BERLIN Sonnerstag 19. Mi 1930 10 Pf. Nr. 282 B 140 47. Jahrgang Erfch eint täglich außerSsnntag«. ?ugleich Abendausgabe de«.Vorwärts'. Bejugspreit beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche. s.soM. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW 68, Lindenstr.Z Anielgenpreit: Di« einspaltige Nonpareillejeile so Pf., Reklameteile s M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärts/Verlag G. m. b. H., Berlin Nr.S7SS6. Fernsprecher: Dönhoff 2SS bis 28? Brünings Regierungskrise. Moldenhauer als„Gündenbock der Zenlrumsfchuld". Di« Krise der Regierung Brüning- Moldenhauer soll nicht gelöst. sondern verschleppt werden. Der Reichskanzler wird ste auch nicht selbst erledigen, er wird zum Reichspräsidenten sahren und sich dessen Entscheidung unterwerfen. Aber er sährt nicht heute zu chindenburg, er sährt auch nicht morgen, sondern er wird seine Reise nach Ostpreuhen wohl erst Anfang nächster Woche unter- nehmen. Bio dahin bleibt Moldcnhauer Reichssinanzminisler zwischen Tod und Leben. In der Presse der Parteien, die vor kurzem noch die Regie- rung Brüning als eine Fahrt zu neuen Ufern bejubelt hatten. kommt der Kohenjammor in der Vorsicht der Kommentare zum Au�> druck. Die„Germania" ..erinnert sich unwillkürlich jener Dezembertage— es ist genau ein halbes Jahr her— in denen der Vorgänger Moldenhauers, Reichsiinanzniinister chilferding, dem volksparteilichen Widerstand zum Opfer fiel. Sozusagen über Nacht! Der Widerstono der Volkspartei richtet sich heute mit nicht geringerer Schärfe und Plötzlichkeit gegen einen Reichsfimmzminister, der ihrer eigenen Fraktion angehört. Es ist gewist nicht leicht, in der ungeheuren Notzeit, die Staat und Wirtschaft jcgt durchzukämpfen haben. Fi- nanzpolitik zu machen. Roch schwieriger ober ist es offenbar, diese Finanzpolitik so zu gestalten, dosz die Volksparlei sie nicht zum Anlaß einer Krise nimmt." Die szoffnung der„Germania" freilich, dah eine Klärung der Krise„mit größter Beschleunigung" erfolgt, wird wohl enttäuscht ivcrden. Den Staatsmännern auf der Rechten ist noch weniger wohl zu Mute. So zeigt die„Deutsche Tageszeitung" eine schlotternd« Angst davor, daß der Appell an das Volk wieder eiinnol in den Vordergrund treten und die Reichstagsauflöfung verkündet wer- den könnte. In der Sorge vor den nationalsozialistischen Ausstieg auf Kosten der Deutfchnationalen geht das Agrarierblatt auf die Suche nach einem neuen Finanzminister und empfiehlt Brüning für diesen Posten, da er ja„finanzpolitischer Fachmann" ist. Dann sucht das Blatt die eigene Furcht vor den Nazis hinter dem Schreckgespenst eines sozialdemokratischen Wahlsieges verschwinden zu lassen: „Unmöglich sollte auf der«, deren Seite heute auch eine Rcichstogsauflösuiig erscheinen. Durch die unglückliche Politik Moldenhauers ist zunächst die Sozialdemokratie— wenigstens sür die Logik von Versammlungsagitotoren, die aber leider meist aus die Massen wirkt— so weitgehend entlastet, daß gegenwärtig mit dem Vorwurs der Flucht aus der Verantwort- tichkeit kaum mehr erfolgreich gegen sie zu operieren ist: im übrigen hat sie mit den Parolen: Wucherzöllen, neue Steuern, Ab- bau der Sozialleistiingen schon ungefähr alles, was ihr Herz be- gchrt. Eine Reichstagsauslösung aus diesem Anlaß und in der jetzigen Wirtschaftslage würde die extremen Parteien außerordent- lich stärken; bleibt, um von den anderen Parteien hier abzusehen. höchstens noch zu sagen, daß die Mittelparleien ja eine