BERLIN Zreitag 23. Mi 1930 10 Pf. Nr. 239 B119 47. Iahrgsug erscheint tSglich anter Snontig«- Zugleich Abendausgabe de«»VomSrU'. D«tug«rrei< beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, S.fioM. pro Monat. Redaktion und LxpeditivNi Berlin SW 68, Lindenstr.» Sfinlaabgaße xlei r nie Igen» tei«j Die einspaltige Nonpareillezeil» 80 Pf., Reklamezeile SM. Ermäßigungen»ach Tarif. «stschecktonto: Dorwärls-Verlag G. m. b. Berlin Nr.»7dZS. Fernsprecher: Dönhoff SSS bi«?g? Die Arbeitslosigkeit steigt. Auch im Mai noch Zunahme in Berlin. Die E n t l a st u n a des Arbcit-markics im Bereiche des tandes- orbeitsamlcs Brandenburg vollzog sich in der Zeit vom 1. bis 15. ITtoi in einem noch geringeren Ausmaße als in der zweiken Aprilhälsle. Die Zahl der Arbeiisuchenden ging zwar noch zurück, die Abnahme entfiel jedoch lediglich aus die Provinz. Za Berlin stieg dagegen wieder die Arbeitslosen- z isser sowohl bei männlichen wie bei weiblichen Personen. Der ständige Beschäftigungsrückgang in den Wichtigsten Konjunt- turgruppcn(Metall-, 5)oüz- und Schnilzstofsqcwcrbc) sowie Saison- schluß der Mäntelkonseltion im Bekleidungsgewerbe sind die Ursachen dieser erneuten Verschlechterung des Berliner Arbeitsmarktes. Die Verminderung der Arbeitsuchenden in der Prooin.z ist in der chaupt. fache auf die Aufnahmefähigkeit der Außcnberufe.zurückzuführen. Aus dem Baugewerbe wird allgemein über eine aussallcnd langsameCntwickelung berichtet, desgleichen aus der Aiegel- ' mdustricj Im Braunkohlenbergbau dürfte immerhin die rückläufige Bewegung überwunden sein: verschiedene Betriebe hoben d>« Feier- schichten gänzlich aus, andere schränkten sie bereits stark ein. Im Spinnstosfgewerbe waren stellenweise Anzeichen für eine baldige Besserung der Lage erkennbar. In Brandenburg sank dir Zahl der Arbeitsuchenden um 27Z5 aus 421 389 Personen, in Berlin stieg sie aber noch aus 318 900 Personen an. Am 15. Blai wurden in verlin 173 108 Personen aus der Arbeitslosenversicherung. 42 498 Personen au» der Kriscnsürsorge vnterslüht. Die Lage auf dem Arbestsmarkt ist jho ch c r n ff. Der h ö ch st- punkt der Wirtschaftskrise scheint ober überschritten zu lein. 2n der Elektroindustrie hat sich in den letzten Wochen die Lage endlich etwas gebessert. Deutschland braucht schleunigst die längst fälligen ösfeutlichen Auslandsanleihen und die cbensalls längst fällige Senkung der Kartellpreise: dann muh es, wenn auch allmählich, wieder auswärts gehen. Unternehmer in die Parlamente! Aufruf des Zndnstriellen-Derbandes. Heute hat im Hauptausschuh des Reichsverbondes der deutschen Industrie dessen Präsident Geheimrat Duisburg eine bedeutsame politische Erklärung abgegeben. Die Industrie befinde sich an einem Punkte der innerpolitischen Entwicklung, wo die zunehmende Mutlosigkeit und Verdrossenheit dazu zwinge, neu« Wege einzuschlagen. Nach der Stoatsumwätzung fei die legte Eni- schcidung auch in wirtschaftlichen Dingen in Hände gelegt worden, die in diesen Fragen weder hinreichend sachverständig noch bereit seien, die Verantwortung für diejenigen Entschlüsse zu tragen, von deren Folgen die Masse der Bevölkerung i» erster Linie betroffen werde. Das Unteniehmertum habe vergeblich ge- warnt, um einen anderen Kurs der Wirtschaftspolitik zu erreiche». Diese Verhältnisse zwingen dazu, dah die Vertreter der Wirtschaft aus ihrer bisherigen Zurückhaltung heraustreten, und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln aktiv handelnd an der Politik sich de» teiligen. Es sei zu verlangen, daß die notwendige Verstärkung der politischen Aktivität Ausgabe und Pflicht der einzelnen Person» lichkeit innerhalb der Wirtschaft werde. An alle verantwortlichen Leiter wirtschaftlicher Unternehmungen richiet Duisburg den Appell, sich nach Maßgabe ihrer Zeit und Kraft in den Volksvertretungen von Reich, Ländern und Gemeinden politisch zu betätigen. Dieser Appell Dulsbergs Hot zweifellos erhebliche politische Be» heutung. Wenn Unternehmer stärker als jetzt im Reichstag ver- treten sein wollen, dann müssen sie diese Vertretung in den Bürgerblockparteien finden, die jetzt regieren. Damit wird der Appell Du-isbergs zu einer scharfen Mihtrauenserklä» r u n g gegen die Politik des jetzigen Reichskabinetts und die stützen» den Parteien. Die OeffenUichkeit, auch die Arbeiterschaft, wird sich freuen, wenn die deutschen Unternehmer in gröherer Zahl in Aen Parlamenten erscheinen werden. Wenn sie dort Verantwortung übernehmen, werden sie den Unterschied von Kritisieren und ver» ontwortungsvollem Handeln am eigenen Leibe zu spüren bekommen. Die Unternehmer sollen beweisen, was sie können. Freilich ist daran zu erinnern, daß schon im Jahre 1924 nach der Beendi» gung der Inflation die Wirtschast im Reiche die Führung verlangt hat und der gleiche Appell an die deutschen Unternehmer erging, sich zur Ucbernahme praktischer Verantwortung in den Parlamenten yj melden, damals war es umsonst. Die Heimwehr. »Entwaffnen laß ich mich nicht. Wer schuht sonst Nuhe und Ordnung?" Oer Landtag beschlußunfähig. Obstruktion von Hugenberg bis Pieck. Die Freitogsitzung begann mit der dritten Lesung der erhöhten Gnmdvermögenssteucr. Nachdem in der Einzelberatung alle Ab- änderungsonträge der Opposition abgelehnt waren, traten bei der. Schlußabsfimmung Deutjchnational«, Deutsche Volkspartci, ftommu- niste» und Ncinere Recht-gruppcn gemeinsam in die Obstruktion und mochlen das Haus beschlußunfähig. Hierauf wurde die dritte Lesung des Haushalts fortgesetzt. Beim Etat des Jnnenministereums führten die Abgg. 5) e i n- Barmen(Dnat.), B o r ck(Dnat.) und Löhs«» Altona(Rat.-Soz.) Beschwerde über die preußische Polizei und die preußische Personal- Politik. AbZ. Heiden reich(D. Vp.) griff die Personalpolitik des Statistischen Landesamtes an.— Die Debatte geht weiter. Es wird geräumt. ileber Brückenkopf Maximiliansau weht die Reichsflagge. Karlsruhe, 23. Mai. Die französische Besahung des Brückenkopfes Maximilian s a u(gegenüber Karlsruhe auf der pfälzischen Seite) hat gestern nachmittag in aller Stille die Trikolore«ingezogen und den Brückenkopf geräumt. Die Garnison ist zunächst nach Germersheim abgezogen, von wo aus ihr Rücktransport nach Frankreich erfolgt. Kurz vor ihrem Abzug hat die französische Be- sahung die bisher von ihr benutzten Gebäude den örtlichen Behörden übergeben, die bald darauf unier freudiger Anteilnahme der Bevölkerung die deutsche Reichssloggc auf den Gebäuden hißten. Brünings Finanzforgen. Nichts geht glatt; sogar der Kinanzausgleich verschoben. Die gestrige Sitzung des Reichskabinetts, die sich mit der schwie- rigen Fiiwnzlage beschäftigte, hat infolge der großen M?inungs- Verschiedenheiten innerhalb der Regierung?- Parteien zu keinem Ergebnis geführt. Die Regierung Brüning, die sich gerühmt hatte, durch ihre Entschlossenheft Deutschland vor dem Finanzchaos gerettet zu haben, muß bereits jetzt wenige Wochen später betrübt eingestehen, daß der geforderte Ruhm auf Bor- schuh nicht berechtigt gewesen ist. Nichts ist von ihren Ankündi- gungen in Erfüllung gegangen.'Alle ihre Prophezeiungen haben sich jetzt bereit» als falsch erwiesen. Daher muß man sich heute mit Lösungen beschästigen, die man noch vor wenigen Wochen als un- möglich bezeichnete. Daher ist es zr�oerstehen, daß sowohl die Er- höhung der Beiträge zur Ülrbeitslosenversicherung als auch all« anderen Borschläge zur Sanierung der Reichssinanzeu auf erbitterten W i d« r st a n d innerhalb der Reichsregierung stoßen und das Tag für Tag vergeht, ohne daß die Regiwung sich zu einem Entschluß auszurofsen vermöchte. Wie stark aber nicht nur in der Frage der Arbeitslosenversiche- rung und über die- Sanierung der Reichsfinanzen die Meinungsver- schiedenheiten innerhalb der Regierungsparteien sind, das zeigt die Tatsache, daß die für die Finanzen der Länder und Gemeinden so überaus wichtige Frage des Finanzausgleichs unerledigt bleiben soll. Die Sitzung des Stcuerausschusses über die Vorlag« der Reichsregierung zum Finanzausgleich, die bereits mehrfach an- gesetzt war, ist jetzt cndziUtig bis nach Pfingsten hinausgeschoben worden. Diese Verzögerung ist ein außerordentlich großer Nachteil für Länder und Gemeinden, denen es dadurch unmöglich gemocht wird, ihre Etats fristzemäß aufzustellen. Die Verschiebung der Be- raiungen über den Finanzausgleich hängt aber auch sachlich mit einem Vor st oh der süddeutschen Länder zusammen, die Verteilung der Reichssteuern nach einem ganz anderen Maßstob als bisher vorzunehmen. Würde dieser Vorstoß Erfolg haben, dann würden z. B. aus der Einkmnmenstcuer Beträge von vielen hundert Millionen, die in Norddeutschland aufgebracht werden, nach Süd- deutschland fliehen. Sachsen z. B. würde durch diesen neuen Verteilungsfchlüssel 35 Millionen Mark Einkommen, st euer weniger erhalten, während Bayern 82 Millionen mehr erhalten würde. Boyern würde dann im Ueberfluß schwelgen können, während der Freistaat Sachsen mit seinen schwierigen industriellen und wirtschaftlichen Bcrhältnisien zum dauernden Siechtum verurteilt würde. Flugzeughallen versteigert. Oie rigorose Besahungsbehörde. Mainz, 23. Mai.(Eigenbericht.) Am Donnerstag nachmittag wurden hier durch de» Armeeober- Zahlmeister der französischen Rheinorinee 25 Flugzeughallen ver- steigert. Davon befinden sich 21 auf dem Flugplatz Speyer» Lachendors und drei aus dem Flugplatz beim Grießheimer Lager bei Darmstadt. Eine Halle besindet sich aus dem Flugplatz bei Kaiserslautern. All« Versuche der hessischen Regierung, die Versteigerung der Grießheimer Hallen mit Rücksicht auf den transatlantischen Flugverkehr durch Vorstellungen bei der französischen Besatzungsbehörde zu verhindern, schlugen fehl. Sie wurden für 100 OdO». Franken(IS 000 Marr( von einem Mül- hausener Unternehmen ersteigert. Die frangösischen Zivi langehörigen der Besatzung hoben heute die Anweisung erhalten, sich darauf vorzubereiten, daß sie bis zum 14. Juni dos besetzte Gebiet zu verlassen haben. Kloiienmanöver im Miiielmeersturm. Nesullat: 6 Torpedoboote, 5 V-Boote havariert. Paris, 23. Mai.(Eigenbericht.) Die srauzösischen Mittelmeer-Zlollenmanöver sind am Donnerstag vorzeitig abgebrochen worden, nachdem noch einmal zwei Tl. Boote im Sturm schwer beschädigt worden waren. Die Gesamtzahl der bei diesem Manöver ha- v a r i e r t e n Schissseinheiten beträgt bisher sechs Torpedo- boote und fünf Tl. Boote. Der Marineminister v u m e»- n i l, der von den Manövern direkt im Flugzeug nach Algier hin- überflog, gab dort bekannt, daß in den nächsten Tagen«in neuer 10 000-Ionncn-fiteujet vom Stapel gelassen werde, der zur Ehre der Zahrhunderlseier für die Eroberung Algeriens den Ilamen„A l. gier" erhallen solle. Massenepidemie in einem Pionierregiment. Paris. 23. Mai.(Eigenbericht.) Ein» Massenepidemie brach om Donnerstag hn 3. Bataillon des 28. Pionier-Regimentes in Montpellier aus. Beinahe sämtliche Soldaten des Bataillons klagten über furchtbare Kolikonfälle. Einige hundert Mann mußten in der zum Hospital umgewandelten Zitadelle in Pflege genonunen werden. Die Untersuchung hat ergeben, daß in dem Mittagessen einig« verdorbene Nahrungsmittel Verwendung ge- funden halten. Das Befinden der Erkrankten soll sedoch zu keinerlei SF" sorgnissen Anlaß geben. Aussperrung in Mansseld. Nur»er 15 Pro*. Lohnabzug verträgt kann weiterarbeiten. Ei sieben, 23. Mai.(Tigenberichl.) Die Direktion der Mansseld A.-G. versuchte gestern, mit dem Gesamtbelriebsrat einen neuen Lohnoer trag auf der Basis ihre» Rolprogramm zustande zu bringen. Dieser versuch scheiterte uoturlich an der ablehnenden Haltung der Betriebsräte. Die Betriebsräte erklärten, daß sie h i n l e r de» Gewerkschasten ständen und nur im Einverständnis mit dea Gewerkschaslen Aenderungen am Tarifvertrag durchführen würden. Nachdem dieser weg, ihren willen durchzusehen, sür die Mansseld A.