Morgenausgabe Dienstag ■■ MM«7�1 II»»»MM Auswärts ispf. einschließlich 60 Pfg. Postzeituag»- und{ lr�WS§ �1 �1 �1|») �1 �S| j�H bH Hfl 72 Sffl Tioftbefteüflcbüljren.«u.land» /MW IHH IH H HHH BH» M)» W Z' v»«onp-r»«.,. »donn«mem S.- M.»ro M-n«. WA DW W W«» DB WW � DW! ÄL.»o vlennlg Weflcme eile 5.~ ytna Tr�H H H Hl t■B' M> M| BS JKkjflaP, d°» ■H H■ DB BBV. Ml»ruckl, Won ZS P!e>m>g izuilillm 1° v».v-rwins» eriq»,m imichenl»«. BW �fll �Bvjfl\ � HÜ HSB lettgebruiftr Sorte), lebe« meliere ffi Hd) jmeimoi, Sonntag« unbTKontag» // HD 12 Pfennig. Slellengeluch, bae ei einmal, bie SIbenbausoaben(ür Berlin/'~S ÜHAV /r Hg» Bort IS Biennlg. lebe« meliere B unb im f)anbel mii bem Titel Der ER l 10 Plennlg Borte über 15 Buchstat Bbenb". JllustrieNe Beilagen„Soll JSBSM-Z.- 4 t-hlen für jroei Borte«rbeitsma unb3eit-unb.Jtinberfreunb-.5emer M»|M_ � V.._..«. llilÄ«Ql#- ll_ jr» SeileMBfemiig.Samillenonaeigenai ssssss Nevunsv Vvttsbtchtt fe-tÄTs-x Jentralovsan der Gozialdemokrattschen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SÄ 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönboss 292—291 Telegranim.Adr.t Soilaldemokral Berlin. Moskau. 2. Juni. Je näher der Ausammentritt des Kongresses der Kommuni- ftischen Partei der Sowjetunion heranrückt, um so schärser werden die Angriffe der Rechtsopposition gegen Parteileitung und Sowjet- regierung. Dabei gehen die R e cht so p p o s> t i o n e l l e n, wie die„Prawda* feststellt. hond in Hand mit der Llnksopposiitior. d. h. den Trotzkisten. vor. Die Rechtsopposition beschuldigt gaiy offen das Zentralkomitee der Partei, von den„Abirrungen" bei der forcierten Kollektivierung der Landwirtschaft gewußt zu haben, ohne Maßnahmen dagegen zu treffen, da das Zentralkomitee gehofft habe, mit diesen Mitteln die Sozialisierung des Dorfes zu erreichen. In der Parteizelle der Moskauer Timirjasew-Agrar- akademi« erklärten die Vertreter der Rechtsopposition, das Zentral- komite« der Partei Hab« bewußt Lügcnmeldungen über da» Anwachsen der Kollek- tivierung sowie über den angeblichen Umschwung in der politischen Stim- mung de» Dorfes zugunsten der Kollektivierung verbreitet. Das Zentralkomitee fei für olle„Abirrungen" verantwort- l i ch. Dies werde ollein schon durch die Tatsache bewiesen, daß sämtliche lokalen Parteiorganisationen die gleichen Fchler begongen hätten. Gleichzeitig wird au» dem Bericht über den Kongreß der Kom- munistischen Partei Sowjetarmeniens bekannt, daß na» tionaltstische armenische Elemente gemeinsam mit den beiden Appositionen von rechts und links vorgehen. Die „Pramda" erklärt, die Partei werde nach wie vor er bar» mungslos gegen alle„Abirrungen'ankämpfen. Die Zunirationen in Leningrad. teningrad, 2. Juni(Ost«$xpreß). Die Iunirationen in Leningrad find wie folgt festgesetzt worden: t. Kategorie—Zucker 1500 Gramm, Tee 50 Gramm, Makkoroni 800 Gramm, Hirse 2 Kilogramm, Sonnenblumenöl ein halbeu Liter. Hering« 1200 Gramm, Seife SOV Gramm; 2. Kate- Vorwäris-Verlag G.m.b.H. gorie— Zucker 1500 Gramm, Tee 50 Gramm, Mokkaröni 700 Gramm, hirf« 1 Kilogramm, Sonnenblumenöl Ü Liter, Hering« 800 Gramm, Seife 250 Gramm. Kinder erhalten 500 Gramm Hafergrütze, 500 Gramm Manna und 800 Gramm Reis Anschlag in Karpato-Rußland. Auf den Archidiakon Szobow. llngoar. 2. Juni. Anläßlich des heute in der karpatorussischen Hauptstadt Ungvar unter zahlreicher Beteiligung abgehaltenen„I a g russischer Kultur" wurde auf den greisen Archidiakon S z a b o w, als er dos Theatergebäude verließ, von einem jungen Mann«in Revoloerfchuß abgegeben, der Szabow jedoch nicht verletzte. Der Täter wurde sofort verhaftet. Es ist die» der 18jährige Fedor Tatcinec, ein Schüler de, dritten Jahrgangs des griechisch-katholischen Seminars, der«ingestand, da» Z�teniot ge- plant zu haben. Außer Tatcinec wurde auch«ine zweite Person verhaftet, die das Attentat gutgeheißen hatte. Man verrnutet als Grund des Attenists nationale Z w i st i g kei t e n, weil Tat» cinec ukrainischer Gesinnung ist In der Stadt herrscht groß« Erregung. Der Festabend wurde abgesagt. Di« karpato- russisch« Rundfunksendung, die heute in Ungvar statt- finden sollte, wurv« behördlich oerboten. Grenzzwischenfall bei Guwalki. Zwischen Litauen und Polen Warschau. 2. Juni.(Eigenbericht.) In der Röhe von S u w a l k i an der polnisch-litauischen Grenze wurde— wie die Warschauer Presie am Montagabend meldet— in der Nacht zum Sonntag eine polnische Grenzpatrouille von den Litauern heftig beschossen. Ein polnischer Unter- offizier wurde verletzt. Bisher konnte noch nicht festgestellt werden. ob die Schüsie von litmiischen Grenzsoldaten oder von Schani!»- Banden abgegeben worden sind. Polllcheckkomo: Berlin Z7SS6.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Snaestellten und Beatnien. Wallsir KZ Dt B u Di»c-Bei Tepolitenkalle Litrdenltr 8. „Goziallasten"in England Was die Unternehmer zu tragen hoben. Zu den Ländern, wo die soziale Versicherung am besten ausgebaut ist, gehört Großbritannien. Die Kranken-, Invaliden- und Arbeitslosenversicherung wurde hier 1S11 eingeführt; die Witwen-, Waisen- und Altersversicherung folgte 1925. Die Entschädigungspflicht bei Unfällen besteht feit 1897, es ist jedoch den Unternehmern freigestellt, sich gegen das Unfallrisiko zu versichern oder nicht. Eine Altersfürsorge, deren Kosten ganz, vom Staat bestritten werden, wurde 1998 eingeführt und nach der Schaf- fung der Altersoersicherung beibehalten. Nachstehend wird ein Ueberblick der K o st e n dieser ver- schiedenen sozialen Bers'cherungen und ähnlichen Einrich- tungen in den letzten Jahren gegeben. Es ist dabei nur auf Großbritannien(England, Wales, Schottland), nicht aber auf Nordirland, mit rund 43 Millionen Einwohnern Bedacht genommen. Die Beträge find auf der Grundlage 1 Pfund Sterling- 20 M. umgerechnet. Von allen Zweigen der Sozialoersicherung erfordert die Arbeits! osenversicherung die höchsten Auf- Wendungen. Ihre Kosten betrugen 1927 869 Millionen und 1928 1977 Millionen Mark. Für Leistungen wurden 1927 733 Millionen und 1928 886 Millionen ausgegeben; der Rest traf auf Verwaltungskosten und Zinsen für aufgenommene Darlehen. Die Zahl der Versicherten war Mitte 1928 11 639 999. Das im März dieses Jahres in Kraft getretene Gesetz zur Abänderung des Gesetzes über die Arbeitslosen- Versicherung brachte eine Erhöhung der Unter- st ü tz u n g s s ä tz e der 17- bis 19jährigcn Versicherten sowie der Zusagunterstützungen für erwachsene Angehörige. Der Krei» der Personen, die auf Zusatzunterstützung Anspruch haben, wurde erweitert. Ferner wurde die Äestimmung aufgehoben, wonach jeder Arbeitslose, der Unterstützung beansprucht, den Rachwew zu erbringen hatte, daß er tatfäch- lich Arbeit suchte, aber außerstande war. ein- entsprechende Beschäftigung zu finden. Nach dem neuen Gesetz kann ein Arbeitsloser nur dann vom Unterstützungsbezug aus�e- schloffen werden, wenn erwiesen wird, daß er ohne hin- reichenden Grund die Annahme einer entsprechenden Beschäf- tigung ablehnte oder daß er unterließ, ihm erteiUe schriftliche Anordnungen zu befolgen, die bezweckten, ihm zu einer ent- sprechenden Beschäftigung zu verhelfen. Besonders die eben erwähnte Aegderung des Gesetzes wird bewirken, daß unter sonst gleichen Umständen die Arbeitslosenunterstützung stör- t e r als bisher in Anspruch genommen wird. Der Kranken- und Invalidenversicherung unterstehen mit einigen unbedeutenden Ausnahmen alle Arbeitnehmer im Alter von 16 bis 65 Iahren. Im Jahre 1928 waren 17 431 999 Personen versichert. Die über Fünf- undsechzig- bis Siebzigjährigen schieden mit dem 1. Januar 1928 aus, als das Gesetz von 1925 über die Witwen-, Waisen- und Altersversicherung wirtsam wurde. Die Barleistungen sind Kranken», Invaliden- und Mutterschastsgeld. Außerdem werden ärztliche Behandlung und Heilmittel gewährt. Die Einnahmen der Versicherung betrugen 1928 ins- gesamt 777 Millionen Mark, und zwar in England und Wales 695 Millionen und in Schottland 82 Millionen Mark. Inbegriffen sind dabei Staatszuschüsse von zu- sammen 143 Millionen Mark. Die übrigen Einnahmen be- stehen in Beiträgen der Versicherten und ihm Arbeitgeber. Gebühren, Vermögenszinsen usw. Der Staat trägt einen be- stimmten Anteil der Kosten der Versicherungsleistungen und ihrer Verwaltung, nämlich ein Siebentel im Falle männ- sicher und ein Fünftel im Falle weiblicher Mitglieder. Ferner kommt der Staat auf für die gesamten Kosten der Zentral- Verwaltung, mit Ausnahme der Verwaltung gewiffer Son> derfonds. Die Gesamtkosten der Versicherung waren 1921 597 Millionen Mark, 1928 752 Millionen Mark. 1929 768 Millionen Mark. Werden die Ausgaben für Verwaltung und für andere Zwecke getrennt, so ergibt sich für das Jahr 1928 folgende Uebersicht: Verwaltungstosten 195 Millionen Mark, sonstige Ausgaben 647 Millionen Mark. Auf Verwaltungs- t o st e n entfielen 14 P r o z. der Gesamtausgaben. Das Gesetz über die obligatorische Witwen». Waisen- und Altersversicherung vom Jahre 1925 Silt praktisch für denselb«n Kreis von Personen wie das rankenversicherungsgesetz. Seit Januar 1926 werden Witwen- und Waisenrenten, seit Januar 1928 auch Alters- renten an Versicherte oder deren Ehefrauen im Alter von 65 Iahren auswärts gezahlt. Mit einem neuen Gesetz, das am 2. Januar 1939 in Kraft trat, wurde der Kreis der ansvruchsberechtigten Ehefrauen und Witwen erweitert Die Aufwendungen für die obligatorische Witwen-, Waisen- und Altersversicherung bezifferten sich 1928 auf 239 Millionen Mark, 1929 aber werden sie bereits auf 476 Millionen Mark geschätzt. Beitragsfreie Altersunter st ützung er- halten auf Grund von Gesetzen aus den Iahren 1998 bis 1924 über 79jährige Personen Der Aufwand bezifferte sich 1927 auf 674 Millionen und 1928 auf 698 Millionen Mark. Frick gegen Wirth. Verschärfung des Konfliktes durch das thüringische Kabinett. Weimar. 2. Juni. Die thüringische Regierung beschloß in einer heute nachmittag abgehaltenen Kabinettssitzung, bem S r- suchen bes Reichsinnenmini st ers auf Zurück- nähme der Bestellung von Nationalsozialisten zu Polizei» direktoren nicht stattzugeben und für den Fall, daß der Reichsinnenminister die Polizeizuschüsse aus diesem Grunde sperren sollte, den Itaatsgerichts- hos für das Deutsche Reich anzurufen. » Nach dieser offiziellen Absage der thüringischen Regierung an den Reichsinnenminister bleibt Herrn Wirth nichts anderes übrig, als nunmehr seine Ankündigung wahr zu machen und die Polizeizuschüsse zu sperren. Die offi- z i e l l e Mitteilung über die Sperre wird Thüringen zugehen. sobald das Antwortschreiben der thüringischen Regierung auf den letzten Brief des Reichsinnenministers in Berlin ein- getroffen ist. P r a k t i s ch ist die Sperre insofern bereits in Kraft, als der am 26. Mai für Juni fällige Polizeizuschuß nicht angewiesen wurde. Thüringen hat übrigens bereits mehr Zuschuß erhalten, als ihm eigentlich zusteht. Es hat sein Zuschußkonto seit dem vergangenen Jahre um ungefähr 159999 Mark überzogen, ein Betrag, der etwa drei Fünftel der unter normalen Verhältnissen an Thüringen zu zahlenden Monats- raten ausmacht. Buchmäßig soll der Vorschuß an hie thürin- gische Regierung bereits verrechnet sein; zurückgezahlt ist er jedoch noch nicht. Universität Lena gegen Frick-Gtuöenten. Zeno. Z. Juni. Der Rektor der thüringischen Landesuniversität gibt am Schwarzen Brett der Universität folgendes bekannt: Der Vorstand der Jenaer Studentenschaft hat sich m die zwischen dem thüringischen Volksbildungsmmisterium und der Universität schwebenden Differenzen eingemischt, indem er anläßlich der Berufung des Herrn Dr. Günther zum ordentlichen Professor in der mathematffch-naturwffsenschaftlichen Fakultät an das Etvatsminifterium und an Herrn Dr. Günther Glückwunsch. schreiben geschickt und in der Presse veröffentlicht hat. Damit hat er öffentlich gegen Rektor und Senat Stellung genommen. Gegen die Urheber dieses ganz ungewöhnlichen Schrittes, der auf einer völligen Derkennung der Stellung der Studenteuschaft innerhalb der Universität beruht und das Vertrauensverhältnis zwischen den akademischen Behörden und der Studentenschast aus das bedauer- lichste stört, werden die nach den Gesetzen für die Studierenden gebotenen Mittel angewendet werden. Sozialdemokratische Kampfansage. Zeno. 2. Juni. Auf dem am Sonnabend und Sonntag hier abgehaltenen sozialdemokratischen Parteitag für Groß-Thü- ringen wurde die thürmgische Innenpolitik eingehend behandelt. Auch der Reichsparteivorsitzende Otto Wels nahm an den Be- r>a tungen teil. Staatsminister!. W. August Frölich berichtete über die Lage in Thüringen und Reichstagsabgeordneter Dr. Kurt R o s e n s e l d über die politische Lage im Reich. Frölich erklärt« u. a., da» thüringische Ermächtigungsgesetz stell« ein« Außeracht- lossung der verfassungsmäßigen Bestimmungen dar, da Gesetze nur durch den Landtag geändert oder ausgehoben loerden könnten. Nach längerer Aussprache wurde eine scharfe Ent» schließung(zogen die thüringisch« Innenpolitik angenommen. Die Einführung der Schulgebete, die. versuche zur Zerstörung der Volkshochschule Tinz, die Besetzung der Universität mis Lehrkräften, deren wissenschaftliche Fähigkeiten scharf ablehnend beurteilt werden, seien Zeichen der zerstörenden Kulturarbeit der Nationalsozialisten. Diese Politik sei nur möglich durch das vollständige Versagen der bürgerlichen Parteien, insbesondere der Deut- scheu Dolkspartei. Der Bezirksparteitag fordert in seinem Kampf von den Mitglieden der Partei vollst« Aktivität, um bei der ersten sich bietenden Gelegenheit die nationalsozialistische Herrschaft zu beseitigen. Oer Kampf gegen Stalin. Einheiisfroni von rechts und links. Die Ausgabensenkung. Vier Gesetze und ein Sparprogramm/ Kürzungen beim Sozial- eist, aber nicht beim Wehretat. In der Tagespreffe erscheinen neuerdings Mittellungen über den Inhalt des von dem Reichsfinanzminister angekün- digten Ausgabensenkungsgesetzes, die unseres Wiffens nicht in allen Punkten den Tatsachen entsprechen. Nach unseren Er- kundigungen handelt es sich nicht um e i n e n' Gesetzentwurf. sondern um eine ganze Reche von Entwürfen, die durch ein Mantelgesetz zusammengefaßt werden sollen. Außerdem kommt noch ein vom Sparkommissar aufgestelltes Spar« Programm auf lange Sicht hinzu. Alle diese Gesetz- entwürfe befinden sich zur Zell noch im Stadium der Ressort» besprechungen. Das Reichskabinett hat dazu noch nichtStellunggenommen. Di« in den Gesetzentwürfen vorgeschlagenen Maßnahmen dürften sich etwa auf folgende fünf Gebiet« erstrecken: 1. die Hous- haltswirtfchaft im Reich, Ländern und Gemeinden, 2. die Auflösung von Reichsbehörden, 3. die Verminderung der Befotdungsau�oben. 4 die Kürzung von Sozialausgabcn und S. eine Rech« von Reform- Vorschlägen des Sporkommisiars. Was die H a u s h a l ts w i r t f ch a f t des Reiches angeht, so ist wohl in. erster Linie daran gedacht, die Ausgabe« des Reichshaushalts für eixe Reih« von Jahren aas einen festen Betrag zu begrenzen. Außerdem sollen die Aufwendungen für Neubauten und die Zah- lung von Subventionen eingeschränkt werden. Ferner soll bestimmt werden, daß die Ueberschusie der einzelnen Rechnungsjahre zur Schuldentilgung oerwendet werden müffen, während die Einstellung neuer Ausgaben in den außerordentlichen Haushalt nur aus Grund besonderer Gesetze zuläffig sein soll. Ein Teil dieser Maßnohmen soll auch für Länder und Gemeinden gelten. Die Auflösung der Reichsbchörde« wird sich in erster Linie aus die Beseitigung des Ministeriums sür die besetzten Gebiet« und seiner nachgeordneten Der- waltungszweige zu erstrecken haben. Auch die Auflösung des Reichs- ausglcichsamts und der ihm angeschlossenen deutschen Etaatsvcr- tretungen im Auslände dürfte hierunter fallen. Längst fällig ist ferner die Beseitigung der Reichsgesandtschaft in München und der dortigen Abteilung des Reichspostministeriums. Darüber hinaus ist daran gedacht, eine bestimmte Anzahl von Landes- finanzämtern, Finanzänster,, und Hauptzollämtern sowie von Oberpost dir ektionen aufzuheben und schließlich die gesamte Reichsversorgungsoerwaltung auszulösen und ihr« Aufgaben auf die übrige Sozialverwaltung zu verteilen. Der Verminderung der Personnlansgnbe« sollen eine Reihe von Dorschristen dienen, bei denen es sich Haupt« uchlich um folgendes handeln dürfte: Die Altersgrenze der Beamten soll von 6S auf 6Ä Jahre heraufgesetzt werden. Eine Pen. sionskürzung odei" die Einführung tftter Höchstgrenze für die Pensionen fft offenbar nicht geplant, dagegen will'man ober dos sonstige Einkommen der Pensionäre auf die Pensionen anrechnen, soweit das Gesamteinkommen eine bestimmte Grenze überschreitet. Der Urlaub der Beamten soll durch eine besondere Berard- nung oerkürzt werden, dasselbe soll bei Angestellten und Arbeitern durch Neuregelung der Tarifverträge erfolgen. Di« örtlichen Sonderzuschläge der Beamten und Arbeiter sollen im Laufe einiger Jahre abgebaut werten. Durch eine teilweise Ein- stellungs- und Beförderungssperr« soll eine langsmne Berminderung der Zahl der Beamten und Angestellten erreicht werden. Ein Teil dieser Maßnahmen, wie z. B. die Heraufjetzung der Altersgrenze und die Verkürzung des Urlaubs, soll auch von den Ländern und Gemeinden durchgeführt werden. Außerdem will man offenbar das Befoldungssperrgesctz wieder einführen, durch dos Länder und Gemeinden verpflichtet werden sollen, ihre Beamten nicht günstiger zu stellen als die entsprechenden Reichs- beamten. Zur Kürzung der Soziakausgabrn plant man anscheinend einen neuen Angriff aus die Reichszuschüff« zur Familienwochenhilse und auf die Entschädigun- gen, die das Reich der Rerchspost für den Dertanf de? Beitragsmarken und die Auszahlung der Renten bei der Invaliden«, Angestellten, und Unfallversicherung zahlt. Als dritte Maßnohme zur Einschränkung der Sozialausgaben ist offensichtkich die B c» schränkung der Kriegsbcschädigtenrenten gedacht. Eine solche Beschränkung will man wahrscheinlich durch verschärfte Vorschriften über das Verfahren bei Anerkennung der Erwerbs- beschränkung, der Höhe der Renten usw. erzielen. In der gleichen Richtung wirkt die Anrechnung der Renten aus der Invaliden-, An- gestellten- und Unfallversicherung und der Beamtenpcnsionen auf die Kriegsbeschädigtenrenten. Schließlich dürste, noch«ine Einschrön- kung der Kinderzulogen in Frag« kommen. Was rndllch das Sparprogramm des Reiehssparkommifiars angeht, das dem Mantelgesetz beigefügt werden soll, so handelt es sich dabei offenbar um das Programm, dessen Borlag« der Reichs- tag durch das Gesetz zur Dorbercitung der Finanzreform verlangt Hot. Soweit wir hören, soll dieses Programm in erster Linie eine Reihe von Reformvorschlägen umsaffen, die bereits im Reichsrot und auch in der Oeffentlichkeit diskutiert worden find. Es handell sich dabei insbesondere um die Bereinfachung der Steuer- gesetzgebung und«Verwaltung, u. a. durch Uebertrazung der Verwaltung der Landes- und Gemeindesteuern auf das Reich. In Betracht kommen ferner die Justizreform und die Zusam« menfaffung der verschiedenen Zweige der Sozialverwaltung in einen einheitlichen Verwaltungskörper. Solange das Reichskabinett zu den Vorschlägen keine Stellung genommen hat, ist noch nicht zu übersehen, in welcher Gestalt die verschiedenen Gesetzentwürfe dem Reichstag tat- sächlich vorgelegt werden. Auf Einzelheiten wird daher erst später einzugehen sein. Grundsätzlich ist aber schon heute zu betonen, daß der Grundgedanke einer planmäßigen Senkung der öffentlichen Ausgaben auch von unserem Standpunkt aus nicht abgelehnt werden kann. In einer Zeit, in der es Millionen von Arbeitslosen an dem Nötigsten zum Leben mangelt, tut es dringend not, daß in die Verwaltungen des Reiches, der Länder und der Gemeinden der Geist er Spar- famkeit«inzieht. Daß in vielen Fällen und mit ansehnlichein Erfolge von den Behörden gespart werden kann, wenn sie in diesem Geiste wirtschaften, ist keine Frage. Andererseits darf man sich über den finanziellen Ertrag der geplanten Maßnahmen keiner Täuschung hln- geben. Dieser Ertrag wird verhältnismäßig bescheiden sein und auch erst in einigen Jahren voll wirksam werden, so daß eine namhafte Verminderung der Stouerbelastung dadurch nicht zu erwarten ist. Aber es kommt auch nicht nur auf den finanziellen Ertrag, sondern ebensosehr auf den sozialen und politischen Charakter der Sparmäß- nahmen an. So wie die Dinge öfsenbar liegen, find zn Buch schlagende Ersparnisse bei diesem Programm aller Wahrscheinlichkeit nach nur bei den Sozio iausgaben zu er- warten, die auf einen Schlag um 50 Millionen verwindert werden sollen. Dazu kommt noch die Verkürzung der Recht« der Kriegsbeschädigten. Dagegen sind unseres Wissens Vor, sch.läge für ein« wesentliche Verminderung der Wehr- ausgaben, die in diesem Zusammenhang besonders am Platze wäre, in diesem Programm nicht enthalten. Auch wenn das Reichskabinett sich sehr bald über den Inhalt der einzelnen Spargesetzc einigen wollte, wäre ihr parlamentarisches Schicksal mehr als unge« m i ß. Ohne Zweifel ist eine ganze Reihe der vorgeschlagenen Maßnahmen verfassungsändernd, insbesondere gilt das von allen Vorschriften, die auf die Länder und Gemeinden übergreifen. Wie die jetzige Regierung mit ihrer unsicheren parlamentarischen Basis diese Gesetze durchbringen will, ist daher zur Zeit noch ihr Geheimnis. Ausgabensenfungsgeseh vor dem Reichskabinett. Das Reichskabinett wird am Dienstag zu einer Sitzung zu- sammentreten, um da» Ausgabensenkuagsgesetz zu beraten. E, ist onzuaetzmen, daß die Beratung am Dienstag nicht zu Lude geführt wird, sondern am Mittwoch fortgesetzt werden dürste. Leistungen der Witwen-, Waisen- und Altersverfiche- ri/ng bezogen 1928 1 01? lXX> Personen Im Genuß beitrags- freier Altersrenten standen im gleichen Jahre 1 417 OVO Per- fopen. lieber die Kosten der Entschädigung von Betriebs» Unfällen und Gewerbekrankheiten liegen voll- ständige Angaben nicht vor. In den sieben Wirtschafts- zweigen, welche zur Berichterstattung hierüber verpflichtet sind, wurden 1027 126 Millionen und 1028 130 Millionen Mark an Entschädigung gezahlt. Diese sieben Wirtschafts- zweige sind: Fabriken, Bergwerke. Steinbrüche, Eisenbahnen, iPersten, die Schiffahrt und Tiefbauunternehmunaen. In den von der Statistik erfaßten Betrieben waren 1928 nur nur 7 403000 Arbeiter beschäftigt. Der Geltungsbereich der Entschädigungsgesetze ist aber viel weiter. Er umfaßt alle Arten von Betrieben und alle Arbeitnehmer mit Aus- nähme der Angestellten, deren Iahresgehalt 7000 M. über- sieigt, der Heimarbeiter, der Familienangehörigen der Ar- beitgeber, der nicht gewerblichen Gelegenheitsarbeiter und der Polizisten. Zusomntenfassend ergibt sich folgender Ueberblick der Kosten der sozialen Versicherungen und ähnlicher Einrich- tungen im Jahr« 1028: Arbeitslosenversicherung.....,. 