BERLIN Mittwoch 4. Zum 1930 10 Pf. Nr. 257 B 125 47. Jahrgang erf cheist täglich auß«rS»»lltiss. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts'. Bezugspreis beide Aasgabeu 8S Pf. pro Woche, 3,soM. pro Monat. Redaktion und Eppedition; Berlin SW 6«, Lindcnstr. 3 Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonp-rtillezeile so Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts, Verlag G. m. h. H., Berlin Nr.37ö36. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 207 Konflikt Scholtz— Deuter. Will Bürgermeister Gcholtz den Verkehrsdezernenten verdrängen? Heute mittag ist der Berliner Magistrat zusammengetreten, um über die finanzielle Lage der Verkehrs« gcsellschast zu beraten. Tie katastrophalen Wirtschaft- liehen Verhältnisse, die sich in der Riesenstadt Berlin be- fonders stark auswirken, haben einen Verkehrs« rückgang zur Folge gehabt, dessen Ausmatz niemand voraussehen konnte. Tic Tatsache eines dadurch be- dingten Ausfalls der Einnahmen in Höhe von rund 10 Millionen Mark hat Bürgermeister Icholh bekanntlich benutzt, um in der Teffentlichkcit den Ein- druck einer schweren finanziellen Depresfion hervor- zurufen. In der heutigen Sitzung dürfte sich Stadt- rat Reuter zu den erhobenen Beschuldigungen aus- führlich äußern und die Kritik dcS Bürgermeisters energisch zurückweisen. » Bürgermeister S ch o l tz, der vor einigen Togen von Locorno Zurückgekehrt ist, Hot seine Tätigkeit damit begonnen, daß«r die Berliner Ttodtocrwaltung auss neue in Mißkredit zu bringen sucht. Er hat gestern in der Stadtoerordnetensitzung Ausführungen über die Finanzlage der BVG..gemocht, die nur aus der Absicht zu erklären sind, eine P a n i k st i m m u n g zu erzeugen, in der dann politische Geschäfte gemocht werden können. Die Auswirkung der Rede läßt sich in der Rechtspresse von beute morgen erkennen. Sic spricht von roter Mißwirtschaft, Finanz- katastrophe der BVG., ja sogar vom Bankrott der BBG. Die Schuld an diesen ungehcurlichen hetzerischen Uebertreibungen trägt Bürgermeister Schölt}. Es handelt sich darum, daß die Ko n j u n k t u r k a t a st r o p h e und das Andauern der Massenarbeitslosigkeit zu einem Verkehrs- rückgang geführt haben. Wie die Wirtschaftskrise den Wohlfahrts- etat belastet, so selbstverständlich auch die Bilanz der BVG. Es wurde mit einem Bruttoergebnis von etwas über 70 Millionen Mark gerechnet, das wirkliche Ergebnis wird— Andauer der Krise vorausgesetzt— iwch pessimistischen Schätzungen etwa um 10 Millionen Mark hinter der Sclzätzung zurückbleiben. Im übrigen hat sich noch nicht einmal der Aussichtsrat der BVG. mit der Schätzung des Ausfalls befaßt. Di« Methode des Bürgermeisters Scholtz ist deshalb ausgesprochene Panikmach«. Glaubt der Herr Bürgermeister, sich mit solchen Methoden ein Relies geben zu können? Die Presse des Herrn hugenbcrg spitzt die von Scholtz erzeugt« Stimmung gegen den sozialdemokratischen Stadtrat Reuter zu. Er soll angeblich seines Postens enthoben werden und ein anderes Dezernat erhallen. Im Anschluß daran ruft der„Lokal- Anzeiger' pathetisch: Schluß mit der roten Mißwirtschast! Man versteht, wie es gemeint ist! Weil man Stadtrat Reuter nicht anders verleumden kann, will man ihm wenigstens den Verkehrs- rückxang zur Last legen. Wenn es zu Psingstcn regnet und der erwartete Riesenoerkchr mit entsprechenden Einnahmen ausbleibt. dann ist das selbstverständlich auch rote Mißwirtschaft, an der Stadt- rat Reuter die Schuld trögt. Der Berliner„Lokal-Anzeiger" erzählt weiter, Stadtrot Reuter sei nach der Sitzung zusommengeiirochen. Es ist ein Schwindel, der auf die Spießbllrgerpsycholvgic berechnet ist. Ausammenbruch von Stadtrat Reuter— das soll zu verstehen geben, daß hier wieder etwas nicht in Ordnung ist. Es ist die niederträchtige Methode der Verleumdung und des Ehrabschneidens durch Andeutung, die nicht faßbar ist! Diesen Leuten hat Herr Scholtz in die Hand gespielt, und wir stellen fest, daß seine Methode vielleicht bürgerlichen politi- schen Absichten dienen soll, daß sie aber dei) Interessen der Stadt Berlin abträglich ist. Und wenn die Rechtspresse von einem Nachfolger für Reuter redet, so wyllen wir rechtzeitig feststellen, daß Herr Scholtz wiederholt zu erkennen gegeben hat, daß e r dies Dezernat selbst zu haben wünschte. Herr Scholtz scheint uns viel mehr an kommende Wahlen zu denken als an die Interessen der Stadt Berlin. Man wird künftig seine Meinungsäußerungen und seine Handlungen in erster Linie unter diesem Gesichtspunkt prüfen und beurteilen müssen. Der Bürgermeister, der der politischen hetzpresse und der Sensations- ppesK zu einer Gelegenheit zu Panikmach« und hetze oerhilft, wird ßch solche Leorteillmg gefall«, lasse» müsseal Groener Rei�ewehrmimstcr Sroener»erweiqerle dem Abg. Künstler die Antwort auf eine Anfrage. .Künstig bekommen nur noch die Abgeordneten Antworten, deren Fragen ich vorher gebilligt habe." Die Beschlüffe des Kabinetts. Nächste Kabinettssihung am Donnerstag. lieber das Ergebnis der kabinettssihung wurde gestern um Mitlernacht folgende Amtliche Mitteilung ausgegeben: Das Reichs- kabinett beschäftigte sich in seiner heutigen Sitzung unter dem vor- sitz des Reichskanzlers zunächst sehr eingehend mit dem Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung der Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung. Das Kabinett billigte grundsätzlich die vom Reichsarbeitsminister vorgeschlagenen Abände- rungsbestimmungcn, deren definitive redaktionelle Festlegung am kommenden Donnerstag erfolgen soll. Das Reichskabinett wurde sich dann in Fortsetzung seiner Beratungen über die Deckungsvorschläge zum Reichshaus- halt einig. Den Restarts wurde aufgegeben, die detaillierte ge- sehgeberische Ausarbeitung der Beschlüsse des Kabinetts für t. abschließende Kabincttssitzung am Donnerstag vorzulegen. Zeppelin fährt mit Rückenwind. Freitag vormittag voraussichtlich wieder in Friedrichshafen. Fricdrichshasen. 4. Juni.(Eigenbericht.) Das Luftschiff„Graf Zeppelin' überquert den Ozean auf seiner Rückfahrt nach Friedrichshasen bei außerordentlich gunfti- gern Rückenwind in einem Tempo von 70 bis 80 Meilen. Das Luftschiff befindet sich Nach seiner letzten Positionsmeldung van heute vormittag S Uhr etwa LSOO Kilometer von der spanischen Küste ent- fernt und hosst Sevilla im Laus« des Donnerstagvoracittag zu erreichen. Di«, Rückkehr des Schisses wirt) in Friedrichshasen für Freitag vormittag erwartet. Ein zweiter Fall Beffedowski. Hoher Sowjetfunktionär legt in Paris fein Amt nieder. Paris. 4. Zuni.(Eigenbericht.) Der Generalsekretär der„Handelsbank für Rordeuropa". R u- koff, seit 1905 Mitglied der kommunistischen Partei, hat sein Amt niedergelegt. Zn seinem Demlssionsschreiben erklärt er. daß er von seinem Posten aus das Treiben der Sowjets allzu gut habe beobachten können, und daß ihn seine Erfahrungen dazu ge. zwungen hätten, jede Verbindung mit der kommu- nistischen partei abzubrechen. Anstatt der versprochenen Freiheit Hab« der Kommunismus den arbeitenden Masten nichts andere» als Unterdrückung gebracht. Zunächst habe er, Bnkoft. geglaubt, daß der Fehler an den Persönlichkeiten der Führer liege, doch habe er sich überzeugen müssen, daß das ganze System saut sei. Der revoltierende vantgewallige wurde sofort zur Rechtfertigung in die russische votschasl gtloden. Er lehnte es jedoch ab. dieser Aufforderung Folge zu leisten. Bon der l l a u- m a t über den Verlaus und die Abwicklung der Räumung des Rhein« lands zum Abdruck. Seit einein Monat würden, so erklärt der General, alle Tag« 40 Waggons abgelassen. Genau in 30 Tagen werde nicht ein sranzsischer Soldat mehr am Rhein stehen. Er hasse, daß sich weiterhin alles ohne Zwischenfall abwickeln werde, wie sich das gehöre: auch�in der Pial z, wo die Einstellung stets etwas schwieriger gewesen sei als in Mainz, wo völlige Ruhe herrsch«. Er, Gnillaumot, könne die Höflichkeit, die die deutschen Behörden und Beamten stets bewiesen hätten, nur an« erkennen. Jeder von ihnen habe sich ihm gegenüber sehr liebens« würdig gezeigt, und auf französischer Seit« habe man auch sein möglichstes getan. Auf«diese Weife würden die Befatzunq-truppen beim Berlassen des Rheinlands keine schlechte Erinnerung hinter- lassen._ TäglicheGchreckensmeldung ausLübeck. Zeder Tag fordert neue unschuldige Opfer. Lübeck,'4. Juni. Nachdem schon an den beiden vorhergehenden Tagen j« zwei weiter« Todesfälle von Säuglingen an den Folgen der Calmctte-Fütterung eingetreten waren, sind auch im Laufe des gestrigen Tages wiederum zwei Kinder gestorben. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf 28. Krank sind 101 Säuglinge, gebessert 36; gesund bzw. i» ärztlicher Beobachtung bejindeu sich 8L» Konflikt Gcholtz— Neuter. Wie ihn Herr Gcholtz vom Zaune brach. Ein Mitta�sblatt berichtet aus der Sitzung des städtischen chaushaltsausschusses:.> „Der Burgermeister war empört, daß ihm der Verkehrs- dezernent nicht viel früher Mitteilung von den Wenigereinrmhmen gemacht hat und überschüttete ihn im Hmishaltsausschuß mit den schwersten Verwürfen." Herr E ch o l tz ist erst am 2 ö. M a i von seinem Urlaub zurückgekehrt, den er im ausfälligen Gegensatz zu seinen Mahnungen an die Berliner, nicht ins. Ausland zu reisen, im Ausland verlebt hat. Er hat ferner wie jeder andere in der Stadtverwaltung— und wie jeder Berliner überhaupt— um den starken Verkehrs- rückgang gewußt, und hat selbstverständlich auch über die finanziellen Konsequenzen nicht im unklaren sein können. Diese Mitteilung erhärtet nur, daß Herr Scholtz völlig un- begründet einen Streit mit dem Verkehrsdezernentcn vom Zaune gebrochen hat. Um so nötiger ist es, die Motive für diesen Schritt fest ins Auge zu sassenl Braune und Graue. Oer Stahlhelm bittet Hitler um Frieden. Das braune Hemd im Hitler-Schnitt ist jetzt große Mode. Graue Uniformen Modell Seldt« sind so gut wie gar nicht mehr gefragt. Eine lebhafte Abwanderung von Grau zu Braun ist im Gange, und selbst ein Prinz königlichen Geblüts, August Wilhelm, hat die grau« Uniform ausgezogen, um das braune Hemd anzu- ziehen. Darob Jubel bei den Braunen, Verzweiflung bei den Grauen. Der Stahlhelm will seinen, Auw! wiederhaben, das kann er nur, wenn Hitler es erlaubt. Schon sind, wenn man dem„Jung- deutschen" Glauben schenken darf, Friedensverhandlungen im Gange. Um sie führen zu können, hat man den„Leiter der politischen Ab- teiinirg" im Stahlhelm, Dr. Brauweilcr, auf Dauerurlaub geschickt und dem Major v. Stephane eine beabsichtigte Rede gegen Hitler verboten. Kommt der Frieden zustand«, so werden die Hohengollern- prinzen und andere junge Leute, die Wert daraus legen, guten Eindruck zu machen, abwechselnd beide Umformen tragen können. Damit ist immerhin die Aussicht auf bessere Zeiten eröffnet. Frei- lich, bis zu Wilhelm II. Umsormmschränken ist es noch weit! So sieht er aus! Oer Ziote Zungflurm-Tlazimann mit der Verbrechervisage. Bereits in unserer Morgenausgabe wurde festgestellt, daß nach den eigenen Angaben der Kommunistenpresse ein Teil der Nazi- mordbanditen erst kürzlich von Rotsront zu Hitler übergetreten ist, während auf der anderen Seit« kommunistische Totschläger hinterher den Anschluß bei Hitler gesunden haben. In höchst amüsanter Weise wird diese Feststellung von der heutigen „Roten Fahne" unterstrichen, die den wegen Totschlages an dein Ar- beiter Nenmann zu 3!� Jahren Gefängnis verurteilten Rational- sozialistt« S e n k b e i l folgendermaßen charakterisiert'. „Die Angeklagten rekrutieren sich aus den untersten Schichten der heutigen Gesellschaft. Der Schicht, die Marx schon als das Lumpenproletariat kennzeichnete, das, seiner Klasse entwurzelt, zu jeder niederträchtigen Schand- tat fähig i st. Der Lebenslauf des Senkbell spricht Bände. Seine Gastrolle in der proletarischen Bewegung wurde durch seinen Hinauswurf beendet. Aus Verbrechervereinen fand er den Weg in die Partei des„Dritten Reiches", der Nazis. Seine niedrige Stirn, die jede Znlelligenz leugnet, das vorgeschobene. breite, brutale Kinn charakterisieren einen Menschen, der vor keiner noch so viehischen Gewaltiat zurückschreckt." Alles sehr schön! Aber diese ausgesprochen« und warnende Ver- tucherphysiognomie hat nicht verhindert, daß Senkbeil lange Zeit im roten Jung stürm angesehenes Mitglied war und es sogar zdm Vertrauensposten eines Kassierers bringen konnte. Und wenn er nicht als solcher zufällig unterschlagen hätte, so wäre dieser„vor keiner noch so viehischen Gewalttat" zurück- schreckende Kerl mit der Verbrecherorsage und der„niedrigen Stirn. die jede Intelligenz leugnet", noch heute gefeierter Vor- kämpfer der Dritten Internationale und der Kam- munistischen Partei. Würde er dann als solcher, was sehr leicht denkbar wäre, umgekehrt den Postaushelser R e u m a n n oder sonst- wen miterstochen haben, so würde die„Rote Fahne" diesen Viehchs- terl als proletarischen Helden und Musterbild eines kommunistischen Kämpfers preisen. Und wäre er dafür ins Gfängnis gekommen, so wäre Senkbeil«in edler Märtyrer, ge- nau wie die berufsmäßigen Schwerverbrecher Kobitsch-Meyer, Viargics, Scherlinsky usw., man würde für ihn die Rote lfilfe mobilisieren, einen Amnestiesturm entfesseln, Demonstrationen veranstalten und ihn— wie unter anderem den zehnmal wegen Ein- bruchsdiebstahls bestraften Margies— neben Stalin und Molotoff ins Ehrenpräsidium kommunistischer Parteitage wählen. Pastor Münchmeier verurteili. Der Freisprach in der Äerufungsverhandlung aufgehoben. i, Flensburg, 4. Juni.(Eigenbericht.) Die Große Strafkammer in Flensburg verurteilte in zweiter Instanz den nationalsozialistischen Wanderredner und ehemaligen Pastor Münchmeier aus Borkum wegen Be- schimpfung der Republik zu 400 Mark Geldstrafe. Das Flensburger Schöffengericht hatte seinerzeit Münchmeier freigesprochen, der Staatsanwalt hatte aber gegen die Frei- iprcchung Berufung eingelegt. Münchmeier forderte in seinem Schlußwort nicht nur feine Freisprechung, sondern auch die Ersetzung der Reisekosten. Reichsbanner bleibt überparteilich. Veschluß der Lraunschweiger Funktionäre. ZNagdeburg. 4. Juni.