Morgenausgabe Jlt. 262 �, A 132 ��rgang «»««»Mch«VI.«onatNch i.««. W,»orau» zahlbar. Postbezug 4LZ M. einjchlteßttch SV Pfg.Postzettuag»« unb 72Pfg Postbestellgebühren- Auslands abonnement 6.— M. pro Monat. Der.Vorwärts'«rschewt wochentSg. lich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und«m 5)andel mit dem Titel.Der Abend" Illustrierte Beilagen.Volt uno Zeit" und.Kinderfreund'. Ferner .Unterhaltung und Wissen'..Frauen» stimme'.Technik'.Blick in die DücherweU'und.Iugend-Dorwärt»' Verttnev Vvttsvlatt Sonnabend 7. �uni 1950 Groß-Verlin pf. Auswärts tS Z)f. Die etn?»alttg« Nonpareillezell, WZ Pfennig- Reklame'eile b.— Reichs» mark„Kleine Anzeigen' da»-ttge» druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei tettaedruckte Worte), lede» weitere Wort iL Pfennig. Stellengeluch» da» erst» Won 15 Pfennig, jede» weitere Won' 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» Ühlen für zwei Worte Arbeitsmalkt eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zele II Pfennig. 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Sie hat dieses Material ge- prüft und ist- dabei zu der Gewißheit gelangt, daß die Dar- stellung in dem deutschen Gutachten den Sachverhall zutref- send wiedergibt. Danach haben seit dem Herbst vorigen Jahres polnische Grenzschutzbeamte den Bersnch gemacht. deutsche Grenzbeamte in Marlenwerder zwr Ans» händigung von Geheimmaterial zu verleilen. Die deutschen Beaniten haben es zum Zweck« der wirksamen B«> kämpsung solcher Versuche für ihre Pflicht geHallen, sich zum Schein darauf einzulasien. Infolgedesien ist es dazu gekommen, daß am 24. Mai. abends, zwei polnische Grenzschutzbeamte die deutsche Grenze überschritten und sich zur Empfang- nähme des Gehoimmaterials in die Pahkontrollbaracsc bei Reu- Häsen begeben haben. Sie waren selbst mit Revolvern und einer Handgranate bewafsnet und nahmen zu ihrem Schutz bewaffnete Grenzsoldaten bis an die Grenz« mit. Als die deutschen Beamten in der Paßkontrollbaracke zur B e r- Haftung der beiden polnischen Beamten ichreiten wollten, haben diese mit der Waffe in der Hand Widerstand geleistet und dabei einen deutschen Beamten verwundet, der setner- scits einen polnischen Beanilen verwundet hat. Der pol- nische Beamte ist später bedauerlicherweise seinen Berwrindungen erlegen. Fast gleichzeitig mit den Vorgängen in der Baracke haben die erwähnten polnischen Grenzsoldaten die deutsche Grenze über» schritten und in Richtung auf das deutsche Gebiet eine Anzahl von Schüssen abgegeben. Aus Grund dieses Talbeslandes ist der deutsche Gesandte i o lv a r s ck> a u beauftrag» worden, der polnischen Regierung eine Zlole zu überreichen, in der wegen der Uebergrisse der polnischeu Beamten Protest erhoben wird. Die Rote wird alsbald nach ihrer lleberreichnng verSsfentlich« werden. Wir gehören weder zu denen, die dem Grundsatz„Necht oder Unrecht, mein Vaterland" huldigen, noch zu denen, die geneigt sind, in solchen Fällen die Schuld beim eigenen Land zu suchen. Die halbamtliche deutsche Darstellung deckt sich im Wesentlichen mit der Schilderung, die der„Vorwärts" als erstes Blatt in Deutschland zu veröffentlichen in der Lage war. Wir haben keinen Grund anzunehmen, daß diese Version nicht zutrifft, zumal unsere Informationen aus zu- verlässigster Quelle stammten. Danach ist auch kein Zweifel, daß die weitaus größere Schuld bei der polni» schen Spionageorganisation liegt, die eine an sich völkerrechtlich unzulässige— leider allerdings- i n t e r n a t i o- n a l übliche— Tätigkeit entfdltet und zu diesem Zwecke auch eine Grenzverletzung begangen hat. Damit ist aber nicht gesagt, daß auf deutscher Seite alles sauber und korrekt vor sich gegangen ist. Formell mag das bis zu einem gewissen Grade zutreffen, m o r a- lisch ist die Lockung polnischer Beamter, auch wenn sie Spione sind, in eine Falle auf deutschem Boden kein H e l d e n st ü ck. Es scheint übrigens, daß auch im Aus- wärtigen Amt dieses Gefühl vorherrscht, denn die Wendung, wonach die deutschen Beamten„es für ihre Pflicht ge- halten haben, sich zum Schein darauf einzusafsen, läßt nicht gerade auf eine hundertprozentige Solidarisierung mit solchen Nick-Carter-Methoden schließen Im übrigen wäre es wünschenswert, die polnische Darstellung kennenzulernen, schon deshalb, weil der Aus- druck im deutschen Kommuniquö, daß die polnischen Beamten „mit der Waffe in der Hand" gegen ihre Verhaftung Widerstand geleistet haben, etwas unklar ist. Haben sie g e» schössen und ist die Verwundung des deutschen Beamten durch einen Schuß erfolgt oder wie sonst? Dennoch ist schon eines sicher: daß nämlich die pol» nische Regiernng wenn überhaupt, so jedenfalls viel weniger Anlaß hatte, in Berlin zu protestieren als die deutsche Regierung in Warschau. Aber die Polen haben sich beeilt, schon nach 24 Stunden in der Wilhelmstraße Lärm zu schlaaen, während die Reichsregiening korrekterweise erst den Abschluß der gemeinsam durchgeführten, leider aber nicht gemeinsam abgeschlossenen Untersuchung abgewartet hat. Nazis drohen mit Mord. Terrorversuche in Ebemnih. Chemnitz, 6. Juni.(Eigenbericht.) 3ti der Nacht vom Donnerstag zum Freilag wurden mehrere Rlilglteder der sozialdemokratischen Stadlver- ordnetensraklion aus dem Nachhauseweg von einer etwa ISköpfigen hakenkreuzlerbande beschimpft und schließlich tätlich angegrissen. Die Angegriffenen sehten sich energisch zur wehr. Einem Stadlverordnelen gelang es unterdessen, die Polizei zu benachrichtigen, die einige der Strolche festnehmen konnte. Die Rüpeleien der nationalsozialistischen Rowdys richteten sich vor allem gegen den Vorsitzenden der sozialdemokratischen Fraktion, dem angedroht wurde, daß er bei nach st er Gelegenheit um die Ecke gebracht werden würde. Auch ans der Polizeiwache sehten einige der Burschen ihre Drohungen fort. vor Beginn der Vonnersiagsihung de» Chemnitzer Stadtparla- menis erhielt der sozialdemokratische Fraklionsvorsiheode einen anonymen Brief, in dem es u. a. heißt::»Ihr sozialdemo. kraiischen Lumpen müßt erschlagen werden, und wenn drei wann von uns wegkommen, dann kommen sechs Mann von Euch dran, und Du Lump bist der erste. Die Dolche sind geschiissen, und, wir werden Dich erwischen. Männer flnd es nicht, die das wollen, aber Lausejungen sind es, und Du Lump hast nicht einmal ein Hemd auf dem Leib." Labour-�egierung gegen Kanaltunnel Aus finanziellen unS wirlschastiichen Gründen. London. 6. Juni.(Eigenberichi.) Die Gründe, die die Regierung bestimmt haben, den B a u d e s Kanaltunnels abzulehnen, sind am Freitag in einem Weiß- buch veröfsentlicht worden. Das Gutachten, auf das sich die Re- gzerung stützt, ist von einer Wirtschafts» und von einer Militärkommission ausgearbeitet worden. Der Landes- oerteldigungsausschuß hat sich gegen den Bau ausgesprochen. Entscheidend für den Beschluß der Regierung sind jedoch, wie in dem Weißbuch mitgeteill wird, in erster Linie die nahezu unüberwindllcheo wirlschastiichen Schwierigkeiten. die sich dem Kanalprojett entgegenstellen. Es sei zweifelhaft, ob sich der Bau in der gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Lage verwirklichen lasse, ganz zu schweigen von der Rentabilität. Allein die Kosten für den Tunnelbau seien von der Kommission mit Pfund Sterling(612 Millionen Mark) be< zifsert worden, ein« Zahl, die wahrscheinlich zu niedrig sei. Es komme hinzu, daß die für den Bau notwendigen Gelder viele Jahre hindurch zinslos festgelegt werden müßten, und da nicht mehr als gleichzeitig 1000 Arbeiter befchästigl werden könnten. Infolgedesien würde das Projekt nicht einmal die Arbeitslosenfrage ernsthaft berühren. Ein Minimum der Kanal- baukosten für Wegebouten verwandt, würde dagegen eine Er- leichterung des Arbeitsmarktes verursachen. Aus all diesen Gründen müsse auch die Arbeiterregierung den Kanaltunnelbau ablehnen. Nolschewistenkongreß verschoben! Aus Befehl Stal,nS um 10 Tage. wie die TU. aus Moskau berichtet, hat Stalin am Freitag amtlich bekanntgegeben, daß der parteilag der kommunistischen Pariel der gesamten Sowjetunion vertagt wird. Der Parteitag. der am 15. Juni statlsinden sollte, wird jetzt voraussichtlich a m Z 5. I n n i abgehalicn werden. Die Gründe znr Vertagung seien angeblich in einem Gesuch verschiedener Parteiverbände zu suchen, andererseits sollen sie im Zusammenhang mit den starken Anseinandersehongen zwischen Stalin und dem Politbüro stehen. Es scheint auch nicht ourgeschlossen zu sein, daß Stalin Zeit gewinnen will, um mehrere bedeutende Miwlleder des Politbüros sowie die Witwe Lenins. Frau Knipskaja, ans seine Seile zu ziehe». �'\ Brünings Beckungsplane. Die Pläne sind da— wo bleibt die Mehrheit? Die Deckungspkäne des Reichskabinetts bringen kaum eine Ueberraschung. da sie bereits seit Wochen zur Diskussion gestanden haben. Die Vorschläge bestehen aus drei Teilen: 1. Sanierung der Sozialversicherung, und zwar neben der Arbeitslosenversicherung auch der Krankenversicherung, 2. Deckung des Fehlbetrages des Reichshaushalts und 3. Be» lebung der Wirtschaft. Da die amtliche Mitteilung über die Beschlüsse des Kabinetts außerordentlich zurückhaltend ist, wird man die Bedeutung der angekündigten Maßnahmen erst dann ganz überblicken können, wenn die Gesetzentwürfe vorliegen. Aber schon jetzt ist ein allgemeines Urteil möglich. Das gilt vor allem von der Reform der Arbei'ts» losenoersicherung und der Reform der Krankenversicherung. Wenn die Regierung an- kündigt, daß die Arbeitslosenversicherung ,in weitgehender Anlehnung an die Beschlüsse des Vorstandes der Reichsanstalt der Arbeitslosenversicherung" neu geregelt werden soll, so be- deutet das, daß ein erheblicher Teil des Mehrbedarfs, den die gewaltige Arbeitslosigkeit verursacht, durch den Abbau der Leistungen aufgebracht werden soll Da andererseits die Her- aufsetzung der Beiträge von 31/» auf 4H Proz. vorgeschlagen wird, so wird man darin den Sieg der Erkenntnis sehen dürfen, daß die so heftig bekämpfte Beitragserhöhung auch dann unumgänglich ist, wenn man wie die jetzige Regierung den Weg des Abbaus der Leistungen für den erstrebenswerte- ren hält. Daß die in Aussicht gestellte„Reform" der Kranken- Versicherung den Unternehmern einen Ausgleich für die Mehrlasten der Arbeitslosenversicherung bringen wird, ist kaum so sicher, wie die Urheber dieses Planes meinen. Sofern diese Reform nicht der Beseitigung der kostspieligen Zer- splitterung im Krankenkasienwesen dient, sondern die Leistun- gen für die Kranken einschränken will, nprd sie kaum geringere Widerstände finden als der Abbau der Leistungen der Arbeitslosenversicherung. Die Beschlüsse zur Deckung des Fehlbetrages im Reichshaushalt sind in mehrfacher Beziehung be- merkenswert. Die früher erwogene Erhöhung der Biersteuer oder der Umsatzsteuer ist fallen gelassen worden. Man be- schränkt sich jetzt auf das Notopfer der Festbesoldeten, das man in Reichshilfe umgetauft hat, auf eine Erhöhung der Einkommensteuer um 16 Proz. für die Ledigen und auf die Verlängerung der Kontingentierung in der Zigaretten- industrie und eine Verkürzung ihrer Zahlungsfristen. Diese Beschränkung des Deckungsprogramms der Reichsregierung hängt anscheinend mit einer etwas optimistischen Beurteilung der Entwicklung der Reichsfinanzen zusammen, deren Berech- tigung schwer einzusehen ist. Ob durch diese Maßnahmen die volle Deckung des Haushaltes erreicht wird, wie die Regierung behauptet, ist höchst zweifelhaft. Der Streit zwischen einem Notopfer der L e i st u n g s- fähigen und dem Notopfer der F e st b e s o l d e t e n ist zugunsten der Letzteren entschieden worden. Lediglich um den unangenehmen Eindruck zu verwischen, den das Notopfer der Festbesoldeten in den davon betroffenen Kreisen hervorrufen wird, hat man sich zu der Bezeichnung„R e i ch s h i l f e' entschlossen. Man wird abzuwarten haben, wie diese Reichs- Hilfe aussehen wird, wie hoch sie sein soll und welcher Kreis von Personen dadurch belastet wird Nach den bisherigen Mitteilungen muß man annehmen, daß daran gedacht ist, alle Festbesoideten heranzuziehen.. An ein- Freigrenze zu» gunsten der untersten Grvoven der Beamten scheint nicht mehr gedacht zu sein. Ebensowenig ist eine Staffelung der Be- lastung geplant: die Belastung soll vielmehr einheitlich und gleichmäßig sein. In Verbindung mit dieser Reichsh'lfe stellt die Erhöhung der Einkommensteuer für alle Ledi- gen eine sehr fühlbare Belastung derjen gen dar. die durch beide Maßnahmen betroffen werden. Der Anteil der ledigen Steuerpflichtigen umfaßt bei der Lohnsteuer mehr als die Hälfte, bei der Einkommensteuer der Selbsteinschätzer weniger als die Hälfte der Zensiten. Der Sonderzuschlag für die ledigen Steuerpflichtigen wirkt also, sofern er n'cht auf die Lohnsteuer allein beschränkt ist, sondern für alle Gruppen der Steuerpflichtigen gilt, wie eine teilweise Erhöhung der allgemeinen Einkommensteuer. Höchst bedenklich ist die Methode zu der man sich jetzt entsch.osten hat. Nicht die Leistung.sfähigke.t ist Voraussetzung und Maßstab für die Steuererhöhung, sondern der Familienstand, obwohl er keinerlei Rück chluß darauf zuläßt ob durch ihn eine Leistungsfähigkeit zu erkennen ist oder nicht. Do bisher be- reits die Einkommensteuer der Lcdigen wesentlich höher ist als die der übrigen Steuerpflichtigen, was sich allerdings nennenswert nur bei den unteren Gruppen der Steuer» Pflichtigen auswirkt, so trifft die Ledigensteuer auch wieder nur die Steuerpflichtigen mit einem geringen Gehalt, und zwar um so stärker, je niedriger ihr steuerpflichtiges Einkommen ist, Wenn die amtliche Mitteilung verkündet, daß der Gesetz» entwurf über die Reichshilfe auch„einen Beitrag aus »den Tantiemen der Aufsichtsräte" vorsehe, so läßt schon diese vorsichtige Formulierung deutlich erkennen, daß nur eine sehr geringfügige Belastung der mühelos ver- dienten Tantiemen von Aufsichtsräten geplant ist. Mit einem nennenswerten Ertrag dieser Steuer ist auf keinen Fall zu rechnen. Wollte man ihn erzielen, so hätte man sich minde- stens dazu entschließen müssen, die Aufsichtsratssteuer, die bis zum Jahre 192Z bestanden hat und 20 Proz. betrug, wieder «inzuführen In dar jetzigen Form wird die Heranziehung der Aufsichtsratstantiemen nur als die Absicht angesehen «erden können, eine Belastung der wirklich leistungsfähigen Kreise vorzutäuschen, die in Wirklichkeit weder beabsichtigt noch vorhanden ist. Ob und inwieweit durch die angekündigten Maßnahmen die Belebung der Wirtschaft erreicht und Arbeits- losen Beschäftigung verschafft werden kann, steht noch dahin. Sowohl die Erteilung von Aufträgen durch die Reichspost und die Reichsbahn, als auch die stärkere Förderung des Kleinwohnungsbaues, die Durchführung eines allgemeinen Straßenbauprogramms hängt in erster Linie von der Frage ab, ob die Mittel hierfür beschafft werden können. Abgesehen von den 400 Millionen Mark, die Reichspost und Reichsbahn als deutscher Anteil an der Reparationsanleihe zufliehen wer» den, müßte es gelingen, weitere Auslandsanleihen zu be- schaffen. Daß man die Aufnahme ausländischer Kredite zu- gunsten der öffentlichen Hanb, die man Jahre hindurch zu erschweren gesucht hat, jetzt fördern will, ist zu begrüßen. Die Frage ist nur, ob man diese Mittel gegenwärtig vom Aus- lande in ausreichendem Maße und so rechtzeitig erhält, daß eine starke belebende Wirkung zu erwarten ist. Aber gegenüber allen Plänen der Reichsregierung bleibt doch schließlich die Frage offen, ob eine Einigung im Kabinett auch schon eine Einigung der im Kabinett vertretenen P a r» t e i e n darstellt und ob diese Parteien für ihre Vorschlage ein« Mehrheit im Reichstag f i n d i n. Einstweilen wird man das mit sehr vielen Frage- zeichen versehen dürfen; das Schicksal der Dorlagen ist höchst ungewiß. Oer Oeckungsplan. Das Relchsfinanzmimsterium beziffert« den Fehlbetrag de, laufenden Etatjahre« aufrundlSOMillionensMart. Der Fehlbetrag geht mit SM Millionen zu Lasten der Arbeitslos enver- sicherung und Krisenfürsorge, während die restlichen ISO Millionen des Defizit» durch E i n na h m e au, fa ll entstanden sind. Die Reichsregierung hat sich bei der Aufstellung dieses Sanierungspro. growms von dem Entschluß leiten lassen, daß der entstanden« Fehl- betrag sofort und gänzlich««heckt, werpe» muß Die hat «s abgelehnt,«inen Ipl dieses Fehlbetrages erst im Herbst auszu» balancieren.—■-..... �*..........* Die Deckung de« Fehlbetrages von 730 Millionen Mark soll auf folgend« Weise erzlekt werden: HS Millionen durch eelskungsabbav be« derArbellslosenverslcherung 200, durch Lellragserhöhvag 300. durch No'apser 43• durch Ledigensteuer 60„ durch Einsparungen 50, aus der Zigareltensteuer. Das Reichsfinanznnnisterium glaubt, die Neubelastung durch die Beitragserhöhung bei der Arbettelosenversicherung durch ein« Reform der Krankenversicherung auszugleichen, die zu einer entsprechenden Senkung der Beitrage bei der Krankenversicherung führen soll. Bei den in sestem Angestelltenoerhältms stehenden Angestellten liegt die untere Grenz« bei einem Jahresgehalt von 8400 Mark. Da- gegen werden die Beamten g«schlosi«n erfaßt mit Ausnahme derjenigen, die wegen ihres geringen Einkommens nicht zur Lohn» steuer herangezogen iverden— Die Deckungsgescy« sollen bereits heute dem Reichsrat zugeleitet werben. Oemotrottfche Bedenken. Das Reichskabinett hat die Deckungsvorlag« oernbschiedet. Es Hot ein« Etappe hinter sich—. und die war nicht leicht. Di« nächste Etappe wird noch schwerer sein: nun müssen die R«« yrerungsparteien sich huüer dos Deckungsprogrannn stellen. Bisher hört man keine laut« Zustimmung, sondern neben resignierter Hinnahme heftige Kritik au» dem Regierungslager selber. Di« demokratisch« Presse opponiert ganz offen. Das „Berliner Tageblatt" schreibt: ..Zuerst ist nun dos Kabinett fertig geworden, und sein« Pläne zur Deckung eines neuen Defizit» von 8Z0 Millionen Mark sind in den Grundzügen bekannt. Auch sie sind wieber Mittel che», genau wie alle die Aktionen zur Sanierung der Reichsfinanzen, Mg in dem letzten Dreioiertelfahr mit dem Anspruch aus Hoffnung- erweckend« Endgllltigkeii oerkündet wurden. Teils sind sie be- d e n k l i ch. teils gefährlich, teils Ansatz zu dem, was richtig wäre, teils schwer realisierbar. Man darf ja nicht ver- aesien, daß die Kabinettsbeschlüsi««in« Mehrheit im Parlament brauchen. Das Ergebnis der Kabinettsverhandlung hat ent- t ä u s cht." Der„Demokratische Zeitung-dienst' meldet schwerste Bedenke nder� Demokraten an: „Dis demokratische Reichstogsfroktion wird zun Dcckunas- Programm endgültig«st beim W'sderzufammentntt des Reich-.. tag« Stellung nehmen töimen Ein abschließende» Urteil wrrd überhaupt erst auf Grund der vorliegenden Gesetzentwürfe mag- lich sein. Schon jetzt läßt sich aber sagen, dqß in demokratischen Kreisen gegen die Deckunqsplan« der RetSsregterunq in der be- kanntgegebenen Form die schwersten Bedenken besteben. E» wird im besonderen bedauert, daß der Reichswirtschafteimnister Dietrich infolge seiner Krankheit verhindert war. an den entscheidenden Kobinettsberatunqen teilzunehmen. Gegen den Gedanken eines Notdpfers von solchem Ausmaß, wie es jetzt vorgeschlagen ist. bestehen auch bei den übrigen Parteien, die hinter der Regierung stehen, Bedenke n. Der Reichsfinanzminister Moldenhauer wird voraussichtlich bei feiner eigenen Fraktion einen schweren Kamps um die Z». stimmung zu seinen Dorschlogen bestehen müssen* Das Kabinett wird also wahrscheinlich mit den Führern der Regierungsparteien verhandeln müssen. Die Regierungsparteien allein ober haben keine Mehrheit! Oer Kindertod von Lübeck. Sozialdemokratischer Kampf gegen Vertuschung. Zu dem Artikel de? Genossen Moses„Anklage gegen Lübeck" wirb uns aus Lübeck geschrieben:„Um Lübeck ist es merk» würdig ruhig geworden," sagt Genosse Moses, und«r spricht dl« Lermutung aus, es werde, wie so oft, auch hier wieder alles im Sand« verlaufen; man. werde das technische Versehen" suchen und nicht finden und die Frage nach der Dervntwortlichkeit darüber oergessen. Es wird anders kommen. Dafür werden zwei Fat- toren sorgen: die furchtbare Wirklichkeit und das unermüdlich« Drängen der Lübecker Sozialdemokratie. Dies« Wirklichkeit ist noch viel grauenhaftsr, als die bisherigen Bericht« erkennen ließen. Noch ist kern Ende des Sterbens abzusehen. 