Morgenausgabe Nr. 236 A 119 47.Iahrgang ««che-Mch 8SVK nonaffl« 5,80 5*. Im oorau* zahlbar. P-ftbazug 4,32 M. einlchllehllch 80 Psg. Postzrltuaz». und 72 Pfg Postbeslellgebühreu. tluslandd* ibanncmcnt G.— M. pro Monat, * Sa.ConnSrt«"«Ichnnl machrnlip. Uch zweimal, Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben für Balin und im Sandel mit dem Titel „Der ..Volk '.—-...... Ferna .Unterhaltung und Wilsen'..Frauen. timme',.Technik'.»Ali« w die bllchenoell' und.Jugend- Vorwärts' Abend'. Illustrierte Beilagen und Zelt' und.Kinderfreund p- Berliner vowsblatt Donnerstag 22. Mai 1930 Groß-Äerlin 1t) pf. Auswärts 45 Z)f. Dt» etnlpaltlg« Nonparetllezetl« S0 Pfennig. Reklame�eile S.— Reichs- mark..»Kleine Anzeigen� da» lettge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Warte), jedes weitere Wort »2 Pfennig. Stellengesuch» da» erst« Wort 1ü Pfennig» jedes wettere Won' 10 Pfennig. Worte über IS Buchstabe» Ihlen für zwei Worte. Arbeitsmarli eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zel» l) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt- Geschäft Lindenstraße S. wochentäglich 90n 8Vj bis 17 Uhr. Zentvawvsan der GozialdemoSratiftben Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 sternsprtcher: Dönboff LS2— A7 Telegramm-Adr,- Soztaldemokral Belli». Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Verlin Z7S3S.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamte», Wallllr SS, Dt, B, n. Di!c..4 Proz. erhöht werden. Bekanntlich hatte dos Kabinett chermann Müller den Beschluß gefaßt, die Beiträge auf 4 Proz. zu erhöhen, wogegen der sogenannt« Kompromißvorschlag Brüning, der zum Sturz d«s Kabinetts Hermann Müller führt«, den Beitragssatz aus 3� Proz. belassen wollte. Außerdem sollte der Zuschuß des Reiches aus 150 Millionen Mark für das Rechnungsjahr lS30 beschränkt bleiben, während ur- sprünglich ein um 75 Millionen höherer Betrag vorgesehen war. Die Beschlüsse, die das Kabinett Brüning jetzt angesichts der katastrophalen Arbeitslosigkeit zu fassen genötigt sein wird, werden über den Beschluß des Kabinetts Hermann Müller hinausgehen. Aoiopfer. Wachsende Einsicht im Zentrum. Zwei Fragen waren es, an denen das Kabinet Müller zerbrochen ist: die Arbeitslosenversicherung und das Notopfer der Leistungsfähigen. In beiden Fragen bestanden zwischen der Sozialdemokratie und der Deutschen Volkspartei erhebliche Gegensätze. Das Zentrum trat an die Seite der Deutschen Voltspartei, entschied gegen die Sozialdemokratie und trug so zum Bruch der früheren Regierungskoalition bei. Inzwischen haben die Er» eignisse der Sozialdemokratie in jeder Be- ziehung recht gegeben. Die Arbeitslosigkeit ist weit größer, als man sie im Frühjahr voraussah. Sie erfordert auch weit größere Mittel, die selbst durch Beitragserhöhung auf 4 Proz. nicht ausreichen werden und deshalb allgemeine Steuermittel notwendig machen. Damit ist auch der Stand- punkt der Sozialdemokratie zu einem Notopfer aller Leistungsfähigen, etwa durch einen Zuschlag zur Einkommen- steuer von 10 Proz. bei allen Einkommen über 8000 Mk. jähr» lich als richtig erwiesen. Diese Erkenntnis gewinnt jetzt auch im Zentrum an Boden. Zwar ist anzunehmen, daß das Reichskabinett durch Uebernahme der Beschlüsse des Bor- standes der Reichsanstall einen teilweisen Leistungsabbau in der Arbeitslosenversicherung vornehmen wird. Aber selbst wenn sich dafür im Reichstag eine Mehrheit findet, bleibt immer noch ein erheblicher Fehlbetrag zu decken. Die Er- werbslosenoerficherung beansprucht auch dann noch einen Zu- schuß von 100 bis 2Ü0 Millionen Mark, die Krifenfürsorgs einen Mehrbetrag von 75 bis 150 Millionen Mark und eine ähnlich hohe Summe wird man den Gemeinden als Zuschuß für die Unterhallung der Wohlfahrtserwerbslosen, deren Zahl von Tag zu Tag steigt, wohl gewähren müssen. Diese Mittel aber stehen im jetzigen Reichsetat nicht zur Verfügung. Sie müssen erst durch neue Steuern beschafft werden. Wenn jetzt aus dem Zentrumslager der Gedanke eines Notopfers propagiert wird, so kann man sich darüber freuen, well dies das Eingeständnis darstellt, daß auch diese Forderung der Sozialdemokratie nachträglich als richtig anerkannt wird. Aber man muß sich zugleich darüber klar sein, daßdasZentrumunterderForderung des Notopfers etwas ganz anderes versteht als die Sozialdemokratie, Noch in der letzten Woche hat Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald erklärt, daß eine Erhöhung direkter Steuern abgelehnt werden müsse, weil sie di« Kapitalflucht empfindlich vergrößern würde. Dieser Ausspruch zeigt den Gegensatz, der in der Forderung Notopfer zwischen Sozialdemokratie und Zentrum vorhanden ist. Die Sozialdemokratie fordert ein Notopfer der Leistungsfähigen, das Zentrum ein Notopfer der Fe st besoldeten. Die Sozialdemokratie will, daß die hohen Einkommen über 8000 Mark jährlich durch«ine Sonderleistung zur Linderung der Not der Er- werbslosen und der Reichsfinanzen beitragen. Das Zentrum will, daß nur die Fest besoldeten ohne Rücksicht auf die Höhe ihres Einkommens herangezogen werden. Es will also auf der einen Seite diejenigen freilassen, die in der Privatwirtschaft hohe Einkommen oder hohe Ge- häller beziehen, d. h. die Unternehmer, die Direktoren und die sonstigen leitenden Angestellten, während es auf der anderen Seste die kleinen und kleinsten Beamten- tz« h ä l t e r mit heranziehen will. Daß ein solcher Borschlag viele soziale Härten enthält, weil der General- d i r e k t o r selbstverständlich viel leistungsfähiger ist als der Postschaffner, ist selbswerständlich. Er bringt aber auch viel weniger Geld, so daß es zweifelhast ist, ob auf diesem Wege die finanziellen Nöte behoben werden können. Mißglückter Sturm auf Salzlager Hunderie von Verlehien in Dharsana. London, 21. Mai.(Eigenbericht.) Ausgerüstet mit Berpflegungsrationen für zwei Tag« und mit den zur Niederlegung des Stacheldrahtes um das Salzdepot nötigen Instrumenten, begannen 2000 Anhänger Gandhis am Mittwoch beim Morgengrauen ihren Marsch vom Feldlager m Untodi nach dem Salzdepot von Dharsana. Der den Teilnehmern an dem Zug erteilte Austrag lautet«, das Salzlager „ohne Rücksicht auf die Folgen" in Besitz zu nehmen. Die Führerin der indischen Freiheitsbewegung, Frau R a i d u, begleitete dm Zug. Die Freiwilligen wurden nahe dem Salzdepot von Hunderten Polizisten mit Knüppeln aufgehalten. In dem folgenden Ringen teilten sich die Angreifer in zwei Züge, die ge- trennt vorgingen. Einem der Züge gelang es, den Drahtzaun zu erreichen und die mitgebrachten Lassos nach den Holz- blöckm zu wersm, um eine Bresche in den Zaun zu schlagen. Der Polizei gelang es schließlich nach erbitterten Kämpfen, den Zug zurückzuschlagen. Zwei Stunden lang" dauert« das Ringen zwischen der Polizei und dm Freiwilligm, obwohl 100 Personen verletzt und 200 verhaftel tPurtKN. Die Polizei begnügte sich jedoch nicht mit diesen Massen- Verhaftungen, sondern nahm auch Frau Raidu selbst sowie Gandhis Sohn Manila!, das einzige Mitglied der Famili« Gandhi, dos stch noch auf freiem Fuße befand, in Gewahrsam. Gandhis Sohn hatte im Verlauf der Kämpfe eine Verletzung er- litten. Die Führung der indischen Widerstandsbewegung ist nun- mehr an den greisen P a t« l übergegangen. Nach den letzten eingetroffenen Meldungm ist der große An- griff auf das Salzdepot Dharsana jedoch noch keineswegs zu Ende- B o n allen Seiten eilen neue Scharen Freiwilliger herbei. Di« Eisenbahnbehörden versuchen den Zuzug dadurch zu erschweren, daß sie die E i s e n b a h nz ü g« an der Dharsana am nächsten gelegenen Statton ohne Halten oorüberleiten Um 6 Uhr nachmttags oersuchten 2000 Freiwillige einen neuen Angriff gegen die Salzniederlage. Sie zeigten ein« derartige E r b i t t e r u ng, daß die Polizei mit Knüppeln vorgehen mußte und dabei fast 300 Per- sonen verletzte. Verhaftungen im indischen Hauptquartier. Bombay, 21. Mai.(Eigenbericht. Das Hauptquartier des indischen National- kongresses wurde am Mittwoch von der Polizei umzingest und besetzt. An dieser Aktion waren nicht weniger als 40 Polizei- offizier«, 120 bowoffneie Polizeibeamte und 300 Schutzleute beteiligt. Sämtliche Angestellten des.Hationalkongresses einschließlich des kongrcßpräfideaten Rorimaa, wurden in Gewahrsam genommen. Den unmittelbaren Grund zu diesem Vorgehen bildete das Weitererscheinen des offiziellen Kongreßbullelins trotz des vor einigen Tagen erfolgten Bsrbotes auf zwei Monate. Reden oder entscheiden? Oer Kall Krick und das Reichsinnenministerium. Von Carl Severing, Ein« der unerfreulichsten Folgen des häufigen Kabinett» Wechsels im Reiche ist der Leerlauf in der Führung der Amts- gefchäfte, der durch die Notwendigkeit der Einfühlung des neuen Ministers in seine Funktionen entsteht. Dabei spielen die rein technischen Fragen keine besondere Rolle: die sind bei der Bürokratie, dem ruhenden Pol in der ministeriellen Er» scheinungen Flucht, mindestens in vielen Fällen gut aufge- hoben. Aber die Angelegenheiten politischen Charak- t e r s, deren Behandlung und Entscheidung zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten führen könnten, bleiben lange in der Schwebe, selbst dann, wenn sie formell sofort entschieden werden. Ein Schulbeispiel für diese Auffassung ist die Eni- scheidung des Reichsinnenministers Dr. Wirth, der unmittel- bar nach dem Besuch des thüringischen Staatsminifters Baum in Berlin die von mir verfügte Sperre der Polizei- Zuschüsse an das Land Thüringen aufhob. Das war nicht nur eine Untlugheit, sondern auch ein Fehler. Wirths Maßnahme ist in der Presse auch als gewollte Brüs- kierung und als eine bewußte Verleugnung meiner Maß- nähme bezeichnet worden. Daran vermag ich nicht zu glauben. Wirch hat— nach seinen eigenen Erklärungen— auf eigene Urteils bildung Wert gelegt. Das ist die Tugend jedes jelbständign Mannes, deren Uebung wir nicht bekritteln, sondern anerkennen sollten. Aber das Urteil, das Dr. Wirth sich bildete, war falsch, war ein Fehlurteil. Er begründet es mit unzureichendem Material, ich erkläre es mit dem Mangel an Erfahrung im Kampf des republikanischen Staates mit den Elementen, gegen die die Sperre sich richtete. Hätte in den letzten zwei Iahren statt meiner Dr. Wirth die Geschäfte des Reichsinnenministeriums geführt, dann hätte ihn die tägliche Praxis mit ihrem reichen Material vor dem gefällten Fehlurteil bewahrt und damst auch denSchwebe- zustand verhindert, der nun schon sechs Wochen lang andauert und— nach der bisherigen Entwicklung der Dinge zu schätzen— doch schließlich zu einer Revision des Urteils führen wird. Ich brauche kaum zu betonen, daß diese Bemerkungen keineswegs der Neigung einer Opposition um jeden Preis entspringen. Es wäre mir viel lieber, ich könnte meinem Amtsnachfolger in der Sache recht geben. Die letzten vier Wochen thüringischer Innen- und Kulturpolitik zeigen aber auch dem primi/fvsten Staatsbürger, daß ich mich dazu nicht wohl verstehen kann. Ebensowenig richten sich meine kriti- schon Betrachtungen gegen die Zentrumspartei. Die„Ger- mania", das führende Berliner Zentrumsblatt, hat meine Maßnahme nach ihrer grundsätzlichen Seite hin wiederholt in entschiedener Werse unterstützt und den grundsätzlichen Kern des Kampfes in einem Leitaufsatz„Das System Frick"(Nr. 135 vom Freitag, 21. März) mit folgenden Sätzen umschrieben:� .Wer soviel Obsektivität aufbringt, über das Parteipolitische hinaus, unbeschadet aller Meinungsverschiedenheiten in Einzetfragen, die Notwendigkeit einer verfassungsmäßig geschützten Staatspersön- lichkeit anzuerkennen und den müßigen Streit um die Staatsumwäl- zung von 1918— 1919 zu begraben, der wird ohne weiteres gegenüber den parteipolitischen Bestrebungen, die offen oder geheim auf einen Sturz der Derfassungsgrundlage hinauswollen, eine einwandfreie und klar« Einstellung verlangen. Mit dieser Staatsauffassung ist es grundsätzlich unvereinbar, das Innenministerium eines Landes und mit ihm eines der wesentlichsten Ordnungs- und Machtmittel, die Polizei, einem Minister zu unterstellen, der seiner innersten Ueberzeugung nach diesen Staat ablehnt.... Es gibt auch einen vorbeugenden Verfassung?- schütz, und im vorliegenden Falle scheint er auch uns sehr wohl am Platze." Diese Darlegungen zeigen jedenfalls, daß auch führende Kreise des Zentrums mit meinen Maßnahmen einverstanden waren, und da ich von einer Schwenkung in diesen Kreisen bisher nichts erfahren habe, darf ich annehmen, daß dieses Einverständnis auch heute noch besteht. Es ist darum kein parteipolitisches Motiv, sondern einzig und allein die Sache, dieSorgeumdieverfassungsmäßigge schützte Staatspersönlichkeit, um die demokratische Repu- blik, die mir zu den vorliegenden Bemerkungen Veranlassung gibt. Es gibt wohl keine zweite Partei in Deutschland, die auf die politische und geistige Bildung und Erziehung ihrer Mit- glieder und Anhänger so wenig Wert legt, wie die national- sozialistische. In ihr spielt Sensation und Suggestion die Hauptrolle. Bon den militärischen Aufzügen ihrer Sturm- abteilungen bis zu den unwürdigsten Versammlungstricks führt eine Linie: die wildgewordenen Spießer aus allen Lagern und Parteien in Bewegung zu bringen. Nicht die Feder, sondern die Phrase, nicht ein Argument, sondern die Prahljucht und das Kraftmeiertum beherrschen die national- sozialistischen Nachläufer Das ist die Psychologie dieser söge- nannten Bewegung. Auf sie wirkt nur Ent» schlojjenheit und fester Wille. Eine Regierung, die bei ihren Maßnahmen zur Abwehr staatsfeindlicher De» strebungen diese Erfordernisse vermissen läßt, leistet— wenn auch ungewollt— den Goebbels- und Frick-Leuten Zutreiber- dienste. Jede Konzession, jedes Entgegenkommen in den Fragen des Staatsschutzes wird als«in neuer Erfolg der Nationalsozialisten den Massen vorgegaukelt— und als neuer Beweis der Schwäche der Republik, deren Zerfall in Kürz« bevorstehe. Es ist tief zu bedaueni, daß diesen Ueberlegungen in der Wirthschen Entscheidung auf Aufhebung der Sperre«ine so geringe Bedeutung beigemessen worden ist. daß dagegen for- melle Gesichtspunkte eine um so größere Rolle gespielt haben. Ein formelles Bedenken richtete sich gegen das angeblich dürftige„Material". Dagegen ist formell zu sagen, daß der Reichsinnenminister in diesem Falle kein Richter war, der Recht sprechen sollte auf Grund eines im a b g e s ch l o s s e- ne n Verfahren zusammengetragenen Materials. Der Reichsinnenminister ist der politische Minister, dem der Schutz der Verfassung besonders anvertraut ist, und das Verfahren war nicht abgeschlossen, fondern sollte erst beginnen. Die Sperre der Polizeigelder war der Anfang des Verfahrens, nicht das End e. Wollte man sich an die Form klammern, dann war nur zu prüfen, ob das Fricksche Regierungsprogramm„hinreichend verdächtig" erschien, die thüringische Polizei in einen Gegensatz zu den Grundsätzen zu bringen, deren strikte Lnnehaltung als Vor- aussetzung zur Gewährung der Reichszufchüsse für die Landes- Polizeien in den Vereinbarungen zwischen Reich und Ländern bezeichnet worden war. Im Punkt 7 dieser Grundsätze heißt es, daß die Reichsregierung in besonderen Fällen, in denen außergewöhnliche Vorwürfe gegen die Schutzpolizei eines Landes erhoben werden, Auskunft verlangen uni» daß den anzustellenden Untersuchungen ein Beauftragter des Reichs beiwohnen kann. Wer als Hüter der Reichsverfassung dazu bestellt ist, in allen Verfassungsfragen die Zuständigkeit des Reiches auszuschöpfen, der darf auf kein Mittel ver- zichten, dessen Anwendung im Endeffekt nur der allerbeste Verfassungsschutz sein kann. Oder waren die Frirfschen Methoden nicht etwa ,chin- reichend verdächtig", waren keine außergewöhnlichen Vor- würfe gegen die thüringische Polizei erhoben, war das Gebot eines vorbeugenden Verfassungsschutzes wirklich nicht am Platze? Ich sehe davon ab, die Stimmen anzuführen, die von bestimmten Plänen der Nationalsozialisten mit der thüringischen Polizei zu berichten wußten. Die National- fozialisten selbst haben die Beteiligung an der thüringischen Regierung damit begründet, daß sie sich in Weimar einen Stützpunkt schaffen wollten, der einmal das System von Weimar vernichten solle. So las man's in der nationalsozialistischen Presse, so prahlten die nationalsozialistischen Versammlungsredner. Und war d i e politische Vergangenheit Fricks selbst nicht schon „hinreichender Verdacht" genug? Nun ist es auch wieder Herr Frick, der durch fein« Maß» nahmen meinen Anordnungen in Sachen Thüringen auch noch ein« nachträgliche Rechtfertigung verschafft. Darüber könnte ich persönlich«ine gewisse Genugtuung empfinden, wenn mit ihn«» nicht auch die Sache, die republikanische Sache, leid«n würde. Herr Wirth wird durch den Schaden der letzten Wochen Thüringen klug werden. Aber muß es«rst immer der« i g e n« Schaden fein, der unser« Politiker klug macht?' Hat die Republik in der Bergangenhest nicht Schaden genug erlitten, um alle berufenen Stellen zu mahnen, Schaden für die Zukunft beizeiten abzuwehren? Reden oder Entscheidungen,— Befchmörnng oder Abwehr—, das ist hier die Frage! Eine Frage aber, deren Be- antwortung nicht nur Thüringen angeht! Elne neue Provokation. Der„Völkische Beobachter" stellt triumphierend fest, daß Herr Frick seine Polizeipläne durchgesetzt hat. Unter der Ueberschrist„Wirth endgültig ab- geblitzt" schreibt er: „Wir unsererseits können ebenso wie das deuifch« Weimar zufrieden fein. Joseph Wirth hat durch feine Hetze«rr«icht. daß nicht»in. sondern zwei Rationalsozialisten die Weimar«? Polizei l«it«n«erden. Man darf gespannt sein, ob die schwarzen Marxisten der Reichsregierung das deutsch« Thüringen noch weiter provozieren werden." An Dreistigkeit sind die Hakenkreuzprovokationen gegen die Reichsregierung gewiß nicht zu übertreffen! Ein Etappenheld mehr! peialiche Fragen an NnSppel-Nsnze. Die Nationalsozialisten hoben kostbaren Zuwachs erhallen. Herr Richard Kunze, genannt Knüppel-Kunze, ist zu ihnen gestoßen. Nachdem er als selbständiger Parteigründer der stärkeren Konkurrenz erlegen ist. Ehren- oder schandenhalber hat Hitler ihm die Mitgliedsnummer 2S<1lK>0(welch schöner Bluff l) verliehen. Bei dieser Gelegenheit richtet der �Jungdeutfche" an Herrn Kunze die indiskrete Frage: Was den neugebackenen Nationalsozialisten Richard Kunz« angeht, so möchten wir ihn einmal fragen, was er in den Tagen nach dem Kapp-Putfch gemacht hat, als er zwar von niemand gesucht wurde, aber auf eigentümliche Weis« von der Bildfläche verschwunden war. Die Antwort fallt nicht schwer. Herr Kunze hatte in den Kapp-Tagen nicht mehr nötig, seine» Heldenmut zu beweisen, weil er das im Weltkriege bereits ausgiebig getan hatte. In den Jahren bis 1918 gehörte Kunz« nämlich zu jenen Männern von un- crhörter e i m a t