BERLIN Donnerstag 12. Zum 1930 10 Pf. JIr. 270 B 134 47, Jahrgang Lrschetnttiglich außerSonntag«. Zugleich Abendausgabe de«.Vorwärts"� Bejugsprei« beide Autgaben SS Pf. pro Woche, 3,60 W. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SWS8,Lindenstr.S SfuUciutyaße xle6 Anzeigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile so Pf., Reklamezeile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: DorwärtS-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.S7SS6. Fernsprecher: Dönhoff 2SS bis 29? Schiebung in der Dunkelkammer Der Kieler Munitionsprozeß in zweiter Auflage. Siel, 12. Juni. Im Schwurgerlchlsfaol des Slrasjustizgcbäudes begann heule vormittag unter vorsih des candgerichlsdirektors Dr. Lemke die Lerufungsverhandlung im Kieler TR u n i i i o n s• prozeh. Angeklagt wegen Vergehens gegen das Sriegsgeräle- gefetz sind die in Berlin wohnende» S a u f l e u t e Schwur;, Taub. Dongs. Velljens und Lieoing. der Major a. v. Seemann und der Leulnaut Prohe von der Spionageabwehr stelle der Marine. Die Staat sonwaltjchast hatte bekanntlich gegen das freisprechende Urteil des Schöffengerichts vom 19. Dezember 1929 Berufung eingelegt. Man rechnet mit einer Verhandlung?. dauer von zehn Tagen. Unter den geladeuen Zeugen befindet sich auch wieder der frühere Chef der Marineleitung, Udmiral Zenker. Nach Ausrufung der Angeklagten beantragt Oberstaatsanwalt Motz Ausschluß der Oesfeotlichkeit für die Verhaudluug in vollem Umfange und gleichzeitig Ausschluß der Oeffenlllchkeit für d!? Begründung des Urteils. Er erwähnte, zur Presse gewandt, daß da» Munitionsgeschäft als solche» in aller Oefsenttichkeit verhandelt i-M-rden könnte, aber mit Rücksicht aus das Staatsiaterefse sei die Oefsenttichkeit auszuschließen. Rechtsanwalt Feld widersprach diesen '.Ausführungen, wenn die Slaatsanwallschast Anklage aus Grund de» Kriegsgerälegesehes erhebe, so handle es sich hier um en internationales Geseh und es sei nur erwünscht, wenn die Verhandlung in voller Oessenlllchkci» staltsinde, damit unsere ehemaligen Feinde sehen, daß wir den Willen haben, die un» aus- erlegten Bestimmungen durchzuführen. Das Gericht beschloß jedoch nach dem Antrage des Oberstaatsanwalts den Ausschluß der Oesfent- lichkeit. Reichsgericht gegen Frick. Entschiedene Absage an Hakenkreuzlerische Gelüste. Wie wir bereits metbeten, hat das Reichsgericht dos von Frick »«erhängte Verbot der sozialdemokratischen„Eise. n acher Volkszeit ung" noch kurzer Beratung aufgehoben. Jetzt liegt die schriftliche Begründung dieses Entscheides vor. Sie bedeutet eine entschiedene Absage an die Versuche des Putschisten Frick, das Republikschutzgesetz zur Sicherung seiner eigenen Person zu mißbrauchen. Wörtlich heißt es in der Begründung: „Das Gesetz will lediglich den Fall treffen, in dem die Beschimpfung und Verleumdung eines Ministers das Mittel bildet, zugleich die republikanische Staotsform eines Landes lferabzuwüvdigen. Daß die Absicht, die republikanische Staats- form herabzuwürdigen, vorliegt, muh. wenn es sich um einen Zeitungsartikel handelt, entweder aus diesem selbst hervorgehen, oder durch besondere zu dem Artikel in Beziehung stehende Uni- stände dargetan wenden. Der hier in Frage kommende Artikel richtet' sich, was fein Wortlaut. und sein Sin» zweifelsfrei ergibt, lediglich gegen den Minister Frick persönilich. Der Minister Frick wird als Putschist bezeichnet und als„izehn krieg er', große Verlogenheit wird ihm vorgeworfen. An die beleidigenden Usbcrschriften werden sachliche Mittellungen angeschlossen, die erkennen lassen, daß sich die gesamten � Ausführungen lediglich gegen den Minister Frick persönlich richten, mit dessen politischen Maßnahmen die verboten« Zeitung offenbar nicht einverstanden ist. Di« Absicht. die verfasiungsmäßig festgestellte republikanische Staalssorm des Landes Thüringen herabzuwürdigen, noch weniger die Verwirklichung solcher Absicht lst aus dem Artikel in keiner weife zu er- kennen, es ist aber nicht oirgängig, bei einer, weil» selbst strafbaren, Kritik eines Ministers, die Absicht, die Stoatssorm herabzuwürdigen, ohii« weiteres zu unterstellen. Ein solches Verfahren könnte dazu führen, jede oppositionell« Kritisierung eines einzelnen mißliebigen Ministers eingulchränken oder gar unmöglich zu machen, ein Ergebnis, das von der Reichsversassung in keiner Weise ge- billigt wird, Hiernach war dos Verbot aufzuheben, ohne daß es einer mündlichen Vechandlung bedurft hätte.' Ltnfall eines D-Zuges im polnischen Korridor Königsberg l. 12. Juni. Nach einer Meldung der polnischen Eisenbohnoerwalwng stieß der v-Zug 56 In st erburg�Posen— Berlin auf der Strecke Hohentirch-Briesen gegen die offenstehende Tür eines Arbestszuges. Zwei Reisende wurden im Gesicht ourch Glas- fplitket verletzt. Gtichwahliaktit in Krankreich. Einstimmiger Parteitagsbeschluß in Bordeaux. Bordeaux. 12. Juni. sEigenbericht.) Der Sozialistenkongreß Ist am Mittwoch abeud mit der ein- st i m m i g e n Annahme der Schlußresoluflonen� beendet worden. Gewiß, so erklärte am Donnerstag der„Populaire", werden auch in Zukunft verschiedene Auffassungen über die Taktik und die Aktion der Partei bestehen bleiben. Aber die Einstimmigkeit der Eni- schlichungen von Bordeaux zeigt, daß die srqnzSsische Sozialistische Partei alle diejenigen zu einem unerschütterlichen Block zusammengeschweißt hat. die dos kapitalistische Regime nicht anzu- nehmen gesonnen sind. Selbst die bürgerliche Presse zeigt sich von dem Ergebnis des Parteitages in Bordeaux beeindruckt. Zunächst wurde auf Antrag Leon Blume der Geschgftp, bericht des bisherigen Vorstandes„voll und ohne Reserven"gut- geheißen. Mit Genugtuung, so erklärt die Entschließung, sei festM- stellen, daß die Politik nach dein Willen der Parteimehrheit geführt worden sei, der Partei mehr Anhänger, dem„Populaire" mehr Leser sowie wiederholte Wahlersolge gebracht habe. Was die künf- tig« Wahltoktik angehe, so bleibe die Formel des Pariser Partei- tages von 1927 unverändert beibehalten, d. h. es wurde den Lokatinstanzen überlassen, ihre Kandidaten im zweiten Wahlgang zurückzuzlahen zugunsten desjenigen Linkskandidaten, der cm» meisten Aussichten habe, die Reaktion aus dem Felde zu schlagen. Die zweite Entschließung billigte die Haltung der Par- lamentsfraktion und betont, daß es ihr überlassen bleibe, ircch wie vor Kandidaten für die Kamrnerprösidentschast und für die Vudgetberichterstatwng zu bestimmen. Im Fall« von Zweifeln allerdings sei der Parteivorstand anzurufen: die Parlamentssraktio» könne keine Mitverantwortung für die bürgerliche Militärorgani- fation übernehmen. Di« dritte Entschließung fixiert die Agrarpolitik der Par- tei. In ihr wird betont, daß der Sozialismus nach wie vor dahin strebe., den faulen Großgrundbesitz zugunsten de« eigentlich tötigen Landarbeiters zu enteignen. Er seh««S aber al» fein« gebieterisch« Pflicht an den klein e n und mittleren Grundbesitzer, der sein Land selbst oder mit Hilfe nur weniger Lohnarbeiter bearbeite, in seinem Besitz zu belassen. Ein« viert« Resolution protestiert gegen die Maßregelungen der Postbeamten nach dem letzten Streik und die Eingriffe der Regierung in das Koalitionsrecht der Beamten. Zum Schluß wurden noch die 33 Mitglieder des neuen Partei- Vorstandes gewählt. Der recht« Flügel(RenaudcO hatte ursprünglich gefordert, mit 14 Mann vertreten zu sein. Er begnügte sich aber schließlich mit 12 Sitzen. Di« übrigen 21 Mitglieder»ver- den von der Mehrheit gestellt. Unter den Vertretern der Mehrheit fungieren Leon Blum, Paul Faure, Bracke, Compere-Morel, Lebas und Zyrvmfki, unter denen des rechten Flügels Renaudel, Grum- dach, Ury, Salengro und Kahn. Linkskoalition in Oanzig. Knappe Mehrheit im Dolkstag— Steuererhebungen. Danzig, 12. Zuui.(Eigenberichi.) Di« seit Wochen geführten Verhandlungen zur Neubildung der Linkskoolition stehen kurz vor dem Abschluß. Di« neu« Koalition wird sich aus Sozialdemokraten, Zentrum und den drei Beamtenvertretern zusammensetzen, Sie verfügt von»isgesamt 129 Stimmen des Danziger Volkstages über 63, Die Regierungsparteien haben zur Beseitigung des Defizits von rund 7,5 Millionen Gulden eine ganze Reihe von Steuer- «rhöhungen beschlossen. Sie beabsichtigen die Erhöhung der Verbrauchsabgaben für Spiritus um 199 Prozent, die WiedereinsüH- rung des Zuschlages zur Einkommen- und Körpcrfchaitssteuer von 9,7 auf 1 Prozent. Der Rest des Defizits soll aus der Kreuger- Zündholzmonopolanleih« gedeckt werden.. Di« Wahl der neuen Regierung erfolgt voraussichtlich am Montag. Das Llniformverbot „Run bleibe« mir nur noch meine geistige« Waffen!* Der Weg des ZGB. zum Weltbund. Ein Vorschlag der Engländer. London, 12. Juni.('Eigenbericht.) Auf dem am 7. Juli in Stockholm beginnenden internationalen Gewerkschaftskongreß werden die englischen Gewertschasten den Antrag stellen,«in« Studienkommission nach Indien, Japan und den übrigen östlichen Ländern zu entsenden. Der Zweck dieser Kommission soll sein, ein« enge Berbindung mit den asiatischen Gewerkschaften herzustellen, damit eine bessere Zusanmienarbeit zwischen den Gewerkschaften beider Erd- teile ermöglicht wird. Der„Da»!»» Herald" sagt zu dem Borschlag, daß der Gedanke zwar nicht neu sei. aber heute mehr denn je sobald als»nöglich in die Wirklichkeit umgesetzt werden müsse. Das Ziel der Genoerk- schosten sie die Einigung der Arheiter oller Länder, um bessere Lebensbedingungen zu erkäinpfen. Aus historischen Gründen hätten sich jedoch bisher, die Energien nur auf die europäischen Nationen kongentriert. Heute aber seien die Grenzen, die die«uropäischcn Staaten von der übrigen Welt trennten, niedergerissen. Japan, China und Indien seien ebenfalls industrielle Länder ersten Ranges Uli» andere asiatische Staaten würden diesem Beispiel folgen. Die sozial« Lag« der Arbeiter in Tokio, Schanghai oder Bombay sei von großer Bedeutung für die Arbeite? in Hamburg oder Lille oder Manchester. Alles dies ist sehr richtig. Auch d!« Cutsendung von Studien- kommissionen kann nützlich wirken. Doch würde man kaum weiter kommen, wenn man sich auch in der Zukunft beschränkt auf den Austaufch von höflichen Redensarten, evtl. die Drucklegung von Delegation sbcrichten. Rur die intensive Durchleuchtung der wirt- schaftlichen Zusammenhänge und die energische Unter- stützung in Genf der sozialpolitischen Forderungen der überseeischen Länder wird die europäische Arbeiterschaft wirklich zum Weltbund führen., Die �oung-Anleihe in Amerika. Starke lleberzeichnung erwartet. New Port. 12. Juni. Der aus die Bereinigten Staaten entfallende Anteil an der Reparationsonleihe wird von 19 Uhr amerikanischer Zeit an von einer BonkengruPp« unter Führung von Morgan offiziell zur Zeichnung aufgelegt. Wallstreet erwartet, daß sie stark über- zeichnet wird. / Flammentod eines Kindes. Hilflos umgekommen.— Man hatte es vergessen. Zn der vergangenen Nacht wurde das kleine Anwesen des VOjährigen. Gärtners Alwin Langermann in Köpenick, Kolonie Leopold bei Müggelheim, durch ein Feuer völlig zerstört. Ein achtjähriges Mädchen, die Nichte des Besitzers, kam in den Flammen um. Langcrmann betreibt auf seinem Grundstück eine kleine Schweinemästerei. Die Ställe und der Schuppen für zwei Pferde liegen etwa K) Meter vom Wohnhaus entfernt. Nachts gegen :',2 Uhr wurde Langcrmann durch eine ungewöhnlich starke Hitze aus den. Schlaf geschreckt. Er sah' sich zu seinem Entsetzen bereits rings von Flammen umgeben und nur durch schnelle Flucht konnte er sich aus dem brennenden Häuschen retten. Da Langer- mann befürchtete, datz das Feuer auf die Ställe übergreifen würde, brachte er zunächst die Pferde in Sicherheit. In der ersten Auf- regung hatte der Mann feine kleine Nichte ganz vergessen, die in einem Nebenraum in dem Häuschen geschlafen hatte. Das Unglück- liche Sind kam in den Flammen hilflos um und später wurde die kleine Leiche in völlig verkohltem Zustande aus dem rauchenden Trümmerhaufen geborgen. Das Feuer ist offenbar durch Unvorsichtigkeit, vermutlich durch einen achtlos sortgc- worfene» Zigarrenstummel, entstanden. Mord an einer Millionärin. Eine 63 jährige in Prag erdrosselt aufgefunden. Prag, 12. Juni. In Prag wurde eine geheimnisvolle Mordtat verübt, der die bZjährigc M i ll i o n ä r i n H e r m i n e Bürger zum Opfer fiel. Der Gatte fand die Frau bei seiner Rückkehr gefesselt und ge- tnedelt vor. Der herbeigerufene Arzt stellte nach ergebnislosen Wiederbelebungsversuchen fest, daß die Frau erdrosselt worden war. Frau Bürger war ungefähr um 11 Uhr vom Bahnhof nach Hause zurückgekehrt und seither hatte man nichts aus der Wohnung gehört. Wenige Minuten, bevor der Hausherr die Wohnung betrat, traf ein im°Hause angestelltes Mädchen einen eleganten Mann im Alter von ungefähr 45 Iahren, der gerade aus der Wohnung heraus- kam. Das Ehepaar Bürger gilt als sehr vermögend, in der Wohnung befinden sich Bilder uno Edelsteine im Werte von mehreren Millionen Kronen. Ungeklärt ist das Eindringen des Mörders in die Wohnung, da sämtliche Schlösser unversehrt sind. Rätselhaft ist ferner, daß der Mörder keinen der wertvollen Schmuck- gegenstände mitgenommen hat. petermann, der Langgesuchte. Nach 200 Belrügereien festcsenommen. Nach unzähligen Schwindeleien konnle gestern in der lvinlerseldlslraße 48 der schon lange gesuchte Kaufmann Erich petermann dingfest gemacht werden. Petermonn wollte in dem Geschäft einen Fehpelz für seine Braut kaufen. Ehe er zahlte, bat er die Inhaberin, sie möge mit ihm komtnen, damit seine Braut den Pelz erst ansehe. Er führte sie in ein Haus mit zwei Eingängen, versetzte sie dort und verschwaiiid mit einem im Flur bereitgehaltene» Fahrrad. Schnell kehrte er in das Geschäft in der WintAifeldtstrahe zurück und sagte dem Ge- Miftzführer, daß er noch zwei Pelzkragen, für die er vocher großes Interesse gezeigt hatte, holen solle. Die Inhaberin warte nüt dem Mantel auf ihn bei seiner Braut. Man übergab ihm die Kragen, seine ausfällige Eil« ließ den Geschäftsführer aber stutzig nxrden und er oerfolgte den angeblichen Kunden. Als er ihn an d«r nächsten Ecke ein Fahrrad besteigen sah, fuhr er ihm nach und stellte ihn. Der enolich Erwischte spielte auf der Reoierwache den Entrüsteten �rnd nannte sich Schmidt. Auf dem Polizeipräsidium wurde er heute als Peter mann entlarvt. Aehnlich wie mit dem Pelz hat der Verhaftete seine Tricks mit Kristallsachen, Anzügen, Schmuck- und Wertsachen und vielen anderen Dingen verübt. Neben seiner Braut ließ er immer noch einen gelähmten Vater austreten. Seine letzten Betrügereien bezogen stch auf Sportkleidung und -artikel. Die Zahl der Geschädigten dürfte mit 200 kaum zu hoch an- gegeben sei» und der Wert der erbeuteten Waren läßt sich nur annähernd schätzen. Petermann hat, wie«r jetzt zugab, unter falschem Namen in kleinen Iremdenlogis gehaust. Im vergangenen Jahre war P. schon einmal festgenommen und zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt worden. Eine Bitte um Urlaub war ihm gewährt worden, von, dem er nicht zurückkehrte. Spitzel des Landesfinanzamtes Aetrugsanktage gegen Oensow, Martin Eohn und Genossen. vor einer