BERLIN Dienstag 27. Mai 1930 10 Pf. 71t. 245 B 122 41. Jahrgang erscheint täglich außer Ganotag«. Allgleich Abendausgade de«.Vorwirt«'. Deiugsrret« beide Ausgaben SS Pf. pro Woche,»,soM. pro Monat. kedaktioo und Expedition-, BerlinSWes.LindenKr.» „IbuotMi' nietgenoret«: Die einspaltige Noiipareillcleil« «0 Pf.. Zleklameieile b M. Ermäßigungen nach Tarif. »stscheckkonto: Dorwärts-Verlag G. m. d. H., Berlin Nr. 87536. Fernsprecher: Dändoff 292 bt« 297 Das Geheimnis um Brüning. Was wird aus den Michsfinanzen? Während in den letzt«« sechs Wochen die Regierung Brüning es sich ots größtes Verdienst angerechnet Hot. daß ihr entschlossenes Verhallen die Finanzen des Reichs saniert habe und dadurch eine Steuersenkung von mindestens 600 Millionen Mark für das Jahr 1931 absolut gesichert sei, muß sie jetzt eingestehen, daß weder das eine noch das andere zutreffend ist. «selten sind bombastische Erklärungen einer Regierung so schnell und so kläglich zusammengebrochen. Die höhe des Fehlbetrages wird von der Regierung auf 737 Millionen Mark angegeben. Dieser Betrag setzt sich zusammen aus 430 Millionen für die Arbeits- losenversicherung, ISO Millionen für die Krisenfürsorg« und 137 Mil- lionen für Mindereingänge aus Steuern und Zöllen. Die Schätzung dieser Fehlbeträge ist willkürlich. Es entzieht sich im Augenblick jeder Beurteilung, ob die tatsächliche Entwicklung diese Fehlbeträge vergrößert oder verkleinert. Langsinn lüftet sich der Schleier des Geheimnisses über die Finanzpläne des Kabinetts Brüning. Während Herr Treui- ranus gestern noch in einer Versammlung in München erklärte, die Regierung werde von allen Kreisen der Bevölkerung Opfer verlangen,- hatte der Reichsarbeitsminister Dr. Stegerwald bereits am. Sonntag mitgeteilt, die Regierung beabsichtige nur Er- höhungen der Massen Verbrauchssteuern bei gleich- zeitiger Senkung solcher Steuern, die� die Kapitalflucht begünstigen. Das scheint auch die Absicht der Gesamtregierung zu sein, die sich heut« Nachmittag mit den Deckungsoorschlngen des Reichssinanz- Ministers Dr. Moldenhaucr beschäftigen wind. Zur Deckung dieser Fehlbeträge sind folgende Bor- schlägt geplant: Bei der Arbeitslosenversicherung sollen für die restlichen neun Monate des Rechnungsjahres 220 Millionen aus einer einprozentige« Beitragserhöhung und 90 Millionen aus der Kürzung der Leistungen erzielt werden. Weitere 90 Millionen werden erwartet aus der Verlängerung der Kontingentierung der Zigaretten- fteucr auf fünf Jahre, etwa 100 Millionen durch eine weitere Erhöhung dcr Umsatzsteuer um'4 Proz. und 100 Millionen durch ein Notopfer der F e st b c s o l d c te n. Die dann noch fehlenden ISO Millionen sollen durch Verkauf von Vorzugsaktien der Reichsbahn aufgebracht werden. Man wird abwarten können, ob das Reichskobinctt sich heute dies« Vorschläge zu eigen machen wird. Daß es dabei auf große Miderftände in den Regierungsparteien stößt, hat der Verlauf ihrer gestrigen Fraktionssitzungen deutlich ge- zeigt. Das Kabinett plant deshalb, um die eigenen Parteien von der Verantwortung zu entlasten und der sonst ziemlich sicheren Niederlage im Reichstag zu entgehen, einen Teil der Deckungsvorlagen in die Form der Ermächtigung zu kleiden, durch die der Regierung die Vollmacht gegeben wird, die Steuer- e.-höhungcn in der ihr zweckmäßig erscheinenden Form und zu dem von ihr gewählten Zeitpunkt vorzunehmen. Die Vorschläge selbst zeigen, daß jede soziale Erwägung bei ihnen ausgeschaltet ist. Obwohl sich im Zentrum dauernd gewichtige Stimmen dafür aussprechen, daß auch die Leistungs- fähigen Schichten zur Sanierung de: Finanzen mit herangezogen werden sollen, ist dieser Gedanke vollkommen preis- gegeben. Statt des Notopfers der Leistungsfähigen erscheint das Notopfer der Festbesoldetcn in einer Form, die die größten II ngerechtig leiten enthält. Bei den Einkommen van 3600 bis 8000 Mark soll die prozentuale Belastung gleich hoch sein: die tatsächliche Belastung wäre also bei den kleinen Einkommen größer als bei den höheren. Bei den Einkommen über 8000 M. aber soll nur der lohn- steuerpflichtige Teil des Einkommens dem Notopfer unterliegen. Das bedeutet, daß dos Notopfer.sür oie hohen Gehaltsempfänger nur erhoben würde von ihrem Gehalt, aber nicht von ihren Neben- bezügen oder sonstigen Kopitaleinkommen, so daß damit de? Steuerhinterziehung TürundTorgeöffnet würden. Noch größer aber wäre die Begünstigung der großen Gehalts- pmpfänger, wenn es zutrifft, daß oas Rotopser nur von der Lohnsteuer, nicht auch von der veran-- tagten Einkommeirsteuer erhoben jvcrden soll. Dann wäre die prozentuale Belastung der hohen Ein- kommen nur ein Bruchteil der Belastung bei den kleinen Lohn- »nd Gehaltsempfänger! Oer Keuerkampf bei Neuhöfen. Genauer Bericht aus der Grenzgegend. Aus der westpreußisch-polnische» Grenzgegend erhalten wir folgenden Bericht, der auf sicheren Feststellungen beruht: Der Grenzzwischenfall bei Neuhofen, Kreis Marienwerdcr, hat sich entgegen den völlig entstellten Berichten der Warschauer Regieningspresse völlig auf deutschem Boden abgespielt und stellt eine äußerst schwere Grenzverletzung durch den polnischen Grenzdienst dar. Ncuhösen liegt an der Ehauffec, die über die im Laufe des letzten Jahres abgebrochene Münsterwalder Weichselbrücke nach Münsterwalde sjotzt Polen) sührte. Bon der Brücke stehen zur Zeit nur noch drei Pfeiler im Fluß, der Per- kehr wird durch eine Fähre aufrecht erhalten. Außer dem Haupt- deich am rechten Ufer der Weichsel liegt im flachen Bogen um den Brückenkopsicherum ein zweiter Deich mehr nach dem Landinnercn zu. Die Grenze, die allgcinein östlich der Weichsel läuft, so daß überall ein schmaler' Streifen polnischen Territoriums den Fluß einsäumt, zieht sich an dieser Stelle zwischen den beiden Deichen hin. Auf dem Kamm des zweiten(deutschen) Deiches steht an dem genannten Wege, etwa 30 Meter von der Grenze entfernt, ein deutsches Zoll- hllfsgebäude, in dem im allgemeinen zu den Zeiten des Fähr- Verkehrs deutsche Grenzbeamte zur Kontrolle der die Grenze- Passierenden stationiert sind. Zwischen den beiden Deichen, immer noch etwa lö Meter von der Grenze entfernt, ist ein Schlagbaum über den Weg gelegt. Am Sonnabend, gegen 9 Uhr abends, drangen nun zwei unifor. mierte Beamte der polnischen Grenzwacht in das einsame Gebäude ein. Es ist zu vermuten, daß sie recht dunkle Zwecke verfolgten. Auf einen deutschen Kriminalbeamten, der sie stellen wollte, wurde sofort ein Pistolenschuß abgegeben, der den deutschen Beamten am Arm verletzte. Dieser schoß sofort wieder und ocr- mundete den U n t c r k o m m i s s a r der polnischen Grenzwacht L i s k j c w i t s ch schwer durch einen Bauchschuß. Der deutsche Beamte erhielt noch zwei nicht lebensgefährliche Verletzungen an der linken Körpcrscite, dann gelang es, den zweiten polnischen Ein- drinzling zu überwältigen und zu fesseln. Eine an der Grenze auf die beiden wartende Gruppe der polnischen Grenzwache nahm nun das Gebäude unter Feuer aus Karabinern oder Gewehren. Die Holzwöude zeigen etwa 18 Einschläge. Die polnische Grenz- wache trat hierbei zunächst an den unzwo:selhaft auf d e u t sch e rn Gebiet liegenden Schlagbaum heran. Es blieb den deutsche» Be- amten, die aus ihren Pistolen das Feuer erwiderten, nichts anderes übrig, als durch das rückseitige Fenster, da der Eingang ständig unter Feuer lag, mit den beiden Gefangenen sich zurückzuziehen. Nunmehr kamen einige der polnischen Grenzsoldaten noch auf den Deich und schössen der abziehende» Gruppe nach, glücklicherweise ohne zu treffen. Dann zogen sie sich aus polnisches Gebiet zurück. Der Verletzte wurde schnellstens ins Krankenhaus M a r i e n we r de r gebracht und operiert, ist aber bald g c st o r b c n. Der unocrwundete Gefangene ist der G r c n z w a ch- kom.missar(Osfiziersrang) Bjedrzynski aus Czeco(Dir- schau), der früher im polnischen diplomatischen Dienst gestanden haben soll. Bei der heutigen Absuchung des Geländes wuroeu drei pol- n i f ch« Patronenhülsen auf deutschen, Gebiet ge- fnnden. Der Zwischenfall hat»aturgemäh in Maricnwerder erhebliche Aufregung hervorgerufen. * Nach Warschauer Meldungen will die polnische Regierung durch ihre Berliner Gesandtschast in Berlin Untersuchung des Borfolls durch eine unparteiische(oder paritätische) Kommission forder». Alle diese Meldungen sind voreilig, denn zuvor muß natürlich die Wahrheit festgestellt werden, was gewiß am besten durch g e- m e i n s a m c Untersuchung geschehen wird. Der polnische Gesandle hat gestern spät abends im Auswärligen Amt persönlich einen Protest gegen Grenzverletzung und Eni- schädigungsansprüche angemeldet. Beides ist vom Auswärtigen Amt zurückgewiesen worden. Im preußischen Innenministerium ist zur Zeit ein Vertreter de» Regierungspräsidenten von Marienwerder zur Berichterstattung anwesend. Deutsche amtliche Darstellung. Marienwerder, 27. Mai. Di« weiteren Ermittlungen über den Grenzzwischenfall haben, wie von maßgebender Seite initgeteilt wird, ergeben, daß kein deutscher Beamter polnisches Gebiet betreten oder über die Grenze Schüsse abgegeben hat. Den entstellenden Meldungen der polnischen.Presse gegenüber- muß festgestellt werden, daß polnische Beamte die Grenze unbefugt über- sch r it ten-haben. Zwei dieser Beamten, die im Besitz von Pistolen und Handgranaten waren und die aus bisher noch unbekannten Gründen in die etwa 25 Meter von der Grenze entfernt stehende deutsche Paßkon trollbaracke eingedrungen waren, wurden festgenommen. Sie haben den ersten deutschen Beamten, der sie dort überraschte, sofort mit Schüssen empfangen und ihm die linke Hand durchschossen, so daß er zu seiner Verteidigung die Waffe gebrauchen mußte. Außerdem haben, wie von mehreren unbeteiligten Jeugen beobachtet worden ist, mehrere polnische uni- formierte uisd bewaffnete Beamte die Grenze unbefugt bis zu 23 Meter in deutsches Gebiet hinein überschritten und von der Höhe des Deiches aus den mit den beiden festgenommenen Polen abziehenden deutschen Beamten zahlreiche Schüsse aus Karabinern und Pistolen nachgesandt. Der Deich verläuft an der sraglichen Stelle ganz auf deutschem Gebiet, und zivar etwa 20 Meter von der Grenze cntsernt. In einer Entfernung von 8 bis 10 Meter von der Grenze auf deutschem Boden wurde eine Anzahl Hülsen von K a r a b-sn e r m u ni t i o n gefunden. Diese können schon deshalb nicht von deutschen Beamten stammen, weil die deutschen Beamten nur mit Pistolen bewaffnet sind. Spißenverbände und Krise. Gemeinsame Tagung des AOGV. und des AfA-Vnndes. iDe Wirtschaftskrise mit ihren katastrophalen Folgen scheint sich eher zu verschärfen als abzuschwächen. Unternehmertum und Regierung stehen �dieser Wirtschaftskatastrophe augenscheinlich hilf- und railos gegenüber. Die Maßnahmen, die entweder vom Unter- nehmertum getroffen oder von der Regierung vorgeschlagen werdtn, sind eher geeignet, die Krise zu verlängern und zu verschärfen, Deshalb haben sich die großen sreigewerkschaftlicheu S p i tz e n o r ga n i s ä t i o u e n, der Allgemeine Deutsche Gewerk- schaftsbuud und der Allgemein« freie An�estelltenliund, entschlossen, in einer gemeinsamen B u n d e s i�u s s ch u ß s i tz u n g am kommenden Freitag Stellung zu nehmen zu diesen dringenden Problemen der Gegenwart. In dieser gemeinsamen Bundesausschnß- sitzung, in der die gewerkschaftlichen Zentralvorstände von 5'A Millionen Arbeitern und Angestellten ihre gewichtige Stimme in die Wagschale werfen werden, werden der Leiter der sozialpolitischen Abteilung des ADGB., Franz S p l i e d t, über den Schutz der Arbeitskraft, und der Leiter der wirtschaftspalitischen Abteilung des ADGB., Wilhelm Eggert, über die wirtschaftliche Kata st rophcn Politik sprechen. Beide Kärpcrschaftcn werden dann gemeinsame Beschlüsse fassen. Die Räumung schreitei fori. Abmarsch aus Zweibrücken. Zweibrücken. 27. Mai. In der vergangenen Nacht ist der Rest der französischen Garni- son bis aus«in 2lbwicklungslommando von etwa 30 Gendarmen abgerückt. Im Lause des gestrigen Nachmittags hat der Oberbefehl:- Haber der Rheinaimee, General G.uillaumat, in Begleitung eines höheren sranzösischeii Offiziers aus Landau eine letzte B e- s i ch t i g u n g vorgenommen. Mißstände im A. A. Scharfe Kritik im Neichstagsausfchuß. In der Dienstagssitzung des Ausschusses für den Reichshrrushalt wurde die Beratung des E t a t s des A u s w ä r t i g e n A m t e s fortgeführt. Vor Eintritt in die Verhandlungen oerlas der Berich!- erstatter Dr. von Freytagh-Loringhooen(DM.) eine in schärfster Form gehaltene Erklärung gegen die starken Kürzungen seines gestrigen Referates, die in dein von dem Verein Deutscher Zeitungsverleger an die Presse gegebenen Bericht vorgenommen seien. Einige der Behauptungen, daß diese Kürzungen auf Veranlassung des Auswärtigen Amtes vorgenommen seien, und daß der für die Berichterstattung verantwortliche Herr sich in ungehöriger Weise über ihn, den Bs- richterstatter, geäußert habe, wurden sofort von dem Leiter des Bureaus, Herrn Dr. Radlauer, mit größter Bestimmtheit als unrichtig und irrtümlich bezeichnet. Der Vorsitzende erklärte, er habe auf diese Bericht- erstottung keinen Einfluß, ihm seien aber auch im Laufe langer Jahre nur einige ganz wenige Mal« Beschwerden zugegangen. Er müsse im Gegenteil rühmend anerkennen, daß die Berichterstattung trotz der Schwierigkeiten und dem schnellen Wechsel der Beratungs- gegenstände, der starken Unruhe, die im Saale häufig herrsche, so schnell und meistens so zutreffend erfolge. Die Tatsache, daß die deutschnationale Presse bereits vor Beginn der gestrigen Verhandlung im Besitz des genauen Manuskriptes des Referates war, läßt die Beschwerde des Abg. Dr. von Frcytagh-Loringhoven in besonders eigenartig«»»- Licht erscheinen. In der A u s s p r a ch e wies Abg. H e i n i g(Soz.) darauf hin, daß beim Haushalt des Auswärtigen Amtes zuin ersten Male die Bestimmungen-der Rcichshaushaltovdnung in Anwendung gebracht worden feien, die von der E ntfchä di gu n g spfl i ch t der Be- amten handle. Bei einigen Titeln habe nämlich das Reichsfinanz- Ministerium die nachträgliche Genehmigung der über die An- sätz« hinausgehenden Verausgabungen verweigert. Der Will« des Ministers, Ordnung in seinen Hausholt zu bringen, wende von der Sozialdemokratie durchaus anerkannt. Aber die E t a t s a b t e i l u n g des Auswärtigen Amtes sei schwächer als die der anderen Ministerien wegen der Schwierigkeiten und Weiterun- gen, die der Außendienst mit sich bringe. Der Minister müsse daher grundsätzlich darauf bedacht sein, bei der Etatsabteilung eine größere Machtflllle zu haben. Der Ausschuß werde sich auch die sogenannten Vorschußkonten des Auswärtigen Amtes sehr genau ansehen müssen. Diese neue Einrichtung des Auswärtigen Amtes werde benutzt, um aus ihr olles abzubuchen, was zunächst nicht bekannt, werden soll. Abg. Graf W e st a r p(Dnat.) erklärte ass die würdigste und für Deutschland passendste Repräsentation ein« bctonteEinfach- h e i t, die im Inlande wie im Auslande von den Spitzen bis zu den unteren Stellen durchgeführt werden müsse. Der vom Minister in Aussicht gestellten Denkschrift über die Kosten des deutschen Außen- dieiistes im Vergleich zu denen anderer Staaten sehe er mit Interesse entgegen und bitte, in der Denkschrift gleich Vorschläge zu machen, w o und wie gespart werden könne. .Mit ganz besonderer und auffallender Schärfe ging der Mg. Dr. C r e m« r(D. Vp.) gegen die Haushaltgebarung des Aus- wältigen Amts vor und bedauerte, daß der gegenwärtige Etats- dezerncnt, Ministerialdirektor Dr. Schneider, aus dem Mit scheiden wolle. Es sei wertvoll gewesen, daß ein an dem Bau Fremder an wichtiger Stelle gestanden habe. Dr. Cremer führte eine Fülle von Beispielen dafür an, wie eigenmächkig Beamte des Außendienstes mit dem Ekatsrecht des Reichstags umspringen und bezeichnete den Gei'i. der aus solchen Handlungen spricht, als das schlimmste und am meisten zu bekämpfende. In sehr energischer Weise wandte sich der Reichsaußenminister Dr. C u r t iu s dagegen, daß di« Denkschrift des Rechnungshofes des Reichshaushaltes für l927, die er noch gar nicht Hobe«msehen können, gegen sein Ministerium ausgeschlachtet werde. Insbesondere niüsie er sich dagegen verwahren, daß, wie es auch Dr. Cremer getan habe, einzelne große Ausnahmefälle, die auch er verurteile, als typische Fälle hingestellt werden. Der deutsche Außendienst sei unter größter und opferwilligster Arbeft aller Beteiligten in den ver- gangenen Iahren aufgebaut worden und habe sich als ein durchaus wirksames Instrument zur Wiederhestellung des Ansehens Deutschlands erwiesen. Das gehe auch aus allen ihm bekannt gewordenen Aeußerungen fremder Chefs ausländischer Missionen hervor. Bei Beginn der Ciinzelabstimmungen über den Haushalt des Auswärtigen Amts ergab sich zwischen den Regierungsparteien ein lebhaftes Durcheinander. Der Abg. Bernhard hat im letzten Augen- blick bei etwa 20 Titeln des Haushalts Streichungsanträge gestellt. Sein Fraktionskollege Koch erklärte, daß er diese Streichnngsanträge ablehne. Innerhalb der Regierungsparteien ergab sich schon bei der erste Abstimmung solche Zersplitterung, daß die Sozialdemokraten sich bei den weiteren Abstimmungen zu diesen Stretchungsanträgen der Stimme enthielten. Das führte dazu, daß die Regierungsparteien bei den dann weiter noch abzustimmenden Streichunqs- anträgen völlig auseinander fielen, d. h. sie stimmten vollständig durcheinander und gegeneinander mit wechselndem Erfolg. Der Mörder und seine Briefe. Kurien ist ohne Zweifel der Vriefschreiber.