Morgenausgabe Nr. 277..„, A 140 47. Jahrgang wöchentlich SVPU monatlich 2.50 VL Un voraus zahlbar. PostbezugG> WG'«. Berliner Volesvlatt vieustag n. Juni 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 pf. Ott einspaltig« Aonpareillezeil, 80 Pfennig. ReName�eile ö— Reichs« mark.„Kleine Anzeigeu� da» iettge« druckt» Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 12 Pfennig. Stellengesuch» das erste Won IS Pfennig« jedes wettere Won »0 Pfennig. Worte über IS Buchstabe» zählen für zwei Worte Arbeitsmaikt Zeile 60 Pfennig. Familienanzeigen Ze le 40 Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt. geichäft Lindenftraße 3. wochentäglich von S>/, bis 17 Uhr. JsnteawWa« der GozialdemoSvatischen Oaetei DeutsOlandS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstrahe 3 Kcrnsprecher: Dönbo» 222— 2S7 Telearamm-Adr � Soualdemokrai Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Böslich« ckkonio Berlin 37 536.—©nnffcmto: Bank der arbeitet. Anneslelllen und Beamten. Wallstr 65 Dt B u Dt»c.Gel Deposttenkasie Lindenstr S. Alle gegen die„�eichshilfe"! Demokraten und Deutsche Volkspartei lehnen das Deckungsprogramm ab. Das Programm des Kabinetts Brüning, das am Freitag stolz als„großes Programm", als einheitlich und unteilbar verkündet wurde, ist heute nurnocheinStückPapier. Es hat keine Mehrheit. Die demokratische Reichs» t a g s f r a t t i o n hat es gestern in Bausch und Bogen ab- gelehnt, die Reichstagsfraktion der Bolkspar- t e i lehnt das Kernstück des Programms, die sogenannte Reichshilfe, ab. Also Krise, Rücktritt des Finanzministers? Weder die Regierung noch die Regierungsparteien wollen die Krise und die nachfolgende Neuwahl. Sie f ü r ch- t e n die Wahl, und müssen daher die Krise vermeiden. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" hat gestern ihre Lage gekennzeichnet: „Als es sich � n o ch dem Regierungsantritt um die Aufstellung des Haushaltsplanes handelte, da konnte die Drohung mit der Reichstagsaltslösung nicht versagen. Am längeren Hebel- arm saß die Regierung, und die Volksvertretung mußte sich fügen. Wir bedauern, sagen zu müssen, daß die Dinge heute an- näherndumgekehrt liegen. Nicht„der Reichstag", sondern „die Regierung" Hot heut« Neuwahlen zu fürchten. Die Schlüsse, die daraus zu ziehen sind, ergeben sich von selbst." Die Schlüsse heißen, daß die Regierung mit ihren Par- teien auf die Suche nach einem neuen Kompromiß gehen wird— trotz der stolzen Worte vdm Freitag, und trotz der antiquierten Geste der„Germania", daß„der Reichstag erneut seine Existenzberechtigung darzutun" habe. Der Inhalt eines neuen Kompromisses ergibt sich daraus, daß die„R e i ch s h i l f e", Modell Stegerwald» Moldenhauer, von allen abgelehnt wird. Nur das Zentrum steht noch, soweit man zur Stunde sieht, zu dieser Vorlage. Das Kernstück der Deckungsvorlage muß also ersetzt werden. Man sprach gestern abend davon, daß bereits Ber- Handlungen geführt wurden auf folgender Grundlage: Be- schränkung des Notopfers auf die Beamten, mit niedrigerem Satz und Staffeltarif, Erhöhung der Biersteuer, stärkere Heranziehung des Tabaks. Das neue Kompromiß soll nach dem Willen der Volks- partei den arbeiterfeindlichen Bürgerblockcharakter noch stärker herausarbeiten als das Programm der Regierung vom Freitag. Der Beschluß der Volkspartei fordert Lohn- senkung, Fortführung der Methode von Oeynhausen, Abbau der Arbeitslosenversicherung, Abänderung des Finanzaus- gleichs und Einführung einer direkten Steuer in Ländern und Gemeinden nebst Einsparungen gewissermaßen als Vor- leistung vor jeder weiteren Ausgleichung des Reichsetats auf steuerlichem Wege. Er akzeptiert vom Programm der Regierung die verfehlte Krisenlösung und die Abwälzung notwendiger Preissenkung auf die Löhne, er verwirft den finanzpolitischen Versuch zur Deckung des Defizits. Es wird der Regierung bei dieser Sachlage nicht leicht sein, den Weg zu einem neuen Kompromiß zu finden. Das Defizit ist da, das Etatsjahr ist bereits vorgeschritten, und mit unsicheren Zukunftswechseln wird der Etat nicht ausgeglichen werden! Die Befürchtung ist nicht von der Hand zu weisen, daß die Volkspartei mit ihren Forderungen gegen die Arbeiterschaft und mit der Verweigerung der Deckung des Defizits zielbewußt in eine noch ärgere Fmanzkrise hineinsteuern will, um dann die Brüning-Koalition mit fortzureißen zu einer tollen Attacke gegen die Arbeiterschaft, gegen die Sozialpolitik, und gegen die Wirtschaftsvernunft. Das Programm der Regierung vom Freitag hat einen Borgeschmack davon gegeben! Die„Reichshilfe" scheint gefallen— aber kann diese Re- gierung etwas Bernünftigeres an ihre Stelle setzen? DerMichsrat sott ö!e„Reichshilfe" beschließen Rdchsfinauz minister Dr. Molbenhauer hat dem Reichsrat nun- mehr seine Steuergesetze zugeleitet mit der Bitte, sie bereits in der Sitzung vom 18. Juni zu behandeln, da die Gesetzentwürfe unter allen Umständen vor der Sommerpause des Reichstages verabschiedet werden müßten. * Herr Moldenhauer hat die Gesetze vorgelegt, das Ka- binett hat sie gebilligt, der Reichsrat weiß, daß ihr Kernstück bereits gefallen ist— was wird Herr Moldenhauer dem Retchsrat am Mittwoch darüber sagen? Was wird der Reichsrat tun, in welcher Gestalt werden die Gesetze an den Reichstag zurückkommen, und wird Herr Moldenhauer vor dem Reichstag fein eigenes Kind verleugnen? Oos Gegenprogramm der Volkspartei. Noiopfer und NeichshUfe abgelehnt. Di« Reichstagsfraktton der Deutschen Volkspartei faßte in ihrer Sitzung am Montagabend folgende Entschließung: Die soziale und wirtschaftliche Not des deutschen Volkes zwingt zu entscheidenden Entschlüssen. Sie kann durch neue steuerliche Belastungen nicht behoben werden. Das Problem der deutschen Wirtschast und der Finanzen des Reiches kann nicht von der Steuerseite, sondern nur von der Seite der Belebung der Wirtschaft und der rucksichts- losen Senkung der Ausgaben angefaßt werden. Die Gesanrtwirtschost befindet sich in einem Zustand sortschrestender Einschrumpfung. Arbeitslosenheere und Leere der öffentlichen Kasten sind nur Ausdruck dieses Zuftandes. Deshalb muß die Senkung der Produktionskosten durch Herabsehung der Personalausgaben in der privaten wlrtschafk von oben bis unten durch gleichzeitige Herabsetzung der Preise und durch eine starke Minderung der Ausgaben der öffentlichen Verwaltung in Räch, Ländern und Gemeinden durchgeführt werden. Solange die Voraussetzungen für eine solche gememschaslliche Kraftonstrengung des ganzen Volkes, sei es durch freie Derein- barungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, sei es im Wege der Gesetzgebung nicht gegeben sind. bleibt eine einseitige Sonderbelostung, wie Rolopfer oder Reichshilfe der Fesibesoldelen. ungerecht und wirkungslos und muh daher von der Reichslagsfraktlon der Deutschen Volk»- parlei abgelehnt werden. Wir sind überzeugt, daß bei Sicherstellung der genannten Vor- aussetzungen auch die deutsche Beamtenschaft nach den Er- klärungen ihrer Spitzenorganisaiionen bereit ist, sich einer solchen gemeinschaftlichen Kraftanstrengung zur Rettung von Staat und Volk durch entsprechende Herabsetz ung der Per- s o n ala u s g ab e n in der gesamten öffentlichen Verwaltung nicht zu versagen. Die gegenwärtige Gestaltung der Arbeilslosenverstchcrung untergräbt nicht nur die Finanzen des Reiches, sondern auch die Arbeitsmoral des deutschen Volkes und begünstigt die Landflucht, indem sie der Landwirtschaft noi- wendig« Arbeitskräfte entzieht und sie in den Städten anhäuft, wo kein Bedarf für sie ist. Hier kann mtr ei ne grundsätzliche Umgestaltung helfen. Qhne Verzug sind zunächst die Vor- schlage des Vorstandes der Reichsanstatt zu verwirklichen, zu gleicher Zett ist die Reform der Krankenoerstcherung durchzuführen. Di« Ueb er weifungen des Reiches an die Länder und Ge- meinden sind alsbald wirksam herabzusetzen. Als Ersatz dafür und zur Steigerung der Verantworwng der Länder imd Gemeinden für ihre Ausgaben ist eine vürgerabgabe für jeden wahlberechliglen Gemeindebürger reichsgesehllch durchzuführen. Die Hatishattspläne fiir 1930 in Reich, Ländern und Ge- meinden sind einer nochmaligen verschärften Nachprüfung mit dem Ziel einer weiteren erheblichen Herabminderung der öffentlichen Ausgaben zu unterziehen. Die deutsche Wirtschaft im wettesten Sinne, die in sich scharf rationalisiert hat und der deutsch« Steuerzahler haben das Recht, zu verlangen, daß auch die Verwaltung so rattonell und sparsam o»« irgendmöglich geführt wird. Es ist die Stunde gekommen, in der Frage der Reichsreform von Erwägungen und VerHand- lungen zur Tat zu schreiten. Demokraten gegen Moldenhauer. Scharfe Kritik an der Finanzpolitik.— Ablehnung der Deck'tngsvorlage. Die Deutsche Demokratische Roichstagsfraktto-n hat in ihrer gestrigen Frakttonssitzung einstimmig die nochstehende Entschließung gefaßt: Di« Deutsche Demokratische Reichstagsftattton erblickt in der vom Reichsfinanzimnifter, wenige Wochen nach der von ihm damals für ausreichend erklärten Steuererhöhung, getroffenen Feststellung Schober gegen pabst. Protest der Tiroler Landesregierung gegen die Ausweisung abgewiesen. Wien, IS. Juni. Im Austrag der Landesregierung von Tirol übergab Sandesrat Gebhardt dem Bundeskanzler Schober dem Protest der Landesregierung gegen die Ausweisung Pabsts, verwies auf die in„weiten Kreisen der Tiroler Bevölkerung� über diese Mahnahme herrschende Ans- regung und brachte besonders das Bestemdeu der Landesregierung darüber zum Ausdruck, dah dies« Mast- nähme ohne Fühlungnahme mit ihr erfolgt sei, obwohl Pabst seinen ständigen Wohnsitz in Innsbruck habe. Bundeskanzler Dr. Schober erklärte, für das Borgehen der Polizei die Verantwortung zu übernehme«, da genügend Material gegen Major Pabst vorläge. Streit unter den Christlichsozialen. Wien. IS. Juni.(Eigenbericht.) Im Lager ber Ehristlichsogialen herrscht infolge der Ausweisung Pabsts große Verwirrung. Das christlichsoziale Hauptorgan, die„Reichspost", wendet sich wegen der Ausweisung außerordentlich scharf gegen die Regierung und nennt die Maßnahm« gegen Pabst einen Streich des Herrn Schumy, der geeignet sei, neuen Zündstoff anzuhäufen. Ein einheitlicher Beschluß des Ministerrates liege nicht vor und der Bundeskanzler habe am Sonnabendabend erklärt, erst noch- trägiich von der Mahnahme Kenntnis erhallen zu haben. Wenn Schumy nicht in der Lage sei. Überzeugendes Tatsachenmaterial her- beizufchaffen. so werde seine Aktion als Tragödie enden. Ann in Arm mit dem sozialdemokratischen Bürgermeister von Wien und den Marxisten habe Schumy das treueste Bundesland Tirol herausgefordert. Offiziös wird gegenüber den Behauptungen der„Reichspost" erklärt,> das Ministerium des Innern besitze selk längerer Zeit ein Aktenbündel bisher geheim gehaltener Aktenstücke, aus denen Putfchpläne des pabst mit aller Klarheit und Eindeuligkeil hervorgingen. Pabst habe in der Heinuoehr die Fäden in der Hand gehalten. Er habe mit den Republikfeinden und mit F af ch i st e n in Italien in Verbindung gestanden, was sich aus den Akten ein- wandfrei ergebe. Das gemäßigt christtich-soziale„Weltblatt" nennt im Gegensatz zur„Reichspost" Pabst den bösen Geist, der die Heimwehr von ihren ursprünglichen Zielen abgeführt und mit Hilfe volksfremder jüdischer Journalisten in Gegensatz zu den bürgerlichen Parteien gebracht habe. Di« Ausweisung zeige klar den Wandel in der politischen Lage. Heimwehrleute hofsen, daß der Aufenthalt Pabsts in Italien nur vorübergehend fein werde. Vaugoin hat es gewußt! Wien. 16. Ium.(WTB.) Ein chrifllichsoziales Montagsblatt hatte die Behauptung auf- gestellt, daß der christlichsoziale Vizekanzler und Heeresminister Vau- gorn von dem Vorgehen der Wiener Polizei gegen Major Pabst vorher nicht Kenntnis gehabt habe Wie von unterrichteter S e i te verlautet, ist diese Behauptung unzutreffend. Vaugoin war vielmehr rechtzeitig von den Absichten der Polizei unterrichtet. ,-1,1 iiäk f> i jn fS M MtfM#*v4��o% ETTtCS ClLreTTryQlTycII �jW/loCTIüges vkM fSuXi invu/iin x£l jJClLnaZ&efl Reichsmart einen schweren Mißerfolg der bisherige» Finanzpolitik. Sie leitet hieraus die Forderung her, daß nicht wieder, wie»m April, unter dem Druck der Ankündigung von Reichstagsauflösung und Anwendung des Artikel 48, überstürzt«in höchstens die Not des Tages über- windendes Stückwert geleistet, sondern eine die Reichssmanze» für die Dauer ordnende Finanzrefarm auf den Weg gebracht wird, ohne daß auf di« üblichen Parlamentsferien Rücksicht genommen werden kann. Um das Grundübsl der Arbeitslosigkeit nicht weiter zu verschlimmern und die Bemühungen zur Senkung des Preis- Niveaus nicht zu vernichten, sind neue Steuern überhaupt von der Hand zu weisen, solange nicht alle Mögllchteiten der A us ga b e nse n kung erschöpft sind: dabei darf mit der Durchführung der von der Fraktion seit Jahren vergeblich geforder- ten Reichs, und Verwaltungsreform, welche di« Grund- log« jeder systematischen Ersparungspalitik ist, nicht länger gezögert werden. Sollte sich der Haushalt hierdurch allein nicht ordnen lassen/ so sind in Verbindung mit der Finanzreform dieSteuern auf entbehrlich« Genußmittel soweit wie möglich auszunützen. Der willkürlichen Auferlegung von Sonderlasten zyr Deckung des Fehlbetrages auf einzelne Schichten des Voltes, wie sie durch die sogenannte R e i ch s h i l f e der Festbesoldeten und die Ledigensteuer beabsichtigt ist, wind die Fraktion nicht zu- stimmen. Die sozialdemokratische Fraktion berät. Die sozialdemokratische Reichslogsfraktion beschäftigte sich am Montagabend in mehrstündiger Aussprache mit der gegenwärkigeu polliischeu Lage und den Vorschlägen der Reichs regierung zur Deckung des Fehlbetrages im Reichshaushall. Die Debatte kounte wegen der vorgeschrittenen Zeit nicht zu Ende geführt, sie wird am Dienstagnochmiltag fortgesetzt werden. Wildgewordene Gchn'ppenarchiiekien« Hochsommerliches von Oer Wirtschaftspartei des deutschen MittelftanOeS. Todernst und in feierlicher Auftnachung oerbreitet Hilgenbergs Telegrophenunion folgende erschröckliche Kund«: Di« Fraktion. der Wirtschaftspartei hat im Preußischen Land- tag den Beschluß beantragt, gegen den Ministerpräsidenten Dr. Braun wegen feiner kürzlich am Staatsgerichtshof geübten Kritik die Minifteranklage zu erheben. In der Begründung wird ausgeführt, daß die von der höchsten preußischen Regierungsstelle geübte Kritik an dem Urteil des Staatsgerichtshofes, die den beut- lichen Willen zeige, sich dem Spruche in der Verwaltungspraxjs mcht zu fügen, geeignet sei, das Vertrauen in die Rechtspflege und damit die Staotsautorität zp gefährden. . Bor einigen Wochen antwortete im Preußischen Landtag bei einer Debatte über das parlamentarisch« System ein sozialdemo» kratischer Redner auf flegelhaft« Zwischenruf« der Rechten mit dem Satz:»Der Parlamentarismus hat mindestens das«ine Gut«, daß er niemand hindert, seine eigene geistig« Minderwertigkeft öffentlich AU demonstrieren.� Die Wirtschaftspartei erhärtet neuerlich die Wahrheft dieses Satzes. Ein merkwürdiger Landrat. Das Sparkassenbucl, zu tasten der Kreissinanzen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der preu. ßijche Minister des Innern gegen den bisherigen Landrat des Kreises Leer. Geh. Regierungsrat Klein«, dos förmlich« Disziplinarverfahren mft dem Ziele der Entfernung aus dem Amte eingeleftet. Veranlassung zu dissom Vorgehen gegen den vor einiger Zeit auf Beschluß der Staatsregierung in den einst- weiligen Ruhestand versetzten Landrat Kleine gab die Tatsache, daß Landrat Kleine ISA unter bewußter Ausschaltung de» zu- ständigen Kreistages sich vom Kreisausschuß des Kreises Leer unter Verzicht auf die ihm zustehende kommunale Dienst- aufwandsentfchödigung ein S pa r t a s( e n b u ch auf 80 000 Mark aus seinen Namen hat ausstellen lassen. Für diesen Zweck waren im Kreishausholtsplan Mittel nicht vorgesehen, so daß sich der vorhandene Fehlbetrag des Jahres 1926 um 30 000 M. erhöhte. Wider hat der Landrat die nach den ministeriellen Bestimmungen vorgeschriebene Genehmigung zur An- nähme einer solchen Entschädigung eingeholt, noch hat er seiner dienstvorgesetzten Behörde davon Mitteilung gemacht. Das zunächst auf den Namen des Landrat» ausgestellte Sparkassenbuch wurde später auf den Namen des Kreises Leer umgeschrieben, ist aber niemals in das Vermögensverzeichnis des Kreises aufge- nsmmen worden. Dieses S parkasienbuch soll dem Land rat Klein« für den Fall seines Ausscheidens aus dem Staatsdienste ein« ihm rechtlich nicht zustehende Versorgung aus Kreismitteln sichern. Landrat Klein« hat auf wiederholte dienstliche Anfragen über dieHöheseinerNebenbezügeden tatsächlichen Sachverhalt oerschwiegen und wahrheltsw ihrige Berichte erstattet. Die in der Presse beim Bekanntwerden dieser Verfehlung gegeben« Dar- stellung. daß der in dem Sparkassenbuch enthalten« Bettag lediglich di« seit dem 1. Juni 1926 nicht zur Auszahlung gelangte Aufwands. entschädigung des Landrats sei, ist völlig unzutreffend. Der Gesamtbetrag dieser für den Kreis einbehaltenen Bezüge für die Zeit vom 1. Juni 1926 bis 31. März 1930 beträgt einschließlich der Zinsen insgesamt 9 471 Mark, während das in dem Sparkassenbuch enthalten« Guthaben durch die Zinsen inzwischen aus 38 000 Mark angewachsen ist. Börsenkrach in Aew 8ork. Diesmal ein„schwarzer Motitag'. New 9 ort. 16. Juni. Wallstreet hatte heute einen schwarzen Tag zu verzeichnen. Amsangrelche etquidationeu und Verkäufe, die aus die scharfeu Rück- gange der Warenpreise, aus da» Fehlen irgendwelcher anregenden Wirtschaftsaachrichten, vor allem jedoch auf die Ermäßigung der Gasolin- und de» kupserexporprelse» zurückzuführen waren, übten einen empfindlichen Druck aus das Kursniveau aus. Selbst kräftige Stützungskäuse tonnten der rückläufigen Bewegung nur für kurze Zeit Eiuhalt gebieten. Die Kursverlustle erreichten bei zahlreichen Spezialwerten ein A u s m a ß v o n 15 b i» 22 v o l l a r. Die Börse schloß flau. Ver- schiedenttich wurde der heutige Kurseinbruch mit dem neuen Hochschuhzoll ia einen gewissen Zusammenhang gebracht, da ungünstige Auswirkungen für die gesamte amerikanische wirtschos» besürchlel werden. Nazifrechheiten vor Gericht. Was sich die Schweidrnher Richter bieten lassen. Schweidnitz. 