BERLIN Freitag 30. Mi 1930 ErfchetnttSgrich avgerGenataz«. Augkich Abtndaurzabe bti.DvrwSrtt'. Betugtxrat« beide Auigaben»SPf. pro Woche. SMM. pro Monat. Redaktion und Expedition; DerlinSWss.kindenstr.s fM)fU>wf46 10 Pf. Nr. 249 B 124 47. Jahrgang « n| e{ 9 e«> r« i«: Die einspaltige Nonpareille! eile so Pf.. Reklamettile S M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Dorwärt«, Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37636. Fernsprecher: Dönhoff 292 bi« 297 Gebt Arbeit! Sie Forderungen der freien Gewerkschasten an den Staat. Zieichsministerreden. Herr Moldenhauer Witt den Lebensstandard abbauen. Di« Spitzenorgankfationen der freien Gewer tschoften der Ar- beiter und Angestellten, der Allgemein« Deutsche Gewerkschastsbund und der Allgemeine freie Angestelltenbund, haben heute nach dem Plenarsaal des Reichswirtschaftsrats die Vertreter der ihnen an- geschlossenen Organisationen einberufen, die SVi Millionen Mit glieiwr zählen, um äsfentlich Stellung zu nehmen zu den a k t u c l l c n Problemen der Wirtschaft. Die bekannten Führer der Gewerkschaften füllen den Saal, als Peter Graßmann, Vorsitzender des ADGB., die gemeinsam« Sitzung der Vundesausschüsse des ADGB. und des AfA-Bundes er- öffnet und zunächst den Reichsarbeitsminister Dr. Stcgerwald und die Vertreter des Reichswirtschostsministeriums begrüßt. Die prekäre Lage des Reichshaushalls und die schwere Mrt- schaftkrise hoben zu allerlei Vorschlägen von berufener und auch unberufener Seite geführt. Di« Gewerkschaften, sagte Graßmann. sind entschlossen, auch den letzten Nerv anzuspannen, um die drohen- den Gefahren abzuwenden. Zum 1. Punkt der Tagesordnung,„Für den Schuh der Arbeit,. kraft", erhält fädann das Wort Franz Splied, Leiter der Sozialpolitischen Abteilung des AOSB. Di« außerordentlichen Etotfchwiengkeiten, in denen sich Reich Lander und Kommunen befinden, bilden zurzeit den erwünschten Antoß,«inen Generalangriff gegen die Einrichtungen der deutschen Sozial- Politik durchzuführen. Zu untersuchen ist daher die Behauptung, ob in der Tat die Sozialpolitik Ursache der gegenwärtigen Finanznot des Reiches ist und ob durch einen Abbau der Sozialpolitik eine Sanierung der öffentlichen Wirtschaft und gleichzeitig«in« Belebung der Boltswirtfchafl erzielt werden kann. Da die Angriff« sich in erfterLinie gegen die deutsche Sozialversicherung ruhten und«ine Einschränkung dieser sozialen Leistungen oerlangen, seien zunächst die Verhältnisse inner» halb der Sozialversicherung, besonders diejenigen innerhalb der im Mittelpunkt des Kampfes stehenden Arbeitslofenverfiche- r u n g noch einmal geschildert. Wenn die Arbeitslosenversicherung mit einer Verschuldung gegenüber dem Reich von fast 800 Millionen heute in der Tot zu einer der schwersten Belastungen des Reichsetat» geworden ist, so ist dafür weder eine falsche Konstruktion der Der- sichcrung, noch ein unrationell araeitender Verwaltungsapparot, noch ein ins Gewicht fallender Mißbrauch der Leistungen, sondern aus- schließlich die surchtbare Arbeitslosigkeit oerant- wortliich Diese tasten zn tragen, ist die vornehmste Pslichi de, Siaale,. solange die Beseitigung der Arbeitslosigkeit durch Ausnahme der Arbeitsuchenden in die Wirtschast nicht gelingt. An dieser Notwendigkeit kann durch keinerlei Reform WesentKches geändert werden; daher können auch keinerlei Reformen wesentliche finanzielle Entlastungen zur Folge haben. Auch die Beschlüsse, die der Vorstand der Reichsanstalt gegen die Stimmen der matzgebenden Gewerkschaften gesaßt hat, können diesen Erfolg nicht haben. Sie müssen aber andererseits gegenüber der verhältnismäßig geringen erhofften Ersparnis von etwa 100 Millionen Mark«ine berechtigte Empörung in der gesamten, von ihnen betroffenen Arbeit- nehmerschaft auslösen. Nicht auf dem Wege kleinlicher und schiko- nöser Beschränkungen der Leistungen, andern nur auf dem Wege gesunder und aus lange Sicht angelegt er Arbeit»- Marktpolitik kann ein« wirkliche Enllastung erzielt werden. Da- gegen kann heute und wahrcheinlich auf absehbar« Zeit hinaus auf eine umfasiertde Versorgung der Arbeitslosen, die insbesondere ein« Ausdehnung der Krisenunterstützung auf olle Berus« und aus die ganze Dauer der Arbeitslosigkeit in sich schießt, nicht verzichtet werden. Irrig ist auch die Auffassuilg, daß die zur Durchführung der ArbeitÄoienunterstützung notwendigen Mittel durch den Abbau sonstiger Sozialleistungen, insbesondere derer der Kranke nver- sichcrung, eingespart werden könnten. Ziel der auch von uns als notwendig anerkannten organifatorilchen Reform der Kranken- verstcherung kann nur die gesteigerte Wirksamkeit und Leistungsfähig- keit dieser Versicherung, niemals aber die Bcsck)ränkung ihrer Leistungen sein. (Fortjetznng aus der 2. Seite.) � In die Roichsminister des Kabinetts Brüning ist ein u n- geheures Redebedürfnis gefahren. Es ist im Kabinett bisher nicht möglich gewesen, eine Einigung über die Behebung der neuen Krise der Reichssinonzen herbeizuführen— im Lande draußen aber reden die Minister sehr laut darüber, was sie vorhaben und Herr Moldenhauer ist unter ihnen der eifrigste. Er hat in Köln den starken Mann gespielt, wobei er, wie er versichert«, nur mißverstanden worden ist. Dos Ziel seiner Kölner Rede war der Reichstag, dem er, wenigstens in Worten, die Faust zeigen wollte. Am Hünmelfahrtstoge hat Herr Moldenhauer wieder geredet, diesmal in Wittenberg. Dabei hat er nicht dräuend die Faust gegen den Reichstag erhoben, wohl ober gegen die Bevölle- rung. lieber notwendige neue Steuern hat Herr Moldenhauer dabei nicht geredet, dafür um so mehr über das sogenannte Aus- gabensenkungsgcsetz. Abbau der Arbcitsloscnoer- sicherung und Abbau in der Krankenversicherung um 250 bis 300 Millionen Mark, Abbau der Besoldungen in den Gemeinden und vor ollen Dingen Lohnabbau— da, ist diß ganze Weishell dieses Finonzm» nister»! Herr Moldenhauer klagt über das hohe Preisnivsau in Deutsch- land. Die Schuld daran gibt er nicht den Karlellen, sondern de» hohen Arbeiterlöhnen. So findet er, daß die Lebens- Haltung des Volkes über unsere Möglichkeiten hinaus erhöht ist. Woraus hervorgeht, daß der Herr Reichsfinanzminister MoGenhauer ganz im Sinne der Absichten des Unter- nehmertums auf eine allgemeine Lohnsenkungsaktioit hinarbeiten will. Sein engerer Part«freund, der Staatssekretär für die besetzte» Gebiete, S ch m i d, hat vor einigen Tagen in einer anderen Ber« sammlung das treffende Wort für dies« Absichten geprägt:«» sei ein brutaler Angriff auf den Lebensstandard des gesamten Volkes nötig. Brutaler Angriff auf den gesamten Lebensstandard! Da» ist das Programm, das von den Leuten vertreten wird, die den höchsten Standard haben und die sich immer weigern, Opfer für die All- gemeinheit zu bringen! Neichsbannerstadion„Neue Welt" Geven'ng über das Reichsbanner:„Wir bleiben!" INagdeburg, 30. Mai.(Eigenbericht.) Am Vonnerstag wurde hier da, große Stadion de, Reich, banner»„Reue Welt" unter außerordentlich zahl- reicher Beteiligung der Magdeburger Bevölkerung eingeweiht. Da» Secering vor dem Ulikrophon Stadion besteht au» Spielplohen und einer vorbildlichen Schwimm. onlage. Zn allernächster Zeit wird auf seinem Gelände mit dem Vau einer vundesschule de, Reichsbanner» begonnen werden, die hauptsächlich als eine Stätte der körperlichen und gei- st igen Schulung gedacht ist. Bei der Einweihung sprach Reichsinnenminisier a. D. S« o« r i n g: Das Reichsbanner ist mit den anderen sagenannten Wchrncr- bänden in der letzten Zeit wieder Gegenstand heftiger Er- örterungen geworden. Es ist da» Wort gesprochen worden, daß alle wchrverbände sich überlebt hätten, daß es an der Zeit fei. eine innere Ab- rüftung vorzunehmen. Ich gerade brauch« kam» zu versichern, daß ich den Gedanken, der in diesen Anpreisungen liegt, durchaus begrüße. Denn ich war von vornherein der Meinung, daß der Schutz des Staates, der staat- lichcn Einrichtungen und der Schutz der Sicherheit der einzelnen Staatsbürger Aufgabe der Organe des Staates selbst sei. Aber die Orzamsationen, die zuerst ins Leben getreten war«», nicht um den Staat und sein« Einrichtungen zu schützen, sondern um den Staat und die demokratischen Einrichtungen der Berfassung anzugreifen und in gewaltigem Ansturm zu beseitigen, hoben nie daran gedacht, sich aufzulösen. Jeder Versuch der demokratisch- republikanischen Regierungen, eine Abrüstung dieser Organisationen vorzunehmen, ist aus den härtesten Widerstand gestoßen. Solange dies« Organisationen, die nicht mit den Mitteln der Verfassung, son- dern mit Akten der Gewalt ihre politischen Ziel« zum Schaden Deutschland» durchzusetzen bestrebt sind, solange sie sich nicht bereit erklären, abzurüsten oder vollent» von der politischen Bildsläch« zu oerschwinden, solange hat das Reichsbanner keinen Anlaß, auch nur ein Iota seiner bisherigen politischen Betätigung aufzugeben. Zch wiederhole ein wort de» Heuligen Reichsinnenminister» wirlh, da» er vor einigen Zahren gesprochen hat:„wir bleiben da!" wir bleiben solange da, wie e« neben dem Schutz der Verfassung durch Militär und Potlzei notwendig ist, der deutschen Oessentlichkeit den vewei» dafür zu bringen, daß die deutsche Republik nicht ohne Republikaner lebt. Aber der heutige Festtag zeigt ja auch schon, daß wir in einer Umstellung zum Friedens st and begriffen sind, daß wir schon eine Art Abrüstung betreiben. Denn das Stadion„Neue Welt" soll ja keine Fabriken errichten, in der man S ch l a ffr i n g e und Gasrohre, Spiralen und Revolver anfertigt. Nicht mit diesem Rüstzeug der Barbaren will dos Reichsbonner seine Ziele in der Oessentlichkeit bekunden, nein, ohne jede Waffe wollen wir der deutschen Oessentlichkeit zeigen, daß wir in der Lage und gewilll sind, jeden Schutz, den die deutsche Republik von uns»er- langt, zu gewährleisten, in der Solidarität unserer Mitglieder, im Zusammenschluß und der Disziplin aller Relchsbannerkameraden liegt die Garantie. daß wir über alle siegen werden, die glauben, mil den Mitteln eine» politischen Rowdytums ihre Ziele zur Anerkennung zu bringen. In der„Neuen Welt" den neuen Menschen zu erziehen, der, geistig und körperlich frisch, in der Lage ist, am Wiederaufbau Deutschland? mitzuarbeiten, das soll das Gelöbnis des heutigen Tages sein. Keuerkampf mit Einbrechern. Oberlandjäger und Dorfbewohner niedergeschossen. ufe? zwischen Ketzän und Groß-Kreutz mit Posten besetzt, um zu verhindern, daß der Flüchtig« durch die 5)avel jchwim- m«n und das andere unbesetzte Ufer gewinnen könnte. Auch olle Fähren und die Bahnhöfe hatten Polizeischutz erhalten. Nirgendwo wurde eine verdächtige Person beobachtet, so daß man der Ansicht ist, daß der eine der beiden Verbrecher sich immer noch indem sehr ausgedehnten Waldgebiet um G roß-Kreutz verborgen hält. Mit Tagesgrauen ist dann die Suche heute fort- gesetzt worden. Schupobeamte und Bauern, die mit Jagdgewehren ausgerüstet sind, durchstreifen die Wälder und namentlich die Schonungen in Abständen von 100 Schritt ganz systematisch, um den Tater einzukreisen. Das Befinden der beiden Schwerverletzten, des Landjägers Räch und des Arbeiters Otto G r ü n e f e l d, die bei dem Feuerkampf schwerste Schußwunden davongetragen haben, hat sich im Laufe der Nacht nicht gebessert, so daß beide nach wie vor in Lebensgesahr schweben. Besonders gefährlich ist der Zustand des Beamten, der nach Ansicht der Aerzte kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. Untersuchung der Leiche des erschossenen Polen ergeben, daß die im Rückgrat gefundene Kugel aus einer Pistole und nicht aus einem Karabiner stammt. Die Leiche des Polen ist nach Polen überführt worden. Ein Porträt der Deutschen Volkspartei. Scharfe Angriffe des Zentrumsführers Heß. Koblenz, 30. Mai.