Morgenausgabe Nr. 279 A 141 47.I Nerttner Solksvlatt Mittwoch 18. �uni 1930 Groß-Äerlin 1F pf. Auswärts ts pf. Die einspaltige NonpareMezeile §0 Pfennig. Retlame' eile b.— Reich»- mark.„Kleine Anzeigen' das ettge. druckte Won 25 Pfennig(zulässig zwei fettgedruckte Worte),«edes weitere WoN IZ Pfennig. Stellengesuch» das erste Won 1ü Pfennig, jedes wettere War»' iv Pfennig. Wone über lü Duchstabee ihlen für zwei Wone ArbeitsmoiA eile 60 Pfennig. Familienanzeigen Zeil» l) Pfennig. Anzeigenannahme imHaupt» gefchäft Lindenstraße S. wochentäglich S»/, bis 17 Uhr. Jentralorsan der GozialdemoSvatiMen Vavtei DeMOlmrdS Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstratze 3 kiernspiecher Dönbos» 292—297 Telearamm-Adr: Soualdemokia« Berlin. Vorwärts-Verlag G. m. b. H. Postlcbeckkonio Berlin 375S6.- Bankkonlo: Bank der Arbeiter AnflesteHlen und Beamten Wallstr KS Dt B u Ti?c-Vci Tevolitcnkalie Lindenltr 2. Man sucht ein Kompwmiß. Ein Deckungsvorschlag der preußischen Siaatsregierung. Das Reichskabinett hat sich gestern nur mit laufenden Angelegenheiten beschäftigt. Las Hauptaugenmerk des Kabi- netts ist augenblicklich noch nicht auf die Situation im Reichstag, sondern auf den R e i ch s r a t gerichtet. Die der Volkspartei nahestehende Presse greift Herrn Moldenhauer heftig an. Die«Deutsche Allgemeine Zeitung" gibt zu verstehen, daß Moldenhauer nach den Regeln des par- lamentarischen Systems die moralische Verpflichtung zum Rücktritt hätte. Das„Berliner Tageblatt", auch ein Regie- rungsblatt. meint dagegen, daß das Gesamtkabinett zurück- treten müsse. Indessen ist ein Rücktritt des Finanzministers offenbar nicht zu erwarten— zumal Bemühungen um eine Umgestal- tung der Deckungsvorlage im Gange sind. In der gegenwärtigen Form werden die Deckungsvor- lagen im Reichsrat keine Mehrheit finden. Die sächsische Regierung hat beschlossen, die sogenannte Reichshilfe ab- zulehnen. Die preußische Regierung tritt mit einem eigenen Vorschlag hervor. Ueber den Deckungsvorschlag der Preußen- regierung wird amtlich mitgeteill: Die preußische Staatsregierung befaßte sich am Dienstag mit der Torlage der Reichsregierung zur Deckung der Fehibettäg« im Rcichshaushall und im Haushalt der Rcichsonstoll für Erwerbslosen- fürsorge. Die preußisch« Siaatsregierung beschloß, der Sonder- steuer für Fe st b e f o ldet« nicht zuzustimmen, vielmehr bei den Beratungen im Reichsrat vorzuschlagen, die Beamte»»nd diejenigen Angestellten, die ein ge- sichertes Einkomme« von mehr alS 8400 Mark be- ziehen, zu den Ausgaben der Reichsanstalt für Er» werbslosenfürsorge heranzuziehen. Sie würden alsdann denselben Beitrag, das s i n d P r o z., zu zahlen Habels den nach der Erhöhung der Beiträge die Arbeit- nehmer zahlen müssen. Die Siaatsregierung ließ sich bei ihrer Be- schlußfafsung von dem Gedanken leiten, daß es bei der außerordent- lichen Notlage und Erwerbslosigkeit weiter Gruppen des Volkes nicht ryibillig fei, auch den in gesicherter Lage befindlichen Beamten und Angestellten ein Opfer für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zuzumuten. Die Vorschläge der preußischen Staatsregierung ergeben gegen- über den Borschlägen der Reichsregierung eine Mindereinnahme von 123 Millionen. Die Staatsregierung beschloß, der Reichsregierung einen Ausbau des Ledigennotopfers vorzuschlagen, durch de« eine Mehreinnahme von 30 Millionen er- zielt werden könnte. Der dann noch verbleibende Untsrschied müßte durch E i n s p a r u n- gen oder schärfere Besteuerung des Tabaks gewonnen werden. Die Dcrkürzung der Besoldungen nimmt den Ländern und Gemeinden die letzte Reserve für einen etwa notwendigen Ausgleich von Fehlbeträgen. Besonders bedenklich ist dies für die Gemeinden, die durch die steigenden Lasten der Wohlfahrtsfürsorge immer stärker bedroht werden. Die preußische Staatsregierung beschloß daher weiter, der Reichsregierung die Einführung einer allgemeinen Ge- meindegetränkesteuer in der Form einer Schankverzehrsteuer vorzuschlagen. Zu diesem Vorschlag der preußischen Regierung schreibt der„Sozialdemokratische Pressedienst": Die Absicht der Reichsregierung, nur die Festbesoldeten heranzuziehen, weil sie sich nicht wehren können, ist allgemein als so ungerecht empfunden worden, daß der Gedanke des allgemeinen Notopfers neue Sympa- thien gewonnen hat. Damit steht allerdings der Vorschlag der preußischen Regierung teilweise im Widerspruch. Seine Absicht, die Fest- besoldeten mit Beiträgen zur Arbeitslosenversicherung her- anzuziehen, die für die Dauer der Wirtschaftskrise gelten sollen, ist ebenfalls einseitig Allerdings will die preußi- sche Regierung gleichzeitig durch eine Ausgestaltung der Ledigensteuer auch aus der allgemeinen Einkommensteuer einen Teil des Fehlbetrages decken. Solange die Absichten der preußischen Regierung nur in diesen groben Umrissen bekannt sind, wird man Zweifel daran haben müssen, ob der Gedanke steuerlicher Gerechtigkeit ausreichend durch ihn gewahrt wird. Eine Sonderbelastung derjenigen Volksschichten, die sich in gesicherter Lebensstellung befinden, kann doch immer nur dann als vertretbar angesehen werden, wenn zuvor und daneben alle Leistungsfähi- gen ausreichend herangezogen worden find. Ob aber, wenn dies geschieht, dann der Weg der richtige ist, oder ob es nicht besser ist, diese Belastung als Abgabe für die Reichskasse zu erheben, ist doch außerordentlich zweifel- Haft. Auf jeden Fall muß die Heranziehung aller Leistungs- fähigen zur Ueberwindung der Wirtschaftsnot die e r st e Stelle in jedem Sanierungsprogramm einnehmen. Die sozialdemokratische Reichstagsfrak- t i o n, die sich bereits am Montag und Dienstag eingehend mit diesen Fragen beschäftigt hat, wird wahrscheinlich am Mittwoch ihre Beratungen abschließen und der Oeffent- lichkeit ihr Ergebnis unterbreiten. Oas Zentrum wartet ab. Die Zentrumsfraktion des Reichstages wird zu den Deckungs- vorlagen der Reichsregierung, insbesondere zur Frage des Not- opfers, erst Stellung nchinen, wenn die Beschlüsse des Reichsrats vorliegen, was frühestens Ansang nächster Woche der Fall sein dürfte. Schober antwortet Steidle. Billigung der Ausweisung pabsis im Bundesrai. Wien. 17. Juni. tEigrnbericht.) Im Bundesrat(etwa dem Reichsrat in Berlin entsprechendl. der das sogenannte Entwaffnungsgesetz mit 26 gegen 15 Stimmen annahm, entwickelte sich eine ziemlich erregte Debatte über die Ausweisung des Put- schiften Pabst. Der Heiinwehrführer Dr Ste i d de, der als Christlichsozialer vorn Tiroler Landtag gewählt ist, bezeichnet« die Ausweisung Pabsts als eine Ungeheuerlichkeit und warf der Regierung Amtsmißbrauch vor. Es gebe Leute auf der Rcgierungsbank, die den Polizeistaat ersehnten. Bundeskanzler Schober wies die Angriffe zurück. Wenn ihm jemand, der nicht wie Steidle immun sei, Amtsmißbrauch vorwürfe, so würde er gerichtlich gegen ihn vorgehen. Pabst habe als Aus- länder die Grenzen des politisch Zulässigen weit überschritten und ßj deshalb ausgewiesen worden. An sich sei die Ausweisung schon längst beabsichtigt worden. Der Innenminisber sei jedoch von ihm(Schober) in dieser Absicht vorerst zurückgehalten worden, um den politischen Kampf nicht zu verschärfen. Nach der Neuenb'urger Kundgebung, in der Pabst erklärt habe, daß der Heimwehrgeist auch in das Heer und die Polizei verpflanzt werden müsse, habe er, Schober, dem Innenminister kein Hindernis mehr in den Weg gelegt und sein Lorgehen gegen Pabst nicht nur als vollkommen berechtigt betrachtet, sondern auch ausdrücklich gebilligt. Steidle und vierzehn Sozialdemokraten stimmten— aus entgegengesetzten Gründen gegen das Entwaffnungsgesetz. Was pabst anzetteln wollte. Cm Wiener Abendblatt meldet über die Gründe zur Aus- Weisung Pabsts, daß Pabst mit Faschisten einer benachbar» ten Macht— offenbar Italien— Verbindungen angeknllpst und von ihr finanzielle Unterstützungen für die Heim- wehr erhalten habe. Pabst habe sich auch verpflichtet, bei einem Konflikt dieser Macht mit einer anderen Macht— Jugoslawien— durch die Heimwehr praktisch« Hilfe zu leisten und ihr den Weg durch Oesterreich zu öffnen. Wegen dieser Zusage sei seinerzeit der Wiener Gesandte des berührten Staates — Jugoslawien— bei dem Bundeskanzler Schober vorstellig ge» worden, der vollkommen beruhigende Erklärungen ab- gegeben habe. Stalin in der Gackgasse. Zum IS. Parteitag der russischen kommunistischen Partei. Von kotor Garwy. Nach dem Tode des vergötterten Gründers des Bolsche- wismus behaupteten alle drei Gruppen der Epigonen im Bs- sitz des wahren Ringes Lenins zu sein. Der Ausgang des hef- tigen Richtungskampfes hat unbestreitbar bewiesen, daß weder T r o tz k i, noch B u ch a r i n, sondern Stalin im Besitz des wahren Ringes Lenin ist. Denn dieser Zauberring besteht nicht in einer klaren Lehre— alle drei Gruppen be- rufen sich mit gleichem Recht auf die vieldeutige Heilige Schrift des Meisters—, sondern vor allem in der rücksichtslosen Willenskraft und in der organisatorischen Kunst, den Partei- apparat als Machtmittel zu beherrschen und auszunutzen. Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß auf dem bevor- stehenden Parteitag der KPdSU. Stalin, der Autor der mißlungenen Agrarrevolution von oben, auch diesmal den Sieg davontragen wird. Der allmächtige General- sekretär wird seine Generallinie durchsetzen, obwohl sie soeben die Parteidiktatur an den Rand des Abgrundes gebracht hat. Er wußte im letzten Augenblick einzulenken und damit die heranziehende Katastrophe wenigstens aufzuschieben. Er wußte die Verantwortlichkeit auf die Glieder der Parteikette abzuwälzen. Er wußte alle Hebel des ihm unterstellten Parteiapparates einzusetzen, um einen linien- treuen und gefügigen Parteitag vorzubereiten. Alle Orts- und Provinzkonferenzen der KPDSU., die dem Parteitag voraus- gingen, haben die Generalilnie des ZK., d. h. Stalins,„ein- stimmig" gebilligt und„voll Begeisterung" dem bei Leb- zeiten vergötterten bolschewistischen Duce untertänigst ge- huldigt. Die Vorbereitungskampagne zum Parteitag stand zwar offiziell unter dem Zeichen des Kampfes nach rechts und nach links. Aber es war ein einseitiger Kampf. NurdieMehr» heit, nur die Stalinisten hatten das Wort. Weder die Rechtsoppositionellen, deren Stellung in der Partei dank dem Scheitern des Stalinschen Agrarexperiments sich in- zwischen verstärkt hatte, noch die Trotzkisten hatten die Mög- lichkeit, offen aufzutreten, Kritik frei zu üben, ihr Programm zu formulieren. Zwar erscheinen in der„Prawda" langspal- tige„Diskussionsblätter". Aber nur die waschechten Stali- nisten nehmen an dieser„Diskussion" teil. Dabei handelt es sich um eine reick scholastische Haarspalterei über die Aus- legung der vom ZK. ausgearbeiteten Resolutionsent- würfe zum Parteitag, die seine Ergebnisse vorwegnehmen sollen. Hiermit ist die Bonapartisierung der Partei vollendet: Es gibt in ihr— wie übrigens im ganzen Lande— kein geistiges Ringen mehr. In der Parteipresse, in den Versamm- lungen— Monologe, aber keine Dialoge. Nur hier und da sind einzelne schüchterne Stimmen der Krittf zu hören, die bald rücksichtslos erstickt werden. Wer ist für die verheerenden Folgen der Zwangskollektivisierung ver- antwortlich— die Ortsorganisation, wie es Stalin behauptete, oder das Zentralkomitee? Handelt es sich nur um die„Ver- krümmungen" oder um die Generallinie selbst? Was bürgt für die richtige Führung in der Zukunft? Dies« und ähnliche Fragen werden als„gegenrevolutionäre Diskreditierung des Leninschen ZK", als versteckter Angriff gegen den unfehlbaren Parteiführer oder zum Reuegeständnis gezwungen. Konnte noch vor kurzem der dumpfe Kampf der unter- drückten und zum Schweigen verurteilten sozialen Kräfte Sowjetrußlands in dem Richtungskampf innerhalb der Herr- schenken Monopolpartei einen Ausweg finden, so hat die voll- endete Stalinisierung der Partei auch diesen Ersatz der poli» tischen Meinungsfreiheit und Interessenvertretung beseitigt. Dadurch hat aber die Diktatur den letzten Kompaß zerbrochen, der ihr die Orientierung einigermaßen noch ermöglichte. Weder Volksvertretung noch Parteidemokratie! Rätekon- gresie und Parteitage werden zu lauten Paraden, die Sowjet- und Parteiwahlen zum von oben manipulierten Plebiszit. Die Diktatur tastet nunmehr im Dunkeln. Einst schrieb der be- rühmte russische Freiheitskämpfer Herzen über die Zeit Ri- kolaus I:„Das Winterpalais ist vom Reiche des Schweigens umgeben und in ihm hört man nur d i e G e» neraladjutanten des Zaren sprechen". Auch der Kreml ist jetzt von einem Reiche deb Schweigens umgeben und in ihm haben nur die Generaladjutanten des bolschewistischen Alleinherrschers das Wort.! Die Diktatur hat ihren letzten Kompaß zerbrochen. Sie wird immer mehr zum Spiel der elementaren Kräfte. Sie hat die Richtung verloren. Indessen wird die Lage kritisch— nicht nur für die Diktatur selbst, sondern auch für das ganze Land. Der von Stalin eingeschlagene Linkskurs ist in die Sackgasse geraten. Das Chaos auf dem flachen Lande, eine Folge des sinnlosen Agrarexperiments, droht mit einer Mißernte zu en- den, die die Ernährung der Städte und Dörfer, wie die Ver- jorgung der Industrie mit Rohstoffen gefährdet. Als wichtigst? Fragen stehen auf der Tagesordnung des Parteitages: Fünfjahresplan, Kollektivisierung der Landwirt- jchaft, Gewerkschaftspolitlk. Die Resolutionsent- würfe des ZK. die wie Kriegsbefehle zum Parteitag tlingen, hcmciien, daß trog des Scheiterns der Zwanaskollektioisierung die Stalinsche Generallinie im großen und ganzen einge- hgltyn wird Die Verwirklichung des„integralen Sozialis- mus" in wenigen Jahren bleibt nach wie vor das Hauptziel der Partei. Der Fünfjahresplan der Industrialisierung soll trotz der„Dorchdruche" der letzten Zeit, trotz dem Mangel on technischen Kaders, an Finanzmitteln, an Rohstoffen und Llusrüftungen in vier, zum Teil sogar in drei Jahren durchgeführt werden. Wahrhaftig— ein Galopptempo in die Stchgasse! Dementsprechend sollen die Aufgaben und die Struktur der Gewerkschaften grundsätzlich geändert werden. Sie sollen nunmehr. der' Produktion sich zuwenden". In der Praxis bedeutet dies die Ablösung der Verteidigungsfunktionen der Gewerkschaften(Arbeitexschutz) durch die Anivornungs- aufgaben zwecks Hebung der Arbeitsproduktivität.„Stoß- brigaden" der Antreiber sollen nunmehr zu optimalen und begünstigten Organisationszellen der Gewerkschaften und der sogenannte„sozialistische Wettbewerb" zur geeignetsten Me- thodc der Leistungssteigerung ohne entsprechende Entlohnung der Arbeiter werden. Im Mittelpunkt des Parteitages steht aber die Frage der „sozialistischen Umgestaltung der Landwirt- s ch a f t. Es ist ebenso eine wirtschaftliche wie eine politische Frage. Denn der Bruch mit der Vauernschaft, die sich nicht .„sozialisieren" saßt und an ihrem in der Revolution 1917 er- kämpften Grund und Boden festhält, droht zum Verhängnis für die Diktatur zu werden. Aber gerade in dieser brennenden Schicksalsfrage ist keine grundsätzliche Wendung vom Parteitag zu erwarten. Zwar ist die wilde verwegene Jagd Stalins nach der sofortigen Kollektivierung der gesam- ten 27 Millionen Bauernwirtschasten kläglich mißlungen. Zwar ist Stalin genötigt worden, vor der drohenden Wirt- schaftstatastrophe, vor der Auflehnung der Bauernschaft wie vor der Gärung in der roten Armee einen Rückzug anzu- treten. Trotzdem sollen, wie aus den„Thesen"' des Volks- kommiffars für Landwirtschaft Jakowlew zu ersehen ist, nur die plumpsten Methoden der Zwangskollektivierung modi- fiziert und das„Sozialifierungstempo" etwas verlangsamt werden. Es ist kaum zu erwarten, daß die dumpfe Götterschlacht, die sich hinter den Mauern des Kreml am Vorabend des Par- tcitageg abspielt, die Einstellung der Parteimehrheit in der Agrarfrage ändern wird. Provisorische Erleichterungen für die der Vernichtung geweihten Einzelbauern, Verlangsamung des Kollektivisierungstempos. Milderung der Zwangsmetho- den, aber kein Verzicht auf das agrarkommunistifche Experiment, kein Verzicht auf das für die Volksmassen unerträgliche Galopptempo der Industrialisierung. Hiermit ist ober das Fazit des kommenden Parteitages der KPStt. im voraus gezogen„Im besten Falle— ein faules Kompromiß nach rechts bei Beibehaltung der Generallinie. ..Keine politische Konsequenzen oder Konzessionen— die Partei- diktatur bleibt nach wie vor„unerschütterlich und unantast- bar".-Der hinter den Kulissen tobende Kliquenkampf um die .Macht kann höchstens zu einem Personen-, aber zu keinem Systemwechsel führen. So bleibt die Krise der Sowjetmacht, die gleichzeitig eine Krise der utopistischen Wirtschaftspolitik und der terroristischen Diktaiur ist, im vollen Umfange bestehen. Der Kongreß der Dittaturpartei— dieses neuen herrschenden Standes— kann Mar alles, nur nicht diese Krise lösen. Nicht, nur aus Feigheit vor der Notwendigkeit, sondern aus dem Instinkt der Selbst- rrbaltung und aus dem Willen zur Alleinherrschaft. Eben iarum liegt die Lösung außerhalb der Diktatur- Partei— in den Händen der arbeitenden Klassen und vor ollem des Proletariats, das immer mehr objektiv gezwungen wird, das Bündnis mit der Bauernschaft auf der Grundlage .der Demokratie und des ökonomischen Realismus herzustellen, ipn den drohenden Sieg der Gegenrevolution Im letzten Äugenblick zu vereiteln.______ Finanzvorlagen beim Michsrai. Vollsitzung frühestens am Ende der Woche. Der Reichsrat hält frühestens am Sonnabend dieser Woche eine Vollsitzung ab. Es soll versucht werden, bis zu diesem Ieiipunlt die neuen Finanzvorlagen sertigzu stellen, damit sie am Sonnabend verabschiedet werden tonnen. Der Reichsrat hat bei diesen Beratungen aus sämtliche geschöstz- ordnungsmäßige Fristen verzichtet. Die Ausschüsse nehmen be�its am Mittwoch ihre Verhandlungen auf. Die erste Äcratung t m Reichstag wird unlcr diesen Ilmständen frühestens in der zweite» öiälste der nächsten Woche stattfinden. Dementsprechend hat auch der Ältestenrat in seiner Dienstagsitzung die Sitzungstage bis Mitte nächster Woche bereits mit den chaushaltsberatungcn besetzt.. Die WirtschastSpartei macht Politik. Der Vorsitzende der Wirtschoftspartei hat einen Brief an den Reichskanzler gerichtet, worin er immens feiner Fraktion eine all- -gemeine Senkung d er Ausgaben um 5 Proz. verlangt und von der Aufnahme dieser Anregung bei der Regierung und den Regierungsparteien die Haltung der Wirtschoftspartei abhängig -macht. Der Brief erklärt ferner, daß die Wirtschaftspartei in die Echähung der Arbeitslosenversicherung nur bei gleichzeitiger Sen- tgnlj der- Beiträge gur Krankenversicherung willigen könne: er bekämpft das Rotopsrr, soweit es die Angestellten- betrifft, und iprdcrx Herabsetzung der B e am t eng e h ä lt c r. und die Einstihrung einer A rb« i t s d i e nst Pflicht...- 1 Größenwahnfinn. Die Geister, die Stegervald rief. Di« Verhandlungen zwischen den Spitzeno erständen der - G r rt, e r k s ch a s t c n und der Unternehmer werden nach einer Mitteilung der„Kölnischen Ze-stuiig" von der Fraktion der Deut. -schon Vokkspartel als gescheitert stetrochtbt. In der Fraktion i 'werde daher der'Gedanke erwogen, das Ziel der Lohn- und' K* r? i z s g rt k u n g auf dem W e g e d e r G e s e tz g e b u n g zu er- t-cichen. Dies müsse durch ein« vorzeitige K ü nd i g u n g- d er 'X a r i f v e r t r ä g e geschehen. Diese Ankündigung- ist so dumm, daß man tnit den Unter. u-bb/mern, die sich To bedienen lassen, beinahe Mitleid haben könnte. Wie denkt sich die Volksportei die„vorzeitige Kündigung der Tarif. warträtzc"? Und wie'devkt sich die Bolksporiei die �Aufhebung des 'Svrür-ertragswcsens durch die Gesetzgebung?'' rj Weiß inan in der Bockspartsi n'ch», daß Tarifverträge auch oh» c Tcrifrecht bestanden haben und weiter bestehen würden? Man sieht wohl, daß den Nnternchmern der Appetit beim Esten von �Ocynlmute» kommt. Die Beckungsvorlagen. Reichshilfe— Ledigensteuer— Tabaksteuer. Die Deckungsvorlagen der R«chsregierur.g zur Ausgleichung des Fehlbetrages von 7S0 Millionen sind jetzt dem Reichsrat zu- gegangen. Danach handelt es sich zunächst um drei Gesetzentwürfe: 1. Reichshilfe.der Festbesoldeten, 2. Ledigemiotopfer im Rechnungsjahr 1930 und 3. Aenderung des Tabaksteuergesetzes. l. Oie Zleichshilfe der Festbesoldeten. Der Reichshilfe sollen untersiegen: 1. die Beamten und Angestellten des. Reichs, der Länder und der G ean e i n d« n.(Gemslndeveitbände), her sonstigen öffentlich-rechtlichen Körperschaften, der Reichs- bahn und die Soldaten. 2. Die Beamten und Angestellten der Unternehmungen, die über- wiegend in öffentlicher Hand sind. z. Di« Pensionäre, Wartestandsbeamten und Empfänger von Hinterhliestenenbczüzen der zu 1 und 2 bezeichneten Körper- schasten. 4. Die Angestellten der Privatwirtschaft, sowest ihr Einkommen 8400 Mark jährlich übersteigt. ö. Die Aufsichtsratsmitglieder mit ihren Tantiemen und Gratifikationen. Die Reichshllf« beträgt allgemein 4 Proz. des Einkommens. Bei den Dauerangestellten der öffentlichen Körperschaften mit Einkommen unter 8400 Mark dagegen nur 2 Proz., weil dies« bereits der Ar- beitslosenversicherung unterließen. Don der Neichshtkfe sind be- freit alle- Beamten und Angestellten, die keine Lohnsteuer zahlen. Frei ist also z. B. ein Beamter mit fünf Kindern bis zu einem Jahreseinkommen bis 3640 Mark. Dagegen werden die Frei- betröge, anders äls b�i der Löhnsteuer, auf höhere Einkommen nicht angerechnet. Bezieht also derselbe Beamte z. B. ein Einkommen von 38S0 Mark.