Morgenausgabe Nr. 234 A 118 47.Jahrgang Bichentlich 85 Bt. monet) 3,60 2. tm voraus zahlbar. Boftbezug 4.82 02. einschließlich 60 Bfg. Boftzeitungs- und 72 Bfg. Boftbeftellgebühren. Auslands abonnement 6.-M. pro Monat. Der Bormärts ericheint wochentag fich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel Der Abend Illuftrierte Beilagen Bolf und Zeit" und Rinderfreund". Ferner Unterhaltung und Wissen". Frauen ftimme". Technit". Blid in die Bücherwelt" und Jugend- Borwärts Mittwoch 21. maí 1930 Groß- Berlin 10 Pf. 30 Auswärts 15 Pf. Vorwärts Berliner Boltsblatt Die taipattige Ronpareillegelle 80 fennig, Reflamezeile 5.- Reichs mart Kleine Anzeigen das fettge brudte Bort 25 Pfennig( zuläffig met fettgebrudte Borte), jedes weitere Bort * 12 Bfennig. Stellengesuche das erste Bort 15 Bfennig, jebes weitere Bor 10 Pfennig. Borte über 15 Buchstaber gählen für zwei Borte. Arbeitsmartt Belle 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeile 40 Pfennig. 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Die Unterredungen haben in Anwesenheit dreier britischer Justizbeamten stattgefunden. Die erste Unterredung begann mit einem Gedankenaustausch über die britisch indischen Be ziehungen. Der Korrespondent des„ Daily Herald" fragte Gandhi, was er denn unter seiner Unabhängigteitsforderung verstehe; meine er damit Dominion- Rang oder fordere er völlige Trennung von Großbritannien? Die Antwort Gandhis Lautete: Ich habe immer gehört, daß man in England mit dem Be griff Dominion Rang Unabhängigteit verbinde. In. dische Behörden sind jedoch nicht dieser Meinung Wenn also die Forderung nach Unabhängigkeit im Gegensatz zur Forderung nach Dominion- Rang von seiten der Behörden bekämpft wird, jo fordern wir selbstverständlich Unabhängigteit." Auf die Frage, ob nach Gandhi die britischen Dominien wie Kanada und Südafrita nicht in allen wesentlichen Bunkten unabhängig feien, antwortete Gandhi: Indien wird nicht die gleiche Stellung angeboten." Der Korrespondent erfundigte sich hierauf bei Gandhi ob er bei Beginn der Widerstandsbewegung alle Gefahren in Rechnung gestellt habe, die sich hieraus ergeben müßten, worauf Gandhi betonte, Ich bin überzeugt," so schließt der Bericht, daß eine ver föhnliche Einstellung der Behörden mit der Bersöhnlichkeit Gandhis beantwortet wird. Gewalt wird jedoch niemals die Kapitulation der einen oder anderen Seite bewirken." sane sid mph ursprünglich extremen Standpuntt bedeuten. Roch vor turzem lehnten die Gandhisten je de Berhandlung mit Eng land ab und stellten das in Aussicht gestellte Dominion Statut als völlig ungenügend hin. Es scheint nun, daß Gandhi nunmehr doch bereit ist, das Angebot der Arbeiterregierung wenn nicht anzunehmen, fo doch menigstens zu diskutieren. Eine solche Bereitschaft würde die Lage in Indien mit einem Schlage verändern Dieses Interview ist in der Tat sehr bedeutungsvoll, weil die Aeußerungen Gandhis bei aller Intransigenz gewisser Wendungen im wesentlichen ein Einlenten von seinem| fönnen. 1112 Böß entlassen! dog massimo d 3: 150* 11d not sh J Er legt Berufung ein.- Berlin bleibt ohne Führung. auf tonzentrierten, daß Oberbürgermeister Böß seiner AufsichtsPflicht als Dberbürgermeister nicht genügt habe. Es wurde ihm dabei besonders vorgeworfen, daß er die Geschäfte der Stadt. bant, eines der wichtigsten Zweige in der Berliner Verwaltung spielte auch die Tatsache, daß der Oberbürgermeister geraume Zeit nicht genügend fontrolliert habe. Eine gewisse Rolle Berilner Bürger gewarnt und über den Stlaret- Standal, der vor Beginn des Gflaret Standals durch einen angesehenen drohte, ins Bild gefegt worden war. Schließlich hatte man cs auch nicht als forreft angesehen, daß Oberbürgermeister Böß über den Fall Stlaret und über seine persönlichen Beziehungen zu den drei Brüdern 3m Disziplinarverfahren gegen Dberbürgermeister Böß fällte| Tapolsti zusammengestellt waren und die sich im wesentlichen dar der Bezirksausschuß gestern nachmittag folgendes Urteil: ,, Der Angeklagte hat seine Pflichten verlegt. die ihm das Amt auferlegt hat, und hat sich durch sein Verhalten im Amt und außerhalb des Amtes der Ach tung, des Ansehens und des Vertrauens, das sein Beruf erfordert, unwürdig gezeigt. Der Angeschuldigte wird deshalb mit Dienst das Risiko sei berechtigt gewesen. entlassung bestraft. Dem Angeschuldigten werden Niemals sei etwas Großes ohne Gefahren erreicht worden. Troßdem auf Lebenszeit zwei Drittel des ihm gesetzlich zu habe Gandhi feiner schweren Besorgnis über die Gewaltätigkeiten stehenden Pensionsbetrages als Unterstützung gein Scholapur Ausdrud verliehen. Er fei jedoch fest davon überwährt. Die Barauslagen des Verfahrens fallen dem zeugt, daß die Gewalttätigkeiten nicht von seinen eigenen An- Angeschuldigten zur Last." hängern ausgegangen seien. Diese hätten den Befehl gehabt, alles, selbst Gewalt zu ertragen, ohne Widerstand zu leisten. Auf die Frage, ob nach Gandhis Auffassung die britisch- indische Regierung überhaupt eine Niederlage auf sich nehmen tönne, lächelte Gandhi und betonte ausweichend, daß er in 40 Jahren feines fampfreichen Lebens oft beschuldigt worden sei, das Unmöglichste zu ertragen, daß die Wirklichkeit jedoch, diese Auffassungen aber widerlegt habe. Gandhi erklärte, daß er nicht gegen Verhandlungen fel. Falls die Regierung wirklich die Wünsche Indiens zu erfüllen trachte, müffe sie die elf Buntte bewilligen, die er in feinem Brief an den Bizekönig aufgestellt habe. So lange diese Wünsche nicht erfüllt sind, werden wir bis zu Ende fämpfen- und wenn es fein muß unser Leben für die Freiheit Indiens geben." ,, Bon sachlich weitaus größter Bedeutung war die zweite Unterredung mit Gandhi Aus ihr ging hervor, daß Gandhi bereit sei, dem indischen Nationalfongreß Einstellung der paffiven Resistenz und die Beteiligung Indiens an der geplanten gemeinsamen englisch- indischen Konferenz zu empfehlen, wenn folgende Bedingungen erfüllt werden: 2. die Salzsteuer muß abgeschafft, Ausschant hochprozentigen Alkohols verboten und die Einfuhr ausländischer Stoffe untersagt werden. Böß hat gegen dieses Urteil durch seine Anwälte sofort Berufung eingelegt. Der Fall wird also noch einmal das Oberverwaltungsgericht beschäf tigen. Erfahrungsgemäß dauern die Vorberatungen für dieses Verfahren sehr lange, so daß kaum damit zu rech Berufungsverhandlung stattfinden kann. nen ist, daß vor dem Frühjahr nächsten Jahres die Bis dahin kann auch an eine Regelung der Oberbürger. meist erfrage nicht herangegangen werden und die Reichshauptftadt wird ein weiteres halbes Jahr ohne Stadtoberhaupt sein. in der Oeffentlichkeit Mitteilungen gemacht hatte, die er später und schließlich war ihm auch der Borwurf gemacht worden, daß der revidieren mußte. Oberbürgermeister beim Kauf der Belzjade für seine Gatin nicht die Borsicht an den Tag gelegt hatte, zu der er als der erste Beamte der Stadt Berlin besonders verpflichtet gewesen wäre. Gegen 14% Uhr begann die Sigung dann wieder und der Vertreter der Anklage nahm furz darauf das Wort, um das Er. gebnis der Beweisaufnahme zusammenzufaffen. Bemerkens. werterweise stellte er feinen formulierten Antrag, sondern überließ dem Bezirksausschuß, die Höhe des Strafmaßes felbst zu finden, nachdem Oberregierungsrat Gaede feine Auffassung tahin ausge Desprochen hatte, daß Böß schuldig im Sinne der Anflage sei. Reichstagsabgeordneter Fischer und Dr. Preuß plädierten auf Frei fprechung ihres Mandanten. Die Berteidiger waren der Meimung, daß man dem Oberbürgermeister teinen Vorwurf daraus machen tönne, daß er seiner Aufsichtspflicht nicht in genügendem Maße nachgefomnten fei. Die Verwaltung Groß- Berlins sei so ungeheuer verzweigt und zum Teil so unübersichtlich, daß es für einen Oberbürgermeister rein physisch unmöglich sei, sich um alle die Dinge zu fümmern, die täglich in der Verwaltung vorgingen. Er fich lediglich darauf beschränken, die politischen, finanziellen Jetzt zeigt sich, wie furzsichtig die Politik der deutschnationalen und kommunistischen Rathausfrattionen war, als sie im zember vorigen Jahres den Antrag der Sozialdemokratie, Böß zu pensionieren, zu Fall brachten. Wäre der sozialbemofra tische Antrag damals angenommen worden, hätte die Stadt Berlin viel Geld gespart, ohne daß der Entscheidung des Bezirks. ausschusses oder dem Urteil des Oberverwaltungsgerichtes por gegrifen worden wäre. tungsgerichts wäre nämlich nur die Pensionssumme zu be Bis zur Entscheidung des Obervermalzahlen gewesen. So aber erhält der Oberbürgermeister bis zur end. gültigen Entscheidung sein volles Gehalt! Was das Urteil selbst betrifft, so spiegelt es zweifellos die stim 1. das offizielle Arbeitsprogramm der gemein mungsmäßige Stellungnahme weitester Boltstreise zu gewissen samen Besprechungen, das als Punkt der Tagesordnung schmählichen Borgängen in der Berliner Stadtverwaltung richtig Schaffung einer Verfassung enthalte, durch die wider. Eine andere Frage jedoch ist, ob es dem Anteil des OberIndien alle wesentlichen Elemente der Unbürgermeisters an dem Gesamt verschulden gerecht bemißt, und abhängigkeit gewährt werden. tungsgerichts sein. Das Urteil ist widerspruchsvoll, da es an der diese Frage gemiffenhaft nachzuprüfen, wird Sache des Oberverwal Ehre des Berliner Stabtoberhauptes nichts, an seiner Benfion aber wei Drittel übrig läßt. 3ft Böß so, wie das Urteil ihn schildert und hat er das getan, was es ihm vorwirft, dann versteht man nicht, daß er bafür bis zu seinem Lebensende mit 20 000 mt. jähr lich belohnt werden soll. Läßt sich aber umgekehrt die Belaffung von zwei Dritteln seiner Pension als Unterstüßung" rechtfertigen, so tann sein Berhalten nicht in dem Maße unwürdig und ver dammenswert gewesen sein, wie es nach dem Urteil den Anschein hat. Es wird Aufgabe des Oberverwaltungsgerichts sein, diesen offen Es wird Aufgabe des Oberverwaltungsgerichts sein, diesen offen baren Widerspruch im Urteil der ersten Instanz nach der einen oder nach der anderen Seite hin zu bereinigen. 3. die politischen Gefangenen müssen gleich 3. die politischen Gefangenen müssen gleich zeitig mit der Einstellung der paſſiven Reſiſtenz 4. Diz übrigen sieben Punkte seines Briefes an den Vizekönig müssen erfüllt werden. amnestiert werden. Diese sieben Puntte schließen u. a. Abschaffung der politischen Sondergefezgebung, sowie die halbierung der Aus. gaben für die bewaffnete Macht in Indien ein. Der Korrespondent des Daily Herald" schließt seinen Bericht, deffen politische Bedeutung nicht unterschätzt werden darf, mit der Warnung an die Behörden, die Lage müsse zu einer Katastrophe führen, wenn die indische Regierung weiter in ihrem tragischen Irrtum verharre, Gandhi und den indischen Nationalfongreß für eine zu vernachlässigende Größe zu halten. Der Verlauf der Situng. Der Bezirksausschuß hatte sich mit den Vorwürfen zu befassen, die im Laufe des Disziplinarverfahrens durch Oberregierungsrat müllerwaltungstechnischen Bewegungen in großen Zügen zu ver oder folgen. Sturz nach 15 Uhr zog sich das Gericht dann zur Beratung zurüd und nach zwei Stunden erschien der Bezirksausschuß wiedergegebene Urteil, wieder im Saal. Präsident Mooshafe verfündete das oben das Böß ebenso wie die beiden Berteidiger fichtlich erschütterte. Die Urteilsbegründung. In der Urteilsbegründung betonte der Präsident, daß das Ge bürgermeister, einem Beamten in exponierter Stellung, nicht hätte richt in der Belzaffäre einen Vorgang sähe, der einem Oberpassieren dürfen. In der Frage der mangelnden Dienst auffsicht tönne sich dagegen das Gericht der Anschuldigungsschrift nicht anschließen. Die Darlehnsverträge zwischen den Gebrüdern Stlaret und der Stadtbant sowie die mit diesem Kompler zusammenhängenden anderen Geschäfte seien nicht Sache des Oberbürgermeisters gewesen. Dagegen hätte Oberbürgermeister Böß von dem Zeitpunkt an, als er durch den verstorbenen Obermagiftratsrat Schallbach, dem Leiter des Anschaffungsamts, auf Unregel mäßigkeiten aufmerksam gemacht morben sei, die ernste Pflicht ge habt, energisch durchzugreifen. Wenn auch Obermagistratsrat Schalldach inzwischen verstorben fei und heute nicht mehr zu seinen früheren Befundungen stehen tönne, glaube das Gericht dieser Aussage, da Schallbach von Oberregierungsrat Tapolsti eiblich ver nommen worden fei. els Neuwahlen in Sachsen. Auflösung des Landtags mit 50 gegen 40 Stimmen beschlossen. DreSde«. 20. Mai.(Eigenbericht.) Der Sächsische Landtag beschloh mit 80 Stim- tnen der Sozialdemokraten, Kommunisten und National- suzialisten gegen 46 Stimmen der bürgerlichen Parteien seine Anslösang. Im Namen der sozialdemokratischen Fraktion gab der Abg. Lieb mann«ine Erklärung ob, in der es u. a. heißt: „Der AuflSsirngsantrag der sozioldomokratrschen Fraktion setzt dem Landtag ein Ende. Ein Parlament, das infolge der grotesken Widersprüche der bürgerlichen Parteien infolge der t lassen- verräterischen Haltung der Kommunisten weder «ine rechte noch llnke Regierung bilden oder im Sattel halten tonnte, ein Parlament, in dem die bürgerlichen Parteien trotz choer Schwäche schroff den Standpunkt vertreten, daß die groß« Masse des arbeitenden volles, de«- treten durch die Sozialdemokratie, von der Regierung und der Mitbestimmung im Staat« ausgeschlossen bleiben mußte, ein solche» Parlament tonnt« keinen anderen Ausweg, als den der vufVfung finden. Damit haben die bürgerlichen Parteien Sechsen» gezeigt, daß sie schärfste Klassenkampfpolitik treiben gegen die schaffende Bevölkerung. Der Landtag sollte ein Jnstru- ment der rückschrittlichen Kreise bleiben, der Scharfmacher im Ver- band« sächsischer Industrieller, hinter dem die Volkspartei steht, der engstirnigen Kleinbürger in der Wirtschaftzpartei, der politisch und kulturell volksfeindlichen Dentschnati analen nnd ihres großagrarischen Anhangs. Wie bei der Neuwahl des Landtags im Jahr« 1924 hat sich die Sozialdemokratie auch nach dem Sturz der Bün- ger-Regierung bereit erklärt, die Verantwortung für die Regierungsbildung zu übernehmen. sofern für die schaffende Bevölkerung tragbare Bedingungen bei einer Regierungsbildung gewährleistet wurden. Die Verhandlungen Uber die Mitbeteiligung der Sozialdemokrati« sind gescheitert an dem Widerstand der Deutschen Volkspartei, die unter dem Druck der fächstschen Industriellen die politische Der- tretung der Arbeiterschaft auch weiterhin von der Regierung fern- holten will. Die traurigst« Rolle in der widerkichen Komödie um die sächsische Regierung spielten die Nationalsozialisten. Setzt ist ihnen das sogenannte unpolitische Bcamtenkabinett nicht reaktionär genug, weil m dem für die Zlrbeiterschaft besonders wichtigen Arbeitsininisterium kein Nationalist als Minister ernannt worden ist. Futterkrippenpolitik und Posten» jägerei ist also da» politische Motiv für die Hal> Inng der Nationalsozialiste». Die Nazis wollen nach ihrem eigenen Geständnis einen nationalsozialistischen Block für Mitteldeutschland schaffen. Wa, sin Nazi �Sachsen bedeuten würde, da» zeigt Nazi-Thüringen. Pi« Sozialdemokratie Sachsen» Winpft für<(««« nenen fiefferen Landtag, in dem die Möglichkeit besteht, die Ge- schickende, Industrielandes Sachsen durch dm politischen Willen der werktätigen Bevölkerung entscheidend zu beernflussen." Neuwahlen am 22. Juni. Dresde», 20. Mal. Das Gesamtministerium hat beschlösse«, äks Dag für die Wahl bes neue« Landtags den 2 2. Juni zu be- stimmen. Die Wahlvorschläge der Parteien müssen infolgedessen bis zum 5. Juni eingereicht sein. Heran an die Macht! Oer Sinn der sächfifchen Landtagswahl. Seit sechs Iahren ist die Sozialdemokratische Partei in Sachsen in der Opposition. Sie hat in diesem Zeitraum nicht vermocht, dem Bürgertum Erfolge abzuringen. Die bürger- lichen Parteien haben im selben Zeitraum Wandlungen durch- gemacht, die auf Zersetzung und Auflösung des posttischen Willens und Urteils hindeuteten— um so klarer ist der nackte Interessentenstandpunkt und der Wille zur Vergewaltigung der Arbeiterschaft heroorgehoben. Der aktive Kern der sozialdemokratischen Arbeiter in Sachsen hat zunächst diese Oppositionsstellung nicht nur als eine aufgezwungen« Tatsache hingenommen, sondern hat sie gegenüber der Möglichkeit einer Koalition mit bürgerlichen Parteien einschließlich der Dolkspartei auch theoretffch vorge- zogen. Er hat sich damit im Einklang mit der Stimmung her sozialdemokratischen Arbeitermassen gefühlt. Theorien werden durch Erfahrungen korrigiert, und die Erfahrungen besonders unter der von den Nationalsozialisten abhängigen Regierung Bünger waren bitter. Es kamen hinzu die Lehren der Aera Frick in Thüringen. Die Kenner der Stimmung der sächsischen Arbeiter haben versichert, daß sich eine tiefe Umstellung in den Massen der sozialdemokratischen Arbeiter vollzogen habe. Die sächsische Sozialdemokratie hat nach dem Sturze der Regierung Bünger ihren Anteil an der Macht gefordert. Sie hat sich zu Koalitionsverhandlungen bereit erklärt, sie hat darauf verzichtet, ein Mindestprogramm aufzustellen. Der Weg zu einer parlamentarischen Mehrheitsregierung, die der Verteilung der politischen Gewichte im Lande«nt- sprach, wäre damit geöffnet gtwesen— wenn die D e u t s ch e Boltspartei wirtlich den Willen zur Staatspolitik ge- habt hätte. Sie hatte ihn nicht, sie wollte vielmehr grundsätzlich die Ausschaltung der Arbeiterschaft und ihrer poli- tischen Vertretung, der Sozialdemokratie. Sie wollt« keine Teilung der Macht, sondern die ganze Macht, um sie gegen die Arbeiterschaft anzuwenden. Sie wollte lieber die Ab- höngigkeit von den Nationalsozialisten als die Koatitioa mit der Sozialdemokratie. So, wie die Bolkspartei in Thüringen sich lieber zum Vasallen des Herrn Frick hergibt, als daß sie die Möglichkeit einer Einbeziehung der Sozialdemokratie in die Landesregierung ins Auge faßt. Die Rechnung der Voltspartei in Sachsen war jedoch lchn« die Nationalsozialisten gemacht. Es mag sein, daß die führen- den Volksparteiler in Sachsen auf die Tatsach« gepocht haben, daß der Herr der Hakenkreuzler in Sachsen, der Plwuener Fabrikant M u t s ch m a n n. Fleisch von ihrem Fleische ist, ein Unternehmer, ein Industrieller, der die Sprengung der Bürgerfront gegen die Sozialdemokratie nicht zugeben würde. Die Herren Spekulanten haben übersehen, daß das Experi- ment Frick den Machtwillen der Hakenkreuzler gewaltig verstärkt hat, daß die Tatsache des Wachstums der Hakenkreuzler auf Kosten der alten bürgerlichen Parteien in der gleichen Richtung gewirkt hat. Die Nationalsozialisten in Sachsen wittern Morgenlust. Sie wollen nicht Hilfstrupp« für das Bürgertum sein, sondern wollen auf dem Rücken der Bürgerblockpolitik zur Macht ge- langen, zur Aufrichtung einer Hakenkreuz- h«"r r s ch a f t nach dem Muster Frick, vielleicht noch über Frick hinaus! In zwei Versammlungen in Leipzig unmittelbar vor der Auslösung des Landtags haben der nationalsozialistisch« Reichstagsabgeordnete Wagner und der thüringische Staatsrat Marschler ihre Ziele sehr offen dargelegt. Herr Wagner versicherte: Thüringen wie Sachsen sollen als Aufmarschge- biet für Preußen und dos ganze Reich dienen. Ob sie wollten oder nicht, die Bürgerlichen müßten durch das kaudinische Joch. Halbheiten werden nicht geduldet. Die Nazis brauchten gar nicht die Mehrheit. Wenn es ihnen gelingt, über Mitteldeutschland im ganzen Reich so stark zu werden, daß ohne sie nichts mehr geschehen könne, dann würden sie denganzenReichstageinsperren, damit er keine Dummheiten mehr machen könne. Dem Reichswehrmini st er würde man, wenn sie noch nicht allein regieren könnten, einen Haken- treuzier als Kommissar auf die Nase setzen. Herr Staatsrat M a r s ch l e r, die rechte Hand von Frick, wurde noch deutlicher. Er erklärte: Die Bürgerlichen werden von den Nazis nur als ein«»er- ächtliche Band« von Geschäftemachern behandelt, die sich nicht einzubilden brauchten, daß der Hakenkreuzlermohr gehe, wenn er seine Schuldigkeit getan habe. FrißVogeloderstirb, da» ist das Nazirezept gegen die Bürgerlichen. Die Entwicklung der bürgerlichen Parteien in Sachsen ist durchaus geeignet, die Hoffnungen der Hakenkreuzler zu stärken. Von Wahl zu Wahl sind die bürgerlichen Parteien, die ein politisches Programm haben, schwächer geworden. Die Zersplitterung ist gewachsen. Wirtschaftspartei und Auf- wsrtler als ausgesprochene Vertreter enger Sonderinteresscn suid hervorgetreten. Die Wirffchaftspartei hat die Demokraten in Sachsen fast völlig beerbt, sie ist nahe an die Stärke der Volkspartei herangerückt. Auf dem Boden der politischen Dekadenz des Bürgertums in Sachsen blüht dör Weizen der Nationalsozialisten. Je größer Zersplitterung und Dekadenz im Bürgertum. um so zäher die Absicht zur Ausschaltung der Arbeiterschaft. um so größer die reaktionäre Hartnäckigkeit, die von jeher die Kreise des sächsischen Bürgertmns gezeigt haben, die sich um die Volkspartei gruppieren! Diese Gruppe hat bisher das Wort Staatspolitik im Munde geführt. Wahre Staats- Politik aber ist in Sachsen nicht möglich, solange die weitaus stärkste politische Gruppe des Volkes, die Sozialdemokratie, von Regierung und Verwaltung ausgeschlossen ist! Staat?