BERLIN SonnerMg 5. Zum 1930 10 Pf. Nr. 259 B 129 47. Jahrgang Erscheiottiglich außerS»nntaz<. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts". Bejugspreis beide Ausgaben SSPs. pro Woche, Z.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition; DerlinSW68,!indcnstr.» SfuilauLgajße dßh Snteigenpreit: Die einspaltige Vonpareillezeile SO Pf., Reklameieile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. PoKscheekkonto: Dorwärls-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Anklage gegen Lübeck. Soll die Schuld der verantwortlichen Aerzte vertuscht werden? Das Kindersterbe» von Lübeck ist noch nicht»n gleich in. die Praxis ein- geführt. Wie verlautet, soll Wiegand demnächst als Mitglied des Zentralkomitees der KPD. berufen werden. Llniformverbot in Bayern. Die Folge der politischen Schlägereien. München, 5. Zun!. Das Bayerische Ministerium des Innern hat heute mil sofortiger Wirkung bi» auf weiteres für das ganze Land alle die- seaigen Versammlungen unter freiem Himmel, insbesondere Aus- züg«, Aufmärsche, propagandamärsche, Kundgebungen verboten, an denen sich Mitglieder von politischen Vereinigungen oder von Schuß- einrichlungen solcher Vereinigungen in einheitlicher Klei- dun g beteilige». Den Anlaß zu dieser Anordnung gaben zahlreiche Zusammcki- stöße von Angehörigen verschiedener, politischer Richtungen, die im Lause der lehleu Monate wie im übrige» Reiche so auch in Boyern vorgekommen sind. Christlich-Soziale und Heimwehs. Ein klägliches Kompromiß. Wien,?. Juni(Eigenbericht). Der große Club der Christlich-Sozialen Partei faßte am Mittwoch nach endlosen Berhandlnngen mit der hcirnwehr eine Entschließung, nach der zwischen dem neuen heimwehreid und den Grundsätzen der Christlich-sozialen Partei ein„11 n über- brückbarer Gegensatz" nicht besteht. Der Beschluß wurde unter Stimmenthaltung zahlreicher Mitglieder des großen Clubs gefaßt. Hoover und die Zotworlage. Washington, 5. Juni.(Eigenbericht.) Aus einer Erklärung des Weißen Hauses, die zur a l l g e»1 e i- nen Ileberraschung der Senatoren am Mittwoch abend>b- gegeben wurde, ist ersichtlich, daß sich Präsident hoover noch' keineswegs an die heiß umkämpfte Zollvorlage des Senats gebunden fühlt. Jrick will verschleppen. Cr schickt Raum zu Verhandlungen. Geständnisse im Akkord. Mörder Kurien gesteht unaufhörlich. Anklage gegen Lübeck. (Fortsetzung pon der 1. Seite.) misston nicht im entferntesten getost. Sie hat— und das in erster Linie— sich damit zu beschäftigen, ob das Verhallen der Aerzte aus ethischen Gründen zu billigen ist. Sie hat die Untersuchung auf die Beantwortung der obigen Fragen zu erstrecken, ganz gleich- gültig, welche speziellen Ursachen das Lübecker Unglück hatte. Ja. wären denn damit, falls sich etwa herausstellen sollte,— was wir nicht annehmen— daß günstigenfalls ein Zufall vorliegt, für den die Aerzte in technischer Hinsicht nicht verantwortlich gemacht wer- den könnten, die Herren Altstadt und Deycke gerechtfertigt? Bleibt nicht die Anklage bestehen, daß sie an Hunderten von Kindern gefährliche Experimente vorgenommen haben trotz der Warnungen der Wissenschost und des Reichsgesundheitsamtes? Daß sie die Eltern irregeführt haben? Daß sie das vertrauen der Bevölkerung zum Aerzteshmd getäuscht haben? Darauf muß die Kommission sofort antworten, wenn ihre 'Arbeit eine» Sinn haben soll, dazu bedarf sie keiner monatelangen Untersuchung! Nicht nur um das Calmette-Verfahren handelt es sich, sondern auch nur die Frage, ob derart fahrlässige Experimente gebilligt werden nnd straflos bleibe« sollen. Ganz gleichgültig, ob in Lübeck das Callnettesche Verfahren als solches die Katastrophe angerichtet hat oder ein technisches Ver- sehen oder ein Zufall: Aufgabe der llnterfuchung muh es fein, das verantwortungslose Herumexperimentieren der Aerzte. die Irreführung der Eltern, die Fahrlässigkeit, mit der .Hebammen das Mittel ausgehändigt erhielten, die Bedenkentosigleit. mit der man trotz des eingetretenen Unglücks weiter behandelte, aufzuklären und zu sühnen. Und das kann nicht Monat« hindurch verschleppt werden. Der Kommissar des Reichs- innenmimsteriums, Ministerialrat Professor Dr. Taute, hat in seinem vorläufigen Bericht ganz vorsichtig angedeutet, das Per- halten der Lübecker Stellen lasse in mancher Hinsicht eine Kritik zu! Man muß die vorsichtige Aus- drucksweise amtlicher Stellen während einer Untersuchung kennen, um zu wissen, daß hier«in sehr schwerer Vorwurf ausge- sprochen wird. Aber die Herren Altstadt und Deycke sind weiter im Amte! Nnd die Staatsanwaltschaft bleibt ruhig! Merk- würdig still ist es um Lübeck geworden! Da heißt es offiziell, die Arbeit der Untersuchungskommission könnte wachen- und monatelang dauern. Auf der anderen Seit« aber treten— und auch dies haben wir erwartet— mit Windeseile schon die ersten Verteidiger aus. Wer sind sie? Natürlich Aerzte, Kollegen! Sie haben es sehr eilig, kein Gedanke, daß sie die Frage be- antworten, ob das Verhalten der Lübecker verantwortlichen Aerzte vom äizllich-ethischen Standpunkt zu billigen ist. Das schert sie wenig. Nein, sie befassen sich nur mit dem Calmette-Verfahren, nnd gelangen bereits zu Freisprechungen, obgleich die Unter- snchung noch gar nicht beendet ist. Sehr verdächtig, diese Eile! Beispielsweise der Herr Geheime Regierungsrat Prof. Dr. Haendel, Direktor im Reichsgesund- h e i t s a m t. Er schreibt im„L o k a l- A n z« i g e r' vom 4. Juni eine längere Betrachtung über Lübeck nieder. Er stellt darin sest: lieber die Unschädlichkeit des Calmette-Mittels besteht in der medizinischen Wissenschast noch keine völlig« Uebereins&nnuing: in der medizinischen Literatur sind verschiedentlich sogar Mitteilungen er- schienen, nach denen in einzelnen Fällen Schädigungen nach Cal- mette-Impsunge» vorgekommen oder auch in Tierversuchen wieder virulent« Eigenschaften des BLC-Vazillus ausgetreten sein sollen. Das Reichsgesundheitsamt hat dem Calmette-Verfahren gegenüber eine zurückhaltende Stellung eingenommen. Der Reichsgesundheits- rat hat in einer Sitzung vom 11. März 1327 einmütig beschlossen, daß eine weitere experimentelle Durchprüfung der Tubertulos«- Schutzveriahren, insbesondere, soweit sie lebende Bazillen verwen- den, notwendig sei, bevor ihre allgemeine Anwendung in der Praxis in Frage kommen könnte. Di« Arbeiten einer vom Reichsgesund- heitsrat eingesetzten besonderen Kommission sind zum Test bereits beendet, zum Teil noch in Durchführung begriffen. Ein Beweis dafür, daß die BCC-Vazillen unter irgendwelchen besonderen Um- ständen'wieder virulent werden können, sei bisher nirgeiüZwo er- bracht worden. Ebenso war auch auf der im Jahre 1928 von der Hygienekommiffion des Völkerbundes veranstalteten internationalen Sachverständigentonserenz in Paris die Auffassung vonherrschend, daß das Ealmettesche Verfahren unschädlich sei. „Bei dieser Sachlage/ schreibt Professor Haendel wörtlich,„er- scheint der Vorwurf des leichtfertigen Verhaltens gegen den Lübecker Gesundheitsrat und die Lübecker'Gesundheits- be Hörde deshalb, weil sie das Verfahren überhaupt zur Anwendung brachte, kaum gerechtfertigt/ Der Leser greift sich an den Kopf. Hat man jemals ein« ver- wirrter« Logik gehört. In einem Atem wird von Haendel fest- gestellt, daß das Ealmettesche Verfahren in der Medizin u m st r i t- t« n ist, daß über Schädigungen berichtet wurde, daß der Reichsgestmdheitsrat vor der allgemeinen Anwendung in der Praxis bis zur Beendigung der experimentellen Versuche gewarnt hat, daß die Arbeiten noch nicht beendet seien— und daß der Vorwurf des leichtfertigen Verhaltens gegen die Lübecker Gesund- heitsbehörde, die dieses umstritten« Mittel zur allgemeinen Anwen- dung in der Praxis brachte,„kaum gerechtjertigt" sei! ?a, gibt es denn noch ei» leichtfertigeres Verhalten? »lann man sich fahrlässigere Aerzte denken? Was besagt das schon, daß in'der Pariser Sachverständigen-Konferenz die Auffassung„vorherrschte", daß das Ealmettesche Versahren unschädlich sei, wenn die wissenschaftlichen Untersuchungen noch in Durchführung begriffen sind. Das Mittel i st unerprobt! Und seine ?t>n»endung gleich an Z4L Säuglingen auf einmal, noch dazu unter den Rlodalilälen. wie in Lübeck, ist der Gipfelpunkt der Leichtfertig- leit, wenn nicht Fahrlässigkeit! In derselben Kerbe schlägt Herr ProfessorBrunolrange vom Robert-Koch-Institut in Berlin in der„Medizinischen Welt" und in der„Deutschen Medizinischen Wochenschrist". Er war ein t p inr Toge in Lübeck und hat erstaunlicherweise sein Urteil bereits iir und fertig mitgebracht. Die offizielle Kommission erklärt, sie müsse wochenlang untersuchen, um die Wahrheit über Calmette her- nuszubekammen. Herrn Professor Lange genügen dagegen wenige Tage. Und fein Urteil? Natürlich Freispruch aus der ganzen Linie! Cr schreibt: „Die mit Herrn Professor Ludwig Lange von mir an Ort nnd stelle vorgenommenen Untersuchungen haben uns bisher jedenfalls kein« Anhaltspunkte sür�die Annahme geliefert, daß die Erkran-- kungen der geimpflen Säuglinge dem Schntzimpsung-verfahren Es solchem zur Last zu legen sind---- Mit Rücksicht auf die Un- chädlichkrit der Schutzimpfung und den im Tierexperimcnt nach- ' wies:»«« Imm'.misieruiigsrffekt der BEG.-Kuliur-n scheint mir 'ie Anwendung des Calmetteschen Verfahrens in der Praxis bei Tagtäglich, man könnte beinahe sagen stündlich, laufen aus D ü s s e d o r f Meldungen über neue Gesländnisie des verhasleteu kürten ein. Er will nicht nur vielfacher Mörder, er will auch vielfacher Räuber, vielfacher Einbrecher und vielsacher Brand st isler sein. Es besteht kein Zweifel, daß die Düsseldorfer Polizei in Kürten«inen Schweroerbrech.'r gefaßt hat, auf dessen Konto zahl- reiche gesetzwidrige Handlungen, darunter mehrere Morde, fallen. Etwas anderes ist freilich, ob alle'diese Bekenntnisse des geständigsten Verbrechers ernst zu nehmen sind. Es scheint buchstäblich so zu sein- jedes Verbrechen, dessen die Düsseldorfer Polizei Kürten beschuldigte, ist von ihm«ingestanden worden. Die Düsseldorfer Polizei, deren Ruf in den letzten Jahren durch die Serie nnaus- geklärter Verbrechen nicht gerade gewonnen hat, ist, so dünkt uns, geradezu froh, nun den Mann gefunden zu haben, durch dessen Geständniswiit alle Schatten weichen, die auf ihr lagen. Sie vergißt dabei vielleicht, daß es ihr nicht zum Ruhm gereicht, wenn jahrelang «in Mensch Woche für Woche Verbrechen so schwerer Natur begehen konnte, ohne gefaßt zu werden. Sie vergißt weiter, daß es etwas wie Kriminalpsychologie gibt. Kürten weiß, daß es nach den bestehenden Gesetzen um seinen Kopf geht. Er sagt sich: Auf ein Verbrechen mehr oder weniger kommt es für michnichtan. I« mehr ich gestehe, desto größer ist die Aussicht für mich, den SchutzdesZSIzu bekommen und in einer Irren- -anstalt zu enden, vor allem, wenn sich etliche meiner Geständnisse als falsch erweisen. Er ist gegenüber den vernehmenden Beamten der bewußt Ueberlegende. Das beweisen seine Aeußerungen:„Wir machen hier doch nicht Akkordarbeit" und„Was sagen Sie nun, wenn Kindern und Erwachsenen im tuberkulösen Milieu durchaus gerechtsertigl." ...„Durchaus gerechtfertigt"— trotz 28 toten Kindern! Das nennt man die Sprache des„Fachmannes". Was kümmert es ihn, daß 2 8 Kinder mit ihrem Leben die Anwendung des Mittels bis jetzt bezahlen mußten, was kümmert ihn die Beunruhigung des Volkes, was kümmern ihn die Einwände eines beachtenswerten Teiles der Wissenschaft,...