BERLIN Montag 2. Zun, ISZ0 erscheiottSglich«ujer Ginntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bezugsprei« beide Ausgaben 8S Pf. pro Woche, Z.soM. pro Monat. Nedaktion und Expedition; Berlin SW es, Lindenstr.s 10 Pt Nr. 253 B 126 47. Jahrgang ff»nzeigenprei«: Die einspaltige Vonpareillczeile so Pf., lXeklameieile s M. Ermäßigungen»ach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. S7SZe. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 2ikk Aussperrung in Mansfeld. Die Arbeiter weisen geschlossen das Lohnsenkungsdiktat ab! Maitsfeld, 2. Juni. (Von unserem Sonderberichterstatter.) Tie Direktion der Mansfeld A.G. wird heute eine große Enttäuschung erlebt haben. Sie hat bestimmt da- mit gerechnet, daß, wenn auch nicht die Mehrheit, so doch ein erheblicher Teil der Belegschaft sich ihrem Lohn- diktat fügen würde. tKanz besonders wurde auf die �Wirtschaftsfriedlichen" und die Stahlhclmer gerechnet. Die Hoffnungen der Verwaltung der Mansfeld A.G. habe« sich nicht erfüllt. Von der Gesamtbelegschaft von über 14 vvv Mann sind heute rund SS P ro z. der Arbeit ferngeblieben. Die Stimmung unter den Ausgesperrten ist ausgezeichnet. Bon den 5 Proz., die heute noch zur Arbeit gingen, dürfte morgen der größte Teil sich den Ausgesperrten gleichfalls anschließen. Die Zugangsstraßen zu den Hütten und Schächten waren heute früh von Berbandsfunktionären dicht be- seht. Zu Störunge« ist es demzufolge nur an einer Stelle gekommen, wo kommunistische Jrauen die Scheiben eines Zechenautobusses einwarfen. Die Polizei und Landjägerei verhielt sich sehr zurückhaltend. Nach den bis seht vorliegenden Meldungen von den bekanntesten Hütten und Schächten hat die Aussperrung folgenden Umfang: Im Wolfsschacht arbeiten von insgesamt 4100 Arbeitern und Grubenbeamten 140, im Vitzthum schacht von 3000 nur 20, dem Klo» thildenschacht 130 von 1100, der Krughütte 10 von 700, Posch Hütte 7 von 700, Hohenthalhütte 28 von 280, Messingwerk 30 von 1300, Saiger» Hütte 3 von 230, Bessemerei lO von 130, Blei» Hütte 12 von 320, Silberhütte 27 von 330, Kupferhütte 13 von 218. Die Arbeiterschaft der Mansfeld A.G. ist nicht ge» willt, für die verfehlten Spekulationen der Verwaltung ihre sauer verdienten Groschen zu opfern. Die Gewerkschaften führen. Kommunistische Quertreibereien. Eisleben, 2. Juni.(Eigenbericht.) Am Sonntag fanden im gesamten Mansfeldcr Revier 38 von den Gewerkschaften einberufen« öffentlich« Versamm- lungen statt, die sehr stark besucht waren und mit Ausnahme einer einzigen ruhig verliefen. Die Stimmung war überall vor- züglich. Es wurde das Gelöbnis abgelegt, nur den Parolen der Gewerkschaften zu folgen. Nur in Eisleben, dem Sitz der Mansfeld A.-G., gelang es den Kommunisten, die Versammlung zu sprengen. Unter Aufgebot eines großen Trupps von Erwerbslosen und von auswärts heran- gezogenen Elementen hatten sie schon vorzeitig den großen Volks- Haussaal besetzt und die Rednertribüne umlagert. Als der Ver- fammlungsleiter die Versammlung eröffnet« und dem Redner das Wort erteilen wollt«, verhinderten die Kommunisten das mit Hilfe ihres Anhangs, so daß die Versammlung nicht durchgeführt werden konnte. Für die kommenden Versammlungen ist Vorsorge getroffen, daß derartige Methoden, wie sie die Kommunisten in Eisleben oersuchten, keinen Erfolg mehr haben. Die Ausrede für die Stillegung. halle, 2. Zun!. von der Mansfeld 2l.-G. für Bergbau und hüttenbelrieb wird mitgeleilt. daß die heute früh bei sämtlichen Gruben und Hütten erschienenen Arbeitswilligen an der Ausnahme der Arbeit gehindert worden seien. Da unter diesen Umständen ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb der Schächte und Hütten unmöglich sei. habe sich die wertsleitung im Sinne ihrer Bekanntmachung vom 23. Mai d. I. entschlossen, die sämtlichen mit dem Supserbergbau zusammen- hängenden Betriebe mit sofortiger Wirkung stillzu- legen. * Die Stillegungsaktion war beabsichtigt. Die Begründung, die fetzt gegeben wird, ist eine gröblich« Verleumdung der Arbeiterschaft und«n« Irreführung der Oeffcntlichkeit, sie soll den Eindruck der Geschlossenheit der Arbeiterschaft verwischen. internationaler Frauentag in Berlin 3m Xreig: Geitosrin Qatniele 3>rofl(Wien) spritbi Busch gestorben. Ltntersuchung gegen die Schieber geht weiier. Stadtrat Busch, der schwerkorrumpierte ehemalige Grnndstücksdezernent der Stadt Berlin, jahrelang Pro- minenter Vertreter der Wirtschaftspartei» ist gester« im Alter von 03 Jahren der Berliner Oeffent- lichkeit unerwartet im Moabiter Krankenhaus seinem schweren Nierenleiden erlegen. » Als die ersten Versehlungen des ehemaligen Stadtrats aufge- deckt wurden, und gleich darauf die Nachricht kam, daß der Be- schuldigte schwer erkrankt und vernehmungsunfähig sei, entstand bei vielen der Perdacht, daß es sich bei diesem Manne, der die Oeffentlichkeit jahrelang über seinen wahren Charakter. zu täuschen verstanden hatte, um eine„bestellte Krankheit" handle. Der schnelle Verfäll Büschs zeigte jedoch bald, daß fein Wir wachsen! Wieder mehr als zehntausend Mitglieder gewonnen. Die Aufwärtsentwicklung der Sozial- demokratischen Partei hielt trotz der großen Arbeitslosigkeit auch im ersten Quartal dieses Jahres in erfreulicher Weise an. In der Werbewoche des ver- gnngenen Jahres war die Mitgliedcrzahl auf über eine Million gestiegen. Im ersten Quartal 1030 gewann die Sozialdemokratie weitere 10 342 Mitglieder; sie zählte am 31. März 1032 110 organisierte Männer und Frauen. Berlin hat an dieser Aufwärtsentwick- lung mit 2433 Zunahmen den stärksten Anteil. Der Sozialdemokratie gehören z. Zt. an 811 108 männliche und 221011 weibliche Mitglieder. Die räumlich« Ausbreitung der Partei zeigt sich auch in der steten Zunahme der Qrtsvereine, deren Zahl um 1 02 stieg und damit insgesamt 0730 am Quartalsschluß betrug. Die rege Agitation in de» stattfindenden Frauen- Werbewochen läßt für die Zukunft insbesondere einen erheblichen Zuwachs an weiblichen Mitgliedern er- warten. Zustand tatsächlich sehr bedenklich war und zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß gab. Die Untersuchung gegen Busch hatte gerade in letzter Zeit so erdrückendes belastendes Material ergeben, daß alle seine Entkräftigungsversuche in sich zusammenbrachen. Dem Urteil seiner Richter ist der Angeklagte nun durch seinen Tod entgangen. In der Oeffentlichkeit aber war er bereits ge- richtet, als der Antreiber einer Schiebergefellschaft, die die Stadt Berlin im Verlcüfe mehrerer Jahre um Millionen geschädigt hat. Busch verstand seine Sache. Seine Bodenvorratswirt- fchoft ist grundsätzlich von der Sozialdemokratie als die notwendig« Politik einer aufstrebenden Weltftandt gebilligt worden, rücksichtslos aber und mit. aller.Schärfe haben die Sozial- demokraten von Anfang an feine. von Profitgier diktierten dunklen Machinationen bekämpft und aufzudecken versucht. Bereits im Jahre 1328 erklärte die Sozialdemokratische Frakiion im Ralhausc, daß sie es ablehnen müsse, mik einem Wanne zu arbeiten, aus den der Vorwurf schwerster Korruption laste. Immer wieder forderte die Fraktion seinen Rücktritt. Leider immer wieder erfolglos, nicht zuletzt, weil auch Oberbürgcr- meister B ö ß feinen Grnndstllchsdezernenten allzu duldsam und nachsichtig gegenüberstand. Der ljauplschuldige der Berliner Korruptionsaffäre ist nicht mehr. Die Untersuchung der dunklen Geschäfte wird zweifellos durch das Ableben Büschs noch schwieriger werden als sie bisher schon war. Unter keinen Umständen aber darf der Tod Büschs dazu führen, daß all die vielen großen und kleinen Schieber nun erleichtert ausatmen können, weil sie hoffep, ihrer Strafe zu ent- gehen. D i e U n terfuchung muß mit aller Schärfe und Gewissenhaftigkeit weitergeführt werden! WannendeidasLübeckerKindersterben? Bis jetzt vierufldzwanzig Opfer des Satmette-Berfahrens. Lübeck. 2. Juni. Zn der Zeit von Sonnabend bis heule starben zwei weitere Säuglinge an den Folgen des E a l m e l l e- Verfahrens. Die Zahl der Todesopfer ist damit auf 24 gestiegen. Erkrankt find zur Zeil 104 Kinder, gebessert 37 Säuglinge. Sonntagsreden. Lohnabbau als Ttotopfer.— Hilgenbergs Kolumbusei. W«nn R«dcn das Defizit der Reichsfinonzen decken und der Wirtschaft auf die Beine helfen könnten, so würde das Reich in Geld schwimmen und die Arbeitsämter würden leer fein! Gestern sind wieder an allen Ecken und Enden des Reiches Sonntagsreden gehalten worden— cherr Scholz sprach in Münster, Herr Moldenhauer in Breslau, Herr Hugenberg in Hall«, Herr Dberfohren in Dortmund, und in Stettin und Breslau traten Stahlhelmredner Halbdutzendweise auf. Herr Scholz sprach auf einem Wahlkreisparteitag der Deutschen Volkspartei. Er fang das Lied vom Lohnabbau— nicht so brutal wie sein Parteifreund Schmid, der von der Rot- wendigkeit eines brutalen Angriffs auf den Lebens- st an da rd gesprochen hatte, aber dennoch deutlich genug. Herr Scholz hat für die Unternehmerforderung einem neuen Namen gefunden: Lohnabbau ist Notopfer! Also sprach er: „Es fei falsch, das sogenannte Notopfer auf Beamte und Feftbesoldete zu beschränken. Ein solches«inseitiges Nowpfer sei mit Entschiedenheit abzulehnen. Mit gewissen Zwangs- mahnahmen für ein« Preissenkung lieh« sich viel- leicht ein Notopfer erreichen, das olle Schichten der Be- oölterung umfasse. Auch die Beamtenschaft würde sich wohl bereitfinden, mit den anderen Volksgenossen zusammen ein solches Notopfer in Gestalt gekürzter Löhne und Gehälter zu bringen.� Man beachte die wirkungsvolle Vorbereitung der Pointe. Einseitiges Notopfer für Festbesoldete ist falsch. Hier rust jeder: ganz richtig! Ein Notopfer muh all« Leistungsfähigen er- Eisenbahnkatastrophe in Krankreich. 8 Tote— 25 Schwerverletzte. Es ist erreicht! fassen, nicht nur hen Briefträger, sondern auch den Bank- direktor und den Großindustriellen! Aber so war es nicht gemeint! Herr Scholz will ja überhaupt kein Steuer- notopfer! Was will er denn? Preissenkung, sogar mit Zwangsmaßnahmen. Also verschärftes Kartellgesetz, Druck auf das Unternehmertum, Notopfer des Besitzes in Gestalt von Preissenkung? Äber nein doch, Herr Scholz ist Volks pari eiler, und wenn er Notopfer sagt, dann meint er, daß die opfern sollen, die selber Not leiden! Denn nicht wahr: wenn ein Reicher vom Reichtum abgibt, ist es doch kein Opfer! Der.chvutole Angriff auf den Lebensstandard" des Herrn Staatssekretärs Schmid und das Notopfer des Herrn Scholz— das ist die Sozialethik der Deutschen Dolkspartei. Herr Scholz hat ferner über das Scheitern der VerHand- lungen über die Sammlung der Mitte gesprochen. Daran interessiert nur der betonte Hinweis, daß Reichskanzler Brüning diese Sammlung gewollt habe. Womit festgestellt ist, daß auch auf diesem Gebiete die Pläne Brünings gescheitert sind— die Sammlungspläne wie die Ze r s chl a g u n g s p t ä n e. Die ganz große Zer- schlagung der Hugenberg-Partei ist noch nicht gelungen, und so konnte Herr Oberfohren, der Vorsitzende der deutschnationalen Reichstagsfraktion, in einer Red« folgendermaßen Bedingungen formulieren: Gegenüber dem Vorwurf, daß die Deutschnationale Volkspartei krasse Oppositionspolitik treibe, erklärte er, daß die Partei eine verantwortliche Teilnahme an der Regierungsbildung erstrebe, jedoch nur unter der Be- dingung, daß die Parteien, die dem Uoung-Plan zu- st i m m t e n, in einer zukünftigen deutschen Regierung keine überragende Stellung mehr einnehmen dürften. Der Landesparteitag der Deutschnationalen für W e st f a l e n- S ü d nahm nach dieser Rede eine Entschließung an, in der es heißt: � „Der Parteitag bekennt sich mit größter Nachdrücklichkeit zu der Auffassung, daß nur durch rücksichtslosen Kampf gegen das bestehende parlamentarische Regierungssystem und durch Niederwerfung des Marxismus die Freiheit nach innen und außen wieder erworben werden kann." Von dort ist für„staatsbürgerliche" Sammlung nichts zu holen! Herr Hugenberg endlich hat das Ei des Kolumbus entdeckt,. die Zahtung d�r Reparationsveroflichtungen durch die anderen. Deutschland kann nichr zahlen— also müssen zu Sl) Prozent die ander«» zahlen. Wie macht man das? Ztua. ganz einfach: „Wer immer von dem Raum« Mitteleuropas— das ist, so- 1*06 wir ihn nicht erweitern, der deutsche Raum— Gebrauch . von jowem Muckte, von seiner Derkchrsloge, von Paris, 1. Juni. 3n der vergangene» Nacht um 22,30 Uhr ereignete sich wenige hundert Meter vor dem Bahnhos des etwa 100 Kilometer von Paris entfernten kleinen Städtchens 3R o n t e r a u ein schweres Eisen- bahnunglück. Der Schnellzug Paris— Marseille fuhr aus einen aus bisher noch ungeklärte weise aus dem Gleis flehenden kleinen Materialwagen auf. Die Lokomotive e n t g l e i st e und legte sich auf die Seile. Die ersten drei wagen, die ausschließlich t. und 2. Klasse führen, schoben sich ineinander. AusdenTrümmern wurden 8 Tote unke 25 Schwerverletzte geborgen. Der Heizer und der Lokomotivführer wurden schwerverletzt. Im ersten Wagen befand sich eil« fünfköpfige Familie. Der Mann, die Frau und die beiden 15 und S Jahre alten Söhne wurden getötet, die ISjährige Tochter schwerverletzt. Aus dem zweiten und dritten Wagen zog man lxoch drei Tote hervor. Ein vierter Toter konnte bisher noch nicht identifiziert werden. Obfchon zahlreiches Hilfspersonal sofort zur Stelle war, vergingen Stunden, bis die Toten und die Verletzten aus den zertrümmerten Wagen geborgen werden konnten. Ein schwerverletztes junges Mädchen hielt vier Stunden lang seinen tote« Bruder im Arm. Das Mädchen konnte sich nicht rühren und mußte unausgesetzt dos furchtbar verstümmelte Gesicht seines toten Bruders anstarren. Die Untersuchung des Eisenbahnunglücks hat mit einiger Be- stimmtheil ergeben, daß es sich um ein Attcnlat handelt.