28 Kinder hat der Tod im ersten Zugriff geholt: ober er hat noch so manches gezeichnet in arm«, greisenhaft« Geschöpf«, die im Kinder Hospital siegen, an deren Aufkommen die Aerzte längst oerzweifelten, und immer ooch wäch st die Zahl der Neuerkrank u» gen in schrecklichem Maßel Da wird da» Vertuschen nichts nützen. Aber der Genosse Moses sieht scharf und richtig das Spiel, da» gespielt wird: die Flucht aus der Verantwortung und die Beihilfe dazu. Rur daß sich dies« Beihilfe nicht auf die Aerzteschast.Geschränkt, das gesamt« Lübecker Bürgertum hilft mit.. Die bewußte und unbewußt« Klasiensolidarität mit den beschuldigten Aerzten überwiegt schon jetzt das Mitgefühl mit den trauernden und sorgenden Müttern. Denn diese Professoren Äaren ja Stützen der hanjeatifch-exklusiveu Gesallfchast! Gegen diesen zghen Widerstand, gegen die immer neuen Ver. suche, zu beschönigen und zu verschleppen, haben es unsere Genosien nicht leicht, der Wahrheit zum Durchbruch zu ver- Helsen. Aber sie lösten keine Ruhe, urch das Material, das sie zutage fördern, ist heute schon erdrückend. Mag das Reichsgesundheitsamt die wissenschaftliche Untersuchung führen! Unser« Lübecker Genosten fragen: Haben die Aerzte ihre Pflicht getan?— Und sie werden vor aller Welt und ohne Ansehen der Person beweisen, daß es denen, in deren Hand das Leben zahlloser Kinder lag, an einer Eigenschaft gebrach, die noch wichtiger ist als oll« ärztlich« Kunst: an Verantwortungsgefühl. Das ist es ja auch, was der Genoste Moses fordert. Es mag gewiß fein: diese Forderung, die dem eleinentaren Willen des Volkes entspricht, wird erfüllt werden— trotz des Widerstandes der„guten Gesellschaft�. Eine kommunistische Hilfsorganisation. Bund der Freunde Sowjetrußlands. Au, dem Büro des Parteivorstand«» wird uns geschrieben: Aus verschiedenen Landesteilen find dem Parteivorstand Mitteilungen über die Tätigkeit«ine? kommunistischen Hilfs- otganlsatton zugegangen, die den Namen„Bund der Fr«unde der Sowjetunion" trägt. In zwei Fällen sei es auch gelungen, Sozialdemokraten in den Dienst dieser Organi- fation zu stellen. Der Parteivorstand nimmt Bezug auf einen Artikel in der Breslauer kommunistischen ,,Arbeiter-Z«itung" vom 9. Februar 1929, in dem auf die Gründung dieser Organisation in folgender Weise hingewiesen wird.' „Warum Bund her Freunde der Sowjetunion?" „Schon wieder ein« neu« Orgonstation?... Man wird ein» «enden, das Ganze sei ja doch nur«in« kommunistische Mache. Tatsächlich sind es die Kommunisten, welche zur Gründung dieses Bundes drängen und in ihm auch nur deshalb mitarbeiten, nm für die Sache des Kommunismus zu wirken. Das zu verschweigen, dazu liegt keine Deranlassung vor..." An anderer Stell« heißt es: „Der Einwand vielleicht sogar mancher Kollegen, schon wieder ein« neu« Organisation zu gründen, sei falsch, ist nicht stichhaltig. Denn wir dürfen nicht verkennen, daß wir durch jede neu« Orga» nlsation auch nzue Kreis« der Bevölkerung. erfassen..Und das ist der Zweck, weshalb wir nicht müde werden, immer neue Orga» — nisationen zu-schaffen. Man denke-nur- ack- den Rotem Front- kämpserbund. Niemals würde es der Kommunistischen Partei allein möglich gewesen sein, in dieser Zeit an so viel« Arbeiter heranzukommen, wie uns da, durch den Roten Frontkäwpferbund in den fünf Jahren seines Bestehens gelungen ist..." Das beweist, wa« ohnehin für jeden Parteigenosten klar sein müßte, daß der„Bund der Freunde der Sowjetunion" ein« k o m- munistische Hilfsorganisation ist, wie es der Rote Frontkämpferbund, die Jntervational« Arbefterhilfe, die Rot« Hils«. die Antifaschistische Liga usw. sind. Der Parteivorstand beschloß deshalb, analog den Beschlüsten der Parteitage zu den vorgenannten kommuniststche» Hilfsorganisa- tionen: Die Zugehärlgkci! zum„Bund der Freund« der Sowjeioolon" ist unvereinbar mit der Zugehörigkeil zur Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Aaziprovokakion im bayerifchenLandiag Eine Oemonflration gegen das llniformverbot. München, 6. Juni. Im Landtag kam es heute vormittag zu einem Zwischenfall. Um Uhr betraten sechs nationalsozialistische Ab- geordnet« unter Führung ihres Fraktionsvorsitzenden Dr. Butt» mann in der Uniform der nationylsozialistischev Sturmabteilungen durch die Tür des Lesezimmerz den Sitzungssaal. Sofort entstand lebhafte Unruh«. Nach einer Aus- einandersetzung zwischen Präsident Stang und dem nationalsazia- listischen Abgeordneten Wagner blieben die notionalsozwllstischen Abgeordneten in ihren Uniformen im Sitzungssaale. Als nach der Rede des Staatssekretär« Funke zum Sozialetat der nationalsozialistische Abgeordnete Dauser, d«r ebenfall» in der nationalsozialistischen Parteiuniform erschienen war, sich an da? Rednerpult begab, verließen die Abgeordneten der Bayerischen Voltsportei, des Bauernbundes und der Sozialdemokraten demonstratio den Saal, so daß nur noch sieben Abgeordnet« anwesend waren. Der national» sozialistische Abgeordnet« Grimm, der hierüber seinem Unmut in lauten Zünften Ausdruck gab, wurde schließlich aus dem Saal« verwiesen. Auch ein zweiter nationalsozialistischer Abgeordneter wurde wegen eines Zwischenruf« zur Ordnung gerufen. Am Schluß der Landtagssitzunz kam Präsident Stang auf dt« nationalsozialistischen Demonstrationen zurück und erklärte, gewisse Auftritt« auf der Tribüne hätten erkennen lasten, daß mft dem Auftreten nationalsozialistischer Abgeordneter in Uniform«in« bewußte Demonstration und Provokation ve.r. banden sein sollt«. Da aber ein solches Derhasten gröblich gegen die Ordnung des Hauses verstoße, werde er künftig aus Grvnd der Geschäftsordnung d e r a r ti g« gröbliche Verstöße mit Verweisung aus dem Sitzungssaal, ahnden und das Tragen von Uniformen, die«in Kennzeichen der politischen Zugehörigkeit ihrer Träger seien, nicht mehr dul- den. Das Haus billigte den Standpunkt des Präsidenten durch lebhaften Beifall....,. Nazi-Rebellion gegen das llniformverbot. Die Nationalsozialisten veranstalteten am Freitag, wie von polizeilicher Seit« mitgeteilt wird, offenkundig als Protest gegen die Maßnohmen des bayerischen Staatsministeriums in verschiedenen Stadtteilen Fahrten in Personenkraftwagen. Die Wagen wurden hierzu mit Fahnentüchern in den Parteifarben aus- geschlagen. Die Jnsasten, die zum Teil Parteitleidüng trugen, führten zahlreiche entfaltete Fahnen mit sich. Die Fahr- ten wurden durch die Polizeidirektion unterbunden, die Teil- nehm er mit den Kraftwagen zur Polizeidirektion gebracht. Sie wurden nach Feststellung ihrer Personalien wieder entlosten: Fahnen und Fahnentücher wurden zurückbehalter Alarmruf aus Westfalen. Oie Arbeitslosigkeit steigt. Dortmund. 6. Juki. Wie das Landesarbeitsamt Westfalen berichtet, wurde der west» fälische Arbeitsmorkt in der zweiten Hälfte des Mon»ts Mai erneut durch eine Zunahm« der Arbeits l.osenzahl belastet — ein« für die Jahreszeit ganz außergewöhnlich« Tatr fache. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger erhöhte sich gegen- über der ersten Maihätst« um 1120 Der. gegenwärtig« Stand siegt mit Insgesamt 125 128 Hauptunterstützungsempfängern um 67 643 oder um 120 Proz. üher dem Stand der gleichen Zelt des Vorjahres.. Rund ein Drittel der Gesamtzahl entfällt. auf den Bergbau und die Metallindustrie,«in weiteres Drittes auf.das Baugewerbe und die vom Baugewerbe abhängigen Jndv» striezmeige-..... Di» au« der zweiten Maihätfte vorsiegendea Stülegungs» anzeigen haben die Zahl 50 überschritten, und würden nach Erledigung der Verhandlungen eine weitere Belastung des west» fälischen Arbeitsmorkt«» um etwa 5000 Arbeiter bedeuten. Vorspiel zum großen Bombenprozeß. Eine Klage vor dem Arbeitsgericht. Mona. S. Juni. Vor dem Altonaer Arbeitsgericht wurde am Freitag der Fall Kienitz verhandelt. Bekanntlich wurde nach der Ausführung der Sprengstoffanlchläge in Bad Oldesloe uns Neumünster bei Kienitz. der in der Altonaer Popterwareysabrik Treu u. Co. al» Prokurist beschäftigt war, aus seiner Arbeitsstätte ein Koffer mit Sprengstoffen gesund«». Er war daraufhin fristlos von seiner Firma entlassen worden. Hiergegen hatte Kienitz Klag« erhoben. In der Verhandlung behauptet« Kienitz, er habe nicht gewußt, daß der Koffer Sprengstoff enthalten habe. Die Firma Treu u. Co. betonte, da» Vorhandensein des gefährlichen Sprengstoffes im Kontor sei«in Grund zur fristlosen Entlassung gewesen. Das Gericht wies die Klage ab unb legt« Kienitz die Kosten des Verfahrens auf. Nach Ansicht des Gerichts habe ein wichtiger Grund zur fristlosen Cnt> lastung vorgelegen._ Keine Einigung über Nordwest. In dem Manteltarifftreit der Gruppe Nordwest der Eisen» industrie wurde im Reichsarbeitsministerium über den Antrag auf Lerbindlichkeitserklärung des in Bad Oeynhausen gefällten Schied?. sprych» bis in die Abendstunden verhandelt. Eine Verständigung unter den Parteien wurde nicht erzielt. Di« Entscheidung über den Antrag siegt nunmehr beim Reichsorbeitsminister. Wer ist Krjukow? Ein Schlag gegen Sie Sowjetregiernng. Vor einigen Tagen berichteten wir über die Demission de* Generalsekretärs der Pariser Sowjetbant Krjukow-Angorski und über dessen Austritt aus der Kommunistischen Partei. Welch ein moralischer Schlag für das Ansehen der Söwjetregierung da? bedeutet, wird erst recht verständlich, wenn man sich die Roll« vor Augen führt, die Krjukoy, in der Kommunisttschen Part«, und. in Sowjetrußland gespielt hat. Er gehört gewissermaßen zur alten Garde und hat in der Zarenzeit neun Jahr e. Zwangsarbeit verbüßt. Während des Bürgerkrieges war«r militärischer Ko m-'. mifsar des so wichtigen warm, eschischen Abschnitts, später Inspektor der Infanterie. der kautasisch-kasplschen F ront, dann Leiter der Personalabteilung des Stabes des Kriegs- rats der Republik, Sekretär d« r. P a rt« i k.o n t r al l ko in»- Mission der General st.a bsakademi« usw. usw.■-■» Die Leitung der Sowjetbank hat übrigens für Krjukows Dennstion keine geschettere Erklärung gesunden als die. er sei wegen Unfähigkeit entlassen. Das Haus, in dent Krjukow wohnt, wird von Beamten der Kriminalpolizei bewacht. Reichstag und Rundfunk. Ein Vortrag des Re.chstagSpräsidenten Paul Löbe. Im Berliner Rundfunk sprach gestern Reichstagspräsident Ge. nasse Paul Lüde über die Frag«„Reichstag und Rundfunk"� Di« Frag«, ob Reichstagsverhandlungen durch Rundfunk übertrageu werden fallen, ist umstritten. Die Linke ist mit Einschluß der Wirtschostsportei dafür, N« Recht« zusammen mit dem Zentrum i st d a g e g« n. Die bürgerlichen Demokraten und die Poltskonser- vativc Vereinigung enthalten sich der Stimme. Lobe bekennt sich zu den Befürwortern. Cr sagt, daß die amtlichen Protokolle zu spät kommen und daß die Zeitungen zu einseitig berichten. Di« Rede des Parteifreundes wird von jedem Blatt bei der llnduldsamkeit des Parteigeistes ausführlich behandelt, der Gegner kommt zu kurz, er wird entweder totgeschwiegen oder mit ein paar Sätzen erledigt. Die Oefsentlichkeit und nament- lich die Jugend erhält so kein objektives Bild über die Der. Handlungen der Volksvertretung. Gerade der Rundfunk scheint be» fonders geeignet, dem politisch Interessierten zu sagen, was der Gegner will. Gegen eine Uebertragung von Reichstagsverhandlun- gen spricht der Umstand, daß die Verneiner des Staates die Sach. llchkeit vergessen und Kampfparolen proklamieren, um den Hörern zu sagen: Seht einmal an, so gehe ich gegen die Regierung vor, so ein Kerl bin ich! Der Reichstag könnte also zu einem Rede» theater werden, das mit Schimpfkanonaden ausgefüllt wird. Der Abgeordnet« will, wie«s in der alt«n Felddienstordnung heißt, die„Tapferkeit vor dem Feinde' zeigen. Di« Kürz« und die Sachlichkeit könnten unter diesen Umständen leiden. Demgegenüber ist einzuwenden, daß die Zeitungsschau, die der Rundfunk heute bietet, ein objektives Bild gibt und daß hier Unparteilichkeit gewahrt wird. Wenn die Reden der Abgeordneten auf Schallplatten aufgenommen und dann die von ihnen selbst als wichtigster Bestandteil angegebenen Teile den Rundfunkhörern übermittelt werden, ist auch diese Gefahr beseitigt. In diesem Verfahren läge sogar der Vorzug, daß der Redner gezwungen ist, sich zu konzentrieren und in einem bestimmten Abschnitt seiner Rede das Wichtigste zu sagen, was er zu sagen hat. Di« Uebertragungen, die der Rundfunk aus dem ungarischen, dem französischen und dem ägyptischen Parlament gegeben hat. beweisen. trotzdem hier Uebersetzung notwendig war, daß ein lebendiges Bild der Verhandlungen entsteht. Das ist auch in Deutsch- land möglich. Vor allen Dingen muß b«i wichtigen Ministerreden die Regierung auch im Rundfunk zum Wort kommen. Eine der letzten Reden Stresemanns konnte nicht übertragen werden, weil sich drei Reichstagsparteien dagegen aussprachen. Wenn ein Minister bei einem Empsang der Press«, bei der Eröffnung einer Ausstellung oder bei einem Empfang spricht, so wird seine Rede überttagen. Rur wenn er im Reichstag spricht, soll das unterbunden sein, trotzdem er gerade dort als politisch Verantwort- licher der Oefsentlichkeit Wichtiges mitzuteilen hat. Natürlich sollen dann auch die Redner der Oppositton zum Wort kommen. Wenn sie Unvernünftiges raden, so hat ja der Rundfunkhörer Gelegenheit, den Empfang abzustellen. Er ist hierin bester daran als der Reichstags- Präsident, der sich die Reden vom ersten bis zum letzten Worte an- hören muß. Lob« ist unbedingt für die Uebertragung wichtiger Sitzungen, zum mindesten in Auszügen. Die große MafssderRundfunk- härer, die heute m die Millionen geht, hat so die Möglichkeit, zu erfahren, wie ihre Interesten im deutschen Parlament vertreten werden. Oer Beamteuwechsel i« Pommer».~ Innenminister Woentig gegen die Aronde. Stettin,«. Juni.(Eigenbericht.) Dar preußisch« Innenminister Professor Dr. Waantig führte am Freitag den neuen Oberpräsiüenten der Provinz Poinnrern, Dr. von Halfern, in sein Amt ein. Waentig äußerte sich bei dieser Gelegenheit u. a. über den Konflikt, der zwischen der preußischen Staatsregierung und dem Pro- uinzialausschuß der Provinz Pommern wegen der Nachfolge de? Regierungspräsidenten in Stettin entstanden ist und noch besteht. Di«ser Konflikt hat dazu geführt, daß der neue Ober. Präsident, ebenso wie der neue Regierungspräsident in Stettin, Dr. Simons, sein Amt zunächst nur kommissarisch übernehmen konnte. Der preußische Innenminister führt« zu dem Konflikt aus: „Das preußische Staatsministerium hat sich meinem Vorschlag«, Sie(Dr.' von Halsern) mit dem Amte des Oberpräsidenten der Provinz Pommern zu betrauen, angeschlosten, weil Ihr« Person die Gewähr zu geben scheint, daß Sie das von Ihrem Vorgänger Oberpräsidenten Dr. Lippmann so verheißungsvoll begonnene Werk des Ausglsichs der Gegensätze, das Werk der Befriedung fortsetzen und vollenden werden. Dieser Absicht der preußischen Staatsregie. rung entsprach aber auch der Vorschlag. Herrn Ministerialrat Dr. Simons zum Regierungspräsidenten von Stettin zu ernennen. Bedauerlicherweise hat der Provinzialausschuß sich diesen Erwägungen nicht angeschlosten.. Die Staatsregienmg hat jedoch die feste ileberzeugung, daß die persönlichen Fähigkeiten und die sachlichen Erfolge des Herrn Dr. Simon? die heute ihm noch ablehnend gegenüberstehenden politischen Führer eines Teiles der Bevölkerung der Provinz in kurzer Zeit dazu bringen werden, diesen Standpunkt aufzugeben.' Deshalb hält das preu- ßische Staatsministerium daran fest, Herrn Dr. Simons mit der kommissarischen Verwaltung des Regierungsbezirks Stettin zu betrauen. Weil aber der Beschluß der Staatsregierung. Sie. Herr Dr. von Halsern, zum vberpräsidenten dieser Provinz zu bestellen, im inneren Zusamenhang mit der Auswahl des Nachfolger» für Ihren Posten als Regierungspräsidenten steht, hat das Staatsministerium davon abgesehen, Sie schott jetzt zum Oberpräsidenten der Provinz Domqrn zu ernenn«». Gerade deshalb möch'e ich mit allem Nachdruck betonen, daß die Siaatsregierimg in Ihnen schon heute den von ihrem und der Bevölkerung Vertrauen getragenen Ober- Präsidenten der Provinz Pommern erblickt.' Gesandter und Gozialifi. Oer Berfreter Iugosiaviensl in Verlin. Das ,.8-Uhr-Ab«ndblott' brachte dieser Tag« ein« Biographie des jugoslawischen Gesandten in.Perlin, Z. B a l u g z i t s ch. in der behauptet wurde, Balugzttsch. einst radikaler Sozialist und Mit« redakteur der„Neuen Jett'. Hab« sich nach U ebernahm« wichtiger offizieller Stellungen zum„Staatskonservativismus' gewandelt. In Wirklichkeit war Balugzitsch nicht Redakteur der„Neuen Zeit", wohl ober ihr Mitarbeiter. Darüber hinaus sind wir zu der Feststellung ermächtigt, daß der gegenwärtige Vertreter Jugoslawiens in Berlin nke aus seiner sozialistischen Gesinnung ein Hehl gemacht, sondern sich m allen seinen Publikationen, auch in der letzt«» Zeit, zu ihr bekannt hat. Oer Junggeselle am Scheidewege. vas Kabinett Brüning plant die Einführung einer Iunggesetteasteuer. Finanzamt oder Standesamt ist hier die Frage! Gefrierfleisch noch bis 1. Oktober. Eine Erklärung des Reichsernährungsministeriums. Am I. Juli sollte nach dem famosen Beschluß de» neuen Bürger. blocks die zollfreie Gefrierfleischeinfuhr