BERLIN Zreitag 6. Zum 1930 10 Pf. Nr. 261 B 130 47. Lahrgang SHSääS StutfauMaße Ja J/bwifti* sqwntiioyiirrv AMS6 pvvrwwm Man verhandelt wieber! Unternehmer und Gewerkschasten.— Auf keinen Kall Arbeitsgemeinfchast. Gegen den Stroßenierror. Zustizminister(Schmidt verlangt rasche Aburteilung. Die Verhandlungen zwischen den verkrelern der Arbeii' geberverbände und den Gewerkschaften über die lieber- Windung der Wirtschaftskrise sind heule vormittag 11 Uhr wieder aufgenommen worden. Die Wiederaufnahme ist die Aolge einer neuen Einladung, die die Unternehmer gestern in den späten Abendstunden an die Gewerkschaften gerichtet hakten. «« » Zur Zurückweisung unwahrer Behauptungen in der Tagespreise über B erHandlungen zwischen Unternehmer- und Gcwerkschastsver- tretern hinsichtlich gemeinsamer Ueber Windung der gegenwärtigen Wirtschaftsnot ging der(Sewcrkschostspresie vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gcwerkschostsbundes folgende Darstellung zu: In den letzten Wochen haben zwischen einer Gruppe von Unter- nchmern und Vertretern der Spitzenorganisationen der Gewcrk- schaiten vertrauliche Besprechungen stattgefunden, über die in der bürgerlichen Presse o ne große Anzahl von irreführenden und tcn- dcnziösen Berichten veröffentlicht worden sind. Unter den Ucber- schritten„Wieder Arbeitsgemeinschaft?"—„Eine Arbeitsgemeinschaft zur Wirtschaftsbelebung"—„Die Idee einer neuen Arbetts- gcmeinfchaist—„Gemeinschaftliche Arbeit der Wirtschastsverböndc" oder gar„Hindenburg für Lohnabbau"— sind diese durchaus un- verbindlichen Beratungen in den ersten Schritt zum Aufbau einer neuen Arbeitsgemeinschaft umgesälschi worden. Der Gedanke einer Arbeitsgemeinschaft ist bei diesen VerHand. lungen von beiden Seilen von vornherein ausgeschlossen worden. Di« freien Gewerkschaften würden sich, wenn von irgendeiner Seite dieser Gedanke ihnen nahegelegt würde, unter keinen Umständen darauf einlassen, diese längst der Vergangenheit an- gehörige Institution wieder zu beleben. Der Grund für dies« ad- lehnende Haltung liegt auf der.Hand. Sie haben es nicht nötig, nnt diesen unzulänglichen Mitteln sich ihren Einfluß aus die Wirtschafts- gestoftung zu sichern. Genau so abwegig wie die Behauptung, daß die Frag« der Arbeitsgemeinschaft bei diesen Beratungen eine Rolle gespielt habe. ist eine ander« in der bürgerlichen Presse vielfach wiederkehrende Meinung, daß der Oeynhouser Schiedsspruch, der ein Opser der Unternehmer uttd der Arbeiterschaft in der Eisenindustrie zur Er- möglichung einer Kosten- und Preissenkung vorsehe, der praktische Ausgangspunkt dieser Beratungen gewesen sei. Von dem Oeynhouser Schiedsspruch ist In den gepflogenen Verhandlungen überhaupt nicht gesprochen worden. Es kam zu den Verhandlungen auf Initiative einer Gruppe von Unternehmern, die angesichts der anHallen- den Wirtschaftskrise und der überaus schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt anregten, in gem«insamen Besprechungen«inen Weg zu suchen, der einerseits die ausreichende Versorgung der Arbeitslosen eindeutig sicherstellte, anderseits durch Ucberwindung der Der- trauenskrise zu einer Anturbelimg der Wirtschast fuhren könne. Die Vertreter der Unternehmer bekannten sich zu dem Gedanken, daß oer Fehlbetrag der Arbeitslosenversicherung gedeckt werden müsse, und zwar dachten sie daran, daß die Angestellten der Wirt- schaft, und zwar auch die leitenden Angestellten bis hin zu den Generaldirektoren, für dos lausende Etatjahr von ihrem nicht versicherungspflichtigen Arbeitseinkommen einen Bei- trag bis zur Höhe von VA Pr oz. zahlen sollten. Di« Gewerkschasten vertraten demgegenüber die Aussassung, daß dieser Hilssbettrag sich nicht nur. auf die Angestellten der Wirtschaft be- schränken dürfe, daß vielmehr alle von der Arbeitslosenversicherung nicht erfaßten Berusskreise diesen Veitrag leisten sollten. Sie waren der Meinung, daß dieses allgemeine Notopfer der von der Arbeits- lostgtett nicht betroffenen und in gesicherter Existenz befindlichen Schichten einen ersten und wirksamen Schritt zur Sanierung der Reichsfinanzen bedeuten würde. Di« Sanierung der Reichsfinai�en erschien ihnen aber als eine unausweichliche Vorbedingung für die Besserung der Wirtschaftslage. �Fortsetzung auf der 2. Seite.) Der preußisch« Iustizminister Dr. Schmidt nimmt als erster in einem sehr bemerkenswerten Erlaß zur Bekämpfung des Straßen- terrors Stellung. Im heutigen Iustizministerialblatt werden alle Staatsanwälte angewiesen, die sich häufenden Persahren wegen politischer Rowdytoten, Totschlag, Rowdyhandel, Land- friedensbruchs beschleunigt durchzuführen. Der Justiz- minister stellt die Tatsache sest, daß diese Zusammenstöße der Kamps- organisationen der radikalen politischen Parteien eine dringende Rot- wendigkeit.zum Schutze der Allgemeinheit gezeigt hoben. Dieser Schuß der Allgemeinheit kann nur gewährleistek werden. wenn die Strafe aus dem Fuße folgt. Darum verlangt der Iustizminister schnelle Durchführung oller Verfahren. Staatsanwälte sollen sich selbst um die einzelnen Persahren bekümmern und, weyn notwendig. Vernehmungen vornehmen. Jedes derartig« Perfohren soll höchstens zwei Wochen für die Die wochenlangen Derhandlungen des Reichskobinetts über die Sanierung der Arbeitslosenversicherung, die Deckung der Fehl- betröge im Reichshaushalt und über Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft sind gestern zu einem tcilweisen Abschluß gebracht worden, lieber ihr Ergebnis ist die Oessentlichkeit durch einen ungewöhnlich langen amtlichen Bericht unterrichtet worden. Aber da dieser Bericht zum größten Teil allgemeine Bemerkungen enthält und nur zum kleinen Teil konkrete Totsachen mitteilt, so ist es nicht gerode leicht, daraus fachlich zutreffende Schlußfolgerungen über die Wirkung der von der Regierung beabsichtigten Maßnahmen zu treffen. Klar und eindeutig sind lediglich die Absichten der Regierung gegenüber der Sozialpolitik. Die Arbeitslosenversicherung soll„in weitgehender Anlehnung an die Beschlüsse des Vorstandes der Reichsanstalt der Arbeitslosenversicherung" neugeregelt werden. Die Regierung will also den Abbau der Leistungen, der vom Vorstand der Reichsarqtalt gegen die Stimmen der freien Gewerkschaften de- schlössen worden sst, vor dem Reichstag vertreten. Sie oerlangt außerdem aber die Heraussetzung d er Beiträge von auf AA Prvz. Beides. Abbau der Leistungen und Erhöhung der Beiträge, soll bis zum 31. März 1931 befristet werden. Die Reiche» regicrung begnügt sich aber nicht mit dem Abbau der Leistungen der Arbeitslosenversicherlmg, sie plant auch ein«„Reform" der Kronkenversicherung. Räch früheren Mitteilungen der Reichsregierung soll diese Reform der Krankenversicherung nicht etwa dazu dienen, die gewaltige Zersplitterung im Kronkenkassen- wesen zu beseitigen, sondern sie soll die L e i st u n g e n für die Kranken«inschränken. Ob ein entsprechender Gesetzentwurf dem Reichstag noch vor der Sommerpaus« zugehen wird, ist der amtlichen Mitteilung nicht zu entnehmen. Tie Deckung per Fehlbeträge im Reftchshaushalt soll durch Mahnahmen zu erreichen gesucht werden, bei denen das Notopfer für Fe st besoldete im öffentlichen Dienst und in der Privatwirtschaft, dos die Regierung„vorübergehende Reichs- Hilfe" nennt, im Vordergrunde steht. Wenn die Regierung ferner mitteilt, daß das Gesetz auch einen„Beitrag aus den Tantiemen der Aussichtsräte" vorsieht, so wird man schon durch diese vorsichtige Formulierung daraus gestoßen, daß diese Belastung der Aussichtsratstanttemen wohl sehr geringfügig ausfallen Anklage brauchen, die Houptocrhandlung soll späte st«ns nach vier Wochen durchgeführt werden. In ollen Fällen, wo dos nicht geschieht, ist an den Iustizminister Be- r i 6) t zu erstatten, und die Hindcrungsgründe sind in diesem Bericht anzuführen. Zur die Verhandlung»erlangt der Iustizminister energische» Austreten der Staatsanwälte und eine mit Nachdruck zu fordernde angemessene Sühne. Die Dollstreckung soll in allen diesen Fällen schnellstens erfolgen. Sollte dos vorhandene Personal in der Durchführung dieser Aufgaben nicht ausreichen, so sind besondere Hilfskräfte anzufordern. Die Dnrstondsbeomten der Staaisanuxtltschoftcn werden daraus hingewiesen, daß sie auf energischste Durchführung dieses Erlasses besonders zu achten hoben. dürfte. Schließlich wird auch ein Sonderbeitrag in Höh« von 10 Proz. der Einkommensteuer der Ledigen erwähnt, dessen Beurteilung davon abhängt, von welcher Einkommensgrenze an dieser Zuschlag zur Einkommensteuer erhoben werden soll und was man unter„Ledig" zu verstehen hat. Außerdem soll die Kontingentierungssrist für die Zigarettenindu-' st r i e bis zum 1. April 1932 verlängert werden und damit eine Kürzung der Steuerfristen eintreten. Zusammen mit Ersparnissen im Haushalt 1930 soll auf diesen Wegen eine volle Deckung des Haushalts gefunden werden. Irgendwelche zichlenmästigen Angäbe« für die Be- Häuptling, daß auf diesem Wege eine volle Deckung der Haushaltsfehlbeträge geschaffen werde, werden nicht gemacht. Daher läßt sich auch nicht beurteilen, ob diese Behauptung der Re- gierung zutrifft und wie sie verwirklicht werden soll. Ist die An- gäbe der Regierung über die Deckung der Fehlbeträge richtig, dann ichileßt sie die Absicht ein, durch Notopfer der Festbesoi« beten einschließlich der Ledigensteuer den gewal» tigen Ertrag von rd. 400 Millionen Mark für die restlichen 9 Monate des Etatjahres 1930 aufzu- bringen. Das bedeutet aber, daß das sogenannte Notopscr ebenso wie de Ledigensteuer von ollen bisher Lohn st euer- Pflichtigen erhoben werden muß, daß keinerlei Freigrenze für die unteren Gruppen vorgesehen ist, und daß die Abgabe selbst sehr hoch sein muß. Selbst dann aber, wenn die Fehlbeträge durch so hart« Mittel eingetrieben wurden, könnt« man immer noch daran zweifeln, ob der Reichshoushalt mm völlig ausgeglichen ist. Auf jeden Fall zeigt bereits eine kritische Betrachtung dieser Maßnohmen der Reichsregierung, daß alle sozialen Erwägungen in de» Hintergrund getreten sind und daß man aus Sorge, man könne die Leistungsfähigen anpacken, nicht davor zurückgeschreckt ist, zu einer steuerlichen Maßnahme tat der Ledigensteuer zu greifen, deren Sinn- und Zweckwidrig- keit bislang so allgemein anerkannt wurde, daß nie jemand gewagt hat, sie ernsthaft in Dorschlag zu bringen. Aber warum soll eine Regierung, die bereits bei der Großladensteuer den Strasgedanksn in die Steuerpolitik eingeführt hat, nun niefg auch aus anderen Steuergebieten ähnlichen Unsinn vorschlagen? Moldenhauers Patentlösung. Wo bleibt der Reweis für die Deckung? Stegerwalds Vorschläge. 850 Millionen für die Arbeitslosenversicherung. Man verhandelt wieder. �Fortsetzung von der 1. Seite.) otm Unternehmerseite wunde darüber hinaus angeregt, die Ur- jachen der Arbeitslosigkeit in den Kreis der Beratungen vinzub«- ziehen. Dabei war man sich auf beiden Seiten darüber k'a". dasi die Wir'fchaft unter allen Urnständen zu einer Senkung des Preisniveaus lammen müsse. Zur Debatte stand also eine Senkung der Produktionskosten zur Belebung des Absatzes. Gegenüber der von de» Unternehmern vertretenen Anschauung, daß die Senkung der Preise auch eine Anpassung der Löhne einschließen müsse, vertraten die Gewerkschaften die Ausfassung, daß insbesondere der viel zu hohen Preisspanne im Handel und den ü b e r st e i g e r- ten Kartellpreisen energisch entgegengetreten werden müsse. und daß unter keinen Umständen der Senkung der Ge- stehungskosten eine Schwächung der Kaufkraft der arbeilen- den Bevölkerung parallel gehen dürfe, daß vielmehr /hie Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung in der Folge gehoben werden müsse. da andernfalls die wirtschaftliche Situation genau dieselbe sein würde wie vorher. Ein« Untersuchung der Ursachen der Arbeitslosigkeit und eine Prüfung der Wege, die aus der jetzigen Situation hinaus- führen, halten auch sie für wünschenswert. Im Laufe der Besprechungen wurde es von beiden Seiten, für den Fall, daß es gelänge, eine gemeinsame Formel zu finden, für zweckmäßig gehalten, daß der Erfolg der Aktion in der Autoritär des Reichspräsidenten eine Stütze fände. Die gemeinsame Formel müßte selbstverständlich dem von den Gewerkschaften vertretenen Standpunkt eindeutig Rechnung tragen. Eine Einigung ist bisher nicht zustande gekom- m e n, da aus der gemeinsamen Ausschußsitzung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und der Vereinigung der deutschen Arbeit- gederoerbände, die am 3. Juni abgehalten worden ist, eine Einigung der Unternehmer nicht erzielt werden konnte. Jnsolgedesien wurde auch davon Abstand genommen, sich an den Reichspräsidenten zu wenden. Ob und warm die Verhandlungen wieder ausgenommen werden, ist im Augenblick nicht zu übersehen. » Soweit die Darstellung des Lorstandes des ADGB. Sie schafft gegenüber der P a n i k m a ch e, die von Kommunisten und National- sozialisten betrieben wird, beruhigende Aufklärung. Inzwischen sind, wie schon berichtet, auf Wunsch der Gegenseite die Verhand- lungen wieder ausgenommen worden. Frick erhält kein Geld. Oie Polizeizuschüsse endgültig gesperrt. Bon zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Das Thüringische Staatsministerium hat mitgeteilt, daß es sich nicht entschließen konnte, den Wünschen des Reichsministeriums hinsichtlich der De- setzung der Polizeistellen zu entsprechen. Mithin sind die Voraussetzungen für die Gewährung der Reichs- .Zuschüsse fortgefallen. Der Reichsminister hat angeordnet, baft weiter nichts gezahlt wird. Eine diesbezügliche Mitteilung ist Thüringen zugegangen. Nach einer genauen Berechnung hat Thürirrgen gegenwärtig nur noch kl! 000 Mk. Vorschüsse. Die Vorschüsic immer am 26. jeden Monats überwiesen. Blutiger ltebersall der Nazis. Wie lange soll das Rowdytum sich noch austoben? Braunschweig. 6. Juni.