-G. aussichtslos erschien, hat sie heule morgen auf sämtlichen Werken einen Aushang veröfsenlllchl, in dem der gesamten Belegschaft zum 3l. Mai das Arbeil»- oerhöllnis gekündigt wird. Diejenigen Arbeiter, die mit einem tSprozenligea Lohnobzug einverswnden seien, müßten dies durch ihre Unter- schrisl bei der wcrksleilung kundgeben und könnten dann weiter arbeiten, wer am 2. Zum weiter arbeilel, gibt damit sein Einverständnis mit einem lSprozenligen Lohnabzug bekannt. Von der Kündigung werden etwa t4lll1l) Arbeiter bstrossen. Mit diesem Aushang will die werksleilung ihre Arbeilerschasl unter Druck setzen, um die angestrebte Lohnherabsetzung in vollem Umfange zu erreichen. Die am Tarifvertrag beteiligten Gewerk- schasten werden am Sonnlag in einer Konserenz zu der Situation Stellung nehmen. Keine Krisengefahr mehr in England. Einmütige Feststellung der Londoner presse. London, 23. Mai. Laut.Daily Herald" betonten bei der gestrigen Debatte der parlamentarischen Arbeiterpartei Macdonatd, Thomas, Hender- son und andere den Ernst der Lag«, die infolge einer An- »ahme des Antrages Mosleys entstehen würde.»Daily Herald" teilt weiter mit, Macdonvtd habe Lloyd Georg« schriftlich zum Auedruck gebracht, daß die Verhandlungen zwischen ihnen über die Frage der Wahlretorm beendet seien. „Daily Mail" berichtet, die Möglichkeit baldiger Neu- wählen bleibe Zwar bestehen, die Wahrscheinlichkeit dafür Hab« sich jcdach infolge diplomatischer Verhandlungen, die gestern zwischen den politischen Parteien im Gange waren, verringert. Es sei nicht zu erwarten, daß die Liberalen oder die Konservativen oer- suchen würden. Neuwahlen zu erzwingen. Di« Regierung wird nach Ansicht des Blattes bei der Ilntcrhausdebatte am Mittwoch mit einer kleine» Mehrheit am Leben bleiben, wenn die »Rebellen" im eigenen Lager nicht gegen sie stimmen. »Daily Expreß" meint, daß kein« Krisis mehr für die Regierung bestehe. Die gestrige Parteisitzung Hobe mit einem überwältigenden Sieg« der Regierung und mit einer Niederlage Mosleys geendet. »Times" zufolge herrscht unter den politischen Parteien allgemeine Ucbereinstimmung. daß niemand angesichts der schwierigen dem Parlament bevorstehenden Arbeit sofortige Neuwahlen wünscht. Alle konservativen Mitglieder sind dringend aufgefordert worden, am Mittwoch auf ihren Plätzen zu sein, und wenn zufällig die Regierung ein« Niederlog« erleiden sollte, daim wären nach An- ficht der„Tinies" die Konservativen bereit, die sich aus ihrer Aktion ergebende Verantwortlichkeit zu übernehmen. Zugleich herrscht je- doch die Aussassung, daß, wenn möglich, jeder wirkliche Zu- samurcnproll bis zum Herbst verschoben werden müßte. Der Leitartikel des Blattes ist überschrieben»Es besteht keine Krise". „Times" meint, daß die alten Führer der Arbeiterpartei keinerlei Trauer über das Ausscheiden Mosleys empfinden. »Daily N e w e" schreibt zu der Möglichkeit einer Regie- rungsniederlage am nächsten Mittwoch, kaum irgend jemand wünsche Neuwahlen, die das Arbeitslosenproblem noch schwieriger gestalten würden, und fordert eine energische„Notpolitik", die, wie seinerzeit die Kriegspciitik, von allen Parteien unterstützt werden würde. „Daily Ehronicle" bezeichnet die Forderung nach Neu- wählen als töricht und unverantwortlich. Das Blatt glaubt nicht, daß es«inen einzigen konservativen Führer gibt, der ehrlich sagen könnte, daß b« der augenblicklichen Lage in Indien Neuwahlen etwa» anderes als gefährlich sein würden. Dum-Oum»Geschoffe der Hakenkreuzler. Die weiteren Nachsorschungea der Politischen Posizel zu der nächtlichen Schießerei in der Nangarder Straße, bei der zwei Arbeiter durch Nationalsoziatisten getötet wurden, haben jetzt zur Feststellung der Schützen und zur Beschlagnahme der Mord- wasse geführt. Wie wir aus dem Polizeipräsidium erfahren, haben der Der- kaufer Heinz Prüfte und der Schneider Edgar Meier gestanden. aus Selvftlnde pistolen mehrere Schüsse abgefeuert zu haben. Di« Waffe des Prüfte wurde bei einer Haussuchung in einem raffinierten Versteck gefunden. Edgar Meier hatte sein« Pistole nnch der Tat einem Schlächtermeister R. zur Aufbewahrung übergeben, d.-r dann nach anfänglichem Leugnen die Waffe und dazugehörige Munition herausgegeben hat. Er wird sich wegen Bc- günstigung zix verantworten hoben. Bemerkenswert ist, daß der Stahlmantel der Geschosse nach der Art von Dum-Dum-Patronen an der Spitze über Kreuz angefeilt war. Radiostation de» Völkerbundes in Prangins. Der schweizerische Bundesrat Motto und zwei Vertreter der schweizerischen Radio- gesellschaft haben am Mittwoch mit dem Generalsekretär des Bölker- bundes die beiden Berträge unterzeichnet, in denen der Bau und der Betrieb der Radio st ation disVölkerbundes in Bechindung mit der schweizerischen Radüstation in Prangins end- gültig geregelt werden. Berlins Sommerschau eröffnet. Die Feier im Haus der Funkindustrie. heute' vormittag fand im haus der Funkindustrie die feierliche Eröffnung der vom Messeamt veranstalteten großen Sommerschau„Altes Berlin" stall. Ueber lausend Ehrengäste waren versammelt, darunter die Vertreter aller Ministerien, der Behörden, der Kunst Ond Wissenschast, der Wirtschaft und der Presse, vom Berliner M a g i st r a t waren erschienen die Stadträtin Frau Weys und die Stadträte Ahrends, Ezeminsti, der zuständige Dezernent für das Messewesen, und Stadlbaurat Wagner. Ferner bemerkte man den Polizeipräsidenten und Berliner Messeamt-Direktor Schick und Ehesredakteur Vetter. Nachdem dos Berliner Sinfonieorchester unter der Leitung von Generalmufikdireklor Dr. Ernst Kunwnld den„Fackeltanz" von Meyerbeer meisterhaft vorgetragen hatte, begrüßte der sozial- demokratische Stadtsyndikus Dr. Lange die Freunde der Berliner Kultur. Er dankte dem großen Kreis der Mitarbeiter, denen die Stadt diese einzigartig« Ausstellung verdankt. In seiner Rede wandte er sich besonders gegen di.' Hetze, die gegen die Stadt Berlin in letzter Zeit getrieben worden ist. Wenn es der Reichshaupt- stadt, di« seit jeher di« bescheidene Hauptstadt eines armen Preußens gewesen sei, in der letzten Zeit auch schlecht ergangen ist, vor einer Liquidation haben wir nie gestanden. In den legten zehn Jahren sind gewbltig« neue wirtschaftliche Werte geschaffen worden. E, hol sich ein Ausbau vollzogen, von dessen ungeheurem Ausmaß die Berliner Bevölkerung wenig verspürt hat. Di« großen Reserven der Stadt und die Alt-Berliner Sparsam- keit wird uns bald über all« Schwere hinwegbringen. In Ber- tretung des preußischen Staatsministers Dr. Wa entig überbracht« die Grüße der preußischen Staatsregierung Ministerial- direktor vvn Leyden. Er erNärte, man brauche nicht Berliner zu sein, um ernste und nachdrückliche Berwahrung dagegen einzulegen, wenn über Tagesereignissen und-erscheinungen die g e- waltigen Leistungen vergessen werden, mit denen die Stadt Berlin und die Berliner di« Stadt zu dem gemacht haben, was sie heut« ist» Diese Ausstellung werde einen berechtigten Erfolg auch dann haben, wenn sie dazu beiträgt, dieses Bild wieder klar hervor- treten zu lassen, die gewaltigen Leistungen und die großen Erfolge, di« die Gegenwart zeigt, gemessen an der B e r g a.n g e n h e i t. Der Rede des Vertreters Preußens folgte eine kurze EinfiZhnmg in die Idee der Schau durch den Slusstelluugslsiter, Direktor Stengel vom Märkischen Museum. Den Abschluß der Feier bildete die Ouvertüre zu der Alt-Berliner Posse„Berlin, wie es weint und lacht" von Conradi. die die Berliner von der Ausführung der Bolksbühne noch in so guter Erinnerung haben. Der Feier schloß sich ein Rundgang durch die Ausstellung an. Danach hatte» die Gäste Gelegenheit, den nach den Pläne» von Stadtbaurat Wagner neugestalteten Fuutturmgarteu mit der großen Terrasse zu bewundern. Die soziale Leistung des neuen Berlin. Den Abschluß der historischen Ausstellung„Altes Berlin", die heule eröffnet wird, bildet ein Ausschnitt aus der k o m m u- nalen Arbeit der R e i ch s h a u p tst a d t während des letzten Jahrzehntes. Unter dem Motto„Für das werdende Geschlecht" hat hier da? anerkennenswert rührig« Nach- richten« mt-der Stadt Berlin in populärer bildstatistischer Dar- stellung einen Ueberblick über die soziale Arbeit des neuen Berlin gegeben. Aus dem Raum, in dem eine Auswahl von Bildern B a l u s ch e k s dem Besucher der Ausstellung noch einmal die soziale Not der Großstadt vor Augen geführt haben, tritt man in diesen letzten Saal. In einzelnen charakteristischen Beispielen wird die wachsende Fürsorge der städtischen Verwaltung auf dem Gebiete der W o h l s a hr t s p f l e g e, der vorbeugenden Hygiene und der Erziehung dargestellt. Eine plastische Gruppe, eine Fürsorgerin mit einem kleinen Mädchen und einem Schuljungen, veranschaulicht die Tatsache, daß über die Hälfte aller Aus- gaben der Berliner Stadwerwaltung für Wohlfahrt, Gesundheit und Bildung geleistet werden. Ein Modell zeigt, wie sich die Erkenntnis von der Bedeutung der Berufsschule für das heranwachsende Geschlecht in der Verwaltung des neuen Berlin allmählich durch- gesetzt hat. Die Rückwand des Raumes gibt unter dem Stichwort »Ans der Schwelle zur Weltstadt" Bilder aus der Entwicklung des Verkehrs, der Licht- und Wasser- Versorgung. Nicht unerwähnt bleiben darf ein großer Plan der Hungen" Berlins, der die Verteilung der Freiflächen. Griin- anlagen und Wälder sowie der Spiel- und Sportplätze in der auf- strebenden Großstadt zeigt. Die Oeffentlichkeit irregeführt. Falsche Zahlen über die Verschuldung der Landwirtschast. Der Ausschuß sür den Reichshaushalt begann in seiner Freitag- sitzung die Beratung des Etats des Reichsministeriums für Ernährung und Landwirtschaft. Nach einleitenden Be- mcrkungen des der Wirifchaftspartei angehörenden Referenten ersuchte der Mitberichterstcrtter S ch m id t- Köpenick(Soz.) den Mi- nister um eine Auskunft, wie es denn nun eigentlich mit der B e r- schuldung der Landwirtschaft stehe. Es sei jetzt erheblich ruhiger begügliich dieser Frag« geworden. Früher hätte der jetzige Herr Minister selber diese Frage oft und ausführlich behandelt. Sie sei im allgemeinen mit 14 Milliarden angegeben worden, im vorigen Jahre sprach man von 11 Milliarden. Nach einer durch das Reichs- finanzmimsterium über die Finanzämter aufgenommenen Statistik betrage die Gesamtverschuldung jedoch nur 7,2 Mil- liarden, also die Hälfte der ursprünglich angegebenen Summe. Es werde zwar behauptet, daß in der Statistik des Reichssinanz- Ministeriums Fehlerquellen vorhanden seien, da Betriebe'unter 5 Hektar nicht aufgenommen sind. Immerhin sei die Differenz enorm. Wie stehe es mit den in Aussicht genommenen Regelungen der Schlachtviehmärkt«? Minister Schiele nahm gleich nach dem Abg. Schmidt das Wort, um, wie er sagte, kurze grundsätzliche Ausführungen zu machen, aber nicht ein besonderes Bild der Not der Landwirtschasi zu zeichnen, denn diese sei ja offenkundig. Bezüglich der Bcrschutdung verwies er auf die Verschuldungskarte der deutschen Landwirtschaft, die in den einzelnen Finonzanüsbezirkcn aufgenommen sei. Diese Karte zeige in einzelnen Bezirken Ostpreußens eine Verschuldung von über 80 Prag., in weiteren großen Bezirken Ostpreußens eine solche von 70 bis W Proz. des Einheitswertes. Das Hauptproblem, mit dem er zu kämpfen habe, sei die Befestigung der Preislage der land- wirtschaftlichen Produkte. Dieses Problem habe auch die Handlungen seines Vorgängers bestimmt. Zunächst müssen Schutzmaßnahmen gegen die Konkurrenz des Auslandes getroffen werden. Di« Handels- po-litik müsse Erfolg haben, sie müsse besonders auch den Erfolg haben, der deutschen Landwirtschaft die Preise zu sichern, die ihre Existenz ermöglichen. Der Export könne nur gedeihen, wenn er sich ausbaue auf einer kaufkräftigen Bevölkerung. Man werde zu einer grundsätzlichen Aenderung der Handelspolitik kommen müssen, das werde aber nicht sofort geschehen können, sondern wahr- scheiniich nicht vor 1935. Durch organisatorische Aenderung, durch freundschaftliche Verständigung e»nit den in Betracht kommenden Staaten müsse man aber jetzt schon Derbesserungen herbeizuführen suchen, ohne daß man