(Eigenbericht.) Am 3. Juni tagte ein« sehr stark besuchte Funktionärkonferenz des Braunfchmei�er Reichsbanners. Noch einem Referat des Schriftieiters der Bundeszeitung, M e u r e r, wurde«in- ' immig eins Entschließung angenommen, in der die Erhaltung des Reichsbanners auf überparteilicher Grundlage alz politische lbotwendigteit bezeichnet wird. Oer indische Aufruhr. Artillerie und Flugzeuge gegen Eingeborene. Wie die Time» aus Slahkadar berichte!, sind die Stellungen feindlicher Eingeborener in der Röhe der Grenze der Nordwest- provinz am Dienstag von Artillerie bombardiert worden. Englische Flugzeuge haben an der Beschießung, die eine halbe Stande dauerte, teilgenommen und belegten den ganzen Bezirk mit Bomben. Kriegsgericht und Wlitärparade. In Ravalpindi werden 17 Soldaten des Gorwhal-Regiments, deren Verhalten bei den Unruhen in Peschawar vor einigen Wochen Anlaß zu großer Unzufriedenheit gegeben hatte, vor ein Kriegs- g e r i ch t gestellt werden. 2>ie Soldaten werden von einem Rechts- anwalt und einem Offizier verteidigt. Di« aus Anlaß des Geburtstages des englischen Königs alljähr- lich m Karachi abgehaltene Parade, die sich sonst einer großen Popularität bei der Bevölkerung erfreute, ist diesmal von den Einwohnern gänzlich ignoriert worden. Zahlreiche Flugblätter sind in Karachi verteilt worden mit der Aufforderung, als Protest gegen die Maßnahmen der Regierung gegen die Ge- horsamsverweigerung der Parade fern zu bleiben. Dieser Aufforderung wurde auch von der Bevölkerung restlos Folg« geleistet. Auftuhr vor Gefängnissen und Galzdepots. London, 4. Juni. Di« Unruhen in W orli. wo Kongreßanhänger die militärischen Wachmannschaften des Gesängnisse, mit Steinwürsen angriffen, waren ossensichtlich bedeuteird ernsterer Natur, als es zu- erst den Anschein hatte. Nach den letzten Berichten wurden bei dem Zusammenstoß zwischen Soldaten und einer großen Menschenmenge nicht weniger als 120 Personen o e r l e tz t. Etwa 20 Freiwillige und Kongreßanhänger trugen schwere Verletzungen davon. Auf Seiten der Polizei wurden 8 Offiziere durch Steinwürfe verletzt. Die Ruhe in Worli ist jetzt nach energischem Einschreiten der Polizei wieder hergestellt, doch ist die Erregung unter der Be- v ö l k e r u n g nach den letzten blutigen Ereignisien noch immer groß. Auf das Salzwsrk von D a r a s a n a, dem alten Unruheherd, sind von Kongreßanhängern neuerdings Angriffe verübt worden. Die Freiwilligen, die in zwei Gruppen geteilt, die Salzpfannen zu stürmen versuchten, konnten von der Polizei zurückgeschlagen werden. Bei den Zusammenstößen gab es wiederum eine große Zahl Verletzter, von denen einige ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Anschlag auf ein britisches Konsulat. London, 4. Juni. Ans das britische Generalkonsulat in Montevideo (Uruguay) wurde am Dienstag ein erfolgloser Anschlag verübt. Unbekannte Personen Übergossen das Tor des Konsulats mit Ben- zin und steckten es in Brand. Die Flammen konnten jedoch ge- löscht werden, bevor sie größeren Umfang annahmen. Gegenüber dem Konsulatsgebäude wurden Anschläge angebracht, in denen gegen die britische Politik in Indien protestiert wird. Man nimmt daher an, daß der Anschlag von erbitterten Gegnern der englischen Jndienpolitik verübt worden'ist. Internationale Gauner verhastet. Gensationelle Festnahme auf dem Anhalter Bahnhof. Große Aufregung verursachte heute vormittag die Verhaftung zweier internationaler Taschendiebe aus dem Anhalter Bahnhof. Zwei Beamte des Taschendiebdezernates des Berliner Polizei- Präsidiums beobachteten zwei Männer, die auf dem Bahnhof hin und her Uesen, in der Hand einen Briefumschlag hielten und in auffälliger Weise Reifende ansprachen, die größer« Gepäckstücke bei sich führten. Di« Beamten erkannten bald, daß es sich um zwei Taschendiebe handelte und schritten, als sie einen der beiden auf frischer Tat ertappten, zu ihrer Festnahme. Di« beiden Taschendiebe, die zunächst sehr entrüstet taten, wurden in einem Dienstraum geführt und dort einer Leibe»- Visitation unterzogen. Zn ihrem Besitz fand man zwei Brieftaschen und eine Geld- börsc, die annähernd 3000 Wart enthielten und die sie In knapp zwanzig Minuten gestohlen halten. Die Vestvhlenen hatten von dem Verlust noch gar nichts bemerkt. Die beiden Tafchendiebe, ein 3Sjähriger Friseur G e l m a n n aus Warschau und«in 34jähriger Friseur aus Kowno, können sich erst feit wenigen Togen in Berim aufhalten. In ihrem Besitz wurde ein Reisepaß gesunden, der das letzternal im vergangenen Jahre in China und Japan visiert war. Der Polizei ist damit ein guter Fang gelungen, denn zweifellos handelt es sich um zwei berüchtigt« internationale Taschendiebe, deren„Arbeitsgebiet" sich über die ganze Welt erstreckt. Frick muß zurückzahlen. Das thüringische Kabinett läßt flch Zeit. Don zuständiger Stell« lvird darcurf htnaewiefen. daß bereits unter dem 30. Moi on Thüringen dos Ersuchen gerichtet worden ist. die Vorschüsse auf künftige Polizefzuschusie zurückzuzahlen. Die Vorschüsse stammen aus dem Jahre 1929/30. Die am 26. Mai fälligen 252 000 sind nicht gezahlt worden. Die Größe der Bor- schüsse betrögt nicht, wie der„Vorwärts" mitteilt, 404 000. sondern genau 407 000 Mk. Der Brief des thüringischen Staatsmimstemims ist bisher in Berlin nicht eingetroffen. Ein neuer Reparaiionsftandal. Belgischer Finanzbeamter verhastet. ' Brüssel. 4. Juni. Wegen Unregelmäßigkeiten in Reparattonsangelegenheiten rousde«in belgischer Beamter des Finanzministeriums v e r h a s t e t. Er soll mehreren Firmen unerlaubte Vergünstigungen bei Sachlieferungen auf Reparationskonto zugestanben haben, die sich auf mehrere Jahre erstrecken. Später wurde auch die Ehefrau des Beamten festgenommen. Delastendes Material gefunden. pari», 4. Juni. Nach einer Meldung der Agentur Radio aus Brüssel handelt es sich bei dem verhafteten Beamten der belgischen Abteilung für Reparationslieferungen um den Direktor Andrce Frick. Am Wohn- sitz des Verhafteten hat man zahlreiches Material gefunden, das nicht nur ihn, sondern auch seine Frau belastet, die gleichfalls verhastet worden sein soll. Man glaubt, daß eine ehemalige Stenotypistin Frick angezeigt und daß dabei Eifersucht ein« große Roll« ge- spiejlt hat._ Oer Massenmörder als Brandstister. Er ergötzte sich an brennenden Scheunen. Düsseldorf, 4. Juni. Außer den bereits gestandenen neun Morden und mehr als 30 Uebersällen und Vergewaltigungen hat-der Massenmörder bisher auch etwa zwanzig Brandstiftungen gestanden. Er hat wahllos Strohschober, Scheunen und Erntewagen in Brand gesteckt. In ungesähr der Hälfte der Fälle soll er bereits überführt worden sein. » Als am 26. Mai, zwei Tag« nach der Festnahme de» Mafien- mörders Kürten, dos Gerücht von einem neuen Lustmord di« Stadt durcheilte, war olles zunächst entsetzt. Es stellt« sich aber kurz danach heraus— so meldet« auch der Polizeibericht—, daß es sich um einen Unglücksfall handelte. Di« kleine zehnjährige Adelgunde Orthnranns hatte in der elterlichen Wohnung in der Hlldener Straße beim Anziehen scheinbar einen Srhal so fest um den Hals gezogen, daß sie bewußtlos zur Erde siel und nach einer halben Stunde infolg« Erstickung tot ausgesunden wurde.— Wie nun bekannt wird, hat die Polizei insalge einer Reihe von Zeugenaussagen Zweifel an ihrem ersten Urteil. St« jetzt die Ermittlungen in dieser Sache fort. Zur Klärung des Unglücksfalles hat die Polizei einen Aufruf erlassen, in dem st« zwei junge Männer, die an dem fraglichen Montag in den Häusern der Hildcncr Straß« musiziert haben, als Zeugen sucht. Oas Ende unier den Rädern. Wieder zwei Tote auf den Schienen. In den gestrigen späten Abendstunden machte ein Strecken- wärter zwischen den Stationen Grünau und Eichwalde einen gräßlichen Fund. Zwischen den Dorortgleisen entdeckte der Beamte die bis zur Unkenntlichkeit zerstückelt« Leiche eines Mannes. Ohne Zweifel handelt es sich um einen Lebens- müden, der sich gestern abend vor einen Vorortzug warf, ohne daß vom Lokomotiopersonal etwas von dem schrecklichen Borsall bemerkt worden ist. Der Tote ist so ftirchtbar zugerichtet, daß weder das Atter festgestellt werden konnte noch eine Beschreibung über sein Aussehen gegeben werden kann. Die Leiche wurde nach der Grünauer Halle gebracht. Kaum ein Tag vergeht mehr, an dem sich nicht«in Lebensmüder vor die Räder eines U-Bahn-Zuges wirft. So spielt« sich auch gestern abend aus dem Hochbahnhos Gleisdreieck wieder ein aufre'geiüter Borfall ab. Der 30jährig« Arbeiter Wilhelm Roll wage ou- Berlin-Iungfernheid«, Kolonie„Freiheit", stürzt« sich zum Entsetzen zahlreicher Fahrgäste vor die Räder eines einfahrenden Zuges. Der Führer versucht« noch mit allen Mitteln zu bremsen, doch gelang es bei der kurzen Entfernung nicht mehr, den Zug rechtzeitig zum Halten zu bringen. Die Feuerwehr befreit« den Lebensmüden, nach- dem die Strecke stromlos gemacht worden war, aus feiner ftlrchibarei, Lage und schaffte ihn ins Urbankrankenhau». Dort konnte jedoch imr noch der Tod festgestellt werden. Das Motiv zur Tot ist noch unbekannt. Durch den Borsall wurde eine längere Verkehrsstörung verursacht. Erstickungstod einer Greisin. In der brennenden Stube tot aufgefunden. 3n der vergaogeaen Nacht kam aus tragische weise die 7Sjährige Witwe Karoline Gotisch bei einem Skubenvrand ums Leben. Die Greisin bewohnt im Keller des Seitenflügels im Hause Melchiorstr. 28 seit langer Zeit eine kleine K o chst u b«. Als gestern nacht gegen 2 Uhr Hausbewohner heimkehrten, bemerkten sie eine starke Berqualmung des ganzen Treppenhauses. Der Portier des Hauses wurde benachrichtigt und der Mann stellte fest, daß die Rauchmassen au» der Stube der alten Frau drangen. Di« Zimmer- tür wurde eingeschlagen, e» war aber unmöglich, weiter einzudringen, da der Raum in einer Ecke bereit» lichterloh brannte und mtt«inen, undurchdringlichen Qualm angefüllt war. Die alarmierte Feuer- wehr löschte den Brand in kurzer Zeit und halle di« Greisin, die auf einem Stuhl neben der Kochmaschine in sich zusammengesunkcn bewußtlos dasaß, ms Freie. Der Arzt konnte der alten Frau keine Hilfe mehr bringen; der Tod war durch Ersticken bereits eingetreten. Noch dem Befund ist Frau G. in der Nacht aufgestanden, um sich am Kochherd(sie litt an Kältegefühlen) zu wärmen. S'e muß dann auf dem Stuhl«ingeschlosen sein und eine brennende Kerze umgestoßen hoben, wodurch der Fußboden uiü>«in kleiner Vorrat von Holz und Preßto�ea in Brand gesetzt wurden. Nette Portierleute. Mit Gummiknüppel und Masken gegen ihre Mieter. Einen unglaublich dreisten Ueberfall leisteten sich am 22. März d. I. die Portierle Ute des Hauses Bismardstr. 114 in Charlottenburg. Sie überfielen die Wirtschafterin des im zweiten Stockwerk wohnenden Notars und Rechtsanwalts Josephsohn. schlugen sie mit einem Gummiknüppel nieder und verjuchten die Wohnung auszurauben. Heute verantworten sie sich wegen v e r- suchten Raubes und schwerer Körperverletzung vor dem Schöffengericht Charlottenburg. Angeklagt sind die 27jährige Portierfrau Schön, ihr elfmal vorbestrafter 26jähriger Bräutigam Thiele und ihr 2Zjähriger, zweimal vorbestrafter schwachsinniger Bruder. Die Portierfrau, Frau Schön, beabsichtigte, den erwerbslosen Musiker Thiele, mit dem sie bereits dreiviertel Jahre zusammenlebte, zu heiraten. Sie brauchten eine Einrichtung und dachten darüber nach, wie sie zu Geld gelangen könnten. Sie wußten, daß der Notar die Gelder seiner Klienten bei sich aufbewahrt und beschlossen, seine Wohnung auszurauben. Der Plan sollte am 22. März ausgeführt wer- den. Sie nahmen an, daß seine Wirtschafterin, Fräulein Wink- l e r, am Abend desselben Tages einen Ball besuchen, der Notar also allein zu Haus« sein würde. Sie wollten ihm auflauern, Frau Schön sollte das elektrische Licht ausschalten, auf dem Treppenslur sollte der Notar überfallen und gezwungen werden, seine Wohnung aufzuschließen. Start des Notars kam aber Fräulein Winkler nach Haufe. Thiele bewaffnete sich mit einem Gummiknüppel, er und der Bruder der Frau Schön, Hoffmann, legten Masken und zogen schwarze Kittel an, lauerten Fräulein Winkler an der Wohnungstür auf, und kaum hatte Fräulein W. diese aufgeschlossen, bearbeitete sie Hoffmann mit dem Gummiknüppel, so daß sie, laut um Hilfe schreiend, hinfiel. Beide Burschen schleppten sie daraus in die Küche, banden ihr den Mund mit einem Handtuch zu und die Hände mit einer Schnur. Dann suchten sie nach den Schlüsseln. Die Hausbewohner waren unterdessen durch die Schreie alar- m i e r t worden. Der Sohn des über dem Notar wohnenden Rechts. rnwalts Dr. Frenke! klopfte an der Dordertür der Wohnung des lolars Josephsohn, erhielt aber keine Antwort. Er stellte eine 'ephonische Verbindung her, am Apparat erschien Fräulein Winklcr ibst und sagte:.Hier ist alles in Ordnung, ich schlafe." Die Ilebelläler halten sie unter Drohungen zu dieser Antwort gezwungen. nützlich wurde an der Hintertür geklopft: es war Frau Schön, die ihren Komplicen zurief, daß die Grünen kämen: man hatte unterdes das Ueberfallkommando herbeigerufen. Thiele und Hoff- • um verließen die Wohnung, empfingen unten die Grünen, mach- i ganz harmlose Gesichter und halfen den Polizeibeamten bei nen Nachforschungen. Erst einige Tage später wurde festgestellt, ch niemand anderes als die Portierleute die Räuber waren. Interdes hatten sie bereits einen anderen Raubüberfall beschlossen. Zu der Verhandlung ist auch Dr. E w e r t für den Geistes- zustand der Frau Schön und ihres Bruders geladen. Kinderschuh in Howjeirußland. Was Benins Witwe darüber zu erzählen weiß. 