16. Juni(Eigenberichy. Im Schweidnitzer Landfriedensbruchprozeß leisteten sich die Hakenkreuzler am Montag wiederholt Flege- leien, di« jeder Beschreibung spotten. Als sich der Bertteter der Nebenkläger, Rechtsanwall F ö r d« r- Breslau, erlaubte, an einen als Zeugen erschienenen 21jährigen na- tionalsozialisttschen Handlungsgehilfen einig« Fragen zu richten, fchrie dieser:„Ich unterhalte mich mir mit Deutschen, nicht mit Juhen. Ich antworte nur deutschen Richtern.' Der Bursche oerweigerte weiter jede Aussage. Auf Antrag des Rechtsanwalts führte der Vorsitzende schließlich einen Gerichtsbeschluß herbei, der den flegelhaften Hille- rianern mit der lächerlich niedrigen Ordnungsstrase von zehn Mark belegt. So viel bekommt er ungefähr als Zeugen- gebühren. Als dem Burschen die Strafe zudiktiert war. beschwerte er sich, daß ihn Rechtsanwalt Förder beleidigt habe. Förder hätte von„diesem Menschen' gesprochen. Es war charakteristisch, daß der nationalsoziaiistisch« Verteidiger Frank sich das Hitlerianers annahm und sich mit ihm identifiziert«. Der Vorsitzende o e r z i ch- t e t e schließlich darauf, dem Bertteter der Nebenkläger die ihm ge- setzmäßig zustehende Möglichkeit zur Befragung des Zeugen zu ver- schaffen und übernahm die Fragen selbst. Andere nationalsozialistische Zeugen marschierten am Montag in Wa n d« r kl e i d u n g mit aufgekrempelten Hemd- ä r m e l n vor dem Richtertffch auf. Der Vorsttzend« wies höflich darauf hin, daß es sich nicht zieme, in diesem Auszug vor Gericht zu erscheinen. Ein Zeuge erklärt«, das liege am System. Damit ist der Fall erledigt. Der nächste Zeug« erschien ttotz der Mahnung des Vorsitzenden ebenfalls in WanderNeidung mft aufgekrempellen Hemdsärmeln. Der Vorsitzend« hat sich inzwischen daran gewöhnt und ließ sie gewähren. So wird die Autorität und das Ansehen der deutschen Gerichte mit Füßen getreten, ohne daß das Ge- richt sich entschließen konnte,«in Exempel zu statuieren. Im weiteren Verlaus des Prozesses wird der Standartenführer N o wa ck nach seinen Vorstrafen befragt. Er gibt an, nur einmal «ine Strafe erhalten zu haben, die er beim Grenzschutz in Ober- jchlesien bekam. Der Staatsanwalt erhebt sich und sagt:„Ich möchte den Zeugen Nowack vor einem Meineid bewahren Ich kenne das Strafregister des Nowack. Er Ist sechsmal oorbe- straft, darunter ein mal. wegen Diebstahls.' Der Zeuge schreit dem Staatsanwalt zu, das ist eine erbärmlich« Lüge. Die Meute der Angeklagten schreit mit, ebenso der nationalsozialistische Verteidiger Frank. Wiederum wartete man vergebens auf ein ener- gisches Einschreiten des Vorsitzenden. Was die nationatsozialistischen Zeugen sonst auszusagen haben, wirkt angesichts des Eides geradezu erschütternd. Sie geben an, nicht mehr zu wissen, wo sie in die Autos eingestiegen sind, um zur Versammlung zu fahren. Sie wissen nicht, ob sie die Fahrt bezahlt haben, ja sie wissen nicht einmal mehr mft wem sie gefahren sind, und das alles unter Eid. Sie wissen über- Haupt nichts, wa» sie»icht wissen wollen. » Es scheint, daß der Gerichtsvorsitzend« nach einigen schwachen Widerstandsverfuchen gegenüber den systematischen und hartnäckigen Flegeleien der Hakenkreuzler restlos käpi- tuliert hat Eine solche Waffenstreckung ist aber nicht die per- sönliche SlngSlegenhelt eines Mannes, dem Kraft Gesetzes die Pflicht obliegt/ für die Wahrung der Würde des Gerichts und des Staates, als dessen Organ das Gericht fungiert, im Gerichtssaal zu sorgen. Dieser Pflicht darf sich der Borsltzenbe nicht entziehen, wenn sie ihm durch das Verhalten der Angeklagten und ihrer Anwälte auch noch so sauer gemacht wird. Die Laschheft des Borsitzenden ist um so befrenMicher,'als bereits die Handhabung' des Vorsitzes in der ersten Instanz allgemeine Kritik hervorgerufen hatte. In der ersten Instanz hafte der Vorsitzende u. a. oe- duldet, daß die Zeugen Hiller und von Pfeffer von den An- geklagten durch demonstratives Erheben und durch das faschistische Grutzzeichen empfangen wurDen. Das Versagen des Vorsitzenden der arften Instanz bildete den Gegenstand einer sozialdemo siratischev An- frage im Landtag, es wurde außerdem �on�daen sozial- demokratischen Fraktionsredner beim dies, jährigen Iustizetat zur Sprache gebracht. In stiver Antwort erklärte der Justizminister Schmidt diese Knfik für vollauf berechtigt und gab an, Vorsorge getroffen*u haben, daß sich ähnliches in zweiter Instanz nicht wiederhole. Wir zweifeln keinen Augenblick, daß der Herr Iustizuchtister durch- aus in diesem Sinne gehandelt hat. Aber wie uüykt sich seine Vorsorge aus? Der Vorsitzend« der zweiten In- stanz crmahnt die Angeklagten, daß sie Hsitler und von Pfeffer als Zeugen nicht wieder demonstrativ begrüßen dürfen. Seine Abwehr beschränkt sich also im wesentlichen auf den einen Punkt, der bei der Kritik der ersten Instanz zufällig am stärksten hervorgetreten war. Mit'der Verhinde- rung der Wiederholung dieser einen Provokation glaubt der Herr Vorsitzende der zweiten Instanz seine Pflicht so voll- ständig getan zu haben, daß er— alle weiteren Provokationen so gut wie völlig übersieht. Diese Buchstabenauslegung der Mahnung des preußischen Justiz- Ministers wirkt etwa wie das Verhalten eines Kindes, dem gesagt worden ist, es solle nicht noch einmal Kuchen naschen, und das sich nunmehr mit Schokolade und Pralinen voll- stopft. Der Prozeß dauert voraussichtlich noch einige Wochen: für den Herrn Iustizminister Schmidt Zeft genug, dafür Sorge zu tragen, daß seine Absichten nicht nur dem Wortlaut, sondern dem. Sinne nach befolgt werden. An den Ge- richtsvorsitzenden kann er freilich keine Anweisungen geben, um so genauer sollte er die Staatsanwaltschaft an- weisen, ihrerseits in jedem Einzelfall einer groben Ordnungswidrigkeit entsprechende A nt r ä g e z u st e l len._ Lteberfälle ohne Ende. pommersche Nazis pfeifen auf llniformverbot. Sketkin. 16. Juni.(Eigenbericht.) In Tammin(Pommern) Überfielen National» sozialisten eine Reichsbannerabteilung. Im Verlauf der Auseinandersetzungen wurden 14 Personen oerletzt, darunter einige ernst. Der nationolsozialistilschen Provokation konnte erst durch da» Eingreisen de» Stettiner U e b« rs o llk o m m a nt> o» sin End« gemacht werden. Die zuständigen Landjäger versagten voll» kommen. Als Reichsbannerleute einen Oberlandjäger daraus aus- merksam mochten, daß di« nationalsozialistischen Rowdys sich chren gemeinen Ueberfall in der von der preußischen Regierung verbotene» Uniform leisteten, wurde ihnen erwidert, daß das Verbot auf dem Dienstwege noch nicht zu seiner Kenntnis gelangt sei. Die Natwnabsozialisten behaupten, daß ihnen der zuständige Lcmdrot. ein Herr wilhelminischer Schul«, die Erlaubnis zum Trage» der Unfform gegeben habe. Oberfaschist Grandi auf Reifen. Protestkundgebungen in Warschau. Am 9. Juni kam nach Warschau als Gast der Pilsudski-Regie- rung der Fafchistenhäuptling Grandi. Mussolinis Außenmin.ster. Herr Grandi wählte zu seiner Ankunft in Warschau ein schlimmes Datum— den Todestag von M a t e o t t i. der vor 6 Jahren von Mussolinis Bluthunden, in deren Reihen Grandi das große Wort führte, ermordet wurde. Die organisierte Arbeiterschaft von Warschau gab dem Ober- faschfften zu verstehen, welchen Abscheu sein Name bei ihr her- vorruft. Am Tag? seiner Ankunft brachte da« Zentralorgan des .Bund', die.Volkszeitung',«inen scharfen Artikel gegen den .Gast' und seine polnischen Gesinnungsgenossen. Abends ließ der .Bund' von seinen Ordnern einen kurzen Aufruf in polnischer und jüdischer Sprach« in der ganzen Stadt verbreiten und an die Häuser kleben. Der Aufruf lautete: Nieder mit dem Abgesandten der ttalienischen faschistischen Re- gienmgl Am 10. Juni ist der 6. Todestag der Ermordung des Genossen Mateotti. Ehre dem Andenken des ermordeten Führers der italienischen Arbeiter! Die.Dolkszeitung', die ihr« Ausgabe vom 10. Juni dem An- denken Mateottis widmet«, wurde beschlagnahmt. Am Slbend des 10. Juni versammelten sich große Mengen Bundisten und Zukunf- tisten(.Zukunft' nennt sich die sog. Jugendorganisation des »Bund� neben dem Theaterplatz inmitten der Hauptstadt. Es wurden Ansprachen gehallen über den italienischen Faschismus und seine polnischen Nachäffer. Zur selben Stunde hielt der War- schauer Stadtrat eine Sitzung ab. Im Namen der soziolisti» schen Stadtratsfraktion der PPS. und des.Bund' erhob Ge- noss« H. Ehrlich schärfsten Protest gegen den offiziellen Emp- fang, die die Mehrheit de» Stadftats dem Faschistenhäuptling de- rettete. Die Sitzung endete mit einer stürmischen Kundgebung der PPS. und des.Bund' gegen Mussolinis Abgesandten. Lloyd George an die Arbetterregierung. Zum gemeinsamen Kampf gegen die Arbeitslostgteit. London. 16. Juni.(Eigenbericht.) Der„Daily Herald' veröffentlicht.in ssiner Dienstagaus- gäbe eine U n t e r r e d u n g mitLtoyd George, die angesichts des am Dienstag wieder zusammentretenden Parlaments besondere Beachtung oerdient. Lloyd George erklärt, die Liberalen wären bereit, der Arbefterregierüng zur Bekämpfung der Arbestslosigteit ihre gesamte Kraft und ihre volle Unterstützung zur Derfügung zu stellen. Cr sei der Ansicht, daß di« Gefahren der Arbeitslosigkeft für England und das Wirtschaftsleben so groß seien, daß die Arbeits- losigkeft als eine nationale Rot betrachtet und wie die Not« wendigkeften des Krieges behandelt werden müsse. Es sei ein« b«- sondere Legislaturperiode de» Unterhause» not. wendig die sich allein mit einem Feldzug gegen die Arbeits» losigkeft beschäftigen solle. Di«, gesamte Nation, ihre moralische» und wirtschaftlichen Kräfte mühten mobilisiert werden Notstandsgesetze sowie Notstandsvoll- machten mühten der Regierung für mehrer«Jahre in die Hand gegeben werden. Die bisher sowohl von. den Liberalen wie von der Arbefterregierüng ausgestellten Programme seien durch das gewaltige Anschwellen der Arbeitslosenziffern überholt und ungenügend geworden. Die Liberalen seien bereit, in jeder vo-n der Arbeiterpartei gewünschten Weise der Regierung zur Verfügung zu stehen. Die Liberalen seien bereit, auch in derAgrarfragemit der Labour Party zusammenzuarbeiten. Autounglück auf der Avus. Sine Person getötet, vier weitere schwer verletzt. Gestern abend ereignete sich gegen 23 Uhr auf der Avus- bahn Im Grunewald, etwa ein Silometer von der Südschleife ent- fcrnl. ein entsehllches Autounglück. Ein mit fünf Personen besetzte, privatauto geriet in der Bähe de» Forsthaus?» im 90-Kilometer. Tempo tn» Schien- den» und überschlug sich mehrmal». Der wagen wurde völlig zertrümmert ver Führer und die Znsasieu wurden von den zueilenden Automoblsten mit schweren Verletzungen aus den Trümmern befreit. Eine Frau war bereits t o l, die übrigen vier Verunglückten, darunter der Ehemann der Getöteten, wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen in« Westend- vud Hildegard- Krankenhaus übergeführt.' wie die polizeilichen Ermittlungen bisher ergeben haben, ist der Führer vermutlich durch die Scheinwerfer eines ln entgegengesetzter Richtung fahrendes Auto derart geblendet worden, daß er die herrschafi über seinen wagen verlor. Vluiige Eifersuchistragödie in Spandau Sur, vor Mitternacht spielte sich in der Siedlung au den Ruft- wiesen bei Spandau-Hakenselde eine bluttge Tragödie ab. di« in ihren Einzelheiten noch der Klärung bedarf. Offenbar in einem Akt von Eifersucht gab der 32jährlge Ar- beiter K ü h n auf seine 2Zjährige Frau Hildegard und den 41jährigea Milchhändler Richard Hermana mehrere Schüsse ab. Der Tätet richtete dann die Waffe gegen sich selbst und sagte sich eine Kugel in die Schläfe. Alle drei Personen wurden in bedenklichem Zuskaudc ln dos Städtische Krankenhaus gebracht. Innerpolitische Reichstagsdebatte. Sozialdemokratie und Wahlreform.— Reichsinnenminister und Rechtsoppofition. D«? Reichstag hat am Montag nachmittag seine Vollsitzung nach der Pfmgstpause wieder aufgenommen. Präsident Löbe teilte mit, daß in Abänderung der Tageso rtmung zunächst der Haushalt des Reichsministerimns des Innern beraten werde. Reichsinnenminister Or. Wirth (von der Rechten mit dem Zuruf„Frei Heil!" begrüßt und darauf airtwortend. daß das nicht fein gewohnter Gruß fei.): In Lübeck sind bis jetzt 39 Säuglinge gestorben, die mit dem Calmettschen Tuberkuloseschutzstoff geimpft worden waren, und noch scheint das Ende der Erkrankungen nicht gekommen zu sein. Die Reuchsregierung spricht den betroffenen Familien das tiefst« Mitgefühl aus.. In anderen Ländern, besonders in Frankreich, ist diese Impfung m mehr als 500 000 Fällen ohne Zwischenfall vorgenommen worden. In Lübeck wurde zunächst eine aufklärende Vorbereitung durch Vorträge von Aerzten, Hebammen und Bezirksfürsorgerinnen vorgenommen. In jedem einzelnen Fall ist das Einverständnis der Eltern- auf Grund eines Merkblatts und einer mündlichen Beratung eingeholt worden: es wurden etwa 50 Proz. der feit dem 24. Februar ISA) geborenen Säuglinge insgesamt 24S mit dem Schutzfwfs be- handelt. Eine Vrüsung des Schußskosfs an Tieren vor der Verabreichimg ist nicht vorgenommen worden. (Hört! hört!) Ich stelle das ausdrücklich fest, weil auf Grund ent- gegenstehcnder, unrichtiger Informationen im Auslande schon tm> richtige Schlußfolgerungen gezogen worden sind. Die Todesfälle in Lübeck gehen weit über die Bedeuhmg eines nur lokalen Unglücks hinaus, die ganze zivilisierte Welt hat mit Recht ihnen die größte Aufmetkfamkeit zugewendet und erwartet ein« möglichst vollkommen« Aufklärung. Das Reichsministerium des Innern, die Reich'" medizinalverwalwnq und das Reichsgesundheitsamt bemühen sich darujn in jeder Weise. Man muß ergründen, ob das Calmette- Verfahrelt selbst oder Fehler in seiner Durchführuna besonders Ver- > unroinigung oder Verwechslung der angewendeten Batterienkulturen die Schuld an dem Säuglingssterben tragen. Diese Frage kann vorläufig nicht mit Bestimmtheit beantwortet werden. Die Untersuchung darüber wird noch mindestens sechs Wocfcn dauern. Hoffentlich gelingt es, zu einem klaren Ergebnis zu kommen. Die Lühecker Regierung hat unter ständiger Beteiligung der' Bürgerschaft, In der alle Bevölkerungsschichten oertreten sind, alles getan, um zu retten, was noch.zu retten ist, und die gesund- gebliebenen Säuglinge fyrgfältig zu schützen. An den Obduktionen nimmt jetzt auch der Prosettor der Berliner Charitä, Prof. Echürmann, teil. Es wird in ständiger Verbindung mit Prof. Ealmette gearbeitet und jede Möglichkeit ausgenutzt, um den wirk. lichtn Sachverhalt zu ergründen und Um die Klärung im Interesse der Humanität und der Wissenschaft zu finden. Abg. Gollmann(Soz.): Wir schließen uns den Worten des Reichsinnenministers, be. sanders dem Ausdruck des Mitgefühls für die Familien der Opfer an. Es ist erschreckend, daß in einem Lande, mit so hoch entwickelter medizinischer Wlssenfchoft, in einem öffentlichen Krankenhaus, das von Medizinern geleitet. wird, �[n zahlreich« Todesfälle� erfolgen 4oynt«»l.-.Als Richtn�iziner kann-ich mir em Urteil darüber ni cht eriauhsn/-m«in tzraktwnskssieg« ldr. Msjes.werü.dazu fpkech�f ich sage, die Schululedizm' muß st'ch' klar'sein, daß durch"«« Vor- gäng« in Lübeck ihre Autorität im Volke einen schweren Stoß er- litten hat.(Lebhafte Zustimmung.) � Dem Verein für das Deutschtum««Auslände wünschen wir zu seinem öü�iahrs-Fest. daß er lernt,«in« Sprach« zu reden die auch an das Herz und den Geist der sozialistischen Arbeiter rührt. Gegen unsere Stimmen ist im Houshaltausfchnß«in« Eni- schliehung angenommen worden, die Staat und Kirch« zum Kamps gegen den.Kulturbolschewismus" aufruft. Was verstehen die Ve- sürworter dieser Entsassießung eigentlich unter Kulturboljchewismus? Für viele, die dieses Schlagwort mißbrauchen, ist der Kulwrbolfchc. wismus schon jedes Familienbad. jeder Versuch gemeinsamer Er- ziehung der Geschlechter, ist Sulturbolschewlsmus schon die Feuer- bestattung, di« Trennung von Staat und Kirche, tu« saubere reichs. gesetzliche Regelung des Kirchenaustritts, die Auihebung des Gottes- iosterungsparographen. jede Abschwächung des barbarischen und anti- sozialen§ 218, jede reinlich« Reform des. Eherechts, obwohl alle diese Forderungen auch von tief christlichen Menschen vertreten werden. Die Orthodox-Christlichen bezeichnen aber alles als kulturboljche- wistijch,. was ihnen nicht paßt. wir lehnen eine Sulturdiktakur der christlich-orkhodoren Welt. anfchauung ebenso ab, wie eine atheistische Diktatur, die von den Kommunisten erstrebt wird. Di« christlichen Kirchen haben in der Republik eine hohe privilegiert« Stellung, Sie sind öffentlich-rechtliche Körperschaften, sie erheben mit staatlichen Machtmitteln di« Kirchensteuer, sie erholten groß« staatliche Subventionen, sie beeinflussen entscheidend fast das gesamte öffentliche Schulwesen. Roch mehr kann wirklich nicht für sie geschehen. Wenn sie sich dennoch nicht« zutrauen, mit anderen kulturellen Strömungen im geistigen Ringen fertig zu werden, so ist das ein A r m u t s z e u g n i s.(Sehr wahr! links.) Di« ethische Grund- Haltung und der sittliche Wille in kircheniremden Kreisen ist nicht geringer als in der Masse der kirchlichen Leute. Wir brauchen nur die geistig« und sittliche Haltung unserer sozialistifcheu Jugend u»d ihrer Veranstaltungen zu vergleichen mit den stumpfsinnigen alko- holischcn Vergnügungen und der derben Erotik in ländlichen Gebieten. wo der Kulturbolschewismus nicht einmal dem Rainen nach bekannt ist. Wir Sozialisten lehnen ab. uns unter di« sittlich« Vormundschaft anderer Gruppen zu stellen. Im Ausschuß hat Reichsminister Dr. Wirth sich als Totfeind des Listenwahlrechts bezeichnet. Wenn er dieft Totkeindschast in-Taren umsetzen will, muß er das Verhältniewahlrecht oblchaffen. Dafür wird er keinesfalls eine oersassunpändernde Mehrheit finden. Gewiß ist auch jedes Wohlrecht wie jede Staatsform der Entwicklung unterworfen, aber jeder echte Demokrat wird nur mit großer Vorsicht an die Aeude- rung eines Wahlrechts heranoehen. das mindestens formal demokratischen Zdeaten entspricht. Wir wollen nicht vergessen, daß bisher feit der Revolution noch nie unter einigermaßen' normalen politischen Verhältnissen gewählt werden konnte. Der Minister hat behauptet, das Listenwahlrecht verlchrrlde die politische Ermüdung des deutschen Volkes. Die Wahrheit ist aber, daß unter dem Einmännerwahlkreis der Vor- krieasjahre die Wahlbeteiligung nicht höher war als jetzt. Don 1884 bis 1912 schwankte die Wahlbeteiligung zwischen 60,5 und 84,0 Proj.; 1919 bis 1028 von 61,7 bis 84.4 Proz. Vei den- Länder- und Ge- mcindewahlen hat sich unter dem Verhältniswahlrecht die Beteiligung v e r d o p p e l t und o e r d r e i f a ch t. Die Sozialdemokratie steht einer Wahlresorm sehr kühl und abwägend gegenüber, zumal in B a d c n bei kleinen Wahlkreisen di« Gesamtbcteiligung nicht gewachsen, sondern eher gesunken ist. Die Verringerung der Äbgeordiictcnzahl lehnen wir ab. Es gibt kein großes parlamcntariich regiertes Land, das so wenig Abgeordnete hat wie das Dentjchc Reich und dabei haben die anderen noch Ober- Häuser und Senate. Der Reichstag sollte mehr für Ausklärung über (ich selber sorgen. Wer weiß denn im Volke, daß di« gesamten Aus« gaben für den Reichstag einschließlich Fahrkarten und Vermaltimg nur 8.10 Millionen Mark im Jahr« betragen. Das ganze Reichsparlameut kostet jährlich den zehnten Test eines Vanzerschiffs, lediglich 0.1Z Pf. auf den Kopf der veoölkerung. (Sehr wahr! links.) Dringlich ist die R« i ch» r e f o r m. Di« Regie- rung soll zeigen, ob sie etwas will und was sie will. Van den Länderregierungen und den Lönderparlamenten darf u.on nicht di« freiwillige Abdankung erwarten. Der alte Bundestag mit feinen Gesandten der kleinen und großen deutschen Staaten wäre nie zu einer Reichsgründung gekommen, wenn nicht andere und größere gefchichtlilbe Kräfte eingegriffen Höften. Es gibt in aller Parteien Freunde des Einheftsstaates. Der alle föderalistische Gedanke, für den die deutschen Lebensräum« viel zu klein sind, ist weit zurück- gedrängt worden. Sogar der Zentrumssührer Wilhelm Marx hat jüngst in der christlich-sozialen„Reichspost" in- Wien eine Reichs- reform im föderalistischen Sinn« als ausgescklossen bezeichnet und gefordert, daß die Reichsrezierung die Gestaltung des Länder- fchicksals selbst in die Hand nehmen soll. Für die besten Teil« der deutschen Jugend sind die Ländcrgrenzen erledigt, wir werden jede Reichsregierung unterstützen, die die Reichsreform als das inner- politische Problem von wirklich nationaler Bedeutung entschieden anpackt. Für die Notwendigkeit der Reichsreform ist der Konflikt zwischen dem Reichsinnenminister vvd dem khürin. gischcu Staatsministerium ein neuer Beweis. Wir bedauern, daß Dr. Wirth durch dos schein- bar« Entgegenkommen der thüringischen Herren sich verleiten ließ, die Sperre über die Polizei aufzuheben. Das Borgehen Severings hat sich als richtig, erwiesen. Eine Regierung, in der Herr Frick sitzt, ist für ein Gentleman agreement nicht geeignet.(Sehr wahr! links: — Zuruf von den Rat.-Soz.: Aber mit Ihnen!) Fricks Verfassungs- eid empfinden wir als eine Geschmacklosigkeit.(Zuruf von den. Rat.- Soz.: Und Herr Scheideinann als.kaiserlicher Staatssekretär?) Frick ist nicht nur wegen Bruch des Beamteneides schon einmal oerurteill. (Lärm bei den Rat.-Soz.) Er hat auch nachher jahrelang von der Reichstagstribüne immer wieder mit kaltem Zynismus, mit Haß und Hohn die Symbole und die Führer der Republik, auch die von seinen Geistesverwandten ermordeten beschimpft. Es ist eine Sünde wider den heiligen Geist der Reichsverfassung(Lärmt rechts), einen solchen Mann als Polizeiminister zu dulden. Es ist eine unerhörte Zumutung an das Reich, diesem erklärten Putschisten, diesem gerichtsnotorischen Hochverräter Reichsgelder zur Bewaffnung von Nationalsozialisten in die Hand zu geben.(Sehr wahr! links.) Wir müssen uns von dem politischen Sirolchewismvs von rechts und links freimachen. Jeden Sonntag fließt Blut auf unseren Straßen. Das darf die Staatsgewalt nicht länger dulden. Die nationalsozialistischen Sturm- trupps sind der Wille und die Borbereitung zum Bürgerkrieg Sie werden planmäßig für Bersammlungsschlcuhien und Straßenkämpf« geschult.(Hu, hu! rechts.) Das ist keine geistige Bewegung. Niemals find während des Sozialistengesetzes und des.Kulturkampfes die Sozialisten oder die Katholiken mit solchen Mitteln gegen den Staat vorgegangen.(Sehr wahrl bei den Soz.) Das sind eben kulturelle Bewegungen, während der Götze des Faschismus die Gewall ist. Noch ihren eigenen Worten wollen die Nationalsozialisten der Repu- bllk die Lust abdrücken Gegen ein« solche Bewegung ywß. die Staatsgewalt und muß.die Justiz.h art un h arbarm u n..g sl os vorgehen Alle bürgerlichen Parteien, das.Zentrum.rocht.ganz aus- genommen, sind' gegen die' NätionäffoziaWen' schwach. Das hat seinen guten Grund. Wer die NationglfckziÄisken nichsiMr negatio betrachtet, sieht. Laß......""' In Deutschland eine Massenbewegung ohne soziasistlfch« Forde- rungen und Ziele nicht mehr möglich ist.