Morgenausgabe Nr. 223 �, -ÄIW 4I-MW»9 WvchentNch ZSP� monatNch 3.S0M. «m voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. etnschliehlich öV Pfg.Poftzettung»' und 72 Pfg Postbestellgebühren. AuslandO- abonnemem 6.— M. pro Monat» De?„Vorwärts� erichetot«ochentZg« lich zweimal. Sonntag» und Montag» einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel„Der Abend". Illustrierte Beilagen„Volk und Zeit- und„Kinderfreund-. Ferne? „Unterhaltung und Wissen-.„Frauen» stimme-„Technik-.„Blick in di» Bücherwelt- und.Iugend'Vorwärt»- OMUrntt Vvttsbia« Gen�.abenS 14. 3uni 1930 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. ftle efnipotttg« Nonporetvezekl« 80 Pfennig. Reklome eile 5— Reichs» mark„Kleine Anzeigen' das ettge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei iettgedruckte Worte). iedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» dos erst, Won 15 Pfennig, jedes weitere Won' 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte Arbeitsmorki �eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze.l» 40 Pfennig. 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Der Reichsfinan�minister trug sodann di« auf Grund der letzten Kabinettsbeschlüsse formuliert« Begründung der Deckungs- vorlagen vor, der das Reichskabinett einmütig zustimmte. Die Begründung' hat die Aufgabe, das Deckungsprogramm der Reichs- rcgierung für die gesamte Oefsentlichkeit in den Rtchmen des großen Programms der Reichsregicrung einzufügen. Ziel dieser Politik ist die Ueberwindung der Arbeits» lojigkeit. die Wiederherstellung der Rentabilität der Landwirtschast, die Hilfe für den Lsten und die Tanie» rung der Finanzen. Die Arbeitslosigkeit ist nur ein Symptom der schweren Wirtschaft- lichen Depression.. Di« Reichsregierung ist daDfesten lleberzeugung. daß durch ihr« Maßnahmen, obwohl di« Zlrbeitslosigk«it zum Teil durch eine schwere Weltkrise bedingt ist, in erheblichem Maße ge- mildert werden kann. Zu diesen, Zwecke istdasgroßeArbeitsbeschaffungs- Programm ausgestellt, das im wesentlichen in der Erteilung von Austrägen der Reichsbahn und Reichspost und in einer starken Be- lebung des Baumarktes besteht. Auch die Matznahmen aus dem Gebiete der Agrarpolitik und der Osthilfe dienen dazu, Arbest und Brot zu schaffen und damit d e Gefahr der Arbeitslosigkeit zu ver- mindern. Doraussctzung für die Möglichkeit der Aufbringung der nötigen Kredite ist die unverzüglich« Herstellung und Er- Haltung des Gleichgewichts im Haushalt. Durch- greifend überwunden werden können jedoch die Schwierigkeiten nur dann, wenn es gekngt, alle Produktionskosten und Preise herabzusetzen und so zu einem generell niedrigeren Preisniveau zu gelangen. Bei dieser Politik ist di« Reichsregierung auf die Einficht und die tätige Mithilfe der Beteilig- t c n angewiesen. Sie wird solchem Vorgehen ihr« eigene Hilfe nicht versagen, wie sie es durch die Berbindlichteitserklä- . nng für die Grnppe Nord-West der Eisen- und Stahl- industrie bewiesen hat. Nur auf diesem Weg» wird es möglich fein, zu Produktions- bedingungen zu kommen, die zu einer dauernden Verbeffe- rung des Arbei'smarktes die Grundlage legen können. Wesentlich für die Senkung der Produktionskosten ist die Senkung der öffentlichen Lasten. Das Reichskabinelt verabschiedete unter diesem Gesichtspunkt ein Gesetz zur Erzielung von Ersparnissen bei Reich, LiSidern und Gemeinden. In diesem Gesetz sind auch Bestimmungen enthallen, die die Mißverhältnisse zwischen den Personalausgaben der Gemeinden und denen von Reich und Ländern beseitigen sollen. Das Reichskabinett beschäftigte sich dann mit den übrigen gesetzgeberischen Matznahmen, die der Reichsfinanz- minister zum Ziele der Verwaltungsvereinfachung und Ersparnis getroffen hat. Auf Dorschlag des Reichsfinanzministers sollen dies« einzelnen gesetzgeberischen Maßnahmen in einen größeren umfassenden Rahmen hineingestellt werden, der nach dem Ergebnis der bevorstehenden Sitzung des Dcrfassungsausschusses der Länderkonferenz festgelegt werden soll. Das Reichskabinett kam in Heber- einstimmung mit dem Reichssinanzminister zu dem Ergebnis, daß nur durch Einbeziehung aller öffentlichen Körperschaften nach einem einheitlichen Plan in gemeinsamer Arbeit mit den Ländern eine durchgreifende Ersparnis und Vereinfachung der Berwaltung erzielt werden kann. Das Reichskabinett beschloß um die Verwaltungsvereinfachung vorzubereiten, für die Dauer des Elatsiahres vonderBesetzung frei werdender Plan st eilen in den M i n i st e r i e n und in solchen Gebieten der Außenoerwaltung Abstandzunehmen, die im Rahmen des bereits beschlostenen Bereinfvchungsprogramms in Zukunft wegfallen. Entsprecheird der Notwendigkeit, zu einer Vereinfachung der gesamten Lebensführung zu kommen, beschloß das Reichskabinett, auf ZV Proz. der den Reichsministern für Repräfen- tationszwecke zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel zu verzichten. Dl« vorgesehenen umfassenden Refonnen können aber ausreichend« Ersparniste nur aus lange Sicht bringen, während die Rot der Zeit und die Durchführung des Gesamtprogramms der Reichs- regierung entschlossenes sofortiges Handeln erfordert. Deshalb hält die Reichsregierung fest an der Notwendigkeit der sofortigen Erledigung des Gesetzes zur Reform der Arbeits- losenoersicherung, der Deckungsvorlagen und des Entwurfs einer Reform der Krankenoersicherung, der 'Heute vom Reichskabinett verabschiedet wurde. Dieser Entwurs be» zweckt den Ausgleich der vorübergehenden Belastung, die durch Er- höhung der Beiträge in der Arbeitslosenversicherung eintreten. Das Reichskabinett ist sich schlüssig geworden, dem Reichstage Wstriche am Reichsetat im einzelnen zu unterbreiten. Auch diese Crsparniste können nach Lag« der Dinge zur Zeit nur geringfügig sein, wenn an den größten Ausgabenposten, den Personaikoften, vorbeigegangen wird. Für diese Ersparnisse ist zur Zeit kein an- derer Weg möglich als die vom Reichskabinett beschlossene Reichs- Hilfe der Fe st besoldeten. Auch die in gesicherter Lebens- stellung Befindlichen müssen der Rot der Zeit ein Opfer bringen. wie auch von den Arbeitnehmern Opfer gefordert werden. Andere Wege, wie z. B. ein allgemeiner Zuschlag zur Einkommensteuer, haben eine neue Belastung der Produktion zur Folge und wirken dem Gedanken des Preisabbaus und der Minderung der Arbeitslosig- keit entgegen. Die Reichsregierung sieht in dem ganzen ein einheitliches Programm, an dem sie noch wie vor festhält, weil sie der lieber- zeugung ist, daß mir seine konsequente Durchführung die Rettung aus schwerer Not bringen kamt und bringen wird. * Die gesetzgeberischen Absichten der Reichsregierung waren im wesentlichen bekannt, ebenso, wie diese Pläne aus der Finanzlage des Reiches und den politischen Nöten des Ka- binetts ohne Mehrheit entstanden sind. Das Reichskabinett hat diese Einzelpläne zu einem Gesamtprogramm verbunden. Es hat das, was aus der Not des Slugenblicks geboren wurde, als Ausfluß politifch-wirtschaftlicher Gesamt- Weisheit gewissermaßen in ein System gebracht und bezeichnet nun das Ganze als das große Regierungspro- g r a m m. Dies große Regierungsprogramm ist in seinen Grund- zügen ein« große Provokation. Es ist ein pluto- kratilches Programm. Das Ziel ist die Milderung der wirtschaftlichen De- pression. Noch hat sich keine Wirtschaftskrise gelöst, ohne daß eine Senkung der Preise eingetreten wäre. Wo die Kartellmacht dem entgegensteht, hat der Staat die Waffe der Kartellgesetzgebung. Das find einfachste, schon banale Weisheiten. Aber diese Regierung besitzt eine neue wirt- schaftliche Weisheit. Es ist die Weisheit des Schiedsspruchs von Oeynhausen, die Weisheit des Lohnabbaus. Die Arbeiter sollen die Last tragen! Die Mitteilung der Regierung über die Kabinettsbeschlüsse zeigt Mangel an Mut gegenüber d-en bürger- lichen Parteien. Die wesentlichsten Dinge werden ver- borgen hinter dem famosen Ausgabensenkungsgesetz des Herrn Moldenhauer, dieser Attrappe einer wirklichen Aus- Wo sind die sieben Milliarden? Finanzminister Reynaud schweigt. Paris. 13. Juni.(Eigenbericht.) In der Finanztommission der Kammer, in der sich zur Zeit eine Debatte über die Verwendung der Gelder des Schatzamts abspielt, kam es am Freitag zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Mitgliedern des Ausschusses und dem Finanzminister R e y n a u d, der eine eindeutige Auskunft über den Derbleib der verschlvundenen 7 Milliarden nach wie vor verweigert«, aus besten dunkel gehaltenen Andeutungen man jedoch die Ueberzeugung gewinnen mußt«, daßdieGelderzurErhöhunghernatio- nalen Sicherheit, den Drohungen und oratorischen An- renipelunge» gewisser unruhiger Nachbarn im Süden gegenüber verwendet worden sind. Die sozialistischen Kommisstonsmitglieder erwiderten so- fort, daß Finanzminister Rcynaud sich geweigert habe, zuverlässige Ziffern über die Reserven des Schatzamtes zu geben, so daß die Kommistion lediglich das in die M.lliaroen gehende Defizit fest- stellen könne, das aus der im Namen, des Ministers und unter seiner Verantwortlichkeit von dem Berichterstatter Choppedelaine übergebenen Aufstellung vom 27. Mai und den mündlichen Erklä- rungen desselben Ministers vom 11. Juni vor der Finanztommis- sion bestände. Beide Erklärungen Reynauds aber ständen wieder- um im Widerspruch zu den Angaben seines Vor- gängers Chcron vom 3V. Januar 193V. Niemand könne also wissen, wie groß Guthaben und Bedürfnisse des Tresors seien. Es bestehe nicht nur keinerlei Kontrolle über die Berwen- düng der fehlenden Beträge, ja. man könne auch noch nicht eimnal abnen, ob das Schatzamt bei der Durchfiibrung des Milliardenpro- jeltes zur Hebung von Landwirtschaft, Handel und Industrie die Hilfe der Banken beanspruchen oder auf neue Zuwendungen aus dem Budget zurückgreifen müsse. Die sozialistische Fraktion ! lehne daher das Regierungsprojekt ab, denn sie wünsche etwas � Dauerhaftes und Durchführbares zu schassen. Bor allem weigerten i sich die Sozialisten, zuzulassen, daß das Schatzamt an die Banken appelliert und sich in deren Abhängigkeit begebe. Es sei vielmehr Pflicht der Regierung und der Finanzkomm-istion der Kainmer. dem Lande di« v o l l e W a h r h e i t zu sagen. Es gehe nicht an, Schmie- rigkeiten, die man durch eine ordentliche Finanzverwaltung ver- meiden könne, auf das nächste Budget abzuwälzen oder gar auf das Budget, dos die neue Kammer von 1932 auszuarbeiten habe. Manius neues Kabinett. Vom König ernannt. Bukarest, 13. Zuni. Die neue Regierung TN an i u Ist gebildet. Ministerpräsidenk Maniu legte heute abend S Uhr dem König die M i n i st e r l i st e zur Genehmigung vor. an der der König nur eine Abänderung vornahm, indem er Popovlci an Stelle Madgearus zum Finanz- minister ernannte und letzteren zum handelsminlster. Außenminister bleibt Mironescn. Endgültige Versöhnung zwischen Earol und Helene. 'Bukarest, 13. Zun«. Dem Blatte„tupla" zufolge, ist heule abend auf einem Esten, an dem siimlliche Riilglicdcr der Königcsamllie teilnahmen, die e n d- gillllge Aussöhnung zwischen König Carol und Prinzessin Helene zustande gekommen. Wie das Blatt berichtet, fand aus Der- antassi'ng der Königin Wiiwe Maria, die heule der Königin Helene einen längeren Besuch abgestattet halte, im Palast Eotroczenl ein Abendesten stall, an dem sämtliche Rlilglleder der Äönlgsfamilie teil- nahmen, und nunmehr die endgültige Aussöhnung zwischen den beiden Ehegatten zustande gekommen ist. Angriff auf die Krankenversicherung Reform«ach dep Wünschen der Llnternehmer. gabensenkung. Man sucht den Anschein zu erwecken, als od das Steuer /.Nlungsgcrede des Herrn Moldenhaucr nicht tläglich zusammengebrochen wäre, man spielt Ausgaben- sentung für die wirtschastsparteilichen Partner und für hie Rainen in der Volkspartei. Der M u t des Kabinetts zeigt sich gegenüber der Arbeiterschaft. Herunter mit den Löhnen! Die so- genannte„Reichshilfe" erscheint un verhüllt als Teil einer allgemeinen Lohnsenkungsaktion. Die wahnwitzige Idee, eine Krise durch Preis- und Lohnsenkung lösen zu wollen, die Be> lebung des Marktes durch die Preissenkung sofort wieder totzuschlagen durch die Schwächung der Kaufkraft wird kon- sequent und offen vertreten. Die Reichsregierung will„solchem Vorgehen", der„Mit- hilse der Beteiligten ihre Hilfe nicht versagen". Wenn sich die Reichsregierung noch ausdrücklich auf den Schiedsspruch von Dellnhausen bezieht und den Lohnabbau als den Weg zur Lösung der Wirtschaftskrise bezeichnet, so sagt sie mit erfreulicher Klarheit, daß sie zwar nicht weiß, wie eine Wirtschaftskrise zu lösen ist, daß sie aber entschlossen ist, alle staatlichen Machtmittel gegen die Arbeiter, Angestellten und Beamten, kurz gegen die Arbeiterklasse einzusetzen. Die„tätige Mithilfe der Beteiligten" beim Schiedsspruch v»n Oeynhausen bestand darin, daß die Unternehmer den Lohnabbau forderten und die Arbeiter ihn ablehnten— und die Hilfe der Regierung galt den Unternehmern gegen die Arbeiter! Das ist das„große Programm!" Es wird vollendet durch die Begründung der sogenannten „R e i ch s h i l f e", die einen Gegensatz konstruirt zwischen Arbeitnehmern und„in sicherer Lebens st el- lüng Befindlichen". Unter der letzteren Gruppe sind Bcgmte und Angestellte zu verstehen— auch Arbeitnehmer! Die wirklich Gesicherten aber,, die sich auf Besitz und Vermögen stützen, die werden ausdrücklich ausgenommen mit folgender Begründung: „Andere Wege wie zum Beispiel ein allgemeiner Zuschlag zur llinkominensteuer haben eine neue Belastung der Produktion zur Folge und wirken dein Geoanken zum Preisabbau und zur Ar- beitsmarktentlastung entgegen." Das ist der Weisheit letzter Schluß: die Löhne der Ar- beiter müssen herunter, die Gehälter der Angestellten und Beamten müssen durch eine Spezialsteuer gesenkt werden— aber der Unternehmerprofit ist heilig und unantastbar, er Ist die Quelle alles Guten und aller Hoffnungen! Diese Begründung der„Reichshilfe" ist eine plutokratifche Provokation. Man erinnert sich des Wortes des Herrn Staatssekretär Schmid, der von der Notwendigkeit eines brutalen Angriffs auf die Lebenshaltung gesprochen hat. Man sieht diesen Angriff— nur nicht gegenüber dem Unter- nehmerprofit! Der sozialdemokratische Fraktionsvorstand hat gegenüber diesem.Notopfer der Festbesoldeten auf das allgemeine NÄtopfer verwiesen, das die Sozialdemokratie, von qornheram gefordert hat. Es stellt dem plutokratischen Plan det> Kabinetts Brüning'einen sozial; gerechten, finanzpolitisch noch wirk- sanieren Vorschlag entgegen, und die Sozialdemokratische Partei wird im Parlament für diesen Vorschlag kämpfen. Das Kabinett Brüning hat mit seinen gestrigen Beschlüssen sich als ein echtes Bürgerblockkabinett erwiesen. Seine Be- gründung seiner Beschlüsse ist eine neue Bestätigung des Wortes des Herrn Peter Schlack: das reaktionär st e K abinett seit der Revolution! Die Haltung der Sozialdemokratie. Regierungdprojekte in der gegenwärtigen Fassung nicht annehmbar. Der Vorstaad der sozialdemokratischen Reichslagsfraklion besprach am Freilog ln mehrstündiger Sitzung die politische Lage und crörteric namentlich die Vorschläge, die da» Reichskablneti zur Ab- deckvng des Defizits ouszearbeiiei Hai. Es bestand Einmütigkeit darüber, daß die Reglern ngsprojekie in ihrer gegen- wärtigcn Fassung für die Sozialdemokratie nicht annehmbar sein werden. Insbesondere bestehen lebhafie Bedenken gegen den Versuch, die Beseitigung des Fehlbetrages der Arbeiis- lssenversicherungsanslali durch eine einseitig« Belastung der De- amlen und der festangestellten Privaibeamlen zu erreichen. Die alte sozialdemokratische Anregung, zur Sanierung der Arbeiislosen- Versicherung die höheren Einkommen ganz allgemein durch entsprechende Zuschläge heranzuziehen, wurde ouss neu« in den Vordergrund gestellt. Die endgültige Entscheidung über diese Angelegenheit sowie über den ganzen Komplex der mit der Wirtschasls. und Finanzlage zusammenhängenden Fragen wurde der Reichsiagssraktion vorbehalten, die am kommenden Rkoniog zusammeniriit. Roggenbrot sür Arbeitslose. Ein llliimatum der Wirtfchastspartei an das tReichskabinett. Die Reich-tagsfraktion der Wirtschaftspartei hat einen Antrag eingebracht, der die Reichsregierung ersucht, unigchcnd einen Gesetz- ciüwurf uorziilcgen, der dem Reich die Berechtigung gibt,«inen Test der Vorschüsse an die Arbeitsiosensursorge in Gutscheinen ans Lebensmittel, in erster Linie auf Roggenbrot, aus- zustellen,— Die Wirtschastepartei betrachtet ihren Antrag als grundsätzlich« Stellungnahm«, die sie dem Kabinett gegenüber unter allen Umständen durchsetzen wolle. Zusammenstöße in Hamburg. Hamburg, i». Juni. In der Borgsciber Straße kam es gestern abend zwischen Na- t> e- u a> s