ausbeutung in der Fremde. Nur wegen dieses bitteren Wissens tragen sie ohn« Empörung einen Transportausweis an einem Schnürchen um den Hals, auf besten Merkblatt-Rückseite u. a. gedruckt steht:„Beim Abschied(von den Pflegeettern) bedanke Dich herzlich." Braucht man sich wundern, daß angesichts dieser außerordent- lichen Schädigung, die geschwächten Stadtkindern durch dft über- holte Unterbringung im Landaufenthalt widerfährt, dft Zahl der Kinder, die beim Schulabgang für den Arbeitsmarkt noch nicht ver« wendbar ist, in bedrohlicher Weise ansteigt? Während sortschrilt- lieh« Jugendämter derartige Kinder in Arbeilserholungsfürsorge geben, wo sie unter gründlicher spezialärztticher Aufficht nach indivi- duell zugeschnittenem Kurplan arbeitsfähig gemacht werden, werden durch dft geschilderten Derschickungsmethoden sozialpolstische Maßnahmen zur Förderung des Heranwachsens einer qualifizierten Ar- beiterschaft unterbunden. Im Zusammenhang mit der Verschickung von Stadtkindern aufs Land steht zweifellos auch der Rückgang in der Anforderung von jugendlichen Landarbeitern, die dem Arbeitsrecht unterstehen und außer Wohnung und Kost Tariflohn beanspruchen. I—!■■■—— I fc—T Wie soll man sich anziehen? Die Hygiene der Kleidung Der hygienische Zweck der Kleidung ist eine Erleichterung der körperlichen Wärmeregulierung, d. h. die Kleidung soll den menschlichen Körper in gleicher Weise vor zu großer Abgab« eigener Wärme wie vor zu großer Wärmestrahlung von auß«» schützen: sie darf die erforderliche Abgab« des Körpers an Wasserdompf nicht oerhindern, sie muß stets ausreichend und richtig gereinigt sein und sie muß einen richtigen Sitz haben. Der Zweck, die Wärmeabgabe des Körpers einzuschränken, wird verschieden erfüllt, je nach, dem Wärmeleitungsoermögen der Kleiderstoffe. Dieses hängt wiederum in erster Linie vom Luft- gehalt, in zweiter Linie von der Dick« des Kleiderstoffes und in dritter Linie vom Leitungsvermögen des verarbeiteten Materials ab. Der Luftgchalt beträgt bei glatten Geweben etwa SO Proz, bei Trikotstoffen 70 bis 86 Proz., bei Flanell 90 Proz. und bei Pelzen 98 Proz. Dos Wärmeleiwngsoermögen von Baumwoll- und Leinenfasern beträgt das 29.9sache, von Wollfasern das 6,1fache, von Seide das 19,2fache des Wärmeleitungsvermög«ns der Luft. Die durch die Kleidung erzielte Verminderung der Wärme- abgäbe ist also sehr verschieden, und zwar vermindert(nach den. Messungen R u b n e r s) jedes Kleidungsstück die Wärmeabgabe um 10 bis 40 Proz. gegenüber der des unbekleideten Körpers. Wichtig ist auch die Aufsaugungsfähigkeit der Stoffe, die bei porösen, also stark lusthaitigen Stoffen größer ist als bei glatten Geiveben(und bei Wolle größer als bei Seide und Baumwolle): denn feucht« Kleidung ist sehr unzweckmäßig für den Wärmeschutz, weil sie ein besserer Wärmeleiter ist, und weil sft die Wärmeabgab« de» Körpers infolge der Verdunstung des Wassers erhöht. Gerade die am besten warmhaltende Kleidung ist es also, die im feuchten Zu- stände ihr« Aufgabe am schlechtesten erfüllt. Man acht« daher, namentlich im Winter, immer darauf, daß die Kleidung trocken bleibt und feuchte Kleidung möglichst rasch gewechselt wird. Bei völliger Durchnässung entzieht die Verdunstung des in den einzelnen Kleidungsstücken enthaltenen Wassers dem Körper so viel Wärm«, wie dieser in 24 Stunden überhaupt produzieren kann. Für den Schutz gegen di.e äußere Wärme st rah» l u n g der Sonn« kommt es hauptsächlich auf die Farbe der Kleidung an. Helle Kleidung läßt weniger Wärmestrahlen durch als dunkle. Die Durchlästigkett für die wärmenden Strahlen der Sonne beträgt bei schwarzen und hellgrouen Stoffen ungesähr das Doppelte, bei hellgrünen und dunkelgelben Stoffen ungefähr das Eineirchalbfache und bei roten Stoffen über das Cinenchalbfache als bei weißen Stoffen. Die Neidung darf aber auch die normal« Wasserdampfabgabe nicht verhindern. Der gewöhnliche Feuchtigkeitsgehalt der Lust zwischen dem Körper und der Kleidung beträgt 30 bis 40 Proz., und in diesem.Mimo" befindet sich die Haut am wohlsten. Bei feuchter Außenluit oder infolge schlecht luftdurchlässiger Kleidung kann sich der Feuchttgkeftsgehatt der Zwischenliistschicht bis zu 65 Proz. steigern, wobei sich sofort ein Gefühl des Unbehagens bemerkbar macht. Maßgebend ist hier wieder der Luftgehalt des Gewebes. Lockere Trikotstoffe sind luftdurchläfsiger als glatte Wall- und Loinengeweb«: letztere sind aber sehr geeignete Stoff« für Ruhekleidung, wenn also der Körper weniger Wärm« und auch weniger Wasserdampf entwickelt. Die Reinigung der Kleidüng durch Waschen und Ausklopfen ist namentlich für poröse Stoffe von großer Bedeutung, die be- sonders viel Staub von außen und Hautabsonderungen von innen aufnehmen. Kleidung, die nicht häusig genug gereinigt wird, wird mit der Zeit übelriechend durch Zersetzungsprodukte der Haut- absonderungen. Diese und die von außen eingedrungenen Keime (darunter viele Krankheitserreger) können für die Haut und den ganzen Körper schädlich werden. Man soll aber die Wäsche nicht allzusehr stärken, sie wird dadurch auch unbequem, steigert die Schmeißbildung infolge mangelnder Luftdurchlässigkeit. Ein wichtiges Kapitel der Kleidungshygiene ist die fehlerhafte Form und der fehlerhafte Sitz, den wir infolge der Einflüsse der Mode und der sogenannten Sitte noch bei vielen Kleidungs- stücken finden. Manches ist hier in den letzten Iahren besftr geworden. Unsere Frauen brauchen sich nicht mehr mit den so über- aus schädlichen Korsetts zu quälen, die durch ihren Druck und durch die Zusammenschnürung des Brustkorbes Krankheiten der Leber, der weiblichen inneren Geschlechtsorgane, der Lungen und des Blutes hervorriefen. Hier scheint der moderne Sporisgeist für immer Wandet gefchafftn zu haben. Weniger hoffnungsvoll kann man bezüglich der Läng« und der Form der Kleider in die Zukunft schauen. Die bisherige Form der losen und kurzen Kleidung war wegen ihrer großen Luftdurchlässigkeit und Druck- losigkeit unzweifelhaft hygienisch und bequem. Uitenffchieden ist noch die Frage: Hosenträger oder Gürtel? Die einen behaupten, die Hosenträger verursachten eine krumme Rückenhalwng, die anderen weisen auf den bisweilen ungesunden Druck des Gürtels auf die inneren Organe hin. Im allgemeinen wird man den Hosenträger wohl nicht als besonders schädlich anzusehen haben, doch empfiehlt es sich für Schwerarbeiter, namenttich wenn sie viel zu heben haben, bei der Arbett zur Ver- meidung von Nabelbrüchen einen Gürtel zu tragen. Eine Plage sind ober noch immer die ringförmig«» Strumpfbänder, die besonders bei den Frauen, wo sie am Oberschenkel getragen werden, leicht die Bildung von Krampfadern begünstigen. Di« Strumpfbänder der Männer sind weniger störend. weil sie an der natürlichen Verengung des Unterschenkels liegen. doch wäre es durchaus denkbar, daß auch in der Mqnnertleidung einfache senkrechte Verbindungsbänder Anwendung finden könnten. Die hohen steifen Kragen sind den hygienischeren und an- genehmeren niedrigen und meistens weichen Kragen gewichen. Eine Schillerkragenmode hat sich für die Allgemeinheit leider noch nicht durchzufttzen vermocht, doch ist das Tragen des Schillerkragens wenigstens bei Wanderungen und beim Sport mancherorts schon eine Selbstverständlichkeit geworden. Ziemlich traurig sieht es noch mit dem Schuhwerk aus. Die Forderung der Hygiene, daß die Schuhe sich der Fußform anzupassen haben und nicht lmrgekehrt, ist noch nicht erfüllt, wenn es auch leichter geworden ist, einigermaßen den hygienischen Anfordeninaen entsprechendes Schuhwerk zu kaufen. EvsM Böhm. I MeiMen, e!ne Frau au�s Sp!