Morgenausgabe Nr. 258 A 13Q ��-�hrgang »SchnUSch 88«, tt» oorau» zahlbar Postd«j»g<»». einschließlich SO Pfg. Poftzettuag».»nZ 72 Pfg. Postbestellgebühre». Ausland»» adonnemem 6.— M. pro Monat, V««SonDftTt»* erfchei« i_____ w lich zweimal. Sonntag» und Monlags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilagen„Volt und Zeit" und.Kinderfreund". Ferner .Unterhaltung und Wissen"..Frauen» stimme".Technik".Blick in dl« Bücherwelt" und.Iugend-Dorwürts� Berliner volksvlatt Vonnerstag 5. �uni l.9)() Groß'Äerlin HP pf. Auswärts tS pf. TM«laipalttf« Stonparelllezett» 80 Pfennig Reklame teile 5.— Reichs» mark„Kleine Anzeigen da» enge. druckt» Won 25 Pfennig(zulässig zwei tettaedruckte Worte). ,ede» weitere WoN 12 Pfennig Stellengesuch» da» erst« Won ld Pfennig, jede» wettere Won lO Pfennig. Wone über lü Buchstabe» thlen für zwei Worte Arbeitsmaitl eile SO Pfennig. Familienanzeigen Zeil« 'Pfennia. Anzeigenannakme im5?aupt' Lindenstraße 3. wochentägltch »an 8»/, bis l? Uhr. Zentralorgan der Gozialdemoteatischen Partei Deutschlands Aedaktton und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraß« 3 Fernsprecher: Dönbost W2— 297 Telepramm-Adr: EoNaldemokrai Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Poslicheckkonto BerUn S75ZS- Bankkonw Bank de, Lrbener Änpeklelllen »ich Beami««. Wallstr SS Dt B» Di»c»Ges Deposiienkoli« Lindenftr». Schwere Angriffe auf Stalin. �Schwindelerregende Pläne und Sprünge ins Ltngewiffe.* Moskau, 4 Juni.(Eigenbericht.) Die Spannung in Moskau ist in ständigem Steigen be- griffen. Di« Parteizellen, in denen die Thesen der Brachte, die auf dem bevorstehenden Parteikongreß erstattet werden sollen, zur Dis- kuffion stehen, hallen sogar Nachtsitzungen ab. Vielfach verlausen die Parteizellenversammlungen überaus stürmisch und nehmen mehrere Tage in Anspruch. Die Rechtsopposltion stößt immer weiter vor. Di«„Prawda' schreibt, die Rechtsopposittonellen „erklären die Linie des Zentralkomitees der Partei s ü r bankerott'. Das Zentralkomitee und dessen Führer, d. h. Stalin, seien allein an allem schuld. Der Mittelbauer sei künstllch, durch U nt« r o f fiz i e rs meth o de n, in die Kollektiv- wirtschaften hinemgetrioben worden. Die PoNttk der Partei beschränke sich auf„schwindelerregende Pläne und Sprünge in, Ungewisse'. Gleichzeitig vertangt die Rechtsopposition weiter« Zugeständnisse an die Bauern, um so mehr als die Liquidation der Kulaken als Klasse verfrüht sei. In der Parteizelle der Moskauer Handelsakademie erklärten die Rechtsoppositionellen Andrejewa und Swirtschenko, daß man kein« Sicherhett dafür habe, daß das Zentral- komitee auch nicht welter Fehler begehen könne, die es später nicht anerkennen würde. Auch zu Lebzetten Lenins habe sich das Zentral- komitee vielfach geirrt, doch hätten damals Lenin und die Partei- leitung stets ihre Fehler eingestanden. Das Zenttalkomite« müsse krttisiert und es müßten Mahnahmen getroffen werden, um neuen Fehlern des Zentralkomitees in der Zukunft vorzubeugen. Die An- Hänger des Zentralkomitees nannten die beiden rechtsoppostttonellen Redner Fetglinge. Gleichzeitig lüftet die„Prowda' den Schleier über die Vorgänge in der Moskauer Parteiorganisation, der wichtigsten Ortsgruppe der Partei. Sie beschuldigt die bus- herigen Führer der Ortsgruppe rechtsoppositioneller Ab- i r r u n g« n, wobei dies« Führer die Organisation dem Zentral- komitee entgegenstellen wollen. Die Moskauer Ortsgruppe hätte jedoch gleichzeitig auch.Links abirrungen' begangen, und zwar habe sie netien der Liquidattou der Kulaken als Klasse auch die „neue städtische Bourgeoisie' liquidieren wollen. Dies hätte zu einer Aushebung der Reuen Wirtschaftspolitik, des REP., geführt.„U n- nütze und schädliche Attacken gegen den privaten Kleinhandel, die private Heimindustrie und die bäuerlichen Wochenmärtte' seien von der Moskauer Ortsgruppe unternommen worden, die auch von dem Wunsch beseell worden war, die eigent- lichen Getreide gebiete bei der Kollektivierung zu überflügeln, wodurch die �Linksabirrungen' besonders.Häßliche Formen' an- genommen hätten. Diese Angriff« gegen die Moskauer Ortsgruppen. leitung berühren um so eigenartiger, als mehrer« Führer der Moskauer Parteiorganisation gleichzeitig im Zenttalkomite« der Gesamt portei sitzen, so daß die Parteileitung unmöglich über dies« „Linksabirrungen' nicht informiert gewesen ist. Moskauer Partei für Gialitt. Indessen meldet die TU. aus Moskau, daß die Moskauer Partei- konferenz am Mittwoch eine Entschließung gesaßt hat. in der der Politik Stalins das Vertrauen ausgesprochen wird. D>e Parteikonferenz erklärte, daß sie von der Parteileitung energische Maßnahmen gegen die r e ch t s o p p o s i t i o n« ll e Be- wegung in der Kommunistischen Partei erwarte. Sarantiers England Selbstverwaltung? Die Kardinal frage des anglo- indischen Kampfes. London. 4 Juni.(Eigenbericht.) Der Sonderberichterstatter de».Daily Herald' drahtet aus Bombay den Jnhatt der Unterredung, die der Vizekönig von Indien mit dem liberalen Politiker Sapru zwecks Vorbereitung der anglo-indischen Konserenz geführt hat. Sapru erklärte danach frei und offen, weder der alllndifche Kongreß noch die indischen Liberalen würden an der beabsichligten anglo-indischen Konserenz teilnehmen, solange die englische Regierung nicht die volle Selbstverwallung Indiens bekanntgegeben habe. In allen Klassen und Parteien Indiens herrsche großes Miß- trauen gegenüber den englischen Versprechungen. Eine Zusam- menarbett Englands mit dem indischen Volk sei unmöglich, solange nicht eine Verständigung mit Gandhi herbeigeführt sei. Die gemäßigten Inder seien sehr erstaunt, daß die anglo-indische Regierung in den letzten Tagen nicht die Gelegenheit zu eimem Kompromiß mit Gandhi benutzt hätte, das einzugehen er offen be- kündet habe. Gandhi habe zu verstehen gegeben, daß er von seinen früheren Forderungen manchen Abstrich gemacht habe. Würde die anglo-indische Regierung den Dominion- Status für Indien als den Zweck der künftigen Konferenz garantieren, sowie eine A m n e st i e für die Gefangenen, so wäre Gandhi und der größte Teil seiner Anhänger zweifellos bereit gewesen, den Ausruf zur Gesetzes üb ertrehrng zurückzuziehen. Der im Gefängnis sitzend« Radikale und indische Kongreßpräsident R e h r u wäre mit seinen Freunden allein und in der Minderheit geblieben. Nachdem aber die Regierung die letzten Tage tatenlos habe vcrstteichcn lassen, würden sich die liberalen und gemähigten Inder jetzt schnell den Radikalen nähern. Auch sie würden jede Teilnahme an der anglo- indischen Konferenz ablehnen, solang« nicht die Selbstverwaltung Indiens garantiert sei. Wenn die anglo-indische Regierung an ihrem Plan festhalte, nur eine provinzielle Selbstregierung für Indien zu gewähren und keine indische Zenttalregienmg, so würde er, Sapru, nicht nach London gehen. Das, so meldet der Sonderkorrespondent des„Dailn Herold', seien die Worte Soprus gewesen, der seit langen Jahren i n e n g st e n Beziehungen zu dem Vizekönig stehe und der bisher treu in Verbindung mit der britischen Regierung gestanden habe. Der Sonderkorrespondent des„Daily Herald" fügt hinzu daß nach seinen Erkundungen andere liberale Männer viel weniger entgegenkommend feien als Saprin Di« Haltung der mohammedanischen Radikalen nähere sich immer mehr der der Hindus. Zwar beständen Eikersucht und gegenseitige Verdächtigungen zwischen Gandhi und den mohammedanischen Führern, die große Mehrheit der Moslems wache jedoch emsig über die Ereignisse und erwarte den geeigneten Führer Die Ereignisse in Peschawar und Bombay hätten bereits Verzweiflung in die mohammedanischen Reihen getragen und ein Teil von ihnen habe schon die Verbindung mit den Kongreßindern aufgenommen. Teilweis« fei die Befreiung Indiens von England bereits zu einem religiösen Symbol der Mohammedaner geworden. Der Berichterstatter schildert dann eingehend die bei den Mohammedanern herrschenden Meinungsverschieden» Helten, aus denen hervorgehe, daß sich diese noch nicht zu einer einheitlichen Ansicht über die Lage durchgerungen hättra Wie ihm Gandhi jedoch im Gefängnis auseinandergesetzt Hab«, sei der indische Führer bereit, die Wünsche der Mohammedaner zu erfüllen. Der Sonderkorrespondent schließt seinen Bericht:„Wie auch die Lage in Indien betrachtet werden möge und welch« Erscheinungen sie auch zurzeit zeitige, die erst« und letzte Frage in allen Lagern sei: „Bietet uns England den Dominion-Status an oder nur dessen Schatten, und wenn uns der Dominion- Status versprochen wird, wie lange wird es' dauern bis wir ihn tatsächlich besitzen?' Bon der Antwort hängt das Schicksal der anglo- indischen Konferenz ab und die gesamte Zukunft der Beziehungen Englands zu Indien.' Weitere blutige Zwischenfälle. London, 4. Juni.(Eigenbericht.) In einem Dorfe bei Madras kam es zu Kämpfen zwischen Bauern und Polizei, in deren Verlauf«in Inder getötet wvnde.'Auch in anderen indischen Dörfern waren am Mittwoch Unruhen zu verzeichnen, die mehrere Tot« und Verletzte forderten. Friedliche protestdemonOration in Indochina. Paris, 4. Juni.(Eigenbericht.) Wie der„Temps' meldet, ist es in der Provinz Vinh in I n d o- china zu neuenZwischenfällen gekommen. Etwa 200 u n• bewaffnet« Bauern zogen vor das Vevva!tungsgebäu>de der Stadt Hue�und verlangten in einer E i n g a b e an den Stadtverwalter die Freilassung aller bisher verhafteten Demonstranten und «ine Entschädigung für alle Opfer, die bei den letzten Kund- gedungen von der Polizei erschossen oder verwundet worden waren. Di« Anttagstellex zerstreuten sich angeblich ohne Zwischenfall, nachdem ihnen der Verwalter versprochen hatte, daß er die Bittschrift an die französischen Oberbchörden weiterleiten werde. Unkerhaus läßt sich nicht bluffen. Das Unterhaus lehnte am Mittwoch die von dem Oberhaus zum B« r a b a ug e s e tz vorgeschlagenen Abänderungen mit 266 Stimmen der Arbeiterpartei und Liberalen gegen 112 Stimmen der Konservativen ab. Die Ne- aierung erklärte in der Debatte, sie würde sich vom Oberhaus hin- sichtlich des Bergbaugefetzes keinen i-Puntt rauben lassen. Tariferhöhung? Gerechtigkeit für die BVG. Di« Verliner Bevölkerung ist über die in der Oeffentlich» teit erörtert« Möglichkeit einer neuen Verteuerung. der städtischen Vertehrsmfttel mit Recht sehr beunruhigt. Zweifel» los handelt es sich bei den im Verkehr zu zahlenden Preisen um eine sehr ernste Frage, deren Bedeutung um so schwerer wiegt, als sie die Armen und nicht die Reichen angeht. Aber in der ganzen Diskussion dieser Frage zeigt sich, wie immer schon in allen Angelegenheiten der Berliner Kommunal» polftik, daß Sensationsbedürfnis und Will« zu dunkler politischer Geschäftemacherei im um- gekehrten Verhältnis zu dem Ernst steht, mit dem man vor- liegenden Tatsachen gerecht werden muß und zu dem Sach» Verständnis, das nun einmal auch in kommunalen Wirt- schaftsdingen wenigstens in einem Mindestmaß vorhanden sein muß. Herr Bürgermeister S ch o l tz, erst acht Tage von seiner Auslandsreise zurück und selbst am stärksten über seine Be- deutung als Retter Berlins gerührt, hat das zweifelhafte Verdienst erworben, durch unmotivierte Defizitankündigun- gen den Kredit der Berliner Verkehrsgesellschaft und damit der Reichshauptstadt Verlin geschädigt und durch taktlose Reden Magistratskollegen bloßgestellt zu haben, deren ernstes Bemühen um das Wohl der Reichshauptstadt und deren per- sönliche Integrität bisher noch kein Menjch in Zweifel zu ziehen gewagt hat. Herr Scholtz hat es nicht für notwendig gehalten, zu berücksichtigen, daß, wenn die allgemeine Wirt- schaftslage ein Haushaltsdefizit für Berlin von 20 Millionen Mark herbeiführt, wenn die Reichsbahn einen ISprozentigen Verkehr srückgang melden muß, wenn das Reich von einem Monat zum anderen infolge der Wirtschaftskrise ein Dreiviertel-Milliarden-Defizit fest- stellen muß, daß dann auch die BVG. keine Insel der Seligen sein kann, an der die Wirkungen der Wirtschaftskrise vor- übergehen I Selbstverständlich hat die bürgerliche Sensationspresse auf das von Herrn Scholtz gegebene Stichwort sofort auch mit schwersten Angriffen auf die Berliner Stadtverwaltung reagiert und wieder einmal mit der Parole der„sozialisti- schen Mißwirtschaft" Dumme zu fangen oersucht. Demgegen- über werden wir auch heute fortfahren, uns an die Tat» fachen selbst zu halten, an Tatsachen, die ernst genug sind, für die aber gerade die Sozialdemokratie am allerwenigsten eine Schuld trifft. Im Februar d. I hat die BVG. ihren Boranschlag für 1930 aufgestellt. Dieser Voranschlag hat für das ganze Jahr 1930 einen Ueberschuß zwischen 7 und 8 Millionen Mark vor- gesehen. In dem Voranschlag ist selbstverständlich auch der monatliche Tilgungsbetrag von 5 Millionen Mark eingeschlossen der in erster Linie der BVG. aufgezwungen wurde und Anlaß zu der gefährlich schematischen Tarif- erhöhung auf 25 Pf. gewesen ist. In den allerletzten Tagen lieh sich das Betriebsergebnis für die ersten fünfMonate des Jahres 1930 endlich übersehen (die Beschwerde von Herrn Scholtz, man hätte ihn früher in» formieren müssen, ist unsachlich, denn der überraschend ge» ringe Rückgang der Arbeitslosigkeit, von der auch die BBG. abhängt, konnte nicht erwartet werden). Aus den fünf Mo- naten Januar bis Mai kann der Schluß gezogen werden. daß für das gesamte Jahr 1930 und nicht nur für die ersten fünf Monate, falls die Arbeitslosigkeit nicht zurück- geht, ein Zurückbleiben der Einnahmen hinter den Aus- gaben von etwa 3,8 Millionen Mark zu erwarten ist. so daß der gesamte Einnahmeausfall gegenüber dem Voranschlag 10,8 bis 11,8 Millionen Mark betragen würde Freilich wurde in der Oeffentlichkeit der Eindruck hervorgerufen, daß schon jetzt ein Defizit von 12 Millionen Mark vorliege! Für dieses Zurückbleiben der Einnahmen hinter dem Voranschlag ist keineswegs Schiampere' maßgebend, sondern eine Reihe sehr ernster und einfacher Gründe. Es ist fest- gestellt, daß in Berlin bisher allein die Zahl der unterstützten Erwerbs! osen um 50 Proz. höher lag als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Wenn man nur 70 000 Fahrgäste rechnet, die. nicht mehr zur Arbeitsstelle fahren so ergibt sich bei einem Ansatz von 20 Pfennig pro Fahrt und zweimaliger Benutzung der Verkehrsmittel am Tage all» n ein Ausfall von rund 6 MWernen Mark im Jahre. Die Wirkung der letzten Verkehrsteuerung soll ge- w.ß nicht unterschätz' werden sie hat der Reichsbahn Fahrgäste zugeführt Motorräder u'-d Fahrräder werden mehr gekauft und kurze Strecken werden weniger ge- fahren— aber kein Mensch in Deutschland hat die k a t a- Krise und Gemeindefinanzen. Ständiges Anwachsen der Wohlfahrtserwerbslosen. Der wachsend« Druck, dem die D«meind«finanzeo durch die schwer« Wirtschaftskrise ausgesetzt sind, hat den Präsident«» des Deutschen Städtetages, Dr. M u l« r t, veranlaßt, die bedrohliche Lage der kommunalen Finanzen in Deutschland der Ocffentlichkcit darzulegen. In einer Pressekonferenz wies Dr. Mulert darauf hin, daß die katastrophale Steigerung der Arbeitslosigkeit naturgemäß ständig wachsende Mehrauswendungen für die Arbeitslosenversicherung be- ding« und zu einem beträchtlichen Ahfinkeu der Steuereinnahmen führ«. Die Länder haben durch ihren Einfluß im Reichsrat durch- gesetzt, daß sie bei d«n Steucrdeckungsgesetzen im April nicht leer ausgegangen stich. Den größte» T«il der für Länder und Genieinden bestimmten Ueberweisungssteuern des Reiches nehmen si« für sich in Anspruch, oder sie greifen erneut in Steuergebiet««in, die bis- her den Gemeinden vorbehalten waren. Hierbei wird völlig außer acht gelösten, daß die Finanzlage der deutschen Gemeinden gänzlich unter dem Zeich«« des ununter- brochenen Anwachsens der Wohlfahrtserwerbslosen steht. Ohne Einschränkung sind all« deutschen Gemeinden dem Ansturm der Wohlfahrtserwerbslosen ausgesetzt, der besonders in diesem Krisenjahr mit verstärkter Wucht über sie hereinbricht. während von Ende Zanuar bis End« April die Zahl der von der Arbeitslosenversicherung llnlerstühlen infolge der Frühsahr». saison gesunken ist. hak sich die Z'ohl der Wohls ah ri»- erwerbslose» in der gleichen Zelt von 27t 000 auf 3A 000 Personen, also um mehr als 20 proz, erhöht. Bei vorsichtiger Schätzung ergibt sich nach der gegenwärtigen Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen eine Mehrbelastung der kommunalen Finanzen in Höhe von etwa 800 bis R0 Millionen Mark. Dies« Entwicklung hat be! der Mehrzahl der deutschen Groß. städte«in derart rasendes Tempo angeschlagen, daß die Haushalts- plane für lSZO schon jetzt über den Haufen geworfen stnd. Roch niemals war seit dem Kriegsende die Finanzlage der Städte so ernst wie in diesem Jahr. Die deutschen Kommunen müssen daher aus finanziellen wie aus inneren organisatorisch« i» Gründen a» ihrer schon wiederholt vertretenen Forderung sesthallen, daß die Reichsarbeitslosenversicherung alle Lasten der Er- werbslofigteit im Wege einer zeitlichen, örtlichen und persöiüichen Erweiterung der Krisenfürsorg« übernimmt und damit die Gemeinden in entsprechendem Umfange«ntlast«. Der Präsident des Deutschen Städtetages schloß seine Aus- führungen mit der Forderung, daß Preußen und die übrigen Län- der sich nicht der Pflicht entziehen könnten, durch Notmaßnahmen ihren Gemeinden zu helfen. Es sei verfassungsmäßige Aufgabe und Pflicht der Länder, im Rahmen der ihnen vom Reich über- wiesen«» Mittel sowie der eigenen Einnahmequellen für eine aus« reichend« finanzielle Entlastung der Sekbstverwoltungs- körperfchasten zu sorgen. Llngarns Trauer über Trianon. Eine Nede Apponyis.— Gozialdemokraiische Erklärung. Budapest, 4. Juni. MTB.) Im Abgeordneterchause kam es heut« mnzehntenJahres- tage des Trianoner Friedensvertrages zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Di« meisten Abgeordneten waren schwarzgeklei- det erschienen. Im Namen sämtlicher bürgerlichen Parteien gab vor der Tagesordnung der greise Graf Apponyi, der vor zchn Iahren Führer der ungarischen Friedensdelegotion in Paris gewesen war, dann jedoch die Unterzeichnung des Trianoner Frie- densvertrages nicht übernahm, der Trauer der ungarischen Nation darüber Ausdruck, daß Ungarn vor zehn Iahren ein einseitiges F ri ed« n sd-i k to t aufgezwungen worden fei. Das formell« RechtbesitzeteinenmoralischenInhalt, was dauernd« Unsicherheit zur Folge habe. Für den Krieg sei am schwersten jene Nation bestraft worden, die am wenigsten für ihn ver- antwortlich gewesen sei(?) und deren Ministerpräsident(Gemeint ist Graf Tisza. Red. d. ,.V.*.) entschieden auf dem Standpunkt der Mäßigung gestanden Hab«. Der Vertrag von Trianon Hab« unter dem Vorwande der Lösung des Nationalitätenprobiem« natürliche wirtschaftlich« Zusammenhänge zerstückelt, obwohl von den zehn Millionen � Einwohnern, dt« von Ungar« abgetrennt worden seien, nur 56 Proq. rasjevenwandt mit den Einwohnern der Staaten seien, denen sie angeschlosten ioorden seien, 45 Proz. ober sremd und davon 85 Proz., d. h. 3 800000 Menschen reinrassig« Ungar n seien. Wöhrend man damals die Zerstörung der Wirtschaft- lichen Einheit mit dem National itäienprinzip begründet Hab«, wolle man jetzt gewisse wirtschaftliche Interessen-weiten Ranges unter Beiseitelassung des Nationalitätenprinzips hervorheben. Es sei die». sagte Gras Apponyi, ein Ballspiel mit Prinzipien unter Außerachtlassung jeglicher echischer Grundlogen. Die Durchführung des Trianonvertrages fei noch schlechter als der Vertrag selbst. Di« wenigen für Ungarn günstigen Bestimmungen seien wie Buch- staben geblieben, während die Erfüllung aller Verpflichtungen mit geradezu Shylockscher Genauigkeit gefordert worden seien. Di« ungarische Kultur sei in den obgetrennten Ge- bieten einem Vernichtungsfeldzug ausgesetzt worden. Die einseitig« Abrüstung bedeute geradezu«in Eingeständ- n i«, daß man die gegenwärtigen Zustände nicht durch innere Wahr- heit, sondern durch Ueber macht künstlich aufrechter- halten zu können vermeinte. Auf solchen Grundlogen könne man keinen dauernden Frieden aufbauen und Osteuropa könne nicht zur Ruh« kommen. Am Jahrestag der Unterzeichnung des Friedensvertroges erneuere Ungarn seinen Protest gegen die Unge- rechtigkeit und erklär«, daß es mit Waffen des Recht» auch. weiter für die Wiederherstellung der Gerechtigkeit kämpfen werde Avponyi schloß tiesergriffsn tränenden Auge» mit dem un- garischen Rat t o nal geb« t da« von'den Mitgliedern de«- Hauses stehend in stununyr-.ErMiffeilhest...angehört wurde. 