„durchaus gerechtjertigt!" d. h. man möge also das Mittel ruhig weiter anwenden. Man vergteiche, wie in der gleichen Nummer der„Deutschen Medizinischen Wochenschrift" Professor Leo Langskeia, Berlin, über das Ealmettesche Verfahren urteilt: Es gibt vorläusig überhaupt keine Methode der Tuberkulose-Schutzimpftmg, die im Tierversuch zu einer befriedigenden aktiven Immunisierung führt. Von einem völligen Verlust der Virulenz kann auch bei Calinette nicht ge- sprochen werden, da ja, wie auch Calmette anerkannt hat, beim Tier nach Injektion des Jinpfftosfes tuberkulöse Gewebsveränderungen entstehen. Daß man. in Frankreich wieder- holt Todesfälle von Kindern dem Schutzimpfungsverfahren zur Last gelegt hat, zeigen die großen Bedenken, die man einer Impfung mit einem lebenden und damit jederzeit veränderlichen Impfstoff entgegenbringen muß. Nun hat auch noch der Direktor des Kindeikhospi- tals und Landeskinderärzt der Freien und Hanse- stadt Lübeck, Professor Dr. Max Klotz, einen Artikel in der letzten Nummer der„Medizinischen Welt" veröffentlicht, m dem zwischen den Zeilen zu lesen ist, daß hauptsächlich medizinalpolitischer Lokalpatrio- tismus der Anlaß gewesen ist, die Calmette-Ichutz- impfnng als erstes Land in Deutschland einzuführe«. trotzoem„ein besonders akuter Anlaß zur Einsührung der Schutzimpfung an sich nicht bestand, da unsere(das heißt die Lübecker) Tuberkutosesterbiichkeit eine durchaus normale ist".„Schon im März äußerten einige Hebammen ihr Befremden darüber, daß unter den gefütterten Kindern so viele mit„unreiner Haut" seien, und daß die Gewichtszunahmen nicht so ganz befrisdigten. Aber kein Arzt legte diesen Dingen Bedeutung bei." Wir erwarten nicht viel von der Lübecker Untersuchung. Es ist nicht mehr viel da, was noch zu untersuchen wäre. Wir haben aber erwartet, daß— ganz abgesehen von den technischen Ursachen— sich Aerzte gesunden hätten, die prinzipiell offen und ehrlich sagen: „Was in Lübeck geschehen ist, darf sich nicht mehr wiederholen. Wir find die Berusenen, die vor allem daraus dringen, daß Klarheit um jeden Preis geschaffen wird, und daß alle jene Aerzte zur Verantwortung gezogen werden, die sich gegen das Ethos des Standes vergangen haben. Wir mihbilligeo das sorlgesetzle Experimentieren an kranken und vor allem an Kindern. Wir sind es der Bevölkerung, die uns vertraut, schuldig, daß alle jene, die, statt zu heilen, durch fahrlässige versuche Unglück- anrichten, endgültig unschädlich gemacht werden. Wir verlangen im Interesse der Volksgesmidhelt die sofortige Suspendierung der beschuldigten Aerzte. Wir erklären die Methoden, wie sie in Lübeck den Eltern gegenüber angewandt wurden, für ver- werflich. Wir sind empört, daß die Impfungen noch wochenlang fortgesetzt wurden, nachdem bereits die ersten Todesfälle auftraten, und daß die Eltern absichtlich im Ungewissen gelassen wurden. Wir jagen: Wenn sich Aerzte schon berufen fühlen, ein unerprobtes Mittel auszuprobieren, dann haben sie dies an sich selbst oder an ihren Kindern oder Kindestindern zu tun. Wir sind es dem Volke schuldig, daß bei Experimenten wir das Risiko tragen. Einen Arzt, der aus kosten von Leben oder Gesundheit seiner Patienten Versuche anstellt, wollen wir in unseren Reihen nicht dulden." Diese notwendigen Worte sind bisher nicht gesprochen worden und werden wahrscheinlich auch nicht gesprochen werden. Vielmehr sehen wir, daß— mag es falsches Solidaritäts- gefühl, mag es„Standesbewußtsein" sein oder vielleicht das be- kannte feste Zusammenhalten der„Fachleute" gegenüber der un- bequemen Kritik der Laien— jetzt schon von ärztlicher Seite törichte Reinwaschuirgsversuche erfolgen. Mögen sich aber diese Herren nicht täuschen! Lange genug hat das Volt zugesehen! Die Oeffentlichkeit wird sich damit nicht abfinden, daß— wie es der Wunsch mancher Fachleute fein mag— über die unangenehme Lübecker Geschichte Gras wächst. Sie erwartet das erlösende Wort von den Aerzten: „Schluß mit diesen Methoden!", Es ist der letzte Augenblick! Das mögen sich die Aerzte gesagt sein lassen! Schweigen und vertuschen, wie es jetzt versucht wird, ist das Ende des letzten Restes von Vertrauen, das die Aerzte noch ge- nießen! ich alles widerrufe?" Doneben aber besteht durchaus die Möglichkeit, daß Kürten tatsächlich verrückt, daß er so etwas wie ein haibirrer Geständniswütiger ist. Er will vielleicht der ganz große, der einzigartige Verbrechee seiner Zeit sei». Darauf deutet seine Aeuherung im Zuchthaus:„Wenn ich herauskomme, dann soll Düsseldorf etwas er- leben." Um nicht der Wortbrüchigkcit beschuldigt werden zu könne», gesteht er olles, was von ihm verlangt wird, und sagt sich in seinem Wahn: Seht, ihr Düsseldorser, so ein Kerl bin ich! Ein Wahnsinniger mit Namen Herostrat war es, der vor mehr denn 2006 Iahren den berühmten Artemistempcl von Ephcrus nur deswegen in Flaimnen aufgehen ließ, um selber durch diese Tat berühmt zu werden und auf die Nachwelt zu kommen. Ein H e- rostrat scheint uns auch Kürten zu fein. Er giert nach dem furchtbaren Ruhm, mit Landni, mit Haarmann und Jack dem Auffchlitzer auf eine Auf« zu kommen. Di« Düsseldorfer Polizei frellich scheint dies« Möglichkeiten nicht zu berücksichtigen. Mit der Schreibmaschine wcdc» diese Geständnisse aufgenommen, und man ist froh, nun endlich die Akten über so und soviel Verbrechen schließen zu können. Wir haben das Gefühl, daß die Düsseldorfer Polizei ihrer Auf« gäbe nicht völlig gewachsen ist. Vor der Freilassung Giausbergs. Der Irrsinnige Stausberz, der wegen dreier Morde, die inzwischen von Kürten eingestanden sind, aus§ 51 der Strafprozeß- ordnung in einer Irrenanstalt interniert wurde, soll demnächst frei- gelassen werden. Kürten soll der Stausberg zur Last gelegten Ver- brechen so gut wie überführt sein. 300 OOVZentnerOeltuchen in Flammen Riesenfeuer in Harburg. Harburg- Wilhelmsburg, 5. Zum. Zu der am Seehafen gelegenen Baumwoll- und Saatöls a b r von Thörl brach abends Großseuer aus. Zn lurzer Zeit stand ein 120 Meter langer und 20 Meter hoher Schuppen, In dem 15 000 Tonneu Oelluchen sowie zahlreiche mit Oel gefüllte Fässer lagerten, in Flammen. Fortgesetzt explodierten Oelfässer unter gewalligem krachen. Dichte schwarze Rauchwollen stiegen zum Himmel empor. Die Feuerwehren unter Milwirlung von vier Löschdampsern und zwei Läschboolen belämpsten den Brand mit 40 Rohren. Glücklicherweise gelang es, sechs unmittelbar an der Brandstelle gelegene Oellanls, die mit je 400 Tonnen Oel gefüllt sind, vor den Flammen zu schützen, ver Schuppen ist völlig niedergebrannt: eine Lausbrücke und ein Kran sind eingestürzt. Fünf Schulen mit Erdnüssen gerieten ebenfalls in Brand, tonnten jedoch vor der Vernichtung bewahrt werden. Za den Morgenstunden war die hauplgefahr beseitigt. Die großen Stapel Oelluchen werden wohl noch einige Tage brennen. ---■- z o r-y Trauerfeier für Busch. Im Krematorium Wilmersdorf fand heute vor- mittag um 11 Uhr die Trauerfeier für den verstorbenen ehemaligen Stadtrat Busch im engsten Kreise der Familie statt. Um die A» Wesenheit von Unbefugten zu vermeiden, waren für die Feier be-- sondere Karten ausgegeben worden und von den Krematoriums- beamten wurde«ine strenge Kontrolle ausgeübt. Demzufolge wurde nicht einmal Freunden, die mit Blumenspenden erschienen waren, der Eintritt gewährt, so daß es zu peinlichen Auseinander- s e tz u n g e n kam. Vertreter der Stadt oder der städtischen Körper- schaften sah man nicht. Pfarrer Richter hielt die Trauerred« unter Zugrundelegung des Apostelwortes„Uns ist bange, aber wir oerzagen nicht", was, wie der Geistliche betonte, das Losungswort des Verstorbenen gewesen sei. Da der Verstorbene keine letztwillige Verfügung bezüglich seiner' Einäscherung hinterlassen hat, wie sie-in Preußen gesetzlich gefordert wird, so muß die Leiche zur Einäscherung nach Dessau überführt werden, wo eine derartige Willenserklärung nicht notwendig ist. Ltm die„Tägliche Rundschau". Landgericht bestätigt die einstweilige Verfücunq. Die 3. Kammer für Handelssachen am Langerichl I verkündeie am Mittwoch das Urteil in der einstweiligen Verfügungssache, d' die Deutsche Vollsdien st-Verlags GmbH, gepc D r. Schultze-Pfaelzer, den ehemaligen Chefredakteur dc --Tag", gegen den Verleger Heinrich Lindner, gegen di Berliner Buch, und Verlagsdruckere! GmbH, und de Buchdrucker Karl Schmalfeldt angestrengt hatte, um zu unter- binden, daß die Beklagten eine Zeitung mit dem Titel„Tägliche Rundschau' herausgeben. Die einstweilige Verfügung gegen Dr. Schultze-Pfaelzer und Lindner wurde vom Landgericht bestätigt. Beiden Beklagten wurde zur Vermeidung einer Geld- ober Haftstrafe für jeden Fall der Zuwiderhandlung untersagt, ein« Berliner Tageszeitung unter dem Titel«Täglich« Rundschau" herzustellen, herauszugeben, und zu verbreiten. �abour hält Fraktionszwang aufrecht. Doch Maxtvivwill sich nicht tügen. London, 5. Juni.(Eigenbreicht.) Di« llnierhausfraktion der Lab ou r Party be- schloß am Mittwoch auf Antrag von Hendersan, es bei dem bisher geübten..Fraktionszwang" zu belassen. Der Führer des linken Flügels. Maxton. hatte, wenn nicht um Aufhebung, so doch um Lockerung des„eisernen Fraktionszwanges" ersucht. Maxton erklärte nach dem Beschluß der Fraktion, daß er und seine engeren Freunde sich auch in Zukunft nur nach ihrem Gewissen und nicht nach den Anweisungen der Partei richten würden. Zm Rahmen der Münchener Festspiele wird bekanntlich Mary W i g�m a n die tänzerisch-solistssche Hauptrolle in Talhoffs„Toten- mal" tanzen. Vera Skoronel ist nun ausgesordert worden. an einigen der Aufführungen dies« Rolle zu übernehmen. Das Volkslied stirbt... Hon Hans Bauer. Die„Zeitschrift für Musik" hat sich an eine grohe Anzahl van zumeist wohl einseitig ausgesuchten Musikern mit der Frage ge- wandt, was sie über die Krise des deutschen Volksliedes denken Fast alle Befragten stellen zunächst einmal fest, daß das Volkslied tatsächlich darniederliegt Sie machen den Siegesinarsch der Maschine, die Aufammenballung großer MenschennMcn in den Groß- städten, die Amerikamsierung unserer Lebensinethoden dafür ver- antwortlich und drücken ihr tiefes Bedauern über dies« Wendung der Dinge aus. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber dann kommen andere und zeigen, daß selbst ein so besinnliches und gemütvolles wie das deutsch« Volkslied den Anlaß zu nationalistischem Pathos und zu häßlichen Verunglimpsungen abgeben kann. Da ist der Musikverlag Breitkopf und Härtel, der die Krise des Volksliedes auf den„Gesinniungsverfall näch dem Umsturz" zurücksührt und von der„Dreigroschengesinnung in den Klassenkampf getriebener und ver- hetzter Massen" saselt. Da ist der Musikrcdakteur der„Bayerischen Staatszeitung", Paul Ehlers, dessen begeisterte Volksliederfreundlich- keit ihn nicht hindert, ins Pöbeln zu fallen, und der sich-gegen den „von undeutschen Verführern geschürten Materialismus"austobt und es mit bajuvarischer Ungefchliffenheit den„widerwärtigen, fauligen, mit Zigarettendunst umnebelten Zuständen der jetzigen Jahre" mal ordentlich besorgt, die einen„schweinischen, blasphemischen und Edles und Großes verneinenden Mißbrauch von Sprache und Musik trieben". Da ist die zusaminenfasiende Nachschrift der Redaktion mit ihrer Verdammung des heutigen Materialismus, der„Ver- flachung und Veräußerlichung unseres geistigen Lebens", der Inter- Nationalisierung und mit ihrem Lob auf die Natur und auf die Erdverbundenheit mit der Scholle, Dinge, die„unseren heutigen Regierenden unendlich ferne lägen". Immer wieder wird die Seele bemüht, die deutsche Seele, die im Verenden sei, und die erst wieder schwingen werde, wenn in den Liedern die Wälder wieder rauschten und die Brunnen wieder plauschten.