Sonderabteilung des Schössengerichts Berlin- Milte unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Rücker begann ein neuer Riesenbetrugsprozeß, zu dem 8 8 Zeugen geladen sind. Ts handelt sich bei diesem Daucrprozeß um die aussehenerregende Affäre D e n s o w und Martin Cohn als Hauplorngeklagte, die beschuldigt werden, mit einem gefälschten Schreiben des Präsidenten des Landesfinanzamts Verlin große Betrügereien verübt zu hoben. Martin Cohn war bei der Ermittlungsstelle des Landes- finanzamtes als Agent zur Aufdeckung von Spritschiebungen tätig. Er ist Vertreter in der Spirituosenbranche und hat ein« sehr üble Vergangeicheit. Seit dem Jahre 1020 schwebt gegen ihn«in« ganze R«ihe von B e t r u g s v e r s a h r« n. Er ist aber nur in zwei bis drei Fällen bisher abgeurteilt worden. Die übrigen Verfahren find immer noch in der Schwebe, weil Martin Cohn«s verstanden hat, die Durchführung der Prozesse durch seinen an- geblichen Krankheitszustand zu verhindern. Früher aber ist Mariin Cohn bereits vielfach weg«n Betruges und Urkundenfälschung zu schweren Strafen verurteilt worden. So hat er im Jahre 1910 iür eine Reihe von Vetrügereie» eine Gesamtstrafe von 5 Jahren 8 Monaten Gefängnis und längerem Ehrverlust erhalten. Auf Veranlassung von Martin Cohn'schloß das Landesfinanz- amt am 14. Mai 1925 mit dem früheren Eisenbahninspektor und setzigen Steuerberater Max D e n s o w einen Vertrag, wonach Dcnjow für die Lieferung lückenlosen Materials zur Ueberführung von Manopolhinterzie Hungen 7 Proz. Belohnung van den an die Reichskalse durch sein« Tätigkeit geflossenen Betrögen erhatten sollte. Densow hat auch bis September 1925 25 000 Mark Vorschüsse aus seine Belohnung's.insprüche aus- gezahlt erholten. Im solgenden Jahr hat Densow aber aus weitere Ansprüche verzichtet, allerdings diese Verzichterklärung angefochten Seit Ende 1927 bemühte sich Densow nun, seine angeblichen Forde- rungen gegen das Landessinanzamt durch Kreditaufnahmen zu verwarten, wobei ihm Martin Eohn behilslich gewesen sein soll. Beide behaupten, daß st« M i l l i o n c n a n s p r ü ch« an das Landes» So Sahen fie aus! ■j)urch Verfügung des preußischen Junenminiffers ifi das Vragen der naiionatfosiatt- flifchen Uni form allgemein rer holen worden."Deshalb wird man diepuisigenQeflallen.die imfer Sßild zeigt, in Zukunft nicht mehr auf der Straße erblicken. Karumidse wird unverschämt. Gadathieraschwili verliest eine Erklärung des Flüchtigen. Di« heutige Verhandlung im Fälscherpro zcß begann mit Hindernissen: Rechtsanwalt Dr. Beer, Sadathieraschwilis Verteidiger, war nicht zur Stell« und hatte dem Gericht auch kein« Mitteilung über die Gründe seines Fernbleibens zukommen lassen. Sadathieraschwili erklärte, ohne seinen Verteidiger nicht verhandeln zu können. Das Gericht versuchte, den Verteidiger zu erreichen, jedoch vergeblich. Es wird behauptet, er habe sein Mandat nieder- gelegt. Nach Wiedereintritt in die Verhandlung bat Sadathieraschwili um die Erlaubnis, eine Erklärung des abwesenden Ka- r u m i d s e oerlesen zu dürfen. Der Vorsitzende meinte, das sei unzulässig, er gestattete ihm jedoch, den Inhalt des Schriftstückes dem Gericht mitzuteklen. Sadathieraschwili verlas nun ein an seinen Anwalt gerichtetes Elaborat seines Gesinnungs- genossen, das in seinen Hauptsätzen folgenden Inhalt hotte: In Verbindung mit unserem Prozeß, heißt es da, hat sich herausgestellt, daß die ganze Verhandlung von«inigen Behörden — wenn auch nicht vom Gericht selbst— mehr im Sinne b o l- schewistischer Interessen betrachtet wurde. Einige Er- scheiimngcn ließen erkennen, daß auf das Gericht ein Druck ausgeübt oder daß in unserem Prozeß der politisch« Charakter. oer- ringert und oerzerrt werden sollte. In der Anklagerede des Staats- anwalts wurden sonderbarerweise wirklich dieselben Motive laut, die die bolschewistische Presse in, der ganze» Well ausposaunt«. Der Herr Staatsanwalt bewies z. B. an Hand von statistischen Daten die Vergcblichkeit des Kampfes einzelner Völker gegen die Sowjetmacht, Daten, die die Sowjetpresse alttäglich bringt. Heut«, nachdem der Prozeß wieder aufgenommen wird, hat Moskau be- schloffen, eine besondere Kommission zur Erforschung der Ereignisse im Kaukasus feit Januar 1930 einzusetzen. Zu unterstreichen ist auch, daß in der ersten Verhandlung ein Beamter des Auswärtigen Amtes, der den Prozeh ohne Zweifel zugunsten Moskaus perfolgen sollt«, erklärt hat, Deutschland habe Georgien nie anerkannt. Auch das darf nicht unterdrückt werden, daß neben dem Vertreter des Auswärtigen Amtes ein Vertreter der Sowjetgesandt- s ch a f t gesessen hat, der im Jahre 1924 den Henker in Georgien gespielt hat. Da» deutsche Gericht war gerecht gegen uns; es war aber auch nachsichtig gegen die volschewislen, unsere Feinde. Obgleich die russischen Tscherwonzen den Ausdruck tragen, das„Gesetz über den Umtausch" und die Regulierung dieser Papiere werde erst erscheinen, obglsich B u ch a r i n noch im Februar 1928 selbst erklärt hat, daß die Tscherwonzen bis zum Erscheinen des entsprechenden Gesetzes noch kein Geld darstellten, hat die deutsche Staatsanwaltschaft verlangt, daß die Tscherwonzen a l s Geld anerkannt werden, hat also Dinge verteidigt, die sogar die Bolschewisten nicht verteidigen können. Es ist erstaunlich, wie zähe man in Deutschland einerseits die Methoden und das Regime der Bolschewisten verteidigt, und andererseits einem Volk«, das so viel Blut vergossen und auch heute noch für das Wohl der ganzen Menschheit in der Avantgarde kämpft, brutal das Recht auf Kampf abspricht. Diese Lage der Dinge veranlaßt mich zu dem Entschluß, freiwillig nicht vor Gericht zu erscheinen. Ich bin sicher, daß die öffentliche Meinung die Motive begreifen wird, die mein Handeln bestimmen. Wollen Sie es bitte dem Gericht übermitteln, daß ich mich nicht stelle: es möge nach seinem Gut« dünken die entsprechenden Maßnahmen treffen lassen. Der öffent- lichen Meinung gegenüber berufe ich mich auf die Worte eines mir wohlgesinnten angesehenen Deutschen, der über die Stimmung im Auswärtigen Amt gut unterrichtet ist. Er hat u. a. gejagt:„Ihre politischen Freund« in Deutschland wissen so gut wie Ihre Gegner, daß die neuerlich« Verhandlung nur ein Entgegenkommen> des Auswärtigen Amtes gegen Sowjetrußland ist. Sie brauchen daher in keiner Weife zu befürchten, daß Sie durch Ihr Nichterscheinen Ihr Ansehen in Deutschland schädigen. Für Schikanen, die es in Berlin heute beliebt, hat man im Ausland keinerlei Verständnis. Außerdem ist Deutschland wegen seiner Sowjetfreundschaft im Auslande hinreichend bekannt und bereits so gut wie isolier t." ..Pach Verlesung diefer UnoerfchämlheUen karumidses. die fem e angebliche Deutschlandsreundlichkeit erst in das richtig« Licht rücken, übergab Sadathieraschwili den Schriftsatz dem Gericht und erklärte:„Zu Abwesenheit von Karumidse kann ich mich oichi zur Anklage äußern, da ich mich in völliger Abhängigkeil von ihm be- finde." Aus die Vorhaltungen des Vorsitzenden und unter Assistenz der Rechtsanwälte Sack und Menz verbessert sich Sadathieraschwili dahin, daß er Hab« sagen wollen, Karumidse sei das Haupt derBewcgung, und in seiner Abwesenheit könne er nicht wissen, was er aussagen dürfe und was nicht. Der Borsitzende machte den Angesagten darauf aufmerksam, daß fein Schweigen in der Der- Handlung eine zweischneidige Sache sei, und die Anwendung der Amnestie in Frag« stellen würde. Sadathieraschwili erklärt darauf, er habe hier einmal ausgesagt, und halte alles das ausrecht, was zu Protokoll steht.„Da können Sie uns doch das alles hier erzählen," ineinj der Vorsitzende dazu. Dos scheint Sada- thieroschwili einzuleuchten, und er beginnt endlich mit einer weit- schweifigcn politischen Auseinandersetzung. Im Verlause der Verhandlungen ersch�n der gesuchte Rechts- ainvatt Beer plötzlich wieder an Gerichtestelle. Er erklärte, daß Sadathieraschwilis Ausführungen zur georgischen Frage nicht ernst zn nehmen seien, da ja Karumidse das Haupt der geor- gifchen Bewegung fei, gleichzeitig legte er die Verteidigung nieder, da er aus beruflichen Gründen nicht in der Lage fei, sich für fünf Wochen in den Prozeß hineinzufetzen. finanzamt hätten, weil sie den Riefenmonopolbetrug der Brüder Schwarz in Köln cnifgedeckt hätten. Eines Tages ging bei dem Notar Denfows«in Schreiben des Präsidenten des Landesfinanz- amtes ein, das lautete:„In Sachen Densow wird hiermit bestätigt, daß aus der Vertragstätigkeit ein Betrag von rund 20 Millionen oereinnahmt worden ist. Di«'Auszahlung der vertragsmäßigen Be- lohnnng von 7 Proz. kann aus finanztechnifchen Gründen erst im Jahre 1930 erfolgen." Dieses Schreiben, dessen Eingang Densow bereits mehrmals angekündigt hatte, beglaubigte der Notar leichtfinnigerweife ohne näher« Nachprüfung. Damit hatten Densow und Martin Cohn ein« Handhabe, um mit Hilfe dieser Fälschung sich Kredite zu verschassen. Der Angeklagte Densow behauptete allerdings auch jetzt noch, daß er an das Landes- finanzamt Millionenanfprüche habe, und er will im Laufe der Bcr- Handlung hierfür den Beweis erbringen. Er bestritt auch, daß er gewußt habe, daß das Schreiben gefälscht sei. Mit angeklagt wegen Betruges in je einem Falle find noch der Kaufmann Wilhelm Cranz und der Ingenieur Karl Freymann, der aber flüchtig ist und sich in Amerika aufhalten soll. Frau Geheimrat vor Gericht. Potsdam hat seine neue Sensation. Zn Potsdam begann heute der Prozeß gegen Frau Geheimral R o e t h e r, der inlerelfanle Einblicke In die Verhältnisse der Potsdamer Gesellschasl'k'etse gewähren dürste Auf der Anklagebank sitzt die Säjährige Witwe des Potsdamer Geheimen Rechnungsreoifors und Rechnungsrats Roether, Frau Helli Roether aus Potsdam, zur Zeit in Untcrfuchunaehafl. Die Anklag« lautet auf fortgesetzten Rückfallbetrug und Urkundenfälschung. Frau Roether, die vollständig ver- fchleiert vor Gericht erscheint, ist mehrfach wegen Diebstahls. BetHigs und Unterschlagung vorbestraft. In zahlreichen Fällen hat die Angeklagie in de» letzten Jahren/Potsdanier Geschäftsleute be- trogen, indem sie Waren wie Möbel, Teppich«, seidene Wäsche u. a. auf Kredit entnommen, ohne in der Loge gewesen zu sein, die entnommenen Sachen zu bezahlen. Der Ehemann war wegen Paralyse entmündigt, fein« Pension zum größten Teil ge- pfändet. Auf dem Gerichtskorridor stehen viele Leidtragende, Haupt- lächlich Potsdamer Geschäftsleute. Zwei medizinische Sachverständige sind geladen. England an Palästina. Mahnung zur Rohe. Gens. 12. Juni.(Eigenbericht.) Zum Abschluß der Beratungen der Mandatskommission über die Lage in Palästina nach den letztjährigen Unruhen hat der britische Unterstaatssekretär Thiels eine längere Erklärung ob- gegeben des Inhalts, daß die arabischen Führer sich in Zukunft unbedingt so verhalten müssen, daß ähnliche Vorkommnisse sich nicht mehr wiederholen. Den Juden der ganzen Welt, wie er ausdrücklich unterstrich, erklärte er, daß die Mandatsmacht wohl die Schaffung eines jüdischen National h e i m s, aber nicht eines Juden st aates übernommen habe. warschauer Zudendcmonstration qeqen England. Im Juden- viertel Warschaus fand ein« zionistische Kundgebung statt gegen die englische Politik in Palästina, cm der sich etwa 50 000 Personen beteiligten. Zahlreich« Bolksoersammttmqen wurden abgehalten, in denen jüdische Sejmobgeordnete als Redner austraten. Die Demonstranten trugen Transparente mit solgenden Inschriften:„Wir for. der» Regierungsboden für die jüdische Kolonisation in Palästina", „Großbritannien, we ist dein Gewissen?" und andere. Eurtius spricht zu Amerika. Die ameritantsche Rundfunkgesell- lchaft wird am 2l. Juni«ine Ansprache des Reichsaußenministers Dr. Eurtius aus Berlin auf dem Kurzwellensender aufnehmen und im ganzen Lande verbreiten. Botschatter Sockett wird Dr. Curtiu» dem amerikanische» Publikum vorstellen. Stadtverordnete in Preußen. Die Sozialdemokratie weit voran! Von den Eryebmssen der allgemeinen Neuwahlen zu den lmrunumalen Sell>stverwaltungskörperschast«n vom 17. November 1929 veröffentlicht das Preußische Statistisch« Landesamt in Nr. 21 der„Statistischen Korrespondenz" weiterhin die B e r- teilung der Stadtverordnetensitze in den preußischen Stadtkreisen. An Wahlvorschlägen wurden in den 116 Stadtkreisen insgesamt 1077 zugelassen, davon erhielten 2l>6, also rund 5 Pro- zent, kein Mandat. Bei den erfolglosen Wahlvorschlägen steht Berlin an der Spitze. Von den im Preußischen Landtage ver- tretenen Parteien lagen insgesamt 664 eigene Listen vor, das sind fast% der überhaupt zugelassenen Wahloorschläge. An Wahwor- fchlägen weiterer politischer Parteien sind zu erwähnen: 19 der kommunistischen Opposition, 7 der USPD., 2 demakratilche und 1 Zentrums-Sonderlist«, 23 Wahloorschläge des Thristlichen Bolks- dienstes, 9 der Chrfftlich-Sozialen Rcichspartei, 4 der Deutsch-So- zialen Partei und 6 der Allgemeinen Volksparlei sowie 16 Listen der Polen und je 1 der Dänen und Litauer. Die Zahl der übrigen Listen ist— die 86 Gemeinschastslisten umgerechnet— 238, und zwar sind dies fast zur chälfte Mittelstandslisten(chaus- und Grund- besitz, Handwerk und Gewerbe), ferner Wahlvorschläge der Mieter und Bodenresormer. der Beamten, Angestellten und Arbeiter usw. und schließlich vereinzelt« Listen der Alkoholgegner, der beruss- tätigen Frauen usw. Die Gesamtzahl der.Stadtoerordnetensitze hat sich mit 5358 gegenüber dem vorigen Stand(o329) nur scheinbar erhöht, in Wirklichkeit jedoch etwas vermindert, weil bei dem vorigen Stand neben den Stadtverordneten von Rheydt und Uer- dingen auch diejenigen aller übrigen kreisangehörigen Städte fehlen, die inzwischen in Stadtkreise eingemeindet worden sind. Auf die politischen Richtungen entfallen Sitze: 1929 früher Itberhoupr o&. Lberhaupt v. s5. Nationole Minderheiten«... 18 0,3 25 0.5 Kommunisten........ 662 12,4 784 14,7 Sozialdemokralen....... 1 446 27,1 1 104 20,7 Demokraten......... 137 2,6 196 3,7 Zentrum.......... 864 16,1 789 14,8 Winschastspartei....... 248 4,6 105 2,0 Deutsche Bolksportei...... 229 4,3 262 4.9. Deulschnationale Volkspartei... 325 6,1 428 8,0 Deutsch-Hannooerancr..... 6 0,1 19 0,4 Deutsch-Soziale...... 1 0 02 29 0,5 Volksrechtspartei 1 11 0 2 6 0 01 Völkische Freiheitspartei/••.•" 0 u'ul Nationalsozialisten 250 4,7 135 2,5 Gemeinschastslisten...... 826 15,4 981 18,4 Sonstige.......... 335 6,3 466 8,7 5 358 100,0 5 329 100,0 Ein klares Bild der Mondatsverschiebungen geben nur die Zahlen derjenigen Parteien, die keine Wahlbündnisse eingegangen sind: nämlich der Nationalen Minderheiten, der Kommunisten und der Sozialdemokraten. Mandotsverlust« von 7 bzw. 122 Sitzen hotten die Nationalen Minderheiten und die Kommunisten. Der Sozialdemokratie, die in allen Regierungsbezirken außer iu Berlin Riaada ksgewiune erzielte, find insgesamt Z42 Sitze mehr als früher zugefallen. Bon den übrigen Parteien haben— unter Slusfchaltung der Gemeinschastslisten— nur 4 ihren früheren Man» ddkstand zu erhöhen vermocht: das Zentrum um 75 Mandate, die W irtschaftsparte i um 133, die Nationais oz ia- listen unr 125 bis 130 und die Voltsrechtspartei um 2 bis 4 Sitze. Di« Demokraten büßten insgesamt 59 Man- da t« ein, die Deutsche Volkspartei 33 und die D e u t s ch n a t i o- n a l« n 1031 Die Doutsch-Hannoveraner, die sich bei den jüngsten Wahlen stärker an den Gemeinschastslisten beteiligten, haben in- solgedesse-n 13 Sitze weniger als früher auf eigene Listen, den Deuffch-Sozialen ist von 29 Mandaten nur 1 geblieben und auch die Bötkischen dürsten Verluste zu verzeichnen hoben. Oer Lteberfatt auf dem Kriedhof. Verhandlung vor dem Hanauer Schöffmgericht. Hanau. 