3»; Namen der Sozialdemokratischen Partei verlas Abg. Farkas eine Erklärung, in der die Revision des Friedensvertrages auf Grund d« Selbstbestimmuagsrechkes der Völker, der Schuh der. Minder- hellen, allgemeine Abrüstung und eine demokratische Umgestaltung de, Landes gefordert werden. strophal« Entwicklung der Wirtschaftslage voraussehen können, was gerechterweise auch für den Voranschlag der BVG. zu berücksichtigen ist. Ganz unerwartet sind die B e n z i n ste u e rn und Zölle erhöht worden, was den Autobusbetrieb nicht unerheblich belastet, und schließlich haben die inzwischen durchgeführte Verkürzung der Arbeitszeit und die notryendig gewordene, an sich geringe Lohnerhöhung die Verechnungsgrundlagen des Voran- schlageg in teilweise nicht vorauszusehender Weise verschoben.. Daraus ergab sich eine teilweise Belastung in der Größen- klaffe von bis 2 Millionen Mark, eine zusätzliche Be- lastung. sür die gerade die Sensationspresse und auch die Partei des Herrn S ch o l tz sonst großes Verständnis haben, weil sie sich auch bei den Privatunternehmern nicht voraus- berechnen läßt. Herr Bürgermeister S ch o l tz und die ihm geistig»er- wandte Sensationspresie haben nun die Berliner Be- völkerung in eine Panikstimmung gehetzt. Es wurde von einem Zusammenbruch der BVG. gefaselt, von einem Bankerott des Einheitsfahrscheins und des Einheitsverkehrs im Berlin, von einer neuen starken Tariferhöhung wurde gesprochen und aus Herrn Scholtzens Herzen— es ist keine Mördergrube— kam das Berlangen nach der Wiedereinführung der zweiten Klasse, mit der man dem demokratischen Ge- danken in Berlin so nebenbei ganz hübsch eins auswischen könnte. Wie liegen aber nun hier die Tatsachen? Bisher hat nur derVorstand d e r B B G. über eine Neuregelung der Tariffrage beraten. Seine Borschläge sind noch nicht im Aufsichtsrat der BVG. und erst recht nicht bei den städtischen Körperschaften, die endgültig darüber zu ent- scheiden haben. Der Vorstand der BVG. und die städtischen Körperschaften hätten sich die Sache leicht machen können, nachdem nun einmal das Gleichgewicht in der BVG. her- gestellt werden muß. Wäre nach den Idealen der Privat- Wirtschaft verfahren worden, so hätte man einfach den Ver- kehr durch Einstellung aller unrentablen Auto- und Straßen- Bahnstrecken gedrosselt. Das aber ist aus sozialen und Sied- lungsgesichtspunkten in einer Vier-Millionen-Stadt von der ungeheuerlichen Ausdehnung Berlins, obwohl fast alle Vor- ortstrecken Zuschußstrecken sind, eine Unmöglichkeit. Den im Vorstand erwogenen Plänen ist aber von vorn- herein die Aufrech terhaltung des Einheits- verkehrs, auch das Prinzip des Einheltsfahr- s che ins, zugrunde gelegt und man ist bemüht, durch bessere Auslastung des Tarifsystems im ganzen eher zu einer finanziellen Entlastung als zu einer finanziellen Neubelastung der Fahrgäste zu kommen. Die U m st e i g e- Möglichkeit auf sämtliche Verkehrsmittel, in der das Prinzip des Einheitsverkehrs begründet ist, bleibt nach diesen Borschlägen aufrecht erhallen. Die Gründls ge bleibt der 2ö- P f e n n i g- Ta r i f. Die Frequenz auf den Unter» grunddahnen soll dadurch erhöht werden, daß man zusätzlich r inen Kurzstreckentarif für fünf Stationen für 29 Pfennig erwägt, ..... Da der Omnibus nicht Zuletzt auch durch die« r h äh t sn Bsnzln-'und Benzolp reise das teuerste Verkehrs- instrutnent in Berlin ist, soll Heim Umsteigen auf den Omni- hus ein Zuschlag von'5 Pfennig erhoben werden, so daß der Omniduspreis, und zwar allein, eine Erhöhung erfahren würde. So bleibt immer für den Fahrgast noch die Möglichkell, den Omnibus zu umgehen, was tendenziell zu einer Senkung der Gesamtkosten pro Fahrgast im ganzen BVE.-Betrieb führen kann. Nach diesen Lorschlägen des BVG.-Vorstandes ist es keineswegs hundertprozentig sicher, daß eine weitere Bexteuerung des Verkehrs eintrllt. Es muß nun eindringlich vor dem Fehler gewarnt werden, die jetzige katastrophenmäßig niedrige Frequenz der Berliner Verkehrsmittel allein für die Tarifgestaltung zur Grundlag: zu machen. Eine bessere Wirtschaftslage wird die Zahl der Fahrgäste und damit die Einnahmen erheblich steigern, und die gegenwärtig sehr hohen Zinssätze können im Laufe der nächsten Zeit zurückgehen und die LVG.-Dilanz entlasten. Es ist selbstverständlich, daß die Sozialdemo- kratische Partei die äußersten Anstregungen machen wird, rücksichtslos die Interessen der Fahrgäste ZU wahren. Die Oeffentlichkeit muß aher beachten, daß in jeder Großstadt und vor allem in den Millionenstädten, jede vernünftige Ver- kehrspolitik noch immer das teuerste Glied der öffentlichen Wirtschaft war. In der ganzen Welt muß die großstädtische Verke.hrswirtschaft aus Steuern mitgetragen werden. In Derlin aber werden von den Verkehrsbetrieben noch Ab- gaben verlangt. Der Hinweis darauf, daß früher ja d!« Privatgesellschaften rentabel gewesen wäre, ist aufgelegter Schwindel zu polltischen Zwecken. Die frühere private U-Bahn hat ihre Dividenden aus den Bau- und Be- triebszufchüssen gezahlt, die Berlin, Schöneberg. Wilmersdorf und Charlottenburg zahlen mußten. Sonst hätte Berlin keine U-Bahn bekommen. Auch Straßenbahn- und Autobuslinien wurden, besonders im Vorortverkehr, früher fuboentiert. Das alles wird von der bürgerlichen Presse, der meist nur an Sensation und Hetze liegt, geflissent- l-ch unterschlagen. Nicht zuletzt kann mll den kommunalen Wirtschaftsbotrieben Berlins deshalb soviel Schindluder ge- trieben werden, well diese Tatsachen nicht genug bekannt sind! Selbst die Schweiz rüstei! 105 neue Jagdflugzeuge. Bern, 4. Juni.(Eigenbericht.) Der schweizerische Nationalrat hat cm, Mittwoch nach heftiger Debatte gegen die Stinmien der Sogia'dsmatraten und Komnm- nisten«inen Kredit von 20 Millionen Franken zum Ankauf von 105 Jagdflugzeugen bewilligt. Razi-Waffen. Im Hessischen Landtag teilt« die Re- oierung am Mittwoch mit, daß in Hessen im Verlauf polizeilicher Durchsuchungen be! Nationalsozialisten in 28 Fällen l 4 S H i e b-. Schuß- und Stichwaffen gefunden worden sind. In 83 Fällen sei von diesen Instrumenten in übler Weis« Gebrauch ge- macht worden. Krise im Giahlhelm. Kampf der Flügel.— Zersetzung durch das Hakenkreuz. Im Stahlhelm kämpfen seit Monaten zwei Richtungen mit- «inander. An der Spitze der einen steht der Bundesführer Seldte und der Leiter der politischen Abteilung des Stahlhelms Dr. Brau- weiler, die andere wird von dem zweite» Bundesführer mit Unterstützung einiger ehemaliger preußischer Prinzen geführt. Die Spannung zwischen den beiden sich seit Monaten befehden- den Gruppen erreichte ihren Höhepunkt mit der Bildung der Re- gierung Brüning, als sich Seldte für eine Tolerierung dieses Kabinetts entschied, während Düsterberg von Ansang an für den schärfsten Kampf gegen Brüning plädiert«. Wochen- lang tobte hinter den Kulissen der Kampf zwischen Seldte und Düsterberg. Je mehr die Regierung Brüning oersagte, desto stärker wurde der radikale Flügel, desto«lnstußreicher wurde Düsterberg. Er gilt im Stahlhelm schon heute als der Führer, hinter den Seldte eines Tages wird zurücktreten müssen. Nicht weil er größere Eigen- schasien zur Führung besitzt, als Seldte. nicht weil er in der Lag« wäre, dem aus dem abstürzenden Ast sitzenden Stahlhelm neues Leben einzuatmen. Qualitäten besonderer Art besitzt Düsterberg eher noch weniger als Seldte. Was ihn über Seldte hinaus zu seinem Einfluß im Stahlhelm verholfen hat, ist sein Wortradikalismus und seine Entschlossenheit.dem Nationalsozialismus dadurch Konkurrenz zu machen, daß er dessen Agitationsformen und Agitatwns- Phrasen mit Erfolg auf große Teile des Stahlhelms übertrug. So wurde aus dem einst überwiegend von Anhängern der deutschnationalen Partei gebUdeten Stahlhelm mehr und mehr eine Organisation, in der heute nationalsozialistisch« Gedanken g ä n g e maßgebend sind. Die deutschnationale» Stahl- Helmleute traten in Scharen zu Hitler über, angeregt und beeinflußt durch Düsterborg. Als dies« innere Wandlung schließlich nicht mehr zu verschleiern war, ersuchte die Stahlhelmlestung aus Grün- den derSslbsterhaltungden großen Nebenbuhler, den Kampf setner Presse gegen den Stahlhelm abzublasen. Hitlerlehnteab und bestimmt«, baß kein Nationalsozialist zugleich Mitglied des Stahlhelms sein kann. Er lehnte ab, well er wußte, daß Düsterberg in den letzten Monaten für ihn gearbeitet hatte und«in Zugeständnis an den Stahlhelm die Stabilisievung einer zweiten nationalsozialistischen Bewegung neben der eigent- lichen Hitlerfront bedeutet haben wurde. Hitlers Anordnung wird sicherlich nicht von heute auf morgen zum Zusammenbruch des Stahlhelms führen. Aber sie wird den Zerfall des Stahlhelms beschleunigen. Wie in die deutschnational« Partei, so hat Hitler jetzt den Keim der Zersetzung auch in den Stahlhelm hineingetragen, indem er Düsterbergs Hand zum Frieden aus schlug. Statt der ihm angetragenen Versöbnung steht er im Begriff, Düsterborg und seine Mannen mit Haut und H a a r en zu verschlingen. Schneller al» es sich Düsterberg jemals geträumt haben dürfte, geht es m't seinem Glanz als Kommandant des Stahlhelms zu Ende. Die Familie. Der Tote war noch nicht einmal kalt, Da stürmte der Erben Schar Die Treppe hinauf zum Rechtsanwalt: „Jetzt raus, welch«in Gauner er war! Wie gerne schrieben wir auf sein Grab: Hier ruht ein redlicher Mann.— Doch schwämme mit dem Dermögen ab Der Lutki alsbald— und was bann?I Nein, künden wir offen und ehrlich der Welü Er schob, solang er gelebt, Ein treuloser Sachwalter, dem da« Geld An schmutzigen Fingern geklebt. Es klebte— was tut uns, daß es auch stank? Es ist und bleibt doch erdiebt. Das ist die Logik, die Gottseidonk Uns Erben den Rechtsanspruch gibt. Du. Toter, sei uns darum nicht gram. Wir sind doch dein Weib und dein Kind! Was hilft Pietät uns und falsche Scham, Wenn Lutki den Rechtsstreit gewinnt? Du hast uns im Leben vor Hunger geschützt, Sei treu in den Tod dem Prinzip! Mehr al» dein ehrlicher Name uns nützt Ein« reiche Erbschaft vom Dieb." Ich aber wüßt'«ine Inschrift fürwahr, Setzt' ich ihm den Leiche astein hin: Wie rührend ist ooch und wunderbar Des Bürgers Familiensinn! Jonathan. Jta'chseinnahmen im letzten Finanzjahr. 9171 Millionen nach endgültiger Abrechnung. Da? Reichsfinanzministerium veröffentlicht nunmehr fein««nd- gültige A b f ch l u ß r e ch n u n g für dos am 81. März abgelaufen« Finanzjahr 1929/30. Danach stellen sich die gesamten Etn- nahmen des Reiches an Steuern, Zöllen und Abgaben auf 9 171,7 Millionen gegenüber einem Voranschlag von 9 246 Millionen. Die Einnahmen des Reiches sind also hinter dem Boranschlag mit 73 Millionen in verhältnismäßig geringem Umfang zurückgeblieben. Ii» einzelnen kamen an fortlaufenden Steuern 6118 Will. M. gegenüber einem Voranschlag von 6161 Will. M., an einmaligen Steuern 153 gegen 156. Mill. M. im Voranschlag und an Zöllen und Verbrauchsabgaben rund 2901 gegen 2929 Mill. M. im Doratchchlag auf. Auftakt zur Hochschulreform. Kultusminister Grimms über die Reform deSLurastudiums- D«r preußische Kultusminister Grimm« hat gestern vor der Pres?« die Grundzüge der geplanten juristischen Studien- r e f o r m entwickelt. Die Reform des Iurastudiums stellt, wie der Minister ausdrücklich betont, nur einen Teil der schon von feinem Aorganger geplanten Gesamtreform des chochschul- st u d i u m s dar. Man mache mit den Juristen nur den Anfang, weil' die Reformen hier ganz besonders drin g-l ich seien. Wenn der Kerngedanke der Reform auch sei. an dem Wissenschaft- lichen Charakter der Universitäten nicht zu rühren, so müsse der junge Akademiker doch in seiner Studienzeit von vornherein in enger Berührung mit dem praktischen Leben kommen. Sodann gab der Vorsitzende der Resormkommission, Ministerial- direktor Richter, einen allgemeinen Ueberblick über die Reform. plane. Der Swdienplon sieht eine Dauer von sieben Semestern vor, doch wird der Student berests nach Abschluß des sechsten Semesters, wie bisher, die Möglichkeit haben, sich zum Examen zu melden. Die Frage, ob zur Entlastung der Studierenden die S t o f f m e n g e eingeschränkt werden könne, ist überwiegend verneint worden. Di« Rechtsgeschicht«, das römische Recht sowie das germanische Recht werden auch weiterhin in ihrem bisherigen Lehr- umfang für unentbehrlich erklärt. Zur Verminderung der Stundenzahl sollen die systematischen Borlesungen äuf dos Wesentliche beschränkt und durch Vesprechungsstunden ergänzt werden. Die Zivilprozeßlehrer haben hiergegen allerdings bereits Protest erhoben. Zur Bekämpfung des Repetito renwesens, das bei den Juristen besondere Blüten treibt, will man an den Univcrsi- täten selbst Repetstorien von mindesten» IS Wochenstunden innerhalb des letzten Studienjahres veranstalten. Sodann ist noch zur Sonder- ausbildung an sogenannte„Bertieftmgsvorlesungen" über Spezial- fächer gedacht, für die l8 Stunden während des Studiums angesetzt siitd. Sämtliche in der Reform vorgesehenen Fächer würden l74 Wochenstunden in sieben Semestern erfordern. Es kämen also sc Semester bis zu 27 Stunden die Woche in Betracht, die noch Auf- sassi-ng des Kultusministeriums die durchschnittliche Lei- st un g s f ä h i g k e it der Studenten übersteigt. Hier wird noch eine erhebliche Verringerung der Stundenzahl erstrebt. Um die schon häufig kritisierten Massenübungen in den Seminaren abzuschaffen, soll an den großen Universitäten die Teilnehmerzahl auf 2l)l>, an den kleineren Universitäten auf lOl) Personen(was noch ziemlich hoch ist. Red d.„B.") beschränkt werden. Nach Abschluß von drei Semestern hat der Student einen besonderen Zulassungsschein durch AblegungeinesZwischen- examens zu erwerben. Auf diese Art soll der Student zu gleich- mäßigem Studium angehackten werden. Breitscheid über paneuropa. Gegen die fixe Idee der„Sicherheit�, für wirtschastliche Zusammenarbeit und politische Gleichberechtigung. Gens, 4. Juni.(Eigenbericht.) In der öffentlichen Schlußsitzung der Föderation für europäisch« Zusammenarbeit, welch« der Jahresver- sammlütig der Union der Völkerbimdsveremigungen vorangeht und feis Msntag hier getagt hat. wobei eine eingehende Aussprache über den Eur-opa- Bereinigung»plan Bjria-irds stattfand, bwlt. Dr. B r eätsH« i d' heute eine«ändrpchsvolle Reh«.' Er be- kannte sich als überzeugten Anhänger des'Briandschen Llanesf mit dem Borbehalt, daß die zu schaffende europäisch« Biresnigüng ganz im Geist und Rahmen de, Völkerbundes organisiert werde und sich in keiner Weise gegen irgendwelche außer- europäischen Staaten oder Staotengruppen richten dürfte.. Scharfe Kritik übte Dr. Breitscheid an der fixen Zdee der europäischen Sicherheit. melch« am besten durch«in« gute und möglichst einheitlich« wirt- s ch a f t l i ch e Organisierung Europas gewährleistet werde. Ebenso fordert« er«ine Revision des überlebten Souverän!» tötsprinzips, an dessen Stelle immer bewußter das Prin- zip der Gleichberechtigung aller Staaten gestellt werden müsse. Dabei unterstrich Dr. vreitscheid mit großer Entschiedenheil. daß Deutschland diese Gleichberechliguug nicht genieße(erzwungene Abrüstung und einseitige entmilitarisierte Zonen) und sie onstreben müsse._ Aoch einmal Kalke. Oos Urteil in der Seeamtsverhandlung. Hamburg, 4. Juni. In der Seeamtsoerhondtung wegen der Abenteurerfahrt des Dampfers„Falte" beantragt« der Reichskommissar nach längerer Verhandlung, dem Kapitän Zippliit das Kapitäns- und Steuer- mannspatent zu entziehen. Er stewe ferner den Antrag, dem ersten Ossizier Kölling das Kapilänspatent zu entziehen, ihm dagegen das Recht zur Ausübung des Steuermanngewerb«» zu belassen. " Der Spruch, den das Seeamt darauf hin fällte, besagt, daß Zi p p l i t t gegen seine Pfichten Äs deutscher Kapitän verstoßen Hab« dadurch, daß«r dem venezolanischen Rebellenführer den Fahneneid leistet«. Er Hab« damit seine Autorität an Bord in hohem Maße untergraben. Zipplitt habe hierdurch einen so hohen Grad mora- lischer Mängel gezeigt, daß ihm die Befugnis zur Aus- Übung des Schiffergewerbes entzogen werde. Di« Befugnis zur Ausübung des Steuermann»gewsrbe? wurde ihm belassen. Di« Schiffsofsiziere treffe gleichfalls«in schwerer Vor- wurs, weil sie sich durch die Versprechungen de» Gelierole D«l Gaho hätten blenden lassen. Sie erschienen aber weniger belastet als der Kapitän. Dem ersten Offizier Kölling wurde entgegen dem Antrag de? Reichskommissars die Befugnis zur Ausübung des Schiffer- geroerbes belassen.__ Einführungsgeseh zum Sirafgesehbuch. Aach Annahme im Reichsrat dem Reichstag zugegangen. Das Emfühumgsgesetz zum Allgemeinen Deutschen Strasgesetzbuch und zum Strafvollzugsgesetz ist jetzt dem Reichstag zugegangen Das Einführungsgesetz hat den Zweck, die Bestimmungen über das Versahren dem neuen Strasvecht anzu- passen. Einschließlich der Begründung handelt es sich um ein Werk von mehr als 500 Druckseiten. Der Reichsrat Hot dem Einführungsgefetz zugestimmt und lediglich in der Frage der Eidesdelilie einen Borbehalt gemacht. Dieser Borbehalt fft jedoch überHoll, da inzwischen der Straf- recht sausschuß de, Reichstags durch Mehrheitsbeschluß die Form de, Eides überhaupt abgeschafft hat. Die miese Krisenbrise. Brüning:„Es war doch sehr unklug von mir, die Halste der Mannschaft wegzuschicken, bevor sich der Sturm gelegt Hat." Gemeinschast der Wirtschastsverbände? Worüber verhandelt wurde. der bechen verbände zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Wäh- rend die vorbereitenden Beratungen hierüber noch gepflogen«nur« den, wandten sich die Gewercichafisführer Eggert und G r a ß« -mann an Herrn v on R a u m e r mit dem Vorschlage, DechaMungen über eine Derständigung zwischen de» Gewerkschaften und. de» Unternehmern Herste rzusichren. D« genannten Unternehmeroer- bände beriefen hierauf ihr« Vorstandsmitglieder telegraphisch zpm Dienstag vormittag nach Berlin ein, während Herr von Raumer inzwischen mit den Mitgliedern der genannten Unternehmerkom- Mission verhandelte. Auch diese Meldung ist ganz offenbar falsch. Die Unter- nehnrerverbände brauchten ihre Mitglieder nicht noch Berlin auf Veranlassung der Gewerkschaftsführer einzuberufen, wenn der Reichsverband der Deutschen Industrie und die Vereinigung der Deutschen Arbeitgeberoerbände schon vorher je«ine Kommission ernannt hatten, die über die Preissenkung, die Entlastung des Reichshaushalts und die Regelung der Ärsteitslosenperflcherung berieten. Der tatsächlich« Hergang ist so. daß die Unternehmer sich an den ADGB. gewandt haben, und nicht umgekehrt. Schließlich berichtete die Telegraphen-Union, daß man von der Absicht, den Reichspräsidenten zu informieren und ihn zu voran- lassen, durch«in Schreiben auf die allgemeine Wirtschaftsnot durch die Notwendigkeit, daß all« Kreise Opfer bringen müßten, hinzu- weisen. Abstand genommen habe und daß man annehme, dieser Empfang beim Reichspräsidenten könne in der Woche nach Pfingsten noch stallfinden. Damit widerlegt die Telegraphen-Union selbst ihre eingangs erwähnte Behauptung. Schließlich teille die Telegraphen-Union noch mit, daß gegen- wärtig über diese Fragen im Untcsnehmerlager verhandelt würde und daß unter dem Vorsttz des Herrn von B o rf i g ein Kommission tage, an der Geheimrot Bücher, Präsident B r o u w e i l e r und Herr von R a u M e r beteiligt seien. Dies« Mitteilung stellt somit gleichfall» die Tatsache fest, daß gegenwärtig nur innerhalb des Unternehme rlagers ocrhandell wird. Offenbar ist man sich sowohl im Reichsverband der Deusschen Industrie wie auch in der Vereinigung deutscher Arbeitgeberver- bände darüber klar, daß das überhöhte Preisniveau, de- sonders der Kartellpreis« nicht ausrecht erhalten werden kann. Der schworindustrielle Flügeck aber versteift sich auf den Schiedsspruch von Oeynhausen, der— noch dazu ohne jode Konirolle— eine Preissenkung nur insofern vorsieht, als bei den Löhnen«ins Einsparung der Gestehirngskosten erfolgt. Dieser schwerinduslllelle Flügel möchte also mit Hiti« des umnög'ichen Schiedsspruchs von Oeynhausen«in« Preissenkung durchzuführen, die den Unternehmern nichts kostet, womöglich noch Gewinn abwirft. Es braucht nicht erst betont zu werden, daß ein« derartig«..Preislenkung" den schärfsten Widerspruch der Gewerfichasten finden muß und auf einer solchen Grundlag« jede Verständigung aussichtslos ist. Auch der Reichsverband und die Vereinigung sind sich bewußt, daß ein« derartige Politik ganz unmöglich ist. Man bemüht sich.offenbar gegenwärliz im Uillernehmerlager, die Schwerindustriellen umzustimmen. Bergarbeikerstreik in Mexiko. In Haco(Staat Sonora) sind die Arbeiter einer Bergmerksgesellschast in den Streck getreten. Die Gesellschaft ließ daraus die streikenden Arbeiter aus den ihr ge- hörenden Werkswohnungen zwangsweise entfernen. Hier- bei kam e» zu schweren Zusammenstößen, bei denen acht Personen getötet wurden. von vnlerrtchteler Seile wird uns mlkgelellt: In den Beratungen, die in den letzten Togen zwischen führenden Kreisen des Relchsverbandes der Deutschen Industrie und den Gc- wertschasle« stattgefunden haben,- sieht«in Teil der Unternehmer-- presse eine Art neuer Ieulralarbeilsgemeiuschafl. Der praktische Ausgangspunkt der neuen ArbeUt-geineiaschafi soll der Oeynhanser Schiedsspruch sein, der ein Opfer der Arbeit- geber und Arbeitnehmer der Eisenindustrie zur Ermöglichung einer Losten, und Preissenkung vorsehe. Diese beiden Kombimilloaen sind völlig abwegig. Eine neue Arbeitsgemelnschast ist von beiden Seilen von vornherein außerhalb der Diskussion gestellt worden, und der Oeynhanser Schiedsspruch wurde bei den Beratungen bisher über- Haupt nicht erwähnt. Di« Verhandlungen, die von Ver- treleru der Industrie eingeleitet wurden, hatten den Zweck, durch einen gemeinsamenAppellaudieOessenl- lichkeit, möglichst getragen von der Autorität de» Reich». Präsidenten, fördernd aus die Ankurbelung der wirk- s ch a s l einzuwirken. Die Bereinigung des Etats, die Behebung der Rotlage der Reichsonslolt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosen- Versicherung und damit zugleich eine dauernde Einschränkung der Arbeilslosigkeit, waren Gegenstand eingehender Besprechungen. Die Einzelheiten sollten in weiteren Beratungen geklärt werden. Die Gewerkschaslsoertreler haben sich bei den Verhandlungen m l t allem Rachdruck gegen eine Senkung der Real- löhne gewandt und für durchgreifende Senkung der Preise, insbesondere der Kartellpreise, ausgesprochen. Die Aktion wurde dadurch unterbrochen, daß der Reichs- verband der Industrie noch zu keiner einheitlichen Stellungnahme gelangen konnte. Tendenziöse Falschmeldungen. Die Schwerindustriellen sabotieren. Die Telegrapben-Union erfährt„von maßgebender Seite", daß die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Unter- nehmerverb äirde und der Gewerkschaften zur Zeit noch wellergehen und voraussichtlich' vor Pfingsten zu einem politischen Ergebnis führen würden., Dazu können wir erklären, daß die Verhandlungen unter- brachen sind und zwar auf Wunsch der Unternehmer und erst nach Pfingsten wieder aufgenommen werden. Zur Vorgeschichte der Verhandlungen berichtet vi« Telegraphen- Union.