(Sehr wahr! bei den Soz.) Der monarchische Gedanke hat jede parteibildende Kraft verloren. Der Nationalismus allein zündet nicht mehr. Di« Proletarisierung der Intelligenz, des Mittelstandes, der Bauern sucht nach neuen ideologischen Ausdrucksformen. Man predigt gegen den Marxismus, aber die Zersetzung der allen bürgerlichen Parteien ist eine glänzende Rechtfertigung der marxistischen Methodik. Die alten bürgerlichen Parteien wanken, weil ihre allen ökonomischen und sozialen Grundlagen erschüttert sind. Man kann eine soziale Umwälzung nicht mit alten Parteiprogrammen aushallen. Der Kampf zwischen Besitzenden und Besitzlosen, zwischen wirtschaftlich Bevorrechteten und Entrechteten ist nun im Lager der bürgerlichen Parteien selbst ausgebrochen. Dieser großen geschichtlichen Erschei- nung wollen wir Sozialdemokraten nicht nur tnter«ssi«rt zuschauen. In den großen sozialen und kulturellen Erneuerungen, die wir Hexan. nahen sehen, streben wir nach der Führung. Millionen sind erwacht und auf dem Marsche, wenn auch zunächst auf Irrwegen. Millionen haben den Glauben an den Bestand der kapitalistischen Welt verloren. Millionen bisher bürgerlich denkender Menschen empfinden das Wort von einer göttlichen Gesellschaftsordnung als Höh n. Millionen dieser Menschen sind aber auch in Gefahr, in eine nihilistische Ber- zweislung zu verfallen. Es ist die geschichstiche Aufgabe der Sozlaldemorkatte. diese neuen Schichten des prolelarlsierleo Arbeitvoolks aus Ihren blutigen Gewaltlräumen ZU befreien und ste für den sozialistischen Gesell- jchafls- und kulluraufbau zu gewinnen. Die Sozialdemokratie kennt diese Ausgabe und sie wird sie verjüngt im Kampfe lösen. (LÄhaster Beifall der Soz.— Zuruf von den Not.-Soz.: Diese Rede muß öffentlich angeschlagen werden!) Abg. Dr. Spahn(Dnat.): Kein Mensch in der Regierung weiß heute, wie sie ihr« Ausgaben lösen soll. D'e Innenminister der früheren Regierungen waren entschieden Persönlichkeiten Der jetzige Reichsinnemmnifter hat ohne jeden Anlaß Maßnahmen gegen Thünngen ergriffen, ehe die thüringisch« Reaievung Stellung nehmen konnte. Das Zentrum hat-im Preußischen Landtag von Un- ehriichkeit der Sozialdemokraten gesprochen, als. sie das Kultus- Ministerium besetzten Ebenso unehrlich ist aber die wesentlich schikanöse Politik des Reichsinnenministers gegen recht». Der Redner spricht gegen di« geplante Ctitführmv des Reichsbürgerrechts und gegen die Reichspereinlieiillchuna. Er nennt Soll- manns unbedingtes Bekenntnis zum vollen Unitarisnurs ein Ge- fahrensignal. Die Beamten werden durch Großkavital und freie Gewerkschaft zu bloßen Staatsdienern erniedrigt, Sie die Hauptvplser der Wirtschaftsnot tragen sollen. Der Redner empfiehlt die Arbeitsgemeinschaft zwischen Unter- nehmern und Gewerkschaften als Vorstufe zum Ständestaat und den Ausbau der SeldswerwaltungsErver an Stelle des ver- sagenden Parteiewparlamentarisimls. Di« Volkskonservativen wollen die Staatspartci der deutschen Republik werden, aber auf der Ebene von 1918 und Versailles, und ohne die Empörung des Geistes, ohne die Versailles nicht beseitigt werden kann. In nationaler Beziehung sind wir mit den Nationalsozialisten einig.(Hört! Hörtl links.) Die Räunnlng des Rheinlandcs ist kein« Befreiung. Durch die Saar- Verhandlungen will man dem Rheinland wirtschaftliche' Fesseln statt der militärischen auferlegen. Reichsinnenminister Or. Wirth polemisiert gegen Dr. Spahn, der ihm zu Unrecht schikanöse Politik vorgeworfen habe, so in der Frag« des S t a h l h e l m v« rb o ts. Dazu sagt der Minister: Ich habe Gelegenheit gehabt, mit Herrn Reichskanzler Müller darüber zu reden, was er mit diesem Verbot und mit der von ihm eingeleiteten Politik zur Aufhebung dieses Verbots beabsichtigte.(Hört, hört der Komin.) Es ist ja schon be- kannt geworden, daß Besprechungen darüber zwischen dem Reichs- Präsidenten, dem Reichskanzler Müller und dem preußischen Ministerpräsidenten geführt worden sind, und daß der preußische Ministerpräsident sich auf di« Bitte des izerrn Reichspräsidenten bereit erklärt hat, die Führer des Stahlhelms zu empfangen(Hört, hört der Komry.):-sie haben sich jedoch bis jetzt beim preußischen Ministerpräsidenten nicht gemeldet. Es ist doch nicht gut, in einem solchen Stadium Angrisse auf uns zu erheben. Ich bitte, doch auf die taktische Lag« Rücksicht zu nehmen. ..Für morgen haben sich bei mir. Vertreter der evangelischen Elternschaft zur Besprechung über die Schulfrage angesagt. Es wäre mir eine Ehre,«inen Reichsschulgesetzentmurs einbringen zu dürfen, aber es ist doch bekannt, welche hestlgen Gegensätze in dieser Frag« zwischen der iiberalen Deutschen Volkspartei und den positiv christlichen Parteien bestehen, zu denen ich auch das Zentrum rechnen darf.■ Das Zentrum hat stets seine schützende kjand über die kon- sessiouelle Schule gehalten. Der Zeitpunkt zur reichsgeseh- Nchim Regelung ist noch nicht gekommen, aber wir sollten doch Toleräftz für dii verschiedenen Schulart« haben.'• Auch in der thüringischen Schulgebetfrag« bin ich nicht schikanös vorgegangen. Gerade evangelische. Theologen leb neu dies« Schulgebete misch' eben ab. und bezeichnen es als durchaus richtig, daß ich dies« für unser Dersassungsleben bedeutsame Frage vor den Staatsgerlchtshof gebrocht Hab«. Was heute in Thüringen möglich ist(Zurus der Not.-Soz.: Wird sich morgen in Sachsen wilcheryolen!), kann bei einer kommenden Wahl leicht jus Gegen- teil umschlagen. Der leider verstorbene Pros. v. Harnock hat mir gegenüber betont, daß diese Gebetanempsebluna die sittlichen Werte unseres Volkslebens berührt, die der Radikalismus zu verwüsten, droht.(Abg. Dr. Goebbels jNat.-Soz.I: Ein getrvftener Hund bellt!) Es ist nicht richtig, daß die sich getr offen Fühlenden sich ge- meldet haben.(Goebbels: Nehmen Sie»och die jüdisch« Presse!) In der amtlichen Empfehlung Fricks steht, daß diese Gebet« sich gegen „art- und volksfremde- Elemente" richten.(Goebbels: Sehr richtig!) Sie richten sich gegen die Weimarer Verfassung, gegen Geist und Sinn des von Dr. Spahn verherrlichten deutschen Volkstums, gegen ganz« Gruppen unserer Volksgenossen.(Goebbels: Dos sind keme Volksgenossen!) Darauf gebe ich keine Antwort Katholische und evangelisch« Kreise lehnen dies« Gebete aus das entschiedenste ob. (Andauernde Zurufe Goebbels', die Vizepräsident Esser einzustellen bittet.) Der Artikel 148.2 der Verfassung schreibt vor. daß die Gesinnung Andersdenkender nicht verletzt werden darf, und diese Ve- stinunung ist auf Antrag der Deutschnationalen hinein- gekommen. (Goebbels: Und unsere Empfindungen? Die sind natürlich vogel- frei,«wer die Empfindungen der Juden müssen geschützt werden.— Ordnungsruf.) Ihre Empfindungen sind nicht vogelfrei, aber Sie Hakenkreuz-Wannsee.* K Ct* lächelt der See- er ladet zum(Dlut-) Bade!(Lch.tter, Tech) Ein Tag Landtag. Finanzausgleich-(Schulgelderhöhung- �uhegelderhöhung- Grundvermögenssteuer. Der Preußische Landtag ist am Montag zu einer eintägigen Tagung zusammengekommen, die notwendig war, um einig« erste Lesungen vorzunehmen. Es handelte sich um gesetzgeberische Gegen- stände, die in der nächsten Woche vor der Sommerpause des Preußischen Landtages noch endgültig erledigt werden sollen. Die Sitzung begann mit zwei häßlichen kommunistischen Theaterakten. Bei dem Nachruf des Präsidenten auf unseren ver- storbenen Küjährigen Genossen Emil Faber. einen der ältesten und verdientesten Vorkämpfer der Arbeiterbewegung, blieben die Kommunisten demon st ratio fern. Danach erschienen sie ge- schlössen im Sitzungssaal und beantragten, aus die Tagesordnung einen kommunistischen Urantrag zu setzen, wonach der Preußische Staat zwecks Unterstützung der Mansselder Ausgesperrten der revolutionären Gcwerkschaftsopposition größere Beträge zur Der- fügung stellen sollte. Für eine revolutionäre Opposition ein imnier- hin etwas merkwürdiges Verlangen an den Staat! In der Aeltesten- ratssitzung, die genau eine halbe Stunde vorher stattgefunden hatte, hatten die kommunistischen Vertreter kein Wort davon gesagt, daß sie eine Beratung des Mansselder Antrages wünschten. In der Tot wünschten sie sie auch gar nicht, sondern machten eben nur das übliche Theater, als die Sogiasdemokraten den selbstverständlichen Widerspruch gegen die Beratung dieses Antrages erhoben. Aus der Tagesordnung stand zunächst der preußische Finanzausgleich für 1930, der«inen neuen Schullasten- ausgleich zugunsten namentlich der tleineren und ärmeren Ge- meinden und eine Neuverteilung der Krastfahrzeugsteuer vorsieht. Einen durchgreifenden Finanzausgleich kann Preußen natürlich nicht vornehmen, ehe nicht einmal im Reich eine endgültige Finanz- ordnung erreicht ist. Immerhin wird dieser provisorische Finanz- ausgleich, wie Genosse Szillat mit Recht anerkannt«, vielen Ge- meinden die Verabschiedung des diesjährigen Haushalts wesentlich erleichtern. Ebenso wie diese Borlage ging ein Antrag der Regi«rungs> Parteien auf Heraufsetzung des Schulgeldes bei den höheren Schulen auf 240 M. im Jahre an den Hauptaus- schuß. Während beim Finanzausgleich die Rechtsparteien sich für die Steuerdrückeberger und Kapitaloerschicber begeistert und Kopf- steuer, sowie rücksichtslosen Angriff auf die Arbeiterversicherung empfohlen hatten, spielten sie in der Schulgeldfrage plötzlich die Mittelstandssreunde: der Mittelstand könne die Belastung durch höheres Schulgeld unter keinen Umständen tragen. Zu ihrem Pech ließ die Wirtschaftspartei erklären, daß sie sich mit Rücksicht aus die Genieindefinanzen dem Antrage der Regierungsparteien auf die Schulgelderhöhung anschließe. Am Schluß der Sitzung wurde die Notoerordnung über die Grundvermögenssteuer erledigt. Die Wftimmung findet erst am 25. Juni mit den anderen entscheidenden Ab- stimmungen statt. Nächste Sitzung Dienstag, den 24. Juni 1930. haben die Freiheit dieser Republik mißbraucht. (Lebhafte Zustimmung links und im Zentrum.— Goebbels: Genau wie Ihr« roten Genossen im Kaiserreich!— Mitleidige Heiterkeit.) Der Minister stellt dann noch Betrachtungen über republi- konischen Konservatismus an. lehnt es ob, außenpolitische Fragen zu besprechen, wie z. B. den Anschluß und das Wiener Studenten- rechts, weist Spahns Ausfälle gegen Lriauds Memorandum über Paneuropa zurück lnid schließt damit, daß die nächsten Tag« Gelegenheit geben werden, z. B. bei der Osthilf«, zu zeigen, ob man staatskonscrvatio sei oder nacb anderen Erwägungen handele. Er werde auch in der weiteren Debatte aus alle Fragen Rede stehen.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Schreiber(Z.): Wir sind gegen Ausnahmegesetze, ver- neineu aber, daß extreme Stoatsfeinde' Polizeiministcr werden können. Es wäre" Selbstmord, wenn das Reich nicht die Kontrolle über die Verwendung der Poiizeizuschüsie behielte. Was von der Reichswehr verlangt wird, muß auch für die Polizei gelten. Die gesunde föderative Idee darf nicht dazu mißbraucht werden, daß politische Mordbanden bei der Polizei' Unterstützung finden. Wer den politischen Kampf mir Fäusten, Messern unß Schlagringen führt, darf sich nicht aus die Freiheit berufen. Di« Langmut der Republik ist viel zu groß. Di« thüringischen Schul- gebet« sind versassungswidrig und gemeinschastszerstörend Wohin kommen wir, wenn jeder Regierungswechfe! neu« Schulgcbct« bringt? Di« antiporlamentarische Stimmung, die im Volk um sich greift, ist auf die Zustände in der deutschen Innenpolitik zurüchzu- sühren. Wir verfolgen die Politik der Sammlung in einem Block der Mitte mit Interesse. Wir gedenken unsere Selbständigkeit zwar nicht aufzugeben. aber den Miltelblock zu fördern. Es sil ein verdienst der Regierung Brüning,&e Frage nach den Machlgrenzen eines richtig verstandenen Parlamentarismus zum erstenmal wieder gestellt zu hoben. Wir bedauern die wachsende Verächtlichmachung und Herabziehung de» Religiösen! dieses braucht keinen Polizeiknüppel zum Schutz (Zuruf der Komm.: Ihr verlangt ihn aber!), aber die verfassunas- mäßigen religiöfen Balksrecht« müssen erhalten bleiben. Wir oe- dauern die Riederstimmung des Antrags auf Schutz des Religiösen durch die Sozialdemokraten im Houshaltsausfchuß. Abg. Maslowski(Komm.): Gegen das rote Sachsen haben Soll- mann und Ebert die Reichsexekutioe ausgesandt: was geschieht gegen Thüringen? Die Unterstützungssummcn des Reiches für Heraus- gäbe theologi fcher und philosophischer Werke sind ISmal so groß als für physikalifche und achtmal fo groß als für biologische Werke. Ge- ichichtliche Forschungen mit Reichsunterstützung bearbeiten vielfach theologifche Fragen, und u. a. auch' die Liebesbeziehungen Wilhelms I.(Heiterkeit links.) Die Weiterberatung wird um 19,20 Uhr auf heute 12 Uhr vertagt. Oer bittige Tarif. Was sich Nazis für 400 Mark(Strafe leisten können. Das Erweiterte Schöffengericht verurteilte heute morgen den Nationalsozialisten Elektromonteur Fritz Marrenbach aus Brüchermühle im Kreise Waldbröl als den verantwortlichen Schrift- leiter des„Oberbergischen Boten� wegen Belcidignung des früheren Innen mini st er Grzesinski zu drei Wochen Gefängnis, die gegen eine Geldbuße von 400 M. aufdrei Jahre ausgesetzt werden soll. Das Blatt des Angeklagten halle am 20. Januar unter dem Bild des Ministers einen Aussatz veröfsentlicht, in dem es hieß: „Man betrachte sich nur einmal dos Gesicht dieses Arbeitersührers und jeder Kommentar ist überflüssig", ferner„Bebel(?) hat einmal gesagt, mit dem Ausnahmezustand kann jeder Esel regieren, heute aber gibt es Minister, die nicht einmal mit dem Aus- nahmezustand regieren können". Kommunist Temmels vor Gerichi. Der kommunistische Reichstagsabgcordnete Hermann Rem- m e l e, gegen den ein Verfahren wegen Vorbereitung zum Hoch- verrat schwebt, ist auf Anordnung des hiesigen Untersuchungsrichters des Reichsgerichts diesem am heutigen Montag morgen vor- geführt worden, weil er zu einem Termin am Sonnabend, dem 14. Juni, trotz ordnungsmäßiger Ladung ohne ausreichende Ent- schuldigung f e r n ge b l i t b e n ist. Er ist nach kurzer Vernehmung entlassen worden. Der Reichstags hat bekanntlich die Genehmigung zur Durchführung des Verfahrens und notfalls auch zur zwangsweisen Vorführung ge- geben. parieiiagderlettischenGozialdemokraiie Das neue Parteiproqramm Riga, Mitte Juni.(Eigenbericht.) Die Sozialdemokratisch« Partei Lettlands trat zum 15. Partei- tag zusammen, der eine besondere Bedeutung dadurch erhält, daß aus ihm das vom Zentralkomitee der Partei entworfene neue Parteiprogramm zur Beratung gelangt. Die Tagung wurde vom Parlamentspräfidcnten Dr. Paul K a l n i n s ch mit einer Begrüßungsrede an die Delegierten eröffnet. Lettland durchlebe eine Periode scharfer Reaktion, so führt« Dr. Kalninfch aus, um fo mehr müsse die Arbeiterklasse und ihre Partei festgefügt und geschlossen dos mit Blut und Gut Erkämpfte, insbesondere die bedrohte soziale Gesetzgebung verteidigen. Dem seit dem letzten Parteitag verstorbeiren großen Dichter des lettischen Arbeitsvolkes, I a h n i s R a i n i s, widmete die Versammlung Äugenblicke schmerzlichen Ge- denkens. Im Namen der estnischen Bruderpcrt«, begrüßte der frühere Ministerpräsident Estlands, R e i, die lettischen Genossen. Besondere Aufmerksamkeit fand der aus Litauen eingetroffene alte Vorkämpfer des Sozialismus im Osten Vaclav B e l s k i, der be- dauerte, immer noch nicht im Namen der gesprengten und auf- gelösten sozialdemokratischen Partei Litauens, sondern nur im Aus- trag des provisorischen Zentralkomitees sprechen zu können. Von Deutschland hatte im Namen des Parteivorstandes Genosse Wels einen Glückwunsch gesandt. Nach den Referaten und Debatten über die aktuellen politischen und organisatorischen Fragen folgte der Höhepunkt der diesjährigen Tagung, das große Referat Felix Zeelens' über das neue Parteiprogramm. Bisher war noch immer das alte, aus der russischen Zeit stammende Parteiprogramm in Kraft, welches im Jahre 1904 dem Partettag vorgelegt und 1905 angenommen worden war. Es war dann im Lause der Jahre durch Resolutionen der Parteitage ergänzt worden, besonders war die Agrarpolitik, die im alten Programm völlig fehlte, durch die Resolutionen von 1917 und 1918 ausführlich behandelt worden. Das neue Programm soll nun den gänzlich veränderten Verhältnissen Rechmina tragen und durch Festlegung neuer theoretischer und taktischer Nicht- l i n i e n die Kampfbasis der Partei bilden. Es entstand in An» lehnung an dos Linzer Programm der österreichischen Sozialdemo. kratie. Das neue Programm zerfällt in drei Teile. Im ersten Haupt- teil werden die grundlegenden Definitionen und Richtlinien unter der Ueberschrift„Kapttalismus, Klassenkampf und Sozialismus" be- handelt. Von Bedeutung ist hier besonders der Abschnitt„Die Ar- beiterklasse und die Staatsmacht". Es wird hier vor allem sestgestelll, daß die letttsche Arbeiterklasse im Verein mit den Landlosen die republikanssch-demokrotische Staatsordnung er- kämpft hat. Ferner wird die Ergreifung und Ausübung der poli- ttfchen Macht im Staate behandelt, dagegen ist von der Teilnahme der Sozialdemokratie an Koalitionsregierungen mit bür- gerlichen Parteien im Programm nicht die Rede. Dies« rein tattische, von Fall zu Fall zu entscheidende Frage gehört nach Ansicht Zeelens' nicht in das Parteiprogramm, sondern bleibt den Em- schließungen der Parteitage überlassen. Der zweite Hauptteil be- handelt die nächsten Ausgaben der Partei und enthö.It u. a. ein wich- tigcs außenpolitisches Programm, dessen Hauptpunkte fol- gende sind: enge wirtschaftliche Beziehungen zu Estland und Litauen: wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Rußland: Abstinenz Lettlands von ollen außenpolitischen Kombinationen, die das Land in die Gegensätze und Zusammenstöße der Großstaaten verwickeln könnten: Eintreten für dos Schiedsverfahren zwischen den Völkern: Reu- tralisierung Lettlands: Adrüstung. In der Wirtschosts- Politik tritt die Partei für einen stufenweiscn und internationalen Abbau der Zölle ein. Besonders ausführlich und in die Einzelheiten gehend ist dos sozialpolitische Programm ausgearbeitet. Ein besonderer Abschnitt behandelt die Rechte und den Arbeitsschutz der Frau. In dem Ab- schrillt, welcher Religion und Kirche behandell. heißt es ausdrücklich, daß die Sozialdemokratie alle diejenigen vereinigt, welche gegen die Macht des Kapllalismus kämpfen wollen, ungeachtet ihrer religiösen Ileberzeugung. Also völlige Toleranz jeder Ileberzeugung gegenüber, wirkliche Gewissensfreiheit. Ein ga neues Thema des sozialistischen Parteiprogramms bringt der Ab- schnitt über die national-kulturellen Rechte der Minoritäten. Dos Parteiprogramm gibt hier als oberste Richtlinie die völlige kulturelle Gleichberechtigung der nationalen Minderheiten mit dem Mehrheitsvolke, eine Forde- rung, die in Lettland ja bereits verwirklicht ist, nicht zuletzt durch den Einfluß der Sozialdemokratie. Das Recht auf den U u l c r> richt>» der Muttersprache, die Sicherstellung von össent- lichen Mitteln nach Maßgabe des Bevölkerungsanteils und ähnliche Richtlinien einer loyalen Minderheitenpolitik weiden hier feierlich verbrieft. Der dritte Hauptteil endlich behandelt in ausführlicher Weise die Agrarpolitik und die soziale Lage der Landbevölkerung. Wir sehen in dem neuen Parteiprogramm der lettischen Sozialdemokratie den gelungenen Versuch, die wirtschaftlichen und poiiti» sehen Verhältnisse und Probleme unserer Zeit auf eine allg.-neine und für längere Zeit gültige Formel zu bringen, um so iür die Tages-fragen des politischen Kampfes theoretisch und grundsätzlich gerüstet zu sein. (Gewerkschaftliches siehe t. Beilage.) Verantwortlich'llr Politik: Dr. Sur!»«irr: Wirtschaft: S. Stlinacliibfei; lSrwcrkschaitZbewegung: 3. Steinet: Feuilleton; ft. S. Dölchcr: Lokales und SonNiaes Fri»«arftadt: ZIn, einen: 5b. Slotfc: lamtlich in Berlin. Ottlafl; Borwarts-Berlag®. m d. S).. Berlin Druck: Borwärls-Buchdruckerrl und Beriaasanstalt Paul Sinqer u. Co.. Berlin 6W. 68. Lindenltrake 3. Kieriu 2 Beilagen. Preise nur Diensten und Mittwoch. Fleisch und leichtverderbliche Waren sind vom Versend auspeschlossen t Obst und Gemüse Kirschen............................. pid.38p{. Erdbeeren........................... m48pf. Bananen........................... 2PM.95pt Radieschen......................«Band IQpt Stachelbeeren unreife........... 2 pid. 33?'. Rhabarber......................... apid. 12pk. Salat............................... 3 Kopfe 12Pf. Wirsingkohl frisch................. 3Ptd. 25pf. Möhren............................ 3Band25pt Schot m............................... Pfd. ISpl Kohlrabi........................... Mandel 1 2Pl. Neue Kartoffeln................. sptd. 62pl Fische u. Räucherwaren "Leb. Schleie...............Pfd.von92pi.»n *KabeljaU ohne Kopf, Im ganzen..... Pfd. 1 7 Pf. 'Rotbars o-f-r'Merlan........... Pia. 17Pf. 'Fischfi'et..................... ,..pfd.30?f. 'Zander»nfroron............ 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Pfd. 1,62 Kenserven— Konfitüre Aprikosen>/, Prncht..............