12. Juni.(Eigenbericht.) Der empörende Uebersall auf den sozialdemokratischen Land- tagsabgeordneten Karl Rehbein, der in Begleitung des Geschäfts- führers der„Hanauer Volksstimme", Wilhelm Backes, am Grabe seines Vaters von ousgehetzten Friedhossarbeitern schwer mißhandelt wurde, hat jetzt sein gerichtliches Nachspiel vor dem erweiterten Schöffengericht gefunden. Wegen Uebersall angeklagt war der 27 Jahre alte verheiratete Arbester Friedrich D i e tz aus Hanau, der erhebliche Vorstrafen aus- zuweisen hat, der Mittäterschaft beschuldigt ist der noch unbestrafte 26 Jahre alte Arbeiter Friedrich Henning aus Hanau. Beide fnrd crwerbslos und hatten an jenem Tage auf dem Städtischen Friedhofe unter Aussicht eines städtischen Vorarbeiters Notstands- arbeiten zu verrichten. Als Rehbein und Backes an einer Gruppe * von Arbeitern vorübergingen und den üblichen Gruß entboten, rief ihnen der Arbeiter Dietz rohe Schimpfwort« zu, was den Genossen Rehbein veranlaßt«, den Vorarbeiter um Nennung des Namens des Beleidigers zu ersuchen. Mit erhobenerSchiPp« drang Dietz auf Backes und Rehbein ein, bearbeitete zunächst Backes mit den Fäusten, hob die vorher weggeworfen« Schippe aus und schlug wie sinnlos auf Rehbein ein. Nur einem Zufall war es zuzuschreiben, daß die scharse Kante der Schippe nicht den Kops Rehbeins traf und spaltete, ihn vielmehr nur am Ohr, Gesicht und an der Schulter verletzte. Henning, der als der geistig Ueberlegene bezeichnet wurde, hat zu der Tat aufgemuntert. Genosie Rehbein erklärt« als Zeuge, daß die beiden Angeklagten nur als O p f e r der gegen ihn betriebenen kommunistischen Hetze betrachtet werden könnte». Als er 1928 von der Kommu- nistijchen Partei ausgeschlossen worden sei, weil er sich mit der von dieser betriebenen Politik nicht mehr einverstanden erklären konnte, l>ab« er sich wieder der Sozialdemokratischen Partei angeschlossen. Seit dieser Zeit hgb« gegen ihn eine wilde Hetze der Kommunisten auf der Straße und in der Presse eingesetzt. Der Oberstaatsanwalt betonte in seinem Plädoyer, man müsse zur Beurteilung der Tat die Hetze berücksich igen, kie gegen Rehbein nach seinem Ausscheiden aus der KPD. eingesetzt hätte. Es liege eine Tat mit politischem Hintergrund vor. Auf olle Fäll« seien die Angeklagten mit der KPD. eng verbunden. Gegen Dietz beantragte«r2Monote Gesängniz, gegen Henning 50 M. G ldstrafe. Das Gericht schloß sich den Ausführungen des Oberstaatsanwalts an und erkannte gegen Dietz auf 2 Monute Gefängnis» gegen Henning auf 30 M. Geldstrafe. ver Gefandtenmördcr wahnsinnig. Die mit der Untersuchung Piechowskis betrauten Lissaboncr Aerzte sind zu d«.m Ergebnis ge- I ommen, daß es sich bei ihm um einen Irrsinnigen handelt, der all« »ertrnale von Pcrf�gungswahnsinn aufweist. „Krisen im Msikleben der Segenwari." Oie Lehren der Königsberger Musikertagung. Reue Gesinnung. „Kein sel'g'rer Tod ist in der Welt, als wer vorm Feind er- schlagen� Was ist das? Das sind die ersten Zeilen eines Gedichtes und das Gedicht,„Heldenfeier", liegt als Text einem Chorwerk zu- gründe, das als letzte Nummer des legten Abends, ohne Zweisel als Krönung des Festes gedacht, im Königsbcrger Programm stand. Aus technischen oder aus sonstigen Gründen unterblieb die Auf- führung. Di« Wahl bleibt dennoch bemerkenswert. Gewiß, sie war nicht„politisch" gemeint. Man ist nicht politisch im All- gemeinen Deutschen Musikoerein, oder richtiger, man will es nicht fein: und glaubt, es nicht zu� sein. Aber in dieser unpolitischen, antipolitischen Haltung, in solcher Scheu vor Politik, die in Wahrlzest immer zugleich Scheu vor den Konsequenzen der neuen Zeit und ihrer Bejahung ist: in all dem bekundet sich ein rückwärtsgerichteier Seist, den der Verein, soll er in der Tat die führende— vorwärts- führende!— Vertretung der deutschen Mustkerjchast sein, gründlich überwinden muß. Die Musiker stehen vor einer Schicksalsfrage, das hat sich in Königsberg gezeigt. Denn noch«in anderes ist. ungc- wollt, offenbar geworden, und der, alles in allem, bescheidene künstlerische Ertrag der Konzerte hat es bestätigt: di« wichtigsten Probleme der Musik liegen zur Stunde nicht in ihr selbst, sondern in ihrem Verhältnis Mrn Leben, zur Gesellschaft und, nicht zuletzt, zum Staat. Diese EWnntnis ist den Lesern des„Vorwärts" nicht neu; sie dämmert nun auch in den Kreisen der unmittelbar Betroffenen. Die Generalversammlung in Cranz, mit einem Seitenblick auf das Meer, im Zeichen des strahlend blauen Himmels, beschränkte sich im wesentlichen auf die glatt« Erledigung der vorgeschriebenen Tagesordnung. Bedeutsam war allein die Ablehnung eines hart- näckig verteidigten Dorstandsontrages, bedeutsam als Symptom des Widerspruchs gegen die undemokratische Mentalität, die der an sich unwichtige Antrag dokumentierte. Die hochmütig- zünftige Exklusivität hilft den Musikern nicht mehr weiter, es gilt, im Lebenskampf der Musik alle aktiven Kräfte einzusetzen. Das kam, symbolisch wenigstens, in einer einstimmig angenommenen Re- solution zum Ausdruck, die dem fortschreitenden Musikerabbau— der„um sich greifenden Abbaupsychose�, wie ein Redner es nannte,— Einhalt gebietet. Eine Gest« freilich nur: sie würde nicht genügen, eine Entwicklung aufzuhalten. Das wichtigste Ereignis brachte ein Diskussionsvormittag. Hauptthema:»Krisen im Musikleben der Gegenwart." Hermann S ch e r ch e n, ein Mann heutigen Geistes, wie wir wissen, entwarf als Referent ein klares Bild der heutigen Situation und verlangt« zur Abwehr der drohenden— durch die Industrialisierung der Musik drohenden— Gefahren einen organisatorischen Zusammen- schluß aller Musiker arbeitnehme r. Das Bild, das Scherchen gab, war Nor, doch wohl allzu negativ: und der Pessimismus seiner Darlegungen fand im Saal allzu gläubigen Widerhall. Aber es geht nicht an, den Komplex Rundfunk— Schallplatte— Tonfilm vom Standpunkt des Musikers nur als Krisen- erscheinung, nur als«ine Summ« Unheil zu betrachten. Den entscheidenden— positiven— Vorstoß wagte der zweite Sprecher der Persammlung: Leo Kestenberg. .Krise", so etwa begann er seine Ausführungen, der Gc- brauch des Wortes.Krise" geht hier von unzutreffenden Loraus- fetzungen aus. Krise ist das letzte Stadium einer Krankheit: aber was in der Welt der Musik heute vorgeht, hat mit Krankheit nichts zu tun, es ist ein stetiger Entwicklungs- und U m- wandlungsprozcß, von dem nicht allein die Musik, von dem unsere ganze Kultur betroffen ist. Es geht um das ewige„Stirb und Werde" der Menschheit. Für den Musiker gibt es nur eines, das, unabänderlich, unerschütterlichen Bestand hat: die Ursymbolik der musikalischen Intervalle, der Rhythmik und der Dynamik, mit einem Wort, die Urwerte der Musik. Sie bilden die Grundlage oller ausdruckstarken Musik, sie leben in jedem Volk, in seiner Sprache, in der Sprachmelodie und erhalten gültige Form in den musika- tischen Meisterwerken. Mit diesem Glauben an die Urkraft des musikalischen Ausdrucks verbindet sich die Einsicht, daß das Werk, das aus einer starken menschlichen und künstlerischen Not geboren, meisterlich gestattet und allgemeinverständlich gefaßt ist, ein wesent- liches Mittel zur Eroberung des Menschen, zur„Menschwerdung" bilden muß. Dieser Glaube an di« Mission' der Musik gibt dem Musiker Kraft in der Stunde der Gefahr, aber es genügt nicht, ihn zu haben, es gilt, feine Kraft zu mobilisieren. Es hat keinen Sin» und ist verderblich, angesichts der großen Errungenschasten der Technik klagend beiseite zu stehen, die neuen Erfindungen müssen— durch den Musiker— für die Musik erobert und nutzbar gemacht werden. Die Klagen über das„Unkünstlerisch«" aller mechanischen und' mechanisierten Musik werden verstummen müssen, wenn auch die neuen technisierten Formen der Musik und des Musizierens mit Hilfe des Künstlers ihr künstlerisches Gesetz gefunden und neuen künstlerischen Inhalt empfangen haben. Kestenbergs meisterlich aufgebaute Rede gipfelte in der Auf- forderung, Anschluß an die lebendigen Kräfte der Gegenwart zu suchen, die I u g o n d, das Volk, die Massen heranzuholen, als Mnsikhörer nicht nur, sondern als Mitschaffende am Ausbau eines neuen Musiklebens, das auf den Grundpfeilern Chor- g e f a n g und S ch u l m u s i k zu errichten ist— kurz, er»zeichnet« den Umriß jener Musikzukunft, die auf dem Boden der sozialisti- s ch e n K u 1 t u r b e w e g u n g zu reifen beginnt. Und das Er- staunliche. Ereignishaste war— ereignishaft für die deutschen Musiker—, daß er so in diesem Kreise sprechen tonnt«: daß er, in seinem Vortrag miederholt durch lebhafte Kundgebungen der Zu« stimmung unterbrochen, unter stürmischem, anhaltendem Beifall des ganzen Saales endete. Man sah den Herausgeber eines gewichtigen Musikfachorganes begeistert applaudieren, in dem eben noch grimmige Worte gegen die„bedenklichen Blüten" der musikalischen Jugendbewegung und gegen die„sogenannten Bolksmusikschulen" zu lesen waren. Aber die Not der Zeit lehrt auch langsam« Köpfe solgerichttg denken, und es war bei den Hörern wie«in Aufatmen der Dankbarkeit, als Genosse Kcstenberg ihnen einen freien Weg in die Zukunft— und das heißt, in die Gegenwart wies. Der ADMV. wird sich zeitgemäß umstellen müssen: er sollte beim Namen seiner„Tontünstlerfeste" beginnen. Doch darum soll endlich nicht verschwiegen werden, daß die Stadt Königsberg, ihre Behörden und ihre Bewohner, alles aufgeboten haben, die Besucher aus dem Reich als Fest gäste zu empfangen und zu de» Wirten; di« Musiker umgab fünf Tage lang festliche Gehobenheit. ICau, Pringsheim. 7'.:■■■■' Primus-Palast. „Sei gegrüßt, du mein schönes©omnf.' Eine große Kokotte, dc»Me Liebe nur eine Episode ist, beein- flußt das Leben von drei Männern. Den ersten ruiniert sie und macht ihn zum Verbrecher, den zweiten verläßt sie nach kurzem Flirt und dem dritten stört sie vorübergehend den Frieden seiner Ehe. Sie selbst bleibt auf der Strecke: denn sie wird von dem Lieb- Haber mit den ältesten Ansprüchen erschossen. � Der Filmautor stillt sein ganzes Manuskript mit den Liebesepisoden aus, für ihn gibt? im Leben offenbar nichts außer der Liebe. Das aber wird dem anspruchsvollen Zuschauer von heute aus die Dauer etwas langweilig. Der Regisseur benimmt sich mitunter, als ob er verpflichtet märe, den übelsten Tonfilmkitsch in Szene ,zu setzen. So ftopst er völlig unmotiviert das Lied vom schönen Sorrent m diesen Film hinein. Im großen und gangen entsteht unter Romano Mengons Regie der übliche Schanspielersilm bei bewußter Ausnutzung des gesellschastlichen Milieus und vortrefflicher Nutzbarmachung tand- schaftlicher Schönhellen. Ruth Weyer ist die kokette Frau, die wetter nichts will als verführen. Die junge Ehefrau spielt Judith M a s s e n a. Sie hat ein schönes, klares, für die Kamera außerordentlich geeignetes Ge- ficht. In dramatischen Höhepunkten wirkt sie etwas unbeholfen. Doch ist es nicht ansgeschlossen, daß sie bei zunehmender Routine eine sehr gute persönliche Note findet. Alsred Abel, einst die große und berechtigte Hoffnung des stunnnen Film«, wird mal wieder durch das Manuskript gehandicapt. Clifsord M c. Lacken wirkt wahr als Naturbursche. Alexander Schirmanns schmissige Illustration und die gut« Kapelle verdienen ein Sonderlob. Die prächtigen Lan�jchastsaufnahmen und das Verlangen nach cd dem verfilmten Sorrent wohl in geschäst- dem stummen Film wir! sicher Hinsicht den Weg' ebnen. e. b. Harald und Yvonne. Im Rahmen der Berliner Kunstwochen wurde uns ein'Fest bereitet: Pvonne Georg! und Harald Kreutzberg tanz- tcn im V a ch s a a l. Das vollkommenst« Tänzerpaar unserer Zeit. Duos und Soli längst bekannt und zum Teil als„klassisch" gewürdigt, wurden aufs neue lebendig und wirkten lebendig und.neu, Wer etwa gefürchtet hatte, di« AmerikasaHrten würden den beiden schaden, sah sich aufs angenehmste enttäuscht. Die Kompositionen seelisch vertieft und technffch verfeinert. Das Zusammenklingen inniger, harmonischer. Kreutzberg am glanzvollsten im präziöjen „Tanz des Zeremonienmeffters" und im hinreißenden, bannenden, erdentrückenden„Engel des iiiugsten Gerichts", Dvonne im seherisch- «xtatischen Furor der.Kassandra", beide in den voltsttedartigen, schwermütigen Rhythmen des„Persischen Liedes". Den„Bösen Träumen" mangelte die stimmungfördernd« szenisch« Umrahmung. Der„Fahnentanz"— das scheint sein konstantes Pech zu sein— klappte am Anfang und am Ende nicht. Das Tänzerpaar und lein kongenialer musikalischer Helfer und Begletter Friedrich W i l ck e n s wurden immer wieder und wieder vor die Rampe ge- jubelt.