1 077 Millionen M. Kranken und Invalidenversicherung.. 752,, Wttwen-, Waisen- und Altersversicherung 239,, B?itragssre!e Altersrenten...... 674,. Unfallentschädigung........ 139,, 2 881 Millionen M. Bei Betrachtung dieser Zahlen ist im Auge zu behalten, daß namentlich die Kosten der Witwen-, Waisen- und Alters- Versicherung 1028 noch verhältnismäßig gering waren und in den kommenden Iahren viel höher sein werden, sowie daß die Ausgaben für Unfallentschädigung nur zum Teil ange- geben sind. Bemerkt sei schließlich noch, daß für Wohl- fahrtsunter st ützung im Berwaltungsjahre 1928 ins- gesamt 920 Millionen Mark ausgegeben wurden, während die Bevölkerung um ein Drittel kleiner ist als die des Deutschen Reichs. Oer Block gegen die Gozialdemokraiie. Sie Sehnsucht von Scho'z und Brüning. In seiner Rede in Münster, die van Arbeitern und Be- amten Lohnkürzung unter der Flagge eines Notopfers fordert«, hat der Führer der Deutschen Volkspartei, Dr. Scholz, sich sehr offenherzig über die bürgerlichen Sammlungspläne ausgesprochen. Ein durch das Wolff-Büro verbreiteter Bericht besagt darüber: .�lm Bordergrund des politischen Interesses, so fuhr Dr. Scholz fort, holten in den letzten Tagen die Bemüihunge» des Parteiführers um die Schaffung einer st a a t s p o l i t i s che n Kette ge- standen. Der Versuch sei. gescheitert an dem Widerstand der Demo- traten und der Bolkskonservatioen, mährend die Wirtschastspartei zu einer Bereinigung bereit gewesen sei. Monatelang Hab« man sich um die Einigung bemüht, und mit gleicher Energie werde die Bolls- Partei auch weiter on diesem Ziel arbeiten. Der Reichskanzler .wisse um diese Be strebungen und billige sie, da .sie nicht ein« Spitze gegen das Zentrum enthielten. Der günstig« Augenblick, einen Block gegen die Sozialdemo. krolle zu bffden, dürfe nicht ungenutzt vorübergehen. Di« Dollspartei sei nach wie vor bereit, der neuen Entwicklung im bürgerlichen Lager dle Selbständigkeit her eigenen Partei zu opfern in der Erwartung, daß auch die anderen Gruppen nicht vor diesem entscheidenden Schrill zurückschrecken würden." Diese Worte sind sehr klärend! Sie lassen keinerlei Mög- lichkeit mehr, den Bürgerblockcharakter des Kabi- netts Brünina zu bestreiten. Sic offenbaren ein politisches Komplott zwisckzen Scholz und Brüniya gegen die So- zialdemokrotie. Herr Scholz, der alte Vorkämpfer des Bürgerblocks als Einpeitscher einer Sammlung gegen die Sozialdemokratie und Herr Brüning als Schutzpatron der Aktion. . Dies Abenteuer ist kläglich gescheitert! Aeurath— Schubert- Bülow. Angekündigte Ernennungen vollzogen. Der Reichspräsident hat die in Aussicht genannneneil Er- Nennungen für die Botschafterposten in London und Rom sowie für den Posten des Staatssekretärs des Auswärtigen Amtes minmchr vollzogen. Botschafter S t h a m e r in London wird am I.Otto- b«r dieses Jahres in den Ruhestand treten. Zu seinem Nachfolger ifl der Botschafter in Rom, Freiherr von Neurath, zum Botschafter in Rom der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes von Schubert und zum Staatssekretär des Auswärtigen Amtes der Dirigent Bernhard van Bülow ernannt worden. Herr von Schubert wird die Geschäfte des Staatssekretärs feinem Nach. folge? in der zweiten Hälft« des Juni übergeben. Toial meschugge! Oer große Ludendorff gegen?arl den Großen. Kiet,'2. Juni.(Eigenbericht.) In Schl«swig-5?offtein veranstaltete Ludendorff ein„A s ch b« r g- f e st", dos eine Nachahmung alter Zusammenkünfte der Bewohner für N ordinäre(ein sollte, aber zu einer bizarren Komödie wurde Einig« 190 Bauern, unter denen die Laitdvolksührer und d!« Bomben. oitentäter nicht sehlten, waren die Zuhörer von Erich und Mathilde Lusendorff. Alles deutsche Unheil, predigt« Ludendorfi, rührt vonKarldemGroßen her, der das verjudet« Ehristentum in Deutschland eingeführt habe, statt bei Wotan zu bleiben. Kein Wunder, daß es deshalb zum Weltkrieg gekommen set, der durch die Intrigen des Papstes, der Freimaurer und der Sozialisten natürlich verloren gegangen sei. Die Richtungen, die heut« uen die Gsstattung des Staitslebens kämpften, Sozialis- in u». Faschismus. Leninismus, feien alles ein». Hinter . a l l« in st« ck e d e r P a p st. Die Bauern haben sich diesen BlödfiNn angehört, ohne den unzurechnungssähigen General von der Rednertribüne zu entfernen. Der Tod und die Grvndstücksschlcber. Der Untersuchi ngzaus- fchuH des Preiißischen Landtags zur Prüfung der Mißwirtschaft in der Berliner Stahtoerwaltima wallte am Montag den Kaufmann Stahl vernehmen. Dieser Zeuge ist aber inzw-schen auch verstorben. Hugenbergs prostitutions-planiage. Sachverständig beleuchtet von Rumpelstilzchen. Der„Berliner Lokalanzeiger" ist dos Blatt der deutschen Familie. In seinem Textteil kämpft er für Gottesfurcht und gute Sitte, für christliche und deutsche Art. In seinem Inseraten. teil aber veröffentlicht er als einzige Berliner Tageszeitung Spalten auf Spalten, Seiten auf Seiten von Inseraten, die mehr als eindeutig sind. Für die Hugenbergsche Provinzpreffe schreibt der Major a. D. S t e in unter dem Namen Rümpel st ilzchen teils ge- mütvolle, teils bissige Plaudereien, gemütvoll«, soweit sie von deutscher Tpeue, deutschem Familicnglück und den Hohenzollern handeln, bissige, soweit von Republik, Juden, Marxismus und Materialismus die Red« ist. Den Sündenpsiihl Berlin weiß er so zu schildern, dag c« jeder Prooinzonkel mit wohligem Grusetn bis zur letzten Zeile lieft. Rumpelstilzchen versteht sein Geschäft. Nun ist Rumpelstilzchen wieder einmal in. den Sündenpfuhl gestiegen, bitte sehr, ohne daß dabei da» geringste passiert ist. Er hat, wie er berichtet, zum Schein folgendes Inserat ausgegeben: Partnerin Fünfziger, n. Aussehen und Wesen Dreißiger, okad.' geb.. ehem. Offiz., genügend bemittelt, s. Partnerin s. Motorbootsport, Wochenendausflüg«, Sommerreise Schweiz— Enotand, Winter Theater u. Bälle, erbittet genaue Zuschriften, Bild wird zurückgesandt. Also das typische.Lotal.Anzeigcr'-Svniitagsinserol! Und nun plaudert der Herr Major über die Antworten, die ihm�im Dertrauen aus seine kavaliermäßige Diskretion zugeschickt wordeik sind. Ein Teil der Damen habe gleich Aktphotogrophien mitge- schickt, eine, die nach ihrer Rationalität näher charakterisiert wi.d, habe sich für ein« monatliche Honorierung von 300 M. zu Diensten auch ungewöhnlicher Art, zu jctier„voluptö de Paris*, bereit erklärt, usw. Durch die Wiedergabc der erhaltenen Antworten hat der ehemalige Offizier Stein nicht bloß die Sorte von Kavalieren charakterisiert,.zu der er gehört, sondern auch das Inseratensonntags- geschäft seines Brotgebers Hugenberg. Er hat die Quellen aufgedeckt, aus denen der derzeitige Vorsitzende der Deutschnationalen Partei einen Test seiner Einkünfte bezieht. Minister Waentig über die Reichsreform Sie kann nur von zentraler Stelle aus erfolgen. Der preußische Innenminister Genosse Dr. Waentig nahm hie Amtseinführung des neuen Obcrpräsidcntcn der Provinz Sachsen Dr. F a l ck und des neuen Regierungspräsidenten von Magdeburg, Weber, zum Anlaß, um sich zu dem Problem des mitteldeutschen Zusammenschlusses eingehend zu äußern. Der Minister ging davon aus, daß von ollen preußischen Pro- Hinzen die Provinz Sachsen diejenige sei, die am meisten die st a a t- l-ch« Buntschcckigkeit Preußens widerspiegele. Sachsen ist mit Gcdietskreisen durchsetzt, die st a a t s r e ch t l i ch zu. den on- grenzenden Ländern Braunschweig. Aichalt und Thüringen ge- hören, wirtschaftlich dagegen aus das engste mit»der Provinz Sachsen verwachsen sind. Eine ost widersinnig erscheinende Grenz- sührung erschwere die- Verwaltung dieser Provinz ungemein. Es müsse jedoch darauf lsingewiesen werden, daß es die wich. tigste Ausgabe des Oberpräsidenten in dieser Hilfficht sei. die Ein» he!(der Provinz zu wahren und allen willkürlichen Be- strebungen einer Neugestaltung entgegenzutrelen. Deutschlands er- fclgrciche Neugliederung kann nicht au? regionalen Gesichispunkien erfolgen, sondern nur von zentraler Stelle im Jiitercss- des großen Gangen durchgeführt werden. Fricks Zeitungsverbot. Sine Beschwerde mit treffender Begründung. Weimar. 2. Ium(Tigenbericht.) Gegen bas Derbat der„T i s e n a ch« r D o l t» z e i t u n g' Hot Genosse Rssenfeld on das Thüringer Mnistermm des Innern in Weimar folgende Beschwerde gerichtet: „Nomens des Verlags der„Ersenacher JSaJUsaetfaing* ffliHb�v deren Bollmacht beiliegt, erheb« ich gegen dos durch das Thüringer Ministerium des Innern ausgesprochen« Verbot der„Ersenacher Volkszeitung� auf zwei Wochen die Beschwerde. Für den Fall, dag die oberste Thüringer Landesbehörde dieser Beschwerde, nicht abhelfen sollte, beantrage ich schon jetzt di« Abgab« dieser Beschwerde an den gemätz Nepubtilschutzgesetz zur Entscheidung bestimmten Senat des Reichsgerichts, bei dein ich cbensalls schon jetzt die Anordnung einer mündlichen Verhandlung beantrag«, und zwar mit Rücksieht auf die besonder« Eitbädürftigkeit dieser Sache unter Verzicht auf ein« längere Ladungsfrist als«ine solche von 24 Stunden. Oos angefochten« Feitungsexrbol mird auf das Republikschutz. gesetz gestützt, ossensichtlich zu unrecht, da die„Eisenacher Volks. zeltung" das Organ der Sozialdemokratische« Partei ist. also gerade der Partei, di« den wirksamsten Schutz der Republik darstellt. Es niürde gegen Sinn und Wortlaut des Republlkschutzgesehe» verstotzen, wenn ma« bei einer sozialdemokratischen Zeitung einen verstoh gegen die Sicherheil der Republik auch uur für möglich hielte. Zm vorliegenden Fall kommt aber noch hinzu, datz da» Republtkschuhgeseh zum Schuhe eines Rationalsozialisten geltend gemocht wird, also eine, Angehörigen und noch dazu Wortführer, derjenigen Partei, die e» nach zahlreichen Pekennlnissen ihr» Vertreter und Taten ihrer An- Hänger gerade daraus aalcgt. die Republik zu erschüttern und. wenn möglich, zn beseitigen. Es dürfte überflüssig sein, dl« hier vorgetragene Einstevung der Sozialdemokratischen Partei und des Mmist«rs Frick etwa noch b«. sonders glaubhaft zu machen. Das Verbot verstößt aber auch gegen Z S des Repubkikschutz- gesctzes. auf den«s gestützt wird, indem in der Begründung fälschlich behauptet wird, daß durch eine Beschimpfung des Ministers Frick gleichzeitig die verfassungsmäßig festgestellte republikanisch« Staats- form des Landes Thüringen herabgewürdigt wird. Ganz abgesehen davon, daß höchstens«ine Beleidigung, aber keine Beschimpfung eines Landesmimsters vorliegt, fehlt in dem zitierten Artikel der„Volkszeitung- auch die geringst« Bezugnahme auf di« republikanisch« Staotssorm. Dies« aber kann um so weniger durch die fragliche Beleidigung herabgewürdigt sein, als man unmöglich«inen nationalsozialistischen Minister als Repräsentanten der deutschen Repu» blik ansehen kann. Daß Herr Frick sich selbst so angesehen wissen möchte, ist politisch interessant und auch amüsant, für die hier zu entscheidend« Frage aber sicherlich unerheblich. Auch ein politischer Analphabet wird nicht auf den Gedanken kommen können, daß in der Person eines Nationalsozialisten, noch dazu an der Art des 5)crrn Frick, die- repnblikanischc Staotssorm getrosten werden könnte. Schlieft ich mag noch darauf hingewiesen werden, daß die fraglich« Notiz aus einer Londtogsverhandlung beruht und in dieser Der. Handlung gefallene Aeußeruirgen bringt, also in der Hauptsache nur die noch der.Derfassung straffreie WiedergafK parlamentarischer Der. Handlungen enthält. Donach ist das Verbot vyllig haltlos. Es muß daher aufgehoben werden. Bei der einschneidenden Wirkung eine» Jeitungsverbotz auf da, ganze davon betroffen« Unternehmen darf doch wohl, zumal der Tot. bestand so einfach und klar ms« nur möglich ist, aus schnellst« Enstchei, dupg- gerechnet werden.'.................. Aeue Agiiationsaniräge der Hakenkreuzler. Weimar, 2. Juni. Die nationalisoziaksttisch« Thüringer Oandtagsfroktion wird im Thüringischen Landtag drei Anträge einbringen, die mag- lickstt noch vor der großen Sommerpause de, Thüringer Landtags erledigt werden sollen. Noch dem«inen Antrag soll sich die Landes- regierung im Rcichsrat dafür einsetzen, daß angesichts der fort- schreitenden Wirtschaftskrise in Deutschland die Reichsregierung mit den Enteniestaaten Bechaichlungen zur Revision der Boung- Zahlungen ausnimmt, bevor di« Wirtschaftskrise in Deutschland zum Chaos führ«. Ein weiterer Antrag fordert von der Regierung Verhandlungen mit der Kirche mit dem Ziel, daß die Kirche etwa ein Drittel der Beträge, di« sie vom Lande Thüringen erhält, für Zwecke der christlichen Liebestätigkeit. so- zialen Fürsorge und Steuerung der wachsenden Rot ver- »ende. Der dritte Antrag verlangt, daß die Thüringer Landesspend« zu einer dauernden Einrichtung gemacht werde. In der Hochburg der Aazis. Glänzend besuchte Versammlung der Soziaidemokraiie. Merseburg, 2. Äuni. In Bornstädt, einem rein ländlichen Bezirk, den die Nazis zu einem ihrer s«st«st«n Stützpunkt« rechnen, fand am letzten Sonnabend «in« öss entliche Dersammlung der Sozialdemokratischen Partei statt, aus der der Reichstagsabgcordnet« Franz Peter, aus 5)oll« vor reichlich 400 Personen sprach. Um«inen ruhigen Verlauf der Versammlung unmöglich zu machen, hatten die Nationalsozialisten auszehnverschiedenen Orten ihr« Stoßtrupps herangeholt. Jeder Versuch, di« B«r> lammlung zu zerschlagen, scheiterte jedoch an der Disziplin und Gc- schlosienheit unserer Genossen. Damit sie zum Schaden auch noch den Spott zu trogen halten, de m o l i« rt c n die erbitterten Nazis ein auf dem Hof« des Der- sammlungslokals stehendes Auto, in der Annahm«, daß es der Wagen des sozialdemokratischen Referenten sei. Mit Beilen schlugen sie den hinteren Reisen und Schlauch des Wogens nollständig cnt- zwei. Als man sich dies« Heldentat bei Licht besah, stellte es sich heraus, daß die Zerstörungsynitigen ein Auto auswärtiger Hitlerjüngling« demoliert hallen, die nun zum Vergnügen der Einwohner ihren Heimweg zu Fuß antreten konntm. Die große Säge. Es wird hinausgeschmissen. halle, 2. Ium(Eigenbericht). In Eileitburg ist der unbesoldete kommunistische Stadt- rat Michaelis aus der KP1X ausgeschlossen ivvrden. In der letzten Stodtverotduetensitzung erklärten sich 6 Stadtverordnele der KPD. mit Michaelis solidarisch. Sie«ollen künftig als kam- munistische Op pos i ti o n austrelen. Di« linientreue KPD, di« bisher aus 8 Stadtverordneten bestand, zählt jetzt nur noch zwei Mitglied«. �' Moldenhauers Finanzreform. 6r plant einen Deomienobbau um 40 Prozent. Vte Deamten werden jetzt lernen, den„Zehnten" zu opfern. Das Westvermögen des Reiches. Die Oeckungspläne für die Osthilfe. Die verwrhmg des durch dw Rheinlanbräumung freiwerdenden sogenannten Destoermögens des Reiches scheint in Gang zu kommen. Der W«rt des gesamten Westoermögens, dos aus einer großen Menge von solid und großräumig gebauten Wohnhäusern von der Ruhr bis hinunter nach Kaiserslautern, aus Kasernen« Berwoltungs- gebäudcn und Exerzierplätzen besteht, wird auf 15 0 bis 1 6 0 M i l- lionen geschätzt. Den Grundstock des Vermögens bilden di« für die Alliierten«rbouten Wohngebäude, deren Wert allein auf ctioa 120 bis 150 Millionen Mark zu veranschlagen isll Au» diesen Wohngebäuden ergab sich bisher eine Rente von rund 5,2 Millionen Mark, ein Betrag, der sich möglicherweise noch etwas erhöhen laßt. Diese R«nt« ist di« Grundloge, auf der sich die Finanzierung des Westoermögens, zunächst aufbauen soll, während man bei der Verwertung der Verwaltungsgebäude, Ka- fernen und Exerzierplotze sich naturgemäß mehr Zeit lassen muß. Es ist klar, daß bei dem gegenwärtigen großen Hunger der Hypo. thekenbanken noch hypothekarisch beleihung swürdigen Objekten di« Beleihung d«r Dohngebäude ziemlich groß soin wird. Man rechnet dabei mit einem Betrag« von Umächst rund 3 0 Millionen Mark.------ Auch di« F o r m filr oi« Verwaltung und Verwertung des West- vermögen» scheint schon gefunden zu sein. Die Deutsch« Bau- und Bodenbank A.-G, die sich bekanntlich fast hundertprozentig im Reichs- und Staatsbesitz befindet, dürft« als Treuhänderin für Verwälwng und Verwertung des Westvermögen» des Reiches in 2lussicht genommen s«m. An sie würde in erster Lmi« auch die Aerwalwng de» Hauptvermögensstocks, nämlich der Wohngebäud«, übergehen. Es ist erfreulich, daß«rf diese Weis« von vorn. herein di« Verwertung zentralisiert und Machenschaften sowL- Spekulationen, mit denen in den letzten Wochen schon der Anfang gemocht wurde, vorgebaut wird. Es ist auch dringend zu wünschen, daß die Verwertung des gesamten Vermögens in sozialem Sinne erfolgt und daß zunächst die Grundstücks- imd Wohnungssürsorge- interesien der Gemeinden berücksichtigt wenden. Dos Osthilsegesetz, das dem Reichsrol ohne Begründung zugeleitet worden ist, sieht neben der Darlehnsbürgschast des Reiches für mehrere 100 Millionen Mark etatsmäßige Ausgaben in Höhe von 35 Millionen Mark vor, von denen 30 Millionen aus dem ordenllichen und 65 Millionen aus dem außerordentlichen Haushalt entnommen werden fallen. Das Reichsfinanzministerium will ober für diese ganz neue Ausgabe des Reiches keine neuen Mittel anfordern, sondern die benötigten Beträge durch Einsparungen im Haushalt 1330 erzielen. Für diesen Zweck erwägt man im Reichs- finonzministerium folgende Kürzungen: wertschafsende Arbeit-losen- sürsorg« 10 Millionen, beim Tilgungsbeirag der schwebenden Reichs- schuld 10. bei den einmaligen Ausgaben im Haushalt des Reichs- Ministeriums für die besetzten Gebiet« 5. und durch Abstrich« im Haupthausholtsplan 5 Millionen Mark. Die hier genannten Kürzungen beziehen sich sämtlich auf den ordentlichen Haushaltsplan. Im außerordentlichen .Haushalt sollen 40 Millionen Einnahmen gewonnen werden au» der Veräußerung reichseigenen Grundbesitzes im besetzten Gebiet. Weiter« 25 Millionen Reichsmark sollen durch Absetzung eines gleich hohen Betrages bei den zur Forderimg des landwirtschaftlichen Siedlungswerkes in den dünn bevölkerten Gebieten angeforderten Mitteln gedeckt werden. Wenn diese Absichten des Reichsfinanzministeriums Verwirk- lichung finden, dann wird dos Osthilfeprogramm fast ausschließsich aus Kosten der übrigen deutschen Gebietsteil« durchgeführt. An eine solche Regelung haben wohl selbst die begeistertsten Befürworter de» Ostprogramms nicht gedacht. Bittiger Tarif. Wie politische Verleumder bestrast Verden. Daß politstche Schimpfbold« in der Deutschen Republik immer noch einen Freibrief besitzen, beweisen zwbi Urteile wegen Verstoßes gegen das Revublikschutzgesetz. Der in Kassel stationierte geistige Leiter(!) der National- sozialisten hatte vor«inigen Monaten in einer Versammlung in Alteilburg solgend«? ausgeführt: „Reichskanzler Hermann Müller ist genau sa ein Lump. Hermann Müller, der da» ganz« deutsche Volk in seiner Eigenschaft ol» Reichskaozler an den Feiadbund verkauft hat.' Die Strafe betrug: 140 Mark! Der verantwortliche Redakteur der d eu tf ch n a t i o n a l e n „Saale-Zeitung' in Holle. Dr. Elze, wurde wegen Beleidi- aung des preußischen Ministerpräsidenten am MoMag in der Berusungsinstanz zu 100 Mark Geld st rose ocrurteilt. Der Staatsanwalt hatte 400 Mark Gefbsiras« beantragt. Das Urleil stützt sich auf eine Entscheidung des Reichsgerichts. Als seinerzeit da, Konkordat»wisch«» Preußen und der katholischen Kirche kurz vor seinem Abschluß stand, nahm der politische Redakteur der deutschnationalen..Soale-Zeitung' gegen die Sozialdemokratie in der unerhörtesten Weis« Stellung. Di« Politik des preußischen Ministerpräsidenten nmrd« al» nackte, schamlöse Iudas�-Ischariot-Politik bezeichnet. Weiter hieß es in dem Artikel in bezug aus den preußischen Münster- Präsidenten Otto Braun,«in Abgrund von Gesinnungslosigkeit, Der- leugnung von Wahrhaftigkeit, Ueberzeugungstreue und Ehrlichkeit habe sich hier oufgeton. Von dem großen Schöffengericht in Halle waren diese Radewendungen seinerzeit zwar al, schwere Beleidi- gungen erklärt, ober wegen Wahrung berechtigter Interessen als nicht strafbar angesehen worden 140 Mark Geldstrafe für gemeine Verleumdung und Be- schnnpsung de, deutschen Reichskanzler,. 100 Myrk Gekdstrofe für «ine infam« Charakteristik der Politik de, preußischen Minister- Präsidenten. Geldstrafen, di« hohnlachend aus der Westentasch« bezahlt werden Solange allerdings die Tarife deutscher Gerichte bei schwer- wiegendsten politischen Beleidigungen derart billig sind, braucht sich di« Oeffentlichkeit nicht zu wundern, daß die Verwilderung der posiftschen Sitten noch ständig wächst. Grnosie Grzesinsti, dessen Eh« vor kurzem geschieden wurde, hat sich mit Frau Daisy Tvrxens wiederverheiratet. Politisch« Schmutz- sinken hotten sich bekanntlich beeifert, seine Beziebungen zu Frau Torr«» go xvlmjcheu Zwecke« mu Schmutz zu bewlljeu, Kommunalpolitische Studienfahrt. Oer Vorstand des Deutschen Städtetages in Ostpreußen. Königsberg, 2. Juni. Der Vorstand de» Deutschen Städtetages weilte unter Leitung des Präsidenten Dr. Mulert vom Sonnabend bis zum Mon- tag auf einer Studienfahrt in Ostpreußen. An der Reise nahmen etwa 30 Vertreter von Groß, und Mittelstädten aus dem ganzen Reich teil, darunter Bürgermeister Scholz-Berlin, Oberbürgernieister Dr. Luppc-Nürnberg und Dr. Külz-Drcsden. Aus einer internen Sitzung in Königsberg wurde festgestellt, daß die schwierige Wirtschaftslage in ihren Auswirkungen auf die Gemeindesinanzen ebenso wie beim Reich dringend« Abhilfe- maßnahmen erforderlich machten, di« zusammen mit der Reichssinanzreform gelöst werdcn müßten. Im besonderen Maß« galt die Sitzung des Vorstandes des Deutschen Städtetages den agrarwirtschaftUchen Problemen Ostpreußens. Es wurde hier- bei ausdrücklich die enge Verbundenheit zwischen Stadt und Land betont und die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit bei der Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten in der Landwirtschaft festgestellt. Hoffentlich haben die Vorstandsmitglieder des Deutschen Städte- tage» bei dieser Gelegenheit di« Vertreter der ostpreußischen Land- Wirtschaft nicht im unklaren darüber gelassen, daß eine Politik der einseitigen Velastung der städtischen Käufermassen nie und nimmer zu einer Milderung oder gar Beseitigung der Agrar- kris« beitragen wird. Gxtronprinz Rupprechi hält Festreden. Oie Wittelsbacher als Diener des Staates. München. 2. Juni.