„Im Anschluß an den Schiedsspruch von Oeynhausen be» schlössen d«r Reichsverband der Deutschen Industrie und die Ver- einigung der Deutschen Arbeitgeberoerbände eine Kommission von je vier Mitgliedern zu ernennen, die untersuchen solll«: l. auf rvetche Weise eine allgemeine Preissenkung ermöglicht weiden könnt«, 2. wie der Reichshaushalt entlastet werden könne und S. welche Regelung der Arbeitslosenversicherung für die Wirtschaft als trog bar bezeichnet werden könne. Das Ergebnis dieser Unter- suchvngen sollte dann einer gemeinsamen Sitzung der Vorstände Deutsches Künstlertheater. „Ich tanze um die Welt mit dir." Ein« Revue aus 15 Bildern mit durchgehender Handlung von Marcellus Schiffer, Musik von Friedrich Holländer. Die Handlung dürstig, der Witz spärlich, einige Couplets schlagen«in. d'e meisten Bilder zu breit auegesponnen. Aber die Darsteller— Margo Lion und Karola Naher an der Spitze— erspiel«» dem Ulk einen hübschen Erfolg. vzr. SiMegungen und Lteberstunden. Kerienraub mit Kuchen, Schlagsahne und warme Würstchen. Die Unternehmer der Berliner Schuhindustrie unter- nehmen auf ihr« Arbeiter einen Großangriff. Vor dem Pfmgst- fest ist in den Betrieben der Schuhindustrie im allgemeinen die Be- schäftigung am günstigsten. Trotzdem in diesem Jahre in dieser Kanjunktiirzeit noch 3000 Schuhmacher erwerbslos sind, fordern die Unternehmer U e b c r st u» de n, statt die erforderlichen N e u c i n st e l l u n g« n vorzunehmen. In einigen Betrieben ist Sonnabendnachmiltags und auch Sonntags gearbeitet worden, ja, auch Arbeit mn Himmclfahrtstag wurde verlangt. Dabei hängen sich die Unternehmer ein soziales Mäntelchen um, indeni sie den Arbeitswilligen Bier, Würstchen, Kuchen und Schlagsahn« spendieren. Zur selben Zeit, wo Ucberslunden gefordert werden, reichen die Unternehmer Stillegungsanträge ein, weil angeblich nach dem Fest keine Arbeit mehr sei. Nach dem Bericht des Vorsitzenden H ö r tz finden die Unternehmer mit ihren Argumenten stärkste Unterstützung beim Oberpräsi- dium, während die sachlichen Einwände der Gewerbschaften nie beachtet werden. Insgesamt sollen etwa ein Biertel der Betrieb« überwiegend stillgelegt werden. Von 6 Betrieben niit 840 Ar- heitern, die in der Vorwoche Stillcgungsverhandlungen hatten, sollen 720 Arbeiter entlassen werden. kurz nach Pfingsten wird der größte Teil der Berliner Schuh. wacher arbeitslos sein. Die Stillegungen erweisen sich als ein Ferienraub größten Stils. Nach dem Reichstorif der Schuhindustrie setzt der Urrternehmer nach Anhörung des Betriebsrats die tariflichen Ferien fest. Die Arbeiter, die in den letzten vier Wochen vor Beginn der Ferien entlassen werden, haben Anspruch aus Ferienleistung. Di« beantragten Stillegungen werden nun vor diesem Stichtag durch- geführt, so daß ein großer Teil der Arbeiter, die den Ferienanspruch fast erworben haben, mn ihre Ferien kommen. Di« Unternehmer sparen dabei das Feriengeld, das st« ja zweifellos im Laufe des Jahres in ihr« Berkaufspreise bereits einkalkuliert hatten. Die Sttll- legungen bedeuten also nicht nur einen Verlust der Ferien für die Arbeiter, sie sind gleichzeitig eine ungerechtfertigte Bereicherung der Unternehmer. In der Aussprache In der Funktionärkonferenz der Schuhmacher führten selbst Kommunisten diesen Angriff der Unternehmer aus die Tatsache der erfolgten Spaltung zurück. Die von der KPD. durch- geführte Spaltung der Berliner Schuhmacher hat die Widerstands- kraft der Mitglieder gelähmt. Auch im Betrieb Leiser, der von dem kommunistischen Verband beherrscht wird, wurden U e b e r- stunden gemacht. Der„revolutionäre"' Kamps spielt sich in diesem Betriebe so ab, daß densreigewerkschaftlichenKollegeii die Arbeit versaut wird, damit dies« vom Letriebsinhabcr entlassen werden bzw. im Pensum nicht mitkommen. Di« von dem Oppositionsverban-d gestellten Lohnforderungen im Betrieb wurden zurückgezogen, nachdem die Firma mehr Arbeit verlangte. Wir haben im„Vorwärts" oft genug die Zahlstellenleitung der Berliner Schuhmacher auf die Folgen ihrer kommunistischen Politik ausmerkfam gemacht. Der Angriff der Unternehmer in diesem Jahre nach der Spaltung zeigt, daß nur Zusammenhalt und Einheit der Berliner Schuhmacher gewerkschaftliche Erfolge verbürgt Das Berhalten der Unternehmer ist skandalös. Für das Der- hatten der Auffichtsbehörden fehlt uns jede Bezeichnung. Sie steht im direkten Widerspruch zu den Rundschrerben des R«chsarb«its- Ministers und des preußischen chandelsmimsters betreffend Genehmi- gung von Ueberstunden. Wir erwarten, daß die Angelegenheit einer Nachprüfung unterzogen wird und die Verantwortlichen zur Rechen- schast gezogen werden. Kein Ausnahmegeseß für Fesibefoldeie! Notopfer aller Leistungofähisien. Der Gefchäftsausschuß des Veamtenbeirats des Gesamtvcrbandes der Arbeitnehmer der öffentlichen Betriebe und des Personen- und Warenverkehrs fordert die Bsämtenschoft seines Organisations- gebietes auf, in Ausführung des Beschlusses des erweiterten Bundes- Vorstandes des Allgemeinen Deutschen Beamtenbundcs vom 28. Mai 1330 gemeinsam mit den örtlichen, bezirklichen, provinziellen und Landeskörperschoften des ADB, den Abwehrkampf gegen die reaktionären beamtenpolitischen Pläne des Rsichsfinanzministrriums aufzunehmen. Der Abwehrkampf richtet sich gegen die Absichten des Reichs- finanzministeriums durch ein Ausgabcnsenkungsgesetz, einen Abbau der örtlichen Sonderz»schlüge, eine weitere Kürzung des Urlaubs, eine Kürzung der Pensionen und Wartegelder, eine Erhöhung der Altersgrenze vor- zunehmen, sowie die Entlassung w c i b l i ch e r B e a m t e r bei ihrer Derheiratung, d'e Nichtanrechnung der Wnrtcstandszeit auf das Pcnsionsdienstalter vorzuschreiben und ein allgemeines B e s o l- dungsspcrrgesetz für Länder-, Gemeinde und Körpcrschafts- beamte zu crlasien. Die einseitige Intcressenpolitik der jetzigen Reichsregierung zu- gunsten kapitalistischer und großagrorischer Kreise ist nicht geeignet, die Notlage auf dem Arbe'tsmarkt und das Elend der Arbeitslosen zu lindern. Anftntt eine Heranziehung der Leistungsfähigen zur Milderung der Not der Bedürftigen, wird eine Sonder- besten erring in Form eines Notopfers propagiert, die aus- schließlich die Beamten und Fcftbesoldeten belastet. Diese Absicht wird als eine krasse Ungerccht'gkest ans das entschiedenste zurück- gewiesen. Die im Gesamtverband organisierte Beamtenschaft ist gewillt, bei der Aufbringung der zur Lindening der Not der arbeitenden Schichten erforderlsti"n Mittel im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit mitzuwirken. Voraussehung dafür ist, daß alle lcistungs- fähigen Kreise in gerechter Weise herangezogen werden. Sie muß es ablehnen, Lasten zu Übernehmen, die ungerecht sind und eine weitere Erschütterung ihrer Existenz bedeuten und fühlt sich einig im Abwehrkamvf mit der gesamten freigcwerkschaftl'ch organisierten Arbeiter- und Zlngcstclltcnschaft. Natürlich! Die llnternellmer verlangen verbindlichen Lohnabbau. Die klnkcrnehmer der nordwestlichen Schwereisenindustrie haben beim Relchsarbclieininlster Verbindlichkeilserklärung des Oeynhauser Schiedsspruchs beantragt. Die Verhandlungen hierüber beginnen am Donnerslaonochmittag. Arbeiisämier und Aebersiunden. OaS böse Beispiel im eigenen Hause. Der Aentralverband der Angestellten schreibt uns: „In der Nr. 252 des„Vorwärts" wird der Gedanke erörtert, das Recht, Ueberstunden über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus zu genehmigen, von den bisher dazu bsauftrogten Gewerbe- aiijstchtsämtern auf die Arbeitsämter zu übertragen. Maß- gebend dabei ist die Erwägung, daß bei den letzteren eine viel ein- gehender« Kenntnis des Arbeitsmarktes vorhanden ist, so daß auch dieser wesentliche Gesichtspunkt bei Anträgen auf Arbeitszeit- Verlängerung seine gebührende Berücksichtigung finden kann. Es ist zweifellos richtig, daß die s o ch l i ch e Eignung der Arbeitsämter hierfür nicht bestritten werden kann. Die Arbeits- ämter sind sicherlich in hohem Maße berufen, die Arbeitsmarktlage auch von dieser Seite her zu b Seins lusien. Es ist jcido.h hierbei auch die gewissermaßen subieltive Eignung in Betracht zu ziehen. Don den 361 Arbeitsamtsvorsitzenden hat seit Bestehen der Reichs- anstalt die überwiegende Mehrheit im eigenen Betriebe Ueberstunden in' einem erheblich, oft ungesetzlichen Ausmaße angeordnet oder geduldet. Es muß deshalb bedenklich stimmen, wenn den Arbeitsämtern das Gcnchmigungsrecht für Ueberstunden auch in anderen Betrieben übertragen werden sollte." Die Bedenken des Zd2l. sind gewiß nicht unbegründet. Aber abgesehen davon, daß die Arbeitsämter Ueberstunden machen, weit sonst die Arbeitslosenversicherung einfach zusammenbrechen würde, denn der Vorstand der Reichsanstalt verweigert den Arbeitsämtern die Mittel zur Einstellung von Hilfskräften, so versteht es sich von selbst, daß die Genehmigung von Ueberstunden an b« st i m m t e Voraussetzungen gebunden sein müsse Niemand, außer den Arbeitslosen selbst, kann aber ein größeres Interesse haben an der Entlastung der Arbeitsnachweise, als gerade die Arbeitsämter. Sie werden von Arbeitslosen belagert und werden naturgemäß jede Gelegenheit ergreifen, um Arbeitslos«, sei«s auch nur vorübergehend, in Arbeit zu bringen. Deshalb dürfte auch der Druck dieser Taffachen stärker sein, als die inneren Hemmungen, auf die der ZdA. hinweist.■ Generalangriff auf die �.öhne. Auch den Textilarbeitern sollen die Löhne gekürzt werden. Der Gesamtverband der Vereinigten Arbeitgebervevbände im Obererzgübirg« hat den Mantel-und Lohntarifvertrag für die Obererzgeb irgisch« Textilindustrie ge- kündigt. Der Avbcitgebervevband will mit der Tariskündigung einen Lohnabbau erzielen. Bauklempner gegen Akkordarbeit. Einstimmige Ablehnung des Schiedsspruchs. Im Lohn- und Manteltarifftreit der Berliner Bau klempner ist vom Schlichtungsausschuß ein ähnlicher Schiedsspruch gefällt worden wie für die Rohrleger und Helfer. Für die Bauklempnei war die Situation bei Beginn der Tarifverhandlungen noch u n- günstiger als für die Rohrleger, da ihr Manteltarif von den Unternehmern, der Lohntarff allein von den Arbeitern ge- kündigt worden war. Die Unternehmer hatten den Unterhändlern ber BauklemzHier eine reichhaltige Musterkollektion von Ber- fchlechterungsan trägen unterbreitet. Der Schiedsspruch des Schlichtungsausschusses ist'ein getreues Spiegelbild der augenblicklichen Arbeitsmarktlage. Cr lehnt zwar die meisten Berschlechterungsanträge der Unternehmer ab, kommt aber auch den Forderungen der Bauklenipner fast gar nicht entgegen. Während er u. a. den Arbeitern, die zwei Jahre in einem Betrieb .tätig sind, einen Tag mehr Urlaub als bisher zubilligt, und für Turm- und Hochbauten über sechs Stockwerke einen Zuschlag von 2 Proz. aus den Tariflohn vorsieht, hebt er z. B. die wichtige Tarifbestimmung auj, wonach sämtliche Arbeiten im Zeitlohn ausgeführt werden muffen. Durch die Beseitigung dieser Tarisbestimmung wird für die Einführung der Slkkordarbeit die Bahn fr«, gemacht. Die Forderung auf eine zeitgemäße Verkürzung der Ar- b e i t s z e i t lehnt der Schiedsspruch glatt ab. Er spricht weiter die iinoerönderte Verlängerung des Lohnobkommens bis zum 3l März 1331 aus und weist damit die Forderung aus Lohnerhöhung eben- falls ab. Allerdings bedeutet die klarere Fassung einiger Tarif- bestimmuirgen bis zu einem gewissen Krade auch eine Verbesierung gegenüber dem bisherigen Zuschlag. Der Maitteltaris soll bis zum 31. März 1932 gelten. Die im Metollarbeiterverband organisierten Bauklempner lehnten gestern abend in ihrer Branchenversammiung den Schiodsspruch genau wie die Rohrleger einstimmig ab. Sie beauftragten die Organi- sation, vor dem Schlichter von Eroß-Berlin zu versuchen, den Schieds- fpruch in einem für sie günstigeren Sinn« abzuändern. Den Haupt- grund für die Ablehnung bildete die Streichung der Zwangsbestim- mung über die Lohnarbeit, wodurch den Unternehmern die Akkord- arbeit freigegeben wird, wegen deren Beseitigung die Berliner Bau- klempner 1303 einen neunwöchigen Streik und 1911 einen ekswöchigen Streik führten Vorstoß der Nazis. Die Musiker geigen ihnen heim. Zu den schaffenden Menschen, die schon seit längerer Zeit schwer um ihre Existenz ringen, gehören zweifellos die Musiker. Von Jahr zu Jahr ist ihr Wirkungskreis enger geworden. Schallplatte, Rundfunk und neuerdings der Tonfilm haben Tausende von Berufs- musikern zu" bcrufsüblich Arbeitslosen gemacht, die mit Gelegenheit?- � geschäfien ein kümmerliches Dasein fristen und das Jahrhundert ver- wünschen, das auch ihre Kunst technisiert. Welches unsägliche Elend spricht aus den Zahlen, die die Sta-' tistiken der Aibeitsnachweise über die Musiker oder die Verbands- statistiken enthalten! Allein in Berlin sind zur Zeit 2100 Musiker arbeitslos, von denen aber nur 1528 Arbeitslosen-, Krisen- oder Wohlsahrtaimderstiltzung«tzav««»per von der Erwerbalosenhtff« der Stadt Bertin notdürftig öder Waster gehatten werden. Rund«in Drittel der arbeitslosen Berliner Musiker bekommt also von tewer Seite auch nur«inen Pfennig Unterstützung. Und während hier schaffensfreudige Menschen nicht mehr ein noch aus wissen, gastieren ungestört monat«. und jahrelang Aus- länderkapellen in Berlin und im Reich, spielen Beamte und Dilettanten im Nebenberuf und nehmen Reichswehr- kapellen den Zivilberussmusitern die Arbeit weg. Es bestehen zwar Reichsrichtlinien, wonach Beamte zum Musizieren die Genehmigung des Arbeitsamtes haben müssen. Aber trotz dieser Richtlinien gehen Reichs- und Staatsbeamte noch wie vor abends und Eountags gegen Entgelt spielen. Werden sie wirklich dabei ertappt, daß sie ohne Genehmigung des Arbeitsamtes musizieren, dann heißt es, sie spielen unentgeltlich— und die vorgesetzten Dienstbehörden glauben das! Alle Beschwerden Über das Spielen der Reichswehrkapellen werden vom Reichswehrministerium in einer nichtssagenden Art beantwortet, die jedes soziale Verständnis im Reichswehrministerium vermissen läßt. Das furchtbare Elend der Berufsmusikerschoft wurde von dein Vorstandsmitglied des Deutschen Musikerverbandes, Gcnosicii Gallas, gestern in einer öffentlichen Musikerversammlung be- handelt, die aber leider nicht den würdigen Verlauf nahm, der einer solchen Veranstaltung geziemt. Ein Stoßtrupp von Ratio- n a l s o z i a l i st e n, und zwar größtenteils Berufsfremde, versuchte in dieser Kundgebung unter Führung des notionalsozia- listischen Stadtverordneten Engel in flegelhafter Weis« Propa- ganda für diese Partei der Mesierhelden zu machen. Die Nazis sind zwar auch hier mir die gelehrigen Schüler der Moskowiter, doch werden sie sehr schnell erfahren, daß die Gewerkschaften, die mit dem moskowitischen Terror fertig geworden sind, kein Boden sind für nationalsozialistische Zellenbildung. Trotz des Pfeifens und Johlens dieser Flegel, die in der Versammlung nur eine krokeclende kleine Minderheit bildeten, brachten die vcrsam- mellen Arbeitelosen in einer Entschließung zum Ausdruck, daß sie den Deuffchen Musikerverband beauftragen, mit allem Nachdruck für die Einführung des Meldezwanges im Musikergewerbe sowie dafür einzutreten, daß den Kontrolleuren des Arbeitsnachweises der Musiker die Machtbefugnis eingeräumt wird, die von Schwarzarbeiten! und Doppeloerdienern besetzten Arbeitsstellen frei- zumachen. Gedämpfter Trommelklang. Bei den„oppositionellen" Buchdruckern. Die„Rote Fahne" berichtet am 4. Juni Über die Bezirksversamm- lungen des Buchdruckerverbandes, die sich mit dem bevor- stehenden Ausschluß des Maschinensetzers Mahlo beschäftigten. Nur in zwei Bezirken von elf wurden Resolutionen der„Opposition" angenommen. Die Niederlage der KPD. ist damit besiegelt. Der schlechte Versammlungsbesuch wird in der„Roten Fahne" im Fettdruck wie folgt begründet:„In allen Versammlungen zeigte sich, daß sogar ein Teil der sozialdemokratischen Kollegen den Terror des Verbandsvorstandes ablehnt und in den Versammlungen fehlte". Also: Obwohl die Sozialdemokraten fehlten, wurde in sieben Bezirken folgende Resolution angenommen:„Die Vezirksversamm- liing billigt die Maßnahmen der Verbandsinstanzen iin Falle Mahlo". Also den Ausschluß! Daß sich aber die„Opposition" der eigenen Mitläufer schämt, ist wohl selten vorgekommen. Di«„Rote Fahne" schreibt:„Im 3. Bezirk übte der Sozialfaschist Tilgner als Versammlungsleiter Zensur aus und brachte die Resolution der revolutionären Gewerk- schaftsopposition nicht zur Abstimmung. Eine von einem andern Kollegen eingereichte Resolution... wurde dann mit Mehrheit an- genommen." Der„andere" Kollege war der„Oppositionelle" U r b a h n s, der dem Verbände„schon" seit dem 17. lliovember 1329 angehört. Als Urbahns für die„oppositionelle" Resolution sprach, wurde er von dem Versammlungsleiter Alfred Schulze unterbrochen und ihm gesagt, daß.der Bezirksvorstand über Resolutionen, die Beleidigungen der Verbandsinstanzen enthalten, nicht abstimmen lassk. Prompt ließ Urbahns die„oppositionelle" Resolut'on fallen und erklärte eine andere einzubringen. Alle„Giftzähne" gegen die„Gcwerkfchafts- bürokraten" waren ausgebrochen. Wir gönnen der„Opposition" auch ferner Urbahns, der jetzt schon fünf Monate den Buchdrucker mimt. Der Buchdruckerverband bedarf der Belehrungen des Schulmeisters Urbahns nicht. ?crr, jagrn die Gruvprn: KSoenick: Jugendheim Grllnauer Etr. S. Selmbefureckung. Ben Nest de. Abend» verbringen wir im Freien.—®«s»nddeunnen: Jugendheim Note Schule, Goten- hurgcr Str. Z. Keimbisvrechung.— Südosten: Gruppenheim Reichemhergcr Straße W lFeuerwehrhaus). SeimMprechung. Verbandsbuchkontrolle. Wir lesen a», dem Buch„Ick lach man Ast".— Tcmprlhos: Grüppenheim Lmeum Gciinaniostr. t— 6. Seimbesorechung. Kampflieder.— Moabit: stng-ndheim Lehrter Str. 18—18. Seimbeiprechung. Licdcrabrnd.— Rcu-Lichtrnberg: Inaendhrim Gunterstr. ii. Vartraa:„Aufbau, stwrck und stiel der FGI."