Morgenausgabe Nr. 225„, -�-�-47. Jahrgang «SchevMch 85 VU mona«ch M0 9L im oorouft zahlbar. Postbezug<22 M. ewschiießlich SVPfg.Postzeiwng»' und 72 Pfg Postbestellgebühren Ausland«' abonnemem ü.— M. pro Monat. Oft.Vorwärts' erlchetnt wochentäg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Kandel mit dem Titel.Der Abend'. Illustrierte Beilagen.Lot und Zeit' und.Kinderfreund'. Ferner .Unterhaltung und Wissen'.Frauen« stimme'.Technik'.Blick in di, Bücherwelt' und.Iugend'Vorwärts' Vevliuev Vottsvlatt Sonniag 15. Mm 1930 Groß-Äerlin 15 Pf- Auswärts 20 Pf. vi« etnipoittg« KonpareillezeNe SO Pfennig. Rcklame eile 5.— Reichs» mark„Kleine Anzeigen' das enge» druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), ledes weitere Wort 12 Pfennig Slellengefuch» das erste Wott IS Pfennig, jedes weitere Won' 10 Pfennig Worte übe» lb Duchstabe« zählen für zwei Worte Arbeiismartt Zeile 60 Pfennig. Famllienanzeigen Ze.l« «0 Pfennig Anzeigenannahme tm5)aupt» «efchäst Lindenstrabe 3. wochentäglich 00N 8'/, bis 17 Uhr. Jlsnteawvsan de« Sozialdemokratische« Oavtei DeutkchtandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Uindenstraße 3 Fernsprecher� Dönbos» R2— LS7 Telcpramm-Adr. Sozialdemokral Berlin. Vorwaris-Verlag G. m. b. H. Posllchelkkonro Berlin 87 536- Bankkonio Bans der Ärbeirer Änsieslellte« und Beorttien Walls» 65 Di B u DiSc-®et Tevollrenkalle Lindensir 3. putsch pabst ausgewiesen. Oer Faschistengeneral im Polizeigefangenenhaus. Wien. 44. Juni.(Eigenbericht.) Amtlich teilt die Pollzeidirektio« mit:..Der deutsche Staatsangehörige Major a. D. Waldemar Pabst. der lSLli nach dem sogenannten Napp-Putsch aus Deutschland nach Lesterreich flüchtete, wurde, da er sich in Oesterreich in einer für einen Ausländer unzu. lässigen Weise politisch betätigte, am Sonnabend zur Bundespolizeidirektion vorgeladen und nach Durch- führung des erforderlichen Verfahrens ständig aus Oesterreich ausgewiesen." Der ausgewiesene Putschist kann gegen dl« Ausweisung bei dem Landeshauptmann von WienH Proz. heraufzusetzen. Die Kompromißformel Brüning-Meyer hatte 3H Proz. verlangt, die Regierungsvorlage, an der die Sozialdemokratie festhielt, 4 Proz. Den Streit um die Formel Brüning-Meyer hatten die bürgerlichen Mittelparteien so zugespitzt, daß es varuber zum Regierungssturz und zur Zerstörung der Großen Koalition kam. Wirklich nur darüber? Damals hat die bürgerliche Presse die Dinge so dargestellt, als ob die Sozialdemokraten durch ihr Festhalten an den 4 Proz. der Regierungsvorlage . die Regierung gesprengt und sich selber ausgeschaltet hätten. sicher sind damals die meisten, die so schrieben, guten Glaubens gewesen. Sind sie das heute auch noch? Wer hält heute noch an der Fibel-Legende fest, alles sei sozusagen nur per Zufall und wegen eines„Irrstnnsanfalls" der Sozialdemokraten so gekommen und die Regierung Brü- ning sei gewissermaßen eine Regierung wieder Willen? Diese Legende ist doch eigentlich die allerschlimmste Beleidigung der Regierung Brüning: sie verneint jedweden politischen Sinn ihrer Existenz. Nein, die Regierung Brümng ist nicht aus dem Zufall entstanden, sondern aus dem bewußten Streben der S o z i a l- reaktio n. Der Sinn ihrer Existenz ist: den Abbau der Löhne und Gehälter sowie der Leistungen der Sozialversicherung mit all�n Mitteln zu be- treiben. Darum mußten die bürgerlichen Parteien der Mitte von der Sozialdemokratie getrennt werden, darum mußte der Versuch unternommen werden, die„Schuld" an dieser Tren- nung der Sozialdemokratie aufzubürden. Die„Schuld" der Sozialdemokratie besteht darin, daß sie sich geweigert hat und noch weigert, einen Angriff auf den Lebensstandard der Arbeiter. Angestellten und Beamten mit- zumachen.. Diese„Schuld" nimmt die Sozialdemokratie gerne aus sich. Je klarer es in den Kämpfen der nächsten Zukunft l Das Kabinett in der Klemme. Es hageli Proteste von atten �Seiten. Württemberg und das Notopfer. Stork« bedenken des Staatspräsidentea. SkuSgart. 14. Juni.(Eigenbericht.) Der württemberglfche Staatspräsident Bolz erklärte in einer Sitzung des Beamtenbeirats der württembergischen Zentrums pari ei zur Frage des Notopfers, tue Heranholung der freien Be- rufe zum Notopfer sei dadurch erschwert, daß die freien Beruf« in Preußen zur Zahlung von Gewerbesteuern verpflichtet seien und ein« Doppelbesteuerung unmöglich erscheine Die württembergische Regie- rung habe hie Vorlage der Reichsregterung zum Notopfer bis jetzt nicht keimen gelernt und sei dazu auch nicht gehört worden. Er glaub« aber, daß der Plan, wie er bts jetzt bekannt geworden sei, praktisch kaum verwirklicht werden könne. Zum allermindesten müsse eine breitere Basis eines etwaigen Not- opfers gefunden werden. Der Beamtcnbeirat nahm zum Schluß seiner Sitzung eine Eni- s chl i« ß u n g an, in der das geplante Sondernotopfer der Beamten abgelehnt und gegen die beabsichtigten Eingriffe in das Be- amtenrecht Einspruch erhoben wird. Oie Aerzte protestieren. Gegen die Eingriffe in die Krankenversicherong. Die ärztlichen Spitzenorganisationen, der Deutsche Aerzt«- Vereinsbund und Verband der Aerzt« Deutschlands, Hartmannbund, haben gemeinsam folgenden Beschluß gefaßl: .Nach Zeitungsmeldungen hat das Kabinett scharfe Eingriff« in die Krankenversicherung beschlossen. Durch die Festlegung von drei W a r t e t a g e n für den Bcziig von Kronkengeld, durch Einführung einer Krankenscheingebühr und durch eine stärkere Beteiligung an den Arzneitoften wird das Benutzen ärztlicher Hilf« so unerträglich erschwert, daß schon durch diese Maßnahmen mit einer Zurückdrängung der Krantenbehandlung um 29 Proz. der Kranlenhaussälle gerechnet wird. Die Verantwortung für die gesundheitlichen Folgen für die versicherte Bevölkerung trifft in vollem Umfange den Gesetzgeber. Dies« weit über das Ziel hinausschießenden Maßnahmen be- deuten eine verhängnisvolle Einschränkungder wich- tigsten Leistung, nämlich der Krankenbehandlung, und führe» damit zu einer völligen Entwertung der gerade heute un- entbehrlichen Krankenversicherung. Den Bersicherten wird ein Not- opser an Geld, Gesundheit und Arbeitskraft auf- erlegt, und zwar nicht etwa als vorübergehende Notmoßnahme. sondern als dauernde schwere Sonderbe st euerung. Die'Aerzteschost hat den Kassenverbänden und der Regierung recht- zeitig wirksame Vorschläge zur Abstellung von Mängeln und zur Senkung der Ausgaben, namentlich durch eine zweckmäßige Rege- lung der Frage der Arbertsunfähigkeitsbescheimgung gemacht. Diese Vorschläge sind unbeachtet geblieben. Die ärztlichen Spitzenoerbände erheben schärfsten Protest gegen die Verkürzung der Rechte der Versicherten und ber Aerzte. Auch die Aerzle sind Mit Rücksicht auf die allgemeine Lage zu Opfer» bereit, lehnen es aber ab, ein Notopfer von 29 Proz. ihrer Ein- künfte zu bringen, während andere Berufskreise ein Notopfer von 4 Proz. ihrer Bezüge zu leisten hätten. Die Aerzteschaft lehnt so- wohl für die Versicherten, wie für sich zur Beseitigung eines augm- blicklichen Notstandes eine Dauerbelastung von unerträglicher Höhe ab."| Volkspartei und„Neichshilfe". Protest des Wahlkreisvorstands Oüsseldorf-Ost. Düsseldorf, 14. Juni.(TN.) Der geschSfts�ührende Vorstand der Deutschen Bolkspartei im Wahlkreis Düsseldorf-Ost, der am Sonnsbend, in Anwesenheit des Staatssekretär Schmid zu einer Beratung über die' Deckurrgsvor- schlag« des Reichslabinetts zusammentrat, nahm einstimmig eine Entschließung an. in der u. a. mit Nochdruck Einspruch gegen die vorgesehene Reichshils« der Festbesoldeten erhoben wird, da ein gerechtes Notopser nicht von einzelnen Be- russstünden, sondern von allen erwerbtreibenden Volksgenossen aufzubringen wäre. wird, daß die von Lohn und Gehalt lebende Mehrheit des deutschen Volkes eine wirtsame Vertretung ihrer Lebens- interessen nur von der Sozialdemokratie zu er- warten hat, desto ruhiger dürfen wir trotz aller Stürme, die unmittelbar bevorstehen, der Zukunft entgegensehen. Neichsrat genehmigt Osthilfe. Sie Beschaffung von Siedlongsgeldera. Der Reichsrat trat am Sonnabend unter dem Lorsitz de» Reichsinnenmltilste-r» Dr. KZ ritz,.z».«imr■-BoWtzung zusammen, um sich in der Hauptsache mit dem OstbUfegesetz zu beschäftigen.. Nach dem Ausschußbericht beträgt die Reichsbürg.schaft SZS Millionen Mark, von denen Preußen voraussichtfich 225 Millionen übernimmt. Der jährliche Reichszuschuß wird 129,3 Millionen betragen. Die Mittel für die Siedlung sollen durch in» oder ausländische Darlehen unter Reichsbürgfchaft beschafft werden, wozu em zentrales Nnanzierungznnstitut gebildet werden soll. Die Reichsratsausschüss« beantragten die Annahm« der Regierungsvorlage sowie eine Entschließung, in der die Regierung ersucht wird, möglichst bald weiter« Mittel zur Förde» rung des Baues von Eisenbahnen im östlichen Grenzgebiet zur Derfügung zu stellen. Der Verrreter der Provinz Oberschlesien bedauerte, daß Oberfchlesiens besondere Notlage im Gesetz nicht ausreichend berücksichtigt worden sei. Das werde hoffentlich in den Ausführung-sbestimmungen nachgeholt werden. Der Vertreter Nicderfchlesiens schloß sich für seine Provinz dieser Erklärung an. Hierauf wurde das Oschilsegesetz einstimmig, das Gesetz über die Ablösungsbank bei Stimmenthaltimg Bayerns am}«. nominell. Angenommen wurde auch die Ausschußentschließung über Eifenbahnbauten. Die llmlaufsliquidierung von Rentenbankfcheinen. Das am Sonnabend vom Reichsrat angenommen« Gesetz über die Liquidierung des Umlaufs an Rentenbanbstheinen ver- folgt den Zweck, die Landwirtschaft allgemein von den Grund- fchuldzinsen zu befreien. Die Tilgungsfrist für die Rentenbant! sthein«. die nach den ursprünglichen Absichten bis 1934 lief, wird dagegen bis zmn 31. Dezember 1941 verlängert. Blühende Phantasie. vi« Etatsabstriche des Hansa-Bundes. Aus einer heut« in Berlin abgehaltenen Tagung des Hansa- Bundes wurde nach Erörterung von Vorschlägen zur Ausgaben- fenkung ein vom Präsidium de? Bundes an den Reichskanzler gerichteter Brief bekanntgegeben. Iii diesem Schreiben wer» den die Sparovrschläge des Bundes eingehend erläutert und u. a. erklärt, haß im Reichshaushblt 1939 noch Ersparnisse bis zu 899 Mill. Mark erziel! werden könnten. Bom Oktober ab seien nach Ansicht des Hanfa-Bundcs Steuersenkungen in Höhe von mehr als einer Milliarde jährlich durchaus möglich. Dieses Schreiben des HaNsa-Bundes beweist mit seinem ph m- taftisckM Znhall aufs neue, daß die wirtschafts. und sinanzpolittschen „Reformpläne" dieses Gremiums keinen Anspruch darauf erheben können, von der Oeffentlichkeit ernst genommen zu werden.' Oie Reichsbahn in der Krise. 260 Millionen Mindereinnahmen. " Low 12.bis 14. Juni 1939 hielt der Berwaitungsrat der Deutschen R e i ch s ha h n g efellf ch a'st/ seine-erste Tagung in seiner neuen Besetzung nach Inkrafttreten des auf Grund des„Neuen Planes" geänderten Reichs-bahngesetzes ab. An der Sitzung nahm nach der neuen Gesetzesbestimmung als ftän« diger Vertreter der Reichsregierung der Mimsterial. direttor im Reichsoerkehrsministsrium V o g« l teil. Zu. seinem stän- digen Stellvertreter ist der. Ministerialdirektor im Rcichsmiuisterium der Finanzen Graf Schwerin und Krosigk ernannt nrorden. Zum 2. Vizepräsidenten wurde an der Stelle des ausgeschiedenen. Herrn Margot Dr. von Batocki gewählt. Nach dem Bericht stand der Verwattungsrat vor schwierigen Finanzberatungen. Don IamKrr bis Mai 1930 seien die Betriebseinnahmen um über 260 Millionen Mark hinter den ver- gleichbaren Einnahmen des Vorjahres zurückgeblieben E» feien Tariferhöhungen genehmigt worden, die fiir das Jahr 1339 lediglich ein« Mehreimiahme von 47 Millionen ergeben werden. Von einer neu zu b e o ntta ge n de n all g« mei n e n Er- hohung der Personentarife in geringem Ausmaße fe) eine jährliche Mehreinnahme von etwi 45 Millionen Mark zu erwarten. Mit der Einführung' dieser erhöhten Personenfahrpreise würde erst zum 1. September zu' rechnen sein. Di« Frag« einer Gütertarif- . rihh bifn g, rMtde öfts, die- Sttzimg b e r-t'N g t. "'- M't einem Starrsirm, d« von kei n«n kön sv n ktnr p nl>' t i rch-«» E r w ägitch'gen g e m'i ld e r t. ist. Haft die Reichsbahit- Verwaltung an der Verteuerung der Personentarife fest. Sie will nach der erst kürzlich durchgeführten Tariferhöhung für Stück- gut offenbar auch noch wsltere Tarifwünsche für den Güterverkehr feigen lasse». Man darf darauf gespannt sein. wie. sich das Ka- bmell Brüning, das sich die allgemein« Lohnsenkung„unter Er» Halbing»er Realkaufkrast" zum Ziel gesetzt hat., zu diesen«euc» Forderung«» der Reichsbahn stellen wirir Kommunalkämpfe in Hannover. Ouerlreib«re:en der Dürgerllchen. Hannover. 14. Juni.(EigenderSchtZ Die sozialdemokratische Mehrheit der Hannover- schen Stadtverordnetenversammlung wählte am Sonnabend den bisherigen junstischen Senator im Magistrat der Stadt Hannooer Dr. Lindemann zum Bürgermeister und die Sozial- demokraten Oswald Bauer, bisher Stadffekretär in Leipzig. Dr. Vollbrecht, bisher Direktor des Tarifamtes in Verlin, und den Bürgervorsteher Wilhelm Weber zu Senatoren Die Wahl er- folgte gegen den Protest der bürgerlichen Parteien. Die Stadt Hannover besitzt bereits seit vielen Monate» eine sozialdemokratischeMehrheit. Trotzdem setzt sich der Magistrat aus 15 bürgerlichen Vertretern und nur acht. Sozial- demokraten zusammen. In dieser Zusammensetzung kann die bürgerliche Mehrheft, des Magistrats alle Beschlüsse der Stadtver- ordnetenversammlung durch sogenannt« Difserenzdeschlüsf« verhindern, über die dann der reaktiouäre Bezirks» ausschuß zu entscheiden hat. Schon seit Iahren waren die Stellen eines Bürgermeisters und dreier Senatoren zu besetzen. Die Sozialdemokratie war natürlich bestrebt, entsprechend ihrer Mehrheft im Burgervorsteherkollegimn sich auch den erforderlichen Einfluß aus den Magistrat zu oerschaffen. Dagegen wehrten sich der rechtsstehend« Oberbürger» meister und sein« reaktionäre Mehrheit im Magistrat, die Demo- traten eingeschlossen. Schließlich beschloß man, die freien Magistrats- ämter bis auf weiteres nicht zu besetzen; angeblich aus Sparsamkeitsgründen, in Mrklichkeit jedoch, um eine Verstärkung des Einflusses der Sozialdemokratie zu verhindern. Wenn der un- faire Beschluß im Bürgervorsteherkollegium mit seiner sozialdemo- kvatischen Mehrheit auch nicht durchging, so entstand dadurch jedoch ein sogenannter Disserenzbeschluh. zu dessen Entscheidung der Bezirksausschuß bisher inuner noch nicht gekommen ist. Jetzt hat die Sozialdemokratie den gordischen Knoten durchhauen und die Wahl vorgenommen. Noch hoffen die bürgerlichen Frak- tionen, die während der Wahl bis auf einen Horchposten durch Ab wesenheil glänzten, die Wahl aus Grund alter spitzfindiger Verwaltungskommentaren anfechten zu können. Es ist jedoch zu erwarten, daß ihnen die Rcgierungsiirstanzen einen derben Strich durch, die unehrliche Rechnung machen. Gemaßregelier Gemeinderai. Stuttgart. 14. Juni.