(Eigenbericht.) Di« bayerischen spkonarch sten veranstalteten nach längerer Pause in Amberg(Oberpfalz) wieder einen sogenannten W e i ß- B l a u» Tag mit dem Exkronprinzen Nupprecht als Hauptredner. Vom Balkon des Rathauses herab rührt« er seine andächtigen Zuhörer mit historischen Erinnerungen an sein« Borsahren. denen es— wie er kühn behauptete— durch all die Jahrhundert« hindurch Pflicht gewesen sei, ohrlich und treu dem Land«, zu dessen Herrschast das Geschlecht der Wittelsbacher berufen gewesen sei, zu dienen Er vergoß ober hinzuzufügen, daß verschiedenen Herrschern seines Hauses zu gewissen Zeiten das Ausland lieber u>ar als die Heimat, daß die armen bayerischen Untertanen seufzten unter den Steuerlasten, die ein« Folge des ungeheuren Luxus war««, den Edle«ms dem Haufe Wittelsbach im Ausland trieben. Neue Labour-Lords. ltmgruppierung im Kabinett Macdonald. London, 2. Juni(Eigenbericht) In Chequer», wo Macdonald mit, einigen seiner Fneunde dos Wochenende verbrachte, haben über Sonnabend und Sonntag wichtige politische Besprechungen stattgefunden. Man einigte sich zwecks Stärkung der Äellung des Kabinetts gegen das Oberhaus auf die Ernennung verschiedener Mit- glteder der Labour Party Lords d. h. zu Mitgliedern des Oberhauses. Außerdem wurde das Arbeitslosen- Problem einer eingehenden Erörterung unterzogen. Die Regierung wurde dieser Tage von 108 Mitgliedern der Labour-Fraktion schriftlich darauf hingewiesen, daß zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit schleunigst neu« Maßnahmen notwendig seien. Schon vor diesem chinweis hat Macdonald die Bekämpfung des Arbeitslosenproblems als wichtigst« wirtschaftliche und politische Frage erklärt und sich mit seiner gesamten Autorität für die Lösung dieses Problenrs«ingesetzt. Dadurch ist der Minister für Arbeits- beschaffung, S. ThomaS, entlastet worden und darauf wieder dürfte es zurückzuführen fein, wenn Thomas in parlamentarischen Kreisen als künftiger Staatssekretär für die Kolonien genannt wird, die er neben seinem gegenwärtigen Amt mitoerwalten soll. Thomas bringt für das ihm zugedachte neue Amt die besten Ker.ntniffe mit. Er würde im Falle seiner Ernennung Präsident der im Herbst stattfindenden britischen Reichskonferenz werden, der insbesondere in diesem Icchre eine besonders große Bedeutung zu- kommt. Es geht zugleich die Rede von einem neuen Mini st er- komitee für Arbeitsbeschaffung, dem u. a. S n o w d e n angehören soll. Außerdem wird von zahlreichen Umbesetzungen innerhalb der Regierung gesprochen. In Verfolg der Wochenendbesprechung Mac- d o i» a l d s werden am Dienstag, dem Geburtstag des englischen Wiederparlamentsbeirieb in Frankreich Die Wirkung der Rede Tardieuö. Paris, 2. Juni.(Eigenbericht.) Im Palais Bourbon erfolgte am Montag die Eröffnung der Sommertagung des Parlaments. Die Finanztom- Mission der Kammer begann mit der Vorprüfung des Milliarden- Projekts der Regierung zur Hebung von Handel, Landwirtschaft und Industrie. Auch zahlreiche Abgeordnet« hatten sich in den Wandel- gangen eingefunden. Sie debattierten insbesondere über die Rede Tardieus in D i j o n. Di« Mehrheitsparteien zeigen sich von dieser Rede natürlich aufs höchste begeistert. Das gleiche kann man von den Radikalen nicht sagen. Immerhin hatten einig« Mitglieder vom rechten Flügel der radikalen Partei, insbesondere C a i l l a u x und M o n t i g n y, im geheimen bereits vor Wochen mit Tardieu Berhandlungen über die Bildung, einer Konzentrationsmehrheit unter Ein- fchluß der Radikalen angeknüpft. Aber die Sonniogsred« Tardieus wird selbst von den konzentrationslüsternen Radikalen als nicht sehr ermutigend aufgefaßt. Man behauptet vielmehr, daß nun alle Brücken zwischen Tardieu und den Radikalen abgebrochen seien. Zu offen sei Tardieu als der Chef seiner Rechtsmehrheit ausgetreten, zu sehr habe er die Radikalen mit dem Angebot gebe- m ü t i g t, sie nur als Zusatz zu seiner jetzigen Mehrheit, wenn auch aus einen guten Platz, zuzulasien. So ist es zu verstehen, daß die Radikalen sich die von dem sozialistischen Parteiführer Leon Blum lanciert« Formel zu eigen gemacht haben: Wir müssen alles| tun, um Tardieu loszuwerden. Allerdings sind die Umstände dazu nicht sehr günstig. Die Eröff- nung der Sommertaaung der Kammer verspricht recht ruhig zu ver- laufen. Aus der Tagesordnung steht als erstes Projekt die Ratifi- Königs, drei neue Mitglieder des Oberhauses ernannt. Zwei von ihnen, Noel.Buxton und Sanderson Furniß, gehören der Arbeiterpartei an. Ihre Entsendung in das Oberhaus zielt Haupt- sächlich darauf ab, die Stellung der Regierung gegenüber den wider- jpenstigen Lorps zu stärken. Ob Buxton, der bereits in dem ersten Kabinett Macdonald Landwirtschaftsminister war, sein Amt in der Regierung beibehält, ist noch ungewiß. Sanderson Furniß ist als Kandidat der Arbeiterpartei im Wahlkreis Oxford gewählt. Er hat sich als R a t i ou a l ö k o n o m einen Namen erworben. Der dritte neue Lord ist Sir E s m e Howard, der frühere Botschafter in den Vereinigten Staaten. Im Verlauf der Wochenendbesprechung in Cheguers sind auch wichtige Maßnahmen zur inneren Befestigung der Regierung beschlossen worden. Als erste Folg« dieses Beschlusses ist der Rück- tritt des bisherigen Ministers für den Bergbau. Ben Turner, zu erwarten. Er wird sein Mandat im Unterhaus beibehalten und seine künftig« Arbeit besonders der Gewerkschaftsbewegung widmen, aus der er hervorgegangen ist. Ueber die Nachfolge Ben Turners im Kabinett ist noch keine Entscheidung getroffen. „Herald" bringt„Cyronirle" zur Strecke. London, 2. Juni(Eigenbericht) Der Londoner„Daily Chronicle", eines der beiden großen offiziellen liberalen Blätter, hat am Sonntag sein Er- scheinen eingestellt. Das Blatt wird in die„Daily News' aufgehen. Es mußte verschwinden als Opfer des„Daily Herald', des Organs der Arbeiterpartei, dessen Auslagezisfer seit seiner organffatorischen und redaktionellen Umgestaltung von Tag zu Tag st e i g t. zierung des Genfer allgemeinen Schiedsgerichtsvertrages von 1928. Erst in der zweiten Hälst« des Juni soll die Diskussion über, das Milliardenprojeit folgen. Di« Interpellationen, von denen eigenllich nur die beiden von Leon Blum und Frossard eingebrachten über den Postbeamten st reit zu größeren Kämpfen Anlaß geben können, werden wie üblich, nach bewährtem Rezept in wöchent- lichen Fortsetzungen behandelt und so um alle Wirkung gebracht. Dazu kommt, daß die endgültige Stellungnahnre der Parteien und Fraktionen zu der Eröffnungsrede Tardieus erst nach den Pfingst- seiertagen ersolgen wird, weil man die Beschlüsse des s o z i a l i st i- sehen Parteitages in Bordeaux abwarten-will. Die Krise in Schweden. Sozialdemokraten oder Liberale? Siockholm. 2. Juni(Eigenbericht). Die schwedische Sozialdemokratie wird die Reu- bildung der Regierung voraussichtlich ablehnen. Es ist daher mit einem freisinnigen Kabinett W i k m a n zu rechnen. Norwegen schränkt die Rüstung ein. llm fast ein Drittel. Die norwegische Regierung beabsichtigt, wie der Krieg»- minister mitteilt«, die jährlichen Mitilärausgaben von 46 auf 32 Millionen Kronen herabzusetzen. Davon sollen 17 Millionen für die Landmacht und 12 Millionen für die Seemacht verwendet werden. Die allgemeine Wehrpflicht soll beibehal- t e n, jedoch die Heeresorgamsation wesentlich eingeschränkt werden. U. a. ist ein neues Bauprogramm für die Flotte vorgesehen, nach dem die Flott« in Zukunft ausschließlich aus leichteren Schiffen bestehen soll._ Heimwehr schießt auf Arbeiter. Blutiger lleberfall in Niederösterreich. Wien, 2. Juni.(Eigenbericht.) In dem niederösterreichischen Ort D u n k e l st e i n bei Neukirchen überfielen Izeimwehrleute am Sonntag mehrer« auf der Straße stehende und sich ruhig unterhaltende Arbeiter. Die Heimwehrleule waren auf einem Auto von amvärts gekommen. Einer schoß aus einen der Arbeiter und verletzte ihn durch einen Bauchschuß schcher. Ein zweiter Arbeiter erhielt einen schweren Hieb über den Kopf mit einem Spaten. Ander« Arbeiter trugen leichtere Verletzungen davon. Als die Heimwehrrowdys ihr Werk vollbracht hatten, ergriffen sie die Flucht. In dem Ort W i m p a s s i n g wurden sie jedoch von Gendarmen gestellt. Die Durchsuchung ihres Autos führte zur Beschlagnahme zahlreicher Revolver. Mehrere Heimwehrleute wurden festgenommen. Oer Echießbold— ein ehemaliger Kommunist. Wien, 2. Juni.(Eigenbericht.) Der Heimwehrmann, der am Sonntag in Dunkelstein bei einem Ueberfall aus Arbeiter vier Schüsse abgab und zwei Arbeiter schwer oerletzte, ist am Montag verhaftet worden. Der Schießhekd ist ein ehemaliger Kommunist, der im Jahre 1919 in Ungarn als Mitglied der Roten Armee der Räte- diktatur gedient hat, später in der österreichischen kommunistischen Bewegung tätig war, sich schließlich der Sozialdemokratie an- zubiedern versuchte und sich noch vor einigen Monaten in einem Brief an einen sozialdemokratischen Abgeordneten als von den Hsimwehrleuten verfolgt hinstellt«. Als sein Aufnahmegesuch von der Sozialdemokratie abgelehnt wurde, ging er zur Heimwehr. Ltebeiresie eines puifchverfuchs. Waffen- und Munitionssunde in Baden. Lörrach, 2. Juni. In einem auf der Gemarkung Tüllingen gelegenen Gartenstück, das früher dem kommunistischen Landtageabgeord- neten Bock gehörte, wurden bei Umgrabungen von dem jetzigen Pächter des Grundstücks eine Anzahl Gewehre und Karabiner, sowie zwei Kisten, Sie in der Haupffache Sprengstoff und Munition enthielten, gefunden, die noch aus dem Lörracher Auf- stand von 1923 herrühren und offenbar in Bergessenheit geraten sind. Man fand außerdem verschiedene Papiere, sowie den genauen Plan, nach dem damals der Aufstand erfolgen sollte. Die Papiere enthielten besonders auch Berzeichmsse der Namen der damaligen Vertrauensleute in den verschiedenen Orten des Lörrachcr Bezirks. Irgendwelche gerichtlich« Folgen wird jedoch der Fund nicht mehr haben, da die damit zusammenhängenden Straf- taten bekanntlich sämtlich o m n e st i e r t sind. Die Bereinigung„Republikanische Presse', Ortsgruppe Berlin. veranstaltet am Donnerstag, dem 5. Juni, abends 8 Uhr, im Demo- kratischen Klub, Viktoriastraßc 24, einen Ausspracheabend. Ministerialrat Hans Goslar wird über das Thema„Regierung und Provinzpresse' und Minffteriolrat Dr. H.irschseld über das Thema„Die Kreisblätter' sprechen. Die Mitglieder der Vereinigung und eingeführte Gäste sind zu dieser Aussprache eingeladen. lGewerkschaftliches siehe 2. Beilage.) Kerantwortlich fllc Politik:?r. Gurt(Sujet; Wirtschat«:®.«liuadlicict; Eewerkschailsbewegung: Z. Steinet; Feuilleton: R.$. Dolch»: Lotole« und Sonllioe«: Fei» Rarltödt! Anleinen: TV Slodc; lämtlich in Beel!». Beelog: Borwärts-Beelagd.„......... pm. 1,28 Schwelncköpfe mit Backe, Pfd. 40Pf. Eisbein mit Spltzkoi«, gepSkelt, PM. SOPt. RUckenfett o.Behir, drattezUg, Pfd. 74?!. Schwelnenicren fmch...... pm. SSpi. Berliner Bratwurat....... Pfd. 1,00 Qehackles..................PM.8SPf. Kalbskotelett........ pm.v. 1,04 an Kalbsschnitzel....... pm.v 2,20 an Kalbsroulade........ pm.t. 1,48 an Rinderleber.................. Pfd. 1,20 Hammel vorderHeischPM.v.1l04an Suppenfleisch.......... FM.v.73Pf.an Rinderlunge................. pm. 38Ff. Rinderhersen frisch.........pm SOPf. Euter frisch.....................Pfd. 24P(. Kammelvorderfl. gefr, Pfd. v.88.uf an HammeirUcken gefroren....Pfd. S8pi. Hammalkaule gefroren...... Pfd. 1,08 Rinderbacken o.Kn„ gefror., pm. 0,48 Wurstwaren Sülzwurst........... Pfd. 90pf. Dampfwursl........ Pfd. 96pf. Leber wursfH««»m£th«f«rt.Pid. 1,10 Sdiinkerpolnis(hellpid.l,20 MellWUrSfn.Br«»»ieh..Jln, Pfd.1,25 Zervelal u. Salami pm. 1.65 Teewurst............. pm. 1,70 Schinkenspeck..... pm. 1,88 Felier Speck....... Pfd. 94pf. Magerer Speck...Pfd. 1,30 Räucherwaren PefftMltoöe...... pm. 38, 45pt Rslban................. pm. 42pf. StfickeBiloBdEni....... pm, 42pf. Seelachs................ pm. 42pf. PorlBf.Oelsaniiaen« Porto.. 98?f In fast allen Abteilungen: ENTEN gclrorea Pfd. tob B an HÖHNER 405 frisch. Pfd. von B an Backartikel Auszugsmehl.... pm. 28, 30pf Sultaninen........ pm. toh 36?f.an Korinthen............... pm. 54pi. Süsse Handeln....... pm 1 ,68 Zitronat.................... ml ,40 Kokosraspel........... m SSn. Hartgriess............... pm. 34p( Weizengriess......... pm. 30?/. Vanillezucker..... s Beute! 20?,. Vanille In Stangen.. C'ti 1 8, 35, SSpf. Kakaopulver......... m 58 pt Kaffee............. pm. von 2,1 Oa» TafSlÖi... Klanche 24, 48, 90pf. Heer-KSait 50 »/i FUicbe 10 Flaschen auch sortiert. eioschliessl.FIasche Billige Angebote � Pf ingstf est! Ar.!54- 4?. Iahrg-Ng Oi-N«iag. 3. Juni 1930 FeriensonderzUge 1930. Geringe Ermäßigungen.- Bestellungen nur schriftlich. Die Reichsbahn ist in diesen Dogen mit dem Fohrplan ihrer Berliner Feriensonderzüg« herausgekommen, an denen aber die, die mit einer besonderen Ernuigigung gerechnet haben. keine große Freude haben werden. Es wird nämlich eine Fahr- Preisermäßigung von nur 10 Proz. gewährt. Lediglich O st- preußen bekommt ein« Extrawurst: wer nach Ostpreußen fährt, erhält eine Ermäßigung von einem Drittel des Ge- famtfahrprcifcs. So sehr man wünschen muß. daß der deutsche Fericnocrkehr Ostpreußen nicht oergißt so wenig versteht man, daß die Reichsbahn für ihr« Ferienfonderzüge nicht die Preise für Gescllschaftsfahrten gelten läßt, für die eine Ermäßigung von ZSli Proz., also gleichfalls ein Drittel des Fahrpreises vorgesehen ist. Denn ein Fcriensondcrzug ist ein rundes, glattes Geschäft für die Reichsbahn. Wiewohl es selbstverständlich ist, daß derartige Auge beschleunigt durchgeführt werden, betont die Reichsbahn, daß sie dafür keinen Sänderzuschlag erhebt. Auf der Rückfahrt können olle fahrplomnäßigcn Sonderzüge benutzt werden. Bei Benutzung von zuschlagpflichtigen Zügen ist jedoch in beiden Fällen der torif- mäßige Zuschlag zu zahlen. Fahrtunterbrechung ist im Sonderzuge nicht gestattet. Bestimmte Plätze werden in den Feriensonderzügen nicht zugewiesen. Jedem Reisenden wird ober dadurch«in Sitzplatz gesichert, daß ihm bei Abholung der Fahrkarten ein Abteil bezeichnet wird, in dem er im Sonderzuge auf der Hinfahrt«inen Platz findet. Die Fahrkarten können in Berlin im Interesse eiirer reibungs- losen Abwicklung des Verkaufs nur schriftlich unter Verwendung der besonders hierfür vorgesehenen Bestellkarten mit Rück- a n t w o r t bestellt werden, die bei sämtlichen Fahrkartenausgaben des Bezirks vom Ende nächster Woche an kostenlos abgegeben merden. Die Bestellungen(Bsftellkarten) sind nur durch die Post an di« in den omtlichen Aushängen und im Ueberfichtsheft bei jedem Sonderzuge angegebene Fohrkortenausgabe frühe st ens zum 10. Juni einzusenden. Vor dem 10. Juni eingehende Be- stellungcn müsien zur Vermeidung von Benachteiligungen der richtig bestellenden Reisenden unbeantwortet und tlnberücksichtigt bleiben. Die Besteller erhalten in jedem Falle Bescheid, ob ihrer Bestellung entsprochen werden konnte oder nicht. Uebersichts- hefte mit sämtlichen Angaben werden schon Anfang der nächsten Woche bei den Fahrkartenausgaben der Fcrnbohnhnfe für 20 Pf. erhältlich sein. Folgende Verkehrstoge sind für Ferienswcherziig« von Berlin festgelegt worden: Nach der Cstsee. INlsdroy.höslin: von Charlottenburg am 3., 5. und 6. Juli um 110,40 llhr, vom Stettiner Bahnhof am 3-, 4., 5. rurd 12. Juli um 10,35 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Horst oder Rewohl, Deep, Kolberg 18,— M.. Henkenhagen oder Xirnmenhagen, Alt- Banzin oder Güldenhagen oder Köslin 20,20 M., nach Misdroy 15.80 M. und nach Dievenaw oder Heidebrink 16,00 M.— Swine- münde: ob Chorlottenburg am 3., 4. und 5. Juli um 9,50 Uhr, ab Stettiner Bahnhof am 3., 5. und 12. Juli üm 9.25 Uhr. Fohrkarten werden ausgegeben nach Swinemünde 14.30 M., nach Ahlbeck oder Heringsdorf, noch Bansin 15,20 M.," nach II ecke ritz oder Kölpinsee oder Koserow, nach Zempin oder. Zinnowitz oder Carlshagen-Drosscn- Heide 16,50 M. Zu dem Soirdcrzuge vom Stettiner Bahnhof nach Swinemünde am 3. Juli werden auch durchgehende Fohrkorten noch Zoppot, Pillau und Königsberg ausgegeben, die ob Swincmünd« hin und zurück über den Seeweg gelten.— Soßnih-Putbus: von Charlottenbirrq am 4. Juli um 10.40 Uhr, vom v�tettincr Bahnhof am 3.'rnd 4. Juli, am 3. Juli um 11.25 Uhr. am 4. Juli um 10 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Greifswald. Lubmin 18,20 M.. Stralsund, Zingst oder Prerow. nach Hiddcnsec, Bergen, Putbus oder Loiüetboch,«ogord, noch Saßnitz 10,30 M.. nach Binz oder Sellin oder Baabe oder Göhren 2l,50 M.— Warnemünde: am 2. Juli um 14,50 Uhr, am 3. Juli um 11,00 Uhr. Die Sondcrzüge verkehren vom Stettiner Bahnhof. Fohrkarten werden ausgegeben nach Warnemünde 15,20 M., Bad Doberan oder Heiligen- danmr oder Brunnshoupicn oder Oftfeebad Arendsee oder Kröpelin 16L0 M., nach Ribnitz oder Rövershagen 16,20 M.— Oauenburg(Pommern): am 3. und 4. Juli, Abfahrt ob Stettiner Bahnhof 10,10 Uhr. Fahrkarten werden aus- gegeben nach Kolberg, noch Köslin, Henkenhagen oder Timmen- Hägen oder Güdenhagen oder?llt-Ban.;in 21,60 M., nach Rügen- walde oder Stolpmünde 25,— M. und nach dem Oftfeebad Lcba 30,60 M. Nach der Nordsee. hamburg-wcslerland: am 2.. 3. und 5. Juki, Abfahrt Lehrter Bahnhof um 7,02 Uhr, Ankunft in Homburg um 12,15 Uhr, in Westerland um 18,18 Uhr. Es werden außer nach Hamburg 19,60 M. durchgehende Fahrkarten ausgegeben nach Büfum, Husum, Gording und nach den nordsriesischen Bädern Wyk(Fähr), 41,30 M., Amrum 46,70 M., Westerland(-Sylt) 30,10 M., Wenningstedt(Sylt) undKarnpen(Sylt). Ferner wevden in Berlin in Vcrbindui�g mst Ferien- sonderzuo karten nach Hamburg auch noch folgende Anichlußkarten ab Homburg ausgegeben: nach Cuxhaven. Helgoland, Kiel, Lübeck, Flensburg, Malentc-Gremsmühlen und Trovcnninde.— Bremen- Norddeich: am 2-, 3., und 5. Juli, Abfahrt Lehrter Bahnhof um 22,30 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben nach Bremen 22,80 M., Wilhelmshaven-Rüstringen, Enrden, Norddeich. Außerdem durch- gehende Fahrkarten nach den ostfriefischen Inseln: Boltrum, Borkum 40,70 M., Juist, Langeoog, noch Norderney 42,-50 M., Spiekers og und nach Wangeroogc 43,70 M. Nach Süd- und Südwostdeutschland. Blünchen: am 1., 2., 3., 4., 5., 12. und 26. Juli und am 16. Au- gust. Die Sonderzüge fahren an ollen Tagen um 15,51 Uhr, am 1. Juli auch um 16,52 Uhr vom Anhalte» Bahnhof über Holl«— Nürnberg. Von München ab koimcn nach den über München hin- aus gelegenen Zielbahnhöfcn fohrplanmäßige Züge benutzt werden. Die Fohrkarte noch München kostet 43,60 M. Die hinter München gelegenen Zielorte find in Wahlkarten zusammengefaßt. Die Reisen- den können dadurch auch von einem anderen als ihrem ursprüng- lichen Zielort.zurücklehren.— Passau-Berchtrsgoden(über Regens- burg-Mühldorf): am 2, 3. und 12. Juli sowie am 16. August. Fahrkarten nach Regensburg, Plottling, Paslau, Bad Reichenholl. Berchtesgaden und Salzburg.— Oberstdorf-Lindan: am 3. und 5, Juli. Fohrtorten nach' Augsburg, Füssen, Psronten-Steinoch, Oberstoufen. Lindau-Stodt und Obersthorf.— Gormisch-Porlen- Büschs Testament. Wo stecken die Korruptjonsgelder des Verstorbenen? Da» Testament Büschs ist gester« eröffnet worden. All«!«. erbe de» Vermögens, das aus einer Unzahl von Leteili- g u n g e n. Hypotheken und auch aus Bargeld besteht, ist die G a t t i n des Verstorbenen, nicht, wie vielfach angenommen wurde, sein Sohn. Es ist beabsichtigt, eine Nachlahverwaltuvg einzusetzen, ine die Interesien der Erbin wahrnehmen soll. Die Einäscherung der Leiche wird voraussichtlich Willwoch erfolgen. lieber den korrumpierten Stadtrot dürfte jetzt, wenn nicht alle Anzeichen trügen. Niel mehr ans Tageslicht kommen, als es zu feinen Lebzeiten möglich mar. Der Nachlaßverwalter wird wahr- scheinlich vielmehr über die Geschäfte des ehemaligen Stadtrates er- Mitteln, als bisher der Staotsaiuvalt. Es wird umfangreicher Arbeiten und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland bedürfen, um festzustellen, in welchen zahllosen Beteiligungen Busch die Gewinne, die er aus feinen Geschäften gezogen hol, versteckt hatte. Dies« Autdeckimg kann jetzt rücksichtslos erfolgen, weil kein Staats- anmalt sich für dies« Dinge mehr interessieren darf. Wohrschein- wird dies« Taktik der Erben für gewisse Geschäftsfreunde des Der- storbenen sehr unangenehm fein, und man gehl nicht fehl in der Annahme, daß in der Affäre Busch noch manch« Enthül- l u n g e ck kommen werden Immer weiter nach Norden und Osten reiste ich. Eines Tages wurde es licht zwischen den Bäumen. Noch waren sie hochstämmig, doch trugen sie nicht mehr die lebendigen Farben wie vorher. Und hartes, dickes, mehrere Meter hohes Gras fraß sich hier und da schon in den Wald hinein. Aber bald waren die großen«teppen im Norden erreicht, und nur noch wenige verkrüppelte Bäume ragten gen Himmel. Große Herdpn von Hornvieh, wilden und gezähmten, tummeln sich, und zum erstenmal seit zwei Jahren erholte ich frische Butter und frische Miläz. � Und Aera folgt« mir unentwegt. Sie aß entweder mit der Dienerschaft oder ganz allein. Und nachte lag sie auf �»er Matte vor meinem Bett. Es kam manchmal vor, daß sie außerhalb meines Zeltes schlafen mußte, weil die Matte schon besetzt war. Dann war sie meist ein paar Tage long beleidigt. S'e schlug sogar diejenige Frau, die ihr den Platz weggenommen hatte. Da gab ich ihr eine besondere Motte für die Nächte, wo sie nicht bei mir sein kannte. Da ont- wartete sie. ihr Platz wäre da. wo sie schon in der ersten Nacht geschlafen hätte und nirgend anderswo. Und sie verbrannte die Matte. Ich erwiderte nichts. Ließ sie tun und lassen, kommen und gehen, wie sie wollte. Im übrigen war sie artig und versuchte sogar, sich nützlich zu machen. Der Graswald schien ihr kein rechtes Land für Menschen oder Tiere zu sein. Korn und frisches Ochsenfleisch mundeten ihr gewiß, doch meinte sie, das wärck gar nichts gegen die saftigen Früchte des Waldes und das getrocknete Wildfleisch. Und was für Männer lann dies Land schon erzeugen. wo doch die gefährlichste Jagd höchstens die Erlegung von Vüfteln oder auch einmal von einem Nashorn ist?! Die Azondecr töten Elefanten! Mit einem Sprunge steht d�r Bazandc auf dem linken Hinlerfuß des Ungeheuers, IM sich mit e.per Hculd am Schwavz des Wchmtea fest und stoßt cha mit der andern die Lanze in den Leib, führt sie so lange aus und ein, bis das Tier vor Blutverlust umstürzt. Und oft sind die Stoßzähne eines Elefontenbullen länger als ein ganzer Ochse! Mitten in der trockenen Jahreszeit kehrte ich wieder in den Urwald zurück. Das Malariafieber plagte mich dann und wann mit hitzigen Anfällen. Dann pflegte Vera am meinem Bette zu sitzen, trocknete mir das Gesicht, wechselte die Wäsche. Und jedesmal, wenn ich aufblickte, begegnete ich dem dunkel flammenden scheuen Blick ihrer wunderlichen Augen, die mich lächerlich genug an andere, hellere Augen erinnerten. Aber das kam wohl nur daher, weil in meinem geschwächten Zu- stand auch der leiseste Anlaß genügte, um vergangene Zeiten in mir wach werden zu lassen. Denn an diesem Negermädel war natürlich nichth, was sich wirklich mit der Herrlichkeit einer weißen Frau vergleichen ließ. Eines Tages— der uns auf einem Flusse entlangführt« und der wohl einer der heißesten der Jahreszeit gewesen sein mochte— erreichten wir unfern Lagerplatz bei Sonnen- Untergang. An so einem Tage ist die Stunde nach Sonnen- Untergang die schlimmste der bösen Stunden. �Da reagiert der Körper gegen die schreckliche Hitze und der Schweiß cnt- quillt den Poren so stark, daß alle Kleider große, nasse, tropfende Flecke bekommen. So einem Tage folgt stets ein Wolksnbruch. Und alles sucht so schnell wie möglich unter Dach zu kommen. Denn die Eingeborenen fürchten die Kälte des Negckns mehr als die brennende Sonnenhitze. Ich liege in meinem Zelt und höre den Regen auf dos Blätterdach des Waldes hoch über mir herabprosseln. Dann klatschen schwere Tropfen auf da? Zelttuch nieder. Und fern im Osten dröhnen.Donnerwolken oneinänder. Vera sitzt in einer Ecke. Sie fürchtet sich vor dem Boot und vor Unwetter. Sie sieht.zu mir hin und lächelt süßsauer:„Es ist viel Regen unter dem Himmel, Iudchi!