ö.z i a t ist e n, die in Uniform zu. einer Parteiversanun- l„vfl im Sagebieischen Etablissement marschierten, und politischen vtegiK:™ zu ciuer Schlägerei. - Hierbei wurden ein der KPD. angehörigcr Mann und ein an- gebliäi ifirteilöscr erheblich verletzt. Einige weitere geringfügige Schlägereien ereigneien sich noch im Anschluß an die Der- itimmlüng an einigen Stellen der Stadt. Das Kabinett hat gestern den Gesetzentwurf über die Reform der Krankenversicherung verabschiedet. Dieser Gesatzentwirrf«ntspricht durchaus den Wünschen des Unternehmertums. Sein wesentlichster Inhalt besteht in folgendem: " Die Aerzte sollen schadenersatzpflichtig gemocht wer- den kömvn, wenn sie Kranke behandeln, die nicht krank sind. Dos Bertraeiensarztsystem soll ats Z w a ngse> n ri ch- tung geschaf-fen und in der Reichsvcrsicherungsordnung gesetzlich verankert, die Kassenärzte sollen an Zahl vermindert werden. Durch diese Maßnahme sollen mindestens 2l1 Prozent der Krankheit.» fälle ziivückgedrängt Vierden. Ferner fall eine Herabsetzung der Beitragssätze erfolgen. Ein Beitrag bis zu 6 Prozent des Grundlohnes kann von den Kassen mit einfacher Mehrheit festgesetzt roerden. Wird dies« Grenz« überschritten, so muß entweder die Arbeitgeber- g r u p p« z u st i m m« n oder es müssen die Leistungen abgebaut iverden. Wenn die Grenze von 9 Prozent überschritten wird, soll die Zustimmung der Arbeitget-ergrupp- für die Regelleistungen oder die Hastung der Gemeinde vorgeschnoben werden. Bei Uebcr- schreitung der Beiträge von 1% Prozent des Grundlohnes wird die Zustimmung des Obeoverficherungsamtes verlangt. Man merkt an diesen Vorschlägen dw> Einfluß des Reichsverbandes der Deutschen Industrie. Die Unternehmer wollen stärke- ren Einfluß auch auf die Krankenkassen nehmen. Der Höchstbetra.g des Grundlohne» soll aus 9 Mark und somit das H ö ch st k ra n k« ng e ld auf 4, SV Mark für den Kalendertag festgesetzt wer- den. Zuschläge will man nur noch gestatten als Familienzuschlag, und zwar bis zu tv Prozent für die Frau und bis zu 5 Prozent für jedes Kind, aber nicht onehr als 7ü Prozent des Grundlohne». Angestellte, denen der Lohn während der Krankheit weiter- gezahlt wird, erhalten kein Krankengeld, höchstens«inen Wiederzusammentritt der Parlamente. Heute Osthilfe im sReichsrat. Nach der Pfingstpause werden die parlamentarischen Arbeiten mit einer Sitzung des Retchsrats wieder aufgenommen, die am Sonnabend um 1 Uhr nachmittags stattfindet. Der«esciNliche Gegenstand der Tagesordnung ist der Gesetzentwurf über die Ost Hilfe. Hierzu gehört auch der Gesetzentwurf über die deutsche Ablösungsbank. Am Montag treten dann Reichstag und Preußischer Landtag ebenfalls wieder zusammen. Die Sitzung des Reichs- t qtz s. beginnt um 3 Uhr. D:e Tagesordnung, auf der Ursprung- lich die zweit« Beratung des. Haushalls des Reichsarbeitsministe- eiums staub, hat eine Äcicheinng erfahren, da die. Beratung dieses Haushalts zunickgestellt werden soll, bis die Novelle zur Arbeits- lofeiwersichcrung vorliegt. Es kommt nunmehr am Montag bereits der Haushalt des Inn eninini st e riu m s zur Berätung. Die Sitzung des Preußischen Landtags beginnt um 1 Uhr mochmittags. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des preußischen Finanzausgleichs für 1939 und des Gesetzentwurfs über die Schistgekdorhöhung. Di« Tagung des Preu- Zuschlag zu ihrem Lohn und auch nur-dann, wenn der Strarff mehr als einen Angehörigen zu unterhallen hat. Dorsicherte, die in Zukunft«inen Arzt aussuchen wollen, haben sich erst einen Krankenschein zu lösen und dafür 1 Mark aus ihrer Tasche zu zahlen. Dies« Gebühr soll bei unteren Lohnklassen ermäßigt und bei oberen Klassen erhöht werden können. Auf jede Ver- Ordnung von Arznei und Heilmitteln hat der Patient beim �Apotheker 5 9 Pfennig zu zahlen: kostet die Verordnung wemger, zahlt er nur den niedrigeren Bc- trag. Von denHeitmittelkoften sotl dem Ber- sicherten die Hälfte erstattet«erden. Die Kaste sotl aber bis 79 Prozent geben dürfen. Der Kranke soll also erst einmal 1,59 Mark aus seiner Tasche zahlen, bevor er Arzt und Apochek« auf- suchen kann. Der Arbester und die Arbeiterfrau, die End« der Woche diesen Betrag nicht mehr in Händen hoben, n lögen sehen, wie sie gesund werden oder Linderung ihrer Schmerzen erfahren. Die Familien mit ansteckenden Krankheiten, die nicht in der Lage find, pro Kops 1,59 Mark im voraus zu den Kosten der ärztlichen Untersuchung und der Arznei zu bezahlen, sollen ruhig weiter krank sein, und wenn die ganze Umgebung gefährdet oder ver- feucht wird. All diesen beabsichtigten Knebelungen steht ein« scheinbare. Berbesserung gegenüber, nämlich die, daß die Krankenpflege sür die Ehegatten und die Kinder zur Pstichtleistung erklärt wird.- Voraussetzung dafür soll aber sein die Erfüllung einer Warte- zeit von drei Monaten. Bekanntlich hat aber schon jetzt die Mehr- zahl der Krankenkassen die Familienhstf« durchgeführt, so daß die beabsichtigt« Vorschrift nur ein« gesetzliche Festlegung der heutigen Praxis ist. Das Notopferprogramm des Kabinetts Brüning rundet sich so langsam ab. Es fehlt nur noch die Kürzung der Kriegsbeschadigtenrenten! ßischen Landtags wird mir von kurzer Dauer fein. Vielleicht schon am Montag, spätestens ober am Dnnstag, wird eine Vertragunz bis zum 24. Juni erfolgen. Amerikas neue Zotliarife. Mii zwei Stimmen Mehrheit im Senat angenommen. w a s h i ll g« o n. 13. Zuni. Der Senat hat die Vorlage über die neuen Zolllarlfe mit 44 gegen 42 Stimmen angenommen. * Die Abstimmung des Repräsentantenhauses steht noch aus. Außerdem hat sich Präsident H o o v e r die endgültig« Entscheidung über die Ratifizierung der Vorlage ausdrücklich vorbe» halten........ Faschistcuspion in Nizza verhaftet. Ein italienischer Spion wurde von der Bahnbosspolizei in Nizza festgenommen, als er im Begriff war, sich nach Bentüniglia zu begeben. Der Verhaftet«, der angab, Offizier der faschistischen Miliz ZU sein» trug zahlreich«. Doku- mente und Pläne franzosischer Bcsestigungscmlageu b« pch,_lj. Neuer Rückzug vor Moskau. Nichtssagende Erklärung als Abschluß der politischen Verhandlungen. Bon zuständiger amtlicher Stelle wird mitgeteilt: „Im Verkehr zwischen Deutschland und der Sowjetunion sind im Lause der Zeit verschiedene Fragen ausgetaucht, die im Interesse der Weitcrfühning der beiderseitigen freundschaftlichen Beziehungen der Bereinigung bedürfen. Die beiden Regie- rungen haben daher die Gesamtheit dieser Fragen zum Gegen- stand zusammensasscnder diplomatischer Besprechungen gemacht, die in den letzten Wochen in Berlin und Moskau statt- gefunden. haben und jetzt zu einem gewissen Abschluß gelangt sind. Ein T e i l der beidersestigen Einzetbeschwerden ist in- den llnte.rl�ltungen bereits befriedigend geklärt worden:, die iibrigsn- sollen der dafür in dem Abkommen vom 23.- Januar 1929 varzesehcnen S ch l i ch tu n g; k o mm fss i a n unterbreitet werden, die einmal jährlich mn die Mitte das Jahres sich versammeln soll und die in diesem Jahr am 16. Juni in Moskau zu ihrer ordentlichen Tagung zusammentreten wird. Bei der Behandlung der vorliegenden Einzelfragen gehen beide Regierungen übereinstimmend von dem Wunsch au», die ent« standenen Schwierigkeiten im Geiste de» Rapolloverkrages und der anderen zwischen ihnen bestehenden Verträge zu über« winden und damit auch bei fortschreitender internationaler Entwicklung die Politik fortzusetzen, die sie auf Grund dieser Verträge nun schon lange Jahr« hindurch verfolgt haben. Zn offener Aussprache sind sie sich von neuem darüber klar geworden. daß die grundsätzliche Verschiedenheit der beiden Slaatssysteme kein Hindernis für die gedeihliche weilerentmlcklung ihrer frenndschafl- lichen Beziehungen zu sein braucht. Dabei gehen beide Regierungen davon aus, daß alle versuche einer aktiven Beeinflussung der inneren An- gelegenheilea de, anderen Landes zu unterbleiben haben. Beide Regierungen sind entschlossen, auf dieser Grundlog« die gegen- festigen Beziehungen zu pflegen und an die sich ihnen künstig noch stellenden Ausgaben heranzutreten, mögen diese Ausgaben das u n- mittelbare Verhältnis Zwischen den beiden Ländern oder andere ihr« Interessen berührende Fragen betreffen. Sie sind überzeugt, daß sie auf diese Weise sowohl dem Vorteil ihrer Länder als auch der Sicherung des Weltfrledens dienen werden. Eine gleichlautende Erklärung ist gleichzeitig in Moskau verö�entlicht worden. Den Machthabern im Kreml dürfte die Veröffentlichung dieses Kommuniques leichter gefallen fein als den zuständigen Stellen in der Wilhelmstraße. Denn für Moskau bedeutet dieser„gewisse Abschluß" der wochenlangen politischen Verhandlungen einen unbestreitbaren diplomati- schen Erfolg. Die Initiative zu diesen Besprechungen waren von der Reichsregierung ausgegangen. Bon ihrem befriedi- genden Ergebnis sollte die Wiederaufnahme der Wirtschaft- lichen Verhandlungen abhängig gemacht werden. Das Haupt- ziel der Wilhelmstraße war ursprünglich die Klärung der Frage: Worin besteht der tatsächliche Ilnterschied zwisckMN S o w j e t r e g i e r�u n g u n d K o.w i y t e r n? Das Ergebnis dieses Vorstoßes ist n e g a t i v. Es bleibt alles beim alten. Denn die abermalige vage Zusage einer R i ch t e i n m i s ch un g der Regierungen in die inneren An- gelegenheiten des ckWeren Staates ist nur eine Selbst- v e r st ä n d l i ch k e i t, die bereits in den Verträgen von R a- p a l l o und Berlin enthalten war. Diese Verträge haben aber Moskau bisher nicht gehindert, die Kommunistische In- ternationale fortlaufend mit russischen Staatsgeldern zu fi- nanziercn und damit ihre vertragliche Zusage der Nichtein- Mischung dauernd zu verletzen. Man könnte Dutzende von Beweisen personeller und sachlicher Natur anführen, um die Fiktion dieser Unterscheidung zu widerlegen. Die eng- l i s ch e Arbeiterregierung hat bei der Wiederaufnahme der Beziehungen zu Moskau erklärt, daß sie diese Unterscheidung nicht anerkennt. Man mag darüber streiten, ob es sachlich richtig war, diesen diplomatischen Vorstoß einzuleiten. Aus Gründen der S a u b e r ke i t und Ehrlichkeit in der inter- nationalen Politik waren wir durchaus geneigt, diesen beut- schen Klärungsversuch zu unterstützen.' War aber einmal dieser Vorstoß eingeleitet, dann mußte er auch durchgeführt werden. Man konnte, falls sich die Russen hartnäckig zeigten, diese Verhandlungen zumindest mit.einer e i n s e i t i ge n deutschen Erklärung beenden, ähn- lichen Inhalts wie die seinerzeitige Erklärung Hendersons. Nichts von alledem ist geschehen. Statt dessen erfolgte das obige Kommunique, über das in Moskau die Hühner lachen werden. Die deutsch-russische Schlichtungskommission tritt in Moskau überstürzt zusammen, als hätten w i r es besonders eilig. Es scheint aber, daß es vor allem der Reichsaußen- minister Dr. C u r t i u s war, der es wegen seiner bevor- stehenden Etatsrede sehr eilig hatte. Er hat damit nur auf das Konto der jetzigen Rcichsrcgierung einen Mißer- folg mehr gebucht. Eniwaffnungsgeseh angenommen. Segen die Stimmen der Sozialdemokraten. Wien. IS. 3uttL(Eigenbericht.) Der Nationalrat nahm im Freitag das Entwaff- nuugsgesetz mit 8K gegen 72 Stimmen an. Der christlichsoziale»erichterstatter stellte vor der Abstimmung fest, daß das Gesetz für Tirol nicht gelt«. Oer sozioQemo. tratisch« Abgeordnet« Dr. D e u t sch erklärte im Namen der Sozial» demokratie. daß die Sozialdemokraten gegen das Ge s« tz stimmen würden, weil es wirkungslos sei und dem Ausland nur eine wirkliche Entwaffnung vortäusche. Die Anträge der Sozialdemokratie seien restlos abgelehnt worden, so daß eine wirkliche Entwaffnung nicht gewährleistet sei. Die Sozialdemokratie habe auch kein Dertrauen zur Re- gierung Schober, daß sie das Gesetz so anwenden werde wie es notwendig sei. Sie habe wiederholt eine vollständige, gleichzeitige und gleichmäßige Abrüstung vorgeschlagen und sie wiederhole dieses Angebot auch jetzt. Oesterreich stehe vor der Schicksalsfrage, ob Demokratie oder Faschismus. Darüber könnten nur Neuwahlen entscheiden. Die Sozialdemokraten ver« langen darum die Auflösung de s Hauses, weil sich dann das Volk mit Mehrheit für die Demokratie entscheiden werde. Zwei Christlichsoziale, der Heimwehrführer Raab und der Landeshauptmann von Steiermark Rintelen stimmten gegen das ihnen z u weit gehende Gesetz. Um das Vundesbahngeseh. Wim. 13. yuni. Am Freitag kam es im österreichischen Nationalrot nach der Annahm« des Entwaffnungsgesetzes in zweiter Lesung zu einem bemerkenswerten Zwischenfall. Die Sozialdemokraten ließen während des Lärnm, der am Schluß der Sitzung eingetreten war, den Antrag einbringen, das neue Bundesbahngesetz, welches von den Linksparteien bekanntlich auf das heftigst« be- kämpft wird, auf die Tagesordnung einer der ersten Sitzungen der nächsten Session zusetzen. In dem Lärm wurde der Wortlaut des Antrages von den Mitgliedern der Mehrheitsparteicn nicht verstanden. Es handelt sich bei dem Antrag in Wirklichkeit nämlich darum, dieses der Linken unangenehme Gesetz aufden Herb st zu verschieben. Infolge dieser Unachtsamkeit stimmte aber ein« Mehrheit des Hauses für den sozialdemokratischen Antrag in dem Glauben, es handele sich darum, das Gesetz auf die Tagesordnung einer der nächsten Sitzungen zu bringen. Als nachträglich der Präsident, der ebenfalls nicht genau aufgepaßt halle, das Bundesbahngesetz bereits auf die Tages- ordnung der nächsten Sitzung bringen wollte, wurde mit Hinweis auf die vollzogen« Abstimmung von sozialdemokratischer Seite da- gegen energisch protestiert. Es entspann sich eine außerordentlich erregte G e s ch ä f t s o rd n u ng sd« b a tt e, die dadurch ihr End« fand, daß auf Antrag des linkschristlichsozialen Abgeordneten Kunt- (djaf die Gültigkeit der Abstimmung anerkannt wurde und daß gleichzeitig die Bercinbarung getroffen wurde, über den Zeitpunkt der Behandlung des Bundesbahngesetzes zwischen Mehrhest und Opposition zu verhandeln. Immerhin ist es den Sozialdemokraten gelungen, durch ihren Schachzug die Erledigung d-s Bundesbahngesetzes zu verzögern und die Wahl des Zeitpunktes der. Beratung zu einem 2 e rha ndlu n g sg c o e nsta n d zu rpvchcn. v.;„,'.. i' per Gchweidniher Prozeß. Öffn empfindlicher Versammlungssprenger. Schweidnitz, 1Z. Juni.(Eigenbericht) Im Schweidnitzer Prozeß wurden am Freitag zwei Polizeibcamte vernommen, die di« Versammlung im Volksgarten zu überwachen hatten. Bemerkenswert ist vor allem die Begegnung, die einer der Beamten am Nachmittag vor der Versammlung mit dem Angeklagten Meißner Halle. Er wurde bei dieser Gelegenheit von dem Angeklagten gefragt, ob für die Versammlung der SPD. viel Polizei angefordert worden fei. Aus dieser Tat- fache geht hervor, daß die Nationalfozialfften von vornher- ein die Absicht hatten, die Dersammlung zu beunruhigen bzw. zu sprengen. Es folgte die Vernehmung des Salon- Landwirts Lütt- Hamburg. Lütt ist ein berüchtigter Versammlung. s- f p r c n g c r. Frech wie er nun einmal ist, behauptete er, in der Lorsammlung nur einige Zwischenrufe gemacht zu haben. Darauf sei er von Reichsbannerleuten mit Stühlen niedergeschlagen worden und das sei der Beginn des von den Reichsbannerleuten plan- mäßig vorbereiteten Ueberfalls auf die Nationalsozialisten gewesen. Die Reichsbännerleute müßten für derartig« Uoberfalle förmlich ge- drillt worden sein. Er habe sich, unter anderem auch dadurch pro» ooziert gefühlt, daß der sozialdemokratisch« Abgeordnete Wende- m u t h von den Nationalsozialisten als von einer ZeitebscheinUng gesprochen habe. Der Dorsitzendc erwiderte darauf, daß diese Aeuhe- runq auf keinen Fall als Provokation betrachtet werden könne. Er hall de», Zeugen, ferner einige Artikel aus einer nationalsozialisti- lchcn Zeitung vor. in der die Nationalsozialisten in geradezu gemeiner Weise über die«PD. herziehen. Der Vorsitzende gibt schließlich noch ver Meinung Ausdruck, daß Herr Lütt sehr empfindlich sei. Wer im Glashause sitzt, der sollt- doch mit Steinen nicht werfen. Im weiteren Verlauf der Verhandlung kommt es zu einem sehr erregten Zusammenstoß zwischen dem Nationalsozialist!