zu Kündigungen der Verträge zu schreiten brauche. Eine vordringliche Maßnahme sei die Verabschiedung des Brotgesetzes, damit der Roggen in Deutschland konsu- miert werde. Der Weizenvermahlungszwang habe sich bewährt, daß betreffende Gesetz werde verlängert werden müssen. Ein Milchgesetz sei notwendig, besonders für die Bevölkerung der großen Städte, Bei seiner Durchführung dürfe man auch vor einem gewissen Zwang nichst zurückschrecken, lieber- Haupt werden die ganzen Absatzverhältmsse landwirtschaftlicher Pro- dukte auch eventuell durch Zwang verbessert werden müssen. Hier- zu gehört ein Lagerscheiftgesetz. Was den sinnländischen Handels- vertrag angehe, so habe er eine Bindung des Käse- und Butterzolles gebracht. Schiel« besprach dann unter Anführung zahlreicher ein- zelner Beispiele den Ueberfluß der Schweineproduktion in Deutsch- land. Nach den Ausführungen des Mnisters kam der Genosse Schmidt- Köpenick noch einmal auf die Verschuldungsfrage zurück und betonte, daß über Art und Umfang dieser tandwirtschaftlichen Verschuldung die Oeffentlichkeit gröblich irregeführt worden sei. Ein erheblicher Teil der Verschuldung sei Sachonlage, also Kapitalsanreicherung. Das Agrarprogramm der Industrie sei eine schollende Ohrfeige für die Politik des Landbundes, Die Roggenpolitik des Ministers werde keinen Erfolg haben. Angebot und Nachfrage.werden niemats durch Preisfestsetzunzen vom Ministerium aus zu regulieren sein. Jetzt beabsichtigt Herr Schiele sogar noch den Heringszoll zu erhöhen. Die Sozialdemokratie wolle keine Feindschaft zwischen Stadt und Land. Aber der Landbund hetzt dauernd gegen die Städte. Dabei habe er es immer noch nicht fertig gebracht, cm die deutschen Konsumvereine regelmäßig soviel Butter liesern zu lassen, daß diese Bereine keine dänisch« Butter mchr zu kaufen brauchten, Arbeiisplan des Reichstags. .Der Aeltestenrat des Reichstags faßte heute den Beschluß, am Sonnabend den Etat des R eichsp o st mi n i st c- r i u m s, am Montag den Etat, des Reichswirtschafts- Ministeriums zu beraten. Die Psingstserien des Reichstags sollen vom 29. Mai bis zum 15. Juni dauern. Nach der Psingst- pause sollen zunächst der Etat des Reichsministeriums des Innern und der Etat des Reichsarbeitsministenums beraten werden. Gatienmord in Spandau. Die Frau im Streit erwürgt. Zm Hause Bergstraße 5 in Spandau spielte sich gestern abend eine furchtbare Ehetragödie ob. Zm verlause eine» Streites drang der 21jährige Vauschtosser Richard Rieft auf feine um vier Zahre ältere Frau Herta ein und würgte sie so lange, bi, sie tot zu Boden sank. Gegen 18 Uhr erschien Rieft auf dem 141. Polizeirevier in Spandau und erklärte, daß er soeben seine Frau im Streck erwürgt habe. Mehrere Kriminalbeamte begaben sich sofort in di« Wcchnung Riests, wo sie die schwer« Selbstbezichtigung des Mannes bestätigt fanden. Frau R. lag tot auf dem Fußboden des Schlafzimmers. Am Hals waren deutlich starke Strangulationsmale zu erkennen. Nach dem Befund hat sich Frau R. noch kräftig zur Wehr gesetzt, ist dann aber schließlich den Kräften des Mannes unterlegen. Der Bauschlosser Richard Niest war erst seit VA Jahr mit seiner 5 Jahre älteren Frau verheiratet. Beide lebten in gutem Einvernehmen. Rieft war im Siemens-Werk angestellt, verlor aber vor drei Wochen seine Beschäftigung. Ab und zu war«s zu kleineren Reibereien gekommen, da Rieft zum Nörgeln neigte. Es handelt« sich aber jedesmal um Nichtigkeiten. Auch am Donnerstag war nichts Ernstes vorgefallen. Wieder wegen einer Geringfügigkeit hatte der Mann einen Streit vom Zaun gebrochen. Die Frau wollte ihn zur Tür hinausdrängen, um Ruhe zu haben. Ohne di« Folgen zu bc- denken, packte er sie am Halse so unglücklich, daß die Frau tot zu Boden sank. Diese Bekundungen macht« der Mann spät abends, als er zu sich gekommen war. Sein Verhör wird heute fortgesetzt._ Mauereinsturz in Lichtenberg. Sin junger Maurer lebensgefährlich verletzt. heul« vormittag ereignete sich auf dem Grundstück w üggel- straße l in Lichtenberg ein wauereinsturz, bei dem der 21jährige Maurer Erwin k o h l y aus der Müllerslraße 1 lebensgefährliche verlehungen erlitt. Auf dem Hof des Hauses werden zur Zeck Ausschachtun gs° arbeiten für den Anbau eines Seitenflügels vorgenommen. Längs der etwa 114 Meter hohen Trenmmgsmauer wurde ein tiefer Graben ausgehoben, der offenbar nicht Vorschrift s- mäßig versteift worden ist. Plötzlich gab es im Mauerwert ein Knocken und die Mauer stürzte in einer Länge von etwa 5 bis 6 Meter stk sich zusammen. Während es einigen Arbeckern gelang, sich noch rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, ohne erheblichen Schoden zu nehmen, wurde der Maurer Erwin K o h l y unier den Gesteinstrümn.ern begroben.. Di« Feuerwehr befreite den Verunglückten aus seiner furchtbaren Lag« und sorsjte für seine Uebersührung in die Unsallklinik in der ZiegÄstraße. Zeppelin gelandet. Sechzig Stunden über dem Atlantik. Pernambuco, 23. Mai. lEigenbericht.) DaS Luftschiff„Graf Zeppelin" ist am Donnerstag- abend gegen lO.ZV Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem hiesigen Landungsfeld niedergegangen. 3VV .Soldaten waren an dem Landungsmanöver, das 2V Mi» nuten in Anspruch nahm, beteiligt. Das Schiff wurde an einem Ankermast befestigt. Man begann so- fort mit der Nachfüllung von Gas und Verproviantierung mit Nahrungsmitteln bzw. Wasser. Nach der Landung auf dem Flugplatz in Pernambuco teilte Dr. Eckener mit. dah das Luftschiff für die Fahrt von der spanischen zur brasilianischen Küste 5g Stunden 5Z Minuten gebraucht habe. Die Befestigung am Ankermast hat wegen der Ungeübtheit der Landemannschoften längere Zeit in Anspruch genommen und war nach etwa einer Stunde durchgeführt. Hamburg. 23. Mai. Ein bei der Hamburg-Amerika-Linie aus Pernambuco eingegangenes Telegramm von 2 Uhr früh Ortszeit meldet, dah das Luftschiff.„Graf Zeppelin" um 5 Uhr früh Ortszeit(8% Uhr vor- mittags mitteleuropäischer Zeit) zur Weiterfahrt nach Rio de Janeiro auf st eigen wird. Baukaiasirophe in Aew gorf. Fünf Arbeiter getötet, verletzt. N e w B o r k. 23. Mai. Das vier Stock hohe Stahlgerüst eines Neubaues in der inneren Stadt brach zusammen. Eine Anzahl Bauarbeiter wurde mit in die Tiefe gerissen. Es sollen fünf Arbeiter getötet und lS verletzt worden sein. Aqzis mißhandeln Samariter. Selbst das Rote Krevz schützt nicht mehr. Köln, 23. Mai.(Eigenbericht.) In einer nationalsozialistischen Versammlung in der großen Messehalle in Köln war ein« Abteilung Samariter vom Raten Kreuz dienstlich tätig. In der Abteilung befand sich auch ein Angestellter des Warenhauses Leonhard Tietz. Als er erkannt wurde, fielen mehrere Nationalsozialisten mit dem Ruf:»Hier ist cm Spitzel!" über ihn her. Weder die Rote-Kreuz- Uniform, noch sein Ausweis halsen ihm. Der Santa» rilcr wurde verprügelt und aus dem Saale geworfen. Er trug eine Wunde an der Hand und verschiedene Kopfverletzungen davon. Natürlich verließen darauf auch die anderen Samariter den Saal, zumal auch sie mit Tätlichkeiten bedroht wurden. Wirth verlangi sofort Schluß- wenigstens mit den Haßgebeten. Reichsminister Dr. Wirth hat unter dem 22. Mai«n neues Schreiben an den thüringischen Staatsmini st er Baum gerichtet, in dem es heißt: „Ich sehe mich genötigt, sofort auf die Angelegenheit der Schulgebete einzugehen und betone die große vordringliche Bedeutung dieser Angelegenheit. Für mich als Berfasfungs- minister sind diese Gebete nicht tragbar und ich e m p- fehl« daher, die entsprechenden Anordnungen sofort rückgängig zu machen. Ich mache zugleich darauf aufmerksam, daß samt- liche Parteien des Reichstags in diesen Gebeten Verstöße gegen die Reichsversassnng und die Empfindungen weiter Volks- kreise sehen. Im Reichstag ist zum Ausdruck gebracht worden. daß sie ihrem Inhalt nach verfassungswidrig find und viele Sätze dieser Gebete als widerlich bezeichnet wurden. In Anbetracht der klaren Stellung aller Reichstagsparloien bitte ich, auch der Lehrerschaft hiervon Kenntnis zu geben. Falls das Ministerium die beanstandeten Gebete nicht sofort rückgängig machen sollte, sehe ich keine Möglichkeit, die Anrufung des Staat». gerichtshofes weiter hinauszuschieben." In der Polizeiangelegenheit wird Minister Dr. Wirth in nächster Zeit ebenfalls Stellung nehmen. Steidle wird erläuteri. Die Maulhelden auf dem Rückzüge. Innsbruck, 23. Mai. Die„Snnsbrncker Nachrichten" veröffentlichen eine längere Darstellung der Bundesführung der öfter- reichischen Heimatwehren über die politischen Vorgänge in den letzten Tagen. Es wird darin erklärt, daß die Rede des Bundes- führers Dr. Steidle in Korneuburg vielsach ungenau(!) wiedergegeben und auch falsch ausgelegt(I!) worden sei. Dr. Steidle habe erklärt, die Heimatwehren woMen ihr Ziel auf friedlichem Wege(?) oerwirklichen. Di« Heimwehr müsse Ein- gang in die parlamentarischen Körperschaften erlangen und danach trachten, möglichst hieleAbgeordnete. die auch Angehörige der Heimwehr seien, zu haben. Er lehne es ab, daß die Heimwehr- abgeordneten mit den Sozialdemokraten eine Koalition bilden könnten.(Kommt für die Sozialdemokratie erst recht nicht in Frage! Red.) Mit den bürgerlichen Parteien hätten die Heimwehren viele Berührungspuntte. Bezüglich der Entwaffnungsfrage heißt es in der Darstellung, daß die Regierung Schober entgegen den föde- ralistischen Grundtendenzen der Berfassung die Befugnisse hinsichtlich des Waffentragens den Landeshauptleuten wegnehmen und auf das Bundeskanzleramt übertragen wolle. Das ergebe ein« bedenkliche Lage, wenn einmal ein« sozialdemokratische Regierung in Oesterreich herrschen würde._ Sejmtagung auf Befehl verschoben. Wie das Parlament in Polen behandelt wird. Warschau, 23. Mai. Di« für heute nachmittag vom Tejmpräsidenten Daszyuski augesehte außerordentliche Session des Sejm wurde durch Verordnung des Staatspräsi- d e« t e u auf Gruad des Artikels 25 der Verfassung u m 30 Tage verschoben. Um ll Uhr vormittags er- schien im Sejmpräsidium der Kabinettschef des Minister- Präsidiums und überreichte die Verorduung. Max Reinhardts Jubiläum. 25 Lahre Deutsches Theater. Als Max Reinhardt über das Kleine und Neue Theater vor einen: Vierteljahrhundert ins Deutsche Theater übersiedelte— der Kontrakt mit LArronge datiert vom 23. Mai 190ö—, lebte noch Otto Brahm. Hier in der Schmnannstraße wurde der Krieg um den Naturalismus siegreich beendet. Gerhart Hauptmann, Georg Hirschfeld, Sudermann, Halbe, Spitzler, Ibsen, das waren die Hei- ligen und auch die Heroen des Hauses gewesen. Brahm, aus Zähig- keit, Nüchternheit, Klugheit, Schillerhaß und Weltbürgertum vielseitig zusammengesetzt, förderte die Dichter seines Herzens. Die Schauspieler, die er heranzog, und aufzog, schwenkten mit Jugend und Selbstbewußt- sein von der Kunst des Königlichen Schauspielhauses ab. Man suchte die schlichte Natur anistoll der prunkenden Repräsentation. Man spielt« beinahe mit der Exaktheit des Laboratormmsforschers und sezierte auf der Mhn«, zum Entsetzen des wilhelminischen Hofes und des staatlich empörten Zensors sogar die Seelen elender Weber, die sich zur Hungerrevolte zufammenrotteten. Max Reinhardt kam weder von der überzeugungstreuen Wissen- schoft noch von dem menschenfreundlichen Liberalismus her. Er hall«, ein Wiener Kind, allein unter dem Zwange eines üppigen Spieltriebs das Theater gesucht, bei Dilletanten der Donaustadt klein aber feurig begonnen und dann auch Zutritt bei der Drahm- schen Truppe erlangt. Luise Dumont, Irene Triesch, Else Lehmann, August Sauer, Rittner, Emanuel Reicher— um nur einige der größten Namen anzuführen— gehörten auch zu dieser Künstler- gesellfchaft, die den Brahmscheir Stil begründeten und ihn mich auf den ehrgeizigen Bühnen des Reiches heimisch machten. Doch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts verlangten die begüterten Theaterbesucher der Reichshauptstadt, die sich während des Tages mit Flolleiworlagen und politischen Einkreifungspfychosen beschöftigtetr, und