(Eigenbericht.) Auf einer Tagung des Zentrums in Koblenz sprach der Bor- sitzende des preußischen Zentrums Dr. Heß über die O b st r u k- tion in Preußen. Wenn die üblichen Obstruktionsparteicn auf der äußersten Rechten und äußersten Linken uns Schwierigkeiten machen, so lachen wir darüber. Wenn aber sozusagen ernstzuneh- mende Faktoren, wie die Deutsche V o l i s p a r t e i, sich den Obstruktionsparteien anschließen, so gibt dies zu Bedenken Anlaß. In der letzten Obstruktionssitzung im preußischen Parlament konnte man beschämende Auftritte erleben, daß Abgeordnet« der sogenannten staatserhaltenden Deutschen Boltspartei lärmten und tobten und sich auf vernünf- tige Vertreter ihrer Partei, die anderer Ansicht waren, stürzten, um sie zu hindern, sich vor der Obstruktion zu drücken. Ueber die Deutsche Bolkspartei in Preußen kann man nur den Kopf schütteln. Gebt Arbeit! (Fortsetzung von der l. Seite.) Mit dem Kampf um den Abbau der sozialen Leistungen oer- binden sich, und zwar nicht zufällig, die Angriffe des Unternehmertums aus da» Lohnniveau de» deutschen Arbeitnehmers. Niemals werden die Gewerkschaften anerkennen, daß ein« weiter« Verminderung der Mafsenkaufkrast gerade der dautschen, vornehm- Ich auf den Inlandsmarkt angewiesenen Wirtschaft einen gesunden Antrieb geben könnten. Der Kampf um die Soziakoersicherung und der Kamps um den Lohn verfolgen beide das gleiche Ziel: Bei der Aerteiluug der inneren Lasten in Deutschland den Lebens- standord des deutschen Arbeitnehmers zu senken. L-mgegenüber erklären die Gewerkschaften rechtzeitig und deutlich in all«: veffentljchkeit, daß sie solchen Versuchen den feierlichen Protest und die ganze Widerstandskraft der deutschen Arb«itneh.m«rschost entgegenstellen werden. Ueber.das Tliema: Gegen wirtichastllche Katastrophenpolitik sprach dann W. Eggert, Leiter der WirtschastSpotitischen Abteilung des AOGV. Wenn von der katosfttopholen Wirtschaftslage gesprochen wird, so darf dieses Urteil nicht unbesehen Hingenommen werden. Es ist-ein Unterschied zu machen zwischen der Lag« auf dem Arbeitsmarkt, die latfächlich katastrophal ist, und der Entwicklung der Unter» n c h in ii n g e n, die im Durchfch�fttt die gleichen Mengen produzieren wie in den Vorjahren und die gleichen Dividenden verteilen konnten. Während also die Arbeitskraft brach lag. ist bei den Unternehmungen nur eine Stockung eingetreten. Die Ursachen der augenblicklichen Krise sind die oft saljchen Raiio» nolisierungsmatznahmen, die Zollpolitik, die Preispolitik der Kor- lell« und befoirders die rückiichlslofe Drosselung der Auslands- kredlte. Die von den Unternehinern vorgefchlageit« Lohnsenkung würde bedeuten, daß die Kaufkraft des Binnenmarktes. der mehr als vier Fünftel der deutschen Produktion ausnimmt, g e- schwächt würde. Wie kann man überhaupt von einer Senkung der Löhne in einem Augenblick sprechen, in dem die Regierung sich bemüht, die Lebensmittelpreise in die Höh« zu treiben? Die Gewerkschaften verlangen im Gegenteil Preis- fentungen, um die verminderte Kaufkraft wieder anzuregen. Wenn diese Preissenkungen.zu einer zeitweitigen Berrmgerung der RentabUität führen, so ist das volkswirtschaftlich gerechtfertigt. In Notzeiten muß eben die Kapitotbildung hinter der Forderung nach Stärkung der Kaufkraft zurücktreten. Das fehlend« Kapital sst vom Ausland hereinzuholen. Die Regierung hat die Pflicht, planmäßige Konjunkturpolitik zu treiben und insbesondere eine Stärkung des Baumarktes zu erstreben. Der Redner schloß mit den Worten: „her mit einem auskömmlichen Nokopfer auf Besitz und Ein» kommen zur Sicherstellung der Srwerbslosenunkerstützungl her mit einem allgemeinen Preisabbau! her mit einer»er. nünftigeu Konjunkturpolitik der Auftcagsbehörden! Die Jtot ist groß. Die Stunde mahnt. Alle verantwortlichen mögen sich bewußt sein: Es gehl ein Schrei durch das Volk: verantwortlich«, gebt Arbeit!" JKichsarbeitsmimster Dr. h. c. Gtegerwald führte dann u. a. folgendes aus: Wir befinden uns gegenwärtig in einer Bleltwirtschaftsirife. Di« gegenwärtige Weltkrise beruht einmal darauf, daß durch den Krieg und seine Begleiterscheinungen große struttuelle Wand- l u n g e n in der Weltwirtschaft festzustellen stnd und daß weiterhin die Produktionskapazität in Industrie und Land- Wirtschaft dem Bedarf weit vorausgeeilt ist. Auch ist in den letzten Jahren in einigen großen Ländern der Bedarf weitgehend vorfinanziert worden. In Deutschland arbeitet der bedeutsamste Wirtschaftszweig, die Landwirtschaft, schon länger« Zeit mit einer großen Unterbilanz, daneben wird mit zwei Millionen Arbeitslosen die deutsche Kaufkraft weiterhin jährlich um 4 bis 5 Milliarden Mark geschwächt. Dazu kommt in Deutschland die Bcrknappunz des Kapitalmarktes, insbesondere für langfristig« Anleihen, wodurch die deutsche Krise noch sehr erschwert wird. Auch in der Finanzpolitik des Reiches rasd der Gemeinden wurden in den letzten fünf Jahren schwere Fehler gemacht. Und so stehen wir im Jahr« 1930 vor der nüchternen Realität, daß, um die Finanzen des Reichs, der Länder, Gemeinden, Reichsbahn, Arbeits» losenversichenmg usw. in Ordnung zu bringen, wir Bolt und Wirtschaft mit rund 2 Milliarden Marl in der- selben Stunde neu belasten müssen, in der man glaubte, daß durch die Annahme des Doung-PlaneS Erleichterungen auf der ganzen Linie zu erwarten seien. Aus diesen und anderen Beobachtungen können wir gegenwärtig einen großen Pessimismus feststellen und müssen wir im laufenden Jahre für 2(4 Millionen Arbeitslose über 2 Milliarden Mark an Unterstützungen aufwenden. Und nun wird mit einem gewissen Recht gesagt, daß es verfehlt fei, so hohe Unterstützungen zu verausgaben, anstatt mit diesem großen Betrag Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Das ist leichter gesagt als getan. � Um 2 Millionen Arbeitslose normal beschäftigen zu können, sind an S Milliarden Mark notwendig. Diese» Beirog kann gegenwärtig kein« Regierung, mag sie zusam menge setzt sein, wie si« will, weder durch Auslands- noch durch Inlands- aiileihen, noch durch lausend« Steuern beschaffen. Weit« Kreise machen sich in Deutschland von der wirtschasUicheu und finanziellen Größenordnung kein« rechte Vorstellung. Bon etwa <0 Milliarden Mark deutschen Volkseinkommens entfallen etwa 46 Milliarden Mark auf Löhne und Gehälter, davon uns Arbeiter und Angestellte, di« sozialversichermigspflichtig sind, 3ö bis 34 Milliarden. Wir geben im laufenden Jahre aus f ü r Sozialversicherung einschließlich Arbeitslosenversicherung und Arbeitslojenfürsorge 6,5 Milliarden, für Wohlfahrtspflege mindestens 1.5 Milliarden, für Kriegsbeschädigte 1,4 Milliarden, an Beomtenpensionen 1,9 Milliarden, Reparationen 2 Milliarden, an böhercn Zinsen, die die deutsche Wirtschaft im Vergleich zu anderen Ländern ausbringen muh, 2 Milliarden. Das macht für dies« sechs Posten ollein über 15 Milliarden Mar! oder gut 20 Proz. de» deutschcn Bolkeeinkoinmens, oder mehr als 30 Proz. der Löhne und Gehöltet, die in Deutschland gezahlt werden, oder etwa 44 Proz. de» Lohnes und Gehalts, das die Arbeiter und Angestellten beziehen, die sozialversicherungspflichtig sind. Aus einer Wirtschaft können nicht beliebig Abgaben herausgepreßt werden, wenn noch etwas übrig bleiben soll für di« Lohn- und Gehaltsquote. Ich habe als Arbeits- minister bestimmt keine Veranlassung in Zweck-Pessiinismus zu machen. Trotzdem muß ich sagen, unsere Lage ist augenblicklich ernst. Di« Reichsregierung wird alles aufbieten, um die vorhandenen Schwierigkeiten, insbesondere in der Finanzwirtschast und aus dem Brandenburg a. d. h.. 30. Mai. 3n dem zwischen Merder und Brandenburg gelegenen Dorf Schmergow war in der Nacht zum Donnerstag bei einem Landwirt G o e r z ein Einbruch verübt worden. Nach dem Bekannt- werden haben Goerz, sein Untermieter Grüneseld und der Oberland- jäger Ruch sich an die Verfolgung der unbekannten Täter gemacht. Zwischen Deetz und Sroß-Kreuh fand man im Gras Zwei schlafende Männer, die die Täter waren, da neben ihnen das ge- stohlene Fahrrad und andere Sachen lagen. Die beiden wachten aber, bevor ihre Verfolger herankomnien konnten, aus und flohen in den nächsten Wald. Als der Oberlandjäger sie stellen wollte, versagte seine Masse. Nun eröffneten die Räuber da» Feuer und schössen den Landjäger nieder. Es entstand ein Handgemenge, in dessen Verlauf Goerz und G r ü n e f e t d schwere Verletzungen erhielten. Aber auch einer der Diebe war verwundet worden, man fand später bei ihm einen polnischen Paß, auf den Namen k u n a r s k i lautend. Der Komplice Kunorskis enffloh und konnte nickst mehr ein- geholt werden. Während der ganzen Nacht wurde das Havel- Kapitalmarkt, soweit sie überhaupt plötzlich lösbar sind, zu über- winden. Durch verschiedene Moßnahnien, die bisher in Angriff ge- nommen sind, hofft die Reichsregierung, wenn der Reichstag ihren vorscklägen beitritt, in kurzer Frist 120 000 bis 150 000 Arbeitern, insbesondere Bauarbeitern. Arbeil und Brot verschassen zu können. Für jene, die nicht plötzlich in den Produktionsprozeß eingegliedert werden können, muß gesorgt werden. Innerhalb vier Wochen hat der Reichstag darüber zu entscheiden, wie neben den vorhandenen Mitteln noch für weitere 500 000 bis 600 000 Arbeitslose neu« Mittel zu beschaffen sind. Indem ich Sie einlade, an der Behebung der großen deutschen Wirft(Hafts- und Arbertslosennot mitzuarbeiten, wünsche ich Ihrer Tagung persönlich und namens der Reichsregierung besten Erfolg. Ein Büro gegen die Sozialversicherung. In seiner Rede stellte S p l i e d t fest, daß in Berlin O. ein Büro existiere, dessen Aufgabe es sei, verunglimpfende Artikel gegen die Sozialoersicherung in die Presse zu lancieren. Das Büro erhalte vertragsmäßig für jeden Artikel, der in einer Zeitung abgedruckt werde., 10 M. Spliedt behielt sich die Nennung der Namen vor. 4 Prozent Mieterhöhung. Die gesetzliche Miete in Verlin ab 4. Juni 1930. Das Zentralwohnungsamt teilt folgendes mit: Die Erhöhung der staatlichen Grnndvermögenssteuer in Preußen ab l. Juni 1930 wirkt sich auf die Miete in Berlin dahin aus, daß die Mieter zu den ab 1. April d. I. gezahlten monatlichen Mietsätzen im Wege der Umlage denselben Betrag nochmals entrichten müssen. den sie als Abgeltung des städtischen Zuschlages zur Grundvermögenssteuer bisher bereits gezahlt haben. Als Anhaltspunkt für die Höhe der neuen Belastung wird mitgeteilt, daß diese Umlage im Normal- falle etwa 4 Proz. der Friedensmiete beträgt. Reichsbanner bleibt überparteilich. Ortsgruppe Hatte zur Ordnung gerufen. halle, 30. Mai.(Eigenbericht.) Der Ortsverein halle des Reichsbanners hatte kürzlich von dem Bundesvorstand des Reichsbanners einen Verzicht auf di« satzungsmäßig festgelegte P« be r p a rte i l i ch- keit gefordert und für den Fall der Ablehnung mit der Bildung einer Sonderorgamfation in Form einer„Sozialdemokrati» schen Schutzwehr" gedroht. Der Ortsverein halle des Reichs- banners befaßte sich am Mittwoch in Gegenwart eines Mitglieds des Vorstandes der Sozialdemokratischen Partei und Mitgliedern der Bundesleitung des Reichsbanners mit der durch die Ent- schließung geschaffenen Situation. Im Auftrage des Vorstandes der Sozialdemokratftchen Partei gab der Abg. Stelling folgenden Beschluß des Partsivorstandes bekannt: „Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands mißbilligt die Versuche, das Reichsbanner von seiner bisherigen überparteilichen Lmie abzubringen. Bestrebungen, rein soziali- stssche Schutzorgvnisationen oder an die SPD. angelehnte Ein- richtungen ähnlicher Art zu bilden, lehnt der Parteivorstond m i t aller Entschiedenheit ab."- Im Namen der Reichsbanner- Bundesleiwng erklärte Crohn- Magdeburg, daß keine Verletzungen der satzungsgemäßen Ueber» parteilichreit geduldet würden. Wer die Bundessatzungen nicht an- erkenne, scheide sich selbst aus dem Bunde aus. Einige Mitglieder des Ortsverein» Halle, die«s ablehnten, der Auffassung der Reichsbannerleitung entsprechende Erklärungen ab- zugeben, wurden ihrer Aemter enthoben, zum Teil ausge- schloffen. Der Gauvorstand Halle wurde beauftragt, den Orts- vereinsvorstand vorläufig zu ergänzen und Neuwahlen durchzuführen. Oeutfch-polnifche Ltniersuchung. Vernehmungen am Feiertag. Die deutsch- polnische Kommission zur Untersuchung des Grenz- Zwischenfalls in Neuhöfen hat am Donnerstagvormittag 9 Uhr mit der Zeugenvernehmung im Paßhäuschen von Neuhöfen begonnen. Es wurde eine Reihe deutscher Grenzpolizeibeamte und polnisch« Grenzwachsoldaten vernommen, ferner ein deutscher und ein pol- nischer Schießsachverständiger. Am Nachmittag wurde an derGrenze verhandelt. Die Vernehmungen, die ohne Unter- brechung bis abends 7 Uhr dauerten, werden am Freitagoormiltag fortgesetzt. Ueber das bisherige Ergebnis der Untersuchungen ist noch nichts bekannt. Am Sonnabend soll nach Abschluß ein omt- licher Bericht lzerausgegeben werden. Reben der Untersuchung dieser Kommission läuft die gerichtliche. Wie man erfährt, hat die Direkter Kurs nach Aew 8ork. Zwischenlandung in Havanna zweifelhast. New Park, 30. Mai. von Dr. Eckener liegt folgender Funkspruch vor: Da„Graf � Zeppelin" beim Start in Pernambuco wegen des schlechtem" Wetter» drei bis vier Tonnen Brennstoff weniger mit aus die Fahrt nehmen Kumte, ist es fraglich, ob wir in der Lage fein wer- den. via Havanna zu fahren. Das Luftschiff.Graf Zeppelin" teilte serner mit, daß es 2 Uhr den Aequator passiert hat. Um 6 Uhr wurde der Palmen- gürtet passiert. Das Lufftchftf wird für Sonnabend in Havanna er- wartet und dürfte, wenn alles gut geht, im Lause des Sonntags in Lakehurst eintreffen. Die Vorbereitungen für die Landung sind in vollem Gange. Aus Philadelphia sind Marinesoldaten zur Verstärkung der in Lakehurst ständig stationierten Mannschaften eingetroffen. Das Luftschiff wird aller Voraussicht nach an dem neuen beweglichen Ankermast befestigt werden, der bereits der„Los Angeles" als Ankermast diente und zur vollen Zufriedenheit der Sachverständigen sunttionierte. Der Sohn Dr. Eckeners, der in Akron bei d«r Goodyear Zepp. Co. beschäftigt ist, ist in Lakchurst eingetroffen, um seinen Vater und seine Landsleut« zu begrüßen. MfcR.- gekauft! Antrag gegen den Zenirumckabgeordneten Nientimp. Bochum, 30. Mai.