'Auf dem allrussischen Kongreß für Kinderschutz hat Lenins Witwe Krupskaja ein Referat über die sowjetrussischen Kinder- Heime gehalten. Sie hat die Lage als katastrophal bezeichnet. Es will scheinen, sagte sie, daß die Kinderheime gewissermaßen voll- ständig aus dem Blickfeld der Organe des Bolkskommissawats sür Tildungswesen entschwunden seien, während sie doch einst in dem Gesamtsystem des russischen Volksbildungswesens einen sehr großen Raum eingenommen hätten. Während die Kinderheime tm Jahre 1921/22 540 ovo Kinder beherbergten, beträgt ihre Zahl im Augen- blick nicht mehr als 135 000. Wodurch ist dieser Rückgang zu er- klären, fragte die Resercntin, und antwortete: Durch unglaubliche Wirtschaftslosigkeit. durch verständnislose Auswahl der Erzieher. »ntcr denen es nicht wenige Anhänger des Prügelsystems gibt, durch Unterdrückung jeglicher Selbstverwaltung der Äircber, durch Un- iähigkeit, den Zöglingen Arbeitsgewohnheiten beizubringen, durch Losgerissenheit vom Leben im direkten Sinn« dieses Wortes. Biels Kinderheime befinden sich in Klöstern, in abseits liegenden ehe- makigen herrschaftlichen Gütern usw. Besonders kritisch gestaltete sich die Lage der Heime 1921/22. Die Abteilungen für Volksbildung gingen damals zu einem festen Etat über, sie sahen keine andere Möglichkeit ZU sparen als den, die Kinderheime einzuschränken. Die Zöglinge wurden kurzerhand in die Industrie überführt, in Er- Ziehung zu den Bauern gegeben, in der Hauptsache zu den Kulaken oder man ließ sie einfach lausen. Die Ausführung der Frau Krupskaja fand in einer äußerst zu- gespitzten Diskussion eine Ergänzung. Wie die„Rote Zeitung" de- richtet, oerurteilten die Delegierten einmütig die Arbeitsmethoden des Volkskommissariats für Bildungs wesen. Dieses, erklärten sie. sarge in keiner Weise für die Anstellung, rverwoller Erzieher, ignoriere vollkommen die wichtigsten Richtlinien des Rats der Volks- koimnissare hinsichtlich des Kinderjchutzes usw. In den Organen, denen di« Verwaltung und die Kontrolle der Kinderheiine obliege, herrsch« ein Chaos. Die verschiedenen Behörden arbeiten durchein- ander und gegeneinander, haben gar keine Fühlung mit den Kinder- organisationen, selbst die bloße Andeutung auf irgendeinen allge- moinen Arbeitsplan sehle. Es wurde auch jeftgestellt. daß die büro- kratische Erledigung der Probleme überhand genommen habe und daß die einzige Rettung in der Heranziehung der weiten Ocffent- lichkeit zu suchen sei. Auch die Kinderkommissionen bei dem Allrussischen Zentral- vollzugsrat mußten eine scharfe Kritik über sich ergehen lassen. Ihre Hauptaufgabe besteh- in der jherbeischafsung von Geldmitteln für die Kinderorganisotionen, wobei vollkommen wahllos vorgegangen werde: um die Kassen zu füllen, schrecke man selbst vor Schnaps- verkauf nicht zurück. Also ficht es mit dem Kinderschutz in Sowjetrußlond aus---- Gtrinbberg:„Gustav Adolf". Siaatstheater. Ltm das polnische Parlament. Erwachender Widerstand im Dfcgiervngsblvcr. Warschau, 4. Juni. Großes Aufsehen hat hi" der Beschluß von 22 Abgeord- n«ten d«s Re'gierungsblocks erregt, die der sogenannten Gruppe der„Bereinigung von Stadt und Laich" angehören und jetzt die maßgebenden Regierungskreise auffordern, mit Rücksicht auf die schwierige Wirtschaftslage Polens denKompfgegendenSejm aufzugeben und mit dem Sejm zur Beilegung der Wirtschaft-- keife m aufbauendem Sinn« zusammenzuarbeiten. Um 1900 begann Strindberg, seine historischen Dramen zu schreiben. Vorangegangen war die Bilanz vom Kampf der Ge- schlechter, entschieden mit säuerlichstem Pessimismus. Nun beruhigte sich die grenzenlose Griesgrämigkeit Strindbergs wieder ein wenig. Er empfing auch von der schönen Schauspielerin Harriet Bosse Brief« der Anbetung. Die Sirene lockte zu einem neuen Eheversuch, der auch wieder mißlang. Zwischen diesen irdischen und über- irdischen Prüfungen lag die neu« Bertrauenszeit des wahnsinnigen Genies. Strindberg experimentierte nicht mehr mit Goldmacher- tigel und astrologischen Geheimnissen. Er grübelte über die Gesetze der Weltgeschichte und stellte ein ganz neues System zusammen: sein« Mystik des Historischen, und so nannte er das Ganze. Er meinte, di« historische Persönlichkeit sei bestimmt, von sich aus den ewigen Gottesplan zu erfüllen. Der Dichter war wieder einmal von seinem Atheismus kuriert und vertraute allein auf die Macht des Himmels. So war es selbstverständlich, daß«r auch Gustav Adolf von.Schweden in dies« theologische Reihe einstellte. Strindberg sah, in dem Schweden den edelsten Neurastheniker unter den lutherischen Etaubensstreitern. Anfangs wollte der Schwede nichts als die gute Religion verbreiten, er wollte besonders niemals das Gut des Bürgers oder des Bauern antasten und die Soldateska fest in der Hand behalten. Doch es regiert«, der Krieg, und der Boden, auf dem der Krieg geführt wurde, sollte den Krieger er- nähren. Gustav Adolf, der— so meinte Strindberg— mit den reinsten Zlbsichten über die Ostsee nach dem deutschen Kontinent schwamm, steuert« bald in die kompromittierenden Intrigen hinein. Er wurde bald Opfer von Verträgen, die nichts mehr mit Gottes- vertrauen zu tun hatten. Ein Volksbeglücker wollte er sein,«r wurde ein Blutsauger des deutschen Volkes. So gerät das reinste Gewissen in die elendste Befleckung. So wird aus dem Erben Luthers«in Söldnersührer, der sogar mit Pfaffen und Papisten gemeinsame Sache macht. Zum Thema über Räuber und Plünderer entartet das Religionsthema. Alles zer- bricht, Gustav Adolf wird vom Schicksal gefällt, er, der geglaubt hatte, ein protestantisches Deutschland, vielleicht sogar«inen christ- lichen Orient eines Tages zu beherrschen. Strindbergs mystisches Historienspiel zeigt genial konzipierte Bilder. Fünf Minuten des Gesprächs reichen aus, damit das Unglück des Dreißigjährigen Krieges grell und grausig vor der Phantasie des Zuschauers aufsteigt. Dann folgt der Untergang Gustav Adolfs. Das Stück entwickelt sich eigentlich immer noch als Monolog für den Sterbenden. Aber auch diese Szenen sind immer noch Produkte des genialen Strindberg. Sie liesern dem Regisieur und dem nicht zu vergessenden Bühnenbildner Caspar Neher Gelegenheit, ihren erfinderischen Theaterinstinkt aufblühen zu lassen. Man ist wieder einmal mit Jeßner ausgesöhnt. Man sieht bis auf weiteres ein, daß er wirklich eine Zeitlang müde geworden war und nun, befreit von seiner Beamtenlasr, die Künsilerliist wiedergefunden hat. Denn er oerwandelte sogar die Strindbergsche Abstraktion in bildliches Bühnenleben. Da soll z. B. der einzig- einige Gott symbolisiert werden, der für Jud' und Christ' gilt. Wenn nun die tiefen Stimmen der ihr Passahfest psalmodierenden Juden mit den Sopranen der Kirchenbuden in eine mächtige Gebets- Harmonie zusammenklingen, so ist das musikalische Harmonie und auch Eedankenharmonie, so ist es darum schönstes Theater, obgleich es nur von der abstrakten Idee ausgeht. Es steht dieses stärkste Regisseurstück Jeßners, das großes Entzücken hervorrief, gar nicht im Texte, es ist trotzdem Jeßners produktive Regietat. Durch diese Feststellung werde nicht etwa der schon vor einem Jahrzehnt an dieser Stelle geächtete Krieg der Regisseure gegen die Dichter wieder gutgeheißen. Alles Unglück, alle gar nicht vor- handene Dekadenz unserer heutigen Dramatik wird nur von dem literarisch absolut instinktlosen Regisseuren behauptet. Der neue Dramaturg des Staatstheaters. Herr Adam Kuckhoff, soll sich bemühen, diese Durchschnittsblindheit der Regisseure durch seine Klugheit zu kurieren. Auch Jeßner besaß selten den Sinn für den Dichter, er kultivierte wenigstens mehr den Spürsinn für die Bühne. Diesmal sei berichtet, wie kraftvoll er die feierlichen Massenszenen musikalisch und optisch organisierte. Gestern zeigte«r, daß er auch wieder die geheime Orchestermusik hört, deren das große Spreck)- drama unbedingt bedarf. Und nun weiter! Auch Mut ist notwendig, damit einem an sich herrlichen Virtuosen, damit dem stets interessanten Schauspieler Rudolf F o r st e r die Virtuosemnucken ausgetrieben werden. Forster schuf seinen Ruhm durch die entzückende Timbre seiner Kehle, durch di« besondere Energie und Geschmeidigkeit seiner Bewegungen. Nun blieb er bei diesen Ztaturgoben, ohne sie zu kultivieren, nun hüpfte er über die Schwierigkeit seiner Rolle hinweg, indem er die eigene angeborene Neurasthenie unaufhörlich pendeln und tändeln ließ. Er jonglierte mit seiner Rolle, ohne sie nach dem Wunsche des Dichters zu vertiefen. Sonst hat der Regisseur alle Künstler, be- sonders Ferdinand Hart, den Darsteller eines weisen Finanz- juden, und dann Bildt und Reuh und Laubinger und Granach und Weber und Harlan und andere mehr mit außerordentlicher Fähigkeit in die Schul« genommen. Am Staats- theater ist auch noch ein« Truppe vorhanden, die sich lenken läßt. Diese Einigkeit dürfte auch nicht durch di« Rücksicht auf den preußischen Notetat gesprengt werden. Max Hochdorf, Eine Karl Marx-Büste von Klimsch. Im Austrage des sozialdemokratischen Parteivo r- stände s— den die Deutsche Kunstgemetnschaft an- geregt und vermittelt hat— ist von Professor Klimsch«in« Monu- mentalbüste von Karl Marx geschaffen worden. Sie reiht sich würdig den Porträtgemälden an. die die Deutsche Kunstgemeinschaft kürzlich in Austrag gab, und die im Schloß ausgestellt wurden(worüber hier ausführlich berichtet worden ist). Mir scheint, als ob das Werk von Klimsch Ms gelungenste von allen ist. Auch er hat ja nicht au» eigener Anschauung schössen können, auch er hat sich an atte Photos und Bildwerke halten müssen.'Aber Klimsch hatte den großen Vor- teil des Bildhauers für sich, von der Farbe und der Siluation ganz abgesehen und das einzig Wichtige, den Kopf darstellen zu dürfen mit dem Mittel plastischer Form, die an sich schon eine stärkere Ab- straktion von der„Wirklichkeit" erlaubt und geeigneter ist, dos End- gültige eines Menschen für die Nachwelt festzuhalten. Mit dem In- stinkt de- Plastikers hat er sich auf das wuchtige Haupt beschränkt, das auf einen grauen Steinwürfel montiert ist. Weit über Lebens- große, in schwarzer Bronze gegossen, steht der Kops vor uns, von Haupt- und Barthaar gewaltig umrahmt: nicht in glatter Technik, sandern mit impressionistisch aufgelockerten Massen, höchst anschaulich durch Buckeln und Höhlungen modelliert, so daß zugleich das Leben- dige eines Menfchenhauptes in Licht und Schatten sich emporhebt und dos Ewig-Bleibend«, der monumental« Ausdruck des Wesens eines großen Mannes hier erscheint. Eines Mannes, dem wir alle di« höchste Verchrung entgegenbringen, und in der Form, daß diese Berehrung sich von selbtr einstellt, weil die ehernen Züge das Machtvoll-Prsönlich« von Karl Marx sichtbor ausstrahlen. Das Bildnis ist zur Zeit in der schönen Akadem>«schau om Pariser Platz ausgestellt, m dem Fritz Klimsch eingeräumten Ehrensool: es wartet auf seine endgültige Ausstellung. P. F. Seh. Das Preisausschreiben des Deutschen Bllhnenverein». mit dem ein erster Preis von 500Y Mark und ein zweiter Preis von 3000 Mark für die beiden besten Bühnenwerk« ausgesetzt waren, komtte nicht zur Verteilung gelangen. Es waren insgesamt über 1000 Werke eingegangen. „Oer Nächste- Bitte."' phöbull-palast. Der Titel ist gesucht. Der Film jedoch erfüllt alle Ansorderungen, die man an eine Posse stellen kann, obwohl das Drehbuch nach sehr alten Rezepten verfettigt ist. Sind doch sowohl die Unschuld vom Lande, die sich in der Stadt schnell zur umschwärmten Schönheit mousett, wie die reiche Tante, die einem unbeweibten Neffen Zu- schösse auf Frau und Kind zahlt, ziemlich angejahrte Bekannt«. Das glückliche End« wird hier durch zwei Verlobungen herbei- geführt. Die Tante vom Lande ist eine Bombenrolle für Adel« Sand- rock. Wenn diese Darstellerin, herausgeputzt mit Katzenjacke und Fuchsboa, statt einer Reitpeitsche einen Regenschirm in der Hand, auf einem schweren Pferde durch das Brandenburger Tor reitet, dann muß der ärgste Griesgram aus vollem Hasse lachen. Lien D e y e r s hingegen ist mit so viel Anmut«ine Nichte vom Lande, daß der Erfolg gar nicht ausbleiben kann. Der Friseur, über den alles Unheil hereinbricht, wird von dem gern gesehenen Karl Huszar-Puffy gespielt, der wirtlich zum Komiker geboren ist. Bei Siegsned Be lisch bürgt sein Aussehen für die ersolgsichere Durchführung seiner Kinderrolle. Albert P a u l i g spielt«inen verschuldeten Tierarzt mit Routine und Rolf von G o t h ist die üblich« Filmschönheit. Di« Arbeit des Regisseurs Erich Schön- selber setzt sich aus gut ausgenutzten Situationen zusammen. Das Programm ist sehr reichhaltig. Man freute sich in mehreren Micky-Mouse-Ton filmen wieder über die ulkigen Parodien, die von Geräuschen begleitet werden, di« genau wie die Zeichnungen, einer toll gewordenen Phantasie entspringen. Der Hauptfilm aber sst ein stummer Film und die Begleitung durch eine gute Kapelle trug viel zum Erfolg« des ganzen Abends bei. e. b. 2000 Kilometer zum Zahnarzt. Der Weg zum Zahnarzt erscheint so manchem recht lang, aber keiner hat wohl je einen längeren Weg zu diesem so notwendigen, aber so wenig angenehmen Ziel gemacht, als ein kanadischer Trapper namens F. Jacobson. Während seiner Arbeit om Krönunge-Gol, im wilden Norden von Kanada, bekam dieser Mann plötzlich hefüge Zahnschmerzen und sah sich nach einem Zahnarzt um, aber in d r Umgebung der nächsten 2000 Kilometer war keiner zu finden. Zu- erst reiste er mit seinem Hundeschlitten 21 Tage bis nach Aklawik, dem nächsten Ort, der immerhin 1250 Kilometer«ntfernt war. Doch hier gab es keinen, der ihn sachkundig von seinen Schmerzen hält« befreien können. Daraufhin mietete er sich ein Fltzgzeug und f'og nach der Stadt Whitehors« im Iukon-Gebiet. Auch da fand er nicht. was er suchte. Nun setzte er sich auf den Aug und fuhr nach einer Stadt in Alaska, von wo er den Dampfer nach Aancouoer nahm. Hier erst konnte er den so lang« gesuchten Zahnarzt in Nahrung setzen, indem er sich von ihm den schlimmen Zahn ausziehen ließ. Er hatte also«ine Reise von. 32 Togen machen und mehr al- 2000 Kilometer zurücklegen müssen, um sich von seinem Zahnschmerz zu befreien. Das ist ein schönes Beispiel der Harinäckigkeit, das man allen denen, die sich so gern um den Besuch beim Zahnarzt herum. drücken, zur Nachahmung empfehlen möchte. Zugendpreis Deutscher Erzähler. Um den Jugendpreis Deutscher Erzähler, der dem Verband« Deutscher Erzähler von der Deutschen Buchgemeinschast Berlin alljährlich in Höh« von 10 000 Mark gestiftet und der im Einvernehmen mit dem preußischen Kultus- Ministerium erteilt wird, haben sich für das letzt« llusschrelbeo 150 Schriftsteller unter dem 40. Lebensjahre beworben. Das Preis- gericht hat den Preis an Anton G a b d e in Koblenz-Oberwerth für seinen Roman„Im Schatten des Schicksals" etteilt. Ausfische» Gastspl'l. Im Juli wird eine Krupp« von Schaulpielern de» M o« k a u e r k ü n li l e r t h e a t e r« mit Kalschalow an der Spitze tn Berit» eintreffen, wo eine Ztiissiibiuno der letzten Inszenierung de» Thealer»..Aii'eistebung' von Tolnoi, vorgesehen ist. Die Siaalllchen Aluseen lind am Psiiigstsonnabend von 9—13 Uhr sür den Besuch geöffnet. Er sott den Männerauioriiäi Ii: Köln wird ernsthaft erwogen, einen frei gewordenen Schulratsposten mit einer Stadtfchulrätin zu besetzen. Das hat die Männlichkeit des Katholischen Lehrer- Vereins auf das tiefste betroffen. Der Verein hat gegen diese Ansicht feierlich protestiert und ist mit einer Vsröffent- lichung hervorgetreten, die den Protest bekunden soll. Darin heißt es: „Der moderne Lehrer wird für seine Schüler eine wirk- l i ch e A u t o r i t S t s p e r( o ii darstellen müssen. In seiner Art und Weise hat er vor dem Schüler als der Mann zu erscheinen, der ihm als Ideal der Männlichkeit vor- schweben muß.. Soll nun diese