BERLIN Mttwoch 28. Bai 1930 erscheiuttäglich auter S-uvtag«. Zugleich Abendau«gabe de«.Dorwirts". Bezug«?»!« beide Au«gaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr. 3 „Ibwasfa 10 Pf. Nr. 247 B 123 47. Jahrgang Slnzeigeuprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen»ach Tarif. Postscheckkooto: Vorwärtt-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 dt« 297 Die Deckung des Defizits. Differenzen im I�eichskabinetts.- Verhandlungen mit den Parteien. Der Vefchluh de» Reichstabinetl». die Entscheidung über die Vorschläge zur Deckung des Fehlbetrages bis auf die noch sie Woche zu verschieben, geht auf die Tatsache zurück, dosz über keinen der zur Erörterung stehenden Deckungevorschlöge bis- her eine Verständigung innerhalb der Regierung erzielt werden konnte. E, ist interestant, dah infolgedessen innerhalb der Regierungsparteien sogar der Gedanke ausgetaucht ist, seht über- Haupt keine ausreichende Deckung vorzunehmen, die weitere Entwicklung der Reichssinanzen abzuwarten und erst im herbst eine Entscheidung herbeizuführen, ob und wie der Fehlbetrag gedeckt werden soll. Es ist erfreulich, dah das Reichskabinett diesen Ge- danken entschieden von sich weist. Seine Befolgung würde einen R ü ck s a l l in die schlimmsten Zeiten der leichtfertigen Finanzpolitik de» Dürgerblock» bedeuten, aber auch die wirtschaftliche und politische Entwicklung schwer gefährden. Wie man weiter erfährt, bestehen gegen die Beitrags- crhöhung der Arbeitslosenversicherung ernste Bedenken bei der Deutschen Volkspartei. Bei ihr und anderen Regierungsparteien wehrt man sich aber auch gegen da» Rotopfer. Auch die Amsah- fleuererhühung flöht auf grohe Widerstände. So ist man also trotz tag« langer Beratungen nicht einen einzigen Schritt vor- w ä r t s gekommen. Man hat die Entscheidung im Kabinett vertagt, weil man zuvor mit den Parteien der Regierung Fühlung nehmen will, um von dem Gang dieser Einzelbcsprcchungen weitere Entscheidungen abhängig zu machen. Ob die Verständigung über die Deckungsvorlogea leichter sein wird, wenn man das Ausgaben- senkungsgesetz damit in Zusammenhang bringt, wird man einstweilen bezweifeln können. Denn diese» Ausgabensenkungsgeseh vermindert bestenfalls Ausgaben in der Zukunft, aber nicht in der Gegenwart. Es ist zwar leicht, was Herr Dr. Moldenhauer oft getan Hot. die Senkung der Ausgaben in Reden zu verlangen, es ist aber sehr viel schwieriger, sie durch die Tat zu erzielen. Es gibt zwar dafür eine Reihe von Möglichkeiten— siehe Etat de» Auswärtigen Amtes und Etat der Reichswehr—, ober Herr Dr. Moldenhauer ist kaum der Mann, der diese Ausgabe erfolgreich in Angriff nimmt. Der Grenzzwischenfall. Zusammentritt der deutsch-polnischen Kommission. Zwischen der Reichsregierung und der polnischen Regierung ist vereinbart worden, daß eine gemischte Kommission heut« nachmittag um 3 Uhr in Marienwerder zusammentritt, um den Tatbestand von Neuhöfen gemeinsam festzustellen und nach Möglichkeit ein gemeinsames Komunique für den Fall einer sofortigen Einigung herauszugeben. Als deutsche Kommissionsmitglieder fungieren der Oberpräsidcnt von Oberschlesien Dr. L u k a s ch e k und Dr. U l l m a n n. Mit- gliedcr dieser Kommission auf polnischer Seite der Warfchauer Untersuchungsrichter für besondere Angelegenheiten Luxemburg und der Landeshauptmann des Kreises Mewe, Weiß. Fabriksterben im Harz. Zeder achte Einwohner öffentlich unterstützt. Osterode fharz). 28. Mai. Im Kreishaus fand am Dienstag eine Sitzung zur Besprechung der wachsenden Rot im Westharzgebict statt, an der neben zahlreichen Mitgliedern des Kreistages und des Kreisaus-- schussez Regierungspräsident Dr. höhnen aus Hildesheim und der Landeshauptmann der Provinz Hannover, Dr. von Campe, teil- nahmen. Landrat Dr. 23 a l t h a u s- Osterode gab ein Bild der zunehmenden Verelendung seines Kreises und betonte dabei, daß es in vielen anderen Kreisen nicht besser aussehe. Di« einst blühende Industrie sei am Erliegen. Von den Fabrikbetrieben sei im Lauf« der letzten Jahre fast die halste— 60 Betrieb«— erloschen. Völlig verschwunden sei z. B. das Marmorge werbe. Das Heer der Zlrbeitslofen nehme unter diesen Umständen von Tag zu Tag zu. Zeder achte bis zehnte Ein- wohner des Kreises sei ohne eigenen verdienst und zur Bestreik! ng des Lebensunterhaltes auf Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln angewiesen. Jricks„Wissenschastler". Ausgeboien wie saures Bier. Weimar, 28 Mai. Au dem Einspruch, den Rektor und Senat der Thüringischen Landesuniversität Jena, wie gemeldet, gegen die'Berufung des Schriftstellers rnid Rassenforschers Dr. Hans Günther zum ordent- lichen Professor einstimmig eingelegt haben, ist von de» akademischen Behörden noch eine Erklärung veröffentlicht worden,„um weit verbreiteten Irrtümern über die Stellung der Universität zu gewissen Geschehnissen zu begegnen".- In der Erklärung heißt es u. a.: „Angesichts der wirtschaftlichen Notlag« des Landes hat die Universität auf die Besetzung der zum Teil seit langer Zeit frei- stehenden, für sie lebenswichtigen Lehrstühle gedrängt. Niemals konnte sie sich aber, wie es ihr nahegelegt wurde, dazu verstehen. solche Lehrstühle aufzuheben, damit für Herren, die dem Herrn volksbildungsministcr wellanschaulich nahestehen, platz und Mittel freigemacht werden. Der Herr Volksbildungsministcr und ihm nahestehende Persön- lichkciten haben den Schriftsteller Dr. Hans G ü n t h c r der philo- sophischen Fakultät und einem Mitglied derselben, ferner der mathe- matisch-ngturwissenschastlichen Fakultät, bald als Professor für philo- sophie, bald al, Professor für Vorgeschichte, bald als Professor für Eugenik, bald als Professor für Rassenkunde, präsentiert. Auch eine Professur für Anthropologie sollte für ihn in Betracht kommen. Di« weit überwiegende Mehrzahl der Fakultätsmitgliedcr ober konnte Nazi-Kalender. „Wir wollen einst Deutschland sein!" (Hitler am 24. Mai in München). sich nicht davon überzeugen, dah Herr Dr. Günther über die wissen- schastliche Schulung verfügt, die man bei einem Universitätslehrer der Anthropologie oder der Rassenkunde oder der Rassenhygienc sEugenik) al» Voraussehung für eine erfolgreiche Betätigung in For- schung und Lehre ansehen muh, und sie konnten sich noch weniger davon überzeugen, daß in seinen bisherigen Schriften wissen- schastliche Originalleistungen entholten seien. Am 14. Mai Hot nun plötzlich dos thüringische Staatsministc- rium einen Lehrstuhl für soziale Anthropologie neu errichi�t und darauf sofort Herrn Dr. Günther zum ordentlichen Professor dieses Faches ernamtt. Damit hat es aber nun auch die völlig eindeutigen B e ft i m m u n g e n der für Landes- rcgierung und Universität i» gleicher Weise verbindlichen hauptsatziing der Universität durchbrachen. Dagegen hoben Rektor und Senat der Universität Jena beim thüringischen Staats- Ministerium Einspruch erhoben." Thüringen und die Haßgebeie. Es möchte nicht vor den Staatsgerichtshof. Weimar, 28. Mai. Das Schreiben des thüringischen Staatsminlsteriums an den Reichsinnenministcr vom 24. Mai 1930, in dem die Zurück- Ziehung der beanstandeten Gebete vorläusig a b g e. lehnt wird, hat folgenden Worliaut: „Sehr verehrter Herr Rcichsminister! Den Empfang der gefälligen Zuschrift vom 22. dieses Monot» beehre ich mich zu bestätigen. Wenn ich auch durchaus anerkenne, baß es geboten erscheinen muß, die Angelegenheit betresss der Empfehlung von Schulgebeten durch den Erlaß des thüringischen Valksbildungsminifteriums vom 16. April 1930 baldigster, endgültiger Klärung zuzusühren, und dies um so mehr, als die Besprechungen darüber im Haushaltausschuß des Reichstages am 21.. und 22. dieses Monats einen breiten Raum eingenommen haben, empfinde ich doch die Mitteilung, daß von feiten des Reiches der Staatsgerichts, Hof des Reiches noch vor Zlbschluß der mit den obersten kirchlichen Stelle» und den Vertretern der Lehrerschaft schon in nächster Woche in'Aussicht genommenen Erörterungen angerufen werden soll, init großem Bedauern. Das thüringische Gejamtstaatsminifterium hat soeben über Ihr Verlangen, die Empfehlung der Gebet« 2, Z und 4 der Anlag« des Erlasses vom 16. April 1930 rückgängig zn machen, beraten, es hat sich jedoch nicht entschließen können, schon jetzt, ehe noch das Ergebnis der mit größter Beschleunigung durch- zuführenden Erörterungen mit Kirche und Lehrerschaft vorliegt, die Aufhebung des Erlasses in Ansehung der Gebete 2, 3 und 4 anzuovd- nen, zumal gestern der Landtag von Thüringen«ine von der Fraktion der S.P D. eingebrachte Entschließung auf Aufhebung des Erlasses vom 16. April 1930 abgelehnt und dafür eine Entschließung angenommen hat, daß die 23«rhandlungen mit Kirche und Lehrerschaft fortzuführen seien. Das thüringische Gesamlmlnisterium wird sich selbstverständlich. auch wenn die Reicheregiernng fehl schon den Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich anruft, dem Spruche dieses verfassungsmäßig zur Entscheidung berufenen Gerichtshofs fügen, spricht jedoch durch mich die Hoffnung aus, daß die Reichsrcgicrung von der Anrttfung des Staatsgerichtshoses bis zum Abschluß der vom thüringischen Volksbildungsministeriums geplanten Erörterungen mit Kirche und Lehrerfchast absehen möchte. Unabhängig davon, ob die Reichs- regierung den Staatsgerichtshof für das Deutsche Reich schon jetzt anruft, werden die in Aussicht genommenen Erörterungen mit Kirche und Lehrerschaft durchgeführt werden und wird das thüringische Gefamtministcrium nach dem Abschluß dieser Erörterungen betreffs clwaiger Beschränkung der Empfehlung der Gebete weitere Eni- schließung fassen." Der verkehrsousfchuß des Reichstages beschäftigte stch mit eine? Verordnung über den K r a f t f a h r z c u g v e r k e h r, in der zu- nächst die Bestimmungen über das Höchstgewicht, höchstgeschwindig- kcit und Bereifung von Kraftfahrzeugen und ihre Beleuchtting sowie die Prüfung von Kraftfahrzeugführern der neueren Entwicklung an- gepaßt werden. lBcschtüsfe wurden noch nicht gefaßt. preußischer Obstruktionsblock. Bon Kube über Campe bis Schwenck. Die Krise im Bergbau. Rede des Bergarbeiierführers Husemann. Der Reichstag setzte heut« vormittag die Beratung des Haushalts des Reichswirtschostsministerium fort. Abg. hänse(Chr.