- schen Leriretcr Frank und dem Staatsanwalt. Frank glaubt wieder einmal i est stellen zu können, daß die Staotsonwoilschost politisch bc- miflußt sei und dem Zeugen Lütt die Erkennung»es Täters nicht ermöglicht habe. Der Staatsanwalt stellt demgegenüber fest, daß Lütt einem der verwundeten Rcich-ibannerleute' gegenübergestellt worden sei. Lütt aber zugeben mußte, daß dieser Reichs- b a n>l e r M a n n ihn n i cht geschlagen Hab«. Bayern bleibt fest. Eine zweite Frick-Versammlung abgelehnt. Wie die„Münchener Tclcgrommzeitung" meldet, lx>t die Re- gierung van Odcrbayer'n die Beschwerde der Rational-. sozialistischen Partei gegen dos polizeilich« Verbat der ge- planten Protcftversammlung im Zirkus Krone in München ver- w o r t cit Der„Lölkifche Beobachter� meldet, daß die nallonalsozialistifche Parteileituitg eine neue Bcrsommlung für Sonnabend einbepufeir moNte. in der Staatsminister Dr. F r i ck als einziger Redner »orgejehen war. Dr. Frick sollte über ein oickercs Thema sprechen, »ls es in der verbotenen. Versammlung vorgesehen war. Das Er- suchen um Genehmigung wurde jedoch von der Poiizeidircktion a b- gelehnt.._„_•___ t____/_____...___ Ein großes Tauziehen El zwischen Stahlhelm und Nazis endete mit dem Siege der letzteren. Wirtschastsbelebung durch Anleihen Eine Viertelmittiarde für den Baumarki. Das Reichskabinett beschäftigt sich seit Wochen mit Plänen zur Ankurbelung der Wirtschaft. Die Oeffentlichkeit hat darüber vor etwa zehn Tagen durch ein sehr langes, aber keines- wegs durch Klarheit ausgezeichnetes Kommunique etwas erfahren. Seitdem herrscht allgemeines Rätselraten. Die neueste Version geht dahin, daß die Reichsregierung durch die Mobilisierung von 230 Mill. Mark den Baumarkt beleben wolle. Die Deckung dieser Viertelmilliard« denkt man sich so, daß 100 Millionen aus dem Berkaust von Reichs bahnvorzugsaktien beschafft werden, SO Millionen von den Landesversiche- rungsanstalten auszubringen sind und der Rest von 1 0 0 M i l- lionen Mark durch eine Ausländsanleihe beschafft wird. Etwas dunkel klingt die Zlnkündigung, dag die Reichsregierung sich durch diese öffentliche Baumarktsinanzierung eine Einwirkung sowohl, auf die Preisgestaltung der Baustoffe als auch auf die Lohnsätze zu sichern beabsichtige. Was hier gespiell weren soll, würde erst klar, wenn man den Ber Wendlings- zweck der Gelder im einzelnen kennt. Was die Ausländsanleihe von 100 Millionen anbelangt, so handelt es sich offenbar um das von un� schon früher besprochene, schon seit vielen Monaten in Angriff genommen«, jetzt aber wohl akut gewordene Projekt,.Dar l.c h« nsforderungen �des R.eiches aus Rofftandsdarlehen, die der Industrie, Reichsbahn sowie Ländern und Sb-mmunen gewährt worden siird, zu einer Kredjtquelle � z?tr Li»gnzieru.yg� eüf«s �-neuen ArveitsbeschaffunM» Programms zu. machen. Das Reich hat.nach ojjiziellen Angaben vom Oktober norigeh Jahres insgesamt 1500 Millionen Kredite gewährt, und zwar an die Ländwirtschaft, die Industrie, Arbeitslosen» Versicherung, für die werteschaffende Arbeitslosenfürsorge, Arbeits- beschaffung bei der Reichsbahn, sür Wohnungsbau und Siedlungs- zwecke, für das besetzte Gebiet und. sür sonstige Zwecke. Auf die werteschafsende Erwerbslosenfürsorg« «nffallen davon rund 400 Millionen, die in der.Haupffache pn Länder, Gemeinden und die Reichsbahn ausgeliehen sind. Diese 400 Millionen sind die Grundlage, auf ber mau sich eine Anleihe glaubt beschaffen zu könne«, deren Zinsen und Tilqungsdienst aus den Rüchflüifse» der vom Reich gewährten Darlehen getragen werden sollen. Dabei wären die 400 Millionen Reichsforderungm m ein« Gesell- schast einzubringen, die ein Kapital von 150 Millionen Mark haben würde, das vom Reich wiederüin übernommen wird. Man hofft auf diese Weise 80 bis 100 Millionen Mark als Anleihe herein- zubekommen. Di« Anleihevcrhandlungen lausen auch schon längere Zeit und werden in der Hauptsache mit dem Londoner Bank» hau s Schröder geführt. Unklar dabei ist noch, ob die Reichs- kredit A.°G. oder die Deutsche Bau- und Bödenbank die Geschäfte des neuen Instituts führen würde. Es besteht die Hoffnung, daß man allmählich noch weitere Ausländsanleihen auf dieser Grundlage aufnehmen kann. Di« Durchführung solcher Pläne wäre durchaus möglich. E? wäre aber an der Zeit, daß dic Re i ch s r e gl e rnn g« n d l i ch ijiji n'v.ech. i S ßl�'wn f'Ji i jori l',"6rid daß. sie dem ewigen Z�tselroten'ein Ende chläM......... Das Schulgeld für höhere Schulen. Ein Gesetzeniwurf über die Erhöhung in Vorbereituug. Die katastrophal gestiegenen Wohkfahrtslasten zwingen die Städte, jede Einnahmeinöglichkeit voll ausguschiftffen. Zu den be- daüerlichen Folgen solcher Not gehören die Erhöhungen der Tarife aus Elektrizität, Gas und Wasser und die Erhöhung der Straßen- bahntarisc. Seit Jahr und Tag verlangen die Städte schließlich auch eine Erhöhung des Schulgeldes an den höheren Schulen. Zwar wird durch ein« solche Erhöhung die große Mass« der erwerbstätigen Bevölkerung nicht getroffen, immerhin bleibt eine Schuldclderhöhung bedauerlich, weil sie den Grundsätzen der Begabtenauales« und Begabtenförderung widerspricht. Unter diesen Umständen hat der preußisch« Kultusminister geglaubt, die Verantwortung sür eine Schulgelderhöhung nicht allein tragen zu können, und den Landtag veranlaßt, die notwendigen Maßnahmen aus gesetzlichem Wege zu treffen. Di« preußischen Koalitionsparteien hoben inzwischen im Land- tag den Entwurf eines Gesetzes eingebracht, durch den das Schulgeld in ein bestimmtes Verhältnis zu den Selbstkosten der Schulträgcr, also des Staates oder der Kommunen, gebracht werden soll. Die ein- zelnen Fraktionen sind der Ueberzeugung, daß es recht und billig wäre, wenn die Schulträger etwa ein Drittel der Selbstkosten als Schulgeld einziehen. Das würde bedeuten, daß das Schulgeld an den höheren' Schulen von 200 Mark auf etwa 24 5 Mark jährlich stieg«. Diese Quote wird übrigens den Der- Hältnissen vor dem Kriege noch nicht gerecht. Im Jahre 1913 wurden bei den Knabcnanstolten 39,2 Proz„ bei den Mädchenanstalten 53,7 Proz. der Gesonttausgoben durch Schulgeld gedeckt. Die Städte haben deshalb beim Landtag beantragt, dies« Quote zwar nicht voll wieder herzustellen, aber statt der beabsichtigten 33'A Proz. eine Quote von 40 Proz. in dem Gesetzentwurf vorzusehen.■ Der Schub geldsatz-, der nach der Quote errechnet wird, soll von dem Kultus» minister, dem Minister des Innern und dem� Finangniinister im Einvernehmen mitten komnninalcn Spitzcnoerdändcn alljährlich fest- gefetzt werden. Es kann iTun worokuunen, daß besondere Auswendun» ge» für ein« höhere Schule«in noch höheres Schulgeld«rzwingeu. Die Stadtparlanr«nte stehen dann vor der Frage, ob sie den Eltern der Schüler ein höheres Schulgeld zumuten dürfen. Die EUern wiederum müssen entweder das höhere Schulgeld zahlen oder er- leben, daß'die Schule geschlossen wird. In diesem Falle würden sie unter. Umständen noch höhere Kosten als früher dadurch zu tragen haben, daß sie ihre Kinder in die Schule eines anderen Ortes� schicken müßten. Um solche Ausnahmefälle zu decken, haben die Städte beantragt, daß mit Genehmigung des Ministers ein höheres Schulgeld«ohoben werden darf, wenn beson- d e r e U m st ä n d« v o r l i« g e n. In einem andern» w e s« n t- lichen Punkte.gehen die Ansichten der Koalttonsparteien und der Städte ebenfalls auseinander. Im Gesetzeniwurf der Koälitions- Parteien' sind bestinnnte Schulgeldennäßigungen vorgesehen, die ohne weiteres dann eintreten, wenn mehrere Geschwfftcr höhere Schulen besuchen. Die Städte haben dazu beantragt, die Bewilligung von Oleschwistererimißigungen von den Leistungen des Schülers und von den wirtschaftlichen Verhältnissen/ der Eltern a b h ä n g i g zu machen. Die gegenwärtige Uebersüllung der höheren Schulen läßt es in der Tat angezeigt erscheinen, besonder« ZiMm- dungen, die aus Kasten der Allgemeinheit gehen, nach der Begabung des Schülers und der Bedürftigkeit der Eltern zn verteilen. Sche- matische Bestimmungen dieser Art sind ersahrungsgemäh sinnlos. Es ist anzunehmen, daß der Landtag sich bald mil der ganzen Frage beschäftigen wird.'__ Mecklenburgischer Gtädieiag. Gegen den Entwurf der Reichsstädteordnung. Schwerin. 13. Inn!. 1 Auf den, 12. ordentlichen Mecklenburgischen Städtetag, der gegenwärtig hier stattfindet, berichtete Dr. Wiegant-Wismar über den der Reichsregierung vorliegenden E ntwurf einer Reichs�! st ä d t e o r d n u n g. In der Aussprache wurde die bisher in Mecklenburg bestehende M a g i st r a t s v e r f a s s u n g als für Mecklenburg am geeignetsten bezeichnet. Dementsprechend wurde eine Entschließung angenomnien, in der dagegen protestiert wird, daß der Mecklenburgische Städtetag bei der Abfassung des Entwurfs nicht gehört worden sei. Es wird gefordert, daß. die beiden mecklenburgischen Landesregierungen den Mecklenburgischen Städtetag hören, bevor sie zu dem Entwurf der Rcichsstödteordnung imReichsrat Stellung nehmen. Ferner wurde beschlossen, die Landesregierung zu ersuchen, bei den wichtigsten Reichsstellen dahin vorstellig zu werden, daß die K r i j e n j ü r s o r g e aus alle Berufe ausgedehnt wird. Bombenlegerprozeß im August? Die Verteidigung will nicht. Wie wir erfahren, beabsichtigt das Landgericht Altona die Per» Handlung gegen die Bomlftnlegcr während der großen Gerichtsferien im August in ciner außerordentlichen SchwurgerichtsperioLö ücir- zunehmen.'Die„Schwurgenchts"lPcriode im Juli kommt nicht mehr in Fratze, auf den' Scptcinbcr soll''der Prozeß nicht verschöben werden.'' 1' Wir erfahren ferner, daß die Verteidiger der Bombenlcger grgen die Verhandlung im August Einspruch erheben. Das Schicksal der Kwlloper. Besprechungen im Kultusministerium. In Ausführung des-Lai�lagsbeschlusses über die Krollopcr sond heute im Kultusministerium eine Besprechung zwischen den Bertretern der Stadt und den beteiligten Ministerien' statt. Es wurde die Frage erörtert, ob die Stadt in der Lage und willens sei, die Bolksbühncnvorstellungen. der.Krolloper zu übernehmen. Die städtischen Vertreter behielten sich Prüfung der ganzen Frage und endgültige Stellungnahme vor., 3ii vanztg ist der neue Koalitionsvertrag von SozkaSumio» nrotem Zentrum und. Beamtenfraktion irntemeichnet.' Senatöre»- wahl Montag.. � Theaiet, Lidtispiele usw. j Voihsbühne Theater am Bülowplatz. 8'/. Uhr Julius Caesar Regie; Rar! Heinz Martin Staatl.Sdiiller-Th. 8 Uhr Sfflerz, Satire, Ironie n. tieiere Bedeuluno aeatsdies Theater D 2 Weidende in Di 5201 8 Uhr Phaea Musik: Friedrirti Hollaenttef. Bühnenbilder Emst Sdiötte. ITägl. 5 u. 8'/, Uhr.' U S Bart. 9258 Pr I S W. Woehentg 5 U. 60 P1.-3 M. ••Uhr CASINO-THEATER»'-"d. Lolhrfnaer Strafe 37. Sonntag AbscfaicdsvortleUnng Rentier Mudlcke and der errikl. kante Teil Billig SommcrpreUe Billig! P». 1.- Mark ,.50 Mnrlt »WW Direktion: Dr. Martin Zickel Komische Oper DneitnclKtr.tOt. Herkur 1401,4330. Täglich S'ä Uhr Liebe und Trompetenblasen Schulz /• Westermeier/- Finkler lohrdeck ✓ Haid /• Behrisch ROSE -Theater Qr. Frankfurter Str. 132 Blllattkait.a: Alex. 3422 u 3494 Kammerspiele 0 2 Weidcndjimii 5201 8'/r Uhr: Letzte äattahniBceii jphigenie •onWolfg v.Goethc Einriditung und Regit: Richard Beer- Hofmaa Die Komödie II Bisinck.2414/75ID Heule geschlossen Premiere Sonntag S'i Uhr Vie werde ich teidi ond glQcklidi 7 Bn Kunos in 11 Abteilongn von Felii Joadiimsoo. Musik Wb Mistha Spaliansky. Regie: Erich Engel Gesamtausstattung; Ludwig Rainer u. Ernst Sdiötte Von nun an Jeden XachmPt. i.m Sso Ubr(Sonntags. 5 U.) Konzert, Große« Varietä Barnowsky-BDhooo Tlteoisr In der SlrBsemannsir. (frährr KBoi jgrftirr Str.) Berliner Insheoda 1930 8Ve Uhr Wie es endt stefAUl von Shakespeare Musik von Mo?a t mit Bisabetti Bergoer Komödienhaus Täglich 8V< Uhr Meine Schwester ond ich Musik v.italpliftaiatzky „Leoe, Lotte, Liese"> ��-�eatei Berliner Vnlksoperette von J. u. R. Gilbert mit Hilde Hofer. Em» Keretene. Lonl Pyrmont. Xnrl Gtlll- h. Edoer Ktnlech 11. Hone Rom in d. Houptrollen. Täglich 8" Uhr (Sonntags auch S r» Uhr) im Innentheater: JuwieeiotKirdins" das best« L u b t s p i e I der 'etzfen Jahre mit Traut« ftosa. Bartha QroSbarth. Robert Mflllfr, Paul und Willi Rat«. Erich Wilde u Theater l.d.Belirenstr. 53-54 «'.2 U. A 4 Zentrum 926-927 8'«- U. Direktion Ralph Arthur Roberts Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Rods Tägl.gVe Uhr Heine Frau— die Kokotte Für Jugendl. verb- Randfunkhörer halbe Preise. Kleines Theat. Merkur 1624 Täglich SV. Uhr Letzte Woche Max Adalbert Das Parfüm meiner Frau mriji RLSoOdaaLfUR Uglich in vollem Betrieb Sonnabend Operetten- u.Schlnger- Abend Gesang zu Pferde! Sensationelles Gastspiel der bebannt. Operneängcrin OreSel Hartmann vou der Dresdener Sta.atsopcr auf ihrem Schimmel �Tamara" Fernando tanzt am den Weitrekord FBUERW1RK Sonntn«? Grosse Modenschau aal der Freibühne im Park Tesal de! Fredo mit inrea 30 Girls Amateur- Preis» Tanz«Turnier 50 Prolue für Damen und Herren im Werte von 1000 iHark FEUERWERK und d» grosso Attraktionsprogr. Tbeattr d. Westens Täglich 8"j Uhr: Der Bellelsludenl Carola« Eisner« Böttcher« Horsten. Sfkla« Dorn flosenttioier Str. 38 Alt- Moabit lÜ) Kottbifsser D«mni7a AndrcaEstraße 40 Ch�asBoaotrafie 43 Chausceestr 90-92 Invalidenstraße 7 Schbö. Herbcrt«tr-4 Charl Bisroarckit.7? Wlmdf,, AujiuEiast.l Spand.,Bahnhof««r 4 Potad, Hodjtzatr.23 GrDBie* Be«r«gul- ipuriDdos Deoisclil. K.alal 108 anforder» ArbcPaloie 10 Pro*. Rabatt. PRAKTISCHE RE ISEAUSRUSTU NG i MHH/l GUTES, PR ARTISCHES RCISEeCRAT Z¥fECREMTSPPE€HEMDE.KLEIDUNG UND NÜTZLICHE KLEINIGKEITEN � DIE DIE BENACUCHREIT ERHÖHEN, CEHOREN XURREISE. Winfer ★ Cjarren* 8.13 UDr Zentr. 2818 RauHisn er.auDt| Wilder allein, S I» Berlin nndi nldit gneigte Niabcltn und nitin 4 Ittnktionen Sonnabend u. SonnUg|, 2 Vorstellungen! 4 und 8U Uhr. 4 Uhr kleine Preise ZOO |Zooiog.Garten Ab 4 Uhr nachmittags GROSSES KONZERT Täglich: Tanz im Freien Auf d. Schaus elluncspiaiz „1000 Krokodile" Aquarium— Aqaaelam Tierkunst-Ausstellung Angenehmen Aufenthalt bieten unsere alkoholfreien Er- frischungeistellcn: Volkspark Rehberge Volkspark Friedrichshain Zeitgemäße billige Preise! ISAfssp" GimeinnMzigt Yertritbs- „Nuldl gwllsdiaft m. b. IL Berlin X 24 %fptt7sweite �UIUYUM R�tourant Berlins BETRIEB/ KEHPINSKM ZeWelAiellHiglbeiterMöWli äsiBsäi Bezirksleiter adi» Uhr, von der Ltichendalle des Siädli chrn Äirchhoses in Neuiölln, Maiiendorier Weg, aus statt. Am 7 Zuni 1930 starb unser Kollege, der Echlosier Anton Preußner geb 17 Januar 1883. Die Beerdigung findet am Sonnabend, dem 14. Juni, nachmittags »> i Uhr. von der Leichenhalle des Neuen Nararefh-Kiräiholes in Rei» nickendors-Weft, Kögclstr. aus, statt. Ehre ihrem Audcnreai Rege Beteiligung ermattet vie Orteverwaltang TntHi. a. KsiiD.roi I Kottbuser Sir 6 I Gr. lim.„itv"' 1 mit Herta Locwc Bar diihiBn Bidrtigiil Lessing-Theater ffiiilnileaa 2797 t.Olii Täglich 8"/. Uhr Utiti fonttlliggn Heule ahend wird«us»em Stegreiioesplelt von l'irande lo Dlcns'ao Premiere Der Faun Dir. Dr. Msrtiii Zicke. Komische Oper Friedrichstr. 104 Merkur 1401/4330 Täglich 8"» Uhr Liebe und Irompelen- blasen Sdisli'Wistemiiir/ Finkler Jikrtak' Haid/ Beimsdi Reichshallen-Theater |T| Uhr Das wundervolle Juni-Programm der Stettlner Singer Tel.: Zentrum 11263 Dfinhofl- Brem(Saal und Garten Variete— Konzert- Tanz iiillllllzz.«»liltl! i Reklsrae.isrke: egen Nachahmun gesctzl gesch enigt seit 45 Jar. als SpezinlltÄ* onrail MüUe .clpzig• Schkeudii. Är. 273* 47. Jahrgang 1. Beilage des Vorwärts Sonnabend, 44. Luni 4930 WochwMt Ausflüge Lychen und seine Seen. Eine von allen Seiten nan Seen umgeben«, also inselartig wirkend« Anhöhe mußte in alten Zoiten zur Bildung eines festen Ortes anlocken, und so fpieAe Lychen seit dem 13. Jahrhundert eine Rolle in den Kämpfen zwischen Brandenburg und Meck- lenburg. Heute hat die klein« märkische Stadt in einer mit berechtigter Betonung ihrer Borzüge durchgeführten Propaganda es verstanden, sich eine erst« Stellung in dem friedlichen Wetteifer um die Gunst der Sommerfrischler und Wochenendler zu vcr- schaffen. Daß von der alten B« f e st i. g u n g noch einige Reste übrig geblieben sind, vor allem in dem von einem Storch- nest gekrönten Stargarder Tor ein tadellos erhaltenes Wahrzeichen sich vor- findet, erhöht auch für den die breiten Mphaltstroßen und die Mammuchchiser fliehenden Großstädter das Interesse an dem.Liliput�Znterlakcrt'. Wer für den Wassersportler ist Lrichen eine erste Rümmer. Aus dem Großen Lychen-See fährt die ronra«tische Wöblitz in den Haus- See, der bei Himmelpfort— einst Kloster, jetzt Haveldorf mit Sommerfrischlern— mm Stargarder Tor ia Lychen. Umgebung mit dem Stvlpfee in Verbindung steht, durch den die Havel fließt. Für den bequemen Reisenden bietet die Bahn Furstenbcrg— Lychen — Tenrplin— Eberswolde den schnellen Reisewcg— für den Wandernden ist Lychen guter Stützpunkt auf der Tour Rheinslierg— Stechiinfe«— Lychen— Boitzenburg. Wurl-, Nesielpfuhl-, Oberpfuhl-, Zens-, Platkow-, Stadt-, Großer Lychen-, Kleiner Lychen» und Mellen- See sind durch schöne Pro- nienaden zugänglich gemacht worden. Eine Kurtaxe wird beim Aufenthalt über fünf Tage erhoben, kommt also für Wochenendler nicht in Frage. Wegemarkierungen— im ollgemeinen ein wenig erfreuliches Kapitel in märkischen Gegenden— finden sich vor; Rund um den Wurlsee(2 Stunden) weiß. Nach dem Stübnigsee(2'A Stunden) rot. Fegefeuer und Küstrinchen{V.t refp. vier Stunden) orange und Försterei Wupp- garten(4 Stunden). Ein Rundgang um die Stadt erfordert etwa eine Stund«. Für viele Touren ist die Benutzung des Waffer- wegcs möglich. Ruder- und Segelboote stehen am Oberpfuhlfee zur Borfügung: nach Himmelpfort(Wegemarkierung: blau) und zu Fahrten auf der Wahlitz ist die Benutzung der Dampfer und Motorboote angenehm. Weltrekord mit dem Tode bezahlt. Major Segrave tödlich verunglückt. London. 