«l gesetzt, ntcht zuletzt auch sich selbst?! Je tiefer er darüber nachdachte, desto fester kehrte er zu seiner eingewurzelten Ueberzeugung zurück. Seil« Handlungsweise bürgt« ihm für deren unantastbare Richtigkeit. Er hätte also Kead mit einem bestimmten Ja antworten können. Wenn er es dennoch nicht tat, so mußten ihn andere, tiefergelegen« Gründe dazu bewegen. (Fortsetzung folgt.) (33. Fortsetzung.) „A. existiert doch*, ereifert« sich der Alle, der Wortführer der kleinen Gesellschaft. Und setzte fort:.Kennen Sie chn nicht? Dann werden Sie ihn bald kennenlernen.* Kead, dem Leute dieser Art unsympathisch waren, weil sie Dinge öffentlich aussprachen, statt sie in einer vertraulichen Kon- fcrenz zu erörtern, hätte am liebsten dem Schwätzer ein gewalt- jaines End« bereitet. Um nicht mit der Justiz in Konflikt zu ge- raten, beschränkte er sich auf eine undeutliche Antwort:„Das sind interessant« Lächerlichkeiten* Wollte ihm den Rücken kehren. Mr. Hig aber hielt ihn am Rockärmel fest. „Und die Tatsachen?* Also von Tatsachen spricht man schon, dachte Kead verstimmt und ärgerlich, bekam«inen roten Kopf, sprach so laut als möglich. Seine Worte waren auch für die weitere Umgebung bestimmt. „Ein politisches Kesseltreiben, wie man es hierzulande kennt. Ein« Spekulation auf Baisse.* „Wer spekuliert, Mister Kead* erwiderte der Alte spitzfindig. „Die chinesisch« Hochfinanz.* Kead sah sich nach der Wirkung dieser sehr bestimmten Aeußerung um. „Die Ihren Schiffen den Hasen öffnet?* Ein verschlagenes Lächeln verzerrte Mr. Higs altes verwittertes Gesicht. Kead parierte:„Was machen Ihre veltanks?* „Die ruhen. Uebrigens, wie Sie wissen dürften, laufen Ihre Schiffe nicht aus, Mister Kead.* Darauf war der Mächtig« nicht gefaßt. Cr wurde unsicher, zum ersten Mal« in seinein Leben unsicher, verlor die alles erschlagende Ruh«.„Die Börse notiert hoch—* sagte er mU bebender Stimme. Hig war Herr der Situation.„Ihr Hongkoyger Gewährsmann scheint Sie schlecht zu informieren. Und auch sonst dürfte man Sie tauschen. Ihr« chinesischen Kompagnon» betreiben«ine seltsame Politik. Ein« richtige Kulipolitit.* Der Alte schob den Kops vor. „Wisien Sie schon, was die Telephone seit einer Stunde brüllen?* Kead beherrschte sich mit allem Aufwand setner so oft erprobten Energien. Mit unheimlicher Fassung trat er Mr. Hig eiUgegen: „Ich verliere solange nicht die Ruhe, Mister Hig, als man im Hotel de TEurope noch Zeit findet, sich über Gespenster zu unterhalten.* Dem Alten konnte er nicht imponieren.„Es dürste Sie aber aus Ihrer Ruhe bringen, wenn ich Ihnen sage, daß wir vor dem Boykott stelzen, am Anfang eines Rassenkriegcs.* „Börsenkrieges, wollen Sie sagen", erwiderte Kead. Zur gleiche» Zeit schrillte in der Hall« das Telephon noch Mr. Kead. Man lief nach seinem Sekretär. Die Gesellschaft um Hig und Kead hatte sich unmerklich«nt« fernl. Die beiden Männer standen sich wie in einem Duell gegen- über. Keads geheimste Gedanken hott« Hig entblößt. Cndlick) einmal nackte Totsachen, Einer der vor dem„Allmächtigen* nicht in die Knie sank. Mr. Hig sprach mit vollendeter weltniännischer Liebenswürdig- keit, die entwaffnend war. Erzählte von seinem Leben:„Ich kenn« dieses Land, in dem es mehr Vulkan« als Börjenpoläst« gibt. Fünfzig Jahre sitze ich auf den Terrassen der internationalen Hotels.* Er lächelte müde, sattgelebt.„Sie, Mr. Kead, sind mir nicht fremd. Ich genieße nämlich die Menschen wie Bücher, lmmer In neuer Auflage. Der Inhalt bin ich." Kead sann düster vor sich hin. sagte:„Ich mißverstehe nicht. Ich glaube nun selbst an die mystische Triebkraft, der Sie die Be- wegung im Lande zuschreiben.* 'Der Rücken des Alten krümmte sich. Er sah einem sprung» bereiten Tiger ähnlich.„Nicht Triebkraft! Diese Person, dos Produkt einer inneren Bewegung, wurde selbst Bewegung.* Kead trank Whisky, viel Whisky, rauchte schwere Zigarren. „Das Leben ist«ine Wüste, der Sturm sitzt einem in den Gliedern.* Zg. Indes taumelte der Sekretär Mr. Kead» aus der Telephonzelle. Es mußte um sein eigenes Leben gehen: diesen Eindruck macht« seine Verwirrung. Aus der Terrasse jauchzte wie trunken die Jazz- band; der Mensch tanzt in diesem Zeitalter sein Leben. Auf der grvhen, breiten Treppe, die mit den kostbarsten Teppichen aus dem Orient belegt war, fiel der Sekretär Kead in den Arm. Der Boykott war erklärt. Die Schiff« liefen nicht aus. „Soll ich Dispositionen treffen*, hob der Sekretär seinen Blick zu Kead«mpvr. .Ich halte weiter. Sorgen Sie einstweilen für die Sicher» stellung meiner beiden Kompagnons. Mister Tao und Mtster Aung, die sich augenblicklich in diesem Hotel aushalten.* Der Sekretär jagt« in die Hall zurück und an das Telephon. .Polizeipräsidium!* Die Drähte sangen da» Wort taufend« Male an einem Tag. Dem Setretär wurde es dunkel vor den Augen. Dann war ihm wohl, wie noch nie. Kaleidoskopartig rast» sein ganzes Leben an ihm vorbei. Ein kräftiger Atemzug— das Leben ist doch schön! — Dann kam die lang« Nacht. Den Telephonhörer in der Hand. starb er. Die letzte Kraft riß die Schnur vom Apparate. Der Körper wußte zur Erde. Der Tod de» kleinen unbedeutenden Manne» machie kein son» derliches Aussehen im Hotel. Kead empfand«Ine vorübergehende Rührung. Er hatte nicht viel Zeit zu verlieren: Marin war p'ötz- lich von ihm entdeckt. Der kam ihm gtrade zur rechte» Zeit. Sie verzogen sich in eine stille Ecke, wo sie ihre Unterhaltung unbelauscht zu führen glaubten. JJc/itrteÄer Tao und Vung wurden durch«inen Messengerboy in die Hall gebeten. Ungern trennten sie sich von ihrer schönen Gesellschaft, in der sie sich so angeregt unterhielten. In der Holl wurden sie von «inigen Herren in Empfang genommen, dringendst gebeten, ihnen zum Auto zu folgen. Man vermied jegliches Aufsehen. Run gings in flotter Fahrt zum Polizeipräsidium. 40. Marin war nicht wenig«rstaunt, als Kead keine Miene machte, das Gespräch zu eröffnen. Der Mund des Mächtigen war s«st ver- schloffen, die Lippen trotzig aufeinandergepreßt. Die Hände auf dem Rücken verschränkt, hielt er den Blick bodengefenkt. Marin verhielt sich zurückhaltend, wartet« ob. Als sich Kead eine frische Zigarre anfteckte, war der Bruch des Schwelgens gekommen. Marin täuschte sich nicht. Kead lud ihn mit einer leichten Handbewegung zum Sitzen ein und begann mit äußerst ruhiger Stimme zu reden, sehr bestimmt, knapp gestaltet:.Keimen Sie Y.?* Was sollte Marin nun antworten??).— Wer ist U.? Er wußte es nur zu genau. Wußte er es in der Tat? War das nicht am Ende eine Mystifikation, die sich in seinem erhitzten Schädel festgesetzt hatte? Zweifelsohne gab es diese Person. Duval hatte von ihr gesprochen. Marin dachte an die nächtliche Fahrt zu den Pagoden. Die Pagoden— damals— ja— hotte er nicht«ine seltsame Erscheinung gehabt— das gelbe Gesicht? War das alles ein Abfynthraufch, ein Tropenkoller gewesen? Er kannte einen Mr. Smith. Von der ersten Begegnung an bestanden zwischen ihm und diesem Menschen unleugbare Zusammenhänge. Dann die zweite Begegnung in seiner Wohnung. Da war ein Kampf eröffnet worden. Er hotte sich das alles nicht zu deuten gewußt. Plötzlich aber hatte es in ihm festgestanden, Mr. Smith und U. sind eine Person. Ber- mutungen hatten sich immer dichter aneinandergeschlossen, bis sie dies« Ueberzeugung gebildet hatten. Metaphysik? Marin kannte also V-'. sagor persönlich. Jage ich einem Phantom nach? Fühlte ich aber nicht feine Hand, hörte ich nicht seine Stimme? Ein fleischgewordenes Phantom? Dieser Zwiespalt, dieser Zweifel, im Unterbewußtsein festgefangen, waren es. die ihn veranlaßt«», nie von ihm zu sprechen. Hatte er aber nicht gegen den Gegenstand seines Zweifels schon etwas unternommen?! Nichts Geringes: dessen restlose Bernichtung. Hatte er nicht dafür einen e Buch Sin Qegner SMsmarcks „Ein Wort zur deutschen Frage* nennt Eugen Stamm sein Buch.Kon st antin F-rantz 1837— 1866'(Deutsche Verlags. anftalt Stuttgart. 