„Born",„befruchtet",„ver- wurzelt": das find die entscheidenden Vokabeln, mit denen man in die Vergangenheit blickt... Jawohl, die Vergangenheit des lieblich hallenden Posthorns. der zerbröckelnden Stadtmauer, der langsam sich in Gang setzenden Pferdekutsche hatte ihre Vorzüge. Aber sie hatre keineswegs nur Vorzüge, und am allerwenigsten ist es ausgemacht, daß Geruhsamkeit und Beschaulichkeit das einzig« Bodenland wären, auf dem die Frucht Seele gediehe. Wir sind heute weniger naiv als früher. Ist das gut, ist das böse? Auf alle Fälle ist es verständlich und«nt- wicklungsbedingt. Was waren die Motive des Bolksliedes? Gott. Vaterland, Liebe etwa. Dies« Inhalte haben n>cht ihre Gültig-'eii verloren, aber sie haben einen Bedeutungswandel durchgemacht Ein zehnjähriger Junge, der am Radio bastelt, muß sich notgedrungen unter Gott etwas anderes vorstellen als sein Vorgänger, der"die Schweine hütete. Das Vaterland ist verschiedentlich in Kollision ge- raten mit anderen Worten wie„Paneuropa",»Internationaler Eiektrotrust",„Gewerkschaftsinternationale" und»ich: ganz un- beschädigt daraus hervorgegangen Die Liebe hat thre Reize durch- aus behalten, aber seit es unter anderem die Psychoanalyse gibt, reden die Liebespartner nicht mehr ganz so wie Romeo und Julia zueinander. Das Wandern ist auch nicht mehr ohne weiteres des Müllers Lust, denn wie unromantisch das Auto auch sein mag: wer sich eins leisten kann, dem ist es nicht zu verdenken, daß er es benutzt, und wie schön sich der Brunnen vor dem Tore auf kolorierten Post- karten auch ausnimmt: mit meiner Wasserleitung im Haus möchte ich ihn nicht vertauschen. Es wäre albern, hochmütig aus besagten Brunnen herabzublicken, aber es ist genau so albern, dem Heute die Seele abzuerkennen, weil wir unser Wasser im Haizse haben und weil wir auf Grund eines ungeheuren Geschehnis- und Gedanken- Materials, das alle Tag« durch Zeitung, Kino, Radio und vor allem durch das wirbelnder und vielgestaltiger geworden« Leben selbst an uns herangetragen wird, ein« veränderte, unnaivere Einstellung zu Gott, Vaterland, Liebe haben. Den Musikern der Umfrage ist in ihrer Mehrzahl entgegen- zuhalten, was in der Regel Fächleuten entgegenzuhalten ist, wenn sie zu Fragen Stellung nehmen, von denen nur der Ausgangs-, nicht aber der Endpunkt in ihrem Bereich liegt: sie verziehen die Per- fpektioe. Eine Mutter hat ein Kind geboren. Hinterher sind ihre Brüste nicht mehr so straff wie früher. Das ist ein Manko. Abo». die Mütter werden trotz dieser Schönheitseinbuße in Ewigkeit Kinder gebären. Man kann, weil man Musiker ist und das Volkslied liebt, nicht über das Heute räfonnieren, nur weil es das Volkslied getötet hat. Ein« Zeit ist als Gesamtes zu begretfen. Man kann ihr nicht vom verklungenen Bolkslied her.zuleide gehen wollen. Der Anlauf wäre allzu unzulänglich. Die Schlager sind blöd. Richtig. fNeben- bei bemerkt: Das Bolkslied ist manchmal auch blöd.) Aber die Seele der heutigen Generation liegt min doch nicht im Schlager begraben. Es gilt heute, den Hunger aus der Welt zu treiben. Es gilt, jedem sein Stück Menschenwürde zu erringen. An diesen Zielen wird fest- zuhalten sein, auch wenn einige der prominenten Herrmt der„Zeitschrift für Musik" ermitteln sollten, daß sich diese Motive nicht be- sonders gut in Volksweisen umsetzen lasten.» Der Zwang der Tatsachen. Die Verhandlungen der Spihenverbände. Die bisher ergebnislosen Besprechungen, die auf Wunsch der Unternehmer zwischen den Vertretern der Spitzen« Organisationen der Unternehmerverbände und der Gewerkschaften stattgefunden haben, sind jedenfalls nicht ganz wirkungslos geblieben: sie haben äußerst anregend auf die Phantasie der Zeitungsschreiber und Korrespondenzen gewirkt. Es wäre ein ganz zweckloses Be- ginnen, unsere Richtigstellungen zu wiederholen, zwecklos vor allem deshalb, weil die phantastischen Behauptungen, die in Zirkulation gesetzt werden, eingegeben sind von dem Wunsch, daß es so sein möge, oder daß man glaube, es fei so, b. h. anders als die nüchterne Wirklichkeit. Die nüchterne Wirklichkest ist das ungeheure Heer der Arbeits- losen, das Defizit der Arbeitslosenversicherung, dadurch wesentlich verursacht das Defizit im Reichshaushalt, bei Ländern und Ge- meinden, die nüchterne Wirklichkeit ist schließlich die aus diesen Ursachen unvermeidlich folgende Gefahr einer Wirtschaftskrise größlen Ausmaßes. Eine derartige Wirtschaftskrise bedeutet nicht nur Not und Elend für die großen Massen der arbeitenden Bevölkerung. Unrentabilität der Betrieb«, schwere Zmsbelastung der rationalisierten Unternehmen infolge ungenügender Ausnutzung des riesig angeschwollenen fixen Kapitals sind Begleiterscheinungen. die auch kapital starke Unternehmen in ihrer Existenz bedrohen. Ankurbelung der Wirtschaft ist also das Gebot der Stunde auch vom Standpunkt der Unternehmer. Diese Tatsachen haben dazu geführt, daß man sich im Unternehmerlager«ingehend damit be- sihästigt hat, wie der Wirtschaftskrise beizukommen ist. Bei diesen Erwägungen kam man darauf, daß es ohne die Gewerk» s ch a f t e n nicht geht. Bei der Machtstellung der Gewerkschaften ist das eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Diese Selbstverständlichkeit hat aber gewisie Leute ganz aus dem Häuschen gebracht. Die„Deutsche Zestung" behauptet, Regierung und Unternehmer stünden„unter Gewerkschaftsdiktat" und betrieben „marxistische Politik reinsten Wassers". Die„Rote Fahne" über- schreibt ihren fälligen Schimpfartikel:„Ungeheuerlicher Verrat der Gewerkschaftsführer." Ernst nehmen kann man weder diesen extremen Unsinn, noch die Phantasie vollen Indiskretionen kleiner Gernegroße oder die daran geknüpften Ausschmückungen schreibseliger Journalisten. Auch Außenstehende müßten schließlich wissen, daß in den Be- sprechungen schon deshalb ein Lohnabbau nicht vereinbart werden kann, weil die Spitzenorganisationen der Gewerk- schaften weder Tarifträger sind, noch die Machtvollkommenheit besitzen, den Gewerkschaften die Tarispolitik vorzuschreiben. Schon daraus geht hervor, daß alle Schlußfolgerungen über einen Lohn- abbau, die aus den Besprechungen gezogen werden, in das Reich der Phantasie gehören. Daß die Unternehmer den Wunsch haben, nicht nur von neuen Lohnforderungen verschont zu bleiben, sondern darüber hinaus die unvermeidlich gewordene Senkung der Presse möglichst auf die Arbeiterschaft abzuwälzen, ist kein Geheimnis. Aber die Herren vom Reichsverband der deutschen Industrie und von der Vereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände sind nicht so naiv, anzunehmen, der ADGB. würde diese Bestrebungen unter. stützen, nur weil die Spitzenorganisationen der Unternehmer es gern haben möchten..------ Der Zwang der Tatsachen hat die Unternehmer dazu geführt, der Erhöhung der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung zu- zustimmen und ein N o t o p f« r anzunehmen, das nicht einseitig den Beamten auserlegt wird. Der Zwang der Tatsachen erfordert von den Unternehmern eine fühlbare Preissenkung. Daß sie dabei eine gewisse Rückendeckung suchen, ist natürlich. Daß die Gewerkschaften schon aus rein wirtschaftlichen Gründen eine Preissenkung auf Kosten der Löhne, die also gar keine Preissenkung wäre und nur alles beim alten ließe, von vornherein ablehnen, bedarf wirklich keines Nachweises. Die Spanne zwischen Preis und Lohy hat zur Wirtschaftskrise geführt. Diese Spanne, die den Verbrauch hinter der Produktionskapazität zurückbleiben ließ, muß behoben werden. Nur darum kann es sich bei den Verhandlungen drehen. Aach deuischem Vorbild. .Reform" der österreichischen Arbeitslosen-Versicherung. Wien, S.Juni. Der Wortlaut des gestern im Nationalrat eingebrachten Re- gierungsentwurfes über die Revision des Arbeitslosenversicherungs- gefetzes wurde heute veröffentlicht. Danach sollen die Anwart- schaftsfristen erhöht werden, um die G e l e g e n h e i t s- arbeiter möglichst auszuschließen. Gleichzeitig wird aber den Arbeitern, die mindestens fünf Jahr« in einem ständigen Arbeitsverhältnis gestanden haben,«ine Erhöhung der Unter- stützungszeit zugestanden. Jugendliche unter 18 Jahren, so- weit sie im Familienverband««ine Existenzmöglichkert be- "sitzen, ebenso die Saisonarbeiter, die durch«inen Neben- beruf, Landbesitz oder durch Familienveihältmsse die Möglichkeit der Lebensführung haben, sind von der Arbeitslosenunlerftütging gänzliche jene Saisonarbeiter, deren Saisonverdienst anderer Ar- bciter mit gleicher Berufsvorbildung gleichkommt, teilweise aus- geschlossen. Ein« weitere Bestimmung sieht vor, daß von einem Arbeitslosen die Annahme von Arbeit im Ausland ge- fordert werden kann, wenn die Sicherheit besteht, daß ihm dort nichts Unbilliges zugemutet wird. Auch die Bestimmungen über die außerordentliche Rot standsunter st ützung sollen neu geregelt werden, wobei besonders auf die alten Arbeiter Rücksicht genommen werden soll. Verdienies Ende einer Lockspihelei. ßionfo moralisch gerechtfertigt, Menapace moralisch erted gt. Paris, S. Juni.(Eigenbericht.) Das Pariser Strafgericht hat am Mittwoch den früheren Eltes- redakteur des Ritti-Blattes„Mondo", C i a n c a. der nach der An- Page des faschistischen Lockspitzels Menapace zusammen mit dem Chefredakteur des Corner« della Sera", Tarciani. und dem ehemaligen sozialistischen Abg. Sardelli ein Bombenattentat gegen die italienisch« Bölterbundsdelegation in Genf geplant haben sollte. zudreiMonatenSefängnismitStrasaufschub verurteilt. Die Verurteilung erfolgt« aus de n formalen Grund, daß das Sprengstoffgesetz trotz de- Beweises guten Glaubens keine Ausnah med« Handlung zuläßt. Die Strafgerichtsverhandlung schloß mit der vollkommen moralischenBerurteilungdesLock- spitz«ls Menapace, der nach dem Ausspruch des Staatsanwalts nurdertiefsten Verachtung aller ehrlichen Menschen würdig sei. Dem verurteilten Cianca stellte der Staatsanwait das Zeugnis eines Ehreumanaes aus. Mein-Kunsi-Aevue. Deutsches Künstler-Theater. Marcellus Schiffer und Friedriche Holländer sind d'e Väter der Klein-Kunst-Revue. Sie haben mit dem Pomp der reinen Schau ausgeräumt und die Bilder mit Gedankemnhalt versehen, kurz die durchgeistigte Revue geschassen. In ihrem neuesten Werk„Ich tanze um die Welt mit dir" sprudelt leider Gedanken- quell nur spärlich. Die 15 Bilder verbindet eine los« Handlung: ein Tänzerpgar will einen neuen Rekord aufstellen, es will um die ganze Welt tanzen, und die reiche Erbtante ist mal dafür und mal dagegen. Diese magere Idee gibt den Anlaß für eine Reihe von Couplets, um die gewissermaßen die Szenen heruingeschrieben sind. Das Publikum kommt schnell in Stimmung. Es fängt sehr lustig an, Friedrich Holländers Musik klingt charmant und unaufdringlich, die Darsteller spielen mit übermütiger Laune, und man erwartet eine Steigerung des Bühnenspaßes. Aber je weiter der Abend vorrückt, desto weniger fällt den Verfassern ein. So kommt es, daß den Hauptapplaus ein« Darietenummer erzielt, das Negerkind Little Ester, das einen fabelhaften Stepptanz hinlegt. Unbestritten ist auch Margo L i o n s Erfolg. Ihre Couplets„Aus Dußke" und„Sex Appeal" erregen Beifallsstürme. Sie hat die Bewegung eines Schlangenmenschen und eine knarrende Stimme, die sie mit ver- zweifelter Verve benutzt. Im lustigen Gegensatz zu ihrer grotesken Art steht die anmutige Frechheit und Natürlichkeit mit der Carola N e h e r über die Bühne flitzt. Liebenswürdig wie immer Paul H ö r b i g e r. etwas matt Willi P r a g e r und ohne rechte Auf- gab« Rosa V a l e t't i. ldgr. Das Tier im Ailde. Im Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen in Verlin, in der modernen Abteilung, wurde ein« neu« Auestellung eröffnet. Sie zeigt Tierbilder von Künstlern des 19. und 29. Jahr- Hunderts. Dieser schwarz-weiß« Zoo im Museum hat ein reizendes Begrüßungsstück: vor der Tür hängt ein Pudel, der Männchen macht, radiert von Johann Adam Klein, dem längst nicht genug gewürdigten, vortrefflichen Schilderer deutscher Landschaft aus der Zopfzeit. Und dann find alle großen Meister der neueren Kunst zur Stelle, wie sie sich mit Behagen in die Formen und in die Seele der Tiere vertiefen. Da sieht man die Pferd« Gericaults, die Löwen von Delacroix, die, Rennbilder von Toulouse-Lautrec und bei den Deutschen geht es von Franz Krügers Pferden zu Menzel, zu Klinger, zur Affendisputation Ernst