- Politik mit den Hakenkreuzlern— was dies ist, zeigt das Thüringer System. Wird die kommende Wahl an der politi- schen Konstellation in Sachsen wesentliches ändern? Es ist eher zu erwarten, daß die National- sozialisten auf Kosten der bürgerlichen Gruppen ihre Stellung noch verstärken. Die Perspektive ist so, daß die bürgerlichen Parteien nach der Waht wie vor der Wahl vor der Alternative stehen werden, entweder die Politik der Ausschaltung der Ar- beiterschaft aufzugeben, oder das Thüringer System zu kopieren und sich der Diktatur eines sächsischen Frick zu unter- werfen. Jeder Versuch, nach der Wahl die Arbeiterschaft künst- lich auszuschalten, müßte wie in Thüringen von der Ver- fassung hinweg und über die Verfassung hinaus führen! Die sozialdemokratische Arbeiterschaft wird in diesem Wahlgang für eine erhebliche Stärkung der Stellung der Sozialdemokratie kämpfen. Sie wird gegendie bürger- lichen Diktaturgelüste, gegen den reaktionären Größenwahn der Volkspartei wie gegen jeden Versuch kämpfen, eine Hakenkreuzherrschaft nach Thüringer Muster über Sachsen zu errichten. Die Sozialdemokratie verfügt in Sachsen über«ine starke Organisation von 140 000 Mitgliedern. Den freien Gewerk- schaften gehören in Sachsen fast 900 000 Arbeiter an. In diesen Massen ist auf Grund der Erfahrungen der letzten Jahre die Ueberzeugung gewachsen, daß die Ausschaltung von der Führung der Geschäfte des Landes gewaltige Nachteile für die gesamte Arbeiterschaft nach sich zieht. Sie hat das Bei- spiel Thüringens vor Augen und sie geht in diesen Wahl- kämpf, um nach Möglichkeit wieder dafür zu sorgen, daß im Arbeiterlande Sachsen die Massenpartei der Ar- beiterschaft wieder die Hand an das Steuer desStaat es legen kann! Das System Frick. Gozialdemokraiische Keststellungen.— Gefährliche Langmut von Or. Wirth. Der Haushattansschuß des Reichstags fetzte am Dienstag«bend die Aussprache über das Reichsinnemninisterium fort. Abg. Oietrich-Thüringen(Soz.): In Sachen der fünf Schutgebete hat im thüringischen Haushattansschuß vom 7. Mai«in sozialdemokratischer Abgeordneter den Staatsminister Dr. Frick gefragt:„Wer sind die a r t- und volkssremdenKräst«, gegen die sich di« Gebet« richten? Wa» ist mit dem Betrugund Verrat gemeint? Worin desteht die befreiende Tat, von der die Rede ist?�' Der Minister erwiderte: „Die art- und volksfremden Kräfte stnd dl« Inden, was unter Betrug und v e r r a t zu verstehen ist. können Sie tu der Stellnoguahme de»„Vorwärts" zu den Thüringer Gebelen nachlesen, ver„Vorwärts" hat wich richtig verstoudeu." Am nächsten Tage erklärte der Minister:„wenn von Betrag und Berrat die Rede ist. denke ich z. B. auch an die Handlungen solcher Krelfe. die hinter dem„vorwärts" stehen.(Avg. Schreck: Der Mann gehört ins Irrenhaus!) Am nächsten Tage wurde im Landtag die Stell« au» dem„Bot- wärt»" vorgelesen, in der es heißt: „Betrug und verrat. Vatertandsverrat. dahinter versteckt stch die hetze gegen dl« Außenpolitik de» Reich» und gegen die Relchsverfafsung." Gestellt, ob er an diese Aenßerungen b« seinen früheren Er- klärungen gedacht habe, erwiderte Frick:„Ich glaub«, mich deutlich genug geäußert zu haben." Danach ist klar, was Herr Frick meint.(Minister W< r t h: vorauf habe ich mich ja gerade bei meinem Lorgehen gestützt!) Auf di« Frag«, was die befreiende Tat sein soll, gab Frick überhaupt keine Antwort, auch picht, als von sozialdemokratischer Seite gesagt wurde, daß damit nur ein künftiger Krieg gememt fein könne. Ein Vertreter der Sozialdemokratischen Partei stellt« dann f-st: „Die khüriugifche« Schulgebete richte» stch nach den eigenev Erklärungen des volksbilduugkmiaiitcr» gegen dl« Juden, gegen di« Außenpolitik de» Reichs, gegen die Verfassung und gegen den Völkerfrieden." Auch zu diesen Feststellungen schwieg Herr Frick. Interessant ist, daß der„Völkische Beobachter" schrieb:„Da di« Schul- gebete sich auch gegen Bosks- und Landesverrat richten, hat sich natür« lich«ine schwarzrote Einheiissront gebildet. Das Zentrum tobt gegen die Wiedergeburt des nationalen Ehrgefühls."(Abg. Soll- mann: Und mit diesen Leuten wechseln Sie Briefe!) In einer Ver- sammlungsanzeig« der Nationalsozialisten heißt es:„In den Fuß. tapsen Erzbergers I" Thema:„Zentrumswirths Kulturkampf in Thüringen im Auftrag der So- z ialdem o k ro ti e."(Abg. Löwenstein: Das Gesundheitsamt muß eine Kommission zu Frick schicken!) Bei diesem Austreten Fricks können wir nicht von der Regierung Baum und der einer anderen Partei reden. Nur infolge der Haltung der anderen Partelen, de» eandbunde, und insbesondere der Volks. parket, find fofch« kulturellen Schandtaten möglich. Was sich in Thüringen in den letzten Tagen abgespielt hat, ist ein« Brüskierung de» Neichsinnenministers Dr. W i r t h noch in schlimmerer Form als gegenüber dem Minister Severing. Sie, Herr Minister, hatten die bestimmte Erklärung be- kommen, daß Einstellung von Nationalsozialisten n i ch t e r f o l g t sei. Sie glaubten, daß dos auch nicht geschchen würde. Diese Absicht soll auch bei Minister Baum bestanden haben. Das Resultat ist aber: Die Veränderungen stnd erfolgt. ein NationassozlaNst ist PollzeldireNor geworden und ein anderer. Herr Ortlepp, ist als sein Stellvertreter in» Landeskrtmlnalamt berufen worden. Ihr« Langmüttgkett und Ihr Anstand. Herr Minister, wird derartig mißbraucht, daß Ei« eines Tages selber die Empfindung haben werden, Sie hätten am Anfang stärker sein müssen! Neichsinnenminister Or. Wirth gab««ine Erklärung gegen die Auslegungen des thüringischen Reichs- ratsvertreters in der Vormillagsttzung ab. Das neue thüringssche Beamtengesetz verlange Wohlverhallen des Beamten auch außerhalb des Dienstes. Wenn gesagt worden ist, ich Halle rechtzeitig eingreifen sollen, so muß ich erwidern, daß die Einzelheiten, die Abg. Dietrich vorgetragen hat, bereits Gegenstand meiner Besprechungen mit dem Minister Baum gewesen sind.(Abg. Erispien: Und was war der Erfolg?) Wenn Polizeioffiziere von einer Partei zu einer anderen, in diesem Falle zu den Nationalsozialisten, übergehen, so entzieht sich das dem Einfluß der Reichsregierung. Ich muß erst die Wir- kung der Einstellungeines solchen Beamten sehen und Inwieweit er seinen BeaMteneid verletzt. Man löscht doch ein Feuer erst, wenn es bremtt.(Dr. R o s« n s e l d: Es brenn! doch schon!) Auf die Einzelheiten Dietrichs null der Minister erst am Mittwoch eingehen. Der Christlichnational« D öb r i ch bedauert die Form der Frickschen Schulgebete, hat im übrigen an Fnck nichts auszusetzen und meint mit Behagen, das Ganze sei ein« Niederlage Severing». Nach einigen beamtenpolitischen Bemerkungen des sozialdemo- kratischen Abg.<5 t e i n k o p f wurde die Sitzung aus Mittwoch vor- mittag IV Uhr vertagt. Hunderifach überzeichnet Die Neparatlonsbank'Aktien in Paris und Dtrssel. Der französische Anteil am Aktienkapital der Bank für inter- nationalen Zahlungsausgleich ist in Paris 110- bis llvmal. der belgisch« in Brüssel In 1?mal überzeichnet worden haraNrt wegen(flotten beschränkung! Der sapamsch« Kapitön- leutnant Kusakori. ein Mitglied des Marinestabes, hat ein n Harakiri- Be rs u ch gemacht, e/s der Zug, in dem er reist«, den Lande auferlegt wurden. Wirth an Baum. Das Schreiben des Reichsinnenminiffers. 3mm Haushaltsausschuß des Reichstages verlas Reichsinnenminister Dr. Mirth bei der Beratung feines Etats den Brief, den er in der Angelegenheit Frid an den Vorsitzenden des thüringischen Staatsministeriums, Staatsminister Baum, gerichtet hat: Sehr verehrter Herr Staatsminister! Bon Ihrer Mitteilung, daß sich das thüringische Gesamtminiq fterium mit der Frage der Errichtung von Bolizeidirektorstellen und der Befehung dieser etwa zu errichtenden Aemter noch nicht befaßt hat, habe ich mit Dant Kenntnis genommen. Ich hoffe und wünsche, daß es Ihnen möglich sein wird, die bevorstehende Beschlußfaffung dahin zu beeinflussen, daß eine Wiederaufrollung der Meinungsverschiedenheiten, die ich durch unsere Aus sprache als erledigt ansehen durfte, vermieden werden fant Es ist Ihnen, sehr verehrter Herr Staatsminister, aus unserer Besprechung bekannt, welche Bedeutung für meinen Entschluß die von meinem Herrn Amtsvorgänger verfügte Sperre der Polizei zuschüsse aufzuheben, Ihre Erklärung gehabt hat, daß seit der Ernennung des Herrn Ministers Dr. Frid nur solche Veränderungen in der thüringischen Landespolizei vergenommen worden sind, die bereits vor seinem Amtsantritt in Aussicht genommen waren, daß insbesondere tein Nationalsozialist in die thüringische Landespolizei aufgenommen worden ist. Diese Tatsache ist für mich, was ich seinerzeit auch dem Reichstabinett mitgeteilt habe, der ent scheidende Grund meiner Stellungnahme gewesen, und ich habe dabei, wenngleich Ihre Erflärung sich im Wortlaut nur auf die Ber gangenheit bezog, die Erwartung gehegt, daß sie auch für die Zukunft gelten solle. Die Ernennung eines als Angehöriger der nationalsozialistischen Partei bekannten Beamten zum Polizeidirektor und damit zum Leiter einer größeren Behörde der staatlichen Polizei würde zweifellos großes Auffehen erregen und mit Rücksicht auf die in den letzten Verhandlungen erzielte Einigung die Reichsregierung und auch die thüringische Regierung in eine peinliche as Lage verfehen, Für die Aufhebung der Sperre mar, wie erwähnt, die Zusicherung der thüringischen Regierung maßgebend, daß 19 Schieles Fleischbons. 008 Bon .00% Bun dre Wohlfahrtsunterstützung illon rfel Bouillon Würfel A Bon Bouillon Würfel out allere Lasodül 3m Namen der Regierung Schiele: Statt des billigen Gefrierfleisches bekommt fünftig jeder Empfänger von Wohlfahrtsunterstützung auf Bon einen Bouillonwürfel!" odsia Konflikt in der britischen Arbeiterpartei. Nationalsozialisten nicht in die thüringische Minister Oswald Mosley zurückgetreten/ Auseinandersetzung mit der Linksgruppe Staatspolizei eingestellt worden sind. Wenn nun furz nach Aufhebung der Sperre die thüringische Regierung einem Angehörigen der nationalsozialistischen Partei in eine leitende Stellung der Thüringer Polizei einberiefe, so würde dadurch eine völlig neue Situation geschaffen, die mich pflichtmäßig veranlaffen müßte, nachzuprüfen, ob ich bei meiner Stellungnahme hinsichtlich der Aufhebung der Sperre der Polizeifoften noch weiter Was die grundsägliche Frage anbetrifft, ob ein Nationalsozialist Beamter sein tann, so hat mein Ministerium unter meinem Amtsvorgänger ständig den Standpunkt vertreten, daß ein Beamter fich zu einer staatsfeindlichen Partei„ bekennen" fönne, aber nicht in diefem Sinne fich betätigen" dürfe. verbleiben fann. 3ch geftatte mir in dieser Beziehung auf das Schreiben an bas thüringische Staatsministerium vom 19. Juli 1926- 6260 I 1. Juni betreffend den Lehrer Kohlrausch zu vermeifen, gegen den die thüringische Regierung wegen seiner Zugehörigteit London, 20. Mai.( Eigenbericht.) haben, wird am Donnerstag in einer Fraktionssizung der Arbeiterpartei zur Sprache tommen. Es verlautet, daß die offizielle Parteiführung diese Stimmenthaltung, die auf ein Haar zu einer Niederlage der Regierung geführt hätte, überaus ernst beurteilt, und daß eine Berschärfung der Fraktionsdisziplin geplant Sir Oswald Mosley, der als Minister ohne Portefeuille der Arbeiterregierung angehört und dem Minister für Arbeitsbeschaffung, Thomas, als engster und wie sich in den letzten Monaten gezeigt hat, energischster Mitarbeiter zugeteilt ist, hat dem Ministerpräsidenten Macdonald sein Rücktrittsgesuch unterbreitet. Dieser Schritt, ist. Während die Partei in der Vergangenheit das selbständige der feit langem erwartet wurde, besitzt wegen der Ber. Borgehen eines Teiles der unabhängigen Abgeordneten geduldet sönlichkeit Mosleys und ans prinzipiellen Gründen eine hat, foll nunmehr deutlich ausgesprochen werden, daß eine ständige weit über das Persönliche hinausgehende politische Sondergruppierung in der Frattion in Zutunft nicht mehr geduldet werden mird und die Mitglieder dieser ge chp and motifchloffenen Gruppe in 3ufunft nicht mehr als offi. früher Ronservativer und ist nach einer turzen Zeit des Schwanfens lönnen. Die lange hinausgeschobene Auseinandersetzung dürfte mm Mosley, ein Schwiegersohn des verstorbenen Lord Curzon, war zielle Randidaten der Arbeiterpartei anerkannt 1924 zur Arbeiterpartei übergetreten. Er ist vermutlich der ein entschieden werden. Die Schlappe der Regierung. Bedeutung. und Betätigung beiber PD. ein Dienfigtei flußreich ste unter den jüngeren Männern, die aus der geleitet hatte. Die Dienst straffammer in Weimar hat in der Entscheidung Dom 25. November 1925 diesen Standpuntt, der der ständigen Rechtsprechung des Preußischen Oterverwaltungs. gerichts entspricht, gleichfalls eingenommen, den Angeklagten aber lebiglich aus fubjektiven Gründen freigesprochen. Die Frage, ob die Nationalsozialistische Partei, wie das Breußische Ministerium des Innern in seinem Erlaß vom 31. Januar 1930 Min.- Blatt für die preußische innere Berwaltung 1930 G. 81 annimmt, ftaatsfeindlich ist, möchte ich hier unerörtert lassen. Selbst wenn man die Frage verneinen und zu der Ansicht kommen sollte, daß die Nationalsozialistische Partei die Aenderung der heutigen Staatsform lediglich auf legalem Wege betriebe, würde die Einstellung eines in der Nationalsozialistischen Partei tätigen Beamten in eine leitende Stelle der Staatspolizei mit Rücksicht auf die beson deren Pflichten, die den thüringischen Beamten durch§ 8 des Staats. beamtengesetzes auferlegt sind, fchweren Bedenken begegnen fönnen. Ich könnte mir denken, daß dieser Gesichtspunkt bei der Prüfung der Frage, ob eine solche Einstellung mit den Grundsähen über die Gewährung von Polizeiloften durch das Reich an die Länder vereinbar fei( 3n vergleichen Nr. 16 der Grundfäße), eine ausfchlaggebende Rolle spielen wird. Aristokratie und dem Bürgertum zur Labour Party gelommen find. Nach der fachlichen Seite ist seine Demiffion so bedeutungsvoll, meil fie die grundsägliche Entscheidung gegen die Regierungspolitik der Arbeitslosenbekämpfung darstellt. Schon furz nach Thomas' lieber nahme des Postens eines Ministers für Arbeitsbeschaffung wurde deutlich, daß zwischen diesem und den drei ihm zur Seite gestellten Ministern Mosley, Lansburg und Johnston Meinungs. verschiebenheiten bestanden. paid Während Thomas über die landläufigen Mittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit nicht hinauszugehen wünschte, forderten die drei ihm beigeordneten minifter eine größere und weitergehende Tätigkeit. Diese Forderung zielte auf eine großzügige Polifit der Produktionsförderung durch Aufnahme einer riesigen Anleihe zur Förderung der Produktion, auf Penfionierung jämtlicher überalterten Arbeiter und fofortige Erhöhung des schulpflichtigen Alfers. Die Borschläge verdichteten sich zu einem von Mosten verfaßten, bisher der Deffentlichkeit vorenthaltenen Memorandum, das zunächst Thomas vorgelegt, und nach dessen Ablehnung dem Rabinett zur Begutachtung unterbreitet wurde. Macdonald er Macdonald er nannte ein unter dem Borsiz von Snowden stehendes Romitee; dieses prüfte das Memorandum, lehnte es jedoch ab. Neben Wenn ich im vorstehenden, ohne meine eigene Auffassung zum Snowden gehörten diesem Komitee Thomas, der Arbeitsminister Ausdruck zu bringen, Ihnen, sehr verehrter Herr Staatsminister, die Frau Bondfield, der Gesundheitsminister Greenwood und vielen schweren Bedenken, die der vorgeschlagenen Er der Kriegsminister Thom Sham an, der als früherer Gewert. nennung entgegengehalten werden tönnten, mur angedeutet habe, fchaftsführer und Arbeitsminister besondere Erfahrung auf diesem so wollen Sie daraus meine große Besorgnis ersehen, daß die Gebiet besigt. Die Gründe für die Ablehmung des Memorandums türzlich beigelegte Meinungsverschiedenheit zwischen dem Reich und waren im wesentlichen die zu hohen Kosten der BensioThüringen neu aufleben könnte. Aus diefer Sorge heraus möchte nierung überalterter Arbeiter und die Auffaffung, daß die Aufich auch auf einen anderen Vorgang hinweisen, der in der Deffent- nahme einer Anleihe in der von Mosley vorgeschlagenen Höhe von lichkeit und besonders in mir naheftehenden Streifen unliebfames einer halben Milliarde Mart in der City unmöglich sein Aufsehen erregt hat. Nach unwidersprochenen Zeitungsmeldungen hat Herr Minister Frick durch einen Erlaß den thüringischen Schulen mehrere Schulgebete empfohlen, in denen sich Säße befinden, wie brum mach uns frei von Betrug und Berrat", id glaube, du strafft unferes Landes Berrat, id peiß, daß Gottlosigkeit und Baterlandsverrat unser Bolt zerriß und vernichtete". In diesen Gebeten ist nicht ohne Grund eine betont par teipolitische Tenbenz erblidt worden, die um so peinlicher empfunden mind, als Herr Minister Frid in der Sigung des Haushaltsausschusses des Thüringischen Landtags erklärt haben soll, daß die Gebete sich gegen rassenfremde Elemente, nämlich die Juden richten sollten. Ich darf gestehen, sehr verehrter Herr Staatsminister, baß diefer Borgang den Reichsminister des Innern, der über Sinn und Geist der Weimarer Verfassung pflichtgemäß zu machen hat, fchmerzlich berühren muß. Die Betonung politischer Dinge in einem Teil der empfohlenen Gebete und die von Herrn Minister Dr. Frid Ihnen im Ausfchuß beigelegte Tendenz werfen von selbst die Frage nach der Verfassungsmäßigkeit auf. Erlauben Sie mir noch, fehr verehrter Herr Staatsminister, mit allem Freimut als Mensch und Christ die Bemerkung hinzuzufügen, daß politische Hinweise in solchen Gebeten nach meiner persönlichen Auffassung dem Sinn des Religiösen widersprechen. Mit dem Ausdrud meiner ausgezeichneten Hochachtung habe ich die Ehre zu sein Ihr sehr ergebener gez. Dr. Wirth. werde. Da die jüngste Enfwidlung des Arbeitsmarktes mit ihrer stell an steigenden Urbeitslosenkurve Condon, 20. Mat Im Berlauf einer Unterhausdebatte über die Arbeitslosigkeit behauptete der Konservative Neville Chamberlain, die Arbeiter regierung habe auf diesem Gebiet, wo sie Besserung versprochen hatte, volltommen versagt. Arbeitsminister Thomas antwortete, das Problem der Arbeitslosigkeit gehe nicht mir Großbritannien an, sondern die ganze Welt. Die Regierung werde alles tun, um Handel und Industrie wieder zu beleben und so der Arbeitslosigkeit. zu steuern. Einige Mitglieder des äußersten linken Flügels der Arbeiterpartei fritisierten die Regierung und warfen ihr vor, fie habe das Los der arbeitenden Klassen nicht wesentlich verbessert. Schließlich wurde der fonservative Antrag, am Etat des Ministeriums zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Abstriche vorzunehmen, mit 224 gegen 209 Stimmen abgelehnt und die Etatsdebatte vertagt. Auch das Gehalt des Arbeitsministers Thomas murde nur mit 15 Stimmen Mehrheit bewilligt. Wie Reuter berichtet, ist die Tatsache, daß die Regierung nur eine Mehrheit von 15 Stimmen erhalten hat, auf die Stimmenthaltung von 15 Arbeiterparteilern und von zahl reichen Liberalen zurückzuführen. ala Dircksen bleibt in Moskau. Und Nadolny muß wieder nach Angora. Bon zuständiger Seite wird mitgeteilt, baß ein Wechsel in der Besehung der Deutschen Botschaft in Mostau nicht beabsichtigt ist. den und wird auch nicht bestritten. Wir haben Anhaltspuntte dafür, Daß dieser Wechsel beabsichtigt mar, tann nicht bestritten mer daß man im Auswärtigen Amt angesichts der Kritif der sozialdemokratischen Bresse von der auf Wunsch des deutschen Botschafters in der Türkei, Nadolny, geplanten Schiebung Dsmato Mosley recht zu geben schienen, hat Mosley jetzt feinen abgefommen ist. Rücktritt vollzogen. Es ist nicht ausgeschloffen, daß Macdonald, der in den legten Tagen alles versucht hat, um diesen Rücktritt zu vermeiden, a b lehnt. Jedoch glaubt man nicht, daß Mosley zum Berbleiben bemogen werden kann. Es wäre falsch, Mosleys Rüdtriff in eine nähere Berbindung mit der Tätigkeit des finken Flügels der Arbeiterpartei zu bringen, emsida Russische Aussaat gefährdet. Pint Die Folgen der Kollettivierungspolitik. Der fangfame und ungenügende Berlauf der Frühjahrsaussaat) in der Sowjetunion macht den Zentralstellen in Moskau wachsende Sorgen. Wie die Telegraphenagentur der Sowjet. union jezt meldet, find gegenüber den Kontrollziffern", d. h. gegen obwohl er eine moralische Stärtung dieser Linten bedeutet über dem von dem Aussaatplan veranschlagten Soll, 3 um 15. Ma i und eine enge Zusammenarbeit Mosleys und der Linfen nur 65,3 Proz der gesamten Fläche ausgefät worden. in der Arbeitslosenpolitit bringen wird. Mosley hat jedes Miß- Um den Mißerfolg der Frühjahrsaussaat zu verschleiern, operieren verständnis nach dieser Richtung fofort nach der lleberreichung die Mostauer Blätter weitgehend mit Heftarzahlen, die aber nicht feines Rücktrittsgefuches durch eine Erflärung zu beseitigen über die Tatsache hinwegzutäuschen vermögen, daß zu dieser vor: getrachtet, daß er weiter ein loyales Mitglied der Arbeiter geschrittenen Jahreszeit erst etwa 3peiorittel der gesamten partei bleiben, jedoch die Arbeitslosenpolitit der Regierung berperanschlagten Fläche wirklich angesät worden sind. Trotz aller Auftämpfen werde. Es ist kein Zweifel daran, daß Moslen und nicht Thomas die Mehrheit der Partei hinter fich hat, wenn dies auch bei den kommenden Berhandlungen in der Frattion nicht zum Ausdruck kommen dürfte, da nach englischem Brauch beinahe die Hälfte der Fraktion in der einen oder anderen Eigenschaft der Regiermug angehört. Der Rücktritt Mosleŋs und die damit verbundene Haltung der 15 linken Labour- Abgeordneten, die sich am Montag im Unter haus von der Abstimmung über die Arbeitslosenpolitit ferngehalten forderungen von Moskau aus, nunmehr zum Sturmtempo überzugehen, verlangsamt sich das Aussaattempo immer mehr. Nach bestimmten Anzeichen zu schließen, ist man denn auch in Moskau bestrebt, die Schuld für diesen Mißerfolg der Aussaat kampagne den Eigenwirtschaften in die Schuhe zu schieben. fommenden Sonntag in Halle zu einer Sigung zusammen, in der? Der Reichsparteiausschuß der Demofrafischen Partei tritt am die fünftige politische Haltung der Partei festgelegt werden soll. 800 Arbeitslose weniger. Darob große Entrüstung in der KPD. Der Aufsichtsrat der BBG. hat beschlossen, wie wir| stundentag einführen tann, da er im Tarifvertrag verantert und bereits kurz meldeten, für das Verkehrspersonal, zur Vermei- die bisher geleistete einhalbstündige tägliche Mehrarbeit eine dung von Arbeiterentlaffungen, den Achtstundentag einzu- ueberarbeit ist, die mit einem Zuschlag von 25 Broz. vergütet führen. wird. Im§ 1 des Tarifvertrages heißt es ausdrücklich, daß diese einhalbstündige Mehrarbeit gefordert werden kann, die BBG. also ihre Arbeiter nicht 8½ Stunden beschäftigen muß. Die Frage des Lohnausgleichs fonnte also logischerweise bei der Beratung der Arbeitszeitfrage gar nicht zur Debatte stehen. Damit wird man sich in den Lohnverhandlungen zu beschäftigen haben, die zurzeit schweben und wahrscheinlich vor dem Schlich tungsqusschuß ihre Erledigung finden werden Dowohl vor einiger Zeit schon Entlassungen vorgenommen wurden und außerdem noch ein unbezahlter freier Tag im Monat eingeführt wurde, ist immer noch ein Bersonalüberfluß geblieben. Zu den etwa 500 überflüssigen Berkehrsarbeitern tamen nach der Eröffnung der Untergrundvahnstrecke Neanderstraße Gesundbrunnen noch rund 300 Arbeiter hinzu, die durch die Einziehung von Straßenbahnlinien infolge der Inbetriebnahme der neuen Untergrundbahnstrecke überflüssig wurden. Der Aufsichtsrat faßte daher am 19. Mai den eingangs erwähnten Beschluß, durch den diese Maffenentlaffungen vermieden werden. Für diesen Beschluß stimmten auch die kommunistischen mit glieder des Aufsichtsrates, was in dem Bericht der Roten Fahne" über diese Aufsichtsratsfizung wohlweislich ebenso verschwiegen wird wie die Tatsache, daß der„ reformistische" Betriebs- und Arbeiterratsvorsitzende Genoffe Flieger auch dem kommunistischen Antrag auf Einführung des Siebenstundentages bei vollem Lohnausgleich zugestimmt hat. Der Antrag fand aber feine Mehr heit. Die Behauptung, daß Genosse Flieger einem Antrag auf Einführung des Achtstundentages ohne Lohnausgleich gestellt habe, ist die übliche bolichemistische Verleumdung, die nur die feige demagogische Haltung der kommunistischen Aufsichtsratsmitglieder bemänteln foll Die fommunistischen Aufsichtsratsmitglieder wiffen genau so gut mie die Sozialfaschisten", daß die B2G. ohne weiteres den Acht Angestellte und Wirtschaft. Neue Gagungen und Vorstandswahlen im 302. Stuttgart, 20. Mai.