l i«b e", die kein« Macht der Welt aus der Heimat an die Front bringen konnte. Wie der fünfunddreißigsährige Frick seinem König die ganzen Kriegsjahre hindurch in P i r m a- j« n s(Pfalz) diente, so hielt der etwa gleichaltrige Knüppel-Kunze ebensolange seine verschanzte Stellung in der altmärkischen Stadt G a r d e l« g« n mit größter Zähigkeit gegen alle Angriff«. Der Seeoffizier Graf R e v« n t l o w torpedierte derweil von der Re° daktionöstub« der„Deutschen Tageszeitung" aus Minister. Herr Goebbels konnte des bißchen Kriegs halber fein Studium nicht unterbrechen, und Helden-Kube kämpfte Ende 1917 einige Monat« als Softet— in einer Kafernenstub«! Knüppel-Kunze, der Etappsnheld von Gardelegen, paßt durchaus in dies« Gesellschaft phrafengeschwollener Heimkrieger. Der Auswärtige Ausschuß de» Reichstag«» ist für Freitag, den 23. Mal, zu einer Sitzung einberufen worden. Auf der Tagesord- nüng steht als erster Punkt eine Aussprache über die Genfer Rats. tagung, ferner über den Notenwechsel zum deutsch-portugiesischen Handelsabkommen und über die Regelung der Fischereiverhältnisi« •. in der Ostsee mit den angrenzende« Staaten. Zwischenfall im Oer Oeutschnationale Spahn In der Abends itzung des Haushaltsausschuff«? kam es bei der fortgesetzten Beratung de« Reichsiunsnministeriums zu einem Zwischenfall zwischen dem deutschnationolen Abge- ordneten Spahn und der Sozialdemokratie. Spahn sprach von einem„Treiben" in den Lagern der sozio» listischen Kindersrcunde und daß infolge dieses Treibens die Kinderfreunde nicht mehr an den Bodensee kommen könnten. Sozialdemokratische Abgeordnete nannten in großer Erregung den Abg. Spahn«inen Verleumder. Der demschnationale Abg. B« r n d t verlangte, daß dies« Zurufe gerügt würden. Abg. S o l l m a n n(Svz.) gab zu, daß die Zurufe unparlomen- tarisch gewesen seien, das Verhalten Spahns fei aber parlamentarisch nicht zu kennzeichnen. Er verlangte, daß der Abg. Spahn sofort seine schweren beleidigenden Behauptungen be- weise. Außer der Reih« erhielt S p a h n das Wort, kount« aber«cht« cmderes vorbringen als«inige längst bekannte Zitate aus Zeitungen, ferner die Anfrage des Zentrum» im Preußischen Landtag und schließlich G e r ü ch t e. die er in Andernach gehört haben will. Unter gespannter Aufmerksamkeit des Hauses gab Abgeordneter Löwenstein(Eoz.) Herrn Spahn die gebührende Antwort. Er machte u. a. darauf aufmerksam, daß im Kinderlager zu Namedy ein katholisches Heiligtum gestanden habe. Nicht ein elnziges Kind habe sich dagegen vergangen. Es fei Grundsatz der.Roten Fol» den", die Ueberzeugung jedes Menschen zu achten, auch diejenige chres Gegners. Löwenstein habe ausdrücklich die Kinder daraus aufmerksam gemacht, daß die kleinen Altäre im Rheinlands der Be- völkerung hellig wären. Die auch von Spahn zitierten Lieder seien innerhalb der sozialistischen Bewegung nickst bekannt. Löwenstein verlos eine große Anzahl ernsthafter anerkennender Kritiken auch aus katholischen Kreisen. Er schloß mit der Bemerkung:„Wer wie Herr Spahn mit religiöser Ueberzeugung mit der Ehrlichkeit des Historikers und der Wahrheit des Politikers ein solches Maß von Gewistensfreiheit in Anspruch nimmt, der Ist wahrhaftig nicht zu beneiden." Oer Fall Frick. Als Perteidigcr des Staatsministers Dr Frick trat der deutsch» nationale Abg. Dr. Verndt, aber auch der volks konservative Abg. Llndeiaer-Wildau auf. Abg. Dr. Rosenfeld(Soz.) erklärte, die Briefe Dr. Wirths nach Thüringen genügten nicht, wenn selbst der Reichsmehrministsr Groener heute erst wieder im Reichstag erklärt habe, er werde mit Löbe rechnet ab. Eine Rede über die Gegner der Sozialdemokratie. Noch einem eindrucksvollen Aufmarsch des Reichsbanners Schwarzrotgold sprach im größten Saal von Friedrichghagen oin Mittwoch in einer überfüllten, von der Soztaldemotro- tischen Partei veranstalteten öffentlichen Versammlung Reuhs- tagsprästdent Genysse L ö b» über das Thema:„Die Sozial- demokrati« und ihre Gegn e.r". nachdem im gleichen Saal ein« Woche vorher di« Nationalfozialfften die Vernichtung der So- zialdemokrati« gefordert hatten. � Löhe wies auf die organisierte Macht der Soziolhemokrotl« hin, die 9000 Stadtverordnete, 37000 Geineindevertreter, 947 Bürger. Meister, 1104 Gemeindevorsteher stellt. Trotz Wirtschaftskrise und Arbeitslofigkeit hat die größte Partei immer noch Kraft gewannen. Di« Kommunisten haben seit 1923 ständig verloren; di« Nationalsozialisten gewinnen ihre Stimmen hauptsächlich aus dem deutsch- nationalen, wirtschaftsparteilichen und— dem k o m m u n i st i f ch e n Lager. Beide Parteien sind in günstigerer Lage der Agitation als wir, sie tragen nicht die Verantwortung d,r nahen Möglichkeit der Machtergreifung. Wir Sozialdemokraten aber suchen schritt- weis» für die heute notleidenden Schichten Verbesserungen, weil wir das ganze Ziel durchzusetzen noch nicht stark genug sind. Rur in dieser Situation und zu dies«n Zwecken, wo wir noch nicht die ganz« Macht haben und di« Bürgerlichen nickst mehr di« Macht besitzen. ihren Mllen ollein durchzusetzen, müssen Koalitionen abge- schlössen werden, um Teilstele zu erreichen, soweit die Bundes- genossen mitgehen. Die Wähler verlangen von uns Verbesserungen an Stelle von ergebnisloser Opposition, ver Vorwurf, wir hätten uu» mit dem Austritt au» der Regierung«vr Verantwortung drücke« wolle«, wird eulkräflet durch die Taffache, daß wir stet» in breuz- lichflen Situationen in die Regierung gehen mußten, weil wir allein de« Rlvl hotten, die Karre au» dem Dreck zu ziehe«. Wir versuchten mit allen Mitteln, über di« Krise 1929/30 mit der geringstmöglichen Belastung der Arbeiter hinwegzutonimen. Wir fprderten zugleich ein Notopfer der Besitzenden und di« unbedingte Erhaltung der Arbeitslosenversicherung. An der Ab- lehmmg dieser Forderung zerbrach die Regierung. Für spätere Koa- litionen werden wir unser« Bedingungen vorher formulieren, von denen wir nicht abgehen werden. Zum Schluß charakterisierte der Redner di«„starken Männer", die Völkische und Nationaffasta- listen alz Deutschlands Retter und Diktator-n empfehlen. Sie wirken olle lächerlich gegenüber der Macht�bez freien Voltes. Deuffchland ist reif für Selbftregiermig und braucht keinen Vonnund! Di« mehrfach zum Sprechen m der Diskussion aufgeforderten Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Oauerreden im Landiag. Dritte Lesung des Etats auf heute verschoben. Di« große Premiere ist oerschoben worden. Der P r e u- ßische Landtag beabsichtigte«un Mittwoch in die dritte Lesung des Haushalts«inzutreten �rnd sie bis Freitag zu beenden. Aber in reichlich fünfftündigcr Sitzung ist er zum Beginn der dritten Etatberatung nicht gelangt. Demi vor ihr standen vier kleinere Vorlagen auf der Tagesordnung, Vorlogen von der Art, die gewöhnlich ohne Debatte in insgasamt einer Viertelstunde erledigt werden: Crweitcrung des Stadtkreises Bielefeld, Erweiterung des Stadtkreises Trier, 26 Millionen Siodlmigskredite und 11 Millionen Meliorationsgelder. Man hatte auch keine Redezeit festgesetzt, weil niemand annahm, daß bei bissen Gegenständen, über die man so ungefähr einstimmig entschisd, großes Gersds entstehen würde. Aber tatsächlich veranstalteten Deutschnational«, Ehristsichnationale Bauern und ähnliche Gruppen ein Douerwettreden, und namentlich Dr. Ponsick stellte neue Rekord« der Geschwätzigkeit auf. So war man froh, daß man wenigstens die vier Punkt« er- lsdigen konnte und mußte den Beginn der dritten Etat- beratung auf Donnerstag verschieben. Man wird gleichwohl versuchen, bis Freitag fertig zu werden. Hauptausschuß. »erleumdet die Kinderfreunde. rücksichtsloser Energie gegen das Eindringen der Nationalsozialisten m die Reichswehr vorgehen. Dr. Frick habe schon 192 3 seinen Acamteneid gebrochen. Rosenfeld verlangt, daß Wirth aus seinen eigenen Worten die Konsequenzen ziehe. Abg.(frölich-Thüringen(Soz.) erinnerte daran, daß im Jahr« 1923 Reichskanzler Stresemann di« Entfernung der Kommunisten au» der thüringischen Regierung gefordert habe, obwohl damals keiner der kommunistischen Minister wegen 5iochverrats vorbestraft gewesen sei. Irlck Hab« erwiesenermaßen als Reomkcr hochverrSkerische Oc- ganffalionen gestützt. Hobe falsche Pässe für Fememörder ans- stellen lassen, habe im Reichstag die Toten der Republik geschähet. Hobe>m Reichstag bchouptel. Stresemann sei vom Aus- land bezahlt. Einen solchen Minister lasse sich die Thüringer Arbeiterklasse nicht gefallen. Reichsinnenminister Dr. Mrlh äußert- sich über die thüringisch« Frag« nicht mehr. Er machte im Lause der Debatte di« Mitteilung, daß Reichskanzler Müller nicht mit dem Stahl- Helm verhandelt habe. Wohl aber seien unt«r der Kanst r- schaft Müller Besprechungen mit dem Reich sprösi- d« n t« n über die etwaige Aufhebung des Stahlhelmverbots gewesen. Die Rechtsloge fei schwierig. Es sei sogar zweifelhaft, ob rechtlich eine Aufhebung des Stahlhelm verbois möglich sei. Zur Frag« eines R e i ch s s chu l g« s e tz e s meinte der Reichsinnenminister ironisch, daß der Reichsfinanzminister große Augen machen würde, wenn er mit einer so kostspieligen gesetzgedc- rifchen Anforderung käme. Noch 9 Uhr abends wurde die Weiterberatung auf Donnerstag früh vertagt. Die Antwort an Wirth. Weimar, 21 Mai.(Eigenbericht.) Die thüringische Regierung hat am Mittwoch— 10 Tage nach dem Empfang dez Schreibens— ihre Antwort ans das inzwischen veröffentlichte Schreiben des Reichsinnen- Ministers vom 12. Mai nach Berlin übermittelt. Der Brief soll in„freundschaftlichem" Tone gelMen sein und u. a. den Hinweis enthalten, daß die Ernennung der neuen Polizeidirektoren von der thüringifchen Regierung e i n st i m m i g, d. h. also mit Zu- stimmung der Volksparteiler im Kabinett erfolgt ist. Nraun und der Stahlhelm. Kein Anlaß zur Aufhebung des Verbots. Amtlich wird mitgeteilt: Immer wieder taucht die Bchaup- tung auf. daß der preußische Mim'sterpräsident Dr. Brauck sich für Aufhebung des Stahlhcknwerbots in Rheinland-Westfalen ausgesprochen hob«. Es fei hierzu ganz eindeutig festgestellt, daß der preußisch« Ministerpräsident fest dem Erlaß dieses Verbotes stets— sei es im internen Dienstoerkehr mst dem Reiche oder mit den zu- ständigen preußischen Stellen, sei es noch vor kurzem, in seinen für die veffentlichkeit bestimmten Ausführungen im Landtag?» cusschuß und-Plenum— sich entschieden zu der Auffassung bekannt hat. daß kein Anlaß vorliege, dos Verbot des StohsheUns aufzuheben. Zur Wahl in Sachsen. Bürgerliche Einheitsfrontversuche. Dresden. 21. Mai.(Eigenbericht.) Der Landesverbockd der Deutschen Volkspartei Sachs«» Hot die Deutschnationale VoUspartei, das Sächsische Landvolk, die Wirtschaftspartei unä» die Demokratische Partei im Laufe dieser Woche zu einer Besprechung über ein gemeinsames Vorgehen bei den Landtagswahlcn «ngoladen. Die Absicht soll sein, sich gegen di« Hakcickrsuzler gemeinsam zu verteidigen, doch soll bereits die Wirtschasts Partei zu erkennen gegeben hoben, daß sie nicht mit von der Parti« sein wolle. Oer Kmdertod von Lübeck. Die Echulbigen sind noch immer im Amt. Im Haushaltsausschuß des Reichstags ging Abg. Dr. ZNose»( scheinigt. daß der Betrieb infolge seiner Verschuldungslag« unter Berücksichtigung der sonstigen Bermögensverhältnisse des Inhabers in feinem Bestand« gefährdet ist, die Verhütung des Niederbnrchs des Betriebes aber sowohl im Interesse des Schuldners als auch seiner Gläubiger liegt. Der Vollstreckungsschutz kann auf Antrag der Londstell« noch um höchstens 2 Monate verlängert Verden. Di« Bewilligung dos Dollftrerkungsschutzes ist unzulässig, wenn ein Konkursverfahren oder ein gerichtliches Vergleichsverfahren über das Vermögen des Schuldners eröffnet fft. DI« fiuoujielle Ausführung de» Ostprograwin» denkt sich di« Reichsregierung so, daß in den Rechnungsjahren 1931 bis 1935 einschließlich sährlich 20 Millionen Mark, insgesamt oksa 100 Millionen Mark aus der Aufbringungssumme für die Zwecke der lcmdwirffchafflichen Umschuldung heranzuziehen sind. Die Heranziehung von weiteren mindestens 150 Millionen Mark aus der Aufbringungsumlag« soll durch ein besonderes Gesetz ge- regelt werden. Die Mittel bilden«in besonderes Zweck- vermögen. Di« Reichsregierung kann zur Beschaffung von Um schuldung«- darkehen die Ausgabe von Ilchobcrpapieren mit Prämien für Zweck« der Siedlung und für Zwecke der Umschuldung zulasien: sie bestimmt auch, auf welchen örtlichen Bezirk die Hikfsmaßnahmen Anwendung finden. Di« Regierung kann hierbei einzgln« der vorgesehenen Maßnahmen mit Rücksicht auf die allgemeine oft- deutsche Wirtschaftsnot örtlich erweitern. Werter wird der Regierung die Ermächtigung erteilt, die notwendigen Vorschriften zur Ueberleitung des Gesetzes über die wirt- schaftlich« Hilf« für Ostpreußen vom Jahr« 1929 zu treffen. Die Reichsregierung erläßt die zur Durchführung dieses Gesetzes erforderlichen Bestimmungen im Benehmen mit der preußi» schen Staatsregiernug. ver Entwurf eines Gesetzes über die Deutsche Ablöfungsbank sieht vor, daß zinn Zwecke der Gewährung landwirischoftlicher Um- schukdungsdorkehen und der Beschaffung der hierftrr erforderlichen Mittel unter dem Namen Deutsche Ablösungsbank in Berlin eine besondere Körperschaft errichtet wird. Dos Stammkopital der Bank besteht aus einer Stonimeinlag« des Deutschen Reiches, der Renkend an k- Kreditanstalt, der Preußischen Zen- tralgenossenschaftstasse und der Bant für deutsche Industrieobligationen. Die Deutsche Ablösungsbant kann mit Zustmnnung der Reichs- regierung im Einverständnis mit der preußischen Stoatsregierung Ablösungsscheine misgeben. Das Reich geumhrlsistet ge- meinsam mit dem Lande Preußen die Erfüllung der Verbindlich- tsften, hie der Deutschen Ablösungsbank aus der Ausgab« dieser Ablösungsscheine erwachsen, einstweilen bis zum Betrage von 100 Millionen Mark, später bis zu einem höheren Beirag«. Die Ab- lösungsschein« dürfen nur an die bisherigen Gläubiger der um zuschuldenden Landwirte zum Zwecke der Ab- lösung ihrer Forderungen im Ablösungsoerfahren gegeben werden. Die Deutsche Ablösungsbonk ist von allen Steuern von Einkommen, Berniögen, Grundbesitz und Gewerbebetrieb in dem gleichen Um- fange, wie das bei den lairdwirischaftkichen Kreditanstalten der Fall ist, befreit. Freitag Großkampftag im Sejm. Mißtrauensontrag der PPS. lvarschau, 21. Mai.(Eigenbericht.) Der polnische Sejm ist von dem Sejmmarschall D a s z i n« s t y zum 23. Mai einberufen worden. Die Opposition dürste bereits in der ersten Sitzung mit einem Mißtrauensantrag gegen die Regierung ousworien. Gemeinden und Arbeiiskrise. Steigende Belastung durch Abwälzung. �>le letzten Haushaltsberatungen aller deutschen Gemeinden wurden ungeheuer schwierig durch die Frag«, ob der mühsam balanciert» Plan nicht wieder durch neue Einbrüche und Er- schülterungen umgeworfen werden würde. Die größte Gefahr drohte, wie im vergangenen Jahr, vom Wohlfahrtsetat. Vorsorglich wurden daher schon dieselben hohen Ausgaben angesetzt, die das schwere Krisenjahr 1929/30 erforderlich gemacht hatte. Trotzdem sind schon jetzt alle Befürchtungen durch die Wirklichkeit übertroffen worden. Ein von Woche zu Woche st eigen der Zustrom von ausgesteuerten Erwerbslosen hat schon zu Beginn des neuen Rechnungsjahres die Gemeinden in eins katastrophale D e f i z i tw i r t s ch a f t gedrängt. Im Verlaufe kürzester Zeit ist die Velastung des Wohlfahrtsetats durch die Erwerbslosen zum Zentralproblem der ganzen Gemeindefinanzwirtschaft geworden. . Die Sanierung der Reichsonstalt ist nur ein Teilproblem der gesamten Erwerbslosenfllrsorge, denn wichtige Risiken werden von der Arbeitslosenversicherung auf andere Stellen abgewälzt. Di« Gemeinden haben seinerzeit bei der Einrichtung der Versicherung genügend auf die daraus entstehenden Gefahren hingewiesen. Im Reich dagegen glaubte man an die fast völlige Befreiung der Ge- meinden von den Erwerbslosenlasten. Di« Kommunen hoben recht behalten. Nur noch das Reichsfinonzressort, das seine Sorgen nicht noch weiter steigern will, oer schließt sich dieser Erkenntnis.' Reben der Arbeitslosenversicherung und der Krffensürsorg« hat innerhalb der gemeindlichen Wohlfahrtspflege eine völlig neu« Organisation zur Unterstützung von Erwerbslosen geschaffen werden müssen, so daß mitllerweile statt einer Einheit der Arbeitslosen- fürsorg« eine D r e i t e i l u n g mit oll ihren Mängeln eingetreten ist. Die größte Schwierigkeit liegt in der gegenwärtigen stoß- weisen Vermehrung der Wohlfahrtserwerbslosen. Die nach- stehenden Zahlen über die laufend unterstützten Wohlfahrtserwerbs- losen(einschließlich Fürsorgearbeiter) in den Städten über 25 000 Einwohner zeigen deutlich die sprunghaste und trisenmäßige Em- Wicklung. St i t n n» Dohlfahrt-erwerbelos« in den 1 1 � 1 a 0 e Stiidteu über 25 000 Einwohner 31 Dezember 1929....... 246 508 31 Januar 1930........ 271 238 28. Februar 1930........ 294 762 31 Mörz 1030........ 314 353 30 April 1930......... 328 000 Während die Arbeitslosenversicherung wenigstens an den saison- mäßigen und konjunkturellen Erleichterungen teilnimmt, steigt die Kurve der Wohlfahrtserwerbslosen unablässig. Angesichts dieser Totsache kommt man zu dem Schluß, daß die Arbeitelosen- Versicherung im wesentlichen nur noch die kurzwellige konjunkturelle und saisonmäßige Arbeitslosigkeit trägt, während den Gemeinden die gesamt« strukturell« Erwerbslosigkeit, die sich aus internationalen Wirtschaftsverschiobungen ergibt, zur Last fällt. In den letzten Wochen erreicht der gesamt« gemeindlich« Aufwand für Wohlfahrtserwerbslose einschließlich Fürsorgeorbeiter nach den laufenden statistischen Feststellungen schätzungsweise«in« Höhe von rund 270 Millionen Mark. Das ist«ine Delaftung, wie sie bei keiner früheren Regelung der Erwerbslosen- fürsorg« jemals von den Gemeinden getragen werden mußte. Es erwächst für den Gesetzgeber die zwingende Verpflichtung, dieser Entwicklung durch«ine anderweitig« Lastenregelung in aus- reichendem Maße Rechnung zu tragen. Ein interkommunaler Lasten- ausgleich kann kein« Abhilfe schaffen, da hierfür jode finongielle und organisatorische Möglichkeit fehlt. Wenn man die Gemeinden nicht erneut zwingon will, den schon übersteigerten Realsteuevdruck noch weiter anzuspannen, so bleibt nur der Ausweg, durch einen Aus- bau der K r ifen f Ü r s o rg« Wandel zu schaffen und die De- meindefinanzen von der katastrophalen Erschütterung zu befreien. LGB. nach Berlin? Antrag von England und Schweden. Amsterdam. 21. Mai.