(Eigenbericht.) Ein Unteftuchungsausschuß der Westfälischen Bäcker- innung hat zu der Korruptionsafsäre des Zentrumsabge» ordneten des Reichstags, Nientimp, festgestellt, daß Nientimp und der ehemalige Geschäftsführer der Großeinkaufs- genossenschaft der wesftälftchen Bäckerinnung, Hundertmark. Schmiergelder In höhe von mehreren hunderttausend Mark bezogen haben. Die Vereinigung der westfälischen Mühlen zahlte Nientimp z. B. für die angebliche Vertretung von Mühleninteressen im Reichstag monatlich einen Betrag von 70vbi» 1200 Mark, die regelmäßig im Dort- inunder Hauptbahnhof ohne Quittung in Empfang genommen wurden. Die Gelder wurden auf die Mitglieder der Mühlenver- einigung umgelegt. Die Dortmunder Mühle, die der Groß- einkaufsgenossenschaft angeschlossen sst, hat zugegeben, daß sie Nien- timp über 135 000 Mark zugesteckt Hot. Die Großeinkaufsgenossenschaft hat beschlossen, gegen Nientimp und Hundertmork bei der Staatsanwaltschaft Strafantrag zu stellen. Naldwins Anti-Gewerkschastsgefeh soll wieder abgeschafft werden. London, 30. Mai. Der Generalrat der Gewerkschaften besaßt« sich in gemeinsamer Sitzung mit dem Bollzugsrat der Arbeiterpartei, an der auch Ministerpräsident Macdonald und Außenminister Hender- s o n teilnahmen, mit der von den Konservativen 1927 emgefichrten Gewerkschaftsatte. Die Regierung hat, wie oerlautet zugesagt, im Herbst eine Gesetzesvorlag« einzubringen, durch die den Gewerkschaften ihre alten Rechte zurückgegeben werden. Di« Ge- wertschaften sind besonders darauf bedacht, daß in der Vorlage der Grundsatz der Ungesetzlichkeit des General st reits wegfällt. Auch die politische Gewerkschaftsabgabe fall wieder zuMig ietn. Theater u „Julius Cäsar." Theater am Bülowplah. Das Spiel geht um Brutus, der Rom befreien will vor der nahenden Einjelherrfchaft des Täfar. Um Brutus, der fein Boll nicht kennt. Um«inen Träumer, der aufwuchs, ohne hinter die Maske feiner Mitmenschen zu blicken und nicht wusft«, dah über den gefällten Löwen Aasgeier kreisen. Und nicht wuhte, daß er umgeben war von einer Welt, die Eigennutz und Heuchslei ebenso barg, wie Edelmut und Treue. Und zuletzt: das Spiel geht um Brutus, der sich selbst erst erkannte, als er das Spiel verlor. Die Legionen herrschten in Rom und Roms Volk war klein, hündisch und versklavt genug, um einem Cäsar zu dienen: Julius war der schlechteste nicht. So wird, wie oft bei politischem Umwälzen, der reine Mensch (Brutus) Werkzeug eigennütziger Hetzer und verblutet an einer Idee, an die nur er glaubt, und die den anderen Mittel zum Zweck ist. Ueber seinen Leib rollt der Wagen der Revolution. Andere befreien heißt auch dann sich selbst vernichten, wenn die Unterdrückten, um die ee geht, die Befreiung wollen. Denn immer muß Lebendiges zer- trümmert werden, um die Fesseln der Geknechteten zu lösen. Und wer Lebendiges zerschlägt, lädt Schuld auf sein Haupt. Schlimmer noch ist die Selbswernichtung hier, wo es um die Befreiung des römischen Voltes geht, eines Dolkes, da, nicht befreit werden will. Eines Voltes, das durch eigene Schwäche preisgegeben ist der Demagogie und Gewalt. Hier löst sich das Shakespeares che Problem. Brutus erschlägt sich selbst, als er Cäsar erschlägt. Und nicht nur sich selbst, auch den Gedanken der Freiheit, den er als Letzter in sich trägt und für den dieses Volt ertaubt ist. Und dies, das Opfer eines Mannes an seinem Volt, wurde seit Shakespeare nirgendwo gewaltiger gesonnt. Casstus führt die Rotte der Hetzer an, die ihren Eigennutz hinter Brutus' Rheinheit verschanzt. Karlheinz Martins Inszenierung betont das SchiKal. hast« des Geschehens. Es ist irgendwie schon im ersten Bild spürbar, was geschehen soll nicht wird). Cäsar steht prunkend, die Macht- fülle vor dem Capitol, vom Volk umjauchzt. Der Wahrsager Artemi. dorus zerreißt sein Hemd und warnt, ihn vor dem Schicksalstag. Bei allem Pathos will Shakespeare das Derb-Menschliche. Hier ober sind die Gestalten zu sehr ins Allegorische gesteigert. Das hängt auch zum Teil mit der ganzen, vistonär-prunkenden, verwirrend-groß- artigen Aufmachung der Szenen und dem gespenstisch gesteigerte� Wirkungsspiel zusammen. Weniger wäre mehr gewesen. Die Licht- bilder bei der Erscheinung von Cäsar» Geist wirkten ernüchternd. Die Szene aus dem Forum, in der die papierenen Füße von Cäsars Leiche unbedeckt gegen den Himmel starren, ist sehr illusionsraubend. Vom Spiel wäre zu sagen: HansPeppler.der Vielbegabte. ist diesmal kein Cäsar, sondern wie eine nervöse, ältlich« Frau in Männerkleidung. Walter Franck leistet als Äbutus Herrliches. aber man leidet mehr mit dem Schauspieler als mit Brutus. Hans R i« m a n n quält sich mit übersteigertem Pathos und wird erst frei in der Rode an das Volk. Kurt Horwitz sptekl die Rolle des Casstus so, daß es ihm gelingt, Mittelpunkt dieses Abends zu werden. Wenn er spricht, werden sogar die sonst verzerrten Mitdarsteller vom Widerschein wirklichen Lebens erhellt. Ueberlegenes, klares Spiel zeigt Erich Thormann als Octanius. Kräftig geformt hat A d o l f M a n z die Rolle des Mestala. Lebendig ist E r n st Gins. b« r g als TZtinius. Eäcjlie Lvosky konnte als Ealpmnfa nicht packen. Erika Wagner fand als Portio den Weg zu mensch- licher Gestaltung. Klaus Pringshelms Musik konnte in dieser Aufführung nicht zur Geltung kommen. „Julius Cäsar", die Tragödie der Unzufriedenen, erschütterte nicht. •Aiexanäer von Sacher-Masoch. ' Klassische Deklamationen. Goethes„Iphigenie" in den Kammerspielen. Reinhardt--Iubiläum und Berliner Festspielwochen sollen zu- sammen. Und merkwürdigerweise bietet gerade jetzt der Spielplan der Reinhardt-Bühnen keine Borstellung von Format, die den würdigen Hintergrund für dos Doppelfest abgeben könnt«. Di- Männer um Reinhardt fühlten daher wohl die Verpflichtung, aus eigenen Mitteln zum Glanz dieser Tage beizusteuern. Das mag der Anlaß gewesen sein, in den Kammerspielen„Iphigenie aus T o u r i s" herauszubringen. Die Formenschönheit des dramatischen Gedichts und die Musik der Goetheschen Sprach« sind edle künst- lerisch« Mittel, die über Festesfreude den Schimmer feierlicher Weihe breiten können. Aber leicht ist die Aufgabe nicht, die sich damit der Regisseur Richard Beer. Hofmann gestellt hat. Die Ge- dankenwelt der griechischen Sage ist uns in der heutigen Zeit der Hast und der Sorg« noch fremder geworden, als sie noch vor ein- einhalb Jahrhunderten gewesen ist. Goethe hat die Iphigenie, die ihm von Euripides vorgezeichnet war, oerinnerlicht: bei ihm ist die verschlagene und pläneschmiedendc Priesterin«ine still« Dulderin von kindlicher Empfindung. Und doch hat er schon bei seinen Zeitgenossen für seine Iphigenie kein rechtes Verständnis wecken können. Das Schauspiel ist arm an dramatischem Geschehen und daher auf die Melodie der Verse und die zarten Schwingungen der Seele gestellt. Um diefe Musik in uns klingen zu lassen, braucht man Schauspieler, die das Wort erleben und beleben. Die Vorstellung in den Kammerspielen bietet nichts dergleichen. Helene Thimig als Iphigenie sagt mit bewunderungswürdiger Routine die nd Musik. Goetheschen Verse auf. Der Zuschauer Hot das Gefühl einer jori». vollendeten Deklamation, aber er bleibt vom ersten bis zum letzten Wort kalt und unbeteiligt. Gustav Gründgens nimmt als Orest den Anlauf zu einer Art von klassischem Pathos, das in seltsamen Gegensatz zu der leiernden Sprechweis« und der burschi. kosen Manier steht, mit der Günther Hadank seinen Pylades ausstattet. Di« menschlichsten Züge finden wir noch bei dem Thoo» des Mathias Wiemonn und dem Arlas des Theodor Laos. Aber bei allen Hot der Zuschauer das peinlich« Empfinden, daß sich die Darsteller in ihren Rollen selbst nicht wohlfühlen. Ueber dem Abend liegt erhaben« Langeweile. Dgr. Die Reinhardt-Schule jubiliert. Kammerspiele. Als der Jubilar Max Reinhardt vor 25 Jahren in da» Deutsche Theater einzog, dachte er auch an den Nochwuchs. Er gründete die Theaterschule, deren Leiter Berthold Held im Lause dieser Zeit eine ungewöhnlich groß« Zahl bedeutender Talent««n». deckt« und ausbildete. Die Zöglinge der Akademie wurden bald für die besten deutschen Bühnen engagiert. In der Himmelfahrtsnocht wurden die Iubilierungsehrungen für Reinhardt durch dos Fest der Jugend eingeleitet. Auf der Bühne der„Ka m m e r f p i e l e" stand die Jugend, und in der ersten Reihe des Theaters saß Max Reinhardt, um die Fest- redner anzuhören. Wallauer, der Präsident der Bühnen- genossenschast, sprach als Patron der Suchenden und Strebenben. Dr. R« d s l o b, der Reichskunstwart und Vertreter der Behörden, definierte die besondere Natur des Schauspielers, der am voll- kommensten dramatische Dichtung und damit den Abglanz der Lebenswirklichkeit gestaltet, wenn er es lernt, die Welfältigkeit der Menschennatur aus seiner sonst begrenzten Individualität hervor- zulocken. Alfred Braun, einst Zögling der Schule, beschrieb das Glück der Gewordenen in feierlicher Stunde dem berühmten Lehrer danken zu dürfen. Eine junge Schülerin machte dem Meister ihre Reverenz. Sie stammelte, sie verlor fich in Befangenheit. Bielleicht sollte dies« Unsicherheit ein hübscher Regieeinfall der Fest- vrdner sein. Das junge Fräulein wirkte auf jeden Fall durch ihre Verlegenheit rührend und wahrhaftig. Denn das, was in dieser Schule vor allem gepflegt werden soll, das ist der Respekt vor der Dollendung, daß ist die Verachtung der Routine, die heute nicht selten den Kunstbetrieb verpöbelt. Schließlich redet« Reinhardt selbst, jetzt schon ein ergrauter Mann. Er versprach, die Schule zu behüten, solange er seine Berliner Theater behüten wird. An der Theaterschule sollen alle Künst« gelehrt werden, die Kunst der Bewegung und auch die Kunst des Wortes, darum zeigten die Schüler, was sie lernten. Indem sie tanzten und dann eine Szene aus dem„Sommernachtstraum' aufführten Als Epilog die Rüpel- posse aus dem Shakespeareschen Märchen, gespielt von den ehemaligen Reinhardt-Schülern Wallburg, Ehrlich, Gottowt, Granach, Beierle und Braun, und als Chor all die berühmten Damen und Herren, die von der Schauspielerschule des„Deutschen Theaters' den Weg zum Glück fanden. Reinhardt und Held wurden mit Blumen und Hochrufen beschenkt. H. Toscanini-Abende. Wie für die Festspiele 1929 bedeutet auch für die Kunstwochen 1939 Arturo Toscaninis Erscheinen den Höhepunkt der Kunst. ereignisse. Boriges Jahr kam er mit der Mailänder Scala. und es war eine überwältigend« Offenbarung italienischer Opernkunst. Diesmal an der Spitz« des New-Dorker Philharmo- nijchen Orchesters, das ein« Konzertreis« durch die großen Musikstädt« Europas unternimmt. Dieses Orchester, das auf eine Ueherlieserung von drei Menschenaltern zurückblickt und von dessen Können wir Märchenhaftes hatten erzählen hören, übertrifft alle Erwartungen, weil es in der Tat die denkbar höchsten erfüllt. Hier ist absolute Dollkommenheit jeder einzelnen und der gesamten Leistung: das ist eine summarisch« Fest- stellung, mit der alles— und mit der nicht zu viel gesagt ist. Wie konnte solche Dollkommenheit erreicht werden? Sie ist wohl nur unter Bedingungen zu erzielen, die in den Verhältnissen unseres Musiklebens nicht durchzusetzen oder jedensalls nicht gegeben sind. Wie weit es die künstlerische Führerarbeit Toscaninis ist, der das amerikanische Orchester die Fähigkeit zu so wunderbaren' Leistungen verdankt, ist nicht sicher zu sagen. Dollkommen wie das ganze dieses Instrumentalkörpers ist die gerstige(und technische) Souveränität, vermöge deren dieser Musiker— Genie und Meister aller Musik— ihn nach seinem Willen lenkt. Toscanini— dos ist mehr als eine Persönlichkeit; das ist ein menschlich höchster Begriff und seine höchst« Verwirklichung. Inbegriff der Echtheit, tiefsten, überzeugtesten Aufrichtigkeit, strengsten Sachlichkeit, gläubigster Kunstbesessenheit, wahrhast religiöser Pslichterfülltheit, der Unter- werfung unter den kategorischen Imperativ innersten Müssen»: es ist, um es auf eine Formel zu bringen: heiliger Dienst am Werk: und nichts anderes als dies. Dienst am Werk, das durch ihn so klare, reine Gestalt empfängt, als träte es ohne Medium eines Vcr- Mittlers unmittelbar ins Leben: unmittelbar dos Werk, da» es von Beethoven oder Haydn, Strauß oder Debusiy ist. Und doch ist es Toscanini gewesen, aus dessen Hand wir es empfangen. Eine magische Kraft geht von diesem reinen, großen, starken,«insache» Künstler aus. Seine Wirkung auf die Ausführenden und auf die Hörer ist unbeschreiblich und unvergleichlich. Klaue IPrinsetieirr.. Metallarbeiter gegen Lohnabbau. Einstimmige Ablehnung des Nordwest-Schiedsspruches. Bochum, ZV. Mai.