Moritz Geygers und zu den großartigen Radierungen, in der dieser Künstler die Affen dFr- gestellt hat, wie sie das Buch der Abstammung des Menschen aus- geschlagen haben und zu lesen versuchen. Liebermanns Reiter und fein Dackel im Lehnstuhl, Äevogl und Corinth führen hinüber bis zu unserer Zeit, bis zu den geheimnisvollen Tierlithographien von Münch und den Holzschnitten von Franz Marc. Der Schöpfer der Rolgemeinschaft deutscher Wissenschaft. Der Präsident der Notaemeinfchaft der deutschen Wisscnschast, Staats- minister a. D. Frledrich Schmidt- Ott, feierte seinen 70. Ge- burtstag. Aus diesem Anlaß ist ihm vom Reichspräsidenten v. Hin- denburg der Adlerschild des Reiches verliehen worden. Schmidt-Ott hat nach dem Kriege der deutschen Wissenschast durch die Schassung der Notzemeinschaft neue Histsguellen von feiten des Reiches, der Industrie und des Auslandes erschlossen. Durch die Notgemeinschast mit ihren 21 Fachausschüssen konnten jährlich 39V jungen Gelehrten Forschungsstipendien bewilligt werden. So wurden u. a. die Me- teorexpedition, die Expedittonen Filchncrs. die deutsch-russische Pa- mir-Expedition, die Ausgrabungen in Milet und Pergaman ermöglicht. Zusammenschluß der ibero-amerikanischen Institute. Das neu gegründet« jbero-amerikanische Institut im früheren Berliner Marstall unter Leitung des Siaatsministers Boelitz, das seit ISIS bestehende und unter Prof. Großmanns Leitung neuovmnisierte Hamburger und das von dem Hlspänisten Prof. Hömel in Würzburg gegründete Institut haben sich zu einer engeren Arbeitsgemeinschast zusammengeschlossen, als„5>ie Vereinigten ibero° amerikanischen Institute Deutschlands"._ Tontilostlerfest In Sönixberg Pr DaZ diesjährige Tontümilersest. die KO. Jahresversammlung des Allgemeinen Deulschen Mujilvercins, findet vorn S. bis 9. Juni in Königsberg Pr. statt. Volkstümliches Orchesterkonzert. 250 Musiker— 9000 Hörer Im musikalischen Progratnm der Berliner Kunsiwochen, das nicht in allen Teilen nach unserem Sinn ist, steht für P f i n g st- montag eine Veranstaltung bevor, die gewiß auch da- lebhafte Interesse unserer Leser verdient: die gesamte Staatsopern- k a p e l l e wird(unter Kleibers Leitung) vormittags in der großen AutoHalle am Kaiserdamm konzertieren. Ein Riesen- orchesier von 259 Musikern— Wogners„Tannchgusert-OuvettÄre, Liszts„Tasso", Richard Strauß"„Don Juan", Hector Bprlio�' Ouvertüre„Römischer Carneval" und zum Schluß der Ungarische Marsch aus„Fausts Verdammung": lauter Werke von hohem Kunstwert, die es zugleich in sich haben, ins Weite zu wirken, wie es der Rahmen und der 9999 Zuhörer fassende Raum erfordern. Es kann nicht immer die„Missa Solemnis" oder die„Neunte", und es könnte gar bei solcher Gelegenheit nicht eines der großen sympho- nischen Monumentalwerke sein,— eine volkslümlich-festlich-schöne Stunde Musik soll es werden, man wird sie„volkstümlich" nennen dürfen. Der Eintrittspreis— eine Mark aus allen Plätzen— wird hoffentlich auch vielen aus den Kreisen der Berliner Arbeiterschaft den Besuch ermöglichen. Es gilt, durch zahlreichen Besuch dev Veranstaltern zu bedeuten, daß sie auf gutem Wege sind, wenn sie mit ihren künstlerischen Darbietungen nicht immer nur an den besitzenden Teil des Publikums appellieren, der sich„die Gesellschaft" nennt. Ein repräsentatives Bild des Berliner Musiklebens sollten diese Kunsiwochen geben. Aber zur Repräsentation gehört auch das Volk von Verlin, die Arbeiterschaft: im Saal als Publikum und auf dem Konzertpodium. Darauf wird in Zukunft, wenn es dazu kommen soll, jedes Kunstwochenprogramm(das nicht wieder, wie das diesjährige unter den Mängeln überstürzter Vorbereitung leidet) bedacht fein müssen. Für diesmal mag das Pfingstkonzert ein-Änfang sein. K.P. 300 Lahre Zeitung in Frankreich. In Frankreich rüstet man sich schon jetzt, den 399. Geburtstag des Journalismus würdig zu begehen. Es war am. 39. Mai des Jahres 1631, als Dr. Theophraste Renaudot, ein Pariser Arzt, die erste sranzösische Zeitung unter dem Titel„Gazette" heraus- gab. Er war der erste, der den glücklichen Gedanken hatte, die immer rege Wißbegierde der Leute durch Nach richten Vermittlung aus aller Welt zu befriedigen. Gleich die erst« Nummer der „Gazette" enthielt den Bericht über eine Belagerung, die der Schah von Persten mit dem Aufgebot einer Truppenmacht von 59 999 Mann und 15 999 Pferden ausführte. Bei dieser Gelegenheit stellt« der erste Redakteur Frankreichs in einem Programm die Richl- linien aus. die für'seine Arbeit maßgebend sein sollten. In einer Fußnote erklärte der Herausgeber feine» Lesern und Beziehern. daß er streng vermeiden werde, ihnen Nachrichten zu vermitteln, die durch die Parteibrille gesehen oder durch die Leidenschast getrübt seien.„Ich werde darauf halten", erklärte er,.chaß in der„Gazette" keine andere Leidenschaft zu Worte kommet soll als die der Wahrheit." Und bei einer anderes Gelegenheit führte er aus,„diejenigen, die sich darüber beklagen sollten, daß ich zuweilen von großen Taten spreche, ohne denen, die sie vollbringen, besonderes Lob zu spenden, mögen sich gesagt sein lassen, daß, da das größte Lob und die höchste Ehre in der Tat selbst liegt, es kein größeres Lob geben kann, als einfach die Wahrheit zu sagen." Dieser Arzt, der Journalist geworden war, nachdem er zehn Jahre lang allen die sich an ihm wandten, umsonst Rat und Hilfe gewährt hatte, starb in bitterer Armut, obwohl er unter den Mitarbeitern seiner Zeitung keine Geringeren als den König Ludwig XIII. und den Kardinal Richelieu zählte. Noch auf dem Totenbette galten feine Gedanken der Presse und ihrer großen Zukunft.„Die Presse", schrieb er mit zitternder Hand,„gleicht einem Fluß, der in dem Grade anschwillt. in dem er Widerstand findet." Poonn« Georg! und Harald Äreuhberg geben im Rahme» der B e r- l i n e r K u n Ii w o ch c n am 10. im Bachsaal einen Tanzabend, bei dem sie ihr neues Programm zeigen werde«. Raubübsrfall im Vorortzug. Lm Abteil niedergeschlagen und beraubt. Cm schwerer Raubüberfall, der erst nachträglich zur Seuntuis der Behörden gelangt ist, wurde gestern aus die 37 jährige Angeslclllc Else Kunde aus S p i h m ü h l e bei Strausberg im Vorortzug nach Strausberg ani hellen Tage verübt. Der Täter, ein!k jähriger Hans L c h- mann aus der Ehausjeestrahe ZZ, der seit längerer Zeit arbeitslos ist, konnte festgenommen werden. Die Uoberfallcne hatte den gegen?«3 Uhr von Berlin ab- fahrenden Norortzug bestiegen, um nach ihrer Wohnung in Spitz- mühte bei Strausberg zu fahren. In dem Abteil dri.ter Klasse befanden sich mehrere Personen, darunter auch der später fest- genommene Lehmann. Als der Zug in Fredersdorf hielt, stiegen noch zwei Reisende aus, so daß sjch�außer Frau Kunde nur noch der junge Mann im Abteil befand. Zwischen den Stationen Fredersdorf und Strausberg sprang Lehmann plötzlich auf und stürzte sich auf die ihm gegenüber sitzende Frau, versuchte sie zu würgen und forderte unter schweren Drohungen die Herausgabe ihres Geldes und ihrer Wertsachen. Die keineswegs schwächliche Frau setzte sich zur Wehr und es kam zwischen beiden zu einem heftigen Kampf. Schließlich gelang es dem Täter, sein Opfer auf dieandelt werden, auch die Beeinflußung der gesetzgeberischen Körperschaften sei von ent- scheidender Bedeutung für die Gestaltung der Mietszinshöhe und der rechtlichen Verhältnisse der Neubaumieter. Ein einheitlicher Zusammenschluß werde den Nmbaumietern größere Vorteile sichern als der bloße Zusammenschluß in Hausgruppen oder in bc- sonderen Neubaumieter-Orgonifationen. Das Zentrum zum„Kall Nientimp". Aufhebung der Immunität beantragt. Bochum, 3. Juni. Di« Bochumer Zentrumsfraktion hat sich heute in einer außerordentlichen Sitzung mit den in der Oefsentlichkeit gegen Herrn Nientimp erhobenen Beschuldigungen sehr eingehend besaßt. Dazu wird, bekanntgegeben: Aus Grund der letzten Veräsfent- lichungcn gegen Herrn Nientimp hat es die Fraktion für notwendig gehalten, erneut an ihn heranzutreten und ihn um volle Klar- stellung ersucht. Eine im Auftrage des Fraktionsvor- st a n d e s mit Nientimp erfolgte Aussprache hat bereits die Nieder- legung des Stadwerordnetemnandats nnd damit seines Vorsteher- amtes und des Vorsitzes in der Fraktion bewirkt. Die Fraktion hat einstimmig beschlossen, in' Anbetracht der Schwere der gegen Nien- timp erhobenen Vorwürfe von ihm zu fordern, daß er im Interesse einer restlosen Aufklärung die Aufhebung seiner Immu- nität beantragt und sich gegebenenfalls dem Gerichte zur Der- sügung stellt: serner hat die Fraktion sofort Herrn Nientimp von dieser Forderung Kemckms gegeben. Der Rechtst>eistand Nientimp? ist ebenfalls verständigt worden. Die Fraktion hat auch dem Vor- st a n d d e r R ö i ch s pd r t e i und der R e i ch s bo g s s r a k t i o n des Zentrmns von diesen Beschlüssen sofort Kenistnss gegeben. Ein Verleumder vemrieili. Sechs Monate Gefängnis wegen Hirtsiefer-Beleibignng. Köln, 3. Juni.(Eigenbericht.) Wegen Beleidigung de» preußischen Wcchlfahrtsministers Hirt- siefer wurde von dem erweiterten Schöffengericht in Köln der»er- antwortiche Redakteur L o n g c r i ch von dem nationalsozialistischen „Westdeutschen Beobachter" zu b Monaten Gesang- n i«»erurteilt. Er hatte in einem Artit-l behauptet, Hirtstefer habe sich bei einem städtischen Festesten im Jahre 1923 total betrunken und übergeben. Die Behauptungen haben sich als völlig unwahr erwiesen._ Kommunistischer Rechtsanwalt entführt Sonderbarer Vorgang in Zinnland. Helsingsors, 5. Juni. In Wasa begann heute der Prozeß gegen die wegen Z er. st ö r u n g einer kommunistischen Druckerei Ende März dieses Jahres Angeklagten. Aus diesem Anlaß hatte sich vor den, Rathaus in Wasa eine große Menschenmenge angesammelt. Als nun der kommunistische Rechtsanwalt der zerstörten Druckerei in Begleitung des Präsektcn das Gericht verließ, bemächtigten sich einige Männer seiner Person und verschwanden mit ihm. Der Student als Gemeindevorsteher. In der Gemeinde Wei s.e u(Westpricgnitz) wurde an Stelle des kürzlich verstorbenen Gemeindevorstehers dessen 23jährigcr Sohn,•ctudeüt der Nationalökonomie, zum Gemeindevorsteher gewählt und jetzt gemäß der Landgemeindeoednung vom L o n d r a t bestätigt. Es dürfie eine Seltenheit sein, daß ein Student Vorsteher einer Gemeinde wird. Die Markthallen vor psingslen. Am Pfingstsonnabcnä sii»d die städiischen Markthallen für den Kleinhandel ununter, brachen bis 19 Uhr geöffnet. pfingslwochenende der. Danken und Kasten. Di« Kasten und Büros der Bank derArbeiter.AngestelltenundBc- a m t« n A.-G., Berlin S 14, Wallstraße 63. bleiben am Pfingstsonn- abend, dem 7. Juni, geschossen. Auch die sämtlichen Girokassen der Berliner Stadtbank bleiben am Sonnabend, dem 7. Juni für den Berkehr mit dem Publikum geschlossen. Nur für Wechselzahlungen wird in der Hauptkasse, Berlin C 2, Mühlen- dämm l, Erdgeschoß rechts, ein Schalter in der Zeit von 10 bis 12 Uhr geöffnet fein. Die Sparkasse der Stadt Berlin hält ihre Geschäftsstellen an diesem Tag« vollständig geschlossen. Meller für Verlin. Heiter, trocken und warm, südöstliche Winde, — Für Deulschland. Ueberall beständiges und warmes Wetter. Doonerstas, 5. Juni. Berlin. 16.05 Victor Noack: Aus der Arbeitcr-Sängcr-Bcwegunr. 16.30 Konzert. U. a. 1. Deila Ciaia di Siena: Sonate, op. 4, de! Cavalliere, (Sofie Sclztrann, Klavier.)— 2. Konoyc: Lieder.(Hatsue Yuasa, Sopran.) — 3. Schubcit: Schumann-Lieder.(Hans Wrana, Bariton.) 17.30 Turnrat Dr. Schütz: Das studentische Turnen seit Jahn. 17.50 Jugendstunde.(Violine: Konzertmeister Olaf W. Oundvaldsen; Käthe Ravoth, Sopran; am riögcl: J. Bürger.) 18.10„Der Eroberer", ein Cortcs-Roman von Richard Frledcnthal. 18.30 Karl Vetter und Heinz Engel: Wohin am Wochenende? 18.55 H. Zucker: Hat Amerika es besser? 19.30 Chorgesänge. 19.45 Arbeitsmarkt, 19.50 Konzert. 