(Eigenbericht.) Der vorstand des Znkernolio aalen Gewerk- schaslsbundes befaßte sich am Dienstag und Mittwoch in Amsterdam mit der Vorbereitung des Stockholmer Internationalen Gewerkschaftskongresses. Da der Präsident des 3GB.. Eitrine. wegen Krankheit oer- hindert ist, wird 3 o u h a n x den Stockholmer Kongreß leiten. Die Konferenz der Berus-sekreloriate wird von Mertens- Belgien, der Ausschuß von L e i p a r t präsidiert werden. Als Präsident des 3GB. wird von den Engländern wiederum Eitrine vorgeschlagen werden, von der englischen und der schwedischen Landes- zentrale wurde die Verlegung des Sitzes der Gewerkschaftsinter- nationale nach Berlin beanlragi, während die belgische Landeszeutrale beantragte, den Sitz in Amsterdam zu belasten. Der Vorstand nahm von einer Stellungnahme Abstand und über- ließ die Entscheidung dem Stockholmer Kongreß. '•* Wenn sowohl England wie Schweden den Antrag auf Ver- legung des Sitzes des JGV. nach Berlin stellen, so kann mit der Annohm« des Antrags gerechnet werden. In Wirklichkeit handelt es sich dabei nur um eine Rückverlegung. Seit Gründung des Internationalen Sekretariats der gewerkschaftlichen Landeszentralen' im Jahr« 1901, das 1913 zum Internationalen Gewerkschaftsbund erweiterl wurde, war der Sitz in Verlin. Die Verlegung nach Amsterdam war eine durch den Krieg ver- anlaßt« Notmaßnahme. Sie hat heut« kein« sachliche Berechtigung mehr. Inzwischen sind auch viele internationale Berufssekretariate wieder noch Deutschland zurückverlegt worden. Der Sitz des JGV. ist ein« reine Zweckmähigkeitsfrage. Deshalb ist die Sitzverlegung jetzt, wo die Kriegspsychose endgültig überwunden ist, zur Notwendigkeit geworden. Reichsarbeitsgericht für die Gelben. pommerfche Landbundarbeiter tarisfähig. Leipzig. 21. Mai. Der seit Jahren geführte Kampf über die Tariffähigkeit der Arbeitnehmergruppe des Pommerfche» Landbundes ist jetzt vom Reichsarbeitsgericht durch Urteil beendet worden. Zur Begründung der vom Landesarbeitsgericht Frankfurt a. d. O. festgestellten Tariffähigkeit dieser wirtschaftsfriedlichen Arbeitnehmer» gruppe wurde vom Reichsarbeitsgericht ausgeführt: Das Landes- arbeltsgericht Frankfurt a. d. O. Hot in äußerst ausführlicher Beweis- «rhebung alle Fragen geprüft und ist auf Grund dieser umfassenden richterlichen Untersuchung zu dem Ergebnis gekommen, daß eine«r- h e b l i ch« Abhängigkeit der Arbeitnehmergruppe von der Arbeit« geberseit« in irgendwelcher Hinsicht nicht vorliegt. Die sich hieraus ergebende Bejahung der Parteifähigkeit und der Toriffähigkeit der Arbeitnehmergruppe des Pommerschen Landbundes ist daher in keiner Weise zu beanstanden. « Diese Entscheidung schlägt dem Rechtsempfinden und den Tat- fachen ins Gesicht. Der Pommerfche Landbund ist eine Unternehmer- organisation. Sein«„Arbeitnehmergruppe* ist von den Agrariern auf- gezogen worden, um sich von den Tarifverträgen zu drücken und um, wie in der„guten alten Zeit*, die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu diktieren. Darin nicht ein«„erhebliche* Abhängigkeit der Arbeit- nehmergruppe zu erblicken, dazu muß man die Dinge durch«ine ver- staubte Iuristenbrille betrachten. Gescheiterte Schlichtung für öle Mansfeld A.G. Sanierung durch Lohnsenkung. Halle, 21. Mai.(Eigenbericht.) Die am Montag vor dem Schlichtungsausschuß Hall« ab- gebrochenen Verhandlungen zwischen der M o ns fe ld A.- G. und den am Tarifvertrag beteiligten Organisationen über den von der Mansseld A.-G. geforderten Lohnabbau wurden am Mittwoch zu Ende geführt. Da die Monsfeld A.-G. auf ihrer Forderung beharrte und die Orgonisationsvertreter der Mansfelder Bergarbeiter in einen Abbau der Löhne nicht einwilligten, wurden die Verhandlungen vom Schlichter ergebnislos geschlossen, da auch der Schlichter einen 15prozentig«n Lohnobbau(!) ablehnte. Im Anschluß daran machte der Schlichter von sich aus den Dorschlag. die Schichtlöhn«, soweit sie über 6,50 M. hinausgehen, um zehn Prozent, die unter diesem Betrag liegenden um acht Prozent zu kürzen. Auch dieser Vorschlag fand keine Zu- stimmung. Damit sind die Verhandlungen gescheitert. » Der Dorschlag des Schlichters ist wohl das stärkst«, was sich jemals eine offizielle Schlichtungsbehörde geleistet hat. Di« Löhne der Mansfelder Berg- und Hüttenarbeiter sind jetzt schon so er- b ä r m l i ch, daß sie einfach nicht mehr weiter gesenkt werden können. Noch keine Einigung in der Schwerindustrie. Bochum, 21. Mai.(Eigenbericht.) In Dortmund fanden heute die Verhandlungen über den Rahmentorif für die Gruppe Nordwest der Deutschen Eisen- industrie vor dem Schlichter Professor Drahn statt. Sie blieben ohne Ergebnis und werden am Montag in Bad Oeynhausen fortgesetzt. Kommunisten unien durch. halle, 21. März.(Eigenbericht.) Im Veziok Halle ist die Aufstellung der Kandidaten für die Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiterverbandes jetzt durchgeführt. Der Kommunistischen Partei ist es nur in einem einzigen Bezirk, von insgesamt 48 Bezirken, gelungen, einen Kandi- baten durchzudringen; aber auch dieser hat kein« Aussicht, in der Urwohl gewählt zu werden. Es ist sicherlich ein Zeichen der Zeit, daß der Bezirk Halle, einstmals die Hochburg der Kommunisten, auch nicht«inen einzigen Kommunisten zum Derbandstag der Metallarbeiter delegiert._ Entlassungen in der Textilindustrie. Die Firma Pale Town in Belbert, die erst kürzlich 400 Ar- beiter entlasten hat, steht im Begriff, weitere 260 Arbeiter zu entlassen. Di« Firma Glittenberg hat 135 Arbeitern ge- kündigt, das ist die halb« Belegschaft. Eine andere Firma in Vel- bert will 50 Arbeiter entlassen. Kampfstimmungin derfranzösischenpost Paris, 21. Mai.(Eigenbericht.) Der Kongreß der Postbeamtengewerkschaft. die dem sozialistischen Gewerkschastsring der EGT. angeschlossen ist, hat am Mittwoch mit seinen öffentlichen Beratungen begonnen. Schon kurz nach Beginn der Verhandlungen zeigt« sich ange» stchts der Maßregelungen zahlreicher Beamten durch die Regierung eine außerordentlich scharf« Kampfstimmung. Eine Ver- treten» des weiblichen Postpersonals sprach sich rücksichtslos für die Fortsetzung des Streikes aus. Bergeblich sucht« der Generalsekretär der Beamtengewerkschast, Mathe, die Geister einigermaßen zu beruhigen. Man hielt ihm von mehreren Seiten vor. dag er wohl am besten über das Wohlwollen der Regierung gegenüber den Beamten unterrichtet sein müßte da mich er nach dem letzten Streik ohne weiteres aus dem Dienst entlasten worden sei. Achtung, Maschlveusetzer! Der Brandenburgische Maschinen. setzer-Verein hält am Sonntag, 25. Mai, ein« außerordentliche Vereinsversammlung ab.(Näheres siehe Inserat.) ver Abwehrsirelk der Former in HM« ist mit einem vollen Erfolg beendet worden. Die alten Akkordsätze treten sofort wieder in Kraft. Ausgehobene Sperre. Wie uns der Zentralverbond der Hotel-, Restaurant, und Cafeangestellten mitteilt, sind die Differenzen mit dem Betrieb Restaurant Kleinbahnhof, Inh. Leo Gruszkiewicz, Strausberg, beigelegt. Die Sperre über diesen Betrieb wird hier- mit ausgehoben.__ verband der Maler. Lackierer, Anstreicher usw. Morsen, Ueeit-s, iV.i Uli-, in Berliner Kenerilchastehan». Engelnfer 24,15. Tool 4. Müsliedernrrlnmnlnug.»Die Zuknnlt de» Molersenerb«».- Relrrent Paul Dchwobe lKauotoorstaod Kambnra). Ohne Verband» kmch lein tzutritl! Jedem ftollegsn wirb e»»nr Wicht gemacht, an dieser Bersammlnng triUn- nehmen. De, Vorstand. Städtische Gaswerke ZL-G. Vlle SPD.»Sen»ff«n der technischen Unterabteilung der Berliner Städtischen Eaamrie ireifen sich am Doaneratag. 22. Rai,«ine Stund« vor Beginn der Bersammlnng<15 Uhr) im Lokal Weberstr. 15. DPD.-?rrUion der Lithographen und Steindruck«!, deute, Vl'i Uhr, Ipr Deutschen Kos, Luckau-'r Sir. 15, israttwnsoerlanunlung mit Sign. pathiiierenben. Genosse Sufhäusor, M. d. St., spricht Uber.Die öZfcTi. in der Opposition". Der israttwusporstond. Achtung. Genossen der ASS.. Brunnen strahel Morgen, FreUag, 15!n Uhr, wichtige Versammlung bei flaruz, Boltastr. 19. Der Fraktionsvorslon d. Gewerkschafts-Iuqend Berlin W' deute, Donnerstag, WH Uhr, tagen die Gruppen: ilöpenick: Jugend. heim Grünauer Slr. 5. Vortrag:.Die Aufgadon der ffreien Gewerk- schasts-Iugend".— vchäueweib«: Jugendheim Niederschäneweide. Ver- linee Etr. Zt. ssilmabenh:.(razinlcs Äultürelle»— deiteres".— Gesund- bruuucu: Iugendhcim Ziote Schule, Gotendurger Str. 2. Lichtbildervortrag: .Der Wald und leine Bewohner".— Südosten: Gruppenheim Reichenbergcr Strafte 5S ifteucrwchr). Vortrag:„Wie stehen wir zur berufstätigen verheirot-- ten ssrau?"— Trmpelhos: Gruppenheim Lp�eum Dermaniastr. 4—5. Humor und Satire.— Moabit: Jugendheim Lehrter Str. 15—19. ssiimabend:„ftultn- reite»— Soziale»— deiteres".— Lichtenberg: Jugendheim daufi- an der Lessingstrofte. Vortrag:.Colin— Vre!»— Pro-fit".— Zteu-Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Vortrog:..Lohn— Vrei»— Profit".— Znqendgrupp« de, Ver. bau de, der Nahrungsmittel, und Setränkearbeiter: Heimabend im Sitzungssaal der Ortsvcrwaltung, Neue Schönhauser Str. 4—5. � Ftusenvaruppe deSsZentrolverbandeS der Zlnqestetlten W/7 deute. Donnerstag, finden folgende Veranstaltungen statt: Pankow- ** Niederschänhansen- Jugendheim Gärschstr. 14 tgrofte» Jimmer). Ausspracheabend:„Strien— Freiheit— Menschheit".— Treptow: Jugendheim der Schul« SBitdenbruchstr. 53 l Zugang von der Grartzstrafte in Treptow). Bunter Abend.— Schöveberg: Jugendheim Hauptstr. 15 tSofgebäude, Thüringen. (Ummer). Vortrag:.Der Jugendliche im Arbeitsrecht". Referent Erwin Bungel.— Auftcrdem von 19—29 Uhr Arbeiisgemeinschaft in Englisch.— Ab l9H Uhr Dollstanzkursus im Pestalozzi-Lmeum, Lichtenberg, Prinz-Albert. Strafte 44. Verantwortlich kür Politik: Dr. Durt Geyer: Wirtschast: G. Stlingelhöscr: Grwerischastsbewegung: Z. Stelner: sseuiUeton: St d. DSIcher: Lokale» und Sonitiaes. Tri» Starltödt: Anzeigen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Leilag:?orwSrl».Lerlag G. m d. b, Berlin Druck: Borwärts-Vuchdruckrret und Leriagsanstalt Paul Singer u. Co.. Berlin SW. 5«, Lindcnstrofte 5. Hier«: 2 Beilagen. Fünf sensationelle Pflngsl Angcbolc. eine Festgabe für unsere Kunden Donnerstag* Freitag. Sonnabend Prachtvolle reinseidene Herrenkrawatten (Selbstbinder) in eleganten und dezenten Mustern das Stack nur 1 .5® Kaum wiederkehrendes Angebot! Reinwollene MtenäDlel ▼ orsüglleber Qualltit, In marine ued Sportfarteen, für nnbeständ Ige® Wetter, Reisen, Wanderfahrten und■OBBtlgAs Sport»um Einheitspreis» ran 30 nur m Herrliches TweedHarmeiise- Komplet die Blnue aus weißem Trlkot- Charmeun« mit Krajeren- Gavnltur und langer Krawatte» der anknöpfbare Roelc mit Falten- und Biesen-Garnierung; die We»te mit Doppel- täschchen, ebenfalls mit Biesen verziert, in modernen Farben und allen Größen ... 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Gegen lk Uhr kam auch Berlin in den Bereich eines von Westen heraufziehenden mehrer« Stunden an- haltenden Gewitters. Vornehmlich im Westen dce Stadl gingen mehrere wolkenbrüchc nieder, so dah in zahlreichen tiefer. gelegenen Ströhen zögen Ueberschwemmungen verursacht wurden. Die Temperatur ging von lB/- auf 1Z Grad Warme zurück. Sämtliche Feuerwachen des Berliner Westens muhten bereits kurz nach Einschen des wolkenartigen Gewitterregens in den Aus- nahmezu stand versetzt werden, da in einem Zeitraum von knapp 30 Minuten etwa 60 bis 70 Alarme wegen Ströhen- und Kellerüberflutungen«inliefen. Die Wehren hotten teilweise bis in die späten Abendstunden hinein mit den Absougungsarbeiten zu tun. An«inigen Stellen schlug der Blitz ein und richtete erheblichen Schaden an. In dar Gericht st rah« 3 0 am Wedding nahm der Blitz einen sonderbaren Weg. Ein mächtiger Fcucrstrahl fuhr in den Dochstuhl und schleuderte grohe Mengen von Steinen und holzteilen aus die Strohe. Der vlih durchschlug dann die Decke znm 4. Stockwerk und ging durch sämtlich« Wohnungen, überall Brand. spuren zurücklassend. Fast sämtliche Türen der ganzen Etage zeigten Nein« Brandschäden. Zufälligerweise befanden sich in ollen Wohnungen die Mieter in ihren Räumen, ohne daß ihnen jedoch außer dem Schreck etwas zugestoßen ist.— In Mahlsdorf, in der Lemksftrahe 168, riß der Witz die beiden etwa zwei Meter hohen Schornsteine eines Wohnhauses uällig auf. Wegen der weiteren Einsturzgefahr muhte auch hier die Feuerwehr eingreifen. Auch aus verschiedenen anderen Gegenden der Stadt werden Blitzeinjchläg« gemeldet, bei denen ober, wie unsere Er- mittlungen ergeben hoben, kein nennenswerter Schaden angerichtet wurde. « Für heute ist mit einer wesentlichen Aenderung des gestern herrschenden Witterungschorakterz kaum zu rechnen. Bei wachsender Bewölkung und ziemlich kühlem Wetter sind im Laufe des Tages vereinzelte Regenschauer zu erwarten. Kälschernest in Ostpreußen? Feststellungen über die Herkunst falscher fiO-Markscheine. vor kurzem tauchte in Berlin eine Fälschung der Beichs- bonknoten zu SS VI. ans, deren Erkennungsmerkmalc durch die Rcichsbonk bereits bekanntgegeben worden sind. Man . glaubt jetzt sestgestevt zu haben, daß diese Fälschungen aus einem o st preußischen Fälschern est stammen. In, Jahre 1028 tauchten falsche Hundertmarkscheine «uif. Diese ziemlich gutgetungenc Fälschung wurde hauptsächlich in Ostpreußen, in Königsberg, Tilsit, Elbing, Osterode und Angcrburg in Ilmlauf gebracht. Der Hersteller wurde damals nicht ermittelt,- obwohl eine Belohnung von 6000 M. ausgesetzt war. Jetzt hat nian nun festgestellt, daß Fehler in der Dnickaussührung der falschen Fünszigmarkschelne und Eigenheiten in der Ansertigungstechnik der Dnrckplotten darauf deuten, daß der FälscherjenerHundcrt- marknotcn auch oer der Fünfzigmark noten ist. Uni dem Hersteller den Absatz seiner Falsifikate zu erschweren, wurden damals von der Reichsbank gedruckte Warnungen mit Abbildungen der falschen Roten in Tausenden von Exemplaren an die Besitzer offener Gesclzäfle in ganz Ostpreußen verteilt. Di« Folge war, daß der Fälscher sofort die Verausgabung der falschen Hundertmarknoten einstellte, nachdem es ihm gelungen war, eine erst verhältnismäßig geringe Anzahl in den Verkehr zu bringen. Wie sich jetzt zeigt, hat er die Verausgabung wohl eingestellt, nicht aber seine Fälscher- tätigkeit. Er hat die inzwischen verstrichene Zeit dazu benutzt, um die Fünfzigmarkschcinfälschung herzustellen. Die ersten Stücke hat er wieder in Ostpreußen, und zwar in dem Städtchen Oste r ad«, ausgegeben. Dann ist er noch Berlin gefahren. Aus allem ist also mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß der Fälsckier auch jetzt noch in Oftpreußen wohnt. Die in Berlin angehaltenen Falschscheine sind in Geschäften, an, Fahrkartenschalter des Bahnhofs Friedrichstraße und in einer Likörstubc am Kurfürstendamm in Zahlung gegeben worden. Es ist anzunehmen, daß der Hersteller seine Schein« auch persönlich und nicht durch Mittelsmänner in den Verkehr bringt. Er muß End« April demnach zu Besuch in Berlin gewesen sein. Mitieilungen aus dem Publikum, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, werden an Kriminalkommissar von Liebernmnn, Alte Leipziger Straße 16, erbeten. Zeppelin in Aequatornähe. Sie Kapverdischen Inseln passiert. Praia sKapbcrdische Inseln), 21. Mai. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" hat heute abend 6 Uhr 5 Minuten Ortszeit die Stadt überflogen und Post abgeworfen. Es Hot nunmehr über die Hälfte des Weges zwischen Spanien nnd dem nächsten Punkt der brasilianischen Küste zurückgelegt. Friedrichshofen. 21. Mai. Ein beim Luftschiffbau Friedrichshofen eingegangener Funkspruch von Bnrd des„Graf Zeppelin' teilt mit, daß das Luftschiff um 18.1? Ilhr mitteleuropäischer Zeit die Kapverdischen Inseln passiert hat. Hamburg. 21. Mai. Roch Meldung der Hamburg-Ammka-Linie befand sich das Luft- schffs„Graf Zeppelin" um 14 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf 10 Grad? Minuten nördlicher Breite und 22 Grad westlicher Länge. Es flog in S00 Meter Höhe im Nordost- Passat bei heite- rem Wetter. Hamburg, 21. Mai. Das.Sceflugrefcrot der Deutschen. Seewartc veröffentlicht einen Bericht über in« Wetterloge aus der Flugroute des„Graf Zeppelin", dem folgendes zu entnehmen ist: Zwischen den Kapverdischen Inseln und dem Aequator liegt eine tropische Tiefdruck- r i n n e, in der an der Grenze von Nordost- und Südostpossoi Regen- säll« niedergehen. Der Wetterlag« an der südamerikanischen Ostküste gibt«in umfangreiches Hochdruckgebiet das Gepräge, das mit Baro- mctcrständcn van über 770 Millimeter über den, südlichen Brasilien liegt. Durch eine Brücke hohen Drucks ist es mit dem südatlantischen Hochdruckgebiet verbunden, das südöstlich von Fernando Naronha erkennbar ist. In, Amazonas-Becken herrscht tiefer Luftdruck. Da das südbrasilianifchc Hochdruckgebiet ostnordostwärts wandert und infolgedessen die Lustdnickgegeiffätz« sich verschärfen, wird im Raum« von Fernando Noronha bis Bahia der Südostpassat auffrischen. Heule ist der letzte Tag. an dem die Listen für die Ellernbciralswahlen vom 1. Znni eingereicht werde« können. Die Liste, die in ihrem Programm eine forlschritk- lich staalstreue Erziehung unserer Kinder gewährleistet, heißt »Liste Schulausbau". Wir erhalten eine Zuschrift von einer Mutter, die einer vor- bereitenden Versammlung zur Elternbeirotswahl in der 178. Ge- mcindefchule in der Eberswalder Straße 10 beiwohnte. Da heißt es:„Zu meinem Bedauern sprach niemand für die Liste„Schul oufbau", und der Versammlungsleiter, ein Studienrat, sprach sich mit den anderen Teilnehmen, für eine Einheitsliste aus. Der Lehrer stimmt« dem zu. und unter dem Titel„Christlich-llnpolitifch" wurden sechs Männer und eine Frau für den sogenannten Einheit? Vorschlag gewählt. Es gibt wohl uitfer den Proletariern noch zu viele, die sich betören lassen." Man kann dem mir zustimmen. Pflichtoergessenhcit, gerade wenn es sich um unsere Kinder handelt, ist ein Vergehen, das sich bitter rächt. Darum ist in diesen letzten zehn Tagen vor der Wahl Propaganda für die List« „S ch u l o u f b a u" unabweisbare Pflicht. * In diesen. Zusammenhange ist auch folgende Zuschrift von Interesse:„An einer höheren Schule in Wilmersdorf waren die Religionsstundcn aufs Wochenende gelegt. Katholische, jüdische und vom evangelischen Religionsunterricht abgemeldete Kinder waren so Sonnabends um 10 Uhr frei, was vielen EUern zur Veranstaltung van Wochenendousflügcn hachwillloinmcn war. Plötzlich griff aber der Pfarrer ein, und gehorfmn baute die Schule den Stundenplan um irnd belegte die Sannabendftmrden mit Fächern, die nicht versäumt werden können. Anstatt aus der Großstadt in die freie Luft der Wälder und Seen zu kommen, müssen die Knaben und Mädchen jetzt in der Schule hocken!" Konzertagentur gegen Sängerin. !lebeririebcne Provisionsansprüche. Dor der 26. Zivilkammer des Landgerichts 1 wurde der Prozeß der Internationalen K onzert- Betriebs- G. m. b.H. Franz Aufrecht gegen die Kammersängerin Elisabeth Rethbcrg verhandelt. Gegen Elisabeth Rethberg, gegen die als