(Eigenbericht.) Eine Vertreterkonfereiy des Deutschen Metollarbeiterverbandes, Bezirk Essen, besaßt« sich am Donnerstag mit dem Schiedsspruch für die Eisenindustrie, Gruppe Nordwest. Der Bezirksleiter Wolf betont« vor allem die Ilolwendigkeit einer geschlossenen Front der Arbeitnehmer. Die Taktik der christlichen Gewerkschaften verurteiltc er aufs schärffte. Als die Sozialdemokratie den Arbeitsmimster gestellt habe, hätten sich diese Gewerkschaften an endlosen Forde- rungen nicht genug tun können, während sie nach der Uebernohme des Reichsarbeitsministeriums durch den Zentrumsminister Steger- wald die Front gewechselt hätten und zu Bundesgenossen der Unternehmer bei ihren Lohnabbausordeningen geworden wären. Während die christlichen Gewerkschaften chre Taktik, den Rahmen- tarif nicht zu kündigen, damit zu begründen versuchen, sie hätten die Severing-Klausel retten wollen, so sei dein entgegen zu halten, daß sie die ärgsten Verlösterer des Severingschen Schiedsspruches gewesen seien. Der Plan der Unternehmer, die Berdieirste abzubauen, sei durch dos Verhalten der Christen geradezu provoziert worden. Wenn die Jndusti« durch den Abbau der Eisenpreise eine B e- lebung der Wirtschaft hätte herbeiführen wollen, so hätte sie daran im vorigen Jahre bei ihrer D l v id e nd e n p o liti k denken müssen. Die sechs größten Werke des Gebiets hätten im vergangenen Jahr« bei einem Aktienkapital von 1308 Millionen Mark für 129,67 Millionen Mark Abschreibungen vorgenommen und 96,9 Millionen Mark Reingewinn ausgewiesen. Dabei hätten dße Vereinigten Stahlwerke ollein in den drei Iahren ihres Bestehens 300 Millionen Mark für Reubauten und Erneuerungen ihrer werke ausgegeben. Wolf bezifferte den von den Unternehmern geplanten Abzug pro Arbeiter und Woche auf S.61 Mark und pro Arbeiter im Jahr auf 286 Mark. Die Konferenz faßte noch ben Darlegungen von Wolf ohne Diskussion folgende Entschließung: „Eine stark besuchte Vertreterkonferenz des Deutschen Metall- arbeiteroerbandes. Bezirk Essen, und der beteiligten übrigen srei- gewerkschafllichen Organisationen der Angestellten und Beamten nahm am Donnerstag, dem 29. Mai, zu dem am 26. Mai 1930 gefällten Schiedsspruch über den Bahmenlarisverlrag für die Arbeiter der nordwestlichen Gruppe Stellung. Die Verlreterkonferenz lehnt den Schiedsspuch einstimntig ab, weil die den arbeilsgerichtlichen Entscheidungen zuwiderlaufenden Bestimmungen über den Rahmen- larifverlrag, über das Belriebsrisiko und die Urlaubserlcilung entgegen dem Antrag de, Deutschen Metallarbciterverbandes und des Gewerkvereins Hirsch-Duncker nicht beseitigt, sondern von der Mehr- heil der Schlichtungskammer unverändert wieder aufgenommen wurden. Sie lehnt ihn weiter ab. weil die Mehrheil der Schlichtungskammer die Akkordsicherungsklausel(Severing-Klausel) beseitigt hat. Die Veriretertonferenz sieht besonders in der letzten Maßnahme sowie in der Ankündigung eines zehnprozentigen Abbaues der Ueber- Verdienste durch die Unternehmer eine ungeheure Provokation der Arbeilerschasl. die geeignet ist. starke Beunruhigungen in den Betrieben hervorzurufen. Die Bertreterkonserenz verurteilt auf das schärfste, daß der Ehristliche Melallarbeilerverband schon vor Bildung der Schlichtnngs- kammer bei Parleiver Handlungen Vorschläge machte, die Akkord- üherverdienste(wie beim Stahlwerk Becker) abzubauen ia einer Zeil, in der die Existenzbedingungen für die Arbeiterschaft ohnehin von Feierschichten und dergleichen stark beeinträchtigt werden. Die Konferenz beauftragt ihre Vertreter, eine etwaige Verbindlich- kcilserklärung des Schiedsspruches durch das Reichs- orbeilsministerium mit allen zu Gebole stehenden Mittel« z u verhindern.' Auch die Christen lehnen ab. Essen, 30. Mai. Eine Delegiertenkonferenz des Verbandes Christlicher Metall- orbeiter fand heute in Witten statt, um zu dem vor einigen Tagen gefällten Schiedsspruch für die Rietallindustrie Nordwest Stellung zu nehmen. Nach«ingehender Aussprache ergab die Abstimmung einstimmig die Ablehnung des Schiedsspruches. Blutiger Familienstreii. Oer Sofrn in der Notwehr gegen den Bater. Heule früh spielte sich in der Wohnung de» böjährigen Arbeiters Hermann Otto in der Reuen Hochstraße 11 ein blutiger Familienstreit ob. Otto, der als Trinker bekannt ist, kehrt« heute früh wieder schwer betrunken nach Hause zurück und begann mit seiner Frau Streit, der schließlich in Tätlichkeilen ausartete. Als der Mann mit einem Stuhl auf seine Frau einschlagen wollte, blieb ihr nichts weiter übrig, als die Wohnung zu verlassen. Ihr Illjähriger Sohn Hermann begleitete sie. Nach einiger Zeit kehrten Mutter und Sohn zurück in der Annahm«, daß sich der Dater inzwischen be- ruhigt und schlafen gelegt habe. Otto hantierte aber noch in der Küche herum und als er seine Frau und seinen Sohn zurückkehren sah, sing«r wieder an zu toben und schlug auf seine Frau«in. Als er auch gegen seinen Sohn tätlich wurde, griff der junge Mann in seiner Bedrängnis zum K ü ch e n b e i l und brachte dem Vater schwere Kopfverletzungen bei. O. fand im Virchow-' Krankenhaus Aufnahm«. Der Täter stellte sich selbst der Polizei. Es besteht jedoch kaum ein Zweifel, daß er in Notwehr handelte. Tragödie zweier Schwestern. Selbstmordversuch im See nach vergeblicher Arbeitssuche. In den Anlagen von Köpenick, in dem sogenannten Kleinen See, wurden am Freitag morgen die Leichen zweier Frauen gesehen und gelandet. Frische Fußspuren führten rückwärts zu einer Bank, auf der die beiden Selbst- Mörderinnen noch am Donnerstag abend gesehen worden waren. Es handelt sich um zwei Frauen, die Anfang dieser Woche nach Köpenick kamen. Sie nannten sich Anna und Else H o y e r, sind etwa 23 bzw. 26 Jahre alt und wollien aus Chemnitz stammen. In Köpenißer Wäschereien hatten sie nach Arbeit gefragt, waren aber überall abgewiesen worden.« „Volk und Zelt', unsere illustrierte Wochenschrift, liegt der heutigen Postauflage bei. Wetter für Berlin: Trocken, teils wolkig, teils heiter, leichte Zlbkühluna mit nordwestlichen Winden— Für Deutschland: In West-, Süd- und Mitteldeutschland beständiges»nd warme» Wetter, iu Nordosten veränderlich mit Abkühlung. piscator und Krick. Auf Einladung der Gemeinschaft proletarischer Freidenker fand am Mittwoch abeich im Großen Saale des Lolkshaufcs in Jena eine öffentliche Protestversammlung statt, die sich mit dem Verbot der�silscator-Aufführung„Paragraph 218— Frauen in Not' be- f-lMigte. Di« Versammlung war von etwa 500 Personen besucht. Als erster Redner gab Piscator einen Bericht über die Unterreduiig, die er in, Lauf« des Tages in Gemeinschaft mit dem Rechtsanwalt Dr. Apsel-Berlin mit dem thüringrschen Vollsbildungs- minister Frick in Weimar über das Verbot gehabt hat. Der Minister hat das Verbot aufrechterhalten und das Angebot Piscator», einer Aufführung nur vor Nationalsozialisten abgelehnt. Als zweiter Redner bemerkte Rechtsanwalt Dr. A p j e l, die rechtliche Seite der Angelegenheit mache«ine Klage beim Oberverwaltungsgericht um ein« Cntfchädigungsforderung an den Minister notwendig, weil das Verbot zu spät bekanntgegeben worden sei. 2lls dritter Redner übte der kommunistische Landtagsabgeordnete H e i l m a n n Kritik an der Frickschen Kulturpolitik in Thüringen. Am Schluß der Versammlung wurde«ine Entschließung ange- nommen, die„gegen das kulturschädigende Verbot der Piscator- aufsührung von„Frauen in� Not' Einspruch erhebt. In der Ent- schließung heißt es, die Versammlung erblicke in dein Verbot einen Anschlag auf die angeblich durch die Verfassung gewährleistete Frei- heit der Kunst. Wcnn sich die deutsche Arbeiterklasse und darüber hinaus die gesamt« fortschrittlich eingestellte Bevölkerung nicht bald gegen die Thüringer Kulturschmach wende, werde es in Thüringen in Zukunft unmöglich sein, die Bevölkerung mit den Fort- schritten in der Kunst und Literatur bekanntzumachen ..Da» Herz aus der Schallplatte.' Zu unserem unter diesen, Titel erschienenen Beitrag im„Abend' vom A. Mai wird un, mit- geteilt, daß die Registrierung der Herztöne auf Parlophon-Platten erfolgt(nicht Grammophon). Erich Kleiber wird in der nächsten Saison sechs Wochen lang die großen Konzert« de, Rew-Porker. Philharmonischen Sinfonieorchester» in New Jork und Philadetphia dirigieren. DI« Berufung erfolgte auf ausdrücklichen Wunsch und besondere Empfehlung Toscaninis, der der ständige Direktor diese» O»kor Kuh, der langjährige HeranSgeber des Präger.Manta�lilalleZ'. ist an den Folgen«ine» Schlagansallt g e st o r b e». OSkar Kuh slanv un 72. Lebensjahr und war der Gatte der berühmten deutschen Schauspielerin Else Lehmann. Die Vluirache. Erstichst du meinen Kommunisten, ersteche ich deinen Nationalisten. In Fikst�mvatoc ist am HÄn>melf/> Stunde vorher »chawBfB AlVisamKi-A Wchtgs. 5, 7, 9 Uhr /unamora stgs. 3, 5i �, uhr Schöneberg. Hauptstr. 30 Der Tiger(Kriminaltonfilm) mit Cbarl.»o»a u. H. Frank Beiprogramm Titama(ufa SchOndierg) Hauptstraße 49 W 6 30, Himmels. 3 Uhr Tonfilm; Heute nacht eventuell mit Jenny Jngo Beiprogramm Kronen-Licfatspicle Rheinstr. 65 Beg, Wöch. 6.30, 9, S. SU Spione mit Willy Frllfdk und Gerda Maurus Grones Beiprogramm ■ St.,.lt. 1 Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. S. Ecke Gutsmuthsstr. Beginn der Vorstellung 6-30. 9 Uhr. Sonnt. 4. 6.30. 9 Uhr. Tonfilm: Die}ngendgeliebte (Goethes Frühlingstraum) mit Elga Brink und Hans SHkve W Marlondorf M~ I; Maiiendortcr Sonnt 3 U. L ia— Lrl Lichtspiele jug.-Vorst. Chausseestraße 305 Troika mit Olga Twhediava Auf der Bühne: 1 Stunde Varicit > SilSweatea W FOm-Paiasi Kammersale Teltower Str. 1 Don Manne), der Bandit Schwester Maria mit W. Pittsdiaa e Sddotten W Filmeck Beginn Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Tonfilm: Der Walxerkönig mit ClArc Rommcr, Han« St&we Mlcky Mau» Im Tlervariett Luisen-Theater sonnt's u1. Reichcnberger Str. 34 Lucrezla Borgia mit Conrad Vcidi, Liane Hald.W. Dietcrle, P.Wegen er BShnenscfaan Sternwarte— Treptow Sonnabend 8 Uhr, Sonntag 4, 6, 8 Uhr Silberkondor Ober Fenerland Film von Gunther Plflschow W Moukölln j ICislnsUi Wochent. 6,45, 9 U. IVUKUK Sonntags 5, 7. 9 U. Kottbusser Damm 92 Kriminal-Tonfilm: Der Tiger mit Cbarl. Snsa% Tonfilm- Beiprogramm pYr�Icim* Wochent 6.45, 9 U. CXCCISlOr sonntags 5, 7. 9 U. Kaiser-Friedrich-Straße 191 Der große Tonfilm: Da* RhelnlandmSdel Tonfilm- Beiprogramm Jugendlicne haben Zutritt Stern, Hermannsfraije 49 Wochentags 6.45, 0, Sonntags 5, 7, 9 Uhr Kriminal-Tonfilm; Der Tiger mit Cbarl. Sn»a Tonfilm-Betprogramm Passage-Lichtspiele Bergstrasse 151-52 Wochtgs. 6.30, ca. 9 Uh r; Stgs 5, 7, ca. 9 Uhr O MAdcbeUp mein M&dcfacn, wie lieb' idb dtcfap Lustspiel Gr. Beiprogramm u. BOhnenscbaa Neukölln. Liditspielh. Bergstrasse 136-37 Wochtgs 6Z0.ca.9Uhr: Stgs.5,7,cx9Uhr Kennst Do da* kleine Han* am Michigan- See Seelen Im Storra Bfihucnschaa „Elysium" �nennd Prenzlauer Allee 56 W. 5 15. S 3 15 U 100 pror. Tonfilmoperette: Dp* RbeinlandmSdel» Sonntag 3.15 Jugendvorstellung * 0*t»n m Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochent 7 U. Sonnt ab 5 U. Der große Tonfilmerfolg: Das lockende Ziel m Kammersänger RichardTauber, Lade Engliscfap Jul. Falkensiein Beiprogramm jugendliche haben Zutritt Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str. 121 W. 6, Freit, u. Sbd. 5. Sonnt 3 Uhr Wiener Herzen mit Lillan Eilt* Madame, La(Diskrete Beratung) Bühne: M, Zelenka, Leateer Concordia-Palast Andreasstraße 64, Wochentags 6,8.45; Sonntags 4, 6.30,9Uhr I00proz.TonfiIm Richard Tauber singt und spricht: .Das lockende Ziel'. Jugendliche haben Zutritt Comcnius-Lichtspiele Memeler Straße 67 W. 6. 8»/*, S ab 5 U Die weihe Schwester von St. Velth m Susanne Marrille, Oscar Marion Warcnbausdlebe- Colctte Brettl Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5. 7 u. ca. 8.45, Stg. 3, 5, 7 u. ca. 8.45 U. Rhapsodie der Liebe Liebes- Kleeblatt m it Varkonl Grones Beiprogramm Bahnensebau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, 7 u. ca. 8.45, Stg. 3, 5, 7 u. ca. 8.45 U Der Kampf am die Erde Wer bat Robby gesehen? m Aldini BOhnenscbau W Neu-ilcHtRtibTq W Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Das Lied vom alten Markt Revue; Laute keiner Frau nach! W Frledrlehzeolcl« Kino Busch Alt-Friedrichsfelde 3 G. Beiprogramm Vier Teolef mit Jane! Gayno», Die erste Fran im Leben mit Ch. Farell ßs Niacäerichönewelele'� Elysium Hasselwerder Straße 17 Tonfilm: Dellkaiessen mit H. Lfedtke Die Postrinber von Arkansas Schloßpark Film- Bühne Berliner Allee 205—210 Stg. Va3 Jgd.-V- Die Somme(Grab der Millionen) Landung im Paradies mit R. la Rouuc Varictescfaan Alhambra Müllerstraße 136, Ecke SeestraBe Der große Tonfilmerfolg; Das lockende Ziel m. Rieh. Tauber Pharus-Lichtspiclc Müllerstraße 142 W.6V«U. Stg. 4'A U Ein Traum von Liebe mit Nils Asiher Die Peitsdie des Gesetzes Beiprogramm Marga-Lichtspiclc Schul Straße 29 Tarakanova, die falsche Zarentochter.— Die weige Schwester Große BOhnenschan Noack's Lichtspiele Brunnenstraße 16 Wtg. ab 6. Stg. ab 4 U. KampthShne der Liebe Der Satansreiter m. Ken Maynard BOhnenscbaa Prater-Lidiispiel-Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 5.30, Sonntags 4 Uhr Wegen Riesenerfolges verlängert: Die Somme(Grab der Millionen) Auf gefährlichen Pfaden Bahncnscban Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 W. 7, 9 U. Stg. 5, 7. 9 U. Tonlilm- Idi glaub nie mehr an eifie Fran mit Riteard Tauber Beiprogramm 7 u. 9 Uhr V�OiOSbCUIIl Slgs. 5, 7 u.9 Uht Schönhauser Allee 123 2 Großfilme; Gaukler Oos Geheimnis von Irapnr Aul der Bühne; „Tonfilmfieber' m Bruno Kästner, U Tinte ��OesunabruimM�p „Alhambra" Badstraße 58 Liebe und Champagner mit A. Esierfaaxy, I. Peirovitep Binder Bernhard Gro�e Bfibnenstean Ballsduniedcr- Lichtsp. Badstraße 16 Der große Tonfilmerfolg: Das lockende Ziel m Rite. Tauber Jugendliche h BAhnenstean haben Zutritt Kristall-Palast ab Prinzenalice 1—6 Himmelfahrt Der gewaltige Ton- u. Sprechfilm; Cyankall mit Grete Mosheim Bfibncusteaa ■ dbwrow n Palast-Theater Breite Straße 21 a Fondvogel mit Camilla Horn Oer Bund der Drei m. Jenny Jngo Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 7. 9 U, Stg. 5, 7 n. 9 U. Tonfilm: Heule natei erenlnell mit Jenny Jngo Tonfilmbeiprogramm Film-Palast Blankenburger StraBe 4 W. 6.30, 9 IL Stg. 4.30, 6.45. 9 u. Wegen Rieseneriolg verlängert: lOO«/, Tonfllmposse; Wien, da Stadt der Lieder Jugendliche haben Zutritt ■ T«««'■ «Kosmos" Filmbübne Hauptstraße 6 W. 6. 8'(-. S, ab 4V» Wochenschau, Kulturfilm Otto Pauls bunte BOhne Ein Film ohne Schauspieler; Menschen am Sonntag Große Poethig-Ausstaitungs-Revue: Tegel gib achfl 10 bunte Bilder Filmpalast Tegel ßahnhofstr. 2 W. 6, S'j, Stg�'/i.b'b.S"« Sonnt. 2 Uhr)ugendvorstellung Tonfilm; Das lockende Ziel mit Riteard Tauber Auf neuester Tobis-Apparatur Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, 8i.SU. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 4Vi, 6>h, SKi U. Räuber der Unterwelt mit WIM Cory Klettermaxe m. Paul Heidemann c MownlgiGorF Filmpalast stg. 4?f,8Ä.?a. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. Jug.