BERLIN Mttwoch 21. Mi 1930 10 Pf. 7lr. 235 B 117 47. Jahrgang erfcheiat tiglich aaß«r S»»at«ß«. Zugleich Abendauigabe de«.Vorwärt«'. Bezugsprel« beide Ausgabeu ssPf. pro Woche, s.eoM. pro Monat. vledaktion und Expedition; Berlin SWSs,Lindenstr.» SjuUaubgaße xle& v\bHOtLf46» nttigenprei«: Die einspaltige Nonpareillejeil« so Pf., Reklameieile SM. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkoato: Vvrwärk«-Verlag G. m. b. Berlin Nr.«7636. Fernsprecher: Dönhoff 292 bU 29» otttiftd) öien�enih en! Gleichzeitig auf halbes Gehalt gefetzt. Ntthdevr V ö ft gestern vom Vezirksausschttst seines Amtes enthoben worden ist. hat nunmehr der Oberpräsident die amtliche Suspendierung des Oberbürgermeisters ausgesprochen. Nach dem Disziplinargesetz ist damit die Kürzung des lvehalts um die Halste verbunden. Entscheidet je- doch das Oberverwaltungsgericht zugunsten des Be» schuldigten, so wird ihm die gesperrte Summe nachgezahlt. Es erscheint jetzt möglich, daß das Berfa hrenbeimOber. oerwoltungsgericht doch schneller durchgeführt werden kann, als anfangs vermutet werden mußte. Immerhin dürsten im günstigfteu Aalle, wenn nämlich kein neues Vcweismalerial beschosst zo werden braucht, drei Monate vergehen, ehe es zu einer Entscheidung kommt. Im Rakhaufe war heute vormittag das Gerücht verbreitet, daß Bürgermeister Scholh. dessen Urlaub in den nächsten lagen zu Ende gehl, nicht in sein Amt werde zurückkehren können. Der Bürgermeister trug sich seit langem mit der Absicht, in Pension zu gehen. Nun soll sich durch die Arbeitslast der letzten Zeit sein Gesundheitszustand so verschtechtert haben, daß die Aerzt« «in« Wiederaufnahme der Tätigkeit ihres Patienten nicht verant- warten wollen. Vom Nochrichtcnamt wird dazu erklärt, daß von solchen Absichten des Bürgermeisters nichts bekannt sei. Man wird deshalb diese Gerüchte sehr vorsichtig bewerten müssen. Wir hüben bereits heute früh die Urteilsbegründung und den Verlauf der Sitzung veröffentlicht. Wir hoben dabei dar- auf hingewiesen, daß dem Obervcrwaltungsgericht die hohe Aufgab« zufällt, gewissenhaft nachzuprüfen, ob das Urteil des Bezirksausschusses den Anteil des Oberbürgenneisters an dem Gesamtverschulden gerecht bemißt. Es geht nicht an, daß man dem Berliner Stadtoberhaupt die Ehre abspricht, ihm aber andererseits eme Pension von 20 000 Mark jährlich gewähren will. Da die Verhandlungen des Bezirksausschusses geheim sind, wird man die genauen Gründe, die Veranlassung waren, Böß mit Dienstentlassung zu bestrafen und ihm Achtung, Ansehen und Vertrauen abzusprechen, wohl kaum bis ins Letzte er- fahren. Es scheint jedoch, daß in erster Linie die leidig« und ge- schmacklofe P e l z a f f ä r e ein- große Rolle gespielt hat. Weiler dürsten die letzten Enthüllungen über die Grundstück»- schiebungen de» Stadtrat Busch mit zur Schärfe des Urteils beigetragen hoben. Man wirft hier dem Oberbürgermeister vor, daß er es an der ge- nügenden Kontrolle habe fehlen lassen. Es wäre die Pflicht des Stadtoberhauptes gewesen, den vielen Beschuldigungen, die schon vor mehreren Jahren besonders auch von sozialdemo» kra tisch er Seite gegen Dusch erhoben wurden, genauer und verantwortungsvoller nachzuprusen. Oer einseitige Rundfunk! Die sozialistische Bewegung unglaublich benachteiligt. In der gestrigen Sitzung des Reichstags ausichusses für den Haushalt nahm Genosse E r i s p i« n Veranlassung, aus die geradezu rntglaubliche parteipolitische Einseitigkeit der Riindsunkprogramm« hinzuweisen. Der Rundfunk müsse endlich mit dem allgemeinen Stand der kulturellen Entwicklung in Einklang gebracht werden. Die Sozialdemokratie mit ihren über 9 Millionen Wählern sei an den Rundfunkdarbietungen lächerlich gering beteiligt. An einem deutschen Sender seien in der Frauenfwnd« unter 133 Vor« trägen nur fünf von Sozialisten geholten worden. In der Ellernstunde sei das Verhältnis 42: 1, in der Kinderstuiide 52: 0, im Jugendfunk 63:0 gewesen. Selbst in der„Stunde des Arbeiters' feien von 130 Rednern nur 35 Sozialisten gewesen. Bei den Morgenseiern standen 30 katholischen, 25 cvan- gelischen Feiern und 43g«istlich«n Konzerten nur e in«(!). jre«geistliche Feier gegenüber. Crispien ironisiert« das Bemühen, die politischen Parteien aus dem Rundfunk möglichst fernzuhalten. Im Nachrichtendienst würde die sozialistisch« Bewegung nicht genügend berücksichtigt. Crispien verlangt« schließlich ein R« i ch s rund s u n k g c se tz, das auch d« Interessen der ArbeiterZörer zerecht werde,____ Grubenbrand in Frankfurt/O. Oie Belegschast in Sicherheit— Alle Verunglückten geborgen Frankfurt a. d.' O., 21. Mai. Im Margarethenschacht der Braunkohlengrube Finkcnhccrd brach heute vormittag ein Gruben- brand aus. der sehr schnell um sich griff. Der größte Teil der Belegschaft konnte sich rechtzeitig in Sicherheit bringen; jedoch wurden zehn Mann, darunter der Obersteiger, vermißt. Gegen 1 1 Uhr war es den mit Sauerstoffapparaten vorgehenden Nettungs- Mannschaften gelungen» sämtliche Verunglückten zu bergen. Drei Mann mußten wegen R a u ch v e r- gistung ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zur Zeit sind die Arbeiten zur Bekämpfung des Brandes noch im Gange. Die Mannschaften werden vorläufig auf den übrigen Schachtanlagen Beschäftigung finden. Zeppelin über dem Atlantik. ör funkt bereits mit Amerika. Das Zeppelinluftschiff hat nach seinem gestrigen Ab» flug von Sevilla bereits die Kanarischen Inseln hinter sich gelassen und hat zur Zeit direkten Kurs auf die brasilianische Küste. Das Luftschiff hat bereits mit einer amerikanischen Küstenfunkstation Verbindung aufgenommen. New York. 21. Mai. Nach einer Meldung der Slfsocioted Preß aus London sichtete der Dampfer„S e g u r a" den„Graf Zeppelin' um 5 Uhr 28 nachmittags unter 34 Grad 34 Minuten nördlicher Breite und 12 Grad 40 Minuten westlicher Länge. Las Palmas. 21. Mai. Der„Graf Zeppelin' wurde gestern nachmittag auf halbem Wege zwischen der spanischen Küste und den Kanarischen Inseln von mehreren Dampfern beobachtet. Der 2 a m p s e r„A st u r i a s' sichtete den Zeppelin etwa 325 Meilen nordöstlich der Kanarischen Inseln. Das Luftschiff flog mit einer Gesch-vindigkeit von etwa 80 Kilometer in der Stunde. Der Dampfer„G r e n C a n a r i a s' berichtet, daß er den Bord-sender des Zeppelin hörte. Hamburg. 2l. Mai. Wie aus dein vom Seeflugreferat der Deutschen Seewarte aus- gegebenen Bericht ersichtlich, weicht die Wetterlage in den der afrikanischen Küste vorgelagerten Teilen des Nordatlantischen Ozeans erheblich von der für die Jahreszeit normalen ab. Nordwestlich Die neue Wiffenschafi. „Also. Papo, seit der Günther Rassenkunde liest, seh ich immer erst zu, ob's auch ein R u n d s ch ä d e l ist, eh ich ihn einschlage!" der Kanarischen und Kap Verdischen Inseln baut sich«In neue» Hochdruckgebiet aus, das dem Kurse Kanarcn— Kap Verden heiteres Wetter und nördlictze bis nordöstliche Winde bringt. Süd- lich der Kap Verdischen Inseln folgt nach dem Aequator zu die tropische Tiesdruckrinne, in der das Zusammenströmen der verschie- den wannen Lusttörper des Nordost- und Sü''i-Passal Regenftula bedingt. Raserei mit dem Revolver. Ooppelmord und Selbstmord. Auch ein Berliner getötet. Düren lRheinland). Zl. INai. In der vergangenen Rächt trug sich in der Rochbargemeinde Rölsdorf eine furchtbare Tat zu. Als eine Gesellschaft von mehreren Männern und Arauen gegen Mitternacht eine Wirtschaft verlassen hatte, trat ein Mann aus der Dunkelheil hervor und verlangte die zwanzigjährige Maria Dohmen zu sprechen. Du» Mädchen erkannte ln dem Mann sofort den Metzgergesellen A r a n z V ü s i n g au» Düsseldorf, der sie seit längerer Zelt mit Liebe»- an trägen verfolgte, vüsiug trat dicht an dos Mädchen heran und gab aus einem Armeerevolver einen Schuß ob. so daß das Mädchen tot zusammenbrach. Dann feuert« Düsing vier weitere Schüsse in die Gesellschaft. Drei Schüsse gingen seht, einer ober traf den Monteur der Reandcr-Werke Wilhelm Diesche au» Berlin, der sofort tot war. Schließlich lötete der Mörder sich selbst. Verlmerin in(Schlesien ermordet. Auf einem Spaziergang angefallen und niedergemetzelt. Der Mord, dem im Glaher Gebirge die aus Berlin ge. bürtige Arau Elfe w o l s s o h n zum Opfer siel, hat in Berlin berechtigte» große» Aufsehen erreg«. Frau Wolfsohn entstammt einer bekannten Arztfamilie. Ihr Bruder ist leitender Arzt an einem Krankenhaus«, während ihr Sohn den Posten eines Assistenzarztes bekleidet. Seit 1927 wohnte Frau Wolfsohn in der Wittelsbacher Straße 1 und führte«in sehr zurückgezogenes Leben. Ein« Zeittang war sie in der Wohl- fahrtspfleg« eifrig tätig. Ain Sonnabend, dem 17. Mai, fuhr sie nach Wölfelsgrund zu einem kurzen Erholungsaufenthalt und nahm bei einem Lehrer Quartier. Am vergangenen Sonntag unter» nahm sie noch einen Spaziergang, ehe man sich zum Abendessen setzte. Von diesem Ausgang ist si« nicht wieder zurückgekehrt. Als alles Suchen nach ihr vergeblich Hieb, benachrichtigte man am Mon- tag ihren Bruder, der.sofort nach Wölfelsgrund eilte. Wie wir bereits meldeten, wurde dann Frau Wolffohn etwa 500 Meter von der Ortschaft entfernt an einem Bache tot ausgesunden. Kopf und Körper lagen entgegen der Stromrichtung, und ein Teil des Unter- körpers war mit Reisig bedeckt. Vom Fundort etwa 50 Meter weit entfernt entdeckte man an der Straße eine Schleifspur und Blutflecke. Der noch unbekannte Mörder muß also sein Opsec an der Straß« angefallen und es dann zum Bache hinuntergeschleist haben. Der Tod ist auf mehrer« Messerstiche, d'S den Hinterkopf trafen, zurückzuführen. Außerdem ist noch eine Nerletzung oberhalb des rechten Auges. Nach den Feststellungen der Breslauer Kriminalpolizei, die von dem Kapitalverbrechen sofort in Kenntnis gesetzt wurde, liegt allem Anschein nach«in Raubmord vor. Ter Toten sind 250 Mark geraubt worden. (Zisenbahnkaiastrophe in Rußland. Bisher 2S Tote und 29 Schwerverletzte. Moskau, 21. Mal. Bei der Station Tschernaja au der Eisenbahnlinie Moskau— Kasan stieß ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen. 2« Personen wurden gelötet, 29 schwer verletzt. Rähere Rachrichtcn sehten noch. In dem Personenzug befanden sich viel« Kinder, die zw? Erholung nach der Tatarcn-Repudlik unterwegs waren. Vier Wagen gerieten in Brand und sind völlig oer. nicht et worden. Bis jetzt konnte nur festgestellt werden, daß der Personenzug anstatt mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit von 40 Kilometer mit 60 Kilometer Stundengeschwindigkeit führ. , Die beiden Lokomotiosithrer sind tot, Orgesch geht um! Rayerisch« Reaktionäre ahmen Tirol nach. München. 21. Mai.(Eigenbericht.) Seit Jahresfrist ist der Macher der früheren bayerischen Ein- wohnerwehr, Forstrot Escherich, bemüht, aus den Trümmern seiner ehemaligen Organisation eine neue politisch« Bewegung der weißblauen Reaktion ms Leben zu rufen. Er ver- ankerte sie zunächst auf dem Lande und gab ihr den Namen „Heimatschutz", um auch äußerlich die Gesinnungsgemeinfchast mit den österreichischen Heimwehren zu dokumentieren. Die Agitation besorgt Escherich wie einst in den Putschjahren 1920/21 damit, daß er der durch die Wirtschaftsnot leichtgläubigen Landbevölkerung gruseln macht mit der unsinnigen Behauptung, daß auch in Bayern wieder nissisch« Einflüsse immer offener eine völlige Bolschewisierung des Landes herbeiführen. Die Bewegung, für die auf dem Lande besonders die Staatsbeamten tätig sind, hat aber bisher keine rechten Fortschritte machen können. Jedenfalls gelang es noch nicht, merk- baren Einfluß auf die Politik zu gewinnen. Infolgedessen geht Eschcrich nun daran, die sogenannten nationalen Bllrgerkreise der Städte für seinen Heimatschutz zu gewinnen. In München soll heute abend die Gründung vorgenommen werden und eine, wie es in einem vertraulich verschickten Rundschreiben heißt, überparteiliche Organisation gaschasfen werden,.die der Welle des Bolschewismus einen Damm entgegen- setzt und der bisher widerstandslosen Regierung einen Rückhalt bietet". Für das Organtsationskomitee verantwortlich zeichnen Personen, die der Oesfentlichkeit seit Iahren als die Geschäfte- mücher der bayerischen Reaktion betonnt sind, darunter ehemalige Minister, Universitätsprofessoren, hohe richterlich« Beamte, Domkapituloren, Bantdirettoren und Kommerzienräte. Der ganz« Plan ist nichts anderes als ein« kalte Auf- rüstung zum Bürgerkrieg. Sollte er Erfolg haben, dann besteht für die in Oesterreich in absehbarer Zeit arbeitslos werdenden Berufsputschisten gute Aussicht, in Bayern lohnende Beschäftigung zu finden. Sorge für die Arbeiislofen. Sozialdemokraten fordern Notstandsmaßnahmen. Schwerin, 21. Mai.(Eigenbericht.) Die sozialdemokratisch« Fraktion des Mecklenburg ifchen Land- tages hat den Antrag eingebracht, schon jetzt 200 000 Mark für Notstandsarbeiten bereitzustellen. Bei der Beratung des Haushaltsplanes 1930/31 wurde von der Regierung zugesagt, daß, ivenn der Arbeitsmarkt sich stark verschlechtern würde, man bereit sei, Mittel sur Notstandsarbeiten zur Berfügung zu stellen. Di« Arbeitslosigkeit ist so katastrophal, daß unbedingt besondere Maßnahmen«rsorderlich sind. Mosley fordert Sondersitzung. Oer Kampf um die Arbeltslosenpolitik. London, 21. Mai. Die Blätter erörtern ausführlich den Austritt Sir Oswald Mosleys aus der Arbeiterregierung.„Dolly Herald" zufolge wird er voraussichtlich heute in einer Fraktionssitzung darauf dringen, daß eine Sondersitzung zur Erörterung der Arbeitslosenpolitik ab- gehalten wird.„Times" sagt: In den Augen vieler Mitglieder der Arbeiterpartei war die Rede des Arbeitslosemninisters Thomas vom Montag als Eingeständnis seines Mißerfolges be» trachtet worden, und der mit der von Thomas befolgten Politik unzufriedene Sir Oswald Mosley scheint dies für die geeignete Gelegenheit zu einer Demonstration gehalten zu haben. Die Zahl der Erwerbslosen hat wiederum erheblich zugenonumn. Am 12. Mai wurden 1 739 500 Arbeitslose gezählt. Steigerung gegenüber der Borwoche 27 500. »Impfstoff BSG. ist unschädlich.". Erklärt Professor Ealmekte vom Institut pasteur. Paris. 21. Mai. Professor Calmelte vom Zustitut Pasteur. der Cal- deck er des Tuberkulose- Impfstoffe» gibt im «Matin" eine Erklärung über die Vorgänge in Lübeck ab. „Das Institut Pasteur", so erklärt er,.liefert den Impfstoff B T G. in fertigem Zustande nurin Frankreich. Er darf nur in frischem Zustande benutzt werden. Das Institut Pasteur trägt also keine Verantwortung für di« Lübecker Vorfälle. Seit mehreren Iahren gibt das Institut den ausländischen Labors- torien, die den Antrag stellen, BCG.-Kulturen ab, und die ent- sprechenden Laboratorien kultivieren den Impfftoff an Ort und Stelle. Sie erkennen sämtlich die Unschädlichkeit von BCG. an. Das Laboratorium von Lübeck hat im Juli 1929 BCG.-Kulturen erhalten, und am 2(5. März 1930 schrieb Dr. Altstedt uns, daß 50 Proz! der im Lübecker Staat geborenen Säuglinge ohne Zwischenfälle mit dem Impsstoff geimpft worden seien. Was ist also seitdem in Lübeck vorgegangen? Liegt ein Irrtum bei den verwendeten Jmpskulturen vor? Ich kann das nicht sagen. Ich kann nur bestätigen, daß das BEG. keinesfalls eine Krankheit hervorrufen und zur Tuberkulose führen kann. Die im Juli 1929 nach Lübeck gelieferte Bazillenkultur wuckde von uns vor dem Versand kontrolliert und enihielt keine Giftstosse. Der im Institut Pasteur produziert, BEG.