�o hat er 153 Mark jährlich zu zahlen. Angestellte wenden erst steuerpflichtig, nachdem sie ein Jahr in un- gekündigter Stellung gewesen sind. Alle Pflichtigen hoben einen Anspruch auf Erstattung, wenn sie ihre Stellung ohne Anrecht auf Versorgung verlieren und innerhalb von drei Monaten keine neue Anstellung finden können. II. Oos Ledigennotopfer.. Zum Ausgleich für die vermehrte Belastung, vor ollem der kinderreichen Familien, durch die Erhöhung der Zölle und Der- brauchssteuern schlägt die Regierung vor, daß- alle männlichen und weiblichen Personen, die nicht veicheiratet stnS>,«knen zehnprozentigen Zuschlag zur Lohn- und Einkommensteuer entrichten. Die Entrichtung der Roichshiffc und des' Ledig ennotopfers soll bei den Lohnsteuerpflichtigen zusammen mit dem Steuerabzug er- folgen, während die Einkommensteuerpflichtigen zwei Zahlungen. am 10. Oktober 1930 und am 10. Januar 1931, zu leisten haben. Die Ertröge beider Abgaben sollen ausschließlich dem Reich zufließen. Bei der Reichshilse soll die Regierung ermächtigt werden, die Ab- gaste noch dem 1. April 1931 zu mildern oder auszuheben. Die Ledigensteuer soll mit dem 1. April 1931 außer Kraft treten. HI. Oie Aenderung der Tabaksteuer. Die Regierung hält eine allgemeine Erhöhung der Tabaksteuer nicht für vertretbar, well sonst ein Rückgang des Derbrauchs be- fürchtet werden müßte, der möglicherweise zu einem Rückgang der Steuereinnahmen führen könnte. Statt dessen wird ein« Der» kürzung der Zahlungsfristen bei der Zigaretten- st euer um einen Monat vorgeschlagen. Eine Mehrbelastung des Derbrauchs soll dadurch nicht eintreten. Zum Ausgleich soll der Industrie eine Verlängerung der Kontingentierung, die am'31. März 1931 ablaufen würde, um ein Jahr zugestanden werden.'- Oer Ertrag. Der Ertrag der einzelnen Maßnahmen wird von der Regierung folgendermaßen berechnet:. 1. die Reichshilfe von den Beamtengehältern und Pensionen bringt........... 328 Mill. Mk. ?. die Reichshilfe der Dauevcmgestellten der ösfent- liehen Körperschaften bringt..-..... 24„ � 3. die Reichshilse der höheren Angestellten in der Privatwirtschaft bringt......... 50„„ 4. die Reichshilfe der Aufsichtsratsmitglieder bringt 4„„ zirsäminen 406 Mill. Mk. Da die Reichshilse aber nur für neun Monate erhoben werden soll, kommt für das Rechnungsjahr 1930 nur«in Ertrag von rund 300 Millionen in Betracht. Dazu kommen 40 Millionen aus dem Ledigennotopfer und 46 Millionen aus der Verkürzung der Zah- lungsfristen bei der Zigarettensteuer. Die Beitragserhöhung bei der Arbeitslosenversicherung tpirfr auf 194 Millionen, die Ersparung durch Reformen in der Arbeit» losenversicherung aus IIS Millionen geschätzt. Aoyd Georges Vorschlag wird gepriist. - Schwarzer Montag und britische Arbeiislosigkeii. Lorrbo«, 17. Juni. sEigenVeriöhtH Das Unterhaus ist«ach einer zehntägigen Pause triedcr zusammengetreten. Es beginnt seine Arbeit mit einer Debatte über die Arbeitälpstgreit, die das gesamte politische Leben Englands jetzt und für die kommenden Wochen überschatten wird. Alle Parteien find bestürzt über die unaufhaltsam anschwellcudea Erwerbslosen» ziffern. Der New Porter Börsenkrach war ein ungünstiges Bor- zeichen für die Parlameniseröffnung. Die Montagsereigniffe aus der New Porter Börse haben sich aus dem Londoner Markt bereits sehr schädlich ausgewirkt. Kein Wunder, wenn Bestrebungen im Gange sind, eine gemeinsame Aktion einzuleiten, da alle Parteien einsehen, daß die Arbeitslosigkeit ein Uebel darstellt, da? nicht mit Schlagworten oder Salben gehellt werden kann. Dieser Auffassung war auch die unter dem Vorsitz von Macdonaß» abgehaltene große Sonferenz der Regierung und der lokalen Behörden. MacdonM setzte hier noch einmal den Ernst der Lage auseinander. Von den versammelten Vertretern der Konmmnen erhielt Moedonold die Versicherung treuer Mitarbeit. Mittlerweile war das Parlament zusannnengetreten. Hier bildete das Angebot Lloyd Georges zur Mitarbeit die viel besprochene Sensation. Aus den Aeußerungen der liberalen Ab- geordneten ist ersichtlich, daß Lloyd George die Zustimmung seiner Parteigenossen- hatte, afs er dem.�DoÄy Herald" seine Erklärung gab. Trotz aller Skepsis, die Lloyd George und seine Taktik im Lager der Regierung und der Labour Party be- gegnet. hat der liberale Führer bisher noch keine Absage erholten. Das bedeutet zwar auch noch keine indirekte Zusage, es beleuchtet jedoch die wirtschastliehe und parlamentarische Lage Cngtands. Aeußerungen von Regievimgsmit gliedern lassen erkennen, daß j der Vorschlag Lloyd George, in der Regierung ernsthaft er., wogen und nicht wie bei früheren Verhandlungen mlt einer Handbewegung abgetan wird. Andere Regierungsmitgkieder sind der Anficht. Lloyd George müsse endlich einmal feine Pläne vorlegen, über die er bisher nur vag« Andeutungen gemacht habe. Der linke Flügel der Arbeiter- Partei vertritt die Auffassung, daß es in der Arbeitslosenfrage nur zwei Wege für die Regierung gebe: Entweder soll« Macdonald erklären, das kapitalistische System lasse keine Lösung der Arsteitslosensrage zu: dann müsse der Mmtsterpräsident auch ent- sprechend handeln und der Arbeiterpartei die Möglichkeit geben, bei den kommenden Wahlen eine sozialistische Mehrheit zu erobern, um das Mandat für die Lösung der Aibeitslosensrage zu erhalten. Der zweite Weg sei, den Versuch zu unternehmen, aus dem Boden der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung die Arbeitslosen- frage, zu lösen, und in diesem Falle sei das Angebot von Lloyd George nur zu begrüßen. Die Amnestie für die Fememörder. Die Kommunisten als.Hilfstruppe des Vürgerblocks. Die Regierung Brüning ist in Schwierigkeiten auf allen Wegen. Auch das A m ne stieg es c tz, das den Fememördern Freiheit und Schulz vor Bersolgüng bringen soll, hat keine Aussicht, die für d'e Verabschiedung dieses Gesetzes erforderlich« Zweidrittelmehrheit zu finden. Denn die Sozialdemokratie, denkt nicht daran, den Feme- märdern, die bereits durch die letzt«. Amnestie weitgehende Herab- setzung ihrer Strafen erlangt haben, abermals zu helfen, zumal arme Teufel, die infolge ihrer schlechte» soziale» Lage gestrauchelt sind, weiter in den Strafanstallen schiuachten sollen. Und so finden denn zur Zeit— kaum glaublich ober wahr---.zwischen der Regierung de- Bürgerblvcks und den RsgierungS- Parteien einerseits und den Kommunisten andererseits Der- Handlungen statt mit dem Ziel, die Kommunisten als HUfs- truppe des Bürgerblvcks zu gewinnen. Die Kommunisten zieren sich noch etwas. Aber, wem, die kommynistffchen Abgeordneten erreicht haben werden, daß sie selbst vor Verfolgung geschützt werden, dann werden sie pfeifen auf die Arbeiter in den Gefängnissen und Zucht- Häusern, die durch dieselben Abgeordneten in die Strafanstalten ge> bracht worden sind. Dann werden sie. diese Opfer ihrer eigenen verbrecherischen Taktik einfach sitzen lassen,, die Fememörder be- freien und— sich selbst!--. �affen-Günther wird Professor. Herr Zrick hat Sie Anstellung vollzogen. Wie Rechtsanwalt Dr. Biueth. Ersenach, gestern auf einer Kundgebung des Zentralverbandes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens im ehemaligen Herrenhaus mitteilte, ist die Anstellung Dr. Günther als Professor für Rassenkunde an der Umversität Jena erfolgt. Dos Bolksbildungsminiftermm des Herrn Dr. Frick hat in Verhandlungen mit den Vertretern der Dozentenschoft eine Einigung hierüber erzielt. ,/Lch weiß von nichts." Natlonalsoziolistischer Kehrreim in GchweiSnih. ' Sehweidnitz. 17. Juni.(Eigenbericht.) Im Schtveidnitzer Prozeß wurden am Dienstag Haupt- sächlich Nationalsozialisten vernommen. Interessant gestattete sich die Vernehmung des Nationalsozialisten Stelzer aus Freiburg, Lcr damals Führer der SA. in Freiburg war. In seinem Besitz fand die Kriminalpolizei zwei Zettel mit Namen von Nationalsozialisten Auf einem der Zettel stcnid bei einigen Namen„in Schweidnitz gewesen', hinter drei Namen stand„entschuldigt". Es ist kennzeichneich für die Wertung der Zeugenaussagen von Nationalsozialisten, daß Stelze� behauptet, nicht zu wissen, wer den Zettel geschrieben habe und warum er geschrieben worden sei. Er will auch nicht wissen, ob ihm der Zettel vor öder nach der Reich?- bannervcrsammluiig gegeben worden ist. Der Vorsitzende macht ihn darauf ausmerkfum, daß gegen'ihn' bereits ein Meineidsverfcchren wegen seiner Aussagen in erster Instanz schwebt und bemerkt-zu- gleich, er habe im Laufe der bisherigen Verhaichlungen sehr oft den Eindruck gewonnen, daß es sieh einige Zeugen(Notionalsoziattsten) mit ihrer Zeugenaussage sehr leicht mächten, indem sie immer wieder bemerken:„Ich weiß von nichts." Der Ortsgruppenführer van Freiburg gibt im weiteren Verlaiif der Verhandlung zu. den gefundenen Zettel geschrieben und ihn Stelzer ausgehändigt zu habe». Der Zeuge behauptet, es handle sich um eine Anwesenheitsliste von einer SA.n d Dorfahres Ende Januar....... 19,4 22,2 114 Ende Februar...... 22,3 23,7 J06 End März........ 16,8 21,9 130 Ende April....... 11,1 20,5 185 Enge Mai........ 9,1 19,8 218 Die Durchschnittszahl der Arbeitslosen unter den Gewerkschaft-- Mitgliedern ist also im Mai 1930 von 20,5 auf 19,8 zurückgegangen, da aber diese„Erholung" weit hinter der saisonüblichen zurück- bleibt, ist im Vergleich mit dem Vorjahr eine weitere Ver- schlechterung sestzustellen. Der Hauptherd der Krise Ist das Baugewerbe. Der Mai brachte den Vauberufen nicht die erwartete Entlastung. Im Durchschnitt für die gesamte Saisongruppe ging die Arbeits- losigkeit von 42,9 auf 38,1 Proz zurück. Was die K onjunkturgruppe angeht, so läßt sich hier seit Ende Februar ein geringer Anstieg der Bollarbeits- losi gleit bei gleichzeitigem Rückgang der Kurzarbeit feststellen hier zählte man Ende Fetr. Ende März Ende April Ende Mai Proj. Proz. Proz. Proz. Bollarbeitslose. 15,0 15,1 15.2 15.4 Kurzarbeiter. 15,1 14,7 14,3 14,1 Wenn man berücksichtigt, daß der Zl�all an Arbeitszeit bei den Kurzarbeitern im Durchschnitt elwa 13 Stunden beträgt, kommt man zu dem Schluß, daß der Beschäftigungsgrad in der Konjunktur- gruppc in den letzten Monaten im großen und ganzen, u n v e r> ändert blieb. Eine Verschlechterung der Loge läßt sich allerdings in zwei großen Schlüsselindustrien erkennen: in der Metall- und in der Textilindustrie. Metallarbeiter Textiiardeiter waren standen in waren standen in Monatsende arbeitslos Kurzarbeit arbeitslos Kurzarbeit Proz. Pro». Proz. Proz. Januar... 14.7 17,0 12,6 2-5,6 Februar.. 15,7 19,4 12,8 26,8 März.... 16,6 19,6 13,8 30,3 April.... 17,0 19,3 14,8 31,1 Mm.... 17,9 20,1 15,1 31,4 Bon ausschlaggebender Bedeutung ist für die Gcsamtlvge der Konjunkturgruppe die Metallindustrie(auf die rund 30 Proz. der von unserer Statistik erfaßten Personen entfallen). Wenn man den Metallarbeiterverband aus der Konjunkturgruppe aus- schallet, bemerkt man, daß hier in den letzten Monaten die Arbeitslosigkeit sowie die Kurzarbeit etwas nachgegeben haben. Unter Umrechnung der Kurzarbeit auf Vollarbeitslosigkeit ve- trug die Arbeitslosigkeit in diesen Berussgruppei: Ende Februar 18,2 Proz. und Ende Mai 17,4 Proz., was immerhin als eme Er- leichicrung zu erkennen ist. Zum Teil wirkten h er selbstverständlich Saisoneinflüsse mit.(I. B. im Belladungsgewerbe oder im Organisationsbereich des Gesamtverbandes.) Es liegt aber auf der Hand, daß hier auch die Widerstandskraft der leichten Industrie in Erscheinung tritt, die im wesentlichen aus die M a s s e n p r o- duktion von Konsumgütern eingestellt ist. Diese Widerstandskraft ist im hohen Maße daraus zurückzu- führen, daß es den Gewerkschaften bis jetzt gelungen ist, a l l e A n- griffe gegen dl« Kaufkraft der Arbeitermassen abzuwehren und auf diese Weise den deutschen Binnenmarkt zu stützen. Die unmittelbare Folge der angekündigten Ak ion der Unternehmer, die aus einen allgemeinen Lohnabbau zielt, wäre — im Falle des Erfolges—«in Rückgang des Absatzes und der Produktion sämtlicher Verbrauchsgüterindustrien, die— trotz ihrer unerfreulichen Lage— in den letzten Monaten wenigstens vom Anwachsen der Arbeitslosigkeit verschont blieben. Wl. Woytmsky. Oer schwere Kamps der Texiilarbeiier Oer Deutsche Textilarbeiter-Verband führt ihn mit Erfolg. Sluklgork, 17. Juni. Die Entwicklung der Tarife und Löhne in der Textilindustrie behandelte das Borstandsmitglied Genosse F e i n h a l s- Berlin. Bon der sogenannten„Opposition" ist dem Verband der Borwurs ge- macht worden, daß er den Boden des Klassenkampfes verlassen habe. Folgendes Ergebnis der Kämpfe in den letzten drei Jahren beweisen das G e g e n t e i!: In der Berichtsperiode führte der Verband 137 Angriffs st rciks mit 151 447 Beteilig- t c n: die Zahl der verlorenen Arbeitstage betrug 3 057 520. Abwehr st reiks wurden 49 mit 11 869 Betel- l i g t e n geführt. 101 509 Arbeitstage gingen dadurch verloren. Aussperrungen waren 42 mit 105 270 Beteiligten zu oerzeichnen. Durch die Aussperrungen gingen 2 974 538 A r- beitstage verloren. Das Gesamtergebnis betrug: 228 Streiks und Aussperrungen mit 268 3-13 Beteiligten und 6 133462 verlorenen Arbcilsiagen. Feinhals gab Evaebnisie und Erkläruirgen bekannt, die mit er- drückender Deutlichkeit zeigen, wie n i e d r ig die Löhne der Tex- tilarbeiter sind Der Durchschnittslohnsatz beträgt bei Männern 80 und bei Frauen 65 Pfennig die Stunde! Einen Vortrag über volkswirtschaftliche Probleme hielt Genosse R o e d e l- Berlin. Lang- Berlin sprach über B e- triebsräte, Rechtsschutz und Statistik. Mit durchschlagenden Beweisen führte er den Delegierten die Notwendigkeit der statistischen Durchleuchtung des Berbandsapparates und Lieferung von statistischem Material an die Funktionäre vor Augen. Die Kurse für Betriebsräte und Zlrbeitsgerichsbeisttzer waren von sehr großem Erfolge. Mit den Rechtsprechungen der Landesavbeits- gcnchte und des Reichsarbcitsgerichts setzte sich Long kritisch aus- einander. Den Höhepunkt des zweiten Berhandlungalages bildete die Red« der Leiterin des Arbeiterinnen-Sekretariats, Else N i e w i o r a, die über das Thema Sozialpolitik, Arbcitertnnen- u n d Jugendbewegung sprach. Sie zeigte die Bemühungen des Textilarbeiter-Berbandes auf, um die Rechte der Mitglieder in der Arbeitslosenversicherung zu wahren. Ganz energisch hat sich das Arbeiterinnen-Sckretariat bemüht, um die Ausnahmebe- st i m mu n g e n für di« Frauen bei der Arbeitslosenversicherung und Krisenunterstützung zu beseitigen. Der Unterstützungsanspruch der Ehefrau muß in vollstem Maße gewahrt werden. Eine gan,Z besondere Aufmerksamkeit wurde dein Wöchnerinnen schütz gewidmet. Es wurde versucht, die Mängel in den geltenden Gesetzen zu beseitige». Die Textilarbeiterinnen sind in der Fuirktion der Mutterchast be- sonders bedroht. Der Textilarbciter-LsrbanS Hot deshalb entspre- che ude Fovdcrungen ausgestellt. Verlangt werden sechs Wochen Ruhezeit vor der Niederkunft mit vollem Lohnanspruch und zwölf Wochen Ruhezeit»ach der Niederkunft mit 75 Proz. des Lohnes. Um die Schulung der Funklionärinnen war das Arbeiterinnen- Sekretariat eifrigst bemüht. Die Funktionärinnen, besonders die Berhcirotetcn, müsisn einen viel größeren Idealis- m u s ausbringen als die Män!»cr. Deshalb müssen auch die Schu- lungsmechoden andere sein. Die Jugendlichen der Textilindu- strie unter 20 Iahren sind zu zwei Drittel Mädchen. Die Jugendorganisation hat Fortschritte gemacht, die Zahl der jugend- lichen Mitglieder ist im Jahre 1929 auf 37 000 angewachsen. Die Arbeitszeii im Kohlenbergbau. Oer deutsche Antrag in Senf angenommen. Genf. 17. Juni. Die Kommission für die Vereinheitlichung der Arbeitszeit im Kohlenbergbau hat heute nachmittag den deutschen Antrag, den Braunkohlenbergbau aus der zur Beratung stehenden Konvention herauszulassen, mit 24 gegen 20 Stimmen angenommen. Damit ist eine der Hauptschwierigkeiten für das Zustandekommen einer Konvention beseitigt worven Der deutsche Antrag besagt u. a., daß die Arbeitszeit im Braunkohlenbergbau in einem besonderen Abkommen geregelt werden wird, über das auf der Jnternatio- nalen Arbeitskonseren; des Jahres 1931 zu verhandeln ist. Bis da- hin werden alle Länder, die das Steinkohlenübercinkommen ratifi- ziert und in Kraft gesetzt haben, für den B r a u n k o h l e n b e r g- bau die Bestimmungen des Uebereinkonunens von W a s h i n g- t o n über die Beschränkung der Arbeitszeit in den gewerblichen Betrieben anwenden.___ Nie 7?ot der Berufsmusiker. Mechanisierung und Echmutzkonkurrenz. Einen breiten Raum bei den Beratungen des zweiten Vsrhand- lungstagss des Deutschen Musikerverbandes nahm die katastrophale Arbeitslosigkeit im Musikerberuf ein. Der stellvertretenix Verbandsvorsttzende Genosse P r i e tz e l zeigte in einem längeren Referat auf, wie verheerend sich die allgemeine Arbeitslosigkeit und die Finanznot der Städte auf die Musikers choft ausgewirkt hat. In vielen Städten sind die Mitglieder hervorragender Kultur- orchefter gekündigt worden lediglich zu dem Zweck, ihre Anstellungs- bedingungen und Bezüge zu verschlechtern. Die Theater- k r i s e bleib« natürlich auch für' die Theatennnsiker nicht ohne Folgen. Bedauerlich« Folgen habe der Tonfilm für die Kmomusikec gehobt. 50— 60 Proz. der Kinomusiker sind durch den Tonfilm be- reits brotlos geworden. Ganz entschieden müsse Front gemacht werden gegen das Heber- handnehmen der Beamten- und Militärmusikerkonkurrenz und das Musizieren von Ausländern. Das Referat sowie die anschließende ausgiebige Debatte fanden ihren Niederschlag in einer einstimmig angenommenen Entschlie- ß u» g, in der die ungeheure Notlage der deutschen Musiker auf- gezeigt und auf die verderbliche Lehrlingszüchterei hingewiesen wird. Zur Behebung der Not der deutschen Musiker werden in der Eni- schließung folgende Forderungen erhoben: Untersagung, mindestens aber stärkste Einschränkung der außer- dienstlichen Musiktätigkeit der Reichswehrmusiker: Verbot oder weitere Einschränkung des nebenamtlichen Musizierens der Be- amten: Einführung des Meldezwanges für alle freiwerdenden Stellen im Mufi kerbe ruf: Beseitigung oder weitest gehende Ein- schränkung der musikalischen Schwarzarbeit durch entsprechende Ausgestaltung des Arbeitsschutzgesetzes oder Erweiterung der geltendm Ärbeitsnolverordnung; weitest gehende Beschränkung der Einreise- und ArbeitsZenehmigung für ausländische Kapellen und Musiker: Nutzbarmachung der Gewinne aus der mechanisierten Musik für die geschädigten Berussinusiker: Konzessionierung der Kinobetriebe: volle Anwendung der Sozialgesetzgebung auf die Berufsmusiker: Beseitigung der unzulänglichen Musikerausbildungsstättcn durch Abänderung der Gewerbeordnung oder Unterstellung des Musiker- ausbildungswcscns unter die Aussicht der Schulbchörden. Kommunistische Lockspihelmeihoden. Paris, 16. Juni.(Eigenbericht.) In einer Metallwarenfabrik in Aüour kam es zu schweren Zwischenfällen. Die Mehrzahl der Arbeiter steht seit dem 1. Mai in einem von den Kommunisten propagierten wilden Streik. Am Sonntag drangen die Kommunisten, die Bcrstärkung von auswärts erhalten hatten, etwa 1500 Mann stark in die Fabrik ein und versuchten Barrikaden zu errichten. Die aus Bayonne herbeigerufene Polizei konnte der Revolte erst nach kurzer Belagerung der Fabrik Herr werden. E:airits«lboi!d der Eilenbabn», 10. Rtei«. Donnerstag, 19 Ulli, ff bei Pornbuscb, Blllowstr. 58, SPD..PkrsamnUung. Taaeoorbnung:«Die fq indische Siecolution". Referent Genosse Emil Barth. Die Parteigenossen l] werden gebcicn. soweit ihnen noch Parteigenosse» und Gvmpathisscren.de rj bclannt ssnd, diese mitzubringen. �3 Der Werbe» uoschnß der EPD.-Eisenbahner.|| Fmwt �reie Gewerkschafts-Zuaend Berlin Unsere Iugrndberotungsstelle im Gewerkschaflohau», Zimmer 20. Ist von bis 20 Uhr gecffnet.— Es spielen die Gruppcni Lisstenberg. Reu- Lichtenberg, Südosten im Treptower Park: Kumb-Idt im Snmboldthain? Zcppelinplati ans der großen Wiese im Lchillerpars- �ranttnrter Blkg, Landsberger Plag im iZricdrichshain. Plag 4: Eharlottcnbnrg: Spvrtplag Iungsern- heidc.— Acute. Mittwoch, IS'r Uhr, tagen folgende Grupptn: v.'»msch>nlenweg! Jugendheim Ernststr. 10, Mädchenabend.— Rordring: Jugendheim. Schule, Sonnenbnrgcr Str. 20. Rordringrr srahrtcn.rcvue.— Si-c önbausc« Tori Jugendheim Zchdenicker Str. 24— 2S. Vortrag.-„Grundwcrkc des wissenschaftlichen Sozialismus".— Eetfjenste: Gruppenheim Weißensee, Parlstr. 30. Vortrag: .Die Kirche und wir".— Renlcln: Gruppenheim Bergstr. 29. Aos. Bunter Abend.— Süden, Südwesten: Stadt. Jugendheim Porchstr. 11 tZadritaedände). Unsere Jüngsten gestalten den Abend ans.— Zlughascn: Jugendheim Re, kelln. Tinghafenstr. 03. Vortrag:.Bas ist Dinta?"— Schünederg: Jugendheim Aanptstr. 13. Ardcitcrdichlcr auf Schallplattcn. Zuaenstarupve Cfg?erfrEonfrfg der Angestellten Leute, Mittwoch, finden folgend« Beranstol'ungen statt: Gefuntdrunnen: Jugendheim Drthstr. 10, Part. Ausspracheabend über das Daujnqend- treffen.— Nordost: Jugendheim Danzigcr Str. 02. Kurzreferate.— O'ten: Jugendheim der Schule Litauer Str. 18. Arbeitsgemeinschaft:..Sozialismus". Referent Wilhelm Lemin.M.— Schönhauser Vorstadt: Jugendheim der Schule Kastanienaüce 81. Vortrag:„Sozialismus— Kommunismus— Anarch-smus" Referent Artur Rochow.— Stralau: Jugendheim der Schule Goßterstr 01 Pari trag:„Jugend und G-werlschaft". Referent Olla Lamm.— Reulölln- ftnaen.d- heim Böhmftchc Str. 1—4., Echc Kanncr Straße. Vortrag:„Moderne Rcllame" Referent Sein» Mann.— Südost: Jugendheim Wrangclstr. 128 Bunter Abend' — Spandau: Jugendheim Lindenufer 1 Badeabend. Treffpunkt am Ruft— Potedam-Rowawes: Jugendherberge in Rowawes. Prieferftraßc Vortraa- .Berlin wie es weint und loch!". Refercntin ssridel Lall.— Am Sonnabend. 21. Juni. 21 Uhr. findet im ssrcilichtthcatcr des Dolksparts Jungsernhcide unsere sonnenwendsezer stait. Verantwortlich für Politik: Dr. Eurt«euer: Wirtschaft: 9.