endgüllig aufhören. Jetzt er. fährt man auf dem Umwege über die„Allgemeine Fleischerzeitung', daß noch bis 1. Oktober im bisherigen Umfang zollfreies Gefrier- fleisch eingeführt werden soll.' Die Fleischerzeitung erfährt aus dem Reichsernährungsministerium: Der Gcfrierfleischhanoel hat so große Voreindeckungen und Voranmeldungen in zollfreiem Gefrierfleisch dem Ministerium bekanntgegeben, daß sich der Rslchssrnährungsminister Schiele veranlaßt gesehen hat. einen Teil dieser Anmeldungen noch zuzulasten. Die Zulassung darf aber die Höh« des bis- herigen zollfreien Gefrierfleischkontingents nicht überschreiten. Der Relchsernährungsminister hat daher soeben angeordnet, daß von den angemeldeten 36 000 Tonnen zollsreien Gefrier- fleische» noch lZöllO Tonne«, und zwar bt» zum 30. September dieses Zahres nach Deutschland eingeführt werden dürfen. Der Erlaß des Ministers bezieht sich.auf den 8 108 der Reichsabgabenordnung. Das Ministerium legt also Wert auf die Feststellung, daß es sich offiziell nicht um die Derlänge- rung des Gefrierfleischlontingents handelt, sondern mn ein Entgegenkommen gegenüber dem Handel. Wir haben keinen Anlaß, an der Richtigkeit dieser Meldung zu zweifeln. Bezeichnend ist die Feststellung, daß mit dieser zollsreien Einfuhrverlängerung Herr Schiele dem Handel entgegen- kommen will. Wir glauben, daß er dem Handel auch entgegen- kommen mußte, weil die abgeschlosienen Verkäufe sonst zu Schadenersatzklagen geführt hoben würden. Ohnehin sind ja Prozesse gegen das Reich angedroht, weil die bisherige Regelung bis 1933 gelten sollk und sich darauf der ganze Gefricrsleischhandel einge- richtet bat Erfreulicherweise kommt diese zwangsläufige Aus» oehnung der bisherigen Gefriersleischversargung auch den arbeitslosen Massen zugute. Interessant aber ist, daß in diesem Blockkabinett an- gestchts der furchtbaren Arbeitslosen not noch keiner daran gedacht hat, Herr Schiel« natürlich am allerwenigsten. überhaupt die auf Grund einer Ermächtigung beseitigte Gefrier» sleischeinfuhr zunächst wieder in Kraft zu setzen. Da wird tagelang im Reichskabinett über Notmaßnahmen beraten; wie dt« notleiden- den Massen aber zu billigerem Fleisch kommen können, dafür zu sorgen ist dem Kabinett nicht eingefallen. Da mußte erst der Handel mit seinen— kostspieligen— Vorstellungen kommen. Künstler erklärt. Segen General von Schleicher. Genosse FranzKünstler schreibt dem„Sozialdemokratischen Pressedienst': Der rechtsstehenden Press««ntnehin« ich, daß der Reichswehr- minister sein an mich gerichtetes Schreiben vom 2. Juni damit zu rcchisertigen sucht, daß ich in der Kieler Munitionsangeleaenhett e i n illoyales Verhalten geübt haben soll. Ohne daß ich bn einzelnen auf die im Reichswehrministerium beliebt«« Rechtserti« gnngsmethoden eingehe— das wird an anderer Stell« in noch ausreichendem Maße geschehen—. will ich zur Steuer der Wahrheit für die Oeffentlichkeih und zur Information des Rekchswehrminister? den einwandfreien Sachoerhalt meiner, den mir gemachten Bor» onirf betreffenden Unterredung mit Herrn General von Schleicher bekanntgeben: Am Mittwoch, dem 23. April, hatte ich im Dienstzimmer des Generals von.Schleicher eine von mir erbeten« Unterrsdung über eine Boschwerde eines ehemaligen Marinssoldaten des akten Kreuzer» Emden', besten ruhmreiche Fahrten im Kriege von unseren Patrioten so gepriesen wurden. Nach dem Untergang de» Kreuz«» „Emden' muhte die Besatzung nach vielen Kreuz, und Ouarsahrten auf einem gekaperten Hilfskreuzer in einem arabischen Hasen an- legen. D« Hilfskreuzer wurde später verlast«», weil feindliche Kriegsschiff« die Einfahrt zum Hasen sperrten, Di« Mannschist des Hilfskreuzers trat dann den bekanntgewordenen Zug aurch die arabische W ü st e an und kam Ende llllö nach Konstanttnopel. Für diese Zeit ist den Matrosen der„Emden' weder Löhnung n o ch B erpflegungegeld gezahlt worden. Die mir spä» ter in dieser Sache ergänzend gemachten schriftlichen Mitteilungen habe ich dem General von Schleicher in der Sitzung des Reichs- tags vom 21. Mai übergeben. Hierauf folgt« dann der in der Oeffent, lichkeit inzwischen bekannt gewordene Brief des Ministers, gez. von Göttin«, vom 2. Juni, in dem es heißt, daß Herr Groen« weder schriftliche noch mündliche Anfragen von mir zu beantworten ge- denkt. In der Aussprache mit General von Schleicher vom 23. April habe ich die in meiner Reichstagsrede vom 22. Mai besprochenen Einzelheiichi in der Kieler K u n i t i o n sa n g«l c g e n h« 1t »och gar nicht gekannt. Das Material erhielt ich erst einen Tag vor den Verhandlungen des Wehretat» im Hauptausschuß. Hier brachte ich die Angelegenheit.zur Sprach«, ohne daß«n Vertreter des Wehr- Ministeriums sich dazu äußerte. Wen» aher da» WehrmiiiisteriUM sich auf Fragen eine? Abgeordneten ausschweigt, so m u ß der Ab, geordnet« den Weg in das Plenum heschretlen. Einzelheiten Über die Kieler Munitionsaffäre find mit dem General von Schleicher niemals besprochen worden Zum Schluß meiner Unterredung mit dem General von Schleicher wies ich auf Prestenotlzen über den am 3. Mai stattfindenden Pro- zeß der Kaufleute gegen den Reichswehrminister hin. Hierbei er» klärte ich, daß ich den Eindruck habe, daß der Kieler Fall genau so verlausen werde wie der im Jahre 1908 stattgefunibene Kieler Werft» prozrß- Hätte ich den Bertrag e vom t Oktober 19Z7 am Tag« der Unterredung schon gekonnt, dann hätte ich bestimmt Herrn von Schleicher daraus aufmerksam gemacht. Herr General von Schleicher weih zu gut, daß de? Rechtfertt- glmgoversuch für da» Sckn«ib«n vom 2- Juni jeder Grundlage entbehrt. Eine Aeußerung des General», die bei ihrem Be. kanntwerden nicht ohne Einwirkung auf den Kieler Prozeß bkeiben könnte, habe ich im Reichstag weder mit- geteilt, noch angedeutet. Das kann aber nachgeholt werden, wenn da« Reichs Wehrministerium glauben sollte, daß es mich in der Oefsentlichkeit weiterhin ungehindert eines illoyalen Perhaltens be- zichtizen kann. Keine Besserung in Südtirol. Trotz der Freilassung einzelner Führer des Deutschtums. Gens, 6. Juni. Der Dertteter der deutschen Bevölkerung Tirol» und frühere Abgeordnei« in der Ualienischen Kammer, Baron S t« r n b a ch, gab in der heutigen Sitzung des WeUverbandcs der Dölkerbunds« ligen ein« Erklärung zu der gegenwärtigen Lage der deutschen Minderheiten in Südtirol ad, in der er darauf hinwies, daß die Verfügung Mussolinis Regierungschefs, durch die mehreren Südtiroler Bürgern die persönliche Freiheit wieder- gegeben worden sei, von der Bevölkerung mit Befriedigung ausgenommen worden sei. Deidyr sei es ihm aber nicht möglich, von einer Besserung der Lag« berichten zu käunen. Trotzdem gebe er der Erwartung Ausdruck, daß die römisch« Regierung den Deutschen in Südlirol auch zum Nutzen des Staates jene Rechte einräumen werde, dl« eine freie Entwicklung des angestammten Volkstums ge- währleisten. Es müste sich jetzt zeigen, wie bei voller Wahrung der Rechte der anderen Nation und der Erfüllung der Pflicht«» gegen den Staat die Pflege des eigenen Volkstums und die ungehemmt« kulturelle Entwicklung jeder Minderheit gewährleistet werden könne. Die Erklärung des Südtiroler Vertreters wurde mit starten» Beifals aufgenommen. In der Auesprache wurde jodann von deutscher Seit« darauf hingewiesen, daß die Minderheitsverträg« bisher von den Regierungen in keiner weise eingehalten worden seien. Die südslawischen Vertreter hätten zwar alle Der- sprechungen gemacht, jedoch sei die Lage in Südslawien immer schlimmer geworden. Die italienisch« Regierung sei o>» keinerlei Verträge gebunden. Ihre Politik ziele aus die vernichkung der Minderheiten hin.(Was Adolf Hitler nicht daran hindert, zu erklären, man müsse im Interesse de» künftigen militärischen Zusammengehens mit Italien gegen den französischen „Erbfeind' die Deutschen Südtirols ihrem Schicksal preisgeben. (Red. d.„D.') . KPO.»Rowdy vemrieili. Neun Monat Gefängnis wegen gefähi licher KSi perverkrtzong Hamburg, 6. Juni. Ein Beteiligter an der Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten am Abend des 28. Mai, der Kommunist Boro», stand heute vor dem Richter. Boro» war bereits im Januar wegen eines gleichartigen Uedcrsalls zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Diesmal erkannte das Gericht wege� gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung, au f. neun Monate Gefängnis bei sofortiger Bcrhostung. Lohn- oder] Das Exempel der Der Bau markt muß so schnell wie möglich angekurbelt werden. Darüber ist sich alle Welt einig. Senkung der Bau- stoffpreise ist so wichtig wie Beschaffung von Daukapital. Kann eine Senkung der Baustofspreise durch Lohnabbau ermöglicht werden? Die Unternehmer sagen natürlich: Ja. Sie verweisen darauf, daß die von der Baukonjunktur abhängige Bau- st o f f i n d u st r i« selbst in einer argen Misere steckt, und für diese Misere machen sie selbstverständlich wieder den Stand der Löhne verantwortlich. Kurt entschlossen fordern sie daher Lohn- obbau. In der Ziegelindustrie wurde z. B. eine ganze Reihe der größeren Bezirks- und Ortsoerträge von den Unter- nehmern gekündigt und ein Abbau der Stundenlöhne von. 10 bis 50 P r oz. gefordert. Diese enorme Forderung ist von den Stettiner Ziegelunternehmern in einer Eingabe an den Schlich- tungsausfchuß mit der kühlten Behauptung begründet worden, daß seit 1924 keine nennenswerte Erhöhung der Lebenshaltungskosten eingetreten sei. Bei den Akkordlöhnen verlangt man fast all- gemein einen Abbau von 20 bis 30 proz. Wo es nicht auf ihre Kosten geht, sind die Unternehmer mit dem Handeln sehr rasch. In Sachsen hatten die tariflichen Instanzen sich für u n v e r ä»d e r t e Verlängerung der gekündigten Tarife auf ein Jahr ausgesprochen. Die Unternehmer wollten davon nichts wissen. Da eine Berbindlichkeitscrklärung der gefällten Schiedssprüche vom Schlichter nicht befürwortet wurde, kam es m allen Bezirken der Ziegelindustrie Sachsens zu einem tariflosen Zustand. Die Unternehmer haben sich das zunutze gemacht. Sie haben mit dem Lohnabbau begonnen. Sofort nach Ablauf der Tarife ging man daran, den von ihnen in Aussicht gc- nommenen Stunden, und Akkordlohnabzug durchzuführen. Rigoros haben fi« durch Anschlag niedrigere Lohnsätze dir- tiert und die Arbeiter aufgefordert, sich schriftlich mit dem Diktat einverstanden zu erklären. Vom Preisabbau ich keine Rede. Wo es nicht zum Lohnabbau kam, blieb es in den»leisten neu abgeschlossenen Verträgen bei dem alten Zustand, d. h. die Löhne des vergangenen Jahres gelten ein Jahr weiter. Ist das für die Baustofstndlistrie untragbar? Sicherlich nicht, denn auch das „schwarze" Jahr 1929 war für die Baustoffindustrie, wie die Geschäftsberichte aufweisen, keineswegs ohne Gewinn. Reben zum Teil sehr reichlichen Abschreibungen und Son- derrllckstellungen, neben den üblichen Gratifikationen an Vorstände und Aufsichtsräte, verteilen für das Geschäftsjahr 1929 folgend« Gesellschaften an Dividende: Ziegelwerke Ludwi-gsburg Ä.-G. 16 Proz., Rheudener Zicgelwerke 13 Proz., Osnabrückcr Ziegel- werte 8 Proz., Schermbecker Ton- und Falzzicgelwerke �.5 Proz., Ilse Bergbau A.-G., Klinkerwcrke Grube Ilse 10 Proz., Tonwaren- sabvik Schwandors 10 Proz., Tonwerke A.-G. Witteirberg 8 Proz., Reukirchen-Lugauer Ziegelwerke 0 Proz., Aktienzicgelei Beyreurh b Proz., Aktienzicgelei München 414 Proz. Man könnte diese Liste endlos verlängern. Natürlich gibt es auch Gesellschaften, die keine Dividende verteilen und die den Reingewinn zu A b s ch r e i- bungen und Betriebsvcrbesierungen verwendet haben. Es gibt auch Betriebe, die mit Verlust arbeiten, aber die gibt es in jeder Industrie. Wie in der Ziegelindustrie, so liegen die Dinge auch in der Z e m c n t i n d u st r i e für das Lahr 1929: Alfcnsche Portland- zemcntfobrit 14 Proz. Gewinne, �Breitenburger Portland-Zeinent- rv• v t w ♦ Baustoffindustrie. fabri-k 12 Proz., Germania Zementsabrik AG. Misburg 14 Proz., Porttand Zementfabrik Hemmoor 15 Proz., Sächf.-thüringifche Port- land Zementfabrik 12 Proz.,.,Saxonia"-Porttand Zementfabrik 10 Proz. usw. usw. Angesichts dieser außerordentlichen Gewinne ist es doch keine Zumutung, wenn man von der deutschen Zement- industrie oerlangt, eine bedeutende Preisherabsetzung vor- zunehmen. Sie und mit ihr eine ganze Reche von baustofferzeu- genden Industrien können sehr wohl die Preise senken und oben- drein auch noch etwas für Besserung der Löhn« tun. Unsere Unternehmer sind merkwürdige Leute. Die Hebung der Lebenshaltung der Asiaten und Afrikaner macht ihnen mehr Sorge als die Kaufkraft der deutschen Massen. Das ist kein Scherz. Herr F r o w e i n hat auf der Werkbesitzerversammlung des Deutschen Zementbundes vor einigen Monaten ausdrücklich als Voraussetzung für«ine günstige Entwicklung Deutschlands neben Kräftigung des Inlandmarktez ganz besonders Steigerung der Exportmöglichkeiten durch„Hebung der Lebenshaltung der asiatischen und afrikanischen Bevölkerung" gefordert. Warum in die Ferne schweifen, wo die Möglichkeit zur Hebung der Lebens- Haltung der Massen so nahe liegt? Wohttun beginnt zu Hause! Erpressung statt Verständigung? Die tä-zliche Praxis. Während in Berlin die Spitzenoerbände de? Industrie mit den Gewerkschaften über Mahnahmen zur Ankurbelung der Wirt- schaft. in erster Linie über ein« Verständigung in der Preis- und Lohnfrage verhandeln, schlagen draußen im Reich wild gewordene Arbeilgöberrerbänd« rücksichtslos aus die Arbeiterschaft ein, um sie gewaltsam zum Lohnabbau zu zwingen. Allem Anschein nach bilden sich manche Leute im Arbestgeberlager ein, durch„sanften" Druck auf Umwegen die Gcwerkschaftsspitzen eher zum Nachgeben zu zwingen. Ein höchst unglückliches und recht verfehltes Beginnen! Wenn die Lohnabbauerpresfungen nicht schnell aufhören, dann besteht große Wahrscheinlichkeit, daß neue scharfe Konflikte jede Verständigung zerschlagen. Sehr kritisch ist die Situation bereits in der feuerfesten Industrie Sachsens. Ihr Arbelt-geberverband hat den be- stehenden Bezirkslohntarif zu Ende April mit der Absicht gekündigt, einen Lohnabbau vorzunehmen. Das Tarifamt hatte anfangs Mai einen Schiedsspruch gefällt, der die alten Löhne bis Ende April 1931 weiter gelten lassen will. Der Spruch wurde von den Arbeitgebern abgelehnt. Die Arbeiter nahmen ihn an und bcan- tragten V« r b t» dl i ch tet t s er k l ä r u ng. Bevor jedoch das Verfahren zu Ende war, diktierten die Arbeidgeber durch Anschlag in den Betrieben«inen Lohnabbau von 3 bis 13 Pfennig pro Stund«! Sei forderten die Unterfchretbung von Reversen, wonach sich die Arbeiterschaft mit dem Lohnabzug einverstanden erklärt. Das Lorgehen der Arbeitgeber der sächsischen feuerfesten Jndu- strie ist unerhört. Bei der Haltung ihres Verbandes muß mit ernsten Konflikten gerechnet werden,-nachdem die Eini- gungsverhandstmgen vor dem mitteldeutschen Schlichter gescheitert sind. Noch ist die Entscheidung auf den Antrag der Arbeiter auf Verbindlichkeit nicht gefallen: er soll in den nächsten Tagen erfolgen: aber die Situation est bereits reckst- kritisch. Wettere Verhandlungen nach Pfingsten. Die Spihenorganisalionen der Arbeltgeber und der Gewerkschaften haben sich am Freitag in einer kurzen Besprechung dahin geeinigt, daß die Beratungen über die Preis- und Lohnsrage in der Woche nach Pfingsten fort- gesetzt»vcrdcn sollen. Ooppelie Buchsührung. Schwerindustrielle Sabskage der Verhandlungen. lieber die kurze Besprechung, die gestern zwischen den Spitzen- vrganisationen der Unternehmerverbünde und der Gewerkschaften stattfanden, veröffentlicht das Wolff-Vüro ein kurzes Kommunique, das inhaltlich übereinstimmt mit dem vorstehenden Kommunique, das uns vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund zugegangen ist. Gleichzeitig veröffentlicht aber das Wolff-Biiro in feinem Handelsdienst eine längere Miiteiluirg, in der es wörtlich u. a. heißt: „Von beiden Seiten wird versichert, daß die heutige Besprechung einen durchaus günstigen Verlauf genommen habe. Sie werde in der Mitte oder der zweiten Hälfte der » nächsten Woche fortgesetzt werden, und es wird als durchaus wahrscheinlich bezeichnet, daß sie dann bereits zum Ab- schluh kommt. Das Verhandlungsgebiet umfaßt nicht nur das Problem der Preis- und Lohnsenkung, es wird vielmehr eine Einigung auch über alle Fragen erstrebt, die der Wieder- onkurbelung der Wirtschaft und damit der Ueberwindung der Arbeitslosigkeit im Wege stehen. Sobald die Verständigung er- reicht ist, werden dann die Spitzenorganisattonen der Industrie von ihren Untervcrbänden die erforderlichen Maß- nahmen verlangen. Unter Umständen dürsten dann auch Ein- zelverhandlungen zwischen de» Organisationen der ver- schiedenen Industriezweig« mit den Parallelgewerkschasten folgen, - um die S e n k u n g s a k t i o n den besonderen Verhältnissen der verschiedenen Industrien anzupassen." Dazu wird uns von autoritativer Seit« erklärt, daß in den gestrigen Verhandlungen von einer Lohnsenkung überhaupt nicht gesprochen worden ist. Bei den oor hergeh«»den Vcrhand- lungen haben die Gewerkschaftsvertreter von vornherein erklärt, daß von einer Lohnsenkung überhaupt nicht die Red« sein könne. Erst müßte die Preissenkung sich auch bei den Kleinhandelspreisen ausgewirkt haben, bevor das Lohnprodlem überhaupt angeschnitten werdxn könne. Wir stellen also fest, daß es innerhalb der Unterneh-mcrgrupp« «inen Flügel gibt— und es ist gar nicht schwer zu erraten, daß «z sich um den Flügel der S ch w e r i n d u st r i e H e n handelt—, der bewußt und, wie wir feststellen wollen, mit Erfolg die Verhandlungen sabotiert. Zunächst ist die Telegraphenunio,, dazu benutzt worden, jetzt benutzt man sozusagen die doppelte Buch- führung im Wolff-Biiro. Die SchwcriiidustrieNcn doffen immer noch, daß der Rcichsarbeitsminifter ihrem Druck erliegen und den unmöglichen Schiedsspruch von Oeynhausen verbindlich erklären wird. Haben die Schwerindustriellen aber einmal die Verbindlich- keitscrkläning des Schiedsspruches in der Tasche, dann pfeisen sie auf den Verständigungsvcrsuch, der ihnen zum mindesten höchst unerwünscht ist. Wir glauben nicht, daß der Reichsarbeitsminister die Sabotage der Schwerindustriellen irgendwie unterstützen kann. AfA-Bund zu den Verhandlungen. Keine Senkung der Realeinkommen! Der As A- Bundesausschuß nahm<�n Freitag zur Arbeitslosenfllrsorg« Stellung. Das Bundesoorstandsmiiglied Schweitzer sprach über das Thema„Ursachen und Bekämpfung der Massenarbeitslosigkeit". Er forderte Beseitigung 0er Hemmungen, die der Hereinnähme aus- ländischen Kapitals heute noch entgegenstehen und die Aufnahme ausländischer Anleihen vor allem durch die öffentlichen Körperschaften, da nur so die öffentliche