1Z. 3uni. Major Sir Henry Segrove ist am Areitog bei dem Der- fach, mit feinem neven Rennboot»Miß England II" auf dem Mndermere einen neuen Weltrekord anfzustrllcn. tödlich verunglückt. Da«. Rennboot überschlug sich plöhlich, wobei der Rkcchanikcr c r t r a a k. während Segrave gcreltct würde, aber feinen schwere« Verletzungen erlag. Heber das Unglück liegen folgende EinzclhÄten vor: Segrave war mit der„Miß England II" kurz noch 14 Uhr gestartet. In der dritten Runde überschlug sich das Boot mit blitz- artiger Geschwindigkeit, und alle drei Insasien wurden in das Wasser geworfen. Wöhrend.der Mechaniker nicht wieder an die Oberfläche kam, kannten Segrave und der Ingenieur durch schnelle» Eingreifen auf«in anderes Rennboot gebracht werden, das die beiden Verletzten schleunigst ans Land schaffte. Segrave war be< wußtlvs. Die medizinische Untersuchung ergab, daß er beide Bein« und eine Rippe gebrochen hatte, wodurch die Lunge verletzt war- den war. Einige Stunden nach dein Unfall ist er dann seinen Verletzungen erlegen. Das Rennboot, das zuerst kiklauf. märts hochkam, ist eine halbe Stunde später gesunken. „Miß England II" hatte in den beiden ersten Runden eine Eesckiwindigkeit van 101,11 Stundenmeilen erzielt. Die zuständige Sportorganisation wird die Anerkenimng dieses neuen Weltrekordes, der mit dem Tode zweier Männer bezahlt wurde, beantragen. Hefter die Ursachen de» Unglücks sind nach keine genauen Feststellungen getroffen morden. Man nimmt an, daß das Rennboot auf ein treibende« Stück Hölz' stieß, das das Umschlagen herbeiführt«. Kährbootkatafirophe in Rumänien. Zehn Personen ertrunken. Bukarest. 1Z. 3ooL Bei Tirgu 3m im Zul-Tal ist bei der Eröffnung des venca Fährbetriebes über den Zolfluß die Föhre mitten im Fluß nnkergegangen. da sie statt der vorgeschriebenen 30 Personen 55 Personen beförderte. 45 Blenschen konnten sich durch Schwimmen reklcn, 10 Fahrgäste fanden den Tod in den Fluten. Gefängnisstrafen für Hakenkreuzler. Wegen Ueberfalls auf ein Versammlungslokal. Am 25. Mörz hatten SPD.-Funktionäre im Lokal Pommerening in der Berliner Straße(Tcmpclhos)«ine gemeinsam« Beratung mit Reichsbannerleuten aus Anlaß der letzten Ueberfölle von Nationalsozialisten auf Iungkameraden. Schon während der gemein- samen Sitzung kam die Mitteilung, daß Nationalsozialisten, die stch in der Nähe angesammelt' hotten, c:was im Schilde führten. T«r Vorsitzende des Reichsbanners Tempelhof und der technische Leitcr begaben sich auf die Straß«, um persönlich Ausschau zu halten. Alles schien ruhig. Ms sich ober der Vorsitzende des Reichsbanners mit einem Kameroden auf dem Weg« zur Straßenbahnhaltestelle befand, gingen plötzlich sämtliche Fensterscheiben des Lokals in Stücke. Die Kotionalsoziolisten hatten sie mit Steinen bombardiert und stürmten nach vollendeter Heldentat davon. Als der Vorsitzende des Reichsbanners einen der Rowdys zu stellen versuchte,«rhielt«r von diesem einen Schlag. Die zufällig vorbeikommende Polizeistreife kam zu Hilfe. Der nationoiiozialistische Rowdy wurde verhaftet und mit ihm drei andere. Gestern hatten sich die Brüder Stricheit, Lüttrich und Bartoß wegen schwerem Lavdfriodeirsbruch zu verantworten. Natürlich wallten sie es nicht gewesen fein, die die Steine geworfen hatten. Natürlich waren sie nur zufällig dabei gewesen. Es wurde aber einwandfrei festgestellt, daß Strumheit den Reichsbannermann tätlich angegriffen und daß er vorher in dos Lokal hineingerufen hotte:„Hier kommt niemand lebend heraus!" Der Etoalsanwalt beantragte unter Berufung auf die neueste Verfügung des preußischen Iustizministers gegen Hans Strumheit 10 Monate Gefängnis, gegen feinen Bruder 6 Monate, gegen Lüttrich 5 und gegen Bartoß 4 Monate Gefängnis. Das Gericht sprach Bartoß frei: verurteilte Hans Strumheit wegen schwerem Landfriedensbruch zu 6 Monaten Gefängnis und wegen tätlicher Beleidigung 100 Mark Geldstrafe, den zweiten Bruder Strumheit und Lüttrich zu je3 Monaten Gefängnis. Zwei Todesopfer einer Autofahrt. Im Norden Berlins, an der Ecke der Swinemünder Straße und Ramler st raßc wurden bei einem Ausammenstoß zwischen einem Lastauto und einer Autodroschk« zwei Per- jonen tödlich verletzt. Die Autodroschke fuhr mit großer Wucht auf das Lastfahrzeug auf und wurde völlig zertrümmert. Der Führer des Autos, der 36iährige Hermann Richter aus der Hennigsdorfer Straß« 0 und der Fahrgast, ein K7jähriger Reinhold L i n i tz e r aus der Pelziger Straße 10 erlitten lebensgefähr 1 i ch e Verletzungen. Die Verunglückten fanden im Birchom- Kronkenhous Aufnahme, wo sie inzwischen ihren Verletzungen erlegen sind. Bluttat in der �chuhmacherwerkstatte. Ein« schwere Bluttat spielt« sich in einem kleinen Schuhmacher- laden in der Aimmerstr. Z 4 ab. Der Meister Anton Bauer. der in der Großen Frankfurter Straße wohnt, geriet mit einem Gesellen, dem 37 Jahre alten Ludwig Weißmann, in Streit.-. Im Berloufe des Streites griff der Geselle zum Messer und verfetzte dem Meister Stiche in den Oberschenkel und den Unter leib. Polizeibcamten nahmen den Messerstecher fest und ließen den Derletzten nach dem Urban-Krankenhans bringen. Vorläufig noch alter Verkehrstarif. In der gestern nachmittag stattgefundenen Aufsichtsrat«- fi tz u n g der Berliner Äerkehrsgefcllfchaft ist Sie Frage einer Um- g« staltung des Einheitstarifes noch nicht behandelt worden. Man vcrohfchiedete lediglich die Bilanzen für 1929. Die Aussprache über die Neuregelung des Tarifes ist vertagt worden. Eine Entscheidung ist daher nicht vor Ende nächster Wache zu er- warten. Mit einer heftigen Bewegung löse ich ihre Anne von meinen Knien, sie fällt. Ich würdige sie keines Wortes- Sie erhebt sich langsam und verläßt mich gesenkten Hauptes. Dies geschah abends. Ich ließ den Reitknecht mein Pferd satteln, pfeife den Hunden und ritt in die halbdunkle Nacht hinaus. Um mich zu zerstreuen, wollte ich meine Freunde im Dorf der Kranken besuchen. Das war eine Ansammlung von Lehmhütten in der Nähe von Bat». In der einen Hütte wohnten sechs Männer, die alle an der gleichen Art Elefantasis litten. Sie waren nicht alle vom gleichen Stamme. Aber ihr gemeinsames Leiden band sie zusammen. Sie traten stets zusammen auf, und in der Art der Eingeborenen gingen sie dabei im Gänse» marsch. Sie sahen aus wie eine Kompagnie wunderlicher Gespenster. Mit weit auseinandergespreizten Beinen kamen sie einhergehumpelt. Ab und zu stritten sie sich wegen der Ge- schwindigkeit, die beim Marsche einzuhalten wäre, trotzdem keiner von ihnen sich schneller als eine Schildkröte bewegen konnte. In der Hütte neben der ihren hielten sich dk von der Schlafkrankheit leicht Angegriffenen auf. Mager und unruhig schliefen sie monatelang, bis sie endlich verfettet und wahn- sinnig erwachten. Dann erst folgte der letzte Akt, langsames, grauenvolles Verfaulen, das bisweilen Jahre hindurch an- ballen kann! Auf dem Platz vor den Hütten saßen die Kranken ums Feuer. Einzelne hatte die Krankheit zu geradezu phantastischen Ungeheuern oerwandelt. Eine Frau ohne den geringsten Rest einer weiblichen Brust, mit Beinen, die. oben wie unten gleich dick waren, wackelte wie tanzend mit ihrem Nachbarn herum, dessen Körper über und über mit venerischen Wunden bedeckt war Er war sonderbarerweise vollkommen nackt. Wo doch die Männer von Natur schamhafter sind als die Fraucn- Llber dieser Mann brauchte eigentlich kein Feigenblatt. penn er hatte nichts wehr zu verbergen. Ich setzte miä) zu den Kranken und ließ ihnen starken, gegorenen Palmenwein holen. Und setzt gab's ein Fest! Die Elefantcnfrau flüsterte mir zu, daß sie sich mit dem Wundenmann verheiraten würde, sobald sie wieder eine richtige Frau und er wieder ein richtiger Mann würde. Sie redeten vor lauter Aufgeräumtheit durcheinander und vcr- suchten sich zu überschreien, um mir alle ihre Wünsche und Pläne mitzuteilen. Ach, wie närrisch und schön, schön und närrisch der blinde Glaube doch die Menschen macht! Und während der Rund- gesang erscholl, gingen meine Gedanken ihre eigenen Wege. Das Oel im Holze zischte und flüsterte. Die Flammen schmiegten und bögen sich wie weiche, geschmeidige Frauen- arme.... Ich mußte Hera sehen, sie sprechen, jetzt gleich! Im Galopp ritt ich heim, band das Pferd an den Riesenkolabaum vor meinem Hause. Dort fand ich sie, am Boden liegend. Ich zog sie an mich- „Mein armes Mädchen! Häßlich bin ich zu dir gewesen, und du wolltest doch nur das Beste für uns olle! Aber jetzt werde ich nicht mehr sästecht gegen dich sein!" „In mir ist alles wieder gut, Iudchi! Ich habe dick)(je- rufen. Und du bist gekommen. Dann ist alles gut. Denn ich habe die Gabe, den zu mir rufen zu können, in besten Blut mein Name klopft!" Am Gründungstage der Kolonie find alle Weißen, etwa zwölf Mäimcr, zu einem Aperitif(Frühschoppen) beim Amt- mann versammelt. Stehend hören wir seine Rede an: „Wir sind alle— die wir in unserm Amte wirken, er» scheine es' auch noch so gering— Pioniere der europäischen Kultur! Wir haben die Aufgabe, das Unsere dazu zu tun, um diesen Teil des Kongobeckens, diesen Teil Zentralafrikas den Segnungen der Zivilisation zu erschließen, die Reichtümer des Landes zu heben, kulturelle Bedürfnisse zu schaffen, sowie diese allmählich zu befriedigen. Eine schwere Aufgabe und eine gefährliche Aufgabe! Bor allem aber eine große Aufgabe! Eine Aufgab«, die Mut und Entschlossenheit, Energie und grenzenlose Nachsicht erfordert und außerdem noch Gleichmut. Schon haben wir Ergebnisse erzielt, die Gutes prophe- zcien: Die vorgeschriebene Anzahl kleiner Kinder, die wir für die Missionsschulen im Süden zu stellen hoben, macht Fort- schritte in der Kenntnis von der einzig wahren Religion, wie sie auch lernt, die offizielle Sprache Europas, das Französische. K u sprechen und zu schreiben. Aus diesen armen, verlorenen �egerkindern sollen Christen erstehen, die uns bei unserer zivilisatorischen Arbeit helfen können, als Dolmetscher, als Speicher- und Arbeitsvannönner, als Steucreintreibcr— ja vielleicht sogar als eine Art untergeordneter Büroangestellter! Ich möchte dem hier anwesenden Vertreter der Kirche mein Kompliment aussprechen! Europäisches Recht und Gesetz ringen sich immer mehr zur Anerkennung durch. Die Ber- brechen straft man nach modernen Strafrcchtsgrundsätzen! Das Gefängnis in Batu ist das größte Gebäude in Mittel» afrika! Eingeborener Aberglaube wird mit der Wurzel aus- gerissen, zusammen mit all den andern verwerflichen Sitten und Gebräuchen. Europäische Moralausfassung faßt Fuß. Schon oft werden Ehen nach europäischem Ritus geschlossen, wenig- stens zwischen Soldaten hier und den Eingeborenen, die in der Nähe der Garnison leben. Mein Kompliment dafür dem Herrn Richter! Meinen Dank allen den Herren Mitarbeitern! Unfern gemeinsamen Anstrengungen ist es zu verdanken, daß die Schwarzen zu disziplinierter Arbeit herangezogen«erden und dadurch imstande sind. Steuern zu zahlen! In dieser nicht unwesentlichen Hinsicht sind sie den Weißen gleichgestellte Nochmals: meinen Dank an meine Herren Mitarbeiter! Vor wenigen Jahren noch log dieses Land unerschlosten. eine Terra, iveognita für die Weißen, nur von heidnischen, unwissenden, faulen Negern bevölkert. Es wird ober nicht mehr lange dauern, dann ist die Zeit der Barbarei in UÄe nur noch eine Sage aus fernen Tagen! Ich hebe mein Glas zum Wohle und zum Gedechen der Kolonie und zu ehrerbietiger Huldigung des vorausschauenden. aufopfernden und menschenfreundlichen großen Mannes, der sie ins Leben gerufen hat!" Ein.Fzoch!" wird ausgebrackst, und alle trinken wir mit dem Zlmtmann, der die Rede jedes Jahr so gleichlautend her- unterleiert, daß ein paar der älteren Beamten mitflüstern und immer schon im voraus nicken können, wenn etwas Wichtiges kommt. Bei gesellschaftlichen Zusammenkünften sollen Dienstange- legenheiten nicht erwähnt werden, da dies früher oft zu schlimmen Zusammenstößen geführt hat. Da die Weißen hier am Orte einander aber ziemlich gleichgültig gegenüberstehen und die allgemeine europäische Unterhaltung über Aus stellungen und Schauspielerinnen vtanig am Platze märe, Härten wir uns wohl schweigend um die Gläser geschart, wenn nicht etwas geschehen wäre, was uns alle in atemlose Auf» regung versetzte.(Fortsetzung folgt.) Für gerechten Finanzausgleich! Die Notlage der Gemeinden. Bon der Pressestelle des Preußischen Landkreisicrge« wird mit geteilt: Der Borstand des Preußischen Landkretstages be- schöftigtc sich eingehend mit den Auswirkungen des im Preußischen Landtag zur Beratung stehenden Finanzausgleich g«setze s Er begrüßt die in diesem Gesetz enthaltenen Erleichterungen au' dem Gebiete des Boitsschullastenausgleichs, die besonders den schwer bedrängten Gemeindn de- flachen Landes zu. gute kommen. Wenn in absehbarer Zeit die Gemeinden und Gemeinde- verbände unter der Last der Wohlfahrtserwerbslosen die vor allem in den Industriekreisen genau so drückend ist wie in den Großstädten, nicht zusammenbrechen sollen, muh die Aufbringung dieser Mittel auf breiteste Schultern gelegt werden. Di« Landkreise erkennen die katastrophale Lage des Reichs, der Länder und zahlreicher Großstädte in finanz- und wirtschaftspotitischer Be ziehung voll an. Sie sind bereit, auch unter Opfern an dem großen Problem der L a st e n s e n k u n g tätig mitzuarbeiten, müssen je doch verlangen, daß das Reich und auch das Land Prsußen auf diesem Gebiete gleichen Schritt halten und in der Gesetzgebung diesem Gedanken Rechnung tragen. Die Landkreis« haben sich in ihrer Finanzgebarung bisher groß« Zurückhcsttung und Sparsamkeit auferlegt, eine Tai- fache, die ihren Ausdruck in der durchaus normalen Berfchul» dung findet. Sie beobachten mit großer Sorg« die Notlage, in der sich vor allen Dingen die großen Städte befinden. Sie sind durchaus bereit, bei der Ausgestaltung des kommunalen Reoi fionswesens mitzuarbeiten, oerlangen jedoch, daß dieser Aus- bau auf di« einfachste und billigste Art vorgenommen wird. Notnagels Ehrenrettung. Keine Morphiumhöhle, sondern eine ehrbare Herberge. Das Haus N o t n a g e l war in Moaditcr Gerichtssälen wohlbekannt. Das Rauschgiftdezernat am Polizeipräsidium, die Rausch» giftkammer im Kriminalgcricht stieß immer wieder auf den Namen. Bald war es der Brillanten-Paul, der ihn erwähnte, bald der Apo theker-Hans, bald die Krankenpflegerin Anni, ein« schwere Morpht nistin, bald der eine, bald der ander« Giftsüchtige. In den stark vernachlässigten Räumen der Herberge an der Fischerbrücke herrschte Nacht für Nacht reges Leben. Auch tagsüber ging es wie in einem Taubenschlag zu. Erwerbslos«, Bettler, Leute unbestimmten Berufes, Strichjungen, auch obdachlos« Gelegenheits- arbeiter fanden hier nachts Unterkunft. Si« schliefen entweder in Betten oder einfach den Kopf auf den Tisch gestützt. Besonders gern kamen hierher aber die Unglückseligen, die ohne Morphium nicht l«b«n tonnten. Sie wußten, daß sie hier immer den einen oder anderen Schicksalsgenossen finden würden, der ihnen etwas von dem er» sehnten Gift abtreten würde. Und das Rauschgiftdezernat hotte in der Herberg« reiche Ernte. Eines Tages wurde aber das Treiben selbst dem Eigentümer. Herrn Rotnogei, zu bunt. Di« Polizei- razzien schädigten das Geschäft. So zog man es vor, fortzubleiben. Da beschloß Herr Notnagel, Wandel zu schaffen. Er strich die Fassade feines alten Hauses an, putzte auch die Innenräume heraus und reinigte feine Herberg« von Morphiumfpritzern und Strichjungen. Seitdem— es sind zwei Jahre her— kann die Polizei sich nicht mehr über Herrn Notnagel beklagen. Und da passierte ihm das Malheur.... Ein Berliner Sensationsblatt brachte einen Artikel mit der Ueberfchrift:„Lasterhöhlen, Kokain- und Morphium- kneipen"' und schilderte darin unter anderem die Herberge in ihrer alten Berfafsung. Der Inhaber verklagte den Verfasser des Artikels wegen übler Nachred«. Also wurde die Klage vor dem Schöffen- gericht Berlin-Mitte auegetragen. Der beklagte Journalist wollte anfangs von einem Vergleich nichts hören. Das, was er behauptet habe, entspreche den Tatsachen, erklärte«r. Und trat den Wahr- ■heitsbeweis an. Der scheitert« aber. Zwar sagte ein« Journalistin, die sich erst vor kurzer Zeit unter der Führung der Kriminalpolizei die Herberge Notnagel angesehen hatte, daß ihrem Gefühle nach, sich dort nach wie vor viele Giftberauschte aufgehalten hätten: die Kriminalbeamten waren jedoch der Meinung, daß sich di« Verhält- niste bei Herrn Notnagel außerordentlich gebessert hätten, und daß die Behauptungen des Artikels jenes Blattes nicht mehr zuträfen. Nun war der Berfaster zu einem Bergleich bereit.