«lingelhöser, Srwcrklcha.lsbcwcguna: I. Steine,: Zenilleton:». A. Döscher: Lalalei und Sonfllgev Tri» Karstadt: Anzciaen: Th. Gloitei sämliich in Berlin. Verlag: Vorwar, s.-<..rl-a G m b. 6. Berlin Druck: V-rwa-is-Buchdruckere, and Verlaasanstalt Paul Clngrr». Ho. Berlin SW. 68 Lindenstraße 1 _ Sicrz» 2 Beilagen O C ,9 H 9 CO heilt Katerrhe Herz Ar. Z?S» 4?. Iahrgang Mittwoch, 18. Juni 1930 Berlins jüngstes Strandbad, jzoch im Nordosten Berlins in Hohenschöichausen liegt der Oronkesee, dessen StrondanKigen erst rür�lick) sertiggestellt wurden', der Erfolg kam auch auf der Stelle: an den deiden Pfingstseiertagen zählte man lOOVO Besucher. Sicherlich hat der Orankesea noch nie soviel Mcn- schen an seinen schön geschwungenen Ufern gesehen. Kaum, dah man von seiner Existenz mutzte. Heute fährt der Autobus 40 direkt zum Strand- dod und der Autobus 14 und die Strohenbahnkinien 66, 66 E und 17 1 s uhren bis in die Nähe. Man mutz dann nur noch den ländlichen Oranke- weg herunterpilgern und gewetzt bald einen schönen Blick auf den idyllischen See, der bis heut« der Grotzstadt- Umklammerung entronnen ist. Lau- bcngeländc aus der einen Seite, wunderschön«, alte Bäume auf der Strandbadseue. Friedlich segeln Schwäne aus dem Masser. In der Milte des Sees schwimmt der Unterbau für oine Wasscrbühne. Hier, aus dem vorgetäuschten Schifssdeck finden von 5 bis>-16 Uhr Varitävorstellungen statt, alle Stunden wechselt die„Attraktion". Am Sonntag gibt es sogar Flugoorsührimgen. Bon den Terrassen und von' Strandbad aus kann das Pirblikun' bequem dem Schau- spiel folgen. Natürlich fehlt auch nicht die obligate Kaiieeküch«. die man den Badegästen direkt vor die Nase gesetzt hat. Kleiderablagen iür 3006 Personen, Brausebäder. Springbrunnen. Autoparkplatz geben diesem bisherigen Stieskind unter den Berliner Seen einen Zug ins Moderne. Wenig« Schritte vom Orankesee, der für den Nordosten und für Pankow ein« Hauptanziehungskrast ausübt, liegt der„Foule See", der zun' Naturschutzgebiet erklärt wurde. In seinem dichten Schilf nisten Wassern ögel aller Art, schöner alter Baumbestand und seltene Pflanzen geben diesem See, m den' allerdings das Baden verboten ist, einen Hauch von Un- berührcheit. Schluß mit dem Nazi-Terror. Wuch�yer Massenaufmarsch von Partei und Reichsbanner' Im Görli'tzer D'ertel haben die Natiovolsozialisten in den letzten Wochen einen unvergleichlichen Terror entfaltet. Sie haben sozialdemokratisch«» Parteimitgliedern und Reichsbonnerkameraden abends aufgelauert und sind met Waffen üb«r sie hergesallen. Der Kreisvcrein Kreuzb«rg der Sozialdemokralischen Partei hotte zu Dienstagabend zu einer Masienkundaebung ausgerufen, um einmal deutlich zu zeigen, dah die M e h r h e i t der B e n ö l k« r u v g im Görlitzer Viertel gegen die Na ti o n a l s o z i o l i st« n eingestellt ist und deren Terror aufs schärfst« verurteilt. Um 19 Uhr trafen die Neichsbannersormationen. die Iugendabteilun« g em und die P a r t e i b e z i r k c aus dem Lausiger Platz zusammen. An die Spitz« des Zuges setzte sich dos Reichsbanner mit seiner Kapelle, dann folgten der Zug der Jugend und die Parteiabtei. lungen. In eineinhalbstündigem Ummorsch wurde durch die ctraßen des 0di titzer Diertcls marschiert. Auf großen weihen Transparenten mit weithin leuchtender Schritt waren Parolen gegen die National- soziaiist«» aufgezeichnet. Den Natiaiiolsoziolisjen wurde besä, einigt, daß sie d>« Mittel für ihre Aufmärsche von der In- dustrie erhallen und daß ihre einzigen Wösten tm Kampf gegen Andersdenlend« Messer und Revolver find. Bom Lausiger Platz aus marschierte der Zug zunächst durch die Wiener»trotze, in der dos Heim der Nationalsozialisten liegt, von dem sie aus ihre un. zah Ilgen Ucbersölle vorgenommen haben. In der Wiener Strotze und nachher auch in der Reichenberger Strotze standen überoll zu beiden Seiten des Fahrdammes Hunderte, die den Aufmarsch gegen die Faschisten begrüßten. In der Skalitzer Straße wurde der Zug ausgelöst, nachdem Re i chsta g sobgc o r dne t< r Karl 2' t k e mit wenigen krästigen Worten die Bevölkerung aufgerufen hott«, den Abwechrkampf geHen die Nationalsozialisten zu unterstützen. Loeskes Testament echt! Die Nagenden verwandten abgewiesen. Za dem Aufsehen erregenden eoeske- Prozeß ocr- kündete am Dienstag mittag Landgerichtsdirektor Fiellh fol, gendes Urteil;»Die klage«nlrd abgewiesen und. die kosten dem Kläger auferlegt. Das Urteil Ist in Höhe von 4000 warf vorläufig sofort vollstrrckbar. Landgerichtsdirektor Fielitz sllhttc folgende Gründe auf:„Die Hauptfrage in diesem Prozeß war, ab das Testament vom 2. August von Albert Loeske stamnüc und ob«s den gesetzlichen Barschriften entspreche. Dos Gericht hat die Ueberzeugung gewonnen, daß das T« st a m e n t L o« s k c s in ollen Teilen echt ist. Frau Rosa Blaustein stand dem Verstorbenen sehr nahe und hat ihm die Gattin ersetzt. Deshalb kann«s nicht als auffallend bezeichnet werden, daß sie von Loeske in seinem Testament als Universalerbin eingesetzt wurde. Sein Sozius Oppenheimer war sein« recht« Hand, daher log der Gedanke auch fahr nahe, daß das Ehepaar Oppenheimer den Konzern erbt, den es mir ihm zusammen ausgebaut hotte". Die B«- hauptungen der Kläger, daß das am Todestage im Sase aufgesundene Tessamoirt unecht gewesen sei und daß das Safe sich nickst habe öffnen lassen, sind nach Ansicht des Gerichtes restlos ins Wosier gejollen. Zu der Ueberzeugung. daß das Testament von Loeske selbst geschrieben ist, kam das Gericht auch durch die Handichristenverglsichung. Zum Schluß betonte Landgerichtsdireltor Fielitz, daß auf Grund der Aus- sagen des Professor Grauert das Gericht zu der Ueberzeugung ge- kommen sei, daß Loeske bei Abfassung seines Testaments g e i st i g vollkommenklar gewesen sei und daß auch aus diesem Grunde die Echtheit des Testamentes keinesfalls angezweifelt werden könne. .Gras Aeppeliv" wieder In Friedrichshaseu. Nach zehnstündiger Schweizer tZahrt ist das Lustschiff„Gras Zeppelin" gestern abend bei ziemlich starkem Wind wieder in Friedrichshofen gelandet. Abschied von Bern Meyer. Ein Kampfgenosse und guterKameradist vzn nnS gegangen. Gestern galt es Abschied zu nehmen von Bern Meyer, dem so jäh von uns gegangenen treuen Kameraden. Die große Halle des Wilmersdorier Krematoriums vermochte die Zahl der Trouergäste kaum zu fossan. Unter ihnen befandpn sich zahlreiche Mitglieder der sozialdemokralischen Reichstags- uiidLondtogsiroktioneii, Vertreter der Gewerkschasten, der Arbciterbonk, des Reichsbanners, der Partei- organisationen und bekannte Berliner Bankiers. Der Sarg war m t Blumen überschüttet. Rcichsbanwerleutc hielten die E h r c n w a ch t. neben ihnen zwei Mädchen im Ktnderfreun.degcwond mit Blumen- körben in den Händen. Als erster sprach Reichstogsabgeordneter Genosse Dr. Mose?, der dem Verstorbenen besonders nahe stand. Er gab oin Bild Bern Meyers als des gütigen Menschen, der viel« wahre Freunde botte, weil er selbst Freund sein komn,-. Wir werden das Rätsel nicht lösen, wir werden die tiefere» Gründe, die Bern Meyer dem Tod in die Arme trieben, nicht ergründen. Sein ganzes Sinnon und Trachten, sein ganzes Mühen und Schossen galt den anderen, in Sonderheit den Mühseligen und Belodmen. Bern Meyer war «in echter Sozialist und er war stolz daraus es zu fein. Wir nehmen Abschied von dem Kampfgenossen, der uns stets ein treuer Freund uiÄ» guter Kamerad gewesen ist. Für die Gewerkschasten und die Arbeilerbank sprach Rcichstag?abgevrdn,u< r Siegiried A u s h ä u s e r. So r ä t s e 1 h a f t der plötzliche Tod Bern Meyers für alle die ihn kannten und verehrten war, so oufschiutz- reich ist er doch auch für dos große Innenleben diese» echten Sozialisten. Er ging von uns in dem Augenblick, in dem er seine Hoffnung, w'oder im Dienst der Arbeiterbewegung tätig sein zu können, zerschlagen sah. Sein Glaube an den Sozialis- m u s war Sinn und Inholt des eigenen Lebens. Sein« hervor- ragende Mitarbeit bei der Gründung der A r b e i t e r b o n k und sein großer Anteil an dem Gelingen des großen Werkes hat ihm in der Geschichte der Arbeiterbewegung«in Denkmal gesetzt. In einer programmatischen Arbeit bat 1927 Vorn Meyer gesagt: „Die Houptiriebkräste für Entwicklung und Ausschwung der Arbeiter- dank ist das Bcrtrouen der Arbeitnehmcrschaften und der Gewerkschasten zu ihrem Bankinstitut, die in der Arbeiterbank ein wichtiges .Hilfsmittel sehen zur Durchführung ihrer geschichtlichen?lusgobe." Do« Lebea von Barn Meyer war von diesem Wunsche erfüllt. Wir wollen das Andenken ehren, indem wir der Erfüllung feines Wunsche» weiter dienen. Reichstagsobgeordneter Genosse Li t k o sprach dann iür ine Berliner Sozialdemokratie. Ties erschüttert st-h« d e Partei an dem Grab« eines ihrer Treuesten, der. trotzdem er auf der Sonnenseite des Lebens cp>boren wurde, den Weg zu denen gebtnÄen habe, deren Wiege in der proletarischen Hütte stand. Die Sozialdemokratie dankt dem toten Kamp'- genossen für die unwandelbar« Treue. Wir senken di« Fahnen der Menschenliebe in tiefster Ehrerbietung vor diesen' Meirichen und geloben den Zielen, denen er stets dienen wollte, trau zu bleiben. Für d-c Charlottenburger Sozialdemokratie sprach Stadl ro: Will Worte der Trauer und des Abschiedes. Ihm folgten der Ab- reiluitgsleiter der 57. Abteilung, der Bern Meyer angehört hatte/ Ein Vertreter des Michoelkon-cn's rühmte dem Verstorbenen als eine Zierde feines Berufes. Für den Kreis der Freunde rief Dr. Bade dem Toten die letzten Grütze zu. Tröstende Warte des Redners von, Freidcnkernerband folgten. Verhaltener Gesang und klagende Musik ertönt. Die Fahnen senken sich über den»cjrg des gütigen treuen Menschen, der noch in seinem Abschiedsbnieie an seine Mutter den Ueberlebenden zu- gerufen hatte:„Strebt den Zielen nach, denen auch ich stets dienen wollte!" Langsam entichmhidet der Blumenhügel vor den Blicken der erschütterten Trauergcn'cind«... Wer hat noch Bücher der Stadlbibliothok? Die Stadtbibliothek, die wegen ihres Umzuges in ändere Räume des Marstolls zurzeit geschlossen ist, macht darauf ansmcrksam, daß entliehene Bücher unter allen Umständen bi? zum 30. Inn,.'»rückgegeben werben müssen. Die Rückgabe der Bücher kann nach wie vor von 16 bis 21 Ubr erfolgen. Der gratze Lesesaal und die Zestungshalle bleiben bis auf weiteres von 16 bis 21 Uhr geösfnet. AMe „Korondele bleibt bei mir! Solange sie Lust hat und solange es mir gefällt.'"— Man ist doch schließlich ein Mann und hat seinen Willen! Den ganzen Tag über hielt Korondele sich in meiner Nähe,'gera sah ich nirgends, und ich log mir vor, daß ick) sie durchaus nicht vermißte.„Merkwürdig!" sagte ich zu mir,„es ist geradezu, als wenn sie nie gewesen wärei Ja. so gefällt mir das fröhliche Lachen und dos lustige Singen der kleinen Korondele!" Eine Weile nachdem wir Lager geschlagen hatten, kam Yera zu mir.„Richtig!" sagte ich mit gleichgültiger Miene. du wolltest ja deine Geschenke für die Zeit haben, die du bei mir gewesen bist!" Und gleichzeitig denke ich: Warum sagst du das! Willst du denn das wirklich? Willst du sie denn nur oerletzen, sie um deinetwegen leiden sehen? So. wie ein Liebhaber seine Geliebte manchmal verwunden und quälen kann, gerade wenn er sie am meisten liebt? Während er selbst unter der Grausamkeit verbrennt, die dem geliebten Wesen Schmerz und Trauer bringt. Und das tut er dann nur, weil ein Meer, eine Hochflut von Liebe in ihm wogt, die ihn zu zersprengen droht! „Nein!" sagt Vera.„Sprich nicht von den Geschenken! venii'menn du es nicht streng befiehlst, so will ich dich nicht oerlassen. Sendest du mich aber doch von dir. so wisse, daß ich Beretios und Amolos Tochter bin und sein werde!" Ich lasse mir diese versteckte Drohung ein wenig durch den Kopf gehen, und Yera spricht weiter: „2lch, Iudchi. mein einziger Freund! Du host Vera ihren S'olz genommen! Heute habe ich dich wieder gerusen. die ganze Zeit hindurch, die die Sonne am Himmel leuchtet, bis sie. müde von des Tages Hitze, jank. Aber du bist nicht gekommen! Also wohne ich wohl nicht mehr in deinem Herzen?! Laß mich aber trotzdem hier bleiben, wo du bist. Denn bald reisest du wohl für immer fort, und dann ist Veras Leben aus!" „Nun gut', antwortete ich.„die. närrischen Redensorten hal'en inich ganz weich gemacht, und ich muß mich zusammen- reißen:„Bleibe, wenn im willst. Aber ich verbitte mir jede Frechheit! Bedenke, ich bin ein weißer Mann und vor allem: in meinem Hause regiere ich!" Am gleichen Abend erfuhr ich, daß Korondele die Tochter eines Häuptlings war. dessen Dorf wir bald berühren muhten. Ihr Austreten war also höchstwahrscheinlich von der Berech- nung einer ganzen Familie diktiert gewesen! ülber trotzdem! Herrlich war sie! Ein kleiner Schalk! Böller'lustiger Ein- fälle und Launen, joden Augenblick ihres jungen'-Lebens kostete sie bis zur Neige aus. Und ihr Herz konnte galop- Pieren, wie eine Herde feuriger Bierfüßler über den dumpf dröhnenden Waldboden jogtl" Eines Tages aber ward sie vor mich gebracht, zusammen mit meinem Reitknecht. Beide sind nackt und man scheint si: tüchtig verprügelt zu haben! Man hat sie zusammen über- rascht. Und es bleibt nichts anderes übrig, als sie fortzu- schicken. Hinterher nehme ick) mir V�ra vor. Denn sie hat die beiden überraschen lassen! „Wir Weißen wissen," sage ich,„daß die schwarzen Weiber, die bei uns Weißen leben, immer ihxp schwarzen Liebhaber haben. Darum küinmern wir uns nicht weiter. wenn alles nur mit Takt geschieht und wir in anständioer Unwissenheit gelassen werden. Doch dürfen die Fronen, die an einen Mann gebunden sind, ihn niemals bloßstellen, ihn lächerlich machen. Das ist die schlimmste Verfehlung, die sie sich zu Schulden kommen lassen können!" „Jetzt bist du schlecht zu Vera, Iudchi. Du weißt sehr wohl, daß ich stets nur dein gewesen bin!" „Jawohl, schon gut. Merke dir für die Zukunit: keine Spionereien mehr!" Korondele verschwand. Aber noch ihr kamen neue Ko- rondelen, immer neue. Ganz so, wie es früher auch gewesen war. sagte ich mir. Vtro war und blieb meine eigcMÜckie Frau, sie führte mein Haus. Und zeitweise mochte ich sie � wieder sehr gut leiden, ja, es kam vor. daß wir eine unserer i alten, schönen Stunden erlebten. Wenn ich ihr dann in die 1 Augen blickte, die mit der Zeit noch abgründiger und schöner geworden waren, konnte ich sogar vergessen, dah sie nicht mehr die zarte, kleine Vera mit den zierlichen Gliedern war. — und ein seltenes Mal nahm sie mich wieder so gefangen, dah ich in heimlichem Bangen um meine ferne, weihe Liebe zitterte. Aber dann nahm ich mich gleick' wieder zusammen. und für Vera kamen böse Tage. Tage voller neuer Koran- delen. die einen Wall zwischen' ihr und mir errichten sollten. Eines Tages begegnete mir Zaloni. Mit einer ganzen Schar von Trägern besirchte er mich in meinem Lager. Er brachte Federvieh, Felle, Waffen, schenkte sie mir, weil es wahrscheinlich das letzte Mal war, dah wir uns sahen. Ich kümmerte mich nicht mehr um die Etikette der Weihen, denn bald ging es ja fort. Deshalb lud ich ihn ganz offen zum Essen ein. Als wir dann unser Abschiedsglas tranken, sagte er: „Du weißt, Iudchi, ich habe dir einige kleine Geschenk: mitgebracht und auch ein paar Frauen, für den Fall, daß Vera dir über geworden ist. Man kann ja nicht verlangen, daß sie dir immer noch gefällt!" Ich danke und erkläre, daß ich mit den Dingen, wie sie jetzt liegen, völlig zufrieden bin. „Sonst hätte ich Yera> heute gleich mitgenommen, damit du sie los bist. Aber gut, wie du es wünschst." Und Zaloni ritt von dannen. Er schien Vera, die an den Stamm eines Baumes dicht neben dem Pfade gelehnt stand, überhaupt nicht zu sehen. Als er fort v'ar, kam Yera zu mir und erzählte, daß Zaloni schon gleich, als er kam. feine besten Männer zu ihr geschickt hatte. Die fragten, ob sie seine erste Frau werden wollte. Wenn ja. so sollte sie mich bitten, ihm folgen zu dürfen. Aber Yera hatte geantwortet, daß sie nie im Leben leine Fzwu werden wollte. Weder freiwillig noch gezwungen. Beretic? und Amolos Tochter ließ sich weder locken noch drohen. Ich gab meme Versuche, Mra von mir zu entfernen, als nuttzlos auf.«sie wurde mir geradezu zum verkörperten Sinn meines Lebens, In einer der herrlichsten Stunden iogte ich zu ihr: „Vcra, ich vergesse mein Volk und sein Wesen voll« kommen, fast habe ich es schon vergessen— und olles um deinetwillen�" (Schluß folgt,) Bruder gegen Schwester. Wegen unglaublicher Roheit zwei Jahre Gefängnis. Eine Tal von unerhörler Roheit kam vor dem Schöffen- gerichl Berlin- Mille zur Verhandlung. Bruder und Schwester leben seil Zähren in Feindschaft. Der Zwist begann, als er 21 Zahre, sie IS Zahre zählte. Der Bruder hatte die Schwester vergewaltigt. Das Mädchen klagte sein Leid der Mutter, sah aber von einer Anzeige ab. Als es aber dann auch der Zrau des Bruders erzählt hatte, was mit ihr seinerzeit gc- schehen, wurde das Verhältnis der Geschwister vollends uuerträgllch. Er mißhandelte die Schwester, wo er nur konnte, und das Gericht verurteilte ihn wegen gefährlicher Sörperverlehuog. Seitdem waren Jahre vergangen. Die Feindschaft hielt aber an. Am 3». Januar d. I. saßen die Geschwister und ihr« Mutter in einem Lokal in der Fürstenstraße. Als die Schwester mit dem Bruder, der mit zwei Bekannten Karten spielt«, in einen Wort- Wechsel geriet, ergriff der 50jährige Werkzeugmacher Bend- k owsk i die Partei des Bruders und versetzte der Frau T., die ihm bisher unbekaimt war, derart wuchtig« Schläge ins Ge- ficht, daß sie zwischen die Flaschen fiel. Und als sie bald daraus das Lokal verließen, kam auch B. in Begleitung seines Kollegen hinterher. Mit einem unflatigen Schimpfwort ging er drohend aus die Frau zu. Sie bat einen Passanten, sie zu schützen: der aber lehnte es ab. B. versetzt« ihr nun Schläge aus den Kopf und ins Genick, schleift« sie ein Stück weiter, warf sie hin. so daß ihr« Bein« über der Bordschwelle'des Rinnsteins lagen und trampelte auf den Beinen herum. Sie schrie„Meine Beine, mein« Beine, Hilfe", flehte ihn an, von ihr abzulassen. Der brutale Mensch trampelt« aber weiter, bis die Frau bewußtlos dalag. Im Krankenhaus stellten die Aerzie einen komplizierten Beinbruch sest. Di« Wunde >oar durch den Straßenschmutz in einein schrecklichen Zustand. Am sechsten Tage stellten sich Gewebeveränderungen ein. Die Aerzte mußte» eine Amputation des rechteil Beines vornehmen. Frau T. ist heut« vollkommen hilflos und an den Rollstuhl gefesselt. Die Lebensgescihr ist noch immer nicht ganz beseitigt. In der GerichtsverhaMuiig versucht« der Angeklagte Bend- kowski den Akt unsäglicher Roheit harmloser darzustellen. Das Ge- richt glaubte ober der Darstellung der kommissarisch vernommenen Frau und verurteilte den Werkzeugmacher zu zwei Jahren Gefäng- nis und ließ gegen ihn«inen Haftbefehl. Ter Mitanklagte mußt« mangels Beweises freigesprochen werden. Gchöneberger Gozialdemokraiie feieri. «Danken heißt weiterkämpfen!" Am Sonabend marschierten die einzelnen Abteilungen der Schoneberger Sozialdemokratie von verschiedenen Ausgangspunkten zum Winterseldtplatz. um dort die Fort- setzung der Bierzigjahrfeier zu begehen. Unzählige rot« Fahnen belebten das Bild der Züge. Fackeln beleuchteten die Gesichter der Marschierendem Eine Tambourkapell« des Reichsbanners leitete die Feier ein. Der Platz war bald dicht gefüllt, erfreulich stark vertreten war besonders die Jugend. Nach dem Gesang der Internationale ergriff Franz Künstler dos Wort zu einer kurzen eindrucksvollen Ansprache. Er dankt« zunächst all denen, die vor 40 Jahren den Grundstock zur Partei in Schöneberg gelegt haben. Schöneberg hatte in der Zwischenzeit das Glück, viele bewährte Ge- nosscn zu seinen Mitgliedern rechnen zu können. Es hat eine gute sozialistische Tradition. Es liegt an der Jugend, diese zu pflegen und auszubauen. Danken heißt weiterkämpfen! Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf unsere imernationale So- zialdemokratie schloß die eindrucksvolle Feierstund«. Das Volksfest am Sonntag. Den Höhepunkt der Feier bildete dqs schöne Volksfest in der Schloßbrauerei. Im großen Garten' des Restaurants war für oll« gesorgt. Di« Weißenseer Reichsbannerkapelle und der Schöneberger Männerchor trugen sehr zum Gelingen des schönen Volks- festes bei. Reichstagsabgeordneter Mendt erinnerte daran, daß es 30 Jahre her seien, daß der Frauen- und Mädchenbil- dungsverein gegründet wurde. Der Verein hat besonders auf dem Gebiete der Kinderverschickung Pionierarbeit geleistet. Er dankte dann all den vielen, die durch ihr Erscheinen ihre Zuge- Hörigkeit ausgedrückt hatten und rief zur verstärkten Mitarbeit im fünften Jahrzehnt auf. Für den Parteivorstand sprach Rcichstagsabgeordneter Hans Vogel. Die Situation, führt« er aus, war vor 40 Jahren bestimmt weit ungünstiger als jetzt, und es gehörte zur Gründung des Arbeitervereins viel Mut. Die heutige Gesellschaftsordnung mit ihren grausamen Widersprüchen wird sich überleben. Das Tempo dieser Entwicklung hängt von der A r- be i t eines jeden einzelnen Parteigenossen ab/ Sprechvorführungen der Arbeiterjugend, die Rezitation der Dichtung„Die P a r- tei* von Otto Friedländer und turnerische Darbietungen folg- tcn einander. Als schönes Symbol klang das Fest harmonisch mit einem Kinderfackelzug aus. Bei den Betriebsrätewahlen hat sich eindeutig ge- zeigt, daß dont, wo den Kommunisten auch in den Betrieben energisch entgegengetreten wunde, die Resultate ein erfreuliches An- steigen der sozialdemokratischen Stimmen brachten. lieber die sozialdemokratische Werbearbeit in den Be- trieben referiert« Emil Barth vor der Neuköllner Mitglied- schast im Karlsgarten. In den Betrieben ist der S o l i d a r i t ä t s- g« danke unter den Arbeitern am schnellsten zu wecken. Dort zeigen sich die kapitalistischen Ausbeutungsmethoden am deutlichsten und werden zu einem eindringlichen Anschauung s- Unterricht für jeden Arbeiter. Auch können in den Betrieben die den einzelnen Beruf betreffenden Fragen weit besser geklärt und beantwortet werden, als in einer nach Wohnbezirken orgam- sterten Partei. Di« Sozialdemokrat!