Wirtschaft in die Lag« versetzt werden könne, durch oerstärkte Auftragserteilung, an öie Privatwirtschaft wirischastsbelebend zu wirken. Die vom Reichs- wirtfchaftsrat vorgeschlagenen Maßnahmen zur Finanzierung des Wohnungsbaus müßten schleunigst verwirklicht werden. Die viel zu lange hinausgezögert« Zlnpaffung der Preise industrieller Fertigerzeugnisse an die stark gesunkenen Rohstoffpreise dürfe leine Stunde länger aufgeschoben werden. In dem Widerstand der Kartelle gegen dies« unbedingt erforderliche Preissenkung s«i eine der Hauptursachcn der allgemeinen Wirt- fchaftestockung zu erblicken. Bölttg abwegig sei es, den Preis- abbau von einem gleichzeitigen Abbau der Löhn« und Ge- hälter abhängig zu machen. Bei Preiserhöhungen hätten die llnternehmerverbände nie daran gedacht,.gleichzeitig di« Löhne entsprechend zu erhöhen. Die freien Gewerkschaften könnten bei ihren Verhandlungen mit den Spitzen der Unternehmer nie ihre Zustimmung zu einer Herabsetzung der Löhne und Gehälter w-bcn. Die von den Unternehmern geforderten Verhandlungen komtten von den Gewerkschaften nur mit dem Ziele geführt werden, den Zlrbeitsloscnschutz zu sichern und durch Herabsetzung des Preisniveaus unter strikter Aufrechterhaltung der Tariflöhne das Realeinkomineti der Arbeitnehmer zu beben und dadurch zur Belebung der Wirtschaft bei- zutragen. Erweiierung der Krisenfürsorge. „Im Rahmen des Möglichen." Das Wolffbureou meldet:„Der Reichsarbeitsminister hat heute mit den Vertretern der Gewerdscha-flen Fragen der Krijenunter- stiitzung besprochen. Er führte aus, daß er ständig bemüht fei, der Notlage auf dem Arbeitsnrarkt wie auch auf dem Gebiete der Krisen- Unterstützung ttn Rahmen des Möglichen Rechnung zu tragen. Die Geldmittel, die das Reich für die Krifenunterftiitzung zur Verfügung stellen könne, seien bei der gegenwärtigen Gesamttag« aber begrenzt. Wenn den vielfachen Wünschen auf Ausdehnung der Krisenunter- stützung in vollem Umfang entsprochen würde, so würde dies für das Reich gegenüber dem Haushaltssatz von 130 Millionen Mark eine Mehrbelastung von mehreren hundert Millionen Mark ergeben, er l)abe sich bereits mit Erfolg für eine nicht unbeträchtliche E r- höhung der Hausholtmittel eingesetzt und hoffe dadurch in der Lag« zu sein, wenigstens den größten RotstAnoen zu begegnen." :£ Gewiß kostet die Erweiterung der Krisciifürsorge Geld Aber auch die Regierung Brüning muß sich darüber klar fein, daß die Arbeitslosen nicht oerhungern können und die Gemeinden TO der Wohlsahrtsunterstützung am End« ihrer Kraft sind. Es kommt darauf an, wt« mm, den Rohm« d«„Mögttchen" spmmt. Es gibt schon noch Mögtichketten für die Regierung Brüning, durch Ersparnisse an Stellen, wo nicht so bitter« Ledensnonvendig- leiten auf dem Spiele stehen, wie die Stillung des Hungers, be- trächtliche Mittel herauszuholen. Die Angestellien zur Wirischastskrise. Verti-eterversammlung des AfA-OrtskakteliS Derlm. In der letzten Vertreterversammlung des Berliner AfA-Orts- kartells wurde zunächst Stellung genommen zu Reorganifatwns- vorschlügen, die oie Berliner Arbeitsämter betreffen. Die Vertrcterversammlu-iig stellte sich hierbei einmütig aus den Standpunkt, daß solche Pläne zur Zeit abzulehnen seien, weil man in jedem Falle, um eine doppelte Arbeit zu vermeiden, die end- güllig« Neugestaltung des kommunalen Berlins ab- warten müßte. Weiter wurde auch verhandelt über Vorschläge, die auf eine Organisationsönderun'g der Zusammenfassung der Berliner F a ch- arbeitsnachweise hinauslaufen würden. Bisher sind auf Grund der praktischen Erfahrungen sämtliche Berliner Facharbeits- nachweise dein Arbeitsamt Berlin- Mitte angeschlossen. Es. scheint in Bchördenkreisen die Absicht zu bestehen, eine ander« Gliederung vorzunehmen, was einer Zerschlagung der Zentrali- satton dieser Facharbeitsnachweise gleichkommen würde. Die Ver- treteroersammlung war einmütig der Auffassung, daß mit allen Mitteln für die Beibehaltung des bisherigen Zustandes ein- getreten werden müsse. Sie teill hierbei zugleich auch die Ansicht aller Vertreter der Berliner Arbeitergewerkschaften. Reichstogsabgtordneter Genosse A u f h ä u s e r sprach sodann über das Thema-„Wirischastskrise und Sozialreaktion". Er legte nochmals eingehend die wirtschaftlichen Zusammenhänge dar, die aus dem Thema ersichtlich werden. Insbesondere wurde auch ein- gegangen auf die katastrophalen Wirkungen der gegenwärtigen Wirt- sefaftskrise für die Angestellten, Wirkungen, die noch bedeutend ver- mehrt weroen durch die Ergebnisse der Tätigkeit der Sozialreaktion. In der sehr eingehend geführten Diskussion kam der einmütige Wille zum Ausdruck, alle Kräfte regsam werden zu lasten— gewerkschaftlich und politisch—, um die existcnzvermchtenden Absichten des Unternehmertums zu zerschlagen. In einer besonderen Funktionäroersanrmlung, die Mitte Juni stattfindet, weroen die Hauptsunktionöre der freien Arbeiter- und Angestelltengewerkschaften diesen Willen dcuttich zum Ausdruck bringen.._ Oampferausflüge. Etwas mehr Sol darität? Vom Gesamtverband wird uns geschrieben: Der überzeugt« organisierte Berliner in den freien Gewerk- schaften, der SPD., dem Reichsbanner, der Konsumgenossenschaft usw. kennt bekanntlich keinen größeren Stolz als die Solidarität mit seinen übrigen Kampsgenosten. Die im Gesamtoerband organisierten Schiffsmannschaften der Personenschiffahrt, die sich ohne Zweifel ebenfalls zu den über- zeugten Kämpfern rechnen und ständig im harten Kampf gegen die reaktionären tariflosen Reedereien stehen, ver- langen daher ebenfalls etwas mehr Solidarität von ihren Berliner Klastengenosten. Wiederholt ist mitgeteilt worden, daß mit der besonders reaktionären Reederei Kiek sowie mit Robiling, Stern A.-G., Schmidt usw. immer noch nicht ein tarifliches Abkommen über di« Lohn, und Arbeiksbcdin- gungen besteht. Leider wird dieses immer noch zu wenig von unseren Freunden beachtet. Da die tariftreuen Reedereien wi« Bauer, Friedrichshagen, Langwaldt und Schmolle, An der Slra- lauer Brücke 8, und andere bereits mitgetellte zu Pfingsten und auch in der übrigen Zeit Tourenverkehr eingerichtet haben, ist hier zu jeder Zeit Gelegenheit geboten, durch Benutzung dieser Schiffe seine organisierten Kampfesfreunde zu unterstützen. Die Fahrpläne dieser Reedereien werden zu seder Zeit kostenlos abgegeben und sind auch an den meisten öffentlichen Anschlagsäulen ersichtlich. Bei Vereinsfahrten usw. erteilt auch der Gesamtoerband, Bezirksver- waltung Mitteldeutsche Wasserstraßen, Berlin S0 16, Michaelkirch- platz 4 1, Fernsprecher F 7 Jannowitz 6191 oder 5670, die not- wendige Auskunst. Nahmenvsttrag für Angestellke bei Nordwest. Einigung vor dem Schlichter. Dorimund, 6. Juni. Nach zweitägiger Verhandlung unker dem Vorsitz des Schlichters von Westfalen kam am 6. Juni zwischen den Parteien eine E i n i- g u n g über den Rahmentavisoertrag der technischen und kaufmännischen Angestellten in der rheinisch-westfä- tischen Slahlindustrie, Gruppe Nordwest, zustande, die für zwei Jahre gilt. Die Regelung der U eberarbeitt ist di« gleich« geblieben. so daß die Werke die Mäglichko t haben, zeitweise bis höchstens 54 Stunden je Woche arbeiten zu lasten, und zwar nicht nur für Abteilungen, sondern auch für einzelne Angestellte. Dagegen wurde di« Bestimmung aufgehoben, nach der auch eine lieberarbeit über 54 Stunden in der Woche über die gesetzlichen Bestimmungen hinaus angeordnet werden kann. Der Urlaub der Lehrlinge wurde von bisher sechs Arbeits- tagen im ersten Lehrjahre auf zehn, in den weiteren Lehrjahren auf acht Arbeitstage erhöhtt Steigende Arbeitslosigkeit in polen. Der Lodzer Industriebezirk hatte am 31. Mai«ine Arbei.slosenzisfer von 36 743. Aus Lodz selbst entfielen 23 9.5 Arbeitslose. Von diesen werden nur 13 242 unterstützt. Im Laufe der letzten Maiwoche sind wiederum 1160 Arbeiter erwerbslos ge- worden, während nur 240 in Arbeit kamen. Diese Zisiern zeigen im G-aensatz zu den amtlichen Verlaut- barungen, daß von einem Rückgang der Arbeitslosen in Polen keine Rede sein kann., Für den tandarbeikerwohnungobau sind vom Reichsarbeits- minister nun endlich 25 Millionen zur Verfügung gc- st e l l t worden. Der Landarbelterwohnungsbau war völlig ins Stocken geraten'. f�reie Gewerkschafts-Inaenb Berlin ?Ill- Gruppen gehen auf Pfinallfahrt.— Achtung! Tonnnahend. den 21. Juni, Tomnierfonneuiveudfcicr im Z?»lk-parl Iunpsernhe-dc Mit- w.rkende: Z>.arlha?ohn(Ziezita'ionen). Tchit-cr d-r.«ochghule sitr Musik iWaidliorn-Oiartrtt), V-rllncr-kolksehor, Tprech. und Bewcaunaochor der lttSI. Beginn 21 Uhr. Eintritt 50 Bf. Deranlwortlich'iir Politik-?r Cur« Kcucr! WirNchaU S iNingelhoter! Ecrvcrklchailsbewcguug: 3. Elcinet; lreuilleton-«. Ö. Tijschcr- gokalt« und Soitffiqc« St;»«arstadt- An,ejaen- tb Slocke:(änitlid) in Berlin. Verlag! Borwiirtp.Berlo«(S. m b. ö Berlin Druck: Borwärls.Buchdruckcrei und Bcrlagsanltalt Paul Singer u To. Brrlin SW. 68, Lindcustrahe 8 Hierzu i Beilage». 3fr. 262» 47. Jahrgang *1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 7. Juni 1930 eass Ober Siemensstadt? metaltsctuneize durchsetzt die Lutt mit ssurei Zu Si-meusfkudl werde» Gcrüchle verbreite k. daß bei der vermibellung eines Metalls in de» Sie mevs- Betrieben Er- kraukuugeu vou Arbeitern durch giftige Metall- dämpfe und auch Beläfligungea und gesundheitliche Schädi- gungeu vsu Anwohnern vorgekomurea feien. Wie uns vom Betriebsrat der Siemens-Werte mitgeteilt wird, handelt es sich bei diesen Vorfällen um eine«st im vorigen Jahr« errichtete Anlage zur Erzeugung des seltenen Berylliums, eines Leichtmetalls, das, in geringen Mengen mit anderen Leichtmetallen wie Aluminium usw. in Legierung ge- bracht, deren technisch« Eigenschaften verbessert. Das Berylliirmerz. das zum größten Teil aus Lagerstätten in den Bergen des Bayerischen Waldes, zum Teil auch aus amerikanischen Fundstätten stammt, wird in dieser verhältnismäßig kleinen Anlage, die nur eine Belegschaft von zehn bis fünfzehn Mann hat, aufbereitet und geschmolzen. Aus dem geschmolzenen Erz wirb durch Elektrolyse mit elektrischem Lichtbogen bei sehr hoher Temperatur<1300 bis lttv Grad) das veine Metall, ähnlich wie bei der Aluminium, gewinnung, erzeugt. Da nun das Erz auch das Element Fluor enthält, aas sich bei der Elektrolyse mit Wasserstoff zu der stark ätzenden Flußsäure verbindet, können die in den heißen Abgasen des Schmelzoorganges enthaltenen Flußsäuredämpf« äußere und innere Schädigungen der Arbeit« hervorrufen, wenn nicht für einwandfreie Luftreinigung und Neutralisierung d« schädlichen Dämpfe an der Arbeitsstätte gesorgt wird. Für diese gewerbehygienischen Maßnohmen ist aber, wie uns der Betriebsrat auf oas Bestimmteste versichert, ausreichend gesorgt. Durch starke Absaugevorrichtungen und eine Gaswäsche für die Abgase, die aus Verlangen der Betriebsvertretung noch Ende vorigen Jahres verbessert wurde, werden selbst die kleinsten Spuren der Flußsäuredämpse und des bei der Verarbeitung entstehenden Berylliumstaubes und-dumpfes beseitigt. Weder die Lust der Arbeitsräum« noch etwa die Luft in den an den Betrieb angrenzen- den Straßen kann durch di« vielleicht noch vorhandenen Spuren der betreffenden Gas« �vergiftet' oder„verseucht" werden. Die Arbeit« d« kleinen Erzeugungsanlage, die üb« die Gefährlichkeit der verarbeiteten Stoffe unterrichtst wurden, sind mit Respirator sein« Art Gasmaske) und Gummihandschuhen ausgerüstet. Wegen ihr« Unbequemlichkeit haben einige Arbeiter diese Schutz- mittel nicht benützt, besonders in d««sie» Zeit, als selbst die Werk- Mechanik« noch nicht genügend mit den Eigenschaften des Beryllrums vertrau/' waren. Man kennt das Beryllium zwar schon seit üb« lOO Iahren als silberweißes, aluminiumähnliches Metall, sein« technische Der- Wendung beschränkte sich ab« bis vor kurzem darauf, daß Spuren von ihm in der Salzlösung vorhanden sind, mit denen man die Gasglühstrümpfe tränkt. Di« jetzig« neue Art der Verwendung geht auf Labovatoriumsversuch« aus dem Jahre 1912 zurück, fabrikmäßig wird sie ab« erst fest Beginn des vorigen Jahres betrieben. Ein« Aerzte-»nd Cheanikerkommiffion. die den neu, errichteten Betrieb besichtigt«, fand keine Mängel in den hygienischen Schutzyorrichtungen, ebensowenig Sie Gewerbepolizei, die oam.Be- triebsrat benachrichtigt wurde, als«in Teil der Arbeiter an dem hormlosen, fünf bis sechs Tag« dauernden, Beryllium-Haut- a u s f ch l o g erkrankten. Seitdem wird jeder der Arbeiter, d« dieser neuen Abteilung zugeteilt wird, vor der Zuteilung und dam, regel- mähig all« vier Wochen ärztlich untersucht und bei Erkran- kung sofort in ein« ander« Abteilung überwiesen. • Airs Anwohnerkveifen der Siemens- Kreis« wird uns folgende Darstellung gegeben: In einem d« Siemens-Gebäude, das angeblich an einen Ehemik« verpachtet sein soll, werden irgendwelche chemischen Wschrnndi Ausflüge I Orossen, die Maiblumensiadt D« östliche Teil der Mark ist fest kurz« Zett Touristenland geworden. Zwischen Drossen— nordöstlich von Fronffurt a. d. O.— und T o p p e r an der Frankfurt— Posen« Strecke liegen einige Naturschönhoiten, die eines Besuches wohl wert sind. Bezeich- nend ist hierfür wohl die Tatsache, daß ein« jener Machtfoktoren, die als Generaldirekwren der heutigen Wirtschaftsführung dos Tempo ver- leihen, sich in Schermeifel' einen von Blumen<5 Morgen groß« Rosen- garten und Orchidcengewächshäus«) umgebenen Besitz geschaffen hat. Buchenreiche Wald« und teils lieb- iiche, teils romantische Seenketten machen das mit seinem allen Namen „St«nb«g« Land" noch heute so genannte Gebiet zu ein« emladen- den Gaststätte, was sich auch im reg« werdenden Sorrmwfrischen- betrieb ausspricht. Für den eilig reisenden, ob« aus Sparfmnkeits- gründen den O-Zug vermeidenden Besuch« könnte die Reichsbahn etwas bess« sorgen: der gegen 8 Uhr von B«riu abgehende P«- sonenzug bleibt in Frankfurt 40 Minuten liegen— aus Betriebs- gründen natürlich— ehe« nach Reppen weitergeht, von wo die Nebenbahn nach D r o s f a n— Z i e l e n z i g— M eseritz Weiter- befördsrung überninunt. Man kommt kurz von 12. Uhr in Drossen an, hat also für 112 Kilomet« vier Stunden gebraucht. Drossen, einst die alte Hauptstadt des St«nb«g« Landes, liegt in einem anmutigen Tale, dem die nach Norden fließeiche Lenze Frische verleiht, so daß ein Kranz- von Gärten die Stadt umgibt. T/sugefruiig Alte Stadtmauer in Drossen Im Norden und Osten von Waldhöhen umsäumt, ry, Südwesten mit ein« jen« Seenketten begnadet, die für das Staricherg« Land so charakteristisch sind. Alst alt« slawisch« Grundlage begründet wuchs Drossen— einst Osna—„am Wege'gelegen"— genannt ___ rasch in die Rolle einer Handelsstadt hinein, deren Bedeutung mit den wechselnden Zeitläusen sich wich« verlor. Ab« die noch in vielen Teile» gut«holten« Feldstein-Stadt- mau« zeigt, daß Drossen auch eine wehrhafte Stadt gewesen ist. D« reiche Besitz an Wald spricht eben- salls für die Bedeutung des Siteren Stadtwesens. Tuchmacherei und Bierbrauerei sind verschwunden — der Betrieb nah« Braunkohlen- gruben leidet unter der allgemeinen wirtschaftlichen Depression: das „blühende" G«w«be des jetzigen Drossen ist die Maiblumen- k u l t u r. Nicht mir Großgärtner. sondern viele kleine Landbesitzer ziehen die liebliche Maiblume, die hier m Drossen nicht zur Blüte kommt— die in dreijähriger Kultur herangezogenen„Blüher" werden von holländischen Aufkäufern noch Holland gebracht, um von dort die Reise noch Am«ika anzutreten. Wanderungen in den Anlagen, zu den Seen und in die städtische» Waldungen bieten Zerstreitung und Erholung. Namentlich der nahe- Röchsee lohnt den Spaziergang, aber auch die weiter abliegenden Seen: Großer Kesselsee, Greibensee, der klein« und der große Zsuscht haben int«essante Partien. Als Standort für Touren in das Stern- berg« Land verdient Drossen besondere Beachtung. Daß ein Gewerkjchaftshaus sich in dem„agrarischen" Orte vorfindet, wird, manchen Parteigenossen überraschen- i. ii..ii. i. Experimente am Metall vorgenommen, wobei d« r a yt übel- riechend«, gifthaltig« Abgase entstehen, daß die Leute, die im Umkreis wohnen, hauptsächlich sind Frauen davon be- troffen, unter vergistungsöhnlichn Erscheinungen zu leiden haben. Sie klagen üb« U e b e l b e f in de n, S chw i n d e lo n f ä l l e. Atemnot und Herzbeschwerden, ein sariwährend« Hustenreiz fördert Auswurf zutage. Je noch der Konstitution und dem Alter d« Betreffenden sind viele wachen- und monatelang bettlägerig gewesen und können sich überhaupt von ihrem er- schöpften, ermatteten Zustand gar nicht mehr erholen. Dieses Martyrium der davon Betroffenen dauert schon ungefähr VA Jahre, aber keiner ivolst« den Angeber maihäa. denn die Mann« sind ja zumesst in den Werken beschäftigt, und wer wird heute im Höcht- siadium der wirtschastlichen Not, Kopf uno Kragen riskieren. Als sich einige Fra»en mit Beschwerden an die Gesundheitsbehörde wandten, wurde durch diese veranlaßt, daß diese gefährlichen Abgase unterirdisch ihren Abzug finden. Trotzdem sollen dem Erdboden au- geblich immer noch diese gefahrbringenden Gase entströmen: alle Fensterscheiben im Ilmkreis sind mit einer undurchsichtigen blauen Schicht überzogen und bunte Glasscheiben zeigen helle Aetzflecken. Die ärztliche Untersuchung der Anwohner ergab kein positives Resultat: der eine Arzt stellte Asthma, der ander« eine 18] 44. pfiilBI Mit silberleuchtendem Arm umfängt der Rubiz Batus schönen Leib. Glänzend wie grüne Opale blitzen die Blätter der Palmen. Bäume und Häuser haben schärfere Umrisse als bei Tage, jetzt, zur Nachtzeit, wo des Mondes«cheibe hoch am Himmel steht. Ganz ln der Nähe knacken Aeste im Walde, wie wenn ein Elefant oder ein Flußpferd durch das Dickicht bricht. Aus der Ferne dröhnen die Trommeln der Eingeborenen her. Sie lärmen zum Tanz. Denn klar und kühl ist di« Lust und der wilde Täuberich lockt fein Weibchen mit schmeichelndem Ruf. Ich gebe dem Hauptmann Antworten, wie«» mir gerade «infällt, bald ja und bald nein. Um meine Unaufmerksamkeit etwas zu bemänteln, be- ginne ich. ihm Komplimente zu machen, wenn einmal eine kleine Pause in seinem Bericht eintritt. Ich sage ihm Lob- worte über seinen Kaffee, der den wilden Geschmack, den starken Duft hat. die nur den Kaffeepflanzen zu«igen smd, die frei in den Wäldern wuchern. „Ach ja�, erwidert er,„es wäre wohl alles bester, wenn die Menschen der Natur nicht immer und überall Zwang auferlegen wollten. Diese Zivilisation! Ich kann Ihnen sagen! Mein Freund, der Postmeister in Bami, meint in Anbetracht der Ergebnisse, di« die Zivilisation hervorgebracht hat, daß eine solche nur m unbevölkerren Gegenden vorgenommen werden sollt«. Jede Urbevölkerung sollte ihr Leben unbeeinflußt von uns Weißen leben dürfen, denn unsere Zwangsmatznalimen, fo meint er. müssen immer zur Folge haben, daß der Lebensnero der Wilden über kurz oder lang zerstört wird, und er philosophiert weiter, daß der Welt mit jedem airssterbenden Urvolk ein zukünftiger Kulturfaktor verlorengeht. Ich dagegen bin der Ansicht, daß wir Euro- paer recht daran tun. zu kolonisieren, und daß wir sogar di« Pflicht hoben unsere überlegene Kultur zu verbreiten. Aller- dings nicht gerade durch die Mittel und in ller Art und Weife, wie es jetzt nur zu oft geschieht. Wir sollt«« den Schwarzen während der Kulturimpfung helfen und sie unter- stützen, anstatt ihre Schwachheit dazu zu benutzen, sie nieder- zuschlagen und zu vernichten. So könnten wir im Laufe einiger hundert Jahre Völker aus ihnen machen, die uns ebenbürtig sind. Mein verstorbener Freund Knut Brede würde mich aller- dings schön auslachen, wenn er mich noch hören könnte. Sie wissen, er meinte nachweisen zu können, daß ein Bantuneger einem gewöhnlichen Haustier näher verwandt ist, als einem von uns hochkultivierten Weißen... Ja, er war sogar so paradox veranlagt, daß er vielleicht an dieser Eigentümlichkeit gestorben ist. Kolonisationstheorien kann jeder konstruieren, wie aber die Wirklichkeit hier bei uns aussieht, das soll Ihnen folgendes kleines Ereignis zeigen, das ich auf einer meiner letzten Reisen erlebte: Vor dem Postmeister ist' Tagu steht ein angesehener Aborambohäuplling. � Der Weiße brüllt:„ihut ab. wenn du mit deinem Chef sprichst!" von Der Häuptling nimmt den Hut ab. Eine große Anzahl Azandeern. Bakangos und Stationsarbeitern umgibt die beiden. Und daher beschließt der Postmeister, sich erst von seiner scherzhaftesten Seite zu zeigen, ehe er zu den Geschäften übergeht: „Du hast doch die Augen eines Nachtraubtiers, nicht wahr?! Kannst du den kleinen Hund sehen, der dort drinnen in dem Phonographen sitzt und heult?" Der Eingeborene lächelt ein mattes Lächeln und oerbeugt sich noch tiefer als vorher vor dem Weißen. Aber bei dieser Verbeugung ist es, als durchlaufe ein Zittern ihn. wie eine Stahlfeder zuckt und zittert ehe sie plötzlich zerspringt. „Willst du mir das Aussehen dieses Hundes beschreiben?" Der Häuptling sieht den Postmeister mit verschleiertem Blick an. „Nun, wird's bald?! Er ist ganz klein, nicht wahr? Und schwarz, ebenso schwarz wie du!" Ja, der Häuplling bestätigt, was der weiße Mann gesagt hat: der kleine Hund ist schwarz. Der weiße Mann lügt nie. ..Richtia. der weiße Mann lügt nie! Weiter sind olle im'........ Weißen gut und gerecht! Wiederhole! „Gut und gerecht!" „Glaubst du, daß es von hier bis zur Sonne ebenso weit ist, wie von hier bis zu den großen Ebenen?" Der Mann antwortet nicht. Da schreit der Weiße: „Warum schweigst du?! Aus Faulheit od« aus Wider- 1 Leben! So und nicht anders! l'penstigkeit?!' Und wo ist übrigens das Antilopenfleisch, das du mir zum Frühstück bringen solltest, dreckiger Neger?! Und wann hast du das letztemal Kautschuk und Träger geliefert? Schweigst du immer noch? Wagst du es, deinen Ehef mitten ins Gesicht hinein zu höhnen?!" Der Postmeister versetzt dem Häuptling einen Schlag ins Gesicht und läßt ihn ins Gefängnis abführen. Ja, sehen Sic, dieser Mann, der Postmeister, handelt wohl so, well er nicht anders kann! Bielleicht zwingt ihn der Instinkt dazu— wir erleben ein Beispiel von dem immer- währenden Kampf des gemeinen Bostes, des großen Haufens. gegen die geborenen Herren, die Auserlesenen. Und stets ist er der Verlierende: selbst wenn er seinen verhöhnten Gegner einsperren und mißhandeln läßt. Ach ja, oft habe ich Unwissenheit, plebejische Machtgier uird versteckten Rassenhaß so sein Spiel treiben sehen. Dieses Land wird zu einem großen Teil von Leuten regiert und verwallet, die Unteroffiziere sind oder es waren. Ueberall schimmert der Haß der Mittelmäßigkell hervor, der Haß gegen alles, das emporragt. Und alle strafen mit dem gleichen Ver- gnügen, das eilt Polizist empfiitdet, der jemand„anhalten" kann, der von Geburt, Erziehung oder Geist etwas Höheres ist als ein Unteroffizier— gleichgültig, welcher Farbe oder Rasse das Opfer angebort. Ist Ihnen der Unterschied.zwischen der Beamtenschaft einzelner anderer Kolonien oder derjenigen der unseren nicht aufgefallen? Dort werden vorzugsweise Männer mit ein« gehender Vor- und Ausblldung in die Aemter eingesetzt. Männer, auf die man bauen kann. Viel Macht wird ihnen in die Hand gegeben, aber sie tragen ebenso große Veranl- Wartung, persönliche Verantwortung für ch« Handlungen. Hier dagegen verwendet man als Beamte am liebsten untertänige Kreaturen, die oft von sehr geringer Bildung und Erfahrung sind, meist Indiochuen, die in ihrer Heimat nicht mehr ganz„sauber" waren. Die lassen sich leicht tvm- mandieren und hantieren. Und wenn sie es verstehen, die Eingeborenen genügend zu erpressen, verleiht man ihnen bald große, ja ungeheure Macht und nimmt ihnen fast jegliche Verantwortung. Und werni sie sechst raffinierte Grausam- leiten begehen, den Schwarzen fast das Blut auspressen, so mahlt die langsame Papiermühle die Totsachen fein und immer seiner, bis nichts mehr übrig ist, wenn der zuständige Mann die Sack)« in die Hand bekomm.!. Wieviel Bös«? tun die Menschen einander! Mir scheint, daß dos meiste davon unnötig geschieht. Und doch, es muß wohl so sein! So ist das (Fortsetzung falgt.) Magemnfektion, bct dritte ein �alsleiden fest, da tatsächlich all dies« Organe sehr stark geschädigt sind. Nach der Wahrnehmung eine? unserer Mitarbeiter befinden sich an den Fensterscheiben und Glasschildern in der Umgegend der Beryllium-Anlage große weiße Aeßflecke und rauhe Stellen, an denen bei farbigem Glas die Farbe zerstört ist und die sich nicht mehr putzen losien. Diese auffällige Erscheinung deutet aller- Vings im Gegensatz zu den Mitteilungen des Betriebsrats auf eine in den Abgasen der Anlage noch vorhandene verhältnismäßig hohe Konzentration der stark giftigen und ätzenden F l u ß s ä u r e hin, besonders, da dies die einzige Säur« ist, die Glas so stark angreift und darum auch industriell in der Glasätztechnik verwandt wird. Die gegen die Siemens-Werke sich aus diesen Feststellungen ergebenden Vorwürfe bedürsen dringend der Klärung durch die verantworstichen Stellen. Starker pfingstverkehr. Rekordvertehr. erwartet.— Oer Auftakt der Sommersaison Das schöne warme Wetter hat den Pfingstverkehr bereits am Donnerstag In Bewegung gebracht. Neben den sahrplan- mäßigen Zügen, die verstärkt gefahren wurdan, mußten bereits am Donnerstag 15 Bor- und Nachzüge und drei Sonderzüg« eingelegt werden, um all« Redenden zu befördern. Allein vom Anhalter Bahnhof, vom Etettinqr Lahnhof und von der Stadlbahn in Rich- tung Osten fuhren je vie� Bor. und Nachzüge. Auch am Freitag herrschte auf den Fernlwhiihöfen ein starker Berkehr: insgesamt 59 Bor- und Nachzüge stehen für Freitag bereit, davon 19 für den Berkehr von der Staßtbahn nach dem Osten, je IS auf dem Anhalter und dem S t e i n e r Bahnhof, 7 von der Stadtbahn nach dem Westen, g auf dem Görlitzer und ö auf dem Potsdamer Bahnhof. Für den P f i n g st s o n n a b e n d erwartet die Reichs- bahn Hochbetrieb. Mit 115 außerplanmäßigen Zügen hat sie dafür vorgesorgk. Im einzelnen stehen»allein aus dem Stettiner Bahnhof 44 Bor- und Na chzü g« bereit, auf dem Anhalter Bahnhof 22, der Stadtdahn nach dem Osten 18, nach dem Westen 19, auf dem Görlitzer Bahnhof 11 und dem Potsdamer Bahnhof 19. Nach den Beobachtungen dürste der diesjährige Pfingstverkehr den des Borjahres bei weitem übertreffen. Unter den diesfährigen Pfu igst reisenden sind auch viele, die schon setzt ihre Sommcrreise antreten, da der zeitliche Abstand von den großen Ferien nur gering ist. Die Hauptsaison in den. Sommerferien wird also in diesem Jahre recht frühzeitig beginnen. Verurteilte Skandalmacher. �üpelmethoden der kommunistischen Bezirksverordneten. In den Januar- und Februarsihuagen der Neu- köllner vezirksversommlung unternahmen die Kommunisten Störungsoersuche und griffen im Dause der Verhandlungen einig« sozialdemokralische Bezirksoerordnete sogar täilich an. Nachdem die Bezirke- verordneten Longe und Weise wegen der Zusammen- stoße lu der Zonuarsitzung zu Geldstrafen vernrteill worden waren, mußten sich jetzt wieder drei Kommunisten vor Gericht verantworten.. In der Sitzung am 19. Februar kam es wie gewöhnlich zu leb- hatten Auseinandersetzungen, weil die Geschäftsordnung abge- ändert werden sollte, um randalierende Bezirksverordnete aus der Sitzung entfernen zu können. Die Kommunisten lärmten bei der Beratung dieses Antrages. Der Kommunist Sommer verließ während dieser Beratungen seinen Platz und bO>ab sich zu den Sitzbänken der sozialdemokratischen Fraktion. Nachdem er mehr- mal» versucht hatte, sich in die Diskussionen einzumischen, ging er plötzlich auf den Bezirksverordneten E x n c r zu, und schlug ihm ins Gesicht, so daß Exner durch die Wucht des Schlages taumelte und seine Brille verlor. Ein Atiest des Arztes bestätigt« am nächsten Tage stark« Schwellungen im Gesicht. Alle Zeugen betonten übereinstimmend, daß Sommer brutal zugeschlagen Hab«. Der Staatsanwalt hielt als Sühne für diesen Roheitsakt «ine Geldstraf« für nicht ausreichend und beantragte wegen Körper» Verletzung in Tateinheit mit öffentlicher Beleidigung«lne Gefängnis- strafe von fünf Monaten. Das Gericht oerurteilte Sommer zu zwei Monaten Gefängnis. Der Stadtverordnete Lange hatte in der gleichen Sitzung dem Stadtverordneten Gärtner ins Gesicht geschlagen. Gärtner hatte den Abänderungsantrag zur Geschäftsordnung begründet. Alle Zeugen, auch die der Rechtsparteien bestätigten vor Gericht, daß Lange plötzlich von seinem Platz aufstand, zu Gärtner trat und auf ihn einschlug. Der Staatsanwalt beantragte vier Wochen Gefängnis. Das Gericht erkannte auf 30,0 Mark G e l d it r a f e. Als' Lange das Schlußwort erhielt, begann er sofort mit Beleidigungen gegen den Vorsitzenden, dem er Voreingenommenheit gegen die Kommu- nisten vorwarf, dafür wurde er zu einer Ordnungsstrafe von drei Tagen Haft verurteilt, die er sofort nach Beendigung des Prozesses antreten mußte. Auch die kommunistische Bezirksoerordnete Wolter hatte in dieser Sitzung beweisen wollen, daß sie den sämtlichen Mitgliedern ihrer Fraktion nicht nachzustehen braucht und schlug auf den Le- zirksverordneten Schulz«in. Sie erklärte vor Gericht, daß sie glaubte, Ihrem Parteifreund Lange beispringen zu müssen, indem sie dem In ihrer Röhe sitzenden Schulz ein« Ohrfeige gab. Wegen Körperverletzung In Tateinheit öffentlicher Beleidigung wurde auch sie verurteilt, und zwar zu einer Geld st rase von 50 Mark. » Die Berliner Kommunisten haben von seher Wert darauf ge- legt, dos kleine, ober bei der Beratung von Einzelheiten io wichtige Parlament der Bezirke zu diskreditieren. Prügeleien und persön- lieh« Anrempelungen gröbster Art gehörten, besonders in der Neu- kollner Bezirksversammlung, fast zur Tagesordnung, und es ist nur zu hoffen, daß den Herrschaften mit dem rüden Ton und der losen Hand(wozu natürlich auch dl« Nationalsozlalistsn gehören) durch «nergische Maßnahmen endlich das Handwerk gelegt wird. Motorradunstlürk bei LLannsce. Gestern abend ereignete sich auf der Chaussee bei Wannsee «n schweres M o t o r r a d u n g l ü ck. das ein Todesopfer fordert«. Der Zljährig« Leutnant der Reichswehr von der Kraft- kaHrabteijuna IV in Münster, Siegfried G e r i ck e, der zurzeit m Döderitz stationiert ist, befand sich mit seinem Motorrad auf der Fahrt von Potsdam nach Wannse«. Auf der Höhe de- Golfklubs Mannsee wollte er in hoher Geschwindigkeit«in Auto überholen. Dabei fuhr er mit einem aus entgegengeletzter Richtung kommenden Privatauto zusammen. Da, Motorrad wurde völlig zertrümmert. Der Fahrer wurde in hohem Bogen auf das Pflaster geschleudert. wo er mit schweren Kopfverletzungen Ii e w u ß t l o» liegen blieb. Der Derunglückt« wurde in das Städtische Krankenhaus nach Pots- dam gebracht, wo er an deti Folgen eines doppelten Schädel- b r u ch s starb. Die Drohbriefe an Groener. Eine Osfiziersfrau von Bedrohungsanklage freigesprochen. Sine nicht alltägliche Affäre, die in Reichswehr. kreisen spielte, fand vor dem Schöjsengcrichi BerNn-Mitle ihren Abschluß. Die Zrau des Oberleulnanls W. war angeklagt. in anonymen Briefen Mitglieder der heeresausbil- dungsoblellung und einige Offiziere beleidigt und Urkundenfälschung begangen zu haben. Ihr Mann, der Oberleutnant W., hatte mit Erfolg den ersten Ausbildungslehrgang zum Generalstäbler absolviert, mit weniger gutem Ergebnis den zweiten. Das junge Ehepaar der Schwteger- vater des Oberleutnants hatte in Deutfch-Eylau eine Malzfabrik— lebte fast die ganze Zeit voneinander getrennt, der Mann erhielt nacheinander Kommandierungen nach Bautzen und Königsberg, nach München, nach Würzburg, nach Stettin und im Jahre 1928 wieder nach München und Stuttgart. In oen letzten beiden Städten befand sich bei ihm nach Abfoloienmg des zweiten Lehrgangs auch feine Frau. Etwa am 4. August erfuhr der Oberleutnant, daß er zu den neun unter den zwölf Offizieren des zweiten Lehrgangs gehöre, die zum dritten abschließenden Lehrgang nicht zugelassen werden würde. Zlm S. August lief beim Reichswehrminister ein Brief ein, unterschrieben mit dem Namen eines der Teilnehmer des zweiten Lehrgangs. Gerth. Es hieß darin unter anderem:„Ich Hab« lange geschwankt, ob Ich mich mit meiner Anklage an die höchste Stelle wenden soll. Ich spreche aber gewissermaßen im Namen vieler Offiziere, Ueberall spielen Beziehungen«in« Rolle. Die Herren in Berlin werden aber wohl nicht wissen, in welchem Maße sie bei den Zulassungen zu den Lehrgängen mitbestimmend sind. Es wird dann dem Leiter des Lehrgangs, dem Major Schubert, der Vorwurf der Unfähigkeit und der Bevorzugung einzelner Offiziers au» persönlichen Gründen gemacht. Am 7. September erhielt der Mann der Angeklagten«inen Brief, in dem ihmehrlosesBer- halten vorgeworfen wurde: er und die anderen schwiegen und vereitelten daöurch dre Möglichkeit, die Wahrheit ausW.decken. Am 22. Oktober erhielt der Reichswehrminister einen dritten Brief, besten Schreiber sich als Drucker bezeichnete und mitteilte, daß er 1000 Flugblätter in Druck bekommen habe, in denen der Reichswehr- minister äußerst scharf angegriffen werde. Er, der Brtefschreiber wolle ihm Gelegenheit geben, vor Drucklegung in den Inhalt des Flugblatt» Einblick zu nehmen. Die Anklage erblickte übrigens in diesem Brief Nötigung und Bedrohung. Die beiden ersten Briefe waren nicht von dem Offizier Gerth geschrieben. Der Verdacht, die Briefschreiberin zu sein, fiel aus verschiedenen Gründen auf die Frau des Oberieutlwnts W. Eine Haussuchung ergab nichts Belastendes. Bei ihrer Freundin in Berlin stellte man jedoch«inen Brief fest, der mit der gleichen Schreib- Maschine geschrieben sein mußte, wie der Brief des Druckers. Beim Bater der Frau W. fand man auch die Schreibmaschine mit den in Frag« kommenden Typen. Die Schreibmaschinensochverständigen behaupteten, daß sämtliche Briefe mit dieser Schreibmaschine geschrieben sein müßten. Di« Buchstaben waren aufs Zehnfache oer» größert worden, die Abnutzung der einzelnen Typen liehen bei Nach. Prüfung keinen Zweifel darüber, daß die Briefe mit dieser Maschine geschrieben sein müsten. Frau W. erklärte jedoch, überhaupt keinen Grund gehabt zu haben, die Briefe zu schreiben. Ihr habe an der Beförderung thres Mannes zum Gcneralstabsoffizier nichts ge- legen. Und ihr Mann sogt« vor Gericht aus, daß er der ständigen Abkommandierungen müde, nichts sehnlicher gewünscht habe, als in Deutfch-Eylau seine Wohnung behalten zu können. Auch seine Kameraden bestätigten das. Der Staatsanwalt glaubte den Beteuerungen der Angeklagten nicht. Er hielt sie für überführt und beantragt« zwei Monate Ge- fängnis. Das Gericht kam aus Mangeln an Beweisen zmn Freispruch. Zurück aus Amerika. Zeppelin wieder in Iriedrichshafen gelandet. Friedrichshasen, K. Juni Das Luftschiff..Graf Zeppelin" ist nach glücklicher Vollendung seiner ersten Südamerikafahct heute abend um 19,21 Uhr hier wieder glatt gelandet. A■>..r, ,t-.f. Jt,-t..a.•->.>.» .»* TW**"8" T"» Ii'4' V'Sr'Sr i» V } t I Insers werten Leser und Freunde werden gebeten, in allen Gaststätten, Kaffeehäusern, Zeltungsverkaufa- stellen usw., sowohl In Grofl-Berlin als auch Im Reich und Im Ausland, ausdrücklich den „VORWÄRTS" n NO" und den "ff' zu verlangen. Das Parteiinteresse fordert, überall für die Parteipresse zu werben und das Auslegen des Zentralorgans der SPD. in allen Vorkehrsstätten zu veranlassen. Sollte der„Vorwärts" an Kiosken, Bahnhofsbuchhandlungen usw. nicht erhältlich sein, so wären wir für entsprechende Mitteilung dankbar „VORWÄRTS"- VE RLAG Berlin SW 68, Lindenstr. 