-Impfstoff ist an dem Lübecker Unglitck sicherlich unschuldig." Ountelblum zur Stelle! Der langersehnt« Kaufmann S a l o m o n D u n k e I b I u m aus Krakau war heute endlich in Moabit erschienen und stellte sich dem Schöffengericht Berlin-Mitt« als Angeklagter, in dem feit 14 Tagen gegen ihn und den Bankier Kunert zur Verhandlung stehende:? Strafverfahren nzegen versuchten Betruges gegenüber dem Deutschen Reiche. Bekanntlich war Dunkelblum un- mittelbar vor Beginn des Prozesses in sein« polnische Heimat geflüchtet. Da» Gericht hatte das Verfahren aber noch nicht formell abgetrennt, da Dunkelblum durch Rechtsanwalt Themal fein späteres Erscheinen in Aussicht gestellt hatte. Run rnar er heute endlich da. Landgerichtsdirektor Steinhaus machte ihm heftig« Vorhaltungen, daß tr dem Prozeßverfahren durch fein Ausbleiben so groß« Schwie- rigteiten bereitet habe. Der Angeklagt« Duntelblum erklärte, daß er n« rven kra n k sei und den K o pf verloren hätte. Deshalb sei er abgereist. Nachdem der Borsitzend« in wenigen Worten die bisherigen Ergebnisse der Verhandlung kurz skizziert hatte, wurde Dunkelblum als Angeklagter ausführlich zu dem ihm zur Last g«. legten Anklogepuntt verantwortlich vernommen. Bingen frei. Di« französische Besatzung hat Bingen geräunu. Der Abmarsch vollzog sich ohne jede Formalität. Förderung der Beratung und Kritik i Der Ausschuß für den Reichshaushalt behandelte in seiner Mittwochsigung bei Gelegenheit der Berat?mg des Haushalts des Reichsinnenministermms die Titel vorweg, die sich mit der„Kaiser- Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften" und der früheren Notgemeinschaft, jetzt„Deutsche Gei?»«i??schaft zur Erhaltung und Förderung der Forschung" genannt, beschäftigen. Für die ersterc sind unter den laufenden Ausgaben ein Zuschuß von 3,2 Millionen Mark unter den einmaligen Ausgaben für Umbauten, Erneuerung und Ergänzung 200 000 M., für die Deutsche Gemeinschaft zur Er- Haltung und Förderung der Forschung laufend 7.2 Millionen Mark angefordert. Der Präsident der Gesellschaft, Geheimrot v. Harnack, dankte dem Ausschuß für di« bisherige Förderung und bat dringend, von den angeforderten Summen nichts zu kürzen, da sie unbedingt er- forderlich wären, um der Gesellschaft die Fortführung ihrer wiflen- schastlichen Arbeiten zu ermöglichen. Er teilt« mit, daß die Rocke- feller-Stiftung der Gesellschaft 2,7 Millionen Mark zum Bau zweier Institute zur Verfügung stelle, aber die Bedingung gestellt habe, daß die Gesellschaft den Betrieb be- zahlen müsse. Bisher habe mit dem Bau noch nicht begonnen werden können, da Preußen wohl leihweise den benötigten Grund und Boden zur Verfügnug stelle, aber Rockefeller nur auf eigenem Grund und Boden bauen wolle. In der Debatte wurde vom Abg. Dr. Mose»(Soz.), dem Bor- sitzenden Abg. heimon«?(Soz.), Dr. Cremer(D. Vp.) und anderen der dringende Wunsch ausgesprochen, dem Parlament einen st ä r- keren Einfluß auf die Gesellschaft und auf die Zu- fammensetzung ihrer beschlußfassenden Organe einzuräumen. Dr. Moses erkannte unumwunden an, daß die Gefellfchaft wissenschaftlich außerordentlich nützlich, ja, segensooll wirke. Er regte an. zu moägen, ob nicht Geld, Zeit und Kraft gespart werden könnten, lvenn alte wissenschaftlichen Institute im Reich sowohl wie In den Ländern in eine Art organische Verbindung gebracht würden. Jetzt herrsche öfters nicht nur ein Durcheinander, sondern ein Aegeneinanderarbeiten. Reichsnnirister Dr. wirth gab dem Gedanken Ausdruck, es wäre eine reizvolle Aufgab«, einmal zu erwägen, wie in den Grenz- gebieten Universitäten zu Zentren der Kultur» bewegung� ausgebaut werden könnten. Das Reich würde be- sonders im Osten und Westen hier helfend, aber auch mitbestimmend eingreisen können.. In der Debatte über die„Deutsche Gemeinschaft" kam Dr. Moses auf feine vorjährige Kritik an den von der Gemeinschaft gervährten Subventionen zurück und erklärte, daß dieRotwendigkeitder Kritik am besten dadurch bewiesen werde, daß die Dinge in- zwischen etwas besser geworden seien. Immerhin sei auch jetzt noch Raum für Verbesserungen vorhanden. In unterstützten .rassenhygienischen" Werken werden nicht nur gegen Juden, sondern vor allem auch gegen die katholische Kirche in ganz maßloser Weise gehetzt, und rvenn di« Sozialdemo- kratie scharf gegen die Unterstützung solcher Werke auftrete, so habe Frauen, schließt die Reihen! Stärkste Beteiligung an der Franen-Werbewoche. Die Frouenoeranstaitung im Städtischen Saalbau in Ren- k ö l l n war so überfüllt, daß. zunächst die anwesende« MännerdenSoal räumen mußten, um den immer noch an- strömenden Frauen Platz zu machen. Aber auch das half nur eine kurze Zeit. Vorraum und Hof zum Saal loa reu bald dicht besetzt. Hunderte von Frauen mußten auf eine Wiederholung der Veranstaltung in der nächsten Woche vertröstet werden. Frau B» r» mann eröffnete den Abend und gab dann der Rsferentin Frau Licht das Wort, die es vortrefflich verstand, den Frauen klarzu» machen, daß sie heute politische Mitarbeit leisten müssen. Erwerbe- losigkeit und Wirtschaftsnot drücken am meisten auf die Frau. Darum muß jede Frau aktiv in der Sozialdemokratischen Partei tötig sein, die als einzige grundsätzlich für Neugestaltung der Wirffchaft eintritt. Der Film„D i e M u t t e r" zeigt«'dann die heroische Aufopferung einer Mutter. Das Schicksal dieser Mutter unterstrich mit bewegter Stimme Klara Bohm-Schuch noch einmal. Die Mütter haben im Völkermorden ihre Söhne und Männer hingeben müssen. Der Schmerz der verlorenen Lieben muß die Mütter immer wieder stark machen, die Pioniere der Friedensarbeit zu sein. Mütter müssen da» Genüssen der Welt sein. Müller müssen von herz zu Herz, von Hirn zu Hirn werben für die Sozial» demokratie. Die schöne Feierstunde klang aus in dem Sang der Internationale. Der zweite Kreis Tiergarten veranstaltete in den Arminius» hallen eine gut besuchte Frauenversammlung. Gertrud Ellert vom Zentraloerband der Angestellten sprach zu den Frauen, forderte sie auf, dem Rufe von Partei und Gewerkschaft zu folgen und sich einzureihen, um gemeinsam für«ine bessere Gesellschaftsordnung zu kämpfen. Die Stellung der Frau im Produktionsprozeß ist eine be- sonders schwierige, denn die Frau ist besonderen Anstrengungen ausgesetzt. Statistiken zeigen, daß die gewerbstätigen Frauen in weit höherem Maße Krankheitsfällen ausgesetzt sind, als sonst für den Durchschnitt der Frauen angenommen wird. Darum führen wir, so sagte die Rednerin, den KampfumdieHerabsetzung der Arbeitszeit und für hygienische Arbeits- bedingungen, denn es steht nicht nur unser« Gesundheit, sondern die Lebensfähigkeit auch späterer Generationen auf dem Spiel. Dem Schutz von Mutter und Kind muß immer unsere größte Aufmerksamkeit gelten. Aber die Frauen müssen selbst aktiv in Partei und Gewerkschaft mitarbeiten, um ihre Forderungen durchzusetzen. Aufgabe der Partei ist es, die Stellung der Frau im Staat« zu festigen. Die Gewerkschaften müssen der Frau die voll« wirtschaftliche Gleichstellung sichern. Die Refe- rentin schloß mit der Aufforderung: Stärkt die Partei, werbt für die Gewerkschaften. Anschließend sprach die Reichstagsabgeordnite Ge- nossin Wurm an Hand von Lichtbildern über das faschistische Italien. Ihr Vortrog wurde mit großer Aufmerksamkeit auf- genommen und überzeugte die Zuhörer, daß nur ei« stark« Sozial- demokratische Partei den Faschismus für Deutschland abwehren kann. Von den Wänden des grotzen Saals in den Pharussäien wehten rode Fahnen. Das glücklich zusammengestellt« Programm wurde von Rezitationen proletarischen Inhalts eröffnet. Martha Jahns wann mitfühlende Vortragsart war gerade in diesem Rahmen besonders wirkungsvoll. Aufrüttelnd war auch der Sprechchor der Gewerkschaftsjugend aus dem„Maschinenstürmer". D« Bildstreifen.Streifzüge durch Frankreich" erweckte allgemeines Wissenschasten. n Reichstagsausschuß. das nicht das geringste mit der Freiheit der Wissenschaft zu tun. Unter großer Heiterkeit des Ausschusses zitiert Dr. Moses den Ausspruch eines Universitätslehrers über den.Rassenforscher" Günther:„Wenn der neue Herr Professor pun in der Tat loslegen will, dann soll er sich als Demonstrationsobjekt nnse- rcn Goebbels vornehmen, der so aussieht, als hätten alle Stämme Israels sich zusammengetan, um für den Fall eines Falles ein Originalgesicht zu hinterlassen." Zniernaiionaler Heuerverirag. Seemanns-Abkommen genehmigt. Der 9. Ausschuß des Reichstags befaßte sich in seiner heutigen Sitzung mit dem Entwurf eines Gesetzes über das Internationale Uebereinkommen über den Heuervertrag der Schiffeleut«. Ministerialdirektor Kitzler bemerkte«inleitend, daß gegen den Entwurf Bedenken erhoben worden sind, weil»in« schriftliche Kündigung vorgesehen ist. Abg. Hinhmann(D. Vp.) wendet sich gegen die Form der schrift- lichen Kündigung und gegen das Abkommen überhaupt. Abg. Schumann-Frankfurt(Soz.) führte aus. daß die frei» gewerkschaftliche Organisation der Seeleute durch Tarifvertrag di« meisten Lücken der alten Seemannsordnung ausgefüllt und auch die Kündigungsfrage geregelt Hab«. Deutschland dürfe sich bei dem internationalen Abkommen nicht ausschalten. Die von der Volkspartei vorgebrachten Schnnerigkeiten sind ohne weiteres zu beheben, wenn ein amtliches Kündigungsbuch emge- führt wird. Die Abgg. Agena(Dnat.) und Schröter(Komm.) wenden sich entschieden gegen die internationalen Abkommen des Arbeitsamtes. Abg. Lambach(Volkstons.) hält es für ausreichend, wenn die anderen Länder ratifizieren. Abg. Dauch(D. Bp.) hält den Regiernugs- Vertreter in der Sache nicht für objektiv. Ministerialdirektor Sitzler verwahrt sich gegen diesen Borwurs und betont, daß das Kabinett, dem auch die Deutsch« Volks- Partei angehöre, den Entwurf vorlegt. Abg. Müller-Lichtenberg(Soz.)»erweist darauf, daß w Gens Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zugestimmt hätten. Er könne nicht annehmen, daß die Vertreter der deutschen Reeder, wie es der Abg. Got(Dnat.) oermutet, in Genf geschlafen haben sollen. Abg. Schumann(Soz.) beleuchtet die Agitations- Manöver, wie sie gegen dieses Abkommen betrieben wurden. Ein unbekannter Schriftsteller hat einer Reihe von Tageszeitungen Aufsätze eingesandt, die nach dem Abdruck dann in einer Broschüre unter der Firma„Gesellschaft für Sozialpolitik" gesammelt und den Ausschußmitgliedern, ohne Angabe de« Ab- senders, unter„Pofffchließfach Nr. SO" zugesandt In der Abstimmung wird das Abkommen gegen die Stimmen der Rechtsparteien und der Kommu- nisten angenommen. Interesse. Den Höhepunkt bildeten die Ansprachen der Reichstags- abgeordneten Lore Agnes und der Landtagsabgeordneten Ger- trud Hanna h. die,«in Zeichen der Einigkeil zwischen Partei und Gewerkschaft, von der Notwendigkeit des Zusammenschlusses aller Frauen der Arbefterklasse überzeugend sprachen und zum Eintritt in die größte Arbeiterorganisation aufriefen, ein Aufruf, der. wie man sich über- zeugen konnte, sofortigen«rfreulichen Erfolg hatte. Mit dem ge- meinsamen Gesang des Liedes.Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" fand die eindnicksvolle Veranstaltung der Frau«? vom roten Wcd- ding ihre« Abschliff}._ Inder- Kongreßbüro verhastet. Frau Raidu im Gefängnis. Bombay, 21. Mai. Bei dem Eindringen in den Kongreß verhaftete die Polizei das ganze Kongreßbüro einschließlich des Präsidenten Nariman. Wie ans Tharasana gemeldet wird, wurde die Führerin der Gandhi-Bewegung, Fra» Naidu, verhaftet. Hunderr Freiwillige wurden bei einer polizeilichen Razzia ver- wandet. Polizeipräsidentenwechsel in Aew York. Vorläufig Rückkehr ins Warenhans.. New Jork. 21. Mm.(Eigenbericht.) Der Neiv-Porker Polizeipräsident whaleu ist zurückgttreten. Man führt den Rücktritt de» an sich beliebten Präsidenten daraus zurück, daß Whalen sich bei der nächsten Gelegenheit als Bürger- meister von New Park zur Wahl stellen wolle. Whaleu ist vorläufig zu seiner alten Tätigkeif, einer leitenden Stellung in einem Rew- JJorker Warenhaus, zurückgekehrt Der Rücktritt findet aber auch eine andere Deutung. Whalen hat vor kurzem der Presse Photographien von Briefen der Komintern an die Sowjethandelsvertretung„A?ntorg" in New York vorgelegt- diese Bilder zeigten genaue Anweisungen für kommunistische Propaganda. Verschiedene Zeitungen forderten daraufhin di« Aus- lveisung der„Anttorg". Dadurch sollen Jndiffirielle und Großkaus- leute in Angst um ihr Rußlartdgeschäft gefallen sein und so lange gegen Whalen gearbeitet haben, bis er ging. Die eruwhnten Dokumente sind seinerzeit von den Bolfchewiki als Fälschungen bezeichnet worde??. Parker Gilbert geht zu I. p. Morgan. Washington, 21. Mai. Der frühere Reparationsagent Parker Gilbert, dessen Amt mii dem Iickrafttreten des Bcmng-Planes abgelaufen ist, wird einen wichtigen Posten im Vankhalffe Morgan übernehmen. Redner gestorben. In einem Münche?i«r jkra?»kenhaus ist heute der seit zwei Iahren im Ruhestand lebende frühere Senats- Präsident am Reichsgericht Dr. R? ebner im Alter vo» 57 Iahren gestorben. Er ist seinerzeit besonders bekannt geworden als Vorsitzender des Staatsgerichtshofe zum Schutze der Republik und durch die harten Urteile, die er besonders gegen Kom- munisten fällte. 6000 erwählen ein Plakat. Eine einzigartige Volksabstimmung! In Berlin, Leipzig und Dessau wurden im letzten Mrmat rund IM Entwürfe für ein sozialdemokratisches Werdeplakat gezeigt, die aus einem vom sozialdemokratischen Parteioorstand veranstalteten Wettbewerb stammen. Fast 6000 Besucher, Parteimitglieder, Künstler und Gegner, haben diese Ausstellung besichtigt und ihr Urteil über den besten und wirksamsten Entwurf abgegeben. Vor ihnen hatte bereits ein« viertöpsig« künstlerische Jury(Pros. Baluschek, Prof. Frenzel, K. Ludwig und Prof. Pechstein) über die gleiche Frage entschieden, drei Entwürfe preisgekrönt und acht weitere prämiiert. Dies« neuartige Form, zur Entscheidung sowohl ein kleines Gremium von Fachleuten wie auch die Masse derer heranzuziehen, mrf die das Plakat wirken soll, hat in ollen Kritiken lebhaftes Jnter- esse gesunden. Dieser Versuch hat«ine große Bedeutung. Zum ersten Mal überhaupt in der Geschichte der deutschen Propaganda haben mehrere 1000 Menschen gemeinsam und eingehend die Eni- schcidung über eine größere Anzahl Plakate getroffen. Damit ist erstmalig die Möglichkeit gegeben, festzustellen, was von der Masse der Plakatbetrachter gewünscht wird, was sie interessiert. Das Ergebnis dieser Abstimmung deckt sich nicht ganz mit der Entscheidung der künstlerischen Jury. Dies« hatte als das würdigste Plakat einen Entwurf von Pros. S). Virl-Kassel bezeichnet. Das Plakat zeigte aus schwarzem Hintergrund«ine rote, silhouetteichast« Dieser Plakatentwurf von Prof. Biro-Berlin wurde von den Besuchern der Ausstellung„Das politische Plakat" als der beste und wirksamste bezeichnet Masse, während groß darüber die wuchtige Schrift:„In die Sozialdemokratie"' erschien. Dieser von der Jury erwählt« künstlerisch voll- endete Entwurf hat wahrscheinlich wegen seiner n»ehr abstrakten� rein oerstandesmäßigen Art bei der Bolksobstinummg nur die zweithöchste Stimmenzahl(241) erhalten. Die weitaus meisten Stimmen, insgesamt 564, erhielt in allen Städten der Entwurf„Eva" von Prof. M. B i r o- Berlin. Wir geben diesen Entwurf im Bilde wieder. Er ist im Gegensatz zu dem von der Jury bestimmten Entwurf von volkstümlichen, zeichne- rifch schwungvollem Format. Di« künstlerischen Preisrichter hatten ihn zwar auch tn die engere Wahl gezogen, er wurde jedoch nur prämiiert Die dritthöchste Stimmenzahl, 191, erhielt bei dem Voltsentscheid ein von der Jury ebenfalls mit dem S. Preis ausgezeichneter Eni- wurf: während der zweite Preisträger in de? Voltsobstimmung erst an fünfter Stelle folgt Dieser einzigartige Versuch zur Feststellung des Massen wirk- samen Plakats hat gelchd. daß auch heute noch nicht das gebrauchsgraphisch bedeutende Plakat wirksam ist sondern der Eni- wurs. der in möglichst realer und plastischer Form die Idee gegen- ständlich macht Es ist das Verdienst der Sozialdemokratie, auch in dieser mehr künstlerischen Beziehung zum ersten Male die Volksmeinung befragt zu haben. Si« hat damit bewiesen, daß sie auch aus diesem Gebiet die führende Stellung einnimmt die ihr kraft ihrer Größe und Bedeutung zukommt.