( Eigenbericht.) Auf dem Verbandstag des Zentralverbandes ser Angestellten in Stuttgart berichtete am Dienstag Reichs. bagsabgeordneter Dr. Paul Herz über Wirtschaftsent widlung und öffentliche Belastung". " Herz führte aus, daß nicht die Höhe der öffentlichen Ab gaben den verhängnisvollen Einfluß auf die Entwicklung der Wirtschaft habe, sondern der Abfazmangel. Deshalb sei der Sturm, der in erster Linie gegen die Sozialabgaben geführt werde, Burchaus unangebracht; denn diese Abgaben bedeuteten feine Belastung der Wirtschaft, sondern nur eine Verschiebung des Volks einkommens, durch die die Kauffraft der Moffen aufrecht erhalten werde. So wenig man die Gesamtsteuerlast vorwiegend durch Befizsteuern aufbringen fönne, so wenig seien die Verbrauchssteuern ungehemmt zu erhöhen, dem nicht nur die reichen Leute bildeten Kapital, sondern auch die Förderung der Sparfähigkeit der breifen Maffe und die Schonung der Wirtschaft der öffentlichen Hand wirften fapitalbildend. Der Redner schloß mit der Feststellung, daß die Neuordnung der Wirtschafts- und Finanzpolitik Deutsch lands allein dem Ziel zu dienen habe, die Gesamtwirtschaft und die ausfömmliche Eriſtenz der von ihrer Arbeitskraft lebenden Menschen au heben und zu stärken. Frizz Schröder beschäftigte fich in feinem Vortrag mit dem Zusammenhang zwischen Wirtschafts- und Sozial. politit und wies darauf hin, daß die Bilege der Arbeitstraft feine Gefühlsdufe ei fei, sondern eine Wirtschaftsnotwendigkeit. Sie erhöhe die Leistungsfähigkeit und fördere dadurch die Schaffung von neuen Werten. Das bedinge Sicherung der Arbeitskraft in Form ron Versicherung und Fürsorge. Dadurch ergebe sich die Notwendig feit einer aktiven Lohnpolitif durch Ausbau und entsprechende Handhabung des Schlichtungswesens und des Tarifrechts, eines umfassenden Arbeitslosen chuß es, einer sozialen Regulierung des Arbeitsmarkts durch Einführung des Melde- und Benutzungszwanges, des Schutzes der Angestellten gegen die Willkür der Unternehmer von Fällen von Kündigung und Entlassung. Die Erscheinung der Doppelverdiener dürfe nicht im Kampf gegen Die Erwerbsarbeit der Frau mißbraucht werden. Die neuen Sagungen, die u. a. eine nach sozialen Gefichtspunkten gegliederte Beitragserhöhung vorfehen, wurden mit großer Mehrheit, angenommen. Dazu betonte Urban, Daß eine örtliche Beitragserhöhung in Berlin dem Verband feinerlei Abbruch getan habe. Auch die vorgelegte Pensions faffenordnung erhielt die Zustimmung der Delegierten. Vorsitzender wurde Otto Urban, Raffierer Emil Bucher, Setretäre Hugo Brente, Friz Schröder, Otto 5 auß herr, Frig Rogon; Redakteure Kurt Udo und Joseph Ama n. Die Borstandswahlen ergaben: In seinem Schlußwort am Montag betonte Borsitzender Urban, die Aufgaben der Organisation seien so rasch gewachsen, Daß die Verwaltungstoften nicht weiter heruntergedrückt werden fönnten. Zur Abwehr der von Kommunisten und Nationalsozialisten befürchteten Schädigungen des Verbandes genügten die schon früher gefaßten Beschlüsse. Wenn ein weibliches Mitglied in die Berwaltung gewählt werden solle, so müsse es für die Bewältigung aller in der Organisation fallenden Arbeiten geeignet sein. Ueber die Frage, ob die Berkürzung der Arbeitszeit unter 8 Stunden hinausgehen sollte, müßten die Spizenorganisationen entscheiden. Im Hinblic auf die große Arbeitslosigkeit sei die geforderte Arbeitszeitverkürzung angebracht. Angenommen wurde ein Antrag der Ortsgruppe Berlin, der den Verbandsvorstand beauftragt, Schritte gegen die dauernden Heruntergruppierungen, Kündigungen und Entlassungen von Be hördenangestellten zu unternehmen. Der Antrag wendet fich auch gleichzeitig dagegen, daß ortsansässige Behördenangestellte ihren Play Versorgungsanwärtern überlassen müssen, die oftmals erst von auswärts herangeholt werden. Alle übrigen Anträge wurden abgelehnt. Roften des Internationalen Arbeitsamts. Sie sind sehr bescheiden. = Wenig Sachkenntnis beweist auch die Behauptung, daß die Einführung des Achtstundentages 15 000 Verkehrsarbeitern einen monatlichen Lohnausfall von 15 bis 18 Mart foften würde. Durch die Arbeitszeitverfürzung um eine halbe Stunde täglich würde selbstverständlich der bisher gewährte unbezahlte fünfte freie Tag im Monat fortfallen, so daß der Berluft für das Verkehrs. personal im Straßenbahn- und Omnibusbetrieb im Monat fünf Stundenlöhne oder etwa 7 m. ausmachen würde, wenn es in den Lohnverhandlungen nicht gelingen sollte, dafür einen Aus. gleich zu schaffen. Lediglich bei dem Verkehrspersonal im U- Bahnbetrieb würde dann der Verdienstausfall sicher sein. Ueber diese Frage ist aber noch nicht das letzte Wort gesprochen. Fest steht jedenfalls, daß durch den Antrag des Genossen Flieger im Aufsichtsrat der BBG. und die Stellungnahme der sozialdemokratischen Aufsichtsratmitglieder dazu verhütet worden ist, daß 800 Menschen arbeitslos werden. Der KPD. wäre es freilich lieber, bie 800 Arbeiter würden auf die Straße gefeßt, um mit ihnen manövrierer zu fönnen. in Deutschland auf 100 Goldfranten des Gesamthaushalts 0,5 Centimes auf das Internationale Arbeitsamt entfallen. Für Australien beläuft sich dieser Satz auf 1,1 Cent., für Frankreich auf 0,7 Cent., für Großbritannien auf 0,4 Cent., für Italien auf 0,9 Cent. und für Japan auf 1,1 Cent. Der britische Beitrag für das Internationale Arbeitsamt beläuft sich zur Zeit auf 34 000 Pfund jährlich, d. h. die Aufwendungen Großbritanniens für das Internationale Arbeitsamt sind nicht so hoch wie die Durchführungsfosten des britischen Arbeitsministeriums, die fich auf 36 000 Pfund jährlich belaufen Notschrei der Bergarbeiter. Die Folgen der Feierschichten. Bochum, 20, Mai.( Eigenbericht.) Die Belegschaft der Lothringischen Aktiengesellschaft, Seche Präsident Bochum hat an den Reichskanzler und den Reichs arbeitsminister folgendes Telegramm gefandt: arbeitsminister folgendes Telegramm gefandt: Die Versammlung am 18. Mai nahm Stellung zu den Feier. fhichten und zum Bollfegen. Belegschaft erbittert. Belegfchaft hatte vom 1. Mai bis einschließlich 17. mai 1930 schon fünf Feletschichten. Abschlagszahlungen alle zehn Tage von 20-30 M. Dadurch Belegschaft verarmt. Selbige fordert umgehendes Eingreifen der Regierung mit Geld oder Lebensmitteln. Wenn Feierschicht eingelegt, muß 15 Prozent der Belegschaft vollfehen. Zum Bollsehen werden Leute von ihrem Reviersteiger bestellt, durchweg immer dieselben, also Günstlingswirtfaft Auch hier Eingreifen der Regierung notwendig! Belegschaft steht auch auf dem Standpunkt, daß an der Sozialversicherung nicht gerüttelt werden darf; insbesondere darf fein Abbau in der Arbeitslosenversicherung vorgenommen werden. Sofortiges Eingreifen erwartet 1. A.: Betriebsratsvorsitzender Hendrian für die Mitglieder des Alten Bergarbeiterverbandes und des Chriftlichen Gewerkvereins. Niederlage der KPD. bei Bergmann. Bohl als legter der Berliner Großbetriebe hat mum auch Bergmann, Seestraße, feinen Betriebsrat gewählt. Im Borjahr erhielten die freien Gewerkschaften zehn, die Kommunisten gleichfalls zehn Mandate. Nunmehr haben die freien Gewerkschaften die Mehrheit. Sie erhielten neun Mandate, während die revolutionären Unorganisierten" sich mit sieben begenügen müssen. Ein guter Ausklang und ein Ansporn zur notwendigen Aufklärungsarbeit! Die Aufgaben der Betriebsräte. Theorie und Praxis. Ausfluß der bürgerlichen Mentafttät ber Reichsarbeitsrichter amb Damit der Klaffenjuftig. Dagegen muß fich die Arbeiterschaft mit aller Kraft zur Behr sehen. In viel größerem Maße als fich das der Gesetzgeber gedacht hat, sind die Betriebsräte zu sozialpolitischen Bertretern und zu Tarifpolizisten geworden. Diese Entwidlung ist an sich nicht zu beklagen. Notwendig sei nur, daß die Betriebsräte diese Funktion im strengsten Einpernehmen mit ben Gewerkschaften ober, wie Flatom einmal gefagt hat, als deren verlängerter Arm ausüben. Aus dieser Erkenntnis heraus müsse man auch zu einer scharfen Ablehnung der kommunistischen„ Betribsrätetaftif" kommen, die diese verantwortlichsten Funktionäre des unbedingt notwendigen gewerkschaftlichen Rückhaltes beraubt. Die Ausführungen Dr. Fränkels wurden in der anschließenden Diskussion noch wirksam unterſtrichen. Schiedssprüche für den Großhandel. Gesamtverband lehnt sie ab, Unternehmer stimmen zu. Wir berichteten bereits, daß für den Lebensmittel- und Kaffeegroßhandel zwei Schiedssprüche gefällt wurden, wonach sich die vor den Unternehmern gefündigten Grundtarife dieser Fachgruppen unverändert um ein Jahr verlängern sollen. Diese Schiedssprüche tragen zwar der Forderung der Unternehmer auf einen fünfprozentigen Lohnabbau nicht Rechnung, ebensowenig aber auch der Verteuerung der Lebenshaltungskosten, die seit dem letzten Tarifabschluß für diese Fachgruppen eingetreten ist. Am Donnerstag, wurde nun auf Veranlassung des Gesamtver bandes nochmals verhandelt, um die Unternehmer in der Lohnfrage zu Bugeständnissen zu bewegen. Die Unternehmer ließen sich aber nicht herbei, irgendein Zugeständnis zu machen. Ihr Stedenpferd bildete der amtliche Lebenshaltungsindex, dessen Rüdgang nach ihrer Meinung eher einen Lohnabbau als eine Lohnerhöhung rechtfertige. Die Organisationsvertreter hielten dieser Auffassung entgegen, daß man die Löhne der Arbeiterschaft nicht als fonstante Größen betrachten tönne, die jeweils dem amtlichen Lebenshaltungsindeg angepaßt werden müßten, sondern daß diese Löhne ungeachtet des Standes der amtlichen Meßzahlen der Lebenshaltungskosten aufgebessert werden sollen. Das treffe befon ders für die weiblichen Arbeitsträfte im Kaffeegroßhandel zu. Wegen der Unnachgiebigkeit der Unternehmer wurden die Berhandlungen schließlich ergebnislos abgebrochen In einer gemeinsamen Fachgruppenversammlung der Arbeiter des Lebensmittel- und Kaffeegroßhandels am Freitag wurde die unverständliche Entscheidung des Schlichtungsausschusses scharf fri tisiert und einstimmig die Ablehnung beider Schiedssprüche be fchloffen. Ebenso einmütig wurde die Organisation beauftragt, die Bewegung für beide Fachgruppen gemeinsam, und zwar auf der Grundlage der bereits aufgestellten Forderungen, meiterzuführen. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, sofort den Streit zu proflamieren, wenn auch nur in einem Betriebe der Versuch eines Lohnabbaues gemacht werden sollte. Wie wir weiter erfahren, haben die Unternehmer beiden Schiedssprüchen zugestimmt und ihre Berbindlichkeits. ertlärung beantragt Es ist anzunehmen, daß der Schlich ter von Groß- Berlin diesem Berlangen nicht nachkommen wird, da den Arbeitern unmöglich zugemutet werden tann, sich ein weitéres Jahr mit ihren durchaus unzulänglichen Löhnen zu bescheiden. Wie lange der Bergmann arbeiten soll. Genf, 20. Mal( Eigenbericht.) Das Internationale Arbeitsamt hat den Regierungen einen Bericht über die Arbeitszeit in den Rohlengruben. zugesandt, der in der am 10. Juni beginnenden Arbeitskonferenz zur Behandlung gelangt. Als Beratungsgrundlage wird ein Ronventionsentwurf vorgeschlagen, nach dem in allen Kohlengruben die Arbeitszeit auf 7% Stunden pro Tag und 45 Stunden pro Woche beschränkt werben soll. Jedoch soll für eine höchstens dreijährige Uebergangsperiode die tägliche Arbeitszeit bis auf 7% Stunden und pro Woche auf 46 Stunden festgesetzt werden fönnen. Die Berechnung der Arbeitszeit ist von dem Augenblid vorgesehen, in dem der Arbeiter die Grube betritt und sobald er sie wieder verläßt. Angestellte ber BBG.! Alle Genoffen unter ben Angeftellten ber BBG. haben am Freitag eine wichtige Bersammlung im Gewerkschafts. haus, Gaal 5. Bollzähliges Erscheinen erwartet Der Fraktionsvorstand. Städtische Gaswerte A- G. Alle SPD.- Genoffen ber technischen Unterabteilung ber Berliner Städtischen Gaswete.- G. treffen fich am Donnerstag, 22. Mai, eine Stunde vor Beginn ber Bersammlung( 18 Uhr) im Lotal Weberstr. 15. ber Freie Gewerkschafts- Jugend Berlin Seute, Mittwoch, 19% Uhr, tagen folgende Gruppen: Baumschulen. weg: Jugendheim Ernststr. 16. Bortrag: Wandern und Schauen". Norbring: Jugendheim Schule Sonnenburger Str. 20. Lieberabend mit Nordring- Rapelle". Schönhauser Tor: Jugendheim Rehdenicker Straße 24-25. Boltstanzabend. Weißensee: Gruppenheim Weißensee, Part. ftraße 36. Vortrag: Die FG3. in Wort und Bild". Neukölln I: Gruppen heim Bergftr. 29, Sof. Kreisbabeabend im Flußbad Klingenberg.. Süden, Südwesten: Städt. Jugendheim Pordstr. 11( Fabrikgebäude). Kreisbadeabend im Flußbad Alingenberg. Flughafen: Treffen um 18 Uhr am Halleschen Tor ( Normaluhr) zum Kreisbapeabend. Schöneberg: Jugerdheim Haup'str. 15. Luftiger Abend. Cübkreis: Anbaben in Rlingenberg. Wir treffen uns um 19 Uhr in der Badranstalt. Seute spielen folgende Gruppen: Lihtenberg, Neu- Richter berg im Treptower Part, Wiese I; Wedding: Große Wiese im Die Bezirks- und Ortsverwaltung Groß- Berlin des Gesamt Verbandes hatte zu Montag abend sämtliche Betriebsräte nach dem Gewerkschaftshaus zusammen gerufen, um mit ihnen die fünftige Zusammenarbeit zu besprechen. Der Betriebsrätesekretär Schillerpart; Gesundbrunnen im Humboldthain. Genosse Sehner legte den Versammelten ein umfangreiches ArEingliederung in die Organisation vor. Das Arbeitsprogramm und beitsprogramm der Organisationsleitung sowie Vorschläge über die die übrigen Vorschläge wurden ohne Debatte einstimmig gebilligt. Jucendoruvve des Rentralverbandes der Anaefellten Seute, Mittwoch, finden folgende Beranstaltungen ftatt: Gefund brunnen: Jugendheim Or hftr. 10, part. Brettspielabend. Rordoft: Jugendheim Danziger Str. 62( Barade 3). Boltslieber- und Boltstanzabend. Often: Jugendheim der Echule Litauer Str. 18. Reportageabend. Schönhauser Forstadt: Jugendheim der Schule Raftanienallee 81. Bortrag: Berlin, wie es weint und lacht". Referentin Friebel Hall. Stralau: Jugendheim der Schule Gofilerstr. 61. Ausspracheabend über Berufsschulfragen. Reukölln: Jugendbem Böhmische Ete. 1-4, Ede Kanner Straße. Vortrag mit Lichtbildern: rangelte. 128. Bunter Abend. Eatire und Karikatur" Seferent Theo Maret. Cübost: Jugendheim Spandan: Jugendheim Lindenufer 1. Abendspaziergang. Treffpunkt am Alinte- Denkmal. Botsdam- Nawawes: Jugendherberge in Rowawes, Priesterstraße, Vollstanzabend. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Referat des Genossen Dr. Fräntel über Behn Jahre Betriebsrätegefeß". Der Referent wies einleitend darauf hin, daß sich an dem Text des Betriebsrätegefeßes seit seinem Bestehen wenig geändert habe, daß fich aber die Funktionen der Betriebsräte wesentlich anders glaubte man, daß die Tage der privatkapitalistischen Wirtschaft geentwickelt haben, als sie sich der Gesetzgeber gedacht habe. Damals zählt seien, woraus die Bestimmung im BRG. zu erklären ist, daß Gewerkschaftsbewegung: der Betriebsrat den Arbeitgeber in der Erfüllung der Betriebszwede" unterstüßen solle. Da der Betriebszweck des Privatunternehmers in erster Linie die Erzielung von Profit sei, habe diese Bestimmung heute feinen Sinn mehr. Aber gerade das Reichsarbeitsgericht lege dieser Bestimmung große Bedeutung bei und befindet sich auf dem besten Wege, das BRG. in sein GegenDer Haushalt des Internationalen Arbeitsteil zu verkehren, in ein Gesez zur Herstellung einer Produktionsamis für das Jahr 1930 beträgt 8% Millionen Goldfranten. Angesichts gewisser Bestrebungen, den Haushalt des Internationalen Arbeitsamts einzuschränken, darf gesagt werden, daß die Aufwendungen der einzelnen Länder für die internationale Sozialpolitik geradezu unerheblich sind, wenn man berüdsichtigt, daß& B. und Arbeitsgemeinschaft zwischen Arbeitern und Unternehmern. Es fehrt den Sinn des BRG. um, wonach der Betriebsrat als Klassengegner des Unternehmers in erster Linie die Interessen der Belegschaft zu vertreten hat, und sieht alles in rosigster Harmonie. Die Rechtsprechung des Reichsarbeitsgerichts wird immer mehr der Berantwortlich für Politik: Dr. Curt Gener: Wirtschaft: G. Klingelhöfer; 3. Steiner: Feuilleton: R. H. Döscher: Lokales und Conffiacs Frik Karstädt: Anzeigen: Th. Glode: fämtlich in Berlin. Berlag: Vorwärts- Verlag G. m b. S. Berlin Drud: Borwärts- Budbruderet und Berlagsanstalt Baul Singer u. Co. Berlin SW. 68, Lindenstraße 3. Sierzu 2 Beilagen. Besatzungsfrei BAD blondas EMS historische Bad mit neuzeitlichsten Einrichtungen Nr. 234* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Miiiwoch, 24. Mai 4930 Du sollst Vater und Mutter ehren. Pfarrer Schenk und die Kamilie Krenzel. Der Sohu Arthur des Angeklogtea Areazel hat gestern I Im Potsdamer Prozeh gegen den Pfarrer Schenk eine schwere Anschuldigung erhoben. �Zch finde es überhaupt allerhand von dem Herrn Pfarrer", sagte er, „daß er, aus unsere Familie deutend, von der Kanzel predigt, die Töchter sollen ihre Mütter ehren. Manche Mütter wären einer Ehrung aber gar nicht wert. Das war am Muttertag und die Gertrud sah in der Kirche und weinte." Der Pfarrer sprang von seinem Zeugenplatz auf und erklärte, er habe in der Predigt nur ganz objektiv über die Pflichten der Kinder und Mütter gesprochen, er weise es zurück, daß ihm hier jemand Vorhaltungen mache, der seine Predigt gar nicht verstanden habe. Was er gesagt hat, offenbarte der Pfarrer aber nicht. Daß Gertrud in dem Hause des Pfarrers in der Befolgung des vierten Gebotes„Du sollst Vater und Motter ehren", nicht hestärkl wurde, unterliegt gar keinem Zweifel. Das kindliche Gefühl sagte ihr zum Beispiel, sie solle sich mit dem Vater versöhnen? die Frau Pfarrer hält sie aber davon zurück. Im Gerichtssaal geht sie an der Murter wie an einer Fremden vor- über.