« muß die Betrieb« als den Mutterboden ihrer ganzen Arbeit betrachten. Durch Zu- sammenfassung der sozialdemokratischen Arbeiter in den Betrieben ist es möglich geworden, die Gesamteinstellung der Belegschaft zu beeinflusten und sie in dem Auseinandersetzungskampf zwischen Kapital und Arbeit auf den rechten Platz zu stellen. In der Forde- rung an alle Parteimitglieder, diese Betriebsagitotion zu fördern, klang das Reserat aus. Gefängnis für Messerstecher. Ein Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Ratio- nalsozialisten am letzten Silvester hatte erst jetzt nach einem halben Jahr ein Nachspiel vor dem Schöffengericht Schöneberg. Sieben Hstler-Anhänger waren in der Zossener Straße mit Kommunisten zusammengestoßen und dabei war einer von ihnen, ein Njähriger Metallschleiser, durch«inen Messerstich im Unterleib verletzt worden. Wegen dieser Ausschreitung hatten sich die Kommunisten Baumapsel und Nitschke vor dem Sirasrichter zu verantworten. Baumapfel, der geständig war, ge- stachen zu haben, erhielt acht Monate Gefängnis, während Nitschke zwei Monade mit Bewährungsfrist bekam. Aus der Werkstail der Tiielfabrilanien. Wie man Konsul und indischer Doktor wird. Der Tilelschwindler Dr. jur. und rer. pol. w o i l i c und sein Kumpan, der wicsenbaumeister Forstmann glaubten, daß man ihnen mit dem einen Jahr Gefängnis, zu dem die erste Instanz sie verurteilt hatte. Unrecht getan habe, und so mußte sich die Große Strafkammer Eharlottenburg mit der Berufung der beiden beschäftigen. In der ersten Berhüiidlimg stellt« sich Herr Woitic als Leutnant, Inhaber des E. K. II und des höchsten bayerischen Kricgsordens vor; war aber gezwungen, den Schwindel einzugestehen, als sich«in Zeuge meldete, der sein« militärische Lausbahn kannte. Herr Woitic war nämlich gar nicht im Kriege gewesen. In Berlin geboren, hatte er im Jahre 1917 an einem humanistischem Gymnasium das Notabitur gemacht, war kurze Zeit Kraftwagensührer in der Etappe und stellte sich später in den Dienst von Doktoranten, d. h. er verschaffte Leuten, die zahlen konnten den Doktortitel. Der Preis betrug 75 Dollar— war also recht bescheiden. Um seine Kunden besser bedienen zu können — er holt« sie vennittels Inserat« heran—, begründete er eine Wo!- tic-Kolleg und setzte sich mit einem gewissen Prof. Hildebrand in Berbindung, der das gleiche Titelgeschäft von Brüssel aus betrieb. Auch dieser hatte speziell zu diesem Geschäft ein« fiktive Universität ins Leben gerufen, ein anderes wissenschaftliches Institut in Dakotah in den Vereinigten Staaten. So konnte man belgischer und amerikanischer Doktor oder Professor werden. Auch Kol»- nel« und Konsultitel wurden verteilt. Legt« man auf einen indischen Doktor Wert, so wurde auch damit gedient. Die Schwindler hatten sich nämlich zu diesem Zweck mit einem Inder Abu! Fazel in Kaputahla in Verbindung gesetzt. Professor Hildebrand trieb sein Spiel so weit, daß er dem König von Bulgarien dos Pro- tektorat über seine Universität anbot, dieser lehnt« aber dankend ab. Die Doktortitelhungrigen sanden sich aus allen Kxeisen der Bevöl- terung. Der„Doktor" wird eben auf der gesellschaftlichen Börse immer noch hoch quotiert. Für die Verhandlung sind drei Tage an- gesetzt. Der Zufall fügte es übrigens, daß zu gleicher Zeil in einer anderen Abteilung eine Beleidigungsklage gegen ein Berliner Abend- blatt verhandelt wurde. Beleidigt fühlten sich eben derselbe Professor Hildebrand, der mit so großein Geschick seine Leutchen mit Titeln versorgte. Unter diesen seinen Kunden befand sich auch der von dem Dahlemer Explosionsunglück bekannte Weingartner. Professor Hüde- brand hotte diesem den Titel eines„montenegrinischen Konsuls" verkauft. Das benannte Abendlatt hatte sich nicht ganz freundlich über die Titelgeschäft« des Professors geäußert. Das Ge- richt fand aber die Acußerungen durchaus den Verhältnissen ange- paßt und sprach den Redakteur des„Abendblatt" frei. Seine guten Beziehungen. Er pumpte alle an und wurde zum Betrüger. Vor dem Schöffengericht Charlottenburg hatte sich wegen einiger übrigens ziemlich plump ausgeführter Be- iriigereien ein ehemaliger Rittn>«ister M. zu oerantworten. Der Angeklagte hatte in der Inflation seinen ganzen Besitz verloren. Sein« Pension war gering, da er schon vor dem Krieg verabschiedet war, und da er sie außerdem mit seiner geschiedenen Frau und seinen Kindern teilen mußte. Um seine schlechte Loge zu verbessern, benutzte der Angeklagte seine guten Beziehungen und borgte alle Dekannten, meist prominente Persönlichkeiten, mit denen er früher verkehrt hatte, um kleiner« Darlehen an. Da er aber, um das Geld zu erhalten, meist falsche Angaben über seine pekuniär« Log« machte, wurden später Betrugsanzeigen gegen ihn erstattet. In der Verhandlung kam zur Sprache, daß bei elf verschiedenen Strasbehörden Versahren gegen den Angeklagten schweben. Das Gericht lehnt« aber einen Antrag des Verteidigers Rechtsanwalt Werthauer, diese Verfahren zusammen- zufassen und einheitlich zu verhandeln, ab, damit keine Verzögerung entstände. In Berlin hatte M. den Senatspräsidenten Grützner, der angeblich ein Freund seines Schwiegervaters war, um 5 0 M. angeborgt und dabei behauptet, daß ihm sein Geld gerade auf der Straßenbahn gestohlen worden war. Kurze Zeit daraus schrieb der Angeklagte einem Juwelier in Frontfurt o. M. und bot unter Bezugnahme auf früher« Bestellungen um eine Auswahlsen» dung von Manschette n k n ö p f e n. Als cr die Waren er- halten hatte, verkauft« er sie. Einige Tage später bat er denselben Juwelier, ihm einig« Ringe zu schicken, da er einer Dame«in Ge- schenk machen wolle. Daraus erhielt er aus Frankfurt drei Ringe im Werte von 1500 M., die er gleichfalls v e r- kaufte. Der Angeklagte behauptete, daß er noch Pensionsansprüche an den Staat hätte, so daß er im Fall einer Sluszahlung olle Schulden hätte abdecken können. Da er sich aber geniert habe, seine früheren Freunde m sein« schlechten Verhältnisse blicken zu lassen, habe er in den meisten Fällen gelogen. Das Gericht nahm an, daß der Angeklagte von vornherein betrügerische Ab- sichten gehobt hatte und verurteilte ihn zu zwei Monaten Gofängitis. Neues auiomaiisches Kernsprechami. Die Hälfte der Aemter bereits umgestellt. In der Stacht vom 21. zum 22. Juni wird die Fernsprech- Vermittlungsstelle Andreas aus Selbstanschlußbetrieb umgestellt werden. Alle Teilnehmer, die bisher zu dem Handbetriebsami Andreas gehörten, werden von dem Selbstanschlußamt übernommen. Außerdem erhält das neu« Amt„Andreas" noch ein« Anzahl Teil- nehmer der Aemter Königstadt und Alexander. Mit der Fertigstellung dieses Amtes hat Berlin 31 Selbstanschluß- ä mt er. An Handbetriebsämiern bestehen zurzeit nur noch 32. so daß also rund die Hälfte der Berliner Fernsprechämter auto- ma tischen Betrieb besitzen. Der Anzahl der Teilnehmer nach ist das Verhältnis etwas ungünstiger, da ein großer Teil der alten Hand- betriedsäinter weit mehr Anschlüsse besitzt als die neuen auto- matischen. Augenblicklich sind neun weitere Selbst- anschlußämter in Bau, mit deren Fertigstellung in absehbarer Zeit gerechnet werden kann. Es sind dies die Aemter Flora, Herms» darf, Weichsel, Jäger, Karlshorst, Oberbaum. Pallas, Tiergarten und ÜLagner. Sie liegen in den verschiedensten Bezirken der Reichshauptstadt. Auch in fast allen übrigen Aemtern sind die Vor- arbeiten für-die Automatisierung begonnen worden. Vor der Sommerreife: Vewag benachrichtigen Di« Berliner Städtische Elektrizitätswerke A.-G. nwchen daraus aufmerksam, daß im vergangenen Jahre eine Reih« ihrer Ab- irehmer Unannehmlichkeiten dadurch gehabt haben, weil sie ihre Sommerreisc antraten, ohne das Elektrizitätswerk davon in Kenntnis zu setzen. JnfolgeOessen hatten die Gelderheber vcr- geblich versucht, die Stromgclder zu kassieren, wodurch dann den Abnehmern Unkosten für doppelte Gänge der Bewag-Angestellten entstanden sind. Die Bewag weist daraus hin, daß es genügt, wenn die Abnehmer durch eine Postkarte das zuständige Rechnung?- büro von der Dauer ihrer Abwesenheit in Kenntnis setzen, um alle Weiterungen z» vermeiden.* Löst rechtzeitig Fahrkarlen für die Sommerreisc! Zur Be- wältigunq des zu erwartenden starken Andranges vor Beginn� der Hauptreisezeit werden die vier Mtteleuropäischen Reisebüros lMER.) im Potsdamer Bahnhof, im Bahnhof Fried- richstraße. Unter den Linden 57/58 und Kurfür st en. dämm 17(Ecke Joachimsthalerstraße) vom 28. Juni bis 3. Juli täglich eine Stunde früher geöffnet werden. An dielen Tagen stehen die MER.-Büros dem Publikum von 8—12 Uhr zur Versüqung._ Allgemeine Wetterlage. !>© wolkenlos.(5 heiWr.O haibbedeckt 9wdkig.9bedeckt»ReggrvaGraupeln 'SehnetsNebel,? Gewi»6C@Wind8tille Donizetti„Don Sebastian von Portugal" wurde als Opernquerschnitt aufgeführt. Der Komponist zeigl sich in diesem Werk als der unmittelbare Vorläufer Verdis, und die Parallele, die! Dr. Rudolf Lothar in seinen einführenden Worten zu der Oper „Aida" zog. wurde bei den musikalischen Proben aus„Don Seba. stian" den Hörern sehr deutlich. Das von den Bühnen heul« nicht mehr aufgeführte Werk scheint sich nicht nur an äußerem Glanz, sondern auch an Ausdrucksstark« durchaus mit dieser Oper Verdis messen zu können, den es offensichtlich stark beeinflußt hat. Die Opernquerschnitte, grundsätzlich sehr zu begrüßen, könnten noch stärkere Eindrücke vermitteln, wenn man sie statt— wie diesmal— mit ausführlichen biographischen Einleitungen, mit musikolischen Er- läulerungen am Klaoier geben würde, die zwischen den einzelnen Abschnitten der Aufführung eingeschaltet werden könnten. So ließ« sich jedes Werk in feiner musitalischen Grundstimmung und seiner Einstellung klar und einfach charakterisieren,-w Der Aufführung voran ging ein Konzert des Orchesters Sam Woodings, der in etwa vier Iahren die musikalische Wildheit seiner Chocolate K i d d i e s sehr temperiert hat. Wer sich daran erinnert, wie Wooding damals das Thema eines VoltÄiedes in immer neuen Variationen durch die tollsten Iazzrhythmen peitschte und damit etwa die„Russische Phantasie" verglich, mußte empfinden, daß die musi- kalische Glätte, die das Orchester heute erreicht hat, mit einem guten Teil Originalität bezahlt worden ist. Tes. Infolge allgemeinen Luftdnickfalles über Europa hält sich das nördlich von uns liegende Hoch zwar abgeflacht, beherrscht aber nach wie vor unser Wetter. Auch am Dienstag war es überall im Reiche hsiier, und in West- und Mitteldeutschland stiegen die Temperaturen meist beträchilich über 25 Grad im Schatten. Obwohl der Luftdruck- fall über Europa anhält, haben wir in den nächsten Tagen noch keine Weteränderung zu erwarten. Nur die Winde dürsten, ent- sprechend den verkleinerten Luftdruckunterschieden, abnehme». * wetteraussschlen für Berlin Fortdauer des trockenen, heiteren und am Tage warmen Wetters, abflauende östlich« Winde,— Für Deutschland. Allgemein heiter und warm, im Südwesten auskom- inend« Gewittenieigung. Ssti®int zum Wäsckcspulcnl Hier und da triff! man Hausfrauin, die mit .dem Ausseden ihm Wische nicht recht zufrieden sind. Alte, schan längere Zeit gebrauchte Weifcwiische sieht grau au», und oft zeigen sogar neue Wäscheftiicke nach elmner 3«>t einen gelblich grauen Schein. Die Hauslrau ist dann meist raiir». Sie har nach Vorschrift e>ng«>»«icht und richtig gekocht— aber mit dem Spulen hat ne es nicht so genau genamme», und darin liegt tatsächlich die Ursache des necht schstncn Auesehcn»! Durch das Spillen sali erreieht werden, dag alle Zillekstande der Waschlauge schnell und gründlich au» der Wasche ent- ternt werden. Denn diese Ziiietsiände sind es, die sich sonst im Dewedc seslsehen, die Wasche nicht klar erscheinen lassen und schließlich das unangenehme„ssusseln' oder„Stauden verursachen. Die» ist nämlich meist nichts weiter als einge- trseineter Seifenstaub, der verfliegt, wenn die Wäsche ans dem Schrank heraus- genommen wird, zweckmäßig ist. zum ersten Spillen immer gut warmes Wasser zu nchmeu und dann so oft in kaltem Wasser zu spülen, bi, da, Wasser ganz klar bleibt. Will man die Wirkung de» Spülen, erhöhen und iich die Arbeit oetciniachcn, gibt man dem erste» Wasser etwas Sil— kalt verrührt— bei. Diese, Mittel- das in iedem Laden zu haben ist- löst die Seikenteilchen viel schneller, schonender und gründlicher, das Spülen geht erheblich flotter, und hie Wäsche erhalt dadurch einen besonder« schönen klaren Don. Gelbe Raucherzähne.„Ich benutze seit Fahren die Chlorodont- Zahnpaste und bin mit der Verwendung derselben sehr zufrieden. Trotzdem ich ein Kettenraucher bin, sind meine Zähne stets blendend weiß. Auch fehlt mir kein einziger Zahn, sodaß ich behaupte, nur „Chlorodont" erhält meine Zähne gesund." H. Grunenbcrg, München. — Chlorodont: Zahnpaste 60 Pf. und 1 M., Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mi. bei höchster Qualität. In allen Chlorodont- Derlaussstellen zu haben. Eisenpreisffandal immer größer. Tatsachen gegen Behauptungen.— Was tun„die" Kartettminister? Die Kvittk des„DorwSrts", daß die Seirkuiig der Eifenpreise unzureichend und die Lohnsenkling sowohl überflüssig als schädlich ist, hat zu einem Wettlauf der der Schwerindustrie nahestehenden Presse geführt, die Eisenpreissenkung als ausreichend und die Lohnsenkung noch übertreffend nachzuweisen. Besonders ist die„Deutsche Allgemeine Zeitung" um diesen Nachweis bemüht, die sich sogar über die sozialistische Kritik glaubt lustig machen zu dürfen. Natürlich schießt bei der DAZ auch die Scharfnmchereii ins Kraut, und es wird ganz offen g e- f o r d e rt, daß auch im übrigen Deutschland die Lohn- senkungen durchgeführt werden müssen, weil sonst die Preis- ermäßigungen beispielsweise von der mitteldeutschen und ober- schlesischen Schwerindustrie„nicht getragen" werden können! „Dazu sind die Selbstkosten viel zu hoch und Niel zu hart an den Lnlandsverkausspreisen, ganz zu schweigen von den schlechten Ex- portpreisen..." Diesen Herrschasten kann ziffernmäßig nachge- wiesen werden, daß sie die Oesfentlichkeit irreführen. Die Preissenkungen betreffen nur den halben Eisenabsahi Es wird viel zu wenig beachtet, daß die letzten Mscnpreis- senkungen bei weitem nicht die gesamte deutsche Produktion und auch nicht den gesamten Absatz der deutschen Schwerindustrie betressen, sondern kaum niehr als die Hälfte von Produktion und Absatz. Ein Drittel des Gofamtobsatzes der Eisenverbände entfällt nänikich auf die reine Ausfuhr, für die Preissenkungen überhaupt nicht stattfinden. 15 bis 20 Proz. des Kesanitabsatzes sind dem Export der Eifeiwerarbeiter zuzurechnen, die bekanntlich die Zlvirülkvcrgütung erhalten. Es ist mit Sicherheit zu erwarten, daß die Rückvergütungssätze um ebenso ge- kürzt werden— bai der Neufestsetzung sür den Monat Juli � als jetzt Preissenkungen vorgenominen worden sind. Damit fällt auch das von den Weiterverarbeitern exportierte Eisen nicht unter die Eisen Preisermäßigung. Damit gilt die Senkung der Eisenpreise höchstens für rund 50 Proz. des Absatzes der Eisenverbände. Nimmt man die durchschnUlllche Eiscupreisseukung aus 3 Proz. an. so beträgt die tatsächliche Preissenkung aus den Gesamt- umsah, d. h. die tatsächliche Kürzung der Erlöse nur tkt Proz. Legt man Z0 Proz. Lohnanleil zugrunde, so bedeuten diese l Proz. Preissenkung bei einer Lohnkürzung um Proz. nur ganz genau io viel wie die erspart« Lohnsumme! E» ist also wahr, von einem Preieopser der Eisentndustrir kann überhaupt keine Red« sein. Herr Stegerwald und die Oesfentlichkeit werden hinters Licht geführt! Schrottersparnisse sind größer als die ganze preissenkungi Aber die Dinge liegen noch viel ärger, wenn man etwas genauer zusieht, was beispielsweise die Eisenindustrie schon durch die. Senkung der Schrott preise erspart Hot. Man wird den gesainte» Schrottbodars, den die deutsche Eisenindustrie jährlich zu- kaufen muß, auf 3 bis 31- Millionen Tonnen schätzen dürfen. Gegen 1928 ist der Schrottprois je Tonne um nicht weniger als 15 Mark gefallen. Allein an der Schrott pcrsor- gung erspart die deutsche Eisenindustrie bei normalem Geschäft 45 bis 52 Millionen Mark. Rechnet inan 25 Proz. Produktionseinschränkung sür den jetzigen Augen- blick, so bedeutet bei einer Jahres erzeugung von 10 Millionen Tonnen Walzwerksprodukte» die Erlössenkung bei einer Neben zahlreichen rein technischen Berichten und Vorträgen I bracht« der zweite Tag der Berliner Weltkraftkonferenz auch eine Reihe sehr interessanter wirtschaftlicher und sozialer Feststellungen. In den Verhandlungen, die den„W« l t p r o b l« m e n der Energiewirtschost" gewidmet waren, wurde von russischer Seit« in einem Spezialbericht des Dipl.-Jng. B. Weiz die Frage aufgeworsen, in welchem Umfang die gegenwärtig« Gesellschaft durch die modern« Kraftwirtschast beeinflußt wird! er vertritt die Meinung, daß eine„vollkommene Lösung des Energieproblems der Weltwirtschaft" nur durch die Ueberwindung des anarchischen p ri v a t w i r ts ch a s tl i ch e n Produktionssystems ermöglicht wird". Der deutsch« Generalberichterstatter Dipl.-Jng. -F. zur Redde» verwies demgegenüber auf die großen Vorteil«, d!« die neuzeitliche Energieversorgung der Menschheit gebracht hat. Die Envgieerzeugung ist zwar aus immer weniger Betriebe konzentriert, aber die Energieverteilung wird so dezentralisiert, daß der einzelne größere Freiheiten in der Wahl des Wohn- sitzes oder des Betriebes hat. Diese dezentralisierte Energie- Verteilung erlaubt es nach seiner Meinung, G arten st Sdt« an Stell« von Mietskasernen zu setzen, den Großstädter der Natur wieder näher zu bringen, durch Energiobelieserung der Land- Wirtschaft die Gegensätze zwischen Stadt und Land, zwischen .Industrie und Landwirtschaft zu mildern. Aber zur Redde» mußt« doch zugeben, daß der Bedars an geschulten Erwerbs- tätigen zwar steigt, daß aber insgesamt infolg« der modernen Krajt- Wirtschaft die Nachfrage nach menschlicher Muskelkraft immer mehr sinkt. Im übrigen stellt« zur Nedden drei Hauptaufgaben derEnergi- Versorgung fest: 1. Energie möglichst billig und sicher ,zu erzeugen, 2. sie jedem im Staat in möglichst reichem Maße dienst- bar zu machen, Z. den völkerverbindenden Energietransport möglichst wenig Zu hemmen. Nach seiner Meinung sollen Kaufmann, Lehrer, Volkswirt, Finanzmann und Staatsmann gemeinsam mit dem Ingenieur zu- sammenwirken. um diese drei Kernproblem« zu löse». Die großen Massenorganisationen der Verbraucher, insbe- fordere die Gewerkschaften, werden als Teilnehmer an der Lösung nicht genannt, obwohl ein anderer Bericht aus dem gleichen Verhandlungsgebiet mit großer Deutlichkeit auf sie hinwies. I. F o r n o n i berichtete über den Schutz von Energie- versörgii ngsa»lagen im Falle von S t r« i k g es ah r« n. Er verwies dabei darauf, weiche katastrophalen Schwierigkeiten im Preissenkung von 4 Mark j« Tonne 40 Millionen Mark. Dar- aus ergibt sich, daß die gesamte jetzt vorgenommen« Preissenkung bei der deutschen Eisenindustrie bereits schon durch die Per- billigung der Schrottpreis« mehr als ausgewogen i st! Es zeigt sich die unerhört«, den Dilettantismus des Steger- waldschen Schiedsspruchs blitzlichtartig beleuchtende Tatsache, daß die Eisemndustrie dfie Lohnsenkung auf Grund des Schiedsspruchs von Oeynhausen überhaupt nicht nötig gehabt hätte, um die Preissenkung in dem geschehenen Ausmaß zu ermöglichen und daß die vorgenommene Lohnsenkung als reines Geschenk an die Schwerindustrie angesehen werden muß. Diese Feststellungen können durch den Einwand nicht er- schüttelt werden, daß etwa die fixen Kosten der Eisenindustrie bei um 25 Proz. gesenkter Produktion die Eisenindustrie stärker betasten und auch mcht durch den andere» Einwand, daß die Esten- Industrie aus dem Weltmarkt durch weiteres Absinken der Weltmarktpreise Exportverluste erleidet. Diese Dinge, die gar nicht be- stritten zu werden brauchen, sind Folgen der Konjunktur und haben mit der Tatsache nichts zu tun, daß die Oefsciiilichkeilt über die inneren Zusammenhänge und das Ausinaß der Preissenkungen ge- .täuscht wird. Auch wenn man noch ein« dritte Rechnung ausinacht, nämlich die Summen der im Inland tatsächlich«intretenden Erlös- Verluste den Summen der angestrickten Lohnersparnissen gegenüber- stellt, dann ergibt sich eine Preissenkung im Ausmaß vo» 19 bis 20 Millionen, die einer von der Schwerindustrie selbst festgestellten Lohnerspornis von rund 22 Millionen gegenüberstehen! Diese hier erstmalig festgestellten Tastachen machen die sogenannt« Eisenproissenkung in ihrer Verbindung mit der Lohnsenkung zu einem Skandal der Wirtschasts. und Schlich- tungspolitik. Herr Stegerwald hat sich vovbehaktrn, die Aus- Wirkungen des Schiedsspruches im einzelnen zu prüfen. Der Reichs. wirstchastsminlster Ist perpflichtet, von Amtswegen auf angemessene Eisenprekse zu sorgen. Di« hier aufgedeckten Tatbestände recht fertigen die Erwartung, daß die beiden verantwortlichen Minister die von uns festgestellten Tatbestände untersuchen, die Oesfentlichkeit über das Ergebnis der Untersuchungen unterrichten und die Eisenverbänd« zu