310 S. 12 M.), das der zweite Band einer breit angelegten Biographie Konstantin Frantz' ist, deren erster Band bereits 1907 erschien. Konstantin Frantz, heute in der Oeffentlichkeit ein unbekannter Name, war einer der bekanntesten und fruchtbarsten politischen Publizisten im Deutschland vor der Reichsgründung. Die Originalität seiner Ideen erhebt ihn weit über seine Zeit hinaus, und mit seinem Gedanken über ein europäisches Föderativsystem kann er mit Recht unter die Vorläufer des Paneuropagedankens einge- reiht werden. In dem hier geschilderten Jahrzehnt kommt be- sonders Frantz' Stellung zu Bismarck zum Ausdruck, die sich von anfänglicher Bundesgenossenschast zu schärffter Gegnerschaft en:- wickelte. Selbst lange Jahre preußischer Staatsbeamter, war Frantz als Schriftsteller in den ersten Iahren durchaus ein Vertreter»es preußischen Machtstaatsgedankenz und des Machtgcdankcns in ser Politik überhaupt. Noch in seiner„Vorschule zur Physiologie der Staaten*(1837) bezeichnet er. immer das preußische Borbild im Aug«, neben der Legislative, Exekutive und Administrative die Mili- tärgewalt als eine besondere Staatsgewalt, da sie„nicht nur einen eigentümlichen Staatszweck realisiert(Aufrechterhaltung der Landes- Hoheit und Schutz gegen äußere und innere Feinde), sondern weil sie auch auf einem eigentümlichen geistigen Prinzip, dem Prinzip der Tapferkeit, beruht*. Wenig später wurde Frantz allerdings zu einem entschiedenen Bekämpfer des deutschen Militarismus, als seine„großdeutschen*, föderalistischen Pläne durch den von Bismarck angestrebten und verwirklichten„kletndeutschen* Macht st aat durchkreuzt wurden. Frantz schwebt« ein Föderativsystem ganz großen Aus- maßes vor. In seinen„Untersuchungen über das europäische Gleich- gewicht*(1859) konzipiert er eine europäische Staatenentwicklung, die über den deutschen Bund zu einem großen abendländischen Staatenbund geht. Und ein paar Jahre später schreibt er in der „Kritik aller Parteien* über den Föderalismus: er ist.«in« ewige Forderung der Vernunft, weil nur dadurch die Harmonie erreicht werden kann, wonach der menschliche Geist ewig strebt... nur so allein gelangen wir zum Frieden*. Die geschichtliche Entwicklung verlies jedoch in anderen Bahnen als Frantz gewünscht hatte. Ucbcr den preußisch-österreichischen Krieg von 1866 kam«s 1871 zur Bildung des Reiches auf.kleindeutscher* Grundlage: die Frantzschen Gedanken waren damit erledigt, Frantz selbst stand bis zu seinem Tode(1891) dem Bismarcksche» Staate in hoffnungsloser Opposition und ohne irgendeinen politischen Einfluß gegenüber. Das Buch Stamms bietet, über eine bloße Biographie des im Grund« konservativen Staatstheoretikers, hinausgehend, viel An- regendes für unsere Zeit, die ja manche dem Frantzi-yen Föderatiois- mus verwandte Strömungen aufweist. Ridianl Junge. WAS DER TAO BRINGT. Heize mit— Eis! Auf dem kürzlich in New Park abgehaltenen Kongreß der „Amerikanischen Gesellschaft der Ingenieure der Gefrierbranche" HM Mr. Bloom, ein Ingenieur aus Chikago, interessant« Per- spektiven eröffnet. Er stellte zunächst fest, daß das Gefrieren von Fleisch. Milch, Milchprodukten, Früchten. Gemüsen, überhaupt von allen leicht verderblichen Lebensrnitteln in den letzten 23 Iahren sich fortwährend gesteigert Hot: er glaubt aber, daß die kommenden zehn Jahre noch wert größere Fortschritte zeitigen werden. Er ver- spricht sich vor allem viel Erfolg von der Verwendung des Eises zur Durchkühlung der Häuser. Er denkt zunächst mehr an die großen Häuser, wie Stoatsgebäud« und Hotels. Das Eis läßt sich nach seinem Verfahren in ganz dünnen, kleinen Platten herstellen, die man wie Kohlen in die Kühlapparate schüttet. Man kann da nach Bedarf stark oder schwach„heizen". Bin kostspieliger Witz. D obren», der Vertreter einer holländischen Firma in dem bulgarischen Städtchen Tirnovo, erhielt dieser Tag« einen Brief dieser Firma mit einem Scheck über 800 Gulden„Als Sonder- anerkennung für feine Leistungen". Die Sache war ein fauler Witz von feiten seiner Freunde. Dobrew fiel auch richtig daraus herein und lief freudestrahlend mit dem Scheck zur nächsten Bank. Aber mich der Banktassterer Hei darauf herein und zahlte anstandslos die 500 Gulden in bulgarischer Währung aus. Worauf Dobrew hin- ging, sich zuerst neue Kleider, dann neue Möbel und schließlich einen fürchterlichen Rausch kaust«, durch welchen wiederum die Urheber des„Witzes* von dem über alles Erwarten guten Gelingen des- selben erfuhren. Und so waren am Ende die Hereingefallenen Dobrew's geiswolle Freund«, die schleunigst zusammensteuern mußten, um. von der Bank den gesälschten Scheck wieder zurück- zuholen. Kreuzworträtsel lösen ist Arbeit. Bisher war man bereit anzunehmen, daß Kreuzworträtsel lösen ein Bergnügen ist. Run belehrt uns eine englische Gerichtsoer- Handlung eines Besseren. Mrs. Black, die Inhaberin eines Manikür- und Pcditürsalons, sagte vor einigen Monaten den Konturs an. Sie hatte recht zahlreiche Gläubiger und auch dem Finanzamt schuldete sie 400 Pfund. Aber, es war überhaupt keine Konkursmasse vorhanden, und die Gläubiger wußten sich nicht zu helfen. Eines Tages erfuhr mm das Finanzamt, daß Mrs. Black den ersten Preis von 230 Pfund eines durch eine Zeitung ausgeschriebenen Kreuzworträtsel-Preisausschreiben» gewann. Da» Finanzamt erhob natürlich Anspruch auf dieses Geld, lind da die pleitegegangens Gcjchäf'sirchaberm nicht Zahlen wollte strengte es vor dem Konkurs- gericht in Sheffield eine Klage an. Mrs. Black verteMgte sich vor dem Gericht folgendermaßen:„Seit Zwei Iahren löste ich tagtäglich ein Kreuzworirätsel. Ich verwendete hieraus jeden Tag eine halbe Stunde, ja oftmals auch eine Stunde meiner Zeit. Bis heute l)abc ich trotz meiner angestrengten Arbeit noch keinen Preis gewonnen. Die jetzt gewonnenen 230 Pfund bettachte ist also als den Lohn für zwei Jahre harter Arbeit.* Dos Gericht fand diese Beweisführung richtig, und das Finanzamt wurde mit seiner Klage abgewiesen. SQOO Jahre altes Partum. Unter den sensationellen Funden, die in den Grabkammern des Anno 2730 vor Christt Geburt verstorbenen ägypttschen Hohepriesters Rawer gemacht wurden, fiel vor allem ein alabasternes Gefäß auf. den» ein herrlicher Geruch entströmte. Di« Archäologen fanden darin eine bisher undefinierbare Mass«, die über den Zeitraum der Jahrtausende hinaus den Geruch der Blumengärten der Pharaonen be- wahrt hat. Das Gefäß wurde sofort luftdicht abgeschlossen, damit es unversehrt den Untersuchungen durch Fachleute überliefert werden kann. Ein andere«, massivgoldenes Gefäß war angefüllt mst gol- denen Kleinplastiken, Juwelen und Halbedelsteinen. Don geradezu unschätzbarem Wert ist ein aus 4000 Rubinen bestehendes Halsband, das nach aufgefundenen Papyrosschriften beim Tod seiner Mutter der Gattin des Hohepriesters zugefallen war. Ein Meisterdieb. In Krakau stand der Zigeuner Lakos wegsn Diebstahls einer Aktenmappe vor Gericht. Er leugnete alles schliehlich erklärte er, überhaupt nicht zu oerstehen, weshalb er eigentnlich angeklagt sei. Als der Richter ihm wütend das corpus delicti vor Augen hatten wollte, war dieses spurlos verschwunden und man mußt«, da es trotz allen Suchens nicht mehr zu finden war, die Verhandlung ver- tagen. Der Zigeuner aber wurde wider sein Erwarten in Unter- stichungshaft genommen, und als man bei dieser Gelegenheit seinen Tascheninhalt untersuchte, fand sich die vermißt« Aktentasche in semer 5>os« vor. Do Richter und Beisitzer noch im Hause waren, konnte die unterbrochene Verhandlung sogleich fortgesetzt werden und der Dieb erhielt für sein« Frechheit die zulässige Höchststrafe. Wie du mir nicht, so ich dir nicht I � Eine hessische Zeltung veröffentlicht das folgend« an ihren Verleger gerichtete Schreiben eines dort wohnhaften Arztes: .Ich bestelle hiennit Ihre Zeitung ab. da sich bislang lein Mitglied Ihrer Familie von mir hat behandeln lassen. Dr. med. i.?).