— Lichtenberq: gugendheim Laufs- an der LriTlNcistrakie. Bor'raq:„Sinn und Wert des Wanderna".— Treptov» und BckIeiduu»«>rbc!ler»Inge,ib: Spielen auf der Treptower Spielwiese. .�«!menh<,r«pt'e de6?entra!rers'ondes der Anaeffellien t-ies: will............................■■■■■■ i......... w# Acute. Tonnerotag. sind folgende Veranstaltungen: Panlow-Rieder. schönhansen: Jugendheim Eörschstr. 14 sgroße, Zimmer). Bunter Abend. — Tr«?!oa>: Jugendheim der Schule Wiidenbruchstr. 58 istugong von der Grach- straße). Vortrag:„Kandel und Industrie in Spanien".— Schöneberq: Jugend- heim Kaupisir. 15 lKofgebäude. Thüringen, immer). Vortrag:„Neligion und Wissenschait— wie stehe» ste ,uei»andrr?" Nesercnt Dr. Mar Schütte. Von 18—20 Uhr Arbeitsgcmeinschatt in Englisch.— Spiel nnd Sport: Ab 18 Uhr im Volk-park Nehberge: ah 18 Uhr auf drm Svortplah Bremer Straß-(Nordwest): ad 19 Uhr auf dem Eportplah Olbersstraße lEharlottsNburg). Ar. 25Ä* 47. Jahrgang *1. 35df(i$£ ��6 Sortport� Oonnerstag, 5. 3tmt 1930 Das Idyll in der Rhön Pfingstwanderung zu den Höhen der Segelflieger Vor wenigen Jahrzehnten war die Rhön dem Wanderer völlig unbekannt, wenige kannten sie. sie galt als rauh und ungastlich. Die Fremden, die der Zufall dorthin brachte, fanden die De- völkerung arm und verschlossen. den Boden karg. Manche jedoch kamen gerade ob der Unberührt- heit der Landschaft, wegen der herben Schönheit der Natur und der stillen besinnlichen Art ihrer Bewohner wieder. Ihre Zahl wuchs von Jahr zu Jahr, war jedoch im Derhältnis zu anderen schönen Teilen unsere, Vater. landes m>6) zu gering, um all- gemein auf die Rhön als Erholungsstätte für die breiten Massen des B o l k e» aufmerksam zu machen. Das wurde mit einem Schlag« anders, als in der Nachkriegszeit die S« g« l f l i e g e r« i die Rhön in den Blickpunkt der gesamten Oesfentlichkeit lenkte. Di« Rhön in der Inbegriff der deutschen Segelflieger«! g«. worden, dem großstadtmüden Arbeiter aber ist sie als Wandergebiet. als billig« Aufenthaltsstätte noch viel zu wenig bekannt. Für Snobs und elegant« Weltenbummlcr ist si« allerdings nichts, die ungemein spröde Bergnatur, die Reiz« von ungeahnter Lieblichkeit birgt, will erobert sein� In sanftem Schwünge der Berglinien, im Wechsel von Berg und Fels, Wald und Wies«, und mit der großen Einsamkeit der Moor« ist sie für den geplagten Großstadtmenschen«ine Freuden- spenderin ohnegleichen. Bon Berlin aus über die Strecke Frank- furt— Bafel erreicht man Fulda, O-Zug-Station, in wenigen Stunden Fahrt durch landschaftlich reizende Gegenden. In Fulda, wo man zwecks Besichtigung der Sehenswürdigkeiten Station macht, beginnt man am besten seine Rhöntour. Die Stadt Fulda birgt viel« Schätz« kulturhistorischer Art, wer Zeit hat, soll ruhig zwei Tag« oder«iium daran setzen, um si« zu besichtigen. Genannt seien der Dom, erbaut 1704/13, der«in« Nachbildung der Peterskirch« in Rom ist(hier siegt auch Bonifaciu« begraben), ferner die Michaelis- kirch«, die ästest« Kirche Deutschland», erbaut 820, mit unt«rirdrschen Verließen, in die sich fanatisch« Mönche selber lebendig begruben. Ein Ueberblestifel aus dem Mittelaster das jüdisch« BierteL Noch viele andere Ding» wären beachtenswert, die ab«r über den Rohmen des ArtiMs hinausgehen. Von Fulda au» fährt man mit der Klein. bahn zur Station Mieseburg in idyllischer Fahrt und beginnt von hier au, den Ausstieg zu dem SN Meter hohen Mieseburg. Ueber groß«, weit ausgedehnte Moränenfelder mit zum Teil rissigen Felsblöcken geht der Weg, einer bequemer, der andere, für rüstige Wanderer. romantischer in zirka zwesstündigem Marsch zur Kupp« der Mieseburg, mo eine wunderbar« Fernsicht den oben Ankommen- den belohnt. Dortselbst Kapellen mit riesiger, frei aufgestellter Kreu- zigungsgrupp«. Nach kurzer Rast, Untorkunstsheim ist vorhanden, geht «s wieder bergab nach der anderen S«it« zu, um Abtsroda zu erreichen. Ueber wunderbare.höhen, springend« Gebirgsbäche und stille Waldwiesen gelangt man in etwa 4 bis 6 Stunden zum Fuße der W a f s e r k u p p« in das freundlich« Dörfchen Abtsroda. Hier kann man billig sowohl in Gasthäusern als auch privat übernachten, wenn man es nicht eiliger hat, die Wafsevkuppe selbst aufzusuchen. In wild zerklüftetem Eelärid« schlängest sich der Weg gut begehbar in I bis 2 Stunden zur Wossertuppe. Auf der Wafferkuppe herrscht Wimer und Sommer reges Leben. Untevkunftsmöglichkeiten, auch mit Beköstigung, sind in reichem Maße vorhanden. Es wird fast täglich geflogen, und man kann sich außer an der herrlichen Fernsicht auch an den lautlos fliegenden Flugzeugen satt sehen. Zu schnell schlägt die Zlbschicds- stunde, denn nach Gersfeld, dem auf der anderen Seit« der Wasser- kuppe gelegenen kleinen Städtchen, ist noch ein schöner Weg. Man erreicht diesen Luftkurort in angenehmem Abwiirtssteigen, an Schäfern mit ihren Herden vorbei, an großen Mooren vorüber, in etwa 2 bis I Stunden. Dort hat man ausgezeichnete preiswerte Gasthäuser zum Uebernachten und um ein warmes Mahl einzu- nehmen. Proviant kann man ebenfalls billig hier ergänzen. Von Gersfeld aus geht die Wanderung wester zu den gastsreundlichcn Mönchen de? Kloster? Kreuzberg, dos man durch idyllisch ge- legen« Dörfer in zirka fünf, bis achtstündigem Mass che erreicht. Hier kann man gut und billig übernachten und speisen, denn die Mönche, die dieses Kloster bewirtschaften, sind ganz auf Touristen« verkehr eingestellt und sind überaus humorvoll« Mitbürger. Nicht verschwiegen iverden soll, daß sie«in eigenes Bier brauen, da» sich sehen lassen kann. Vom Kreuzberg genießt man einen wunderbaren Rüifbsick auf die bisher zurückgelegt» Route und eine herrlich« Fern. ficht bis Kissingen, Brückenau usw. Hat man sich hier genügend erbost, dann beginnt man den Abstieg über die mit Rocht so genannt« Kniebreche zum Städtchen Bischof» heim, da» man in etwa einer Stunde erreicht. Zeit bis zum entfernter gelegenen Bahnhof. Hier besteigt man die Meinbahn und fährt bis Reustadtan der Saal«, wo man in den Zug über Mellrichstadt in Meiningen oder Ritschenhausen in den Berliner Zug, über Erfurt führend, umsteigt, mit dam festen Borsatz, bei nächster Gelegenheit, spätestens im nächsten Jahr«, wiederum die Rhön aufzusuchen. Sinsoniekonzerle im Zoologischen Garken. Das Berliner Sinfonie-Orchester veranstaltet in diesem Sommer wiederum jeden Donnerstag ab 29 Uhr im Zoologischen Garten aus- erlesene künstlerische Konzerte unter der Leitung von Dr. Helmuth Thierfelder. Das erste Sinfoniekonzert findet am nächsten Donnerstag, ö. Juni, als Deutscher Mei st erabend statt. Als Solist wirkt Franz Sauer(Baß) von der Berliner Städtischen Oper mit. Das Ende der„Großsiedlung", j Die 5000 Mitglieder endgültig orn ihre Einlagen gebracht.' Jetzt hat der Zusammenbruch der„Großsiedlung e. SS.- seinen Abschluß gesunden. In einer Mstgliederversammlung wurde den 3990 Mitgliedern eröffnet, daß alle ihre Einlagen endgültig al, verloren zu betrachten sind. Das gesamte Vereinsverinögen beträgt gegenwärtig etwa 73 M. Aber auch dieser Betrag ist bereits vom Fernsprechamt beschlagnahmt. Dem„Vermögen" stehen auf der anderen Teste große Schulden gegenüber, da«in großer Teil der kostspieligen Vorarbeiten, Kalkulationen, Pläne und Reklame» schriften noch nicht honoriert sind. Die ganze Altion, die zu Anfang, noch mit dem Namen des Prof. Gropius hausieren gehen kannte, hat nun das Ende gefunden, dos verantwortungsvolle Fachleute längst voraussahen. Fünftausend Menschen sind um ihre Einlage, die mindestens 23 M. betrug, schmählich betrogen worden. Di« Nachprüfung, wo die Gelder jetzt geblieben sind, ist nun Sache der Staatsanwaltschaft, die auch besonders die Rolle des Diplomingenieurs Fischer zu untessuchen hat. Zur ordnungsmäßigen Liquidation des V«i> eins ist jetzt eine Kommission eingesetzt worden. GensaiioneNe Erklärung Luiktes. llnterredong mit einem Vertreter deck??otterdamer „Voorwaorts-. Amsterdam, 4. Juni.(Eigenbericht.) Der Rotterdamer Kaufmann Luttie, der im Besitz eines Millionen-Vermögens de? Berliner Stadtrats Busch sein soll, erklärt« einem Vertreter des sozialdemokratischen Rotterdamer„B o o r- woarts", daß an den Behauptungen der Berliner Press« kein w a h r e» W o r t sei. Er habe Busch ISIS kennengelernt. Busch habe damals von ihm LebensmtttelfürdieStadtBerlin bezogen. Im Ialzre lS24 habe er Busch ein« Vollmacht zugehen lassen, um«ine private Zlngelegenheit für seine Frau zu regeln. Diese Bollmacht habe Busch nicht zurückgegeben, sondern mißbraucht. um unrechtmäßig erworbenes Geld mit seinem Namen zu decken, Unterschlagungen zu verbergen undIahr« hindurch Steuern zu hinterziehen. Er(Lutkie) habe, i ohne sein Wissen, viel« Jahre als Strohmann für die Geschäfte von Busch gedient. Auch sei es unwahr, daß er vergiftet« Kaninchen an Deutschland geliefert habe. Er lehne daher auch die Verant» wortung für die Forderung an Busch ab, die aus seinen Namen! verbucht sei. Magistratsdebatie über die BVG. Schorfe AvScivandersetzunsi zwischen ÄürgermeisterScholh und Stadtrot Aeuter. Wie wir berest« in unserer gestrigen Abendausgabe mitteilt«� beschäftigt« sich her Berliner Magistrat gestern mit der Finanzlage dar B« r t« h r s g e s e l l s ch o f t. Di« Sitzung bracht« jedoch nicht die Ueberraschungen, die viel« erwartet hottest.. Erst nachdem alle lausenden AngeleFenheiten erledigt waren, kam es zu einer Aussprache über die Verkehrspolitik der Stadt. Gegenüber dem volksparteilichen Bürgermeister verteidigte Stadtrot Reuter ix« bisherige Politik de? Derkehrsgelellschaft. Die Debatte mußte jedoch vorzeitig abgebrochen werden, weil der Bürgermeister die Sitzung verließ, um sich.zu einer Be- sprechung ins Oberprösidium zu begeben. Um die Frage «wer eventuellen Tarifänderung einer Lösung näher zu! bringen, wurde dem Unterausschuß des Magistrats für die Ver> kehrsangelegenheiten die Materie zur weiteren Beratung übergeben. Heute wird im Haushaltsausschuß die Beratung de» Etats der Berkehrsgesellschast fortgesetzt werden. Den Standpunkt � der sozialde, nokratischen Rathaussraktion wird voraussichtlich der Stadtverordnete L o e w y vertreten. Wer die Jahre verstrichen, er wurde ein reifer Mann und verfaßte noch immer nichts anderes als genial» Bemerkungen, die, in verarbeitetem Stande, ein talentvolles Werk hätten abgeben können. Er machte sich auch an ihre Ausarbeitung, aber je weiter dieselbe fortschritt. desto mehr verloren sie von ihrer Glut. Und zuletzt lagen all seine unvollendeten Arbeiten wie Aschenhäuschen vor ihm. kalt und ohne Funken. Und wie es oft mit den rötesten Rosen und den hellsten Tenören der Fall ist, daß sie nämlich steril sind, so kann es wohl auch gerade bei den größten Genies vorkommen, daß die Schaffenskraft ihnen fehlt und sie sterben müssen, ohne Frückste getragen zu haben. Aber darin liegt manchmal keine Tragik für sie, das heißt, in solchen Fällen, wo iynen auch der Schaffensdrang abgeht. Und trotzdem verrichten sie eine nützliche Aufgabe in der Allgemeinheit, denn sie vermögen so manches blutarme Talent in Glitten zu tauchen, indem sie in ihrem eigenen Feuer verbrennen. Ich Hab- bei mir gedacht, daß der Hauptmann die Tra- gödie seines Lebens gewiß entdeckt haben wird, qls er in der verglühenden Asche grub. Und die große, wahnwitzige Sinn- losigkeit des Lebens hat ihn dann manchmal mit ihrem Atem gestreift, so daß der Staub dieser Asche ihm über die S-clc flog, bis sie verweht war. Di« Umstände bewirkten, daß ich seine Papiere später alle durchsehen mußte, auch seine Tagebuchaufzoichnungen. Und dabei wurde mir klar, daß Gott sein Wesen gespalten und ihm die Leiden vieler Seelen auf einmal auferlegt hatte. Sein Gesicht war von Lastarn verheert. Und doch er- rötete er bei jedem gewagten Worte. Und vielleicht verhielt es sich so, daß sein Aussehen und sein geradezu lächerlicher Wscheu vor jedem freien Wort— sogar unter Kameraden— sich aus Perioden Ichrieb, die ihn Tags und Nächte hindurch m Orgien versinken ließen, aus Perioden gleich denen, die i. Hie Geschichte der Borgias überschatten, Dieser Mann ließ seine Frau tragen, wenn er sich aus Reisen befand._ Und sogar an seinem Tisch ließ er sie essen. Diese Zustände, dia jeder Disziplin Hohn sprachen, hatte der Amtmann der Regierung gemeldet. Der Hauptmann aber kümmerte sich nicht darum. Alle Versuche, ihn von Lari zu scheiden, waren vergebens. Und doch war diese Frau so gar nichts fürs Auge, groß und � mager, wulstige Lippen, krankhaft brennende, rot- umränderte Augen, deren Blick auf ferne Dinge gerichtet zu fein schien, Dinge, die andere nicht sahen Lari und Jera wurden gute Freundinnen, trotzdem si« von weit verschiedener Nationalität waren. Aber Frauen von Weißen waren sie ja losgerissen aus ihren Stämmen. In vieler Hinsicht standen sie auf dem gleichen gesellschaftlichen Niveau, denn beide waren aus guter Familie, sprachen ver« schiedene eingeborene Sprachen, waren weit gereist und hatten überhaupt«ine ganz gute Erziehung genossen. Außer- dem gehörten sie beide dem heimlichen Bund an, der Mit- glieder aus den hochstehenden Gesellschaftsschichten aller Kongostämme zählt und der vielleicht in fernen Zeiten ein- mal in der Lage sein wird, die vielen Stämme um ein ge- meinsames Ziel zu sammeln. Lari besuchte Hera oft. Und eines Abends kamen sie beide in mein Arbeitszimmer, in dem ich schon den ganzen Tag verbracht hatte, ohne etwas zu tun, ohne mehr als das Ällernotwendigfte zu reden und fast ohne zu essen. Ab und zu trank ich eine Kanne Rotwein oder einen Whisky Half and Half. Ich schlenderte auch hin und wieder von Wand zu Wand, um mich schließlich abermals zu setzen und meinen Gedanken nachzuhangen, die sich glqich düsternen, brodelnden Wetterwolken zusammenballten. Sinnlose Einfälle tauchten auf und versanken wieder, ohne Handlttngskraft wachzurufen. Ein Anfall von Tropenmelancholi« zermarterte mein Hirn- Plötzlich steht Lari vor mir. Glühend brennt ihr Blick mir entgegen. Ihre langen, schwarzen, fast gleichmäßig dünnen Arme streckt sie mir entgegen. Di« mageren Finger rnii den breiten Endgliedern bewegen sich, wie Schlangenbrut sich windet. Sie flüstert:„Iudchi. ich werde deine bösen Ge- danken an mich ziehen und sie in die nachtschwarzen Höhlen des Waldes zurückjagen, aus denen sie gekommen sind. Das tue ich, weil N«ra mich darum bat und weil Pera nicht die Kraft einer Lari besitzt. Aber nie darfst du den Hauptmann davon wissen lassen. denn er wird glauben, Lari hätte sich besudelt!* Ickz höre sehr wohl, was Lari sagt. Wer ich mag mich: nicht dazu herablassen, solch Gewäsch zu beantworten, zeige ij nur schweigend nach der Tür, um dem Hokuspokus ein Ende zu machen Wer Laris Augen mit den roten Rändern brennen mir> wie Sonnen entgegen, deren Strahlen über wein Hirn hin»' wegsenaen, daß es wie eins Wüste glüht. Und in dieser � Wüste sprießt«ine Blume empor, die wächst und wächst, bis sie üppig und mächtig den Himmel erreicht. Schwer und heiß ist ihr Duft und prächtig und rot ihre Blüte. Und in ihrem Schatten finde ich Ruhe. Mitten in der Nacht erwachte ich in meinem Bürostuhl. Unter anderem Gekritzel stand auch folgendes, nichtssagend« G-dicht auf dem Papier vor mir: Sieh, wein Gemüt ist ein« Wüste, wo außer einer Blum« keine Pflanze wächst.— Wunderbar schön ist di« Blum«, deren Wurzeln im Sande der Wüst« leben. Du warst Som«. du warst Regen, wenn dein Feuor-Tränen-Blick erstrahlte. Dach das Schicksal heißt dich andre Wege als die meinen wandern, und du entschwindest mit halb fremdem Nicken. Streit Ist in mir, und Kampf! Denn auch in meiner Seele wuchert«ine Blume! Blutrat glüht sie, hat ewiges Leben, denn sie durchpulst alle Kraft einer Wüstenseele! Ich konnte mich nicht enssinnen, diesen stammelnden Dichtversuch niedergeschrieben zu haben. Auch hatte ich keine klare Borstellung von d-m Auftritt mit Laru Aber ich hatte ja auch nicht wenig getrunken, und trotzdem die Sonne bald kommen und ich also viele Stunden geschlafen haben mußte, fühlle ich mich müde und zerschlagen. Ich ging zu Bett und schlief bis weit in den Tag hinein. Und an diesem Tag« lud der Hauptmann mich zu Mittag ein. Ich hatte schon immer wenig Verkehr mit den Weißen gehabt, mich üb«? das streng Notweichige nicht mit ihnen ein» gelassen, und dem Hauptmann hatte ich wahrlich noch viel weniger Beachtung geschenkt als allen andern... Wenn«r in Batu war, hielt er sich zumeist in der Messe der Station auf. ...(Fortsetzung folgt.) j Observaiofien beim Llmzug. Ourch die elektiischen Boeortbabnkn verdrängt Infolge der im Vorjahr durchgeführten Elektrifizierung der Berliner Stadl-, Ring, und Vorortbahn sind die staatlichen erdmagnetischen Observatorien in Potsdam und Seddin nicht mehr in der Lage, mit der nötigen Exaktheit ihre Beobachkungen durchzuführen. Die Observatorien müssen aufgegeben und nach einem abgelegenen Ort im südwestliche» Teil der Provinz Brandenburg verlegt werden. Hierzu erfahren wir diese Einzelheiten: Als am 24. April 1928 der erste Probezug über die eben elektrifizierte Vorortftrecke Potsdam— Erkner fuhr, wurden die Regh'trierbilder des allen Aus- flüglern wohlbekannten crdmagnetischen Observatoriums, das dem Preußischen Meteorologischen Instituts untersteht vollkommen zerrissen. Die Heftigkeit der Schwankungen bei den Aufzeichnungen der naturgemäß überempfindlichen Apparate war so groß, daß an magnetische Beobachtungen in Potsdam vorderhand nicht mehr zu denken war. Das wurde zur Selbstverständlichkeit, als die Reichsbahn am 11. Juni 1928 den Verkehr auf der Strecke Potsdam— Erkner eröffnete. Das erdmagnetische Observatorium in Potsdam hatte schon ein- mal unter einer ähnlichen Kalamität zu leiden, als Potsdam so.ne elektrische Straßenbahn in Betrieb nahm. Auch damals wurden die Registrierunzen empfindlich gestört. Deshalb wurden die emplindlicheren Apparaturen nach Seddin gebracht und in Potsdam gewissermaßen nur ein Kontrollbetrieb aufrechterhalten, Man suchte sich anfangs zu helfen, indem man die Registrierun- gen auf die drei Nachtstunden beschränkte, in denen der Stadtbahn- betrieb ruht, Ader auch dies mußte infolge der vielen rangierenden Züge aufgegeben werden. So ruht gegenwärtig die Messung der erdmagnetischen Variationen in Potsdam völlig, in Seddin wird lediglich ein Notbstricb aufrechterhalten. Unter diesen Umständen mußte sich das Oblernatorium nach einer neuen Heimat umsehen. Es kam nur ein dünn bevölkertes, wirtschaftlich wenig erschlossenes Gebiet in Frage, das die notwendige Ruhe bei den Beobach ungcn garantiert. Selbst in der weitesten Umgebung Berlins findet sich jedoch ein solcher Landstrich nicht mehr. da sich die Industrie mit ihren zahllosen elektrischen Anlagen überoll- hin ausgedehnt hat. Es blieb nach langem Suchen einzig die öde Südwest ecke der Provinz Brandenburg übrig, die auck nur von Verkehrslinien mittlerer Ordnung durchzogen wird. Die Wahl.fiel auf das Landstädtchen N i e m c g k, nachdem der Bescheid bei dem Preußischen Meteorologischen Institut eingegangen war. daß die das Städtchen berührende Brandenburger Lokalbahn in abfeh- barer Zeit nicht elektrifiziert wird. Außerdem oerpflichlete sich die Stadt, keine Gleichstromanlage mit Rücklcitung auf die Erde, wie sie die Berliner Stadtbahn besitzt, zu errichten oder zu gestatten. Ebenso darf 309 Meter im Umkreis des jetzt im Vau befindlichen Obscrva- toriums kein anderes Gebäude erstellt werden. Bismarck und Wetßenberg. Ein Geist, der nichts wie Unfug produziert. Die große Strafkammer des Landgerichts II beschäftigte sich gestern mit dem GotieslSsterungsprozeß gegen den Re- dakleur Franz k u r f o w f t i. der das Blatt der Weißenberg. Sekte, den„Weißen Berg", redigiert. In dieser Zeitschrist war ein Artikel erschienen, in dem die »Ossenbärungen" von Bismarcks Geist und feine Aeußerungen übet das Papsttum und die katholische Kirche„nachgedruckt"' waren. Das Schöffengericht LlchterfeU-e hatte den angeklagten Redakteur wegen Beschimpfung der katholischen Kirche und ihrer Einrichtungen zu 1000 Mark Geldstrafe an Stelle einer an sich verwirltcn Gefängnisstrafe von zwei Monaten und zwei Wochen verurteilt. Kursowski, der gegen dieses Urteil Berufung eingelegt hatte, erklärt« auch vor der Strafkammer, daß man ihn für jenen Artikel nicht verantwortlich machen könne, da er„ n i ch t v o n M e n f ch �n geschrieben" worden sei, sondern die Ostenbarung eines Geistes durch ein Medium darstelle. Die Strafkammer bestätigte das Urteil erster Instanz und