neuen Preissenkungen veranlassen, die der Konjunkturlagt uist» dem Sinn des Oeynhaistener Schiedsspruches entsprechen. * Die„Frankfurter Zeitung" stellt fest, daß aus dem Süddeutschen Markt überhaupt kaum eine Preissenkung sür die weiterverarbeiter, die van Händlern kaufen, einlrelen wird, da die Preissenkung die zum i. Zun, 1930 wegen der Erhöhung der Umsatzsteuer vorge- nommenen Preiserhöhungen kompensiert. Der verein Deutscher Tofelglasfabriken hat die Preise sür Bauglas zur Verbilligung der vaumalerlalien und zugleich für hart- glas zu Förderung des Gemüsebaue» um 12 Prozent herab- gesetzt. Das Ist eine Preissenkung, und zwar eine sehr fühlbare. Sie wird ohne Lohnsenkung durchgeführt, was höchst vernünftig ist, Vernunft ist aber selten in Deutschland! I Wirtschastsleben und im Leben jedes einzelnen dadurch entstehen können, daß die zentralen Versorgungsanlagen, insbesondere die Gaswerk«, die Elektrizitätswerke, die Transformatorenstationen usw. durch Streik oder Unruhen stillgelegt werden. In Deutschland sind Gefahren der Allgemeinheit durch solche Störungen da- durch umnöglich gemacht, daß die Gewerkschaften den Streik in solchen Anlogen von sich aus erschweren und daß die Gesetzgebung hier außer dem Schlichwngszwang eine beschleunigte Schlichtung vorsteht. Außerdem sind mehrfach zwischen den Ge- werkschafien und den Energieversorgungsbetrieben für den Streik- fall destimmte Notarbeitsverträg« geschlossen worden. .Wenn in Fällen dieser Art sozial« Erschütterungen mit Hilfe der Arbeiterorganisationen so weit geregelt werden, daß Kala- strophen der Allgemeinheit vermieden werden, so liegt doch der Ge- dank« nahe, daß auch in anderen Hinsichten ohne die Mitarbeit der großen Massenorganisationen auch die größten Fachleute der Welt sozial« und wirtschaftliche Weltprobleme nicht lösen können. Einen sehr interesianlen Beitrag, der wiederum au« dem tech- Nischen und wirtschaftlichen ins politisch« Gebiet führt, stellte der Hauptvortrag dar, den der frühere sranzösisch« Mnisterial- direktor im sranzöftschen Handelsministerium, Prof S e r r u y s, über da» Thema„NeueFormen derRationalifierung" hielt. Er oerwies aus den deutsch-französischen Stahlpakt, an dessen Zustondetommen er übrigens beteiligt war, der eine groß- zügige international« Prcduktionsorganisierung eingesühn habe. Eine noch größere Aufgabe wird, wie er ausführte, die« i n h« i t- liche Erschließung de r e u r o p ö i s ch« n W a s s e r k r ä s te sein: Serruys schloß mit einen, Aufruf an die Völker, sich zur Lösung solcher Ausgaben zusammenzuschließen. Von den Vortrögen, die am Dienstag vormittag zu dem Thema „Elektrizttät in Industrie und Gewerbe" gehalten wurden, find insbesondere die Ausführungen über d� günstigen Wirkungen guter Beleuchtung tn industriellen Betrieben, insbesondere, in den Betrieben unter Tag«, hervorzuheben Hierüber wurde ausführlich von Prof. S. O. M a i s« i(Nußlond) und L. Schneider(Deutschland) berichtet. Ferner bracht« P h i- l i p p i(DeMschland) interessant« Beleg« dafür, wie in Bergwerks- betrieben durch verbesierte Beleuchiung die Leistung der Arbeiter gehoben, Unfälle vermieden und insbesondere Augenkrankheiten (Augenzittern) beseitigt werden. Am Dienstag vormittag wurden in einer weiteren Sonder- grupp« Brennstoff-, Kraft- und W ä r m e w i r t s ch o f t s- fragen einzelner Länder behandelt: neben den Berichten über Ungarn, Italien, Jugoslawien, Polen, Argenfiitieu usw. waren insbesondere zwei von besonder«» Interesse: der Bericht von Pros. Dr. Aushäuser über die Berwertung der Kohle in Deutschland, und der Bericht des Russen S. Balakschin über die gewaltigen Energiequellen Sibiriens, die bisher fast noch überhaupt nicht er- schlössen sind. Der New Yorker Krach. Angst vor dem Zolltarif.— Wachsender Wirtschasts» Pessimismus. Die von uns schon gemeldeten sehr starken Kursstürze auf der New B°rker Aklienbörse von Montag und Dienstag betrafen fämt- liche Aktiengattungen. Di« führenden Eisenbahnaktien sind noch unter dem Katastrophen st and vom Oktober vorigen Jahres gesunken. Dasselbe gilt für die wichtigsten Kupferwerte. Auch die großen Ehemiewerte sind sehr stark gesunken, und die Stahl-, Auto- und Radioaktien sind dem Tiesstand vom Oktober sehr nohegerückt. Man spricht von Kursverlusten im Betrage van 4 Milliarden Dollar, die natürlich keine endgültigen zu sein brauchen. Die Diskussionen über die Ursachen des neuen Krachs sind sehr lebendig. In erster Linie dürsten sich bei den starken Aktienverkäufen der immer größere Pessimismus über die Wirt- schaftsentwicklung ausgewirkt haben. Aber die sicher erwartete und inzwischen erfolgte Unterzeichnung des neuen Zollgesetzes durch Präsident Hoover hat zweifellos, da es vielen demokratischen Industriellen mit der Ueberzeugung von der Gefährlichkeit des Tarifs ernst ist. den Zusammenbruch ebenfalls gesördert. Man wird Den amerikanische» Börsenchock kaum als lokale Angelegenheit betrachten dürfen, wenn auch diesmal die internationalen Aus-- Wirkungen geringer sein werden als im Oktober. Die ersten Folgen des neuen Börsenkrachs waren neue Warenpreissenkungen. Man erwartet, daß damit ein« amenkanifchc Exportoffensiv« einsetzen könnte: diese Möglich- keit ist auch für Deutschland von sehr großer Bedeutung und unterstreicht den Zwang, mit größter Beschleunigung im deutschen Inland durch Preissenkungen, die Kauffähigkeit zu steigern,»m durch stärkere Ausnutzung der Betriebe den durch Amerika verschärften Weltmarktkamps mit Erfolg bestehen zu können. s Neue Oiskontsenkung nötig! Privatdiskont nur 5Vt proz— Neichsbank immer weniger Arbeit. Die Deutsche Reichsbant wird sehr bald ibren Diskant weiter herabsetzen müssen. Nach dem Aus- weis vom 14. Juni sind nur noch Wechselbeständ« von 1544 Millionen vorbanden. Di« Banken haben so wenig Kredits gebraucht, daß zu Mitte Juni die Lombarddarlehen sogar noch um 12 auf 55 Millionen abgenommen haben, was zur Monatsmitte schon seit mehr als drei Iahren«cht mehr der Fall war. Die Goldbestände bleiben mit 2619 Millionen zwar fast unverändert, dafür sind ober die Bestände an deckungsfähigen Devisen wieder um 42 aus 422 Mil- lionen gestiegen. D>e 4279 Millionen umlousenden Noten sind durch Gold mit über 50 Proz. und durch Gold und Devisen zusammen mit rund 75 Proz. überdeckt. Der sogenannte P r i oa t d i s ko n t, der Preis für Wechsel zwischen ersten Bank- und Jndustriefirmen, ist am Montag von auf 31- Proz. weiter gesunken. Die Reichsbank wird nicht anders können, als spä- testens in der nächsten Woche den Diskontsatz auf 4 Proz. herabzusetzen. Für die Besserung der Wirtschaftsverhältnisse ist das zwar noch kein Beweis, aber doch eine neue günstige Boraus- segung. pinisch steigeri die Dividende wieder. Steigende Gewinne troh geringer Ausnutzung der Leistungs« fähigleit. Seit 1925 brachte jeder neue Abschluß i n Julius Pintfch A.-G.. Berlin, ein« Dividenden st eigerung. Bis Ende 1928 stieg die Dividende auf das Kapital von 9 Mill. von 4 auf 10 Proz., und für das Jahr 1929 wird sie um w e I t e r e 2 P r o z. aufl2Proz.erhöhti Wenn der Vorstand im Bericht ausführt, daß die Beschäftigung zu Beginn des Geschäftsjahres nur Dreiviertel der Leistungsfähigkeit und später noch weniger ausmachte, wenn man zur gleichen Zeit«ine solche Gewinnsteigerung ausweisen kann, so bedarf es keines weiteren Beweises für die Tatsache, daß die Rationalisierungsreserven groß und die Preis« stark überhöht sind. Das günstig« Ergebnis wird auf die„Abwicklung einiger alter Auslandsgeschäfte" zurück- geführt. Das Auslandsgeschöst wird als ausbaufähig bezeichnet, was im Interesse der Belegsckzcst(4900 Arbeiter und Angestellte) zu be- grüßen ist. Die Eisenbahnabteilung und die für Gasanstaltsbau hatten unter der rückläufigen Konjunktur besonders zu leiden, wäh- rend die Abteilung Seezeichen und das Glühlampenwerk gut be- schästigt waren. Die Bilanzzisfern erwecken den Eindruck, als ob die gering« Ausnutzung der Leistungsfähigkeit weniger auf einen tat- sächlichen Absatzrückgang als auf stark« Erhöhung der Leistungs- kraft(der allerdings nicht der erwartete Auftragseingang folgte) zu« rückzufiihren ist. Denn die Anlage tonten weisen mit 6,7 Mill. einen Zugang in der 5iöhe der vorjährigen Abschreibungen auf, und der Posten Schuldner ist von 16,5 aus 18,7 Mill., der Posten Gläubiger von 16,5 auf 18 Mill. gestiegen. Allerdings gingen die Borauszahlungen von 4,2 auf 2,6 Mill. zurück. Der langfristige Kredit von 2,5 Mill. ist aus laufenden Einnahmen zurück zezahll worden. Nach Abschreibungen von 18 Mill., die mit 25 Pror des Wenes der gesamten Anlagen reichlich bemessen sind ve bleckt der höhere Reingewinn von 1,17 Mill.(gegm 0,96 TOi'J.I Der Reinerlös der Joung-Anleihe, die nominell auf 350,9 Mil- lionen Dollar lautete, beträgt 3�0,5 Millionen Dollar. Rechnet man die zehnprozemige Kursdisferenz des Zeichnungspreises ab. so würde für die vermittelnden Banken für Emiisionstosten und Emissionsgewinne der sehr große Betrag von 10 bis 15 Mil- lionen Dollar in Frag« kommen. Davon sind das meille natürlich Gewinne. So ein internationales Anleihegeschäft lohnt sich also! De Rentenbantkreditanslalt will demnächst mit schweizerischen und holländischen Banken eine Anleihe von 2 5 Millionen Schweizer Franken zu 65° Proz. mit 30iähr ger Laufzeit bei einem Zeichnungskurs von mehr als 90 Proz. abschließen. Die Essektioverzinsung würde also höchstens 7,2 Proz. betragen, was nicht schlecht wäre. Eine Ausländsanleihe von 15 Rlill. Dollar will die Stadt München zum Ausbau der weickenten Betriebe beichasfen.�Der Genehmigungsantrag bei der Beratungsstelle ist gestellt. Die Stadt Nürnberg plant eine Ähnlich« Anleihe. Soziale Probleme der Krastwirlschast. Oer Welikrastkonferenz zweiter Tag. Si&ns Adalbert&rhr. r. mall&ahn: 250 3 ohre 9ComedieSrmi$aife' Das Suöüäum seines ZÄZjährigen Bestehens, haß die„Comedie. Frantaise', das Erste ZiotionaUHeater Frankreichs, im Lause dieses wahres festlich begehen wird, ist weder eine rein französische An- gelegenheit nach ein reines Kurioswn der Theatergeschichtei es ist ein wiöstiges Gedeirtdatum des europäischen 5Kinstl«b«ns schlechthin, zu dessen ruhmvollsten Pslegestätten sie durch Tradition und heutige Leistung gerechnet werden muh. Die Gründung der sogenannten„Maison de Molicre", dessen Werke durch ihr Ensemble im Lause der Jahre ein« Desamtziffer van mehr denn 21 0C0 Aufführungen erzielt haben, und noch heute zu den wichtigsten Elenieiüen ihres Spielplans gehören, hat mit Molicre nur mittelbar zu tun. Der Dichter hatte die letzten dreizehn klahre seines Lebens im„Fbeaire du Paiais-Royal' gewirkt und starb— nach Beendigung der vierten Aufführung seines„Ein- gebildeten ftronfen*— im Jahre 1673. Erst 1680 verfügt« Ludwig XIV. die Zusammenfassung der drei damals in Paris— neben einer italienischen— vorhandenen französischen Schauspiel- truppen, und sein Dekret von» 22. Oktober 1680 wird mit Recht als Gründungsurkimde des ersten französischen Nationoltheaters be. trachtet. In der heutigen Rue Mazarine(auf dem linken Seineufer) wurden die prominentesten Mitglieder der drei bisherigen Truppen zu einem Eliteenfenrble zusammengestellt. Die Beschwerden der Profesioren des„Eollcke des Quatrc Kations'' über die Nochbarschaft«ner 5iomödiantentrupp« führte aber im Jahre 1600 zum Ilmzuge in ein eigens gebautes Haus in der Rue des Fossdcs Saint. Crerraain, der heutigen Rue de rAncienne Comedie, Hier erlebten die Werke von Rcgnard, Loltoire, Crebillon, Sedame, Marioaux, Favart und anderen ihre Ilraufsührungcn. Zu den berühmtesten Darstellern aus dieser Periode gehört Voltaires Licblingsschaufpieler Lekain. Im Jahre 1770 machte die Baufälligkest des übereilt errichteten Hauses einen vorläufigen Umzug in den Saal des Tuilerienschlosies erforderlich, wo int Jahre 1775 die denkwürdige Premiere van Beaumarchais'„Barbier von Sevilla' stattgefunden hat. Im Jahre 1782 bezog das Ensemble der„Schauspielertruppe Serner Majestät" sein neues Heim, das heutige Odeon-Theater. Hier fand 1784 die bedeutsam« Premiere von Beaumarchais'„Figaro" statt, die über den Rahmen eines lijerarischen Eveigiristes weit hinausging und eine der ersten Berührangen des„modernen" Theaters mit der politischen Zeitgeschichte bedeutet. Von noch größerer Tragweite war einige Jahr« darauf— die Revolution hatte begonnen— die Aufführung des„Eharles IX." von Marie-Jaseph Ehänier. Sie be> Zeichnet nicht imr das Debüt des großen Schauspieler? Talma, sondern gleichzeitig einen Bruch im Ensemble der„Cornödie*, deren fortschrittlich gesinnte Mitglieder abwanderten und sich aus dem rechten Seineufer im miugeschaffenen Hause 0er heutig«,„Comedie. Francaise" einmieteten. Erst nach den, Sturz Robespierres gelang die Wiedervereinigung des Gesamtensemblcs, und unter dem ersten Konsulat Bonapartes erfolgte die endgültige Konstituierung des Ersten Französischen NationÄtheaters, desien Haus mV Jahre 1802 ,n Staatsbesitz überging und desien— genossenschaftliche—„Der. fassung" am 17. April 1804 unterzeichnet wurde. Räch der Glanzperiode unter dem ersten Kaiserreich bewirkten Napoleons Entthrommg und— spater— Talmas Tod eine fühlbare Stagnation im Leben der auf Pflege klassischen Theaters«in.- gestellten„Comedie". Im Jahre 1829 öfsnete jedoch der Intendant Baron Taylor der romantischen Bewegung die Pforten des ssiationol- theaters, in oein am 25. Februar 1530 Viktor Hugos„Hernani" den Triumph der neuen Bewegung befestigen sollte. Schon 1838 wurde aber durd) die Rachel die klassische Tragödie imd fast zur gleichen Zell durch Samson und Regnier das Molicvesche Lustspiel wieder„entdeckt" und seitdem und bis heute werden alljährlich Frankreichs Klassiker— und insbesondere Racine— wie Frankreichs Romantiker— und insbesondere Musset— durch Frankreichs Nationalbühne zu unversiegbar scheinenden Publikum senolgen gebracht. Wsltberühmtheiten der Schauspielkunst sind aus dem �Hauss M olleres" zu allen Zeiten Hervorgegangelt. Auf Talma und die früh dahiitgeschiedene Rachel folgten Eoquelin sind, Sarah- Bernhardt, Mounet Sully, die Barthet, und es wäre allzu dillig, beutige Erscheinungeit wie Alexandre, die Roch, die Ventura und andere wie die Vovy, Granval, die Marquet und Jean Weber als unwürdige Epigonen großer Vorbilder abzutun und ihrer künstlerischen Wirksamkeit den schuldigen Tribut zu versagen. Man sollte sich gerade in Deutschland keiner nacksteiligen Illusion über die Bedeutung der„Comedie.FraiK�ise" und ihrer großen Tradition hingeben. Denn wenn man ihr« Tradttionsvorzüge und -Nachteile gegen einander abzuwägen sucht, so scheinen mir die. die das ehrwürdige Haus im Hinblick auf manche Ueberalterungs.� arfcheinung in Spielplan und Dorstellungsstil als„Mottsnliste" ab- zutun suchen, sich ihre kritisch« Ausgab« doch etwas zu leicht machen. Die Pflege der gesamten nationalen Dramenproduktion von Corneille bis Cocteau darf immerhin als so gewaltige, verdienstvolle Mission betrachtet wenden, daß über mangelnde Berücksichtigung fremder Bühnendichtung zu Unrecht Klage geführt wirb, obwohl mir ganz selten und fast nur bei besonderen Anlässen auf griechisch« Klassiker, Shakespeare oder Ibsen, zurückgegriffen wird, und niemals «in deutsche? Werk über Frankreichs erste Staatsbühne gegangen ist. Frankreichs dramatische Gesamtproduktion ist jedoch so stark, daß es den etwa vierzig Schau ipisltheatern von Paris selbst dann nicht am nähernd gelingen würde, auch nur alle beachtlichen Neuwerke zur Geltung zu bringen, wenn von Geschäftsrucksichten und Eliquenwirt- Schaft ganz abstrahiert werden könnte. Unter solchen Umständen rechtfertigt sich nicht nur die Selbstbeschränkung, die sich die „Comedie.Fraitxaise" bei der Bestimmung ihres Spielplans auf- erlegt: sie wird sogar zur Pflicht und könnt« vielfach als Beispiel für anderer Lanier Nationalbühnen herangezogen werden. Ein west verbreiteter Vorwurf gegen die„Mai&ov de Moliere* ist ihre regiriiche und bühnentechnische Rückständigkeit. Bon Dreh- bühne, Rundhorizont und ähnlichen Errungenschaften moderner Bühnentechnik macht man in Frankreich noch fast allgemein und ins- befonoere in der„Comedie.Franxajse" keinen Gebrauch. Es herrscht auch noch heute die Sitte, den Spielleiter auf dem Theaterzettel nicht zu nennen, und nur aus Zeitungsmdiskrettonen erfährt das Publikum gelegentlich den Namen dessen, der zwischen Dichter und Darsteller der Mittler gewesen ist; sowest der Generaldirektar nicht selbst die Regie übernimmt, wird einer der Darsteller als Spienester bestimmt; es herrscht also hier das Gegenteil der vielfack) üblich ge- wordenen Präpondsranz der Regisseure. Man kann der„Comedie. Franxaise" jeövch deshalb in keiner Weise den Vormurs der Regie- lostgkeit machen, wenn man von einzelnen bedauerlichen Gelegen- heitsaufführungen absteht. Aus der Tatsache, daß dos französische Drama weit stärker aus da? Wort gestellt ist als etwa da? deutsche, ergibt sich ober ein bemerken- werter Vorzug: eine akustische Durch- bildung und Vollkommenheit jeder seriösen Bühnenleistung, wie man sie heut« in Deutschland meist vergeblich sucht. Auf allen Bühnen Frankreichs wird— soweit nicht die Anweisung des Autors dem ausdrücklich entgegenlautet— ein rstnes Fvanzösisch ge. sprachen, gleichviel ob die einzelnen Darsteller aus Paris, Marseille oder Lille zufammengewaitdert sind, und der anonyme Spielleiter an der„Comedie. Francaise", dieser Hochburg der französischen Sprache, voWringt bei jeoer Einstudierung eine akustische Regie- leistung, deren Wert und deren Bedeutung erst der Vergleich mit dem außersranzösischen Theater in ihm ganzen Tragweite ermessen lehrt. Alle Anleindung, aller Tratsch, der sie umgibt, haben bis heute nicht vermocht, die Grundfesten der Nationalbühn« Frankreichs zu zermürben. Die„Comedie-Francaise" hat es in 2ö0jährigem Be. stehen verstanden, das Zentrum und der Angelpunkt des dramatischen Lebetts tn Frankreich zu werden und zu bleiben, und alle Kon- kurrenz und Kritik hat letzten Endes— wenn auch manchmal reickp lich spät— zu chrer Befruchtung gedient. Darin liegt ihr« unschätz- bare Bedeutung für Frankreich selbst und die beispielgebende Stärke ihrer Position im Welttheaterleben. Kein Wunder, daß sie unter solchen Umständen von allen Sesten zu Gastspielen gerufen wird, tzke sie gelegerrffich f»— allzu franzöfsscher UnterschZtzung fhver Gast« gaber annimmt und unvollkommen absolviert. Ich Hab« lest Jahr und Tag die Ehre gehabt, eine Deutschland tournee in Wort und Schrift mst ihren maßgeblichen Faktoren zu diskutieren, und alle zuständigen Stellen Frankreichs sind dafür längst gewonnen. Seck Talma, im Jahre 1808, in Erfurt vor einem„Parkett vcrn Königen" Eorneilles„Ginita' spielte, haben nur 1813 noch>n Dresden und 1928 in Köln derartige Gastspiele lttttigesundett, denn für Einzeltour«en chrer Mitglieder und Mißbrauch ihres Namens darf man die„Maison de Mollere" nicht verantwortlich machen Es scheint mir aber kaum in Frage zu stehen, daß ein Ensemble- gasftpiel der ersten Zkationalbühne Frankreichs in Dsutfdchmo gerade heute von außerordentlichem Werte fein könnt« und daß ein Austausch mit einer entsprechende» deutschen Trupp« entscheidend dazu beitragen würde, die falschen Vorsie llungen zu zerstreuen, die in Deittschland von fwnzösifcher und in Frankreich von deutscher Bühnenkunst gehegt werden. Wenn heute die„Comedie" im Berliner Schillerthcater und ein deutsches Staatsenfemble im«nt- sprechenden Pariser ,T>deon" gastiereit könnte, und wenn die „Comedie" dazu etnen Spielplan aiiistellen wallte, der— statt Corneille, Moliere und Hugo— Racine, Musset, Porto-Riche. Raynal, Ach-arö, Cocteau etwa umfaßt und liidst durch ihre .würdigsten", sondern durch ihre besten Künstler interpretiert wird. so dürste sie nach ntenschlichcm Crmessen gewiß sein, daß auch Deutschland an ihrem Jubiläum freudigen Anteil nähme und der Bedeutung Rechnung tragen lernte, die Tradition und heutige Leistung ihr im Rahmen des übernationalen Bühnenlebens verleihen. trlrh srifr. WJCilll Auch die Kinder haben ihre Sorgen. Und ich will nicht sagen, daß st« geringer sind als die Sorgen der Großen. Denn die Köpfchen, die sie tragen, find noch kleiner. Seck Kiein-Erika weiß, was sterben bedeutet, zerbricht sie sich den Kops darüber und neulich weinte sie sogar. Warum weinst du denn, fragt die Muiti. Ich will nicht totgehen! Warum denn nicht? Wer soll denn dann mck meinen Spielsachen spielen? Wer zum Glück denkt sie nicht allzuoft ans Sterben. Oester schon aus Cinsamfein. Einmol saß sie hinten im Hos ganz allein und weint«, daß die Tränen kullerten. Warum weinst du denn? fragte die Mutti wieder. Alle Kinder haben«in Schwesterchen und ich bin immer ollein. Nicht immer macht die Einsamkeit ihr Kummer. Einmal wurde Klein-Erika sogar philosophisch. Da sagte sie: Mutti,-du kannst ruhig fortgehen, ich bleib ganz gern allein, bloß wenn ich Pipi machen muß und es macht mir keiner die Hos« wieder hoch, dann wein' ich. Ach, ist das ein Elend, setzte sie seufzend hinzu. Aber das hat sie Papa abgelauscht Der stöhnt auch immer so. Aber Klein-Erika braucht nicht immer einen Grund, um zu weipen. Auf die Frage, warum sie wein«, antwortet« sie einmal: weil die Tränen kullern. Mo weint sie, weil sie weint. Schwieriger schon ist es. wenn sie nicht mehr weiß, worum sie weint, ober weil sie einmal weint, weitcrweint, auch wenn die Ursache längst behoben ist. Einmal hatte Klein-Erika sich den Finger gestoßen. Es war «in dicker Lappen darum gewickelt worden und beim Spiel war der Lappen abgegangen. Nun sollt« Mutti einen neuen druntwickeln. ?lli«r wo. Es war nicht» mehr zu sehen. Weh tat's auch nicht mehr. Also weinte Erika«ine Stunde, weil st« nicht mehr wußte, wo sie ihr Wehwehchen hatte. Ein andermal hatte Papa der Klein-Erika «in Spazierstöckchen gekauft. Stolz tappt« sie damck neben Papa her. Auf einmal weint Klein-Erika. Warum weint das Kindchen denn? fragt der Papa. Ich will auch Dreck an meinem Stock hoben, wie die anderen Onkels. Au einem richtigen Stecken gehört«b«n Dreck, wie zum Mantel, daß er gerollt ist. Klein-Erika hatte das schon begriffen, bloß der dumme Papa, der weiß das nicht, der gibt seinem Kind««in sauberes Stöckdien. Dos sind fo Sorgen, die dos kleine Köpfchen schwer machen. Und was man auch tut, man kann nichts dagegen tun. Jh glaube, «inen bestimmten Sorgenpock bekommt der Mensch mit und soviel man ihm auch forträumt, er erfindet sich schon neue Sorgen und wenn er keine findet, wsint er darüber, weil er kein« Sorgen hat. Wie Klein-Erika, die uns einmal eine Stunde lang was vor.zel>e:ilt hat, weil die Tränen nicht kullern wollten. Dr.