BERLIN Sonnabend 24. Mi 1930 10 Pf. Nr. 241 B120 47. Jahrgang erscheint tS»Iich außer S»»«t«««. Zugleich Abendausgab« de«.Vonvärtt'. Betllg«?rei« beide Ausgaben SSPf. pro Woche, S.soM. pro Monat. Redaktion und expedition; Berlin SW 63, Andenftr. s SfuUautyaäe dßb ■>|«igen>tcl«: Sie einspaltige Nonpareilleitil« 80 Vf., Reklameteil« b M. Ermäßigungen nach Tanf. Postscheekkootoi Dorwärrs-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. S7&S6. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 209 tricks Rebellion gegen Wirth. Thüringen pfeift auf den �eichsverfassungsminister. Weimar. 2«. MaL Die heutige Sabioetissihung der thüringischen Regierung führte zu einer Klärung der Haltung der Regierung in der Frag« der Schulgebele. wie verlautet, wurde llebereinstimmung dahingehend erzielt, daß von einer Zurückziehung der Schul- gebetsverorduuug durch das Volksbildungsministerium keine Rede sein kann. Rlan überläßt es also dem Reichsinnen- minisleriuw. in dieser Angelegenheit die Entscheidung de« Slaalsgerichtshose» anzurufen. In der gleichen Sitzung wurde eine Einladung der Länderminister für den nächsten Mittwoch nach Berlin de- kanntgcgeben. wo auf Veranlassung de» Reichsinnenministers ver- Handlungen gepflogen werden sollen über eine Aenderung der Grundsätze für die Gewährung von Reich, zu» schüsfeo zur Polizei der Länder, wie hier bekannt wird, scheint daraus hervorzugehen, daß im Reichsinneuminiflerium noch keine volle Klarheit über die Berechtigung zur Sperrung der Polizei- Zuschüsse für das Land Thüringen vorliege. Man werde andererseits erwarten können, daß Thüringen einer Aenderung dieser Grund- sähe seine Zustimmung oersagen wird. * Der Beschluß de, thüringischen Kabinetts zeigt, daß der Landbund in Thüringen dös Spiel'des Putschisten Frick mitspielt-uick» daß die Volkspartei aus Wahlangst sich sklawisch unterwirft. Das Reichs-. Innenministerium hat also> in der Frage der Schutgebetc den offenen Konflikt. Die Einberufung einer Länderkonfcrenz zur Besprechung des Falles Thüringen verzögert die Lösung. Das Reichsinnen- Ministerium hat die Machtmittel, um dem System F r i ck sehr rasch ein Ende zu machen. Seine Z u st ä n d i g k c i t ist unbestritten. Der Sinn des Systems des Putschisten Frick ist cbensallz un- bestritten Angriff auf die Verfassung. Wird endlich gehandelt werden? Schiele vereinsamt. Die Landbüadler versagen und— verschwinden.' Aus dem Reichstag wird uns geschrieben: In bestimmten Kre-isen der Landwirtschaft ist sicher groß« Rot. Die Industrie hält die Preis« für ihre Fertigfabrikate kartellmäßig hoch und gibt dabei der Landwirtschaft gute Ratschläge. Man mußte annehmen, daß bei der Beratung des 5)aushalts des Ernährungsministeriums im Haushaltsausschuß des Reichstags die ganze Grüne Front geschloffen ausmarschieren würde. Es war zu erwarten, daß um jeden einzelnen Titel gekämpft werde» würde und daß die Vertreter der Landwirtschaft und des Land- dundcs von Sorgen überfließen würden. In Wirklichkeit ging die Beratung des tyrnshalts des Ernährungsministeriums auf die Art vor sich, daß nach der ersten Stunde der Beratung die Landbundführer. wie der Präsident hepp und mit ihm andere, die immer nach außen als die beforglen Schützer der Landwirtschaft auftreten, einfach verschwandeni Sie hielten eine Rede von zehn Minuten, dann interessierte sie weder die allgemeine Weiterberatung noch die Spezialdebatte oder irgendeine Abstimmung. Die Beratung des Ernährungsetats verlangte allerdings von den Vertretern der Landwirtschaft einige physische Leistungen. Sie zog sich bis gegen Mitternacht hin. Aber schon von 8 Uhr abends an verließen die prominenten Landwirte aller bürger- liehen Parteien mit Ausnahme de» Demokraten Rönneburg die Sitzung des hau» Halts ausschusses. Vollzählig blieben nur die Sozial- demokraten und die Kommunisten. Bei den Einzelberatungen zeigte sich, daß die größte Zahl der Anträge zum Etat des Ernährungsministeriums und im besonderen diewichtigstenAnträgevon-denSozialdemokraten gestellt waren. Die Vertreter der Grünen Front waren dabei so wenig orientiert, daß sie die Mehrzahl der Anträge überhaupt nicht begriffen. Beinahe in jedem einzelnen Fall muhte ihnen erst über die Tische hinüber van den Sozialdemokraten oder vom Minister Schiel- und seinen Referenten zugewinkt und zugerufen werden, damit sie überhaupt wußten, wie sie zu stimmen hatten. Dabei ergab sich, daß die„grünen Fro-ntter", soweit sie s e l bst Anträge gestellt hatten, diese zum Teil zurückziehen mußten, weil die Anträge un- ßiunig und vn-durchführbar waren. Auch das mußte in SßolidiewiH und Jnfdiifl beim Olafe Der kommunistische Sowjetbotschaster Krestinski, im Frack des Bourgeois, und der fafchistifchc Botschafter Mussolinis, Orfini Baroni, freundschaftlich beim Bankett des Vereins der ausländischen Presse vereint. Von rechts nach links: Krestinski(Solchetunion), Eurtius, Orfini Baroni(Italien), S o che t t(Amerika) uftd der Vorsigendc des gastgebenbcn Vereins Locher. jedem einzelnen Fall« von den Sozialdemokraten her oder vom Ministertisch den Vertretern der Landwirtschaft aber erst gesagt werden. Zusammengefaßt ist festzustellen, daß die Beratung des hoch- wichtigen Ernährungsetats bei den Landwirten aller bürgerlichen Parteien außerordentlich geringes Interesse gefunden hat, daß keiner der prominenten Landbundführer die Beratungen irgendwie beeinflußt oder gar befruchtet hat und daß die größte Oppositionspartei es gewesen ist, die dem von den Regierungsparteien verlassenen Ernährungsministerlnm gestern den Etat zustande ge- bracht hat! OieRäumung in vollemGange. Zweibrücken wird frei. Zweibrücken, Z4. Mai. Die halste der hiesigen llvo Mann starken französischen Besatzung ist gestern nach Frankreich abtransportiert wor- den. Der Rest fährt am nächsten Dienstag in die Heimat zurück. Hochbetrieb auf dem Wormser Bahnhof. Worms, 24. Mai. heute früh kam hier ein Zug aus Rheinhefsen durch, der Besaßungstruppen nach Frankreich zurückbeforderte. Weitere Züge sind bereits angekündigt worden. Kein Ende des Kindersterbens? Neue Schreckensmeldung aus Lübeck: 12 Neuerkrankungen. . Lübeck, 24. Mai.(Eigenbericht.) Die Zahl der Erkrankungen in Lübeck wächst immer noch lawinenartig an. heute srüh wurden vom Lübecker Gesund- heitsaml allein 12 Rcuerkrankungen gemeldet, von den 246 mit Ealmelte gespeisten Kindern werden nur noch bS al» gesund bezeichnet. Sämtliche erkrankten Säuglinge leiden an Tuberkulose in ihrer schwersten Form. Es kann kaum noch ein Zweifel bestehen, daß die Ealmetle-Kullur im Lübecker Krankenhaus durch verbrecherische Fahrlässigkeit ver- feucht ist. Mordnazi verhaftet! Gestern abend festgenommen.— Einer von der Sturmabteilung. Jetzt endlich, nach fast achttägigen Rachsorschungen, ist es der politischen Polizei gelungen, den wahren Mörder a» den Zöjährigen Zeitungshändler Malter Heinburger aus der Sedanstroßc in Schöneberg in der Person des Egon westenberger.der Mitglied der Sturmabteilung 4 der nationalsozialistischen Partei ist. zu er- Mitteln und festzunehmen. Heinburger war, wie wir mehrfach berichteten, in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend voriger Woche an der Ecke der Haupt- und Stierstraße in Friedenau von hakenkreuzlern übers allen und in bestialischer Weife ermordet worden. Die sofort ein- geleiteten polizeilichen Ermittlungen gestalteten sich zunächst sehr schwierig. Erst nach zwei Tagen gelang es den Beamten der Politischen Polizei, drei an der Schlägerei beteiligte Personen fest- zunehmen. Die Festgestellten wurden dem Vernehmungsrichtsr vor- geführt, der auf Grund der Aussagen gegen alle drei wegen drin- gcnden Tatverdachts und Landfriedcnsbriichs Haft beseht erließ. Während die Verhafteten ihre Beteiligung an der Verhängnis- vollen Schlägerei zugaben, stritten sie, den tödlichen Stich gcgni Heinburger geführt zu haben. Die polizeiliche Suche nach dem Mörder ging also weiter, und dabei stieß man auf den National- sozialisten Egon Westenbcrger, Mitglied der Sturmabteilung 4. Die Beamten schritten zu seiner Festnahme. Nach anfänglichem Leugnen gab er dann zu, heinburgcr erstochen zu hoben. Der Täter wird nun dem Untersuchungsrichter vorgeführt werden. Was sie säen... Die Nährväter der Hakenkreuzflegelet. Aus dem Preußischen Landtag schreibt man uns: Herr Trcviranus und feine Getreuen haben gestern über die politischen Kampfsttten der hakcnkreuzrowdys die Hände gerungen. Erklärtich, da sich diesmal der Klamauk gegen sie selber richtete. Die Gruppen der Rechten, Bolksparteiler, Bolkskonservative usw. werden wohl noch öfter die Bekaimtschast mit dem organisierten Terror machen, solange sie sich nicht bedingungslos dem hirlerschen Diktat unterwerfen. Sie werden dagegen um so machtloser sein, als es ihnen kaum gelingen dürfte, aus ihrer Anhängerschaft eine genügend starke Abwehrorganisation zu bilden. Di« 5>erren ernten mir, was sie gesät haben. Wo sie i» Opposition gegen eine Wnksregierung stehen, wie z.B. n Preußen, da schützen und fördern sie jede hakenkreuzslegelei, die sich gegen republikanische Minister oder Abgeordnete richtet. Man muß einmal erlebt haben, wie sich z. B. die Rechte verhält, wenn Herr K u b e im Preußischen Landtag sein Mundwerk spiele» läßt. Kubes Reden sind eine sorgfältige Zusaminenstclluug von persönlichen Verunglimpfungen und im Gassenton vorgetragen« Gemeinheiten. Wich- rcnd dieser Reden sich die Bänke der Rechten überfüllt. Volks- parteiler, Deutschnationalc, Wirtschaftsparteiler sind alsdann sieh starker vertreten als bei den Reden ihrer eigenen Fraktions- sichrer! Man kann beobachten, wie die Parteien von„Bitdung uch Besitz* geradezu hingerissen jeder Flegelhaftigkeit lauschen, die Herr Kube gegen Braun, Grzesinski, Waeniig oder andere soziokdema- kratlsche Führer losläßt. Nie kann manchen hochimdaien Industrie- baron von Waldhausen, nie den sich sonst als Kulturhüter ge» bardechen„Dichter* Buchhorn so über das ganze Gesicht schmun- zeln sehen, als wenn Herr Kube irgendeine abgestanden« national- sozialistische Hetzlüge mit der Dreistigkeit des abgebrühten Demagogen produziert. Verüben die.hakenkreuzler(ihre hauptbefchastigung) wahrcch der Rede eines Linksparteilers absichtlich solchen Skandal. daß die Ausführungen des Betreffenden möglichst unzehört bleiben, so kann man rings um sie-die Herren Geistlichen, Landgerichts- und Schukdirektoren der Bol-tspartei ntit verNärten Mienen stehen sehen, nicht in der Haltung von Bolls- uNd�Jugenderziehcrn, sondern wie Schulbuben, die sich über jeden Radau freuen. Geschieht den Rechtsparteilern schon recht, wenn das von chnen sonst begännert« politische Flegelantenbun sich auch einmal gegen sie richtet. Gaswerke brauchen Geld. Vor dem Abschluß einer Anleihe über 24 Millionen Mark. Die Finanz- uai» Sleoerdepuiatlon stimmt« m ihrer heutigen Sitzung dem neuen Bauprogramm der Berliner Städtischen Gaswerke AG. zu. Dieses Vau- Programm sott mit Hilfe einer Anleihe In höhe vor» 2t 320 000 in. durchgesuhrt werden. Die Anleihe dient der Er- richhing einer Vassexgasanlage im Werk Lichtenberg. der Errichtung einer weiteren Wassergasanlage im Werk Tegel, vor allem aber dem weiteren Einbau von Gasdruckreglern sür das gesamte Stadtgebiet und der Verlegung neuer Gasrohr- leitungen. die aus Grund bereits vorliegender und noch zu erwartender Projekte unbedingt vorgekommen werden müssen. Die Verhandlungen zur Aufnahme der Anleihe werden unser- züglich aufgenommen wenden. Man hofft, eine Auslandsanleihe auf günstiger Vasts abschließen zu können. Gertrud Kreuzet zusammengebrochen. Eine Aussprache mit der Mutter. Die heutige Sitzung im Potsdamer Siltlichkeitsprozetz brachte den völligen seelischen und körperlichen Zusammen- bruch Gertrud Zrenzels. Nach Eintritt in die Verhandlung erklärte der. Vorsitzend«, daß zwischen Gertrud und der Mutter gestern abend nach einem Nervenzusammenbruch in Gegenwart des Arztes Dr. Staffenbeck eine Aussprache stattgefunden habe. Dr. Staffenbeck, der anwesend ist, soll darüber selbst besragt werden. Der Arzt wird ausgerufen und macht folgende Bekundungen: Ich bin gestern nachmittag vom Pjarrer Schenk zu Gertrud Frenze! gebeten worden. Ich fand sie im Belte vollkommen zusammengebrochen. Sie machte dm Eindruck eines schwerkranken Menschen. Oberflächliche Unter- suchung ergab ein« stark erhöhte herz- und Pulstätigkeit. Bald daraus erschien die Mutter, Frau Frenzel, und setzte sich an das Bett ihres Kindes. Gertrud und Frau Frenzel brachen in Tränen aus. Die Kleine weinte immer stärker und geriet in eine große Erregung. Zwischendurch sagte sie zu ihrer Mutter, wenn Du und Poppt doch zur Einsicht kämest, ich kann doch nicht anders als vor Gericht die bloße Wahrheit sagen. Ich will doch gar nicht, daß Pappi ins Zuchthaus kommt. Frau Frenzel: Ja, Trudchen, wes- halb hast du mir das nicht früher gesagt. Gertrud: Aber Mutti, ich habe es dir doch gesagt. Da die Patientin dabei immer erregter wurde, sah ich mich veranlaßt, die Unterredung zu unterbrechen. Später äußerte Gertrud zu mir: Sehen Sie, Mutti sagt, weshalb ich ihr nicht früher davon erzählt Habe. Ich habe ihr doch gesagt, wenn ich sie aber um A u s k lä r u n g bat, d� wollte sie niemals etwas davon hören Als ich hinterher Gertrud noch einmal aussuchte, zitterte sie immer noch am ganzen Körper. Ich gab ihr ein Beruhigungsmittel zur Nacht. Ihre Anwesenheit im Gerichtssaal ist ledenfalls vollkommen unmöglich. Anträge werden weder von der Perteidigung noch oom Staatsanwalt in bezug auf die Anwesenheit der Zeugin Gertrud Frenzel nicht gestellt. Anscheinend wird man ohne die Zeugin weiter verhandeln. Es ist auch kaum zu erwarten, daß st« noch im letzten Augenblick ihre belastenden Aussagen zurücknimmt. Man hält« vielleicht im Interesse der WaHrHeitserforjchung sie schon vor Monaten aus dem Hause des Pfarrers nehmen sollen, um st« auf diese Weise dem Einfluß des Pfarrerhauses zu entziehen. Die Anhörung des Gutachtens des Sanitätsrates Dr. Magnus Hirschfeld wird zurückgestellt bis nach Erledigung einer körperlichen Untersuchung des Angeklagten und der Zeugin Gertrud Frenzel. Diese Untersuchung wird durch Prof. Frenke!, Pros. Hammerschlag und Prof. Liepmann vorgenommen. Nach Er- stattung ihres Gutachtens solgt die Vernehmung der Sachverständigen Dr. Magnus Hirschfeld und Dr. Plaut. Auch sind noch einige Zeugen zu hören. Plädoyers am Dienstag. Llnschuldig verdächtigt? Noch immer Ovnkel um den Mord in Werder. 