verwarf die Berufung des Angeklagten. Wie wir über Bismarck denken, ist bekannt, und an Geister glauben wir nicht. Täten wir es aber doch, so würden wir gleich- wohl stutzig werden: Ein Mensch von Bismarcks unbestreitbarem Format kann auch als„Geist" nicht so vertrotdeln, wie es der Fall wäre, wenn er den Weißcnberg-Unfinn von sich gegeben hätte. Cr wollte zur Fremdenlegion. Llnd unterschlug deshalb dreitausend Mark. Ein Lehrling lernte nach dem Besuch eines Kinos, in dem er sich den Film„Der Fremdenlegionär" angesehen hatte, einen Man» kennen, der ihm von seinen eigenen Ersahrungen in der Fremdenlegion erzählte, so daß der junge Mann Lust bekam, in die Fremdenlegion einzutreten. Auf Veranlassung seines neuen Freundes veruntreute er dreitausend Mark, die er für die Bank, bei der er als Bote beschäftigt war, zur Post bringen sollte. Die größere Summe des Geldes erhielt Klätzsch,— so heißt der Freund— der mit dem Jungen sofort ins Ausland fuhr, wo sie sich beide einkleideten und ein Motor- r a d sür ihre weiteren Abenteuer kauften. Sie mußten aber noch Berlin zurück, da ihnen die nötigen Papiere für das Rad fehlten. Hier merkte Klätzsch, daß er von der Kriminalpolizei beobachtet wurde, und stellte sich freiwillig. Dem Lehrling glückte es, wieder ins Ausland zu kommen: er wurde in der Tschechoslowakei wegen Paßvergehens verhaftet, später ausgeliefert und in Berlin vom Jugendgericht wegen llnterschlagung verurteilt. Klägsch war vom Schössengericht Lichtenberg wegen Hehlerei zu 1 Jahr drei Monaten Gefängnis verurteilt worden und hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt. Die große Straf- tammer beim Landgericht III, vor der gestern noch einmal die Abenteuer der jungen Leute verhandelt wurden, kam zu dem Er- gcbnis, daß Klägjch sich nicht der Hehlerei, sondern der An- stiftung zur Unterschlagung schuldig gemacht habe und verurteilte ihn deswegen unter Aufhebung des ersten Urteils zu 8 Monaten Gefängnis. Am 26. Juni Termm gegen den Gtadtkämmerer. Wie der Amtliche Preußische Presiedienst mitteilt, hat sich in der Disziplinarsache gegen den Stadtkämmerer Dr. Lang« als Vertreter des Angeschuldigten der Rechtsanwalt Max L i n d e n e r gemeldet und angezeigt, daß auf eine schriftliche Erwiderung auf die Anschuldigcmgsschrift verzichtet werd», da dem Angeschuldigte» an eimr möglichst raschen Erledigung dK Angelegenheit ge- legen sei. Präsident Mooshake hat taraufhin Termin auf Donnerstag, den 26. Juni, anberaumt. Rückgang her Verkehrsunfälle. Jedes dritte Krastfahrzeug hat trohdem einen Ltnfall. Von Jahr zu Jahr nimmt die Verkehrsmtensität in Berlin zu: Ist doch allein die Zahl der Kraftfahrzeuge vom 1. Juli 1928 bis zum l. Juli 1929 um 17 800, das heißt um 28 Proz. gestiegen. Trotzdem ist die Zahl der Unfälle in Groß-Berlin um 442, das heißt um 1,6 Proz. zurückgegangen. Diese allmählich zunehmende Verkehrssicherheit ist sehr zu begrüßen. Gewiß ist auch heute noch die Zahl der Unfälle erschreckend groß. Der Tagesdurchschnitt beträgt sür 1929 74 Fälle. Das b-edeutet für das ganze Jahr 27 000 Verkehrsunfälle Besonders bedenklich sind die Sommermonate, denn der Juli 1929 steht mit 2722 Straßen uns allen an der Spitze. Den niedrigsten Stand weist der Februar 1929 auf, in dem bekanntlich die sibirische Kälte herrschte Der gefährlichste Wochentag ist der Sonnabend: ein Umstand, der auf den starken Wochenendverkehr zurückzuführen ist. Der Sonntag'st viel ungefährlicher, er weist halb so wenig Unfälle auf als der Sonnabend weil der Gsschäfteverkehr ruht. Die ZelK der bei den Unfällen sofort getöteten Personen betrug 1929 204 gegen 218 im Iobre 1928 Nachträglich erlagen an den Folgen eines Verkehrsunfalls 204 Personen ihren Verletzungen von den insgesamt 468 tödlich Verunglückten waren 408 Erwachsene und 60 Kinder. Es muß betont werden, daß an den Unfällen leider die Kraft- f a h r z e u g e bei weitem am stärksten beteiligt sind. Mißt man dt« Zahl der durch sie hervorgerufenen Unfälle an ihrem Bestand so entfallen im Laufe des Jahres 1929 auf je 100 im Verkehr befind- lich« Kraftfahrzeuge durchschnittlich 37.1 Unfälle gegenüber 44,2 im Doroorjahre. Der Rückgang ist erfreulich, aber man darf nicht verkennen, daß gleichwohl etwa jedes dritte Kraftfahrzeug im Laufe des Jahres 1929 einen Verkehrsunfall hatte. Es klingt phantastisch, aber tatsächlich kam durchschnittlich auf jede Krast- drofchke ein Unfall, auf jeden Autobus entsielen sogar drei Unfälle im Jahre. Der Schukdsrage nachzugehen, ist nicht immer leicht. Rur in etwa 60 Proz. der Fälle konnte die Unfall- Ursache einwandfrei festgestellt werden. Bei diesen Fällen lag die Schuld zu 67 Proz. bei den Fahrern, zu 20 Proz. bei den Fuß- gängern, zu 9 Proz. bei der Beschassenheit der Fahrbahn und zu 4 Proz. in Mängeln der Fahrzeuge. Die Statistik ist, wenn man sich die Ziffern, ohne zu vergleichen. ansteht, schmerzlich. Sie ist. wenn man Erhöhung oder Verminderung der Verkehrssicherheit prüft, erfreulich. Sie richtet an leden Kraftfahrer die Mahnung, sein Fahrzeug mit der größten Vorsicht zu führen: sie wendet sich aber auch an den Fußgänger und an jeden anderen, der auf der Straße zu tun hat, indem sie ihm sagt: Richte dich nach den Vorschriften, sonst ist dein Leben in Gefahr! Verkehrsopfer in Groß-Britannien 18 Personen t S g l' ch hat der Moloch Berkehr im ver- gangenen Jahr« in Groß-Britannien gefordeit 66 9 6 Personen haben bei Straßeminfällen aller Art im I hre 1929 ihr Leben lassen müssen. Diese Angaben werden in einer soeben vcrösfentlichten Statistik des englischen Innenminist.- riums gemacht. Aus dieser S.alistik geht hervor, daß sich im v i- gangenen Jahr« insgesamt 1ö1801 Verkehrsunfälle in Groß-Britannien ereigneten bei denen außer der genannten Z. hl der Todesopfer nicht weniger als 170 917 Personen verletzt wu- den. Mit den Ziffern des Vorjahres verglichen, haben die Unfäne ein« Zunahm« von 4219, die Zahl der getöteten Personen est e S eigerung von 558 und die der verletzten Personen eine io'.che von 6079 aufzuweisen. Zln erster Stelle an dieser traurigen Stau'!k steht natürlich die englische Metropole, wo allein 1383 Personen getötet und 56321 verletzt wurden. Nach London folgen die Grasschafi Lancaster, die Städte Birminghakn, Liverpool und Manchester. Den sichersten Ort in ganz Groß-Britannien stellen d'e S c i l I q- I n s e l n dar, in deren Gebiet nicht ein Mensch durch einen Verkehrsunfall gelötet oder oerletzt wurde. Tödliche Ohrfeigen. Wegen Körperoerlehung mit Todesersolg ins Gefängnis. Kleine Ursachen haben cht große Wirkungen. Eine Ohrseig« kann mitunter Folgen haben, die sür den Geohrseigten ebenso furchtbar sind wie für den, der die Ohrfeigen verabfolgt. Jener kommt ums Leben, dieser ins Gefängnis, nännlich wenn die Ohrfeige den Tod des Mißhandelten zur Folg« hat. Dann bedeutet sie schwer« Körper- Verletzung, dessen Todesersolg vor dem Schwurgericht— und, da Deutschland im Augenblick kein Schwurgericht mehr besitzt— vor dem Landgericht gesühnt wird. Diejenigen Menschen, die besonders jchnell mit dem Anbieten und Austeilen von Ohrfeigen bei der Hand find, sollen nicht glauben, daß derartig« unerwartet« Wirkung«» zu den größten Seltenheiten gehären. In Moabit konnte man z. B. in verhältnismäßig kurzer Zeit d r e i d e r- artige Ohrseigenprozesse erleben. Führte da eines Tages ein RechnungsratseinenHund spazieren. Der Nachbar war auf das Tier nicht gut zu sprechen und auch das Tier nicht auf den Nachbar. Es machte eine drohende Bewegung. Der Nachbar, der sich bedroht glaubte, hielt sich das Tier vom Leib«. Ein« solche Abwehr ist eigentlich selbstverständlich. Der Rechnungsrat, ein offenbar sehr roher Mensch, versetzt« dem Nachbar ein« Ohrfeige. Der Getroffen« siel um und war sofort tot. Der ursächliche Zusammenhang konnte in diesem Fall nicht hergestellt werden. Die Aerzt« fanden bei dem lo unerwartet Verstorbenen ein« sehr dünn« Schädeldeck«: das war das Glück des Hundebesitzers, der freigesprochen wurde. In einem anderen Falle kostete dem Ohrfeigenden die Ohrfeige zwei Jahr« Gefängnis. Ein junger Mensch be- gleitete nämlich eines Abends sein« Braut nach Hause. In einem Hausflur stand ein angetrunkener Mann, der das junge Mädchen belästigen zu müssen glaubte. Der jung« Mensch gab ihm zu ver- ihn zur Red« und meinte, er müsse sich doch wenigstens entschuldigen digen. Anstatt diesen, berechtigten Wunsche nachzukomme», versetzte der Beleidiger dem Bräutigam eine Ohrfeige. Der Geschlagene siel hin, stand wieder aus, beg'eitet« noch seine Braut nach Hause und starb bald darauf an dm Folgen der Ohrfeige. Gestern stand vor dem Landgericht 1 ein ähnlicher Fall zur VevhanAung. Ein Arbeiter befand sich früh gegen 7 Uhr aus dem Wege zur Arbeit. In der Wiclesstraße kam ihm ein OOjähriger rüstiger Mann entgegen und stieß ihn wohl versehentlich an. Der Arbeiter stellte ihn zur Rede und meinte, ermüsse sich doch wenigstens entschuldigen. Statt der Entschuldigung erhielt er ober inst der Aktentasche, in der sich ein« Kaffeekanne befand, einen Schlag ins Gesicht. Nun versetzt« er dem Manne eine Ohrfeige. Der Geschlagen« fiel hin, schlug mit den, Schädel aus den Rinnstein, wurde aus d!« Reitlings- stelle gebracht und starb. Er hatte einen Schädelbruch erlitten. Der Angeklagte, der bereits früher zweimal wegen Körperverletzung verurteilt worden war, worde mit eineinhalb Jahren Gesängnis bestraft. Einen Hastbefehl erließ das Gericht nicht Welleicht wird es doch noch möglich, daß ihm die Strafe erlassen wird— unter der Bedingung, daß er nie mehr ohrfeigt, denn«r ist doch wohl der Angegriffene gewesen und die Ohrfeige war ein« Abwehr, was man z. B. bei dem rabiaten Rechnungsrat der ganz frei gekommen ist, bestimmt nicht sage» kann. Die Leute aber, denen die Hand nur allzu leicht ausrutscht, sollten aus diesen drei tödlichen Ohrfeigen für sich eine Lehre ziehen. Merkwürdiger Todesfall im Hoiel. Die Krau stirbt— der Mann flüchtet. Mit der Aufklärung eines merkwürdigen Todesfalles be- schäsligl sich zur Zeil die Kriminalpolizei. Am Dienstag abend stiegen in einem kleineren Hotel in der Nähe des Askonlschen Platzes ein Mann und eine Frau ab, die ein gemeinsames Zimmer bezogen. Nach etwa% Stunden kam der Mann allein und eilig öle Treppe hinunter und wollte das 5)aus verlosten. Der Hotelbesitzer hiett ihn on und fragt«, wohin er wolle. Der Mann erklärte, seine Frau sei erkrankt, er wolle aus einer Apotheke etwas für sie holen. Man ließ ihn also gehen, er kehrte aber nicht zurück. Aus dem Zimmer des Paares hörte man aber das Stöhnen der Frau und sah sich jetzt nach ihr um. Sie lag nur leicht bekleidet im Bett und war offenbar krank. Als man ihr Hoffniannstropfen gegeben und sich auch sonst um sie bemüht hatte, schien sie ruhig einzuschlafen. Man hoffte, sie werde sich nun erholen und ließ sie allein. Am Mittwoch früh gegen 7 Uhr aber fand dos Zimmermädchen die Frau tot im Bett liegen. Verletzungen äußerer Art wie Würgemal« waren an der Leiche nicht zu finden. Die Kriminalpolizei wurde von dem Todes» fall in Kenntnis gesetzt und die beschlagnahmte Leiche dem Schau- Haus« zugeführt. Di� Tote konnte festgestellt werden als ein« 49 Jahre alte Händlerin Konradinc Bartels, die in der Rollen- oorfstraße 4 wohnte. Wer der Mann war, weiß man noch nicht. Durch Obduktion wird versucht werden, die Todesursache festzustellen. Kurien ein Ltniversawerbrecher? Run gibt er auch Brandstiftungen zu. Düsseldorf, 4. Juni. Kürten ist bei seinen weiteren Vernehmungen geständig und gibt aus sich heraus strafbare Handlungen zu, die von der Polizei noch weiter nachgeprüft werden müsien. Kürten hat eine Anzahl weiterer Betannffchasten geschildert, die er machte, um die Betreffenden später zu töien. Rur durch äußere Umstände wurde e: von den Tötungs- absichlen abgehalten. Brandstiftungen hat Kürten bisher in 20 Fällen zugegeben. Er schildert dieselben derart genau, daß«r unbedingt als Täter in Frage kommen muß. Per- schieden« Nachprüfungen lzaben gezeigt, daß Kürten die Wahrheit spricht. Schweres Unwetter im Moseltal. Im Moseltol ging am Dienstagabend ein schweres Ge- witter mit Wolkenbruch nieder. Auf der Nebenbahnstreckc Pün- derisch— Traben-Trarbach bei Neil wurde der Bahndamm über- schwemmt und durch Schlammaflen und Gestrüpp unbefahrbar ge- macht. Der Verkehr wurde durch Umsteigen ausrechterhalttn. In Kröv bat das Gewitter schweren Schaden angerichtet, ein Teck des Ortes ftand unter Wasier. In den Weinberge» wurden g«. wältige Mai'en De'-berolcd'eser i'r> nie'» � e b e*"« b»,. gerissen. Die S.urmxlrcken nillölcn geläutN flerdui, ar: Menschen und Biel) zu reuen. Lmpfgegner zur Lübecker Katastrophe. Der Jmpfgegneroerein Groß-Berlin veranstaltete am Dienstag emen Vortrags- und Distussionsabend über„M e n- jchenrecht und Impfverbrechen" unter besonderer Be- rücksichtigung des Ealmette-Verfahrens und der Todes- apfer in Lübeck. Nach Ausführungen des Jmpfgegners Or. meä. Steinte! wurde in der Aussprache der Vorschlag an- genommen, einen Arbeitsausschuß zu wählen, der die Lübecker Kindertragödie bis zur restlosen Klärung unter- suchen und die verantwortlichen Medizinal- und Berwaltungs- boomten der Bestrafung zuführen soll. Expiostonsunglück in Chemnitz. Am Mitttoochnachmittag flog m einer mechanischen Weberei in der Zwickauer Straße in Chemnitz die Doinpfwalze einer Appreturmaschine in die Luft. Durch die ausströniende!: Dämpfe wurden sechs Angestellte verbrüht, davon ein Mann und ein« Frau so schwer, daß st« ins Krankenhaus gsbrachr werden wüßter komm, male Berwolkunarschvle In Aschewlkbe». M» der „Amtliche tirenß sckie Pressedienst" m'ttttlt, ist durch einen Rund» cili.z c-cs p.e.-tzii..i, Mmistero ies I m«: n die Kommunale Bcr. wastungefchule in Aschersleben als staatlich anerkannte Lehranstalt im cmn? des Angestclltcnvcrstch�rLA-sgesetzcz bezeichnet worden. Alle zwei Minuien ein Vstngstzug. SSV v«s 600 Sonderzüge der Stad'-Scknellbahn. Aur Vewältigun� des bei gutem Wetter zu erwartenden starken P f i n g st- A u s s l u g s n e r ke h r s hat die Reichsbahndirektion Berlin umsassende Vorbereitungen getroffen: 2 00 bis 600 Sonderzüge werden dem Publikum an jedem der beiden Pfingst- festläge— ähnlich wie am Himmelfahrtstage— zur Erreichung der verschiedenen Reiseziele auf den Stadt-, Ring- und Vorortbahnen zur Verfügung stehen. Auf der Stadtbahn wird durchschnittlich all« zwei Minuten ein Zug fahren, während auf den Vorortstrecken, besonders in Richtung Wannsee, Friedrichs- Hägen und Grünau ein Fllnfminutenverkehr einge- richtet werden wird. Nach Bedarf wird auch die Zahl der Züge vom Potsdamer Bahnhof nach Wannsce und Werder ausreichend oer- mehrt. Der inzwischen in Kraft getretene Sommersahrplan sieht bereits auf den Strecken Wannjee— Beelitz-Heilstätten und Berlin Potsdamer Vorortbahnhos— Rangsdorf zu den Hauptzeiten des Hin- und Rückverkehrs ein« dichtere Zugfolge vor. Eine erneuerungsbedürstige Schule. Während man den neugeschaffenen Schulbauten gesundheitlich und in der Form alle Liebe und Sorgfalt zuwendet, erfahren die alten Schulkaserncn keine oder nur eine mangelhaste Verbesserung. Man mutz aber bedenken, daß die Kinder den halben Tag die Schulbank drücken und das; es ihrer Gesundhsit schädlich ist, wenn sie diese lange Zeit in schlecht lüstbaren, niedrigen, sonnen- .'osen Räumen verbringen, deren Wände Jahrzehnte alter Schmutz verunziert, die mit hartem, stark hitzeirdem Gaslicht beleuchtet sind und die durch allzu große Raumüberfüllung die denkbar schlechteste Lust besitzen. Eine solche geradezu historische Angelegenheit ist beispielsweise die 2 2. Gemeinde schule in de? Frucht- strahe, deren Klassenräume alle Mängel aufweisen: Sie sind überstark belegt, sie haben weder einen Zeichen-, Gesangs- oder Hand- nrbeitssaal, noch ein Frühstücksxinimer, das Konferenzzimmer, für 18 Lehrkräfte berechnet, ist ein winziger kleiner einienstriger Raum. Trotzdem die elektrische Steigeleitung bereits vorhanden ist und die Schuloerwaltung nach verschiedenen Gesuchen, zuletzt im November 1029, den Bescheid erhielt, daß die notwendigen Arbeiten in 11 Tagen erledigt würden, hat die Schule immer noch Gaslicht und besitzt Klassenräume, die überhaupt ohne Beleuchtung sind, so daß die Kinder hier, solange es dunkel ist, mündlich unterrichtet werden oder einen anderen Klassenranm aufsuchen müssen. Auch die Wasch- gelegenheiten sind mehr als unzulänglich, jede Klasse hat nur ein kleines Waschbecken und auf jedem Flur eine Wasserleitung. Riesen- hafte Oesen strahlen, im Verein mir der Gasbeleuchtung, im Winter eine ungeheure Hitze aus, und menn die Kinder dann ins Freie kominen, macht sich der gewaltige Temperaiurunterschied natnrgeinäß in Erkältungen bemerkbar: einige Klassenräume sind durch große Brandmauern vom Tageslicht so gut wie abgeschlossen, kurzum, es mangelt bedenklich an der allernotwendigsten Hygiene, und es wäre dringend geboten, hier nach Möglichkeit Verbesserungen vorzunehmen. Natürlich teilen das Los dieser Schule noch ein? ganze Reihe altmodisch gebauter Lehranstalten. Oeffenilicher WohnungSnachwe-s vor 130 Jahren. Denn uns Las Berlin der Klassikerzeit im Vergleich« zur heu- trgen Diermillionenstadt auch fast wie«in idyllisches Landstädtchen erscheinen mag. so dürfen wir dach nicht verkennen, daß es gerade damals rascher als die Mehrzahl der anderen deutschen Städte in der Entwicklung zur modernen Großstadt fortschritt. Auch sein« öffentlichen Einrichtungen wußte es früher als die meisten anderen deutschen Gemeinwesen den großstädtischen Verhältnissen anzupassen. So erzählt uns I. D. F. Rumpf in seinem im Jahre 1804 er- ichienenen Buche„Berlin und Potsda m", eine vollständige Darstellung der merkwürdigsten Gegenstände", von einer„zur allgemeinen Bequemlichkeit gereichenden Anstalt", der B r i e f b o t e n- p o st, die von den Gildeältesten und Kaufleuten am 8. September des Jahres 1800 eingerichtet wurde und Briefe und Paket« inner- halb der Stadt beförderte.„Mit der Direction der Fußbotenpost," schreibt Rumpf weiter,„ist eine Nachweisungsanstalt für all« Arte wv on Miethswohnungen errichtet, worin man täglich groß« und kleine Wohnungen von 10 bis 2000 Rthlr. lRsichs- thaler) jährlicher Miethzins, desgleichen vom Vermiether. die An- zeige von der Beschassenheit seiner zu vermiechenden Wohnung, für Erlegung von 2 bis 4 Gr. fGroschen) findet." Wir haben es hier also mit einem öffentlichen Wohitungsnachweis zu tun, denn die »is in Benin der Muskateller, Petersilie Di« ältesten Straßennamen in unseren Städten haben nicht wie heute Bezug aus Persönlichkeiten. Länder und fremde Völker, sondern beziehen sich fast immer auf die Stadt und ihre Einrich- tungen. Die Münster-, Dom-, Kirch-, Kloster-, Pfaffen-, Mönchs-, Priester- und Ronnengassen und Straßen haben deutlich Bezug auf kirchliche, die Burg-, Schloß-, Herren- und Rittergassen und Straßen auf feudale Einrichtungen. Die Metzger-, Bäcker-, Weber-, Fleisch- Hauer-, Schmiede-, Schwertseger-, Reissschläger-, Wollenweber- und Fischcrstraßen und Gassen erinnern an die Gewerbe der alten Stadt. Wenn man aber in Berlin alte Straßennamen, wie Wein- meisterstraße oder Wetnbergsweg findet, so bleibt kein anderer Schluß übrig, als daß in früheren Zeiten in der guten Stadt Berlin oder in ihrer nächsten Umgebung der Weinbau heimisch war. Und dieser Schluß ist durchaus zutreffend. Die alten Berliner Wein- berge lagen on den Abhängen des Barnimplateaus zwischen dem Oranienburger und dem Landsberger Tor, sie hatten also gute Südlage und wurden von Sonne ständig bestrahlt. Als letzte spärliche Reste des ehemals blühenden Berliner Weinbaus findet man auf allen vergessenen Höfen noch hier und da einen Weinstock. Mag der Rhein- und Moselländer über den Berliner Wein seine Witz« machen, früher hat man den Anbau der Rebe seh? ernst genommen und sehr erfolgreich betrieben. Ali-Ä�rlmef Weinkuliur. Aus dem Jahr 1688 ist uns die Abhandlung eines kurfürstlichen Hofrates über die Berliner Weine überkommen, in der besonders genannt werden der B l a n k e, der R o t e und der Seltene. Eine Weinsorte, die ncch heute am Rhein gebaut wird, der Schön- edel,«ine große Traube von gelblicher Farbe und lieblichem Ge- schmack, lieferte den blanken Wein. Dann gab es den blankwclschen Wein, der aus frühreifen Trauben gepreßt wurde. Ferner den R i e ß l i n g. der dem edelsten Rheinmein nicht nachstand und Muskatellercharakter hatte. Di« Berliner Rotweine wurden ans dem S ch ö n- E d e l und dem Schiel-Traminer gepreß'. Schiel bedeutet hellrot, schillernd. Die Rot-Welschtraube gab einen ticfdunklcn Wein von süßem Geschmack. Schließlich kannte man noch im alten Berlin die sonderbaren oder seltenen Reben. Da gab es Weintrauben ohne Körner mit kleinen süßen Beeren, dann den Petersilienwein, desien Blätter nach Petersilienart eingekerbt waren und dessen große Beeren einen lieblichen Geschmack hatten. Der Tintenwein hatte dunkelrote Farbe, die Trauben des gescheckten Weines waren halb rot halb weiß. Der in Berlin angebaute B u r d e l- a s s e r batte so große Beere», daß eine Traube einen ganzen Teller s"»llte. Selbst an die berühmten Sorten wie Malvasier und Muskateller machte man sich heran. Schließlich gab es hier im Sande der Mark sogar einen vom Vesuv eingeführten Wein, den Vitio lachrima, der, wie der Chronist sagte, von Geruch sehr anmutig war und in keiner Weise der Gesundheit schadete. Von oll Gilben waren öffentlich-rechtliche Einrichtungen. Gleichzeitig er- fahren wir aus dieser Notiz die damals in Berlin üblichen Miel- preise, zehn bis zweitausend Reichstaler im Jahr«. Den Reichstaler muß man allerdings auf mehr als das Doppelt» des heutigen Talers bewerten.'