(Eigenbericht.) In einer in Wolsenbüttel am Donnerstag abgehaltenen öffentlichen Volksversammlung provozierten ortsfremde Hakenkreuzler während des Schlußwortes des Referenten, Redakteur Bartels-Braunschweig, eine wüst« Schlägerei. Schlag- ringe, Stuhlbeine und Bierseidel dienten als Waffe. Der Sport- abteilung des Reichsbanners Braunschweig gelang es, die schwarz- weißroten Rowdys, noch bevor die Polizei eintraf, auf die Straß« zu setzen. Acht Reichsbannerleute wurden zum Teil schwer verletzt. Wie groß die Zahl der Verwundeten auf der Seite der Nationalsozialisten war, tonnte nicht festg:stellt werden. Nach dem Eintreffen der Polizei wurden sechs Nationalsozialisten ver- hastet. Wie wir erfahren, zählen die Na z i s vier Schwerverletzt«: einen großen Teil ihrer Verwundeten hoben beiseiteschaffen können. Hauptsächlich handelt« es sich um aus Hannover, Braun- schweig und anderen Orten herbeigeeilte Anhänger. Ein Reichs- bannermann erlitt vor Aufregung einen Herzschlag. Er hinterläßt neun Kinder. Die Vorgänge haben in der Arbeiterschaft eine große Erregung ausgelöst. Oer Kall Groener. Genosse Künstler weist falsche Behauptungen zurück. Das Reichswehrminifternim erklärt, daß der Abbruch der Be- Ziehungen de, Reichswehrmimsters zu dem sozialdemokratischen Reichstagsobgeordneten Künstler nicht auf seine Kritik an den Beziehungen der Reichswehr zur sowjetrussischen Armee zurück- zuführen sei. Der Grund für das Borgehen des Reichswehrministers sei vielmehr in dem Verhalten Künstlers anläßlich der Kieler M u n i t i o n s a n g« l« g e n h e i t gegenüber dem Ministerium zu suchen. Damals Hab« Künstler Angaben weitergegeben, de ihm nur auf vertraulichem Wege zugegangen seien ur.d die er nicht hätte verösscntlichen dürscii. Der Abgeordnet« Künstler erklärt hierzu, daß er sich n i e m a l s eines V e rt r a u e n s b r u ch e s schuldig gemacht habe und d'e Behauptungen des Reichswchrministeriums deshalb nicht den Tatsachen entsprechen. Den Beweis dafür wird Künstler in der ihm geeignet erscheinenden Weise antreten. Der lt Jahre alte Schüler Willi Leuwarden aus der Elsas ser Straße, der seit gestern vermißt wurde, und von dein man annahm, daß er entführt worden sei, ist heute als Leiche aus de m�H umboldthasen gelandet worden. Das Kind ist wahrscheinlich beim Spielen verunglückt. Die Reichsregierung sieht vor, daß die Mittel beschafft werden müssen, im laufenden Haushaltsjahr für 1 600 000 Hauptunter. stützungsempfänger und 400 000 Krtsenfürjorgeberechtigte. Darüber hinaus beabsichtigt die Regierung durch«in Arbeitsbefchoffungs- programm, das über 2 Milliarden Mark erfordern würde, mehreren Hunderttausenden Arbeitern Beschäftigung zu geben. Für die Arbeitslosenversicherung fehlen insgesamt 850 Millio- nen bis zum 31. März 1931. Durch Erhöhung der Bei- träge um 1 Proz. sollen 220 Millionen eingehen, die Erspar- nisse an der Arbeitslosenversicherung sollen eine Minderau-gabe von 115 Millionen verursachen: das Notopser der Festbesoldeten in der öffentlichen und in der Privatwirtschaft der Ledigen und der Auffichtsräte soll 350 Millionen bringen: durch«inen Verkauf von Vorzugsaktien der Reichsbahn hofft man 100 Millio- nen zu erhalten, und weiter« 50 Millionen sollen schließlich herein- kommen durch ein« llmgruppierung der Zahlungstermine für die Zigaretten st euer. Außerdem hofft man Einsparungen im Reichshanshalt zu machen. Be! den Einsparungen in der Arbeitslosenversicherung soll die Karenzzeit für alle Ledig« künftig 14 Tage betragen: die besserbezohlten Arbeiter und Angestellten sollen um ein bis zwei Klassen bei den Bezügen herabgesetzt werden. Die Jugend. l i ch e n bis zu 16 Jahren sollen aus der ArbeUslosenversicherung gan,z herausgenommen werden, also auch keine Beiträg« .zahlen, die über 65 Jahre alten verbleiben jedoch in der Arbeits- losenvcrsicherung und sind auch weiter bezugsberechtigt: schließlich will man noch bei den verheirateten Frauen sparen. Die Vorschlag« der Reichsregieruncz unterscheiden sich also in einigen Punkten von denen des Vorstandes der Reichsanstalt. Ein« kritische Stellungnahm« wird man sich vorbehalten müsien bis zur Wie wir hören, beabsichtigt die kommunistische F ri e dri chst a d t- D ru ck e r ei, die mit zur Peuoag gehört, am heutigen Zahltag der Hälfte des Personals zu tun- digen. Diese Maßnahme wird von der Druckereileitung damit begründet, daß die„Welt am Abend" die Verträge mit der Geschäftsleitung gekündigt hätte. Künftig soll der Druck in einem anderen Betrieb, vermutlich bei der Firma Göring u. Reimers, hergestellt werden. Die geschäftsführende Leitung der„Welt am Abend"—„Berlin am Morgen"—„Arbeiter-Jlluftrierte-Zeitung" liegt in den Händen des kammunistischen Abgeordneten Willi Münzenberg. Es Llm den Schiedsspruch von Oeynhausen. BerbindlichkeitserNärung unwahrscheinlich. Der Reichsarbeilsminister hat bis seht den Schiedsspruch für die Schwerindustrie Nordwest noch nicht für verbindlich erklärt. wie wir erfahren, will der Reichsarbeitsminister nur dann den Schiedsspruch für verbindlich erklären, wenn er die Garantie hat. daß erheblich über den Lohnabbau hinaus die Eisenpreise gesenkt werden. Der Reichsarbeitsminister lehut es ab, den Schiedsspruch von Oeynhausen für verbindlich zu erklären, der wohl eine Senkung der Löhne enthält, bezüglich der Preise aber nur ein sehr vages versprechen der Unter- nehmer enthält, das die Eisenpreisc zu senken verspricht, aber auch nur in dem Ausmaße, in dem die Löhne gesenkt würden. Der Reichsarbeitsminister verhandelt gegenwärtig noch mit den Industriellen. E» ist sehr unwahrscheinlich, daß die Unter- nehmer dem Reichsarbeitsminister die verlangte Garantie geben werden. Es ist überhaupt unzulässig, daß man eine Gruppe herousgrelst, bei der man die Löhne senkt, ohne daß vor- her eine Senkung der Lebenshaltungskoslea eingetreten ist. Unter diesen Umständen ist die Berbindlichkcilserklärung des Schieds- spruchs von Oeynhausen sehr unwahrscheinlich. Wann, wo und warum— Hat Goebbels in einem belgischen Gefängnis gesessen? In der Beleidigungsklage, die der Reichspräsident gegen Dr. Goebbels angestrengt hatte, hielt der Berliner Naziführer«ine zweistündige Verteidigungsrelde. Wie der„Jirngdeuffche" feststellt, habe Dr. Goebbels feine Verteidigungsrede mit folgenden Worten geschlossen: „Ich glaube daran, daß der Tributplan zerbrochen und in Deutschland wieder einmal Geschichte gemacht wird. Ich habe für Hindenburo bereits damals während des Wahlkampses im Ge- sängnis gesessen. 3n einem belgischen Gefängnis wurde Ich vier- n Tage lang für hindenburg mit der Reitpeitsche traktiert. rch eine Verurteilung kann man mir meinen Glauben an Deutschlands Zukunst nicht nehmen und mit grimmiger Genug- tuung gehe ich«in zweites Mal für Hindenburg ins Gefängnis. Dort habe ich dann Zeit, darüber nachzudenken, was sich in Deutschland geändert hat und warum es sich geändert hat." Was Herr Goebbels hier erzählt, ist dys Allerneuest«. Wo ist während des Wahlkampfez um die Reichspräsidenten ein einziger Deutscher von ten Belgiern«ingesperrt und mißhandelt worden? Der„Jungdeuffche" richtet daher auch an den Reichstagsadgeord- nelen Dr. Goebbels die offene Frage: „w ann, w o und warum haben Sie, Herr Dr. Goebbels, jemals in einem beigischen Gefängnis gesessen?" Man darf auf die Antwort des Naziführers in der Tat ge- spannt sein. Oos englische Bevirement. Macdonalds neue Mitarbeiter. London, 6. Juni. Die Umbesetzungen im Kabinett Macdonalds werden nun- mehr auch amtlich bekanntgegeben. Hiernach wird Thomas Staaissekretär für die Dominion», Bernau Hartshorn Siegel- t.cwohrcr an Stell« von Thomas, Dr. Addison Minister für Landwirtschaft und Fischerei an Stell« von Noel Buxton, Carl de 1 a W a r r parlamentarischer Staatssekretär des Ministeriums Vorlage der sogenannten Reform der Arbeitslosenversicherung. Ins- gesamt hofft di« Regierung, daß ein« Neubelostung der Produktion durch ihre Vorschläge nicht eintreten wird. Das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung sieht Aufträge der Reichsbahn und der R e i ch s p o st vor,«in zusätzliches Wohnungsbauprogramm und schließlich Straßenbau. Vor der Inangriffnahme des Bauprogramms will die Reichsregierung mit den Baustoffoorikanten, den Unter- nehmeroerbänden und den Gewerkschaften des Baugewerbes darüber verhandeln, wie der B a u k o st e n i n d e x. der um 20 bis 30 Proz. über dem allgemeinen Teuerungsindex liegt, gesenkt werden kann. Die Regierung ist der Meinung, daß ein Gewerbe, das aus öffent- lichen Mitteln bevorzugt bedacht wird, nicht auf die Dauer einen erhöhten Sonderindex haben dürfe. Zur Sanierung der Arbeitslosenversicherung glaubt die Regierung nicht, daß«ine Aufspaltung in verschiedenen Risiken ein gangbarer Weg ist: jedenfalls bedürfe eine derartige Auf» spaltung einer eingehenden Prüfung, während die Sanierung der Arbeitslosenversicherung dränge. Zu einer Zeit, wo imIuninoch Hunderttausende von Baufacharbeitern orbeits- los sind, könne man auch nicht mit dem Begriff des Saisonarbeiters eine Sanierung der Reichsanstalt vornehmen. Die Sanierung müsse bis zum 1. Juli erfolgen, weil es zum Herbst zu spät ist. Mit dem Z 48 könne die Arbeitslosenversicherung nicht saniert werden, auch nicht durch ein« politische Umgruppierung nach einer Reichstagsauslösung. Die Regierung will ihr Sanierung?- Programm mit diesem Reichsrat durchführen. Die Reichs- regierung hat allerdings noch nicht oerraten, mitwelcherMehr- heit sie dieses Programm d-urchzuführen gedenkt. war schon von jeher Münzenbergs Bestreben gewesen, die„Welt am Abend" von den Bindungen mit der Peuoag(Abt. Friedrich- stadt-Druckerei) zu lösen. So mußte vor zwei Iahren das Zentral- komitee der Kommunistischen Partei auf Antrag der Belegschaft«in- greifen und bestimmen, daß die„Welt am Abend" in der Friedrich- stadt-Druckerei weiter gedruckt wird. Der Bele�'chast hat sich wegen der gänzlich überraschenden Massenkündigung zwei Tage vor dem Psingstfest eine große Er» r e g u n g bemächtigt. Die Verhandlungen des Betriebsrates mit der Verwaltung, die heute vormittag angesetzt waren, sind noch im Gange. für Landwirtschaft und stellvertretender Minister für Fischerei an Stelle von Addison, Lord Marley parlamentarischer Unte staa.s- sekretär des Kriegsminifteriums an Stelle des Earl de la Warr, Shinwell Staatssekretär für Bergbau an Stelle des zurück- getretenen Turner. Stephan Sanders wird Finanzsekretär des Kriegsmimstenums an Stelle von Shinwell, Lord Paßfield (Sidney Webb) bleibt Staatssekretär für die Kolonien. Im Zu- sammenhong mit diesen Umbesetzungen hat Noel B u x t o n an Macdonald einen Brief gerichtet, in dem er seinen Rücktritt mit seinem schlechten Gesundheitszustand begründet. Ben Turner hat an den Ministerpräsidenten ebenfalls einen Brief gerichtet, in dem er erklärt, daß das Kohlengesetz praktisch erledigt sei, und daß er nach elf Monaten harter Arbeit das Bedürfnis habe, sich zurück- zuziehen. Macdonald hat Noel Vuxton und Ben Turner für ihre ausgezeichnet« Arbeit gedankt. Louis Manns Wahlrechisvorstoß. Für Verhältniswahl, Frauenwahlrecht und Wahlzwang. Paris, 6. Juni.(Eigenbericht.) Der Abg. Marin, der Führer der Reaktion, hat am Donners- tag in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht, in dem er die Einführung der Verhältniswahlen in Frankreich fordert. In einem Anhang zu diesem Entwurf verlangt Marin außer dem Wahlrecht für die Frauen auch den Wahlzwang. Zar Sialm. Sonderbare»ukrainische" Delegierte. Moskau. S.Juni.(Ost-Expreß.) Reben der Rechteoppositton nimmt der Kampf gegen die„Ueber- veste der Linksopposition' das heißt der T r o tz k i st e n, immer breiteren Raum in der Sowjetpress« ein. Die.�swestija" zitteren das Wort«wes Tragkisten: „Stalin behandelt dle Partei schlechter als der Zar die Duma." Das Blatt gibt zu, daß die Politik der Kollektlvlerung der Land- Wirtschaft in mancher Beziehung den Gedankengängen T r o tz k: s folge. Man Hobe jedoch Im Gegensatz zu Trotzkt erst Wert aus die Schaffung materieller Voraussetzungen für diese Po- Mit gelegt. Die Sowjetpresse veröffentlicht die ersten Namen der Delegierten zum 16. Parteckongreß in Moskau. Unter den Delegierten der ein- zelnen Landesteile befinden sich bemerkenswerterweis« zahl- reiche in Moskau residierende Parteiführer. So entsendet die Ukraine noch Moskau unter anderen Stalin und den Dolkskommissar der Arbeiter- und Bauerninspektion Ordshom- kids«, sowie den Vertreter der Partei der Komintern Moletow. Die Sowjetpresse veröffentlicht immer neue Entschließungen von Partei- konserenzen uns Arbeiteroersammlungen, in denen die V e r l« i- Huna' des Lentn-Ordens on Stalin verlangt wird. Hitzewelle in Amerika. 16 Personen am Hitzscklaq verstorben.— 35 Grad im Schatten. New Jork, 6. Juni. Das Thermometer stieg gestern in New Park aus 35 Grad Celsius im Schatten. 1 Personen sind in New Jork an Hitzschlag gestorben, weitere Z in Phlladelphia und 6 in Boston. Gnilaffungen im Karl-Lebknechl-Saus. Munzenberg will keinem Oruckausträge mehr geben. Nydahl wieder im Ami. Disziplinarverfahren noch nicht eröffnet. Wie wir erfahren, hat der seit Wochen schwer erkrankte Stadt- schulrat N y d a h l seine amtliche Tätigkeit im Berliner Rathaus soeben wieder aufgenommen, um jeden Ver- dacht einer Verdunkelung oder Verschleppung im Keime zu ersticken. Weiter erscheint uns nicht unwesentlich die Tatsache, doh das vom Bürgermeister Scholtzgegen StadtschulratNydahl bereits am 26. Mai beim Obcrprästdenten beantragte förmliche Disziplinarverfahren gegen Nydcchl bisher noch nicht eröffnet worden ist. Es sinid in dieser Angelegenheit nur Vernehmungen geringfügigen Umfanges erfolgt. Prozeß Kretizel und Mnderaussagen. Ein Vortrag Dr. plauthS und eine Diskussion. Die Fachgruppe für Fürsorgeerziehung und Jugendpflege des 5. Wohlfahrtsoerbandes hatte die Presse zu einem Dortrag des Sachverständigen im Frenzel-Prozeg, Dr. P l o u t h. über Verhöre und Aussagen von Kindern „ emgeladcn. Glaubte man, daß der Vortrag aus Anlaß des eben erst stottgefundenen Frenzel-Prozesses die Behandlung des so aktuellen Themas bringen würde, so hatte man sich arg getäuscht. Der Vorsitzende bat die Versammlung, gerade diesen Prozeß in keiner Weise zu berühren, um nicht in ein schwebendes Verfahren einzugreifen. Nachdem Dr. Plauth zum allgemeinen Erstaunen im Gegensatz zu der herrschenden Ansicht die Behauptung ausgestellt hatte, Kinder- aussagen seien in der Regel nicht unglaubwürdiger als Aussagen von Erwachsenen, machte er nicht uninteressante Aussührungen über sün Verhör mit der dreizehnjährigen Waldtraut in Luckenwalde, die vor einiger Zeit einen Elfjährigen Knaben getölet hatte. Sie hatte nämlich gelegentlich einer Unterhaltung mit der Muter des Knaben ihr das Versprechen gegeben, den Knaben bei ihrer Tonte unterzubringen. Um nicht als Lügnerin zu«r- scheinen, hatte sie dann das Kind abgeholt und es dann, da sie nicht Wir beginnen morgen mit dem Abdruck eines neuen Romans von dttan dieilbul Beschäftigt sieh Heilbut in seinen bisherigen Wethen(dem im „Vorväns" zuerst erschienenen Romane„Zu schwer für d s L'ben",„Aus jener Zeit") und in seinen Hebbelroman mit der Problematik des Lebens, so tritt er in seinem neuen Werk aus der Sphäre weiterer Abgeklärtheit an das Leben heran. Sein „Quariell* ist eine Uehesgeschichte in schöner doppelter Ausfertigung, in deren Mittelpunkt einige Berliner Gestalten stehen. Die Ironie des Lebens und die Ironie der Situation sind in diesem Roman mit glänzender Grazie eingefangen. Er verrät einen Gestalter, der, sich allmählich an der Schwei e abstrackt gedachter Probleme befreiend, zur Erdnähe und zur Menschenrähe vordrängt. wußte, was sie mit ihm anfangen sollt«, einfach ins Wasser ge- morsen. Um ihre Tat zu verbergen, hatte sie ein ganzes Lügen- g e b ä u d« errichtet. Dr. Plauth gelang es, fie zu veranlassen, die Wahrheit zu sogen. Abgesehen von der mit Recht in der Diskusston bemängelten Tatsache, daß der psychologische Sachverständige sich hier gewissermaßen als Hilfsorgan der Staatsanwalt- s ch a f t aufgespielt hat, Ueferte Dr. Plauth gerade durch die Dar- stellung dieses Falles ein Argument gegen seine eigen« Behauptung über die Glaubwürdigkeit von Mnderaussagen. Gegen seine These wandten sich übrigens auch Dr. Magnus Hirsch- selb, Dr. Julian Martufe und Dr. Levi-Lenz, der in Sittlichkeitsprozessen zu ganz besonderer Vorsicht mit Kind-raus- sagen ermahnte. Als dann ein Teil der Diskussionsredner den Fall Frenze! in diese Debatte hineinziehen wollte— indirekt hatten das bereits auch die Vorredner getan—, wurden sie daran vom Vorsitzenden gehindert. Trotzdem mußte Dr. Plauth. besten Verhalten wie auch Gutachten im Frenzel-Prozeß von der Presse scharf angegriffen worden waren, sich manches Unangenehme sagen lasten. Der Vorsitzende gab zum Schluß die Absicht kund, die angeschnittenen Probleme in einem größeren Kresse von Aerzten und Juristen zur Behandlung zu bringen. Es muß aber gesagt werden: Es war ein Mißgriff im Augenblick, da der Frenzel-Prezeß sozusagen der Oeffentlichkeit unter den Fingernägeln brennt, die Presse zu einem so verheißungsvollen Thema cinzujaden und dann die Behandlung dieses Themas an Hand dieses Prozesses abzuschneiden. Werksanleihe genehmigt. Beschluß deel Haushalinngsausfckusses; Anleihe in Höhe von 24 AT0 000 Mark. Der HaushaltsauSschuß hat heute der T r i n g- lichkeitsvorlage über das Bauprogramm der Städtischen Gaswerke in SShe von 24»20(HM Mark sein« Zustimmung erteilt. Er hat sich damit ein- verstanden erklärt, daß dieser Anleihebetrag alS Werks» an leih« aufgenommen wird und daß die Berliner Städtische Gaswerke A.