— Weitere Geständnisse. Düsseldorf. 27. INai.(Eigenbericht.) Das Ergebnis der umfangreichen Arbeiten, die die Schrift- vergleiche erfordern, gilt noch nicht als abgeschlossen. Es ist bekannt, daß kürten eine Anzahl Briefe geschrieben hat, in denen er seine Taten angegeben hat. Er selbst hat bei seiner Vernehmung angegeben, daß er die Briese geschrieben hat, um dadurch in die Bevätterung Erregung zu tragen. Es ist bemerkenswert, daß Kürten seinen ersten Bries angeblich Ende September l0Z9 an ein Düsseldorfer Blatt geschrieben Hot und ihn selbst zu dem Hausbriefkasten der Redaktion getragen hat. Es handelt sich um den Brief, den er im nächsten Bries an die Polizei- venwallung näher erwähnte. Jener erste Brief ist niemals zur Kenntnis der Polizei gelangt. Ehe m den eigentlichen Schrift- vergleich eingetreten wurde, legi« der Schriftsachverständige Dr. Schnei kert auf Grund seines genauen Studiums der Briese dem Täter bestimmte Fragen vor über den Text und über besondere Merkmale, die an diesen Bliesen ausgefallen waren, und die nur dem Schreiber der Bries« bekannt sein konnten. Dies« Fragen hat Kürten-in einer Weise beantwortet, die seine Urheberschaft der Briefe zweifelsfrei erscheinen läßt. Kürten wurde dann durch den Sach- verständigen veranlaßt, den Text unter den gleichen Schreib-bedin- gungen aus ähnlichem Papier mit Bleistift zu schreiben. Vergleiche mit dem Original haben eine llebereinstimmung ergeben, die den objektiven Befund bestätigten, daß kürten der Schreiber der be- kannten Mörderbriese war. Auch andere Mordtaten auf dem Gewissen? Düsseldorf, 27. Mai. Wie inzwischen bekannt wird, soll Kürten am Montag gestanden haben, außer den der Oesfentlichkeit bekannten Mordtaten noch zwei weitete Morde aus dem Gewissen zu haben. Im Alter von 16 Iahren will Kürten im Grasenberger Waide einer Dirne den Hals zugedrückt haben, bis sie kein Lebenszeichen mehr von sich gegeben habe. Ferner will er vor etwa 1X> Iahren in der Umgebung von Essen-bei einem Einbruch in eine Wirtschast in ein Schlafzimmer gekommen sein, wo er einem etwa neunjährigen Knaben den Hals durchschnitten habe, damit ihn dieser nicht verrckte. Ein amerikanischer Onkel des Jungen sei damals unter Mordverdacht verhaftet worden. Zur Nachprüfung diese? Angaben hat sich die Düsseldorfer Kriminalpolizei sofort mit der Essener und Mülheinicr Kriminalpolizei in Verbindung gesetzt. Wie aus der Ver- nehmung am Montag noch bekannt wird, will Kürten den Mord an der achtjährigen RasaOhligerim Jahre 1929 nicht in seiner Wohnung, wie verschiedene Blätter am Montag wissen wollten, sondern an der Stelle begangen haben, wo di« Leiche später gefunden wurde. Den Mord Hab« er abends ausgeführt. Am anderen Morgen um 6 Uhr habe er die Leiche mtt Petroleum begossen und i n B r a n d gesteckt. Er bestritt jedoch entschieden, an der Ohliger ein Sittlich- keitsverbrechen begangen zu haben. Den FlcherDoppelmord, der am 23. August 1929 größtes Entsetzen hervorrief(man fand in den Morgenstunden des 23. August die fünfjährige Gertrud Hamacher und die dreizehnjährige Luise Lenzen in einem Gemüsefeld mtt zahl- reichen Messerstichen tot aus), will Kürten folgendermaßen ausgeführt haben: Die Kinder habe er auf dem Kivmcsplatz angesprochen: er sei mit ihnen dann quer über das Feld gegangen. Nachdem er das ältere Mädchen weggeschickt habe, um Zigaretten zu holen, habe er der sünj- jährigen Hamacher den Mund zugehalten und ihr die tödlichen Stiche beigebracht. Als das ältere Mädchen zurückkehrte, habe er es dann auf die gleiche Weise getötet. Köln, 27. Mai.(Eigenbericht.) In der.Rheinischen Zeitung" weiß ein Arbeftskollege des Daters des Düsseldorfer Raubmörders, ein Former aus Mlll- heim, über die traurigen Familienverhältnisse Peter Kürtens u. a. folgendes zu berichten: .Ich weiß mich noch gut zu erinnern, daß es sich bei dem Vater des Mörders um einen außergewöhnlich starken und robusten Mann handelte, der auch recht brutal werden konnte. Kür- ten senior trank sehr viel, er war geradezu ein Held im Schnapstrinken. Er konnte eine Kaffeetass« mit Schnaps in einem Zuge austrinken und er hat mehr als einmal eine darauf bezügliche Wette gewonnen. Ich weih auch, daß es schon wegen der Weibergeschichten des Alten immer wieder zu Krach in der Fa- milie gekommen ist. Schließlich ging ihm die Frau davon, weil Peter Kürten senior kein Mädchen und keine Frau, die ihm gefiel, ohne unsittliche Attacken ließ. Der Mörder ist also schon sehr früh ohne Muter gewesen. Soviel ich weiß, hatte Peter Kürten mehrere Kinder, darunter Peter, den jetzigen Raubmörder, und eine ver- krüppelte Tochter. Auch an der verkrüppelten Tochter verging sich der Alte. Er hat deshalb eine hohe Freiheitsstrafe verbüßt. Er ist aber kaum gebessert aus dem Zuchthaus gekommen." Der mißverstandene Minister. Die„Kölnische'Zeitung" gegen Dr. Moldenhauer. In der gestrigen Debatte des Reichstags hat eine Rede des Reichsfinanzministers Dr. M o l d e n h a u e r, die er am Sonnabend in Köln gehalten hat, eine große Rolle gespielt. Die Kritiker der Rod« stützten sich aus einen Bericht der„Kölnischen Zeitung". Dr. Moldenhauer versuchte der Kritik zu entgehen, indem er den Bericht als Mißverständnis bezeichnete und von ihm ab- rückte. So verhielt er sich in der Volloersammlung des Reichstages gegenüber seinen parlamentarischen Kritikern. Offenbar deswegen von dem Vertreter der„Kölnischen Zeitung" zur Rede gestellt, wählte er wiederum der Tapferkeit besseren Teil. Er dementierte sein Dementi vor dem Reichstag und«r- Karte:„Der Bericht der„Kölnischen Zeitung" stimmt, er ist nur sehr zusammengedrängt und daher von den Fraktionen in ihrem Sinne ausgelegt worden." Bissig bemerkt dazu die Redaktion der„Kölnischen Zeitung", daß sie„es also nicht nötig habe, die Zuverlässigkeit ihrer Berichterstattung ausdrücklich zu betonen, sie sei nicht angezweifelt worden." Und wiederum ist die Oesfentlichkeit in Verlegenheit. Wem soll sie glauben: Herrn Moldcnhauer oder der„Kölnischen Zeitung"? Kartetlgeseh und Aktienreform. Gozialvemokratische Anträge von grundsätzlicher Bedeutung Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat zum Etat de» Reichswirtschaftsministeriums zwei Anträge von grundsätzlicher Bedeutung eingebracht. Der eine Antrag oerlangt die schleunige Bor- legung des Entwurfs eines Kartell- und Monopol- x« s e tz e s, das dem Zwecke dienen soll, eine öffentlich« Kontrolle der Kartelle und Monopole herbeizuführen und ihre Auswüchse zu beseitigen. Der zweite Antrag verlangt einen Gesetzentwurs zur Reform d e s Sl k t i« n r e ch t s. Vorbehaltlich einer Gesamtresorm, die wegen ihrer großen sachlichen und zeitlichen Schwierigkeiten einer späteren Zeit überlassen bleiben muß, soll zunächst eine T e i l r o f o r m er- folgen mit dem Ziele größererOeffentlichkeit und Durch- s i ch t i g k e i t der Handlungen der Aktiengesellschaften, Beseitigung der Mehrstimm-eiirechtsaktien, Vorschriften über die Ausübung des Stimmrechts und Verstärkung der Stellung der vom Betriebsrat eni- sandten Mitglieder des Aufsichtsrats. Handwerkszeug der Mordbanditen. Em Dieb und Beftuger Vertrauensmann der Nazis. Die weiteren Ermittlungen der politischen Polizei über den ge- ivaltsamen Tod des Zeitungshändlers Heinburger hat zu einer Haussuchung bei dem Kaufmann Karl König, der in der Holsteinischen Straße 19 wohnt, geführt. Die Polizei hatte in Er- fahrung gebracht, daß in der Mordnacht ein brauner Pappkarton mit Waffen»nd Munition aus dem Lokal von Unger, Branden- burgische Straß« 73, in die Wohnung des König gebracht worden war. Bei der Durchsuchung der Wohnung entdeckten die Beamten in einem Versteck den Karton, der eine Mauserpistole, drei Trommclrevolver und beträchtlich« Mengen Gewehr- und Revolvermunition«enthielt. Unier der beschlagnahmten Munition befanden sich auch wieder zu Dm m d u m- G e s ch o s s e n umgearbeitete Patronen. Zu gleicher Zeit erfolgte auch eine Haussuchung in dem Lokal von Unger. Hierbei wurde ein sechsschllssiger geladener Trommel- reoolvcr und«in Gummiknüppel gefunden. Di« Suche nach dem Dolch, mit dem Heinburger von dem Nationalsoziaiisten Westen- berger erstochen worden war, verlies ergebnislos. Westenberger hatte nämlich bei seiner Vernehmung angegeben, daß er den Dolch vor und nach der. Tat Frau Unger zur Aufbewahrung übergeben hatte.— Wie wir noch ersahrcn, ist der Kaufmann König Mitglied der Nationalsozialistischen Partei, Ortsgruppe Wilmersdorf. Er ist verschiedentlich mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und wegen Diebstahls, Unterschlagung und Betruges vielfach varbestraft. Kein Straferlaß für Höltz. Der Ne'chspräsident lehnt Begnadigung ab. Durch die Amnestie des Jahres 1928 ist die lebenslänglich« Zucht- hausstrafe, di« Max Haitz wegen seiner Beteiligung am mitteldeutschen Aufftand erhalte� hatte, in«ine"M-jührige Gefängnisstrafe umgewandelt worden. Höitz wurde, nachdem die Reichsanwaltschaft für die Zulassung des Wied«raufnahmean:rages sich ausgesprochen hatte, durch den vierten Strafsenat des Reichsgerichts auf Antrag des Oberreichsanwalts aus der Haft entlassen. Nachdem das Reichsgericht später aber den Wiederaufnahmeantrag des Oberreichsanwalts aus formalen Gründen abgelehnt hatte/ wandte sich die Verteidigung an den Genera-lstaatsanwalt beim Land- gericht l, Berlin, mit der Anregung, di« Rest st rase von drei Monaten zu erlassen. Heut« ist der Berteidiger benachrichtigt worden, daß der Reichspräsident den Erlaß des Strafrestes abgelehnt habe, so daß also Höitz, wenn nicht noch ein« neu« Amnestie beschlossen wird, noch drei Monate zu verbüßen haben würde. Höitz hält sich übrigens noch immer in Moskau auf. Der Telepath im Gerichtssaal. HanussrnS Versuche unter Beifall der Zuhörer. Leitmeritz, 27. Mai. In den Montngabendstunde» wurden im Leitmeritzer Gerichts- saal unter ganz besonderen Sicherheitsmaßnahmen mit Hanussen die mit großer Spannung erivarteten hellseherischen Experimente vorgenommen, di« nach einer Feststellung des Vorsitzenden zum größten Teil befriedigend gelöst wurden. Das Publikum stürmte schon einige Stunden vor Beginn der Versuche den Gerichtssaal, wobei es zu unbeschreiblichen Szenen kam und die Gendarmerie eingreisen muhte. Nachdem der erste Versuch gelungen war, wurde Hanussen vom Publikum stürmischer Beifall gezollt, so daß der Vorsitzende mit Räumung des Saales drohte. Die Versuche fanden unter starker Gendarmeriebedeckung statt. Im Zuschauerraum be- fand sich eine große Menge von Wachtleute» in ZiviUleidung, während vor und hinter dem Gcrichtstisch ein« Anzahl Gendarmen auigestelli waren, die die Ausgabe hatten, die- in der Nähe Hanussens befindlichen Personen scharf zu beobachten. Die Aufgaben, die der Gerichtshof Hanussen stellte, bestanden in dem Suchen nach einem versteckten Gegenstand, graphologischen Versuchen, Charakteranalyse aus Grund einer vorgelegten Handschrist, SpezialVersuchen mit fünf verschiedenen Schriften und telepathischen. Versuchen. Nachdem Hanulsey sämtliche Mfgaben unter all dauerndem Beifall im Zuschauerraum gelöst hatte, wurde die Verhandlung vertagt. Das Urteil wird am Mittwoch erwartet. Kommunisten gegen Arbeiterfrauen. Neuester Befehl: Störung der Frauenkundgebungen. Zu einer sozialdemokratischen Frauenwerbeveranstaltung des Kreises Mitte im Kino des Metallarbeiterverbandes hatten die Kam- munisten einen größeren Stoßtrupp zur Durchführung von Störungen nach„bolschewistischer" Art abkommandiert. Bedauer- licherweise fanden diese Abgesandten noch kurz vor Eröffnung der Feier Einlaß. Die ausgezeichnete Rede der Genossin Toni Sender, die zu- nächst über di« Stellung der Frauftn den verschiedenen Zeitabschnitten der Geschichte sprach bot den kommunistischen„Gästen" erst kein« Gelegenheit, ihre Zwischenrufe loszuwerden. Schließlich aber ging die altbekannte Schimpferei gegen die Sozialdemokratie los. Ge- nossin Sender fertigte die Schreier richtig ab, sie konnte ihre Aus- führungen überzeugend zu Ende führen. Auch di« Borführung des Films„Giftgas" konnte ungestört z» Ende gebracht werden. Die Ansprache der Genossin Giadosch, di« dann als Gewerk- schastlerin sprach, erstickte in den Ausrufen hysterischer kommu- nistischer Frauen, denen man durch Heraussetzen an die frische Luft den besten Dienst gelesstet hätte. Nach Schluß der Bersammlung stürmte ein Trupp jugendlicher Kommunisten noch die Linienstraße hoch, weil sie glaubten ihren Tätigkeitsdrang in einer Prügelei be- weisen zu können. Dies scheiterte aber an der Vernunft unserer Genossen. Es kam nicht zu Tätlichkeiten. Ein später auffahrendes Polizeiauto, daß die Herumstehenden zerstreuen sollte, fand keinen Widerstand. Schweres Moiorradunglück in Adlershof. In der vergangenen Nacht ereignete sich in A dl e r s h o f am Adlergestell ein folgenschweres Motorradun. glück. Ein Ber- liner Motorradfahrer, der sich nach einem Ausflug auf dem Heim- weg bofand, fuhr in der Nähe der Gustav-Borgmanw-Brücke �mit großer Geschwindigkeit auf einen dort haltenden unbeleuchteten Lies erwäg en aus. Das Rad wurde dabei zertrümmert und der Führer sowie sein« Begleiterin, ein lOjähriges Fräulein Martha Christoph aus der Petersbuger Straß« 29. wurden auf den Fahrdamm geschleudert. Die Verunglückten fanden im Köpenicker Kreiskrankenhaus Aufnahme, wo das junge Mädchen bald nach feiner Einlie-ferung an den Folgen eines Wirbelsäulen- druches gestorben ist. Erziehung des Von Eduard t Von allen Fragen der Schauspielkunst wurde von jeher keine so vernachlässigt, wie die des künstlerischen Nachwuchses, der syste. inatischen Erziehung des werdenden Schauspielers. Wer ist berech- tigt,.zu lehren, der geniale Schauspieler, der, intuitiv schassend, sich der Naturgesetze seiner Kunst gar nicht bewußt ist, oder der andere, beinahe wissenschaftlich arbeitende, dessen Leistungen ein Produkt au» Talent, Erfahrung, Wissen und Können sind? Wann soll der junge Mensch auf seine Befähigung zum Schau- spielerbcruf geprüft werden? Vor Beginn seiner Lehrzeit? Gibt es einen Menschen, der reinen Gewissens die Verantwortung einer solchen Beutteilung auf sich nimmt? Man lege diese Fragen einer Anzahl von berufenen Vertretern unserer Kunst vor— soviel Köpfe, soviel Meinungen. Sei dem, wie ihm wolle, jedenfalls ist die Klärung all dieser Fragenkomplexe früher nicht mit der Wichtigkeit betrieben worden, die ihr zukommt. Einen großen Fortschritt bedeutete vor 25 Iahren die Gründung der Schauspielschule des Deutschen Theaters, liier wurde eigentlich zum erstenmal der ernsthaft« Versuch gemacht, eine syst«- matische, ungeschoftliche, aus langjährige Erfahrung gestützte Er- ziehung des Schauspielernachwiichses zu betreiben. Mir, der ich viele Jahre als Lehrer an dieser Schule tätig war, bedeutet die Erinnerung an diese Zeit eine der schönsten meiner ganzen Berusstätigkeit. Es gab eine Zeit, da ich am Unterrichten mehr hing als am Spielen, so künstlerisch ausfüllend