� ...Hast du Angst?" frage ich mutig. Und doch ist ein Wolkenbruch in den Tropen kein Kinderspiel. Erst vor ein paar Tagen wurden dicht vor Vora zwe«i Träger vom Blitz erichlogen. Der eine wurde zerrissen und fiel ihr vor die Füße, der andere blieb starr, wie in die Erde gerammt. stehen. Wie tausend geballte Fäuste trommeln die Regengüsse gegea das Zelt und der Dauner tobt. Ich halte es nicht kirchen: am 2., 4. unb 12. Juli sowie am 16. August. Fahrkorten noch Augsburg, Murnau, Garmisch-Partenkirchen. Mitlemvald, Grietzen(Ovb.) und Oberommergau. Die zu diesen durchgehenden Zügen ausgelegten Fahrkorten stellen sich im Preise teilweise billiger als die entsprechenden Fahrkarten zu den Zügen nach München. Für die Rücksahrt der Feriensonderzugrcisenden van Ober- bayern noch Berlm worden zuschlagfreie Rück sonder- zü ge, die beschleunigt durchgeführt werden, am 20. und 27. Juli, am 3., 10. und 17. August gesahren. München ab 10.10 Uhr, Ber- lin an 23,29 Uhr.— Änschlüß-Rücksahrkarten nach Wien. Reisende mit Feriensonderzugkarten nach Salzburg eder Passau erhalten in Solzburg und Pasjau um 25 Prozent ermäßigte Anschluß-Rückfohr- karten 3. Klasse Schnellzug nach Wien(Westbahichof) über Linz. Württemberg: am 2., 6. und 12. Juli Abfahrt Berlin(Anhalter Bahnhof) 14,59 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben noch Heil- bronn,«wttgart(43,60 M.), Ulm, Freudenftodt und nach Fried- richshafen(57,50 M.) Schwarzwald: am 2., 4., 5., 12. und 26. Suli; am 16. August. Die Sonderzüge am 26. Juli und am 16. August verkehren vom Anhalter Bahnhof, Abfahrt 14,59 Uhr, die übrigen Sonderzüge vom Potsdamer Bohnhoi, Abfahrt 13,20 Uhr. Fahrkarten nach Heide!- borg, Mannheim(42,20 M,), Neustadt(Haardt), Karlsruhe, Baden Boden oder Wildbod(48,40 M.), Offenburg, Freiburg(Breisgau) oder Triberg(54,80 M.), Neustadt(Schwarzwald) oder Titisee, nach Müllhenn oder Tonoueschingen, noch Basel(59,30 M.) und noch Konstanz(62,90 M). Nach Schlesien. Zser- und Riesengebirge: Bad Flinsberg/Ober- s ch r e, b e r h a u, K r u in in h ü b e l am 2., 3., 4., 5. und 12. Juli, am 16. August. Görlitz er Bahirhof ab 11.38 Uhr, am Z. Juli auch um 9,02 Uhr. am 5. Juli nur um 9,02 Uhr. Außerdem verkehrr am 5. Juli ein Sonderzug vom Bahnhof Friedrichstraße ab 10,05 Uhr. Fahrkarte,, nach Hirschberg, Bad Flinsberg, Warmbrunn oder Hermsdorf oder Pctersdors, noch Oberschreiberhau 21,40 M., Krumm- hübel 22,20 M. und Schmiedeberg.— Glatzer Gebirge: Glotz am 3. Juli Friedrichstroße ab 10,05 Uhr. Fahrkarten nach Glatz 26 M nach Altheide oder Reinerz oder Kudowa-Sackrsch 27,80 M.. noch Landeck oder Seitenberg 27,80 M. und nach Langenau Bad oder Ebersdorf oder Mittelwalde 27,80 M. Nach Lstprcußc«. Königsberg-Znsterburg oder Blarienburg: am 1., 2., 3., 4-, 5., 6-, 7., 12-, 19. und 26. Juli, am 16. August. Abfahrt der Sonderzügc von, Bahnhof Friedrichstroße um 16.35 bzw. 20,38 Uhr, am 1. Juli um 16,33 und 20,38 Uhr.— Jnsterburg über Deutsch-Eylau: am 3.. 6., 8. und 13. Juli, mn 17. August. Abfahrt der Sonderzüge von, Bahnhof Friedrichstroße um 20,38 Uhr. Für die Fahrkarten nach Ostpreußen wird eine Fahrpreisermäßigung von 33!? Proz. gewährt. Nach dem Rheinland. Köln: am 2. und 3. Juli, am 16. August. Abfahrt der Sonder zöge vom Potsdamer Bahnhof um 19,A> Uhr. Fahrkarten nach Brilon Wold oder Bestwig. Arnsberg, Hägen oder Schwer, c 31,80 M., Elberfeld oder Bannen, Düsseldorf, Köln 38,60 M. Nach Thüringen. Harz und Sächsischer Schweiz. Schwarzburg- Sihendorf(Thüringen): am 3. Juli, Anhalter Bahnhof ob 11,20 Uhr. Fahrkarten nach Bad Käsen, Rudolstadt oder Saalfeld oder Bad Blankenburg und nach Schworzburg nder Sitzenporf 20,60 M.— Eisenach: Am 4. und 5. Juli, Abfahrt Ar Halter Bahnhof ab 11,20 Uhr. Fahrkarten werden ausgegeben noch Naumburg oder Bad Kösen oder Bad Sulza 14.40 M., Gotha. Weimar, nach Eisenoch oder Ilmenau oder Oberhof oder Friedrichs- roda oder Tambach-Dietharz 2l,60 M. 7lordl>arz(Goslar, Thale): am 3., 4. und 5. Juli. Abfahrt ab Potsdamer Balnchof um 9,05 Uhr. Fohrkarten nach Quedlinburg oder Thal«, Alexisbad, Blankenburg 15,60 M.. Elbingerode oder Rübelond, Tonne. Wernigerode oder Jlsenburg, Bad Harzburg oder Goslar 16,80 M., noch Schierke oder Elend oder Drei-Annen, Hahne 18.— M., nach Benneckenstein oder Sorg« und noch Braunlage.-- Südhorz(Seesen-Quedlinburg)� am 3. Juli. Abfahrt ab Friedrich straße um 7,21 Uhr. Fohrkarten nach Berga-Kekbra, Nordhaiisen, Walkenried oder Bad Sachsa, Schworzfeld oder Herzberg. Osterode oder Gittelde oder Seesen, nach Bolleirstedt-Ost oder West oder Gernrode oder Bad Suderode oder Quedlinburg 13,20 M., nach Braunlage und Alcxisbad. Sächsische Schweiz: Bad Schandau: am 3. Juli. Abfahrt An- Halter Bahnhof um 11,40 Uhr. Fahrkarten noch Obervogelgesang oder Pötzscha-Wehlen oder Rathen, nach Kömgstein oder Bad Schandau oder Kipsdorf 14,80 M. länger aus, flach dazuliegen und habe nicht Mut, zu stehen, deshalb setze ich mich auf. Ich weiß, daß der nächste Schlag gerade über unseren Köpfen losbrechen wird und sage z» mir selbst, wie schon so oft in solchen Fällen:„Ruhe jetzt! Denke an etwas anderes. Kopf hoch!" Da geht es los, erst abgehackt wie ein Hustenanfall, der nicht recht zum Ausbruch kommt, dann ober dröhnt es in langen Schwingungen wie ein Dynamitlager, das in die Luft fliegt. Dichter und heißer wird der Sumpfdampf, der das Zelt erfüllt, und mir ist, als drehe es sich im Kreise und tanze auf und nieder. Der Luftdruck, den der Donner ver ursacht, und der verbrannte Geruch der Sumpferde, die urplötzlich in Schlamm aufgelöst wird, betäuben mich halb. Blinzelnd liege ich auf dem Bette und halte mich fest. Und endlich schleicht sich ein frisches, kühles Lüftchen durch den Türoorhang herein. Denn dieser Donnerschlag war der letzte, mit dem dos Unwetter uns schrecken wollte, che es weiter nach Westen zog. Und verwundert entdecke ich. daß ich die kleine Vera in meinen Armen Halle, die kleine Vera mit den zarten Gliedern und der schweren Brust. Sie lächell:„Bist du böse, Iudchi. weil ich zu dir ge kämmen bin? Sei wieder gut! Ich habe es so sott, immer ollein auf der Matte zu liegen!" Ich sehe, daß sie die geflochtene Schnur, die für sie die eigentliche Bekleidung ihrer Nacktheit bedeutet, abgelegt Hot, und ich sage:„Willst du nun doch meine Frau sein?" „Ich Hobe solche Angst vor dem Blitz, Iudchi!" ent- gegnete sie und schmiegt sich an mich mit ihrem Jungfrauen- leih, der wie Waldhumus duftet. So ward Pera also meine Frau. Aber� unsere Flitterwochen vergingen nicht ohne Streite- reien. Schon in der allerersten Zeit legte die Derschieden- hell unserer Ansichten uns bittere Worte des Hohns llnd Spottes in den Mund. Wenn Vera geflochtene Schnüre über chre jungen, festen Brüste spannte, um sie zum Fallen zu bringen— denn daran erkennt man erst eine reife Frau— schall ich laut über Un- verstand und Barbarei.?lber Vera schämte sich ihrer Mädchenbrust— wie sie sie höhnisch nannte— und verbarg sie vor den Augen ihrer Stammesgenossinnen, damit sie nicht merken sollten, daß ihr Mann sie zwang, allen Modekünste» zu entsagen.(Fortsetzung folgt.) An Aermsten will man sparen. Eine Protestkundgebung der Sozialrentner. Der Zentralverband der Arbeits invaliden und Witwen Deutschlands. Gau Berlin, hatte in den Kammsrfälen Teltower Straße zu einer Protestkundgebung gegen den Abbau sozialer Füvsorgemahnahmen geladen. Der große Saal war überfüllt, viele mußten wieder umkehren. Berbandsvorsitzender M a t t h e s schilderte die außerordentlich schwere Lag« der Rentenempfänger, aus deren Reihen sich das Hauptkontingent der Selbstmörder zusammensetze. Trotzdem aber leben sie nach Ansicht der kapitaiistischen Welt immer noch zu gut und die„F a u l h e i t s p r ä m i e" soll vom Etat des verarmten Staatshaushalts gestrichen werden. Sparen am unrichtigen Ende! Wie der zweite Referent, der sozialdemokratische Stadt- verordnete Robert R o hd e, sehr richtig ausführte, ist unser« heutige Sozialpolitik keine Sache der Ethik und des Wohlwollens, sondern die Erfüllung berechtigter Forderungen von Menschen, die Arbeit und Kraft deni Staate zur Verfügung gestellt haben und jetzt ihr Altenteil erhalten sollen. Es ist nun einmal des Proletariers Los, sich all sein« Rechte schwer erkämpfen zu müssen und so bleibt dies auch den Alten nicht erspart. In einer einstimmig gefaßten Resolution forderte der Verband Aufhebung der Abbau- maßnahmen, Ausrechterhaltung der für April geltenden Richtsätze und Auszahlung der in Abzug gebrachten Unterstützungsgeldsr: außerdem in Anbetracht der bevorstehenden Teuerung der Lebens- Unterhaltungskosten eine Erhöhung der bestehenden Richtsätze. Von den geladenen Körperschaften hatten der Berliner M a g i st r a t und das preußische Wohlfahrtsministerium infolge Ar- beitsüberhäufung abgesagt. Rundfunk bringt es an den Tag. Ein Schwindler muß seinen Steckbrief abhören. Die Herren Gauner und Betrüger haben es gewiß nicht leicht. Daß die moderne Polizei mit ihren modernen Ermittelungsmethoden ihnen das Leben sauer macht, das wissen sie ja gang genau. Aber das jetzt auch der Rundfunk sich um die Ermittlung und Eni- larvung von Mitgliedern erfolgreich bemüht, dürste ihnen doch wohl neu sein. Soeben hat sich ein Fall ereignet. Vor einiger Zeit berichteten wir von einem Betrüger, der kleine Siedler um Geld betrog, indem er ihnen den Gewinn eines Grundstückes vorspiegelte. Er schwindelte den Leuten vor, daß sie bei einer großen Versicherung, an die«ine Familienzettschrist angeschlossen sei, einen Preis erzielt hätten und daß ihnen nicht bares Geld, sondern ein Stück Land mit einem'Häuschen zugefallen fei. Für Schreibgebühren seien 50 bis 60 Mark zu entrichten, die die Leute in ihrer Freude auch willig zahlten. Nach der Beschreibung, die die Geschädigten durchweg gaben, mußt« der Betrüger ein aus Höxter gebürtiger, Z6 Jahre alter Heinz Siewert sein, man wußte aber nicht, wo er seinen Unterschlupf hatte. Jetzt hat sich Siewert selbst der Kriminal- polizei gestellt un dabei erzählt, was ihn dazu veranlaßte. Bei einer Nachbarin hörte er den Rundfunkdarbietungen zu. Nach Schluß des Programms wurde durch den Lautsprecher eine Warnung vor dem Betrüger Siewert bekanntgegeben. Nicht nur sein Trick, sondern auch seine Person wurde in allen Einzelheiten beschrieben und mit Schrecken sah Siewert, daß die Nachbarin ihn immer kritischer musterte. Als schließlich sogar sein Anzug— derselbe, den er anhatte— ausführlich beschrieben wurde, schaute ihn die Frau grimmig an und sägte ihm auf den Kopf zu, daß er der gesuchte Betrüger fei. Siewert macht« sich schnell aus dem Staube, hielt es aber doch für geraten, nun zur Polizei zu gehen. Die Zahl der Siedler, die von ihm beschwindelt worden sind, ist ziemlich groß. Iniernationale pelzausstetlung Leipzig. In Leipzig ist jetzt die„J p a" auf dem Ausstellungsgelände der Technischen Messe am Völterschlachtdenkmal feierlich eröffnet. itnter den mehr als 3000 Ehrengästen bemerkte man u. o. den sächsischen Ministerpräsidenten Schick, den Vizepräsidenten des Reichstags Kardorff und als Vertreter der Reichsregierung Staatssekretär Trend elenburg, der die Grüße der Reichs- regierung überbrachte. Der neue Oberbürgermeister von Leipzig, Dr. Gördeler, begrüßte namens der Stadt die vielen Gäste. Während der englische Botschafter Sir R u m b o l d für die über 20 fremden Rationen sprach, die die„Jpg" beschickt haben. Gleichzeitig wurde die Internationale Jagdaus st«llung eröffnet. Schon ein kurzer Rundgang durch die Ausstellung zeigt auch dem Laien, warum Leipzig und keine andere Stadt gerade für die Pelzausstellung gewählt wurde. In der naphthalingeschwängerten Lust der hier ausgestellten Pelzschätze erinnert man sich an die Tat- suche, daß es heute in Leipzig über 450 Pelzfirmen gibt, die über 22 000 Angestellte beschäftigen, und deren Jahresumsatz im Jahr der Wirtschastsdepression 1S29 die Kleinigkeit von über 700000 000 M. betrug. In der Deutschlandhalle befinden sich außer dem ..Brühl" noch der Pavillon der führenden Pelzmodellhäuser und der „historisch sehr interessante �ürschnerehrensaal" der mit seinen Zunfttruhen und alten Fahnen das edle Handwerk der Kürschner würdig vertritt. In der Halle der Nationen haben die fremden Aussteller ihr« Stände. Rußland nimmt naturgemäß den größten Platz ein, aber feine 400 lebenden Pelztiere sind noch nicht eingetroffen, so daß der Stand noch ziemlich leer wirkt. Dänemark bringt eine Eisbärengruppe, während der Afrika- forscher Dr. Gedding exotische Tiere aus dem Urwald zeigt. Die Vereinigten Staaten haben ihre Pelze in einem Miniatur- Wolkenkratzer ausgestellt. Imposant wirkt die englische Pelzschau. Ein Reich für sich ist unter den fünf Hallen die I a g d a u s st e l- lung. Hier ist besonders interessant die historische Ausstellung. Alte Waffen, Gewehr«, Armbrüste, Saufedern schmücken die Wände. Unter den unzähligen Geweihen prangt als Hauptstück das mächilge rund 3000 Jahre alte Geweih eines prähistorischen Riesenhirsches. Eine besondere Attraktion der„Jpa" ist der Park lebender Pelz, tiere. In diesem„Cuxuezoo" sieht man die kostbaren Vlau- und Silberfüchse heimischer und fremder Pelztiersarmen. Aber daneben sieht man auch das schlichte Hauskaninchen. Und zu Pfingsten in den Spreewald. Der proletarisch« Fährmannsverein zu Alt-Zauche, der dem Deutschen Lcrkehrsbund angeschlossen ist, veranstaltet auch in diesem Jahr seine für weite Kreise berechneten Pfingstfahrtenlnden Spreewald. Fahrtteilnchmer versammein sich am ersten Feier- tag früh 6.30 Uhr im Wartesaal 2. Klasse des Görlitzer Bahnhofs. Di« Fahrt geht nach Lübben. von dort über Alt-Zauche in die schönsten Teil« des Spreewaids und endet in Lübbenau Die An- kunft in Berlin am zweiten Feiertag kann nach Belieben zwischen 21 und 24 Uhr gelegt werden. Der Fahrpreis beträgt einschließlich Bahnfahrt hin und zurück, aller Kahnsahrten, Uebernachtung' in Betten(kein Massenquartier), Frühstück, Führung und Vortrag Tötung auf Verlangen. Kreispruch vor dem Schöffengericht Charlotienburg. 3n wenigen Wochen der zweite Fall von Tötung auf Verlangen vor Gericht. Velde Wale der Grunewald als Ork der tragischen Handlung. 3n beiden Fällen gelangte das Schöffengericht Charlotkenburg zum Freispruch. Es konnte sich nicht entschließen, die vom Gesetz vorgesehene Windeststrase in höhe von drei Dahlen Gefängnis zu verhängen... Das erstemal war die zwanzigjährige Käte G. angeklagt, ihren Freund, den Chauffeur B., durch«inen Schuß in die Schläfe getötet zu haben. Sie befand sich im Bann dieses Mannes, der ein Trinker war, konnte nicht von ihm lassen und ließ sich schließlich überreden, mit ihm aus dem Leben zu scheiden. Was am 10. März vorigen Jahres im Grunewald vor sich ging, konnte nicht mit Bestimmtheit festgestellt werden. Käte G. hatte ihre Aussagen mehr- mals gewechselt. Zuerst behauptete sie, B. habe sie gebeten, die Schüsse abzufeuern. Sie habe sich aber dazu' nicht entschließen können. Da Hab« er aus sie abgedrückt, die Waffe habe jedoch ver- sagt, und hinterher habcer sich selbst erschossen. Sie habe aber nicht mehr den Mut gefunden, sich dos Leben zu nehmen. Später erklärte sie, s i e habe auf den Mann geschossen, dann änderte sie zum zweiten Male ihre Aussag«. Das Gericht sprach sie frei. Der Sachoerhalt im gestrigen Falle lag klarer. A.,«in außer- ordentlich hübscher, bescheidener Mensch, lebt« bei seinen Eltern in der Provinz. Seit 1926 war er oerlobt. Im Sep- tember 1928 lernte er in Berlin die Krankenschwester M. kennen, die bald darauf nach W. zog und dort eine Anstellung annahm. Das Verhältnis zwischen den beiden wurde nun intim, ohne daß A. seine Verlobung rückgängig machte. Ja, die M. riet ihm sogar zur Heirat und meinte, sie könnten ja auch weiter Freunde bleiben. Sie hatte nicht mit dev Stärke ihrer Gefichle gerechnet. Als dann A. Anfang Oktober heiratete, traf er sich nach wie vor mit der M., denn er fühlte sich in seiner jungen Ehe nicht glücklich. Die M., ohne Geschwister und Eltern, überdies noch krank, geriet in eine trübe Stimmung, äußert« öfter Selbstmordgedanken, und so war es ihr ein leichtes, auch A., der keinen Ausweg fand, zu überreden, gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Als die M. eines Tages nach Berlin fuhr, fuhr er ihr noch, und die jungen Leute verbrachten bei ihren Bekannten in Berlin einige fröhliche Stunden, ohne ihre wahren Absichten merken zu lassen, schrieben Abschiedsbriefe und begaben sich am 23. gegen Abend in den Grunewald. A. bat, die M. möge die tödlichen Schüsse ab- geben. Sie bestand jedoch daraus, daß er es tue, und schließlich tat er es auch. Als er sah, daß dos Mädchen tot war, drückte er die Waffe auf sein« rechte Schläfe ab. Er fühlte das Blut fließen, blieb aber bei vollem Bewußtsein. Dann griff er zu einer Rasier- klinge, um sich die Pulsadern durchzuschneiden, verlor aber das Bewußtsein. Als er am nächsten Morgen erwachte, lud e r n o ch einmal seine Pistole, drückte aber nicht ab. So blieb er am Leben, die Sehkraft des rechten Auges hatte er jedoch ein- gebüßt. In der Verhandlung konnte A., der jetzt in glücklicher Ehe lebt, die Motive für seine Tat nicht recht angeben. Das Gericht war der Ansicht, daß der Angeklagte im Augenblick der Tot sich wohl im Zustande einer krankhaften Störung der Geisteslätigkeit befunden haben müsse und sprach ihn frei. Ltm das Schicksal der Gerirud Frenzes. Llnt» was wird aus dem verurteilten Frenzel? Während über den Antrag des Justizrates Josephson- Potsdam, den Bornimer Amtsoorsteher Frenze! aus der Haft zu entlassen, da bei ihm weder Flucht- noch Verdunkelungsgesahr vorlieg«, noch nicht entschieden worden ist, wird am heutigen Dienstag die E nt» scheidung über das Schicksal Gertrud Frenz«! s fallen, deren Aussagen wesenllich zum Zustandekommen des Zucht- hausurteils gegen den Angeklagten beigetragen haben. Der Der- teidiger Frenzels hat nämlich beim Potsdamer Bormundschaftsgericht den Antrag gestellt, Gertrud Frenze!, die bisher bei dem zu ihrem Pfleger bestellten Bornimer Pfarrer Schenk wohnt, an neu- traler Stelle, einem Heim, unterzubringen, nm sie so dem Einfluß des Pfarrhauses zu entziehen. auf den nach Ansicht der Verteidigung die eigenartige Haltung des Kindes, das vor Gericht den eigenen Vater auf das Schwerste de- lastete, zurückzuführen ist. Das Potsdamer Vormundfchostsgericht wird am heutigen Dienstag über diesen Antrag entscheiden und es ist anzunehmen, daß auch Pfarrer Schenk an dieser Aussprach« teilnehmen wirb, zu der ein Vertreter des Kreisjugendanttcs von Osthavelland hinzugezogen wird. Falls Pfarrer Schenk die Pfleg- schaft nicht überhaupt entzogen wird, wie es von der anderen Seite. gewünscht wird, so will man dach wenigstens ihn zu dem Zu. geftändnis bewegen,, daß Gerirud Frenzel durch Unterbringung an anderer Stelle feinem direkten Einfluß entzogen wird. Der Am t s v o r st« h e r Frenzel Hot sich bisher immer noch nicht vondem schweren Nervenzusammenbruch erholt, den er bei der Urteilsbegründung erlitten Hot, uud das Gericht hat ihm jetzt«inen Zellengenossen beigegeben, um zu ver- hindern, daß er etwa Hand an sich legt. 15,50 M. Teilnehmerkarten im Zigärrenladen Kremmener Str. 15 (Hochbahnstatwn Danziger Straße). Diese sehr gut organisierten Fahrten sind allen denen, die sie einmal mitgemacht haben in schönster Erinnerung. Landsberger Allee braucht neue Brücke. Die Sozialdemotraiie für sofortigen Neubau. Die sozialdemokratische Rathausfraktion Hot für die heutige Stadtverordnetensitzung folgenden Dringlich. keitsantrag eingebracht: Schon mehr als vierzehn Tage ist die Brücke in der Landsberger Allee wegen Bausälligtclt polizeilich gesperrt. Am 1. Dnni ist die Brücke in der Eldenaer Straße auch noch gesperrt worden, hiermit ist nun fast der gesamte Verkehr vom Schlacht- und viehhos nach dem Osten und Vordosten abgeriegelt worden. Die Fuhrwerte müssen sehr große Umwege machen und dieser Zustand ist ganz unhaltbar. An den kosten des Baues der neuen Brücke in der Landsberger Allee sind die Reichsbahn, der Schlacht- und viehhos, die Tiesbouverivallung und die Wasserwerte beteiligt und anscheinend können sich die verschiedenen Verwaltungen nicht einigen. Wir beantragen deshalb, die SladlverordneteNversamm- lung möge beschließen: Der Magistrat wird beauftragt, die notwendigen Schrille sofort zu unternehmen, damit die Sperrung der beiden Brücken aufgehoben und der Reuban der Brücke in der Landsberger Allee sofort begonnen wird. Ferner bringt die Fraktion folgende Anfrage ein:„Ist dem Magistrat bekannt, daß trotz vorausgegangener Personalentlasslingen im B r ü ck e n b a u a m t ein Bauingenieur von auswärts geholt wurde, der noch heute dort beschäftigt ist? Wir fragen an: Was gedenkt der Magistrat angesichts der großen Zahl erwerbsloser Berliner Bautechniker zu tun, um zunächst diese in der städtischen Verwaltung zu beschästigen und dadurch deren große Notlage wenig. stens teilweise zu beseittgen?" Schweres Autounglück bei Spandau. Im«S-Kilometkr-Tempo gegen einen Raum. Ein entsetzliches Autounglück ereignete sich am gestrige» Spätnachmittag auf der Chaussee zwischen Karo- linenhöhe und Groß-Glienicke bei Spandau. 