-Rat. Bauemp.): Die Landwirtschast ist durch die agrarseindlichc Gesetzgebung mit der Hauptlast der Gesamtwirtschaft belegt. Der Landwirt kann seine Steuern und Soziallasten nicht abwälzen und wird dadurch zum Arbeitssklaven aller anderen Volks- schichten.(Ironische Zurufe links.) Der Redner zitiert zur Be- ftätigung seiner Behauptungen Artikel von Ou«ssel und Kaliski aus den.�Sozialistischen Monatsheften". Das Land ist bei der Verteilung der Hauszinssteuer benachteiligt(Widerspruch links). Der Redner behauptet, daß die Löhne stärker als die Preise für Agrarprodukt« gestiegen sind. Abg. Sachsenberg(Wp.) stimnit in der Begründung der Krisen- erscheinungen in vielen Punkten dem Abgeordneten Tornow zu. Die Landwirtschaft kann sich nicht schnell umstellen, weil das Geld kostet. Arbeitsbeschaffung und Hebung der Arbeitsmoral sind nötig. Der Redner links nach rechts: Maria Rajdl Otto Wallburg, Adele Kern. Her mann Thimig.— Unten rechts Das Deuffche Theater, das Rein Hardt vor 26 Iahren übernahm Daneben ein Jugendbild Ma� Reinhardts aus dem Begim seiner Laufbahn. Große Berliner Kunstausstellung Von Paul F. Schmidt. In seiner Eröffnungsansprache bezog sich Prof. B a l u s ch c k auf die kürzlich erfolgte einmütige Resolution der Berliner Künstler- schast: daß ein Ausstellungsneubau in der Nähe des Großen Sterns dringend vonnöten sei, um die deutsche Kunst in Berlin endlich würdig zu repräsentieren. Ueber diese Forderung kann es«ine Diskussion gar nicht geben, jedermann muß sie wärmstens unter- stützen: und man fühlt sich besonders dazu gedrängt angesichts der Tatsache, daß die»„Große Berliner" nun schon im zweiten Jahr« sich mit den Räumen des Schlosses Bellevue behelfen muß — und darin vollständig ihren Sinn verliert. Das ist nun wirklich gar keine„Große Berliner Kunstausstcl- lung" mehr. Das ist eine Karikatur und eine sehr unzulängliche dazu. Dem nun baupolizeilich, anscheinend sür immer, geschlossenen Glaspalast in Moabit wollen wir keine Trän« nachweinen. Er war ein Glashaus mehr des Anstoßes als der Anregung, dieser Riesen- bazar baulicher und künstlerischer Unzulänglichkeiten hat sich restlos überlebt. Aber: was als Ersatz dafür sich aufgetan hat« läßt den Wunsch nach einer endgültigen Regelung des Berliner Ausftellungs- wesens sich mit verschärfter Dringlichkeit erheben. Die Akademie- säle in Ehren, sie genügen sür stilvolle Kleinarbeit: aber weder die unglückseligen Sezessionsräume noch Schloß Bellevue können vor der Forderung nach einer richtiggehenden Schaugelegenheit bestehen, und alle drei mitsammen bilden ein chootffches Gemisch und stiften Verwirrung. Außerdem hat das Schloß Bellevue, an sich so reizvoll in seiner Lag«, mit schön proportionierten Sälchcn, mit der bezaubernden weißen Treppe von Anno 1390, eine unheilvolle Tradition ent- wickelt. Di« Raumbeschränkung hat nicht etwa konzentrierend ge- wirkt, sondern— unbegreiflichcrweise!— demoralisierend, im vorigen Jahr und in diesem vielleicht noch schlimmer. Unter den 669 Kunstwerken wird man kaum ein Dutzend heraussieben können, das den Besuch wirklich lohnt, geschweige denn unsere Kunst eindeutig repräsentiert. Ich muß betonen, das erscheint unbegreiflich. Denn an sich müßt« eine Auswahl von 699 Bildern eindrucksvoller sein gls eine von 2999; an sich müßten die heiteren Räume im Bellevue stärker einladen, sich zusammenzunehmen, als die kalten Riejensäle in Moabit. Vom Gegenteil der Wirkung kann man sich nun schon ein zweites Jahr überzeugen. Anzunehmen, es fehle an gutem Ma- terial, wäre lächerlich angesichts gültiger Beweise vom Gegenteil, die nur nicht hier, sondern überall sonst geboten werden. Es schemi als ob die Berliner Künstler ästhetische Obstruktion treiben, um ihre: Forderung nach einem anständigen Ausstellungsbau Nachdruck z» verleihen. In diesem Sinne muß man ihnen völlig recht geben und du Ausstellung als Propaganda mit umgekehrtem Vorzeichen werten Es ist erstaunlich, wie einmütig sie sich entschlossen haben(die Ein scnder und die Jury, alle zusammen), das denkbar ungünstigste Bil! von deutscher Kunst in diesen Räumen erstehen zu lassen. Bei solcher Sachloge, da man nicht kritisieren, sondern den pr» pagandistischen Sinn dieser Schau würdigen sollte, ist es«igentliä ein Unrecht gegen die wertvollen Eigenschaften der Künstlerschast wenn man einzelnes aus der geschlossenen Masse als besser heraus hebt. Mit einer Verbeugung vor ihrer einhelligen Willenstund gebung soll es dennoch geschehen, um den an den unerquickliche« Verhältnissen unschuldigen Besuchern in ihrer Ratlosigkeit beizu stehen. Da gibt es bei den Malern mit Wirklichkeitsdrang(Jmpreffio nismus und seine Weiterbildung) einige schöne Landschaften vo« Robert S ch o l tz, August B ö ch e r, Otto Heinrich und Hell« Arensen; ein treffliches Mädchenbrustbild von Grete Chaki, C o p r e y, das an Paula Maderjohn denken läßt, und die Gegen sätze von Otto Nagels Proletariern und den anmut'gen Back fischen Otto Schiffs(vielleicht sein bisher bestes Bild): endlich c'i meisterhaftes Stilleben des noch unbekannte Hausdorf. Ottili, Reylundcr-Böhmcs„Zigeunerkind" ist«ine anmutige Le» stung, der„Zirkus" von Erich K r a n tz«in gelungener Versuck reiner Linienwirkung. Werner Scholz bleibt bei seinem Stil man möchte ihm eine plötzliche Erleuchtung wünschen. Gute Sach lichkeitsschilderung von technischer und anschaulicher Reife gebe, Franz Lenk, Tienhaus(ein heimlicher Romantiker) und Hev bert Kampf. Von den jüngeren Anhängern einer klar umschn» denen Halbabstraktion, die Gegenständliches zu konstruktiven Um rissen und ins Helle destillierten Farben vereinfacht und vielleich das Erfreulichste dieser Schau bedeutet, sind Herbert Beyer, Ego» Engelien, Ncrlinger und Gertrud S t e m m l e r zu er. wähnen. Das alles ergibt zwar, zusammengerechnet, durchaus kein Re sultat, aber eine Andeutung einiger Bestrebungen der Gegenwarb kurzum, ein reizendes Fragment. Kfick verbietet eine Theateraufführung. Der Piscator-Bühn«, die sich auf eine längere Tournee durch Sachsen, Thüringen, Bayern, Württemberg und Soargebiet begeben hat, wurde am 27. Mai aus Jena telephonisch mitgeteilt, daß die sür den 28. Mai angefetzte Vorstellung des Stückes„Frauen in Not§ 218" von Carl Cred« auf Weisung des thüringischen Ministeriums des Innern nicht stattfinden dürfte. Begründet wurde das Verbot wie folgt: „Das Drama will zwar den Eindruck erwecken, als wenn es in der Bevölkerung Stimmung für eine Aufhebung des§ 218 des Strafgesetzbuches mache. In Wirklichkeit aber reizt es durch die Art seiner Darstellung zur Begehung strafbarer Handlungen aus. Hierzu wird besonders auf die Sellen 22, 23 und 29 des von Carl Erede verfaßten Textbuches verwiesen. Den Text der beanstandeten Seiten finden Sie beiliegend."