-G. und die Berliner Städtischen Wasserwerke A.-G. für einen von der Stadtverordnetenversammlung bereits genehmigten Anleihebebarf auch eine gemeinsame Anleihe be» geben dürfen. Mit den Bauten darf nach einem Zusahantrag» der ebenfalls vom Haushaltsauchschuß angenommen wurde. erst begonnen werden» wenn der Ausgabebctrag durch eine langfristige Anleihe voll gedeckt ist. Zeppelin über Marseille. Da» tufischifs.Gras Zeppelin* 11,15 Uhr AUk-Z. überflogen. P a r i», 6. Zuni. hak Marseille um Gelbstmord einer Jugendlichen Aus dem Landwehrkanal am Urban- Hafen wurde gestern dl« Leiche eines jungen Mädchens gelandet. Eine schwer« Verletzung am Kops der Toten lieh zunächst den Verdacht auskommen, daß ein Verbrechen vorliegt. Inzwischen haben jedoch die Ermittlungen der Kriminalpolizei ergeben, daß Zweifel. los Selbstmord in Frag« kommt und die Verletzung von «wer Dompserschraube herrührt. StandvndAussichiendesdMchenTonfilms Die Erfindung des Tonfilms, ursprünglich eine deutsche Erfindung, hat einen beispiellosen Umschwung im Bereich der Film- Produktion hervorgerufen. Am ersten und am stärksten machte sich diese Revolution in Amerika geltend, wo die stärkere Äapitalanscrmm- lung eine raschere Umstellung ermöglichte. Es ist wohl nie in einem großen Wirtschaftszweige so rasch und allgemein ein Wechsel in der Produktionsatt erfolgt, wohl nie so rasch und allgemein eine Kapital- abschreibung und Neuinvestition erfolgt als beim Auskommen des Tonfilms in Amerika. Nicht nur daß der ganze Produktions- prozeß umgestaltet werden mußte, daß neue Filmateliers gebaut, neue Apparatur zur Aufnahme von Ton und Bild geschaffen werden und die ganzen technischen Einrichtungen umgestellt werden mußten, auch die Filmtheater hatten sich durch Einführung der Wiedergabe- apparate und manches andere dem Gesetz der Stund« zu beugen. Bereits 1928 stellte Amerika 400 Sprechfilme her und heute soll es 766 bis 866 jährlich bereitstellen. Deutschland schloß sich erst viel später i�nd zunächst zögernd dem Umschwung an. Erst als sich der Mangel an stummen Filmen stärker bemerkbar machte, ging man schneller ans Werk. Di«„U f a* übernahm die Führung und hat nun in eineinhalb Jahren den ungeheuren Borjprung, den Amerika technisch und wirtschaftlich aufzuweisen hatte, nachzuholen versucht. Wir haben heute«ine Tonfilmherstellung, die die anfänglichen tech- usschen Schwierigkeiten rasch überwunden hat und sich bereits international sehen lasten kann und aus besonderen Gründen den ein- heimsschen Markt viel mehr zu beherrschen beginnt, als«s zu Zeiten des stummen Films der Fall war. Es war daher an der Zeit, daß die„Ufa* die Press« zur Besichtigung ihrer Ton film anlagen in Neubabels. be rg einlud, ihr den technischen Prozeß der Herstellung an Auf- nahmen vorführte und einen Einblick durch Vorträge in die ganze TonfUmfrag« machen ließ. Es ist erstaunlich, in wie kurzer Zeit die„Ufa* ihren gesamten Betrieb umzustellen verstand. Heute verfügt sie bereits über 14 Tonfilm aufnahmeateliers in Neubabelsberg und Tempelhof, und sie hofft bald in der Log« zu sein, jährlich 76—86 Tonsilm« herzustellen. Di« früheren Glashäuser sind jetzt massiv und schallsicher umgebaut, automatische Entlüflungs-, Heizungs- und Luftreimgungsanlagen find überall eingerichtet, und der ganze technische Betrieb ist dem neuen System angepaßt worden. Eine Belegschaft von 760 bis 866 Arbeitern gewähttesstet«in den Bedürfnissen der Produktion angepaßtes Tempo. Die Arbeit in den Tonfilmateliers ist natürlich im großen und ganzen dieselbe geblieben wie früher beim stummen Film, nur daß der ganze Raum absolut schallsicher und mit Borkehrungen versehen sein muß, daß det Ton gut herauskommt. Wenn in den Proben die Vorarbeit genügend geleistet ist, kann man an die eigentliche Aufnahme herangehen. Jetzt geht alles ruhiger und leiser vor sich, di« Doppeltüren werden geschlossen, die lautlos funktionierenden Lampen sind eingestellt, die Darsteller sind an ihrem Plötz, noch ein. zwei Signale und völlige Stille herrscht: jetzt kann die Auftiahme beginnen. Die Szene ist zu Ende, und es stellt sich wieder dos übliche Bild des Filmateliers mit seinem Hin und Her ein. Eine Szene„Schuß im T o n f i l m I h e a t e r* wurde geprobt, ein Journalist springt«in und spielt die Rolle des Mannes sozusagen als Double. Van einem Atelier geht es ins andere Atelier, überall ist man lebhaft an der Arbeit. Die„Ufa* will, nachdem.ste in der Saison 1929/30 sechs tönende und sprechende Großfllme hergestellt hat, in der Saison 1930/31 3 5 bis 46 Filme herausbringen. Das genauer« Programm für 14 Filme ist bereits aufgestellt,«in Teil davon bereits vor dem Abschluß oder in Slrbcit Daneben will man noch 36 Kulturfilme, serner Werbefilme usw. und tönende Wochenschauen produzieren. Die„Ufa* allein wird ungefähr 75 Prozent der deutschen Tonfilm. Produktion leisten. Man erfährt, daß von 5660 Lichtspieltheatern in Deutschland die 866 größten mit Tonfilm-Darführungsgeröten ausgestattet sind. Stumme Film« werden in Deutschland kaum noch hergestellt, der Bedarf on Filmen ist«in geringerer geworden, weil die Tonfilme länger laufen und das aus Konkurrenzgründen ein. geführte Zwesschlagerprogramm mehr� oder minder aufgehört Hot. Man wird in Zukunft mit 175 bis 266' Filmen im Jahr auskommen. Die ausländische Konkurrenz hat stark nachgelassen, da In englischer Sprache verfaßte Filme bei uns lange nicht so gehen wie irüher die stummen amerikanischen Filme. Die Amerikaner denken des- halb daran, ihre Fllme mit deutschem Text herzustellen, genau so wie die„Ufa* für den Export bestimmte Filme in fremden Sprachen liefert. Man sah einige Proben davon, z. B. die letzte Kompagnie mit englischem Dialog. Man hat für die Hauptrollen eine Neuausnahme gemacht, oie deutschen Darsteller sprechen jetzt englisch oder sind durch englische Darsteller in den Hauptrollen ersetzt, während man sich bei den Nebenrollen mit Synchronisierung behilft. Der deutsche Darsteller eignet sich durch Sprachenkenntnis und Einfühlungsfähigkeit besonders dafür, in Deutschland auch Filme in fremden Sprachen zu liefern. Vielleicht versuchen es auch die Ame- rikaner, in Deutschland selber mit deutschem Personal zu produ- zieren. Aber es scheint vor der Hand, daß der Tonsilm überall mehr oder minder nationalen Charak.er annimmt. Es wäre schade, wenn die international« künstlerische Konkurrenz dadurch e n- geschränkt würde. Wir brauchen!�en amerikanischen wie den russi- schen Film in seinen Höchstleistungen. Di« Konkurrenz des intar- nationalen Kapitals und die Propagandapolitit der Sowjets wird dafür sorgen, daß wir auch In Zukunft nicht bloß auf den den. scheu Tonfilm angewiesen sind. K. H. v. Tonkünstlerfest in Königsberg. Oer erste Abend. Gestern abend wurde in Königsberg das 66. Tontünstlerfest des Allgemeinen Deutschen Musikoereins eröffnet. An eine Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Dr. Lohmeyer, der in herzlichen Worten die Gäste aus dem Reich im Namen der Stadt Königsberg willkommen hieß und aus die außerordentliche Bedeutung dieser deutschen Mustkertagung hinwies, schloß sich dos erste große Orchesterkonzett mit neuen Werken. Nach dem Konzert: Empfang der Teilnehmer durch die Stadt in den Räumen der Stadthalle. Der erste Abend brachte noch keinen überragenden Eindruck, gibt aber schon ein klares Bild vom gegenwärtigen Stand des deutschen Musttschaffens auf orchestralem Gebiete. Nach Jahren des Experimentierens, des Suchens nach neuen Formen und Ausdrucks- Mitteln, überragt wieder das Interesse am Wesentlichen, an der musikalischen Substanz und an der Gestaltung Am meisten Auf- merksamkeit erregt als Uraufführung ein neues Werk des„Wozzek*- Komponisten Alban Berg:„Der Wein*,«ine Konzertarie sür Sopran und Orchester: eigentlich keine Arie, und auch in der Musik keine greifbare Beziehung zum Thema„Wein*— es handelt sich um drei Gedichte von Stefan George nach Baudelaire, die ein bißchen willkürlich als Text zugrundegelegt sind: immerhin Arbeft eines feinen Musikers und sehr kultivierten Geistes. Und eine Sinfonie des Deusschrussen Lopatnitosf am Schlüsse eines überlangen Programms reißt noch das Interesse der Hörer hoch. Drei Intermezzi für Orchester von G. v. West er man, sehr sympathisch in ihrer echt musikalischen Grundhaltung haben den Abend veisprechend eingeleitet. Eine Sinfoniette von Hans Gal vermag ebenso wie eine Orchestersuite von Hans Ebert nur wenig zu fesseln._ K. P. Ole Hetze gegen Cräöös„ß Z-tS". Nach Weimar und Würgburg kommen nun Nürnberg Und Schweinfurch mit Verboten des ,.§ 218*. Wie wir hären, soll auch dort das Schauspiel Cröde» ,§ 218* mit dem Ensemble des Der- liner Wallnettheaters zur Aufführung gelangen in beiden Städten in geschlossenen Vorstellungen für die Volksbuhn«. Wie die Leitung der Tournee aber«rsahren hat, wollen di« Polizeipräsidenten der beiden» Städte auch diese Vorstellung en verbieten. Diese Verbots- säll« sind mn so krasser, als es sich hier nicht um öftenttiche Vor- stellungen handelt. Di« Direktion des Wa ll n erch ea t c r-Ens embl es wird, falls di« Verbot« wirklich erfolgen sollten, gegen die in Frage kommenden Polizeipräsidenten Schadenersatzklagen«in- bringen, wie es gegen den Minister Frick bereits erfolgt ist. Von Frick wird ein Schadenersatz von 50660 Matt gefordett. (Selbstmord des Malers pascin. Der Maler Jules Pascin. der seit über zwanzig Jahren seinen Wohnsitz in Pari- hatte, hat sich am Dienstag an der Klink« seiner Schlaszimmertür erhängt. Der Selbstmord des Molers, der ge- borener Vulgare ist, aber vor Jahren die amerikanische Staats- angehörigkelt annahm, wurde erst an« Donnerstag bekannt, als Freunde nach vergeblichem Klopsen die Tür geoxrltsam öfsneten. Pascin war ein großer Künstler und stand immer abseits von allen Kunstbervegungen: er war undurchdringlich, er schwieg und| arbeitete. Man k-nm ihn hauptsächlich als Maler balkanischer Der- wahrlosung und zroeiselhaster Weiber. Aber dieses Milieu bedeutete ihm nicht etwa Anlaß zu Schlüpfrigkeiten, sondern war ihin roaV- haste Natur, so ernst zu nehmen wir andere den Schwur der Eid- genossen oder die Schönheit der Rose ernst nehmen. Er iah darin mit der großartigen Naivität des Künstlers nur das Stück Welt. das er zu formen hatte. Das Unterscheidend« bei ihm war nur, daß er diese Welt so ausschließlich liebte und alle Schönheit fast allein nur in ihr fand. Aber Pascin hat betviesen, daß es nicht so' sehr auf den Anlaß als auf die Art der Darstellung ankommt. „Panoptikum des Ki'.ms." Marmo'haus. »Panoptikum des Films*: das bedeutet ein Zurückgreifen aus die Ansänge, aus die leidenschaftilicysn Ergüsse innerhalb von fünf Minuten, das bedeutet einen Hinweis darauf, wie herrlich weit wir es gebracht oder auch nicht gebracht haben. Di« historisch-amüsante Rückschau, die Walter Jerven mit diesen zehn Filmen peran- staltet, geht über das Filmische hinaus und streift bereits di« kulturell« Sphäre. Man sieht etwa einen kolorierten Streifen„Die Macht der Liebe*, emc griechisch« Kostümgeschicht«, die um 1900 herum ge- dreht wurde. Man lacht über di« pathetisch schwingenden und maß- los übersteigerten Gesten. Aber«nar das nicht der Stil, mit dem Hoftheater ihr« Besucher erfreuten? Sind das nicht die Gesten, die jeder Opernsänger damals unentwegt amvandte? Zwei ander« Film»„Champagner-Else* und»Frühlingserwochen*, deutsche Produkt« aus einer etums späteren Zeit, sogenannte Gesellschastsdramen, zeigen, daß sich die Sujets heute kaum auf einer höheren Ebene bewogen, roenn man von der tüirsttersschen Form absieht. Damals ein Zusammenballen assektreicher Szenen, heute ein« weise Rationierung der Leidenschaften. Di« Primitivität ist jedoch geblicben, wenn sich auch Darstellung und Regie grundlegend geändert haben. Damals arbeitet« man noch nicht mit dem Rauan: man stellt« einfach eine Dekoration auf, vor der die Darsteller völlig umilmisch, mit einem lieb er maß nichts- sagender Gesten spielten. Das sind Kinderkrankheiten, die der Film überwunden hat, über die man heute lacht. Man lacht vor allem aber auch über die Moden, die uns jetzt als unglaubliche Geschmacksverirrung erscheinen, man lacht über die ganze vermufste Welt mit ihren engen Moral- gesetzen und ihren versteckten, erotischen Sehnsüchten. Man lacht und freut sich, wie herrlich weit es die Gegenwart gebracht hat, jedenfalls in dieser Beziehung, und man ahnt, baß spätere Zeiten über uns genau so lache«« werden. F. Seh. „Achtung!— Auto-Diebe." Atrium. Harry P i e l, der im Film immer der vielgeivandte Prügelheld und kaltblütige Beherrscher jeder Situation ist, betätigt sich diesmal als Fänger von Autodieben. Daß es dabei Aufregungen in Massen gibt und Harry mit eigenen guten Aussichten sür di« Zukunft, eine jung«, zcrtte Frau aus den Ehebanden eine» schurkischen Gatten befreit» versteht sich fast von selbst. Harry Ptel ist Hauptdarsteller und Regisseur, beides mit Ge- schick und allerbesten Einfällen, so daß bei der Premiere sich der Bessall bis zur Raserei steigerte. Gute Helfer sind dem smarten Harry die elegante Dary Holm und der für den Film talentiert« Max G ü l st o r f f, dessen Gesicht sich als bestes Barometer sür die Leiden ulld Freuden eines Geschäftsmannes erweist. Der Photo- graph Enwld Daub dacht« bei seiner Arbeit mehr als eininal an öle Provinz und benutzte nicht nur echte Vettehrsbilder aus Berlin, sondern auch die immer wieder reizvollen Effekte der Lichtreklame. Dieses soll Harry Piels letzter st ummer Ftim sein. Für ihn war Harry Piel der gegeoen- Mann: denn er hotte innner den Blick und den Willen sür die Bildwirkung, und die Augen der Zuschauer bekamen viel und manches Scköne zu sehen. Bei seiner Umstellung q�jnet sich für Harry Piel kein Ausweg aus der Schablone. Das P'-blikum will ihn, der keine großen darstellerischen Fähigkeften besitzt, als den Held von Abenteuerfilmen. Und ii>enn er nun den Weg zum Tonfilm geht, d-'nn inird dl- Weit-r- entwickelung keine Höherentwickclung sein Roch keine Entfcheldung über die Vosrelele. Gegenüber Pxcsse- Meldungen stellt der Amiliche Preußische Pressedienst fest, daß das Preußiiche Staatsmi.msterium sich mit der.Frage eines ct-waincn Austausches der Nofretet« nach nicht beschästig« hat und eine Ent- sehe«du«ig dementsprechend noch nicht gojallen ist. Freistaat Lübeck. Ein Beitrag zum Elend der Kleinstaaterei. Lübeck, S. Juni.(Eigenbericht.) Unter dem Kaiserreich hatten wir 25 Bundesstaaten, von denen 16 Minoturgebiide waren. Die Republik zahlt 18 Bundesstaaten, von denen 16 Miniaturgebilde sind- Durch die Schaffung von Thüringen, durch die Angliederung Koburgs an Bayern und den Anschluß Waldecks an Preußen ist die Zahl geringer geworden, ober jeder sieht, daß gleichwohl das Elend«der Kleinstaaterei noch groß genug ist. Wir rechnen dabei als Minaturstoaten diejenigen Gebilde in Deutschland, die nach ihrer Einwohnerzahl nur über eine Stimme im Bundesrat oder Reichsrot oerfügten oder verfügen. Unter den Miniaturftaaten steht nach der Jakubowski-Tragödie von Mecklenburg-Strelitz seit vier Wochen L ü b e ck durch die Calmette-Katastrophe im Vordergrund des, allgemeinen Interesses. An 36 Kinder sind gestorben, die Zahl derer, die auf den Tod daniederliegen, ist nicht abzufchen. Etwas Unge- heuerliches ist geschehen, und mit Recht ruft Genosse Dr. Julius Moses aus:„Und die Staatsanwoltschast bleibt ruhig! Merkwürdig still ist es um Lübeck geworden!" Es wird immer still sein in Lübeck, wenn etwas passiert! Das aber kann kein großdeutsch Emgestellter, das kann kaum ein Preuße begreifen. Es bedarf gründlicher Kenntnis vom Widersinn der Kleinslaaterei. Der Freistaat Lübeck verfügt über ein Areal von 298 Du ad rat lila. metern und 128 666 Einwohnern. Er ist ein M i n i a t u r st a a t s- ge bilde, das seine Daseinsberechtigung nur vortäuscht. Bor dem Kriege war die regierende Schicht, waren Senat und Bürgerschaft durch ein rigoroses Klassenwahlrecht eine einzige große Familie. Man lese Thomas Manns„Buddenbrooks" nach! Die chunäu«, die Krstenmaker, die chagenström, die Oeverdick— lies: Eschenburg, T e s do r p f, Fehling, Behn— stellen die Senatoren und Rotabeln der Freien Hansestadt. Sie sind olle miteinander verwandt und verschwägert. Hierin brachte die Umwandlung der Patriarch.:- lischen Republik in eine demokratisch« Republik durch die Revolution vom November 1918 einen Wandel. Heute sitzen Vertreter der Arbeiterschaft im Senat, verdiente Parteigenossen, Männer, die auch in ihrem Wirken positive Leistungen aufweisen können. Einige Namen seien genannt: Bürgermeister L o« w i g t hat unter Beiseiteschiebung bürgerlicher Einslüsterungen in dem Koalition?