-Vorst. hiatetwelt(Piccadiiiy) mit May Wong Spielzeug einer steönen Fran mit E. Er« dSeilogc Freitag, 30. Mai 1930 SivUmÄ ShninttlGnße xfak]/o*i6aS& tRoute 17 Wandertage in Nordamerika/ Ton Tramp, sb.SE. ttuffalo Allmählich bekam ich das Stoppen von Autos raus. Bald drückte mein Lintern die harten Breiter einer Ford- Pritsche, auf der der Farmer gerade Mist gefahren hatte, und warf mich ein paar Meilen vorwärts, bald drückte er die weichen Polster einer Limousine. Und spastigerwcise war das letzt« des öfteren der Fall. Die Frachtautos stoppten fast nie. Sie hatten keine Zeit. Wohl auch Angst, einen„dum" aufzuklauben, von wegen Geld und Ware. Aber bei den Personenwogen, besonders wo nur«in Mann drin saß. war die Chance ziemlich gut, ungefähr 3: 1. An einem Tage kam ich 100 Meilen vorwärts. Es mar ein be- fisoders glücklicher Tag. Ich hotte zwei Autos gefangen. Am Morgen einen alten Herrn, der mich ungefähr 30 Meilen mitnahm, - und am Abend einen feinen starken Wagen, der mich auch über 30 Meilen vorwärts warf. Ein paar- kleine Etappen kamen noch dazu. Vor Max Schmeling» Trainingsquartier. Dabei war ich so faul an diesem Tage. Hatte stundenlang in der Sonne gelegen, mich in einem flachen breiten River gebadet und eine ganze Zeit vor Max Schmelings Trainings- quartier in Endicott herumgelungert. Der alte Herr hatte mir am Morgen die Strecke erklärt, die ich gehen mußte, und dabei waren die Städtenamen Endicott und Iohnson-City ge- fallen. Ich erinnerte mich dunkel an irgendwelche Zcitungsnach- richten über Max Schmeling in Verbindung mit diesen Namen. Später, ich hatte gerade einen Sandfahrer gestoppt, kamen wir an Schildern vorbei, die Schmelings Trainingsquartier bezeichneten. Ich war zu faul, auszusteigen und fuhr weiter mit. Der Fahrer bog aber bald ab, in einen flachen Creek hinunter, aus dem sie den Sand ausbaggerten, da mußte ich doch runter. Nun, es war ja doch gleich, mos ich tat, Zeit hott« ich genug, also los. Sie spannten gerade ein riesiges Schild quer über die Straß«, um auch hier die Reklame nicht zu vergessen. Ich warf mich in den Schotten eines Baumes und sah zu. Mancher Wagen bremste und bog ab, um sich das Quartier Schmelings anzusehen. Selbst beim Liegen im Schatten kam der Schweiß und macht« mich so foul, daß ich nichts unternahm, nur den Leuten beim Schild- spannen zusah. Bis ich plötzvch aufsprang, mein Bündel über die Schulter warf und abhaute. Was konnte ich auch schon sehen?! Der ganz« Rummel war doch bloß ein Dollarfpiel. Kurze Zeit weiter sing ich meinen zmeiten großen„ridc*.*) Tippelei in der Nacht. Der Abend kam wieder zu schnell. Es war bereits dunkel, als ich einen Platz zum Schlafen suchte. Ich besuchte entlang der Straße drei, vier Farmen, aber es war nichts..Mach', daß du weiterkommst.* Eine«„nd«"-nachts zu bekommen, war oussichts- los. Da niemand stoppen würde. So zog ich denn weiter. D'e Lichtkegel der Slutos sausten durch die Nacht und ich mußt« ver- dämmt aufpassen: kein Fahrer dachte doch daran, daß es einen ver- rückten Fußgänger geben könnte, der die Autostraße«ntlanggeht. Ich marschiert« immer auf der linken Seite. Das war dos beste. Kam der Wagen von vorn und zu nahe, hatte ich noch immer die Chance, beiseite zu springen. Nicht aber, wenn ich rechts ging und die Wagen von links kamen. Als ich lange Zeit keine Farm mehr traf, verließ ich die Straße, kreuzte einen Ackerstreifen, stieg über eine kence und warf mich hinter einen Busch. Wie long« ich gelegen habe, wciß ich nicht. Ich wachte plötzlich auf, fühlt« die Na cht kälte und sah den Mond verhangen und schwere Mengen Wolken am Himmel. Vielleicht bald Regen. Ich stolperte wieder zurück auf.Route 17* und mit steifen Gliedern darauf entlang. .Straße 17* wand sich durch einen neuen Höhenzug der A p o- laichen, mit ganz anständiger Steigung, wie ich an meinen Knochen fühlte. Ich hatte aber doch Glück und fand einen Farmer, der mich in seine Scheune ließ und mir einen dicken Mantql gab, da er keine Decke fand. Am nächsten Morgen kam ich nach E l m i r a. Fragte mich durch, bekam wieder.Route 17" unter die Füße und setzte mich kurz hinter der Stadt in einen Graben, um zu futtern. Ich hotte seit gestern nur den Coffee-ring und«in paar Aepfel gegesien. Immer hatte es nicht gekloppt. Entweder sauste ich im Auto an den Läden vorbei oder tippelte auf der freien Straß«. Von fern knarrte ein Kohlenwagen heran. Der Kutscher sprach mit einem Mann, der an der Seite mitlief. Bei mir angc- kommen, fragt« mich der Mann nach dem B u s f a l o- G l e i s. Ich wußte es nicht. Hatte aber bald raus, daß er.jumpen* wollte, einen.lreigbtcr*.**) Ich aß mein Brot und meine Wurst und der Mann verschwand aus die andere Seite in den Graben. Als ich fertig war, ließ mich der Gedanke nicht los, auch zu.fumpen*'. Wenn ich die Straße nahm, dauerte es gewiß zwei Tage. Mit dem„lreigiiter* aber nur Stunden. Ich hatte schon oft genug gehört vom„jumpen*, wußte aber nicht, wie es anzufangen. Hier war Gelegenheit. Ich ging auf die andere Seite der Straße. Da saß der.dum* und— ah. Ich hatte vorher nichts davon gesehen. Er mußte es geschickt in der Jacke getragen haben. „Flellob, Jack! You go to Buffalo?' .Yes, me go.* .Me too.* .Hallo, Jack, du gehst nach B.?* .Ja, ich gehen.* .Mir auch.* Mit diesen Worten setzt« ich mich neben ihn und aß bald Kakes von ihm. Ich mußte lachen. Ich hotte mir Wurst und Brot gekauft und er hatte gebettelt und aß Wurst, Kuchen und Bananen und soviel, daß er mir noch abgab. Mit dem„jumpen* lernen war's aber nichts. Der Weggenosse verschwand bald. Er war müde, brauchte Ruhe, mußte sein Hemd waschen. Es war«in Tscheche und anscheinend ziemlich lange bei dem Geschäft. Vorgestern hatten ihm, wie er erzählte, zwei verfluchte Negier, auch.bums*, das Geld genommen und dann vom Zug geworfen. Er hatte ein ziemlich tiefes Loch in der Stirn. Ich jumpe und fliege beinahe ins Kittchen. Ich ging wieder auf.Route 17* zurück und schwang meine Beine in der brennenden Hitze. Ein paar Versuche, Autos zu stoppen, mißlangen, und mißmutig stelzte ich weiter. „Wohin gehst du denn?* rief mich plötzlich ein Fahrer an, den ich vorher stoppen wollte und der hier Geschäfte erledigte. „Nach Buffalo.* ..Zu Fuß?" „Manchmal ja, manchmal nicht." „Catcb a frcighter!" Verdammt, schon wieder:„Fang einen Frachterl* Zu allem Ueberfluß kam noch ein langer Güterzug an- gerollt und in einem niedrigen Wagen standen zwei bums und winkten mir einladend zu. Einer hob seinen Fuß auf den Wogenranb und klopfte aus die Schuhsohle, und dann winkten sie wieder lochend. Ich macht« kehrt zur Station. „Geh mehr zurück zum Verladehof, hier ist es zu schnell*, riet mir der Fahrer. Der erste Güterzug, der noch kurzer Zeit kam, war zu schnell. Und kein einziger niedriger offener Wagen. Alles geschlossen. Ich ging mehr zurück, setzte mich hinter«inen dicken Telegraphen- pfähl, kümmerlichen Schotten vor der drückenden Sonne suchend. Ich war dort mehrere Stunden und wartete, wartete und schwitzte. Es kam kein Zug. Ab und zu sielen ein paar Regen- trapsen. Ich konnte nicht weg. Ich wollt« den nächsten Frachter nicht verpassen und der Bahndamm war mit einem Zaun«ingefaßt. Ich konnte hören, wie der nächst« Zug zusammengestellt wurde. Von der Station konnte man mich nicht sehen. Rur weiter vorn war noch eine klein« Rampe. Richtig kamen sie auch mit ein paar Wagen zurückgeschoben und sahen mich im Graben. Zur Hölle, ich blieb liegen. Es war auch zu heiß. Weiter hinten ging ein kaum mannshoher Tunnel unter dem Damm hin- durch. Ich mußte doch nach etwas Wasser sehen. Ich ging ein Stück auf den Damm um den Stachelzaun herum, unter den Tunnel durch, und fand aus der anderen Seite des Dammes Wasser. Ich hatte nur kurze Zeit im kühlen Tunnel gesessen, da hörte ich ein immer stärker werdendes Pusten und Dröhnen. Das war der F rächt zu g. Raus und auf den Damm. Wie aus der Erde geschossen tauchte ein Reger auf, der auch jumpen wollte. Kam von New Pork. Erfahrener Kunde. Wollte nach Buftalo. Die richtig« Stell« zum jumpen hotte ich also gefunden. Nur besser verstecken mußte ich mich� noch_____________________________________ Der Zug kam bis an den Tunnel, hielt und rangierte wieder zurück. Ich hatte mich sofort in den Tunnel versteckt, um nicht von der Maschine gesehen zu werden. Der Neger stand draußen am Damm, grinste zur Maschine hinauf und machte ein fragendes Zeichen, ob der Zug bald rausginge. Plötzlich sahen wir auf unserer Seite des Dammes auf der Straße ein Polizei- o u t o halten. Ein-Mann-Auto für Straßenkontrolle. Mir kam es verdächtig vor, daß der Polizist ausstieg, blitzschnell zu uns herüber sah und dann unauffällig am Wagen Hantierte. I Der Neger murmelte was. Ich türmte auf die andere Seite des Tunnels. Der Neger nach. Der Zug kam wieder angeprustet. Wir standen am Damm und wußten nicht, was tun? Plötzlich sah ich den Neger verlegen grinsend nach hinten gucken, Ich drehe mich um. Da stand auch ein Auto. Davor ein kräftiger Mann, ein« Zigarette rauchend. Der Neger wußte Bescheid. Es war ein Detektiv. Der Manu nickte kurz mit dem Kopf: der Neger g Hz hin. Ich blieb stehen und guckt« wieder auf den abhauenden Güterzug. „He, du auch!" Im drehte mich um und ging hin. D e beiden sprachen ver, dämmt schnellen Slang. Ich kounle nichts verstehen. Mir war nun ziemlich klar, was los war. Eininal hörte ich: „Lixt)' days jaill"(„Sechzig Tage Gefängnis!") Dann zeigte der Detektiv auf«inen Weg und der Neger ver- schwand. Ich verstand was, von nie mehr hier sehen lassen. Ich wollte mit dem Neger abrücken. „You stay berel*(„Du bleibst hier.*) Es fing an zu tröpfeln und ich mußte mit ihm ins Auto hm-in. Dann fragte er los. Ich sagt« offen, daß es mein erster Dersu-y sei. Meine Papier«(Papiere in Amerika!) waren in Ordnung. Noch einigen hin und her: „Ich geb' dir 30 Tage." Bis jetzt war ich sonderbor ruhig gewesen. Nicht im gertngstett aufgeregt. Nun würgte es gemein im Ihals. Die Gedanken be* gönnen zu rasen. 30 Tage Gefängnis! Mein« Freiheit! Jetzt im Mai. Aus! Aus! Ich senkte den Kopf und sagte nichts mehr. Dumpf quirlt« es im Kopf. Lachen, Hohn über mich, unsagbare Trauer, Gleich- gültigkeit. Ach, laß doch gehen! Es war ja alles Mist! „Warst du jemals im Gefängnis oder ähnlichen Einrichwngen?* „Nein, niemals!" Wieder langes Schweigen. Ein paar sonderbare Fragen übev den Krieg, deutsche Schulen. Mein Geld. Schweigen. „Ich geb' dir ein« Chance. Du kaufst ein Billett nach Buffalo und ich laß dich lausen." Plötzlich war ich wieder oben' „Was kostet es?" .3,2« Dollar.* „AUright, ich kaufe ein Billett." Ich kramte, ohne Freude, ohne Gefühl überhaupt, mein Geld zusammen, während er mich zur Eisenbahnstation fuhr. „Er will ein« Karte nach Buffalo", sagte der Detektiv am Bahn- Hofsschalter. Ich bekam es, bezahlte, der Detektiv notierte noch etwas und schickt« mich dam, auf einen Spaziergang, da noch zwei Stunden zur Abfahrt fehlten. Per Bahn»ach Buffalo. ttm 4.20 Uhr stieg Ich in den Zug noch Buffalo, lümmelte mich bequem in den Poksterfitz, klappte den nächsten Ätz um, legte die Beine frech auf den r o t e n P l ü s ch, und freut« mich über jeden, sei es vom Zugpersonal oder von den Reisenden, der mißbilligend auf meine teilweise mit S ch n ur-gebundenen schwer c-n Schuhe sah. Die„Route 17" sah ich noch ein paarmal rechts oder links vom Zug auftauchen und dann verschwand sie. Ich glaub', sie geht gar nicht nach Buftalo. Ich hätte wechseln müssen später. Halbwegs kamen wir noch in ein schweres Gewitter: ich war doch froh, daß es mich nicht auf der Straße erwischte. 7.33 Uhr waren wir in B u f f a l o. So bin ich denn noch am selben Tage nach Buffalo gekommen, wenn auch anders als be- absichtigt. *) ridc— Ritt. == J|rt»0ML Frtghter— Frachtzug. Stvei Interviews flliß ftaffke amüfieri fich Pcinah« 450 000 Amerikaner haben sich der Statistik zufolge im vorigen Jahre nach Europa eingeschisst und etwa 650 Millionen Dollar ausgegeben. Dies« Leute reisen.„zur Erholung und zur Er- bauung*, heißt es in der amtlichen Statistik, und so fragte ich«inen Pariser Fremdenführer, wie sich denn der Pariser Ausenthalt so einer reichen Aank�efamilie gestalten mag. Viel« kommen ja über Poris überhaupt nicht hinaus, namentlkch die Neu- reichen, und während Vater und Sohn zu Haus« eifrig beschäftigt sind, Dollars aufzuhäufen, entwickeln Mutter und Tochter keinen geringeren Eifer, diese Dollars in„gay Paris" wieder loszuwerden. „Sie logieren im teuersten Hotel", sogt« mein Gewährsnwnn, „kaufen sich die teuersten Theaterkarten und die kostspieligsten Toiletten(aus der Ru« de la Paix oder gar aus den Hotelschau- kästen):— die Rechnung für letztere schicken sie dem alten Herrn nach Hause. Di« Mistreß begibt sich bei erster Gelegenheit in die R i tz- B a r, um sich dort«inen(aus den Hintergründen des Mont- martre oder Boul« Miche stammenden) Gigolo herauszufftchen, den ihr wahrscheinlich eine Freundin aus der V. Avenue empfohlen hatte. Die Miß begleitet zumeist ihre Mutter bei allen harmlosen Gängen den Tag über, wobei sie auf das Peinlichste vermeiden, sich irgend «twas von wirklichem Interesse anzusehen. Etwas vor Abend ist die Tochter in Begleitung irgendeines jungen Gecken in einer Bar anzutreffen, dann begibt sie sich etwa in ein Monpar nasse- Restaurant, wo eine Atmosphäre herrscht wie sonst nirgends auf der Welt. Sie bestellt Huhn ä l'americains, das ihr in ziemlich minderwertiger Zubereitung für 150 Franken vorgesetzt wird, und trinkt inferioren französischen Wein in Flaschen mit bekannt klingen- den Etiketten. Schließlich wird der Miß schauerlich übel, si« fällt dann dem ersten besten Ausbeuter zum Opfer, der sich an sie heran- macht. Wenn si« es fertig bringt, mit ihrem Schmuck ins Hotel zurückzukommen, hat si« verdammt Schwein gehabt. Das ist das harmlos«, dos brav« Girt: die Schlimm«, mit erotischen Appetften, begibt sich vor allem in die Folios Berger««. Beim Ein- tr«ten bekommt sie einen furchtbaren Schock, weil«s dort(und nur dort: ganz unerwarteterweis«) streng« verboten ist Trinkgelder zu nehmen. Ihr Schock ist so groß, daß si« die halbe Vorstellung lang nicht weiß, ob si« ihr gefällt oder ob si« zur Mama zurückkehren soll. Geg«n 11 Uhr erlangt sie die Gewißheit, daß si« nie in ihrem lkben etwas fo absolut Verderbtes gesehen hat und denkt darüber nach, was es eigentlich alles zu bedeuten hat. Um 12 Uhr fährt sie ins Hotel zurück, es sei denn, daß si« unsereinem in di« Hände fällt, der willigt dann nach und nach ein, ihr Montmartre b«i Nacht zu zeigen (zu einem Presse von 100 Franken aufwärts). Si« trmikt In diesem Fall französischen Champagner und sieht nicht viel, das sie nicht schon m den Foties Beigeres gesehen— aber sie kehrt jus Hotel zurück mit dem zufriadenen Gefühl, daß Paris der einzige wirklich unmoralischa Ort der Erde sei.