3n der vlordafsäre Schwerdlseger in Werder ist jetzi eine neue Wendung eingetreten, wie bekannt, wurde im Dezember vorigen Jahres der Kohlenhändler Ollo Schwerdlseger in Werder verhaftet unter dem verdacht, den Maler Professor K u r h er- mordet zu haben. 'Monatelang hatte die Kriminalpolizei all« möglichen Spuren verfolgt und es war dann im April von der Staatsanwalffchaft noch vor Slbschluß der kriminalpolizeilichen Ermittlungen Antrag aus Voruntersuchung wegen Mordes gegen Sch. gestellt worden und ein besonderer Untersuchungsrichter in der Person des Assessors von Gräfe bestellt worden. Die Rechtsanwälte Dr. Frey, Berlin, und Dr. Boettseld, Werder, hatten dann einen Haftprüfungstermin beantragt, der am M.Mai vor der III. Strafkammer Potsdam stattgefunden und damit gexndet hatte, daß unter Aufrechter- Haltung des Haftbefehls gegen Sch. vom 17. Dezember der An- geschuldigte nnt der weiteren Untersuchungshaft verschont werden sollte gegen Sicherheitsleistung von 1000 Mark. Hiergegen hatte die Staa�anwaltschaft sofort Beschwerde eingelegt, wie dies in vielen Fällen üblich ist. Was aber nicht üblich ist, war, daß auf die Beschwerde hin dieselbe Strafkammer unter einem anderen Vorsitzenden die Bollziehung des Beschlusses bis zur Entscheidung über die Beschwerde der Staatsanwaltschaft aussetzte, so daß trotz der Hinterlegung der Kaution der Angeklagte nicht aus 0«r Haft entlassen wurde. Rechtsonwatt Dr. Frey hat jetzt gegen diese Maß- nähme Beschwerde beim IustiMinisterium erhoben. Bekannt. lich bestreitet Schwcrdtfeger seit Beginn der Ermittlungen, irgend etwas mit der Ermordung des Kunstmalers Kurtz zu tun gehabt zu haben. Bemerkenswerterweise ist dann auch, nschdcm die Bor- Untersuchung gegen ihn wegen Mordes geführt wurde, die III. Straf- kammer des Landgerichts zu dein Schluß gekommen, daß der Haft- befehl wegen Totschlages aufrechterhalten bleiben soll. Die Staats- anwaltschast will gegen den Angeklagten die Anklage auf der Basis eines reinen Jnoizienbeweises erheben. Attentai auf Monarchistenführer. Oer Sekretär der monarchistischen Union schwer verletzt. Madrid, 24. Mai. Auf den Sekretär der monarchistischen Union Jose Castel- l a n o ist während einer Red«, in der er die Polittk Poimo de Ri- veras verteidigte, ein Dolch ottentat verübt worden. Ein mtt einem Dolch bewaffneter Mann stürzte sich auf Castellano und bracht« ihm einen tiefen Stich in der Herzgegend bei. Castellano wurde Ich« er verletzt in das Krankenhaus gebracht. Das Werk der Befreiung. Nicht Verdienst des Ministers, sondern der Republik. In der Sonnabendsitzung des Ausschusses für den Reichshaus- halt, die unter dem Zwang der Verhältnisse gleichzeitig mit der Plenarsitzung stattfand, wurde der Haushalt des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete beraten. Der Referent Dr. Köhler(Z.) machte darauf aufmerksam, daß die Betreuung des Saar- gebietes auch noch der Befreiung der Rheinlande und der Auf- löfung des Ministeriums erfolgen müsse. Ist schon entschieden, durch welches M i n i st e r i u m die Rechtsaufgaben erledigt wer- den sollen, durch das Innen- oder das Finanzministerium? Er bitte um Aufklärung wegen der Vorgänge bezüglich des Abbruches der Luftschiffhallen. Di« für Kutturzwecke angeforderten Beträge müßten erhöht werden, auch müßte der Fonds zur Unterstützung der Saargänger ausgehöht werden, denn es hätte doch gar keinen Zweck, in den Etat Beträge einzusetzen, von denen man wüßte, daß sie überschritten werden würden. Der erste Diskuisstonsredner Abg. K i r s ch m a n n(Soz.) hob die Tatsache hervor, daß am 1. Juli das Rheinland frei werden wird. Dieser Erfolg sei herbeigeführt durch die Politik, die nicht der gegenwärtig« Minister betrieben habe, sondern sei das Ergebnis der Politik, die feit mehr als einem Jahr- zehnt von der Sozialdemokratie durchgeführt worden ist, gleichviel, ob sie in der Regierung oder in Opposition war. Nur weim der Minister sich zu der Ueberzeugung durchgerungen hat, daß dies« Politik die richtige war, wird er seine jetzige Ausgabe gut durchsühren können. Es sei zu begrüßen, daß der Reichs- Präsident den Wunsch ausgedrückt habe, daß die Befreiungs- feiern in«insachster Weise vor sich gehen sollen. Soweit die Regie- rung einen Einfluß ausüben könne, müsse dafür gesorgt werden, die Befreiungsfeiern im inoffiziellen Teil nicht zu end- losen Karnev a t s f e ier n werden zu lassen. Der Freiheits- begriff der Masse der rheinlöndischen Bevölkerung erschöpfe sich aber nicht m der politischen Befreiung von der Besetzung, sondern schließ« auch die soziale Befreiung ein, d. h. sie verlangt, daß auch die sozialen und wirtschaftlichen Fesseln abgestreift werden können. Die Sozialdemokratie verlangt zu diesem Zweck keine userlos« Subventionspolitik im Westprogramm, aber es müsse für das Rheinland der Zustand hergestellt werden, der ohne die Be- setzung sür die rheinischen Menschen und sür die rheinische Wirt- schast bestanden hätte. Di« Sozialdemokratie habe einen Antrag gestellt, dem Reichspräsidenten aus Anlaß der Befreiung einen Fonds zu eitler sozialen Hilfsaktion für Kinder zur Verfügung zu stellen. Er hoffe aus Annahme. Er bttte den Minister um nähere Auskunft,"wie das Weschilssprogramm finan- ziert werden soll. Soll das ausschließlich durch Verwertung der Inmrobiliien geschehen? Die S a a r g ä n g« r n ot wird immer größer. Mit den im Etat vorgesehenen Beträgen tonn man nicht auskommen. Der volksparteil ichc Abgeordnete Dr. Crem er erblickte in der Tatsache der Uebernahme des Ministeriums durch den Minister das Eingeständnis, daß die Stresemonnsche auswärtige Politik die richtige gewesen sei und er hoffe, daß bei den Befreinngsfeiern der Tätigkeit Stresemarms und aller Parteien, die dies« Politik be- trieben haben, gebührend gedacht werden würde. Der Reichsminister Treviranus erklärte, der genaue Zeit, punkt, wann das Ministerium aufgelöst werde, stehe noch nicht fest. Der Abbau des Ministeriums sei aber in vollem Gange und es würden die größten Bemühungen gemacht, alle Beamten, Angestellten und Arl'eiter unterzubringen. Verhandlungen mit Preußen dieserhalb würden in der nächsten Woche ausgenommen. SOOOOO Mark sür Uebergangsmaßnahmen für ältere Ar. beiter,' deren Unterbringung naturgemäß am f ch w i e r i g st e n sei. sind vorgesehen, lieber die Berwertung der freiwerdendcn Immobilien werden dem 19. Ausschuß Richtlinien vor- gelegt. Es sei beabsichtigt, den Ge s a m t b e s i tz tn eine Bau- und Bodenbavk einzubringen, die zunächst 40 Millionen Mark auf- nehmen wolle. Wegen des Abbruchs der Luftschfffhallen seien ein- gehende Verhandlungen mit der französischen Behörde geführt wor- den, diese habe ihren Anspruch aber aus den§ M2 des Friedens- Vertrages gestützt und es seien keine Erleichterungen erreicht worden. Der französische Oberkommissar habe ihm gestern die endgültigen Termine für die Räumung der einzelnen Bezirk« mitgeteilt. Bis zum 31. Mai würden zum Beispiel zwei Brücken, Speyer-Ludwigs- Hafen-Worms, geräumt sein. In dem Ergänzuugsetat werde die Saargängerunterstützung von 3 Millionen auf 7,5 Millionen er- höht. Auch die Erhöhung des Fonds für kulturelle Fürsorge sei vorgesehen. Das Ziel der Politik aller Parteien bezüglich des Rhein- landes fei die Befreiung der Rheinland« gewesen; oerschieden die Wege, auf denen man dieses Ziel zu erreichen hoffte. Jetzt sollte man sich einigen in der Freude, daß das Ziel erreicht ist, wenn es auch tief bedauerlich sei, daß das Schicksal des Saargebrets noch nicht entschieden fei. In der fortgeführten Debatte setzt sich Abg. Sollmaw»(Soz.) für die Sicherstellung der durch die Befreiung der besetzten Gebiete in ihrer Existenz bedrohten Arbeiter, Angestellten und Beamten der betreffenden Behörden«in. Dem Abbau des Ministeriums widerspreche eigentlich die Tatsache, daß Staatssekretär S ch m i d wieder in das Ministerium berufen worden fei. Wie stehe der Minister zum Stahlhelmverbot? Militärische Hebungen bedrohen die Ruh« der entmilitarisierten Zahne. Sollmann wendet sich gegen die Fortdauer besonderer Organisationen für die staats- bürgerliche Aufklärung über die Grenzlande. Das müsse die Reichs- zentral« für Heimatdienst übernehmen. Auch ein Grenzland- m i n i st e r i u m da rs ni cht geschaffen werden. Die deut- schen Arbeiter hätten allen Grund, sich mitzufreuen, daß endlich die Fahne des fremden Militarismus auf deutschem Boden niedergeholt werde. Das sei ein Erfolg gerade auch der Arbeitermassen am Rhein, denen oft genug schlecht gedankt worden sei. Die Befreiung der Rheinlande sei«sn Sieg der demokratischen Republik. Große Erregung in polen. Wird der Sejm aufgelöst?— Gefährliche Kinanz- und Wirtschaftslage. Warschan, 24. Mai.(Ost-Expreß.) Unter den Sejmparteien herrscht große Erregung. Sämt- iiche Fraktionen hielten sofort nach der Bekanntgabe der Vertagung Sitzungen ab, in denen über die augenblickliche innerpolitische Lage beraten wurde. Die sechs Parteien der zentrolinken Oppo- sition haben Protesterklärungen gegen die Vertagung des Sejms abgegeben. Auch die Nationaldemokraten pro- testieren in einer scharfen Kundgebung gegen die Sejmoertagung" In Seftnkreisen ist allgemein die Ansicht verbreitet, die Regierung werde nach Ablauf der vcrlagungssrist von 30 Tagen den Sejm auslösen. Allenfalls wäre eine Schließung der außerordentlichen Tagung durch die Regierung denkbar, worauf die Sejmfraktionen wiederum beim Staatspräsidenten den Antrag auf Einberufung einer oußeror�nt- lichen Sejmtagung stellen müßten. Dieser Antrag braucht vom Staatspräsidenten erst im Laufe von 14 Tagen erledigt werden. Angesichts dieser verworrenen Lage dürften die Sejmparteien vor Ablauf der 30 Tage Frist kaum etwas unternehmen können. Im Mittelpunkt der Protesterklärungen der Sejmparteien und der scharfen Kritik in der gesamten Oppositionspresse steht die Finanzwirtschaft der Regierung, auf die es zurückzuführen sei, daß in den vier Jahren Pilsudski-Regime das Budget bereits um eine Milliarde Zloly gesehwidrig überschritten worden sei. Infolgedessen scheue die Regierimg die Kontrolle der Oeffentlichkeit und des Sejms und hindere den Sejm an seiner verfassungsmäßigen Arbeit. Die heuttge Morgenpress« veröffenttichi aufsehenerregende Erklärungen des früheren Finanzministe! s Czechowicz, der bekanntlich vor zwei Tagen aus dem Rege- rungsblock ausgetreten ist. Czechowicz übt in oppositionellem Sinne schärfst« Kritik an der Regierung und erklärt, das Kabinett hätte seinen Finanzplan, der auf ein Gleichgewicht des Budgets, Stabil!- fierung der Währung und Heranziehung ausländischen Kapitals hin- zielte, erschüttert. Die Regierung habe durch die Fortführung ihres Kampfes gegen den Sejm eine Verschärfung der politi- schen und wirtschaftlichen Lage herbeigeführt, was zur Folge habe, daß das Ausland keine Anleihe geben wolle. Bei einer Fortdauer dieses Zustandes fei ein Zusammenbruch derF, nanzfron t" nicht ausgeschlossen. Die Besetzung wichtiger Posten mit fachlich nicht vorgebildeten Persönlichkeiten kompliziere die Situation ungemein. Attentat auf Lord Strickland. polittsche Hochspannung auf Insel Malta. Valetta(Malta), 23. Mai.(Eigenbericht.) Ais der Ministerpräsident von Matta, Lord Strickland, am Freitag in Begleitung von einem Polizeibeamten das Gerichts- gebäude betreten wollte, wurde ein Attentatsversuch ans ihn gemacht. Ein Mann namens Miller feuerte mit einem Revolver drei Schüsse aus unmittelbarer Nähe auf Lord Stricklond ab, die jedoch dank der Geistesgegenwart des Polizeiosfiziers sämtlich ihr Ziel verfehlten. Ueber die Hintergründe des Attentats fehlen bisher alle Einzelheiten. Der Attentäter soft ein Epileptiker sein und hat vor Gericht Geisteskrankheit angegeben. Es kann jedoch angenommen werden, daß das Attentat im Zusammen- hang mit der überaus gespannten innerpolitischen post-Abonnenten �arnil öle regelmäßige Zustellung ües.vorwärts' tm nächsten Monat keine unliebsame Unterbrechung er- lelöet, bitten wir unsere post-Abonnenten, 4o« Abonnement für den kommenden Monat sofort zu erneuern/ falls die Post dos vezugsgeld noch nlch» eingezogen haben sollte. Llortvarts- Verlag G.m.b.H. Situation Maltas steht, die durch das Eingreifen de- Vatikans in die innere Politik des Landes geschaffen wurde. Da die Behörden unmittelbar nach dem Attentat mit schweren Unruhen rechneten, wurde die Polizei verstärkt und strenge Vorsichts- maßnahmen durchgeführt. Obgleich Ruhe herrscht, sind bei der allgemeinen Erregung, die durch die religiösen Kämpfe der letzten Monate gesteigert wurde, weitere Zlusschreitnngen nickst ausgeschlossen. Balkankonferenz in Athen. Vom Völkerbund gefördert. Athen. 24. Mai.(Eigenbericht.) Eine Balkankonferenz soll im Oktober in Athen stattfinden. Der Völkerbund hat Griechenland, Süd- slawien, Rumänien, Bulgarien und die Türkei um Förderung des Konferenzplanes gebeten. Gedacht ist an ein« Zusammenkunft der führenden polittschen Persönlichkeiten des Balkans. Die Tagung soll jedoch nur inosfiziellen Charakter haben. Großer Sieg von Nanking. 20000 Gefangene. Wie eine amtliche Mitteilung besagt, haben die Regierung s- t r u p p e n den verbündeten Nordtruppen eine Vernich- tende Niederlage beigebrocht. Nach einer 18stündigen Schlacht haben sie die Stadt Lanseng an der Lunghaibcchn, 32 Kilometer östlich von Kaifeng, eingenommen. Di« Nordtruppen zogen sich in voller Unordnung nach Kaifeng zurück, von der Nankingarmee oerfolgt. 20 0 0 0 Mann der Nordarmee, die zum Teil zum Feinde über- liefen, wurden gefangen genommen. Zwischen Bach und Tosca. Gchallplattenfchau./ Von Klaus pringsheim. Zwei Tatsachen sind in der Entwicklung, die im letzten Jahr die deutsche Schallplattenproduktion genommen hat, zu beobachten, zwei Tatsachen, die miteinander nahe zusammenhängen: das Ueber- handnehmen des Nur-Unterhaltenden, Leichten, Seichten, allzuoft auch Wertlosen; und die Einstellung mehr und mehr auf Aktualität und Tageskonjunktur, Ausnützung jedes vorübergehenden Mode- erfolgs, den im Kabarett, in der Revue, in der Operette, im Ton- film die beliebte Sängerin, der beliebte Komiker, die beliebt« Nummer eben hat Mit einem Wort, Umstellung von künstlerischen Aufgaben auf«in Programm der Vcrgnügungsindustrie. Aber der Musikfreund, den es um dauernde K u n ft w e r t e zu tun ist, braucht sich nicht immer an die neuesten Erscheinungen des Schall- plattenmarktes zu halten— wenn auch, angesichts der fortschreiten- den Entwicklung der Aufnahmetechnik, bei der Auswohl älteper Fabrikate eine gewisse Dorsicht geboten erscheint� In diesen Tagen bringt die Kulturabteilung der Carl L i n d st r ö m A.