(Eigenbericht.) Der kommu ni st i sch e G e m ei nd« r a t H eim m Schwen» Mngen/Reckar ist von der württembergischen Regierung mit so- losortiger Wirkung seines Amtes vorläufig enthoben worden. Gleichzeftig wurde gegen Helm ein Disziplinarverfahren ein- geleitet, weil er vor Gewerbeschülern Hetzreden gehalten wch sie zum Ungehorsam gegen die Lehrer aufgefordert haben'fall,_j , Oer Skandal der Mgdor-Aukiio«. Wozu Gesetze gemacht werden. Unter ungeheurem Ansrang ist soeben in drei Ziagen ein Teil der berühmten Sammlung Figdor in Wien versteigert worden. Es sind in diesen drei Tagen, an denen nur die Textilien und Möbel herankamen, 4)4 Millionen(Mark) umgesetzt worden; außer den üblichen Sttuktionszuschlögen kamen noch 20 Prozent Auf. Ichlag hinzu, die der österreichisch« Staat erhebt. Im Herbst wird der zweite Teil in Berlin versteigert werden, noch später kommt der Rest heran. Erwähnt mag werden, daß für ein Hauptstiük, einen gotischen Wandteppich des 15. Jahrhunderts mit der Darstellung einer Ge- richtsszene, vom Kopenhagener Museum 700 000 Schillinge bezahlt wurden: allerdings nicht aus öffentlichen Mitteln, sondern aus einer besonderen Stiftung. Immerhin bedeutet das eine Ausnahme. Die ungeheuerlichen Summen, die hier für altes Kunstgewerbe ver- schwendet wurden, stammen entweder aus dem Besitz überreicher Kapitalisten oder aus den von Staat und Gemeinde bewilligten MUteln öffentlicher Sammlungen. Das alles aber würde uns, als«w« interne Angelegenheit des Kunsthandels, nicht berühren, wenn ihre Vorgeschichte diese Auktion nicht zu einem beispiellosen Skandal stempelt«, der auch nn Deutschen Reiche ans Licht gezogen werden muß. Der verstorbene Ludwig Figdor hatte nämlich schon bei Lebzesten seine ganze Sammlung, beispiellos durch die ungeheure Menge wertvollster Kunstwerke jedxr Art, dem Wiener Hofmuseum als Geschenk überlasiea wollen. Da» war. in Dorkriegszeiten, ausgeschlagen worden, weil der Hochmut der österreichischen Bürokratie seine Bedingung nicht annehmen wollte, die Sammlung geschlossen in eigenen Räumen auszustellen. Daher hinterließ Figdor seine ganzen Schätze einer in Heidelberg lebenden Nichte. Nun aber fängt die Tragödie an. Das heutig« DeukschSsterreich hatte Gesetze erlassen, nach»enen so außerordentliche Sammlungen wie die von Figdor, auf die es vor ollem gemünzt war. ein unteil- bares Ganzes bilden sollten, aus dem Einzelstücke nicht veräußert werden durften, und wonach die Ausfuhr solcher vom Bundesdenk- malamt als besonders wertvoll bezeichneten Sammlungen verboten war. Das Bundesdenkmalarnt hatte natürlich die Figdor-Sammlung als unantastbar in diesem Sinne bezeichnet, die Rechtslage war sonnenklar. Ihr gegenüber stand nur der privatrechtliche Anspruch der Heidelberger Richte, ihr Erbrecht auszuüben. Der österreichische Staat hotte es in der Hand, d«r Erbin ein« beliebig« Abfindung auszuzahlen und die unschätzbäre Sammlung zu behalten, weil die Erbin ja ohne feine Gcnehnngung nichts damtt anfangen konnte; ja, er konnte, wenn sie darauf nicht eingehen wollte, mtt seiner Waffe der Ausfuhrverweigernng ruhig warten, bis sie gestorben war: kurz, es war«in Schulbeispiel für die Möglichkeit des heutigen Siaates. ein großes Gut oop allgemeinem Jnteresie aus privatem in öffentlichen Besitz überzuführen, ohne wesentliche Aufwendungen. Er war dazu auch moralisch berechtigt, weil Figdor selbst schon die Absicht gehobt hatte, seine Sammlung dem Staate zu schenken. Mein hier setzen Intrigen und Schickungen dunkelster Art ein, über die bis heute keine amtliche Auskunst zu erlangen fft. Der Berliner Kunsthändler Rebehay vom Schöneberger Ufer hat be» reits im Januar lSZ9 der Heidelberger Richte die ganze Sammlung , tzüx 10 Millionen Mark abgelaust. Trotz, da? Auktions. und Aus-, £ stchrvsrbots vom öfterreichffchni ßtogt/tet zur selben Zeit mtt voll» • Mseiiden Worten versichern ließ. Saß von emsh:' Derstesgerung der üister Denkmalsschutz stehenden Sammlung„seldstverständllch kein« Rede sein" könne, und daß es„gänzlich ausgeschlossen sei. daß eine Bewilligung zur Deranstaltung einer Auktion erteilt werden würde". Es war ein Glück für den Kunsthändler Rebehay, daß in» zwischen drei Regierungen, drei Unterrichtsminister die Sache in der Hmid gehabt hoben, so daß heut« die Derantwortung von einem aus den anderen und den dritten geschoben werden kann, und daß sich im Grunde niemand um dieses reizende Billardspiel mtt unver. antwortlichen Bällen mehr kümmert: denn was auch an Gesetzen und pathetischen Staatsoerlautborungcn dagegen sprechen mag— die Auktion und die Verschleuderung der kostbaren Schätze hat be- gönnen und wird im Herbst ihre Fortsetzung finden. Herr Rebehay hat für die öffenlliche Meinung nicht etwa die Pille verzuckert, sondern steht als Mäzen in bengalischem Lichte da, well er, als Trinkgeld für die Erlaubnis der Auktion, ein paar Stücke aus seiner Masse unter dem stolzen Namen einer„Figdor-Stiftung" dem Staat überlassen hat. Außerdem bekomnst er ja sast eine bare Million aus dem Aufgeld. Selbstverständlich hat niemand und nichts schuld an dieser öfter- reichischen Staatsölamage. Wir wisien ja, wie so eine Verschleude. rung öffentlichen Gutes vor sich geht; wir brauchen uns in Deutsch- Inno nicht zu oerstecken. Das Reue ist nur die ganz offen- sichtliche und durch nicht» zu vertuschende Ver- letzung von Gesetzen, die eigens zum Schutz gegen die Berfchleuderung eben dieser Sammlung ge- macht worden sind. Was den Kunstfreund letzten Endes über dies Wiener Panama iröstet, ist die Einsicht in die Relatwttät aller Wert«. Die Figdorfchen Kostbarketten mit ihrer Höchstwertung aus dem internationalen Kunstmarkt bedeuten für uns Menschen klarer Sachlichtett und tünst- lerischer Neuorientierung nicht allzu viel. Es sind Antiquitäten, von denen gerade die Wiener Staatsmuseen unerineßliche Schätze be- sitzen: etwas mehr, etwas weniger vnegt da nicht allzu schwer. Das letzte Wort m dieser Sache hat nicht der Kunstfreund, sondern der Volkswirtschaftler._ Paul F. Schmidt. Restlose Klärung der Gaarfrage. Forderungen der rheinischen Sozialdemokratie. Godesberg a. Rh.. 14. Juni.(Eigenbericht.) Der- B c z i r k s p a r teita g der Sozialdemokrat�- schen Partei für die obere Rheinprovinz, der am Sonn- abend in Godesberg zusammentrat und am Sonntag ein politisches Referat des Abg. Dr. Brei ts chei o entgegennehmen wird, nahm zur Saarsrage eine Entschließung an, in der es unter anderem heißt: „Der Bezirksparteitag sieht in dem Beginn offizieller Saar- Verhandlungen in Paris einen Erfolg jener BerständiArngspolitik. die von der Sozialdemokratie eingeleitet, geMrt und ständig gefördert worden fft und begrüßt sie in diesen» Sinn«. Andererseits aber würde es jeder Saarverständigungspolittt zwischen Teutschland und Frankreichs widersprechen, wenn die Saarrückglie- derung zu Bedingungen erfolgen sollte, die weder die endgültig« Bereinigung des Saarproblems noch ein- gesicherte Zutunftsent- w-cklung der Saar noch eine Verstärkung der deutsch- französischen Bcrständigungsbestrebungea bvingen würden. In diesem Sinne er- wartet der Parteitag, daß die Saar territorial restlos nach Teutschland zurückkehrt, sämtliche Gruben und Kohlenselder in die Hand des preußischen und bayerische« Staat»« fie Verkehrte Woche. Amerikaner, die dem Boxkampf SchmeNog— Sharkey beiwohnten, bekamen ein Passionsspiel zu sehen.., ... während die nach Oberammergan Gereisten ab und zu wirkliche Kampfhandlungen vorgesetzt bekamen. In Rumänien sehte ein Vater Hohenzolleru seinen hoffnungsvollen Sprößling vom Throne ab... ... während in Doora der hoffnungsvolle Sproß- llng hohenzolleru feinen Vater total ln den Schatten stellte. Urteil im Kroatenprozeß. Or. Matschet freigesprochen— schwere Strafen für andere. velgrad, 14. Jv ui. Der StaatKschvtzgertchtShof hat das Urteil l« htm Prozeß gegen den Sroatenfvhrer Dr. Matsche! nnd Genossen verkündet. Der vorsttzende teilte zn Beginn der UrteUsverlesnng mit, daß 10 von den 24 Angeklagten freigesprochen werden, darunter Dr. MatscheL von den übrigen wurde der als Führer der terroristischen Orga- nisation angeklagte Ber nadle zn 15 Jahren Kerker der» nrtcilt. der zweite Hauptangeklagte Hadjija zv 5 Jahren Kerker, weitere zwei Angeklagte zu je zehn Jahren und der ehemalige Zlbg«ordnete der kroatischen Bauern- parle t, Jelasttsch» zn drei Jahren Kerker» Cllne Berufung gegen das Urteil ist nicht zulässig. In diesem wochenlangen Prozeß ist es oft zu den er, regtesten Auftritten gekommen, dastie Angeklagten die fürchterlichen Mißhandlungen schilderten, mtt denen die Polizei Geständniffe erpreßte; aber auch Angeklagte, deren Polizei, aussagen wider ihre Leidensgenossen ins Feld geführt wurden, empörten sich dagegen und bezeichneten diese Prc» tokolle als gefälscht— gerade diese Angeklagten scheinen mi4 am schwersten verurteilt zu sein. Die Freisprechung Dr. Matschets und einer Anzahl Am geklagter kann den Eindruck des Prozesses und seines Aus- gangs mindern, aber nicht aufheben. die zoll- und handelspolittschen Fragen eine Lösung gefunden wich, die durch die der saarländischen, deutschen und französischen Inter- essen erreicht werden muß. Für die innenpolitische Rückgliederung erwartet der Bezirksparteitag Sie Vorbereitung und Inangriffnahme aller Maßnahmen zur. Wegbereiwng und Wahrung des Lebens- raumes der saarländischen Interessen, die Einführung der deutschen Gesetzgebung und Erhaltung der an der Saar bestehenden Arbeitszeit." Zur Rheinlandräumuug faßte der Portettag ein« Cnt- schließung. in der es unter anderem heißt:„Der Parteitag erblickt in der Befreiung des Rheinland«« von den Besatzungstruppen noch tu diesem Monat einen sehr«rfrevlichen Erfolg der von der Sozialpolitik am stärksten geforderten Derständigungspollttt und die Beseitigung eines schlimmen Hindernisse» der Wiederannäherung der Böller. Zugleich ober erhebt der Parteitag schärfsten Pro- test gegen die national! st ische Verhetzung, die sich im Anschluß an die Räumung des Rheinland«» zu ergießen droht. Das Rheinland hat die historische Mission, Brück- zwischen den Völkern zu sein, namentlich aber die Verständigung zwischen Deutfchlanü und Frankreich zu fördern. Diese große Aufgabe darf nicht durch eine verantwortungslos« und in ihren Wirkungen ver- brecherisch« Hetze gestört werden. Der Parteitag erwartet von der Reichsregienmg und den Regierungen der Länder, pflichtgemäß die bisher geführten Friedenskonferenzen zu unterstützen, vor allem aber die Befreiungsfeiern so zu gestalten, daß sie al» Friedens- feiern wirken uno der Wiederannäherung der Völker die Weg« ebnen heisen." Byzanz in Rumänien. u Manius programmrede. Lnkaresi. 14. Juni. Heute nachmittag S Uhr stellte sich das neu« Kabinett M a n i u der Kammer vor. Minffterpräsident Manm hielt eine große Rede, m der er interessant« Mitteilungen über die Rückkehr Carols nach Rumänien machte. Moniu erklärt« u. a.: Der Thronwechsel war«ine nationale Notwendigkeit. Als sich Carol Rumänien genähert habe, habe er, Maniu, am Mittwoch früh im Re gentschaftsrat den Antrag gestellt, man möge dem Prinzen Carol die Rückkehr gestatten. Der Regent- schaftsrat entschied in diesem Sinne und stimmte zu. daß Prinz Earol im Schloß Cotroceni Wohnung nehme. Da da» Gesetz vom 4. Januar 1325 ausdrücklich bestimme, daß Prinz Earol nur durch Zustimmung des König»»der de» Regent- schaftsrates zurückkehren könne, habe sich die Rückkehr Carols in vollkommen gesetzlicher Form vollzogen. Räch der Rück- kehr des Prinzen tauchte die Frage auf. ob er in den Regentschaft?- rat eintreten oder den Thron besteige» solle. Der König erklärt«, darüber mögen Regierung und Parlament ent» scheiden. Er werde sich dieser Entscheidung fügen. Regierung und Rattonaloersammlung hätten darauf unter voller Einhaltung der gesetzlichen Form beschlossen, den Prinzen Carol zum König zu proklamieren.„Wir müssen uns", so erklärte Maniu,„m i t D a n k- b a r k e i t vor dem König neigen, der so von seinen verfassungs- mäßigen Gefühlen Zeugnis ablegte und damtt die schö'nsteu Hoffnungen bezüglich der Art erweckte, in der er das Land zu regieren gedenkt." Ministerpräsident Manm entwickelte sodann das Programm seiner Regierung. pilsudski sott abifeien. Der Oppositionskongreß in Krakav. Warschau, 14. Juni.(Ost-Expreß.)' Auf den 29. Juni, den katholischen Festtag Peter und Paul ist nach Krakau ein Kongreß aller zur Regierung Pilsudski in Opposition stehenden Parteien des Sejmzentrums und der Linken einberufen. Die Lorbereitungen werden von den Regierungsleuten mit zu» nehmender Nervosität verfolgt. Es heißt mtt Bestimmthett, daß der Kongreß in einer Enffchließung sofortigen Rücktritt de» Marschalls Pilsudski und der Regierung Slowek fordern wird. Gerüchtweffe oerlautet, daß während der Kongreßtagung groß« Massen der Anhänger der Oppositionsparteien sich in Krakau versammeln wollen, my dem Kongreß der Regierung gegen- über besonderen Rachdruck zu geben. Ieht hat Hoover das Wort. Auch Abgeordnetenhaus hat Zollerhöhungen zugestimmt. wafhivglov. 14. Juni. Die Vorlage über die neuen Zolltarife, die gestern vom Bundessenat angenommen wurde, fft heute auch vom Repräse-n- tantenhaus angenommen woxden. Sie wird jetzt dem Präsidenten Hoover zur Unterzeichnung zugeleitet. Genosse Emil Kaber gestorben. 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Don dort gehts wieder auf die Fähre Saßnitz— Trelleborg und vier Stunden über See. Auf dem fkandiitovifchen Festland angelangt, haben die Wagen Anschluß nach Stockholm. Wenn man Glück hat, kann man das Ganze auf Rädern in 20 bis 22 Stunden schaffen. Aber meist dauert es langer. Das Flugzeug windet sich in Tempelhof hoch. ist in 40 bis 4S Mimiten in Stettin, auf dem Festlandslughasen bei Altdamm. Daneben, durch eine Chaussee getrennt der Wasser- flughafen am Dammschen See, der noch von einer Zu» kunft im internationalen nordischen Reiseflugverkchr träumt, aber schon heute blitzsauber aussieht. Schöne Weg«, sanft« Rasenflächen. Flugbedienungshallen, Montagehalle, Restaurant. Alles tieblich in eine Lcndschait gebettet, die viele Wiesen zeigt und viele Wosserläufe, die irgendwie mit der Oder in Lcrbnchung stehen. Aber hier im besonderen der Dammsch« See. Der Wasser» swghofen liegt in einer schönen, stillen Bucht. Sie zeigt weißen Strand, der in den Wiesenplon übergeht. Die ankommenden Wasser» flieger aus dem Norden schmiegen sich in diesen weißen Sand. Di« Äielc ihrer Flugboote gleiten aus ihn hinauf. In kleinen Stich- Häsen liegen die Flugboote. Das Wasser umspült die stählernen Boote, die den Rumpf bilden. Darüber breitet sich die möchtige Tragfläche. In unserem Fall ist es das Flugboot.D o r n:« r Super Wal', dunkelgrau. oirspruchslos, die Unterseite schwarz gestrichen. Blanke Luken, vier Motoren über der Tragfläch«,«ii« Oeffnung zum Einsteigen im Bug des Bootes, im.Höchstfall 19 Passagier«, 4 Mann Besatzung. Pilot oder Fwg- kapitän in einem Sommandoturm zwischen den Motoren, 2 Mon- teure, 1 Funker. Ron der grünen Fkughasenwiese führt ein« kleine Treppe aus das Deck und von da durch de Luke in dos Inner« de, Doates: bequeme Sessel, gute Aussicht durch dos Litkenfenster nach beiden Seiten. Man richtet sich auf lange Fahrt ein. Denn menn mon aussteigt, soll es schon in Schweden fein, im Hafen der kleinen Küstenstadt Kalinor. Die Luke über uns wird geschlossen. Ein Motorboot schleppt den Koloß aus seinen, engen Hafen in das frei« Wasser. Di« Motoren erheben ihr Brausen, es wird zu einem Dröhnen, das alles Übertönt und die Welt zu erfüllen scheint. Dos Boot rauscht über die Wasser zwischen den Wiesen dahin. Di« Wellen vor drn Luken werden zu Gischt, dann gluckst es ein paar mal unten. Das Boot ist Augzeug geworden. ' Es stößt aus. Dos Boot will sein gewohntes Clement nicht gern nerlassen, es haftet am Wasser beim Dorwörtsrosen. Dann gibt es noch ein paar Stöße und einen Schlag, lind dann ist mon nom Wasser frei. Wir fliegen und sind schon über den Wiesen. Dos Boot ist Flugzeug geivorden. Unten wechselt die Bruchlandschaft der Odcrmüniwing. Wiesen. Wissen, Kähne, ein paar Häuser, .Kiefernwälder dem Strande zu. Roch zwanzig Minuten ist er er- reicht. Ueber Dievenow, die Strandkörbe träumen in glänzen- dem Sand. Das Flugzeug wirft sein« schwarzen Schatten. Keine Menschen. Niemand an diesem Ricsenstraid. Dann— ein paar hundert Meter weiter— ist man aus offener See, di« leicht und kurz ihre Wellen kräuselt. Und mm geschieht etwas Außerordentliches. Die Küste ver- schwindet langsam. Das Meer kommt uns näher. Es kommt uns immer näher, bis wir jede Welle erkennen können. Das kleine Fischerboot unter in» ist kein Spielzeug mehr, es präsentiert sich gleich in voller Größe. Und als wir seinen Bug verschwinden sehen, können wir di« See mit Händen greisen. Sie ist um nittelbar unter uns. Die Kommandobrücke des kleinen Frachtdcnnpsers, den wir gerade passieren, ist mit unseren Augen in gleicher Höhe. Wir fliegen drei bis vier Meter über der Meeresober- fläche. Jetzt sind's zwei Meter, und jetzt nur noch einer. Die Maschine fliegt so nchig. wie es ein D-Zug tun sollte, der eine «WOWN StorkhoUner SituUhatubalvsirade am WSIar. einwandfreie Schienenloge hat. Nicht die geringst« Erschütterung,| kein Schwanken. Mon geht durch das lange Boot und hat sich bald an den Zustand gewöhnt, in Meterhöh« über den Wellen zu fliegen. Das ist Nicht zu vergleichen mit einem Flug über dem festen Land in 500 Meter Höhe. Es gibt keine Luftsäcke, keine 3iafenleben Inmitten Stockholms Wirbel, kein« Böen. In disser Höhe über dem Wasserspiegel ent- stehen bei normalem Wetter keine Luftveränderungen, die das Fliegen in großer Höhe für viel« zur Qual machen. Ein Dampfer märe bei diesem Seegang immerhin noch ein Schaukelstuhl. Das geht so an drei Stunden. Man schläft zum brausenden Schlaslied der Motoren, ißi etwas und sieht, daß die ganze weite, blank« Ostsee zwischen Deutschland und Schweden nur»an einem Dampfer durchpflügt wird, der seine Rauchfahne m di« Fern« schickt. Schwedens Küste taucht auf. Dann nähert sich hie Küste Schwedens. Ks geht in einen breiten Sund zwischen dem schwedischen Festland und der Insel Oeland. Die Küstenlinien sind knapp zu erkennen. Schließlich ist Kalmar erreicht, der Zwischenlondungspunkt auf der meiten Schwedenreife. gegenüber der Insel Oeland. Ein Rcnoissaneedom und sin altes Schloß schicken Türme hoch. Alles stammt aus dem 13. Jahrhundert, als mit den Dänen hier noch munter Besitzkricge geführt wurden. Gin bißchen Aussteigen, ein bißchen frische Lust, ein bißchen Knäckebrot, ein bißchen Kaffee und viel Kuchen. Ein bißchen Paß- kontroll«, und dann entläßt mon uns wieder in unseren grauen Kahn. Die Propeller heben das olle Lied an. und wir fliegen zwischen Oeland und der schwedischen Küste. Rechts ein Felsen, der steil aus dem Meer« ragt, sehr einsam, weshalb er Jungfrau heißt. Dann in nördlicher Route auf Stockholm zu. Wasser, Wasser, wenig Schiff«, nur hin und wieder ein ferner Küstenstrich. Aber hiesmo! zerrissen, zerNüftet, Wälder. Klein« und große. Grünflächen. Auf einmal beginnt da, Meer lebendig zu weiden. Wir steigen etwas höher. Winzige Flecken ragen aus dem Wasser. Manche ragen nicht, sind flach« Punkte. Manch« wagen sich gar nicht hervor. Di« Wellen spülen darüber. Dann werden dies« Infeln größer. Es beginnt das Schärengebiet. Ein Fels nchen einem Felschen, ein größeres Schiff kam, schon nicht mehr hindurch. Aber dann steht plötzllch auf einem dieser taufend Infeln ein Tännche». Daun sind es zwei und drei, auf dem nächsten stehen schon drei ausgewachsene Tannen. Und dann kommt eine Hundertschaft von Inseln, die hat schon ausgewachsen« Wälder. Und dann kommt scheinbor Festland. Aber da» ist auch noch kein Festland. Es stehen aber schon Häuser darauf, es sind schon Wiesen da. Und schließlich mebren sich tue Wälder und di« Häuser und die Menschen. Und zunschen den Wäldern tauchen die Kühe aus. di« Gras von den Wiesen rupfen. Und die Auto» tauchen auf. ohne di« es kein Leben gibt. Und dann «st Stockholm da. Eine Siodi, die aus dem Wasser gebaren scheint. Eine Stadt, die aus dem Wosier gehören scheint, da? sie um- gibt und durchfließt. Eine sellsome, schöne und pbantastifche Stadt. Sie beherbergt zur Zei» mnbl die schönste Ausstellung, die es>« aus der Welt gegeben hat. Dieses Stackholm, das mir zwei Stunden Nacht kennt,— um 1 Uhr ist es dort so hell, wie bei uns um 5 Uhr morgens.