- Verbrecher in Eayenne ausgebrochen. Paris, 4. Juni. Nach einem im französischen Justizministerium einge, roff. neu Bericht aus Cayenne sind 21 Schwerverbrecher aus der dortigen Berbrecherkolonie ausgebrochen. Unter den Geflüchteten befindet sich eine Reihe von Mördern, die ursprünglich zum Tode verurteilt waren, deren Strafe jedoch vom Präsidenten der Republik in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt wurde. Es gelang bisher nicht, auch nur einen der Flüchtlinge wieder zu ergreifen. weibliche Kriminalbeamte. Bei deni ersten Examen für wcib- liche Kriminalbeamte in Berlin bestanden alle acht Prüf. l i n g e. Drei von ihnen sindcn sogleich als Kriminalkominissarc Anstellung in der Reichshauptftadt, die anderen dürften sehr bald im Reiche Verwendung als Hilfe tommiffare finden, um aufzurücken, wenn ctatsmäßig« Stellen frei werden. Minnen ninme. mein und Tintenwein. diesen Herrlichkeiten, auf die die Berliner nicht wenig stolz waren, sind nichts übriggeblieben als sin paar Straßennamen. Aber nicht nur in Berlin selbst, auch im Lande Branden- bürg, des heiligen Römischen Reiches Sireusandbllchse, blühte der Weinbau. Wo in der MtMAA9_ff|a8ali§äftAn<,,e 8elt 50 Einkauf. Deshalb zu Pfingsten nur ntSllilUlCI UiiiUlliLQ&CBH billig und gut sind. Hermeta-Damenstrümpfe feine künstl. Seide, moderne 1 Q � Farben, gut verstärkt..2.45 l»y J Hermeta-Strümpfe feine künstl. 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S066 Wilhelm Xartoteln der belichte HomorUt und H erstklassige AitrelgSonen VoUttbtlline Tbeator an Bölovplati. 81/4 Uhr Julius Caesar ftügie; lirl Ikiai Hirtii itaatLSAiller-Ih- 8 Uhr (i'w'isseiiswiinii WM Idestet D 2 TfeMrailamn STD! S Uhr Phaea von Friti v. Unruh. Regj Max Reinhardt Ulisll; kriidrl-d»«Ihmdn. Kummersplele Q 2 V/Etolamm 52D1 S»,4 Uhr: tjphsgsnie von A'olfg v.Goethe ElaraioiH«od Kijli: Kirturd SMT-Itofnii» Die fiomöäie II Bismck. 2414/751* K'h Uhr Soll man heiraten? SotnätoiooEcrunlShäiK SicsivSi EicncisItBg; Karl Heinz Martin äarnowsST-üütiDsa Tösaior in der SUesemaaDStr. Iträhir Kioicgrllnr Str.l Täglich«Vi Uhr Napoleon S reift ein ooi Walter Basentlover TbeaterLd. Bettrensir. 23-54 Nk U. A4 Zentrum 926*927 8"s U. Olrektlos Ralph Arthur Roberts Mein Vetter Eduard Schwank In 3 Akten von Fred Rods Komädlanhau« Täglich St/s Uhr k!me Säwaster BiBlkv.BeljhEfiatiky i Ufesteoi Täglich O'/s Uhr: De SetMiiM CarolaV Blsner, Mttcher, Horatea, 5 Ulla. 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Berliner Prafter somneriiicaier Kwtanienallee 7—9 Humboldt 2246 Ptinaston. 6. ö. 9. IbbI Oa» groSe Fesi-EriiHnunas- PmaramiD 1. und Z. Feiertag Gr. FrUhKonzen Tnapitnardustr Auf der Böhne OilguiaUJoradeotsili« mit rMlüllizm Prarasa Aniang S'/j Uhr Nadimütaus Anfang 4 Uhr S Varieid-WeltsMt- Msblio«» ferner dhutl Beer u. Grell Ullea in der Burleike Jisoz IM" twi«.Jsr VojclUiiiller Opmtli ii 3 Aid. r. brl Zillo mit 38 httTlrkandea FratisowloNniKniillfl. das gr. Kabeakaihca Oitrlthpnbi ng 30 PL n ERÖFFNUNG 12 UHR AUSSTELLUNG REISE« BAD mit Unterstützung der Reichszentroie für Deutsche Verkehrswerbung• Deutsche Lufthansa 8 Reichsverband Deutscher Jugendherbergen 8 Berliner Freibäder G. m. b. H. 8 Autohilfe• Zentralstelle für Radfahrwege 8»Die schaffende Frau« und andere PREISAUSSCHREIBEN »24 STUNDEN FERIENFREUDE« Die schönsten Schilderungen in Wort und Bild(Zeichnung oder Photographie) werden preisgekrönt a Teü- nahmeberechtigt ist jeder BesucherunsererAusstellung 1« PREIS* 14 Tqge Kuraufenthalt in Schierke i. H. in den Karstadt- Hotels(Kurhaus oder Fürstenhoh) 2# PREIS* Freiflug Berlin-Breslau oder gieuwert. Sh-Mk« 3*»S» PREIS* Rundflüge über Berlin und andere Preise 8 Preisrichter, Rechtsanwalt und Notar Dr. Robert hteyer-Berlin 8»Die schaffende Frau«• Geschäftsleitung des Warenhauses Karstadt, Berlin Bedingungen für dos Preisausschreiben t Alle Arbeiten sind mit einem Kennwort zu versehen, Kennwort und Adresse in geschlossenem Briefumschlag mit der»Bahnsteigkarte« unserer Ausstellung sind beizufügen. Letzter Einsen- dungstermin li.Juli 30. Adresse Karstodt-Preisaussch reiben, Berlin, Hermannplatz. Die Entscheidung der Preisrichter ist endgültig und nicht anfechtbar. Sämtliche Preis. träger v/erden am 3. August d. J. bekanngegeben KARiTADT U-BAHNHOF HERMANNPLATZADER KARSTADT-BAHNHOF Metropol-Tli. Täflieh«>.. Uhr IUI Dir allein 801 einer einsamen Insel Biduil Boten, tllrad üraan, Flolr, Haffmmn «"'Uhr CASINO-TBEATER Lothringer Strafee 37. Nur noch wenig« Aulffihrungeni Rentier Mudloke Billig! «O FZ. Semmerprelac: f.- Mark Billig: 1.50 Mark Kleines Theat. Merkur>624 Täglich SV« Uhr Mas Adalbert in Das Partfiin meiner Frau Lustspiel von Leo Lenz Dönhoff- Breill /Saal und Ca ten) Varlett/ Konzert/ Tanz/ Gelang I Berlins BETRICS KEMPIHSKItT .In« mit Kerf« loeva 4ir Jealvtin IWHgili ■ wo speist man{ gut una Dll!l£7 aross-Venia Al*zandarptat« / Um uiaaj Oiretllaiv Or. kjrtln Zlstai»W Komische Oper irtentlisiMOt Merkur 1401 4330. Heute geschlossen! 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Jahrgang � 6 ��0 Oottttcr�og, 5. 3um 1930 Gold aus Gummi. Aus dem Reich der Auioreifenindustrie und Gummiplaniagen. Die niederländischen und englischen Gummiplantagenbcsitzer be- fassen sich in ihrer Mehrheit seit einiger Jeit mit der Ausarbeitung eines neuen Stevenson-Planes, mit dem die Erzeugung eingeschränkt und der G u ni m i p r e i s in die Höhe getrieben werden soll. Wie aus einer Debatte hervorgeht, die gelegentlich der Generalversammlung der Dunlop Rubber Com- pany in London stattfand, sind die Aussichten des neuen Planes nicht die rosigsten; es besteht viclinehr die Wahrscheinlichkeit, daß der Kautschukpreis sich auf dem gegenwärtigen Niveau hält, das schon ganz enorme Profite zulästt. Nach einer Erklärung Eric G« d d e s', des Verwaltungsratsvorsihenden der Dunlop. Gesellschaft, ist nämlich keiner der großen Reifenkonzcrne mit eigenem Plantagenbesitz zur Einschränkung seiner Rohgummigewinnung bereit. Die Reifenindustrie Groß-Britanniens. Italiens. Japans. Rußlands und der Vereinigten Staaten geht fest einigen Jahren immer mehr dazu über, die Gewinne der Pflanzer und des Gummihandel« selbst«in. zustecken und chren Rohstoffbedarf mit eigenen Produktions- Mitteln zu decken. Nach unseren Informationen besitzen die folgenden großen Reifcnsabriken eigene Kautschukplantagen: Dunlop Rubber Co., London, in Hinterindien, Societä Jtaliana P i r e l l i, Mailand, bei Singapore und aus Java, Hachiro Fukahara, Tokio, im Staat« Pars(Brasilien), F i r e st o n e Tire u. Rubber Co., Acron(Ohio), in Liberia über S0 Quadratkilometer, Goodyear Tir« u. Rubber Co., Acron(Ohio), in Südafrika, Russischer R«sino-Reisen-Trust auf der Halbinsel Krim. Die russischen Pflanzungen sind allerdings noch kaum über das Versuchsstadium hinausgekommen. Bei den amerika» nischen Reifenfabriken kommt zu d«r prinzipiellen Ab» lchnung d«r Restriktionspläne noch der Drang, in Rohstoffnersorgung und Kalkulation— letzten Endes auch im Kriegsfall— von holländisch-englisch«n Abmachungen unabhängig zu sein. So ist auch das Zustandekommen der Plantagenkonzesfion zu«rklären, mit der Henry Ford sich vor zweieinhalb Iahren durch seine Tochter- gesellschaft Ford Jndustrial Expansion Co. in Brasilien IS 000 Qua- dratkilometer sicherte. Dies« riesig« Gummiplantage am Topajoz- sluß liefert aber noch keinen Ertrag, und Ford deckt seinen gesinnten Reifenbedarf vorläufig weiter bei der Firestone Tire u. Rubber Co. Die großen Reif«nfabriken zeigen sich nicht allein den Pflanzern gegenüber als entschiedene Gegner von Mahnahmen, die sonst zum Rüstzeug des modernen Kapitalismus gehören. Sie wenden sich auch gegen Produktionseinschränkungen in der B a u m w o l l i n d u st r i e, an der sie sich in wachsendem Maße durch eigen« Spinnereien und Webereien beteiligen. Die deutsche Continental ist weiterhin mit der Außenseite rstelluiig ihrer Kohlenzeche hervorgetreten; die Gewerkschaft„Alter Hellweg" in Unna(Westfalen) weigert sich nämlich seit Iahren, dem rheinisch. westfälischen Steinkohlensyndikat beizutreten. Schließlich sind die maßgebenden Reis«nfabrik«n der Welt auch für Schutzzölle nicht zu haben. In der erwähnten Dunlop-Generalversamm- lung wandte d«r Vorsitzend« sich sehr scharf gegen die Erhöhung insbesondere där amerikanischen Zollsätze. Aber die Reifenkonzerne sehen die Auswüchse des Hochkvpita- li sums nur bei den anderen. Sie selbst treffen in allen Ländern, in denen sich ihn«n die Möglichkeit bietet, Vereinbarungen mit Trust- charakter. Internationale Bindungen bestehen darüber hinaus Ausiandskapital ist billig. Slmerita erwartet deutsche Anleihen.- Neparationsanleihe spätestens Mitte Juni. Im Ausland ist der Kapitalpreis für Anleihen fühlbar zurückgegangen. Es liegt uns eine Meldung aus der Schweiz vor, wonach eine 4ü-Millionen>-Franken>Anleihe der Rheintraftwert Albbruck-Dogern A.-G. zu 5% Proz. in der Schweiz aufgelegt wird bei einem Zeichnungskurs von Proz.. Diese Anleihe kostet also n o ch n i ch t 6 P r o z., auch wenn man den niedrigeren Auszahlungskurs mit«inrechnet. Be- merkenswert ist allerdings, daß diese Anleihe noch billiger ist als der Kapitalpreis, der für die groß« Reparatioirsanleih« vorgesehen ist. Jedenfalls ist darüber kein Zweifel, daß der große Kapitalbedarf deutscher öffentlicher Elektrizitätswerke nach die- fem Schweizer Beispiel jetzt zu sehr zünftigen Bedingungen besrie- digt werden könnte, und es muß von neuem mit allem Nachdruck verlangt werden, daß die von der B« r a t u n g s st e l l« Immer noch aufrecht erhaltenen Anleihe Hemmungen zugunsten der öffentlichen Wirtschaft beseitigt werden. In Amerika erwartet man, wie wir einer Meldung der York Times" entnehmen, die baldige Auflegung deutscher Anleihen. Nach der Unterbringung der Repara- iionsanlethe von 300 Will. Dollar, die zu einem großen Teil« auf den amerikanifchen Kapitalmarkt entfällt, rechenet man mit der Auf- legung von westeren 450' Mill. Dollar oder rund 2 Milliarden Marti nternationalen Anleihen auf dem amerikanifchen Kapitalmarkt. Deutschland ist an diesem Betrag« nach den bei amerikanischen Banken eingezogenen Erkundigungen bis jetzt mit 32 Mill. Dollarbeteitigt, und zwar die Stadt Dresden für ihre Werke mit 12)4 Mill. Dollar, die Berliner Berkehrsgesell- fchast mit TA, die Werke Stettins mit 7 Mill. Dollar und die B«r- einigten Industrieunternehmungen A.-G.(Viag) mit 5 Mill. Dollar. Zum Teil handelt es sich hierbei allerdings um Umwandlung früherer Anleihen oder um die Fundierung früherer Kredit«. Jeden- falls hat die Funktion der Beratungsstelle auch hier teilweise ver- teuer nd« und hemmende Wirkungen. Aus Paris wird gemeldet, daß das gesamte Bertragswerk zur Auflegung der Reparationsanleihe noch End« dieser Woche unterzeichnet werden kann. Bis 15. Juni soll dann die Zeichnung der Anleihe auf allen Märkten erledigt sein. Bereits in der zweiten Zunihälfte soll die im haager Abkommen vorgeschriebene Sperre für deutsche Auslandsanleihen(des Reiches) aufgehoben werden. Auch hierdurch dürften sich die Kapitalbeschaffungsmög- lchkeiien weiter verbessern. zwischen Continental, Goodrich und Goodyear, zwischen der amcri- kanischen Seiberliirg Rubber Co. und den Gummiwerken Fulda A.-G. sowie zwischen einigen anderen Unternehmungen. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang auch die Zweigfabriken, die Dunlop, Goodyear Muhelin und Pirclli in fremden Ländern unter-; halten; aus deutschem Boden kommen hier das Frankfurter Dunlop- Werk in Betracht sowie die nach im Bau begriffenen Fabriken von l Michelin in Karlsruhe und Englebert in Aachen. Wie der deukschze Reifenmartt„gemanagl" wird. Die C o n t i n e n t a l- G u m m i w e r k e A.-G. nehmen vor- läufig noch mit ihren Unterabteilungen Exeels'vr, Pollack, Peters Union und der ausgekauften Syndikatsquote von Mtlelland ei!»e überragende Stellung in Deutschland ein. Im übrigen sind sämtliche Reifcnsabriken einschließlich der russischen auf dem deutschen Markt zu einem Verband zusammen- geschlossen, der sich weder als reines Syndikat noch als Kartell bezeichnen läßt. Jeder konzessioniert« Händler— die Konzession wird vom Verband nur einen» engen Kreis erteilt—, dem es einfallen sollte, die Berbandspreise zu mißachten oder sich aus irgendeine Weise Reisen von einer kartellfreien, ausländischen Fabrik zu beschassen, wird von den Mitgliedern des Verbandes s a tz u n g s- gemäß boykottiert, und sein Rabattguthaben ist den Fa- briken verfallen; die Rabottsätz« sind deshalb verhältnismäßig hoch angesetzt. Es braucht kaum besonders betont zu werden, daß die Fabriken dank dieser Methode gut verdienen; die Entwicklung des Börsenkurses der Continental-Aktien beweist es. Doch an die Profi teder Gummikonzerne mit eigenen Plantagen reichen die der Continental noch nicht ganz he»an. Auch hier greifen wir wieder auf die Ausführungen S i r Eric Geddes' in der Dunlop-Generalverfammlung zurück,. wie sie in den„Times" wiedergegeben werden, also auf ein Material, das von keiner Reifenfabrik angezweifelt lverden kann. Im Jahre 1929 erzielten die Dunlop-Plantagen danach einen Rein- gewinn von 6 956 490 Mark. Auf den Plantagen wurden 1929 19 500 000 Ib. Gummi geerntet(2,2 Ib. sind 1 Kilogramm). Das (englische) Pfund Gummi kam dabei einschließlich der Transport- kosten bis auf einen Dampfer in Singapore auf 43,5 Pf. zu stehen. Für das laufende Jahr rechnet die Gesellschaft mit einer zehnpro- zentigen Steigerung des Ernteertrages und einer Senkung der Ge- stehungskosten unter 5 Pence(42,5 Pf.). Welche Gewinne erzielt werden, mag man aus der Vergleichs- weise angegebenen. Tatsach« ersehen, daß der Rohgummipreis im Jahr« 1929 zwischen 7,5 Pence(64 Pf) und 1 Schilling 1,5 Pence (1,15 Mark) schwankte. Es wurde also allein am R o h g u m m i ein Reingewinn von 250 Proz. des Umsatzes erzielt. Wie das möglich ist, zeigt schlaglichtartig eine andere Behaup- tung Geddes' in der Debatte der Dunlop-Gcneralversammlung. Er erklärte nämlich, die einmonatlich« Arbeitseinstellung, die von den Befürwortern des neuen Restriktionsplanes vorgeschlagen wird, müßte eine außerordentliche„Verwirrung" bei den„impor- tierten", farbigen Arbeitern der Gesellschaft in den Malaienstaaten hervorrufen; die Gesellschaft Hove bis jetzt leiftungs- fähige Arbeitskräfte, und er wünsche nicht, daß darin eine Aende- rung getroffen werde. Geddes wollte damit offenbar sagen: Die eingeführten Farbigen, die durch die mehrjährigen Kontrakte zu Sklaven der Dunlop-Gesellschaft gestempelt sind, werden eine ein- monatige Hungerkur nicht ohne Selzaden für ihre Gesundheit durch- machen können; die Duniop-Gesellschaft ist aber mit einer derartigen „Wertminderung ihres lebenden Besitzes" nicht ein- oerstanden. Hn. Eine Viertel MiNiarde Bankguthaben. So gut fleht der Ehemietrust mitten in der Krise. In Frankfurt a. M. hat die Generalversammlung der I. G. Farbenindustri« den Aktionären die von der Der- waltung für dos Milliardenkapital beantragten 12 Proz. Normal- dividende und 2 Proz. Zusatzdividende genehmigt. Der Aussichtsrat wurde durch je einen Vertreter der Deutschen Bank, Disconto-Gesell- schaft(Schiitter) und der Darmstüdter- und Nätionalbank(Gold- schmiot) ergänzt. Generaldirektor Bosch bemühte sich, das von uns früher ge- kennzeichnete Mißverhältnis zwischen Gewinn steige- rungundBelegschaftszahl, das ein Licht auf die steigende Ausbeutung im Chemietrust wirft, in eine freundlichere Beleuchtung zu setzen. Cr stellte fest, daß in den eigentlichen Trustbetrieben ein- schließlich Ammonsakwerke Merseburg, Kalle u. Co. A.-G. und der A.-G. für Stickstoffdünger in Knapsack am 31. Dezember 1929 rund 75 000 Arbeiter und 23 000 Angestellte beschäftigt waren gegen rund 65 500 Arbeiter und 19 800 Angestellte am 1. Januar 1926 zum Zeit- purckt der Fusion. Diese Belegschaftsstcigerung macht immer erst knapp 15 Proz. gegenüber einer Betriebsgewinnsteigerung von über 40 Proz. in derselben Zeit. Es bleibt also dabei, daß der Chemietrust bei enormen Dividenden feine Belegschaften in wachsen- der Weise in den letzten Iahren ausgebeutet hat. Im Jahre 1930 sind die Belegschaften weiter nicht unerheblich verringert worden. Was das bedeutet, zeigt noch ein« weitere Zln- gab«. Generaldirektor Schmitz erklärte nämlich, daß I. G. Farben in seinem Gesamtkonzern nicht nur keinerlei Bankschulden habe, sondern daß die vankgnlbaben im Laase des Jahres 1929 sogar noch um 100 Millionen Mark zugenommen hätten und Insgesamt aus 240 Millionen oder sasi eine viertel Milliarde Mark gestiegen sind. Hier ist der zahlenmäßige Nachweis gegeben, abgesehen von der erhöhten Flüssigleit des Konzerns, daß über die Dividende hin- aus noch sehr beträchtliche Gewinne zu verzeichnen sind. Festzuhalten sind noch einige andere Angaben! Nach den Erklärungen Boschs wurden innerhalb der I. G. und des Leunawerks im Jahre 1929 rund 364 Millionen Mark an Löhnen und Gehältern gezahlt. Die Beiträge zur Sozialversicherung, soweit sie die Firma gesetzlich tragen muß, betrugen 20,5 Millionen Mark; die übrigen freiwilligen Wohlfahrtsousgaben einschließlich Pensionskass« 31,5 Millionen Mark; beides zusammen mache rund 14,2 Proz. der Lohn- und Gehaltssumme aus. In der Kunst des Schweigens will sich I. G. Farben weiter üben. Generaldirektor Dulsberg meinte, daß die Aktionäre l fa nur am Reingewinn interessiert seien und daß Ilmsatzzahlen allein den Aktionären noch keinen eindeutigen Einblick in den Be- trieb gewährten. Das ist ein Hohn auf die berechtigte Forderung der Oeffentlichkeit, im öffentlichen und nicht im Aktiv- » ä r s i n t e r e l s e bei die sein Milliärdenkonzern die Publizität zu erweitern. Aber Herr Duisbcrg, der immer große Wirtschastssührer- reden hält, läßt sich ja mir von privalwirtschafls- und nicht von volkswirtschastlichen Interessen leiten Die Verflüssigung der Kohle scheint I. G. Farben einiges Kopfzerbrechen zu bereiten. Nach Duisburg ist sie auch heute noch ein Problem, dessen ; Lösung in» kleinen leichter gewesen sei als im großen. Die Aktionär« sollen sich aber darum keine Sorge machen. Ausbau ohne Dividende bei Horch. Starke Steigerung drr Abschreibungen. Die Horchwerke A-G. in Zwickau wird auch für 1929 keine Dividende verteilen, obwohl nach den Feststellungen des Zluffichts- rats der Uinfatz von 28 auf 36 Millionen Mark ge- steigert wurde und jetzt jeder viert« in Deutschland neu zu- gelassene Wagen in der Preisklasse von 10 000 M. uno darüber (einschließlich der Auslandswagen) ein Horch 8 ist. Der F a b ri» kationsgewinn ist von 3 89 auf 4,72 Millionen gestiegen, Handlungsunkosten und Zinsen sind aber von 1,90 auf 2,47, Steuern und soziale Lasten von 0,63 auf 0,88 Millionen Mark erhöht, so dc-ß gegen das Vorjahr sich mit 1,40 gegen 1,42 Millionen ein etwas verringerter Bruttogewinn ergibt Die Abschreibungen werden sehr beträchtlich, und zwar van 0,85 ans 1,32 Mil- lionen gesteigert. Auf Debitoren wird eine halbe Million ob- geschrieben, so daß man offenbar aus den Verkäufen nicht unerheb- liehe Verluste bcsürchtet. Der Reingewinn wird mit 82 000 � gegen 47 000 im Vorjahr ausgewiesen und aus neu« Rechnung vorgetragen. Die Bankschulden sind ziemlich beträchtlich von 5,74 auf 8,87 Millionen Mark erhöht(dabei allerdings 2 Millionen, die durch langfristige Kundenwechfel gedeckt sind). Die laufenden Ver- pflichtungen sind von 6,65 aus 8,24 Millionen vermehrt. Mehr Llmsah ohne Gewinn. Emil Busch'Rathenow verbessert aber die Bilati;. Die mit dem Zeiß-Ikon-Konzern eng oerbulrdenc Emil Busch Zl.