-G. unter dem Namen.Kultur und Schallplatte"'«inen übersichtlichen, von Dr. Günther und von Dr. Fleischer gesichteten Katalog ihrer ge- samten Produktion an wertvollen Platten der alten und neuen Musik heraus. Auch auf das Gesamtverzeichnis von Ultra p hon ist in diesem Zusammenhang hinzuweisen; und selbstverständlich auch auf die langjährige Produktion von Electrolq., Deutsche Grammophon und, in einigem Abstand zu nennen, Triergon. Orchester. Aktuell,— auf dem Gebiet der großen, ernsten Musik ist es neuerdings der Name Bach geworden; es ist also eine erfreuliche „Konjunktur", die ihn öfters auf Schallplatten erscheinen läßt. Di« I)--Dur<�Suite wird von C*) herausgebracht: vom Orchester des Brüsseler Konservatoriums klar und stilrein gespielt; nur vielleicht in dem berühmten Air«in bißchen nüchtern im Ausdruck. DG. bringt zwei Choralvorspiele in der reichen Jnstru- mentierung von Schönberg: darunter das prachtvoll«.Komm, Gott, Schöpfer, Heiliger Geist". Dem tonschönen Spiel des Philhar- monisch«n Orchesters, das Jascha Horenstein dirigiert, fehlt nur hier und da letzte Deutlichkeit und Plastik. Besser gelingt demselben Dirigenten die VI. Symphonie von Haydn; nur der zweite Satz, der langsame mit dem„Paukenschlag", nach dem die Symphonie benannt wird, gerät«in wenig steif. Beethovens ,.Egmont"-Ouoertüre spielt das Berliner Symphonieorchester unter Leitung von Fritz Zweig(Ho.). Die Platte ist merkwürdig schwach im Ton; woran liegt es? Durch ausnehmend guten Klang, ins- besondere der Streicher, fällt eine andere Orchesterplatte derselben Firma auf: zwei Orchesterstücke aus vergesienen Mascagni- Opern, an di« sie erinnert:„Freund Fritz" und„Ratclifj". Wagners .Holländer"-Ouvertüre, von den Philharmonikern unter Carl Schur icht gespielt,«rscheint auf einer großen H.-Platte; teilweise überhetzt im Tempo, man hätte dafür wohl doch den Raum von anderthalb Platten zur Verfügung stellen müssen(wie ihn Muck bei El. beansprucht). Sehr schön die Aufnahme der ersten Vcr- wandlungsmusik aus„Parsifal" bei DG., Dirigent: der Münchener Generalmusikdirektor Knappertsbusch. Als besonders gelungen ist di« Wiedergabe von Richard Strauß' Tondichtung„Don Junan" unter Klemperer hervorzuheben(P.). Und als Glanzstück moderner Orchesterkunst und heutiger Orchester« Aufnahmetechnik R a v e l s„Bolero", das unter Leitung des Kom- ponisten das Pariser La moureux- Orchester in klanglicher Vollendung gibt. Für den Musiker sind diese zwei Platten(DG.) eingehenden Studiums wert; aber hier würde es sich vielleicht emp- fehlen, auch«ine gekürzte Ausgabe(auf einer Platte) zu veran- stalten. Zu erwähnen ist ferner noch: bei U. Bizets„Arlesienne- Abkürzungen: Br.— Brunswick; C.— Columbia; DG.= Deutsche Grammophon; El.— Electrola; Ho.— Homocord; O.— Odeon; Orch.= Orchestrola; P.— Parlophon; Tr. — Triergen; U= Ultraphon.\ Suiete"; bei El. zwei Ungarische Tänze, die von den Wiener Philharmonikern— Dirigent: Clemens K r a u ß— mit hin- reißender Virtuosität gespielt werden. Und auch ein großes histo- risches Mavschpotpourri(U.). das im ersten Teil kriegerische Märsche des Mittelalters enthält, mag seine Liebhaber finden Znsti-umeniatisten. Um mit einer Rarität zu beginnen: Wanda Londowska spielt aus dem Instrument, dessen Meisterin sie ist, dem Cembalo, kleine Stücke von Rameau und Daquin(El.); man glaubt, sie im Nebenzimmer zu hören. Weniger glücklich ist das Grammophon noch immer in der Wiedergabe des Klaviertons, wenn auch in letzter Zeit Fortschritte zu bemerken sind. Alle Geschlijsenheit der vollendeten Technik, alle Feinheit des differenzierten Anschlags ist in den Platten zu bewundern, die Claudio Arrau bespielt: Drei Etüden und ein Präludium von Chopin(El.) und Lifzts„Wasserspiele in der Villa d'Este"(O.), die in all ihrem weichen, spielerisch glitzernden Charme erklingen. Auch Alexander Brailowkky spielt Chopin — vier Etüden,(DG.) und Liszt— VI. Ungarische Rapsodie(DG.) — als der große Pianist, den wir kennen. Lifzts Ungarische Phon- tasie mit Orchester, vom Pianisten Maurice C ol« bravourös gespielt, gibt's auf Orch. zu hören. Zwei Geiger: auf einer(leider von Nebengeräuschen nicht freien) U.-Platte gibt Georg K u l e n k a in p s s Corellis„La Folia" in technischer und stilistischer Vollendung; Vasa Prihoda gefällige Sache von Tschaikowsky und Dworak mit eleganter Virtuosität(DG.). Zwei Cellisten: Pablo Casals, der Größte von allen, veredelt mit seinem wundervollen Ton und seiner inakellossn Kunst spanisch« Tänze von Popper(El). Und Arnold Földesy, auch er gewiß einer von den Besten, produziert sich in«arasates Zigeunerweisen(Ho.). Eine(amm«rmusikalische Gipselt lcistung: Beethovens Kreutzersonate, von Alfred Cortot und Jacques Thibaud gespielt(EL). Wunderbar Thibauds Geicen- ton im langsamen Variationensatz: unvergleichlich im Finale-Presto diese rhythmische Energie und schwebend« Leichtigkeit des Zu- sammenfpiels. Oper. Wagner und italienische Belcanto-Oper. Wir höre» aus der Götterdämmerung in mustergültiger Wiedergabe unter Leo Blech die Schwurszene des ersten Aktes; Louritz Melchior und Friedrich S ch o r r(El.). Weniger erfreuliche Szenen aus dem zweiteu Akt Parsifal(El.), mit Göta L j u n g b« r g, die in der Partie der Kundry gewiß schöne Momente hat; aber gegen die Art, wie die Musik zusammengestrichen ist, erheben.siH doch ernste Bedenken. Walter W i d d o p hol als Parsifal beinahe nur Stichworte zu geben, er tut es in fragwürdiger Behandlung des Textes, die Tempi (Dirigent: Albert Coates) sind zum Teil überstürzt. In der Klage des Amsortas läßt H. A. Nissen seinen weich timbrierten Bariton hören; aber auch hier eine befremdlich« Unruhe des Tempos. Wolframs Monolog und Lied aus dem dritten Akt Tannhäuser, von Herbert Janssen gesungen: es ist eine der schönsten Gesangs- platten, die bis jetzt U. herausgebracht hat. Lotte Lehmann zeigt in der Arie und dem Gebet der Elisabeth ihre künstlerische Voll- kommenheit ebenso wie in der Agathen-Arie aus Freischütz(OV „T o s c a", die ganze Oper in italienischer Sprache, ist bei C/ erschienen: wir keßnen das gesicherte Niveau dieser Publikationen. Vorbildliches an italienischem Operngesang bieten Amelia Galli- Curci und Giuseppe de Luca in Duetten aus„Rigoletto"(EL). Ganz groß präsentiert sich Celestino Sarobe im Bajazzo-Prolog und im Jago-Monolog aus„Othello"(DG.). In allerbester Form singt C. M. Oehman die Sterbeszene des Othello(U.). Und bei Tr. erscheinen italienische Tenorarien, von Salvatore Salvati gesungen, technisch einwandfrei. Nicht zu vergessen endlich zwei Arien aus Weinbergers„Schwanda", für die Theodor Scheidl, von der Bühne her bekannt, seinen frischen, sympathischen Ton hat(DG.). Gchsechtes Gewissen. Deutsche Volkspartei und Obstruktion in Preußen. Nach dem ersten kindischen Freudenousbruch darüber, daß es ihnen am Freitag gelungen war, den Preußischen Landtag beschluß- unfähig zu machen, stellt sich bei einigen Rechtsparteien eine starke Ernüchterung ein. Es ist manchen doch zum Bewußtsein gekommen, daß die Opposition in Preußen im Reich Regierung ist und daß gegen sie einmal dasselbe Spiel getrieben werden kann, dos sie in Preußen— wohl nur mit sehr vorübergehendem Erfolg— versucht hat. Die„Deutsche Tageszeitung", die den Landbundflügel der Deutschnationalen verttitt, setzt ihren Lesern auseinander, daß die Opposition nur zum„mildesten Mittel der technischen Obstruktion" gegriffen Hab«, um damit den Regierungs- Parteien(etwa im Stile des„Geenigs" Friedrich August) zu sagen: „Macht euren Kram alleine." Noch interessanter sind die Ausführungen der o o l k s p a r t« i- l i ch e n„Deutschen Allgemeinen Zeitung": „Das Verhalten der Deutschen Dolkspartei, gemeinsam mit den Deutschnationalen und den radikalen Gruppen, dem Haus- halt sogar die passive Unterstützung der Anwesenheit zu ver- roeigern, ist ungewöhnlich. Die ganze Taktik der Oppositton wird nur noch begreiflich durch den jahrelangen Kampf, der von der anderen Seite wahttich ebenfalls mit mehr als robusten Mitteln geführt wurde" Von diesen beiden Sätzen ist der erste, der die Obstruktion der Dolkspartei als„ungewöhnlich" bezeichnet, durchaus richtig. Der zweit« Satz ist eine grobe Unwahrheit. Die„robusten" Kampf- mittel, die gegen die Volkspartei angewendet wurden, bestanden bekanntlich darin, daß im Januar d. I. die Volkspartei «inen gewaltigen Fühler aus st reckte, um wieder in die Regierung aufgenommen zu werden. Zwei ihrer prominentesten Mitglieder wandten sich dabei als Unter- Händler an den Ministerpräsidenten Braun, den sie wissen ließen, daß nach ihrer Uebcrzeugung die Volkspartei jetzt geneigt fei, unter den seinerzeit von Braun gestellten Be- dingungen der Regierung beizutreten. Die Ver- Handlungen wurden von Braun und den Regierungsparteien mit größter Loyalität geführt, aber sie scheiterten daran, daß in der voltsparteilichen Fraktion über die erwarteten Minister- posten«in erbitterter Krieg ausbrach. Von den Jntrigenkämpfen und Raufereien, die damals die volkspartelliche Fraktion durchtobten, wird vielleicht bei späterer Gelegenheit noch zu reden sein. Nachdem sich die verschiedenen Cliquen, Gruppen und Grüppchen gegenseitig ihre Führer gemeuchelt hatten, wobei sich herausstellte, daß für vierzig voltsparteiliche Abgeordnete knapp einundvierzig Ministerposten genügt hätten, endete dieses Schlachten mit der Verlegenheitserklärung, daß man die Bedingungen Brauns für ungenügend erklärt«. Damit hatte die Volkspartei ihre eigenen Unterhändler glatt desavoiert. Das ist di«„brutale Behandlung", die sich die Volkspartei in Preußen hat gefallen lassen müssen und für die sie sich nun nicht anders als durch Obstruktion rächen zu können glaubt Zeppelin nach Rio gestariei. Voraussichtlich neue Landung heute nachmittag. Pernambuco. 24. Mai. Do, Lustschiss„Gras Zeppelin" ist Freitag. S Minuten vor Mitternacht(Sonnabend früh 3 Uhr 25 Minuten MC Z.), zur Fahrt nach Rio de Janeiro ausgestiegen. Infolge des späten Abfluges des„Graf Zeppelin" von Pernam- buco wird seine Ankunft in Rio de Janeiro heut«, voraussichtlich erst am späten Nachmittag, erfolgen. Es ist hier ein großer Emp- fang vorbereitet. Di« Regierungsbüros schließen mittags, und die Gcschäfte'«ntlassen ihre Angestellten nachmittags, damit sie an dem Empfang t«ilnehn»en können. Die aus den Gipfel des an dem berühmten Hafeneingang gelegenen Zuckerhutberges führende Drahtseilbahn legt Sonderzüge ein, wodurch es Hunderten ermög- licht wird, das Luftschiff aus einer Höhe von 360 Metern zu sehen, was ungefähr der Flughöhe des„Graf Zeppelin" gleichkommt. New Vork. 24. Mal. Das Lustschiss„Gras Zeppelin" überslog aus seiner Fahrt nach Rio de Janeiro heute srüh».15 Uhr(11,50 Uhr MEZ.) die Stadl Lahia._ „Cyankali." llraufführung im Babylon. Der Film wird zu einer aufpeitschenden Anklage gegen«in un« sinniges Gesetz und darüber hinaus zu«inem Protest gegen eine altersschwach gewordene Gesellschaftsschicht. Breiter als die Bühne malt der Film, der Friedrich Wolfs gleichnamiges Drama als Manuskript oerwertet, das Milieu der Enterbten und der vom Schicksal Durchschüttelten aus. Ein paar Bilder zerschundener Miej. kasernen, verdeckter Treppenaufgänge sprechen lebhafter und«r- greifender als dichterisch geformte Worte. Innerhalb dieser Welt vollzieht sich die Tragödie des kleinen Proletariermädchens, das als Opfer des Abtreibungsparagraphen fällt, es ist ein individuelles Schicksal, das aber zum Symbol für Hunderttausend« erwächst. Soll man diesen Film, der nichts weiter als Anklage und Chronik der vom Glück Vernachlässigten sein will, künstlerisch werten? Der Film wird als Tonfilm deklariert, trotzdem das lebende, akustisch übertragene Wort selten zum Ausdruck kommt Einnull. als die Leidende wilde, spitze Schreie ausstößt, steigert es ungeheuer die Wirkung. Die letzte Szene dagegen, die völlig auf das Akustische gestellt ist, würde auch ohne Wort ebenso stark wirken. Aber Be- denken dieser Art werden hinfällig, da der Stoff den Zuschauer von der ersten bis zur letzten Szene unlösbar packt. Wieder einmal wird der Beweis geliefert wie ungeheuer wichtig das Manuskript ist Der Regisseur und Bearbester Hans Tintn«r findet den Mut. jede Ahnung eines glücklichen Endes auszuradieren, er will die krasse Not des Lebens zur Gestallung bringen, manchmal scheitert er dabei allerdings an der zu kühlen Reserve seines Ensembles. Ueberragend ist Grete Mosheim, die selten im Film«ine derart erschütternde Leistung bot In Haltung und Gest« das kleine, liebende Mädchen, von Anfang an jedoch von der Tragik des Aus- gangs umwittert. Dr. Magnus Hirschfeld und der Verfasser Dr. Friedrich Wolf sprachen einleitende Worte, die scharf die Unsinnigkeit des Ab- toeilmngsparagraphen gechellea. Lech. Eröffnung der Berliner Kunstwoche. Die„Meistersinger" in der Lindenoper. Mit den„Meistersingern" find gestern abend die Berliner Kunst- wachen 1330 eröffnet worden.