— Dieses Stockholm, das 500 000 Einwohner zählt und nur einen Schutzmann hat, der einen Revolver trogen darf. Die anderen haben einen Gürtel um und einen langen Offiziersrock, goldene Knöpfe, und sie sehen aus, wie man sich die Mitglieder eines Gene- ralstabes vorstellt. In dieser glücklichen Stadt, die keil»'Arbeits- losen kennt und keine Kriminalität, laichet« der„Super Wal' in einem verzwickten Schärengeblet, in seinem Flughosen Sucharänge». E» war 9 Uhr abends uich es wurde noch tüchtig photographier:. Wir hatten den Flug von Stettin nach Stockholm in sechseinhalb Stunden mit einer Zwischenlandung zurückgelegt, weil sich der Wind uns entgegenstellte. Auf dem Rückweg sollten wir mit einem Umweg über Boncholm nur 3XA Stunden gebrauchen. Die Stockholmer Ausstellung. Dfurgardsbrunnsviken heißt die schöne Bucht, non deren Usern aus sich dos Gelände der Stockholmer La nd« sausfiellun g in da» innere des Ladies streckt. Wie die Bühnen eines Amphi- iheaters bildet diese Bucht den Mittelpunkt der A.u..stellnngsstadt. Es sei nur ganz allgemein gesagt. daß es sich um ein« Qualitätsschau von verhältnismäßig kleinen Aus- maßen Hondell. Auf diese Weüe ist es möglich gewesen, darüber zu wachen, nur m u st« r- gültige Gegenständ« au?- zustellen. Di- Ausstellung-konnte noch einem beftimmie.n Plane durchgeführt werden und gibt sich sowobl nach außen w'e noch innest so einheitlich, wie wir es von deutschen Ausstellungen kaum erwarten. Glücklich ist der Ein- druck einer umiberfichtlichen Masse vermieden, der sonst Aus- ftellungen ermüdend macht. Auf den Korso zu öffnen sich weite Schaufenster, die als groß« Läden idealer Formung gelten können. Dieser Gedanke ist auch insofern verwirklicht worden, als man bei der Ausstellung der Gegenstand« sowohl die Feierlichkeit eine» Museum- wie die stillose Buntheit zu vermeiden gesucht hat. Innerhalb der Hallen sind di« Au,- stellimgsgegenständ« in Firmen» und Kallektivausstellungen auf. geteilt. « Die Häuslichkeit hat bei Schwedens roulzem Klima stets eine größere Roll« im Dasein-der Bevölkerung gefpiell als in anderen Ländern. Die Kunstarten, die der Kultur der Häuslichkeit dienen, find daher in Schweden stets besondere gepflegt worden Neben dieser allgemeinen Bedingung sind noch einig« Urnstöiide zu erwähnen, die unmittelbar« Ursachen zum Aufschwung des fchwe- difchen Kuisstgewerbes während der letzten zwei Jahrzehnte gewesen sind. Die Entwicklung zu einer Gesellschaft ohne nennenswerte Klassengegensätze fft in Schweden sehr well gediehen. Schweden hat neben den Dereinigten Staaten dl« I>öchste durchschnittliche Lebenshaltung in der Welt, und ein großer Prozentsatz seiner Bevölkerung lebt in so guten Verhältnissen, daß er den Sinn fiir Farmkultur entwickeln kann. Dem schwedischen Kunstgewerbe ist es dadurch vergönnt gewesen, nicht für eine verwöhnte Oberklasse zu arbeiten, sondern für ein großes Publikum, 4 ..■--\l *'!- A ... ns- MiWMff MKA Fingangg8ira$e««■ Sioekbotnter Jlustieiiung. r \i Vorsicht beim(Ziseffen. Der Landesausschutz für hygienische voltsbclehrnag erlätzt solgende Warnung: Es ist nicht zu bestreiten, daß gutes, d. h. aus einwand- freien Zutaten hergestelltes Speiseeis für Ge- sunde wie auch für Kranke ein angenehmes und bekömmliches Nahrungsmittel darstellt. In den letzten Wochen haben sich aber die Nachrichten über M a ss e n v e rg is tu ng e n durch Speise- eis so vermehrt, daß es ratsam erscheint, auch aus die Gefahren hinzuweisen, die beim Eisgenuß gelegentlich in Erscheinung treten. Wer sich vor Krankheit durch Eisgenuß schützen will, der wird gut daran tun, nur solches Eis zu verzehren, das aus Sahne und aus sonstigen Zutaten hergestellt ist, deren Herkunst und tadellos« Ve- schaffenheit- sich leicht kontrollieren läßt. Die Herkunft des aus der Straße zum billigen Preis angebotenen Speiseeises ist manchmal etwas fragwürdiger Natur. Deshalb wird hier besonders Vorsicht geboten erscheinen. Beim Eisessen aus der Straß« läßt es sich weiterhin kaum vermeiden, daß die, in gesundheitlichen: Sinne sicherlich nicht immer einwandfreien Hände des Verkäufers oder des Lerzehrers mit dem Eis in Berührung kommen. Dadurch ist gleichfalls die Gefahr von Erkrankungen gegeben. Weiterhin fei darauf hingewiesen, daß ohne Schaden für Magen und Darm Eis stet« nur langsam und in kleinen Bissen genosien »verden darf. Auch hier wird beim hastigen Verzehr aus der Straße, besonders von Kindern, viel gesündigt. Schließlich gerät beim Eis- essen mjf der Straße auch leicht Staub und Schmutz in das Speiseeis und schafft sonnt ebenfalls die Möglichkeit bakterieller Erkrankungen. Es wäre natürlich falsch, aus übertriebener Furcht den Genuß von Speiseeis ganz zu unterlassen: ober nichts- destorveniger sei allen Liebhabern von Speiseeis„Borsicht beim Eisessen" angeraten. Tombola-Gchiebungett. Unternehmer, der Hauptgewinne für sich behielt. Das Kapitel der Schiebungen an der Tombola beschäftigte wie- der einmal das Schöffengericht Berlin-Mitt« in einer Anklage gegen den Artisten imd Tombola-Untcrnehmer Kurt Stelzer. Der Ange- klagte hat in einer großen Zahl von Veranstaltungen von Ver> einen aller Art die Tombola gestellt, wobei er der selb- ständige Unternehmer war, und die Vereine, ohne daß es nach außen heraustrat, nur in Prozenten beteiligt waren. Er wurde nun beschuldigt, daß er eine Anzahl Gewinn-Nummern zurückbehalten habe, so daß gerade die Hauptgewinne nicht ausgelost wurden. Dies« Beschuldigungen waren gegen ihn durch die Haustochter seiner früheren Wirtin, die ihm lange Zeit an der Tombola geholfen hatte, erhaben worden. So behauptet« die Zeugin, daß er in der Regel 25 Los« zurüergeblichen Bemühungen abgebrochen werden. Seine Personalien sind bisher noch unbekannt.— In der Havel, dicht am Grunewaldturm, ertrank der 31jährige Schlosser Hans Schwarz aus der Elßhvlzstr. 14. Die Leiche wurde vom Reichs« wasferfchutz geborgen und nach der Charlottenburger Hall« geschafft. An der Scharfenberger Enge im Tegeler See, wo in diesem Sommer schon mehrer« Ausflügler den Tod durch Ertrinken gefunden haben, versank gestern nachmittag der 22jährige Arbeiter Georg T o l- warczny aus der Schmidstr. 42. Schon nach etwa 15 Minuten wurde der Ertrunkene herausgefischt, doch blieben alle Wieder- belebungsversuche, die von einer Patrouille der in Tegel stationier- ten A r b e i t« r s a in a r i t e r im Verein mit Beamten des Reichs- wasserschutzes vorgenommen wurden, leider ohne Erfolg.— Schließlich ertrank noch im Müggelsee bei Rahnsdorf ein Schwimmer, der sich offenbar zu weit hinausgewagt halte und vermutlich von einem Herzschlag ereilt wurde. Hitzschlag auf der(Straße. Am Sonnabend vonnittag, kurz nach 10 Uhr, brach in der Danziger Straße plötzlich ein jüngerer Mann zusammen. Man schaffte ihn nach dem Virchow-KrankenHaus, wo die Aerzte jedoch nur noch den Tod feststellen konnten. Allem Anschein nach ist der Mann einem Hitzschlag erlegen. Sein« Persönlichkeit konnte bisher nicht festgestellt werden. Der Berftoilbene ist etwa 30 Jahre alt, 1,70—1,75 Meter groß und trug weder Jackett noch Kopfbedeckung. Sein« sonstige Bekleidung bestand aus einem gemusterten Oberhemd, blauer Krawatte, heller Hofe und Halb- schuhen. Der lleberfall am Bahnhof Grunewald vor Gericht. Das Schöffengericht Charlotten bürg verurteilte den 23jäh- rigen Fritz I. wegen versuchten schweren Raubes und Widerstandes zu 7'/» Monaten Gefängnis. Der Angeklagte hatte am 15. April um 10 Uhr abends am Bahnhof Grunewald versucht, eine Dam« niederzuschlagen und ihr die Handtasche zu ent« reißen. Von Passanten wurde er daran gehindert. Das Gericht stellte ihm, falls er sich unter Schutzaufsicht stelle, Bewährungsfrist in Aussicht. Eine Protestkundgebung gegen die Beschimpfung der deutschen Juden durch den thüringischen Minister Dr. F r i ck veranstaltet der Central-Vereindeutsdzer Staatsbürger judischen Glaubens E. V. am 17. Juni 1930, 20.30 Uhr, im Pienarsitzungs- faal des ehemaligen Herrenhauses, Berlin W., Leipziger Straße. Es werden sprechen Justizrat Dr. Julius B r o d n i tz, Vorsitzender des Central-Vereins, Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil, Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, Rechtsanwalt Dr. Julius Blucth, Eisenach, Dr. Alfred Wiener, Syndikus des Central-Vereins. Karten sind in der Hauptgesihäftsstelle des Central-Vereins, SW. 68, Lindenftr. 13, erhältlich. Anläßlich der 2. weltkrastkonferenz spricht der bekannt« Ge- lehrte Prof. Dr. Einstein am Montag, 16. Juni,, 17—18 Uhr im Rundfunk über.Das physikalische Raum- und Aether- Problem": die Uebertrogung findet aus der Krolloper statt. Der Vortrag wird von der Deutschen Welle übernommen. -7 LalndeshauptmanwrDr� Eawarü HÄt am Donnerstag, 19. Juni" gramm". Der Redner wird die Maßnahmen crläute'tn, die gc plant sind, um im Rahmen eines Fünfjahresplans die Wirtschaft im Osten tatkräftig in ihrem Existenzkampf zu unterstützen. Das volksbildungsaml Wilmersdorf veranstaltet am Sonntag, dem 15. Juni d. I., 12 bis 13 Uhr, im Preußenpark, ein Platz- konzert, ausgeführt von? Volkschor Wilinersdorf-Schönc- berg?i?tter Leitung von Chormeister Hans Bund. Eine zweite Werbereise ins Zillerlal< Mayrhofen) veranstolt t die Oesterrcichifche Werbestslle in der Zeit vom 6. bis zum 13. Juli. Die eben abgeschlossene erste Reise hatte einen außerordentlich großen Erfolg. Der Preis für die Teilnahm« bleib? trotz der Hochsaison von Berlin bis Berlin 100 M. einschließlich Unterkunft und Verpflegung. Anmeldungen durch die Oesterreichische Werbestelle in Berlin. SW. 68, Charlottenstr. 13(Fernruf Dönhoff 253) und all« größeren Reisebüros. Sozialistische Arbeiterjugend Groß'Berlin ainsendmigeii für dies- ZtuWl nur an da< ZaaendsekreiaUac Serfln«W 6S. ilnCrnftraSt 3 eUcilungctciitt, flcBt die Anmeldungen junn S'Itlnact»SchlaubUol' ad! Ztopenhaaen-gaheeel Margen, Montag.?»>■- Uljc, Besprechung im Vortragz- soal des P.-B., Lindengr. Z, 2 Hos, 2 Tr. link,. heule. Sonnlag. Arnimplatz: Hrimadend Schule Schönsli-�cr Sir. 7.— Arn»>ralt>»r Plal? I: Stirn Rasitnivurgtr Str. 1R: Htimabtnd.— Hclmho>t>p?ati: Htim Dan�iatr Straßt ST. Barockt??: SeimäbenO.— Schöll hauscr Borstadt: Schult Ediimslithrr Straxt: Htimabtnd.— Sl-utöDn V; 12U Uhr Ziichardploi,(3citung,fio»s) trtssin sich oflt-SeortUt— dtt-l&tuti««,-Bii ondtrtn oxrraüw?3V. Uhr ctiniioci, Zltinickenbors.wcit: S«im Seibclftraftc. Htunabcud.— Wtsttnd: Btitiligung am Waldftst dtr Partei' in der ZungstrnHtidt. Treffpunkt 9 Uhr Wishtlmpsag. .. auJjkrdem kosten sie weniger Werd« bezirk Iietflorfeit; Ter Tvrechchor bekeillgt sich«n der«>.IaHr.ffli»r der Vartei in Gchöneberg. Treffpunkt IS Uhr Kleiner Tiergarten oder tS Uhr Haupt» Eck» Eisenacher S!raße> Werbehczirl Schöncberg: Treffpunkt 1t Uhr auf dem 2euthenplatz> Fahnen nicht vergessen. Werbebetirl Neukölln! Zu? Einweihung des Stadions Treffpunkt lt lrhr Htrrfurthplad. Aufstellung Schillerpronlenade, ohne Fahnen und Wimpel. All« Sportler treffen sich 13 Uhr in der Schule Schillerpromenade. Sportkleidung mitbringen. Morgen. Montag, 19� Uhr. Hanta: Die außerordentliche Mitgliederversammlung findet erst am!/>. Juni statt.— Moabit II: Heim Lehrter Str. 18—19: Fahrtenherichte.— Heim Haupt str. 15: Bericht von der Dfingstfahrt.— Arnswalder Platz N: Seim Bastcndurger Str. 18:„Die Frau und der Sozialismus�.— Nordosten II! Seim Danziger Str.. 62, Baracke 3:„Was>st Kapital?"— Schönhauser Vorstadt: Seim Sonnenburgcr Str. 29:„Die linken Parteien".— Andrraiplatz: Heim Brommystr. l:„Seruelle Fragen".— Friedrichshain: Heim Diestelmeperftr. ö— 6: IN-Minuten-Referate.— Stralaner Surlel: Heim Doßlerstr. 81;„Entwicklung der Erde".— Hallcsch«, Tor: Heim Tlorckstx. U: Elternabend.— Schönem« ede: Sprcchchorprobe im Heim Johannisthal, Rathaus. Treffpunkt 19Va Uhr nor Zur Aujsrlschung des Blukes trinken Sie einige Tagc hindurch frühmorgsils ein Glos natürliches„5ranz.Zc>sef"°Bitteiwasser! Das von vielen Asrzien verordnete Zr.inz- Joses Wasser regelt die Darm- totig-keit, stärkt den Magen, verbessert das Blut, beruhigt die Nerven und schafft so altgemeines Wohlbefinden und klaren Kopf Man Heim Berliner Sir. N. Nachzilgler kommen dirckt nach Johannistal.— Pankow III, N. F.: Heim Kisstngenstr. 48: Ib-Miuuten-Reserote. 8®6. Pankow: Heim Sisstngenftr. 48:„Utov:sch«r Sozialismus". Berbebäzirk Tiergarten: W.»B..Porstandssitzung Itzsh Uhr im Heim Elisabeth- kirchstr. 1.9. Weebebezirk Westen: W.-B.»F'unktionarv«rsammlung ISri Uhr im Heim Olhersstraße iSportplatzl. Fahrocrbindung: Stadtbahn vi» Iungfernheide. Werbedezirk Nenlölln: Politischer Insormatwnsabend:„Tagespolitik" im großen Saal Heim Kanner Straß». Reterent Arno Scholz. Alls älteren che. nassen mitssen stch unbedingt beteiligen. Werbe bezirk: Dienstag, 17. Zuni, fallen alle Sruppenabend« aus. Wir treffen uns 18 sj Uhr zur hlntl�af chisien-Äundgebung der Partei am Lausttzer Platz. Jeder muß zur Stelle sein. Werbedezirk Prenzlauer Berg: Mittwoch. 18. Juni, W.-B..Borsitzenden. konserenz im Heim Sonnenburgcr Str. 20, 20 Uhr. Sommerschau bei Raddatz. In einer ebenso reichhaltig wie vielseitig gestalteten Ausstellung zeigt die Firma Raddatz u. Co,, Leipziger Straße, was der Mensch im Sommer brauchen kann. Gartenmöbel, in neuartig praktischen Formen aus Peddigrohr, lackiertem und Naturholz, einladend-be- quenie Liegestühle, freischwebend an Ketten, mit Sonnenschutz versehen! man sieht ferner Eisschränke in allen Größen, angefangen vom Liliputschrank für den.Klemfthaushall, bis zum mächtigen, best- ausgebouten Kühlschrank mit Bentilatorcnbetrieb, der die chm an- vertrauten Gewitzmittel gleich wochenlang krisch erhält. Für ine Schonung der hausfraulichen Kräfte am Waschlag sorgt e'n« verbesserte Siemens-Schleudermaschine, die bei geringstem Stromverbrauch in litz Minuten die schwersten Wäschestücke leincntrocken liefert. 