__ Wieviel feierten am 1. Mai? In Berlin 124 000 Gewerkschaftsmitglieder. Wie der Ortsausschuß Berlin des ADGB. nach der mit ihm er» folgten Abrechnung der Maimarken durch die einzelnen Verbände festgestellt hat hoben 124 000 männliche und weibliche Gewerkschafts- Mitglieder am I.Mat die Arbeit ruhen lassen. Die Marken wurden nach Vorzeigung des Mitgliedsbuches den Tellnehmern an den Maifeierverjammlungen zum Einkleben in das Mitgliedsbuch ausgehändigt. Die Zählung ist also durchaus einwandfrei. Sie erfaßt oller- dings nicht den Teil der Maifeiernden, der bei starkem Andrang keine Maimarke bekommen hat Auch die feiernden Gewerkschasts» Mitglieder der kommunistischen Opposition scheiden bei dieser Zäh» llmg aus._ 5622 Netriebsräte in Verlin. Davon freigewertfchasttiche 5 401. Bis jetzt ist das Ergebnis der Betriebsrätewahlen aus S2S6 Berliner Betrieben bekannt. Es sind noch nicht olle Wahlen beendet. doch sind weit über die Hälfte aller Betriebsräte gewählt, zumal in den meisten Großbetrieben. Di« kommunistische.Opposition" mit ihren„roten",„revolutionären" Listen und ihrem großen Geschrei hat 221 Betriebsräte be- kommen, während aus den sreigewertschastlichen Listen 5401 vc- trtebsräte gewählt wurden. „Revolutionäre" in der Volksbühne Rüstungen zu einer„Protest"- Versammlung der„Opposition". Bekanntlich sahen sich die leitendei« Instanzen der Volksbühne veranlaßt, den sog. Arbeitsausschuß der Sonderabtei- lungen aufzulösen, weil er. statt die Werbung der Volks- bühne für die Sonderabteilungen zu fördern, in unqualifizierbarer Weise die Mitglieder der Volksbühne aufzuhetzen trachtete. Wie nicht anders zu erwarten, beantwortete der Arbeitsausschuh diese mehr als begründete Maßnahme mit der Erklärung, daß er sich nicht fügen werde; und seine Anhänger beeilten sich, für Donners- tag, den 22. Mai, eine„Protestversamlung" nach den Prachtsälen am Märchenbrunnen zu berufen. Die großsprecherische Ankündigung dieser Versammlung appel- lierte nicht nur an die Mitglieder der Sonderabteilungen, sondern an die gesamte Volksbühnen-Mitgliedschaft. Dies veronloßte eine Sitzung der Ordner-Obleute der Volksbühne zu dem Beschluß, die Mitglieder der Ordnerschaft zum Besuch der Versammlung' aufzu- fordern. Man setzte sich zugleich mit Vertretern des Vorstandes in Berbindung, um ihnen nahezulegen, daß auch jemand von der Leitung des Vereins in die Versammlung komme, dort das Wort nehme und auf die voraussichtlichen Angriffe des Arbeitsausschusses erwidere. Dieser Beschluß wurde sämtlichen Mitgliedern der Ordner- schaft auf einer offenen Postkarte mitgeteilt. Die Einladung wurde auch jenen Ordnern übermittelt, von denen man wußte, daß st« mit dem aufgelösten Arbeitsausschuß sympathisierten; ja, sie ging sogar an diejenigen zwei oder drei Ordner, die selbst dem auf- gelösten Arbeitsausschuß angehörten. Also wahr- lich keine GeheimottionI Die„Rote Fahne", eines der Organe des aufgelösten Ar- beitsausschusfes, sah denn auch keinen Anlaß, sich weiter über die Benachrichtigung der Ordner aufzuregen. Sie fälschte zwar ein wenig die Mitteilung an die Ordnerschaft, indem sie erklärte, sie sei vom Vorstand der Volksbühne versandt worden; aber im übrigen be- gnügte sie sich damit die Tatsache der Einladung zu registrieren und daraus den Schluß zu ziehen, daß nunmehr die„proletarischen Kulwrkämpfer" sich den Besuch der Versammlung besonders ange- legen sein lassen müßten. Anders das zweite Leiborgan der radikalen„Volksbühnen- Opposition", Münzenbergs„Verliu am Morgen". Diese« saftige Blättchen spielte seinen Losern zunächst die Komödie vor. daß„ein günstiger Wind" ihm die jedermann zugängliche Ein- ladung des Ordnervorstandes auf den Redaktionstisch geweht habe; und dann gab es dieser Einladung eine Deutung, die recht chorakte- ristisch ist Die Aufforderung des Ordnervorstandes zum Desuch der Der- sammlung hatte den Wortlaut:„Es scheint angebracht, daß die Ordner sich selbst ei» Bild von dem Auftreten der sog. Opposition machen. Die Anwesenheit in der Versammlung ist um so not- wendiger, als unter Umständen den Rednern der Opposition auch eine Antwort zuteil werden soll." Das Kommunistenblatt erklärte nun kühn, daß niemand im Zweifel sein könne, was mit diesem Satz gemeint sei: Die Ordnerschast werde aufgerufen, um dem radikalen Flügel„mit Knüppeln und Fäusten zu ant- warten". Im Grunde kann man sich über eine solche Inlerpretotionskunst nicht allzu sehr wundern. Jeder ist in Versuchung, dem andern Gedanken und Pläne unterzuschieben, die er selber hat. Für die Herrschaften um Rotfront ist es eine Selbstverständlichkeit, daß man Gegnern nur mit der Faust oder gar mit dem Revolver „antwortet". Man kann es sich wahrscheinlich in der Redaktion des„Münzenberg-Blattes" nur schwer vorstellen, daß andere Men- schen, wenn sie einem Widersacher entgegentreten wollen, bei der „Antwort" an eine Diskussionsrede denken. Immerhin hätte die Herrschaften am Ende die Tatsache stutzig machen müssen, daß der Vorstand der Ordnerschaft seine Aufforderung auf offener Post- karte versandte und sie sogar Mitgliedern des angeblich mit dem Knüppel bedrohten Arbeitsausschusses zugehen lieh. In Wirklichkeit hatte man natürlich nie die Ueberzeugung, daß bei den Ordnern der Volksbühne geplant werde, mit Fäusten und Stöcken gegen die Opposition vorzugehen. Aber man trug dennoch keine Bedenken, den Lesern mit mächtigem Aufwand an Schimpf- warten vorzulügen, daß man von den Terroradsichten der Ordner- schaft überzeugt wäre. Warum tat man es? Warum will man den Eindruck er- wecken, daß die„vorstandstreuen" Ordner die Versammlung am 22. Mai terrorisieren wollen? Weil man ausputschen will, weil man die radikalen Rotfront-Jünglinge nicht nur um seden Preis in die Versammlung treiben, sondern sie auch in eine Stimmung versetzen will, die je de anständig« Die- kussion von vornherein unmöglich macht. Denn man fürchtet diese Diskussion! Man fürchtet sie, well man weiß, wie schwach die Position des radikalen Flügels im Kampf gegen die Leitung der Volksbühne ist. Die Frage ist nur, ob der fromme Wunsch Erfolg haben wird. Das Geschrei des kommunistischen Blättchens wird zweifellos nicht ganz ohne Wirkung bleiben. Aber es wird auch diejenigen, die mit den Radikalinskis in den Sonder- abteilungen nichts gemein haben, oeranlassen, in größerer Zahl die Versammlung in den Prachtsälen am Märchenbrunnen zu besuchen. Und es wird sich zeigen müssen, ob di« Radaufreunde in der Lag« sein werden, den Willen dieser Kreise zu einer eindeutigen, aber mit geisttgen Waffen durchgeführten Auseinandersetzung nieder- zubrüllen." Konzerinoiizen. Eine Woche nach dm Kenwcky-Srngers, die heute abend im Bach-Saal ihr letztes Konzert geben, präsentiert sich der Berliner Oeffentlichteit aus dem Podium der Philharmonie der Hampton-Chor aus Vivginien USA. Ein gemischtes Neger- enfembke, Frauen- und Männerstimmen, das hören wir fetten. Das Konzert dieses Ehors, über dessen europäische Turn« schon viel zu lesen war, hat repräsentativen Charakter, es findet unter dem Protektorat des omerikanischm Botschafters statt. Diese jungen Leute kommen von der Universität, ihr Führer Dr. R. Rathaniel Dctt, ist ein gelehrter Mann und gelehrter Musiker, übrigens auch, wie sich zeigt, ein ausgezeichneter Chorerzieher und Chordirigent. Sie fingen Lieder von der Art. die wir kennen, doch mehr schon Kunst. als Volksmusik, man spürt die Bearbeitung nach europäischem Muster. Alles ist mit höchster Gewissenhaftigkeit einstudiert, sie singen mit der Musikalität Ihrer Rasse, doch es klingt eher korrekt als ursprünglich, beinahe akademisch; in manchen Stücken, wie etwa dem Lieb vom Wanderer, der nicht traurig fein soll, zeigen sie beträchtliche Kunst der chorischm Vielstimmigkeit. Von der echten Naivität des Aus- drucks, wie etwa die Kentucky-Singers ihn habm, ist nicht viel übrig geblieben. Das Konzert des Berliner Funkorchssters anläßlich des fünfjährigen Bestehens der Reichs rundsunkgesellfchaft— es wird mit. der Uraufführung eines festlichen Vorspiels von Paul H ö f f e r glänzend eröffnet— erhält größere Bedeutung durch die Mitwirkung Edwin Fischers, der Beethovens Ls-Dur-Klcwierkonzert in seiner elementaren, pianistifch fesselnden Art spielt. Und als Gastdirigent ist Hermann Scherchen berufen, der Königsberger Generalmusik- direktor, der zu dm markantestm Persönlichkeiten der RuNdfunk- musikwelt zählt. Rur scheinen die Proben ein bißchen knapp ge- wesm zu sein; man hat das vortreffliche Orchester schon in besserer Form als diesmal in Regers Mozart-Varialionen gehört In der L i n d e n- O p e r beendet Erich Kleiber seinen dies- jährigen, wie wir uns erinnern, nicht eben ereignisreichen Sinfonie- konzertzyklus. Womit? Ueberflüssige Frage— mit einem Strauß- Walzer: diesmal mit dem„Künstlerkeben". Der Sinn, den diese Geste vermutlich habm soll, wird durch ihre alljährliche Wiederholung nicht überzeugender. Im Hinblick auf die letzte Nummer ist das ganze Programm auf einen heiter-unterhaltsamen Ton gestimmt. Dm Anfang macht E. N. v. Rezniceks mit Temperament gemachte, frisch empfundene, wmn auch nicht mehr gang frische.Luft- spiel-Ouvertüre": ein Jugendwerk des siebzigjährigen Komponisten, der vom Publikum sehr herzlich gefeiert wird. Das Schwergewichi seines Schaffens liegt freilich auf dem Gebiet der Oper; daran durch eine Opernqufführung zu erinnern, hätte anläßlich des Jubiläums- tages wohl näher gelegen. Gewinn des Abends, wmn auch kein bedeutender, ist Alsredo Casellas sinfonische Ballettfuite ,Lo Giara", Im Stil Strawinstys virtuos hingeworfene, vom Orchester virtuos gespielte Bewogungsnnrsik. Nur wenn der Komponist lyrisch wird, hat er uns nichts zu sagen. Und zwei Tänze von Claude Debujsy, aparte, feine Stück« von hohem Reiz der Harmonik und des Kolorits. bringen die Harfe, die Prof. Saal meisterlich betreut, als Konzert- wstrummt zu ungewohntm Ehren. Ungewohnt als Konzertsoloinstrument: auch die Bratsche Ist es bis vor kurzem noch gewesen; durch Paul Hindemittz ist st« für die Gegenwart wichtig und interessant geworden. Ein Vortragsabend der Bratschenklasse Hans M a h l k» von der Staatlichen Hoch- schul« für Musik veranstaltet, zeugt« von dem durchaus hohm Sesamtinvemi, da« hier erreicht wird. Ms reif«, nicht nur technisch ausgezeichnete Leistung ist der Vortrag von Ludwig Spohrs Duo m E-Moll für Violine und Bratsche— Werner Hand(aus der Violinklasse Wolfsthal) und Heinz Wigand— hervorzuheben. Und als Musiker von bemerkenswertm Anlagen fällt Otto Erich W i ch m a n n auf, der Franz Schuberts Arpeggione-Sonate mit schönem Bratjcheuton und sehr sicherem Könnm spielt. K. E, Einstein im Arbeitszimmer. Der Bildhauer Artur Loewental, der den offiziellen Auftrag crhaltm hatte, ein Reliefbild von Professor Albert Einstein für eine Medaille zu schaffen, erzählt im neuesten Heft der von Adolph Donath herausgegebenen Halbmonatsschrift„Der Kunstwanderer" sehr fesselnd von den Eindrücken, die er bei seiner Arbeit gewonnen. Im Studierzimmer des Gelehrten, einer Dachkammer, durfte er Platz nehmen, während Einstein mit seinem wissmschaftlichen Mit- arbeite? an einem mit Schriften bedeckten Tisch vor dem einzigen kleinen Fenster des Raumes arbeitete. Zwischen beidm begann schnell eine so lebhaste Diskussion, daß der Künstler die' de- ruhigende Gewißheit hatte, für sie so gut wie nicht vorhanden zu sein und sich einem inieiffwen Studium von Einsteins Profil hingeben konnte.„Je mehr ich mich in meine Aufgab« vertiefte", schreibt der Bildhauer,„desto mehr mußte ich über die geradezu proteusartigen Derwondlungen dieses Kopses erstaunen. War jetzt eben noch im Eiser der Berechnungen Stirn und Augenbrauen heftig gerunzelt und die Mundwinkel scharf eingezogen, kurz, der ganze Kops wie zusammengeballt, so trat im nächsten Moment der Ausdruck der Weltentrücktheit, des visionären Schauens in wellen- ferne Räum« auf dies« Züge. Die Stirn« wölbte sich höher, di« Augenbrauenbogen zogen sich hoch empor, di« Lippen öffneten sich leicht, die Wangen wurden hager und das Licht der Augen zog sich tief nach innen. Minuten zog«n wie Ewigkeiten vorbei. Dann trat eine neu« Wandlung ein. Der Augapfel begann sich vorzuwölben, dos Licht kehrte darin wieder, um grenzentose» Erstaunen wider- zustrahlen. Wangen und Lippen rundeten sich wieder, die Hand zuckte zur Obertippe, um an den Schnurrbarthaaren zu zupfen. Dann kam ganz von innen heraus«in guturates Kinderlachen. ho, ho, ho, das ist ja großartig, die Hand klatschte aus den Ober- fchenkel: Wirtlich und wahrhaftig, es stimmt, es muß stürmen..." Am nächsten Tage traf der Bildhauer Professor Einstein, w!« er mit seiner Sekretärin die eingelaufene Post, einen gewaltigen Stoß, sichtete. Zwischen den beiden stand ein großer Papierkorb— mein bester Freund, meinte Einstein lächelnd, auf dcesen deutend. Es ist kaum zu schildern, was aus diesen Briefen an Tragik, wahrer Not, cm überheblicher Selbstsucht und Narren-hasiigkeit her- vorstieg. Der Kriegsminister einer nordischen Macht wandte sich cm Einstein, um sein« Stellungnahme für Kriegsdienstverweigerung zu hören, während aus Bulgarien eine Petition der Kriegsgegner ihn bat, sein« Stimm« für im Kerker schmachtend« Kriegsdimftocr- weigerer zu erheben. Arme Wissenschaftler sandten Arb«!t«a mit der Bitte, die Veröffentlichung zu ermöglichen oder«in Vorwort zu schreiben. Ein Schüler wollt« eine Aufgab« gestellt haben, um W erkennen, ob er Lsbensberechtigimg Hab«, falls«r sie läse; sonst wolle er sich das Leben nehmen. Aus Ungarn kam die lapidar« Meldung: di« Quadratur des Zirkels gefunden! Noch einmal: die polnische Kunstausstellung. Anläßlich der Ab- läge der polnischen Kunstausstellung in Berlin hatte der PEN.