ganz unmögliche Plattform für den Wahllamps bekamen. Die Landwirtschaft ober sähe bei Neuwahlen in nächster Zeit alle ihre Hassmingcn auf durchgreisendc Agrarhilse wieder gefährdet: und dem Bauer würde zugemutet, zwischen dringendsten Erntesdrgen zur W-ihlurne zu gehen." Bon der Presse der Volkspartei selbst bezeichnet die„K ö l- nischc Zeitung" Moldenhauer als das N o t o p f e r des Not- opfers. Das Blatt saot: „Der volksparteiliche Finanzminister Dr. Nkoldcnhauer ist nun aber— das ist oas Eigenartige dieser Vorgänge— nicht an seiner eigenen Finanzpolitik, sondern an der Durchführung eine- Z e»- trumsprodromms gefchsitert. And nun soll Dr. INoldenhauer als Sündenbock der Zen«rumsschuld in die wüste ge- schick! werden? Ob er es verdient hat oder nicht, ist vorerst gleich- güllig. IcSenfalls steht fest, daß es die Herren Brüning und Steger- wald, die eigentlichen Väter des Notopferplanes, verdient hoben, das Schicksal des Finonzministers zu teilen, liebet sein Rücktrittsgesuch ist noch nicht entschieden, vor allem auch nicht darüber, ab das Ge- samtkobinett seinem Beispiel folgen wird. Es würde zweifellos ein ganz salsches Bild der Loge ergeben, wenn das nicht geschehe. Wenn aber die Zentrumsherren wirklich bleiben oder nach dem Rücktritt der Regierung etwa wieder die Kabinettsbildung übernehmen wellen, doniz mögen sie künftig für ihre Finon,zpolitit selbst verantwortlich zeichnen. Wir haben genug von den falschen Po- rolen und den falschen Notopsern." Ein Rathaus ohne Kommunisten. �Die beiden kammunistljchcn Stadtverordneten des Bieleselder Stodtparlamcnis hoben ihre Mandate niedergelegt. Ihr« beiden Nachfolger auf der Vorschlagslisi« erklären, dah sie ein Mandat nicht annehme» würdm. Wallenfieins Tod „Max bleibe bei mir, geh nicht von mir, Max!" Vormarsch der Raffen. Ex-Botschaster Morrow zieht in den(Senat. Rem Jork, 19. Juni. Die„Nossen" haben einen großen Sieg zu verzeichnen. Der früher« amerikanische Botschafter in Mexiko, Morrow, ist bei den Senatswahlen in New Jersey mit überwältigender Mehrheit gewähll worden. Morrow«rzieltc insgesamt etwa (68 999 Sümmen, während sein„trockener" Gegenkandidat Fort nur 114 999 Stimmen aus sich oereinigen konnte. In den letzten Jahren hat kein politisches Ereignis soviel Auf- sehen erregt wie der Sieg Morrows in den Senatsvorwahlen. Morrows Sieg ist ein weiteres Anzeichen für den wachsenden Wider- stand gegen die Alkoholverbotzgesetze. Bei den„Trockenen" ist man allerdings der Ansicht, daß New Jersey schon von jeher„naß" gewesen sei und daß dem Wahlergebnis infolgedessen keine besondere Bedeutung beizumessen sei. Stadträte ohne weiße Wäsche, aber mit einem braunen Hemd. Rürnberg, 19. Juni.(Eigenbericht.) Ais die Nationalsozialisten in der gestrigen Boll- »ersammlung des- Stadtrats(Stadtoerordnetenverjammlung) i» H i t l e r- U n i s o r m erschienen, wurde die Sitzung aus Antrag der Sozialdemokratie vertagt. Bor der Abstimmung erklärt« Ober- bürgermeistcr Dr. L u p p e, dah er in dem uniformierten Erscheine» einer ganzen Fraktion ein« Störung der Geschäfte- f ü h r u n g sehe und im Wiederholungsfälle einschreiten werde. Bei der Abstimmung gesellten sich Volks parte! und Koinmunisteu zu den Nationalsozialisten. Ein Gattenmord vor Gericht. Mordprozeß Gutmann in prenzlau. J r e n; I a u. 19. Turn. 3m Schwurgerichissaal des Prenzlauer Landgerlchlsgebäudes begann heute vormittag der fowohl vom kriminalistischen wie vom psychologischen Standpunkt