- senat die Interessen der Arbeiterschaft wirksam verfochten. Senator M e h r l e i n hat die lübeckische Staatspolizei republikanistert, Senator 5) a u t hat als Leiter des Wohlfahrtsamtes Hervorragendes gerode für die heranwachsende proletarische Jugend geleistet. Eins aber ist den sozialdemokratischen Senatoren nicht gelungen: Di« höhere Beamtenschaft, die Hierarchie dieses Kleinstaates, fetzt sich, mag es sich um Verwaltungsbeamte, um Richter, um Aerzte, um Theologen oder Philologen handeln, nach wie vor aus Angc- hörigen der Lübecker Patrizierfamclien zusammen. Der Senat gibt die großen Direktiven, aber in der tlglichen Kleinarbeit regiert die Schicht der aus dem begüterten Bürgertum stammenden höheren Beamtenschast. Dom lüjreckischcn Swndpunkt aus gesehen ist es gewiß berechtigt, daß bei der Besetzung von Beamtenposten mir geborene oder rechtlich staatseingefesscne Lübecker in Frage kommen. Wohin das führt, ist aber für den Außenstehenden unbegreifbar. Fast jeder Assessor ist mit fast jedem Studien- rat, fast jeder Pastor ist mit ja st jedem Vcrwal- tungsbeomtsn zum mindesten auf die Entfernung verwandt. Es liegt uns oollkonrmen fern, den lübeckifchen Ver- ontwortlichen vorzuwerfen, daß sie subjektiv parteiisch seien, daß sie sich nach dem Goethewort richten:„Im Auslegen fecd frisch und munter!" Aber wenn tn Lübeck etwas passiert, das in den Kreisen dieser alteingesessenen, gewiß persönlich vielleicht sehr ehrenhaften Bourgeoisie spielt, dann wird eben das Auslegen zu einer Zwangs- läufigkeit, dann spielen im Unterbewußtsein Dinge, die nur aus dem Wesensbegriff des Miniaturstoates, der Miniaturbürokratie und der gegenseitigen Dersippung zu erklären sind. Ein Lübecker P a t r i z i e r s o h n macht kriminelle Dummheiten. Er kommt in die Heilanstalt in Strecknitz. Ein Rechtsanwalt aus aller lübeckischer Familie begeht Unterschlagungen von anvertrauten Geldern: er kommt ebenfalls dort- hin. Ein Kaufmann, Angehöriger einer hochangefehenen Lübecker Familie, macht einen Bankerottvon rund 12Mil- l i o n e n Mark. Man erzählt sich allgemein, daß, wenn nicht be- trügerischer Bankerott, so doch bestimmt Fahrlässigkell vorliege. Der Staatsanwalt greift nicht ein. Der ärztliche Leiter eines staatlichen lübeckischen Institutes, eikk'in der sogenannten Gesellschaft gleichfalls hochangesehener Mann, bringt durch Fahrlässigkell rund 36 Kinder bis zur Stunde— mögen es nicht mehr werden!— ums Leben. Die gewissenhaften Berufskollegen selbst und neben diesen die gesamte Oeffentlichkeit sagen, daß hier eine grobe Pslichtvergesienheit vorliegt. „Und die Staatsanwaitsckiast bleibt nchig." Die beiden Aerzte, die Herren Altstadt und D e y ck e, sind weiter im Amte. Wenn in Preußen ein Beamter Fehler begeht, die nicht zu seiner Dienstentlassung führen, aber dennoch tadelnswert sind, wird er von Dortmund nach Gumbinnen oersetzt. Wenn im lübeckischen Staatsdienst«in Polizeibeamter«in Meiches begeht, erfolgt sein« Beisetzung von der Borstadt St. Gertrudnach der Vorstadt St. Lorenz. Anders Möglichkeiten bestehen nicht. Aerzte und Richter sind überhaupt nicht zu versetzen, weil keine Versetzungsmöglichkeit besteht. Di« Lübecker höher« Beanlleirschast ist tatsächlich nichts anderes als ei» großer Familien st ammtisch, an dem jeder aus Kameroderi« heraus am anderen hall. Ein Fall Deycke-Altstädt wäre in Preußen voll- kommen unmöglich gewesen. Er ist nur möglich in Lübeck, Schaumburg-Lippe, Anhalt oder Bremen. Die Fälle Iakubowski und Ealmeite-Standal sind die schwerste Anklage gegen den Unfug der Kleinstaaterei. Man mutz sich in diesem Zusammenhang einmal überlegen, daß dieses kleine Lübeck mit seinen noch nicht 13 6666 Einwohnern über 12 Menschen im Ministerrang verfügt und daß der Haus- haltplan der Freien und Hansestadt Lübeck für das Rechnungsjahr 1929 einen Posten von 72666 Mark für die lübeckische G e- fa n dt fcha ft in'Berlin aufweist. Berlin ist von Lübeck aus mit dem Flugzeug in etwa anderthalb Stunden zu erreichen, mit der Eisenbahn fährt man dreieinhalb Stunden. Di« deutsche Mittelstadt Lübeck aber, stolz auf ihre Souveränität, hall in Berlin einen Ge- sandten mit Sekretären und Angestellten und einem luxuriösen Ge, sandtschaftsgebäude. Es ist nicht schwer, keine Satire zu schreiben. denn dieser Tatbestand ist Satire genug. Der Fall Caimette-Lübeck ist eine neue Anklage gegen das Elend der Kleinstaaterei. In Lübeck sind nur die Sozialdemokraten Kämpfer für das Einhellsreich, die bürgerlichen Parteien, um den hanseatischen Dolksblcck geschart, lehnen alle Be- strebungen ab, die ein« Aufgabe der doch nur eingebildeten staatlichen Selbständigkeit erstreben. Lübeck ist vom Reich abhängig. Es ist>n einem Maß« verschuldet, wie wenige deutsche Länder. Es steht:nt Mittelpunkt eines öffentlichen Skandals, der hervorgeruscn ist eben durch seine klsinstaatlich«, schildbürgerliche Berwollung. Die Katastrophe der 36 toten Kinder sollte Mahnung genug sein. an die Beseitigung der Kleinstaaterei zu gehen, die für das Wohl der Bürger untragbar ist. Wetter für Berlin. Heiter und warm, südöstliche Winde.—- Für Deutschland. Allgemein« Fortdauer des beständigen und warmen Wetters. Freltaz. 6. Juni. Berlin. 16.05 Richard Lesser: Der Garten ▼on heute. 16.30 Schle&ischc und pomracrsche Lieder.(Charlotte Brettinjcr-Alhrccht, Sopran. Am Flöatel: J. Bürger.) 17.00 Dr. Ueberau erzählt, 17.20 Unterhaltungsmusik. 18.25 Bascfawitz: Die bayerische Zugspltzhaho. 18.50 Das neue Buch. 19.00 Flescb: Programm der nächsten Woche. 19.30 Unterhaltungsmusik, 19.55 Arbeitsmarkt 20.00 Wovon man spricht 20.30 Orchesterkonzert Dir.: Georg Sz6IL 1. Rathans: Ouv« op. 22.—» Z. Noväk; Serenade, op. 36.— 3. Joh, Brehms: Sinfonie Nr. 2» D-Dnrt op. 73.(Funkorchester.) Nach den Abcndmcldungen bis 0�0: Tanzmusik. Königswnstcrhansen- 16.00 Stud.-Rat Heinz Monzel: Bericht über die Tagung des Relchstcfsschussc� der deutschen Jugcndvcrbände. 16.30 Von Leipzig: Nachmittagskonzert 17.30 S. von Heister: Bildende Künstler als SchiiftsteOet; 17.55 Prof. Dr. Matschoß; Die Weltkraitkonferenx. 18.20 Prof. Tarachand Roy: Die indischen Feste. 18.40 Prof. D. Dr. Lohmeycr: Die Entstchong des Pfiagstfcstes, 19.05 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. 20.30 1. A. Vlvaldi: Sonata D-Dur für Violine und Klavier.— Z. Wednbergcrw Wladigeroff: Polka aus„Schvanda, der Dudelsackpfeifer".— 3. A, Spendiarov: Tatarischer Tanz.— 4. Wiadlgcroff: Bulgarische Rhapsodie� op. 16.(Lüben Wladigeroff, Violine; Wicsi Herrberg de Haan, Flügel.) 21.00 Von Breslau:..Der verkaufte Tod". Percntwortl. für die Redaktion: Rich. Bernstein, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. B., Berlin. Druck: Vorwärts Bück' drnckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68» Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. Theater,| Lichtspiele usw. i Winter * viarren* 12 � i Ä1-' Uhr— Zentrum 2819— Raqchen erlaaht internationale Kunstkrafte mit dem PrSdlkat Sonnabend, Sonntafi n. Moni«, f e X Vorrtellnn.en, 4 Uhr and#u Ubr.- 4 Uhr kleine preise Das führende Variete 1 SCAW 1 T&gl. 5 u.S'f, Uhr. B S Bark. Q2S8 Pr. I-6 M. WocKentg. 6 U. SO Pf.-3 M. tt AMraklionen höch.ter Klawel Täqi. S u. e» sanol. 2.5 0 Bu Ale*. E 4. 8066 ITilhelm 9tarislein der beliebte Humorlt and 8 eraikleaalge AttraldiooeB rrrmm.>5S!«t»0 uf. InarClB ilCke WWW Komische Oper am chiti. 1 04 Uarkur 1401 4300 Hco e 7<>i Uhr Premlere. Ueäe und Tro m peten büasen Selm z-- Westermeier s Finkler Ja rbeck s Haid ✓ Behrisch (.usispielhaiis fnednehitr. 236 BergroanD 2922/23. Neueinsmdiert S'b Uhr Vater sein dagegen sehr mit Lucie Englisch Vorverkauf In beiden Häusern sv 10 Uhr ununterbrochen. Volhshtthne Tliul« in BOlovrplah. SV. Uhr Julius Caesar itgil: Inf Hilm lartin Staatl. 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Erich Wilde.| Am Pftngatsonntag; { Eröffnung der Gartenbühne I TIgllch 8» Uhr nachmittag« (Sonntag« 5® Uhr) 1 |••ntklgMlat VtrtgMnummtn»| ««Lette« Lotte, Lleae mit EmeKer«ten»,HildeHofef Loni Pyrmont, Karl Gütlich I Nene Rose, Edgar Kenisch | u.Carl Muth In d. Hauptrollen| Am L u. II. Pftngetfelertag um O Uhr morgene GroBe Frükkonaerte mit Rleeen-Tarletfteehoo. [ Oer Vorverkauf hat begonnen 1 Genossen! Unterstfitzt Enre eigenen Betriebel Deckt Euren Bedarf a. Urnen u. Grabdenkmälern nur in der Stein metzhüttefa�b.HlfiB� Märnlenwe«, Kicfholi.tr., gegenflker d. Krematorlnm. Tel: F3. Oberspree 1685 Lieferung nach allen Friedhöfen in GroB- Berlin. SM» anl dl« kilM» BdlUa. SonildSS ggfittBCL Damen- Mäntel- Fabrik PAUL LINCK« Neukölln, Reutersir. 63 an der Kalacr.Frledrfdi-Strate Mäntel und Kostüme sind in Jeder GröBe und Preislage stets am Lager. Größen, welche nicht am Lager, werden fflr jede Figur angefertigt; speziell für starke Damen. Barnowsky- Töeafcr in asr Stresenaonttr. 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Juni 1930 DifflbPtiD QiaJauknrtJZ' Jffi Georg Weerth Der erste Dichter des deutschen Proletariats Sie saßen auf den Bänken, sie saßen um ihren Tisch, sie ließen Bier sich schänken und zechten fromm und frisch. Sie konnten kein« Sorgen, sie kannten kein Weh und Ach, sie kannten kein Gestern und Morgen, sie lebten nur diesen Tag. Sie saßen unter der Erle— schön war des Sommers Zier— wilde, zornige Kerle aus Jork und Lancashire. Sie sangen aus rauhen Kehlen, sie saßen bis zur Nacht, sie ließen sich erzählen von der„schlestfchen Weberschlacht". Und als sie alles wußten, Tränen vergossen sie fast, auf fuhren die robusten Gesellen in toller Hast. Sie ballten die Fäuste und schwangen die Hüte im Sturme da; Wälder und Wiesen klangen: Glück auf, Siiesia! Es ist längst vergessen, daß Georg Weerth dies« Vers« an das deutsche Proletariat richtete. Damals zählte man das Jahr l84S. Das Jahr vorher brachte die erste große soziale Krisis m Deutschland, Erschütterungen, die auch dos schlesische Industriegebiet heimsuchten. Der Weberaufstand, der ein grelles Licht auf die verzweifelte Lag« der ausgebeuteten und halbver- hungerten Leinens rbeiterschast geworfen hatte, war in aller Munde. Jeder kennt cheines Weberlied, das damals entstand, und dessen dreifacher Fluch bereits eine dunkle Ahnung von der kommenden sozialen Revolution aussprach. Und so gab es viel« Gedichte, Zeugen der.allgemeinen Anteilnahme" an diesem ersten deutschen Arbeiteraufftand. Selbst der jung« Hauptmann gestaltete ja noch diesen Stoff und gab jene ergreifende Darstellung des Weberelends, über die seine typisch Neinbürgerliche Ideologie aller- dings nickst herauskam. Georg Weerth schrieb imn auch ein Webergedicht. Aber dieses war— bezeichnend genug— keine Zeremlad«. wie sie damals verfertigt, wurden. Man muß diese anderen Webergedichte gegen das Georg Weerths stellen. So begreift man erst Weerths Kunst! Den» was die Beck. Freiligrath und Püttmann und wie diese„sozialistischen" Dichter sonst hießen, dichteten, war— vom proletarischen Standpunkt gesehen— kläglich.„So erschrecklich pauvre", wie es Friedrich Engels einmal nannte,„etwas„Menschentum", wie man das Dings neuerlich tituliert, etwas„Realisierung dieses Menschentums oder vielmehr Ungetüms,... etwas Proletariatsjanimer... nebst einer grenzenlosen Unwissenheit über die politische Oekonomie und die wirkliche Gesellschaft." Und mit dieser Langeweile, fragt Engels, will man Deutschtand revolutionieren, das Proletariat in Bewegung setzen, die Massen denkend und handelnd machen? Aber so waren diese Webergedichte, von dem Heines abgesehen: Sie trieften vor „sozialem Mitleid". Sie schilderten das Elend, sie jammerten über das Elend, und sie verdammten es mitsamt dem„reichen" Bourgeois und einer ökonomischen und politischen Entwicklung, deren uner- bitllichc Gesetzmäßigkeit und Unaufhaltsamkeit Marx und Engels längst dargetan hatten. Diese Dichter appellierten an das memchliche .Herz, Utopisten trotz ihres ehrlickstn Wollens. Das einzige radikale Mittel zur„Abhilfe der Not" sahen sie nicht; nicht die wirkliche, ge> jchichtliche Aufgabe des Proletariats und nichts davon, daß der An- stoß zu einer universellen Revolution nur von dem Aufbegehren der Proletartermassen zu erwarten sei. Doch Georg Weerth wußte darum; und aus diesem Grunde war auch sein Webergedicht ein Kampfgedicht! Es war ein schlichter, aber um so wärmerer Glllckswunsch an das deutsche Pro- telariat:' Möge sein Besreiungswerk gelingen! Die Arbeiter Lancashires grüßen das deutsche Proletariat, und sie fühlen sich eins mit ihm in feinem tapsercn Bcsreiungskampsi Friedrich Engeis nannte Weerth daher den ersten Dichter des deutsche» Proletariats. Und es gibt sicherlich keinen zweiten deutschen Dichter, der diese Auszeichnung mehr verdient hat wie Weerth; selbst Freiligrath nicht, der ihm diesen Platz«ine Zeit streitig gemacht hat. Aber Georg Weerth bildeten ganz andere Verhältnisse, ein an Ereignissen reiches Leben: Er wurde 1821 geboren. Sohn eines Generalstiperinlendenlen. schlug er wie so mancher andere iriederrheinische„sozialistische" Dichter den kaufmännischen Berus ein. Wie für Freiligraths Poesie wurde aber auch für die seinige diese Wahl wichtig. Kommis seiner deutschen Firma, kam er 1848 nach B r a d s o r d, wo er mit Friedrich Engels und— ebenso wie Friedrich Engels und Marx— mit den reifen ökonomischen Verhältnissen dieses industriell fortgeschrittensten Landes bekanm wurde. Und dies war cnt- scheidend. Die in der Enge ihrer ökonomischen und politischen Vcr- hältniss« verwurzelte deutsche zeitgenössische Dichtung spiegelte diese Enge zurück. Sic sang„Lieder vom armen Mann"! Weerths Poesie dagegen gedieh auf einem ganz ander«» Boden. Die Freund- schart, die ihn mit Marx und Engels verband, und der Kampf für. das Proletariat, das er durch eine enge Fühlungnahme mit der Arbeiterschaft von Port und Lancashire kannte, wurden der Antrieb zu seiner Poesie Während das deutsche Proletariat Icker tu Unkenntnis semer wirklichen Wacht und Aufgabe kaum selbständig aufgetreten war, hatte das« n g l i s ch e Proletariat bereits eine eigene organisierte Arbeiterbewegung. Und so kam es auch, daß Georg Wcerth die kleinbürgerliche Misere, die Kraft- losigteit und schlappe Sentimentalität der deutschen„sozialistischen" Poesie w«it hinter sich ließ. Weerth sah die historische Aufgabe des Proletariats. Er erlebte— dank seines englischen Aufenthalts— die ersten Ansätze zu ihrer Verwirklichung; aber ein solcher Dichter braucht« kein« Lieder vom„a r m e n" Mann mehr zu singen! In der Folgezeit sehen wir ihn daher im Kamps für das Proletariat; und er kämpft« Schulter an Schulter mit Karl Marx und Engels. Als diese in Brüssel wohnten, war auch Weerth dort. Er übernahm die kontinentale Agentur sein«s Handlungshauses, und er richtete es so«!n. daß er sein Hauptquartier