und befriedi- gend war mir diese Tätigkeit. Und ich Hobe die feste Ueberzcugung, Schauspielers. >n Wintersiein. daß ich ebensoviel gelernt wie gelehrt Hobe bei diesem Unterricht. Ich hatte früher nie verstehen können, daß Max Reinhardt, den ich als wundervollen Schauspieler kannte und liebte, diese Betäti- gung seit seiner Regie- und Direktionssührung so vollständig auf- geben konnte— aber da, in dieser Zeit, lernte ich ihn verstehen. Es ist schon etwas Herrliches, einerseits den jungen Leuten zu zeigen, wie man eine Rolle anpackt, wie man ihr geistig nahekommt, wie man sie zu verstehen hat, wie man sie— mit. einem Wort— studiert, und wie man dann mit seinen gegebenen künstlerischen Kräften sie zu meistern versucht. Aver das Allcrschönste bedeutete doch mein eigenes künstlerisches Erleben. Wie bin ich selbst, der ich dieselbe Rolle mit unzählig vielen, ganz verschiedenen Jndividuali- täten durchstudiette, in die einzelnen Rollen«ingedrungen, habe sie bis in die kleinsten Fältchen durchleuchtet und erkannt. Welche große und größte Darstellerin der Gretckzen, Klärchen, Julia, der Judith, der Iphigenie, der Klara Anton, der Maria Stuatt hätte diese Rollen so studiert, wie ich sie studiert habe. Und das schönste Lob, das ich in meiner ganzen Theaterlaufbahn er- halten habe, bedeutete der Ausspruch eines ehemaligen Schülers der Rcinhardtschiilc:„Sie sind das beste Gretchen der deutschen Bühne." Jedenfalls ist mir klar, daß ich selbst unendlich viel gelernt habe beim Lehren, und das scheint nrir die schönste Frucht meiner Lehr«- zeit. (Aus der loebkn krsckiienenrn Festschrift ,.lsllnfund,wan»I« galirt SchausPirlschuIe de» Deutschen Theater«»u Berit n".) Die Kührerpleite. Oeutschnationaler Appell an den Wähler. Der völlig« Bankrott der Hugenbergschen Führeridee kann nicht krasser beleuchtet werden, als dies in einem Hug«r»bcrg politisch nahestehenden Organ, der„Deutschen Zeitung", durch den Geheimen Regierungsrat Pfundtncr geschieht. Psundtner blickt voll Sorge auf den Verfall der Deutschnationalen Part«i. In leiner Verzweiflung stößt Herr Pfundtner den Schrei nach dem deutschnationalen W ä h- I.e r aus: Ganz unverständlich niuß ober dem deutschnaiionalen Wähler die Haltung in den eigenen Reihen erscheinen! Es fft daher die h ö ch st e Zeit, daß auch er, der täglich von den Ja- und Nein- lagern Aeuß«rungen und Gegenäuß«rungen über sich ergehen lassen muß, sich nunmehr endlich, und zwar möglichst energisch zum Wort meldet. Doch dies kaum gesagt, kommen Herrn Psundtner selbst die Bedenken gegen feinen neuerungssüchtigen Vorschlag. Woher soll der deutschnational« Wähler dies« Kühnheit nehmen? Ihm fft von jeher eingehämmert worden, daß die Anetten- nung des Führerprinzips den Hauptpunkt seines Partei- Programms bilde und daß sich seine Partei gerade dadurch in bewußten Gegensatz zu dem heutigen parlamentarischen System stellen wolle. Von ihm ist daher stets verlangt worden, daß er den Anordnungen der Führung a u ch da n n z u f o l g e n habe, wenn er ihr« Trogi�eit« nicht zu übersehen vermöchte, ja selbst bann, wenn er Zweifel an ihrer Richtig- keit hege. Ihm ist endlich immer wieder klargemacht worden, daß die von ihm gewählten Abgeordneten in erster Linie zur Wahrung der Parteigrundsätze berufen seien, wechalb er ihnen ein besonderes Maß von Vertrauen entgegenzubringen habe. In strenger Beobachtung dieser Grundsätze hat der deutsch- nationale Wähler in der Vergangenheit die schwersten Be- lastungsproben mit übermenschlicher Geduld er- tragen. Herr Psundtner zählt auf, womit der deutschnationale Wähler sich bisher alles abgefunden habe: mit der Dvwes-Abstimmung„halb und halb", mit der Sabotage des Hugenbergschen Freiheitsbegehrens durch deutschnationale Abgeordnete, mit der Sezession der Trevi- ranus-Leute usw. Da mußte sich, meint Psundtner, dem„Unglück- seligen Wähler" von selbst die Frage aufdrängen, wie es ihm selber bei solcher Aufsässigkeit ergangen wäre! Und nun gar die Auf- lehnung der Mehrheit der Reichstagsfraktion gegen den Parteioor-. sitzenden Hugenberg und den deutschnationalen Parteioorstandl Da soll nun der eingeschüchtette und ans Gehorchen gewöhnte deutsch nationale Wähler— Geheimrat Pfundtner verlangt es von ihm wenigstens— mit der Faust auf den Tisch schlagen, ob- wohl diese Faust doch nur gewohnt ist, als flache Hand an den Mützenrand zu fahren! Bei der Aufstellung der W a h l l i st e n soll der Wähler mit eisernem Besen all« rebellierenden Abgeordneten aus den Parla- menten hinauskehren. Denn:„den Entschluß zur Niederlcgung eines Abgeordnetenmandats bringen anscheinend nur Mit- glieder anderer Parteien auf!" Dem Artikclschreiber leuchtet sogar die Erkenntnis auf, daß doch die Abgeordneten«ihr Mandat schließlich doch nur der Partei zu oer- . danken haben" und daß der Wähler deshalb bei der Auf- stellung völlige Klarheit über ihre Haltung verlangen darf. Das ist von Diktatur und Führertum übrig geblieben! Der geistige Bantrott der Hugenberglinge findet seinen sinnfälligen Aus- druck darin, daß sie die Souveränität des Wählers über die gewählt« Führung proklamieren! In der Not frißt der Teufel Fliegen, und angesichts de» völligen Bankrotts unter Hugen- bergscher Führung bekennen sich die Hugenberglinge zu den Grund- sätzen der dreimal oerftuchten Demokratie! Severins in München. Vortrag über die Reichsreform. München, 27. Mai. Das in Bayern besonders umstrittene Thema der Reichs- r e f o r m war Gegenstand eines Vortrages, den Reichsntinister a. D. Seoering gestern vor einem außerordentlich großen Hörerkreis, vornehmlich Repräsentanten des geistigen München und der studentischen Jugend auf Einladung des akademisch-poli- tischen Klubs hielt und zu dem unter anderem auch der Ver- treter der Reichsregierung und der preußische Gesandte in München erschienen waren. S e v e r i n g, mit Händeklatschen begrüßt, bezeichnete das Problem der Reichsresorm als eine Sonntagsfrage, da heute die Beschaffung von Arbelt angesichts der unge- heuren Arbeitslosigkeit die brennend sie Sorge sein müßte. Selbst auf die Gefahr hin, gewissen Kreisen in Deutschland als Ketzer zu gelten, erklärte er, daß das Thema im Augenblick nicht gerade aktuell sei. Seoering gab dann eine eingehende Schilderung der Reformdestrebungen seit 1918. Das Jahr 1923 zeige deutlich, daß es in Iahren wirtschaftlichen Niedergangs und politischer Zer- sahrenheit schon eine groß« Tat sei, wenn es der Reichsregierung und den unitaristischen Gruppen und Parteien geling«, das uni- taristische Gesicht, so weit es unter der heutigen Reichsform vor- Händen sei, aufrechtzuerhalten. Zu der Länderkonferenz bemerkte er, die ganze Einrichtung kranke daran, daß man die Mitgliedschaft in den verschiedenen Ausschüssen an die amtlich« Stellung bzw. die Mitgliedschaft in den Reichs- und Länderregierungen knüpfe. Wenn die Reichsregieruüg jetzt daran gehe, die Mitgliedschaft in den Aus- schllssen neu zu bestimmen, so möchte er ihr den Dorschlag unter- breiten, st ä n d i g e Mitglieder der Ausschüsse einzusetzen. Die bis jetzt vorliegenden Vorschläge der L ä n de r k o n s« r« n z halte er nicht für eine geeignete Einigungsgrundlage, auf der sich das Reich mit dem größten Land, Preußen, verstän- digen könne. In der preußischen Regierung und in den preußischen Parteien sei man bereit, ein staatliches Eigenleben aufzugeben, wenn Preußen ebenso behandelt werde wie alle anderen Länder. Eine Differenzierung mache Preußen»ach seinen authentischen Erkundigungen unter keinen Umständen mit. Eine der größten Aufgaben der Regierung werde sein, der deutschen Oesfentlichtett nachzuweisen. was man bei einer rationalisierten Verwaltung sparen könne, und den neuen Ländettyp so bildhast wie möglich auch vor den primitivsten Staatsbürger zu stellen. Wenn dann die Parteien versagten, müsi« die Frage zum Volksentscheid gestellt werden, der letzten Endes das Mittel sei, um sie vorwärts zu bringen._ Jwangselat für die Lkadk Renstrellß. Nachsem die Stadtoer- ordnet« nversammlunq den Etat der Stadt abgelehnt hatte, hat da« Staatsministerium einen Zwangsetat festgesetzt. Die Handwerker, die gerade wegen der Gewerbesteuer den Gesamtetat abgelehnt l>atten, müsien nun statt der abgttehnten 7'i> Proz. 8 Proz. Ge- werbesteuer bezahlen. „Aida" in der Lindenoper. Zweites Gastspiel Lauri Dolpi. Noch eimngl steht Louri Volpi im Mittelpunkt des Interesses und dds Erfolges. Sein Raidames bestätigt den Eindruck des ersten Abends. Das Bild ist weder kompliziert noch problematisch. Wieder ist es das Wunder dieser herrlichen Tenorstimme, das die Hörer be- zaubert. Im gesanglichen— das zeigt sich in„Aida" mehr als im „Troubadour"— erreicht er nicht das Vorbild der großen Dttcantisten seines Landes: und als Darsteller hat er nicht viel mehr einzusetzen als seine sympathische, draufgängerische Jugendlicheii. Zwei Verdi-Abende der Lindenoper— ihr guter Geist heißt Leo Blech; das musikalische Gesanrtbild, Ensemble, Chöre, Orchester, alles ist durchaus erfreulich. Nicht das Bild in allem ein- zelnen. Unter den Hauptdarstellern ist eigentlich nur Schlu s nus, der vermöge seiner sängerischen Ueberlegenheit— als vuna und als Amsnasra— dem italienischen Partner gewachsen ist: und dem Oberpriester in„Aida" komint Emanuel Lists mächtiges Vaß- organ zustatten. Weniger gut steht es um die Frauengestalten. Nur Margarete Arndt-Ober, stimmlich allerdings nicht durch- aus auf der Höhe, hat als Acucena Größe und Intensität. Beata M a l k i n, als Leonore, scheint«in wenig gehemmt, ihr schöner dramatischer Sopran kommt nicht zur Entfaltung. Aida und Am- neres— Violetta de S t r o z z i und Karin Branzell— erreichen beide nur achtbares Mittelmaß, und das ist ein bißchen wenig. Merkwürdig und doch etwas bedenklich, daß sich aus den vereinigte». Berliner Opernhäusern, deren Künstlerperjonal zu Gebote stand, sür dies« beiden Abende kein« glänzender« Besetzung zusammen- stellen ließ. Nicht etwa, als seien wir in Sorge, daß sie für das Publikum der 2()> und 49-Mark-Plätzc nicht gut genug gewesen. Aber wenn schon den Fremden gezeigt werden soll, was die Berliner Oper kann, bis jetzt haben sie noch nicht allzuviel davon zu sehen und zu hören bekommen. Wenn schon Verdi, warum nicht der neu herausgebrachte„Simone Voccanegra"? Es ist unoerständlich, daß die Städtische Oper, die sich vom Programm der Bertiner Kunst- wochen nicht ausschließt, das beste und erfolgreichst« Stück ihrer diessährigen Arbeit dorm fehlen läßt. K. P; Gelehrientag in Heidelberg. Hauptversammlung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschast. Di« Kaiser-Wilhelm- Gesellschaft zur Förde- rung der Wissenschaften hatte ihr« diesjährige Hauptversammlung nach Heidelberg vertegt. Geheimrat Dr. von Krehl sprach über„Die Stellung der Medizin in der N a tu rwifs enscha f t", ein Thema von entscheidender Bedeutung für die Entwicklung der medizinischen Forschung. Bon besonderem Interesse waren Krehls Bemerkungen zur heutigen Lag« der exakten Wissenschaften, vornehmlich der Physik, wo die Entwicklung von der kausalen zur statistischen Be- trachtungsweise führe. Er sieht hier die Wege zu einer neuen Frei- heit des Denkens, die in der Biologie und den anderen Wissenschaft- lichen Disziplinen, die sich mit dem Leben befassen, als Erlösung empfunden werdcn müsse. Der Nobelpreisträger, Prof. Otto Meyerhof. sprach so- dann über„Die Ausnutzung der chemischen Energie fürdie ArbeitdesMuskels" und widerlegt« die vielfach in Medizinerkreisen verbreitete Auffassung, daß die Physiologie aus- schließlich dem Gebiet der„Naturwissenschaften" zuzurechnen sei. Den dritten Vortrag hielt der Chemiker Prof. Dr. Kuhn, gleichfalls vom Kaifer-Wilhelm-Inistitut für medizinische Forschung, über„Hoch- ungesättigte K o h l e n st o s f- V e r b i nduv g e n". In der geschlossenen Mitgliederversammlung der Gesellschaft, die nun folgte, legt« Generaldirektor Glum den Geschäftsbericht über das Jahr 1928/29 vor und stellte die Loge der.Luiser-Wilholm- Gesellschaft" durchaus optimistisch dar, nachdem sich seit dem Vor- jähre eine Reihe ernster Befürchtungen zerstreut hätten, zu denen mögliche Rückwirkungen aus der allgemeinen Wirtschaftslage den Anlaß geboten hatten. Die Unterstützung der Gesellschaft durch das Reich, durch deutsche Industrie- und Wirts chostskreise und nicht zu- letzt durch das Ausland— dem„Institut für Zellphysiologie" sind aus der Rockefeller-Fondation 2,7 Millionen Mark zugeflossen— ließe erhoffen, daß sie ihre Ausgabe auch in Zukunft werde durch- fähren können. Oeuische Tänzerwoche München 1930. Die Vorbereitungsarbeiten für den dritten Deutschen Tänzerkongreß tn München(19. bis 25. Juni) stehen vor dem Abschluß. Der Kongreß will vor allem drei wichtige Probleme n den Vordergrund stehen: Tanz und Theater. Der Laien- tanz in kultureller und pädagogischer Bedeutung. Die soziale Lage und Aufgabe des Tänzer«. Führende Persönlichkeiten sind als Referenten gewonnen. Zum ersten Thema werden sprechen: Rudolf Schulz-Dornburg, Dr. Felix Cmmel und Hans Brandenburg. Die Fragen des Laientanzes wird zunächst Rudolf von Laban be- handeln: da in diesen Fragenkomplex eine Reihe weltanschaulicher Gesichtspunkte hineingreifen, so werden als Korreferenten einerseits Pater Muckermann, andererseits Martin Gleisner aufgestellt. Das dritte Hauptreferat wird auf Grund außerordentlich sorgfältig ge- sammelten Materials Fritz Böhme halten. Im Anschluß an all« diese. Referate sollen diese Fragen durch Spnderberatungen mit führenden Persönlichkeiten des Tanzes, des Theaters und der Pädagogik noch eingehender behandelt und geklärt werden. Die außerordentlich wertvollen künstlerischen Darbietungen der verschiedensten Ensembles werden den wichtigen Kongreß künstlerisch ergänzen. Alle Anfragen wegen Teilnahme sind zu richten an die Adresse der Chorischen Bühne c. V., München, Postamt 13, Schließsach. pflanzengeographische Studienfahrt in Ostpreußen In der Zeit vom 3. bis 13. Juli wird von der Staatlichen Stelle für Naturdenkmalspflege«ine botanische Studienfahrt durch Ost- preußen unternommen werden. Als Ort der Zusammenkunft ist Danzig vorgesehen, wo einleitend« Vorträge mit der Natur der zu besuchenden Gebiete und mit den Grundzügen der ostp.'eußischen Vegetationsentwicklung bekannt machen werden. Die Exkursionen führen an die botanisch bemerkenswertesten und landschaftlich reizvollsten Gebiete der Provinz. Es sind Besichtigungen der Weichselhänge bei Weihenburg, der Pflanzenreichen Buchenwälder bei Osterode, wo die Rotbuche die Grenze ihrer Verbreitung erreicht, und der Romintener Heide vorgesehen. Selbstverständlich findet auch eine Führung über die Zehlau, das größte preußische Naturschuy- gebiet, statt. Hier soll besonder« das Hochmoorwachstum an den Rändern und an den zahlreichen kleinen Hochmoorseen studiert werden. Um die Teilnehmer auch mit den Methoden der Moor- sorschung bekannt zu machen, werden hür einig« Moorbohrungen vorgeführt werden. Die Exkursionen finden auf der Kurischen Nehrung mit einer Besichtigung der Wanderdünen ihren Abschluß. Neben den botanischen Exkursionen sind aus der Studiensahrt Besichtigungen des Ordensschlosses in Allenstein und der Vogelwarte in Rossitten vorgesehen. Die Teilnahme an der Studienfahrt steht jedermann frei, doch ist eine sichere Pflanzenkenntnis erwünscht. Zur Deckung der ent- stehenden Unkosten wird eine Teilnehmergebühr von 15 Mark erhoben werden. Anmeldungen nimmt di« Geschäftsstelle der Staatlichen Stelle für Ztaturdenkmalspflege, Berlin-Schöneberg, Grunewaldstraße 8/7, entgegen, wo auch jede Auskunft über die Studiensahrt erteilt wird. Ein neuer Dramaturg der Slaotstheater. Wie der Amtliche reußische Pressedienst mitteilt, ist Dr. Adam Kuck Hofs von der eneralintendanz der Siaaistheater als Leiter der dramaturgischen Abteilung der staatlichen Schauspiele oerpflichtet worden. Dr. Kuckhoff, der zuletzt die Zeitschrift„Die Tat" im Verlag Eugen Diederichs, Jena, leitete, hat vorher als Dramaturg, Spielleiter und Intendant an der Entwicklung des zeitgenössischen Theaters praktischen Anteil genommen. „verband deutscher Tanzkritiker". Zur Förderung der Tanz- kunst durch den Zusammenschluß sachverständiger, aus kein« einseitige Richtung festgelegter Kritiker und Schriftsteller, hat sich ein„Per- band deutscher T a n z k r i t ik e r" gebildet desjen Sitz in Berlin ist. Dem Vorstand gehören an: Fritz Böhme(„Deutsche Allgemeine Zeitung") als Vorsitzender, Dr. I. S ch i k o rv s k i („Vorwärts") als stellvertretender Vorsitzender. Alfred I ü r- gens(„Das Kleine Journal") als Schriftführer. Karl Gustav Grab«(.Der Jungdeutsche") als Schatzmeister. Beda Prilipp („Der Tag"), Dr. W e st e ck e r(„Berliner Vörsen-Zeikung"), Dr. Biedrzynski(„Deutsche Zeitung") als Beisitzer. Der Verband Deutscher volksbibliolhekare hielt in Berlin mit den Leitern sämtlicher deutscher staatlicher Beratungsstellen für das Büchereiwesen eine Tagung im preußischen Kultusministerium ab. Vertreter des Reichsinnemninisteriums sowie des preußischen, sächsi- schen und hessischen Kultusministeriums nabmen an der Tagung teil, die zum ersten Male die Vertreter dieser so bedeutungsvollen Arbeit zusammenführte. Die Bedeutung der Zusammenkunft lag darin, daß alle Fragen, die die statt« Entwicklung der Bücherei- arbeit auf dem Lande und in den Städten iimerhalb der letzten Jahre mit sich gebracht hat, in Beziehung gesetzt wmven zu dem Aufbau und Ausbau der staatlichen Beratungssiellen. Es wurde deutlich, daß diese die gegebene Fach- und Arbeitsstelle für alle Fragen der bildungspsleglichen Büchereiarbeit sind. Daraus er- gaben sich bestimmte Forderungen für ihren weiteren sachlichen und personellen Ausbau. Es ist zu berichtigen, daß bei der Gravbe-Aufführuna des Schiller-Theaters die Bühne nicht mit Jüöeln, sondern mit Hügeln ausgestattet war. Und die Russen verwechselten nicht das Theater durch Elvwnspäße, sondern sie ersetzten«« durch solch« Akrobaten- kunststücke. Die iklösfaulig der Groheo Berliner kunstan»stelluv, im Schl-ji Vellevue findet Mittwoch den LS. Mai statt. Ein« Auislellnng moderner INoaumenIalmolerel. In München wird om t. Juni ein« Londeraudstellung gezeigt weiden, die der dekorattocn und ttionnmenlale» Malciet der Kegerwart oewidmet ist.