(?) Wie oerlautet, hatte Ministerpräsident T a r d i c u die Absicht, diesen Zug zu benutzen. Er fuhr dann aber mit einem Sonderzug und entging so dem Verhängnis. Der Materialwagen, auf den der Zug ausfuhr, hatte nämlich 20 Minuten vor Passieren des Schnellzugs noch nicht auf dem Gleis gestanden, da um dies« Zeit ein Schnell- Zug die Stelle passierte. Um 22,30 Uhr fuhr dann der Marseiller Schnellzug aus dos Hindernis auf. Innerhalb dieser 20 Minuten muß der kleine Wagen auf die Schienen gestellt worden sein. Die Polizei hat bereits gewisse Spuren von den Attentätern gefunden. Sie hofft, binnen kurzem die Täter oerhasten zu können. Eisenbahnunglück in Oarmstadt.—14 Verletzte. Darmstadt. 1. Juni. Am Sonntag vormittag wollte im hiesigen Hauptbohnhof ein« Rangierabterlung von dem im Bahnsteig hallenden Personenzug Wiesboden— Afchaffenburg einige leere Wagen abziehen. Dabei rannte die Lokomotive auf den Personenzug zu stark auf, so daß 14 Reisende der vorderen Abteile verletzt wurden. All« Verletzten konnten ihre Reife fortsetzen. Der Sachschaden ist nur gering. Zu Betriebsstörungen kam es nicht. Frauenmord amGtettinerBahnhof Bierzehn Tage M in der Wohnung gelegen Ein mutmaßlicher Frauenmord in der Bergstraße in der Nähe des Stettiner Bahnhofs beschäftigt zur Zeit die Mord- kommifsion des Berliner Polizeipräsidiums. Am Sonntag mittag wurden Bewohner des Hauses Bergstr. 15 durch starken Verwesungsgeruch auf die Wohnung der 68jährigen Witwe Franziska Baumert aufmerksam. Die alte Frau hatte vor einem Vierteljahr ihren Mann durch den Tod ver- loren und lebte seitdem allein in der aus Stube, Korridor und Küche bestehenden Wohnimg im zweiten Stock des Quergebäudes. Der Geruch war den Hausbewohnern um so auffälliger, als sie Frau B. seit 14 Tagen nicht mehr gesehen hotten. Rur einmal, am 1. Mai, wollten Leute aus der Wohnung«in Stöhnen ge- hört haben, man hatte aber nicht weiter darauf geachtet. Polizei- beomt« hes 5. Reviers verschafften sich Zutritt und nach dem ersten Befund wurde die M o r d k o m m i s s i o n des Polizeipräsidiums in Kenntnis gesetzt. Kriminalkommissar Werneburg und O u o o s sowie der Gerichtsorzt Dr. W ei mann, die in der Wohnung er- schienen, nahmen ein« Besichtigung der Räume vor. In einer Eck« .in der Küche log völlig angekleidet Frau Baumert tot da. Zu ihren Füßen fand man ein Beil und etwas weiter entfernt ein« Geldbörse, aus der«in Groschen herausgefallen war. Auf dem Korridor zwischen der Stube und der Küche lagen außerdem die Scherben eines Weinglases. Nach dem Zustand,'in dem die Leiche sich befand, konnten äußere Verletzungen, etwa von Beil- hieben, nicht mehr festgestellt werden. Das Beil scheint auch zu einem etwaigen Totschlage nicht benutzt worden zu sein, denn es befand sich daran kein Blut. Irgendwelche Anzeichen für einen Kampf wurden in der ärmlichen und vernachlässigten Wohnung nicht gesunden. Ob in der Tat Frau Baumert das Opfer eines Verbrechens geworden ist, läßt sich daher noch nicht jagen. Nach den Bekundungen der Hausbewohner betrieb der Ehemann einen kleinen Handel mit Kurzwaren, der von der Witwe fortgesetzt wurde. Frau B. soll auch, wie die Leute sagen, öfter g e- trunken haben. Von Wichtigkeit ist die Aussage einer Haus- bewohnerin. Sie gab an, daß sie vor etwa acht Tagen vor der Tür der Frau Baumert eine fremde Frau habe stehen und anklopfen sehen. Auf ihr« Frag«, ob Frau B., die sie schon länger nicht gesehen hatte, denn' zu Hause sei, antwortete die Fremde, Frau B. sei da, ziehe sich aber gerode um. Diese Frau, die dort geklopft hat, kann vielleicht zur Ausklärung beitragen. Sie wird deshalb ersucht, sich im Zimmer 80 des Polizeipräsidiums zu melden. ' Die Leiche wurde beschlagnahmt. Durch Obduktion wird versucht werden, die Todesursache festzustellen. seiner Kultur—, der muß mittrage n helfen an den Lasten, die und die Welt im Bunde mit denkscher Torheit. Schwäche und Untreu« auferlegt hat. Das heißt wir müssen— neben den davon unabhängigen Zöllen eine„Rcparationsabgabe" aus alle Waren legen, die vom Auslande nach Deutschland eingehen, auch auf die Rohstoffe. Dies« Reparotionsabgabe wird, solange der Poung-Plan besteht, das Ausland zahlen. Denn es braucht unseren Markt. Es wird uns auch keine Rohstoffe sperren, weil es für alle unseren Markt braucht. Das Ausland wird uns deshalb nicht einen Zentner Ausfuhrwaren weniger abnehmen. Denn wir werden den deutschen Exporteuren auf ihren Ausfuhrmengen selbstverständlich die darin steckende Reparationsabgabe zurücker st atten. Fünfzig Prozent oder mehr von den Poung- Lasten wollen wir aus solche Weise dem Ausland auf- erlegen. Darüber, was wir mit den andere» 50 Proz. machen, wollen wir später einmal reden. Wir können nicht erfüllen. Aber vielleicht können es die anderen an unserer Statt." Es ist wirklich furchtbar einfach! Di« anderen werden sich geradezu darum reißen, uns die Reparativnsabgaben zu zahlen! Vielleicht schenken sie uns noch die anderen 50 Proz. in bar hinzu? Hugenberg irnd Scholz sind zwei Gemütsmenschen. Der «ine will die Löhne drücken, damit die Preise fallen, der andere will durch sein Reparationszollprojekt die Preise in die Höhe treiben, damit die Reallöhn« fallen. Der Weg ist ver- schieden, aber das Ziel ist das gleiche: die Arbeiterschaft soll die Lasten tragen. Herr M olde n haue r sprach in Breslau über das Ost- Programm. In Stettin und Breslau redeten Stahlhelm- sührer aller Garnituren über die Wiedereroberung des Korridors, und Herr Seldte verkündete die Hoffnung, daß das deutsche Bolk eines Tages auftpache. Bei solchen Reden muß es-auswachen, zumal wenn ihnen entsprechende Toten folgen sollten. Nur werden die Sonntags- redner an diesem Erwachen keine Freud« haben! Oer Gtahlhelmiag in Breslau. Plänkeleien mit Kommunisten. Breslau, 2. Juni.(Eigenbericht.) Im Berlauf des gestern hier abgehaltenen Stahlhelm- tages kam es wiederholt zu Reibereien zwischen Kommunisten und Stahthelmieuten. Zahlreiche Kommunisten wurden von der Polizei zwangsgestellt. In den frühen Nachmittagstunden kam es im Osten der Stadt zu einem Zusammenstoß, wobei drei Personen verletzt wurden, jedoch niemand ernstlich. Insgesamt find von der Polizei 21 Per- sonen festgenommen worden, von denen einige allerdings wieder entlassen wurden. Messerstecherei in Leipzig. Am Sonntag gegen Mitternacht kam es im Westen Leipzigs zu einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und lltationalsozialisten. Dabei wurden zwei Nationalsozialisten durch Messerstiche so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Drei Personen wurden leicht verletzt. Zeileisklage abgewiesen. Oer Kurpfuscher muß die Kosten tragen. Die 17. Zivilkammer des Landgerichts III verkündete heute früh unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor kohler die Entscheidung in der Zivilklage, die Valentin Zeileis und sein Sohn Or. med. Zeil eis gegen den BerUner Universitäts- Professor Lazarus, den schärfsten Gegner der Gallspacher Be- handlnngsmethode. angestrengt halte. Die klage wird ab- gewiesen, die kosten des Rechtsstreits werden den Klägern auferlegt. Die sehr ausführliche Urteilsbegründung leitete Land- gerichtsdirektor Dr. Kohler mit der Feststellung ein, daß die Lang- wierigkeit des Verfahrens— die Klag« war am 8. Februar 1030 beim Gericht eingegangen— dadurch bedingt gewesen sei, daß der Klageanspruch eingeschränkt und abgeändert worden sei. Die Klage stützte sich insbasonder« aus zwei Borträge von Prozessor Lazarus in der Berliner Medizinischen Geseilschast-und außerdem auf einen Rundfunkvortrag. Die Kläger sichllen sich namentlich durch dies« Borträge m ihrer Ehre �getränkt und beruslich geschädigt. Wenn auch das österreichische Strafgesetzbuch Kurpfuscherei unter Strafe stelle, so habe der Beklagte doch nicht dartu-ni können, daß die Kläger, die seit Jahren ihr Behandlungsinststut in Gallspach führten, wegen Kurpfuscherei bestraft worden seien. Di« ong-eb-liche Be- hauptung von Professor Lazarus, das Verfahren von Zeileis in Gallspach studiert zu haben, ergebe zwar keine Chrverietzung, sie sei aber geeignet, Nachteile für-den Erwerb und das Fortkommen der Kläger herbeizuführen. In der Urteilsbegründung kommt das Gericht zu dem Ergebnis, daß Professor Lazarus die hier zu unier- lassende Behauptung gar nicht aufgestellt, sondern sich daraus be- schränkt habe, unter Angabe der Quellen, aus denen er sein Wissen geschöpft habe, die Behandlungsmethoden als ihm bekannt zu be- zeichnen. Dabei habe er ausdrücklich betont, daß ihm der Zutritt zu dem Behandlungsraum in Gallspach selbst verwehrt worden sei. Was die Behauptung von Professor Lazarus angehe, daß er in den Zeileis-Jnstituten in München nach dem Zeiieis-Berfahren falsch diagnostiziert worden sei, so erweis« sich auch hier«in Unter- lassungsanfpruch der Kläger als unberechtigt. Professor Lazarus habe keineswegs gesagt, daß beide Institute Zweigstellen des Haupt- institutes in Gallspach seien, sondern er habe ausdrücklich darauf hingewiesen, daß diese Institute von Schülern Zeileis' geleitet wür- den. Damit entfalle die Legitimation der Kläger, denn Professor Lazarus �habe Zeileis mit diesen Instituten wirt- schaftl.ich nicht identifiziert. Ebensowenig wie ein Hoch- schullehrer bei falscher Anwendung seiner Lehren durch seinen Schüler gegen die Kriiiker seiner gefundenen und erprobten Grund- sätz« vorgehen könne, so könne auch Zeileis nicht ein dahingehender Anspruch zuerkannt werden. Staatsanwalt gegen Goebbels-Ltrteil. Er legt Berufung ein. Gegen das Urteil des Erweiterten Schöffengerichts Charlottenburg, das am Sonnabend den Führer der Berliner Nationalsozialisten, Dr. Goebbels, nu� zu 800 Mark Geldstrafe wegen Beleidigung des Reichspräsidenten verurteilte, hat der Ober- staatsanwalt jetzt Berufung eingelegt. Der Antrag de° Staatsanwalts lautete auf g Monate Gefängnis. pirandellos Giegreifstück. Lessing-Theaier. Pirandello, der- kleine, ausgedörrte Cizilianer mit dem weiben Ziegenbärtchen und den winzigen, blinzelnden Augen, ist der Drama. tiker des bösen Blickes- Alles, was er auf der Bühne sprechen läßt, bringt die vollkommene Enthüllung der Menfchengebrechlichkeit. Darum sind die Hauptpersonen seines Stückes willensschwach, lächec- �lich, Parasiten nach der bürgerlichen Moral, eigentlich reif für Staatsgesängnisse oder Stgatsirrenhäuser. Pirandello, Sohn eines Landes, dessen Herrscher die heroische Phrase und Haltung als Nationaldevise formuliert, liebt diesen ironischen Pessimismus. Er stammt, wenn auch nicht in ganz gerader Linie, von seinen geistigen Bätern Tolstoj und Strindberg her, die das gesellschaftsfeindliche Heilanftaltsindividuum zum psychologischen Spezialstudium machten. So stark wirkte Tolstoj auf Pirandello ein, daß der Italiener von ihm eine ganze Szene entlehnte. Es ist jener Auftritt seines Steg- reiffpiejs, der die entsetzliche Entfremdung des Familienvaters vom eigenen Fleisch und Blut entlarvt, jener Auftritt, in dem sich offen- bart, daß der Vater verurtellt ist, unter den Geschöpfen, die er selbst zeugte, als ein„lebender Leichnam" umherzuschwanken. Aus dieser besonderen Moral leitet dann Pirandello seine be- sondere Dramatik her. Die Künstler auf der Bühne, die bisher absolute Nachahmer gewöhnlicher Wirklichkeit sein sollten, fallen jeden Augenblick aus der Roll«. Sie dürfen nicht mehr zwischen Phantast« und Erdenexsstenz, zwischen Gespenst und Gestalt unter- scheiden. Sie haben, wie das Ungeheuer Ianus, zwei Köpfe. Mit dem einen Augenpaar sehen ste ins Jenseits, mit dem anderen ins Diesseits. Sie haben auch zwei Herzen. Mit dem einen fühlen ste die Last ihres sozialen Daseins und die Zusammengehörigkeit mit dem miserablen Alltag, mit dem anderen die Todesfurcht und de» Drang, in eine neue, bessere Welt des nicht mehr Materiellen hin- überzufchweben. Dieses Spiel, das Schein und Leben und Sehnsucht und Sein durcheinanderwirst, nennt Pirandello Stegreifspiel. Es ist seine eigentlich« Erfindung und hat im übrigen gar nichts zu tun mit der Hanswurstkomödie, ait die man sich sonst bei diesem Wort erinnert. Es ist ein gefährliches Spiel, das dem Zuschauer die Gedanken verdreht. Di« Schauspieler, die geschminkt und kostümiert hinter der Rampe und unter dem Rundhorizont stehen, blenden das unbestcch- lich« Auge durch ihre Massigkeit und Munterkeit, und nun sollen wir plötzlich annehmen, daß sich unter Schminke und Kostüm noch ein ganz anderes, ganz untheotrotisches, vom Dichter unabhängiges Geschöpf verbirgt: neben dem erfundenen Phantom des Stückes ein Stück Mensch, das unerwartet von der Straß« auf die Bühne springt, um von seinen Sorgen und Freuden zu erzählen. Die auf der Bühne hergesagten Gedanken und Gesühle sollen«inen Doppel- sinn haben, bald den gehörten, bald den übersinnlichen, der nicht ausgesprochen wird. Das Mühlrad im Gehirn des Zuschauers und Zuhörers dreht sich wild. Trotzdem ist Pirandellos T>atik wichtig zu nehmen. Er be- greift die Abgedroschenheit des.!