außerordentlich inleressanle Gallenmord. prozeß gegen den Zahnarzl Friß Gulmann aus Schwedt an der Oder. Dem starken Andrang des Publikums, das zum großen Teil aus Schwedt herübergekommen war. konnte das Gericht nur wenig gerecht werden, da der ZuHörerranm mit Rücksicht auf die 'Anwesenheit von 20 Sachverständigen, mehr als 70 Zeugen und zirka ZO Pressevertretern stark beschränkt werden muhte. Zluf dem Gerichtstisch waren die Beweisstücke dieses Mord- Prozesses ausgebaut, der rote Morgenrock und das biut- befleckte Nachthemd, mit dem die ermordete zweite Frau des Angeklagten, Rosi Gutmann geb. Ferber, bekleidet war. als man sie im Badezimmer fand, das Schloß des Badezimmers, an dem der Angeklagte mit seinen Operationswerkzeugen herumhantiert hatte, um vorzutäuschen, daß seine Frau sich eingeschlosien habe, das Hand- tuch, das er ihr um den Hals gelegt haben will, ferner der Re- nolver des Zahnarztes, Morphiumpackungcn, die noch von der ersten Frau stammen, deren merkwürdiger Tod als Illiistrotion zu dieser Anklage mit zur Erörterung kommen wird. Außerdem hat das Ge- richt ein großes Pappmodell des Gutmann schen Hauses in Schwedt, Schloß! reiheit 15, anfertigen lasten, deren Oberteil sich abheben läßt und«inen Blick in die genau nachgebildete Wohnung' gestattet. Man sieht in jeden Raum hinein, vor allem auch in das Badestmmer mit der am Boden liegenden Leiche, der scheinbar umgestürzten Leiter, der Badewanne, alles in> genauen Verhältnis der totsächlichen Größenmoße dargestellt. Unter diesen Umständen wird ein Lokal- termin in Schwedt voraussichtlich erspart werden können. Das Badezimmer ist ja der verhängnisvolle Raum dieser im übrigen recht großen Wohnung, denn hier wurde seinerzeit auch die' erste Frau Gutmanns tot aufgesunden.„Dos verfluchte Badezimmer", soll ja auch der Angeklagte gerufen haben, als man die ersten Feststellungen über den Tod seiner zweiten Gattin traf. Wenige Minuten vor Beginn der Berhandlung wurde der Angeklagte Gutmann von Gefängnisbeantten vorgesi(hrt. An dem(ljahrigen Mann, dessen eingefallenem Gesicht man die halbjährige Unter- suchungshoft deutlich anmertt, fällt der merkwürdige Bau des spitzen, kahlen Schädels auf, vor allem seine sliehende Stirn. Während er sich scheinbar ruhig und gelegentlich auch lächelnd mit seinem Vee- teidiger, Rechtsanwalt Dr. Frey, unterhält, schweift der Blick aus den tiefliegende» dunkelumränderten Augen lauernd und beobachtend über die Reihen der Presse und der Zuhörer. Der erste allgemeine .Eiirdruck dieses von allen, die ihn kennen, als brutal und gewalt- tätig geschilderten Mannes ist jedenfalls kein günstiger, und man versteht, daß der Zahnarst in Schwedt außerordentlich unbeliebt war und daß man ihm rein gcsllhlsmäßig sowohl die Schuld an dem Tod seiner ersten wie an dem der zweiten Frau sofort zugetraut ifat. Noch der kurzen Vernehmung des Angeklagten zu feinen Personalien, bei welcher er angab, daß er ain 39. Dezember 1889 zu Berlin geboren sei, in erster Ehe mit Lena, geb. Boer, in der zweiten mit Rost, geb. Ferber, oerizeiratet gewesen zu sein und zwei Kinder zu haben, daß er serner den Krieg als Feldzahnarzt mitgemacht und das Eiserne Kreuz 2. Klasse erworben habe, wurde der Erosfnungsbeschlliß verlesen. Angellagter: Ich bin als Sohn des Zahnarztes Adolf Guttnann in Berlin geboren. Ich habe, wie ich sagen darf', eine sorgfältige Erziehung genossen. Meine Eitern hingen an großer Liebe an mir(ausgeregt). Ehe ich sortsahr«, muß