&L WeUxel: Tom Wlmifoleum sur Tram SeUfame JCatmen öes Spr&dtgehrauchs 'Als im 4. Jahrhundert v. Chr. Artemisia, die Witwe des Königs Maujolus von Holikornaß in Kleinasien, ihrem Gemahl ein pracht- volles, 4-4 Meter hohes Grabmal errichten ließ, ahnt« sie nicht, daß fein Rom« durch dieses.Mausoleum" unsterblich werden sollte. Ebenso hat sich's der Herzog Johann I. von Branbant(gestprben 1294) wohl kaum träumen lassen, daß er einmal als„Garn- b r i n u s". als„Biergott" fortleben würde, von dem die Götter- melt des Altertums ja gar nichts gewußt hat. Was für eine Laune der Sprach« hat hier ihr Spial getrieben?— Johann I. hatte den Brabanter Bauern bedeutende Privilegien verliehen, war deshold Ehrenmitglied der Brüsseler Brauerzunft und bald sagenhafter Schutzpatton, schließlich der angebliche Erfinder des Bieres geworden. Aus seinem latinisierten Namen sao pnmus— Johann der Erste wurde lamprütius(so bei Hans Sachs) und endlich Oambrinus. Di« Launen des Sprachgebrauchs sind in der Tat unberechenbar! Es braucht nur ein einfacher Lübecker Buchdrucker wie Johann Boll- Horn(gestorben 1599). ein preußischer Kriegskommissar und Hosrat wie Kremser oder ein französischer Leinwandweber wie Baptist« Chambroy zu fein. Ballhorn gab mehrere Neuauflagen von Büchern, u. a. das Lübecker Stadtrecht heraus, und zwar angeblich in verbesserter, in Wirtlichkeit, in verschlechterter, ja iehlerhafter Form; daher unser„verballhorn««;. Kremser erhielt durch könig- lich« Kcrbinettsorber die Erlaubnis. Wagen zum öffentlichen Ge. brauch« zu stellen,„die auf eisernen Achsen laufen und auf Federn ruben sollten"; so standen am 20. Mo, 1825 am Brandenburger Tor die ersten„Äremser" zu Gesellschastsausflügen ins Freie. Auf Baptist«(Ritiste) Chambroy schließlich, der im 13. Jahrhundert die Leinwandweberei in Flandern sehr in Aufnahme brachte, geht unser „B o t i st" zurück. Mckunter greift die Sprache tn ein rein lokales Ereignis hinein und hält den Namen eines Beteiligten in irgendeiner Form für alle Zeiten lest Dafür ist der irische Kapitän James Baycott ein Beispiel, der sich 1880 als Gutsoerwalter in Irland derartig verhaßt gemacht hatte, daß die Landliga ihn in Derrus er- klärt« und allen gesellschostlichen und geschäftlichen Verkehr mck ihm abbrach. Der. B o y k o t t" gehört'-itd-m zum Wnrtbestand satt aller europäischen Sprachen. Besonderes Glück hat der französische Morscholl Niel gehabt, der im Krimkrioge Letter des Jngenicurwefens vor Sebaitopol, fett 1867.Kriegsnimister war: fei» Ncwi« ist in der bekannten Rose»- ort sogar mit seinem Titel erhalten geblieben. Bei der Kamelie, der Hortenste oder der Rcineklaude tappt man dagegen schon mehr im Dunkeln, und so manch« andere Bezeichnung, die den Namen des Entdeckers unsterblich machen sollte, ist heute überhaupt»er- schollen, da der Sprachgebrauch sie nicht übernommen hat. Die ..Kamelie" ist nach dem aus Brünn gebürtigen Jesuiten Joseph Kamel benannt, der die Pflanze 1733 aus Japan mitbrachte, während in der„Hortensie", die der Franzose Philibert Commerson 1767 ebenfalls aus Japan einführte, entweder der Name einer Begleiterin auf seiner Forschungsreise, Hortefts« Barre, oder der der französischen Asttonomin Hortens« Lepauche fortlebt. Die ..Königin Claudia" dagegen, die der.„Reineclaude" den Namen gegeben Hot, lebte bereits im 16. Jahrhundert: sie war die Gemahlin Franz' I. von Frankreich: die Bezeichnung für die von ihr bevor- zugte Pflaumenart erhielt sich übrigen? ttotz der französischen Revolution, die daraus„Bürgerin Cloudia"(Citoverrne«laude) machte. „Vergraben ist in ewige Nacht der Erfinder großer Name zu oft!"— Älopstvck hat nicht so unrecht! Wer weiß beute noch, daß der französische Baumeister Froncois Manfard im 17. Jahrhundert die vorspringenden Dachstuben vn sie r, die..M a nsa rde n" in Aus- nahm« brachte, daß das„Nikotin" nach dem französisch."» Arzt Jean Nicot benannt ist, der 1560 den Tabak in Frankreich einführte. daß unser«„Draisinen" 1517 von Karl von Drais in Mannheim criunden wurden, und die im Weltkriege ner wandten„T a n k s" aus den Nomen ihres Criinders, des englischen Ingenieurs Tom Tank Burrak zurückgeben? Ganz besonderes Pech hat allerdings der Erbauer der ersten Pferdebohnen in England gehabt: von seinem Familiennamen Cuttam hat die Sprache nur die letzte Silbe über- nömmen und choi ihn im englischen tramvaz' und in unserer „Trambahn" unsterblich gemocht. Zelix\Cinhe: S)er KKNckMSNN kOtWUl Wenn nach vollbrachtem Tagewerk die Glieder müde und schw.r werden, sangen wir an, uns in den Augen zu reiben.„Der Sand- mann kommt!" sagen dann die Mütter zu den Kindern, die nocn immer nicht nt? Bett wollen. Und wir selber spüren e? deut.uh. daß unsere Augen trocken und mtt seinen Staubkörnchen erfüllt sind. Woher kommt das? Daß wir Sand in den Augen haben, fühlen wir. Wohcr er kommt, ist leicht einzusehen. Die?lugenlicts« ist wie alle anderen .Kürperteil« immerwährend der Umwelt ausgesetzt. Und da eine leichte Feuchtigkeitsschicht sie überzieht, bleiben an ihr zahlreiche Staubteilchen und Fasern hängen, die dem Augenlid von �sen zu Zeit Deranlassung geben, über die Augenlinse weg- und die feinen Staubteilchen herunterzuwischen. Die Tränenkuüsen des Auges sorgen dafür, daß diese seinen Fremdkörper in- die Ecke gewischt werden, wo sie sich ansammeln. Wenn wir nun ermüden, werden olle Organtätigkeiten und Lebcnsiunktioncn stark herabgesetzi. Am wenigsten ist das merllich bei der Atmung, di« im Schlaf fast int- gemindert anhält. Aber der Gesamtstojswechfel, besonders der Gas- sioftwechsel. wird stark erngeschräirft; die Ansatmung von Kohlen- säure wird viel geringer, während namentlich da- Geh'nt zum Neuaufbau der in der Lebevstötigkett stark verbrauchten Hirnzellen vicl Sauerstoft verbraucht. Der Blutkreislaus wird verlangsamt, nur das Gehirn erhält einen Blutüberschuß. Alle Drüsen vermindern ihr« Tätigkeit und die Tränendrüsen stellen sie während des Schlafe., ganz ein. Die allmählich« Ueberleitung vom frischen Wachzustände zum Schlaf, die sich in der Ermüdung kundgibt, vollzieht auch die geschllderten Veränderungen allmählich, und deshalb merken wir, daß di« Augenlider trocken werden,„daß der Sandmann kommt": Reiben wir des Morgens die Augen, so finden wir den Staub zu kleinen Körnchen zusammengeballt in unseren Augenwinkeln. Das sind die Ursachen für das Märchen vom Sandmann. Wie übrigens die Träne.ndrüsen, so stellen auch die Spe-chel- drüsen im Schlaf ihr« Tätigkeit ein Dadurch entiteht auch ein G> fühl dar Trockenheit im Munde, das mitunter im Schlaf süblbar wird und zu Schmeckbewogungen des Mundes und der Zunge füh l. Nicht fetten haben wir in solchen Fällen dann Träume, die sich aus diese Dinge beziehen. So gaukell sich im Traum mancher arme Teufel kostenlos das Trugbild vor. daß er sich an schönen Dingen einmal gehörig satt ißt. Itoher flammt die Qurke? Weder Aegypter noch Griechen kannten diese Gartemrucht. Sie kam jedenfalls aus dem Osten, wahrscheinlich aus Indien, wo die Gurkenkultur mit einem leidenschaftlichen Eifer bettteben wurde. lieber die Gelände des Nils erstreckten sich bald weite Gurkenfelder. und in Griechenland baute ein bei Eorinth gelegenes Städtchen die Frucht mit solcher Aussauer, daß es„Gurtenstadt"(Sykion) genannt murde Dann übernahmen die Römer den Anbau der überkam- meiten itrudtf. Kaiser Tiberius ließ sie„in fahrbaren, mir Marien- glas gedeckten Beeten" ziehen. Die germanischen Stämme scheinen unter Karl dem Großen mit der Gurke bekannt geworden zu sein, am längsten blieb st« aber den Engländern unbekannt. Noch vor zwei Iahrbunderten verabscheute man sie und hielt sie für Gift. Daiür ist John Bull heute ein um so energischer Verehrer d?r Gurke irno baut sie in ungeheuren Mengen an. Nr. 2?9» 47. Jahrgang ���0 Mittwoch, 4S. Juni �930 Thüringen vor dem Reichstag. Das System Frick.— Maifeier und Rundfun?.— Kultur und Sport. I« der am Qienstogitachmittag fortffesetzten Berotunq des Etats des Reichsinnenministeriums im Reichstag spracy zunächst Abg. O. Mumm(Chr.-Nat. Arb.-Gem.): Die Soziotdemvrrati«, die gegen§ 218 kämpft, kann nicht gegen den Kulturbolschewismus kämpfen. Di« Einführung»an Schulgebeten in Thüringen ist an sich ersreuLch; leiher ist aber der Kirche nicht der genügend« Einfluß dabei gegeben worden.(Abg. Frick: Sie ist gehört worden!) Dos genügt nicht, die Kirche müßt« die Text« vorschlagen.(Abg. Frick: Das erste Gebet ist aus der Kirchensammlung.) Gegen dos erst« und letzte Gebet habe ich nichts einzuwenden, und auch der Reichsinnen- minister nicht.(Reichsinnenminister Wirth bestätigt dos) Man kann auch für die Befreiung des Vaterlandes beten.(Minister Dr. Wirth: Sehr richtig!) Aber man darf nicht im Gebet Gott irdischen Werten gleichstellen. Die christliche Religion wird sich nie für irdische Ziele einsetzen.(Widerspruch und Heiterkeit links.) Der Redner fordert das Reichsschulgesetz unter weitgehender Berücksichtigung des Eltern- rechts und begründet eine Entfchsiehung gegen das Ueberhandnehmen der Prostitution und für das verbot der Abgabe von Schuh- und Verhütungsmitteln durch Automaten, sowie ein« zweit« Entschließung für die Schaffung eines Reichs- bühneng«s«tzes. Dos Gesetz gegen Schmutz und Schund hat bisher nur segensreich gewirkt.(Widerspruch links.) Abg. Dr. Leicht(Bayer. Bp.): Abg. Spahn hat sich hauptsächlich mit dem Philosophieren abgegeben. Notwendiger ist aber, daß das Reich leben kann. Der Innenminister sollte sich nicht zu einem über- steigerten Tempo der Reichsoereinhdtlichung verleiten lassen. Der Föderalismus ist keine Gefahr für dos Reich; Gefahren sind eher die unitarischen Vorschläge der Abgeordneten v. Kardorff und Soll- mann. Wir lehnen das Hineinregieren in kirchliche Angelegenheiten ob. Die Wendungen gegenüber bestimmten Volkskreisen, die als Staatsbürger ihre Pflicht tun, in den thüringischen Schulgebeten können wir nicht billigen.(Zuruf von de» Nat.-Soz.: Das sind keine Deutschen!) Christliche- Gebot ist es, alle Menschen zu lieben.(Zuruf der Nat.-Soz.: Nur nicht die Nationalsozialisten!— Lebh. Heiter- feit.) Ich liebe die Nationalsozialisten genau so wie die Juden. (Große Heiterkeit.— Ruf der Nat.-Soz.: Seil wann sind Sie ein solcher Antisemit?) Ein Uniformoerbot müßte allgemein erlösten werden. Statt einer Reform des Wahlrechts sollt« man besser einen gesehlichen Schuh der Wahlversammlungen einführen. Wenn Herr Sollmann aus den Meinungsoerfchieden- hellen im Christentum desten Widerlegung schließt, so würde der Streit zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten die Lehren von Marx widerlegen.(Heiterkell.) Herr Spahn sagte, in seiner Partei bestehe nur eine Krise wie ein leichtes Wellengekräufel. Ja, wenn dabei schon zwanzig Mann über Bord gehen, was wird dann erst bei einem richtige» Wellenschlag?(Große Heiterkeit.) Herrn Hugen- berg hat man allerdings bis jetzt besondere Navigationskünste nicht i'achgcsagt.(Heiterkeit.) Die Entschließung des Ausschustes auf Be- kämpiung des Kullurbokschewismus muß jeder unterstützen, der jür christliche Sitte und Kultur ist. Wir meinen auch, daß die Schule in erster Reihe Lesen, Schreiben, Rechnen lehren soll(Rufe der Komm.: lind Beten!)— auch Beten—, aber nicht unorthographische Briese schreiben und Zeichnungen machen, für die ich als Bub Schläge gekriegt hätte, die man jetzt aber in der Blderbeilage der „Vossischen Zeitung" abdruckt. Wir erwarten vom Minister, daß er den Kutturbolschewi-mus bekämpft.(Beifall rechts.) Abg. Dr. Külz(Dem.) erklärt die neuen thüringischen Schul- aebete für eine Kulturwidrigkeit und ersucht Frick. als Ehrenmann und.Beamter zu erklären, wie er zugleich Todfeind der Republik und ihr Verteidiger sein kann. Die noch bestehende Rechtszerfplllte- rung im Reich muß endlich beseitigt werden Hätte Iakubowski ein paar Kilometer weiter weg gelebt, so wäre er— vom anderen Mecklenburg oder von Preußen— nicht hingerichtet worden. Zum Schluß tritt der Redner für den Verein für das Deutschtum im Aus- land ein, d«r jede Parteilichkeit streng vermeidet. Krick redet. Abg. Dr. Frick(Nat.-Soz.) ruft schon mll seinen ersten WorteK Erregung hervor. Er sängt nämlich so an: Der Streit zwischen dem Reich und Thüringen hat unter den beiden letztverflossenen Reichsinnenministern, ach. Verzeihung, der eine sitzt ja noch hier, groteske Formen angenommen. Frick spricht dann über das Vorgehen Seoerings und die Einstellung der Polizeizuschüste; dabei fragt er, was man dazu sagen würde, wen» den lhüringischen Aemtern untersagt würde. Steuergelder an die Reichskoste obzu- führen.(Große Heiterke-t links und Rufe: Versuchen Sie es nur!) wir könnten auch daran denken, an Stelle der hauptamtlichen Polizei eine ehrenamtliche Notpolizei einzuführen. Das wäre der Linken vielleicht noch unangenchmer. Das Verbot der Bereinigung Adler und Falke habe ich sofort ausgehoben, well sie nicht parteipolitisch ist und nationale Ziele verfolgt. Deswegen richtete Scvering ein Schreiben an die thüringische Regierung, die darin einmütig«inen unzulässigen Eingriff in landesherrliche Rechte sah.(Stürmische Heiterkeit.) Ganz kollegial habe ich gesagt, Severing könne lange warten, bis er eine Antwort darauf bekomme. Darüber geriet Seoering ganz aus dem Häuschen und ordnete eine Bestrafung Thüringens an. Der Abbruch der diplomatischen Be- Ziehungen wäre ja im Aeichen der Geschästsvereinfachuno erträglich gewesen. Die Sperrung der Reichszuschüsse für kulturelle Zwecke war auch nicht so ernst, denn dieses Geld hatten wir schon längst be- kommen.(Heiterkeit.) Minister Wirth hat sich bemüht, wenrgftens einigermaßen objektiv die Dinge zu prüfe». Seoering hatte aar kein Material, um zu beweisen, daß die Polizei national- sozialistisch verfeucht wäre Davon hat sich Wirth in seiner Unterredung mu dem rhünngischen Minister Baum überzeugen lassen Staats- fekretär �weigert macht« uns seinen freundschastlichen Besuch und überzeugte sich, daß in Thüringen alles in best er Ordnung und gar kein Grund zu irgendwelchen Maßnahmen war.(Heiterkeit links.) Die Sperre der Polizeizuschüss« wurde ausgehoben. (Dr. Wirth: Sie haben aber«ine wichtige Etappe ausgelassen!) Auf Wunsch der Entente halle die Reichsregierung angeordnet, daß die Polizei m den größeren Städten Thüringens verstaallicht werde. Dl« leitenden Posten habe ich nicht, wie es in Preußen geschieht. auf Grund des Parteibuchs und der Verdienste um die Partei besetzt, soaderu auf Grund ordauagsgemäßer Prüfungen und uachgewieseucr Qualifikation. (Zuruf von den Soz.: Ihren Befähigungsnachweis mußte» sie haben.) Rein, de» allgemeinen Befähigungsnachweis.(Zuruf der Na«.»Soz.: Bemüht euch doch darum, aber ihr seid ja zu dämlich dazu) Der eine dieser Beamten Ist. als er schon im Warlestond war Nationalsozialist geworden, und dadurch soll bewiese» fein, daß'die ganze Thüringer Polizei nationalsozialistisch ist. Das steht mll der Rcichcverfafsung in schärfstem Widerspruch. 3Kan bchaupier immer wieder, wir wollten die Reichsverfaffung gewaltsam stürzen. Glauben Sie doch nicht, daß wir»mer solch«» Dummheit fähig sind.(Zuruf der Soz.: Ihr habt es schon einmal gemacht!) Das waren andere Zeiten!(Große Heitcrkell.) Sie sagen, ich fei ein Putschist und Hochverräter(lelch. Zu- stimmung links), weil ich an der nationalen Erhebung in München 1923 beteiligt war.(Rufe links: Eidbruch!) Jene Erhebung war nichts sicheres als die Reaktion auf das größte Verbrechen der Weltgeschichte, auf den Landesverrat vom November 1318.(Stürmische Rufe links.) Von der Anklage der Eidesverletzung hat mich das oberste Disziplinargericht in München freigesprochen. Das heutige System erledigt sich ganz von selbst, Sie sind bald am Ende.(Rufe der Nat.-Soz.: Sachsemvahl!) Sie wollen die Nationalsozialisten verfasiungswidrig als Staatsbürger zweiter Klaffe behandeln. Als Geßler die Beschäftigung meiner Parteigenossen in den Werkstätten der Reichswehr und der Reichsmarine oerbot, habe ich dem Reichsinnenminister o. Keudell schriftlich erklärt, daß wir keinen gewaltsamen Umsturz wollen. Keudell hat darauf die Zurücknahme des Verbots veranlaßt. Seve- ring hat es wieder eingeführt, es besteht heute noch, und darauf stützt sich Wirth, indem er sagt, wenn bei der Reichswehr keine Nationaffozialfften beschäftigt werden dürfen, dann auch nicht bei der Polizei. Wir haben deshalb den Staatsgerichtshof angerufen. Der unpolitische Charakter der thüringischen Polizei ist in keiner Meise beeinlrächligt. 3ch habe die neuen Polizeidirekloreu ausdrücklich verpslichtel, ihr Amt unparteiisch und nach bestem wiffen und Gewissen zu führen.(Gelächter links.) Es ist doch lächerlich, wenn kein Polizeibeamter Rationalsoziakift sein darf, wichl aber der oberste Chef der Thüringer Polizei. Wollen Sie uns unter Ausnahmerecht stellen, dann muffen Sie zunächst dafür sorgen, daß ich als Innenminister entfernt werde.(Lebh. Zu- stimmung links.) Wie wollen Sie das mit der Verfassung»er- einboren?(Abg. Feder wird wegen dauernder beschimpfender Zurufe aus dem Saal gewiesen und geht mit Mussolini-Geste ab.— Abg. Gras Reventlow erhält einen Ordnungsruf, weil er dem Präsidenten parteiische Geschäftsführung vorwirft.) Ein Gutachten des thüringischen Oberverwaltungsgerichts er- klärt, daß das Reich auf Grund der Vereinbartmgen verpflichtet ist, den Zuschuß weiterzuzahlen. Der Slaalsgerichlshos wird ja. wenn es noch Richter in Leipzig gibt, ebenso urleilen.(Abg. Dr. Rosenseld sSoz.s: Ihr verbal der„Eisenncher Volkszeitung" ist ja schon aufgehoben!) Sie haben ja einen Artikel gegen das Republikschutzgejetz geschrieben und dabei auch die Möglichkeit seiner Anwendung durch National- sozialisten betont.(Abg. Dr. Goebbels: Was unterhältst du dich noch mis dem Juden, was will denn der Jude da?— Goebbels wird hinausgewiesen und geht ab.) Frick sucht dann die Empfehlung der bekannten Schulgebete zu entschuldigen; ein Zwang werde nicht ausgeübt, die Gebete ent- hielten keinerlei Hetze gegen Art- und Volk-fremde, worunter wiederum keineswegs die Juden zu verstehen seien, wenn sich aber jemand durch die Worte von Verrat und Betrug getroffen fühle, dann könne ihm nicht geholfen werden. Unleugbar sei doch z. B. der Riesenbetrug von 1918 durch Wilson, auf den das deutsche Volk hereingefallen sei.(Da die Linke diese Ausreden gebührend auf- nimmt, schreit Frick ihr zu): Daß die Sozialdemokraten Volksverrai und Landesverrat im November 1918 im höchsten Grade gelrieben habe, darüber sind wir uns doch alle einig. �(Langandauernde stürmische Empörungsrufe links, der Präsident ■ kann mehrere Minuten long sich nicht verständlich machen, schließlich . ruft er Frick zur Ordnung.) Statt die Verfassung gegen uns zu j mißbrauchen, sollte der Reichsinnenminister lieber gegen die schäm- ; lose Abtreibungspropaganda im Wasserkopf Berlin auftreten. Wir ! sind gegen die Piscator-Aufführungen von§ 218 vorgegangen. Ich habe die Verfassung beschworen, ich habe aber nicht geschworen, Ber- liner Regierungspolitik zu machen. Im grünen Herzen Deutschlands. in Thüringen, werde ich unsere Politik weiter verfolgen bis zu dem Ende, an dem ich dos Tor zur deutschen Freiheit offen stehen sehe. (Beifall der Nat.-Soz.— Lärm und Gelächter links.) Reichsinnenminister Dr. Wirth: Das Gespräch mit Herrn Staatsnnnffter Daum ist nicht so ver- lausen, wie Herr Frick«s dargestellt hat. Minister Baum hat sich in sehr scharfer Form von der Art Ihrer Antwort an Herrn Seve- riijg abgegrenzt.(Hört, hört.) Vielleicht ist es so, daß in Thü- ringen e i n Minister n i ch t l i e st, was der a n d e r« in der Oeffent- lichkeit spricht. Herr Frick hat ausgeführt, daß es falsch sei. die Gebete in Zusammenhang zu bringen mit der von ihm gegebenen ministeriellen Empfehlung und für sich betrachtet werden müßten. Das fft für den Lehrer in den thüringischen Schulen, der den Sinn dieser Gebete den Kindern erklären soll, unmöglich. Sinn und Be- deutung dieser Gebete kaim den Kindern mir in dem beanstandeten Sinne klargemacht werden. Bei den beanstandeten Gebeten, wo vom Verrat die Rede ist, welche Deutung soll der Lehrer dieser Stelle geben?(Zuruf der Rat.-Soz.: Der Nooemberverrat!) Wer es mit seinen Kindern ehrlich meint, muß auch Berfassungsverräter ver- dämmen.(Zuruf des Abg. Dr. Spahn[Dnat.j: Das Zentrum und die katholisch« Kirch« haben doch ihre Indifferenz in bezug aus die Staatsform ausdrücklich festgestellt, will der Minister sich auf eine bestimmte Staatsform festlegen?) Unser Dolk hat allen Anlaß, an der heutigen Staatsform festzuhalten. 