trotz demokratischer Neigungen auf den Wettlauf um«in Erdemmperium nicht verzichteten, bunter« Theaterver- gnügunyen. Sie wollten am Abend das sinnliche Gemüt mehr er- freuen als das besinnliche Gehirn. Sie schmückten ihr Haus mit internationalem Luxus und ihre Bratenröcke mit nationalen Kronen- und Adlerorden und wünschten auch auf der Bühne Reichtum und Wollust, verschwenderisches Licht und wahrhaftige Tropenlandschaft zu sehen. Diesem Geschmack kam Reinhardt entgegen— nicht etwa mit kaltblütiger Ueberlegung, sondern mit einem blühenden Phantasie- peitschenden Instinkt. Ihn interessierte vor allem die szenische Aus- stallung. Seine Bision war das Farbige und Plastische, das die Augen entzückt. Märchenpracht und Musik, die den Jubel erhöht, das waren die Genüsse, in denen er schwelgte. Brahm wollte mo- ralisch wirken. Reinhardt wollte zaubern wie ein Magier. Es ge- lang ihm. Führt« er den Shakespearefchen»Sowmernachtstraum" auf oder den„Kaufniann von Venedig", an dessen Schluß unter Mondschein und flimmernden Sternen das hohe Lied der Sorgen- lofigkeri und Feststiinmung gesungen wird, dann begriff man die zur geselligster, Hellertsit ermunternden Talente dieses unendlich einfallsreichen Regisseurs. Er lockte die gutgekleidete Menschheit ins Theater. Die gutgesinnte, die aus sozialen Kamps oder gar aus Klassenkamps angewiesene durste aus der Galerie Platz nehmen und sich an dem Schmaus der Ohren, und Augen beteiligen, wenn es ihr gelang, die Spargroschen zusamm enzukratz ev und sich aus dem dunklen Alltag loszureißen. Mit dieser Feststellung wird durchaus nichts Ehrenrühriges gegen Max Reinhardt gesagt. Er verstand sein Zeit, er unterhielt sie glänzend. Er zeigte ihr, wie schön und verführerisch der Mensch aus der Bühne sein kann. Er scheut« sich nicht, blendende Tänzer und Springer aus dein Barietö ins Theater zu holen, er entdeckt« und brachte zur herrlichsten Blüte vor allen, den außerordentlichen Schauspieler Alexander M o i s s i. Ihm, der eher das Singen als das Sprechen lernte, ihm, den, schmelzenden Tenor des Sprech- dramas, hat Reinhardt gegen alle Alademiker-Widerfprüche zum Weltruhm verHolsen. Diese Tat der Hellstchtigkoit ist aber ebenso verdienstlich wie sein Regisseurwerk. Das Glück ging mit Reinhardt. Er übernahm von Brahm, was er brauchen konnte. Di« Tendenz, die er verfolgt«, richtete sich aber auf ein luxuriöseres Theater, dos die Einbildungskraft beschäftigen sollte. Er spielte die Klassiker nicht, um auszuklören oder zu er- ziehen, er spielte sie nur, weil er den dramatischen Impuls in ihnen spürte. Sein Spürsinn bewährt« sich auch an Strindberg und W e d e k i n d. Brahm hatte weder dem Schweden noch den, deut- schen Sexualpsychologen besonderes Interesse gewidmet. Reinhardt erkannte sofort, daß er zu der am Iahrhundertansang Mode ge- wordenen Ummöblienmg der Bürgerhäuser auch die Neueinstellung des erotischen Empsindungslebens nötig war. Der Vampyr und der Mann, der am Weib zugrunde geht— das Thema lieh sich ins Tragische und Humorvolle variieren, ins Leidenschaftliche und auch ins Läppische. Reinhardt brauchte für diese Vorstellungen ein winziges Gesellfchaststheater. Er baute die„K a m m e r s p i e l e". So führte er eine Idee aus, die dem Experimentator Strindberg se.t langem zu teuer gewesen war. Di« Theaterunternehmer, die hernach in Verlin und dem Reich Strindberg und Wedekind und auch Gorkis „Nachtasyl" so pittoresk und lyrisch und sogar expressionistisch inszenierten, folgten nur dem sehr originellen, genialen Regisseur Max Reinhardt. Er war stets ein Erfinder, ein Träumer, ein romanttsch be- sessener Verschwender. Er schonte weder seine Schauspieler noch sein« Geldgeber. Der Zufall ließ ihn aber stets fowent« Leute finden, die ihm das Rechnen ersparten. Allenthalben forderte man den Publikumsmagneten ein: als er, mitten im Krieg, mit seinem voll- kommenen Bühneninstrnkt Büchners„Dantons Tod" ausführte und die Vühnenmassen als wundervolles Aufnchrinstrument ebenso meisterlich führte wie das komödiantische Bühnenindividuum, schien er beinahe der Regisseur für die neu« und revolutionäre Dramatik zu sein, die ein noch enger Kreis von Zeitästhetikern ersehnte. Man vertraute ihm die Leitung der Volksbühne an. Doch bald zeigt« sich, daß seine innersten Pläne nach anderen Zielen steuerten. Gewiß, er wünschte auch das Theater der Zeit, aber er wollte die Zeit objekttsieren. Er wollte sich als Theatermann über die Zeit hinwegschwingen. Er wollte besonders nicht seine bürgerlichen Mäzene verlieren, die ihm jedes kostspielige Experiment gestattete:,. Und er experimentierte mit allem: mit dem religiösen Passionsstück und mit der attgviechischen Tragödie, mit dem mittelolterltchei, Miratelspiel und der Pantomime und schließlich mit der geistreichen Offenbach-Operette. Den Zirkus Schumann baute er in ein Riesenthoater für die Fünftausend um. Er riß die Rampe» nieder, die bisher Darsteller und Zuschauer voneinander getrennt hatten. Er dachte, die sinnliche Neugierde der Taufende aus den Rängen noch sinnlicher zu reizen, wenn er sie in unmittelbarer Bs- rühnrng mit Theaterchor und Solopersonal brachte. Alles, was die körperliche Wirkung des Theaters zu erhöhen vermochte, sollte ihn, dienen. Mitten In der Inflation schuf er all diese Neuerungen. Die Ausländer kamen, um bei uns billig zu leben und den weltberühmlen Regisseur zu bewundern, der in der Kriegszeit diesen seinen beson- deren Prunkstil in neutralen Ländern gezeigt und durchgesetzt hatte. Er meisterte jetzt alles: Kammerspieltheater und Revuetheater. Er selber hatte von Engländern und Amerikanern, von Theater- und Falmregisseuren gelernt, die sich gewöhnt hatten, die Sorg« des Denkens dem Zuschauer abzunehmen und ihm nur dos Kinder- staunen des Auges zuzumuten. Es wurde aus dem Regisseur, der dem Theater Berlins die folgenreichsten Anregungen gegeben hatte, der interyasional« G a st- r« g i s s e u r, der Bertrauensmann millionenschwerer amerikanischer Kunstliebhaber, der Wundennann für theatralische Welttourneen, auch der Zulunftsmann für die Trustindustri« des Tonfilms. Er ist längst nicht mehr der Vorkämpfer für die junge Dichtung, sondern nur noch der Favorit des kosmopolitischen Bühnenkapitalismus. Aber feine Nerven erfühlen immer noch mit unübertrefslicher Sicherheit jenen über fünf Erdteile herrschenden Geschmack, der gebietet, daß sich auch der ttaimge Alltag durch die Kunst in eine Augen- und Ohrenweidc verwandelt. dlox Hochdorf. Das Herz auf der Schallplatte. Von Max Eck-Troll. Die neuestc Erfindung auf medizinischem Gebiete, die Re- gistrierung der Herztön« auf Grammophonplatten, die auf der Hygieneousstellung in Dresden vorgeführt wird, ist von außerordentlicher Bedeutung. Wie entsteht eine solche Grannnophonplatt«? Ein hochempfindliches Grammophon wird auf die Herzspitz- gegend des Patienten gelegt, und so werden die Herztöne auf das Ausnahmegerät übertragen. Di« Grammophonplatt« registriert ge- wissenhast die Schläge des Herzens, und der behandelnde Arzt kann jederzeit nachprüfen, ob die Krankheit sich gebessert oder ver- schlimm ett hat. Der Spezialist für Herzkrankheiten künftiger Tage hat bann in seinen, Sanatorium«in«.Kartothek kranker Herzen". In diesem Grammophonplattenschrank sind all« wunden Herzen sorg- fältig ausbewahrt. Platt« Nr. 283. Frau Müller, 30 Jahre alt. Diagnose: Gesundes Herz! Der Herr Professor legt die Platte auf den Grammophon« apparat, der die Töne durch einen Verstärker laut wiedergibt. Di« Nadel kratzt erst ein wenig. Dann ertönen gleich laut die Herztöne: „Dupp... dupp."- Das Geräusch kommt aus dem Lautsprecher, der an der Wand hängt. Platte Nr. 408! Herr Lehmann. 60 Jahre alt! Mit einem alternierenden Herzen! Schon etwas angekränkelt! Dupp... dupp! Macht wieder die Grammophonplakto. Das„Dupp... dupp" klingt aber nicht mehr gleich laut. Das erst« Dupp ist laut, der zweit« Herzschlag ist trotz tausendfacher Verstärkung auch im Lautsprecher kaum vernehmbar. Dieses Herz ist schon angekränkelt. Platt« Nr. 34! Frau Schulze. Arbeiterin. 60 Jahre alt. Mit schwerer Herz- erkrantung. Kein regelmäßiges und kein unregelmäßiges„Dupp... dupp" hören wir mehr. Ein beängstigendes Gurgeln dringt aus dem Lautsprecher. Di« Herztöne entstehen durch das Eindringen und durch das Aus- stoßen des Blutes aus dem Herzen. Bei dieser schwerkranken Frau klingen die Herztöne wie ein Bach, dessen Wasser über viele Steine hinwegspringen muß. Dumpf klingt dos arme Herz: „Gugg«... lug... rum... Guggelug... Gluck... Gluck!" Armes Herz! Die Erfindung der Einengung der Herztöne auf der Gramms- phonplatt« ist eigentlich nur eine Ergänzung des seit einigen Iahren geübten Verfahrens der Abhorchung der Herztöne durch dos Mitro- Phon, wobei die Herztöne direkt auf den Lautsprecher übertragen werden. Don diesem Verfahren zur Festhallung der Herztöne aus der Grammophonplatte war nur ein kleiner Schrttt. Klein, ober sehr, sehr wichtig. Di« Medizin wird zur Diagnose bei Beobachtung des Krank- heitsverlauf solch feiner Meßinstrumente und subtiler Moschinen nicht mehr entraten können. Max Reinhardt— Ehrendoktor. Die philosophische Fakultät der Universität Kiel, eine der ältesten Forschungsstätten der Theater- Wissenschaft, hat Max Reinhardt aus Anlaß seines 2Sjährig«n Direktionsjulnläums den Doktor der Philosophie verliehen. Hausse in Rosreleles. Die bevorstehende Abreise der Kömgin Nosretete aus Berlin hat eine wahr« Völkerwanderung nach dem Neuen Museum verursacht. Das Publikum drängt sich im Saal der 4. Dynastie, um das berühmte Kunstwerk noch einmal zu bewundern. Gleichzeitig hat auch ein« stark« Nachfrage nach Gipsabgüssen der Büste eingesetzt, so daß die Gipsabgußabteilunq nicht mehr imstande ist. allen Anforderungen nachzukommen. ForksühruNg der königsberger Oper. In einer Besprechung des preußischen Kultusminsiters mit Vertretern der Königsberper Oper ist von Peußen. um die Fortführung der Königsberg«? Oper zu sichern, ein Zuschuß aus Staatsmitteln in Höh« von 150 000 Mark für dos nächste Spieljahr festgesetzt worden. Es ist dahin gewirkt worden, daß ein westerer gleich hoher Zuschuß vom Reich ge- währt wird. vilhnenchroiilt. Am Sonntag wird ,§ 218* in der Aussübrung des PiSeator. Kollektiv« im Wallner Tkeater zum letzten Mate ge- geben. Da« Slück ist ln Berlin damit rund SCm»! gelvielt worden. Do« PI«cator>KollektIv folgt den Einladungen verichledener Dollsbübnen- vereine und wird den Sunt hindurch im Reich gastieren. ver verein Berliner Künlilee veranstallet nemeinsam mit dem Muleum fflr Leibejübungen im Künl'leihauS. BellevueNiatz« S. eine Aii�fiellung .Der S p o r t a l« K u I t u r j a k t o r', die Sonnabend, mittag« l Ubr, eröffnet wird. ver italienische Tenor Lauri-Volpi gastiert innerhalb der Berliner Kunst- Wochen zweimal in der Siaatioper Unter den Linden. Er fingt am 24. Mai im.Troubadour* den Manrico, am 2«. Mai den Radamä« in ,?