> Nachweislich wurde das Stück etwa 299mal in folgenden Städten aufgeführt: Mannheim. Heidelberg, Worms, Frankfurt, Berlin, Darmstadt, Düsseldorf, Braunschweig, Lübeck, Hamburg. Kiel, Flens- bürg, Bremen, Bremerhaven, Dortmund, Köln, Gelsenkirchen, Halle, Stettin, Stargardt. Ueberall verlief die Aufführung vollständig störungslos. Nachdem schon seit 14 Togen in Jena öffentlich Pro- paganda sür den Besuch dieser Vorstellung gemacht wird, hat einen Tag vor der Aufführung erst die Polizeibehörde aus Veranlassung des Ministeriums des Innern das Verbot ausgesprochen. Durch diese Hinhallepolitit des Verbots ist eine Umdisponierung des Gast- spiels nicht mehr möglich, und es' entstehen dadurch den örtlichen Veranstaltern sowie den Schauspielern der Piscmor-Bühne durch den Ausfall der Vorstellung empfmdliche finanzielle Verluste. Rechtsanwall Dr. Apfel und Erwin Piscator sind nach Weimar gereist, um eine Rückgängigmachung des Verbots zu erzielen. Der vollständig« Text des Dramas mit mehreren Szenenbildern nach der Piscator-Inszenierung ist im Verlag von I. H. W. Dietz erschienen und zum Preise von 1,39 Mark in allen Buchhandlungen zu haben. Sei Sruno Casitrer, Dersslingerstrage 15, sind Werte moderner Maler ausgestellt. U. a. Chagall, Coubwe, Derain, DusreSne, GromairS, PaScin, Pissarro, Rouauit. Eröfsnunq des Heidelberger Kaiser-Wilhelm-Znstikuts für med« zinische Forschung. Im Rahmen der diesjährigen Haupiversamm lung der Kaiser-Wilhelm- Gefellfchoft wurde das neue Kaiser. Wilhelm-Institut für medizinische Forschung i, Heidelberg feierlichst eröffnet. Im Namen der Reichsregieruin begrüßte Staatssekretär Geib vom Reichsarbeitsministerium di> Versammlung. Er wies besonders daraus hin, daß dieses For schungsinstitut durch die Mithilfe nicht nur des Reichs und de« badischen Staats, sondern auch ganz besonders der Träger der I n. validen- und Angestelltenversicherung entstände» sei. Sowohl die Reichsversicherungsanstalt wie auck die Landesversicherungsanstalt Baden haben da» In. slitut, dessen Forschungsarbeit in ihrer praktischen Auswirkung di, Fürsorgebedürstigkeit abbauen und zur a l l g e. meinen Hebung des Gesundheitszustandes dei von ihnen Unterstützten beitragen wird, mit finan. ziellen Mitteln sehr wirksam unterstützt. Die Malerin Anna Costenoble ist im Alter von 67 Jahren g e- starben. Sie war aus Danzig gebürtig und hatte bei Gussoir und Skarbina in Berlin studiert, dann in München bei Lenbach und Roth. In Berlin wurde sie ansässig, und hier trat sie dem Kreise der Brüder Hart und Dehmels nahe. Ihr Hauptwerk hat sie in einem großen vielteillgen Bilde„Tragödie des Weibes" geschaffen. Die längste Gas- Fernleitung. Bisher war die längste Gas. Fernleitung die von Amorilla nach Demsires in Texas gelegte, die eine- Länge von 669 Kilometer hat und täglich 2,8 Millionen Kubib meter Erdgas befördert. Der Gosvorrat der Amorilla-Felder wirk dabei auf 399 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Diese Fernleitunc wird nun. wie in den„Sozialistischen Monatsheften" berichtet wird von einer»reuen Leitung übertroffen, die zwischen Minneapolis unt Saint-Paul von den Petroleumfeldern in Texas im Bau ist. Di« neue Fernleitung wird etwas 1399 Kilometer lang. Volksbühne. Die im Rahmen der Berliner Kunstwochen am lS. Ma unier der Regie von Carl Heinz Martin stattfindende Eistaufsüh rung von.Julius Cäsar» in der Volksbühne beginnt um 8 Ubr In den Hauptrollen sind beichäftigt die Damen LvovSkh und Wagner unl die Herren Franck, Horwitz. Pepple». Rehmann. Stecke!, Bergbos, GinSber, Wretler, Karchow, Lahde, Manz. Runberg, Staudt«, Thormann Doclckei Bühnensbilder und Kostüme: CaSPar N e h« r. Musik: K l a u i Pringsheim. Vi« 1t«u««bleiluag d«» kupserslichkablnelle»\Reue« Museum, erst«! Stock) zeigt sür die nächsten Monate eine Ausstellung.Da» Tier in de» graphtchen Kirn st des 19. und 20. Jahrhundert»». � töefchäfite-Jlnsefger � mmsXrt Restaurant zur Post Otto Troge HllS.Bornhoiinernr.g Jeden Sonnabend und Sonntag Unterhaltungsmusik Verelntzinuner• Franz. Billard Gegen Infektion In allen einschlägigen Geschäften erhältlich li.m b.H. H. Winter& Co. Berlin 0, 34, KSnigsberger Straße 7, Teleph. Königstadt 53i Bauschlosserei /Eisen- u. Bronzearbeiten/ Eisenkonstruktionen/ Scherengitter-Treppen. 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Ri«se»alt dem Tatsachenbericht gleichkoimn« und daß nichts so erschütternd fei wie die Wahrheit; auch stimmt es, daß die Zeugen großer Ereignisse der Erd- und Menschheitsgeschichte, die die Eigenschaften des guten Berichterstatters in sich oereinigen, selten sind. Immerhin, es gibt sold�„bedeutenden Tatsachenberichte von Zeugen großer Ereignisse", und die„Berliner Illustrirte Zeitung" wird ihren Lesern eine Anzahl vorsetzen. Bravo! Aber leider ist der„Tat- sachenbericht", mit dem die Reihe anhebt, eine Schilderung der Hinrichwng Ludwigs XVl. ein böser Reinfall. Angeblich handelt es sich um eine Erzählung des Scharfrichters von Paris, Gabriel S a n s o n, die von seinem Reffen, Charles Henry Sanfon, aufgezeichnet worden sei. Was aber ist's in Wirt- lichkeit? Im Jahre 1860 erwarb ein gewisser Dupray de la Mahärie in Paris eine Druckerei. Ein unrchigcr Kopf, neuen Ideen zugänglich, kein Durchschnittsuntcrnehmer, beteiligte er seine Arbeiter am Gewinn und hielt ihnen öfters don einer Galerie des Arbeitssaales schwungvolle Reden über die Größe ihres Berufs. Ilm die Druckpresse recht in Nahrung zu setzen, brachte ihn einer seiner Freunde und Mitarbeiter, d' O l b r e u s e, auf einen viel- versprechenden Gedanken und stellt« sich auch in den Dienst seiner Ausführung. Er trieb den ehemaligen Scharfrichter von Paris auf, Clement-Henry Sanfon, den letzten der„Dynastie", der 1847 seines Pontens enthoben worden war, weil er, von Schulden erdrückt, seinen Gläubigern das Gerüst der Guillotine verpfändet hatte! D'Olbreufe versprach dem verknurrten alten Kerl nicht nur klingenden Lohn, sondern zahlte ihm auch bare 30 000 Franken auf den Tisch, damit er sich über seine und seiner Vorfahren Tätigkeit ausquetschen lasse; überarbeitet und in Form gebracht, sollten seine Mitteilungen als„Memoiren des Scharfrichters� herauskommen— ei» Schlager! Ein Bombenerfolg! Aber Sanfon lieferte auch nicht eine Zeile und blieb bei allen Vorstellungen des Verlegers taub und stumm. Da jedoch das Werk schon angezeigt war und von der Oefsentlichkeit mit Spannung erwartet wurde, suchten Dupray und d'Olbreuse einen Ausweg: sie warben«inen geschickten Romanschreiber an, der unter Ausschlachtung der überlieferten Historie mit Hilfe seiner Einbildungskrast das Gewünschte zu Papier brachte; hos Opus erjchien 1863 in sechs Bänden unter dem Titel:„Lept genärabions ä'executcurs 1688 bis 1847. Märnoires de Sanson, rnis cn ordre, rediges et pnbliäs par H. Sanson, ancicn cxdcutenr des hautes Oeuvres de la cour de Paris"(Sieben Generationen Scharfrichter 1688 bis 1847. Erinnerungen Sanfons, geordnet, redigiert und veröffentlicht von H. Sanson, ehemaligem Scharfrichter am Pariser Gerichtshof.) Auch in deutscher Ueber- tragung kamen diese„Erinerungen" mehrfach heraus, zuletzt 1SZ3 in zwei Bünde zusammengezogen als„Tagebücher der Henker von Paris". Diesem durch und durch apokryphe» Werk, das einem Dumas aus der flinken Feder geflossen zu sein scheint, entstammt vom ersten bis zum letzten Buch st oben die Schilderung der Hinrichtung Ludwigs XVl. in der„Berliner .Illustrirte» Zeitung": sie ist also, um die Ausdrücke des Blattes zu verwenden, kein„Tatsachenbericht", sondern ein„Phantasieprodukl". Wer ein bißchen in der Geschichte der Französischen Revolution Bescheid weiß, gewahrt es auf den ersten Blick. Zwar hat der Schriftsteller, den der Verlag Dupray für die Abfassung der „Memoiren Sansons" gewann, inehrcre der über die Hinrichtung des Bourbonen vorliegenden Berichte zu Rate gezogen, so daß eine Reihe von Tatsachen richtig wiedergegeben ist. And'.res ist voll- kommen freie Erfindung, wie die leise Aufforderung des Scharf- richters an den Abbe Edgeworth, er möge den sich gegen die Fesselung sträubenden König bitten, sich zu fügen:„Während man ihm die Hände binden wird, gewinnen wir Zeit; es ist unmöglich, daß das Volk nicht einem solchen Schauspiel seiner besseren Ueber- zeugung gemäß ein freudiges Ende machen sollle!" Ueberhaupt ist die ganze lormoyante Haltung der Henker, die, königstreu bis auf die Knochen, sehnsüchtig erwarten, daß„das Volk den zum Tode geführten Monarchen vielleicht unter seinen allmächtigen Schutz nehmen und aus der ihm angedrohten Hinrichtung«ine Huldigung madien" iverde, reinste Phantasie. Ebenso verhält es sich, wenn es auch nicht auf dos Konto des Verfassers der Pseudoerinnerungen kommt, mit dem Won des Priesters zum Bürger Capet, kurz eh« das Messer fällt: „Sohn des heiligen Ludwig, steig auf zum H.i m m e l!* W. L. H ertsle t in seinem„Der Treppen- witz der Weltgeschichte" stellt ganz richtig fest, daß dieses Wort nie gesprochen wurde, aber er unterliegt selber einem merkwürdigen Irrtum, wenn er, anscheinend gestützt auf«ine Notiz des„Labinet de I.ecture" vom 14. September 1831, den„Republieain Franqais" vom Hinrichtungstag als Quelle der Aeußerung anführt. Das Blatt hat in den Nummern, die das Datum des 22. und 23. Januar trogen, zwei Berichte über die Exekution, einen kurzen und einen längeren, aber in keinem auch nur«ine Spur jenes Wortes, dem die Royaliften Flügel verliehen. Dafür.brachten die„Revolutions de Paris* gleich nach dem Ereignis in chrer Nunnner 185«in Bild, das Ludwig und den Abbe auf der obersten Sprosse der Leiter zum Schafott zeigte, mit der Unterschrift:„Als Louis Eopet auf dem Schafott anlangte, die Hände auf den Rücken gefesselt, betrachtete er während mehrerer Minuten die Gegenstände, die ihn umgaben. Sein Beichtvater sagte ihm: Auf. ältester Sohn des heiligen Ludwig, der Hinnnel erwartet dich!" Den gleichen Satz legte R o u y in seinem„Reeit autbentique de tout ce qui s'cst passe ä l'egard du jugernent et execution de Louis XVI.