* Die Zeitung schließt an die Verösfentlichung die B.tt« an einen ortsansässigen Sargfabrikanten an, doch nicht auch seinerseits die Konsequenzen daraus ziehen zu wollen, daß der Verleger noch keine Gelegenheit zu einem Gegengeschäft gehabt Hab«. USA Di«� Ehefrau des Patentanwalts Man Montgers hatte vor dem Scheidungsgertcht in Pittsburg die Klage auf Chesd)«idung ein- gereicht, da ihr Mann sich weigere, seine Zähne in Ordnung bringen zu lassen. Man könne ihr nicht zumuten, mit einem derart unästhetisch aussehenden Manne zusammeuzuleben. Trotz des Ein- wandes des Mannes, der eine furchtbare Angst vor dem Zahnarzt habe, erkannte der Richter aus Tremmng der Ehe. \ Fr ühjahrs wettfahr len der Fr ei en Segler Die Gruppen Ost und West Eil?« stramm« Brise von etwa 4 Seku>»denm«tern aus Südost und lochender Sonnenschein sorgten am vergangenen Sonntag für ein gutes Gelingen der ersten Frllhsahrswettfahrt der Freien Segler auf dem Langen See. Da war es kein Wunder, daß sich fast alle der 125 gemeldeten Boote der Gruppe Ost dem Starter stellten, wollte doch jeder die Güte des Materials sowie sein eigenes Können prüfen. Der riesig« Wald der Masten im Hasen der Freien Der- einigung der Tourensegler Grünau, wo Start und Ziel der Wett- fahrt waren, sowie das geschäftige Hin und Her auf den Booten, um noch schnell die letzten Borbereitungen zu treffen, boten ein lebendiges, farbenfrisches Bild. Punkt 11 Uhr ging die erste Klasie durch den Start, dann folgten in Abständen von drei Minuten die übrigen in 1!1 Klasien eingeteilten Boote. Nach einer halben Stund« waren Dahme und Seddinsee von den flinken Jollen und schmucken Kielbooten der Arbeitersegler dicht besät, die sich zum Teil recht harte und erbittert« Kämpfe lieferten, von denen keine riesigen Zuschauermengen etwas hörten. Der Kampf wird bei den Seglern ganz im stillen aus- getragen, Boot gegen Boot, Mannschaft gegen Mannschaft. Bei dem völlig einwandfreien Wind zeigte es sich, daß die Jollen doch die schnellsten Boote sind.„Rakete", ein Rennzwanziger, im vorigen Jahre gebaut, konnte in der wirklich guten Zeit von 1,33,04 für die etwa 10 Seemeilen betragend« große Bahn schnellstes Boot der Wettfahrt werden. Der Nationale 35er„Sommer- liebe", der dos Feld der Kielboote führte, brauchte für dieselbe Streck« 1,37,40. Besonderes Interesse war naturgemäß für die „Neuen" vorhanden, deren Güte noch nicht bekannt war; so bei den Nationalen 30ern für„Windspiel", der auch hielt, was man sich schon vorher von ihm erzählt hatte. Mit 1: 33: 07 war er seinem Felde über fünf Minuten voraus und ging als überlegener Sieger durchs Ziel. Die 20er Kielboote, bei denen auch ein Neuling da war, der aber vollständig versagte, sahen auch hier den Namens- vetter der 30ers„Windspiel" als Sieger in 1: 49: 09. Leider mußte „Trabant" ausscheiden, dem drei Planken von einer l5«r Rennjoll« eingefahren wurden. Am stärksten besetzt waren die Klasien der 15-Ouadrat- meter-Renn- und Wanderjollen mit 12 und 20 Booten. In diesen Klassen kam es auch zu den schönsten Kämpfen. Bei den Rennjollen muhte noch ganz zum Schluß„Irrwisch" die Führung an den Neubau„Blitz" abgeben(1: 45: 04), während als Dritter auch ein Neubau(Selbstbau!)„Wienerin" einkam. Die stärkste und schönste Klasie der Jollen, die 15-Qudratm«ter-Wanderjollen, hatten auch diverse Neubauten herausgebracht, um sich einen Sieg zu„«rutschen". Jedoch verstand es„Lola"— bei dieser Konkurrenz wirtlich eine gute Leistung—, sich allen Neubauten zum Trotz durchzuschlängeln, um vor dem Winde von.Libelle", einem Neubau, überlaufen zu werden. Bei der letzten Am-Wind-Strecke war sie jedoch wieder vorn und blieb Sieger ihrer Klasie mit 1,49,27: 38 Sekunden später passierte Libelle. Ein schöner Kamps! 9 Die klein« Bahn wurde von der 10-Ouadratmeter-Renn. jolle„Silberlob" in der kurzen Zeit 1,11,40 durchlaufen: die schnellste 10-Ouadratmeter-Wonderjolle„Annekin" brauchte 1,17,12. Ein spannender Kampf war in der 15. Auegleichsklasie zu beob- achten.„Ursus", ein guter Am-Winder, hatte scharfe Konkurrenz in „Rudi" und„Frigga". Die drei lagen noch ganz zum Schluß als Spitze ihrer Klasse wie die Kletten zusammen, bis es„Rudi" beim letzten Schlag gelang, sich vorzuarbeiten. Sieger ist jedoch her Kleinste der drei,„Ursus", mit der berechneten Zeit 1,33,26(große Bahn). In der 16. Klasse, die mit 7 Boote» besetzt war, siegte „Ostland" knapp vor„Piefke". Die 17. Klasse sah wieder„Wild- ga ns" in Front,«inen Selbstbau, der die berechnete Zeit 1,08,13 erzielte und damit das schnell st e Boot der kleinen Bahn wurde! Di« kleinsten Klassen hatten bei dem horten Wellen- gang auf dem Seddinsee hart zu kämpfen. In der 18. Klasse konnte sich die klein«„Windsbraut" gut vorarbeiten und mit etwa 8 Minuten Vorsprung in 1,17,17 siegen.— Di« Rennen werden am kommenden Sonntag fortgesetzt. Auf der Havel Am Sonntag wurde auch die erste Frühjahrsregatta der Gruppe„West" des Freien Seglerverbandes auf der Unter- Havel ausgefahren. Start- und Ziellinie lag beim„Segel- ElubWeinmei st erHorn". Bei herrlichem Wetter und einer Windstärke von 4 bis 5 Sekundenmeter stellten sich 75 Boote den Startern. Besonders zahlreich war die Beteiligung in der 15-Quadratmeter-Rennjollen° und-Wanderjollenklasie. Die Wander- jollen, gleichwertig als Renn- und Tourenfohrzeuge, nehmen im „Freien Seglerverband' immer mehr zu. In jedem Jahr laufen «ine recht stattliche Anzahl dieser Fahrzeuge vom Stapel. II 108 „Freiheit III" errang in dieser Klasse den ersten Preis und ersegelte mit 1:51,50 ein« recht gute Zeit. II 80„Trabant" vchdient un- bedingt beachtet zu werden, da der Steuermann, als einer der jüngsten Segler, kurz vorm Ziel mit der„Freiheit III"«inen sehr interesianten Kamps hatte. Bei den 30-Quadratmet«r-Kieljachten wechselte die Führung vielfach zwischen L 13 und L 2?. Letzterer gelang es aber dennoch, ihren Gegner um 4 Minuten zu schlagen. Das führende Boot in der 20-Quadratmeter-R«nnjollenrlasse ist immer noch Z 90„Husch-Husch". Sein schärfster Gegner Z 55 „Kühleborn" ging 2 Minuten später durchs Ziel. Z 90 ersegelte mit 1:47,03 eine sehr gute Zeit und wurde schnellstes Boot der Wettfahrt. Auch bei den 15- und 20°Ouadrotmeter-Iollentreuzern gab es einige aufregende Moment«. Trotzdem G 15„Mein Ruh" bis zur Kälberwerder-Boje führt«, mußt« er an der Großen-Fenster- Boj«, beeinflußt durch ungünstige Windverhältnisse, dem„G 10" folgen. Bis kurz vorm Ziel wechselten beide Fahrzeuge mehrmals die Führung. Durch eine 15-Quadratmeter-R«nnjolle„M 67", welch« ihren Nachhauseweg unbedingt zwischen beiden hartkämpfen- den Booten nehmen mußte, wurde„G 15" zum Teil abgedeckt und „G 10* gewann mit einer Bootslänge. Der Id-Ouadratmeter- Iollenkreuzer O 3„Amigo" lief mit dem» zweiten Boot der 20-Quadratmeter-Jollenkr«uzerklasse gleichzeitig ein. Schnellstes Boot der 15-Ouadratmeter-Rennjoll«n wurde>1 67„Havelschwalbe". Als erstes Boot der lO-Quadratmeter-Rennjollen und schnellstes Boot der kleinen Bahn lief C 80„Frohfahrt III" ein. Auch In den beiden Ausgleichstlasien wurde hart um den Sieg gekämpft. trotzdem(leider) s«chz Boote nicht gestartet sind. Das nennt sich Fugball Spielteilnehmer in Frankfurt a. M. schwer