3m 80-Silomelerlempo raste der Kaufmann watter Blankenstein aus der paulsborner Straße 90 in Halensee, der einen großen wagen fuhr, gegen einen Baum. Der Anprall war so gewaltig, daß die vorder- rädcr des Autos am Baum hänge» blieben und der Molar melerweit fortgeschleudert wurde. Mit furchtbaren ver- lehungen wurde Blankenstein in hoffnungslosem Zustande in» Span- dauer Krelstrankenhaus gebracht. Abschied von Otto Hoffmann.' Otto Hoffmann, dessen Hinschsiden wir traurigen Herzens vor einigen Tagen mitteilen mußten, hat nun seine letzte Ruhestätte gefunden. Befreit von allen Mühseligkeiten und Qualen, die ihm ein heimtückisches Leiden in den letzten Jahren auferlegte, ruht er fetzt unter den Baumxpfeln des Spandäuer Friedhofes in den Kissrin von seinem schweren, arbeitsreichen Leben aus. Gestern nahm sein« treue Frau, die ihm in allen Zeiten hilfreich und stützend zur Seite stand, die Kollegen der Redaktion des Spandauer „Volksblatts" und des„Vorwärts" und viele Parteigenossen letzten Abschied von dem treuen Freunde. Di« Abschiedsworte für alle, die Otto Hoffmann kannten und schätzten, sprach an der Urnenstelle Redakteur S e l i n g. Seme Wort« klangen in dem Gelöbnis aus, im Sinne des Verstorbenen an dem großen Wert der Befreiung der Menschheit mit aller Kraft weiterzuarbeiten. Todesopfer des Verkehrs. Gestern nachmittag verunglückte der 6ZjShrigs Maurer Robert K ö h n k« aus der Raunynstraße 57, als er sich mit seinem Fahr- rode nach Arbeitsschluß auf dem Heimweg befand, in der Berliner Straße in Neukölln tödlich. K. fuhr hinter einem Lastauto her und wollte das Fahrzeug überholen. In diesem Augenblick bog der Führer des Lastautos links ein und der Radfahrer wurde von den Vorderrädern erfaßt. Der Verunglückte starb auf dem Weg zum Urbankrankenhaus. Allgemeine Wetterlage. 2. Juni tä30, abds. Ztj, 0w«* Oft 0 0 wolkenlos, C? heiter, O halb bedeckt ® wolkig, ObedcckZ*RsgenAGraupeln Im größten Teile des Reiches herrschte am Montag ziemlich heiteres und warmes Wetter, Im Binnenlande stiegen die T«m» peraturen allgemein aus 23 bis 26 Grad im Schatten. Die Küsten- gebiete haben jedoch noch Temperaturen von weniger als 20 Grad. Roch kühler war Ostpreußen. Am Tage stieg hier die Temperatur niHt einmal über 15 Grad. Hierhin waren nämlich Luftmassen ge- strömt, die noch'vor kurzem über dem nördlichen Eismeer lagerten. Von der Weichsel läuft die Front dieser Polarluft an der deutschen Ostseeküste entlang durch Schleswig-Holstein noch dem Kanal. Wir müssen damit rechnen, daß sie allmählich weiter nach Süden vor- dringt. ..» Wetleraussichken für Berlin. Allmählicher Uebergang zu kühlerem und unbeständigem Wetter mit e nzelnen Regensällcn.— Für Deutschland. Im nördlichen Deutschland langsame Abkühlung mtt Regenfällen, Im Süden und Südosten noch kein« Acnderung. d& £ führt ab, es wirkt sehr milde, versuch es, und Du bist im Bilde fiaftaknngen für Mefe Rubrik sind B i c U b SD«. Liodrustraß« 3. G parieinachrichten für Groß-Berlin stet»»n da» Brzlrkrsrkrrtarla» t. Hof. 2 Treppen recht«, zu richte». Areisobleule der Zeitungskommissioa Groß-Lerlm. Mittwoch. 1 Trepp« links. 4. ZBBl. UM Uhr, in VorwSrt�wbSndr. Li-dcnstr. J, 1 Hof. i, Zeder ftteis muh vertrete» fei». 2. Krei« Ticrgarte». Heute. Dienstag, 2. Juni, um 20 Uhr, in den?!rm!niu»» hallen, Bremer Str. 72—78. Kunchgebung de» Reichsbanners. Thema:..Das wahre Deficht de» ssafchismus". Eintritt 20 Vf. Erwcrdsloie Parte imit- qlieder frei. Die Denassen werden um rege Beteiligung ersucht. Z. Krei» Weddivg. Heut«, Dienstag. 8. Juni, um 19 Uhr. bei Wende, Kolonie» ftrahe 147, Sitzung des Arcisnorstandes mit sämtlichen Abteilungsleitern. !. Krei, Fricdrichshain. Heute, Dienetag, 8. Juni, um 19». Uhr, i» Schmidt» Eesellichastshau», Fruchtstr. 8»», Kreissunktionärsttzung. Taa««arda»»g: 1. Krei�ingelegenheiten. 2. Bortrag de» Kenoisen Karl Litt«, SR. d. 91., über.Die Arbeit der neuen Regierung�. 8. Diskussion. Mtgliedebuch uud Fuattioa-rkart- sind mitzubringen. 5. Krei» ltzriedrichshatu. Achtung. CVD..itzreidenkerfunktionäre der 12. Zahl. gruppe: Mittwoch. 4. Juni, um ISVb Übt, bei Hahn, Simon-Dach-Str. 9, Monal»z>esammentunit. Bortrag:.Der Freidenker und die soziale Trage". 1». Krei» Zehlendorf. In dieser Woche findet kein« Kreisoorstandssitznng statt. 14. Krei» Reulölla. Sitzung der Abteilungsleiter mit dkm engeren Borstand ist am Donnerstag, b. Juni, Im Parteibliro. lt. Krei» Käpenich. Bildungsaneschuh: Die für Dienstag. 8. Juni, angeletzte Sitzung ist umfländehglber auf Mittwoch. 4. Juni, verlegt. Beginn 20 Uhr. Besprechung der Kurse und Veranstaltungen. Schlosistr. 27, 1 Tr. 17. Krei» Sichtcnderg. Morgen, Mittwoch. 4. Ivvi, vm 19 Uhr. Es «reisfuuktioaärko-ferea, iw Arbeitsamt Oft. Borhagen«, Str. 7«— 78, R -"'........ Siesewnt Ott» Meter, R. b. g. m Dortrag:.Presi« und Arbeiterschaft'. »ud Borsmender der Berliver PresselamwIIsiv». Q-ittvug ist znr«antr-ll- wätzubrivgen. Die letzt«.Borwärt,'. 17. Bezirk. Der Kursii» de» Senossrn Waldemar Schul, über »Psiichoaualnse' findet am Mittwoch. 4. Juni, l91b Uhr, in der Schule Schornwebersir. 19 statt. Die Teilnahme ist kostensrei. Reg« Teilnahme der Elterndrirät« und Lehrer erwünscht. 29. Krei»»eiuickendorf. Die ssilmvonführung siir die Funktionäre beute. Dienstag, fällt aus. Morgen. Mittwoch, 4. Juni. 7. Abt. 19 Uhr hei Bärwalde. Schlegrlstr. 8, Funktionärsitzung. 88. Abt. Achtung! Die für Mittwoch angesetzte Tunktionärsitzung sindct arst »w Donverotag. 5. Z»»i, vm 20 Uhr, bei Bartusch. Frirdenstr. 88, statt. Anschlietzenb Borstondssttznng. 58. Abt. Tharlottcvbvrg. 20 Uhr Borstands, und Tunktio närsitzung bei Mcner, Würzburger Str. 17.»Die materialistische Soschichtsaufsassung.' Bor- tragender Kenost« Dr. Jacob Meyer. «. Abt. Kriedenou.»ildnngsgrvpv« jüngerer Parteigenosse». Mittwoch. 4. Juni.!-0>4 Uhr, bei Klobe. Kandierystr.«O—«1. Thema: �veffentiiche Betriebe' Referent Dr. Puttkammrr. 82. Abt. seeglitz. 20 Uhr Tunktionärsttzung im Lokal Schellhose. Ahornstr. 18». 83. Abt. iichlerfeld«. 20 Uhr hei Ouandt. Moltkestr. 81. Funktionärsitzung. 54. Abt. Lautwitz. 20 Uhr wichtige Tunktionärsitzung bei Lehmann. Kaiser» Wilhelm�Str. 29—81. Alle Funktionäre werlfn gebeten, pünktlich zu er- scheinen. 149«. Abt. Dittenav. 20 Uhr Funktioaörsitzung im Lokal Leese, Wittenau, an der Kreiiimener Bahn. Berliner Strahe. Rächst« Abtrilungsrersamm. lung nicht erat U., sondern erst am 18. Juni ebenda. Irauenveranstallungen. 8. Krei« Fvledlichshai». Am Sonniaa, 1. Juni, stnd hei der Demonstration »wei rote Fahnen mit gestiikien Ecken oeriorengegangen. Di« Kenossinnen eder Genossen, die im Besitz der gefundenen Fahnen ssnh, werden g». beten, dieselben bei Retsch. Eadiner Str. 10(Lokal), abzugeben oder lchrif». sich sich an 9. Baber. Rrmintener Str. 84. zu wenden, damit sie dann abgeholt werben kdnnen. 27. Krei» Lichtenberg. Di, Ahtellungslelterinnen werden gebeten, sich am Mittwoch hereit« um 181b Uhr vor der Kreisfunktionärinnensitzung im Arbeitoomt Ost. Lorhagener Str. 78—78. zu cinrr kurzen Desprrchung ein- , ahnden. 7. Ab«. Di« Kenossinnen treffen sich am Donnerstag. 8. Juni, zum Au». klug nach Daidmannsluft um 10>4 Uhr am Steltiner Bahnhof. 197. Abt. Falierberg-Alt�ltevick». Am Donnerstag. S. Juni. 19'b Uhr. findet fm Gemeinfchastshaus eine Gaskochvorillhrung mit Lehrndrträgeii her Slabtifchen Kaswerke statt. Di« Kcaofnnnen de» 18. Bezirks sind dazu freundlich eingeladen. 227. Abt.»»ivickrvdorf.Nest. Leui«, 8. Juni, um 19H Uhr. Funktionärinnen. sitzung im Bolkshau». Scharitweiberstr. 114. Beftimmic» Erscheinen ist not- wendig. Achtung. Ellernbeiratswamt Prüft die Mandatsverteilung nach Wahlproteste müssen bis zum 15. Juni an das Provinzialschulkollegium, Berlin-Lichter- f0lde,ZehlendorferStr.52,eingereichtwerd0n Besprechung Uber Wahlproteste heute am Dienstag, 3. Juni, nachm. ab 16 Uhr beim Genossen Richard Schröter, Danziger Str. 23 Jungsozialisten. Referrntc.luts»» K»rt»ch.F»bia» pünktlich üm 2» Uhr i» der Alkohols-ei-ll S-Mtätte, Slalitzer Str. 8. Arbeitsgemeinschaft der Sinderfreunde. Hrlfrrverickmmluvg am Mittwoch. 4. Juni, 20 Uhr. Bezirksamt Krruzberg, Porckftr. II. Borbereitungen für Probezeltlager— Zeltlager Schweiz— Rest. faikonzeltlager Mtinster. Probezcltlager! Die Rundschreiben sind an die Rreisleiter ausgegeben. Die Zelte, die im Probezeltlager gebraucht werden, werden mit einem Lastwagen nach Tegel detiirdcrt. Ablieferung der Zelte am Mittwoch. 4. Juni, und Frei. tag, 0. Juni, von 18—1918 Uhr, Lindenstr. 8, Hof 4(Lagerschuppen). Zelte müssen in Säcken verpackt und gut signiert sein. Achtung. Sammelpatzliste»! Sofort an die Zentral«! Krei» Reukill»,»ruppe Sichtkämpser, Zeltlagerteilnchmem Heute, Dienstag. um 17 Uhr müssen alle im Jugendheim Bcrgstimtze sein. Wichtige Zeltlager. Vorbereitungen.— Krupp« Birke: Mittwoch, 4. Juni, findet um 20 Uhr iu der Lrsftngschule eine Elternversammlung statt. Um pünktliche» Erscheinen wird gebeten, da die Helfer anderweitig verpflichtet sind. Am Donnerstag, 8. Juni, veranstaltet die Kruppe einen Musikabend im Saalbau Borgstrasse. Beginn um 20 Uhr. Unkosten 80 Pf. All« Freunde und Parteigenossen sind gern gesehen. Bezirk Mitte: Zeltlagerfahrerl Am Donnerstag. 5. Juni, 17>4 Uhr, Soll- Versammlung aller Zeltlagerteilnchmer im Heim Waisenstr. 18. Riemaich darf fehlen.— Krupp« Eugelufee: Keule. Dienstag, machen wir unser« Laternen fertig. Bleistifte. Lineal. Klebstvlff ufw. mitbringen.— Die Kruppe wleiter von Ritte rechnen die Filmkarten schnellsten» erb. Geburisiage, Jubiläen usw. 14. Abt. Unsere»» alten Genossen Pavl S»» v t tz e» zu fei»«» 99. Ke. burtotoge»acherägtich»och herzlichst,«lückwünsche. 1». Ab«. Uvserer lieben Kenosfi» WllhelmIveFischee, Spauheimstr. 1, zu ihrem 3«iährig»n Partcijubilöum dt« herzlichst»» Glückwünsche.— Unserem lieben Kenossen»nb Ehorführer der Reichsbonnerlapelle Weddiug, Hermann K 5 p v e l. ,» tri»«» 99. Sebnrtotag« die herzlichsten Glückwünsche. Wir hosten, bass er»»»»och recht lange in derselben Frtiche und Gelundheit er. halten bleibt, nm durch seive Tatigleit für unter« Partei zu werbeu. 82. Abt. Sicmensfladt. Unser«» treuen»«nassen Aua» st Mar sau dt. Ronnrndammallre 89, z» feinem 25jährtgeu Getchästojnbtläum dt» herzlichftcn Glückwünsche. >28.. 139. Abt. Pankow. Unserem treue» Genossen Otto D e» s ch k e nebst Lebensgefährtin zur Silberhochzeit die herzlichste»»lückwünsche. � Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 18. Abt. Am Freitag. 80. Mai, veistard unser Kenoss« Franz Beier Insolge Serzlähmung. Ehre seinem Andenken! Einäscherung am Mittwoch. 4 Juni, um 17 Uhr im Krematorium Serilhtstrasse. Um rege Beteiligung bittet der Ableilungsvorftand. 34. Atä. Am 28. Mai verstarb unser«enosse Emtl Wagner. Pillauer Strasse 2. Ehre seinem Andenken! Di« Einäscheruno Hot bereit, stottgefunden. »8. Abt. Reulöllv. Unser seit mehr als 80 Jahren in der Partei und Kewerkschaft eifrig tätig« Kenoss« Friedrich Schmidt, Delbrückftr. 86. ist am 80. Mai verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet om Mittwoch, 4. Juni. 14 Uhr. aus dem Reukollner Kemeindefriedhof, Dottlied. Dunkel-Etrasse, statt. 1 SozialiMeArbetterjugendGr.-Verlin Einsendungen für diese Rnbtik nur an»a« Zugendsekretariot Berlin«D88. LMbenftrete, Streichorchester Kross-BerNv: iS~V) Uhr Probe st» Jugendheim See- Eck- Turine« Strasse. Abieilungsmiigliederversammlungcn heule, lgi/g Uhr. Gewerkschnstsha»»: Schul« Säpenickcr Str. 123.— Killnischee Park: Keim Waisenstr. 18.-»«lenthaler«nrstadt: Seim Slisabethkirchstr. 19.- Zentrum: Heim Lond�terger Str. 80.— Biunnenplatz: Schule Pank. Ecke Wiesenstrosse.— Kesundbruunen I; Schule Kotenburgcr Sir. 2.— Humboldtbai»: Keim Putdusser Strasse 8.— Leopvldplatz: Schule Utrechäer Ecke Turmer Strosse.— Schtler- park: Schul« Cchoningstr. 17.—»eddin«.«. F.: Heim Lütticher Str. 4.— Wedding. Rnrd: Heim Turiner Ecke Secftrasse.—«rnimplatz: Schule Sannen. burger Str. 20.-»rnswnlder Platz»1 Heim Raftewburger Str. 16.— Helm. holtzplatz: Keim Danziger Str.«2, B. 2.— Rordoste» 2: Seim Danziger Strasse 82, B. 8.— Wörther Platz: Schul«.gostanienallec 82.— Kalenheide: Heim Wasscrtorsrr. 9.— Süden: Heim Porckstr. ll.— Siemcnsstadi: Schule Schulstrasse.— Westend: Keim ans dem Sportplatz Wcslend.— LiÄ-rfelde: Heim Aidrechtstr. 14».— Mariendovt ll:.Daheim" 1aS120— Steglitz: Heim Albrcchtstr. 47.— Reukölln l: Heim Sander. Ecke Hobrechtstrasse.— Rcukolln II: Heim Bcrgstr. 29.— Renlitlln IV: Heim Echicrkeftr. 44.— Neukölln Vll: Karl. Marr-Schule.— Neukölln VIII: Rütlischule.— Köpenick I: Heim Grünauer Strosse 5.— Hermedorf: Heim Roonstrasse.— NiederschSnhauscn: Schule Blonkentburger Str. 70.— Pankow I und ll: Heim Görschstr. 14. * Oranienburger Tat: Heim Tieckstr. 8:.Die Gemeinschaft in der SAI.'— Weissenlee: Heim �Parkftr. 86:.Fahrtentcchnik".— Kattbusser Tor: Schule lottenbnrg.DLd, R. F.: Heim Eoethestr. 11: Arbeiisgemeinschaft.— Wilmer,. dors, R. F.: Heim Wilhelmsaue>28:.Was wollen die Roten Falken?"— »ritz: Ratbau«, Chaussecstr. 88:..Berufserlebnisse".— Reukölln XI: Heim Flug- haienstr. 6«: Tagespolitik".— Köpenick II: Heim Dohlwitzer Str. 18:„Deutsche Industriegebiet«", 1. Teil.— Tegel: Heim Bahnhofstr. 15:„Die Frau und der Sozialismus".- Buchhol,: Schule Berliner Str. 19:„Das Eafängniswesen". Berbebezirl Echöneberg: W.»B.-Mitgliederversammlung im Keim.. W Sauptstr. 18. Partrag und Aussprache:„Gegen die politische Verhetzung F) § der Jugend". Referent Genosse Dr. Otto Friedländcr. Alle Gruppen. siR W vcranstgltungen fallen aus. 63 Serbebezirl Lichtenberg: Ab 17 Ilhr Baden im Flnssdad Klingenberg. Ein. tritt 10 Pf. gegen Borlcgung des Mitglieb-buches. DI- Wanderlcitcrlonfcrrnz findet nicht statt._ Vortrage, Vereine und Versammlungen« # Reichsbanner„Kchivarz-Rol-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14, Sebastianstr. 37— 38. Hol 2. Tr. Dienstag, 3. Juni. Wilmersdorf(Ortsverein): 20 Uhr Kamerod» schaftsobend bei Kulka, Lauenburger Str. 21, Ecke Ilhlanbstrasse. Letzter Meldetermin für die Autopfingstfahrt nach Magdeburg. Teilnahme von älteren Kameraden erwünscht. Schüneberg.Friedenau. Kameradschaft Rubens: 20 Uhr Komeradfchastsversammlung im Lokal Eramatke. Cronoch. Ecke Tanova- strassc. Steglitz sOrtsverciii): 20 Uhr im Restaurant Rosenthal, Lichterfelde. Hänbelplatz 2, allgemeine Funktionärs, tzung. Tagesordnung:.Unsere Dcmon- strativn im Juni". Pankow. Kamerodschaft Rord: 20 Uhr Kamcradschaflsver» sanrmlung im Türkischen Zelt.— Mittwoch, 4. Juni. Kreis Osten: Achtuno, Kreisiungmannschaft! Sämtliche nach Magdeburg fahrenden Iungtameraden pünktlich 20 Uhr in Bundcskleidung auf dem KKS.»Sportplatz in Friedriäi». feide am Uppstallweg zum Appell. Der Kreisiiigendleiter ist anwesend. In» sarmationen. Wetss-nse«: Magdebiirg.Fahrcr 191) Uhr Turnhalle Börthstrasse. Sämtliche Morien müssen abgerechnet sein. Kreuzberg, Zug 2: 20 Uhr bei Krepp, Plannfer 78—7«. Mittr, 3. Kameradschaft: 20 Uhr Äamerabschaftsver. sommlung in der Spartklause. Dircksenstr. 1. Bortrag Kam. August Müller. Alle Grenzmorkfahrer müssen unbedingt anwesend sein. Steglitz(Ortsoerein): 20 Uhr Magdrburgfghrer�usammcnkunft im Jugendheim Albrrchtstr. 48— 46. Zilarineabteilung: 19 Uhr Bootshaus. Ruber» und Schwinmien. Magdeburg» Fahrrr Geld mitbringen.— Dvvnnerstag, 5. Juni. Prenzlauer Berg: Kamerad- schaftsversammlungen um 20 Uhr. Kameradsiltait Rordkap bei Goldlchmidt, Ctolpisch« Str. 86. Kameradschaft Balkan bri Bogel, Iablonskistr. 9. Weissen. see: 19 Uhr Funktionärkonferenz bei Peters, Lichtenberger Str. 12.— Ren- lölln-Britz: 2. Pfingstfeiertag, 6 Uhr. Frühkonzert des Mullkkorps im Etablisse. ment Bergschwsshöhe, K-rlsgorte.nstrasse. Eintritt 30 Pf. Ab 10 Uhr ebenfalls Konzert mit grossem Barietk.programm. Eintritt 80 Vi. Kinder 20 Ps. Arbeiter- Samariler-Lund. Kolonne Verlin. Geschattsstell«: R. 24,»r. Hamburger Str. 29. Tel.: v 1 Zlorde« 3849. Abteilnng Reinickenbors: Donnerstag, 5. Juni, Nitgliederver» fammlung. Schule Ponkower Allee. Bund deutsche, hir-nerl-tztee«rirgrr, e. B. Bezirksgrupp« BerNn und den Pronin, B-andenbur«, Berlin O. 112, Rirdcrharnimstr. 5, 8 Tr. recht». Mitt. woch. 4. Juni. l9Vi Uhr. Monatsverfammlun« im Berliner Bürgerdräu. C. 2, Drllderstr. 16. Touristen oerein„Die Raturirrnndr'. Pbotogemeinschaft. Abt.«euköllui Mittwoch. 4. Juni. 20 Uhr. Jugendheim Berastr. t?9. Zimmer 1:.Der Bild. -*m-- Abt. Sorten: Donnerstag, S. Juni. Weltlich« Schule. Pank. niti" e. 20 Uhr:„Praktische, Berqrössern".— Abt. Osten: Freitag, -r. Jugendheim Fronifurter Allee 807:„Etwa, über Ortho. aussck Sck« U.■ 7. Juni. 20 chromasie'. Perba«d Gherechtsresorw, Sitz«erlis. Oesfentliche Versammlung Donner». 8. Juni. 20 Udr. im Restaurant„Zum alten Askanler". Berlin SV. 11. Anhalt- strosse 11(1 Treppe, grosser Sogl). Tagesordnung: 1. Fortsetzung der Beratung unserer Bortage im Rechtsausschuss. 2. Bortrag von Herrn Rechtsanwalt v»d Notar Dr. Eonrad Mendelsohnt„Au, der Praris des Eheschoidungsrechts". 8. Mitgliedevderatung. Rcuanmeidungen und Beitragszahlung. 4. Freie Aus- sprach«. laiitzkellaw Ungllsd Debsilng Club; Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärztehau» BOlow" »tralle 104, Cutttnannsaal: Mrs. Alice Behrend:„A Japanese Oirl at Home and America" �irkcii �*wass< (fjfaXüiu. f Weil es naturlichen Birkensaft enthält. Säfte der Birken— Kräfte, die wirken! b2Vt 6 so. iz- Vergessen Sie nicht auch bei schönstem Wetter an Regen zu denken! Nehmen Sie bei Ihrem Pfingstausflug einen imprägnierten Gabardine-Mantel, Trenchcoat, Loden- oder Gummimantel oder eine wetterfeste Windjacke zur Vorsicht mit! Unsere Auswahl ist riesenhaft. Unsere Preise sind sehr billig!— Sie erhalten bei uns: Windjacken.............. für M 7.50 Gummimäntel............ für M 9.00 Combinationen........... fürMl 2.00 Trenchcoats............. für M 16.50 Lodenmäntel............. für M 18.00 Oelseidenmäntel.......... für M 30.00 Reinwollene Garbardinemäntel für M 69.00 Alle diese Kleidungsstücke sind für Damen und Herren in modernen Farben und Formen vorrätig. Für Knaben und Mädchen sind die Preise entsprechend niedriger BAER SOHN A.G. Berlin N 4, Chausseestraße 29 Sommerwohnung Biel Hochwold. Wiesen, Wasser, Babegc- legenheit. Eigener Kahn. Slettr. Licht. 8 Mahlzeiten 4.— Mark. Bahnstrecke llrstenwald«. Frankfurt. Otto Sdialz, afthaus, Kerndorf bei Brlesen sMark). X VV, WWMVNU. B,. » dann Reicne's Magen tropfen. 3Iin Sonntag crjäfjttc Max f) alb c seine Biographie, iws heißt, was er darunter verstand. Man sah den Dichter ocr„Jugend" als ungeheuer verschlossen, zeitabgervandten Menschen. Er sprach eigentlich nur über seine Werke, und auch hier machte er bei feinem Schaffen vor 23 Iahren holt. Selbst was die letzte inhaltsschwere Epoche des Zeitgeschehens ihm bedeutet hatte, erfuhr man nicht. chansjürgen iWille las feine Erzählung„Oberskin", eine scharf beobachtete Studie primitiv-kindlicher Grausamkeit gegen den Kameraden, der sich nicht in den Durchschnitt fügt.„Eigene Märchen" von Gustav Goes waren weder inhaltlich noch stilistisch van irgend welchem Wert. Die Funkstunde sollt« auch für die Jugendstunde auf cm gewisses Niveau sehen. Die Zlbendoeranstaltung brachte, vom Gewitter unterbrochen, Opercttenmusik von Edmund Eysler. ♦ .„Zwei Betriebsleute unterhalten sich über den Werkton" war für Montag angekündigt. Leider waren die Be- triebsleute, ein Professor und ein Doktor, trotz ihrer guten Absichten nicht recht imstande, den Werkfremdcn einen richtige* Eindruck zu vermitteln von dem. was sie eigentlich ändern wollten. Ein Awie- gespräch zwischen einem Betriebsfachmann und einem Arbeiter wäre wahrscheinlich viel anschaulicher geworden.— Dos«Musikalische Magazin" bracht« wieder viel Unterhaltendes und manches Wert- volle. Ein Borschlag an die Funkstundc: Dos„Inhaltsverzeichnis" des Magazins sollte— besonders im Interesse der noch nicht oder mir wenig bekannten Komponisten— in den Funkzeitschristen ob- gedruckt oder mindestens am Schluß der Veranstaltung den Hörern angesagt werden.— In der Jugendstunde erzählte unter dem Titel „Ich komme eben aus dem Theater" Harry Kahn die Laufbahn eines Theaterstücks von dem Bühnenverlag bis zur Auf- führung, ein« Schilderung, die sicher lebhaftes Interesse fand: leider wollte Kahn zuviel Einzelheiten geben und sprach deshalb zu jugendlichen Hörern oiel-zn schnell. Oberingenieur WalterjSchäsfer führte„R u n d f u n k e m p f a n g s st ö r u n g e n auf Schall- platten" vor. So konnten die Hörer wenigstens feststellen, welche elektrischen Instrumerrte den zweifelhaften Ohrenschmaus zu verant- warten haben, der ihnen bisweilen aus. ihrem Empfangsapporat entgegentönt. Abhilfe wird sich allerdings in vielen Fällen in der Praxis schwer erreichen lassen, obgleich sie sicherlich vielfach ver- hältnismäßig leicht zu schaflen märe. Hier können die F u n k- verein« bei ihren Mitgliedern durch Ausklärung unter Mahnung zur Rücksichtnohm« für manche Besserung sorgen. Am Abend hörte man Offcnbachs graziöse Operette„Die Briganten" in einer guten Ausführung. Tes. ver„Berliner Purlee*, das seit oliher bekannte und beliebt« Tommereheoter, beginnt wiederum am 8. Juni, also am Piingst- sonmag. seine diesjährige Spielzeit. Außer dem Musik-, Lustspiel- und Varieteteil, beschließt die volkstümlich« Operette„Der Vogel- Händler" das große Programm. Es gelang der Proterdirektion auch diesmal, für die Operette, Gustel Beer und Gretel Lilien, sowie andere erstklassige Kräfte wie Wo!s Lucas usw. zu gewinnen. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Kapellmeister Andor. $« Bai» Sota 8..®.. älteste tUt'htimtft Berti««. 9S. 44. Tharrikeeftr. frnti ou« Änlob i>cr ricrjiiriolitiafn Wirde rkebr i>e» Tozez ihrer»esckiijft»- grüiibuvz derart iiohlrcickie Zuschriften der treuen Anhänalichkeit seitens ihrer Kundschaft aus Berlin, dem Deutschen Reiche und dein auslond«»uoeaanqen. dah die glnna uns bittet, auf diesem Wstiie für die unendlich vielen Beweise der Anertennuna danken M dürirn. Mit ganz besandcrer Genugtuung hat dl« Daer Sohn A.-G. aus dem erwähnten Anlag.Zuschriften aus den früheren deutschen Kalanien in Südwest- und Siidoftasrika entgegengenommen. Unter den Barsinern und den Abnehmern im Reich« hesinden sich niellach vier Genera- tivnen, die zur ständigen Kundschast der Iubiläumsfiema gehören. Urgroh. natsr. Großnater. Söhne und Enkel werden seit Iohrzahnten von B. S. zu ihrer Zufriedenheit eingekleidet. Äls besonderer Beweis ihrer Leistungsfähig- keit dient neben anderen Sachen die Zubiläumsgode in tzorm der ungemein billigen Preisbemessung filr einen aus reinem Kammgarn bestehenden Serren, anzug in normalen Größen, den aste Zreunde des Sauses zum Preise von Z8 M. erholten können. Wlchkathreiner zum Gchulsrühstijch! In den ärztlichen Zeitschriften stnd in den leßten Wachen einige sehr interelsante Adhandlungen erschienen, die das volle Interesse der Oeffentlichkeit verdienen. Ihr Inholt ist. kurz gesogti Milch wird, mit Kathreiner gemischt, dreimal so leicht verdaut als sonsti Wenn man bedenkt, daß die Milch, unser bestes und ktlliqstes Nahrungsmittel, tatsächlich ziemlich schwer verdaulich ist. erkennt man so-sort den außerordentlichen Wert dieser neuen Entdeckung unserer Ernährungsfvnscher. - Trotze Trauring-Falirltt-i verkauft fugenlose Trauringe direkt an Private 1 R i n g 333 gestempelt aar 5 bis» Mk. 1 1„ 1_ 1* Ralalnü gratis j" Garantieschein. 