*(Authentischer Bericht über olles, was sich hinsichtlich der Verurteilung und Hin» kichtung XVL zugetragen hat) dem Gdjäuhen in den Mund. Aber„Rävolutions de Paris" hin, R6cit autbentique" her— der es am ehesten wissen mußte, der Abbe Edgeworth selber, der, geehrt und geachtet von den Emigranten, noch vierzehn Jahre lebte, erwähnte nie mit einem Sterbenswörtchen, auch nicht in seinem„Die letzten Stunden Ludwigs XVI." den Ausspruch, den man ihm zuschrieb; vom Kardinal Bausset ge- fragt, ob er ihn getan habe, erwiderte er:„Ich kann mich nicht erinnern." Der reaktionären Grundfärbung der ganzen Darstellung ent- spricht auch der Schluß:„Als mein Gehilfe Gros das unter dem Guillotinenbeil gefallene Königshaupt den Umstehenden zeigt«, stießen nur einige Rasende ein Triumphgeschrei aus, die Mehrzahl wendete sich ab, von tiefem Schauder und schmerzlicher Zer- knirschung ergriffen." In Wahrheit stießen Tausende und aber Tausende auf dem Revolutionsplatz und in den angrenzenden Straßen, während sie die Hüte in die Lust warfen oder auf Flinten und Piken hochhielten, frenetisches Geschrei aus: Es lebe die Nation! Es lebe die Republik! Fanatiker tanzten um das Blutgerüst, Nationalgardisten, Föderierte und Gendarmen stürzte» aufs Schafott und tauchten die Spitzen ihrer Bajonette. Säbel oder Piken in das Blut Ludwigs, Ossiziere des Marseiller Bataillons steckten mit dem Blut gerötete Papierfetzen auf ihren Degen und riefen beim Marsch durch die Straßen dem Volk zu: „Das ist vom Blut des Tyrannen!" Der Schriftsteller M e r c i e r sah das Volt, das angeblich„von tiefem Schauder und schmerzlicher Zerknirschung ergriffen" war, von der Hinrichtungsstätte heimwärts strömen,„Arm in Arm, unter Gelächter und vertrautem Geplauder, wie man von einem Fest zurückkehrt", und berichtete weiter in seinem„Neuen Paris": „Lüge, daß Erstarrung in der Stadt herrschte... Der Tag der Hinrichtung hinterließ keinerlei Eindruck; die Theater waren wie sonst geöffnet, die Kneipen in der Nähe de- blutbcsudeltcn Platzes verkauften vom Bratspieß weg wie sonst, man schrie Kuchen und Postetchcn rings um den enthaupteten Leichnam aus." Indessen lohnt es nicht, all die Unrichtigkeiten, von denen die Schilderung voll ist, aufzupicken; es genügt die Feststellung: Phantasieprodukt," nicht Tatsachenbericht! Gibt es aber keinen wirklichen Bericht des Scharf- richters, der mit Vornamen übrigens Charles-Henry und niemals Gabriel hieß, über den 21. Januar 17S3? Oh ja! Als nämlich der„Tbermometre du jour" am 13. Februar jenes Jahres mit Berufung auf Sanfon mitteilte, der Delinquent habe auf dem Schafott dreimal sehr laut geschrien: Ich bin verloren!, mußte das Blatt in seiner Nummer vom 21. Februar folgende Berichtigung des Scharfrichters bringen: Hier die genaue Wahrheit über das, was sich bei der Hin- richtung Ludwig Capets zugetragen hat: Als er vom Wagen stieg, sagte man ihm, er müsse seinen Rock ausziehen, er machte einige Schwierigkeiten und sagte, man könne ihn hin- . richten, wie er sei. Auf die Vorstellung, daß das unmöglich sei, half er selbst, seinen Rock auszuziehen. Er machte dieselbe Schwierigkeit, als es sid) darum handelte, ihm die Hände zu binden, die er dann selbst hergab, als sein Begleiter sagte, es fei ein letztes Opfer. Dann fragte er, ob die Trommler weiter trommeln würden. Die Antwort lautete, man wisse darüber nichts, und das war die Wahrheit. Er bestieg das Schafott und wollte auf die Vorderseite treten, wie um zu sprechen, aber man stellte ihm vor, das sei unmöglich. Er ließ sid) darauf an den Ort führen, wo man ihn festband, und wo er sehr laut gerufen hat: Volk, ich sterbe unschuldig! Dann, sich zu uns umdrehend, sagte er uns: Meine Herren, ich bin an all dem, wessen man mich anklagt, unschulldig; ich wünsche, daß mein Blut das Glück her Franzosen besiegeln könnte. Dies, Bürger, Redakteur, sein« wirk- lichen und letzten Worte. Die kleine Erörterung, die am Fuß des Schafotts stattfand, kam daher, daß er es nicht für nötig hielt, seinen Rock auszuziehen und sich die Hände binden zu lassen. Er machte auch den Vorschlag, sich selber die Haare abzuschneiden. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, hat er all das mit einer Kaltblütigkeit und Festigkeit ertragen, die uns in Staunen setzten. Ich bin fest überzeugt, daß er diese Festigkeit aus den Grundsätzen des Glaubens geschöpft hat, von dem niemand durchdrungener und überzeugter schien als er. Gez. Samson, Vollstrecker der Strafurtcile. So der wahre Tatsachenbericht, der aber, weil stilistisch ein- fach und nicht romantisch aufgeputzt, minder wirkungsvoll ist als dos, was— leider!— anderthalb Millionen Leser der„Berliner Illustrirte» Zeitung" als„Tatsachenbericht" vorgesetzt bekommen. Hermann Wendel. Wunscherfüllung und Sein Ein vergessenes Filmprohlem Seit ein' gen Tagen läuft in Berlin der Film„C y a n k a l i", der das gleichnamige Drama Friedrich Wolfs zum Vorwurf hat. Es ist ein Tcndenzfilm gegen den Abtreibungsparagraphen, und deshalb werden manche Geschehnisse nur aus dieser Perspektive gesehen, aber trotzdem vollzieht sich das Wunder, daß„Cyankali" lebensnäher wirkt als der größte Teil der sonstigen Produktion. Woran liegt das? Publikum, Presse und Produktion sind heute derart mit dem Problem des Tonfilms beschäftigt, daß für andere Filmfragen kaum noch Interesse aufgebracht wird. Man freut sich, wenn etwa Iannings im„Blauen Engel" überzeugend mit den erforderlichen Trompetengeräuschen seine Nase putzt, fragt jedoch nicht danach, ob dieser an sich nützliche Vorgang durchaus der Charakterisierung dient, oder ob er nicht nur eine unterhaltende Spielerei vorstellt, die durch ihre Neuheit frappiert. Vergessen ist, daß auch die Inhalte von entscheidender Bedeutung sind. Das Resultat des vergangenen Filmwinters bleibt unbefriedigend in erster Linie, weil keine großen Filminhalt« vorhanden waren. Die technische Entwicklung des Tonfilms ist unbestreitbar, aber ebenso unbestreitbar ist leider auch die Tatsache, daß die meisten Tonfilme Stoffe von einer Banalität brachten, die der stumme Film bereits überwunden hat. Auch„Cyankali" ist ein Tonfilm und der Ton stellt sich manchmal zur unrechten Zeit ein, denn die Tendenz entscheidet hier und nicht allein die künstlerische Formung. Aber trotz gewisser Mängel kompositorischer Art löst der Film die stärkste Wirkung aus, weil er ungeschminkte Tatsachen bringt, weil er das Sein betont und nicht als Wunschersüllung gelten will. Wie liege» die Dinge sonst? Der Film, gleichgiltig ob er stumm ist oder mit Geräuschen arbeitet, gibt eine Welt, die nicht existiert oder nur in den Wllnsdien der Zuschauer. Der Film will gewisser- maßen demonstrieren, daß die bürgerliche Welt die schöchte aller Welten ist. Das kleine, anständige Tippfräulein heiratet nicht den braven Buchhalter sondern den Sohn des Milliardärs, so gut meint es eben das Schicksal und so sehen die Wünsche der meisten Zuschauer aus. Aber nicht nur die großen Linien des Stoffes weifen diese charakteristischen Merkmale auf, jedes szenische Detail tendiert daraus, der Wunschersüllung zu dienen, die Wirklichkeit bleibt gleichgültig. Man trägt nur kostbare Hemdhosen auch bei 30 Grad Kälte und auch bei völlig schwindsüchtiger Brieftasche. Die Hofen des Schlaf- aizzuges sind immer scharf gebügelt, und der Scheitel glänzt in tadel- loser Ordnung. Auch Roman und Drama dienen der Wunschersüllung, die hohen Auflageziffern einer Courths-Mahler können als Beispiel dafür angesehen werden. Aber doneben besteht ein« Literatur, die das wahr« Gesicht des Lebens zeigt oder Probleme diskutiert, und dieser Ausgleich fehlt dem Film. Man findet nur selten oder nie den Mut zur Dissonanz. In ixgendeiner Beziehung muß der harmonische Ausklang vorhanden sein. Der Russenfilm, in einer anderen Welt- anschauung verankclt, bedeutet heute kein« Ausnahme mehr, nur die Vorzeichen haben sich geändert. „Cyankali" endet mit dem Tod der Heldin und mit einer An- klage. Es fehlt jedes versöhnliche Moment, doch dieser Wille, keine Konzession zu machen, gibt nicht allein den Ausschlag. Das Milieu i ist echt und unpathetisch gestaltet. Der Versuch wird unternommen, J ungeschminktes Leben zu vermitteln, und daraus ruht der Haupt- akzent, und hier führt der Weg ins Neuland. Das„bapp>- end" scheint heute nicht mehr den hohen Kurswert zu besitzen wie ehemals. Sogar die Amerikaner wagen hin und wieder am Schluß so etwa wie eine Trennung für immer. Aber diese Trennung versöhnt in irgendeiner anderen Beziehung. Auch die Opern„Tannhäuser" oder„Troubadour" schlichen mit dem Tod des Helden, aber— und dies allein bleibt bedeutsam— der Held stirbt in der Harmonie der Tonarten. Eine über der Opernalltäg- lichkeit schwebende Welt behält den Sieg. So ähnlich, wenn auch auf ganz anderer Basis, liegen die Dinge im Drama. Wenn der Graf schließlich sein Lieschen Müller ausgibt, so geschieht es nach schwerem Seelenkampf und außerdem weil der Graf ein« über ihm stehende Gesellschaftsordnung, die übrigens nur in der Phantasie besteht, restlos anerkannt. Ein harmonischer Aus- gleich ist über dem individuellen Schicksal hinaus gesunden. Der Film, die Oper oder das Drama beruhigen den Zuschauer im Hin- blick auf ein besseres Land, mag dieses über den Wolken schweben oder durch irgendeine menschlich-gesellschaftlichc Institution be- gründet sein. „Cyankali" leimt diese Konzession nicht, eliensowenig wie