Mitglied der Metrapolitan-Oper in New Vnrk während ihres Dresdener Gast- spiel? kürzlich unter Aufsehen erregenden Ilmständen«in Haftbefehl vnllstreckt wurde, schwebt seit Jahren ein Rechtsstreit der Konzert- direktion, der sich aus Vertragsstreitigkeiten und strittigen Provision? f orderungen entwickelt lzoi. In dem gestrigen Termin, in dem die Klägerin durch Rechtsanwoli Aufrecht vertreten wurde, während für die Kominersängerin Recht? anmalt Bergmann erschienen war, handelte es sich danim, ab der persönliche und dingliche Sicherheirsarrest, der in Dresden auf Grund eines Beschlusses des Berliner Landgerichtes vollstreckt worden:»st, aufrecht zu erhalten sei. Frgu Rethbcrg. will den Nachweis erbringen, daß die. Unterlagen, die Aufrecht, zu seinen Forden, ngen hcrangezaipm hat, willkürlich und zum Teil falsch gewesen sind. Er habe direkt phantastische Summen zu seinen Gunsten errechnet, so z. B. Gastspiel« in amerikanischen Städten angeführt, in denen Fron Rethberg niemals gesungen Hobe. Der Vertreter Elisabeth Rcth- bergs bemängelte, daß das Gericht von dem Kläger keine Himer- legung verlangt habe. Auch fiir den dinglichen Arrest hätte kein Grund vorgelegen, denn Elisabeth Rethberg sei fast jedes Jahr nach Deutschland gekommen, brächte jedesmal ihre wertvoll« Theater- garderobc und ihren Schmuck mit, unterhalte ein Bankkonto in Deutschland und hätte hier vorher über ihre Einnahmen aus den deutfchen Gastspielen usw. nicht verfügt. Für diese Behauptungen brachte der Rechtsanwalt eidesstattliche Versicherungen der Kammer- Mit einem leisen Lächeln erwiderte er:„Sie vermuten ganz richtig. Ich bin kein tüchtiger Mann. Deshalb bin ich auch über" den Postmeister nicht hinausgekommen, obwohl ich studiert und auch sonst eine gute Vorbildung genossen habe. Ich bin nicht avanciert, alle Unteroffiziere und Kon- toristen überholen mich. Ich habe den Drang und die Fähig- keit, Karriere zu machen, verloren." Meine Ruderer kommen, um Lebewohl zu sagen. Ihr Gang erinnert an den der norwegischen Fischer. Auf kurzen Beinen watscheln sie daher, schieben ihre breiten, cbenholz- schwarzen Oberkörper sozusagen vorwärts. Ich lasse ihnen einige kleine Belohnungen geben und zolle ihnen ein paar anerkennende Worte für ihre Tüchtigkeit— so gut ich es in der Bakangosprachc kann. Einer Schmeichelei kann kein Bakango widerstehen. Denn sie ist seine stärkste Waffe. Und wenn man ihm die aus der Hand windet, ist er völlig wehrlos. Ganz betreten stehen die Männer nebeneinander und puffen sich verlegen in die Seite; einer sucht sich hinter dem andern zu verstecken. Dann rennen sie watschelnd zu ihrem Boot zurück. Und bald wird ihr schöner, starker, mehrstimmiger Gesang immer leiser: US4, Usl«. stark bist du stark wie der Tod! Niemand kann dich fesseln, niemand dich peitschen. stark bist du wie der Tod! „Wie gesagt", wiederholte der Postmeister,„ich betrachte die Reste meiner selbst mit so vorurteilsfreiem Interesse, daß ich Ihnen ohne viel Ueberwindung zugestehen kann, daß ich kein tüchtiger Mann bin. Wenn meine Sprache Sie peinlich sierührt, sv bitte ich. es mir zugute zu halten, daß ich völlig aus der Gewohnheit, mit Weißen zu reden, heraus bin— pjie ich sogar schon fast verlernt habe, meine eigene Sprach« mündlich zu gebrauchen. Ich verwirre mich so leicht in ihrem Gewebe, gerade jetzt zum Beispiel— Sie werden es kaum glauben— ertappte ich mich dabei, in der Sprache der Ein- geborenen zu denken und dann zu übersetzen. In meiner ersten Zeit hier, als ich noch eine werdende Kraft war, führte ich jeden Abend Selbstgespräche. Seit ich Frau und Kind habe, rede ich natürlich so, daß sie es ver- stehen." „Gestatten Sie mir, Ihre Familie zu begrüßen, Herr Postmeister?" Die Frau ist ein recht ordinäres Bakangomeib, mit flachem Gesicht, einem breiten, glänzend schwarzen Ober- körper, kurzen Beinen und breiten, plumpen Füßen. Ein Paar funkelnder Augen, von langen Brauen beschattet, be- leben die starren Züge. Sie ist gekleidet, wie die Haus- Hälterinnen der Weißen es im allgemeinen zu sein pflegen: in«in Tuch, das ein paarmal um den Körper gewickelt ist und bis zu den Knien reicht. Sie läßt den Jungen las. Er ist europäisch gekleidet. Nachdem sie mich begrüßt hat, kauert sie sich draußen auf der Veranda nieder... Der Knabe, ein hellbrauner, prächtiger Junge, mit Augen, die goldig erstrahlen, und langem lockigem Haar, klettert äugen- blicklich an seinem Vater hinaus und nimmt ihn damst in ungeteilten Besitz. Um den Kleinen zum Sprechen zu bringen, muß ich ihn erst mit Zwieback und Eingemachtem bestechen. Aber trotzdem erklärt er nur, sein Vater sei der größte und beste Mensch in der Welt, und van zwei Weißen auf der Station sei der eine zuviel. Der letzte Weiße, der hier gewesen war, habe seinem Vater nur Böses getan. Als die Familie des Postmeisters sich zurückgezogen hatte, sagte ich:„Sie erwähnten, daß Sie einmal ein« Kraft gewesen wären. Wann hörten Sie auf, das zu seln?" .Labe ich mich wirtlich so ausgedrückt? Lassen Sie mich «in wenig nachdenken.— Rehen wir jetzt ganz privat? Ja- wohl!— Ach, wie gut es tut, wieder einmal seine eigene Sprache zu reden, frei von der Leber tpeg. Der Branntwein macht mich nur etwas unsicher.— Ja, gewiß trink« ich! Un- aufhörlichl Ja, ich war ein Mann mst einer Zukunft, bis ungefähr zu der Zeit, wo mein Sohn geboren wurde. Eigentlich war es meine Frau, die die Aenderung bewirkte. Lächerlich, werden Sie denken, daß solch ein plattsüßiges Affenweib mit seiner Brut einen Mann der herrschenden weißen Rasse aus der Bahn warfen kann! Erlauben Sie mir zuvor, meinen Werdegang kurz zu erläutern. Ich betrieb philosophische und nationalökonomische Studien und machte gute Fortschritte. Plötzlich wurde ich durch Umstände, die hier ohne Belang sind, außerstande gesetzt, meine Studien an der Universität weiterzuführen. Ich reiste hierher, wo ich im Lause eines knappen Jahres zum Vorstand einer der größten Stationen aufstieg. Ich übertraf die kühnsten Erwartungen, und mein« Amtskollegen sahen in mir bereits den künftigen Vorgesetzten. Doch war ich gegen die Eingeborenen keineswegs grausamer als die meisten Weißen, wenigstens nicht persönlich. Ich selbst schlug nicht mehr, als man zu schlagen pflegt, und meine Fußtritte wurden nicht sonderlich bösartig angebracht. Auch bei den Auspeitschungen hielt ich mich nur an die Vor- schriften. Wie Sie wissen, gestatten diese allerdings eine recht gründliche Behandlung,' die in ihrer eindringlichsten Form durch 5iaut und Knochen bis auf die schwarze Seele durchgreift, wenn die überhaupt vorhanden ist. Ich wandte nur die Methode an, die seder strebsame Mann hier ausübt und die man am treffendsten mst indirekter Zwangsanwendung bezeichnet. Es gibt keinen Häuptling und noch natürlicher keinen gewöhnlichen Eingeborenen, der sich nicht der Uebertretung irgendeines Paragraphen der Strafgesetzgebung schuldig gemacht hat, weil sie ihm meist überhaupt nicht bekannt sind. Und würde er sie kennen, so müßten sie ihm als unbegreifliche Paradoxe erscheinen, weil sie von seinen Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit himmelweit abweichen. Wollen nun die Eingeborenen außer der Arbeit, die ihnen gesetzmäßig auferlegt ist— und die an und für sich auch genügt, um einen Mann ,zu erledigen — nicht auch noch freiwillige Arbeit verrichten, die der per- sönliche Ehrgeiz des Stationsleiters ihnen diktiert, weil er sich dadurch bei seinen Vorgesetzten hervortun kann, so droht man mit strenger Anwendung des Strafgesetzes. Um den Widerspenstigen gleich eine gründliche Lehre zu geben, stellt man rasch eine kleine Militärexpedition zusammen, wobei eine passende Anzahl Eingeborener niedergeschossen wird. Bei etwa? Achtsamkeit kann man sich dabei sehr wohl innerhalb der Grenzen des Gesetzes hasten. Schon nach ein paar Iahren war meine Station muster- güstig geworden. Bis weit über die Grenzen des Bezirks hinaus erwähnte man sie lobend. Gebäude wurden aufge- führt, Wege ausgebessert. Plantagen angelegt. Die Steuern strömten nur so ein. Ich konnte mir berechtigte Hoffnung machen, bei Schluß meiner Vertragszeit hübsche Prozent« ausbezahst zu bekommen. (Fortsetzung folgt.) Heute, Donnerstag, abend Wahlvorsland cindcrcldif sein. An jeder Schule eine IlSie jjvtlllllQllllltlU• sängerin und des Prioatsekretärs bei. Der Anwalt ging dann auf die persönlichen Verhältnisse der Internationalen Konzertbetriebs- G.m.b.H. Aufrecht ein und betonte, daß dieses Unternehmen völlig vermögenslos sei. Er legte dem Gericht ein Protokoll vor, dah die Firma am 1. Mai 1923 den Offenbarungseid geleistet habe. In dem Bermögensverzeichnis seien zwei uneinbringliche Forde- rungen benannt, die Forderung an die Kammersängerin Rethberg sei ober nicht erwähnt. Der Verband konzertierender Künstler Deutsch- lands Hobe in einem Rundschreiben vor diesem Unternehmen ge- warnt und laut Auskunft der Abteilung II des Polizeipräsidiums Berlin habe sie niemals Konzession gehabt. Nach weiteren Rechtsausführungen der beiden Partelen, setzte der Vorsitzende zur Entscheidung der Angelegenheit einen Per» tündungstermin auf den 2 8. Mai fest. Oer Pelzschwindel der ,/�oien Kahne". Wieder eine Strafe für das Verleumderblatt.* Der Beleidigungsprozeß der Stadträtin Genossin Weyl—.Rote Fahne" tonnte gestern zu Ende geführt werden. Der Tatbestand ist aus der ersten Verhandlung noch in Erinnerung. Die„Rote Fahne" hatte im Zusammenhang mit der berüchtigten Sklarek-Korruptions- affäre behauptet, die Stadträtin Weyl habe sich aus den Beständen des ZWG. einen Oposiumpelz gewählt und zudem vergessen, ihn zu bezahlen. Der Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung sollte durch die Zeugen Frau und Herrn Navarra geführt werden. Navarra, der frühere Leiter der KVG., wußte nur zu sagen, daß Frau Weyl eines Tages in der KDG. erschienen sei und Opossum- sellbesatz für einen Mantel gewünscht hätte. Seine Frau hätte darauf aus ihrem eigenen Besitz einige Fellstücke an Frau Weyl abgetreten. Der Preis dieser Felle wäre ungefähr 30 M. gewesen, die Zahlung sei nicht erstattet worden. Frau Navarra bestätigte diese Aussage ihres Mannes. Frau Weyl erklärte dagegen, Oposiumfellchen von Frau Navarra nie erhalten zu haben und die von ihr gestellten Zeugen, die Leiterin der Wohlfahrtsstelle am Polizeipräsidium, Fräulein Dittmer, und die von ihrer sozialen Arbeit gut bekannte Frau Birnbaum und Frau Wronsky bestätigten, daß Frau Weyl nie einen Opossumpelz getragen habe. Rechtsanwalt Dr. Cohn sührte als Vertreter der Nebenklägerin mit Recht aus, daß den Bekun- düngen von Frau und Herrn Navarra nicht zu trauen sei. Beide hätten allen Grund, dem Magistrat, also auch seinen Beamten, gram zu sein. Herr Ravarra ist der Ansicht, daß er durch die Schuld der Stadt brotlos geworden sei. Frau Navarra hat sich alle erdenklich« Mühe gegeben, während das Verfahren schon schwebte, Frau Weyl zu veranlassen, sich für ihren Mann einzusetzen und ihm zu einer neuen Anstellung bei der Stadt oder wenigstens zu einer Unter- stützung zu verhelfen. Frau Weyl hat es abgelehnt, etwas in dieser Richtung zu unternehmen, da sie mit der ganzen Sache nichts zu tun habe. Das Gericht verurteilte den verantwortlichen Redakteur der „Roten Fahne", Firl, zu 300 M. Geldstrafe. Gchulungsarbeit der Iungfoztalisten. Auf der Gaukonferenz der Iungsozialisten des Gaues Berlin-Brandenbuvg, die am Sonnabend und Sonntag in Klein-Köris bei Königswusterhausen stattfand, hielt Genosse Dr. Fritz Lewy, Breslau, ein großes allgemeinpolitisches Referat über das Thema„Sozialdemokratie und Staat". In den anschließenden, organisatorischen Besprechungen wurde be- schlössen, ein mitteldeutsches Jungsozialistentreffen im Sommer zu veranstalten. Auf die sich an die Reichsausschuß- sitzung der Iungsozialisten zu Pfigsten in Probstzella(Thüringen) anschließende Schulungswoche wurde besonders hingewiesen. Dort halten die Genossen Dr. Otto S u h r, Dr. August S i e m s e n und Hans Bogel Referate über die Probleme der Wirtschafts-, Klaffen-, Staats-, Parteistruktur mit ihren Wandlungen in der letzten Zeit in Deutschland. Meldungen sind bis zum 31. Mai an die Reichs- leitung der Iungsozialisten, Berlin SW. 68, Lindenstr. 3, zu richten. Wohnungsnot und Sittlichkeit. Unter dem Vorsitz von Ministerialdirektor Dr. Dietrich beschäftigte sich die Arbeitsgemeinschaft für Voltsgesundung mit diesem so aktuellen Problem. Nachdrücklich wurde von Dr. de Laporte darauf hingewiesen, daß die Wohnungsnot an sich keine bloße Nachkriegserscheinung sei, sie besteht vielmehr überall dort, wo Menschen nicht mehr in einer unseren Kulturanforderungcn entsprechenden Weise so untergebracht werden, daß ein gesundes, sittlich einwandfreies Familienleben möglich ist. Äeußerst bedenklich sind die Auswirkungen einer über- füllten WokMng und das eng« Zusammenwohnen m Mietskasernen überhaupt auf die sittliche und seelische Gesundheit. Nach neueren Lorschringen sind die Einwirkungen des Milieus weit bedeutungs- voller, als man früher anzunehmen geneigt war, und«ine Ver- fchlechterung von Konstitution und Charakter erscheint schon heut« statistisch nachweisbar. Da besonders dem Großstadtmenschen oft die heilende Wirkung der Natur fehlt, gehen weithin die tieferen metaphysischen Zusammenhänge des Lebens verloren. Es entsteht das Gefühl der Vereinsamung und gleichzeitig ein äußerst egoistisches Abschließen der Menschen untereinander. Damit aber sind die sttt- liehen Grundlagen einer gesunden Selbstverwaltung und Depiokratie, die freie und unabhängige Staatsbürger voraussetzt, auf das Be- denklichft« gefährdet. Die Steinwüste der Großstadt ist ein« Brut- stätte asozialer Elemente, und das starke Ileberhändnehmen nervöser Erkrankungen, des Geburtenrückganges und anderer degenerativer Krankheitserscheinungen unseres Volkes haben ihren Grund weithin in den Wohnungszuftänden der Gegcnivart. Nur eine Unter- bringung jeder Familie im gesunden Eigenheim' und eine gruird- legende Reform unserer Bodengesetzgebung kann die Voraussetzung für die Erhaltung unserer Kultur auf biologisch einwandfreier Grundlage sein. Mit dem Tode bezahlt! Am Mittwochnachmittag ist im St a a t s k r a n k e n h a u s in der Scharnhorststraße der 20jährige Kaufmann Willi P r c u ß, der am Tage zuvor in der Immanuelkirchstraße auf den G e l d b r i e f- träger Scheuer einen Raub Überfall versucht hatte, seinen schweren Verletzungen, die er sich bei seiner Festnahme durch einen Schuß beigebracht hatte, erlegen. Preuß betrieb in der Elbinger Straße ein R a d i o g e s ch ä f t, das aber in letzter Zeit sehr schlecht ging. Mehrfach mußten ihn seine Verwandten deshalb mit kleineren Beträgen aushelfen. Die ewige Geldkalamität und seine Schulden haben Preuß dann wohl zu der unüberlegten Tat ge- trieben. An seine Vernehmung im Staatskrankenhaus war nicht zu denken, da Preuß bis zu seinem Ableben bewußtlos daniederlag. Ein Rechtsanwalt unter Anklage. Er brauchte monatlich 2S00 Mark zum Leben. Anwälte beschäftigen zur Zeit sehr stark die Oeffentlichkeit. Erst vor wenigen Tagen erfolgte der Selbstmord des Berliner Rechtsanwalls Reumond: die veruntreuten Gelder gehen in die hundertlausende. Unmittelbar daraus kam aus Breslau die Nachricht von Verfehlungen zweier Anwälte... Am Dienstag hatte sich vor dem Schöffengericht Berlin. Rillte der Rechtsanwalt h. wegen Betruges in zwei Fällen zu verantworten. H. übte fest 1926 in Berlin«ine Anwaitspraxis aus. Sein Monatseinkommen betrug über 1000 Mark. Aber er hatte Schulden, die im Jahr« 1929 auf 60 000 Mark angewachsen waren. Woher die Schulden? Eine befriedigende Antwort konnte der Borsitzende aus diese Frage nicht erhalten. Er habe nie eine Karte an- gerührt, behauptet der angeklagte Anwalt, er habe eine gut- bürgerlich« Existenz geführt: 2300 Mark monatlich ließ er sich seinen Haushalt auch dann noch kosten, als er das Geld dazu nicht mehr besaß. Worauf er gehofft habe, fragt der Bor- sitzende. Er habe mit der Erbschaft von seinem Vater gerechnet, — der Bruder hat sie verwirtschastet. Er habe auf die Entwicklung seiner Anwaltspraxis gebaut— die wollte aber nicht recht gehen: Auch auf die zu erwartende Erbschaft seiner Frau habe er spekuliert — der Schwiegervater, ein Berliner Kommerzienrat und Villen- besitzer, dessen Geschäfte bergab gingen, dachte aber gar nicht daran, das Zeitige zu segnen. Di« Gläubiger drängten, die Freunde, die ihn bisher mit Geld versorgt hatten, riefen einen Gläubigerausschuß ins Leben, eine Dringlichkeitsliste in Höhe von 18 000 Mark wurde aufgestellt, eine Sanierungsaktion versucht— es wurde aber daraus nichts, da innner wieder Forderungen auftauchten, die der Angeklagte längst geläsäjt glaubte. Er ließ sich aus du n t l e Geschäfte ein, fiel Wucherern in die Hände, wurde von seinen Gläubigern immer härter bedrängt und verschwand eines Tages aus seinen: Büro. Auf Anraten seines Verteidigers Dr. Müller-Strohmeyer stellte er sich der Polizei, und im Gefängniskrankenhaus fand er für feine kranken Nerven Genesung. Als er nach fünf Monaten die Untersuchungshaft verlassen sollte, widersetzt« er sich dem mit allen Kräften. Sein Verteidiger drang aber darauf, dah er die Anwalts- Praxis wieder ausnehme. Er übt sie heute bereits aus und verdieul 3Y0 Mark. monatlich. � r,, ,,- Was wurde ihm aber zur �Laft gelegt?.Ein Gläubiger, eins Jugendfreundin, di« ihm etwa 20 ÖOÖ Mark geliehen hatte, brauchte notwendig 1000 Mark. Sein Mitangeklagter B. versprach sie ihm auf«inen Wechsel hin zu besorgen. Er stellte einen solchen auf 2300 Mark aus— 500 Mark davon sollte B. erhalten. Der Geld- geber fragte bei ihm als Akzeptanten an, ob der Wechsel sicher sei: er sagte:„Natürlich, ich bin Anwalt!" und hatte in Wirklichkeit doch nichts außer Schulden. Der zweite Betrugsfall betraf ein B ö r s e n- termingeschäft. Der Zucker, mn den es sich dabei handelte, fiel im Preis«. H. mußte den Unterschied decken und stellte einen Wechsel aus. Natürlich war auch der nichts wert. Das Gericht sprach den Rechtsanwalt auf Kosten der Staatskasse frei. Es hat angenommen, daß ihm betrügerische Absichten fern- gelegen haben und daß er immer noch gehofft hat, auf irgendeine redliche Weise zu Geld zu kommen. Das Gericht habe diesem Betrugsfall gegenüber Nachsicht geübt... Oer Mörder von Wölfelsgrund verhastet. Glah. 21. Mai. Der Mord an der Berlinerin, Frau W o l f s o h n, in Wölsels- grund hat ein« schnelle Ausklärung gefunden. Am Mittwoch siel einem Polizeiwachtmeister durch scheues Benehmen ein verdächtiger Mann auf, der schließlich die Flucht ergriff. Der Beamte nahm mit seinem Hund die Verfolgung auf. Die Jagd ging über Hecken, Zäune und Mauern. Schließlich wurde der Verdächtige von dem Hund gestellt und festgenommen. Es handelt sich um einen ent- sprungenen Zuchthäusler aus der Strafanstalt Wohlau, der sich durch den Raubmord Geld verschaffen wollte. Der Mörder, der über seiner Sträslingskleidung Zivilkleider trug, wurde in das Gerichtsgefängnis in Glatz eingeliefert. „Wir feiern Walther von der Vogelweide", erinnerte Reichs- kunstwart Dr. Redslob. Leider feiern wir diesen vor 700 Jahien verstorbenen größten deutschen Lyriker neben Goethe nicht einheit- sich in ganz Deutschland, sondern an den verschiedenste» Orten, die ihn aus irgendeinem Grunde für sich reklamieren als eine Art Lokalberühmtheit. Da war es gut, daß der Rundfunk wenigstens eine— leider sehr ungünstig gelegene— halbe Stunde zur Ver- fügung hatte, in der aus berufenem Munde auf die Bodeutuirg dieses Dichters hingewiesen wurde, dessen Verse noch heute so lebendig wirken in ihrer Zartheit, ihrem Humor, ihrer Liebe zu Volk und Heimat. Walcher von der Vogelweide gehört als Dichter zu Nord- deutschland wie zu Oesterreich.