(M werden snw'ürte (ili Wandmalereien mit Materialproben. Mosaiken und Oiigliwlglo-rr I g-jeigt. Bulow und der Kall Oreyfus. Kaiserliche Prestigepolitik mit bewußter Llnwahrheit. Zm Haus der Deutschen Presse gab am Montag abend die Deutsche Liga suc Menschenrechte de» Zlutoren der Vreysus- Bücher, Professor Matter Sleinthal und Rechtsanwalt Dr. Bruno weil, das Wort. Der Fall Drcyfus ist aus den, viel aufgcjuhrlen Theaterstück und den zahlreichen Verosscntlichungen der letzten Jahre bekannt: Die antirepublikanijchcn Umtriebe der französischen Klerikalen um- Militaristen in den neunziger Jahren, die Verhaftung des jüdisch- elsässischen hauptnianns D r e y j u s, der unter ungeheurem Rechts- bruch— der Kriegsminister M e r c i c r sandte unter Umgehung der Prozeßbeteiligten eine umschriebene Anweisung zur Verurteilung ins geheime Veratungszimmer der Richter!— zu lebenslänglicher Depor- taiion auf die Teuselsinsel verdammt wurde, der Kampf der Zola, I a u rc s, Scheurer-Kcstner und Georges Clemcnccau um die Wahrheit, die Entlarvung des Spions Walsin- E st c r h a z y und der Fälscher Henri und Du Paty d e C l a ni vom Großen Gencralstab, der Sieg der Demokratie, des Rechtes, der Republik. Von besonderem Interesse war die Aussprache über die Rückwirkung des Falles Dreysus aus die deutsch-französischen Beziehungen und die Rolle, die der damalige Staatssekretär des Auswärligen, spätere Reichskanzler Bülow in der Frage spielte. Während Pkosessor Steinthal nach Entschuldigungen>ür Bülow suchte, kam Rechtsanwalt Weil zu einer schrosscn Ve r u r t e i- l u n g. In Berlin wußte man ebenso wie in Paris, daß Beziehungen zwischen der deutschen Botschaft und französischen Generalstäblern bestanden. Weil Bülow kein Interesse daran hatte, daß die fran- zösische Republik durch Bereinigung der Affäre Dreysus„sich sofort wieder die Sympathien der Liberalen und Juden in Europa ge- wanne"', weil er wollte, daß die Angelegenheit„weirer Europa skandatiere", verschwieg er dem Botschafter Graf M ü n st« r die Wahrheit und duldete, daß der deutsche Militärattaches Oberst von Schwartzkoppen angewiesen wurde, seinen Vorgesetzten, den pensionierie Offiziere als Lohndrücker. Don der Ufa bevorzugt. Im Berliner Arbeitsnachweis der Reichsanstalt für F i l m- d a r st e l l« r sitzen 6M Menschen ohne Arbeit, ohne Unterstützung, ohne Brot... Das rührt jedoch den Filmgeivaltigcn der U f a keineswegs und er holt sich seine Komparsen aus den Reil/en derer, die ihm politisch herzlich zugetan, geldlich„sympalhischer" sind! Statt des festgesetzten Tariflohnes von 13 M. für«inen Arbeitstag, den der Filmkomparse zu beanspruchen hat, begnügen sich die Herren mit weniger als der Hälfte, mit 7 M.! Wer wollte da nicht zugreifen bei dieser mehr als günstigen Ramsch- gelegenhcit menschlicher Arbeitskraft! Nur ist dabei das eine nicht zu vergessen, daß die Herrn Preis- drücker diesen Verdienst als willkommene N e b e n e r n n a hm« be- trachten, da es sich hier meist um pensionierte Offizicrc Handels, svährcnd dex. Filmkomparse von diesem Golde leben muh, und nicht nur einen, oder zivei, oder drei Toac, sondern es dauerP oft viele Tage und Wochen, bis' er wieder einmal zum LerdienÄP kommt. Zur besseren Illustration des Gesagten diene, daß eine Beschöftigungsstatislik unter den Komparsen für die Zeit vom Jahresbeginn bis jetzt das Resultat lieferte, daß der m c i st- beschäftigte Darsteller während dieser Zeit ganze sechs Tage engagiert war! Gtraüe bei der jetzigen Hausse an Kricgsfilmen bat sich für die Komparserie ziemlich reiche Beschästi- ' gungsmöglichkeit, die ihnen jedoch von den Herren Stahlhelmcrn weggeschnappt wurde. Die Aufnahmeregisseure, die verpflichtet sind, ihren Bedarf an Komparserie im Nachweis zu decken, kommen wohl auch pro iorma hin, verschwinden aber dann mit der recht durchsichtigen Bemerkung, daß �sic hier nicht das„Richtige" gefunden hätten. Tatsächlich ver- hält sich die Sache aber so, daß sie eben Befehl von„oben" erhielten und diesen auch befolgen nnissen. Um die über dieses unerhörte Vorgehen aufs äußckste verbitterten Menschen bei guter Laune zu erhallen, erscheint dann plötzlich eines Tages ein'Anschlag im Nach- weis, wonach für den Tonfilm sogeiwnnte„Geräusche-Macher"— Lacher, Pfeifer, Schreier usw.— gebraucht würden, die allerdings Botschafter, zu belügen. Graf Münster gab mit gutem Gewissen im Vertrauen aus Bülow und Schwartzkoppen der sranzösijchen Re- gierung feierliche ehrenwörtliche Erklörnngen, die diese nicht glauben konnte, weil sie das Beweis maleriol für die Unwahr- h e i t hatte. So mußten sich die Beziehungen zwischen Berlin und Paris zuspitzen. Der Kriegsminister Mercier sagte damals.„Wir standen zwei Schritt vom Kriege entfernt. Alle Mobilniochungsplönc lagen in meinem Büro auf dem Tisch bereit." Der deutsche Botschafter hatte Anweisung, bei einer ungläubigen Haltung der Franzosen ostentativ in Urlaub zu fahren. Rur die mangelnde vereitschosl des sronzöjischcn Heeres ho! viel- leichl damals den Kriegsausbruch oerhindert. Die ErNärung Bülows vor der B u d g e t k o m in i f s i o n des Reichstages war auf der gleichen Zwecklüge aufgebaut. Bülow hatte sechs Wochen vorher erfahren, daß der für Deutschland arbeitend« Spion der Major E st e r h a z y war, erk'ärte aber, daß er vor sechs Wochen den Namen des Majors zum erstenmal gehört habe— eine formal richtige, innerlich vollkommen verlogene Er- klärung. Weil bezeichnete dies« Art von Politik ols unehrlich.„Eine eingebildete Staatsräson wurde über Anstand und Wahr- heitsliebe gestellt, und dieser ungesunde Zustand, der die Folge eines falschen Systems war, mußte dazu führen, daß dem deutschen Bat- schafter nicht geglaubt wurde. Während der 5?auptmann Dreysus angekettet in der Zelle auf der Teufelsinsel lag, wußte man in Berlin, daß«r unschuldig war. Das beispiellose Verhalten Lütows ist ein vernichtendes Ilrtc:! für die deutschen politischen Methoden der Borkriegszeit. Die i t a l i e n'i s ch e Regierung, die • Nutznießer der Spionage Esterhazys war, hat die Wahrheit durch ihren Botschafter offen zugeben lassen. Der frühere Botschaftsrat in Paris von der Lancken sogt« in der Diskussion, daß die Ansicht Merciers, man habe zwei Schritt vor dem Kriege gestanden, i r r i g sei. In diesem Ausmaße hätten sich die Beziehungen niemals zugespitzt.* nicht bildhaft in Crscheinug treten, trotzdem aber von„richtigen, berufsmäßigen Schauspielern" dargestellt werden müßten; dieses „geräuschvolle" Engagement hat sich ober still und leise im Sande verlaufen. Das einzige vorhandene Geräusch macht der knurrende Magen der Gcsoppten..._ Viel Geschrei und wenig Wolle. Mageres Ergebnis für die KPO. Dresden, 27. Mai.(Eigenbericht.) Auch bei der diesjährigen Neuwahl der Betriebsräte hotte die sogenamit« Gewcrkschastsopposition(lies: Kommunistische Partei) alle Hebel in Bewegung gesetzt, um in den Gememdebetrieben vor allem die Gas- und Elektrizitätswerke und die Straßenbahn zu erobern. In der kommunistischen Presse waren auch allerlei Siegesmeldungen zu lesen. Wie es aber in Wirklichkeit mit den Siegen aus- sieht, zeigt eine von der Bezirksleitung Sachsen des Gssamtvcrbandes vorgenommene Zusammensteltunz.;:n Nach den Berichten aus 76 Ortsoerwaltungen sind in 272 ge- meiichlichen Betrieben insgesamt 738 Betriebsratsmitglieder gewählt worden. Bon diesen sind organisiert: im Gesamtverba nd 653, in anderen freien Gewerkschaften-53, gewerkschaftlich unorgani- siert 32, Der KPD. gehören davon an 71.' Eigene kommunistische „Oppositionslisten" waren in 7 Orten aufgestellt. Auf diesen Listen sind ganz« 43 Mitglieder gewählt worden. Trotz Krise gewerkschaftlicher Aufftieg. Gute Arbeit bei den TlahrungSmittelarbeitern. Die Ortsgruppe Berlin des Verbandes der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter hielt am Montag ihre Generalversammlung für das erste Quartal ab. Der Vorsitzende H o d a p p teilte mit, daß das Quartal 12 neue Lohnbewegung e.n gebracht habe, die 13 319 Beschäftigt« umfaßte. Sechs Bewegungen wurden bc- endet: zwei brachten Lohnerhöhungen, zwei Dcrlänge- rung des Lohnabkommens, zwei waren ohne Erfolg. Es zeigt sich, daß an den erfolglosen Abschlüssen Arbeiterschaft und Angestellte oft selbst die Schuld tragen. So hatten die in einem Feinkalkwerk beschäftigten Arbeiter eine Lohnbewegung eingeleitet. Der Unter- nchiner schloß sich der chemischen Industrie an. Das Schiedsgericht erklärte, daß der Verband der Nahrungsnnttcl- und Getränke- arbeiter zuständig fei und fällte einen günstigen Schiedsspruch, der aber vom Unternehmer abgelehnt wurde. Auch Einigungsverhand- lungen ivoren ohne Erfolg. Die Arbeiterschast gab sich damit zu- frieden. Im Braugewerbe wurde der Kampf gegen das B i e r a u s- fahren am Sonntag wieder aufgenommen. Für den Winter hatte man die völlige Sonntagsruhe bereits durchgesetzt: für die Zeit vom 15. Mai bis zum 15. September soll sie im Bedarfs- falle aufgehoben werden können. Die Verhandlungen gehen hier weiter. Einen erfreulichen Zuwachs weift trotz der schlechten Wirtschaft- lichen Verhältnisse der Mitglieder st and auf. Er hat sich im letzten Quartal um 48 3 Mitglieder vermehrt und betrug am Quartalsschluß 18 353. Die vorbildlich gut besuchte Versomm- lung wöhlie nach Rechnungslegung der Kasse die Delegierten iür die Tagung des Haupwerbandes. Der Lokalkassenbestand hat sich um rund 5309 auf 59 346 M. erhöht. Arbeiterregierung und Lndien. Macdonald erklärt Gelbständigkeit der Kolonialvölker als Endziel. London, 27. Mai.(Eigenbericht.) Macdonald erNärle in Schoklland in einer Rund- f u n k re d e: „Die Selbstverwaltung der kolonialvölter ist natürlich das Endziel der Politik der Arbeiter- regierung. Man soll sich jedoch hüten, d>e englische Aufsicht über die kolonialvölter zu frühzeitig aufzugeben, weil dann die kolonialvölter sehr leicht Gefahr lausen, in den Zustand zurückzusinken, aus dem sie von England herausgezogen worden sind. Das englische Imperium tonn aber nur dann dem Schicksal früherer Weltmächte entgehen, wenn es sich den Rotmendigteilen der Zeil anpaßt. England hat zum Besten der Welt noch eine große Ausgabe zu erfüllen, vorausgesetzt, daß e, die Gegenwart ersaßt und die Zutunftvorbereitel. wir haben den Völker« zu beweisen, daß unsere Verwaltung ehrlich und aufrichtig zum Besten der Völker gemeint ist. damit wir sie künstig als gleichberech- l i g l e portner dem englischen Imperium erhallen." Opposition in der Arbeiterfrattion. London, 27. Mai.(Eigenbericht.) In der Unterhausdebatt« versuchte der konservative Redner die Kommunisten als Quell« des Uebels hinzustellen. Der Redner der Ar- beiterpartei sprach sich über die Erfolgsaussichten einer britisch- indischen Konserenz sehr zweifelnd aus. Als der Staatssekretär für Indien Venn in seiner Rede fragte: „Was ist die Pflicht der Regierung?", rief der unabhängige Arbeiter- parteiler Brown:„Das letzte, was eine Arbeiterregierung not- wendig hat, ist, die schmutzige Arbeit des Imperialismus zu besorgen."» Der bereits angekündigte Mißtrauensantrog des radikalen Flügels der Arbeiterpartei zur Jndienpolitik der Regierung ist für eine spätere Gelegenheit z u- rückgestellt worden. Der für den Zlntrag verantwortliche Abg. Fenner Brockway erklärte, daß er diese Entschließung vor- bereitet habe, da es Zeit sei, einen st arten Protest zu erheben. Er verlangte sine Amnestie für die politischen Gefangenen in Indien und kritisierte die Unterdrückungsmaßnahmen. Brockway verlas dann eine Erklärung über die Ereignisse in Peschawar vom indischen Standpunkt aus und ersuchte die Regierung, eine un- parteiische Untersuchung einzuleiten, die einen Ausgleich ermögliche. Zum Schluß wies er darauf hin, daß sich eine andere Gelegenheit zu einer eingehenden Erklärung über die ickdische Lage ergeben und daß er bis dahin seinen Mißtrauensantrag zurückstellen werde. Die Flugzeughallen im Rheinland« sollen nach einer Entschei. dung der Botschofterkonferenz nun doch zerstört werden bis auf zwei Hallen in Neustadt. Die Zlrbeilerregierung von Reuscelond hat die Militär, d i e n st p s l i ch t ä» f g e h o b e n. Sic hat damit einen seit 26 Jahren von der Arbeiterpartei geforderten Grundsatz verwirklicht. WERT HEIM Rosenthaler Str. Billige Angebote in fast allen Abteilungen Wasch-Kunstseide 65». moderne Mutier, Meier r Mm Kunstseidener Voile o90 große Mutterautwahl, ca. 100 cm breit, Meter Frauenkleid 10 75 Damenmantel-ss-iä?- 16 50 Damenstrümpfe 75 m. 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Alle Sonderdifzi- plinen haben sich diesem Ziele unterzuordnen/' Hiermit kann man sich grundsätzlich einverstanden erkläreir Die Bevölkerung braucht in erster Reihe gutausgcbildcte und tüchtige praktische Aerzte. Die Universitäten haben indes nicht nur Ausgaben von Fachschulen zu erfüllen, sondern sie sollen auch der Forschung dienen und bei Lehre und Forschung der inneren Verbundenheit der wissen- schastlichen Disziplinen Ausdruck verleihen. Alles das kann ge- schehen, ohne die Hauptaufgabe der medizinischen Fakultäten, näm- lich praktische Aerzte auszubilden, zu pcrnachlässigcn. Diesem Ziele vcrnrögen sich auch alle medizinischen Sonderdisziplinen untcrzu- ordnen, vorausgesetzt allerdings, daß man das Heimotrecht und die Selbständigkeit der medizinjschen Sonderdisziplinen an den Uni- versitäten nicht illusorisch inacht. Wenn die medizinischen Fakultäten es als ihre Hauptausgabe ansehen, praktische Aerzte auszubilden, so hat damit eine etwa beabsichtigte Ausschaltung einer Reihe von Sonderdisziplincn als selbständiger Lehrfächer ganz und gar nichts zu tun. vis Frage der neuen Fächer Professor S ch i e ck aus Würzburg, der Wortführer der medi- .zimschen Fakultäten, führt Klag« über die„teils auch von Kreisen außerhalb der Acrztcschaft aufgedrängten neuen Fächer". Zur ersten Gruppe dieser Fächer rechnet er Neurologie(Nervenkrank- Helten), Orthopädie. Röntgen kund«, Urologie (Nieren- und Blasenleiden) und Sportmedizin. Nach Schieck „warten" diese Fächer„aus den günstigen Moment, sich ebenfalls in die anerkannten Fächer ein.zuschieben". Schieck ist Augenarzt. Offenbar ist es ihm entgangen, daß die Augenheilkunde vor wenigen Jahrzehnten in der gleichen Lage war, wie jetzt die eben genannten Fächer. Schieck sagt ferner, es sei richtig, daß die Forschung auf dem Gebiet der Medizin nur vorgetragen werden■" könne, wenn eine noch größere Gliederung in Wissenszweige statthabe. Er meint aber, damit sei noch lange nicht bewiesen, daß eine solche Auf- toilung mich zu neuen Lehrdisziplinen führen müsse. Wo- mit soll denn aber sonst die Notwendigkeit neuer Lehrdisziplinen erwiesen werden? Uebrigens— neuer Lehrdisziplinen? Die er- wohnten neuen Fächer haben sich doch vielfach schon vor Jahr- zehnten von dem Mutterfach abgespalten. Schieck meint nun, jeder Vertreter des„verlassenen Mutterfachs"(!) sei sehr wohl in der Lage, das für praktische Aerzte Nötige den Studenten beizubringen. Wozu nur zu bemerken ist, daß der Vertreter des Sondersachs es besser machen wird als der Vertreter des„verlassenen Mutterfachs". Schicck kommt auch auf die Ansprüche der Orthopäden gegenüber den Chirurgen zu sprechen. Es sei da zu einer gewissen Rivalität gekommen, weil die trennende Linie-schwer zu finden sei. Schieck fragt:„Soll dieser mehr oder weniger die Chirurgen und Orthopäden beschäftigende Wettstreit auf dem Rücken der Prüflinge ausgefochten werden?"