das Leben, wie das wirkliche Sein. Vielleicht merkt man die erftrebens- werte Lebensnähe bei diesem tragischen Ausgang am stärksten. Der Film darf nicht nur ein Blaublümchenparadies des Wunsches widerspiegeln. Selbstverständlich ist kein« Kunst ein Abklatsch der Wirklichkeit» und der Film kann«s bisher überhaupt nicht sein, da er farblos und zweidimensional ist, wodurch die Menschendarstellung dem Leben gegenüber geändert wird. Di« Gesten inüfsen breiter schwingen, das Tempo, mit dem die Vorgänge abrollen, erscheint entweder über- hitzt oder verlangsamt. Aber innerhalb dieses Rahmens kann eine Ledensnähe angestrebt werden, besonders da jetzt zum Bild noch der Ton hinzutritt. Der Film, in der Mass« seiner Produktion. spekulierte auf die Wünsche, auf die Sehnsüchte seines Publkums, oder begnügte sich mit künstlerisch vollendeter Regie und Darstellung eines Stoffes, der so weit wie niöglid> quälenden Tagessragen aus dem Wege ging. Der Film wurde nicht zu dem Ort, wo Probleme zur Diskussion standen. Gut, warum sollen ein Harry Piel oder Douglas Fairbanks nicht die Karl-May-Sehnsüchte abenteuerlicher Gemüter befriedigen, worum sollen vom Glück Vernachlässigte sich nicht begeistern, wenn Barkhelmeß sein« Billie Dooe in das millionenbeschwerte Ehebett trägt, doch daneben darf nicht vergessen werden, daß der Film auch andere Aufgaben künstlerischer oder kultureller Art zu erfüllen hat. Der Tonfilm ist bis heute kein Ideal. Es genügt den Pro- duzenten, wenn aus einem titschigen Text ein gichtbrüchigev Schlager erblüht. Wahrheit des Milieus, Echtheit der Menschen, die keine Starallüren kennen, rechnen zu den unbekannten Begriffen in der westeuropäischen und amerikanischen Produktion Daß aber dos Leben genau so interessant ist, daß kulturelle, wirtschaftliche und politische Probleme im Film erschütternder wirken als der ewige Traum eines doch nie erfüllbaren Glücks, zeigt der Film„Cyankali". Die Wunscherfüllung braucht aus der Produttion nicht ausgeschaltet zu werden, ober dos Sein muß unter allen Umständen mehr Be- rückpchtigung finden als bisher. Felix Scherret. (40. jDrtjcjjiing.) Mr. Ä«ab ginff zuvörderst vom Standpunkte des Gouverneurs in der Nachfolge Duoals aus. Man wartet« noch immer, daß Marin fein gegebenes Wort einlösen werde. Doch Marin, der jetzt die Dokumente und Pläne der Revolutionspartei in seinen Händen wußte, oerspürte weder Lust noch Verpflichtung, so zu handeln, wie er es ursprünglich bcabsi6)tigt halte Mr. Kcad begann ihn zu bedrängen. Richtete an ihn die Frage, ob er es denn darauf ankommen losscn wolle, daß Schanghai eines Tages im Blute schwimme, die Börse krache und das gesamte In- dustrie- und Handelsleben aus unabsehbare Zeit hinaus vernichtet werde: was er damit verfolge, welches Resultat er sich vom diesem Kampfe gegen die Gewalt erwarte. Mann hörte Kead aufmerksam, abwartend zu. Dehnte sich selbstbewußt und sicher in seinem Stuhle. Kead hatte seine Absicht erraten, nickte er sich durch den ihm gegenllberhängenden Spiegel zu. Was er sich davon erwarte? Er wußte es. Daraus antworten würde er nicht. Das war seine Sache. Darüber zu sprechen, hielt er für überflüssig. Mr. Kead ereiferte sich. Der stuimne Widerstand Marius reizte ihn. Auch war er sich längst darüber klar, daß der Franzose ihn überlisten, zumindest aber seine eigenen Vorteile den seinen«nt- gegensetzen wollte. Ausfallend für Kead war es nur, daß die Blätter Garricksons mit solcher Ausdauer und Unnachgiebigkeit dos gleiche wie er vom Gouverneur forderten: Marin müsse unter allen Umständen in die Rechte und den Wirkungskreis eines Polizeichess eingesetzt werden, wolle man dem fremden Staatsbürger Schutz und Sicherheit bieten: und dies sei in der gegenwärtigen Situation nichts Geringes, Neben- sächliches. Das merkwürdige Interesse Garricksons mochte Kead mißtrauisch und brachte eine Unsicherheit bei ihm in der Vehond- lung dieser Frag« mit sich Wie es auch immer sein mochte, Kead wollte Klarheit. Es war nicht sein Fall, aus Vermutungen und Schlüsseziehen angewiesen zu sein. Blutrot färbte sich sein Gesicht, ein mächtiger Ruck: groß und gewaltig stand er vor dem Franzosen, dem er im wahrsten Sinne des Wortes die Zähne zeigen wollte. Marin hatte nichts anderes erwartet. Erinnerte sich der Szene, die einmal zwischen Kead und Duval stattgefunden hatte. Ahnte, daß jetzt ein ähnlicher Ausbruch bei Kead folgen werde. Marin wartete nur darauf. Ihm lag es schon lange am Herzen, diesem räsarenwohnsinnigen Börsentiger und Schieber etwas von seiner Macht spüren zu lassen. Vorerst machte ihm Kead in knappen, scharfen Worten den Vor- schlag, sein Wort einzulösen. Ohne aber«ine Antwort abzuwarten, schrie der Dollarkönig, daß das mit den Papieren nur Lüge, plumper Schwindel und Hochstapelei sei. Marm hatte mit sich zu tun, sein Temperament zu beherrschen. Keads Gesicht und Fäuste fühlte er schon in unmittelbarer Nähe. Entschlossen ging er an Kead vorbei, sperrte seinen Tresor aus, entnahm diesem einen Pack Papiere, den er dem schon vor Wut und Galle Speienden vor die Füße warf. Der stürzte sich hostig dar- über, raffte die Blätter an sich, taumelte damit an den Schreibtisch, wühlt« sich in deren Inhalt ein. Gelassen ging Marm auf ihn zu, zog ihm die Papiere unter der Nase weg und verwahrte sie wieder in dem Tresor. Kcads Mund, stand weit ausgesperrt. Seine Lippen zitterten wie im Krampf. Es dauerte geraume Zeit, bis er wieder sprechen konnte Aber er fand keine Worte. Marin sagte:„Nachdem Sie sich überzeugten, daß nicht«in« ihrer Aeußenmgen auf mich Anwendung finden kann, bitte ich Sie, mich zu verlassen. Unsere Interessengemeinschaft hört mit dieser Stunde auf. Eins gebe ich Ihnen als Trost auf den Weg mit. Sie werden mich im geeigneten Augenblick auf meinem Posten finden. Good by:!?� Mr. Kead war gegongen. In der Peking-Rood in seinem Arbeitszimmer saß er, brütete vor sich hin. Da hockte er nun, der Mann, vor dessen Macht Tausend« zitterten, gebrochen, müde, ver- greift. Restlos blamiert Er wollte die Dinge lenken, nun lenkten sie ihn. Er hatte sich aufs AbwaNen zu beschränken. Marin hotte ihn hlnausgeworsen, ein Marin ihn zu diesem kläglichen Abgang gezwungen! Wie verfluchte er diesen Mann! Mißbraucht war er von ihm worden, an ihm kletterte dieser Franzose zu jener Macht- stellung, von der er ihm heute schon etwas verspüren hatte lassen, empor. Er grübelt� und grübelte. Zemiartete sein Gehirn, quälte sich mit Gedanken ab. Mählich dämmerte es in ihm, jetzt begann er zu begreifen. Marin wollte den Ausbruch der Revolution. Die gäbe dem noch Macht Hungernden Gelegenheit, seine Stärke und Krast zu zeigen. Eine Diktatur errichten, Diktator, ja. dos wollt« Marin. Nichts anderes. Mit dcnstsben Gedanken beschäftigte sich zur gleichen Zeit Marin. Er war jetzt frei, unabhängig von den Kapitalisten. Das hatte er gewollt. Seine unklare Stellung war durch den Besitz der Papier« aufgehoben. Er dachte nicht daran, sie seiner Regierung zu unter- breiten und sich damit dort hinauf zu schwingen, wohin es ihn bald von selbst tragen würde. Es galt nur eines, den entscheidenden Tag abzuwarten. Dorbereikingen zu treffen, die führenden Häupter der Stadt einstweilen hinzuziehen, dann zu handeln Mr. Kead blinzelte aus halbgeschlossenen Lidern. Langsam. unmerklich richtete sich sein Haupt empor. Um die Mundwinkel zuckte es. Seine Hände hingen nicht mehr kraftlos herab. In{em \72cnftctrr eines\ entfärbtes Gesicht rann frisches Leben. Er langte nach dem Telephon, das neben ihm stand. Rief noch seinem Sekretär Sein neuer Sekretär, ein stets verschmitzt lächelnder Chinese, erschien in der Tür. Ihm eröffnete Kead seinen neuen Fcldzugs- plan. Der Untergebene lächelte ihm bewundernd zu. 49. Es war der 5. Mai des Jahres 1923 und Abend, lieber der Stadt lastete eine beklemmende Schwül«. Windstille. Der Himmel war mit Wolken verhängt, der Mond fahl und verschwommen. Aus den Tiefen des Meeres brauste es, fern, unwirklich. Schwarz und gespensterhaft stachen die Mäste und Schornsteine der verankerten Schiff« in d«n Hunmel. Der Hafen war an diesem Abend verein- samt. Nur ein paar träge dahinschleichcndc Lastträger, einiges licht- scheues Gesindel, das nach Abfällen suchte, aber nicht eine einzige Uniform. Es fiel den Leuten auf, daß in der alten, verfallenen Kaschemme„Ehikago" so ein baumlanger Kerl von einem Matrosen saß, ruhig und gelassen seinen Absynth trank, inmitten einer Zweifel- haften Unigebung. Hatte er sich nicht um Befehle zu kümmern? Die Blick« der Uinsitzenden pirschten sich an ihn heran. Di«„Bar" gehörte niemand anderem als Mr. Wung, dem einstigen Besitzer der Pension„Panama". Wie war es nur gc- kommen, daß dieser vorbildlich zivilisiert« Chinese seine im besten Stadtteil gelegene Pension mit dieser schmutzigen Höhle vertauscht hatt«? Mr. Wung war eben auch so unberechenbar wie alle sein« Rassenbrüder. Zuerst hatten sich bei ihm auffallend viel Russen«in- gemietet, dann war er mit einigen Elementen der revolutionären Gruppe in Verbindung g«tr«tcn: alles aus purer Höflichkeit. In der Pension„Panama" hatte es zu geistern angefangen, bis«ines