—„Staatsanwalt und Ver- teidiger" Oberstaatsanwalt B. Köhler, und Rechtsanwalt Dr. Apfel unterhielten sich über einig« Fragen der modernen Rechts- pflege. Man kann— in diesem Vortrag— zu anerkennenswerter Uebereinstimmung: Recht, sprechen erfordert genaue Kenntnis nicht nur des Straffalles, sondern der daran beteiligren Menschen, und es ist menschliche und richterliche Pflicht des Staatsanwalts, möglichst außerhalb der Gerichtssitzungen sich mit ihnen vertraut zu machen.— Ueber das Zwiegespräch zwischen Geheimrot Prof. Dr. Julius Wolf und Dr. Hermann Muckermann über den§ 218 wird an onderer Stelle noch ausführlich berichtet werden.— Am Abend wurde Waldemar von Bauszncrns symphonische Legende„Himm- liehe Orgel"— nach einem Märchen von Volkmann-Leapder aus Breslau übertragen. Ein stimmungsvolles, fast vollstümlich eiirfach wirkendes Werk.—„Eine Stunde bei Fritz Rotter" am Naihmittag zeigte, daß ein Schlagertextdichter zuweilen auch ernsthaft nachdenl- liche Berse schreiben kann. Bez. Ois Geschäfte der Beamienbank. Nur 50000 Mark aus dem Millionen-Bildergeschäst. Die zusaminengebrochene Bank für Deutsche Beamte benochi richtigt ihre Gläubiger, daß nach der L i q ui da t i o n s b i l a n Z vom 24. Januar 1930 die Vergleichsforderungen 11,36 Millionen Mark betragen. Der Gesamtoerlust beträgt 8 Millionen Mark. Zur Befriedigung der Gläubiger sind Außenstände von etwa 4 Millionen Mark innerhalb zwei Jahren«inzuziehen, dazu kommt ein wahr- scheinlicher Erlös von 200 000 M. aus zu verkaufenden Grund- stücken und Hypothekensorderungen: den Erlös der mit Millionen- betrögen beliehenen Bilder schätzt man aus 50 000 M.(!) Von den 4 Millionen Außenständen wurden bisher 1,2 Millionen Mark flüssig gemacht(aus von der Spar- und Kreditanstalt übernommenen Darlehnsraten, einer Ratenzahlung des Michael- Konzerns, der Realisierung van Grundstücken und Hypotheken und aus dem Ver- kauf des Bankinventars). Die erste Abschlagszahlung von 10 Proz. erfolgt nach langer Verzögerung Mitte Mai. Eine zweite Quote zwischen 8 und 15 Proz. wird vor Weih- nachten versprochen. Die Eingänge aus der Anteilerhöhung(buch- mähig 5.4 Millionen, erwartet wird ungefähr di« Hälft«) sind durch die von vielen Genossen erhobene Nichtigkeitsklage be- droht. Gegen dl« sich weigernden Genossen wollen die Liquida- toren mit allen gesetzlichen Mitteln vorgehen. Calmeiie-Opser auch in Ltngarn? Budapest. 21. Mai. Di« Zeitung„Az Est" berichtet, daß das Calmette-Verfahren auch in Ungarn mehrere Todesopfer gefordert habe. In dem Kinder-Spital von N e u- P e st wurde, so besagt die Meldung des Blattes, vor einiger Zeit das Verfahren versuchsweise eingeführt, vor'zwei Monaten jedoch wegen mehrerer Todesfälle, die sich bei geimpften Kindern ereignet hatten, eingestellt. Die Auf- merkfamkeit der Aerzte wurde durch den Tod des siebenten Kindes eines tuberkulös«» Arbeiterehepaares auf die Calmette-Jmpfung ge- lenkt. Dieses Kind wurde wegen der Tuberkulose der Elten: sofort nach seiner Geburt mit dem Calmette-Serum geimpft, woraus es gestorben ist, während die übrigen Kinder des Arbeiterehepaares, die kein« Impfung erhalten hatte::, alle am Leben sind. Di« vor zwei Monaten durchgeführte bakteriologisch« Untersuchung der Leiche des Kindes ergab, dah als Todesursache das Ealmette-Verfahren in Betracht komme. Nach diesen Feststellungen seien auch andere Kinder- leichen obduziert worden, bei denen seinerzeit das Calmette-Ver- fahren angewandt worden sei. Ei»«„Otl«« eiaglwud«- wird Donnerstag 20 Uhr, vom Augindamt Schöneberg und von der Volksmusikschule der Musikantengilde veranstaltet. Sie findet unter Leitung von Prof. ssritz I ö d e in der HohenZollern-Oberrcal- schule, Berlin-Schvneberg� Bel�iger Str. 43-�02, statt«. Smtritt SV Pf.,' Tvetterausstchten für Berlin. Meist woikig mit Neigung � lokalen Gewitterregen, wenig veränderte Temperaturen, schwach« Winde aus nördlichen Richtungen.— Für Deutschland. Im größten Teck des Reiches wolkig, noch einzeln« Regenschauer oder Gewitter. Temperaturen nirgends wesentlich verändert. 1 SozialistjscheArbeiterjugendGr.'Verljn I fflnfen&unafn für diese CRvdrfl nur i | Striin 63868, ffndenflrnit 3 da« 3ujnidftfrtt«rkf ,$« Rate SchSler' Nr. S ist umgehend abzuholen. Alle Mitglieder der VolUlnihn« und intrrrssirrte Sea-Ifen gehen heute in die Brokestversammlung der Sonderableilungen der Volksbühne nm t» Ahr jHinttlich im Saalbau„Märchenbrunnen' am Friedrichahain. E« gilt, die große«ultnrerrungenlchait der Berliner Ardeiterschalt nicht in Partei, kommunistischem Zahrwasser»crsanden zu lassen. Bildung-anaschußsißnng Nicht heute, sondern morgen, Freitag, 18 Uhr. im Vortragssaal. heute. Donnerstag. 19'A Uhr: * tSewerkschastahan»: Schule Nöpenilkcr Str. 125: Funktionärsißung.— Oranienburger Tor: Schule Slisabethkirchstr. 18:„Politische Tagesereignisse".— Arnsmalder Plag II: Heim Rastenburgcr Str. 18:„Die!?rau und der Sozialis- mus".— galtplaß I: Schule Sannenburger Str. 20: lo-Minuten-Referate.— Nordasten U: Heim Danzigcr Str. 82: Heiterer Abend.— Stralaner Viertel: Spielen in Treptow, Wiese Vl.— Näpenicker Viertel: Schule Wrangelstr. 128: „Tagespolitik".— ikattbnsler Tor: Heim Britzer Str. 27—30:„Die Arbeiter- Wohlfahrt".— Lüdwest: Heim Lindenstr. 4:„Republik und Sozialismus".— Schäneberg III: Heim Houptstr. 15: Aebungsabcnd.— Westend, R. 1?.: Seim aus dem Sportplatz Westend:„skahrten- und Landschaftsbilder"(Lichtbilder),— Zehlendorf. Dahlem: 4. Volksschule, Dahlem, Lansstr. 7—8:„Arbcitcrjugcn.S und klörpcrkulwr".— Reinickendors-West: Seim Eeidelstraße:„Der soz. Mensch in seinen Beziehungen zur SAI."— Wittenau: Heim Rosenthaler Str. Ii:„Mullo- lini, Primp de Rioera, Woldcmaras".— Buchholz: Schule Berliner Str. 18: „Ecfäugniswesen", I. Teil. Lichtenberg: Heim Scharnweberstr. 28. 19 Ahr:„Die Untwitflungs. tendenz der kapitalistischen Wirtfchastsorduung". leute lenz 0er kapitanuuchen___________________ Werbebezi et Wedding, Tambourkapclle: Vollzähliges Erscheinen aller Spiel- «�dringend notwendig. Lehrbücher stnd mitzubringen. Werbebeziri Teltowkanal: Zeichnerisch besähigte Genossen kommen heut» zwischen 18 und 22 Ahr nach dem Heim Zehlendorf, Bahnhosstr. 8, zur Vor. berciiung des Maitreffens. Werdebezirk ReukSlln: Wichtige Sitzung de» W..B..AusschuIses mit den A.- Leitern zur Neuaufteilung der Abteilungsbezirkc im Parteibüro ssuldastratze, Jeder bringt einen Stadtplan mit. Werbebezirk Lichtenberg: W..B..P..Sitznng 1» Uhr pünktlich(nicht 20 Ahr) .im Heim Euntcrstr. 44.— Morgen W.-B.-Mitglicdcrversammlung cbendort, Beginn 20 Uhr. Bericht von der Reichskonferenz. Erscheinen Pflicht. Vnefkaften der Redaktion. ktoiser. Von dem Patentanwalt können Sie für das durch feine Schuld in Verlust geratene Modell Schadenersatz fordern.— P. H. sZ. 51. Sie können die Säuberung der ssossade selbst vornehmen lasten und die dadurch enistandenen Losten von dein Mieter erstattet veriangen. Sollte er Zahlung ablehnen, so muß er verklagt werden. Landhaus und Garkcn. In jedem Jahr zeigen Fried mann u. Weber, Friedrich-Ebert-Strahe, neue Wege moderner Heim- gcftaltung. Die reiche Geberlaune künstlerisch schaffender Hände, unbeschwert vom Rechenstift, hat auch in diesem Jahre wieder ein kleines Dorado aufgebaut. Durch einen Hausgarten gelangt man in eine Wohndi«le im englischen, herrenzimmerartigen Stil ge- balten: schlichte, große Möbel, Beleuchtungskörper und der tra- ditionelle Kamin: anschließend geht es in einen kleinen, exotischen Wintergarten, in dem sich eine zusammenlegbare Hausbar eta- bliert hat. Das Eßzimmer ist ländllch-bäuerisch gehalten, mit lustigem Geschirr, Bauernmöbeln und bunten Vorhängen, während das Boudoir dl« kapriziös«, französische Art darstellt. Herren- und Fremdenzimmer sind wiederum ländlich betonte, nian sieht allerhand merkwürdig« kunstvoll verarbeitete Einrichtungsgegeliständc. So ein Leuchter aus einem Pferdegeschirr, ein Schirmständer aus einer Schisfsboje, originell« Windlcuchter und Laternen: auch im Garten dominiert künstlerischer Humor. So ist eine richtiggehende Pferdetränke als Brunnenmuschel, ein ausrangiertes Grabgitter als Brunnenverzicrung, ein Marterl als Lichtbehälter verwendet worden. Groener fordert höhere Kaiserliche Offiziere bei Zieichswehrubungen, Eoldaienmißhandlungen, Lohmann-Briefe. Der Reichstag begann am gestrigen Mittwoch nachmittag die zweite Beratung des Reichswehretots. Berichterstatter Abg. Skücklen(So�.) stellt fest, dah infolg« der späten Einbringung des Etats genügend gründliche Beratung nicht möglich war. Wenn eine gan�e Kaserne für ein paar hundert Mark verkauft wird, so erkennt man. dah die Kontrolle des Reichstags nicht hinreichend ausgeübt wird. Große Ersparnisse wären nur durch Verminderung der Ka- v o l l e r i e M erzielen. Das Reichswehrnnmisterium Hot u. a. 122 Referenten— viel mehr als das soviel größer« Arbeits- Ministerium. Reichswehrminister Gröner äußert sich zunächst über einige grundsäßliche fragen: die Behoup- tung von einem militärischen und angrisflüsternen Deutschland wird sogar in unserem eigenen Vaterland erhoben: da sie zum Rüstzeug unserer Gegner gehört, will ich daraus eingehen. Deutschland ist abgerüstet, seine Wehrmacht ist keine Angrifssarmee.(Rufe rechts: Leider!) Die Friedensstärke Frankreichs und seiner Verbündeten beträgt etwa IlZtORI Mann, ihr« Kriegsstärke üKSOOOl).(Hört, hört! rechts.) Dazu kommen riesige Zahlen von Flugzeugen, Tanks, schweren und sonstigen Geschützen usw. Neuerdings erheben sich ersreulicherweise auch in Frankreich zivile und militärische Stimmen, die die wehrlosigkeit Deutschlands zugeben. Zch darf annehmen, daß der neue<£hcs des sranzösischen Geueralstabs, General lveygand. den wir schon ISIS als einen zwar sehr scharscu. aber klugen uad ritterlichen Gegner schätzen gelernt haben, seine große Autorität dafür eingesetzt hat, daß jene unbe- gründeten und heuchlerischen Deklamationen von einer deutschen Gefahr verschwinden. die seiner Wahrheitsliebe nicht angemessen sind. Trotz unserer Wehrlosigkeit stehe ich auf dem Standpunkt, daß alles geschehen muß, um gegen jede Verletzung der Reulralität oder jeden Gebiets- raub auftreten zu können, und uns gegen solche Vergewaltigung wehren zu können. sSehr gut! rechts.) Denn sonst würde uns auch der Völkerbund nicht helfen.(Lebhafte Zustimmung rechts.) Wir müssen die uns verbliebene Rüstungsmöglichkeit wirklich aus- schöpfen.(Zurufe der Kommunisten.) Das ist nur national. Und wenn Sie sich der Stimmen erinnern, die im Austand für die Wehrhaftigkeit des Voltes gefallen sind— ich erinnere nur an Iaures, Masaryk und Stimfon— so kann kein Zweifel bestehen, daß wir die Wehrhaftigkeit des Volkes erhalten müssen. Dazu bedarf es des Unterbaues in Familie und Schule. In Ruß- land, Frankreich, Italien, Polen und der„Tschechei* ist diese Vorbereitung geradezu vorbildlich. Denken Sie an die Erklärung Hoovers über die Ausbildungslager für die freiwillige Truppen- Vorbereitung in den USA. Da wir abgerüstet sind, haben wir auch das Recht, die Ab- rüstunq der anderen.zu verlangen.(Sehr wahr!) In der Tat aber ist in der Abrüstung bis heute kein Fortschritt gemacht Di« bekannten Aussprüche von Lloyd George, Grandi, Paul B o n c o u r und D a l a d i e r beweisen es. Jeder Fachmann weiß, daß Geheimrüstungen heute unmöglich find.(Lachen der Kommu- uiften.) Deshalb sind Behauptungen, wie sie neuerdings wieder Paincare aufgestellt hat, Unsinn. Unsere Heeresausgaben betragen 4 Proz. des gesamten Reichshanshelts, die französischen 27 Pro.z., die polnischen 29,3 Proz., die tschechischen 20 Pro.z. Auf den Kopf der Bevölkerung geben wir.für. das Heer 11 M- aus. Frankreich 17,5 M.. Polen 17 M. und die Tschechei 15,9 M. Trotz des teuren Berufsheeres verwalten wir Unsere Wehrmacht billig. 3n der Frage, ob auch die militärisch umstrittenen Möglichkeiten de« Versailler Vertrags ausgenutzt werden sollen, meine ich. daß wir jede Möglichkeit ausnützen müsien, sobald sie einen Kräfte- Zuwachs sür uns bringt (Lebhaste Zustimmung rechts.) Das ist nicht einfach und stellt hohe Ansprüche an die Vorbildung des Ossizierskorps und besonders des Offiziererfatzes. Wie bisher werde ich allen Zersetzungsbestrebungen in der schärfsten Weise, aber ganz unparteiisch entgegentreten. Durch die Angriffe der koinmumstischen und der nationalsozialistsscheu Presse werde ich mich in keiner Weise in meiner Pflicht und Tätigkeit be- einträchtigen lassen.(Rufe der Kommunisten: Wir auch nicht! Lachen rechts.) Ueber die Haltung der Wehrmacht.zum Staate habe ich so oft gesprochen, daß ich es nicht zu wiederholen brauche. Das Verhältnis zwischen Offizier und Mannschaft ist ausgezeichnet. Di- Vorgesetzten müssen persönliches Vorbild sein, unbedingter Gehorsam der Mannschaft ist die Vorbedingung jeder Wehrmacht. Große Leistungen in Krieg und Frieden entstehen nur aus der inneren Verbundenheil von Führern und Truppen. So war es in der alten Wehrmacht, so ist es auch in der neuen. Freundliche hilfsbereite Haltung gegenüber allen Schichten der Be- völkerung. unbedingte politische Neutralität und Zurückhaltung ver- bürgen uns. daß wir im Volke mehr und mehr eine feste, durch ■} nichts erschütterbare Stellung einnehmen.(Ironischer Beifall der ! Kommunisten.) Offiziere und Soldaten sind durch ihren Beruf prädestiniert, sozial.zu denken.(Heiterkeit links.) Deshalb haben sie auch kein überspitztes Standesbewußtsein. Ich erwarte aber von jedem Angehörigen der Wehrmacht, daß er stolz aus seinen Berus sei und überall, wo er auftritt, auch als Angehöriger der Wehrmacht erkennbar sei.. �....„ Das Verhältnis der neuen zur alten Wehrmacht ist unmer besser geworden, wir tun alles, om die Angehörigen der alten Wehrmacht für uns zu gewinne« und auch nur den kleinsten Riß zwischen beiden nicht eintreten zu lassen. (Beifall rechts.) Deshalb habe ich mich auch entschlossen, zu den Herbstübungen Offiziere des alten Heeres einzuladen, damit sie sehen, daß wir unsere Arbeit durchaus im Sinne der Tradition fort- setzen, wie sie so gut im alten Heere vorhanden war. Der Minister verliest im Anschluß daran eine Rede, die er den Besuchern der Infanterieschule gehalten, und in der er diesen künf- tigen Offizieren eingeschärft hat, nur ja nicht zu glauben, daß irgend- «in Schmitt zwischen der alten und der neuen Wehrmacht bestehen dürfe. Man habe ja auch in Rußland die Tradition der zarischen Armee nur unter anderen Formen fortsetzen müssen. Zum Etat selbst führt der Minister aus, daß gegenüber dem Dorkriegswehretat der Anteil der sachlichen gegenüber den per- sönlichen Kosten mächtig gestiegen sei. was eben im Interesse der Schlagkraft der Truppe lieqt. An diesen Kosten kann nicht ge- strichen werden: zu ihnen gehören auch die Fürsorgemaßnahmen sür 'lange dienende Soldaten. Unsere Exerzierplätze genügen nicht mehr. wir haben keinen einzigen Vlatz. auf dem die Artillerie aus wirNich kriegsmäßige Lntsernung schießen kann. kHört hört! rechts und bei den Kommunisten.) Ich bewundere die Bescheidenheit in der sich die Wehrmacht mit diesen unzureichenden Zuständen abfindet. Auch an den Kosten für Waffen und Munition fonn nicht gerüttelt wenden. Das wäre die größte Dummheit, die wir uns leisten könnten. Die Ersahrungen des Weltkriegs sprechen deutlich Die relative Höh« dieser Ausgaben hängt zusarnnien mit der Zerschlagung unserer W a f f e n i n d u st r t e, mit den, Außenhandelsoerbot und mit der Geringfügigkeit der Aufträge, die wir erteilen können. Monopolfabrikcn ohne Konkurrenz sind natür- lich teuer. So beträgt die Steigerung des Index für Waffen und Munition 80 Pvoz. gegenüber 30 Proz. bei den sonstigen Industrie- Produkten. Nicht nur die Wehrmacht, auch den Reichswehvetat wollen wir entpolitisieren. 6s_ift ausgeschlossen, die Positionen des Wchretats vom politischen Standpunkt betrachten zu wollen.(Abg. Iaddasch(Komin.): Michel zieh dein Portemonnaie, raus mit dem Geld und Halts Maul!) Der Etat nmh so gestaltet sein, daß wir planmäßig arbeiten können. Ich bitte darum, ihn möglictsst stabil zu halten.(Beifall rechts.) Abg. Gchöpflin(Soz.): Glücklicherwesse ist die Reichswehr, wie der Minister sagt, kein Anqrisfsheer. Der Minister Hot aber nach der entgegengesetzten Seite den militärischen Wert der Reichswehr zu stark herabgesetzt. Zum Schutze der Grenzen reicht die Kraft der Reichswehr völlig aus, und sie erhöht sich noch ständig. Das sozialdemvkratisch- Wehr- Programm erkennt an, daß eine völlige Abrüstung bedauerlicherweise nicht vorgenommen werden kann, solange in Europa derartige poli- tische Zustände und Kriegsgefahren wie jetzt herrschen. Den Minister steht es nicht gut an, vom Völkerbund in derartig spöttischem Ton« zu sprechen(Gelächter rechts), wenn Herr Groener sich selbst als gemäßigten Pazifisten bezeichnet. Wir wissen, daß der Völker- bund fein Ideal nicht erfüllt, aber wir sind davon überzeugt, daß die deutsche Ration die Mission hat. Vorkämpfer der Abrüstung zu sein. Wir sind gegen die völlige Ausschöpsung aller Rüstvngsmöglichkeiten des Versailler Friedens, auch weil sie im Widerspruch zu unseren finanziellen und wirtfchasllichen Möglichkeiten steht (Widerspruch rechts, Zustimmung links.) Das Beispiel des fron- zöstschen Hseresetots ist deswegen ungeeignet, weil Frankreich nicht unsere Reparationslast zu tragen hat. Sieht man sich aber die Zahlen unseres Reichswehretats für Munitionsbeschaffung usw. an, so kann man nicht behaupten, daß wir für die Reichswehr zu wenig ausgehen.