> Theaterrummels. Er will das alte Theaterwarenhaus in«im Schule sür bessere Geister ver- wandeln. Ob er es kann? Das neue Stegreisspiel ist genaue Kopie seiner älteren. Der Verfasser dichtet schon nach der Schablone. Und sein Thema war eigentlich stets unerhebliche Kolportage. Er nimmt, was er gern auch sonst tut, einen oerbummelten Familienvater unter die Lupe. Der Mann vergeudet Geld und Ehrgefühl bei einer Kabarettchansonett«. So jagt er seine Frau in die Vergangenheit, drei Töchter in die Prostitution und die viert« in die Ehe mit einem brutalen Egoisten und schließlich zur Verrücktheit. All das Unglück häuft sich in einem sizilianischen Krähwinkel zusammen. Es be- ginnt das Rasseln jenes Rede- und Räderwerks, das die Relativität von Sein und Schein beweisen soll. Man protestierte, weil der sinnlich faßbare Sinn dürstig und langweilig war, und well der Dichter den ins Uebersinnliche entgleitenden Schein weder der Phan- tasie der Harmlosen, noch der Behendigkeit der Raffinierten ein- hämmern konnte. Pirandellos Theorie bleibt trotzdem interessant. Die Anwendung auf die Praxis war allerdings ein Experiment, das mit Recht und mit Glanz und mit Skandal durchfiel. Es wäre weniger durchgefallen, wenn der Regisseur Härtung die Häflte gestrichen und so nach dem interessanten Ansang die unendlich« Langeweile verkürzt hätte. Hermann V a l l e n t i n spielt den verzwelfelten Theaterdirektor als einen wlSgewordenen Regiejobber. Frau Mangel gibt die verlassene Frau und Mutter als«in rührendes, korpulentes Stück Unglück. Frau Lennartz, von den unzufriedenen Besitzern der Galaplätze unbändig angepöbelt, bezwang schließlich doch ihre Rolle, die Rolle der getretenen, dem Wahnsinn zugetriebenen Gattin. Ihr Talent und ihre Ausdauer seien gepriesen. Soviel Schlichtheit, Melancholie und Anmut sind kostbar und selten.' Lupu Pick, Spieler des„lebenden Leichnams", ist ein Charakteristiker, der ohne Auffälligkeit und deshalb mit schr seiner Kunstkomik und Tragi- komik dosiert._ Max Hochdorf. „Mein Veiier Eduard." Theater in der Behrenstraße. Die Gartenbühne— sozusagen— ist eröffnet. Unter weit- herzigein Verzicht auf literarische Ansprüche verfolgt es gradlinig das Ziel, sein Publikum, koste es, was es wolle, zum Lachen zu bringen. Die Ausgabe erfüllt es restlos. Als Verfasser des Schwanks „Mein Vetter Eduard" zeichnet Fred Robs. Hinter diesem Pseudonym oerbergen sich zwei Theaterroutiniers Fritz Friedmann Frederich und Ralph Arthur Roberts. Sie wollen ausprobieren, ob der Erfolg, den das Stück vor sechs Iahren in Berlin gehabt hat, auch heute noch anhält. Aus verwickelten Lustspielgründen muß sich der junge Eduard für einen alten, steinreichen Onkel aus Amerika ausgeben.'Dabei stellt sich zu seinem Entsetzen heraus, daß er die Maske völlig verkehrt gewählt hat. Schnell gefaßt ver- schwindet er und bringt eine zweite oerbesserte Auflage des Onkels heraus. In, Verlaus des Schwanks hat er die drei Rollen durch- einander zu spielen. So entsteht ein toller Wirbel von Berlegen- heiten und Verwirrungen, die keine Spur von Wahrscheinlichkeit besitzen, aber ihre Wirkung auf die Lachmuskeln der Zuschauer mit Sicherheit ausüben. Roberts bewährt sich hier als flinker Ver- Wandlungskünstler. Als grämlicher Greis geht er durch eine Tür hinaus und kommt zur anderen Tür als junger Lebemomr wieder herein. Dabei zeigen sich seine mimischen Künste in bestem Licht. Gang und Haltung seines Amerikaners sind urkomisch. Und wenn er dann noch englisch sprechen soll, und kein Wort kann, so brüllt das Publikum.' Ozi-, Forifchritie der Liste Gchulaufbau. Ergebnisse der Elternbeiratswohl. 2lm gestrigen Sonntag fanden in Berlin die Elternbeiratswahleu statt. Die Wahlbeteiligung war stellemoeise nur gering. IS bis 20 Proz., durchschnittlich etwa 34 Proz. der Wähler übten ihre Pflicht. An einigen weltlichen Schulen stieg die Beteiligung bis 70 Proz. Der von den Chriftlich-Unpolitischen erhofft« Rückgang der marxisti- schen Stimmen, wie der„Montag" schveibt, ist nicht ein- getreten. Die Liste Schulausbau hat nach den vorliegenden Meldungen keinen Rückgang erfahren, sondern gute Fortschritte gemacht. Gerade in den Bezirken Wedding, Lichtenberg, Neukölln hat die Liste Schulaufbau an christlichen Schulen stärker als 1928 Fuß gefaßt. Bis 10 Uhr abends lagen in der Zentral- stelle folgende Meldungen von Volksschulen und 23 höheren Schulen vor. Liste Schulausbau............ 1053 Sitze Kommunistische Liste„Proletarischer Schulkampf". 316„ Sonstige Listen............. 274„ Christlich-Unpolitische........... 1841„ Istfolge Unkentms des Verrechnungsverfahrens sind zu un- gunsten unserer Liste, wie die Zentralstelle viefach feststellte, vielfach unrichtig« Berechnungen erfolgt. Es empfiehlt, stch Ein- sicht in die Listen zu verschaffen und Stichprvben zu machen. Opfer der Autoraserei. Berliner Ehepaar bei einem Zusammenstoß getötet. Bor den Toren Bertins, in der Ortschaft Elsholz bei Bee- litz, ereignete stch am Soimtog abend ein entsetzliches Motor- radunglück, dos zwei Todesopfer forderte. Zwei weitere Personen wurden lebensgefährlich verletzt. Bei den tödlich Verunglückten handelt es sich um ein Ber. liner Ehepaar, das sich nach einem Ausflug wieder auf dem Heimweg befand. Bei dem Dorf Elsholz wollten die Eheleute in sausender Fahrt ein Privatauto überholen. Im gleichen Augenblick fuhr aus entgegengesetzter Richtung ebenfalls ein mit zwei Personen besetztes Motorrad heran. Beide Räder stießen mit ungeheurer Wucht zusammen und wurden völlig zertrümmert. Der Zusammenprall war so furchtbar, daß die beiden Berliner, deren Namen noch nicht bekannt sind, auf der Stelle getötet wurden. Die Leichen wurden in die Beelitzer Halle übergesührt.— Der Führer des anderen Motorrades und seine Begleiterin erlitten ebenfalls schwere Verletzun- gen, sie fanden im Krciskrankenhaus Aufnahme. Nie Tagung der presse. Um die Errichtung von Pressekammern. München, L Juni. Im Mittelpunkt der Verhandlungen des Reichsoerbandes der Deutschen Presse stand am Sonntag die Frage der Errichtung von P r e j s e k a m m e r n. Staatsrat Dr. Meyer, der zu dieser Frage das Referat hielt, forderte eine gesetzliche Anercken- n u n g der öffentlichen Funktion der Press« und im Zusammenhang damit eine Sicherstellung der Schrfftleitung und die Anerkennung ihrer Tätigkett durch eine öffentlich-rechtliche Berufs- Vertretung. Die Frag«, ob Pressekammern heute bereits notwendig feien, müßte im Interesse des Staates und der Presse ganz entschieden bejaht werden. Die Pressekammern seien sowohl aus staats- und pressepolittschen Gründen wie auch aus Prestigegründen für die Press« nicht zu entbehren. Die Tätigkeit der Preflekmnmern sei in der Hauptsache auf Verwoltungstätigkeit, sowie aus die schieds« gerichtlich« und ehrengerichtlich« Arbeit abzustellen. Ferner regte der Referent die Schaffung einer Standesbe Hörde zur Wahrung der Standesintereffen der Presse an. Dies« Behörde müsse die Befugnis erhalten, als schärfst« Strafe die vorübergehende oder dauernde Unwürdi gleit zur Ausübung des Berufes als Schriftleiter erklären zu können. Das Iournalfftengefetz müsse so geregelt werden, daß ein vertrauensvolles Zusammenarbeiten zwischen Verleger und Schriftleiter ermöglicht wird. Nach einer«ingehenden Aussprache beschloß die Versoinmkmg, die Redakteurmitglieder der Reichsarbeitsgemeinschaft zu beauftragen, gemeinsam. mit den Berlegermitgliedern zu beraten, ob nicht durch Errichtung von Preffekammern vorhandene Mißstände am wirksamsten bekämpft werden könnten. Die Hauptversammlung 1931 wird auf Einladung des Oester- reichlichen Verbandes in Wien stattfinden. Für 1932 ist Frankfurt am Main in Aussicht genommen, das in diesem Jahr die Hundert- jahrfeier des Todestages von Goethe begehen wird. Der getaufte Abgeordnete. Die Untersuchung gegen Aientimp im Gange. Lochum. 2. Juni.(Eigenbericht.) Der in«inen Korrupttonsskandal verwickelte Reichstogsabge- ordnet« Nientimp-Bochum hat nach einer Mitteilung der Zentrumspartei den Borsitz der Bochumer Ortsgruppe des Zen- trums und fein StadtverovdnetemnaNdat niedergelegt. Dieser Verzicht auf das Stadtverordnetenmandat erfordert die Neuwahl des Stadtoerordneteiworstehers, der Nientimp bisher war. Aus das Reichstagsmandat hat Rientimp bisher noch nicht ver- z i ch t e t. Ein Beauftragter der Zentrmnsfraktion des Reichstages befindet sich jedoch gegenwärtig in Wörrishafen, wo sich Nientimp zur Zeit aushält, um mit ihm die Angelegenheit zu klären Der Aufmarsch zur Gachsenwahl. Die Kandidaten der Sozialdemokratie. Dresden. 2. Juni.(Eigenbericht.) Der Bezirksparteitag.der Sozialdemokratie Ost» sochsen beschloß am Sonntag an die Spitz« der Kandidatenliste für die Wahlen zum Sächsischen Landtag die bisherigen Abgeori>> neten Edel, Meckel, Kümmel, Dobbert-Meißen zu stellen. Die ostsächsischen Demokraten beschlossen an die Spitz« ihrer Lffte die Abgeordneten Minister a. D. Dchne und Professor Kastner zu setzen. Di« dritte Stelle der Kandidatenliste nimmt der Bürgermeister von Zittau, Koltzenbuvg, ein. Der Gewertsverein deutscher Metallarbeiter Hirsch-Duncker hat den Schiedsspruch von Oynhausen abgelehnt. In einer Entschließung spricht er die Hoffnung aus, daß der Reichsarbeitsmimfter den Schiedsspruch nicht für verbindlich erklärt. Wetter sür Lektin: Uebergong zu kühlerem, wolkigem Wetter mit einzelnen Regenfälle».— Für Deutschland: In der nördlichen Hälft« des Reiches kühler und etwa?"n't' ändig: im Süden noch lvarm, strichweise Gewitter. „Alkestis."-„Oie Opferung des Gefangenen" Städtische Oper. Freinde, ferne Welten tun sich auf. Stätten ältester Kultur: Griechenland der Sagenzeit: Amerika, als es noch nicht entdeckt war. Erster Teil des Abends:„Alkostis", Drama nach Euripides von Hugo v. Hofmannsthal. Zweiter Teil:„Die Opferung des Gefangenen", ein mexikanisches Tanzschauspiel, nach der Uebertragung von Eduard Stucken. Beide Stücke für die Opernbühne bearbeitet und in Musik gesetzt von Egon Wellesz.„Alkestis" ist ein« Oper geworben; die„Opferung" ein Tanzspiel mit Gesang. König Admet ist dem Tod geweiht; das Schicksal stellt ihm frei. austauschweise einen Vertreter hinunterzuschicken. Alkestis opfert sich für den königlichen Gemahl. Der König, unabkömmlich von den Pflichten seines königlichen Berufs, bringt das Opfer, das Opfer anzunehmen. Aber der stark« Herakles, Gast des Königs, lohnt diesem die erwiesen« Freundlichkeit, indem«r die gestorbene Königin der Unterwelt entreißt und ins Leben zurückführt. Der Vorgang, so erzählt, erscheint nichts als befremdend. Und die„Opferung"? Ein mexikanischer Prinz, besiegt, gefangen, er- leidet freudig-freiwillig, stolz und ungebrochenen Sinnes, den ihm bestimmten Tod, nachdem er von den Reizen des Lebens feierlich Abschied genommen. Hier wie dort Verherrlichung des Heroischen, der heldischen Opferwilligkeit; und hier wie dort als Unterlage eine Dichtung von tiefer Schönheit und menschlicher Glaubwürdigkeit. Aber das Dichterwort verliert sich in der musikalischen Gestaltung; der Musiker, der noch diesen Stoffen greift, will und muß ste uns mit seinen Mitteln nahebringen. Egon Wellesz ist der Künstler der hohen Ideen und des großen Stils— oder richtiger, des ehrlichen Mühens um diesen und um jene. Er müht sich als Musiker uifi den heroischen Stil, der jenen heroischen Ideen gemäß wäre. Aber es ist, vor allem in der Oper, peinlich zu spüren, wi« weit seine schöpferische Kraft hinler dem schönen Vorsatz zurückbleibt. Zum größten Teil ist dies« Musik leer und unlebendig, und die Wirkung ist«her Langeweile als Gehobenheit; bei allem angestrengten Willen, einen einheitlichen Stil aus den Elementen antiker Größe und heutigem Mustkgesühl zu schaffen— auch diese Einheit wird nicht erreicht, und zwischen fragwürdigen modernen Klängen hat Herakles sein strahlendes Leit- motio wie der Held einer Wagner-Epigonenoper. Viel glücklicher ist der Komponist in dem Tanzspiel, wo sich sein« Phantasie an den Gegebenheiten des Milieus und an den rhythmischen Möglichkeiten der Aufgabe entzündet. Alkestis wird durch Maria Müller eine Gestalt von er- greifender Menschlichkeit. In den übrigen Gesangspartten: Gotthold Ditter, Josef Burgwinkel, Gombert, Kandl, Boumann. Im Musikalischen hat der Dirigent Robert F. Denzler gut« Arbeit getan, wenn es auch, vor allem im ersten Stück noch an letzter Präzision des Orchesterspiels fehlt. Viel Aufwand und sehr viel Schönes in der Ausstattung, die Emil Preetorius geschaffen hat. Für die Regie zeichnet Otto Krauß verantwortlich; aber die stärksten Impulse erhält die Szene nicht nur im Tanzspiel, vom Tänzerischen, von der Tanzregie. K. P, 3n der Staatlichen«unstblbllathek, Prinz,»Ibr«chtjtr. 