verletzt Bei dem Meisterschafts-Vorrundenspiel des Deutschen Fußballbundes in Frankfurt kam es zwischen den beiden Gegnern Eintracht und VfB. Benrath zu einer üblen Holzerei, die an das vorjährige Spiel Fürth gegen Hertha-BSE. erinnert«. Gleich nach Spielbeginn ging es los. Der Schiedsrichter griff nicht ein. Da schwoll einigen Benrathern der Kamm. In der 40. Minute wurde ein Frankfurter Verteidiger derart vor den Magen ge- stoßen, daß er besinnungslos mit der Bahre vom Platz getragen werden'mußte. Nach der Paus« war es ein Läufer Benraths, den der Ruhm feines Vereinskollegen keine Ruhe keß. Auch er wurde vom Platz verwiesen. Auch bei dem Spiel zwischen Fürth und Tennis-Bo- rusfia kam es zu unliebsamen Zwischenfällen, die von den Ber- linern verursacht wurden. Der Schiedsrichter schritt hier ener» gisch ein._ Bundesjahrbuch„Solidarität" Dreihundertvierundzwanzig Seiten Zahlen, Statistiken und Adressen— das ist das kleine, aber dickleibige Bundesjahrbuch 1 9 2 9/ 3 0. das der Arbeiterrad- und Krafifahrerburch„Solidarität" soeben seinen Mitgliedern und Interessenten vorlegt. Endlose Zahlen- und Berichtsreihen erwecken kaum die Lesewut, im Gegenteil: sie schrecken häufig ab. Aber in diesem Fall gilt die Regel nicht. Man bekommt so etwas wie Bewunderung, wenn man die Berichte der Funktionäre von Gau und Bezirk durchsieht: wieviel, wie unmenschlich viel Kleinarbeit muß hier geleistet werden, um dieses stolze Gebilde der Hunderttausende im Gang zu erhalten, vor- wärtszutreiben. Da ist kein beschönigendes Wort, nackte Tatsachen belegen die Behauptung, daß hier die größte Radsportorganisation Bericht gibt. Eine Statistik zeigt die Entwicklung des Mitglieder- standes an. 1896: 476 Mitglieder, dann folgen mehr als drei Jahr- zehnte fast ununterbrochenen Ausstiegs, dann: 1930=- 315 000 Mitglieder! Man mag nehmen, was man will: die Entwicklung des Saalsports oder des Radballspiels, den Aufstieg des Wettfahrens oder den Bericht der Motorradfahrersparte: überall heißt es: mehr Mitglieder. Steigerung der Tätigkeit, Vergrößerung des Bestandes au Material. Mehr als 5000 Ortsgruppen zählt der Bund, dos sind 1500 mehr als vor vier Iahren und trotz dieser sensationellen Entwick- lung mahnt der Bund noch, die Fluktuation zu vermindern.— Gleichen Schritt mit der Organisation hält die fürsorgerisch« Tätigkeit des Bundes. Bei Sterbe-, Not- und Unfällen, bei Raddiebstählen und Haftpslichtfällen zahlt er Unterstützungen, gewährt er Rechts- schütz. Di« Organisation hat einen Besitz von 5 bis 6 Mil- lstonen Mark an Maschinen, Häusern. Waren. Saalrädern usw., sie hat mehr als 5 Millionen Mark Umsatz im letzten Jahr gehabt. Riugenvettstreit in der„Plaza" Sehr unruhig endete der gestrige, mit zwei Entscheidungs- treffen bedachte Rampfabenb. Eaint-Mars«in als überaus hitzig bekannter Ringer, verschaffte sich im Cntscheidung-kampf mit dem aalglatten Schweizer G. Grüneisen einen fast dramatischen Abgang. Der Franzose, der gleich zu Beginn des Kampfes von einem sportlich unreifen Teil des Publikums bis aus das äußerst« gereizt wurde und sehr leicht reagierte, zeigte sich von einer wenig fchönau Seite. Der völlig aus der Ruh« gebracht« Saint-Mars stieß und massakrierte den leichteren Gegner. Auch nach der Pause setzt« er sein unfaires Treiben fort, ohne vom Schiedsrichter energisch auf eine Disgualisikation hingewiesen zu werden. Nach äußerst wechselvollen Minuten beantwortete Grüneisen einen Untergriff von vorn mit gleicher Münze: er hatte damit auch mehr Erfolg. Saint-Mars landete glatt auf beide Schultern. Die Ansage der Ringzeit ging in Beifall und nur langsam verebbenden Lärm unter: mit dieser fünften Niederlag« scheidet der Franzose aus dem Wett- streit. Das überaus kraftvolle Ringen Penetzkis gegen Pietrowitsch endete nach den ersten 25 Minuten mit einem Unentschieden. Dose- Hamburg muhte seinen Kamps mit R. Grüneisen wegen einer er- heblichen Abschürfung am Kops unterbrechen. Der muskulöse Neger Thomson rang Sonntag mit dem neu hinzugekommen«»«» Schweizer Elliot und siegte bereits nach der 15. Minute durch einen schnellen Hllftschwung. T. war dem Schweizer jederzeit überlegen. Em schönes technisch brillantes Ringen bot der Kampf R. Grüneisen— Äa man, der überaus gewandte Schweizer entschlüpfte aus allen gefährlichen Griffen des starken Berliners. Das eindrucksvolle Ringen endete nach 25 Mimiken ohne ein Re- sultat. Etwas zurückhaltender war der aggressive Kölner Urbach im Entscheidungskampf gegen den Italiener Eguator«: trotzdem forderte die reichlich grobe Ringart des Kölners die berechtigten Proteste des Publikums wieder heraus. Nach der 43. Minute siegte U. mit einem kraftvollen Untergriff über seinen stark gefeierten Gegner. Serienspiele in» Arbeiter-Tennis Di« Serienspiel« im Berliner Arbeiter- Tennis nahmen am vergangenen Sonntag ihren Fortgang. Zu irgendwelchen Ueber- raschungen ist es nicht gekommen,, die bekannt spielstarken Mann- schaften setzten sich, zum Teil vom Glück begünstigt, in allen Begeg- mingen durch Tennis-Rot- Gesundbrunnen wurde von FTGB.- Wedding unverhältnismäßig hoch mit 0:6 Punkten geschlagen. Ge- sundbrunnen war nicht zu erkennen, die Mannschaft verfügt über besseres als das gezeigt« Können. Wedding war gut in Form. Ein Resultat 4: 2 hätte dem wirklichen Stärkeverhältnis Rechnung ge- tragen. Die Frauen von Gesundbrunnen traten nicht an und gaben kampflos Punkte an FTGB.-Wedding ab. Tennis-Rot- Friedrichs- Hain schug in Frauen, und Männer-�-Gruppe Tennis-Rot-Weüding mit je 6:0. Dieses Resultat ist auch etwas hart, denn die Wed- dinger Mannschaften schlugen sich tapfer und hätten einige Punkte verdient. Die größere Spielerfahrung von Friedrichshain gab in kritischen Situationen stets den Ausschlag. Wedding dürste sich be- stimmt weiter vorspielen, als es jetzt den Anschein hat. Die Männer- Mannschaft der--X-Gruppe von Tennis-Rot- Prenzlauer Berg trennte sich von Tennis-Rot- Lichtenberg mit 4:2 Punkten. Lichtenberg erfüllt langsam die in sie gesetzten Hossimngen, denn es hätte nicht viel gefegt und es war« zum Spielei-nstand gekommen. Das Spiel der Frauen von Tennis-Rot-Prenzlauer Berg und Lichtenberg wurde beim Spielstande 2: 2 wegen des Regens abgebrochen. Der end- gültige Ausgang steht völlig offen. In der Frauenserie der L-Gruppc schlug Temüs-Rot- Neukölln Tennis-Rot- Prenzlauer Berg mit 4: 2 Punkten. Das Tveffen der Männer der gleichen Gruppe zwischen Tennis-Rot- Wedding und FTGB.-Neukölln wurde eben» falls nicht vollkommen durchgespielt. Aus den Spielen wäre be- sonders die ausfallende gute Form der Frauen zu erwähnen. Sie sind bei allen Gruppen in guter Fahrt und zeigen zum Teil«in gutes und hartes Tennis. Außerdem kann man den langsamen Uebergang vom Grundlmien- zum Netzspiel beobachten. V�cundUatxiV Die letzten Spiele. FTGB.- Nordring- Turner 1. Männer hatte FTGB.