3n Deutschland konnkc ein Mann, der wegen des Verbrechens der Beihilfe zum hoch» und Landesverrat zu einem 3ahr fünf Atonalen Festung verurteilt wurde. Atiulster in Thüringen werden. Wenn man die Gebet« isoliert betrachten soll, so soll das thüringische Kind offenbar auch zu Gott um die Bestrafung des thüringischen Innenministers beten.(Heiterkeit und Zustimmung-� Minister Frick erklärt, daß sich sein Kamps u. a. auch mit diesen Gebeten gegen ort- und volksfremde Kräfte richte. Im Protokoll des Thüringischen Landtags ist festgehakten, daß der Minister sich für die sittliche und religiös« Ertüchtigung Deutschlands einsetzt, wom.t ich übereinstimme. Weiter enthält das Protokoll aber seine Erklärung, daß man die ort- und v olksfremden Kräfte schon genügend habe beobachten können, und er rechnet zu diesen Kräften auch die Juden. Zch widerspreche aus« schärf sie dieser Verächilichmachvug des deutscheu Judentum» um der Ehre der deutschen Judenschast willen! (Heiterkeit rechts, Beifall Kicks und in der Mitte.) Niemand hat das Recht, irgendeinen Vokkstell als minderwertig und schädlich zu be- zeichnen, ohne einen Beweis für sein« Anklage zu erbringen. Ich habe katholische und evangelische cheologische Sachverständige über die Gebet« von Herrn Frick urteilen lassen. Besonders der ver- starben« Prof. v. H a r n a ck hat sein Entsetzen über den theo- logischen Gehalt der Gebete ausgesprochen. Der Minister verliest Teil« eines Gutachten» eine« evangelischen Theologen, daß die Moral in den thüringischen Gebeten der alttestome»tarlichen Rachcdrvhung von Jehova entspreche.(Heiterkeit.) Diese Moral ist unchristlich. Mein Vorgehen gegen das Eindringen von Nationalsozialisten in den Staatsapparat stützt sich keineswegs auf den Erlaß des Reichs- Wehrministers. Nach den Ermittlungen des Reichswehrministers mußte ich mich um die nationalsozialistischen Zersetzungszellen im Beamtcnapparat kümmern. Der Minister verliest den bekannten Artikel des„Völkischen Beobachters" gegen den Reichspräsidenten unter wiederholten Pfuirufen der Regierungsparteien. Die National- sozialisten untergraben die Staatsautorität, obgleich sie vorgeben, den Führergedanken zu fördern. Eine Reichsregierung kann nicht noch die Propagandagelder und die Mittel zur Zersetzung der Polizei hergeben. Das widerspricht meiner beschworenen Pflicht. Der Minister verliest ein Hakenkreuzlerslugblatt mit dem Ausruf zu einer deutschen Revolution.(Abg. Dr. Frick: Es gibt doch auch eine geistig« Revolution.—• Heiterkeit.) Die unbedii»gte Zuverlässigkeit der thl»- ringischen Polizei wird durch Sie, Herr Frick. nicht gewährleistet, und ich denke nicht daran, Ihnen Gelb zu geben, ohne daß di« Vo» aussetzungen des übrigens nicht einklagbaren Staatsvertroges Zynischen Reich und Ländern über die Polizei erfüllt werden. Der «taatsgerichtshof nimmt keinem Minister und keiner Regierung die politische Verantwortung ob.(Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg. Krölich-Thürmgen(Soz.): Di« Rede von Frick ist eine einzige Provokation der Republik und der Sozialdemokratie. Es steht sest, daß die Schulgebete in Thüringen schon zur Anwendung kommen, und das auch konses» s i o n s l o f e Kinder dazu gezwungen werden. Frick sollte nicht vom Novemberverrat sprechen, denn er ist während des ganzen Krieges in der Heimat geblieben, während Männer, di« er Vaterlandsverräter nennt, sich freiwillig gestellt haben. Ist das der deutsche Wehrwillen, den Herr Frick stärken will? Es sieht beinahe so aus, als ob der ganze thüringische Landtag aus Nationalsozialisten bestände. Sie haben aber nur 6 Abgeordnete, während ein Drittel des thüringischen Landtags aus Sozialdemokraten besteht. Es fft das verdienst der Deutschen Volkspartei, den Nationalsozialisten ein Aliuisterium verschafft zu haben. Hiller hat vor der thüringer Wahl erklärt, daß der Bürgerkrieg komme, und daß Thüringen die erste Machtposition sei, die die Natt- onalsozialisten erobern. Herr Frick hat nicht den Mut, zu diesen Worten zu stehen. Hitler hat Herrn Frick zum Minister bestimmt. Da» ist der Anfang des Faschismus, daß nicht mehr das Parla- ment die Minister ernennt, sondern der Faschlstensührer.» Herr Frick sagt seinen Koalitionspartner� ganz offen, sie sollten aus der Regierung austreten, wenn seine Maßnahmen chnen mtht paßten. Ich werde den Beweis führen, daß Frick die thüringisch« Verfassung trotz seiner Zusicherungen bereits mehrfach gebrochen hat.� Hitler hat erklärt, daß die Nationalsozialisten die Tatsache der Bersassung nicht anerkennen. Jedes Mittel müßte von den Rational- sozialisten angewandt werden. Das Bekenntnis Fricks zur Ber- saffungstreue fft alio ein blobes Lippcnbekenninis. Herr Goebbels hat vor kurzem dieses ganze System als zum Verschwinden reif er- klärt. Und dieser Partei und ihrem Minister hak der bürgerliche Landtags- Sräsideut noch den Einzug in das Ministerium dadurch erleichtert. aß er vom Landtag-gcbäude die Rcichrslagg« verschwinden liesz, nachdem Goebbels auch noch erklärt ttzitte, daß bald die Haken- kreuzfahnen über Thüringen wehen wurden. Frick Hot von der Reichsverfaffung ün Reichstag als von einem Stück Papier ge- sprachen; jetzt hat er es zu halten und zu schützen versprochen. Der Redner verliest noch einige Aeußerungen Fricks aus dem Reichstag. Der Hochverräter Frick ist nicht befugt, über koch, und Landesverrat abzuurteilen. Die Zozialdemokralie'st stolz, das olle lebensunfähige System beseitigt zu haben, während Frick gerichtsnotorisch die Losrelßung von deutschen Landesteilen zu Gunsten Frankreichs begünstigt hat. Er Hai den Verbindungsmann des französischen Agenten Richert, Fuch, mit Reichswehr und Freikorpsstellen in Verbindung gebracht. Der Privatdozent Dr. Rüge, der zu Fememorden aufgefordert hat und dieser Verbindung zum Blücherbund herstellte, fft noch heute sein persönlicher Freund Der„Geist von Weimar" des Herrn Dr. Frick ist nicht der Geist unserer großen Klassiker, sondern der Geist jenes Herzogs von Weimar, der Napoleon zum Kampfe gegen Deutschland deutsche Truppen zur Verfügung stellte, um die Königskrone zu er- halten. Das Abrücken des Abg. v. Kardovff von Herrn Frick ist er- treulich. Aber seine Freunde sind es, die den nationalsozialistischen Minister stützen. Der Aufruf des Reichspräsidenten ist im thüriir- gffchen Innen- und Volksbildungsininisterium nicht angeschlagen worden, dafür aber«in Aufruf Fricks gegen Seoering, mit durch- aus falschen Behauptungen. 1923 hat Reichskanzler Strefemann mir gesagt, er könne nicht dulden, daß Kommunisten in der Thüringer Regierung sitzen und koinmunistische Abgeordnete dauernd gegen die Reichsregierung Hetzen. Wir versuchten damals, mit den Kommunisten gemeinschaftlich zu regieren. Wir lehnten ein Vorgehen des Reiches ab, solange keine Gründe dazu vorhanden waren. Auf Drängen aller bürgerlichen Parteien hat Skresemann Reichs- wehr nach Thüringen geschickt und dadurch die Verhältnisse in einer weise geklärt, die nach unserer Meinung keineswegs nützlich war. Als Frick gegen die Reichsverfaffung verst'eß, war Seoering berechtigt und verpflichtet, die thüringische Regierung zu befragen, ob sie mit der Aufhebung des Verbots jener Vereinigung einver- standen war, und ob es richtig sei, daß in der Polizei Hakenkreuz- zellen errichtet werden Statt einer Auskunft erklärte Frick in einer Versammlung;„Seoering kann lange warten, ehe die Rigicrung antwortet." Ich verstehe durchaus, daß Seoering aus Reinlichkeit»- gründen sich nicht an Frick, sondern an die Regierung gewendet hat. (Zustimmung links.) Lehkhln hat ein Abgeordneter der Deutschen voikspartei erklärt. wenn sie gewußt hätten, was Frick alles am Steck n hat dann hätten sie ihn nicht gewählt. Denken Sie daran wie Frick hier den toten Stresemann beschimpst hat und aus dem Saal gewiesen werden mußte, Aber der Kampf geht weiter. Ein Nationallozialistisches Blatt überschreibt einen Artikel:.Lüg«, dein Name ist Deutsche Volks- Partei! Hiller erklärte in Gotha:„Wenn« n Sttesemann in die Nation hineinrufl, so kommen natürlich nur die Stresemann-Naturen gelaufen." All das stört die Koalition nicht, denn man ist ja der Meinung, daß di« Nationalsozialisten der Volksport-i weltonsba"l'ch näher ständen als die Sozialdemokraten, was übrigens kenn-eich» ncnd für die Arbeiterpartei ist, als die sich die Hiller-Leut« aus- geben.(Sehr wahr! links.) Im Gegensatz zum amtlichen LondiagsprolokoU versucht Frick hier abzuleugnen, daß er zugegeben hat. daß di« Schulgebete sich gegen Juden und Sozialdemokraten richten. Er steht nie zu seinen Zaten. Vor Gericht tonnte er sich an nicht»«rinnern oder wenn«» nicht n«hr anders qing, berief er sich auf das Amtsgeheimnis. Der Zeirtralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat Frick öjfentlich aufgefordert, wenn er nicht der Verleumdung gesehen werden wolle, zu beweisen, daß die Juden das deutsche Volt entsittlichen. Frick hat bis jetzt kernen Beweis gebracht. fHörtl hört! kmkz.j Die bürgerlichen Parteien im Thüringer Landtag haben sich den Drohungen und dem dreitägigen Parlamentsstreit der National- sozialisten gebeugt aus Angst vor der Sozialdemokratie, deren Stör- kung sie von Neuwahlen befürchten. Es ist nicht wahr, wie Frick hier behauptet, daß es in der Thüringer Polizei keine tjakenkreuz- zellen gäbe. Schon 1324 hol der damalige Innenminister, ein Deutschnatt,- naler, weit rechtsgerichtete Leute, zumeist Ossiziere, die in Vreu- ßen entlassen waren und solche von der schwarzen Reichswehr hineingenommen und daraus hat Frick weilergebaut. Zn jeder Potizeiableilung sitzt ein Obervertrauensmann der hakentreuz- lcr, der mit einem zivilen Vertrauensmann in Verbindung steht. Ueberall wird die Poll, ei benutzt, um durch Massenausgebol die Kundgebungen der Hitler-Leute größer erscheinen zu lassen. Wenn diese Leute Sonntags blutige Krawall« herbeiführen, steht die Polizei auf ihrer Seite. Obwohl nach dem Gesetz nur der Bürgermeister Landespolizei anfordern kann, ist das jetzt auch der Hitler-Partei möglich,(hört! hört! links.) Die Regierung hatte versprochen, das Ermächtigungsgesetz zum Beamtenabbau vor der Entscheidung des Staatsgerichtshofs nicht anzuwenden. Jetzt aber wird der eine sozialdemokratische Lehrer von hundert Lehrern in Altenburg, überdies ein Landtagsabgeordneter, abgebaut und fein« Stelle eingezogen!(Hort! Hort! links.) Wir stehen zu den Nationalsozialisten in Abwehrstellung und werden den Kampf so führen, wie Frick ihn uns angesagt hat. al» er in einer Versammlung erklärte, mit dem Marxismus gibt es kein Paktieren, mit Verbrechern keine Auseinandersetzung. Nun. wir wägen Frick nach leinen Taten und seiner Vergangenheit, und wir werden zuletzt Sieger bleiben, denn ein Verbrecher muß zu- letzt immer unterliegen.(Lebhafter Beifall bei den Soz.) Abg. Frau Rcuhaus(Z.): Die sittlichen Zustände in den Groß- städlen spotten jeder Bescyreibung. Das Angebot dex Mädchen ist schon nachmittags so groß, sich die Männer durch die Haupt- geschäftsstraßen nur mit Mühe durchkämpfen können. So kann es nicht bleiben. Im Gesetz zum Schutze gegen Geschlechtskronkheilen ist nicht genug Rücksicht genommen auf den sittlichen und hrzgieni- schen Schutz der jungen Mädchen. Abg. Dr. Neubauer(Komm.) kermzeichnet unter Anführung von Reden, Berichten, Schnorrbriefen usw. die Hitlerpartei als Knecht des Großkapitals. Hitler hat den Vertretern der nordamevikani- scheu hearstpresse gesagt:„Ich bin nicht dafür, daß die Rechte der Juden in Deutschland beschnitten werden." Um die hunderttausende verzweifelnder Proletarier von der Klassenfront abzufangen, werden die Nationalsozialisten losgelassen. Abg. Erispien(Soz.): Der ganze nationalsozialistische Spuk wäre längst verschwunden, wenn die Arbeiterklosse einig wäre und die Kommunisten nicht den umgekehrten Klassenkampf gegen die Sozialdemokratie be- trieben.(Sehr wahr! bei den Soz.) Aehnlich der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschast sollte man mit Staatsmitteln eine Not- gemeinschast der deutschen Kunst schassen, weil der deutschen Kunst Zlusträge und Anregungen besonders in republikanischem Sinne seh'len. Es ist bezeichnend, daß sich im Reichstag keine Mehrhelk iür die Rundsunkübertragung von Reichskagsdebatteu gesunden hat. Der Reichstag erhöht fein Ansehen nicht dadurch, besonders da Auszüge aus ausländischen Parlamentsdebatten schon große- Interesse im Rundfunk gefunden haben. Ich appelliere an die bürgerlichen Parteien, ibren Widerstand gegen die Rundfunk- Übertragung aufzugeben. Eines mündigen Volkes ist es nicht würdig, wenn es von der jeweiligen Zusammensetzung der Regie- rung abhängig iein soll, welche Uebertragungen im Rundfunk ge- boten werden. Eine Maifeier de« Sozialistischen Kul» lurbund'es, die zur Uebertragung mit einem rein künstlerischen Programm angemeldet wurde, wurde im letzten Augenblick nicht zugelassen. Ich frage, ob es zutrifft, daß dieses Uebertraguugsverbok mit einem Vlaiaufrus der Berliner 8e- zirksorganisalion der Sorialdemokratischea Partei begründet wurde, in dem sich ein Absatz gegen die Brüning-Regierung wendete. Eine solche Zcnsierung des Rundfunks aus Grund eines Aufrufs einer ganz anderen Organisation entspricht nicht einmal der söge- nannten parteipolitischen Neutralität, die nach den längst erneuerungz. bedürftigen Richtlinien sür den Rundfunk diesem auferlegt ist. Wir fordern die Einbringung eines Reichsrundfuntgesetzes, das den Rundfunk unabhängig von Eingriffen der wechselnden Regierungen macht. Der Rundfunk hat sich ja trotz seiner angeb- licl'en Neutralität, die uieiter nichts ist als eine in Wirklichkeit bürgerlich« Stellung, auch der Politik widmen müssen, wenn auch in für uns noch ganz un zufriedenstellender Weise. Ich forder« von der Reichsregierung Aufklärung über die NichtÜbertragung der Maiseier. Abg. Vehold(Wpi.) fordert eine Verminderung des Etats des Innenministeriums um 5 Vro,.. insbesondere Streichung der Posten für den Rcichskunsiwart. für Tonsilmgeräte der Filmprüfstelle usw. Wir regen die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses des Reichs. tags über das Lübecker Säuglingssterben an. Die Polizei Ist kein Schutz mehr für Hab und Gut der Kleingewerbetreibenden bei den Krawallen der radikalen Parteien. Mehr als 3,2 Millionen stehen sür die S t u d e n t e n h i l r e im Etat, um den Studenten Wohming und Geselligkeit zu verschaffen. Dafür hat aber das Reich in seiner Nor kein Geld, und man darf den Familien, die vermieten müssen, nicht die Gelegenheit dazu nehmen. Die Einrichtung von Waren- hänsern. Wirtschaften usw. in diesen Studentenheimen ist ein Skandal gegen Handel und Gewerbe, entzieht auch dem Reich Steuern. Ztochsinnenminister Nr. Wirih orllärt zu einer neuen Veröffentlichung über den Lübecker Säuglingstod, daß er vorläufig dazu weiter nur sagen könne, daß viele"der geresteten Kinder jahrelang unter ständiger ärztlicher Aufsicht werden bleiben müssen. Dem Abg. C r i s p> c n erwidert der Minister, daß Severing lW die schon früher angeordnete Nichtverbreitung der Maifeier durch den Rundfunk gebilligt habe, da dies sine politische Feier sei. Die sozialdemokratische Maifeier 1930 war stark gegen iüe Regierung Brüning gerichtet. Einzelne künstlerische Vorträg« usw. können auch aus polst scheu Feiern übertragen werden. Der Rundfunk darf nicht propagandistisch in den Dienst einer bestimmten politischen oder kusturellen.Richtung gestellt werde».— Der preußische Ministerpräsident hat sich im Landtag nicht über dos Urteil des Staats- gerichislzofs hinweggesetzt, sondern nur seine Rechtsauft'assung aus- gesprochen, ohne die Autorität des Staatsqerichtshoss herabzusetzen. De preußische Regierung hat ja auch Disziplinarverfahren gegen Beamte mw wogen Einzeichnung sür das Anstyoungplan-Volks- begehren nicht eingeleitet. Abg. Schreck-Bielefeld(Goz.): Manche Verwilderung in den politischen Kämpfen ist daraus zurückzuführen, da ß_ vielen das innere Gefühl dafür fehlt, daß man einem Volk und Staat am besten dadurch dient, daß man den Menschen Kräfte verleiht, die ihnen erlauben, selbstbewußt und i>Ibständig zu den Dingen Stellung zu nehmen. Die vielbeklagte Veräußerlichung beruht darauf, daß d»e meisten Menschen glauben. mir sie hätten ein Recht, gehört zu werden, während man iilber die Lsbensäußerungen der breiten Masse mit einem gewissen Läched» hinweggeht. wer die Zugeudbewegvng im deukschen Volk beobachtet, wird zugeben daß hier die Aussassung lebt, daß der Siaat nicht ein .icstalUoses Wesen oder eine solche Organijakion ist. sondern Leben bekomm« durch die Menschen, dle in ehrlicher Bogel llc- rung und mit starkem willen an der Ordnung ihrer Geschicke mikznwirken bereit sind. Die Beräußcrlichung von Theater und Kunst beweist nur, daß beide nicht als Geschäft betrieben werden können. Wir schen dach, daß die Theater leer bleiben, wenn die Regisseure und Direktoren den Mut finden, aus unsere Klassiker zurückzugreifen, und dann fehlen gerade die, die sich berufen glauben, der Jugend gute Lehren für ihre Moral zu gcheu(Schr gut! Eüiks.) Wer die Verimierlichung will, der muß der Jugend die Selb» stäirdigkeit gönnen, ihr aber nicht mit Mnckerei kommen. Auch die Jugend von heute läßt sich begeistern für die hohen Ideale eines Volkes und der Menschheit, aber man darf ihr nicht mehr Unter- tancngesürnung zumuten. Deshalb liegt in der Erziehnngsarbeii de? Volksbühnen, und der Jugend- bewegung eine ungeheure kraftquege. Mancher nrestst, daß der Sport die Jugend abhalte vom Losen der Bücher, von den Quellen des Wissens und der Poesie. Aber das ist ein Mißverständnis. Im Spott lehnt sich unsere Jugend auf gegen den öden Mechanismus des kapitalistischen Betckches. Auf den grünen Flächen, in den Turnhallen, in der Körperpflege er- halten sich die Massen rhre Gesundheit und fördern ein Selbst- bewußtsein, das sich nicht beugt. So war auch der olympische Kon- reß in Berlin ein Beweis der internationalen Bedeutung des ports, und lm nächsten Jahr wird die Arbeiierolnmpiade in Wien dazn beikragen, daß diese Menschen sich wieder ans ihre eigenen Gefühle und auf ihre eigene würde besinnen. Darauf vertraue ich, und darum bin ich überzeugt, daß das ganze Geschrei links und rechts, daß der Appell an Gewalt und Rohheit zurückgedrängt werden und versinken wird, und daß der menschliche Idealismus den Sieg behält.(Lebh. Beifall der Soz.) Nach 19 Uhr abends vertagt das Haus die Weitcrbevatnng auf heute, Mittwoch, vormittags 10 Uhr. T? Ol parteinachrichien (infeabanatn für diese Rubrik stud »» r t t» SB tS, Linbenstraß« 3. fürGroß-Berlin stet» an da» Bezlrtesekreterim 4. Hos, 2 Steppen recht», ,u richten Achtung Gtadwerordnetenfraktion? Heute, 17(nachm. Z) Uhr, wichtige Fraktionsfitzung im Rathnus, Zimmer 109. 4. ttrei» Picnzlaner Berg: Treitog. 20. Juni. 19H Uhr,»nsms�sest. siile, Poppclallee 15, Nrcisfunltisnäepcrsommlung. Thema:..Tozialbem». ri kroti« und SJalionalfosialisnin«". Äefewnt Dr. Rlcharb Mischlcr. Sterbetafel der Groß- Berliaer Partei- Organisation� Unser lieber Genosse Ab»If tzochert, tzoss-ner Str. H. ist verstorben. ®jte seinem Andenken! Die Beerdignnz findet am 19. Funi, IS Übt. in 9leo« köllo, Thomo�Nirchhoi, Hermannstr. TS— SS, statt. Zahlreiche Bit« ill WINZ milch erwartet. Sozialistische Arbeiterjugend Groß- Berlin Slnsendunqen für diese Ziodiit irnr i TieNla 6». rinbtnüroSt J ■ bat Zagen bietceweiat. Abte>lnag»lci»cr, reicht umgehend, samcit noch»Ich! geschehen, die Programme fllr Juli ein! Sihnng de» B.-V. mit den ZS.'B.-Leitcrn morgen. 19 Uhr, im Dortragssaal de» P.-V., Lindenstr. 3, i. Hof, 2 Tr. links. heute, Mittwoch. 19'- Uhr: Arioaaplotz: Heim TlisobcthtirchNr. 19: Bericht von der Psingstfadel.— Viertel: Helm Isranksurtee iMee 307:„Gandhi".— Peiersbnrgec Liertcl: Seim EUfllec Stt. 1: Heiterer Abend.— 8nifcn(ioit: Heim Wasseriorstr. 9; fugend und Gewerkschaften".— 9i*iÄ>enbctgcj Viertel: Heim Brihcc Sir. 27— ZO: „Wirtschaftsdemokratie".— Liudeahos: R- stau ran!.Lindenhof":„Geschichte der Avbeiteriewegunn".— eharlottenburg�iord sAel'ere): Leim Lshersstroi»:„Dos Belriehsrdtegcsctz".— Lankwitz: Vi. Gruicindeschule, Echulstrahc:„Staat und Erziehung".— Waaus«, Schule Eharso't-nstraßc:„Nationalsozialismus und wir".— Zieulölla XI(Aoltere): Heim sslughafenstr. S!>:„Bub und Mädel".— Feiedrichshag-N! Heim griedrichstr.»7:-Die Gelllelnschaft in der SAZ." Berbebeziri Prenzlauer Berg! W..B..Borlitzenb-nIonferenz 20 Uhr im Heim Sonnenburger Str. 20.— 20 Uhr im Heim Gleimstr. 35 Sprcchchorprobe. All« Abteilungen müssen stcki daran beteiligen. Werbobezlrl Teltowkanal:„Das rote Bauvolk" ist umgchcnk» vom Genossen Erich Schneider abzuholen.— Die Delegiertenkonferenz findet nicht am 2l„ soichern erst Sonntag. 29. Zun!, statt. Berbebeziri Reutölla: Sprechcharprvbe 19� Uhr im Heim Sanner Straße.— Wanderleite rfltzung 19 ih Uhr im Heim Bergstr. 29. Alle Gruppen miissen pertreten sein. Berbebezl»! Lichtenberg! Demonsiratlan de» Arbeitersport- und Sustur- kartells. Treffpunkt 18 Uhr Zugent>dA>ne. ssahnen und Wimpel find mitzu- bringen. Alle Gruppenveranstaltungon fallen au»! 2«. Kreis Reinickendorf. Montag. 23. Zun!. 19 Uhr. Sretavorstandssttzung mit den Wt-Ilungsleitern, der Bezlrksverordnetenfraktioa und den Stadträten. Unbedingt,» Erscheinen ist notwendig. Lokal: Sitzungssaal des Bittenauer Rathauses.— Der Sreisvorstanb. heute. Mittwoch, den 18. Juni: 32. Abt. Die P-zirisfllhrer«erben gebeten, HI» Freitag, 20. Zuni. di« Warken kllr das 2. Quartal beim Genossen Polchow abzurechnen. Listen und Mai- marken find ebenfalls abzurechnen. Morgen. Donnerstag, den 19. Znni: l»'-: Uhr wichtig« Besprechung der Funktionäre hci Pohst, Lpchener 39. Abt. Straß« 108. Abt. Im Lokal von Teick , Sneleieckstr. 