3/ Fernspr. Dönhoff 292-297 „Deuischland erwache." Nationalsozialistische Versammiungssprenger vor Gericht. Bor dem Einzelrichter Schöneberg begann die Der- Handlung gegen die N a t i o n a l s o z i a t i st« n, die am 4. April d. I. die demokratische Versammlung fcn der Hohen- zollernschul« in Schöneberg gesprengt haben. Da» Thema der Veranstaltung lautete„Der National- sozio lt st als schlimmster Feind de« Nationall,. inu»". Demzufolge hatten sich die nationalsozialistischen Sturm- kolonnen zu einer groß angelegten politifchen Aktion in dem Der- sammtungssaai eingestinden. Einige der Führer hatten«s sogar verstanden, auf dem Podium Platz zu nehmen. Während der Rede des Abgeordneten N u s ch k e ging dann der Klamauk lo». Zuerst gab es provozierende Zwischenrufe, dann wurde auf Kommando im Chorus geschrien:„Judas", während ein anderer Sprecher darauf mit„verrecke" reagiert«. Oder: der«Ine Teil schrie„Deutschland", während der andere mit„erwache" antwortete. Zwischendurch wurden nationaltstische Lieder gesungen. Nach Nuschk« erhielt Freiherr von R i ch t h o f e n das Wort. Er kam kaum zum Sprechen. Die Bersammiung mußte vorzeitig abgebrochen werden. Beim Räumen des Saales ging der Klamauk erst recht los. Die Nationalsozialisten stürmten zur Tribüne, gingen gegen Nuschke und Richthofen vor. Vom Podium her wurden Rufe laut: „Hier bleiben",„weitertagen" usw. Da» Amtsgericht verurteilte die Angeklagten Kirsch zu 13 Mark, Tontow zu 73 Mark und Bachem zu 50 Mark Geldstrafe wegen Hausfriedensbruch und den Angeklagten Rüsch zu 20 Mark Geld st rase wegen Beleidigung. Die übrigen vier Angeklagten wurden freigesprochen. Großer Waldbrand im Grunewald. Gestern nachmittag brach im Jagen 98 des Grunewald- forstes gegenüber der Pfaueninssl, vermutlich durch die Unvor. sichtigkeit von Au-flüglern, Feuer aus. Als die Feuerwehr auf den Alarm mit vier Löschzügen anrückte, hatten die Flammen bereits eine 13jährige Fichtenschonung in einem Umfang« von nahe- zu 10 Morgen erfaßt. Di« Löscharbaiten gestalteten sich infolg« der ungeheuren Hitze sehr lchwierig und erst nach mchrstündiger Tätigkeit gelang es. durch Aufwerfen von Gräben den Brand- Herd einzukreisen. Der Schaden ist erheblich. Aus der Gemeinwirlschaft der deutschen Klädle. Aus der Feder des Genossen Paul Robinson ist in der neuesten Nummer der „Kommunalen Blätter der SPD. Berlins" ein sehr bea�chtenswerter Beitrag:„Aus der Gemeinwirtschaft der deutschen Städte" erschienen, der eine vergleichende Uebersicht über die C a s-, Wasser- undElektrizitätsversorgungin»4 deutschen Städten bietet und ein bedeutendes Material in einer bisher noch nicht gebotenen Ueberfichttichkeit verarbeitet hat. Selbstmord mit Schrecken. Blutiger Vorfall auf dem Halensee im Qinapark. Gestern abend spielte flch im L u n a p a r k lo Halens« zwischen zwei angestellten Handwerkern ein blutiger Vorfall ab, der in seinen Einzelheilen noch der polizeilichen Klärung bedarf. Nach Schluß des großen Feuerwerks ruderten der 20iährige Elektrotechniker B e d d i s und der 27jährige Schlosser Erwin G o t t k a in einem Kahn auf den See hinaus, um an der sogenaniv ten„Wasserfontäne" eine Montage vorzunehmen. Plötzlich krachten vom See her mehrer« Schüsse, denen unmittelbar darauf gellende Hilferuf« folgten. Beddis war, wie später festgestellt wurde. mit Bottta in Streit geraten, in dessen Verlaus er eine Pistol: hervorzog und auf seinen Kollegen vier Schüsse abgab, von denen einer in den Bauch traf. Als B. sah, was er. angerichtet hatten schoß er sich: eine Kugel im die. Schläfe. Dabei stürzte er über den Rand des Kahnes und versank in den Flut«». Seine Leiche konnte später geborgen werben. Der schwerverletzte Sottka fand im Westendkrankenhaus Aufnahme. Offenbar muß sich Beddis schon seit einiger Zell mit Selbsttnord. gebanken getragen haben, denn er hatte heute seinen Eltern einen Zettel hinterlassen,«ff dem er mitteilte, ,/>ah er Schluß machen werde und daß man ihm seinen Schritt verzeihen möge". Brückenemsturz bei Turm. Acht Arbeiter erschlagen. Turin. 6. Juni. In der Nähe von Euneo ist beim Bau einer Elsen- bahnbrücke über den Fluß Swra ein Brückenpfeiler zusammengestürzt. Nenn Arbeiter wurden in die Tiefe gerissen. Acht von ihnen wurden getötet, der neunte wurde lebensgefährlich verlehl. Zur Bergung der Leichen wurden Truppen und Polizei aufgeboten. Um die Leichen der Arbeiter zu bergen, mußte der Fluh zum Teil trockengelegt werden, vle Ursache des Einsturzes konnte noch nicht festgestellt werden, doch haben die Be- Hörden zunächst einmal die drei verantwortlichen Baulcltcr verhaslcl. Lübeck und die Schuld der Aerzie. Di« Säuglingstragödie von Lübeck hatte am 2. Ium im Saalbau Friedrichshain ungefähr 2000 Personen zu ein« machtvollen Kundgebung zusainmengeführt. Einberufer waren die großen Verbände für Volksgesundhestspflege und Resormheilweife. Nach» dein der Berliner Arzt Dr. med. Stackfleth die ärztlichen Fragen beleuchtete, die das Lübecker Unglück aufgeworfen, berichtete der Roichstagsabgeordnete Petzold von der tiefen Beunruhi- gung in den Kreisen der Abgeordneten aller Parteien. Man dürfe dos Vertrauen haben, daß Regierung und Reichsvertretung durch sofort zu bildende Ausschüsse ein« restlose Aufklärung über die Lübecker Vorgänge schaffen würden. Rechts- anwalt Dr. jur. et. phil. Erich Frey stellte fest, daß es gar nicht so wichtig sei, ob die Ealmette-Bazillen oder die Lübecker Präparate schuld an dem Unglück seien. Schuld sei das System. Eine große Schuld der Aerzte liege darin, daß sie die Eltern, die zur Einwilligung in die Tuberkelfütterung beredet wurden, nicht über das Risiko aufklärten, mit dem dieser Versuch verbunden ist. Er verlangt» Entschädigung de? schwergeprüften Eltern. Nach langer err«gt«? Aussprache wurde eine Entschließung angenommen, in der unnachsichtige Bestrafung der Schuldigen gefordert und gegen die Experimeittiersucht einseitig bakteriologisch gerichteter Aerzte. die, unter Berufung auf die Wissenschaft, Leben und Gesundheit der Patienten bedroht, protestiert wird. Man verlangt von den Bs- Hörden unbedingten Schutz des Recht» der Kranken und sichere Gewähr dafür, daß sich dl« Tragödie von Lübeck niemals wiederholen kann. Es wird die Einbringung eines Gesetzentwurf» verlangt, in dem verboten wird, Krankhettserreger irgend- welcher Art dem Kranken oder Gesunden zum Zweck« angeblicher Heilung beizubringen. Die suristische Sprechstunde fällt heute und am Dienstag, dem tv. diese» Monats, aus. Das Blasorchester de» Reichsbanner» Friedrichshaln veranstaltet am Pfingsffonntag ein Nachmittogskonzert in den Seeterrassen Lichtenberg. Roederstraße 11—13. Beginn 3 Uhr(15 Uhr). 262>» 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Sonnabend. 7 Zuni 1930 Kann Oeynhausen Ruhen stiften? Nur für die Montankonzerne, die es nicht brauchen. Die westliche Schwerindustrie, unier der wir, ohne einen großen Fehler zu begehen, die sechs siihrenden Konzerne an der Ruhr, Vereinigle Stahlwerke, Krupp, Manncsinonn, Klöckner, Hoesch und Gute-chosfmmgs-chütte verstehen dürfen, führt gegen- würtig«inen neuen Kampf gegen den Lohn und die Arbeits- bedingungen des deutschen Metallarbeiters. Sie gibt zu. daß sie diese Angriffsrichtung aus taktischen Gründen wählt. Die Angriffe des Industriekapitals auf den Erat und die Sozial- Versicherung sind durch unabwendbare Widerstand«, die in der Sache selbst liegen, gehemnü. Die Punkte des schwächsten Wider- st a n d e s gegenüber dem Angriff des Kapitals liegen nach Auf- fassung des Arbeitgeberoerbandes der Gruppe Nordwest der Schwer- industrie heute in der L o h n s e i t e der Wirtschaft. Die Senkung der Löhne in der westlichen Schwerindustrie soll das Signal für eine allgemeine Lohnsenkung werden. Mit der Senkung des Metall- ardeiterlohnes für 200 000 Arbeiter des industriellen Westens soll die gegenwärtige Wirtschaftskrise zur Wendung zum Ausstieg ge- bracht werden. Wir wollen uns hier nicht auf«ine theoretische Auseinander- setzung. einlassen, ob«ine Schwächung der Massenkauskraft um Mil- lionen den Anfang einer Krisenbehebung machen kann. Wir wollen hier lediglich an chand der Bilanzen der führenden Konzerne untersuchen, mit welcher Kapitalskroft sie in die Krif« eintreten, wie sich Gewinn, Ertrag, Arbeitslöhne usw. auf die Konzerne ver- teilen, welche Bedeutung endlich die beabsichtigte Lohnsenkung im Rahmen dieser Erträgnisse l�oben würde. Es fällt dabei nicht allzu- sehr ins Gewicht, daß choesch, Klöckner, Gute-Hoffnungs-Hütte ihre Bilanz im Juni 1029, Vereinigte Stahlwerke und Krupp im September und Mannesmann im Dezember 1929 abschlössen. Die Konjunktur der westlichen Industrie beginnt erst im Februar zu weichen und der Mannesmann-Abschluh zeigte zudem ein außer- gewöhnlich gutes Ergebnis. Jede Auseinandersetzung um Lohn mü» Ertrag der Wirrschoft sollte sich trotz aller Gegensätzlichkeit der Auf- fassungen auf die realen Erträgnisse der Produktion stützen. Kapitalskraft und Leistungen der führenden Konzerne bei Eintritt in die Krise.(Alle Summen in Millionen Mark.) Aftini- Bilanz. Scsamt- Roh. Stein- Konzern rapiml kapital v ertrag Pkw NN gewinn Stahlverein. 800,0 2 U5 1 445 789,9 288,9 52,7 Krupp... 160,0 473 400* 189,0 49,1 10,9 Mannesmann 185,0 251 220* 100,6 44,1 16,0 Klöckner.. 110,0 234 230* 112,6 37,5 8,1 choesch... 71,4 179 147 74,9 21,3 5,4 Gutehoffnung 60,0 159 219 102,3 17,9 3,9 Insgesamt 1 386,4 3 441 2 661 1 369,6 458,8 97,0 •«uf der UnüZlU der übrigen Konzerne gef-bätzt. Der Umsatz für Mannesmann, Krupp und Klöckner mußte auf Grund der Umsätze der übrigen Konzerne geschätzt werden, da die Bilanzen keine Angaben brachten. Unter dem Gesamtertrag sind neben dem Rohgewinn die Arbeitslöhne zu verstehen, die gleich- falls für die genannten Konzerne aus der Belegschoftsziifer und dem Durchschnittseinkommen pro Person der übrigen Konzerne errechnet werden mußten. In abgerundeten Ziffern ergibt sich also, daß mit einem Aktienkapital von 1,4 Milliarden«in Bilanztapital von 3,4 Mil- liarden in Bewegung gesetzt wurde Die Arbeit dieses Kapitals ergab einen Umschlag von 2,7 Milliarden. Davon als ver- teilungsfähiger Ertrag 1,4 Milliarden, aus dem sich ein Roh- gewinn von 0,5 Milliarden und«in Reingewinn van 0,1 Milliarden hcrausschäilc. Das Aktienkapital setzte die 2,5fach« Summe des Eigenwerts in Bewegung, wurde zweimal umgeschlagen und brachte einen verkeilungssähigen Ertrag von der i)öh« des Eigen kopltals herein. Nach Abzug der Löhne und Gehälter blieb noch«in Rohgewinn von 33',s> Proz. und ein Nettoreingewinn von reichlich 6 Proz. des Aktienkapitals. Ein gutes Ergebnis. Verteilung de» Gefamlerkrags bl« zum Reingewinn. (in Millionen Marl) Beiepschasls- Salin und Soziale Bllck. Konzen. ,fffer® ehalt Aufweokv e,f,iftn lapen Stahlverem.. ,192 000 501,0 57,1 61,6 95,4 Krupp..... 52 000 140,0 17,3 15/ 42,7 Mannesmonn... 20 931 56,5 6,0 9,2 19,8 Klöckner..»... 27 924 75,4 7.9 8.0 6.1 fttwsch..... 15 780 53.6 5,1 3/ 2,4 Guteboffnung■.. 32 895 84,4 9,9 9.1 11,0 Insgesamt.. 341 520 910,9 103/ 107/ 153/ Bei dem Lolm- und Gehaltskonto ist zu beachten, daß«s die Gesanüfumme oller Lohn- und Gehaltszahlungen der Konzerne darstellt. In ihm sind also auch die Löhne und Gehälter der leitenden Angestellten und Direktoren mttenthalten, die im Durch- schnitt das Zehnfach« des Arbestereinkommens, in Einzufallen das Mehrhundertfache darstellen. Di« Vereinigten Stahlwerke rechnen mil einem Durchschnittsjahreseinkommen von 268« Mark, 5>o«sch mit 2766 Mark, die Gute-Hoffnungs-chütte mit 2567 Mark pro Kopf der Belegichaft. In überschläglicher Schätzung verteilt sich das Lohn- und Ge- Haltseinkommen auf die ei» z e l n e n Arbeiter- und A n g e- stelltengruppen folgendermaßen: � c i,. Durchschnittseinkommen Gruppe Kopszaiil Proz. Lohn- und Gel, altg umme Metallarbeiter. 210 000 61/ 2 500M. 520 Millionen Bergarbeiter.. 96 000 28,2 2 500, 210» niedere Angest.. 31 600 9,0 2 500. 79, höhere Angest. 3 400 1,0 201/0„ 71 Insgesamt. 340 000 100,0 2 676 M. 910 Millionen Den Bilanzen der großen Konzerne nach machen Löhne und Gehälter 66/ Proz. des Gesamtertrages, der Rohgewinn 33/ Proz. aus Reingewinn(7,1 Proz. des Gesamtertrages), soziale Auf- Wendungen(7/ Proz.). Steuern(7.9 Proz.) nehmen 22/ Proz. des Rohgewinnes in Anspruch, so daß für Verzinsung und Rücklagen 11 Proz. bleiben. Der reine Kapitalgewinn liegt reichlich über 10 Proz.. da auch noch«in Teil der sozialen Aufwendungen und der Rücklagen als reines Kapital im Betrieb« bleibt Was bedeutet angesichts dieser für«ine„Krise" ausge- zeichneten Bilanzergebniise der Schwerindustrie die geplante Lohnsenkung des Oeynhausener Schiedsspruches für die Industrie und den Metallarbeiter? Der tatsächliche Stundenlohn des Melallarbester» schwankt im günstigsten Falle zwischen 0/0 und 1/5 Mark. Bei einer Wochenleistung von 53 Stunden ergäbe da- einen Wochen- lohn von 47,70 bis 65,65 Mark. Bei 210 000 Metallarbeitern «ine wöchentliche Lohnsumme von 9 bis 11,7 Mil- lionen Mark. Bei 51 Arbeitswochen im Jahre wäre mit einem Lohnkapital von 459 bis 597 Millionen Mark zu rechnen. Eine zehnprozentige Senkung der Lohnsumme würde eine Ver- Minderung dieses Betriebskapitals um 45 bis 60 Millionen bringen: das ist ein Betrag, der auf die Ermäßigung der Gesamt- kosten der Schwerindustrie von geringem Einfluß ist. Vom Aktien- kapital würde er rund 3 Proz., vom Bilanzkapital 1/ Proz., vom Umsatz 2 Proz., vom Gesamtertrag ebenfalls rund 3 Proz. aus- machen. Allerdings vom Rohgewinn 13 Proz. und vom Rein- gewinn reichlich 50 Proz. Das erweck! stark den Eindruck, daß die Lohnsenkung auf diese Posten abgestellt ist, zumal die angekündigt« Preissenkung sich auf das Ausmaß der Lohnersparnis be- schränken soll. Für die Schwerindustrie bedeutet demnach diese Lohn- senkung im Grunde nur eine agitatorische Geste, die auf den Produktionsprozeß nur von geringem Einfluß ist. Für den Metallarbeiter bedeutet sie die Einschränkung seiner Kaufkraft um 10 Proz. Im weiteren Verfolge heißt diese Lohnsenkung eine Schwächung aus dem Lebensmsttel-, Textil- und Baumarkt, eine Verschärfung der Krise der Konsumgüterindustrien. Die angekündigte Eisenpreisermäßigung wird die Krise dieser Industrien mchl beheben. Die Senkung der Eisenpre>Ie erweist sich zunächst im Ablauf der Konjunktur als notwendig. Auf die P'.eise des Kleinhandels ist sie- zunächst völlig einflußlos. Senkungen der Großhandelspreise, das beweisen die Preisbewegungen des Welt- Marktes und insbesondere der Getreidemärkte, sind auf den Klein- Handel so gut wie einflußlos. Eine konjunkturnotwendige Preissenkung, die für den Verbraucher kaum Verbilligung seiner Lebenshaltung bedeutet, wird hier als agitatorische Geste verwandt. Die agitatorische Absicht wird vollends klar, wenn man weiß, daß die hohen Gewinne der Schwerindustrie noch nicht einmal bei der Urerzeugung, sondern bei der Weiierver- arbeitung, bei der Erzeugung von Nebenprodukten und bei den Handelsgesellschasien liegen. Die Abrechnung dieser Gruppen er- scheint noch nicht einmal in den Hauptbilanzen der Konzerne. Eine Senkung der Preise ist in der Weiterverarbeitung, wie ausdrücklich mitgeteilt wurde, nicht beabsichtigt. Lohnsenkung und Prelrer Mäßigung in der Eisenindustrie halten als krisenbehebende ZNitlel einer ernsthaften Prüfung nicht stand. Sie erweisen sich als agitatorische Mittel einer Industrie, die in die Krise, ihren eigenen Abrechnungen nach, mil erheblicher Sapilal- kraft eingehen, während der Arbcitemarkt, die Kommunalwirlschast, die konsumgülerlnduslrien unter schwerstem Krisendruck stehen, macht die Schwerlndustrie wohl eine Krise ihres Absahes, aber keine Krise ihres Anlage- und velriebskapilals durch. Dieser Festigkeit der inneren Kapitalslage sollte mau durch Fesllgke» in der Lohnpolitik begegnen und nicht agitatorischen Gesten nachgeben. Das Arbeits- Ministerium hat zu zeigen, daß es wirtschaftliche Realitäten höher bewertet als agitatorische Gesten. Ausländsanleihe des Reiches? Zur Zörderung per Roistandsardelten. Die Sozialdemokratie hat dagegen protestiert, daß im Reichs- «tat die Mittel für die Durchführung von Rvtstandsarbeiten ge« kürzt werden sollen. Die Entwicklung hat der Sozialdemokratie leider hundertprozentig recht gegeben. Das Reichskabinett ist ge- zwungen, in umfasse nder Weise die Vergebung von Sonderaufträgen zur Verringerung der Arbeitslosigkeit zu fördern, wobei freilich mehr Worte als Taten bisher erkennbar geworden sind. Begreiflich, daß in diesem Zusammenhang in der Presse Meldungen darüber aus- tauchen, daß das Reich um die Beschaffung von Anleihen— man spricht auch von Auslandsanleihen— fiir die stärkste Förderung der Notstandsarbeiten bemüht sei. Für abwegig halten wir die Dermutung. daß die von der Deutschen Bau- und Bodenbank A.-G. eventuell durchzuführende hypothekarische Beieihung des West ver mögens des Reiches, über die wir früher berichtet haben und aus der mau 35 bis 40 Millionen Mark zunächst zu«rzielen hofft, zur Fina»-' zierung von Notstandsardeiten dienen sollen. Wahrscheinlich ist«in anderer Weg. Das Reich hat erhebliche Darlehens- forder ungen im Betrage von mehr als 300 Millionen Mark (die Länder etwa ebensoviel) aus früher vergebenen Notstands- krediten an össentliche und private Stellen. Diese Darlehen können als Grundlage dazzi benutzt werden um eine im Betrage natürlich erheblich geringere Inlands- oder Ausländsanleihe der Verzinsung und Tilgung nach oder garantieinäßig zu sichern. Dabei ist freilich zu berücksichtigen, daß wahrscheinlich ein hoher Prozentsatz dieser Darlehen nicht ohne weiteres zu mobilisieren sein würde. Immerhin wäre eine Anleihekonstruktion auf dieser Grundloge möglich. Die Durchführung einer solchen Anleihe ist aber schon seit Monaten geprüft worden und nur der Druck, sie praktisch werden zu lasten, lzat sich jetzt in besonderer Weise oerschärft. Es wäre erfreulich, wenn das entstandene Loch in den Notstandsarbeiten durch eine solche Anleche, die man bei ihrem produktiven Charakter nicht groß genug wünschen kann, bald ausgefüllt würde. Falls sie im Ausland untergebracht werden sollte, müßte freilich erst die bis zur Unterbringung der Reparotionsanleihe bestehende Sperre aufgehoben werden. Eine Mitteilung des A m t l i ch e n Preußischen Presse- dienstes. beklagt, daß im ersten Vierteljahr 19 3 0 gegenüber der gleichen Zeit früherer Jahre wieder ein ganz er- heblicher Rückgang in der Zahl der beschäftigten Noistands- arbeiter zu oerzeichnen war, der mit der weitgehenden Sperre von Reichs- und Stoatsmiiteln für diese Arbeiten zulainmenhängt. Im Januar wurden in Preußen täglich 6572, im Februar 4825 und im März 5972 Notstandsarbeiter beschäftigt, insgesamt wurden im ersten Quartal 304 776 Arbeilslosentagewerke von diesen Not- standsarbeitern geleistet, irrtd zwar in der Hauptsache bei Meliora- Konen, Siroßenkxmten, Krasterzeugungsonlagen und sonstigem Tiefbau. Widerftandskrast der Konsumvereine. Zentralverband berichtet über erstes Krisenquartal ISAO. Der Zentralverband Deutscher Konsumvereine hat eine Statistik über die Konsumentwicklung im ersten Quartal 1930 veröffentlicht. Bei 582 berichtenden Dereinen mit über 400 Mit- gliedern stieg die Zahl der Mitglieder auf 2 970 120 am 31. März 1930 gegen 2 909 624 am 31. Dezember 1929. Der II m- I o tz der berichtenden Vereine betrug im ersten Quartal 287 Millionen gegen 338 Millionen im vierten(Weihnachls-) Quartal des vorigen Jahres und gegen 288 Millionen im entsprechenden ersten Viertel- fahr 1929. Eine absolute Steigerung der Umsätze liegt also nicht vor: mit Rücksicht auf die trostlose Wirtschaftslage im ersten Quartal ist die Aufrechterhaltung des Umsatzes aber ein Beweis für die Widerstandskraft der Vereine, für ihre Werbekraft und das unerschütterliche Vertrauen der Mitglieder. Die Preissenkung hat natürlich ebenfalls zur Stabilisierung des Umsatzes beigetragen. Die K e s ch ä f t s g u t h a b e n der Mitglieder sirad gegen das vorhergehende Quartal von 59,5 auf 62/ Millionen Mark g e- stiegen. Die Rücklagen aller Art haben sich von 39,4 auf rund 62 Millionen Mark erhöht. Die Waren schulden der Konsumverein« bei ihren Lieseranten sind von 62,7 auf 52,7 Millionen zurück gegangen. Die Spareinlagen der Vereine haben sich von 372 aus 388 Millionen vermehrt. Das Vertrauen in die Sicherheit der Konsumvereine ist bei den Mitgliedern unerschütter. (ich. Die Guthaben frr Vereine bei der Bankabteilung der GEG. sind von 132 aus 148 Millionen, also um den vollen Betrog der Elnlagenvermehrung gestiegen. Di« E i n k ä u f e der Vereine bei der GEG. verbesierten sich gegenüber dem ersten Quartal 1929 von 39.7 aus 41 Proz. der Pereinsumsätz». In den eigenen Fabriken der GEG erhöhten sich die Emkäufe der Derein« zum ersten Mal« über 20 Proz. d«r Dereinsumsätz» hinaus. Angesichts der Verwüstung des Massenhaushalts durch das rückgängige Arbestseinkommen sind alle diese Ziffern Be- weis« für neue Erfolge der Konsumvereine. Je größer die Not der Massen, um so größer die Treue für den konsumgenossenschaft- lichen Gedanken. Man wird in der Privatwirtschaft suchen müssen, um Betriebe zu finden, bei denen sich der Umsatz ungeschmälert aufrecht erhalten ließ. Kortschritte bei der Lusthansa. In der Generalversammlung der Deutschen Lufthansa A.