__ J. g. Vi« Spielgemein'chast veeliocr Schauspieler ocranitaltet am 14., 20'/, Uhr, im Berliner T d e a t e r eine einmalige Ausführung von„Krach um Leutnant Vlnmentbal" von Alired Herzog. Regie: Fritz Staudt«. Die Trauerfeier für Harnack. Di« Einäscherung des am Dienstag in Heidelberg verstorbenen Prof. Adolf v. harnack findet nach der Ueberführung der sterblichen Ueberreste am Sonnabend vormittag im.engsten Familienkreise im Krematorium Wilmersdorf statt. Am Sonntag vormittag um 1/j12 Uhr veranstaltet die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förde- rung der Wissenschasten. deren Präsident v. harnack war, eine Trauerkundgebung im harnack-haus in Dahlem, bei der Vertreter der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, oer Akademie der Wissenschaften, der deutschen Hochschulen, sowie der Reichs- und Staatsregierung und der tztadt Berlin der Persönlichkeit und der Verdienste des Verstorbenen um di« deutsche Wissenschaft gedenken werden. Ein Rasierpinsel für 1000 Mark. Wer sich darüber wundert, was wohl die Millionäre mit ihrem Einkommen machen, wenn sie sich prachtvolle Villen,«inen Park von Autos, Luxusjachten usw. zugelegt und all ihre Steuern be- zahlt haben, so wird solchen Neugierigen auf der Londoner Drogistenausstellung«ine überraschende Erklärung gegeben, hier sind nämlich Rasierpinsel ausgestellt, von denen das Stück sage und schreibe 1000 Mark kostet. Diese Toilettengegenstände für Millionäre sind aus Elfenbein und einer besonderen Art des feinsten Dachs- Haares hergestellt, und wir hören, daß derartige Pinsel von reichen Slmerikanern und anderen Krösussen mit Vorliebe benutzt werden. Es ist eigentlich schade, daß die Besitzer dieser Pinsel mit solch er« lesenen Instrumenten Bärt« bearbeiten müssen, die ganz'o sind wie die aller gewöhnlichen Sterblichen, ja in ihrer Fülle und Schönheit gewiß hinter denen manches armen Teufels zurückstehen. Endlichkeit und Unendlichkeit des Raumes. In der Berliner „Gesellschaft sür empirische Philosophie" sprach Prof. Erwin Freundlich über„Endlichkeit und Unendlichkeit des Raumes als astronomisches Problem". Prof Freundlich, einer der««rsten Mitarbeiter Einsteins, zeigt« in Anknüpfung an die Einsteinsche Gravitationstheorie, wie weit h«ut« das Problem der Endlichkeit oder Unendlichkeit des Raumes zu einem experimentellen geworden ist. Beweise für oder gegen die Theorie lassen sich aus dem Erfahrungsmaterial nicht gewinnen: die astronomischen Kenntnisse der mittleren Dicht« der Masse, der Durchschnittsgeschwindigkeiten der Gestirne, der Größe der Sternsysteme ergeben als formales Rechenresultat sür den Umfang des Raumes jetzt ungefähr ein« Milliarde Lichtjahre. Di« Astronomie überblickt jedoch zur Zeit nur hundert Millionen Lichtjahre. Ein ll-Bool für die Rordpalsahrl. Die beabsichtigte Expeditton von Sir Hubert Wilkins, di« im Un erseeboot unter dem Polareis zum Nordpol gehen soll, ist jetzt ermöglicht, indem da» Marmeamt der Vereinigten Staaten dem Forscher für fünf Jahre zu einem nominellen Preise von einem Dollar im Jahr da» veraltete U-Boot „O 12* zur Verfügung gestellt hat. Das U-Boot wird von einem früheren U-Boot-Kommandanten der amerikanischen Marin«, Sloan Danenhower, befehligt werden, der das. Fahrzeug im Juni 1936 wieder abliefern muß, weil es dann nach den Bedingungen des Lon- doner Flottenabkommens abgewrack' roerden muß. Wilkins glaubt. daß er eine Durchfahrt unter dem Meer von Spitzbergen nach der Bering-See über dem Nordpol finden wird Volksbühne.»Der sröhliche Weinbergs von Carl Zuckmaher wird in der Voltsbübne unter der Regie von Heinz Dietrich Kenter im Jull zur Aufführung gelangen. Die Front steht fest in Mansfeld. Vergebliche Glörungsverfuche von rechts und lmks. Eislcbcn, 12. Juni(Eigerrbericht.) �nerjchüt.erlich steht di« Front in Mansfeld. Keiner ist ab- trünnig geworden. Sie wissen alle, es geht um«ine große Sah? Der unvorhergesehene Urlaub tut den sonst so fleißigen Mona- felderknappen, die jahraus, jahrein zum größten Teil weit über �00 Meter unter der Erdoberflääie arbeiten, sehr wohl. Die sogenannte kommunistische Gewerkschasts- o p p o s i t i o n posaunt in alle Welt, daß sie die Führung der Bewegung habe. Davon ist nichts, auch gar nichts zu' verspüren. Großspurig rufen diese Leute zu Demonstrationen auf, an denen sich außer einigen Heißspornen niemand beteiligt. Sie haben der Mansfeld A.-kZ. Forderungen eingereicht, von denen sie wissen, daß Erfüllung im gegenwärtigen Augenblick ein Ding der Unmöz- lichkeit ist. Am"2. Pfingstseiertag haben diese Helden zu einer Demonstration aufgerufen, die sich durch die Mansfclder Grund« dörfer bewegen sollte. Bor dem kümmerlichen Lokal der kominu- nistischen Buchhaltung in Eislcbcn standen die Strategen— allein. Aus Mangel an Beteiligung mußte die Demonstration unterbleiben. In Eislcbe» hatten die Kommunisten eine Berlammlung ge- plant. Sie fiel aus, weil das unsinnige Vorgehen keinen Widerhall bei den besonnenen Belegschaftsmitgliedern fand. Um etwas besonderes zu tun. haben sie Streikposten mit roten Armbinden ausgestellt. Heute siebt man lo'gut wie gar keinen mehr. Vor der gewerkschaftlichen Streikleitung haben sie einen heillosen Respekt. Um ihre Streikunterstützung und ihre künftigen gewerkschasilichen Vorteile nicht zu verlieren, st reifen sie vor dem Betreten der gewerkschaft- lichen Meldestelle die roten Binden ob, oder lass n Rock und Binde vor dem Lokal hängen. Nur in einem sind sie stark. Im Lügen! Heute verbreiteten sie die Nachricht, daß in Berlin bereits Verhandlungen zwischen der Mansfeld A.-G. und den Gewerkschaften über Lohn- obbau stattfanden. Sie wissen genau, das es unwahr ist. Sie wissen genau, daß ihre Lügen Uneinigkeit in die Reihen. er Streikenden tragen müssen, aber das wollen sie. Ih.�Kampf gilt nicht der Mansfeld A.-G, sondern den G e w'c r k s ch a f i« n und ihren Führern. Sie sagen das ganz öffentlich. Die St.ei.en- den haben die Absicht auch erkannt und fchü.tcln diese Sorte „Führer" lächelnd ab. Die Mansfeld A.-G. gibt sich die größte Mühe, Arbeits- willige zu finden. Es gelingt nicht. Nur ein paar armselige Schacher ließen sich aus Wcrkseisenbahnkohlenwagen verfrachten und per Dampf zur Kochhütte bringen. Im Gegensatz zur Ruh« und Disziplin der Streikenden und ihren Gewerkschaftsjühr.rn scheinen di« Behörden nervös zu werden. Insbesondere sielen Landjäger durch ihr schroffes Vei halten gegenüber den Streikposten auf. Es scheint aber, als ob gewisse Kreise die Absicht hegen, die Behörden scharf zu machen: denn anders kann man die Schreibweise des„Leipziger Abendlslattes" vom 10. Juni 1MO nicht deuten. Das Blatt schreibt, die Regierungsstellen hätten w cg-c n Aufruhrbesorgnis starke Polizeikräfte nach Mansfeld gelegt. Keines von beiden trifft zu. Von Aufruhr ist in Mansfeld nichts zu spüren. Es liegt daher auch kein Anlaß vor, Polizei- aufgebote dorthin zu dirigieren. Es bleibt nur zu wünschen, daß die maßgebenden Behörden unbeeinflußt«on unmaßgeblichen Stellen bleiben. Die Gewerkschaftsfunktionäre sind Manns genug, die Bewegung besonnen in gewerkschaftlichen Bahnen zu führ«n. Di« Mansfeld A.-G. beharrt auf ihren Standpunkt eines 1ä- prozentigcn Lohnobbaues. Die Belegschaften wehren heute in ge- schlössen«: Front wie am ersten Streittage de frevelhaften An- schlage der Manssek» A.-G. ab. Es ist ganz offenkundig, daß die Sympathie der gesamten Bevölkerung bei den Ausgesperrten ist. Die Front in Mansfeld steht fester als je. Möge zur rechten Zeit dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit der Mansfelder Be- legschaften eine Warnung sein für alle, die es angeht! Die Christen gegen Gtegerwald. Oer Gedag ist befremdet. Der christliche Gewerkschaftliche Pressedienst teilt mit: „Die eigenartigen Kombinationen, di« im Zusammenhang mit der Verbindlicherklärung des Lohnschiedsspruchs für die Arbeiter in der Nordwest-Eisenindustrie in der Presse verbreite: worden sind, em- behren, soweit sie sich mit den Rückwirkungen aus die Gehalts- gestaltung der Ange st«Ilten befassen, jeder tarifrecht- lichen Grundlage. Außerordentlich befremdlich ist, daß das Reichsarbeitsministerium eine derartig« Lerkoppelung nicht von vornherein zurückgewiesen hat. Dem Reich-arbeits.niivijterium war dokannt, daß es sich bei dem Tarifvertrag der Arbeiter um feste Lohn- säge handelt, wogegen im Angestelltentarif lediglich Grundgehälter vereinbart sind, deren Ergänzung nach der Leistungsfähigkeit des einzelnen von vornherein vorgesehen war. Bei dieser Einzelbewer- lung handelt«s sich nicht um einen Akkordzuschlag wie bei den Zu- schlagen der Akkordarbeiter, sondern um eine von den Tarisparteien gewollt« Ergänzung der ungenügendeil Grundgehälter, für die andere Bewertungsgrundsätze anzuwenden sind. Der(christliche) Gewerk- schastsblind der Angestellten legt ganz entschieden Verwahrung da- gegen ein, daß in eine Arbeiterlohnbewegung so schwerw'.egende tarifliche Fragen der Angestellten mit hineingezogen und dadurch falsche Auffassungen in der Oefsentlichkeit erweckt Vierden. Zur Klarstellung wird bemerkt,'daß irgendein Abbau weder ab 1. Juni uach ab 1. Juli dieses Jahres nach den gesetzlichen Bestimmungen in Frag« kommen kann." * Der Gedag hat recht, weu» er gegen den Abbau der Gehälter der Angestellteil, der mit Herrn Stegerwald vereinbart wurde, protestiert. Die Argumente, die er aber vorbringt, sind ganz abwegig vnt> zeigen nur. daß»ran im Gedag von den Lohnverhältnisien der Arbeiter der Schwereisenindustrie nicht mehr versteht als Herr Stegerwald selbst. Wenn es sich irgendwo um einen reinen Leistungslohn handelt, dann bei denAkkordorbeitern derSchwereisenindustrie, deren Tariflöhne so niedrig bemessen sind, daß selbst die Unternehmer sich vor dem Schlichter bereit erklärten, die niedrigsten Lohnstufcn aufzubessern. Nur durch intensioe Arbeitsleistung vermochten die Arbeiter wesentlich über diese Tariflöhne hinauszukommen. Wäh- rend die Gehälter der Angestellten nur um etwa 7(4 Proz. über den Tarifgehättern liegen, sind die Akkordoerdienste weit über den Tariflöhnen. Die Severing-Klausel hat es don Unter- nehmern unmöglich gemocht, di« Leistungssteigerung der Arbeiter für sich zu beschlagnahmen. Herr Stegerwald hat den Unternehmern nicht nur dies ermöglicht, sondern gleichzeitig durch einen sanften Druck di: Unternehmer veranlaßt, auch die Gehälter der Angestcll- tcn zu beschneiden. Gewiß ist dies t a r i f w i d r i g. Aber daran werden sich die Unternehmer nicht kehren. Haben sie doch die Er- mächtigung Stegermalds. Die Beamten gegen Brüning. !lm das Rotopfer der Festbefoldeien. Die geptoni« Auferlegung eines sogenannten N o t o p f e r s der Festb.esoldeten unter Schonung des Besitzes hat alle Richtungen der Bcamtenorganisationen mobil gemocht. Während der frcigewerkschaflliche Allgemeine Deutsche Beamten- b u n d die unverkennbar« Gemeinsamkeit der Interessen aller Hand- und Kopsarbeiter stets in den Bordergrund gestellt hat und auch in dieser Frage in gemeinsamer Front mit den Gewerkschaften der Ar- beiter und Angestellten steht, betont � Deutsche Beamten- b u nd die Sonderinteressen der Bea-iM:n. Zu diesem Zweck ver- anstaltet er am Sonntag vormittag 10,30 Uhr eine Protestkund- gebung im Sportpalast. Jedenfalls hat es die Regierung Brüning zuwegegebracht, daß sich«ine Einheitsfront der Beamten gegen die Regierung gebildet hat. Die Knochenbrecher bei Iohannes Gerold. Hakenkrkuzterror unter Duldung der Firma. Wir kritisierten im November v. I. die Zustände bei der Lcbensmittelocrsandfirma Johannes Gerold, Lützowstraße 9-1, wo sich-unter Duldung der Geichästsleitung die Hakenkreuzlcr breit machten und die wenigen Freigewcrkschaftler terrorisierten. Unser« BerössciÄichung hatte schließlich den Erfolg, daß das wüste Treiben der Nazis«IngehSment wurde, ein glxoßer Te« der Beleg. schast sich freigewerkschaftlich organisierte und der Gesamtoerband für die tarifliche Bezahlung der gewerblichen Arbeiter sorgte, die man diesen größtenteils versogt hatte. Anscheinend glaubt die Firma jetzt, daß diese für sie un- angenehmen Ding« schon wieder in Vergessenheit geraten sind und sie sich d«: gleichen Betriebsmethoden bedienen kann. wie vor dem Eingreifen des Gesomtoerbandes Denn jetzt sind die Zustände in diesem Betrieb noch s ch l i m m e r als zu der Zeit, da wir sie kritisierten. Die H a k e n k r« u z l e r fühlen sich als die alleinigen Herren im Haufe Gerold Sie treten m rabialester Weise gegen andersdenkende Betriebsangehörige auf. Der Terror geht jetzt schon so weit, daß man di« Anhänger der freien Gewerk- schasten und ihre Funktionär« im Betrieb« tätlich an- greift, sie nach Arbeitsschluß auf dem Nachhauseweg verfolgt und dem sreigewerkschas blichen Arbeiterratsvorfitzenden in Briefen ankündigt, daß man ihm.hie Knvchen bei der nächsten Gelegenheit drecken werde". Welche Zusammenhänge zwischen der Beschlagnahm« der Maschinenpistolen am gestrigen Tage in einem Verkehrs- lokal ganz in der Nähe des Geroldbetrfobcs mit der na.tional» sozialistischen Betriebszelle bestehen, bedarf noch der Ausklärung. Beschwerden über diesen Gefinnungsterror werden von der Betriebsleitung im zünftigsten Falle mit einer„Rüge". geahndet, oder man gibt dem Arbeiterrat aus, für bessere Zustände zu sorgen(!). Das duldsame Verhalten der Geschäftsleitung gegen-- über diesen gewalttätigen Elementen erweckt jedenfalls den An- schein, als' ob die Firma ihr« stille Freude daran hat und die Entwicklung ihres Betriebes zu einer Hitler-Domöne nicht ungern sieht. Vielleicht wird sie in Zukunft die Veiieferung mit Waren im Interesse ihrer nationatsoziolsstischen Schützling« nur nach an solche Auftraggeber vollziehen, die ihr«inen einwandfreien Nach- weis über ihr Ariertum bringen können. welker für Berlin: Heiter, trocken und sehr warm, schwache Luftbewegung.— Für Deutschland: Allgemeine Fortdauer des hochsommerlichen Witterungscharatters, nur im Südwesten Gewitterneigung._ Groß-Berliner parteinachrichten. . 9». Ab». Brist.»» ck-w. Di« geit»ila»k-«millü>»�ist»»a fällt i»f»la« der fcutiqcn«Aut>q«b»»q»»»! Die««»offev irrsten sich ,ur«undgebu»,»nnv- lich Uhr aus dem tl-n»ldplast. Donnerstasc. 12. Juni. Berlin. 16.05 Ocora Schnarke: Der Reiehtwasjerschatr. 16.30 I. Beathoven: Sonate pathetique, or. 13.(Crnil Opoerrnann, riüeil.)— 2. Bruch: Arle.(Agnes Lenbach. Alt.)— 3. Veracini: Sonate C-Moll. (Miria Thotnän. Violine.)— A. Richard Strauß: Lieder.(Agnes Lenbach.) — 5. KodAIy: Adagio.(Miria Thotnln: Flügel: J. Bürger.) 17.30 Dr üeberall erzihlt. 17.50 Hubert Lepz;,. Def, Arbeitstag des Beamten. 18.15 Reichsbahnrat Dr. Feindler und Dr. J. Hansen: Schiene und Reifen. 18.40_Qibt es einen proletarischen Roman?(üespräch zwischen Kurt Hrsah- ffld nnd F. C. Weiskopf.) 16.00 L'n.erbaltungsmusik. 19.45 Arbeitsmarkt. 19.50 Aktuelle Abteilung. 20.20 Aus der Singakademie: Riebard Strauß. Dirigent: Bruno Seidler-Wiaklcr. I.„Also sprach Zarathustra". op. 30.— 2. Burleske(ür Pianoforte und Orchester. D-MoII.(Käthe Heinemann, Flügel.)— 3.(21.30)„Die Tageszelten".(Joseph von Eichcndorlf.) Ein Liederzyklns für Männerchor und Orchester, op. 76. Nach den Abendmeldungen bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 17.30 Erwin Walther: Aus dem Leben des Landlehrer». 17.55 Walther Bernstein: Die Oelstadt Baku. 13.20 Hans Krückeberg: Als Bildhauer im Zoo. 18.40 Prof. Dr. lumpertz: Die wirtschaftliche Bedeutung der Meeresströmungen. 19.03 Spanisch für Fortgeschrittene. 19.30 Ortsegel: Holzartcnwahl in der Forstwirtschaft. 20.00 Das Deutsche Lied. 20.40 Aktuelle Abteilung. SScrcntrontil. für die iBfbofiroit:»ich. Bernstein, Berlin:«n, eigen: Dh.»lede. Berlin. Lrrlag: Sotmatls Berlaq(5. m. b. Ä.. Berlin. Druck: Vorwärts Budi» bruderci und Lerlagsonstalt Poul Singer& S.o., Berlin EW 68, Lindenstrahe 3. $icrju 1 Beilege. VolUsbtthne Thuter am Hülowplati. S'.i Uhr Julius Caesar Rtgif: Karl Hiioz Hartia Staat!. Schiller-Tli. 8 Uhr Der Traum ein Leben geschlossen Freitag 7 Uhr zum ersten Male Wie werde idi teidt und gloddiüi? n Kursu» in 11 AMeilungn vor�FiIii Jaadtinuon. istk vca ülsdw SH'Msky. itojie; Erich Engel CesaHtansstattung; Dentsdies Tüeater » 2 WeiMamm 5201 8 Uhr Phaea von Fritr v. Unruh. Reg.: Max Reinhardt Unit: fnedfi*. Ksllmrfr. Kammerspiele D 2 Weideadamm 520t 8«A Uhr: Jphigenie vonWolfg v.Goethe| FinridthBg and Rit:e: Ridurä Iki-IMiih SCAtÄ TJ gl. 5 u»'/, Uhr. B I Bart. BHB Pr. 1-6 II Wochantg. S U. 50 Pf.