>,.vo«s 1,10 Kürbis.............................."/i Pos» S5pf. Kalif. Pfirsiche.................. v.vc« 1,45 Ananas Singapor», 8 Scheiben..... Vi voae 95pf- Pflaumen-Konmüre...... Eimer ca. 2 Pfd. 90Pf. Johanmsbeer-KonfitOre, Eimer ca 2 Pfd. 1,15 Himbesr�Kirsch-xonf., Eimer ea.2Pfd. 1,30 Erdbeer. KonfltDre........ Eimer ca. 2 Ptd. 1,40 Ananas- KontitD.-o......... Eimer ca. 2 Pfd. 1,45 Vierfruchlmarmelade Eimer ca. 2 Pfd. 85pf. Koiomalwaren Bruchreis............................. Pfd. 18pf. Moulmain-Reis.................... Pfd. 30pf. Bluerose-Reis...................... Pfd. 36p(. Weizengriess..................... Pfd. 30?« Hartweizengriess................. p/d 34pi. Eierschnittnudein................ Pfd 50?« Backobst............................ Pfd 53p« Kafiee.......................... Pfd. von 2,1 0 an Frisches Fleisch Schweinebauch ohne Benage.......... p«. 92?« Schweineschulterblatt............ ph. 98?« Kassler Rippchen.................. pfd 1,04 Eisbein mit Spitzbeingep6k.1t.....?». 43?« Berliner Bratwurst................... pfd 96?« Rückenfett bratfemg...................... Pfd. 64?« Schweineköpfe mit Backe..... p« 36?« Kalbskamm ohne Beilage.......... Pfd. von 9 DP« an Kalbsschnitzel.................. Pfd von 2,30an Kalbsrolle.......................... pfd von 1,49 an Hammelvorderfleisch....... pfd von 1,93 an Suppenfleisch................... pm. von 73?« an Gehacktes................................ phSSp« Hackepeter mit Geno«................. pm. 1,99 Rinderbacken ohne Knochen, frlach..... Pfd 48p« Rinderlungen friac...................... pm.34pl Rinderherzen frisch..................... pfd 54?« Euter frisch.................................. pm. 24?« Gulasch..................................... pm. 89?« Schweinenieren tnsch................. pm. 73?« GefrterH�lssh Ham melvordertiGisch grcfroren,PM- v. SSpf.an Hammelrücken pefroren............... pm.£8?f. Wild und CSetiüsel Hühner gefroren.................... Pfd VON 82?« an Hühner frisch geschlachtet........... PM. von 1,98 an Rehblälter......................... pm, von 95?« an Aus unserer Weinabtekiung: Rtieinpfäizer Riesling in sehr ��99 guter Qualität, Befreiungswein � Fröhliche-We.inberg einechir i ytr. 2T7* 4T. Lahrgong 1. Beilage des Vorwärts vienSiag, 17. Luni 1930 Sinslein spricht flaum, Zk&ih&v und. Feld in der Physik. 2fuf der 5nl«r nationalen Weltkraftkvnferenz, tve am Montagvormittog eröffnet murde�hielt den entenHiMptoortrag> Zllbert Einstein über„Raum, Ae t st« r und Feld in der Nhysik". Dem Fwg Einsteinscher Gedanken zu folgen, zumal in der kurzen Zeit eines Vortrages, ist selbst für mathematifch und zchysikalisck) durö�gebildei« Fachleute äustersi schwer. Der Vorsitzende, Oskar von Miller, betonte denn auch, bah leibst er, da er aus aller Zell stamme, Schwierigkesten Habs, um in olle Fsinhestcn ter neuen Gedanken eirchrmoen zu können; aber dem Mann, der dies« neuen Gedanken selbst gedacht, sie erläutern zu hören, werde für alle, selbst wenn sie ihn auch nicht völlig verstehen/«in« Er» innerung für das ganze Leben fein. Für den Laien müssen wir rms mit dem Versuch begnügen,«inigennagen verständlich zu r rächen, um was es sich eigentlich handelt. Der Raum ist nicht ousgefakst worden als ein reales Physik kalisches Gebilde, sondern als die allgemeine Anschauung« form, in der sich olle körperlichen©rösten befinden und in der olle Veränderungen an ihnen vorgehen und in zeitlichem Verlause abspielen, rl>ne daß der Raum selbst irgendeiner Veränderung oder Beein- flusiung unterliegt. Allerdmgs iostt sich der in der klassifdjen Mechanik Newtons so wichtige Begriff der Beschleunigung aus bloßen Logebeziehungen nicht ableiten, und msosern spielt der Roirm bei Newton die Rolle von etwas. Physikalisch-Reolem, was ihm s.lbst wohl bewußt war, von den Späteren aber übersehen wurde. Als im ld. Jahrhundert die Wellonnatur des Lichtes er- lcmnt war. kam noch der Bsqrifs d«? Aethers als Träger der Lichtwellen hinzu. Er sollt« stofflicher Natur sein, ein Rontinuum l/usommenhängendes), während olle Stoffe als aus kleinsten ge- trennten Teilen bestehend anfgefastt werden. Als dorm durch F o r a d a g und Maxwell für die elektromagnetischen Er- s cheimmgen der Begriff des elektrischen Feldes einge- f ihr! wunde, faßte man den AetHer, der sich gegen den obloluten fvaum gar nicht bewegen sollte, als den Träger der elektromagne- tschen Austandsänderungm auf. Es Höste nahe gelegen, ihn voll- kommen mit dem Raum zu idcntiiizieren. Das Vorurteil von der absoluten Rastir des Raumes oerhinderte das. Erst die Relatt- nitötstheorie tat diesen Schrill. Durst) sie Hot der Raum feinen absoluten Charakter völlig verloren, er Ist nicht unbeein'luhbar und unveränderlich, seine struktur wird vielmehr durch die in ihm enthaltenen Massen be- s immt und durch deren Veränderungen mit verändert. Es scheint sogar, daß er im Begriisc steht, wie er AetHer ui�iZ Hell ocrjchlinv rrn Hot, lo auch, wie Einstein sich ausdrückt,„das Feld und die /»arpuskeln lStonteilchent zu verschlingen, so daß er als alleimger fitcpräsentant d-r Realität übrig bleibt.' Wafferrecht und Völkerrecht. In der dritten Fochsitzung des gestrigen Nochmist igs erörterten der Präsident des Oberverwallungsgerichtes P. Schlegel berger imd F. Vi i I k e unter Vorsitz von Prol. Haas-Deutschland wasser- rechtlich« Fragen. Die Fortschritte der Technik hätten eine immer intensivere Ausnutzung der Wasserschäg« sür di« För- i erung der Volksgesundheit, sowie sür die Landwiktschast Krafterzeugung und Schiffahrt ermöglicht. Durch Qiaatsverträge suche man den Schwierigkeiten zu begegnen, die sich aus der Verschiedenhest gesetzlicher Vorschriften mehrerer an einem nwsscrroiitjchafüidjcn System beteiligter Länder ergeben. Es wurde vorgeschlagen, der nächsten Völkerrechtskonserenz folgend« Entschließung durch den Geschöstssührenden Zlusschuß der Weltkraft. souserenz zuzulesten: Im Geiste wissenlchastlicher Solidarität würde es die Aweite WeUkraslkonferen.z begrühen, wenn Nachbarstaaten auf Verlangen eines von ihnen sich über die Einsetzung gemischter, technischer, internationaler Kommissionen zum Studium der völligen Ausnutzung solcher Ström« und Flüfle einigen würden, deren Ge- wäller der Allgemein heit nutzbar gemacht werden können.' -«, Der Dank der Welkkrastkonserenz. Im Rahmen der Ansprachen der ausländischen.Konferenzteilnehmer verlas der stellvertretend« Vorsitzende des internationalen.lhauptousschusies der Weltkraft- konferenz, Dr. T i s f o t. ein Telegramm der Konferenz an den Rcichspräsidentcu von chindenburg. in dem die Konserenz Kern Reichspräsidenten und dem deutschen Volke für den überwältigende!- Empfang ihren Dank ausspricht. Trauerfeier sür Harnack. Dem Förderer des neuen Siaoiesc. Im Harnack-Haus zu Dahlem gedacht« gestern die Ees.-llschefi zur Förderung der Wissenschaften ihres tot-n Gründers und Prost- denten Adolf von Harnack. Haydns Adagio leitete die Feier ein, an d«r die Vertreter von Reich, Staat und Stadl, von Wissenschaft und Politik in großer Aalst teilnahmen. Staatsminister o. D. Schmidt- Ott würdigte die Ver- vienste Harnocks um die Gesellschaft zur Förderung der Wissen- schoften. Uistr dem Motto:„Von einer Form der Unsterblichkeit in die andere übergegangen' sprach Professor Lietzmann für die Akadenv.e der« Wisienschaften und die Berliner Universität.„Nach der Revolution', so sagte Lietzmann,„förderte der Tote die Zu- sammensossung oller positiven Kräfte; es war ihm unmöglich, ab- feits zu stehen uns seine Mitarbeit zu versagen". Für den Reichspräsidenten und. die Reichsregierung nahm Reichsinnennrivister Dr. W i r t h das Wort.„Wir betrauern den großen Patrioten, den väterlichen Freund in trüben Nachkriegs- tagen, den vertrcmtrn Berater unseres ersten Reichspräsidenten F r i e d r i ch E b e r i. Er gab uns, er gab R o t h« n o u und mir i.cuen Mut und neue Kraft, dos letzte und köstlichste Gut. dos wir hatten, die deutsche Einheit zu bewahren. Weil er den Absturz des Kriegsousganges>n seiner ganzen Größe ertannt balle, konnte er sich in den Dienst des Neuen stellen mit dem Bekenntnis: Nun beginne« wir wieder von vorne! So unterstützte er uns, als wir durch die llöeimarer Verfassung eine neue Grundlage zum Auf- bau bildeten. An seiner Bohre verspricht die Reichsregierung, fein Lieblingswcrk, die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, zu schützen, zu pflegen und zu sichern.' Der preußische Minister sür Wisienschait, Kunst ünd Polksbil- dung, Dr. Grimme, dankt« Harnack im Namen Preußens..Har- nacks Ziel war der hannomschc Mensch. Er war ein Muster für die Einheit von Welilretrachwng und Wcltgestoltung in sinnender rntd zugleich totersüllter Menschlichkeit, lieber dos einzelne hinaus mar sein Blick immer auf das Totale gerichtet, und ja wurde er durch die Größe seiner Persönlichkeit ein Lehrer der Menschen." Der Generaldirektor der preußischen Staatsbibliothek, Geheim« rat K r ü ß, pries die Arbeit Harnack«, die er in feiner fünfzehn» fahrigen Tätigkeit als Leiter der Staatsbibliothek leistete. Für die Sehüler des Taten sprach der Lizentlat Dietrich Bonhoe'fer. Beethovensche Musik endete die Gedächtnisfeier. Hat Berlin genug Wasser? Höchster Tagesverbrauch pro Kopf 231 Liter! Der ravid steigend« riesenhafte Wasserverbrauch der Beichshaupstlodi erfordert einen dauernden Ausbau der Städtischen Wasserwerke. Obgleich die Anlogeu von llahr z» Jahr modernisiert und vergrößert worden find, muß man setzt schon wieder damit rechnen, daß sie bei gleichbleibendem Ansteigen des verbrauche? den Ansorderungea lu den solgenden llohren nicht mehr genügen werden. Man hat daher für 1930/31 ein neue« großzügiges vauprogromm ausgestellt, da» insgesamt 21 Millionen Mark erfordern wird. Zur Deckung diese» Programms wird mau nebe» der Heranziehung der lausenden Mittel eine neue Anleihe bis zu 12 Millionen Mark aufnehmen müssen. In welch starkem Motze der Masierverbrauch in Berlin zu- genommen hat, zeigt die Tatsache, daß.im Jahre ISN der höchste Tagesverbrauch pro Kopf der Bevölkerung 189 Liter betrug, im Jahre 19-29 war der Verbrauch bereits auf 231 Liter an den beißen Tagen angestiegen. Es ist anzunehmen, daß di« äugen- blicklich herrschend« Hitzewelle den Verbrauch in diesem Jahre erneut stark anschwellen lasten wird. Die Wasserwerke müssen nun ihre Anlagen so ausbauen, daß si« selbst bei größten Anforderungen nicht in Schwierigkeiten kommen. Durch da» Bauprogramm fall die Gesamtleistung auf eine Million Kubikmeter pro Tag erhöhl«erden. Damit würde man sich dorm ein» weitgehende Reserve gegenüber dem rapiden Ansteigen des Wastevbedarfs für die nächsten Jahre schaffen. Di« Gründe für die Steigerung des Dasterbedorfs liegen in dem Wachsen der Bevölkerungsziffer infolge Au. zuges, in der zunehmenden Vertneitiing der Warmwasserversorgung und der Badeeinrichtungen und in der immer mehr wachsenden Ausdehnung der Siedlungstät-gkeit. Diese Faktoren wirken sich hauptsächlich in dem Spitzenverbrauch an einzelnen Sommertagen au», für die die Gesamtleistung der Wasserwerk«, um dem Verbrauch standhallen zu können, bemessen werden muß. Der fortschreitende Wohnungsbau, die fortschreitende Besiedlung des Stadtweichbildes und das Wachsen des Wasserbedarfs im allgemeinen erfordern erhebliche Erweiterungen des Rohrnetzes. Dos Bauprogramm sieht auch die Erwesterung des Werkes Wuhlheide und einen Ausbau des Werkes Tegel vor. Daneben sollen die Anlagen in Lichtenberg, Spandau und K a u l z. d o r s modernisiert werden. Allein für den Ausbau des Rohr» netzes werden Ist Millionen Mark beansprucht. Fi» den Ausbau des Wasserwerkes bei der Wuhlheide find 1,5 Millionen Mark eingesetzt worden. Die Bevölkerung des Bezirkes Treptow wird von dem Plan, gerade diese» Werk noch zu verstärken, wenig erfreut sein. Seit längerer Zeit machen sich die schon bestehenden P u m p- st a t i o n e n in überaus oerhängnisvoller Weife bemerkbar. Der für diesen Arbeiterbezirk besonders notwendig« Bolkspark Wuhlheide ist in seinem Baumbestande schwer gefährdet. Die Anlage neuer Pumpen würde ein weiteres?lbstei-ben der Bäume unvermeidlich machen.» Vier Mädchen beim Baden ertrunken. Ein schreckliches Unglück ereignete sich in E p fo ch bei Landsberg in Bayern. Beim Baden im Lech geriet ein Mädchen in eine tiefe Stelle und versank vor den Augen seiner Spielkomeradinnen. Diese versuchten, das Kind wieder an sich zu ziehen, wurden dabei aber selbst in einen Strudel gezogen. Bon den Kindern konnten zwei gerettet werden, mährend vier abgetrieben wurden und ihr Grab in den Wellen fanden. Ich gebe meinem Tiere die Sporen, hole die Träger ein, spreche mit Gera und anderen Frauen, trabe weiter, an der ganzen Karawane vorbei, bis ich ganz allein bin in dem hellen Tag> Ein Wohlgefühl ohnegleichen erfüllt mich, ein Jubel, als märe gerade an diesem Tage ein großes Ereignis zu er- warten, und ich singe sinnlose Lieder! Eine Herde von Meerkatzen kommt durch die Bäume auf mich zugestürzt, um mich wunderliches weißes Tier zu be- staunen, dessen Gequake sie bis in die höchsten Baumwipsel gehört haben. Und ich reiße meinen Korkhelm vom Kopfe und grüße sie, rufe„Guten Tag' und„Gute Reise, fröhliches Wiedersehen!' Sie quieken und schnattern zu mir herunter. folgen von Daum zu Baum, kommen m'r ganz nahe, so daß ich manche von ihnen mit der Reitpeitsche erreichen könnte. Plötzlich fühle ich einen Stich im Kaufe und stülpe mir den Helm über. Ich habe wieder einmal vergessen, daß der Schädel eines Weißen für d'e Zropenfonne nicht gemacht ist. Und das Maloriofiebcr entsendet sogleich Aufklär, ings- Patrouillen aus der Milz, wo das Hauptquartier liegt: Ist her Feind jetzt so geschwächt, daß ein großer Angriff ihn«nd gültia erledigen kann? sthinin bringt nicht zum Schwitzen. Di« Temperatur steigt rolch und ich muß zu Bett. Krank und übellaunig erreiche ich am späten Abend das Nachtquartier. Zln anderen Togen wiederum bestieg ich»nr.rgens müde lind lchlast den Tragstiihl. nach einer fieberheißen Rocht jlnd am Tage besserte sich mein Befinden so. daß ich abend? reitend und rauchend und scherzend ins Loger kam. Manch? Tage waren ganz gut. andere ganz übel. Und te nachdem fiel mir die Arbeit leicht oder schwer. Meist arbeitete ich in meiner Freizeit an meinen ethno- graphischen Studien über die Azandeer. Ich haste Funde gemacht, die mir wie schweres Metall vorkamen. Daraus wollte ich ein leuchtendes Diadem schmieden, zur Ehre dieses Heldenvolkes. Und je stärker diese Arbeit mich in Anspruch nahm, desto mehr wurde Pera wieder zu dem, wag sie eigentlich immer hätte sein sollen; eine gewöhnliche Haus- hällerin, eine Dienstmagd, die sich nur von Amts wegen im Schlafzimmer aufhält. Run. vielleicht hatte diese Veränderung noch einen anderen kleinen, guten Grund. Als ich nämlich eines Abends vor meinem Zelle faß und arbeitete, wurde ich eine Frau gewahr, die gegen eine der Zellstreben gelehnt stand. „Was willst du?" frage ich, ohne die Arbeit zu unter- brechen. Sie antwortet nicht, und ich vergesse ganz, daß sie da steht. ..Ra?' frage ich,„hast du die Antwort noch nicht fertig? Was willst du?' „Ich steh« hier nur so!' Es ist gewiß nichts Außergewöhnliches, daß eine Schwarze sich— bisweilen stundenlang— hinstellt, um zuzusehen, was für wunderliche Dinge ein Weißer treibt. Als ick) später in der Rächt fertig mar, stand sie aber immer noch da. Ich habe sie mir noch gar nicht angesehen. jetzt lasse ich dos Licht der Laterne auf sie fallen. Ungswähn- llch dunkel Ist sie. noch ganz jung, trogt die Tütoinicrung der Azandeer auf der Stirn Ilm den Leih trägt si« die ge- ftochteno Schnur. Dos ist ihre ganze Kleidung. Denn sie ist eben noch blutjung. Und die ilnschiitd hat bekanntlich ihr eigenes Kleid. „Komm her, du Kleine und jage mir deinen Nomen!' Sie lächelt zutraulich, gibt aber wieder keine Antwort. ...Hast du mit meiner Frau gesprochen?' Sie schüttelt den Kopf. „Do? hättest du tun sollen!' Run. ich führe sie trotzdem in? Zelt. Am nächsten Morgen, al? ich eben aufbrechen will, höre ich mit einem Mal lautes, kreischendes Frouengeichrei Ich laufe dorchin. wo ich die wchlägerei vermute. Drinen im Walde finde ich Jera auf der Brust meiner neuen kl«inen Freundin knien, die Finger tief in den Hals der Feindin verkrallt. Ich schleudere Vera beiseite und hebe das Mädchen auf. Ihr zarter, zitternder Körper lehnt sich an mich, und erst jetzt sehe ich, wie beleibt und schwerfällig Vera geworden ist und wie welk sie neben dieser eben erst entknospeten Blüte wirkt. Vera atmet schwer. Sie schlägt unbeherrscht mit den Armen auf und nieder und verlangt, auf der Stelle heiin- reisen zu dürfen. „Du oerspottest Beretios und Amalas Tochter vor aller Augen!' wirft sie mir vor. Da geht mir urplötzlich das Groteske in meinem Ver- hältnis zu Vera auf. Habe ich sie nicht beinahe wie eine schwarze Prinzessin behandelt?! Bin ich nicht ein ebenso großer Narr wie der Hauptmann, dessen Anschauungen ich doch wirklich nicht teile?!— Ist meine ferne, weiße Liebe etwa verblichen, gestorben!?— Nun das ist noch lange nichi der Fall! Aber kann etwas Uebertreibung in einer so ernsten Angelegenheit schaden? Keinesfalls! Es gilt schließlich das Ansehen der weihen Rasie! Was ist denn Vera eigentlich? Recht und schiecht eine Regerdirn«, die längst über ihre erste blanke Jugend hinaus ist, die sich große Freiheiten erlaubte, weil sie weiß, daß ich nachsichtig und geduldig bin! Es ist wahrlich an der Zeit, daß die Geschichte ein gutes Ende nimmt! Ich sage ihr, daß sie noch an diesem Tage heimreisen kann, mit bestem Dank fiir das Zusammensein. Sobald wir heute abend Lager schlagen, sollen ihr ihre Geschenke keraus- gelegt werden!— Aber schon während ich diese Worte spreche. vurchschauert es mich kalt wie vor etwas Unheimlichem. „Gedenkst du Pera wegen dieser gemeinen Frau von dir zu weisen?!' „Das ist doch nur deine Schuld!' Ach. Iudchi! Du weißt doch selbst, daß ich die da mit meinen Remole-Gaben aus der Ferne zu mir gerufen habe, unter jenem Ricsenkolobaum-in Batu, und da weißt du doch auch, daß ich nichts weiter wünsche im Leben, als dein zu fem! Sende dieses Weib fort, und ich werde dir folgen, wohin du es immer-arünscht! Ja, meinetwegen bis ans Ende oller Dörfer, so wie Gela dem weißen Pastor folgte. bis der Tod sie nahm!" �Fortsetzung folgt.f Ein tolles Verbrecherstück. Aufregende Straßenjagd.— Oen festgenommenen Kumpan wieder befreit. Eine Verbrecherbefreiung, die in ihrer Aus- stihrung an die Talen der beruchligken Banden in Chicago er- innerl, hat sich gestern in Tempelhof im Anschluß an einen mißglückten Einbruch zugetragen. Gegen 13 Uhr hatte ein Mann einen Einbruch in die Woh- nung des Schlächtermeisters F. Protz in der Kunigundenstr. 