2(V30 Prozeß Gandhi, Rekonstruktion von Dr., Tiicdrich Carl Wcstphal. 2L10 Konzert. Nach den Abendfnelduiigcn bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Von Hamburg: Nachmittagskonzert. 17.30 Rektor Richard Karselt; Das Erdöl, Unterrichtsbeispiel mit Schülern der 1. und II. Klasse der 174. Schule, Berlin. 17.55 Hans Watzlik: Deutsches Volkstum im Böhmcrwald. 18.20 Dr. R. W. Horn: Rundreise im Schwarzen Meer. 18.40 Dr. H. Gocbcl: Vom Weltgcfühl des Humors. 19.05 Spanisch für Fortgeschrittene. 19.35 Von Königsberg: Königsberger Tonkünstlcrfcst. 20.00 Von Königsberg: Orchesterkonzert. Vdranttooril. fiit die Redoktion: Rich.««iistei», Berlin? Anzeigen: Zh. Glocke. Verlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckcrei und Berlagsanstalt Paul Singer Sc Co.. Berlin SW 68, Lindenstraße Z. Hierzu 1 Beilage. Theater,< Lichtspiele usw. h lä«..» u.«U SOUt. 2.4, 8> Alex. E 4. 8066 Itilhelm JtarMein der belieble Hamorist und A erstklassige Atlraktioncn Winter ★ uarren* 8.13 mir Zsotr. 281 B Raodiea erianftt Witiler afleiu. 6 in Brün noch RleM gmigtt Heuheittn and»nitre 4 Attraktionen Theater 1 Weitem Täglich 8«/. Uhr: Der Bettelstudent Carola, Elmar, BSUcfaer, Honlea. Slkla, Dora 8 Uhr Kammerspiele D 2 Wiidendamai 5201 8'« Uhr: «Iphigenie von A'olff� v. Goethe Einrlditng indbgii: Ridurl Bur- Hofnaa Die Komödie ' 1 Bismck.2414/751fr »Vs Uhr Soll man heiraten! Koinöto HnBenurtShaw Sienisdrc Einriditoni: Karl Heinz Martin Samvsky-ltllliBsn Tttattr la «er Simaaiaaattr. (Hhir Mnijjritrr Str.) Täglich 8>/, Uhr Napoleon grollt ein im Viltir Hunthw Komödienhaus Täglich 8V« Uhr Illeise Schweiler und Ith Hniki.KilphluitiH 22ÄS5 Lessiog-Theater Wiidnlmn 2717■.Olli Täglich«>/. Uhr Heate abend wird aus dem Steorelfoesptelt von Pirandello Regie: Gustav Härtung Residenz-Ttieater Tägl.SUUhr madonna im schiafcoupa v. Maurice Dekobra FDrJugendl. verb. Kr. Ir. Hirtli Zidil Komiscne Oper Friedrichsir. 104. Merkur 1401/4330. Heute geschlossen! Morgea 11t Uhr Premiere liebe nnd Trompelen- blasen Lostspiamaus Friedrichsir. 236. Bergmann 2022/23. 8'., Uhr Zum 260 Male Vater sein doOeScnsetir mif Uttel« Englisch Oirektion Dr. Roberl K eto Ceulsehes Ittnsller-Tbeat Barbarossa 3037 Täglich SU« Uhr „lib taue um dleWeltmttdlr" von Marullin Sthiffer Mosik: FriedriA HelUndir Rfjt«: KiMBrahn 9krpnHswerfe /stsyNIMM R�taufimt Berlins BEfRIEB/ KEMPINSKN aäv:;, Hochschulbrauerei »«-HM«, Str. 31:: HainrlehSchnder:: än Virchow-Kraiiltenhaus Am 1. Pfingstfaisrtag; tlm Eon Ii IrnneAoa rtranit.hßt von dar„Neu.n Phi'- Ur.rrunHOnzen harmoiilacli.Orchaaterrarajniiuag" Am 2. Pfingatfaiertag; fim EpühlrAflTOPt'•'•■«Iahe»»om Ralekabaaaar »• UnnOllicri Schwari.Ret.Qeld(Im Saala Tani) An den baidan Pfingaifaiartagan nachmittags: Großes Festkonzert BArgerlldier MliUgalUch ab 12 Uhr, Gedeck 1.50 M. Tkaai. a. Koim.Tor Koltbuser Str. 6 S--— mit Heria Locve ir intnka SidiHtiD Berliner Prater Soamannaatsr Kastanienalice 7—0 Humboldt 2246 pnnostan. BuB-laal Das groBe Fesl-EröHnunos Prooramm 1. und 2. Feieria« Gr. FrOhhouerl Imapalm-nlmlr Auf der Bühne Oilglaal Morddeoudit Singer All rfitWttltigrm Pr»?r»BB An ang i'h Uhr Madnnitfa!» Anfang 4 Uhr i lifiett-Viltstult- tttuktiODUl ferner Gustl Beer u. Grell LHIcb in der Burleske.0,112 lllsdl" «wii Jkr kogeUiändler' Optnth In 3 Akt. r. Rirl Idler mit 38 Hltarlrkeaden FrOh sovisKamnimg. das bi. KaliBckoflißD Eialrithpnti« ra 40 PI. m Metropol-Th. Täglich 8'/. Uhr mit Dir allem aui einer einsamen Insel Kidnl BokMii, lllred Braan, FloUr, Hoffmann Kleines Ideal. Merkur 1624 Täglich g'/n Uhr Max Adalbert in Das Parfüm meiner Frau Lustspiel von Leo Lecks ■am Direktion; Dr. HarUn Zickel Komische Oper Friedtlchilr.l 04. Merkur 1401/4330. Heute geschlossen! Morgen Iii Uhr Premiere r Liebe und Trompetenblasen Lustspielhaus Frledrichstr. 236. Bergmann 2922/23. 8� Uhr Zum 250 Male Taler sein dagegen sehr mit Lüde Englisch Vorverkauf In Dolden Häusern aD 10 Uhr ununterbrochen «v.uhr CASINÖ-TH�ATER«-v.«» Lothringer Strebe 97. Nur noch wenige Aufführungen! Rentier Mudicke SommerpreUe: Billig! Billig! 50 Fi, L- Mark 1.5» Mark Iheater i. d. Behrenslr. 53-54 Zl/2 U. A4 Zentrum 926-927 8!/a U. Olrekiion Ralph Arihnr Roberts Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs ROSE .THEATER 1 Große Frankfurter Str. 132 I Blilettka«*«: Alax.3422 u.3494 Täglich 8.15 l&np&r Isküjit Jsssy. „Janny«telft empor" bleibt 1 nur noch bis Freitag, 6. Juni auf dem Spielplan. Ab Sonnabend, den 7. Juni I täglich 819, Sonntags auch 5«{ I Ann wie eine Eirchenznans I mltTraute, Paul u.Willl Rose, Robert MOIIer u. Erich Wilde.| Am Pfingeteonntag: | Eröffnung der G&rtenbühne| Täglich 5» Uhr nachmittags| (Sonntags 6® Uhr) I 9 ftrttklauio« VtrleMnummtm| „Liene» Lotte, Ltee« j mit ErnaKerstens, HildeHofer Lonl Pyrmont, Karl Gülllch[ I Hans Rose, Edgar Kanisch [ u.Carl Muth in d. Hauptrollen| Am f. u. II. Pflngstfelertag um 6 Uhr morgens Große Früblconserte mit I Riesen> VarletSsehan. I DarVorverkauf hat begonnen Billige Der schlechten Wirtschaftslage an gepaßt bringe ich außergewöhn 1 i c h b il Ii ge Prc i se und trotzdem gute Qualitäten Einige Beispiele: Herren- Anzüge schöne Muster und guter•|<| Sitz schon für......... 155. Herren- Anzüge blau Kammgarn oderfarb in llß allerneust. Must, schon für Frühjahrs-Nänfel in Gabardine, versch. Färb, aß u tadelloser Sitz schon für»JU,- Lederfacken, Sportanzüge, Windjacken, Hosen usw. zn spottbilligen Preisen. 8. KUPFERBERG Rosenihaler Strafte s /(nahe Rotenthaler Platz) Cww«-- »wwawwwwwwwwwJ Reichshallen-Theater El uhr; Das große Pfingst-Piograuini der Sfelttner Sänger 1. und 2. Feiertag, 3 Uhr; Hadunittags-Vcrsteliung so halben Preisen Tel.: Zentrum 11263 Dönhoff- Brettl(Saal und Ga ten o« Sitte ifapüfin Kanlabak T'"*** gairMgeseä. eihaltl. C. Köck er. Berlin UdiiegbcrBar Straie 22, Künlssi. 3867 lUelYogc Donnerstag, 5. Juni 1930 LprÄbmd SfuiJntdfnCa dü iJof&aMl Laßt öm D-Tug sausen! Aber gebt uns einen andere« Zug Man sehe ja zu, daß einem der Billmngs-V-Zug mit dem Pack- mögen der Berechtigungen nicht vor der Nase wegfährt. Wer den Anschluß verpaßt, ist verloren. Nicht einmal Giiterbodenorbeiter bei der Reichsbahn kann er werden, höchstens noch Reichspräsident oder Minister: aber diese Stellen sind rar. Wohlweise und fürsorgliche Eltern dürfen es nicht versäumen, sich frühzeitig genug mit ihren Kinder» an der Sperre der Prä- fungen einzufinden. Zehnjährige Knaben und Mädchen sind am geeignetsten für das Verfahren, in Ausnahmefällen geht es auch schon mit neun. Wer es hier nicht schafft, bleibt draußen. Daß diese letzte Behauptung nicht mehr ganz unbedingt gilt, haben wir dem Umsturz von 1918 zu verdanken. Seit jenem Jahr ist Vorsorg« getroffen, daß besonders gewandte und befähigte Bildungsbeflissene noch sonst hier und da Gelegenheit haben, den Anschluß zu«rreichen. Da ist die Aufbau schul«, die auch den Dreizehnjährigen zum Abitur führt. Arbeiterkurse, Abend- g y m n a s i e n und ähnliche Einrichtungen verschaffen jungen Menschen, die bereits im Beruf stehen, die Hochschulreife: selten, aber man darf es irennen. Trotz Revolution, trotz mancher Schulreform kann man sich des sehr jtarken Eindrucks nicht erwehren, daß immer noch die Finanz- kraft des Vaters für den Lebensweg des Kindes, soweit er Schulweg ist, größere Bedeutung hat, als das geistige Vermögen des Kindes. Der zahlenmäßige Anteil von Arbeitersöhnen und -töchtern an der Gesamtzahl der deutschen Studierenden spricht für dies« betrübliche Tatsache mehr als Bäird«. Aber man braucht viel- leicht gar nicht einmal auf die Hochschulen zu sehsn; überall, w o Berechtigungen erworben werde il können, be- finden sich die Kinder der Besitzlosen und vor. nehmlich der Arbeiter in auffälliger Minder- h e i t. Eine andere Talsack�, die imstande ist, wegen der mit ihr ver- bundcnen gleichen Ungerechtigkeit, das gleiche Aergsrnis zu erwecken, muß dazu genannt werden, die nämlich, daß der Weg zu den „höheren" Berufen überhaupt nur durch die Schulen geht, d. h. über deren Berechtigungen. Dabei ist die Frage, was nun eigentlich ein„höherer Beruf" ist, durchaus offen. Wenn Schürzenverkäufer, Schlaffer oder Güterbodenarbeiter neuerdings anscheinend dazu ge- rechnet werden, so liegt dem sicherlich kein verrückter Einfall zu- gründe, sondern das Berechtigungswefen, wie es nun einmal ge- worden ist, treibt ganz folgerichtig auch derartige Blüten. Ein Mann, der seine Leistungsfähigkeit dem praktischen Leben verdankt, muß schon ganz Außergewöhnliches aufzeigen können, ehe er neben oder gar über einen anderen mit„Schul"- bildung gestellt wird. Eigentlich sind es nur die politischen Par- tcien und die Gewerkschaften, die sich nicht an die schulische Auslese der Tüchtigen kehren, sondern andere Formen entwickelt hoben. Der Volksgenosse wäre ihnen deswegen zu Dank oerpflichtet. Aber zumeist ist dieser Tatbestand ein Stein des Anstoßes geworden, weil l>ei solcher Auslese auch mal ein Fehler unterlaufen ist und ein „Unwürdiger" nach„oben" geklettert. Ganz so, als ob der Weg über Schule und Prüfungen nicht mit Fehlmislefen und falschen Be> rcchtigungsscheinen gepflastert wäre. In. vielen lehrhaften Abhandlungen kann man zwar lesen, daß das Schulwissen noch keine Lebenslesstung garantiert, daß die Ersten von der Schulbank sich in der Praxis oft genug als die Unfähigsten erweisen. Doch was nützen solche akademischen Feststellungen, wenn immer wieder nur dem Mann mit dem„Schein" die Chance zum Aufstieg ohne weiteres gegeben wird und der andere zusehen muß, wo er bleibe.„Freie Bahn dem Tüchtigen!" So oft es nach dem Kriege auch ausgesprochen worden ist, immer nur kam es darauf hinaus, diesem oder jenem früher Ausgeschlossenen den Eintritt in die höhere Schule zu ermöglichen— mehr nicht und anderes nicht. Der höheren Schule allein Hot sich fast dos ganze Maß von Sorge zugewandt, deren man fähig war. Sie l)ot man aus- und umgebaut auf die mannigfachste Weise. In Berlin soll es 49 Arten geben, so viel, daß einer ollein sich nicht darin zurechtfinden kann. Und kommt ein Schüler noch einer ganz anderen Stadt, so findet er seine Spezialität dort kaum vor, statt dessen eine gänzlich neue, damit er nur ja nicht auf den merkwürdigen Gedanken ver- fällt, Deutschland könne so etwas wie«in einheitlicher Staat lein. Fürsorge traf allerdings auch die Nachahmungen der höheren Schule, die Mittelschule, die gehobenen Züge, den Oberbau oder wie sse sonst benannt werden. Andere Namen: aber gleich im Streben, ähnlich im Inhalt, ausgezeichnet mit demselben „Schein". Diese Sorge wäre lobenswert, wenn man nicht die Mehrzahl der Volkskinder darüber vernachlässigt hätte. Eine Minderheit, theoretisch Begabte, führt man nach oben, schafft ihr günstige Be- dingungen in der Schule und— was wesentlich bedeutungsvoller ist— für das Leben. Die andere Gruppe, zusammengesetzt aus demjenigen Teil der theoretisch Begabten, bei denen das Elternhaus die Ausbildung auf höheren und Hochschulen nicht zu tragen vermag, und aus praktisch oder technisch oder künstlerisch Veranlagten und aus Unbegabten, sie läuft durch Schulen ohne Berechtigungen, ohne „Schein" und fast bis heute ohne besonders ausfällige Fürsorge. Es ist der Weg Volksschule— Berufsschule, und erst in neuer Zeit fängt man an, sich um sie gründlich zu bemühen, ein- zusehen, daß hier die größere Aufgabe und die tiefer« Verpflichtung liegt. Wer das verschiedene Maß der Bemühungen und der Sorge sich deutlich machen will, lese nur in den Statistiken noch, wie die Höhe der vom Staat aufgewandten Geldsumme eine ganz andere ist. je nachdem es sich um einen Schüler des Gymnasiums, der Mittel. schule oder der Volksschule handelt. Der G y m n a s i o st darf fast dreimal so viel beanspruchen als der Volksschüler. Oder man besehe sich die Gebäude, die Klassenräum«, die Flure, die