585 585 585 000 000 000 leicht 8. SO. mittel II.—„ schwer 14,80, leicht 16J0, mittel 11.80_ schwer 28.—, Oes. geschützt. Hermann Wiese Grawiarea grast» ntort z. Mmetimeo st. irifliensttrak« 20 V. Passsoer Str. 1J S. Rottön sser Damoi 2 C!aats-Opgp In Pl:f: der Rjpublii Vorst 95 lO-t- Uhr VIS stumme von Portio) Ende ZZÜi Uhr Staat). Sdiauspli. an Cndannecmarltt S1. R. HL Di. Ist. 8 Jahfes-Ali.-V. Ho. 131 10 Uhr Gustav amou Ende 22 Uhr MI-WIKk-MUllMii!!. 20 Uhr G'wlssenswurm Ende nach 22 Uhr Tag!. 5 u.©Ts Sonnt. 2.5 o 8» Alex. E 4. 8066 tTilhelm Warlsfrin der beliebte HiimorUi tird 8 erxtklasaige Attraktion m CÄSINO-TBEATER Lothringer Strafe 37. Nur noch wenige Aufführungen! Rentier Mudicke SommerpreUe: Billig! Billig! 40 Pf. I.- Mark 1.40 Mark Reichshaiien-Theater Allabendlich sTj Uhr Sieffiner Sänger Bas tastigs Programm, üb 1.6. Heu; Willi Lilie im Kreise von Meysel» BriHow, Braner«Girardi, Nebe, Robin, Schröicr, Schräder, Wegner nnd Wolde. An beiden Pfing.>tfciertagen Haduritlags-yorstellung zu Halben Preisen. Dönhoff-Dretfl(Saal und Garten) Varief�— Konzert— Tanz VoUfsUüHne Theater an Bülcwplitz. 81;. Uhr Julius Caesar Rcgii: Hirt Hellt brfiB Staat). SAiller-Tti- 8 Uhr Staatsoper Am PL d. Republik Vh Uhr Die Stumme von Porücl Dentsdies meater B 2 WeiMann S20I 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Rege Max Reinhardt »«Sit: frisarirti IMaiiilirr. Theater In der Slrcsemannsir. (Irüto lligig jrihir Str.) Täglich 8".» Uhr Napoleon greift ein von Walter Hasentlever Komödienhaus Täglich Mi Uhr Meidb Sdiwestar uDd ich Musik t. Rai jbBeoatlky Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 81,4 Uhr Ma* Adalbert in Das ParfOm meiner Frau Uustspicl von Leo Lenz Kammerspiele 0 2 WeldeodanuB 5201 8V4 Uhr: jphigenie auf Tanri» vonWolfg v.Goethe EinrithtBng und: Ridiard Bwr- Hofmau Die Komödie I Bismck. 2414/7516 m Uhr Soll man heiraten? Kmnötiie fonBemarjSha* Smisdi« Einriddimg: Karl Heinz Martin Zieh. v. 7. his 14. Juai 1830| Dreizehnte große Vo8kswohl< Lotterie) 48 008 Gewina r u. 2 Primien im 1 Gesamtwerte von RMl H_ 430000 SJpSi« 150000 75000 1 ä-T; 100000 50000 RM■WWW! LÄ�SOOOO �Ädooooi '"Srm 200001 LoseruiRM DoppeIlo Zu haben in • Ohasa(Ooldj Ihr die Frau OriginalpacKang lo.so M, /allen Apotheken! Wenig getragene Iacketlamüqe. Epe- zialität blau, zweireihig, auf Seihe 40.— Emolinganzllge. Bouchandlge. Taillenmänlel. Paletots, alles zu Spott. vreisen. Selegrnbritskäuie in neuer Herrengarbrrohe. Leihhaus Rosenthaler Tor. Linienstraße 203—204 lEck« Rosen- I Haler Straße). Keine Lombardware. Dameumäutcl.(Trilbjahrsmäntel 4.—, 8.—, Trenchroatmäntel 10.—. Herren. ftoff 12,—, Seihenmäatel. Mobellmäntel 19,,—, 29.—, 39,—, Kleider, Kostüme, Kindermiintel spottbilliq. Schmechel. Gipsstraßr 15(Bahnhos Börse). d4st»r:I Zahlnngs-Erleichternng ohne Preisaul {hing. Schlafzimmer 550,—, Speisezimmer 450,—. Herren., immer 300,—, Ankleide- schränke mit Spiegel 35,—. Küchen. Polstermöbel. Möbelhaus Stein. Dein- beraswea Rr. 24. Möbel. Kamczlina. Kastanienallee 58. Schlafzimmer. Ruhebetten. Metallbetten. Riefenauswohl. Spottpreise Zoblungs- erleichlerun»�_______• Möbel ohne Anzahlung. 24 Monate Kredit und darüber. Komplette Zimmer Küchen. Einzelmöbel. Mödelbaus Sunt. holdt. An deck Iannowistbrllcke 3—4 BrunnenSrut« tz3.___ Kund« Ri-srnauswahl! Wichtig für jedermann. Täglich werben nerkauft: guterhaltene Kleiderspinben. Bertikos 24.—, Bettstellen 22,—. Ilurfchränke, Wafchwiletten 24.—. Chaiselongues 24.—. K»m- Moden 19.—. Bllcherspinden. Schreib- tische 32__ Büfetts 75.—. Trumeaus 2g,—. Standuhren 68,—. Große Auswohl in Klubsesseln. IlUgeln, Pianos. 303 Teppiche, südoeoeinrichtun- gen 48.—. Riefenauswahl. alles spo'l- bill-a. Speisezimmer. girterhallen. komplett 225,—. Herrenzimmer. last neu. komplett 225.—, Speisezimmer. wema qebraucht. Drei-Meter-Büsets. komplett. 590,—. Schlafzimmer, sobrik- neu. komplett 268.—. Wahnsolon, wen-, benustt. 125.—. Antike Möbel, barunt-r Biedermeier-. Barock- und andere Stil- Möbel, sowie komplettes Btehermeier- zimmer spottbillig. 100 Küchen, ent, zückenhe Modelle. gebrauchte 48.—. Staraarbt, Möbel, und Lombarbspeicher. Prenzlauerstraße sechs._______• Legen Sie Wort.ch!- talldetten. Auslegematrastrn. Ehaiselon-! Dieschauerstraße. gegen gleiche noch Reu- au es. Walter. Elargatderslraße gcht-jkolln oder Brist. Karte erdetrn an zahq. K-m Lad«».»jGenskc. S«-s-itrad° s. Nr. 254» 47. Jahrgang Dienstag, 3. Zum il9A0 Privatisierungsgefahr in Breslau. Oeffentliches Zusammenwirken ist nötig. Durch die Anberhedrosselung gegenüber den deutschen Städten hat sich die Gefahr der Privatisierung der öffentlichen Wirtschaft, bs- sonders auf dem Gebiet der Elektrizitätsversorgung, erheblich vcr- stärkt. Es ist bekannt, daß die finanzkräftigen Elektrokonzerne des Auslandes, besonders Amerikas und Belgiens, auf dem Wege über deutsche private Kraftgesellschasten, unter denen die Gesellschaft für elektrische Unternehmungen(G e s f ü r e l) die aktivste ist, die Finanz- Verlegenheiten der Städte zu Prtvatisierungsangrisfen ausnutzen. Das gilt nicht zuletzt für den wirtschaftspolttischen Wetterwinkel Deutschlands, die Provinz Schlesien, in der sich die kommunalen Finanzverlegenheiten durch die oberschlesische Grenz- Ziehung und durch die unvernünftige chandclspolirik gegenüber Polen weit über den deichen Durchschnitt hinaus gesteigert haben. So muß heute leider die Stadt Breslau, die auch durch die Umstellungen im Linke-Hofinann-Konzern sehr gelitten hat. als ernstes kommunal- politisches Gefahrenzentrum angesehen werden. Besonders k r i t i s ch hat sich in Breslau dieElektrizitäts- Versorgung entwickelt. Theoretisch hat heute Breslau eins Maschine nleiswng von 50 Ml Kilowatt zur Verfügung, praktisch sind es aber nur 40 000, da die Finanzschwierigkeiten es unmöglich gemacht haben, die Elektrizitätswerke Breslaus auf der Höhe zu halten. 10 000 Kilowatt Maschinenlcistung sind teilweise nicht mehr voll leistungsfähig, zum anderen infolge der Unbrauchbarkeit einer Dampf- turbine nicht mit Sicherheit oerwendungsbereit. Im Dezember 1020 Haider Stromverbrauch aber schon 38 000 Kilowatt verlangt, im Spät- jähr 1030 werden sicher 40 000 bis 41 000 Kilowatt gebraucht, und diese Leistung ist ohne erhebliche finanzielle Aufweichungen, für die die Möglichkeiten im Augenblick fehlen, nicht zu beschaffen. Diese Zwangslage wurde nun von derElcktrizitäts- werk Schlesien A.-G., die von der privaten Gesellschaft für elektrische Unternehmungen beherrscht wird, erkannt und ausgenutzt. Es liegt von der E. W. Schlesien A.-G. ein Angebot vor, für die Stromzuführung nach Breslau dauernd eine Maschinenlcistung von 10 000 Kilowatt zur Verfügung zu stellen, und auf unbegrenzte Zeit, freilich zum hohen Zinssatz von 8 Proz. und mit einer respektablen Grundgebühr, den zu den Umspann- und Anschlußbauten ersorder- Richen Betrag von 3 Millionen Mark zur Verfügung zu stellen. Was die Gesfürel und ihr allmächtiger Herr Oliven hier in petto hotten, ist ganz klar: die Stadt Breslau hat insgesamt rund 34 Millionen Mark Schulden und Verpflichtungen an Reich und Preußen, der in Breslau und in allen Großstädten rajch steigende Stromoerbrauch wird die Abhängigkeit bei der Stromzuführung von der Gesfürel zunehmend steigern, und es ist mit hoher Wahrschein- lichkeit zu erwarten, daß auf diesem Wege der riesige Stromver- braucher Breslau in absehbarer Zeit als reif« Frucht dem privaten Gesfürel- Konzern in den Schoß fällt. Klar, daß mit der Herrscheft über das stärkste und entwicklungsfähigste Der- brauchergebiet die Aussichten des privaten Gesfürel-Konzerns wachsen, die private Elektroherrschaft in Schlesien in der Zukunft immer stärker auszubauen. Das würde natürlich auf Kosten der Reichselektrowerke geschehen, die nicht nur heute Nord- schlesien beherrschen und mit dem von ihnen stark beeinflußten Elek- trizitätswerk Liegnitz bis hart vor die Tor« Breslaus reichen, sondern auch im Begriff sind, in Cosel ein hochleistungsfähiges Kraftwerk zu errichten, das als hauptsächliches, überwiegend öffentliches Kraft- Zentrum Schlesiens geplant ist. Di« schwierige krafttechnische Lage in Breslau und die Finanz- Verlegenheiten der Stadt können nun dazu führen, daß der in hohem Maße gefährliche Vertrag mit der E. W. Schlesien A.-G., da natürlich auch in Breslau selbst Freund« der Privatisierung der öffentlichen Wirtschast sitzen, abgeschlossen wird. Der Abschluß eines solchen Vertrages ist aber völlig entbehr- li ch. Einmal besteht die Möglichkeit, daß die Stadt Breslau, ebenso wie es Berlin vor kurzem getan lzat, sich eine Ruths-Speicher- Anlage baut, die für die nächste Zeit die Krasterzeugungsverlegen- heiten beseitigen würde. Diese Anlage würde kapitalmäßig runb 3,2 Millionen Mark kosten(die Verbesserungskosten der Städtischen Elektrizitätswerke mit eingerechnet), würde auf einige Jahre den Spitzenbedarf der Stadt Breslau decken und auch hinsichtlich der Finanzierung kein« allzu großen Schwierigkeiten bereiten, da die Ruths-Speicher-Gesellschoft auf vier Jahre die erforderlichen Beträge zur Verfügung stellen würde. Eine elektropolitische Abhängigkeit von privatwirtschaftlichen Kreisen käme hier nicht in Frage. Außer- dem sind auch die Möglichkeiten noch zu einer zweiten Lösung gegeben, die ebenfalls jede Privatisierungsgefahr in Schlesien aus- schließen würde. Zu diesem Zweck wäre die in Breslau schon längst fällig«, von anderen Städten längst durchgeführte Einbringung der Breslauer Eiektrizitätsanlagen in eine Aktienge- s ellschaft durchzuführen und die elektrowirtschaflliche Verb in» dungmitderöfffentlichenElektrizitätswirtschaft herbeizuführen. Diese Möglichkeiten konnten schon seit Jahr und Tag ins Auge gefaßt werden und sind bisher nur an der unzuläng- lichen Initiative sowohl des Oberbürgermeisters von Breslau als auch der Reichselektrowerke gescheitert. Di« hier gegebenen Möglichkeiten schließen für alle Zukunft Prioatisierungsgefahren in Schlesien aus, die sichern der Stadt Breslau ihre elektropolitische Bewegungsfreihert und ihre kommunal- politische Unabhängigkeit und öffnen auch für Schlesien den Weg zur Vereinheitlichung der Elektrowirffchaft unter öffentlicher Führung: eine Vereinheitlichung, die durch die Beteiligung der Gesfürel auf das ernsteste gefährdet würde, hinter der ja bekanntlich Herr Dannie Heine mann von der belgischen Sofima steht. Es wird der größten Aufmerksamkeit der Sozialdemokratie in Breslau bedürfen, um die hier vorliegenden Privatisierungsgefahren auch im Jirteresse der gesamten Elektrowirtschaft Deutschlands abzuwehren. Profite der Bauunternehmer. Trotz schlechten Baumarktes durchweg höhere Gewinne. Die Entwicklung des Arbeitsmarkts in den letzten Jahren hat gezeigt, daß ohne eine wirksame Belebung der Bautätigkeit alle Be- mühungen zur Entlastung des Arbeitsmarkts Stückwerk bleiben. Bei den großen Schwierigkeiten der Kapitalbeschaffung und der allgemeinen schlechten Finanzlage in deutschen Ländern und Komikiunen ist für die Ankurbelung des Baumarkts die Frage der Baukosten von ausschlaggebender Bedeutung. Um so schlimmer ist es, daß das Baugewerbe und be- sonders die ihm angeschlossenen BaustoffinOustrien eine Preispolitik treiben, die ohne jede Rücksicht auf volkswirtschaftliche Interessen nur dem eigenen Profit dient. Die Politik der Zemcntssyndikate ist ein Skandal. Millionen sind in den letzten Jahren zur Riederknüppelung der Außenseiter und zur Sicherung ihres Monopols von den Syndikaten zum Fenster hinausgeworfen worden, mit dem Erfolg, daß auf Kosten des Baumarkts und der arbeitslosen Bauarbeiter die Monopolpreise trotz miserabler Ausnutzung der Betriebskapazität wieder Rekord- dividenden einbrachten. Auch die großen Bauunternehmen in Deutschland haben von dem Konjunkturrückschlag auf dem Baumarkt nichts zu spüren bekommen. Während die Bauarbeiter schon im Hochsommer 1029 unter zunehmender Beschäftigungslosigkeit zu leiden hatten uns auch der Herbst keinen inerklichen Auffchwung brachte, machen die Ge- winnabschlüsse der Baugesellschoften den Eindruck, als ob das Bau- gewerbe«ine Glanzkonjunktur hinter sich habe. Die wichtigsten Gewinnziffeni von sieben führenden Bauunternehmen in Deutschland, deren Abschlüsse jetzt vorliegen, zeigt die folgende Tabelle: Betriebsgewinn Reingewinn in Milliollen Mart Dividende in Proz. 1028 1920 1023 1920 1928 1020 Julius Berger-Tiefbau. 3,2 3,6 1,99 2,1 20 20 Philipp Holzmann.. 4,0 4,67 1,67 1,90 7 8 Wayß& Freytag. 6,1 6,5 1,18 1,21 8 8 Dykerhoff& Widmann. 1,94 2,20 0,9 1,09 8 10 Hoch- u Tiefbau(Huta) 2.43 2.46 0,66 0,67 7 7 Beton- u Monierbau. 1,40 1,47 0,51 0,51 12 12 Boswau& Knauer.. 1,46 1,87 0,48 0,58 12 14 Ein Gewinn- oder Dividenden rückgang ist also bei keinem einzigen Unternehmen eingetreten, dagegen haben 1329 noch drei von den angeführten sieben Unternehmen ihre Dividenden heraufsetzen können. Daß Julius Berger die Aktionärs- gewinne gleichfalls über den Rekordstand von 20 Proz. hätte er- höhen können, hat die Diskussion auf der Generalversammlung bewiesen, aber die Gesellschaft scheut davor zurück, der Oeffentlichkeit durch weitere Steigerung der ausgewiesenen Ertrüge besseren Ein- blick in ihre tatsächlich erzielten Gewinne zu geben. Diese in einer Zeit zurückgehender Baukonjunktur herausgewirt- schafteten Gewinne sprechen Bä-rde für die Preispolitik der Baugesellschaften. Sie beweisen, daß die Kalkulationen in der Bauindustrie so hoch angesetzt sind, daß der Auftragsrück- gang in dem Gewinnergebnis si b nicht auswirkt. Der Baumarkt wird also nicht nur durch die rücksichtslose Syndikatspolitik der Zement- und Ziegelindustrie gedrosselt, sondern nicht minder durch die viel zu hohen Profitraten der Bauunternehmer. Wenn jetzt in den Geschäftsberichten und auf Generaloersarn m° lungen geklagt wird, daß der„maßlose Auftragshunger" der Bau- Industrie bei öffentlichen Ausschreibungen zu einem„Tiefstand der Preise geführt habe, bei denen sich nicht arbeiten lasse", so trägt die Politik der Bauindustrie an diesem jetzt so verschärften Kon- kurrenzkmnpf auf dem daniederliegenden Baumarkt ein gerüttelt Maß Schuld. Neues Schiele-Fiasko. Mißbrauch der Einfuhrscheine gegen die Landwirtschast. Wir haben den Versuch der Verschleuderung deutscher Erzeug- nisse durch das Einsuhrscheiiisystem von scher scharf abgelchnt. Wird aber mit dem Instrument des nun einmal bestehenden Einfuhrscheins außerdem noch Mißbrauch getrieben, so wird dieses System zum Skandal. Mit Wirkung vom 13. Mai 1930 hatte der Ernährungsminister eine Erhöhung der Einfuhrscheine für Getreide und eine Ausdehnung des Systems auf Vieh und Fleischarten durchgesetzt. Der Reichs- finanzminister hat zum Schutz der Reichskasse durchgesetzt, daß die erhöhten Exportprämien nur für begrenzte Ausfuhrmengen gewährt werden dürfen: für Hafer für rund 50 000 Tonnen. Daraus ist, be- sonders beim Haferexport, eine unerhörte Subventiondes Handels geworden. In der P r a x i s haben sich die Dinge nämlich folgendermaßen gestallet: Der Handel mußte damit rechnen, daß nach Er- fchöpfung des Ausfuhrkontingentes von rund 50 000 Tonnen die Höhe des Einfuhrscheines wieder von 90 M. auf 60 M. je Tonne redu- ziert wird. Bei den vom Handel an die Landwirtschaft b e- zahlten Preisen konnte daher der erhöhte Einfuhrschein über- Haupt nicht eingerechnet werden. Der Händler lief ja immer Gefahr, nach Abschlluß der Kaufgeschäste von der Reichsfinanzverwaltung zu erfahren, daß der Haferexport nicht mehr unter das Kontingent erhöhter Einfuhrscheine sällt. Nun kam aber hinzu, daß, wie die B Salamander-Schuhe werden in schönen, geräumigen und bequemen Geschäften verkauft. Oie Bedienung hat nur das eine Bestreben, dem Kunden das zu geben, was ihm am besten paßt und gefällt. Sie hat kein Interesse daran, einen bestimmten Schuh aufzudrängen, denn im Salamander- B Geschäft gibt es nur Salamander-Schuhe. ■ Auch vom Preis hängt der Eifer der Bedienung nicht ab, weil jeder Schuh von der Fabrik entsprechend seinen Herstellungskosten - in eine der fünf Salamander-Preislagen eingereiht ist.' In jedem Fall entspricht also der Preis dem Wert. Daß aber alle Preise so niedrig wie möglich sind, dafür sorgt die Salamander-Schuhfabrik. Als weitaus größte deutsche Schuhfabrik produziert sie nicht nur besonders rationell, sondern sie kann sich auch am einzelnen Paar Schuhe mit dem kleinsten H stutzen begnügen. Sie muß sieh damit begnügen, wenn sie ihre Riesenproduktion absetzen und weiter vergrößern will. Hmsd eispresse berichtet, icr raciiaus größte Teil der genannte« 50 000 Tomren sich bereits vor Erhöhung der Eiirfuhrscheine im Besitz des Handels befand und an den Exportplätzen gelagert wunde, um sofort nach Inkrafttreten der erhöhten Eiirfuhrscheine , exportiert zu werden. Längere Zeit vor Inkrafttreten der neuen Eiirfuhrscheine war außerdem der Haferexport vom Handel fast völlig abgestoppt worden, um die Einfuhrfcheinerhöhung abzuwarten. Die tatsächliche Entwicklung hat den Befürchtungen, daß sich die Erhöhung der Einfuhrfcheine und die?!eubelasturig der Reichskasse in ein Lotteriegeschäft für den Handel verwandeln würde, vollauf b c st S t i g t. Bereits in den ersten 3 Tagen(!) nach Erhöhung der Einfuhrfcheine find von dem in den Hüfcnplätzen liegenden Hafer 20 000 Tonnen exportiert worden. Inzwischen ist das Exportkontingcnt von 50 000 Tonnen längst über- schritten, und der Reichsfinanznnnister hat für die Zeit vom 4. Juni ab die Erteilung von Hafereinfuhrscheinen völlig g e- sperrt. Bis zu diesem Zeitpunkt kann also der Handel an den erhöhten Einfuhrscheinen noch gute Geschäfte machen. Insgesamt dürften demnach dem Handel durch den Laichbund- minister Schiele Geschenke in Höhe von 2 bis 3 Mit- lionen Mark aus der Reichskasse gemacht werden. Für die deutsche Landwirtschaft dagegen haben die erhöhten Exportprämien nicht den geringsten Nutzen gehabt. Im Gegenteil, der Schaden, den die Landwirtschaft durch die jetzt notwendig gewordene völlige Sperrung der Einfuhrscheine in einer Senkung der Preise erleidet, wird beträchtlich sein. Für dieses Geschenk der erhöhten Einsuhrscheine wird.Herr Schiele bei seinen Landbundfreunden kamn an Popularität gewinnen. Wir aber hoben einen neuen Beweis dafür, wozu das Geld der deutschen Steuerzahler unter einer Bürgerblockregierung, deren Finanzkunst sich in einer Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung erschöpft, verwendet wird! Konsumvereine im Kampf. Verbandsiagung der ostdeutschen Konsumgenossenschosten. Der 66. Verbandstag des Verbandes ostdeutscher Konsumvereine E. B. tagte am 28. und 29. Mai im„Kurhaus" in Swinemünde. Verbandsoorsitzcnder Paul Lange sprach über„Die Konsumvereine in der Rechtsprechung". Eine Entschließung wendet sich gegen die in der setzten Zeit gefällten Entscheidungen der höchsten Finanz» gerichte, die von der Agitation politischer und wirtschaftlicher Gegner der Konsumverein« beeinflußt sind. Dr. Paul Hertz sprach über „Die neuen Zoll- und Steuergesetze". In einer Entschließung, die zur Annahme gelangte, wird darauf hingewiesen, daß die jüngsten Beschlüsse der Reichsgesetzgebung zur Zoll- und Steuerpolitik die Tendenz haben, einseitig den Verbrauchern starke Mchrlasten aus- zuerkcgen und wird festgestellt, daß die dadurch hervorgerufene Der- teuerung der Waren eine Verringerung des Absatzes und damit ein« Stockung der Produktion und vermehrte Arbeitslosigkeit herbeiführen wird. Jni Kampfe für die Beseitigung der Sondersteuer wird als beste Waffe der Zusammenschwß der Verbraucher in den Konsum- genossens chasten gefordert. 5>ugo Bästlein beschäftigte sich mit den Notwendigkeiten, w�che die Konsumgenossenschaften aus der heutigen wirtschaftlichen Lage ziehen müssen, um auch in Zukunft den Mitgliedern die wirtschaftliche Stütze zu erhalten. Verbands- jekretär ihildebrandt konnte zahlenmäßig feststellen, daß auch im verflossenen Jahre die Genossenschaften eine starke Zunahme an Mitgliedern und im Warenumsatz gehabt haben. Die Verhandlungen legten wiederum Beweis davon ab, daß die Konsumgenossenschaften sich des Ernstes der Lag« bewußt sind und alles tun werden, um die Not der eigenen Mitgliedertreise zu lindern. Sie müssen aber erwarten, daß ihr« Tätigteik auch durch gesetzliche Mahnahmen incht bekämpft, sondern gTs ordert wird. Wie in Preußen gebaui wird. Die Wohngebäude werden größer. Nach der„Statistischen preußischen Korrespondenz" sind 1920 in sämtlichen preußischen Gemeinden 129 845 Gebäude errichtet worden, davon 1797 öffentliche, 43 297 gewerbliche und 81 751 Wohn- gcbäud«. Insgesamt wurden 199 577 Wohnungen errichtet oder 4.1 Proz. mehr als im Jahr« 1928. Die bereits in früheren Jahre» beobachtete Tendenz zur Vergrößerung der Wohngebäude hat sich fortgesetzt. Die Zahl der in Wohngebäuden errichteten Wohnungen ist um 4,2 Proz. höher als im Vorjahr. Die Zahl der durchschnitt- lich auf ein Wohnhaus entfallenden Wohnungen ist auf 2,4 gegen 2,3 im Jahr« 1928 gestiegen. Unter Berllcksichttgung des Abgangs von Wohnungen betrug der Reinzugang 197 763 oder 3,9 Proz. niehr als 1928. Der Anteil der privaten Bauherrn ist von 57.2 aus 53.6 Proz. gesunken, der Anteil gemeinnütziger Bauherrn von 33.2 aus 38 Proz. gestiegen. Di« Jnoirspruchnahm« öffentlicher Mittel erfolgt am stärksten in den G r o ß st ä d te n: ein Zeichen für die dort noch herrschende Wohnungsnot. Während in den Gemeinden unter 2000 Einwohner mir 61,3 Proz. der Wohnungen mit Unterstützung ous öffentlichen Mitteln gebaut wurden, stieg"dieser Prozentsatz mit der Größe der Städte an und erreicht« bei den Großstädten mit 100 009 und mehr Einwohnern 90,5 Proz. Hohe Montandividende in Oberschlefien ■10 proz. bei der Schlesischen Bergwerks- und Hütten-AG. Di« Bilanz der Schtesi sehen Bergwerks- und Hütten-A.-G. Bcuthen, in der nach der Grenzziehung die deutschen Reste der Schle- fischen A.