1 ver- f u cht, indem er das ihm auf fein Klingeln öffnende Dienstmädchen sofort beiseite drängte und die Wohnungstür Hintsr sich lchloß. Das Mädchen flüchtete vor dem Eindringling in die Küche und sprang schließlich in seiner Angst aus dem Fenster der im Erdgeschoß ge- legenen Wohnung auf den Hof. Die Hausangestellte hatte aber noch soviel Geistesgegenwart, gleichzeitig laut um H i l f e zu rufen, so daß der Einbrecher die Flucht ergriff. Hausbewohner und Straßen- pasfanten nahmen seine Verfolgung auf und konnten ihn schließlich nach kurzer Jagd einholen und f e st h a l t e n. Das benachrichtigte Polizeirevier entsandte zwei Beamte, um ihn abzuholen, einer von ihnen nahm den Verbrecher am Handgelenk, um ihn abzuführen, während der zweite Wachtmeister daneben ging. In diesem Augen- blick fuhr von rückwärts eine Kraftdroschke heran, in der zwei Männer saßen. Der eine sprang heraus, hielt dem völlig überraschten Oberwachi- meister eine Pistole vor den Leib und drückte zweimal ab. Der Beamte fiel zu Boden, im selben Augenblick sprang der Ar- restant in das Auto, sein Befreier folgt« ihm und mit höchster Fahrt fuhr die Droschke davon, che in der Verwirrung irgend jemand die Verbrecher aufhalten konnte. Der zweite Beamte konnte noch seine Waffe herausreißen und dem Auto nachschießen, ohne den Wagen aber zum Stehen bringen zu können. Das Ueberfallkom- mando konnte von den flüchtigen Verbrechern und der von ihnen be- nutzten Droschke keine Spur mehr finden. Etwa«ine Stund« nach dem Vorfall meldete sich auf einem Polizeirevier in der Nähe des Humboldthaines der Chauffeur der zu dem Ueberfall in Tempelhof benutzten Kroftdrofchke. Er behaup- tete,>daß er von dem zweiten Insassen, der während der Gefangenen- befreiung im Wagen geblieben war, mit vorgehaltener Pistole zum Weiterfahren gezwungen worden sei. Die drei Verbrecher hätten sich nach der Flucht aus Tempelhof nach de�N Humboldhain fahren lassen, seien dort abgesprungen und im Gebüsch verschwunden. Dies« sehr merkwürdige Darstellung wird augenblicklich von der Kriminalpolizei, die im übrigen umfassende Nachforschungen im Humboldthain angestellt hat, noch auf ihre Richtigkeit nachgeprüft und der Fahrer wurde vorläufig im Gewahrsam behalten. Gefahrlicher Wohnungsbrand. In der brennenden Wohnung eingeschlossen. Durch einen gefährlichen w o h a n n g»b r a nd wurden gestern nachmittag die vlleter des Hause» Fehler- straße 17 in Friedenau in große Aufregung versetzt. Eine Bewohnerin des zweiten Stockwerks hatte in dem Schlaf- zimmcr ihrer Wohnung einen Spiritusapparat mit Rauch- tabletten aufgestellt, um den Raum zu entmotten. Als die etwa sünszigjÄhrige Frau nach zehn Minuten Nach dem Rechten sehen wollte, hatten der Tisch Und der Teppich aus noch unbekannter Ursache' Feuer gefangen. Die Frau eilte hinunter ans Telephon. um die Feuerwehr zu alarmieren und kehrte unvorsichtiger- weise in ihre Wohnung zurück. Die Flammen griffen wenige Augenblicke später auf den Korridor über. Der Frau war plötzlich der Rückweg abgeschnitten. Als die Feuerwehr unter Leitung des Oberbaurates Spahn anrückt«, war der obere Teil des ganzen Gebäudes und das Treppenhaus in einen undurchdringlichen und stickigen Qualm gehüllt. Nur schwer konnten sich die Nettunzs- Mannschaften den Weg nach oben bahnen. Es gelang schließlich unter großen Anstrengungen, die Frau, die nur leichte Brand- wunden erlitten hatte, ins Frei« zu holen. Das Feuer, daß den größeren Teil der Wohnung zerstört hatte, nmßte mit mehreren Schlauchleitungen bekämpst werden. Das Großflugzeug befuchj Paris. Auf Einladung des französischen Lustsahrtmimsters. Köln. 16. Zum. Das Zunkcrs-Großslugzeug G 38, das Montag morgen gegen 6 Uhr in Dessau zu einem Fluge nach Paris aus besondere Ein- ladung des französischen Lustsahrtministers zur Znter. nationalen Luflfahrllagung gesiarlek ist, hat gegen 10 Uhr in Köln eine Zwischenlandung vorgenommen, da die an Bord empfangenen Wettermeldungen für die weitere Strecke nach Paris sehr un- günstig lauteten. Räch einem Telegramm ans Paris ist das Flugzeug gestern um 18 Uhr aus dem Flugplatz Le Bourgek gelandet. Lastauto mit itS Personen abgestürzf. Zwei Tote, sieben Schwerverwundete. Slromberg sweslsalen), 16. Jmri. J» der vergangenen Nacht geriet ein mit achtzehn Personen besetzter Lieferwagen, der von einer nationalsozialistischen Tagung kam, auf der Landstrahe Batenhorst— Stromberg in einer Senkung ins Schleudern und fuhr gegen einen Baum. Dann stürzte der Wagen mit den Insassen eine etwa vier Meter tiefe Böschung hin- ab und blieb zertrümmert liegen. Von den Insassen wurden zwei Mann auf der Stelle getötet und sieben schwer verletzt. Raubübersall auf eine Tänzerin. Die bekannte Tänzerin Lisa Ney ist in der Nacht zum Sonn- tag das Opfer eines ungewöhnlich drei st en Raub- Überfalls geworden. Als sie auf dein Heimwege von einem Besuch ihr Haus in Pankow erreicht und die Haustür bereits ge- öffnet hatte, wurde sie von einem Strolch, der ihr nachgeschlichen war, überfallenundamHalse gewürgt. Aus ihre Hilfeschreie ließ der Räuber sie los und entfloh, nachdem er ihr die Handtasche entrissen hatte, die ein« erhebliche Geldsumme und die sämtlichen Ausweispapiere der Künstlerin enthielt, die natürlich weder dem Räuber noch einem anderen Nützen können. Eine mehr als klägliche Demonstralion veranstalteten(zum wie- vielten Mal?) die Kommunisten gestern im Lustgarten. Der welte Platz war nur sehr schwach besetzt. Pan vertrieb sich die Zeit, indem man Ä Stunde lang hin und her marschierte. Als die An- sprachen vom Stapel gelassen wurden, fanden selbst die Redner nur wenig Interesse. Die herumstehenden Gruppen ließen sich in ihren Diskussionen in keiner Weise stören. Zu größeren Zwischen- fällen ist es nicht gekommen.— Kurz vor Beginn der Demon- stration versuchte ein Polizeibeamter, für einen durchfahrenden Omnibus Plag zu schaffen. Dabei wurde er von den Kommunisten au gegriffen und zu Boden geschlagen, wo er besinnungslos liegen blieb. Auch ein zweiter, ihm zu Hilfe kommender Beamter wurde angegriffen, der zunächst zwei Schreckschüsse abgab und dann, als er noch weiter bedroht wurde,«inen scharfen Schuß abfeuerte, durch den ein Kommunist verwundet sein soll. Eine kleine Panik, die durch die Schüsse in den Reihen der Demonstranten entstand, wurde im Keime erstickt, da die Polizeibeamten bei dem ganzen Vorfall die Ruhe bewahrten. Tribüneneinsiurz beim Kußballspiel. 120 Verletzte unter den Trümmern. Mailand, 16. Juni. Auf 6em Sportplatz des Vtailänder Klubs Ambrosiana brach gester» abend wahrend eines Fuß- ballwettkampfes eine überfüllte Bolkstribüne zusammen. Die mehr als 1S0 auf ihr steheuden Zu- schauer stürzten in die Tiefe. 61 wurden schwer, die übrigen leicht verletzt. Stachlige Gäste vor einem postamk. Vor dem Eingang zum Postamt O 27 hatte sich ein Bienenschwarm an einer An» schlagsäul« niedergelassen. Die Feuerwehr wurde alarmiert, die den Schwärm einfirrg. Allgemeine Wetterlage. AG. Jörn 4930, abds. 765 Oft* QvydMo&O heiter, 3 hslbbedeckJ »vwflci�bedeckt'Regeiv�apebi SchneesNabelTGewJte�MnMe Nördlich von Deutschland liegt wieder ein umfangreiches Hoch. Es befand sich zwar schon längere Zeit über diesen Gegenden imseres Erdteiles, hat aber seit dem Ende der vorigen Woche durch dtn Zufluß kalter Luft aus den, nördlichen Eismeer«ine bedeutende Kräftigung erfahren. Das heitere Wetter, das ackt Montag all- gemein in Deutschland unter dem Einfluß des Hochs herrscht«, hat die Sonnenstrahlung sehr begünstigt, und infolgedessen sind die Tem- peraturen etwas höher als am Sonntag gestiegen. Es hat den An- schein, daß sich bei einer im wesentlichen unveränderten Wetterlage die Luftdruckunterschiede abschwächen werden. Die schwache Luft- bewegung wird dann ein« weiter« Erwärmung der unteren Lust- schichten begünstigen. Welleraussichten für Berlin: Bei mäßigon bis frischen östlichen Winden heiter, etwas höhere Temperaturen.— Für Deutschland: Allgemein heiteres und wärmeres Wetter. Am Sonntag las Arnold U l i tz eigene Erzählungen. Packend in der Gestaltung des Menschlichen. Außer dieser halben Stunde waren einige Musikdarbietungen hörenswert: Das aus Leipzig übertragene Nachmittagskonzert mit Wagnermusik, ein Konzert, in dem Josef Lasek Violine spielte und Marga Moris- Schlemüller fang, ZAavieroorträge von Theophile Demetriescu und der Liebsliederzyklus Opus S2 von Brahms. In der Jugendstunde las Elisabeth Neumann Storms schöne phantastische Geschichte von der..Regentrude". Am Montag abend wurde Beethovens neunte Sinfonie, von Wilhelm Furtwängler dirigiert, ans der Phllharmonie übertragen. Ein ganz großer Genuß. Gleichsam als Einleitimg laß Alfred V e i e r l e das erschütternde„Heiligenstädter Testament� des Komponisten.—„Das Herz Londons" nennt Wolf Zucker den Hydepark. Das Stück Londoner Leben, das sich in diesem Volkspark abrollt, hat Zucker lebendig miterlebt, und er ver- stand auch, es anschaulich darzustellen. Ein Stimmungsbild aus dem Hydepark folgte als Hörszene. Die Einleitung dazu wiederholte leider manches von Zucker bereits Gesagte.— lieber den Vortrag .Arbeiterjugend im Staat", den Reichstagsabgeordneter Wilhelm S o l l m a n n in der Jugendstunde hielt, wird an anderer Stelle berichtet.— Aus der Krolloper wurde der Vortrag Albert E i n st« i n s von der Welttraftkonferenz übertragen. Auch darüber an anderer Stell«. In der Vortragsreihe„Gegenwortsfragen" der Deutschen Welle sprach Prof. Dr. Ludwig Quidde über„Land- f r i e d e n u n d W e l t k r i e g". Er zog die Parallele zwischen den Kämpfen der einzelnen Volksgenossen untereinander, wie sie jähr- hundertelong in Fehden ausgetragen wurden, und den Völker- kriegen. Die Völkerbundsfatzung brachte endlich die bereits in der Haager Friedenskonferenz vertretene Anschauung zur Geltung, daß die Kriege durch Rechtsprechung nach Möglichkeit vermieden werden sollen. Das bedeutet aber gleichzeitig auch die bedingte Anerkennung des Krieges. Prof. Quidde betonte, daß auch der Weltkrieg nicht durch die allgemeine Moral,.sondern, durch Sie zwingende Notwendig- keit besiegt werden wird. Die immer vollkoinmnere Kriegstechnik schafft in Flugmaschinen und Giftgasen so furchtbare Waffen, daß Kriege für Heere und Völker, für Besiegte und Sieger völlig« Vernichtung bedeutet. Der Welffrieden wird kommen, weil er den einzigen Ausweg darstellt. Tts. Achtung, Dienst stempel gestohlen! In das Arbeitsamt ow Stralauer Platz 29 wurde in der Nacht vom 1ö. zum 16. oder schon in der vorherigen«in Einbruch verübt. Es wurden drei Dien st stempel und zwei Schlafdecken entwendet. Einsendungen für diese Rubrik sind Berlin SW 68. Lwdemtraße Z. parteinachrichten für Groß«Berlin stet» an da» Bezlrk»setrrtariat 2. Hos. 2 Treove» recht», ,11 richten, 8. Zirei» Weddlng. Dienswg. 17. Juni, 1S>3 Uhr, Kreismitgliedcr-._-j versoimnlung im Chaussccstr. 64. Dor'ruq:„Die Arbeiter, ej bewegung in Frankreich". Referent Genosse Dubois-Paris. M 6. flrei» Kriedrillshain. Parteigenossinnen und»genossen! Be. sucht restlo» die Kundgebung der Arbeitcr-Eport- und Kulturorgani- K fationen gm Mittwoch, Iii. Juni, aus dem Sporidlag ssritdrichshain. W Leginn der Kundgebung ZOZi> Uhr. Lorhcr veranstalten die Sportler k- einen Werdeumzug mit Musik. Erösfnung de» Sportplatzes IS Uhr P. Unkostenheitrag 10 Pf. I| 6. Kerls K-cuzbcig. Heute, Dienstag, 19 Uhr. öfs-ntliche Deinon- kK stration im Tiirlitzer Viericl. Abmarsch Lausitzcr Platz. Alle Genossinnen>4 und Genossen beteiligen sich daran. W 7. Kreis Sharlottcnburg. Die Abteilungsvorsitzcnden werden ersucht, bei der Beisetzung des Genossen Bern Mcper Abordnungen mit den Adieilungs» dannern zu entsenden.— Mittwoch, 18. Juni, 20 Uhr, Abrechnung vom Waidsest im Jugendheim Roscnstr. 6. IS. Kreis Tempelhos. Bezirksversammlung am IS. Juni, 181* Uhr, Im Lyzeum Tempelhof, Gcrmoniastratze. 1». Sr«U Köpenick. Dienstag, 17. Juni, 19U Uhr, Köpenick, Schlotzftr. 27., Kreisnorssandssitzung mit den Abteilungsleitern. 18. Kreis Weitzcnsee. Mittwoch, 18. Juni. 20 Uhr, im Zugendheim Pissorius. strotze 24, dritter Insormationslbcnd der jugendlichen Porteigenossen. Thema:.Proletariat und Sozialdemokratie". heule, Dienstag, den 17. Zum: II. Abt. Eintrittskarten zum Reichzarbeitersportiag«m Sonntag, 32. Juni, sind in der Geschäftsstelle, Utrcchter Str. 21, erhaltlich. z». Abt. Zum.Rast" im Stadion Grunewald cm Sonntag, 22. Juni, sind noch Karten zu KI Pf. bis ssreitag beim Abteilungskassierer Bock zu haben. 42. Abt. Treffpunkt zur Demonstration um 18 Uhr bei Gieradorf, Urban, stratze 6. Nachzügler 19 Uhr Lausitzer Psossz. 46. Abt. Alle Genossinnen und Genossen treten heute. Dienstag. ID Uhr, zur Dcmonstraiion auf dem Lausitzer Platz an. 47. Abt. Alle Genossinnen und Senossen beteiligen sich heute abend, 19 Uhr, an der Demonstration. Sammelpunkt Lausitzcr Platz. heute, ZNilkwoch. den 18. Zum: 12. Abk. 20 Uhr sssunktionärpersammlung bei Schmidt, Wiclesssr. 17. 23. Abt. 1914 Uhr Zusamnientunft junger Parteimitglieder bei Grunwald, Kameruner Sir. 19. Portrag:»Die Entwicklung der politischen Parteien in der Nachkriegszeit".(Fortsetzung.) Referent Genosse Moyer. II. Abt. lg'/, Uhr Zohlobente bei Goldschmidt. Stolpische Str. Z6, Meißner, Echiepeldeiner Str. 87, und Schwarz, LornHolmer Str. 9. 35. Abt. 18 Uhr Sitzung de» Adteilungsvorstandes mit den Gruppenleitern bei Schulz, Samaritersir. 88. Um 20 Uhr Funktioniirpersanunlung ebenda. 49. Abt. Schwerhörige. 1914 Uhr Mitgliederversammlung im Jugendheim Lindenstr. 4 I. Thema:„Politische Tagesfragen". Referent Grnsi Reumann. 62, Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Heidckrug. Eiernrnssiadt. Rönnen. dammallee 89 lMarsand). •7. Abt. 1914 Uhr Rahlabend mit Referat und Aussprache Wer die neuen Steuern und Eparmatznahmen der Regierung. 74b. Abt. Zehlendoff-Süd. Mitgliederversammlung bei Stockmann. Machnower Stratze 2. Tagesordnung:.Fürsorgeerziehung vom sozialistischen Stand- Punkt". Referent Genosse Hon» Fader. Berfchiedenes. 81. Abt. Friebexau. 2014 Uhr Bildungsgruppe jüngerer Parteigenossen. Thema:„Oeffentllcher Wirtlchaftsbeiriet". Referent Genosse Dr. Putt» kamer. Rahlreiches Erscheinen'wird gewünscht. 82. Abt. Mitgliedervevsammlung 1014 Uhr bei Schellhgf«, Sieglitz, AHarn- stratze 15. Genasse Adramowitsch spricht über.Sowjetrutzland". Renkölln.»2. Abt. Bezirke 80 und 85: Pünktlich 20 Uhr Rahlabend im Lokal von Schwabe. Rolegger. Eckt Wichelm-Busch�Stratze. Bortrag:.Ratwna. listen und Faschismus". Referent Hans Turtz. Bezirk 87/77: 20 Uhr Rahlabend im Lokal von Schneider, Rofenstr. 7. Bortrag:.Wirtschafts. Politik".— 93. Abt. Rahlabend» 20 Uhr in folgenden Lokalen: Bsziri« 83 und 105 hei Schauer, Treptower Str. 90. Bezirke 84. 86 und 103 bei Damm, Hertzberastr. 22. Bezirke 104. Iii. 114 bei König, BissunisSx; Stratze 43-44. Bezirks 106, 107, 110 bat bereit, stattgskunden. Dezirk 10« CSiedlung) im Börenwinkcl. Tagesordnung: Berichte. Bezirke 112 und 118 bei Günther. Nlemetz. Ecke Soniitr Stratze. Bezirk 11S� hei König, Kanner Ecke Elsterftratze. Bezirke 116, 117 hei Pritzköw, Richard- Eck« Schöne» weider Stratze. 99. Abt. Britz-Buckow. Rahlabend in den Bezirken 149. 150. 151 Grotzsindlung im Lokal Bulckckrng. Rudower Str. 49. Referent Genosse Grunzel. Thema: .Lohn- und Preispolitik". Bezirke 154/155 bei Becker, Ghausseastr. 97. Thema:.Politik und Wirtschaft in der Gegenwart". Referent Genosse Kietzmann. 105. Abt. Adlcrshos. 1914 Uhr Mitgliederversammlung im Ratskeller. Bismarck- stratze 58. Thema:.Die politische Lage". Referent Sans Bauer. 106. Abt. Johannisthal. 20 Uhr bei Botha, Etubenrauchstr. 12, Mitgliederver. iammlung. Bortrag:„Dir Abbau der Sozialperstcherung". Resereirt Emil Dittmrr. Die Bazirtsführer laden«In. 114. Abt. Lichtenberg. 19'4 Uhr Mitgliederversammlung im Loaenhau«, Knorr- promcnabe 2. Bortrgg:.Die Gefahren de» Faschismus für Deutschland". Risserent Gottlieb Reese. 132. Abt. Bie»d»rs. 20 Uhr Mitglirderpersainnilung bei Porgth. Marzahner Stratze 31. Portrag:.Der Rechtskurs der Reichsregierung". Rrferenk Heinz Lewi. 137. Abt. Reinickendorf-Weft. 20 Uhr Mitgliederversammlung im Bolkshous, Echarnwoberstr. 114. Thema:„Die politisch« Lage". Reserent Me; Heyde- mann. 138. Abt. 20 Uhr Mitgliederversammlung bei Okrent, Berliner Ecke Bahnhof. stratze. Thema:„Presse und Partei". Referent Ehefrcdakleur Genosse Siam-pser. 140. Abt. Borsigwalde. 20 Uhr bei Woitscherch. Ernststr. I, Mitgliedervertamm. lung. Bortrag:„Deutsche Sozialpolitik der Gegenwart". Referent Genosse Wilhelm Schulz. Parteiangelegenheiten. Bcrschiedencs. Gäste können eingeführt werden. 140». Abt. Wittenau. 20 Uhr Abteilungsoerfammlung bei Leese. Wittenau tan> der Krsmmener Bahn). Berliner Stratze.» Vortrag:„Perwaltungsreform Grotz-Berlin". Referent Genosse Iah. Hotz. Wir bitten, das neue Tagung«» lokal z» beachten. 143. Abt. Waidmannslust. Rahlabend 20 Uhr bei Jarlus. Wildau. Der Rahlabend findet diesmal bei Kuhle statt.— Der Porstand. Frauenveranstaltungen. 7. Kwi» Eharlottenburg. Rur Dampferfahrt am 11. Juli nach Hohenschöpping sind Karten bei de» Oldteilung-Ieiterinnen zu haben. Die Adtellung». leiterinnen schicken nicht»erlauft« Karten an die Kreisleiterin zurück. 54. Ab«. Eharlottenburg. Mittwoch. 18. Juni, 19>4 Uhr. im Jugendheim Rvsinenftr. 4. Portrag:„Die soziale und politische Etcllung der ssrau in Vergangenheit und Gegenwart". Rcferentin Margarete wchenkalowsky. Karten zur Dampferfahrt am 11. Juli nach Hohenschöpping sind an dem- selben Abend z» haben....... 74. Abt. gehlendors und 76. Abt. Dahlem. Am Donnerstag. 19. Juni. Aus. flug nach dem Grunewald- Haus zum Genossen Backe, Kronprtnzcnallee, gerader Weg. Treffpunkt um 14 Uhr am U-Bahnhof Onkel�oms-Hütte, Ecke Riemeisterstrotze. 78. Abt. Schöneberg. Die Genossinnen troffen sich am Mttwoch, 18. Juni, in der Laube, verlängerte Begasstrotze, Aprikosenallee 1, zum gemütlichen Bei- sammensein. Kuchen mitbringen. Besprechung der Dampferpartie. 81. Abt. Friedenau. Der ssrauenabend fällt am Mittwoch, 18. Juni. au«. Dafür am Dienstag, 24. Juni, Dampferpartie. Anmeldunze» bei Genossin Paulus, Kaiseralle« 112. Kreisnotiz beachten. 85. Abt. Tempelhos. Donnerstag, 19. Juni, um 20 Uhr, bei Pominerenina. Tempelhos. Berliner Etr. 100. Borirag:„Die Frau der neuen Generation". Referentin Margarete Schenkalowfky. Zungsozialisten. Gruppe Schöneberg: Wir beteiligen UN» heute. Dienstag, geschlossen an dem Abeird der Gruppe Wilmersdorf um 20 Uhr im Jugendheim Wilhelmsau«. Gruppe Wilmersdorf: Heute. Dienstag, pünktlich 20 Ä>r, im Uugendheim Wilhelrnsane 123—124, Mitgliederversammlung. Unsere Sommerarb, lt R-ferentenlursu» Hartoch-ssabian: Heute. 20 Uhr. in der Gaststätte de» Arbeiter-Abstinenten.Bundes, Etalitzcr Str. 6. Wir bitten um pünktliches Er- scheinen. Der Kursus Pottlitzcr-Lewy beginnt wieder gm Dienstag. 24. Juni, im gleichen Lokal. Geburlslage, Jubiläen usw. 57. Abt. Eharlottenbnrg. Unicrem alten Genossen Paul M-v,«' I» seinem 65. Gaburtstaz, die herzlichsten Glückwünsche. Sterbetafel der Groß- berliner Partei- Organisation� 36. Abt. Unser Denosst RichardMünch. Weidenweg 8, ist bereit- om 24. Mai verstsvben. EHre seinem Andenken!— Der Äbteilunqsvorstand. 94. Abt. Unser Genosse Franz Sude?. Kaufmann. NeuköLtn, Weise» straße 59, ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdiauvg hat versus om Montag, dem 16. Juni, stattgefunden. dfi* D führt ab, es wirkt sehr mk7c/e, versuch es, und bist im Bild* Kampstagung der Konsumvereine. Niesige Oemonstrationszüge in Lübeck. Lübeck, 16. Juni.(Eigenbericht.) Die Bedeutung des Lübecker Genossenschaftstoges, der«n Montag begonnen hat, charakterisierte wohl der alte Kämpe Heinrich Lorenz vom Zentrawerband deutscher Konsumvereine am besten, als er in seiner von Erregung und Entrüstung getragenen Eröss- nungsansprache den Kongreß zum Kampfe gegen die ungerechte steuerliche Behandlung der Konsumvereine und zum Ausbau der Bewegung der organisierten Derbraucher und des organisierten Verbrauchs aufrief Konsumvereinsmänner sind Wirtschaftler, nüchtern und parktisch denkende Leute, Bolkserzieher, die keine großen G e st e n lieben und ihr« Worte abzuschätzen und abzuwägen wissen. Wenn nun auf dem Lübecker Genossenschaststag im Nahmen der Verhandlungen und vom Dorftandstisch aus das bös« und bedenk- liche Wort von Klassenjustiz fällt, die bewußt aus eine Schädi- gung der Berbraucherbewegung hinarbeite, wenn von derselben Klassenjustiz gesprochen wird, die den alten wilhelminischen Staat untergehen ließ, dann müssen schon sehr ernste Gründe dafür vor- Legen. Diese Gründe sind durch die Wirtschafls- und Zinanzpolilik der gegenwärtigen Reichsregierung gegenüber den Konsumvereinen gegeben worden. Hätte man es bei der Regierung Brüning wirklich trat einer großzügig auf Ankurbelung unsere» Wirtschaftsleben» und Norma- lisierung des Preisniveaus hinzielenden Initiative zu tun, dann müßte die Reichsregierung ein guter Freund und treuer Berater der Konsumgenossenschaften sein. Die in Lübeck tagenden organi- sierten Verbraucher müssen aber feststellen, daß die Regierung i h r F e i n d ist. Jede einsichtige Regierung müßte die Existenz einer Konsumgenosscnschaftsbewcgung begrüßen, die, wie die deutsche, Millionen von Derbrauchern in den Kreis der Bedarfsdeckung und einer rationellen Warenversorgung zieht und die Anerkennung und Bewunderung der ganzen Welt für sich hat. Deutsche Aktivität, Elgenhilfe und deutsches Können werden aber wieder einmal im Land« selbst nicht anerkannt und nicht geschätzt: viel- mehr werden sie bestrast und unter Ausnahmegesetze gestellt. Di« organisierten Verbraucher in Lübeck Stadt und Land haben mn Sonntag bereits darauf dt« richtige Antwort gegeben. Die Lübecker Konsumvereinsgenossenschaft rief zum Protest auf und in den Nachmittagsstunden des verflossenen Sonntags bewegte sich ein mächtiger, eindrucksvoller Demonstrations- z u g, dessen Borbeimarsch stundenlang dauerte. Man hätte ge- wünscht, die Regierung Brüning hätte diesen Vorbeimarsch und diesen Protest von Zchntausenden gesehen. Das imposante Bild wäre geeignet gewesen, ihr Gewissen zu schärfen. Der Demonstra- tionszug der Lübecker Konsumgenossenschaft hätte der Regierung «in« klein« Ahnung davon vermittelt, wie sehr ihr« Maßnahm« d i e breiten Massen erregt. Die Regierung hätte erkennen kännen, daß Sturm ernten muß, wer Wind sät. Die Reoisionsoerbünd« haben etwa 1306 Delegierte nach Lübeck entsandt. Behörden und berwandt« Organisationen sind zahlreich vertreteiu' Die Grüße der Gewerkschaften üb er- brachten Eggert vom Allgemeinen Deutschen Gewerkschafis- bund und Urban vom Zentraloerband der Gewerkschaften. Di« Doltsfürsorg« hat Otto Wels, den Vorfitzenden der Sozialdemo- lratrschen Partei, delegiert. Ja