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Inzwischen hat die sich scheinbar noch weiter verschärfende Weltwirtschaftskrise die deutsche Krisennot weiter steinen lassen. Um nun der sich für Deutschland Zwangs- läufig wciteroerschörsenden Wirtschaftskrise.zu begegnen— Zinssenkung Und Preissenkung auf dem Weltmarkt bereiten einen Konjunkwrumschwung vor, surd ober zunächst noch Krisensymptome— steigert die Verlegenheit der Bürger- blockregiening. woher sie ihre Mehrheiten bekommen soll, den wjrt'chafts- und finanzpolitischen Unfug zum Kulminationspunkt. In der Regierungsproklamation vom Freitagabend heiszt es: „Durchgreifend überwunden werden können icfioch die Schwieriakeiten mir dann, wenn es gelingt, all« P r o d u k- tionskosten und Preise herabzusetzen und so zu einem generell niedrigeren Preisniveau zu gelangen. Bei dieser Politik ist die Reichsregierung aus die Einsicht und die tiit-ge Mithilfe der Beteiligten angewiesen. Sie wird solchem Vorgeben ihre eigene ksilse n'chl versagen, wie sie es durch dir verbindlich. keltserklärung für dle Gruppe Jtord-lücft der Eisen- und Stahl- industtle bewiesen hat." Und es heißt weiter: „Auch die in gesicherter Lebensstellung Befindlichen ntiissen der Not der Zeit ein Opfer bringen, wie auch von den Arbeit- nehmern Opfer gefordert werden. Andere Wege, wie zum Beispiel ein allgemeiner Zuschlag zur Einkommensteuer, lzabcn eine neue B e l a�' u n g der Produktion zur Folge und wirken dem Gedanken des Preisabbaues und der Minderung der Arbeitslosigkeit entgegen." Diese Erklärungen besagen folgendes: Die Reichs- regierung erklärt offiziell die Verkoppeln ng von Lohn- fenkung und Preissenkung als geeignetes Mittel zur Milderung einer tiefgreijenden, aber im Wesen normalen Wirtschaftskrise. Sie stellt ihre Machtmittel zur Verfügung, um dieses Mittel zur..Wirkung' zu bringen. Die Reichsregierung erklärt ferner einen Zuschlag zur Einkommensteuer für geeignet, eine— im Konjunkturadians im Fall der Krise unausweichliche— Preis- fenkung zu hindern. Wir erklären, daß beide Grundsätze, wenn sie durchgeführt werden, die Krise verschärfen müssen, www» die jetzige Regierungzpölitit zu einer Gefahr an der deutschen Volks- Wirtschaft wird. Zur Verkoppelung von Löhnen und Preisen haben wir vor einigen Tagen in dem Artikel.„Die Frage der gleitenden Lohne' das Grundjätzllche schon dargelegt. Diele Der- koppelung hätte praktischen Sinn in der Inflation. Damals galt es— und nur darum handelte es sich— die Löhne dem sinkenden Geldwert anzupassen. Eine rein instatians- technische Angelegenheit, die mit Wirtschafts- und Konjunktur- Politik nicht das ollermindeste zu tun hatte. In England hat man im Kohlenbergbau eine Zeitlang diese Verkuppelung unabhängig von Inslationsmomente durchgeführt, um der Krise eines einzelnen Industriezweiges zu begegnen. Deutsch» land hat das bei seinem Kohlenbergbau nicht getan, man blieb mit der Arbeitszeit sogar unter der englischen. Der beut sch? Kohlenbergbau ist heut« hochrentabel(1929 stieg die Rente weiter um nicht weniger als 90 Millionen Mark!), der englische ist heute noch nicht rationalisiert, der Staat muß Rationalisierungsgesetze machen: das Ergebnis des englischen Exempels sind sortdauernde Unreistabilität und das Dauerelend von ZOO 000 arbeitslosen«nglisäxn Bergarbeitern. In der ganzen Welt ist die Verkvpelung von Löhnen und Preisen als w i rts cha f t s- und konjunkturpolitisches Mittel unbekannt. Der Komplex„Oeynhausen" kann kein Beweisgrund für die Rühlichkcit der vcrtoppeluog von Lohn- und Preissenkung werden. Die Eisenpreissenkung erfolgt, rein wirtschaftlich gesehen, nicht wegen„Oeynhausen", sondern trotz„Oeynhausen". Sie ist geringer, als sie ohne„Oeynhausen" hätte missallen müssen. Die Eisen- und Stahlindustrie hatte im M a i Produktions, und Absatz- zissern, die noch unter dem Rekordtiefstand von 1925/20 liegen. Trotz Gebietsschntz und Händlerbeherrschung lstjtte das Kartellpreisgebäude aus Markrgründen zusammenkrachen müssen, genau so, wie die Amerikaner, die praktisch durch die Frachten ein Monopol' haben, ihr Preisgebäude revidieren mußten, und Zwar schon viel früher und nicht um 3 bis 4, sondern um 10 bis 13 Proz. „Oeynhausen" hat eine entsprechende Preissenkung in Deutsch- land verhindert. Ein Signal gegen Preisabbau! Va»„Oeynhausen" für die Eisenindustrie bedeutet hat, das wird dos ofsljieöc neue wirtschoflspolilisch« Junktim der Regierung, die allgemein? verkoppeiung ooo Lohnsenkung und Preissenkung, für die gesamte deutsch« Industrie bedeuten. Die Preissenkung wird hinausgeschoben, wird verhindert: das öffentliche Bewußt- fein, und die historische Erfahrung, daß Krisenlösungen nur durch vom Markt— mich bei den Kartellen— erzwungene Preis- fenkungen für Waren und für Kapital möglich sind— wird in Deutschland in die Inflationsvorstellung zurück- geworfen, daß eine Stabilisierung von Löhnen und Preisen, nur auf einem niedrigeren Niveau, die Winschost aus einer Krise herausbringen müsse. Daß cs sich hier um einen Zirkel- kchluß handelt, weil die dann vorgenommenen Preissenkungen, nachdem sie von den Arbeitern in gekürzten Löhnen gezahlt werden. kerne wirklichen Preissenkungen mit der Folge der Kamkraft- Erhöhung sein können— diese ABE-SchLlererkenntnis der Dolkswirtlchast ist vergeflen. Jede Industrie in Deutschland wird sich jetzt den preisdrückenden Ätorktgesttzen entziehen wollen, bis die Lohnsenkung für den betreffenden Industriezweig durchgetühn�sew wird, und keine Industrie wird im Ergebnis iür einen Pfennig mehr vetaufen. weil die P a r a l l e l geschaltete Lohnend Preissenkung keinen Pfennig mehr Kaufkraft erzeugt. D� rrfrrrn.n 2öh-e werf*» SM» Saulpvlpe? auf«i-'S« Wochen oder Monat«, um die jede innere Betriebsverbefse- rimg und äußere Anpassung an die Krisenerforderniss« hinaus- geschoben werden. Dafür Beispiele: Der deutsche Sleinkohlenbergbou hat mit Riesenschritten seine Förderung einschränken und 10 Mi!, lionen Tonnen, ein« volle deutsch« Monatsproduktion, bereits auf chalö« schütten müssen. Die Zeit zum Abbau der Kohlen- preise— aus Konfunktur- und Weltmarktsgründen— i st m e h r als reif. Der deutsche Steinkohlenbergbau könnt« seine Preise sofort ermäßigen, und zwar ohne jeden Lohnabbau: «r hat im Glanzjahr 1920 sein« Rente um rund 90 Millionen Mark erhöhen können. Es ging ihm so glänzend, weil trotz der Rekord- konfunktur im Jahre 1929 der Anteil der Ar b c i t s k oft e n je Tonne Nutzsärderung gesunken ist. Das„Magazin der Wirtschait" hat am 30. Mai darauf hin- gewiesen, daß der Jahresbericht des Vereins für die bergbaulichen Interessen für 19?9 die wichtigste, sonst im Mittelpunkt der Dis- kussionen stehende Tabelle, nämlich über die Entwicklung des An. leils der Arbeltskosten je Tonne RuhfSrdcrung, unterschlagen hat, und zwar mit gutem Grund: dieser Anteil ist 1920 nämlich von 10,ä1 Mark auf 10 Mark cdrr um 4 Prozent gesunken, nachdem 1928 noch eine Steigerung gebracht hatte. Die Schicht- leistung ist nämlich um 6,7 Prozent gestiegen, die Knappschasts- lasten der Unternehmer find um 10 Prozent gesunken, Lohnkosten sind— trotz einprozemixer Lohnsteigerung— durch relativen Belegschastsab-bau zurückgegangen. In Genf haben die deutschen Unternehmervertrctcr anfangs dieses Jahres erklärt: „Es gibt keine Bergbankrise!" Di« Notwendigkeit der Kohlenpreissenkung ist nach der Marktlage evident, die Möglichkeit dazu ist gegeben, und zwar o h n c � Lohnabbau: sie l>at sich in der jüngsten Zeit noch ver- st S r t t durch die enorm verbilligten Weltfrachten, durch die rück- gängige» Gvnbenholzpreis« und jetzt durch die herabgesetzten Eisen- preis«. So s ort müßten mindestens die 10- bis Iftprozentige„Ans- gleichs-Preiserhöhung" von 1928/29 beseitigt werden, ohne Kom- promiß. ohne jede Rücksicht auf die Löhne. Die Preise wären daim eventuell noch darüber hinaus zu senken. Wird die koblenprelssenkung seht kommen, nachdem die Reich«. regierung«inen Freibrief aus eine vorher zu vereinbarende Lohn- senkung gegeben hat? Es wird nicht geschehen, und die nach einer Lohnsenkung erfolgende Verbilligung muß, wie beim Eisen, wirkungslos in der Volkswirtschaft verpusten. Wie bei der Steinkohle ist es bei Braunkohle, bei Kali, in der Chemie, bei Papier, bei Zement, hie bisher un- geheuerlich verdient haben. Es wird auch so bei allen Industrien sein, die von dem Preissturz Wettmar kttvaven prosweren, vom Preissturz bei Kupfer, Zink, Zinn, Blei, bei Gummi und bei Baum- wolle. Bisher war die Preissenkung bei diesen Industrien i m Gang«. Mit einem Ruck wird sie jetzt, nachdem die Regierung dos Junktim von Lohn, und Preissenkung verkündet hat, zum Still, stand kämmen.„Erst muß die Lohnsenkung quittiert werden, e- ist ja alles gor nicht so schlimm, wie es aussieht", wird man sich sagen. Die Preissenknngswelle, di« bi« Reichsregierung zu einer Lawine in dcr ganzen Wirtschaft machen möchte, wird zunächst verebben, um— wahrscheinlich— nach dem Mißglücken dcs Regierungsexperiments als Preiskatastrophe wiederzu- kommen. Die ökonomischen Gesetze werden auf den Kopf gestellt. die Krisenursachen zur Krisenverschärfung angefeuerk, weil diese Regierung, die nicht regieren kann, regieren will um jeden Preis. Die cheilungeiner Wirtschaftskrise mutz, wenn der menschliche.Perstand den selbsttätigen Wirtschostsg? setzen nochhelseii will, die in einer organisierten Kartellwirifchait nur langsamer wirken, nicht aber nnm-rksam sind, noch ihren Ursachen behandelt werden. Die gegemnärtige deutsche Wirtschaftskrise hat zwei große Ursachenkomplexe: Einmal den innerdeutschen einer fehlgeleiteten Rationalisierung: sehlgeleitet deshalb, weil der durch tech- nische Rationalisierung erzeugten U e b e r k a p a z i t ä t der Ausgleich durch den erweiterten Massenavsatz vorenthalten LS Prozent Dividende. Kür Attumulatoren Oberschöneweide-Hagen. Seit Iahren kehren in den Geschäftsberichten der Akkumulatoren» sabrik AG. die Klagen über schlechte Preise und rückläufige Kan- junkwr wieder. Daß ober die fallenden Preise kein Zeichen schlechten Geschäftsganges, so.'chern durch die technischen Fort. schritte, speziell in der Elektroindustrie, bedingt sind und daß die Unternehmen gerade wegen des Fallens des Preise und der damit verbundenen Absatz st eigerung glänzend florieren, das zeigt der Bericht der Akt um ulatorenfabrit AG. für 1929. Der Absatzrückgang bei den stationären Akkumulatoren sei durch die Steigerung bei den transportablen nicht ausgeglichen worden: zu dieser Aussuhriing stehen in ungeklärtem Widerspruch die Umsatzkonten der Bilanz: die Debitoren sind von 21 auf 23,5 Millionen, die Kreditoren von 14,6 auf 17,9 Millionen gestiegen, wos mit größter Wahrscheinlichkeit auf eine Ausweitung des Geschäfts schließen läßt. Die Beteiligung an einer'Reu. gründung im Ausland führte zu einer Erhöhung des Eiscklenkontos von 4,2 aus 5,1 Millionen. Die Anlagekonten haben sich, besonders durch Kauf eines Fabrikgeländes an der Oberspree, um 3,2 Millionen aus 18,3 Millionen erhöht: dem Absehreibungs- sonds sind nur rund 100 000 Mark entnommen worden, so daß der Anlagezuwachs fast völlig aus den laufenden Einnahmen finanziert wurde. Der Fabrikationsgewinn wird in der gleichen che» he wie in den Vorjahren mit 1,9 Millionen ausgewiesen, woraus die konstante Dividende von 8 Proz. aus das Z0 Millionen-Kapital gezahlt wird. Do zu wird ein„Bonus", eine Sonderausschüttung, von 10 Proz gezahlt aus„einem freigewordenen Teil einer in früheren Jahren... als nötig erachteten Rückstellung"(!). Ein schönes Zeichen für die Bilanziernngswiethoden deutscher wurde, der durch eine der technischen Kostensenkung entsprechende Preisverbilligung hätte herbeigeführt werden müssen. Die Politik der Lohnerhöhung hätte di« Arbeitslosigkeit vermin- dern müssen, wenn diese Preissenkung 1926 bis 1928 erfolgt wäre. Dieser Tatbestand wird jetzt auch durch die Reichsregierung verfälscht, die den sozial- und fortichrittssjiindlichen Pseudo argumenten der Unternehmer gegen die sogenannte„Kaufkrafttheorie" der Gewerkschaften jetzt offiziell beitritt. GegendiesePrimär- Ursache der jetzigen Krise gibt es nur die Nachholung des bisher Unterlassenen: dies« Nachholung wäre jetzt fällig Sic wird van der Reichsregierung durch ihr lohn- und preispolitisches Junktim verhindert. Zu der fehlgeleiteten Rationalisierung iritt als innerdeutsche Krisenursache di« reparationspolitisch« Ka t o st rophen Politik Schachts hinzu, di« durch Anlelhesperr« den Kapitalpreis mitten in der aussteigenden Konjuntwr (1927/28) unerhört hinaustrieb. Das Gegenmittel wäre die b e s ch l e u- nigte O« f s n u n g der ausländischen Kapital schleusen jetzt in der Krise. Durch die Reparationsregelung und nack der Zeichnung der Reparationsanleih« sind theoretisch und prak tisch alle hemmenden Faktoren gefallen. Amerika. England, Frank- reich, Holland, die Schweiz warten aus deutsche Anleihen: auch die aus Deutschland geflohenen Milliarden nehmen, nachdem sie dem deutschen Fiskus entgangen sind, von der deutschen Wirtschaft gerne hol,«. Zinsen, di« dcrzu noch auf Dollar- oder Pfund- und Gulden. onleihen zu ziehen sind. Indem di« deutsche Reichsregierung jetzt offiziell Lohnsenkung und damit Dumpingpolitik vorbereitet und— zum Gespött der Welt die Wirtsehaftsgesetz« durch ihr krisennerschärfendes Junktim zu korrigieren sucht, nur um sich an der Regierung zu halten, gefährdet sie das Vertrauen des internationalen Kapitals, verringert die Durchlässigkeit der Kapital- schleusen und verteuert die Anleihen. Denn der aus- ländische Kapitalist weiß ja nur zu gut. daß durch manipulierte Lohn- und Preissenkungen kein Stück Ware mehr verkauft werden kann und die Krisenverluste nur steigen müssen. Sodann hat die deutsche Wirtschaftskrise Weltwirtschaft» liche Ursachen. Diese wurde zu verheerender und sich heute noch verstärkender Wirkung ausgelöst durch den Zufammenbruck des durch sieben Jahr« ausgebauten spekulativen Wirtschasts- und Finanzgebäudes der USA. im Oktober 1920. Gegen die von hier aus- gelzenden deutschen Krisenerscheinungen, auf deren Konto(Export- drosseluny und schwerste Erschütterung der Rohjtoss« erzeugenden Schlüsselindustrien) gibt e? überhaupt kein M i t t als die An- und Einpassung in diese Weltwirtschaftskrise. die schleunigste und denkbar stärkit« Preissenkung und die Aus- lchöpiung und den Ausbau der durch dl« Rationalyierung feit 1925 in Deutschland erzeugten Kosten- und Produktionsvorteil« bis zum äußersten. Die Deurschland kennenden amerikanischen Be- trieb»- undFinunzsacklente erklären, daß Deur! ästand s'ck wegen seiner technischen Rationalisierungsoorteile zu allererst aus der Weltwirtschaftskrise erholen werde. Und sie hätten Recht unter einer Voraussetzung, daß nämlich di« deutsche Wirtschaft«- und Finanzpolitik mit aller Macht sttzt die inner deutsche Realkaufkraft durch rücksichisb. gegenüber den Kar- tellen eventuell zu erzwingende Preissentunz ltärkt. Nominal. lohrrsenkungen führt die Krise so ohnehin bei 2 Ii Millionen Arbeitslosen herbei. Akier diese zweifellos vorhandene Chane« wird durch das Junktim von Lohn- und Preissenkung, das die Reichs- regierung zu ihrer Weisheit letzten Schluß proklamiert hat, er- schlagen. Es ist nur«ine— freilich etwas kaschierte— Variante des fehler. haften Lohn- und Preisjunktims, wenn«in« Besitzsteuer. «rhöhung wegen Gefährdung der Preissenkung von der Reichsregierung abgelehnt wird. Denn Steuer ersparnilse der Reichen und der Unternehmer, die aber auf der anderen Seite wieder als Kaufkrofta lizug bei den kon» sumierenden Massen erseheinen, können keine ander« Wir- kung haben als Lohnadzüge, die eine Preissenkung ermöglichen t sollen, aber diePreissentimg notwendig wirkungslos machen. Das System, das die Reichsregierung jetzt ousrichien will, muß die deutsche Wirtschaftskrise verschärfen. Diese» System ist dadurch gerichtet. Ihm kann nur der Kamps jedes Deutschen gel- l e n, der c» mit der Läsung der Wirlschaslskrise ernst meint. K— r. Aktiengefellschosten: vergeblich sucht man in den Bilanzen nach dieser Rückstellung und ihren„Teilen"! Und wenn man in einem De- pressionsjahr'wie dem jetzigen stille Reserven auflöst, uy, daraus Extropraslte zu zahlen, dann muß man wohl enorm ver- d i e/i t haben. KGB. im Mai LS30. llmsahsteigerung um 13,7 Prozent. Während die Wirtschaft fast ausnahmslos in allen ihren Zweigen stagniert— eine Folge der geschwächten Kaufkraft der breiten Be- volkerungsschichten, die hauptsächlich verursacht wird durch die sä" die gegenwärtige Jahreszeit übergroße Arbeitslosigkeit—, kan» die Kom'uingenossenschast Berlin und Umgegend noch über eine«ich: unerhebliche Erhöhung ihrer Umsätze berichten. Der Gesamtumsatz im Monat Mai belief sich aus 7 017 585 M., was gegenüber dem gleichen Monat de« Vorjahres einer Steigerung um 844 821 M gleich 17,3 Proz. entspricht. Besonders stark entwickelt sich der Umsatz dcr F le i s ch a b g a b e st e 1 1 e n(70,9 Proz. Steigerung): im Gegensatz hierzu zeigte die Warenhansobteilung einen klein:,, Rückgang(öch Proz.). Der Durchschnittsumfatz je M itgli ed läßt «ine geringe A b f ch w ä ch u n g im Vergleich zum Vi-rjahr erkennen: er bezifferte sich im Mai 1029 auf 34.67 M. im Mai 1930 betru» «r 33,76 M. Mitgliederzugang dauert unvermindert an:** .d)In!ien stch 2330 Haushaltungen der Genossenschaft an, WS« durch ein Mttgliederbestand von 207 829 erreicht wurde. Insgesamt gelangten in den zurückliegenden 11 Monaten des 31. Geschäftsjahres 36841 Personen zur Ausnahme. In der knnsumgenossenschaftliehen Sparkasse vermehrten sich die Einlagen um 625793 M.: der E i»1 ag«n best a n d beziffert sich auf 45 579 226 BL Allgemeine Wetterlage Deutscher Metallarbeiter-Verband Wahllokale für die Wahl der Abgeordneten zum Verbandstag Sonntag, den 22.lunl 1930 Weiieraussichlen für Berlin: Kühler, teils heiter, teils wolkig, keine erheblichen Niederschläge,> näßige nördliche bis nordöstliche Winde.