„Kunstwochen"— das ist die neue Form und der neue Name für die im vorigen Jahr zum ersten Male veranstalteten„Berliner Festspiele", gegen deren Wiederholung sich 'zunächst die sozialdemokratische Fraktion der Stadt gewandt hat. Seither ist es gelungen, gewisse grundsätzliche Bedenken oder deren Ursache zu beseitigen: mit dem Namen hat sich auch die program- nratische Idee geändert. An Stell« des in der Tat wenig zeit- gemäßen Planes, in Berlin unter Mitwirkung der Behörden Wochen hindurch luxuriöse Kunstfeste zu feiern, ist dek sachlichere und prak- tischeve Gedanke getreten, in einer Art repräsentativer Schau die künstlerischen Kräfte und die künstlerische Arbeit der Theater- und Musikstadt zusammenzufassen. Wenn es dabei gelingt, am Eyde der Saison dem Berliner Kunstbetrieb eine Steigerung seiner Leistungen abzuringen, so ist das gewiß zu begrüßen. Und gewiß wird niemand etwas dagegen haben können, wenn die Erwartungen erfüllt werden, die man an diese Veranstaltung für die Mehrung des Fremdenzustromes knüpft. Wir werden das Ergebnis abwarten müssen. Der gestrige Abend in der Lindenoper zeigte das normale Bild einer Wochenvorstellung: für di« Eröffnung hätte wohl ein bißchen mehr geschehen können. Bewährte Besetzung der Hauptrollen: Maria Müller, Oehman, Schorr, Kandl, Henke, Janssen, Branzell. Daß es dem Dirigenten Kleiber an innerer Beziehung zum Werk, wie überhaupt zu Wagner fehlt, ist nicht mehr neu. Die Partttur ist bei Leo Blech besser ausgehoben, für dessen Führerhand es auch sonst im Hause allerl«! zu tan gäbe. K. P. Da» Thealer om Schiffbauerdamm bat das historische Schauspiel„Feuer aus den Kesseln' von Ernst Toller zur Uraussührnng angenommen und erössnet damit die neue Saison. Das Drama geliallet dokumentarisch die erste Matrosenrcvolte vom Jahre ISt? und leitet über zu den Ansängen der Novemberrevolution. Vi« Kamera(Unter den Linden) bringt daS Verzeichnis ihrer FeNsPiele heraus. W- belannt, ift sie daS einzige Filmreperioirctheater. da» dauernd den guten allen Film pflegt und gelegentlich auch interessante Filme wieder hervorsucht, die längst vergessen sind. Aktion sür den künftlerischev Film In Berlin wurde eine Zentral- stelle der„Deutschen Liga sür Unabhängigen Film«. V.' gegründet, die sich die Förderung de« tünstlcrischen Films ohne Bindungen durch geschästllche Erwägungen zum Ziele setzt. Die Deutsche Liga arbettet in Fühiungnabme mit der Jniernationalen Fiimiiga in Paris und bildet sur DeuIIchland eine Organisation, wie sie ähnilch in wideren Ländern bereits rristiercii und erfolgreich Wirten.(Leider sind bisher alle FUmorgauisalionen dieser Art bei trnS ohne Erfolg geblieben.) „Westfront-19�8". Eapitol. Als die ersten noch auf Kriegsverherrlichung ausgehenden Kriegsfllme heranskamen, ist hier ost genug festg«stellt worben, daß der stmnme Film, selbst wenn er die Wahrheit gäbe, nicht das ganze Entsetzen und Grausen widerzuspiegeln vermag, das erst die begleitenden Geräusche, das Zischen und Heulen der Granaten, das Trommeln der Maschinengewehre und vor allem das Schreien der Verwundeten hervorzurufen vermögen. Jetzt haben wir den ersten Kriegstonfilm, und jetzt kann uns der Film in der Tat dem Eindruck vermitteln, wie der Krieg wirklich gewesen ist. Die nach dem Roman Ernst Johannsens„Vier von der Infanterie" ausgebaute Handlung zeigt das Schicksal von vier Soldaten an der Westfront. Ihre Erlebnisse sind typisch sür Hunderttausende: das Quartier bei den sranzösischen Bauersleuten, der Schützengraben mit Trommel- feuer, Gasangriff, Tingeltangel hinter der Front, Tragikomödie des Urlaubers, der feine Frau in den Händen eines anderen findet, der Angriff auf den Graben, die Hölle von Eifen und Blut, das erschütternde Ende im Lazarett mit den wilden Schreien und TvLu- men der Verwundeten— das sind so einige Kapitel aus dem In- ferno des Krieges. Manche Szenen wirken so aufwühlend, daß man vor ihnen fliehen möchte. Die Dialoge kommen zum Teil undeutlich heraus, aber was liegt daran, der Gesamtcharakter wird durch die Tonsilmwiedergabe der Schlachtenmusik um- so besser getroffen. Ein paarmal streift der Dialog in seiner Trioialttät ans unfreiwillig �Lächerliche(Frau und Urlauber). Wenn der junge Student im Schlamin des Trichters von den Schwarzen erstick: wird ober der wahnsinirig gewordene Leuttrant immer wieder sein �Hurra" anstimmt, dann packt einen tiefster Schauer. Der Film sollte all denen zwangsweise vorgeführt werden, die vom Stahlbad des Krieges faseln und zu neuem Völkermord h«tz«n. Der Regisseur G. W. Pab st hat mit seinen Hauptdarstellern Fritz Kampers, der den urwüchsigen Boyern gibt, Gustav Dießl, dem jungen M ä b i s(Student) und Claus Claußen(der Leutnant, der sein« Pflicht bis zum letzten tut) und den zahllosen anderen Mitwirkenden den dokumentarischen Kriegssilm geschaffen, die stärkste Waffe für all«, die nie wieder Krieg wollen. O. Trockeneis aus der Wüste. Zur Herstellung von Ei» braucht man heute nicht mehr allein das Wasier, sondern auch die Kohlen- säure, die in fester Form das sogenannte Kohlensäureeis liefert. In den ausgedehnten Wüstenstrecken in Kolorado und Utah hat man nun neuerdings Stellen entdeckt, an denen die Kohlensäure im Naturzustand mistritt, so daß hier der komplizierte Herstellung?- prazeß der Kohlensäure aus Koks wegfiele. Das Trockeneis, da» sich aus dieser natürlichen Kohlensäur« gewinnen läßt, ist nicht nur zweimal kälter als das Wasserci», sondern schmilzt auch lanv samer und eignet sich daher besonders für Kühlzwecke uj'iriit- h Freundschastliche Verständigung... im graphischen Gewerbe. Seit Jahren bestand zwischen den Buchdruckern und St«»ndruckern ein Streit um die Besetzung der Os�set- und Tiefdruckmoschine. Dieser Streit mar i n t e r n a t i o« ndl. Nachdem in den letzten Jahren bereits einige natianale Ber- einbarungen getrosten waren, ist nun«in« inlernolionale Verständigung erfolgt. Die Exekutiven des internationalen Buch- druckcroerbandes und des internationalen Litho- graphenbundes hielten in Jnterlaken eine gemeinsame Sitzung ab, um«ine endgültig« Vereinbarung zu tressen. Es ist bestimmt worden, daß sowohl Bildherstellung wie Offsetdruck ausschließlich von den Verbänden der Lithographen, Stein- drucker und verwandten Beruf« beherrscht und tariflich geregelt werden sollen. Di« Tiefdruckmaschine wird als Organisation?- und Tarifgebiet der Buchdruckerverbände gehörig bezeichnet, während die Bildherstellung des Tiefdruckes weiter den Verbänden der Litho- graphen, Steindrucker und verwandten Berufe oerbleibt. Es ist dann noch eine Festlegung für die Setzmaschine getroffen, ebenso sind Bostimmungen für Ueberläufer festgesetzt. Dies« Vorschläge der Exekutiven werden dem internatio- nalen Luchdruckerkongreß im September d. I. in Amsterdam zur Bestätigung vorgelegt werden. Da im Lithographie- und Steindruckgewerbe der internationale Koirgreß erst im No- vemlbcr in Prag gewesen ist, werden die Landesorgonisationen «inzetn Stellung nehmen und mit Mehrheit sicher auch diesen Vereinbarungen znsti-mmen. Di« beiden Exekutiven der Buchdrucker und Steindrucker be- schlössen dann noch in getremiter Sitzung, die Aufnahme der graphi- scheu Hilfsarbeiter zu vollziehen. Für die Lithographen und Stein- druckeristternationale ist dieser Beschluß endgültig. Der Beschluß der Buchdritckerexekutive muß erst durch den Kongreß bestätigt werden. Am Tag« daraus traten zu diesen Exekutiven noch die Kollegen aus dem Luchbindergewerbe hinzu. Zn dieser gemeinsamen Zusammenkunft aller drei Internationalen des graphischen Gewerbes wurde eine Vereinbarung über die künftige Zusammenarbeit ge- troffen. Es soll ein möglichst enges Zusammenarbeiten stattfinden. Die Sekretariate wurden beauftragt,. in ständiger gegenseitiger Fühlungnahme olle Maßnahmen zu treffen, die notwendig sind, um in allen gemeinsam berührenden Fragen kameradschaftlich zusam- menzuarbeiten und zu handeln. Mit bissen Beschlüssen ist der Friede und die Freundschaft zwischen den graphischen Verbänden international besiegelt. Die Wirkungen dieses engeren Zusammenschlusses werden für die Arbeiter des graphischen Gcwexstcs nicht ausbleiben. Die Stimme der Eisenbahner. Wie sie sich in Sachsen bemerkbar machte. Die Detriebsrätewahl bei der Reichsbahndirektion Dresden brachte dem Eücheitsverband der Eisenbahner einen vollen Erfolg. Die nachstehenden Zahlen enthalten zugleich die Stimmen aus den Werkstätten der Reichsbahndircktionen Magdeburg, Halle und Erfurt, da sie der Werkdirektion Dresden unter- stellt find. Es erhielten: Einheitsverband sfreigewerkschaftl.) 21 410 Stimmen. Gewerkschaft deutscher Eisenbahner(christl.-nat.) 1412 Stimmen, Allgemeiner Eisgnbahnerverband(Hirsch-Duncker) 1309 Stimmen, und die„r e o o- l u t i o n ä r e Opposition" 3322 Stimme». Die kommunistischen Stimmen sind gegen das Vorjahr um 40 zurückgegangen. Es war also wieder einmal nichts mit dem ange- kündigten revolutionären Vormarsch. Von den 1 8 S i tz« n des Bezirksbetriebsratcs bei der Reichs- bohndirektion Dresden erhält der frelgewerkschafkllche Elnheltsoer- band 15, der„Allgemeine Eisenbahnerverband 1, die„revolutionäre Opposition" zwei, während die christliche Organisation leer ausgeht. Die Postbeamten streiken nicht. Sie wollen zurächst weiter verhandeln. Paris, 24. Mai.(Eigenbericht.) Die Postbeamten hielten am Freitag ober»i> unter Führung des sozialistischen Gewerkschastsringes eine Massenversammlung ab, um zu den Ergebnissen der letzten direkten Aussprache mit dem Postminister Stellung zu nehmen. Die Gehaltsoorschläge des Ministers wurden zwar als unannehmbar bezeichnet, weil sie die leitenden Beamten zu sehr zum Nachteil des übrigen Per-. sonals begünstigten. Von einem sofortigen Streikbeschluß wurde jedoch abgesehen. Di« Leitung der Poftbeamtengewcrkschast erhielt den Auftrag, die Gehaitsforderungen mit oller Energie weiter zu ver- treten. � In dem Ergebnis der Versammlung sieht die bürgerliche regie- rungstrcue Presse«in«„sichtliche Entspannung" der Lage. Eisbomben oder Sonntagsruhe? Kondilorei Telfchow zahlt TV Mark Geldstrafe. Der verantwortliche Leiter der gewerblichen Konditorei Tel- s ch o w hatte, in den Jahren 1927 und 1928 an Sonn- und Festlagen fortgesetzt Lehrlinge und Gehilfen beschäftigt, sowie auch Expedienten und Kraftfahrer, entgegen den gesetzlichen Bestimmungen. In den Vorinstanzen wurde der Angeklagte freigesprochen. Die Konditorei Telschow, die in Groß-Berlin acht Filialen besitzt, läßt in ihrer Zentrale regelmäßig an den Sonntagen Gehilsen und Lehrlinge arbeiten, um die am voraufgegangenen Sonnabend hergestellte» Eis- und Cremcspeisen fertigzustellen. Die Eismasse wurde zum Gefrieren gebracht, die Eisbomben, Eis- und Cremespeisen mit Schlagsahne, Früchten, flüssiger Schokolade und Schokoladenspäncn garniert usw. Wären diese Arbeiten am Sonnabend gemacht worden, so hätten die Erzeugnisse angeblich zum Genuß nicht mehr getaugt. Die Expedienten und Kraftfahrer verpackten die Ware von 7 bis 18 Uhr und schafften sie zu den Kunden. Amts- und Landgericht fanden das alles in Ordnung, sie beriefen sich dabei auf§ lOöcZiffer 4 der Gewerbeordnung, der sonn- tägliche Arbeiten gestattet, wenn diese zur Verhütung des Miß- lingens von Arbeitserzeugnissen erforderlich sind. Der Strafsenat sagt nun, daß in diesem Falle die Sonntagsarbeitcn durchaus nicht vorgenommen worden seien, um ein Mißlingen von am Sonnabend teilweise hergestellten Eis- und Cremespeisen z» verhüten, sondern bloß, um ein Verderben der Speisen in der Zeit zwischen der Fertig- stellung und dem Verzehr zu oerhüten. Von einem Mißlingen von Arbeitserzeugnissen könne somit in diesem Falle keine Rede sein, denn sie waren ja noch gar nicht beendet. Wollte man sich auf den Standpunkt der Vorderinstanzen stellen, so käme man dazu, daß leichtverderbliche Waren in Bäckereien und Kondiloreieu an Sona- und Festlagen allgemein hergestellt werden dürften. Der Kampf, der im Reichstag um den§ lOSc Ziffer 4 der G O. geführt worden ist, zeigt aber, daß es gerade im Willen des Gesetzgebers gewesen sei, die sonntägliche Herstellung leichtocrderb- licher Waren zu verhüten— gerade im Interesse der Sonntagsruhe. Der K 105« Ziffer 4, der für den Sonntag Ausnahmen zuläßt, hat allein N o t st a n d s o r b e i t e n im Auge.* Das Bedürfnis an Eisbomben kann das'.Kannncrgericht selbst-' verständlich nicht als Notstand, und die Arbeiten, die zu deren Herstellung erforderlich sind, nicht als Notstandsarbeiten betrachten. So kommt es nach eingehenden juristischen Erwägungen! zu dem Ergebnis, daß der Angeklagte trotz der abweichenden Recht- sprechung anderer für seine Betriebe örtlich unzuständiger Ober- landesgerichte sich des Verstoßes gegen die Sonntagsruhe schuldig gemacht habe. Die Sache sei an die zweite Instanz zurückzuweisen. Die zweite Instanz war an die Entscheidung des Kommergerichls gebunden. Die Ausführungen des Vertreters des Beklagten fruch- teten nichts. Das Gericht ließ durchblicken, daß es mit der Eni- fcheidung des Kammergerichts nicht einverstanden sei und o e r u r- teilte den Beklagten zu der lächerlich geringen G e i d- strafe von 10 M. Weshalb sollte man sich die nicht kosten lassen? Wird Telschow auch weiter die Eisbomben und die Eiscreme am Sonntag fertigstellen und sie versenden? Die Entscheidung des Kammergcrichts ist von grundsätzlicher Bedeutung: der sozial- Geist. der aus ihr spricht, verdient auch weit über den Bereich Berlins hinaus Beachtung._ Wetter für Berlin: Ueberaonq zu kühlerem regnerischem Wetter.— Für Deutschland: Im Westen und Süden regnerisch und kühl, in Mitteldeutschland Wetterverschlechterung, im Nordosten noch heiter und warm._ Theater der Woche. Vom 25. Mai. bis 2. Juni. Volksbuhne. Theater am Wllawvlali: Bis 28. Rost. Ab 2S. Iuliu« Täter. Staatstheater. Oper Unter den Linde»: Ai. Tidebo. 28. Alba. St. Thriftooh Totmnbu,. 28. von Svr.jumkau. 20. Meist-rsinger. 30. Barbier von Sevilla. 31. Bohcmc. I. Mona Lisa. 2. La Traviata., Over am Platz»er Republil: 23. Leben b s Or-ft. 26. Der arme Motrofe Ai-gelique. Svanlsche Etunbe. 27. Stumme van Portici. 28. Berlauiste Braut. 29. und 1. Rigvletto. 30. k>ciinlichc Ebe. 31. lZIicaende Kolländcr. 2. gauberflote. Stäbtitch« Over: 23., 31. Maskenball. 26. Hackucit bes ffigaro. 27. S:mona Boccancara. 28. greischlltz. 29. Eutzen Onctzin. 30. Lohcngrln. 1 AlkcsUs.— Die Ops-rnntz tcs Sefantzenen. 2. Maschinist Hopkins. Schansvielhau»! 23.. 29. Peer Sunt. 26. Liebes Leid und Lust. S7. Mallen- steins?vd. 28.. 30. Kalkutta, z. Mai. 31. Zaust. 1. Guten Morgen, Herr Zische:. Das Test der Handwerker. 2. Wird Hill amnestiert? Schiler-Theater: 2S.. 29.. I. Schern, Satire, Ironie und liefe« Bedeutung. 26.. 28.. 30., 2. Der E'wissenswurm. 27. Gespenster. 31. Tanzabend Mary Wigman. Thealer mil festem Spielplan: Theater a« Schiffh-urrdamm: Tratsch.— Deutsch«« Theater: Phaea. 30. stcsworftevung: Die Fledermaus.— Sammerspirlc: Bi- 27. Die liebe Feindin. Ab 2«. Iphigenie.— Die gom'edi«: Soll man heiraten?— Theater i« der Strrlemaanstraß«: Napoleon greift ein.— stamödieahaa«: Mein» Schwester und ich.— G ratze« Schaulpielhaiia: Die lustige Witwe.— Theater de» Westen«: Der Bcttclstudent.