-G. in Rathenow verteilt für 1929 auf ihr 3,30 Millionen Kapitas, nachdem schon seit 1924 Dividendenlosrgkeit vorliegt, auch 1929 keine Dividende. Der ausgewiesene Verlust von insgesamt 139 000 M. erklärt sich aber i» allererster Linie aus den starken Bilanzverbesserungen und nicht aus einem gewinn losen Geschäft, das 1929 noch eine Umsatzsteigerung von 7 Proz. ge- bracht hat. Der Rohgewinn ist nämlich von 1,78 auf 1,96 Million, n gestiegen, die Verwaltungskosten sind von 1,16 auf 1,09 ge- sunken. Schulden wurden von 1,20 auf 0.98 Millionen zurück» gezahlt, die Forderungen sind von 1,55 auf 1,75 Millionen er- höht, der Warenbestand wurde bei vergrößertem Geschäft mit 1,90 gegen 2,02 Millionen niedriger bewertet, und die 21b- schreibungen wurden aus den laufenden Gewinnen von 0,49 auf 0,70 Millionen sehr stark gesteigert. Die Belegschaften können daraus den Schluß ziehen, daß die Emil Busch A.-G. 1929 sehr wohl beträchtliche Ge- winne gemacht hat und daß das Unternehmen als durchaus r e n- tabel angesehen werden darf. Im Jahre 1930, so sagt der Ge- schästsbericht, ist bisher allerdings ein Umsatzrückgang von 14 Proz. zu verzeichnen. Steigender deutscherLokomotwenexport Im ersten Quarta» kSZ0 auf das Sechsfache gestienen. i In den ersten vier Monaten 1930 ist der Export von deutschen Lokomotiven auf rund 29 Millionen gegen nur 5 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres gestiegen, das ist fast das Sechsfache. Die A u s f il h r m e n g e hat sich von 37 097 auf 201 545 Doppel- zentner erhöht. Am st ä r k st« n hat Rumänien mit rund 93 000 Doppelzentnern gekauft. Dann folgen Britisch-Indieri, Jugoslawien, Holland, Siam und Bolivien. Der Verkauf nach Britisch-Süoafrika ist 1930 bisher ganz ausgefallen. Der Kaliabsah im Mai. Di« Abladungen der zum Deutschen Kabsyndikat gehörenden Kaliwerke im M a i 1930 betrugen 771 932 Doppelzeuiner Reintali gegen 772 932 Doppclzentner Reinkali im gleichen Monat des Vor- jahres. In den ersten fünf Monaten des lausenden Kalen er- jahres wurden von den Kaliwerken insgesamt 7 332 990 gegen 7 321 385 Doppelzentner Remkali in der gleichen Zeit des Vorjahres versandt. Di« Kaliindustrie steht also noch glänzend. Gute Hüklenzechenkonjunktur. Die Bergbau Lothringen» A.- G., die 1929 ihr Kapital von 80 auf 50 Millionen Mark herab- gesetzt hat und rund 10 000 Arbeiter und Angestellte besclzäftigt, hat seit dem Ende der Inflation bisher noch ni« eine Dividend« verteilt. Das gute Kohlen- und Hükenjahr 1929 aber hat einen Reingewinn von 1,99 Millionen gebracht, aus dem zum ersten Male eine Dividende von 3 Proz. an die Zlktionär« ausgeschüttet werden wird. Ein neuer Beweis für die aus- gezeichnete finanzielle Lage der S ch w« r i n d u st r i e. Ein weißer Rabe der Filmindustrie. Die A a f a- F i l in- A.-G., Berlin, hat schon seit 1926 jedes Jahr 10 Proz. Dividende oerteilt. Sie kann das auch für das Jahr 1929 und wird sogar, da es ihr offenbar gut geht, ihr Kapital von 600000 auf 1,2 Millionen Mark erhöhen. Wahrlich ein weißer Rabe in der deutschen Filmindustrie. Die Terra Film A.'G.-verlln, aus der sich die I. G. Farben zurückgezogen hat, die von einer Gruppe mit Pros. Max Reinhardt erworben wurde, und die in der Zukunft mit den Staats- theatern den Tonfilm pflegen will, meldet für das Jahr 1929 eine V e r bu st st e i g« r u n g von rund 20 000 auf rund 6 00 0 0 0 Mark. Daß I. G. Farben dieses Eisen etwas zu heiß wurde,» ist begreiflich. Entwicklung der kommunalen Elektrowirtschaft. Die von Dr. Kausfmann, Vorstandsmitglied der Bewag, Herauegegebene Zeitschrift„Dos kommunale Elektrizitätswerk" hat aus Anlaß der Weltkraftkonferenz im Iuniheft eine Reihe inter- cssanter Aussätze über die kommunale E'cktrizilätswirt. schaft in den einzelnen Ländern vcröfsenilicht. die eine Uebersicht über die Entwicklung und den heutigen Stand der kommunalen Stromversorgungsunternehmungen bieten. 3w>an ffleilbui: JßBÜ Di« Geschichte beginnt am Abenö eines der unsinnig heißen Sommertoge des vergangenen Jahres. Der Dampser trug die Passagiere, von denen die Wehrzahl mit dem Abendzug aus Solzburg gekommen war, von der Station über den See nach Sankt Wolfgong Markt. Aom Ufer, dem das Schiff entgegenarbeitet«, schallte gus cmcin erleuchteten Hotelgarten am Wasser Musik. Die Berg« begrenzten dunkel den wolkigen Himmel, als hüteten sie den Frieden des Salzkammerguts. Als wir an Land stiegen, siel mir ein geraSe.zu schadenfrohes Lächeln in den Augen der im Hotelgarten sitzenden Gäste auf. Dem Ansehen nach waren die meisten Wiener.— Gleich darauf erfuhr ich, daß es weder in Sankt Wolfgang noch in irgendeinem Ort am Wolfgongsee ein Zimmer zu mieten gäbe— jegliche Unterkunft war besetzt: Mit anderen Worten: Sankt Wolfgang befand sich in dem- selben Zustand wie Verlin, wenn am Kaisercxunm eine Automobil- ausstellung ist... War das nicht eine Nachricht, die einen Mann erbleichen machen konnte? Es war abends gegen zehn. Anfangs hatte ich gegen ein« Sommernacht im Freien gar nichts einzuwenden, ich Hab« mehr als eine draußen verbracht.„Aber nicht in den Bergen!' fi«! meine Begleiterin ein; sie machte mir den Unterschied zwischen Flachlands- und Bergnächten klar. Darauf verankerte ich sie im Garte» am See und schweifte selber in die näher« Umgsbung hinaus, um jedes Lebewesen, das ich auf dem Wege traf, nach einem Zimmer zu fragen. Durch den Flecken selber war ich bald hindurch: nun tappte ich ein ansteigendes Gelände hinauf. Da und dort im Ungewisien sah ich ein Licht und brüllte mein„Hallo! guten Abend—?* Nach dreiviertel Stunden solchen Herumirrens fand sich eine Frau, die, in den Pausen zwischen furchtbarem Hundegebell, nach einigem Zaubern Unterkunft zusagte. Ihr Jawort.oernehmen und mit jauchzenden Beinen das Gelände abwärtsstraucheln, war eins. Schon von ferne schrie ich mein ein kieben Mädchen die gute Botschaft zu. Nun hieß es, den Weg zu unserem Quartier wiederzufinden. Wir krabbelten mit dem kleinen Gepäck, das wir bei uns trugen, durch die Dunkelheit, die Lust wurde herbe. Es ging langsam gegen Mitternacht. Endlich fand ich, durch das feindselige Geheul des Hundes glücklich geleitet, das kleine Haus wieder. Di« Frau trat zur Begrüßung heraus. Sie hieß Marei, war klein wie eine Zwergin, hatte helle Augen wie eine Geiß und war von so zuvor- kommender Art, als glaubt« sie gutmachen zu müssen, daß sie so klein war. Sie machte uns nun die Eröffnung, daß wir nicht alleinige Gäste in dem zur Verfügung gestellten Zimmer fein würden. Ein Herr und eine Dame aus Wien schliefen bereits dort— ob wir trotzdem vorlieb nehmen wollten? Wir hätten mit einem Fuchsbau oorlieb genommen, obgleich es tu einem Fuchsbau wahrscheinlich nickst ordentlich riecht. Als wir auf leisen Sohlen mit einer Kerze hereintraten, lagen der Wiener und die Wienerin wach und sahen uns mit europäischer Kühle entgegen. Sie waren natürlich informiert und einverstanden. Da wir uns weiterhin auf leisen Sohlen bewegten, nahmen die beiden aus Wien unseren Friedenswillen zur Kenntnis und be- gannen ein Gespräch. Auch sie wären am selben Abend gekommen. Wir m der Stube waren also zu vier: die Wiener hatten das Bett und wir die Chaiselongue. Die Kerze war gelöscht, der Raum vom Schweigen der Berge draußen erfüllt. Wir hätten jetzt still« sein— allenfalls ein Nachtgebet an die Natur beten— und dann schnellstens einschlafen sollen.?lber das taten wir leider nicht. Jeden- fall» der Wiener und ich waren noch mitteilungsbedüifftig. Meine Berlinerin und seine Wienerin brummten gleich im Anfang unseres munteren Gesprächs unwillig. Sie machten sofort stillschweigender- weise ein« Anschlußbewegung untereinander, die gegen uns Männer gerichtet war. Aber auf diese Anzeichen gaben wir nicht im G«- rmgsten acht. Unsere Unterhaltung quer durch die Dunkelheit ging um die Bergsteigerei. Nun muß ich sagen, daß ich die Bergsteiger« um ihrer selbst willen ablehne. Ich brachte also in ruhigem Tone vor, daß ich sehr gern aus den Bergen oben drauf stünde, daß es mir auf» Abstürzen aber wenig oder gar nichts zu tun wäre.— So: da war mein Wiener ganz anderer Meinung. Wofern der Weg keine Aussicht zu einem oder mehreren Gew'ckstürzen bot, so hatte er kein Interesse für die Parti«. „Seid doch bloß still", sagte mit einem Male meine Berlinerin neben mir im Dunkeln. „In der tiefen Nacht solch ein Gestreite," sagte die Wienerin, »wie herzig." Aber der Wiener ljatt«— da» will ich beschwören, obgleich ich ihn nicht sehen konnte— einen roten Kopf, und den wollt« er nicht aus sich sitzen lassen. Ich hingegen mochte fiir Berlin als Fremdenstadt Propaganda. Die Ueberquenmg eines Berliner Fahr- domms— das sagte ich. wahrhaftig— wäre für einen Epartsmann wie ihn erst die rechte Uebimg: da böte sich tausendfach« Aussicht für jeden, der einmal gerädert, geschleift und zerquetscht werden will.— Wein Wiener»ahm meinen Hinweis für ironisch und schrie. Da machte die Wienerin den Vorschlag, die Männer sollten sich auf der Chaiselongue zusammentun, um den Streit unter sich«us- zutragen.„Schlägt's euch tot," sagte sie,„aber weckt's uns n«t auf." Ungern sah ich meine Berlinerin scheiden, aber es mußt« sein. Der Wiener kam aus meine Chaiselongue, und für einen Augenblick sah ich seine Augen durchs Dunkel blitzen. Mir wurde nicht wohl und in der Tat war es schon nach Verlauf einer halben Ministe mit dem Flüstern vorbei. „Nix gchn mit ihren Beinen wollen die Herrschaften." schrie er — später erfuhr ich durch Zufall, er wohnte in Wien in Ostakring. wo die berühmten Biere zu Ho?ffe sind—„nix gehn— ober Zohnrodbahnen Habens gelegt." Von der Zahnradbahn wurde der Wiener nickst mehr still. Sie war ihm der Dorn im Auge, der Stachel im Fleisch Diese verfluchte Bahn, die es den Großstadtbeinen so einfach macht«, in Seiden- strumpfen und Stöckelschuhen die trotzigen Berge zu bemsisternl „Macht doch bloß, daß ihr stille seid." rief meine Berlinerin, „dankt doch nur Gott, daß ihr Unterkunft für die Nacht.. Aber 0er Wiener war bei der Zahnradbahnl Und erst als ein Hausbewohner von oben her auf die Deck« gefaustet hotte, und ich mit dem Wiener gegen Halbdrei Uhr morgens in einem der , wichtigsten Punkte überein kam: nämlich daß es nicht stilgemäß wäre, wenn die Damen vom Wiener Ring auf der Spitze der Jungfrau säßen, um durch ein Lorgnon die Landschaft zu betrachten — erst da wurde er stiller, und endlich still.— *** Mehrere Tag« später, als wir schon längst eine wohnlich« Be- Häufung beim Heger gesunden und unsere Wiener beinahe oergeffen hatten, setzten wir uns in die Zahnradbahn, die zum Schafbevg fährt, und freuten uns über das zuverlässige Lokomostvchen, da» laut puffend mit vorgestrecktem Bauch das Zügle vor sich her i» die Zahnradbahn Höhe schob: und ärgerten uns über einen Herrn in Sportstrüwpfen. der, als er den Dachstein zu sehen vermeinte, überaus eitel das Lied vom Dachstein zu singen begann.— Auf der Station Schafberg. alpe stiegen onr aus und gingen gemächlich dem Gipfel entgegen Seidenblaugrüne Seen und Bergesketten blieben unter unserem Blick: Klee, blauer Enzian und dos Alpenveilchen, dessen Kopf so überaus zierlich am Halse befestigt ist, Blumen wid Falter von sonnendurchsaugten Farben saßen und gaukelten an unserem Weg. Auf der Höhe des Berges angelangt, genossen wir zuerst die Sicht in die Ferne. Da standen rundum, in unberührter Rangordnung, die hohen über den kleineren Gebirgen: die Gletscher aus chrer sagen- haften Ferne grüßen wie Symbole kaller Weishell und Macht. In der Nähe die langgestreckten Seen: Marktflecken und fröhlich« Ländereicn. Um eine Kreistafel, auf der Pfeile nach allen Richtungen hin die Berge mll ihren Namen bezeichneten, war von Touristen ein Gedränge, deren mehrere sich jeden Aufstiegs rühmten, den sie schon — erledigt hallen. Einige hatte» schon den Dachstein— erledigt. Sie gewonnen sofort die Achtung der anderen. Wir gingen um das Hotel herum. Em Herr mit nacktem Oberkörper las durchs Einglas das„Journal". Eine Dame photographiert« ihr heulendes Söhnchen. Aber im Hotel, wo wir unser Millagessen bestellen wollten, war überhaupt nichts mehr von der Bergestuft übrig. Der Kellner war vor Arbeitsüberlastung neurosthenisch und brach gegen die Gäste, die es trotzdem wagten, bei ihm zu bestellen, in offen« Feindseligkeiten aus. Die Gäste musterten jeden eintretenden Gast mit jenem skeptischen Blick, der gleichsam der Bürgerbrief de» Groß- städters ist. Ja, es war Großstadt auf dem Gipfel de» Berge«. Wir mußten an unseren Wiener denken, und ihm zu Ehren beschlossen wir, früher als ursprünglich unser Vorsatz gewesen war, die Höhe zu verlassen, um bei völliger Außerachtlassung der Tatsache.Lahnradbahn" den Abstieg zu unternehmen. Wir gingen durch die„Himmelspforte" und kamen von da aus auf einen schreckeneinjagend schmalen Pfad, wo wir an einigen Stellen ins Laufen und an anderen ins Kriechen gerieten. Aber einmal kam an uns ein sehniger brauner Kerl vorbei, 3)ie Entdeckung des Saharakrokodils Im Jahre 1876 entdeckte der deutsche Forschungsreisende Erwin v. Bary aus seiner Reffe von Tripolis in die Zentrolsahara ungefähr zwei Tagereisen nordwestlich der alten Oase Rhat einen kleinen See, den seine eingeborenen Freunde und Führer Mihero nannten. Bei genauerer Besichtigung des Ufers fand er im feuchten Sande deutliche Spuren von Krokodilen. Um die Jpoche zu ergründen, beschloß er, die Nacht und wenn nötig, auch den nächsten Tag dort zu bleiben. Sein« Leute, die vom Stamme der Asger- Tuareg waren, weigerten sich aber, auch nur eine Stunde länger am See zu verbringen, da dieser zum Gebiete der Ahaggor-Tuareg gehört«, mit denen sie seit uralter Zeit in grimmigster Feindschaft lebten. So mußte sich der Forscher mit der Feststellung der Spuren begnügen. Lange Zeit hat man dann nichts mehr vom Saharakrokodil gehört. Erst 1312 erzählte Prof. Flamant in Algier, daß ein französischer Offizier ein Krokodil im Miherosee erlegt und nach Algier mitgebracht Hab« Es sei nach Paris ans Zoologische Museum gesandt und von diesem einem tüchtigen Präparator in der Stadt zum Aufstellen übergeben worden. Jedoch sei dieser sehr bald am Typhus gestorben, und, ehe es jemand hätte verhindern können, Hab« die Gesundheitspolizei alles, was in feiner Werkstatt war, verbrennen lassen. So endet« da» erste erlegt« Sccharakrokodil in recht ruhmloser Weise. Als Paul Spatz vor einigen Iahren mtt feinem Freunde und Meister, Prof. Schweinfurth, über dieses Vorkommnis sprach, teilte dieser ihm mst, daß es auch in der südwestlichsten Sahara, in der französischen Kolonie Mauretanien, noch einen kleinen See gebe, der ebenfalls Krokodile enthalten soll«: irgendwelche Belegexemplare seien aber noch nicht bekannt. Ms Spatz nun im vergangenen Jahre vom Generalgouverneur in Dakar die Erlaubnis bekam, seine Forschungen auch aus Maure- tanien auszudehnen, konnte er bald erfahren, daß der fragliche See west im Innern an einer mächtigen Felswand lieg« und Galulasee genannt werde: früher seien hin und wieder auch Krokodile dort gesehen worden, aber in den letzten Iahren nicht mehr, so daß die Tiere wohl schon längst ausgestorben seien. Trotzdem zog es ihn, wie er jetzt im.Kosmos" berichtet, zum Gallila, und nach tags- langen mühseligen Märschen durch teilweise bergiges Gelände log ein märchenhaft schöner See von vielleicht'A bis% Hektar Größe, dicht an«ine himmelanstrebende Felswand geschmiegt, vor ihm. Ein genaues Absuchen de« vorderen sandigen Strandes nach Spuren war erfolglos: die fast täglich eintreffenden großen Ziegen- und Schafherden, die zum Tränken weit in den See hineingingen, hatten wohl alle Spuren vertreten. Nach zweitägiger Beobachtung schien es ihm. als wenn mitten im See die Spitze einer Krokodilnas« für einen Augenblick aufgetaucht wäre. Deshalb beobachtete er noch weiter, und da fand er heraus, daß die Krokodil« nicht am sandigen Ufer, sondern unter der hohen Felsenwand, wo sich mll der Zeit durch Steinschlag ein schmaler Weg gebildet hatte, aus dem Wasser stiegen und sich dort zwisck)en den Steinen sonnten. Es gelang ihm dann endlich, ein Tier zu erlegen: es maß 2,32 Meter von der Schnauzenparti« bis zum Schwänzend«, halle 20 legereise Eier in der Tracht und schien«in schon bejahrtes Stück zu sein. Aussallend ist, daß noch nie ein Tier oder ein Mensch beim Wasserschöpfen dort angegriffen worden ist. Uebrigens ist auch das Senegalkrokodil völlig harmlos. Bei dem Saharokrokodil scheint es sich um eine Reliktenform zu handeln, denn weder der Mihero- noch der Golula- see stehen mll irgendeinem Flusse oder änderen See in Verbindung. Das Krokodil liegt jetzt im Berliner Zoologischen Museum und harrt seiner wissenschaftlichen Bestimmung. Wie ein Sliefendampfer enlflehl Bon den Vorstädten Glasgows aus erblich man heute eine seltsame Stadt im Entstehen, einen Wald von emporragenden Schornsteinen und Dächern Ist es eine Riesensabrikanlage. die hier geschaffen wird? Was sich hier aus dem Chaos gestattet, das ist das Werden eines modernen Riesendampsers, der„Empreß of Britain", Ine wie ein Titan zwischen Zwergen auf der Werst von Clydebank liegt. Noch ummauern sie Wälle und Ketten, noch ist sie, wie Pereival Phillips in der„Daily Mail" schreibt. Alles und Nichts, ein Wolkenkratzer ohne List, eine Ansmmnlung von Tunnels, eine Teufelsküche mit geheimnisvollen, feuerspeienden Maschinen. ein Gewirr von Eisengerüsten in vielen Stockwerken, ein Schiff mit einem Namen, aber ohne Seele. Doch wenn erst ein Jahr vorüber sein wird, dann wird sich ein Luxusdompfer, dessengleichen die Ge- der diesen Abstieg nahm, oft hüpft« er einfach et» Trepp« hinunter. „Bergheill" rief er und war verschwunden. Cr war wie eine Gemse. Es dauert« nicht lange, so sollten wir seinen bebüschellen Hut wieder begegnen� An einer Wendimg sahen wir den Mann mitten im steinigen Pjad auf ein Knie niedergelassen, zu einem anscheinend Verunglückten herabgebeugt, neben dem in Touristentracht est» Mädchen stand. Wir eillen so schnell als es möglich war. hinzu, an der rechten Sell« heb sich der graufelsige Berg steilauf, zur linken fiel er steilab. Aber da stieß ich einen Ruf aus und nun hatte auch meine Begleiterin die Gruppe vor uns ganz erkannt: Der Wiener und seine Wienerini Der unglückliche Wiener, er hatte sich den Fuß verstaucht und konnte nicht gehen, geschweige denn auf- oder abwärts klettern. Nun mußten wir ihn wohl auf den Gipfel zurück- und von dort aus in die Zahnradbahn tragen? Aber da suchte er nach einem Stein und wollt« nach mir zielen. Er in die Zahnradbahn? Er? Eher läge er hier oben die ganze Nacht: inst Freuden. Die Wienerin weinte. Ihre Tränen machten Eindruck auf ihn. Der braune Kerl mit dem Gemsbart am Hut faßte an— und nun hoben und trugen wir unseren ingrimmig schweigenden Kranken durch die Wunderwell aufwärts: wo der Pfad so eng war. daß wir nur mit Mühe hintereinander zu steigen vermochten, schleppten und zerrten, stießen und schubsten wir an dem unglücklichen Wiener nach Kräften herum. Er hotte einen Wutausbruch nach dem anderen. Aber er hätte Grund gehabt, dankbar zu sein. Denn fem Miß- geschick hatte ihn in verhältnismäßiger Nähe des Gipfels getroffen. Um die Mitte des Nachmittags kamen wir mst ihm oben an. Nachdem ihm dort eine geringe lindernde Hilfe geleistet war, verabschiedete sich der Kerl mit dem Gemsbart am Hut, er wollte natürlich zu Fuß hinunter, er war in den Bergen zu Haus wie ein Rauchfangkehrer im Schornstein. Der Wiener sah ihm mst bitteren Blicken, nach Er mußte sich gleich darauf in die Zahnradbahn transportieren lassen. Ich gab acht, daß ich meinen Platz im Waggon außerhalb seiner Blicke bekam. Aber einmal währeich dieser melancholischen Talfahrt überwältigte mich das Mitgefühl mit seinem trotzigen Herzen. Ich beugte mich zu ihm vor und gab ihm auf Mannesehre die Versicherung: daß auch nach meiner Meinung das Haupt eines Berges eine andere Dekoration verlange— einen anderen Stil und anderen Geist... als der Wiener Ring und der Berliner Kurfürstendamm. schichte der Schiffahrt noch nicht gesehen hat, au« dem Wirrwarr eittwickell haben. Wieviele von den 2000 Reisenden, die zu gleicher Zeit die Freuden und Genüsse