7», findet während des Juni eine»uSftellung von Zeichnungen Alter Meister in Falsimile.Druckcn der Prestel-Gesellschast statt. Geöffnet von 10—22 Uhr bei freiem Eintritt. Oer Tanz in den Verliner Kunfiwochen. Die Arrangeure der vorjährigen Kunstwochen wußten von Tänzen nichts anderes zu zeigen als das russische Diagileff-Ballett. Die Tatsadze, daß es einen modernen Kunsttanz gibt, der eine speziell deulsche Schöpfung ist, blieb den Besuchern verborge». Dieses Jahr ward das Programm mit inehr Sachkenntnis zusammen- gestellt. Es begann mit einem Tanzabend der W j g m a n im Schiller-Theater, der den in- und ausländischen Gästen mit dem Zyklus„Schwingende Landschaft" den denkbar Karsten und umfassendsten Eindruck von dem gab, was bei uns gewollt und ge- könnt wird. Anhebend mit einem Beispiel vollendeter tänzerischer Raumgestaltung im„Anruf", über die feierlichen Rhythmen de? „Seraphischen Liedes", die zarte Lyrik des„Pastorales", gipfelnd im hinreißenden Furioso des.Sturmliedes" und leicht ausklingenö Jn die drei luftigen Tanzlieder der �Zigeunerweifen". Wer Auge» hatte, zu sehen, und eine Spur körperrhychmischea Empfindens, er- lebte Unvergeßliches. Das Publikum des überfüllten Saales dankte in Beifallsstürmen. Di« zweite Veranstaltung brachte die Opern.Alkestis" und „Die Opferung der Gefangenen" in der Städtischen Oper. Ueber die musikalischen Qualitäten der beiden Werke de- richtet unser Musikreferent. Das Tänzerische war nicht durchaus erfreulich. Höhepunkt: die leise klagenden, in sttlle Trauer gehüllten Bewegungen, Schritte, Gesten und Attitüden der Mädchen an der Leichenbahre der Königin in„Alkestis". Ein kleines Meisterstück. Mißglückt die bacchanttschen Orgien. Ohne Mittelpunkt, ohne Gipse- lung. Hin und wiäder tauchte aus den Wirbeln das Paar U h l e n- Zehnpfennig auf und verschwand wieder im chaotischen Fluten ungegliederter Massen. In der„Opferung" stand die Ballettmeisterin vor einem fast unlösbaren Problem. Vorgänge, deren seelische Grundlagen nur aus der indianischen Psyche vorkolumbischer Zeiten zu verstehen sind. Wer aber kennt diese Psyche? Lizzie Mau- d r i k wählte den Ausweg, die Menschen und ihre Ausdrnckssormcn im Stil altmexikanffcher Plastik zu gestalten. So wurden stol'S Herrscher, tollkühne Heroen, edle Frauen nach unserem Empfinden zu grell fratzenhaften Gebilden. Das Ganze eine rein dekorative Angelegenheit, die das Auge erfteude, den Verstand beschäftigte, ,im übrigen aber kalt ließ. Daß sehr sorgfältig gearbeitet war. daß Edgar Frank als König, Alice Hhlen und Julia Mar- k u s im Rahmen des fremden Stils ihr Bestes gaben, daß die Gruppentänze zum Teil klug und geschmackvoll arrangiert waren, soll anerkannt werden. Das Resultat aber entsprach nicht den auf- gewandten Mühen. 3. 8. Fridtjof- Nansen- Laad. Wie ans Leningrad gemeldet wird, hat die sowjeirussische Akademie der Wissenschaften in einer VHI- Versammlung beschlossen, in Anerkennung der Verdienst« des kürzlich verstorbenen Polarforschers Fridtjof Nansen das Franz-Iofef-Land in Fridtjof-Nansen-Land umzubennen. INor Reiahordt-Feier bei kroll. LllZ Abschluh der Ebrungen für Max Reinhardt veranstalteten die Genossenschaft deutscher Biih- nenangehörigcr und der Verband Berliner Bühnen» leit er in der Nacht vom Sonnabend ans Sonntag eine Feier bei Kroll. ver italienisch« Tenor Lanri-volpl wird am 3. Jmii w der Philharmonie ein einziges Konzert geben. Di« wiener wertbundavosiellung wurde Sonnabend eröffnet. Die Au«. stevung zeigt Must-lbeilpi-Ie dei» österreichischen Oualitätsindusttie, de« Kunstgewerbes und der Mode. Tardieus Programmrede. Er spielt die Sozialisten gegen die Radikalen aus. Paris, 2. Juni.(Eigenbericht.) Der französische Ministerpräsident T a r d i e hielt am Sonn- tag i« D i j o n die seit Wochen angekündigte und dennoch wenig sensationelle Rede. Das Hauptziel seiner Ausführungen ist offenbor. die radikale Partei für seine Regierungsmehrheit zu gewinnen. Tordieu rühmte in großen Worten die historischen Lcistirngen der radikalen Partei und betonte, daß ihr immer ein„guter Platz' in der Regierung offenstehe. Leider hätten die Radikalen es vor- gezogen, in die Opposition abzuwandern, doch müßten sie sich klar darüber sein, daß ihre Anlehnung an di« Sozialisten ihnen selbst gefährlich werden müßte. Die Sozialisten, die seit dem Zusammenbruch der Kommunistischen Partei stark gewonnen hätten, nährten„unglückliche, ehrgeizige hossnungcn". Sie wallten nicht nur die Komunisten und mit ihnen die Radikalen beerben. fondern sie wollten augenscheinlich überhaupt zum S a m m c l- decken aller Unzufriedenen werden. Einige Mitglieder der Sozialistischen Partei hätten es deshalb für notwendig gehalten, in ihren letzten öffentlichen Aeußerungen den„revolutionären Wort- schätz" der Kommunisten anzuwenden. Sollten die Sozialisten aber je einmal, dam kommunistischen Beispiel folgend, von ihren Worten zu Taten übergehen, so würden sie, erklärte Tardieu drohend, vor sich«ine Regierung finden, di« ihnen einen ebenso energischen und unbeugsamen Widerstand leisten wird wie den Kommunisten. Zur Außenpolitik übergehend betonte Tardieu, daß es feiner Regierung gelungen sei, die Kriegsliquidation vorzunehmen. Am 30. Juni werde die dritte Zone des Rheinlandes„unter angebrachter Wahrung der würde ohne Aeberstürzung ober auch ohne Verspätung" geräumt sein. Soin« Regierung werde di« von Briond seit sechs Jahren ge- führte Friedenspolitik fortsetzen, ohne jedoch die Sorgen für die Sicherheit des Landes und die Landesverteidigung zu vergessen. Die Regierung habe ZMi Milliarden für Festungsbauten bewilligt und die Materialbestönde aufgefüllt, die durch die Riffkriege und die Aufstände in Syrien er- erschöpft(!?) gewesen seien. Dieser Politik habe auch di«„eni- schlossene Festigkeit" entsprochen, die die französischen Unterhändler auf der Londoner Flottenkonferenz gezeigt hätten. Frankreich habe allerdings nicht den Wunsch, die Hegemonie in Europa zu gewinnen. wie sie einst noch dem Krieg« von 1870 Deutschland in wilder Ueber- treibung gewollt habe. Frankreich wolle den Frieden und es be- mühe sich dabei,„Herr seiner selbst zu bleiben und sollten im Aus- land auch noch so große unerwartete Schwierigkeiten entstehen." Endlich gab Tardieu fem Zukunstsprogramm bekannt. Nach Erledigung des Milliardenprojektes zur Hebung von Landwirtschaft. Handel und Industrie werde ssine Regierung" ein» tiefgreifende Reform des gesamten Stcuerwesens in Angriff nehmen. Zunächst würden die Kommunal- und Provinzialsteuern revidiert werden. In der Herbsttagung solle eine groß« Debatte über die Reorganisation des Schulwesens beginnen. Endlich müsse das Budget vorbereitet werden, das von der Kaimner diesmal schon zu Beginn des kommenden Februar an den Senat übermittelt werden müsse. Als letzte Aufgabe stelle sich die Re- gierung die einer vollständigen Reform des Staates. Der Staat müsse in seinen Beziehungen zu den privaten Gruppierten der Wirtschaft, der Beamten und der Zlrbeitnchmer. eine klare«tcllunz erhalten. Seine Rechte, wie auch die Rechte der privaten Gruppierungen müßton unbedingt genau umschrieben werden. Friedenskundgebung in Mühlhausen. Zebt spricht vor den französischen Sozialisten. Mülhausen i. Elsaß, 2. Juni(Eigenbericht) Die oberrheinische sozialistische Vereinigung, zu der Sozialisten aus Frankreich, Oberbaden und der Schweiz zählen, veranstaltete hier am Sonntag eine prächtige Demonstration mit an- schließender Massenversammlung in der Markthalle. Bor 12 000 Teil- nehmern sprachen der Bürgermeister von Mülhausen, Reichs- tagspräfident Löbe, Redner aus der Schweiz und aus Baden. Paul Löbe forderte in seiner Ansprache die französische, schweizerische und deutsche Jugend auf, sich zu oereinigen, um ge- memsam dem Kriege ein Grab zu schaufeln. Der französische sozialistische Abgeordnete Grumbach begrüßte in seiner Erwiderung die Inkraftsetzung des Voung-Planes und di« Räumung des Rhein- landes. Gegenkundgebungon der französischen Nationalisten und ihrer kommunistischen Geschäftemacher verliefen ohne jeden Eindruck und blieben von der Bevölkerung völlig unbeachtet. Die oberbodifche Sozialdemokratie hotte 600 Teilnehmer nach Mülhausen entsandt. Die Tellnehmerzahl war von dxr französischen Regierung begrenzt worden. Schwedenkabine« Q'ndman gestürzt. Sozialdemokrat Hansson betraut. Stockholm, 2. Zum.(Eigenbericht.) Die schwedische Regierung Lindmaa ist zurückgekreten. nachdem das Parlament die von ihr geforderten Landwirtschafls- Zölle mit 122 gegen 95 Stimmen abgelehnt hat. Der König wird voraussichtlich den Sozialdemokraten Hansson mit der Bildung der neuen Regierung beauftragen. Hansion dürste den Austrag unter gewissen voraussehungen annehmen. Ob es ihm gelingt, eine Regierung zu bilden, ist zunächst noch z w e i f e l h a j t. Gandhi bedauert die ltnruhen. Nimmt aber seinen Aufruf zum Ungehorsam nicht zurück. Bombay. 2. Zuni(Eigenbericht) Gandhi Hot aus dem Gefängnis an den vizekönig von 3n- dien einen Brief gerichtet, in dem er fein Bedauern über die Unruhen ausspricht, die seiner Kampagne gefolgt seien. Er lehne die Verantwortung für die blutigen Ereignisse ab, könne jedoch seinen 2lusrus zur Gesehübertrelung nicht zurücknehmen. Der vizekönig von Indien wird, wie er erklärt, diese« Brief nicht beantworten. Er sei enlschlossen, jede Unterredung mit den indische« Führern abzulehnen, solange die indischen Frei» willigen nicht von der Uebertretung der Gesetze ablassen. Sakzkampagne gescheitert.— Steuerverweigerung droht. London. 2. Juni(Eigenbericht) Die Salzkampagn« der Anhänger Gandhis kann noch einem Bericht des Sonderkorrespondenten des„Daily Herald" als gescheitert detrachtet werden. Es sei jedoch' inzwischen eine zweite groß« Gefahr herausgezogen: die Weiger-ung der Bauern, ihre Landabgabcn zu bezahlen. Im übrigen hatten sich die blutigen Ereignisse der letzten Zeit am Freitag, Sonn- abend und Sonntag nicht wiederholt. Am Sonntag sei es vereinzelt zu kleineren Schießereien gekommen, in deren Berlauf auch mehrere Kinder getötet worden seien. Skreikgefahr bei der französischen Post. Entschließung des Nationalrats der Postbeamten. Paris, 2. Juni. Der Nationalrat der Postengestellten hat die vom Postminister gemachten Bvrschtäge in der Besoldung� rage verworsen und den Borstend des Postengestelltenverbandes beomtragt. mit ollen Mitteln für die bedrohten Interessen der Mitglieder einzutreten. Damit dürfte die Streikgesahr wieder akut werden. «eranttoertl. Mr die Steboflüm:»ich.««»ski». 9tetlin; Anzeigen: Th. Tl-cke, »erlin. Berlag:»annätts Lerlag®. m. b. b., Berlin. Druck: Lorwärts Buch- druckerei und Berlogsanstalt Paul Singer H. Co., Berlin SW 58, Lindenstrafte Z. Hierzu 1 Beilage. Theater, Lichtspiele usw. scata T&gl. S u.»Viühr— BS, Barb. 62 SS rnkt I S». WMtWtMl 5 B. 50(t..3 IL Llttle Viola Sit Inrcndliebe Spitzen-Akrobatin Cllly Felndt Emtnttn In böduter ToIIndut Le Crohs kontunionistiseber Akt VIkko Benny einilgart.Schimpann.-Dressurnnck. 8«.lt*r. Varlatt-Naubaltan plAza TSgl. S u. 81> Sonnt. 2 ,3 n. lu Alex. E 4. 8066 Ab heute fPHhelm Marlslein der beliebte Humorist und 8 ersüdAssige Aitraktionea OGOOOOOOOHGGGOOOOOG' i zooLoeisn gurieh|> MHiiniiiiiiiiMiiiiiiiiniiiiiiiiiiimiiiuniiiiiiiiiiiiiiiiui' 4li 4 Uhr namoiittaos J\ GROSSES KONZERT Ii Täglich: Tanz im Freien Auf dem Schoustallungsvlatz „lOOO Krokodile" Aqasrinm— Aqnariam Tierkunst- Ausstellung. OOOOOOOSOOIOOOOOOOOO« 1 1 /"t Teutoburgei Bad Salzimerb Wald Herz, Rheuma, Nerven Luftwege(Pneumat Kammern) Frauenld. Prospekte durch RaisebOros u. Badevorwaltuno Winter * Garren* 8.13 Dtr Ztmr. 2818 BaoOieo erinnhi| Da* führende V«rlel£ Heute 2 V orztellunSen 4 und 8>» Uhr. 4 Uhr kleine Preise 1 Theater i. d. Bebrenstr. 53-54 A 4 Zentrum 926-627 DlrekHsB Ralph Arthnr Robert. Heute 8 Uhr, zum I. Male; Hein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs Ab Montag: Anfang SV, Uhr. - ♦— ROSE -T H E AT E R [ QroQe Frankfurter Str. 132 1 BillattkaM«: AUx.3422u.34d4| Täglich 8.15 'mpv Jsssy. „Jenny stefft empor" bleibt nur noch bis Freitag, | 6. Juni auf dem Spielplan. 1 Ab Sonnabend, den 7. Juni 1 täglich 8«, Sonntags auch 5" Arm wie eine Kirchenmaus 1 mltTraute, Paul u. Willi Rose, ] Robert MQiler u. Erich Wilde.