-3 M. Direktion Dr. Roberl Kleis Oeotsehes KOnslIer-Tbeal. Barbarossa 3937 Täglich 8l,2 Uhr „Iiv tanze um dleWeltmlllir" von Martalln Schiffir Musik: FriairiÄ HolUndtr Regia; Hans Brahn Residem-Theatei Tägl.SVt Uhr Meine Frau— die KoKotte Für Jugcndl. verb. RundfupkMrtr bilb« Preis«. darnowsky-äilbnen Theater lo der Siresemanostr. (Ihilar Kininiitur Str.) briiMr Romtvodm 15)0 Heute 71k Uhr Wie es eudi iteUUll von Shakespeare Regis: Victor lUromky Komödianhaua Täglich SVi Uhr Meine Sctiwester und ich Musik r. Ralph ürutik) »•uhr CäSINOTHEATER»■" Uh- Lothringer Strafte 37. Metropol-Th. Täglich SV, Uhr mit Dir allem aut einer einsamen Insel MiAael Bohoei, llfml Braun. Ftolir. UntfouDD Nur noch wenige Aufführungen! Rentier Mudicke Sommerprclte: Billig! Billig! SO Pf. Mark I.SO Mark ROSE - Theater 6r. FrankfurUr Str. 132 BIMaftkawt: Alax. 3422 u. 3494 Von nun an jpidftn KarhmHt. um IS3(FUhr(Sonmatce- 5 ü.) Konzert, Großes Variete „Leoe, Lotte. Liese" Berliner Voikaoperette vun J. u. R. Gtlbart mit HMda Hofar. Erna Karsten«. Loni Pyrmont, Karl GQIIIch. Eckoar Kantsch Hans Ra« in d. Hauptrollen. Täglich Uhr (Sonntags auch 5** Uhr) im Innentheatcr: JrfflwieeiotMgiaiir las best« Lustspiel der eisten Jahre mit Traute ftosa, Bertha GroSbarth. Robert M&tlsr. Paul und WÜH Rosa, Erich Wilde u. a. Lessing-Theater Weidtcdamm 2797 1.0846 Täglich 8Vi Uhr Heule abend wird aus dem SteDreifoespielt von Pirandello Regie: Gustav Härtung Berliner Prester SomciürgaiteaU) sater Kastanicnallec 7—9 Täglich AnfangiL'hr 8 Istristt-WelUtailt- stitraktisneo ferner die Burleske „Ganz tatsch*' sowie Gnstl Beer und Grell Lilien in „Der VogElbändler" DperNIt in 3 Ut. t. K«l Zillei Dil 3a Kllwlrkendcn GrnBes Kalteekodisn Hcnti Viilr-.ti: Inf ilitn nuamir. PUhtn 50 PI.. ■uttr lojjtn. Total, a. Koilb.Tor Kottbuser Str. 6 fit. Hera» mit Herta Loewe /. Uhr: Der DulieMent Carola, Elsaer, Böttcher, Honten. älkla, Dora Blümenspcnflßn jeder An litfrctpreinmcrt Paul Clolletz norm. Robert Meyer Marianncnstrahe 3 Ecke Siauntjnfltaste Amt Moristpl. 10304 BETRIEB i KEHPIHSKP Schwerhörige UOrcD toston wieder mit dem ärztlich empfohlenen 0BI6IUI- aHDSTITt.»PPäBäT mit nene«tem HlelnhOreri — Noch Besseres gibt es nicht!— Deulsdie Äkuslik Gesellsdiaft m. b. I Aei teste u. führende Speziallabrik Verkauf u. 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Juni 1930 SprMsmS X lnit\fjit(L* yfök\Joihotbf& Die elastische Oberstufe 4km Versuch«uö ein Plan Für sechs Stunden in der Woche wurden die Klassen- verbände aufgelöst und die Knaben und Mädchen neu zu Arbeitsgemeinschaften geordnet. Da gab es Kurse für Englisch, Kurzschrift, Wirtschoftskunde, Technik, Holzarbeit, Papp- arbeit und Bucheinbond, Zeichnen, Linolschnitt, Instrunrentalmusi-t u. a. Zwei letzte Gruppen dienten der Schulzeitung, eine stellte die Schriftleitung dar, eine andere besorgte das Setzen und Drucken. An mehr als zwei Arbeitsgemeinschaften nahm im allgemeinen kein Kind teil. Zwei Gründe waren bei der Regelung maßgebend gewesen. Einmal wollte man die Klassenverbände für einige Z�ochenstunden sprengen, um das Gemeinschaftsbewußtsein zu weiten über die Klasse hinaus zum Schulganzen: zum anderen ober glaubt� man, eine Arbeitsorganisation schaffen zu sollen, die wesentlich mehr als die bisherige Gelegenheit gab, die besonderen Anlagen der Kinder auszubilden und ihren Neigungen nachzukommen. Erst nach«inigen Iahren des praktischen Versuchs ging man an eine gründlichere Betrachtung der gedanklichen Zusammenhänge. Man untersuchte, ob denn wirNich so verschiedene Anlagen nicht nur vorhanden waren, sondern auch so deutlich in die Erscheinung traten, daß sich eine darauf ausgebaute Organisation verantworten ließ. Das Erfohrungsmoterial ließ folgenden Schluß zu: Mit dem Eintritt der Pubertät lassen sich in der Regel d'« Anlogen der Sinder so weit feststellen, daß die Möglichkeit einer Sonderarbeit gesichert ist. Die kindliche Neigung geht ob und zu andere Wege: doch ist in den meisten Fällen ein Einklang zwischen Befähigung und Neigung zu erzielen. Die Untersuchung aM verschiedenen Klassen führt« zu einem Ergebnis, das zahlenmäßig folgendes Bild ergab: A. eine deutliche Leranlogung noch der so- genannten wissenschofUichen Seite zeigten 17 Proz'der Kinder D. eine deutliche Anlage für Handarbeit zeigten............ lf>. C. Begabung für.Wissenschaft' und .Handarbeit'.......... 14, D. Begabung für Zeichnen oder Musik(bei der guten Hälfte dieser Kinder gepaart mit intellektueller oder praktischer Be- gabung)........... 25. E. Ohne deutliche Anlage......25. Die Kinder unter A waren beschäftigt mit Englisch, Wirtschafts- künde, Geschichte: die unter K mit Holzarbeit, Popparben: die unter C mit Technbk und in der Druckerei: die unter V mit Graphik, Linolschnitt und im Orchester. Die E-'Gnippe enthielt ganz allgemein schwache Arbeiter. Die Kinder zeigten einen starken Mangel an Energie., an geistiger Beweglichkeit, aber sie wareg' auch ungeschickt mit der 5)and, wenigstens, soweit als irgendein Anspruch an selb- ständig« Leistungen gestellt wurde.' Um ihren Arbeitswillen und ihr Selbstvertrauen zu stärken, beschäftigte man sie init einfachen, aber interessanten Aufgaben, wie z. B.„fremde Tiere" oder„Unglücks- fälle". Zu Leistungen in der Handbetätigung brachten sie es. als man ihnen Aufträge gab, die sich mit ganz mechanischem Tun be- wältigen ließen: Bändchen mit einem Deckel versehen, Kästchen aus zugeschnittenem Material bauen. Nach sechs Iahren konnte man den Versuch auf einer er- weiterten Grundlage aufbauen, denn einige Nachbarschulen beschlossen, daran teilzunehmen. Hatte vordem bei der Verhältnis- mäßig geringen Zahl von Kindern, die nur aus der einen Schule zur Verfügung standen, dieser oder jener Plan nicht durchgeführt werden können, so konnte.jetzt jeder auf Anlagerichtung aufgebaute Kursus zur Durchführung gelangen und trotzdem die Auswahl sorgfältiger vorgenommen werden. Zunächst bestand die Absicht, alle b e- teil igten fünf Schulen zu„köpfen", ihnen d'e beiden letzten Jahrgänge, die 7. und 8. Klasse, zu nehmen und dies« Oberklassen zu einem neuen Schulorganismus zu vereinigen. Doch leider scheiterte dieser großzügige Plan. Der Gedanke kam sicher zu plötzlich, die Schulen wallten ihren„Kopf" nicht hergeben. Auch war keine der Schulen bereit, sich um des Versuches willen auf- zulösen. So wurde denn die Neugruppieruug nur in den von der Schulverwa'tung bewilligten 2 mal 2 Stunden vorgenommen. Di« stundcnplonmäßigcn und anderen Schwierigkeiten waren nicht gering. An- und Abmarsch der Lehrer und Kinder zwischen den verschiedenen Schulen mußten in Kauf genommen werden. Aber es ging. Die Eltern wurden ausnahmslos für den Plan gewonnen. Die Kinder gewöhnten sich schnell an die neue Ordnung Geleitet wurde das Ganze von einem V e r w n l t u n g s a u s s ch u ß. in den jede Schule«inen Lehrer entsandte. Rückschauend»mß jedoch gesagt werden, daß die Arbeit fruchtbarer geworden wäre, wenn man die„K ö p f u n g" des E i n z e l s ch u l« n durchgeführt und einen gemeinsamen Oberbau errichtet hätte. So.st vielfach ein Nebeneinander der Arbeit bestehen geblieben, wo es«rn Miteinander hätte werden können. Doch führen die Versuche und die Erfahrungen daraus not- wendig zu dem Plan einer gründlichen Neuorgani- fation, wobei zunächst allerdings die höheren Schulen außer Betracht blechen. Di« vierjährige Grundschule soll fortbestehen. Die beiden folgenden Schuljahre werden ihr angegliedert im'Arbeits- inhalt sowohl wie in der Arbeitsform und in der Schulorganisation. Je vier benachbarte Schulen bilden eine Schulengruppe oder eine S ch u l e n g e m e i n s ch a s t. Alle Kinder dieser Schulen- gruppe werden mit dem 7. Schuljahr dem Oberbau zugeführt. der den zusammengeschlossenen Schulen gemeinsam gehört und in Verwaltungsgemeinschast mit ihnen bleibt. Die überführten Klassen- vcrbände bleiben bestellen. Fünfzehn Wochenstunden wird eine Art Gesamtunterricht erteilt, der Gesellschaftskunde Erdkunde und Naturkunde Zum Gegenstand hat. Die Elementartechniken des Deutschen und öes Rechnan- sind dabei einzubauen. Für die restlichen fünf- zehn WochenstundeHfindet eine Neugruppierung der Kinder nach der Anlaqerichtung statt. Dabei werden Kinderncigung und schon vor- handäne Berufswünsch« Beachtung finden müssen. Wahrscheinlich wird man sich.zunächst auf vier Grundrichtungen beschränken können. Gruppe A; Kinder mit ausgesprochener Anlage für Haridbetätigung. Wcrkorbeit der verschiedenen Richtung, Werk- -eichnen, Rechnen, Wirtschaftskund« werden Arbcitsoegenständ« fein Gruppe'?.: Kinder, deren Befähigung sich mehr den„Wissenschaften" zuneigt. Sie werden sich in ihren Kursen mit Englisch oder Espe- %ontt> ftrrver mit Mathematik und Geschichte beschäftigen. Gruppe C: Kinder, die klares Denken und eine geschickte Hand ihr eigen nennen. Bon ihnen wird Technik, Chemie, Werkzeichncn und Wirtschaftskunde betrieben. Gruppe O: Kinder mit Befäh'gunge» nach der künst- lerischen Seite. Musik, Zeichnen, Kunstgewerbe wird ihre Arbeit sein. Der Plan sollte aber nicht so starr sein, daß nicht gelegentliche Abweichungen möglich wären. Kinder, denen in den gesellschastsnot- wendigen Techniken des Deutschen oder des Rechnens besonders ge- Holsen werden muß. erhalten diese Hilfe in Förderkursen. Darüber hinaus sollte den Kindern jedoch auch noch Gelegenheit gegeben werden, sich für ein paar Stunden mit reinen Neigungsarbeiten oder Liebhaberkünsten zu beschäftigen. Diese Organisation ließ« sich ohne weiteres über ein 9. und 19. Schuljahr fortführen, wenn man die Verlängerung der Schulzeit als notwendig erachtet. Eine doppelte Betontheit liegt diesem Plan zugrunde. Aus der einen Seite ist es die Ide« der Gemeinschaftsarbeit, von der niemand ausgenommen werden dars, und die jeden nach seiner Krast zum Mitschossen zwingt: auf der anderen ist es die Verpflichtung, dem Einzelwesen nach seine:: besonderen Anlagen zur Entwicklung zu verHelsen, damit«r vollwertiges Mitglied der Gesellschaft werde. Der Gedanke der„Allerwellsbildung" wird damit begraben. Jeder wird zur Leistung dort gebracht, wo seine Anlagen ihn zur Leistung befähigen. Der Mensch als lebendes Lexikon ist kein Ideal, auch nicht das Kind als lebendes Reolienbuch. Von den Ansatz- punkten unseres elastischen Oberbaus geht der Weg gerirdeous weiter über Beruf und Berufsschule in die Gesellschaft der Er- wachsenen. Und dieser Weg soll dazu beitragen, daß jeder besser als bisher an den Platz kommt, den einzunehmen er nach seiner Leistung im Wirtschaftsprozeß und im Gesellschaftsleben berechtigt ist. Aevermann. Schulreform von Vraunfchweig aus? In steigendem Maße wird Wilhelm Paulsens Buch „Neues Schul- und Bildungsprogromm"(auf das bereits an dieser Stelle aufmerksam gemacht wurde) beachtet und lebhaft besprochen. Das ist kein Wunder. Die Gegenwartsnöt« der Volksschule sind kaum noch zu ertragen. Paulsens Buch ist da eben zur richtigen Zeit erschienen und bringt Licht in die Problematik. Niemand kann den beklagenswerten Uebelstand übersehen, daß die Volksschule trotz des Umsturzes, trotz radikaler Schulreformer st a r r und unbeweglich geblieben ist. Noch wie vor stellt sie ein« Bildungssackgosse ohnegleichen dar. Was fordert nun der ehemalig« Berliner Stadtschulrat von der Schule? Zunächst soll sie den ferneren Bildungsverlauf des in dl« Schule eintretenden Schülers, der an sich seinem Alter entsprechend bereits gebildet i st, durch geeignete Maßnahmen unterstützen. In erziehlicher Hinsitcht soll von Anfang an Wert darauf gelegt werden, daß sich der individuelle und individualistische Mensch als lebendiges Glied in die Gemein- I ch a f t einordnet, wobei stets die Interessen des einzelnen mit den Gesamtinteressen in Einklang zu bringen sind. Die Volksschule soll nicht nur die Welt der Jugend sein, sondern auch Lebens- und Arbeitsbezirk. Beim Hinüberwechseln in den Beruf muß jeoer Entwicklungsbruch ver- mieden werden Als dringlichen Schritt fordert Paulsen zweierlei: 1. den organisatorischen Neuousbau des Lolksschülwescns: 2. die Aenderung der in der Volksschule geltenden Lehrverfassung. Wie soll die neue Volksschule aussehen? Sie wird eine zehn- stufige Volkseinheitsschule sei» mit einer sechsjährigen Grundschule. Die oberen vier Jahrgänge bilden die Volks- Mittelschule. Der Uebergang ersolgt normalerweise ohne Prüfung. Das wird deshalb möglich sein, weil in der sechsjährigen Grundschule jede Stoftüberhäusung grundsätzlich oermieden wird. Die Grundschule dienr in der Hauptsache der Auslockerung des Geistes und der Kraftübung. Der Besuch der Volksmittcl- schule berechtigt zum Eintritt in die oberen Fachschulen. Gegebenen- falls auch zum Eintritt in die Obersekunda der entsprechenden höheren Lehranstalt. Für viele ist Paulsen insofern eine Ueberraschung, als er im Gegensätze zur Zeitströmung die Berechtigungen nicht abgeschafft wissen will. Er hält sie für notwendig als Ausleseprinzip für die Wirtschaft und andererseits für unerläßlich als B i l d u n g s- Maßstab für die Studierenden. Der zehnstusigen Volkseinheitsschule schließt sich im System Paulsens die V o l k s o b« r s ch u l e an. Diese umsaht drei weitere Schuljahre. Paulsen erblickt in ihr die Krone und das Schlußstück der deutschen Einheitsschule. Wie st cht es nun aber mit dieser Reform auf dem platten Lande? Paulsen verkennt die Schwierigkeiten nicht und verlangt zentral gelegen« Volksmittelichulen. Hier wird die Reform zu einer finanziellen und verkehrstechnischen Frage. In der Volksmittelschule herrscht der F a ch u n t e r r> ch t gegen- über dem allgemeinen Unterrichte vor. Sie gliedert sich in gewerb- liche, technische, Haus- und landwirtschaftliche, sozialfürsorgerische, kaufmännische, künstlerische und wissenschaftliche Abteilungen. Die spezielle Berufsausbildung scheidet aber aus der Volksmittelichule aus. Dagegen ist sie zuständig für die allgemeine Berussausbildung. „Der Schüler erhält in einem berussjchulmäßigen, zeitlich begrenzten Unterricht, in Fach- und Wahlkursen, in freien Arbeitsgemeinschaften Gelegenheit, seinen Begabung?