(Und doch sagt sie..Muttel" und„Pappi" und wird von den Eltern noch immer„Trudchen" genannt. Eine Hölle muß in der Stele dieses Kindes brennen. Wer hat sie geschürt?) Für dl« gestrig« Verhandlung waren nach den aufgeregten Szenen des vorangegangenen Tages im Gerichtssaal drei Schupos postiert. Di« Sitzung verlief jedoch in aller Ruhe. Verschiedene Xteumundzeugen konnten über Gertrud sittlich nicht« Nachteilige» aussagen. Die Befragung der Frau Frenze! durch den Sachver- ständigen Dr. Magnus H i r f ch f e l d über Nervenkrankheiten in ihrer Familie— es besteht tatsächlich schwere erbliche Belastung— und über ihr Eheleben, veranlaßt« ihn eine gewiss« Untersuchung des Angeklagten zu beantragen. Eigentümlicherweise widersprach der zweite Sachverständig« Dr. Plaut. Das Gericht entschied jedoch im Sinne Dr. Magnus Hirschfelds. Dann folgte die Vernehmung der Angehörigen des Angeklagten. Die älteste Tochter Else konnte sich mit der Gertrud nie richtig vertragen. Gertrud respektierte Else nicht als älteste Schwester, hielt sich auch abseits, half nicht im Haushalt und lief immer ins Pfarrhaus. Elf« war auch zugegen, als die Mutter auf Veranlassung der Frau Pfarrer Schenk den Vater wegen der an« geblichen Belästigungen der Hilde und der Trude zur Rede stellte. Hilde habe auf Vorhaltungen des Vater» erklärt, daß er sie nie berührt Hab« und Trude habe gemeint, er müsse es ja selbst wissen. Mit der Zeugin Hab« der Vater nie etwas vorgehabt. Elf« hat eines Tages versucht, die Trude im Pfarrhause zu sprechen? der Pfarrer hat eine Aussprache verhindert. Auch Arthur Frenz«! ist jetzt nicht mehr gut auf seine jüngste Schwester zu sprechen. Sie sei früher ein liebes Kind g«- wesen und habe gern der Mutter geholfen, Seil ihrem Bestich im Pfarrhause. sei sie wie umgemandelk gewesen. Von irgend welchen Belästigungen seiner Schwestern durch den Vat«r wisse er nichts. Für die Bezichtigungen durch Gertrud hat er ebensowenig eine Erklärung wie Else. Endlich wird Emst Fr«nzel, der Bruder des Angeklagten,»er- nommen. Ale dieser ihm von den gegen ihn erhobenen Be> Ichuldigungen Mitteilung machte, sagt« er:„List du schuldig, so geh auf die Jagd und schieß« dir eine Kugel durch den Kopf. Bist du unschuldig, so werde ich dich verteidigen." Als er ihm am nächsten Tag wie immer üb«r die Akten gebeugt sah, wußte er, daß er unschuldig sei. Er begab sich in die Privatdctektci Pinkerton und ersuchte sie. die erforderlichen Ermittlungen vorzunehmen. Der Zeuge hat im Hause seines Bruders viel verkehrt, hat fünf Monate lang bei ihm gewohnt und hat nie etwas Verdächtiges zwischen chm und den Töchtern gemerkt. Der Ursprung der Bezichtigungen Gertruds gegen den Vater fei in Hildes leichtsinnigen Aeußerungen zu suchen. Diese habe die Gertrud auch sonst zu schlimmen Dingen angehalten. Jedenfalls sei an der Bs- schuldigung kein wahres Wort... Die entscheidende Vernehmung der Hilde Frenze! erfolgt erst Donnerstag früh. Zum Schluß noch«ine kurze Bemerkung. Der Vorsitzende der Gerichtsverhandlung nahm gestern mehrmals auf den„Vorwärts"- Bericht Bezug. Um Miß- Verständnisse zu vermeiden: Gegen die ins Einzelne gehend« äußerst gewissenhafte Berhandlungsführung ist unter keinen Um» ständen etwas einzuwenden. Voll und ganz ist muh der Der» Handlungsmethode zuzustimmen, die eine Ueberlastung der Richter vermeidet. Uebel vermerkt wurde nur der Umstand, daß die Aus» dehnung dieses Prozesses, die auf der Hand gelegen haben mußte, nicht vorausgesehen worden war... Schießerei aus jedem Anlaß. Von der Anklage der Körperverletzung freigesprochen. Diesmal sitzt aus der Anklagebank ein Nationalsozialist. Das Opfer war ein Kommunist... Am 14. Januar kamen zwei Hakentreuzler des Weges daher, ein dritter gesellte sich zu ihnen. Es war gegen 9 Uhr. An der Ecke der Linien, und Joachimstrahe standen vor dem Berkehrslokal der KPD.— auch der berüchtigte Ali Höhler war hier Stammgast— etwa ein Dutzend Kommunisten. Die Hakenkreuzler blieben stehen und sahen sich die„Gegend" an. Einer von den Kommunisten, dem da» Hakenkreuzabzeichen mißfallen hatte, ging auf die drei zu? im selben Augenblick kam auch in die anderen Kommunisten Bewegung, die zwei nahmen Reißaus, ein Schuß fiel: Eamillo Roß, einer der Kommunisten stürzte verletzt zu Boden. Seine Genossen eilten den Flüchtenden nach, holten die Polizei und diese verhaftete die Rational. sozialisten Müller und Kulak. Im Letzteren glaubten ver- schieden« Zeugen den Schießenden zu erkennen. Sie wollten gesehen haben, wie er die Pistole gezogen und abgeschossen hat. Camilla Roß, dem die beiden gemeinsam mit einem dritten Unbeteiligten im Krankenhaus«— er hatte einen schweren Bauchschuß erhallen— vorgestellt wurden, war nicht in der Lage, den Täter zu erkennen. In der Gerichtsverhandlung, zu der Roß aus der Haft vorgeführt wurde— es schweben gegen ihn zwei Bersahren, eins, well er einen Schupooffizier niedergeschlagen, ein anderes, weil er einen Postsekretär, dessen Sportabzeichen er für ein national. sozialistisches hielt, getötet hat— behauptete er, in dem An» geklagten den Töter zu erkennen. Die Aussagen der Zeugen waren nicht ganz einheillich. Ihre Aussagen belasteten jedoch den An- geklagten Kulak nicht. Der Staatsanwalt hiell den Angeklagten durch die Zeugen. aussagen für überführt. Er beantragte neun Monat« Gefängnis. Das Gericht kam zum Freispruch. Der Beweis, hieß es in der Urteilsbegründung, daß der Angeklagte den Schuß abgegeben Hobe, habe nicht geführt werden können. Es bestünde wohl der Verdacht, daß er der Täter sei. Aber aus Mangel an Beweisen habe er frei» gesprochen werden müssen. Der Staatsanwalt legt gegen das Urteil Berususo«in._ Rationalistische Mordbuben. Wie der Arbeiter Heimburger erschlagen wurde. DieAnhänger der Rationalsozialistischen Arbeiter. partei, die sowohl mit dem Wort Arbeiter als auch mtt dem Wort Sozialismus und selbst mit der Bezeichnung national Schmdluder treiben, entfalten in der letzten Zeit, um das Wort: Rache für Wessel! wahr zu machen, eine blutige Tätigkeit, der nur noch mit den schärfsten Mitteln zu steuern ist. Auch das Bürgertum sollte es sich ernstlich überlogen, ob es den Dingen wie bisher weiter ihren Lauf lassen will, oder ob es nicht mit den Sozial- d«mokrat«n«me Front der Anständigen bilden will, die zur Wal)- rung von Ruh« und Ordnung uitt> des deutschen Ansehens dem blutigen Spuk«in schnelles Ende bereitet. Ueber die von grausamer Mordlust zeugende feige Bluttat der Haken kreuzler an dem Arbeiter Walter Heimburger wird uns nämlich noch folgendes mitgeteilt: Im Eckhaus Stier» und Hauptstraße in Fri«,denau befindet sich«in größeres Schanklokal. In den Nachtstunden de» Freitags voriger Woche stürzte plötzlich«in Mann mtt dem Ruf m» Lokal:„Schützt mich doch, ich bin ja gänzlich un» beteiligt I" Ehe die Wirtin und Gäste noch begriffen hatten, warum es sich handelte, drangen schon 9 bis 10 uniformiert« Nationalsozialisten in das Lokal ein und schrien:„Heraus mit dem Strolch!" Die nationalsozialistische Meute zerrt« ihr Opfers es war der später getötete Heimburger, wieder aus die Straß« h«r- aus, wo sie den Wehrlosen in viehischer Weise mit Stich» und Schlaginstrumenten und Stiefelabsätzen solang« bearbeiteten, bis er leblos fliegen blieb. Blutspuren im Lokal zeugten später da- von, daß der Ermordet« schon vor seiner Flucht schwer verletzt worden sein muß. Mehrere Fricdenauer Bürger, darunter ein Mitglied des Stahlhelms, die der nationalistischen Mordtat zusehen mußten, bs- stätigen diese Darstellung. Der Poli-zeipräsident erläßt zu den Vorfällen in der Nacht vom 16. zum 17. Mai ein« Erklärung, in der bestätigt wird, daß Heimbürger vor dem Lokal Ameise in Friedenau von den Nationalsozialisten erstochen worden ist. Wellerhin wird be- stätigt, daß in derselben Nacht ein gewisser Erwin S pu nden von dem Nationalsozialisten Timpe vor einen vorüberfahrenden Last» wagen gestoßen wurde und infolgedessen«in« Gehirnerschütterung erlitt. Gegen Timpe ist ein Hoftbefhl erlassen worden. ★ Di« Nachforschungen der Politischen Polizei zu der nächt» lichen Schießerei in der Naugarder Straße, bei der zwei Arbeiter von Nationalsozialisten erschossen wurden, haben bekanntlich zur Feststellung von 11 Personen geführt. Die.Festganommenen sind gestern nachmittag nach ihrem Verhör durch den Bernchnmngsrichter vom Polizeipräsidium nach Moabit gebracht Vörden.' � Waffereinbruch auf einer Vuhrzeche. Auf der Zech« A u g u st a Viktoria I bis II in Hüls war vor einigen Tagen auf einem Querschlag, der nach einer ab« geteuften Zeche führte,«ine Wasserader verlegt worden, au» der sich Wasser ergoß. Es gelang, dos eindringende Wasser zunächst auszupumpen. Dienstag vormittag muß diese Wasserader beim Sprengen wieder oerletzt und weiter ausgerissen worden sein, so daß sich das Wasser, das eine Wärme von 60 Grad hat, in Strömen ergoß. Es gelang rechtzeitig 3S0 Bergleute auszu» fördern, so daß Menschenleben nicht in Gefahr sind. Es wird versucht, das Wasser einzudämmen, doch konnte die Mlltogsschicht nicht einfahren. Aber wer eine Negerin wirtlich liebt, der ist ver« loren. Ja, er ist mehr als verloren, wenn er in seiner Schande verharrt, denn dann ist er der Verachtung aller preis- gegeben. Ein jeder weißer Mann verabscheut ihn!" Wir hatten die äußeren Boulevards durchschritten, längst waren sie zum Leben des Tages erwacht. In den Hallen waren winzig tleine Fischchen feil und fette Ostenher Austern zu trockenem Champagner,«in vorzüglicher Leckerbissen, den wir uns nicht entgehen ließen. Änut Bredes Redestrom flaut« etwas ab. Seme Aeußerungen schienen mir im übrigen hauptsächlich von der Art zu sein, wie sie die nervöse Stim» mung nach einem tagelangen Bummel zu erzeugen pflegt. Auch für mich war die vergangene Nacht recht anstrengend gewesen. Es kam mehr Wein. Ich antwortet« Knut Brede, so gut ich es eben tonnte, ohne sein Geschwätz sonderlich ernst zu nehmen oder genau durchzudenken. Außerdem reizte er mich durch seinen Mangel an Aufmerksamkeit. Er hatte sich augenscheinlich ausgeredet und ich hatte meinen Zweck als stummer Zuhörer erfüllt. Daß er sonst noch etwas von mir erwartete, war wohl nur«in Vorwand gewesen.-- Neuer Wcchselgesang der Ruderer ließ mich aus meinen Gedanken auffahren: Bami, Bami, Bami, Bami! Vergiß deine nfdernden Sklaven nicht, o großer Weißer, wenn du wohlbehallen an Land bist! Schließe die Gefängnistore fest zu, bis wir auf und davon sind. Und denk an die reichen Gaben, von denen gesungen wird, und die wir erhalten sollen, wenn Bami beizeiten erreicht Ob unsere. Bäuche wohl fühlen werden swird! den Kitzel des wunderbaren Wassers? Keiner hat je«in Boot gerudert wie wir! OH6. OH6. Ohs, QHKohäl— DcuniU. Am Landungsplatz empfing mich der Postmeister. Cr war ein kleiner, magerer, nervös zappelnder Mann. Der Rheumatismus— hier oft eine schwere, tödliche Krankheit, schien ihn erheblich verkleinert zu haben. Ein zottiger, langer Bart wucherte in seinem Gesicht. Wo die Haut durch- schimmerte, zeigte sie die weiß« Farbe feinster Wurzelfasern. Wie aus tiefen Slbgründen flackerte sein Blick forschend über mein Gesicht Als er«ine Sekunde lang in meine Augen tauchte, glaubte ich, ein graues Meer von Leiden und Eni- sagungen zu erschauen. Er legt die Hand in d'e meine, die ich ihm unwillkürlich entgegengestreckt habe. Aber so schnell es Anstand und guter Ton gestatten, lasse ich wieder los. Seine Hand ist wie ein zähes, schlüpfriges Tier. „Gestatten Sie, daß ich Sie hier in Bami willkommen heiße. Eine lange, harte Reil'«, nicht wahr, mein Herr? Fünfzehn Tage ist es— nach der Landbotschaft— her, seit Sie von Dombo aufbrachen. Das Reglement schreibt nur acht Tage vor, also ist es wohl ihr Befehl, daß die säumigen Ruderer ins Gefängnis wandern? Doch nicht?" In seinen matten Augen blitzt es aus?„Rein, nicht wahr, der Strom ist jetzt so reißend und wild, daß er sich um Gc- setz und Propheten nicht kümmert. Aber wo ist Zaloni, der Sie erwartet? He, komm heran, du Satans Bazande über allen Azandeern!" Aus den Reihen der Umstehenden tritt Zaloni hervor. .Komm zu mir, wenn die Sonne dort steht!" sage und zeige eine reichliche Stunde später. Und während ihm die Hand drücke, sage ich rasch und leise:„Du ißt mtt mir!" Der Postmeister weist mir das Hau» an, das auf den etwas größeren Stationen den reisenden Richtern und Amt- männern vorbehatten ist— eine Hütte von der gewöhnlichen Bauart hier: zwei Zimmer, verbunden durch ein brettes und tiefes„Entredeux" und rings um das Ganze herum eine ge- räumige Veranda und darüber«in dickes Strohdach, das mit Palmenblättern bedeckt ist. Meist sind die Häuser der Stationen aus Lehm aufgeführt. Aber Bamis verfallene Gebäude waren aus gebranntem Stein errichtet und lagen in einer Reihe nebeneinander. Die Fenster bestehen— wie überall im Hochkongo— nur aus dicken Holzjalousien. Am Tage kann der Anblick dieser glaslosen Oeffnungen peinigend wirken, wenn nämlich die Sinne von der Höllenhitze ge- schwächt sind. Dann kann man leicht in den Glauben ver» fallen, man sähe eine Reihe von Riesen vor sich, die nach der hier heimischen Foltermanier bis zur Rase in die Erde ein- gegraben sind, und die dunklen Löcher starren einem gleich Höhlen des Grauens und Schreckens entgegen. Die Arbeiter der Station bringen mein Gepäck, und meine Diener ordnen alles in gewohnter Weise. Der Dol- metscher schlägt die mitgebrachten Tische und Stühle im Flur. auf, der mit nur ein paar primitiven, von Eingeborenen gezimmerten Tischen möbliert ist. Nachdem Decken, Doku- mente, Bücher und Kleinigkeiten an ihren Platz gebracht sind, entsteht ein ganz wohnlicher Raum, in oem man wie auf einer Bühne sitzt, denn die eine Wand ist ja offen. Im Zimmer nebenan macht mein Boy den Bett- und den Bade- koffer gebrauchsfertig. Hinter dem Hause, im Küchenjchuppen« brüllt der Koch, schreit nach seinen Helfern, schimpft in Kehl- lauten voll böser Drohungen. Alles geht also vortrefflich. Die einigermaßen kühle Zeit des Tages steht bevor, und der §rößte Test der Malariabazillen, die den Körper verheeren, at sich nach der Mllz zurückgezogen. Ich lade den Post- meister auf ein Glas ein, denn es dauert noch eine Weile, ehe das Bad fertig ist. Er kostet das Getränk— es ist ein starker .Kultskamp". „Ah!" sagt er.„der geht ja direkt ins Blut!" Und schlürfend trinkt er mehrere Gläser hintereinander.„Es ist Monate her, seit ich den lsitoff zum letztenmal sah! Meine Zufuhr ist nämlich vollkommen ins Stocken geraten. Es ge- hört viel Energie dazu, sie stets auf dem Laufenden zu halten, und man muß schon einen geradezu überirdischen Durst spuren, wenn man im Januar einen Aperitif bestellen soll. der erst im Oktober ankommt!" Der Alkohol scheint sehr schnell auf ihn einzuwirken. Die Lippen bekommen stärkere Farbe, die Augen treten näher zusammen und erhalten einen festeren Ausdruck. „Wann haben Sie hier zuletzt weißen Besuch gehabt?" „Vor acht Monaten und vier Tagen. Damals besuchte mich der Herr Amtmann selbst und revidierte die Station. Inspektionsreise, wie bei Ihnen auch. Er war einen Tag lang hier. Dieses Tages erinnere ich mich sehr gut, ganz peinlich gut, wenn ich so sagen darf!"! „Sind Sie schon lange hier?" „Bald neun Jahre. Zweimal bin ich während dies«? Zeit auf sechsmonatigem Europa-Urlaub gewesen." Ich sah ihn erstaunt an.(Fortsetzung folgt.)! Aufklärung fut not! Sozialdemokratie schafft Sexual- Beratungsstellen. Die sozialdemokratische Rathausfraktion bringt folgenden Initiativantrag im Stadtparlament ein: 3n allen Bezirken wird je eine Ehe- und Segualberatungsstelle errichtet. Mit Zustimmung des Magistrats fann für fleine Bezirke die Stelle eines Nachbarbezirkes als zuständig erklärt werden. Besuch bei der Butterjungfer. Wochenende mit Brägenwurst und Bitterbier. Schon vor 30 Jahren sagte Professor Albrecht in seinem Ber-| figürchen, über das sich viele Gelehrte die Köpfe zerbrochen haben, liner Wanderbuch durch die Mart: 3erbst, einst die bedeutendste das aber mit dem Roland zusammen eine unerschöpfliche Quelle für Stadt Anhalts, sollte namentlich wegen seiner prächtigen mittelalter- den behenden und lebendigen Witz der Zerbster ist. Der Marktlichen Bauten viel mehr besucht werden. Der Hinweis hat wenig platz weist ein nahezu einheitliches mittelalterliches Gepräge auf. Mit der Verabschiedung dieses Antrages ist die Annahme fol- genügt, denn Zerbst wurde für die Berliner erst richtig am Sonntag, Als man zu Ehren der Berliner eine Illumination veranstaltete, da gender Richtlinien verbunden: dem 18. Mai 1930, auf einer Fahrt entdeckt, die der Berliner war auch nicht ein Fenster ohne Lichter, ein wahrhaft bezaubernder 1. Organisation. Die Eheberatungsstellen sind Einrichtun- ochenendausschuß dorthin veranstaltet hatte. Zerbst ist Anblick. Das ehemalige Barfüßerkloster Franzisceum birgt gen der Gesundheitsämter. Zur Leitung sollen im Gesundunbekannte Kostbarkeiten: Eine 6000bändige juristische Bibliothek aus heitsamt vorhandene Aerzte herangezogen werden. Die Spreche dem 16. und 17. Jahrhundert und seltenste Inkunabeln, die stunden sollen durchschnittlich zweimal wöchentlich, möglichst in den frühesten Erzeugnisse der Buchdruckerkunst. Eine großartige StadtNachmittags- oder Abendstunden stattfinden. Für Schreibarbeit und mauer, in vielen Einzelheiten der Rothenburger ähnlich, umringt die Assistenz soll anteilig eine im Gesundheitsamt vorhandene Hilfskraft Stadt. Den Dank der überraschten und erfreuten Berliner stattete zur Verfügung gestellt werden. Neueinstellungen sollen für diese Chefredakteur Karl Better in beredten Worten ab. Stelle nicht erfolgen. Für die Sprechstunden sollen möglichst vorhandene Räume und Einrichtungen der Gesundheitsämter verwendet werden. 2. Aufgaben. Die Ehe- und Sexualberatungsstellen arbeiten im engsten Einvernehmen mit der Geschlechtskranken, Kinder, Tuberkulose, Schwangeren-, Familienfürsorge und anderen zuständigen Fürsorgeeinrichtungen. Ihr Aufgabenfreis umfaßt: 1. Beratung von Ehetandidaten und Fortpflanzungswilligen auf ihre förperliche und eugenische Eignung; auf Wunsch werden Ehef auglichkeitszeugnisse ausgestellt. 2. Beratung bei allen Schwierigteiten ferueller und fegualpsychologischer Natur. 3. Beratung in Fragen der Behebung der Sterilität und der Bermeidung unerwünschter Schwangerschaft. 4. Betämpfung der Abtreibung durch Aufklärung über die Gefahren, Vermittlung der wirtschaftlichen Fürsorge und in geeigneten Fällen unentgeltliche Abgabe von Ver. hütungsmitteln. Calmette- Berfahren auch in Berlin! Die sozialdemokratische Rathausfraktion bringt meiter folgenden Dringlichkeitsantrag ein: In Lübed ist nach der Behandlung mit dem Calmette. Berfahren eine große Anzahl von Säuglingen schwer erkrankt, ja fogar geftorben. Das Calmette- Berfahren wird auch in einem Berliner städtischen Krankenhaus angewandt. Die Stadtverordnetenversammlung wolle fchließen: Der Magiftrat wird ersucht, anzuordnen, daß an städtischen Anstalten die Calmette- 3mpfung sofort eingestellt wird. " Weiter ist folgende sozialdemokratische Anfrage im Stadtparlament eingereicht worden: Während der Beratungen im Haushalt 1930 ist im Ausschuß gegen die Bewilligung der Stelle eines ärztlichen Direktors bei der Entbindungsanstalt Lichtenberg Einspruch erhoben worden. Wir fragen an, ob der Magistrat bereit ist, nach Einholung einer amtlichen Auskunft des Bezirksamtes Lichtenberg über die im Haushaltsausschuß im Beisein von Magistratsmitgliedern behandelte Borgänge Auskunft zu geben. Kurs Madeira. Der Flug des„ Graf Zeppelin". mit der Weglarer Bahn bis Station Lindau und von dort mit Zerbster Stadtautos zu erreichen. Das alte kommunale Trio: Kirche, Rathaus und Schloß ist hier in bemerkenswerten Exemplaren beisammen. Das großartigste und in einer Stadt von 20 000 Einwohnern überraschendste Erlebnis bleibt das Schloß, dessen Inneres so viel Sehenswertes birgt, daß man einen Tag zu tun hat. Vor allen Dingen ist das Anhaltische Landesmuseum zu nennen. Man ist als Berliner ziemlich verblüfft, wenn man an den Wänden, wohlverwahrt unter Glas, tausend jährige deutsche Urkunden mehrfach findet. Die naturwissenschaftliche Abteilung überrascht durch ihre interessante Anschaulichkeit. Das Zerbster Heimatmuseum übertrifft Dutzende ähnlicher Museen und legt sehr deutlich Zeugnis von einer beachtenswerten heimatlichen Kultur ab. Eine Anzahl Brunfräume haben sich hinter Berliner und Potsdamer Herr: lichkeiten nicht zu verstecken. Das wird verständlich, wenn man daran denkt, daß Anhalt- 3erbst einmal Residenz war. daran denkt, daß Anhalt- Zerbst einmal Residenz war. Aber tiefe Tragit umwittert den Schloßprunt. Er wurde erkauft mit dem Glück und dem Tod der Untertanen. Die Zerbster Fürsten verfauften ihre Soldaten an England. Das Rathaus birgt in der Das Rathaus birgt in der echten echten Lutas Cranach- Bibel mit ihren ausgemalten Holzschnitten eine unbezahlbare Seltenheit. Das Stadtbild wird von der maffigen langgestreckten Bartholomäitirche vollkommen beherrscht. Vor dem Rathaus ein Roland und ihm benachbart auf schlanker Säule das eigentliche und populäre Wahrzeichen der Stadt, die Butterjungfer, ein reizendes BronzeBootsunglück auf dem Steinhuder Meer Zehn Regattaboote gekentert.-- Zwei Studenten vermißt. Hannover, 20. Mai. huder Meer, die am letzten Sonntag stattfand, wurden, wie Bei der diesjährigen Segelregatta auf dem Steinerst jetzt bekannt wird, zehn Boote durch den unvermutet auftommenden Sturm zum Kentern gebracht. Durch Motorboote, die ungeachtet des Wetters hinauseilten, fonnten neun Bersonen gerettet. werden, von denen zwei fast eine Stunde mit den Wellen gekämpft hatten und völlig erschöpft waren. 3wei Studenten der Technischen Hochschule Hannover werden vermißt. 18 tote Kinder in Lübeck! Lübed; 20. Mai. Die Zahl der Todesopfer der Calmeffe- Fütterung, hat sich inCzwischen auf achtzehn erhöht. Im Laufe des heutigen Tages find drei weitere Ertranfungen gemeldet worden.>>> Condon, 20. Mai.