Toiletten. Man staunt und kann es nicht begreifen: jede höhere Schule erhielt selbstverständlich eine Aula— die Volksschule erhielt fast ebenso selbstverständlich keine: der höheren Schule gab man natürlich ein Klavier, einen Flügel, eine Orgel, der Volksschule gab man ebenso natürlich kein? von den dreien, nicht einmal eine Ziehharmonika als Ersatz. Aeußerlichkeiten, aber bezeichnend. In den letzt« Jahren ist» vielfach anders geworden, anders gt- worden in dem Maße, wie die Sozialdemokratie Gelegenheit fand, das Schulwesen umzugestalten. Aber«in Blick auf das Ganze lehrt, daß von dem bisher Versäumten erst ein kleines Stück hat nachgeholt werden können. Der Weg Volksschule— Berufsschule wird in unserem Bewußt- sein das Zentrum unserer Sorg« um das Schulwesen bedeuten müssen. Die Masse der Kinder wird auch in Zukunst diesen Weg gehen, die Mehrzahl der Volksgenossen wird hier ihre Schulbildung erfahren. Diese Schule wird sich ganz eindeutig auf die Berufs- und Lebensbedürfnisse der Werktätigen aller Art einstellen müssen und sich dabei fernhalten von jeder Nachahmung der sogenannten höheren Bildung. Verfahrt sie so, dann wird sie beitragen zur Ausbildung von Menschen, die auf allen Stufen der Gesellschaft auf ihre besondere Art ihren Mann stehen und auch die Berechtigung mitbringen, die offenen Plätze einzunehmen. Es werden Männer und Frauen fein, die sich bilden ließen durch Praxis und Theorie. durch Beruf und Schule, Menschen, die am Leben denken gelernt haben, die disponieren und organisieren können, die Sach- urck» Menschenkenntnis besitzen, die Urteile zu fällen und Verantwortung zu tragen oermögen, die zur Führung bereit und berufen fmd. Manche Schulfrage wird allerdings noch erst dazu zu lösen sein, manche Antwort steht noch aus: Schicken wir unsere Kinder zu spät oder zu früh in die Schule? Sollen sie weiterhin mit 14 Iahren dem Beruf zugeführt werden oder besser mit 12 oder mit 1(5? Soll die Schulzeit verlängert werden und soll die Voltsschule oder die Berufsschule anbauen'? Muß die Arbeit unserer Nolksschule nicht noch lebens- und gegenwartsnäher werden, und ist nicht unendlich viel veralteter und unnützer Ballast zu entfernen? Tragen die Ar- beitsmethoden in unseren Schulen«in Gepräge, dem man das 29. Jahrhundert anmerkt? Wie verschaffen wir den jungen Men- scheu, die auf dem Wege Volksschule— Berus— Berufs- schule durch Leistungsfähigkeit die innere Berechtigung nachweisen, auch die äußere Gewähr, daß ihnen keine Hochschule und keine Lausbahn verschlossen bleibt? Laßt den v-Zug sausen! Wir sollen«inen andern Zug bereit stellen, der auch zum Ziel führt, vielleicht gar besser. Er hat Wagen für alle Kinder.„Reisende mit Traglasten" werden hier nickst scheel angesehen. Borläufig fährt er noch nickst: aber wenn wir all« mit bauen helfen, hoffentlich reckst bald..Aevermann. Die IZcrfafluny öcr Universität«« Das» 4cnöe einer zaghaften Reform Von der größeren Oeffentlichkeit wenig beachtet, vollendet sich die 1919 begonnene Reform der Universitäten. Man kann fast von einem Ausschluß der Oeffentlichkeit reden, der übrigens sicherlich nicht gerechtfertigt ist. Zwar haben die Universitäten im geisttgen und kulturellen Leben des Volkes bei weitem nicht mehr die Bedeutung, die sie noch im vorigen Jahrhundert besaßen. Aber immer noch werden an ihnen die künftige» Richter, Oberlehrer, Aerzte, Theologen, Volkswirt«, höheren Verwaltungsbeamten ausgebildet. Zwar sind bedeutsame Gebiet« des Forschungswesens von Instituten und gelehrten Gesellschaften außerhalb der Universitäten übernonunen, zwar ist die Ausbildung der wichtigsten Pädagogen, der V o l k s j ch u l l e h re r, nicht den Univerfttäten, sondern Hochschulen neuer und eigener Prägung über- trogen, den Pädagogischen Akademien. Zwar gehen in den höheren Verwaltungsdienst erfreulich viel Männer, die nicht die Universität, sondern das Leben für ihren Beruf vorgebildet hat. Immerhin: es bleibt den Universitäten noch genug übrig zu mn. Iahrays, jahrein lehren.an ihnen. Tausende., von Professoren, Prioatdozenten und andere Lehrer hunderttausend Studenten, von denen ein beträchtlicher Teil später in bedeutsamen Staatsstellungen wirken wird. r Der Oeffentlichkeit kann es also nicht gleichgültig sein, wie die Universitäten aussehen, an denen das geschieht. Die U n i v e r s i- tätsreform begann 1919 mit Vorschlägen des damaligen Staatssekretärs, Prof. Dr. Becker und einem Erlaß des damalige» Kultusministers K o n r a d H a e n i s ch. Beide wiesen darauf hin, daß die Pflege der Wissenschast unabhängig sei von bürokratischen Reformen, daß aber eine verfehlte Organisation hindern und schaden konnte. Die Hierarchie, die kastenmäßig« Abkapselung der vielen verschiedenen Gruppen und Grade der Hochschullehrer, sei über- trieben und gefährlich. Die Selb st Verwaltung der Universi- täten, die sich übrigens nicht auf politische und finanzielle Dinge, sondern fast ausschließlich auf Fragen der Studien- und Prüfung«. gestaltung und auf die geistig« Repräsentation bezieht, müsse auf eine breitere Grundlage gestellt werden. Schließlich wünschte dos Ministerium eine Beteiligung der Privatdozenten an den Geschäften der Verwaltung und stellte die Bildung einer mitarbeitenden „Studentenschaft" zur Diskusston. Diese Vorschläge sind im Verlauf der letzten zehn Jahre im wesentlichen durchgeführt. Die Gruppe der ordentlichen Professoren, die den in erster Linie verantwortlichen Kern der Hachschullehrerschaft bildet, ist vergrößert. Veraltete Rang. unterschiede sind abgebaut, wenn auch die feierlichen Vorschriften über die„F o l g c o r d n u» g" der Dozenten in den neuen Universitätssotzungen stark noch chinesischem Mandarinen- tum aussehen. Die Ventfiittg der Profeflore« Die neuen Unioersitätssatzungen bcnihen auf dem Allgemeinen Lgndreckst, dos im 18. Jahrhundert für Preußen erlassen wurde, und auf einem Beschluß des preußischen Staotsministeriums von 1923. Niel hat sich an der Verfassung der Uinversitäten in den letzten 159 Iahren nicht geändert, obwohl vieles ändernngsdedürftig ge- worden ist. Außer der Auslese und der Erziehung der Studenten, von der in den neuen Statuten mcht die Rede ist(sie gehört in den Bereich der pädagogischen Reform, mit der endlich einmal ernst ge- macht werden sollte), steht cm Wichtigkeit im Vordergrund die B e- rufung der Professoren und die Auswahl der Privatdozenten. Wir glauben zu wissen, daß der frühere Kulhisminister Dr. Becker, dessen eingchend« Kenntnis des Hochschul- wesens bekannt ist, über beide Fragen seine eigenen Gedanken ge- habt hat. Warum er nicht versucht hat oder warum er daran ge- hindert war, sie auszuführen, wissen wir nicht. Der gegenwärtige Zustand, im wesentlichen unverändert fett Jahrhunderten, ist dieser: wenn ein« Professur frei wird, so schlägt die z u st ä n d i g e Fakultät, der olle ordentlichen Professoren und Vertreter der außerordentlichen Professoren und der Privatdozenten angehören, einen oder mehrere Gelehrte für die Nachfolg« dem Ministerium vor. Die nicht der Fakultät angehörenden äußerordentlichen Professoren und Privatdozenten haben, wenn sie das gleich« Fach wie die freie Professur vertreten, das Recht, schriftliche Einzelvorschläge zu machen: ihr« Stimme hat erfahrungsgemäß wenig Gewicht. Der Minister ist cm die Vorschläge der Fakultät theoretisch nicht gebunden. Wenn eine Statistik darüber vorläge, so würde man finden, haß in mindestens der Hälfte der Fälle dos Ministerium dem Fakultätsvorschlag folgt. Das Vorjchwgsrecht der Fakultät ist aber ebenso alt wie bedenk. lich. Die Voten der einzelne» Professoren sind natürlich nicht frei von allerlei Menschlichkeiten: der Inhaber der Konkurrenzprofessur denkt an sein« Stellung und an sein Kolleggeld, oerwandtjchastlich« und schulemnäßige Rücksichten, wissenschaftliche und politisch« Unduld- samkeit spielen ein« groß« Roll«, an manchen Universitäten sollen „Fakuitätspäpste" eine diktatorische Stellung hoben, gegen die nur wenige aufzumucken wagen. Es fragt sich, ob das Ministerium sach- lich stark genug ist, diesen(übrigens allseits bekannten und zärtlich gepflegten) Menschlichkeiten mit genügender Entschiedenheit entgegen- zutreten. In einigen ausländischen Staaten ist man den Weg ge- gangen, freie Stellen öffentlich auszuschreiben und bei der Auswohl des Nachfolgers einen Ausschuß mit entscheiden zu lassen, der aus den besten Fachkennern des Landes besteht. Unsere Ministerien werden zunächst auch ohne Aenderung der formellen Bestimmungen Sicherungen einschalten können, indein man unberechtigte lokale Forderungen übergeht, die eigenen Sachverständi- gen sorgsam auswählt und bei der Berufung auf politisch wichtige Professuren auch politische Gesichtspunkte mitspreche» läßt. Wir möchten im Interesse des Ministeriums keine Statist ik darüber aufstellen, wieviel ausgesprochene Gegner des neuen Staats, �Gleichgültige oder Lau« auf den Professuren des Verfassung�- und Berivaltungsrcchts. der Nationalökonomie, der Geschichte sitzen und -wie wenige die Idee» des neuen Staats dort repräsentier«». Es ist wenig gefordert, wenn wir im IMeresse der überwiegenden Mehr- h«t des deutschen Volkes die Parität der neuen Zeit verlangen. Die Äusiwahl öer Privatdo;e«te« Mindestens ebenso bedeutsam ist die A u s w o h l der Privatdozenten, die bisher ausschließlich bei den Fakultäten, genau genommen bei dem zuständigen Fachprosessor liegt. In der Debatte irber die Situation an den höheren Schulen hat im Preußischen Landtag einmal das Wort Dr. Beckers von dem„Martyrium vieler republikanischer Studienräte" eine große Rolle gespielt. Das ge- Heime Martyrium der jungen, nicht genügend protegierten Gelehrten, die Priootdozenten werden wollen, ist ungleich größer. Da die Professuren fast ausschließlich aus den Reihen der Prioatdozenten befetzt werden, ist es unverständlich, warum sich das Ministerium nicht um die Zluswahl der Privatdozenten kümmert. Wenn das Ministerium die Fakultäten dabei frei schalten und wollen lassen will, so muß es sich entschließen, die Fehler der Sluswahl, die den Fakultäten aus hundert Gründen unterlaufen müssen, dadurch zu korrigieren, daß es freie Professuren mehr als bisher mit Männern besetzt, die nicht Privatdozenten waren. Warum sollen tüchtige Aerzte, Pfarrer, Ministerialräte, Richter, Studicnräte nicht Professoren werden können?