ebenfalls in Brüssel nahm. Nach der 1848er Revolution sanden sich alle drei wieder in Köln ein. Sie gründeten die„N c u e R h e i n j s ch c Z e i t u n g", Weerth übernahm das Feuilleton und„vielleicht", schreibt Engels, „hat nie eine deutsche Zeitung ein gleich glänzendes und lustig«? Feuilleton gehabt". In der„Neuen Rheinischen Zeitung" erschien auch Weerths Hauptwerk:„Leben und Taten des berühmten ; Ritters S ch n a p p h a n s k i", eine Schilderung des von Heine � jo bekonnten Fürsten L i ch n o w s k i. Es erschien 1849 als Buch und trug feinem Verfasser auch prompt eine Gesängnisstrase ein. Lichnowski war zwar längst tot; er siel 1848. So richtete denn die deutsche Reichsverweserschaft eine Anklage gegen Georg Weerth wegen Beleidigung des toten Lichnowski. und Weerth, der, wie Engels berichtet,„längst in England war, bekam drei Monate Gefängnis, lange nachdem die Redaktion der„Neuen Rheinischen Zeitung" ein End« gemacht hatte". Nur von Engels wissen wir dann über Weerths weiteres Leben. Es gäbe Stoff zu«inem Roman:„1850/Ü1 reiste er im Interesse einer anderen Brodsorder Firma nach Spanien, dann nach West in dien und über fast ganz Südamerika. Dort wollte er sich das Vergnügen nicht versagen, dos wirklich« Original des Louis Napoleon III., den Negerkaiser Soulouque auf Haiti, einmal anzusehen. Aber er bekam Schwierigkeiten mit den Quorantä-ie- behörden, mußte sein Projekt ausgeben und sammelte auf der Tour die Keim« zu dem gelben Fieber, das er mit nach Havanna brachte. Er legt« sich nieder, eine Gehirnentzündung trat hinzu, und am 30. Juli starb Georg weerth in Havanna. "Etwas van dieser Unrast spiegelt sich auch in Weerths Poesie. Einmal hingeschrieben, waren ihm seine Verse gleichgültig. Er kümmert« sich nicht mehr um sie, und so manches Gedicht verrät die Spuren dieser Eile in seiner gesamten Anlage sowohl wie in seinem Stck. Seine Gedichte sind hingeworfen, aber sie haben auch die Vorzüge dieses Schaffensweise: eine starke Dynamik und eine mit- reißende Frisch«, ganz zu schweigen von ihrer unphiliströsen Sinn- lichkeit und Erlebnispäh«. Wie dem Leben, gewann er zudem auch der Poesie neue Seiten; es sind moderne Themen, die Woerth an- schlägt:„Die Industrie", das große Grubenunglück von Haswcll usw. Am unvergleichlichsten gelingen ihm jedoch jene Proletarier- gestallen aus dem Manchester Distrikt, jene armen Teufel, in denen «in rauhes, aber ebenso heißes Herz für die proletarische Sache schlägt. Die bürgerliche Literaturwissenschaft hat Georg Weerth über- gangen. Das deutsche Proletariat aber, das das Andenken an Marx und Engeis ehrt, wird auch diesen Namen behalten: der erste Dichter des deutschen Proletariats ist Georg Weerth! EricK Kunze. Bamberg— Nürnberg— Wärzburg Streifzug durch Franken Von Max Barthel Wolframseschenbach Deutschland ist reich an Naturschönheiten, und der Süden stellt ein Wunder der Landschaft oder Städtebaukunst neben das mrdere. Deutschland ist aber auch reich an sogenannten Heimatdichtern, und im Norden, Süden, Westen und Osten finden wir die kleinen Schillers oder Körners in Hülle ohne Fülle, die sich in grausamen, poetischen Er- güssen ausplätschern. Aus«inem Lobgesang über die Fränkische Schweiz sei nur«ine Strophe zitiert: Deine Täler, deine Höhen Grüßen mich gar oft im Traum, Und bei jedem Wiedersehen Find' vor Freud' ich Worte kaum. Dein« Schlösser und Ruinen, Deine Burgen, stolz und hehr, Deine Felsen, deine kühnen, Ach, vergeß' ich nimmermehr! Und so geht es stundenlang weiter, der Mann findet trotz seiner Beteuerung immer neue und schlechtere Worte und stößt dabei noch manches herzliche„Ach" aus und kann sein Wasser nicht Wten. Jean Paul stimmt auch einen Gesang auf diese Land- schaft an, der Dichter schildert«inen Spaziergang, und wir hören beglückt: „Der Weg lief von einem Paradies durch das andere.. Die Berge schienen sich gleichsam tiefer auf die Erde nieder- zulegen, damit der Mensch leichter ihre Rücken und Höcker be- steige... Die Laubholzwaldungen waren wie Kränze bei einem Jubelsest der Natur uinhergeworfen, und di« einsinkende Sonne glimmte oft hinter der durchbrochenen Arbeit eines Laubgeländers auf einem verlängerten Hügel wie ein Purpurapfel in einer durchbrochenen Fruchtschale..." Di«. Bewohner dieser verklärten Landschaft sind arme Teufel, von der Naturschönheit wird kein Mensch satt, höchstens im Früh- ling und Sonnner, wenn die Fremden kommen. Die Fremden fahren nach dem Süden, sie fahren in die Frön- kische Schweiz oder weiter nach den Alpen. Die Reise aber sollte in Bamberg und' Nürnberg und auch in Würzbung unterbrochen werden. Dies« Unterbrechung ist kein Verlust, sie ist ein Gewinn. Bamberg zeigt neben dem berühmten Dom und vielen Kunst- schätzen eine revolutionäre Tat mittelalterlicher Bildhauerei: die «rsten nackt dargestellten Menschen in Deutschland. Ein Streiszug durch dies« alte, behügelte Stadt mit den vielen Kirchen, Brauereien, den alten Fischerhäusern, dem bedeutsamen Rothaus, das im Wasser errichtet werden mußte, weil dos Land der Kirch« gehörte,«in Streiszug zeigt viel Schönheiten und auch die Zukunft der Stadt als großer Umschlaghasen an dem geplanten Main-Donau-Kanol. Wir komiüen aus dem Norden und verstehen, warum Herder 1788 an seine Frau schreiben konnte:„Es ist hier die schönst« Gegend von der Welt, und man errötet, wenn man an die Länder über dem Thüringer Wald zurückdenkt." Wir fähren nach Nürnberg. Die Burggrasen von Nürn- berg wurden die Markgrafen von Brandenburg und später die Könige von Preußen und die Kaiser von Deutschland. Das wurde in der Schule jedem Kind gelehrt. Den Nürnberger» sei diese Fürstenabgab« verziehen; denn sie haben«s schwer büßen müssen. die ehemals frei« Reichsstadt fiel an Bayern. Einen Trost haben die Nürnberger doch: sie dürfen aus Berlin und aus München schimpfen. Nürnberg zeigt einen Stadtkern, wie er vollendeter und süßer selten anzutreffen ist. Der Reisende aber gehe mit Bedacht den Fremdenführern aus dem Wege. Die meisten der Führer sind redselige Barbaren, die ihr« Unwissenheit als Kunstgelahrtheit und historische Wissenschaft verkaufen. Auf den Fremderwerkehrsver- einen bekonmit man umsonst oder für billiges Geld die notwendigen Hefte oder Prospekte, diese Ariadnefäden durch die Labyrinthe der schönen, alten Frankenstädte. In Nürnberg muß man auch di« Neuzeit aufsuchen, die großartigen Siedlungen und das herrliche, wohlgegliederte Stadion, in dem gezeigt wird, wie solche Sportanlagen gebaut werden müssen. Und wenn schon ein Führer gebraucht wird, die Nürnberger Genossen zeigen den nördlichen Freunden gern und mit berechtigtem Stolze jhre Stadt. Von Nürnberg nach Rothenburg ob der Tauber ist«s nur ein Sprung mit der Bahn oder dem Postauto. Unterwegs sieht man ein grünendes Experiment, den Zedernwald, den eine Blei- stiftfabrik vor 60 Jahren anlegen lieh, um das für di« Fabrikation notwendige Holz an Ort und Stelle zu ziehen. Das Experiment verunglückte und wuchs sich zu einem Nahirschiitzdenkmal aus. Ein steinernes Naturschutzdenkmal, wenn auch kein Nationalheiligtum, wie«in begeisterter Schwärmer schreibt, ist Rothenburg ob der Tauber. Diese Stadt ist lieblich und vermittelt trotz der sehr aktive» Fremdenindustrie bedeutsame Einblicke in mittelalterliche Stadtkultur. Um diese alten Mauern tobten Kriege, innerhast, der Mauern kämpften die Gilden gegen die Patrizier, und auf dem schönen Marktplatz wurden aufständische Bürger und Bauern im Großen Bauernkrieg hingerichtet. Der Markgraf von Ansbach(ein Hohenzoller) hielt das Gericht, und dos Blut floß wie«in Bächlein die Schmiedegasse hinunter, schreibt der Chronist. Von der hochgebauten Stadt geht der Blick weit ins blühende Land. Da unten im Tal liegt das alte Reichsdorf Dettwang, I4Criibörg: ' n WWMMWWMMDWW tiitclr von der Burg SplUlertor dahinter ist die württembergische Grenz«, und im Süden liegen die romantischen Stadt« Feuchtwangen, Wolframs- eschenbach, Dinkelsbühl und Nördlingen. Wir wen- den uns dem Westen zu, kommen nach dem stillen, schönen Ochsen- f u r t und machen Station in Würzburg und finden alte Kultur und Liebe für die Gegenwart. Das fränkische Land, das wir flüchtig durchstreift haben, bietet auch dem proletarischen Reifenden Schönheiten und viele Ueber- raschungen, und es wäre sehr zu empfehlen, daß der Reichsausschuß für Sozialistische Bildungsarbeit eine Ferien- und Wanderfahrt nach jene» Landschaften und Städten organisierte. cschluß.) An dem Tage, als sie ihn angerufen, Schutz und Hilfe von ihm erfleht hatte, war«s über chn gekommen. Er hatte aufhorchen muffen bei dem Klang dieser zitternden, heiseren, dünnen Stimme. Natt« impulsiv gehandelt und Kead, den er mürbe machen, brachlegen wollte, aus Lebensgefahr befreit, gegen sich dabei gehandelt. Das erstemal hatte er seine Willkür spielen lassen wollen! doch Lillian war dazwischen getreten., Jetzt hingen feine Augen an ihr. Er preßte die Lippen aus» «inander. Jede Bewegung an ihr, jeder Blick, jedes Wort, ledc kleinste Geste wirkten zündend aus seine Sinne. Sie war nicht mehr das Mädchen mit den großen klugen Kinderaugen, nicht das junge blühende Weib, als das er sie besessen hatte. Ihr Körper war nicht mehr so rund, ihr« Haut nicht mehr so rosig und glatt. Anders war sie, lockender, reizvoller, hinreißender, so. wie man die Frauen hier begehrt: nicht alt, häßlich und verwüstet, sondern blendend in der Weißglut ihres Leben», eh« es zu Asche und Schlacke zerfällt. „Sie wird an der Sehnsucht nach dem Manne sterben, ohne von ihm erfüllt worden zu sein", lzatte einmal I. zu ihm gesagt. Wie schön war sie dach in diesem langen, allmählichen Sterben. Marin wäre bereit gewesen, vor sie hinzustürzen, seine an ihr begangene Schuld zu büßen und alles zu tun, was sie ihm zurück- bringen könnte. Lillian war ganz frostig? Abwehr. Nichts konnte er tun, dos aufheben konnte, was zwischen ihnen stand. Lillian saß aufrecht. Der da lockt«, lauerte, langte noch immer »och ihr, und sie war schon über alles hinweg. Hatte sich weil, weit entfernt. Schürfte nicht mehr noch Gründen, verlor sich in keine Gedanken mehr. War leer, öde, kalt, unerfüllt. Lange saßen sie beisammen, bis zur Dämmerung. Purpurn oerglühte der Tag. Nacht wälzt« sich am Horizont herauf, und die beiden wurden nicht müde, gleichgültige Dinge vom Leben zu reden, zu schweigen, zu warten. I« mehr sie sprachen, desto langwelliger wurden sie sich. Je langweiliger sie sich wurden, desto mehr sprachen sie. Ihre Reden versandeten. Allein, einsam war jeder sür sich. Sie waren mit sich endgültig fertig. Marin brach auf. Da draußen waren die Klubs, Hotels,.Nacht- lokale, die großen Gesellschaften. Bewuyderung für ihn, Schmeichelei, alles, ohne dos er nun nicht mehr sein konnte. Hier war nichts mehr. Und er hotte so viel erwartet. Enttäuscht, aber nicht be- schwert, begab er sich in d'e Stadt zurück. 37. Die Frau, je tiefer sie hier gestoßen wird, um so dauernder, verzweifelter kämpft sie gegen diese» Schicksal. Di« große Dam« der internationalen Gesellschaft, die billige Hafendirne, ob weiß, ob gelb, sie olle sind hier Schwestern in dem Leid, das das farbenfreudige Leben phantastisch überschminkt. Lillian, ollein auf der Terrasse, vom Dunkel der Nacht beschattet, dachte nicht mehr an Kampf. Zum ersten Male in ihrem Leben empfand sie wohltuend« Einsamkeit. Sie rastete wie«ine Gehetzte. Ein seliges Gefühl überschauerte sie, das der Ruhe. Mählich versank sie in Nachdenklichkeit. Sie dachte nicht mehr mit dem Blute, mit der Seele, dachte nur noch mit dem Verstand und der Vernunft. Es war ein klares, durd/ichtiges Kalkül, das sie anstellte. Sie erwog: Ich war ni« Kind, nie jung. Ich erkannte das Leben, ehe ich es noch zu leben begann. Ich bin eklig geworden wie die, vor denen es mich geekelt hat. Mein Gesicht ist nur mehr Maske, mein junger geschmeidiger Körper Lüge: ich bin krank und elend. Was ist noch in mir? Eine sandige Wüste, eine kahl gebrannte Stepp«. Welche Verbindungen bestehen noch zwischen der Welt und mir? Der Mann, dem ich zuerst angehörte, irrlichtert in Erfolg, Eitelkeit, Gefallsucht: der, dem ich von Kindheit an verfallen war, dessen preis- werte Geliebte ich dann wurde, wird dick und breit mich auch fürdephin besitzen: der aber, den ich lieb«, ist tot Meine Mutter hat noch nicht zu Ende gelebt: sie macht das auf eine heroische Art. Und die vielen anderen? Ich will mich nicht erinnern an das, was an mir vorüber und über mich hinweggegangen Ist. Ich will nicht mehr danach fragen, was ich geworden bin. Eine glatte Rechnung? Nicht ganz. Die Schuld eines Menschen überdauert ihn. Es ist gut so. Ich habe atso zu wählen, dieses Leben sortzusetzen oder es zu beschließen. Da» erst« läßt sich nur mit schweren Kompromissen machen. Taug« ich dazu? Nein. Ich will kein« Unklarheiten mehr in mir trogen. Lillian hatte sich erhoben, begab sich in ihr« Appartements, kleidet« sich um, verließ das Haus. An der Pforte stand ihr Auto. Eine dunkle Gestalt trat ihr in den Weg.«in« Frau. Lillian, weder ängstlich noch scheu, blieb stehen, forscht« in dem Antlitz, das ganz nah« dem ihren war. Ein glühendes Augenpaar. Ein brennender Blick. Dicke, aufgeworfene Lippen, die bebten. Schmal das Gesicht, erbarmungswürdig. Lillian sah nach der Kleidung des Weibes. In ihr dämmerte es curs. Die Tatarin. Sie erinnerte sich der ersten Begegnung mit ihr Stumm stand die Jammergestalt da. Lillian wollte sie anreden. Besonn sich; nein. Wie damals vor dem Palais in der Peking-Noad schwang sie sich frei und gelenkig auf den Führersitz, li-ß den Motor antreiben und verglitt in das Dunkel der Nacht. M'ras Hand schob sich au» der Tasche. Da war sie nun dahin, oerschwunden. die Frau, an der sie ihr Elend rä-''en wollte, das schön« junge Weib, da» den Mann und sie und viel« in den Abgrund von Verzweiflung. Not und Verderben gestürzt hatte. Ma-m schrie auf. Schmiß die Masse hin,, die sich von selbst entlud. Ein Knall, der in endloser Weite verhallte. Ans der Fern? schlug es wie Echo zurück, tönte dumpf ein Schuß wie zur Antwort. Maro tastete sich die halbduntle Straß« entlang. Da— die Limousine stand mitten auf der Straße.'Der Motor war ab- JUc/iiriefa**- gestellt. Das Licht geblendet. Mara horchte, wußte, in wessen Nähe sie wieder geraten war. Quälend« Stille. Sie zögerte, machte ein paar Schritte vorwärts, kehrte um, umkreiste das Auto, schlich sich dicht heran... Am Volant hockte steif und unbeweglich Lillian. Ihr Kopf war zur Seite geneigt, die eine Hand lag am Steuerrad, die ander« hing schlapp herab. Mara hielt den Atem an, lauschte, »ahm die Hand vom Volant: sie fiel herab. Der Körper kippte um. Mara wankte rücklings. Erschrak, als sie das Rattern eines heran- nahenden Motorrades hörte, floh entsetzt, wie verfolgt. Einsam, oerloren stand die Limousine auf der Straß«. . Am nächsten Tage waren die Blätter vom Tod« Miß Lillian Blyths voll. Mr. Garrickson, von Kead geladen, begab sich mit gemischten Gefühlen in das Geschäftshaus Keads, wo nun wieder der Mächtige seine Arbeiten erledigte.. Beklonimen, unsicher tappte Garrickson die Trepp« empor, ließ sich melden, trat ein. Da kauert« erbärmlich, armselig, zerschmettert der Busineßmo», inmitten abgehetzter Menschen, Schreibmaschinengeknatter, Laut- sprecher, Telephon. Telegraph, Surren, Klingeln. Um ihn braust«, hämmert«, rumorte das Geschäft. Gleißt« der Dollar, wuchtete roh« Gewalt. Kead blickte aus halbgeöffneten Lidern nach dem Eingetretenen. Schwerfällig wälzte er sich aus dem Stuhle, kämpfte sich auf, torkelt« wie betrunken aus Garrickson zu, streckte ihm die Hand hin. Lallte Worte, redete laut vom Geschäft. Mr. Garrickson starrte ihn wie«in Ungeheuer an. Wagte nicht, das Gespräch ins Persönliche abzurücken. Blieb bei der Sache. Roch Beendigung der Konferenz sah Garrickson ein. daß er heute ein lcklechtcr Geschäftsmann gewesen war, sich von Kead hatte einfangen lassen. Ihn hatte nicht so sehr der Schmerz dieses Mannes, fondern wie er ihn ertrug, diese übermenschliche, schon unmenschliche Macht über sich verwirrt. Verdrießlich ging er dem Ausgang zu. Kead diktierte, rauchte, trank, arbeitet«, schwitzte, vermchtet«. 