-G. für Bergbau-»Nd Hüttenbetriebe zusammengefaßt wurden(Steinkohlen, Zinkerze und Zinkwalzwerk) und die im Durch- schnitt rund 5300 Arbeiter und Angestellte beschäftigt, ist recht g u n st i g. Durch eine rekordmäßige Steigerung der Kohlenförde- rung ist trotz des Rückgangs bei der Zinkblendegewinnling und der Zinkblechcrzeuoung der Bruttoertrag von 3,71 auf 4,15 Mill. g e- stiegen und nach einer mehr als lOprozentigen Anlagenabschrei» kmng der Reingewinn von 2,58 auf 2,76 Mill. Mark vermehrt. Der Generalversammlung wird auf das Kapital von 16.67 Mill. Mark wie im Vorjahr die Verteilung der sehr respektablen Dividende von 10 Proz. vorgeschlagen. Im neuen Jahre Kot sich ton» smrvurmäßig die Leschästigung der Werk« natürlich verschlechtert. Nach dem Ergebnis dieses für Oberfchlssien wichtigen Werkes zu schließen, sind die Rentabilität sverhältnisse im ober. fchlesifchen Bergbau aber trotz aller Unternehmerllagen noch sehr gut. Die verratenen Christen. Ehristlicher MeiaNarbeiierführer für Lohnabbau. Wie zu erwarten war, haben die Unternehmer den Schiedsspruch in Nordwest angenommen, dagegen ist er von allen am Tarifvertrag beteiligten Gewerkschastsverbänden und zwar auch den christlichen abgelehnt worden. Zwei Tage nach Ablehnung des Schiedsspruchs durch die christlichen Metall- arbeiter meldet sich jedoch der zweite Vorsitzende des Christlichen Metallarbeitcroerbandes, Karl Schmitz, im„Deutschen" zum Wort zur Verteidigung des Schiedsspruchs und zu einer generellen Empfehlung dieser Form des Lohnabbaus! Um jeder Mißdeutung vorzubeugen, geben wir die wichtigsten Stellen wörtlich wieder: „Was sich in diesen Tagen in der Eisenindustrie alcgespielt hat, kann von fundamentaler Bedeutung werden, wenn überall dort, wo es sich gehört, die richtigen Nutzanwendungen daraus gezogen werden."...„Der Ausdruck.Lohnabbau" gibt aber keineswegs richtig wieder, um was es sich handelt. Bei Licht besehen, kommt vielmehr ein„Lohnumbau" in Frage." Wir können beim besten Willen einen Schiedsspruch, der in der Wirkung die Lohnkosten der Unternehmer um 30 Millionen Mark im Jahr verringern soll, nicht als einen„Lohnumbau", sondern, wie es onch die Unternehmer tun, ßur als einen offenen Lohn- ab bau ansehen. Wenn der Schiedsspruch nur«inen Lohmrmbau bringen würde, und die Senkung der Akkordverdienste durch zalst- reiche sonstige Verbesserungen ausgeglichen würde, wie es Schmitz weismachen will, woher sollte dann die Preissenkung„im Rahmen der Lohnersparnis" kommen? Die Stellungnahm« des Führers der christlichen Metallarbeiter- fchoft steht also im stärksten Widerspruch zu der Auffassung der Belegschaften und Funktionäre des Bezirks oller Richtungen. Es ist hier immer wieder betont woroen, daß ein« Senkung der Kartell- preise, voran der Eisenpreise, unbedingt zur Belebung der Wirtschaftstätigkeit notwendig ist. Wir haben auch darauf vcyviesen, daß die starke Senkung der Rohmaterialpreise hierfür beträchtlichen Spielraum läßt. Der christlich« Gewerkschaftssührer setzt sich aber damit überhaupt nicht auseinander, er stellt nicht einmal die Frage, ob nicht die vorangegangene Entwicklung der Eisenindustrie eine Preissenkung möglich und notwendig macht. Er sagt viel- mehr ganz einfach:„Die Eisenpreise sollen gesenkt werden. Bor- aussetzung dafür ist die Ingangsetzung der Bedingungen, die durch den Schiedsspruch vom 26. Mai(!) und durch die Erklärung der Arbeitgeber vom gleichen Tage entstehen. Eine Ein» beziehung von Lohn uicki Geholt war dabei nicht zu ver- m e id e n...(!) Die Lohn- und Gehallsreduzierung ist durchaus zu vermeiden! Wem: die Unternehmer erklären, daß die Preise nicht ohne Lohnabbau gesenkt werden können, so ist das zwar von ihnen letzten Endes unklug, aber man kann sich diese Auffassung aus der üblichen deutschen Unternehmereinstellung ohne weiteres erklären. Wenn da- gegen em Gewerkschaftsführer sich diese primitive Auffassung zu eigen macht, ohne die anderen Faktoren überhaupt zu prüfen, so ist das zunrindesten eine sehr grobe Leichtfertigkeit. Der Tiefstand der S ihr ot t p r e i s e, die starke Senkung der Erzpreise, ungewöhnlich»iedr ig e See» und Binnenschiffahrtsfrachten für Erj« haben in den legten Monaten die Produktionskosten der Eisenindustrie ganz be- trächtlich ermäßigt. Die Ersparnisse der Hütteuwerke an Einsatzkosteu dürften pro Monalsproduklion bcträchttlch größer sein als der Be- trag von 2'A Millionen Mark, den man durch den Lohnabbau pro Monat einsparen will. Allein durch die veränderten Bohstosskostcn wäre die Eisenindustrie zu einer größeren Preissenkung imstande. als sie als Aequivalent für den Lohnabbau gütigst angeboten worden ist. Schmitz hält es für notwendig,„ein wachsames Auge auf die Preisgestaltung durch Kartelle und Trusts zu halten und schnelle Untersuchungen über die Kartellpreise zu veranstalten". Unsere bekannten Forderungen zur ständigen Ueberwachung und Kontrolle der Kartelle gehen wesentlich weiter. Aber auch praktische Nutz» amvendung der Formel von Schmitz wäre doch zunächst, bevor man«inen Lohnabbem gut heißt, die Kartellpreise der Eisenindustrie zu untersuchen und nachzuprüfen,„ob sie nicht durch künstliche Ucbersteigerung einem volkswirtschaftlichen Airstieg im Wege stehen". Schmitz betont, daß der E i s c n pr eis i n dex gegen- wärtig..mir" auf 1 28,2 iiegt, also beträchtlich unter dem allgemeinen Preisniveau. Aber der Eisenprecsindex gibt gar kein richtiges Bild von der wirklichen, gegenüber der Vorkriegszeit eingetretenen Erhöhung der Eisenpreise, weil die zahlreichen Q u a l i t ä t s- aufschlüge nicht mit Berücksichtigung finden. Ferner dürften gegenwärtig die R o hst o f f k o st e n der Eisenindustrie(Erz und Schrott zusammengerechnet) sogar unter den Borkriegs- k o st e n liegen. Der Lohnanteil ist in der Eisenindustrie infolge der außerordentlich starken Leistungssteigerung im Zug« der Rationalisierung heute wahrscheinlich niedriger als in der Vorkriegszeit. Die.Kölnisch« Zeitung" schrieb bereits am Dienstag, dem 27. Mai, unter dem Titel„Neuorientierung?": „An den vorarbeiten, dte zum Schiedsspruch von Oeynhausen geführt haben, sind bestimmte Gewerkschaftsgruppen beteiligt gewesen. Es kann mithin erwartet werden, daß diese Gruppen den Schiede- spruch nicht sonderlich(!) bekämpfen werden. An seiner Verbindlichkeit dürste aber ohnehin nicht zu zweifeln sein." Die Haltung einzelner christlicher Gewerkschaftsführer, wie sie auch in dem Artikel des„Deutschen" zum Ausdruck kommt, wird diese Auffassung in Unternehmerkreisen hervorgerufen haben. Die einstimmige Ablehnung, die der Schiedsspruch aber im Revier gefunden hat. einschließlich der Ablehnung der christ- l i ch e n Gewerkschaften, und die Empörung, die er in der ge- samten Arbeiterschaft erzeugt hat. wird die Unternehmer und vor allem die verantwortlichen R e i ch sste-llen davon überzeugen, daß jene Kreise, die mit dem U itte r ne h m« rt u in Hand in Hand für den Lohnabbau eintreten, vollkonunen isoliert stehen und daß die gesamte Metallorbefterschaft sich gegen die ungerechtfertigte Derkoppelung einer möglichen und notwendigen Preissenkung mit einem ungerechtfertigten Lohnabbau zur Wehr setzen wird. Lm Dienst der Kapitalflucht. Di« Schweiz fft dos Hauptosyl der deutschen Kapitalflucht. Während der deutsche Steuerzahler immer stärker bluten muß, erfreuen sich die Kapitalslüchtlinge ihrer ungesiraften Steuerhinterziehung und die Schweizer Banken machen ihren besonderen Schnitt. Die. Konjunktur der kapitalverwoltenden Holding- und T ru st gesells chasten feiert Rekorde. Im Jcchre 1929 ollein hat sich die Zahl dieser Schweizer Gesellschaften von 770 aus 98? erhöht. Bon 1925 bis 1928 war sie von 432 auf 770 gestiegen. Hintergründe der Stillegungen Oa6 Doppelspiel der Schwerindustriellen. Der Vorsitzende des Deutschen Metallarbeiteroerbandes, Brandes, behandelte Freitag auf der gemeinsamen Tagung der Spitzenorganijationen der freien Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften u. a. die widersinnig« Rationalisierungspolitik der Konzerne der Schwerindustrie, leistungsfähige Betriebe lediglich zu dem Zweck aufzukaufen, um sie stillzulegen. So teilte Brandes mit. daß die Schwerindustrie dabei ist, das Döhlcner Guß ft ahlwerk und das Risaer Werk stillzulegen, gleichzeitig aber in Wellen- dorn in Thüringen«in Werk zu vergrößern. Ganz so widersinnig, wie diese Maßnahme auf den ersten Blick erscheint, ist sie aber— wenigstens vom Standpunkt der Unternehmer aus— offenbar doch nicht, wie eine Notiz im„Tag" vom 31. Mai, überschrieben.Die richtige Antwort", zeigt. Darin wird mitgeteilt daß sich das„Bezirkskomitee der revolutionären Gewerkjchofts- Opposition Groß-Thüringen" an den Betriebsrat der Maximilian- Hütte in Unterivellcnborn(Thüringen) mit der Einladung gewandt habe, sich an einem Reichstrefsen der(kommunistischen) roten Sportler in Erfurt und anderen Orten Thüringens zu beteiligen. Dem rom- munistifchen Bezirkskomitee wurde darauf folgende Antwort zuteil: „Wir beabsichtigen, an den Pfingsttagcn gemeinsam mit den übrigen vaterländischen Verbänden— Stahlhelm und Nationalsozialisten, Werwalf und vaterländisch« Arbeitervereine— ein« große Kundgebung gegen Marxismus und Kommunismus hier zu veranstalten. Der Betriebsrat unsere» Hütkenwerkes mit einer 1200 Mann starken Belegschaft, welcher ausnahmslos aus nationalen Arbeitnehmern zusammengesetzt ist. ist au» begreifliche« Gründen für eure Veranstaltung nicht zu gewinnen. In der Hoffnung, daß all den marxistischen und kommunistischen Arbeiter- und Vokksverrätern halt das Handwerk gelegt wird, sind wir in Treue zu unserem deutschen Vaterland« und der Regierung Frick der Betriebsrat der Maximilianshütt« Unterwellenborn: gez.: Torr«? Betriebsratsvorsitzender." Die Werke mit einer sozialdemokmtifch-kommunistischen Arbeiterschaft werden also stillgelegt, während man einen Hort der Gelben noch vergrößert. Man sieht aus dieser Tatsache jedenfalls, daß bei den„Rationalisieriingsmaßnahn'.en" der Schwer» industriellen nicht nur sogenannte wirtschaftlich« Erlvägungcn, sondern auch die Verfolgung der nxnlsgemcinichastlichen Pläne des Unternehmertums«ine Rolle spielen. Dieser Fall wirst aber auch ein grelles Licht auf die„Ehrlichkeit" der Schwerindustriellen, aus die sie sich bei TarifverhonMimgen, Stillegungsverhandlungen usw. so gern berufen. Die eniiäufchie Mansfeld A. G. Oer Tmorschwinvel. ©»leben, 2. Juni.(Eigenbericht.) Infolge der ebmrütigen Niedert« gung der Arbeit durch die Beleg, schaften der Mansfold-Betrieb« hat die Generaldirektlön heute mittag durch eine Bekanntniachung an die Belegschaften die Betriebe, die mit dem Äupferbergbou zusammenhängen, stillgelegt. Di« Generaldirektion der Mansfeld A.-G. behauptet« in einer Mitteilung an die Press« vom 2. Juni, daß schon am gestrigen Sonn. tag Terror gegen Arbeitswillig« verübt worden sei und daß am heutigen Montag die in großer Zahl aus sämtlichen Gruben und Hütten erschienenen Arbeitswilligen bereits auf den Zugangs- wegen durch stärkste Gegenwirkung zum größten Teil an der Auf- nähme der Arbeit verhindert worden seien. Rur verhältnismäßig wenigen Leuten sei es daher gelungen, sich durchzusetzen und ihre Arbeitsstätte zu erreichen. Wir stellen demgegenüber fest, daß die Weigerung fast der gesamten Belegschaften, mit den von der MeriHe Aufklärung der Arbeiter über die Absichten der Mansfeld A.-G. Es hat wohl selten Avbeitskämpie gegeben, wo die Arbeiter in so großem Maße auseigenerEnt- s ch l i e ß u n g Arbeitsaufnahme verweigerten, Terrornrahnahinen, die grundsätzlich von den Gewerkschaften abgelehnt werden, sind nicht erfolgt. Das selbstoerständliehe gütliche Zureden der Streik- posten auf die an Zahl äußerst geringen Arbeitswilligen vollzog sich bei hellstein Tageslicht und fast überall unter den Augen der anwesenden Landjäger und Polizeibeamten, die in keinem Fall Veranlassung hatten, einzuschreiten. Die von der Mansfeld A.-G. gegebene, den Tatsaehen widersprechende Darstellung ist nur zu erklären durch die Enttäuschung, welche die Gesellschaft dadurch erlitt, daß die Arbeiterschaft nicht, wie die Gesellschaft erwartete, das von ihr verfügte Dicktat annahm. ... IjQvovi ÖS schreibt öer-LchrerL. dMü&e* Vfird C&h�duUa�ß- {veue*t.„ Post und Reichsbahn fürchten Streik Vorbereitungen zum Gtreikbruch. Ans dem Rhentfmt� geht uns ein Bericht über ein« B e- f p r c ch u n g zu, die zwis6)en Vertretern der Reichsbahn und der Reichspost über gegenseitige chilfe bei Streits im Reichsbahndireltionsgebäude in Elberfeld stattgefunden hat, der wie folgt lautet: „Die Reichsbahirüirektion Elberfeld hatte zu einer Besprechung eingeladen, um auf(Bnmd des Artikels 13§ 4 des Abkommens die Frage zu erörtern, inwieweit Post und Eisenbahn bereit und in der Lage sind, sich gegenseitig in Streikfällen zu unterstützen. Es wurde zunächst festgestellt, daß allgemeine, also General- streits nicht in Frag« kämen, da bei einem derartigen Um- fange des Streiks. Hilf« unmöglich fei. Die Reichsbahn erwartet auch einen Generalstreik nicht. Das Bestreben ginge vielmehr dahin, durch lokale Streiks an wichtigen Punkten den Betrieb lahm zu legen. Zu diesen Punkten gehöre mit an erster Linie Barmen-Elbcrfeld. Es kommen nun folgende Fälle in Betracht: 1. Transporlarbeilerstreik. Hierbei handelt es sich um die Abfuhr der angekommenen Güter an die Empfänger. Eine Aufforderung zur Abholung ist zwecklos. da sie nicht mit genügender Schnelligkeit erfolge, so daß sehr rasch eme Verstopfung der Güterböden eintreten würde. Außerdem lxftehe für die Reichsbahn Zwangsbestätterei. Hilfe der Post wäre durch Stellung von Lastkrafiwagen mit Anhängern zu leisten. In Elberstld-Barmen wären z. B. zehn Lastkraftwogen zu 214 bis 3 Tonnen und acht Lastkraftwagen zu S Tonnen mit An- hängern nötig. Dauer des Streiks wird auf sechs bis acht Tage geschätzt. U. a. können auch Elektroschlepper mit Anhängern ver- wendet werden. Im Falle unserer Zustimmung wäre also zu prüfen, ob in solchem Umfange Lostkraitwagen und Anhänger verfügbar gemacht werden köimen. Da es sich um lebensnotwendige Güter handelt, wäre an sich Entgegenkommen geboten. 2. Streik der GülerbodenarbeUer. Hierbei handelt es sich darum, daß kein Entladen und kein Be- laden der Eifenbahngüterwagcn erfolgt. Es wären also Personal- aushilfen nötig. Ja) habe erklärt, daß wir bereit seien, der Reichsbahn die Personen namhaft zu machen, die sich zur Be- schäftigung bei uns gemeldet hätten und zur Zeit von uns nicht gebrauclit würden. Diese Personen zu zwingen, bei der Reichsbahn einzutreten, seien wir nicht in der Lage. Darüber hinaus möchte die Reichsbahn Beamte haben, die geeignet feien, die Aufsicht zu führen und die Arbeiter einzu- stellen, soweit sie nicht genügend Beamte hätten. Es genügten Beamte des unteren Dienstes. Die Frage, inwieweit wir z. T. in der Lage feien, Beamte zu überweisen und dafür Aushelfer ein- zustellen, ist weiterer Prüfung vorbehalten worden. 3. Stillegung von Eisenbahnlinien. Es kam Einstellung von Betriebsmitteln der DRP. für die Güterbeförderung in Frage. Ich erklärte, daß wir selbst in sol6)en Fällen zur Paketbeförderung in großem Umfang« Kraftwagen«in- stellen müßten. Soweit aber möglich, könne ausgeholfen werden. 4. Streik bei den bahnamtlicheu Spediteuren. In solchen Fällen ist die Reichsbahn berechtigt, die den Spediteuren obliegendxn vertraglichen Aufgaben selbst zu erfüllen. Die Hilfeleistung würde sich nach Nr. 1 regeln. Es wird zunächst grundsätzlich zu entscheiden[ein, ob in Streik- fällen eine gegenseitige Hilfeleistung stattfinden soll. Befahenden- falls wird im Benehmen mit den betr. OPD. geprüft werden, in welchem Umfange dies möglich ist und welche Borberelwngen zu treffen sind. Ich beantrage, u. U. nach Benehmen mit der Reichs- bahnhauptvenvallung zu entscheiden, ob die Frage werterverfolgi werden soll.� «- Zunächst fällt auf, daß man sich bei der Reichsbahn den Kopf zerbricht, wie ein Streik bei Privatunternehmern gebrochen werden könnte. Dos ist ein« Anmaßung und«in Eingriff in gesetzlich gewährleistete Rechte der Arbeiterschaft, die einem Reichs- betrieb am allerletzten zukommt. Wie aber kommt man bei der Reichsbahn und der Reichspoft überhaupt auf den Gedanken, den Streikbruch zu organisieren? Man scheint sich in den hohen Verwaltungsbezirken zu sagen, daß Be- zahlung und Beljandliing des Personals einen Streit imverm eidlich machen. Es wäre klüger, unter diesen Umständen den Kurs zu ändern. Der beste Streikschutz ist ein zufriedenes Personal. Oer Zreund in der Aot. Metallarbeiter der Provinz Brandenburg kennen ihn. Dos Jahr ISN war auch für die Metallarbeiter der Provinz Brandenburg, wie der soeben veröffentlichte CSk- schäftsbericht der Bezirksleitung Brandenburg des Deutschen Metall- arbeiterverbandes zeigt,«in Jahr größter wirtschaftlicher R o t und gesteigerter Abwelir von Unternehmerangriffen aus die mühsam erkämpften Errungenschaften der letzten Jahre. Gänzliche und teilweise Betriebsstillegungen sowie monatelange Kurzarbeit boten den Unternehmern die besten Chancen, der lohn- und tarifpolitisch vorwärtsstrebenden Arbeiterschaft hindernd in den Weg zu treten. Es gab im Vorjahre im Bezirk Brandenburg fast keine In- düftrie, deren Arbeiterschaft auch nur einigermaßen beftiedigend be- fchäftigt war. Selbst in den sogenannten Saisonperioden war die Beschäftigung nicht ausreichend. Di« bekannte Firma Singer u. C o. in Wittenberge entließ einen erheblichen Teil ihrer Arbeiter und ließ die noch im Betriebe verbliebenen fast das ganze Jahr verkürzt arbeiten. In der Brandenburger Auto- uiobilindustrie mußte die Arbeiterschaft mit Ausnahme einiger Monate im FrWohr ISZg fast dos ganze Jahr hindurch zwei und mehr Tage pro Woche aussetzen. Die F a h r ra d i n d u st r ie lag ebenso wie 1928 völlig danieder; einige Betrieb« waren monatelang stillgelegt und stellten nach ihrer Miedereröfsnung nur noch einen Teil ihrer früheren Belegschaft«in. Zwanzig Betriebe mit 1390 Beschäftigte« wurden gänzlich und dreizehn Betriebsabteilungen mit 14 41k Bcschästiglen für kürzere oder längere Zeit stillgelegt! Die Zahl der in der Metallindustrie Beschäftigten ging im Bezirk Brandenburg des Metallarbeiterverbandcs um 3241 Ar- beiter« n d Arbeiterinnen auf 49210 zurück. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache ist es daher besonders erfreulich, daß die Zahl der organisierten Metollarbeiter und -arbeiterinnen noch um 372 auf 32476 gestiegen ist. Nicht gering anzuschlagen sind auch die Erfolge der Organisation aus lohn- und ta rtfpolitischem Gebiet, die trotz der Ungunst der Ver- Hältnisse noch erzielt wurden. Es wurden insgesamt 32 Bewegungen, davon 6 Streiks, geführt, an denen von 38 730 Beschäftigten 37 390 beteiligt waren. Nur drei Bewegungen waren erfolglos. Erreicht wurde u. a. für 3812 Arbeiter eine wöözentliche Arbeits- zeitverkürzung um 11 691 Stunden und für 33 278 Personen eine Lohnerhöhung von 97 477 Mark pro Woche. Hinsichtlich der Betriebsrätebewegung bemängelt der Geschäftsbericht, daß von der Veranlassung der Wahl von Betriebs- röten durch die Gewerbeaufsichtsbehörde auf Grund der Aenderung des BRG. vom 23. Februar 1928 noch viel zu wenig Gebrauch ge° macht wird. Die Zahl der Betriebe ohne Betriebsvertretung habe sich sogar gegenüber dem Jahr 1928 noch von 96 auf 126 ver- mehrt. Abgesehen von dieser unerfreulichen Feststellung zeigt der Geschäftsbericht der Brandenburger Bezirksleitung des Deutschen Metallarbeiterverbandes, daß der strafte gewerkschaftliche Zusammen- schwß der Arbeiterschaft in Zeiten schwerster wirtschaftlicher Krisen noch viel notwendiger ist als in denen guter Konjunktur. Er beweist ober auch, daß selbst in so trüben Zeiten wie der jetzigen an einer starken gewerkschaftlichen Abwehrfront nicht nur die Angrifte der linternehmer zerschellen, sondern darüber hinaus Erfolge erstritten werden können. Verbandsiag der Zusiizbürobeamien. prvteik gegen die»Spannabnahmen" der Regierung. Am Sonntag begann in Berlin der 10. Hauptoerbandstog de» Reichsverband«« der Justiz ürobeamten und deren Anwärter, der mit rund 7600 Mitgliedern die größte freigewertschaft- Ibch» Instizbeamtenorganisation ist. Außer den 55 Delegierten aus allen deutschen Gauen nahmen an der Tagung .zahlreiche Behövdenvertreter, Parlamentarier und Vertreter be- freundeter freigewerkschastlichcr Beamtenorganisationen teil. Der Berbandsoorsitzende Genosi« Ballack ging in seinem Be- richt über das Geschäftsjahr 1929/30 zunächst aus die allgemein« Finanzkrise ein, die den Reichs- und Staatsbehörden als ein billiger Borwand diente, die von neuem erhobenen Forderungen nach Besettigung derHärtendes Besoldungsgesetzes von 1927«chzukekmen. Anstatt dessey will num jetzt die Beamten m die „Sparaktion� der Regierung einbeziehen und ihre örtlichen Sonder- zusckzläg« abbauen, den Urlaub, die Pensionen kürzen usw. Diese Pläne tragen sehr deutlich den Stempel oes Unternehmertums, dessen Beamtenfreundlichkeit noch nie sehr groß war. Offenbor will man durch«inen generellen Abbau der Bezüge der Beamten einen noch günstigeren Baden schaffen für den Abbau der Löhne und Gehälter der Arbeiter und Angestellten in der Privatwirtschaft. In öiesem Zusammenhang wandte sich der Derbandsvorsitzend« auch ent- schieden gegen den neuausgetauchten Plan eines Notopfers der Festbesoldeten. Man solle die besitzenden Kreise zu einem solchen Notopfer heranziehen und nicht die Beamten, deren Geholler auf das geringst« bemessen sind. Obwohl die Organisation angesichts der Ungunst der Verhältnisse mir mit geringer, Erfolgen aufwarten könne, habe sie im Berichts- fahr doch annähernd 130 neue Mitglieder gewonnen. Die Be- ftrebungen, die insgesamt etwa 300 Mitglieder zählenden Splitter- organisatjvnen der Iustlzbürodeamten zum Anschluß an den Reichs- verband zu bewegen, waren leider nicht erfolggekrönt. Im Mittelpunkt der Sonntagnachmittagssitzung stani» ein Referat des Genossen Dr. Bötter vom Bundesvorstand des ADB. über„Das Beamtenoertretungsgesetz". Der Referent teille einleitend mit, daß die Beratung dieses Gesetzentwurfs ün Reichstag, dessen endgültige Verabschiedung durch ocn Reichsrot der Initiative des letzten Reichsinnemninisters, Severing, zu verdanken ist, schon wieder auf den 17. September vertagt worden ist. Während die Arbeiter und Angestellten ihr im August 1919 durch die Verfassung zugesagtes Betriebsrätegesetz bereits im Februar 1920 be- kamen, ivarten die Beamten noch im zwölften Jahr der Republik auf ihr Beamtenvertretungsgefetz. Der jetzt vorliegende Entwurf, der noch vom Minister Schiele stammt, ist aber auch alles andere als ein Beamtenvertretungsgesetz, das den Beamten ein ähnliches Mit- wirkungsrecht zubilligt wi« den Arbeitern und Angestellten das Betriebsrätegesetz. Genosse Dr. Völker zeigte an einigen Beispielen, wie gewerkschaftsfeindlich, reaktionär und inhaltslos der Gesetzentwurs ilt. Er betonte zum Schluß mit Recht, daß eine Ab- änderung dieses Gesetzentwurfs im Sinne der Forde- rimgen des ADB. nur möglich sein wird, wenn sich die Beamten- schaft ganz anders als bisher sich für diese Dinge interessiert, ihre Forderungen mit viel vernehmlicherer Stimme erhebt und vor allem mehr Einigkeit zeigt. Nach einer längeren Aussprache, in der die Delegierten aus» nahmslos die Geschäftsführung des Verbandsvorstandes in der Berichtszeit billigten, wurde einstimmig folgend« Ent- s ch l i e ß u n g angenommen: „Der Hauptverbandstag erhebt Protest gegen die folgenden von der Reichsregierung geplanten Sparmaßnahmen: völliger Abbau der örtlichen Sonder wschlöge: b) Kürzung der Pensionen und Wartegelder: c) weitere Kürzung des Urlaubs; d) Erhöhung der Zlltersgrenze für die Zwangspensionierung: e) Nichtanrechnung der Wartestandszeit auf dos Pensionsdienstatter: 0 allgemeines 2k- soldungssperrgesetz für Länder-, Gemeinde- und Körperschaftsbeamte. Der Hauptverbandstag erwartet, oaß, wenn zur Stützung der Erwerbslosewinterstützirng die Erhebung eines Notopfers erforderlich ist, nur die Einkommen soliher Volksgenossen erfaßt werden, die den Iahresbctrag von 8000 M. übersteigen." Achtung! SVD.'Maschineusehcr! Hslk. ,«s Uhr, i->.3«» Kukrt«'. z-r-talew« Str.