— Durchaus nicht! Der Chirurg und der Orthopäde sollet sich über die Abgrenzung de? Gebiets einigen, ober sich wcht wegen jedes Grenzsalls befehden. Die physikalische Therapie, die medizinische Diätetik und die Psychotherapie stellen nach Schicck die zweite Gruppe der Sonderdisziplinien bzw., wie er meint, der„teils von Kreisen außerhalb der Aerzteschaft aufgedrängten neuen Fächer" dar. Schieck sogt:„Die genannten Heilmethoden sind nicht Allhcil- mittel, für die sie das groß« Publikum hält." Das„Publikum" ist gar nicht so dumm, einer solchen Ansicht zu huldigen. Schicck meint:„Diese Gebiete werden im Rahmen der klinischen Vorlesungen mit der gebührenden Beachtung gewürdigt." Darüber kann man ganz verschiedener Ansicht sein! Und wenn Scheck gar erklärt: „Werden die Gebiete anschaulich vorgetragen, so finden sie ihren Zuhörerkreis auch ohne jedenZwang", so hat diese Tatsache mit der Dozcntentätigkeit im Rahmen dieser Gebiete gar nichts zu tun; langweilige Vorlesungen, gleich welcher Art, werden von den Studierenden gewöhnlich fluchtartig verlassen. Schicck schließt diesen Abschnitt seiner Ausführungen mit den Worten:„Einseitig ein- gestellte Wasserfanatiker sollen nicht auf der Universität großgezogen werden." Wer hat das behauptet? Was soll diese Bemerkung? Schicck, seines Zeichens Augenarzt, sieht denn doch die Methoden und die Bestrebungen der Hydrotherapie und der Bäderkunde in einem allzu ungünstigen Lichte. medizinische Akademien? Auf der letzten Versammlung des medizinischen Fakuliäten- tags hat die Professorenschaft sich auch mit den angeblich neuerdings wieder ausgetauchten Plänen beschäftigt, die daraus abzielen, aizo den Krankenhäusern der größeren Städte st a a t l i ch an- erkannte Ausbild ungs st ätten für Studierend« der Medi- zin zu machen. Diesen Bestrebungen lzabe sich der Fakultätentag, wie Schieck berichtet, einmütig und entschieden widersetzt; denn er sähe hierin nur den Anfang der Gründung von Medizinschulen, ohne daß dafür irgendein Bedürfnis bestünde. Grundsätzlich müsse der Unterricht der Studierenden alleinige Ausgabe der Universitäten bleiben, wo„die Bedingungen hierzu in jeder Hinsicht am besten gegeben seien". Daß der Fakultätentag diese Stellung eingenommen hat. Ningt nicht verwunderlich. Aber wie steht es nun mit der Be- gründung für diese Stellungnahme? Erstens wird da behauptet, irgendein Bedürfnis für die Juan- spruchnahme der Krankenhäuser der größeren Städte für den ge- nannten Zweck bestünde nicht. Allerdings kaum, wenn nickst die Zahl der Medizinstudierenden eins ützermäßig große wäre(wofür zahlreiche Hochschullehrer mitverantwortlich sind!). Di« lieber- füllung der medizinischen Vorlesungen und Kurse an vielen Universitäten ist derart, daß vvn einem geordneten medi- zinhchen Unterricht kaum noch gesprochen wenden kann. Wenn die Zahl der Hörer abnimmt, so sinkt damit nicht das Ansehen einzelner Hochschullehrer! Besondere Medizinschulen, besser gesagt, meoi- ziizische Akademien, die der Ausbildung der in den klinischen Semestern stehenden Medizinstudierenoen sich widmen, zu gründen, wird jetzt im allgemeinen nicht erforderlich sein. Was aber notwendig ist im Interesse des Unterrichts, insbesondere zwecks Herabsetzung den einzelnen medizinischen Vo/lesungen und Kursen, dos ist die Benutzung st ä d t i s ch e r und anderer öffentlicher Kran- kc n Häuser, die sich in Universitätsstädten befinden, als Lehr- und A u s b i l d u n g s st ä t t c n für Zwecke des U n i o e r f i t ä t s- Unterrichts. Selbstverständlich mit der Maßgabe, daß die Krankenhaus-Chefärzte neben ihrem sonstigen Krankenhausdienst auch die Lehrtätigkeit übernehmen. Was in Frankfurt a. M., Hamburg, Köln und Düsseldorf in ganz ähnlicher Weise in dieser Hinsicht sich vor Jahren ermöglichen ließ, wird auch in anderen Städten sich ermöglichen lassen. Die Gründung medizinischer Akademien dürste jetzt und während der nächsten Jahre wegen der finanziellen Schwierigkeiten, in denen sich das Reich, die Länder und die Städte befinden, nicht in Frage kommen; einer grundsätz- lichen Ablehnung medizinischer Akademien muß jedoch aus das ent- schiedenste widersprochen werden. Jetzt kommt es darauf an, die oft vorzüglichen Einrichtungen städtischer Krankenhäuser und auch mancher anderen Krankenanstalten und Institute dem Unterricht in Universitätsstädten nutzbar zu machen, weil die Bedingungen für die Medizinstudicrcnden dort jetzt keineswegs„in jeder Hinsicht am besten gegeben" sind! Die Borschläge, die von Schieck und dem Medizinischen Fakul- tätentag für die Neuordnung des Medi-instudiums gemacht worden sind, bedürfen noch einer sehr ausgiebigen össentlichen Erörterung und weitgehender Abänderungen. Von den versch-edensten Gesichtspunkten a-us müssen die Zusammenhänge beleuchtet und die ein- .zelnen Streitfragen einer Klärung und Lösung nähergebracht wer- den. Jeder, der' guten Willens und bereit ist. Vorschläge zu machen und zur Diskussion gestellte Dorschläge zu erörtern, muh hierbei willkoinnien sein. Jeder, mag er Dozent oder Student, mag er Arzt oder Nichtarzt sein. Nur dann wird die für die Volksgesund. heitspflcge und die Sozialversicherung so wichtig- Frage der Aus- bildung der Aerzte in fortschrittlichem Sinne, in modernem, sozialem Geiste gelöst werden können. LtackUrrk Dr. Alfred Korach. Das Proölem der Eheöeralung Erfahrungen in Tiioringen In Thüringen ist bisher die Arbeit der Eheberatungsstellen nur in ganz geringem Ilmfange ausgenommen worden. Aus 15 0 k o m- munal« Eh« b cro tu n gs stel l cn, die für Deutschland angegeben werden, entfallen nach einer Statistik in Thüringen nur drei städtische Stellen, zu denen als viert« die des Land- krerses Altenburg hinzukommt und weiter die im Vorjahr« 1029 eröffnete E h e b e ra t u n g s st« l le des Ortsausschusses für Ar- beitcrwohlfohrt Weimar. Von den behördlichen Stellen wird mehrfach berichtet, daß die Inanspruchnahme nicht den Erwartungen entsprach.„Unsere Stelle führt eine Scheincxistenz", heißt es ein- mal. Di« Geringfügigkeit>dcs Erfolgs mag zum Teil darauf zurück- zuführen fein, daß die Stellen zu sehr nach dem Muster der groß- städtischen Einrichtungen geformt wurden und dies nicht den Ver- Hältnissen der Mittel- und Kleinstädte, wie sie für Thüringen in Frage kommen, entspricht. Als im Laufe des Jahres 1928 der Weimarer Orts- aus schuh für Arbeit erwohlsahrt begann, sich mit der Frage der Einrichtung von Eheberawngsstellen zu beschästigen, schien es deshalb geboten, zunächst die verschiedenen Formen, unter denen die Beratungsstellen arbeiten, zu untersuchen, um daraus zusammenfassend«in für die Mittelstadt geeignetes einheit- liches Gebilde zu schaffen. Dabei stellten sich wesentlich folgende Typen als grundlegend heraus: die vorwiegend auf medizinifch- sozialhygienischcr Grundlage aufgebauten, wie die Berliner städti- scheu StelKn, fo auch die an Krankenkassen angegliederten in Sachsen und anderswo, die zunächst besonders auf Rechtsfragen eingestellten, wie die in Hamburg, die-aus der dortigen Rechtsberatungsstelle hervorging, die erbbiologische Forschung in den Bordergrund stel- lende, der Nervenstation für abnorme Kinder und Jugendliche der Universität Bonn angegliederte, die zunächst fürsorgerisch auf den Frauenschuh bedachten, etwa die Frankfurt«« Stell«, die dem Bund für Mutterschutz ihre Entstehung verdankt. Auf Grund dieser Untersuchung gewannen wir die Ueberzeu- gung, daß die an E h e b e r a t u n g s st e l l e n herantretenden Fragen so unendlich mannigfach und verwickelt sind, daß sie, vor allem, wenn es sich nicht nur um Beratungen vor der Eheschließung, sondern um solche von Eheleuten oder Geschiedenen handelt, in einer großen Zahl von Fällen gar nicht in«inen Typ(medizinifch, juristisch, fürsorgerisch) einzuordnen sind, sondern daß in der Mehr- zahl der Fälle die verschiedenen Fragen ineinander übergreifen, einander überschneiden. Ebenso ist für die zusammenfassende Arbeit einer Mittelstadt die Spaltung in mehrere verschiedenartig arbeitende Stellen, wie sie durch die Struktur der Großstadt möglicherweise bedingt sein mag, undurchführbar. Da das volkshygienische Jnter- esse in den Vordergrunid zu stellen war, nahmen wir Fühlung mit dem Acrztcvcrein und den Krankenkassen. Wir er- suchten den Acrztcvcrein um Namhaftmachung eines allgemein ge- bildeten praktischen Arztes als Vertrauensarzt. Weiter schlug uns der Aerztevcrein für einen zu bildenden Beirat einen Neurologen, einen Gynäkologen und einen Dermatologen vor. Damst wurde der in ärztlichen Kreisen bestehenden Meinungsverschiedenheit dar- über, wer als ärztlicher Leiter einer Ehsberatungsstelle in erster Linie berufen sei, der Neurologe, der Gynäkolog«, der Dermatologe. der allgemein gebildete praktische Arzt, ausgleichend Rechnung ge- tragen. Letzterer hält die Sprechstunden ab, in besonderen Zu- sammenkünften mit dem Beirat werden besondere Fragen behandelt, eventuell schwierig« Fälle besprochen. Di« Spezialisten ihrerseits Uberweisen nicht selten Fälle aus ihrer Praxis an unsere Stelle. Die Sprech st unde n wurden zunächst zweimal monatlich abg elzalten. Außer dem Arzt bin ich oder meine Stellvertreterin anwesend zur Beratung über Fälle, die nicht rein medizinisch zu erfassen sind. Rechtsfragen aus dem Gebiet des Familien- rechts sind häufig zu erörtern, gelegentlich solche, die in das Straf- recht oder andere Rechtsgebiet«, Sachenrecht, Recht der Schuldver- Hältnisse usw. übergreifen. Fälle, die eine Vertretung vor Gericht durch den Rechtsanwalt bedingen, werden einem bekannten Partei- genossen, der jetzt als Rechtsanwalt tätig ist, überwiesen. Dieser stellt auch sonst der Stelle seinen Rat zur Verfügung. Es scheint nach den bisherigen Erfahrungen, daß diese Art der Organisation sich bewährt und das Vertrauen der Bc- völkerung genießt, denn die Stelle wurde von Beginn an in Anspruch genommen und dies geschieht in steigendem Maße. Rat- suchend« kommen aus den verschiedensten Schichten der Bevölkerung; unter 37 Fällen, auf die sich die Statistik der ersten 17 Sprechstunden bezog, waren 20 Frauen und 17 Männer, die teilweis« die Stell« mehrfach aussuchten. In 6 Fällen wurde sie von nicht in Weimar Ansässigen ausgesucht. Ohne Namensnennung, die nicht verlangt wird, kamen 8 Fäll« zur B«ratung. Medizinischer Rat wurde in 21 Fällen, juristischer in 20 nachgesucht, beide häufig in dem gleichen Fall. Fürforgerische Beratung kam 8mal in Frag«, 3mal kamen dabei wesentlich pädagogische Fragen— schwierig er- zichbar« Kinder betreffend— in Bktracht. Hier spielt gerade die gleiche Frage eine Rolle, die bei der Ausstellung von Heiratszcug- nissen im Vordergründe steht, nämlich die der erblichen B e- la stu ng, die dann ja auch unter Umständen wünschenswert macht, Frag« der Verhütung der Schwangerschaft ist aber nur ganz vereinzelt au die Stelle herangetreten. Gerade die Fo- mitien, bei denen nach sürsorgerischcr Meinung«ine Beschränkung der Kinderzahl geboten wäre(Fortpflanzung von Gewohnheit«- trtnkern und anders Belasteten und Asozialen bei schon vorhan- dener größerer Kinderzahl), gerade diese suchen die«stelle nicht auf, wohl aus eben hier mangelnd ein Verantwortungsgefühl gegenüber der kommenden Generation. Die Ausstellung eines H c i r a t s- Zeugnisses wurde in 5 Fällen gewünscht. Bei verschiedener Art von Ehekonfliktcn(dabei Untreue des Mannes in mehreren Fällen, der Frau mir in einem einzigen Falle) gelang gelegentlich ei.r Ausgleich, mehrfach konnte das Interesse der Kinder gefördert werden. Aus dem vorstehenden detaillierten Bericht ist der weite Um- kreis ersichtlich, auf den sich eine Beratung, die der gestellten Auf- gab« gang gerecht werden will, erstreckt. Sie umfaßt tatsächlich den ganzen Komplex von Störungen des Familienlebens. Auch an die dem städtischen Wohlfahrtsamt in Jena ange- gliederte Stell«, die medizinische und Rechtsberatung vorgesehen hat, treten so ganz verschiedenartige Fragen heran. Es ist er- sahrungsgemäß ganz unmöglich, die ärztlichen Fragen von denen anderer Art zu trennen, selbst da, wo es sich um Ausstellung eines Heiraiszeugnisses handelt; Erbbiologisches und konstitutionelle Veranlagung stehen da an erster Stelle, doch die Ehemöglichkeit wird jbei Berücksichtigung dieser beeinflußt durch wirtschaftliche und Wohn- Verhältnisse und ollgemeine Lebensbedingungen. Es ist nicht uninteressant, daß in Kreisen der bürgerlichen Frauenvereine die Gründung von Eheberat iings- stellen zur Zeit lebhaft propagiert wird, weil man in einer von Frauen geleiteten Stelle besonders für Frauen verstand- nisvolleren Rat erwartet als an einer behördlichen Stelle. So schuf der Vaterländische Frauenverein in Steglitz eine Stelle, in deren Sprechstund« weibliche Rechtsanwälte tätig sind und die im Lauf« des Jahres 1929 von 194 Frauen, aber nur von 40 Männern auf- gesucht wurde. Sie hat nach dem Bericht nur eine einseitig orien- tierte Tätigkeit zu verzeichnen. Für ein« Klein- oder Mittelstadt wäre ein« derartig einseitige Gründung durch einen solchen Frauen- verein nicht eine Lösung der Frage. Andererseits hat die ver- trauensvoll« Aussprache besonders von Frau zu Frau an einer nicht rem amtlichen Stell« hier Wert. Nach Mittestungen aus Jena scheuen sich die Leute häufig, die dortige Beratungsstelle aufzu- suchen, vielleicht auch, weil sie zu leicht dabei beobachtet werden können. Unser« Stelle wird dadurch ergänzt, daß es den Ratsuchenden möglich ist, außerhalb der allgemeinen Sprech- stunden ebenso.kostenlos den Arzt in seiner Sprechstunde und mich täglich zu bestimmter Stunde aussuchen zu können. Dabei fühlen sich häufig die Ratstichenden, vor allem Frauen, freier und unbeobachtet. Natürlich ober— und das muß betont werden— ist das Vertrauen, das zum Nachsuchen solcher ganz intimen Ve- ratung erforderlich ist, wesentlich vott der Frage der Persönlichkeit abhängig, zumal in Mittel- und Kleinstädten, w» man die einzelnen Persönlichkeiten mehr kennt als in Großstädten. Nötig ist nach unserer Erfahrung unbedingt, daß die Beratung durch den Arzt vor allem für Frauen, doch sehr häufig auch für Männer, ergänzt wird durch Möglichkeit der Rücksprache mit einer reifen sozial er- fahrenen, möglichst etwas in Rechtsfragen orientierten Frau. Nötig ist auch, daß jeder Bllrocharakter, der amtlichen Stellen leicht anhaftet, absolut vermieden wird. Es wäre zu erwägen, ob nicht «iiiliche ärztlich geleitet« Stellen durch eine in eben geschÜdertem Sinn« qcuilifizierte ehrenamtliche weiblich« Kraft ergänzt werden können. Das wird auch für Großstädte möglicherweise in Betracht kommen. Eine Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt wird sehr in Betracht gezogen werden müssen, falls nicht überhaupt da, wo behördlicherseits lein« Stellen«ingerichtet werden, die Arbeiter- Wohlfahrt eigene Stellen einrichtet. Sie Hot gegenüber den solch« Gründung planenden Frauenvercincn voraus, daß sie nicht eine rein« Frauenorganisation ist, daß sie weiter den Kreisen zugehört, die vor allem an der gemeinnützigen Eheberatung Interesse haben, weil ihnen die Möglichkeit fehlt, den oft kostspieligen ärztlichen oder anderen Rot privat einzuholen, weil im allgemeinen die Mit- ar-beiter der Arbeiterwohlfahrt menschlich freier den gerade im Ehe- leben zu erörternden Fragen gegenüberstehen, als Frauen anderer Kreis«. Kleinste Ort«, das sei noch gesogt, kommen sür Grün- dung von Ehebervtungsftellen kaum in Betrocht, weil die Beratung dort schwer diskret genug gestaltet werden kann. Die Beratungsstelle an einem größeren Ort stellt sich zweckmäßig dem Umkreis zur Verfügung. Zusammenarbeit mit der Aerzteschaft ist anzustreben. Als letztes folgendes: man schlägt vor. P u b e r t ä t e- beratung an die Eheberatung anzugliedern. Dogegen bestehen gewisse Bedenken bei uns. Wir hoben jedoch auf Grund verschiedener an uns herantretender Fragen medizinisch-pädagogischer Ärt Mütter abend««ingerichtet. Kinder— Eltern— Ehe— das läßt sich nicht voneinander trennen, und ivcnii man wirklich volks- hygienisch und jozialcthisch ausbauen will, jo muß man diese Dreihcit Äst»» gjst- Lp.li.iK Lshmaiin. (33. Fortsetzung.) Und jetzt war P. da. Ihr Körper, ihre Nerven, ihre Sinne entsponnen sich. Uaberlegen steht sie ihm gegenüber. Er kommt ge- beugt auf sie zu. Legt ein Biinfcel Papiere auf den Tisch, wartlos, ohne sichtbore Erregung. Achtlos läht es Lillian dort liegen. Ihr Blick ist voll dem Manne zugekehrt. Der sieht nach ihr. Es ist furchtbar, wie er nach ihr sieht. Lillian möchte ausschreie». P.'s Nacken hebt sich. Wie kam er hierher? Traumhaft wandert sein Blick durch den Raum. Er überzeugt sich, dah er wach, daß alles wahr ist. Furchtbar wahr. Jetzt erinnerte er sich der Worte Lillions, die sie hier an gleicher Stelle zu ihm gesprochen hat:„Ich will den Karantiepakt mit Rußland. Ich will Ihre Pläne."