(Zu Hause, in der Michigan Avenue oder auf dem Broadway, hat sie ähnliche Dinge einfach niemals mit ansehen dürfen.) Nach zwei, drei Wochen in diesem Stil k«hr«n di« Dam«n nach„Iii' ol* Noo Yark"(ihr süßes altes New Porkchen) zurück und«rzähl«n allen ihren Freundinnen, wie herrlich sie sich in Paris amüsiert hoben. Sie bringen ein« teure Ausstattung nach Haus«, und der arme Dater hat Rechnungen zu bezahlen, die einen armen Mann aus ihm machen— bis zur nächsten Börsenkrife in Wallstreet." ein gemütticher Streik\ „Wodurch er entstanden ist, weiß ich nicht. Das Interessanteste an ihm ist die Dauer. Die Rekorddauer. So etwas gibt es nur bei uns", sagte Herr F r e e h i l l, dem ich als alter Australier einen Besuch abgestattet hatte, in einem Hotel am Kurfürftendamm: er ist nämlich Präsid«nt des Sidneyer Presseklubs, auf einer Spritztour in Europa und weiß das Allerneuest«. Ich wollt« zwar wissen, ob alles noch beim alten ist, unten, in meinem lieben, alten, dürren fünsten Kontinent, ab«r das geht eben daraus hervor. „Wenn Si« daran zweifeln", sagt« Mr. Freehill,„daß sich in Australien nichts geändert hat— nichts wesentliches wenigstens—, so brauche ich Ihnen nur die Sache mit den Northern M i n e r s zu erzählen. Die Gnibenarbeiter von Neu-Slldwales sind i n Streik getreten: das ist der ganze Zwischenfall... aber so etwas kann sich in Australien in die Läng« ziehen. Australien ist ein gott- gesegnetes Land und läßt sein« Bewohner nicht verhungern. Das Äben, das absolut« bloße Dasein, die Existenz ist dort etwas ganz Unproblematisches, Sichergestelltes. Aushungern, durch Hunger zwingen kann man niemanden. Die Northern Miners also hatten sich am M y c q ua r i e- S e« niedergelassen und sich ein paar Hütten gebaut... da lebt es sich ganz angenehm... und sie warteten in oller Ruhe ab, ob ihr« Herren Chefs nachgeben würden. Um nicht zu verhungern, schössen sie Karnickel(man kann gar nicht genug Karnickel schießen in Australien... und es bleiben noch immer zu viele übrig), und sie angelten sich Fische. Der Macquarie-S«e sst sehr fischreich und die Fischerei ist freigegeben: man darf angeln soviel man will und essen soviel man will nur v«rkauf«n darf man die Viehcher nicht' das ist so ein» von Australiens humansn Gesetzen. Also aßen die Northern Miners abwechselnd Fische und Kaninchen: die schmecken ganz gut, und aus der Streikzuloge kam mal ein Sack Mchl, mal ein Packen Tee, und dann Tabak. Also ging es den Grubenarbeitern nicht so übel, denn kampieren, das ist ein Vergnügen in Australien, ein Volksvergnügen, sozusagen der Haupftpaß..." „Ja— und?" sagte ich, denn die Geschichte zog sich in di« Läng«. „Ja, sie zog sich in die Länge", sagte Mr. Freehill,„... es wird jetzt gerade ein Jahr, daß die Grubenarbeiten im Streit find,., ua. wft> ich frage: wo gibt es da»— wo gibt es dask* (41. Fortsetzung.» Xn3 i»ar«n bie drei, die er nur als Schurken bezeichnen konnte. Dollar, Pfund und Tael blinzelten aus ihren schissgeslellten Augen. Diesen unbestimmten Blick haßt« U. an ihnen. Konnte ihre Augen nur mit Messern»ergleichen, mit sechs Messern, die nach ihm stachen. Dies« widerlichen Gebisse, die sich kauend verschollen!?). hotte die Cmpsindung, von ihnen zermalmt zu werden. Wie sie ihn be- lauerten! Er hati« das Bedürsnis, seinen Haß gegen sie zu«ntladen. Ihn ärgerte es, daß sie ihm keine Gelegenheit da.zu boten. Wenn er sie fragte, gaben sie ihm unbestimmt« Antworten Schwi«gell aber mit Vorliebe. Wozu sind sie eigentlich hier, dachte?>., w.is wollen sie? Untätig lungerten sie herum, reichlichen ihn und lauerten. D.s Blick ging an ihnen vorbei und zu Mara hinüber. Die Tatarin hockte schwer und massiv aus«inein gebrechlichen Stuhl und rauchte. Da saß sie nun mit einem matten Lächeln um ihr« wulstigen, sinnlichen Lippen, mit einem abgrundtiefen Blick, behaglich, scheinbar zufrieden. So sah sie D. Dachte von ihr: Jetzt ist alle Schmach und Demütigung, Qual und Pein in ihr ausgelöscht: sie weiß nun, warum sie alles das hat erdulden müsse»-, jetzt sollt« ihr« Stunde kommen. In empörte es sich. Er konnte den Anblick d«z Weibes nicht ertrag«,,. Der Glaube, daß es diese Nacht«inen Menschen gäbe, der ausgeglichen mit sich seine G«dank«n ruhig dahingleiten lassen lonnte, jagte ihm das Blut in den Schädel. Daß Maro dieser Meirsch war, griff ihn, an den Derstand. War das Liebe, hinopfernde, selbstlose Liebe? Nein, blutrünstig« Selbstsucht war das, nichts anderes. Wie gerne aber hatte«r an di«!e Liebe geglaubt, sich von ihr immer wieder bestimm«» lassen, das Werk fortzusetzen. Das Werk, durch das er Verräter geworden am Volk«, an ihr und an sich! Im Polizeigebäud« ging es um d!«se Zeit stiller zu als sonst. Das Tor war verschlossen. Ein einsamer Posten stand davor Wache. Die gesamte Polizeimannschaft hielt Bereitschaft. Marin in seinen, Büro erteilte den einzelnen Truppenführern Anordnung«». Unterhielt einen regen telephonischen Berkehr mck seinen Agenten üb«r den Stand der Vorbereitungen der Rebellen S«ine starke Aufregung trachtet« er nach außen hin zu beherrschen Seine Stimme hatte einen rauhen, hart«» Klang angenommen, war ab«r nicht laut, eher flüsternd. Der Gouverneur und die europäischen Regierungsvertreter, über das, was sich entwickelte, nur mangelhaft orientiert, nahmen eine abwartende Stellung«in und versteckten sich hinter V«rantwortungs- losigkeit. Ihre einzige positive Leistung war die, den militärischen Kommandos Dorsichteinaßregeln vorzuschlagen. Marin standen sie noch immer mit Skepsis gegenüber. Jedenfalls hielt sich der Mann, der den Franzosen beim ersten Debakel ablösen sollte, bereit. Mr. Garrickson hatte seinen Iournalistenstab um sich versammelt. Die Hände auf dem Rücken verschränkt, ging er wie ein Feldherr sein« Front ab. Biß an seinem Schnurrbart, kaut« Guinrni, spie ihn an die Deck« des Zimmers. War einsilbig zu feinen Leuten. Hott« ihnen vorläufig noch wenig zu sogen, brauchte sie aber in seiner unmittelbaren Nähe. Mr. Karricksons Gedanken waren weit von seiner Umgebung entfernt. Viele Menschen mußte er um sich haben, wenn er ruhig und tief denk«n wollte. Das war eine Staffag«, die er nicht entbehren konnte. Er dachte angestrengt nach. Er wunderte sich über Marin. War das Nachlässigkeit oder Diplomatie, wenn die Regierung«ine endgültige Entscheidung in der Frag« der Er- nennung des Polizeichefs immer wi«der hinauszögerte? Marin, der den offiziell unbesetzten Posten nach jeder Hinsicht ausfüllte, dem Mittel und Rechte daraus erstanden wiren, die ihm vollste Handlungs. freiheit zusicherten, war dadurch in strittiger Stellung und in ein unangenehmes Zwielicht gerückt worden. Wi« konnte derartiges möglich sein? Mr. Garrickson zerbrach sich den Kops darüber. Einen Blick hinter die Karten der Regierungsmänner hatte er gerne getan. Aber, weiß der Teufel, diesmal war aus diesem politischen Ehaos nicht» Rechtes herauszufinden. Ein« Zugeknöpftheit herrschte, ein diplomatisches Blinkfeuer, aus dem auch der gewiegteste Journalist nicht klar werden konnte. Mr. Garrickson vernahm seine Spitzel. Die ober standen mit leeren Händen und roten Köpfen da. Sie wußten ganz einfach nichts, logen verworrenes Zeug. Garrickson geriet in Wut. Er entließ bis auf weiter«» feinen Stab und tobte sich allein aus. Marin verstand«r ebensowenig wie die Politik der Engländer, Franzosen und konservativen Chinesen. Jeder von ihnen war auf seinen Happen Fleisch erpicht. m«hr nicht. Ging es um das Ganze, um Verantwortung, drückte sich jeder darum herum Marin gehörte der Ansicht Mr. Äanicksons nach auch in diese Kategorie verkappter Kolonialpolitiker. Da kommt dieser Franzose eines Tages her, be- gibt sich unter Schutz und Protektion des gewaltigsten Mittels der Menschheit, der Presse, legt ganz offen dar, welches Interesse er daran babe, durch die Poesie zu erzwingen, was Ihm im Machtbereich seiner Person nicht gelang, und jetzt— Mr. Garrickson hielt inne. Filffb, überlegte er Morl» kann keine Schuld tressen Wenn dieser Mann'bn nach der Unterredung auch nicht mehr bedvrmte. angesichts de? eriolalosen Zeltunaskampagn«, die er. Garrickson führte, so war das kein G-und, Marin zu grollen. Es hieß ruhig abwarten Von Marin hatte er das Versprechen einer Derösfentlichung durch- schlagender außenpolitisch«? Enthüllungen und im Fall« sein«r Drkta- tur noch so manck«» ander«. Dar oll«m aber hatte er dadurch Ge- legenbeit. seinen Kops noch rechtzeitig au» der Schlinge zu ziehen. Da klingelte das Telephon. Mr. Garrickson lehnte sich lässig über den Schreibtisch. Führt« die Muschel langsam ans Ohr..Plötz' lich verfärbte sich fein Gesicht. Nach Jahren kam wieder Blut in die fahlen Backen, und seine Augen bekamen Glanz. Feuer und L«ben. Er gurgelte«in paar rasche Worte, warf die Hörmusch«! auf den Apparat, läutet« nach den Di«n«rn, schrie nach ein«m Auto. Dem Ehausjeur rios der junggewordene Zeitung«:iger zu:„Fut- jchow-Rood! Polizeipräsidium!* Der Mann, der den Wogenschlag zuwarf, fing das auf und gab es weiter. In wenigen Minuten sprach das ganze Haus, in dem Garrickson regierte, davon. Man hielt d«n Atem an. Rur die Pressen arbeiteten ruhig und gleichmäßig weiter. Mr. Kead verbrachte diese Nacht in seinem Palais in der Peking- Road. Das war die Festung, die er jetzt ungern verließ. In letzter Zeit hatte man ihn nur selten zu Gesicht bekommen: weder in den Hotels noch in den Vergnügungslokalen de? tonangebenden Gesell- schast zeigte er sich, selten einmal in seiner Villa in der Avenue Paul Brunot, kaum in den Klubs Selbst in seinem Geschäftshaus war er schwer anzutreffen, und in der Peking-Road wußte man ihn hinter verschlossener Tür. Mr. Kead hatte sich mit breiter Behaglichkeit in den kunstvoll geschnitzten, mit Zierat überhäuften Stuhl des seligen Grasen Ess«x geworfen. Die Füße hotte er der Bequemlichkeit halber auf den Tisch gelegt. Rauchend und gleichmütig in die Welt sehend erwartete er seine Stunde. Dick, feit, mit mifgequöllenem Bauche, herab- hängender Unterlippe gab er sich der angenehmen Ruh« hin. Reben sich hatte er seinen Drink: er bevorzugte gewöhnlichen Whisky. Ja, er hatte es gut. Wa kümmerten ihn noch Marin, die Dokument« und wer Polizeiches werde. Was konnte ihn noch in der Politik Sorge bereiten? Nichts. Er lachte über diesen ganz mörde- rischen Unsinn. Und Idioten sind doch alle, urtei.te er mit Be- friedigung. Er hatte das Setnig« für sich und seine Zukunft getan. Ein Meisterstück war das,«In Geniestreich, anerkannt« er. Sein großer Besitz an Aktien war durch Strohmänner glücklich, ohne Auf- sehen abgeschoben worden. Das war zwar«in Stück saurer Arbeit gewesen. Aber er hatte Leute, auf d!« er sich verlasien konnte. Di« Börs« mochte krochen, er hatte nicht» mehr daran zu verlieren. Und sein« Oelianks und Daumwollager, sie mögen brennen und zugrunde gehen. Der Preis von Oel und Baumwolle wird sich danach richten. Mr. Kead betete um die Revolution. Dachte schon daran, sie nöiigenialls zu finanzieren. Murmelie, vor sich hin dösend:„Io, ja, die Russen, die wissen schon, was sie tun." Und:„Wer weih, was noch an Bolschewismus und Welirevoiution zu verdienen ist.' * „Die Maschinen gehen leiser und langsamer. Di« Kinder singen Lieder bei der Arbeit. Und der Wärter schlägt sie. Und die Alten haben ganz heiße Hände. Aber man muß nur schlagen, schlagen, schlagen.* „Aennst du auch— ihn?* „Den Sohn des Hirnmcls?� „Ja. Man muß ihn nur fühlen. Sein Gesicht ist überall. Wer kennt es nicht von uns. Unser Gesicht.' Die beiden uralten Philosophen, die das Gespräch geführt hatten, waren aus der„Bar* Mr. Wungs getreten und verschwanden nun -m Düster der Stadt. Drinnen im Lokal trank noch immer der Matrose. Hatte trübe, glanzlos« Augen. Mr. Wung sprach ihn von neuem an:„Herr, Ihr seid traurig.* „Habt Ihr schon eine Wasserleiche gesehen?" rülpste der Matrose. „So ein« mit einem dicken Bauch und verglasten Augen. Sie ist nicht schlechter al» ihr all« zusaminen." Di« Chinesen hatten sich an ihn herangemacht. Einer von ihnen sagt« zu ihm:„Warum wascht ihr eure Hände nicht vom Blut?' Der Matrose spreizt« die Beine:„Was gehen dich mein« Hände an? Kümmer« ich mich uni deine stinkigen Füße?