— Jüt Deutschland: Auch in der südöstlichen Hälft« sinkende Teinperawren. Im übrigen im ganzen Reiche ziemlich heiter, stellenweise Gewitter._ Vnefkasten Ser Redaktion. ®. S. 100. Die Glciubigerin kann, wenn die Raten nicht pünktlich gezahlt werden, den Eeiichtsoollzicher mit der Beitreibung beauftragen und auch den Lohnanspruck) Ihres Sohnes pfänden lassen.—®. S!., Müllerstrahe. Ja. Alle nicht- mehr volksichulpflichtigen, unverheirateten und. in Berlin wohnhaften oder beschäftigten Jugendlichen unter 18 Jahre» sind zum Besuch einer von der Stadt Berlin oder von der Industrie- und Handelskammer zu Berlin eingerichteten Berufsschule verpflichtet. Erich Rupnow I Elfriede Rupnow i zeigen hierdurch ihre Vermählung an Sporl-Retlanrant Conliaiulr. (A't#r Exerzierplatz; Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dah am ll> Ii»» mein herzensguter Mann �lkretl Lässig in seinem 42 Lebensjahr durch Herzschlag ganz piottlich sanft entschlasen ist. Um stilles Beileid bittet kr«» Anna LSuig nebst Berwandien. Die Einäscherung findet am Montag. dem lv. Juni, nachmittags I2>s-Uhr, im Kremaloiium Baumichulenweg fialt Dealsdier Metallarbeiter ferliaoil Verwaltuncsstelle Berlin Todesanielge Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Mechaniker Fritz Schulze geb. 11. März 1885, atn IL Zuni 1930 gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Einäscherung findet am Mon- tag, dem IS Juni. 1b Uhr, im Krematorium Wilmersdorf statt. Rege Beteiligung erwartet Die Orteverwallnng. Am 12. Juni 193« entschlief meine liebe gute Frau, unsere treusorgende, opferfreudige Mutter ätartha Freiberg geb.«ruffkis im 44. Lebensjahre. Im Namen aller Hinterbliebenen blax Erelberg. Berlin N 113, Krllgirstr. 4. Die Bestattung findet am Montag, dem IS Juni, 3 Uhr nachmittags, auf dem St- Georgen-Friedhof in Weißensee, Rälikcftraße 150, statt. (Straßenbahn 71.) Oanksagiing. Für die überaus herzliche Teilnahme bei der Trauerfeier unseres lieben RUhard BOngel sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Genossen der 32. Adlig, und Reichsbanner- kameraden unseren herzlichsten Dank. Mar» Büngel Martha VoH Haas Vach Oanktagnng. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Trauerfeier meiner Schwester .Alma Katzke sage ich auf diesem Wege allen, die daran teilgenommen haben, meinen aufrichtigen Dank. Aon» EdcelL Am Donnerstog, dem 12 Juni. SVo Uhr. enschlief plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater und Großvater Karl Lenzner im 73. Lebensjahre. Wildenow. Berlin, 13. Juni 1930. Emilie.Lcnzncr geb. Prlrgnitz und Kinder. Die Einäscherung findet in Berlin am Dienstag, dem 17. Juni, 17>>e Uhr, im ftiematorium Gerichtstraße statt. f»tl»3>»,l»l»b>«e!i- ndtM tm. 8.«deitzol, lleNIll. DiUaäuutrale 24. Ein harter Schicksalsschlag entriÄ uns unseren langjährigen Mitarbeiter, meinen früheren Sozius und Neffen, meinen Vetter und Freund, unseren früheren Junior-Chef Bern Meyer Sein hoher Idealismus, seine Geslnnungstreue und warme Menschlichkeit, seine großen Fähigkeiten und sein sonniges Wesen sichern ihm ein dauerndes Gedenken. Eduard Neumann Dr. Franz Neumann die Prokuristen und Angestellten der Firma Paul Sauerlandt Nachf., Berlin Berlin, den 12. Juni 1930. Norden: 1. Verbandshaus, Linienstrahe 83/85, JJartemfaal; 2. Hoffmanns Festsäle(fr. Büttner), Schwedter Str. 23/24: 3. Restaurant Rech, Gaudystr. 1ö. Ecke Sonncnburger S trabe; „ Qbiglo, Stralfunder Strahe 1l: », Gottschalk» Grünthaler Strohe l4: „ Wende, koloniestrohe 147; „ Zenkel, Utrechter Str. 10. Ecke Turiner Strohe; „ Kroll, Utrechter Str. 2t, Ecke hennigsdorfer Str. „«ochse, Lindowcr Strohe 26; „ Zimmer, �ehmornstrohe 6: „ Ncgenbern, Gartenstrohe 75; „ Stein, ponkstrohe 80; „ Wittkowski, vrunnenftrohe 85. Nordwesten: „ Stutz, Huttenstrohe S: „ Lange, Üostocker Strohe 28; „.Krüger Nachf., Putlihstrohe 10: Riedel, Woldstrohe 8: „ Hagedorn, Alt-UIoabit 77 Ecke Zogowstrohe. Westen: 19. Restaurant Dornbach, Vülowstrohe 58; 20.„ Plath(fr. Meher), Lützowstrohe 7. Südwesten: 21. Restaurant Topp, Alte Zokobstrohe 1: 22.„ Fechner, Vithelmstrohe 133: 23.-„ Höhlke, Lergmannstrohe 69. Süden: 24. Restaurant Roenfpieh Nachf., wostettorstrohe 71; 25.„ Richter, Üioybochufer 5: 26.„ Blenkle, voppstrohe 1. Südosten: 27. Gewrkschastshaus, Engelufer 24/25, Saal 2; 28. Restaurant Prasser, ircichadfirchstrohe 29 a; 29.„ Siedentopf, Muskauer Strohe 35; 30. � Reinicke, Grünouer Strohe 17; 31.„ Seiwert. Schlesifche Strohe 35. Osten: 32. Restaurant Hoffmaun, Morkgrofendamm Ecke Stralau er Allee: * Mahlmann, Iruchtstrohe 37; � Deitert, Ulollernstrohe 1: „ Lojak, Veymestrohe 8; „ Schlüter, kroutstrahe 54 a; w Majschczyki, kodiner Strohe 10. Nordost: 37. Restaurant Spart, Georgenkirchstrohe 65; 38.„ Rösuer, Zmmonuelkirchstratze 25. Zentrum: 39. Restaurant Lohann, Brüderstrohe 16/18. 40. Adlershof: Restaurant Schmidtbauer. Vismarckstrahe 74. 41. Baumschulenweg: Restaurant hah, Baumschulenstrahr 72. 42. Bernau: Restaurant volkshau«, Wandlitz er Strohe. 43. Bohnsdorf: Restaurant Paradiesgarten, Wottersdorfer Str. 100 44. Brieselang: Restaurant»Zum letzten Siedler'. 45. Britz: Restaurant Vehnisch, Rudower Str. 35. Ecke Hanne- mannstrahe.- 16. Buchholz: Restaurant Rossack. Hauptstrahe 71. Charlottenburg: 47. Restaurant Reimer, wilmersdorfer Strohe 21; 48.„ Müller, Osnobrücker Strohe 27; 49.» Thunack, wielandstrahe 4: 50. � Dörr«, Danckelmannstrahe 18. Köpenick: 51. Restaurant Schulz, Bahnhofstrah« 34: 52.„ Bewart, Rudower Strohe 28. 53. Eichwalde: Restaurant eindner, Vahnhoffirahe 12. 54. Erkner: Restaurant Grund, Sönigstrahe 52. 55. Falkense«: Restaurant Wulff. Bahnhofstrahe. 56. Friedrichshagen: Restaurant Fahrentholtz. Kirchstrahe 28. 57. Hennigsdorf: verbandsbüro. Vöhowstrahe 13. 58. Hohenschönhausen: Restaurant Marquardt, Berliner Str. 85. 59. Kalkberg«: Restaurant-Dollshaus, Gartenstrah« 1. Lichteuber 60. Restaurant Seipke, Kronprin 61. � Tempel, Gudrun� 62.„ Martini, hirschberger Strohe 1. 63. Lichterfelde: Restaurant censki, hindenbnrgdamm 5'. 64. Mahlsdorf: Restaurant Anders, Bahnhosfirahe 34/37. 33. 34 35. 36. 36 a. 65. 66. 67. 68. 69. 70. 71. 72. 73. 74 75. 76. 77. 78. 79. 80. 81. 82. 83. 84 85. 86. 87. 88. 89. 90. 91. 92. 93. 94 Mariendorf: Restaurant Maoh. Ehausteestrahe 27. Mittenwalde: Restaurant Reumann. Zorckstrahe. Neukölln: Restaurant Rudolph, hermannstrohe Ecke Knesebeckstrahe; „ Kutzki, hermannstrohe Ecke Leinestrohe; „ Jdeal-Kastno, weichselstrahe 8; „ Schluuke, Bergsfrahe 98, Ecke Lahnsirahe; „ Zimmermann, Treptower Ecke Stuttgarter Str. Nicderschöneweide: Restaurant Pamp. hastelwerderstr. 12. Lberschöncweide: Restaurant Schillerglocke(Znh. Sachs), Schillerpromenode 2. Pankow: Restaurant Türkisches Zell(Znh. Maler), Breite Strohe 14 Reinickcndorf-Ost: Restaurant Rochhaus, Residenzstr. 156, Ecke Schönholz, weg; „ Hoffmann, Markstrahe, Ecke hollönderfirohe. „ Thieh, provinzstrahe 82, Bahnhof Schönhofz. Reinickendorf-West: Restaurant volkshaus, Scharnweber» strahe 114. Nöntgenthal: Restaurant Mcihel, Bahnhofstrahe 76. Schöueberg: Restaurant Ed. Gehrke, Ar. Rosenthal, Ebersstrahe 66. Siemensstadt: Restaurant„Zur Wartburg", Reihstrahe 20. Staaken: Restaurant Mndrag, Am Bahnhof. Spandau: Restaurant Germaniasäle, Am Stresowplah; „„Zum Nordpol", Lntherstrahe 3: Höpfer(fr. Wind), pichelsdorfer Strohe 5-. Steglitz: Restaurant Borchmann, Rheinstrahe 40. Tegel: Restaurant cehnhardt, Berliner Strohe 84 Teltow: Restaurant kupsch, hoher Steinweg 10. Tempelhof: Restaurant Bürgergatten. Berliner Strahe 165. Treptow: Restaurant Ganter, harzer Strahe 88. Weihensee: Restaurant Gallas. Lehderstrahe 122. Wildau: Restaurant„Grüner Baum", Schwarztopssstrahe. Wilmersdorf: Restaurant Lndw. Sroih. Gasteiner Strahe 6. Wittenau: Restaurant Schulz. Oranienburger Strahe 184 berg: inzenstrohe 47; »strahe 7; Achtung, Funhllonirel Au» Anlaß der bevorltebenden Wahl bei Abgioidneteit zum Berbanbotage wird an alle Mitglieder ein Flugblatt heraus gegeben Die Flugblätter find am MtN- »och, den, 1«. und vonnerotaa. dem IS. Font, in der Zeit von S-r Ahr, abends, im verdaudshanje, Zimmers, abzuholen. Wir erwarten von ben Funktionären, daß fie sich an die Zeit binden, da Freitags und Sonnabend» tn einem Teil der Be> triebe kurz gearbeitet ibirb. Di« Flug- blätter müssen zur Berieiluna gelangen Die Vertrauensleute haben sich zu legitimieren._ Cienafag, ben IT. Znai, obond» T Ahr, In her Cötocnbcanerri, Sab- fftf* yochftrabe Branchen-Versammlung aller Wickler und uncklerinnen, Isolierer und isoiiererinnen Tagesordnung: 1 Jahresbericht. 1»ükumon. S. Neuwahl der Branchenleweng. t, Branche» angelegen heilen. Ohne Mitgliediduch lein Zutritt. ��hlreiches Erscheinen ist»ndedingte ßchwng. BeuanschlSgerl virnstng, den 17. Znni. abend» 7 Ahr, im UccbanbaHane. LinienUrnb« 03 SS Branchen- Versammlung Tageoorbnung: 1. Bericht her Branchen kommisfio», !. Kassenbericht, tz. Freie Auslvrache. t. Neuwahl der Brauchenlettung. Dt« Kollegen werden ersucht, pünktlich die Bersammlung zu beluchen Alle ardeil». lvien Kollegen müssen in dieser Lersamm- lung erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein gutritt. Achtung, arbeitslose Elsen- und Revolverdreher und-dreherinnen, sowie Rundschietteri OUnslag. den II. Znni, mittags 12 Ahr. im Sihnngaiaai des verdandshanse». Liatenstr. 63,5» II Versammlung euer im lleuwcnen meien- erhener-verbend ergenieiemen erheneioeen soll. u. Kolloginnen Oh« Mitgliedsbuch oder Au»w«t» und Stempelkarte t einen Zutritt. Spielplan unserer UnltnrobUUnBch Zn der Woche vom 16. bi, 22. Zunlz r. ZU) 1, Oitiga» flbet BecUa. 2. Der kluge Käut«. 3. Humoreote. Zn der Woche oo« 22. bi» 26. Inn»: 1. Menlchenarsenal. Verleih Bellst echuischer Fiil lBerleih BeUftlm, Z. Technischer f 3 Humoiesle, Z» der Boche von» 1 die 10. Angestt 1 Frühling serniachen. 2. Technischer Füm. 3. Hmnoresle.— Anfragen wegen Ueberlassnng und Bt» such der Abteilung sind telephontsch oder tchrlftllch an die KaUurabteilunz (Büro Llnienstr. 33/80, Zimmer 20) zu nchle». Sic Snilurndteilung bleibt com 30. Znni bi» 3. August geschlossen. wiedererSsfnnng am 6. August 1030. Sie Ardeit»Iafennarstellnng am ANttmoch, dem 1s. Znni süNl au». vi« Ortsvsnvsltinig. Am Donnerstag, dem 12. Josi, wurde uns unser lieber Bern Meyer plötzkiechi durch den Tod entrissen. Wer ihn kennte, weiß, was wir an ihm verloren haben. Im Kamen der Hinterbliebenen Elise Meyer, geb. Brodnitz Martha Katsdhinsky, geb. Meyer Dr. Karl Meyer-Brodnltz Alfred Meyer Siegfried Kalschtniky Berlin. 15.Juni 1930. Die Einäscherung findet am Dienstag, dem 17. Juni, 161/, Uhr. im Krematorium Wilmersdorf statt. Uhren von Wiese die nehen präzise Für die'Reise ut ein* gute ZtFmbanduhr ttnentbebrlich/ eomene namen-lnnbanontir 10 Steine, Schweizer Werk iie—H. fimeine Herren-ännbanflniir ,o... 13.—. Herren-TasdieaHlir.............. von 54Wan Zwei fahre schriftliche Garantie ecimä'nnwiSrf H. f rfliiertrtlrelse.0 (?, Pas jener Sirene 12 Kcu..ntjrr Damm 2 Briilanten-aSalegenheltskäuF«!| jj M&gmßmml&d, auchdeihftMIcfm wird nxhjjeiHg firÜg und dann geltlslhs. SjkamJedeTimfrm jurßdi imdihrl&ui fchriäf und miMbs aMs feßßtmdm. und müT&fe der oGektrifchen SINGER und deren Sonderapparaißru Qe&furdie Tteljekaße fparau SINGER NÄHMASCHINEN AIOl ENGESELLSCHAFT DORTMUND ESSEN DUISBURG MAGDEBURG FRANKFURT"/m tFahrgaiiQ 1950 Ciewid.mei allen freunden ixnseres TLgxxsgs und denen., die es-werden wollen. Copyright bg Kurt Lisser Reklame 1930 Nachdruck von Wort und Bild verboten! SM Jeder von uns weiß aus Erfah- rung, daß meist gerade die Experimente über Erwarten gut ausgehen, an die wir mit einem gewissen Zweifel und Zaudern herantreten. So geht's sicherlich auch all'de- nen, die, sei es durch Überlegung, sei es durch die Not der Verhältnisse, zu dem Entschluß Kommen, es auch einmal mit„billiger Kleidung" zu versuchen. eUerlUften Haas» her gewChni, Heia das Beste zu kaufen, wurde- ich durch die ZeUverhSltniase gezwungen, nach billigem Einkauf umzuschauen.'' So schreibt uns in erquickender Offenherzigkeit Frau H.... aus Düsseldorf, die, da sie Witwe ist, sicherlich der Zeiten Not besonders hart empfindet Frau H.... schildert dann, wie sie zuerst für ihreTochter verschiedene ganz einfache Kleidchen bei uns gekauft habe, mit denen sie sehr zufrieden war; dann einen Mantel für 21 Mark, den ihre Tochter jetzt im dritten Sommer trägt nach dem er mit einem neuen Gurt und einerneuenBlumeversehenwurde. Und nun hat Frau hl.... auch für sich selbst etwas bei uns gekauft und zwar, wie sie schreibt: midi selbst mußte rot 14 Tagen(Mitte April, die Red.) einen neuen Mantel bei Ihnen kaufen- Größe S2- und bin mit demselben sehr zufrieden. Hatte nicht geglaubt, für Mk. SO.SO einen Mantel für eine starke Person kaufen tu können." Mit ähnlichen Briefen- alle des Lobes voll- könnten wir in Hülle und Fülle aufwarten. Es ist immer das gleiche: Wer zu uns kommt, um „mal zu sehen1*, der ist auls freudigste Überrascht.- Überrascht, nicht nur von unseren billigen Preisen, sondern mehr noch von der guten Qualität, die man bei uns dafür bekommt. Viele zweifellos kluge und tüchtige Frauen und Männer trennt nur noch ein Vorurteil von der Möglichkeit, ganz wesentlich an ihrer Kleidung zu sparen. Aber-- „das gegründetste Vorurteil wieget auf der Wage der Gerechtigkeit so gut als nichts11 sagt einer unserer klarsten Denker. Gotthold Ephraim Lessing. ttä-EIDtlHO*- Das Damen-Kleid Sa« Hoch motmM Msntnbtbniiftt Wolfe« flrib, btroottagenb schick in bei n« u e n Lönoe. wil Südemope nnb Doppelvolant. MM7S Mit netter Zierblnm« kostet e» nur I• ein Hochelegante« strmellose« Wtorocttin« fUeib mit prachtig koloriertem Blütenbruck. 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Jahrgang Sonntag, 15. Juni �930 Oeynhausen in der Praxis. Generelkündigung zum Lohnabbau. Bochum, 14. Juni.(Eigenbericht.) Tie zur Nordwestgruppe gehörenden Werke Huben am Sonnabend ihre Betriebsräte davon unter- richtet, dap sie, um die neuen Entlohnungsmethoden bei der Neuregelung der Akkordlöhne nach dem Leynhausener Schiedsspruch durchführen zu können, den in Frage kommenden Arbeitern und Arbeiterinnengruppen am M o n- tag kündigen würden. Tiese Masxnahme sei rein formeller Natur. Es sei auch nicht beabsichtigt, eine rein schematische Verdienstverminderung eintreten zu lassen. H- Die Schwerinhustriellen versuchen, den Lohnabbau, zu dem ihnen der Schiedsspruch nur erst die theoretische Möglichkeit gibt, in die Praxis umzusetzen. Es muß von Betrieb zu Betrieb verhandelt und eine Neufestsetzung der Atkordpreise vorgenommen werden. Die Unternehmer beginnen diese Verhandlungen mit einem Faustschlag auf den Tisch: die Generalkündigung. Die Debatten in Genf. llm Arbeitszeit und Zwangsarbeit. Gens, 14. Juni.