( Eigenbericht.) Das Luftschiff„ Graf 3eppelin", das am Dienstag vormiffag furz nach 9 Uhr Sevilla mit 10 paffagieren an Bord verlassen hat, wurde um 15.30 Uhr dicht bei den Kanarischen Inseln gefichtet. Das Schiff hatte eine Stundengeschwindigkeit von 110 kilometern. Um 17.24 Uhr Greenwicher Zeit stand„ Graf Zeppelin" unter 34 Grad 44 minuten nördlicher Breite und 12 Grad 53 Minuten weftlicher Länge. Es herrschte leichter Südwestwind. Die See war ruhig, die Sicht gut. Richtung ist Madeira, das wahrscheinlich das Luftschiff noch heute Nacht hinter sich laffen dürfte. * Das Luftschiff war während seines Aufenthalts auf dem Flug platz von Sevilla das Ziel einer zahllosen Menschenmenge. In unabsehbaren Scharen waren die Einwohner der Stadt und der umliegenden Ortschaften nach dem 10 Kilometer von der Stadt ent fernten Flugplaß gekommen, um den Luftriesen zu bewundern, so daß ein Vorwärtskommen nur schrittweise möglich war. Das Luftschiff überflog die afrikanische Küste, Ceuta und Tetuan, mit vier abgedrosselten Motoren, da die Landung in Sevilla infolge der fengenden Sonnenglut erst in den späten Nachmittagsstunden möglich war. Das Luftschiff übernahm vor seinem Start die letzte Bost für Südamerika, die mit dem Sonderflugzeug der Lufthansa gestern früh in Deutschland aufgegeben worden war. Umfall der„ Chriftlich- Unpolitischen". Zu den Berliner Elternbeiratswahlen am 1. Juni, die es allen freiheitlich eingestellten Bätern und Müttern zur Pflicht machen, für die Liste ,, Schulaufbau" zu stimmen, wird uns aus Weißensee geschrieben: " In der vorbereitenden Elternversammlung des Oberlygeums Berlin- Weißensee war am 15. Mai eine Einheitsliste, auf der fechs Vertreter der Richtung Schulaufbau" und fünf der Richtung ,, Christlich- unpolitisch" vereinigt waren, zustande gekommen. Die Anhänger der Liste Schulaufbau" hatten dem zugeftimmt. Ein Wahlkampf schien unnötig. Da veröffentlichten die Chriftlich- Unpolitischen", die unter Führung des Pfarrers Bogel stehen, plötzlich am 19. Mai einen Aufruf, in dem die Vertreter der Richtung ,, christlich- unpolitisch" erklären, sie sähen in den sechs Vertretern des ,, Schulaufbau" eine Gefahr für die Interessenvertretung ihrer christlichen Kinder. Schulaufbau" vertrete eine politische Partei, die Sozialdemokratie, und erstrebe die Berweltlichung des Schulwesens. Wir, so heißt es wörtlich weiter, haben, um die drohende Gefahr abzuwenden, unsere Kandidatur auf der Einheitsliste zurüdgezogen. Wir wollen eine eigene Liste mit dem Kennwort ,, Christlich- Unpolitisch" aufstellen. " Die Richtung ,, Schulaufbau" vertritt nicht eine politische Partei, sondern vertritt alle Eltern, die eine freiheitlich- staatstreue, über politische Erziehung ihrer Kinder wollen, ob diese Eltern nun Sozialdemokraten sind oder nicht. Der Herr Pfarrer handelt unchristsch, denn er hat das Bibelwort: altet Frieben unterein ander!" vergeffen. Er handelt politisch, weil er feinen Stampi gegen eine Partei richtet. Sprechchor für Proletarische Felerffunden. Donnerstag abend 7% 7 Uhr llebungsstunde im Gesangsfaal der Sophienschule, Wein meifterstraße 16-17. Großfeuer in Oranienburg. Hochhaus der Dampfmühle in Flammen. Die Oranienburger Dampfmühle, ein Hochhaus von acht bis neun Stofwerten, steht in Flammen. An der Brandstelle ist bisher nur die Oranienburger Feuerwehr erschienen, sämtliche Feuerwehren der Umgegend find alarmiert. Bei Schluß des Blattes war auch die Berliner Feuerwehr erschienen. Es gewinnt den Anschein, als ob das Riefengebäude nicht mehr zu retten ist. Berlinerin in Schlesien ermordet. Habelschwerdt( Schl.), 20. Mai. Die als Gast in einem Lehrerhaus in Wölfelsgrund wohnende 54 Jahre alte Witwe Elise Wolfsohn, geborene Lippmann, aus Berlin wurde seit Sonntag vermißt. Ein Streiffommando unter Führung eines Landjägermeisters fand die Leiche der Vermißten im Buckelbach am Ausgange von Wölfelsgrund im Wasser liegend auf. Die Schuhe fehlten und wurden später etwa 50 meter oberhalb des Baches aufgefunden. Dort stellte man auch Blut Funkwinkel. Aber auch die neue Zeit kommt zu ihrem Recht. 3erbster Spargel findet auf dem Leipziger Markt reißenden Absatz. 3erbster Bitterbier hieß es im 17. Jahrhundert:„ Die Zerbster Bürger brauen ein herrliches und gesundes Bier, welches bis nach Hamburg geführet wird. Wenn im Herbst das Brauen angeht, wird in den Kirchen dem Bitterbier eine besondere Lobrede gehalten." Man bekommt es auch heute noch und bei Zerbster Bitterbier, der heimischen ebenso volkstümlichen wie delikaten Brägen wurst und den heimischen Salzgurten läßt sich gut leben. Die Zerbster Thermometerindustrie hat erfreuliche Beziehungen zum Weltmarkt. Zerbster Seifen und 3ahn= bürsten haben guten Ruf. Der alljährliche Auguft martt hat sich seit undentlichen Zeiten in ganz Mitteldeutschland als auch heute noch berühmtes Volksfest erhalten und die alljährlich zu diesem Fest stattfindende Pferdelotterie ist mit ihren hunderttausend Losen bereits jetzt vollkommen ausverkauft In der Tat, hier hat sich für die Berliner, besonders aber für die Motorfahrer, Radfahrer und Autler ein ganz neues Ziel aufgetan. Die Reichsbahn aber sei dringend gebeten, Sonntags- bzw. Wochenendkarten bis Station Lindau aufzulegen. spuren fest. Von hier aus führten Schleiffpuren nach der Fundstelle der Leiche. Am Hintertopf der Toten und über dem rechten Auge wurden mehrere Stiche festgestellt. Auf Veranlaffung der Staatsanwaltschaft wurden sofort die Ermittlungen aufgenommen. Sport. Rennen zu Grunewald am Dienstag, dem 20. mai. 1. Rennen. 1. Dttogebe( Plätte). 2. Merkur II, 3. Großfürstin. Zoto: 114: 10. Blaz: 18, 16, 15:10. Ferner liefen: Menelaos( 4), Sonntagmorgen, Fechter, Husdent, Partie( gef.). 2. Rennen. 1. Dfiris( Ramesch), 2. Muder, 3.. Tornado. Toto: 70:10. Blaz: 24, 48, 28: 10. Ferner liefen: Gilde( 4), Gerwin, Houblon, Kili, Mithridates, Eulalia, Lagenburg. 3. Rennett. 1. Flaggengruß( Safdil), 2. Smmerzu, 3. Scapos. Zoto: 24: 10. Plag: 13, 14:10. Ferner liefen: Königstochter( 4). Simplars. 4. Rennent. 1. Oberjäger( E. Rupprecht), 2. Stermat, 3. Bigor. Toto: 29:10. Drei liefen. 1. Mosellaner( Mathia), 2. Don José, 3. 2obredner. 5. Rennen. Toto: 126: 10. Blab: 27, 17, 57 10. Ferner liefen Comptendorf( 4), Teja, Camillus, Drdensregel, Sternfunde, Landlust, Stauffenburg. Dtis. 6. Rennen. 1. Mundfchent( b. Göb), 2. Gallina, 3. Bantomime. Toto: 32: 10. Blat: 18, 19, 28,: 10. Ferner liefen: Gladiator( 4), Hardianac, Legende, Filmstar. 7. Rennen. 1. Mynheer( Bermann), 2. Francesco, 3. Rotenſtein, 4. Morgenrot. Toto: 53:10. Blaz: 17, 29, 16, 17:10. Ferner liefen: Bivat, Fonta, Tabsel, Florett, Eliogabal, Edu, Beluga, Bindspiel, Marlitta, Goldalma. SU Sozialiſtiſche Arbeiterjugend Gr.- Berlin Einsendungen für diese Rubrik nur an bas Jugendfefretariat Berlin SW68, Lindenstraße 3 Berufsgruppenversammlungen. Graphische Industrie: Heute 17 Uhr im Jugendheim Lindenftr. 4. Thema: „ Politisierung der Jugend in Betrieb und Berufsschule". 2. Berufsangelegen. heiten. Textilindustrie: Die Versammlung fällt morgen, Donnerstag, aus. * Streichorchester: Heute von 20-22 Uhr Pflichtprobe bei 2ilket, Stolpisce Straße 27, 2. Aufgang, 4 Treppen( U- Bhf. Nordring). Kopenhagen! Anmeldungen für den standinavischen Jugendtag heute legter Tag! Heute, Mittwoch, 19% Uhr. Artonaplah: Schule Elisabethkirchstr. 19: Jugendliche Strafgefangene". Gesundbrunnen II: Schule Christianastr. 38. Norden: Heim Lorging. Ede Graunstraße: Die englische Arbeiterbewegung". Hohenschönhausen: Schule Dingelstädter Straße: Fahrtenerlebnisse". Frankfurter Viertel: Heim Frankfurter Allee 307: Unsere Aufgaben als Rulturorganisation". Petersburger Biertel: Heim Silfiter Str. 4: Bursche und Mädel in der Gemeinschaft". Reichenberger Viertel: Heim Briger Str. 30: Lichtbilderabend. Luisenstadt: Heim Wassertorstr. 9: Lustiges Kleinholz". Lindenhof: Restaurant Linden hof":" Jugend und Freizeit". Charlottenburg- Nord: Heim Olbersstraße: Das Berufsausbildungsgefeß" Spandau: Heim Lindenufer 1: Körperfultur". Westend: Heim Rosinenstr. 4: Funktionärsigung. Erscheinen sämt licher Funktionäre unbedingt erforderlich. Lantwig: Gemeindeschule Schulstraße: Erlebnisse einer Jugendfürsorgerin". Marienfelbe- Lichtenrade: Heimabend fällt aus. Wir beteiligen uns gefchloffen an der Beranstaltung im Wannsee: Mali", Chauffeeftr. 305. Treffpunkt 19 Uhr Bhf. Lichtenrade. " Schule Charlottenstraße: Unsere Arbeiterorganisationen im Ausland". Reufölln I: Fahrtbesprechung beim Genossen Reek. Neukölln XI: Funktionärfigung. Köpenick: Heim Dahlwiker Str. 15: Funktionärversammlung und Vortrag: Arbeiterjugend und Schule". Faltenberg: Jugendheim der Garten. stadt( Gutshof): Flegeljahre". Karlshorst: Heim Trestowallee 44: Baneuropa". Lichtenberg- Mitte: Seim Scharnweberstr. 29: Die Entwicklung des Menschen". Lichtenberg- Nord: Heim Gunterstr. 44:„ Gegen den Militarismus"( Lichtbilder). SSG. Neukölln: Heim Bergstr. 29: Was gibt es Neues auf politischem Gebiet?" Werbebezirk Tiergarten: Wichtige Sprechchorprobe 19% Uhr Waldenferstraße 20. Alle Genossen müssen pünktlich erscheinen. Werbebezirk Teltowlanal: Freigeistige Revue gemeinsam mit den Freidentern im Mali". Es ist Gelegenheit gegeben, Genossen aus der SAJ. für 1 M. den Kirchenaustritt zu ermöglichen. Genossen aus anderen Gruppen find herzlich willkommen. Werbebezirk Prenzlauer Berg: Bildungsausschussigung 18% Uhr bei Schmidt, Stolpische Str. 11. Alle Abteilungen müssen vertreten sein.. Sprechchorprobe großer Caal. Thema:„ Die Reichskonferenz in Lüneburg". 20 Uhr im Heim Gleimstraße. Reafte Teilnahme wird erwartet. Werbebezirk Neukölln: Funktionärversammlung im Heim Ranner Straße, Morgen wich Und wir haben nichts dagegen getan"- Szenen von Maxwell Anderson und Harold Fiderson. Ein antlagender Titel; ein aufrüttelndes Wert. Weit über dem Durchschnitt der üblichen Hörfpiele. Ein Aufschrei über den Stumpffinn und die Gleichgültigkeit, mit denen der gute Bürger über Todesurteile zur Tagesordnung übergeht. Ein Aufschrei über die Todes. urteile selber. In Amerika wurden zwei Anarchisten als Mörder verurteilt, weil sie Anarchisten waren und deshalb sterben mußten. In Deutschland genügten Indizienbeweise für Todes urteile. Und wir haben nichts dagegen getan", daß die Maschine des Gesetzes ihren mörderischen Gang.lief. Regisseur und Sprecher waren von dem Inhalt des Werks gepackt; deshalb packten sie auch die Hörer. Die Unterhaltung Können Dichter die Welt ändern?" zwischen Gottfried Benn und Otto Distler hätte eine Art Aufzwischen Gottfried Benn und Otto Distler hätte eine Art Aufmit Sozialbewußtsein einen in wohlklingenden Satzgefügen schwelgentakt zu der Aufführung sein fönnen. Aber sie stellte einem Menschen den Monomanen gegenüber. Jedoch wer wenige Minuten nach Beige Sigung mit den Abteilungsleitern zweds Neuaufteilung der Abteilungsginn der Diskussion einschaltete, stand vor der Frage: Welcher ist bezirke, Parteibüro, Fuldastraße. Jeder bringt einen Stadtplan mit. welcher?" und befam feine Antwort darauf. Grundsatz sollte bei Werbebezirk Webbing, Tambourtapelle: Morgen vollzähliges Erscheinen aller Spielleute notwendig. Lehrbücher find mitzubringen. Interessierte Genossen 3wiegesprächen sein: Namen immer wieder da klarstellen, wo find willkommen. Wesentliches geäußert wird. Das Gespräch zwischen Georg Werbebezirk Lichtenberg: Morgen W.- B.- B.- Sizung 18 Uhr( nicht 20 Uhr) Fröschel und Leo Lania über Dichten oder berichten" brachte im Heim Gunterstr. 44. wenigstens einige Male namentliche Anreden. Lania vertrat die Ansicht, Beitereignisse müßten als reportagehafter Bericht gegeben werden. Fröschel wollte das Allgemeine am Einzelfall dichterisch largestellt fehen. Das Programm der aktuellen Abteilung führte an ben Berliner West ha fen. Eine ganz anschauliche Reportage in etwas holperigem Deutsch. Auf der Deutschen Welle sprach Dr. Hans Speier über die Freundschaft zwischen Marg und Engels. Ein Vortrag, der in flaren Linien das Wesentliche umriß: die Bersönlichkeiten dieser beiden Borkämpfer des Sozialismus und die Bedeutung ihres Freundschaftsbundes für das gemeinsame Wirten. Tes. " Stralauer Viertel: Der Heimabend am Freitag fällt aus. Morgen Spielen in Treptow, Wiese 6. Gelbe Raucherzähne. I benuhe felt Jahren die Chlorodents Zahnpaste und bin mit ber Berwendung derselben Jehr zufrleben Trogbem ich ein Rettenraucher bin, sind meine 3ähne ftets blendend -weiß. Auch fehlt mir fein einziger Jahn, fodaß ich behaupte, nur Chlorodont" erhält meine Zähne gesund." S. Grunenberg, München. Chlorodont: Zahnpaste, Zahnbürsten, Mundwasser Einheitspreis 1 M. bei höchster Qualität. In allen Chlorodont- Verkaufsstellen zu haben BERLIN HAMBURG ALTONA KÖLN HANNOVER DÜSSELDORF Die CA Seite Jahrgang 1930 BRENNINKMEYER Gewidmet allen Freunden unseres Hauses und denen, die es werden wollen. Copyright by Kurt Lisser Reklame 1930 Wer auf dem Gebiet der Werbung tätig ist wer Gelegenheit hat, hinter die Kulissen zu guckenwer sieht, wie häufig noch das Vertrauen des Publikums mißbraucht wird, dem muß man es wohl zugute halten, wenn er ein ausgesprochener ,, Zweifler" wird. Und alle die vielen müssen mit darunter leiden, die dem Leitsatz huldigen, wie wir es tun: ..Wahrheit in der Reklame" Als Zeitungspropagandist habe ich ständig Gelegenheit, zu beobachten, wie skrupellos übertrieben und bombastisch viele Firmen ihre Anzeigentexte abfassen, und ich muß offen zugeben, daß ich aus eben diesem Grunde auch Ihrem Angebot in fertiger Herrenkleidung recht mißtrauisch gegenüberstand." So schreibt uns Herr Werner T... w am 29.4.d. J. natürlich ohne Aufforderung von unserer Seite. Und man muß es einem solchen Zweifler doppelt hoch anrechnen, wenn er trotzdem sich die Mühe macht, einem lockenden Angebot nachzugehen. Mit welchem Erfolg? Bitte lesen Sie weiter: 3. 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Beilage des Vorwärts Mittwoch, 21. Mai 1930 Reichstag gegen Tariferhöhung. Sozialdemokratie gegen die Personalpolitit der Reichsbahn. Der Reichstag setzte am Dienstag nachmittag 3 Uhr di« Beratung des Verkehrsetats fort. Abg. Gaschke(Komm.) spricht gegen den militärischen Bahnschutz und Reichswasserschutz. Die vier Mann starke Wache Berlin des Reichswasserschutzes Hot am Schisfdauerdamm 40 zwanzig Dienstzimmer zur Berfügung. Bei der Befreiung sseier am Rhein wird cherr Hörsing mit seinem Reichsbanner vor Hindenburg und der Regierung Brüning, die er als Sozialdemokrat bis auss Messer be- kämpft, im Paradeschritt vorbeimarschieren. Für die Lustsahrt wird der ungeheure Betrag von 39 Millionen ausgeworfen. Abg. Hintzmann(D. Bp.) bezweifelt, daß«in so großes Parka. ment wi« der Reichstag den Riesenbetrieb der Reichsbahn so über- sehen kann, um die technischen und organisatorischen Notwendigkeiten der Rationalisierung zu erkennen. Reichsverkehrsminister v. Gusrard erwidert dem Kommunisten mit einer Auszählung der vielfach höheren Luftfahrtausgaben anderer Länder. Pro Kopf geben wir 78 Pfennig« für Luftfahrtsubventionen aus gegenüber mehreren Mark in Eng- land, Frankreich, Italien und Amerika. Auf dos gestrige Ersuchen des Zentrumsabgeordneten Groß zählt der Minister alle bestehenden, natürlich im Gesetz begründeten Berkehrsbeiräte auf, so für Wasser- straßen, Essenbahn, Kraftfahrwesen und Luftfahrt. Auf der Welt- kraftkonferenz wird das Reichsoerkehrsministerium mit Referaten u. a. m. mitarbeiten. Aus der Wiederherstellung der Kreditfähigkeit der Reichsbahn werden wir Ausbaumöglichkeiten gewinnen, was wiederum die Kreditfähigkeit stärken wird. Abg. Dauer(Bayer. Vp.) wünscht Errichtung eines Flughafens für Nürnberg. Di« Holzfrachten-Ausnahmetarife für di« Unwetter. schädengebiete des bayerischen Waldes sind viel zu spät gekommen, um wirksam zu helfen. Abg. Slipers(D.-Hann.) verlangt Durchführuung geplanter Bahnbauten und Ueberschwemmungsschug bauten im Unterelbegebiet. Abg. Sünlich(Soz.): Wir bedauern ebenso wie der Minister die Verkehrszersplitt«. rung in Deutschland und fordern di« Fortführung der Bemühungen zur Vereinheitlichung. Di« Unfallzahlen im Luftverkehr sind noch viel«r hoch. Wir bitten dringend, daß die Vorwürfe, die in letzter Zell aus der Pilotenschaft gegen die Leitung der Lufthansa erhoben wurden, daß sie vom Piloten Schneid an Stelle von Sicherheit oerlange, genau untersucht werden. Wir verlangen«ine rechtzeitig« Vorlag« des Entwurfs der Neuregelung der Kraftverkehrs- steuer. Di« geringen Mittel zur Fortführung der Kanatbauten haben die unter« wirtschaftlich noch vertretbare Grenze, von der der Minister sprach, bereits unterfchrstten. Der Bau wird durch die lange Ausein- anderziehung der einzelnen Bauabfchnstt« unwirtschaftlich und viel zu teuer. vor allem notwendig ist die Fertigstellung des vlllkellandkanal». Geradezu grotesk sst es, daß der Ostseekanal nur deswegen nicht rentieren kann, weil das letzte 5 Kilometer lange Anschlußstück an den Dortmund-Ems-Kanal wegen Mangel an Mitteln nicht gebaut wird. Die Inangriffnahme neuer Kanalbauprojekte sollt« nicht vor der Fertigstellung der alten erfolgen, weil bei der tropfcnweisen Bewilli- gung der Mittel die Fertigstellung auch durch früheren Baubeginn nicht beschleunigt werden könnt«. Tie Unterweseroertiefung. die wir in den vergangenen Jahren immer wieder beantragten, muh endlich erfolgen. Aba o. Troito(Dnat.) verlangt Derkehrsverbesserungen und Sondertarife für die Ostprovinzen. Abg. Gandorfer(D. Bp.): Wie soll der Not im bayerischen Wald durch Hebung des Fremdenverkehrs geholfen werden, wenn man stets ablehnt, die Züge dahin zu vermehren und den notwendigen Straßenbau unterläßt? wir fordern, daß jeder Aulomobllist sich gegen Haftpflicht ver- sichert, damit die Opfer von Unfällen nicht um die Entschädigung kommen. Der Donau-Ho chwasserschutz in Niederbayern ist vollkommen unzu- reichend. Für di« Lustfahrt wird das Geld mit beiden Händen hin- ausgeworfen. Die Fahrgäste— hohe Beamte mit gewaltigen Gc- hällern und Kapitalverschieber— sollten soviel bezahlen, daß nicht das Reich 80 Proz. der Fahrpreise zuschießen muß. Abg. Schuldl-Steglitz(Dem.): In feiner Düsseldorfer Rede hat D o r p m ü ll e r von der gewaltigen Steigerung der Personalaus. gaben gesprochen und den Reickstagsbeschlüssen und Schiedssprüchen die Schuld daran gegeben. Was sollte dieser Angriff bedeuten? Etwa daß die Reichsbahn ein vollkommen privates Unter. nehmen werben soll? Das wollen wir keineswegs. Auch ander« Stellen jener Rede waren nur geeignet. Unfrieden zu säen. Der Borsitzende des Verwaltungsrats der Reichsbahn, von Siemens, hat sich auch solche Ausfälle gegen das Reich und die Sozialpol'tik gel« ist et. Abg. Neddenriep(Thrnat. Bp.) bringt lokale Verkehrs- wünsche vor. Abg. Scheffel(Soz.): Tariferhöhimg sst kein geeignetes Mittel zur Behebung der Geld- knavphett, die Erfahrungen beweisen das Gegenteil Eine Tarif- reform nnrd notwendig fein, besonders ein« Prüfung der Zweck- Mäßigkeit der»erschiedenen Tarifsätze. Merkwürdig ist, daß gerade bei der jetzigen Geldnot die Reichsbahn überreiche Ab schrei- bungen macht. Sie könnte doch einmal auf den Rücklage- fand» zurückgreifen, der bereits auf 500 Millionen angewachsen ist, statt durch Tanserhöhungen die Oessenllichkeit zu beunruhigen, die Arbeiter und Angestellten zu belosten. Di« Persona lpoliiik der Reichsbahn bleibt trotz aller Kritik des Reichstag» unverändert. Zehntausende Arbeiter werden entlassen. Betriebswerkstätten geschlossen, und von oben her wird auf die unteren Gruppen gedrückt. Streckenarbeiter, die schon jahrzehntelang Dienst lessten, haben keine Gelegenheit, Beamte zu werden. Wir wenden uns dagegen, daß die Kosten der Rationalisierung immer nur von den Arbeitern und Beamten getragen werben sollen.(Sehr wahr! bei den Soz.) An den hohen Gehältern wird nicht gespart, genaue Angaben darüber werden uns vorenthalten. Wie steht es mit der Neubesetzung des Verwoltungsrats? Die Ge- werkschaften warten schon recht lange auf Auskunst. Bezeichnend ist folgende Statistik: Nach dem großen Abbau be- schäftigte die Reichsbahn im Jahre 1925 noch 732 961 Mann und 3052 höhere Beamte, im März 1930 waren die entsprechenden Zahlen 679 404 und 3474, während also über 53 500 weniger Arbeitsplätze waren, gab es 422 höhere Beamte mehr.(Hört, hört!) Trotz aller Kritik des Reichetages werden die Leistungszulagen weiter gezahlt. 24 Millionen stnd dafür verwendet worden. Groß« Summen werden auch noch immer für den überslüfstgen Bohnfchutz und auch für den nicht überall nötigen Reichswasserschutz ausgegeben. Wir verlangen Abschaffung aller unproduktiven Ausgaben. Rück- stchtnahme auf die Interessen des Personals und tatkräftige Lösung der vorliegenden Fragen. Von dem Dank, den der Geschäftsbericht alljährlich dem Personal ausspricht, kann kein Mensch leben Wir verkennen keineswegs die vorhandenen Schwierigkeiten, die ihren Grund zum großen Teil in mangelnder Zusammenarbeit der einzelnen Verkehrsmittel haben, und wünschen ihre Ersetzung durch harmonische Zusammenarbeit im Interesse der deutschen Volkswirt- fchaft.(Lebhafter Beifall der Soz.) Abg. Dr. Steiniger(Dnat.): Zur Schonung der Straßen müßten Gewicht und Geschwindigkeit der Lastkraftwagen eingeschränkt werben. Die Wegebaukosten der Provinzen, Kreise und Gemeinden werden auch durch noch so hohe Steuerüberweisungen nicht gedeckt. Infolge des Lastauwverkehrs will Verlin 55 Brücken wegen Bau- fälligkeit für jeden Verkehr sperren. Die Lastkraftwagen rauben den Deutschen den Schlaf und machen ihre Häuser baufällig. Abg Ehrhardt(Z.) verlangt Wiederherstellung der durch di« neu« Grenzziehung zerrissenen Verkehrsverbindungen. Es handelt sich um 71 Eisenbahnlinien und um Verlängerung der Berbindungen bis zu 300 Kilometer. Die Zahl der über di« Grenze fahrenden Personenzüge sst gegen 1913 um 45 Proz., der Güterzüge um 84 Proz. gesunken. Wenn die Reichsbahn dabei bleibt, neu« Linien nur bei lOOprozentiger Rentabilität zu bauen, dann geht die Wirt- fchaft in den Ostgebieten vollständig zugrunde. Polen lransportieri die osioberschlesische kohle, die mit 40 Proz. niedrigerer Lohnbelastung produziert wird, für 3.35 Mark pro Tonne nach Gdiugen: die Reichsbahn verlangt den dreifachen Frachtsatz von Denlsch-Oberschlefien nach Danzig! Amtliche Stellen kennen oft nicht einmal die Geographie von Ober. schlesien und verlegen deutsche Ort« nach Polen und der Tschechoslowakei.