-, Fach- und Sachinler- essen zu folgen." Der ollgemeine Unterricht umfaßt svlgenhe Fächer: Deutsch, Geschichte, Soziologie, Erdkunde, Wirtschafts- und Handelsgevgrophie, Gesundheitslehre, ollgemeine Noturwissensthoften, Rechnen und Gymnastik. �' An zwei Togen in der Woche werden die Schüler der Volks- Mittelschule in ihre Wahl-, Beruss- und Sonderarbeit entlassen. Die Schule hat an diesen beiden Tagen das typische Gepräge der Berufs- und Begabungsschule. Run hat der Reformplon Paulsens allerdings die Schwierigkeit vor sich, daß an eine Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen be- züglich Grundschule und Dolksschul�flicht nicht zu denken ist. Der Plan setzt Freiwilligkeit des Besuches der Votksmittelschul« wenigstens für zwei Jahre voraus. Die mit 14 Jahren abgehenden Schüler sollen die weiter bestehenden Berufsschulen besuchen und ihre Allgemeinbildung in Berussschul mittel klossen erhalten, die wohl abendS'zu besuchen wären:-"-■ �- Man muß es Paulsen hoch anrechnen, daß er die Schaum- schlägerei nicht mitmacht, über die schon Kerschensteiner 1911 geklagt hat, und ehrlich die Wunden zeigt, an der die heutige Volks- schule krankt. Dr. Otto Sceling. Muß Gehorsam sei«? Unterhaltung m,t Frau Meier Frau Meier ist jetzt öfters in unserer Redaktion als Gast, um sich Rot wegen ihres Schützlings Häuschen Miesemann zu holen. Eine der. letzten Unterhaltungen wird auch die Oessentlichkeit interessieren. „Ehe ich den Jungen lzatte", fing Frau Meier an,„war ich ganz Ihrer Meinung. Iherr Redakteur: Nur kein Kasernenhofton, olles in Lieb« und Güte und mit freundliche», Zureden. Aber das konnte ich ja gar nicht voll halten, konnte ich auch gar nicht verantworten. Dem, mit solcher Nachsicht kann man ja ein Kind i n d e n T o d treiben!" „Da sehen Sie sicher zu schwarz. Frau Meier; wie wäre so etwas möglich?" „Mir scheint, Sie habeil keine Kinder, sonst könnten«ie so einfältige Fragen nicht stellen. Haben Sie'ne Ahnung, was das bei 1 Uhr herum für ein Verkehr bei uns ist? Uin die Zeit bleibfte von der Straße weg, sage ich zu dem Hänsleu. Wenn du da mal u n t e r die Räder lmninst, dann kann ich dich als Niüllpaket wieder zu Mullern schicken!'Aber den Bengel hört ja nicht. Er geht natürlich mit dem Emil von der Nachbarschaft. dcm�Ehauffeiirsjungen. mit dem er sich angefreundet hat, doch aus die Straße. Und nach einer halben Stunde, was glauben Sie, bringen sie den Eniil mit' in gebrochene» Bein nach Haufe. Ist von eineul Motorrad- fahrer angebufit worden, als er noch grad' vorher über die Straße wollte. Der Hans ist mit dem Schrecken davongekomnic»." „Aber beste Frau Meier, Sie können die Verkehrsunfälle doch nicht mit Ihrer Predigt vom Gehorsam ous der Welt schassen..." „Nette Ansicht das! Soviel ist sicher: hätte der Junge gehorcht, dann-wäre überhaupt nichts passiert. Meinem Manne konnte ich die sotale Geschichte natürlich nicht erzählen: Sie wissen ja, wie der über solche Sachen denkt. Gehorsam i st das A und O. Befehl ist Besehl. Wer ihn nicht befolgt, fliegt ins Loch. Das waren die Grundsätze bei den Preußen. Als Soldaten haben wir mit der Zahnbürste den Fußboden geschrubbt, wenn es befahlen wurde, und nicht einer hat sich geweigerl!" „Sie haben das richtige Gefühl, Frau Meier, daß es mit diesem Kadavergehorsam nicht ganz richtig jein kann Der Unlertan von früher, gewiß, der sollte, der durfte nicht nachdenken. Dafür waren ja Vorgesetzte über Vorgesetzte, Vorschriften über Vorschriften da, um ihn auf Schritt und Tritt zu gängeln und auf dem rechten Wege zu holten. Sie haben doch ganz gewiß nicht den Ehrgeiz, einen solchen Hampelmann aus Ihrem Pflegekind zu»lachen?" „Nee, ich danke für die preußische Zucht. Aber ebensowenig will ich den Bengel zu Apfelmus fahren lassen! lind wenn ich dos durch strenge Vorschriften verhüten kann, so Hab' ich als Pflegemutter sozusagen die verdammte Pflicht und Schuldigkeit dazu." „Aber Sie sehen ja selbst, daß Sie es nicht verhüten können. Gewiß hatte der Junge Ihr Verbat in den Wind geschlagen: Sic hätten ihm gut und gern ein paar Stunden Hausarrest dafür auf- brummen können. Uns interessiert nun wirklich zu erfahret, ob Ihr Häuschen sich nicht schon öfter gegen den blinden Gehorsam auf- gelehnt hat." .Leider, leider, Herr Redakteur! Er hat seinen eigenen Kopp. Er meint es ja nicht böse, aber er liot immer ein ganzes Schock Einwendungen: Tante Meier,' das müssen wir so machen, das ist viel praktischer: das ist ganz anders, Tante Meier, ich Hab es dach selbst gesehen. Aber mit Gehorsam Hot das alles nichts zu tun." „Da sehen Sie's, Frau Meier: die Jugend von heute will»ich« gegängelt sein, zumal nicht von Erwachsenen, die ihr vielleicht etwa-/ überängstlich oder weltfremd vorkommen. Im Grunde ist das gut. Die Kinder fangen schon beizeiten an, nachzudenken, sich ihre Gedanken u», die Dinge zu machen, eigene Entschließungen zu fassen. „Und da meinen Sie, man braucht sie bloß gewahren zu lasse», weil dieses Grünzeug von selber das Richtige trifft? Reite An- sichten, wahrhaftig!" „Sachte, Frau Meier. Sie sollen sich bloß a b g e w ö hm« n, Befehle zu erteilen, ohne auf die Einsicht des Kindes Rück- ficht zu nehmen. Befehle wirken aufreizend, fordern zum lieber- treten heraus. Es sind unnütze Kraftproben, bei denen oftmals das 51ind mit feinem Eigensinn, meistens aber der Erwachsene mit feiner größeren Muskelkraft, seinem strafenden Arm triumphiert." „Befehlen soll ich nicht, das Kind mit dem Dickkopf durch die Wand lassen soll ich auch nicht— ivas soll man denn anfangen?" „Kleinere Kinder kann man durch B e i f p i e liund Gewöhnung gefügig machen. Größere, wie Ihr Hans, lassen sich schon mit Hilfe ihrer b e s s e r« n E i n f i ch l in ihrem Wollen beeinflussen. Der Junge will zur Mittagszeit aul die Straße, vermutlich, weil ihn der Verkehrstrubel der Großstadt fesselt. Verständlich bei einem Kleinstädter. Und bitter notwendig, daß er sich au den Berkehr gewöhnt. Nur lassen Sie ihn nicht planlos saufen. Geben Sie ihm ein« Aufgabe, irgendeine Direktive mit. Veranlassen Sie ihn. auf solche Leute zu achten, die sich komisch, linkisch oder hilflos inl Verkehr bewegen: lassen Sie ihn beobachten, ob der Verkehrsschutzmann seine Sache richtig macht.'Auf alle Fälle besehlen Sie nicht, sondern ermuntern Sie seinen guten Willen, dieses zu tun, jenes zu unterlassen. Setzen Sie ihm einen Zeitpunkt, bis wann er feine Aufgabe gelöst haben soll— Uhren gibt's ja genügend in der Stadt. Nun aber, nachdem Sie sich überzeugt haben, daß dos 5lind nrit Ihnen eines Willens ist, halten Sie mit aller Energie und Strenge darauf, daß es sich an die Abmachungen hält. Dulden Sie nicht, daß es einmal gefaßte Vorsätze in den Wind schlägt." „Nun hören Sie aber auf! Soll ich wirklich um jeden Befehl ein solches Getue machen?" „Nennen Sie es, wie Sie wollen. Sic sollen sich nur in dem Maße um Ihr Kind bemühen, wie sie es wertschätzen, wie Sie seine werlonllcn Kräfte entwickeln wollen. Erziehen ist kein Kinderspiel: man muh es sich schon etwas Nachdenken kosten lassen. Und noch «ins, Frau Meier, was Ihnen das Getue, wie Sie es nennen, auf eine verblüffende Art abkürzt: Lassen Sie das Kind auf jeden Fall die Folgen seiner Uebertretung spüren. Seien Sie in diesem Punkt konsequent.— Aber die Strafen bei Kindern, dos ist ein Kapitel für sich." „Nicht wahr, Herr Redakteur! Ich muß erst mal dos Kapitel vom Gehorsam verdauen. Auf Wiedersehen." (3. Fortsetzung� An Zeugnissen konnte sie so gut wie gor nichts vorlegen, sie zeigte die Bestätigungen der Schulen, aus denen ihre Kenntnisse ersichtlich waren. Aber Homrnerschlog hott« die Sache schon bei sich beschlossen. Das ist ein tüchtiges Mädel, dachte er bei sich. Es war gar keine geschäftsmäßige Absicht dadei, daß er nach Beendigung ihres Berichts eine Unterhaltung mit ihr begann, die sehr lange dauerte. Ja, diese Unterhaltung dauerte so lange, daß es Lolli nebenan zu bunt wurde. Sie riß an ihren Fingern, so daß sie knockten, und endlich wurde sie so ungeduldig, ja, sie wurde so wütend, daß sie mit einem fertigen Brief hineinging, um ihn von Hammerschlog unterzeichnen zu lassen. Sie sah dag Fräulein von Langen in dem Armsessel sitzen, in dem früher der Mitredakteur gesessen hatte, gerade chammerschlag gegenüber. Alle übrigen Bewerberinnen vorher hatten an der Ecke des Schreibtisches auf einem simplen Stuhl gesessen. Hanrmerschlags Seefahrergesicht war lebhaft rot. Lolli hatte ihre fanatischen blauen Auge», in denen all ihr« Erregung, ja, Angriffslust zu lesen war. Aber Hammerschlag, der eilten Blick auf den Bri�f getan hatte, sah sein« Stenotypistin gar nicht an... „Na, dieser Brief hat's aber doch weih Goit nicht so eilig", sagte er nur, und weil«r mit seinem Gegenüber wieder zu sprechen begann und den Brief mit der Hand zur Seite schob, ging Lolli hinaus. Für sie war dies« Sache besiegelt. Denise war aber wieder für eine Weile empfindlich und schweig- sam und hatte ihr wissendes verschweigendes Gesicht. Sie hatte beim Eintritt der Stenotypistin«inen elektrischen Strom gespürt, der von dem jungen Mädchen zu Hammerschlag ging und der sie, Denise, sozusagen mit elektrischen Schlägen bedrohte. Fünf Minuten später machte Hoinmerschlag die Sache fest. Zum, Ersten des kommenden Monats sollte Denise ihre Stellung als Sekretärin antreten. Als sie ging, hatte sie die gleiche Zurückhaltung im Wesen, mit der sie gekommen war. Hammerschlog hätte am liebsten gesagt: Kind, Kindchen— so feurige Augen! Warum da so vornehm? 2. Schwar�und Blond. Lolli wohnt« in Schöneberg. Ihr Vater, ein Mann im Anfang der Sechzig, betrieb eine kleine Rechtsauskunstei. Er hatte sich für diesen Berus nicht anders als durch den Kaus eines antiquarischen Bürgerlichen Gesetzbuches und einiger Broschüren über das Mieter- recht vorbereitet. Im übrigen verließ er sich aus seinen Mutterwitz, auf seine in allen Ecken herumhorchcnden Ohren und auf eine aus- gedehnte Lebenserfahrung. Er hätte wahrscheinlich einen gar nicht so kleinen Kreis von Klienten gehabt, wenn er nicht so oft„nicht zu sprechen" gewesen wäre. In solchen Fällen saß er entweder in einem Lokal, dessen Wirt ihm für oft erwiesen« Rechtsberotung Kredit gab; oder er log zu Hause auf dem Sofa, um die Folgen des Lokalbefuches auszuschlafen. Sein«'Frau war in einem der gefährlichen Grippejahre ge- starben.„Daß ich mir lieber ein Paar Töchter als Söhne an- geschafft habe"— pflegte er zu seinen Bekannten am Biertisch zu sagen—„daran erkennt ihr wieder einmal meine prophetisch« Weisheit. Damals habe ich mir's lange überlegt, ob Töchter oder Söhne daraus werden sollten. Endlich habe ich mich für Mädchen entschieden. Und ihr seht, wie die Zukunft mir Recht gegeben hat. Di« beiden Dinger ersetzen die Mutter im Haus. Sie sind sicherer als Montanaktien, sicherer, sage ich euch, als eine Rente. Wenn eine von beiden heiratet, schmeiße ich die andere raus. Die Ver- heiratete und den Schwiegersohn nehme ich zu mir in die Wohnung Und lasse sie für mich Essen kochen. Für mich ist gesorgt." Morgens, wenn Lolli aufgestanden war und sich angezogen halte, bürstete sie außcp ihren eigenen Sachen und Kleidern auch das Fußzeug und den Anzug des Vaters, der dann gewöhnlich noch im Tiefschlaf schnarchte. Wegen dieser Dienstleistungen für ihn lag sie sich mit der Schwester fortwährend in den Haaren. Ucbcrhaupt bestand der Hauptteil der schwesterlichen Unterhaltung darin, sich darüber zu streiten: wer von beiden es schwerer hätte— Lolli bei ihrer Arbeit im Büro, oder Paula bei der Hauearbeit. Der Zweck dieses Streites Hvischcn den Geschwistern war die Absicht, diese oder jene Pflicht abzuwälzen beziehungswelse von sich fern zu halten. Vielleicht war der eigentliche Grund zu der Arbeitsunlust im väterlichen Hause bei beiden Mädchen derselbe: Sie fanden nirgends, nicht einmal in freundlichen Worten des Vaters, ihren Lohn. Von ihrem Monatssalär, dos sie aus Hammerschlags Händen «mpjing, behielt Lolli nur einen kleinen Rest für sich selber. Sie wußte, daß sie ein Paar schöne blaue Augen hatte, die jedem sofort auffielen, vor allem darum, weil sie mit dunklen Wimpern um- randet waren.- Auch um ihren untadeligen Wuchs wußte sie Be- scheid. Auf diese ihre Vorzüge setzte sie Hoffnungen; was sie zur Hebung ihrer Erscheinung durch Kleidung hinzutun konnte, unter- ließ sie nicht— sie sparte fortwährend für den Kauf von Garderobe. Sie hatte den Willen zum Erfolg. Gar nicht wenige junge Leute hatten ihr bereits Kompliment« und andere sich sehr hübsch anhörende Sachen erzählt. Lolli, mit ihrem sicheren Instinkt, konnte in der ersten Zchntelsekunde der Vekanntschost unterscheiden: was für sie in Frage kam. was nicht. In Frage kam, wer ernsthafte Absichten hatte und außerdem eine Basis zur Realisierung. Tändelei, Zeitvertreib— das war für sie nichts. Sie hatte Augen, die vor Leidenschaft in blauem Feuer brennen konnten— aber außerdem war sie klug� sehr früh klug. Wenn sie zu einer Sache ja sagte, hatte sie sich vorher mindestens oierundzwanzig Stunden long deswegen mct sich selber besprochen. Einmal hotte sie einen jungen Mann, der Zahntechniker werden wollte Und ihr zu den„Ernsthasten" zu gehören schien, auf den Sonntagnochmittag in die väterliche Wohnung eingeladen. Herr Weinmeister, der Rechtsberoteo hatte sich rasiert und gut an- gezogen— Lolli übte einen tyrannischen Zwang auf ihn aus, so daß er am Ende einen ganz soliden Eindruck machte. Ja, Herr Weinmcister versah es in keinem Punkt. Er zog den angehenden Zahntechniker sofort in ein interessantes Gespräch über gute und schlechte Zähne, über den Magensaft und noch mehr; er behandelt« ihn, wie ein vernünstiger Vater seinen noch nicht festgemachten Schwiegersohn behandelt. Aber am End« war der Bewerber selbst die Enttäuschung. Es schien ihm doch mehr aus vorüber- gehende zärtliche Stunden als aus die weniger schnell vorüber- kriechenden Jahre der Ehe anzukommen. Als er, mit Lolli allein in der Stube, am Fenster stand, wurde es offenbar. Sie sahen jp den Hof hinunter, der in dem gewaltigen Block zwischen Garten- Häusern und Vorderhaus lag. Das düster« Ansehen der Hauswände, der öde Anblick der Müllkastenrcihe wurde durch rotleuchtende Blumen, die vor vielen Fenstern blühten, wie durch ein Lächeln verschönt... Der angehende Zahntechniker legte seinen Arm um Lollis Hüfte und begann eben mit den sich sehr hübsch anhörenden Sachen, die Lolli schon als Symptom für mangelnde Ernsthaftigkeit kannte. Es war merkwürdig, wie doch alle fast wörtlich dasselbe sagten.— Lolli hatte ihm auch gleich ihre Meinung zu hören ge- ge.b«n: Sie hatte ihm erklärt, daß sie für eine Bekanntschaft, die nichts anderes als ein Iu? sei, nicht zu haben wäre. Natürlich hatte der Besucher beigestimmt, darin gäbe er ihr vollkommen recht. Aber Herr Weinmeister, als er später wieder hereinkam, fand, daß der Gast nicht mehr einen so wohlgelaunten Eindruck machte wie vorher. Und da Herr Weinmeister praktisch war, beschloß er, vorsichtshalber, die draußen schon bereitstehende Weinflasche gar nicht erst ans den Tisch zu bringen, sondern sie später allein auszu- trinken. Man soll seine Kapitalien nicht in zweifelhaste Anleihen stecken. Mit seinem Eindruck behielt er recht. Der Zahntechniker schrieb noch einmal einen Brief. Das war dos Letzte. Er lieh sich niemals mehr sehen. *** Vielleicht hatte Denise vom ersten Tage an, da sie auf ihrem neuen Posten war, die Absicht, sich mit Fräulein Weinmeister sreundUch zu stellen— Fräulein Weinmeister war durch sie ja der Sckrctärinstellung beraubt worden. Denise wußte das wohl. Denise ahnte überhaupt die Zusammenhänge sehr gut.— Aber wie es nun kam, Lolli faßte das Benehmen des Fräuleins, mit dem sie nun.zusammenarbeilen mußte, als hochfahrend, als herablassend auf. Fräulein Weinmeister irrt« sich, wenn sie die aristokratisch« Grundhaltung der neuen Sekretärin für einen Ausfluß ihres Standesbewußtseins hielt. Es war.vielmehr dos ureigene Wesen, das jeder Mensch, und werrn er auch sonst nicht dos mindeste sein eigen nennt, unverlierbar und unoblegbar für sich besitzt, und'für das er ebensowenig kann wie etwa für die natürliche Farbe seines Haares— es war Fräulein von Langens ureigenes Wesen, das Lolli bis zu zornigen, neidischen Tränen verdroß. Während sie mit den Fingern auf die Tastatur der Schreib« Maschine schlug, sagte Lolli für sich mit dem Rhythmus der klappernden Maschin«: Bilde dir doch bloß nichts ein... Wenn du auch� schwarze Haare host... So weit bist du doch noch nicht...