(In Ausnahmefällen geschieht das schon heute, ober es geschieht zu selten. Die Inzucht ist groß.) Aber es wäre schon besser, man baute das H o b i l i t o t i a n s- verfahren, die Zulassung der Prioatdozenten, um. Wir stellen diesen Vorschlag zur öffentlichen Diskussion: Junge Gelehrte, die mit gutem Ergebnis die Doktorprüfung bestanden und«ine gewisse Zeillang wissenschaftlich, als Assistenten oder auf andere Weise, ge- arbeitet haben, können.sich bei einem zu gründenden H a b i l i t a t i o n s a m t für die Zulassung zum Lehramt melden. Dieses Hvbilitationsamt könnte aus einem Vertreter des Ministers und' einigen Professoren des betreffenden Faches bestehen. Das Amt prüft die wissenschosllichen Arbeiten des Kandidaten, die Gut- achten seiner Lehrer, seine Habilitationsschrift und schließlich ihn selbst auf seine Fähigkeiten als Pädagoge und als Forscher. Wenn das Habckitationsamt den Kandidaten als Privatdozenten zulassen will, so stellt es ihm einige Fakultäten zur Auswahl, für die er sich nach seinen Fähigkeiten und seiner Persönlichkeit eignet. Dabei kann dann die betreffend« Fakultät gehört werden. Man sollte dabei gleichzeitig überlegen, ob es im Interesse einer gerechteren Auswahl und größeren Unabhängigkeit der Prioatdozenten nicht endlich an der Zeit wäre, den Privatdozenten die Ver- g ü t u n p zu gewähren, die die Gerichts- und Studienassessoren«r- lzaltcn. Diese Vergütung könnt« auf«ine bestimmte Zeit, etwa auf fünf Jahre befristet werden und widerruflich sein. Der jetzige Zu- stand, daß die Privatlazenten sich durchhungern müssen, rv-rnn sie nicht Privatoermögen haben oder, übrigens zumeist sömnvrliche, Erfatzvergütungen(Afsistentengehäller, Lehrauftragsvergüllmaen oder Stipendien) erhalten, ist unmöglich aufrecht zu erhallen. Das Privileg der Besitzenden ist nirgends so unangebracht wie in der Wissenschaft. Wer sich für die höchsten wissenschaftlichen Stellen eignet, verdient die Unterstützung der Allgemeinheit. Aber die All- gemeinheit muh dann auch sicher sein, daß die Auswahl oer Ge- eigneten durch ein Kollegium erfolgt, das die Interessen der Wissen- schaft und des Staats kennt und berücksichtigt. Es wäre gut, wenn sich der neue Kultusminister dieser außer- ordentlich wichtigen, dennoch aber anscheinend vergessenen Ecke der Universitätsreforw annehmen würde. Dr. Otto Benecke. (46. Fortsetzung.) Ei» neues Ungewitter stont» schwarz über der Stadt. Schwäch- lich« Unternehmer brachen über Nacht zusammen, andere waren so erschüttert, daß sie bedrohlich zu schwanken begonnen. An der Börse kam der unvermeidliche Krach. Die Papier« waren nahezu wertlog geworden. Tausende ruiniert, bettelarm. Die Konsulate wurden sörnilich gestürmt, die Reise in die chcimat zu ermöglichen. Andere wieder schössen sich eine Kugel durch den Kopf. Viele verschleuderten den Rest ihrer Habe und ergaben sich einem Leben von Narkotika, Schnaps und Verbrechen. Frauen taumelten rüde und brauchen nachher nur»och eine geringe Kraftfutterzulag«, die den Milchertrag vorteilhaft beeinflußt. Wer schlachten will—-und es sollten alle Erstlingelämmcr, d-e von«injährigen Ziegen stammen,-geschlachtet werden—, tut das am besten jetzt, denn Fresser, die sich nur schlecht oder mangelhaft«nt- wickeln, kann der Kleintierhalter auch im Zicgenstall nicht gebrauchen. Darum fort mit allen Tieren, die den Futteretat des Klcinticrhalter« nur unnütz belasten! G. B. Sonnenblumen. Man sieht diese hohe Pflanze mit ihren scheibenförmigen Blllten- lopf nicht allzu häufig. Ihr Wert ist aber bedeutend, da der Samen 200Ö in einem Blütenkops— sich als Geflügelfutter sehr wertvoll gezeigt hat. Auch den Bienen liefert die Sonnenblume reiche Aus- beute. Das aus den Kernen gewonnene Oel ist gereinigt Speiseöl, In rohem Zustand« Brennöl. Die ausgepreßten Kerne geben Oel- kuchcn als Mastfutter für Rindvieh. Die getrockneten grünen Blätter sind mit Kleie gemischt Futter für Milchkühe. Man pflanzt mög- lichst weit und legt je einige Körner in 86 Zentimeter Reihenent- fcrnung.___ P, D. Diphieritis bei Hühnern. Wenn man bei seinen Hühnern Schlermfluß am Schnabel-und Beulen im Gesicht beobachtet und ferner feststellt, daß die Tiere nur schwer atmen können, so sind das sichere Kennzeichen dafür, daß diese an Diphieritis leiden. Man trenne dann sofort die erkrankten Tiere von den übrigen gesunden, bringe sie in einen lustdichten, warmen Stall und schütte ihnen täglich zweimal eine halb« Messer- spitze chlorsaurcs Kali»n den Hals. Nach einiger Zeit wird sich die Krankheit dann— falls sie noch nicht zu weit vorgeschritten war, als man sie entdeckte— legen. G. B, Köln billigt Bundespolitik Einsiimmiges Vertrauen für den Vorsiand Köln, 5. Juni.(Eigenbericht.) Die Berichte iies Bundcsvorsteinöes und Vundesschulleitcrs auf dem Bundestag des Arbeiter-Turn- und Sportbundes in Köln führten ein« ausgiebige und fehr sachliche Aussprache herbei! das Ergebnis der Aussprache ist. dag die Arbeiten der Bundesschulc restlos gebilligt iverden. Der Bundestag erkannte die aus den Be- schlüssen des Bundestages zu Leipzig sich ergebenden Maßnahmen des Bundesvorstandes und der Kreisoertreterlaoungen an und sprach dem Bundesvorstand für seine zielklare und entschlossene Politik einstimmig dos Vertrauen aus. Ebenso einstimmig wurde beschlossen, daß die Mitgliedschaft in der kommunistischen Interessengemeinschaft„zur Wiederherstellung der Einheit im Arbeitersport" die Mitgliedschaft im Arbciter-Turn- und Eportdund e. D. und seinen Bundesvereinen ausschließt. Der Bundestag erklärt« einstimmig, daß alle diejenigen Mitglieder und Vereine, die vom Bundesvorstand oder vom Bundesvorsitzenden Geliert ausgeschlossen wurden, auch als ausgeschlossen aus dem Arbeiter-Turn- und Sporlbund e. D. und seinen Bundesvereinen gelten. Ausdrücklich wurde anerkannt, daß der beim Amtsgericht in Leipzig eingetragene Arbeiter-Turn. und Sportbund e. V.. Sitz Leipzig, der Rechtsnachfolger des früheren nicht eingetragenen Der- «ins„Arbeiter-Turn- und Sportbund" geworden ist. Anträge, die festgestellt wissen wollten, daß die Arbeiter-Turn-Zeitung eine Hetz« gegen die KBD. betreibe und daß Reichsbannersportabteilungen nicht in den Bund aufgenommen werden dürfen, verfielen der einstimmi- gen Ablehnung, ebenso ein Antrag, nach dem der Abbruch der Be- Ziehungen zur KPD. aufgehoben werden sollle. Mit großer Mehr- heit wurde der Beitritt des Bundes zum Reichsausschuß Deutscher Jugendverbände beschlossen. Den Organisationskreisen erwächst dar- aus kein Zwang, diesem Ausschuß ebenfalls beizutreten der Beitritt liegt in ihrem eigenen Ermessen. Dem Wunsche des Bundcsaus- schusses für das Frauenturnen nach Bildung eines Bundesfrauen. ousschustes, der sich mit den Fragen der Frouenaufkläruirg, Frauen- bildrnig und Frauenwerbung und mit der Berwlrk'ichung des intcr- nationalen Frauenprogramms zu beschästigen Hot, wurde Rechnung getragen und dementsprechend beschlossen. Das dritte Bundessest findet lSZS statt, der Bundesvorstand wird dem nächsten Bundes- tag entsprechende Borlagen unterbreiten. Im Anschluß an diesen Togungsabschnitt erstattet« der Geschäfts- führer Schubert vom Arbeiter-T u r n v e rl a g seinen Bericht,� der eine stete Aufwärtsentwicklung des Geschäfts trotz Wirtschofts-� krise nachwies. Der Kundenkreis hat sich weit über die Reihen des Bundes bis in die verschiedensten Teile des Auslandes vergrößert. Geschästssilialen sind in fast allen Kreisen der Bundesorganisation errichtet worden. In der Aussprach« wurde der noch weitere Aus- bau des Gefchäftsunternehmens gewünscht. Nach Erledigung der Berichte stehen die bedeutsamen Fragen der Teilnahme an staatlichen und kommunalen Veranstaltungen, ein« vorgesehen« Veränderung im Bundespressewesen, die Statutenändc. rung, ein Bortrog„Durch freie Erziehung zum freien Volke", die Wahlen und die Festlegung des nächsten Bundestages auf der Tagesordnung. iMundJoaMj Stralau gegen Osten Am heutigen Donnerstag stehen sich auf dem Sport- platz Laskerstrahe(Stralau-Rummelsburg). Eingang Vödickerstrahe, zwei der spielstärksten Mannschasten des 1. Bezirks gegenüber. F.T.G.B. Osten, führende Mamrschast der ersten Klasse, und F.T.G.B. Stralau, zweiter der zweiten Klasse, sind die Gegner. Das Spiel, das zur Werbewochc im Friednichshain wiederholt wird, beginnt um IS Uhr. Morgen Freitag Abend haben die Anhänger der Berliner Arbeiter-Hairdbollbewegung Gelegenheit, ein interessantes Spiel z? sehen. Die beiden Spigcmnannschaften der ersten Klasse, der Kreis- meister F.T.G.B. Wedding. 1. Männer, und F.T.G.B. Süden, erste Männer, haben ein Gesellschaftsspiel versinbart. Da die Wcddinger am Sonntag nach Pfingsten zum Vorrundenspiel zur Ostdeutschen Meisterschaft gegen den 14. Kreis(Schlesien) antreten müssen, haben sie sich zum Trainingsspiel die alten Rivalen verpflichtet. Süden hat sich vorgenommen, es Wedding nicht so leicht zumachen; ihr Bestreben ist, Revanche für das Kreismeisterschaftssp.el zu nehmen. Dos Spiel findet um lfl.SO Uhr auf dem Sportplatz Katzbach- st r a ß e statt. Um 18.15 Uhr spielt die Jugend von Süden gegeij F.T.G.B. Osten 1. Jugend._ Man balgt sich um Schmeling Jeder will verdienen Von Schmelings„Pressechef" ist folgendes Telegramm in Berlin eingetroffen:„Artur B ü l o w(Schmelings früherer Menager! Red.) macht große Schwierigkeiten. Kam heute uner- wartet nach hier mit feinem Rechtsanwalt Eofadaris. wollte Schine. ling Gerichtsbeschlüsse aushändigen und die ganze heikle geschäftliche Loge besprechen. Jacobs verweigerte Bülow und Rechtsanwalt Zu- tritt zum Trainingscamp, da Auseinandersetzung acht Tage vor Fight unmöglich wegen Gefährdung Schmelings. Jacobs erklärt sich zur Aussprache noch Kampf bereit. Bülow droht mit gcricht- lichcn Maßnohmen. Einwand« rungskmunissar fahndet nach Bülow, da dessen Aufenthaltssrist schon lange überschritten. Bülow�wurde Ausrcisebesehl hier zugestellt. Schmeling nahe Hochform. Sparrte heute acht Runden mit Jack Show und Frankie Bush und knockte Eharlie Lackner und den itcckienischen Riesen Umberto Torania» aus. Max wiegt 187 englische Pfunds sieht dem großen Kampf sehr zuversichtlich entgegen." Zu dieser Kabelmeldung bemerkt die Sportkorrespondcnz Koves: Wenn Bülow den jetzigen Zeitpunkt zu einer persönlichen Aus- spräche mit Schmeling gewählt hat, so wird er seine guten Gründe dafür gehabt haben. Aim sind aus gerichtlichem Wege verschieoene Anteile aus Schmelings früheren Einnahmen zu- gesprochen worden, die er bisher trotz aller Mahnungen noch nicht erhalten konnte. Zu einer josortigen Aussprache hätte sich zumindest Jacobs> bereit erklären können, der ja nur die Früchte erntet, die Bülow gesät. Daß die Clique um Schmeling das größte Interesse daran hat. daß Bülow des Lande» verwiesen wird, ist leicht erklärlich. Aber sie werden damit kaum eher Glück Haben, bis Schmeling seinen Verpflichtungen gegenüber seinem Entdecker nachgekommen ist. Adolt Wiegert gestorben Der ehemalige deutsche Boxmeister Adolf©leger t ist am Mittwoch mittag im Auguste-Diktoria-Krankenhaus zu S-Häneberg nach langem Krankenlager einem qualvollen Darmleiden erlegen. Mit Wicgert. der erst im 8b. Lebensjahre stand, ist einer der Pioniere unseres Boxsports dahingegangen. Sein« Ausbildung im Faustkampf erhielt er in Gemeinschaft mit Prenzel und Breiten- sträter in englischer Gefangenschast. Unvergeßlich sind noch heute seine grandiosen Meisterschastskämpfe mit R. Raujok», Prenzel. Du- bois, und H. Domgörgen. Erst als Prenzel 1924 vom Schauplatz seiner großen Taten abtrat, konnte sich Wiegert endlich mit dem blauen* Gürtel schmücken. Er hatte Mielenz in der 9. Runde k. o. oeschlagen, mußte aber schon ein halbes Jahr später einem Besseren weichen, nämlich Hein Domgörgen, der noch heute auf einsamer Höhe steht._ Ringen um die Gmppenmeisterschaft Die ersten Vorrunden im Ringen um die Gruppen- Meisterschaften der bundestreuen Arbeiterathleten (Gruppe Ostdeutschland) sind beendet. Am 4. Mai kämpfte der Sportklub Luckenwalde, der Kreismcister des 4. Kreises, gegen Scnstenberg II, Krcismeister des S.Kreises, in Scnftenberg. Das Resultat war 9: 5 für Luckenwalde. Im zweiten Kamps standen sich Stettin- Stolzenhagen und AU-Kömgsberg in Königsberg am U. Mai gegenüber. Aus diesem harten Ringen der beiden stärksten Mannschaften ging Stolzenberg mit W/i: III* Punkten als Sieger hervor. Am 18. Mai rang Langenbilau(Meister des I. Kreises) in Luckenwalde gegen den Meister des Kreises Berlin und Brandenburg(Luckenwalde) und verlok mit 12: 16. Somit sind Langen- bilau, Senstcnberg II und Königsberg ausgeschieden. Der Sieger der letzten Runde ringt im Schlußkampf am 1. Psingstsciertog in Berlin gegen Stolzenhagen um die ,Gnippemneisterschaft. WeefäJM- iM Der Touristen verein„Die Naturfreunde", Reisebüro, veröffent- licht im folgenden sein« Fericnsahrten für Juni und Juli dieses Lahres: Ja die Sohe Tatra caaraatlnagediets 21. Juni bis S. Juli. Viewimtäaisc mittluc dochlsur für rttstiac Wandcru. Ucdcr Breala», Odcrbcrg, Sillina nach Tsorba. Csarbocr Dcc, Mccraugspiac<2Mg Mctcr), Ärivan. MInnicatal,-Tchiricr- wailcrfall. Osterva. Uebcr Wcslcrheim.cum Schlcsicrbaus am itelirrscc. Vulm- fchcr Kamm,«leine Sinfofo, Warze. Kubchen,«roftes«oblbachtal.