(Hört, hört!) Abg. Schröter-Merfeburg(Komm.): Der Vergleich unserer Luft. fahrtausgaben mit denen der anderen imperialistischen Staaten sst unangebracht, zumal wenn bei uns Sozialausgaben aus„Sparsam- keit" abgelehnt werden. Di« Sozialdemokraten haben früher die Tariferhöhungen der Reichsbahn, die sie heute bekämpfen, stets be» willigt. Die Mafsenentlasfiingen im Bezirk Dresden der Reichsbahn sint vom freigewerkfchaftlichen Bezirksbetriebsrat mit beschlossen worden. Die Abstimmung. Damit ist die Aussprache beendet. Mit großer Mehrheit wird ein Antrag der Regierungsparteien angenommen. 8000 Mark für ein Mietauto des Leiters der Luftfahrtabteilung im Reichsverkehrs- Ministerium zu streichen. Beschlossen wird ferner aus Antrag der Regierungsparteien, die vom Ausschuß gestrichenen 10 000 Mark für Dienstkrastwagen und Krafträder des Ministeriums wieder ein, zustellen, ebenso die Reisekosten bei den nachgeordneten Reichs- behörden:«in« Maschinenmeisterstell« wird aus Antrag Schmidt- Stettin(Dnat.) gestrichen. Angenommen wird eine Ensschließung des Ausschusses gegen di« Tariferhöhung auf der Berliner Stadtbahn und weiter« Entschließungen aus Gleichstellung der Kleinkrasträder mit den Kraftfahrzeugen im Derkehrsgesetz, auf Beseitigung der User. abbräche an der Unterelbe und aus Fahrpreisermäßigung für Reisen nach den Kriegergräbern. Angenommen wird auch eine von den Kommunisten beantragte Entschließung, wonach die Reichsregie- rung ihre Zustimnmng zur Erhöhung der Stück- und Expreßgut- tarife rückgängig machen soll. Die Abstinnnungen zum Iustizetat ergeben Annahm« nach den Ausschußoorichlägen. Für den kommunistischen Mißtrauensantrag gegen den Reichsjustizmimster stimmen nur die Antragsteller. Um 20 Uhr oertagt das Haus die Weiterberatung des Etats (Reichswehr) auf heute, 15 Uhr. Preußenetat ausgeglichen. Erhöhung der Grundvermögenssteuer in zweiter Lesung angenommen. Der Landtag nahm am Dienstag nach Erledigung einer Reihe kleiner Vorlagen in dritter Lesung und jn namentlicher Ab- stimmung den Gesetzentwurf zur Aenderung der Besteuerung de» Wanderlagerbetriebs gegen die Stimmen der Kommunisten an. Es folgte die zweite Lesung de» Eulwurf» zur Aenderung de» Gruud- vermögenssleuergesehe». Der Hauptausschuß empfiehlt die unveränderte Annahme des Eni- wurf» der Regierungsparteien und di« Ablehnung der. Aenderungs- antrüge der Opposttiön. Abg. Howe(Dnat.) wendet sich gegen die Erhöhung der Steuer, da man im Ausschuß sämtliche Aenderungsanträge der Opposition»- Parteien abgelehnt hat. Abg. Oberdörster(Komm.) greift im Verlaufe feiner Rede ins- besondere die Sozialdemokraten an, die er sozialfaschistische Ketten- Hunde des Kapitals nennt.(Ordnungsruf.) Es kommt zu erregt:« Auseinandersetzungen zwsschen Kommunisten und Sozialdemokraten, di« Abg. Kasper(Komm.) in Zwischenrufen wiederholt als Lum- pen beschimpft. Hieraus wird die Beratung abgebrochen, um die Abstim- m u n g e n in zweiler Lesung über den Etat de» Minister- Präsidenten vorzunehmen. Der Etat wird unverändert an- genommen. Abgelehnt wird u. a. auch der Antrag, die pren- hische Gesandlschaft in München auszuheben. In der fortgesetzten Debatte über die Erhöhung der Grund vermögen sst euer erklärt Abg. Dr. Zleumann-Frohnau(D. Vp.), daß feine Fraktion der Verabschiedung des Gesetzes die größten Schwierigkeiten machen werde. Abg. Menh(Wpt.) bezeichnet das Vorgehen der Regierung als die Diktatur der Sozialdemokratie. Di« Abg. Schmitt-Limburg(D Frakt.) und Kerrl-Peine(Rat.- Soz.) lehnen die Erhöhung der Grundoennögenssteuer pjeschfalls ob Damit sst die Aussprache beendet. In einer Reihe von noment- lichen Abstimmungen werden sämtliche Aendeningsan- träge der Oppositionsparteien abgelehnt. Das Gesetz wird in zweiter Lesung in ebenfalls namentlicher Abstimmung mit 186 Stimmen der Regierungsparteien gegen 146 Stimmen a n- genommen. Angenommen wird auch ein Antrag des Bericht- erstatters Abg. S z i l l a t(Soz.), daß Neubauten, die nach 1924 errichtet worden sind, steuersrei bleiben., Das Haus tritt hierauf in die zweite Lesung de» Haushalts der allgemeinen Finanz- verwallung ein. Di« Debatte eröffnet Abg. Haase-Llegnitz(Wpt.), der die ablehnende Haltung seiner Fraktion damit begründet, daß der Antrag seiner Freund«, gcne-ell bei allen Etats 10 Proz. einzusparen, abgelehnt worden ist und well di« soeben beschlossene Erhöhung der Grundvermögenssteuer die Kleingewerbetreibenden belastet. Abg. Müller-Hessen(Komm.) lehnt für seine Fraktion den Etat ebenfalls ab. Nach kurzen Ausführungen des Abg. Vollmers(D. Fratt.) wird die Aussprache geschlossen. Es folgen die Abstimmungen. Sie ergeben u. a. die Einsetzung eines neuen Titels, der den Gemeinden von der Biersteuer die Hälfte und von der Mineralwossersteuer die gesamte Summe der Reichsüberroeisung zur Verfügung stellt. Zur Deckung de» Elatdefizits wurde die Summe von 105 Millionen aus den zn erwartenden Mehrauskommen aus der Erhöhung der Grundvermögenssteuer eingesetzt. Damit ist der preußische Etat ausgeglichen. Die zweste Lesung des Gesamthaushalts sst hiermit beendet. Ohne Aussprache stimmt das Haus hierauf dem Gesetzentwurf zur Feststellung des Haushallsplans zu. Di« nächste Sitzung findet Mi.twoch 12 Uhr statt. Tagesord- nung: Rest der Dienstag-Tagesovdnung, dritte Lesung des Gesamt- hciushalls._■,,<«in-- Oer Ltllstein-prozeß. Georg Nernbard wirv ausscheiden. In dem Prozeß, den Dr. Franz Ullstein gegen seine Brüder auf Wiedereinstellung führt und der heute vor dem Berliner Land- gencht zur Verhandlung kam, gab der Rechtsanwalt Dr. Franz Ullsteins, Dr. Hachenburg, bei der Klagebegründung unwidersprochen bekannt, daß von den Brüdern Ullstein Hermann Ullstein sein« An. ficht über die Frau Franz Ullsteins geändert habe und heute der Ansicht sei, man habe seinerzell Dr. Franz Ullstein bei seiner Eni- lossimg unrecht getmi. Auch sei es bezeichnend, daß Georg Bernhard seine Stellung im hause Ullstein im Laufe des Jahres ausgeben werde. Für Dr. Franz Ullstein erklärte Rechtsanwalt Alsberg, daß gegen die Frau Franz Ullsteins nichts vorgelegen habe. Die Beschuldigungen gegen sie gingen aus einen Erpresser und den Separatisten Matthes zurück, die beide als Lügner und Erpresser bekannt seien. Der Verteidiger der beklagten Brüder, Rechtsanwalt B a e r, erklärte, Georg Bernhard spiele nicht die Rolle, di« man ihm nachsage. Er sei erst nach der bekannten Poriser Reise in die Sache hereingezogen worden. Er müsse noch erwähnen, daß sogar im Reichswehrmi-nisterium in Akten kurze Rotzen über Frau Mary Ullstein in der Angelegenheit vorhanden wären. Daß ihr Ver- halten umragbar für das Ullsteinhaus gewesen sei, ergebe sich schon daraus, daß sie versucht habe, den Chefredakteur der„L Z." durch einen Mann zu ersetzen, der zu ihr in freundschaftlichen Be- Ziehungen gestanden habe oder sogar noch stände. Sie ljabe fernerhin oersucht, einen Redakteur des Ullsteinhauses drhin- gehend zu besinflussen, er solle für einen bestimmten Mann Stim- mung. machen, daß dieser einen M i n i st e r p o st« n erlange. Rechtsanwalt Dr. Dix fühtte aus, Frau Mary Ullstein sei eine Frau mit geistigem Charme, die«in internationales Dasein mit politischen und journalistischen Interessen geführt habe. Wenn sie einen Mann wie Bergmann, der Kenner des Rcparations- Problems gewesen sei, als Nachfolger von Hilferding empfohlen habe, so sei das keine Tatsache, die für den Verlag Ullstein untragbar sein könnte. Dann erklärte Rechtsanwall Alsberg, weder beim Aus- wärtigen A m t noch beim Reichswehrmini st eriu in würden Bedenken bestelzen, falls Franz Ullstein wieder auf seinen Posten gestellt würde. Das Gericht setzte den Verkündungstermin auf den Z. Juni fest. für Suppen• Soßen• GemQse• Salate 08er is Mansfelds Not" programm.ohe Bellfloffdividende. Prozent. Beröffentlichung der Bilanz während Schlichtungs- und Landtagsverhandlungen. Baldhof G... in Mannheim, flagt, wie in früheren Jahren, Die Mansfeld A.-G. für Bergbau und Hüttenbetrieb, die 8500 Bergarbeiter entlassen will, wenn nicht eine 15- bis 20prozentige Lohnfentung durchgeführt wird, veröffentlicht mitten im Verlauf der Schlichtungsverhandlungen und kurz vor der Diskussion von Hilfs maßnahmen im Preußischen Landtag ihren Abschluß für 1929. Der Geschäftsbericht selbst liegt noch nicht vor, dafür ein ungewöhnlich reichhaltiges Kommuniqué von der gestrigen Aufsichtsratsfißung. Die Bermutung ist gerechtfertigt, daß die Wahl des Zeitpunktes für die Veröffentlichung nicht ohne Absicht erfolgte. Deshalb ist man zwar ausführlich, aber doch mit Sorgfalt Darauf bedacht, nicht durch allzu große Ausführlichkeit die Deffent lichkeit darauf aufmerksam zu machen, wie groß die eigene Schuld der Mansfeldverwaltung an den gegenwärtigen Schwierig feiten und wie sehr die Forderungen des Notprogramms übertrieben sind, das der Mansfeldkonzern gegenüber der Arbeiterschaft, der Reichsbahn und dem Staate durchdrücken will. Nach dem Kommuniqué ist berid) sic Gesamtertrag für 1929 geffiegen von 13,26 millionen auf 14,95 millionen Mart. Nichts wird darüber gesagt, wie hoch die Borwegabzüge von ben Bruttoeinnahmen sind, die wohl durchgeführt wurden. Die allgemeinen Unfosten erscheinen von 6,15 Millionen auf 6,86 mil lionen Mart erhöht. Die normalen Abschreibungen auf Anlagen find von 4,34 Millionen auf 4,76 Millionen Mart vermehrt. Hier hätte man hinzufügen fönnen, daß 10 Proz. Abschreibungen, wie sie hier vorgenommen wurden, ein recht hoher Sah find. Es wird ein gegen das Vorjahr von 2,87 millionen auf 3,45 millionen Mart erhöhter Reingewinn ausgewiesen. Dieser Reingewinn wird, wie bekannt, aber nicht zu einer Dividendenausschüttung verwendet ( in den Borjahren 7 Broz), sondern mit 3,3 Millionen Mart zu Sonderabschreibungen auf dem Konto Wertpapiere und Beteiligungen verwandt. In der Bilanz sind die Anlagewerte im Gegensatz zu früher nicht mehr höher, sondern mit 46,15 Millionen gegen 47,08 mit lionen Mart etwas geringer ausgewiesen. Obwohl im vergangenen Jahre weiter ausgebaut wurde und obwohl wichtige Tochtergesellschaften außerhalb der Kupferbetriebe eine glänzende Ronjunttur hatten, ist der Posten Wertpapiere und Beteiligungen -freilich unter Berücksichtigung der Sonderabschreibungen nur mit 15,86 Millionen gegen 16,81 Millionen Mark im Vorjahr ausgewiesen. Die Forderungen sind Ende 1929 auf 21,36 Millionen gegen 24,05 millionen Mart im Vorjahr gefunden; hier müssen stille Reserven angenommen werden, nachdem der Konzernumfag beträchtlich über 200 Millionen Mart hinaus gestiegen sein dürfte. Auch Bantguthaben und Wechsel sind in dem Jahr der Glanzfonjunttur von 5,53 Millionen auf 4,38 Millionen Mart gefunken. Die Borräte erscheinen Ende 1929 allerdings mit 15,31 millionen gegen 9,64 millionen Marf erheblich höher. Es wird aber darauf hingewiesen, daß die Bewertung noch unter den Refordtiefpreisen vom Mai 1930 vorgenommen ist. Die lau fenden Schulden sind mit 36,50 Millionen gegen 37,56 Millionen Mart etwas verringert 3usammenfassend läßt sich sagen, daß ficher infolge Vermehrung von stillen Reserven, Abbau von Schulden, niedrige Bewertung von Borräten der Abschluß für 1929 günstig zu nemmen ist. Die Schwierigkeiten entfallen ausschließlich auf das Jahr 1930. Unzureichende Erklärungen. Die Mansfeld Berwaltung hat diese Ziffern auch tommentiert. Sie hätte in eraften 3iffern aber fagen sollen, wie hoch die Mehrerlöse aus den günstigen Kupferpreisen und wie hoch die Mindererlöse aus den Nebenprodukten gewesen find. Da die Lohn erhöhung vom vorigen Jahr im Notprogramm eine so große Rolle spielt, hätte e raft die daraus eingetretene neue Belastung, und zwar unter Einrechnung der Mehrleistungen der Arbeiter Schaft, befanntgegeben werden sollen. Wenn man weiter Aufklärung über die Sondergewinne bei den Stein- und Braunfohlengruben und deren Nebenprodukte für das Jahr 1929 gegeben hätte, so wäre auch eine ziffernmäßige Berechnung der im neuen Jahre 1930 vorliegenden Schwierigkeiten und Risiken leichter gewesen. Dazu ist eine große Konzerngesellschaft verpflichtet, die von den Arbeitern, der Reichsbahn und dem Staat Subventionen verlangt. Un erfreulich und wenig aufrichtig ist die Bemerkung, den Aktionären werde durch den Verzicht auf die Dividende im Rahmen des Notprogramms auch ein Opfer zugemutet. Die unglüdlichen Käufe der Chemie- und Stolbergattien haben Verluste von reichlich 7 Millionen Mart gebracht. Es ist faufmännisch in Ordmmg, daß diese Verluste abgeschrieben werden. Nur deshalb aber fällt die Dividende weg. Von einem Opfer der Aktionäre zu sprechen, ist deshalb eine öffentliche Irreführung; mill man, wie es geschicht wir finden zu Unrecht die Verluste auf einmal abschreiben, so hätten die Aktionäre noch Geld zuzahlen müssen. " Um das„ Notprogramm". Wir wollen uns zur Mansfeldfrage heute noch nicht abschließend äußern. Bir glauben aber, daß die Deffentlichteit allen Grund hat, in der Frage Mansfeld sehr wachsam zu sein. Es ist unzulässig, nach guten Ausbau- und Gewinnjahren, während gleichzeitig die Verwaltung schwerste Fehler gemacht hat, die Verlufte aus einer rüdgängigen Ronjunttur mit einem Schlage sofort auf fremde Schultern abwälzen zu wollen. Wer gewinnt, soll auch verlieren. Das gehört zum tapitalistischen Geschäft. Weder die Arbeiterschaft noch der Staat darf für eine verfehlte Rartell politit verantwortlich gemacht werden. Auch die Lohnerhöhung vom vorigen Jahre ist weitgehend durch Leistungsteigerungen tompenfiert. Der Mansfeldtonzern hat. sehr be trächtliche Vermögenswerte( Forsten und Ländereien, auch Beteiligungen), die zur Produktion nicht erforderlich find; deren Berkäuflichkeit muß geprüft werden. Es muß untersucht werden, bei welchem Kupferpreis die Mansfeldwerte unter Einrechmung der Preistendenz der Nebenprodukte rentabel sein tönnen; dabei darf, falls öffentliche Subventionen in irgendeiner Form in Frage kommen, eine Aktionärsdividende in die Berechnung nicht einbezogen werden. Das Argument ft durchaus abwe gig, daß die vorjährige Lohnerhöhung an sich schon deshalb, meil jetzt die Kupferpreise rückgängig sind, eine Lohnrebuttion rechtfertigen. Behalten wir niedrige Kupferpreise, so wäre volkswirtschaftlich die Einfuhr statt der Eigenproduktion von Kupfer vorteilhafter. Soll die Kupferproduftion dennoch aufrechterhalten werden, d. h. die Kupfererzförde rung und das ist zweifellos auch eine sehr vordringliche o ziale Angelegenheit dann muß der Staat, dafür die Verantwortung mittragen. Sollen dann staatliche Mittel auf gewendet werden, dann nuß ihre Dosierung auf das eratteste ab gewogen werden. Aftionäre haben feinerlei Anrecht auf Subventionen. Auf alle Fälle aber: die Mansfeldverwaltung hat ein Intereffe baran, die Lage des Mansfeldkonzerns möglichst schwarz in schwarz zu malen. Es muß eine behördliche Nachprüfung vor jedweder Entscheidung in Lohn oder geldlichen Förderungsfragen stattfinden, die die Berantwortlichkeiten sowie die finanzielle und wirtschaftliche Bertslage auf das allergenauefte prüft. 25 Millionen vom Reich verschenkt. Warum unterbleibt die Nachverzollung bei Benzin und Benzol. Einzelausweisungen vorliegen. Aber schon jetzt tann man über schläglich folgende 3iffern geben: während von Januar bis April 1929 noch nicht 400 000 Doppelzentner Benzol eingeführt wurden, dürfte die entsprechende Einfuhrmenge für JanuarApril 1930 1,1 millionen Doppelgentner betragen. Das ist nicht viel weniger als die ganze Jahreseinfuhr von 1929. Beim Benzin dürfte die in den ersten 4 Monaten hereingenom mene Barenmenge dem bisherigen Importbedarf von nahezu drei Quartalen entsprechen. Es steht außer Zweifel, daß diese rie. figen Importe fich nur zum kleinsten Teil aus dem wachsenden Bedarf infolge der zunehmenden Motorisierung der deutschen Wirtfchaft erklären, sondern daß fie vorgenommen wurden, um Son derprofite zu machen. Die bürgerliche Handelspreffe erklärt auch ganz offen, daß diese Refordvorratseinfuhren lediglich zoll politischen Charakter tragen. Die monatelangen Debatten um die Erhöhung der Betriebsstoff-| ratseinfuhren wird man erft erhalten fönnen, wenn die statistischen zölle hat die Händler naturgemäß zu starten Borratsein fuhren veranlaßt. Es ist nun durchaus üblich, daß bei Erhöhun gen von Verbrauchssteuern oder Finanzzöllen die vorhandenen Borräte einer Nachversteuerung unterliegen. So find & B. bei Einführung der Materialsteuer für 3igaretten die bei den Fabrikanten vorhandenen Tabakvorräte einer Nachversteuerung unterzogen worden. Go hat ferner der Finanzminister Moldenhauer bei der Erhöhung des Raffee zolles Ende Februar dieses Jahres die Nachverzollung aller Vorräte beim Groß- und Kleinhandel angeordnet und diese Nacherhöhungspflicht sogar auf Haushaltsvorräte von mehr als 5 Kilogramm ausgedehnt. Da nun die Zölle auf Mineralöl und Benzol in erster Reihe Finanzzölle sind und ihre Erhöhung aus fistalischen Gründen vorgenommen wurde, um dem Reich dringend erforderliche neue Mittel zuzuführen, mußte man es eigentlich für selbstverständlich halten, daß auch bei den Triebstoffvorräten eine Nachverzollung vorgenommen würde. Da während der Steuerberatungen im Reichstag schon bekannt wurde, daß die Defimporteure enorme Mengen nach Deutschland hereinnehmen, schien diese Handhabung unerläßlich, um das veranschlagte Mehraufkommen für die Reichstasse sicherzustellen und um große unberechtigte Sondergewinne des Delhandels zu verhindern. In das Gesez über die Erhöhung der Mineralölzölle ist daher nach der üblichen Handhabung die Bestimmung aufgenom men worden, daß der Reisfinanzminister ermächtigt wird, eine Na d) perzollung vorzunehmen. Von dieser Ermächtigung hat nun Dr. Moldenhauer unverständlicherweise noch feinen Gebrauch gemacht! Die Folge ist, daß ein erheblicher Teil der zu erwartenden Mehreinnahmen dem Reich in diesem Jahre per Ioren geht und daß Millionenbeträge in die Taschen bes Delgroßhandels fließen. Ilm welche riesigen Summen es sich dabei handelt, zeigt ein Blick auf die Außenhandelsstatistik. Im ersten Quartal 1930 war die Einfuhr am Benzin und Benzol fast boppelt so hoch wie im gleichen Zeitraum 1929. Die eben veröffentlichten Außenhandelsziffern für den Monat April zeigen Reford. ziffern für die Einfuhr non Mineralölen und Steinkohlenteer ölen( Benzol). Man fann annehmen, daß die riesenhasten Vorrats einfuhren des Monats April zum größten Teil noch vor der 3ollerhöhung, die erst am 18. des vorigen Monats in Kraft trat, getätigt wurden. Ein genaues Bild über die Höhe der Bor Wenn nun der Mineralölhandel feine Borräte zu unveränderten Preisen abgeben würde, so könnte unter Umständen das Finanz minifterium den Verzicht auf die Nachverzollung noch rechtfertigen. Infrafttreten der Zollerhöhung ihre Preise heraufgesetzt. Die Die maßgeblichen Berbände haben aber wenige Tage nach dem Preise für Benzin und Benzol find um 5 Pfennig pro Liter erhöht worden. Das ist geschehen, obwohl die Weltmarttpreise für Mineralöle in den letzten Monaten gefallen und die Frachtraten der Tankschiffe rapide gefunten find. Der Delhandel verschafft sich auf diese Weise Millionengewinne, und dem Reich entsteht durch die verabfäumte Nachverzollung ein Einnahmeausfall, den man mit 20 Millionen bis 25 Millionen Mart nicht zu hoch veranschlagt. Es ist schon unperständlich, daß das Reichswirtschafts ministerium mit verschränkten Armen der Preistreiberei der Treibstoffverbände zuficht, daß man aber noch obendrein in einer Zeit des dringlichsten Finanzbedarfs, in ber man jede Einnahmequelle braucht. einer Händlergruppe auf Kosten der Reichstaffe Millionen zuschanzt, erscheint unverantwortlich. Diese Art der Finanz- und Steuerpolitit reiht sich allerdings würdig in das System der Politif desjeßigen Kurses ein, der an die ihm nahestehenden Gruppen Geschente verteilt, gleichzeitig aber den Abbau der Sozialausgaben und der Arbeitslosenversiche rung einleitet. Der große füddeutsche Holztonzern, 3e1tstoffabrit auch in seinem jeßt veröffentlichten Geschäftsbericht für 1929 wieder Stein und Bein, daß die viel zu hohen Selbstfosten in Deutschland die Konkurrenzfähigkeit mit dem Auslande erschwerten. Bie haltlos diese regelmäßig wiederkehrende Behauptung im Grunde ist. beweist die Tatsache, daß der größte Teil der Produktion im vergangenen Jahr an das Ausland verkauft wurde. Die Gesellschaft verteilt für 1929 eine Dividende von 12 gegen 13% Proz im vorhergehenden Jahr. Trotz des etwas gesenkten Sages ist die an die Aktionäre ausgeschüttete Dividendensumme noch von 4.1 auf 4,3 Millionen Mark gestiegen, da diesmal von dem erhöhten Kapital 34,5 Millionen Stammattien voll verzinst werden. Troß offensichtlich erhöhter Umsähe wird der Betriebsgewinn mit nur 21,9 gegen 23,4 Millionen Mart ausgewiesen, so daß hier zweifellos größere Beträge vorweg abgesetzt wurden und in die Reserven gewandert sind. Diese Annahme wird noch dadurch verstärkt, daß die Verwaltung die Sentung der Dividende in ihrem Bericht ausdrücklich als Vorsichtsmaßnahme bezeichnet. Da die Unkosten, Steuern und Abgaben gleichfalls erheblich zurückgegangen sind, ist bei gleich hohen Abschreibungen der aus gewiesene Reingewinn mit 4,64 Millionen Mart gegen 1928 jogar noch gestiegen. Berüdsichtigt man dabei, daß das große finnische Bauprojeft, die Zellulose und Papierfabrik Kerholm, sich noch in der Ausführung befindet und im Berichtsjahr nur getoftet, aber noch nicht mitverdient hat, so zeigt sich, daß der Waldhofkonzern auch 1929 eine sehr starke Konjunktur durchgemacht haben muß, um derart hohe Gewinne aus seinen Stamm betrieben herauswirtschaften zu können. Auftragspolitik der Reichspost. Dr. Schäßel gegen ein Liefermonopol. Reichspostminister Dr. Schäzel machte vor dem Haushaltsausschuß des Reichstages bemerkenswerte Mitteilungen über die Auftragspolitit der Deutschen Reichspost im Fernsprechwesen. Der Minister betonte, daß die Preise von der Verwaltung ständig überprüft würden und die Reichspost den freien Wettbewerb durchaus fördere. Obwohl der Siemens- Konzern sämtliche Batente für den Selbstanschluß besitze, habe dieses Unternehmen tein Liefermonopol erhalten, sondern die Reichspoft habe erreicht, daß Siemens auch den übrigen in Betracht kommenden Lieferfirmen seine Patente zur Benugung überlaffe. Zur Zeit er hielten laut Vertrag der Siemens- Konzern 60 Proz., die übrigen Lieferfirmen 40 Proz. der Postaufträge zugewiesen. preise nicht eingehe und daher auch das Angebot einer Frankfurter Beiter betonte der Minister, daß die Reichspost auf RampfFirma abgelehnt habe, die, nur um mit der Post ins Geschäft zu kommen, mit ihren Preisen weit unter den Selbsttosten geblieben fei. Dagegen würde die Reichspoft fünftig auch amerikanische Internehmen nicht pon Lieferungen ausschalten, menn diese gleichwertiges Material zu billigeren Preisen lieferten. Wirtschaftliche Staatszechen. Die Abschlüsse von Recklinghausen und Hibernia. Die beiden dem Preußischen Staat gehörenden Bechemunternehmen, die Bergmerts A. G. Redlinghausen und Sibernia, nehmen, wie wir schon berichtet haben, für 1929 die Dividendenzahlungen wieder auf. Recklinghausen zahlt aus einem Reingewinn, der von 0,9 auf 4,5 Millionen gestiegen ist, 6 Proz., und die Hibernia A.