„Er habe sich überzeugt", erNärt« er,„daß sich die Verhältnisse im Notnagelschen Haus« tatsächlich gebessert hätten."— Di« Berliner Journalisten werden sich in Zukunft das Reportermaterial für kriminelle Sen- sationen woanders suchen müssen. Aus der Gemeinwirtfchast der deutschen Städte In der letzten Nummer der„Kommunalen Blätter" der Berliner Sozialdemokratie veröffentlicht der Schriftleiter Paul Robinson eine interessante Darstellung„Aus der Gemeinwirt- schaft der deutschen Städte". In Form einer oergleichenden Ueber- ficht wird über Einwohnerzahl, Wasser-, Gas- und Elektrizitätsversorgung der Städte eingehend berichtet. Dem Text und dem lehrreichen, sorgsam zusammengetragenen sta- tistrschen Material, dessen Kenntnis für jeden am kommunaler Leben Interessierten von größtem Wert ist, liegen di« Angaben des Sta- iistischen Jahrbuchs deutscher Städte zugrunde, dessen erste Lieferung im Verlag Fischer, Jena, soeben erschienen ist. Das Hauptergebnis der wertvollen Untersuchungen ist klar und übersichtlich dargestellt. Es ist erfreulich, daß durch die Veröffentlichlmg in den„Äommu- nalen Blättern", auf die wir hier nochmals besonders hinweisen möchten, das aufschlußreiche Zahlenmaterial auch einem größeren Leserkreise zugänglich gemacht wird. Unfall im Stadtbad Mitte. Am gestrigen Spätnachmittag er- eignet« sich in dem neuen Stadtbad Mitte in der Garten- siraß« ein bedauerlicher Unfall. Der Ajahrige Arbeiter Wilhelm Jt rauf« aus der Borst gstr. 14 kam dabei ums Leben. Der Ber- imgluckteam- Schluhtundgebung auf dem Wioterfeldtploh um 22 Uhr. Ansprach«: Franz Künstler, M. d. R._„.„,_-■. Sonntag, 15. Juni, groß«,«olksfest In den Gesomtraumeu der Schlohbrouerei, Soupfftr. 122.»rsßes'hKarteui-uzert. iporttiche und turnerisch« Vorführungen,»ollstöuze Stt»AI. urch»luders«und« Schöne berg.Fri-d-nou. Mäunerchör«!„Arbeffsgemeinschost Schonebeiger Mänuerchor Freundschost" und„Liedertafel jfest".. Sp"chcho-. ousgc, führt»an der SAZ. Ansprache: Hans«-gel(Partiloorstond>, 3L b R kinbersackelzug um 21 Uhr. Im große» Saal Tanz,«affeetüche ist ab 3 Uhr geöffnet. Tresspuntte zum geulelnsameu Marsch zur Schloh. taaucrci: 78., 79. Abt.: Uli Uhr auf dem Leuthenplöch: 8«./8t. Abt.. 1414 Uhr Cätiliengörtcn; 77. Abt.: 14V. Uhr Rudols-MIde-Platz. Für arbeitslose Genossen Eintritt frei. Platrtten b«, den«btelluugsleiteru. 77. Abt. Schöneberg. Wir treffen uns heute pollzähkig um 1984 Uhr Wort- burgplaß(Gothoer Strohe) zum Fackelzug.— Morgen, Sonntag, Treff- Punkt zum Festzug 1444 Uhr Rutolf-Wilde-Ploß. Rlorgen. Sonnlag. 15. Zunl. 4. Abt. Familirnaupffug nach Zinkenkrug. Tressen 3 Uhr Phs. Zanaomig- brücke. Für Ueberroschnugen nnd Gemütlickckeit ist gesoogt. 7. Abt. Ausslug nach Hoheoneuendors. Zrcffpnakt 9 Uhr Stettraer Lsrori. bohahof. Rochziiglier tmffcn ich im Lotol Soldschönl«(Sübansgoag). Für Tinberbelustigungeu ist gesorgt. Sir bittra am rege SrteUigaaa. 58.«W. Eharlottrnburo. Alle Eenosfiaaen und Senossen betelUgen stch S« ichlossrn an dem«miswaldle» im«oltspark Zungferaheld«.«bmarlch mit Musst 9 Uhr wilhclmplaß. Plalotten zum Preis«»»» 3« Pf. find bei de» Ordnern u haben. Frauenveransiallungen. 113. Abt. Lichtenberg. Heute, Sonnabend, 14. Juni, Au-Nu» nach Strau». berg, Treffpunkt 12 Uhr am Bahnhof Lichtenberg.Fricdrichsfeldc. Zungsozialisten. »rupp« Schön« derg: Heute, pünktlich 20 Uhr, Treffen ZUM Fackelzug Wart- burgplaß. Gruppe Friedrichshaiu: Wir beteiligen uns an der Fahrt ber Naturfreunde, Abt. Friedrichshain. Treffen Eonnobend, 22V4 Uhr Schlesifcher Bahnhof, Olex- Hiluschen. Abfahrt 22 Vi Uhr. Nachtivonderung Strausberg— Tiefen see. Gruppe Bohnsdorf: Sonnabend, 14. Juni, Fahrt zu den stinderfreunden an den Peeßsee. Standauartier: Schwimmende Jugendherberge. Bahnfahrt bis ssangschleuse. Quartier ist bestellt. Wir fahren nicht oemeinsam, sondern jeder fährt, sobald er tonn. Nachzügler lammen Sonntag lriih nach. Grnpp« Wilmersdorf: Margen, Sonntag, 15. Juni, beteiligen mir uns. geschlossen an dem Waldfeft. Treffpunkt U. Uhr Bahyhas Schmargendorf.... Arbeitsgemeinschaft der Kinderfreunde. Mitte: Alle Teilnehmer am Iungsalkenlager Munster kämmen am Dlonldl zu einer wichtigen Besprechung nach dem Heim Elisabetbtirchstr. 19. Es mug auch mindestens ein Helfer von jeder Gruppe vertreten sein. Beginn 17 Vi Uhr. Im gleichen Heim um 2« Uhr sehr wichtige«rcishelferstßung. Di« Eltern- bciräte nehmen gleichfalls an dieser Sitzung teil. gre!« Neulölln. Cladloncinwelhung in Neukölln. Alle Gruppen treffen sich am Sonntag um 14 Uhr Herrfurthplatz in Falkentleidung. Für un, ist diese Veranstaltung Pflicht, darum geht kein« Grupp« auf Fahrt. Wimpel mit- bringen. Geburlstage. Jubiläen usw. »5. Abt. Unsere, langjährigr» Partelgenosssn und Funktionärin Marie Mülle«, Prtnz.Haadjern. Strohe, ,u ihrem 55. Geburlslage di« herzlich- fteu Slückwuniche. 1t», Abt. Lichtenberg. Unserem Genossen Friß Prinzle. Magdalencn- straße II, zum izjöhrigen Parteijubiläam die herzlichste» Glückwünsche. Vortrage, Vereine und Versammlungen. » Reichsbanner„Schwarz-Rol-Gold". Geschäft«-stelle: Berlin E. 14. Sebastianstr. 37—33. Hol Z. Tr. tejflvy Sonnabend. 14. Juai. Treis Narben! Pünktlich 19V4 Uhr An- treten aller Ortsoereine am Bhf. Waidmannslust. Wedding: Pflichtoeranstaltung in Woidmannslust. Antreten 19VH Uhr Bhf. Waidmanns. tust, ssahrverbindung Bhf, Dlfundbrunncn 13H0 Uhr, Autobus 15 ab See» straße I3,4ö Uhr(nicht 16.50 und 16,45 Uhr). Steglitz(Ortsvrrrin) 21 Uhr wichtige Zusammenkunft bei Schulz, Birkbufchstr, 90. Pankow(vrtsoerein): Werbeummarsch in Waidmannslust, Antreten 19 Uhr Pankow iNordbahn). Pflichtoeranstaltung. Nolentbal: Antreten 19 Uhr Bhf. Rosenlhal zur Werbe- kundgebung in Waidmannslust, Reinickend» rs-Ost: Werbeümzug in Hermsdorf. Treffen 17Va Uhr im Bereinslolal Hiehne. Nachzügler 18 Uhr Bhf. Waid. mannslust. Weißenfe« fOrtsoerein): 19Vj Antreten Bhf. Woidmannslust in Bundeskleidung.— Montag, 16. Juni, strrl, Westen: Sämtliche vrlsoereine beteiliaen sich an der Seocring.Beranstaltung in Steglitz. Abmarsch 20 Uhr vom Breitenbachplatz. Pflichtoeranstaltung. Tiergarten: Antreten zur Pflicht- oeranstaltung in Steglitz: Moabit 19 Uhr stleiner Tiergarten: Westen 19V4 Uhr Bhf. Bülowstrahe: Nachzügler 20 llhr Breilenbachplatz. Eharlottenburg: 20 Uhr Seoerlna-Beranstaltung in Steglitz. Treffpunkt des Ortsoirein« 1954 Uhr Brcitenbachplatz ohne Fahnen, ahne Musil. Wilmersdorf sOrtsverein): 20 Uhr Antreten Steglitz. Düppelplatz. Pffichtperanstaltung. Steglitz: Zum Ummarsch durch Steglitz 1954 abmarschbereit Breilenbachplatz. Köpenick, Kameradscha't: 20 Uhr erweilerte Porstandssitzung bei Iablanfli, Naiser-Wilchlm-Str. 69. Lichtenberg: Achtung, Iungmannschart und Schutzsportlrrl 19Vß bi» 2114 Uh» Trainingsabend in der Turnhalle Rummclsburger Str. 64. Bereinigung der Freund« von«eligto» nnd Völker frieden. Genosse Pfarrer Bliier spricht Im Rahmen einer religiösen Feierstunde am tommende» Sonntag, 15. Juni, 13 Uhr. über das Thema„Die Religion— ein Geheimnis" in der Trinitatistirch«, Eharlottenburg. Karl.August.PIatz. Nepublllanisch« Rednero errinigung. Montag, 20 Uhr, Alter Askanier, Anhaltstr. U spricht Genosse--»nck. phis. Pollat. Diskussion. Gäste milltamme». Der nächste scrualwlssenschaftlich« Frageabend des Institut, ftlr Sexual- Wissenschaft findet am Manlag, 16. Juni. 20 Uhr, im Ernst-Haeckel-Saal, In de» Zelten Sa. Eingan« Gartenportal, statt. Unkostcnbeitrag 20 Ps, Erwerbs- los, frei. Lnnapark. Am Sonnabend beendet der Dauertänzer Alfredo Fernando seinen Weltrekordtanz über sech. Tage bzw. 152 Stunden. Ninderschützens-st bei Joseph. Alle Mädel, und Knaben ssnd van dem bekannten Warenhaus H. Joseph u. Co., Neukölln, Berliner Str. 51—55, zum Kinterschützeufest freundlichst eingeladen. Biel Interessantes und Luftiges gibt es für die«leinen, so z. B. Kinder-Rüff-Arena. Karussell. SchÜtzenhgus mit Erfrischungen, Schießbude usw. Täglich ron 16. bis 24 Juni, von 151» bis 17 Uhr. findet gratis für Kinder im Alter von 8—12 Jahren nur in Be- gleitung von Erwachsenen da» große Preisschießen statt. Es werden täglich nach den besten drei abgegebenen Schüssen ein Schützenkönig und zwei Schützen- rittcr mit Geschenke» prämiiert und mit Schokolad« und Kuchen bewirtet. Am 24. Juni, dem Johannistag, erfolgt da» Ausschiehen de» Schützenkönig» und der beiden Schützenvizelönig« mit wertvollen Preisen. Insgesamt stehen 27 Preis- zur Verfügung. Schöne weiße Zähne„Auch ich möchte nicht verfehlen, Ihnen meine arößt« Anerkennung und vollste Zufriedcnhcit über die„Chlorodont- Zahnpaste—"—'*—•' r- di« Zahnpaste" erreicht habe."' C. Reichelt. Schwerz, Ämt Niemberg, Saallreis.— Chlorodont: Zahnpaste 60 Pf. und 1 Mi., Zahnbürsten, Mundwasser 1 MI. bei höchster Lualität. In allen Chlorodont» Berlaussstellen zu haben. Lübecker Genossenschaststag. Gegen Sondersteuer und KarieNdikiaiur. Der 2 7. Tenoss«nschaftstog, der am Montag in Lübeck beginnt, wird ein Kampftag erster Ordnung sein. Die gegenwärtige Regierung und die bürgerlichen Parteien waren nur allzu bereit, die Gesetzes n, aschin« in den Dien st der Gegner der Konsumgenossenschaften zu stellen. Wirt- schoftlich rückständige Gruppen des Warenhandels werden durch eine einseitig orientierte Steuergesetzgebung b e g ü n st i g t, die rationell arbeitenden Genossenschaften aber b e st r a f t. Wenn Genieinden die Mitgliedschaft bei Konsumvereinen erwerben, um ihren Bedarf billiger einzudecken, dann zwingt sie ein« vorsintflutliche Justiz, aus dein Konsumverein auszutreten und die höheren Preise des Privathandels zu bezahlen. Das Streben noch Wirtschaftlich- k e i t in der Warenvcrteilung, das Streben nach W a r e n v e r- b i l l i g u n g, die E i g e n h i l f e, die Erziehung der breiten Massen zur Sparsamkeit und zur Abkehr von der B o r g wi r t s ch a f t gilt heute in Deutschland als Verbrechen und wird unterdrückt. Das ist die Situation, die die Konsumgenossenschaften in Lübeck vorfinden. Man wird es ihnen nicht verübeln können, wenn sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen und frei heraussagen, was ist. Die Redlichen Pioniere von Rochdale haben vor fast einem Jahrhundert den Kampf um die Befreiung von der Derbrauchermlsbcutung und gegen die Warenverfälschung be- gönnen. Der großen Demonstration in Lübeck fästt im Rahmen der mächtig gewachsenen internationalen Genossenschastsbewegung die Aufgabe zu, das Werk der Pioniere zu sichern. Roch immer liegt im Reichstag jenes Steueroereinheit- lichungsgesetz. das eine Besteuerung der Genossenschaften verlangt und ein« 2l>prozentige Extrabesteuerung der Filialbetriede fordert. Der Lübecker Genossenschaftstag wird mit aller Energie gegen, diese Ausnahmesteuer protestieren. Er wird auch ln das Dunkel der Sörperschaflssteuerpraxi» hineinleuchten. Räch dein Gesetz sind die Genossenschaften von der Körperschastssteuer befreit, wenn ihr Geschäftsbetrieb nicht über den Kreis der Mitglieder hinausgeht. Dem Gesetz liegt der tiefe Sinn zugrunde, die Eigenhilfe nicht durch steuerliche Maßnahmen zu er- schweren. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine ist niit seinen sämtlichen Organen der Meinung, daß das Verbot des Waren- verkouss an Richtmitglieder restlos durchgeführt werden muß und daß die Konsumvereine ihren Geschäftsbetrieb unbedingt auf den Kreis ihrer Mitglieder beschränken müssen. Die mitteldeutschen Konsumgenossenschaften haben vor einigen Tagen eine Genossen- schoft ausgeschlossen, weil sie den Verkauf an Richtmitzlieder nicht aufgeben will. Das beweist alles für die gesetzliche Einstellung der Genossenschaften. Immer wichn erlebt man ober, daß mittel ständlerische Provokateur« das Verkaufsperfonal bei den Genossenschaften zur Abgabe von kleinen Warenmengen verleiten. Da erscheint irgendwer im Konsumladen und gibt vor, Mitglied zu lein: erhält er die gewünschte Ware, dann ist der Augenblick gekommen, die Genossenschaften zu denunzieren, die dann, wenn sie auch im Einzelfall und gcgcnihrcn Willen an Richtmitglieder abgegeben haben, zur Körperschaftssteuer herangezogen werden. Diese unmoralische Methode der jsändlerörgon>sätiönen"sänttioniert der R e i ch s f i n a n z h o f unverständlicherweis«. Das gleiche gilt von der Erhebung der Kapitalertrag- st euer von der Waren« ninahm«. So- wird die Kapital- ertragsteuer, die nur vom Kapitalsertrag erhoben werden kann, zu einer BÄastung ausgebaut, die gerade die Minderbemittelten trifft. In dieser merkwürdigen Steuerpraxiz liegt Methode. Wer daran noch gezweifelt hat, der wird wohl durch die Aus- nähme st euer gegen die Konsumgenossenschaften eines anderen belehrt worden fein. Den in den Konsumvereinen organisierten Verbrauchern werden dadurch die geringen Beträge, die sie als Rabatte zurückerhalten sollen, abgenommen. Das ist eine konfiskakionKvon Ersparnisse« der Aermsten. So sieht die Kapitalsbildung nach der anderen Seite aus. Die Gutsituierten zahlen zu diesen Lasten keinen Pfennig, aber der armen Witwe, die vom Konsumverein vielleicht Sl) M. Rabatt pro Jahr bekommt, nimmt man SM.— das sind l<1 Pro- zent— im voraus ob. Propagiert wurde diese Steuer von den Nationalsozialisten. Die parlamentarische Mutter je- doch ist die Wirtschaftspartei. Diese Partei hat ihr Verbleiben in der Regierung von der Durchführung dieser steuer- lichen Ungeheuertlichkeit abhängig gemacht, und der Führer dieser Partei, der gegenwärtige Iustizminister Professor Dr. Brcdt, er- klärte, daß diese Steuer, wenn sie auch keinen Sinn habe und für die Ueberwindung der Finanzmisere des Reiches bedeutungslos sei, bleiben werde. Es Hot nichts genutzt, daß die Wirtschaft sich gegen diesen Steuerunfug erklärt hat und einmütig fordert, daß sie möglichst bald verschwinde. Die Ausnahmesteuer gegen die Konsumvereine ist Haß und Neid entsprungen, weil man den rationalisierten Genossenschaften das Lebens- licht ausblasen will. Man bezweckt damit, die eigen« Unfähig- keit und wirtschaftliche Rückständigkeit zu verdecken und andere Or. ganisationen, die sich selbst helfen und keinen Pfennig vom Reich versangen, in ihrer Entwicklung zu hemmen. Der Kampf gegen die Konsumverein« wird im Zeichen der freien Wirtschaft geführt. Dies« freie Wirtschaft hat jedoch seit Iahren die Preisdiktatur der Kartell« aufgerichtet. Was die Regierung aber gegen die Preisdiktatur der Kartelle tut, beweist am besten die Talsache, daß sie die Regelung des Kartell- wesens wie ein heißes Eisen scheut und daß die minimale Forde- rung nach einem Kartellreg i st er immer noch nicht erfüllt ist. Die Preisdiktatur geht so weit, daß dem sogenannten freien Handel und den Genossenschaften verschiedene Preise diktiert werden. Man nimmt den Genossenschaften höhere Preise ob als dem übrigen Handel. Das Kartellgericht aber entscheidet, daß hier eine Benachteiligung der Konsumgenossenschaften im Sinne des Kartell- gesetzes nicht vorliegt. Konsumverein ist Eigenhilfe, und um das Werk der Eigen- hi/fe zu sichern, werden die Verbraucher zur Selbsthilfe greifen müssen. Es gibt Mittel in Hülle und Fülle, gegen die merkwürdig« Steuerpraxis des gegenwärtigen Kabinetts zu kämp- fen. Es gibt Mittel in Hülle und Fülle, daß die Propagan- disten dieses Steuereinzugs ihr« Torheit am eigenen Beutel spüren. Die Konsumgenossenschaften sind so ausgebaut, daß der Verbraucher seinen Bedarf im eigenen Gc> schüft, h.ej„den Konsumgenossenschaften decken kann. Ohne Zweifel lieren. An den Verbrauchern in Deutschland liegt es, ob sie des Geistes der Redlichen Pioniere von Rochdale würdig sind: Eigen- Hilfe bedeutet in der gegenwärtigen Situation Selbsthilfe! kst nur z« hoffen, daß st« planmäßig ansgebant werden können. Die finanziellenAufwendungen stehen fetzt noch in keinem Verhältnis zun, erzielbaren Erfolg. Wenn an Kosten auf den landwirtschaftlichen Schüler berechnet schließlich 1 bis 2 M.. entfallen, so ist dieser Betrag glatt herausgewirtschaftet, wenn der so vorgebildete Landwirt auch nur einmal ein Lager richtig schmiert oder ein Ersatzteil rechtzeitig bestellt. Allerdings wird der Erfolg stark von der pädagogischen Geschicklichkeit des Reichskuratoriums für Technik in der Landwirtschaft abhängen, dem man für sein Vor- gehen nur vollen