«chwarzes Pferd du... Aber Lolli hätte blind sein oder zumindest den Kopf in den Sand stecken müssen, um nicht zu bemerken, daß in Hammerschlag ein ganz gefährlicher Geist rumorte. Daß sie, Lolli. bei ihm über- Haupt nicht mehr auf der Rechnung war. verstand sich ja von selber. Aber hätter er nicht um des Anscheins willen oder... Lolli wußte selber nicht, um wcssentwillen— die Flamme der neuen Lebenslust. die in ihm durch das Dasein seiner neuen Sekretärin entfacht worden war. ein wenig verheimlichen sollen? Wie rücksichtslos dies« Männer sind, dachte sie bei sich. Dabei wünschte sie dem Fräulein von Langen nichts mehr, als daß sie einmal einen gleichgültigen Blick oder eine zufällige Be- rührung zwischen Hammerschlag und ihr(Lolli) so recht mißdeuten sollte, damit sie vor Eifersucht springen— damit auch sie einmal kosten sollte, wie das schmeckt. Lolli ihrerseits tat alles mögliche. um dem Fräulein von Langen zu solch einer Kostprobe zu ver- helfen— aber Max war ja nicht mit im Bunde, er sah die langen Blicke, die Lolli ihm eingeschrieben zugehen ließ, einfach nicht. (Fortsetzung folgt.) eBuch herberg Eulenberg. D i e letzten Wittelsbacher(Phoi- don-Vcrlag Wien). Der bekannte Dichter Herbert Eulenberg ist ein überzeugter Anhänger der deutschen Republik. Sein geistvolles und inhaltsreiches Buch beweist wieder, daß auch«in Republikaner durchaus sachlich und wohlwollend über Monarchen schreiben kann. Mit seinem Verständnis bat Eulenberg die einzelnen Figuren der Hcrrschcrfomilie gesästlüert, die bis zum November 1918 in Bayern regierte. Gegenüber der einseitigen Verherrlichung des Preußen- und Hohenzollcrntmns, wie sie noch vielfach üblich ist, kann eine solche SUderung der kulturellen Leistungen der süddeutschen Staaten recht nützlich sein. Besonders liebevoll hat Eulenberg den Künstler- könig- LudwlgWl. geschildert. Eulenberg vertritt die Auffassung, oaß Ludwig Ii zwar sehr absonderlich, aber durchaus nicht geistcs- krank gewesen ist. Er erhebt gegen die Seitenlinie des Hauses Wittelsbach, deren Haupt der spätere Prinzregent Luitpold war, die Anschuldigung, daß sie den geistvollen, aber unbequemen König Ludwig II. für irrsinnig erklärt habe, um ihn unschädilich zu machen. Es ist so'iadc/ daß Eulenberg seine Erzählung, obwohl sie viel innere Wahrscheinlichkeit hat, nicht mit Dokumenten belegt. Es müßte noch einmal aas Ende Ludwigs Jl. von unparteiischer Seile � kritisch durchsorscht werden. Bestätigt sich dann die Auffassung Eulenbergs, so wäre dies eine vernichtende Anklage gegen den Zweig der Wittelsbacher, der zuletzt den bayerischen Thron inne hatte. Hrkur Kosevberg. INansred Schneider, Mittelmeer-Orient-Fahrt. Walter Hädcckc Verlag. Stuttgart. Manfred Schneider. Verfasser von Reisebüchern Über Dalmatien, Spanien und Italien, gibt auch in diesem neuen Werk, dos uns durch Griechenland, Syrien. Palästina, Aegypten und oie Türkei führt, eine Fülle von Rot. schlagen und Anregungen. Seine Darstellungsort ist kurz und-er- schöpfend. Ilnser Blick wird sofort auf Wesentliches gerichtet. Fünf Dutzend ganz ausgezeichneter Photos beleben das Buch, dos jedem Mittelmcerreisenden ein angenehmer und nützlicher Reisebegleiter sein wird. II. W. FÜR DEN KLEINGÄRTNER, ■uuiuiiimunniiiiiiiiiHiiiiiuiiiiiiiiiiiimiiniiiiiiiiiiiiiuiiinniiiiuiiiiiiiiiiiiHiiiniiiiiiiiiiiiiinuiiuiuiiiiiiiiiiiiiiuiiuiiiainiiiiuuuiiiuiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiimMiiiiuiuMiuiiuiiiHuniiuiiiin)miiii)iiinmw Nährstoffansprüche der Pflanzen. Seitdem die Glaskulturen sich in Deutschland so stark vermehrt haben, aber auch das freie Land zu zwei- bis dreimaliger Ernte gebracht wird, ist naturgemäß die Frage, welche Mengen von Nähr- stoffen müssen im Land« vorhanden sein resp. hineingebracht werden, recht dringlich geworden. Ein Vergleich von Gemüse- und land- wirtschafrtichen Kulturen zeigt, in welch höherem Maße da? Gemüse Nährstoff« dem Boden entnimmt. Versuche von Pros. Dr. R e m y- Bonn für Gemüse und von der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft kür Getreide usw. geben folgendes Bild: pro Hektar berechnet, ist die Nährstoffentnahme in Kilogramm bei Roggen: an Kali 69, an Phosphorsäure 30, an Stickstoff 55, an Kalk 16; bei Weizen sind die betreffenden Zahlen 50, 30, 70, 12; bei Zuckerrüben 175, 60, 150, 120; bei Kartoffeln 160, 40,!)0, 50. Dagegen bei Kohlrabi 118, 29, 277, 102; bei Sommerwirsing 286, 71. 268, 307; bei Weih kohl 314. 88. 230. 420; bei Rotkohl 344. 82, 298, 307. Nur Spinar, Buschbohnen, Kopssalat weisen kleinere Zahlen auf: bei S p i n o t 40, 18, 53, 24; bei Busch- bohnen 48. 15, 60. 69; bei Kopfsalat 97. 14, 49. 25 Als besonders wichtig muß der starte Verbrauch an Kalt erscheinen— er dürfte manchen Anbauer darüber ausklären, welches die Ursache ist, daß Höchsterträg« nicht erzielt werden. Auch aus dem jüngst in Mainz abgehaltenen Deutschen Gcmüsebautag ist die Frage der Nährstoff- entnahm« und des Nährstoffersatz«« behandelt worden, so von Dr. L i e s« g a n g, Berlin, und von Direktor Kratz, Fifchenich. Ein Beispiel des letzteren ist charakteristisch für den modernen Treib- betrieb: Eine Gurkenernt« von 45 Zentner pro 100 Quadratmeter Grundfläche ist möglich— sie entzieht dem Boden 4 Kilogramm Stickstoff, 3 Kilogramm Phosphorsäur« und 6 Kilogramm Kali. Sluf den Hektar umgerechnet, ergeben sich Zahlen, die die oben mit- geteilten weit hinter sich lassen. L. V. Schädlinge der Obstbäume. In dem Settegastschen Handbuch des Gartenbaus weist«in« Farbentafel nicht weniger als 25 Schädlinge des Obstbaues aus dem Tierreiche auf. Da gibt es keine Obstart, die nicht von einem be- sonderen Feinde heimgesucht würde— wir finden Apfelwickler, Birn- blattwespe, Pflaumenwickler, Kirschblattwespe, Stochelbeerspanner, Iohannisbeerspanner usw. Sie alle restlos zu vertilgen ist nicht möglich, wohl aber wird zweckmäßig« Pfleg« der Obstbäume die Schädigung verkleinern. Hierzu gehört vor allem das Umgraben der Baumscheiben vor Wcntcrqnbruch sowie dos Kalken des Rodens. Da die Vögel die besten Gartenpolizisten sind, sollte ihnen jede Er- leichterung des Aufenthalts zuteil werden.> Ein sehr gefährlicher Geselle ist der Frostspanner. Die wegen ihrer Flügelstummel am Fliegen verhinderten Weibchen werden durch die Raupenleimfanggürtel unschädlich geipacht. Jedes befruchtet« Weibchen enthält an 300 Eier. Der Apfel Wickler ist der Schmetter�ng der Obstmade. Das Weibchen legt bis Mitte des Sommers seine Eier an die reifenden Früchte— bald zeigt sich eine einen Millimeter lange Made, welche in die Frucht hineingeht und diese zum Abfallen bringt. Auf der Erde verpuppt sich dann die Made in der Rind«. Sollte die Frucht nicht herabfallen, sa läßt sich dt« Made an einem Faden herunter. Man muß die angestochenen Früchte entfernen und die herabgefallenen aufsammeln, damit die Made nicht Zeit gewinnt, das Fallobst zu verlassen. Um das Obst von den Maden zu befreien, legt man es einen Tag long in Wasser— man kann bekanntlich dos Fallobst zu Gelee oerarbeiten. Durch ihre Nester— Gespinste oder schwammartige Gebilde— verraten sich die Raupen der Apfelbaumgespin st motte, des Gold- öfters, des Schwammspinners usw. Hier ist die vor. beugende Winterarbeit durch Zerstören der Nester von größter Wichtigkeit. Als Sprigmittel wird eine Tabakharzseifenbrühe genannt: 3 Kilogramm Schmierseife werden in 10 Lit'r heißen lDafsers aufgelöst, 1 Kilogramm Kolophonium in 3 Liter denal. Spiritus und 3 Liter Salmiakgeist gelöst, dazu kommen 3 Kilogramm Tabak- extrakt, und das ganze Gemisch wird mit 100 Liier Wasser verdünnt. Die Goldafteripupcn sind wegen ihrer Brennhaare gefährlich— vor allem darf man sie nicht dem Federvieh vorwerfen. Die Bekämpfung der Raupen des Iohannisbeersponners und des Stachelbeerspanners geschieh: am besten durch Bestäubung der befallenen Teil« in noch taufrischem Zustande mit Thomasmehl oder Kalkstaub. Das Abraupen wird in den meisten Fällen zu mühsam sein— die wirksame Bekämpfung muß daher geschehen, chenn Bäume und Sträucher unbelaubt dastehen. Auch das Per» brennen des abfallenden Laubes gehört zu den Borbeugungsmitteln. P. D. Deutsche Maiblumen in Holland. Die deutschen Maiblumenkeime gehören zu den wenigen Export- artikeln unseres Gartenbaus, die den Stoß durch den Weltkrieg über- standen haben. Einen Einblick in diese Berhältnisse geben die Be- richte über die holländischen Blumen- usw. Versteigerungen: es zeigt sich, daß bei einer der größten Organisationen, der CeMtraalen Aals- meerschen Beiling, 1929 der Jahresumsatz in Maiblumen sich auf 44 322,25 MI bell es. was allerdings nur den sechzigsten Teil des Umsatzes im Hauptzweig Schnittblumenoersteigerung ausmacht. Rosen und Flieder spielen hier eine Hauptrolle— Dutzend« von Millionen dieser Blumen werden abgesetzt: in einer anderen Aalsmcerschen Beiling z. B. wurden 1929 etwa 40 Millionen Rosen versteigert. Di« Maiblumenkultur ist auch für den Kleingärtner nicht unpassend— bei entsprechender Organisation könnte das deutsche Angebot noch ckn Bedeutung gewinnen, genau wie jetzt schon W deutschen Nelken- zückter mit ihrer Ware auf den holländischen Bett'ngen gut abscheiden.* Die Kultur der Maiblumenk.'ime findet am besten auf einem Sandboden statt— sie bedarf drei Jahr«, um den Pslanzkeim zum „Blüher" heranzuziehen. Die einjährigen Pflanzkeime pflanzt man -in Herbst in Reihen von 25 Zentimeter Abstand— d:« Keime sollen 4 bis 5 Zentimeter voneinander zu liegen kommen und mit 2 Zerit:- weter Erde bedeckt fein. Später wird die Pflanzung mit ver» rottetem Dünger überdeckt. Die Pflege besteht in Hacken und B«, wässern bei größerer Trockenheit. P. Q. FF»•• eine Welt fiebert" Der Rummel um zwei Artisten v Nicht nur die New-Vorker Kapitalistenpresse, auch die Berliner Scnsationsblätter gi-bärden jich wie wild um den Meisterschafts- kämpf der beiden Männer der starken Faust, SchmelinZ und Tharkcy.„Eine Welt fiebert dieser Weltmeister- schaft entgegen" so schreibt ein Berliner Mittagsblatt und e- must so schreiben, weil es sich eines Boxkampfes wegen den Luxus erlaubt, einen Redakteur an die Stätte des Kampfes nach New Jork zu schicken. Dem Blatt scheint allerdings bei seinem etwas teuren Enthustasmus für die Rauferei in Amerika eines ganz«m> gongen zu sein. Dah näinlich In der Welt große Menschenmenge» einec anderen Sache wegen siebern: wegen des Problems der W i r t s ch a s t s k r i s« und der Arbeitslosigkeit. Aller- Vings hat eine gewisse Boulevardpress« es fertig bekommen, das In- lereste der Leser von solchen wirklich weltbewegende» Dingen abzu- lenken. Ein Boxkamps muß«b-cn heute mehr bedeuten und bei der Popularisierung solcher Artistenkunststückchen scheut man auch nicht davor zurück, die Weltmcifterschaftsangclegenheit in New Jork als„nicht von G c l d b e u t e l i n t c r e s j e n bestimmt" anzupreisen. Wie zur Illustration dessen findet man dann große Artikel über die Kampfbörsen der Boxer, die in die Million«» gehen und über die vereinnahmten Eintrittsgelder, die natürlich noch höher sind. Man berichtet weiter, daß ein amerikanischer Zeitungskonzern der Protektor der ganzen Angelegenheit ist, daß man irgendwie fest- gestellte Uebcrschüsse einem Humanitären Zwecke dienenden„Milch- sonds" überweisen will— und ist dann immer noch so kühn, von nicht vorhandenen Geldbeutelinteressen zu faseln. Offenbar merken das die Leser schon gar nicht mehr. Jawohl, die Leser der Sensationspress« merken das ebenso wenig, wie sie damit vorlieb nehmen, was ihnen sonst noch über das Wcltereignis vorgesetzt wird. Sehr geistvoll schreibt ein Berliner Mittagshlatt,„daß beide Boxer entscheidend siegen wolle n". lind es macht aus dieser lacherlichen Mitteilung sogar ein« zweispaltige Ueberschrift. Man hat auch prominente Berliner gefragt, was sie in der Boxnacht(der Kampf beginnt nachts um drei Uh» »»sercr Zeit) tun werden. Der Schauspieler A. A. erklärt voller Voraussicht für den Favoriten:„Der bessere Boxer soll gewinnen!", während ein anderer«chauspieler und ein hoher Polizeibeamter erklären, sie würden sich hüten, für den Barkampf eine Nacht zu opfern. Sogar ein prominenter Boxkampfunter- nehmer gibt die gleiche Antwort auf das Interview, lind diesen linsinn setzt man der Leserschaft vor. Aber was macht's: Weder der Boxkampf selbst noch die Re- llame für ihn sind„nicht von Geldbeutclinteresicn" diktiert! kleine Voraussage Ein Knöchcl trommelte gegen mein« Tür und dann traten ohne Zeremonien zwei Männer ein, von denen einer«inen Kasten trug. Ich richtete mich halb im Bett auf.(Falls Sie es nicht ver- raten: ich bin Langschläfer):„Womit kann ich..." „Ealoin Stuart S. Miller, Sportreporter der„Vereinigten Aiht-ithr-Zwölf am Abend und sonstwo" stellt« dar Länger« sich vor. Der Kleine erhob wortlos feinen Kasten und knipste. „Erscheint als Porträt zu unserem Artikel:„Der Mann, der heute das Ergebnis voraussagt", klärte er mich dann aus. „Im Bett?" protestierte ich..» „Bettszenen Ucbcn unsere Leser ganz besonders", lächelte mild der Photomann. Der Sportreporter hatte derweil den ungeduldigen Bleistift acziickt: „Nicht lang gequasselt! Los— wer wird siegen?" „Verzeihung, wie meinen..." „Natürlich, wer siegen wird!" „Der Stärkere", stammelt« ich aufs geradewohl. Er notiert«: f,X>er Stärkere, ausgezeichnet! Nur— merkwürdig— genau das gleiche haben schon die drei Vorigen ge- antwortet. Wir brauchen mal nws Neues, was Abwechslungsreiches. Also, überlegen Sie noch mal:' Wer wird siegen?" .. Gandhi.. Außer Indien sielen mir keine Käippse «in. In letzter Reserve hielt ich mir noch den chinesischen Marschall Tschongkaitscheck und Carol von Rumänien. Die hatten ja auch allerhand Chancen. „Gandhi— so'n Quatsch", murmelte der Reporter ungnädig. „Deit tritt doch höchstens im Beiprogramm auf. Ich mein« natürlich den Kampf, wegen dessen das ganz« Volk in unerhörter Aufregung fiebert." Das ganze Volk fiebert? Jetzt dämmert« mir etwas. „Aha, Sic koinmen wegen des Oeynhausener Schieds- spruchs. Allerdings die Erregung der Arbeiterschaft ist ungeheuer und der Kampf deswegen..." ..... intcrefsien die Leser der„Vereinigten Acht-Uhr-Zwölf am Abend und sonstwo" nicht die Bahne. Wir reden hier natürlich von dem Kampf, bei dem die größten Börsen, bei dem Gelder von Mil» lionen Interelienten aus dem Spiele stehen." Jetzt wurde direkt' Licht: „Aha, das Notopfer, Moldenhauers Finanzreform, die I u n g g e s e l l e n st e u c r! Ja, da ist freilich auch die Erregung groß!" „Männchen— sind Sie denn unheilbar plemplem?! Meinen Sie, daß irgendein Leser der„Vereinigten Acht-Uhr-Zwölf am Abend und sonstwo" ledernes Zeug über Steuern und Arbeitskämpfe lesen will! Wir unterhalten unsere Leser von dem, was wirtych die Volksseele aufwühlt!" „Aber, was den» in oller Welt..." „Selbstverständlich komme ich, uin Ihre Voraussage über den Boxkampf Shartcy— Schmeling zu hören, wegen dessen heute nacht Millionen nicht schlafen, sondern fiebernd am Radio sitzen werden." „Ich aber nicht. Erstens habe ich kein Radio,.zweitens geh« ich zeitig schlafen. Drittens interessieren mich Boxkämpf« absolut nickst." Der Reporter siel beinahe in Ohnmacht.