-Osten l. Männer als Gegner, die mit 7:3(4:1) gewinnen konnten. Nordring gelang es in der 4. Mimik« in Führug zu gehen, mußte sich aber bald den Ausgleich und bis zur Pause noch drei weitere Tore gefallen lassen. Der Torwächter von Osten, die Stütze der Mannschaft war auf dem Posten» mußte aber doch in der 2. Halb- zeit zweimal Nordrings Schüfst passieren lassen. Osten gelang es» noch dreimal einzusenden. Das Spiel ging sehr offen und verteilt vonstatlen. Beide Torhüter bekamen reichlich Arbeit: der von Osten v erledigt« sich aber besser der Aufgabe. Zum Anturnen in Tegel standen sich Freie Sportvereinigung Tegel 1. Männer und Vor- wärts-Hennigedors 1. Männer gegenüber. Hennigsdorf zeigte zum Anfang ein gutes Zusamnic>rspi«l und konnte auch schnell zwei Tore erringen, die aber Tegel bald ausgleichen konnte. Bis zur Paust standen sich beide Mannschaften dann wieder gleich mit 4: 4, wäh- rend es Tegel zum Schluß doch noch gelang, einen Sieg von 8: 6 herauszuholen. Das Resultat wäre vielleicht noch höher geworden, wenn Tegel in der ersten Halbzeit nicht so eine große Untent- jchlossenheit gezeigt hätte. Allzuviel wurde kombiniert, niemand ge- traute sich zu schießen: dadurch konnte Hennigsdorf schnelle Stö- rungsarbeit leisten. Im Angriff bestand bei Tegel eine gute Zu- sammenarbeit, die ober vorm gegnerischen Tor sofort weg war. Sport in I�laKIsdort Nach langer Zeit warteten die Mahlsdorfer Bundes- genossen wieder mit einer größeren sportlichen Veranstaltung auf. Ein Werbeumzug mit etwa 300 Sportlern und Sportlerinnen durch«inen Teil Mahlsdoris eröffnet« das Ansporteln der 3. Gruppe des 1. Kreisbezirkcs. Beim ersten Startschuß lag der Platz bereits im hellsten Sonnenschein und wurde so eine fleißige Teilnahme und Ausübung der einzelnen Disziplinen erzielt. Da es schwer war, Voraus- sagungen zu treffen, fehlte es auch nicht an Ueberraschungen. Bei den Laufkonkurrenzen muß jedoch berücksichtigt werden, daß durch eine ziemlich schwere Bahn die Leistungen herabgemindert wurden. Lief in der.4-Klasse der Männer Stall, Ostring, 11,9 Sek. und die 4 X 100-Meter-Staffel seines Vereins ein« Zeit von 46,7, so darf man für die weitere Saison wohl annehmen, daß bei normalen Bahnverhältnissen bessere Resultate erzielt werden. Auch die Lichten- berger, die als Zweite endeten, liefen ein achtbares Rennen und dürften bei gutem Training einen nicht zu unterschätzenden Gegner abgeben. In den Frauen- Konkurrenzen überraschte FTGB.- Osten zum Angenehmen. Mit der Sportlerin Dunke, die sich bei allen Geräten placiert« und Geschwister Bleut war Osten jederzeit in Führung. Im Vierkampf gelang es jedoch Därwald, Ostring, durch ein«» gut ausgeführten Ballweitwurf Ueberraschungssieger zu werden. Auch beim Nachwuchs, unserer Jugend, wurden in allen Disziplinen gute Leistungen erzielt. So stieß Marten, Ostring, die Kugel 12,39, Kumm, Koulsdorf, warf den Schlagball 77,73 Meter und übersprang sicher 1,40 Meter. kort von der„M. 5. V."(Fußball-Opposition) Der Berein„Sportvereinigung Brieselang" in der Nähe von Spandau, hat sich in seiner Sonnabenduersämmlung mit den Per- HÄtnissen in der.„JG." und der„MSB." befaßt. Das Resnstat dieser Versammlung ist folgendes: Der Berein ,:S p o r t v« r e i n st gung Brieselang" verläßt die Opposition und kehrt zum Bund zurück. Das ist innerhalb weniger Wochen der zweite gute Fußballverein, den die„MSV." in der dortigen Gegend besaß. Zuerst Nauen und nun Brieselang. In der Versammlung der Sport- Vereinigung Brieselang wurde folgender Antrag mit 19 gegen 6 Stimmen angenommen: Bei unserem Verbleiben in der„Mär- tischen Spielvereinigung" der Opposition stellten wir die Bedingung. die Arbeite vsportbewegung müßte parteipolitisch neutral dlei- ben. Die ganze Entwicklung der MSV. geht aber jetzt dahin, die Arbeitevsportbewegung in das kemmumstische Fahrwasser überzuleiten. Beweis: Die Schreibweise des„Arbeiter-Fußball", Organ der oppositionellen Fußballer". Die Einwohnerschaft van Brieselang mit ihrer überwiegend sozialistischen Einstellung rückt immer mehr von unserem Verein ab und meidet unsere Veranstaltungen. Auch ist zu befürchten, daß bei unserem Verbleib in der MSV. im Orts- ausschuß für Jugendpflege Schwierigkeiten gemacht werden und wir dadurch«in« große smapzstlle Hilf« verlieren würden. Di« Ueber- tritte zum Arbeiter-Turn- und Sportbund in unserer Umgebung nehmen ständig zu, so daß bei unserem Wiedereintritt in den Bund genügend Spielmöglichkeit für uns vorhanden ist. Aus diestn an- geführten Gründen beantragen wir heute:„Die„S p o r t v e r- einigung Brieselang" tritt heute aus der„MS B." und beantragen beim Arbeiter-Turn- und Sport- bund die Wiederaufnahme! Dieser Antrag wurde mit 19 gegen 6 Stimmen angenommen. Altcr»!»»»»»nd■tp-ttl«, I. Unit, lMiinncr und Frauen). Nächster Fault- ballspicltag am Eonntaq, dem LZ. Mai, in Schöneberg. Dominikuoplad iBabn- hos Ebersstrahe). Beginn 9 Uhr. Auch die Genossinnen mllsscn pitntilich«n- treten. Jede Mannschaft stellt einen Schiedsrichter. Anschließend Handdollspiel gegen Luckenwalde. FTGB. PerroaltungsausschuKsitznng am Miitwoch, dem 21. Sita!, 19! o Uhr, im Gcwertschaftshaus. grel« Schwimmer S»»».B«rlip E. V. Hauptausichubsihung Donnerstag, 22. Mai. UV, Uhr. Tewcrkschaitshous.«ottfcrr»z,imnilr.— Sruppe Seutclln. Technische Ansschuhsitiung, Commerdod. Freilag. 2S. Mai. 20 Uhr.—»ruppe Lichteaberg.(bruppenpersammlung Eannabend, 2«. Mai. 20 Uhr, dei Wegener, Frankfurter Allee'XHH.— Gruppe Friedrich»!,«!». Gruppenversammlunq Mitt. woch. 21. Mai, 20 Uhr, bei Lehnigi. Miihlenstr. R.— Gruppe Siemeaistadt. Lportlerfidung Freitag. 29. Mai, 20 Uhr, bei Sommer, Nonnendammallee.•— Gruppe SRitt«. Boginn der Uedungsabende auf dem Wasscrsportplatz Blähen- see Freitag, 2z. Mai. ITH Uhr.— Sruppenversammlung Tonnerstag. 22. Mai, 20 Uhr.— Gruppe»äpenick. Ilebungsabcnd« ab IS Uhr Körenick, Gartensirak', Montags, Mittwochs und Freitags. Naturscundc, Faltbootsahree. Baden jeht ieden Mittwoch im Etodtbob Bennewihstraße bei der»Freien Eportvereinigung Echöncberg". Ztllchster Abend Mittwoch, 21. Mai. Nudervcrei».Borwärt»- Berlin E. B. Die in Echäneweide stationierten Brivathaotbelltzer mllssen unbedingt am Sonntag, dem 2Z. Mai. vorinittog». im Bootshaus anwescnd sein, um Ihre Boolsstände 2» beziehen und einturäumen. Tpuristrnverri»»Die Ratuefrrurd-", Bdotogcmeinschast. Abt. Neulölln: Mittwoch. 21. Mai. 20 Uhr, Bortrag!»Bon den Phetspavierc»". Jugendheim Bergsir. 2g. Fimmer 1.— Abt. Norden: Donnerstag. 22. Mai, 20 Uhr. i» der walllichen Schule. Bant. Sit Wicsenstrabe, Portrag!„Bon den versmiedenrn Entwicklern".— Abt. Osten: Freitag, 2z. Mai. 20 Uhr, im Jugendheim Frank- surler Allee 307, Friedrich-Ebert-Eaal, Bortrag!„Pom Bergrößrrn". Anfänger- kurfu» cbendort am 27. Mai. 20 Uhr. ffuft enqual nmUN AFOmKEN ww DBOfiOUCN CUOIXIICH 20000 in Polizeigewahrsam! Eine Siaiistik aus dem Hause am Alexanderplah. Wie eine Statistik aus dem Pteuhifchcn S t a. tistischen A m l erweist, sind im vergangenen Kalenderjahr nicht weniger als 20 8l9Personen von der Berliner Polizei wegen Verbrechen oder Vergehen in vorläufigen Gewahrsam genommen worden. Es zeigt sich, daß, wie in allen Vorjahren, die Kriminalität beim männlichen Geschlecht auffallend stärker verbreitet ist als beim weiblichen: 18 088 mannlichen Gesetzesverletzern stehen nur 2130 weibliche gegenüber. Natürlich ist mit diesen Zahlen die Tätig- teit der Berliner Polizei keineswegs erschöpft. 2200 Personen wurden in das Berliner Polizeigefängnis eingeliefert, um einfache Polizei st rafen abzubüßen, sei es nun, daß sie zu nächtlicher Stunde so laut gegrölt hatten, daß es, wie der schöne polizei- technische Ausdruck lautet,„straßenweit zu hören war", oder daß sie sonstigen Unfug angerichtet hatten. Etwa siebeneinhalb Tausend Menschen wurden auf Grund von Uebcrrrctungcn oder wegen Obdachlosigkeit und Hilfe b.edürstigkeit fest- genommen. Hier handelt es sich zu beträchtlichem Teil um jugendliche Herumtreiber beiderlei Geschlechts. Erstaunlich hoch ist die Zahl der im Berliner Polizeigefängnis untergebrachten Personen, deren Be- sörderung als T r a n s p o r t g e f a n g« n c zu den Obliegenheiten der Polizei gehört. Insgesamt wurden im Jahre 1029 im p r e u ß i- schcn Gesangencntransportwescn nicht weniger als 7, 3 000 Personen befördert. 90 Prozent von ihnen waren Straf- oder Untersuchungsgefangene, die auf Ersuchen preußischer Justizbehörden überführt wurden. 