« Elub, Deutsche Gruppe, in einn Entschließung sein Bedauern übe? die Berknüpfung realpolitischer und kultureller Ding« ausgesprochen. Er erklärte, daß der Austausch der geisttgen Güter unter den Döl- kern ihm eine nicht minder wichtige Aufgabe scheine als der der materiellen und daß auf diesem Gebiet»»in« peinlich« Beobachtung der Gegensetttgkeb vornehmste Pflicht sei. Dieser Entschließung haben sich jetzt folgende Verbände angftchiossen: der Reichsverband des Deutschen Schrifttums, der Deutsche Werkbmrd und der Verband Deutscher Kunstkritiker. vle Vevlsch» werkbuadaasstelluna i« Part». Dienttag abend fand die »sslztelle Bestchligung der sranzöftschen Autgrllung.tür Ilaumkunfl stall. Ihr wrsenlltibcr SellandleU ist in diesem Jahre die deutsche NuSsWhcny de« Werkbundes unter Leitung von Prosessor KiopiuS. Zu der„Serliner Srsrllschasl für Eugenik" spricht Toniiersla,;. 8 Uln, Pros. Eugen Fischer, Dircklor des InstüuIS sür Antbrovologi«. mcmchliche Erblchre und Eugenik, über»Erbändernng beim Mensche«'. Krise der Kürsorgeerziehung. Resormvorschläge der Arbeiierwohlfahri. Dos Schöffengericht in Reurmmstcr verurteilte drei Erzieher der Fiirsorgeani'talt Rick- ling(Provinz Schlesivig-Holstein), wegen Miß- Handlung von Zöglingen zu Gefängnisstrofen von zwei bis vier Monaten. Es kriefell in der Fürsorgeerziehung. Immer wieder entstehen Vevwicktungen: bald in dieser, bald in jener Anstalt kommt es zu offener Auflehnung. Di« veraltete autoritative Pädagogik weicht inir langsam modernen Erziehunqsgrundsätzen, komeradschciflliche Bindung zwischen Erzieher und Zögling als oberste Forderung fehlt; längst überlebte Fürsargeverordnungen hindern die Ein- reihung der Fürsorgeerziehung in das Gesamtgebiet der Jugenderziehung überhaupt. So Hot die Reform sich in zwei Richtungen zu bewegen, in gesetzgeberischer und rein pädagogischer. Im Bewußtsein der großen Verantwortung, die aus ihm liegt, hat der chauptausschuß der Arbeiter wo hlsahrt be- sondere Richtlinien.zur Umgestalturg der Fürsorgeerziehung her- ausgegeben. Sie sind in der Zeitschrift„Arbeiterwohlfahrt"' nieder- gelegt und haben bisher in der Parteipress« viel zu wenig Be- nchtung gesunden. Di« erläuternden kurzen Artikel von Stadtrat Wolter Friedländer, Ministerialrat Hans Meyer, Regie- rungsrat Hedwig Wachen heim, dem Leiter der Erziehungs- anftalt Lindenhof Regierungsrot Otto Krebs, und dem Direktor Rudolf Schlosser liefern«in geschlossenes Programm der Re- fonnbestrebungen in gesetzgeberischer wie pädagogischer Hinsicht. Oer Schimpf der Fürsorgeerziehung.— private Anstalten. Mtvsorgezögling bedeutet soft so viel wie ein Schimpfwort. Es hastet ihm ein Makel verbrecherischer Tot, schlechter Gesinnung au: der F ü r so rgezö g l in g ist als Arisichrer einer Bon.de gefaßt: der Fü r s org« zö g l ing D. hat dos alte Ehepaar So- wieso ermordet. Fürsorgeerziehung rust die Vorstellung von verwahrlosten Jungens und Mädchen hervor, die zu nichts mehr nütze. In Fürsorge gewesen zu sein, bedeutet eine Chance weniger im Leben, heißt immer wieder mit mißtrauischen Augen «ingesehen zu werden. Die breiten Schichten des Volkes haben zur Fürsorgeerziehung kein Vertrauen. Die Fürsorgeonstolten sind sür sie so viel wie Berbretherschulen. Die Jugendämter entschließen sich nur schwer, die Jugendlichen in die Fürsorgeanstalten zu geben. Sie versuchen es solange mit anderen Mitteln, bis es nicht selten zu spät und die Arbeit an den jungen Menschen äußerst erschwert ist. In den Fällen, wo die Boraussetzungen für die Anordnung der Fürsorgeerziehung nicht gegeben sind, bleibt die Möglichkeit der freiwilligen öffentlichen Fürsorgeerziehung. Ihre schematische Aufteilung nach Konfusionen ohne Einwirkung auf die Erziehungs- grundsätze ist erziehungsfeindlich. Die privaten konfessionellen An- stalten sind es ja auch, die in, erster Linie durch ihre veralteten Grundsätze das Bertrouen der breiten Massen zur Försorgeerziehimg in noch höherem Maße erschüttern. So gilt es in erster Linie, dieses Bertrouen für die Fürsorgeerziehung zurückzugewinnen, den Makel von dem Begriff„Fürsorge" zu nehmen. Wi« ist das zu machen? Das Sonderheft der„Arbeiterwohl- fahrt" gibt darauf eine klare Antwort. Die Anordnung der Für- sorgeerziehung soll„im Rahmen der I u g« nd w o h lsa h r t s- pflege in einheitlicher planmäßiger Durchsühiung der gesamten Iugendhitse unter pädagogischen und sozialen Gesichtspunkten vor sich gehen", und zwar„durch die Jugendämter als verantwortliche Träger". Di« Fürsorgeerziehung soll nicht als Straf« be- wertet, nicht als Folge einer persönlichen Verschuldung des Jugend- lichen betrachtet werden dürfen. Dazu bedarf es gewisser Gesctzesänderungen. Die Anordnung der Fürsorgeerziehung darf nicht im Sonderverfohren der Für- sorgcbehördc als bloße richterliche Maßnahme getroffen werden. Eben durch diesen Umstand erhält sie ihren Strascharakter. Dos Jugendamt ober verliert die Beziehung zum Jugendlichen während dessen Aufenthalt in.der Anstalt und kann sie später nur schwer wieder aufnehmen. Im§ 3 Ziffer 4 des RJWG. müßte nicht von der Mitwirkung in der Fürsorgeerziehung als Aufgab« des Jugendamtes gesprochen werden, sondern von der Durchführung der behördlichen Ersatzerziehung. Ferner: dem Jugendamt muß die Möglichkeit gegeben werden, im Gegensatz zu den Forderungen des'Bürgerlichen Gesetzbuches auch dann einzugreifen, wenn zwar kein Verschulden der Eltern vorliegt, sie aber nicht in der Lag« sind, dem Mich« d i e Erziehung zu gewähren, deren es be- darf. Denn gerade vorn sozialistischen Standpunkt aus, sagt das Sonderheft, ist das Recht des Kindes auf Erziehung und die Pflicht der Gemeinschaft auf Erziehung über die Recht« der Eltern an Die tVolmfladl Carl JCegien in Weißensee steht kurz vor der Dollendung, die Wohnungen der ersten Blocks sind bereits bezugsfertig. Dies« Wohnstadt ist eine der schönsten und größten Neubausiedlungen Berlins. Nach Fertigstellung wird sie nicht weniger als 7000 Wohnungen von V/s— 3>4 Zimmern enthalten. ihrem Kmd« zu stellen. Dem Anstaltslsit« darf da» elterlich« Züchtigungsrecht nicht zuerkannt, dos Beschwerderecht des Zöglings an das Jugendamt nicht illusorisch gemacht werden. Diese Rechtlosigkeit des Jugendlichen, das Fehlen von Garantien für den Schutz des Jugendlichen ist für die heutige Fürsorgeerziehung charakteristisch. Der Zögling ist gegen Willkür und Mißdeutungen der gesetzlichen Bestimmungen nicht geschützt. Im heutigen Sonderversahren der Fürsorgebehörd« kann sich der Jugendliche nicht gegen den Verdacht einer Gefährdung oder Ber- wahrlosung, die ja die Fürsargcmoßnahme bedingt, hinreichend vcr- t eidigen, nicht den ihn belastenden Zeugen entgegentreten, s e l b't die Aktencin ficht durch einen Verteidiger ist dein Ermessen des Gerichts vorbehalten, und«ine allgemein? RechtsmittetbelehriiNg braucht nicht stattzufinden. Ebenso rechtlos ist der Fürsorge, Zögling bei der Durchführung der osfeiülichcn Erziehung. Hier fehlen selbst die Rechtsgarantien, die einem Zucht- Häusler zustehen. Sein Verkehr mit den Angehörigen und der Außenwelt, sein Briefwechsel, die gesetzliche Arbeitszeit, das Ber- hängen von Strafen, ist nicht gesetzlich geregelt. Sein Beschwerde- recht ist nicht geschützt. Von einer regelmäßigen Nachprüfung, ob der Miniderjährig« bereits für eine Rückkehr in die frühere Um- gebung reis ist, ist gleichfalls keine Handhabe gegeben. Die Ver- längerung der Fürsorgeerziehung sollte periodisch laut begründetem Antrag stattfinden. Mit Recht verlangt Dr. Wolter Friedländer. daß dem Jugendlichen und seinen Angehörigen dos Beschwerderecht in allen Stadien der öffentlichen Erziehung gesichert werde. Weg mit dem Zwang— Erziehung zum Leben. Wichtiger als die Reform der rechtlichen Seite der Fürsorgeerziehung ist die Verwirklichung moderner pädagogischer Grundsätze. Den letzteren gilt ein Bettrag des jetzigen Direktors der Erziehungs- onstalt Lindenhof, Krebs. Die Fürforgeonstalt, sagt er, darf kein Strafhaus sein. Das Gefühl des Zwanges muß auf das Mindest- muß horabgedrückt werden. Psychiater und Psycholog« haben im Ausnahmeheim zusammenzuwirken, um den Ausgangspunkt für die nachfolgende Erziehung festzulegen. Ermittlungen über das Vorleben des Jugendlichen müssen mithelfen, di« für den jungen Menschen gemäße Form der Erziehung zu finden. Die Heimerziehung hat in halb offenen Heimen vor sich zu gehen. Lebenssremdheit ist zu vermeiden. Erziehung des Willens, Erziehung zur Berantwortung, zum Vertrauen an die eigene Kraft ist die Hauptsache. Möglich wird das nur durch die innere Bindung zwischen Erzieher und Fürsorge- zögling. Der Derkehr mit der Außenwelt muß abgebaut, der Eintritt in Jugendvereimgungen begünstigt, der Briefwechsel darf nicht zen- ftert, eine Beschränkung des Verkehrs mit den Angehörigen nur von pädagogischen Rücksichten diktiert werden. Die Tageszeitungen müssen den Jugendlichen zugänglich gemacht werden. 3m Bordergrund der Erziehung muß die Berufsausbildung stehen. Die Arbeit darf nicht den finanziellen Interesien des Heims dienen. Jeder junge Mensch soll ein EilyzelMofznnmer haben,-das«r nach feinem Gelchmack einrichtet, und wo er zur Selbstbesinnung gelangen kann. Die gemein- fame Erziehung der Geschlechter ist erwünscht. Eine besondere Be- deutung ist«ruf die Ausgestaltung der Freizeit zu legen. Turnen, Sport, Gymnastik in Abwechslung mit Unterricht, Musik uird Gesang,— das alles, getrogen von der Selbsttätigkeit des Jugendlichen, bei einem Anstaltsleben, das auf Selbstverwaltung aufgebaut ist. Das gegenseitige Vertrauen zwischen Erzieher und Jugendlichsn werden körperlich und seelisch verletzend« Strafen, wie Prügel, Arrest, Zwangsarbeit, Kahischeeren, Kostschmälerungen unnötig machen. Dies in knappen Worten die von Krebs ausgestellten Grundsätze. „Selbstverständlichkeiten"— wäre man versucht zu sagen. Selbst- Verständlichkeiten sollten es sein. Solange st« das aber nicht sind, kann von eilter Gefustdung der Fürsorgeerziehung keine Red« sein. Dea Rosetithai. Vcrantwortl. Bit di« Rcdaktwn: Sich. Betuftrta, Berlin: Anzeigen: 2d Berlin. Verlag: BorwSrts Verla«<5. in. b. H.. Verlin. Druck: Vorwärts Buch. druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW K, Lindenftragc 3. Kirr,« i Beilage. MI.WIII'HMrMW. 20 Uhr Der Traum ein Leben Ende 22 Uhr SCAl-a lägt. S u B'/j Uhr. B 5 Barb. 0236 I Pr. 1-8 M. Wochentfl. SU. so Pf.-3 M. plAza Tigi. S u. 813 Sanol. 1-, 3 o. Su Alex. E 4. 8066 TBgi. 8.13 u. Sonnlaes s Uhr mcliM Das groBs VarlstS- Programm u. entscheldungs-RIngkBmpf« Wochen'- 5 Uhr u Sonnt. 2 U. nachm. IQVarl Ig-Amamionen obna BinqfcBmple Relchshalien-Theater Allabendlich[£| Uhr Sfclttner Sänger „Eine Hochzeit in de MQIIerstraBe" Tel. ZntL 11263. l SänluH1!*!. Variet« Dönhoff-Brottl; — Konzert— Tanz Winter * uarren* 8.13 Ohr Zentr. 2818 Banditn erlaub I Bau Rrni-Trlo— labaoT Comp. Hldioii— Lopex-Tilo usw. VolKsbllline Theater im BQiovplati. SVi Uhr Rost von Kirchon und Ouspensky Regie: Oitathei Sink Staatl.Sd)iller-Tb. 8 Uhr BerTranm ein Leben Staatsoper Am PI. d. Republik 7'/i Uhr Soffoianns ErzaiHnnflen Deotsdiei Theater D 2 Weidendem 5201 8 Uhr Phaea von Prili v. Unruh. Ree.: Max Reinhard) ■nik; Friririii Hollrmdir. Kammerspiele a 2 Wiidtndim 5201 S'M Uhr Die liebe Feindin KuiUii«oo ,. P. As toi oo ftozii: Slltil Cränchoni Die Komiidie II Bismck.2414/73ie SV« Uhr Soll man heiraten I RoinidievggBenurdSluw Szcnisdn Einridrinng: Karl Heinz Martin. BaroowikHoiiooii Tbaattr l» dar Streiaidanaitr. (frUir Uoigritnr Str.) Täglich 8V< Uhr Napelaon greift ein vod Weiter Hesodnor Komödlenhaus Täglich 8>/o Uhr: Meine SAwetter und ich HoiKRalohBeojtikj «»» %SptBiswtite MYNMM R�teuront Berlins BETRIEB JfK KEMPINSKlt? MetropoMh. Täglich 8V« Uhr mit Dir allein auf Insul Hiduol Sohnin, Wfred üniiiD. Ritaüeorg, Cterlotle Inder. Residonz-Theatoi TägLSVo Uhr maöonna im Schiafcoupd v. Maurice Dekobra Fürjugendl. verb. ROSE -THEATER I Oroa« Frankfurter Str. 182 1 Blllettkeeae: Alex.3422 u.5494 j Täglich 8« Uhr Sonntags S« u. 9 Uhr Imw- skujt I7 I.Jenny | Komödie In 6 Etappen von H. A. Klhn Regie: Paul Rose ( Bühnenbilder: Walter Fitdltr j Hauptdarsteller; | Traut*. Hana und Willi Rose,! Hilda Holar, Erna Kertttnt. Edgar Kan lach. Robert Müller, Franz | Staln. Erich Wild*. Gotthard[ Bei* u. a. 1 Kam für dca Vemrktuf tetlich 1 tob 11-1 Uhr o. t. 4 9 Uhr teöffnrt Theater i.d.Behrenstr. 53-54 9 Uhr A4 Zentrum 926-927 9 Uhr OirekttoD Ralph Arthur Robert* lldgei. die am morgen singen Lustspiel in 3 Akten von Lonsdale. ••'.Ohr CASINO-THEATER»".Uh, _ c-othrtager Strake B1. Die Berliner Posse Rentler Mudlcke und das Riasen-Variete-Pi ogramm. Billigt Billig) SommerpreUc: 50 Pf. I.« Mark 1.50 Mark Sonnabend u. Sonntag kleiner Aufschlag GroBes Schauspielhaus suur Nur im Mai Die lustige Witwe Regie: Erik Charall Dir. Dr. Hirlio Zickel Komische Oper Friedrichstr. l04. Merkur 1401/4330. Täglich 8'/. Uhr Majestät läßt bitten... Maik tob Walter Killo. Lustspieihaos Fried richstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8Uo Uhr Geschaffmli Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld Theater am Sdütlhauerdamm Sommerspielzeir I Täglich 8'lt Uhr Tratsch Komödie v. Coward Paudler, Schweikart Norden 5813, 0281 Lessing-Tlieater WiidnOan 2197 ,.«« Täglich 8«� Uhr: Frau Peters hat y. Louis Vemeuil mit Erika tos IMmaim loabTennil TtML 0. Roldl.Tor Kottb. Str. 6 TägLBUhr Elite- Singer. ■ti- Festsplele fosein ohrfeigt Minister Vorxeiger dieses Inserats Vorzugspreise. m DirakUos; Dr. Hirtin Zickel Komische Oper friedrlchitr.104. Merkur 1401/4030. Tfiglioh 9k Uhr Majestät lässt bitten Musik von Walter Kollo. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23 8>/, Uhr Geschäft mit Amerika. Vorverkauf In beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Ernst Phiilppliaar OegrDndct 1885 Oardlnen Dekorationen Polstermdbel Gediegen, doch preisvert Rosenthalcr Strafe 40-41 für d. letzt. 5 Vorstellaagen der PhcalorBfllmc im s u. Wallner-Theater, v. Sie zahlen IDr: Or ehest er-Fauteafl statt Mk.«,- nurMk. 2,50 Orchester-Sessel statt Mk f.- nur Mk 2.- Parkefi-FenfenU statt Mk 4,- nur Mk. l,JO I. Rang statt Mk. J,- nur Mk Betm Vorzeigen dieses Cutscheines an der Theaterkasse gftltlg bis einsthl. Sonntag, den 25. Mal, täglich ab 10 Uhr ununterbrochen an der Kasse. Telefon: Alexander 4592. Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8Vt Uhr OroBen Erfolges wegen rtrlängert Gastspiel Gisela Wer bezirk in Meyer's tel. Witwe Schwank von Fritz Fritdaen-FraOridt JUNGEN MÜTTERN AECHTES GfJOTEBJAN MALZBIER wird diaaar wOrzIga Trunh»,«. ordnat, da ar dla Ullchabson- darung anregt und dla Güte der«lieb«arbeeaerL AIKOHOIAPME STARKBIER Direktion Dr. Robert Klein Deatsehes lOnsiler-Theil Barbarossa 3937 8V» Uhr Sex Appeal lut»p.».fmkrikUautil« b]ii: Fsntir Urriuga MBert Daeetrmooo, MMV ttrlstlaos Berlioer Theater Dönhoff 17U S'k Uhr Dar Komödie v Bernard Shaw Regie: Heinz Hilpert Theater d. Weitem EiegJamenpelzrantoi Täglich 8Vt Uhr: Der Bettelstudent SdiOtiuiiiirf, Carola. UditEDSteiii, Ebner neu. Gr. 44, selten schön, umständehalber M. 145.- zu verkaufen. ..Chiffre" P M 291 bef. Rudolf Mosse, Bomholmer Str. 1. rrlanon Theater Täglich 8V< Uhr Ein galantes Abenteper! I SlrOmpie wasche Gammen Raotliaiis Emil Moses Bol«. Birfeenslr. 29(Edte PulUtzstr.) Der gute ifiapfhän- KaiüabaKÄrÄ C. Röcker. Berlin LimiimberBor StroBg 22, KSnlosi. 