>ida*. Heinrich Schlu«nus singt bei diesen Auffübiunae» den Luna im„Troubadour* und de» Amonasro in.ilida*. Leo B t e ch bat »ie mufitaltsche Leitung. Maschinenseher! Kommt alle zur Vereinsversammlung? Der oppositionelle Vorstand des Brandenbnrgischen Maschinen- setzervereins hat zum kommenden Sonntag, 9 Uhr, nach den Kammersälen, Tcltowcr Straße, eine außerordentliche Vereinsoersammlung einberufen. Die Versammlung soll zu dem eventuellen Ausschluß des Vorsitzenden M a h I o aus dem Buchdruckerverband Stellung nehmen. Seit langer Zeit bestehen zwischen dem kommunistisch ein- gestellten Vorsitzeriben des Vrandcnburgischen Maschinensctzervcreins und dem Buchdruckerverband Differenzen. Diese Differenzen erreichten ihren chöhepunkt während des Maschinensetzer- streiks in der„Deutschen Tageszeitung", der von Mahlo in ganz pnoerantwortlichcr Weise geführt wurde. Die Berliner Maschinensetzer sind deshalb am Sonntag vor eine Entscheidung gestellt, die für den gesamten Verband von außerordentlich großer Bedeutung ist. Es kann und darf nicht so weitergehen, daß sich die Kollegen der Amsterdamer Gewerk- schaftsrichtung— angewidert durch die kommunistischen Tiroden in den Versammlungen— mehr oder weniger passiv verholten. Damit fördern sie die von den kommunistischen Quertreibern erstrebte Los» lösung des Branden burgischen Maschinensetzer- Vereins von der Mutterorganilation. Jetzt ist es vielmehr höchste Zeit für alle Maschinensetzer- kollegen der Amsterdamer Gcwerkschaftsrichtung, sich ihrer Pflicht gegenüber der Organisation bewußt zu werden. Zeder Anhänger der Amsterdamer Gewerkschastsrichtung muß am Sonnlog in der außerordentlichen Vereinsversammlung anwesend sein. Die Stunde er- fordert, daß auch im Brandcnburgischen Maschinensetzerverein endlich wieder Verhältnisse geschaffen werden, die ein ersprießliches Zu- sammenarbeitcn mit allen Berufskollegen ermöglichen. Typographio. Besonderer Umstände halber beginnt die außer- ordentlich« Generalversammlung am Sonntag, 25. Mai, nicht um 19 Uhr, sondern um 11 Uhr. Untersuchung der kommunistischen Propaganda lSkigkest in USA. Das Repräsentantenhaus hat mit 219 gegen 18 Stimmen beschlossen, «ine Untersuchunq über die kommunistische Propagandatätigkeit in den Vereinigten Staaten durchzuführen. Die Untersuchung soll sich auf die Tätigkeit der A m t o r g, der sowjetrussischen Handels- Vertretung, erstrecken. 33 russischen Vertretern von vier großen Hon- delsgcsellschaften in Rußland wurde die Einreise nach den Verein! z. ten Staaten verweigert,»je sind im New Porker Einwände« rungsbüro zurückgehalten worden. Wetter für Berlin. Heiter und ziemlich warm mit fortdauernder Gewitterneigung, meist schwache Winde aus östlichen Richtungen.— Jür Deutschland. Fartbestaich der herrschenden Witterung mit zu- nehmender Erwärmung, aber besonders im Süden vieljach Gewitter. »Volk und Zeit", unsere illustrierte Wochenschrift, und »Der kinderfreund" liegen der beutigen Postauflage bei. Beraittworjl. füt die Redaktion: Rich. Seraftei». SVrlin: Anzeigen: Zh. Slockc, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. w. l>. H.. Berlin. Druck: Vorwäris Buch- druckerci und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Lindenstraste 3. bierzn 1 Beilage. WERT HEIM Rosenthaler Str. 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Relnwald Odeon, Potsdamer Sir. 75 Liebe and Champagner m.Agne* Eiierb&zl U.Ivan Pdrovidi Die uoldmtne von Santa Paxl mit Tom Mix Turmstra�c 12 Die Somme Die Wander Aliens Jugendlicne haben Zutritt Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Napoleon auf St. Helena mit Werner Kranb(7 Akte) Adiinngl Tank)(5 lustige Akte) Jugendliche haben Zutritt E__ FriaeSrichstadt fc Die Kamera* JTfuhr Unter den Linden M Goldranadi mit CbarUe Chaplin Lnaiigea Beiprogramm ■ Moabit M Artushof-Lichtspiele Film, and BiUuieasebao Perleberger Str. 2d und Stendaler Str Bbeaireik mit Maria Pandler Aofrnbr des Blutes mit Oskar Marion Welt-Kino . Uhr Alt-Moabit Zwei Herzen im Sf<-Tald Micky Maas Jugendliche haben Zutritt Schlüter-Theater SchlQterstr. 17 W. 6.30. 9 Uhr. Sonne ab 3 Uhr. Unser JnbiiSnmsprogramm I Das MSdei ans USA. m Anny Ondra Mensdtea im Feuer mit Harry Plcl WilmersdorF Atrium Beba-Palasi Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Beginn; Täglich 7, 9.15 Uhr Die leizie Kompagnie m. Conrad Vclat u. Karin Urans Jugendliche haben Zutritt m Schanabora■ AlVlAfTlhrA Wchtgs. S, 7, 9 Uhr ft.inamDr a stgs. 3, s, 7, 9 Uhr Schöneberg, Hauptstr. 30 Der gewaltige Ufa-Tonfilm: Die leizie Kompagnie mit Conrad Veidi Jugendliche haben Zutritt Titania(Uf. ÄL,erg) Hauptstraße 49 W 6 30, Stgs. 3 Uhr Der WalzerkSnig mit CI. Roi Hans Stflwe U Frlndnn.u M Kroncn-Lichtspicle Rheinstr. 65 Beg, Woch. 630. 9, S. 5 U- Donanwalzer mit Harry Licdlkt Oer König der WSIder Jugendliche haben Zutritt ■«taallt»■ Titania-Palast Steglitz, SchloBstr.5. Ecke Outsmuthsstr. Beginn der Vorstellung 630. 9 Uhr, Sonnt. 4, 6.30, 9 Uhr. Tonülm! Das lockende Ziel m Kammersänger RltbardTaaber (Uf_ f; Marlen dort er Sonnt 3 U. l ia-I�l Lichtspiele| u ß.-Vorst Chausseestraße 305 W. 7, Stg. ab 5. Die Fahrt ins Fener Zeugen ersucht mit Eddie Polo Bühne: Herne Füm-Poiast Kammersäle Teltower Str. i Die Sünde der Llssy Kraft JngendiragAdio mit Wolig, Zllzer > SOdo.tn � p Beginn W. 630 U S. ab 3 U. Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Tonfilm: Das Rhcinlandmädei m. Werner Fütterer, Greil Berndt, Lncic Engiisdi Filmeck Luisen-Theater s�!v: Reichenberger Str. 34 Spiel nm den Mann m. Liane Haid Bühnenschaa Stella-Palast Köpenickcr Straße 11—14 Wochtgs 7 u. 9 Uhr, Stgs. 5, 7, 9 Uhr Der gewaltige Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veldt und Karin Evans Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Kasseneröffnung Vs Stunde vorher Sternwarte— Treptow Sonnabend 8, Sonntag 4, 6, 8 Uhr: Der Elbsfrom vom Fels znm Meer Eine Filmsymphonie v.Naturscbönh. W Moukailn§ ICu'L-viU Wochent. 6,45, 9 U. IVUKUK sonnt. 5. 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 Der gewaltige Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veidi Beiprog: Jugendlii Jugendliche haben Zutritt Excelsior Wochent 6 45, 9 U. Sonntag 5, 7, 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Der erste Kriminal-Tonfilm: Der Tiger mit Cbarl. Sorna, H, Frank Beiprogramm Stern, Hermannstraße 49 Wochentags 6.45, 9. Sonntags 5, 7, 9 Uhr Der gewaltige Tonfilm: Die leizie Kompagnie m. C. Veidi Beiprogramm jugendliche haben Zutritt Passage-Lichtspiele Bergstrasse 151-52 Wochtgs. 6.30, ca. 9 Uhr: Stgs. 5, 7, ca. 9 Uhr Sinru ani zwei Herzen Im Schatten von Paria Bühnenschaa NenkOllnerLidilsplellL Bergstrasse 136-37 Wochtgs 6.30, ca. 9 Uhr; Stgs. 5, 7, ca. 9 Uhr Die Drei um Edith Rummelplatz der Liebe (Fahrendes Volk) Bühnexucfaau „Elysium" Prenzlauer Allee 56 W. 5 15. S 5 IS U. Sonntags 315 gr jugendvorstellung Die Somme(Das Grab der Millionen) Groge Bühnenschaa ■ Pütan■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochent. 7 U. Sonnt, ab SU. Tonfilm; Ea gibt eine Fran, die dich niemals vergibt m.UDagoveru I.Petrovich Im Beiprogramm: Flock n. Flickte, die Tonfilrawundertiere 1 Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 W. 6, Freit, u. Sbd. 5. Sonnt. 3 Uhr Wegen Riesenerfolg verlängere Der 100 proz. Tonfilm: Die letz e Kompagnie mit Conrad Veidt und Karin Evans Concordia-Palast AndreasstraBe 64 Wochentags 6, 8.45; Sonntags 4, 530,9Uhr Die Incei der verschollenen Schiffe Eine Neuaufnahme des Films in tönender Fassung Der Kampf am die Fran Comenius-Lichtspiele Memeler Straße 67 W. 6, Wfc, S ab5U Stud. ehem. Helene Willfücr mit Olga Tschcchowa Wer hat Robby gezehen mit Carlo Aldlnl Viktoria-Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, 7 u. ca. 8.45, Stg. 3, 5. 7 u. ca. 8.45 U* Die Welt In Flammen mit Ridiard Barthelmeb Beiprogramm— Bühnensdbau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5. 7 u. ca. 8.45, Stg. 3. 5, 7 u. ca. 8.45 U 100 proz. Sprech- u Gesangsposse! Wien, da Stadt der Lieder Jugendliche haben Zutritt � Hüu-tlchfwberg h Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Die Jagd nach der Million mit Luclan Albertlni Beiprogramm Bühne: 1 Sunde Variete Jugendliche haben Zutritt Kino Busch M.Är. Alt-Friedrichsfelde G.Beiprogramm Karriere mit W. Rllla u- V. Glbson Pat and Patachon als Modekönige Elysium Hasselwerder Straße 17 Ton film possat Wien, an Stadt der Lieder Tonfilm Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt W__ WnlOnnzen �"g Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205— 210 Stg. VjS Jgd.-V Der erste fOO0', Sprechtonfilm vom Rhein; Daa RhcInlandmSdel mit W, Fütter er, Gr, Bern dl T onftlmbelprogn Norden Alhambra Müllerstraße 136, Ecke SeestraBe Die große Tonfilmoperette; Zwei Herten Im Takt Pharus-Lichtspicle Müllerstraße 142 W. 6V4 U. Stg. 4*/i U. 3 Großfilme: Die GeheimnUse d. Zlrknt Jordan Acbtyngp Pollzeipatronlllel Beide Teile Marga-Liditspicie Schul straße 29 Ton- und Sprechfilm: Liebeswalzer mit Lilian Horwcy, Willi Rivalen der Wildnis Fritsdi Noadc's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. ab 6. Stg. ab 4 U. Die Somme, Grab der Millionen HOiel euch vor leidsten Frauen Bühne 8 Gloria- Jazzsymphoniker Bühnenschaa Prater-Licfahpiel-Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 530, Sonntags 4 Uhr Jagd nach der Million mit Alberilni Die grobe Zlrknrparade Wetttanf der Liebe, Bühne, Revue Jugendliche haben Zutritt Skala-Liditspielc Schönhauser Allee 80 W. 7. 9 U. Stg. 5, 7. 9 U. Tonfilm Dich hab* Ich geliebt mit Mady ChrisUana Beiprogramm rt1o«A/Mim Wtgs. 7 u. 9 Uhr V-OICISSCUIII Stgs. 5,7 u. 9 Uhr Schönhauser Allee 123 Die große deutsche Tontilmposse: Wien, da Siadf der Lieder Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt »Alhambra* Badstraße 58 Blockade (Die geheimnisvolle Flotte) Chaplin der Unglücksrabe Große Bühnenschaa Jugendliche haben Zutritt Ballsdunieder- Lidiisp Badstraße 16 Der große deutsche Tonfilm; Heute nacht eventuell mit Jenny Jngo Kristall-Palast Prinzenallee 1—6, Woch. 5, 7. 9. Stgs. 3, 5, 7, 9 U, Der große Tonfilmerfolg; Da» lockende Ziel m. Rieh. To aber Bühn Pankow Palast-Theater Breite Straße 21 a Ton- und Sprechfilm; Wien, dn Stadt der Lieder Flock nnd Flickte (Tonil! m Wundertiere) jugendliche haben Zutritt Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 7. 9 U, Stg. 5, 7 u. 9 U, Der Tieger [der erste K ronfllmbelprogramm (der erste Kriminaltonfilm) To � MIodarsenanhäiHüA� Film-Palast.N�, mit Harry Liedike, Eraai Verebea Blankenburger Straße c W. 630, 9 U. Stg. 4.30, 635, 9 U. Tonfilm: Deflkafesaen mit Harry Liedll Ein Tag Im Film Flodc nnd Flickte Jugendliche haben Zutritt « Tagei j „Kosmos" FUmbühnc Hauptstraße 6 Der gewaltige Tonfilm: Attaatik mit Frttz Korfner Beiprogramm Filmpalast Tegel Bahnholstr. 2 W.6.8»-. Stg.4'/c,6"«.8"c Sonnt 2 Uhr Jugendvorstellung Tonfilmoperette: X Herzen im>, Takt Tönendes Beiprogramm Wiedergabe auf neuester Tobis-Apparatur Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, 8Vj Ii Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 4'/«. 6": 88, U Karriere mit Charly Chaplin Landang m Paradies mit R. la Aoqnc Filmpalast stfr Äk. wc'a Berliner Straße 59 Stg. 2U. Jug.-VorsU Napoleon anf Si. Helena Die II fache Wifvre mit DoL Coatello föeiloge Freilag, 23. Mai 1930 DwIUwnO $uilauiQaä% 4t* tburdrü New»Yorker Nachtleben Ein Durchschnitt durch die amerikanische Vergnügungsindustrie Als Ausdruck der amerikanischen Seele kommt im Gegensatz zu weitverbreiteten, europäischen Auffassungen nicht New Hark in Frage, sondern vielmehr Chikago, Kansas City und Denver. Die immer wieder sich selbst überraschende Riesen- stadt am Atlantischen Ozean ist nicht spezifisch amerikanischer Boden. Hier mischen sich europäische Tradition und Wille zur Kultur mit amerikanischer Lcbcnsvitalität und dem Tempo der Arbeit, der Hetze nach dem Dollar. So kommt es, daß New Jork, wo immerhin ein größerer Teil der Einwanderer hängen bleibt als in allen anderen Gebieten von USA., die einzige, wirk- liche Thcaterstadt der Vereinigten Staaten ist. Philadelphia, Boston lin& weiter im Westen Chikago. neuerdings auch noch Los Angeles besitzen zwar auch ihre eigenen Bühnen, ober das Monopol für das eigentliche Nachtleben des Landes hat unwiderruiflich New Vork. Cs gibt nur einen Broadway und nur einen Theaterdistrikt, wie das Viertel vom Times Square über die siebente Avenue bis zum Zcntralpark. Allein die ungeheure Anhäufung von Menschen auf verhältnismäßig engem Raum— man schätzt die Bevölkerung von New Jork City auf ungefähr sieben Millionen, hinzu kommen täglich IZstOOO bis 200 000 fremde Besucher, die bekanntlich die Unterhaltungsstättcn in besonderem Maße aufsuchen—. machen eine solche Vergnügungsindustrie möglich, wie sie sich hier entfaltet Hot. Selbstverständlich gibt der Staat dazu keine Unter st ützung, sondern die Betriebe sind aus eigenen, erheblichen Gewin» angc- wiesen. Das mag gut oder schlecht sein, jedenfalls entscheidet der Kassen- erfolg mehr als olles andere für das Repertoire de- Theater, die Auswohl der Schauspieler sowie die Art und Weise der Bcr- gnügungs. und Kulturstätten überhaupt. Di« Einnahme an der box okkice.ist maßgebend, und die kommt vom Arbeiter, Angestellten, kurz von der Mass« der Werktätigen. Diese aber, durch das rationalisierte Tempo der acht-, zehn- und zwölsstündigen Arbeitszeit mürbe gemacht, ziehen es vor, sich«in schöneres und bequemeres Leben auf der Leinwand vorgaukeln zu lassen. Daher kommt es, daß von den 64 Schauspielhäusern New Bocks einige immer dunkel und außer Betrieb sind, und nur wenig« ganz und auf die Dauer besetzt sind. Dabei werd«n die Stücke nach dem Geschmack des Pr«micrenpublikums ausgesucht: Lustspiel«, Revuen, Kriminalstücke, erotische Dramen, vor allem Aufmachung. Ausnahmen bestätigen hie Regel: so die schon in die Hunderte gehende Aufführung des nur aus fünf Hauptfiguren bestehenden �iglischcn Kriegsdramas: fournevs cml.