— Lnftspielban«: Geschäft mit Amerika.— Komiich« Oper: Majestät lätzt bitten.— Deutsche«»inftlertheater: Ser Appeal. — Berliner Theater: Der Teufelsschstler.— Lelstng-Theater: Bis 29. Frau Peter» Hot ein-.:: Geliebten. 30. geschlossen. Ab 31. Heute Abend wird aus dem Stegreif gespielt.— Triono». Theater: Ein galontrs Abenteuer.— Nesi den, Theater: Madonna im Schlaicaupe.— Thratrr in der Behren- stratz« 33—5«: Dögkl, die am Morgen singen.— Retrapal-Theater: Mit dir allein ans einer einsamen Insel.— Die Tribüne: Skandal im Saoon.— Kleine« Theater: Meners ü». Witwe.— Nase-Theater: Iennp steigt empor. 31. Nachtvorstellung. 231/i Uhr. Icnnn steigt empor.— Eassna-Theater: Rentier Mudiche.— Theater in der Klastrrstratze: Bis 28. Doktor Klau». Ab 29. Lirbe. — Wintergarten. Plaza, Skala: Internationales Baricte.— Neichshallcn- Theater: Stcttine: Sänger.— Theater am Kattbnsscr Tor: Elite-Sänger. Vachmitlagsvorslellungen: Pollatöhnc. Theater am BSl-wplatz: l. Julius Täsar.— Rase. Theater: 1 UVi und 17% Uhr. Jenny steigt empor.— Theater in der Klastrrstratze: 25., X. Liebe.— Wintergarten: 25., 31., 1. Inlernatirnalcz Barietä.— Plaza, Skala: Internationale» Variete. Erstaufführungen der Woche: Sanatag. Schiller. Theater: Scher,. Satire, Ironie Mittwoch. Kammcrspiel«: Iphigenie.— Donner» tag. Boltsbiihner Julius Eäsar.— Sonnabtnd. Lessing-Theatcr: Heute abend wird au» dem Stsgreif gespielt. .Beranlworil. für die Redaktion: Nich. Beenstei», Berlin: Anzeigen: Th. Glocke/- Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- iruckere: und Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin£33 68, Lindcnftratze 3. Hierzu 1 Beilage. IBgl. 5 u.S'/, Uhr. B 5 Bart). 9236 | Rr. 1-6 M. Wochontg.SU. 50Pf.-3 M. lägi. S u.»» Sonni. 2, 5 b»-- Alex. E 4, 8046 lägl. 8.13 u. Sonntag 5 Uhr nacbm Die spanDenden Enischeidungskämpfe der Ringkampf- Konkurrenz Vorher das or. Varieie-Programm Wochen:. 5 Uhr u Sonnt. 2 U. nachm. nur Varle t-Programm Wini-er * Cjarten* 8.15 Ahr Zenlr. 2818 BnnOiea er!,«61 1 Bot« Krsss-Trio— loBnmr Com«. Nldioll— lopii-lrto usw. 8enii*bMdu.8annt0Blo2Vor(tallaogan{ 4 und Rw Uhr. 4 Uhr kleine Preise| SV. Uhr Rost m Kirchon und Ouspensky Regit: Günther Stark Staatl.Schiller-Th. 8 Uhr Der G'wissenswDmi 8 Uhr Reg.: Max Reinhardt Unit: Friidrid: Hill wider. Kammerspiele D 2 Weidudanini 5201 8>l. Uhr Beul« um 75. Hai« Die liebe Feindin Konidit«et.?, leime, Regie: Ontil Crüiägio: Mittwoch, 28. Mai, 70» Uhr- Jphigenie vonWolft» v.Goethe Regie: Richard Bar- Hofman Die Komüdie |I Bismck.2414/7516 8V* Uhr Soll man heiraten! Romdie m Bim rd Shaw SztnisdM Eirriditung: �h Uhr GescttAltmli Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld LMN/1 Heute ab 5 Uhr Konsert Julius Elnödshofer mit seinem Blas- Orchester Q'A ükr: Feuerwerk Sensation 3 ErlCS Luftakt Afrikanische Völkerschau und 100 Attraktionan Tanz G Stimmung Kam fraiillelieu Wolnbcrc Tischtolofone G im Luna-Palais Rostauralionsglrton und Terrassen far 10000 Personen) Ueberau Tanz und Botrieb bis 3 Uhr nachts. s,'Uhr CäSHIO-THEATER»'.uhr Lothrinifer Strafe 37. Die Berliner Posse Rentier Mudicke and das Riesen-Varlete-Ptogramni Billigt Billigl Sommerpreise: 50 PI. 1.- Mark I.SO Mark Sonnabend u. Sonntad kleiner Aufschlag Reichshallen-Theater Allabendlich[T| Uhr Sfeltfner Säuger Das hutige Mai-Pro;i3inin. Unter anderem „Das deutsdie Meer" Ubemlt Swmatwlirigr y. Wgys»! Dö n h off- B rettl: (Saal und Garten) 10 Varteienumm.. Konzert Toni WM» Direktion; Or. ttartin Zickel»M Komische Oper Fnedrichitr.m. Merkur 1401.4330 Täglich 8'/« Uhr Majestät lässt bitten Musik von Walter Kollo. LustppielhaMS Fnedrichetr. 236: ßergmenn 2922-23. 8>h Uhr Geschäft mit Amerika, Vorverkauf In oelden HHuserr ic 10 Uhr ununterbroehan Regie: Erik Charell Theater am Sdiinbauerdamm Sommerspielzeit! Täglich S'.s Uhr Tratsch Komödie v. Coward Paudler,Schweikart Norden 5813, 0281 Residenz-Theeter Tägl. g'/e Uhr madonna im Schiafcoupd v. Maurice Dekobra Für lugcndl. verb. Ibeater d. Western Täglich SV« Uhr: Der Boiieltuidenl SAfltiMdorf, Carala. liditHttlein. Elsner Metropol-Tli. Täglich 8','« Uhr mit Dir allein auf einer einsamen Insel Midnd Bohnen, ilfred Braun. RitaCiorx. Charintte doder. DAS ALKOHOIÄPME STARKBIER DAS GEPFLEGTE ERZEUGNIS der älIesTen MALZBIERBRAUEREI GroBes Schauspielhaus subr Nur im Mai Die lustige Witwe ROSE] -TH E ATE R 1 Große Frankfurter Str. 132 1 BUIettkaMe: Ale». 3422 u. 3494 Täglich 816 Uhr j Sonntags 2», S48 u. 9 I ISonnabend nachts 1130|| Janjyy ) bester l. d. Behrenstr. 33-54 9 Uhr A 4 Zentrum 926-927 9 Uhr OlreldloD Ralph Arthur Robert« Vögel, die am morgen slnoeii Lustspiel in 3 Akten von Lonsdale | Komödie In 6 Etappen von H. A. Kihn Regi«; Paul Rone | Bühnenbilder: Waller Fltchir, HeuptdarateMer: 1 Traut«. Hans und Willi Rasa. Hilda Hofer, Erna Kerstsn«, Ed- 1 r Kanlseh, Robert Malier, Franz | Stein, Erich Wilde. Oatthard{ Bega u. t. 1 Eum Kr d» VomrktuT ticUcta! tob 11-1 Oir a.?. 4-9 Ohr jeörfnti Sonntag, den 25. Mai nadunltlag« z unr Hurant .U4NN SETRIEB f KEMPIHSKI? Direktion Dr. Roberl Klein Oeolsehcs Künstler-Thett Barbarossa 3937 8Vj Uhr Sex Appeal lithp. i. Fndtrlk Itssdali Sejit: Fenke UrriuR Albert Basserniann, MBdT Ctrtstlani Berliner Ibeater Dönhoff 170 8-l. Uhr Dar TeuieisschDier! Komödie v Bernard Shaw Regie Heinz Hilpert Triapon-Ibeater Täglich S'U Uhr Ein galantes Abentener! Lessing- Thealer beikelleme, kill d.0146 Täglich 8'/» Uhr: Kor nd: 8 finMengn Frau Peters hat einen eeiiehten mit Eriki von Thcllmioo Louis firoeiiit Sonnt, vorm. UV2 Matinee Wetten, daß..? Tbaat. a. Koitb.Tat Kottb. Str. 6 Tägl.SUhr Elite- Sänger. Hii- Festspiele Roulti ohrfeigt Mioisttr Vo: zeiger dieses Inserats Vorzugspreise. Tboaler In Oer Siiesemannsir. «rshtr Ktai jgrätttr Str.) Täglich»V. Uh: Napoleon greift ein voo Walter Baseodevei Komödlanhaua Täglich 8'l. Uhr MBine Schwester Iii»! idi Masikv. Ralph Benalzr.) Alle Arbeitnehmer können sich befreien von der PflichtsKrankenversicherung durch eine Mitgliedschaft bei der I Kranken- und Stferbehasse für das Denisdie Reicb CUcCarterWelalCrr Eroadslaaoo«) Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige/ Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit raMuntf: Berlin N. 24. Oranienburger SlraBe Gegründet 1884 iininiimiiimiiiniiiiiimiiminniiii Gegründet 1884 NMMiiNIiiillNMINiiRMNMttlNIII föeiloge Sonnabend, 24. Mai 1930 NnMimd ShAhnkpnße Atz ibu}t£*& Iguanodons Von Hans Volker Hyan Eine kahle Fläche. Die steinige Landschaft erstreckt stch bis an den chorizont. In der Ferne eine Gruppe von hochragenden glatten Stämmen, mit Veitwehendem Wedel an der Spitze. Ein fernes Dröhnen, lauter und lauter anschwellend zu stampfendem Donner. Grau und hoch steigt«ine Staubwolke hinter einer Bodensenkung aus. Und heran jagt es gewaltig, ungeheuerlich: Iguanodons. Mit weitausholcnden, federnden Sätzen, ohne mit den Vorder- läufen die Erde zu berühren, stürmen sie heran, die Riesenexen. Zwei graugrünlich-braune Kolosse, 20 Meter hoch! Kraftvoll stoßen die bepanzerten Schwänze zum Sprunge ab und tief reißen die klobigen, dreizehigen Hinterläufe in den steinigen Boden. Ein männliches und ein weibliches Tier ist es, sie wollen zur Tränk«, in dem nahen Sumpf sich suhlen. Wenige Minuten, und mit brausendem Plantschen stürzen sich die Riesenexen in den Morast, die erhitzten Leiber zu kühlen. Lange liegen sie wie tot auf der Seite. Eine Schulter, Hals und Kopf ragen aus dem Sumpf. fclfenähnlich, alles andere bedeckt der schwarze Schlamm. Heiß brennt die Sonne auf die unübersehbare Oede herab. Brummend und gurgelnd wälzt sich das eine Ungeheuer auf die andere Seit« und döst weiter. Da taucht am Horizont, vom weithin flutenden See her, etwas wie ein ferner Punkt auf. Schnell wachsend fliegt er heran— ein Riesenvogel! Bepanzert der Rumpf und der mit großen Stacheln bewährte Schwanz, die Fänge mit furcht- baren Dolchen versehen, so schwebt das Fabelwesen auf weit- spannenden Fittichen näher, anzusehen wie eine gigantische Fleder- maus mit bizarrem Pelikonkopf. Denn ungeheuer ist der Schnabel und die Stirnhöcker und unheimlich das kalte Auge, der faltige Hals. Träge blinzeln die Iguanodons nach dem merkwürdigen Fremdling. Aber sie wenden kaum den Kops. Und bald verschwindet der Pteranodon hinter den Hügeln. Jetzt kommt Leben in die Riesentiere. Mit einem Ruck hebt stch das eine wie ein Berg aus dem Modder und schjuerfällig stampft es ans Land. Dort wächst im breiten Gürtel um die Morastfläche, hoch und dicht, ein binsenartiges Kraut. Schmatzend und mohlend äst das Vorwelttier gewaltige Mengen und bald gesellt stch das andere zu ihm und beide füllen ihre Pansen zum Bersten. Eine kurze Zeit hocken ste noch hochaufgerichtet auf den Hinterläufen, dann aber setzen sie sich schwerfällig in Gang. Erst in kleinen unregelmäßigen Sätzen, dann weiter ausholend, bis sie schließlich ihr volles Tempo hoben und donnernd über die Erde rasen. Die besten Aesungsplätze können ste nun nicht mehr zum Bleiben reizen, sie wollen sich zur Herde schlagen, die in einer tiefen, schmalen und langgestreckten Schlucht ihren Stand hat. Aber noch ist's weit dahin und in ihrer Eile sollen die Iguanodons aufgehalten werden. Ein von palmartigen Farrn umstandener See kommt in Sicht. Schnell ist er erreicht und am Ufer entlang wollen die Iguanodons weiter. Da lieben sich zwei mächttge Hornkämme aus dem Wasser, wachsen förmlich heraus und ans Land kommen Stegofaurier. Schwer stampfen die Klumpfüße den Boden, dsr merkwürdig ausgezackt« Rückentamm ragt bis an die Kronen der Farrn, die hier eine Höhe von 1 S b i s 17 Meter haben. Lang schleppt der schwer«, hornbebuckelte Schwanz nach, an dessen Ende vier mächtige Knochenstachel sitzen. Der im Grund friedliche Pflanzenfresser braucht diese großen Dornen als gefährliche Schlagwoffe zu seiner Berteidiguug. Mit einem Ruck stehen die Iguanodons. Die Köpfe fliegen herum und die vjer Riefen wenden sich gegeneinander. Scheinbar teilnahmslos erwarten die Stegofaurier den Angriff. Die im Verhältnis kleinen, oben eingebuchteten Köpfe gesenkt, drehen sie den Gegnern die Flairken zu, um nnt den dornenbewehrten Schwänzen zu schlagen. Die beiden Angreifer rücken brummeird und grollend näher. Als sie nur noch 20 Meter voneinander sind, halten sie an. Sie haben keine Zeit übrig, auch sind die Dornen an den Schwänzen ihrer Gegner nicht nach ihrem Geschmack. Bielleicht ist's besser, man läßt sie in Frieden! Dröhnend werfen sich die beiden Burschen herum uird setzen ihren Weg fort. Die Stenasauricr heben ihre Köpfe, starren den Davonrasenden blöde nach und setzen sich langsam und schwerfällig in Bewegung. Und weiter geht die Reise der Iguanodons. Uebor weite kahle Steinfeldcr, an Riescnsllmpsen und steilragenden Klippen vorbei Ihre ungeheuren Leiber kommen mit einer erstaunlichen Schnellig- keit vorwärts. Für sie gibt es kein Hindernis! Erdrisse über- springen sie und reißende Ströme werden durchschwömmen. Plötz- lich oerhoffen die Urtiere. Ein entsetzlicher Lärm tönt ihnen ent- gegen. Brüllen, Stampfen und prasselnde Schläge. Die Iguanpdons beeilen sich heranzukomme». Im flachen Wasser des kleinen Sumpffees ein wahrer Titanenkampf! Ein unbeholfener Riefe, einer ihrer Sippe, der aber die beiden Iguanodons noch um zehn Meter überragt, wehrt sich gegen einen viel kleineren Gegner. Der aber ist nicht unbeholfen. Mit eiirer fabelhaften Wendigkeit umspringt der Raubdinosaurier oder L a e l a p s de» Brontosaurier, um eine Blöße des Kolosses zu erspähen. Der nur 10 Meter hohe Angreifer mit dem Körper einer ins Riesen- - hafte vergrößerten Eidechse läßt sich durch seinen Schwonzhieb, durch keinen Schlag der wie Säulen starken Gliedmaßen abschrecken. Der kurze gedrungene Kopf mit dem gräulichen Raubtiergebiß und den drohenden Hornauswüchsen schnappt noch dem langen Hals de» Riesen. Denn trotz dessen phantastischer Mass«— der Brontosaurier erreichte eine Höhe von 30 Metern— trog der Gigantenglieder und seines langnachschleppenden Schwanzes find die Waffen des Borwettlers gering und der Sieg muß dem Angreifer bleiben! Auf einem übermäßig hohen schlanken Hals, der ihn befähigt, das Laub der Bäume zu äsen, hat der Brontosaurier einen im Ver- hältnis nur kleinen Kopf.. Daher sind auch sein« Zähne zum Kampfe zu schwach. Eben hat er seinen rasenden Widersacher mit einem gewaltigen Schlag zurückgeschleudcrt: aber was macht dos diesem Panter der Vorzeit?! Mit heiserem Gebrüll stürzt sich der Unhold sofort wieder auf den Riesen. Und diesmal haben die Stahlkiefer den Hals des Gegners iii der Mitte gefaßt. Tief bohren sich die Dolchzähne ins Leben, lassen ihn nicht mehr los. Wie«in Terrier, der sich in einen weit größeren verbissen hat, von dem Gegner hin und her ge- schleudert wird, so hängt der Laelaps an der Kehle des Brontos. Mit seiner ins Ungeheuerliche wachsenden Kraft, die ihm die Todes- angst gibt, rast der Riefe. Aber die wahnwitzige Kraftvergeudung beschleunigt nur seinen Untergang. Sein Gebrüll wird schwächer, die Zähne des Räubers zerreißen ihm Luftröhre und Schlagader. Ein letztes Aufbäumen und Schlagen, dann stürzt der Koloß. In sinnloser Gier wühlt und reißt der Laelapz in den Eingeweiden des Gefällten. Die beiden Wanderer warten dos Ende des Kampfes nicht ab. Sie stutzen vor dem brüllenden, tobenden, pai�ertrochenden Mord. Die Hornoogelhölse reckend, glotzen sie hinüber, aber dann dröhnt der hart« Boden unter ihren Pranken, die Schollen aus dam Boden reißen und die die Gigontenleiber so schnell vorwärts bringen wie Rennpferde. Vor ihnen senkt sich der Grund. Plötzlich fällt der Boden steil ab zur Schlucht, auf deren Sohle die Herde der Iguanodons, wohl zwanzig Köpfe stark, weidet, verdeckt zum Teil von den baumhohen Farren..... Die beiden Ankömmlinge müssen am Rand des Hanges entlang, um in die Schlucht hinabzukommen. Die Herde unten sichert. Der L e i t b u l l e tritt abseits, reißt mit seinen Hornfüßen' die Erde und läßt ein heiseres Gekeuch hören, das wie Erdgedröhn am Fels- hang hinschwingt. Di« Herde drängt zustzmwen, Muttertiere mit Jungen in der Mitte. Der Leiter der Herde und das ankommende Männchen gehen schwanzschlogend, murrend und grollend, longsam oufeilianfecr los. 6k sind beide fast gleich stark, der«ine noch gewaltiger,»och