seiner Begrüßungsansprache führte Heinrich Lorenz aus: Unter der schlechten Wirtschaftslage Deutschlands leidet die werk- tätige Bevölkerung, aus der sich die Mitglieder unserer Konsumvereine zusammensetzen, am meisten. Geringe Einkommen bedeuten geringe Kaufkraft. Borschläge zur Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland beziehen sich jedoch, soweit sie bekannt sind, auf Abbau der Löhn« und Gehälter und Beschränkung der sozialen Ausgaben, insbesondere der Ausgaben für die Erwerbs- losenunterstützung. Es ist überflüssig zu sagen, daß, wenn diese Vor- schlägt verwirklicht werden sollten, die Lag« für die minder- bemittelten Voltskreise sich noch mehr verschlech- rern muß. Ausreichende Löhne befruchten den Inlandsmarkt und beleben Handel und Wandel. Jahrzehntelang haben die Konsumvereine, im allgemeinen un- behelligt, ihre segensreiche Tätigkeit entfallen können. Gerade in der Zeit schlimmster Wirtschaftsnot und schlimmster Wirtschaftskrise werden sieinihreraufbauendenTätigteit gehemmt. Heute bestehen bei den Finanzämtern über die Tätigkeit der Kon- suinverein« derart verschiedene Meinungen, daß eine recht groß« Rechtsunsicherheit Platz gegriffen hat. Die Konsumvereine bemühen sich Zwar, die Gesetze aufs peinlichste«inzuhalten, doch sind sie nicht einen Augenblick sicher, ob nicht das eine oder andere Finanzamt in diesem oder jenem Fall«ine Steuerpflicht erblickt. Die Bekämpfung der Konsumvereine durch ihr« Gegner geschieht immer noch mit denselben unanständigen Mitteln der Spitzelei und Verleumdung. Zu dem Druck auf die Wirtschaftslage gesellen sich äußerst bedenkliche Auswirkungen einer falschen Wirtschaslspolitit. So sind im Interesse der Landwirtschaft die Einsuhrzölle auf wichtige Lebensmittel wesentlich erhöht worden. Wir werden dem- nächst mit teurerem Brot, teurerem Fleisch und teurerem Schmalz zu rechnen haben. Das billige Gefrierfleisch wird verschwinden. Wir waren und sind immer bereit, mit der Landwirtschaft in direkten Güteraustausch einzutreten. Daß hier noch keine großen Ersolgc erzielt worden sind, ist nicht unsere Schuld. Eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen,«in« steuerliche Ungerechtigkeit, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann, lwt sich dtt Bürgerblockregierung mit der Einführung der sogenannten Warenhaus st euer geleistet. Es handeit sich um«>"c ausgesprochene Sondersteuer, die sich nach keiner Richtung hin rechtsertige.i läßt. Der verantwortliche Teil sür diese Steuer. die Wirtschaftspartei. Hot sie nicht aus Sorge um die Reichssinanzen, (oitbctn au» Haß gegen die Konsumvereine gefördert. Der wirtschostsparteiliche Abgeordnet« Mollath erklärte in einer öffentlichen Versammlung am 21. Mai 1930 in Berlin, das Ziel der Wirts chastspartei gipsele darin, durch noch größer« Ve- last ung die Warenhäuser und die Konsumvereine in ihrer Entwicklung zu hemmen. Ganz besonders müßten die Konsumverein« ausgerottet werden. Unsere Konsumvereine müssen wir aus» energischste verteidigen. Dann werden wir uns bei den kommeirden Wahlen die politischen Part-ien und ihre Vertreter daraufhin ansehen müssen, wie sie zur wirtschaftlichen Organisationssreiheit der minderbemittelten Boll»kr eis« stehen. Wir sind durchaus der Meinung des Reichs- mgsabgeordneten Schlack, der aus emer Ansang Mai ISA) in Essen an der Ruhr stattgefunden«» Protestkundgebung der christlichen Genossenschaftler seine außerordentlich scharf« Rede mir den Worten schloß:„Wir sind nicht bereit, die Peitsche zu küssen, die uns schlägt. Wir werden uns eine solche ungerechte Behandlung nicht gefallen lassen." Heinrich Lorenz schloß sein mit vielem Beifall aufgenommenes Referat mit der Aufforderung:„Auf zum Kampfe gegen das Unrecht und auf zur Mit- arbeit am Ausbau unserer Konsumvereine." Vorstand, Ausschuß und Generalrat des ZcMraloerbandes Deutscher Konsumvereine haben dem Kongreß drei Resoluiionen vorgelegt. In der ersten wird gegen die Absicht der Reichs- regierung protestiert, die Konsumgenossenschaften im Rahmen der Steuervereinheitlichungsgesetze zur Gewerbesteuer heranzuziehen und eine F i l i a l st e u e r zu erheben. Mit Ent- rüswng nimmt die Genossenschaftstagung davon Kenntnis, daß dos Land Thüringen eine besondere Lohnsummensteuer von 6 Proz. für Einzelhandeisgroßbetriebe von mehr als 300 000 Mark Umsatz beschlossen hat, insofern mehr als eine W«rengnippe geführt wird. Der Willkux unsozial denkender Länderparla- mente müsse ein Riegel vorgeschoben werden. Die zweite Resolution verweist darauf, daß die b«° absichtigte Heranziehung der Konsumgenosscnschafteu zur Kör- perschafts st euer der in§ 4 Absatz 2 des Körperschastssteuer- gesetzes festgelegten richtigen Auffassung der Genossenschaften, deren Geschäftsbetrieb sich auf den Kreis ihrer Mitglieder beschränkt, widerspreche. Diese Genossenschasien seien kein« Erwerbsgesell- schaften, deshalb müßten die bilanzmäßigen Ersparnisse aus dem Warenverkehr körpsrschaftssteuerfrci bleiben. Mit Entrüstung müsse der Genossenschaststag feststellen, daß die Versuche von einzelnen Händlern, durch Beauftragte Waren aus dem Konsumverein zu er- halten, immer noch sortgesetzt und auch heute noch von einzelnen Steuerbehörden als Material gegen die Konsumvereine verwendet würden. Die dritte Resolution richtete sich gegen die Hoch- schutzzölle, die Steuerbelastung und die Aus- nahmeumsatzsteuer. Im Rahmen der neuen Belastung wirke die Erhöhung der„rohestcn und unsozialsten" aller Steuern, die Erhöhung der Umsatzsteuer und ihr von bewußter Ungerechtigkeit diktiertes Anhängsel, die Sondersteuer gegen die großen Einzel- Handelsbetriebe, insbesondere gegen die Konsumvereine, am aus- reizendsten. Durch sie werde das Streben der minderbemittellen Familien nach sorgsamer Haushaltsführung unter Strafe gestellt. Von ihren Ersparnissen werde ihnen ein großer Teil geraubt. Der Genossenschaststag forder« die schleunig« Beseitigung des schändlichen Unrechtes. Die organisierten Verbraucher müßten zur Abwehr des gegen sie gerichteten Schlages den konsum- vereinsfeindliche» Mittelstandsgruppen auf allen Gebieten schärfsten Kampf ansagen. Deckung des gesamten Bedarfes im eigenen Geschäft und Sammlung aller unbemittelten Ver- braucher in den Konsumvereinen müsse die bald und gründlich zu lösende Aufgabe ihrer organisierten Verbraucher sein. herunter mit den preisen! Ausschöpfung der deutschen Nationalisierungsreserven. Preissenkungen, die durch Lohnsenkungen im voraus gezahlt werden, können aus der deutschen Wirtschaftskrise nicht heraus- helfen. Wir haben das am Sonntag sehr ausführlich dargeta». Auf den wichtigsten Gebieten sind Preissenkungen ohne Lohn- senkungen möglich, und zwar, weil die Rationalisierung seit 1S2? gewaltige Kostenvorteile gebracht hat, die nicht in Preis- senkungen ausgeschöpft wurden. Das muß heut« geschehen. Von der Kohl« haben wir schon gestern gesprochen. Die vor einigen Tagen gesenkten E i s e n p r e i s e haben völlig überflüssig einen Vorspann durch ein« Lohnsenkung erfahren. Von 1S25 die 1S28 ist die Produktion der Stahl» und Walzwerke um 30 P r o z. g e st i e g e n. Die Belegschaft hat sich ober um 8 Proz. verringert. Der Lohnanteil ist also gewaltig gesunken. Die Produktion wurde durch technische Umstellung außerordentlich verbilligt. Dennoch wurden 1928 in der Zeit der absinkenden Kon- junktur beispielsweise bei Slabeisen noch zwei Preis- erhöhungen mit.zusammen 7,— Mark je Tonne durchgeführt. Dies« Erhöhungen sind auch durch die neueste Senkung der Stab- eisenpreise erst mit 4,— Mark wettgemacht worden. Der Reichsoerband freier Schrotthändler Deurschlands hat das Reichswirts chaftsministerium darauf aufmerksam gemacht, daß die Schrott preis«, die Preise sür das wichtigst« Rohmaterial der Eisenindustrie von Ansang 1928 bis Juni 1930 von 57,70 Mark auf 44,— Mark heruntergegangen find und jetzt fast' 20 P r o z. unter dem Vorkriegspreis liegen; Dies« geroattige Zjstitung der Einstandskosten ist beim Abbau der Eisenprekfe überhaupt nicht berücksichtigt worden. Jede Lohnsenkung bei Eisen wäre zur Herbeiführung einer ausreichenden Preissenkung vollständig überflüssig. Bei anderen Industrien liegen die Dinge ähnlich. In der Lr a u n k o h l e n i n d u st r i e ist die Förderung um 20 Proz. g e st i e g e n, die Belegschaft um 13 Proz. zurückgegangen. In der Zementindustrie ist die Erzeugung um 35 Proz. ge st regen, die Belegschaft um 3 Proz. zurückgegangen. In der Papierindustrie stieg die Erzeugung um 22 Proz., die Belegschaft nur um 5 Proz., in der chemischen Industrie die Erzeugung um 33 Proz., die Belegschaftszahl nur um 5 Proz. In der Kalk Industrie vermehrte sich die Erzeugung um 20 Proz., die Belegschaft sank um 12 Proz., und selbst im Maschinenbau konnte eine 30proz«ntige Produktionssteigerung eintreten bei einer Bslegschaftsverringerung bis zu einem Zehntel. In den meisten dieser Industrien sind trotz dieser' gewaltigen Verringerungdes Lohnanteils die Preise seit 1923 nicht gesenkt, sondern erhöht worden. Die Reserven der deutschen Privatwirtschaft, die gegen- wärtige Krise mit Erfolg zu überwinden, sind außer- ordentlich groß. Sie liegen in den technischen und finanziellen Er- folgen, sie liegen in den Lohnerspärnissen, die die Rationalisierung der deutschen Industrie in den 3 Jahren seit 1926 gebracht hat. Die Arbeiterschaft entspricht einer volkswirtschaftlichen Rot- w e n d i g k e i t, wenn sie durch den Wider st and gegen Lohn- senkungen die Ausschöpsung dieser Rationalisierungsreseroen er- zwingt. Die D. A. Z. und die„Bergwerkszeitung" haben sich darin ge- fallen, mit dem„Vorwärts" zu polemisieren. Der„Vorwärts" habe in der vorigen Woche in der gleichen Nummer den Nachweis geführt, daß die Eisenindustrie doch eigene Opfer gebracht habe, und zwar über die Lohnsenkung hinaus, in der er die eigenen Opfer bestritt. Die beiden Blätter irren sich, wenn sie auf Widersprüche in unseren Ausführungen glauben hinweisen zu können. Wir haben das eine Mal gesagt, daß die Eisenpreisermäßigung nach der Kon- junkturlage zu gering sei, und wir haben das andere Mal rein theoretisch ausgeführt, daß bei einer zehnprozentigen Lohnsenkung und einem ZÖprozentigen Lohnantcil rein rechnungsmäßig, wenn im Ausmaß der Lohnersparnis die Preise gesenkt werden sollen, nur 2 Proz. Preisermäßigung herauskämen. Dieses theoretische Exempel besogt nicht, daß eine 3-—4prozentitze Preis- senkung angesichts der Marktlage genüge, auch nicht, daß Industrie- opfer vo-liegen(vgl. Frachten- und Schrottpreisscnkung sowie die Rationalislerungseisparnissc). Ob die Preissenkung ausreichend ist, darauf allein kommt es an. Die Schwerindustrie soll die Diskussionsbasis nicht verschieben. Wohnungsbaurekord-1930. Wachsender Anseil der gemeinnühigen Äangesellschasten. Die Zahl der im Jahre 1929 n>eu errichteten Woh- nungen übertraf mit 339 000 die Rekordzisfer des Jahres 1926 von 330 000 um 2� Proz. Rechnet man den Abgang durch Abbruche und Umbauten ab, so verbleibt ein Reinzugang von etwa 318 000 Wohnungen. Da der jährlich neu entstehende Bedarf auf 223 000 Wohnungen angegeben wird, so ist der Fehlbestand wieder um über 90 000 verringert worden(1928 um 82 000). Fast zwei Millionen Wohnungen sind seit Kriegsende als Reinzugang zu verzeichnen gewesen. Bemerkenswert ist. daß die' Bautätigtei: in den Groß- ftädten auch relativ am regsten gewesen ist. Im ganzen Reich betrug der Reinzugang auf 1000 Einwohner durchschnittlich 5,1 Wohmingen: in Gemeinden bis zu 2000 Einwohnern wurde ein Reinzugang von 3, in Gemeinden mit 10 000 bis 20 000 Ein- wohnern ein Zugang von 5,7, in Städten mit mehr als 100 000 Einwohnern ein Zugang von 7,1 Wohnungen auf 1000 Einwohner gezählt. Der relative Zugang war also in den Großstädten mehr als doppelt so hoch wie in den kleinsten Gemeinden. Die schon früher beobachtete Tendenz, mehr größere Wohngcbäude mit zahlreichen Wohnungen herzustellen, hat sich 1929 weiter durchgesetzt: die Zahl der errichteten Wohngebäude ist nämlich von 137 000 im Jahre 1928 auf 131 000 zurückgegangen. Die Durchschnittszahl der Wohnräume in einer Wohnung ist dabei etwas gesunken. Unter den Produzenten haben die gemeinnützigen Ge- seil schaften ihren Anteil erheblich vergrößern können. 1928 stellten sie von 100 Wohnungen 30, 1929 aber 34,9 her. Der Anteil der privaten Bauherren sank von 59,6 auf 65,5. O e f f e n t l i ch e Mittel wurden für 50 Proz. aller Woh- nungen in Anspruch genommen. Auch hier sind bedeutende Unter- schiede zwischen Stadt und Land zu verzeichnen. In den kleinsten Gemeinden wurden nämlich Unterstützungen aus öffentlichen Mitteln nur zum Bau von 58 Proz., in den Großstädten aber von 91 Pro;. gegeben. Ausfuhr und Konjunktur. >. Im Mai eine Mittel MMiarde.Ausfuhruberschuß. .Die Reparationslieserimzem mit 78,7 Milliarden emger'echnet, hat sich im Monat Mai der deutsch« Ausfuhrüberschuß von 87 auf 265 Millionen erhöht. Leider i st das keines» w e g s als ein Zeichen der Wirtsthafts b e s s« r u n g anzusehen. Wenn die Einsuhr von 889,4 auf 830,9 Mill. zurückgegangen ist, so spricht das irrm'cr noch in erster Linie dafür, daß das deutsche In- land weniger Rohstoff« zur Verarbeitung gebraucht hat. Die«in- getreten« Weltpreissenkung ist dabei z» berücksichtigen. Di« Steige- rung der Ausfuhr von 976,7 auf 1096,5 Mill. zeigt zwar, daß die deutsch« Konkurrenzfähigkeit noch nicht gelitten hat. zugleich ober auch, daß der irländische Derkaufsdruck noch sehr wirksam und das Inland selbst noch wenig aufnahmesähig ist. Im ganzen ist freilich die erfolgte Ausdehnung des Außenhandels- volumens«in gutes Zeichen für die Widerstandsfähigkeit der deutschen Wirtschast aus dem Weltmarkt. Der stärkste Rückgang der Einfuhr zeigt sich bei Baumwolle und Gummi sowie bei Mineralöl, deren Einsuhr natür- licherweise nach der Boreindeckung im April— gegen die Benzinzollerhöhung— zurückgehen mußte. Di« Fcrtigwarenaus- suhr ist um rund 79 Mill. von 734,5 aus 813,5 Mill. Mt. ver- mehrt, wobei der Hauptteil der Mehrausfuhr auf elekttische Maschinen, Wasserfahrzeuge, chemische Produkte, Walzwerkserzeug- »isse und Eisemvaren entfällt.• Dr. Arthur Salomonsohn, der Vorsitzend« des Aussichtsrates der Deutschen Bank und Discontogesellschast ist am Sonntag im 72. Jahre gestorben. Von 1888 bis 1929 gehörte er der Deutschen Discontogesellschast an, seit 1895 gehörte er zu ihren Ge» schästsluhabern. Er hat den Aufstieg dieser Großbank stark be- einflußt, und schied mit dem Ende ihrer Selbständigkeit, bei der im vorigen Jahre vollzogenen Fusion mit der Deutschen Bank, aus dem aktiven Dienst aus. Er vertrat die Banken im Reichswirlschastsrat und war im Präsidium des Zcntraloerbandcs des deutschen Bank- und Bankiergewerbcs. In einigen Dutzend großen Aktiengesell. schaften präsidierte er im Aufsichtsrat oder gehörte ihm an. Damit war«ine groß« wirtschaftliche und politische Macht verbunden, die aber nicht dazu ausreichte, den jahrzshntelangeu Wettkamps mit der Deutschen Bank zugunsten der Discontogesellschast zu entscheiden. Lrst.wttm man öie Milch raitKatkmaer gemischt Sinkt, wirb sie richtig verbaut! ... wieber ein Gnuiö mehr, immerRMrswsr zuirmfim! Die Not des Baugewerbes. Beiraistagung des Veutschen Baugewerksbundes. Der Beirot de? Deutschen Baugewertsbunde? tsgte nm tZ. und lZ. Juni im Gewerkjchoft-Haus zu München, um über Wirtschoftsfrogen und Bundesangalegenbeiten zu bervien. Äus dem Berickü des Buirdesunrsitzenden, Genoslen Bern« hard, ging heronr, daß die traurige Loge der Vauwirtschaft in der neueren Wirischastsgeschicht« kein S«itenstück find«. U« b e r die chälfto der Mitglieder des Bundes sei seit Monaten arbeit?- los. Erst vor kurzem Hot sich die Zlrbeit-losenzifser des Bougewerks- bundcs etwas gesenkt, aber am 2. Zuni waren noch t'L pro}, der Mitglieder arbeitslos. An diesem Doge war die Arbeitslosigkeit sogar großer als in der vorausgegangenen Woche. Das zeigt ganz deutlicb, wie schwer die Vauwinschoft daniederliegt und. daß die deutsch« Wirtschaftskrise in erster Linie eine Bautrise ist. Der Bundesvorstand Hot fortgesetzt alles getan, was geeignet gewesen wäre, die Bauwirtschost zu beleben. Jedoch begegnete er meistens tauben Ohren und leeren 2 oschen. Jetzt scheint es, daß man sich endlich zu einem Bau- Programm entschließen will, das für einige?ahr« in einem bestimmten Umfang Arbeit sichert. Angesichts solcher wirtschasttichen Auständ« ist in der Mitglieder- bewegung Stillstand: es ist sogar ein kleiner Rückgang eingetreten. Seit Jahresschluß Hot die Mitgliederzahl des Baugewerksbundes um 1,7 Proz. abgenommen. Angesichts der trostlosen Zustände zeigt sich immerhin eine ersreulichc Festigkeit des Organisationsgedankens. Daß unter dem Druck der außerordentlich schlechten bauwirt- schaftlichen Lage die Finanzen des Baugewerksbundes stark in Anspruch genommen werden, ist nur allzu verständlich. Trotzdem ist der Stand der Hauptkosse immer noch beiriedigend. Die Dundesleitung ist ständig bemüht geblieben, in der Frag« der Arbeitslosenversicherung die Interessen der Bundesmitglieder zu wahren. Der Baugewerksbund führt einen besonders aktiven Kampf gegen dos Unwesen der Gründung vo» Jnnungs» krankenkassen. Zur Zeit ist die christliche Bauarbeiterorganisa- t i o n mit chilf« von Geistlichen bemüht, in einigen Gebieten cinzu- brechen. Auch Raklonalsazlalsslen und Ktahlhelmer versuchen jetzt gewerkschaftliche Gebilde aufzuziehen. Die Mitglieder des Baugewerksbundes werden auf dies« Bestrebungen ihr Äugen» merk richten. In der Aussprache kam besonders die Empörung darüber zum Ausdruck, daß bei den Derhandlunqen um die Neufinanzierung der Arbeitslosenversicherung nicht nur Bertretar anderer Sewerkschafts» richtungen die Stellung der freien Gewertschasten erschwert hoben, sondern daß auch Leute, die sich ein sozialistsiches Mäntelchen umHöngen, wie ein Herr Egon Bandmonn im„Wirtschaitsdienst". Daß der Bau eines Gewerkschaftshauses in Frank- f u r t a. M. nicht einer sozialen Bauhütte, sondern einer Privat- sirma übertragen worden ist, erregte ebenfalls bei den Beirats- Mitgliedern starken Unwillen. Zu der jetzt vielfach erörterten Frage der Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Unternehmern zur Ankurbelung der Wirtschost erklärte Bernhard, daß die berufenen Bertreter der Spitzengewerkschaften nichts weiter tun werden, als nach streng gewerkschaftlickier Ausfosiung die Interesien der Arbeiter zu vertreten. Kein vernünftiger Gewerkschafter könne an eirxWieder- ausleben einer Arbeitsgemeinschaft denken. In der Wahrnehmung der Lahn- und Tarifinteressen ibrer Mitglieder ist jede Gewerkschaft vollauf s e l b st ä n d! g. Daraus ergibt sich auch die Lügenhaftig- teit, wenn gewisse Kreise behaupten, der ADGB. könne mit den Unternehmern irgendwelche Vereinbarungen in Lohnsragen treffen oder habe sie schon getroffen. Tom Shaw in Stuttgart. Kriegsmlnifier und Internationaler Sekretär. Stuttgart. 16. Juni. sEigeNberichtI Im herrlich gelegenen Höhenrestaurant„Schönblick" wurde am Montag morgen vom Verband svorsitzendon Karl Schräder der Verbandstag der Textilarbeiter eröffnet. Er begrüßte die Bertreter der Behörden, die zahlreich erschienenen Bertreter der ausländischen Bruderverbände und der sonstigen Gewerkschaften. Landesgerichtsrat Dr. Kopp begrüßte den Berbondstag im Austroge der Württem- bergstcheu Regierung, im Austrage der Stadt Stuttgart Bürgermeister D o l l i n g e r. Stürmisch begrüßt wurde derenglischeKriegsminister T om Shaw, der als Sekretär der International« die Grüße der internationalen Textilarbeiter überbrachte.„Die Textilarbeiter-International« blickt mit Stolz auf den Deutschen Textilarbeiter-Verband. Die Textilindustrie aller Länder befindet sich ig einer Periode der Krise und Umstellung. Die Zeil der IliWoidualisiischon Dirkschafk Ist vorüber. überall zeigen sich Zusammenschlüsse. Die Textilinduftri« beginnt «!>» neues Zeitalter. Die Arbeiterschaft muß versuchen, die Entwick- lungspcriode zu befruchten. Allzu lange hat die Arbeiterschaft sich mit viel Arbeit und wenig kulturellen Genüssen zufrieden gegeben." Di« Rede Shows klang in dem Wunsche aus, die Arbeiterschaft möge den Geist der Zeit erfassen und ihm ein« stark« organisatorisch« Gewcrtschastsmacht zur Seite stellen. Roscher- Rcichenberg sprach im Namen seiner Organisation und der übrigen Verbände. Er wies besonders auf die technische Umstellung der Betrieb« in ollen Ländern hin. Die Textilindustrie ist in ihrer Leistungsfähigkeit weit über den Bedarf hinaus g e wa ch s« n. Jetzt beginnt die Umstellung. In seinem Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes streift« der Vorsitzende Schräder die Entwicklung des Verbandes in der Berichtsperiode. Er ging aus von der Wirtschaftsgestaltung der Textilindustrie. In den verflossenen Jahren konnten nur zwei Drittel der Mitglieder voll beschäftigt werden. Schräder besprach die Lag« der Arbeitslosen und hob besonders hervor, daß die Kurzarbeiter in der Textilindustrie berens schlechier dran seien als die Arbeitslosen. Der Verband wird sich in Anbetracht der großen Arbeitslosigkeit gegen jede Verschlechterung der Arbeitslofenoersicheriing und Arbeitslojenfürsorg« wenden. Ein erheblicher Teil der Rede gall der sogenannten T e x t i l- ardeiteropposition. Diese hat zu einer Reichskonserenz am 21. und 22. Juni in Stuttgart ausgerusen. Der Textilarbeiter-Ver- band hat mit den Spaltern aufgeräumt. 