-G., die im Vorjahre nur einen fleinen Ueberschuß von etwas mehr als 35 000 Mart ausmies, 5 Proz Dividende aus einem Reingewinn von 3,5 Millionen Mark. Die Förderung bei Recklinghausen stieg im Berichtsjahr um 6,86 Pro3. auf rund 5 Millionen Tonnen. Noch stärker erhöhte sich im Verhältnis die Leistungje Mann und Schicht im Grubenbetrieb, die von 1,19 auf 1,28 Tonnen, also um 7,56 Proz. im Jahresdurchschnitt stieg. Bemerkenswert ist die fprunghafte Steigerung des Kofsabfazes um 17,68 Proz. auf rund 1,3 Millionen Tonnen. Erfreulich ist, daß sich die Sicherheit im Grubenbetrieb meiter gehoben hat. Gegenüber 0,26 Pro3.( 50 Personen) tödlicher Unglüdsfälle im Verhältnis zur Belegschaft im Jahre 1913 und 0,15 Proz. im Jahre 1926, fowie 0,14 Broz. im Borjahre betrug die Zahl der tödlichen Betriebsunfälle im Berichtsjahre 0,10 Proz. ( 14 Personen). Die Gesamtzahl der Belegschaft stellte sich im Durch schnitt auf 14 481 Köpfe, darunter 1147 Angestellte. Die Zahl der Beschäftigten hat sich also gegenüber 1928 um 476 Mann ver ringert. und die Kotserzeugung, um 8,38 Proz. Die Leistungssteige Auch bei Hibernia erhöhte sich die Förderung um 6, 38 Proz. rung der Belegschaft stellt sich in den Hiberniabetrieben auf 1,31 gegen 1,23 Tonnen je Mann und Schicht, was einer Erhöhung von 6,5 Broz. entspricht. Wegen der unsicheren Lage im Bergbau hat die Gesellschaft aus den starten Gewinnen des letzten Jahres Rüdftellungen in Form von Sonderabschreibungen auf die Bes teiligungen vorgenommen. Der Bilanzposten Beteiligungen" hat sich dementsprechend von 9,7 auf 5,1 Millionen verringert. " Rheinstahl erhöht die Dividende. Düsseldorf hat beschlossen, die Dividende für das am 31. März abDer Aufsichtsrat der Rheinischen Stahlwerte 2 G. In gelaufene Geschäftsjahr 1929/30 von 6 auf 7½ Broz. heraufzuschen. Da die Rheinstahl AG. ihre sämtlichen Eisenbetriebe bei der Gründung des Stahltrusts in die Bereinigte Stahlmerte AG. gegen llebergabe von Aftien einbrachte, dagegen aber noch eigene Bechen im Betrieb hält, stellt die Gesellschaft ein Mittelding zwischen cinem reinen Berwaltungsunternehmen( Holding- Gesellschaft) und einem Betriebsunternehmen dar. Aus ihren wichtigsten Beteili gungen den Attien der Vereinigten Stahlwerfe hat die Rheinstahi 20. bei der unveränderten Dividende des Stahltrusts von 6 Proz. feinen höheren Gewinn gezogen. Der Gewinnzuwachs entfällt also ausschließlich auf die eigenen 3echenbetriebe, was um so bemerkenswerter ist, als sich in dem Abschluß auch schon der starke Rückschlag in der Kohlentonjunttur während der ersten drei Monate dieses Jahres auswirkt. Der starte Aufschwung der schwerindustriellen Konjunktur um letzten Jahr muß also dem Unternehmen derart hohe Gewinne eingebracht haben, daß trob der schweren Abschstockung in diesem Jahr die Aktionärsgewinne gleich um 1½ Broz. heraufgesetzt werden können. Morgen: letzter Termin beim Wahlvorstand( nicht beim Schulleiter). Für jede Schule eine Liste Parteinachrichten Einsendungen für diese Rubrik find Berlin SW 68, Lindenstraße 3, für Groß- Berlin ftets an bas Bezirkssekretariat 2. Sof, 2 Treppen rechts, zu richten. Achtung, Elternbeiratswahlen! Ab Donnerstag, dem 22. Mai, tömmen Flugblätter, Stimm zettel und sonstiges Material für die Elternbeiratswahlen am 1. Juni an folgenden Stellen abgeholt werden: Mitte: Spiegel, Ackerstr. 1. Tiergarten: Vorwärtsspedition, Wilhelmshavener Straße 48. Wedding: Sorgah, Uferstr. 12, Ede Martin- OpitzStraße. Prenzlauer Berg: Burg, Prenzlauer Allee 189. Friedrichshain: Rosin, Gubener Str. 19. Kreuzberg: Krepp, Planufer 75/76. Charlottenburg: Reimer, Charlottenburg, Wilmersdorfer Str. 21. Spandau: Frau Bodin, Spandau, Moltkestr. 28 I. Wilmersdorf: Kroihs, Wilmersdorf Holsteinische Zehlendorf: Schneider, Zehlendorf, Potsdamer Straße 60. Straße 25. Schöneberg: Vorwärtsspedition, Schöneberg, Belziger Straße 27. Steglik: Schellhase, Steglitz, Ahornstr. 15 a. Tempelhof: Vorwärtsspedition, Tempelhof, Werberstr. Neukölln: Parteibüro, Idealpaffage. Treptow: Mag Sasowsty, Niederschöneweide, Grünauer Str. 8. Köpenid: Türwig, Köpenid, Riegerstr. 6. Lichtenberg: Lenz, Lichtenberg, Magdalenenstr. 10; Vorwärtsspedition in Mahlsdorf. Weißensee: Gallas, Weißensee, Lehderstr. 122. Pankow: Vorwärtsspedition Rißmann, Pantow, Mühlenstr. Reinickendorf: Scharnweberstr. 114. Boltshaus, Reinidendorf- West, 2. Kreis Tiergarten. Freibenter: Die Mitglieber ber Bahlgruppen 8 und ( Moabit) werden ersucht, sich pünktlich aur Mitgliederversammlung am Mittwoch, 21. Mai, um 20 Uhr, in den Arminiushallen, Bremer Str. 78, einzufinden. Bericht von der Generalversammlung. Mitgliedsbuch des Freidenkerverbandes legitimiert. 3. Kreis Webbing. Die 5. Bahlgruppe des Freidenferverbandes hält am Donnerstag, 22. mai, 19% Uhr, bei Schreiber, Triftste 63, eine Mite gliederversammlung ab. Bericht von der Generalversammlung. Mitglieds buch legitimiert. 4. Kreis Brenzlauer Berg. Freidenferzahlgruppen 9 und 10: Mitgliederver fammlung heute, Mittwoch, 21. Mai, 20 Uhr, im Lebigenheim Bappel allee 15. Bericht von der Generalversammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. 6. Kreis Kreuzberg. 39., 40., 41., 42. bt.: Freidenferversammlung der 18. Sahlgruppe am Donnerstag, 22, Mai, um 19 Uhr, im Bezirksamt, Vordstr. 10-11. Mitgliedsbuch legitimiert. Bericht von der General versammlung. 9. Kreis Wilmersdorf. An der am Donnerstag, 22. Mai, 20 Uhr, bei Rulla, Lauenburger Str. 21, ftattfindenden Konferenz nehmen die Mitglieder des Rreisvorstandes und die Abteilungsleiter teil. 11. Streis Schöneberg. Die Jungfozialisten veranstalten am Donnerstag, 22. Mai, 19% Uhr, bei Win, Martin- Luther- Str. 69, einen Bortragsabend. Referentin Genoffin Mathilde Wurm, M. b. R. Die jungen Parteigenossen werden gebeten, an der Beranstaltung teilzunehmen. 14. Kreis Reutölln. Boranzeige! Dienstag, 27. Mat, im Lolal Bergfchloßhöhe, Rarlsgartenstraße, Kreismitgliederversammlung. 17. Kreis Bichtenberg. Gigung des Bildungsausschuffes am Donnerstag, 22. Mai, um 19 Uhr, in der Bibliothet Weichselstr. 23. 20. Atreis Reinidendorf. Mittwoch, 21. Mai, 20 Uhr, finbet in ben Borfigwalder Festsälen bie Kreismitgliederversammlung ftatt. Eages ordnung: 1.Die politische Lage". Referent Genosse Aufhäuser, M. d. R. 2. Streisangelegenheiten. Es ist Bflicht, baß jedes Kreismitglieb bort pünktlich erscheint. Der Borstand mit Areisleitern bleibt nach Schluß ber Bersammlung noch zu einer einen Aussprache zusammen. Heute, Mittwoch, 21. mai. 22. 9. 19% the in der Hochschulbrauerei, See. Edhe Amramer Straße, Mitgliederversammlung Bortrag: Der Gelegentwurf Groß- Berlin". Referent Ctabtverorbneter Sermann Sempert. 23. Abt. 19½ Uhr bei Grunewald, Kameruner Str. 19, Sufammenkunft funger Parteimitglieber, 35. Abt. 19 Uhr in ben Andreas- festfalen, Andreasftr. 2, Mitglieberver. fanmmlung bes Freidenferverbandes. Erscheinen aller Freidenfergenossen bringend erforderlich. 45. und 46. Abt. Alle Freibenlergenossen beteiligen fich an der Mitgeber Dersammlung um 20 Uhr in der Schulaula Reichenberger Ede Forster Straße. 47. Abt. b 18 Uhr Flagblattperbreitung zur Frauenwerbewoche vom Lokal Sicbentopf, Musdauer Str. 35, aus. Niemand darf dabei fehlen. 88. Abt. Lichtenrabe. Der für Mittwoch, 21. Mai, vorgesehene Bortrag bes Genoffen Dr. Feigel fällt aus. 39. Abt. Brig- Budow. Bezirle Groß- Gieblung: Der politische Arbeitstreis tagt heute um 20 Uhr in der Salle am Sufeifen. Bortrag: Die Grund lagen der Individualpsychologie". Referent Dr. Groß. 128. Abt. Bantow- Güb. 19% Uhr Mitgliederversammlung im Lokal Willner, Berliner Str. 80-82. Bortrag des Genoffen Ernst Sildebrandt über Arbeiterschaft und Polizei". 138. Abt. Oft: Die Mitglieder nehmen vollzählig an der Kreismitgliederverfammlung in den Borsigwalder Festfälen um 20 Uhr teil. Morgen, Donnerstag, 22. mai. 26. 264. 20 Uhr bel Beinlich, Weißenburger Str. 1, Funktionärigune. 32. Abt. Freibentermitgliederversammlung in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. 36a. Bericht von der Generalversammlung. 33. Abt. Um 21 Uhr Vorstandssigung bei Bertalla, Hohenloheftr. 3. 37. bt. Um 19 Uhr wichtige Zusammenkunft sämtlicher Straßenfihrer bei Middeldorf, Ebelingftr. 1. 98. Ant. Reulalla. 19% Uhr bei Teich, Anelebedste, 135, 8ufammentunft aller jüngeren Genoffinnen und Genossen zur Gründung einer Arbeitsgemeinschaft innerhalb der Abteilung. Alle jungen Genoffen und Genoffinnen werben erwartet. 102. Abt. Baumschulenweg. 19% Uhr in der Aula bes Engeums Bortragsabend anläßlich der bevorstehenden Elternbeiratswahlen. Mufit- und Bolkslieder quartett. Bortrag des Genossen Dr. Kurt Löwenftein über Bas will die Lifte Schulaufbau?" Sierzu werden alle Eltern der Bolfsschule und bes Engeums eingeladen. 128./130. Abt. Bautow. Sur öffentlichen Frauenbundgebung unt 19% Uhr in Lindners Ronzerthaus haben bie Genoffinnen und Frauen unserer Genoffen vollzählig au erscheinen. 134. Abt. Buch. 20 Uhr wichtige Borftandsfizung mit Funktionären bei Göpfert, am Bahnhof. Frauenveranstaltungen. 4. Areis Prenzlauer Berg. Freitag, 23. Mai, um 20 Uhr, treffen sich bie Abteilungsleiterinnen bei Rlug. Danziger Str. 71, weds Abrechnung ber Starten. Unverkaufte Rarten müssen zurüdgegeben werden. 15. Areis Treptam. Freitag, 23. Mai, um 19% Uhr, Funktionärinnenfihung in der Schiller- Glode, Oberschöneweide, Schillerpromenade. Alle Abteilungen mäffen vertreten fein. 8. Wht. Die Genossen und Genoffinnen werden aufgefordert, das Material zur Frauenwerbung vom Lotal Ridert, Steinmegstr. 36a, abzuholen. 24. Abt. Donnerstag, 22. Mai, treffen fid) um 20 Uhr bie Funktionärinnen bei Binczier, Binsftr. 46, zu einer wichtigen Besprechung und zur Abrechnung der verkauften Karten. 37. Abt. Alle Genoffen und Genoffinnen werden gebeten, fich reftios an ber Flugblattverbreitung von 18-20 Uhr zu beteiligen. Flugblätter find abzu holen im Lotal Mittelsdorf, Ebelingstr. 1. 120. Abt. Für die Beteiligung am Areisfrauentreffen in Raulsdorf- Süd treffen fich alle Genoffinnen am Mittwoch, 13 Uhr, am Bahnhof LichtenbergFriedrichsfelde. Bezirksausschuß für Arbeiterwohlfahrt. 6. Kreis Kreuzberg. Donnerstag, 22. mai, 18 Uhr, Kreisausfchußfigung. Um 19% Uhr Besprechung der Fürsorger( innen) und ber Arbeiterwohlfahrt bei Rrilger, Grimmstr. 1. Thema: Unsere Arbeit in ber Bohlfahrtspflege". Referent Genoffe Dr. Fris Schloß. Jede Abteilung muß vertreten fein. Jungjozialisten. Renton: Seute, Mittwoch, 21. Mat, um 19% 2, in Jugendheim TeesJanez Sta, 25-06, Boctrog: Brobleme der Arbeitsloftatett zur Einreichung der Wahlvorschläge „ Schulaufbau"! 99 Frauenwerbeveranstaltungen. Zum Internationalen Frauentag. " 1. Kreis Mitte. Montag, den 26. Mai, um 20,15 Uhr, in der| der Schule Kaulsdorf Filmvorführung: Giftgas". Ansprache: Metallarbeiter- Verbandes, Rulturabteilung des Deutschen Linienstraße 197. Filmworführung: Giftgas". Ansprachen: Genoffin Toni Sender, M. d. R., Genossin Frida Gladosch, ADGB. Untoftenbeitrag 30 Pf. 3. Kreis Wedding. Dienstag, den 27. Mai, um 19% 11hr, in den„ Atlantikfälen", Behmstr. 5( am Bahnhof Gesundbrunnen). Rezitationen: Genoffin Martha John. Filmvorführung: Giftgas". Ansprachen: Genoffin Käthe Kern, Genoffin Else Michaelis, AfA- Bund. Untostenbeitrag 30 Pf. 4. Kreis Prenzlauer Berg. Sonntag, den 25. mai, 11 Uhr Dormittags. Frauenfundgebung im ,, Elysium", Danziger Str. 65, Eingang Brenzlauer Allee 56. Filmvorführung: Giftgas Elternchor der weltlichen Schule. Ansprachen: Genoffin Clara Bohm- Schuch, M. d. R., Genoffin Emma Ritsche, ADGB. Unfostenbeitrag 30 Pf. 5. Kreis Friedrichshain. Sonntag, den 25. Mai, 11 Uhr vor. mittags. Comenius- Lichtspiele, Memeler Str. 67. Filmworführung: Giftgas". Ansprachen: Genoffin Käthe Kern, Genoffin Frida Gladosch, ADGB. 7. Kreis Charlottenburg. Donnerstag, den 22. Mai, um 19% Uhr, in Ahlerts Festsälen", Berliner Straße. Filmvor. führung: Die Wunder Afiens". Ansprachen: Genoffin Marie Kunert, M. d. R., Genoffin Gertrud Ellert, AfA- Bund. 8. Kreis Spandau. Sonnabend, den 31. Mai, um 19 Uhr, auf der Freilichtbühne auf dem Zitadellengelände, Spandau, Ber. liner Chaussee. Bei schlechtem Wetter in der Schule. Feier stunde. Filmvorführung: Die Mutter". Rezitationen: Ge Gertrud Hanna, M. d. 2. 18. Kreis Weißensee. Donnerstag, den 29. Mai, um 20 Uhr, in der Aula des Lyzeums, Pistoriusstraße. Lichtbildernortrag: ,, Die Frau und der Sozialismus". Ansprachen: Genossin Käthe Frankenthal, Genossin Else Krummschmidt. 19. Kreis Bankow. Donnerstag, den 22. Mai, um 19% Uhr, in Linders Konzerthaus", Breite Str. 34. Filmvorführungen: 1. Erwachendes Aegypten", 2. Streifzüge durch Frankreich". Ansprachen: Genoffin Hertha Gotthelf, Genoffin Carola Wedl, ADGB. Veranstaltungen der Abteilungen. 8. Abt. Montag, den 26. Mai, um 19% Uhr, im Nationalhof, Bülowstr. 37/38. Lichtbildervortrag: Der Befreiungskampf der Frau." Referentin: Mathilde Wurm, M. d. R. 26. und 28. Abt. Montag, den 26. Mai, um 19% Uhr, in den Berolina- Festsälen, Schönhauser Allee 28. Lichtbildervortrag: Der Kampf der Frau um den Sozialismus." Referentin: Räthe Kern. 32. und 34. Abt. Dienstag, den 27. Mai, um 19% 1hr, in Schmidts Gesellschaftshaus, Fruchtstr. Lichtbildervortrag: Der Kampf der Frau für den Sozialismus. Referentin: Gertrud Größinger. 35., 37. und 38. Abt. Montag, den 26. Mai, um 19% Uhr, in der Papenhofer- Brauerei, Landsberger Allee 23/24, oberer Saal. Sozialismus." Referentin: Gertrud Größinger. Die Kinderfreunde, Arbeiterjugend und Sportlerinnen tragen dazu bei, uns den Abend zu verschönen. noffin Margarethe Merrbach. Chöre, gesungen von den Gängern Lichtbildervortrag:„ Der Kampf der Frau für der des Vereins„ Typographia". Ansprachen: Benoffin Gabriele Proft, Nationalrätin aus Wien, Genoffin Marie Weber, ADGB. 9. Kreis Wilmersdorf. Mittwoch, den 21. Mai, um 20 Uhr im ,, Bittoriagarten", Wilhelmsaue 114/115. Politische Kundgebung. Referentin: Genoffin Clara Bohm- Schuch, M. d. R., Genoffin Frida Brodmann, AfA- Bund. 11. Kreis Schöneberg. Mittwoch, den 28. Mai, um 20 Uhr, in der Chamissoschule", Barbarossaplay. Filmoorführung: Ohne Auto durch Afrita". Ansprachen: Genoffin Marie Kunert, M. d. R., Genoffin Frida Licht, AfA- Bund. 12. Kreis Steglit, Lichterfelde, Lankwik. Donnerstag, den 22. Mai, um 20 Uhr, in Hertels Festfälen, Lichterfelde, Zehlen dorfer Straße 5. Straßenbahn 74. Lichtbildervortrag: Der Rampf der Frau um den Sozialismus. Ansprachen: Genoffin Lotte Lemte, Genoffin Käthe Lindenberg, ADGB. 13. Kreis Tempelhof, Mariendorf, Marienfelde, Lichten vade. Freitag, den 23. mai, 19% Uhr, bei Maly, Mariendorf, Chauffeeſtr. 305. Filmvorführung:„ Giftgas". Ansprachen: Ge: nossin Mathilde Wurm, M. d. R., Genoffin Frida Licht, AfBund. 15. Kreis Treptowo. Montag, den 26. Mai, um 14 Uhr. Ausflug nach dem Wendenschloß mit den Kinderfreunden und der SAJ. Ansprachen: Genossin Lisa Albrecht, Genoffin Else Krummifchmid, DGB. Erwerbstätige Genofsinnen fönnen später teilnehmen. 16. Kreis Köpenid. Dienstag, den 27. mai, um 20 Uhr, im großen Saal des Stadttheaters am Wilhelmplaz. Filmvor führung:„ Streifzüge durch Frankreich". Ansprachen: Genoffin Baula Kurgaß, Genoffin Emma Ritsche, ADGB. 17. Kreis Lichtenborg. Mittwoch, den 21. Mai, um 14 Uhr. Treffen in Raulsdorf- Süd, Lotal Jägerheim". Um 18 Uhr in Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde Groß- Berlin. Die Kreis Brenzlauer Berg, Krenzberg, Wilmersdorf, Reukölln, Weißensee und Bankow bitten wir, fofort die Meldungen für das Schweiger Lager ein zureichen, getrennt nach Jungfalten, Roten Falten und Helfern und Selferinnen, bei legteren beiben auch wie lange anwesend. Fallenparlament Freitag, 28. mai, 17 Uhr, Jugendheim Lindenste. 4. Boranzeige! Für die Areife Wedding, Bantom und Reinidendorf läuft aut 28. Mai der Thuner- See- Film in der Schule Pant. Ede Wiesenstraße. Nähere Angaben folgen noch. Filmveranstaltung! Die Kreife, bie file bie Filmwerbeveranstaltung einen Rinoapparat benötigen, müssen dies fofort ber Sentrale mitteilen. Gruppe Landsberger Blag: Tagungsort Diestelmenerftr. 5-6, 18-20 h. Seute, Mittwoch, 18 Uhr, Spielen auf dem Sportplag. Donnerstag: Refb falten im Heim; Rote und Jungfalten turnen Roppenstraße( Schule). Freitag: Note Falten im Heimleiterzimmer Ausspracheabenb; Jungfalten im Jugendheim Bunter Abend. Sonntag, 24. Mai, Gruppenfahrt nach Rahnsdorf, Treffen 7 Uhr Faltenede. Roften 35 Pf. Ende 20 Uhr. Voranmeldung Freitag im Jugendheim, Geburtstage, Jubiläen usw. 21. Abt. Unserer lieben Genoffin Auguste Driple, Walplaquet ftraße 25-26, zum 60. Geburtstage bie herzlichsten Glückwünsche. 85. Abt. Tempelhof. Unserem Genossen Schweflez senben wir zu feinem 70. Geburtstage bie herzlichsten Glückwünsche. . Sterbetafel der Groß Berliner Partei Organisation $ 35. bt. Unfer Iteber Genoffe Martin Anobel ift verstorben. Bir merden dem viel zu früh verstorbenen Genossen stets ein ehrendes Anbenken bewahren! 45. Abt. Unfer after mangjähriger Genoffe Friebrio Giled, Ratibor. ftraße 9, ift verstorben. Einäscherung am Mittwoch, 21. mai, 19 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg. Rege Beteiligung ist Pflicht. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner Schwarz- Rot- Gold". Gefchäftsstelle: Berlin G. 14. Gebaftianfte. 87-36. Sof 2. Tr. Gauvorstand. Rameraben anderer Ortsvereine, die die Grenzmark. fahrt zu Pfingsten mitmachen wollen, fönnen fich noch bis zum 24. Mai beim Sam, Marten, Brunnenste, 187, melden. Mitte: Lester Melde. termin für Grenzmarkfahrer 24. Mai beim Ram. Marten, Brunnenstr. 187. Neuköln- Brig: Spätere Meldungen tönnen nicht berildfichtigt werden. Donnerstag, 22. mai, 19 Uhr, Antreten Schönstedtstraße zum technischen Dienft. Sichtenberg, Jungmannschaft und Schuhsportler: Donnerstag, 22. Mai, Trainingsabend auf dem städt. Sportplak, Trestomallee, Ede Uppstallweg. Sand bälle und Wurffpeer find da. Ganitäter auf dem RRS.- Sportplay. Steglig ( Ortsverein): Donnerstag, 22. Mai, 19% Uhr, Antreten zum Saalfhus bei der Bezirksfrauenversammlung der GPD. in den Lichterfelder Festfälen, Lichter felde, Zehlendorfer Str. 5. Ripenid( Ortsverein): Donnerstag, 22. Mai, Autofahrt nach Letfchin( Oberbruch). Fahrpreis etwa 2 M. Abfahrt 7 Uhr vom Friedrich- Wilhelm- Blak in Röpenid. Bernau: Freitag, 23. Mai, 20 Uhr, Bersammlung im Bereinslotal Modisch. Wichtige Tagesordnung. Wedding ( Ortsverein): Rameraden, die Pfingsten mit nach Magdeburg fahren wollen, müffen fpätestens am 26. Mai fic melden beim Kam. F. Gündermann, Demminer Str. 6. Fahrpreis für Kameraden über 21 Jahre 3 M. Char lottenburg: Nächste Borstandssigung am Dienstag, 27. Mai. Freie Arbeiter- Esperanto- Bereinigung. Gruppe Rentrum: Jeden Freitag im Metallarbeiter- Berbandshaus, Linienste. 83-85, Portal I, Rurfus und Gruppe Don 19-21 Uhr. Gruppe Often: Jeden Donnerstag im Jugendholm Am Oftbahnhof 17 Pufammenkunft von 20-22 Uhr. Am 22. Mai: Legaboj el Kreftomatio" Am 9. Juni Wanderung zum Teufelsfee, Grunewald. Arbeiter Radio- Bund Deutschlands, e. B., Gruppe griebrichshain. Donners tag, 22. Mai, 20 Uhr, Materialienkunde" in Lokal Cabiner Str. 10. Gäste milkommen. " Reichsband bez Kriegsbeschädigten, Relegsteilnehmer und Kriegerhinter Biebenen, Gan Berlin, Ortsgruppe Rorben 14. Donnerstag, 22, bai, 20 Uhr, Mitgliederversammlung in den Cafino- Festfalen, Pappelallee 15. 93. Abt. Neukölln. Dienstag, den 27. Mai, um 19% Uhr, im Jugendheim, Böhmische Str. Lichtbildervortrag: Proletarierleben zu allen Zeiten." Referentin: Dr. Dora Fabian. 