«ammchen (2452 Meter), Schlaeenbarfcr epifce(2453 Meter),«letncs«oblbachtal, Zttnf Sun, Tcrn.SSiutcbans. Lomnitccr Spitze(2634 Meier), Tatra-Lomnitz. Mal- larenau. Grtlner See. Weißer See, Lptrubo-HUtt».«opapaß. Stirnbua, Köhlen, Hain,«esmark(Besichti-iunq). Tobschauer Eishöhle. Poprod Durch tan Schwor, wald»um Badeale«. 28. Juni bi» 13. Juli. Ueber grankiurt nach Heidelberg. Stadt und Schloß. Uebcr Spiclberg-Schöllbronn zum Moosbrunner ZIaturfieundthau». Saggenau, R-uhminzach, Echm-arzcnbach- Talsperre, Kerrenmicscr See. Badcncr Höhe. Korniegrindc. Mummclskc, Dild. sc«. Nalur'rcundehaus Kniebis. Glaswaldsec, Rimbachtal, Frcudenstadt, Tri. beiger WafferiüUe, Raturfrcundehaus Kiiferhäusie. Fnriwangrn, Brcnd. Kalte Herdcrg», Turner. Breitaauer Raturfreundehaus. Rovennafchluch! Höllental, Fetdberg, getdsec. Titisee, Schluchsee. St.»lasten, Waldsbut. Rheinsall bei schaffhausea, Aatursrcundrbau» Markelsingrn am»odenscc. Konstanz. Ucbrr den»odensec noch Meerabura, sZricdrichshase». bo'"--dböhmtsche Mittelgebirge,«. bi» ,Z. Juli. Fahr, bi» Schandan. Mit dem Elbdampkcr nach Tetschen. Rasentamm. Rosenberg Meter) Rieder-Windisch, Kamnitz,»onlinental, Kbeuzbcra(Raturfrcundehaus). Siennersdorf,»alzhiit'e, Obertreibitz. Tannenbcrg. Tollenstein Lausche. Kronenbach. Hochwald Tcutsch.Cabcl, Bahnfahrt nach) Rieme». Bollberg Wa>- tcnbcrg, Ieschtenlonpc(lMll Meter). Kammwandcrung nach Pankratz Spittel. grund. Grotla», Zittau. Insel Boraholm und Kopenhagen. l2. bis 27. Juli. Berlin Saßnitz. Tampferkahrt nach»ornholm.«»»llvae vom Slandqnarncr in Rönne naili Almindingen, ins Eöiotal. zum Ritterkneckrt(höchster Berg Bornbolmol. nach Reiö, Spanccke. zu den Randskllppcn. nach lbudiem, Helligdommen(Z'ooisrund. fahrt). Iohns-Kapell und glnnedolen, zur Ruine Lammerhus und zu den Lömentöpfcn(Dootsrundkahrt). Beßchtigung einer Nnndtlrche. Sommernachl- fahrt nach Kopenhagen, Ausflug nach Klampenborg, Tiergarten. AutoeunMahrl Sonntag. 27. Juli. Dampferfahrt Kopenhagen— Taßnitz. Rllchtchr na» Beelin. Näheres durch das Reisebüro des Touristenvereins„Die Natur- freunde", Berlin N. 24, Iohanniestr. 15. Geschäftszeit Montag bis Freitag 9 bis 19 Uhr, Sonnabend 9 bis 13 Uhr. Das Reisebüro bittet Auskunftsuchende, möglichst die Abendstunden(nach 19 Uhr, Eingang durch den Hausflur) zu benutzen. Nädiste Wochenendfahrten In den Oberspreewald vom 5. bis b. Juli und 9. bis 10. August, serner Sonntagsfahrt in den Oberspreewald an, 20. Juli. Nach Fürstc�berg, Woblitzkanal. Lychen geht es am 13. Juli, durch die Ruppmer Schweiz am 27. Juki, nach Kloster Chorin am 17. August, zur Heideblüte in den Fläming am 30. und. 31. August, noch Dessau und den Wörlitzer Park am gleichen Tage. Eine Städte- fahrt führt nach Brandenburg a. d. Havel am 14. September, ferner noch Frankfurt a. d. Oder am 12. Oktober, zur Hygicneauestellung noch Dresden am 80. Juni und 1. Juli. Alles Nähere ist aus dem Sonderprospekt ersichtlich, der auf Wunsch durch das Reise- büro des Touristenvereins„Die Naturfreunde",' Berlin N. 24, Iohonnisstr. 15, zugesandt wird.(Rückporto erbeten.) Ein deutsch-belgischer Boxabend findet am Donnerstag, 12. Juni, im Garten der Berliner Bockbrauerei statt. Ans deutscher Seite tänipfen Franz Dübbers, Paul Roack, Harri? Stein und Philipp Neszger._ Kartelltazirt Rllmcr»dors. Samarilerkursa» Toaaerslaq Volksschule Kieseler. ftraß». Eporllcrl Unlcrstlltzt die Brdeilcrsaniarilcr, fordert Somariier recht» zeitig zu euren V«ra»sml!un«n l Kmnuostittvrsu» der ssrducn und Jung- mödchen jetzt Dienotaq» 20—22 Uhr Schule Babelsberger Straße. Die Fußboil- ableilung der iZTW. uüterhölt jetzt au» wieder guqcndmannschoficn? Meldungen brcitag» bei Wolter, Westfälische Str.«ä. Anmeldungen silr die Kinder-, Turn- und Handballabtetlung Diens'ag» ab l» Uhr Etädt� Spielplatz am gthrbellincr Platz. Motor- und Rennfahrer von„Solidarität" lagen Mitwochs dei Lau. Schramm. Este Sildegardstraße.- R>ider,«-«in„Eollcgla". Tonnerstag. s. Juni, im Bvolshau»! Vorstand»- sttzung.— Freitag, 0. Juni, bei Tbunaki Bereinoueriammlunq. Freie Kann-Union«. V. Kroh-Berlin.«bt, vbertpre«. Sitzung: Freitag. «. stuni, 20 Uhr,„Zur Elche". Neukölln, Kalscr.Friedrlch. Ecke Saaleslraße. Käste willkommen. Mitglieder werde» ausgenommen. Touristen«»»«»„Die«atnrsreuata". Pd«t»»t«atarg. J. Fnßballobtcilung. Erossen.Fahrer! Ta« Fahrgeld s«.20 M.) muß b>, Freitag,«. Juni, im Berein-Ioial Rormonucnstr. 13. de zahlt sein. Paulchen als Alterssportler Wenn die Jungs und Mädels Murmel und Triesel vorsuchen, die Laubenkolonisten Bretter, Nägel und Dachpappe kaufen, um sich als Baumeister zu produzieren und die Wasserfahrer(ich mein« die Ruderer. Paddler und Segler, nicht die Sprengwagentutscherl) niit Pinsel und Lock hantieren, dann ist der Frühling da. Und dann erwacht auch der richtig« Sport, denn nn Winter ist ja doch alles nur Ersatz. Daß ich ein alter Ruderknab« bin, dürste ja bekannt sein. Aber wenn man älter wird... so über die Bicrzig rum, nimmt auch der Leibesumfang zu, und beim Treppensteigen jällt einem der Kalk von den Arterieg. Also beschloß ich, den Winter über zu turnen und wurde„A l t e r s t u r ne r Im Bereinszimmer thronte oben, dicht unter der Deck«, Vater Jahn in Gips und sah auf seine Jünger herab, darunter die Abzeichen des Arbeiter-Turn- und Sportbunde». Den ollen Jahn hatte ein bürgerlicher Verein vergessen: an den Wänden vergilbte Schleifen und vertrocknete Lorbeerkränze, die vom früheren Ruhm des Vereins beredtes Zeugnis ablegten. Ich war also in richtigen Händen! Am nächsten Tag« ging's in die Turn- hall«. Zuerst wurde Dauerlauf geübt. Donnerwetter, das muß ich sckgen, mein altes Herz kam noch mal in Wallung, und eine Staubwolke gab's, und kein Sprengwagen. Kniebeuge wurde dann geübt. Ordentlich knacken hört« man überoll die alten Knochen. Dann konnte jeder noch eigener Herzenslust üben. Die einen stürzten an die Reck», um e» mit der Bauchwell« zu versuchen in der Meinung, dabei zuerst den ollen„Spitzkühler" los zu werden, während die anderen zu den Kletterstangen liefen. Das sah fürchterlich au», wie die Dicken da an den hohen Stangen baumelten und vergebens ver- suchten, in die Höhe zu kommen. Einem platzt« die Hose, dem einen riß da» Gummiband, so daß er die Hose verlor und beinahe... na, man weiß ja! Glücklicherweise waren wir ganz unter uns. Nach- dem wir uns so an die zwei Stunden redlich abgerackert hatten. ging's zurück ins Beveinslokal. Und da schmeckte das Weißbier noch e fsimal so gut. Je mehr wir nämlich turnten, desto mehr Durst be- kamen wir, und das mußte natürlich wieder wettgemacht werden. Mit Weißbier ist aber nicht zu spaßen, und so konnte ich einen Unter- ichied an meinem Leibesumfang nach einem halben Jahr nicht sest- stellen. Was hatte ich min van der„Allersturnerei"? Ich Versuchs nochmal mit Rudern! Glücklicherweise war ja nun der Winter vorbei. Ueberhaupt, um auf die Rudere! zurückzukommen, Durst gibt es ja dabei auch. aber wenigstens staubt es aus dem Wasser nicht. Man soll ober nicht über ander« spotten, wenn man selber vom Unglück verfolgt wird. Rudern wir da neulich die Strecke Bindow— Prieros. Der Wind hatte ausgedreht, und wozu rudern, wenn man mit dem Treibersegel auch fahren kann. Also wollten wir segeln, so als„Altersruderer'. Der Mast wurde mitten während der Fahrt gesetzt, und auch das kleine Segel sollt« hächgezogen werden. Mittlerweile hatte der Wind aber derart zugenommen, daß wir auch nur mit dem Mast als Wüidfang schnell genug vorwärts kamen. Ahnungslos plaudernd, glitten wir dahin. Zuweilen sah man einen Enterich und ein« Ente im Wasser verschwinden. Nichts störte die Ruhe. plötzlich gab's einen gewaltigen Krach. Kein Mensch hatte mehr an den Mast gedacht, und mit voller Wucht sausten wir gegen die niedrige Klapp- brücke in Bindow. Dann gah's einen zweiten Krach, nämlich zwischen der Mannschaft und dem Steuermann, die sich gegenseitig die Schuld zuschoben. Glück hatten wir aber trotzdem, denn als wir am Ufer unser Boot untersuchten, war nur der Mast gebrochen. Im Bootshause wurden wir lange deswegen verkohlt, so ein Mast sei doch kein Blitzableiter!... Mit Autofahren is ooch nischt! Wir verlassen nunmehr diesen Alterssport und wenden uns dem gegenwärtig volkstümlichsten Sport, dem A u t o s p o r t, zu. Daß ich vor«inigen Jahren Autofahren gelernt habe, setze ich als bekannt voraus. Ich Hab« da allerhand gelernt, aber noch viel mehr vergessen. Jetzt kann ich zum Beispiel einen Vierzylinder van einem Spirituskocher und einen Sechszylinder von einem Hutladen unter- scheiden. Auch meinem Freunde geht's nicht bester. Zum Autokauf langte«s aber immer noch nicht. Deshalb liehen wir uns eine solche Flohkiste und machten damit eine Osterfahrt. Und von dieser will ich jetzt erzählen. Zuerst fuhr mein Freund. Der Motor sprang auch scltsamerweise nach einigem Zureden gleich an, und wir wollten den Hof verlassen. Aber zuerst fuhren wir gegen, den Prellbock, der die Einfassung zur Aussohrt schützen soll. Unter fortwährendem Hupen ging's dann durch den Hausflur. Als auf der Straß« gerade mehrere Autos vorbeifuhren, blieb meinem Freunde vor Schreck die Spucke oder dem Motor sonst was weg, jedenfalls: die Karr« blieb plätzlich stehen. Die Borderräder standen auf dem Fohrdamm, während die Hinterräder sich noch auf dem Bürgersteig befanden. Schön« Situation. Aber nach einem Weilchen hatten wir den Bogen raus, und die Fahrt ging weiter. Mit einem Wupp um den Belle-Alliance-Platz und um Haaresbreite auf die dort befindliche Schutzinsel. Unter fortgesetztem Hupen bei sust menschenleeren Straßen ging's dann ohne Unfall weiter. So, wie er es gelernt hatte, nahm er an jeder Eck« das Gas weg. kuppelte an«, um dann jedesmal nach Passieren der Kreuzung mit einem Ruck Vollgas zu geben. Das hatte er aber nicht gelernt, das ist bloß so cine schlechte Angewohnheit von meinem Freund, bcr sehr temperamentvoll ist. Natürlich ruckt« der Wagen dann tüchtig an, so daß wir immer!n die Polster zurückschnellten. Sehr angenehm auf die Dauer; ich war einer Gehirnerschütterung nal>e. Am Aleranderplatz sagte er zu mir: „So, jetzt fahre du." Schließlich ist ja auch kein Mei'ter vom Himmel gefallen. Jetzt waren wir kurz vor Weißensce. Einer Frau, die um II Uhr vormittags träumend über die leere Sicahe geht und weder auf den Weg noch aus das Signal achtel, ruf« ist icherzeshalber „Guten Morgen" zu und erhalte als Antwort:„Seh' dir doch vor, oller Dussel." Darauf wir ich nicht gefaßt. Dann mußten wir tanken. Zwei Jungs, so etwa zwöisjührig, stellen an der Bordschwell« und mustern sachverständig jedes vorübeifohrendes Motorrad. „Mensch", schreit plötzlich der«ine,„du hast ja'n poröse» Keks, det Hörste doch an'n Auepuff, dei det cen« Jndian und keen« Harley is." Wir waren platt vor soviel„Kindermund" D�n» ging's weiter nach Freienwalde, und um den Weg abzukürzen, runter von der Ehaussce und mitten durch den schönen Wald. Ansänge ging alles ganz gut. Plötzlich wird der Weg abwechselnd sandig und dann wieder matschig, bis wir kurz vor dem Dorf Biesenthal bei Wriezen im Modder stecken blieben. Auch nachdem drei von den vier J»> fassen ausgebootet waren, ging der Wagen weder rück- noch vor- wärt«, er steckte bis an die Achsen im Dreck. Dos war für die Därsler«in gefundene» Freisen, und bald war da» ganze Dorf versammelt, die nun ihren Spaß an uzrserem Pech hatten. Erst ein dicker Ackergaul zog uns mit 1 BZ wieder aus dem Dreck. Biel hätte nicht gejehlt und der ganze Dorn, wo da» Reserverad drausjitzt und an den wir die Kette vom Pferd gelegt hatten, wäre abgerissen. Daß der Verleiher für den oerdreckten Wagen, von dem noch einiger Lack abgeschrammt war. eine anständig«„Leihgebühr verlangt«, sei nur nebei erwähnt. Es hat eben jeder Sport so seine angenehmen Schattenseite»! Euer P a u l ch e n. H- töeftMfis-Jtnjeiger �=> (Qeziwk Jlorden- Cften. 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