(In Deutschland bekannt pmer dem Namen:„Die andere Seite." Amn. d. Red.) Alle wirk- nchen Theaterbesucher zusammen machen aber nur einen geringen Bruchteil derer aus, die in die„Movics", d. h. neuerdings in die „Talsties*(Sprcchsilme) laufen. Schuld daran ist nicht nur das mängelnde Bedürfnis, im Gegenteil, man hat eine starke Laienspiel- bewegung, sondern die hohen Eintrittsgelder, die Garde- robe und die mangelnde Gelegenheit. Das Kino ist von morgens acht bis nachts«in Ilhr uimnterbrochen geöffnet. Die Theater hoben nur eine Abendvorstellung, im besten Falle noch zweimal wöchent- lich Matineen. Das Maximum der täglichen Theaterbesucher be- trägt 75 000 Personen, während die Lichtspielhäuser in Manlzattan allein bis zu einer halben Millionen, Samstags und Sonntags sogar ungefähr 750 000 Menschen unterhalten. Davon schlucken die drei größten Häuser: dos Roxy, Para- mount und Capitol mit einer Kapazität von 15 000 Plätzen einen erheblichen Teil. Auch hier spielt das Aeußerc ein« große Rolle: fabelhafte Dekorationen, mit fürstlichen Teppichen ausgelegte Wartelzallen,«in rieselnder Springbrunnen in der Mitte, kurz die Imitation der Millionärsvillo in der Park Avenue. Für einen nicht zu hohen Obolus, 50 Cent bis 1 Dollar, kann man all dieser Herrlichkeiten testhast werden, ja noch viel größere Be.zauberungen auf der Bühne erleben. Da ist meist eine sehr groß«, oft nicht mal schlechte Kapelle, die zusammen mit einem Orgeljolisten unter wech- selnder Beleuchtung— blau für die romantischen, rot für die feurigen Stellen usw.— das ganze Theater erdröhnen läßt. So innerlich gefestigt wie in der Kirche aus die Predigt ist hier der Besucher nun auf das Borübertänzeln der hübschesten Beine der Welt gefaßt. Wilde Steptänzer rattern in rhytmischen Takten über die Bühne, und schöne Sängerinnen erfreuen ihn mit ihrem meist nicht so bezaubernden Getöne. Dann kommt die übliche Wochenschau: Mr. Hoover beim Angeln, Jimmy Walker hält eine Volksrede, und die Mannschaft der Columbia Univerfity schlägt in 20 Zeitlupenaufnahmen die Army 12: 9, worauf großer Beifall. Dabei ist es eine Säende für die Armee. Aber scheinbar siegt der Geist doch noch über die rohe Gewalt. Hat man Glück, so wird eine der herrlichen Tierfabeln anzeigt, die in immer neucn Variationen das Herz und die Lach- z'eln der Zuschauer erfreuen. Und dann kommt der Haupt- m: der Sch'ager, über den ganz New Bork eine Wo+� lang cht, heute nur noch' sprechend und singend, mit recht viel Tanz- iV Revue« n'a gen, oft stgar in natürlicken Farben. Der Inhalt 1 meist ein« rührselig« Geschichte, die am Ende gut ausgeht, man r hrt zufrieden und in sichtlich angenehmer Stimmung nach Hause zurück, wo bereits im Radio die neue Melodie dröhnt:„llere is tbe boy, Here is the girl."(Aus„Cilly", dem in Deutschland zur Zeit laufenden, farbigen amerikanischen Tonfilm.) Neben diesen Vergnügungsstätten besteht das„spealceasych rein übersetzt:„sprich leise", d. h. es handelt sicb um ein eigentlich geheimzuhaltendes Lokal. Zwar weiß der Polizeipräsident Whalen, daß es in New Bork allein 32000 von diesen dunklen Be- trieben gibt: aber schließlich sind sie ein wichtiges und einbringendes Gewerbe, die«inen grohen Teil der Steuern zahlen und gelegentlich auch ganz gut schmieren sollen. Seit den zehn Jahren der amerikanischen Prohibition gibt«s dort weder Wirtschaften noch Kaffeehäuser in unserem Sinne. In den Speisehäusern verzehrt nean so schnell wie möglich, even- tuell im Stehen, eine groß« Portion, um sofort wieder hinaus- zureniien. Ein Mittelding sind die Restaurants der Chinesen, meist gut eingerichtet mit Orchester und Tanzparkett, wo man sehr billig und gut essen kann. Sie werden vom Mittelstand und ge- hobenen Arbeiter stark frequentiert, im Gegensatz zu den ausge- sprochenen Nachtklubs, wo man ohne Gesellfchastsanzug und Zahlung eines gesalzenen Eintrittsgeldes überhaupt nicht hinein kommt. Da ist die Villa Volle e, wo Rudi, der Star der 1930er Saison, mit seiner Kapelle ausspielt. Auch Clara Bow und Harry Richmann lassen sich während ihrer Ferien von Hollywood in diescn snobistisch angehauchten Lokalitäten sehen. Die Mehrzahl des Damenpublikums setzt sich aus Chorusgirls zusammen, und selbst- verständlich gibt es auch Alkohol zu entsprechenden Preisen. Die Herrschaften wünschen eine Flasche französischen Champagner: all rigbt, Lir— 25 Dollar. Die Nachtklubs wurden eine New-Borker Einrichtung, als die Kabaretts durch das Alkoholverbot verschwanden. Unter dem Namen seriöser Vereine leben diese Kleinkunstbühnen mit ihren Jazz- kapellen, Tänzerinnen und den Bars auch heute weiter, nur daß der Spaß erheblich teurer geworden ist. Dos eigentliche Quortier Latin ist rund um den Was hing- ton Square, gleich in der Nähe des Italiener- und Spanier- Viertels. Da existieren unter den romantisch-ften Namen ein paar Kellerlokale, in denen die Jungen sitzen, die noch keinen Namen haben, und ihre Probleme wAzen, insbesondere: wie werde ich be- rühmt, das heißt: wie kann ich viel Geld verdienen. Dasselbe in allen Landen... Der Durchschnittsamerikoner hat auch im Vergnügen keine Ruhe. Gönnt er sich einen freien Abend, so hetzt er von einer Sache zur anderen, unruhig, ohne innere Teilnahm«, nur um immer be- schäftigt zu sein. Eigger and better, das Schlagwort der I» dustrie, gilt auch für die Beschäftigung in den Mußestunden, und rasend wirbelt die haushohe Lichtreklame des Broadway, dos tosende Gebrüll eines Sommerixichmittags auf Concy Island, dem größten Rumntelplatz der Welt. Karl Mocllcr, z. Zt. New Bork. Intermezzi Kleine Szenen aus dem Lehen--- Von Heinrich Hemmer Die russische Seele „Siehst du, mein Lieber," sagte ich neulich zu einem Freunde, „da wind so viel geschrieben und geredet über den Fall Iaku- b o w s k i und den Sergeanten G r i s h a, und es ist alles so ein- fach— mir für meinen Teil wurde die russische Seele ein sür alle mal klar durch ein kleines Intermezzo, das sich im östlichen Grenzgebiet abspielte, als ich noch ein Knabe war. Ich habe cs nie vergessen. Es war an einem Sonnabendabend. Die russischen Landarbeiter, nachdem sie die Aecker bestellt urtd ihren Lohn empfangen hatten, waren in den(deutschen) Marktflecken geströmt und in einem kleinen Koloniolwarenladen eingekehrt, wo einen echten Wodka gab und russische Zigaretten. Entweder hatten mm die Russen zu viel ge- trunken oder zu wenig verzehrt, kurz, der Kalonialworenhändler, genannt Heringsbändiger, setzt« die ganze, unverständliche rufsischc Laute hervörsprudelnde G es ell scha t f'nor~Si r Türe. Ich sah, wie die Arbeiter in llcinen Gruppen mnherstanden und eifrig über den Fall diskutierten..., dann löste sich einer von ihnen ab und begab sich nach der Tür zurück, ein baumlanger bloiüxr junger Russe ivolltc noch einmal in den Laden zurück, um noch ein Glas Wodka zu trinken, oder vielleicht hatte er nur seinen Hut vergessen, denn er war barhäuptig und redete immerzu russisch aus den Heringsbändiger ein, der nicht verstehen konnte und auch nicht wollte. Es war«in strammer kleiner unterofsiziersmäßigcr Ostpreußc, der spreizte seine kurzen krummen Bein« wie eine Barriere zwischen die Pfosten, aber der blonde Russe hob noch einigen weiteren Explikationsoetsuchen— wahrscheinlich fehlte ihm wirklich der Hut— eines seiner Goliathbeine, um über das kleine Hindernis hinwegzusetzen. Das ergrimmte den Hctingsböndiger, sein Ann zuckte und flog— klatsch— in die Höhe... er hatte es tatsächlich fertiggebracht, der kleine Ostpreuße, dem russischen Riesen eine schallend« Ohrfeige zu versetzen. Wehe, dachte ich. wehe, wenn jetzt der Russe nur überhaupt sein« Hand niederfallen läßt. Da wird der Kolonialworenhändler glatt vom Erdboden verschwinden, nicht eine Spur von ilyn wird zurückbleiben, er ist einfach vernichtet. Ich sah den Russen an und den Deutschen, zitternd vor Erregung, meine Augen malten sich schon die Kata- strophe au?— aber es kam ganz anders. Der Russe rührte keinen Finger. Er setzte das Russenbein an seinen Platz zurück und stand regungslos da. Nur sein Inneres war bewegt, sein Kinn zuckte, seine kleinen Aeuglein zogenTich zu zwei Strichen zusammen— Tränen kullerten über seine braunen Wangen herab. Der Riese- weinte, weinte wie ein Baby. Warum hatte man ihn geschlagen: er hatte ein« Strafe erhalten, ohne ein Unrecht be- gangen zu haben, das begriff er nicht. Daß er seinen Gegner zu Staub hätte zertreten können, vergaß er über dem Leid, das der ihm zugefügt... siehst km, das ist die russische Seele." Mein Freund zündete sich seine Pfeife an, tat«in paar Züge und sagte: das ist d i« eine Seite der russischen Seele, ich werde dir die andere zeigen. Es war auch an einem Sonnabendabend, da spielte sich auf der anderen Seite der Grenz« in einem Großdorf ein Jahr oder zwei vor dem Kriege ebenfalls ein kleines Intermezzo ab: aber von wesentlich anderer Natur. Der reichste und angesehenste Mann des Ortes war ein Deutscher, ein Müller, der betrieb«ine Kunstmühle, in der sie alle ihr Korn malen ließen, weit und breit in der Umgegend, denn sein« Mühle mahlte rasch und er nahm dg�ür, was üblich war, an Mehl als Be- zahl mg und stand jedermann mit gutem Rate gratis beiseite. Dos war um so schätzenswerter, als für alle 4000 Seelen, respektive Körper kein Arzt zur Stelle war. und wer sich nur in Irgendeiner Verlegenheit befand, sei's welche immer, ging zum Müller und der riet ihm zum Rechten. An einem warmen Sommerfonnabend, es war schon dunkel, saß der Müller vor seiner Mühle auf einer Bank im Gespräch mit ein paar Leuten vom Dorfe, da kam eine Fuhre. Der Fuhrmann sprang ab, fragte, ob man ihm sein Korn mahlen wolle uird der Müller sagte, er solle nur in den Hof damit fahren, gleich am Montag käme er dran. Der Fuhrmann wollte es am Sonntag gemahlen haben. Das sei Unsinn, sagte der Müller gullaunig, niemand mahl« am Sonntag. Aber der Fuhrmann gab nicht nach. Er hatte vielleicht getrunken... er war jedenfalls rabiat, immer mehr drarig er auf den Müller ein, der noch immer ruhig auf der Bank saß: er müsse ihm gleich sein Korn mahlen.