eines Luxushotels und die Zerstreu- ungen einer Großstadt hier genießen werden, werden dem Wunder- märchen seines Werdens nachsinnen? Will doch selbst der Schiff-» architekt, der Schöpfer dieses Zaubergebiides, nichts von einem Wunder wissen. Nach seiner Ausfassung ist die Entstehvngssormel für«in solche» Riesengebilde die natürlichste und einfachste Sache der Welt. Man nimmt nur 20 000 Tonnen Stahl, Millionen Nieten, 2500 Arbeiter der verschiedensten Handwerke, dann noch solche Kleintg- testen, wie Kessel, Maschinen, Holztäfelungen, Teppiche, eine Bar- einrichtung und vor allem genügend Gehirn, vereinigt alles dieses in einem Raum von etwa 800 Fuß Länge und ISO Fuß Brest« und läßt sie 21A Jahre aufeinander einwirken. Das Drama des Schiffs- baues vollzieht sich in drei Akten. Zuerst kommen die Metallarbestec an die Arbest, die den Autzenbau zusammenfügen. Ihnen folge,» Zimmerleute, Kalfaterer. Bleiarbeiter mst» die Vertreter ähnliche!: Handwerkszweige, die den zweiten Akt zu Ende führen. Dann er, scheinen die Ingenieur« und die Kesselbauer auf dem Schauplatz. gefolgt von einem Heer von Malern, Tapezierern, Elettromonteurci». Kabinenbauern und ähnlichen Künstlern, die die letzte Hand anlegen. Aber der Plan zu all dieser unendlichen Vielheit, di« tausend Hände beschäftigt, ist bis zu letzten Einzelheiten von Anfang an vorliegend. Der Schiffsarchitekt der„Empreß" hat auch alle ihre Möbel en'> warfen, Bettgestelle, Speisezimmerstühle und selbst je» klein«,» kunstvollen Schränkchen, die— ein neuer Zug der Zest— Whisky und andere Mittel, die sich gegen die Seekrankhest eignen, ver- schlössen hallen soll. Wo sich heute noch ein Etwas auftut, das einer unvollendeten Eisenbahnstatton ähnell, wird sich über kurz oder lang ein herrlicher Speisesalon ausbreiten, der größte ungestützi? Raum, den je ein Dampfer aufzuweisen hott«. Dies« Halle wird kostbare Wandmalereien und Wanddekorationen erhalten, die von dem gleichen Geist der Einfachhett getragen weiden wie die ganze Einrichtung. Sie wird von Lichtströmen durchflutet fein. Ueber geländerlose Treppen gelangt man mst Lebensgefahr m Schiffsräumen, wo sich hier ein Spielzimmer im spanischen Stil mst sorg- sättig gearbeiteten Eisentüren und Kachekböden befinden wird: dort ist ein Barraum vorgesehen, der in der originellen Malkunst.Heath Robinsons eine Geschichte des Cocktails aufweisen wird. Die Kinde? werden ein wahres Paradies finden: denn für sie sind Kinderzimmer vorgesehen, wie man sie sonst nirgends findet. Ein Miniaturladen. bewegliche Modelle aller Kinderftubemeime und ein Flugzeug wird für das Vergnügen der kleinen Gäste sorgen, indessen für die großen ei» Sportarena von 60 Quadratfuh, ein gedeckter Tennisraum von zwei Stockwerten Höhe nstt einer Zuschauergalerie herum, offene Tennisplätze und ein wundervolles Rauchzimmer im chinesischen Stil neben vielen Gesellschostsräumen zur Verfügung stehen wird. Was besonders angenehm auffällt, fft die außergewöhnliche Höhe der Decke, der Kabinen und aller Räum«. Im ganzen sind elf Decks vorgesehen und über diesen Riesenraum— die„Empreß" ist 250 Meter lang— werden sich die Gelasse für 423 Passagiere der ersten Klasse, 260 Reisende der zweiten, 470 der dritten Klasse und für 680 Offiziere und Matrosen verteilen. Schmelzversuche an Eisberge»». Einen bedeutsamen Versuch, der im Falle des Gelingens sehr wertvoll sür„die Zukunft der Polar- forschung werden könnte, inttennnmtt augenblicklich eine Expedition des Leningrader Staatlichen Ozeanographijchen Instituts. Die Expeditton, an der 16 wissenschaftliche Mitarbeiter teilnehmen, wird zwei Wochen lang auf dem Expeditionsschiff„Perseus" in der Barents-See kreuzen und die Schmelzwirkung des Ther- mit» auf die arktischen Eismassen erforschen. Das Thermst ist ein Gemisch von Metalloxyden mit Metallpuloer. das nach starkem Erhitzen beim Weiierbrennen eine jehr hohe Temperatur entwickelt und z. B. zum Verschweißen von Schienen benutzt wird. Prof. Schulejkin lMo-kau) gelang es. bei einem Gemisch de» Thermsts, worin das Eisen durch mangansaure« Kalium ersetzt ist, einen mehrfach gesteigerten Wärmeeffekt zu erzielen. Die Erpeditton führt zwei Tonnen verschiedener Arten von Thermst mst sich. Die praktische Bedeutung dieser Schmelzoersuche für die Polarforscher in ihrem Kampf mit den Eismossen wäre außerordentlich groß. Wolfsjagd mit Radio. Auf gewissen Strecken der ssbirischen Steppen wurde neuerdings ein Netz von Radiomikraphonen verteilt, durch deren Vermittlung die umherziehenden Wolfsrudel durch ihr Geheul selbst ihren Standpunkt verroten. Di« Empfangszentrole steht in ständiger Verbindung mit einer Anzahl von Jagdgesellschaften, die jederzeit bereit sind, auf die Meldung eines lohnend erscheinen- den Geheuls hm zu einer Treibjagd aufzubrechen. Gapieha wieder vor Gericht. Atter polnischer Adel oder alter Hochstapler? Vnr dein Schöffengericht Berlin-Mitt« verantwartet« sich gestern rnieder einmal„F ü r st S/,Uhr. im Arematorium Baumschulenweg, Aiesholzstrah«, statt Ehre ihrem Andenke». Rege Beteiligung wird erwartet. Die OileTeiwlhm«. Verkäufe Websehler-Teppiche. Kleine Webfehler 2X3 16,- Morl. Meine Webfehler 2X3 20.— Marl. «leine Webfehler ViXSM 31,- Mark. Kleine Webfehler 2WXSV4 89,- Mark. Kleine Webfehler 3X4 48�- Mark. Prima Qualität 2X8 38.- Mark. Prima Qualität 2zhx8l4 55,- Mark. Närner, Berlin, Pvtsbamerfirafie 2Ke. Hausnummer beachten. Tapete». Czillat. Koloniestrabe».» Bekleidungsstücke, Wäsche usw. Spattbilliger B erkauf von Herren- anzllgen. Genosse Silberschlag. Lottum- straße�Z. Schilnhauser Tor. Damenmäntel, Frühjahrsmäntel 4,—, 8,—, Trenchcoalmäntel 10,—, Herren- Itvff 12,—, Seidenmäntel. Modellmäntel 18,—, 29,—, 39,—, Kleiber, Koftiime, Kinberrnäntel fvottblllig. Schmechel. Sipsstrajie 15 fBahnhof Börse)._' Wenig getrogene_____ von Millionären. 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Di« Bezirkstllhrei merde» gebeten,„Unser Weg" vom Genosse» Hilbne soiort abzuholen. 21. Abt. Die Grupvensllhrer merdrn gebeten,»Unser Weg" o»m Abteilung». knsfterer abzuholen. 2li.«bt.„Unser Weg" ist abzuholen. Abrechnung bis spätesten, iL. Juni. Karteikarten sind mitzubringen. 23. Abt.„Unser Weg" ist abzuholen von Leopold Walter. Mefter Str. 37. .73. Abt. Die Bezirksfiihrer rechnen die iviaimarlen und Sammeltisteir Heute in. der ssunktionärslstung bei Lojak mit dem Kassierer ab. Desgieieben ntfiffen die SUebericeiebänbe angegeben roerden. 33. Abt.„Unser Weg" ist abzuholen vom Genossen Urban, Zausttzer Plast, bi, zum ssreilag abend. I». Abt. Lichtenberg.„Unser Weg" ist vom Genossen Groppler sofort abzuholen. Morgen, Freikag, ö. Juni. 3. Abt. Ist Uhr Tocstandsnstunq. Um lS'z Uhr ssunktionärssstung. Beide Sistungen hei Hiidner, Wilsnochee Sir. Zt. 27. Abt. llM« Uhr bei Sofcfife, Matternstr. 14. ssunklionärftstung. 43. Abt. lgftl Uhr ssiinktionärsistnnq bei Krepp, Planuser 7ä-�73. Schoneberg. 77. Abt. A> Uhr bei Jürgen», Barbarossastr. 5a,«nnktionärststung. — 7». Abt. Am ssreitag tällt die ssunktionärssstimg ou». 31. Abt. Friedenau. A> Uhr Funktionärnstiing diesmal nicht bei Klobe, sonber» bei Rosena». Bor, ine,«cke L-ubacher Strafte. Pünktlich erscheinen. 35. Abt. Tempelhos. V) Iihe enreitet'e Dorstandsliftung bei Pommerening. Berliner Str. tag. In dieser Siftung ersotgl die Ausgabe der Abrechnungs- listen für das 2. Quartal. »eulilln. 81). Abt. LH Uhr bei Grommech. Sanderstr. 13. Borstands, und Funk- lionarssstung.— M. Acht. iSli Uhr bei E tlmbeiko. Welebfelftr. 5, Funk. tionärststung.—#3. Abi. Die Fuuktionärssfti'ng tällt wegen der Ptingtl. friertage aus und sindet daMr am Freitag. 13. Juni, statt. Gs empfiehlt stch. die aahtadende ebenfalls acht Tage später abzuhalten.— gs. Abt. Ifl'.i Übt bei Lohann. Wipnerstr. 18—11), Fuirftmnärfibung. Eescheinen ist Pflicht.— 27. Abt. 2« Uhr hei Ziobr. Siegfricdftr. 28—29, Funktionär. stftung. 119. Abt. Lichtenberg. Sil; Uhr bei Barst. Mrssendorfstrofte. Fiinktionärststung. 124. Abt. Mahlobors. A Uhr im Lokal Nordstern. Hönower Str. 49, Fun?» tionärststung. 228. /l 33. Abt. Pauk»«. 2« Uhr im Türkischen Feit, Breite Strafte, Funktionär. ststung. ?rauenveranstallungen. 4. Krai, Prenzlauer Berg. Am Sonnwq, 1. Juni, sind Set de? Kunbaebuna drei Plakatteansparenie verlorengegangen. Da dieselben wieder vermrnbet werden sollen, wird gebeten, diesesben bei dem Genossen Dölst. Vorwärts- Spedition. Immanuelkirchstr. 24. abzugeben. 23. Kreis Reinickendorf. Am Freitag, 3. Juni, um 23 Uhr. findet im alten Rat. Hans. Honptftr. 88, Finimer 17, eine Fnnktionärienn'nstgung für Agitation und Wohlfahrt statt. Bezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrl. 3. Krel, Wedding. Sistnng der Fachgruppe IugetibmoHWaHrt am Frei lag. 3 June. Ist'. Uhr. im Ledigenheim Schönstedtstr. I, 5. Stock, Finwier 15. Tagesordnung! 1. Por'rag:„Alifban und Autgaben der Iugendwohlfahrtsvtlege". Referent Genosse Georg Mendelsohn 2. Aussprache. 3. Verschiedenes. Alle Geuosse»<>nne»>, die in der Jugendiovhlfahrt mitarbeiten, müssen teilnehmen. Jungsoziallflea. Wodbiag.Scsunbbraanea: Heule, 39 Uhr, In»er«eltstcheR Schule. P-nk., Sek.- Weesenstrafte, Fi mm er 12, Vortrag de» Genossen Dr. LSwenbreg!.Moderne Festkuttur". Gruppe Feiedrichahata: Heute. Donnerstag, An Jugendheim Feanlsurter Tllee 807, Hof, Lönszimmer.„Marie o. Ebner8!schenbach— eine soziale Dich» trrin." Neterent Genosse Herlinger. A rbeitegemcinschaft der kinderfreunde. Bezirt Mitte, iseltlagerinheerl Senle, llVt Uhr, im Seim Waisenstr. 13, Bollvertammlung aller Feltlagerteilnehiner tauch der technlschen Helfer). Lebte Vorbereitungen für Probezeitlager. Bestellungen aus Schlafsäcke müssen beute »och abgegeben werden. I Sterbeiafel der Groß« Berliner Partei» Organisation 82. Abt. Unser Genosse Sustao Hllbner, Krautstr. 47, sft am 2. ZunI nach kurzem Krankenlager perstorhen. Gbre feinem Andenken! Beerdigung heute, Donnerstag. 5. Juni, um IZfst Uhr. van der Kapelle der Andreas, und Markus-Gemeinde. HohenschSnhanten.Wilbelmsderg, au».— Unsere Genotstn Antonie Gkiftmann, Rüdersdo�cr Str. 87, ist am 2. Zuni. im 42. Lebensjahre nach langem, schwerem Krankenlager verstorben. Ghre threm stlndenkenl Ginätchernng am Freitag,»m I8ih Uhr, Im Krematorium Gerich!» sieafte.— Am 29. Mai»erstarb unser Genosse Wtllp Risberlel», Memeler Str. 42. Ghre feinem Andenlenl Di« Einäscherung hat bereits statt. gesunden.. 138. Abt. Kipenick. Unser bewährter vmiosse Hermann Senfkort ist tm Alter von 94 Jahren verstorben. Ehre seinem Andenken! Einäscherung am Freitag. 3. Juni, um 13 Uhr, im Krematortum Baumschulen weg. SoziaWscheArbetterjugendGr.-Verlin Holen düngen säe dies« Kvdeck nur av da« Iogeabsekeetariat Berlio GW 33. SMdensteaste 9 Abteilungsleiter, sorgt dafür, Saft die Kart«« mit Sonnewwendseier mid zum Rast abgeholt werden. Zlbkeilungsmitgllederversammlungen heute. 19J4 Ahr. vronienburger Tor: Schule Slisabethkirchstr. 19.— Schönhaulee Vorstadt e Schule Sonnenburger Str 20.— Käpenicker Viertel: Schul« Weangelstr. 12».— Kotlbusser Dar: Heim Deister Str. 27—30,— Südwest: Heim Lindrnstr. 4.— Lehlendorf Dahlem: Dahlem. Lansstr. 7— g.— Segel: Seim Bohnhofstr. 15. m Rorden: Heim Lorsting. Ecke Sraunstrafte: Besprechung der Psiagstfahrt.— AraswaU»« Platz I: Heim Nastenburger Sie. 13:„Tagespolitik".— F-Ikplatz t; Schule Sonnenburger Str. 20: Besprechung zur Piingstfahrt.— Rordoftea II: Heim Danziger Str. 32, B. 8, rechts:„Was wollen die Kommunisten?"—. Westend, R. F.! Sportplatz Westend: Gruppenaussprache.— Reiatckeadors-Weft: Außenspielplast, Seidetstrafte:„Wir und die Kirche".— Buchhol,! Schule Ber- liner Str. 19: Besprechung der Psingstsahrt. Werbe bezirk Wedding, Tambourlapelle: Ueben pünktlich 29 Uhr Im Heim Seestrafte. Instrumente und Lehrbücher mitbringen.— Arbeitsgemeinschaft Turiner Ecke Seestrafte. Musskzimmer. Ueben des Sprechebors 19 ti Uhr im Heihi Litauer Str. 13. (üuger. 20 Uhr Heim Turiner Ecke Seestrafte. Musskzimmer. Werbebezirk Ostea: Ueben des Sprechchors 19th Uhr im Heim Werbebezirk Reukölla: Bildungsonsschuftsstzung mit brn Obleuten im Heim Sergstr. 20, 3t. I. Alle Gruppen müssen vertreten sein.— Musskaben» der Kinderfreundegruppr Birke im Eaalbau Bergstr. 147, 19s0 Uhr. Eintritt 89 Pf. Iugendgenossen, unterstützt diese Deranstaitungl Tambourkapelle: Ueben. Iugendgenassen, hie Interesse für Trommelschlagen haben, können erscheinoa. Genosse Patschonk kommt bestimmt. VorirSge, Vereine und Versammlungen. #Relchsbaaner.Schwarz-Roi-Soid''. Goschlktostokl«: Borlia E 14. Sebastlaastr. 87—33. Lok 2. Tr. Gaaoorstaad! 8a bor»roazaiarksahrt ,a Pfingstca stob aus brat »iortoa Auto noch riaig« Plötz« sr«I.»amerob«a b«r einzelaea OcitMtcia«, bi« teilarhmen«ollen, können stch aaigehenb bei Kam. Marten. Brannenstr. 187, melden.— Preazlaarr Bora, Kameradschaft Balkon: Achtung, neues Lolal! Douueestag, 3. Juni. 20 Uhr, Kamrradschaitsversammlung bcz Bibcrstein. Dauzigcr Str. 4«. lNicht, wie angeg�en, bei Bogel.)— Freitag, 3. Juni. Weddiag: Achtung, Tambourkorpz! ISlo Uhr Bersammlung und Uebnngsitunde bei Kam. Sorgast, Uferstr. 12. Kcrmsdors lkameradickiatt): 20 Uhr Kameraäschaftsvrrsauimiung bei Kam. Lkrrnt. Berliner Ecke Bahnhof- strafte. Referent Kam. Rickiord Wegee. Wilmrrsdors: Das Iungbannee kann nach Magbeburq noch einige Kameraden mitnehmen. Fahrpreis eimchlieftlich Festpiaietle 4 M. Melduna Freiiaa ab 29 Uhr im Jugendheim Wilhelmsaue.— Sonnabend. 7. Zuni. S-eegarte» lOrtsverein): IS Uhr Antreten Kleiner Tier. gaeteg zur Adschiedskiindgebung für die Maqdeburakahrer. Pflich'veeanttatiung. Bannerkleidnug. Wedding. Magdeburgiahm: 19 Uhr itntreten bei Koppeasch, Pineiaplast 8, zur Fahrt nach Magdeburg. Prenzlauer Bor«, Zungbanner: 17 Uhr Antreten Prenzlauer Allee Ecke Dauzigcr Strafte. Nachzügler IS?» Uhr Dolsdamer Bahnhot. Tempelhos lOrtsverein): Maadeburgkahrer Antreten 18(4 Uhr Viktoria- Ecke Berliner S'rafte. Lickstenberg: Berichtigung zur Magdr. burglahrt! Aus zwingenden Gründen muft dir Abfahrt unseres Autos um eine Stunde verschöbe» werden. Abiahrt 1814 Uhr lnicht IT/s Uhr) von de: Ckan- dinavische» Slrafte am Bahnhos Liihtenberg-Friedrichsfelde. Reiaickeadovf lOrtsverein): Iungtannerkameraden, di« nach Maqdehurq fahren, treffen stch 2>)it Uhr am Fahrkartenschalter des Potsdamer Fernbahuhofes. Mariarabt.: 19 Uhr Trefspnnit Potsdamer Bahnhor zur Fahrt noch ssstaadeburg. Weifter Anzua— Wedding: Montag. 9. Juni. 9 Uhr. Treffpunkt der Revuhlikaner zum Frsthkonzert in der Hochschnibrauerei, tlmrumer Str. 31. Einlritt 30 Pf. Tanz 50 Pf. Berliner»«adoNaea-Borelaigaag„Rordischo Klänge" 1935. Uebungsssunde seden Tonaerslag. 204 Uhr. im Lokal Burmeister, Berti>7 N., Anklamer Str. 29. Blattspieler, auch Domen, willkommen. Deutscher Arbeiter. Abstinenten. Bund. Bezirksgruppe Friedeichshain: Donnerstag,?. Juni, 194 Uhr, im Jugendheim Diestelmeperstrafte. Wichtige Tagesordnung.— Bezirksgruppe Lichtenberg: Frei'og. 3. Juni. 1S',7 Uhr. im Ratskeller des Stadthauses Rumincisbirrg. Berlin-Lichtenberg. Stadthausstr. 1. Alkoholkeankenbeeatung durch Genossen Westlaff jeden Freitag von 17—19 Uhr in der Wahnnng Borkaqener Sir. 47. vorn 4 Tr. links.— Bezirksgrupp« Kreuz» bevg, Neukölln. Lichtenberg. Frirdrichshaia: Bortrag des Genossen Sanitätsrat Dr. Otto Iulinshurger über das Thema„Der Sozialismus als eine religiöse Forderung?" in der alkoholfreien Gaststätte, Skalitzer Str. 8, am Freitag, 13 Zuni. 20 Uhr. Arbeiter Rabto-Baab Drntfchlanb«.«.«. Gruppe Frkebrichobaia: Doaaers- tag. 5. Juni, 29 Uhr,„Praktischer Unterricht" im Lokal Eadiner Str. 10. Gäste willkommen. Deutscher Esperanto-Bunb. Erste Vrtmrrappe Berkla. Freitag. 20 Uhr, Kon- ditorei Dobrin. Hackescher Markt. Sport. Rennen zu Ruhleben am Mlkwoch, dem 4. Zuni. 1. Rennen. 1. Turmfalke fJ. Mills), 2. Msrnodt, 3. Delst. tofo: 17; 10. Platz: 10, 10, 10: 10. Ferner liefen: Pirna, Iinpeiator, Tyklame, Blauttriinips, Poefie, Etrnsker<3. disq., 60 Proj. d. Platzw. zur.) 2. R e n n e n. 1. Hnt ab stkitöpnadel jr.), 2. Mimt. 3. Aroia. Toto: 87:10. Platz: 48. 21, 20:10 Ferner liefen: Feodora Eiidoxia, Maisine. lSaleafje, Lisi LSwaida, Oelioirop. Pyramide, Älpfpitze(o. W.), Tornbusch <3. diSq. 80 Proz. d. Piatzw. zur.). 3. Nenne n. 1. Ctllv Dsllon sBes.). 2. Herzog Louis, 3. Natal. Tolo: 60: 10. Platz: 23, 22, 14: 10. Ferner liefen: Idyll, Halma, Rofensrau, Csfi 13. et.».), Kerrigan jr. 4. Renne n. 1. Dynamik sFautz jr.), 2. Zlnlwort, 3. Riter Ego. Toto: 25:10. Platz: 13, 12. 12:10. Ferner liefen: Perle von Duffv, Ptetoria. Duncan, Komödie. Arolinda. 6. Rennen. 1. Arion Bingen(<55. MlllS),?. Möglich, 3. Renlmeifler. Toto: 15: 10. Drei liefen. 6. Rennen. 1. Edelmeister(Bes.), 2. Pride the Great, 3. Drama. 4. Titania. Toto- 60: 10. Platz: IS. 27. 2«. 20: 10. Ferner liefen: Komtesse Isabel. Herbstaster, Eminenz, FrlderieuS Rex, Isenburg, Fahrenheit, Nushaga Boy, JD.oschel, Eampannla, Hippoioge. Biedermann, Zierde. .31 Tage Zeitgeschehen'— Eine Revue von Zeitungs- Meldungen der letzten Monate, musikalisch untermalt von Werner E g k.„Ein Auftrag der Funkstundc,"' so wird extra angesagt: also ein Experiment. Rur als solches verständlich! Eine gesprochene Zeitung, die das eben Geschehene bringt, ist ein Stück Leben: der Versuch, dies künstlerisch auszuschminken, muhte zur Karikatur ver- zerren. Dabei soll nicht verkannt werden, daß flüchtig einige starke Eindrücke aufleuchteten: doch das Peinliche überwog bei weitem. Georg W. Pijet las einige Slizzen unter dem Sammeltitsl „Kinderschicksale". Bilder von gemarteter, zerstörter Kindheit, viel- leicht etwas zu grell in den Farben, aber stark in der Schilderung kindlichem Erlebens. Der Arbeiterschalmzienchor W e i ß e n s e e brachte ein sauber ausgeführtes Konzert, das Zeug- nis ablegte für die Musikfreudigkeit der Mitwirkenden. Eine Kjeinig- keit, die dankbar begrüht sei: Als Interview der Woche bekamen wir diesmal nicht eine Aussprache um jeden Preis vorgesetzt, die mit einem Hin und Her von nichlssagenden Worten langweilte, sondern man brachte den Musiker Hans P f i tz n e r vor das Mikrophon— als Musiker. Er spielte eigene Lieder, die Hermann S ch e y sang. Das war entschieden willkommener als eine farblos« Konversation. Man hätte dos vielleicht ein bißchen aktueller gestalten können, wenn etwa Pfitzner die Hörer mit dem bekannt gemacht hätte, was an eigenem und fremdem Schaffen ihn zur Zeit am meisten interessiert. Das ist nur ein Thema: es ließe sich manches finden, das dem Künstler Ausdrucksmöglichkeit in seiner Sprache— der Musik— geboten hätte. Das Gespräch über„Staat u n d T h e a t e r", das Ministeriilldirektor Schnitzler mit dem Präsidenten der Deutschen Bühnengenosienschaft Karl Wallauer vor dem Mikrophon der Deutschen Welle führte, konnte leider nicht enipsangen werden, da Rachbarn rücksichtslos rückkoppelten. Tes. j -» Der Druckfehlerteufel hat gestern aus dem Kurz vor- trag, in dem leider nicht alle Vortragenden etwas zu sagen wissen, einen.Kreuz"vortrag gemacht. Auch wurde Edgar Allan Poe völlig grundlos in einen Edgar Allan P o r verwandelt. 7.»«««««. 1. Ladtz Duffh gk. 2. PeiZchlMSbe» 3. Lustiges Mädchen. Toto: 25:10. Platz: 18, 41. 39:10. Ferner liefen: Heureka, Perlentelle, Heini Dusty, Hella Timoko, Harfnerln. «.Rennen. 1. Agina(W. Deulschmann), 2. Fohannisnacht. S. In. schallah. Toto: 49:10. Piatz: 14, 13, 15: 10. Ferner liefen: Schweslersohn. Fngara, Martnara, Frida, Feuerlilie(2. disg, 80 Proz. d. Platzw. zur.), Witzbold, Profeffor, Wencsti, Mary Druicn(3. o. 23), Olan. Allgemeine Wetterlage. 4ft1uni �SlZlXsbeis. 16 Ä VJ 9 t&�.765 QHtM Oomtktnlo&O hejtv.ahoft bedeckt 4«M)ndg,Obededct*Regep�Gnvpeln sNebaHTGeanktec�Winteille Mit der weiteren Ausbreitung der kalten kontinentol-polarea Luftinassen hat sich über Mitteleuropa ausgedehnter Druckanstieg c iiigestellt, der zu der Bildung eines Hochdruckgebietes über den südlichen Ostseeländern geführt hat. Daher ist das Wetter wieder heiter geworden. Regen ist nirgends mehr gefallen. Die nördlichen Depressionen greisen zwar mit ihren Randstörungen weit nach Süden aus, dürften ober unser Wetter kaum beeinflussen. Es ist anzunehmen, daß sich bei uns auch bald wieder Erwärmung einstellt. * Vetter skir Verlint Meist heiter bei etwas höheren Tages- temperowren. Nordöstliche Winde.— Für Deutschland: Allgemein heiler, im Südwesten Temperaturen wenig verändert, im Nordosten etwas ansteigend. � f 7...-vo4'v\■'...-•■ t'■.. Probieren Sie gratis! 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