Tag«s die Polizei bei Mr. Wung Waffen fand. Mr. Wung hatie geschworen, von deren Herkunst keine Ahnung zu haben. Nichts hatte es geholfen. Den„Union-Iack" hatte er vom Dache herab- holen, er selbst aber aus dem Dorodo der weißen Raff« verschwinden müssen. Nach Erlegen einer dementsprechenden Geldbuße war er straffrei ausgegangen und hatte nun hier dieses trübselige Lokal übernommen und nach amerikanischem Muster eingerichtet. Mixte abscheuliche Getränke, machte«in stets trauriges, hosfnungsloses Ge- ficht und sthnte sich nach der großen wcltdeglückendcn Zivilisation. Nebstbei war seinem Barbetrieb ein Raum für Opiumraucher an- geschlossen. Mr. Wung interessierte sich für den Matrosen. Winkte ihn zu sich, lud ihn ein, eine Pfeife Opium zu versuchen.» Der S««monn dankte. Das Gift vertrug er noch nicht Der Wirt bot um fein weiteres Verbleiben. Der Matrose trank weiter. Diele Augen waren forschend auf ihn gerichtet. » Unweit der„Bar" Mr. Wungs, in einem ebenerdigen Lehmbau, war die Druckerei für Flug- und Agitationsschriften untergebracht. Die eigentliche Druckerei war durch«ine Glastür mit einem Raum« verbunden, in dem anwesend waren P., Maro, die drei Gesellen Dollar, Pfund, Tael und fallweife einer oder der andere des Exekutionskomitecs. Hier war das Hauptquartier der Rebellen. V. ging den Raum ab mit großen, raschen Schritten. Richtete leinen Blick aus die Anwesenden. War für sich allein, seinen eigenen Gedanken ganz hingegeben. Sprach nicht mehr als nötig und sach- lich. Gab Anordnungen, crteilie Befehle. Duldete keinen Wider- spruch. Schwieg des öfteren minutenlang. Immer aber handelte er genau nach den Plänen, di« jetzt in anderer Hand waren. D�". Gedanken daran bekämpft« er in sich. Warf trotzig den Kopf in den Nacken, richtete jetzt ungebeugt den Blick auf die, die ihn un> standen.(Fortsetzung folgt.) e Buch Oskar Xoerke Wenn uns nicht olles täuscht, so stehen wir vor einer erfreulichen Richtungsänderung in der Wertung eines der ursprünglichsten Zweige dichterischen Schafsens: der Lyrik. Denn es hat ganz den Anschein, als sollte dieses Aschenbrödel der Dichtkunst, seit langem in stief- mütterlicher Unbeachtetheit gehalten, nun doch von einigen mächtigen Verl«ger-„Prinzen" seinem Mauerblümchendasein entrissen und in die ihm gebührenden Ehren und Würden wieder eingesetzt werden. Ein deutliches Zeichen hierfür glauben wir in dem neuen Gedichtband von Oskar Loerke„Atem der Erde" erblicken zu können. der im S. Fischer Verlag. Berlin(geheftet 3 M., Ganzleinen 7 M.) in würdiger Aufmachung herausgekommen ist. Oskar Loerke ist ejn Dichter von scharfem Profil und mehr als durchschnittlichem Format. In einer Fülle von Bildern führt er uns in diesen sieben Gedichtkreisen durch sein inneres Erleben, das sich entzündet an den kleinen, unscheinbaren Dingen alltäglichen Geschehens. Seine Sprache ist eigenartig und stark, fast zu vielseitig in der Bildhaftigkeit des Ausdrucks, da sie die Gefahr nahebringt, die innere Linie der gedanklichen Zusammenhänge zu durchkreuzen. Gelingt es Oskar Loerke auch fast immer, dies« Gefahr letzten Endes zu umgehen, so muß man sich doch oft verteufelt bemühen, in diesen Gedichten den wesentlichen Sinn dessen zu erkennen, um was es sich dem Dichter gehandelt hatt«. Dann aber steht man in ehrlichem Erstaunen vor den Offenbarungen einer Dichterpersönlichkeit, deren Gestaltungskraft es vermag, dem altgewohnten Porträt der Alltags- dinge neue und unerwartete Lichter aufzusetzen. Dieser Eigenwilligkeit des dichterischen Ausdrucks entspricht bei Oskar Loerke die einigermaßen achtlose Behandlung des Formalen. Und doch käme gerade dieser Art von Lyrik eine straflere Hand- hobung des Rhythmus und eine größere Klarheit des versbaulichen Gefüges ganz besonders zustatten! Das Ungebändigte seiner Erlebnisfllll« würde so bewahrt bleiben vor der trotz seines Könnens immer noch bestehenden Möglichkeit des Auseinanderfallens, und die Verständlichkeit des vom Dichter innerlich Erschauten könnte dann durch unmittelbar« Einwirkung auf den Leser wesentlich gesteigert werden. Wenn wir das in dieser Form hier auch aussprechen, so liegt uns doch jede kleinliche Ankreidelust und jedes engberzige Beckmesser- tum durchaus fern. Eben weil wir di« Kunst Oskar Locrkes zu schätzen wissen, würden wir ihm noch größere Beherrschung der Technik und noch eindeutigere Führung der inneren Erlebniskettc von Herzen wünschen. Hans Zeuger. Rätsel-Ecke des„Abend". ■iiiiii»iiuiiimiiiiiuiniiiuuuiiiiHiiiimuiiiiiuuHiiiimuiitiiHnflHiuiiiiiiDniiiiiiniauiiuuiuuuiiuiiiiiiiiutmiiKHiiiiiiiiuHiiiiiiiminiiiiuiiiiHiiuniuHiiiiiiumiiuiHiuuiuuiuni Karree- Rätsel. «besrtzlich gekchicht.) Jede Zahl der zu erratenden Wörter entspricht einem Buch- stoben.der in das mit der gleichen Zahl bezeichnete Karree einzu- tragen ist.— Die Buchstaben, von 1 bis 39 fortlaufend gelesen. ergeben ein Zitat von Schiller.— Bedeutung der einzelnen Wörter: 1 Gewichtsmesser 19 1ö 27 39 2: 2. deutscher Reichspräsident(?) 8 4 11 3 37: 3. Planet 23 16 37 3 12 6: 4 Fahne 4 33 9 13 14 3: 5. König der Jude» 7 27 1 21 13: 6. Teil des Hauses 29 33 18 19: 7. Edelwild 25 38 12 23 24 29: 8 öde Sandlandschast 26 17 22 23 37 39: 9. Schlafenszeit 31 33 28 36 37: 19. das höchste Wirbellier 32 34 6 23 35 19. Vier Silben. „Eins" ist kein Dorf, und„zwei, drei, vier" Rennt eine Bildungsstätte dir: Das schöne Ganze aber hat In Deutschland jede große Stadt. kr. Kreuzworträtsel. ■n-rn r Senkrecht: 1. Spielzeug: 2. weiblicher Vorname: 3. Staat in Südamerika: 4. Schauspieler: 5. Gesäß: 6. bekannter Arzt: 8. Wild: 19. Traumgespenst: 12. griechische Göttin: 14. Slodt in der Schweiz: 15. Blume: 17. Himmelsrichtung: 18. Singstimme: 21. englische'Anrede: 22. Stadt in Italien: 23. Mittelgebirge: 26. Drama von Sudermann: 27. Frucht: 30- Waffe: 31. Vogel.— Waagerecht: 3. Weckruf: 5. Vulkan: 7. Darlehnsinstitut: 9. Naturerscheinung: 11. weiblicher Voriwme: 13. männlicher Vor- nome: 14. Wirtschöstsgerät: 16. männlicher Vorname; 19. Gesäß: 20. Nebenfluß der Donau: 24. Nebenfluß der Donau: 25. Neben- fluß der Elb«: 28. germanische Göttin: 29. Gewebe: 31. Medikament: 32. Schmarotzer: 33. Körperorgan: 34. Nebenfluß der Elbe. Küllrätsel. In jedes der freien Felder nebenstehender Figur ist ein Buchstabe einzusetzen, so daß sich dann waagerecht Wörter folgender Bedeutung ergeben: 1. Kampfplatz: 2. Widersacher: 3. Schlingpflanze: 4. Amtstracht: S.Vulkan. I?.L. Schnell erledigt. Aus dem Geschäft die Dame kam: Mit Schrecken plötzlich wahr sie nahm, Daß sie ihren„Wort" vergessen. Di« 1, 2 waren ganz oerblaßt, Das Stelldichein wird nun verpaßt, Di« Folgen nicht zu messen. Da kam aus dem Geschäft der 3 Und bracht den„Wort" noch schnell herbei. Es klappt' infolgedessen. st. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Rätsel aus voriger Rümmer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: 1. Banka: 5. Tod: 6. Aas: 8. Natur: 11. Lea: 13. Mob: 14. Bug: 16. Ohle: 18. Seal: 19. Irop- pau: 29. Tran: 22. Ulan: 24. Oer; 23. Ad«: 27. Erz: 28. Anode: 39. Krn: 31. Ave: 32. Gamma.— Senkrecht: 1. Bon: 2. Adam: 3. Kaub: 4. Aar: 7. Weh: 9. Torpedo: 19. Buo: 11. Lotto; 12. Altar: 14. Beule: 15. Glanz: 17. Ern: 18. Sau: 21. Reh; 23. Art; 25. Anna; 26. Edam; 28. Arg; 29. Eva. G u i« r Rat: Loberecht— lebe recht. Kombiniertes Füllrätsel: I. Elfenreigen: 2. Welsen- ftmds: 3. Edelsrücht«: 4. Bügelfalten: 5. Wechselfolle: 6. Wachtelflug: 7. Martthelfer: 8. Schwarzelse: 9. Lichtbehelf. Rösselsprung: Leicht flt's, Ehr' und Wohlstand erben, Aber jchwer, zu erwerben. Ein behagliches Genießen Mag ererbtem Gut entsprießen Und der Ahnen lang« Reihe Stolz die Brust der Enkel heben: Doch dem Leben rechte Weihe Kann nur eignes Schaffen geben. Bodenstedt. Grundsätzliches zum Bundestag Verfassungsfeier— Einweihung von Sportstätten und Arbeitersport Die bedeutungsvollste Tagung im Arbeitersport wird in diesem Jahre zweifellos der vom 1. bis 6. Juni in Köln stattsindende Bundestag des Arbeiter-Turn- und Sportbundes sein, dessen Be- schlüsse richtunggebend die gesamte Arbeitersportbewegung beein- fiussen werden. Außer den organisatorrschen und technischen Fragen, die sowohl die Entwiiklung der Sparten wie die des Gejamtbundes angehen, stehen noch außerordentlich beachtenswerte Fragen grund- sätzlicher wie taktischer Natur zur Entscheidung. So Hat die B e- teiligung des Arbeitersports an staatlichen und kommunalen Veranstaltungen ein« immer größere Bs- deutung im Bund« erlangt, ja die Macht der Verhältnisse zwing: tatsächlich auch die übrigen Arbeitersportverbändc, zu dieser Frage ernstlich Stellung zu nehmen. Bei der verschiedenartigen politischen Struktur der Länder und deren Gebietsabgrenzungen war es durchaus verständlich, daß über die Möglichkeit der Beteiligung des Arbeitersports an den Bersassungs- feiern und den kommunalen Einweihungen von Spiel- und Sport- Plätzen, Badeanstalten usw.