Autorität dadurch einen Stoß er- halten, daß die Frau als Vorgesetzte die Schulstube betritt und deutlich erkennbar zeigt, daß der Lehrer jene wert- volle Erziehungsarbeit unter Leitung de0 Frau leisten muß? Nach katholischer Auffassung ist der Mann das Haupt der Familie und seine Autorität muß daher auch in der Schule gewahrt bleiben." Es muß schlimm um die Autorität des katholischen Lehrers stehen, wenn sie nur auf das Ideal der Männlichkeit aufgebaut ist! Dieser Protestschritt hat jedoch sofort einen weiblichen Gegen- Protest hervorgerufen. Der Katholische Lehrerinnen- verein hat gleichfalls ein Schreiben veröffentlicht, in dem er den männlichen katholischen Kollegen nach Strich und Faden die Wahr- Lteberspitzte Nationalisierung. Stellungnahme der kaufmännischen Dergbauangestellten. Di« im Zentralverband der Angestellten zusammengcschlosienen Bergbau- und Knappschoftsangestellten hielten am 31. Mai und J. Juni in Bochum eine Reichskonferenz ab. lieber die Sozialversicherung der Bergbauangestellten referierte Burm eist er- Bochum. Seine Ausführungen wurden in der Disdrsfion von Brillke ergänzt. Beide Redner erNärten, daß die Angestellten sich einmütig zu dem Gedanken der Berufsversicherung in der Reichslnappschaft bekennen. Die kaufmännischen Bergbau- angestellten erwarteten aber, daß ihren Interessen in stärkerem Maße als bisher Rechnung getragen werde. Dies sei auch ohne gesetzliche Aenderung möglich. Es genüge, wenn die Organe der knappschaftlichen Selbstverwaltung diese Wünsche der kaufmännischen Angestellten würdigten und entsprechende Maßnahmen träfen. Den Höhepunkt der Tagung bildete eine Bortrag von August H a l b f e l l- Gelsenkirchen über die deutsche Kohlenwirtschaft, ihre Lage und d» Aussichten ihrer Entwicklung. Halbfcll kritisierte scharf die überspitzten Rationalisier ungs Methoden im Bergbau, die zu Entlassungen von Angestellten in großem Maße geführt hätten. Bei der deutschen Kapitalnot sei es untragbar, daß übertriebene Rationalisierungen vorgenommen werden, während gleichzeitig der deutschen Wirtschast im Konkurrenzkampf um die ausländischen Kohlenmärkte unersetzliche Verluste entständen. Die Lage des deutschen Kohlenbergbaues hätte sich im vergangenen Jahre trotz allem günstig entwickelt. Eine weitere Besserung sei durch internationale Vereinbarungen erreichbar. Solche internationalen Verträge über den europäischen Kohlenabsatz mußten aber� sollten sie ihren Zweck erfüllen, gleichzeitig auch einheitliche Regelungen über die Angl«ichung der Arbeitsbedingungen der im europäischen Dergbmi beschäftigten Arbeitnehmer enthalten. Oer Rechtskonsulent im Gchusterladen. Pech aber haben die Kunden. Neben dem Gebäude des Arbeitsgerichts betreibt jetzt ein sogenannter Rechtskonsulent in einem Schuhmacher- laden sein Gewerbe. Durch Verteilung von Handzetteln und zcitungsähnlichen Flugblättern sucht er stellungslose Arbeiter, « Herr sein! und Krauenberuf. hcit zeigt. Es müsse eine wahrhaft klägliche Autorität sein, so heißt es da, wenn sie durch eine Frau schon ins Schwanken käme: „Oder glaubt man, daß der weibliche Revisor weniger Takt besitze als der männliche, von dem man vorasssetzl, daß er vor der Klasse jede Bemerkung vermeidet, die den Lehrer vor den Schülern heräbsctzen könnte? Man sollte ihm nur seitens der Lehrer mit dem nötigen Vertrauen entgegenkommen, wie es die Lehrerinnen dem männlichen Schulrat gegenüber tun." Aber es geht ja gar nich, um Fragen des Taktes, sondern nur um die M ä n n ch« n i n st i n k! e der Herren Lehrer, darum, daß beim Eintreten des weiblichen Schulrats den Schülern klar sein wird, daß das Ideal der Männlichkeit nur ein Lehrer ist, das schwache Weib aber der vorgesetzt« Schulrat! Es ist der stille Krieg um di« Aufrechterhaltung der Unterdrückung der Frauen. Es hat sich deshalb sofort«ine geschlossen« Abwehrfront d�r Frauen gebildet. Die katholischen Lehrer in Köln werden inzwischen wohl begriffen haben, daß«s inzwischen nichts mehr ist mit dem „Er soll Dein Herr sein!" Aber nun erhebt sich noch eine Frage: Die Lehrer meinen, nach katholischer Auffassung müsse der Mann der Herr sein. Die Frauen pochen auf die Gleichberechtigung— wer. hat nun die richtige katholische Auffassung? Die Frauen oder di« Männer? die zur Klageaufnahme zum Arbeitsgericht gehen wollen, an sich zu locken, um ihnen feine Dienste anzubieten. In den Handzetteln ist der Preis für eine Auskunft mit einer Mark angegeben, tatsächlich aber nimmt er ganz andere Preise, auch wenn es sich um falsch« Auskünfte handelt. So hat er dieser Tage einen arbeitslosen Schlosser bös« herein- gelegt. Der Schlosser hatte bei einer bekannten amerikanischen Automobilfirma gearbeitet, die in Berlin eine Zweignieder- lasiung unterhält. Er war entlassen worden und wollt« auf Wiederein st ellung klagen, konnte aber die für die Ein- reichung der Klage notwendige Zustimmung des Arbeiterrats nicht beibringen, weil es bei der amerikanischen Firma keinen Ar- b e i t e r r a t gibt. In der Klageaufnahme beim Arbeitsgericht wurde dem Schlosser erklärt, daß seine Klage daher leider aus- sichtslus wäre: trotzdem ging er zum Rechtskonsulenten, der ihn für 6 M. einen ganz unsinnigen Schriftsatz anfertigte, in dem es unter anderem hieß: „Kläger legt lediglich Wert auf Wicdereinstellung, zumal Be- klagte ihm durch Zahlung von Sonderswndenzuschlag noch ein« Woche vor der Entlassung zu verstehen gegeben hat, wie sehr sie mit den Diensten des Kläger zufrieden gewesen sei. Ein Betriebs- rat ist im Betrieb der Beklagten nicht. Klageantrag scheint dem- nach gerechtfertigt." In der Gütcverhondlung vor dem Arbeitsgericht riet man dem Schlosser, die aussichtslose Klage zurückzunehmen, damit nicht noch weitere unötige Kosten entstehen: die K M. natürlich konnte ihm niemand ersetzen.— Ein organisierter Arbeiter hätte sich wohl kaum eine unsinnige Klageschrift für k> M. von einem„Recht�pnsulenten" anfertigen lassen. Aber auch die Unorganisierten sollte«. wissen, daß sie b e i m A r b« i t s g e r ich t bessere A u s k u h'ft unrsonst bekommen als bei solchen Schädlingen, die, ohne die geringste Rechts- kenntnis zu besitzen, den Arbeitslosen das Geld aus der Tasche ziehen. Aach einjährigem Streik. Arbeitsaufnahme im australischen Bergbau. Wie amtlich mitgeteilt wird, ist heute vormittag infolge des letzten Monat abgeschlossenen Abkommens die Arbeit in 20 Zechen wieder ausgenommen worden, nachdem sie«in volles Jahr geruht hatte. Ein Mißverständnis hat leider verhindert, 14 andere Bergwerke wieder zu eröffnen. Levensmittelkrise-- Parteikrise. Die Rechsopposition wächst. Moskau, 3. Juni.(Ost-Expretz.) Die Berichte über die Parteikonferenzen in den ein- zelnen. Städten und Gebieten des Sowjetstaates zeigen, daß b: nach dem Rückzug Stalins scharf gerügten und bestraften Partei- und Sowjetfunktionäre sich vielfach der Opposition anschließen. Sehr bemerkenswert ist in dieser Beziehung die Erklärung des Leiters einer Kollektivwirtschaft, Gorochow, auf einer Parteikonferenz im Bezirk Rybinsk. Gorochow erklärte:„Wem habt ihr auf die Finger geklopft? Rur den unteren Funktio- n ä r e n! Warum muß der Weichensteller immer schuld sein? Die Dummköpfe, Genossen, müßt ihr unter euch selbst suchen." Diese Worte zeigen deutlich, daß die Funktionäre sich von ihrem Herrn und Gebieter Stalin für verraten halten und ihre„Ab- irrun�en" ausschließlich auf die direkten Weisungen des Zentralkomitees und Stalins selbst zurückführen. Es zeigt sich auch immer mehr, daß die Verschärfung der Lebcnsmiltellage zu einem Anwachsen der Opposition führt. Der Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjet- Ukraine, K o s s i o n, erklärt« auf der Charkower Bezirkskonferenz der Partei, daß im Zusammenhang mit den Lebensmittelschwierig- leiten die Rechtsopposition eine gesteigerte Aktivität entfalte. D e Versorgung mit Fleisch und anderen tierischen Produkten sei sehr gespannt. Es habe keinen Zweck, die Schwierigkeiten oertuschen zu wollen. Die Zahl der Arbeiter ssi in der Sowjetukraine seit der Vorkriegszeit um 60 Proz., der Fleischkonsum um das Doppelte gestiegen, während der Viehbestand nur um 7 Proz. zugenommen habe. Infolge Futtcrirnttelmangels gehe der Vieh- bestand gegenwärtig sogar zurück. Di« Rechtsopposition erkläre, daß Fleisch und Milch deswegen nicht vorhanden seien, weil die Kühe kollektiviert worden seien. Die„Prawda" erklärt in einem Leitartikel, es fei verständlich, daß die Arbeiter über die Miß- stände auf dein Gebiete der Lebensmittelversorgung e n t r ü st c t seien. Es sei zu bedenken, daß die gespannte Lage auf dem Lebens- mittelmarkt bereits seit drei Iahren andauere. Die Lenin- grader„Prawda" kündigt«ine weitere Verschärfung der Versorgungsschwlerigkeiken bei Fleisch. Milch, Eiern und Fetten in der zweiten Hälfte des laufenden Wirtschaftsjahres 1929/30 an. Welches Glück für Stalin. Zusammengebrochene Kollektivierung. Wie aus Moskau gemeldet wird, ist die Kollektivisierung der individuellen Bauernwirtschaften im Kaukasus vollkommen zusammengebrochen. Nach der omllichen Mitteilung sollen in der kaukasischen Republik die kollektiven Bauernwirtschaften nur 17 Proz. der Bauernwirtschaften betragen. In der Republik Aserbeidschan beträgt die Zahl der Kollektivwirtschaften nur 12 Proz. Die Sowjetregierung will vorläufig keine Zwangsmaß- nahmen gegen die Bauern im Kaukasus ergreifen, weil dies zu einer Berschllmmerung in der innerpolitischen Lage führen könne. Diktator S ta l i n, der in den letzten Wochen einen Befehl nach dem anderen zur Milderung der Zwongskollektivisicrung in Rußland ausgegeben hat, wird sich noch mehr solcher Zusammenbrüche seiner Politik im Interesse der mißhandelten nissischen Landwirtschast wünschen. vlukhunde. Im Hirschlager des Park» von Meppel (Holland) wurden zehn äußerst wertvolle und schöne Hirsche van wildernden Hunden totgebisien. Weller für Berlin: Meist heiter und am Tage weitere Erwärmung.— Für Deutschland: Im Nordosten beständiges trockenes Wetter, auch im Süden Bewölkungsabnahine, überall wieder wärmer. Tlisatsi', Lichtspiele usw. Tagl. 5 u.8'/i Uhr._5 Barl). 8258 Pr 1 S M Wochentg. 5 U. 50 P{.-3 M. 1 II Atiraktionea hSduler Klaue! Tägi. 5 ii. 815. Sonnt. 2.5 n 8U Alex. E 4, 8066 Itilhelm Jlarlslein der beliebic HumorUt und 8 ertildasslge Attraktionen Winrer ★ Garten* 8.15 Ohr ZentT. 2810 Handln«rinnhi Vitdtr tili!». I Ii ItrDi inh»liM imigtt Mtlin ud wiittn« Attraktinn 8'/. Uhr Utgit: KtH Htim lirti» Staat). SAiller-Ib- 8 Uhr saerx, Satire. ronie u. tiefere Bedeutung Staatsoper AmPl.d Republik 8 Uhr verkaufte Braut r. Dr. Martin Zickel Komische opor Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Unit Mrti Varsteilunj I 8'.t Uhr Majestät täfit bitten... Otrgt» gotlnsa. Lustspielhaus Friedrichsir. 236. Bergmann 2922/23 Neueinstudiert S',- Uhr Vater sein dagegen sehr mif Lucie Englisch Diatidies Ikeater a Z Weiden daam SZai 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.;MazRelahardi «osil: FMriit HaHindr. Kammerspiele D Z Weidndann 5ZD1 8V. Uht: Jphigenie aal Taaris vonWolfg v.Gocthe Linridtlong and Regie: Ridiard Beer• Hefmsa Die Komödie II Bistnck.2414/7SI6 «>/. Uhr Soll man heiraten I IMdiingBiflianlSlav SiniiAe Eiariditang: Karl Heinz Martin Direktion Dr. Robert KIcIb Deulsehes Iflnstler-Thett Barbarossa 3937 7»/j Uhr Zum t. Mal „Hb tanze um dteWeltmltdlr" von Msrtsil» Schiffer Moslk: Fritdridt Heiiloder Regit: Hins Brahm Residenz-Tbeatei Tägl.SV- Uhr madonna im sciilafcoupg v. Maurice Dekobra Für lugendl. verb. Tttat. a. Kattn.Tor Kottbuser Str. 6 Sr. Inn..." Ü-- mit Herl* Loewe ihr etmda» 8«ttiftn ROSE] -THEATER I Qrofi* Frankfurter Str. 132 | BllUttkae««: Alex. 3422 u.3494| Täglich 8.15 S- le/ryx** „Jenny steigt empor" bleibt 1 1 nur noch bis Freitag, f | 6. Juni auf dem Spielplan. Ab Sonnabend, den 7. Juni I | tigllch 8«, Sonntags auch B1S 1 Ann wie eineKirchenmaas m it Traute, Paul u. Willi Rose, | Robert MOIIer u. Erich Wilde.| Am Pfingstaonntag: I Eröffnung der Gartenbähne I Tftgtich 5» Uhr nachmittags (Sonntags 5» Uhr) |• grstkiaulos VarlsUnummam| „Lese« Lotte, Lire« 1 mltErnaKerstens.HlldcHofer I Lonl Pyrmont, Karl Güllich f | Hans Rose, Edgar Kanisch ; u.Carl Muth In d. Hauptrollen| Am I. u. II. Pfingstfelertag um 6 Uhr morgens 6ro0e Frflhkoaaerte mit | Bleaen- Tarlrtdachan. I DarVorverkauf hat begonnen Strumpfe wasqhe Gardinen Mhans Emil Moses Natu. Blrkcnsir. 2fl(Edte Pntlitzstr.) mm Dlraktien: Or. Hirtin Zickel Komische Oper frledridiitr.10«. Merkur 1401/4330. Heute letzte Vorstellung I 8'/, Uhr Majestät lässt bitten Morgen geschlossen. Lustspielhaus Friedrichstr. 236. Bergmann 2922/23. Neueinsiudicrt gi/j Uhr Vater sein dagegen sehr mit Lucie Englisch Vorverkauf in beiden Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. Theater I. d. Behrenstr. 33-54 SVr U. A4 Zentrum 926-927 8lfi U- iMrcktioD Ralph Arthur Roberts Hein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs Reichshallen-Theater Allabendlich(T| Uhr Sfeiflner sanier hi lustige Programm wmi Lilie im Kreise von Mcyscl, Dritton, 5raaer,Girardi, Nebe, Robin. SdirAter. Schräder. Wegner and Wolde. An beiden Pfingstfeiertagen ttadimittogs-Vorclelliiiig m halliw Prtstti. Dönhoff- Breill(Saal und Garten) Variete— Konzert— Tanz Ernst Phllippiiaar Gegründet 1885 Gardinen Dekorationen Polstermöbel CedicgcB, doch preiswert Roscnthaler Strafe 40-41 Samoisky-Botinen Theater In der Siresemantuir. (frlktr Kimnritur Str.) Täglich 8>/. Uhr Napoleon greift ein Nu Viltir Basmclmr Komödianhaua Täglich 8V» Uhr Meine SAwester und idi Musik T.eilphBeuhkT Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich 8'/. Uhr Max Adalbert in Das ParTflm meiner Frau Lustspiel von Leo Lenz Netropol-Td. Täglich 8'/« Uhr mit Dir allem aui einer einsamen Insel Mutul eobnen. lltnd Bniio, Rita Cwrg. Charlotte Ruder. Lesslng-Tliealer Veidtndinn 2797 1.0IIS Täglich 8>/« Uhr Heute abend wird aus dem Stegreif oespleit von Pirandello Regie: Gustav Härtung T&eater d. Mm Täglich 8'/. Uhr: Der Bettelsludent Carola, Etsner, Böttcher, Horsten. Trianon-Tdeater Täglich 8'/, Uhr Gianblöer von Strindberg iv* uhr CASINO-THEATER Lothringer Strafe 37. Nur noch wenige Aufführungen! Rentier Mudicke SommerpretM: Billig! Billig! »0 Pf, 1.- Mark 1.50 Mark NaxlsdiadttdCo. Fachgeschäft für Bandagen and Krankenpflege-Artikel Bln.