ich hier etwas einschalten. Man Hot" mir bei meiner Vernehmung im Bornersahren immer nur mein« Strostatcn vorgehalten, jedoch niemand hat sich um meine Berteidigung gekümmert, sonst hätte man all das Gerede und den Kleinstadtkiatsch, der über mich in, Schwung war, früher oder schneller zerstören können. Ein großer Teil der Zeugen brachte starke Belastungen sür mich mis meinem Vorleben. besonders aus meiner Jugendzeit. Ich Hab« nie mit Geld wirtschaften können, ich wußte nur, daß ich der Sohn des„reichen Gutmann" war. Mein Voter war mit nur als Assistent sehr zufrieden, gab mir aber nicht genug Geld. Sa wurde ich leichtsinnig und unterschlug Gelder, die für meinen Vater eingingen. Zu diesem Umstand kam hinzu, daß meine Eltern sich mit mainer Braut, Fräulein Richter, nicht befreunden tonnten, des- halb wurde ich schließlich nach Amerika zu einer Tante geschickt, mos dos schwerste Unrecht war. Einmal war die Verbindung mit meiner Tante, die selbst in beschrankten Dcrhältnistcn lebte, keine gute sür mich, dann wurde aber auch meine deutsche Approbation n Amerika nicht anerkannt. Schlecht und recht schlug ich mich durch. Brauns— Wissest— Gtegerwald Ein gehässiger Keldzug des Zentrums. Seittiein der Zentrumsabgeordnete Schlack das Kabinett Brüning als die reaktionärste Regierung bezeichnet hat, ist das Zentrum gegen jede Kritik außergewöhnlich empfindliche Das hindert aber die Zentrumspresse nicht, politische Gegner auf das Gehässigste und Unwahrste anzu- greifen. Der beste Beweis dafür ist der s y st e m a t i s ch e Feldzug gegen den fr ii Heren sozialdemo- kratischen Arbeitsmini st er Wissel l. Wir haben bisher meist zu diesen Angriffen geschwiegen, sehen uns jetzt aber doch genötigt, an der Hand von Aeußerungen von zwei Zentrumsblättern nachzuweisen, mit welcher Unehrlichkeit das Zentrum den Kampf gegen Wifsell führt. Es find die „S a a r b r ü ck e r La n d e s z e i t u n g" vom 26. Mai und das„We st f ä l i s ch e V o l k s b l a t t"(Paderborn) vom 23. Mai. Die Grundtendenz beider Artikel ist, daß alle Fort- schritte in der Sozialpolitik von Brauns veranlaßt worden sind, und Wissell nichts anderes getan habe, als das abzu- bauen, was Brauns aufgebaut hat. Wir wollen demgegenüber die Tatsachen sprechen lassen. Brauns hat zweifellos Verdienste um die deutsche Sozial- Politik.>Jn seine Zeit fällt der Wiederaufbau der durch die Inflation völlig ausgehöhlten Sozialversicherung. Aber diese Ausgabe war nur lösbar durch die Mithilfe der Sozialdemokratie. Ohne ihre Mithilfe würden diese Gesetze weit schlechter geworden sein. Das gilt auch für die Arbeitslosenversicherung, die durch die' Mithilfe der Sozial- demokratie entscheidend verbessert worden ist. Die allmäh- mähliche Erhöhung der Renten bei der Invaliden- und An- gestelltenversicherung war gut, aber sie war eine selbstver- ständliche Folge der Ueberwindung der Inflationsverhältnisse. Kann man daher nicht sagen, daß jeder sozialpolitische Fortschritt auf Brauns persönliches Verdienst zurückzuführen ist, so ist es ebenso unberechtigt, Wissell nachzusagen, er habe nur Verschlechterungen durchgeführt. Auch in seiner Zeit sind Erhöhungen der Renten vorgenommen worden. Auch in seiner Zeit sind eine ganze Reihe von wichtigen sozialpoliti- schen Vorlagen an den Reichstag gelangt: das Arbeitsschutz- gesetz, die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag, das Berufsausbildungsgesetz, der Gesetz- entwurf über den endgültigen