3861 föeilage Mittwoch, 21. Mai 1930 ZkvÄbaid Ib&Oiflk Dienst in der Fremdenlegion Zwei junge Deutsche erzählen Wir berichteten kürzlich an dieser Stelle über zwei Bücher, deren Autoren ehemalige Fremdenlegionäre sind. Heute lassen wir die Ausführungen zweier junger Deutscher solgen, van denen der eine noch heute in der Fremdenle- g i o n dient, während der ander« entfloh. Warum ich zur Fremdenlegion ging f Lieber Onkel! Deinen Brief habe ich am 25. Februar erhalten, ich danke dir dafür. Ich freue mich, bei dir Berstandnis gefunden zu haben. Deine Mahnungen bezüglich Alkohol und Frauen befolge ich schon immer. Wenn auch Marokko in einer gemäßigten Zone liegt, so tut es«mem doch gut. von finrüofen Leidenschaften frei zu sein. Einen Urlaub nach Paris werde ich kaum bekommen können. Man glaubt hier, wenn«in Legionär sranzösifchen Boden betritt, ist er für die Legion verloren. Nach zweijährigem Dienst in Marokko bekommt man 30 Tage Urlaub nach Fez, Marakeih oder Rabat. Früher durfte man seinen Ur- taub auch in Casablanca verleben: von dort verschwanden aber zu viel Legionäre mit deutschen Schiffen. Du fragst mich, warum ich Legionär geworden bin? Laß mich dir ineine Erlebnisse in ihrem chronologischen Verlaus schildern: Wie du weißt, verließ ich 1924 mit 13 Iahren die Schule und begann meine Lehrzeit als Klempner. Neben der Berufs- schule besuchte ich Abendkurse der Volkshochschule. Meine übrige freie Zeit verbrachte ich in der Sozialistischen A r- bciterjugend und im Arbeiterturnverein. Auch war ich Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes und des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. Nach ZVl-jähriger Lehrzeit bestand ich meine Gesellenprüfung und war sofort erwerbslos. Im November 1927 bekam ich in einem Dörfchen bei Halle a. d. S. wieder Arbeit. Zlber zu Weihnachten war es wieder vorbei. Meine EUcni forderten mich auf. nach Hause zu kommen. In Hannover angekommen, mußte ich stempeln gehen. Die Mahnung, zu arbeiten, mußte ich oft genug hören. Nach einer Auseinandersetzung mit meinem Vater, noch der ich glaubte, nicht mehr dableiben zu können, verließ ich das Elternhaus. Arbeit war nicht zu finden. Es gab niemanden, der einen tüchtigen Klempner ge- brauchen konnte. So nahm ich die erste best« Arbeit an. die sich bot. Das war im März 1928 bei einem Bauern in Arpke. Bald wäre dies mein Untergang gewesen. Meine Kleidung war abge- tragen und die Schuhe zerrissen. Der Bauer gab mir einen Monats- lohn von 23 M. Also wanderte ich weiter. Weil gehen konnte ich wegen meiner schlechten Kleidung nicht. Di« nächste Arbeit fand ich in einem Kolibergwerk. Auch dort konnte ich aus keinen grünen Zweig kommen. Nach drei Wochen haute ich in den Sack und ging aus die Wanderschaft. Von Wansleben, wo ich gearbeitet hatte, ging es mit wahren Gewalt- Märschen über Celle nach Uelzen. In Uelzen war mein Geld all« und das richtige Vagabundenleben begann. Um etwas zu essen zu bekommen, mußte ich fechten gehen. Mit meinem Ge- sellenbrief in der Tasche ging das ganz leidlich. Weiter ging der Weg über Soltau, Verden und Bremen. Von Bremen ging es über Delmenhorst, Oldenburg und Leer nach Holland. Ich bildete mir tatsächlich ein, dort bestimmt Zlrbeit zu bekommen. Aber die Holländer hatten gerade auf mich gewartet. Kaum hotten sie mich spitz bekommen, als sie mich über die Grenze abschoben und meinem Schicksal überließen. Nun wollte ich mir das Rheinland ansehen. In Wesel sah ich zum er st en mal den vielbesungenen Rhein. Mir war recht feierlich zuimite. An einem sonnigen Tage sah ich Düsseldorf in seiner Herrlichkeit, auch Köln gefiel mir recht gut. Von Köln bis Koblenz genoß ich die Schönheit des Rheins. Und dos alles mit knurrendem Magen, ohne einen Pfennig Geld. Als ich in K o b- lenz überlegte, was ich nun tun könnte, sah ich sranzösisches Militär. Sofort kam mir der Gedanke Fremdenlegionär. In der Kaserne, wo ich mich meldete, waren schon sechs Deutsche. Wir schienen dem Offizier zu jung zu sein, denn er schrie uns zu: „Mi! alli!" Das heißt so viel wie:„Macht, daß ihr fort- kommt!" Ich ging nach Trier. 10k Kilometer wanderte ich ohne einen Bissen Brot, nur einige Wallnüsse und Trauben bildeten meine Bahrung. In Trier schickte mich der Agent, als er hörte, daß ich erst neun- zehn Lenze zählte, wieder weg. Zu jung. Aber der Gedanke saß zu fest. Ich ging über Saarbrücken nach Frankreich. In V o r b a ch wurde ich angenommen und mit einem Transport per Eisenbahn nach Saargemllnd befördert. Dort unterschrieb ich im Oktober 1928 den Vertrag, wo- nach ich der französischen Republik fünf Jahre als Legionär zu dienen habe. Anfang November fuhren wir über Nancy, Dijon und Lyon nach Marseille. Den Deutschenhaß, von dem man uns so viel er- zählte, habe ich vergebens gesucht. Die Leute waren sehr freundlich und versuchten immer, sich mit uns zu verständigen. Einige Tage nach unserer Ankunft bestiegen wir einen kleinen Dampfer und fuhren hinaus ins blaue Mittelmeer. Das war meine erst« Seereise und ich hatte bald genug. Die Seekrankheit hatte mich so gepackt, daß ich glaubt«, starben zu müssen. Aber auch die Reise ging vorüber. Wir erreichten Afrika und landeten in O r a n. Oran ist wohl die schönste Stadt in Algerien. Polmenhaine und schöne Anlagen geben der Stadt ein freundliches Aussehen. Zwischen massiven Häusern liegen malerisch kleine Araberhütten. Hoch oben auf dem Berge liegt die Schanze, wo früher die zum Tod« Verurteilten hingerichtet wurden. Noch am selben Abend wurden wir auf die Eisenbahn ver- laden und nach Sidi-Bel-Abbes gefahren. Ein Trommler- und Pfeifcrkorps führte uns nach der Kaserne. Wir bekamen Un- formen und begannen nach drei Tagen mit dem Exerzieren. Da die Kommandos nur französisch gegeben wurden, gab es anfangs viele Mißverständnisse. Nach vier Monaten Infanterieinstruktion steckte man die guten und die schlechten Soldaten in die M a- schinengewehrabteilung. Die guten Soldaten kamen ans Gewehr, die schlechten zur Munition. Ich war zwar nur ein mittel- mäßiger Soldat, kam ob« doch zu« Maschinengewehr. Jede» I Abend hatten wir Ausgang. Unsere Prämie von 1009 Franken langte für eine Weile als Taschengeld. Das Rekrutenlcbcn kennst du ja aus eigener Anschauung. Im April 1929 war unsere Instruktion zu Ende. Die if r o ß e n M a y ö v e r begannen. Auch die CM. mußte mit. Ende April marschierten wir ob. Komplett« Tornister und alles mögliche hatte man uns an den Leib gehängt. Wir marschierten 9 3 Kilo- ineter in drei Etappen. Bei Rede au, wo die Manöver stattfanden, schliefen wir in großen Zelten(Marabu). Bei dieser Gelegenheit bekam ich auch einen der sieben Marschälle zu Gesicht. Nach Beendigung der Manöver marschierten wir die 93 Kilometer bis Sidi-Bel-Abbes wieder in drei Tagen zurück. Dort war zu Ehren der Manöoersieger, das waren wir, alles geschmückt und geflaggt. Die Vivatruse der Bevölkerung ließen uns gleichgültig. Zu Beginn des Juli wurden wir ärztlich untersucht, bekamen eine Einspritzung und wurden nach Marokko in Marsch gesetzt. Die Fahrt ging über Tlemcen, Oudjda, Guerciv und Sidi-Abdallah noch Fez. In Guerciv waren wir 14 Kilometer von der spanischen Grenze entfernt. Viele blickten gar sehnsüchtig hinüber. Wir waren kaum 3 Minuten in Marokko, als wir hinter jedem Busch, Baum oder Berg Kabylen vermuteten. Bald waren wir aber überzeugt, daß es nicht so schlimm ist, wie man uns erzählte. In Fez wurden wir in Bataillon« und Kompagnien eingeteilt. Am 14. Juli war das Touragcresest. Auch wir bekamen so ein Ding. Eine Touragere ist ein« ähnlich« Schnur wie die im ehemaligen kaiserlichen Heer an die Scharfschützen verliehene Schützenschnur. Es gibt ein« rote und eine grüne Schnur, neuer- dings noch eine gelbe dazu. Die rote Schnur ist der höchste Orden Frankreichs, die grüne der Kriegsorden. Diese Schnur hatte das 3. Regiment im Weltkrieg bekommen. Deswegen das Fest. In einer Allee standen wir zu Zweien angestellt. Uns gegenüber stan- den die alten Legionäre und präsentierten das Gewehr. Der Co- lonel kam und gab jedem die Schnur. Die Musik spielte„Alte Kameraden". Alstz unter de» klängen des Liedes.Alte Kameraden" wurde eine einem Regiment, das im Weltkrieg gegen Deutschland ge- kämpft hatte, verliehene Auszeichnung von einem französischeu .Offizier jungen Deutschen angehängt. Auch das ging vorüber und keiner hatte was gemerkt. Longe blieb ich nicht in Fez. Es ging in die Bl ed. Die Bled ist eine Steppe oder Pußta. Kleine Hügel, viele Steine und viele Bäche durchbrechen die Eintönigkeit. Spärlicher Groswuchs täuscht Fruchtbarkeit vor. Auch so eine Steinöde ist interessant. In T! m h a d i t stießen wir zur Kompagnie. Von der Kompagnie wurde ich mit einer Abteilung a»f Posten geschickt. Unser gegenwärtiger Posten ist mit 26 Mann besetzt. Diese gehöre» zu folgenden Nationen: Zehn Deutsche, sieben Franzosen, zwei Russen, zwei Ein- geborene, zwei Pillen, ein Italiener, ein Belgier und ein Grieche. Tageslauf: 7 Uhr ist Wecken, 7.30 Uhr Antreten und Arbeitsbeginn, 10 Uhr Wegtreten, 10.30 Uhr Suppe, 13 Uhr An- treten, 17 Uhr Wegtreten, 17.30 Uhr Suppe, 20 Uhr zieht die Wache auf, 21 Uhr Appell. Unser Los ist nicht leicht. Eine falsche Romantik hat viele hierher gebracht. Ich mußte mich an das Leben gewöhnen, das Vaterland war sehr stiefmütterlich. Das nächste Mal berichte ich Einzelheiten. Nur eins möchte ich: Bücher. Es grüßt dich dein Neffe. Wie Nr. 24687 floh Drei schlimme Kriegsjahre hatte ich draußen an der Front glücklich überstanden, aber als ich dann endlich in die Heimat zurückkam, war sie mir kein« mehr. Die cnd- los« Not»nd die vielen Sorgen hatten meine Mutter noch kurz vor dem Kriegsende unter die Erde gebracht, und so stand ich nun plötzlich als Dreiundzwanzigjähriger allein und fremd in meiner Vaterstadt. Da es mit Arbeit auch schlecht bestellt war, so gelang es mir nicht, den Weg ins geordnete Leben der Vorkriegszeit zurück- zufinden. Ich verkaufte schließlich die wenigen Habseligkeiten, die mir verblieben waren, und ging auf die Wanderschaft. Fast «in Jahr lang tippelte ich in ganz Deutschland umher, und landete dann eines Tages zusammen mit einem jungen Sachsen in Duis- bürg auf dem Bahnhof.' Ein gut aussehender älterer Mann, der an unserem Tisch saß, mischte sich in unsere Unterhaltung und fragte, ob wir nicht Arbeit beim W ied« ra u f b au des zerstörten Gebietes von Nordfrankreich annehmen wollten. Wir schlugen ein, unterschrieben in einer mit Besatzungetruppen belegten Bor- stadtkaserne einen Vertrag und wurden noch am selben Abend mit einem Trupp von etwa fünfzig Mann zur Bahn gebracht, um die Fahrt ins Wiederausbaugebiet sofort anzutreten. Nachts schliefen wir, am anderen Morgen waren wir zu unserm nicht geringen Erstaunen statt in Nordfrankreich in Metz und erfuhren zu unserem Schreck von einem Trupp neu Hinzugekommener, daß unser Reise- ziel die Fremdenlegion in Afrika sei. Zwar gab es> einige ziemlich erregte Auftrstte einiger Betrogener, ober sie wurden ebenso schnell wieder unterdrückt. Von Metz ging es nach Mar- seille, von dort nach Oran und schließlich nach S i d i- B« l- Abbes, dem Zentraldepot der Legion. Die 300 Franken einmaligen Werbesoldes waren mit Hilfe der alten Legionäre bald verjubelt und das Elend der Legion begann. Die fünfzehn Sous, die es als tägliche Löhnung gab, reichten nicht einmal, um den Bedarf an Rauchtabak zu befriedigen. Auch der stramme Exerzierdienst und vor allein die langen beschwer- lichen Marsch'ibungen behagten uns keinesfalls. Nach etwa zehn Wochen wurden wir ins K r i e g sb a t a i l l o n nach Marokko ein- gereiht. Es war gerade die Zeil der großen Aufstände der Araber und Rifkobylen. Nun begann ein Leben, das wir bald hundertmal ver- fluchten. Gewaltmärsche wechselte« mit blutige» und vertust- reichen Gefechten. Ost blieb der Proviant aus. Das Schlimmste aber waren die Qualen des Durstes. Eine gefüllte Wasserflasche war neben der Mimition dos Kostbarste, was mau besitzen tonnte. Wer seine Feldslasche leergetrunken hatte, statt vorschriftsmäßig die. Hälfte zum Abkochen abzuliefern, bekam zum Mittag seine Portion Reis roh und konnte sehen, wie er seinen Hunger stillte. Nach fünf Monaten kamen wir zur Wiederherstellung und Auffüllung unserer stark gelichteten Reihen nach Fes. Kaum wieder einigermaßen zu Menschen geworden, beschlossen mein. Freund und ich, uns nach dem spanischen Rif, etwa hundert Kilo- meter von Fes entfernt, durchzuschlagen. Wir verkleideten uns als Araber, indem wir uns unsere Bettlaken wie Burnusse bis über dem Kopf zusammennähten und durchquerten in mühseligen Nacht- 'Märschen das selsige Rifgebiet. A in dritten Morgen glaubten wir unser Vorhaben schon so gut wie gelungen, als wir in dem unübersichtlichen Terrain plötzlich einem arabischen Gendarm direkt in die Hände liefen. Da wir ihm nicht auf arabisch antworten konnten, nahm er un� ohne viel Federlesens an die Stahl kette und brachte uns im Galopp zur nächsten Station. Da wir nur kurz« Zeit von der Truppe wegwaren, so blieb uns diesmal noch das Kriegsgericht erspart und wir kamen mit der leichten Strafe von 80 Tagen„Prison" davon. vormittags hieß es vier Stunden lang in glühender Sonnenhitze mit 50 Pfund Sand oder Steinen im Tornister exerzieren und nachmittags gab es schweren Arbeitsdienst beim Straßenbau. Das Schlimmste war jedoch die Nachtruhe auf einer harten kalte» Zementpritsche, auf der man vor Kälte bibberte. Nach Lerbüßung der Strafe kamen wir zurück zum Regiment an die Front. Wieder begann dos fürchterliche Dasein mit Marschen, Gefechten und Entbehrungen aller Art. Zum Glück nahm es dies- mal für mich ein schnelles Ende durch einen B r u st s ch u h, den ich in einem Gefecht mit Kabylen bei Bybane bekam. Vier Monate verbrachte ich in Mecknes in einem Lazarett und wurde dann ins Depot nach Bel-Abbes entlassen, wo ich nicht nur neu eingekleidet wurde, sondern neben der rückständigen Löhnung für volle vier. Monate auch noch die„Agrave de Maroc", eine Art Crinnerungs- und Tapferkeitsmedaille, erhielt. Ms ich dann in Mascara, einer Station östlich von Bel-Abbäs, in einer Genefungskonrpagme «ine Reihe leidlicher Tage verlebt hatte, sollte es wieder noch Marokko gehen. Ein unüberwindliches Grauen befiel mich jetzt davor, und so beschloß ich verzweifelt, wieder auf und davon zu gehen— diesmal allein. An einem stockdunklen Abend sagte ich Mascara valet und machte nzich die Bahnlinie entlang laufend auf den Weg nach Oran.