-PanKo w, WoIlanRsfr.l 28 Fernsprecher: 0 8 Pankow 2779 Lieferant der Krankenkassen Eigene Werkstatt BETRIEB/ KEMPINSKn föeiloge Miltwod», 4. Juni 1930 OprAbpnD $ttn/nrfi(T(jßi\/o*vH3s4* (ftund�unk- Hörer- llmfoett (proßCeme des HMxkreyhoHS �UH&kaßarett- HorspieC Von Axel Arhen» I. Wir haben das nun in letzter Zeit oft genug gehört und gelsjen: die Hörfolge ist tot! Eigentlich hätte sie nie richtig gelebt,«in Experiment, das zu nichts geführt hätte! Und der Versuch, gar Funkkabarett im Rahmen einer Hörfolge zu machen, wäre erst recht verfehlt! Auch die Kabarettfolg« wäre total erstarrt und erledigt. In dieser Art! Um es gleich vorneweg zu sagen: es lebe die Kabarett- folge! Zugegeben, daß die reine Hörfolge, wie sie heute übrigens sowieso nur noch ganz feiten gesendet wird, durch ihr eigenes »yftem zu Tode gefunkt wurde, diese Hörfolge— seinerzeit als Experiment bestimmt gut und richtig— schuf die Kabarettfolge. Die Kabarettfolge ist die Auflösung des Funk- kabaretts ins Hörspielmäßige. Und da liegt für mein Empfinden«in gangbarer Weg. von dem ewigen Conferencier los- zukommen, der, wenn er ein paar mehr oder weniger gute Witze erzählt hat.„das reizende Fräulein Sowieso, die charmant« Künstlerin" ansogt. Dies« Art hat sich längst im Kabarett überlebt, geschweige denn im Funk. Wie also müßt« ein Funkunterhaltungskabarett aus- sehen, das in erster Linie Rücksicht aus die große Verschiedenheit und Gegensätzlichkest seiner Zuhörer zu nehmen hat? Ich habe«inen Weg vor einiger Zeit im Berliner Sender mit „Man kann sich so und so unterhalten" versucht. Und Zwar wurden unter diesem Kollektivtitel Dinge zusammen- gespannt, die schon an sich Antipoden bedeuten. Ich stellt« in einem Hörspielrahmen alte und neue Süßlichkeit, Wien als Stadt meiner Träume, und als.Kitsch im Dreivierteltakt", Lieb« mit Seele und Liebe mit Sachlichkeit und etliches mehr gegenüber. Ich versucht«, die gleichen Ding« mit jenem„tierischen Ernst" und mit etwas Leichtigtest und Humor zu zeigen, so daß jeder Hörer— ganz nach seiner eigenen Mentalität— auf seine Kosten kommen konnte. Die verschiedensten Chanson- und Sketchautoren wurden be- müht, und äußerten sich durch ihr« Werke zu den gleichen vor allem auch aktuellen Themen. Schon allein dadurch wurde eine Buntheit erzielt, die viele anbete Abende vermisien ließen, und von der ich . glaube, daß sie sonderlich im Funk zu fordern ist— viel mehr noch als im Kabarett! Buntheit ober wird nicht erreicht, wenn ein Programm von Chanson» und Sketchen, lieblos heruntergespielt wird, die absolut a keinen inneren Zusammenhang aufweisen und die kein geschlossenes Ganzes sind. Darum weg von den sogenannten„heiteren" und „bunten" Abenden!(Natürlich nicht gemeint sind jene bunten Abende, wie sie uns etwa letzten Sonnabend übertragen wurden.) Wir wollen Kabarettsoligen arbeiten und hören. Ausgezeichnet in dieser Art waren„Umtausch gestattet" und„Berlin tanzt". Dann aber wurde scheinbar wegen eines einzelnen Mißerfolges die Kobarettsolge'wieder fast ganz abgeblasen. Mißerfolg« gibt es überall— sonderlich beim Funk, der ja wie kaum«in anderes Unternehmen ungeheures Material verschlingt. Aber lieber«inen Mißerfolg, aüs dem man lernen kann, als dies« heiteren Abend«, bei denen man wenige Tag« vorher noch nicht einmal weiß, wer auftreten und was gebracht wird. Das Kabarett verlangt eine fast genau so sorg- fältige Probenvorbereitung wie das Hörspiel. Der Rundfunk, der an verkehrter Stelle so viel„organisiert", sollte hier einmal wirklich organisieren. Dann kommen wir vielleicht in ob- sehbarer Zeit dahin, wohin das Unterhalwngskabarett im Rundfunk nach meiner Ansicht kommen muß: Möglichst aktualisiertes Ka- barett im Rahmen einer zusammenfassenden Kabarettsolge! I! II. Eine zweite brennend« Frage: Hörspiel oder Sende- spiel? Zunächst was ist Hörspiel und was Sendespiel? Sendespiel heißt eigentlich: Theaterstücke funken. Man bemühte dafür in letzter Zest unter anderen so hervorragende Spezialtheaterregisseure wie Hortung und Hilpert. Hörspiel heißt:«in Hörstück wird extra für den Funk geschrieben. Der Dichter sormt s«in Werk gleich von Anfang an ausschließlich nach den Möglichkeiten, die ihm das Mikxophon bietet. Mit anderen Worten, er schreibt es eben gleich funkisch, in der Absicht. dem Hörer ausschließlich aus akustischem Weg» einen B«grifs zu vcrmstteln. Hier liegt schon die Sinnlosigkeit des Sendespiels. Weil seine Wirkung vom Zlutor her für das Theater— also für Sehen und Hören— berechnet ist! West die Technik des Theaters ein« andere als die des Funks ist! Weil ein Theatermanufkript eben kein Funk- Manuskript ist! Und weil die Grundprinzipien dieser beiden Kunst- arten fast diametral entgegengesetzt sind! Denn Funkkunst ist, solange noch kein Bildfunk existiert, reine H ö r t u n st! Wem würde es einfallen, einen Roman, so wie er ist, auf die Bühne zu bringen, und die Nichtdialoge gewissermaßen als Reg'«- bemerkungen sprechen zu lass«»?! Erinnert das nicht lebhaft an die Zeiten, da im Kino noch„Erklärer", mit einem Billardstock be- woffn«t. ihr merkwürdiges Handwerk trieben? Man sage jetzt nicht. Zweig» herrliches Buch vom Sergeanten Grischa fei auch ein gutes Theaterstück ge- worden. Sondern Zweig nahm die lockere Fabel seines Romans und schuf daraus ein neues Werk, das in seiner Diktion und vor allem in der Technik von dem Romantext grundverschieden ist. Warum also Schauspielcheot«r im Funk? Qder zum mindesten in der Form, wie wir es heute vorgesetzt bekommen. Nämlich: bis auf ein paar lächerliche Abänderungen ein Drama der Buhn«. Warum also Wcdekind, den Dichter des schmerzvollen Humors zu übertragen versuchen, dessen Gestalten so stark thealer- verbunden sind, und die ohne das Auf und Ab der Bühne, ohne Licht und Schatten jener weltbedeutenden Bretter, blutlose und Ngiwe» werden müsica?!_ Warum Hauptmann, der fast noch unfunkischer«st?! Schon die ganze Einteilung eines Schauspiels in Akte schlägt dem Wesen des Funks offen ins Gesicht.» Und was haben noch so gute Theater r« gissen r« im Funk zu suchen, wenn sie vom Wesen der Funkregie absolut keine Ahnung haben? Wenn sie sich vom Optischen des Theaters nicht loslösen können und sich nicht auf die einzig mögliche Mikrophon- regi«— nämlich die akustische!— umzustellen vermögen? Das will heißen: jene Regie, die durch Tonmischungen, durch feinste Disferengi«rung des akustischen Raumes(was keineswegs identisch ist mit schlechter Geräuschkulisse), in der Lag« ist, plastische und ganz bestimmte Vorstellung«» beim Hörer zu erwecken, so daß es von selbst übevflüfsig wird, erst zu erklären, ob man sich in ein«m Zimm«r oder aus ein«r Straße befindet. In der Hörkomödie„Spiel der Ueberraschungen", die ich in Gemeinschast mit F. I. E n g e l, dem literarischen Leiter der Schlesischen Funkstunde, für Breslau schreibe, ist der Versuch gemacht, gleichzeitig mit dem Regisseur,— Engel inszeniert die Hörkomödie auch— eine Form zu finden, die sich ausschließlich nur nach den Forderungen und Möglichkeiten des Mikrophons richtet. Und ich glaube, daß dies der einzige Weg ist, um wirklich« Hörspiel« zu schreiben. Denn sobald schon die Form gegen den Funk verstößt, muß das beste Schauspiel notgedrungen«in Versager sein. Ich möcht« an dieser Stelle einen Vorschlag wiederholen, den ich schon vor vielen Monaten zwei Sendern gemacht habe: laßt sofort nach Schluß eines Hörspiels Autor, Regisseur,«in oder zwei Kritiker(immer andere!) zu einem Drei- oderViergespräch vor das Mikrophon treten und über das eben gesendete Hörspiel diskutieren. Bielleicht kommen wir so schneller weiter, und außerdem würden solche kritischen Gespräch«, sicher einen großen Teil der Hörerschaft sehr interessieren. Zu fordern aber bleibt unbedingt: Weg mit den„heiteren Ab«nden"l Weg mit dem Sendespiel! Her mit der K a ba r« tt f o l g«? Her mit dem wirklichen Hörspiel! (fteporiage im(ftadie Von Felix Scberret „Meine Damen und Herren! In der linken Ecke des Bildes sehen Sie«inen Engel, der alle Merkmale eines echten Engels der Hochrenaissance trägt." Oder:„Betrachten Sie jetzt aus dem Wenzelpka� das herrliche, gotisch« Rathaus/* Wie oft hat der Rundsunkhörer dies« und ähnliche Wendungen gehört. Es gab nämlich einmal«ine Zeit— sie liegt noch nicht lang« zurück, da niemand fragte, welche Vorträge sich für den Rundfunk eigneten. Frisch und fröhlich wurde erzählt, und Vortragendem wie auch Rundfunkleitern war es im höchst«» Grad« gleichgültig, ob der Hörer imstande war, sich aus dem Gebotenen ein lebendes, an- schauliches Bild zu formen. Diese Kinderkrankheiten hat das Vor- tragswesen überwunden, leider wüten sie völlig entfesselt auf dem Gebiet der Rundfunkreportage weiter. Das Wort Reportage gehört zu den heiligen Begriffen der Gegenwart. Man glaubt auf diese Art das Leben zu erfassen, es richtig zu durchkneten und außerdem noch den letzten Schrei der Aktualität auszustoßen. Wenn man nur einigermaßen kunstgerecht die Oberfläche abtastet, bildet man sich ein, den Namen Dichter in Anspruch nehmen zu dürfen, und dieser Anspruch wird außerdem von allen möglichen Seiten unterstützt. Kein Wunder also, daß auch beim Rundfunk die Reportagen weit über Pari gewertet werden. Zum Schmerz aller Beteiligten liegen jedoch die Dinge hier ganz anders als in der Zeitung oder Zeitschrift. Es kommen be- stimmte spezifische Eigenschaften des Rundfunks hinzu, die in seinem Wesen und in seiner Technik verankert sind, Eigenschaften, die auch bei Schauspiellibertragungen und Sendespi«len klar in die Er- scheinung treten. Die Unterschiede zwischen einer Opernübertragung und Opernscndung sind nicht besonders groß. Abgesehen von leichten Tonschwankungen, die durch die Bewegung der Singer auf der Bühne hervorgerufen werden, erhält der Hörer einen starken Eindruck von dem Werk, denn der Hauptakzent ruht auf der Musik, also auf der akustisch«« Wirkung, die Gesten und die Haltung der Sänger sind von keiner ausschlaggebenden Bedeutung. Das visuell« Moment scheidet im großen und ganzen aus. Bereits beim Schau- spiel ober verschiebt sich olles. Pausen zwischen den Worten, die der Darstelle»' mit stummem Spiel ausfüllt, empfindet der Hörer als Löcher in der Wirkung, Anspielungen auf sichtbare Bühnenvorgänge verpuffen, der Rundfunk spekuliert eben allein auf das Ohr. Und nun zur Reportage! Gemeint ist hier nicht die Schilderung mehr oder minder wichtiger Tagesereignisse, die den Rei,; der Neuheit besitzen. Es handelt sich dabei um Dinge, die in der Zeihmg unter der Rubrik „Neues vom Tage" stehen. Der Rundfunk muß aktuell sein, und über di« Art der aktuellen Reportage ist nichts zu sagen, außer daß die Auswahl nicht immer zufriedenstellend ist. Aber mit künst- lerifchen Grundfätz«» darf an diese 2lrt der Reportage nicht heryn- getreten werden. Das Ereignis, das übertragen wird, ent- scheidet üb«r die Art der Uebertragung. Allerdings drohen dem Rundfunk auch von dieser Seit« Gefahren, di« in ihrer Groß« vielleicht noch nicht erkannt worden sind. Seit einiger Zest wird der Plan diskutiert, Äreifzüg« mit dem Mikrophon durch die Stadt zu unternehmen, interessanten Er- «ignissen aufzulauern und sie sofort dem Hörer zu über- Mitteln. Findet man hier eine technische Lösung, so ist dieses Projekt nur zu begrüßen. Der Hörer wird in den Strudel des Lebens hineingezogen, er konn vielleicht Erscheinungen des Lebens beobachten, die ihm sonst entgehen. Die Gefahr liegt nur aus dem Gebiet der Programm st örung. Die aktuelle Reportage soll «n, Erelgms brühwarm dem Höver jerviereu. Dadurch müssen aber. unbedingt Unterbrechungen in irgendeinem Vortrag oder in irgend- einer künstferischen Veranstaltung eintreten und das hieße, Kultur und Kunst mit dem Knüttel der Aktualität zu er- schlagen. Prinzipiell ist zu den aktuellen Reportagen zu bemerken: Sind sie im rein Akustischen verankert, entsteht bereits durch die Geräusche ein charakteristischer Eindruck oes Vorgongs, dann ist es besser, als wenn erst der Reporter Erklärungen abgeben muß. Schlimmer wird es aber,- wenn gestellte Reportagen übertragen werden, etwa unter dem Titel„Wie entsteht dos Por- zellan?" oder„Ein Tag bei Borsig", oder wi« dies« Unternehmungen heißen mögen. Es handelt sich also um Reportagen, wie wir si« auch in der Tagesliteratur finden. Zwischen Lesen und Hören liegt nun«in gewaltiger Unterschied. Di« Uebermittlung, di« nur an das Ohr appelliert, verlangt ein« stärkere Plastik, weil sie schneller vorüberzieht und nicht mehr wiederholt werden kann. Kümmern sich um diese Ding« di« Veranstalter der Rundfunk- revrtagen? Ein« Reportage entwickelt sich ungefähr folgendermaßen. Ein Herr schildert bestimmte Ereignisse, die er in der Fabrik sieht und hört. Hin und wieder läßt er auch einen Arbeiter oder Betriebs- leiter reden oder verwickelt ihn in ein Gespräch. Im Hintergrund gewissermaßen hört man die charakteristischen Geräusche des ge- schilderten Produktionsvorganges. Nun unterscheiden sich Geräusche nicht derart von einander, daß sie dem Hörer ein scharf umriffenes Bill» der Geschehnisse geben, sie können auch mit Virtuosität im Senderaum imitiert werden, Erklärungen eines Sprechers sind also in den meisten Fällen notwendig. Das zugegeben. Aber eine völlige Umstellung hat stattgefunden. Auf der Jagd nach Reportagen fragt man heut« überhaupt nicht mehr, ob ein Produktionsprozeß, der sich vielleicht im Kultur- film sehr interessant und instruktiv ausnehmen würde, irgendwelche' ihn charakterisierende Geräusche entwickell. Warum auch? Der Reporter kann doch die Vorgänge schildern. Und so geschieht es, daß die Reportage heute da steht, wo sich der Rund- funkoortrag in seinen Anfängen aufhielt. Wieder wird erzähst:„Meine Damen und Herren, hier in der Ecke befindet sich «in großer Ofen, aus dem fünf Röhren herausschauen!" Nur der Slam« hat gewechsell, die Tatsachen sind die gleichen geblieben. Reportage oder Vortrag, das ist Jacke wi« Hose. Man glaubt, der Mass« der Hörer«ntgegenzukomisten, wenn man den Stoff der Reportagen dem werktätigcn Leben entnimmt. Das ist richtig, aber aus einer bestimmten Empfindungslosigkeit heraus, fragt man nicht, wie die Geschichte in der Uebertragung wirkt. -! Di« Reportage wird zu einem V 0 r t r ag, od e r Dialog, der von einem undefinierbaren Gebrumm untermalt wird. Es ließ« sich denken, daß der Sprecher durch die neue Um- gebung angeregt wird und besonders geistreiche Formulierungen findet. Die Praxis des Rundfunks ergibt aber ein anderes Biid. Auch hier ist ein Ausweg zu finden, ein Kompromiß, der wenigstens einigermaßen befriedigt. Der Reporter oder Vortragende, ausgehend von dem visuellen Eindruck, den