* Aus ihn zu wankte eine Gestalt. Sie kam aus dem Rebenroum der„Bar". War aus der Höhle gekrochen, aus der sich ein matter rosafarbener Schein stahl. Der Matrose erschrak vor diesem menschenunähnlichen Bild. Das war ja ein Leichnam.(Fortsetzung folgt.) cBucfv 3)er tfeporler im Krieg „Schreib dos aus, K i s ch", heißt dos im Erich Reiß Ber- log, Berlin, erschienene Kriegstagebuch von Egon Erwin K i s ch. Man geht nicht an das Buch mit der Erwartung heran, abermals ein„von ollen Toten geschriebenes Denkmal unseres un bekannten Soldaten" vorzufinden, sondern erwartet eher eine Schwcjkiode. Tatsächlich sängt es auch in diesem Stil an. Kisch fährt in d«n ersten Mobilmachungstagen von Prag nach Pisek, zu seinem Truppenkörper, und versührt auf dem Wege dorthin noch rasch ein junges Mädchen, das sich morgen mit einem ins Feld abgehenden Neseroeoisi.zier kriegstrauen lasten will. Aber dann passiert eigeni- lich nicht mehr allzuviel Ueberrajckiendcs. Kisch macht, durchaus als ein braver und rechtjchosjener Soldat, die ersten Monate des öfter- reichischen Krieges gegen Serbien mit, erlebt Donnärsche, Gejechte, Rückmärsche, bekommt im März 1915 den ersehnten Heimatschuß und dampft na-h Prag zurück. Schluß. Der Krieg ist ausgelöst in eine Füll« von Episoden und Episödchen, in deren Mittelpunkt zu- meist Kischs Person steht. Ein- Reportage, nicht so sehr über den Krieg als über das Drumherum des Krieges. Im Grundton natürlich contra, aber weder mit ankiögerischem Pathos noch mit dem nihilistischen Zynismus Haseks. Im Vorwort wünscht Kisch, daß sein Buch als die Beschreibung des gewöhnlichen Tages des gewöhnlichen Soldaten angesehen werde. Davon kann nun keine Reide sein. Erstens geht Kisch als Korporal in den Krieg und verläßt ihn als Ossi.)'«. zweitens geht er überhaupt nicht als Soldat in den Krieg, sondern als«in in Uniform steckender Literat, wenn auch als ein gescheiter und scharssichtiger. Eines übrigens ist sehr oerwunderlich. Kisch, der sich heut« zu den Kommunisten zählt und demnach doch mit allerhand Bvrurteilen gebrochen haben müßte, ist abergläubisch. Kein Drelzehuter irgendeine» Monats, an dem er feiner schlimmen Aengst« nicht ausdrücklich und sehr ernsthast Erwähnung täte. Dem 13. Rovemder 1914 hatte er gar schon.,s«lt Wochen mit Befürchtungen entgegengesehen", da dieser 13. obendrein ein Freitag war! Um Himmelswillen, Egon Erwin Kisch, Ihr neuestes Buch ist 1930 erschienen und hat somit die ominöse Quersumme 13. Rasch: Dreimal über den fleinen Weg ums große Haus! l1»n5 ösuer. FU/? DEN KLEINGÄRTNER. ■iiuiuuimuifiiiiuiniiiimiuuiiiiiiiiiiiniiiiiiiiituiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiminiiiiiimuutitKiiniiiiiiiniiUiuiiuiiiiiUHiiiiniiiiuiuiiuiuuiiiiiiuiuiiiiiiiHiiiimiiiuiiiifiiuiuiiiMuiiUiiuiiuinuiimirHiiuiiiunniiU herbst' und Winterrettiche, Im Juni und Juli sind die so beliebten und bekömmlichen Spätjohrsrettich« auzzirjäcn Man hat zu unterscheiden zwischen Spätsommer- oder Herbstrettichen und den eigeat- lichen Winterrettichen. Letzter« sollte man nicht zu früh säen — magerer Boden, Trockenheit, zu frühe Aussaat und enger Stand sind die Kultursehler, die das„Pelzigwerden" der Winterrettiche hervorbringen. Reichliches Gießen ist also notwendig und ebenfalls ein gut gelockerter, nahrhafter Boden— ohne frischen D u n g I Man legt den Samen in Löcher von 3 Zentimeter Tiefe und gibt einen allseitigen Abstand von 35 bis 40 Zentimeter. In jedes Loch steckt man 2 bis 3 Samenkörner und läßt nachher nur die stärkste Pflanze stehen. Zum Aufgehen der Saat ist beträchtliche Feuchtig- keit notwendig— man hört daher wohl in„Rettichgegenden* die Ansicht, daß nur der Rettich gedeihe, dessen Same nach einem Regentage gelegt worden sei. Tatsächlich ist für die Hervorbringung guter Rettiche ein schnelles Wachstuni notwendig, was durch ge- nügendes Gießen, mehrnmliges Hacken und Imichen des Beete« erzielt wevd«n kann. Ein langsam gewachsener Rettich wird zähe und überscharf. Bor Eintritt de» Frostes müssen die Mettiche her- ausgenommen sein, man entfernt die Blätter und schlägt sie In Sand im Keller ein. Beliebte Sorten sind: Bayerischer Fn!h-W:nter (weiß), München«? Bierrettich(weiß, mittelfrüh), Stuttgarter weiße Riesen(mittelfrüh) und an Winterretiichcn: Erfurter runder schwarzer und runder weißer, Pariser langer kohlschwarzer und violetter von Gournay. L. V. Dßr Kürbis. Di« Ansicht, daß der Kürbis am besten aus d«n Kontposdha-usen ivacbse, wird nur der teilen, dein die Bedeutung des Wertes eines guten Kompostes für den Garten noch nicht klar geworden ist. Nur absoluter Platzmangel kann diesen Raubbau entschuldigen. Aber im allgemeinen wird man auch keine zu groß« Zahl der Ungetüme— nicht mit Unrecht trägt eine beliebt« Sorte den Namen Melonen« oder Z«ntn«r-Kürbi»-- heran.ziehen, und so sollte man die Mühe nicht scheu«»,«in gut gedüngtes Beet herzustellen, auf dem inaii den Kürbis auf 2 Meter Abstand pflanzt. Das Pflanzloch umß 5 bis S Zentimeter ttef sein. In dein Falle, daß man recht groß« Früchte«rzielen will, schneidet man jeden Trieb ücker dem dritten Blatte noch dem Fruchtansatz ab. Anderenfalls ist ein Schneiden nicht nötig— man verteilt nur die Triebe, daß sie sich nicht behindern. Als Z«ich«n der Reif« achte man auf die Farbenänderung der Schale und da» Weltwerden des Stieles. Allzi,» lange den Kürbis im Freien tti lassen, setzt ihn der Schädigung durch Nachtfrost aus. Damit 1er Kürbis nicht durch Aufliegen bei Nässe leidet, unterlege man ihn mit flachen Ziegelstein«», großen Topf. schcrben oder Schiefer. P.D. Rhabarber. Das ähnliche frische obst-ähnlich« Erzeugnis de» Jahres wird jetzt in der Umgebung von Berlin in starkem Maße angebaut. Ist Uoberschuh vorhanden, so empfiehlt es sich, das Einwecken gerade de» frühen Rhabarber», da die Stiele dann am �irtesten sind. Man nehm« aus«in Kilo Rhabarber«in halbes Pfund Zucker. Je länger das Glas steht, desto seiner— aprikosenähnlicher— wird der Geschmack. Spätere Sti«l« verwende man zur Marmelodebereitung. Man vergesse aber nicht, daß der Rhabarber während des Treibens der Blätter viel Feuchtigkeit oerlangt. Vermehrung erfolgt durch Teilung der Wurzelstöcke, die in den Herbstmonatcn vorgenommen wird. Man tut gut, den gepflanzten Stock im Winter mit Dünger zu bedecken, den man im Frühjahr unterhockt. P. v. Eisenbahn und Obsterzeuger. Die Bedeutung des Zusammenschlusses in Verkaufsorga- n i s a t i o n e n liegt für den Kleingärtner klar zutage. Beobachtung der Vorschriften für Verpackung und rasches Anliesern ist seine Auf- gäbe— um die Zusammenarbeit von Kraftwagen und Eisenbahn ist die Organisation bemüht. Daß sie auch Erfolge hat, zeigt ein von der Reichseisenbahndirektion Ludwigshasen(Rhein) im Gärtner- Verbandsorgan veröffenttichter Bericht über den ObstverkehC in der Pfalz 1929. Der Gesamtoersand mit der Dahn betrug 20 002 Tonnen (in 1928 nur 7395), davon entfielen 14 836 Tonnen auf. Wagen- ladungen, deren Zahl 4006 war. Mit Recht bemerkt dazu das Ber- baridsorgan:„Auch in den anderen Gebieten des Reiches kann die!« Zusammenarbeit Erfolge bringen. Der Anstoß dazu muß aber vom Ob st bau selb st erfolgen." Als Beweis für die Möglichkeit des schnellen Absotzes sei angeführt, daß die um 13 Uhr in der Pfalz abgehende Ware am nächsten Morgen auf den Märkten des Ruhr- und Wuppergebiets verkauft werden konnte. P.D. Durchmelken der Ziegen. Von einer erfahrenen Landfrau ist der Versuch gemacht worden, die Ziege, nachdem sie das erstemal beim Bock gewesen ist, in den darauf folgenden zwei Jahren nicht zum Bock zu bringen. Sie er- klärt, daß sie die Ziege dauernd hat melken können und daß der Jahresertrag an Milch größer gewesen setz als bei Ziegen, die zum Bock gebracht wurden. Man muß bedenken, daß im Falle des Werfens von Lämmern die Mullerziege auf viele Wochen hinaus für d«n Tlerholter hinsichtlich des Michertrages ausscheidet. E» wäre diese Methode gewissermaßen das Gegenstück zu der Hühner- Haltung ohne Hahn, die sich neuerdings immer mehr einbürgert, sobald es sich nur um Gewinnung von Eiern handelt. Dl« Kosten für die Ernährung der unnützen Fresser, der Hähne, Verden ge- spart. e,A Reichsbanner'Sportstadion Neue Welt Die feierliche Eröffnung in Magdeburg Magdeburg, 30. Mai. 3n Magdeburg wurden gestern am neu- .-rbaulen Spork st adion des Reichsbanners die 42 Reichs- und tänderfarben der Deutschen Republik ausgezogen. Unker großer Beteiligung der Reichs- und Landes- behörden und mit guten sportlichen Wettkämpsen wurde das neue Sportstadion eingeweiht. Die Stadt Magdeburg hat in den letzten Jahren unter der rührigen Führung des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters L ei m s ein neues, modernes Gesicht erhalten. Neben großen Grün- anlagen, vorbildlichen Wohnstädten, hat die Stadt eine architektonisch ausgezeichnete Festhalle errichtet und jetzt dem Reichsbanner Zchwarz-Rot-Gold bei Errichtung einer Volkssportanlage geHolsen. Die neue Volkssportanlage liegt auf einem Kll Morgen großen Gelände an der Chaussee Ntagdeburg— Berlin. Au Zehntausenden strömten die Magdeburger schon in den Vormittags- stunden zum Stadion. In dem großen Festsaal, der 2000 Personen Platz gibt, sammelten sich um 10 Uhr vormittags die Vertreter der Behörden, der Parteien, Presse und des Arbeiter-Turn- und Sport- bundes. Nach Musik- und Gesangsvorträgcn begrüßte der Bundes- norfitzenbc des Reichsbanners, Otto Hörsing, die Festgästc, darunter besonders herzlich den Reichsministcr a. D. Dr. Carl S e v c r i n g. In seiner Ansprache betonte H ö r s i n g, daß das Werk nur gelang durch den Opfermut der Kameraden und durch die Unterstützung der Behörden de, Reichs, Preußens und der Stadt Magdeburg. Er führte dann weiter aus: Eine Sport- und Erholungsstätte von dem Ausmaß, wie das Stadion„Neue Well" zu errichten, ist keine olltägliche Aufgabe. Vieler Fachleute Mitarbeit und Rat war nötig. Im Herbst 1028 beschloß die Bundesgeneraloersammiung in Hannover die Errichtung'einer Bundes- und Schutzsportschulc. Im Frühjahr begann das Reichsbanner mit der Arbeit. Heute steht das Werk im wesentlichen vollendet da, erbaut von dem Architekten, Kameraden Schuhmacher. Art und Größe dieser Anlag« wurden durch den Wunsch bestimmt, dem Volkssport zu dienen. Zwar gibt es viele, die meinen, es gäbe im Volke schon Sport genug. Wir Haben zu viel Rekordsport, der einzelne Sportleut« zu Berühmtheilen, zu verwöhnten Lieblingen der Zuschauer macht, während ihr« Ver- cinskameraden im Schatten bleiben. Dieser Sportart! st en- kult fördert nicht den Sport, sonder» ist«ine Gefahr für den echten Volkssport, denn es gibt viele, die dem Sportplatz fernbleiben, weil sie sich zu Höchstleistungen nicht befähigt fühlen, aber nicht als Sportler minderen Ranges angesehen werden möchten. Wir sagen nicht nur, das Stadion„Neue Welt" sei der körperlichen Kultur des deutschen Volkes gewidmet, sondern wir handeln auch danach! Alle, alle mögen kommen. Nicht zuletzt soll hier Deutschlands republikanische Jugend Heimstätte finden. Nach dieser Ansprache übergab der Architekt Schumacher dem Vundesvorsitzenden den Schlüssel zum Stadion. Ein Rundgang durch die mächtige Sportanlage zeigt einen H a u p t k a>n p f p l a tz, bestehend aus einem Fußballfeld 70 mal 103 Meter, um dos ein« 400-Meter-Lousbohn gezogen ist. In den Kurven ist Raum vorgesehen für Hochsprung und all« Wurfarten. Auf der westlichen Seite der 400-Meter-Bahn befindet sich der Platz für sämtliche Weitsprungarten. Rund um die 400>Meter-Bahn, durch einen breiten Rasenstreisen getrennt, steigen nach allen Seiten die Zuschauerwälle an. Es ist Raum für 40 000 Stehplätze vor- gesehen. An der Westfeite der Zuschauerplätze soll später eine massive Tribüne gebaut werden, die Räumlichkeiten für Auskleide- räume, Arztunterkunst, Duschenbäder und Lehrerzimmer enthält Die ganze Bahn wird nach außen eingefaßt durch eng gepflanzte Pyramidenpappeln, die den Wind von der Hauptbahn abhalten sollen. Auf dem Platz des ehemaligen Landhauses soll die Bundes- schule und die Jugendherberge entstehen. Außerdem werden noch sechs Tennisplötze und ein Turnierplatz für 2300 Zuschauer errichtet. Der Hauptanziehungspunkt des Stadions„Neue Welt" ist aber das Schwimmbad mit großem S a n d b a d e st r a n d, dos nach Süden durch eine große eiserne Spundwand abgegrenzt, während das östliche und westliche User durch Faschinen befestigt sind, die mit Gras- und anderen Anlagen versehe» sind. In dem Schwimmbad, das etwa 200 mal 150 Meter groß est, ist ein massiver Sprungturm aus Eisenbeton errichtet für 1-, 3-, 3- und 10-Meter-Sprungbretter. Das Wasser wird durch Quellen, die angebohrt sind, ständig erneuert. Durch die überaus zahlreichen Quellen wird, wenn auch die Elbe und die umliegenden Gewässer kein Wasser mehr haben, immer mit einem Mir«d«stwosserstand von 3 Meter zu rechnen sein. Begonnen ist der Bau am 13. Mai 1020 bei einem Kostenvoranschlag von etwa IM Millionen Mark. Im Jahre 1020 wurden etwa 100V Erwerbs- lose auf dem Grundstück beschäftigt. In den Mittagsstunden waren immer weitere Scharen von Fest- teilnehmern eingetroffen. Aus den Kampf- und Turnierplätzen herrschte schon ein reger Sportbetrieb. Um 13 Uhr sammelt sich alles aus den Tribünen der Kampfbahn. Mehrer« hundert Sportler stellen auf der weiten Rasenfläche den Bundesgruß„Frei Heil". Auf dein Rednerpodium, von dem aus durch Mikrophon« die Reden über den Platz getragen und auch vom Berliner Sender übernommen wurden, erscheint neben Otto Hörsing der weiße Kopf Carl Severinqs, der stürmisch gefeiert wird und mit einer mitreißenden Ansprache, die an anderer Stelle wiedergegeben ist. Major a. D. Hauff und Redakteur Meurer sprachen noch zu den Zehntausenden, Auf allen Plätzen begannen dann die Wettkämpse der Reichs- bcmner-Schutzsportler und der Arbeitersportlcr. Frühfahrssportfest im Lichtenberger Stadion Veranstalter Athletik- Sportklub Am Sonntag, dem 1. Juni, veranstaltete der ASC.