(Eigenbericht.) Der Venvaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes lehnte am Sonnabend den Antrag des schwedischen Regierungsverireters auf Revision der Washingtoner Arbeitszeitkon- v e n t i o n mit 17 gegen 7 Stimmen bei 2 Enthaltungen ab. Die Arbeitgeber und der Vertreter der schwedischen Regierung stimmten s ü r die Revision, die Vertreter der englischen und j a p a n i- schen Regierung enthielten sich. Die deutsch«, französische, belgisch« und polnische Regierung ließen sich im Verlauf der Di«- tussion gegen die Revision aussprechen, da Jnterpretationsschwic- rigkeitcn sich auch bei einem revidierten Konventionstext ergeben würden und die größte Beruhigung des sozialpoliti- schen Lebens davon zu erwarten sei, daß die Achtstundentags» konoention nach lOjähriger Wartezeit endlich von allen führenden Industriestaaten Europas bald ratifiziert werde. In den Kommissionen der Arbeitskonferenz stell- ten die deutschen Reoierungsvertreter zur Regelung der Arbeits» zeit der Kohlenbergleute den Antrag, die Braun- kohlengruben außerhalb der Konvention zu lasien und für sie eventuell ein Sonderabkommen abzuschließen. Der polnische Regierungsvertreler bekämpfte diesen Antrag. Eine interessante Debatte die am Montag ihre Fortsetzung findet, entspann sich in der Z wa n g sa r b e i t s k o m m iss i o n darüber, ob die militärische Arbeitspflicht auch unter die Konoention fallen soll. Der französische Reglerungsvertreter, der sie als not- wendiges Erziehungsmittel der Eingeborenen(!) bezeichnet«, möchte sie ausnehmen, während die Arbeitergnippcn ge- schloffen den gegenteiligen Standpunkt vertreten. Die Stimme der deutschen Bergarbeiter Gens, 14. Juni.(Eigenbericht.) Der deutsch« Arbeitnehmervertreter August Schmidt von? Dergarbeiterverband in Bochum hat am Freitag in der Kohlenkom- Mission der Genfer Arbeitskonferenz eindrucksvolle Feststellungen über die soziale und wirtschaftspolilische Situation im deutschen und internationalen Kohlenbergbau gemacht. Zu den Ausführungen des englischen Arbeitgebervertrtters Lee bemerkte Schmidt, daß die finanzielle Auswirkung der von den Bergarbeitern geforderten Arbeitszeitoerkürzung durchaus nicht pessimistisch zu beurteilen sei, da in einer Reihe von wichtigen europäischen Kohlenländern trotz kürzerer Arbeitszeit und Lohnerhöhungen der Anteil des Lohnfaktors an den allgemeinen Produktionskosten einen ständigen Rück- gang zeigt. Insbesondere biete die fortgeschritten« Technisie- r u n g eine so weitgehende Ausgleichsmöglichkeit, daß eine Arbeits- zeiwerkürzung'zum mindesten im europäischen Kohlenbergbau kein wirtschaftliches Risiko mehr darstellt. Das Interesse an einer Ausgleichung der bergbaulichen Arbeits- zeit sei bei den Unternehmern und auch bei den Regierungen jeden- falls ebenso so groß wie bei den Bergarbeitern, da die vorhandenen Ungleichheiten den Wettbewerb auf den europäischen Kohlen- Märkten im wesentlichen zu Lasten des menschlichen Faktors in der Wirtschaft vor sich gehen lassen. Auch würden dadurch die von den Unternehmern stark betriebenen Bemühungen zu wirtschaftlicher Der- ständigung auf den Kohlenmärkten behindert Man müsse die Be- hauptung der Unternehmer, daß die jetzigen Krisenzeiten durch Jnan- grifsnahme einer derartigen Arbeitszeitverkürzung ungeeignet seien, zurückweisen, weil ja gerade die mit wechselnder Schärf« auftauchend« Dann werden die neuen Akkordpreise bekanntgegeben werden. Wem sie nicht passen, der kann gehen! Die Kündigung hat nur dann„formelle" Bedeutung, wenn sich die Arbeiter den Lohnabbau gefallen lassen. Wenn nicht, dann bc- deutet die„formelle Maßnahme", daß wir in 14 Tagen im Ruhr- s gebiet einen R i e s e n k a m p f haben werden. Die Holzindustrietlen folgen. Sie wollen beim Lohnabbau nicht zuriickbleiben. Der Arbeitgeberverband der deutschen Holzindustrie hat von seinem vertraglichen Recht Gebrauch gemacht und die geltenden Lohnabkommen zum Ablauf am 1. August gekündigt. Damit wird ein« Lohnbewegung eingeleitet, die sich auf etwa 110 000 Holzarbeiter in den verschiedensten Teilen des Reiches erstreckt. Die Berliner Holzarbeiterschaft wird von dieser Bewegung nicht direkt berührt, da sie ihre Arbeitsbedingungen lokaltariflich geregelt hA. Krisenerscheinung in der Kohlenindustrie Beranlaffung ge- geben hatte, auch von der sozialpolitischen Seile her einen Ausweg zu suchen. Angesichts der vorherrschenden beträchtlichen Arbeitslosig- ke i t in den einzelnen Kohlenländern, begleitet von zahllosen Feier- schichten bleibe keine ander« Wahl als durch Wiedereinschaltung der Erwerbslosen in den Produktionsprozeß die ohnehin auf der Volkswirtschaft ruhenden Belastung wirtschaftlich aber auch moralisch tragbar zu machen. Dazu biete die vorgeschlagene Arbeitszeitver- kürzung ein« Handhabe, die nicht unbeachtet bleiben dürfe. Der Rückgang des Beschäftigungsgrades in der europäischen Kohlenindustrie ist hauptsächlich auch ouf«in Absinken der Kaufkraft der arbeitenden Bevölkerung zurückzuführen. Die zweifellos vor- handene lleberproduklion an kohlen kann nur zum Verschwinden gebracht werden, wenn die Massenkaufkraft gesteigert wird. Deshalb müsse man sich mit aller Entschiedenheit gegen jede Art des Lohn- abbaues im Bergbau wenden. Die deutschen Bergarbeiter werden es nicht zulassen, daß ihre unzulänglichen Einkommcnsverhältnisse verschlechtert werden. Der Schiedsspruch in der deutschen Eisen- Industrie sei als«in ebenso großer sozialer wie wirtschaftlicher Dehler anzusehen, der sich im Bergbau nicht wiederholen darf. In den Ländern, in denen die Arbeitszeit am längsten ist. ist die Krankheits- und Unsallhäufigkeit am größten. Die wirksamste Der- besserung der Grubensicherheit liege mithin in der Verkürzung der bergbaulichen Arbeitszeit. Die bisher von den Regierungen und Unternehmern gesuchten Krisenausweg«, etwa durch Subventionen oder durch Be- lastung der inländischen Verbraucher, haben erfahrungsgemäß nicht zum Ziele geführt. Deshalb müsse der von den Bergarbeitern und von den maßgebenden Stellen der internationalen Arbeiterorgani- sationen vorgeschlagene und auch vom Völkerbund angebahnte neue Weg einer internationalen Arbeitsregelung begangen werden, da sonst die Gefahr droht, daß langwierige soziale Erschütterungen den wirtschafttichen Ausstieg im Kohlenbergbau verhindern. Anschauungsuniernchi. Das Verdienst der Regierung Vrüning. Heute ruft der Deutsche Beamtenbund seine Anhänger auf, gegen die kaum verhüllte, wie eine Kopfsteuer wirkende Gehalts- kürzung zu protestieren. Morgen werden die Anhänger des All- gemeinen Deutschen Beamtenbundes den gleichen Protest erheben. Der Regierung Brüning kommt das eminente Verdienst zu, ihre treuesten Anhänger unter den Beamten eingereiht zu haben, wo sie hingehören: in die Front der Lohn- und Gehaltsempfänger. Mit einer erfrischenden Ossenheit, die ihresgleichen sucht, er- klärt die Regierung, daß es zwei Arten von Staats- bürgern gibt: solche, die man zur Sanierung der öffentlichen Finanzen und der Arbeitslosenversicherung belasten kann, und solche, die man schonen muß. Auch wenn der wahnwitzige Plan, die Wirsschoft durch Drosse- lung der Kaufkraft anzukurbeln, die Zustimmung des Reichstags nicht erhält, so werden die Anhänger des Dcusschen Veamtenbundes bissen Anschauungsunterricht nicht vergessen. Wie lang« ist es her, daß man im„Deutschen Beamtenbund" die Sozialdemokratie und die sozialdemokratischen Regierungsmitglicder angriff und sie ver- dächtigte, gegen die Beamten gerade die Politik zu planen, die die Regierung Brüning betreibt?— Und nun müssen diese Beamten- Vertreter feststellen, daß die Politik des Lohn- und Gshaltsabbaus, der rein plutokratischen Finanzsanierunz erst durch die Hinausdrängung der Sozioldemokratie aus der Regierung greifbare Gestalt annehmen konnte. Die Regierung Brüning betätigt sich in hervorragendem Maße als Propagandaabteilung der Sozialdemokratie und der freien Gewerkschaften. Verhandlungen bei der Reichsbahn. Gewerlschaften verhindern Entlassungen. Die am Sonnabend fortgefiihrten Verhandlungen der Reichs» bahn-Hauptverwaltung mit den Eisenba hm er- Gewerkschaften über die neuen Personalabbau p>läne der Gesellschaft haben eine Eindämmung des Personalabbaues gebracht. Man verständigte sich dahin, daß die U e b« r a rb e i.t s» Zeiten, d. h. die Ueberstunden, für die Zeitdauer vom 1. Juli bis 1. Oktober wegfallen. Für den gleichen Zeitraum können pro Monat eine bis zwei Feierschichten eingelegt werden. Auf den vorgesehenen Abbau der überzähligen 1900 Werkstättenarbeiter hat die Reichsbahn-Hauptoerwallung nicht verzichtet. Ohne das Ein- greifen der Gewerkschaften wären aller Wahrscheinlichkeit nach binnen kurzem 4000 bis 5000 Werkstättenarbeiter entlassen worden. Raiionalisierte Musik. Die Opfer wehren sich. Der rund 21 700 Mitglieder zählende Deutsche Musiker- verband hält vom 16. bis 21. Juni in Berlin seinen vierten Verbandstag ab. Seil dem letzten Verbandstag vor drei Jahren hat sich die Lage der deusschen Mustkerschaft, die während der ganzen Nachkriegszeit schon nicht rosig war, rapide verschlechtert. 2luch oar der Musik hat die Rationalisierung nicht halt gemacht: Radio, Schall- plat te und Tonfilm haben Tausend« von tüchtigen Berufs- musikern der Arbeitslosigkeit überantwortet. Es ist daher ganz selbstverständlich, daß die Mechanisierung der Musik und deren Folgen auf dieser Tagung«ine große Rolle spielen werden. Daneben wird der Verbandstag ganz entschieden Front machen gegen die immer mehr überhand nehmende Konkurrenz der Militär- und Beamtenmusiker, der Dilettanten und Ausländer, und nicht zuletzt gegen die im Musikerberuf noch sehr starke L e h r l i n g s z ü ch r e r« i, für die es nur noch geringe Auesichten auf einen regelmäßigen Gelderwerb nach der Lehrzeit gibt. Die Anträge, die dazu vorliegen, lassen erwarten, daß es über diese Dinge, die für die Musiker Lebensfragen sind, «ine rege Aussprache geben wird. Von Bedeutung für die Werbckraft der Organisation wird auch die Ensscheidung der Frage sein, ob im Musikerverband, ähnlich wie schon in vielen anderen freien Gewerkschaften, die Invaliden- Unterstützung eingeführt werden soll. Jedenfalls gewinnt dieser Verbandstag über den Rahmen der bisherigen Verbandstage der deutschen Musikerschaft hinaus Bedeutung, eben weil er in einer Zeit größter Not der deutschen Musiker stattsindet und nach Mitteln und Wegen suchen muh, dieser unbeschreiblichen Not erfolgreich entgegenzuwirken. Skrafanstalisbeamie zu Rerufsfragen. Ernsthaste Oebaite. Der dem Allgemeinen Deutschen Beamtenbund angeschlossene Bund d«r Gefängnis-, Straf- und Erziehungsan- staltsbeamten und-beamtinnen hielt vom 12. bis 14. Juni in Berlin seinen 16. Verbandstag ab. Der Bundcsvorsitzende Hornig wies in seinem Geschäfts- bericht vor allem auf die großen Aufgaben der Beamtenschaft im Strafvollzug hin und beleuchtete Sie Arbeiten des Bundes zu seiner Durchführung. Die Ausbildung der Strafvollzugsbeamten sei heute völlig ungenügend. Nach Ansicht aller Fachwissenschaftler sei für die ordnungsgemäße Durchführung des Strafvollzuges eine neu- artige und eingehendere Ausbildung die grundlegende Voraus- sctzung.> Die M i t gli ede r b e we gu ng sei im allgemeinen im Ge- schäftsjohr 1929 50 stabil geblieben. Der Bund zählt zur Zeit 7075 Mitglieder, wovon 933 Pensionäre sind. In der Aussprache zu dem Geschäftsbericht wurde von allen Rednern die Tätigkeit des Bundesvorstandes anerkannt. Der zweit« Verhandlungstag begann mit einem Referat des Genossen Dr. V ö l t e r vom Vorstand des ADB. über„Beamten- politische Gegenwartsfragen". Dr. Völker ging im ein- zelnen auf die gegen die Beamtenschaft gerichteten Maßnahmen der Reichsregterung ein, die in dem Ausgabenfenkungs- und Spargesetz zum Ausdruck kommen. Er wies auf die v e r f a s f u n g s r e ch t- lichen Bedenken, die finanziellen Ungerechtigkeiten und die beamtenfeindlichen Tendenzen dieser Maßnahmen hin und forderte insbesondere hinsichtlich des sogenannten Notopsers, daß damit nicht nur einseitig die Beamtenschaft belastet werden dürfe. Nach kurzer Aussprache über das Referat Dr. Völlers wurde eine Entschließung einstimmig angenommen, in der gegen dies« Maßnahmen der Reichsregierung protestiert wurde. Kur beim Händler käu lieh. Im Mittelpunft. des dritten verhandlungstages stand ein Refe» rat des Strafanstaljsdirektors E l g e r über.Strafvollzug und Be- amts". An der historischen Entwicklung des Strafvollzuges und feiner Ziel« schillerte er den neuzeitlichen Strafvollzug und seine Aufgaben. Di« wom preußischen Justizministerium erlassene Verordnung vom 7, Juni ISS?, die die. Trennung, der einzelnen Ge- fangenengruppen in eine Eingangs- und Befördertenanstalt be- stimmt, bezsichjnete er als die gewaltigsten Fortschritte auf dem Ge. biete des Strafvollzuges. Er oertrat die Auffassung, daß auch hei den besten Vorschriften dieser Strafvollzug nur durch bestausgebil» detes Persamil durchzuführen sei und oerlangte für die Aufsichts- beamten eüts» eingehende einsährige Ausbildung. In der. Aussprache zu dem beifällig aufgenommenen Referat forderte der Bundesvorsttzende Hornig.vor allem, daß entgegen ge- wissen Absichten auf keinen Fall die durch die Verordnung vom 7. Juni. 1929 angeordnete Trennung der einzelnen Gefangenen- gruppsn wieder beseitigt werden dürste, denn dann wäre ein- ge- regelter Erziehungsstrafoollzug einfach nicht durchführbar. Hinsicht- lich den Arbeitsbeschaffung für die Anstaltsinsassen � bemängelte er die von der Zentralstelle für Arbeitsbeschaffung in der preußischen Justizverwaltung angeordnete Erhöhung der Unternehmerkosten. Hornig wies auf den Erfolg in Preußen hin, dessen Landtag nun- mehr endlich die Kosten für die Einrichtung der Beamten aus- b UH un gs schule bewilligt habe. Die Wahl des Bundesoor- stondes ergab, entsprechend den Vorschlägen des Wahlausschusses, die Wiederwahl des Vorstandes. Dem Bundesvorstand wurde für seine bisherige Arbeit einst im m ig da» volle Vertrauen ausgesprochen._ Oer Arbeiisamisdirettor. Die Vorsitzenden der Arbeitsämter führen künftig die Bezeich- nung Arbeits amtsdirektor', die ständigen Stellvertreter die Bezeichnung.Stellvertretender Arbeitsamtsdirektor', wobei es keinen Unterschied macht, ob«s sich um Angestellte oder Beamte handelt. Dieser Beschluß des DeriwaUungsrats, durch den also die dienst- liche Führung von Amtsbezeichnungen, wie sie in den Hoheits- Verwaltungen des Reichs üblich sind, z. B. Regierungsrat und Oberregierungsrat, für die Vorsitzenden der Arbeitsämter ausge- schlössen wird, entspricht insbesondere auch den von den freien Gewerkschaften vertretenen Wünschen. SPD.-galltiou bn Städtisch«» S-l-weri««..®. Dcamte, Angestellt- imd Ardeiterl Montau, 19 Uhr, im Sackesch«» Hof, Rosentthaser Etr.<0, Epiegelsaal, V-rsammIung. Tagesordnung: 1.„Di«»olitisch« Boge*; R«scr«nt Genosse Mar Heqdemann. 2. Part-iangel-g«nh«ite». Pflicht der Parteigenossen und Genossinnen ist, pünktlich tu erscheinen. Eympathisserend«[Bnnen durch Parteimitglieder eingeführt werden. Parteiausweis vorzeigen! Der graltionseorstaad. »VS., Adoag, Treptow, S. SS. S. II und Wagen bäume rkc! Am Dienstag, 16 Uhr, bei George, Treptower Chaussee Ecke Clsenstrahe, ssraktionsversamuilung mit Enmpathisserende». 1. Dortrag des De- nassen Buchmann:.Die Sozialdemokratie i» der Opposition'. Mit- gliedsduch oder Einladung legitimiert. Der zrattionsoorstaud. Berliner Gewerkschaftsschule. ?chhn>» kleietirr» und»-aestelltr-betriedsrätel Der leset« Ardettorechtllch« Anformatio»Oabend für Betriebsräte vor Beginn der Sommerferien der Gr- iwerkschattsschu!« findet-nonahm-welse Mittwoch, 16. Jant, U Uhr. mrter ......."....."" lOw Allen ba Besuch des Abends dringend empfohlen. wird . Freie G ewertfchafts»IugettS Veflin HHBj PDII Achtwag, Gprechchor! Morgen, Montag. Generalprobe im Bollspark yflr Iunafernheide. Treffen pünktlich um IS'/j Uhr am Dahnhof Werner- werk. � Sonnenwendfejrr der freigeweikfchaitlich organisierten Jugend Berlin»(ftteie GewerkschaNs.Zugend Berlin und ssrei« Angest-Ilten.Zugend Berlin) am Sonnabend, 21. Juni, um 2l Uhr, im ffreili park Iungfernheide. Mitwirkend«: Wartha John, 5' Musik sWaldhorn-Ouartett), Sprech, und Bewegung:......____________ Bolkschor. Einlaß 20Vj Uhr. Beginn 21 Uhr. ffechrverbwdungen: Eisendahn bis zum Bahnhof Iungfernhcidc, Straßenbahnlinien t, 6, 12, K, M Iuaendgruppe des?en iralverbandes d im Nif dieser neuen, wunderbaren Aufwasch- und Reinigungshilfe schaffen Sie es in der halben Zeil! Und Sie brauchen sich bei weitem nicht so anzustrengen. Ins heihe Wasser gegeben, entfaltet® von selbst eine außerordentliche Reini- gungskrafL Fett, Öl, Schmutz, nichts widersteht. So arbeitet©! Ob Sie Geschirr spülen oder andere Reinigungsarbeiten besorgen, immeFhaben Sie in O eine unersetzliche Hilfe, die rasch und sicher strahlende Sauberkeit und schimmernden Glanz in Küche und Haus bringt. Uberall, wo O erprobt ist, wird es gepriesen!