| Am Pflngstsonntags 1 Eröffnung der Gartenbühne I Täglich 3» Uhr nachmittags (Sonntags R00 Uhr) f | S arstidauloe Varletänummam| „Jjenei, lie Bettler, die Aussätzigen, die verhutzelten, mumienhastcn Kreise lauschten ehrfürchtig, erhabenen Gemüter lind die feisten Bonzen machten beim Herannahen des ohrenbetäubenden Geschreis einer entfesselten Menge verzweifelte Gebärden. Forderten die vor Schreck und Angst bebenden Gläubigen auf, ihnen in die Tempel zu folgen. Es fetzte nun ein wirres Durcheinander und Getreie ein. Di« Blinden irrten umher, wußten nicht wohin, wurden nieder- gestoßen, zertrampelt. Die Taubstummen, erst starr und regungslos auf ihren Plätzen beharrend, liefen instinktmäßig den anderen nach. Klammerten sich an die Aussätzigen, bohrten ihre Nägel in die auf- gesprungenen Eiterbeulen der Unheilbaren. Zappelige Greise schimpften und fluchten, bahnten sich Wege mit kraftlosen Fäusten. Die Lahmen stierten hilflos vor sich hin und schlugen verzweifelt die Hände über den Kopf zusammen. Da war auch schon die Rotte hemmungsloser Element« vor den Tempeln. Lärmte, tobte, brüllte die.Lnternationalc", höhnte die Bonzen, schmähte ihre Heiligtümer. Ein wildes, barbarisches Weib hetzte den Pöbel, stachelte seine Wut auf: die Bonzen, ja, das seien die größten Halunken, die Geld dem Aernisten aus dem Leib« schinden und mit den fremdländischen Kapitalisten gemeinsame Sache machten. Und übrigens seien diese Tempel und alle Heilig- tümer Schwindel. Man müsse alles niederhauen und ausrotten, wenn man ein freier Mensch werden wolle. Maros Worte lösten stürmische Begeisterung aus. Der Pöbel war zu allem bereit. Und in den Tempeln und Pagoden, da waren auch Schätze, unermeßliche Schätze. Die mußten doch jetzt ihnen, dem Volk« gehören! Auch darüber hatte sie das Tataren- weib aufgeklärt, das jetzt wie eine lodernde Flamme an ihrer Spitze leuchtete, ihnen den Weg zeigte, den rechten Weg. Der Mob ging daran, die Tempel zu stürmen. Die Bonzen hotten sich hinter ihrem Anhang verschanzt, schleuderten Flüche und Verwünschungen gegen die blut- und beutedurstige Menge. Maro und ihre Genossen riefen den Bettlern, Kranken und Greisen zu, sich anzuschließen, die dickgefressenen Pfasfen im Stich zu lasien und sich zu holen, was zu holen sei. Aber die auf- wiegelnden Reden konnten die Aermsten der Armen nicht um- stimmen. Schützend wie ein Wall umstanden sie Priester und Heiligtümer. Pfiffe. Die Rotte begann sich vorwärts zu schieben. Maro eilt« voran. Der hundertjährige Gelehrte hob beschwörend die Hände, zitierte schreiend Laotse: „Fürchtet das Bolk den Tod nicht mehr, wer leitet es aus Todesfurcht?" Maro, knapp vor ihm, schlug ihm mitten ins Gesicht. Hinter ihr drängt«, stieß sich der Pöbel; stampfte nieder und überrannte die Bettler, Kranken und Greise. Das tausendjährige China lag mit zerschmetterten Gliedern und zertretenen Leibern auf den Stufen, die zu den uralten Tempeln und Pagoden führten. Die Bonzen beraubte man ihrer kostbaren Prunkgewänder. Ale-dann hing man die Ehrwürdigen nackt auf. Gold, Perlen, Edelsteine besäten wie Spreu die blutgefärbten Steinfließen im Indern der Heiligtümer. Dann schössen feurige Garben auf. Ein Funkenregen prasielte nieder. Aechzen, Geschrei, Gefluche, Ge- kreische. Am Himmel schimmerte es rot. ★ Zu dieser Stunde tanzte man in den Hotels Rekorde. Die große führende Welt wußte nichts von den Ereignissen an der Peripherie. Wild hämmerte der Jazzrhythmus. Einlullten weiche, sinnliche Songs. Lillian hatte sich zurückgezogen. Saß in einer stillen Ecke, wo man sie nicht bemerken konnte. Hatte viel getanzt. Ihr Gesicht sah verschwommen mis. Hie und da ein scharfer Zug, der aus- dringlich hervortrat. Sie legte frische Schminke aus, machte Maske. Tat dies mit Auswand aller Kräfte. Ihre Hände drohten immer wieder matt und schlaff herabzufallen. Sie war schläfrig. Aber sie fürchtete sich vor Schlaf, vor dem Erwachen daraus. Da war sie dann immer so elend. Darum schlief sie wenig. Jetzt stand ihre Mutter, Mrs. Mabel Kead, vor ihr. Lillian dachte ihr aus dem Weg zu gehen, suchte nach Ausflüchten. Sie konnte mit dieser Frau, die sie als Mutter liebte, nicht mehr zu- faminen sein. Wurde ganz heiß, wenn dieses Weih zu ihr sprach, sie ansah, sie umarmen wollte. Die ahnungslos sich steigernde Liebe der alternden Frau zu ihr peinigte sie. Diese immer gequälten Züge, die unheimliche Verhaltenheit an ihr, das, was zwischen ihnen stand, das Ungewiße, konnte sie nie wieder ihrer Mutter nahe bringen. Lillian zitterte vor Scham. Wurde rück- sichtslos, grob, brutal. Ließ Mrs. Mabel allein zurück. Die Mutter stierte aus tiefen dunklen Höhlen sinnlos ins Leere. Hatte nicht eine Träne im Auge. Wenn sie denken wollte, verwirrten sich ihre Gedanken. Gebrochen setzte sie Schritt vor Schrttt, bedächtig, schwer, langsam. 51. D., wieder im Hauptquartier der Revolutionspartei, empfing die Meldungen der Kolonnenführer. Roch immer war nicht das Wichtigste geschehen: das Elektrizitätswert besetzt, das Licht in der Stadt ausgeschaltet. Und wo blieb Mara? Ungeduldig fragte er immer wieder nach Mara. Mr. Wung, der Kaschemmenwirt, hißt« die Flagge mit dem gelben Drachen. Warf die Opiumraucher aufs Pflaster, schloß sich �tec/nc/r Jjcft/He&er ein, verkroch sich. Der Menschenzug bewegt sich rasch, stoßweise gegen die Telephon- und Telegraphenzentral«, voran seine Führer. Ungesähr zehn Meter vor dem Gebäude gerät der dichte Strom ins Stocken. Ein Gedränge hebt an. Kopf an Kopf steht die Menge. Die Masse, plötzlich stumm, regungslos, ist wie zu einer einzigen drohenden Faust geballt. Still und leer scheint es in dem vor ihr liegenden Hause zu sein. Kein Schimmer Licht, das Tor geschlossen. Unheimlich leblos liegt er da, der nüchterne Steinbau, über dessen Haupte sich ein Gewirre und Gestränge von Drähten nach allen Himmelsrichtungen spannen. Aus den vorderen Reihen des Zuges bildet sich em bewaffneter Stoßtrupp. Rasch, erregt und geheimnisvoll beraten sich noch die Führer. Die Menschenmasse drängt znimer wieder vor. Der Ab- stand von Gebäude und Menge wird immer geringer. Noch warten die Eingeweihten auf ein vereinbartes Zeichen aus dem Hause. Es kommt nicht. Erdrückende Schwere lagert über den zahllosen Köpfen. UneMschlossenheit, Spannung, Erregung. Un- tätig starren die Führer zu den Fenstern des Hauses hinauf. Die Masse schiebt sich immer weiter vor. Da klirrt ein Fenster, splittert Glas, fällt ein Gegenstand auf die Straße, rollt, wird von den Vordersten aufgehalten, aufgehoben, mit einem Schrei weggeworfen. Der Kopf des Telegraph-Clerk Goo, des Vertrauensmannes der Rebellen, der das Zeichen hätte geben sollen! Versteinert stehen die Führer da. Kein Zweifel, das Gebäude ist von Polizeitruppen besetzt. Wenige Sekunden hernach eine scharfe Gcwehrsaloe aus den Fenstern des Gebäudes. Schmerzverhaltene Laute, dumpfes Geräusch des Hinfallens von Leibern. Kein Schrei noch,«inzig allein irrsinniges Entsetzen. Dann setzt eine jähe ruckweise Be- wegung ein. Swrm auf die Telcgraphenzentrale. Plötzlich im Rücken der Masse Knattern von Maschinengewehren. Man ist ein- geschlossen von einer mächtigen, starken Faust. Die Hinteren drängen vor, die Vorderen zurück. Hellende Schrei«, heulendes Jammern von Weibern, schrilles Gekreische, dünne Schmerzens- laute weinender Kinder, gleichmäßig eintönig mörderisches Schießen, das sich wie dürres Holzgeklopper anhört. Die Masse verkrampft sich ineinander, ein unentwirrbarer blutiger Knäuel von Körpern. Tot«, Verwundete eingepfercht, aufrecht zusammengepreßt. Die Gesichter der Lebenden zu Fratzen entstellt. Dann löst sich dieser einzige Körper taufender Seelen auf, flüchtet auseinander, zerstiebt, flieht, stürzt, läuft, läuft, läuft. Vor dem Elektrizitätswerk das gleiche Schauspiel. Die Jnsur- genten haben sich hier verbarrikadiert, widersetzen sich im hart- nackigsten Kampfe der Polizeigewall. Bomben bersten, zerfetzen. Vor den Regierungsgebäuden starte Polizcikordons. Tanks rattern gegen die herannahenden Massen. Panzerautos jagen den Fliehen- den nach. Barrikaden werden gestürmt, überrannt, zertrümmert. Ucberall wird der bewaffnete Widerstand der Rebellen gebrochen. D. mit den Männern, des Komitees in heftigst«? Auseinander- setzung, hielt mitten im Worte inn«, als Mara wie besinnungslos hereinstürzte. In abgerissenen Sätzen, keuchend, stockend teilte sie mit, was sich in den Straßen ereignete. Redete, lallte wirr, zu- fammenhangslos. Und nun kamen in knapper Folge Mann um Mann, blutig, zerrissen, halb wahnsinnig hereingestürzt. Sie alle meldeten dos gleiche; hunderte Tote und Verwundete bedecken schon die Straßen. Di« Polizei gehe rücksichtslos vor, die Revolution sei bis zum Morgen niedergeworfen, es müsse alles verraten sein. P. stand aufrecht. Erwiderte trotzig, unnachgiebig den Blick Maros. Sie rief mit gellender Stimme:„Nichts kann verraten sein!" Alle Augen waren auf sie gerichtet.„Was Verrat!" schrie sie. „Idioten seid ihr! Die ganze Organisation habt ihr über den Haufen geworfen." Y. sprach kalt und gelassen:„Kampf! Kampf! Bis ans Ende Kampf!" ic Mr. Garrickfons Pressen arbeiteten mit Hochdruck, übertönten das bald nahe, bald entferntere Gewehrfeuer. Seine Reporter flogen ein und aus. Er selbst durcheilte das Zeitungsgebäude trepp- auf, treppab. Zappelig und beweglich war er fast gleichzeilig überall, wo er es für nötig hielt. Diktierte, gab Aufträg«, empfing die Meldungen seiner Reporter, schnüffelte in den Druckereien, telephonierte, durchflog die noch feuchten Bürstenabzüge, kaute Gumme, spi«, rauchte, schrie und gestikulierte.(Fortsetzung folgt.) Buch S)ie Aechlung des Jirieges Hans W c h b e r g, Herausgeber der„Friedenswarte" und Professor des Völkerrechts in Genf, hat seine an der Haager Völker- rechtsakademie und anderswo gehaltenen Vorlesungen in einem von der Deutschen Liga für Völkerbund protegierten und bei Franz Bahlen erschienenen Buche zusanrmengcfaßt, das den Titel führt „Die Aechtung des Krieges". Wehberg beginnt mit einer ausgezeichnet in die Materie einführenden historsschen Uebersicht. Er setzt bei den Scholastikern und ihrer Lehre vom„gerechten Krieg" ein, schildert die mannigfachen pazifistischen Prcjotte der Vorkriegs. zeit, legt die Kriegsächtungsideen der Nachkriegszeit dar und verweilt bei ihren Teilerfolgen: dun Völkerbund, dem(allerdings nicht rati- fizierten) Genfer Protokoll, dem Pakt von Locarno, dem Kellogg- Pakt. Es folgen Gedanken über die Lücken, die die internationalen Verträge gegen den Krieg leider noch haben: Di« radikale Abrüstung ist keineswegs in Angriff genommen, Völkerbundssatzung un Kellogg-Pakt verbieten nicht alle, sondern nur gewisse Kriege, un sofern si« Kriege verbieten, achten sie kriegsähnllch« Handlungen wie die friedliche Besetzung fremden Staatsgebiets nicht den: Kriege gleich, die Begriffe„Verteidigungskrieg" und„Sanktionskrieg" bieten der böswilligen Interpretation noch zuviel Spielraum, vor allem aber ist es ein Mangel, daß die meisten Staaten, und gerade jene. auf die es ankommt, sich durchaus abgeneigt zeigen, den Grundsatz des Kriegsosrzichts zum Bestandteil ihrer nationalen Verfassungen zu inachen. Dem historischen und kritischen Teil schließt sich ein kon- struktioer an, in dem Wehberg den eigenen Entwurf eines Kriegsächtungsvertrages zur Debatte stellt. Der Anhang bringt Urkunden- und Dokumentenmaterial. Wehbergs Buch ist ein zuverlässiger und gründlicher Berater in allen Fragen, die die Bestrebungen und Erfolge des staatsrecht- lichen Pazifismus betreffen: leider nur in diesen. Man kann die Auffassung oertreten, daß diese Form des Pazifismus die wichtigst« ist, och keinen Fall ist sie die einzige. Die Kriege werden nicht nur von der Seite(vorlächig noch unzulänglicher) internationaler Ver- trag« her, sondern auch unmittelbar aus den Völkern selbst heraus bekämpft, und die mannigfachen Beschlüsse, die darüber vorliegen, erscheinen der Erwähnung immerhin nicht ganz unwert. Hans Lauer. WAS DER TAG BRINGT. .............................................................................................................................. Krieg dem Kriege! Wie aus einem Bericht des englischen Kriegsministers an das Parlament hervorgeht, err«gt die ständig abnehmende Anzahl derer, die sich freiwillig zum Heeresdienst melden, in den militärischen Kreisen des Landes große Besorgnis. Während im Jahre 1928 die Zahl der Freiwilligen noch 30 000 betrug, ist si« im vergangenen Jahre bereits auf 26 000 gesunken und in diesem Jahre rechnet man mit einem Rückgang von 3000 bis 4000 Mann. Diese Erscheinung wirkt um so auffallender, als die Ziffer der Arbeitslosen in England eine sehr hohe ist und es gerode Arbeitslos« waren, die sich in früherer Zeit zu dem gutbezahlten Heeresdienst meldeten. Dieser Rückgang beschränkt sich übrigens nicht nur auf die Mannschaften des Heeres, auch die Zahl der Offizieranwärter hat bedeutend ab- genommen, trotzdem sowohl das Gehalt wie die Pensionsbezüge der Offizier« feit dem Kriege nicht unwesentlich erhöht worden sind. Di« Offizierschulen von Sandhurst und Woolwich weisen große Lücken auf, denn die Abgehenden werden nicht mehr durch Neu- eintretende ersetzt. Es kann daher keinem Zweifel mehr unterliegen, daß dieser Wandel früherer Anschauungen auf ein« Strömung zurückzuführen ist, die alle Kreise des Volkes ergriffen hat und in einer grundsätzlichen Abneigung gegen alles Militärische zum Aus- druck kommt. Japanischer Flugverkehr. Wie in China, das sich bei der Erschließung des Landes nicht lange mit der Anlage großer Straßenzüg« und Eisenbahnlinien ausgeholten, sondern eine Reche von Flugverbindungen zwischen seinen /wichtigsten Städten geschaffen hat, so ist auch in dem be- nachbarten Japan der Flugverkehr in einem ständigen Ausschwung begriffen. Wie aus einer soeben verössentlichten Statistik des Ver- kehrsministeriums in Tokio über die Entwicklung des japanischen Flugwesens in dem vergangenen Jahre hervorgeht, umfaßt das gesamte japanische Flugnetz eine Länge von 1300 englischen Mellen, auf denen in den letzten sechs Monaten des Jahres 1S2S 465 000 Mellen geflogen worden sind. Gegen die ersten sechs Monat« 1S29 bedeutet dies«ine Zunahme von 35 Prozent. Im Gegensatz zu anderen Ländern dient der japanische Flugverkehr fast ousschließ. lich der Güterbeförderung, da nur 633 Personen durch Flugzeuge befördert wurden, doch zeigt sich auch hierin in der zweiten Hälft« des Jahres 192S«ine Zunahme gegen die erst« Hälfte. In diesem Jahr« werden neben Landfluggeugen auch Wasserflugzeuge in Dienst gestellt werden, die dann den Verkehr zwischen den japanischen Inseln versehen. Sowohl in China wi« in Japan bemüht man sich mit der Anlage eigener Flugzeugjobriken, um sich auch hierin von Amerika und den europäischen Ländern unabhängig zu machen. .Ist dies erst durchgeführt, so werden sich, um in der Sprache einer japanischen Zeitung zu reden, die Schwingen des Orients zu neuen Höhen erheben. Tonfilm auf Kriegsschiffen. Sämtliche amerikanische Kriegsschiffe werden nach Washingtoner Meldungen in Kürze mit Einrichtungen für die Vorführung von Sprechfilmen ausgerüstet werden. Der größere Tell der Kriegs- schiffe war bisher bereits mit Kinoeinrichtungen oersehen. Die Schlange im Obstladen. Beim Auspacken einer Sendung brasilianischer Bananen wurde in einem Londoner Obstgeschäst mitten in einem Bananenbüschcl eine Schlang« entdeckt. Bevor sie Gelegenheit hatte, gegen die An- wcsenden loszugehen, gelang es einem Mann, sie mit Hilfe einer Schlinge hinterm Kopf zu packen und unschädlich zu machen. Man brachte sie in den Zoologischen Garten, wo sie als eine der gesähr- lichsten Giftschlangen, als.