#. r-ichti«» st»na««rtrlse-itsstschr» M-lch'rrxIeher. fortritmih uofe Set» t-»i>»b-,irl«jartr Ifffftinricwit. Orr fttatttaauarftaal). Krttarbettersertard. OriiactaaUuMq Vrrli». Die Bertrauer». mLürrrrersammlunern l-er Sejirlc uni Sratichen finie.il am Mittwoch, i. Imii, an IxnftCficn öteJUn oni zur Ulrichen Seit statt wie bisher. � �reieGewertschasts-IuaenSVerlin SeiN«, Dirastaa, 1914 Iffir, ta,«» folarnbe Hrupvew XMytan:(Snrvttn. h-'M Echiire Mldenbeuchltr. S— b« cSortzimmrr). Leioch�srtchuna.— Humbotit!.luz-nih-im Sraua- Ecke Lorhinaitrahe. �>eiorbesv:»chung. DevbairisduchZantrollr.— MaxUitotf: Zugendhestn Tortttr. 7(VUt Schul«). Stirn. Ulli gabrtd-svr-chmia.— Soanbaui iPtappcrK-üa Stäb'. SujfntStim Sinicnuftt U SrimtifpttUuad.— Staatfurui nett StSdt. Snacrthtlm SU an er Str. 18. Stint, uni ssahrtbtfvr-chnne. ÄtmltoU« d«r B-rbandzbllch:- urch Seiauuvmeifi.— tanhituptx fPUti G-urw-nhiim DitfUImtntrftt. 5. velinbrforechuno uni Brobanbobuchkontrolle— Lichienbrro! Zugcnbhelm Doge» straße 22. Seinrbrsprrchung.— Sru-Lichtenb-rsi Inaendheim Sunt-rstr.<4. Heimbcforrchuna.— fattloi»: Gruvpvihrim Danton),«ifgngenstr. 48. Seim. defvrrchuns. LrrbandLduchton'rolla Ärbrittrilchtunaen auf Echallplalteu. Südosten; Saat 11 der, Gewerttchastehauses, Cuflclufcr 34—25. Aortraa!..Gin Tag auf dem Arbciiogerichi".— 2i« Stusicldungcn der Afingftfahrten iitiiffcn bis um 18 Uhr bei der Reichsbahn vorzrnominen»erden. Luoendgnlpve des3ei>tra>vert>aodes ver Angestellten s !e. Dianstag. stni folgend, Beranstaltungen: stlchtenderg! Suaent. . t ffintttersti. 44«artroa:„Der Zugendliche i» üfcbelizrechr) Rof»- tent Groin Bunge).—|toi>»»Bi Zngenddr» Sehrtar chr. 18—1», Seiwadend. kaufen öie Zkrem Vincis 6ie pfinasksc�u�e bei uns.�is qroBS iskseine Freude wenn es zu den schönen neuen Schuhen auch noch einen SCttütt MOF-Moiköfer erhall LacKieder Sponqen hübsches Modell 31/Js tzso scnuiinoF IST Un Ksfr 11»Wi I mersdorferskll? "njrmslr.45*Müllerslrassel43o Spandau, Breiteshasse 22 gTaZ: Admiral Äbcnd für Abend kommt zu mir nach der Arbeit der frühere russische Admiral R. Er kommt, trinkt einige Gläser Tee, spielt mit mir zwei Partien Schach und geht wieder. Immer schweigsam. Meistens sitzt er, trotz der Wärme im Jimmer, in seinem alten zerschlissenen Mantel da, um seine goldstrotzende Uniform unter dem alten Zioilmantel zu schonen. Ja. der Admiral R., im Kriege oberster Befehlshaber der Schwarzmecrflotte, trägt auch heute als armer Emigrant eine glänzende Uniform. Nur daß an der Stelle, wo früher die Admiralstresien waren, heute zierlich« Goldbuchstaben leuchten„Grand-chotel". Er ist Liftjunge in diesem Hotel. „Für einen Portier bin ich nicht repräsentativ genug', sagt« er ohne Bitterkest. Heute kommt der Admiral etwas früher. Setzt sich, wie immer, hin, aber schiebt die Schachfiguren weg. Nanu, denk ich. Da zieht er auch schon«ine alte vergilbte Zeitung aus der Tasche und sagt: „Sehen Sie, das war vor genau zehn Jahren..." Auf der ersten Seite der Zeitung steht der Adiniral, umgeben von seinem Stab, und über seinem Kopf weht seine Flagge... Ich blicke auf die ärmliche Gestalt nrir gegenüber. In solchen Momenten beginnen russische Emigranten immer zu weinen. Sticht der Admiral. „Das war ich', beginnt er mit vollkommen ruhiger Stimme, „aber wenn ich dies« Gestalt auf der Konnnandobrücke betrachte, so glaube ich gar nicht, daß ich das bin. Mir scheint dieser Mensch auf dem Bild so fremd. So fern liegt das alles. Die Erinnerungen an diese Zeit verblassen. Ich kann auch nicht in ihnen schwelgen. Mir scheint als hätte ich das ganze Leben im Fahrstuhl gestanden. Aber eine Erinnerung überkonrmt mich manchmal. An einen Augenblick meines früheren Lebens denke ich nur, und dann bin ich glücklich...' Der Admiral setzt sich in einen Sesiel. Ich blickte verwundert auf den sonst so Schweigsamen, der sich zum Weitererzählen bereitete. „Wissen Sie', fuhr der Admiral fort,„wen ich heute getroffen habe?.. 5 Michailoff! Den früheren Kommandanten von Sebasto- pol, heut« ist er Bote in einem Blumenladen. Michailoff ist ein Schweinehund gewesen. Gnade dem, der sein Untergebener war. Die Matrosen seiner Division quälte er so bestialisch, daß nicht selten Selbstmorde vorkamen. Dann, als die aufregenden Tage der Meuterei des„Potemkin' kamen, verwandelt« sich Michailoff gänz- lich in eine Bestie. Mit der Peitsche lief er herum. Wenn er auf der Straße erschien, liefen alle Malrosen und Soldaten in die Höfe. Jeden Tag hatte Michalloff sein« Kriegsgerichtssitzung. Todesurteile waren an der Tagesordnung. Michailoff wollte feine Schneidigkeit in St. Petersburg be- weisen! Ich haßte dieses Tier, aber er war schon damals Admiral und ich nur Kapitän, also hieß es. Maul halten. Dazu noch war ich als„Liberaler" verrufen. Zwei Matrosen waren in der Hasen- wache, auf die hatte es Michailoff besonders abgesehen. Es waren Arbeiter aus Moskau, sicher Sozialisten, aber beweisen konnte ihnen Michailoff nichts und das machte ihn noch rasender. Eines Tages glaubte er zu sehen, daß einer dieser Matrosen ihn nicht vorschriftsmäßig gegrüßt habe. Cr ließ darauf all« beide vor dem ganzen Regiment aufpeitschen. Abends waren die beiden Matrosen desertiert. Und im Hafen fehlte ein kleines Segelboot. Sie wollten sicher die Türkei er- reichen... Im Offizierstafino lachte Michailoff bei seinem Abendwein... Mit dem kleinen Segelboot, bei diesem Sturmwetter inmitten des Schwarzen Meeres... Nun, das Kriegsgericht hatte sich die Friedrich tlaUerolh: JÜlCtfC IUI Der Tag ist so schön wie selten einer. Die Sonne strahlt aus dem hellgestrichencn Blau des Himmels, die Obstbäume blühen weiß hinauf. Löwenzahn prahlt gelb aus dem jungen Grün der Quecken in den Gärten und nur die Hunde haben Mühe, die Spur ihrer Vorgänger an den Zaunpfählen zu verfolgen. Aus den geöffneten Fenstern der Mietkassrnen schallt Plattenmusik. Gustav und Lene oerschwinden ganz in den Scharen der Spaziergänger, die sich aus den engen Häuserzeilen ins Freie er- gießen. Lene hat ihren freien Sonntagsausgehetag und kam nur zwanzig Minuten später, weil die Herrschaft das Effen zu spät an- gesetzt hatte und Lene nicht früher mit dem Abwaschen fertig wurde. Gustav drücken ein wenig die neuen gelben Halbschuhe. Aber über alles Ungemach tröstet die Freude, heute frei zu sein und mit dem eigenen Herzensschlag einen anderen zu fühlen, der nicht knirscht wie Metall, nicht pufft wie ein stinkender Motor. Gustav zupft an den Aermeln seines marcngofarbenen Anzugs, der, wie alle Anzüge, die von der Stange gekauft sind, in den Arm- löchern für breitschulterige Menschen zu eng ist, wodurch die Aermel hochrutschen. Die Hände hat er sich gründlich mit Benzin und Faß- seise und einer scharfen Bürste gereinigt, so daß man ihnen heute nicht die unumgänglich wichtigsten Werkzeuge eines Autoschlossers ansieht. Sie sind nur ein wenig rot und wie aufgedunsen von der Feierlichkeit der Mission, der sie sich augenblicklich hingeben, nämlich dos federleichte Mäntelchen von Lene zu tragen, Preis 19,50 M., echt Gabardine, nur ein wenig dünner als der der gnädigen Frau, bei der Lene bedienstet ist. Lene hat die Metamorphose aller Mädchen vom Lande durch- gemacht, von der naiven Unbekümmertheit der Armen zum modi- schen Stadtkind, das seine instinkthast« Furcht vor dem Leben unt.r Aeußersichkeiten verbirgt. Noch weiß und fühlt sie mit Gewißheit, daß ihr etwas bei allem noch mangett, dieser letzte Schliff, den sie nie erreichen wird wie Menschen, die nicht arbeiten. Noch bescheidet sie sich. Sogar den blonden Zopf wird sie sich erst nach Pfingsten abschneiden lassen, um die Mutter daheim nicht zu erzürnen, wenn sie zum Fest Urlaub nimmt. Die Lust ist lau und der Wind fächelt sie durch das dünne Kleid bis auf die Haut. Immer haben junge Mädchen etwas zu putzen, und jedes möchte die Schönheitskönigin vom Lunapart fein. Welche Sorgen hat denn«in Mann? Der braucht nicht, wie Lene, auf dem Wochenmarkt lange am Stand zu weilen und hin und her zu üb«.'- legen, ob man die zart resedagrünen oder rosa Schlüpfer kaufe. Allein, ohne Zureden der gnädigen Frau hat Lene sich für die reseda- grünen entschieden, und die Gnädige fand sie äußerst„dezent" Berstehen würde Gustav solche Dinge nie, höchstens begreifen. Aber auf die Hände würde sie ihm schlagen, diesem kühnen Ritter. Immer sah er ihr auf die Kräuscllöckchen unterm Hut, sah in den freien Brustausschnitt des Kleides hinein, sah ihr aus den Busen, aus die Beine. Und verliebte Blicke machte er dabei wie ein Kater. » Arbeit erspart! Nächsten Morgen lief mein Kreuzer auf hohe See zur Uebung. Von seinem Frühstückstisch rief mir Michailoff scherzend nach: „Wenn Sie das Boot treffen, dann jagen Sie die beiden Hundcfohne zu ihrem Karl Marx!" Haa... Haa... ha..., brüllte dos ganze Kasino über den guten Witz. * „Stürmisches Wetter auf dem Schwarzen Meer. Ich stand auf der Kommandobrücke, breitbeinig, um bei dem Stampfen und Schleudern des Schiffes dos Gleichgewicht nicht zu verlieren. Die jungen Offiziere neben mir hielten sich krampfhaft am Geländer fest. Weit und breit kein Fahrzeug, selbst die größeren Fischbarken hatten sich verkrochen. Vor meinen Augen stand das klein« Boot mit den zwei Matrosen... Bei dem Wetter... Das Gelächter aus den: Offizierskasino klang mir noch in den Ohren. Hahvoll blickte ich auf die Offiziersuniform um mich, vergessend, daß auch ich das goldumnähte Tuch trug. Swndenlang manöverierten wir. Schossen, wendeten. Fuhren in höchster Geschwindigkeit an der türkischen Küste entlang. Die See hotte sich beruhigt und auf einmal bemerkte ich während einer Schießübung links ganz nahe von uns ein kleines Segelboot. Sicher Fischer, dachte ich. Befahl, das Schießen einzustellen und richtete das Glas auf das Nein« Fahrzeug. Mein Gott, war es möglich...? Ich wollte meinen Augen nicht trauen! Und doch... Im Boot standen zwei Mann aufrecht. Russisch« Matrosen. Zweifellos die beiden Deserteure! Kalter Schweiß trat mir auf die Stirn«. Ich überlegte blitz- schnell. So nah an der türkischen Küste sind die beiden gerettet! Wenn ich sie aber„bemerke", muß ich sie aufnehmen und Michailoff ausliefern. Ich darf das Boot nicht sehen! Da schreit neben mir mein Adjutant, das Fernglas auch auf das Boot gerichtet: „Herr Kapitän, sind das nicht.. Wenn es jetzt die anderen Offiziere bemerken, sind die beiden verloren, denke ich. Ich schreie den Adjutanten an: „Sie sind verrückt, das sind türkische Fischer", und weiter brüll« ich über das ganz« Schiff: „Die Herren Offiziere an ihre Plätze. Rauchbombenübung!" Gott sei Dank, niemand achtet nun des Bootes, und da beginnen auch schon die Kanonen die Rauchbomben abzuschießen. Der Kreuzer des Zaren hüllte sich in Wolken, um ein kleines Boot mit zwei tapferen Sozialisten nicht sehen zu müssen! Ich befahl Volldampf in die entgegengesetzte Richtung vom Boot. Jeder Stoß der Maschine klang mir wie Musik. Als wir aus den„Wolken" kamen, atmete ich auf, kein Boot zu sehen, niemand hatte etwas bemerkt. Und den Adjutanten hörte ich hinter meinem Rücken sagen: „Der Alte macht heute höllisch scharfe Uebungen..." Acht Tage danach brachte die Presse die Nachricht, die Deserteure wären wie durch ein Wunder In der Türkei gelandet und diese wolle sie nicht ausliefern..." * Der alte Admiral hatte sein« Erzählung geendet. Still fügte er noch bei: „Heute Hab ich dem Michailoff diese Sache erzählt, ich wollte. er sollte wenigstens jetzt platzen... Aber er hat gar nicht zu- gehört und nrir nur immerzu erzählt, wieviel Trinkgelder er jetzt als Blumenbot« bekomme. Ja. ich werde vielleicht auch in diesem Geschäft versuchen, anzukommen!" Na ja, verstecken lassen sich diese körperlichen Dinge nicht, sie gehören zum Menschen, wie die Organe, die unter der Haut lieg». Lene war mehr für das Inwendige, sie war nicht so ein«, die sich von jedem Kerl gleich beim ersten Beisammensein küssen läßt. Jeder Kerl sucht bei dem jungen Mädchen nur das ein«, denkt Lene, und sieht dabei Gustav von der Seite an, der ihr gewichtig und gar nicht im Augenblick damit beschäftigt, den Unterschied von einem Vierzylinder und einem Sechszylinder auseinandersetzt. Sein Beruf ist ihm sein liebstes Thema, da kennt er sich aus. Sie ersieht daraus nur, daß er in seinem Fach stvebsam ist, aber sie wird ihn sich schon ziehen. Mitten im Sonnenschein, auf dem staubigen Wege, rechnet die geschäftige Lene. Wenn sie noch drei Jahre warten würden und sparen, es reichte dann vielleicht zu, daß Gustav eine eigene kleine Schlosserei auf dem Lande aufmacht. Das Schlechteste wäre es nicht, denkt sie—, doch Gustav meint, da sie doch schon drei Wochen mit- einander gingen und sie heute auch den Hausschlüssel habe, solle sie nicht so prüde sein. Lene sagt nicht ja und sagt nicht nein, nur traurig macht es sie. Und sie fragt den Autoschlosser, ob ein Wagen, der schon einmal ge- fahren worden sei, noch als neu verkauft werden könnte? Gustav sagt, es wäre dann wohl noch ein neuer Wagen, aber doch nicht so neu, nicht fabrikneu, mit all dem Glänzen und Blitzen auf Lack und Metall. Und Lene folgert daraus, daß drei Jahr« Warten«ine lange Zeit sind und mancher Wagen in solcher Zeit stark ramponiert wird. Und sie erklärt mitten im Sonnenschein aus dem staubigen Wege, während sie in der Schar der Sonntagsspaziergänger dem fernen Kiefernwald« zustreben, daß man haushalten müßte mit der Liebe. Weil Gustav aber ein verdrießliches Gesicht schneidet, schimpft sie ganz kategorisch, aber ohne Gehässigkeit, mit echt fraulichen Jnstink- len: nach so kurzer Zeit des Kennen? schon aufs Ganze zu gehen, fände sie frech: so was gäbe es bei einem anständigen Mädchen nicht, wenigstens nicht heute und vor Pfingsten auch noch nicht. Len« sagt es angesichts des Waldes, der sich wie ein Dom über sie wölben wird, sie oergißt, daß es Mai ist. Ein Starmatz in einem der Gärten sitzt auf einem Ast und flötet sein schönstes Lied der Starmätzin, die auf ihren Eiern brütet, ins Nest hinein. Scharen von Menschen sind auf die Felder herausgewandert, feiertägig geputzt, mit hellen Sonntagsaugen. Gustav macht schon wieder verliebte Blicke. Niemand von den Dielen beachtet das jung« Paar, das neben der Liebe her marschiert. Der Ausdruck„Verserker", den man für einen wmenden und gewalttätigen Menschen gebraucht, konnnt vom Altnordischen„Berr" (Bär) und„sekr"(Gewand), weil man glaubte, daß gewisse Leute sich in Bären veruxmdeln können. Auf eine ähnliche�Annahme ist die Entstehung des Ausdruckes Wcrwolf zurückzuführen. Glasbläser gab es schon ZS00 o. Chr. In alten ägyptischen Gemälden sind arbeitende Glasbläser dargestellt. Tidor Auhurttn: Völkerkunde/ Wiener Würftel Im Albert. Lanzen- Berta«. NLnchen, erscheint wiebelli« ein B-ndchen von Bictor Auburtin. Aus dem Werlchen.ÄriKall« u II d Kiese l" veröffentlichen wir mit Gcncbniigvng de» Berlages den folgenden Abschnitt. Natürlich gibt es in Wien keine Wiener Würste. Wiener Schnitzel steht auf allen Speisekarten, ober mertwür- digerweise ist es nicht das, was die übrige Well unter Wiener Schnitzel versteht. Die übrige Well versteht unter Wiener Schnitzel ein ganz dünn geklopftes, trockenes und leicht paniertes Stück Kalbfleisch, auf dem«ine Sardelle und zwei Kapern liegen müssen. In Wien ist das Wiener Schnitzel dick und saftig: sehr gut, aber ganz anders. Und woher kommen all« diese irrtümlichen Be- Zeichnungen? D!- besten Wiener Schnitzel gibt oder gab es früher auf den Rhcindampfern, die zwischen Köln und Mainz auf und nieder fahren. Wenn ein solcher Rhcindampfer an dem Loreleyfelsen vorüberkommt, pflegt der romantische Passagier gerade in der Kajüte zu sitzen und ein Wiener Schnitzel zu essen. Dann spielt die Kapelle jenes hin- reißende Lied, und der romantische Passagier kann es gar nicht besser getroffen haben. Und was die Wiener Würste anbetrifft, so heißen sie in Wien Frankfurter Würste. Kein Mensch findet sich zu reckst. Dagegen kann man in Wien eine Berliner Schnitte bekomme». Als ich den Namen dieses Gerichtes zum ersten Male auf der Speise- karte las, bestelle ich es mir sofort, sehr begierig, zu erfahren, was die Wiener wohl unter einer Berliner Schnitte verstehen möchten. Die Berlii�r Schnitte war eine Torte aus geriebenem Schwarzbrot und Pflaumenmus. Schön. Wer warum Bersiner Schnitt«? Und nähmst du die Flügel der Morgenröte und flögest von Treptow über den Spittel- markt und den Augusta-Viktoria-Platz bis nach Westend, nirgenöwo in Groß-Berlin fändest du diese Torte aus geriebenem Schwarzbrot und Pflaumenmus. Man kann das Zeug kaum herunterschlucken. Gewisse Wiener klagen über den Niedergang der Wiener Küche und hallen öffentliche Vorträge zu diesem Thema. Der Fremde kann darüber nickst urteilen, es fehlen ihm die Möglichkellen des Ver- gleiches. Aber sollte wirklich etwas Aehnliches vorliegen, so wäre dieser Prozeß aus den wirtschaftlichen Schwierigkeflen des Landes zu erklären und zu enffchuldigen. Sehr viele Lebensmittel— Eier, Milch, Gemüse— müssen aus dem Ausland importiert Wersen und sind deshalb teuer und sellen. Ich selbst habe von einem solchen Untergang des Abendlandes nichts gemerkt und wünschte, man äße in den Berliner Luxusrestaurants nur halb so gut wie in einer Wiener Schwemme. Die Wiener Küche ist stets eine bürgerliche Küche gewesen, im Gegensatz zu der französischen. Raffinierte Genüsse wie bei Mar- guery und Laperouse in Paris erwarte man hier nickst. Dagegen wird der Kenner auf der ganzen sonstigen Welt nirgendwo ein so vorzüglich gekochtes Rindfleisch bekommen, wie es täglich— mit Ausnahme der Sonntage— zu Mittag in sämtlichen Restaurants der Stadt Wien, den größten und den kleinsten, zu haben ist: mit Essig- kren oder mit Schnittlauchsoße oder mit Dillsoße. Das ist«in Haus- frauengericht: aber wer sich um solche Ding« kümmert, der weiß, daß gerade diese einfachen Speisen die feinsten sind und. auch die schwierigsten. Ein Ragout aus Hummerschwänzen, Kaviar und Muscheln kann jeder bereiten: an dem Rindfleisch und an den Kar- toffeln zeigt sich der Meister.(Mein Großvater, in dessen Hause ich gelebt habe, war der französische Mundkoch eines Königs. Nur deshalb wage ich mitzureoen.) Mozart soll gesagt haben, daß er ohne Wiener Backhcndeln nicht leben könne. Wenn es auf der Welt eine.Lauberflöte" gibt, so verdanken wir dies« also den Wiener Backlzendeln, da Mozart ja leben mußte, um die„Zauberflöte" zu komponieren. Doch könnte es scheinen, als ob die Glanzzeit der Wiener Back- Hendel vorüberzugehen beginnt. Sie werden nicht mehr so viel gc- gessen, sie weichen vielleicht der fortschreitenden Zivilisation. Nämlich so: Backhendel zu essen muß ein Genuß gewesen sein in jener Zeit, als es selbst an den vornehmsten Tischen Sitte war, die Hühnerknochen in die Hand zu nehmen und das Fleisch abzu- nagen. Dies« Zeit liegt ja gar nicht so weit zurück. Brillat-Savarin aß so: ja, er nahm die gebackenen Fische in die Hand und hat in seiner„Physiologie des Geschmacks" ausdrücklich vorgeschrieben, daß gebacken« Sachen nicht anders gegessen weiden dürften. Sinaimen von SSenxol Eine Veränderung des menschlichen Vlutbiides durch Benzol- einatnmng haben Espcut und Salinger festgestellt. Sie beobachteten bei Kraftfahrern, deren Füchrerraum die Ansammlung von Benzol- gasen ermöglichte, ein« auffallende Blässe der Gesichtshaut, und als daraufhin das Blut mikroskopisch untersucht wurde, stellte sich ein« stark« Vermehrung der weißen Blutkörperchen(Lymphozyten) her- aus. die mit allgemeiner Erschöpfung Hand in Hand ging. Befon- ders solche Kraftfahrer, die in mehr oder weniger geschlossenen Führerräumen ihre Tätigkeit ausüben, wiesen die genannten Erscheinungen auf, so daß das ständige Einatmen von Benzol gasen als Ursache der Schädigung angesehen werden mußte. Weitere Reihenuntersuchungen sollen darüber Ausschluß geben, ob sich auch in anderen Berusszeveigen, bei denen eine dauernde Einatmung kleiner Benzolmengcn in Frag« kommt, ähnliche Schädigungen nachweisen lassen. Der Marienkäfer im Garten ond in der Landwirlschaft. Unser kleiner Marienkäfer ist ein sehr nützliches Tierchen. Wenn den Kindern verboten wird, einen Marienkäfer zu töten, so nicht in erster Linie deshalb, weil er im Volksglauben als kleiner Bote der' Gottesmutter gill, sondern mehr noch, weil er fast nur von den so schädlichen Blatt- und Schildläusen lebt. Als Vertllger dieser Pslanzenschmarotzer wird der Marienkäser in Nordamerika von den Landwirten und Obstzüchiern sogar in großen Mengen gekauft und dann ausgesetzt. Es gibt in Nordamerika Leute, die sich Haupt- sächlich auf die Zuckst von Marienkäfern gelegt haben und sie dann in großen Kartons versenden. In England besteht sogar schon feit einigen Jahren eine vom Ackerbauministerium unterhalteue Anstatt, in der Marienkäfer gezüchtet und an die Landwirte abgegeben werden. Dort, wo Blatt- und Schildläuse sehr stark auftreten, wäre vielleicht auch bei uns das Aussetzen von solchen kleinen Käfern jehr nützlich. Bcinhäuser. Im allbayerischen Gebiet kann man noch auf söge- nannte„Beinhäuser" treffen, eine nischenartige Vertiefung, die sich meist am Eingang oder im Allarrücken von Friedhosskirchen befindet. auch im Anbau: Das flt das Bei nb aus. Ein einfaches Holz- oder Eisengitter fchließt den Raum nack ßen ab. In diesem Beinhaus sind auf drei bis oier Stellagen Schädel jeden Alters, von Kinder!! bis zu den ältesten Personen, zur schau gestellt; der Boden ist mit .zerfallenen Knochen, verdorrten Blumensträußen, über das sich dicht die Spinngewebe legen, bedeckt. Auf die Stirn des Schädels sind Name», stand, Todesursache, seltener Geburt?- und Todesdatum des einstigen Eigentümers verzeichnet. Vereinzelt sieht man die frei- gebliebenen Flächen der Beiithäufer mit Ornamenten ausgeschmückt. Diese Stätten sollen zur Einkehr ntahnen, zum Gedenken an den.zu jeder Stunde möglichen Tod.