58. Abends. Im Boudoir der Mrs. Mabel Kead. Die Zofe: „Wohin befehlen, gnädige Frau, heut« abend den Wagen?" Mrs. Mabel rassle sich aus, schnauzte trotzig, fassungslos:„Ins Hotel de L'Europs!" Sie schleifte und schleppte sich weiter. War noch nicht zu Ende. An diesem Abend wurde der Generalstreik abgebrochen. Die Massen strömten wieder in die Fabriken, auf di« Docks, Krochen wieder in di« Dschunken. Die Maschinen begonnen wieder zu arbeiten, zu verbrauchen. Die Stadl mar von Licht und Farbe Übergossen. eBuck Vincente tßlafco übanem:„3)er Eindringling".') Den„Eindringling" nennt Bincente Blasco Ibonez die Jesuiten in einem Roman, dessen Hintergrund und wesentlichster Inhalt ein Kapitel Jesuitengcschichte aus unserer Zeit ist. Es scheint uns in das finsterste Mittelalter zu führen.. Aberglaube und Unwissenheit wuchern in der Heimat des Ordensstistcrs, im Baskenlande, noch üppig empor. Die industrielle Entwicklung hat daran wenig ge- ändert. Wohl rauchen die Schlote der Fabriten und Hochöfen, wohl verwandeln die Erze der ergiebigen Erscnlager sich für ihre Besitzer in rasch wachsendes Kapital. Handel und Technik knüpfen die Fäden mit der Welt. Aber das geistige Leben wird bestinnnt von der Abge- schlossenheit der dörflichen TÄer, von der bitleren Armut der bunt zusammengewürfelten Arbeiterschast, vo» dem Egoismus der Be- sitzenden. Auf diesem günstigen Boden entfalten die Jesuiten ihr? Macht. Sic malen den Reichen die Schrecken des Todes aus und kassieren di« Beiträge für die himmlisch? Seelenversichcrung ein. Dafür Helsen sie auch noch hier auf Erden die gottgewollte Welt- ordnung aufrechterhalten, di« den Armen zum Knecht und den Reichen zum Herrn— natürlich unter jesuitischer Oberhoheit— schuf. Mit unheimlicher Klarheit deckt Ibancz den Mechanismus des jesuitischen Wirkens auf: man erobert das Land, indem man die Machthaber erobert. Je bester man ihre Stellungen verschanzt, desto bequemer kann man sich selber dahinter verstecken, desto sicherer die eigenen Angrstf« leiten. Vom Beichtstuhl her dringt man in die Familie ein, öffnet und versperrt Schlafzimmertüren; im Beichtstulsi lächelt man milde oerzeihend zu jeder Unmoral, segnet Verleumder und Spione— wenn es dem Orden zum Nutzen gereicht. Eine Wall- fahrt wird zum offenen blutigen Kampf zwischen der jesuitenfeind- lichen Arbeitermasse und der Herd«, die wohlbewasfnet, von Jesuiten angeführt, zum juwelengeschinückteN Marienbild zieht, das sie zur .Herrin von Biscaja" proklamiert. Regierungstruppen und Iesuitengläubig« bleiben Sieger. Aber der Tag der Freiheit dämmert schon in der Ferne. E. Andreiii. *) Berlag Büchergilde Gutcnberg. WAS DER TAG BRINGT. «HUiiiiuiuinramiiiminiiniiiiiiiimiuiiiinniiiinitiiniuHautuutnnuiininuramminin Das neue chinesische Straßennetz. Soeben ist von einer staatlichen Baulommstsion in China der Plan eines ausgedehnten Straßennetzes ferttggestellt worden, das sich über ims ganze Reich erstrecken soll. Durch dies« Anlag« sollen nicht nur die wichtigsten Städte und di« entferntesten Gegenden, di« oft wie verschiedene Länder erscheinen miteinander verbunden wer- den, sondern man will dadurch auch' solche Landstriche an den Ver- kehr anschließen, die bisher so gut wie unzugänglich waren und in denen daher bei Mißernten die Hungersnot mit besonderer Heftig- keit auszutreten pflegte. Die chinesische Straßenbaukommission be- steht erst seit etwa einem Jahre. Ihr gehören aus jeder Provinz je ein Vertreter an, zu denen noch drei Beamte des Derkehrsministe- riums treten, da der Bau der Straßen in engem Zusammenhang mit der Anlage neuer Eisenbahnlinien gebracht werden wird. Bis- her'' sind zwar auch schon neu« Straßen angelegt worden, aber dies« Anlage geschah nur von einzelnen Provinzialverwaltungen, wie etwa in der Provinz Kwangsi, wo sich der Gouverneur des bisher ungewohnten Mittels bedient«, jeden männlichen über IS Jahr« alten Bewohner zur Straßenarbeit zu verpflichten. Jetzt ober geht der Bau von der Regierung in Nanking aus und er soll auch Tibet und di« Mongolei mit dem chinesischen Straßennetz verbinden. Ein« der wichtigsten Straßen wird von Nanking in die Provinz Punnan führen und dabei Distrikte berühren, die bisher so gut wie verschlossen waren. Die nach Tibet führende Straße soll bis Lhasta ausgebaut werden. Eine meiter« wichtige Straße wird das ganze Reich vom Nordwesten bis zum Südosten durchqueren und von der Straß« zur Mongolei«rhofst man einen bester«» Vertrieb der Erzeugnisse aus der landwirtschaftlich reichsten chinesischen Provinz Schonst. Die Straßen wenden vorerst nur als Wege angelegt werden, da sie auch in diesem Zustand schon einen Kostenaufwand von 25 bis 30 Mil- lionen Dollars erfordern. Stinnes wollte sich am Polarkreis ankauten. Daß Hugo Stinnes während des Krieges versuchte, die im Polarkreis gelegene Insel Jan Mayen anzukaufen, wurde in einem Prozeß«rnhüllt, der jetzt In Oslo über das Eigsntum an dieser Insel geführt wurde. Die norwegische Regierung hat die Insel als Staatseigentum in Anspruch genommen und dort eine drahtlose Stq- tion eingerichtet. Das Eigentum wurde dem Staat aber von einem Privatmann streitig gemacht, der behauptet, er habe die Insel schon früher in Besitz genommen und der Regierung davon auf dem recht- mäßigen Wege Mitteilung gemacht. Während der Verhandlung meldete sich«in alter Seemann als Zeuge. Er erklärte, daß weder der norwegische Staat noch der Privatmann Anspruch auf Jan Mayen hätten, denn er habe die Insel bereits vor dem Kriege sich in rechtsgül.iger Weise angeeignet. Er gab dann weiter an, Hugo Lünnes sei 1917 mit ihm in Verhandlung getreten und habe ihm eine Million Goldmark für die Insel geboten. Der Seemann legte Dokumente vor, die die Wahrheit seiner Angaben beweisen sollten. In diesen Dokumenten erklärte sich S innes bereit, dem Sl-emann drei Jahr« lang jährlich 335 000 Goldmark zu zahlen. A''«r die norwegisch« Regierung erhob Einspruch und zwang ihn, seine Ce'gen- tumsreckte an die Insel dem norwegischen Staat für ein« Summ« abzutreten, die genau ein Hundertstel besten war. was Slinncs zahlen wollte. Schnellster Zu� der We't? Auf der Eisenbahn Kanadas ist jetzt ein« neue Verbindung ge- schaffen worden, die den Anspruch erhebt, die schnellste der Welt zu sein. Der neu eingestellte Zug verkehrt zwischen Montreal und Toronto und legt nach dem neuen Fahrplan die Strecke von rund 535 Kilometer in sechs Stunden zurück. Das bedeutet eine Zeit- ersparnis von 100 Minuten, wodurch die Reise von Montreal nach Chikago ganz wesentlich verkürzt wird. Die erhöhte Schnelligkeit wird durch die Verwendung stärkerer Lokomotiven erzielt. „Schneeflocken" aus Rohgummi. Während bisher der rohe Milchsaft der Gummibäume durch Räuchern oder durch Chemikalien zur Gerinnung und in Fladensorm in den Handel gebracht wurde, wird jetzt in Sumatra ein anderes Verfahren zur Aufarbeitung des Rohsastes bemitzt. Der Milchsast wird aus einem Behäller unter starkem Druck einem Zerstäuber zu- geführt, der aus einem umgekehrten, sich, rasch drehenden Metall- kegel besteht. Der feine Flüssigkeifsrogen wird in einem Betonraum von je 10 Meter Seitenlänge von hocherhitzter Luft getrocknet, so daß die festen Bestandteile trocken in Form einer Schneeflocken gleichenden Masse zu Boden sinken. Sie werden dann zu Ballen gepikeßt und oerschifft. Milch tür Bergleute. In den Schochtanlogen des tvestdeutfcheii Industriereviers gelangten im Jahre 1929 nahezu 4 Millionen Liter Milch zur Ausgabe. Bettler im Auto, In dem pommerschen Städtchen Damgarten wurden zwei junge Bettler erwischt, die ihre Tour auf dem— Motorrad„tippeln". Wenn sie in einen Ort kommen, so stellen sie ihr Vehikel jeweils im erstbesten Wirtehaus ein. bevor sie an die„Arbeit" gehen. Der Augenschein bewies, daß sie recht gute Erfolge aufzuweisen haben. tlagenbeck soll den Pariser Zoo umhauen. Einer der Brüder Hagenbeck ist nach Pari» berufen worden, um Pläne für den Umbau des„Iardin des Plantes" nach dem Muster von Stellingen auszuarbeiten. Es ist beabsichtigt, den Umbau über Reparationskonto verrechnen zu lasten. Die staubige Welt. Der Leiter einer Wetterwarte führte kürzlich aus, daß der Mensch mit jedem Atemzuge etwa eine Million Staubteilchen, Keimkörner und winzige Lebewesen einatmet! In der Tat gibt es Quellen genug, aus denen den Lungen Körper zuströmen, die Ihnen unwillkommen sein müssen. Der Wind, der über Wüsten streicht, führt mis Tausende von Kilometern Sand mit: Teilchen von Pflanzen und ihre Samen durchsetzen die Lust: Rauch von Küchen, Fabrikschioten und brennen- den Wäldern liesern häßliche Beiträge für das Reich des Staube?: das Meer schleudert Salz in di« Luft: feuerspeiende Berge sind Sender steinigen Pulvers, und schließlich fehlt es in der Lust auch nicht an allerhand Asche, die von verglühten Körpern des Himmels herrühren, die sich in unsere Nähe verirrt haben. Die Diebin und ihr Verteidiger. In Chikago Hot«in junger hübscher Rechtsanwalt ein« ebenso junge und hübsche Warenhausdiebin zu verteidigen. Er tat das so geschickt, oah die Angeklagte freigesprochen wurde. Unter Tränen dankt« sie ihm, daß er an ihr« Unschuld glaube, und sie beteuerte. sie werde sich erkenntlich zeigen. Nach einigen Tagen traf bei diesem Rechtsanwalt«in Paket mit einer wunderschönen Vronzesigur ein. und weder nach emlaen Taxen kam die hübsch« Angeklagte selbst Harmlos erzählt« sie ihm, daß ihr das Aussuchen eines Geschenkes für ihn groß« Schwierigkeiten bereitet habe, denn sie hätte gar nicht gewußt, womit st? ihn überhaupt hätte erfreuen können. Da habe sie aber in einem Warenhaus diese Figur gesehen, und ivell der Verkäufer gerade den Rücken gedreht hätte, habe sie die Figur für den Rechtsanwalt mitgenommen.».. Der Rechtsanwalt mußte dar- auf schweren Herzen» die Diebin der Polizei anzeigen. Sport zu Arbeiter-Fufj- und-Handball Gastspielreisen der Berliner Die Psinstfeiertnge werden wieder von einigen Fnstball- V-ercinen dazu bcnu�t, um mit auswärtigen Mannsckiaften Prapagandaspicle auszutragen. Die rührigen Cös>enicker fahren mit der ersten Mannschaft nach Schlesien, während die zweite Mann- sä/ast die Provinz Wcstphalen besucht. Die erste Mannschaft spielt am ersten Feiertag in chindenburg gegen den Sportverein Adler und am zweiten Feiertag gegen den V.f.B.-Mürfelschug. Die zweite Mannschaft hat Denkcrsen bzw. Nammen zum Gegner.— Vorwörts- Dedding besucht mit der ersten Männer- und Iugendmannschaft Walhalla-Steitin. Spandau 23 führt nach Sachsen zu Lichtenburg bei Torgau.— Weitere Spiele: Minerva-Neukölln gegen Schönow im Neuköllner Stadion, Platz 7. Nmvawes gegen Minerva 2. Brieselang gegen Britz 88 Jüterbog gegen FTGB.- Neukölln. Storkow gegen Freie Scholle. Bclzig gegen Schöneberg. Pankow gegen Freienwalde. Nowawes gegen Minerva-Neukölln 3. Brieselang 2 gegen Butab 2. Jüterbog 2 gegen FTGB.-Neukölln 2. Storkow 2 gegeil DeutschWusterhausen 1. Pankow 2 gegen Freienwalde 2. Die spielerische Betätigung der Arbeiter. Handballer ist imr aus Mannschaften des 1. Kmlses beschränkt; Spiele mit aus- wärtigen Mannschaften finden nicht statt. Am 1. P f i n g st f e i e r- l a g spielen Rehfelde 1. Männer gegen F.T.G.B.-Neukölln 2, um 15 Uhr in Rehfeld«. Miincheberg 1. Männer empfängt Strausberg »m 13 Uhr in Miincheberg. Fichtenau fährt mit der 1. Männer. Mannschaft nach Kirchmöser bei Brandenburg und spielt dort um 15 Uhr. In Biesenthal spielt F.I.G.B.--Wcdding S. Männer gegen Biesenthal 1. um 1K Uhr. Potsdam und Kalkberge stehen sich um 16 Uhr in Potsdam, Luftschijfhafen, gegenüber. Schenkendorf spielt um 15 Uhr gegen F.T.G. B.-Lankwitz in SchenkenAorf. Friedrichs- thal 1. Jugendmannschaft hat um 15 Uhr in Friedrichsthal ein Spiel acgen Freie Sportoereinigung Tegel zu absolvieren, während Bornstedt-Jugend sich um 13 Uhr Rathenow 1. Jugend in Bornstedt als Gegner verpflichtet hat.— Am 2. Feiertag spielen als einzige Mannschaften die Frauen von Rehfclde gegen die Wilmersdorfer Frauen um 15 Uhr in Rehfelde. Platexvdtoe bei„Tcimis-Rof Die Aktivität �des Berliner Arbeitertennisoereins Tennis-Rot Groß- Berlin e. V. kann nicht genug be« wundert werden. Noch nicht vier Jahre alt, umfaßt der Verein bereits Abteilungen in Köpenick, Friedrichshain. Gesundbrunnen, Lichtenberg, Neukölln, Prenzlauer Berg, Wedding, Weißense« und Charlottenburg, neun Abteilungen und fünfhundert Mitglieder, für einen Arbeiterbennisverein ein« ganz erstaunliche Leistung. Dazu kommt noch, daß der Bereit, für einen verhältnismäßig kleinen Beitrag Platz und Bälle stellt und sich der Fortbildung der Mit- glicder hingibt, wie keiner der bürgerlichen Tennisklubs. Am Pfingstsonntag, 3 Uhr vormittags, wird Tennis- Rot die vom Bezirksamt Charlottenbnrg eben fertiggestellten Tepnisplätze im Voltspark Jungfernheidc übernehmen, verfügt also zum ersten Male über eigene Plätze. Mit einer kurzen Ansprache und mit Werbespiclen der besten Spieler des Vereins sollen die Plötze eingeweiht werden. Die Plätze liegen nicht nur landschast- lich gut, sondern sie sind auch vom Bahnhof Wernerwerk der Siemensbahn in kurzer Zeit zu erreichen. Nicht iveit ab von den Tennisplätzen bietet das Freibad Jungfernheidc Bademöglichkeit. Arbeiicr-Athleien bei„Schonerts" Am 1. Pfingstfeiertog findet im Resta»rant„Neu-Seelond", früher Schonert, am Bahnhof Stralau-Runnnelsburg, Kynaststraße, der Endkamps um dl« Gruppenmeistcrschaft der Gruppe Ostdeutschlaick» im Arbeiter-Athletenbund statt. Es treffen sich die Kreismeister Stettin- Stolzenhagen und Luckenwalde. Ein Urteil im voraus zu fällen, ist sehr schwer, doch rechnet man die stark« Pommernn»annschaft als Titelanwärter. Luckenwalde wird natürlich alles aufbieten, Stolzenhagen zu besiegen. Die Vorstellung beginnt um 16 Uhr, bei schönem Wetter im Garten. Der Kamps wird umrahmt von guten artistischen Darbietungen und Gewicht- heben der Bundesmeistermannfchaft Lichtend erg-Friedrichsfelde Ol. Eintritt 0,30 M. Artistenprogramm bei„AH-Wcddmg 83" Im Garten des Moabiter Schützenhaufes in nächster Nachbar- schaff des Freibades Plötzenfee wird der bundestreue Arbeiter- Achletenverein„Alt-Wedding 1883" am 2. Feiertag ein großes Varieteprogramm zur Schau stellen. Der Arbeiterschaft des Berliner Nordens bekannt durch seine Mitwirkung bei Veranstal- tungen der Partei und der Gewerkschaften, wirbt Alt-Wedding zun» Besuch seiner Veranstaltung. Die Eintrittspreise sind mit 35 Pf. wirklich sehr niedrig, so daß sich die Genossen des 3. Kreises ein Stelldichein geben können. Beginn 15 Uhr. Qautrettea Solidarität Zu einem Ereignis für die Arbeiterschaft dürfte die Kauausfahrt der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrer der Provinz Brandenburg(Gau S) während der Pfingfttage in Finstcrwalde werden. Di« gesamten Arbeitersportvereinc Finsterwaldes haben ihre Unterstützung zuge- sichert. Beim Empfangsabend am Sonnabend, dem 7. Juni, werden die dem Sportkartell angefchlosienen Vereine den eintreffenden Gälten im Heim der Finstcrwalder Arbeiterschaft, dem Viktoria-Hotel, ihr Bestes zeigen. Am Sonntag früh Wecken durch das Tambourkorps der Finsterwalder Turner. Um ö Uhr Antreten der Sirahenfahrer und Motorfahrer zu ihrer Zuverlässigkeitsfahrt Rund um Finster- walde. In den Vormittagsstunden wenden dann die Radballmann schaften im Viktoria-Hotel ihre Vorkämpfe austragen. Um 11 Uhr wird auf dem Marktplatz bei einem Platzkonzert ein Massenreigen gezeigt werden. Die Jugend wird hier mit einem Splechckor auf- warten. Um 1 Uhr ist Aufstellung zum Festzug, der sich um M2 Uhr zum Sportplatz der Freien Turnerschaft in Bewegung setzt. Dort iverden mehrere Bahnrennen. Geschicklichkeit- fahren der Motorfahrer, Rasenradballspiele und Massenreigen gezeigt werden. Di« Kunst- und Reigenfahrer werden dann am Abend im Viktoria-Hotel von ihrem Können Zeugnis ablegen. Am.zweiten Feiertag Waldausfwg. Die Jugend wird eine Bergwerksbesichtigung vornehmen. Ptingsttreften auf dem Sonnenplatz! Di« Neukölln-Britzer Arbeitersportler der FTGB. haben mit ihrem„Sonnen platz' in der Sonnenallee(5 Minuten vom Bahnhof' Kaffer-Friedrich-Straße) eine ideale Uebungsstätte. Durch rastlose und uneigennützige Tätigkeit der Mitglieder ist dieser bequem zu erreichende Platz so hergerichtet, daß er, der ständige Tummel- platz für alle Bezirksangehörigen wurde. Schaltige Anlagen. Tische und Bänke bieten den Aelteren angenehmen Aufenthalt, während Pfingsten sich die Jüngeren auf grünem Rosen bei Spiel■ und Sport nach Herzenslust tummeln können. Für die Kleinen wird der unvermeid- liche Buddelplatz«ingerichtet. So vorbereitet, erwartet der„Sonnen- platz" am Pfingstsonntag alle die Bezirksmitglieder und deren An- gehörig«, die nicht auf Fahrt sind. Bereits um 7 Uhr früh werden sich die Pforten öffnen und nach altem Brauch(der nicht gebrochen wird) steigt das erste„Frühkonzert" bei der dampfenden Bunzlauer! Allerlei„nasemporl" Bürgerlicher Fußball— Traberderby. Bereits am Freitag beginnt mit dem Spiel zwischen Minerva und den Deutsch-Amerikanern die Serie der zahlreichen fußballsportlichcn Ereignifle in der Reichshauptstadt. Die Gäste aus Milwaukee, Chikago und New Park bringen ein höchst solides Können mit, was sie in Hamburg und Hannover unter Beweis stellten. Beginn 19 Uhr auf dem Herthaplatz.