Reichswirtschaftsrat. Daß diese Gesetzentwürfe vom Reichstag noch nicht verabschiedet npirden sind, ist kein Verschulden des Arbeitsministers Wissell. Noch unberechtigter aber sind die Vorwürfe wegen der Verschlechterung der A r b e i t s l o s e n v e r s i ch e- r u n g im Herbst 1929. Die Borlage von Wissell hielt sich im Rahmen der Vorschläge der Sachvsrständigenkom- Mission, der die Vertreter des Zentrums zugestimmt hatten. Einen dieser Vorschläge der Kommission hat der sozialdemo- kratische Reichsarbeitsminister allerdings nicht aufgenommen. Das war der Vorschlag, der den Namen der beiden Zentrums- abgeordneten Riesener-Teusch trägt. Er sah nämlich eine Verminderung der Leistungen in so erheblichem Ausmaß vor, daß der sozialdemokratische Arbeitsminister ihn nicht vertreten konnte. Die Neuregelung der Leistungen der Saisonarbeiter, die dann schließlich beschlossen wurde, ging viel weniger weit als der Vorschlag der Zentrumsabgeord- neten. Es ist wirklich der Gipfel einer unwahren Demagogie, wenn jetzt die Zentrumspresse dem sozialdemokratischen Arbeitsminister Wissell Vorwürfe wegen des Abbaues der Arbeitslosenversicherung macht, während die Zentrumspartei chm vorwirft, daß er den Abbau nicht rigoros genug vor- genommen habe. Eine d i r e k t e F ä l s ch u n g ist die Behauptung, in dem Etat für 1929/30 seien die Beiträge für die Wöchne- rinnenunterstützung und die Zuschüsse zur Invalidenversiche- rung herabgesetzt worden. Das ist erst im Etat 1930/31 geschehen, und zwar gegen den entschiedenen Widerstand von Wissell, aber mit Hilfe der Zentrumsminister. Wissell hat es ausdrücklich abgelehnt, diese Beschlüsse des Kabinetts vor dem Reichstag zu vertreten. Sein Nachfolger Stegerwald hat entgegengesetzt gehandelt. Er hat sich für diese Strei- chungen eingesetzt und nichts getan, um die schwere Schädigung der Sozialversicherung abzuwehren. Für die Streichungen im Jahre 1929/30 ist der Reichstag verantwortlich, in dem wiederuni das Zentrum eine führende Rolle bei den Streichungen inne hatte. Eine völlige Verdrehung der Tatsachen ist auch die Be- hauptung, Wissell habe den Unzjang der Erwerbs- losigkeit und die GefahrenfürdieArb e i t s- losenversicherung unterschätzt. In Wirklichkeit hat Wissell bereits im Herbst 1929 auf die großen Gefahren aufmerksam gemacht, die durch das Daniederliegen des Bau- Marktes und die Massenarbeitslosigkeit von Bauarbeitern entstehen. Er hat auch positive Vorschläge zur Abstellung dieser Gefahren vertreten. Als Wissell zum Beispiel in einer der letzten Parteiführerbesprechungen Ende Mörz den ganzen Ernst der Arbeitslosigkeit schilderte, machte ihm der jetzige Reichskanzler Br ll n i n g zum Vorwurf, daß man im Arbeits- Ministerium die Sache zu schwarz ansehe. Das Berliner Zentrumsorgan, die„Germania", bezichtigte ihn des„Zweck- Pessimismus". Ja, noch bei der Beratung des Etats des Reichsarbeitsministeriums im Haushaltsausschuß des Reichs- tags Anfang Mai sind ähnliche Vorwürfe vom Zentrum gegen Wissell erhoben worden. Immer wieder zeigt sich aber dasselbe Bild: im Reichstag drängte das Zentrum den sozialdemokratischen Arbeitsminister, in der Sozialpolitik kurz zu treten oder ab- zubauen, in der Zentrums presse aber wird der sozialdemo- kratische Minister deswegen beschimpft, obwohl er diesem Ver- langen des Zentrums in sehr vielen Fällen nicht Rechnung gßtragen hat. Unter diesen Umständen gewinnt die Tatsache eine besondere Bedeutung, daß das Zentrum im Jahre 