63 wurden ausgeschlossen. Ein großer Teil der kmn�nistischen Mitglieder arbeitet im Roh- men der Organisation. Ausführlich beschäsligte sich Schräder mit den V o r k o m m- Nissen in Hortmannsdorf, die fünf Arbeitern das Leben kosteten. Die Pcrsammlung unterstreicht die Ausführungen Schröders mit lebhaftem Beisall. Der Kassenbericht, den S ch öl l e r- Berlin gab, war ein erfreuliches Zeichen der Stabilität der Mitgliedschaft. Die Bei- tragsleistung ist bedeutend gestiegen, die durchschnittlichen Leistungen jedes Mitgliedes sind wesentlich gehoben. Dos ist besonders de- deutungsvoll, well 58 Praz. der Mitglieder Frauen sind. Iniolge der gestiegenen Beitragsleistungen waren die großen Aus- gaben möglich, die der Verband zu machen gezwungen war. Roch in keiner früheren Zeit war die Möglichkeit vorhanden, derartig« Riefensummen für Streik und sonstige Ilnterstüszungen auszugeben. Em Beweis, daß das inner« Leben der Organisation gesund ist. Di« Vermögenslage des Verbandes ist nach wie vor ausgezeichnet. Anweisung der Gchweriudttflrietten. Die lähne werden um 21/, Prozent gekürzt. Bochum, 16. Zuoi.(Eigenbericht.) 3a der Gruppe ftordwelt der Eisen- und Stahlindustrie sind am Montag die durch Anschlag vorgesehenen Kündigungen er- folgt. 3n einem Rundschreiben gibt der Arbellgeberverband Nord- weit an seine Mitglieder Anweisungen über die Berechnung der neuen Akkordsähe. Zu dem Schreiben heißt et: ~Jür den Monat April 1830 ist an» der gesamten tohnswvm« einschließlich aller Zulagen der Vurchschnillsstuodeuverdienst der Ge- samtbeleoschasl zu errechnen. Dieser wird um?.S Proz. ge- kürzt. Die überlartslichen Zulagen der Zeillöhn« sowie Akkorde und Prämien der Akkordarbeiler find dann aus Grund der Unter- logen für den Monat April so umzurechnen, daß der um 7Z proz. gekürzte vurchschultlsstoodenoerdienst der Gesamtbelegschaft Im Monat April erreicht wird. Die so errechneten Akkordsähe und übertarislichen Zulagen der Zeitlöhne find am t. ZuU 1830 der Eni. lohnung zugrunde zu legen." Der Deutsche Mstallarbeiterverbond werd Sonntag in Essen eine große Protestkundgebung gegen die Lohn« senkungsaktion abholten. Di« Kommunisten wollen am 26. Juni in allen Städten des Ruhrgebiets„Massendemonstrationen" veranstalten. Am 28. Juni soll in einer Zentrolkonferenz der roten Gewerkschaften in Esten die Zentral st reikleitung" gewählt werden. Ihr Streik soll unter der Parole lausen:„Sieben- swnhentag bei vollem Lohnausgleich und 20 Ps. Lohnerhöhung stündlich." Da sie nichts zu sagen haben, können di« Kommunisten drauf los reden und fordern. Mit eingerollter Gowjetfohue. Gewerkfchastsspalter Kloxin sucht Summe. Vom Zentraloerband der Schuhmacher wird uns geschrieben: Aus dem Arbeitsnachweis der Schuhmacher läßt der Gewerk- schaftsspalter Kloxin Handzettel verteilen folgenden Inhalts: .„Kollegen! Kolleginnen! Einladung zu der am 17. Juni in Dockers Festfäl«. Weberstr. 17, um S Uhr stattfindenden Gene- raloersommlung. Tagesordnung: 1. Organfsationsbcricht, 2. Ausgaben der reo. Gewerkschastsopp., 3. Verschiedenes. Die Ortsverwaltung. I. A. Kloxin." Es muß schon schlimm bestellt sein um die„reo. Gewerkschasts- opp.', daß sie sich schämt, aus den Einladungen zu sagen, s ü r w« l ch e Organisation diese sagenhaste„Ortsverwaltung" zeichnet. Oder soll!« sich di« Splitterorganisation des Kloxin schon in der Auflösung befinden und nur noch die„Ortsnerwaltung" übrig sein? Wer zu dieser„Generaloersammlung" Zutritt hat, ist nicht onge. geben. Die Einladungen werden wahllos an alle Arbeitslosen ver- teilt. Ist diese„Generalversammlung" vielleicht so gedacht, daß generell jeder Zutritt hat, ganz gleichgültig welchen Berus er ausübt? Wir kennen die Methoden der Phrasenhelden um Kloxin, mit denen sie in der Oeffentlichkeit Eindruck schinden. Die.Mol« Fahne", die sich üblicherweise als einziges Arbeiter- blatt bezeichnet, unterstützt diesen offensichtlichen Dummenfang des Kloxin, indem es in der Ausgabe vom IS. Juni«in« Anzeige ver- öfientlicht als„Generalversammlung der Schuhmacher", ober auch ohne«in« Organisation oder Unterschrist zu nennen. Es sind di« üblichen Bluffmechod«n der arbeiterfeindlichen Ge- wertjchaftsspalter. Si« machen große Versprechungen, di« sie nicht hasten können. Um nun noch Leut« in die Bersamnllung zu be- kommen, lasten sie die Kolleg«» im unklaren. Ehrlichkeit läßt ein« solche Methode mehr als oerinissen. An ihren eigenen Ideen icheinen st« langsam zu zweifeln. Unseren Kollegen und Kolleginnen körmen wir nur zurufen: Hastet euch fern von diesen Verführern und ihren Deranstoltungen, die euch nur Phrasen auftischen können. Ttoiopfer der Reichsbahn? Wo gespart werden kann. Durch die Preste laufen Mitteilungen von der angeblichen Ab- sicht der Reichsbahnhauptoerwaltung erstens di« Personen- tarif« zu erhöhen, vxis ja wohl durchaus auf d«r Linie der Brüning-Siegerwaldschen Preissenkung saktion liegt; zweitens bei den P«rsonalausgaben Einsparungen vorzunehmen Man will sogar mit der Reichsregierimg darüber verhandeln. Bürgerlich« Blätter ichließen daraus, daß die Reichsbahn naib berühmten Mustern«wen Lohnabbau vornehmen möchte, um di« Kaufkraft zu heben und die Wirtschaftskrise und ihr« eigene zu überwinden. Di« Löhne sind tariflich bis zum nächsten Frühjahr fest- gelegt. Anck» dann werden sie mir abgebaut werden können, wenn das Personal damit« i n v« r st a n d« n ist. Di« Gehälter der großen Mais« der Beamten sind gesetzlich fe st gelegt. Ohne Zustimmung des Reichstags ist da nichts zu machen. Bl«ibt also nur«ine Möglichkeit: die Geh äster der Direktoren. der Berwaltungsrotsmstglieder, di« Korrupfionsprämien und den ., Dahns chuy" abzubauen. Da sind allerding» allerhand Mil- li o n en einzusparen. Sollte die hohe Reichsbahnbürokratie auf dem Astar des Vaterlandes wirklich einen Teil ihrer Riefen- gehälter opfern? Verbandstag der Musiker. Gestern begann in Berlin der viert« Berbondstag des Deutschen Musikerverhandcs. Der umiangreich« Geschäftsbericht, der sich auf in« letzten drei Jahre seil dem dritten Dsrbandstog bezieht, fpiegest mit erschreckender Deuttichkest die Tatsache wider, daß die technische Umwälping m der Industrie und die versehlle Wirtschaftspolitik nicht nur für di« Induswiearbeiterschait verheerend« Folgen gehabt Hot, sondern tn noch größerem Umfange für die Musiker, die in keiner unmittelbaren Verbindung mit der Industrie stehen. Die allgemein« Arbeitslosigkeit. die Millionen von Menschen.zwingt, ihr« wenigen Barmittel für die Erhaltung des nackten Lebens aufzuwenden, hat zwangslmtfig zur Einschränkung der ftultirr. und Unterhaltungsbetriebe geführt, in denen das Gros der Musiker chr« Existenz findet. Während zum Beispiel mn die Zeit de, letzten Verband»tagez in den Großstädten teilweise kaum so viele«rwerbÄos« Berufsmusiker vorhanden waren. um mit chnen«in Gsmeinschastsorchefter zukommen stellen zu können. waren nach einer Erhebung des Hauptvorftondes vom 4. bis 10. Mai d. I. in zwanzig der größten deutschen Städte«3200 Musik« arbeit». los. davon allein in Berlin 2000. Wie groß die Rot dieser arbestslosen Musiker ist. beweist die wettere Feststellung, daß vo» diesen 6200 arbettslosen Musikern 2668 gar keine Unter- stützung erhielten. Trotz dieser wirtschaftlichen Ungunst ist e« d« Organisation« der Berichtezett gelungen, eine zan.;« Anzahl tariflicher Erfolge zu erringen. So ist zum Beispiel di« Zahl d« Tarifverträg« für die K i n o mu f i k e r sett dem Jahr« 1926 von W auf 64 g»- stiegen, gl«ichzsttig die Zahl der durch sie erfaßten Betrieh« und B«- schästtgten. In vielen anderen Tarifverträgen sind hinsichtlich der Bezahlung bei Krankheit, der Gewährung van freien Tage«, der Urlaubsregelung usw. Verbesterungen durchg�etzt. in einer Anzahl von Fällen auch Derschlechtenmgen dieser Tarifbestimmnngen abge- wehrt worden. Daneben wutd««in zäher Kampf geführt gegen die Konkurrenz der Beamten» und Militärmnsiker. der Dilettanten und Ausländer, dem aber leider nur geringe Erfolge beschieden waren. In der regen Aussprache über die Bericht« wurde,«m einige» abweichenden Auffastungen mehrerer Delegierter über einzeln« rein organisationstakttsche Fragen abgesehen, die Tätigkett des Verband». Vorstandes während der Berichtszett vollauf anerkannt. Zurück von Moskau. Prag. 16. Juni.(Eigenbericht.)' Die kommunistischen Gemerkschaftsverbänd«, die bereits über ein Jahr zur kommunistischen Opposition gehören. d. h. zur Opposition gegen Moskau, stehen im Begriff, zur Sozial- demokrat!« zurückzukehren. Sie verhcindeln zur Zeit mit der sozial- demokratischen Gewerkfchaftszentrale wegen einer Verschmelzung. Scht»»U, ff®#.! Connabend, 21. Zunl. t" Nbr. b-qi»lU l>i« ffarnunre;!)» tun H�W.®tr«ftcttb«bn und■Mtoag im Loial..Otob'um". (=| Käsend«!!» 32—38. Seuossen VIft. daß dief« Seiet eine morfitnodc Sund- W fleduna für Rottet und freie Gewerkfchafien wird. Erscheinen ist � Pflicht eine» jeden#envlsen. De« zn>ltü>i>»i>oest-»d. Z�reie Gewerkschasts»Iuaetid Berlin Heute. Diensia». Wi Udr. tagen di- Truppen! Treptnw: Kruppen. heim Schule Wildenbruchstr. 33-5« sKortzimmert. ff-rtrag:„«stran». mische ttleinipkrüen".- Kumb-Idt: Jugendheim ffimu. Erfe Lorhing- G Vortrag:„Jugend und sexuelle Fragen�.— FranksurteT Allee: Ltädt. Zugend» beim Litauer Stt. IS. Vortrag:.Staat und Kirche".- Lanb-berg« Platz: Grnppenheim Diestelmenerstr. 3. s?ilmabend:„Soziales— Kulturelles— weiteres'".— Lichtenberg: Jugendheim Tossestr. 22. Hoicmanu bringt was Reuest— Reu« Lichtenberg: Jugendheim Guntcrstr. 44. Nnhcn partrag: „flonvmun? Berlin— Jugendpflege und Jugendfürsorge�.-- Pankow: Gruppen» bcim Pankow. Aifsingenftr. i£. Volkswirtscha�Uiche Plaudewcn-— SüMtm: Baden in Älingcnberg. .�ooendorupve des �entralverstandes der Anoesteilten S Seute. Dienstag, finden snlaenh- Veranstaltungen statt: Lichtenberg: stugendheii» Sunterstr. 4t. ,�Ir!eg- Treibeis— Menschbeitt. Pef«. »ps a„__ ch...—„.«a t-nti« 6ridrl Hall.— Narbniest: Iugcndbei» Lehrter Lir. 18— IS. Varttag: .Eine ssahrt unter der Erdaderfiäche-. ffekerent 9or[ Psaschs«_ gm Sann- abend, 2t. Suni. 2l Uhr. findet im Freilichttheater de, Volkeparts Zunatern. beide unsere E-nneneoendfeier statt.— Zussonnenlunst aller sn-rtfre-.ldigrn ?r-g«ndinitgl!«der um 20 llbr>m Or»»bi!r». Ausstäche«her die Bildung einer ZdÄI.-Eportgruppe. 3epName MA6Gi die aelb-role(Packung h] von ilzii MAGGI Ar. 277» 47. Jahrgang 2. ��6*9�1*�(15�6 Oietiöfog, 17. 3um 1930 Hermann Stieber: Jim �Berlins Di« SkrcnftaJkr der Ausstellung„Alt-Berlin" haben sicher nichl daran gedacht, ihr«r Vaterstadt weh« zu tun. Im Gegenteil: diejc Sommcrschau„Fundament« der Weltstadt" sollte d«m Ruhme Berlins dienen. Aber sie ist mit soviel wissenschaftlicher Gründlichkeit und künstlerischer Anschaulichkeit zusammengestellt, dah das wahre Gesicht der Stadt sich enthüllt und ihre Entwicklung seit dem späten Mittel- alter verfolgt werden kann. Diese Entwicklung gibt zu Stolz und Freude nicht den geringsten Anlast. Man wird mit Ausnahme der amerikanischen Großstädte kaum ein Beispiel so vieler Versündigungen gegen die Regeln eines gefunden Städtebaus finden wie hier. Dabei haben die Nordamerika- nischen Städte noch die Entschuldigung, keine Tradition zu besitzen. Aber Berlin hat— und daraus wird mit besonderem Nachdruck und nicht ohne Erfolg am Kaiserdamm hingewiesen— Tradition. Berlin hätte etwas werden können, wenn diese Tradition weitergebildet worden wäre. Es fehlt nicht an Ansätzen zu einer vernünstigen städteboullchen Gestaltung, und an fähigen Architekten war kein Mangel. Man hätte sie nur zu beschäftigen brauchen— wie Dresden die Pöppelmann und Georg Bähr beschäftigt hat, Wien Fischer von Erlach und childebrondt und Würzburg den Balthasar Neumann, der vielleicht von allen deutschen Barockbaunieistern der genialste gewesen ist. Berlin kann mit Johann Arnold Nering auf- warten, mit Andreas Schlüter, mit Wengeslaus von Knobelsdorfs, mit dem älteren Langhans und Friedrich Gilly, und schließlich mit Friedrich Schinkel. Mit solchen Kräften, sollte man meinen, ließ sich eine Stadt aus- bauen, die sich mit jeder anderen messen konnte. Auf allen Gc- bieten finden wir ein« reich« Zahl von hervorragend tüchtigen Menschen: in der Literatur Lessing, Kleist, G. T. A. Hofs mann, Tieck, Heine, in der Musik den Begründer der Singakademie, Fasch, Mendelssohn, Lortzing, Reichardt, von bildenden Künsttern die Maler Chodowiecki, Blechen, Gärtner, Menzel, die Bildhauer Schlüter, Schadow, Rauch. Warum haben sie nicht schon im 18., spätestens al-er zu Beginn des 19. Jahrhunderts Berlin zu eincin geistigen Mittelpunkt, zu einer Kunststadt gemacht? Warum ist statt dessen die preußische Hauptstadt das Gespött Europas geworden? Weshalb haben sich gerade unsere großen Männer: Goethe, Schiller, Lessiug, Herder, Winckelmann so abfällig über Berlin geäußert? Das kann doch nicht nur Borurtett gewesen sein. Unsere bürgerlichen Professoren haben das Schlagwort geprägt von der„preußsschen Nüchternheit": das läßt dann imnier noch die Anerkennung von besonderer Tüchtigkeit und schlichter Gediegenheit zu. Eine verlegene Phrase, nichts weiter. Eben jene geistigen llräfte, die Gediegenheit gewährleisteten, haben sich in Berlin nie entfalten können. Der preußische Korporalsstock bat immer wieder d-e Ansätze zu einer geistigen Kultur zerschlagen, so wk der Krück flock des„Philosophen von Sanssouci" das Meißener Porzellan und die Spiegel im Schloß des sächsischen Kanzlers Brühl. Neben diesen Feldmebelnawren wie Friedrich Wilhelm 1. und Friedrich Wil- dtlmztll. stehen eitle, prahlerischc Tröpfe wie Friedrich A, Friedrich Wilhelm IV. und. Wilhelm II. Di« machen dann keineswegs in ..preußischer Schlichtheit", sondern in Kitsch und Bombost. In Fride- ricus vermählen sich beide Tendenzen: die barbarische und die komödiantisch«. Der Fasiadenschwindel von Potsdam, besonders das beinahe schon wilhelminisch anmutend«..Neue Palais", zeugen dafür. Ueberhaupt ist ja die Architektur der untrüglichst« kulturelle Wertmesser. Don allen Künsten berührt sie sich am unmittelbarsten mit dem Leben. Enger als Poesie, Malerei, Musik ist sie an die besetze der Wirklichkeit gebunden. Mehr noch als von dem Einzel- rebäude gilt das von einer Gesamtsiedlung, vom Städtebau. Der bat ausgesprochen sozialen Charakter: nicht den Wünschen und Launen eines einzelnen dient der Städtebauer, sondern den Be- bürsniss'en einer Gesellschaft. Mit diesen Bedürfnissen ist er durch seine Aufgab« verknüpft. Bis in die Einzelformen des Schmucks — in das, was dem Laien als das Wesentuch: an einem Baustil erscheint— läßt sich dieser Zusammenhang verfolgen. Di« Hohenzollern sind stets mit einer stupiden Hartnäckigkeit hinter ihrer Zeit zurückgeblieben. Bon der Mitte des 15, Jahrhunderts ab, als Kurfürst Friedrich II., der„Elsenzahn", seine Zwingburg auf die Spreeinsel baute, mitten in das Weichbild der bescheidenen Fischer, und Handwerkerstadt, bis zu Wilhelms Sturz läßt sich das von der Baugeschicht« ablesen. Di« Errichtung der Burg war als Symbol gedacht für die Vernichtung der städtischen Recht« der Berliner und Köllner. Und wenn Wilhelm I. die alte Gerichtslaube, dos Ueberbleibsel ihres Rathauses, im Park seines Schlosses Babelsberg als Spielzeug wieder aufstellte, so liegt diese Tat auf derselben Linie. Da stand nun die Burg der Hohenzollern und daneben der alte Dom. Wöhrend die Bürger eingepfercht waren in enge Gassen und in viele Arm« der Spree, in«in« richtige Wasserstadt, hatten die Kurfürsten Raum genug für einen Turnierhof, an den noch heute die Bezeichnung„An der Stichbahn" erinnert. In der späteren Nenaissancezeit, als dieser rauhe Sport abkam und galanteren Freuden Platz macht«, wurde im holländisch-französischen Sttl der ..Lustgarten" angelegt, der heut« seinen Namen zu Unrecht führt: iauber abgezirkelte Beete mit einem„Oranzenhaus" als Abschluß. Für dieses„Orangenhaus" mußte ein eigener Steg über die Spree gebaut werden. So prangte neben der düsteren mittelalterlichen Zwingburg unvermittelt die höfische Ueppizkeit des Südens. Nach dem Dreißigjährigen Krieg machte sich der„Große Kur- fürst" die neu« Befestigungskunst der Franzosen zunutze— er war ja auch sonst sehr gut Freund mit dem„Sonnenkönig", von dem er jahrelang fette Schmiergelder einkassierte— und zog«ineti stern- förmigen Gürtel von Schanzen, Bastionen. Laufgräben um die Innenstadt. Am Spittelmarkt, am Hausvogteiplatz, an der Wall- üraße war die Herrlichkeit der Residenzstadt zu Ende. Diese Ab- schnürung des Festungskerns mit dem Schloß als Zitadelle wurde für die Entwicklung der Stadt zum Verhängnis. An die Pracht- alle«„Unter den Linden" nämlich, dl« der Kurfürst außerhalb des Festungsgürtels anlegte, hängte Friedrich Wilhelm I. eine Barock- st a d t an mit lauter regelmäßigen Häuserblöcken und schnurgeraden Straßen. Der heutige Belle-Alliance-Platz und der Leipziger Platz waren die Grenzen dieses neuen Stadtteils. Ganz schematisch- gedankenlos, ohne Rücksicht auf den stärkeren oder geringeren Der- kehr, wurden alle Straßen genau gleich breit angelegt. Noch heute hat die„Friedrichstadt" unter diesem Mangel zu leiden: die Friedrich- straße ist nicht breiler als ihr« vollkommen toten Querstraßen. Em guter Architekt versteht«s, auch nmerhakb der Festungs- mauern«ine brauchbare Wohnstadt anzulegen— man braucht nur Rrs alle Würzburg anzusehen. Andreas Schlüter hätte das Zeug gehabt, die Achler des 17. Icchrhrmdert, gutzumachen. Die ffiaugefchichle Straße„Unter den Linden" lief sich gegen die Innenstadt tot. Ebenso fehlte von der anderen Seite her, von der heutigen Königstraße, «in würdiger Abschluß. Man hatte den Hamburger Baumeister aus Polen kommen lassen, um' das Schloß, die Wohnung des neu- gebackenen Königs, neu aufzubauen. Aber er wäre ein schlechter Architekt gewesen, wenn er nur den Königspalast und nicht auch dessen Umgebung einer Neugestaltung unterzogen hätte. Er bea'o- sichtigte zweierlei: Schloß und Marstall mit einem neuen Dom als Quergebäud« und Abschluß der König�traße zu einer großartigen Plotzanlage zusammenzufassen: zugleich wollt« er die Nordwestecke des Schlosses weit vorschieben und mit einem hohen Turm, dem „Münzturm", abschließen. Der hätte einen Blickpunkt von den „Linden" her ergeben und«in neues Wahrzeichen für die an schönen Türmen arme Stadt. Es ist nichts aus diesem ausgezeichneten Plan geworden. Als 1795 der Münzturm während des Baus«instürzte, wurde Schlüter entlassen. Sein unwürdiger Nachfolger, Eos ander von Goethe, baute noch nicht einmal das Schloß zu Ende, das als Stückwerk liegen blieb,— geschweig.- denn, daß er den Plan m!t dem Dom zu Ende geführt hätte. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts ließ Friedrich II. den Festungsgürtel abtragen. Wenn er nun wirklich der groß« Kunst- freund gewesen wäre, als den ihn seine kritiklosen Bewunderer hin- stellen, hätte er vor allem daran denken müssen, die alte Innenstadt und die neuen Vorstadt« einander anzupassen. Er hatte das un- verdiente Glück, an einen Knobelsdorfs zu geraten, der mit der Anlage von Rheinsberg und mit der„Breiten Straße" in Pots- dam Proben eines überragenden städtebaulichen Könnens abgelegt hat. Aber die Tragödie mit Schlüter wiederhotte sich: noch ehe der Meister sich seiner Hauptaufgabe zuwenden tonnte, fiel er in Un- gnade. Nicht einmal das„Friedrichssorum", den Platz neben der Oper, hat er vollenden dürfen. Flierich ließ die gar nicht zu dem schlichten Theater possende.Kommode", die wild ausgeschweift« königliche Bibliothek daraufsetzen, und selbst die guten Bestandteile des Platzes: Oper und Hedwigskirche, sind unter dem glorreichen Minister Becker für all« Zeiten verhunzt worden. Friedrichs II. Interesse erschöpfte sich in leeren Theaterbauten wie den beiden sinn- losen Kuppeln auf dem Gendarmenmarkt und dem schwächlichen Dom, der für die„Linden" keinen Abschluß bilden konnte, weil er an der Rückseite des Lustgartens— da, wo Raschdorrfs Schand- architektur heute dos Aug« beleidigt, aus der Achse dieser Haupt- straße heraussiel. Das ausgezeichnete Projekt des Franzosen B o u r- det für die einheitliche Bebauung des Gcndarmenmarktes blieb unbeachtet. Schinkel hat dann noch«inen letzten Versuch gemacht, die Ziellosigkeit der Linden zu korrigieren: er wollte einen Waren- Hausbau für ein« Pariser Firma im Jahre 1859 in ihre nördlich« Flucht hineinrücken und dadurch dem Auge«inen Ruhepunkt schassen. Das gleiche sollte, noch wirkungsvoller, für die ins Leere verlaufende Leipziger Straße geschehen durch zwei monumental« Kirchenbauten am Leipziger Platz und am Spittelmarkt. Alles umsonst: die„Maß- geblichen" ließen den Stadplan auseinanderlaufen wie einen miß- ratenen Kuchen. Es wurde ärger und ärger: als es sich darum handelt«, den zweiten Gürtel zu sprengen und die Ministergärten zu durchbrechen zugunsten einer Verbindung mit den neuen westlichen Stadtteilen, versagten die Königlichen abermals wie beim inneren Festungsgürtel, und das Bayerische Viertel mußte neben die Innenstadt gebaut werden. Die groteske Scheußlichkeit des Königsplatzes auf einem-toten Fleck neben der Charlottenburger Chaussee besiegelte das Schicksal Berlins. Das Stadtbild der Reichshauptstadt ist. dank kurfürstlicher, königlicher und kaiserlicher„Fürsorge", für oll« Zeiten verpfuscht. Werberi 3)uckSlein: 3)er ffifingflochle miehl Mein Datcr war der unyusgevärte Geist, der unter blauern Himmel auf brauner Scholle, zwischen Wald und Feld lebte, der beim Donner Gottes Gnade anfleht« und im Sonnenschein Gottes Liebe anbetete, der in den gefüllten Scheuern Gottes Segen er- tannte und der bei mißratener Ernte wegen seiner Ungnade weinte � ein Geist, dessen Kräfte brachlagen, aber nicht tot waren. Der,«in ungenutztes Land, Kraut und Disteln und Hederich aus sich erzeugte, weil sich niemand gesunden hatte, ihn umzugraben und zu pslegen. Sein« Fruchtbarfeit schoß in wucherndes Unkraut.«Aus solchen' Geistesacker erwuchsen wir eines Tages: ich, mein« Schwestern, mein« Brüder. Der Same war gekommen aus einsamen, warmen, natur- nahen Sommerabenden, an denen die arbeiismüden Menschen auf grünen' Bänken vor ihnen Häusern sitzen, an denen Abendkäfer summen und trunkene Fledermäuse taumeln. Vom Sternenhimmel waren die Urzellen, aus denen ich wurde, als Schnuppen gefallen: und gegen Mitternacht, wenn die Nachteulen bereits schrien, wenn es draußen unheimlich wurde, wenn die Geister umgingen, dann fand nn Mensch dos Wort, das alle dachten:„Da— hinter der Schlehdornheck«— seht doch— jetzt kommt er auf uns zu."— Alle sahen und erkannten ihn sofort, diesen unheimlichen, gespenstigen Niemond. — Man kroch flugs zu Bett. Ohne schlafen zu können. Im Bewußt- fcmsnetz blieb etwas gefangen— zappelte— zappelte. Ein Traum wurde daraus— und aus dem Traum«ine vage Bermutung— und die Vermutung, die Summe der Vermutungen oerdichtet« sich zu einer Wunschwell, zu einem Phantasieparadies: zu einem Glauben. Alles Tot« belebte sich: um die sichtbar« Welt, dieses Konglomerat von Wasser und Luft und Wald und Erde, spornt sich der poetischverklärende Schleier einer zwetten, unsichtbaren, subjektiven Well. Mit Nebel, Mystik, Mythos, Glauben. Von dort komme ich.— In jener Zeit wurde ich. Das ist lang«, lang« her. Heute be- ginnen die Psingstbirken und die Linden meiner Heimat bereits schwindsüchtig zu werden. Sie können den Kohlenstosfatem der Zivilisation nicht vertragen, sie kranken an dem Rauche, den die Zehntausende von himmelshohen Essen täglich über dos Land legen. Wir werden mit ihnen krank. Mein« Schwestern und meine Brüder: Der langbeinige Storch sucht vergeblich nach kleinen Menschentindern in Wassern, die die Oellachen von Fabrikwässern bedecken und ersticken. Mein Bruder Langbein schreitet zuweilen schon am Rande eines lärmvollen Schulhofes entlang und klappert:„Meine Msssion ist erfüllt: fragt eure Lehrer und eure Mutter, ob sie bereits so weit sind, euch die Wahrheit sagen zu können." Und auf und davon klappert er. Di« Kinder zerreißen zotig« Bilder und freuen sich, wenn es läutet, auf den naturkundlichen Unterricht.— Dos Zucker» schokoladenkonterfei meines großen Stiefbruders, des Worhnachts- mannes, verzehren am Heiligabend die kleinen Menschenkinder und triumphieren über den Gertemnann, der sie nun nicht mehr mit der Rute bedroht, und bei dessen Erscheinen keine Kindertränen mehr in den Schnee tropfen. Di« Wohnungen und die Schränke sind wohl durchsorschbar und nicht mehr groß genug, als daß noch Geheimnisse in ihnen schlummern könnten! Die Herzklopfen bereiten und halb- durchwachte Nächte, in denen die Kleinsten ängstlich nach der Mutter rufen.— Ich großer, starker Pfingstochse, der ich durch die Jahrhundert« gewandert bin, eichen- und maienbekränzt, kam neulich auf den Ge- danken, vor Senilität zu sterben. Sie alle haben mich ja altern und zerbröckeln lassen: der Geist von 1789, der an den eisernen Pforten des Glaubens und Unglaubens zu rütteln begann, der die Baum- blüte analysierte, und der der menschlichen Stativ die Erde erschloß mit ihren Millionen Geheimnissen und Glaubensstimulantlen, der den Mond seiner Mildiätigkeit und seiner Poesie entlWdete, der die Pest nicht einfach als gottgewollt hinnahm— und der es nicht wahr haben wollte, daß die ganze tausendfache Erdennot gequälter Menschenkinder ein Nolttanger« der„göttlichen Wellordnung" sein sollte, der sich nicht mehr recht um die Kirchen kümmern wollte, und der heutzutage welllich« Schulen erstehen läßt, str denen man Physik und Zoologie und Botanik predigt. Dieter Geist, destruktiv für alles Metaphysisch«, hat auch mich nicht unberührt gelassen. Eigentlich ignorierte er mich vollkommen. Aber dafür betont« er die Well, die ohne Wunder sei. ohne Hexen, die an bestimmten Tagen nackt und auf Lesenstielen ihren qualvollen Strafritt in die Berg« trm müssen.— Ich fühle mich als ein Opfer dieser Aufklärung. Ich habe lange Jahr« gegen meinen Untergang, gegen diese Eni- heiligungs- ui«d Prosanierungstendenz der modemen Welt gekämpft, gegen diese sich breitmachende Poesielosigkeit der Großstadt, die nur an das Wohl nebensächlicher Säugling« und kleiner Kinder in sonnen- losen Mietkasernen denkt, die jeder Romantik bor ist, well angeblich Romantik mit Luftmangel, mit Dreck und Schmutz und Krätze ver- bunden sein soll.— Man anerkennt meine Arbeit nicht mehr. Man will es nicht wahr haben, daß Ich mich in meinen Berhandümgeit aufreibe, die ich mit Petrus führ«, dem Chef des meteorolcgischen ZeMralbüros, die ich zu Pfingsten mit Oberförstern und Waldguts- defitzern wegen der Bereitstellung von Birkenbäumen führe. Nichts von alledem will man wahr hoben. Nur bei christlichen Müttern find« ich zuweilen noch offene Herzen: wenn ich ihnen im Traum erscheine: sie sollten ihre Erziehungs- und Züchtigungspflichten nicht vernachlösstgen, sie sollten zur Pfingftzeit(zuständigkZitshalber) stets emphatssch aus meine Allgegenwart hinweisen, die einzuschüchtern und Tränen zu locken vermag— und die zuweilen sogar beglückt und Lachen und Freude weckt.— Doch solche braven Mütter gibt es nur noch sehr wenige: meine Machtdomän« wird immer kleiner. Ich hasse die Kinder mit dem offenen und freien Bltck in diele nüchterne Welt, weil' sie nichts mehr wissen von uns: dem Pfingst- ochsen, dem Klapperstorch, dem Weihnachtsmann— ich hasse sie, weil ibr Blick nicht mehr nach unten gerichtet fft wie der von Hunden. die Prügel erwarten. Ich sehe sie morgen und übermorgen lchon hinauswandern in die grünen Wälder und über sonnige Wege, in dos Land, wo mein Vater nicht arbeitete, der Mensch mit dem Geiftesocker, auf dem Disteln und jcharlachener Klatschmohn und gift- grüner Nachtschatten wucherten: das fft so lange, lang« her!— Ich habe das Gefühl, das Eiszeitriesen gehabt haben müssen, als im Osten die warme Sonne aufging- die die blauen Eisfelder rot. blutrot färbt«, daß dies« schmelzen mußten. Wie«in fleischgewordener Anachronismus wanke ich in die kommendc Welt von Menschen, die man zum Denken erzog.— Vlary Ttigman: yiünjtterilcher�anSE und�healer Der dritte deutsch« Tänzerkongreß, der vom 19. bis 25. Juni in München tagt, hat u. a. die Frage„Tanz als künstlerische Formung in Oper, Schauspiel und Ehorische Bühne" in den Vordergrund der Erörterung gestellt. Ich kann dies nur begrüßen. Denn wir Tänzer, die wir uns aus tieffter Ueberzeugung zum modernen Tanz als dem Ausdruck unserer Zeit bekennen, wollen vom Theater nicht nur den nebengeordneten und gleichberechtigten Vühnentanz.— Wir wollen die Eroberung des gesamten Theaters von der tänzerischen Geste aus. Dieses fast anmaßend erscheinende Wollen trägt die höchste Erfüllung tänzerischen Seins und die tiefst« Bescheidenheit gleichzeitig in sich. Wir geben uns nicht zufrieden mit dem ästhetischen Teilgenuß, den uns das Theater heute vermittett Wir wollen beteiligt werden am grandiosen Spiel und Spiegel des Lebens, dos Theater in seinem letzten Sinn sein kann. Nicht nur gctanztes Theater wollen wir, sondern rhythmisch-beschwingtes und beschwingendes Theater. Kunst- werk, nicht Machwerk! Daß der Weg dazu weit und mühsam ist, wissen wir. Wir wissen aber auch, daß unser Wollen kein fanatischer Traum ist. Theatergruppen wie die russisch-jüdischen haben in ihrer Art das rhythmisch bewegte, in- und miteinander schwingend« Spiel lebendiger Körper, und wir wissen, daß es gerade das tänzerische Element fft, das ihre Darstellung so stark macht. In all den vielen Hunderten von Tänzern, denen ich begegnet bin, mit denen ich geor- bellet habe, lebt die gleiche Idee, mag sie sich auch verschieden äußern. In ihnen allen ist soviel Hingebefähigkeit, soviel inner« und äußere Leistungsbereitschoft. Und wenn man es versteht, diese Kräfte dem Theater nutzbar zu machen, so wird das Theater daran erstarken und sich von seinein heutigen Scheinleben wieder zum großen Lebens- fymbol wandeln. In uns allen lebt ein Sinn für das Theater, ein Glaube an sein« tief« Berechtigung, die in alle Ewigkell bestehen wird. Niemals wird es Tanz und Tänzern gelingen, das Theater von außen her zu erobern. Niemals wird ein schönes und leeres scheintanzen sich auf die Dauer im Theater behaupten. Di« tanze- rffche Gest« muß sich dem Theatergeschehen bis in seine letzten Tiefen verwurzcln und mutz bis zu den verschütteten Lebensquellen des Theaters vordringen. Nur vom schöpferischen Prozeß aus kann jene Erneuerung des Theaters gelingen, deren Erwartimg wir alle in uns tragen. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verliv kür diese 3tvt>rit Mir ext dctf IÄaendsekreüariat. SCÜa S2Z 4S, Cwbcarilrcfie 3 «t«lch»rchxfio! Ke-lte, LHr, PMchw-obe i» He-« Ter. Sit Eutin« Strohe, mtHanqeUrtcT. liefert um«6»nb Wt SenetsMaerte"" fHr?oT?«S! Heule. Dienstag. 19 H Uhr: Sillnisch« Bark.' Keim Waisenür. IS:„Tazeevvlitil".- Saimijal« v«- fladtr Schule Elisabethklrchfir. lS:.Arbetterfthter�.— ftentatm: Keim Sa»t«- iteats Sri. 50: ,'Srtift£l>ung und Entwicklung der~"■"— oloji; Schule Wiesen. Eck« Panlstratz«:»Di« Sei vor dem Kriege".— Sesniidbsninen �l: Schule..... Sszigliemus".— Kmnüoldtdnin: Heim Duibuiser Str. i: Lichtbilder:.Tie Kirch, in der Karikütur".— Leopvlbrlag! Schule lltrechler Ecke Turirier Straße.: .Naturschutzgebiete".— Schiierparl: Schule SchSningstraße:»SBZ. und Kirche".— Wedding. ZI. Schule Attticher Str. 4. IS Uhr:„SÄH. und ssret- tarverkultur".(Keunabend füllt aue.)— Wedbing-itzarb: Kein Turtner Ecke Seestraße: �lagezvolitit".— Zlrntmplatz: Schul« Sannenburger Str. AI: Jtitn- Maret-Abend."— Bril«n>alber Platz l: Keim Rastenburaer Str. IS:.Plkdhal und Nikotin".— Helmholtzolatz: Keim Dangiaer Sir. SS. Barocke 2:.Dar Recht de, Lehrling»".— Nordosten I: Keim Tan,rgi.r Str. W, Baracke Z:.58 eine Wittelparte, müglichZ"— Warschauer viertel. 9t ff., Keim Litauer Str. 17: ffunßionfiineifununlun«.— Lallesche, Tor: Treffpunkt zur Demonstration 17V Uhr.3tn'e Ecke".— Süden: Treffpunkt gut fluniffebuhg der Partei :v\ Uhr„Rote Ecke".— Schöneherg ll: Keim Hauvtstr. IS:„Somjetrußland".— Schoneberg III: Keim Kaupistr. ld: Aahrtenberichte.— Schöne berg!>': Keim Kauptstr. 15:.Arbeiterdichtung".— ckharlottenbnrg�üd sAel'ere): Keim Wallst». 76:„Urbeiterkulturorganifationen".— Charlotte nbrng. Süd, 9t ff.: Keim Eoethestr. 11: Ardeitegemeinschaft.— Westend rSeltere): Keim auf dem Sportplatz Westend: �ebenöfsthrung der proletarischen Jugend".— Bilm«»»- darf: Keim Wilhelmraue US: Rtitgliederverfammlung.— Lichterfelde: Keim Lichterfelde.West, Albrechtftr. 14e;„Unsere Gegner von link»".— Warle». darf El:„Daheim" 159,120:„Rote ffalken»dir Rote Pioniere?"— Siemen». stobt, ll. Gemeindeschule, Schulstraße: Kirche und Staat".— Steglitz(ÄcUeie): Seim Albrechtstraße 47:„Kerau» aus der Kirche",— Lnnlwitz, Lichterfelde. Steglitz: Urben gum Waldfest in Steglitz. Albrechtftr.<7.— Britz: Keim Eheäilfeestr. 48: �Religion und Styialismus".— Neukölln I: Keim Sander- SA straße 29: .�.5.Bericht«en der ffrtienßchrt"— Neukölln kkr Keim B«g» itakoerficheruna".— N-uLlln ES:. Keim Wethen Irr. 58: �Zegial!-, schtst...____._______... Ulln Ulli: Keim Schule Rlttlifiraße: Keimabend.— Neukölln IT: Keim Schule Rariendorfer Weg: Mitgliedervertammlung.— NenkAln XI: Keim fflughafcn. straße«8:.Sie»irche in der«arilatur".—«opeaick, Gruppe 1: Seim Gtünauet Str. 5:.Arbeiterdichtung".— Köpenick, Gruppe II: Heim Dahlwitzer Gl roß« 15:„Deutich« Industriegebiet«". 2. Teil.— Sermsdorf: Turnhallen. a-bäude Roonstraße:„Das DerhSltni- gnnlchen Buriche. und Mädel in der SAZ."_ Tegel: Heim Sahnhoistr. 15: 2» Uhr wichtige KnivUmSrfitzMig. Heimabend fallt au». Werbebegirl strrngderg: Alle Gruppenperanstaltunaen fallen au». Beteili- -un.g an der Anti.ffaschisien.Aundgebung der Partei. Treffpunkt ISitz Uhr Eaustßer Platz. Werbebegirl Osten: Igt, Uhr Sprechchorprobe im Seim Litauer Str. 18. Da» Tambourkorp« erscheint gleichfall» lohne ZnstrumenteV Vortrage, Vereine und Versammlungen« Reichsbaulier„Schwarz-Roi�Solv". Gefchöft»st«ll«: Berlin S 14. Sebastianstr 87—38. Hof 2. Tr ffriedrfchrhnfn, Dienstag, 17. Zuni. 19 Uhr, Antreten mit Mustk ffahnen auf den Samm""""" SM. Stralau-Nummelsb, und ffahnen auf den Sammelplätzen der Kameradschaften. Nach» «ügler IWi Uhr shf. Strolau.SuttnncIsbitta.— Donnerstag, 19. Znnt Preng. laut Berg, Veriaminlungen um 20 Uhr: Kam. Robert Blum bei Klug, Dan- giger Str. 71. Kam. Wörther Platz bei Jundel. Kastanienallee 29-80. Kreng. be'rgs 191b Uhr Antreten in Zempelhof. Sa der Dorfaue. mit Tambourkorv» und ffahnen. Erscheinen Pflicht. WinterspartahteUnng: 30 Ilhr Monattversammlung am ffuße de» ffunkturm». Vorher ab 18 Uhr gemeinsame Vefichligung der Au». stellung„Alt-Verlin". Treffpunkt Eingang ffunkhalle. Ermäßigter Preis 1 SR. Tempelhof: Iflltz Uhr Pflichtantreten Douistraße, Tempelhof, gum Sreisauimarich mit anschließender Kundgebung gegen den ffaschismu«. Treptow lvrts-erain): Pslichtoeranstaltung in Tempelhos. Abfahrt ab Shf. Nieberschönewetde 19.22 Uhr sSÜdriua). Antreten Tempelhof, an der«orsaue. Nächst» Veranstaltung am 24. Juni, Rothe nau-Erdächrrüsfeier, Lichtenberg: Zungmannschaft ab 18 llhr auf dem Ststbtischen Sportplatz in der Tre»l«nalee, Ecke Uppstallmeg. gum Freisport. Schutziwitefc 1 Dr«»inner Garten. Gaste willkouimen, Dresden« Str. ». B. Donnorpigg. V». 45, Kongemahend Bmlin«. T WH, l.ongfellow English Deheiirg Club: Mittwoch, 20 Uhr, Zahnärrtehau» BOlo«-- s*T»6e 104, Outtmannsaal; Prof- Wenälandt ,Ob Charles Dickens* Sport. itUaaen zu Ruhlebeu am Aloutag. de« IS. Avoi. 1. ist e n n e n. t. Haue» fR. SKugiu«), 2. Delegation, S. Ticer o. Toto: 18: 10. Blaß: 18, 16. 15; 10. Ferner liefen; Fnstanella, Atont, Kafsette. Peter Nlirmi, Komödie, Gerenade. 2. Rennen. U AniarhlliS sSberO. 2. Prachtmädei» Tochter. S.Queenie. Toto: 70: 10. Platz: 21. 13, 11: KJ Ferner liefen: Ordnung. Poesio, Lord ForbeS, Heliotrop, Redellappe, Heureka. 3. Rennen. 1. Abt: 1. Drama(P, Schüller), 2.� Erster GeeSofer, 2r Friedrichsd'or. 4. Halm. Toto: 26:10. Platz: 12. 17. 17. 23:10. Ferner liefen:■Satan, Seinftock, Weinbrand, gram, Propeller, Dunazer, LinScott fr., Friedrich Rex. Mary Holsten, Lebemann. 1. llgiiafor, ler. Na? Campanula, 2.«bt: t. Buter(Eh. MW). 2. Ration. Toto: IS: 10. Platz: ,4. 17,19,16:10.. Küfer, Niederländer, Lombardei, Mary L., Theodora. Aipspitze, Peramo. 3. Fischotter. Ferner lieseu: Maltesers Zierde. «.Rennen. 1. Abendftern Toio: 18: 10. Platz: SS. SS: 10. sgaoh fr.), 2. Zerner Uesen: Sckstem, 3. Königsadler. Möglich, Pianet.«ignal. S. R e« n e». 1. Herbstaster(öoehne), 2. Edelmeifter, 3. Thepkrat 1. Ulenburg. Toto: 17: 10. Platz:!1, 11, 31,22: 10. Ferner Uesen: Olan. Lilewka, Agina. Galeasse, Mimt, Tonftanze, Kroschel, Arosa, Adresie, Tiiania. «.Rennen. 1. Adam(Werl). S. Luftige» Mädchen, 3. Jlex. Toto: 15: 10. Platz: 13, 18, 20: 10. Ferner Uesen: tzeliogabal, Siloapiana, Lad, Duffh. PirnS. B scata Ttttzl. 5 u.S'l, Uhr. B S EsOt WM | Pr. 1-6 M. Woohgntg. 5 U. 80 Pf.-S M. WWW OirUtUui. Or. Marttn Zink« WMW Komische Oper FrleüilcMr.IOl Uerku 1401/4530, TJgllch 8>s, Uhr Liebe und Trempetenblasen Schul* ✓ Westerraeier � Plnkler fahrlxek> Haid> vehrisch Winjer ★ Garren* tz.u mk mar. 9819 Kaioueiukt Vitdr aMe. 8 Ii bpsie eedi Bictt jtnirtt Hninitae lud nHm 1 IHnitieae: S'U Uhr hg,: Wldnferfll 6 Uhr einleben Staatsoper imPtd RepoblH 8 Uhr Erwartung -ia BlWm Band Spanlsdi« Standfl Theater l d. Behrenstr. 33-54 8>« U. A4 Zentrum 925427 fit U Direktion Ralph Arthur Robert» Hein Vetler Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Rods ROSE -Theater Sf. Prnnklarlar Straß« 189 | BIU»ttkan»: Alu 8499 u. 8484| TStfUd» a" Arm wie elnel Kirchenmaus mit Trott(e, Pool Willi Ron«. Ulm In neusprttmou U! In RartarMhna itglleb 5» sSanotag« SO.): 1 9 irole Vartetbannern| VQck ISc'Lene, Lotte, Uesei mit i Otttarn, Katar, Knrataa», I Pyrmont, Knnltoh»nfl Bau Bona. Saas* TOD II Ohr frtlh nn-| anterbrooben geßCoet. Reichshalien-Theater ©Wir Das wuncfarvolla JuniaProgramin der Steffinßr Sänger Tet: Zentrum 11253 DSuhort- Brettl(Saal und Oarten) Variete- Konsert- Tan» mmm %SpnisKife �NlWM R�taDURt Berlins Deotmiei M 8 2 Wtidetiitm« 5211 S Uhr Phaea von Friu v. Unruh. Rega Max Reinhard) Botst: fMMMante. illnuHtp tut Stzltk. H Yiidniau Stil Gesdilosseiu Die Komödie II Bt, Uhr. im Kre» matorinm Gerichtstraße 37—3» statt. B«lin. l«. Znnt 1930 Fallt nie tmämm Familie Schmidt Freie Turnerschaft GroK-Berlia e. V. »fgirt Baumfchnlenweg Am Donnerstog, dem 12. Juni, fand durch llnzlstckefoll unser lieber Turngenofle Vau» rtakswilaf den Tob. Zn ihm verlieren wir»in liebe» und treues Mitglied. Ehr» seinem Anbenkenl Di« Beerdigung findet am Mitt- »och, dem 18 Zum. nachm. SV, Uhr san der Kalle de» Krematorwm» Baumfchnlenweg au» statt I�WlgZ'Mler «imimlrnn Nßl el>»44 «eule 8 Uhr Premier« Der Faun wBT.lMkWL fcii tafch. Btrrrll*», Ireek fime TR» IMtBisstrJWr.Ttu d WMUMM-tMl! ConnrrnUxc, Um IB. Stml. ohh». 7 lltzc. In den BtaHfn'SBUn. Botlnr.TBUbalm'S tcofie 51 Branchen-Versammlung aller im ornv. omamsiertMi Eisen- und RswliMrdreher. Dreherinnen u.üundsctiisiter Tagesordnung I. Tätigkeitsdericht. 2. Brtfchiedene». Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt Da, Erscheinen aller Kall««," ist Pflicht.__ Achtung. Betnehsratei Dt» Kelriedsrckt«. Zeitschrift Rr. 12 isi erschienen und kann gegen Vorzeigung der Legtttmatwnslarte de» Betriedsrats�Ob. manne, tu unserem Vitro. Zimmer 5. täglich die 4 Uhr, Freitag» dl» 7 Ilh». entgegengenommen werden. Pte „Gewoba" tsait'naiztoa VetauDOSbaa- SaMuaatOntt a. fi.».» 1, xa TtOa« Ordeulllch«(Kenatoloetfammlung am 38. Zun 1 1980, abend» 730 Uhr im Lokal Rtzßgen Tagesordnung: Sefchststsbericht a) Bericht de» Borftande» und de» Aus. ficht», at, d) Genehmtqung der Bilang, Gewinn- und Berlustrechnuna perbl. Dez. 1929 c) veschlußfastung llb-r Deckung de« Berluste» �Setjaitmt�de» Borstand»» 3. Bauvrogramm 1980 4. Bewilligung«oa Kqpvth�en 5. Antrag» j« Reamahl der ausscheidenden Autficht». > rai»mua>i«der Zur Teilnahme an der G-neraloer. sammlung find dt« eingetragenen Genest«, berechttgt. »er Borstund Bader Bstiow«cholt Tägl. 8-/4 Uhr New« kroll— die Kokotte Für sugendU verp. ste stein Rt. Ih Kvtli ZUil Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. TägRcb fu Uhr Uehc and Trompclec" kMt/äenraiir/ Kitle UoWc/bU.'Mifcdi hietnes I tieat. Merkur 1624 Täglich fk Uhr Letzte Woche Nax Adalbert in DasParflün meiner Frau DatikeaganZ. Für die vielen Bewerte Herzlicher TeünaHme bei der Traumseier unsere» lieben Entschlafenen Franz Treder sage ich auf diesem Weg» allen, dt» daran teilgenommen Hadem, unseren aufrichtigen DanT Am Namen der KinierbRebenen Elise Treder. IVMA Mtrlffistaii Täglich 8% Uhr: Der Carola, Ebner. Bat: eher, Horsten. Slkla. Pora Teeeu e. 8Mtt.Tai KoPbune: Str. 4 Wolcuu'l Weil es naturlichen Birkensaft enthalt. Safte der Birken— Kräfte, die wirken! jtjuu*:&rn. 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