„So laß mich doch in Frieden!" rief der Müller und stieß den Fuhnnann weg. der ihn am Arm gefaßt hatte. Der Fuhr- mann flammte auf und ging auf den Müller los. Aber der Müller war stärker und gab dem Fuhrmann einen Schlag ins Gesicht, daß ihm das Blut aus der Nase troff. Das war das Signal zu einer allgemeinen Attacke: all« Anwesenden stürzten sich, als sie Blut sahen, blindlings auf den armen Müller. Der wurde zu Boden gefchleu- den... er wurde mit Füßen getreten... er wurde zu Tode ge- trampelt. Vor einer Viertelstunde Halle er zufrieden und glücklich vor seiner Tür gesessen, der beliebteste Mann im Ort, jetzt lag er als blutige Masse am Boden, leblos, unkenntlich, ein Opfer der Un- sinnigsten Volkswut. Jetzt kam aber auch das Volk wieder zur Besinnung. Was hatten sie getan! War dieser Deutsche nicht ihr Freund, ihr Rat- geber,. ihre Stütz«? Sie schlugen sich vor die Brust, sie liefen zur Kirche, sie riefen den Popen, sie heulten und wehklagten die ganze Nacht,— aber es war nun einmal zu spät... das Unglück war geschehen. Das also, das ist die andere Seite der russischen Seele. Elefantenritt Aus einer Zngverspötung tonn sich in Indien allerhand ent- wickeln, vom Malariaficber bis zu einer Zirkusvorstellung, Ein rayputanischer Gentleman, den schwarzen Bart vom Kinn bis zum Turban hinausgekämmt, sah, während alles vor ihm sola' amtc, cm- pört aus seine goldene Ilhr. Da kamen wir in einem Ticca-Gharri angesaust, einer mit Rädern und Pferden versehenen Kiste, die als Droschke fungiert. Sein Zug und unser Zug: der Psingstzug nach Darjeeling hast« eine Stunde Verspätung. Seitwärts vom Bahnhof stand das Reittier, aus dem der braune Gentleman gekommen war, phlegmatisch, phantastisch,«ine goldene Decke über den grauen Riese irl ieb und farbige Kringel auf den niederhängenden Rüssel— es war«in riesiger Elefant. Der Elesant sah trotz seiner Würde liebenswürdig aus, meine Frau streichelt« mit ihren rosenroten Sonnenschirm seinen bunten Jahrmarktrülsel. Der Raypute vergoß den Aug und die Zeit und sah,-seinen Bart nach rechts und links hinaufbürstend, belustigt zu. Der Elefant machte sich nicht viel aus dem Gestreicheltwerden mit Damcnschirm, es dünkte ihn unan- gemessen und respektlos. Er nahm meiner Frau den Schirm fort, sanft aber bestimmt. Es war«in kleines dicksticliges Putzschirmchen mit einem Elfenbcingrifs. Als ihn der Elefant durch die Lüfte schwenkt«, öffnete ei! sich strahlend in der Tropensonne. Das verdroß den Elefanten. Er legt« den anstößigen Gegenstand zu Baden und setzte seinen Fuß darauf. Dann blickte«r meine Frau in väterlicher Weise an und sagte etwas Lehrreiches in der Elefantenfprache. Meine Frau floh entzetzt hinter den Rücken des rayputanischen Gentleman, auf besten Gesichtszügen sich j�tzt lebhafter Kummer ausdrückte. Aus Schmerz über den zerstörten Schirm bot der Raypute meiner Fron (wenn ich ihn richtig verstand) alle seine irdischen Besitztümer als Entschädigung an. Aber weder Häuser noch Länder noch Ochsen noch Juwelen konnten sie vertrösten, sondern einzig und allein«in Ritt auf dem riesenhaften Tier. Stühle wurden aus dem Bahnhofsgebäude geschleift, der Elefant hob sie auf seinen Rücken, dann faßte er m«ine Frau um die Taille, wirbelte sie durch di« Lust, daß sie aufschrie und setzte si« gleichfall» in di« Loge, wo sie so stille saß, wie noch nie. Mich drehte er drei- mal herum und ich sah neben meiner Frau. Der Gentleman mit dem geteilten Bart verbeugte sich auf der Plattform und zeigte vor Freude alle sein« Zähne. Buntgekleidete Diener liefen herbei und schrien dem Elefanten etwas in seine Wasch!-ckenohren, woran' sick' zwei Ecken seines Körpers in Bewegung sitzten und bal arau: der Rest. Es war der Augenblick eines großen, aber sehr unlt ten K! ck. Mir war, als ritte ich auf einem Walfischrücken du-ch«in laifun- gepeitschtes Meer. Ick) kam mir unendlich klein und unsi' er vor und meine Frau lag wie«in Fragezeichen in der Ecke der Log«.?'ller verneigte sich, als wir ang«schaukelt kamen: Salam' Paläste bogen sich herab zu uns. Weiße Türmchen s'"'- iv Luft herum. Große Vorbozen verschlangen uns ur! wieder aus. Die Sonne spielte Verstecken mit uns un! R Erde tanzten miteinander. Es war ein trunkener P-fings auin mehr ein« Aschermittwochphantasie. Meine Frau würde noch viel« rosenrote Sonnenschirme geopfert haben, hätte man sie aus der Loge herausgelassen. Wir gestikulierten verzweifelt, aber die Dienerschaft hielt das für eine Geste der Begeisterung, und trieb das Tier nur immer mehr an. Als wir halb leblos am Bahnhof anlangten, war der Raypute weg und der Psingstzug ebenfills. Aber wir war«» froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben: denn der Elefant, so solide er auch von unten aussieht, ist, wenn man obr" drauj fitzt, eiu sehr wackliges Biest. / „Sehr richtig", stimmte Nr. Garrickson lebhast zu.„Ich habe ein Geschäft wie jeder andere. Ich habe aber auch einen Menschen. Geschäft und Menschen hatte ich streng auseinander, damit eines durch das andere nicht Schaden nähme. Aber etwas habe ich euch allen voraus. Die Verantwortung, auch für das, was ich gegen mich unternehme. Womit kann ich Ihnen dienen?" „Mit dem Gegenteil dessen, was Sie bisher gemacht haben. Indem Sie meine Nachfolge als Polizeichef von Schanghai unter Hinweis auf die kritischen Zustände als öffentliche Forderung ein- stellen. Und das mit allem Nachdruck." Mr. Garrickson kaute, überlegte. Spuckte dann in weitem Bogen den Gummi aus, nickte Marin näher. lFonsetzung folgt.) (36. Fortsetzung.) Seine Interessen waren von denen der Männer, die aus ihn zählten, wesentlich verschieden. Und einzig und allein nach seinem Wohl« zu handeln, war für ihn beschlossen« Sache. Dachte an Lillian. Es schien ihm von gröhtcr Wichtigkeit, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. Ueberdies war er von lebhaftem Interesse für den Verlauf der gestrigen Nacht erfüllt. Gleichzeitig überlegte er einen Besuch bei Mr. Garrickson. Di« Presse war für ihn nicht ohne Bedeutung. * ?). war sehr erstaunt, als er am frühen Morgen nach einer schlaflosen Nacht statt vier, bloß drei seiner Getreuen zu Gesicht bekam. Mr. Dollar, Mr. Pfund und Mr. Toel berichteten, abwechselnd in der Wortführung über ihr Abenteuer im Hotel de l'Europe. 5). war von ihrem Besuch im dein Hotel sehr überrascht gewesen, da er keinen von ihnen dort vermutet hatte. Sein« Verwunderung behielt er aber für sich. Wußte er doch nur zu gut, daß der Be- such im Hotel de l'Europe niemand anderem als ihm gegolten hotte! Stand er nicht unter dauernder Ueberwochung dieser vier, jetzt drei Gesellen? Wer mochte sie dazu angestellt haben? Er fand keine Zeit, darüber nachzudenken. Mr. Dollar erzählte: Ehe er mit Marin zusammengetroffen sei, habe er sein Gespräch mit Mr. Kead belauscht:„Der Franzose behauptete, im Besitze der Dokumente des Garantiepaktes mit Ruß. land und der Aufftellungspläne zu sein." Dabei äugte Mr. Dollar nach N. ?). setzte dem mit überlegener Ruh« entgegen:„Herr Marin dürfte sich in einem Irrtum befinden. Ihr könnt euch selbst über- zeugen, wer von uns beiden dies« Dokument« in Händen hat." Cr ging an einen Schrein, össnet« ihn und entnahm ihm Garantie- pakt und Ausstellungsplän«. Warf sie den dreien vor die Füße. Sie waren schamlos genug, danach zu greifen. Mit süßlicher Liebenswürdigkeit gaben sie ihm die Dokumente zurück, nachdem sie sie überflogen hatten. Inzwischen war auch Mara ins Zimmer getreten. Di« Demüti- gung, die P. erfahre» hatte, reizt«, erbitterte die Frau. Sie sprang die drei an. Hätte sich an ihnen vergriffen, wäre J. nicht da- zwischen getreten. Warum aber hatte er sich nicht gegen diese Schmach gewehrt. sich nicht gewehrt, wie es jeder an seiner Stelle getan hätte? Es war nicht Gleichmut oder Charakterschwäche, die ihn znwngen, die Beleidigung aus sich beruhen zu lassen. Gewissen- haftigkcit war die Driebkrast dieses Menschen, der durch sein« Gc- burt dazu bestimmt war, sich zu unterwerfen. Darin war er Asiat«. Zwiespalt kämpfte in ihm. Als er allein war, begann er wieder das Werk der Zersetzung an sich und an allem. Daß Marin so bestimmt von dem Besitz« der Papiere gelogen hatte, mußte«in« Begründung haben, die P. sich nicht einzugestehen wagt«. Für ihn war es gewiß, daß Marin die Papiere be- saß. Wie nie zuvor glaubte er den Plan dieses Menschen, der sein Gegner war, zu durchschauen. Er wußte nun, warum das unge- störte Zusammenfein mit Lillian gestern abend möglich war. Jeden Blick dieser Frau hatte er noch vor sich, erforschte ihn bis in seinen geheimsten Quell. Er hotte aber von ihr und ihrem Leben Ab- schied genommen. Und erst jetzt erkannte er selbst den Grund da- für. Was ihn immer wieder anzog und abstieß, war das Ver- derben, das ihn zu umgarnen drohds. Aber nur zu bald mußte er sich bekennen, daß sein« so endgültigen Abschiedsworte Heuchelei und Lüge gewesen waren. Er hat sich gezwungen, aus ihrem Leben zu treten. Aber sie steht in seinem. Marin besitzt die Pa- piere. Er, P., wird vernichtet werden. Er wird einen Kampf führen, einen sieglosen Kampf. Aber er muß ihn führen, bis ans Ende. 44. Marin gewann in Anwesenheit Mr. Gorricksons die lieber- zeugnng, daß der Sowjetrubel ins Rollen gekommen war. Mr. Garrickjons Position mar daher bis auf weiteres gesichert. Das Ent- gegenkommen des Presiemagnatcn war freundschaftlich. Vollständig gewann Marin mit der schlagkräftigen Anrede:„Glauben Sie tot- sächlich an den Sturz der europäischen Mächte in China?" Mr. Garrickson kreischte,«in« Aufrichtigkeit in seiner An- schauung von solchen Dingen entwickelnd, daß selbst Marin über so viel Zynismus staunt«. „Ich soll daran glauben?! Meine Leitartikel glauben daran und die Idioten, die sie sich wünschen. Ich aber habe mein« Meinung, die keinem etwas angeht Lieber Freund, Sie selbst waren anwesend, als mich dieser größenwahnsinnige Kead in ein« Falle locken wollte. Ich habe ihm bewiesen, daß ich ihn kaltstellen kann Glauben Sie wirklich, daß er, wenn«r die Börse aufkauft und so dem plumpen Schwindel die Waage hält, auch schon gewonnen hat?! Daß mein« mit Sowjetgcld bezahlten Artikel über das Vorwärtsschreiten der sich vorbereitenden Revolution keinen wesentlichen Sturz an der Börse herbelführen kannten, wußte ich genau,©i« werden sich wundern, r- Si- Anarckist-noruppe offen, ich will mcht sagen, aufdrnglich •O"'hrpn Vorh-reit, mgen spricht?! Das hat seinen guten Grund. Mm mub di« Stadt in ein Fieber oersetzen, das sie schwächt, zermürbt. Das ist ein« nicht zu unterschätzende Taktik Um ober auf Kead zurückzukommen: Er ist wahnsinnig, buchstäblich wahnsinnig. Hat sich sein eigenes Grab geschaufelt, seine Aktien sind der Scheiter- Haufen, auf dem er verbrennen wird. Er ist der einzige, der mit der Revolution Hand in Hand zugrunde gehen wird. Er an seinem Geld«, die Revolution an ihren Idealen, die sie sich von Rußland gemietet hat. Die europäische Macht im Osten wird weiter bestehen, solange hier Chinesen und keine Juden geboren werden." Damit schlug er auf die Marmorplatte seines Schreibtisches.„Sie staunen, daß ich Ihnen das offen ins Gesicht sage, wo ich doch weiß, daß Si« mit Mister Kead unter einer Decke schlafen!? Und überdies spreche ich zum Polizeichef, vielleicht zum Diktator Schanghais von morgen!" Er blinzelte Verschlagenheit.„Jetzt wissen Sie auch, daß ich mit Sowjetgeld bezahlt bin, daß Sie also einen bolschewistischen Agitator vor sich haben. So mancher Kopf wird noch unter Ihrem Regime fallen. Auch der meine, Monsieur Marin?" Er reckte den Hals, beschnüffelte seinen Gast. Marin hatte zu tun, ein würdiger Partner Mr. Gorricksons zu bleiben. So antwortet« er:„Ihren Kopf brauche ich, Sir. Er ist mir zu wertvoll, um ihn ungenützt auf die Straße rollen zu lassen." „Dos fetz« ich voraus, da Sie mich besucht haben, mein Herr", versetzt« schlagfertig der Zeitunzskönig.„Mister Kead ist kein Mensch, mit dem man auf die Dauer auskommen kann. Es ist gut, daß auch Sie diese Erfahrung gemacht haben. Das erleichtert Ihnen Ihr Fortkommen." „Sie hatten großes Interesse, soweit Ihren Blättern zu ent- nehmen war, Duoal auf seinen Pesten zu erhalten." Marin lenkte das Gespräch aus die richtige Bahn. „Die Revolutionspartei, ja." „Sie hatten aber ebensoviel Interesse, daß meine Nachfolg« nicht stattfindet." „Ich?" Mr. Garrickson machte eine übertrieben« Gebärde.