Erfolg wünschen kann. Parole„Lohnabbau". Die Schwerindustrie fordert allgemeinen Lohnabbau, ohne Rücksicht auf die Tarifverträge. Die deutsche Arbeiterschaft muß in diesen Togen des sich ver- schärfenden sozialen Drucks mit besonderer Aufmerksamkeit auf die Stimmungen und Auffassungen bei den Ruhrunternehmern, der sozialpolitischen Wettereck« Deutschlands, achten, deren Einfluß bei der Reichsregierung unter der Herrschaft des Bürgcrblocks stark ist, wie die Verbindlichkeitserklärung für Nordwest beweift. Die Organe der Schwerindustrie werden nicht müde, zu betonen, daß der bei der Eisenindustrie begonnene Lohn- obbau zum Systein in Deutschland erhoben werden müsse. Di« Zeit- schrift„Ruhr und Rhein", das Organ des Langnam-Vereins und der schwerindustriellen Handelskammern an der Ruhr, das dem sozialpolitischen Ruhrstrategen Dr. Schlencker nahesteht, veröffentlicht am 13. Juni einen Artikel, der durch die Rücksichtslosigkeit Auf- sehen erregen muß, mit der der allgemein« Lohnabbau gefordert wird. Es heißt da: „In dieser Situation kommt ohne Zweifel dem Schieds- spruch von Oeynhausen eine überaus große g r u n d s ä tz- liehe Bedeutung zu. Wenn die notwendigen Folgerungen aus ihm gezogen werden, kann er zu dem entscheidenden Wendepunkt der deutschen Wirtschaft und Sozialpolitik der Nachkriegsjahre werden... Wir haben bereits darauf hin- gewiesen, daß diese Aktion, wenn sie auf die Eisenindustrie be- schränkt bleibt, für sich allein noch nicht die Kraft besitzt, eine all- gemeine Konjunkturbelebung in Lauf zu setzen. Dieser erhoffte Erfolg kann vielmehr erst dann erwartet werden, wenn von der Eisenindustrie ausgehend«In allgemeiner Um- schwung in der bisherigen Wirtschaft und Sozialpolitik eintritt und die Welle der Senkung der Selbstkosten und Preise sich in all« Zweig« der deutschen Wirtschaft bis zu den Preisen des Einzelhandels durchsetzt... Eine Verzettelung und Verschleppung der Einzelattionea uach Maßgabe der teilweise erst im herbst, teilweis« erst im Minier liegenden Tarisabläufe der verschiedenen MIrtschastszweige birgt die Gefahr, daß hierdurch die Gesamt- oklion in ihrer Wirkung verpufft." Mit diesen Worten ist der allgemein« Lohnobbau in Deutsch- land zur Parole ausgegeben. Die Absicht der Schwerindustrie geht offenbar dahin, daß unabhängig von der Geltungs- dauer der Tarifverträge der Lohnabbau in Szene gefetzt werden soll und die Schwerindustrie hat die Zuversicht, daß auch die Regierung dazu ihre Hond bieten wird. Ohne weiteres wird von der Schwer Industrie die Forderung des Umbaues der bis- herigen Wirtschafts- und Sozialpolitik mit der Forderung des all- gemeinen Lohndruck- gleich gesetzt und zur Durchführung des allgemeinen Lohnabbaues die Hilfe von Staat und Regierung er- wartet; sonst dürste die Schwerindustrie nicht wagen, davon zu sprechen, daß der Ablauf der Tarifverträge nicht abgewartet werden dürfe" Di« Ausfichningen des schwerindustriellen Organs müssen als ernstes Alarmsignal von großer Tragweite betrachtet werden. Tteue Kupferpreissenkung. Das Internationale Kupferkartell hat die Kupfer- Notierungen von 13,3 Cents pro englisches Pfund auf 13 Cents heruntersetzen müssen. Damit ist das Bestreben des Kartells, den Markt wieder in seil« Hand zu bekommen, vorerst gescheitert. Die Manipulierung der Preis« in den letzten beiden Monaten hat zwar den Absatz und den Export von Kupfer während des Monats Mai steigern können. Dagegen gelang es nicht, die Produktion zu drosseln. Insbesondere sind es die Lohnhütten, die die offizielle Notierung unterbieten. Die Preispolitik des Kupferkartells wird auch in der nächsten Zeit davon beeinflußt, daß dos Preisabkomimen mit den Lohichlltten, wonach diese an die offizielle Notiz gebunden sind, ab- läuft. Di« offiziell« Kupfernotiz wurde am Freitag in London be- reits unterboten. Technische Schulung für den Landwiri. pädagogische Selbsthilfe der Landwirtschast. In diesen Tagen hat in der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Berlin der erste land wir tschaststechnische Fortbil- dungskursus für Landwirtschaftslehrer begonnen. Diese Veranstaltung, die vom Reichskuratorium für Technik in der Landwirtschaft ausgeht und gemeinsam mit dem Verein deutscher Ingenieure durchgeführt wird, verdient als e r st e r Versuch, das gesamte landwirtschasttiche Ausbildungswesen auf eine breitere Basis zu stellen, besonderes Interesse. Der fünftägige Kursus, an dem 200 Lanowirtschaftslehrer teilnehmen, soll den Landwirtschafts- lehrer nachdrücklich von der Notwendigkeit des technischen Unterrichts überzeugen und ihm die nötigen Unterrichtsmtttel an die Hand geben. Die Bedeutung dieses ersten Versuches der landwirtschaft- lichen Selbsthilfe von der pädagogischen Seite her geht aus der Tat- fache hervor, daß kaum 20 Proz. unserer bäuerlichen Vevölte- rung eine landwirtschaftliche Fachausbildung erfahren haben und daß jeder bäuerliche Betrieb im Durchschnitt nuralle30Iahr« einmal von einem Wirtschaftsberater besucht werden kann. In land- wirtschaftlichen Konturrenzländern dagegen, z-.B. in Holland, sind 7» Proz., in einigen Provinzen sogar 30 Proz. der männlichen land- wirtschaftliche» Jugend beruflich geschult. Die Zahl der holländischen Schüler in Ackerbau- und Gortenbauschulen sowie Fortbildungs- tursen betrug im Jahr« 1S2S/27 über 12 000. während in Preußen zur gleichen Zeit nur 19 99? Schüler vorhanden waren. Dabei«nt- spricht Holland in der Größe etwa der Provinz Hannover. Die Ursach« für den heutigen Mangel an technischer Schulung ist daran begründet, daß die Landwirtschaftslehrer früher kaum exne technische Ausbildung genossen und daß die Bedeutung der Technik fast allgemein verkannt wird. Jetzt sollen wenigstens die vorhandenen Schulen einen einwandfreien technischen Unterricht erteilen. Dieser Unterricht, der von betriebswirtschaftlichen Fragen ausgeht und sich im wesentlichen auf Vorträge über Wirkungsweise, Pfleg« und Behandlung der Maschinen erstreckt, soll in erster Linie bei den Schülern Interesse erwecken. Er wird eine Ergänzung durch praktische Kurs« erholten, die von Werkmeistern in Form von fliegenden l-ltägigen Kursen an den landwirtschaftlichen Schulen abgehalten werden Diese Maßnahmen sind außerordentlich begrüßenswert und es Preissenkung für Roheisen. In der Hauptversammlung des Roheisenverbandes wurde be- richtet, daß sowohl der Inlands- als auch der Auslandsmarkt sehr still liege und die Nachfrage weiterhin völlig unbefriedigend sei. Es wurde beschlossen, die Verkaufspreise für alle Verkäufe mit sofortiger Wirkung um durchschnittlich 2 TUark pro Tonne zu ermäßigen. Auch die haupwersammlung des R ö h r e n v e r.b a n d e s hat eiue Ermäßigung der Röhrenpreise für alle im Inland« seil dem 1. Zum neu abgeschlossenen Geschäfte vorgenommen. Märkisches Elektrizitätswerk. Kritik an den ländlichen(SlektrizilätS-Genossenschasten. Das Märkische Elektrizitätswerk(MEW.), dessen Aktienkapital von 30 Millionen Mark sich je zur Hälfte im Besitz der Provinz Brandenburg und der beteiligten Kreise befindet, hat im Geschäfts- jähr 1929«inen weiteren Aufschwung genommen. Dos Großkraftwerk Finkcnheerd wurde ausgebaut, ebenso die in unmittelbarer Nähe befindlichen Braunkohlengniben. Außer- dem wurde das Dieselwerk Hennigsdorf sertiggestellt, das zum Ausgleich von Belastungsspitzen und Störungen dienen soll. Diese Neuonlagen haben zur Erhöhung der Anlagekonten um etwa 25 Millionen geführt, wovon allerdings annähernd 10 Millionen schon im Vorjahr als„im Bau befindliche Anlagen" aktiviert waren. Dem Abschreibungsfonds wurden weiter« 10 Proz. des gesamten Anlagekapitals von zirka 150 Millionen, also fast 15 Mil- lionen, zugewiesen, so daß dieser die respektable Höhe von 8 0 Mil- l i o n e n erreicht hat. Ueberhaupt scheint man bei der Bilanz- aufstellung vorsichtig zu sein, da sich neben dem gesetzlichen Reserve- sonds von 5 Millionen noch besondere Rückstellungen in Höhe von 12,5 Millionen finden. Bankguthaben sind mit 8 Millionen um 1,5 Millionen niedriger. Die Beteiligungen sind von 13,6 auf 10,4 Millionen zurückgegangen, da eine Reihe von Tochtergesell- schosten übernommen und deren Vermögen den Anlogen zu- geschrieben wurden. Es wird wie im Vorjahr eine Dividende. von 10 Proz. verteilt. Mit Strom versorgt wurden 40 Stadt- und Landkreise mit über 2600 Orten. Ins Berichtsjahr fällt auch der Abschluß des Austouschvertrages mit der Bewag, wodurch sich das Bersorgungsgebict vergrößerte. Der S t r o m a b s o tz konnte. auf eine halb« Milliarde Kilowattstunden gesteigert werden, aber die Zunahme gegenüber dem Borjahre betrug nur noch 6,5 Proz. gegenüber 11,5 Proz. im Jahre 1328. Am stärksten gestiegen ist der Absatz an die Kleinabnehmer111 Mansfelder Revier wurden am Areitaz von den Wewerkschasten die ersten Unterstützungen an die Ausgesperrten ausgezahlt. Die offenen und heimlichen Unternehmer- freunde haben damit gerechnet, daß der erste Tilg der Unterstutzungs- auszoh'.uiig zu einem kritischen Tag erster Ordnung merd«. Die Auszahlung erfolgte jedoch ohne jede Störung. Selbstverständlich erhallen die Unorganisierten keine Hilfe vom Verband. Soweit sie bedürftig sind, haben sie die Möglichkeit, sich bei den Mrsorge- ümtern zu melden. Di« allgemein« Situation im Aussperrungsgebiet ist u n v« r- ändert. Die Arbeiterschaft steht fest hinter der Führung der Gewerkschaften, obwohl di« Kommunisten neuerdings große An- strengungen machen, um den gewerkschaftlichen Kampf für ihre politischen Zwecke auszubeuten. Sie haben jetzt einig« fremd« Agitatoren nach dem Mansfelder Revier gesandt. Einer da- von namens Möller stammt aus Hannover und zwei find dem Aussehen und der Sprache nach deutlich als Russen zu erkennen. tteuer Zusammenstoß in Gens. LI in die Abschaffung der Zwangsarbeit. In der Kommiision für die Arbeitszeitregelung der Kohlenberg- orbeiter sprachen(ich heute vormittag der englisch? B'gieniage- vcrtrstcr Shimvell und der deutsche Ministerialdirektor Sitzler sehr 'entschieden' für den baldmöglichsten Abschluß einer Konvention au« und bezeichneten e» ferner als gerechtfertigt, daß die Grubenarbeiter eine kürzere Arbeitszell als die übrigen Arbellerkategorien erhellten. In der Kommission für die Zwangsarbeit kam es zu einem neuen Zusammenstoß zwischen der englischen Regierungsverlertung und dem englischen Arbeitcrverlreler. Der ersten« sprach gegen eine bestimmte Befristung der Uebergangszell und nur für eine baldmögliche Abschaffung der Zwangsarbeit, worauf der englische Arbeitervertreter Bromleq. der Generalsekretär des englischen Lokomotivführer- und Heizerverbandes, scharf antwortete. die englischen Arbeiter hätten nicht eine Labourregierung gewählt. um in der internationalen Arbellerorganisation derartige Anträge zu stellen. Durch nachträgliche Aufklärung sah sich Aromley veranlaßt, dies« scharfe Kritik gegenüber d«m eigenen Regierungsvertreter etwas zu mildern. Doch herrscht in der ganzen Arbeitergruppe der Konferenz üb« die Haltung d« englischen Begierungsverkretting in verschiedenen Fragen größte Enttäuschung. Gegen Gehalisabbau. Die AngesteMen wehren sich. Aus freigewerkschaftlichen Angestelltenkrerse« wird n» geschrieben: Seit Monaten versuchen die Arbeitgeber mit« Aus- Nutzung der schlechten Arbeitsmarktlage einen Abbau der An- gestelltengehälter zu erzwingen. Dieser Angriff auf das Gehallsniveou der Angestellten ist dadurch in ein neues Stadium getreten, daß die Arbellgeber bei den Verhandlungen über die Vcr- bindlichkeitserklärmig des Oeynhauser Schiedsspruches zum Aus- druck gebracht haben, daß sie auch die Angestelllengehall» um etwa Prozent abzubauen beabsichtigen. Es muß Mißtrauen erwecken, daß der Reühsarbeitsmimster bei seiner Verbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches diesen Absichten nicht entgegengetreten ist. Sein« Haltung läßt argwöhnen, daß auch Schlichter und Schlichtungsaus. schüsie solchen Forderungen der Arbellgeb« Gehör schenken werden. Allen Berstichen der Arbellgeber, auch mll Unterstützung der Schlichiungsbehörden einen Gehalts ab bau zu erzwingen, werden die freigewerkfchaftlicheill Angeftelllenverbande mll aller Cnffchiedenhell entgegentreten. Di« bisherige Entwicklung des Lebenshaltungsindex zeigt keineswegs ein« solche Berbilligung der Lebenshaltungskosten. daß ein Abbau der Gehäller verantwortet werden kann. Aus jeden Fall werden sich di« As A- Verbände mll allen Mitteln gegen einen Einbruch in die Tarifgehälter wenden. Selbst ganz abgesehen davon, daß die Torifgehäller heute nur eine unvoll. kommene Sicherung der Lebensexistenz verbürgen, muß ein« Durch- löchenmg des Tarissystems durch Zusatzabkommen usw. eine große Gefahr für das kollettiv« Arbeitsrecht bedeiAen. * Der„Gewerkschaftliche Pressedienst�, besten Aeuße- rrntgen gegen den mit Hilfe Stegermalds geplanten Gcholtsabbau von uns wiedergegeben wurde, wird nicht von den christlichen, son- dem von den H.irsch-Dunckerschen Gewerkschaften heraus- gegeben. Im übrigen protestieren auch die christlichen Gewerkschaften gegen den Gehallsabbau. Achiung, Maschinensetzer! Die vom Vorstand des Brand« nburgischen Maschinensetzeroer- eins zum Sonntag, dem 13. Juni, vormittags 9 Uhr, anberaumte Versammlung hat für Sparte und Verband äußerst wichtige Entscheidungen zu treffen. Mahlo und seine Freunde van der„revolutionären G cwe r Fschaf ts Opposition" verlangen das Aus- scheiden unserer Genossen Bit tigere it, Henne mann und Lüdicke aus dem Vorstand, um so freiere Hand sür ihre gewerk- schastsschüdigende Tätigkeit zu bekommen. Das muß nicht mir verhütet werden, sondern darüber hin- aus muß nun endlich einmal den Maulrevollitionären, deren Gefangener Otto Mahlo ist, gezeigt werden, daß die Maschinensetzer sich' nicht als Werkzeuge der Gewerksäzaitsipolter aus dem Liebknecht-Haus gebrauchen lassen. Jeder Kollege, dem Einheit und Geschlossenheit von Verband und Sparte noch etwas bedeuten, be- sucht anr sonntag die Versammlung und hist't für feinen Teil mll, eine Zusairunens ejjung des Vorstandes herbeizuführen, die ein ge- deihliäxs Zusammenarbeiten mit den Instanzen des Verbandes ge- währieistet.__ Beamte und Notopfer. Das Sparprogramm der Reichsregierung ficht bekannt. lich eins zehnprozentige Verminderung der Veamten- zahl sowie eine weitere Reihe beamtenpolitischer Mohnahmen vor, die einen wellgehenden Abbau bestehender Beowtenrechte be- deutet. Das Kernstück des Deckungsprogramms, dos sogenannte R a t o p s e r der Feskbesoldcten, trifft vorwiegend die Beamten und kommt für diese praktisch einem Gehaltsabbau gleich Der Allgemeine Deutsche Beamtenbund veran« staltet zum Protest am Montag, dem 16. Juni, abends 8 Uhr, im großen Saal der„Reuen Well", Berlin, Hasenheide, eine große öffentliche Kundgebung der Berliner Beamten. Es sprechen Dr. Völker vom Bundesvorstand und Albert Falkcnberg, M. d. R. Die indischen Zutefabriken haben— wie uns aus Kalkutta gemeldet wird— die wöchentliche Arbeitszeit von 60 auf 54 Stunden herabgesetzt. Die Frau im Arbeitskampf. Doppelt belastet und unterbezahlt. Die berufstätig« Frau stobt heute wi« der Mann im Wirt- schaftskainps. Er ist für sie oft härter noch als für diesen. Roch an vielen Stellen gilt es, das Borurteil zu b-feitigen, daß sie„wir" eine Frau fei, ein Vorurieil, dos sich leider schr deutlich im wirtschaftlichen Ergebnis, im Lohn und in der Aufftiegmöglichkeit spiegelt. Dann ober bleibt für die Frau die Doppelbelastung mit Berufs- und Hausarbeit, die schon schwer gewig ist, wenn sie nur für sich sellier zu sorgen hat. Häufig genug ist sie aber heul« di« Erwerbstätige— oft die einzige— der Familie und muß Ellern, Mann, Kinder betreuen. Unter welchen unzulärtgiichen Veduigungen die berufstätig« Frau heut« lebt, zeigt die Umfrage, die der Zerttralveiband der Angestellten unter seinen weiblichen Mitgliedern veranstaltet hat. Die Ergebnisse wurden von Susanna S u h r in einer Broschüre ziisam mengesaßt, die unter dem Tllel„Die weiblichen Angestellten" im Buchl)ondel erschienen ist. Die Gehaltssiunme von den etwa flOO befragten Angestellten ergab ein D u r ch f ch n i t t s e i n- kommen von 1 46,24 M. brutto im Monat, oder, wenn man di« gesetzlichen Abzüge in Beirocht zieht, ein Einkommen.von etwa 129 M. Es zeigte sich, daß sowohl die Jugendlichen als auch die in höherem Aster Stehenden das Gehastniveau drücken. Diel« Dreißig bis Bierzigjährige verdienen noch nicht 156 BT. im INonat. Oft handell es sich dabei um untertarifliche Bezahlung, wie denn überhaupt mll steigendem Alter der Prozentsatz der außer— und natürlich meist unter— Tarif Bezahlten zutümmt. Die leider heute sehr begründete Furcht der älteren Angestellten vor Stellungslos i gleit wird darin deutlich