■ Gegen Morgengrauen verkroch ich mich auf einer Station in einem auf einem toten Geleis stehenden Güterwagen, der mit einer Art.Heu beladen war, und schlief bald ein. Plötzlich wurde ich durch«inen Stoß geweckt: ich hörte das Fauchen einer Loko- motive und schnell näherkommende Stimmen. Ein panische? Schrecken erfaßte mich. Wenn sie mich jetzt entdeckten, war ich geliefert. In meiner Verzweiflung zog ich das lange Nadelbajonett, das ich mitgenommen hatte, aus der Scheide und wartete mit bis zum Zerspringen gespannten Nerven auf den weiteren Verlauf der Dinge, bereit, meine Freiheit auf Tod und Leben zu verteidigen. Ehe. ich mir jedoch weitere Gedanken machen konnte, ertönte ein Pfiff der Lokomotive und der Zug, in dem ich war, setzte sich in Bewegung. Zlber nun kam die Reaktion ans die Ausregung, ich begann am ganzen Körper zu zittern, vor weinen Augen tanzte es in bunten Farben und schließlich sank ich ohnmächtig zusammen. Als ich wieder zu mir kam, stellte ich die Fahrtrichtung fest. Ich hätte vor Freude laut aufschreien können: denn es ging direkt auf Oran zu. Nach einer weiteren Stunde waren wir bereits dicht davor. Als der Zug auf freier Strecke hielt, ließ ich mich auf die Schienen hinuntergleiten, rollt« mich in die neben dem Geleise dahinlausende Erdfurche und schlich in die Stadt.. Am Ende einer engen Gasse, die auf den Hafen hinausführte, betrachtete ich wie ein Trunkener das bunte Treiben und das azurn- blau schimmernde sreiheitoerheißende Meer. In den Hafen hinunter- zugehen, wagt« ich in der Uniform nicht. Jetzt hieß es o o r allen Dingen, eine Hafenarbeiterkluft zu erlangen. In einer an verborgenen Winkeln reichen und schmutzigen Juden, gasse vollzog ich bei einem alten Krämer gegen schweres Geld diese Verwandlung. Eine halbe Stund« später schlendert« ich an den Schiffen entlang und erwartet« den Schichtwechsel auf einem zur Flucht auserwählten Schiff, ein Däne mit Namen„Frederik". Un- auffällig mischte ich mich in den am Ende der Lausplanken warten- den Haufen der Hafenarbeiter und zog mit ihnen an Bord, um sofort in den Kohlenbunker zu verschwinden. Meine Geduld wuriv auf ein« ziemlich harte Probe gestellt: denn es dauerte noch 24 Stunden, bis die Anker gelichtet wurden. Obwohl wir nach einigen svtunden Fahrt die französische 5)oheits- grenze bereits weit hinter uns gelassen hatten, hielt ich mich, nach- dem ich mich in dem vorderen Laderaum einquartiert hatte, ver- borgen, bis wir die Nordsee erreicht hatten. Es gab nicht wenig Verwunderung, als ich zum Vorschein kam und erzählte, daß ich entflohener Fremdenleglonär sei. Der Kapitän, ein gemi'tvoller Mensch, der auch deutsch sprach, ließ n»ich dann vor ollem e r' mal richtig satt futtern und übergab mich zwei Tage später in Kvpen» Hagen der Hafenbehörde, die mich nach eingehendem Verhör per Schub an die deutsche Grenz« brachte. In Stettin betrat ich nach fast zweijähriger Ab- Wesenheit, um manche Erfahrung reicher, zum erstenmal wieder den heimattichen Boden. Fetzt bin ich nach vielen Kämpfen und Mühen wieder seßhaft geworden und habe ein leidliches Auskommen. Dennoch gedenke ich oft mit einem leisen Erschauern an jene Zest zurück, in der ich die Nummer 24687 der Fremdenlegion.war. W. KJodcrley. (34. Fortsetzung.) Äcah aber gab sich mit der einfachen Verneinung nicht z-u- frieden.„Sie haben auch nie etwa» von einem U. gehört?" fragte er Mischen Neugierde und Mißtrauen. Für Kead war es ausfallend, daß Marin nicht d!« leiseste Ahnung davon hoben sollt«. Vielleicht war die ganz« Sache Y. doch nur ein Gerücht, da, durch seine ge- hehnnisvolle Ausmachung zündend wirken sollte. Ihm fiel Mr. Garrickson«In. O, diese Aeitungshyäne, wie oerstand sie es, künst- liches Fieber zu erzeugen! Aber der Boykott?— Daran konnte Mr. Garrickson keinen unmittelbaren Anteil haben. Der chinesische chandcl machte sich scheinbar die Stimmung gegen die Fremden zunutze. Sem« Freundschaft und seine Kompromisse waren nur solang« von Dauer, als er sich auf den weihen Mann angewiesen sah. Jetzt, wo der Fremdherrschaft ein entscheidender Schlag, viel- leicht sogar ein Ende droht«, wurde der Gelbe dreist und«rössnete die bisher versteckt gehaltene Feindseligkeit. Der Chinese kennt kein« sichere Politik als die nationale. Ein Anschlag aus das Großkapital ist für ihn gleichbedeutend mit einem Vernichtungszug gegen die weiß« Nasse. Aus diesem Gedanken heraus entwickelte Kead s«ine Stellungnahme zu Marin. Er überging nun vollständig die Angelegenheit sg. und erörterte um so dringender den oerderb- lichen Boykott. Versäumte nicht, über sein« chinesischen Kompag- nons zu berichten, die ihm einig« Schisssladungen verkaust hätten, obwohl sie bereits von dem einsetzenden Boykott unterrichtet waren: sie hätten ihn aus diese Weis« um sein Geld gebracht. Plötzlich unterbrach sich Kead, sprang von seinem Sitze aus, pflanzte sich bei- nahe drohend vor Marin auf.„Ich habe nicht mehr viel Tage zu verlieren, vielleicht nur mehr Stunden. Der Beginn einer, wenn auch ohnmächtigen Anarchie, bringt mir den Nuin. Mit mir steht und fällt die Börse. Zögern Sie nicht, das Nest de» Aufruhrs auszuräuchern." Marin hatte eigentlich soviel wie noch nichts in der Hand. Er könnt« doch nicht einfach jeden vroletarischen Chinesen verhaften lassen und dem Henker übergeben. Man hatte in letzter Zeit ver- schiodentlich Elemente, in denen man Agitatoren der bolschewisti- schen Verschwörung vermutete, verhostet. Von einem konipromit- tierenden Material ober war nie die geringst« Spur vorhanden ge- wesen. Dennoch war olles, was man fürchtete, nicht aus der Lust gegvisfen. Die kommende Revolution stand wie«in flammendes Mal über der Stadt, in der es nur Besitzende und Kulis gibt. Einer mißtraute dem andern, jeder sah in dem andern seinen per- sönlichen Feind. Anonym« Anzeigen liefen zu Haus In den Schreib- büros ein, stellten sich ober gewöhnlich als hinsöllig heraus. Man- cher Unschuldige mußt« dennoch daran glauben, wartete vergeblich aus sein« Freilassung aus dem Gefängnis, das sich bald als zu klein erweisen sollte. Ein« Zentrale—.das Nest des Aufruhrs"— mußt« es geben. War Marin ihr nicht auf der Spur? Das Nochstliegendste wäre doch gewesen, Mr. Smith, der D. war. glattweg zu verhosten. Hatte er da, nie in Erwägung gezogen? Hat man vom Rumpf« einmal den Kops obgeschlagen, fällt er leblos wie ein Sack um. War er seiner Annahme, seiner Ueberzeugung, Mr. Smith und B seien identisch, doch nicht ganz gewiß? Selbst in diesem Falle brauchte ein Fehlgriff nicht blamabel zu sein. Also waren es doch ander« Gründe, die ihn abhielten, den Mann zu sangen. Marin hatte ihrer zwei. Der«in« war weniger praktisch als tief: P war der Kopf einer bevorstehenden Revolution. Richtig. Aber sie mit dem menschlichen Körper zu vergleichen, wäre engstirnig Ein« tausend» köpsige Hydra ist sie, die mit neunhundertneunzig Köpfen unge- schwächt weiterleben kann,«in« Wunderkreatur, der man den Kopf abschlägt, woraus gleich ein neuer au» dem massigen Rumpf wächst. Und auch dieser Kopf kann fallen. Denn«» wachsen immer wieder neue Köpf« aus dein Gigantenleib, um abgehauen zu werden und dem nächsten Platz zu machen. Das ist die Revolution. Sein zweiter Grund aber war, P. moralisch zu vernichten, auf seine Art zu vernichten. Darin hatte er sich von Kead unabhängig gemacht. Und da» war hauptsächlich bie Begründung dafür, bah er Kead gegenüber von der Person P's schwieg. Davon ging«r nicht einen Schritt breit ab. Irgendwie aber mußte er sich vor Kead rechtfertigen. Er sah in da» von Angst, Sorge und Brutalität zerrissene Gesicht des Nabob», bekam scl)adensroh Mitleid mit ihm. Wie Nein war der Mann, wenn er Angst um sein« Millionen hatte! Er, Marin, in einigen Tagen bestimmt Chef der Polizei Shanghais, konnte sich einen Spaß mit ihm erlauben, wenn er wollt«. Mr. Kead aber zu Derartigem im Slugenblick nicht gelaunt, schrie:„Wenn Sie schon, wie Sie selbst sagen, diese gewissen Dokumente in Händen haben. warum geben Sie sie dann nicht dem Gouverneur, d«r darauf wartet: und Ihrer Ernennung liegt nicht» im Weg«. Mit diesem Provisorium kann es nicht mehr weiter gehen!" Dem Franzosen konnte diese Art au» der Peripherie Londons nicht au» der Fassung bringen. In solchen Momenten füh�e er sich Kead turmhoch überlegen...Mister Kead, Sie zweifeln doch nicht an der Richtigkeit meiner Angaben. Ich holt««» eben noch nicht für an der Zell, Beweise, mit denen ich. ich allein, zu handeln beabsichtige, au» der Hand zu geben." „Der Gouverneur braucht eine Garantie—" „Ich gebe zu, daß England einem französischen Staatsbürger in so kritischen Augenblicken nicht ohne weiteres sein Wohl und Wehe anvertraut", spöttelte Marin. Dann setzte er ernst hinzu: '„Ich weih, warum sich der Gouverneur den Vorsprung läßt. England interpelliert eist Frankreich über dessen Stellungnahme im Falle des Ausbruches einer Krilirevolt«. In der Kolonie zeigt es 31ec64c/r Jac/z/neÄer sich immer, wie zwei europäische Reiche zueinander stehen. Sie aber, Mister Kead, sollen doch mehr Einfluß haben als dies« schwachsinnige europäische Genfer Politik. Von Leuten Ihrer Art lebt doch der Staat." Damit hatte Marin Kead vollends gewonnen. Mit der Zusicherung, den Gouverneur nötigenfalls zu zwingen. Marin zum Polizeichef zu ernennen» verließ er das Hotel. 41. Der Abend Marius war noch nicht beschloffen. Ein Erlebnis, eines bizarren Humors nicht entbehrend, erwartete ihn. Er wollte soeben den intimen, behaglichen Raum oerlassen, den seidenen Vorhang, der ihn von der Halle abschloß, zur Seite schieben, als er aus Füße trat, die nicht ihm gehörten, an einen Körper rannte, der nicht sein war, und in ein Gesicht sah, das er zu erkennen glaubte. Der Person, die ihn förmlich zurückwarf, war er scheinbar auch nicht unbekannt. Aber sie machte einen gefaßteren Eindruck als der Franzose. Uebrigens kennt man sich in dieser Hinsicht bei Chinesen nie aus. Sie lächeln einen stets freundlich und höflich an, als wäre man seit der Geburt ihr guter Freund. A propos, Chinese, dachte Marin, dies Affengesicht kenne ich ja—? Nun kann man sich aber in der Aehnlichkeit der Chinesen ebenfalls täuschen. Einer wie der andere, stellt man fest. Marin aber lebte lange genug unter den Gelben, um«in Urteil über die Unterschied- lichkeit der einzelnen Physiognomien bekommen zu haben. Der Gelbe, dem er auf die Füße getreten war, war ihm nicht fremd. Marin sah ihn ratlos an. Jetzt hatte, er es, jetzt hatte er ihn. Hielt ihn an der Hand fest.„Du bist der Gauner, der mein Agent war", zischte Marin,„der mir die Komödie mit der Verhaftung der Russin vorgemacht hat. Du, Bolschewik!" Er wollte ihn mißhandeln und dann über den Haufen schießen. Mr. Dollar setzte sein be- zauberndstes Lächeln auf und beschwor den Franzosen, still zu sein. Marin wollte den Gelben um keinen Preis au» den Händen laffen. War er es doch der ihn mit seinen Komplicen die ganze Geschichte mit den Dokumenten vertan hatte. Polizeichef wäre er längst. In die Flut von Schimpsworten, mit denen Marin den„agent provocateur" niederboxte, fiel auch die Frage/ was die Kanaille hier eigentlich suche. Prompt antwortete der Chinese in schlechtem Französisch:„Je garder Mister D." Marin besann sich rasch: der Mann bewacht J.? Bei diesen durchtriebenen Bestien ist jeder Verrat möglich, entschied Marin. Gleichzeitig aber schoß Ihm ein Gedanke durch den Kopf. Wichtiger, als diesen Rowdy umzubringen, war zu wissen, endlich von anderer Seite überzeugt zu werden, wer P. sei. P. mußt« sich, wenn der Gelbe nicht gelogen hatte, im Hotel hier aufhalten. Also sicherte er Mr. Dollar freies Geleite zu, wenn er ihm Mr. P. bezeigen wolle. (Fortsetzung folgt.) e Buch Sielehrung über die Sllembeiräle Gerade zu rechter Zeit, kurz vor den diesjährigen Elternbeirats- wählen, ist das Schriftchen„Elternbeirat und Eltern- beiratswahlen" von Obcrregierungsrat Vn jur. Franz Varrentrapp in neuer Auslage erschienen.(Berlin, Verlag Weidmann, 4. Auslage, 1930, 87 Seiten, 1,60 M.) Varrentrapp gibt in der Einleitung eine Darstellung des Elternbeiratsrechtes in Preußen und in anderen deutschen Ländern und bringt dann den Wortlaut der langen Reihe der auf die Elternbeiräte in Preußen sich beziehenden Ministerialerlasse von 1919 bis in die neueste Zeit. Durch viele in den letzten Jahren ergangene neue Erlasse, besonders zur Ausführung der Wahlordnung, ist diese vierte Auslag« wesent- lich erweitert worden. Das Schristchen ist wichtig für all«, die an den Porbereitungen der Wahl und an der Werbearbeit beteiligt sind, wichtig für diejenigen Eltern, die nachher in den Elternbeiräten sitzen und arbeiten sollen, wichtig schließlich sur jeden, der die Arbeit der Elternbeiräte mit Aufmerksamkeit verfolgen und Verständnis- voll beurteilen will. Em. *9terr, erbarme dich meiner!* Leo Peruh:„Herr, erbarme dich meiner I" Ro- Vellen.(Wien, Phaidon-Verlag. 264 Seiten.) Die acht(hier übrigens nicht zum erstenmal veröffentlichten) Novellen haben das eine Gemeinsame, daß sie ihre Helden an einem Wendepunkt ihres Geschickes zeigen: da entwindet sich ein zaristischer Ossizier unter Aufgebot all seiner' Willenskraft der Umklammerung der Tscheka, weil er wieder an seine geliebte Frau und damit an Gott glauben darf: in die glückliche Ehe zweier Schuldbeladenen bricht der Irrwahn, Eltern des„Antichrist" zu sein, zerstörend ein: ein Gefangener kehrt aus monomanischer Einsamkeit in den lauten Alltag zurück: ein degradierter, längst in Gleichmut versunkener Offizier begeht Selbstmord, weil er unoersehens in sein« Vergangen- heit hineingerät, und dergleichen. Erzählt wird das alles mit straffster, Seelengrund und Seelenkämpf« enthüllender Sparsamkeit der Worte und im vollen Bewußtsein der künstlerischen Eigenart der Novellensorm, so daß jede Geschichte ihren festen und ein- prägsamen Kontur bekommt. Was bisweilen fehlt, ist die bis zum letzten fortschreitende, vor keiner Folgerung zurückschreckende Härte, namentlich die Pointe, daß der angebliche„Antichrist" Cagliostro heißt, verpufft im Anekdotischen. Aber Schönheitsfehler hin oder her, nicht viele deutsche Erzähler vermögen heute Novellen von solcher Kraft und Erlebnlsfüll« zu schreiben. Alkred Klleinberg. Rät sei= Ecke des„Abend (( Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Stadt in Pommern: 5 Stadt in Holland: 6 Insekt: 9. weiblicher Vorname: 10 römische Göttin: 12. weiblicher Vorname: 13. Vorgebirge: 15. Münze: I6.Staat inSüdamerita: 18 Vereinigung: 21 Be- hälter: 23.Herrscherti>el: 24. Ruhestatt: 25 Für- wort: 26 Nebenfluß der Mosel: 28 Zuleitung: 29 Vogel: 30 weiblicher Vorname: 31. Frucht— Senkrecht: 1 Beleuch- tungskörper; 2. weiv- licherVorname: 3.Mob: 4. Haustier: 6 männ- licherVorname:? Frosch: 8. Nebenfluß der Mosel: 11 bayrischer Landesteil: 14 Mittel zur Schönheitspflege: 16. Waffe: u Schutzherr: 19. fruchtbarer Teil einer Wüste: 20. Farbe: 22. römische Göttin; 24. Kinderspeise: 27. Mittelgebirge RSsselsprung. 1 2 Gilbenkreuz. An Stelle der Zahlen sind Silben zu setzen, die fol» gendes ergeben: l— 2 Waffe: 2— S Wort für Art: 3— 1 3| 4 Schmarotzer: 3— 2 Körperteil: 4— 1 Teil des Beines: 4— 5 TTT" Honigzelle: 4—6 Verkaufsgegenstand: 6—1 Vortrag: 5—2 5 1 0 Niederschlag: 6—5 Weinstock; 5— 3—2 Stadt am Rhein, str. Kleine llrsachen- große Wirkungen. Di« 1, 2 taufte in der Stadt Eine 1, 2 mit Pf voraus, Und weil man schlecht verpackt sie hat, So rutschte aus dem Korb sie raus. Aus Eisen war das Ding gemacht, Das einsam lag auf der Chaussee. Ein Auto kam— bmnms, hat's gekracht, Di« Folge war 1, 2 mit P. Magische Figur. St. Die Buchstaben A A A A A BBCCCDDDDEE EEEEEEEEEEE EHHHHH 1IIJIII Ii KKKKKLLLLL LLNNNNOOOOO OORRRRRRRRS S T T sind in nebenstehende Figur derart einzutragen, daß in den einzelnen Teilfigure», waagerecht und senkrecht gleich- lautend. Worte von folgender Bedeutung entstehen: Im magischen Quadrat I: 1. männl. Vorname: 2, Gesang- stück: 3, Papiermaß: 4 Wein- ernte.— Im magischen Qua- brat II: 1 Ort auf Sumatra: 2. See in USA,: 3 Tonstück: 4. weibliche Form eines verallgemeinernden Fürwort».— Im magischen Quadrat III: 1. Insel bei Java; 2 exotische Pflanze: 3, Entgelt: 4. Stadt in Thüringen.— Im magischen Quadrat IV: 1 Schisssteil: 2. Wiederhall: 3, mehrstimmiger Gesang: 4. Gesiecht. Im magischen Diamanten V: 1. Konsonant: 2. Sonnengott: 3. Reihe; 4. griechische Stadt: 5. Laubbaum; 6, französischer„Sommer"; 7. Konsonant. hep. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) AuflSsung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Pest: 4, Drap: 8, Ire; 10. Udo: 11. ZkalSrie: 15. Lenin: 17. re; 19. Inn: 20 el: 21. Ares: 22. Tors; 23. mi; 24. nie: 26. Ge; 27. Zille: 29. Legende; 31. Sau: 32. Eis: 34. Obst: 35. Erda.— Senkrecht: 1. Pi: 2. Erl: 3. Seal; 5. Ruin: 6. Ade: 7. Po: 9. Bonn: 12. Leisnig: 13. Rinteln: 14. Drama: 16. Elfen: 18. Erl: 20. Erg: 25. Jlex; 27. Zeus; 28. Edcr: 29. Laad: 30. Cid: 31. so: 33. Sa. Gestörte Idylle: Himmel— Hummel— Hammel. Füllrätsel: 1. wandobeck; 2. Bielefeld: 3. Kreuznach; 4. Hasserode: 5. Herzberge: 6 Arnswalde: 7. Rotterdam: 8. Ant- werpen: v. Bulgarien.— Wiesbaden. Karreerätfel: 1. Ideal; 2. Schule; 3. Start; 4. Kraft; 5. Indien: 6. Eule: 7. Tell: 8. Feige: 9, Geld: 10. Wien: 11. Duden: 12. Riege: 13, Skizze: 14, Walzer; 15 Schulter.— Der Zwick des Staates ist die Erziehung'und Entwicklung zur Freiheit, Kurz«»tlschlosse»: Lohn— Lohnabzug— Zug. Frick gegen Arbeitersport Landeskartelltagung in Thüringen 3n Weßmar fand dieser Tage im Voltshaus die 6. Landeskonferenz der Arbeiterspartler Thüringens ftatt� Der Borsitzend« Pöhl«r tonnt« berichten, daß die kommunistische Wühlarbeit den Bestand der thüringischen Arbeitersportbewegung nicht im geringsten erschüttern konnte. Durch die Neugründung von sechs Ortskartellen tonnte die durch den Ausschluß der Kommunisten entstandene Lücke ausgeglichen werden. 57 Ortskartell« stehen in unerschütterliche Treue zur Zentral- kommission, der Weg zu einer gedeihlichen Fortentwicklung des Arbeitersports in Thüringen ist erst nach dem Ausschluß der kom- munistischen Spalter gegeben worden. Der Regierungswechsel hat dem thüringischen Arbeitersport Schaden zugesügt, der national- sozialistische Minister Arick weigert sich, troh eines vorliegenden Landlogsbeschlusses, die zweite Hälfte der dem Arbeitersport zustehenden Mittel von 7200 M. auszuzahlen. Auf eine Beschwerde antwortete Frick dem Landeskartell, daß die Beihilfen nicht a»,- gezahlt werden, da kein Geld vorhanden sei. Festgestellt wurde jedoch, daß rechtsgerichtete Zugendverbände, die in anderen Ländern von der staatlichen Jugendpsleg« ausgeschlossen sind, durch Ztick an- 'ehnliche Geldbeträge aus Mitteln des thüringischen Staates erHollen .aben. Di« sozialdemokratische thüringische Landtagsfraktion wird all« ihr zu Gebote stehenden Mittel anwenden, damit der Arbeiter» spart zu seinem Recht und�einem Gelde kommt. Eine Resolution fand einstimmige Annohme, die in scharfen Worten gegen das provo» kalorische Verhalten des Minister« Frick Protest erhob. Am Sonnabend hielt Emil Karle, Leipzig, einen instruktiven "ortrag über Rechts- und Steuerfragen. Das Hauptinteresse brachte le Tagung einem Bortrag über die sportpolitische Lag« im Reich. itgcgen, den Buck von der Zentralkommiffion hielt. Nach einer rzen Diskussion wurde eine Entschließung angenommen, in der die tellung der Zentralkommission zu allen sportpolitischen Fragen :b auch die Maßnahmen der Zentralkommission den Kommunisten genüber gutgeheißen wurden. Die Landeskonferenz Thüringen rrach der Zentralkommission das v o l l st e Vertrauen aus und elobte in unerschütterlicher Treue. Im Sinne der ZK.-Richtlinien ür die Arbeitersportbewegung zu wirken. Der Vorstand wurde wiedergewählt und beaustragt, unverzüglich Kreiskartelle ins Leben zu rufen, damit die Vertretung des thüringischen Arbeitersports in allen staatlichen Ausschüssen gewährleistet lei. Im Gegensatz zu früheren Tagungen war der Verlauf der Landeskonferenz außer- ordentlich zufriedenstellend. �kicht 8p ort— aber Tamtam Man schreibt uns: Am Sonntag, dem 18. Mai, veranstalteten wie alljährlich die �ichtenberger Schwimmverein« das Anbaden. Der mndestreuen Ortsgruppe der Freien Schwimmer Groß-Berlin stehen drei Opposition« v« reine gegenüber. Mit Pfeifen und Trommeltlang rückten die revolutionären Heerscharen an. Ein statt- her Zug. Man mußte annehmen, daß die schwimmsporttreibende rbeiterschast Lichtenbergs sich klar für die Interessengemeinschaft itschieden hat. Dagegen konnten die bundestreuen Schwimmer . och nicht ganz auskommen. Nach einer fchiin lauten Rede, in der 'rt SPD. sehr oft und der Sport fast gar nicht erwähnt wurde, ollten sich die Hunde rtpro.zentigen Ktasfenkampfschwimmer in-die fluten stürzen. Die gute Hälfte tot dies aber nicht. Für«inen Schwimmer war das Wasser nicht zu kalt, wohl aber für die ge- pumpten Fußballer, Sportler und KÄ-Leute. Oder durfte sie nur die kurz vorher gelieh«i»en, fabrikneuen Badehosen nicht naß machen? Trocken wie aufmarschiert verliehen sie in hellen Haufen die Schwimmbrücken. Wie ganz anders muhte das Anbaden der Freien Schwimmer wirken. Ein Fraucnreigcn, Turn- und Kunst- springen und AK) wirkliche Anbader einer einzigen Ortsgruppe. Die zahlreichen Badegäste des Städtischen Flußbades halten schnell ihr Urteil gefällt. Auch sie waren über die Masse der Roten Trocken- schwimmer erstaunt Mit Tamtam ist nicht innner was zu machen und besonders im Wasser nicht. Nur«richte Arbeit hilf, und diese wird in den Ortsgruppen der Freien Schwimmer Groß-Berlin nachweislich geleistet. llebungsstunden der Ortsgruppe Lichtenberg: Städtisches Fluh- lxid(Klingenberg): Montag bis Freitag ab 18 Uhr; Städtisches Volksbad(Hubertusstraß«): Jeden Montag, 20 bis 21'� Uhr. Solidaritäts- Meister schatten Die vom Bundessportausschuß ausgeschriebenen Meist«? schaften im Bahnrennen wunden am Sonntag auf der Bahn in Wanns«e zum Austrag gebracht. In stattlicher Zahl traten die bundestreuen Rennfahrer an. Da» Programm, oa» kurz noch 14 Uhr begann, nahm«inen flotten Berlauf, welches nicht zuletzt der Umsicht des Wettsahrausschusfes zu verdanken ist. Im ersten Vorlauf des Fliegerrennens über 2 Kilometer siegte Gänderich-Wilmersdors, während der zweit« Vorlauf ein knapper Sieg des Genossen Nitschke vor Unger-Berlin war. Im hoffnungs- lckuf, in welchem die 3 und 4 starteten, siegt« Zimmcrmann-Wil- mersdors vor Neumann-Berlin. Im Endlauf, welcher von S Fahrern bestritten wurde, zog Unger gleich vom Start in scharfem Tempo davon, während das nachfolgende Feld keine Anstalten machte, die Verfolgung auszunehmen. Erst die letzten 300 Meter— bis dahin Holte Unger den Vorsprung gehalten— zog dos Feld an ihm vor- bei und ging in der Reihenfolge Nitschke, Gänderich und Schwarz durchs Ziel. In der Altersklasse.über 1 Kilometer war Kegel der stärkere, während über Kilometer Eichler, der anscheinend besser länger« Strecken fährt, Sieger blieb. Das Iv-Kilometer-Rennen sah gute Fahrer am Start, aber auch hier konnte sich Nitschke vor Töpfer und Reinhols behaupten. Die Jugend, welche in 3 Rennen über 1. 2 und S Kilometer startet«, sah Klinitzke-Wilmeredarf in jedem Lauf als ersten, während Woche und Herzog(beide Char- lottenburg) sich mit dem 2. und 3. Platz abfinden mußten. Den Schluß des Programms bildete das Sv-Kiloineter-Monnschaftsrennen nach Sechstageart. Bei den erste» 2 Rtznden hatte es den Anschein, als wollte keine Mannschaft die Führung ergreisen, aber dann ent- schlössen sich doch die Mannschaften Schworz-Gänderich, Wothe» Herzog, Köllner-Prause und Zimmermann-Schneider vom Felde loszukommen. Schon nach 25 Kilometern— die Spitze bildeten die Mannschaften GändericheSchwarz, Köllner-Prause, Woche-Her» zog— hatten drei Mannschaften aufgegeben, während Naggatz- Rückert 2 Runden zurücklagen. Doch nach dem obigen Stand mußt« der Endkampf nach Ueberraschungen dringe»', aber der Himmel öffnete seine Schleusen, so daß nach 66 Runde»-- 31,300 Kilometer das Rennen abgebrochen werden mußt« in der ausgezeichneten Zeit von 46 Mnuten 47 Sekunden. Die nächst« Sitzung ist am Donnerstag, dem 22. Mai, abends 8 Uhr, bei Lohann, Brüderstraße 16/18. Nochstehend die Resultate. »«lultet«. Ktt»e«»M«nen. 1. Vorlauf!®t(ei Siinderich. fltit 3,83g Min.: 2. Vorlaut: Sltfler Nitlchkr. Stil 3.36% Min. Soflnun«»!. Sinimttnwnn, Zeit. 3,48 Min. Endlauk: Siescc Nittchi-, Seit 3 Mi». Sit.— Lllersttagt: 1 Silomolcr, Eiegcr Stuti, Seit 1,30% Mi».: 5 Rilomeltc, Sirgrr Sichler, ""Reit 8,50 Min.— SanplIIassr: 10 ftilomrter, Slezer Rilfchir, Seit>3.31 Viin. (mit 9 Punkewi: S. TSmer. mit« Punkten: 3. Veinbol». mit 5 Punlteu: 4 Neumann, mit 1 Punk!: 5. Nadflofc, mit 1 Punkt.— 50.JkiIometer.Mann- (chaftocennen, gefahren SU Jülomclce: 1. Mtnderich.Schmor,. Seit 411,47 Min. (13 Punkte): 2. Köllner-Prause, 8 Puutte: 3. Herzog-Wathe, 7 Punkte: 4. Töufer.Reinholo, 3 Punkte.— Zuqendklasse, übee 1»ilowetee: 1. ftlinlltkc. Seit 2,39* Min.: 2. Quabe All: 3. Wolhe Sertert.- Ingendklalse, über t Rilomctei: 1. fliiniWc W. Seit 3,44% Min.: 2. Wothe bcrdcrl: 8. Herzog Herbert.— ZugenbNalfe,«See 5 ttilometer: 1. Kiinitzke, Seit 8.48* Min.(mit 21 Punkten): 2. Herzog, mit 13 Punttcn: Z. Wothe. mit 11 Punkten. 8. Etappe der Deutschlandfahrt Rcmold vor Siegel und Nitschke Die amt 4. Mai in Berlin begonnene Radrundfahrt durch Deutschland neigt sich ihrem Ende zu. Nach der am Dienstag ge- fahrenen 8. Etappe Frankfurt a. M.— Bielefeld über 264,4 Kilometer sind nur noch zwei Teilstrecken zu erledigen und am Sonntag, 25. Mai, erreicht die lange Fahrt dann im Deutschen Stadion zu Berlin ihren Abschluß. Das Rennen Frankfurt— Bielefeld unterschied sich von seinen Vorläufern in vorteilhafter' Weise dadurch, daß auf der ganzen Strecke vorbildlich sair gekämpft wurde. Die vom Schiedsgericht leider zu spät verfügten Strafmaßnahmen scheinen also ihr« Wir- kung nicht verfehlt zu haben. Unter den Teilnehmern der achten Etappenfahrt befand sich auch Oskar T i c tz. der, obwohl er sich bei dem Massensturz in Frankfurt den Arm ausgekugelt hatte, tapser mitfuhr und sich auch längere Zeit im Vordertresfen halten konnte, bis ihn ein abermaliger Sturz zurückwarf. Trotz großer Schmerzen hielt Tietz durch, büßte jedoch den ersten Platz in der Gesamtwertung ein. da er erst 12 Minuten noch der Spitzengruppe eintraf. Sehr Übel wurde diesmal S chö n- mitgespielt. Der Wiesbadener wurde von dem Motorrad des Managers Bänger umgefahren und erlitt dabei so schwere Verbrennungen, daß er ins Krankenhaus trans- parliert werden mußt«. Ergebnis der 8. Etappe Frankfurt— Bielefeld(264,4 Kilometer): 1. Josef Remold-Schwelnsurt 8:05:34:?. Siegel-Breslau 3 Längen: 3. Nitfchke-Berlin 20 Meter zurück: 4. Buft-Berlm 8:07:58: S. THIerbach-Dresden: 6. Bulla-Dien: 7. Geyer-Schwein- furt(olle dichtauf): 8. Manthey-Berlin 8:09:41: 0. Stöpel-Berlin 8:11:07: 10. Tietz-Verlin 8:17:41: 11. Olböter-Stettin: 12. Karl Kohl- Berlin: 13. Uffat-Berlin: 14. R. Wolke-Berlii,(alle dichtauf): 15. Dorn-Berlln 8:20:46. Nach der 8. Etappe lautet das G e» famtklafsement: 1. Bus« 65:36:02: 2. Stöpel 65:57:38: 3. Oskar Tietz 65:40:53: 4. Thierbach 65:43:25: 5. Manthey 65:48:12: 6. Siegel 65:56:51: 7. Remold 66:01:08., Die neunte und vorletzte Etappe führt von Bielefeld nach Horn« bürg über 266 Kilometer._ Neue Uebungsstätten in Neukölln-Britz Wenn man von den Uebungsstätten der ArbeitersporUer redet, verdient die Tatsache Erwähnung, daß der Bezirk Neukölln- Britz der FTGB. jetzt mit seinen 14 Abteilungen(nicht mit- gerechnet die zahlreichen Spielmannschaften für alle Rasenspiele) der bestausgebaute und oerbreüetste im 14. Verwaltungsbezirk Groß-Berlin» ist. Die Abteilungen, die von technisch vorgebildeten und geprüften Funkttonären geleitet werden, üben in Neukölln, Doppelturnhalle Lessingstraße. Spielabteilung: Mittwochs: Knaben mtd Mädchen: Dienstag und Freitags, getrennt: Jugendliche: Mitt- wachs: Iungmädchen: Freitags: Frauen: Dienstags: Männer: Frei- tags. Die besondere Altersabteilung für Männer M Dowuchk. 12� Doimerstags. Die im Ortsteil Britz gelegenen Abteilungen üben m der Turnhalle Chausieeftr. 137(am Teich). Spielabteilung: Montags: Knaben: Mittwochs: Mäochen: Donnerstags: Iungmädchen: Mittwochs: Frauen: Montags: Jugend- lich« und Männer: Donnerstag«. In d«r Männerabteilung werden jetzt neue Altersriegen eingerichtet, die Donnerstag. 22. Mai, eröffnet werden. Die Kinderabteilungen üben immer von 16 bis 18 Uhr, anschließend die übrigen Abteilungen. Allen Bczirksmitgliedern steht der herrliche„Sonnenplotz" in der Sonnen- alles zum Spiel- und Sportbetrieb zur Verfügung. Auch die An- gehörigen benutzen diesen Platz mit seinen dem Volkewohl dienen- den Einrichtungen ständig. Die Britzer Abteilungen treiben außer- dem jeden Dienstag, ab 18 Uhr, auf dem Sportplatz Trefcburger �Ufer(Teltowkanal) Spiel und Sport. Jede gewünschte Auskunft erteilt bereitwilligst während der Uebungsftuichen ober persönlich für Neukölln: Paul Schulze, Neukölln, Stuttgarter Straße 18: für Britz: Otto Schistan, Berlin-Boitz, Fronz-Körner-Str. 23. Radsportliches Allerlei Das auf der Pariser Parkrennbahn ausgetragene 30-Krlomet«r- Dauerrennen sah Lacquehay in 25: 43,8 al» überlegenen Sieger vor A. Wainbst(1300 Meter) und Urago(1420 Meter). Beim Fliegerkamps gab es einen Zwischenfall. Der Italiener M. Bergamini wurde, nachdem er einen Defekt vorgetäuscht hatte, mit einer Geldstrafe belegt und sofort au» dem Rennen genommen. Den Entscheidungslauf gewann Faocheux gegen den Schweizer Kauf- mann.— Die über 3000 Kilometer führende Radrundsahrt durch Italien nahm In Messtna mit der 167 Kilometer langen Etappe nach Catania ihren Ansang. Maro siegte nach einer Fahr- zeit von 6: 25: 15 im Endspurt gegen Giuntelli und Negrini. Alfred Bindo und Giradengo nchnien an der Rundfahrt nicht teil.— Unter Beteiligung von 12 ausgewählten Fahrern gelangte am Sonnabend imd Sonntag zum 36. Mal« das klafsige Straßenrennen von Bor- deux nach Poris zur Entscheidung. Die Teilnehmer trafen ziem. lich geschloffen am Zi�l ein. Der Sieg fiel an den Weltmeister Ronsse-Belgien in 19: 26: 17 vor den Franzosen Pelisser und De. muyser«.— Die beiden deutschen Rennsahrer Buschen Hagen und Hille konnten sich bei den Sonntagsrennen auf der Züricher Bahn nicht durchsetzen. Buschenhagen bestritt daz Match- Omntum, in dem er mit 6 Punkten den vierten Platz de- setzte hinter Suter mit 10, Blanchonnet mit 8 und Richli mit 6 Punkten. Im Gesamtergehn is der drei Dauerrennen über lO. 20 und 50 Kilometer siegte P. Suter mit 79.595 Kilometer vor Läuppi und Hille(550 Meter zurück).— Von bester Seite zeigte sich der Weltmeister Paillard bei den Abendrennen in Breslau. In beiden Rennnen stellte er seine groß« Klasse unter Beweis. Da» 25-Äilo- metsr-Remien gewann er in 22: 06,6 vor Dederich(15 Meter zurück). Im Oderpreis über ein« Stunde landet« er 1900 Meter vdr Krewer. — Den Sachs« n preis über zweimal 50 Kilometer auf der Chemnitzer Bahn gewann im Gesamtklosiement der Kölner Dede- r i ch»(99,985 Kilometer) vor dem Belgier Thollembeek(99,620 Kilometer) und Schindler(99,030 Kilometer).