„Lanzensckstange" erkannt wurde. Sie mußten ihr Fell lassen. Gelegentlich der bevorsteheirden Internationalen Pelz- und Jagdausstellung(Jpg) in Leipzig erfährt man die Anzahl der Tiere, die im Jahre 192L zum Zwecke der Pelzgewinnung ihr Leben lassen mußten. An erster Stelle stehen 200 Millionen Kaninchen, es svl- gen 26 Millionen Schafe, 20 Millionen Maulwürfe, 16,5 Millionen Bisam, 11 Millionen Hasen, 10 Millionen Feh. 9 Millionen Opos- sum. 9 Millionen Murmel. 7 Millionen Eichhörnchen, 5 Millionen Skunks, je SU Millionen Breitschwänze, Persianer und Krimmer, 2,5 Millionen Füchse(darunter 170000 Weiß-, 150 000 See-, 80 000 Silber- und 23 000 Blaufüchse), je 2 Millionen Nerz, Hermelin, Ziegen und Haustatzen, je 1,5 Millionen Hamster und Iltis. U. a. werden noch aufgezählt 600 000 Wiesel. 240 000 Marder. 200 000 Nutria, 160 000 Otter, 150 000 Biber. 90 000 Zobel und 65 000 Seal. Eine Erkennungsmarke für Verbrecher. In New Fort hat sich«ine Organisation gebildet, die durch Geldspenden und Arbeitsbeschaffung den Verbrechern die Möglichkeit schaffen will, wieder ein geordnetes Leben zu beginnen. Diese neu« Humanitätsgesellschaft unterscheidet sich von den anderen ihrer Art dadurch� daß ihren zahlenden Mitgliedern eine Medaille sowie eine Karte mit gestempelter Photographie ausgehändigt wird, auf der di« Höhe der Spenden verzeichnet sst. Durch Rundschreiben an olle Gefängnisse werden nunmehr die Verbrecher darauf aufmerksam gemocht, daß Inhaber dieser Karten und Medaillen kunstig vor Belästigungen wie Einbruch, Raub oder Betrug sicher sein sollen, da hiervon wettere Spenden abhängig gemacht werden würden. Bundestag der Arbeitersportler Feierlidie Eröffnung in Köln Köln, 2. Juni.(Eigenbericht.) Zn dein festlich gcfchiuückten und stark gefüllten Riefensaai des Kölner Ausstellungsgeländes ist am gestrigen Sonntagabend der 17. Bundestag des Deutschen A r b e i t e r t u r n- und Sportbundes feierlich eröffnet worden. Der imposante Zug brachte sehnige Gestalten mit vielen Zahnen des rheinischen Kreises der Arbeitersportbewegung auf die Bühne. Allgemeine Vorträge und prachtvolle Chöre der Arbcitersänger bildeten den Auftakt. Hirschfeld-Köln gab einen Rückblick auf die örtlich« Entwicklung der Arbeiterturnbewegung. Er erzählte u. a. wie die Benutzung der städtischen Turnhalle kaum erreicht, schon wieder entzogen wurde, weil Wilhelm Sollmann ein„staatsfeindliches werbeflugblatt- ge- schrieben hatte, das in den Zorlbildungsfchulen verbreitet wurde. Erst 1914 durften die Arbeiterfporller die Turnhalle wieder be- nutzen. Nach den Willkommensworten des Bundesoorsttzenden Gel- l e r t- Leipzig, der besonders die Reinigung des Bundes von den Spaltern und Krakeelern erwähnte, entbot Oberbürgermeister Dr. A d e n e a u e r in herzlichen Reden die Grüße der Stadt Köln, deren vorbildliche Einrichtungen allgemeine Bewunderung finden. Auch der städtische Referent Dr. Bielstein sprach herzlich« Worte der Begrüßung. Der internationale Sekretär Silaba-Praz forderte zu noch stärkerer Beteiligung an der Arbeiter-Oliirnpiad« in Wien 1931 auf. Er hob hervor, daß die reichsdeutschc Bewegung die Hauptstütze der Arbeitersport-Internationale sei, die sich aber auch in den anderen Ländern ständig kräftige. Puchler-Wien- Neustadt unterstrich den Kampf der Genossen Deutschösterrcichs gegen die faschistische Drohung. L o« w- Teplitz lud zu dem großen Fest der Sudetendeutschen in Außig Anfang Juli ein. Mit der Konstituierung des Bundestages war die Eröffnung beendet, worauf Männer und Frauen der Bezirksschule Köln durch prachtvolle Turn- leistungen die gewaltigen Menschenmassen zu stürmischem Beifall Hinristen. Heute beraten die einzelnen Sparten, worauf am Dienstag nachmittag die Verhandlungen des Bundestages beginnen. Frühjahrssporifest des ASC Auswärtige im Lidilcnbcrger Stadion in Front Gestein um 15 Uhr marschierten 500 Arbeiterleichtathleten ins Lichtenberger Stadion ein. Hamburg in leuchtendem Sportdreh an der Spitze. Alle gemeldeten Auswärtigen waren erschienen. Der Vorsitzende Leutloff begrüßte die erschienenen Freunde. Mt einem Appell an freundschaftliche Bundeszusammen- arbeit gings an die Endkämpfe. Schon in den Vortämpfen wurde hart gekämpft. Die Gäste aus dem Reich zeigten sehr gutes Können. Besonders in der Z X 1000-Meter und 4 X 40<).M«ter- Stafette war Stettin überlegen. Bereits nach den, ersten Wechsel der 3 X 1000-Meter-Stafette zog Stettin los. Am Schluß lagen die Stettiner mit 150 Meter in Front. Hamburg, Nordring und ASC. lieferten sich einen wechselvollen Kampf um den zweiten Platz, den Hamburg mit 1 Meter vor ASC. entschied: Nvrdring dichtauf. In der 4 X 400-Meter-Staffel holt« Stettin 50 Meter heraus. Hier verwies Nord ring die ASC.er auf den dritten Platz, und Hornburg wurde knapp Werter. Alle anderen Kämpfe brachten ebenfalls nur sehr knappe Entscheidungen. H u w e- Ruhlsdvrf gewann überraschenderweise die 800 Meter vor Gülle- Stettin, Gideon-Hamburg und Braun-ASC. In den 3000 Meter ist Huwe jedoch augenblicklich der best« Mann im ersten Kreis. Die kurzen Strecken sahen die ASC.er nur nach scharfem Kampf als knappe Sieger. Die 4 X lOO-Meter-Stafette und die 10 X 100-Meter- Stafette konnten die beiden Schlußleute Wienicke und Heidt entscheiden. C o r t s- Brandenburg erreichte beim Speerwerfen die 50-Meter-Marke. Leider beeinträchtigte der Gewitterregen, traditionell für Lichtenberg, die Veranstaltung. Die Jugend befand sich in strömenden Regen auf der Strecke des 1000-Meter-Lauses. Schade, es war ebenfalls ein ausgeglichener Kampf. In Brustbreite- abständen kamen die ersten sechs Läufer ein. Bei den Frauen gab es gleichfalls harte Nüsse zu knacken. Die 4 X 100-Metcr°Stafette wie auch die. 10 X lOO-Meter-Stafele waren schöne Rennen. Di« männliche Leitung scheint sich bei den ASC.er bemerkbar zu machen. Den Abschluß bildete ein Hockeyspiel Kottbus-ASC., das Kottbus mit 4: 2 für sich entscheiden konnte. Endtämpsc. 100.Metlr.8onf, grauen: 1. Dumte. 5TS©a. Osten. 13,0; 2. Schacht, Eich«, Cöprnick, Brustbreitc lurstck.— lOO-Rcter-Lauf, Zn�end, Jahr. San« 12.13; 1. Grilnthal,„Stet-, Stettin, 11.9; 2. Wiese.«SC. Hamburg, 12,1. — lOO-fflcttr-Sanf, Zugend, Jahrgang U/15: 1. Wierzschaw-ti, ZTISB. Ost- ring, 12,9; Z. Geiseter. FTchB. Oberspree, 13,1.— 100.ffleter.8auf, ältere Dpartler: 1. Gcigler, MTB. Weißwasser. 134; 2. Heller I Wildau, Brustbr. lur. — 100.Metcr.8auf, ffläuuer,«lasse B: l. Polle, ST SB. Lichtenberg, 12; ?. Pcßnick. gTEB. Ostring, Brustbr. Mr.— 300.fflcter.8aus. Männer, 8a»s A: 1. Huwe, Ruhlsiarf. 2:1,9; 2.(Sülle, Stettin, 2:6. Laus B: 1. Cartum. ASC. Hamburg, 2:11: 2. Braun,®., BSC. Berlin. 4 Meter, jut.— 4 mal 100- Meter. Stafette, ffläuuer, Klasse B; 1. ssTSB. Ostring, 47,2; 2. ASC. Hamburg, 47,7. — 4 mal loo-ffleter-stasette, ffläuuer, Klasse A: 1. ASC. I, Berlin 46,7; 2. ZTSB. Nardring. 47,2.— Kugelstoßen, Zuacnb: 1. Marten, Ostring. 12,40 Meter: 2. Wiese, ASC, Hamburg, 12,35 Meter.— lOOO.fflcterSonf, Jugend: 1. Zlawc, Brandenburg, 2:59,8; 2. Szisch, Zehlendarf. 3:00,2.— Sochsprung, Kranen: X. Bleul, E., ZT HB. Osten, 1,38 Meter: 2. Schul.,, ASC, Berlin, lL8 Meter,— Speerwersen, ffläuuer: 1, Torts, Brandenburg, 50 Meter; 2. Schulze, Wkißwasser, 48.16 Meter.— Weitsprung älterer Spartler: l. Heller, Wildau, 5,30 Meter: 2. Ziertmann, Brandenburg, 5,07 Meter,— l00>M«ter.8aus, Männer. Klasse A: 1. Heidt. O., BSC. Berlin, IlL; 2. Säwlcr, Stettin, U,5.— 4 mal lOO-Metcr'Stafette, Kranen: 1. KTHB. Osten,.',.>.7; 2. ASC. Berlin 56,3. — 4 mal lOO-ffleter-Dtasette, Jugend: 1. TTSB. Ostring 50,4; 2. Branden, bürg SIL.— 3 mal IdOO-ffleter-Stasette, Männer: 1. Stettin. 8:32,1; 2. ASC Hambum. 8:45.1.— Schmedeustafette. Jugend, Lauf B: 1. Eiche. Cäpenick. 2:28,8; 2. KTGB, Oberfpree 2:36L. Lauf A; 1. KT HB. Ostring, 2:21L: 2. Weißwasser, 2:BL.— Hachspruug, ffläuuer: l. Harsch, ASC, Berlin, 1,72; 2. Capts, Branden. bürg, 1,67.— 10 mal>00. Meter.Stafette, Krauen: 1. ASC. Berlin 2ÄiL: 2, Schiineberg. 2:27,3.— 10 mal lOO-ffleter-Stafette, ffläuuer. 1.«SC, Berlin, 1:58,2; 2. ASC, Hamburg, 1:59,5.— Weitsprung, Zngcuv: l. Wirsc, ASC Hamburg. SLO Meter: 2. Krtluthal..Krei" Stettin, 5.80 Meter,— 4 mal 400.M«ter.Stasette. ffläuuer:, 1. Stettin. 3.(3,1; 2. KTGB. Nardring 3:45,3— 3000 fflet-r. ffläuuer: 1. Hinn«, Ruhl-dari. 9:44,4: 2. Kittlcr. KTHB.. Ost. ring 9:48.— Kugelstaßen, Krauen: 1. Schacht. Eich«, Cäpenick. 7,90; 2. Neu. mann, Weißwasscr, 7,45.___ Länderfu�ballfurnier Oesterreich Turniersieger in Antwerpen Die Ländermannschaften der bsfgijchen, österreichischen, deutschen und deutsch-tfchechischen Arbeiterfußballspieler gestalteten ihr« Spiet« in Antwerpen— aus Anlaß der Weltausstellung— mit zu den größten internationalen fußballfporttichen Geschehnissen der Sozialistischen Arbeitersport-Jnternationale. Am Sonnabend, dem 31. Mai, spielten Deutschland gegen Belgien und O e st e r- reich gegen die Lände rmaimschaft des deutsth-tschechischen Ber- bandes(Sitz Außig). Bei prächtigem Wetter spielten Belgien gegen Deutschland unentschieden 4: 4, während Oesterreich glücklicher Sie. ger über Außig mii 2:1 wurde. Sämtliche Länderoerlretungen zeigten sehr gute Leistungen. Um den Gegner für den Endkampf zu ermitteln, entschied zwischen Belgien-Deutjchland das Los. Am Sonntag, dem 1. Juni, traten als erste die Verlierer vom Bortag« Außig und Deutschland zum Wettstreit um den 3. Platz an. Durch besseres Angriffsspiel gewinnt Deutschland 4:2(1: i). Mit besonderer Spannung wurde dem Kamps der Sieger Oester- reich und Belgien entgegengesehen. Vor 4000 Zuschauern siegte Oeslerreich mit 6: 3 Toren. Mit diesem Siege wurde Oesterreich Turnierbester: den 2. Platz nimmt Belgien«in. den dritten Deutsch. laud u>ch den vierten Außig. Viele Worte— wenig Taten Abschluß der Olympiakongrefz-Beralungen Bis auf die Schlußfeier ist das Programm des Internationalen Olympischen Kongresses nunmehr unter Dach und Fach gebracht. Bor der letzten Vollsitzung am Donnerstag hatte man sich vorher geeinigt, alle Anträge zur Frage der Erstattung von Lohnausfall zurückzuziehen und an deren Stell« einen Kompromißoorschlog Edströnb-Lewald-Reichel einzubringen, des Inhalts, daß die Frvjc' „Entschädigung oder Rückvergütung von Lohnausfall" durch dos Comite Executiv(Vollzugsausschuß) gelöst werden soll. Ohne Debatte wurde dieser Kompromißantrag mit 69: 12 Stimmen an- genommen, wobei Sie Engläicher geschlossen gegen den Antrag stimmten. Im gleichen Sinne wurde auch die Anfrage, ob der Kongreß zu den mit der IOC. Auffassung in Widerspruch stehenden Bestimmungen der FIFA. Stellung nehmen wolle, behandelt. Auch hier soll das Executw-Comite die weitere Arbeit leisten. Dann ging es an die Beratung des Tagesordnungsprogramms der Olympischen Spiele. Mit 71: 13 Stimmen wurde beschlossen, daß die Spiele nicht länger als sechzehn Tage dauern dürfen. Größere Debatten gab es bei der Frage der Teilnahm« der Frauen, Diese sollen im Prinzip zugelassen werden; in welchen Sportarten bleibt dem Executw-Comite und den Verbänden überlassen. Dann kam der Kamps um die Teilnehmerzahl. Die Entscheidung führte Exz. Lewald herbei, der erklärte, daß Deutschland eigentlich auch für vier Teil- nehmer sei, mit Rücksicht auf die hohen Kosten aber für die Zahl drei stiminen werde. Darauf wurde mit 61: 38 Stimmen beschlossen, daß jede Nation im Maximum drei Telnehmer ohne Ersatzmann stellen darf. Gegen diesen Beschluß stimmten u. a. sämtliche Ber- treter von Amerika, England und Frankreich. Zum Schluß erstattete General Kentifh«inen Bericht über die Spielplatzfrage. Der englische Delegierte dankte nicht nur dafür, daß das deutsche Komitee den Delegierten die Besichtigung ber Berliner Spiel- und Sport- statten ermöglicht habe, er bat auch das IOC,, in seinen Berichten an die nationalen Komitees darauf hinzuweisen, daß Deutschland auf diesem Gebiete vorbildlich arbeite. Diese Anregung wurde von der Versammlung mit langonhaltendem Beifall quittiert. Heriha-BSC-icSin unentschieden In Köln konnte der Berliner Fußballmeister Hertha-BSE. gegen Sülz 07 nach zweistündiger Spielzeit nur unentschieden 1: 1 spielen. Bei Schluß der regulären Spielzeit stand das Resultat bereits fest.— Auf dem Preußenfportplatz in Berlin stan- den sich Eintracht-Frankfurt und Holstein-Kiel gegenüber. Die Kieler siegten überlegen mit 4:2.— Der Dresdener Sport-Club koimt« gegen die Spieloereinigung Fürth in Dresden nach 95 Minuten mit 5 t 4 siegreich bleiben.