— Der Pfingsonntag bringt die Begegnung von Tennis- Borussia mit dem Club Froncais-Poris. Hier gibt es fraglos«in sehr schönes Spiel, denn die Franzosen haben in den letzten Jahren kolossal gelernt.— Der Pfingstmontag wartet dann mit der Sensation des Wiederholungsspieles Hertha-BSC. gegen Köln. Sülz 07 um den Verbleib in der Vundesmeistcrschast auf. Am vergangenen Sonntag in Köln reichten 120 Minuten zur Ermittlung eines Siegers nicht aus, so daß das Treffen unentschieden 1: 1 abgebrochen werden mußte. Bor heimischem Publikum müßte der Berliner Meister diesmal um soviel besser spielen, daß ein knapper Sieg ermöglicht wird. Beginn des Kampfes 16,30 Uhr im Poststadion. Die Pfingsttage bringen stets eine Hochflut von Geschehnissen auf den, Tur. Am ersten FeikHag ist es das Deutsche Traber- Derby in Ruh leben, das besondere Würdigung verdient Dem heutigen hohen Äandard des Trabersports entsprechend, ist das Rennen mit 30 000 Mark höchst großzügig ausgestattet. Natürlich gehen alle Vertreter des Derbyjahres an die 3200 Meter.— Eine Art Neuauflage des Hcnckel-Rennens wird anscheinend die„Union", deren Entscheidung am Pfingstmontag aus der Bahn des Union-Klubs fällt. Kein Zweifel, daß diese Prüfung eine Art Völkerwanderung nach Hoppegartens Fluren auf die Beine bringen vfird. H u n d e r n n« n auf der Rennbahn in Strausberg veranstaltet am Pfingstmontag der„Berliner Hunde-Renn-Club". Es kommen zehn Konkurrenzen zum Austrag, die von Hunden der. Polizei, und Windhundrassen bestritten werden. Beginn 15 Uhr. Berufs- und Amateurradsport An den Festtagen wird im Radsport wieder allerlei Betvieb herrschen, sofern der Wettergott ein Einsehen hat. In Berlin finden an beiden Feiertagen größere Veranstaltungen statt. Den Pfingst- sonntag hat sich die Olympiabahn reserviert, die ein 23-Kilometer-Rennen und den„Großen Pfingstpreis" in Gestalt eines Stundenrennens in zwei Läufen über je 30 Minuten ausfahren läßt. Teilnehmer sind Linart, der nach zweijähriger Abwesenheit wieder in Berlin startet, Walter Sawall, Manera, Krewer, Miß- bröker und Schäfer. Stark besetzte Amateurrermen umrahmen die Steherprüfungen. Am zweiten Feiertag gibt sich die Elite unserer Flieger auf der Rütt- Arena ein Stelldichein. Gegen Kömzer wie Moeskops, Bergamini, Falck-Hanfen und'Matheron wird Meister Engel einen schweren Stand haben, aber vor einer unlösbaren Aufgabe steht der Kölner keineswegs, zumal er sich in hervorragender Form befirchet. Das Feld vervollständigen Stesses. Ehmer, Ofzmella, Schamberg, Knappe, Fricke, Frankcnstein usw., die auch sämtlich am Stunden-Mannschaftsrennen teilnehmen werden Arbcifcrsportlcr in Antwerpen Vom Sonnabend. 7. Juni, bis zum Pfingstmontag finden im Rahmen der Weltaus st ellung in Antwerpen Wettkämpfe .zwischen den besten Geräteturiwrauswahlmannschaften der Arbeiter- sportoerbände von Belgien, Deutschland, Oesterreich, Holland und Frankreich statt. Geturnt wird am Barren, Reck, Pferd und an den Ringen. Die Veranstaltung ist als Dorprobe für das 2. Arbeiter-Olympia 1931 in Wien zu betrachten. In» Spiegel des Gesetzes sind sportuntäde unverschuldetes Unglück! Nach§ 63 des Handel s gef c tzb ü ch e s ist ein Arbeitgeber oer» pflichtet, einem bei ihm Angeflellicn in unrerichuldeten Kranibcits- fallen bis auf die Dauer von sechs Wochen Gehalt und evtl. auä? Unterhalt zu gewahrer� Biete Kaufmannsangeflellte huldigen dem Sport, insi-esonüere auch dem Futzballjpolt. Aue nun, wenn ein Angestellter bei Ausübung des Sportes irgend- wie oerletzt wird und wegen Erkrankung längere Zeit vom Dienst« fernbleiben muß? Ist die Krankheit dann jelbstverschuldet oder als nicht verfchuloeie anzusehen? Diese Frage Ist schon wieder- holt Gegensrano gerichtlicher Entscheidung gewesen, und die Gerichte haben stets eine Nichtoerfchuldung angenommen. In einem Falle war Kläger gegen Monatsgehalt als Handlungs. gehilf« bei dein Beklagten angestellt. Er nahm Soimtags an einem Fußballspiel teil, wodurch er sich eine Knieoerlotzung zuzog. Tags darauf bat der Kloger bei dem Beklagten um Urlaub, um einen Arzt aufsuchen zu können. Der behandelnde Arzt verfügt« Ueberführung in das Krankenhaus, die auch am gleiche t Tage noch erfolgt«. Operation und Behandlung erforderten«inen sechswöchigen Krontenhausaufenthalt, darüber hinaus ein« oierzehntägige Schon- zeit im Elternhaus, so daß der Kläger erst nach insgesamt acht Wochen seinen Dienst wieder ausnehmen konnte. Der Kläger vertrat die 'Ausfassnng, daß er durch. unverschuldetes Unglück an der Leistung feines Dienstes verhindert worden fei und brachte deshalb den Schutz des§ 63 HEB. in Anwendung. Demgegenüber vertrat der Bc» klagte die Meinung, daß durch die Teilnahme an einem Fußball- weltspiel das Unglück als selbstverschuldet anzusehen und er aus diesem Grunde zur Zahlung des Gehaltes nicht verpflichtet fei. Da» Gericht kam nach Prüfung der Sachlage übereinstimmend zu der Auffassung, daß die Krankheit des Klägers als unverschuldet im Sinn« des{j 63 des H G B. anzusehen sei. Zur Be- gründung des Urteils wird unter anderem angeführt: Ein unver- fchuldetes Unglück liegt fraglos dann vor, wenn es sich nicht als die Auswirkung einer von der normalen Richtung abweichenden Lebens» werf« darstellt. Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, daß sportlich« Betätigung im allgemeinen heute nicht mehr als«ine Abweichung von normaler Lebensweise aufgefaßt werden kann. Daß die angemessen« Betätigung im Fußballspiel oder in anderen gleichliegenden Arten von Leibe»- Übungen in Disharmonie zu normaler Lebensweise steht, würde wohl kaum«in Mensch zu behaupten wagen. Sie ist nicht nur wünschens» wert, sondern sogar im Juteresse der Volksgefundhelt notwendig. Gegen sie wendet sich der Beklagte auch nicht. Er beänstondet nur die Teilnahme an einem Wettkampf, und zwar an einem Wettkampf verschiedener Mannschaften von Bereinen gegeneinander, weil dieser «in besonderes Gefahrenmoment in sich berge. Di« Auffassung des Beklagten Ist v e r f« h 1 t. Das Fußballspiel gehört zu jener Art von Leibesübungen, die begrifflich überhaupl nicht ohne das Wetteifern zweier Parteien gegeneinander zu denken ist, und nutzbringend, d. h. um feinen Zweck im Interesse der Stärkung und Gesundung der sie Betreibenden zu erveichen und auch gar nicht anders geübt werden kann. Will man den Sport als normaler Lebensweise«nt- sprechend gelten lasten, so muß man naturnotwendig dies« Ausfastung auch der Ausübungsart zubilligen, als sie eben zur zweckentsprechen- den Ausübung unbedingt erforderlich ist. Der Vorwurf des Beklagten gegen den Kläger ist aber auch dann unhaltbar, wenn man das Gefahrenmoment berücksichtigt. Eine ähnlich« Austastung brachte das Kaufmannsgericht Dresden zum Ausdruck: ein ähnliches Urteil Ist am 19. November 1926 gefällt worden. gTISB. SfeslSIu-Briz.!. Miinneradt. besucht Bcuff, grtitoa, s. Juni, ab 20 Uhr 1. Miinncrabt. in der Lesgnastrakc.— Psingstwanderer s?ritz)s Treff: Eonnabend, 7. Juni, 13.20— 13.40 Uhr'. Buschkrug Brit! Abfahrt: Etettiner Fernbahnhaf schon 15.37 Uhr. Alle Britzer Abteilungen: 10. Juni, ab 13 Uhr. Treseburgcr Ufer. Tonristcnoerei».Die Siat»rl»u»de�, Abt. Mitte: Pfingstfahrt in die Ucker» inarl. Abfahrt ab Stettiner ftcrnbahnhof: Sonnabend. 16.14 Uhr. bis Alt» Hettcndorf, 20.40 Uhr bi» Ioachimsthal; Sonntag: Abfahrt ä.ä0 Uhr bis goachimslhal lStrohIager). Zittckfahrkarte bis Ioachimsthal ldfcn.— Abt. Pren, lauer Berg, �ahrt Sonnabend, 7. Juni, nach Ioachimsthal. Treffpunkt: 13.45 Uhr Stettincr gcrndahnhof, Borhalle. Sannwgstahrkart« bi» Ioachimstlml lösen. Sportverein Mvabit. Teilnehmer»ur Bfingftwanderunz. Treffpunkt: Sonn- tag früh. ISLO Uhr, Stettincr Bahnhos, Kaumcinitang an der Treppe. Fahrt bis Mt-Strelitz: Abfahrt: S.Si Uhr. «rteiter.glad-»ad ttraftfahrerband S-lidaritöt, 3. Abt.: Pfingstiour am 3. und i. Juni nach Chorinchen: Start 5 Uhr.— Am 3. Juni: Srllnau(Sport- denimal): Start 13 Uhr.— Am 0. Juni: Mahlsdorf�Slld sDriiger): Start 13 Uhr. Wichtige Beschlüsse in Köln Teilnahme an öffentlichen Veranstaltungen fiölu, 6. Juni.(Eigenbericht.) Auf dem Bundestag des Arbeiter-Turn- und Sportbundes hielt am Donnerstag Lehrer Pflügt- Leipzig seinen Vortrag»Durch frei« Erziehung zum freien Volk", in dem er u. a. ausführt«: Wir müsten dafür kämpfen, daß die kommende Generation die besten Erziehungebedingungen vorfindet. Der Kampf gegen Ge- fchlechtskrankheiten, Tuberkulose und AlkolMismus erhält vom Er- ziehungsproblem gesehen sein« tiefste ethische Bedeutung. Bejonde- res Augenmerk ist aus die Einwirkung von Buch, Kino, Theater usw. auf die Erziehung des Kindes zu richten. Für die körperlich» Er- zichung fordern wir den frohen, körperlich gefunden Menschen, für die sittlich-geistige Erziehung ist unser Ziel der ttlare, oerstandes- mäßige Mensch, der mit seinen Füßen sehr fest aus dieser Erde steht und doch nicht liebcleer und gcmütsarm durch das Lebe.i wanden. Wir lehnen aus sachlichen Gründen die konsessionelle religiöse Er- ziehung des Kindes ab und stellen die Forderung aus: Hin zu Natur und Kunst, den beiden großen Erzieherinnen und Trösterinnen der Menschheit! Wir wollen den opsenbereiten Gemeinschastemenschen, der Solidarität und Hilfsbereitschaft als oberstes Gesetz seines Hau- dclns anerkennt. Der wahre Sozialist ist es auch in seiner Familie. Wir wollen den künfiigen Sozialismus im Kind« Zecken. Wir lehnen es aber entschieden ob, das Kind in den Tageskampf der Politik zu ziehen, sondern fordern, den Sozialismus Im Kinde leben- big zu machen, auf daß«inst der Sozialismus Richtschnur für sein Handeln und Denken, ja, der Glaube seines Lebens werde Der Vortrag wurde mit langanhaltendem Beifall aufgenommcn. Dann referierte der Bundcsoorsitzende Geliert über die Teilnahme an staatlichen und kommunalen Veranstaltungen im bejahen- den S'nne. Nach tiefem Bortrag ging et stürmisch her. K um Halt« Gellerl geendet, stürzten etwa 20 Redner zum Borstontstijch zur Wortmeldung. Nach einer langen, teilweise stürmischen Dgbaite wurde folgender, vom Bundesvorstand vorgelegter Antrag an- genommen: „Ausgehend von der Talsache, dag ln der letzten Zell die ve- deulung der Arbeikersportbewegung sowohl aus agilolvrischer als auch aus erzieherischer Grundlage um ein Gewaltige» gestiegen ist, erscheint die verstärkk« Teilnahme de» Arbeiier- spork» an staatlichen und kommunalen Veranstaltungen dringend geboten. Mehr den« je hak die Arbeiterschafl Veranlassung, die ihrem Wesen entsprechende« Veranstaltungen zu den ihren zu machen und sie mit Ihrem Geist und ihrer Arbeit z« erfüllen. Deshalb ist die Teilnahme an staatlichen und kommunalen Veranstaltungen den vereinen de» Arbeiter- Turn- and Sporkbunde» e. V. gestaltet, sofern die Veranstaiiuagr» dem Sinne der Arbeiterschafl entsprechen und keinerlei gemein- schastliche sportliche Tätigkeiten mit AngehSrigen bürgerlicher verbände sioitsinden. Die Teilnahm« an Auszügen zu solchen Veranstaltungen erschelai dann zweckmäßig, wenn der Eharakker unserer Orgonisaiian uneingeschränkt Ausdruck finden kann. Z« allen Fällen ist vor der Teilnahme die Zustimmung des vezirks- und Krcisvorstande» einzuholen. 3n Streitfällen entscheidet der Bundesvorstand." Dies« wichtige Entschließung wurde angenommen mit 152 gegen 35 Stimmen bei 45 Stimmenthaltungen. Die Gegner des Antrages waren die meisten Delegierten aus Sachsen, Schlesien, teilweise aus dem Rheinland. Bemerkenswert ist, daß die thüringischen Dele- gierten für den Antrag gestimmt haben. Mit dem gleichen Sümmenoerhältnie wurde dann folgender Antrag angenommen: »Der Bundestag begrüßt die Vorschläge de» Bundesvorstandes wegen der Beteiligung der Vundesvereiue an der Verfassungsfeier und sonstigen kommunalen und staatlichen Veranstaltungen und erblickt in diesem Beschluß keine grundsätzliche Umstellung, sondero ein« taktische Maßnahme." Zu dem Tagesordnungspunkt presse wurde dann beschlossen: Die„Arbefferturnzeitung" bleibt Zentralblatt des Bundes: die»Freie Sportwoche" wird das Organ für all« Arten des Handballspiels, für Tennis, Leichtathletik und Wintersport, für die Fahballsparte wird eine neue Zeitung geschossen. Der Freie Wassersport und Rudern und Paddelir werden zu einer Zeitung zusammengelegt. Die spartlichen Jugendzeitschriften sollen weiter ausgebaut werden. Auf Mansfelds Spuren. Aussperrung in der Marienhütte, Köpenick. Das Borthen der großen Unternehmungen Stahlwerk Recker lind Mansfeld 21.-0. wirkt so anreizend, hßß es sich die mittleren und kleinen Betrieb« nicht verkneifen können, in denselben Spuren zu wandeln. So hat der Inhaber der Maricnhüttc in Köpenick der Belegschaft einen 2lbzug von 10 Proz. des Akkord- und Stunden- lohns angeboten, angeblich, weil in den letzten Iahren pro Jahr 30 000 bis 40 000 M. zugesetzt wurden. Bei den Berhandlungen mit dem Fabrikarbeitervcrband, Ab- teilung Keramischer Bund, muhte die Firma zugeben, daß dies auf den Koturrenzkampf zurückzuführen ist, der augenblicklich im Lager der Kelchglasbranche tobt. Der Inhaber der Maricnhlltte, cherr Selbmann, selbst bedauert« sehr, daß aus der Konferenz der Unter- nehmer keine Verständigung über die Kartellpreisbildung herbei- zuführen war. Nunmehr soll der Kampf auf dem Rücken der Beleg- fchoft ausgetragen werden. Unverständlich ist uns, daß umer dem Vorsitz des Oewerberats Körner der Schlichtungsausschuß Groß- Bcrlin einen Schiedsspruch fällte, der die Wünsche des Unter- nehmers fast restlos ersüllt. Die Akkorde sollen um S bis t0 Proz., der Cohn um 5 JJroz. herabgeseht werden. Man faßt sich an den Kopf, wie dies möglich ist bei Löhnen von 7 8 bis 85 Pst pro Stunde bei Männern und 44 bis 54 P f. bei Frauen. Der Unternehmer glaubt« mit dem Hinweis, daß Frauen im Akkord 65 bis 70 Pf. pro Stunde und 10 Proz. der Männer(Glasmacher) 04 Mark die Woche ver- dienen, den Lohnabbau begründen zu können. Di« elenden ZZer- dienste der übrigen 00 Proz. der Belegschaft schien er und d«r Gewerberat Körner..