«ine sehr lebhaft« Diskussion dem Bundes- tag vorausging. Meist war der örtliche Gesichtspunkt bei der Beur- teilung ausschlaggebend; im allgemeinen macht sich jedoch im Arbeiter- spart immer mehr das Streben bemerkbar, alle Mittel zu benutzen, di« ein besseres Vorwärtskommen der Bewegung ermöglichen. Die Beteiligung an diesen Beranstaltungen wird nicht als prinzipielle, sondern als ein« aus den örtlichen Verhältnissen zu entscheidende taktische Frage angesehen. Di« Arbeitersportbewegung besteht aus etwa 90 Proz. der Sozialdemokratie angehörenden oder mit ihr sympathisierenden Mitgliedern. Sehr stark ist in ihr der Gedanke vorhanden, sich an der Verfasiungsseier zu beteiligen, da diese eine allgemeine Feier ist, die den Bestand der demokratischen Republik diene. Die Arbeitersportbewegunz bekennt sich zur demokratischen Republik, obgleich st« mit deren sozialen Inhalt.absolut unzufrieden ist. Die Arbeitersportler haben aber erkannt, daß die demokratische Staatsform sehr wohl die Möglichkeit bietet, dem Staat sozialen Inhalt zu geben und daß dereinst aus dem Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Gesellschaft der sozialistische Staat auf dein Boden der Demokratie entstehen wird. Als sozialistische Republikaner haben aber auch die Arbeitersportler republikanische Pflichten. Der Gedanke, an der Versassungsfeier teilzunehmen, machte sich besonders in den Gegenden stark bemerkbar, wo der Charakter dieser Feier sich mit der Grundaussassung des Arbeitersports vereinbaren läßt und besonders da, wo die Teilnahme der gesamten Arbeiterschaft an der Derfassungsseier stattfand. Besonders kommen Orte mit sozialistischer Mehrheit in Frage oder auch Orte, in denen Genossen besonders wichtigen Stellen vorstehen. So haben bereits schon vielfach Arbeiter- sportler nicht nur in Orten mit sozialistrscher Mehrheit an Bersassungs- feiern mitgewirkt, sondern auch in Gegenden, in denen es besonders bedeutungsvoll auch für die Arbeitetklasse ist, daß mit aller Deutlich- keit der Gedanke der demokratischen Republik zum Ausdruck kommt. Gleichzustellen mit der Verfassungsfeier ist die Teilnahme des Arbeitersports an den Einweihungen von Sportstätten. Vielfach entstehen Turn- und Sportplätze erst auf das Drängen der Arbeiter- sportler. Mit vieler Mühe und Sorgen sind mit Hilse sozialistischer Stadträte in den Gemeinden Sportstätten geschafsen worden. Findet dann die Einweihung statt, so war bisher wohl die Arbeiterschaft ver- treten, nur die Arbeitersportler machten nicht mit und gaben dem bürgerlichen Sport die Möglichkeit, die Einweihungsfeier für ihre Zwecke auszunutzen. Das hat oftmals zu örtlichen Streitigkeiten zwischen Arbeitersport und Partei geführt. Mehrmals haben sich Arbeitersportler über die hemmenden Bundesbeschlüss« hinweggesetzt und mit außerordentlich gutem Erfolg an diesen Veranstaltungen beteiligt. In Orten mit starker Arbeitermehrheit lassen sich einfach die Arbeitersportler nicht mehr zurückdrängen, sie werden nicht mehr dem bürgerlichen Sport den Vorrang lassen, sondern da, wo es angängig ist, die Veranstaltung benutzen, um vor aller Oefsentlichkeit den hohen Wert der Arbeitersportbewegung zu zeigen. Eine Gemein- schaft mit dem bürgerlichen Sport kann selbst bei diesen Beran- staltungen nicht in Frag« kommen. Sportliche Wettkämpfe zwischen bürgerlichem und Arbeitersport werden unter gar keinen Ilmstöndea stattfinden, sportliche Vorführungen müssen zeitlich oder räumlich getrennt von den Bürgerlichen abgehalten werden. Eine Verwischung der Grundsäge des Arbeitersports kommt bei diesen Beteiligungen nicht in Frage, getrennt von den Bürgerlichen wird der Arbeitersport, wo es angängig ist. bei staatlichen und kommunalen Veranstaltungen antreten und klar und deutlich den Charakter des Arbeitersports zum Ausdruck bringen, um auch diese Feiern für die Arbeitersportbewegung nutzbar zu machen. In diesem Gedanken liegt dem Bundestag ein Antrag des Bundes- Vorstandes vor, in dem zum Ausdruck kommt, daß„bei der großen Bedeutung der Arbeitersportbewegung die verstärkte Teil- nähme des Arbeitersports bei staatlichen und kommunalen Veranstaltungen dringend geboten i st. Mehr denn je Hot die Arbeiterschaft Veranlassung, die ihrem Wesen entsprechenden Veranstaltungen zu den ihren zu machen und sie mit ihrem Geist und ihrer Arbeit zu erfüllen. Deshalb ist die Teilnahme an staatlichen und kommunalen Veranstaltungen den Vereinen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes e. B. gestattet, sofern die Veranstaltungen dem Sinne der Arbeiterschaft entsprechen und keinerlei gemeinsame sportliche Tätigkeit mit den Angehörigen bürger-' licher Verbände stattsindet. Die Teilnahme an Aufzügen zu solchen Veranstaltungen erscheint dann zweckmäßig, wenn der Charakter unserer Organisation uneingeschränkt Ausdruck finden kann. In allen Fällen ist vor der Teilnahme die Zustimmung des Bezirks- und Kreisvorstandes einzuholen. In Streitfällen entscheidet der Bundes- vorstand." A. B. KamAJooW Die letzten Resultate Beim Spieltag in Nauen sorgten alle Teilnehmer für rege Werbetätigkeit. Die Resultate sind folgende: Ketzin 1 gegen Vellen 2 2:3(1:2), FTGB.-Spondau gegen FTGB.-Baumschulenweg 1 3:4(3:2), Baumschulenweg 2 gegen Velten 3 2:5(l>:2): Wil- Wersdorf 1 gegen Velten 1 1: 3(t: t>), Nauen 2 gegen FTGB.- Nordost 2 9:9, Nauen t gegen Nordost 1 1:3(9:1); Baum- schulenweg-Frauen gegen Velten 1:2(0:0) und FTGB.-Süder»- Jugend gegen Velten 6:3(1:3). Eiche-Köpenick 1 Männer mußte von Süden 1 ein« Niederlage von 5:0(2:0) hinnehmen; auch bei den zweiten Mannschaften konnte Süden mit 8:3(1:1) siegen. Köpenick gelang es beim Gruppcnfeft gegen eine kombinierte Mannschaft Erkner-Fichtenou mit 9; 3(2: 2).zu gewinnen. Eharlottcnburg-Schwimmer 1 gewann gegen FTGB.-Friedenau 2 4: 3(3: 0), während die 2. Männer gegen Potsdam 1 mit 6: 5(3: 2) verlor. FTGB.-Neukölln 2 gegen Berlin 12 1 5:1(1: 0), Schenkendorf gegen Ruhlsdorf 2: 2(1: 1), FTGB.-Nordring 2 gegen Kalkberge 1 5:2(1:2); Friedrichsthal gegen Tegel 2:7(1: 4). Strausberg-Schwimmer gegen Fußballklub Oberspree 1:7(1:5), Rathenow gegen Hennigsdorf 2:6(1:3), Frauen: FTGB.-Südost gegen FTGB.-Adlershof 1: 3(0: 0), Nord- ring gegen Nordost 7: 0(4: 0), Neukölln 2 gegen Berlin 12 I 10: 0 (3:0); Jugend: Nordring gegen Bornstedt 2:'0(1:0), Neukölln 2 gegen Kaulsdorf 3: 3(2: 1), Reinickendorf gegen Osten 12: 4(6: 3). Spiele an» ttünmeltalirtstag Auch der Himmelfahrtstag wird von einigen Mann- schaften zu Spielen ausgenutzt. Die Iugendmannschast von Sokol- Mitte spielt um 10 Uhr gegen Freie Sportoereinigung Tegel in Plötzensee. Freie Turnerschast Kaulsdors hat auf ihrem Platz an der Köpenicker Chaussee in Kaulsdorf folgende Spiele: um 14 Uhr spielt die Jugendnmnnschaft gegen FTGB.-Süden 2. die Schüler spielen um 15.10 Uhr gegen FTGB.-Baumschulenweg, um 15.55 Uhr � spielt die 2. Männermannschaft gegen Vorwärts-Hennigsdorf 2. Männer; die Frauen haben um 17 Uhr die Frauen von Hennigs- darf als Gegner, während sich um 17.50 Uhr die gteichen 1. Männer- Mannschaften gegenüberstehen._ „Plaza"' Ringerwettstreit Der RZngerwettstreit in der„Plaza" nähert sich jetzt nach mehr- wöchiger Dauer seinem Ende. Gestern siegte der mächtige Deutsch- pole Penetzki nach einer Gesamtringzeit von 55 Minuten über den technisch-saubercn Neger Thomson, ebenfalls durch seinen ge- fürchteten Doppelnelson, dem bisher alle Gegner im Wettstreit erlegen sind. Die beiden Techniker Kawan und Leskienowicz trennten sich nach einem technisch hervorragenden Ringen erstmalig mit einem Unentschieden. Gin Katze- und Mausspiel war das Treffen des mäch- tigen Russen Petrowitsch gegen den leichteren Schweizer G. Grün- eisen, der trotz des Uebergewichts seines Gegners es versuchte, diesen mit einem Ueberwurf nach hinten zu überraschen; dabei hatte er ober seine Kräfte überschätzt. Grüneisen fiel so unglücklich aus den Hinterkopf, daß er den Kamps nicht fortsetzen konnte. Heute ringen: Penetzki— Leskienowicz, Thomson— Petrowitsch und Kawan gegen G. Grüneisen. Radsportliches Allerlei „Preis der Extraklasse" betitelt« sich das ayf der Leipziger Radrennbahn in zwei Läufen ausgetragene Dauerrennen über 100 Kilometer. Der Kölner Dederichs sicherte sich den Sieg vor Thollembeck, Leddy, Möller, Manera, Hille und W. Meyer.— Das Rennen„Rund um Dortmund" über 120 Kilometer sah über 140 Bundesfahrer auf der Straße und wurde von Neckar-Wertig in 3:37:00 gewonnen.— 65 Fahrer der DRU.-Ortsgruppe Magdeburg bestritten den„Großen Preis von Mitteldeutschland". Dje Strecke führte über 162 Kilmneter. Der Chemnitzer Strobel be-- endete in 5:16:40 die Fahrt als Sieger. Der Magdeburger Ritze ver- unglückt« und mußte mit Armbrüchen und einem Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gejchasft werden.— Bei den Schweizer Bahn- Meisterschaften, die in Genf zur Entscheidung standen, behaupteten sich di« Titelverteidiger. So siegte Lmippi bei den Stehern, Kauf- mann bei den Berufsstiegern und Dinkclkamp bei den Amateur- fliegern.— Auf der Pariser Bahn dominierte Weltmeister Paillard in den Dauerrennen über 30 und 50 Kilometer gegen Fahrer wie Wynsdau, Fandet, Iucchetti, Grassin u. a.