— Der Altmeister Nürnberg spielt« in Fürth gegen Schalk« 04. Die Westdeutschen mußten sich dem besieren Spiel der Nürnberger mit 2:6 beugen. Bülts gestrige Veranstaltung siel wieder dem Regen zum Opfert Ilm 15 II llhr sollten die Rennen beginnen, als der Gewitterregen sich prompt«instellte, so daß ein Befahren der Bahn unmöglich wurde. Die Rennen sollen nun heut«, 20.15 Uhr, zum Austrag kommen. Das Programm sieht den fünste�i Borlaus zur„Deutschen Fliegermeisterschast" und ein 50-Kilometer-Mannschaftsfahrsn vor. Die Besetzung ist die gleiche geblieben. von Nckolny geschlagen Im Freiluttring der Bockbrauerei Der letzte zweite Kampfabend des Freilustringes in der Bockbrauerei, der einen guten Besuch aufwies, wuro« mit der Begegminq Horst Riege- Berlin(73) und Walter Pietsch- Leipzig(72) eingeleitet, lltach einem recht unsauberen Gefecht blieb der Berliner nach Punkten erfolgreich. Erwin Z i n n d o r f- Wies- baden(61,5) ging mit Paul C z ir s o n- Berlin(61,2) über acht Runden. Zinndorf siegte nach Punkten, vielleicht wäre das Er- gebnis für Zinndorf noch erfolgreicher ausgefallen, wenn er nicht so viel daneben geschlagen hätte, Czirson bewies wieder große Härte. Einen wenig trainierten Eindruck machte Karl Walter. Berlin(85,6), der von seinem Landsmann Walter R e u s e l(85,6) ebenfalls nach Punkten abgefertigt wurde. Der Hauptkampf des Abends endete mit einem Punktsieg des Tschechen Franz N e k o l n y (65,1) über den Königsberger Helmut Schulz(66,5). Dem un- erhörten Tempo war Schulz auf die Dauer nicht gewachsen und selten konnte er den Gegner wirksam erreichen. Der sonderbare Kampfstil des Tschechen konnte allerdings keineswegs restlos b«> geistern. Schließlich gab es noch ein hartes Treffen zwischen Helmut H a r t t o p p- Berlin(78,1) und Emil K o s k a- Gleiwitz(77), oas der Gleiwitzer vermöge besserer Technik für sich nach Punkten«rsolg- reich entscheiden konnte.__ Abend-Motorradrennen Die Berliner Renngemoinfchoft(ADAC.-DMB,) veranstaltete auf der Trabrennbahn Mariendorf Motorradrennen bei elektrischer Beleuchtung, denen etwa 6000 Zuschauer beiwohnten. Die best« Fahrweise legte der Berliner R y l l an den Tag, der das Rennen der 250er-Maschinen mit einem Stundcnmittel von 82L Kilometer auf Wackburne gegen Tennigkcit-Berlin(Rudge Withworch) gewann und dann auch das Rennen der Halbliter- Maschinen auf Sunbeam mit der Tagesbestzeit von 97,1 Stunden- kilometer gegen Ziemer-Berlin(V-Rad) und den Wiener Killmeyer (Sunbeam) an sich bracht«. Letzterer lag bis zwei Stunden vor Schluß an der Spitze, mußte dann ober mit luftleeren Reifen zu Ende fahren. Das Vorgaberennen der Seitenwagenmoschinen sah den Malmann Möhring-Berlin(Brough Superior-Iap) mit einer Leistung von 89,7 Stundenkilometer in Front vor Thevis-Berlin (Norton) und Fork-Berlin(Sunbeam), die jeder 400 Meter Bor- gab« erhalten hatten, * Am Dienstag, 19% Uhr, konumt die Ortsgruppe Berlin der Deutschen Radfahter-Union mit ihrem ersten diesjähri- gen Rütt-Arena-Rennen heraus, 85 Amateure gehen wohl vorbereitet in die Rennen. Besonders interessante Kämpfe sind in dem Mannschaftsrennen zu erwarten, zu dem solgend« 14 Mann- jchaften zugelassen sind; O. Horn; A. Kolbe; Frankc-Wciß; Brctzkc- Kittler: Kalupa-Taltmann: Karbe-Wesenberg: Jänicke-Werse: Tode- wald-Zaifer: Pchl-Paul: Steudel-Weickert(Breslau): Arndt-Falken- berg: Gllltner-Materne; Mattern-Ouiudti Kottlarz-Schubert; Giel- Wogner. Die Eintrittspreise sind niedrig gehalten, WBEfm WSSBtiLL Resultate vom 1. Juni Die drückend« Hitze des gestrigen Sonntags wirkte auch auf die Fußballspieler. Bei einigen Dereinen ließ sich«ine Bekannt- gäbe der Resultate nicht erzielen, oder sehlte es an Interesse im Rundfunk? Gerade von den Spielen in Berlin sehlen ein großer Teil Resultate. Neukölln mußte sich sehr anstrengen, um gegen Vorwärts- Wedding unenkschieden(2; 2) zn spielen.— Lichtenberg II schien das Spiel vom Sonnabend gegen Lichtenberg I, das die„Einser" mit 6: 3 gewannen, in den Knochen zu stecken. Gegen Prigwalt mußten die Lichtenderger eine 1:2- Niederlage einstecken.— Unentschieden(2:2) trennten sich Ka r o w und Saxonia, nachdem die Karower bei der Paus« noch mit 1:0 in Führung lagen.— Im Tressen b|t Freien Scholle gegen Pankow konnten beide Mannschaften bis zur Halbzeit je ein Tor erzielen. Dann machte sich eine kleine Ueber- legenheit der Tegeler bemerkbar, die dann auch zum 3:1? Resultat für Freie Scholle führte.— Jüterbog und Niemegk trennten sich 4: 0(2: 0).— Woltcrsdorf spielte gegen Luckenwalde V 5:3. W e it« r e R« s u l la t e: Löwendors 1 gegen Luckenwalde 112 1:0. Luckenwalde III 2 gegen Treuenbrietzen 2 3:0. Woltersdorf 2 gegen Luckenwalde V 2 7:3. Jüterbogs 2 gegen Niemegk 2 5:2. Ruhlsdorf 2 gegen Luckenwalde I 2 0�6 Kinder beim Anturnen Wie alljährlich, so veranstalteten auch diesmal wieder die Kinder. nbleilungen der Freien Turn er schaft Groß-Berlin ein Anturnen. Der grüne Rasen des Sportplatzes im Friedrichshain hielt sich bereit, die Scharen der Kinder aufzunehmen. Zluch die Brudervsreine von R o w a w e s und Hennigsdorf beteiligten sich mit ihren Kinoerabteilungen au der Beranftaltung. Der Bor- mittag sah die Kinder im Mannschnstsdrcitampf, um für ihre Ab- teilung das Beste herauszuholen. Die größeren Knaben und Mäd- chen besetzten in starker Anzahl die Weitsprunganlagen: in einer anderen Ecke sah man wieder Faustballweftwsrfen aller Alters- klaffen, während die kleinsten eifrig ihr 2S-Meter-Laufen mit dem Medizinball bestritten. Manchmal hatte der Medizinball fast denselben Umfang, wie die Kinder. Ein Lausen von 60 Metern er- ledigten dann wieder die Aelteren. Nachdem auf dem Sportplatz die vorzüglichen Freiübungen schnell und lebhäft erledigt waren, kamen die Kinder in den Sta- fetten wieder zu ihrem Element. Hart und eifrig wurde»ort um den Sieg gekämpft, aber auch so manche Niederlage wurde sreu- digen Herzens hingenommen und man tröstet« sich aus eine bessere Zeit. Die Maffensingspiele und Spiele der einzelnen Abteilungen vertrieben dann die Zeit bis zum Schluß. Zwischendurch stanoen sich einige Mannschaften im Handballipicl gegenüber: Neukölln siegte gegen Nordost 3: 0, Nordring gegen Südost 6: 0 und Wedding gegen Hennigsdorf 0: 0. Zum Abschluß wies der Bereins-Kinderturnwart, Bundesgenosse Fellmann, auf den Bundestag in Köln hin und bat die Eltern, zum„Rast" wieder so zahlreich zu erscheinen. Der am Nachmittag nochmale herniedergehende Regen machte leider die volle Durchführung des Programms unmöglich, aber trotz- dem hielt alles bis zum Schluß aus. Lei den Segelfliegern in Gatow Am vergangenen Sonntag fand auf dem Segelflug- gelände i�i Gatow a. d. Havel die Taufe des ersten Segclftug- zeuges der 136. Jungfliegergruppe Gatow statt. Der Leiter der Gruppe begrüßte die zahlreich anwesenden Gaste, worauf Studien- rat Z i n n« ck e r vom Reict�verband der Lehrer zur Förderung des motorlosen Fluges das Wort zu feiner Tauf rede ergriff. Er beschrieb den mühevollen Werdegang des Flugzeuges. Er«rwähnie, der Grundsatz der Gruppe sei gewesen, durch den Bau dieses Flug- zeuges einen neuen Typ zu schaffe». Das fei auch in glänzen- der Weise gelungen. Das Segelflugzeug wurde auf den Namen „Uhu" getaust. Unier der Führung des Leiters der Gruppe ging der erst« Start vonstatten, wobei der„Uhu" auch schon seine hervorragenden Segel«ige nschnsten bewies. Drei Gleitflugzeug« stan- den dom„Uhu" Taufpaten. Anschließend fand ein Vergleichsfliegen der Flugzeuge des Realgymnasiums Friesen, der Oberrealschule Span- dau. der Flugschule Wilmersdorf und der 136, Jung- flicgergruppe statt, wobei sehr beachtliche Flugleistungen erzielt wurden. Arbeiter. Schach. 2lm Dienstag, dem 2. Juni, hält der Schach- genösse Meyke in der Abteilung Moabit der Freien Arbeiter- Schachoereinigung Groß-Berlin im Cafe Streng, Alt-Moabit 13, um 20 Uhr, einen Vortrag über das Eoansgambit. Anschließend findet ein Simultanspiel statt. Alle Meldungen zum Somnierturnier an E. Engel, Weißensee, Scdanstr. 86. TeuniaNot Srak-Berliu, Abt, Wclzcnsee, Am fflontnfl, dem 2. Juni, abciibs 8 Uhr, fintwt im Lolal oau Pclcrs. IBciftcnftf, Lichlrpbcrocr Sit. 13, unsere fflanataperfammluna statt. Taurist« n ,««111..Die Raturfr«uub«-, Zentrale Wie». Abt. Narben: Die»». tafl, 3. Juni, 20 Uhr, Ea nnenburger Clr, 20, Unsere Znaendarnvpe bietet etwas,— Abt. Webding: Dienstag, 3. Juni, 20 Uhr, Ere(Site Tnriner Sir, Bertiner Hmnar.— Abt, Kuurbaldibaiut Dienstag, 3, Juni. 2u Uhr. Ortdktr, 11). Unser Zeltlager am Walter See,— Zugendgruppe Osten: MiUwach, 4, Zuni, 20 Uhr, ffio&lecstt. 61. Einführung in den SozialislNus,— Abt, Heinub. brnunen: Dannerstag, 5. Juni, 20 Uhr, Pank. Ecke Wiefenstr, Literarischer Abenb.— Abt. Tiergarten: Dannerstag, 5. Juni, 20 Uhr, Lehrter Str. 18/19. Geschäftliches— Singsang,— Abt. Neukälln: Dannerstag, 5. Juni. 20 Uhr, Bergstr, 29. Geschäftliches, Nuderuerei»„Vorwärts" Berlin S, V, Dirns'ag, 3, Juni 20 Uhr. Vor- stanbssitzung, Donnerstag, 5, Juni, 20 Uhr, Mitgliedrroersaminlung. ZTSB., Bez. Adlershai. Alle Sportlerinnen und Spartler treffen sich am Dienstag, dem 3, Juni, auf der Rehwiese an der Birkenallee um 18 Uhr jum Uebungsabeud. Arbeiterschach in«aulsdors. An? Dienstag, dem 3, Juni, teeffen sich alle bunbesireue» Arbeiterschachspieler im Lolal oan Hübmr, Wilhrlmstr. 20, um 20 Uhr, Schachunterricht kastrnlos, Freie Schwimmer Sroh-Berlin S. B. Gruppe Neukälln: HA,.Sistung Dienstag, 3. Juni, 20,30 Uhr, Sommerbad,— Hnippenocrfammlimg IZreitag. 6. Juni, 20 Uhr. Sammerbad,— Gruppe Lichtenbera: gunktionärsituing Dienstag, 3. Juni, Sammeetad.— Gruppe Siemensftabt; Gruppenperfamm- lung Freitag. 8. Juni. 20 Uhr, bei Sammer, Rannendommaller, itartellbezirl 16: Sihung Freitag, 6. Juni. 20 Uhr, Schlahstr. 27 I.— Ausgabe des Materials für RAST, Kartell fit« Arbeiterlpart und Norpcrpslege, 15. Bezirk Treptow. Heute 20 llhr Kartellfihung bei Pomp, Nlederschäneweide, Hasselwerderstr. 12. Erscheinen aller Delegierten ist Pfticht. Besprechung zum RAST, Kartellbezirl Weddiug. Betrisft alle Dereine! Am Moniag, 19 Uhr, Kartell» sthung im Spartshaus Rehberge, Ausgabe der Rafttarien, für Jugendliche und Arbeitslose verbilligte Karten, Ausgabe der ssragebogen für Beihilfe. Pro« grammfeftfcjinnfl unserer Wrrbewache, hierzu müssen sämtliche Bereine durch Delegierte und Techniker»rrtretrn frin, auch di« Vereine de» Arbelier-Angler- Bundes, Bericht von irr HA.»Erdung, ♦ Massenaufmarsch der Krauen. Z�iesenbeieiligung am Lnternaiionalen Frauentag in Berlin. Ein schöner und erhebender Abschluß der sozialdemo- lratischen Frauen-Werbewoche war am Tonntag daS Massenmeeting auf dem Platz an der„Einsamen Pappel". Auf neun Plätzen im Norden sammelten sich die Zuge. Aus allen Straßen im Bezirk Prenzlauer Berg klangen die alten Kampflieder. Und die grauen Häuserfronten grüßten die sturmerprobten Banner der Berliner Kreise, die die Frauen in den Zügen mitführten. Transparente und Plakate riefen in sinnfälligen In- schriften zur Sammlung der Frauen in der Sozialdemo- kratie auf. Bom Koppen-, von» Pappel- und vom Brun- nenplatz aus marschierten tausende Frauen, die sich zu dieser Kundgebung in Reih und Glied gestellt. ES fehlte auch die Jugend nicht. Mehrere tausend Jungen und Mädel der Sozialistischen Arbeiterjugend mit Fahnen und Kapellen schlössen sich am Brunnenplatz dem Zuge der Frauen an. Vor der Rednertribüne weht die groß« rote Fahne, neben dem Podium ragt das Banner des Bezirksverbandes Berlin der Sozial- demokratischen Partei empor. Imposant ist der Anblick des großen Kreises der Frauen, Männer und Jugendlichen, die auch die Unbill de« Wetters nicht verscheucht, imposant ist di« Schau der zahllosen roten Fahnen und Banner. Käthe Kern eröffnet den Internatio- »alen Frauentag und begrüßt besonders herzlich unsere österreichische Genoffin, Nationalratin Gabriele Prost. Der Internationale Frauen- tag steht in diesem Jahr« im Gedenken an August. Bebel, den großen Vorkänipser für die Gleichberechtigung der Frau, unter dem Motto: Die Frau und der Sozialismus. Wirtschaftliche und gesellschaftlich« Umwälzungen schufen die sozialistisch« Frauenbewe- gung, die gleichen Umwälzungen geben auch heute den Frauen mehr als je Veraitlassung, mitzuhelfen an der Befreiung der Arbeiter- tlass«. Die politischen Ereignisse der letzten Zeit aber machen es uns zur Pflicht, alle proletarischen Frauen zu sammeln gegen Faschis- wus, für Völkerverständigung, gegen Sozialreaktion, für Arbeits- schütz. Unter Max Schaarschmidts mitreißender Leitung sang der Volkschor„Harmonie"-(5harlottenburg vom Arbeitersängcrbund die Arbeitermarseillaise. Dann nahm das Wort unsere österreichische Freundin, Nationalratin Gabriele prost, deren inhaltsreiche Ansprache in ihrer Wirkung durch das immer stärker werdende Unwetter leider beeinträchtigt wurde. Sie führte aus: Ich überbringe den Gruß von 200 000 organisierten österreichischen Parteigenossinnen, die sich sreuen, ein« der Ihren gerade zu den Berliner Sozialdemokratinnen schicken zu dürfen. Wir können Ihne» mitteilen, daß Ihre österreichische Bruderpartei auf dem Posten ist, um unser'kleines Land, das die gleiche Sprache, die gleiche Kultur hat wie Deutschland, vor Faschismus und sozialer Reaktion zu schützen. Unsere Frank ist dieselbe und auch unsere Sorgen sind dieselben. Wie in Deutschland, so droht auch