sichtbar. Aber auch die tarifliche Bezahlung ist für die Angestellten noch sehr resorm- tu, durstig. Im allgemeinen wird ihre Arbeit 10 bis 15 P r o z. geringer bewertet, als die ihrer männlichen Kollegen. Das bedeutet nicht mir ein« Ungerechtigkeit gegen die Frau, sondern auch ein« Gefahr für den männlichen Angestellten, da das geringer« Gehalt für den Unternehmer natürlich einen starken?lnreiz zum Austausch der männlichen Arbeitskraft gegen metbliche darstellt. Ge-- sunde Entwicklung der Berus? ist nur möglich, wenn für gleiche Arbeit gleicher Lohn gezahlt wird. Die Tarffpolitik des ZdA. zielt mll Recht daraus hin. daß nicht das Geschlecht, sondern die Arbeits- leistung entlohnt wird. Allmählich, freilich sehr langsam, wächst der Prozentsatz der mll dem ZdA. abgeschlossenen Tarife, die gleiche Bezahlung vorsehen. Die ungünstig« Stellung der weiblichen Angestellten zeigt sich auch in der viel zu ausgedehnten Arbeitszeit. Fast die Hälft« aller befragten Angestellten mußte über 48 Stunden w ö ch e n t l t ch arbeiten, davon II proz. mehr als 52 bis über 60 Skunten* Ton den jugendlichen Angestellten arbeiieten sogar 51 Proz. über die normale 48stündig« Z« it. Ueberstunden mußten 41 Proz. der Angestellten leisten, etwa 28 P r,o z. regelmäßig. Der Urlaub ist besonders ungünstig für di« Jugendlichen. Die knapp Schulentlassenen, die in den Jahren der Entwicklung stehen, wüsien sich oft mit kaum sechs Tagen begnügen. Zwei Drittel aller Angestellten überhaupt erholten weniger als zwölf Urlaubstage jährlich., Dabei stehen fast olle diese Frauen gut rorgebildet fn ihrem Beruf. Der Prozentsatz der Angestellten mit Lyzealbildung sinkt .zwar von Jahr zu Jahr. Er ist mit 10 Proz. verhältnismäßig hoch bei den Dreißig- bis Vierzigjährigen, wahrscheinlich weil für viele von ihnen die Inflationszeit die Berufsausbildung utllerbroch und sie in kaufmännische Berufe drängte, vor ollem in das damals sehr aufnahmesähige Bankfach. Heut« ist es zudem vielen Eltern nicht mehr möglich, ihren Kindern eine.höhere" Schulbildung geben zu lassen. Außerordentlich günstig sind dagegen die Zahlen, die die B«- rufsschulung der Angestellten betreffen. Es hatten 82 Proz. eine Berufsschule besucht. Was das heißt, kann man erst dann richtig bewerten, wenn man erfährt, daß m Preußen laut amtlicher Statistik 800 000 Jugendliche im berufsschittpslichtigen Atter, das heißt über 30 Proz., darunter 700 000 Mädchen, nicht schulmäßig erfaßt sind. Der Zustrom zu dem Angestelltenbenff wächst andauernd. Von 167 000 schulentlassenen Mädchen, die im letzten Jahr die Berufs- beratungsstellen der Arbeitsämter in Anspruch nahmen, strebten » 46 Proz. in Angeslclllenberuse. Daß dieses /ortgesetzte Steigen der Zahl der Angestellten auf Kosten der übrigen Berufe eine bedrohliche Entwicklung darstellt, steht außer Frage: denn es steigt damit mindestens in gleichem Maße die Existenzunsicherheit in diesem Berus. Dabei kann sich die rücksichtslose Gehaltspolitik der Unternehmerschaft immer stärker auswirken. Daß davon männliche und weibliche Angestellt« schließlich in gleichem Maße betroffen werden, liegt auf der Hand. AJöer auch auf die Lage der gesamten Arbetterschoft muß sich solche Entwicklung auswirken. Der Kampf der Angestelltenschalst vm gesündere Berufs- bedingungen, vor allem um bessere Regelung von Arbeitszeit und Freizeit, kann daher nur aufgefaßt werden als ein Teil des großen Kampfes der?lrbeiterschast um Besserung ihrer Lage. Und nur aus diesem gemeinsamen Kämpf ist endlich ein Sieg zu erhoffen. * Einen Helfer in diesem Kampf, der haute vor allem eine wert- volle moralische Macht darstellt, ist das üntervalicmalc Arbeitsamt in Gem. Es ist begründet morden auf Grund des Teils XID des Friedensvertrages von Versailles, oder es ist geistig hervorgegangen au? der internationalen Gewerkschaftsarbeit und den auf den Internationalen Gewerkschaftskonserenzen beschlossenen Forderungen nach einem allgemeinen gesetzlichen Schutz der Arbeits- kraft. Welche Bedeutung die Begründung des Internationalen Arbeisamtes besonders für die berufstätige Frau hat, zeigt das erste Heft, das Willy Donau in der Schriftenreche des All- gemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes.Ätternotionole Sozial- Politik" herausgegeben hat. Genossin Gertrud Hanna behandelt unter dem Titel„Frauenarbeit und Internationale« Arbeitsamt" sehr Übersichtlich die wesentlichste» Lerswngen des Internationalen Arbeitsamtes auf diesem Gebiet in den zehn Iahren seines Be- stehers. Da di« Tatsache, daß das Internationale Arbeitsamt einen wichtigen Faktor für di« Gestaltung der Sozialpolitik aller Land» darstellt, vow der Arbeiterschaft noch viel zu wenig beachtet wird, ist diese Schrift besonders zu begrüßen. Sie rundet dos. Site von dem harten und notwendigen. Arbeitskonrpf der Gegenwart, das die Broschüre„Die weiblichen Angestellten" auch dem außerhalb der Arbeiterbewegung Stehenden gab. $ Freie Gewerkfchafts-Iugend Verlin Strfjfcnofl, Sprechchort ÄV Montag, 16. Juni, Generalprobe des Sprech- chonoerkrs„Sirte Erde". Trcffvunkt iint 1814 Uhr arn Bahnhof Wern-r. werk.— Die Urlaubszeit naht! Wandert mit!»it der sckpoinnnendcn � eaan. Metdeschluß 16. Juli.—«re»z"nn>> qn« durch Schleäwiq.Kotste,» toon de- Ostfcr zur Nordsee» nont 19. bis 17. Juli. Saften filr ffahrgrld. Mittagessen. Kaffee. Uebernachtung. Besichtigungen und Dampferfahrten<0 M. fsahrtlerter Friedrich Waack. Meldeschluß 10. Juni.— Sieben tage im Thüringer Bald mm 31. bis 27. Juli. Kosten für gahrgeld. Ileb-rnochtung, Mittogdrot 30 M. gahrtlejter Georg Gerhardt. Meldeschluß 5. Juli.— Elf Tage durch da» mafurische Seengebiet und zur Somlaadiüfte nom 24. Juli bis 3. August. Unkosten: Bahnfahrten, llrbernachten. Dampferfahrten. Besichtigungen, FrühMik. Mittag, und Abendbrat etwa KZ M. gahrtleiter Erich Bunehel.— Durch dir Sächsische Schweiz nom 6. bis 13. Juli. Unkosten: gahrgeld. llebernachtuna. Mitiaa. und Abendbrot 30 M. Meldeschluß IS. Juni.— Ztuppiuer Schweiz fAuppin—Rheinsderg— Lochen) vom ZT. Juli bis Z. August. U-ke-sten 20 M fscbrtleiter Mar Calbach. Meldeschluß lö. Zuni.— Zur Stordleetuste nom 31. Inli bis 10. August. Kamburo: Besichtigung des Hamburger Hafens, Barkassenkahrt. Alsterfährt. Tierpark in Stellingen. Enz Hafen: Besichtigung der Nfchereianlagen nan der Zifchauktian bis zum Fifchoerfand und Zifchmehl- fabrik. Ausflug ins Wattenmeer und zum sseuerfchiff, Dampferfahrt nach Helgolaud und zurück nach BefermSde. Wanderung an der ZiordfeeLtste Beemeu: Besichtigung der Stadt. Züickfqhrt»an Bremen. Abfahrt ab Berlin am 31. Auli abends. Ankunft in Berlin am 10. August abend». Unkosten einschließlich Zsahrgeld, Uebernachtung, Essen. Dampferfahrten, Bestchtigungen ,..... ffahrt! Golifch Meldeschluß 15. Juli. Meldungen im Iugendsekretariat, Berlin SO. 16, Engelufer 24— 2Z. Zimmer 36. ffrcHags bis 19 Uhr geifffnet. Ioaendaruppe des Zentralverbandes der Angestellten Heute, Sonnabend, ab 19 Uhr auf dem Sportplatz im Humboldthaiu. Berantwortlich für Politik: Dr. Eurt Geqer: Wirtschaf!:». 5Ni»gelhiifer: Gewerkschaftsbewegung: Z. Steinet; Feuilleton: St. H. Döfcher: Lokale» und Sonstiaes: zri» Kaestäbt: Auzeiaen: Tb. Glocke: sämtlich in Berlin. Leilaa: Borwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin. Druck: Borwärts-Buchdruckerel und Terlagsaustalt Paul Singer u. Co.. Berlin Sffl. 68, Lindenstraße 8. Hierzu 3 Seilogen. Verkäufe Tapeten. Szissat, Koloniestraße 9. Belcieickunijsstüalto, Wascbe usw. Wenig getragene Kavaliergarderod« non Millionären, Aeezten, AnwSIteu. ffabelhatt billige Preise. Empfehle TaillenmSntel, Paletots, ffracks, Smo- kings. Gehrockanzllge. Losen. Sport-. Gehpelze. Selegenheitskäute In neuer Garderobe. Weltester Weg lohnend. Lothringerstraße SS, 1 Treppe. Siefen. tbaler Platz._* Bon itanaliereu wenig getragene. teils aui Seide, und neue Iackettanzllge. Smokinganzüge. Abeildanzüge. 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Jahr ausrvärts und jede siebende Frau vom tZ. Jahr an leidet an dieser furchtbaren Krankheit, und wie die Statistiken der Länder ergeben, hat die Krebssterblichkeir in Deutsch- land die Ziffer 11 auf 10 000 Lobende erreicht. Das ist eine Eni- wicklung, der die Behörden nicht mehr tatenlos zusehen tonnten, Wohl steht Deutschland in der Frag« der wissenschaftlichen Krebs- iorschung den anderen Ländern nicht nach, aber die praktischen Maßnahmen. de bei uns zur Krebsabwehr bisher getroffen wurden, sind völlig unzulänglich gegenüber den Einrichtungen, die man in Frank- reich und Schweden kennt. Endlich haben sich nun die zuständigen Behörden entschlossen, diesem Zustand ein Ende zu bereitem Das lleichsinnenministerium bereitet sine großzügige Organisation für 'lrebsbetämpfung vor, und schon in den nächsten Wochen wird man über die ersten greifbaren Resultate näheres erfahren Bei der Bedeutung, die dieses Problem für die Volksgesundheit besitzt, muß man jedoch fordern, daß die geplanten Maßnahmen mit möglichster Eile getroffen werden. Loider scheinen gewisse amtliche Stellen die Wichtigkeit umfangreicher Abwehrmahnahmen noch nicht begriffen zu haben, sonst kann man es sich nicht erklären, weshalb die Er- richrung einer Krebsbaracke, für deren Bau und Einrichtung die Mittel bereits vorhanden sind, daran scheitern soll, daß das Finanz- Ministerium die Bewilligung des Gehalts für die drei notwendigen Krankenschwestern verweigert. Für eine möglichst rasche, großzügige Organisierung der Krebsbekämpfung tritt auch eine Kapzität auf diesem Gebiet ein, Professor Blumenthal, der Direktor des Instituts für Krebs- iorschung und Leiter des Deutschen Zentralkomitees zur Erforschung i nd Bekämpfung der Krebskrankheit.„Ich bin dafür/ so äußert Professor Dlumenthal,„daß man zunächst die bereits bestehenden Institutionen unterstützt und weiter ausbaut. Es ist meiner Meinung nach unbsdingt erforderlich, daß man die in Berlin und ch e i d e l- b e r g befindlichen Krebsforschungsstäkten zu Zentral- stellen der Krebsbehandlung ausbaut. Das ist unbedingt notwendig, wenn man eine sachgemäße Behandlung mit den Hilfsmitteln der Radiumtherapie ermöglichen will. Aber auch nur so kann man ge- eignete Fälle für einzelne Behandlungsmethoden herausnehmen und ein Zusammenarbeiten von erfahrenen Krebskennern und geübten Radiotheraperrten ermöglichen. Außerdem kann man an diesen Zentralstellen größer« Radiummengen ansammeln, die viel spar- samer und nutzbringender verwaltet werden können, als wenn kleine Mengen an verschiedenen Instituten verbraucht werden. Es ist ja niemandem damit geholfen, wenn sich beispielsweise eine Stadt eine geringe Radiummenge anschafft, und einzelne Aerzte nun einfach zu behandeln beginnen. Nur durch jahrelange Beschäftigung mit dieser Materie kann eine genügende Erfahrung erworben werden. Außerdem muß für die Heranbildung geeigneten Nachwuchses ge- sorgt werden. Werden doch von vielen Medizinstudenten die Krebs- kurse allzu sehr vernachlässigt, und viele bekommen nur operale Krebsfälle zu sehen. An den Zentralstellen muß eine Anzahl von geschulten Aerzten und Physikern herangebildet werden, die dann später auf neu errichtende Institute verteilt werden. Wieviel neue Zentralstellen geschaffen werden müssen, läßt sich heute noch nichr sagen. Nicht minder wichtig ist das Problem der Volksaufllärung. Noch immer befinden sich viele Krebskranke in der Behandlung von Kurpfuschern, die ihnen sinnlose Mittel verordnen. Viele Krebs- fälle könnten geheilt werden, wenn sich die Patienten rechtzeitig entschließen würden, e-inen Arzt aufzusuchen. Wenn man die schwindelhasten Anpreisungen der Kurpfuscher liest, muß man sich darüber wundern, daß es überhaupt noch Krebsfälle gibt." Vor einiger Zeit hat dos Reichsinnenministerium Sochver- ständige nach Paris und Stockholm gesandt, deren Berichte eine Unterlag« für die Maßnahmen des Ministeriums bilden sollen. Neben den Berliner Professoren Friedrich und Halber- st ä d t e r gehören auch Professor Dr. Meyer aus Bremen und Professor Dr. Werner aus Heidelberg der Kommission an. In Besprechungen mit den maßgebenden Aerzten der französischen In- stitutionen hat man zunächst festgestellt, daß die beiden französischen Gesellschaften, die sich die Bekämpfung der Krebskrankheit zur Auf- gäbe gemocht haben, eine rührige, öffentliche Propaganda betreiben. um weiteste Schichten der Bevölkerung auf die Gefahren dieser Menschheitsgeißel hinzuweisen. Frühdiagnosen, Frühbehandlung und Fürsorge für die Kranken sind die Grundprinzipien, die man in Frankreich befolgt. Auch in Deutschland will man künftig nach diesen Grundsägen arbeiten. Nicht minder wichtig ist die Unter- suchung und Beratung bedürftiger Krebskranker, wissenschaftlich« Laboratoriumsforschung und die statistische Verarbeitung des be- handelten Krankenmaterials. Als Richtlinien für die neu zu schaffende Organisation und als Ergebnis der Studienreise hat die Kommission folgende Grundsätze aufgestellt: Um eine wirksame Be- kämpfung der Krebskrantheit zu ermöglichen, muß eine gründlichere und raschere Erfassung der Krankheit und frühzeitige Behandlung einsetzen. Die Fürsorge für Krebskranke muß ausgebaut werden, daneben sind zentrale Behandlungsstellen einzurichten, bei denen die logenannte Großstrahlenbehandlung ermöglicht wird. Die vor- handenen Radiumbestände müssen rationell verteilt, Vorkehrungen gegen Radiumschäden getroffen werden. Wenn auch eine straffe Organisation sicherlich gute Ergebnisse erzielen wird, muß man doch bedenken, daß den deutschen Instituten keineswegs solche Mittel zur Verfügung stehen wie etwa den fran- zösischen und schwedischen. Wird doch beispielsweise das französische Radiuminstitut, das unter der Leitung der berühmten Madame Curie steht, von der Universität Paris, dem Institut Pasteur, der Akademie der Wissenschaften, der Akademie der Medizin und anderen staatlichen Organisationen unterstützt. Dem Institut stehen sechs Gramm Radium zur Verfügung, von denen Madame Curie, ein amerikanischer Spender undader französische Staat je ein Gramm, Henri de Rothschild ein halbes Gramm geschenkt haben. Sechs Gramm Radium haben auch die schwedischen Institute aus einer Iubiläumsstiftung geschenkt erhalten. Das sind immerhin beträcht- liche Mengen, mit denen man zahlreiche Behandlungen vornehmen kann. Wenn nun auch Deutschland sich heute nicht den Luxus er- lauben kann, größere Radiummengen anzukaufen, wird es doch ge- lingen, der gefährlichen Volkskrankheit durch entsprechende Maß- nahmen Einhalt zu bieten. Ein verheißungsvoller Auftakt zu der großen Neuordnung ist bereits dadurch gegeben, daß sich in diesen Tagen die fiir die Krebsbekämpfung in Frage kommenden Orga- nisationen in Baden. Bayern, Württemberg, Hannover und Schles- wig-Holstein zu gemeinsamer Arbeit zusammengeschlossen haben. Wild das von Utechts wegen Von Jians Brauck (Schluß.) Die Menge verhielt vor dem Wort des Landsknechtes den Atem. Graf Hohenlohe trat dicht zu ihm hin und fragte, ob er sich die Sache auch wohl bedacht habe? Sein Leben werde es ihn kosten! Der Einbeinige gab zur Antwort: Wenn der Gras dafür bürg«, daß an seine Frau— die mit ihren fünf Kindern daheim- geblieben war, well sie auf Schritt und Tritt nichts sah, nichts hörte als: Hunger!— dreihundert Gulden ausgezahlt würden, so wolle er es tun. Er könne sein Leben, das er unzählige Mal« für nichts in die Schanze geschlagen habe, niemals wieder um einen so guien Preis loswerden wie in dieser Stunde. Der Graf sah forschend auf den Beutelschwenker. Der verschwor sich hoch und heilig: Drei- hundert Gulden! Wie er ausgeboten habe an den zur beliebigen Verwendung, der sich für ihn hängen lasse. Falls da in seinem Beutel nicht gutes Gsld klimpere, falls er auch nur Miene mache, hinterher sein Wort nicht zu halten, könne man ihn, ohne daß er sich wehren werde, neben dem stelzbeinigen Alten aufknüpfen. Graf Hohenlohe bekräftigte durch Handerheben zum Tzimmel: Drei- hundert Gulden an die Wittib des Gehängten. Er hafte dafür mit seinem Wort und werde eher die Summ« selber zahlen, als daß cs gebrochen werde. Der Roßdieb trat also, ungehindert von den Hellebarden, neben die Leiter, machte eine einladende Verbeugung vor seinem Stell- Vertreter und schmunzelte, solange niemand sein Gesicht sehen konnte: Warum ich? Der Landsknecht stelzte auf die Leiter zu. Als er bei ihr angelangt war, setzte«r sich auf die unterste Sprosse und begann sein Holzbein abzuschnallen. Was der Unsinn solle? fragt« einer der Burgknechte. Gelassen erwidert« der Angerempelte: Da- mit es nachher nicht vergessen werde! In wenigen Minuten werde das Stück Ihalz, welches er auf der Erde zurücklasse, das Wertvollst« von ihm sein. Denn damit könne seine Wittib zweimal Ess«n für die Kinderchens kochen. Während er nur noch von den Krähen und Wünnern als zu etwas nützlich erachtet werde.