5 Prozent entfielen auf Landes- polizeigefangene, die hier auszuweisen oder auszuliefern waren. Bei den restlichen 5 Prozent handelt es sich um Transporte, die auf Wunsch nichtpreußischer Behörden durchgeführt wurden. Heute stehen der Reichsbahn etwa 30 Zellcnwagen zur Verfügung, von denen mehr als die Hälft« dauernd im Umlauf sind. Jeder Gefangenentransport wird von zwei Gefangenen der Schutz- oder Kriminalpolizei begleitet. Da ein« Belästigung des reisenden Publikums vermieden werden soll, erfolgt der Transport in Sammelwagen. Hierdurch wird nicht nur die Sicherheit des Transports im Vergleich mit den früher üblichen Einzeltransporten wesentlich erleichtert, auch die Kosten werden erheblich herab- gemindert. Jede Statistik über Gefangenensragen ist b« t r ü b e n d. Es ist zu hoffen, daß eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse zu einer Verminderung der traurigen Zahlen führen wird. 1928. Der Angeklagte bestritt nur einen Fall, während er in den übrigen geständi g war. Er erklärte aber, daß er nicht wisse, wo das Geld geblieben sei, denn er habe sich in der letzten Zeit dauernd im Zustand der Trunkenheit befunden. Schon in aller Herrgottsfrühe sei er bezecht gewesen und im letzten halben Jahr überhaupt nicht mehr nüchtern geworden. In der Betrunkenheit habe er Quittungen ausgestellt und wisse über- Haupt nicht, ob er das Geld bekommen habe. Man habe ihn auch in den Lokalen be stahlen. Es ist mit dem Angeklagten schließlich so weit gekommen, daß er von Kneipe zu Kneipe lief und oft dort einschlief und lärmte. Seine Frau und die Töchter waren fast jede Nacht auf der Suche nach ihm in den Lokalen, und wenn sie ihn nicht fanden, dann kam er erst am nächsten Nachmittag heim. Auf Befragen erklärte der Angeklagte, daß er meinst in Nepp- lokalen, mit deren Wirten er dienstlich zu tun gehabt Hobe, ver- kehrt hatte. Tatsächlich ist der Angeklagte, wie ihm der Vorsitzende vorhielt, in diesen Lokalen immer umgeben gewesen von einem Kreis von Männern und S t r a ße n d i r n e n. Oft nahm er alles, ivas er in der Toche hatte, heraus und verschenkt« es. Einmal gab er in einem Absteigequartier zwei Mädchen an Stelle von Geld einen von ihm gepfändeten Ring im Werte von 10 000 M. Mordbanditen. Vor der Aufklärung der zweiten nationalistischen Mordtat. sallenen flies: Mörder. V. Red.) und jetzt natürlich verhafteten Rolionalsozlallsten stellen, die in jeder Beziehung korrekt gehandelt hoben." Diese nicht mehr zu überbietenden Gemeinheiten kern»- zeichnen den Geist einer Partei, die es noch wagt, sich„A r b eü� t c r p a r t c i" zu nennen. Oie Blinden bitten um Arbeit. In der Städtischen Blindenanstalt, Berlin SO. 38, Oranienstr. 26, werden etwa 250 Blinde ans allen Bezirken Berlins mit Stühlflechtarbciten und der Anfertigung von Bürsten, Besen, Körben und Matten beschäftigt. Stühle werden kostenlos zum Flechten abgeholt und ebenfalls zurückgebrocht. Im Interesse der Blinden werden die Berliner Hausfrauen wiederum aufgerufen, der Städtischen Blindenanstalt nament- lich Stuhlflcchräufträge zu erteilen, da es der Stuhlflcchterei zur Zeit an Arbeit mangelt. Besonders wird darauf hingewiesen, daß von den Blinden auch in diesem Jahre für oie Reisezeit Hänge- matten aus besten Rohstoffen gefertigt worden sind, die im Der- kaufsraum der Anstalt werktäglich von 8 bis 19 Uhr in großer Aus- wohl zum Verkauf ausliegen. Außerdem können sthr preiswerte Reisekörbe empfohlen werden. Im übrigen sei bemerkt, daß die Städtische Blindenanstalt keine Hausierer von Haus zu Haus schickt und daher in der Lage ist, ihre Erzeugnisse zu gewöhn- lichen Tagespreisen abzugeben. Zu seder gewünschten Auskunft ist die Geschäftsstelle der Städtischen Blindenanstalt, Berlin SO. 36, Oranienstr. 26, unter Fernruf: Magistrat 2266 und Moritz- platz 972 gern bereit._ Die„Opposition" fährt schlecht. Äei der Reichsbahn kommt sie nicht mit. Nachdem es der eifrigen Ansklärungsarbeit der politischen Polizei gelungen ist, die nationalsozialistischen Wörder an den Arbeitern Schumann und Seelenowski zu ermitteln, haben jetzt auch die Nachsorschungen nach den Tälern an dem der kommunistischen Partei nahestehenden erstochenen ZSjährigen Arbei- ter Walter Heimburger aus der Sedanftraße In Schöneberg zu einem Erfolge geführt. Heimburger war in der Nacht vom Freitag.zum Sonnabend voriger Woche an der Ecke der Haupt- und Sticrstraße in Schöne- bcrg im Verlaufe eines blutigen Streites von Hatenkreuzlern n iederge stachen worden. Der Stoß war mit einem dolch- artigen Messer geführt worden und die Verletzung war so schwer, daß der Tod wenige Minuten später eintrat. Von der p o l i- tischen Polizei sind nun in dieser Angelegenheit zahlreiche Feststellungen erfolgt. Die Festgenommenen sind inzwischen dem Vernehmungsnchter vorgeführt worden, der gegen drei Per- fönen, und zwar den Nationalsozialisten Kurt T l m p e und gegen die KPD.-Angchörigen Erwin Schulz und Willi Hübner Haft- befehl wegen dringenden Tatverdachts des Landfriedens- b r u ch e s erlassen hat. „Sie haben in jeder Beziehung korrekt gehandelt.� Zu den blutigen Vorgängen in der Naugarder Straße ver- breitet die„Nationalsozialistische Pressestelle" durch«in Berliner Telegraphenbüro einen völlig sinnentstellenden und verlogenen Bericht. Zuin Schluß heißt es darin wörtlich:„Wir wollen keinen Zweifel darüber lassen, daß wir uns rückhaltlos hinter die lieber- Bochum, 20. Mai(Eigenbericht.) Die Bezirksbeiriebsrätewnhlcn im Reichsbahndirektionsbezirk Essen hotten folgendes Ergebnis: Einheitsverband 70ZS Stimmen, neun Mandate: Gewerkschaft Deutscher Eisenbahner 5280 Stimmen, sieben Mandate: Allgemeiner Eisenbahnerverband 491 Stimmen» kein Mandat: revolutionär« Opposition 414 Stimme», kein Mandat. Durch das Zluftreten der revolutionären Opposition konnte die christlich-national« Gewerkschaft ein Mandat mehr für sich buchen. Für den Hauptbetriebsrot wurden die gleichen Stimmen abgegeben, mit Ausnahme der Gewerkschaft Deutscher Eisenbohncr, die 4889 Stimmen erhielt. Im Direktionsbezirk Elberfeld erhielten: Einheitsverband 4SS? Stimmen, sieben Mandate; Gewerlschaft Deutscher Eisenbahner 2387 Stimmen, vier Mandat«: Allgemeiner Eisenbahncrverband (Hirsch-Duncker) 1035 Stimmen, ein Mandat; revolutionäre Opposition 555 Stimmen, kein Mandat. Die gleich« Stimmenzahl wurde für den Hauptbetriebsrat abgegeben. Hat die„Opposition" auch nichts erreicht, so hat sie doch den Trosterfolg, auf den es ihr ankommt: die freigewerkschastUche Organisation zu schädigen und den gegnerischen Organisationeil die Steigbügel zu halten. . Alberner Streich. Am englischen Konsulat in Köln wurden am Montag abend unter„NiÄier"-Rufen gegen Macdonald sämtliche Fensterscheiben eingeworfen. Auf den Bürgersteig malten die Rowdys mit roter Farbe„Hände weg von Indien" und„Nieder mit Macdonald". Die Täter sind unerkannt entkommen. »« PROG für die Zelt vom 20. bis 22. Mai I N O-T A F E L PROGRAM für die Zeit vom 20. bis 22. Mai Oer irinkfreudige Gerichisvollzieher. Ein Opfer des Alkohols. Wegen fortgesetzter Amlsnnlerschlagnng war heule der 54 Zahre alte Obergerichlsvollzieher Wilhelm karee vor dem Schösjengericht Berlin-Mille angeklagt. Er wird beschuldigt, in zahlreichen Fällen vereinnahmte amtliche Gelder unter- schlagen zu haben. Diese Veruntreuungen, die große Beträge ausmachen, fallen sämtlich bis auf einen Fall ans dem Jahre 1925 in das Jahr Q\o\a Potsdamer Strafe 35 W! 5, 7. 9 U, Stgs.: 3, 5. 