größer vielleicht, der andere aber ein Berg von gedrungener Kraft und Allmacht. Der Rioalenkampf zwischen ihnen muß ausgekämpft werden, eh« die Fremdlinge sich in die Herde einreihen können. Roch kurzem unentschiedenen Kampf tritt der Leitbull« dem Gegner mit ungeheurer Kraft mit den beiden zum Springen mächtig aus- gebildeten Hinterläufen in den Leib! Das verträgt selbst ein Iguanodon nicht! Wie vom Blitz erschlagen, fällt der Rivale und liegt minutenlang dumpfttöhncnd. Der Sieger stößt ein Triumph- geschrei aus und wendet sich zur Herde. Der Streit ist entschieden, mag der Unterlegene bei der Herde, bleiben mit seiner Gefährtin. mag er fortziehen— er, der Sieger, der Stärkste, der solang« die Herde führte, der sie verteidigte und beschützte, er bleibt der Mäch- tige, der Herr über Leben und Tod! Schnell bricht die Nacht herein. Der Himmel hat sich bewölkt und ein surrender Wind erhobt sich. Die Dunkelheit nimmt zu und der Wind wächst zum Sturm. Auf kurze Momente sieht der fahle Mond durch vorübergehende Wolken. Die Iguanodons, sonst durch kein« Witterung erschreckt, werden unruhig. Die Luft ist so merkwürdig schwer. Ein schwefliger Gestank vergiftet die Aimosphäre. Und trotz des rasend anwachsenden Unwetters wird die Hitze drückender als am Mittag. Die beiden neuaufgenommene» Tiere, noch voll von den beunruhigenden Eindrücken der letzten Stunden, werden zuerst hoch. Im wolkenbruchartig niederfetzenden Regen oerlassen sie die Schlucht und verschwinden in der tobenden Nacht. Der Sturm wird zum Orkan, und der Himmel hat alle Schleusen geöffnet. Da auf einmal geht ein Zittern durch den Boden, schnell wiederholt es sich. Die Saurier find im Augenblick hoch. Ein furchtbarer Stoß läßt die Erde erbeben. Auf- brüllend tobt die Herde dem Ausgang der Schlucht zu. Aber sie kommen nicht weit, die Riesen. Eine Kraft, die gewaltiger ist, als ihre eigene, reißt mit zwei erneuten Stößen des Erdbebens die Schlucht zusammen. Mit wahnsinnigem Krach stürzen Fels- wände und riesige Erdmaffen über die Iguanodons. In wenigen Minuten ist keine Schlucht mehr da und alles Leben, dos in ihr war, ist zerschmettert. In Belgien wurde vor etwa zwanzig Iahren eine Schlucht frei- gelegt, in der man die Skelette von dreiundzwanziz Iguanodons fand. Die wunderbar gut erhaltenen Knochen- gcrüste sind im Brüsseler Museum in einem großen Saal ausgestellt und sind das Zugstück des Museums, das sie berühmt gemacht hoben. Vor dem Eingang des Aquariums im Berliner Zoolo- zischen Garten steht in natürlicher Größe in grauen Kaltstein gemeißelt ein Iguanodon. (37. Fortsetzung.) „3d) ersehe oug allem, daß Kead ein einflußloser Popanz, der Gouverneur«in Schur?« ist.' Sie sagen mir damit nichts Neues. Und Sie haben sich von den Kapitalisten kaufen lassen. Nun wissen diese Häupter nichts Rechtes mit ihnen anzufangen." Er musterte Marin. Sein« Miene drückte volle Befriedigung aus.„Ms ich Sie im Büro Mister Keads zum ersten Male sah, machten Sie einen gute» Eindruck auf mich. Ich habe als Amerikaner und Jude eine krankhaste Vorlieb« für Franzofen. Sie werden sich noch erinnern/ als Mister Kead Sie mir oorftellen wollte, lehnt« ich ab, begrüßte Sie wie einen alten Freund." „Damit bestätigten Sie einen Verdacht, der Sie belastet hat." „Welchen?" „Als Sie die Affäre des Hotels Kanton publizierten, lenkte sich der Verdacht auf den früheren Polizeichef Duoal, der Urheber dieser Publikation zu sein. Wie Sie nicht wissen dürsten, war Duiwl auch vom Kopital gekaust und konnte nur tun und lassen, was ihm diese Kreise vorschrieben. Jede beunruhigende Nachricht mußte unterdrückt werden. Bei Erscheinen dieser Veröffentlichung stürzte sich Kead wie«in losgelassener T'ger auf den armseligen Narkotiker, der doch schuldlos war. Da ich Kead gegenüber noch keine Ver- pflichtung eingegangen war, konnte ich mir den Spaß erlauben, mich selbst dieser Publikation zu bezichtigen." „So haben Sie sich an Kead verhandelt", warf Mr. Elarrick- san ein. „Ja. Und es war auch meine Absicht. Nun hat:« aber Kead Sie eingeladen. Ich sollt« bei der Besprechung anwesend sein und Ihnen, wenn Sie sich auf mich berufen würden, glatt ins Gesicht lügen: jede Verständigung zwischen Ihnen und mir in entschiedenste Abrede stellen." Mr. Garrickson prustet« vor Vergnügen:„Herrlicher Spaß! Jetzt versteh« ich." Er schenkte zwei Gläser mit Whisky voll, stieß mit Marin auf diesen Streich an.'. Marin hatte die Stimmung Garricksons nun ganz für sich ge- wonnen. Nichts hatte seine Wirkung verfehlt. Marin war mit sich zufrieden. Mr. Garrickson wurde immer ausgeräuniter. Die Zeit flog dahin. Endlich war es so weit, daß sich der Mikado der Journalisten zu einer heftigen Campagn« gegen den Gom-erneur und England entschloß. Als Marin noch außerdem von den Dokumenten, die zu besitzen er vorgab, erzählte, kannte die Gewogenheit Mr. Garricksons kerne Grenzen mehr; der herzliche Abschied legte bestes Zeugnis dafür ab. Mr. Garrickson wußte, daß«r ein gutes Geschäft gemacht hatte. Er selbst hotte schon lange daran gedacht, Marin zu gewinnen. Von dem Zusammenbruch der Revolution war er überzeugt. Wichtiger als das Großkapital war ihm der künftig« Diktator. Ilnd überdies eine Veröffentlichung von Geheimdokumenten! Sein Konzern wird ihn anbeten. Sein Kopf aber, der an einem dünnen Faden hing, war geborgen, sah fest aus seinem Rumpfe. Ohne sich noch zu bedenken, ging er an die Arbeit. Zwei Artikel diktierte er gleichzeitig. Was er in dem einen behauptete, widerrief er in dem anderen, die Forderung nach Marius Präfektur stand obenan. Er ließ sich zu den gefährlichsten Ausfällen gegen den Gou. vcrneur hinreißen. Riß ihn förmlich in zwei Stücke. 45. Marin sprach seiner Geschicklichkeit vollst« Anerkennung aus. Hätte er geahnt, wie willkommen sein Besuch Mr. Garrickson war, er wäre bescheidener geworden. Nachdem er das Büro des Zeitungsbonzen oerlassen hotte, fuhr er ins Polizeipräsidium zurück. Rief sofort Lillian an. Das Gespräch stand unter feiner Kontrolle. Sobald das rote Lämpchen aufleuchtete, wurde er belauscht. Er achtete jeßt besonders darauf. Nach einigen belanglosen Worten herkömmlicher Art gab Marin Lillian den Zweck seines Anrufs bekannt. Er sagte:„Hankou-Road. letztes Haus, wenn Sie es vielleicht nicht selbst schon rmssen." Da er das Gespräch aus ein Minimum beschränken wollte, breitere Er- örterungen ihm unvorsichtig erschienen, mußte er es beenden. Er wiederholte nur noch:„Ha»kau-Road, letztes Haus." Und:„P." Bei der Nennung des Namens flammte das rote Licht auf. Marin hing rasch ob. Man hatte also versucht, das Gespräch zu belauschen. Vielleicht ein Irrtum in der Hauszentrole, beruhigte sich Marin und zog sofort Erkundigungen darüber«in. Die blieben er- gebnislos. Es konnte aber doch nur die Hauszentrale sein! Oder wurden durch Anlegen eines fremden Kabels die Gespräche ob- aeleitrt? «* Wir müssen auf der Hut sein, Genossin", sagte Mr. Dollar ui Maro. Dabei sah er sich um und spähte>n die einbrechend« Dunkelheit des Abends. Der Platz, auf dem die Zusammenkunft stattfand, bot einen guten Ueberblick. Das spärliche Licht, das von den Werften kam, war günstig und schuf die genügende Hell«, einen Menschen in Hörweite zu sehen. Aus der Ferii« war bloß das Rauschen des Meeres und der Lärm der arbeitenden Maschinen zu Hernehmen. Irgendwo in einer finsteren Eck« standen Mr. Pfund ich Mr. Tael Vorposten. Es war ein verrufener Ort, an dem sich Maro und Mr. Dollar ein Stelldichein'gegeben hatten. So mancher brave Seemann, der sich hierher verirrt hatte, war nicht wieder an Bord zurückgekommen. Es mußt« also Wichtiges sein, das Maro bestimmte, sich hier mit dem verwegenen Burschen zu treffen. Mr. Dollar berichtete:..Goo hatte gerade noch Zeit, das Gespräch abzuhören, als ihm einfiel, daß der andere eine Kantrolle haben Z&amarL eines Ctiujß&utds könnte. Und weil er nicht ganz sicher war, gab er es auf. Für uns ober ist's genug." Man sprach rasch, leise:„Wer war es vom Polizeipräsidium, der angerufen hatte?" „Das kann ich nicht sagen. Aber ich vermute—" „Wen oermutest du?" „Marin." D. oerließ an diesem Tage nicht sein Haus. War ollein. Er- wartet« Mara erst gegen Morgen. Vermutete sie in den Agitations- lokalen. Für diese Nacht war eine Besprechung mit den einzelnen Führern der Exekutive in seiner Wohnung vorgesehen. Das Allein- fein gab ihm die so nötige Ruhe, obwohl er sich wie immer beobachtet glaubte. Er wußte nichts Rechtes mit sich anzufangen. Dämmert« vor sich hin. Empfang angenehme Müdigkeit. In diesem Zustande von Wachen und Träumen hörte er überrascht die Schritte Maros. Er kannte sie gut. Sprang ungeduldig auf, schob die Glastür zur Seite, attnete die erquickende Nachttuft und sog gierig den schweren Duft des Gartens ein. Die Schritte Maros waren im�Hause ver- stummt. Der Kies im Garten knirschte. P. hielt den Atem an. spitzte die Ohren. Es waren Schritt«, zweifelsohne. Aber nicht die Maros. Es wax also außer ihm und Mara noch jemand im 5)ause,«in Fremder. Gespannter verfolgte er jeden Laut, untersuchte genau die Art des Gehens des noch Unsichtbaren, Unbekannten. Es war eine dunkle Nacht, der Himmel schwer bewölkt, ein Wetter in der Lust. 5). schloß aus dem Rhythnius der Schritte, daß sie zögerten, schlichen. Ob sie einem Manne oder einer Frau gehörten, konnte er nicht feststellen. Dachte an Polizeiogenten und war im Begriffe, das Licht zu verlöschen. Aber dazu war es zu spät, überlegte er. Würde nur den Perdacht gegen ihn erhörten. Trat ms Zimmer zurück, überzeugte sich von der Verfchlußsicherheit des Schreins, der die wichtigen Dokumente barg. Steckte'die Hände in die Taschen seines Kimonos. Die Finger seiner rechten Hand umspannten einen Revolver. Er sah geraden Blickes auf die Tür. Lillian!, P. starrte sie, die im Rahmen der Tür stand, imt unheimlich großen Augen an. Fester spannten sich seine Finger um den Re- volver. Seine Sinne verwirrten sich, seine Gedanken fielen durch- einander. Er glaubt« an Täuschung, an ein Fiebergesicht. Doch sie war da, wirklich, greisbar, schicksalshaft. Wie kam sie hierher, woher wußte sie— Warum kam sie, schrie es in ihm auf. Lillian trat nicht einen Schritt weiter vor. Suchte Fassung zu gewinnen und Kraft, Stärke, Mut. Wie anders kam er ihr jetzt vm, der Mann, der sie st» stmderd« cm�cch. Fvemd rat/t tt ihr i doch wieder nicht. Größer, undurchdringbarer, betonter in seiner Rasse, der Halbmongole. Ein starker, kühler Entschluß hatte sie hergetrieben, ein Eni- schluß, den sie ohne Erregung gefaßt hatte. Aber aus dem Wege hierher begann jeder Nerv an ihr zu beben. Jetzt schlug es wie Brand über sie zusammen.(Fortsetzung folgt.) eBuch Aus der IterkstaU der Ualur Hermann Drechsler: Aus der Werk statt der Natur. Gemeinverständlich« Einführung in die Naturwissenschaften. Berlin 1930. Verlag der Büchergilde Gutenberg. 203 Sellen mit 112 Ab- bildungen. Man hört jetzt oft im Rundfunk sogenannte Reportagen, knappe Augenblicksbilder aus Werken und Betrieben, kurze Schilderungen der Einrichtungen und Vorgänge, orientterend und einführend, ohne in die Tiefe zu gehen oder in die Probleme einzudringen. Solche Reportagen aus dem Großbetrieb Natur mit seinen zahlreichen Cmzelwerkstätten gibt H. Drechsler in seinem Buch, das die Bücher- gilde Gutenberg kürzlich herausgebracht hat. Trotz dieser Mängel wird das Buch doch seinen Zweck erfüllen: nämlich manchem Menschen, der mit geschlossenen Augen durch die Natur lief, die Augen öffnen für die Schönheit der gesetzmäßigen Natur. Das Buch zerfällt in zwei Teile. In dem ersten schildert Drechsler die großen Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten im Aufbau der Erd- rinde und dem heutigen Bild« der Erdoberfläche, wie es durch die Faltungsvargänge, die Tätigkeit des Wassertropfens, durch Wind und Wetter und die Geschehnisie der Eiszeiten herausmooelliert wurde. Ein Kapitel ist der Entstehung und Entwicklung des Lebens und der Lebewesen gewidmet. Es behandelt diese Fragen vom Standpunkt des strengen Darwinismus aus. Bei dem knappen Raum, in den sich der Text noch mit den zahlreichen Bildern teilen muß, und dem Wunsche, eine möglichst vollständige Uebersicht über die einzelnen Zweig« der Naturwissenschaften zu geben, kann man es verstehen, wenn neben der Darwinschen Lehre die anderen Theorien nicht erwähnt werden. Aber so unerschüttert, wie Drechsler es darstellt, steht der Darwinismus heut« nicht mehr da. Es sind doch ziemlich 70 Jahre seit dem Erscheinen der großen Werke Darwins verflosien, und in dieser Zeit sind zahlreiche Dinge be- kanntgeworden, die eine Umgestaltung des Darwinismus nötig ge- macht haben. Vor allem der neueste Zweig der Naturforschung: die Vererbungslehre, paßt nicht schlecht zu der alten Form dieser Theorie. Im zweiten Teil« seines Buches:„W anderungen in der schönen Natur" wendet Drechsler die Ergebnisse des ersten Teils auf das Landschaftsbild in den verschiedenen Jahreszeitelf, auf Londschaftsformen wie AVald, Teich und Graben, die Geröllhalde, auf Wetter und Wolken an. An diesem Teil hat der Leser mehr Freude, weil hier nicht die Reichhaltigkeit auf Kosten der Vertiefung gehen muß. Die Bilder, die nach der Absicht oes Verfassers die Hautsache sind und die durch den Text nur erläutert werden, sind zum Teil künstterisch schön. Nur sollte man da, wo wie hier Bilder belehrenden Zwecken dienen, auf das Mittel der„künstlerischen U n- schärfe" verzichten. Für das vorliegend« Buch würde ich„gestochene Schärfe" vorziehen.— Leider sind auch einige Fehler da. Droductus horridus(Abb. 27) ist kein Seelgel, sondern ein rrruschel-,,, ähnliches Tier, ein„Armkiemer": die Pflanze auf Bild 121 ist mcht., der„gute Heinrich": was sie wirtlich ist, läßt sich nach dem h>ild nicht bestimmen. K. L'ewin. Rätsel-Ecke des„Abend". «»MMMMlMMMMUMMIMMMUNMUMUMMMUMNIIIMMMMIlIwWUlMMMUlvXlMMIMMwAMMMMIMMIll Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Nie- derländischeInsel; 5. Lebensende: ß. Tierkada- ver: 8. Weltbegrisf: 11. biblische Person: 13. Volt: 14. Schisssteil; 16. NebenflußderOder: 18. Biberseehund: 19. Stadt in der Tschechoslo- wakei: 20. Fett: 22. Ka- vallerist: 24. Münz«: 25. Abschiedsgruß: 27. Rohstoff: 28.elerttotech. nischer Begriff: 30. Berg in den österreichischen Sllpen: 31. Gebet; 32. Griechischer Buch- stabe— Senkrecht: 1. Gutschein; 2. bibl. Person; 3. Stadt am Rhein: 4. Raubvogel/ 7. so- viel wie Schmerz: 9. Geschoß: 10. dalmatinische Insel; 11 Unter- Teil der Kirche; 14. Geschwulst; 15. wird durch 18. Schwarzwild: 23. Gattung: 2b'. weibl. Vorname: 26. Stadt in Holland: 28. soviel 21. Wild: erzeugt: 17. Hausflur: _" 26. Stadt in Holland: 2«. wie zu stark: bibl. Person. 