-Berlin sein großes Frühjahrssportfest: Gleich die erste Berliner Großveranstal« tung versmnmelt die Elite der Arbeitersportler in Berlin. Bei dem guten Klang, den der Name ASE. im Arbeiter- spart hat, ist hervorragender Sport zu erwarten. 420 Einzelkämpfer haben sich in die Meldeliste eingetragen. Das bedeutet etwa b00 Stafettenläufer. Unter den Gemeldeten befinden sich nicht weniger als 100 der besten Männer, Frauen und Jugendlichen des Arbeiter-Turn- und Sport-Bundes aus Hamburg, Stettin, Rathenow, Brandenburg. Weißwasser, Krimmitschau. Diesen steht die gesamte Berliner Extraklass« gegenüber. Das 1000-Meter-Laufen sowie die 3 X 1000-Mcter-Stafette versprechen die heißesten Rennen des Tages zu weiden. Hier treffen mit Gideon-Hamburg, Gülle-Stettin und Braun ASC.-Berlin die besten Mittelstreckler zusammen. Einen ähnlichen Kampf dürften sich über 100 Meter Höfs-Stettin, Eorts« Brandenburg und die ASE er Heidt, Wienicke sowie Traxel-Ostring liesern. Im Hochsprung interessiert das erneute Zusammentreffen des Bundcsmeisters Görsch ASE. mit Schulze-Weißwasier, Eorts- Brandenburg usw. Folgende Staffeln der Männer sind ferner die erste diesjährige Vergleichsprüfung: 4 X 100 Meter, 10 X 100 Meter, 4 X 400 Meter. Die Kinder bestreiten als Lorprob« für den Reichs- Arbeiter-Sport-Tag eine 10 X 90 Meter-Stafette. Den Schluß des Festes bildet ein Hockeykrmpf ASC. Berlin— Cottbus. Die Veranstaltung beginnt um 13 Uhr. Die Vorkam pfe sind aus 12,30 Uhr angesetzt. Während der Kämpfe konzertiert die „Freie Musilvereinigung Berlin E. V.". Der Eintrittspreis ist volks- tümlich gehallen. Karten kosten im Vorverkauf 0,50 M. auf allen Plätzen und sind im Bundessportgeschäft Königsberger Straße 5, im Restaurant Wegner, Frankfurter Allee 23«, und in der FTGB.- Geschäftsstelle, Lichtenberger Straße 3. zu haben. Freie Sport- und Musikvereinigung Berlin! Anläßlich der Internationalen Frauenkund gebung am SonMag, dem I. Juni, 14 Uhr, am„Sportplatz Einsame Pappel", CaMianstraßc— Schönhauser Allee, beteiligt sich der Spielmannszug an der Demonstration der Sportlerinnen. Treffpunkt wie oben angegeben. Zeit- punkt 13,50 Uhr. Kleidung: weiße Hose, dunkles Jackett und Schillerkragen. Die Abteilung der Bläser trifft sich am Sonntag, dem I. Juni, 14,30 Uhr, im Lichtenberger Stadion anlöß- lich der Leichtachletik-Veranstaltun« des„Athletik-Sport-Club"! Kleidung wie oben bei den Spielleuten angegeben. Am heutigen Freitag, im Uebungslokal„Sporthaus", Dirckjenftraße 1, direkt am Bahnhof Jannowitzbrück. Uebungsstundc der Spielleute mit Instril- menten. Beginn 20 Uhr. Heute, Freitag, um 20 Uhr, auch Uebungs- stund« der Bläserabteilung in, Lokal Wühlisch, Straße 3«, Nähe Bahnhof Rummelsburg. Mitglieder, aktive wie passive, werden aufgenommen. Monatlicher Beitrag 1 Mk. Anschriften und An- fragen: Geschäftsstelle Robert Oehlschläger, Berlin N. 65, Nazareth. kirchstraße 46. Telephon: Wedding 2077. R.adrennei» auf der Rüff- Arena Die Berliner Rütt-Arena veranstaltet am kommenden Sonntag wieder einen Renntag. Im Mittelpunkt der Ereignisse steht die Deutsche Fliegermeisterschast, die in diesem Jahre erst- malig in zehn Vorläufen mit Punktwertung entschieden wird. Die Rütt-Arena hat den fünften Vorlauf zur Austragung übernommer. und sich dadurch den Start der gesamten deutschen Sprinterclite ge- sichert. Neben Engel, der erst am letzten Sonntag im Stadion sieg- reich blieb, werden auch Stesses, Ofzmella, Frankenstcin. Rieger, Knappe Ehmer, Lehmann, Schamberg, Frick« und Bernhardt an der Fliegermeisterschast teilnehmen. Insgesamt kann man mit zirka 40 Fahrern rechnen, die sich zuerst in fünf Vorläufen gegenüber- stehen. Neben dem Vorlauf zur Fliegermeisterschast findet ein S0-Kilom«ter-Mannschaftsrennen nach Scchstageart statt. Für dieses Rennen hat die Rütt-Arena 14 Monnschaften verpslichtct, von denen allerdings erst 12 feststehen. Engel-Stesfes und Oszmella-Franken- stein, die in derart kurzen Mannschaftsrennen immer eine gute Roll« gespielt haben, stehen an der Spitze der Teilnehmer. Rieger- Kroschel, Fricke-Bernhardt und Kiehlich-Schambcrg sind weitere aussichtsreiche Paarungen. Zweiter Bodcbraucrei- Abend Heute abend 20.15 Uhr steigt in der Bockbrauerei in der Fidi- cinstraße der zweite Kampsabend des F re i l u f t r i n g e s. Das Programm bringt folgende Paarungen: Franz Rekolny-Prag gegen Helmut Sch u l z, Paul C z i r s o n gegen Erwin Zinn- darf- Wiesbaden, Emil K o» k a gegen Helmut H a r t k o p f und Walter Neusel gegen Karl Walter. Die Einleitung bestreiten wieder zwei Mittelgewichtler, Riege- Berlin und P i e t s ch- Leipzig. 4Kartcll$portfesl in Weissensec • Am Sonntag, 1. Juni, wird in Weihensee ein Kartellsportsest durchgeführt. Die Kämpfe werden in dem herrlich gelegenen Stn- dion„Am faulen See" ausgetragen. Neben leichtathletischen Kamp- fen werden Fuß- und Handballspiele, Radballspiele, Hockey- und Tenniewettspiele ausgetragen. Die Naturfreunde werden Volks- tanze vorführen. Die beiden Hauptspiel« sind im Handball die von Neptun-Weißensee— FS. Eharlottenburg und km Fußball FBV. Weißensec— Lichtenberg. Außerdem finden auf den anderen Plätzen des Stadions ab 2 Uhr noch andere Fuß- und Handball- spiele statt. Für die musikalische Unterhaltung sorgt der Arbeiter- radiobund Gruppe Lichtenberg. Um mit dem Fest eine gut« Werbe- arbeit zu leisten, ist der Eintritt frei. Die Spie e in Kaulsdorf Die Freie Turnerschnft Kaulsdorf spielt« mit allen Mannschaften in Kaulsdorf und verlor sämtliche Spiele. Die Jugend- Mannschaft mußte sich FTGB.-SUden 1 Mit 7:0(2:0) beugen, die 2. Männermannschaften trennten sich 4:1(2: 0). Bei den Frauen hatte Kaulsdorf Anwurf, der aber von Hennigsdorf av- genommen wurde, und schon mich einigen Minuten tonnte HcNnigs- darf das erste Tor schießen, dem zehn Minuten später ein zweites Tor folgte. Zehn Minuten nach der Pause war es LinksaußeN, die «inen Freiwurf freistehend zum dritten Tor verwandelte, dem noch kurz vor Schluß ein viertes folgte, so daß Hennigsdorf mit 4: 0 gewann. Kaulsdorf zeigte wenig Feldspiel. Schlecht beletzt war die Verteidigung, die ost ungehindert schießen ließ. Die Torwächterin war die Rettung für die Mannschaft, denn von den vielen Schüssen, die sie zu bewältigen hatte, passierten nur vier das Tor. Sie ver- [linderte«ine höhere Niederloge. Hennigsdorf war vollständig über- egen und hielt sich den größten Teil vor Kaulsdorfs Heiligtum auf. Hennigsdorf hatte bei den Männern Anwurf und tonnte mit der Taktik des Rechtsaußen, schnell von der Seitenlinie vorzustürmen, einen Durchbruch vollführen, der aber leer ausfiel. Aber schnelle Kombination von Mitte noch Linksaußen und von dort zu Halblinks brachte gleich danach das erste Tor Nach einigen Minuten war Halbrechts dran, Stummer zwei zu schießen, dem bald Halblinks überraschend für den Torwächter das dritte Tor folg«,, ließ. Der Torwächter machte hier vor Ueberrumpelung keine Anstalten zur Abwehr. Noch dreinial war Hennigsdorf erfolgreich, erst nach dem Wiederanpfiff vom«> Tor konnte der Kaulsdorser Sturm schnell vorgehen und das erste Tor buchen. In der zweiten H al b z e i t schien sich Kaulsdorf etwas vor- genommen zu haben, denn immer wieder grifsen sie eine Zeitlang das Hennigsdorfer Heiligtum an, konnten aber än der gut arbei- tenden Hintermannschaft nicht vorbeikommen. Das Resultat konnten sie dabei aber wenigstens auf drei Tore erhöhen. Kaulsdorf siel aber dann dem anfangs zu scharfen Tempo zum Opfer, und Hennigs- bori zeigte auch wieder sichere Arbeit und konnte so noch dreimal einsenden, so daß das Schlußresultat 9:3(6:1) für Hennigsdorf lautet. Die technisch bessere Mannschaft war Hennigeoors, die durch sicheres Zusammenarlieilen überlegener wurde, was aber Kaulsdorf durch großen Eifer ersetzte und dadurch das Spiel sehr verteilte. Kindersporttest der FTGB! Am 1. Juni treten alleKinderabtellungenderFresien T u r n e r s ch a f t Groß-Bcrlin zum friedlichen Wettkampf aus dem Sportplatz im Friedrichshain an. Di« Veranstaltung beginnt um 14 Uhr mit einem Umzug durch den Osten Berlins unter Vorantritt des Musikkorps der FTGB. In bunter Reihenfolge werden die einzelnen Darbietungen das Programm des Tages aus- füllen, das neben Mafsenllbungen und Stasettenläufen besonders Uebungen für den kindlichen Körper und das kindliche Herz bringen wird. Die Freie Turnerjchast Groß-Berlin, die in allen Stadtbezirken Kinderabteilungen unterhält, hat ihre Gejchäflsstell« in Berlin NO. 18, Lichtenberger Str. 3. Telephon Königstadt 3636, wo sede gewünswte Auskunft erteilt wird. «rbeite-.Rab-»»d„6*ltfc«rität', Ort-aruppr Stoft-Serlin, Oütrdiäftsftilli Stöbert Stotsortl), Sttlin SW. 11, Stliöncbttflcr Str. 17a. Tourrnplan der SRotfoIjtct am Sonntaq, dem 1. Juni. 1. Abt.: ffeauenfee tgljnlgswufterbausrn). J Uhr, Jaltcnliorft lZirbartb) 13 Uhr. Start VUIow- ftrofic 53.— 2. Abt.: Stumcntal,« Uhr, Sohrnflicft 13 Uhr. Start Dirffenbach. ftroSf 36.—». Abt.! fflorinfff. 13 Uhr Start Landsbrrqcr Plah.— 6. Abt.: MUHIenb-ckrr®»f, 7 Uhr Start flopritfioacnct Str. 17.—». Abt.: Buckawrr Scr, 5 Uhr. Rahmast« 13 Uhr. Start Itlflftr.«3.— II. Abt.: Ziel am Start, 7 Uhr Petcroburdtr Str. 5.— Rcnnsahrerabtriluna Mittr: Vezirksnirister. schatten Uber 50«ilometee, Start 5 Uhr Nümastar.— Abt.«harlottrnbvra: Große» IZenster, 7 Uhr Start Wilmeroborser G-te flanaMragc.— Abt. Treptow- «aumlchple»»»«! Ullelsee, 6 Uhr Start Bahnhof Bauinschulenwtg.— Abt. VbeelchZpeweid«! Zeesener See. Start« Uhr.— Abt. Rrinickrnbors: Tielfrnste. 6 Uhr Start Provinzstrage 123.— Sporlletdemonstration: In Wtihenset am Sonnabend, dem 31. Mai. Abt. Weiheasee-Krinerodoes: Start 17.30 Uhr Prenalauer Allee Mt®uftoo.91boIf-Sttaftc.—». Abt.: Start 17 Uhr Rautner Plah.— Abt. aharlottenburq: Start 17 Uhr Wilmtrsdorser Ecke«analftraßt. »erlo««l»>»sr». 1. Abt: 3. Juni, Rilktrt. Steinmehstr. 36a.— 2. Abt.: 4. Juni, fiorf, Schbnleinftr. 3.— C. Abt.: 4. Juni, Strauobtraer Str. 3.— 6. Abt.: ö. Juni, Zelt, goprnhaatner Str. 17.— 6. Abt.: 4. Juni, Schreiber, Triflstr. 63.— 1«. Abt.: 5. Juni, Wiuschuil. Ptteroburaer Str. Ä.— Abt. äharlottexbue«: 4. Juni. Reimer, Wilmtrsdorser Str. 21— Abt. RtuISlln: 8. Jnni. Lokal ,um Borchel. ochsen.«aiser-tzriedrlch-Str. 171,— Abt. Weiheeisee-Peineeobors: 6. Juni, Raael, Lothringer Str. 35.— Abt. Slelntifenborf; 3. Juni, Neumann, Provinz. strafte 1«, ATtSP.>R«»IöII».P»ift. Somitaa, den 1. Juni. Iunftmiidchen und ilrauen aller Abteilunaen treffen sich zur Teilnahme an der Ikrauenkundgebuna Sonntag, 12.45 Uhr, Bahnhos Neukölln. T»rn»»uq nicht veratssen Arbeitersport und»brperpsleg«,~' lalieoer Der atforbert, am Sonntaa, dem I. Juni, an der Schluftkundgebuna der Inter Kartell fllr Arbeitersport und Alrperpsleg«, Berlin C. V. Achtuno! Sportlerinnen! All««eiblichen Mitalteder der llartellvereine werden ausnationalen szrauenwrrbrwoche» teilzunehmen. Siimiliche Teiinehmerinnen trefirn sich um 14 Uhr auf dem Sportplah„Einsame Pappel", Eantianstrafte, an der Schönhauser Allee. Dort ist Unikletdemöalichkrit. Dann zum Demo». strationsziia antreten. Abmarsch mit Mustk um 14.30 Uhr in Sportkleidung. Niemand darf kehlen!. Freie Sport- und SchLhen-Peeeinlaung. Abt. Mittr, Schöneberg. Steglift- LIchterkelde. Freitag, 20 Uhr, Sonntag, 0 Uhr, aus dem Sportplaft des NflS,- Groft-Bcrlin am Uppstallweg in Friedeichsfelde Bogen- und kleinkaliberschiefte». Gäste willkommen, FTGB.-Frauen treffen sich zum Internationalen Froiientaa am 1. Juni um 13 Uhr auf dem Spartplah an der Schönhauser Allee. Mitteilungsblatt am Freitag von der Mefchästsstelle abholen. Die Be,trkssrauent»rnwarl>nnln der FTGB. treklen stch Sonnabend. 19 Uhr, in der Schule Siraftmannstr. 6 I Lehrabend fllr die SonderauffUhrunq. Zoueistenoeeein„Di« Naturfreunde", Zentral« Wien. Freitag. 30. Mai, Zugeadaeuppr lr. C7, Bunter 20 Uhr. Abt. Eharlottenburg: Spreestr. 30, Ehe und Recht, chumbolbt: Abendspaziergang.— Fallbuotadteiluaa: Brifter Str. Abend.— Abt. Treptow: Elsenstr. 3. Die Frau im Beeusslebe».— Abt. Brlh: Chauffeestr. 43, Flachs?— Abt. Sildost: Beiher Str. 27, Bau- und Wohnkultur (Lichtbilder).- Photoaemeinschalt, Abt. vltrn: Frandfutler Allee 307(Friedeich, Ebeet-Saal). Das Geibfitter.- Montag. 2. Juni. 20 Uhr. Pbatogeweiaschast: Johaniiisstr. 15. Photogra�hische Ferlenersahrunge».— M«lgemri»sch«ft: Wrangelftr. 138, Porträt. Die 1. Fuhballmaunschaft der FT. Schönow sucht sllr Heu 1. Juni im Rahmen de» Kartellsportfestc» im Stadion Weiftensee einen Gegner. EU- angebote telephonisch am Freitag, ab 20 Uhr, unter Buch 8360(Lokal Roft). LOESER WOLFE ZENTRÄLE:BERLINW35 POTSDAMER. STR. 24-2 5 Von Tag zu Tag wachst der Kreis der 1KD Raucher Idl schlafe alles Eine Spuzenleutung In der 13-Pf.- Preisklasse l®.W-Zigarillos von 5 Pf. bis 12 Pf. No.& fs Ff. 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