111. Abg. Bohnsdorf. Heute, den 21. Mai, um 19% Uhr, bei Madrei, Lokal, Zu den Vier Jahreszeiten", Bohnsdorf, Bahnhofstr. Filmvorführung: Freie Fahrt." Ansprache: Adele Schreiber- Krieger, M. d. R. 117. Abt. Lichtenberg. Mittwoch, den 28. Mai, um 19% Uhr, bei Brunn, Thürrschmidtstr. 40. Lichtbildervortrag: Der Kampf der Frau für den Sozialismus." Referentin: Lisbeth 121. Abt. Karlshorst. Mittwoch, den 28. Mai, um 19% 1hr, Meyer, Bezirksverordnete. im Deutschen Haus, Karlshorst. Bortrag: Der Befreiungstampf der Frau." 137. Abt. Reinickendorf- West. Dienstag, den 27. Mai, um 19% Uhr, im Boltshaus, Scharnmeberstr. 114. Frauenmerbeabend. Doppelquartett, Rezitationen. Ansprache: Herba Gotthelf. 139. Abt. Tegel. Montag, den 26. Mai, um 19% Uhr, im Jugendheim, Schöneberger Str. Lichtbildervortrag: Mütter auf dem Lande. Ansprache: Genoffin Hente. 139 a Abteilung Tegel- Freie Scholle. Montag, den 26. mai, um 19% Uhr, im Schollenfrug, Hermsdorfer Str. Film vorführung: Das rote Wien." Referentin: Räthe Fröhbrodt. 140 a Abt. Wittenau. Dienstag, den 27. Mai, um 19% Uhr, in der Schule Rofenthaler Str. Lichtbildervortrag: Der Kampf der Frau für den Sozialismus." Referentin: Lisbeth Meyer, Bezirksverordnete. Allgemeine Wetterlage. 20.Mai 1930, abds. 760 765 765 750 HO 760 10 0 513 73 15 OR 760 Ofe Owolkenlos, heirer, Ohalb bedeckt wolkig, bedeckt Regan, aGraupsin Schnee, Nebel, Gewittec Windstille Ganz Mitteleuropa liegt jetzt im Bereich fühler maritimer Luftmassen, die ihren Einfluß schon bis nach Westrußland ausdehnen tonnten. Einzelne Störungen befinden sich noch an der Weser. Da der Luftdruck jegt über einen großen Teil Europas sehr gle chmäßig verteilt ist, wird sich bei der schwachen Luftbewegung die Störung nur langsam nach Often bewegen. Sie dürfte daher am Mittwoch unser Wetter noch beinflussen. Daher ist noch mit ziemlich start bemölttem Wetter und einzelnen Regenfällen zu rechnen. Eine Beffe rung dürfte nur langsam unter dem Einfluß des im Westen befind lichen Hochs eintreten. Wetteraussichten für Berlin: Anfangs stärker bewölkt mit einzelnen Niederschlägen; später llebergang zu veränderlichem Wetter Often wieder Bewölkungszunahme. Im übrigen Reiche feine wesentbei wenig veränderten Temperaturen. Für Deutschland: Im fiche Benderung, strichmeise leichte Regenfälle. Louisen: JCudSBCCk, dCT �111�01*61* Sine Qejchichte aus dem allen tRuffilch&olen (Schluß.) Die Jungen kreischten, aber Ludzek schrie am lautesten, warf seinen Stock fort und griff sich an den Bauch. „Ach, mein Bauch, mein Bauch! Ich bin getroffen, ich sterbe!� Zygmunt öffnet« die Hose und untersuchte den Jungen, nicht ohne Unwillen und Naserümpfen. Plötzlich hielt er inne und rief: „So ein oersluchtes Geschwätz! Das war ja eine Platzpatrone, alle auf die Plätze", brüllte er. Tumult und Gedränge entstand und dann schrie einer: „Lud-ek! Wo ist Ludzek? Fangt ihn." Ludzeks Beine waren zu kurz. Der Junge mit den langen Stiefeln holte ihn ein und brachte ihn triumphierend zurück. „Bauchschmerzen! Nach Hause!" heulte Ludzek. Zygmunt langte ihm zwei übers Schienbein und als er sich heulend auf die Erde warf, gab er ihm noch mehr Prügel. Während- dem entstand Unruhe in der Schar. Der allgegenwärtige Jung« mit den langen Stiefeln meinte entdeckt zu haben, daß sich trotz der strengen Zensur ein Judenjunge eingeschlichen hätte. Der Sünder wurde hervorgeholt, seine Nase im Profil gemustert, und da nie- mond ihn kannte oder sich erinnert«, jemals mit chm gespielt zu haben, wurde er mit Hohn und Stcinwürmen aus dem Park gejagt. „Ludzek? Wo ist Ludzek?" Der schlimm« Geselle war von neuem desertiert, aber di« brtden Jungen, die den Judenjungen am weitesten verfolgt hatten, brachten ihn wieder zuriickgefchlcppt. Da Prügel also offenbar nichts half, beschloß Zygmunt, auf dem Wege des Ehrgefühls Ludzek zum Krieger zu erziehen. Dem zornig protestierenden Jungen mit den Schaftstiefeln entriß er die Fahne und ernannte Ludzek zum Fahnenträger. Leider erhöhte auch diese Auszeichnung Ludzek» Moral nicht. Wenn er sich unbemerkt glaubte, schleuderte er die Fahne immer wieder ins Gras und rückte aus, wurde jedoch jedesmal zurück- geHoll. Zuletzt murde Graf Gucio beauftragt, ihn zu bewachen. Da- durch erreicht« Zygmunt, daß sich niemand in fein Oberkommando einmischte. Denn das Grafenkind war hinlänglich beschäftigt. Bald wollte nämlich Ludzek seine widerliche Schwutznase im Fahnentuch putzen, bald oersuchte er, seinen schorfigen Kopf mit einem Ende der Fahnenstange zu kratzen. Gucio feuerte jedesmal sein Ge- wehr auf Ludzek ab, aber nun tat es ja nicht mehr weh. Luidzek grinste nur und schnob die Nof« etwas eifriger ins Fahnentuch als zuvor. Da begann Graf Gucio sich wieder zu langweilen. Und in seiner Untätigkeit bekam er eine Idee. „Cletzt ist die Uhr zwölf, Mama ist ausgestanden und geht in den Stall zu ihrem Reitpferd. Wir wollen all« zum Schloß mar- schieren, daß Mama mich sieht." Der Hauslehrer protestierte ein wenig, wurde jedoch von dem Geschrei des versammellen Heeres übertäubt. Daimt die Kolonne möglichst lang wurde, stellten sich die Jungen zu zwei irnd zwei aus. Unter Trommelwirbel und Kommando ruf setzt« sich das klein« Heer in Bewegung und schwenkte auf den breiten Fahrweg des Parkes ein. Dorn ging Gucio mit wehendem Federbusch, das Gewehr an fein Leopordenfell gepreßt, ganz er- füllt von sich selbst»nd seiner Bedeutung. Zygmunt folgte, aus- nierksam hierhin und dorthin spähend, auf alles achtend mit seinen klugen, stechenden braunen Augen, ganz Eiser und Umstcht. Er hatte nur die Sorge, daß Ludzek an seiner Seite mit der Fahne schlenkerte und falschen Tritt hatte. Sonst hätte nämlich die Gräfin sehen können, daß nicht Gucio. sondern er selbst der wirkliche Führer des Heeres war. Die anderen Jungen hatten rot« Backen und starkes Herzklopfen, weil ste auf diesem Weg« einherschritten, der ihnen sonst strengstens verboten war. Am stärksten bewegt war der Junge mit den Schaftstiefeln, weil er ganz sicher fühlte, daß die Gräfin gar nicht anders konnte als ihn zwischen dem ganzen bar- fühigen Bauernpock zu bemerken. Dann würde Frau Gräfin wohl fragen:.Wer ist der feine Junge mit den langen Stiefeln?" Und sie würde vielleicht hinzufügen:„Kann er nicht einmal gelegentlich aufs Schloß kommen und mit meinem Sohn spielen?" Dann würde er aufs Schloß kommen u.id mit Gucio und Zygmunt spielen, und eines Tages, wenn er groß war, würde er als Spielkamerad des Grafensohnes ein« feine Anstellung erholten und eine grüne Mütze und blanke Knopfe haben wie der Stallmeister. Ein Diener, den sie vor dem Schloß trafen, erhielt einen kurzen Befehl von Gucio und eilte davon, und ste warteten an der Ecke des Seitenflügels, bis er zurückkam und meldete, daß die Gräfin sich sehr freute. Sie war schon draußen auf der Schloßtreppe. Neuer Trommelwirbel! Nichwng in den Gliedern! Abinarsch im Gleichschritt! Rund um den Springbrunnen rückte die tapfere Schar zur Treppe vor. Zygmunt trommell« gellend, die Bauern- jungen trapsten mit ihren bloßen Füßen im Staub herum, der Jung« mit den Stiefeln schritt groß und einsam einher mit bebenden Lippen und Tränen in den Augenwinkeln, und der klein« Graf Gucio schulterte das Gewehr und brüstet« sich t.i seinem Leoparden- fell. Für eine liebende Mutter war er sicherlich, eine Offenbarung. Schwenkung nach links! Halt! Ludzek saust« bei einem Pufi von Zygmunt mit der Fahne nn den Flügel. „Bravo, kleiner Gucio! Du mein Engelskindl Vnem Helden gleichst du! Der leibhaftige Held Sobieskil Komm, mein süßes Kind, und küsse mich!" Das letzte Ansinnen wurde stramm überhört. Ein Weib küsien im' Angesicht seines Heeres! Undenkbar! Aber Gucio war doch zufriedener als der arm« Zygmunt, der nicht einen Blick erhielt, nicht ein anerkennendes Wort. Und bei dem Jungen mit den Stiefeln begannen die klaren Tränen herabzufallen. Still beweinte er den Be rliist seines schönen Zukunftstraumes. Aber unter den allen gab es einen, der anfing aufzuleben: Ludzek! Ein Morgengrauen schimmert« auf seinem rleinen bleichen Gesicht, breitet« sich aus und stieg als klares Sonnenscheinlächeln bis in die Grauaugcn und das helle Haar. Er starrte auf das klein« Grafenkind und fühlte, daß etwas geschehen könne. Was da g«° schohen sollte, begriff er nicht richtig, ober er ließ sich von seinem Instinkt führen. Und in sorgloser Genialität vollbracht« er die Großtat, die ihn für lange Zeit vom militärischen Zwang defreien sollte. Lautlos hotte Ludzek die Fahnenstange gesenkt, als wollt« er sich di« Ras« putzen, hatte sie umgedreht, wie um sich den Kopf zu kratzen. Jetzt trat er zwei Schritt vor, hob den Kopf, hob die Fahnenstange, zögerte noch einen Augenblick— ach. der kleine, elende Wurm— tat dann den letzten langen und schweren Schritt «nd lieh die Fahnenstange wie einen Knüppel auf Graf Gucios blanken Sllberhelm niedersausen. Ein Knall! Ein Kreischen! Ein Fall! Und hoch darüber der klagende Schrei einer Mutter! Di« Gräfin rafft« das Kleid um sich zusammen und begab sich w wildem Lauf nach unten, wo der Held Sobiesti in seinem Leo- pardenfell zappelt«. Ihr folgt« der Reitknecht Ianek, der Diener Zygmunt, der Junge mit den Stieseln, für den e» wieder etwas lichter zu werden schien, und zuletzt all« Bauernjungen in einem so dichten Knäuel, daß einig« von ihnen sogar die Gräfin berührten, die an der Seite ihres Lieblings kniete. „O mein Juwel, stirb nicht. O öffne deine Augen und sag« deiner Mama, daß du lebst." Ja, er lobte. Und dos erste, um was er bat mit einem grau- samen Flug auf den Lippen, den niemand anders als der schtiU«ne Zygmunt ihm beigebracht haben konnte, war Rache an Ludzek. Tötet Ludzek! Aber Ludzek war schon längst fort, memond hatte daran ge- dacht ihn festzuhalten. Durch di« Houptpfort« des Partes sah man ihn in einer Staubwolke verschwinden. Sonst hätte man wohl gern den berechtigten Wunsch Gros Gucios erfüllt. I Trotz raffendem Widerstand wurde Graf Gucio zu Bett ge« bracht. Die Gardinen wurden heruntergelassen, di« heilig« Mazda- lena wurde aus ihrem Gehänge genornmeu und auf fein« Brust gelegt und die Gräfin nahm ihn in ihr« warme parfümiert« Um- armung. Nachdem sie sich wieder erhoben hatte, mußt« der Hauslehr« herhallen. Er hätte voraussehen müssen, was da passieren konnte. Kannte er denn nicht di« Menschen da draußen? Wußte«r denn nicht, daß sie außer allen widerlichen Kronkheilen auch alle erdenklichen Laster und Leidenschaften in sich vereinigten? Es durfte nicht nur niemals mehr Krieg gespiell werden, sondern Zygmunt wurde bis auf weiteres aus dem Schloß verwiesen. „Es gibt so viele süße Kinder in unseren Kreisen", schloß die Gräfin ihre Strafpredigt,„daß es für Graf Gucio ganz überflüssig ist, sich den andern zu nähern. Ich hoff«, Sie haben mich verstanden, Herr Gouverneur." Der Hauslehrer verneigt« sich und nahm den Verweis entgegen. Aber als er viel« Jahre später von der Erhebung der Boffchewisten las, konnte er sich nicht entHallen, an Ludzek zu denken, dos elend« Geschöpf, daß zum erstenmal einen Angriff auf seinen geborenen Herrn wogte. lAutoristerte Ueberletuna aw, dem DSnischen von«. Lulchnat.) 9k. Offenburg: SrlcbniS Hill SEu feinem 75. Qeburlslag Es war im Frühjahr 191«. Ueberall standen„siegreich" die Truppen: an der Somm«, in den Karpathen, am Jsonzo, auf dem Balkan, jetzt selbst in Afrika, und wer weiß— vielleicht sogar noch im Himmel. Genau feststellen ließ sich dies« Wahrheit jedenfalls nicht, denn es gab dazumal zweierlei Recht in der Well, die wiederum auseinandergefallen war in zwei Teile: Mittelmächte— Alliierte. Aber was, über all« künstliche Trennung hinweg, sie dennoch einte, war jenes Meer von Blut, in dem die geteilte Well gleichermaßen ertrank. Man muß Ruhe haben, um zu solcher Besinnung zu kommen. Und Ruhe hatte ich plötzlich, mehr als erwünscht, denn eine, Tages fand ich zurück zu mir, fand ich mein alles Ich— auf der Festung zu Mainz. Im goldenen Mainz, der schönen allen Stadt am Schein, die viele Kirchen und Kasernen hat und berühmt fft ob ihres Karnevals. Saß in ein« Zelle, sechs Schritt long, zweieinhalb Schritt brett: wieder eingeordnet in altpreußische Zucht, die im dritten Kriegsjahr noch mit frieden smähig« Brutalität funktioniert« in allen Asußer- lichkeiten, wie da waren: Antreten, Nachtgeschirrleeren, Essen- empfangen, Spaziergang(25 Minuten). Und dem Untersiichungs- gefangenen— angefchuldigt wegen Tätlichkeit wider Vorgesetzte, unerlaubtem Waffen tragen, tödlicher Bedrohung und einem halben Dutzend ander«„Verbrechen"— kam plötzlich zum Bewußtsein: du lebst noch! Atmeft die Luft, fühlst deinen Körper, kannst all« Glieder bewegen, deine Augen sind noch hell und lebendig und dein Gehör scharf und vibrierend wie je. Kein irregelellet« Gewehr- kolben hat dir den Schädel zertrümmert, kein Bajonett die Gedärm« durchstochen, kein Granatsplitter den Brustkorb aufgerissen, kein Flammenwerfer Gesicht und Hände verbrannt, und nicht einmal ein« verirrt« Kugel hat dich gestrefft. Jubel!— du lebst noch! Zwar abgezehrt und ausgehungert, hohl der Blick und Grauen des Todes im Gesicht, Ekel um den Mund und etwas oerwildert die Seele. Saß in Einzelhaft, wochenlang, monatelang: d« Frühling ging in den Sommer, der Sommer in den Herbst, der Herbst in den Wint«. Und in dieser Zeit war neben manchen anderen Büchern (mit Ausnahme von Tolstois.Krieg und Frieden".„Anno Koremna" und Rousieaus„Emile" längst i>«gesien) ein schmales Jnsekbändchen bei mir, das unvergeßliches Erlebnis und Trost wurde: Emile Derhaerens.�Hymnen an das Leben". Es fand sich unter den ungeplünderten Refften meiner Habsekigkeiten, die man mir auslieferte, als auf wied«holte Gesuche hin„ausnahmsweise dem Unterfuchungsgesangenen Büch« und näher zu bestimmende perio- dische Druckschrfften bis auf Widerruf" gewährt wurden. Uno«geßkich, wie sich die Dormittagssonne iL»« die hohen Giebel der Häuser fortschob und große goldene Tropfen in die Zelle fielen. Di« warmen Strahlen rieselten durch die Gitteröffnung, rannen weich und wohltuend üb« di« fröstelnde Hmtt, und das Herz schwang sich auf in Jubel und Zuversicht, wenn ich mich über das unscheinbare Bändchen neigte und los: Denn Leben heißt allein: Empfangen und Verschwenden, lind nur die Sehnsuchtswillen haben mich begeistert, �Di« auch so gierig standen, keuchend und bemeistert Vom Leben und von seiner Weisheit roten Bränden. Endlos dehnten sich die Stunden in ihr« Defce, aber die Ein- famkett war«füllt von der Stimme eines Dichters, der liebend, trotzig und leidend das ganze reiche und schöne Leben in seinen Gedichten eingefangen hatte. Uns« Leben, das Sein unserer Generation: hi« klopfte uns« Herzschlag, hier sann uns« Denken und hi« litt uns»« Liebe. Wir waren„Die Menge" und„Die Tat", wir sehnten uns„Zum Meere hin" und wir wehten über die Land« weg mit dem berauschenden„Hymnus an den Wind". Keine Grenzen, di« die Volk« trennen, gab es mehr; und Krieg, das war plötzlich wie ein Märchen, in einem früheren Dasein ein- mal erlebt. Denn sang nicht ein« gewallig starke Stimme: Und wenn auch dort noch W grundtiefen drohend starren, Vor denen jede Fackel schaudert und»»lischt, Besser— statt sich mit Spuk und mit Chimären narren— Wir treten fromm zurück. Allein wir irren nicht! Dann waren Rächt«, unzählbare, da von fernen Türmen die Mitternacht schlug. Schw« und polternd fielen die Schläge in die Zelle und liefen grollend in den steinernen Gang weit«, bis sie sterbend zusammenbrachen... Am westlichen Himmel stand manch- mal der volle Mond, und im Helldunkel die Bäume vor der Gitter- öffnung. Mit leisem Pfeifen fuhr der Nachtwind durch di« Kronen, di« Blätter roschellen wie Silber, und kall klebte das weiße Licht an den Mauern, den nackten Wänden: die Zelle, der Sarg eines Lebendig-Toten. Ab« durch Schlaf und Traum schwangen die Berse Perhcwrens, waren Aufschwung und Befreiung in dief« notvollen Zeit. Und wenn allnächtlich di« endlosen Traneportzüge, vollgestopft mit gröhlenden, unwissenden Opfer tieren, in den großen Südtunnel (über dem, etwas abseits, die Festung erbaut war) einfuhren: da lag, hochgeschreckt aus leichtem Schlumm«, der Gefangene wach und sah die blutbeschmierten Geleise, die Europa und Asien durch- zogen... Und üb«all wurden Menschen dem Tode entgegen- gefahren: in den Rachen d« Schlachten. Doch liedhaft sangen dann. Mten im Grauen d« Rächt, Bruchstücke aus den„Hymnen an das Leben" durch die Zelle: Ihr Arbeiter, Millionen Fiebernd«, Gepreßte. Die ihr, di« Stirn vom Wahn nutzvollen Werks mnstrahll, Als Sieger aufrecht durch die Zeiten schreitet, In wieviel Bildern namenlosen Heldentums, — gestählter Brust mit wild und sichern Gesten, In Ansturm, Qual, Triumph und endlich« Gewalt— Fühl' ich die Zeichen eures ewigen Ruhms In meinem Innern tragisch ausgemall! * Am 26. November 1916, an einem regenfeuchten nebligen Abend, sah ich zum ersten Male wieder and«« Menschen als Festungsgefangene und ihre Wächter mit aufgepflanztem Bajonett. Ich war wied«„frei"(mit Strafaufschub) für die— Front. Jahre später, als ich mich in ein sogenanntes geordnetes bürger- llches Leben und zu mein« Arbeit zurückgefunden hatte, las ich, daß an diesem 27. November des Jahres 1916 Emile D«haeren gestorben war. Lapidare Meldung:„Dom Zuge überfahren..." „Deutschenhasser während des großen Krieges". War es nur Zufallsspiel allmächttger Natur, daß«ine Handvoll Berse des unsterblichen belgischen Dicht«» einem namenlosen Soldaten tiefstes Erlebnis in seiner Gefangenschaft wurden? Nur blindes Schicksal, daß der Tag seiner„Befreiung" mit dem Todestag des Dichters zusammenfiel? Wir können diese Frage nicht ent- scheiden und sind nur dankbar und demütig vor dem großen und schrecklichen Wunder: Leben. Aber eines wissen wir: di« Liebe eines Unbekannten zu dem Dicht« der„Hymne an das Leben" straft jene Phrasen Lüge, die vom Deutschenhasser während des großen Krieges faseln. Denn sieghaft üb« die blutigen Jahre, über Festung, Mord und Rot schwangen di« Gedanken gleich- gestimmter Menschen und ihre Herzen fanden zueinander— trotzdem die West ersoff in Blut.> Verha«en: geboren am 21. Mai 1855 i» Et. Amond in Flandern, gestorben am 27. November 1916 in Rouen. Sellfame Ursachen der Wlrbelflürme Fast in jedem Sommer treten in gewissen Gegenden Nord- amerikas Tornados auf. Es sind dies Wirbelstürm«, die meist entsetzliche Verwüstungen anrichten. Auch in Holland und an der Nordseeküste beobachtet man ab und zu ähnliche Erscheinungen. Man bezeichnet sie hier als Windhosen oder Trowben. Einen interessanten Einblick in die Entstehungsbedingungen derartiger Vorgänge gewährt«ine Deobachtuirg, die man anlöß- lich eines großen Oelbrandes in San Luis Obispo in Kalifornien gemacht hat. Es schlug dort am 7. Aprll 1926 bei einem Gewitter der Blitz in«inen großen Behälter ein, in dem sich gegen 750 000 Barrel Oel befanden. Das Ocl geriet in Brand und kocht« über. Dadurch wurden noch einige benachbarte Behälter entzündet, so daß im ganzen gegen 6 000 000 Barrel Oel verbrannten. Das Feuer bedeckte eine Fläche von etwa 900 Ackern. Es herrschte ein ziemlich lebhojt« Wind. In dem gewattigen Flammenmeer be- obachtet« man alsbald ein« große Meng« schlauchartiger Gebilde. die ganz das Aussehen von Tornados hatten. Di« meisten waren ziemlich schmal und bewegten sich nicht vom Feuer weg, einzelne jedoch entwickelten sich zu recht beachtlicher Größe und«rftarben erst in einigen Kilmnet« Entfernung. Durch einen dieser Tornados wurde ein Landhaus, das etwa«inen Kilomet« von der Brand- stelle entfernt lag, erfaßt, einige Fuß emporgehoben, etwa 150 Fuß fortgeschleppt und dann auf den Boden aufgesetzt, wobei es voll- ständig zertrüminert wurde. Di« zwei Bewohn« des Häuschens wurden dabei getötet. Noch ein weiteres Haus wurde von einer Trombe«faßt und fortgetragen. Aehnliche Wirbelwinde wurden übrigens auch bei dem gewaltigen Brande beobachtet, der die Stadt Tokio nach dem großen Erdbeben vom 2. September 1923 voll- ständig zerstölte. Di« beobachteten Erscheinungen dürften auf folgende'Art zu erklären sein: Heber der Brandstelle wird di« Luft außerordeitt- lich stark erhitzt. Dadurch wird sie sehr leicht und steigt mit großer Geschwindigkeit in die Höh«. Von ollen Seiten strömt nun Luft aus der Nachbarschaft zum Ersatz heran. Dabei entstehen Wirbel, die durch den Wind gelegentlich auch von der Brandstelle losgelöst uni> je nach ihrer Energie ein größeres oder kleineres Stück fortgeführt werden. Aehnliche Bedingungen dürsten auch für die Entstehung der fönst in der Natur zu beobachtenden Wirbelwinde maßgebend fein. Jedenfalls hat man sestgestellt, daß ste vorwiegend in solchen Gebieten auftreten, in denen aus engem Raum« große Temperaturgegensätze vorhanden sind. Im amerikanischen Nationalpark in Montana, der eine Größe von über 4000 Quadratkilometer hat, befinden sich nicht weniger als 526 größere oder kleinere Seen, während 56 Berggipfel vor- banden sind, die eine Höhe von 3000 bis 4500 Met« haben. Die Seen werden von den großen Gletschern gebildet. Selbst in den Sommermonaten fft dos Wasser in diesen Seen eiskalt: der Wasser» spiegel fft vollkommen glatt und kann in den verschiedenen Be» leuchtungen die selljamsien Farbentönungen annehmen, vom Purpurrot bis zum Türkisblau oder Brandgelb. Sieben Monate des Jahres liegt der Schnee meterhoch über dem ganzen Porl, während im Sommer die Blumenpracht märchenhaft ist.