(Zuruf rechts: Das ist ja der Müller-Etatl) Ich spreche hier weder über den früheren Etat, noch für die Be- schlüjs« der früheren Regierung, sondern für die Sozialdemokratische Fraktion über den Etat der jetzigen Regierung. Wir haben im vorigen Jahr bereits Streichungsanträge«nn Reichswehretat angekündigt Wir lehnen es allerdinqs ab. bloße Agitationsanträge zu stellen. Der Reichswehrminifter hat im Ausschuß von Zus i che- rungen gesprochen, die ihm im letzten Jahr über die Höhe des diesjährigen Wehretots gemacht worden sein sollen. Ich stelle aus- drücklich fest, daß die Sozialdemokratische Partei keinerlei derartige Zusicherungen gemacht hat, also müssen noch während der vorigen Regierung die anderen Regierungsparteien unter Hinter- g e h u n g der Sozialdemokratie derartige Zusicherungen gemacht haben. Die ungeheuren Summen für Waffen- und Munitions- beschassung verteidigte der Minister bisher mit der angeblichen Not- wendigteit der Aussparung von Vorräten: das kann aber nicht jedes Jahr so weiter gehen. Die Gruudstücksgeschäste der Reichswehr sind reichlich ungeklärt wir verlangen Auskläruog darüber. Die unwahrscheinlich hohen Summen für Uebungen, Gelände- besprechungen usw. müssen«ingeschränkt werden. Unsere kleine Wehrmacht, hat über 60 Generale, die. wenigen, uns zugestandenen Offiziere avancieren zu schnell, was den Personal- «tat belastet Noch dazu sind die Summen für Unterstützungszwecke in besonderen Fällen bei einzelnen Regimentern bis zu 75 Proz. den Offizieren zugeflossen. Bei einem Regiment ist für An- fchaffung eines Zahngebisses einer Feldwebelfrau 25 M. und einer Hauptmannsfrau �00 M. bewilligt worden. Wir begrüßen, daß in den Heeresfachschulen endlich ein gutes Lehrbuch der deuffchcn Verfassungsgeschichte verwendet wird. Die Anrede der Vorgesetzten in der dritten Person könnte wirNich wegfallen. Soldatenschiadereien und Schikanen, die wir im allen Heer aufs schärfste bekämpft haben, mehren sich leider auch bei unserer Reichswehr. In einem Stuttgarter Infanterieregiment wurde ein Soldat zur Strafe gezwungen, 200 Kniebeugen zu machen. Er brach schon bei der 150. zusammen. Beim 4. Infanterieregiment befahl ein junger Leutnant einem Feldwebel, vom 12 Meter hohen Turm der Bode- anstalt hinunterzuspringen. Die Weigerung des Feldwebels mit der Begründung, er habe eben erst gegessen, wurde b e st r a f t.(Hört, hört! links.) Jeder Schwimmer weiß, daß ein Sprung ins Wasser mit vollem Magen lebensgefährlich ist. Die Zusicherungen des Ministers, diese Soldatenmißhandlungen abzustellen, verlieren beim Vorkommen immer neuer Fäll« an Wert. Wenn im nächsten Jahre gleiche und ähnliche Fälle bekanntwerden, und wir niemals «rsahren, was gegen die schuldigen Vorgesetzten geschieht, müßten wir die Versicherungen des Ministers als unglaubwürdig bezeichnen. Wenn jeder Kommandeur genau wüßte, daß jede ungestrafte Söl- datenmißhandlung seine Disqualifizierung bedeutet, und wenn die Kommandeure dasselbe den ihnen unterstellten Offizieren klar- machten, gäbe es keine Soldatenmißhandlungen mehr.(Sehr richtig! links.) Wir verlangen auch eine Aenderung des Be- sch werderechts. Wenn ein Soldat mehrere Beschwerden vor- bringt, so werden ihm seine Dienstjahre nicht zur Freude gemacht. Die Rekrutiernngsmethoden sind immer noch zu bean- standen. Wenn junge Leute bei ihrer Bewerbung vom General o b e r a r z t nicht etwa aus ihre Gesundheit, sondern aus ihre politische Gesinnung geprüft werden und bei dem leisesten Verdacht daß sie Sozialisten, Republi- taner seien oder auch nur mit solchen in Beziehung stehen, als untauglich abgewiesen werden, so kann man nicht von einer EntPolitisierung der Reichswehr reden. Uns wurde Jahr für Jahr versichert, daß das von uns oermutete Eindringen rechtsradikaler Leute in dos Offizierkorps nicht erfolge. Jetzt muß selbst der Rcichswehrminister in seinem neuesten Erlab zugeben, daß solche Gefahren bestehen und Belohnungen für ihre Ermittlung aussetzen. Die Beziehungen der Reichswehr zu Rußland, deren sie immer wieder verdächtigt wird, scheinen nach einem Artikel Poincoräs und einem Artikel Mahrauns im.�Zungdeuischen" totsächlich zu bestehen: sie werdcn als lange bekannt behandelt. Bei der Dorbringung dieser Tatsache im Ausschuß haben nicht nur die bürgerlichen Parteien, hat nicht nur.zunächst der Reichs ffiehrmnuster, sondern auch die Kommunisten, die sonst nicht zu den Schwei- gern gehören, geschwiegen.(Heiterkeit.) Die Antwort des Ministers war ungenügend. Besonders im rechtsradikalen Lager, dem Werwols usw., in den Huqenberg-Blättern wird jetzt probolschewistische Dropa- ganda getrieben, die sich in einem Falle sogar der.Germania" bemächtigt (Der Redner verliest entsprechende Stellen aus Werwolf-Mitteilungs- blättern, der„Nachtausgabe" und der„Germania".) In sämtlichen bürgerlichen Zeitungen schleicht sich diese Propaganda mehr oder weniger offen«in.(Hu— Hu! der Kommuiusten.) Zu gleicher Zeit mit der„Nachtausgabe" hat die„Rote Fahne" ein Bild von russi- scheu Tankabteilungen gebracht.(Heiterkeit.) Das Bündnis mit Rußland für«inen Krieg gegen die Westmochte wird ganz offen propagiert Wir Sozialdemokraten sind gegen alle geheimen poli- tischen Beziehungen militärischer Stellen zum Ausland, die mir den Frieden gefährden. Wir sind dafür, daß auch die Reichswehr nach Möglichkeit ein Instrument des Friedens bleibe.(Lebhafter Beifall der Sozialdemokraten.) Abg. v. Lettow-Vorbeck(Dnat): Die Anrede in der dritten Person schadet nichts und ist in der Zeit, wo Ehrfurcht vor dem Alten schwindet, zu begrüßen. Dem Offizierkorps wird nicht durch Ersaß aus dem wannschasls. stände frisches Blut zugeführt. Frisches Blut gibt es überall in der Zugend. Ich begrüße die Beibehaltung der Offiziers- kasinos als Bflegestätten der Kameradschaftlichkeit Die Reichswehr fall nicht einer Richtung dienen, sondern dem Baterland«. Selbst als Verteidigungswaffe ist die Reichswehr mit ihren 100 000 Mann und ohne schwere Geschütz« usw. recht schwach. (Zunif links: Wo, zu brauchen Sie denn die?) Nun, sogar Professor Ouidde hält eine Reichswehr für nötig bei den Verhältnissen im Osten, wo Bandenüberfälle vorkommen können usw. Die Regie- rung muß klare Stellung zum Vanzerschifs v nelynen, d. h. ja sagen.(Heiterkeit.) Durch den Wehrwillen mu unser Volk wehr- und bündnissähig werden, den Grund dazu mu die Schule legen.(Beifall rechts.) Der sozialsstssche Schülerbund aber propagiert Kriegsdienstverweigerung und Revolution im Kriegssalle. Wir aber wollen durch den Wehrwillen unser Boll wieder zum.Herrn und Messter seines Schicksals machen.(Hände- klatschen rechts.) Der übliche kommunistischs Mißtrauensantrag gegen de» Reichswehrminister wird mit Heiterkeit ausgenommen. Abg. Ersing(Z.): Die Notlage im Osten und die Abwanderung von dort hat ihren psychologsschen Grund darin, daß der Schutz der Wehrmacht gegen die Gefahr fehlt, die man fürchtet. Ueberall und ohne Parteiunterschied sollte für schleunigste Anstellung der Militär- anwärter im Gemeindedienst gesorgt werden. Zeitungen und Ver- eine, die so tun, als ob viele hinter ihnen ständen, behaupten Ge« Heimrüstungen, ermöglichen damit Hetzern im Ausland ihr« Propa- ganda und dienen keineswegs dem Frieden. Ich habe nicht den Eindruck wie Herr Schöpflinz daß der Minister vom Völkerbund immer spöttisch rede: aber vertrauen kann der Völkerbund durch Entscheidungen nichi er- werben, die nicht dem Recht entsprechen, sondern der Gewalt Recht geben. (Sehr wahr!) Es ist doch nicht erstaunlich, wenn bei uns gewisse Sympathien für Rußland bestehen, da es mit uns Frieden ohne Annexionen und Reparationen und den Freund- schsftsvertrag von Rapollo geschlossen hat. Die Siegerstaaten miß- achten die Dertragspflicht zur Abrüstung, selbst die britische Ar- beiterregierung kann trotz aller Bemühunaen nicht damit vorwärts kommen. Der Vorwurf der Sozialistischen Internati o- nole gegen Deutschland wegen des Panzerschiffs B dient auch nicht der Abrüstung, wird vielmehr gegen sie ausgenützt werden. Der gute Geist der Reichswehr wird auch durch Kriegshetzer nicht ver- darben werden, die den-Krieg im Bezirksamt Pirmasens mitgemacht haben.(Heiterkeit.) Abg. Kippenberger(Komm.): Hundert Millionen werden für Waffen ausgegeben, die die Reichswehr nach dem Frieden nicht haben darf. Arbeiter in Leipzig, die ein schwarzes Wgffenlager aufgedeckt haben, sitzen wegen Diebstahl in Untersuchungshaft. Di« F e l db e f e st k q ll n g an an der Oder, für die nachttäglich 30 Mil- lionen bewilligt werden, richten sich nicht gegen Polen, sondeon gegen Sowjetrußland.(Heiterkeit.) Das Feldjägerkorps, das nach der vorjährigen Zusicherung Groeners aufgelöst werden sollte, bewacht diese Befestigungen und baut sie weiter aus. Der Redner verliest Briese des inzwischen oerfh rbenen Kapitäns Lohmann aus dem Jahre 1929 zum Beweis für deutsch-italienssche U-Bootvcrhandlungen, und Lustkauf der deutschen Flugzeugfabriken. Offiziere der Reichswehr und des früheren Heeres bilden Arbeits- gemeinschaftem denen auch Freikorpsführer angehören. Gegen 19 Uhr vertagt das Haus die Weiterberatung auf heute. 15 Uhr. * Der Reichstag hat beim Beginn der Sitzung ohne Debatte dem Reichsfinanzminister die Ermächtigung zur Verwendung des Ertrags der Reparationsanleihe erteilt, wovon 420 Millionen der Post und der Reichsbahn zuzuwenden sind. Nur solange Vorrat reicht! Kxtra prlm» Pfülxer Weine............ Vi 0.6K Echter roter Sttßwein„Malvasier"........ Liter 1.10 Echter roter spanischer Dessertwein� süß... Liter l.LO Echter süßer, weißer Bordeaux.••••*•••. 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Vortrag:.Di« S»ziaIK«moirati« in d« Opposition". SI«s«r«nt Zlrtrir Crispi« n, M. d. R. All« Mitgli«d«r nehinrn an dieser Versammlung teil. Li.«rei, Treptom. ssreitag. 23. Mai, Ig'4 Udr, Mi tgliederoerlanrmlung der Gruppe Treptow der ssreideater im Lokal Einsiedler. Zodannisthal. Bericht von der Generalpersammliing. All«!?reid«nkergenvss«» rnstsseu au der Ver- sammlung teilnehmen. Lichte aderg und Austenbeflirke! Parteigenossen, die Kandidatenlisten»UI Eltern. detrat-nnadl autaestallt haben, inollen sofort eine Abschrift der List« an den Genossen A. Rakrapig, Lichtenberg. Eärwcrstr. 6, einsenden. Das Material zur Wahl. Flugblätter und Stimm, ettel ist am Sannabend. 24. Mai, 17 Ilbr, vom Lokal Lr NX, Lichtenberg, Magdalenenstr. 10, ab, gu holen. Heuke. Donnerskag. Z2. Mal. S. Abt. AK 18 Ubr MuM«ttr>orbr«iwng bei DodwblaV, Qayinexüintitz Stvoße 11. Niem�nb fehlen. 7. Abt. �reibenker nehmen hwite 19� Uhr an der N-i�gNeberversammlung im Hackefchen Hnf. Rvsen�haler Str. 40. teil. 87. Abt. 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ZIefereut Ernst I 97.«bt.«euZM».. Unserem bargsächrtgen Geunffeu Sastan Beffra t seiner Gattin, Seivestr. 4». die hcrziichsteu Sliickmstnsche nt SllberboMett. ng findet erst am statt. Jungsozialisten. cn und Sozialistisch««rbeiterjugeud! Di« Grupim 'ounergtag. Schöneberg neeabstaltet am Donäergiag, 22. Mai,'»« 19Vi Uhr. bei Bell, Schonebarg. Martiu-Luther�Ztr.>9. gegenüber dem Zlathau». einen Derbe« beud. Zieserevtiu Mathilde Wurm, M. b. S. Thema:.Die politisch» Lage".«He jungen Parte iqenosfuoen»ad-zenossen sowie SSZ. stob deutlichst kiugelbbe». Die Mitglieder der Volksbühne beteilige» sich an der Protestknndgebuog in den Märchensöleu gm zriedrichsham. Tressen dort nm 7 Uhr.«naweise wäg- lichst otttfrrittflCtL Prenzlauer Berg: Heute. 20 Ilhr. meMiche Schule, Danziger Str. 23. Son. serenzzimmer, Acssrat de» Genossen Suri Schulz:.Erstarrungaprobleme der «rbeiterbewegung". Gäste gern gesehen. Arbeitsgemeinschaft der Amderfrenndc. Kreil Zrirdrichrhain: Donnerstag, 22. Mai, 20 Ilbr. Kreisesiemmersamm. lung. Litauer Siratze, Zugendheim.— Landsberger Platz: Berichtigung! Di« Sreiselterupersamniluug findet nicht im Zugendheim Frankfurter«Uec statt. sondern hn Zugendheim Litguee Stratze.. Eharlotienburg: Die Helfe rsitzuna ist am 23. Mäi, 20 Uhr. Jugendheim Rosinenstratze. Zur Fahrt nach Brieselang treffen mir uns am Sonnabend um 5 Uhr am Bhf. Jungfer nhe.ide. 1 R. für Unkosten, Etzgeschirr und Trink. becher mitbringen. Geburlstage. Jubiläen usw. 36.«dt. Ehorloitendneq. Unser»« Genosse» Ernst Scheich tr»d seiner Gattin die herzlichsten Glückmiinsche zur Silbers, ch�nt. Vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner �Schwarz-Rot�old". GischSstsstelle: Berlin S. 14. Sebostianstr. 37—28. Lok 2. St. Zungdanuer! Werbeplakaie für die Pfingstfahrt nach Magdeburg stnd im Gaubüro abzuholen.— Gauoorstavd. Kameraden anderer Ortsoerein«. die die GrenzniatksaHrt zu Pfingsten mitmachen wollen, können sich noch bis zum 24. Mai beim Äanteradeu Marten. Brunneustr.IST, melden.- Deddiag: Kameraden. die Pfingsten mit nach Magdeburg wollen, müsten sich spätestens gm 2b. Ma! melden bei fiamrrad F. S lindermann, N. 31. Dem miner' Stratze 6. Fahrpreis über A Zahre 3 M.— Witte: Letzter Meldetermin für Grenzmartfahrer 24. Mai beim Kameraden Marten, Prunnenstr. 187. Später« Meldungen kdnneu nicht berücksichtigt werden.— Femtog, 83. Mai. Friedrich«, Hai», Kam. Büsching: 19' i Uhr tiameradschaftsnersammlung bei Blamer. Weserstratzc. Ersäteinen Pflicht. Reinickendors vst: Mitgliedernersammlung bei Kiehne. Restdenzstr. 9. Beginn 20 Uhr.— Sonnabend. 24. Moi. Weddinq lOrtsverein)«lle Sameraden beteiligen sich an beut republikanischen Tressen im Bürgervark, Pankont. Beginn ö Uhr. Eintritt 30 Pf. Reinickendorf, Kam. Ost: Frühlinasfest Pankow. Bürgerpark. Antreten ISVi Uhr Bhf. Pankom.Zlord. Bernau: 1»>4 Uhr Antreten im Bereiuslokal in Bannerkleidung. l9>i Uhr Ab. marsch nach Ladsburg. Reueuhagen-Alt-Landsberg: Treffpunkt 19 Uhr illordgus» gang Dorf Reuenhagen. Koppe garten. Birtenstein: ISVi Ubr Sleinbhf. Hoppe, garten. Anschließend im Lakal Schönfeld. Reuenbayen. Schmäkestratze, Monats» öerfammlung. Kameraden, füllt die Lücken im Tambourlorps aus. Uedungs» abend jeden Dienstag 20 llbr bei Rengcr in Birkenste in.— Sonntag, 23. Mai. Köpenick sOrtsnerein): Autofahrt nach Letfchin(Oderbruchl. Fahrpreis etwa 2 M. Abfahrt 7 Uhr vom Friedrickt-Wiihelm.Platz in Köpenick. Beeeiniqunq f hämo füg« Krieg sgeionqener. Berlin-Süden. Mifgltederver- fammlung Donnerstag. 2.1. Mai, 181. Uht, bei Krüzer. Grimmstr. 1. Deutscher Artwiler. Abstinenten. Bund, Bezirtsgrnpp« Friedrichshain. Am Donnerstag. 22. Mai, Lichtbildervorirag:„Tiete des Waldes". Der Vortrag findet im Jugendheim Die.stetmenerstratze um 19': Uhr statt. Theater, Lichtspiele usw. lägl.S u.S'/- Uhr. U 5 starb. 8238 Pf. 1-6 M, Woehentg. 5 U. 50 Pf.-3 M. lägl. S u. 613 Sonnt. 2.5 0 8" Alex. E 4, 8066 Tägl. 8.13 u. 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Komödie v Bernard Shaw Regie; Heim p ij per V Banowsks-BlibDeB TUgaer la dar Straumoonilr. (früher Uaigtritnr Str.) Täglich 8V, Uhr Napoleon greift ein m Wall« Bäsentlevar Komödlanhaua Täglich r/, Uhr. Kaie SMtr undidi «Bsa?. Ralph BeMtit)' Kleines Ibeat. Merkur 1624 Täglich 8V, Uhr GroBeo Erfolges wegen verlängert Gastspiel QlseU Werbeslrk in Heyer's lel Witwe Sehwink von Pritz FrudnaiVfrairiii j»W IHr. Br; Martin Zichl Komtscne Oper Fried richstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8'h Uhr Msüestat läßt blllen... MM mo Walto loHa. uistspieibaos Friednchstr. 236 Bergmann 2922/23. Täglich 8'h Uhr LescdLUmtt Amerika Lustspiel von Frank und Hirschteld Tteat. a. Fol». Tot Kottb. Str. 6 Tägl.8 Uhr Elitesanger. Kai' Festspiele RaaH ohrfeigt üinistif Vonelger dieses Inserats Vorzugs- preise. WWW Direktion: Or. Martin Ztektt WWW Komische Oper Fnulrtdistr.l 04. Usrknr 1401/4330. 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Maurice Dekobra| Für JngendU verb. oo«M(t man i od und wugr Nur aross- Berlin Alezcanderpletx Bluoenspeaden sedez«zt liefeztpreisweri R»mz>I«Tollet» 1 vorm. R»bert.Mexer MerlenvenKtretze 4\ Eck« Rnummsttotze Amt Moritzpl. 10303 (stcke GenolerstruSe) \ in freier, gesunder Loge j geräumige neuzeitliche Tk- und |3-Z.-Wolinungen| M*|f*e Miefe. 1 provisionsfrei, direkt vom Bauherrn. Beziehbar sofort. 1 VerhiBdaagea, Linie 66 undl 1 174 bis Wemcuchfiner StraOe,! [AnschluB Omnibus 41; Linien« 1 33, 68, 168 bis Hcrzbcrgstr,.Eckel I Siegfriedstr.; Linie 8 bis Lands- 1 berger Chaussee. ieraiBtoDisto auf i laBShile. I l Wochent 9—7, Sonnb 10—8 Uhr.l I Ffimsor-: UfflMtarg 4.1751 Typographia Besonderer Umstände halber beginnt die AabcrordeaUidie Generalversamm- lang am Sonntag, dem 25. Mai nicht um 10 Uhr, sondern um 11 Uhr. Oer Vorstand. Das ist der rechte Laden wo LOBA aus dam Faastar schaut. Dort glbfa dasfärbond« Bohnerwachs L O B A- Balz«, dl« wa&se rechts. 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Tagesordnung:»tinlMUuiW des KlllimentsrUrertraüefi und Avisielluna der kardenwaeu. ssulritt nur gegen Vorlegung der mit dem VBMF.-Stembel versehenen Leaittmationskarte und des BerbandSbucheS emer dem MetalUartell onge- fchlostenen Organisation. Denlsdier Metallarbeiter-VerbaDd Verwaltungsstelle Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Ernst Springstobbe geboren 3. April 1859, am 17. Mai gestarben ist. Ehre seine« Andenken! Ds« Einäscherung findet Freitag. den 23. Mai. 18 Uhr. Im Krematorium Berlin, Gerichtstratzc statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Die Orl»,ci woltnng. Am 20. Mai verschied nach längerem, schwerem Leiden unser lieber Vater. Echmieger, und Großvater. Bruder. Schwager und Onkel, der frühere Ztohrleger Karl Pinke im Alter«o» fast 74 Jahren. Die trauernden Hinterbliebene». Berlin kl 58. 22 Mai 1930. Koesörer Str. 3. Einäscherung am Sonnabend, dem 21. Mai. 19>/, Uhr, im Krematorium Gerichtstratze(Srotze Halle). Kranzspenden dankend verbeten. besllesdunistzstiiclle, V/äsctie usw. iBtntq qetrapeve Kavaliergardeeode von Millionären. Äerzten, Anwälten. Fabelhast billig- Preise. Empfehle Taillenmäntel, Paletots. Fracks. Smo- kinas. Sehrockanziche, Holen. Svorl», Gehpelze. Gelegenheiteläufe tn neuen Garderobe. Weitester Weg lohnend. Lothringerstratze 56, 1 Trepp«, Rosen- thaler Platz._* Boa Kaoaliere» wenig getragene. teils auf Seide, und neue Jackettanzüge. Smokingonzüg«, Abendonzüge, Frack. auzüge. Ulster, Paletots, Bauchanzüge. febe Figur passend. Serren. und Damenpelze.«norm billig. Leine Lom- dardwaie. Leihhaus Friedrichstratze 2. Hallesches Tor__* Geschäftsanflösung. Getrogene Heeren» gaederobe. gut erholten, nur Matz» lachen. Berious zu Schleuder» preisen. Anzügr von S,—, Sommer- paletots van ö,—, moderne Frackanzüge von 20.— an. Nie wiederkehrende Ge. legepheit. nerkaufe für jeden onnelpn» baren Preis. Nur wenige Tage. Schnur- mocher, Neukölln. Weser stratze 2»4. 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IRal, benön 7 Uhr, im<9cit>ec((d>aKi hau», ttngelufet 24 25(Saal 3) Branchen-Versammlung Tagesordnung I. Vortrag über: .Die Entwicklung der deutschen Gewerkschaften" 2 Branchenangelegenheitev. S. Diskussion. WitgUedsbuch legitimiert All' Kolleginnen und Kollegen werden ersucht, bestimmt zu erscheinen. Soaaabeo», den 24. Stol, abend» 2 kkhr. Im Cotal oan Sachse, CiaSoowc Stratze 26(wedbiag) Branchen- Versammlung der Kesseiscnmiede und dar dazugehörenden Berufe Tagesordnung: 1. Jahres- und Kassenbericht 2 Neuwahl. 