er dem Hörer kurz skizzieren kann, muß auf den Produktionsprozeß ein- gehen, nicht auf die äußere Form, sondern aus die innere Struktur. Er muß dem naiven Hörer beispielsweise die Konstruktion eines Hochofens erktären. die chemischen Vorgänge, die sich darin abspielen und die niemand hört und sieht. Dann gewinnt das Referat an Bedeutung. Eine andere Frage, ob ein Reporter dazu imstande»st. Selbst diese Lösung bleibt unbesriedigend. Sie kommt nicht aus dem Wesen des Rundfunks und sie entspricht nicht dem Wesen der Reportage, sondern sie kehrt zum Vortrag zurück. Im Hörspiel löst man sich allmählich von dem Vorbild der Bühne. Die Szene, auf der sich die Vorgänge abspielen, baut sich aus charakteristischen Geräuschen auf. Auch hier noch Anfänge, aber denselben Weg muß die Rundfunkreportage beschreiten, wenn sie ihre Existenz- berechtigung erweisen will. Stoffe, di« sich ausgezeichnet für einen .Kulturfilm eignen, haben im Rundfunk so gut wie nichts zu suchen. Allerdings muß zugegeben werden, daß die größte Zahl der Stoffe, die ein« Reportage auswerten kann, im Visuellen verankert sind. Rur wenn sich aber aus der Geräuschwelt ein für den Hörer scharf umrissenes Bild formt, ist ein Sujet für«ine Rund- sunkreportage gefunden. Der Reporter muß sich mit der Rolle des Conferenciers begnügen und darf niemals zur Hauptsache werben. Di« Sendegesellschaften, in ein bequemes Schema eingefahren, haben, wenn sie di« Rundfunkreportage pflegen wollen, die Ver- pflichwng, di« passenden Stoff« zu finden und endlich den Misch- mosch, den sse in den meisten Fällen bisher servierten, msszugeben. Eine Landkarte für(ftadiofiorcr Seit einiger Zeit wird in den Bereinigten Staaten ledhaft« Klag« darüder geführt, daß bei Radioübertragungen aus Europa die meisten Ansagen aus Städten erfolgen, deren Namen kein Amerikaner gelernt hat. Wird ein« Uebertragung aus Amsterdam gemeldet, so weiß der Hörer sofort, daß er sich in Holland befindet, anders ober ist es schon bei s'Gravenhage, dos nur als Hagu« bekannt ist. Ganz schlimm ober wird es, wenn Uebertragung«» aus den Städten Aachen oder Köln angemeldet werden, die der Amerikaner in der Schule nur als Aixcko-Chapelle und Eologn« kennengelernt hat. Ebenso ist es mit München, dessen Lage kein Amerikaner zu bestimmen vermag, wenn man ihn nicht an Munich erinnert, und mit Firenze statt Florenz, Beograd statt Belgrod, Praha statt Prague usw. Diesen übrigens auch schon früher be- klagten Schwierigkeiten im internationalen Verkehr hat jetzt die geographische Gesellschaft in Washington abgeholfen, indem sie für die amerikanischen Rodiohörer ein« leicht zu übersehende Karte von Europa hergestellt hat, aus der alle größeren Städtenamen, die bei Radioübertagungen gebraucht werden, in der Sprache des jeweiligen Landes verzeichnet sind, während in Zttommern die amerrtamjchc Bezeichnung beigefügt P. (45. Fortsetzung.) D. wich rücklings Wer i>ie schutt- und müllbodeckten Stufen zurück. Maro schoß nach chm. Beugte sich über Hn. Ging. Longsam. Schwer. Traumhaft. Ein Trupp Hindus fiel die Meute an. Hieb auf sie ein. Zer- sprengte sie. Die brennende Pagode stürzte donnernd«in. Verschüttete alles im weiten Umkreis. * Alexe, Wladimirowitfch Wolinsti, der Gesandte Sowjetrußlonds in Schanghai, stand am Fenster, sah aus die Straße: Polizei, Panzer- auto, Verwundetentransporte. Er senkte nachdenklich den Kops, blies bedachtig den Rauch feiner Papyros vor sich hin. Geld, viel Geld, gutes Sowjetgeld verrann da mit Menjchenblut in die Abflüsse der Stadt, und auch ein wenig Prestige. Er gehörte zu den Förderern dieser Bewegung. Was hätte er auch tun sollen. Er handelt« stets nur im Auftrage der hohen Herren in Moskau. War ihr Beamter, nichts anderes. Es wird melleicht noch viel mehr Sowjetgeld da fließen. Was hatte er dar- über nachzudenken. War er doch bloß Beamter der hohen Herren in Moskau. 52. Morgen brach an. Ein sonniger Tag. Aber die Straßen blieben fast menschenleer. Keine Autos, keine Trambahnen, selten ein Rikscha. Ueberall abgesperrte Straßen, Barrikaden. Drahtverhaue, Derwüstungen, Tote, Blut, patroullierende Polizisten. Die Stadt lag still, ermattet, niedergeschlagen. Erst gegen Mittag, als die Sonn« schon weißglühend hoch oben am Zenith stand, wagte man sich aus den Häusern und bevölkerte die Straßen gruppenweise. Der Verkehr war noch immer lahmgelegt. Marin war am Morgen Herr der Situation und von Schanghai. Hatte ordnungsgemäß der Regierung Bericht erstattet. Die Herren vom grünen Tisch empfingen ihn mit bittersüßer Freundlichkeit. Beglückwünschten ihn mit frostiger Stimme, sprachen ihm mit säuerlicher Miene ihren und der Bevölkerung Dank aus, im Namen der Zivilisation. Er war nun endgültig Polizeiches von Schanghai. War mit den weitgehendsten Rechten ausgestattet, mit den Rechten einer Polizeidiktatur. Gegen Mittag war es, als von den Schiffen und aus den Kasernen Militär gegen die Chinesenstadt marschierte und die Fort» bezog. Die Polizeitruppen wurden abgelöst. Marin verhängte über die Chinesechtadt den Belagerung»- zustand. In den anderen Vierteln ließ er starke Kontrolle üben. Ein Heer von Polizeiagenten wurde über die ganze Stadt verstreut. In den schmutzigen Gassen und Winkeln des tausendjährigen China tauchte der Henker mit bloßem Oberkörper und blankem Schwert« auf. Diese Erscheinung weckte Erinnerungen an die Zeit des großen mächtigen Kaiserreiches im Osten Marin kam dem Traditions- bewußtsein der gelben Bevölkerung entgegen. Wer bei der Agitation oder der Verteilung kommunistischer Flugschriften ongetrossen wurde, dem wurde an Ort und Stelle der Kopf abgeschlagen. Der General- streik dauerte an. Die Regierung einerseits, die Gewerkschaftsführer andererseits lehnten Verhandlungen ab. Es war noch nicht gar gekocht. Die erst« Auflag« der Blätter Garricksons war vergriffen. Zeitungen überschwemmten die Boulevards, Cafes und Salons. Die Veröffentlichung des Garantiepaktes der revolutionären Gruppe mit Sowjetruhland schlug wie eine Bombe ein. Daneben verblaßten die Darstellungen des Aufruhrs und seiner blutigen Folgen und auch die Mitteilung vom Tode des Oberhauptes der Bewegung, von Mr. V. Die nächsten Nachrichten beschäftigten sich schon eingehender mit seiner Person, kolportierten den Verrat. Mr. Garrickson ver- stand auch diesen Fall der Weltgeschichte geschäststüchtig auszuwerten. Spekulierte auf di« Neigungen zur Romantik. Schmückte die Gs- schichte dahin aus: P., ein Halbchinese, habi, vom Glauben an die allgewaltig« Kultur des Westens überwältigt und durch sein Blut bestimmt, diese Schuld auf sich geladen und auch gesühnt: sein Tod demonstriere für die ungebrochene Macht der weihen Rasse, der großen englischen Nation. Um aber den Fall restlos auszubeuten, bedurft« es noch einiger Versionen. In einem anderen Blatte des Konzerns stand zu lesen: Mr. P. habe den Engländern die Dokumente und Pläne aus- geliefert: habe sich aber getötet, als ihn dies« Gentlemen um den Gewinn prellten. Das war wieder für die Franzosen und Anders- sprachigen bestimmt. Eine dritte Version lautet«: Mr. J. Hab« aus Lieb« zu einer Engländerin diesen Verrat begangen. Garrickson griff instinktiv nach dieser Darstellung de» Falls, überzeugt von seiner Wirkung auf die Gemüter der weiblichen Bevölkerung. So wurde er allen gerecht und siegte auf allen Linien. Lillian starrte auf das fettbedruckte Zeltungspapier. Los immer wieder das gleiche. Fühlte, wie es in ihr abbröckelte, das Blut ihr in den Adern zu Eis gerann. Bleischwer hing es an ihr, zog es sie hinab Ein« erzen« Platte senkt« sich aus sie hernieder und zermalmte sie. Da hockte sie nun am Loden neben dem Prunk, der Stätte ihre» Leide» und ihrer Zerstörung. Hockt« gebeugt am "t-inde der Verworfenheit und Verdammnis. 54. Die abgeschlagenen Köpfe der Reoolvtionshelfer wurden zur öffentliche« Schau gestellt. Der Henker mit nacktem Oberkörper und bloßem Schwert hotte sein« Pflicht getan. Es waren auch gefallen die Köpfe Mr. Dollars, Mr. Pfunds und Mr. Taels. Nun hingen fi« auf dem Dreistangengestell: kunstgerecht vom Leibe getrennt, blau angelaufen, mit Glotzaugen und Sperrmoul. Weit draußen, außerhalb der Stadt, in«benerdigen Rohziegel- bauten, lagen aufgebahrt die Toten der schrecklichen Nacht. In einem engen Räume waren zwanzig und mehr der Leichname ein- gepfercht, der Sitte gemäß mit Speise und Trank oersorgt. Ueppig leben in diesem Land« die Toten. Da lagen sie hingestreckt, dürr, ausgemergelt, starrkrämpfig, zitronengelb, oft auch schon schwarzblau mit stieren, verglasten Blicken. Männer, Frauen, Kinder. Manchmal ein Gesicht, das bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt war. Das waren die, die man aus den Trümmern der eingestürzten Pagode geborgen hatte. Die Wächter oerschlangen pflichteifrig das Mahl der Ab- geschiedenen. So hatten die Toten gesegneten Appetit. Das ihnen gespendet« Geld Hollen nachts die Bonzen. Essen, Geld und Seele waren«ingegangen in das Nirwana. Die zerschossenen Leiber blieben regungslos, fromm ergeben dem göttlichen Schicksal der Verwesung. Dahin gelangte nächtlings Maro. Tagelang, nächtelang war sie schon umhergeirrt. Hatte sich am Hafen, in dunklen, schmutzigen Gassen, Kaschemmen herumgetrieben: ohne Rast, ohne Ruhe, topflos, verloren. Hatte an Bord wollen, mit einem Schiffe fort von hier, irgendwo hinaus in die Well, nach Rußland, Amerika, nur fort von hier. Mittellos, wie sie war, war ihr jede Möglichkeit zur Flucht aus dieser Hölle genommen. Auf dem Konsulat der Sowjetunion hatte man es vorsichtshalber vermieden, auch nur mit ihr zu sprechen, und sie einfach abgewiesen. Vergeblich hatte sie nach einem Freund, Genossen oder Ver- trauten gesucht: die waren entweder geköpft, geflüchtet oder hatten sich verkrochen. Männer, die jetzt die Interessen der Werktätigen vertraten, Unterhandlungen leiteten, waren für die Bolschewitin un- zugänglich. Sie gehörte nun dem Emigrantenmob an, mit dem die wie aus der Erde geschossenen Führer der Freiheitsbewegung nichts gemein haben wollten. So war sie herabgekommen, halb verhungert,' erschöpft hinaus vor die Stadt zu den Totenhäusern gewankt, suchte nach P. Stundenlang ging sie von Leichnam zu Leichnam. Fremde G«> sichter, von denen eines dein anderen aufs Haar ähnlich sah. Viele Unkenntliche. Kein Merkmal, das ihr den Gesuchten verriet. D. hatte kein Gesicht mehr. Enttäuscht, hoffnungslos, ärmer ging sie wieder den Weg zmt Stadt zurück. Mühsam schleppte sie sich. Schlich in das Restaurant „Newa". Halle Angst vor den vielen Menschen. Wollte umkehren. Konnte nicht niehr. Entkräftet ließ sie sich auf einen Stuhl nieder. Saß an Tischen mit vielen: russische Bourgeoisie von 1914, Aristo- traten, verblichene, kaum aufgegangene Sterne der Revolution, die sich hierher geflüchtet hatten vor der langen Hand der Tscheka. Mit denen saß jetzt auch Mora. Ein alter Militär, der behauptete, mit dem letzten Zaren blutsverwandt zu fein, bezahlte ihr Abendessen und nahm sich ihrer für diese Nacht an. Nun kam sie allabendlich in das Restaurant„Newa". Hatte ihr Essen und ein Bett. Der Generalstreik dauerte on� Doch durste man auf seine Bei- legung in kurzer Zeit hoffen,«schon wurden von beiden Seilen Verhandlungen angebahnt, Kompromisse in Berracht gezogen. Aus den Städten und Provinzen des Reiches schienen noch immer rcvo- lutionäre Einflüsse di« Streikgruppc zu bestimmen. Die Herren der Situation sperrten deshalb die Stadt vom Lande ab, befestigten die Mcerfeit« der Stadt.(Fortsetzung folgt.) £in Sßuch über Xiebermanu Hans O st w a l d: Das Liebermann- Buch Mit 279 Bildern. Berlin, Paul Franke Verlag. 1939. Der etwas selbst« bewußte Titel rechtfertigt sich durch di« ungemeine Fülle von Ma- terial über den Menschen und den Maler Liebermann: und zwar von authenttschem Material, denn«inen großen Teil des Textes und feine besondere und geistreichste Würze bilden Anekdoten, Aus- fprüche und Briefstellen des Meisters. Die Kehrseite der Medaille fehlt auch nicht, es ist der o o l l k o'm men« Mangel an Kri- tik: Ostwald kennt im Grunde nur Lichtseiten auch bei dem Maler und unterläßt jede stilistische Unterscheidung und historische Wiirdi- gung. Aber dazu ist dieses Buch schließlich nicht geschrieben, und es ist in seiner Einseitigkell so liebenswürdig und in seiner Konsequenz so aufrichtig, daß man den alten Herrn vom Pariser Platz hem- mungslos bewundern lernt. Gerade wer sich zu manchen Taten und Kunstwerken Liebermanns nicht restlos bekennen mag, wie der Refc- rent, weiß eine solche von warmer Hingabe getragene Schllderung wie die Ostwaldjch« zu schätzen. Denn letzthin kommt«s doch wohl auf das Positive aller Bewertung an und darauf, daß es schöpfe- rijche Menschen gibt, und es wird niemand leugnen, daß Lieber- mann ein ganzer Kerl aus einem Guß ist, von der Art. wie wir sie brauchen und worauf wir stolz fein können, unbeschadet aller Einwände im einzelnen. Daß er zu der Linie der Großen von Ehodowiecti und Schadow bis zu Blechen, Krüger und Menzel gehört, die die Berliner Besonderheit des produktiven Norddeutschen in bewundernswerter Weis« darstellen, sagt Ostwald zwar nicht direkt: aber es genügt, daß wir es wissen. Es ist kein kunsthistorisches Werk und nicht einmal«ine richtige Biographie, denn die Dinge und Beziehungen fließen hier reichlich durcheinander; aber vielleicht ist die populär« Art, den Menschen und sein Werk gleichsam aus lauter Mosaikstcinchen zusammenzusetzen, wichtiger und wertvoller für die Kenntnis Max Liebermanns als einer repräsentativen Per- sönlichkell Berlins und der europäischen Kunst, als alle vergleichen- den Kunsturteile. In diesem Sinn« kann man es restlos anerkennen. Die Ausstattung des dicklichen Bandes(500 Seiten!) mit 279 Abbildungen nach Gemälden, Studien, Graphiken aus allen Zeiten, vorzüglich ausgewählt, ergänzt das Bild nach der anschaulichen Seite hin als einen einstweiligen Hinweis auf die Kunstwelt Lieber- monns, deren Schwerpunkt im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts log. Paul F. Schmidt. Rätsel-Ecke des„Abend". »MNMttUMNIiMNMNMttlvIlMMMlMM Kreuzworträtsel. Waagerecht: I. Europäische Hauptstadt: 5. Stadt m Pom- mern; 8. germanischer Gott; 9. Physiker: 10. Vogel: 11. biblische Gestalt: 12. Tonart; 13. Zeichen: 14. u. 15. Stadt i« Arabien; 19. u. 18. Götzenbild: 29. musikalische Darbietung; 22. vermögenoer Inder; 23. weiblicher Vorname: 24. Ersatzanspruch; 27.». 