in Oesterreich die Reaktion, die Errungenschasten der letzten zwölf Jahre auf politischem Gebiet zu beseitigen und den Boden zurückzugewinnen, d«n wir in sozialen Fragen gewonnen haben. Dieser Kampf ist international, aber international ist auch die sozialistische Bewegung und in ihr die so- zialistische Frauenbewegung. Vor zwanzig Jahren war in Ko p e n- Hagen die Einführung des Internationalen Frauentages beschlossen als Ausdruck des Zusammen- schlusscs der arbcitcnküen Frauen aller Länder. Damals war das thauptziel die'Gcwinnung der politischen Gleichberechtigung der Frau. In vielen Ländern ist dieses Ziel erreicht worden. Hin so mehr richten sich unsere Gedanken heute zu d«n Völkern, die in Unterdrückung leben, bei denen die Frau keine Rechte, sondern nur harte Pflichten und schwere Lasten hat. Wir alle wällen noch unseren Kräften in gemeinsamer Arbeit dafür sorgen, daß die Menschheit, und in ihr wir Frauen, frei werden. Bei Wolkcnbruch, Donner und Blitz erklang dann Maldens Chor „Sei stark". Schaarschmidt und seine getreuen Arbcitersänger uns Arbcitersängerinnen ließen sich auch durch das Unwetter nicht aus der Fassung bringen. Es folgte die Ansprache der �eichsiagsabgeordneten Mathilde Wurm: „Wir sozialistischen Frauen, die wir mehr als ein Menschen- alter um die Aufrüttelung und Befreiung der Frau kämpfen, sehen in der sozialistischen Frauenbewegung nureincn Teil der Ge- s a in t a r b c i t e r b e w e g u n g. Es ist kein Aufstieg möglich nur "iir die Frau, nur sür den Mann. Mit Recht sagte unser großer Bebel: es gibt kein« Befreiung der Menschheit, ohne die soziale Un- abhängigkeit und Gleichstellung der Geschlechter. Mit uns kämpften schon vor dem Kriege Massen. Neue Scharen kamen zu uns in den Tagen der revolutionären Erhebung im. November l9l8. Es war die Empörung gegen die Barbarei des Krieges, die sie zu uns stieß. Atter und Jugend, Mann und Weib waren beseelt von eisernem Willen zm» Schutz der Arbeitskraft, zur Verbesserung der Lebens- Haltung und zur Abwehr wirtschaftlicher Ausbeutting. Aber dos allein ist nicht Sozialismus. Sozialismus ist mehr. Cr will nicht nur, daß«s dem Arbeitenden besser gehe in der kapitalistischen Gesellschaft. Er kann sein Zi«l nie erreichen durch Bündnisse, mit denen die Träger der heutigen Gesellschaftsordnung sind. Der Sozialismus ist die Neugestaltung der Welt. Allen bietet er gleiche Bildungsmöglichkeiten, durch Oekonomie der Arbeitszeit beseitigt er die Not der Erwerbslosigkeit. In der Freizeit gibt er Gelegenheit, Kunst und Wissenschast, Spiel und Sport verständnisvoll zu ge- ni«ßen. Ab«r nicht im Sinne der bürgerlichen Vergnügungen, son- dern im Zusammenhang mit den Kämpfen des Alltags. Er wird eine nie geahnte Entfaltung der Persönlichkeit bieten: Wissen und Technik, d«rcn Fortschreiten aber nicht in dem Sinne, daß die Tech- nik eher ein Hemmnis als ein Fortschritt der Entwicklung ist und als Mittel zum Abbau des Lohnes dient. Di« ökonomischen Ver- hältniss« des industriellen Kapitalismus und durch die bedingten Klassenkämpfe lassen diese Wandlung entstehen, die einem Zustand der Menschheit ein Ende bereitet, der das soziale Unbehagen der ungeheuren Mehrheit schuf. Die wissenschaftliche Erkenntnis von der zwangsläufigen Entwicklung zum Sozialismus zu verbreitern, und Begeisterung zu wecken für den Kampf um die Erreichung des Zieles, den Massen den Weg zu weisen und sie dem Sozialismus zu gewinnen: das ist unsere Ausgabe, das ist der Sinn des Internatio- nalen Frauentages. Wir schwärmen nicht nur für Menschheit?» ideal«, das mag die bürgerliche Welt tun: wir ergreisen Partei. Uns ist Menschheitsbeglückung nicht Lippenbekenntnis, sondern Tot der Umgestaltung. Wir kämpfen gegen die bürgerliche Welt durch internationalen Zusammenschluß und echt«? Klassenbewußtsein, da- mit wahr werde dos Wort des Liedes: Schon ertönen die Signale, Ein neuer Tag dringt ein. Die Jnternattonale Wird die Welt befrei'n. Der Sprcchchor der freien Gewerkschaftsjugend trug dos er- greifend«„Mütter an Maschinen" vor, das mit wachsender Er- griffenhcil angehört wurde. Es folgte die Ansprache der Landtagsabgeordneien Hanna: Das Wirtschaftsleben von heute dient nicht der Deckung des Bedarfs, sondern dem Profit. Durch dieses Profitstreben«ntsteht di« Not der schaffenden Männer und Frauen. Di« Beseitigung des ungesunden Zustandes kann nur durch Zusammenschluß der Arbeiten- den in Partei und Gewerkschaft herbeigeführt werden. Die Herr- Ichenden fürchten mit Recht die Beseitigung ihrer Machtposition und eine Einschränkung ihrer vorteilhaften Stellung. Zusammen be- lämpfen sie das Streben in geschlossener Gegnerschaft, das Streben der Arbeiterschaft nach körperlicher und geisttger Entwicklung. Aus diesem Grunde wälzen sie auf unsere Klasie die Lasten ab. Das be- weisen die Geschehnisse der letzten drei Monat«. Drei Millionen stöhnen seit Jahren über Arbeitslosigkeit, aber nur dem sozialistischen Einfluß ist es gelungen, die Unterstützung durchzusetzen, die der Bürger eine Prämie auf Faulheit nennt. Lohnabbau und Arbeilszeitvcrlängerung sind das Ziel der bür- gerlichcn kreise, trotzdem Millionen von Menschen sehnsüchtig daraus warten, in den Produktionsprozeß eingegliedert zu werden. Würde hieraus die rechte Lehre gezogen, dann würden Männer und Frauen des Proletariats sich zu einheitlichem Willen zusammen- schließen in der Gewerkschaft und der Sozialdemokratischen Partei, um die Absichten der Gegner zu verhindern. Gerade die Frauen müssen hinein in die Gcwerkschaft-s front. Ihnen liegt die Versorgung der Familie ob, jede Verteuerung der Lebenshaltung, jeder Lohn- und Arbeitsabbau muß sie mit inrmer größerer Sorge erfüllen. Di« gesamte Sozialpolitik soll abgebaut werden: denken wir doch nur an den Kampf um die Wöchnerinnen- Hilfe und uni den Schutz ihrer Kinder, der Säuglinge und der Iu- genilichen. Um alle diese Gefahren abzuwenden, um die Zustände zu bessern, müssen wir Frauen uns gewerkschaftlich zusammenschließen. Die Republik gab durch die Sozialdemokratie den Frauen die politische Gleichberechtigung. Durch die Gewerkschaft wird sie auch die wirtschaftliche Gleichberechtigung erringen. Streben wir nach Vermehrung unseres Einflusses, rufen wir die Frauen unserer Klasse zum Anschluß auf, damit wir die Bahn frei- machen durch Komps in Partei und Gewerkschast sür«ine glückliche Zukunft. Wiederum erscholl der Gesang unserer Arbeitersänger, Uth- manns Chor„Der Freiheit mein Lied". Dann brachte Käte Kern das begeistert aufgenommene 5)och auf die international«, Völker- befreiende Sozialdemokratie aus. Der gemeinsame Gesang der „Internationale" schloß die schöne, trotz der Mißgunst des Wetters wohlgelungene Nachmittagsfcier unserer Berliner sozialdemokrati- schen Frauen. Die nächsten Stunden waren dem Ausruhen gewidmet. Das Wetter hatte sich erfreulicherweis« aufgehellt. Auf den Spielplätzen vergnügte sich unsere Jugend mit Ballspiel und Reigentanz: die jüngsten sozialdemokratischen Erdenbürger und Erdenbürgerinnen wurden von unseren bewährten Kinderfreunden betreut und ver- anstalteten mit viel Lärm und Hallo ihr Sacklaufen, ihr Eierhüpsen und was der unzähligen Spiele mehr sind. Wer als Erwachsener über die Plätze ging, konnte an diesem Nachmittag wieder einmal so richtig erkennen, wie groß der Unterschied zwischen sozialdemokrati- scher und kommunistischer oder hakenkreuzlerischer Jugend ist. Die Feier am Abend stand wieder ganz im Zeichen der Jugend. Kinderfreunde, Sozia- listische Arbeiterjugend und Freie Turnerschaft bestritten gemeinsam das Programm. Und die„Alten" ließen sich gern vom festfreudigen Geist der Jugend anstecken. Rote Fahnen wehten über dem großen Halbkreis vor den Sprechchöven, ü« mit Hingabe an die Sache und einer edlen Begeifterung vorgetragen wurden. Mit Recht konnte die Reichstagsabgeordnet« Bohm-Schuch in ihrer Ansprache auf die Jugend hinweisen, die unsere Fahne hochheben wird, wenn sie unseren Händen entfällt, und die dazu berufen ist, unser« Ideale zu verwirklichen. Mütter und Kinder streiten gemeinsam für das groß« Ziel, der sozialistische Gedanke oereint sie mit den arbeitenden Frauen aller Länder. Und wie ein Gelöbnis klang es im gemein- samen Schlußgesang:„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit...". Nach Schluß der Feier war auf dem weiten Sportplatz noch ein fröhliches Gewimmel von Menschen, die blauen Kittel der Arbeiterjugend und die roten Schlipse der Roten Falken belebten das Feld. Endlich, nach einbrechender Dunkelheit, begann das lang erwartete Feuer- werk, dem bereits ernste Konkurrenz in Gestalt eines aufziehenden Gewitters drohte. Während schon die ersten Blitze zuckten, ver- breiteten Feuerräder ihr farbiges Licht und Leuchtraketen zischten von vielen Ah's und Oh's begleitet in die Nacht. So wurde die internationale Frauenwerbewoche, eine Woche angespannter Tätig- keit für die Partei, mit einem„Volksfest" im besten Sinne be- schloffen._ Bezahlung kirchlicher Feieriage. Eine wichtige Entscheidung des Arbeitsgerichts. Eine gang un-oerständliche Rechtsunsicherheit herrscht immer noch in der Frage, ob ein Unternehmer berechtigt ist, Wochen- lohnempsängern für den Arbeitsausfall an kirchlichen Feier- tagen innerhalb der Woche den, Lohn abzuziehen. Dem Berliner Arbeitsgericht hat im Anschluß an die Osterfeiertage ein derartiger Fall vorgelegen. Einem mit 60 Mark Wochenlohn beschäftigten Hausmeister und dem Niederdruckheizer des gleichen Hauses, der für 53,50 Mark wöchentlich zwei Kessel bedienen muß, wurde der Lohn für den Karfreitag und den Ostermontag nicht bezahlt. Der beklagt« Hausbesitzer berief sich auf ein in der„Recht- sprechung für Arbeitsfachen" veröffentlichtes Urteil des Landes- arbeitsgerichts Görlitz, wonach im Oktober v. I. derartige Abzüge für zulässig erklärt wurden. Das Görlitzer Gericht spricht den Unternehmer von der Verpflichtung, Feiertage zu bezahlen frei, weil er für das gesetzliche Verbot der Feiertagsarbeit nicht vereint- wortlich fei. Nur n«nn ausdrückliche Vereinbarungen getrofsen sind, die zur Zahlung verpsiichten, oder wenn durch jahrelange still- schweigende Zahlung ein sogenanntes„Bettiebsgewohnheitsrccht" entstanden ist, kann der Arbeiter feinen Lohn beanspruchen. Außer- dem konstruierten die Görlitzer Richter einen besonders merkwiirdi- gen Unterschied zwischen Gehalts- und Lohnempfängern: Für Ge- haltseinpfänger lehnen sie den Abzug ob, weil es sich„um eine verhältnismäßig geringfügige Minderung der Gesamtarbeit" handelt: beim Lohnempfänger ober verkünden sie:„der Arbeitsausfall ist auch viel zu erheblich, als daß man hier einen Abzug als etwa gegen Treu und Glauben verstoßend anfehen könnte". Erfreulicherweise Hot sich die Berliner Portierfachkammer unter dem Borsitz von Amtsgerichtsrat Glückstein dieser Widerspruchs- vollen Eiufcheidung nicht angeschlossen und den Unternehmer zur Zahlung der beiden Lohntage verurteilt. Das Ver- liner Gericht betont mit Recht, daß der Arbeiter mit seinem vollen Wochenlohn rechnet und sein« Lebenshaltung danach einrichtet. Immerhin wären ja auch die gefetzlichen Feiertage wie die Sonn- tage zum Ausruhen da. Für den speziellen Fall spricht noch der Manteltarifvertrag zwischen dem Verband der Geschäfts- und In- duftriehausbefitzer E. V. und dem Deutschen Portierverband, in dem für Hausmeister und Niederdruckhcizer ausdrücklich die Festsetzung von Wochenlöhnen bestimmt ist, während für ander« Ar- bcitnehmergvuppen Stundenlöhne vereinbart wurden. Das das Urteil mit Rücksicht auf die grundsätzliche Bedeutung sür berufungsfähig erklärt worden ist, kann man gespannt sein, ob die höheren Instanzen die Entscheidung bestätigen, oder, wie leider schon so oft, mit bürgcrlich-rechtlichen Spitzfindigkeiten umstoßen werden.> H. W. Moniae. 2. Juni. w Berlin. 16.05 Hunold Strakosdi, Hamburg:„Theater im Lande— Theater an der Grenze". 16.30 Solisten-Konzert. 1. a) Frcscobaldl: Aria con Variation!; b) Bach: Toccata D-Dur.(Grete Sultan, Klavier.)— 2. a) Tschercpnin: Der See in Zarskoje-Selo; b) Rimsky-Korssakow: Das Mädchen und die Sonne: c) Borodin: Zum Heimatstrand zurückzukehren; d) Borodin; Der Gernegroß.(Oertrude Weinschenk. Alt. Am Flügel: J. Bürger.)— 3. Chopin; Drei Impromptus.(Grete Sultan.)— 4. Grctschaninow: Lieder.(Aus dem Manuskript.)(Gertrud Weinschenk.)— 5. Debussy; Pr6!ndcs.(Grete Sultan.) 17.30 Harry Kahn:„Ich komme eben aus dem Theater". 18.00 Reg.-Rat Leo Horwitz:„Die Abtragung der Tribute— ein Absatz- problcm". 18.30„Zwei Betricbsleutc unterhalten sich über den Werkton". 19.00 Musikalisches Magazin. 19.55 Arbeitsmarkt. 20.00 Oberingenieur Walter Schäffer;„Rundfunkempfangsstörungen auf Schallplatten". 20.30 Scndespiclc„Die Briganten". Operette In 3 Akten von J. Offenbach. Anschließend bis 0.30; Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Nachmittagskonzert von Breslau. 17.30 Min.-Rat Dr. Karl Haslinde: Die SchnlfunkbePregung w Preußen. 17.55 Dr. Konrad Dürre: Das Kinderlied. 18.20 Graf Stenbock-Fermor: Warum lachen wir über Adamson. 18.40 Prof. Dr. Mildbraed; Die wichtigsten tropischen Kulturpflanzen. 19.05 Englisch für Anfänger. 19.30 Joh. Böttner; Ernte und Marktzurichtung im Gartenbau. 20.00 Reichsminister Prof. D. Dr. Bredt:„Staat und Kirche". 20.30 Von Köln: Abendkonzert. FOX / tJunaC U/ces&rxj xj