1928 das acht Jahre von ihm innegehabte Reichsarbeitsministerium aufgegeben hat, ohne von den anderen Parteien dazu veran- laßt worden zu sein. Es zog den Reichsarbeitsminister Brauns zurück und überließ in der Zeit der Wirtschaftskrise und der vom Bürgerblock herbeigeführten Finanzzerrüttung die Verantwortung der Sozialdemokratie. Aber wie auf Brauns Wissell gefolgt ist, so folgt jetzt auf Wissell Stegerwald. Ein neues Kapitel der deutschen Sozial- Politik hat begonnen. Wo sind jetzt die sozialpoli- tischen Leistungen? Einstweilen sehen wir überall nur Einschränkungen der Sozialpolitik. Die von Wissell abgelehnte allgemeine Verkürzung der Leistungen der Arbeitslosenver- sicherung wird von Stegerwald vorgeschlagen. Die christlichen Arbeiter können also ohne jede Schwierigkeit nachprüfen, in wessen.Händen das Schicksal der deutschen Sozialpolitik am besten aufgehoben ist. mar Neschirrwascher in einem Restaurant in Conney Island und schließlich nahm mich ein Deutschamerikaner als Assistenten aus Gnade und Barmherzigkeit auf. Der Angeklagte schildert dann, wie er bei Kriegsausbruch von Amerika nach Deutschland zurückgekehrt sei. In England habe man ihn von, Dampfer heruntergeholt und drei Monat« als Kriegsgefangene» zurückbehalten. Da er einen Verpflichtungsschein unterschreiben mußte, nicht aktiv gegen England zu kämpfen, habe inan ihn als Feldorzt an die Front geschickt. Auf der Station, in der er arbeitete, habe er die Schmefter Lena Baer kennengelernt, sich mit ihr verlobt und im Felde trauen lassen. Nach dem Kriege sei er dann nach Schwedt gegangen und habe sich dort nieder- gelassen, ohne einen Pfennig Geld zu besitzen. Sein Bater habe ihm eine, allerdings sehr mangelhaste Operationseinrichtung gekauft und er selbst habe IZVOV M. geborgt, um eine Wohnung einrichten zu können. Die Praxis habe sich sehr gut angelassen und bis zum Jahre 1922 fei die Ehe glücklich und ungetrübt gewesen, obwohl seine Frau infolge eines Frauenleidens häufig kränklich war. Im Sommer 1922 ltabe er erfahren, daß seine Frau Morphinistin sei und daß sie einige tausend Mark Schulden in der Stadt gemacht hatte. Dann kam der Angeklagte auf den Tod seiner ersten Frau zu sprechen» die kurz vor Weihnachten 1922 starb. Er schilderte, wie damals die ganz« Familie zu ihm' zu Besuch gekommen sei und wie inan an dem Abend des 22. Dezember sehr vergnügt i» Gesell- schaft gewesen sei.„Ich lege mich zu Bett, während meine Frau noch ins Badezimmer ging. Plötzlich hörte ich«in Stöhnen, sprang aus dem Bett und fand meine Frau zu meinem Schrecken im Wohn- zimmer röchelnd auf dem Boden. Ich war wie vor den Kops geschlagen, legte sie zunächst ins Bett, weckte dann ihr« Mutter und ging zu Dr. v. Gruchalla. Di« Frage des Vorsitzenden, ob er oder seine erste Frau gegen Tod oder Unfall versichert gewesen sei, wurde von dem Angeklagten zunächst verneint, da»» gab er jedoch an, daß er selbst wohl eine Lebensversicherung gehabt habe, daß dagegen seine erste Frau nicht versichert gewesen sei. Vors.: Sie sollen am Tage vor dem Tod« Ihrer Frau sich telephonisch in der Apotheke eine Mischung von Morphium und S k o p e l a m i n bestellt und das Präparat dann außerhalb der Geschäitsstunden der Apotheke abgeholt haben, .wobei dem Apotheker Ihr stierer Blick ousgesallen ist. A n g e k l.: Ich glaub«, der Apotheker hat nach den, Tode meiner Frau'Angst bekoinmen, daß er die Mischung nicht richtig hergestellt hat. Im übrigen ist er bekannt als