7, 9U Verlängert; Eine Sprech- und Tonfilmposse; Wien, du Stadt der Lieder m. Charlotte Ander, Paul Morgan, Igo Sym, M. Hansen, Sieglr. Arno, Paul Graetz u Max Ehrlich(10 Akte Mick! Maus Im Tiervariete Jugendliche haben Zutritt Rheinstrafjc 14 kÄcm W ab 5 15 Uhr, Stgs. ab 3.15 Uhr Zirkus Pat und Patacfaon (7 lustige Akte) Zigenncrracfac m Dolores del Rio (6 Akte) Odeon, Potsdamer Sir. 75 W ab 5.15 Uhr, Stgs. ab 3.15 Uhr Mrsken mit Stuart Web» (Abenteuer in 6 Akten) Drei Leldenscbaften mit Ivan Petrovüch(8 Akte) Turmstrahe 12 W. ab 5.15 Uhr, S'gs ab 3.15 Uhr Eine Nacht im Praicr mit Esther Ralston (Eine Filmnovelle in 8 Akten) Drei Leidenschaften mit Ivan Peirovilcfa(8 Akte) Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Spielereien einer Kaiserin mit LH Dagovcr Don Manuel der Bandit (Ein spannendes Abenteuer) G FriedrKhEtadt W Die Kamera z."f�uhr Unter den Linden 14 Ein Frack, ein Claqoe, ein MSdel mit Adolphe Menjoo Ein Staatskerl i Hoabtt n Artushof-Lichtspiele Film- und BQhocnschan Perlcberger Str. 29 und Stendaler Str Heimweh mit Mady Christians Autobus 2 mit Fritz Kampers und Lee Parry W CharlottenbMrg"- b Schlüter-Theater Bcg. 6.45, 9.00, S. 5, 7, 9 Uhr Welt-Kino Alt-Moabit 99 Madame La mit Ida Wögt (diskrcie Fiauenberatung) Die Geheimnisse de» Zlrkug Jordan II., leutcr Teil Schlütcrstr. 17 W. 6 30.9 Uhr. Sonnt, ab Z Uhr. Brand in Kasan »die ampers und Zllzer Jngcndlragödic mit Fiitr Kan Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I Die heiligen drei Brnnaea mit La!» Trenker Achtung, Doppelgänger Wilmersdorf Atrium Beba-Pala»! Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Beginn: Täglich 7, 9.15 Uhr Uraufführung: Tonfilm: Der Walzerkönig mit CI. Kammer, Hans Slöwe(Regie: Manfred Noa) Schaneberg Alh AmhrA Wchlgs 5. 7. 9 Uhr kvinamora stgs. 3.5,7, 9 uiu ächöneberg. Hauptstr. 30 Der gewallige Ufa-Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veldi Jugendliche haben Zutritt Titania(Uf. ffiL,er*) Hauptstraße 49 W 6.30, Stgs 3 Uhr Die Masken des Ervln Reiner Die Dame hinterm Vorhang H Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinsir. 65 Beg, Woch- 6.30, 9, S. 5 U Die»elige Exzellenz m. Olga Ticfaecbowa u Willy Frltsdi Die Liebe der Jeanne Ney mit Brigitte Helm ■ Steall*»■ Titania-Palast Steglitz. Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Beginn der Vorstellung 6J0. 9 Uhr. Sonnt. 4, 6.30, 9 Uhr. Tonfilm! Das lockende Ziel m KammersttagerRUbardTaaber Mg» I i Martendorf er Sonnt. 3 U. I Icl— L,1 Lichtspiele tug.-VorsL Chausseestraße 305 W, 7, Stg. ab 5. Aufruhr des Blnies mit Oskar Marion Die Peilsdie des Gesetzes j BUmensdua Südwesten Südosten Filmeck BeBinn Skaiitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der große Farbenfilm: Das Geheimnis von Irapur Blutende Herzen Internationale Bühnentchaa Germania-Palast Frankfurter Allee 314 WochenL7U. Sonnt, ab 5 U. Delikalessen mit Harry Lledlke in sein, ersten Sprech- und Tonfilm Tonfilm-Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Luisen-Theater sonnt's"u. Reichenberger Str. 34 Der Roman eines Dicnstagddiens mit Reinh Sdiünzel Kennst da das kleine Hans am Mlchigansce 7 BQhnens dian Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs 7 u.9 Uhr, Stgs. 5, 7, 9 Uhr Der gewaltige Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit ConiadVeldt und Karin Erans Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Kasseneröffnung Vj Stunde vorher Sternwarte— Treptow Mittwoch 8 Uhr: In den Sdiwelzer Hochalpen Vortrag mit Lichtbildern Donnerstag 8 Uhr: Der Elbsirom vom Fels zum Meer > Weukailn W ir.sles.U Woehent 6.45. 9 U. IVUKUK Sonnt 5, 7. 9 U. Kottbusser Damm 93 Die große deutsche Tonfilmposse: Wien, dn Stadt der Lieder Jugendliche haben Zutritt S7 Y 1 r»r- Woehent 6.45, 9 U. CXCCISlOr Sonntag 5. 7, 9U Kaiser-Friechich-StraBe 19t Der gewaltige Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veldi Zugendliche haben Zutritt Stern, Hermannstrage 49 Wochentags 6 45. 9. Sonntags 5, 7, 9Uhr Der gewallige Tonfilm: Die letzte Kompagnie m. C. Veldi Jugendliche haben Zutritt Nordosten „Elysium" H?.»- Prenzlauer Allee 56 W. 5 15. S. 3 15 U. Die SommefDas Grab der Millionen) Grobe BOfanensdian Jugendliche haben Zutritt Oston Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 W. 6, Freit, u. Sbd. 5. Sonnt. 3 Uhr Der 100 proz. Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit ConradVeidt und Karin Byans Pharus-Lichtspicle Müllerstraße 142 W.6V.U. Stg, 4Vi U Blockade, Der U-Boot-Krieg (Die geheimnisvolle Flotte) Der CowboykOnlg von Chikago. Concordia-Palast Andreasstraße 64 Die Somme, das Grab der Millionen Die kokette Frau Varictesdiatx Comenius-Lichtspicle Memeier Straße 67 W. 6, 83,'i, S ab 5 U FrOhl in ftsr aus die n mit W, Dieter le Grogfeuer tMenschcnleb. in Qef.) W Weu-UchtenbTB H Kosmos-Lichtspielc Lichtenberg, LOckstraße 70 Das Redit auf Liebe mit E vellne Holt Der Mann ans Nevada mit Tom Tylcr Bühne: 3 lustige VagabaadeB m FrindrtchzIeldO> Kino Busch Alt-Friedrichsfelde G. Beiprogramm Die Liebe der Betty Patterson mit Ooi. Cosiello Banknolenfilsdicr mit Igo Sym und Anita Dorrt» � HiodorachünowoidoJ Elysium Hasseiwerder Straße 17 Oie weiS« Sdiwesler von SL Veilh Brillanten Ab Donnerstag: Tonfilm; Wien, da Stadt der Lieder Biihnenschan Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205—210 Das Donkosakenlled Satansreiter mit Ken Maynard Bühne: Operetten-Singspiel; Mühle Im Norden Alhambra Müllerstraße 136, Ecke Seestraße Der gewaltige Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veidt Marga-Lichtspicle Schulstraße 29 Großes Filmsingspiel; Künstler liebe Das Fassadengespenst, Krimlnalf. Bühnenschau Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. ab 6. Stg. ab 4 U 3 Großfilme- Hotel Stadt Lemberg mit Pola Negri Die Jagd nach Millionen Die Bande der Wülfe Bühnenschau Praier-Lichtspiel-Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 5,30, Sonntags 4 Uhr KomAdiantcn mit Kampers, Picfaa, Lya de Pult! Venns mit N. Talmadge Bühne: Evl Eva mit Ensemble Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 W. 7. 9 U. Stg. 5, 7, 9 U. 100"/o Tonfilmoperettc: Llcbeswatzer mit Harrey, Fritsdt, Alezander Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Woch. 5. 7, 9, Stgs. 3, 5, 7, 9 U, Der gewaltige Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veidt Btthnensdiaa W Pankow> Palast-Theater skfit Breite Straße 21 a Die große Farben-Tonfilm-Revug Cilly, 100»/„ Farbe, Ton, Revue Tonfllmbeiprogramm Jugendliche haben Zutritt Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 7. 9 U., Stg. 5, 7 u. 9 U, Der gewaltige Tonfilm: Die lefzie Kompagnie mit Conrad Veidt Jugendliche haben Zutritt Film-Palast ÄÄ«» Blankenburger Straße 4 W. 6.30, 9 U, Stg. 4.30, 6.45, 9 U, Wiener Herzen mit Werner FOflerer Der grofte ünbekanie Lastiges Beiprogramm ■'* „Kosmos" Filmbahne Hauptstraße 6 Tonfilm: Das Land ohne Frauen mit Conrad Veidt, Elga Brink Im Tonfilmbeiprogramm u. a.: Franz Baumann Colosseum �-7-u �hr Schönhauser Allee 123 Stgs. 5, 7 u. 9 Uhr Oer gewaltige Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veldi Jugendliche haben Zutritt „Alhambra" Badstraße 58 Der Gaucho mit Don«*!. Fairbanks Wasser hat Balken mit t usler Keaton Grotjc Bühnenschau Ballschmieder- Licfatsp Badstraße 16 Delikatessen mit Harry Lledlke in seinem ersten Sprech- u, Tonfilm Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W.6,8«;, Stg.4'/«.6'/>.85« Sonnt. 2 Uhr|ugenavorstellung Tonfilm. Hai Tang mit Anna May Wong Tönendes Beiprogramm Wiedergabe auf neuester Tobis- Apparatur Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, 8�/? UL Stg. 2 U. Jugendvorst Stg. 4,/i, 6�. Wi IL Karriere mit Charly Chaplin Landung In Paris m. R. la Roqne > Mnnnlgsctorl H Filmpalast stg. 4Ä.1* u Berliner Straße 59 Stg. 2U. lug.-Vorst, Freiheit in Fesseln mit S. Arno Rahiges Helm mit KflchcnbaraUnog