-G. wurde mitgeteilt, daß die Umstellung im Jahre 1930 planmäßig fortgeführt werde. Gegen 1929 seien die b e f l o g e n e n Strecken bis 300 Kilometer um etwa 25 Proz., die mittleren Strecken von 300 bis 700 Kilometer um 10 Proz. eingeschränkt worden: dagegen sind die großen Strecken über 7 0 0 Kilometer, die die beste Ausnutzung durch Passagiere und Frachten aufweisen, um 2 0 Proz vermehrt worden. 1930 werden als neue Nachtstreckcn Hannover— Köln— London, .Hannover— Köln— Paris und Berlin— Halle bzw. Leipzig geflogen. Statt 63 im Jahre 1929 werden 1930 nur n o ch 5 2 deutsche Häfen angeflogen, während die Zahl der angeflogenen aus- ländischen Häsen von 21 auf 26 steigt. Die Betriebsleistung wird insofern beträchtlich gesteigert, als 1930 auf etwa 5000 Kilo« meter ein Angestellter und Arbeiter entfallen wird, gegen 4000 Kilomeler Im Jahre 1929. Weiter wird sich die Kilo« Meterbeschäftigung pro Maschine in diesem Jahr« von 55 250 auf 61 350 Kilometer erhöhen. Bemerkenswert ist der verhältnismäßige Rückgang des?lii teils der Personenbeförderung gegenüber den Frachten und Postslügen: 1928 war das Verhältnis von Fracht, Post, Pasiagiere» noch 1: 2,1: 6.2. 1930 dagegen bereits 1: 2,3:.3,4. Oeffentliche Vetriebsenquete. Reichsrat erstreckt die Untersuchung auch auf pr vatbetriebe. Der Reichsrat hat das von der Rcichsregicrung vorgelegte Gesetz über eine Untersuchung der öffentlichen Werke zur Klärung der Besteuerungsfrage angenommen und in einem wichtigen Punkte ergänzt. Entsprechend dem Wunsch des Reichswirtschaftsrats und der Forderung der Sozialdemokratie wird in einem Zusatz bestimmt, daß auch die privaten Betriebe in die Untersuchung einbezogen»»erden sollen, soweit dies zur Her- stellung von Vergleichen notwendig ist und die Steuerakten nicht zureichen. Damit dürfle auch die Voraussetzung gegeben sein, in die so heftig umstrittene Frage der größeren Wirtschaft- l i ch k e i t in öffentlichen oder privaten Unternehmungen neue Einblicke zu gewirmen, eine Frag«, deren Klärung von der Privat- Wirtschaft keineswegs gern gesehen wird, weil sich mit bloßen Behauptungen über die Unwirtschaftllchkeit öffeMlicher Unterneh- mungen politisch leichter Schaum schlagen läßt. Die neuen Zündbolzpreise iu Kraft. Ab 1. Juni ist das Zünd- Kolzmonopolgesetz in Kraft getreten. Eine Verordnung vom 6. Juni hat den Kleinhandelspreis sür ein Polet Weltholzer mit 10 Schachteln a u f 3 5 Pf. festgesetzt, der Ucbernahmepreis für eine Normalkiste beträgt 145 Mark, der entsprechende Monopolpreis 290 Mark. Die 120 RUllionen Mark für Reichspostausträge. die jetzt ver- geben werden sollen, werden sür den Ausbau des Fernsprcch. und Telegrophendienstes, fiir den KabeMenst, den Postwaggonbou. den Krastsahrzeug-, Lastwagen- und Omnibusbau, sowie sür Hoch- und Siedlungsbauien Verwendung finden. Kleinautos sind im ersten Vierteljahr dieses Jahres trotz der schweren Wirtschastskrise von der deutschen Kraftsahrz-ugindustrie nicht unerheblich mehr verlangt worden als im Vor- jähr«. Im ganzen sind die Autoumsätze aber zUmckgegä igen. Parallel mit der Steigerung der Nachfrage nach Kleinautos ist der Umsatz von schweren Krafträdern gesunken Neben der Erhöhung der Betriebsstofspreis« erschwert die bilanzielle Lage bei den Kam- ! munen das Omnibusgeschäft: auch die Industrie bestellt weniger Lest» kraftwagen. Abgesehen von der Klais« der 2— 3-Tonnenivagen ist der Absatz von L a st w a g e n um etwa 15 Proz. gegenüber dem Vorjahr zurück geblieben Die allgemein« Verschlechterung der Wirtschastelage Hit den verkäuslichen Bestand von Alt wagen erheblich steigen lassen, da viele Besitzer ihre Autos nicht mehr durchhalten können. Schöne weiße Zähne ,,Auch ich möchle nicht verfehlen, Ihnen mein« größte Anerlcnnung und vollste Zufriedenheit über die„Cb'orvdont- Zahnpaste" zu überrnlileln. Ich gebrauche„Ehlorodont" schon seit Jahren und ich werde ob melaer schönen weißen Zähne oft beneidet, die ich letzten Endes nur durch den täglichen(oöbcäüchJhrer„Chlorodont- Zahnpaste" erreicht habe." C. Reichelt, Schwerz, Amt Niemberg, Saallreis.— CHIorodont: Zahnpaste 60 Pf und 1 Ml., Zalmblirsten, Mundwasser 1 NU. bei höchster Qualität. In allen CHIorodont> Verkaufsstellen zu haben «r, als der erste Abend kein Abend wurde und die Nacht roeggewischt war von der Erd« und vom Himmel, da stürzte aller Hochmut und das Laben wurde zum Traum. Der weiß« Korallenstrand am nahen Meer, das Geschrei der Elstern und der Möwen, der Blumendust der blühsnden Wiesen, der verklärte Htm« mel, die«rleuchtet« Erde die Schären draußen In der Bucht und di« weißen Schneeselder drüben auf dem Festland: da? alles machte erst di« Menschen lebendig und voller Blut, die heidnischen Männer und verwegenen Frauen, die in dieser Landschaft lieben und hasien und die Knut Hamsun in seinen Romanen eingsfangen hat. Das Haue, in dem ich zu Gast war, stand auf einem kleinen Felsenhügel, und von dort aus tonnte man die zarte und auch di« pathetisch« Schönheit der Lofoten sehen, diesen großartigen Zusam« menllang zwischen Felsen, Himmel und Wasser. Nach dem Strand« zu lagen die kleinen mit Gras gedeckten Häuser der Siedlung. Die Bewohner waren Fischer, die jetzt im Sommer über dem Polarkreis ein wenig Landwirtschaft betrieben. Der Kolfitrom ist der schöpfe- risch« Lebensgestalter an jener Küste. Tag und Nacht waren sich gleich, immer flutete Licht, aber an den verdunkelt«» Fenstern der Hütten konnte man beobachten, wer den ewigen Tag zur Nacht machte und schlief. Noch gegen Mitter. nacht kamen die jungen Burschen aus nahen Höfen oder von der Station her und besuchten die Mädchen unserer Siedlung. Gelächter läutete in die helle, sternenlose Nacht. Und es wurden dielelben Spiel« ausprobiert und gespielt, die in den schönen Nächten auch in Berlin oder Dresden ausprobiert und gefpiell werden. Manchmal, wenn mein Gastgeber und Freund, der Doktor, schon schlief, bin ich nachts gegen zwei Uhr mit fünf Tag« alten Zeitungen au« Berlin über den Korallenstrand nach den Klippen gegangen. Da» Meer schimmert« und brandete. Di« Wildgänse, di« Kormoran«, di« schreienden Möwen waren noch wach. Fisch« sprangen au» der silbernen Flut. Bon den hohen Bergen riesellen klein« Bäche und suchten glucksend den Weg zum Ozean. Keine Sonne stand am Himmel, sie kreiste hinter den Gletschern, aber ihr Licht war da, ihr Glanz und ihre Schönheit. Und da saß ich auf den Klippen und wollte lesen. Aber ich las nicht. Die weiße Nacht war versührerischer al» alle Druckerschwärze. Qerdland: cm'Merzanfdem./lfplmU Frühmorgens» wenn die Straßen gekehrt werden, dann fegt man auch die ll«in«n, blutroten Papierherzen hinweg, die vor dem Eingang zu d«r nachgemachten Apachenlneip« sich mit dem Unrat der Straße vermischen. Frühmorgen« ist die Straß« abgeschminkt. Aber nachts gibt die nachgemacht« Apachenlneip« ihr da» Geprägs. Nachgemachte Apachenkn«ipe, was ist denn das? Und welche Straß« ist gemeint? Es ist eine kleine Straße im Westen unserer Stadt, misten in dem Getriebe der Weltstadt, in der Gegend der Kinopaläst« und des Hochbahnbogens, mitten drin und doch weltenfern. Es ist eins sogenannte„verrufene Straße", eine„freudlose Gasse", eine„Straße der letzten Liebe"... Hier gibt es«ine Kaschemme sür die pikfstnen Leute aus dem Westen, eine Apachentneipe, erfüllt von dem süßlich- fauligen Moderduft dekadenter Eleganz, eine„Driginalkaschemms" mit schwülen Ampeln und nackten, rohen Kellerwänden, mit rabiaten Rausschmeißern, mit Arbeitslosen, die für«in« Mark sechzig Gannoven und schwere Jungens mimen und kleinen Nutten, die sich selbst spielen... Ein Orchestrion faucht ynd kreischt seine Molodien, an der Theke lehnen Mückenpaul und Dollbrägenorse, Matrosenfranz, Bollenülli und Ida mit der lallen Hand und be- grüßen die«intretenden Damen und ihre Smotingtaoaliere im Mulackstraßenjargon. Das ist nämlich das Wesen der ganzen Sache, deshalb gehört«s zum guten Ton bei diesen dekadenten, bornierten, aus den Latschen tippenden Leuten, hier gewesen zu sein, well „Unterwell" die große Mode ist, der letzte Schrei einer mit Sen- fationen und Nervenkitzeln durchgepeitschten Menschheit. Der rauhe Bouillonkellerton, die primiliv-obszön«n Bilder an den nackten Wänden, die Wollmügen und Knüpplücher, die rabiate Art des schweißigen„Dschigolos", das alles kann den Dämchen und Herrchen so gefallen, das finden sie nicht in den Luxuspalästen, die Mulockstraße hat sich zu ihnen bemüht, zu ihnen, die sich�tagsüber umtänzeln und umdienern lassen von ihren Domestiken und Speichelleckern... Diese Zoten und dieser Unflat, dieser Gannovenjargon (eine Mark sechzig!) und diese verworfenen Blicke(husch, husch ins Bett!), das ist— weiß Gott— mal etwas andere» als di« öden Hausseste, Bankette, psrquet» lunüneux usw.. Frau Lona geht durch den Apachenkeller, bahnt sich ihren Weg durch di« entfachte Menschheit, Frau Lona bietet Herzen an, klein«, blutrot« Herzchen aus Papier. Stück für Stück: fünf Groschen. Man muß Frau Lona das genaue Geburtsdatum geben, denn die Herzen sind aufklappbar und innen findet man«in /Horoskop. Di« Herzen defestigen die Klassefrau«», die Gattinnen und Göttinnen an d«r Stellt, wo bei Frau Lona und bei dsn kleinen Nutten das Herz sitzt, und wo diese Damen raschelnde Geldscheine zu tragen scheinen... Frau Lona ist«in Original. In dieser narkotisierten Mmo- sphäre, in diesem moderduftenden Milieu wirken rhrs tomatenroten Haar«, ihre resedogrün getuschten Äugendeckel und ihre zinnöbsrn- manikürten Fingernägel so, als hätte man Frau Lona bei«in« Schönheitskonkurrenz im Raritätenkabinett zur Königin gewähll. Sie hat nun ihre Horoskopherzen schon verlauft und sitzt in einer Ecke hinter der Bar, ist ganz allein, mitten in dem Dirnen- gejankere, mitten in der für die reichen Laut« arrangierten, krampfigen Gemeiicheit. Vielleicht denkt sie an jemand, den sie einmal mll ihrer Sehnsucht bedacht hat, vielleicht denkt sie an ihr ZuHaus«, an ihr krankes Kind, für dos sie diese tragische Groteske spiell, vielleicht.... ach, was weiß ich... Da tritt«in junger Rdann vor sie hin, verneigt sich und will mit ihr tanzen. Er weiß nicht, daß sie die Herzsnoerkäuferin ist, er weiß nicht, daß sie«in« bezahlt« Stinnnungskoriositöt ist. Und st« tanzen. Der jung« Mann hält«inen schlanken,-kühlen Körper in seinen Armen, einen Körper, der erbebt, als«r ihn fester an sich zieht... Die Musik bricht ab. Es ist Polizeistunde. Die abgekämpften Menschen wälzen sich zum Ausgang. Frau Lona geht in di« Garderobs und schminkt sich ab. Draußen flattern die Herzen zu Boden, draußen wartet der Jung«... Sie geht hinaus. Da ist er schon. Aber er est ja nicht ollein. Er steht zusammen mit einer nicht mehr ganz jungen Dame in einem kostbaren Pelz, die einer Limousine entstiegen ist. Frau Lona geht an ihm vorbei und grüßt. Und sieht, wie sich sein Gesicht zu einer hämischen Grimasse verzieht. Laut sagt er zu seiner auf„jung" zurechtgedeichselten Aushältenn:„Do schau her! Sieh dir die an! Da« ist di« größte N«pp«rin in diesem Puff!" Frau Lona ist schon well gegangen. Sehr weit. Sie geht die trostlose Straß« entlang. Dann reißt si« sich das rote Papierherz von der Brust und wirft es zerknüllt in die Gosse, auf den opolen schimmernden Asphalt... Es ist ein Horoskop darin, das für tausend andere bestimmt ist, das taufend anderen Glück und Segen verheißt. Und das trifft für sie nicht zu... Frühmorgens, wenn di« Straß«» gekehrt werden, dann fegt man auch di« klein«», blutroten Papierherzen hinweg.., €ma tBOfing: tkuheiage in einer ßlleinfladl Dl« geplanten Ruhetag« in einer Kleinstadt sind«in Kapitel m deinem Leben; denn sie waren deine Sonne im grauen Einerlei des Winters, dein« Wünsche umkreisen sie unabläßlich und dein« Sehn- sucht lief elf Monat« und drei Wochen mit ihnen spazieren. Du armer Erdenwurm tn der Millwnenstadt, du wurdest erdrückt oon d«n Verkehrslärm, von der Hast der Mensche« und den vislen Unfreundlichkeiten in deinem eigenen Leben. Die Ruhetag« in einer Kleinstadt, si« sollten deinen Nerven di« nötig« Beruhigung, deinem Körper den unbedingt erforderlichen Nachtschlaf und deinem inneren Menschen di« Lösung des Rätsels Ich bringen. Und endlich landest du in der Kleinstadt, du Berlin-Entsieuchter! Du mietest«in Zimmer und guckst glücklich und neugierig zugleich durch die Butzenscheiben auf die naheliegenden Häuser der Straßen- reihe gegenüber. Du liest die Iahreezahlen üb«r den Haustüren und di« frommen Sprüche der Erbauer mit den guten Wünschen sür sich selbst. Du siehst den Hausbewohnern in die Stuben und ziehst dich scheu vom Fenster zurück, betroffen ob so viel ungewolller Ausdringlicksteit. Doch, wenn du auch in der Mitte deines Zimmers stehst, siehst du noch, daß deine Nachbarn gerade Brotkartofseln essen. Die Nachbarn sind nämlich deine einzige Augenweide und sie wohnen sich auf der Hauptstraß« dieser Kleinstadt genau so qualvoll nahe, wie die einzelnen Mietparteien in den Berliner Hinterhäusern. Doch, nicht wahr, was geht dich dein Gegenüber an? Du suchst doch die Ruhe! Und während du noch an die Ruhe denkst, merkst du bereits, daß di« Automobil« in der Kleinstadt viel heftiger und öfter hupen als in Berlin. Das ist nötig: denn alle Gassen münden auf die Hauptstraße und die Zugänge sind unübersichtlich. Es gibt allen Menschen betonnte Unterschied« zwischen Automobilen, Mrnor- rädern mit Beiwagen und Fahrrädern. In d«r ruhigen Kleinstadt aber hall man peinlich genau und merklich auf di« Signal- abwcichungen. Die Automobile hupen lang und eigentlich an» dauernd, die Motorräder mit Beiwagen bibbern an jeder Straßen- eck« und die Radsahrer üben sich in der Nachahmung der»er- schiedenen Glockenspiel« von Bedeutung. Ein hohes Bünbim, das von dem Oberdeck eines Lastautos er- klingt, geht dich nichts an, da es nur für die Bier begehrenden Wirtschaften praktisch« Bedeutung hat, ebenso brauchst du dich nicht um das tiefe Bumbum eines anderen Lastautos zu kümmern, weil es nur verkündet, daß das Hausmüll jetzt abgeholl wird. Das durch- dringende Kliklin aber ist das Glockenzeichen der Kleinbahn, das nicht bloß b«i günstiger, sondern bei jeder Windrichtung die Kten- fta&t erfüllt. Dir gegenüber hämmert«in Schmied, und da der Mann sich lanasam umstellen muß, repariert er neuerdings auch Rundfunk- geräie und du hörst mitunter die Stimm- eines dir bekaniuen An- sager», wenn gerade ein Lautsprecher, der bei dem Kunden zu Hause nicht funktionieren wollt«, beim Schmied angeschlossen ist. Die erst« Nacht schlofft du nicht, weil du gewissenhaft nach- rechnest ob nicht, prozentual betrachtet, der Lärm in der Kleinstadt größer ist als der in der Großstadt. Die zwelle Nacht bist du über- müdet und schläfst infolgedessen«in. Aus Wachen und Schlafen werden Tag« und mll ihnen wächst du in die Gepflogenheiten der Kleinstadt hinein. Deine Nerven beruhigen sich und dein« Sinnes. eindrücke treten untereinander nicht mehr in den Wettbewerb um größte Schreckhaftigkell. �.... Eines Morgens jedoch, da springst du aus dem Bett, vergißt die Hausschuhe anzuziehen, willst barfuß ans Telephon eilen und denkst darüber nach, welche Nummer hier wohl das U«b«rfaLkoinmando haben kann. Hallt doch die ganze Straße wider von einem fürchter. lichen Schrei. Rechtzeitig erinnerst du dich daran, daß überhaupt kein Telephon im Haus« ist. Als Ueberfallkommandoerfatz eilst du ans Fenster. Da stürzen Blamage und Beruhigung in holder Zwei- einlgkeft auf dich ein. Wird doch nur«in auf einen Wagen ge- ladenes Schwein durch die Stadt transportiert. Ein« Frau zieht den Wagen,«in Mann schiebt mit einer Hand nach und tätschelt mit der anderen den Kops des Schweines, damit das Tier sich nicht zu sehr aufregt und auch nicht«in Gramm seines sorgsällig angefütterten Gewichts verliert. Nach und nach gewöhnst du dich an alles und sprichst schließlich nicht nur die Geräuschlosigkeit als Ruhe an, sondern du weißt, daß es für dich ebenso gut Ruhe ist. wen» Hirn oder Hände für eine Zeitlang gewohnter Arbeit entsagen dürfen. Wenn du diesen Zustand tiefsinnig empfindest, dann hüll ausgerechnet im selben Augenblick ein Berliner Motorrad vor deiner Tür. well es plötzlich und un- erwartet bockig geworden ist. Es lärmt,«s knattert, es macht aus dem Stand heraus Sprünge. Ws ob es nach dem Kommando eines Funkgymnastiklehrers ging«, fliegen rhythmisch dem Führer und seiner Begleiterin die Ferf-n ans Gesäß. Du bist kein Fachmann. jedoch hast du es bald heraus, das arme Mowrrad leidet an Gas- Verstopfung. Plötzlich gibt es«inen gewalllgen Knall, das Motorrod pufft und stinkt sichtbar. Und während dir der schwarz« Rauchjchnee ins Gesicht stäubt, rattert dein Mit-Berltnor vergnügten Herzens und krachfrohen Mutes dem Lärm der Großstadt zu. Du aber wirst milde und denkst nicht mehr bitterbös«» Sinnes cm die tvbende. ratternde Millionenstadt. Die„Ruhe in der Kleinstadt" hat di« Widerstandskraft deiner Nerven erheblich gekräftigt, du stehst jetzt nicht mehr in jedem Kraft- fahrzeugführer deinen persönlichen Feind und dein« gütig« Seelen- grundsttnlinimg begabt sogar den Radiolautsprecher deines Berliner Nachbarn mft einem reinen Ton. Du merkst es, der Krach in der Kleinstadt Hot dir gut getan und dich unbedingt gekräftigt zum all- täglichen Krach mit deinem liebsten Nächsten. Itie packt man den Stucksack? Was alles in den Rucksack gehört, das wissen die meisten Wan- derer, vielfach über nicht, wie ein Rucksack gepackt wird. Sie klagen dann aus Wanderungen auch sehr schnell darüber, daß der Rucksack so drückt. Blickt ittan in sä ein-n Rucksack hinein, so sieht es darin immer aus wie Kraut und Rüben. Ein zweckmäßiger Rucksack muß wasserdicht und möglichst groß sein. Er soll Settentaschen und recht breite, aus der Innenselle abgefüttert« Trageriemen besitzen. Die verschiedenen Sachen, di« man mitnimmt, läßt man nicht einzeln tm Rucksack liegen. Man ordnet sie vielmehr nach ihrer Zusammen- gchörigkeft und packt sie in einzelne Beutel oder Säcke. Da, wo der Rucksack auf dem Rücken aufliegt, sollen weiche, dem Rücken sich an- passende Gegenstände liegen. Man wird dahin also am besten Wäsche, die Schlafdecke und dergleichen verstauen. Dann folg«» Schuhzeug, Waschzeug und Vorratsbeutel. Di« schwersten Ding« sollen dem Rücken am nächsten, di« leichtesten am«nffernttste» liegen. Je flacher und gleichmäßiger ein Rucksack gepackt ist. desto leichter läßt er sich tragen. Man vermeid« es, schwere oder pendelnd« Gegenständ« außen auf den Rucksack zu packen, weil gerade diese Anhängsel das Tragen unnütz erschweren. Der Pleitggeler fr'.