3. Branchenaugelege» heften und Ber. Ichtedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein gutritt. Da» Erscheinen aller Sollegen ist un» beding« noiwendig. veruiaitungsmitglieder! Am Freitag, dem 23. Mai, obd». 7 Uhr, Sitznag dem Mittleren Ortsoerwal tting. via vrttvarvsltung. Penhssgting. Für die herzliche Teilnahme beim Hinscheiden unseres Sohnes Martin Knobel sogeu wir allen denen, dir unserer in den schweren Tagen gedacht haben, aus diesem Wege unseren herzlichste» Dank Insbesondere danken wir sllr die trostreichen Wort« dem Stablral Genoffen Klusener Im Namen ber Hinterbliebenen Brust Knödel nebst Fron. Berlin O 112. MSbeNäufez werke Kredit und bar Möbelbazar. große Auswahl, kletn« Preise I Beikvielswrilr: Schlostnuttnec 455.—. Epeisackmmee 517,—, Heere Utzimmer 388,—, Spiegelschranke 118,—. Dielengarnitur 38,-�« Anrichteküche 99.—, Messsngbetlstells 66,—. Kleiderschränke 48,—. Chaise» longues 28,—, Melgllbettstelle 18,—« Auflegematratze 13,—. Sonstige Möbel angemessene Preise. TeUzahIung aus» schlaafrri. Wochenraten, Monatsraten. Kassarabatt bis zehn Prozent, auch auf Anzahluugen.»leine auch ohne Ansah- lungeu. Kredite dj, zwei Jahre. Mätz. Kius. Katalog franka. Hauptgeschäft: Sieglitz. Schlotzstratze 107: 2. Grichäfi: Neukölln. Hermannplatz 7; 3. 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Beilage des Vorwärts Donnerstag, 22. Mai 4930 m Gchieles Roggenpleite. Immer neue Aufpulverungsrezepie.— Zotlerhöhung für Salzheringe! Die Erfolglosigkeit der Schieleschen Großagrarier- Politik wird immer mehr offenbor. Schiele hatte der Landwirt- schaft einen Roggenpreis von 230 Mk. pro Tonne versprochen. Seit seiner Amtszeit ist der Roggenpreis eher gefallen als gestiegen. Er kann nur durch Stügungskäuse mühsam auf seinem bisherigen Stand gehalten werden. Die Agrarier verlangten nun neue„M a ß n a h m e n". Zu welchen Forderungen sie sich dabei verstiegen, zeigt am besten die Totsache, daß die dem Ernährungsminister nahestehende Korrespon- denz des Deutschen Landwirtschaftsrats ausgerechnet einen Zoll a u s H i r s« verlangt, um den Roggcnpreis zu stützen! Der Ernährungsminister selbst fordert 10 Millionen für ver- billigte Abgabe von eosiniertem Roggen zu Fütterungszwecken und 1 Million Ma r k zur Förderung des Absatzes von Kartoffelpräparaten. Bereits feit längerer Zeit hat die Getreidehandelsgefellschaft auf Anordnung Schieles in Nordwsstdeulschland mit Eofin gefärbten Roggen, den sie selbst mit 170 Mk. bezahlt, für 130 Mk. pro Tonne verkauft. Um die entstandenen Verluste zu decken, werden neue Mittel angefordert. Insgesamt sollen so 100 000 Tonnen Eofin- roggen in Nordwestdeutschland der Verfütterung zugeführt werden. Grundsätzlich haben wir dagegen nichts einzuwenden, aber es ist überflüssig, daß dafür neue st a a t l i ch e Mittel zur Verfügung gestellt werden: denn wenn die alte sozialdemokratische Forderung, es bei einem Futtergcrstenzoll von 2,— Mk. für diejenigen Landwirte zu belassen, die neben 2 Zentnern ausländischer Futtergerste 1 Zentner deutschen Roggen zu Verfütterungszwecken kaufen, durchgeführt wird, dann ist eine Verbilligung des deutschen Roggens unangebracht und es erübrigt sich, neue zweistellige Millionenziffern, wie das Schiele will, zur Beseitigung der Roggen- Überschüsse aufzuwenden. Die angeforderten 10 Millionen Mark sollen nach Schieles Plänen auf die Belastung der Reichskasse durch Einfuhrscheine (Exportprämien) mit angerechnet werden. Bekanntlich sind die Einfuhrscheinerhöhungen der letzten Wochen unter der Bedingung angenommen worden, daß die Belastung der R e i ch s k a s s e insgesamt im laufenden Jahr trotz erhöhter Einsuhrfcheine nicht gegenüber dem Vorjahr gesteigert wird. Wenn der Ernährungs- minister nunmehr aus diesem Einfuhrscheinfonds 10 Millionen fordert und außerdem der Export mit erhöhten Einfuhrscheinen bereits wesentlich ausgedehnt wurde, dann werden di« zur Verfügung stehenden Mittel spätestens im Juli oder August erschöpft sein. Der Ernährungsminister weiß das: denn er soll neuerdings verlangen, daß die durch die neuesten Zollerhöhungen vergrößerten Zolleinnahmen dem Foiüis der Exportprämien(Einstihr- scheine) zufließen. Diese Forderung widerspricht dem Gr. fetz: ans keinen Fall dürfen di« erhöhten Zolleinnahmen gegen die erhöhten Ausfuhrprämien aufgerechnet werden. Neben dieser Maßnahm« fordert der Ernährungsminister bereits jetzt die Verlängerung des unglückseligen Ver- mahlungszwanges von Inlandweizen über den 31. Juli hinaus, also für das nächste Jahr. Es soll also auch weiter- hin das deutsche Getreide unnütz in Deutschland spazieren gefahren werden. Für die Schweineausfuhr wünscht der Ernährungsminister ein Sondergesetz, um den Export zu konzentrieren. Schließlich will Schiele noch eine Erhöhung des Zolles für— Salzheringe! Wir sind sehr neugierig, zu erfahren, seit wann in der ostelbischen Landwirtschaft Salzheringe gebaut werden, deren Preis durch Zollmaßnahmen zum Besten der deutschen Land- Wirtschaft noch besonders gehoben werden muß. Zu wessen Nutzen die Verteuerung dieses Artikels durchgeführt werden soll, ist un- erfindlich. Oder soll auch hier der Roggenverzehr dadurch erhöht werden, daß man das Essen von Salzheringen verteuert? Neues von Mansfeld. Gteuer- und Tarifvoi teile.- Wachsamkeit weiter geboten. Wie wir an anderer Stell« dieses Blattes mitteilen, ist der erste Schlichtungsversuch zwischen der Mansfeld-Verwaltung als Arbeit- gebor und der Gewerkschaften durch beiderseitig« Ablehnung der Schlichtervorschläge erfolglos gewesen. Di« Mansfeld- Verwaltung stellt sich auf den Standpunkt, daß sie— nach ihrer eigenen Rechnung— ein verbleibendes Risiko von 4 Mil- lionen Mark, das sich nach Einrechnung von Steuererleichterun- gen und Frachterleichterungen ergebe, nicht tragen könne. Sie ist also kühn genug, die Durchführung ihres höchst zweifelhaften Notprogramms hundertprozentig gesichert zu verlangen. Wie wie hören, Ist di« Mansfeld-Verwaltung auch gegen eine staatliche Subvention. Allzu schwer dürfte sie also selbst ihre gegenwärtige Situation nicht einschätzen. Im Preußischen Landtag, und zwar im Handelsausschuß, wurde gestern die Frage Mansfeld ebenfalls behandelt. Angenommen wurden ein deutschnationaler Antrag, der steuerliche Er- leichterungen für Schieferbergbau und Hüttenbetrieb und die Gewährung von Ausnahmetarifen empfiehlt, ein Antrag der Deutschen Volkspartei, der den Gemeindeverbänden die Verwendung von Mansfelder Schlackensteinen für Straßen- bauten nahelegt, und ein sozialdemokratischer Ergänzungsantrag, nachdem ein« Prüfung verlangt wird, ob eine staatliche Subvention nach Durchführung solcher Mahnahmen noch er- forderlich ist. Man wird das Ergebnis der preußischen Initiative zunächst abzuwarten hoben, da Preußen selbst über die meisten der vorgeschlagenen Maßnahnren ja nicht entscheiden kann. Gegenüber der Mansfeld-Verwaltung wird nach wie vor große Zurückhaltung und Wachsamkeit am Platze sein. Sie erklärt sich zwar gegen Subventionen, aber nur, weil sie ihre Lohndruckabsichten voll durchführen und außerdem um jeden Preis eine staatliche Kontrolle verhindern will. Für ein sehr gutes Gewissen spricht das nicht. Die Mansfeld-Verwaltung argumentiert auch so, wie sie es jeweils braucht. Das zeigt die Tatsache, daß im Stillegungsantrag vom 30. April 1930 gesagt wird, daß der Kupferschieferbergbau und Hüttenbetrieb mit dem Kupfer- und Messingwerk in Hettstedt für den Gesamtkonzern von „ausschlaggebender Bedeutung" sei. Am 26. März 1929, ein Jahr vorher, als es noch Niesengewinne und hungrige Aktionäre gab. erklärte der Generaldirektor in der Generalversamm- lung, daß der Umsatz von Kupfer, Silber und Nebenerzeugnissen des Kupferschieferbergbaus„n ur knapp ein Drittel des Ge- samtkonzer n Umsatzes" betrage,„so daß das Gesamtergeb- nis infolgedessen nur mit diesem Anteil vom Erzbergbau abhängig ist". Man sieht, im Mansfeld-Konzern werden zwei Sprachen gesprochen. Das kann für die Beurteilung des„Not"programms von allerhöchster Bedeutung sein. Im übrigen wird berichtet, daß in den ersten vier Monaten des Jahres 1930 die Kupfererzförderung bei Mansfeld mit 322 860 Tonnen nicht unerheblich über der entsprechenden Vorjahrs- förderung lag. Nadioabfchlüffe. Transradio 8 proz, Loewe-Radio 5 proj. Dividende. Die Transradio A.-G. für drahtlosen Ueberseeverkehr, die von dm beiden Elektrokonzcrncn Siemens und AEG. beherrscht wird, konnte im Jahr« 1929 ihren Gesamtoerkehr nach Uebersee um IS Proz. erhöhen, während das Vorjahr ein« Steigerung um 22 Proz. aufwies. Die Einnahmen stellten sich auf 6,38 gegen 6 Millionen Mark, während sich die Unkosten von 4,26 auf 4,61 Mill. Mark erhöhten. Aus dem kaum veränderten Reingewinn von 1,39 Mill. Mark wird wieder«ine Dividend« von 8 Proz. gezahlt. Nach dein Verwallungsbericht wunden die Kurzwellenanlagen weiter ausgebaut und sechs Sender neu in Betrieb gestellt. Für den Nachtverkehr mit Amerika sollen zwei weitere Sender aufgestellt werden. Im Berichtsjahr traten zu den bestehenden Verbindungen noch Funkverbindungen mit Siam, Ehile und Mexiko hinzu. Im neuen Jahr wird eine Steigerung des nordotlantischen Tele- grammverkehrs erwartet, sobald die amerikanische Radio Corpo- ratio» wichtige Plätze in den Vereinigten Staaten durch neue Funk- linien mit New Uork verbunden hat. Die für die Erweiterung der Anlagen nötigen Mittel erhielt die Gesellschaft, wie schon früher, durch die D e u t s ch e R e i ch s p o st. Zugleich veröffentlicht die Radio A.-G. D. S. L o e w e, Berlin, den Abschluß für ihr erstes Geschäftsjahr 1929. Im Berichts- jähr hat die Gesellschaft ihr« verschiedenen im Rahmen von G. m. b. H. betriebenen Unternehmungen in einer Aktiengesellschaft zusammengefaßt. Das Kapital von 1,5 Millionen Mark erhält für das erste Geschäftsjahr eine Dividende von 5 Pro;. Der Berwaltungsbericht bezeichnet den Ablauf des letzten Geschäftsjahres trotz des Konjunkturrückschlages als g ü n st i g, besonders wurde der Export ausgebaut. Der allgemeinen Richtung folgend ging auch die Gesellschast in steigendem Maße zur Fabrikation von Netzanschluß- Radiogeräten über. Verwste in der Gamtindusirie. Der führende deutsche Samtkonzern Mechanische Weberei zu Linden bei Hankiover gehörte seit der Stabilisierung der Mark zu den rentabelsten Textilunternehmen Die Dividenden von 1924 bis 1927 waren auf 15 Proz. stabilisiert und auch 1923 konnte die Gesellschaft noch hohe Aktionärgewinne von 10 Proz. ausschütten. Der für 1929 ausgewiesene V e r l u st von mehr als einer halben Million muß daher überraschen, besonders da der Umsatz sich noch erhöht hat. Die schlechten Preise im Auslandsgeschäft, das in großem Umfang betrieben wird, werden zwar in erster Lim« als Verlustquelle genannt, doch scheinen die Hauptverluste aus nicht eintreibbaren Forderungen entstanden zu sein. Die Frage, ob diese Verluste durch leichtfertig« Finanzierungsmethoden oder durch nicht vorauszusehende Zusammenbrüche entstanden sind, muß offen vleiben. Die Entwicklung im laufenden Jahr macht die Verwaltung von der Mode abhängig. RekordprofitefürSchallplatien. Polyphon und Ondström zahlen 20 Prozent Dividende. Die Schallplattenkonjunktur hat auch im vergangenen Jahr« von ihrer Stärke nichts eingebüßt. Trotzdem hoben die großen Konzerne in Deusschland wie im Ausland es auch 1929 nicht für nötig gehalten, ihre hochgeschraubten Preise zu senken, sondern haben den Kulturhunger der Massen in rigorosester Weise ausgenutzt. So fällt es der Polyphon A.-G. in Leipzig auch nicht schwer, auf ihr erhöhtes Kapital von 17 Millionen wieder die Rekord- dividende von 20 Proz. zu zahlen, wofür diesmal 3,4 gegen 2,5 Millionen Mark erforderlich find. Der schon 1927 verdoppelte Betriebsgewinn von 4,6 Millionen Mark, der im folgenden Jahr« 6,5 Millionen Mark erreichte, ist 1929 aus fast 7.4 Millionen Mark gestiegen. Dagegen liegen die Unkosten trotz Jahr für Jahr ge- wachsener Produktion nur ganz wenig über dem Stand von 1927, ein Zeichen, wie das Unternehmen auch von der Rationalisierung profitiert hat. Der Umsatz, der seit Jahren eine ununterbrochene Aufwärtsbewegung durchgemacht hat, ist auch 1929 weiterhin um 10 Proz. gestiegen. Auch die L i n d st r ö m A.-G. in Berlin, die zu dem anglo- amerikanischen Columbia-Konzern gehört, zahlt für 1929 wieder 20 Proz. Dividende. Dieses Unternehmen hat schon in den vorhergehenden Jahren in einem derartigen Umfang Reserven aufgespeichert, daß es der Verwaltung schwer fällt, noch irgendwo in der Bilanz ein Ventil zum Verstecken der Gewinne zu entdecken. So find der gesamte Maschinenpark, die hochwertigen Patente, Matrizen und Modelle samt und sonders auf 1 Mark(!) abgeschrieben, obwohl allein in den beiden letzten Iahren fast 3,5 Millionen neu in die Anlagen gesteckt wurden. Auch in den Grund- stücken und Gebäuden, deren Wert in der Bilanz trotz umfangreicher Neubauten auf 2,6 Millionen Mark zusammengeschrumpft ist, stecken schwere Reserven. Wie die Gesellschaft im Gelde schwimmt, zeigt das enorme A a- schwellen des Bankkontos von 2.6 auf 7,2 Millionen M. Damit übersteigt allein das Bankguthaben die Höhe des Aktien- kapital? mit 7 Millionen Mark Dazu kommen noch weiter« Forde- rungen von rund 11,4 Millionen. Dieses außerordentliche Anwachsen der flüssigen Mittel soll durch Erhöhung des Postens„Schulden und Rückstellungen", der sich auf 15,9 gegen 9,7 Millionen Mark stellt, verschleiert werden. Es liegt aber auf der Hand, daß die Ver- waltung in diesen Posten millionenhohe Beträge zurück- gestellt hat, um den Gewinn nicht über eine bestimmte Höhe steigen zu lassen. Die Abschlüsse dieser beiden Großunternehmen beweisen, daß die Schallplattenindustrie mit Hilfe ihrer rücksichtslos hochgehaltenen Preise eine Profitrate erzielt, die jedes gesunde 9Jiaß vermissen läßt. Aber die Herren Schallplattenfabrikanten, die heute noch auf sehr hohem Roß sitzen, sollten wissen, daß icder zu straff gespannte Bogen einmal reißt und daß auch jede auf die Spitze getriebene Zlusbeutung breiter Käuferschichten sehr schnell ihr Ende findet. 3n der Krise auch noch preiserhöhuitq. Der Zinkwalz- werksoerband Hot mit Wirkung vom 21. Mai den Grundpreis für Zinkbleche weiter um 75 Pf. je' 100 Kilo erhöht. Der deutsche Unternehmerverstand hält also in der Tat Preis- erhöhungen auch in der jetzigen Zeit schwerster Krise noch für geboten! höhere deutsche Kupfererzeugung im April. Die deutsche Kupserhüttenprodnttion stellte sich im April 1930 auf 4805 Tonnen gegenüber 4934 Tonnen im März 1930. Di? dmtffe Kupferraffinadeproduktion(Raffinade- und Elektrolyt. kupier) betrug im April 1930 11237 Tonnen gegrit 10 645 Tonn n im März 1930. Oividendenerhöhnng in der chemischen Tndustrie D>« I. D. R i e d e l A.- G. i n B e r l i n, die in der Hauptsache pharmazeuttsche Produkte und medizinisch« Spc.ziatpräparate herstellt, konnte ihren Reingewinn im Betriebsiahr 1929 von rund 491 auf 864 000 Mark erhöhen. Die Dividende wird von 4 auf 5 Proz. herausgesetzt. Die Ilmsatzsteigerung im letzten Jahr wurde Haupt- sächlich durch gesteigerte Ausfuhr in technischen und Pharma. .zeuttschen Chemikalien erzielt. Die gesetzliche Reserve, die bei einein Kapital von 10 Millionen bisher nur 200 000 Mark betrug, wurde aus der Ueberweisung amerikanischer Frcigabegeldcr in Höhe von 800 000 Mark auf 1 Million ausgefüllr und erreicht damit den vom Gesetz vorgesehenen Stand von 10 Proz des Kapitals. Die englische Arbeitslosigkeit ist bis zum l3. Mai um meitere 27 504 auf 1 739 500 Personen gestiegen. Sie ist um rund 6 3 5 0 0 0 Personen größer als zur gleichen Zeit des Vor. jähr es. Der internationale Charakter der gegenwärtigen Krise zeigt sich darin sehr deutlich. Auch der gesamte Weltnußenhandel ist in den ersten vier Monaten dieses Jahres im Vergleich zum vec- gangenen Jahr« zurückgegangen. England sst besonders itark davon betroffen. Z)/b garten Organa dos JCaCses sind bei der Frau Qmpfindßicfier aSs beim Wanne, Z)ie 'ZigareUen können Sie oftne �edenhen und mii Qenuß raucßen. 