1er.) Guter Rat. 1, 2, 3, das war der Name Bon einem Herrn(nicht von'ner Dame). Er war«in etwas leidstes Huhn— Bald rächte sich denn auch sein Tun. Er wurde trank— der Arzt ihm hat Gegeben nur den guten Rot, 1, 2, 3(getrennt gesprochen). Er tat's. Es half in wenig Wochen. st. Kombiniertes Füllrätsel. Setze eine Zahl— immer die- selbe— in die dunklen Felder und ordne an Stelle der Punkte die Buchstaben /V /I /I � B BCCCCCNDDEEEE EEEEEEEEFOQG HHHHHHI1KLLLL LMNNNNNORRRR RSSSTTTTTU ÜÜ W W W W Z so ein, daß Worte folgender Bedeutung entstehen: 1. Feentanz: 2 Ein Kapital, dessen Zinsen �ur Bekämpfung politischerUmtriebe dienen sollte: 3. Tafelobst: 4. Mode in der Herrenbekleidung; 5. Betrug: 6. Das Fliegen der Feldhühner: 7. Geschäftsdiener: 8. Löse Fee: L. Notbeleuchtung. ab. Rösselsprung. P5. (Auflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Labes: 5. Edam; 6. Laus; 9. Meta: 10. Luna: 12. Elfe: 13. Kap: 15. Florin; 16. Peru; 18. Loge; 21. Tasche; 23. Zar; 24. Bett: 25. er; 26 Saar; 28. Rohr; 29. Eule; 30. Olga; 31. Birne.— Senkrecht: 1. Laterne; 2. Amalie: 3. Elle: 4. Sau; 5. Emil; 7. Unk«: 8. Saar: 11. Pfalz: 14. Puder; 16, Pistole: 17. Patron; 19. Oas«: 20. Grau: 22. Hera; 24. Brei; 27. Alb. Rösselsprung: Ererbter Name macht nur stolz die Köpf« meist, die flachen; Es wird«in Mann aus echtem Holz sich selber einen Nomen machen. A. Frankl(Unberechtigter Stolz). Silbenkreuz: 1—2 Degen; 2— 6 Genre; h— 1 Mad«: 3—2 Magen; 4—1 Wade; 4—5 Wabe; 4—6 Ware; 6—1 Rede: 6—2 Regen: 6—5 Rebe; 6—3—2 Remagen. KleineUrsache, groheWirkungen: Ann«— Pfanne. Panne. � Magisch« Figur: 1) 1. Karl: 2. Ari«: 3. TO««: 4. Lese.— TI) 1. De Ii; 2. Erie; 3. Lied; 4. jede.— ITI) l, Bali: 2. Aloe; 3. Lohn: 4. Sena.— IV) j. Deck; 2. Echo: 3. Thor; 4. Korb.— V) 1. t; 2. Sol; 3. Serie; 4. Korinth; 5. Linde; 6. etd; 7. h. Nr. 241 47. Jahrgang Sonnabend 24. Mal 1930 Zum Tode max uailers Von Willy Loy Die Versuche, das Problem der Raketenfohrt zu lösen» haben ihr erstes Opfer gefordert. Am 17. Mai wurde Max Bali er, der Erfinder des Rückstoßwagens, Mitbegründer und Vorstandsmitglied des„Vereins für Raumschiffahrt", von den herm» fliegenden Stohlsplittern einer explodierenden Flüssigkeitsdüfe schwer verletzt, so daß er kurze Zeit darauf starb. Max Dalier wurde im Jahre 18SS In B o z e n in Tirol geboren, besuchte das Gymnasium der Franziskaner und legte 1913 sein Abiturientenexomen ab. Gleichzeitig erhielt er das Gesellenzeugnis als gekernter Feinmechaniker, eine Lehre, die ihm oft später viel genützt hat. Durch den Krieg wurde er verhindert, ein regelmäßiges Studium durchzuführen, wie er es beabsichtigt hatte und mußte die Bank m> Hörsaal irrit dem Schemel in der Kaserne vertauschen. Nach Kriegs- ende aber warf er sich wieder mit Eifer auf die Wissenschaft, und zwar vor allem auf die Astronomie.(Vor drei Wochen hielt er noch hier in Berlin einen Vortrag über den neuen Planeten.) Sein Interesse für die Astronomie und sein schriftstellerisches Talent machten es für ihn selbstverständlich, daß er populärwissenschaftlicher Schriftsteller wurde. Seine ganze Liebe in dieser Zeit galt der Astronomie und insbesondere der im astronomischen wurzelnden Welteislehre des Wiener Ingenieurs Hanns Hörbiger. Aus dieser Beschäftigung erwuchs neben einer Reihe von kleineren Btoschüren, von denen manch« auch philosophische Anklänge zeigen, das große in Leipzig erschienene Buch„Der Sterne Bahn und Wesen". Dann aber kam der Umschwung in seinem Leben. In München lernte er damals die soeben erschienene Broschüre von Professor Hermann O b e r t h,„Die Rakete zu den Planetenräumen", kennen. Mit Feuereifer stürzte er sich auf das in diesem Buche zum ersten Male genial aufgerollte Problem der Weltraumsahrt, er setzte sich sofort mit dem Verfasser(Oberth) in Verbindung und wurde mit seinem schmissig hingeworfenen„Vorstoß ln den Weltenraum", der inzwischen fünf Neuauflagen erlebt Hot. der erst« Popularisawr dieser modernsten technischen Probleme. Wie es aber geht dabei, der„Vorstoß in den Weltenraum" fand seinen Publikumserfolg, der Erfolg bei den maßgebenden Stellen blieb aus. Seinen Grund hatte das in einer Reihe von Irrtümern und Fehlern— besonders auch unter den Abbildungen—, die Oberth aus der Entfernung her nicht alle hatte verhindern können, und die Valier auch allein nicht hatte vermeiden können. Diese Fehler hatten aber den Erfolg, daß man Valiers Rotetenideen an maß- gebender Stelle ignoriert«. Er selbst schrieb mir damals, daß man ihn gewissermaßen von allen Seiten angefahren hätte, seine bis- herigen Freunde von der Welteislehre rüffelten ihn, er verdürbe sich durch die Raumrakete seinen Ruf als ernster Schriftsteller, die Gegenseite aber nahm ihn noch seinen eigenen Worten als Raketen- mann nicht ernst, weil er sich einmal mit der Welteislehre befaßt habe. Jedenfalls war Dolier in Zukunft die Rakete wichtiger als alles andere, doch sollte es auch hier noch einmal zu einer Disferenz führen. Man wgr sich in den Kreisen» die sich mit der Raketen- forschung befassen, darüber klar, daß des Strebens letztes Ziel das Raumschiff sein werde. Man war sich auch klar darüber, daß zu Beginn erst einmal eine gut und einwandfrei arbeitende Flüssigkeitsdüse geschaffen werden müsse. Der Streit, der einsetzt«, drehte sich um die Zwischenstufen, Oberth und die mit seinen Plänen sympathisierenden Forscher und Techniker gaben als Weg zum Raum- schiff den, gewissermaßen von Anfaikg an kleine Raumschifte zu bauen, senkrecht steigende Flüssigkeitsraketen, die erste für nur einen Kilometer, die nächste schon für zwanzig Kilometer Höh« und so fort: wobei dann nebenher auch die Postrakete nach Amerika ent- stehen mußte. Valjer meinte, einen anderen Weg gefunden zu haben und wollte erst Automobile, dann Flugzeuge mit Raketenantrieb ausrüsten und vom Flugzeug her„in Originalgröße" zum Raum- schiff kommen. Daß dieser Weg teurer und auch ungünstiger ist, als der erste, ist damals in allerlei Fachschristen diskutiert worden. tut aber hier nichts zu Sache. War man sich schon darüber uneinig, so kam es zum offenen Bruch, als Dalier sich sagte, daß es gut sei, die Versuche mit Pulverroketcn zu beginnen, solang« man noch kein« Flüssigkeitsraketon habe.* Das geschah ja denn auch bei den O pe l ve r su che n, die Valiers Namen in aller Welt berühmt machten und auch bei den folgenden Versuchen der Rhön-Rossitten-Gesell- schaft mit raketengetriebenen Segelflugzeugen, wovon die Oeffentlichkeit sonderbarerweise keine Notiz nahm. Immerhin war sich Valier selbst bewußt, daß diesen Versuchen nur ein geringer wissenschaftlicher Wert und gor kein praktischer Zweck innewohnte, er brachte es aber einfach nicht fertig, zu warten, bis es eine Flüssigkeitsdüse geben würde. Und das ist ja auch erst seit vielleicht einem halben Jahre der Fall. Die letzten Versuche, die Valier machte, schlugen nun wieder ganz in die Lmi« seines ursprünglichen Programms. Den Rem»- wagen und das Flugzeug mit Antrieb von Raketen zu schaffen, aber diesmal mit Flüssigkeitsrak�en. In den Heylandwerken hatte er dabei einen Protektor gefunden. Sein erster Wagen mit diesem Aittrieb lief bekanntlich Mitte April auf dem Tempelhofer Feld. Für den„Verein für Raumschiffahrt", zu dessen Vorstand Valier neben allen anderen Forschern natürlich auch gehört«, ist dieses Unglück besonders tragisch, denn Dalier verunglückte bei Vor- versuchen seines zweiten Wagens mit FlüssigkeitsraketenaMrieb. der Ende des Monats vom„Verein für Raumschiffahrt" anläßlich der ßtugwerbewoche gezeigt werden sollt«, Ufirtschaftiiciies Fliegen Der Diesefflugmotor, dessen Bild hier erstmalig in Europa veröffentlicht wird, ist das neueste Erzeugnis der amerikanischen Automobil- und Motorenwerke Packard. Diese Firma besaßt sich schon seit Iahren mit dem Problem der Verwendbarkeit von Diesel- motoren als Antriebsmittel für Flugzeuge. Das Modell ihres Dieselmotors ist ein luftgekühlter Sternmotor mit neun Zylindern und 226 Leistung. Schon im Frühjahr 1929 hatten sie damit schöne Erfolge erzielen können. Ihr neuestes Fabrikat in einen regulären Stinson-Verkehrseindecker eingebaut, flog am 9. März d. I. unter Führung des Piloten Walter L e« s mit Kapitän L. M. W o o l s o n als Motorenkonstrukteur und"anderen von Detroit(Michigan) nach Miami(Florida) in 10 Stunden 16 Minuten. Die zurückgelegte Strecke betrug 1860 Kilometer, so daß die durch- schnittliche Reisegeschwindigkeit 180 Kilometer pro Stunde betrug. Di« Kosten für Betriebsstosfoerbrauch belieien sich bei diesem Fluge beispielsweise auf nur 32 Mark! Das sind bei sechs Personen 17,3 Pf. auf den Flugkilometer, oder auf die Person umgerechnet, 6,33 Mark für die ganze Strecke von 1850 Kilometer oder pro Person und pro Flugkilo meter noch nicht einmal 3 Pf. Treffender und besser als � durch bitfa Argumente kann die Ueberlegenheit des Dieselmotors als Antriebsmittel für Aer- kehrsflugzeuge über unseren landläufigen Benzinmotor nicht illustriert werden. Das steht jedenfalls fest, daß mit dem Auftreten eines betriebssicheren, allen modernen Anforderungen gewachsenen Dieselflugmotor die gesamte Luftfahrt revolutioniert wird�ind durch denselben auf schnellstem Wege die lange ersehnte Wirtschaftlichkeit erzielt werden wird. Aus den Motor selber wird an dieser Stelle in Kürze näher eingegangen werden.\V. Hamischkc. Max Valier ist nun tot— sein Name aber wird für die Welt- raumfahrt dos bedeuten, was Lilienthals Name für die Luftfahrt bedeutet, den eines> mitigen Pioniers, der mit unvollkommenem Material und auf ein unerhörtes Risiko hin sein Leben für die Idee einsetzte, für die er stritt.' neue Wege im nelzanodenbau Ein billiges uolksgerbi top die wemtbiige BeeölHtpung Völlig neue Konstruktionsprinzipien weist ein« feit kurzem auf dem Markt erschienene Netzanod« auf, die zum ersten Mole das Siebkettenfystem verläßt und eine im In- und Auslände geschützte Schaltung verwendet, die sich im wesentlichen auf Gcgeninduktion ausbaut. Noch vierjährigen Laboratoriumsversuchcn ist es der Widerstandsfabrik„Panadi" m Berlin gelungen, auf Grund des neuen Prinzips ein« ganz wesentlich kleinere Netzanode herzu- stellen als chie bekannten, die in der Anschaffung nur«inen Teil von ihnen kostet und auch im Betrieb« ganz ungleich billiger ist: denn der Stromverbrauch kostet im ganzen Monat nur einige Pfennige, Die Panadi-Netzanode scheidet di« Störungen beim Gleichstrom wie auch beim gleichgerichteten Wechselstrom aus und macht ihn dadurch als Anodenstrom geeignet. Man hat auch die Möglichkeit, zwei Gitterspannungen ebenfalls aus dem Netz zu erhalten. Ein« weitere Eigentümlichkeit der Panadi-Anode besteht darin, daß sich di« Anodenspannungen entsprechend den jeweils verwendeten Empfänger- röhren diesen automatisch anpassen. Dem Fachmann fällt sofort auf, daß die Glättung der Stromungleichheitcn, also di« Siebung von Unreinlichkeiten unabhängig von der zu lefftenden Energiemenge ist und sehr große Lefftungen mit nur verhältnismäßig kleinen Appa» raten erzielt werden. So kann man bei der Verwendung dieser Netzanschlußanod« aus dem Gleichstromnetz mis zu 36 �lA. fertigen Anodenstrom bei etwa 160 Volt Anodenspannung entnehmen. Diese Leistung wird auch jedem Bastler sofort erkenntlich. Dies« Netzanode besitzt auch, wie gesagt,«ine außei ordentlich groß« Wirtschaftlichkeit, da sie keinen L«-rlausstrom verbrauch.-. Denn sie arbeitet nicht nach dem Spt—nungeteilungsprinzip und entnimmt nur den Strom aus dem Netz, der tatsächlich von dem Radioapparat als Anodenstrom benötigt wird.' Das ist bekanntlich bei den meisten Netzanodcn nicht der Fall; denn von den 100 bis 200 und noch mehr Milliampere, die als Anodenstrom angegeben werden, werden in Wirklichkeit nur 15 bis 26 Milliampere für die Anodenfpeifung gebraucht und ab- gezweigt, während der Rest, also da» Vielfache, von dem Spannung»- teiler und ähnlichen Instrumenten verbraucht wird. Alle» da» fallt aber bei der neuen Anode fort. Die einmalige Ausgabe der An- schaffung erübrigt die kostspielig« Miuerergänzung der Anoden- batteri«. n.». ein eroeuersuch mit dem Ruthspeitfer Als Abschluß sechsjähriger Entwicklungsarbeit wurde im neuen Ruths-Kraftwerk Chavlottenburg der Berliner Städtischen Elettrizi- tätswerke vor kurzem mit glänzendem Erfolg ein Großversuch durch- geführt, durch den erprobt werden sollte, in welcher Zeit in Störungssällen die Leistung von Reservemaschinen zur Verfügung gestellt werden kann. Es wurde künstlich eine Stromstörung ver- ursacht, wobei die bisher unbelastete Ruths-Turbine in wenigen Sekunden eine Ueberlast von. 26 000 Kilowatt bewältigte, ein Vor- gang, der in gewöhnlichen Kraftwerken mehr als eine Viertelstunde beansprucht. Der Bau der Ruths-Spcicheranlage, die auf der Ev- sindung des schwedischen Ingenieurs Johannes Ruths beruht, welcher Dr. H. c. der Technischen Hochschule Chariottendung ist, wurde in engster Zusammenarbeit mit führenden deutschen'Elektrizitätssirmen und den Berliner Städtischen Elektrizitätswerken durchgeführt und der gelungene Versuch hat den Beweis erbracht, daß dieser Krast- werkstyp die Stromlieferung für Beleuchtung, Verkehr und Industrie auch unter den widrigsten Umständen absolut sicherstellt, wenigstens soweit das am Kraftwerk liegt. Der Erfolg ist um so bemerkens- werter, als das Ruths-Werk sich als das wirtschaftlich billigste Kraft- wert für Spitzenleistungen in bezug aus Stromiieferung erwiesen hat. Seit dem Jahre 1924 sind kleinere Anlagen dieser Zlrt in den meisten deutschen Kraftwerken für elektrische Zugsörderung mit Erfolg cln- geführt worden, so für die Hamburger Hochbahn, für di« Reichs- bahnkraftwerke in Altona zur Versorgung der Homburg— Altonaer Vorortbahn, ferner in Muldenstein i. Sa. für die mitteldeutschen und in Mittelsteine für die schlesischen elektrischen Reichsbahnstrecken. Die neue, Berliner Anlage mit ihren 16 Dampfspeichern ist mit ihrer Gesamtleistung von 60 000 Kilowatt zehnmal größer als jede bisher gebaute, und sie wird als die größte der Welt ein«, der technffchen Kulturwerte sein, das Deuffchland auf der diesjährigen in Beilin tagenden Welttraftkonferenz dem Ausland« zu zeigen hat. Normentagung Im Saargebiet. Vom 22. bis 24. Mai fand i» Saarbrücken eine Tagung des Ausschusses„Einfühning der Normen in die Praxis" statt, zu der außer der Stadt Saarbrücken all« technisch-wissenischaftlichen Körperschaften des Saargrbiets eingeladen hatten. Die Veranstaltung brachte Vorrräg« über betriebsmissenschast» liche Fragen und über die Einfühnrng der Normen auf den ver- schieden«» Gebieren. Anschließend an di« Sitzungen«rsolgten Be- sichtigungen verschiedener Industrie- und Hüttemverkc des Saar- gebiets. Gro�organisation der Arbeitersportler ATSB hat über dreiviertel Millionen Bundesangehörige! Einfach und schlicht nennt sich die 320 Seiten umfassende Broschüre der Bundesleitung des Arbeiter-Turn- und Sportbundes �Geschäflsbericht 1928/2 9". wer sich aber mit dem In- hall dieses Buches beschästigl, muh anerkennen: ein besseres, die ge- samle Arbeiler-Turn- Wd Sportbewegung widerspiegelndes Werk gibt es nicht. Es ist das Za h r b u ch. das in kurzen Berichte» und übersichtlich zusammengeflelllen Zahlen materiell von der fest- gefügten, durch nichts zu erschütternden Organisation: dem Arbeiter- Turn- und Sportbund berichtet, wie sonder- bar wirkt das Gestammel der kommunistischen Phrasendrescher, die bekanntlich den Bund mit alle» seinen groharligen Einrichtungen nach den Methoden rechtsstehender Reaktionäre bekämpfen, wenn wir lesen: Vesland am 1. Zanuor 1930;= 731 671 Bundesangehörige cinschlichlich 178 342 Kinder! Von den einzelnen Kreisen marschiert der 4. Kreis(Sachsen) Miit 124 090 an erster Stelle, während der 1. Kreis(Brandenburg) mit 27 628 an achter Stelle rangiert. Interessant sind die Zahlen resp. das Verhältnis der einzelnen Sparten: Turner(einschließlich Handballspieler und Leichtathleten)....... 