29. Baum: 31. Verneinung; 35. Schallwerkzeug: 34. römischer Gott: 35. per. manische Göttin; 36. israelitischer Priester: 37. nordischer Gott: 38. Schweizer Kanton; 39. Stadt im früheren Deutsch-Ostafrika.— Senkrecht: 2. römische Göttin; 3. Amtstracht; 4. militärisches Kleidungsstück: 5. weiblicher Vorname: 6. Vogel; 7. musikalische Dichtung: 14. Stadt in Hannover; 15. Nebenfluß der Oder; 17. An- gehöriger eines syrischen Stammes; 19. Raubtier: 21. Herrscher- titel: 25. Strom in Indien: 26. Einsiedler; 28. Stern; 29. Fang- gerät: 39. Tonart; 32. Gangart des Pferdes. Gilbeurätsel. Aus den Silben an broh cha co da dont dar den di di die e e en fen gel gi ho i in in te k« keh l« li li lin mc» men nan ne nes na nos on pu re re re rier sa iac fou fe s« fei fen fon speck Jen ti tra tri un ve sind lg Wärter zu bilden, deren Ansangsbuchstaben von oben nach unten und die dritten Buchstaben von unten nach oben gelesen ein Zitat von Schiller ergeben. Die Wörter bedeuten: 1 Weibl. Vorname: 2. Polarforscher: 3. Stadt in Ostpreußen; 4. Schüler: 5. Theaterleiter: 6. Früherer Reichsminister: 7. Hofen am Kaspischen Meer; 8. Glaubensbekenntnis: 9. Strom in Asien: 19. Blume; 1l. Kröl«: 12. Kurzer Herrenrock; 13. Miisikschlog- inftrumcnt; 14. Insel an der Ostküfte Sibiriens: 15. Auistchts- beborde� 16 Stoffo«: 17. Stadt an der Mosel; 18. Vorweltlich« Riesenechse: 19. Erfinder,(ch_ 1 Buchstabe.)—>cr.— Füllrätsel. 1. Verwandter: 2. Musik- instrument: 3. Niederschlag: 4. Alte Waffe: 5. Spiel: 6. Verheilte Wunde.— Die mittlere senkrechte Reihe: Europäische Hauptstadt. hm. Versteckrätsel. L Für morgen ist der neue Verwalter gemeldet. 2. Beim Lotto habe ich kein Glück. 3. Der Clou ist in Berlin ein viel besuchtes Lokal. 4. Unser Lehrer heißt Ehrenfried Richter.'S. Aus der Kirche ertönt« lange Orgelspiel. 6. Schlechtes Beispiel ist mancher Unart Ursache. 7. Di« klein« Anna tanzt gern. 8. Im August avancierte er bei seiner Truppe.— In jedem der acht Sätze ist ein männlicher Vorname versteckt, deren Anfangsbuchstaben, von oben nach unten gelesen, wieder einen männlichen Vornamen nennen. ab. Verwandlungsrätsel. Loge, Ober, Fuß, Tadel, Egel, Willi, Forst, Kran, Gold, Panne, Ost, Wipfel. Kule, Meer, Bank, Affekt, Mohr, Molch, Unfall, Hain, Trost, Leid, Else, Tour, Base, Laube, Dohle, Mut, Ader, Laden, Zeder, Ode, Rudel.— Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sino. durch neue zu ersetzen. Die neugefundenen Buchstaben ergebe».' richtig aneinandergereiht, einen Spruch von Schiller. air. (Auflösung der Rätsel nächsten Sonnabend.) Auflösung der Nätsel aus voriger Nummer. Kreuzworträtsel. Waagerecht: I.Tee: 3. Bai: 5. Leo: 6. Eva: 7. Ur;.. 9. Ei: 19. Athen; 12. Made; 13. Netz: 15. Bar: 16. Dur.— Senkrecht: 1. Tal: 2. Esau: 3. Bl«: 4. Ida: 8. Rate: 9. Eden: 19. Ader: lt. Neid; 12. Mob: 14. Zar. Ergänzungsrätsel: 1. Raub: 2.(Erz; 3. Freund: 4. Rot: 5. Eid: 6. Tuch: 7. Rind: 8.(Ei; 9. Tisch: 19. Eck.— Refretrete. Silbenrätsel: t. Uranus: 2. Rabob: 3. Drohne; 4. Ob- lach: 5. Bibra: 6. Anker; 7. Leder: 8. Legende: 9. Euphrat: 19. Kalbet: 11. Islam: 12. Rikolajew; 12. Ebene: 14. Weihrauch: 15. Isis: 16. Geige; 17, Erpel: 18. Marie: 19. Weberei: 20. Eisen; 21. Eeder: 22. Hamm: 22. Scharlach; 21 Efendi; 25. Landung: 26. finfe; 27. Rentier: 28. Erstling: 29. Iren«; 30. Sinai: 31. Tiberurs: 32. Erbswurst.— Und ob alles in ewigem Wechsel kreist, es beharret im Wechsel«in ruhiger Geist. Groß und schauerlich: Hall«— Hölle. Unnötige Sorg«: Loden— Hüter— Ladenhüter. B c rs r ö tsel: Hanonel, Sprung.— Hammelsprung. Geliert berichtet Auf dem Bundestag in Köln R. B. Köln, 4. Juni.(Eigenbericht.) Roch der feierlichen Erösfnungssihung am Sonnlag und nach den Sitzungen der einzelnen Sparten am Montag begann gestern in dem Mesjegebäudc der Stadl Köln die Gesamt- tagung des Bundestages des Arbeiter- iurn- und Sporlbundes. 200 Delegierte und 52 Bundes- und Reichsfunktionäre, darunter Z4 Frauen, bilden das Bundes- parlament. Der Bericht des Bundesoorfihcnden Gellert über die Organi- fation und der Bericht des Bundcsfchulleitcrs Bcnedix zeigten, daß der Bund und feine Einrichtungen auf fester Grundlage stehen. Das innere Leben der Derein« wurde als gut bezeichnet. Für die stete Vorwärtsentwicklung der gesamten Buttdesorganisation spricht die Tatsache, daß der Funktionärkörper in der Organisation gegen den Stand vor wenigen Jahren doppelt und dreifach sich vergrößert Hot. Obwohl auch die Arbeitslosigkeit sich. im Bunde bemerkbar mache— in manchen Orten sind sämtliche Mitglieder arbeitslos— und obwohl wegen politischer Vorgänge viele Mitglieder aus dein Bund ausgeschlossen werden mußten, ist doch«ine weitere Erhöhung der Mitgliederzahl eingetreten. Der Bund zählt gegenwärtig drei V ie r t« l m illi o n e n Mitglieder. Der Vorsitzende er- innert« in seinem Bericht an die Unterstützung der Postsportorgani- sationen durch den Staat. Er forderte, daß ein« entsprechende Unter- stützung auch anderen Sportorganaisationen zuteil werde, vor allem den Organisationen, deren Mitglieder sich aus den minderbemittelten Schichten zusammensetzen. Zur Frage des Reichsbanners erklärte Gellert, daß die vorliegenden Anträge, die eine Aufnahme von Reichs- bonnersportgruppen in den Arbeiter-Turn- und Sportbund ver- hindern, nicht angenommen werden konnten, weil es auch bei den anderen Mitgliedern nicht möglich sei, festzustellen, ob und welcher politischen Organisation sie angehören. Die Vundeeschule legt in ihrer Lehrweise Wert darauf, die Lehrgangsteilnehmer in sämtliche Arten der Leibesübungen tiefen Einblick nehmen zu lassen. Di« Lehren bestimmter technischer Methoden zur Erreichung von Spitzen- leistungen werden nach wie vor abgelehnt. Der Bundesoorsitzende Gellert bemerkte weiter,-ob es nicht gut wäre, wenn die Sozialdemo- kratische Partei einmal Feststellungen machen wolle, wie viele Parteitagdelegierte noch bürgerlichen Sportverbänden angehörten! * Die Berichterstatter konnten in ihren Ausführungen noch folgende Einzelheiten vorbringen: Als gute Werbemittel für den Bund hab«n sich der Bundespressedicnst, der Internationale Sportpressedienst und ein besonderer Pressedienst für die Gewerkschaftszeitungen erwiesen. Gut war auch die Zusammenarbeit mit den übrigen in der Zentral- kommission vereinigten Arbeitersportocrbänden. Mit den gewerk- schastlichen und sozialistischen Jugendverbänden kommt eine immer bessere Zusammenarbeit zustand«. Di« politischen Kämpf« innerhalb des Bundes haben zu einer gesunde» Ernüchterung geführt. Beachtenswert ist auch hier, daß sich von den Delegierten der dem Bundes- tag vorausgegang«n«n Kreistage 75 Proz. in der SPD bestnden, dagegen nur 2 Proz. in der KPD. und noch nicht einmal 1 Proz. in der KPO. und USP. Der Kamps mit den kommunistischen Spallern war hart. In der Zeit des Bundestages 1928 verstanden manche Vereine und Bezirke nicht die Notwendigkeit des von diesem Bundestag angenommenen neuen Statuts. Als aber di« kommu- nistische Spalter aggressiver vorgingen, da riefen diese Bereine und Bezirke nach der Anwendung des neuen Statuts zu ihrem Schutze. Es hat sich in der Folge gezeigt, daß auch dieses Statut noch nicht genügt, den Spaltern ihr Handwerk zu legen, darum der dem Bundes- tag in Köln vorliegende neue Entwurf. Der Bundes schulleiter Benedix wußte sehr Erfreu- liches und Zukunstsfrohes zu berichten. Seit der Eröffnung der cehrgangslätigkeit in dem großartigen Bundesfchnlgebäude 1326 Haben dortselbst 136 Lehrgänge mit 3878 Teilnehmern stattgefunden, hinzu kommt eine große Anzahl von Kursen dep Bundesschullehrer im Bundesgebiet. Es ist nicht die Aufgabe der Bundesschule, nur rein technische Arbeiten zu leisten, sondern auch«ine Gesinnungs- s ch u l u n g zu betreiben. In Anbetracht dieser Aufgab« ist es ein Unding, daß Bundesmitglieder an Lehrgängen mit bürgerlichen Sportlern gemeinsam teilnehmen. Die sich im Bundesgebiet be- findenden Kreis- und Bezirksschulen arbeiten in engster Anlehnung an die Bundesschule. Mit dem Sportärzteoer band haben Verhandlungen stattgesunden, die es ermöglichen werden, daß ein umfangreicher sportärztlicher Untersuchungsdienst für die Bundes- Mitglieder im Lande durchgeführt wird. Im Herbst soll ein« in diesem Sinne durchzuführende Werbung einsetzen. Di« sehr lebhaste, aber äußerst sachliche Aussprache, di« sich in der Hauptsache mit den Fragen der Organisation und der Jugend- bewegung beschäftigte, wird heute sortgesetzt. Nach Erledigung der Berichte stehen die Umgestaltung des Bundespresiewestns und die Beteiligung an staatlichen und kommunalen Beranstal hingen als besonders wichtige Punkte zrkr Debatte. Arbeiter-Wasserball Um die Kreismeisterschaft Die wasserballspiele der Arbeikerschwim- mcr sind mit dem Beginn der Sommersaison wieder in vollem Gange. Nachdem fast alle Spiele der Winterserie beendet sind— es sind nur noch 3 Spiele im Lunabad nachzuholen— haben die Spiele der Sommerhälste bereits am 15. Mai begonnen. 3n jeder Woche finden mehrere Spiele statt, um den Kreismeister zu ermitteln, der bi» zum 10. Tüll feststehen muh. Wenn noch vor kurzem Neptun-Weißensee mit 1 Verlustpuntt vor Eharlottenburg und Spandau, die je 2 Verlustpunkte hatten, an der Spitz« der Tabelle marschierte, so hat sich das Bild jetzt bedenk- lich verschoben. Vor kurzem verlor Nepwn-Weißensee gegen Hellas und sict daraus auf den 3. Platz mit 3 Verlustpunkten zurück. Einige Tage später trat Spandau gegen Hellas an und auch diese muhten geschlagen den Heimweg antreten. Zw« Spieler Spandaus mußten hierbei herausgestellt werden, nach dem Spandau schon mit drei Toren Vorspning geführt hatte. Spandau hat nach dem Spiel gegen Hellas Protest eingelegt. Am Wontag trafen nun Spandau und Charlottenburg aufeinander. Während das erste Spiel der beiden Mannschaften 3:1 für Eharlottenburg endete, fiel dos zweit« Spiel 16: 6 Tore für Eharlottenburg aus. Somit ist Spandau mit 6 Aerlustpunlten in Rückstand gekommen. Die benden Spitzenmann- jchaften Eharlottenburg und Neptun-Weißensee trennen weiter nur ein Punkt Unterschied. Das erste Spiel Eharlottenburg gegen Neptun-Weißensee endete 7: 3 für Neptun-Weißensee und es ist sehr fraglich, ob Nepwn-Weißensee aus dem 2. Spiel wieder siegreich hervorgeht. Jsdenfalls wird das Zusammentreffen dieser beiden Spitzenmannschaften bei den beteiligten Mannschaften großes In- terefse hervorrufen. Nachfolgend der Berlauf des Spieles Eharlottenburg— Spandau. Es wurde von beiden Mannschaften hart uw den Sieg' gestritten. Während die erste Hülste sich glatt abwickelt«, mußten in der zweiten Hülste je ein Spieler von Spandau und Eharlottenburg das Wasser verlassen. Spandau hatte Anwurf und bringt den Ball vors Char- lottenburger Tor. Der Torwächter wehrt ab und legt den Ball deni schnellen Verbindungsmann vor: der schwimmt bis 3 Meter vors Spandauer Tor und gibt den Ball zum Mittelstürmer, der zum ersten Tpr für Eharlottenburg einsendet. Nach zwei Minpten ist es wieder der Verbindungsmann, der den Ball nach vorn bringt, seine Vorlage an den Mittelstürmer wird zum zweiten Tor ausgenutzt. Der Anwurf Spandaus wird abgefangen, und wicher ist es Char- lottenburgs Mittelstürmer, der erfolgreich ist. Es sind noch nicht drei Minuten vergangen, uttd Eharlottenburg liegt mit 3:0 in Front. Eharlottenburg bleibt im Angrisf und bchrängt Spandaus Tor. Ein Ball wird abgewehrt, er wird dem rechten Stürmer Spandaus vorgelegt, der bis 1 Meter vors Charlottenburger Tor durchkommt: nach geschickter Täuschung ist Charlottenburgs Torwart geschlagen. Nach weiteren zwei Minuten ist Eharlottenburg zweimal erfolgreich gewesen, es steht 5:1 für Eharlottenburg. Dfe Spandauer kommen jetzt mächtig auf und in 1 Minute fallen zwei Tore für sie. Kurz vor Halbzeit gelingt dem rechten Stürmer Spandaus noch ein Durchbruch, obwohl zwei Cl)arlottenburger ihn stark be- drängen, gelingt ihm sein Vorhaben und mit 5:4 Toren für Char- lottenburg werden di« Seiten gewechselt. Ohne Pause geht es weiter. Gleich zu Beginn legt Eharlottenburg ein Tor vor, dann bleibt das Spiel verteilt. In der 3. Minute ist jede Mannschaft noch einmal erfolgreich(7: 5). Die Verteidigungen sind gut auf dem Posten und drei Minuten vergehen, ohne daß ein Tor fällt. Je ein Char- lottenburger und Spandauer Spieler müssen nun wegen oll zu hartem Spiel das Wasser verlassen, dadurch kommt Charlottenburg klar in Front. In kurzen Abständen fallen drei weitere Tore, denen Spandau nur eins entgegensetzen kann. Mit 10: 6 Toren verläßt Eharlollenburg als Sieger das Wasser, wodurch Spandau aus der Spitzengruppe verdrängt ist. Radsport in aller Welt Auf Bahnen und Straße Auf der Bahn in Düsseldorf behauptete sich in. Stunden- Dauerrennen der Kölner Dederichs, während»n 25-KiIometer-Lauf Damerow als erster einknm. Krewer vermochte sich nicht zur Geltung zu bringen und endete in beiden Rennen an letzter Stelle.—_ Stettin bracht« das„Goldene Rod",«in Dauerremicn über eine Stunde, zum Austrag, das den Stettiner Corpus in Front sah. Die beiden lOKilomcter-Läuse wurden von Lewanvw und Corpus ge- mannen.— Auf der Landstrahe ging es recht lebhaft zu. So dominierte der Kottbusser Klausch als Spurtsieger in dem über 170 Kilometer gehenden Nennen des Gaues Berlin des B.D.R. Start war in Buckow, während sich das Ziel in Rudow befand. Klaujch legte die 170 Kilometer in 5:03:28 zurück.—„ R u n d' u in Krefeld" betitelte sich eine 145 Kilometer lange Bundesfernfahtt, die von 130 Fahrern bestritten wurde. Hier siel der Sieg an Neckar- Westig. Zeit 4:13:00. Der Kölner Bimdesamateur Frelingsdorf gewann das Straßen- rennen um den„Olymptapreis von Köln" über 151 Kilo- njeter in 4:37:00.— Nach einein scharfen Endkampf errang der Dresdener Hanke den ersten Platz in dem von mehreren hundert Bundesamateuren bestrittenen Straßenrennen„Rund um Leipzig", das über 241 Kilometer führte. Zeit 7:10:31.— Im Auslande startete von deutschen Fahrern u. a. der Hannoveraner Möller auf der Dahn in Zürich. Es ging hier um die„Steher- Meisterschaft von Zürich", die eine sichere Beute Möllers wurde. Möller gewann alle drei Läufe über 20. 