das größt« Klatschweib von Schwedt. Grubenexplosion in dertlkraine 55 Bergleute getötet- 29 schwer verletzt. K o w n o, 19. Juni. ttNi« aus Moskau amtlich gemeldet wird, ereignete sich am Mittwoch auf dem Bergwerk„Maria" in der Ukraine eine starke Gasexplosion, durch die 3 ä A r» beiter getötet und 2 9 schwer verletzt wurden. Fiins weitere Arbeiter werden noch vermißt. Tie LGPU. hat den Ingenieur Sakeschnikow unter der Be» schuldigung verhaftet, daß er nicht die nötigen Vor- sichtsmaßnahmen getroffen habe. In dem gleichen Berg- werk sind bereits vor mehreren Monaten durch eine Gas- explosion 27 Arbeiter nnis Leben gekommen. (Schwere Gewliier über England. ileberfchwemmungen- 6 Personen getötet. London, lg. Zuni. Ein hesüges Gewiller, das schlimmste, dos man seil mehreren Zahren beobachlete, wülele gestern nochmiltog über London und allen Teilen des Landes. Die Niederungen wurden in Seen und die Straßen in Wildbache verwandelt. Der Schaden ist bedeulend. Die Rennveranstallung in Ascot, der auch das englisch« Königspaar beiwohnte, mutzte noch dem zweiten Rennen unterbrochen werden. Die Rennbahn war ein wahrer See geworden, wo die mit den neuesten Schöpfungen der RIode gekleideten Damen im Wasser watelm. 3n der Sladt wurde der Straßenbahn- und Aulobusverkehr stark behindert, da zahlreiche Straßen unpassierbar geworden waren. B?i dem Unwelter sind insgesamt sechs Personen getötet und zwei verwundet worden. Drei Personen sind in der Nähe von Manchester in einem aus den Ufer» getretenen Fluß ertrunken. Ein Mann wurde in?lscot und ein anderer in Manchester vom Blitz erschlagen. Nazi- Terror im Freibad. Eine Frage an die(Staatsregierung. Landtogsabgeordneter Genosse K u t t n e r hat aus'Anlaß des stakentreuzlerübersalls im Freibad Wannsee an die preußische Reichs- regierung�solgende Kleine Anfrage' gerichtet: Am Sonntag, dem 15. Juni, ist das Freibad W a» n j e«, das von der Stadt Berlin als Erholungsstätte größten Aus- maßes für die Bevölkerung geschassen wurde und diesen Zweck bis« I,cri in hervorragender Weise ersUUt hat, durch den Terror ozonisierter n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e r Landen in eine stätte des lliisriedcns und des Rciufboldtums verwandelt worden. Wie ich mich als hänsiger Besucher des Strandbades über- zeuge» konnte, hat sich bisher anchan Tagen stärksten Be- i u ch c s der gesamte Verkehr im Freibad völlig reibungslos abgewickelt. Erst durch den Einfall der hakcnkreuzler, die in provo» zierendster weise, mir* einer hakenkreuzflagge austraten und die. nach den, sie wegen ihres ungebührlichen Benehmens von der Bade- d reilion hinauegewrf.en worden waren am Al.md einen Rache- übe- soll aus das heimkehrend? Publikum uniernahmen, wobei nament, lich Badegäste vermeintlich jüdischen Aussehens in unerhörter Weise btlästigt und angegriffen wurden, ist der Frieden dieser Erholungs- sichte gesiört worden. Di« Nationolsozlolisten haben gedroht, in nächb'7 Keit« derartige llebersälle shstematisch zu wiederholen ?!* Berliner Bmölkeru, g ist echpört darüber, daß ihr diese Cv-Miinrs'tälte, wie sie in ähnlich prakllscher und großzügiger Ein- richst-ng kaum ein« zweiie Stadt der weit besitzen dürfte, durch den Terror»„reisSr Burschen verek«It werden soll. Sie ver- lang, von der Stootsregierung energischen Schutz gegen derartigen Mißbrauch einer gemeinnützige» Einrichtung, die dem Wohle der Erbvbunosl'edürstigen dient und ungeeigneter als jede andere als Ti-v-'»'Platz des politischen Rousboldtums ist. ' ige an: Wird das Staatsministcrium für de» Schutz' der ruhe- und erholungsbedürftigen Bevölkerung � in den Berliner Freibädern mit aller Energie sorgen? Zuchthaus wegen Ausspähung. Wieder ein Spionageprozeß. Stuttgart. 