— Sie sagte dies so einfach, selbst. verständlich, zwingend. Und gerade darin log die Stärke ihres Willens. So einfach, selbstverständlich, zwingend ihr Wunsch, ihr Befehl war, so einfach, selbstverständlich, gezwungen, gehorcht« er ihrem Befehle. Der Einfluß der Frau wirkte auf ihn auch aus der Ferne. Es war wie Hypnose, unter der er stand. Er handelt« willen, und Herr- schaftslos. Nein. Eigentlich wurde ihr Will« zu seinem. Er stahl förnilich sich selbst die Dokument« aus der Lade. Ein Dieb war er an seinem Lebenswerk geworden. Ja, ein Dieb, denn es gehörte nicht ihm, sondern einem Fremden— Maro. Maro— daran will er setzt nicht denken. Maro lebt nicht mehr für ihn. Hat nie gelebt für ihn. Aber die— Lillian! Ihre weiße Haut schimmert, blendet ihn. Diese Haut, dies« Haare, das Gesicht, ihre Rosse! Haßt er sie nicht?! Weih und Gelb! Rasse würgte Rasse. Es bricht um ihn zusammen. Er fällt, fällt, fällt. Rein, hält sich aufrecht, schiebt sich ganz dicht an sie heran. Seine Hände langen nach ihrem Halse. Will er sie würgen, will er sie küssen? Er weih es nicht. Und da— di« Papier«... Die weiße Frau schüttelt ihn ab und verwahrt die Papiere in einen eisernen Schrairk. Die stählern« Tür fällt dumpf und schwer in» Schloß. Die Papier«! Verrat!—«in unbändig«? Haß lodert in ihm auf. Lillian hat den Schlüssel vom eisernen Schrank an sich ge- nommen. J. starrt sie an. Dieses Weib ist ihm freind! Für di« wurde er zum Dieb an seinem Lebenswerk? Seinem Lebens- werk? Ja! Sein Lebenswerk: Kampf gegen die Rasse dieser Frau. Stand zuvor Weiß gegen Gelb in ihm, so steht jetzt Geld gegen Weiß. Die Dokumente und Pläne! Der V«rrat darf nicht geschehen: es geht um den Sturz der fremden Rasse! Er muß den Schlüssel haben. P. steht vor ihr, atemnahe. Nein, jetzt ist er nicht mehr schwach Jetzt ist er stark, sehr stark. D!« Popi«re müssen in seine Hände! Er fordert von ihr den Schlüssel. Sie ist wie erstarrt. Leblos. Nein, sie lebt. Lacht! Jetzt will er sie anfassen, packen— morden. D. taumelt zurück. Unmöglich, er kann sie nicht berühren. Es ekelt, es graut ihm vor dieser weißen Haut. Er stürzt zu-ni eisernen Schrank. Rüttelt. Trommelt mit den Fäusten. Vergebens. Er heult auf. Nur ein einziges Mal. Dann hat er sich plötzlich wieder in der Gewalt. Verantwortung von den Tatachen überkommt ihn. Gleichmut dem Schicksal gegenüber. Jetzt ist er ganz Asiat. Er wendet sich und geht. Als Verräter, nicht als Besiegter geht er von hier. 47. Noch in dieser Nacht war Marin im Besitze der Dokumente und Pläne. Viel« Stunden saß er über den Papieren und erforschte jedes ihrer Zeichen. Verschlang sie, wurde von ihnen verschlungen. Da war der Garantiepakt mit der Sowjetregierung. Der letzte Trumpf, den er ausspielen wollt«. Und da die Pläne, die genaue Aufstellung der revolutionär«» Körperschaften, vorgemerkt und eingezeichnet di« Besetzung des Telegrophsnamts, des Elektrizitätswerks, der wichtig- ften Regierungsgebäude, jedes Signal, jedes Verstänoigungsmittel. Lange mußte daran«in Mensch gearbeitet haben. Viel hingegeben haben an Zeit, Kraft, Energie und vielleicht auch Idealismus. Wie war das alles durchdacht und durcharbeitet! Etwas Großartiges ging davon aus. Marin war es, als sei dieses Lebenswerk vi«l stärker als er selbst. Eine fremde Stimme sprach aus ihm. P.! Ueberall mar B. Marin trank Kognak. Sein Kopf wurde freier, fein Denken leichter. Beherrscht« Ruh« kehrte in ihm ein. Er konnte sich meistern. Griff mit starker Hand nach den Papieren. Sie gehörten nun ihm. In seine Hand gegeben, waren sie seiner Willtür unterworfen. Jetzt stand es bei ihm, aus ihnen eine Macht zu entwickeln, mit ihr zu vernichten, sich selbst aber aufzubauen. * Lillions Leben begann sich vielfältiger denn je zu gestalten. Im Grunde war es gleichmäßig, öde. einsam. Seitdem P. von ihr gegangen war, jagte, hetzte es si« unaufhörlich. Das Erlebnis mit war unauslöschlich in ihr. Es verließ sie nicht einen Augenblick. Si« lief jetzt dem Leben nach, sucht« e», wo sie es auch immer zu finden hoffte. Hatte k«inen Halt mehr, wollt« ihn auch nicht haben. Galt in aller Oesfentlichkeit als di« Geliebte Mr. Keads. Hatte ihre Autos und Pferde, konkurrierte mit den teuersten Damen der Stadt. Trug aber immer Triumph und Si-g davon. War sie doch jetzt JJcfänefar von ungewöhnlicher Schönheit. Hatte sich entfaltet und stand aus dem Zenit des reifen, vollen, üppigen Weibes. War sie aber allein mit sich— was jetzt selten vorkam—, dann war si« ein armes, unglückliches, gebrochenes Weib. Si« klagte sich an, schämte und verachtete sich, verbohrte sich in ihre Schuld und ließ sich von ihrem Gewissen zerschinden. Zu P. gehen, sich ihm darbringen, das konnte sie nicht. Aber oft rang sie mit diesem Entschluß. * Miß Lillian Blyth verließ dos Palais Keads in der Peking- Road. Wollte in ihre Limousine steigen. Auf sie zu trat Maro. Die Tatarin hinderte sie facht« am Betreten des Wagens. Kehrte sich ihr voll zu und sah sie unverwandt an. Maß sie vom Kops bis zum Fuß, ober nicht herausfordernd, beleidigend, sondern forschend. Lillian war von dem Blick der dunklen, ihr völlig fremden Frau betreten. Fand nicht den Mut, sie zu fragen, wer sie sei, was sie wolle, sondern versucht« diesem uncrgründbarcn Blicke standzuhalten, ihn zu erwidern. Wohl aber war sie nervös und ungeduldig. Maro sprach zu ihr mit ruhiger, dunkelgefärbter sicherer Stimme:„Sie sind Miß Lillian Blyth. Ich täusche mich nicht. Es Hütt« keinen Zweck, sich zu verleugnen. Bevor ich Jhn«n den Grund, d«r mich bewog, Sie aufzusuchen, auseinandersetze, will ich Ihnen sagen, wer ich bin. Ich bin die Geliebte eines Mannes namens?)., den Sie zu kennen gewiß in Abrede stellen werden". Ihre Stimme war drohend geworden. Auch rückte sie näher an Lillian heran. Lillian gewann rasch Fassung. Erwiderte geistesgegenwärtig: „Ich stelle nicht in Abrede, diesen Mann,»amens?)., zu kennen, doch ist es mir gleichgültig, in welchen Beziehungen Sie zu ihm stehen. Ich habe nie das Vergnügen gehabt, Sie kennenzulernen, und halte es für überflüssig, dieses Vergnügen nachzuholen. Ich wüßte nicht, was uns zu einer gegenseitigen Aussprache bestimmen sollte." Maro packte Lillian am Handgelenk. Die aber riß sich los, schwang sich in den Wagen und auf den Führersitz, ließ den Molor antreiben, streckte lachend ihre Hand Maro hin. gab thr ihre Visit- karte, damit, wenn sie sie zu sprechen wünsche, sie auf der Karte den dazu gegebenen Ort fände. Gab Gas und fuhr davon. Maro sah mit weit offenen Augen und unverwandten Blickendem rasch dahingleitenden Gefährt« nach. Sah. wie es in dem Getümmel des Verkehrs oerschwand und mit ihm die lachende Frau, der sie so vieles zu sagen gehabt hätte. Mara stand da, umtost von Lärm und Menschen, regungslos ihren Platz behauptend, unverrichteter Dinge, noch tiefer zurückgestoßen in etne peinigende Ungewißheit. Sie hatte viel Zeit gebraucht, um diesen Schritt zu tun, vieles dabei erwogen, sich dazu überwunden Und jetzt stand diese Frau, in deren Hand schon so viele Menschenschicksal« gegeben waren, da, in namenloser Angst und Bedrängnis, belächelt von einem Weibe. War sie denn wirklich so klein und nichtig, diese dunkelhaarige, schwer- mütige Tatarin? In ihr schwoll ljoß an, jener barbarische Haß, der bis zum Verbrechen sührt. � Lillian aber saß an, Volant und steuerte mit beherrschter Ruhe di« Limousine durch das Gewimmel und Gewirre de? Straßen. Dochte mit«inem müden, abgelebten Lächeln an die dunkelhäutige Frau. Sah sie noch immer vor sich stehen mit dem starren Ausdrucke von Schmerz und Haß. Hört« ihre Worte, diese dumpfen, schweren Worte. Wie war doch alles das dumm mw zwecklos. Wo hielt sie bereits und wo stand noch diese dickblütige Tartarin! Sie, Lillian, war zu Ende mit allein, auch mit ihm, um den die andere mit ihr kämpfen wollte. Sie hatte die Russin gut verstanden, sehr gut oerstanöen. Aber was konnte die noch von ihr wollen? Wozu haßte sie sie? Lillian konnte nichts mehr davon versteh«,,. Sie wollte auch nichts mehr verstehen. Sie wollte nur leben, so leben wie jetzt, ohne eigsntliches Bewußtsei», ohne Sinn. äL. Mr. Äead� und Mr. Marin saßen sich gegenüber. Schwiegen, Be- lauerten sich. Herbe Furchen hatten sich in ihre Gesichter gezeichnet. Ihre Blicke flackerten unstät. Es waren wichtige Dinge, die durch- gesprochen werden sollten. Aber die Reden der beiden Männer kamen nicht in Fluß.(Fortsetzung folgi.) £ Buch Qalsnorlhy: Itellbrüder „Was für eine Ausgabe hat der oilzzelne?"—„Etwas criiit zu meinen und zu wollen, darauf kommt es an." Diese beiden Sätze aus Galsworthys Buch„W eltbrüder" könnten ihm als Motto vorangestellt sein. In ihnen konzentriert sich der Inhalt der vierhundert Seiten. Galsworthy ist ein außerordentlich produk- tiver Schriftsteller, ein glänzender Stilist, dem das Studium des Menschen immer wieder die eigentliche Aufgabe darstellt, wi« vor 200 Iahren fein Landsmann Alexander Pope es in seinem„Essay of man" wollt«. Und nun hat Galsworthy diesen„Essay of man", diese Studie über den Menschen, selber geschrieben. Nicht wie Pope, eine gereimte philosophische Betrachtung, sondern einen Roman über dieses„Chaos von Gedanken", wie Pope den Menschen nennt. Kommt Pope zu dem Schluß, daß dieses Wesen,„geboren um zu sterben, denkend um zu irren" nur eins tun kann: leben, so sagt Galsworthy: ja, leben, aber mit anderen und, so lange es not- wendig ist, für oirdere: vor ollem aber tätig leben.„Es kommt darauf an, daß jeder seine Ausgabe erfüllt"— der Setz findet bei dem Gesellschaftsphilosophen vor 200 Jahren keine Parallel« mehr. Die Forderung„Erkenne dich selbst" heißt bei Galsworthy: erkenne dich selbst in anderen: erkenne dich selbst in der Weltordnung, die der Mensch geschaffen hat und die er duldet. „Die Weltbrüder" werden vom Paul-Zsolnay-Berlag, in dem der Roman in der deutschen Uebersctzung erschienen ist, als die „soziale Lebensbeichte" Galsworthys angekündigt. Aber Gals- worthy ist nicht der Russe Tolstoi, der zerknirscht an seine Brust schlägt:.Brüder, ich habe gesündigt'. Galsworthy weiß zuviel von der Welt, er weiß zuviel von sich selber, um pathetisch zu werden. Er hat in seinem Roman den Seelen, die in seiner Brust wohnen, Gestalt gegeben: Naturtrieb und Kultur, Egoismus und Altruis- mus stehen sich gegenüber, Teil« einer doch unteilbaren Einheit: Mensch. Auf dieser Erkenntnis der Einheit stützen sich Galsworthys Zweifel und Glaub«: Zweifel an die Möglichkeit der absolut guten Tat: aber der Glaube an die Tat. Der Roman ist wieder eine Familiengeschichte aus der englischen Oberschicht: oerschieden« Generationen, verschiedenste Temperamente. all« regiert van der gleichen Macht: der Tradition. Sie wissen, daß es«in« Welt gibt, in der Armut und Elend und Hunger herrschen: aber sie sehen und fühlen sie nicht. Und wenn ein Außenseiter der Gesellschast— der alte Dater— versucht, in sie einzudringen, so schreibt er ein großartig verworrenes Buch über die„Allgemeine Verbrüderung", das nie fertig wird, das ihm aber nie Zeit läßt. sich mit der Welt wirklich zu beschäftigen, unter die Menschen zu gehen, mit denen er sich oerbrüde»» will. Von der unsentrmentalen Jugend kommt die befreiende Tat: befreiend schon darum, weil sie Tat ist, weil sie nicht so lange alles„Wenn" und„Aber" abwagt, bis es zu spät zum Handeln ist, sondern zupackt, wo gerade eine Kraft gebraucht wird. Der von seinen Gefühlen geleitete„gute" Mensch hilft höchstens dem einzelnen: der Menschheit nützt nur, wer erkennt und handelt. Drucke E. Schulz. WAS DER TAG BRINGT. «MiiiiniiniiRnniiuiniinnnmiiniiiuuiiuiiiiuiuuuniiuuiiuimiimmuiiuiiiiiiniuiinuNiuiimaiiniimumiiiiiiuiiiiiiiiiiiNiiuniiniiiuuiimuiiuiiuiiuiuuiiiiinimuiiiiumiiuuia Zeitansage in Berlin. Mein Freund Wenzislaus Klamm hat Vieder einmal seine Uhr versetzt, zum Einlösen hat ihm bisher— selbstverständlich nur die Zeit gefehlt. Seine Radiobattcrie ist hofsnungslos ausgelaufen, und so frage ich ihn denn, wie er eigentlich ohne die Kulturerrungenschaft eines Zeitmessers und einer Zeitansage monatelang auskommen könne.„O, sehr gut," erwidert Wenzislaus,„ich richte mich einfach nach den Zeitungsständen. Sobald ich das„12°Uhr-Mittags- blatt" erblicke, weiß ich, daß ich mich jetzt in Bewegung setzen muß, um einigermaßen pünktlich um 9 Uhr im Amt zu sein. Sobald die „B. Z. ain Mittag" ausgebrüllt wird, wird es Zeit für einen Vor- mittagsschuppen. Läßt die Hugenbergsche„Nachtausgabe" ihr Rot erstrahlen, so wartet zweisellos mein Mittagessen auf mich, und beim Erscheinen des„8-Uhr-Abendblatts" weih ich, daß jetzt meine Ver- abredung zum 4-Uhr-Nachm!ttagskafsee fällig wird."—„Aber das Abendessen?"—„O, ganz einsach: Das nehme ich«in, sobald die Morgenausgabe von„Voß" und„Tageblatt" sichtbar wird. Du siehst, lieber Freund, die Zeitung erledigt alles." /onatlian. Gymnastik bei der Reichspost. Da die bisher nur für das Personal großer Fernsprechver- mitllungsstellen eingerichteten gymnastischen Ausgleichsübungen ihren praktischen Wert erwiesen haben, hat der Reichsposdminister nunmehr ei»« Verordnung erlassen, wodurch diese gymnastischen Uebu ngen für dauernd«ingeführt und auf das weibliche Personal im Telegraphen-, Postscheck-, Kanzlei- und Rechnungsdienst sowie auf das Personal im Verwaltung»- und Bürodienst beim Reichs- postministerimn und bei den Oberpostdirektionen mit durchgehender Arbeitszeit ausgedehnt werden. Verräterischer Blutdruck. Ein kleiner Versuch im„Gedankenlesen" kann folgendermaßen gewagt werden. Der„Lesende" hält die Recht« so, dah der Hand- teller aufwärts gekehrt ist und daß die Finger cmporgekrümmt sind. Auf sein« Fingerspitzen legt ein gegenü beistehe»der Partner die Fingerspitzen seiner nach unten gekehrten Linken mit ganz zarter Berührung. Der Portner wird dann angewiesen, von den Zahlen 1, 2 und 3 eine bestimmte zu wählen und scharf an diese- zu denken. Darauf wird vom Gedankenleser gefragt: Denken sie an die Eins?— Denken sie an die Zwei?