135, Arbeitsgemeinschaft der ligenassen. Bortrag:„Theorie und Praxis des Rational- loziallsmus". Referent Genosse Prof. Denick». Das Erscheinen aller ilingeren Genossinnen und Genossen wird erwartet. Aranenveranslaltungen. S. Krei» Zriebrichshain. Donnerstag, 19. Juni, um 90 Uhr, bei Sentschel, Memeler Str. 13, Funktionärinnenkanferen». All« Abteilungen müssen ver- treten sein. 4 74. Abt. Zehlendors päd 71. Abt. Dahle«. Am Donnerstag, tt. Juni, Ausflug nach dem Grunewald-Saus zum Genossen Backe, Sranprinzenallee, gerader Weg. Treffpunkt um 15 Uhr am U-Bahnhof Onkel-Tom�Hlltt«, Ecke Rie- meisterstraße. lm. Abt. OtecschSae weide. Die Genoisen und Seiwsstnnen treffen sich am Frei- tag. 20. Juni, um 14 Uhr an der eoangelischen Sieche zum Ausslug nach Pferdebucht. tZ«. Abt. Reinickenboef-Vst. Am Donnerstag, 19. Juni, um 20 Uhr, Frauen- abend In der Lindauer Straße. Vortrag:.Geburtenrückgang und Geburten. regelung". R-ferent Dr. Norbert Marx. Voranzeige. 4. Srei» Prenzlauer Bepg. Am Dienstag, 24. Zuni. große» Troffen»um Sreisfrauentag wr Freien in Zerlln-Duch von 10 Uhr ab. Fahrverbindung: Stettiner Borortbahn und Autobus 42 von der Prenzlauer Promenade. Bis 14 Uhr zwangloses Beisammensein. Bon 14—18 Uhr Saffeekochen beim Genossen Schultz iüiler 75 Pf.). Rezitationen. Ernstes und Heitere». Bor. tragend«: Martha Zahn, Schauspielerin. Genossen und Genossinnen mit ihren Sindern lind herzlichst eingeladen. Dezirksausschuh für Arbeikerwohlfahrl. Smlaleitrrlinnen!) Wir«rinnern noch einmal an di« Abrechnung aller ausstehenden Beträge für die Zeitschrift.Arbeitcreoohlfahrt" zum " Juni. Vorträge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rok-Gold". Sekchäktsstell»: Berlin S 14. SebaNianstr 37-38. Hol 2. Tr. Don»er»tag, 19. Znni. Srei« Süden: stur Siuldgebung in Tempelhof Antreten sämtlicher Ortsoereine um 19Zj Uhr Dorfau« Tempelhof. Pflichweranstaltung mit SpieNeuten und Fahnen.— Treptow: Abfahrt 19-% Uhr Bahnhof Schönemeide.— Neukillln-Britz, Sreuzberg und Tempelhol benutzen dir öffentlichen Berkehrsmittel zum Sammelplatz. Veen, laue« Berg, SameraWchait Wörth«! Platz: Achtung! Die Versammlung findet nicht bei stundel, sondern in den Berolina-Festsälen statt. Achtung, Spielleutes 20 Uhr wichtige Besprechung he! Burg. Prenzlauer Allee Ecke Nauinerstraß«. Erscheinen aller Spielleute S Flicht. Neukölln-Britz: 19)4 Uhr P-flichtantreten an der Dorsau« in Tempelhof. Zeddiag(Ortivereln): Wcrbeumzug durch das Gebiet der 3. SameradFchaft. An. tre'en mit geoßer Mussk pünktlich 1914 Ubr bei Hilmann, Rozarethllrchstr. 41. Erscheinen Pfficht!— Feefta«, 29. Zuai. Tempelbof. Sameradschaft Lichtenrade: 20 Uhr bei Rohrrnann Sameradschaftssttzung Beißensee(Ortsvcrein): 20 Uhr Versammlung im„Berliner Hof". Anionvlatz. Borstand 1 Stunde früher. Reinickevdorf-Vlt lstameradschast): 20 Uhr Miigliederoerlammlung. Preazlaner Berg, Sameradschaft Sönlgs'or: Der Somerad Wilhelm Neumann ist verstorben. Einäscherung um 17 Uhr Srematorlum Gerlchtstraße. stahlreiche Beteiligung erwünscht.— stur Teilnahme an dem republikanischen Fest in Altona am 28.,'29. und 30. Zuni können ssch noch Sameraden melden. Meldeschluß und Einzahlung des Fahrgeldes lGesellschaftsfahrt 18,50 M.) bei Samerad Schlenber, Lippehner Sir. 29, bis zum 30. Juni. Arbeiter. Sesaagperei».Freiheit", Mahlsdors-Sanlsdsrs. Anläßlich bei 2äiähr!gen Bestehens am Donnerstag. 19. Zun!. 19 Uhr, auf dem Wilbelmolatz in Saulsdorf Platzkonzert. Wiederholung am Freitag. 20. Juni. Ecke Bahnhof» und Tresckomstraß« in Mahlsdorf. Sonnabend, 21. Zuni, im Heidefaig. Mahl-» dorf�IId, Stiftungsfest. Verkäufe Linoleum._ Szillat. Soloniestraße 9. Sachherde, Gas, Sohl«, Ofentüren, Ofenrohr, Walchkcsscl, Waschmaschinen, Abwaschtische, Wäscherollen. Teilzahlung, Eisschränke. Badewannen. Velen, eifern«, seder Art und Größe von 12,30 Mark, Amerikaner, irische Dauerbrand tauch für Säle bis 5000 Subikmeter), transportable Sachelöfen. Di« alt« Spezialfabrik Semmler u. Dien- berg A..S.. Dresdenerstraße 93—99." Teppichhans«mit Lefevr«. Berlin. feit 1832 nur Oeanienftraße 158. stah. lungserlelchterung ohne Ausschlag. Reuer Salaloa kostenftei.» tzetzleiitungäotüctzF!, V/äsebe usr». Leidbans Moritzplatz 58a verkauft b!I- ligst Savalier-Earderobe. teils aul Seide. Gabardinemäntel. Paletots. An- »llqe von 25.—, Bauchanzllge. Gelcaen- biitskäufe in Pelzmänieln. Zacken, Füchse von 20.—. Sein« Lomdardware. Berleih von Frack- und Smoking- anzüaen.' Möbel Radio Anoden. Neunziger 4,40, Sunderter 4.90, Spacröhren 2,50. Apparate Teil. «ahlun«. SchönIcjnNraß« 2, Filiale Dr-sdcnerstraß, 118.• Me- Patentmatratzeu„Primliiima". tallbetten, Aulleaematratzen. Ehailelon- gues. Walter. Slargarderstraß« acht- zehn. Sein Laden.» 2. und Z. Abt. Sommunalcr Ausschuß am Freitag. 20. Zuni, 20 Uhr. bei Borlik, Sebastianstr. 33. Bortrag der Genossin Dr. Rosenfeld über„Ge- fangenenfllrsorge". Alle interessierten Genossinnen und Genossen sind herz- lich willkommen. Zungsozialisten. Gruppe RenkSlln: Heute. Mittwoch, 18. Juni, 20 Ahr, im Zugendheim Tvep- tower Str. 05—08:„Was geht in den deutschen Partelen vor?" Rsferent Genosse Dr. Otto Frlebländer. Gruppe Moabit: Am Sonntag, 22. Zun!. 8 Uhr, Treffpunkt am Bahnhok Bellevu« zur Fahrt ins Grüne; anschließend geht's zum Rast im Stadion Grunewald. Pünktlich und alle erscheinen.„Vorwärts" bitte beachten! Arbettsgemeinschafl der Sinderfreunde. Zentrale: Die Abrechnungen für dos steltlager In der Schweiz und sür das Nestsalkenlager in Munster lLüneburger Heid«) sind sofort porzunehmen. Bis zum 25. Juni sind alle T-ilnchmergedühren zu zahlen. Di« Sammellisten sind vis spätestens 28. Juni abzurechnen. Nack diesem Tage dürfen keine Listen mehr in Umlauf sein. Bestellungen fllr Zeltlampcn und Batterien werden bis Montag, 23. Juni, in der stentrale angenommen. iZusawmeirknnft aller steltlagerteilaehmer fSinder und Heller) am Donners- tag, 19. Juni, van 1749—19 Uhr, In der Narl-Marx-Schule, SaifewFriedrich. Straß« 208.__ Wichtige Znsammeaknllst allre Sre!«l-!t«r nad steltlageroerantwarilichen in de» Srrisca am Freitag, 20. Juni, 20 Uhr, Geschäfisstcll«. Die nochmalige gc- mrinsome Durchsicht der Sammelpaßlist-n ist erforderlich. Zeder Sreis muß oertreten sein. Ack-t-ng! Sonntag, 22. Zuni, Arbeitstag fllr das stettlager. Rohere Mit- tetlllngen erfolgen noch. Di- Rundschreiben fllr die Sonnenwendfeier werden am Donnerstag b«! der stusommeniunfi der stelilagerterlnshmer ausaegodcn. «ht. Tempelhof: Die Helfer treffen sich 17 Uhr im Heim Germaniastroße. Gruppe Zehlcadarfi Di« Sportplätze am Siebenendenwcg sind nun zur B».- Nutzung freigegeben. Die Spi-Inachnutloge der Sindevfteunte finden wähoend de» Sommer, be! günstige« Wetter auf der großen Gportwlef« statt, und zwar für Sindee jeden Alters am Mittwoch ooa 18— 21 Uhr FSpielfeld 2) und für Sinder Uber 10 Jahre am Freitag, ebenfalls von 18—21 Uhr fSvielfeld 5). Alle Sinder sind herzlich willkommen.— stu der am Donaersta». 19. Zuai, von 1714— 19 Uhr in der Sarl-Marx.Schule, Sailer-Friedrich�tr. 208, statlfindendeu stulammenkunft aller steltlageeteilaehmer treffen wir uns um 16Zs Ubr am U-Bahnhof Onkel-Toms-Hütte. Der Spielnachmittag am Mittwoch fällt dafür aus. Geburtslage. Jubiläen usw. 88. Abt. Schöuebera. Unserem allverehrten Neben Genossen Fritze S a f p a r die herzlichsten Glückwünsche»um 80. Geburtstage. n. Abt. Unserer langjährigen Genossin Ernestine Renkamp bi« dertlichste« GMckwüPlch»«am 70. Gakmrwwg». RibeNäu'e, werke Srrdit nah bar Möbelbazar. große Auswahl. kleine Prelle! Beilvielsweilel Schlafzimmer 435.—. Speisezimmer 517.—, Herrenzimmer 389,-. Spiegei- fchrönke 118,—. Dielengornltur 88,—, Aurickteküche 99,—, Mefsingdettflell» 68,— Slelderfchränke 48,—. Ehaife- lonaue» 28,—, Meiallbeitstell, 18,—. Aufleaemattatze 13,—. Sonsiige Möbel angemessene Preise. Teilzahlung auf» schlagire!. Sochcneaten, Monatsraten Sossarabatt bis zehn Prozent, auch aul Anzahlungen. Kleine auch ohne Anzad- lungen. Srediie di» zwei Jahre. Maß Zins. Saialo» iranko. Hauvigelchü't: Steglitz. Schloßstraße 107: 2. Geschäft: Neukölln. Lerm-nnplatz 7: 3. Geschäs»' Bellc-Alliance-Straße 9Z.—. Untergrund- bahn: 4. Geschäft: Schöneberg. Haupt- straße l40. gegenüber Hauvtvoft: 5 Ge- tchäft: Sottbusier Straße 23.«eaeiiilder Elitetänacr. vh-e Anzahlung bis 24 Monatsraten Schlafzimmer. Suchen, Änkleidefchränke. M-tallbettNell-n. Ehailelongues. Solas Federbetter Anicl. Groß. Frankfurter. itrane 84 lStrausberqcrvlatsi. . �bel-Samcrliag, Sastanienallee 58 Scrrenz:mmir. Codelingarniluren. Slud- ttfche,»rmlehnfessel Riesenauswahl Svottvreise. 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Steinvlati 0847. ?uc1ii fste«uSziiabst daist einen OSÄzirfö-SeMr forden Unterbcxirk Kösiio, umfassend die 12 Krd« des Regierungsberirks Köslln De Si r de» Unterberirkssekrc- täis soll Köslin sein.— v'erlangt werden rednerische und organisalorische Bf- fähitung. fflnfjährige Mitalitdschaf' in Partei und freierGewcrkschaf'. Die Einstellung erfolgt nach den Bedingungen des Vereins Arbelterpresse. Beweibun- g'N, denen Lebenslauf und eine kurze Abhandlung Oder die Aufgaben eines Sekretärs beigefügt werden müssen, bitten wir bis zum I.Juli sn Bezirkssekretär Th. Hartwig, Stettin. SchillerstraSe in. mit der AuSchrlft LBe- eine Methode, die von praktischen Hausfrauen entdeckt wurde. Das Spülen der Wäsche hat den Zweck, die Wäsche von allen Seifenteilchen zu befreien, die sie während des Kochens in sidi aufgenommen hat. Mangelhaft gespulte Wäsche neigt zum Vergilben und wird schnell unansehn- lidi. Deshalb spült die sorgfältige Hausfrau immer zuerst in gut warmem Wasser und danach so lange kalt, bis das Wasser klar bleibt. Geben Sie dem ersten warmen Spülwasser 1 bis 2 Handvoll Henkels Sil- kalt aufgelöst- bei. Sie werden erstaunt sein, um wieviel schneller, sorgsamer und gründlicher alle Rückstände der Waschlauge beseitigt sind und wie klar, blütenweife und duftig schön eine silgespülte Wäsche ist. Viele tausend Hausfrauen spülen heute schon zu ihrer größten Zufriedenheit mit Sil; auch Sie werden bald die Vorteile dieser wirklich praktischen Methode erkennen. Täpi. S u. 915 Sonnt. 3, S n. 8« Alex. E 4. 8066 8 internationale Attraktionen Theater Kd.Beiirenstr. 53-54 S1/* U- A4 Zentrum 926-927 U- Direktion Ralph Arlhar Robert Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs WWW Oirelltiem Dr. Martin Zickel W� Komische Oper i-rieilrlchstr.104 Merkur 1401.4330. Täglich OVJ Uhr Liebe und Trompetenblasen Schulz y Westermeier/ Finkler lanrbeck ✓ Haid s Behrisch VoiKsbllline Tlieatsr am BOIovplalz. «'. Uhr Julius Caesar Oigle: Kerl Kiiot Mtriii jtaatl.Sdiillei-Tli. 8 Uhr Sdierz, Satire, Ironie u. tiefere Bedeulong Staatsoper AmPl.d Republik 8 Uhr Die Fiedm Oeotsdies Tlieaier D 2 Weideodaffliii 5201 8 Uhr Phaea von Fritz v Unruh. Reg.: Max Reinhardt Mosik: Frltdridt HoiltOTdcr. Böhntnbiidtr Ernst Sdiitte. Kammerspleie 0 2 Weldendamm 5201 Gesthiossen. msE •t.ieater ! Gr, Frankfurter Straße 132 j | Blllattkuse: Alex 3422 u. 3494{ Täglich S's Arm wie eine Kirchenmaus mit Trautet Paul and Willi Rone. OrOinn des Riesonprcfiramms oui der Gartei Oübiie äglich 5»(Sonntags 5 O.Js 1 9 grobe VarirtftiDisniern Su Lene.Lone.uese Gitter», Sofor, Rersten»,, Pyrmont, Kanlscb und| Hans Rose. Kasse von 11 Uhr früh un- unterbrochen geöffnet. SarnowjKy-Än TCeüer In »et Slrssemaansir. 8V« Uhr Napoleon ereifl ein von Waittr fiasanclevsr Regia: Vidu fenuvUy Komödienhaus 8V« Uhr Meine Sdiwester ond idi Masili». Ralph Beatiky Reichshallen-Theater {T| Uhr Das wundervolle Juni-Proaramm der Stettiser Sänger Tel.: Zentrum 11263 Dönhoff- Breill(Saal und Garten Varleiö- Konzert— Tanz Die HomSdie II Bisnick.24l4/7S1>' 8V'i Uhr Nio werde idi teidi ond glflddidi? Ein Rnmu In 11 Utiilragan nn Filii Joadiimson. Mnsik nn Mhdu Spolianiky. Ragia: EriA Engel üasaintaautaitnng: Lndwig Rainer Dir. Dr. Marlin Zitkei Komische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich S'/a Uhr Liebe und Trompetenblasen Sthnli/Vfutf mwiffr/ Finklsr Jahrbttk/ Hjid/ Behriidt Direktion Dr. Robert Klein Oeutsebes Künstler-Theat Barbarossa 3937 Täglich 9 Uhr „Idi tanze um dleWeltmitdlr" >n Kamllc Stiijiar Hmik: Fhaiiridi Kolllnilar Regia: Kant Biahn 1000 r4i(&o*4cLU4encl M<*rk) vn(r und feierliche Proklamation. VICTORIA ZU BERLIN ALLGEMEINE VERSICHERUN GS» ACTIEN930 starb uns« Kollege. der Rohr.eger Otto Köhler geb. 9. Mai 1859. Die Einäscherung hat bereiii statt- geiunden. Ehre ihre« Andenken! Die Ortsverwalknag. EerllraerglfK-TriO N e U k 8 1 1 B.*** l�hnati. 74/7b.I 21! Iis Vlittwoch, den 18. Juni I9JC luchmittags Z'/z Uhr Verüend der Budtblnder und Paplerverarbeiter DeulsdilBDds Ortsverwahung Berlin Todesanzeige Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Buchbinder Lüilllliiä Brncktrano ©banbau, Nenendorier Straße 37. verftorden ist. Dr« Ernälcherung findet am Miit- woch. dem 1« Juni, nachm i Uhr. NN Krematorium Gcrichistiaße statt. Ehr« Je'.ncm AndenFen! fifege Betriltgnng erwarte: VI« 0vt,»ew»lti>nj Im Verlaus de- Geschästsiahres 1929 ist leider ein dauerndes«bgleilrn des Zinkpreiscs zu uerzcichncn. Während das Jahr 1958 noch«inen Durdischnitts- Zinkprers von 34.2.— Psnnd Sterling auswies, ergaben sich bereits für 1927 und 1938 Durchsdrnittsvrcise von 28.9.— Pfund Sterling und 25.5— Pfund Sterling. In der ersten välfie des Zahrcs 1929 war der Preisdurchschniit 28.10.— Ptund Wierling. Seit dem Monat August begann die Abwärlsbcwegung. die vorüber. gehend ausgefetzt hatte, aber von neuem, und am Jahresschluß hatte üe einen Tiefpunkt von 19.12.— Pfund Sierlin« erriidrt. Diese Preisentwicklung hat all- gemein in der ssachwel! überrascht. Gleichwohl ist de- Iinkpreis auch mr neuen Jahre bis auf ea. 16.—.— Pfund Sterling abgesunken. Nach Ablauf des Euro. poischen Zinlkarfells, das sein Dasein mühsam bis Ende 1929 behauptet hatte, fehlt diese Stütze für eine stabile Preisstellung. Infolgedesten war es auch nicht wSglich, der Anregung de» Rechnung». PrUfungs-Anssdiusse, bei der Rechnungsprüfung 1929 Folge zu geben, nämlich im Falle einer günstigen Entwicklung der allgemeinen Lage und namentlich des Zink- Preises im Sommer oder Herbst eine Sonderansbeuie auszuschütten aber die laufenden Ausdcutc.Ab-schlagszahlungcn zu«rhdhen. Diese Zurückhaltung, die durch die unstchcre allgemeine wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere das Sinken de» Zinspreises, bcstimmi wurde, hat stch als unbedingt notwendig er» wiesen, was auch vom Rcd>nungs.Prüfungs.Ausschuß anerkannt wurde. Im einzelnen war das Ergednis folgendes: Die Einnahmen aus der amerikanischen Beteiligung betrugen wieder wie im Borjahre die satzungsgcmaßen 7 Proz. aus den Borzugsaktien Das finanziell« Ergebnis der(tziefche S. A. leidet in der gleichen Weife wie da» der Bergwerks» gcfellschafk unter den Fchiechten Zinkprrifcn. Di« Beteiligung an der Dessaner E>a«»Geirllsd»ft brachte diesutaf 1 Proz. mehr: der Dividendensatz der Gesellschaft wurde o»n 8 auf 9 Proz. erhSht. Da» au» dem Ilmtausch der..Neue Gfanzstpffwerke A.-G." Breslau im Besitz der Bergwerksgesellschaft verbliebene Reffpaket Bereinigte Gfanzswsf.Fabriken. Aktien brachte 18 Proz. Dividende. Diese Aktien sind im Laufe des Berich'»- jahrrs in Algemeene Kunstzijde Unie fAku)»Bkficn umgetauscht wurden, nachdem die Bcrein-gte Glanzstpss-Fadrike» A.G. in Elberfeld und die Rederianbfche Kunstziidesabriek(Enka) in Arnhem in diese stch zusammengeschlossen hatten. Leider hat auch dieser Zusammenschluß den Kursvcrsall drr Kunstleide-Aktien nicht aushal'cn können; um so qlllcklidrer war es, daß die erste Hälfte seinerzeit zu varteilhaften Kursen verwertet werden konnte. Die Produktion von Deutsch. Pleifcharlep ist etwas gestiegen, was it. a. auf die Einrichtung des Flotatipnsvevfahrens zurückzuführen ist. Der Erfrag selbst wurde durch den Rückgang de» Zinkpreife» beeinträchtigt. Die Förderung der Seinitzgrube konnte nahezu auf 1 000 000 To. gesteigert werden. Bei der Verlängerung de» Oberfchlefifchen Steinkohfen-SyndTatrs wurde die Beteifigungszisfer der Grude pon 861 075 To. aus 1 028 100 To. fest. gesetzt: dies« un'erliegt naturgemäß den vom Svnd'kat im Zusammenhang mit der allgemeinen wirtschaftlichen Dcpressson und insbesaniere dem deutsch-paini. scheu Handelsoertrage festzusetzenden Einschränkungen, zur Zelt ca. 2S Proz. Zm finanziellen Ergebnis von 1929 wurden wegen der besonderen Kosten zur Steig«. rnng der Förderung dl« Zahlen des Boriahres nicht ganz erreicht. Di« Arbeiten am Nordfeldprajekt gehen programmäßig weiter. Dos Ergednis des Supcrpdospho'werkes in Schwoitsch war infolge der besseren Absatzlage etwa» günstiger. Immerhin bleiben die Berhältniss« der Superphosvbat.Indnstrie nach wie por wenig befriedigend. Einnahmen aus den Steinbrüchen waren diesmal nicht zu per-eichnen, da die..Schfessfche Basaltwerke A. G." Wieso dipid'ndenlos blieb. Die sckFefisdr« Steinindustrie kann stch der allgemeinen ungünstigen Wirtfchortsfgge nicht entziehen. Die Ziegeleien ardeite'cn normal. Die.vstdentsche Ffufifchiffahrfs.A®.' konnte trotz der wenig günstigen Lage der Oderschiflahrt«inen kleinen Gewinn ausweifen. Bei der Gcwerkfdvrfi Ezarfpwitz rnhfe der Betried, ebenso bei der Berg, und Hütten A. G...Buhag" Der größte Teil der Be'riebsanfaaen und maschinellen Einrickrtungen der Gewerkschaft Ezarlow'tz ifi abgestoßen worden. Die Handelsgesellschaften, deren Gcs-Häftsgrundlagen unoerändert geblieben find, erbrachten normale Erträgnisse. D!» MaqdeFniraer Pläne der GosellFibaft befinden fich in der A>-»Mhrunn Das Sasenproiekt ist zur Zeit bereits größtenteils durchgeführt. Insbesondere ist auch da» Baugelände für die Zinkbütte baureif aenjacht. Mi! dem Bau des MitteFdentsdien Kraftwerkes Maodebura A. G.(Mikramaa) ist beaonneu. Die Fertigstellung ist für Mitte 1932 zu erwar'en. Der Baubeginn der Zinkhütte dürfte in das Frühiahr 1931 fallen. Dir haben die Frage de» Magdeburger Zinkhültenbaues unter dem Kestchl-punkt der gegenwärtigen wirtschaftpchen Depression nachmals sorgfäf'ig geprüft und vertreten die Aufiassuna. daß fich am der Rotwend'qkeif des Besitzes einer eigenen Hütte aus dem Gesichtspunkt der Sicherung der Arbeitsgrundiagen der Gesellschaft nicht nur nicht» geändert bat, sondern daß die besonderen Berhgfinisse in der Zinkindustric den Hüitcnbau erst recht eriorderlich wachen. Da fich der Preissturz beim Zink, dem Saupterzeugnis der Gesellschaft, im jetzt saufend«» Geschaftsiahr fortgesetzt hat— man muß bi« zum Jahre 1902 zurllckgeh'n. um einen derartigen Tiesstand des Zinkpreises festzustellen—, auch die Aussichten auf eine Erneuerung de» Europäischen Zinllartells noch immer nicht wieder grgeben zu sein scheinen, werben die Ergebnisse b« Bergwerk». gesellfchaft im Jahre 1930 stark rückläufig sein; künftige Ausbeutezahlungen werde» von der weiteren Entwicklung des Zinkpreises abhängen: ohne ein« wesentliche dauernde Besserung des Zinkpreises ist eine kihtftige Ausbeute undenkbar. Die im Betriebe befindlichen Bergwerke der Gesellschaft hatten folgende Betritb sergebnisse: 2. venisch. Blelscharleggrabr. 3. Erzeugung der Aufbereitung i n aß 4. Erzeugung der WSIzanlage t trocken IL yewihgrub». Förderung 1929..... 060 402 t Steinkohle Förderung 1928...... 892 943 t Steinlohle Der Gewinn de» Jahre»>929 dettägl elnichließlich des Gew nnoorlrages au» 1928 in Höhe von RM. 240 171,25....... RM. 3680 852,17 Abschlag sweue find an die Mitglieder im Laufe des Jahres 1929 gezahlt..... RM 595 6A1.00 so daß verbleiben............ RM. 3175 232.17 Nach 8 10 de» Statut» find der.Rück- stellung für Erneuerung und Erweiterung" überwiesen worden........... RM. 210 972,11 Wir beantragen J. ot« Rellausbeute RM 240,— pro'/um Anteil, im ganzen......... RM. 1993 920,00 zu»erteilen; RM. 140— zahlbar am 17 Juni 1930 RM. 100,- zahlbar am 10. Juli 1930 2. Die 10 Pro,. Kopitalettrogsteuer auf die Gesamljabresausdeute mit...... NM 276259,30 zu übernehmen-, 3, der Reserve............. RM 400 277,00 4 der Rückstellung für Feuerversicherung. RM 500t 0.09 zu»berweiien und 5 auf neue Rechnung vorzutragen..... RM 74 1 103.76 Sa RM 3 175 32.17 Rechnungs-Abschluß am 31 Dezember 1929. AI Hon I Bewegliche» Vermögen: Kasse......... Guihaben 1. Bankguthaben a) Fremd« Banken.. b) Sietchebank.... 2 Warentarderungen 3. Berfchiedene».. NM 12 265,27 . 2 396630,81 . 1760 262,64 . 12 145.899,57 Dechfebestand........... Werlpap'ere............ Hypotheken............ Warendestände.......... Materialien bohönde........ Znpenlariendeständ«........ Bürgschaften....... 76565,— RM 14 138,40 16315058239 1 169,25 1 166 176,07 956 624,"S 1354 921 18 I 546 613,43 1,— II. Beteiligungen...........<3394 419,22 III. Anlagen............. L— RM 64949 127,19 vasfio» l. Lautende Beidindlichkeiteiu Akzepte....... Berdindlichteilen 1 Bon'jchulden a) Fremde Banken.. bi Giefchedank.. 2. War-nschulden.. 3. Beischfedene».. 4. Hypolhekenichuiden RM 29>82.74 65713.29 22 244 758.23 99 59864 RR 947 865.80 22439 652« fl Lnnglrifiige Berdind ichkeiien: tvon-Ferrum. Kredit.. 6276009.— Amerita-Anieihe amartisadel bis 1915........ 20083 200.- 26359 200,— Hl Reserve........ 1 132 653,52 Ueberweifung aus dem Gewinn 400 277,— Rücklage f Feuerversicherung Uederweisungau» d Gewinn 200 000— 50 000.— 1532930,52 230 000,— Ruckllell mg für Erneuerung und Erweiterung.. I0979 73Z.IO Uederweitung au» d. Gewinn 210672,11 11181454.21 Rückständige Ausdeute..--- Refl.rust«Ute dir 1929 Biirglchglten.... Gewinn-Battrag für 1930. 76 505,■ 1 903 920,— 244 103,76 RM. 64 949 127,10'