„Mann— sind Sie des Teufels? Kein Radio haben Sie nicht, Boxen interessiert Sie nicht, und die Nächte bummeln Sie nicht mit schönen Frauen durch? Wie wallen Sie als Opercttentenor hei solch sittenwidriger Lebensweise Karriere machen?" „Operetlenienor? chier waltet wohl ein Irrtum ob." „Ja, sind Sie nicht der Operettentenor Max Kuttner?" „Bedaure, der wohnt eine Treppe.tiefer. Mein Name ist Jonathan— Jonathan vom„Varwörts"!" „Na, dann allerdings! Von solchem miesen„Vorwärts"- Proleten ist auch nicht mehr Bildung zu erwarten. Aber nun sind Sie mal phoiographiert und nun kommt auch Ihre Prognose ins Blatt." „Meine Prognose? Ja, um Gottes willen, ich verstehe doch gar nichts von der Sache." „Sie haben doch ganz richtig gesogt: Der Stärkere wird siegen. Glaub«» Sie, daß von den sogenannten Sachverständigen irgendeiner mehr weiß oder mehr sogen kann?! Ex kann höchstens noch etwas Schmutz um diesen Satz fabrizieren. Aber ini Grunde bleibt es doch immer der eine gleiche Satz: Der Stärkere wird siegen. Mehr weiß keiner im voraus."---— - Sie gingen. Warum bin ich nicht Leser der„Vereinigten Acht- Uhr-Zwölf am Abend und sonstwo"? Wieviel Interessantes könnte ich doch da erfahren... Jonathan. Neukölln weiht sein Stadion Arbcitfersporiler bestreiten das Programm Am Sonntag, 15. Juni findet die Einweihung des N c u.- köllner Sckadions statt. Der Arbciter-Turn- und Sport- Bund Hot die technische Leitung übernommen, deshalb großes Ge- schrei in der bürgerlichen Presse. Sie versteigt sich sogar dazu, ihren Lesern zu cmpiehlen, die Veranstaltung zu meiden, obwohl dos Bezirksamt Neukölln Träger dos Festes ist. Das sollte für die Arbeitersportler Anlaß sein, den Kölner Bundestagsbeschluß, die Teilnahme an kommunalen Beranstalwngen betreffend, in Berlin zuerst nnzuwenden. Arbcitersportlcr, schickt am Sonntag alle ver- fügbaren Kräfte um 1? Uhr zum Umtleidelokal. Schule Schiller- promenade. Bon dort um lk Uhr zum Einmarsch ins Stadion. Der Einmarsch muß gerade jetzt, wo die bürgerliche Presse zu oifenem Kampf herausfordert, den Zielen der Arbeitersportler noch- hvltigste Wirkung verleihen. Alle bisher nicht gemeldeten Dereine können noch in der großen Einweihungsstasfel 10 X 200 Meter starten. Meldungen bis Sonnabend an Fritz Leutloff, Berlin Zt) 36. Manteuffelstraße t6. Bei der Einweihungsfeier des Neuköllner Stadions spielt auf Veranlassung des Kartells für Arbeitersport und Körperpflege die F u ß b a l l- Mannschaft vom„FFV. Minerva 1028" gegen die spielstark« Mannschaft des„Vereins für Rasenfpicle Oetzsch-Lelpzig". Die jungen Spieler Neuköllns gewährleisten nach ihren letzten Ver- bandsspielen einen starten aber fairen Kampf. Die Mannschaften spielen in folgender A u f st e l l u n g: Leipzig(«ereiy für Rascnspiele ISU) Kraus« fiahn SUttet., Ouar« Schlecht Ehrlich Schappe Rademann Ihama« Schindlet Zetzoch« Ersatz:«untze Aäse- Kühne Wendlandt Beyer Aschenbrenncr Dumte«raun Ianoslc Faustmann Dunst Schmidt Minerva(Neutöllnf Ersatz: Wünsch, Thau«,»olkrrt In der Leipziger Mannschaft treten hervor die Spieler Krause und Ehrlich durch wiederholtes Spielen in Länder-, Städte- und Kreismannschasten. Der Verein steht in seinem Bezirk an führen- der Stelle._ Rennen bei„Solidarität" In Schonerlinde und Hennigsdorf Set den bundestreuen Rennfahrern ist Hochbetrieb, sind doch bereits alle Bezirksmeisterschaften im Einzelsahren aus- getragen. Dem folgen am Sonntag, 15. Juni, die Bezirks» Meisterschaften im Sechser-Mannschastsfahren. Die Streck«. 50 Kilometer lang, führt von Schönerlinpe über Schönwalde, Bas- darf, Wandlitz, Klosterfelde bis Zerpenschleuse und zurück. Nach den vorliegenden Meldungen dürste Wilrfiersdorf in der ersten Berliner Mannschaft einen Gegner haben, der bestrebt ist, den Mcisterschasts- tiiel an sich zu bringen, so daß auf der Strecke mit einem scharfen Kamps zu rechnen ist. Der Start ist früh 7 Uhr in Schöncrlinde. Umkleidelokal Zum Schützenhaus. Der Sammelstart früh 5 Uhr am Königstor. Nachmittags 11 Uhr starten die Rennfahrer wieder zum Reichs-' arbeilersporttag des Arbeiter-Sport- und Kulturtartells in H e n» n i g s d o r f, wo neben den Rennen noch turnerisch« und lcichtathle- tische Aorsührungen stattsinden Es stehen u. a. Fliegerrennen, Ausscheidungsfahen, 10-Allometer-Rennen, drei Renne» für Iu- gend- und Altersklassen, gemischte Stafette sowie ein Kampf zwi- schen Berlin, Wilmersdorf und Charlottenburg auf dem Programm. Der Abschluß des umfangreichen Programms bildet«in Stund:«- mannschostsrennen nach Sechstageart. Hierfür sind Teilnehmer aus Berlin, Wilmersdorf, Chorloitenburg liennigsdorf, Spanda.i, Falkense« gemeldet. Die Teilnehmer des Straßenrennens in Schönderlinde fahren geschlossen nach Hennigsdorf, für die übrigen Teilnehmer ist der Sammelstart mittags 11 Uhr am Oranien- burger Tor._ Protest der Sporlvcrbändc Zwangsversicherung der Sportfunktionare? Gegen das Verlangen der neuen„Berufsgenossenschoft für Ge- sundheitsdienst und Wohlsahrtspflege" haben die Spitzenverbönde an das Reichsarbeitsministerium, das Reichsministerium des Innern und dos Preuhische Wohlfabrtemimsterium nachstehendes Telegramm gerichtet: Die Spitzenvcrbände erheben schärfsten Protest gegen das Vorgehen von Berufsgenossenschoft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, die Turn- und Sportverein« zur UnfalZver- sicher ung ihrer amtlichen Funktionäre zwingen will. Weder Vereine noch Funktionäre können neu« Laste» ver- tragen. Funktion LredrohenmitNiederlegungihrcr Ehrenämter. Deutsche Turn- und Sportbewegung erleidet unberechenbaren Schaden. Wir bitten dringend um Schutz gegen das nach unserer Ansicht völlig ungerechtfertigie Geschäftsgebaren ge- nannter Berufsgenosscnschast. Deutscher Reichsausschuß für Leibesübungen. gez. Dr. Di« m. Zentralkommission für Arbeitersport und KArperp'leg«. gez. W i I d u n g. Trabrennen za Ruhleb««. Nach dem glänzend verlaufenen Derbytog nimmt die Derby-Deranstaltuna zu Ruhleden Donners- tag. 12. Juni, ihren Fortgang. Im Mttelpunkt steht der F r o n k o- P r« i s, in dem ein starkes Feld inländischer Drei- jähriger sich über 2100 Meter versucht. Die Rennen beginnen 15� Uhr. Sportler und Partei in Schöneberg An der Vierzigjahrseier der Sozialdemokratischen Partei iiz Schöneberg beteiligen sich die Arbestersporller mit Vorsührungea, Freitag, 13. Juni, machen die Radfahrer eine Korsofahri durch Schöneberg, Treffpunkt 19 Uhr Innsbruck«? Platz. Die Turner und Sportler spielen 18 Uhr auf der Stodtparlwicse Handball, 20 Uhr findet ein Propagandalaus durch Schöneberg statt. Trcfs- punkt 18 Uhr Stadtparkwicse. Sonnabend, ll. Juni, beteiligen sich alle Arbestersporller am Fackelzug. Trcjfpunkt 19 30 Uhr Ebersmarkt. Sonntag, 16. Juni, spielen die Turner und Sportler 12.30 Uhr auf der Stadtparkwicse Handball, Treffpunkt 12 Uhr Schloßbraucrei. Alle Arbeltersportlcr beteiligen sich, außer Sonn- abend, in Sportkleidung. „Detreten verboten!" Oer aufgeregte vauer aus Peizow Bon Mitglieden des Freien Seglcrverbandes wird uns geschrieben: Merkwürdige Zustände herrschen immer noch in der näheren Umgebung von Petzow, am Schwielow- und Glin- dower See, der Heimat des schießwütigen Herrn von Kähne. Füni» zehn Boote eines freien Sealeroereins halten sich den herrlich ge- legenen Glindower See als Ziel für die Pfingstfahrt ausgesucht und waren in der südöstlichen Ecke des Sees gelandet. Ein eiwa fünf Meter breiter Erlenbuschsaum trennte den See von einer Wiese, die— so vernünftig sind freie Segler— nicht einmal zum Lagern oder gar beim Abkochen benutzt wurde. Allerdings konnte man c» den«rholungsdurstigen Berlinern nicht verdenken, dqß sie ihre kleinen Holzhocker unmittelbar an den Wiesenrand unter die Erlen stellten, um so einige Strahlen der lieben Sonne aufzujangen. Plötzlich gab es einen großen Krach. Aber nicht etwa die fricd- fertigen, wohldisziplinierten freien Segler waren sich in die Haare geraten, sondern der Besitzer der Wiese, ein Mann im Kähneschcn Westentaschenformat, namens H a n i ck e, kam tobend den Wiesen- weg entlang und brüllie ans etwa 20 Meter Entfernung die Segler an. Er fordert« in einem Ton, der kaum noch auf hinterpommcr- schen Gulshösen zu finden ist, die immerhin nicht ganz unzivilisier- ten Segler auf, sein Grundstück zu verlassen, weil sie dort gar nicht» zu suchen hätten, und wenn sie es nicht sofort täten, würde er sie ausschreiben lassen! Herr Kähne hat seinen Worten früher oft mit dem Schießprügel Nachdruck verliehen, Herr H ä n i ck e machte das trotz aller persön« sichen Grobschlächtigkeit seiner: er hatte sich gleich zwei Land- j ä g e r in feldmarschmäßiger Ausrüstung mitgebracht, die also, es muh das ganz besonders festgestellt werden, am ersten Piingstseier- tag nichts Besseres zu tun haiten, als mit Herrn Hänicke gemeinsam dessen Privaiwiesen(oder was Hänicke dazu rechnete) von Er, holungfuchenden zu säubern. Man suhlt'sich zu der Frage ver- anlaßt, ob die aus öffentlichen Staatsmitteln bezahlten Landjäger wirtlich dazu da sind oder ob sie nicht vor allen Dingen: sistoliches Gelände zu schützen haben. Selbstverständlich wurde dem Ersuchen der Landjäger sofort stattgegeben, die Segler zogen sich auf ihre Boote zurück und ge- nolsen von dort aus den zu einem Triumphmarsch gewordenen Ab- zug des Herrn Hänicke und seines Heerbanns. Bon der berühmten Bouernschlouheit Hai man aber beim Bauer Hänicke nichts gespürt. Wäre er so geschäftstüchtig ge» wefen wie ein anderer Bewohner des Dorfes Petzow, der Erd- beeren, Kirschen und Spargel den Seglern verkaufte, so hätte Bauet? Hänicke die ihm angebotene angemessene Entschädigung für dieiB»- nutzung eines schmalen Wiesenstreifens angenommen, hätte so di« für sein Alter gefährliche Aufregung erspart und dazu noch klingen- den Lohn im Beutel gehabt. Aber die Petzower Großbauern scheinen unbelehrbar zu sein! Laxen im Film. Die„Kamera", das kleine intime Lichtspiel- thcater Unter de» Linden 11, nimmt die Zeit um Schmelings Welt» ineisterschastskamps wahr und bringt bis zum Freitag im Programm allerlei Boxsilme ernsten und heileren Inhalts. Wenn zwei 5iumoristen wie Charlie Chaplin und Bustcr Keaton etwas mit der Boxerei zu tun haben, dann muß der Heiterleitserfolq da sein. Charlie ist auf der Suche nach Erwerb, verdingt sich als Sparrings- Partner und wird selbstverständlich fürchterlich verhauen. Aber er bnngts bis zum Komps im Ring. Sein sürcknerlich anzusehender Gegner wird— so muß natürlich der Ausgang des Films sein—- von Eharlie erledigt, wobei allerdings Charlies Bulldogge als An- greiser ans den Hosenboden der kämpserische Hauptteil zufällt. Buster Keaton ist der dekadente Großstadtsüngling, der sich über den lehr unfreiwilligen Umweg über«inen Boxkamps Herz und Hand einer lieblichen Farmerstochter erwirbt. Der Gang der Handlung ilt eben nur mit Keaton zu machen. Schmelings großer Kampf mit Paolino rollt in allen 15 Runden noch einmal vor dem Zuschauer ab. Er konnte damals seinen klaren Punktsieg nach Hause bringen, der ihn nicht.zuletzt für seinen nunmehr bevorstehenden Meister« schastekomps mit Charkey qualifizierte. Ein Boxabend in Filmen, auf der Wurlitzer Kinoorgel Meister» hast begleiiet. Im Publikum viel Amerikaner, die sich den Gegner ihres Landsmannes Sharkei) wenigstens auf der Leinewand ansehen wollten. FTEB. Alle Mail orchaftcn»der Abteilimaen des Benin», die füc Seit IS. Juni feine a.idcrn-eitiaen«erpklichtnnacn haben, werden dringend gebeten, sich an dem Nartrll'rortsesi in Hennigsdorf zu dcteiligrn. Sckion am Eonnabeni» beginnen die Wetlfomyfe in allen Lyortarten, einschließlich Wassersport. Sonntag. B Uhr, Festzug.- FTEB.-Rordo«. Heute, 20 Uhr. ssunftioniirstßung bei Mryrr.«asteur» Elte Esmarchstraße.— Nannbezirf. Heute. 20 Uhr, Mit- gliedervrrsammluug im„Fatfcnstein". ssatkeufteinstr. 40., Freie«anu-Union»roß. Berlin, Abt. vbcelpr«. 12. Im». IS Uhr.»wa»«- I«se» Beisammensein im Bootshaus Eadowa. 14. Juni, die Iugendinainlschakt trifft sich»m 1« Ubr in Lrhniß. Star: nach Tegel I? Uhr. Nach Wrrbellin- sre 17.W Uhr ab Strttincr Bahnhof. lS.IS Uhr ab Ebrrswalde mit Postauta bi» Altrnhof-Wcrbcllinsre Wrr später fäbrt, hat feine Autobusverbindung mebr. Alle anderen begtrilr» dir Schwimmer um IS Uhr bei„Quer durch Nöprnick". Mittwoch, IS Juni, irrihalteu zur Demonstration. Paddel mit. nehmen. Nähere Anflludigung crfotgt noch. IS. Bezirtstartrll. Rastplakate und Eintrittslarieu mllfte» soiort abgeholt werden bri Albert«euauh. Nirberschäneweids. Berliner Str. IIS II. F. 3. 8S47. Zouristcnorrei».Die Ratursrevnde". Freitag. 13. Juni. Faltbootabteilung! Brißer Str. 27. 20 Uhr. Fahrlenderichtr. Snmlirlbthain, Iugendgeuppe: 245. Weltliche Schute, Paul, eck- Wicsrnstraße, Gruppcnsrageu und Kritische» zur Psinastsohrt Siiboft: Briticr Sir. 27, 20 Uhr. Mtrgliebrrversammlung. Cbarlottenburg: Sprcrstr. O, ItNi Uhr, Eeschtiftlichcs unb Singsang. Beiß: Nathans, Ehausterstr. 4S 20 Uhr, Dortrag. Treptow! Elsrnstr. 3. IS'� Uhr, Wir eine Laudfortr entsteht".— Soanabeud, 14. Juni. Lichtenrade- Lauds- butrr Str. LS. bei Labert, IS Uhr.„Enthoiiiologischrs". Naiurtundliche Ab- teilung: Wanderung nach Oderberg, Abfahrt 14. Juni nach Ebrrswalde und 13.53 Uhr bis Nicdrrsinow lNiicksahrfartc). Foltboot-btciluug! 14. /l5. Juni Fahrt zum Lirdsee. Lrhniß. Tiergarten: Fahrt nach LSw-nbcrg, Ltndeser., Ahs-hrt 15.37 Uhr Bhs. Grsundbrvnneii.«alundbrnnnrn: Fahrt 13.43 Uhr ab Bhs.«Sesundbrunnrn nach Schwante, Kremmen, Nachzügler dirrft zur Luch- hätte, Aumbolbthaln! Fahrt nach Friebrichsmalbe. Wuchrrsee. Führer: Wollooc, Fahrt nach Bernau, Bogensee. Fuhrrr:«olt. Preuzlaner Berg: Fahrt nach Känigswusirrhauie», Heidelee, Friedrichshain: Nachtfahrt»ach Strausberq.-Tirsrnser, Abtahrt am 1«, Juni um 22V.. Uhr Schlei Bhl. Führer: Osst. Südost: 15.52 Uhr ab Sdrlitzer Bhs. nach Schwanenser. Führer: Aalfer.— Sonntag. 15. Sunt. Osten, Zugendqrupva: 7 Uhr Bhs,«arschaver Straße, Fahrt nach Bernau. Hellmllhienslleß. Führer: Lüdicke. Seddin«: Uhr Bhs, Webding. Fahrt zu den Srottewiß-AItten. Führer: Klinfe. Larden: Trossen Bhs. Gesundbrunnen, Nardenecke"(«lasgangl, Südost. Iugendgruppr: 7 Ubr Bhs. Warschauer Siraßr. Fahr« nach Bernau, Kellmllhlc». tließ. Eharlottenburg! Strausberg, Bötckre, Fänarrsrc, Schünebera-Friedenan: Sarrower See. Nrufälln: Heidescc, Beiß: Strausberg. Treptow: Keidesee. Tenni».»ot Sroß-Brelin. e. O.. Abt. Nrufäll». MitgliederpersammIunF heute, Donnerstag, 30 Uhr, Cafe Reinhardt, Hascnheide 57. Wichtige» Referat. � ßefchäfit#-Jhtsei'ger � (ftezirfz Jtorden- Cften. Nur die er d- Clc ctr e Schallplatte bringt die Aufnahmen der Chöre des Deutschen Arbaitcr-Söngerbundes.— Bezugsquellen- Nacfawefi fiemcphoii CempcuiY Berlin SW6Ö Verlangen SieSpexial-Prospekte über Arbeilerchor-Platten In alles elBschllgitfen Gesdbäfien crhältlicfa. FfUnSESTArrUNGS-VEBEOl VImA unterreichsaufsichtM Nach dreimonatiger Mitgliedschaft unbedingten Rechtsanspruch auf kostenlose, pietätvolle Bestattung Kein Kirchenaustritt erforderlieh |R. 141 Man verlange kostenfreie Zusendung eines Prospekts oder Vertreterbesuch Haüpt- Geschäftsstelle: Berlin N. 4, Invalidenstr. 110 Fernruf: D1 Norden 6881 I Großgarage Nordbahnhof j. Maximilian Janischewski BS E B II AI AI KB EbcmrsMer Str. 14— 15 I® K B As 1 WM See 90y Oderberpcr 1 (I Minute vom Nordbahnhof) Strafe 19 Garagen:: Tankstellen Werkstatt Tag und Hiadil oeöltnet.— Tel.: 0.4, Homboldl 2887 Franz Mitzut konz. 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