— Im Beisein von 3000 Zuschauern fanden die Eröffnungsrennen in Erfurt statt. Wißbröcker kam durch Molordefekt um den Sieg im Klassement. Erster wurde Meyer mit 79,700 Kilometer vor Schmidt(675 Meter zurück), und dem weit hinten landenden Wißbröcker. Weihe bei der Freien Kanu-Union Fi icdrich Eberl— Carl Legien— Solidarität— Karl Knauerhase Vier Boote werden von der Freien Kanu-Union Groß-Berlin am Sonntag, dem 25. Mai, getaust. Zwei Kajak- vierer mit Steuermann, je 12 Meter lang, und zwei Doppelkajaks, se 6 Meter lang, wurden von dieser bundestrouen Organisation, die über mehrere Abteilungen in Wuhlheidc, Wilhelmshagen. Erkner, Tegel und Spandau verfügt, binnen einem Jahre geschafft. Was das heißt, wird jeder Laie begreifen können, wenn er hört, daß die vier Boote einen Wert von 3000 Mark respektieren. Sie sind der unermüdlichen Tatkraft zu verdanken, die in den Reihen der freien Kanufahrer herrscht. Di« Weihe, die durch künstlerische musikalisch« Darbietungen umrahmt wird, beginnt um 14 Uhr aus dem Vorplatz des Boots- Hauses der Abteilung Oberfprce der FKUGB(neben Spreerestau- rant Sadowa). Es sprechen ü. a. Genosse Westphal vom Parteioor- stand der SPD., Bürgermeister Mieliß vom Dezirksamt Friedrichs- Hain und namhafte Vertreter des ADGB. Anschließend findet die 1. dundesoffen« Kanuregatta der Freien Kanu-Union Groß-Berlin statt. Von den zahlreich eingegangenen Meldungen feien erwähnt: Freie Sporlvereinigung Schweissterne, Freier Was« sersportoerein 1924, Freie Wassersahrer Köpenick, Freie Turnerschast Groß-Berlin, Sportverein Moabit usw. Als alt« Rivalen werden sich im Doppeltajak für Männer, Klasse Va Senioren, wieder FKUGB. und die Schweissterne gegenüberstehen. Im hauptrennen, dem Kajatvierer niit Steuermann, Klasse VII für Männer, stehen sich die Boote der Freien Turnerschaft Groß-Berlin und die FKUGB. gegenüber, lieber da» Resultat darf man sehr gespannt sein, da wohl gleichwertige Mannschaften vorhanden sind, die Renn- ersahrung im Vierer aber bei FTGB. liegt. Der Stand der Rennen wird durch Lautsprecher übertragen. Alle Gesinnungsfreunde. Bundesgenossen usw. werden aus diese Veranstaltung hingewiesen. Der große Garten des Spreerestaurnnts vadowa gewährt eine gute Ueb erficht über die Regattastrecke. Der Eintritt beträgt— ,30 Mark. Abends Tanz und Bekanntgab« der endgüliigen Regattaresultate. Fahrverbindimg: Straßenbahn Linien 95, 87, 187 bis Spreerestmiram Sadowa. Stadtbahn: Bahnhof Wuhlheide, 15 Minuten Waldweg. Gegen Wassersportler Eine sinnlose und unverständliche MaOnahme Der Regierungspräsident zu Potsdam, der Chef der Märkischen Wasierstraßenverwaltung, führt seit einiger Zeit einen unverständ- lichen Kampf gegen eine Reihe von sogenannten schwimmen» den Händlern, die aus der.Havel in Hausbooten einen konzessionierten Ausschank von Getränken betreiben. So schweben zur Zeit au fast sämtlichen Berliner Zivil- gerlchten Klagen gegen die Hausbootbesitzer, in denen Räumung, Beseitigung der Boote und Zahlung des Wasser- bauzinses für die rückliegende Zeit verlangt wird. In der Klage- begründung heißt es, daß die betreffenden Anlagen durch die Er- richtung von Stegen ihre Eigenschäft als schwimmsähiger Kahn verloren hätten und die in Anspruch genommenen Wasserilächen Eigentum des Reichs seien, demnach also eine unzulässige Bereiche- rung der hausbootbesitzcr durch die Benutzung vorliege. Diese Maßnahme der Märkischen Wasscrstraßenverwaltung l)at nicht nur bei den Bootsinhabern selbst Empörung ausgelöst, sondern auch"' bei den Tausenden von Wassersportlern, die zu den Hauptkunden der schwimmenden Händler gehören, größtes Befremden hervor- gerufen. Gerade in den Kreisen der kleinen Wassersportler bestand feit jeher dos dringende Bedürfnis, in der leichten Sportkleidung, ungeniert direkt am Wasser Erfrischungen und Lebensmittel zu sich nehmen zu können. Jetzt, wo sich einige kleine Händler ge- sunden haben, denen auch erst nach Ueberwindung vielfacher Schwierigkeiten Konzessionen erteilt wollen sind, taucht plötzlich die Wasserstrahenverwaltung auf und will diese durchaus notwendigen und begrüßenswerten Einrichtungen in einem Zuge von der Bildfläche verschwinden lassen. Es ist verständlich, daß die beklagten Bootslnhaber, deren Existxnz durch das Borgehen des Fiskus gefährdet ist, sich dagegen mit allen Mitteln wehren und Abweisung der Klogen beantragt haben. Es mutet übrigens sonderbar an, daß die Wasserstraßen- Verwaltung erst jetzt, nachdem dl« Hausboote feit Jahren ihre Daseinsberechtigung bewiesen haben, zu der rigorosen Maßnahme gegriffen hat.____ Der Kurs»» für Nichtschwimmer in der Schwiinmabteilung des Arbeitersportoereins Schöneberg, der am Donners- tag, dem 22. Mai, beginnen sollte, findet nicht Donnerstags, sondern Mittwochs jfatt und kann«rft am Mittwoch, dem 28. Mai, eröffnet werden. «rbeite» Ret» mk nrafHafcmkunb.e»|ib««it8i*, Ceu f, Bejirk 1. Ort»« fltuppt fflroft.Perlin. VI-t»rf»k«r.?oup»ii lUr Sennlq«, 20. Wai, 9IW. Ne»« löHn: HSIjttnfT See. 6'fltt 8 Hin Sohen., oller, iplaji.- UM. grkbriikrMit«» Werdellinsee. Start 7 Uhr Lnnbsbeeger 31109.— Abt. vbkelchixewetbee Brendendurq. Start 9 Uhr WilhelmincMfstt. Ol.— Abt. Nie», dem: fiepten, lSieaelel-Besichtiann«). Start 8 Uhr IV�jnnptaR.— Abt cdaelottenbeiia: Mt>nchebcr-i— Mllllrose— Startow V�Prrlin. Start 7 Uhr Wilmersbarfee Strahe 2i.— Abt. P«»lo»»! grelenmalbe. Start 7 Uhr Parndolmer Sir. 88. AM. fitchtenberp: Ioachimstlxij. Start 7 Ulir Oder- Ecke ginowitrabe.— AM. StardT«: Wan blitz-- Scrpciilihleiife— Marienwerber-- Iaabsch'otz Subcetu»- stock— Nerbellinlee— Eberswalb«— Breiin. Start 7 Uhr Sparstr. 3. Wofferball«», Achtuntz! Der heutige Vörsenabtnb füllt aus u»b wirb auf Alitang Juni verlegt, wenn bie Serienfoel, her P.. tintz I.-Stalse ieitstehe». ffjtilag, 23. Mai. 20 Uhr, Spirtau»sch„hsttzung mit ben Vertretern ber A- Mannschaflen bei fiohetnn, LrüderstraK«. Tageoorbnung: Austragung ber Sommerlerie ber 3l.»SIasse im Lunabab. «»«. Hocke». Sitzung Mittwocki, 2l. Mai. SD Uhr. im fiotol Iuichkot, Hohen. iohe- Ecke Dotzlerstrohe. Tainingstgge: Dienotaq ob l8 Uhr Platz Laster- strotze. Eonnabentzs ab 17 Uhr Neuköllner Siabion. Platz 8. AIEP., l.»reis, 2. Berit?, I. Snipnr. Eos Susammeuturiien aller fragen. obteili'itacn dcr I. ffleppne ist heut«. 21. Mai. 00 Uhr, in Writzenlee, obere Turnballe. im fiiucum Tailoftratz«. Grübt wirb»um Gruppeiittst tu Bernau nach Mutz? gTEB., Berir? Eharlottenbuea fgaßdallaMeilunot. Eonncrstag, 20 Uhr, Sitzung MI Bob«, Haiserin-Auanfta-Alle« 52.— SluberbcgleJ, Am 22. Mai Sitzung Im Restaurant Ernst ocktmibt, RiebersckiSnewclbe. Berliner Eir.»7—«. Beginn 20 Uhr. Am 28. Mai gemeinsam« Pflick-tahrt nach bee Schurre. Frei, ffaltboptfabm Beel!».?o»ner»tag. 38. Süg1. Mitglieberversammlung. Bootoväffc zum Simpeln mitbringen, ßeeitog. 22. Mal.«icht. lZrauenverlamm. lung ber Sparte bei..Wegener", Smtnaltau«, lsrautsurter Allee Sgo. Ebnnabend, 24. Mai, ffiaht'cn nach Svnigswusterhausen— ivrotz-stbris. Aufbauen um 10 Uhr am Notte-Äanal. Führer! Paul Norduan. Fahrt: Pahme abwärt», Lonntaaolarte bis Hall'«— Tun»». Vdfahrt 1« Uhr ViKIitzer Bahnhof. Jeden !>Ieit»tag Spiel- und Spottabcnb der Sparte auf dem Sportplatz Nehberge, Eiistr»u allen Beranstaltungen herzlich willkommen. Ktiber» und Nannoerein 1824 e.®. Sitzung Mifwoch, 2t. Mai. 1!N.H Uhr, iv fibtal zum Sporisbau», Birckfenftr. 1. ibrqanisatio>i«all»wcia ist zur Nim- troll» mitzndringen, Aufnahme neuer Mitallrber Frei» Buberee Beeeinigur l»t.l. Sitzung Freitag. A. Mai. 20 Uhr. im Strandschlptz Oberfchänoweib ckedungsabenb« Dienalaa und Freitag 17 Uhr im Boatshaus. In dar F>.cn-, Jugend- und Männcrabieilung werden noch Mitglieder aufgenommen Die Not der Neubaumieter. Der Reichsbund Deutscher Mieter behandelte am Freitag abend in einer Veranstaltung im Berliner Rathaus N e u- baumieterfragen. Der Verbandsvorsitzende D z i e y k gab eine historische Darstellung der Pieterschutzgesetzgebung und zeigte in seinen weiteren Aussührungen auf, dah gerade die N e u b a u- mieter durch rigorose Mietverträge ihrer Rechte beraubt werden. Der Wohnungsuchende ist heute froh, eine Wohnung zu erhalten und unterschreibt dem Hauswirt jeden Vertrag. Ausgabe des Reichsbundes wird es sein, den Neu- baumietern zu zeigen, wie sie ihre Rechte wahren tonnen! ins- besondere wie sie sich gegen unangemessene Forderungen, wie Bau- koftenzuschüsse, Zahlung von Bewirtschastungskosten usw. wehren können. Es inuß oerlangt werden, daß endlich das ganze Haus- z i n s st e u e r a u f k o n> in e n für den Wohnungsbau ver- wendet wird und daß auch der Hypothekensatz für die einzelne Wohnung erhöht wird. Rur dadurch läßt sich die Neubaumiete auf ein erträgliches Maß senken. Rechtsanwalt Dichauer be- lyrndelte die juristischen Fragen der Neubaumieter und zeigte an Beispielen, daß die m der Verfassung garantierte Vertragsfreiheit bei der Wohnungsoergabe verletzt wird. Wer' die ökonomichen Machtniittel in der Hand hat, wird dem Partner seines Vertrages — also auch der 5zauswirt dem Mieter— seine Bedingungen diktieren. Der Redner empfahl als Schutz für den Reubanmieter ein Verbot der Umlage und Festsetzung einer Fest- miete, die in einer bestimmten Beziehung zum Steuerwert der Wohnung gebracht werden müsse. Syndikus Dr. Tesch warnte dann noch die Behörden, allzu leichtgläubig gegen gewisse angeb- liche gemeinnützige Bangesellschasten zu sein. Jede Gesellschaft müsse genau kontrolliert werden, ob sie eine derartige Beziehung auch mit Recht trägt. Das Schweigen als Ausdruck. 3n der Phyjiogno mischen Studiengesell- s ch a s t sprach Dr. Paul Cohn- Guben über das Thema „Das Schweigen als Ausdruck". Alles Unbekannt« töne von Urzeiten'her im Menschen als leises Furchtgesühl an. Der Mensch, der spreche, wolle zunächst gewisser vpannungcn und Erregungen Herr werden. Mit dem Sprechen werde zunächst allgemein eine Erleichterung erzielt, ein Vertraut- heitsgefühl statt des Gefühls des Unbekannten. Auch der Machltrieb werde angespanntk was man deutlich schon ain Kinde wahrnehmen könnt«. Der politische Redner äußere am stärksten den Machttvieb: andere Leute geben sich aus dem gleichen Grunde dem„Klatsch" hin. Aus den Ursachen des Sprechens erklären sich auch die primitiveren Ursachen des Schweigens: nämlich Mangel an Stimmung oder Trieb- hastigkeit(Stumpfheit, Phlegma, Erschöpfung) oder Gedankenarmut. Die Pathokogi« des Schweigens bei den Geisteskranken bestätige dies. Wie hier die Melancholie schon zeige, gäbe es noch ein Schweigen aus Hemmung. Das Schauspiel der Disharmonie der Eltern oder deren Tyrannei sei die Ursache des Schweigens vieler Kinder, die sich vertrauenerweckenden Personen oder Spielgefährten gegen- über dann oft um so beredter zeigen. Die inneren Ursachen können den Gebieten des Gefühls, des Verstandes und des Willens ent- springen. Mangel an Selbstvertrauen, Nervenschwäche oder negative Affekte wie Trauer, Furcht, Mißtrauen, Haß, scheue Verehrung und selbst Liebe können im gleichen Maße den Menschen verstummen lassen. Das überlegene Schweigen kann aus Hochmut, Stolz, Ver- achtung, aber auch aus Nachsicht und Güte geboren sein. Bei den Verstandesursach�n des Schweigens feien die der Vorsichtigen oder „Schlauen" die kleinsten, auch das lauernde oder aushorchende Schweigen gehöre hierher. Das„diplomatische" Schwei- gen als höchste Kunst beruhe auf ähnlichen Ursachen. Die Willens- Ursachen des Schweigens entspringen aus Trieb zur Selbstzucht, Straffheit, Erhaltung der eigenen Würde, also einer Art Selbstüber- Windung. Das höchste Schweigen: das der Menschenkenner und Philosophen, habe seine Wurzeln im Gefühl, Verstand und Willen. Zum Schluß erörterte der Redner vom ärztlichen Standpunkt die schädlichen Folgen dauernden Schweigens. Es verhindere die Entspannung, die Objektivierung der eigenen Vor- stellungen und Gefühle und hemme sogar körperlich durch seine Rückwirkung der Stillegung der Sprachbahn in seelischer und geistiger Hinsicht. Schweigen verdüstere und vergifte. Zur rechten Zeit schweigen und zur rechten Zeit reden: das sei die richtige Mischung!» Wie ist dem Gartenbau zu helfen? Diese Frage, von Fachleuten gestellt, beschäftigte eine Presse- konserenz, die vom Reichsverband des deutschen Gartenbaues ein- berufen worden rvar. Sie kann auch nur von Fachleuten beant- wartet werden. Nach den Aussiihrungen gehen jährlich Hundert- tausende von Mark für Gartenerzeugnisse an das Ausland, dabei ist die Tatsache zu verzeichnen, daß im letzten und in diesem Jahre die Preise für die Jnlandproduktion unter die Vorkriegshöhe ge- funken sind Teilweise konnten Gemüse überhaupt nicht verwertet werden, weil �das Angebot hinter der Nachfrage zuriickblieb. Selbst auf dos Wirtschaftsobst traf dies zu. Die Einfuhr an Gartenbauer.zeugnisfen einschließlich der Südfrüchte betrug in den letzten beiden Jahren nahezu 650 Millionen Mark, während der Gesamtwert der jährlichen heimischen Erzeugung aus 2 Milliarden Mark veranschlagt wird. Das Aqrarschutzgesetz des Kabinetts Brüning hat zunächst eine greifbare Hilfe nicht ge- bracht. Die wirtschaft-politischen Forderungen des Reichsverbandes zielen darum auf eine Löstyig der Z�llverbindunqen und auf eine Festsetzung ausreichender neuer Vertragszölle. Auf dem Gebiete des Marktwesens und der Marktbeobachtung werden Maßnahmen zur Vereinheitlichung und besseren Organisation gemacht. Man fordert weiter Sandertarife auf den Bahnen, eine Reichsbcihilfe und eine Senkung der Sozial- und Steuerlasten. Da, ganze Prograini« des Reichsverbandes ähnelt dem des Landblmdes. denn was dem einem recht ist. ist den, anderen billig. Es fragt sich nur, ob die Konsumentenschichtcn solche künstlich gesteigerten Preise für die notwendigsten Lebensmittel tragen können und ob sich die Antrag- stellcr nicht ms eigene Fleisch schneiden, da sie, wie schon eingangs erwähnt, darüber klagen, daß kein genügender Absatz ihrer Proz dukte vorhanden ist. Zu unterschreiben wäre jedensalls die Forde- rung der Einschränkung einer Einsuhr kostspieliger Blumen, diel durch entsprechende Kulturen auch im Inland gezogen werden kön, »en. Ebenfalls sind die Bestrebungen des Gartenbaus mir zu be- grüßen, durch moderne Betriebsführunq, Verpackung und Sortierung die Jnlandserzeugnisse der Auslands wäre gleichzustellen, um dadurch auch den deutschen Käufer zu gewinnen. Wetter für Berlin: Wechselnde Bewölkung ohne erhebliche! Regensälle, wenig Temperaturänderung. Winde aus nördlichen Richtungen.— Für Deutschland: Fortdauer der herrschende» Witterung. Mittwoch, 21. Mai. Berlin. 16.05 Sportliche Improvisationen.•. 16.30 Tanz-Tee-Musik.£ 17.30 Hans Franck liest aus ciscnen Werken. � 18.00 Küpper und Rcjrer; Das Ruhricebiet. 18.30 Oberstaatsanwalt B. Köhler und Rechtsanwalt Dr. Apfel: Staatsanwalt und Verteidiger. 10.00 Interview der Woche. 19.25 Schlager von Fritz Rotter. 20.40 Unterlialtungsmusik. 21.15 Waldemar von Bauszncrn: Die himmlische Orgel, sinfonische Legende fuf Bariton, kleines Orchester und Klavier.(Max Raymcr, Bariton. Funkorchester. Dirig.: Der Komponist.) Nach den Abcndmeldungcn: Abendunterhaltung. 23.10 Von Budapest: Zigeunermusik. Königswusterhausen. 16.30 Von Hamburg: Nachmittagskonzert. 17,30 Dr. Konrad Dürre: Das Kindcrlied. 17.55 Staatssekretär Dr. Heucamp: Deutsche Lebensmittelversorgung unter Bc� rücksichtigung der Ein- und Ausfuhr. 18.20 Dr. G. Vcnzmer: Seltsames Erlebnis der Weltgeschichte. 18.40 Spanisch für Anfänger. 19.05 Prof. Dr. Otto Hoetzsch; Zehn Jahre Völkerbund. 19.30 Dr. A. Richardt: Aus der Beamtenrechtsprechung. 20.00 Prof. Dr. Julius Wolf und Prof. Dr. Hermann Mockermann: Um den § 218. 20.40 Von Hamburg: Hunmr und Groteske. �(Befchäfis-Jtnsriger föezirß füden-Wefien. 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