30 und 50 Kilometer. Gesamtergebnis: 1. Möller 100 Kilometer, 2 P Suder 08,525, 3. Miguel 08,340, 4. Leddy 97,750 und 5. Blattmann 95,775 Kilometer. Die„Straßenmeisterschaft von Zürich", die von 21 Berufs- fahrern bestritten wurde, fiel an den Belgier Taverne, der die 215 Kilometer in 6:55:11,2 zurücklegte. Die Deutschen Geyer, Remold, Zind und Altenburger belegten in dieser Reihenfolge den vierten, siebenten, achten und neunten Platz,— Buschenhagen—van Kempen nahmen a» einem 100-Kilametcr-Mannschastsrcnncn in Marseille teil. Sie belegten den zweiten Platz, der Sieg siel an Chonry— Fadrc. Choury— Fabre— Boucheron behielte» im Verfolgungsrennen Deutschland— Frankreich di« Oberhand über Buschenhogen— Meyer— Stübecke. Neues von»Solidarität" Im Werbemonat Juni veranstaltet die Abteilung Charlot- t c n b u r g von Solidarität am heutigen Mittwoch eine öffentliche Rad- und Motorradfahr«r-Aersammlung im Lokal von Reimer, Wilmersdorfer Str. 21, um 20 Uhr. Jeder arbeitende Rad- und Motorradfahrer ist da.zu herzlichst eingeladen. Der Bund Solidarität erhebt von allen Mitgliedern, die im Monat Juni ihren Beitritt erklären, kein Eintrittsgeld. Die Bundestreue Ortsgruppe Scijersdorf bei Sarau des Gaues 0 des Arbeiter Rod- und Kraftfahrer-Vund„Soli- dorität", zu welchem auch Berlin gehört,«rösfnete dieser Tage ihre aus der Arbettskrast der dortigen Mitglieder entstandene Radrennbahn, Die Einweihung der Bahn gestattete sich zu einer imposanten Kundgebung für Solidarität. Fast 3000 Zuschauer füllten das Oval der Bahn, was für eins Provinzstadt wie Seifers- darf eine Leistung ist, die für Berlin nachahmenswert sein sollte. Die sportlichen Wettkämpse, die von Fahrern aus Seiiersdorf, Sarau, Berlin, Guben, Kottbus, Kolkwitz, Eulo, Spremberg und Forst bestritten wurden, wurden vom Publikum mit großem Jnter- «sie versolgt und mit starkem Beifall ausgezeichnet. Amerika im Boxfieber Das ßrohe Geschäft der Weltmeisterschaft Die großen amerikanischen Zeitungen berichten aus den Trai- ningsquartstrcn der beiden Weltmcisterschaftsanwärter Max S ch m« l i n g und Jack S h a r k e y alle wichtigen und un- wichtigen Einzelheiten. Man schürt drüben das große Boxfieber. von dessen Einfluß und Auswirkungen man sich in Europa schwerlich ein Bild machen kann. Selbstverständlich versucht man auch die Gegner nach Alter, Körpermaßen und Erfolgen zu klassieren. Schmeling, am 2. September 1905 geboren, hat. bisher 48 Kämpfe ausgetragen und davon' 28 durch k. o., II nach Punkten und 2 durch Disqualifikation gewonnen. Drei unentschiedenen Kämpfen stehen vier Niederlagen gegenüber, die mit einer Ausnahme aus den Anfängen seiner Laufbahn herrühren. Auch Charkey, der am 6. Oktober 1902 das Licht der Welt erblickte, verbirgt seiner stolzen Rekordliste einig« ungewöhnliche Niederlagen. Bon 43 Kämpfen hat er 13 durch k. o. und 20 nach Punkten gewonnen, weiter ver- zeichnet seine Rekordliste ein Unentschieden g«gen Tom Heeney, fünf Punktniederlagen gegen Maloney, Weinert, Risco und zwei kleinere Boxer im Anfang seiner Lausbahn. Zweimal ging SHarkcy selbst f.o. und zwar 1924 durch Remerio Roja- und 1927 durch Jack Dempsey. * Es sind schon genug Fälle vorgekommen, in denen die U»- parteiischen b«i Boxkämpfen irgendwelchen Einflüssen ausgesetzt waren, die sich schließlich aus ihre Objektivität auswirkte». Die Athletikkommission des Staates New Vork sucht sich da- gegen aus eine originelle Weise zu schützen. Findet irgendwo eine Beranstattung statt, so werden Ring- und Punktrichter am Spät- nachmittag des gleichen Tages verständigt, daß sie sich kurze Zeit vor Beginn am Kainpfplatz einzufinden haben. Dort angekommen, werden sie in einen Warteraum geführt, der von einem Schutz- mann bewacht wird und zu dem mir die Ossiziellen Zutritt haben. Ist es dann soweit, werden die Unparteiischen von einem Kommissar an ihre Sitze geführt und zwar so, daß es ihnen un- möglich ist, mit irgend jemand aus dem Publikum in Verbindung zu treten. Damit ist die Integrität der Unparteiischen zwar in ge- wissem Grade gewährleistet, gegen Lokalpatriotismus und persön- liche Einstellung gibt es jedoch kein wirksames Schutzmittel. Bin Auskunftsbüro für Luftreisen Der Aero-Club von Deutschland hat vor kurzem eine Gesell- schaft gegründet unter dem Namen:„Aero-Club Wirtschafts- G. m. b. H.", di« den Betrieb von Luftfahrt-Unternehmungcn aller Art zum Gegenstand haben soll. Zunächst ist als Haup aufgäbe dieser nouen G. m. b. H. der Betrieb«iner Lufttouristik- Beratungsstelle vorgesehen. Das Bedürfnis nach eine- folchen Stelle tritt immer stärker hervor. Private Eigentümer von Flugzeugen, die größere Reisen im Inland und in das Ausland unternehmen wollen, benötigen ebenso wie Lustfahrt-Jndustrie- Unternehmungen oder Luftfahrt-Vereine genaue Angaben über die zu befli«genden Strecken und alle zu«rledigenden Formalitäten. Die neue Lufttouristik-Berawngsstell« wird zu diesem Zweck in Zu- kunft auf Anfragen folgende Auskünfte und stntcrlagen liefern: 1. Einflugbestimmungen in den verschiedenen Ländern, Beob- achtung von Sperrgebieten und Einslugzonen, gegebenenfalls Ein- holung von Einflugerlaubnisien. 2. Beratung über die zu fliegende Strecke, Gesahrzonen, Schlecht- w«tterwegc, Zustand der Flugplätze, Notlandeplätze usw. 3. Kartenmaterial 1:800000 oder, falls gewünscht, in größer«!» Maßstab mit Einzeichnung aller zu beachtenden Einzelheiten. 4 Triptyks für diejenigen Länder, die dem Triptykabkommen der FAJ. angeschlossen sind. Vorn Jugendherbergswerk Der Reichsverband für Deutsche Jugend- Herbergen veröffentlickst im Junihest feiner Zeitschrift„Die Jugendherberge" eine endgüttig« Uebersicht über die 26 Gaue und die Benutzung der Jugendherbergen des Reiches. Hier drückt sich in ein paar Zahlen die steigende Bedeutung dieses Boikswerkes aus, das mit Recht für sich in Anspruch nehmen dars, Dienst an der gesamten deutschen Jugend zu leisten. 1929 gab es 078 Orts- gruppen. Die Zahl der Mitglieder betrug 116 978. Diese Zalsten sind im Vergleich zu anderen Verbänden recht kümmerlich. Hassent- lich bringt der in diesem Jahre zum ersten Male stattfindende Reichswerbetag(21. September) ein« wesentliche Steigerung. 61 Neubauten konnten 1929 errichtet und 18 alte Gebäude umgebaut werden. Damit stieg die Zahl der Eigenheime, also derjenigen Jugendherbergen, die man als Muster-Äugendherbergen ansprechen kann, auf 490. Die Zahl der Herbergsorte beträgt 2184. Sie hatten im Jahr« 1929 eine Gesamtübernochtungsziffer von 3783297 gegenüber 3 276 226 im Jahre 1928. Das entspricht einer Steigerung von 507 071— 15,5 Prozent. Ffingstfahrt der republikanischen Motorradfahrer Der Reichsverband Republikanischer Motorradfahrer veranstall«t anläßlich des Bundestrefstns des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold in Magdeburg ein Reichstreften der republikanisch«» Motorradfahrer in Magdeburg. Trestpunkt: Sonnabend, den 7. Juni, 14 Uhr, Glie- nicker Brücke oder Pfingstsonntag nwrgens 2 Uhr Glienicker Brück«. Alle republikanischen Motorradsahrer, auch die nichtorganisiert«!!. sind zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen. Es wird gebeten, die Teilnahme bis zum 1. Juni der Geschäftsstelle, Verlin W. 30, Neye Winterfeldtstr. 20, Tel. L 5 Barbarossa 8937, bekanntzugeben. Arbkiter-R-d. und An»sts»hr»«bu»d„Solibotitot", Ortsflnipw Droit Bcrli». (TicfcfiäftoftcUe;-jiobett tHottortl), Berlin SW 12, EchSnebrrgcr Str. IIa. 9iüe BbteUimncn bpteilinnt sich Psingstrn au der©ououofalltt nach Zinsterwaldc. Sanrmelftari: 7. Juni. 16 Uhr, und 8. Juni. 5 Uhr. am sslughasrn.(hiislr willlommrn.— Motorsahr«». Bersammlunar»! Att. lliruzbcra! 6. Juni, Kindl Qurllr, Blichrndrrgcr Ecke Ratibor-Siraße. Abt. giiedrichshaiu: 2. Juni, SIrausbcrgrr Str. 3. Abi. Cborlottrnburg: 5. Juni, bei Reimer, Bilmers. tiorfer Str. 21. Abt. Obcrschijneweit«: 6. Juni. Wilheminenbofstr. 64. Abt. Norden: 6. Juni, Winkejsässer, Svarstr. z.— Bfinaften: Dauirette» in Zinfter- inalbe. Die Ortsgrunpe Groß-Berlin führt aefchlosfen nach Tin sie rwa Nie. und itwar: 1. Start am 7. Juni, 18 Uhr. Tempelhof, llluabatenftrahe: Zohrleitee: Ttich-nfchner, Charlottenhnro: 2. Clart am 8. Juni, S Uhr. Tempeihof, Zlua- halenfirohe: Zohrleiier: Siioea. Dhorlottenbura.— Berichtiannp. Die nächste Beriammlung der>8. Abt. findet nicht am z., sondern am 12. Juni bei Witt, schuh. Be'eröbureee. Str. 3. statt. „Dich«", Djspeuick. Lilbetf-Fahrer: Donner»taa. 5. Juni, 20 Uhr, Zusammen. kunft auf dem Sportplah. Der Rest de» sZahrgeldes muh sofort bezahlt iverben. Letzter Termin: lsreitag bei Lorenz. Freie galtbootsahrer Berlin. Donnerstag, Z. Juni: Zusammentunft im ..Ho«loschen Hof". Rosen thaler Str. 41: Dlstnfsionsabend über..Wasserslrohen 8. und«I. Ordnung". Düste willkommen.— Pfingftfahrtrn: Abkohrt Sonnodenb, 7. Sunt: 1. Ecknnöldesee mit anschließender geltlagenwache: Führer: Trommer: Ah'ahrt IC. Vi Uhr Srrlitzer Zahnhof bis Tenpitz. 2. gürstenberg- Blattowsee: Mhrer:«fr Gillner: Abfahrt 15,18 Uhr Ete' tiner Bahnhas. 8. Bendisch-Rietz-. Neuendorfe.r See■ Ätttis; Mhrer: Kleeduan cbefchwerliche Fahrt, da 1', Stnnd-N La»d!ra»sport>l Abfahrt: lä.ö« Uhr Dorlttzer Bahnhof: Rüefiahrtarte Beeskom Weil. 4. Dosse: Mhrer: Slolp; Abfahrt 14,00 Uhr SltfHncc Bahnhof bis "tiflBW. Eüitc zu allen Fahrten Villkommrri. privaichauffeure als Hausangestellte? Ein lehrsamer Prozeß für alle Kraftwagenführer. Vor die Schranke einer chausongestelltenkammer des Berliner Arbeitsgerichts wird ein Stuhl gestellt, aus den sich e i n h i n k« n- der, gebrechlicher K r a f t wo g e n s ü h r e r setzt. Man horcht auf, die Klage eines Chauffeurs wird vor der Hausangestellten- karmner verhandelt? Und i» der Tat: der Klagegegenstand,«ine Nachforderung von 428,— M. für Ueberstundcn in der Zeit vom 22. September bis 9. Dezember 1929 tritt völlig zurück gegenüber der prinzipiellen Erwägung, gehört ein Kraftwagen- führer vor die Hausangestellten- oder vor eine Verkehrskammer. Entscheidend hierfür ist die rechtliche Stellung des E h au f f« u r s. Ist er Privat- oder Geschäftschauffeur? Di« Grenz« ist oftmals schwer zu ziehen. Der Unternehmer behauptet selbswer- ständlich, er ist lediglich für mich gefahren. Der Kraftfahrer antwortet: natürlich habe ich den Direktor auf sein Gut, oder ins Theater, also privat gefahren,' aber ebensogut bin ich zur Bank, zu Konferenzen, also zu rein geschäftlichen Angelegenheilen gefahren. Und wenn es auch nirgends verbrieft ist, dann liegen die Dinge doch so, daß ein Chauffeur, der lediglich für den Generaldirektor eines großen Konzerns fährt, mag ihn dieser Generaldirektor hundertmal als seinen Prioatchaufseur bezeichnen, in die Gesamtorganisation des Werks eingefügt ist. Sein Gehalt bezahlt das Werk, nicht der Direktor aus seiner eigenen Tasche. Der Chauffeur ist ein gewerblicher Arbeitnehmer wie jeder andere auch. Der Unternehmer unseres Falles jedoch bestand darauf, sein Wagenführer wäre ein Prioatchaufseur, den er für einen Wochen- lohn von 70,— M. engagiert hatte. Er dächt« nicht daran, auch nur einen Pfennig von den nachgeforderten 428,— M. zu zahlen. Es wurde dem Mann entgegnet:„Warum haben Sie dann nicht auch die K ü n d i g u n g s f r i st für Privatchauffeur« vereiubart, die nach dem BGB. nur acht Tage beträgt, während Sie doch enffprechend der Gewerbeordnung eine vierzehntägige Kündigungsfrist ausgemacht haben. Damit haben Sie die Stellung des Chauffeurs als gewerb- llchen Arbeitnehmer doch anerkannt. Folglich finden, da Ihr Unter- nehmen ein Holzbearbeitungswerk ist, die Bestimmungen des Tarif. vertrag? für die Chauffeur« der Holzindustrie Anwendung." Das Gericht folgt« dieser Anficht jedoch nicht, enffchied vielmehr, der Mann sei Prioatchauffeur und falle nicht unter den Tarifvertrag. Es wies die Klage ab. Somst hat der Mann umsonst dreimal in der Woche von früh um acht Uhr bis nachts um 2 Uhr gearbeitet. Ein betrübender Fall, aber ein« Lehr« für olle Privat- ch a u f f e u r e, bei Abschluß ihrer Arbeitsverträge die größte Auf- inerkfamkeit walten zu lassen und stch vor allem dem„Gesamtverband" anzuschließen, damit diese Organisation mit dem nötigen Nochdruck ein Vertrogswerk schaffen kann, dos auch dem Prioatchaufseur zu seinem Recht verhilft, so daß schließlich dies« jetzt zweifelhasten Fälle wieder vor der Verkehrskammer des Arbeitsgerichts zum Austrag kommen._ Gesperrte Gastwirl-belriebe. Wegen Differenzen werden hier- durch für die Mitglieder des Zentraloerbandes der Hotel-, Nestau- rant- und Cofä-Angestellten folgende Gastwirtsbetriebe gesperrt: Treptow: Paradies-Garten, Inh. Ka hl, Alt-Treptow 7.— Kaiser- bad-Garten, Inh. Jauernick.— Grünau: Hotel und Restaurant Jägerheim, Inh. ErHardt.— Wendenschloß, Inh. U h l e.— Tegel: Restaurant Seeblick, Inh. Radowitz, Tegelort.— Nestau- rant Leuchtturm, Inh. Becker, Tegelort.— Grunewald: Schloß Schlachtensee, Inh. Ww. Staegemann.— Wollersdorf: Cafe Ruhwald, Inh. G l a tz.— Erkner: Restaurant„Cffenbahn", Inh. Stadelmann.— Restaurant See blick, Inh. H i l l e r, Fangschleuse.— Köpenick: Restaurant Heidekrug, Inh. Gustav D r ä g« r, Mahlsdorf.— Restaurant Hubertus, Inh. Max S e l k e, Mahls- darf.— Bürger-Bräu-Stübl, Inh. Curt Schmidt, Friedrichs- Hägen.— Restaurant Reu-Ahlbeck, Inh. Hans Peters, gegenüber Hirschgarten.— Weißensee: Schloß Weihense«, Inh. R e i m a n n.— Strausberg: Hotel„Wolfstal", Inh. Freudiger und Keller.— Restaurant„Schlagmühle", Inh. Lehmann.— Restaurant„Rot- käppchen", Inh. B o h n.— Restaurant„Alte Spitzmühle", Inh. Kerschbaum. Mittwocli. 4. Juni. Berlin. 16.05 Prof. Konen, Bonn:„Dfe deutsche Forschung in der XzckKeicgsgcit". 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Hermann Kasack:„Reisen von Dichtern". 18.00 Herbert Iherini:„Anarchie der Phrase". 18.20 Prof. Dr. Windelband:„Die Geschichte als Lehrraelsterta Wr die Geren- wart". 18.45„Kinderschicksale". Enihlungea von Georg W. Pilot(Gelesen vom Autor.) 19.00 Schalmcienorchcstcr. 19.30 Das Interview der Woche. 19.55 Arbeitsmarkt. 20.00 Tanzmusik.(Kapelle Gerhard Holtmann.) 21.30„91 Tazc Zeitieschehen". von Werner Tak.(Uraullührunr.) Berliner Funkorchester. 22.30 Balalaikaorchcster. KSniiswnsterhansen. f' 16.00 Von Hamburr: Konzert. 17.30 Dr. Walter Günther; Lichtbild nnd Filmarbelt in der Schule. 17.55 Lieder und Gedichte von Lotte Arndt.(Anne-Maria Steen: am Flütel: Kapellmeister Böhmelt.) 18.20„Strafsache regen Chauffeur Müller wegen fahrlSssiger Tötung."(Lehrspiel von iudex.) 19.05 Spanisch für Anlänger. 19.30 Heülein: Aus der Werkstatt der Beamtenpresse. 20.00 Ministerialdirektor Schnitzler und Carl Wallauer;„Staat nnd Theater". 20.40 1. Debussy: Streichouartelt G-Moli, op. 10.(Streichquartett: Ortenberi. Feinland, Blumberg, Nowogrudsky.)— 2. Honcgcer: Sonatine für zwei Violinen.— 3. Mozart: Streichquartett, B-Dur, K.V. 458. Seranfmottl. für hie Slehatilon:»ich.«ernstein. Berlin; Anzeigen: SV S locke. 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