— Denken sie an die Drei? Natürlich wird kein« Antwort gegeben: aber sie kann erfüllt werden! Bei Nennung der betreffenden Zahl wird nämlich der Befragte etwas aufgeregt: Blutbewegung und Blutdruck werden lebhafter: di« Hand zittert leicht und gibt stumm Auskunft. In Amerika wenden die Kriminalisten besonders Maschinen zum Messen des Blutdruckes bei peinlichen Verhören an, und diese haben schon zu manchem unge- sprochenen Schuldbekenntnis geführt. Indianerkinder werden gepeitscht. Auf der vor einigen Tagen in der Nähe von Boston abge- halten«» Jahresversammlung der Gesellschaft zum Schutz der Indianer(lnckian ckelcnse association) teilte deren Vorsitzender, John Collier, mit, daß von dem Regierungsamt in Wafhingto», das die Angelegenheiten der Indianer zu bearbeiten habe(Bureau of lyckian affairs) gestattet worden sei. die bei der Arbeit„wider- spenstigen" jungen Indianer wieder wie in früherer Zeit mit der Peitsche anzutreiben Obwohl diese Erlaubnis in scharfem Gegen- satz zu der von der amerikanischen Regierung bisher bsfolglcn Jndianerpolitik steht, wird von ihr doch schon so reichlich Gebrauch gemacht, daß weite Kreis« in den Vereinigten Staaten gegen diesen Rückfall in die grausamsten Zeiten der amerikanischen Sklaverei entrüstet Widerspruch erheben. An der Spitze der Gegner steht der ehemalige Professor an den Unioersitälen Eornell und Colorado, John Hubbard, der jahrelang unter den Indianern lebte und auf Grund seiner genauen Kenntnis mit Entschiedenheit der Annahme widerspricht, daß der Indianer von Natur aus grausam und wider- spenftig sei, und daher schon in jungen Jahren nur mit der Peitsche zur Arbeit angehalten werden könne. Wenn sich bei den Indianern solche Züge der Widersetzlichkeit und Auflehnung zeigten, so sei dies nur eine Folge schlechter oder unrichtiger Behandlung, die zuerst eimnal menschenwürdig gestaltet werde» müsse, ehe man zur Peitsche greise. Hubbard fordert di« sofortige Zurücknahme der Erlaubnis zum Auspeitschen und sonstiger körperlicher Mißhandlung. Geburtenrückgang in der Schweiz. Inn Jahre 1929 ist in der Schweiz die Zahl der Lebendgeburten aus 69 000 zunickgegangen. Im Durchschnitt ist seit Beginn des Jahrhunderts ein Rückgang von 1000 Geburten jährlich festzustellen. Der Geburtenüberschuß beträgt nur nach 4L vom Tausend gegen 10 vom Tausend in der ersten Dekade des Jahrhunderts. i. Freie Scgl< Gruppe West auf der Unterhavel(zweiter Tag) Sic Beteiligung am zweiten Tage der Frühjahrsregatta des Freien Segleroerbandes war nicht so, wi« sie sein sollte. Di« Beteiligung der Boot« am Start war nicht hervorragend. llngünstig war der Start auch, da der Deutsche Seglerbund den Start zur selben Zeit, um 11 Uhr, angesetzt hatte. Eine Einigung konnte erzielt werden, doch wird es in Zutunst vorteilhaft sein, zu oersuchen, gleiche Startzeiten an gleichen Orten tunlichst zu ver-'' meiden. Bei einer Durchschnittswindstärk« von S bis ö Sekunden- meter und Böen bis 8 Sekundenmeter teilten sich die einzelnen Klassen bald. „Carmen II" hatte kurz noch dem Start chooerie und schied aus dem Rennen aus. Trotzdem die 3<1-Ouadratmeter-Kieljacht „Thotis" gut segelte und als erstes Boot die Wendemerken nahm, wurde es distanziert, da beim Start Rückrufe nicht befolgt wurden. In der Flossenkielerklasse siegten wieder, wie am vorigen Sonntag, „Libelle II" und„Windsbraut III". Der M-Ouadratmeter-Jollen- kreuzer„Paß up" segelte diesmal«in« gute Zelt und schlug seinen Gegner„Kemalulu" um(5 Minuten.>Ouadratmeter-Iollentr«uzern einzu- laufen. In der IS.Quvdratmeter-Wonderjollenklasse gab es ein« kleine Enttäuschung. Die sieggewohnte„Freiheit IV" wurde diesmal auf den vierten Platz verwiesen.„Trabant" übernahm hier bald vor„Diana" die Führung, um dieselbe nicht wieder abzugeben. Die gesegelte Zeit von 2.23.51 ist als sehr gut zu bezeichnen.„Trabant" wurde nicht nur Sieger seiner Klasse, sondern auch schnellstes Boot der großen Bahn. Beachtenswert ist, daß auch die 2t1-Quadratmeter- Rennjollen von drei Booten der 15-Quadratmeter-Wandersollenklasse ausgesegelt wurden. In der l5-Quadratmcter-RcnnjollenkIafse schied „Lieb V" durch Ruderbruch aus. Der„alte"„Satan" errang hier den ersten Preis.„Pilot" konnte die gestellten Bedingungen er- füllen.„Froh-Fahrt III" blieb der Sieger in der 1l)-Quadratmeter- Rennjollenklasse. Schnellstes Boot der kleinen Bahn wurde die Ausgleichjolle„Rydia" mit 1.48.43. Gruppe Ost auf den» hangen See und Seddinsee Die Wettfahrten des Freien Seglerverbandes am letzten Sonn- tag standen unter denselben Windverhältnissen wie am 18. Mai: etwa 3 bis 4 Sekundemneter aus SO. Bon den 125 geineldeten Booten starteten 1>I5, von denen 10 ausgaben und 4 durch Havarie ausschieden. Bei der zweiten Hälfte der Wettfahrt schob sich am Himmel aus Süden bedrohlich eine schwarze Wand hoch, nichts Gutes ankündend. Es dauerte auch gar nicht lange, da fegte der Sturm über dos Wasser, so daß die Boote sehr überlagen. Die r in Front Tagelagc der Nationalen Binnenjolle„Ahoi" ging bei einem besonders heftigen Drücker über Bord: bei der Ausgleichsjolle „Werner" brach die Großschot, so daß der Steuermann ein un- freiwilliges Bad nehmen mußt«. Ein kleineres Boot kenterte, doch ist keiner dabei zu Schaden gekommen. Ilm das Maß voll zu machen, öffneten sich noch des Himmels Schleusen, und in Strömen rauschte der Regen hernieder, die Mannschaften, die meist nur ihre weißen Hemden und 5)osen anhatten, bis auf die Haut durchnässet. Um so mehr siel es auf. daß fast gar kein Boot daran dachte, das Rennen auszugeben, sondern die übergroße Mehrzahl durchhielt. 90 Boot« gingen durch das Ziel. Auch bei dieser Wettfahrt zeigte es sich, daß die 20-Quadrat- meter-Rennjollen die schnellsten Boote sind.„B u m- B u m" dieser Klasse, der mit einem fabelhaften Start auf die Bahn ging, konnte das Rennen als schnellstes Boot der großen Bahn be- enden. Bei den 3Sern war es wieder„Sommerliebe", bei den Zvern wieder„Windspiel", die den Sieg in ihren Klassen für sich buchen konnten. Der 30er„Leichtsinn", der bis auf den letzten Platz ver. sackt«, konnte bei dem aufkommenden Sturm sich so weit vor- orbeilen, daß er als Zweiter durch das Ziel gehen konnte. Bei den 20er Kielbooten war es diesmal der neue„Krojsin", der seinem Felde den Weg wies. Leider fehlten zwei seiner Haupt- konkurrenten. Ein schönes Rennen lies die 20er Rennklasse. Ab- wechselnd ging der Kampf um die Führung zwischen„Bum-Bum", „Rakete" und„Gazelle" hin und her. Bis ins Ziel währte der Kampf, den„Brum-Bum" mit einigen Sekunden Borsprung in der Zeit 1: 36: 55 für sich entschied. Das Gros dieser Klasse folgte erst etwa 10 Minuten später. Die 1Y-Ouadratmeter-Rennklasse sah diesmal in„Irrwisch" den Sieger. Trotz schärfster Konkurrenz durch Neubauten in dieser Klasse konnte er sich durchsetzen. Ebenso war cs bei den 15>Quadratmet«r-Wanderjollen, wo sich die sieggewohnte „Lola" den Sieg nicht nehmen ließ. Auch in dieser Klasse kamen die Neubauten noch nicht so recht zur Geltung. Die Frage, welcher Typ unter den 10-Ouadratmeter-Booten schneller ist, die Renn- oder Wanderjolle, entschied sich wieder zugunsten der letzteren. „A n n« k i n" wurde wied� Sieger und auch zugleich schnellstes Boot der kleinen Bahn.(Bei der Wettfahrt am vergangenen Sonntag wurde sie ebenfalls schnellstes Boot mit 1: 11: 12, nicht „Wildgans", wie irrtümlich angegeben.) Durch Protest in der 18. Ausgleichsklasse ging„Rudi" seines Sieges verluftig, den er an„Frigga" abgeben mußte. Die 16. Klasse sah diesmal„Bacchus" als Sieger, die 17. Klasse wieder ihre„Wild- gans". Die„Möwe" konnte in der 18. Klasse das Rennen für sich entscheiden, ihr lag hart auf den Fersen die„Windsbraut". Bon der IS. Klasse waren nur zwei Boote-übriggeblieben, von denen„Mia" zuerst das Ziel passierte. Gerade die kleinen Boote hatten mit der ziemlich hohen Welle, die der Seddinsee aufgeworfen hatte, hart zu kämpfen. Ueberall konnte man beobachten, wie in weniger kritischen Momenten das übergekommene Wasser aus den Booten geschöpft wurde: Im großen und ganzen trotz Regen und Sturm eine wohl- gelungene Beranstaltung für den Arbeitersegelsport, die ihre Werbe- kraft nicht oerfehlen wird. Zpandau schlägt Union 4: 2(2: 1) im Wasserball Am letzten Sonnabend spielten die Mannschaften der Freien Schwimmer Spandau imd der Berliner Schwimm- Union im Lunabad. Den Zuschauern wurde ein Spiel geboten, das in technischer Beziehung erstklassig war und dem Können der Mannschaft alle Ehre machte. Noch ist es unklar, welche Mann- fchaft den ersten Kreis bei den Ausscheidungsspielen um die Ost- deutsche Berbandsmeisterschast des Arbeiter-Turm- und Sportbundes vertritt. Trotzdem die Wintervunde nahezu beendet ist, gelang es keiner Maimschaft, einen nennenswerten Vorsprung zu erreichen. Di« drei Spitzenmannschaften Spandau, Charlottenburg und Weißensee haben sämtlich Verlustpunkte aufzuweisen. Doch scheint sich der Endkampf zwischen den genannten Vereinen abzuspielen. Beide Mannschaften treten ohne Ersatz an. Es wurde ein schnelles Spiel geliefert und die Tor« auf beiden Seiten mit gutgezielten Schüssen bombardiert. Das Tempo ließ auch in der zweiten Halbzeit nicht noch und wurde das Spiel über das ganze Feld getragen. Beide Verteidigungen arbeiteten gut. Trotzdem etwas körperlich gespielt wurde, artete das Spiel nicht aus und hielt sich im Rahmen des erlaubten. Union hat mehr vom Spiel Wieder ist es die Un- entschlossenheit der Unionstürmer, die die Bemühungen der Unionmannschaft zum Scheitern bringt, denn die Vorlagen der Union- Verteidiger waren verhältnismäßig gut. Spandau erhöht das Rc- sultat auf drei Tore. Gleich darauf sitzt auch ein zweiter Tvesser Unions im Netz der Spandauer. Ein weiteres Tor für Union wird nicht gegeben, da der Schiedsrichter vorher abpfeift. Ein Regel- verstoß Spandaus war die Ursache und verhinderte den Unionerfolg. Trotzdem Union mit aller Kraft versucht, das Resultat noch günstig für sich zu gestalten, können sie doch nicht verhindern, daß Spandau noch einmal einsendet. Di« Unionmannschaft scheint doch noch einen Erfolg verbuchen zu kömie», doch lenkt der Torwächter Spandaus den Ball ins Aus. Mit dem Resultat 4:2(2:1) endet ein Spiel, welches Zeugnis ablegte vom guten Können der Arbeiterwasser- ballspieler. Vereinsmeisterschaften der Freien Schwimmer In diesem Jahre ist das neue Stadtbad Berlin- Mitte die Stätte der Austragung, die damit auch die sportliche Weihe durch die Arbeiterschwimmer Berlins erhält. Die geräumige Halle besitzt«ine 50.Meter-Bahn und ermöglicht dadurch eine«in- wandfrci« Austragung der Wettkämpfe. Auch für die Unterbringung von 1500 Zuschauern ist genügend Raum vorhanden. In neun Wettkampsen werden die besten Schwimmer und Schwimmerinnen aller Gruppen des Vereins um den Sieg. streiten und beweisen, daß man auch sportlich sehr Gutes leisten kann ohne Diplom« und Ehrenpreise. Alle Jahre waren diese Meisterschastswettkämpfe spart- liche Erlebnisse für alle Teilnehmer und versprechen cs auch am nächsten Sonntag zu werden. Neben den alten kampferprobten Schwimmern wird auch der Nachwuchs aus der Jugend in den .Kampf treten und sich das Recht auf den Sieg erobern. Von allen Gruppen des Vereins sind starke Meldungen abgegeben worden, unter denen besonders Lichtenberg und Neukölln hervorragen. All« alten Kämpen, die wiederholt den Verein repräsentativ vertreten haben, werden abermals ihr Können zeigen. Der Lichtenberger Grensing, einer unserer besten deutschen Springer, wird erneut sein« große Kunst auf den Brettern vorführen. Einlaßkarten sind schon jetzt bei allen Funktionären des Vereins und in der Sportzentrale, Königsberger Str. 4, zu haben. Icmris-Rot Charloiienburg Nun vermag Tennis-Rot Groß-Berlin E.V. endlich auch den im Westen wohnenden Genossen Spielmöglichkeit zu bieten. Der Verein hat die vom Bezirksamt Charlottenburg im Volkspark Jung- fernhcide soeben fertiggestellte Tennisplatzanlage in vollständig eigenen Betrieb übernommen. Die Plätze sind nicht nur landschast- lich sehr gut gelegen, sondern sie sind von den westlichen Bezirken aus auch in kurzer Zeit zu erreichen. Das naheliegende Freibad dürfte sie für sehr viele Genossen noch wertvoller machen. Trotz des teuren Westens sind die Beiträge für Tennis-Rot Charlottenburg die gleichen wie für den Gesamtoerein, 3 M. monatlich. Platz, Bälle und Vundesmitteilungsblatt bezahlt dafür der Verein. Charlotten- bürg hat dazu gegenüber den anderen Abteilungen den Vorzug, daß auf die Spielzeitwünsche der Mitglieder viel mehr Rücksicht genommen werden kann, weil außer Tennis-Rot kein anderer Verein auf den vier Plätzen im Volkspark Jungfernheide spielen wird. Die Abteilung, kaum gegründet, wächst außerordentlich rasch, das be- weist, wie sehr unsere Genossen dort auf Spielmöglichkeit im Ar- beitertennisverein gewartet haben. Ansang Juni, der Tag wird rechtzeitig bekanntgegeben, wird das Spiel auf allen vier Plätzen begonnen. Wer noch Mitglied werden und sich die seinen Wünschen entsprechende Spielzeit sichern will, melde sich sofort bei Werner Peterscheck. Charlottenburg 1. Brauhofstraße 2111, dem Geschäfts- führer der Abteilung Charlottenburg des Arbeitertennisvereins Tennis-Rot Groß-Berlin, E. V., Mitglied des Arbeit«r-Turn- und Sportbundes. Reichs-.A rbeiter-Sp ort-T ag Am 1. Juni läuft für alle Sparten der Meldeschluß zum Rast ab. Für rechtzeitige Einsendung der zusammengestellten, druck- fertigen Meldungen mit Zeiteinteilung wollen die Spartentechniker Sorge tragen. Der Einsendung sind zwecks Bereitstellung genügender Umkleideräume die voraussichtlichen Gesamtteilnehmerzahlen bei- zufügen. Alle Leichtathletikmeldungen gehen bis zum 1. Juni direkt an meine Adresse. Nachstehend die Leichtathletikwettbewerbe: Männer(offen für olle): 100 Meter, 1500 Meter, 4X100- Meter-Stasette, 20 X 300-Melcr-Stefette. Einladung: Speerwerfen. Offen für Turner und andere Sparten: 10 X 200-Meter-Stafette. Frauen(osfen für olle): 100 Meter, 10X100-Meter-Stafette. Einladung: Diskuswerfen. Jugend(Jahrgang 12/13 und 14/15, offen für alle): 100 Meter, 1000 Meter, I0 X 200.Meter.Stafette. Einladung: Hochsprung. Kinder: Humoristische 10-Mann-Stossel. Fritz Leuttoff, Berlin SO. 36. Manteusselstr. 46. Am Dienstag, dem 27. Mai, 20 Uhr, Technitersitzung aller Rast- techniker im Restaurant Dirkjenstr. 1, an der Jonnowitzbrück«. Vom Olympischen Kongreß Vorbereitungen lür die Olympiade in Los Angeles Die erste Vollsitzung des Internationalen Olympischen Kongresses, die Graf Baillet-Latour leitete. kam gleich nach Beginn in hitzig« Debatten über die Amateurfrage und die Frag« der Entschädigung für Berdienstentgang. Den Aus- gangspunkt bildete der seinerzeitig« Beschluß des JÖK., der die Aus- nahine des Fußballspieles in die Amsterdamer Olympischen Spiele ermöglicht«. Der A n t r a g d e r U C I., daß alle von den Verbänden anerkannten Ainateure zur Teilnahm« an den Olympischen Spielen berechtigt sind und daß deshalb alle Anträge zur Amateurfrag« von der Tagesordnung abzusetzen seien, entfesselten einen Redekampf Rousseau— Seldreyers— Kentish— Reichel. Edström machte den Vor- schlag, die Debatte abzubrechen und in die Kommission zu verlegen. Von den Kommissionen war die von Edström geleitete Pro- grammkommilsion die erste, die zu Beschlüssen kam. Sie beschäftigte sich mit der Frage der Dauer der Spiele und der Teilnahme der Frauen. Es wurde beschlossen, daß die Dauer der Spiele 16 Tage nicht überschreiten darf, wobei der Eröffnungstag einbegriffen sein muß. Eine Teilnahme der Frauen ist zuge- lassen bei Turnen, Athletik, Fechten, Gymnastik, Lawntennis, Schwimmen und Eislaufen. Der französische Antrag, für jeden Wett- bewerb nur einen Teilnehmer pro Nation zuzulassen, wurde abge- lehnt, es bleibt also bei vier Teilnehmern pro Nation und Wettbewerb. Das Olympische Konntee hat bereits einen Bericht der Amerikaner über ihre Borbereitungsarbeiten zu den olympischen Wetttämpfen, die 1932 in Los Angeles in den Vereinigten Staaten von Amerika durchgeführt werden, entgegen- genommen. Graf Bailett Latour konnte zahlreiche Mitglieder der onierikamschen V orb ere i tun gsa u sschü sj« für Los Angeles begrüße», darunter auch den Präsidenten Mac Garland und den General- sekretär Farmer, der in einem hochinteressanten, von einem Film wirkungsvoll unterstützten Referat die bisher von Amcrik.i getroffenen Vorbereitungen schilderte. Man konnte aus diesem Vortrag entnehmen, daß die Amerikaner großzügig vorgegangen find. Der Film zeigte eine prachtvolle, riesige Anlage, die zu spart- lichen Massenkundgebungen geeignet ist: das eigentliche Stadion mit einem Fassungsvermögen van inehr als 1 0 0 0 0 0 Zu- schauern, das Fußballftadion, die Gebäude für Fechten, Schwer- athletik, Boxen, das Schwimmstadion mit Ilebungsbafsin. Die Re- gattobahnen für Rudern»»d Segeln, den Platz für die reiterlichen Wetdkänrpf« und Tennisplätze. Fast olle diese Nebenanlagen liegen in unmittelbarer Nähe der Hauptkampsbahn. Di« Ruderstreck« ver- läuft schnurgerade über 2000 Meter und ermöglicht gieichzeitig den Start von 8 Booten. Die Tennisanlage verfügt außer einem Centre-Court noch über 18 weitere Plätze, so daß jede größere Nation ihren eigenen Trainingsplatz haben wird. Sämtliche Teil- nehmer können in einem„olympischen Dorf" wohne». Jede Nation hat ihr eigenes Haus und eigene Verpslegung. «Plarla�-Ringerwettsfreit Bei der Fortfuhrung der Schluhkämpfe besiegte am Sonnabend K a w a n den Russen P c t r o w i t s ch in der 57. Minute durch Doppelarmzug aus dem Stand. Am Sonntag rang der Schweizer R. Grüneisen, der von K a w a n und Thomson bereite«nt- scheidend besiegt wurde, mit dem stärkeren P e t r o w> t s ch, gegen den er nach 36 Minuten durch einen Schulterdrehgriff ebcnsalls ver- lor. Nach einem äußerst kraftvollen Ringen trennten sich Petrowitsch und Leskinowicz mit Unentschieden: letzterer legte den Schweizer Elliot schon nach 9 Minuten, während Thomson gegen E. nur«in Unentschieden erreichen konnte. G. Grllneisen wußte mit einem � Siege über den Italiener Equatore sehr zu gefallen. Gestern kam der lang erwartet« Kampf Kawan gegen Penatzki zum Austrug. Gegen die übergroße Reichweite und Stärke des Deutschpolen ver- mochte sich selbst der Techniker Kawan nicht durchzusetzen. Nach einem langen, wenig befriedigenden Ringen glückte P. nach der 40. Minute sein Spezialgrisf, einem Doppelnelson, dem der Berliner nach minutenlangem Widerstand erlag. Der Siegeszug des jüitgeren Grüneisen wurde durch Leskinowicz unterbrochen, nach der 15. Minute konnte er feinen leichteren Gegner entschcideird besiegen. Petra- witsch— Thomson rangen unentschieden. Heute ringen: Kawan— Leskinowicz, G. Grüneisen— Petrowitsch und Thonrjon gegen Penatzki. zZTB.