© ist sparsam im Gebrauch und kostet nur 25 Pfennige. Lassen Sie es heute noch mitbringen! Verwenden Sie immer 3 3t/30b aus welBetn Panama u. Ripspopeline 11,75 Flotte legendi. Kleider»5° Jogendliche Voileklelder ö" schönen Farben ,t"t Glockenrock»7.5 0 19.50 Jegendl. 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Uber er findet auch den Weg zu den unglücklichen Opfern der fraiizöstschen Strafkolonie auf der Toufelsinscl und er erneuert die Bekanntschaft mit Crusoes Insel. Das Kapitel, das wir mit Ge- nehniiguilg de» Berlages abdrucken, gibt«ine gute Vorstellung von Halliburton und seiner Art, die Welt zu entdecken. Eine Generation nach Pizarros Tod wurde ein« Stadt, namens Valparaiso— Tal des Paradieses— an der Küste Chiles, dreitausend Kilometer hinter Callao, dem Hafen Limas, von svanischen Pionieren gegründet. Joi Jahr« 1S70 stieß ein spanischer Seefahrer, Juan Fernondez, der zwischen diesen beiden Häfen reiste und, um den widerwärtigen Gegenströmungen an der Küste aus- zuweichsn, sich vierhundert Meilen in den Stillen Ozean hinein- gewagt hatte, auf eine Insel, die im selben Breitengrad lag wie Valparaiso— ein« Insel, die bisher kein Menjchenauge erblickt hatte. Es war«ine höchst eigenartige Insel, achtzehn Kilometer lang und viereinhalb breit, von grimmigen, vulkanischen Felsenklippen bedeckt, die sich dreitausend Fuß über dem Meeresspiegel erhoben. Der Seefahrer hatte große Mühe zu landen, da die Küste mit einem Bollwerk aus einer fast ununterbrochenen Linie hoher Klippen um- geben war, die oft sünfhundert bis tausend Fuß hoch emporragten, und gegen die sich der Ozean mit niemals gestillter Wut warf. Nur ein« einzige Keine Bucht mit einem kleinen Strand davor unterbrach dieses Bollwerk, und dort landete Juan Fernandez, um der Insel seinen Namen zu geben, und sie für den König von Spanien in Besitz zu nehmen. Ms Juan Fernandez seine neue Entdeckung näher betrachtet«, fand er.zahlreiche Quellen Süßwasser, ganze Haine von«andelhol.;, Tausende von Seehunden und riesige Hummern, die in so unzähligen Mengen an Land schwammen, daß sie den Strand mit einem massiven Teppich bedeckten. Das Gerücht von dieser Insel und ihren Schätzen verbreitete sich rasch, und während der nächsten beiden Jahrhunderte war sie der Treffpunkt und die Prooiantstatiou für all« die wilden und kriegeri- Ichen Schiffe, die in jenen Seeräuberzeiten auf dem südlichen Teil des Stillen Ozeans ihr Wesen trieben. Jin Jahr« 1704 ging ein britisches Schiff dort vor Anker, um Hol; und SBaffer zu holen. Ein Streit hatte sich zwischen dem Kapitän und den Segelineister entsponnen. Der letztere erklärte, er n ächte lieber hier auf dieser unwirtlichen, unbewohnten Insel an Land gesetzt werden, als noch länger auf dem Schiff zu bleiben. Der Kapitän tat ihm den Gefallen, fetzt« seinen verärgerten Offizier an Land und segelte nach England zurück. Der Offizier hieß Alexander Selkirk. Vier Jahr« und vier Monat« lebte Selkirk ollem m einer niedrigen Höhle am Meere, fing wilde Ziegen, aus deren Fellen er feine Kleider anfertigte, und ernährte sich von den Hummern, die «r tötete, wenn sie an Land krochen. Jeden Tag hielt er Ausschau nach«incm Schiff und klettert« zu diesem Zweck auf einen Berg, von dessen Gipsel aus er ein« Aussicht auf die See und sein ganzes Jnselreich hatte. Eintausendfünfhundertachtzig Tage hielt er Wach«, ehe endlich ein Segel sichtbar wurde. Er zündete«in Feuer an, um die Aus- merksamkeit der Seefahrer auf sich zu lenken, und wurde auf diese Weis« von einem britischen Fahrzeug gerettet. Im Jahr« 1711 erreichte Selkirk England, wo seine Bericht« von seinem einsamen Leben aus der Insel Juan Fernandez eine große Zuhörerschaft fanden. Unter diesen Zuhörern war auch Daniel Desoe, dem Seliirks Erlebnisse die Idee zu seiner Erzählung Robinson Crusoe gaben. Im Jahr« 1713 wurde Defoes Buch oeröfjentlicht, aber er hatte die ursprünglichen Tatsachen derartig ausgeschmückt, daß sie kaum mehr zu erkennen waren. Auch wählt« er als Schauplatz für Crusoes Erlebnisse keine Südsecinjel, sondern die Insel Tobago, die nicht weit von Westindien liegt. Doch trotzdem der in unserer Jugend so geliebte Robinson Crusoe nie auf Juan Fernandez lebte, hegte ich den brennenden Wunsch, dorthin zu fahren, und tat es auch. Von Manchir Picchu war es eine lange Reif«. Ich kehrte erst nach Cuzco zurück, fuhr über den Titicaca-Sc« und blieb eine Weile in La Poz, der Hauptstadt Balivias. Dort wurde ich von einer grandiosen, ziveiundzwanzigtausend Fuß hohen schneebedeckten Ge- birgskett« der Anden festgehalten, die als ein« hundertfünfz'g Kilo- meter lange weiße Wand hinter der Stadt emporragt. Eide Eisenbahnreise bracht« mich über di« Wüsten von Bolivia nach der Küste von Chile- wo ich mich nach Valparaiso einschiffte. Von Meiern Hafen aus wagt sich dann und wann«mmol«in Keines Segelboot auf den Stillen Ozean hinaus und kämpft sich die vierhundert Meilen bis nach Juan Fernandez hinüber. Meine Reife an Bord dieses Bootes war eine im wahren Sinne des Wortes ..üble" Fahrt. Vier Tags und vier Nächte verbrachte ich auf dem von Wellen gepeitschten Deck, atmete die Düfte von halb verfaulten Hummern ein, während ich ständig von berghohen Sturzseen hinauf« und hinabgeschleudert wurde. Als die Insel in Sicht kam, schien sie mir unbeschreiblich schön, schon allein deshalb, weil sie festen Boden unier den Füßen bedeutet«. Vier Wochen verbrachte ich mit Ilmh erwandern in Sclkirks Reich. Ick) durchforschte die Höhlen, jagt« Ziegen, fing Hummern, benutzte Selkiris Höhle als Hauptquartier und kletterte fast jeden Nachmittag auf seinen Ausguckberg, um zu sehen, wie die Sonne in einem Farbenmeer jenseits des Ozeans unterging. An einer Felsenwand in der Nähe fand ich die berühmt« Bronze tasel. die seine Landsleute— auch Seefahrer wie er—, anderthalb Jahrhunderte noch seiner Rettung angebracht hatten. Es gibt kaum eine schönere Aussicht als von diesem Berges- qipicl Sellirks. Von dort sieht man auf diese schwarze grimmige Jniel, die mit ihren schroffen Höhen und Tiefen an die stürmischen Wogen eines erregten Meeres erinnert, und auf das unendlich« Blau das sich meilenweit in jeder Richtung erstreckt. Wenn Selkirk Sinn' für Schönheit gehabt hat, muß er sich täglich von neuem an dieser Aussicht gestellt hoben. Oder ist sie ihm vielleicht durch sein« ständig« Einsawiest oerhaßt und eintönig geworden? Bier Jahr« und vier Monat«— und nicht ein einzige« Segel. Heute noch können Wochen und Wachen vergehe», ohne daß em einzige« Schiff auftaucht......„. Jß« Jnav Fernandez wer nicht urnutr st»«rnstmv Um da« Jahr 1840 war die Insel eine Anlegestelle für all die Neunund» vierziger Paketschiff«, die nach Kalifornien fuhren, auch für amerika- nische Walfänger— siebenhundert oder mehr jährlich— für Darwin und sein„Beagle", für Richard Dana, für Kapitän Palmer und seine „Annawan"— alle suchten die Insel, die damals in ihrer Blütezeit stand, auf. Aber wer war Kapitän Palmer? Die anderen sind uns vertraut. Eine ganz merkwürdige Geschichte! Im Jahre 1831 diente die Insel als Strafkolonie für chilenische Zuchthäusler. Es sind eigentlich zwei Inseln, die ungefähr hundert- fünfunddreißig Kilometer voneinander entfernt liegen, ober nur die größere, dem Festland nähergelegen« interessiert uns jetzt. Unter- irdische Gefängnisse(die noch zu sehen sind) wurden in die Berges- hänge gegraben und die Gefangenen dort«ingekerkert. Aber eine Revolte brach aus, die Wächter wurden überwältigt, und dreihundert Zuchthäusler beiderlei Geschlechts befreiten sich und nahmen Besitz von der Insel. Eines Tages segelt« ein gewisser Kapitän Palmer, der nichts von der Existenz dieser Sträflingskolonie wußte, auf einem Klipper aus Nantucket und lief in die Juan Fernandez-Bucitz ein, um seinen Süßwasservorrat zu erneuern. Ahnungslos ging er an Land. Sofort fielen die Zuchthäusler über ihn her, um ihn zu ermorden und sich seines Schiffes zu bemächtigen und damit zu sliehen. Aber der Kapitän war ein Freimaurer, und als der Führer der Rebellen, der auch Freimaurer war(so erzählt wenigstens die Ge- schichte). Palmers Abzeichen sah, bat er die Sträflinge, ihren Eni- schlug noch einmal zu überlegen und zu bedenken, daß sie, wenn sie den Kapitän umbrächten, niemand hätten, der es verstände das Schiff zu steuern.". Da wurde Palmer wieder freigelassen, aber nur unter der Be» ding un g, daß er den Eid leistete, si« nach dem nächstliegenden Fest- land zu bringen. Dann kletterten dreihundert brüllende Zuchthäusler an Bord. Darunter waren zwanzig bis dreißig Frauen. Doch weigerte sich der Kapitän, diese mitzunehmen, und zwar aus dem guten Grunde, weil Frau Palmer in der einzigen Kabine des Schiffes versteckt war, und diese Kabine sicher von den weiblichen Sträflingen sofort mit Beschlag belegt worden wäre. Darum wurden die unglücklichen Frauen unter Schreien und Protesten an Land zurückgetrieben, und die„Annawan" segelte mit ihrer sonderbaren Ladung nach Chile. Unterdessen blieb Frau Polmer, die einzige Frau unter dm drei- hundert Verbrechern, in ihrer Kabine verborgen. Zehn Tage lang hatte sie nichts zu essen: ihr verzweifelter Mann wagte nicht zu ihr zu gehen, aus Angst, ihr Versteck zu verraten. Aber endlich erreichte man das Festland, und die Sträflinge stürzten halb wahnsinnig vor Freude an Land. Palmer sagte ihnen, daß es Peru sei. In Wirklichkeit aber war es ein Ort, der nur fünfundvierzig Kilometer von Valparaiso und kein« viereinhalb von einem chilenischen Soldatenlager entfern! lag. Die Soldaten nahmen die ausgebrochcnen Zuchthäusler sofort wieder fest. Aber eh« ich es vergesse, muß ich erwähnen, daß Frau Polmer befreit wurde— und trotz ihrer Entbehrungen lebte. Nachdem ich schon vier Wochen aus Juan Fernandez verbracht hafte, begann ich Selkirks Meinung, daß die Einsamkeit oft über- schätzt wird, zu teilen. Darum ahmte ich den Sträflingen nach, requirierte«in Fischerboot und befahl dem Kapitän, mich bei Valparaiso an Land zu setzen. Dort hatte ich mehr Glück als die Zuchthäusler. Ich wurde nicht verhaftet, sondern gelangte glücklich mit der Eisenbahn über die Anden nach Argentinien und seiner berühmten Stadt der guten Lüfte. iöie merlhwr Wt Ton i)ip1. Jng. 3. Di« im Juni tagende Weltkraftkonferenz ist eine Veranstaltung, deren Bedeutung weit über die großer, selbst internationaler Gelehrtentagungen hinausgeht. Für uns Deutsche als Gastgeber bietet sich dabei eine organisatorische Aufgab« von seltenem Reiz. Eine Tagung, an der viele Tausende von Ingenieuren aus ollen Ländern und Erdteflen teilnehmen, auf der«ine noch gar nicht über- sehbare Anzahl von Vorträgen gehalten werden sollen, ist so zu organisieren, daß jeder Teilnehmer auf seine Rechnung kommt, daß er an den Vorträgen teilnehmen kann, die ihn am meisten inter- essieren und jeder Redner wiederum die Zuhörer findet, die auf seinem Sondergebiete am meisten beschlagen sind. Es gibt in Deutschland«in Museum, wie es einzig in der Welt dasteht, das Deutsch« Museum von Meisterwerlen der Technik und Naturwissenschaft in München, dos jetzt Henry Ford mit ungeheuren Kosten in Deorborn nachzuahmen sich bemüht. Hier findet sich«in großes Bild: die SvnNe als Spenderin aller technisch oder industriell nutzbaren Kraft. In der Tat rührt bis auf eine Aufnahme fast olles, was wir fiir unsere technischen Zwecke auf der Erde cm Energie nutzbar machen können, in irgendeiner Weise von der Sonne her..Dieses Symbol sollte daher über der kommenden Weltkrast- tonserenz stehen. Die ältesten verwendeten Kräfte waren die Muskelkraft von Mensch und Tier, die ja auch heute noch, trotz aller technischen Fortschritte von größter Bedeutung sind. In einer Eni- wicklung von vielen Jahrtausenden, die wir nur zum allerkleinsten Teil überschauen, gelang e-, zur Nutzung motorischer Kräfte vor- zudringen. Es waren die Energie des strömenden Wassers und des Windes, die sich in den Dienst der Menschheit fügen mußten. Uns erscheint heute eine Welt ohne Windmühlen und Wasserräder un- denkbar, und doch hat es unvorstellbar lange gedauert, bis die Menschheft dies« Anfänge der Technik zu schaffen gelernt hat. Wie- viel Arbeit wurde darauf verwendet, bis man einsah, daß ein starkes Wassergefälle am günstigsten zur Ausnutzung sei! Die ältesten Mühlen wurden noch einfach schwimmend im Flusse festgemacht, wo das langsam fließend« Wasser träge dos Rad dreht«. Und aber- mals Jahrtausende hat es gedauert, bis sich die Menschheit von diesem zu einem wesentlich höheren Niveau erhob, bis im 18. Jahr- hundert Ingenieure vom höchsten Range, von Newcomen bis James Watt und Stephenson lehrten, die Energie des Wasserdompfes nutz- bar zu machen, unabhängig von Wind und der Menge des im Ragen fallenden Wassers zu werden. Die Dampfmaschine brachte die Aus- Nutzung der seit Iahrhunderftausenden in der Erde ruhenden Sonnen- wärme der Steinkohlenzeit. Damit wurde die größte und folgen- reichste Revolution der Weltgeschichte eingeleitet, ein« Revolution, die auch gegenwärtig immer noch andauert und deren Wirkungen noch längst nicht verklungen sind. Es wurde oben von einer Ausnahme gesprochen, die das oll- gemeine Gesetz, noch dem alle Energie von der Sonne stammt, er. leidet. An manchen Orten unserer Erde tritt die Wärme d«? Erd- inneren, die vulkanische Energie, ständig zutage. Heiß« Dämpfe entquellen dem Erdboden, kochende Quellen steigen auf und machen Im Grotzstadtpark war da« ein grauer, ausgehöhlter Tag! Umsonst had' ich mich in den Ksphaltschluchten müdgelausen. Nun lieg' ich da, ein Laxer nach dem lliederschlag, Streck' olle Unochen von mir nnd staun kaum mehr schnaufen. kundum um mich der Glanz der Sommerwelt: Gin blutrot Eulpenbeet als Herz der wiesenfläch«. Hoch über mir da« windgcfurchte Sommerfeld Und irgendwo da« wassergurren unsichtbarer Säcke Gepriesen, park, dein grüngetürmter wall! ?n diese Freistatt Kann der Tag nicht seine Schergen schicken! Gedämpft nur brandet hier der Straßen Schall und prall. verholten nur der Ktemstoß der beuchenden Fabriken. Gin surrend Summen mich omschwingt. wie klingt e« wunderbor, die« ach so lang entbehrte Sausen! lln einer kleinen Liene Flügelschlag ertrinkt per Großstadt schrill« Zrrstmt»bra»s«n. des Krankenkassenarztes vernimmt man zeitweise ein erstauntes Pfeifen. Vielleicht glaubt er, daß sich der Tod aus den Lungen, in die er seine Quartiermacher entsandte, durch das Pfeifen verscheuchen läßt? Aber der Doktor, von dem ich hier erzählen will, glaubt an keine Wunder, sondern nur an die Medizin. Wenn ihm die Röntgenlampe das Innere des Arbeiters zeigte, dachte er nicht an die Krankheit, die sich anschickte, den Menschen aus der Welt zu befordern, sondern an die Familie, der die Gefahr droht, ihren Ernährer zu uerlieren. Und wenn er'ein Ohr an die schlaffen, wie Fegen hcrniederhängenden Frauenbrüft« legte, hörte er das Rasseln, Pfeifen und Knirschen in den Lungen wie Signale, mit denen die Bazillen die Tiefe der Tunnels anzeigten, die sie in die Lungen bohren. Es kam ihm nie in den Sinn, daß der Mensch sterblich ist. er wußte imr, daß das Elend unsterblich ist.„Liebe Frau, haben Sic Kinder? Wieviel?"„Bier, alle noch klein."