ß« di« OrdensvSgel. Durch Mussolini» neueste Verordnung werden üalieith'chen Kaufleuten, sobald sie den Konkurs anmelden, sämtliche italienischen Orden- und Ehrenzeichen automa- Usch entzog««. Entsetzlich! Zwei Brandverlehte. Gn ix 11 gestrigen späten Abendstnnden ereignete sich im Hause Rapen st ein strafe in Lankwitz ein schweres Brand- Unglück. Im Parterre wohnt dort ein Ehepaar von Mühsam. Als gestern Frau M. den Badeosen heizen wollte, schlug plötzlich «ine«Stichflamme hervor, die ihre Kleider in Brand setzte. Lichterloh brennend eilte die Unglückliche unter Schinerzcnsschreien auf den Flur hinaus, wo sie bewußtlos zusammenbrach. Ihr Mann, der hinzueilte und die Flammen durch Ueberwersen von ZÄeidungs- stücken zu ersticken versuchte, erlitt gleichfalls Brandwunden. Von HausbewohNiern, die durch die Hilferufe auf den schrecklichen Vorfall aufmerksam geworden waren, wurde die Feuerwehr alarmiert, die für dei Uebersührung der Verunglückten ins Lankwitzer Kranken- Haus sagte. Aufwärts im Beritner Hafenverkehr. Die B« h a l a, Berliner Hafen- und Lagerhaus Aktiengesell- schaft, veröffentlicht jetzt den Geschäftsbericht für das Jahr 1923. Der Bericht gewährt einen interessanten Einblick in die Eni- Wicklung des Berliner Gesamtgüterverkehrs und ins- besondere des Glltcrempfangs auf den Wasserstraßen. Während im Jahre 1924 in Berlin 4 544 090 Tannen Güter aus dem Wasser- w« g e empfangen wurden, hat sich diese.'fahl 1928 bereits auf 9 234 000 Tonnen erhöht. Di« Vergleichs?, iffern bei der Eisenbahn waren: 1924 11732 000 Tonnen und 1928 15 316 000 Tonnen. Im Berichtejahr war ein« weitere Vcrkchrsstcig-rung auf dem Wasser- wege zu verzeichnen. Bei der Behala wirkte sich diese Steigerung, die in erster Linie auf die erhöhte Zufuhr von Baustoficn zurück- zuführen ist, in einem erhöhten Eingang von 9,6 Proz. aus. Selbstmord eines Primaners. Der seit Montagabend mit feinein Motorrade vermißte Unterprimaner der Garlitzer Oderrealfchule Max Balzer. Sohn eines Kaufmanns, ist in einem Wolde bei Laul'an erschossen aus- gefunden worden. Es liegt offenbar Selbstmord vor, jedoch ist zurzeit unbekonut, was den jungen Mann in den Tod getrieben haben kann. Balzer galt als ein äußerst fleißiger und gewissenhafter Schüler. Kabarett der Komiker. Maria Neri, die lustig« Hamburger Deern, und Willi Schäsfers. der launige Rheinländer, kredenzen uns im Juniprcgramm allerlei Aiwifanics. An erster Stelle sind die Benedetti Brothers zu nennen, Mufical-Elowns in höchster Dollendung: Ben Akiba zum Trotz beweisen sie, daß es immer noch etwas Neues gibt. Und wie die beiden mit Virtuosität saltv- schlagend, im Kopfstand, kaskadendrehend Geigenduos absolvieren, das sit fchenswert. Der Grotesktänzer Sherkvff bringt unterhaltend« Varieteparodien, und Blondine Ebinger ist«ine famose Harfen» jule. Der Tänzerin Eugenia Rikolasewa liegt ebenfalls die Parodie besser als Selbstgefchaffenes: Gladdy Sewell— wiederum eine Parodiftin— importiert mit viel Laune und Gliederverrenkung eine Schinalzlieder-Jnterpretin vom Themsestrand. In der witzigen, bereits öfters gespielten Groteske„Der Sprung ins Ungewisse" brillieren Willi«schäsfers als ewig gestörter Selbstmordkandidat und Paul Mopgan als der kellnerierendo Störenfried. Max Adalbert Iwt in der Wahl seiner Rolle weniger Glück gezeigt. In dem als Satire bezeichneten, ober als Dünnbier wirkenden„Berliner Traum» spiel" hat er einen arg geouälten Steuerzahler an, Amt zu mimen, dem aber samt seinen Schinderknechten scheinbar schon durch das deprimierend« Milieu sämtlicher Humor flöten ging: als zum Schluß alles mit Engelsftügelchen erschien, ward direkt zum Weinen... UZefteraussichteu für Verlin: Trocken' und meist heiter bei weiter ansteigenden Temperaturen.— Jür Deutschland. Im Nord» ästen heiter, trocken und wärmer, im Südwesten ebenfalls warm. aber einsetzende Gewitterneigung. owlendimg«» für bicft StutrU sind «,rlt»«««. Ltndenftraß« 3. parteinachrichien ifSm für Groß»Berlin stet» on da» 9e|lr{»f<(retariat Z.Hof,! Trespen recht».»» richten. 7. jtrei««harlottcnbura sod Csanbatt. Am S-nnadent, 7. Juni, findet kein« iiiristilch- Spitchgundi statt.____..,„. �. I».»rei, zedlcndars.0 M. In den Jugendherbergen besteht Echlassackzwong, als» Schlafsäcke unbedingt mitbringen. Zungsozialisten. cheapp« Tempelhof-Morienboef! Pfinqstfahrt nach Adam»wald«. Treffpunkt Tcmpelhof, Naiserin.Augusta.Strahe I« Uhr und 1S41 Uhr. Abfahrt ab Stettiner Bahnhof IS.1K und 21.05 Uhr. All« Instrument« mitbringen. Berbebezirk Westen! Am Sonntag, Ii!. Juni, findet da« Walbfest der Charlottenburger Partei statt. Die Gruppen Charlottenburg, Spandau und Moabit beteiligen sich daran. Der Abmarsch evfolat»m» Uhr von Charlottenburg, Wilhelmplasi. nach dem Bolt-vark Iungfernheide. Land. agitation: E« wirb heute schon auf die Autofahrt am». Juli ammertsam gemacht. Jeder Senosie muh sich daran detriligen. tzahrprei, 2 M. Näheres dei den Sruppcnleitcrn. Werbt bei der SAI. für diese lkabrt. Srupvc Kriedrichshain: Wir beteiligen»ns an der Psingstsahrt der Natur- freunde. Abt. Zriedrichshain. ssadrt Berlin— Tranlfurt a. d.£>.— Topper. Sonn- t-gsrückfahrtarten Pcrlin— Krantsnrt, Frankfurt— ttagow. Abfahrt Sonnabend, 17 54 Uhr, Sonn'ag 3.00 Uhr. Treffen eine halb Stunde vorher EchUsiicher «ehnhot. vlrr-Häu-che». Decke mitbringen. Strohlager. Alle« Weiter« am .reffpunkt. zp�h�sggxmeinschast der Kinderfreunde. grei» Reinickendorf, vrnppe Reinick-vdorf-Ost: Wir treffen»n» heute um I4Ä Uhr am Jugendheim zur ffohrt ins Probczeltlager. Die Neftfallen fahren am Donners'ag, 12. Juni, nach Seiltgenfee. Treffen» Uhr am IugendhelM. SO Pf. fiiib mitzubringen. Are)» Wcdding: Alle geltlagerteilnehmer treffen sich am Sonnabend um 15 Uhr am zcppellnplat! zum Marsch in, Prodrzeltlager. Es sind mitzubringen: Decke. Schlafsack,«ulturdeutel Geliefert werden Mittagesfen und«Netränl«. Sonstig- Verpflegung ist mitzubringen. Di« Aosten betragen 2,20 W A« Sa nn tag(1. sseirrlagj ldnncn die Eltern von lb�20 Uhr da» Lager desichttgen. Are'» Areuzber«: DI« Gruppen Sörlisier Strohe. Wrangelstraße und Aott- düster Tor treffen stch heute, Eonnadend, um 14 Vi Uhr am Goriizec Bahnhof �""�A�ew'«eulNlns Probe,«ltlag«r! Teilnehmer troffen st» heute. Sonnabend. um 14Vo Uhr am Ringbahnhaf Neukölln. Di« vruppen brliigen Eimer, stell« und Eßnäpfe mtt. Zeltlog-rteiln-hmer sind verpilichtet. am Probelager teilzu. nehmen. Uuloftinbetrag 2Ä M. Nachzügler fHelfer) um 1« Uhr Bhs. Neukölln. Geburtstage. Jubiläen usw. 7».«dt. Wilmersdorf. ll-l-rem«cnosten»ottf rl«d»««14. Tasopenstr. 89, zu s-I»«m TO. Geburtstage die herzlichste»«wckmünfche. Möst« er l-iuen«»gehörige» uod der Partei»och recht lang« erhalten bleiben. 117«64. Li-tnenbera. U-i-rem st« r l Warte»berg zu«»5. chehout,- tau« die herzlichsten Glückwüniche. E>ch»>alde. Unserem Seuostc» Emil Witt«. Besthe»»»» Lokal Witte» WaldschlS�cn, zum 70. Eeburtstag« die herzlichste» Glückwünsche,»-»est« Sterbetafel der Groß- berliner Partei- Organisation\ 44«bt. Unser Genosse PaulSchiebolb, Admiralftr. 5. ist»»rstorben. Cbre seinem Andenken! Di? Beerdigung findet Sonnabend, 7. Juni, ld'.i Uhr. auf dem Llliscnstädtischcn Friedhof, Bcrgmannstr, 43—50, statt. Um Beteiligung »/"«bt." Neulölln. Am 4. Juni verstarb unser Genvss« Ernst Bitter. teld'«aiser-Friedrich-Str. 03, im Alter von SS Jahren. Chre seinem An» -nken! Einäscherung heute, Sonnabend, um O'.h Uhr im strematvriu» Bau»« schule nweg. D«r Abend brachte aus beiden Sendern besonders schön« Konzerte. Georg Szell dirigierte In Berlin das Funkorchester, vor dem Mikrophon des Deutschlandsenders spielte der Biolimst Lüben Wladigervss, begleitzft von Wiesi Hcrzberg de Haan slawische Kompositionen.— Mit den Veröffentlichungen des ehemalige» ersten Botschafterrates der Soichetrepublik in Paris, Gregors Bissendowkis, mochte Genosse A. Stein bokannt. Seine Besprechung zeigte, daß. falls man Vifsendowkis Peröffentlichungen auch nur teilweise Glauben schenken darf— die sowjelrussische Außenpolitik nicht weniger krumme Weße zu gehen weiß als einst die russische zaristische Politik.— Ueber„Dle sozialen Ausgaben der Frau" sprach Friedrich Natteroth. Er schilderte, wie aus der Frauenbewegung die politisch einsichtig« und dadurch zur Ersüllung van sozialen Aufgaben be- sähigte Frau hervorgeht, und stellte das große Werk der' Arbeiter- Wohlfahrt als Muster sozialer Pflichterfüllung hin. T-s. Vorträge, Vereine und Versammlungen. # Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". «»f*aff»flen»: Berlin E 14. SrdoNIanstr 87-38, s«f i. Tr Snuvorftavd.«»tnng, Magbcburg.Fahrer! Das Stanha-artiee für de»«an Beelin-Branbenburg befindet sich in Magdeburg. Bl'stadt, Restaneait.Kofltger-,«delbeidrivo 4K.— Geeazmarlfahreil 2o»»ahend, 7, Juni, 15'« Uhr püaltlich. Abfahrt»o» de« dekannten Stelle.— Sonnabend, 7. Juni. Fri«drich»hoin, Iungbanner: All« Magdebnrg.Fahrer treten marlcb. fertig um 1« Ubr am Hochbahnhok Warschauer Brück« an. Bieher verkaufte Werbemorkcn sind abzurechnen. Charlottenbnrg: l» Uhr Antreten Ed.npalasi zur Fahrt mit Lastauto nach Maadebma. Neukölla-Briß. Iungbonner: Absohrt nach Magdeburg pllnktNch 13 Uhr Ideal-Aasin». Aeichselftt. 3. Weißenic«, Wagdeburg.Fahrer: Pünktlich 17'« Uhr Antreten Spiß« Prenzlauer Promenade. Reinickendorf(Ortsoereinf: Iungbonn-rtomeradrn, die nach Magdeburg fahren, treffen sich I8H2 Uhr fnicht. wie bekanntgegeben. 20',) Ilhr) am Fahrkarte». schalter Potsdamer Fernbahnhof. Stegliß«Ortsverein): Achtung. Magdeburg. Fahrer! Abkahrt pünktlich lS'e Uhr Kändclplaß 2. Treptow: Magdeburg. Fabrer! Abfahrt ab Echönewelde 17.40 Uhr, ab Baunifchuleiiivea 17.d2 Uhr. Treptow(Bahnsteig) um 1« Uhr.— S-ontag, 3. Juni. FriedrlSsßaint 13 Uhr großes Pfingstkonzert in Dietz' Sccterrasten. Noederstraßr. Eintritt 30 Pf. Namerabcn anderer Ortsverein« sind herzlichst eingeladen.— Montag, 0. Juni. weddi»g:« Uhr Treffpunkt dex Repudlifancr zum Frühkonzrct in der Koch, schuld vouerei, Amrumer Str. 31, Einttitt 30 Pf. Tanz 50 Pf. N«ulöll».«r!»: 6 Uhr ssrllhkonzert des Musikkoepo im Etablissement..Bergfchloßhähe", Narls- gartenfttaße. Eintritt 50 Pf. Ab 10 Uhr»bensall» Armzert nvt großem Barieto- xrogramm. unter Mitwirkung de, Actistenerein,„Eilligkeil', Neukölln-1338. Eintritt M Pf-, Kinder 20 Pf. Treptow. Musikkorpa: Im Restaurant Anffhäuser, Zliederfchpneweide. ob 13 Uhr Gartenkonzert. Im großen Saal Tanz. Alle Republikaner sind. herzlich eingeladen. Eintritt 50 Pf. Arbeiker-Samarlker vund. Kolonne Verlin. *$�1' 6e!4ätuftcnc:®* 24' Homborqer Str. 20. Tel.: 0 1 Norden 58).,, E Vfi Folgend« Abteilungen haben Dcrfommlungcn. Dienstag. W 10. Juni. Friedrichohain: Lokal Busch, Tilsiter Llr. 27.— Donners- tag, 12. Juni. ClmTlottcnburg: Jugendheim Rosincnstr. 4. illantow: Jugend. he>m Aisftngenstr. 43. Wedding: Lokal Duwe, Schu'ftr. 100. Tiergarten: Lokal Lausch, Bredowstr. 35.— Freitag, 13. Juni. Steglitz: Lokal Schmidt, Lichtir- felde. Roonstr. 30. Lichtenberg: Lokal Seipke, Aronprinzenstr 47.— Montag, 13. Juni. Schiincberg: Lokal Gcrickc, Ebersstr. 68 Areuzbcrg: Lokal Urban. Hafen, Am Urban 20. Trmpelhof: Lokal Lindisch, Aönigstr. 44._ Dienstag, 18. Inni. Aermsdorf: Turnhalle Zloonstrasic. Wilmersdorf: Lokal stroiß. Solfteinlfche Str. 00.— Tonnerslag, 19. Juni. Prenzlauer Berg: Schuir Aastanienallcc 81—33, Freireligiös« Gemeinde. Sonniaa, U Uhr, Poppclallce 15, Dorttag des Herrn Dr. H. Hasse:„Die eigene Gestaltung unseres Schicksals". Harmonium: „Ständchen" l Schubert). Gäste Willkomms», SozialistifcheArbetterjugendGr.-Verlin atinfendunzen für diese Nudrtt nur an da« Zueendfekreterla»» Z?cr!>» GSZ 08, Ttndenssraß» 5 Da» Sekretariat bleibt«« 8. Pflngftsciertag geschlossen. Heule, Sonnabend. Treffpunkte zu den pfingslfahrlen. Humt»ldthain: 13 Uhr Bhf. Gesundbrunnen.— Morden: 20 Uhr Fernbhi. Gefundbrunnen.— Falkploß I:!0>,4 Uhr Bhf. Gesundbrun»«», Eingang Millionendrllckc.— Falkplatz II: 1011 Uhr Bhf. Gesundbrunnen.— Schönhauser Vorstadt: Radfahrer 15 Uhr„Lozlaltsten.Scke": I0Zl Uhr Bhf. Gesundbrunnen, 20 Uhr Stettiner Bahnhof.— Safenheide: 10 Uhr Nottbissfer Tor und 20', 1 Uhr Etemner Bahnhof.— Aöpenicker Viertel: Vt% Uhr Schleftschrr Bahnhof.— Menköll» XI: 18 Uhr Selchower Straße und 17 Uhr Bhf. Gesundbrunnen.— Fricdeichofelde: 13',3 Uhr Etettiner Bahnhof fBorhalle).— Lichtcnberg.Rord: 15 Uhr„Rote Eckt" und I0>,1 eben dort.— Nordosten l: 1814 Uhr Bhf. Weißen, sc«.— Neulölln VI: 15'4 Uhr Aaifer>Friedrich.Strnß-. Zlachzllgler I0'1 Uhr Lehrter Hauptbahnhof.— Huuiannplah: Roch Wendisch-Buchholz 17 Uhr Görlitzer Bahnhof. 011 der Sperr«.— Hnmboldthai»! 18 Uhr Bhf. Gesundbrunnen. SAZ..Zungbuchdrnck«r: 14 Uhr pünktlich Anhalter Bahnhof. Südwefteu: Wir treffen uns Sonntag um 8 Uhr am Stettin« Fernbahnhof zur Fahrt noch Rheinsbera. 4.00 M. Aasten. SSG. und So». Studeutcn: Morgen 8 Uhr Borhall« de» Schlesischen Bahn- Hof». Studenten vergessen nicht ihren Ausweis. Psiogsten und die Vetterpropbeten.„Ja, hören Sie", so sprach gestern ein Herr zu einem anderen Herr», den er öfter in einem Lgeskr-ze-Wolff-Laden wiederirifst.„die Wetterpropheten sind inst duräigu? shmpalhische Menschen. Was tun sie nicht alle», um uns Freude zu machen! Eine Sonnen.Saromie für alle Pfingstfeicrtag» können Sie. natürlich nicht erlange». Selen wir doch dank- bar. tiehrr Freund! Der Frühling ist auf oll« Fälle ein« wunderschön« Ein- richtung. Und daß jedes Jahr neuer Tabak wächst, sehen Sie. auch dafür sargt der Nebe Gott. Und schließlich kommt Loeser& Wolsf unb macht diele wunder- vollen Glimmstengel, kurz, lano, dick, dünn, wie Sie e» hohen wollen.— Ja. wenn ich meine Loes«r.ch.Wofsf.?!ig0trc rauäze, kann mir so leicht nrchl, die Stimmung perderben." 'Wqk sagt ber BärMZ FilWirkliches Pün ist eine Fahrt nach dem Müggelseeßdessen bewaldete Höhenzüge das Ziel vieler Tausende bilden. Sie alle kennen die Quellen wahrer Lebensfreude und schätzet daher besonders die köstliche dt&setHJPuno Berlins m eistgera u etile 4� Zigarette 8.15 Üb ZeDir.2818 Bamten er antii| KieJer aüeli. I fn Btria ooth»ich! gnnjta Hashiiteo und waidos 4 Ulnktusa Sonn&bend. Sauilag und Montag |e X Vonlellangea 4 und W Uhr. 4 Uhr klein« Pfeife Tag., S u.«Ii Ii bidn Faiertantn 1, i und«u A ex. E 4. 8066 fDilhelm Starhstein der beJlcbie Homoris! nnd 8 erslklaulge Aüraldioneai --Udx CASIi\ß-THEATER Lothringer Strafe S7. Nur noch wenige Auffflhrungcnl Rentler Mudlcke Billig! «0 Pt »omraerpretwi U- Mark Billig- I.SO Mark 8V. Uhr Rtjit: Rnt Utlm lUitin Stutltoiliei-Ib. 8 Uhr Sdierz. Satire. aale a. tleten Bedenluno floüiJdiEs meam 0 2 Weidmfiaffln 52111 8 Uhr Heute zum ZS. Mal Phaea von Erlte v. Unruh. Reg� Max Reinhardt MbH; Fnnlrlit RoilKniltir. Kammerspiele 0 2 Weidtodanmi 5201 8»/4 Uhr: «Iphigenie vonA'olfg v.Ooethe klihtdlmz uö Iijlt: Rldnn) Bar- Riifmio Die Komödie II Blsmck. 241 4/7516 -V. Uhr Soll man heiraten I Kooidle isn StnunlSlu» lonisda Eluidtiiij: Karl Heinz Martin WWW Olraktian: Dr. Martin Zletai Komische Oper triMnchitr.104, Mirkur 1401,4130. Tiglich 8% Uhr Liebe und Trompetenblasen Schul* y Westermeler/ FinWer Janrbeck> Haid y Behzisch Lustspielhaus FriedriehBtr. 256. Bergmann 2922r23. Täglich 8"j Uhr Vater sein dagegen sehr mit Lucie Englisch Vorverkauf in Deioen Häusern ab 10 Uhr ununterbrochen. ROSE ■TH EATER 1 QroBe Frankfurter Str. 132 1 Billettkasse: Alex. 3422 u�4ö4 Täglich 8.15 impor- (skigt Jenry t�lenny steigt empor" bleibt nur noch bis Freitag,[ 1 S. Jon! auf dem Spielplan. Ab Sonnabend, den 7. 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IM, Kinder d Hälfte 3 Pßngstfeiertag und Wei er jeden Montag, Dienstag und Donnerstag 9 Ohr trOh nach GTMeiae mit Roodtalol his All-Budmorsl Hin und zurück t Mark, Kinder 1 Mark. Ferner tSdllcb 9>, Uhr früh ab Cbarlottenbarg, Tegeler Weg(nahe Siad bahnhof Jungfernheide) mit dem Rleacn- . ozaidampfcr„ Co! nmbo." nach T«mi»lin u. ffercli Tentplin hin und zurück 1,4 0 Mars, Sonntags 2.00 Mark Ferch,, 2.00 Mark,. 4.00 Mark Freitag und Sonnabend nach Templln nur t.oo Mark nach Ferch nur UfO Mark hin II. Zurü k, Kmder d. Hälfte Weil es natürlichen Birkensaft enthält. Säfte der Birken— Kräfte, die wirken! &ycev6:&m24ü, 6.SO, IZ.- Am 5. Juni, vonnittags 91/, Uhr, entschlief ganz unerwartet mein lieber herzensguter Gatte, der GewerkachafiaangealelUe im Alter von 54 Jahren. Die Trauerfeier findet statt am Mittwoch, dem .11. Juni, nachmittags 5 Uhr(17 Uhr), im Krematorium Baumschulenweg, Kiefbolzstraße. Margarete Mai. Berlin- Britz, Großsiedlung, Malchiner Straße 8. ffienio aetzeo'B* Ranafteraarfietob« asn äRiDionättn. Senten,«nroditzn .Toiflbat: biüig» Pr-if«. Smpftbli ScUIrninäntal. Palewl». ffrada, Smokings. ÜHbtodandlgp. Kosen. Soorl- tbaler Dick Do» Sasalutca meni««ettaatne. teils auf Seiht, ur.b neue �odettcnjüqc. ämolinflaniilfle, AbcnbanäHfle, ff Md. anulke. Ulflez. Dalctots, Bcuduntiiae, jebe ffiaut pailenb. Leeren, uns Damenvelse. enorm billin. Reine 2om. Iwcbmace. Seibbcu. fftiebcidiitrafte 2. Labesches Tor* Wenig getragene, feil« auf Selbe ge. arbeitete, erstklasstge?acketian*üo». ffrack- anulke. Smokinaansllge. GebrodanMae. 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Ablailung Unser»enoffe, der Gaffwfrt Paul Schlebold Abmlralstr.S Ist aw 8. Zun!«erstarben. Ehre seinen: Anbeuten! Die Beerdigung stnbet Sonnabenb. den 7. Juni. IM, Uhr, von der Halle des Lulseuftbbthchen Friedhofe«, Berg- utanuteafje 48/50, statt. Um rege Beteiligung wirb gebeten. Oer AMcUimgsvorstaiul, »öbellllnfee werte Rrcbil «öbelbauu. szste r U-i-e vre«. BeilpUlswcifer Main Kautabak scbmeckt mir doch am besten! „_____ 455,—, Spelfeaümnei 517.—, Lerren,imwer 389,— önicflti- schrdnle 118,—. Sieleiiaarnlhit 38,—, l Aurichtekilche 99,—. iffiefltnabettsUIlr 66,— RleiderschrLuke 48,—. Cbaifs- Lneguej 28r-. Melalldettstelle 18,—. Suflegematrabe 13,— Sonstige Möbel I ongemestene Dreis«. Scilaablnng auf- sdiloalrei. Wochenraten. Dionatoraten Raüarabatt bis ,eha Drot-iri. auch auf Antablunaen. Rlsine auch ohne Aiumb- lungeu. Rrebite bis uoei Jahre. Mah Rens. Rata log frauto. Sauvtaeschdit. Slealih. Schiobstrake 107: 2. Selchdsl; Neukölln. Sermannvla» 7: 3. 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