-Ostcn, Alt«r«»bt«ilni>a. Am IlrnUiii. dem 30. Mai, nach dem Turne»! Lichrbiidcrvorlroa<„Dcr Sprcewald") bei Busch, Tilsiter Dir. 27.— Bezirk Adlcr-Hos. Mitaliedcrncrsaminluna am Mittwoch, SäS. Mai, 20 Uhr, bei Lehngut. Sedanstr.— Bezirk Lichtenberg. Sin»nclfahrt»tag: Partie der Frauen und Männer»ach dem Eeddiigee. Tort Treffen mit den Wasserratten. Abfahrt: Stralau-Auinmelaburii 7.30 Uhr, Eingang Conntaastrasse. Tas Turne» der Altersrieae sMSnner) findet jeden Frcitoit mm 20 bis 22 Uhr in der unteren Schulturnhalle cholteistrahe statt. Frauen Uber 2S Jahr« turnen jeden Mittwoch in der oberen Schnllurnhallc Holteistrasse von 20 bi» 22 Uhr. Kiche-Kapenick 18(!6«. 8. Liininclsahrr, 14 Udr. Frauen, Männer und Zugend Stafettcntraining aus dem Vereinoplah in!> dorn ick, Wentxnschlossstrvhe. 20. Verwaltnngabezlrl, lkartrllsshung. Am Mittwoch, dem 20. Mai, pünktlich 10'i Uhr, im„Volkshaus", Zleiinckendors-West, Scharnwaberstr. IIS. Arbeiter-Ziadsahter-Verein ibroh. Berlin. Donncrslag, 20. Mai, Himntellahrt, S Uhr. Serrenpartic. Ziel wird am Slarl betanutqegcden.>3 Uhr Sirschaorten, «ellcrs Waldburg. Sonulag, l. Zum,"j Uhr, Tiefensce, vlamcnsec, 13 Uhr Malllsd ors, Süd bei Träger. Start Waldemarslrage Elte Marianuenpla«, Frauen de, t. ikrelsr» d« Arb«fter>T»ri>. und Sportbunbe,. Am Sonnlag, dem l. I»»i, zur Internationair» Frauenkundgebunq tröffe»(ich alle Sportlerinnen auf dem Sportplah Einsame Pappel, Schänhauser Allee, 12 Uhr. zum Umzug, ttleidung: Sporldress. Umlleideräumc sind vorhanden, Zludrrrr»üb pauusahrrr, I. Jtrri«. Srartenausschuhnhung am 28. Mai im„Zdcaltassno", Weichselslrasje 8, um 20 Uhr. Tourist«»o»rcia„Die Slatursrenube",»rup?« Prenzlauer Berg, öimmcl- fahrt Wanderung nach Finkcnkrug. Trefspunkt>>.30 Bahnsteig Putlihstraße (Fugabfahrt). Arboiter-Lichtbild-Bund. Freie Kewerkschastslugenb. Photogruppc: Freitag, 30. Mai, Engklufer 24/26, Kciorrtschaktshcius. 2 Treppen: Einrichtung und Z». standschnng der Tunteltaminer.— Photogemeinschgft Abteilung Rord-eu, Himmelfahrt, 20. Mäi, Motivwonderung. Wir pholoqraphirrc» Lrrrenparticn. Treffe» 7 Uhr Schlcssscher Bahnhof, Haupteingang, Fahrfarte bis Strausberg.— Abteilung Osten. Freitag, 30. Mai, 20 Uhr, im Zngendhcim Frankfurier All» 307. Friedrich-Ebert-Saal: Tos Kelbsilter.— Stammgrupp«. Montag, 2. Juni, 20 Uhr. Zohannisstr. IS: Photographischc Feriencrkahrnngen. Gäste zu allen Beranslaltungen willkommen. Freie Sport- und Mussk-Vereiuigung Berlin. Anläßlich der Zntcrnalionalen Frauenkundgcbung am.Sonntag, dem l. Juni, 14 Uhr. am Svortplah..Sin- samc Pappel", Schänitauser Allee Eck« Tanziger Strasse, beteiligen ssch die Spiellcule am Demonslratlonszug der Sportlerinnen. Treflpuntt wie oben angegeben. Zeitpunkt 13.30 Uhr. ktieidung: weisse Hase, buntlcs Jackett und Schillerkragen. Tie Abteilung der Bläser lrifift ssch am Sonntag, dem l. Juni, 14.30 Uhr, im Lichtenberger Stadion anlässiich der Lcichtathletikvcranslaltung. Kleidung wie oben bei brn Spiclleuten angegeben. Am kommenden Freitag im Ucbungslokal„Sporthaus". Tircksrnftr. 1, dirckt am Bahnhoi Iannowihbrllckr, Uebungsstunde der Spielleute mit Znstrumcn'en. Beginn 20 Uhr. Freitag. den 30. Mai. 20 Uhr. Beginn der Usbungsswndc der? l« se r a h t e i l» n q im Lokal Wühlifchsir. 30. Nähe Bahnhof Rummelsburg. Anfragen und An- fchriften Scfchäftsftclle Rodert Oehlfchlägcr, Berlin R. 05, Nazarethkirchftr 4«. Telephon It. 6. Wedding 2077. Färberei Osw. Ulaefe«; Brills RiiJower Str. 34� Reinigt Wäscht Ihre Kleidung zum PfingMeh F ä r b t I Filialen schnell, gut und preiswert! in allen Sfadit i I e n Berichtigung! Bezirksausschuß für Zlrbeiterwohlsahrl. Fürsorger, Kür�orgerinnc»! Eine G-sklllchaft«. ober Studiensahrt 3mmcn6of»um Psinusttresscn kommt dcr»ichobahnamtlichen Bkstimmungcn woncu lcidcr für dir Zeit vom 7. Juni bis 12. Juni nicht in irragc. Wir werden qemeinsam mit der Wohlsahrtsschulc reiten und bitten um umgebende Meldungen, damit wir denen, die sich be- teiligen wollen, rechtzeitig Näheres bekanntgeben können. Bezirksausschub fiir Arbciterwohlsahrt, Sindcnstr. Z, 2. Kos, 2 St. IDclfct für Berlin und Umgebung; Bewölkt bis trübe mit wieder- holten leichten Regensällen und weiterer Abkühlung.— Zur Deutschland: Allgemein etwas kühler mit verbreiteten, im Osten anhaltenden Regensällen. Dienstag, 27. Mai. Berlin. 16.05 Prof. Dr. Bernhard Möllers: Robert Koch und sein Lebenswerk. 16.30 Jugendstunde.(Ursula Bogdanski, Flügel.) 17.00 Aufzeichnungen aus einem Frauengefängnis von Ola Alsen. 17.30 Teemusik. 18.10 Stunde mit Büchern.(Am Mikrophon: Simon Katzenstein.) 19.05 Das Interview der Woche. 19.20 Drei Minuten vom Arbeitsmarkt. Verhand« 19.» Volkstümliches Orchesterkonzert. 21.10 Zeitberichte. Das Für und Wider der Todesstrafe in England lungen vor dem englischen Parlamentsausschuß. 21.50 1. Nardini: Konzert C-Moll. 2. Vitali: Cbaconne(Diez Weismann, Flügel: Bruno Seidler-W'inklcr). 22.20 Dr. Räuscher; Politische Zcitungsschau�& Königs wusterhausen.>>&.T? � 16.30 Nachmittagskonzert von Leipzig.— 17.30 Paul Wittko: Mamburgs Anteil an Deutschlands Kultur. 17.55 Prof. Dr. Mildbraed: Die wichtigsten tropischen Kulturpflanzen. 18.20 Dr. Spitzer: Blutung und Nachblutung bei zahnärztlicher Bchandlun 18.40 Französisch für Anfänger. 19.05 Gesandter Dr Frank: Oesterreich. 20.00 Von München: Unterhaltungskonzert. 21.�5 Von München: Aus aller Welt. � V B-rantw-ril für die Redaktion: Stich. Bernstri», D-rl,n: Anzrigen; Zh.»l-«-. Berlin. Bcrlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. B-rl.n. Druck:«orwart. Buch. drucke rei und Berlogsanstalt Paul Singer& Co., Berlin S® S8, Lindenstraßc 3. Hierzu 1 Beilage. WWW Direktion: Dr. Martin Ziekal www Komische Oper Frieilrichstf.104. Merkur 1401«30. Täglich S'/i Uhr Majestät lässt bitten Musik von Walter Kollo. Lustspielhaus Fdedrichstr. 256. Bergmann 2922/23. 81/2 Uhr: Geschäft mit Amerika, Vorverkauf In beiden Hausern ab 10 Uhr ununterbrochen. VoiKsbtthne Theater am Bülowplatr. 8',, Uhr Rost- von Kirchon und Ouspensky Regie; GDnther Stark Staad. Sdiiller-Th- 8 Uhr Staatsoper Am PI. d Republik 8 Uhr Die Stumme von Portlcl Merkur 1624 Täglich SV2 Uhr Unwldcrrallich letzte Woche Gastspiel Gisela Werbezirk in IM solJitws Schwank von Friü Friedmann-FredritlL Lessing- Theater WeiJeaiamm 279/ i.CIU Täglich 8'/, Uhr: llir ncdi 3 Vorrlellungen Frau Peters hat einen Geliebten Freitg. geschloss. Sonnabd. Premlere Heule abend wird aus dem Stegreil gespielt fletiüto Theater D 2 Weidendamm 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh Reg.: Max Reinhardt Musik: Friedrirh Hollawder. Kammerspiele D 2 Weidendamm 5201 8>/, Uhr Reoiezem leuteeMiil Die liebe Feindin Komödii von A. P. Antoine Rejis; Gustaf Gründgins Mittwoch, llii Uhr Zorn ersten Mal Jphigenie auf Tanrls vonWolfg v. Goethe Bühnminriditung und Regio; Richard Bier- Hofiran Die Komödie II Bismck. 2414/7516 SV« Uhr Soll man heiraten T Komödie von Bernard Shaw StiimdH Elnridilgng: Karl Heinz Martin TRblll. g. Koltb.Toi Kottb. Str. 6 Tägl. 8 Uhr Elitesanger. Hai- Festspiele Ruselli ohrfeigt Minister Vorzeiger dieses Inserats Vorzugspreise. plAza Tägl. 5 u. 813 Sonm. 2.5 u 8" Alex. E 4. 8066 Tägl.8.I5 u. Himmelfahrt 5 Uhr nachm. Die spannenden Entsdieldungs-Ringkämpfe Vorher das gr. Varietd-Programm Wochentags 5 U. und Himmilfahrt 2 Uhr nachmittags lOVarl te-Attraktlonsn ohne Rinokflmpfe CASINO-TBEATEH 8,'Uh' Lothringer Strafe 37. Die Berliner Posse Rentier Mudicke und das Riesen-Variete-Programm. Billig! Billig] SomraerpreUe: SO Pf. I.- Mark 1.50 Mark Sonnabend u. Sonntag kleiner Aufschlag LMNfl Um der bernfstätigen Bevölkerang Gelegenheit z. geben, rechtzeitig zum FEUERWERK zu erscheinen, haben wir ab heute den Beginn auf 9�/j Uhr festgesetzt. Vorher u. nachher: das gr. Programm. Sonnabend, den 81. Mai Sommer- Kostümfest der Sturm- Künstler Sturm imLunapark i Winter * Garten* 8.15 Uhr Zenir. 281 B Rgadien(rlaoht Rbse Kress-Trlo— ibärniT Cbmp. Kldlbll— LbPbl-Trlg usw. Theater i.(I.BeIirenstr. 53-54 9 Uhr A 4 Zentrum 926-927 9 Uhr Oirektlon Ralph Arthur Roberte voeei. die am moreeii singen Lustspiel in 3 Akten von Lonsdale. Reichshallen-Theater Allabendlich|T| Uhr Sleftiner Sänger Dav lustige Mai-Progmmm. Dnter anderem ..Das deutsdie Meer" labandt Saemannsliedtr r. Mtrul Dönhoff- Brettl: (Saal und Garten) 10 Varieienumm., Konzert, Tanz GroBes Schauspielhaus 8 Uhr Nur im Mai Die lustige Witwe Regle; Erik Charell Berliner lllhTriO N C U k B 1 1 R, wLahnstr. 74/76.1 Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Ifinsller-Theal. Barbarossa 3937 8';i Uhr Sex Appeal Luttp. r. Frtderik Lsmdili Sijii: Fonlir Urrinagi Alderl Basserraann, UadT Cbrisilans Berliner TDeater Dönhoff 170 8>/. Uhr Dar TeutelsschUier! Komödie v. Bernard Shaw Regie: Heinz Hilpert Theaieram SöilftDauerdanim Sommerspielzeitt Täglich S'/a Uhr Tratsch Komödie v. Coward Paudler, Schweikart Norden 5813, 0281 BETRIEB/ kempinskih Melropol-Tli. Täglich 8Vi Uhr mit Dir allein aul einer einsamen Insel Miieel Bohnen. Ilftid Brann. RitiGurg. Charlotte linder. Barnowsky- lohnen Thoatar In dar Sirasamaanstr. (frihn Köoiggratwr Str.) Täglich 8>/. Uhr Napoleon greift ein von Wolter Hasenclever Komödienhaus Täglich 8V« Uhr Meine Sdiwester um! idi Musik v. Ralph Benaüky Dir. Or. Martin Zickel KomischB Oper Frledrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich S'h Uhr Majestät läßt bitten... Musik von Walter Kollo. Lustspiemaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Täglich 8»/» Uhr Geschällnill Amerika Lustspiel von Frank und Hirschfeld slellmiiMB 1 1 finden Im forvirts I JbesteBeadltlUigi Tbeater d. WesteDs Täglich SV, Uhr: Der Bettelstudenl GroS. Carola. Lidilenslain. Elsnor Residenz-Theatei Tägl. 8'/« Uhr madonna im Schialcoupd v. Maurice Dekobra Fflrjugendl. verb. RShren. Filter. Ersauialie Preiiliite gralit Koiilaokato. Pumpen tabrik BERLIN H BS, Relitidiendoffer Ktr. 95 Trianon-Tie�lei Täglich SV, Uhr Frl. Julie von Strindberg ROSEl -THEATER [ Groß« Frankfurter Str. 132 I Billettkaea«; AIex.3422 u.3494 Täglich 8« Uhr [Sonntags 230, S49 u. 9 j iSonnabend nachts II30] ,v7f22� Impo*- Iskigt Komödie in 6 Etappen j von H. A. Klhn Regia: Pavel Roae Gartenbühne |Er5ffnung: Pflngstanl An beiden Feiertagen, 6 Uhr I ] Frflhkonzert u.Variete f Vurvericaiif»» Dtorien(11-1 u. 4-9) | liMantheatar: Premiere 7. Juni „Arm wie eine Klrehenmaut". PROGRAMM für die Zeit vom 27. bü 29. Mal I N O-T A F E L PROGRAMM für die Zeit vom 27. bis 29. Mai ica Potsdamer Strafe 38 Kammersänger Richard Tauber singt und spricht in seinem neuen Tonfilm: Das lockende Ziel Jugendliche haben Zutritt Rheins tra�e 14 Kelche, Gösfa Dcrling mit Greta Garbo und Lars Hansen Jugendliche haben Zutritt Odcon, Potsdamer Str. 75 Karriere mit Vivian Gibson, und Waller Rilla(6 Akte) Slorxaflul der Liebe mit Marcella Albani Turmstrafje 12 Die goldene Hölle mit Dolores del Rio (Monumentalfilmwerk In 13 Akten; Alexandersir. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Seelen im Sturm mit Gina Manes Indizienbeweis mit Olaf Fjord(6 Akte) D Frledrichstadt W Die Kamera 3, uhr Unter den Linden 14 Das Lied vom allen Markt Turksib Dcipiogramm j Moabit V Artushof-Lichtspiele Film- und BQhnenschaa Perleberger Str. 29 und Stendaler Str. Die Beule der Bankräuber Liebelkarneval mit Carmen Bonl Welt-Kino Alt-Moabit 99 Die große Tonfilmoperette: Zwei Herzen im 3.4-Takl Mlcky Maus Jugendliche haben Zutritt H Chatrlottontburfi p S chlütcr-Thcater Schlüierstr. 17 W 6 30.9 Uhr. Sonnt ab 3 Uhr. Sonnenaufgang(n M. Sudcrmann Vogelärci mit Tom Mix Wilmc Atrium Deba-Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7, 9.15 Uhr Sonntag 5, 7, 9.15 Die letzte Kompagnie m. Conrad Vcidf u. Karin Evans Jugendliche haben Zutritt tf~ Sehöneberg'''' AlliAmKrA Wchtgs 5, 7. 9 Uhr A\inamDrct stgS. 3i 5t 7t 9 Uhr Schöneberg, Hauptstr. 30 Der gewaltige Ufa-Tonfilm; Die letzte Kompagnie mit Conrad Vcldt Jugendliche haben Zutritt Titania(uf« schöneberi) Hauptstraße 49 W 6 30, Himmclf. 3 Uhr Ufa-Tonfilm: Das Halsband der Königin mit Diana Karcnne D Friedenau W Kronen-Lichtspiele Rheinsir. 65 Beg. Woch. 6 30. 9. S. 5 U. Der Feld her rnhügel m. Roda Roda Eine Dubarry von heule mit M. Corda fl Steallt«> Tifania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsstr. Beginn der Vorstellung 6.30. 9 Uhr. Sonnt. 4. 6.30. 9 Uhr. Tonfilm: Das lockende Ziel m Kammersänger Richard Tauber Harienclory IVf ä f'S Mariendorter Sonnt 3 U. L XCl � 1�1 Lichtspiele jug.-Vorst Chausseestraße 305� Amor auf Ski mit Harry Liedlkc Ledige Töchter mit Jenny Jogo Auf der Bühne; Das lebende Automobil � Süciwesten' fl Film-Palast Kammersäle Teltower Str. 1 Die OrchidcentSnzeriu mit Xenia Dcsni Die Himmelbunde, Luftpatrouille ''' s'ü'cäosten""b Filmeck Beginn ��3u. Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Tonfilm: Das Rhetnlandmfidel m. Werner Fütlcrer. Grei l Beredt, Lccic Englisch Luisen-Theater ü; Rcichenherger Sir. 34 DcrDoppe'.sänäerfAusd.Umeiwch) Der S:ra$ensängcr von Venedig BQhncnodiaa Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs 7 u. 9, Himmelfahrt 5, 7, 9 Uhr Das lockende Ziel mit Kamcrsönger Richard Tauber in seinem neuesten Tonfilm Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Kasseneröffnung V» Stunde vorher Sternwarte— Treptow Dienst u.Mittw. 8, Himmelfahrt 4. 6, 8 Uhr Am großen Strom Tierwelt aus Amazonas(Film) V NeuköHn j ZCiiln.k Wochent. 6,45. 9 U IVUKUK Himmelf. 5, 7, 9 U. Kottbusser Damm 92 Der gewallige Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veldl Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Wochent 6 45, 9 U. CrACClSlOF Himmelf. 5. 7. 9 U Kaiser-Friedrich-Straße 191 Der erste Kriminal-Tonfilm; Der Tiger mit Charl. Susa, H. Frank Beiprogramm � Stern, Hermannstrage 49 Wochentags 6.45, 9, Himmelf. 5.7. 9 Uhr Kriminal-Tonfilm; Der Tiger m. Charl. Susa, H. Frank Beiprogramm Passage-Lichtspiele Bergstrasse 151-52 Wochtgs. 6.30, ca 9Uhr;Stgs 5, 7, ca. 9 Uhr Der Mann ans dem Volke Hoiclgehcimnissc Böhnenscfaau NeuttüllnerUditsplellt Bergstrasse 136-37 Wochtgs 6 30,ca.9Uhr; Stgs.5,7,ca.9Uhr Die keusche Sünderin mit Colleen Moore Ueber alles die Liebe Bühnenschan g Hordosten � „Elysium" Prenzlauer Allee 56 W. 515. S. 3 15 U. lOOproz. Tonfilmoperette; Da* Rheinlandmädel » 0«t