0� _ 0\\ß� txctf �...» v»'— J------------ Slq werden nie einen raufien HihCc flohen! Vo� f Gideon GWele: ff ffCt�l VI Disssr Tage überwies mir dos anatomische Institut eines Kronkenhauses in Mitwauke«. Vereinigten Staaten von Amerika, 100 Dollar. Auf der Rückseite des Postabschnitts stand vermerkt: „Im Auftrog von Herrn Dr. phrl. Emil Banzhaf t-' Das Kreuz hinter dem Namen erschüttert« mich. Es ließ eine Freude über die <55«Mumm«, so gut ich sie auch aeb rauchen konnte, nicht mrskommen� Banzhaf war ein lieber Freund von mir gewesen. In München hatte» wir Kollegs zusammen gehört. Ohne uns zu verabreden. lvaren wir uns dann später immer wieder über den Weg gelomen. — Daß wir uns zum letzten Mal gesehen hatten, lag Jahre zurück. Und nun war Banzhaf tot. War er krank gewesen? War er einem llnglücksfall zum Opfer gefallen? Was hatte ihn veranlaßt mir hundert Dollar zu vermachen? War er, dessen Kasse, solange w,r uns kannten, an chronischer Ebbe litt, in Amerika zu Vermögen gekommen? Am andern Tag brachte der Postbote einen Brief, der mich auf- klären sollte. Er war von der Hand meines Freundes geschrieben und lautete also: Milwaukee, 15. Oktober 1929. Lieber Freund. Ich habe etliche Mordsdummheiten gemacht. Die erste war die, daß ich mich von einer Flieg« ins rechte Bein st-chen ließ, einer richtiggehenden hundertprozentigen amerikanischen Feld-, Wall)- und Wiesenflieg«. Die zweite war, daß ich kratzte, als es juckte, anstatt die Gemütsstärke auszubringen, nicht zu kratzen, als es juckt«. Und die dritte war, daß ich meine Flossen nicht wusch, eh« ich kratzt«, als es juckte. Resultat dieser drei Totbeslande: Blutvergiftung, die Amputation des rechten Veins nötig machte. Weil ich es mir aber sehr wenig spaßhast vorstelle, mit"dem linken Bein allein in der Welt heruMzuhumpeln, an dem überdies zwei Zehen fehlen, die ich mir in Rußland erfror, schlucke ich nach Beendigung dieser Epistel ein halbes Kilo Vonmal, das mir der Krankenwärter zur Ver« sügung gestellt hat, ein oernünstiges Individuum, das der Auf- saffung huldigt, daß wir, wenn wir schon das Recht hätten, unser Leben zu leven, auch jenes hoben müßten, es zum Sterben zu bringen. Uober meinen Tod komme ich hinweg in dem Gedanken, daß er originell ist. Oder hast Du gehört, daß sich jemals jemand den Witz geleistet hat. sich von einer Fliege torstechen zu lösten? Ich habe ein herrliches Leben gelebt, mein Freund. Nur Hobe ich nichts Reddes mit ihm ansangen können. Ich bin stets daran gescheitert, daß es.zwei Seiten hat. Ich schlug mich nmner aus die falsche Seite, um dann erkennen zu müssen, wo die richtige ist. Weil ich also verdammt wenig nütz war, soll wenigstens mein Abgang nutzlich sein, indem ich meinen corpus für hundert Dollar, die an Dich auszahlbar sind» der Anatomie verschreibe. Kein« Wider- rede, altes Haus. Ware es nicht eine Zlffenschande, wenn ich davor gurückschrecken würde, meinen nochmaligen Kadaver zu efsektuieren? lind Du, mein Lieber, hast den Erlös aus ihm um mich verdient. Denn es will mich dünken, daß Du der eingige Mensch bist, der mir wohlwollte. Wenn Du dieses Gekritzel erhalten hast, mein Freund, schweb« ich bereits als Geist über den Wassern. Als solcher erwarte ich von Dir, daß Du in Deinem stillen Kämmerlein eine Flasche Wein aus mem Wohl leeren wirst. Und wenn Du ein übriges tun willst. lohst Du Dir ein n-ttes kleines Mädchen dazu ein und hast sie in meinem Nomen lieb. Letzteres jedoch mir, falls Du nicht in zarten Banden einer besteren HSlste schmachtest. Das Leben ist reichlich kurz, mein lieber Freund!... Noch Dein Emil Vanzhal. Dieser Brief machte in mir das Bild meines Freundes lebendig, wie er leibte und lebte. In nachfolgendem seien ihm.zum Gedächtnis einige � Erinnerungen aufgezeichnet. * Emil Aanghaf war ein großer dünn» Mensch, hrmer dem die Gastenjungen„langer Lulatsch" herschrien. Seine Bewegungen waren langsam und mechanisch, als ob der, der ste ausführte, nichts von ihnen wüßte. Und er wußte auch von nichts. Er war stets in Gedanken versunken und in Ideen verstrickt, die ihn gänzlich ge- fangennahmen und die er. wenn er jemand gsfunden hatte, der ihm zuhörte, mit einem Aufwand an Pathos verkündet«, das in keinem Vorhöllnis zu dem von ihm Mitgeteilten stand. Pathetisch war auch der Ausdruck seines Gesichts. Feierlich saß ihm eine Gelehrtenbrille aus dickem, bläulich schimmerndem Glas auf der klastisch geformten Nase. Die Augen leuchteten wie bei einem Boptistenprediger in erhabenem Glanz. Was aber den ganzen, verboten aussehenden Kerl so ungemein anziehend machte, war, daß man fühlte, welch großen Wstand er von sich selbst hott«, und daß er genügend Inkelligeng befaß, sein eigenes Gehl« und Gehabe zu ironisieren. Das geschah wiederum mit Pathos und die Wirkung war durch- schlagend. Im Jahr« 1912 lernte ich Emil Banzhof m München kennen. Wir trafen uns im kunsthistorischen Seminar eines bekannten Pro- festors und gingen lang« Zeit aneinander vorüber, bis wir uns anläßlich einer Exkursion zusammenfanden, die unternommen wurde. um uns Studenten in die architektonischen Schönheiten der Isarstadt «iiMweihen. Wir standen— so an die zwölf Wissens chaftsbeslisten«— vor der Febdherrnhalle mit unserem Profestor. der dieses schöne Bau- werk mit der Lauge seines Scharfsinns übergoß und zum Schluß auf die Löwen zu sprechen kam. die bekanntlich die Feldherrnhalle flankieren. Er konnte sich nicht genug darin tun. die Kraft und Schönheit der in Stein gemeißelten Wüstenkönige zu betonen. Wir Studenten murmelten beifällig. Nur Banzhaf schien nicht recht einoerstaiZden zu sein. Schon während der Profestor sprach, war mir aaefgsfallen, daß er um die Löwen herunMkrochen war und sie eingehend von vorn und hinten, von links und rechts beguckt hatte wie ein Tierhändler dos lieb« Vieh. Jetzt äußerte er unverhohlen fein Mißfallen. „Aber Banzhaf", sagte der Professor,„sehen Sie nicht, mit welch großem Können disse Tierplastiken gestaltet sind?" .Ich sehe!" erwiderte dieser. „haben Sie denn kein Gsfühl dafür, mit welch vollendeter Harmonie diese Standbilder in das Gefamtmoiuimevt eingegliedert sind?" fragte der Projestor weiter. „Ich habe das Gefühl dafür", verteidigt« sich Banzhaf. Der Profestor wurde ärgerlich: .Ja, vias in drei Teufels Namen haben Sie dann auszusetzen?" Und Banzhaf, der sich verkannt sülstte, erwidert« fei»lich und voll tiefen Ernste«: .Ich habe an dem Monument auszusetzen, daß die Löwen �--- geschlechtslos sind!" Der Professor drehte Banzhaf den Rücken zu und würdigte ihn keines Blickes mehr. Die Studenten belachten den Ausspruch als Witz. Mr ober ging auf, daß er durchaus ernst gemeint sei, was mir Banzhaf dann auch bestätigt«: »Lann ich zu einer ästhetischen Wertung einer Tierplastik vor- dringen, wenn nicht einmal ihre zoologischen Vorbsdingungen er- iüllt sind? Kann eine Tierstotue Kraft ausdrücken, wenn ihr das Organ fehlt, das vorwiegend das Merkmal von Kraft ist?" Ich bot weine ganze Beredsamkeit auf, um BoniZhaf zli überzeugen, daß er bei der Bewertung von Kunstwerken von falschen Voraussetzungen ausgehe. Cs ist mir nicht gelungen. Wir disku- tierten einen Tag und eine Nacht und noch einen Tag. Gelungen ist mir lediglich, das Vertrauen de» langen Menschen zu gewinnen» der sich ernst genommen fühlte, was ihm selten passieren mochte und der mir deshalb in Zukunft mit rührender Treue anhing. So sind die geschlechtslosen Löwen an der Feldherrnhalle in München das Fundament unser» Freundschaft geworden., * Im Frühjahr 1916 hatten Emil Banzhaf und ich uns zufällig auf einer Landstraße in Rußland zwischen WLna und Kvwno wiedergetrvffen. Banzhaf bskand sich mit seiner Batterie auf dem Vormarsch. Ich kam soeben aus dem Urlaub und suchte meinen Truppenteil. Das Wester war unwirsch und rauh. Einmal regnete«s, dann schneite es. Dann trat die Sonne an den Himmel und taute den harten Erdboden auf. Und endlich wurde es wieder kalt, so daß die unzähligen, mit Waster gefüllten Tümpel aus der Landstraße sich mit einer heimtückisch dünnen Eisschicht überzogen. Um unsere erstarrten Glieder zu erwärmen, waren wir vom Protzkasten des Geschützes, auf dem wir saßen, heruntergestiegen und trotteten, uns an philosophischen Gesprächen ergötzend, hinter einem Pferdegespann her. Da überkam einen der Gäule ein Rühren und er ließ in seiner Unschuld dem guten Banzhaf etwas vor die Füße fallen, in das dieser bestimmt hineingetreten wäre, wenn ich nicht aus Leibeskräften gebrüllt Höste: „Vorsicht, Pferdeäppel!" Mein Freund Banzhaf sprang zur Seite und zwar misten in eine mit einer Eisdecke überzogene Pfütze hinein. Er sank«in über die Knie bis zu den Oberschenkeln. Der Batteriechef, der soeben vorbeigeritten kam, baiahl dem Gefreiten Banzhaf, an Ort und Stelle zu verbleiben und darauf zu achten, daß keines der nach- folgenden Gefährte in das Loch gerate. Und d» Gefreite Banzhaf blieb eine geschlagene halb« Stunde lang knietief im Eiswast« stehen, well« annehmen mochte, die drohende Gefahr auf diese Weise am anschaulichsten zu demonstrieren. Nach einer weiteren halben Stund« gelangt er wieder vorn an der Spitze der Basteri« bei mir an. Und er begann, als ob keinerlei Gesprächspause gemocht worden sei. an meine letzten Worte an- zuknüpfen: „Der Ausdruck.Pferdeapfel', mein Liober, ist ein« faliche Zu- sannnenkoppelung zweier Begrifje, die nicht dos geringste mit- einander.zu tun haben und die wir endgültig aus unserem Sprach- schätz streichen sollten. Der Apfel nämlich ist die sehr nahthafte und wohlschmeckende Frucht des Apfelbaumes,«in wertvolles Geschenk der Nawr, also ein Ausbau Produkt. Die Exkrement« de? Pferdes hingegen sind weder eine nützliche Frucht noch sonst eine bedeutsame Gabe der Natur. Sie dürften weder wohlschmeckend noch nahrhaft sein. Sie sind vielmehr ein Zerfall-, Abbau- und Zersetzungsprodukt." Nach dieser Rede konnte ich den langen Banzhaf nur stumm und mit ehrnirchtigscheuer Bewunderung von der Seite anschauen. Am Wend stellte sich dann heraus, daß Banzhaf sich in der Eis- pfütze, in der er gestanden und das Wort Pferdeapfel unter die kritische Lupe feines erleuchteten Verstandes genommen hatte, zwei Zehen feines linken Fußes erfroren haste. * Zum letztenmal begegnete ich Emil Banzhoi in Berlin 1920 im Kaffee Größenwahn am Kurfürstendamm, in destm Hallen damals die Bohdme verkehrt« und das heut« unter anderen Namen ein solideres Däfern führt. Barylhaf mar im Begriff» feinen Doktor zu Ofe ItVibux: Sfelgiem ArbeUer schule In einem alten, schattigen Park, desten hohe Bäum« wie schützend ihr« Zweig« üher das Haus breiten, liegt Belgiens Arbeiterbildungsschule. Etwa 40 Minuten fährt man mit der Elek- irischen vom Hauptbahnbof Brüssel nach der Vorstadt U c c l e zuerst durch enge, alt« Gasten, an den Proletarierwohmingen der Unterstadt vorbei, dann durch breit«, von vohen Bäumen einge- säumte Boulevards nach der Waterloo-Ehoustee. Nur wenig« Schritte von 0» Haltestelle entsernt sind wir schon am Ziel. Durch eine eiserne Pforte treten wir«in. Grüne Rasenflächen, Blumen- beete, blühende Sträucher und Bäum«, wohin auch der Blick schweift! Welch ein Bild der Schönheit und Stille, de» Friedens und der 'Sammlung! Breite, kiesbedeckte Wege führen noch den Schul- und Wohngebäuden, in denen belgisch« Sozialdemokraten ihr« geistige Schulung zum Wohl ihrer gesamten Klaste vertiefen und erweitern. Man spürt etwa» von diesem harten, ernsten Ringen, wenn man in die Räume eintritt. Man fühlt, daß hier Menschen mit Begeisterung und Eifer an der Arbest sind. Jedes BUd an der Wand«zähst, daß hier ein einziger gsfchostener Wille herrscht, daß ausschließlich Kräfte der belgischen Arbeiterschaft dieses Haus«r- füllen. Die Arbeiterbildungsschnle ist das Werk einer großen, ziel- bewußten Partei. Sie entstand nach dem Wellkrieg aus der tiefen Erschütterung der belgeschen Arbeiter, aus dem Drange, die Ideen des völkerverbindenden Sozialismus zu vertiefen. I» still» Ab- geschlossenhest sollte hier«ine Stätte»richtet werden, von der aus ein Strom von Aufklärung und Bildung weit hinaus ins Land fließen sollte. Don hl» aus aber sollte auch die Idee'des Friedens und der Verständigung hinousgesandt werden in alle Länder der Erde. Begabte, mindestens 18 Jahre alle Arbeiter, die körperlich gesund sind, und deren Eharattereigevischasten ein« Gewahr für die Einordnung in«ine sozialistische Gemeinschaft bieten, finden hier alljährlich Aufnahme. Sie müssen die Grundelemente der Volk»- schule in sich aufgenommen haben und französisch lesen und schreiben können. Einen breiten Raum der Kurse nehmen die Ausbildung in d» Muttersprache und die gründlich« Einführung in die Arbester. bewegung nach der politischen und gewerkschaftlichen, der kulturellen und der genossenschaftlichen Seit« hm ein. Daneben wird allgemeine Welt- und ftulturgeichicht« unterrichtet: die Geschichte des Sozialis- mus wird ausführlich behaXdelt. Dem Bürgerrecht, der sozialen Gesetzgebung, d» Psychologie, der Rechnungsführung ist«ine groß« Anzahl von Unterrichtsstunden gewidmet. Emen kleineren Raum nehmen Kunstgeschichte, Lfteratur, Pädagogik ein. Der Gesundheit«' pflege sind in jedem Kursus 20 Unterrichtsstunden vorbehallen. in denen di« Fragen der Hygiene, di« gerade für gehetzte Proletarier von Wichtigkeit sind, ausführlich besprochen werden. Man legt heut« bei der Aufnahme den Hauptwert nicht auf Schulwissen und gut« Zeugnisse, sondern auf Intelligenz, gute Eharaktereigenschasten und die Durchdringung der Lebensführung mst den Grundsätzen de? Sozialismus, und man hofft, auf dies« Weise wirklich wertvolle Kräfte der belgischen Arbeiterbewegung heranzubilden. Ein Rundgang durch die Arbeiterhochschule vermistest aus- gezeichnet« Eindrucke. Klein«, saubere Einzelzimmer, fliehende« Wasser, Bodeeinrichwugen, helle lustig« Klastenröum«, freundlich« Eßzimmer und«in gemütlicher Dersammlungssaal zeigen, daß die Grundsätze der Hygiene hier in der Praxis Anwendung geiunden haben. Durch ausgedehnte Körperpflege, durch Aufentholl m frisch» fnoen.«« fehlte ihm ober wie uns allen am Geld. Als er hörte. daß ich einig« hundert Mark Ersparnisse bei mir trug, pumpte er mich an. Geheimnisvoll Msternd erzählte er mir, daß er seit Mo� naten sein Brot cm der Roulette verdiene und ein System entdeckt Hab«, das tödlich sicher fei. Er«olle mich am Gewinn beteiligen. sosern ich nur die nötigen Geldeinsätze in die gemeinsame Spiel- firma einbring«. Ich ließ mich um so leichter überreden, als ich mir darüber klar war. daß ich mit meinem kleinen Vermögen, das sich zudem von Tag zu Tag entwertet«, kein« großen Sprünge machen kannte, und daß mst Geld, das morgen oder übermorgen doch olle war. va banque zu spielen kein großes Risiko bedeutete. Uederdies haste ich Vertrauen.zu dem System meines guten asten Freundes. Wenn der schon von tödlicher Sicherheit sprach, dann mußte es auf Felsen gegründet fein. Am Abend pllgerten wir nach einem ganz bestimmten der zahlreisten Spielsalons im Berliner Westen, die damals behördlich kon- zsffioniert waren. Ich tauschte an der Kasse meine Baoschast in etliche Dutzend runde Zelluloidplättchen um, von denen jedes 10 Mark wert war. Banzhaf zückt« ein dickes Notizbuch, in das Seite für Seite unendliche Zahlenreihen eingezeichnet waren. Wir nahmen am Spiestifch Platz und ich setzte nach meines Freundes gebieterischen Anweisungen. Das„System" funktionierte folgendermaßen: Im Laufe der vergangenen Wochen waren an der Roulette, an d» wir saßen, tausendgwohundertundeimmidvierzigmol mehr rote als schwarze Zahlen gekommen, was Banzhaf Coup für Coup und Abend für Abend in seinem Notizbuch registriert hotte. Nach dem Gesetz des Ausgleichs— so schloß mein Freund, mußte jetzt bald die rore Periade von einer schwarzen abgelöst werden. Daß ein« ein- fache Chance wie Rot und Schwarz um mehr als taufend Treffer die andere überslugelle, hatte er in seiner Praxis als Spiel« noch nicht erlebt. Also setzten wir Schwarz. ' Und wir verloren. Und wir verloren noch cimnal. Und dann gewannen wir. Und dam: verloren wir wieder. Und wir verloren zum viertenmal. Und wir gewannen erneut. Und dann kam wieder Verlust. Und wir vertoren viel mehr als wir gewawren, weil immer mehr Rot als Schwarz kam. Und Rot kam zmn taufeitddrei- hundertstemnal mehr als Schwarz. Ich wurde zappelig, als ich mein Vermögen vevschwmden sah. „Durchhalten", ermahnte mich Banzhaf,„bloß jetzt die Nerven nicht verlieren!" Und wir hiesten durch. Und wir verloren di« Nerven nicht. In unerschütterlicher Ruhe spiellen wir nach dem todsicheren System, bis wir unsere letzte Aelluloidmarle verspiest hatten. Auf dem Nachhauseweg«, den wir wie begossene PuM zurücklegten, wogte ich zu bemerken, daß das todsichere System doch wohl nicht ganz so sicher sei, woraus der lange Banzhaf ehrlich entrüstet ei widerte:„Ein System, das todsicher ist, ist todsicher, worauf Du Dich verlassen kannst. Wir haben nur nicht genug Geld gehabt. Du wirst doch wohl zugeben mästen, daß nach den Gesetzen der Mache- matik schließlich doch einmal der Ausgleich kommeck muß." Auf diesen Ausgleich wartete mein Freund noch wachen- und monatelang. Er wartete auch noch, nachdem ich längst über alle Berge war. Zukünftig konnte ich ihn mir nur noch als einen Men- scheu vorstellen, der ewig aus dm gerechten Ausgleich wartet«. Sein letzter Brief hat mich belehrt, daß er den aussichtÄofsn Kampf aufgegeben hatte. Dies sind die Erinnerungen an meinen Freund Banzhaf, der di« Löwen an der Feldherrnhalle zu München als Kunstwerke nicht anerkannt«, der konstatierte, daß der Ausdruck„Pferdeapfel" eine unmöglich« Wortverkoppelung fei, der Roulett« nach einem»stob- sicheren" System spiest«, und der sich hernach von einer Fliege tot- stechen ließ._ Luft und eine gesunde, einfache Kost hofft man. dm Gefahren der Usberarbeitung, denen gerade di« Eifrigsten ausgesetzt sind, wirksam zu begegnen. Wundervoll ist der Wck von dm Fenstern in dm grünenden, blühenden Park. Ein yaier, verhaltener Dust zieht durch dir Räum«, von Maiglöckchen und Hyazmthm, von Krokus und Tulpen. Auf dm Rasmfiächsn draußen tummeln sich junge Menschen. Der Klang dreier Sprachen rängt durch die Stille: etwas, das uns Deutsche aufhorchen läßt. Flämisch, Wallonisch und Französisch, die drei Sprachen Belgiens, begegnen uns auch in der Arbeiterbildungs- schul«, denn ihre Angehörigen stammen aus dm verschiedmsten Teilen des Lavdes. Das Flämische ist für uns leicht zu verstehen, denn es ist dem Plattdeutschen nahe verwandt. Beim Wallonischen handelt es sich um eine oltsranzäsische Mundart, die mit fremden Sprach- testen durchzogen ist. Die offiziell« Sprach« Belgiens ist ja das Französische. Was uns Sozialisten am meisten an diesem Drei- spracheniang int»estisrt, ist die Tatsache, daß dies« drei Formm des sprachöchen Ausdrucks die politische und wirtschaftliche Einheit Bei- ctzms keineswegs erschüttern. Ist es die wimdervoll« Schönheit und Still« dieses Frühlings- idylls, di« in dem Besucher eine Überwästigend« Sehnsucht nach Frieden und Berstündigung der Völker erzeugt? Od» wirken die stark« Geschlossenheit und d» zielbewußt« Wille, d» hier, inmitten dieses Paradieses an Landschastsschönheit, zum Ausdrucke kommt, so stark, daß sie jeden Zweifel an einer Verwirklichung der großen sozialistischen Idee des DAkerfriedms zu verscheuchen imstande sind? Ja, dieses Gebäude, dies» Park un-d dies« Menschen, die m drei Sprachen sprechen und sich doch verstehen, sind wie ein groß«? Simt- bild. Sie vermitteln dem Besucher, h» aus der Unrast Europas hier einkehrt, den unerschütterlichen Glanben, daß das große Ziel. das uns all« vereint, die Schassung eines geeinten Europa, trotz ver- schieden» Sprachen verwirklicht w»den wird! Wieviel Ahnen hai ein IJTenfrJt? Bei einer rein theorettschm Beantwortung dieser Frag« konmtt man aus dem Weg« der Berechnung zu geradezu phontastischllt Zahlenreihen. Jeder Mensch hat 2 Ellern, 4 Großeltern, 8 Urgraß. ellern. 16 Ururgrohellern und so fort. In der 10. Geschlechtersolg« nach rückwärts hat d» Mensch schon über 1000 Vorfahren, in der 16. Geschlechterfolge schon über 63 000, und bereits mit der 20. Ge- schlechterfolge ist die Million überschritten, m der 31. Geschlechter- oflge aber hat die Ahnenzahl schon eine Milliarde«reicht, und die Zahl d« Ahnen, die einer unserer Zeitgenossen zur Zell Karls des Großen gehabt haben muß, würde die Zahl von 8 Milliarden überschreiten. Soweit die Theorie— in der Praxis werden diese Zahlenreihen natürlich ganz erheblich eingeschränkt. Bei obiger B-' rechnung ist nur die Zahl der Ahnen eines einzigen Menschen er- mittelt; jeder sein« Zeitgenostm hat ober den gleichm Anspruch auf dieselbe Zahl von Ahnen, die Ahnmveihe darf daher nicht per- «Inzell betrachtet werden. Ferner ist zu berücksichtigen, daß dieselbe Person in der Regel wiederholl erscheint oder daß sich Geschwister darunter befinden. So scheidet ans der obersten Ahnenreihe aus der Zeit Karls des Großen schon etwa«in« Milliarde von Personen aus. Bei Heiraten zwischen Geschwisterkindern fällt schon ein Viertel der obersten Stammreih« weg. und durch jade Blutsverwandtschaft wird »us dm obersten Reihen der Porfohren von vornherein«ne be- deutend« Anzahl ausgeschaltet. So schmelzen die theoretisch er- rechneten Milliarden Wied» auf«in faßlich«« Maß zusammen.