„Mein Gott, mein Gott..." Um jede Lunge führte er«inen erbitterten Kamps. Er wollte nicht, daß Witwen und Kinder weinen sollten: deshalb kämpfte er so erbittert. Es widerfuhr ihm, daß er zuweilen den Zweikampf verlor: und da geschah es, daß mehr als hundert Male der Ruf„Mein Gott, mein Gott..." in die Finsternis ertönte. Aber wenn er den Kampf gewann, streichelte er die Fläfchchen, welche auf dem Tische die Lampe im Kreise umstanden und herzte die Injektionsspritze. Mit zärtlicher Hand liebkoste er die Glosröhre, welche in seiner Hand den Kindern den Ernährer rettete. Zu diesem 2lrzte, von dem ich euch erzähle, kam eiirmal«in Arbeiter. Jung war er, hatte fünf Kinder und eine ausgewachsen« Tuberkulose. Der Doktor stieß, als er die Lunge im Röntgenapparat erblickte, sein gewohntes Pfeifen aus. Unter mehrmaligem Seufzen und noch öfterem„Mein Gott, mein Gott..." zag er die Injektions- nadel und das Tuberkulin hervor und stürzte sich in den Kampf. „Mensch, Sie dürfen nicht arbeiten..." sagte er dein Arbeiter. „Dreimal in der Woche müssen Sie zu mir kommen." Und so hörte der Arbeiter auf, in die Fabrik zu gehen und wurde zum häusigen Besucher des Alchimistenzimmers. Wach« für Woche verrann. Der Doktor zählte sie nicht mehr. Nur auf die Lunge blickte er, wie sich seine Offensive entwickelt« und wie der Tod langsam seine Borhut zurückzog. Die Löcher in den Lungen begannen sich zu verkapseln, so daß er eines Tages dem'Arbeiter sagen konnte:„Wir haben ge- wonnen! In zwei Monaten werden Sie wieder ein fescher Kerl Dimere helßeUen SunUage Ton Vlorils Xoeb Der erste der drei eigentlichen Sommermonate genießt bei uns, und mit Recht, keinen sonderlich guten Ruf. Er ist als Regenmonat wenig günstig angeschrieben, und es kommt hinzu, daß diese oft wochenlangen Regenperioden meistens sehr kühl und unfreundlich zu sein pflegen. Besonders das zweite Monatsdrittel ist wegen seiner Kälterückfälle berüchtigt: diese bilden in meteorologischer Hinsicht eine weil auffälligere Erscheinung als die sogenannten Eisheiligen, einmal, weil die Iunirückfälle mit viel größerer Regelmäßigkeit ein- treten als die Temperaturstürze vor der Maimitt«, und dann, weil sie in der von End« Januar bis Ende Juli aufsteigenden Kurve der mittleren Tagestemperaturen den stärksten Rückschlag erkennen lassen, der während dieser ganzen Zeit im longjährigen Mittel vorkommt. Erfreulicherweise gibt es aber auch Ausnahmen von dieser Regel. Bereits im vorigen Jahr hatte sich die zwette Junidekade durch heileres, trockenes und sommerlich warmes Wetter ausgezeichnet. während das erste und letzte Monatsdrittel kühl und regnerisch ge- wesen waren. In diesem Jahre aber haben wir gerade während der Zeit, in der die sogenannte„Schafkälte" ihre größte Ausprägung zu zeigen pflegt, ein« Hochdruckwitterung von ganz ausgesprochenem Hundstagstypus. Sie ist im Juni weil seltener, als man zu glauben geneigt ist: tritt sie doch in dem jetzt ablaufenden dritten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts so ausgeprägt zum erstenmal auf. Wohl kommen im Juni fast alljährlich schon recht heiße Tage mit Höchst- temperaturen von 30 Grad und sogar auch«twas mehr vor: aber diese heißen Junitage sind fast stets vereinzelte Erscheinungen, die eine kurze Schönheitsperiode zu beschließen pflegen. Sie enden fast immer mit Gewittern, die ihrerseits längere kühle Regenperroden einleiten. Deshalb lassen sich aus diesen vereinzelten heißen Juni- tagen im allgemeinen auch kein« Schlüsse auf den Wttterungs- charakter des ganzen Monats ziehen. Bezeichnend in dieser Hinsicht war besonders der Juni im Jahre 1921, in dem weit« Teile Mitteleuropas, besonders Norddeutschlands, die höchsten Temperaturen hallen, die der erste Sommermonat während dieses ganzen Jahr- zchttts aufzuweisen hatte. Am 4. Juni 1921 stieg dos Quecksilber z. B. in Kassel auf 33, in Berlin auf 34'/,, in Magdeburg aus 3ö Grad Celsius, und den gleichen hohen Wert von 33 Grad er- reich: Grünberg in Schlesien einen Tag später.(Erst am letzten Donnerstag sind in Mitteldeutschland an einem Iunitag wieder ein- mal 34 Grad Cesius erreicht worden.) Auf die paar heißen Juni- tage von 1921 waren dann aber volle vier Wochen höchst kühlen, regenreichen und unfreundlichen Wetters gefolgt, so daß das Ge- samtbild des ersten Sommermonats vor neun Iahren alles andere als sommerlich war. und der Juni 1921 der zweitkälteste des ganzen Jahrzehnts wurde, der nur noch von dem unerhört kalten Juni 1923 übertrofsen worden ist. Einen wirklich heißen Juni hatten wir zuletzt im Jahr« 1917. Cr war der wärmste Monat des ganzen, auch sonst recht warmen und beständigen Sommers, und er brachte in ollen Londesteilen Temperaturen bis nahe an 35 Grad Cesius. Noch heißer, zugleich auch sehr trocken, war der Juni 1915. Damals stieg am 9. Juni in Lüneburg das Quecksilber bis auf 35,7, am 10. Juni in Berlin auf 35,1 Grad Celsius. Um auf ähnlich hohe Iunitemperaturen zu kommen, muß man schon bis auf den außerordentlich heißen Juni l8L9 zurückgehen, in dem die Hitze zwar ausdauernd gewesen ist. was zu einem besonders hohen Monatsmittel der Temperatur ge- ttihrl hatte, in dem ober die Höchsttemperaturen auch 34 bis 35 Grad Celsius nicht überschritten. Auch aus früheren Zeiten liegen Beobachtungen noch höherer Iunitemperaturen nicht vor. Man kann also annehmen, daß die obere Grenzen unserer mitteleuropäischen Junchitze bei 35 Grad liegt, sein!" Aber der Arbeiter antwortete:„Zu spät, Herr Doktor! Ich bin schon ein ganzes Jahr im Kronkenstand und habe keinen Anspruch mehr an die Krankenkasie, ich muß schon jetzt mit der Zlrbeit wieder anfangen. Selbst wenn ich iwch nicht arbeiten darf, Herr Doktor!" „Sie dürfe»? jetzt nicht arbeilen. Sie dürfen jetzt nicht mein mühevolles Werk verderben!" brüllte der Doktor Doch der Mann zuckte die Achseln.„Es ist ja alles eins, Herr Doktor! Der Mensch muß durch etwas krepieren. Es ist schon Wurst, ob es der Hunger oder die Tuberkulose ist." „Ein Jahr bin ich schon krank, Herr Doktor! An die Kranken- lasse habe ich keinen Anspruch mehr, und kein Mensch wird mir etwas geben... Das ist schon so im Gesetz, Herr Doklor, daß der Arbeiter nicht länger als ein Jahr krank sein darf." Dieser Doktor, von dem ich euch erzählte, zerschlug damals all« feine Fläschchen, und die metallenen Bestandteil« der Injektionsspritze fand die Bedienerin beim Ausräumen in einer Zimmerecke. Das Glas war in tausend Splitter zertrümmert.. lAus dem Tschcchifchcn übersetzt von?rantisek Hermolln und Leo Sorten.) Chemie und Crbmaffe Das Studium der Wirkung chemischer Verbindungen auf die Pflanze hat die Biologen lange Zeit lediglich von ernährungsphysio- logischen Gesichtspunkten aus interessiert. In einer sehr eingehenden Arbeit„Erbliche Veränderung an Pflanzen durch Behandlung mit Chemikalien" behandelt Dr. H. Stubbe in der Zeitschrift sür angewandte Chemie die Frage, ob der chemische Aufbau der Erbmasse durch solche Beeinflussung verändert worden sei. 1929 wuroen etwa 150 000 Pflanzen in den Forschung?- instituten in Müncheberg und Dahlem angebaut, die selbst oder deren Eltern bziv. Großeltern als Samen, Keimling oder als junge Pflanzen mit den verschiedensten Chemitalienlösuugen behandelt worden waren. Die„Mutationen", die in der Nachkommenschaft der gereizten Pflanzen auftraten, weichen in vieler Hinsicht von den bisher beobachteten ab. Aehnliche Formen wurden nach Radium- Und Röntgenbehandlung und nach Behandlung der Pflanzen mit abnormen Temperaturen erhalten. Die Bedeutung oer Arbeit liegt darin, daß wir nun wissen, daß schwere Schädigungen der Konsli- tution auch da auftreten können, wo man sie nie erwartet, und daß bei völlig normalen Eltern sich oft erst in der Enkelgeneration ficht- bar genotypisch bedingte Störungen als Folge mutotionsauslösender Einflüsse bemerkbor machen. UnierrfcM im Schweinegrunmen Von JL Sinlurow( Ttloshau) Die außerordentliche Borstondsversammlung der Viehzüchter. genossenschaft war in vollem Gange. „Nein, nein, Srdor Grigorjitsch! Sie verlangen Unmögliches von mir! Ich verstehe mich wirklich nicht aus solche Künste", flehte der Genosse Bisjukow. „'Aber ich bitte Sie!" versetzte der Borstandsleiter in strengem Ton.„Im Zettotter des Ausbaues unserer sozialistischen Wirtschaft muß sich der Sowjet-Genossenschaftter auf alles oerstehen. Sie werden es machen, Komarow." wandte er sich an den Schrif.führer. „no'leren Sie den Genossen Bisjukow! Wer versteht noch zu grunzen?" „Lewandow miaut sehr schön." „Kotzen sind in unserem Wirrschoftsplan nicht vorgesehen. Wir brauchen ein Schweinegrunzen. Sie, Legont Mitritsch, wie denken Sie darüber?" „Er hat doch einen Tenor, Sidor Grigorjitsch", wandte jemand dem Vorsitzenden ein.„Es dürfte ihm schwer fallen, Schweinegrunzen zu markieren." „Tut nichts. Da soll er eben flöten wie ein Ferkel." „Ist auch Gackern erwünscht?" t „Jawohl. Wir brauchen Hühner.". „Jefim Semjonytsch llberkräht den lautesten Hahn." „Großartig. Notieren wir den Jefim. Kannst du blöken?" fragte der Borsigende einen wohlbeleibten Genossen nnt himbeerfarbener Nase. „Je nachdem. Wenn ich besoffen bin. ja." „Nein, du mußt verständig blöken: wie ein kluges Schaf. Kannst du das?" „Leider nein. Aber das Muhen einer Kuh oder vielleicht auch das Meckern eines Ziegenbocks würde mir mit einiger Mühe gelingen." „Auch gut. Nun, Genossen, mir scheint, unser Vieh-Cnsemble ist zusammengesetzt. Beginnen wir mit der Probe. Bisjukow, grunze!" „Ehr— chr— chr--" „Halt! Du fauchst ja wie eine alte Lokomotive! Weicher, weicher, weiblicher! Du mußt doch eine Sau vortäuschen. So. Ehrsii— chrju— ks. Hast du's begriffen?" ..Jawohl. Chrju— chrju— chrju— ks. Stimmt's?" „Bravo, Bisjukow. Bist ein Kerl, lind du, Mitsajew?" „Si'dor Grigorji'sch, ich habe mich zu Hause �rei Stunden lang auf dos Winseln eines Hundes präpariert." „Na, meinetwegen,— winsele! Und Sie, Genosse Kassenwart, belieben ununterbrochen wie eine Henne zu gackern!" „Eine verrückte Geschichte!" wird wohl mein Leser denken.„Wer hätte je gehört, daß man sozialistische Genossenschaftler das Grunzen lehrt! Total oerrückt!" Host recht, lieber Leser. Es klingt unwahrscheinlich. Ist aber eine Tatsache. Dem Zentrossojus war aufgetragen worden, 250 OOO Stück Schweine auf Mast zu setzen. Dies« Parteidirektwe ist jedoch nicht erfüllt worden— es wurden nur 80 000 Schweine gemästet. Doch die Genossenschaftler versuchten es auf jede Art, die Nichterfüllung der Parteidiretttoe zu verheimlichen. Als die Kontrollkommission zur Revision in einem Bezirk erschien, wurden dort ganze Trupps von Genossenschaftsbeamten heimlich in den halbleeren Schweine- ställen untergebracht und mußten an Schweines Statt aus Leibes- kräften grunzen, um bei den Revisoren den Eindruck zu erwecken, daß alles aujs beste bestellt sei. Diese im Chorus grunzenden Söwjetgenossenschaftler haben sich in ihrer Berechnung nicht getäuscht. Fortan dürfte es jedermann klar sein, daß unsere landwirtschaftliche Genossenschaftszenttale die plangemäße Anzahl von Schweinen, und zwar großen, richtigen Schweinen, herangemästet hat. JungejeUenUeuer in ZDewlfchland Das Reichsfinanzministerinm hat auf seiner verzweifelten Suche nach neuen Steuerquellen Geschichtskenntnis bewiesen: die Jung- gesellensteuer, die das Reichskabinett soeben beschlossen hat, stellt jedenfalls eine der beliebtesten und am häufigsten angewandten Ab- gaben dar, die die Geschichte der Staatsfinanzen verzeichnet Rur waren es meist bevölkerungspolitische Gründe, die den Gesetzgeber oeranlaßten, den Hagestolzen so schwere Lasten auszuerlegen, daß sie es für ratsam hielten, lieber eine Familie zu gründen. In neuester Zeit hat man dieses Mittel besonders in Italien und in der Türkei angewandt. Di« Nationalversammlung in Angara beMoß im November 1928 ein Gesetz, nach dem all« türkischen Junggesellen besteuert werden und außerdem den Witwen von Be- amten auch im Fall ihrer Wiederoerheiratung der Weiterbezug ihrer Pension gesichert bleibt. Die Denkschrift des türkischen Statistischen Amtes über Maßnahmsn zur Behebung des Geburtenrückganges hatte den enffcheidendcn Anstoß dazu gegeben. Mussolini hat schon vor vier Iahren diese Steuer ausgeschrieben, die einmal dem ewig geldbedürftigen Staatssäckel eine neue Einnahmequelle erschloß und zugleich die Eheunlust wirlsam bekämpfen sollte. Die älteste Jung- gesellensteuer, von der die Geschichte erzähl?, ist im alten Rom»er- ordnet worden, als Kaiser A u g u st u s die Lex Papia Poppäa erließ. Wie die alten römischen Geschichtsschreiber jedoch in ihren Annalen oermerken, scheint dies« Besteuerung der Ledigen nicht die bevölke- rungspolitische Wirkung gehabt zu haben, die sich die Lenker des Staates versprochen hatten. Neben dieser Jungpesellensteuer des Kaisers Augustus gab es im alten Rom auch eine Steuer für reiche alte Jungfern. Die Römer sind ja im Erfinden neuer Abgaben sehr geschickt gewesen. Witwen, Sklaven, Freigelassene, Haustiere, sogar die Toten wurden besteuert.'Der Kaiser Commodus betrieb mit dem Verkauf von Lizenzen auf Grabstätten einen überaus schwunghaften Handel,«r führte Steuern aus Heiraten, Fenster. Säulen«in und zog als erster die Freudenhäuser zu besonderen Abgaben heran: noch weiter ging der Kaiser Vespasian. der sogar die natürlichsten mensch- lichen Verrichtungen mit einer Steuer belegt« und, als man ihm darüber Var�aliungen machte, das berühmte Wort„Non olet* sprach. Kein Wunder, daß die Finan-miniiter späterer Jahrhunderte immer wieder auf den Einfall des Slugustus, die Iunpaesellentteuer, zurückgrisfen, wenn in den Staatskassen Ebbe herrschte. Meist hat man ja nach männermordenden Kriegen dem Iunaoesellentum er- bitterte Fehde angesagt. Nicht allein mit Steuer, sondern auch mit Maßnahmen anderer Art versuchte man damals, hartgesottene Jung- gesellen zu Owingen, ihr Lebensschisttün in den Ehebafen einlaufen *u lassen. So wurde im Elsaß nach Beenbiaung des Dreiß'giäbriaen Krieoes jeder Iunaaefelle über dreißia Jahre, der der dreimaligen A'iffordei-um». endlich zu beiraten, mcbt nacbaekomwen war. ver- urteilt am Pranoer zu tteben und von allem Balk mit faulen Eiern bewefen zu werden. Nicht aenua damit, verfiel sein ganzes Hab und Gut der Konfiskation mrd er erbialf-s erst dann wieder zurück. wenn er ein Weib helmoesübrt hatte. Noch ärger ergina es den kftinoaesellen in Nürnberg. Wer ölfar als?fi ftafire war und unver- beiraf-t blieb ol>«r sänaer als»wei Jahre fit« Witwer trauerte mußte drei Viertel seiner Einkünfte abgeben, wenn«r es vermelden wollt«, in den Schuldturm geworfen zu werden. Derartige primitiv-drastische Verfügungen sind jedoch keineswegs aufs Mittelaller beschränkt ge- blieben. Noch im achtzehnten Jahrhundert wurden in Hannover die Hagestolze, die bis zum 42. Lebensjahr nicht geheiratet hatten, auf öffentlichem Markt glatt rasiert, und es war ihnen bei strengster Strafe oerboten, Perücken zu tragen: in den Wirtschaften erhielten sie nichts zu essen und zu trinken. In England hat es im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert ebenfalls Junggesellensteuern gegeben: fvellich waren die Sätze dort äußerst niedrig und wurden mit Freuden bezahlt. Ledige Aristo- kroten wurden jedoch höher veranlagt. In Argentinien kennt man seit etwa zwanzig Jahren ein« progressiv onst-igend« Junggesellen- sieuer, die sich erst vom 75. Jahr ab aus die Hälfte vermindert. Und vor dem Krieg haben einig« deutsche Bundesstaaten, wie dos Fürsten- tum Reuß, von Unverehelichten über dreißig Jahre Steuerzuschläge erhoben. Während des Krieges lag der Gedanke erst recht nahe: so hat die Stadt Leipzig im Jahre 1916 die Besteuerung der männlichen Junggesellen beschlossen, und erst der unglückliche Ausgang des Krieges und die Bereinhettlichung der Steuergesetzgebung machte den ausgiebigen Erörterungen ähnlicher Projekte ein Ende. Die Steilung von QeiHeskrankheilen Die seit 12 Jahren geübte Ficberimpfkuren durch künstliche Ueberttagung von Malaria oder Rückfallsieber ermöglichen es, jener unheimlichsten Krankheit, der progressiven Paralyse oder Gehirn- erweichung, die ehedem ein Todesurteil bodeutete, vollstreckbor nach geistigem und körperlichem Verfall in zwei bis drei Jahren, in den meisten Fällen ihre Schrecken zu nehmen und vielfach dem Opfer wieoer zu einer erträglichen Daseinssreude, bestenfalls zur vollen Arbeitsfähigkett zu verhelfen. Selbst Großkaufleute, Industrielle, Mathemattker, Acrzte haben, wie Professor Wilhelm Weygandt im neuen Heft der.Loralle" schreibt, nach solcher Kur ihre volle Tätig. feit wictier übernehmen können. Diese von Professor von Wagner- Jauregg in Wien zuerst angewandten Methoden mit ihrem gerade- Zu verblüffenden Erfolg bei der so hoffnungslos scheinenden Po- ralyse haben den Behandlungseifer der Psychiater gewaltig ange- spornt. Auch bei anderen durch Syphilis bedingten Leiden wirkt das Verfahren, so bei der Rückenmarkschwindsucht(ladee dorsalis), deren quälendste Symptome, die lanzihierenden Schmerzen und a taktische Sehstörung, sich oft erheblich bessern und deren Verlaus gebremst wird. Leider blieb der Erfolg aus bei der verbrettctsten Geistesstörung, dem Jugendirresein, ebenso auch bei Epilepsie, Schlaf- kronkheit und rnullipler Sklerose. Immerhin scheint es noch ganz aussichtslos, mit allen verfügbaren Mitteln weiteren Dersuchen auf diesem Gebiet nochzugehen. Aus rein medikamentösem Wege sind sonst nur Linderungen und Beruhigungen, keine eigentlichen Heilwirkungen zu erwarten, e» sei denn, daß Epileptiker auf Brompräparate und Lumina! besonders günstig reagieren. Segensreich und manckmal lebensrettend wirken bei Kranken mit Erregung oder mit Druckband der Haut die warmen Dauerbäder, die gelegentlich Jahr und Tag angewandt werden.