„Ich muß Sie darauf aufmerksam machen, daß Ihr Angriff am falschen Platze ist. Ich persönlich hatte weder an dem einen, noch an dem anderen Interesse. Ich bin Privatmensch. Unpolitisch. Neutral." Marin lächelte:„Ich verstehe. Si« sehen sich nur als Mittler politischer Meinungen an." e Buch Rene Crevel„3)er fdirrierige Vod" Schon vor einiger Zeit zeichnete Iwan Göll in seinem Roman „Der Mitropäer" ein Bild von der Pariser Jugend, deren chorakte- ristischen Zug er in einer weltmüden Dekadenz sah, in dem Willen, die augenblicklich« WAt abzulehnen. Hier in dem Roman„D e r schwierige Tod"(S. Fischer Verlag) gestaltet der jung« franzö- sisch« Schriftsteller Rene Creoel das Schicksal eines Zwanzig- jährigen, das vielleicht nur individuellen Wert hat, aber trotzdem eine Situation beleuchtet. I Der Roman will kein Welt- oder auch nur ein Generationsbild vermitteln. Im Zentrum steht allein der problematische, junge Mann, und alles, was sonst geschieht, hat nur Bezug auf ihn, dient dazu, sein Wesen zu erklären. Ws Sohn eines wahnsinnigen Daters fürchtet er den Wahnsinn, und sein« Mutter, die ihn haßt, schürt diese Angst. Di« Eingangsszene gibt eine kurze Attnosphäre von dieser Frau und von der ganzen verlogenen und vennufsten Atmosphäre, in der Pierre aufgewachsen ist. Pierre steht isoliert, er kennt kein« Zusammenhänge, fühlt sich nicht als Mitglied einer sozialen Gemein- schast. Die Welt, so glaubt er, müsse um ihn kreisen. Deshalb erwächst für ihn alles zu. einem Problem. Er schwankt. Er schwankt auch in der Liebe zwischen Mann und Frau, er behorcht seinen Puls- schlag und den der anderen, und als fein Geliebter, ein triebhafter. starker Mensch, ihn eines Tages schlecht behandelt, nimmt er sich das Leben. Dieser Tod hat in dem bestimmten Augenblick keine zwingende Notwendigkeit, er könnte«her, er könnte später eintreten, denn Pierre ist immer ein todgeweihtes Haupt. Ist Crevel ein typischer Vertreter des modernen, französischen Romans? Jedenfalls ein Moment tritt immer klarer in die Erschei- nung. Frankreichs Roman verliert allmählich seinen sozialen Charakter. Das Cinzblschicksal, der individuelle Fall interessiert die Autoren mehr. Die große Entwicklungslini« Balzac-Flaubert-Zola scheint abgebrochen zu sein. Nur«ins ist geblieben: Die Kultur der Sprache und des Gedankens. Erevel schreibt kühler, härter und knapper, faßt stellenweise dies« Dichtung wie«ine Reportage an, ober man vermißt die Weite, die Beziehungen des Individuums zur Gc- meinschaft. Der Teilausschnitt vermag nicht die Illusion des Ganzen zu vermitteln. F. Seh. WAS DER TAG BRINGT. Z weimal soviel männliche wie weibliche Krüppel. Das Preußische Statistische Landesamt veröffentlicht jetzt das endgültig« Ergebnis der Reichsgebrechlichenzählun'g. Hiernach sind von den 422 1ö9 ermittelten gebrechlichen Personen— blinde, taubstumme und ertaubte, geistig oder körperlich gebrechliche Personen (Krüppel)— 269 051 männlichen und 153108 weiblichen Geschlechts. Trotzdem nach dem Ergebnis der Volkszählung 1925 sich die männ- lich« Bevölkerung um über 5 Proz. gegenüber der weiblichen in der Minderheit befindet, entfallen doch fast zwei Drittel aller Gebrech- lichen auf sie. Aus 100 000 Personen entfallen 1454 männliche, 781 weibliche Gebrechliche. Unter den Gebrechlichen befinden sich 19 148 Blinde, 25 549 Taubstumme und Ertaubte, 256 473 körperlich Gebrechliche und endlich 120 989 geistig Gebrechliche. Die Beteiii- gung der Geschlechter bei den ehtzelnen Gebrechensarten ist recht verschieden. So ist der Anteil der weiblichen bei den geistig Gebrech- lichen mit 49 Proz. der Gesamtfälle nur wenig geringer als der männliche. Auch bei den Taubstummen ist der Unterschied mit 47 weiblichen gegen 53 männliche nicht sehr bedeutend. Unter den Blinden befinden sich nur 42 Proz. und bei den körperlich Gebrech- lichen sogar, nur 29 Proz. weiblicher Personen. Von wesentlichem Einfluß auf die stärkere Belastung des männlichen Geschlechts sind naturgemäß bei den beiden letzten Gebrechensarten neben Berufs- Unfällen die durch den Weltkrieg verursachten Gebrechen. Erlebnisse einer Banknote. Eine amerikanische Handelskammer brachte kürzlich eine noch ungebrauchte Dollarnote in den Verkehr und ersuchte auf öinem an- gehesteten Papierstreifen jeden Besitzer der Note, sich darauf einzu- tragen. In zwei Wochen machte die Note einen langen Weg und wurde benutzt für die Bezahlung von Lohn, Tabak, Zigaretten se fünfmal, von Bonbons und Herrenartiteln je dreimal, für Rasteren zweimal, für Autozubehör, Speck, Waschpulver, Hosenträger und Zahncreme je einmal, zusammen siebenundgwanzigmal, aber kein einziges Mal für UMerhattungen oder Bücher. Die Note kam in sehr zerknülltem, schäbigem Zustand zurück. Die Vögel verlassen Paris,« Die Pariser Vogeksreunde haben eine unliebsame Entdeckung machen müssen. Der Lärm der Straßen, das ununterbrochene Getute der AutoHupen, das Rasseln der Räder und Quietschen der Bremsen sind den gefiederten Sängern allmählich zu arg geworden. In ihrer Ruhe gestört, haben sie Paris verlassen, und die Erweite- rung der Verkehrswege, die das Abholzen der alten Bäume bedingt, haben dazu beigetragen, die Abwanderung der Vögel zu beschleunigen. Es wird den Tieren immer schwerer gemacht, ein schützendes Obdach zu finden, und auch die Ernährungsfrage gestaltet sich immer pro- blematischer. Aber die Vögel verschwinden nicht nur aus Paris, auch draußen auf dem Land« ist ihr« Zahl info'g« der verstärkten AbHolzung in fortschreitender Abnahme begriffen. Die Vogelsreunde. die diese Entwicklung der Dinge mit größter Sorge verfolgen, haben sich im Interesse des Vogelschutzes setzt zu einer Liga zusammen- geschlossen. Man ist der Ansicht, daß die Vögel dem Lande erhallen bleiben könnten, wenn für ein« genügende Zahl von Nistgelegenheiten Sorge getragen würde. Man hat bisher schon etwa 1500 dieser Zufluchtsstätten in Gestalt von Nistkästen geschaffen und die Eigen- tllmer der in Frage kommenden Besitzungen verpflichtet, die Vögel unbehelligt zu lassen. Man hat sich aber damit nicht begnügt, sondern außerdem in den Bäumen während der Wintersaison Nistkästen an- gebracht und Maßnahmen für die Fütterung getroffen. Auch in Paris selbst sind Versuche nach dieser Richtung im Gange. So sucht man beispielsweise im Park Monceau Sperling« und Amseln wieder heimisch zu machen. Vier Futterplätze sind dort bereits eingerichtet, und weitere sollen auch in anderen Parks der Stadt geschaffen werdeii. Kurz, man tut alles Mögliche, um die Vögel an Pari« zu sesseln. Eine Todeschaukel. In Vacalocz« in Polen sind durch den Leichtsinn eines Schau- budenbcsitzers fünf Menschen um das Leben gekommen. Der Schau- steller hatte einen polizeilich nicht genehmigten Schaukelapporot nach Art der russischen Räder errichtet, der sich aber von diesen dadurch unterschied, daß die einzelnen Hängetabinep sich oben in der Lust, elektrisch ausgelöst, mit gewaltigem Schwung einmal um sich selbst drehten. Heraussallen konnten die Passagiere nicht, da sie ange- schnallt waren, trotzdem erlitten bei diesem Salto sünf Menschen den Tod, und zwar zwei durch Herzschlag und die anderen durch Schreck. Der Inhaber dieser lebensgefährlichen Schaukel wurde sofort in Hast genommen. Der Mensch sondert innerhalb 24 Stunden ob: Speichel 300 bis 400 Gramm, Magensaft 1000 bis 2000 Gramm, Galle 600 bis 1000 Gramm, Bauchspeicheldrüsensast 800 Gramm; alles in allem also 3 bis 4'/, Litsr. Wenn man dazu noch 2 Liter Flüssigkeitsaufnahme rechnet, ergibt das pro Tag 5 bis 6 Liter,'die der Dann in 24 Stunden auffaugen muß. Der Speisebrei enthält beim lieber- gang aus dem Dünndarm in den Dickdarm nur 10 Proz. feste Stoffe. Seine Eindickung erfolgt in der Hauptsache im aufsteigenden Dick- dorm. Mit dem Erfolge, daß der Darminhdt nunmehr 25 Proz. feste Stoffe enthält. Hätten Sie das der Wurst zugetraut? Frische Wurst macht vollschlank! Wie bitte? Sie meinen Nein! Aber warum soll sie es nicht! Muß es denn immer Mehlsuppe sein? Spaß beiseite! Frische Wurst macht in der Tat vollschlank. In einem Cafe wurde ich letzter Tage Ohrenzeuge eines Gespräches, das zwei Damen mit einer Lebendigkeit und Breite der Tonfülle führten, als bearbeite ein gutgeharzter Bogen die Saite einer Bah- geige. Die eine— nicht die Saite, sondern die Dame— erzählte der anderen mit unnachahmlicher Ueberzeugungskraft, es gäbe kein besseres und wirksameres Mittel, als frische Wurst, um recht schnell vollschlank zu werden. Der Ober, der gerade dabei war. mich zu bedienen, ließ zwanzig Zentimeter vor meinem Tisch das Tablett samt Kaffee, Zucker und Sahne fallen. Der Ober schiebt die Schuld seinem linken Gummiabsatz zu, ich weiß aber bestimmt, daß der Gummiabsatz in Wirklichkeit eine der frischen Würste war. die rasch vollschlank machen. An unseren Wissenschaftlern liegt es nun, fest- zustellen, welche Sorte von frischer Wurst, ob Blut- oder Leber- wurst, den Vorzug verdient. Ob man sich mit einem täglicken Quantum von fünf Pfund begnügen kann oder ob Frau Lehmann, die schnell vollschlank werden will, die frischen Würste im Hand- karren abholen lassen muß. Ob aus Abzahlung gekauft« Würste etwa den Erfolg irgendwie beeinträchtigen. Wirtschaftspolitiker werden berechnen müssen, wie hoch die voraussichtliche Steigerung der Wurstproduttion ist und das Kabinett Brüning wird feststellen müssen, welche Sondersteuer für die Wurstproduktion festzustellen ist. Gro�ereignisse im Arbeiiersport Endspiel um die Bundesfu�ballmcisicrschafl in Nürnberg— Länder-Handballspiel Deutschland- Oesterreich in Magdeburg Wem wird in Nürnberg der Wurf gelingen? Die Entscheidung fällt zwischen dem Süddeutschen Verbandsmeister Nürnberg-Ost und dem Nordwestdeutschen Meister Bahren-. f e l d 1 ö 1 9. Beide Mannschaften treten in stärkster Besetzung an und garantieren durch ihre bisherigen Erfolg« für einen großartigen Kampf. Altona-Bahrenfeld ist als Nordwestdeutfcher Meister der Nachfolger des vorherigen Bundesmeisters.Lorbeer" Hamburg. Bahrenfeld schlug in der Vorrunde um die Bundesmeisterichast den Mitteldeutschen Meister Steinach(Thür. Wald) 7: 1. Nürnberg-Ost mußte hart« Proben bestehen, um bis zum Endspiel durchzukommen. Der vorjährig« Süddeutsch« Meister Weiden ließ sich erst nach schwerem Kampf 2:4(2:1) schlagen, ebenso unterlag in der Vor- runde um die Bundesmeisterschaft der Ostdeutsche Meister Kostebrau (Lausitz) gegen Nürnberg nur knapp 1: 2. Wird Bahrenfeld auch „Lorbeer" Hamburgs Nachfolger als Bundesmeister, oder erringt der süddeutsche Vertreter d«n höchsten Titel? Darum geht es am Sonntag im Nürnberger Stadion. Das Endspiel um die Bundes- Meisterschaft wird von nachstehenden Sendern übertragen: München, Augsburg, Kaiserslautern, Nürnberg, Deutschlandsender Königs- Wusterhausen, Breslau, Gleiwitz, Leipzig, Dresden, Berlin, Magde- bürg, Stettin, Köln. Aachen, Langenberg. Münster, Hamburg. Bremen, Flensburg, Hannover, Kiel, Frankfurt a. M., Kassel. Das Spiel beginnt 16 Uhr. In der Halbzeitpaus« wird eine Schllderung des bisherigen Verlaufs des Spieles durchgegeben. Beginn der zweiten Halbzeit 17 Uhr. Einige Sender übertragen das ganze Spiel, die meisten Sender die zweite Halbzeit, einschließ- lich Schilderung des Spielverlaufes der ersten Halbzeit. Sprecher Dr. Ernst-Köln. Das große Ereignis in der Arbeiter-Handball- bewegung. der Länderkampf zwischen Deutschland und Oesterreich, findet an, kommenden Sonntag in Magde- bürg statt. Seit Iahren findet diese Begegnung statt und bisher konnte die österreichisch« Mannschaft alle Spiele stegreich beenden. Ausgenommen war das Spiel anläßlich des 2. Bundesfestes in Nürnberg, wo die Mannschaft des 2. Kreises mit 17: 2 gewinnen konnte. Dieses Mal wird es wohl nicht so werden, denn Oesterreich hat ihre beste Vertretung zusammengestellt, die der deutschen Mann- schaft allerhand Arbeit geben wird, um ehrenvoll abzuschneiden. Einen Vorteil hat die österreichische Mannschaft, daß sie nur aus Spielern des Wiener Bezirks besteht, also öftere Spielgelegenheit hat. Die deutsche Mannschaft, die in ihrer Mehrheit aus Spielern des 2. Kreises besteht, hat leider nicht diese Gelegenheit. Am 27. April fand das einzige Jusammenspiel in Gera statt, wo die deutsche Mannschaft zu den besten Hoffnungen berechtigt. Hofsent- lich enttäuscht die Vertretung in Magdeburg nicht und zeigt ein ebenbürtiges Spiel. Während die österreichische Mannschaft nur aus Wiener Spielern zusammengesetzt ist, spielen in der deutschen Ländermannschost: Beseite Apelt Engelhardt I Bobd« Rose (Bernburg)