übersehen" zu haben. Einmütig hat die Belegschaft diesen Schiedsspruch abgelehnt. Sie fügt sich auch nicht dem Diktat des Unternehmers, der nach der Ablehnung ses Schiedsspruches zum 5. Juni die Belegschaft kündigt« und nur weiter- arbeiten lassen will, wenn sie sich seinem Diktat fügt. Bei den Verhandlungen hat die Firma stets erklärt, daß sie die Stillegung des Betriebes anmelden würde. Jetzt denkt sie nicht mehr daran, sondern oersucht mit allen Mitteln, Uneinigkeit in die Belegschafl zu bringen, indem fie einzelnen Glasmachern Ver- sprechungen macht, um sie zum Weiterarbeiten zu veranlassen. Den übrigen aber droht sie, daß sie nie wieder eingestellt würden. Die Belegschaft ist jedoch nicht willens, aus die Cockrufe der Firma zu hören. Einstimmig wurde gestern in einer sehr gut besuchten Versammlung beschlossen, die Arbeit so lange ruhen zu lassen, bis die Firma von ihrem Borhaben absieht. Daß die KPD. ebenfalls versucht, ihr Parteisüppchen bei diesem Lohnkampf, der vom Fabrikarbeiterverband geführt und sanktioniert wird, zu kochen, ist selbstverständlich. Nur ist es ihr glänzend vorbei- gelungen. Die Bezirksverordnete von Köpenick, Frau Kilian, wollte unter dem Deckmantel einer Kommission, die verhindern sollte, daß die Jugendlichen vom Unternehmer aus den Werkswohnungen gewiesen werden, chr revolutionäres Streikkomitee aufziehen. Sie mußte aber, von der empörten Belegschaft am Sprechen verhindert und dazu aufgefordert, den Saal verlassen. Die Belegschaft sprach der Gewerkschaft, dem Fabrikarbeüerverband, Abteilung K«ramisif>er Bund, und dem Betriebsrat ihr volles Vertrauen aus. Sie ist in der Gesamtstärke von annähernd 450 Beschäftigten mit Zuversicht heute in den Kampf getreten und hofft, ihre gut« Sache zum Sieg« zu bringen. Sin feiner präfldent. Wie notwendig die Reform der Landwirtschaftstammern ist. Die freigewerkschaftlich organisierten Landarbeiter Pommerns sind in den langen Jahren ihres Kampfes mit dem Pommerschen Lanobund um die Wahrnehmung ihrer Vereinigungsfreiheit daran gewöhnt, daß den Landbündlern in diesem Kampf jedes Mittel recht ist. Alle Mittel einer ehemalig regierenden Kaste, die heute noch nicht ganz enthront ist, werten und wurden angewandt. Es sind dies alle Variationen zwischen Zuckerbrot und Peitsche. Schön, die Landarbeiter sind inzwischen an diese Mittel gewöhnt und die Pommerschen Landbündler merken immer wieder, daß sie den frei- gewerkschaftlichen Geist nicht unterdrücken können. Neuartig in diesem Kamps ist es aber, wenn eine Stelle, die auf Grund ihrer öffentlich-rechtlichen Funktion im Wirtschaftsleben gewissermaßen über den Parteien stehen sollte, in ihrer Eigenschaft als Vorsitzeuder der Arbeitgebergruppe Rundschreiben unterzeichnet, die dazu aujsordern, freigewerkschaftlich organisierte Landarbeiter so- bald wie möglich aus die Straße zu setzen. Wir entnehmen einem Rundschreiben. der Arbeitgebergruppe des Pommerschen Landbundcs vom 15. April 1020, das von Herrn von Flemming-Paatzig gezeichnet ist, folgend« charakie- ristische Aufforderung zur Maßregelung von freigewerkschaftlichen Landarbeitern, die an die finstersten Zeiten der Vorkriegszeit er- innert. „... Kampf, zäher und zilbewußter Kampf gilt aber jedem, der dieser unserer Zielsetzung sich entgegenstellt. Slllzusehr hat die 5tampfsreudigkeit der Arbeitgeber gegen die im roten Land- arbeiterverbaud organisierte Landarbeiterichaft, oder vielmehr gegen den dieser Landarbeiterschaft von fremder Seite eingeflößten Geist, nachgelassen. Der Einbruch Oes roten Landarbcitervcr- bandes in die Belegschaft darf keinen Betriebsleiter ruhen lassen. Er mriß unermüdlich darum kämpfen und besorgt sein, daß dieser Gistherd beseitigt wird. Bielfach wird geglaubt, daß bei der eurch die Schlichtungsordnung geschaffenen Tatsache, wonach uns mit rechtlicher Wirksamkeit Tarifverträge aufgezwun gen werden können, kein Raum mehr bleibt sür den Kamps gegen die Roten in der Landarbeiterschasr.... Der Arbeitgeber ist in der Lage, trotz eines verbindlich erklärten Schiedsspruches i n seinem Betriebe den Kampf selbst zu führen, nicht über die Lohnfrag«, sondern über die Fragen, die sich im gesellschaftlichen Zusammenleben im Betriebe vielgestaltig ergeben. ... 2luf der anderen Seite muß der international eingestellte Landarbeiter wissen und fühlen, daß er vom 2lrbcitg«ber als Feind erkannt und behandelt wird. Diese Zlrbeiter müssen wissen, daß sie, solange sie mit Den Arbeitgebern nicht cverkgemeinschastlich.zusammenarbeiten wollen, in k e i n e m B c- triebe heimisch werden. ... Ich bitte die Herren Vorsitzenden 0er Kreisarbeitoeber- gruppen, daß sie erneut eindringlichst die Arbeitgeber darauf ver- weisen, daß unsere Arbeiterpolitik wurzelt in der w e r k g« in e i n- I schaftkichen Betätigung im Betriebe. Ich bitte die beitgeber erneut darauf hinzuweisen, daß sie durch ihr äußeres Verhalten sich zu dem werkgemeinschaftlich eingestellten Arbeiter bekennen müssen. Ich bitte, möglichst in jeder Krcisarbertgeber- gruppe einheilllch beschließen zu wollen, daß, soweit es die Be- triebsverhältnisse gestalten, Arbeiter, die nicht aus diesem Boden stehen, zum nächst zulässigen Kündigungstermin gekündigt werden. Unbedingt muß oies als Kampfhandlung gegenüber den in gegnerischem Sinne tätigen Landarbeitern durch- geführt werden. Ohne Schwierigkeit ist das überall dort möglich, wo kein Betriebsrat besteht oder der Betriebsrat in der Mehrheit aus Mitgliedern der Arbcitnehmergruppe zusammen- gesetzt ist. Soweit es sich um Betriebsratsmit- g l i ed e r h a n de l t,,gibt es gleichsalls Möglichkeiten, über die der einzelne 2lrbeitgeber sich unter Umständen zweckmäßig durch die Geschäftsführung oder andere Arbeitgeber beraten läßt. gez.: von Flemming-Paatzig. Für die Richtigkeit: gez.: Dr. Kocpnick." Angesichts dieser Aufforderung des Landwirtschafts- kammerpräsidenten zum Vorgehen gegen eine Berussschicht, die ebenfalls von den Landwirt schastskommcrn betreut werden soll. werfen wir die Frage aus, was die Landbündler sagen würoen, wenn der Fall umgekehrt läge, das heißt, ein Vorsitzender einer Landwirtschasiskommer, der zugleich Mitglied einer Landor- beitergewerkschast ist, in einem Rundschreiben zur Boykottierung einer bestimmten Richtung der Arbeitgeber auffordern wollte. Wir werfen auch die Frage auf, ob ein solcher Landwirtschastskammer- Präsident auch nurden Schein«inerObjektivität wahren kann, wenn er ein solches Rundschreiben mit seinem Namen zeichnet. Mit solchen Gadanken, und seien sie auch nur in einen, „internen Schreiben" ausgedrückt, ist der beste Beweis dafür er- bracht, daß es höchste Zeit ist, in die Londwirtschoftskammern durch ein der Verfassung entsprechendes Wahlrecht einen anderen Geist hineinzubringen. Es ließ« sich an dieses eigenartige Dokument noch manche andere Bemerkung knüpfen doch vorläufig richten wir an die zu- ständigen 2!llssichlsinstanzen die Frage, ob sie gewillt sind, von einem preußischen Landw'rtschaftskammerpräsidenten derartige Ausforde- rungen zu Ver st äßen gegen die Verfassung ruhig hin- zunehmen. Hungersnot in China. Massenverkaus von Frauen. Condan, 6. Juni. „Daily Telegraph" berichtet aus Peiping(Ptking): JnTsiiwnfu, der Hauptstadt der Provinz Schantung, wo 1023 die Niedermetzelung der Japaner stattsand, herrscht Panik. Die Stadt wird jetzt von den Truppen der Nankinger Regierung gegen die Heere der nördlichen Verbündeten gehalten. Die Verteidiger haben die Brücke über den Gelben Fluß tellweise zerstört. Aber es ist den Angreifern gelungen, an einer anderen Stelle überzusetzen. Die auswärtigen Gesandtschaften in Peiping hoben von beiden Parteien Schutz für ihre Landsleute in Tsinanfu gefordert. Die Japaner bringen ih.e Staatsangehörigen in Tsinanfu zu ihrem Schutz in Konzen- trationslager. Aus Brisbane meldet„Daily Telegraph": Ein in Townsvills aus China eingetroffener Beamter der Heilsarmee teilte mit, daß in den chinesischen i Rordprovinze» insolge Hungersnot über 200 000 Kindcr seir Januar dieses Jahres gestorben seien. 80 000 Frauen und Mädchen würden für je zwei oder drei Dollar verkauft, um aus dem Erlös Lebensmittel jür die übrigen Familien- Mitglieder zu kaufen. für die Zeil vorn* 6. bis K.Juni K I SS O-T A F E L PROGRAH M für die Zeit vom 6. bis 9. Juni ©ioia Potsdamer Stratjc 30 Ton- und Sprechfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veldt Das tönende Delprogramm Jugendliche haben Zutritt Rheinstratjc 14 �"m-ne> Die Sommef Das Grab dei Millionen) Amor auf SmI mit Harry Lledike und Christa Tordr Jugendliche haben Zutritt Odeon, Potsdamer Sir. 75 Du MIdel«o. USA. mit Anny Oodra Roah— Roabl- Der Sdsrei der Sehnsucht (Vor den Toren des Südpols) jugendliche haben Zutritt Turmstrahe 12 Ton- und Sprechfllm: Der uiulerbildic Lomp m. Liane Haid u Qaitav TrAbllcfa Mick! Mau. im Tlcrvnrlcie Jugcndlicne haben Zutriti Alcxanderstr. 39-40 (Passage) Den gamen Tag geöffnet! Die nidii heiraten dürfen mit ColeUe Breill(6 Akte) Im SdtalleB von Paris (7 spannende Akte) FrledrUhstadt B Die Kamera j, JT�uhr Unter den Linden 14 Der Sohn de* Sdielchs mit IL Valentlmo u Vllma Banky Dic To di Irr des Sehrt du mit Bebe Daniel* 7i Moabit Artushot-Lichtspiele Film- and ßfihnenschaa Periebergcr Str. 29 und Stendaler Sti Der Leoinan. ihrer MajeslU mit Ivan Petrovich bruder Dernbard (Kampf zwischen Pflicht und Liebe) Neg. 6.45. 9.00, S. 5, 7, 9 Uhr Welt-Kino Alt-Moabit 99 Tonfilm: Da* Rhelnlaadraldel mit W. Ffltler er. Lade Eagllsch Jugendliche haben Zutritt G ttiartotlenburg g Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W 6 30.9 Uhr. Sonnt ab 3 Uhr. Jagd nach der Million m. Alberlini Ehe auf Probe in. Patsy R. Miller g WHmarsderF" g Atrium Beba.Pala.1 Kaiserallee. Ecke Berliner StraBe Täglich 7, 9.15 U J. u II.; 5, 7, 9.15 U. Uiaufführung! Ach lang Antodirbcl mit Harry Plel d_ SefiBneberg"k Alh AmhrA w«*lgs s, 7. 9 Uhr /�inamora stgs. j, 5, 7. 9 uhr ächöneberg, Hauptstr. 30 Der Tiger(Kriminaltonfilml mit Charl. Sota u H. Frank Beiprogramm Titania(ui, s'chancbem) liauptstraBe 49 W 6 30, Hlmmelf. 3 Uhr Das lockende Ziel mit Richard Tauber ilOJproz. Tonfilm) Beiprogramm W Friedenau Kronen-Lichtspiele Rheinstr. 65 Beg. Woch. 6 30. 9. S. 5U. Das Mddcfaen mit der Protektion m Ossi Oswalda u, Willy Fritsch Manon Lcscaot mit Lya de Pulli ■«thBi.t, j Titania-Palast Steglitz. SchloBstr. 5. Ecke Qutsmuthsstr. Der sensationelle Erfolg: Cyankali mit Grete Mosheim Musik- uud Sprecheinlagen Beiprogramm Film-Palast Kammersale Teltowcr Str. i W.ft1«. Sbd. 6,Stg.4Uhr Robert und Bertram mit H. Lledtke» Kampers Der Unüberwindliche mit Luc. A'bertinl W SOtfostew W Filmeck Be8insTii73u. Skalitzer Straße, am Cörlitzer Bahnhol Tonfilmposse: Wien, dn Stadl der Lieder Jugendliche haben Zutritt Luisen-Theater sSn�tu. Reichcnbcrger Str. 34 Der Cowboy-K6nlg mit Tom Mix Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Wochtgs 7 u. 9, 1. u 2. Feiert. 5, 7, 9 Uhi Die Somme, Das Grab der Millionen (Orchcsterbegleitung) Beiprogramm— Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Sternwarte- Treptow Sonnabd. 8, Sonnt. 4, 6, 8. Mont 4, 6,8 Uhr Unter den Indianern Südamerikas (Filmi W Naukölln> Passage-Lichtspiele Bergstrasse 151-52 Wochtgs. 6 30, ca. 9 Uhr; Stgs 5. 7, ca. 9 Uhr Tain(Das Rätsel im Weibe) Königin der Steppe Bühnenschau Neukölln. Lichtspielh. Bergstrasse 136-37 Wochtgs 6J0,ca.9Uhr; Stgs. 5, 7, ca. 9 Uhr Unser llglldi Bröl Beiprogramm— Bühnensdrau „Elysium" Prenzlauer Allee 56 W. 5 15. S. 3 15 U. Tonfilm; Da* lodernde Ziel m Rieb. Tanker Jugendliche haben Zutritt a o,t.n m Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Wochent7U Am 1. u 2. Feiert, ab 5 U Die Somme (Das ütab der Mi'lionen) mit Hermine Sterler, Oskar Marion Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt Luna-Filmpalast Gr. Frankfurter Str 121 Wochcnt 6 Uhr, Sonnt 3.50 Uhr Tonfilm; Delikatessen - mit Harry Lledike. Ernst Verebes Cafe Kalan mit Morgan-Bendorr Concordia-Palast Andreasstraße 64 6 30, 9 Uhr m 100 proz. Tonfilm Richard Tauber singt und spricht: »Das lockende Ziel*'. Jugendliche haben Zutritt Comenius-Lichtspielc Memeler Straße 67 W. 6, 83 c, S ab 5 U Schwelgen Im Walde mit Oleierle Das wilde Bio! Jugendliche haben Zutritt Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 4S Woch. 5. 7 u. ca. 8.45, Stg. 3, 5. 7 u. ca. 8.45 U. Dr. Franck-Großfilm: Die heiligen drei Brunnen Gr. Beiprogramm u. Bühnenschan Jugendliche haben Zutriti Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, 7 u. ca. 8. 15, Stg. 3. 5. 7 u. ca. 8.45 U ronfilm: Die lelzlc Kompagnie mit Conradl Veldt u. Kaiin Erans Jugendliche haben Zutritt g Neu-LicBtewbf g"h Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 7ü Persönl. Auftreten: Hermann Plcha in Hermanns Liebesaben ener Das Mädchen aosU.S.A. m.A.Ondra Jugendliche haben Zutritt Kino Busch Alt-Friednchsfelde G. Beipi ogramm Wenn da einmal dein Herz verschenkst mii Harvey, Igo Sym Der gefetseUe Pole mit Eddy Polo > Elysium Hasselwerder Straße 17 Die Somme(Grab der Millionen) Mädchen, die sich nicht rerkaaten Grobe Bühnenschau Schloßpark FUm. BOhne Berliner Allee 205—210 Stg. VjJ Jgd.-V Tonfilm: Delllcaf essen mit Harry Lledike» Emst Verebes Beiprogramm Norden Alhambra Müllerstraße 136« Ecke Seestraße 100 Proz. Tonfilm: Wien» da Stadt der Lieder mit Morgen« 5. Arno, Gr Alz Pharus-Lichtspiclc Müllerstraßc 142 W. S'.sU. Stg4l.,U Die Geheimnisse von Irapnr mit Bernhard Goelzke Liebe tührte sie durchs Leben Beiprogramm Marga-Lichtspiclc Schu istraße 29 Der Scbmngglerkönig v.Manhaitan (Sünden der Väter) m.Emlljannings Die Tochter des Scheichs Grotje Bühnenschau Pratcr-Lichispiel-Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 5,30, Sonntags 4 Uhr Der Detektiv des Kaisers mit Olga Tschcthowa In der Wildnis Bühne; Revue: Bertin muh lachen Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 Der gewaltige Tonfilm: Flieger Tonfilmbelprogramm:MickyMans Bühnenschau* ■ Pankow m Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7, 9. I. u II. 5,7.9a 100 Proz. Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conrad Veldt lugcndliche haben Zutritt Skala-Lichtspiele Schünhauser Allee 80 W. 7. 9 U. Stg. 5. 7. 9 U Toniilm Hol Tang(Weg zur Schande) mit Anna May Wong Colosseum ft�Vouw Schönhauser Allee 123 Tonfilm: Das lockende Ziel M. Rieh. Tauber Beiprogramm Jugendliche haben Zutritt „Alhambra" Baastraße 58 Fandvogel mit Cum. Horn, Paul Wegen er Das ioIc Schwert Bühne Ausstattungs-Revue: Lachende Herzen Ballschmieder- Liditsp Badstraße 16 Tonfilm: Der Walzerkönig mit Ciaire Rommcr, Hans Siüwc Beiprogramm Bühnenschan Tivoli* Pankow Berliner Straße 27 W. 7. 9 U-, Stg. 5. 7 u. 9 Ug Der große Sorcch- u. Tonfilm: Der grohe Gabbo mit Erich v. Siroheim Jugendliche haben Zutritt Film-Palast."�.0.» Blankenburger Straße s W. 6.30, 9 U. Stg. 4.30, 6.45, 9 U. Wegen Riesenerfolg verlängert: Tonlilmoperette; Llcbeswalxer mit Harrey- Erlisch Tonfilm-Beiprogramm M Tegel B Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W.S,®1�, Stg.41J*,6ih*8*4 Sonnt 2 Uhr Jugendvorstellung Tonfilm- Delikatessen mit Harry Liedlke Grohes Beiprogramm Auf neuester Tobis-Apparatur «Kosmos" FUmbühnc Hauptstraße 6 W. 6,«l/i, S. ab 4,k Tonfilm: Die letzte Kompagnie mit Conr. Veidt Ein tönender Kulturfilm: Das Geheimnis in der Etcrschal« Union-Theater Hauptstraße J Beg. Wtg. 6. 2 U. Stg. 2 U. Jugend vorst. Stg. il/L. 6�2 83 4 U. Bobby, der Benzinfun"e Rummelplatz d. Liebe(Milton Sills) W HRtixlosciorf Filmpalast Stg Vu Berliner Straße 59 Stg. 2 U. lug.-Vorst Das Drelmäderlharu(Gesangsfilm) Mitwirkende:''"-----