381 366= 68,92 Proz. Wassersportler......... 47 496— 8.S9 Fußballspieler......... 124 476= 22,49„ Gerade die Fußballspieler, gegen die sich die Zlngrisfe der kom- nrnnistischen Einheitsapostel richteten, haben z u genommen! Der Bund, der ja bekanntlich von den kommunistischen Helden total zerschmettert werden sollte, schloß nach den Beschlüssen des letzten Bundestages in Leipzig 33 264 Mitglieder wegen bundcs- schädigenden Verhaltens aus. Nachdem endlich diesen notorischen Wühlern die Tür gewiesen wurde, ging es erfreulicherweise wieder allmählich vorwärts, so daß am 31. Dezember 1929 dem Bund b8ll Vereine(31. Dezember 1928: 6892 Vereine) angehörten. Nach Zllterci.'lassen zählt de.- Bund am 1. Januar 1930: 14 bis 18 Jahre: 132 860, 18—20 Jahre: 94 798, über 20 Jahre: 325 671: dazu Knaben: 98 166, Mädchen: 80176. Di« U n f a l l st a t i st i k ist ein Kapitel sür sich. Die Gesamt» sumnie der lliisallunterstützung betrug 1929: 188 795,80 M. Davon entfielen auf Turnen(einschließlich Handballspieler und Leichtathleten) 41,6 Proz., auf Fußballspieler 55,3 Proz.. auf Wassersportler 3,1 Proz. In diesem Jahre waren bis 25. März bereits 2042 Unfälle neu gemeldet. Das sind bereits 706 Meldungen mehr als im 1. Quartal des Borjahres! Die!« kurz genannten Ziffern verpflichten jeden einzelnen, mehr Umsicht und Unterstützung als bisher walten zu lassen. Der Gesamtwert des vereinseigenen Bc> sitzes hat die stattliche Höl>« von 17 750 200 M. erreicht und zeugt gleichzeitig von dem großen Opf«rsinn aller Mitglieder. Der Arbeiter-Turnverlag, der über mustergültige Einrichtungen verfügt, schließt mit einem Reingewinn von 71 817,94 M. ab, ein Beweis für die Güte und Preiswürdigkeit aller Warelt, die in den verschiede- nen Stadtfilialen des Bundes zum Verkauf stehen. Eine der inter» essantesten Uebersichten sind die Abschnitte mit den technischen Berichten. Genau« Tabellen lasten die Zahl der einzelnen Lehr- stunden, Kurs« usw. mit ihren Teilnehmern erkennen, während die Zusammenstellung der Vereinsfragebogen über di« Uebungstätigkeit in den Kreisen Aufschluß gibt. Dasselbe trifft auch für dos große Gebiet der Leichtathletik zu. Auch das Frauen, uud Kinderturnen findet«ine entsprechend« Würdigung. Dob«i wird mit Recht betont, daß den Leibesübungen unserer weiblichen Arbeitskolleginnen und besonders auch dem Gebiet des Kinder turnens mehr Be- achtung gewidmet werdcn müßte. Dos Handballspiel hat innerhalb des Bundes gewallige Fortschritte gemacht. Die„Einheitspolitik" der Kommunisten brachte dem Bund 7 19 5 neu gemeldete Hondballmannschoften. Auch Tennis und R a f f b a l l haben sehr viel« Anhänger. Die Fußballspieler erhöhten die Zahl ihrer Mitglieder- Mannschaften von 7339 auf 8 0 6 3! Der Spielbewegung sind inner. halb des Gesamtberichts 80 Seiten gewidmet,«in Zeichen für die Beachtung dieses Gebiets bei der Bundesleitung. Von den Wassersportlern hören wir, daß der Arbeiter. Wasserrettungsdienst besonders ausgebaut wurde. Unsere mutigen Rettungsschimmer haben unter Einsatz des eigenen Lebens 1928 und 1929 insgesamt 1349 Menschen vom Ertrinkungstod befreit! Die Deutsche �Lebensrettungsgesellfchaft kann für denselben Zeitabschnitt nur 62 Fäll« aufweisen. Auch die Zahl der Wafserfahrer hat sich um 56 Proz. auf 9000 erhöht Auch hier rvden die Tabellen mit wohlgeordneten Zahlenreihen eine beredte Sprache. Der st a t i st i s ch e Bericht bringt auf 130 Seiten den Mitgliederbestand und Uebungsbetrieb innerhalb des Arbciter-Turn- und Sportbundes für die Zeit vom 1. Januar bis 31. Dezember 1929. In einein kurzen Anhang erfahren wir dann noch, daß bis zum 15. April dieses Jahres bereits 227 Vereine mit 6406 Mit- gliedern neu eingetreten find. Die Zeit des außerordentlichen Kampfes der letzten Jahre gegen «in« geifernde Meute, die sich nicht scheute, die allerniedrigsten und schmierigsten Methoden anzuwenden, scheint vorüber zu sein. Die Maulhelden im kommunistschen Lager sehen ihr Häuflein immer mehr zusammenschmelzen. Diese Landsknechtsgarde zerfleischt sich zum Schlüsse noch selber, weil jeder dem anderen mißtraut und ihn einen Renegaten schimpft. Der Arbeiter-Turn- und Sportbund ober hat diese Zeitspanne glänzend überst inden und wsrd auch in Zukunft dank der unermüdlichen Tätigkeit aller seiner Funktionäre und Mit- glieder di« Graßorganisation der turn- und sportfreudigen arbeiten- den Klasse fein!— i— Eröffnung dcr�AWA" Die Wassersporlsdiau am Templiner See Die Stadt Potsdam hat mit Unterstützung der interessierten Wassersportverbände auf ihrem schönen Sport- und Wiescngelände am Templiner Sc« die Allgemeine Wassersportausstellung, die sechste ihrer Art, eröffnet. Die Motorboote nehmen den größten Raum ein:' meist schmucke Fahrzeuge, die oft gefällige Einfachheit vermissen lassen. Man baut noch zu sehr für das Auge und um «inen Komfort unterbringen zu können, der selten geschmackvoll wirkt. Das Segelboot ist aus nicht geklärten Gründen fast gär nicht vertreten. Man behauptet, es uxrde nicht„gefragt". Sonst sind alle Arten und Typen!, vom kleinsten Zlußenbord bis zum größten seetüchtigen Kreuzer da. Aber auch di« Bootswerften für Ruder- und Paddelboote zeigen viele Stücke. Ferner befindet sich zum ersten Male ein Segelschlitten, eine Konstruktion des be- kannten Rigaer Preiss«glers Tepper-Ogonken, unter den Aus- stcllungeobjekten. Die Zubehörindustrie stellt alles aus, was sich irgendwie mit dem Wassersport verbinden laßt, wozu bekanntlich auch Würstchen und Apfelsaft gehören. Dann wird auch anderes gezeigt, z. B. der Kampf gegen di« Infekten— lies Mücken und Schnaken—, den die PreußifcheLandesanstalt für Boden-, Wasser- und Lusthygiene zeigt. Ein Kampf, für dessen Verständnis in den weitesten Kreisen geworben werden muß. Die Arbeit, die der Jugend geleistet wind, zeigt die Sonderausstellung"des Protektoren- Verbandes der preußischen Schülerrudcrvereine, der anläßlich seines 50jährigen Jubiläums in einer besonderen Abteilung seine Arbeit vor Augen führt. Das preußisch« K u l t u r b a u a m t Potsdam bringt ein« Sonderausstellung von Schöpfwerket zusammen mit seiner Abteilung Neustadt a. d. D., Modelle, die vielen erst verständ'- lich machen werden, wieviel Sorgsalt und Arbeit dazu gehört, einen Wasserweg befahrbar zu halten. Lehrreich ist auch die Ausstellung der Verwaltung der märkischen Wasserstraßen:„Das richtige und falsche Positionslicht." Auch die Modellschule zeigt maßgerechtc Mo- dclle, darunter viele neue. Di« Ausstellung, die sich auch den hier ungewohnten Luxus einiger schwarzrotgoldener Fahnen leistet, scheint sonst immer noch unter der schwarzweißroten Devise zu stehen, was die Ansprack-e eines zur Vorbesichtigung geladenen Motorbootsportlers zur Genüge be- wies: Hymnus auf. Schwarzwoißrot— ganz ungeniert, wie zu Wilhelms glorreichen Zeiten. Arbeiter-HandbaU Am heutigen Sonnabend spielen Kaulsdorf I.Männer gegen FTGB.-Neukölln 1 um 18� Uhr in Kaulsdorf, Köpenicker Chaussee, und Köpenick 2 gegen FTGB.-Süden 2 um 19 Uhr im Köpenicker Stadion. Am Sonntag spielen im Neuköllner Stadion von FTGB.» Neukölln die 2. Jugend gegen Kaulsdorf 1 um 9,20 Uhr: die 2. Frauen gegen Berlin 12 I um 10K Uhr; die 3. Männer gegen Berlin 12 II um 11,20 Uhr: die 2. Männer gegen Berlin 12 I um 13,40 Uhr, und die 1. Frauen gegen Kaulsdorf um 14,50 Uhr. In Nauen spielen um 14 Uhr Ketzin gegen Velten 3 und. Baum- schulenweg 2 gegen Velten 2: um 15.10 Uhr FTGB.-Süden-Jugend gegen Velten und Nauen 1. Mäner gegen FTGB.-Nordost 1; um 16,15 Uhr die gleichen 2. Männer: um 16,20 Uhr Baumschulenweg (Frauen) gegen Velten; um 17,10 Uhr Wilmersdorf 1. Männer t gegen Velten 1 und um 17,20 Uhr FTGB.-Spandau 1. Männer gegen FTGB.-Baumschulenwcg 1; FTGB.-Nordring-Turner spielt auf deni Platz an der Schönhauser Allee um 10,10 Uhr mit der 2. Männermannschaft gegen Kalkberge 1; uni 11,20 Uhr mit der 1. Männennannschast gegen Bornstedt und um 12'A Uhr mit den Frauen gegen lllordost. Mahlsdorf hat auf denr Platz an der Hönower Chaussee FTGB.-Osten als Gegner. Die 1. Männer spielen um 14 Uhr und die Frauen um 15,10 Uhr. Zum Gruppen- sportsest in Fichtenau spielen Fichtenau 1 gegen Köpenick 2 um 11 Uhr und Köpenick 1 gegen FTGB.-Friedenau 1 um 16 Uhr. FTGB.-Lichtenberg(Jugend) hat sich um 14 Uhr in der Kynast- straße Frankfurt a. d. Oder verpflichtet. In Kaulsdorf spielen FTGB.-Südost(Frauen) gegen FTGB.-Adlershof um 14,10 Uhr und Kaulsdorf 1. Männer gegen Südost 1 um 15 Uhr. In Lank- witz spielen FTGB.-Lonkwitz 1 gegen Osten 3 um 10 Uhr und Friedenau 2 gegen Charlottenburg-Schwimmer 1 um 15 Uhr. Weitere Spiele sind: Teltow gegen Wilmersdorf 2 um 15� Uhr in Teltow; Friedrichsthal gegen Tegel in Oranienburg um 16 Uhr und Strausberg-Schwimmer gegen Fußballklub Obcrspree um 15 Uhr in Strausberg. Am Grünauer Badestrand Neue Waldwege vorn Bahnhof zum Freibad Das Strandbad Grünau präsentiert sich den badelustigen Ber- linern in diesem Sommer mit einem bedeutend erweiterten Strand, da sämtliche dort befindlichen Verkaufsbuden das Feld räumen mußten und anderweitig placiert wurden. Wirtschafts- gebäude und Umkleideräume voni Strandbad Wannjs«, die dem dortigen Hochbetrieb nicht mehr genügten, sind noch Grünau geschafft worden, während im bisherigen Wirtschaftsgebäude die Räume für den Sanitäts- und Wasserrettungsdienst und di« Verwaltung unter- gebracht wurden. Dem Schwimmsport wurde durch eine besondere Schwimmbahn und mehrere Sprunganlagen Rechming ge- tragen. Die Frequenz des 22 500 Quadratmeter großen Bades, dos sich seit dem Vorjahre in städtischem Besitz befindet, nennt bisher di« stattliche Ziffer von 140 000 Badegästen. Man ist fleißig am Werk, die vom Bahnhof Grünau zum Strandbad führenden Wege fertigzustellen, damit die Besucher auf abseits der Verkehrsstraße ge- legenen Waldwegen in kurzer Zeit ans Ziel gelangen. Der Sani- tätsdienst wird von den Arbeitersamaritern, der Wasser- rettungsdienst von den Freien Schwimniern Groß- Berlin durchgeführt. Malerisch präsentiert sich das Strandbad als ein richtiges Kleinod märkischer Naturschönheit. Vom anderen User grüßen die Müggelberg« mit ihren Aussichlstürnien. Hunderte von Booten ziehen ihre Bahn nach Krampenburg, d»m Zeuthener See, darüber hinaus nach Teupitz und ins romantische Gebiet der Dubrow. Maiireffcn in Zehlcndorf Die„Freie Turn- und Sportvereinigung Zehlendorf" veranstaltet in Gemeinschaft mit der SAJ. und den Kindersreunden am Sonntag, dem 25. Mai, ein Maitresfen in Zehlendorf. Pünktlich 12 Uhr findet eine Morgenfeier in den „Zehlendorfer Lichtspielen", Potsdamer Str. 50, statt, bei der die Filme„Kinderrepublik Namedy" und„Das erwachende Aegypten" laufen. Musikalisch wird die Feier von dem ausgezeichneten Streich- orchester der Berliner SAJ. umrahmt. Um 14% Uhr ist Antreten zur Demonstration mit Musik durch Zehlendorf(Abmarsch: Pols- damer Straße. Ecke Königstraßc). Auf dem Sportplatz am Sieben- endenweg findet um 16 Uhr die Erösinungskundgebung statt, oit die sich Spiel und Sport anschließen. Kasperletheater, ein Hans-Sachs- Spiel, Maifestspiel, Handball, Völkerball, Faustball, Volks änze der SAJ. füllen das Programm. Bei Eintritt der Dunkelheit spricht Genosi« Erispien zur anwesenden Arbeiterfchast, und mit zwei Kapellen geht e-- zum U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte und zum Wonnseebahnhof Aehlendorf-West. Di« Berliner Arbeiters bast, die einen Ausflug nach dem Grunewald machen will ist herzlirfv ein. geladen. Vom U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte und Krumme L'nke führen Wkgweifer zum Sportplatz. Für die Morgerscier weihni Karten für 50 Pf.(Kinder 25 Pf., Erwerbslos« frei) an der Kasse ausgegeben._ Abendsporlsest im Friedrichshain. Um eine Heerschau über die Leistungsfähigteit der Sportler der Freien Turnerschaft Groß-Berlin zu holten, wird am Mittwoch, dem 2 8. Mai, 18.30 Uhr. im Friedrichshain ein internes Abends portfeit veranstaltet. Da dieses gleich mit als Vorprobe für das„Bundesoffene" de» A.G.C, sein soll, so ist es eine Selbstverständlichkeit, daß olle Sportbezirk« mit den besten Krästen erscheinen werden. Starten ffit«rbrtterfpart»ad Stärperplleg«, fcrtirt 1», geyenhotf.®ia Genossen brtrtligkn sich möglichst restlos an bet Demonstration der sozialistischen Iugendoerbande in.Zehlendorf. Trcsfpunlt 14', Uhr Potsdamer E