— Der Einzelfahrer Ernest Mottard-Belgien besetzte in der klassischen Fernfahrt Paris— Brüssel den ersten Platz. Mottard bewältigte die 366 Kilometer in 11:27:00. Die»freien Schwimmer" werben Unter dieser Parole ist die arbeitende Bevölkerung Neuköllns schon ab 1. Mai auf die Werbeveranstaltung der„Freien Schwimmer Groß-Berlin E. V.» Gruppe Neukölln" aufmerksam gemacht worden. Das zunächst schöne Wetter des ver- gangenen Sonntags begünstigte das Vorhaben ganz außerordentlich, so daß die Schwiminerinnen und Schwimmer, groß und klein, zum Werbeumzug einmal in einer stattlichen Zahl antraten, und das andere Mal sich so„wenig angezogen" zeigen konnten, wie es die polizeilichen Bestimmungen für zulässig halten. In den frühen Nach- Mittagsstunde» setzte sich der Sportlerzug vom Stadtbad Ganghofer- stroße aus unter Vorantritt eines Musikorchesters in Bewegung. Alle Hauptstraßen Neuköllns wurden auf kurzer Streck« berührt. Um 15.30 Uhr langte der Zug auf der Grenzalleebrücke an. zu gleicher Zeit ging im Sommerbad die rote Vereinsfahne hoch, und aus mehr als 500 Kehlen erscholl unser Bundesgruß. Im Sommerbad war bereits eine große Zahl von Gästen anwesend. Nach einer kurzen Ansprache des Gruppenleiters wurde das Bad für den Schwimm- betrieb in der freien Natur freigegeben. Die renovierten Auskleide- räume und der planierte'Spielplatz hinterlasfen'einen guten Eindruck. Es ist allen Arbeitereltern und ihren Angehörigen zu empfehlen, sich dem gesunden und körperbildcnden Schwimmsport zu widmen. Vom frühen Morgen an sind täglich einige Schwiminwarte im Sommer- bad anwesend, so daß auch Nichtschwimmer beaufsichtigt, sich sorglos den Wellen anvertrauen dürfen. Borussia—„Union". Tempelhos. Am kommenden Donners- t a g(Himmelfahrt) findet auf dem Sportplatz in der L a s k e r- stroße«in interessanter. FußbaUwettkampf statt. Borussia, eine der führenden Mannschaften der zweiten Klasse im l. Bezirk, spielt gegen„U n i o n"- T e m p e l h o f. Die Borussan haben erst in ihrem Spiel gegen Lichtenberg I, das sie u n v e r d i e n t mit kbr? verloren, gezeigt, daß sie über eine spielstarke Mannschaft oerfügen. Die Tempelhoser nehmen in der ersten Klasse einen guten Mittelplatz ein. Die Frage nach dem Sieger ist daher sehr oiicm. Das Sp.el beginnt um 1 6 lb Uhr. Vorher tvcssen sich die beiderseitigen zweiten Mann- schasten.__ Arbeit»-Rad- unb ltraftsahrerBuxb„Galidaritiit", Ortsfltuupc Grob Berti». Touren der Radsahrer am Tonnerslag. den 29. Mai tHiinmelsabrti: 1. Ab«.: Birlcnwcrder-Brirsetal, E'art 7.tz Ubr Vittawstr. 5ö— 2. Abt.: tzamilientour nach Polsdam, Start 9 Uhr Dictfenbachffr. z«.— 5. Abt.: Birkenrverder, Start 9 Uhr Landsberger Plah.- 9. Abt.: Serrenpartie. Ziel am Start 7 Uhr.— n>. Abt.: Damcnlour nach Puw»e:hausc». Start 9 Uhr: Herrentour. Start 8 Uhr, Petrrsburger Str. 5.— Abt. Chartottenburg: galten. see, Start 8 Uhr Wilmersdorfcr Str. 2t.— Abt. Wilmerodors: Hrrrcntour nach Ziinow, Start 6 Uhr Hildcgardstr. 5.— Abt. Schiincderg: Saatwinlel, Start 7 Uhr Stubrnrauchstr. ä.— Abt. Strglib.Lnbterlelde: Magen. Start S Uhr Btrtdiischstr. 90.— Abt. Renlöln: Biesenihal. Start 0 Uhr Sohen-ollrrn- plag.— Abt. Ob«r1chö»r»>elb«: Ctrausherg. Hungriger Wolf. Start 9 Uhr.— Abt. Weiheusee-Zeimerodors:{fahr: ins Blaue. SU» 9 Uhr Antonpla..— Abt. Reinickenbors: Nene Hütte. Start 9 Uhr Provintstr. 208.— Rtotorlahrer. Touren für Tonnerstag. den 29. Mai. Abt. Nentüln: tziel am Start, 8 Uhr Sohenzollcrnplag.— Abt. Kriedrichshain: Pägcr Vorderfec, 7 Uhr Landsberqer Plag.— Abt. Oberschöneweibe: Strausberg lLnngriger Wolf). 7 Uhr Wilhclminenhofstr. 94.— Abt. Rreugberg:.Ziel am Start, 8 Uhr Berrinslotal. — Abt. Sharlottenburg: Rundtour UNI den tzrühstültsplog(Alter sZinkentrugt, Start 9 Uhr Wilmersdorfcr Str. 2l.— Abt. Lichtruberg: Hrrrenpartie, 7 Uhr Oder. Ecke säinowstrahe.— Abt. Nardru: Hrrrenpartie nach Hammer, 8 Uhr Sparrstr. 3.— Touren für Sonntag, den 1. Juni. Abt. Rmlöll»: Päger Vorderfec, 7.30 Uhr Hohenöollernplag.— Abt. Friedrich, Hain: Buckow (Schweiger Haus), 9 Uhr Landsberger Plag.— Abt. vderfchöneweide: Buckow (Mitrt. Schwei,!, 7 Uhr Wilhelmiiienhofftr. 64.— AM. Kreutberg: Colpinfee. 7 Uhr Hcrmannplag.— Abt. Eharlottenburg: Nasfenhride. 8 Uhr Wi'mersdvrfer Straße 21.— Abt. Pankow: Pöglec. 7 Uhr Pornholmer Str. 88.— Abt. Lichtenberg: Rhcinsberg, 9 Uhr Oder- Ecke Mnowflragc. Freie Rnberrr-Vercinlgung l>tZ. Am Sonntag, dun I. Juni, kindrt auf dem Bootsplag Oberschäneweioe, Cpreestr. 4. die Taufe eines Topvelvicrers statt. Beginn 18 Uhr. Bundesgriioffr» find freundlichst eingeladen. Uedungs- abcndc jede» Dienstag und Freitag ob 17 Uhr. Bootshaus. Ben rt starten Friedrich» Hain! Moniag, den 2. Juni, lüf� Uhr. Kartellfigung bei Gaul, Borhagcncr Str.>14. Endgültiae PragrammfesNegiing für unsrr« Rastwcrbcwoche. Materialausgabe rniii Rcicha-Ardeiter-Sporttaq, ASS. Freitag, de» 30. Mai, Monaisverlamnilnng bei Lehnigk, Mühlen» strafic Ecke Brommnbrücke. Erscheinen aller Mitglieder unbedingt Pflicht. iDie Sitzung am 9. Juni fallt aus. T-uriste»»er»i»„Tie Naturfreunde-, Abt,«harlottrnbvrq. Treffe» ,ur Donnerstaa-Wanderung, HaoelwanSerung. Catiower See(Westufcr), 8 Uhr Bahnhof Wannsce. Waffersportabteitung be» SB. Moabit. Nitefrste Mitgliederverfammlung am Freitag, dem 30. Mai. bei Brill. Birkenstr. 38. Frei« Schwimmer Eharlottendurg»4 E. V. Donnerstag, den 29. Mai (Himmelfahrt), Arbeitsdienst ab 8. Uhr Bootshaus Tiefwerder. Zürgensgraben (links von der Brücke). Sr«i« K»nu.U»ion G-otz-Berlin«. B. 91m Freitag, dem 30. Mai. findet um 20 Uhr im Wirtshaus..Zum Mohren". Berlin SW. 19, Icrulalemer Strafte 9, eine Werbevcrlammlu»« statt. Alle Parteigenossen sowie Freunde und Gönner unseres Sport» find hierzu freundlichst eingeladen, Freie Faltbootfahrrr»erlin. Donnerstag, de»:9. Mai. fällt di« Mit. glirderzusammenkunft im„Sockeschen Hof" aus. Fahrten: Mittwoch, den 28, Mai.«unnncrsdorf—«r,.«öris. Führer Otto Sauftman», Abfahrt Mrlitzer Bahnhof 19.30 Uhr Donnerstag, den 29 Mai, Fernsdorf-stummersdarf, Führer Paul Kordnan. Treffen um 7 Uhr Bahnhof.stäniaswusterhaufrn. Am Eonnabend, dem 31. Mai. Gr..»öris—»önigswnsterhausen, Führer Walter Böttcher. Abfahrt Görlitzer Bahnhof 19.19 Uhr. Fweite Fahrt: Kummers- darf- Storkow. Führer Paul stordnan. Abfahrt lü.hk Uhr Görtitzer Bahnhof. Jeden Dienstag Faustball und andere Spiele auf dem Sportplatz Nehberg». FTGB.-Reukölln-Brig. Allen Mitgliedern und Angehörigen sämtlicher Ab» teilungen steht morgen(Himmelfahrt) der Eonnenplotz in der Sonncnalle« von früh an für dm ganzen Tag zur-Berfügung. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils wolkig und ziemlich warm, bei mäßigen südwestlichen Winden,— Für Deutschland: Vorherrschend trvckenes, ziemlich lzeiteres und warmes Wetter, auch im Nordosten Besserung. MIttvocch, 28. Mai. Berlin. 19.09 Ingenieur J. Bochmer: Technische Wochenplauderei. 16.30. Aus dem BQrgersaal des Rathauses in Magdeburg: Tagung der 9. Hauptversammlung der Arbeitsgemeinschaft städtischer Nachriehien- und Presseämter. Oberbürgermeister Heimerich, Mannheim: Die Notwendigkeit der Publizität in der öffentlichen Verwaltung. 17.00 I. Joii. Brahms: Capriccio, op. 76, Nr, 2.— 2. Hannenheim: Klavier- s anale Nr. 3.>— 3. Reger: Zwei Walzer, op. II, Nr. 6 und 7(Bllcn Epstein. Flügel), 17.20 Das Flugzeug in der Dichtung.(Sprecher: Peter Supl.) 17.45 Was Jeder vom Sport wissen mu6. 18.00 Volkskunst aus den Bergen. 19.05 Fells Hollaender: Zum Jubiläum Max Reinhardts. 19.30 Prof. Max Reinhardt: Rede Uber den Schauspieler. 20.00 Berliner Kunstwochen 1930. Aus der Philharmonie: II, Arturo Toscanini. I. Beethoven: Sinfonie Nr. 3(Eroica).— 2. Brahms: Variationen über ein Thema von Haydn, op. 56a.— 3. Strauß; Tod und Verklärung. (New-Yorker Philharmonisches Orchester.) Nach den Abendraeldungen Tanzmusik. 24.00—1.00 Eine literarisch-musikalische Stunde.(Milw.: Else Thect, Paul Bildt. Ein Streichorchester.) Königswusterhansen. 16.00 Prof. Dr. Johann Ocorg Sprengel: Kriegsbclahung, das Opfer der Menschheit. 16.30 Nachmittagskonzert von Hamburg. 17.30 Balladen und Lieder von Hnns Hermann.(Gesang! Katharina Kirchhtfn; Flügel: Prof. Hermann.) 17.55 Direktor Karl Lange: Wirtschaftliche Krise und Maschinenbau. 18.20 Alfred Russo: Erhaltung und Schonung alter Bilder. 18.40 Spanisch für Anfänger. 19.05 Pichl. Dr. Ernst Jäckh; Die Zukunft des Völkerbundes. ScMithDotll. für die Redaktion: Aich. Bernstein, Berit»; Anzeigen: Zh. Glocke, Berlin. Verlag: Borwärls Verlag G. m. b. S.. Verl!». Druck: Vorwärts Buch- bruckcrei und Verlagsanslall Paul Singer& Co., Bertt» SW 98. Lindenstrafte 3. Hier,»> Beilage. So kommt wieder die Feit, in wefdier der badende, lportlreibcnde oder fid» auf frgendeinc andere Arr erholende werktätige Berliner immer wieder ein parador klingende» Wort, wo immer er auch fei, hären wird.„Italler ikuft". „Nallcr stuft" ein Hochgenuft! oder„Kalter stuft", dos Eis in Schokolade: „Kalter stuft", ein Hochgenuft, den jeder mal probiere» mnft: im Sonnen» schein, i» Mecrcsflut. der»stalte stuft" schmeckt immer gut! Reste, Fabrikabfälle für Leib- und Bettwäsche VerBccaufmKelst»-» Diu-, i zu auQsrordentlich billigen Preisen! «Bs»-2 KJstar Mechanische Feinweberei Adlershof A.-G. n. 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