„Aber wie willst du mit einem Bein die Leiter hinauskommen?" rief der Graf..Sa!" erklärte der Landsknecht, warf sein abgeschnalltes Holzbein auf die Erde, packte mit beiden Händen die Leiterholme, schob.sich Mal um Mal aufwärts und hinterte seinen Körper von Sprosse zu Sprosse ,u dem Ast der Lind« hinan Alles lachte: Die Burg- knechte, die Dörfler, der Spitzbub. der Graf. Als dieser seinen Ernst wieder eingefangen hatte— der Todbereite saß nun auf der Sprosse neben dem Ast mit der Schlinge und wollte just von der "eiler zu>hm hinüberwechseln—, da rief er zu der. Linde hinaus: Halt' Ich schenk« dir das Leben!" Und schon hockie der be- anaRate Stellvertreter seitwärts auf einem der Leiterholme, riß die oerblichen« Soldatemnütze vom Stoppelschädel, schwenkte sie. und rutschte mit lautem„Iuhuuul" wie ei» Jung« in einem Nu wieder zur Erde: Zum zweiten Male setzte sich der Landsknecht auf die unterste Stufe der Leiter, schnallte sein Holzbein wieder an, richtet« sich auf und trat mit offener Hand vor den Pferdedieb hin. Der aber riß den Beutel mit den dreihundert Gulden zurück und verbarg ihn unter seinem Rock..Zahlen!" forderte der Landsknecht. Der Windige schüttelte den Kopf: Nur fürs Hängenlassen feien die dreihundert Gulden von ihm ausgeboten..Zahlen!" schrie das Volk..Nein!" schrie der Angeschriene zurück..Dreihundert Gul» den dem, der sich für mich hängen läßt! Hab ich gesagt. Nichts anderes." Dahlen!" befahl der Graf. Er denke nicht daran, lautete die Äntwort des Frechlings. Dreihundert gute Gulden da- für, daß der Landsknecht nichts als«in lächerliches Kinderkunststück auf der Leiter geleistet habe? Ja, wenn er jetzt da oben an seiner Stelle baumele, werde er sich den Spaß gern dreihundert Guldcn kosten lassen. Aber einerä Drückeberger? Kein Gedanke! Wenn dem Landsknecht ein unverdientes Geschenk von dreihundert Gülden gemacht werden solle, dann möge gefälligst der Herr Graf es chm auszahlen. Und noch einmal rief der Verblendete aus:.Warum ich? Recht muß Recht bleiben. Fürs Hängen habe ich dreihundert Gulden ausgeboten. AbSr der alte Kracher da steht auf seinen anderthalb Beinen!" Als er sah, daß er es nicht mit einem Schel- men, sondern mit einem Schurken zu tun hatte, rief der Graf zu- rück:.Aufhängen!" und zeigte mit der erhobenen Rechten nicht auf den Landsknecht. Da begriff der Halunke und versicherte schreiend: Er habe nur gescherzt. Er wolle selbstverständlich die dreihundert Gulden zahlen. Er habe sie ja freien Willens ausgeboten. Da feien sie! Da!.Aufhängen!" wiedcrl/olte der Graf...Recht muß Recht bleiben!" Der Zappelnd« warf den gefüllten Beutel gegen das Holzbein des Landsknechts, daß er platzte und blinkblanke Goldstücke heraussprangen..Aufhängen!" befahl der Graf zum dritten Male. Man packt« den heimtückischen Sünder, schob ihn die Leiter aufwärts und— er mochte strampeln, mit Füßen treten, Ichlogen, beißen, schreien: Warum ich? soviel er wollw—, man ließ nicht von ihm ab, bis er den hänfenen Kragen um hatte. Der- weil faß der todesmutige Alte auf dem Boden und sammelte die Goldstücke, die aus dem Beutel gefallen waren. So stelzte denn, als der Graf Philipp von Hohenlohe, General- lieutenant zu Holland, Seeland und so weiter— gefolgt von den Seinen— zur Burg hinaus, die Menge zum-Dorf hinabgegangen war, an einem Septembertage Sechzehnhundertundsechs der ein- beinige Landsknecht, mit dreihundert Gulden in der Tasche, seiner halbverhungerten Frau und seinen vierteloerhungerten Kindern wieder zu. Am Ast der Linde vor dem Burgtor aber baumelt« der windig« Gesell, der mit seinem Geld und mtt seinem Leben hatte zahlen müssen. U. d. v. R.».! Und da« von Rechts wegen! '.ftobby: Rotterdam. Hafenstadt. Wirres Durcheinander der Raffen und Sprachen. Europäer aller Nationen, Neger, Malaien, Inder, Chinesen drängen sich in den engen, dunstigen, verqualmten Hafen- kneipen. Di«, Pinasse, die die Arbeiter von einem Ufer der Maas zum anderen befördert, ist dicht angefüllt mit ausgemergelten, knochigen und breiten, kräftigen Gesichtern. In der.gedcmpien Binnenrotte" sammeln sich die Arbeitslosen, um für zweimaliges Nachtlager und geringes Entgelt olle Arbeiten zu verrichten, die ihnen zugewiesen werden. Joseph Kettler, ein junger Bayer, den die Hoffnung auf die große Zukunft in die Welt getrieben hat, wird am Eingang zu den Sehlafsälen von vier kräftigen Matrosenhänden feiner übrig ge- bliebenen Wertsachen entledigt. Achtlos werden sie in«inen Sack geworfen, aus dem er sie am nächsten Morgen wiederholen kann. Als er gedankenvoll den Sachen nachschaut, fliegt er durch«inen kräftigen Stoß in den großen Raum, in dem Matratze neben Matratz« auf dem bloßen Fußboden ausgebreitet find. Seine Kleidung unterschied sich von der seiner Kameraden durch Sauber- keit und verblichene Eleganz. Nachdem»r sich auf das hart« Lager niedergelegt hatte, wurde er von allen Seiren neugierig gemustert. Auch«r ließ vorsichtig seine Blicke in die Runde schweifen. Ganz hinten in der Ecke schnarchte schon einer mit weit geöffnetem Rachen, daß die Wände zu zittern schienen. Ihm gegenüber lag ein riesiger Neger, der mit furchterregendem Gebiß unter lautem Knacken«inen schmutzigen Knochen zermalmt«. Einig« Meter weiter umarmten sich zwei vollständig zerlumpte Gesellen in nicht mehr zu dämmender erotischer Leidenschaft. Unbeschreiblicher Ekel er- griff Joseph, der erst jetzt erkannte, daß«r leichtsinnig und ohne Ueberlegung das Vaterhaus verlassen hatte. Seine Gedanken w«ilt«u bei der Mutter und der Schwester und in sehnsüchtigem Grübeln schloß er die Augen. Zwei Tage hatte Joseph Holz geschleppt, Mobeltrausporte aus Schubkarren vollzogen: dann lief er davon. Er lebte nun von Gelegenheitsarbeiten, übernachtete auf Parkbänken oder leerstehenden Schiffen, bis ihm eine Zeitungsanzeige in dre Hand fiel, deren Inhalt er mit Mühe begriff. Da er der holländischen Sprach« nicht mächtig war, konnte er nicht all« Wort« übersetzen. Er verstand nur, daß ein« Schiffahrtgesellschaft Leute zum Befahren des Rheins einstellt«. Hier sah er«ine Möglichkeit, nach Deuffchland, vielleicht sogar in die Nähe seiner Heimat, zurückzugelangen. Er wußte aber nicht, daß die Firma-von den Arbeitern bestreikt wurde. Als er nun die Grachten zum Hafen entlang schlenderte, sah er sich schon in Gedanken im Kreis« seiner Familie, und er nahm sich vor, niemals mehr aufs Geratewohl ins Ausland zu gehen. Vor den, Tor schienen schon ungefähr hundert Menschen aus Einlaß zu warten. Hoffnungsvoll wollte er auf sie zugchen, als ihm ein stämmiger Schiffer in den Weg trat und ihn nach seinem Begehren fragte. Joseph sagt ihm offen, daß er Arbeit sucht. In diesem Augenblick trifft ihn«in Faustschlag, daß«r taumelt. Als er nun gar Miene macht, sich zur Wehr zu fetzen, wird er niedergeschlagen, daß er di« Besinnung verliert.- Wieder zu sich gekommen, rast er mit zusammengebissenen Zähnen die Straßen zur Stadt zurück. Obdach- und vollständig mittellos, deprimiert, zerschlagen, in hilfloser Wut weinend, saß er bei Anbruch der Nacht wieder auf der Bank im Park, die ihm schon«intge Male beherbergt hatte. Den Kopf in den Händen vergraben, dachte er verzweifelnd daran, Schluß zu machen, das Sein einfach auszulöschen. Sich ausrichtend, gewahrt« er dunkel die Umrisse einer weiblichen Gestalt neben sich. Mit harter, heiserer Stimme fragte si« ihn etwas in holländischer Sprache. Ohne aus die Frage zu achten, stieß er nur ein Wort hervor:.Hunger!" Da stand si« vor ihm. Ganz weich klingt das deutsch« Wort.Komm" von ihren schmalen, gefühllose» Lippen. Und willenlos folgt er ihr.■ Drei Tag« war er bei ihr geblieben. Si« hatte nichts gefragt und nichts verlangt. Dann kam das Geld von, Vater zur Heimreise.- Ruhig und wortkarg, doch immer freundlich, lebt« er wieder zu Hause. Nur einmal konnte er sein Temperament nicht zügeln. Den Betrunkenen, der eine Dirne beschimpft und geschlagen hatte, verprügelt« er und übergab ihn der Polizei. Er hatte die zum Leben Verdammten achten gelernt. Schute auch dem fötiffard/ Beugt Berg erhebt schon seit längerer Zeit seine Stimme zum Schutze des Adlers, dieser charakteristischen Zierde seiner Heimat, weil er der Ausrottung nahe ist: feine Bilderailsstellungen und der Film unterstützen ihn. Aehnlich erklingt jetzt aus England eine Stimme, die des Vogelkenners Douglas G o r d o n, zun, Schutze eines anderen gleichfalls zur Familie der Falken gehörenden Tieres, des Bussards, der ja nicht so mächtig und schön wie der Adler gebaut, aber doch ein Tier von achtunggewinnender Größe ist: der Rauchbussard hat durchschnittlich 1S0 Zentimeter in der Breite. Auch er zählt zu den Raubvögeln, und mancher Landwirt ist erbost aus ihn, wenn er ihm eine Taube oder ein Huhn oder ein Kaninchen geraubt hat, und dadurch, daß er sich auch öfter ein Rebhuhn und einen jungen Hasen holt, ist der Jäger über ihn ärgerlich. Aber, sagt Douglas Gordon, dies trifft doch nur für die kurzen Sommer- monat« zu, wo er für die Jungen diese Nahrung besorgt, und dafür ich erragt sein Nutzen bei weitem den Schaden. Cr ist unermüdlich in der Vertilgung�von Insekten, Würmern. Schnecken, Heuschrecken, Mäusen, Ratten, Schlangen: die so gefürch- tete Kreuzotter packt er mit außerordentlicher Geschicklichkeit, daß ihre Giftzähne vollkommen wirkungslos bleiben. Und in Skandi- navien ist er geradezu ein Wohlläter, der unter den das Land oft überschwemmenden Lemmingen furchtbar aufräumt, jenen großen Wühlmäusen von 13 Zentimeter Länge, die durch ihre großen Scharen oft die ganze Ernte dieser Länder in Frage stellten. Ja, die ganz gewöhnliche Kräh« sei viel schädlicher als er, da sie neben ihren Würgättacken auf Hühner. Enten, junge Gänse auch noch unbarmherzig das reisende Getreide brandschatzt. Der Bussard wird oft in den Gedichten der„Seeschule" gefeiert. Er ist auch solcher Poesie wert: der Bau des Vogels ist schön, sein Flug höchst elegant: die Schnelligkeit, mit der er plötzlich hoch oben in den Wolken ver- schwindet, ist staunenswert. Und man sollte auch daran denken, daß unter allen Vögeln die Bussarde die zärtlichsten Eltern sind. Ein neuer Tauchrekord. Wie aus Bermuda gemeldet wird, hat ein Taucher der czeanogrophischen Expedition der Ncw-Porker Zoologischen Gesellschaft den bisherigen Tiefenrekord im Tauhcn gebrochen Er stieg in einer Stahikugel, die mit Quarzfei. st ern ausgestattet war, bis zu einer Tiefe von 800 Fuß herab und be- diente sich dabei eines Sauerstoffapparates, der durch ein Kabel von dem Schiff herabgelassen wurde. Der Taucher war durch Tele- phon mit der Oberfläche in ständiger Verbindung. Bisher wwde der Tiefenrekord im Tauchen von einem Manne gehalten,.t" Z2S Fuß hinabgestiegen war. Durch die Görlitzer Heide. Mjährlkch rollen m der Ferienzeit d!e Sonderzüge ins Gebirg« und an die See. Bade- und Kurorte füllen sich mit erholungs- bedürftigen Menschen. Die wirtschaftlich Schwächeren können sich See und Gebirge nicht leisten. Ihnen sei die Görlitzer Heid« emp- fohlen. Sie rst ihrer Schönheit noch nach viel zu wenig bekannt. Man stellt sich unier der cheide gewohnlich eine öde und verlassene Gegend vor, die abseits jeglichen Verkehrs liegt und aller Reize und Schönheiten entbehren mutz. Diese Vorurteil bestehen z-u Unrecht. Durch Eisenbahn- und Kraitwageuverkehr, durch Berbindungs- und Durchgangsstratzen, ist das gesamte cheidegebict erschlossen worden. Auch bieten sich dem Sommerfrischler, der die cheldedörfer besucht, in Gast- und Privathäusern gute und preiswerte Unterkunsts- Möglichkeiten. Die grotze Görlitzer Kommunalheide nimmt fast die ganze Nord- Hälfte des Kreises Görlitz ein. Sie ist von der Kreisstadt 25 bis 30 Kilometer entfernt. Im Norden und Westen umsaht sie der Rolhenburger und Saganer Forst, im Süden wird sie durch die Fluren der Dörfer Penzig, Langenau und R o t h w a s s e r begrenzt und im Osten trennt sie die Große Tschirne von der Klnschdorfer.Heide. Mitten durch da» Heidegebiet zieht sich der Lauf der kleinen Tschirne, zu deren beiden Seiten ein besiedelter Streifen liegt. Die Städt« Görlitz, Bunzlau, Lauban, Sarau und Sagau sind in kurzer Zeit bequem zu erreichen. Auch iür den Besuch des nahen Jser- und Riesengebirges sind qute Der. bindungen vorhanden. Bon den einzelnen Heidcortschasten ist kurz folgendes zu berichten: Der gröhie Ort der Görliger Heide ist Raufcho,«in freundlicheszsauberes Dorf von über 3000 Einwohnern, inmitten ausgedehnter Waldungen an der Hauptstraße BerLn— Kohlfurth-Breslau. Saftig« Wissen sind in die Wald eb stände ein» geschlossen und schaffen abwechslungsreiche, angenehme Bilder. In 15 bis 20 Minuten bequemer Wanderung gelangt man an umfang- reiche Teiche, die der Fischzucht dienstbar gemacht sind. Wildenten, Wasserhühner. Fischreiher und Kraniche beleben dieselben. Ein enormer Beerenreichtum zeichnet hier die Heide aus, und ebenso ge- deihen darin eßbare Pilze in großer Zahl. Der Ort selbst mit seinen freundlichen, von Hausgärten umgebenen Häusern, wohlgepflegten Straßen mit elektrischer Beleuchtung, bietet so ziemlich alles, was ein moderner Mensch zu seiner Existenz braucht Insbesondere sind auch drei Aerzie, mit weit über die Grenzen der Heide hinaus be- rühmier Praxis vorhanden. Freundlich« Gasthose mit Fremden- zimmern laden zur Erquickung und Erholung ein. Nördlich von Rauscha, entlang dem Lauf der Tschirne, erstrecken sich die Ort- schaften Steinkirchen, Schnelliörtel. Klix und Birkenlache, von Rauscha aus in',4 Stund« bzw. 1H Stunden zu erreichen. Die Wege nach diesen Dörfern sind lohnend und angenehm. Südlich von Rauscha liegt das Dorf Neuhammer mit etwa 1000 Einwohnern. Die Waldungen treten hier teilweise recht nahe an die Häuser�heran, und ein biederer, zufriedener Menschenschlag bebaut die«schölle. Sommerfrischler finden auch hier wie in den vorher genannten Ort- schasten gute und billige Aufnahme. Einen besonderen Anziehungs- punkt inmitten der Görlitzer Heide bietet das unmittelbar an Neu- Hammer sich anschließende Dörflein» ch ö n b e rg. Hier finden wir ein« Mühle mit Gastwirtschaft, eine Strondhalle und schönste Bade- qelegenheit. Fünf Minuten weiter, ebenfalls an einem über dreißig Morgen großen Teich gelegen, befindet sich«in der Neuzeit«nt- sprechendes neuerbautes Gasthaus, Heidetrug genannt, mit 20 kom- sortabel«ftigerichteten Fremdenzimmern. Die beiden großen Terch« sind mit Kähnen besetzt, und m den Tanzdielen ist ollwöcheMlich mehrmals Gelegenheft geboten, bei guier Musik das Tanzbein zu schwingen. Die Verpflegung in beiden Gasthäusern ist gut und preiswert. Auch Privatquartiere sind erhältlich. In einer reich- lichen Stunde von Schönbera aus gelangt man durch Wald und Wiesen nach dem etwa 000 Morgen großen Wohlenteich, dem größten der Heideteiche, der herrlich gelegen ist und auch von aus- wärtigen Schulen und Vereinen vielfach besucht wird Durch grüne Wiesen und dann durch schattigen Wald führt auch der Weg zu einem der höchsten Punkte der Heide, dem Könnteberg, Vi Stunde von Schönberg entfernt. Bon seinem Feuerturnt hat man den besten Ausblick und kann die Unermeßlichkeit der Heide überschauen, Lad Grund(Oberharz). Das als Moorbad und Gebirgs- Luftkurort bekannte Bergstädtchcn begeht im Juni b. I. d!« Feier des 7Sjährig«n Bestehens" seiner Lade- und Kureinrichtungen, Aus diesem Anlaß findet vom 19. bis 29. Juni ein Lichtfest ftalt, zu dein dos«Städtchen mit seinen Hotels, Pensionen, Denkmälern, Bade- Häusern usw. durch Tausend« von farbigen elektrischen Gliihlainpch'N erleuchtet wird. Bor dem Moorbad II wird im neuen Kurpark eine Leuchtsoqiäne in Betrieb genommen. Die in Bad Grund so beliebt gewordenen Paufchal-Heilkurcn können auch in der Hochsaison ge- nommen werden. Eine Dreiwochenkur kostet mit Wohnung, Dxr- pflegung, Kurtaxe, Arztbehondlung, Bädern usw. 146,50 M. Hier werden auch innerhalb einer Paiiichal-Heilkur Moorbäder in einem modernen Lodebauie und mit Material aus dem heilkräftigen Harzhochmoore» abgegeben. AWIZWWW yJfhL* Bad frankenlsausen, Kyffh. Das altbewahrte Heilbad am Kyff hauser. Ausk-d-die Badedireknon. j mit seinem miner�ialireichen Colc«- 1 am- Solbad Oos ideale Heilbad. 1 Die Kurdirektion schickt Jhncn 1 qerne kostenlos Prospekt. Bad Lauterberg i, Harz niiimimmumiiuuimiiiiniiiiiimimimiiniimuuiiiu Luft- und Wasserheilbad, Vom Kneippbunde anerkannt Kneipp-Kurort fdrMittel-u Norddeutscbland Blankenburg i. H. (254 ra minlere Hfihe) enuflekend gelegener Luftkurort, mildes Gebirgsklima, viel Sonne, herrU Wätder, großes Freibad. 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