19. Juni. Bor dem Strassenat des Oberlandesgerichtes in Stuttgart hatte sich der 28 Jahre alt« ledige Bautechniker Max Schnell aus Ditzingen wegen Verrates militärischer Geheimnisse zu verantworte». Schnell, der früher Reichswehrsvldat war, hatte sich im Sommer 1929 wiederholt zur französischen Fremdenlegion gemeldet und sich dabei in Beziehungen zum französischen Nach- richtendienst eingelassen, von d«m er gegen Entgelt Auftröge zur Ausspohung dr Reichswehr entgegennahm. Er wurde unter Ein- beziehung einiger kleinerer Gefängnisstrafen wegen Verrats mili- tärischer Gehimmsse und wegen mehrfachen Betruges usw. zu einer Zuchthaus st rase von zwei Iahren und fünf Monaten unter Anrechnung von siinf Monaten Ilntersuchungs- Haft sowie zu dreijährigem Ehrverlust verurteilt. Gpiir des Groß-Kreuher Mörders. Geständnis des festgenommenen Bruders. Trotz der umfangreichen Maßnahmen der Polizei ist es noch immer nichl gelungen, den flüchtigen Täler, der bei Graß-Kreutz im Feucrkampf einen Landwirt und den Oberlandjägcr Roch am himmelsahrlslage niederschoß, zu fassen. Durch das jetzt erfolgte G e st ä n d n i s des einen Täters, der mit mehreren Schußverletzungen in dos Moabiter Lazarett einge- liefert wurl!«, konnten die Personalisn des flüchtigen Täters ennit- telt werden. Es ist der Bruder des im Lazarett daniederliegenden Bolislaw Kochorski, der 31jährige Stanislaus Kocharsski. Wie Bolislaw K. angibt, sind sie beide aus Polen geflüchtet, um dem Militärdienst zu entgehen und waren auf dem Wege nach M e ck l e n- bürg, um sich dort als Saisonarbeiter zu verdingen. Stanislaus K., ein sehr gewalttätiger und brutaler Mensch, wird von den mecklenburgischcii Behörden wegen Diebstahls und Einbruchs be- reits gesucht. Bonizlaw K. behauptet in seinem Geständnis wester. daß ihm von seinem Bruder die Waffe förmlich in die Hand ge- bfüift worden sei. Cr weigerte sich zunächst zu schießen und als der Bruder dann drohte, auch ihn niederzuschießen und tatsächlich einen Schuß aus ihn abgab, der ihn in den Arm traf, richtete er die Waffe gegen sein« Aersolger und drückte mehrmals ob. Nach den bisherigen palizeiiiche» Feststellungen scheinen die An- , gäbe» des K. in den wesentlichsten Punkten den Tatsachen zu ent- ! sprechen. Raubüberfall im Hausflur. heute mittag wurde die Frau des Schlächtermeisters k o s ch i ck im Flur des Hauses Slraßmannstr. 24 von mehreren jungen Burschen niedergeschlagen und der Handtasche, in der sich ein größerer Geldbetrag befand, beraubt. Die Täler slüchlelen und suchten aus Fahrrädern das weile. Die liebersallene Hot außer schweren Kopsverletzungen einen Nervenschock erlitten.- Nach den bisherigen Ermittlungen müssen die Täler mit den Gepslogenheilen in der Schlächterei vertraut gewesen sein und gewußt haben, daß Frau Koschick. die gerade vom Zentralviehhof heimkehrte, einen größeren Betrag bei sich führte. Die tägliche Verlustliste. s Kassel, 19. Juni.(Eigenbericht.) Am Mittwoch abend veranstalteten die Nationalsozialisten mehrere Protestoersa�imlungen gegen das Uniformverbot des preußischen Innenministers. Zwei der vier Versammlungen wurden polizeilich aufgelöst, da sich die Redner schwerer Verstöße gegen das Republikschutzgesetz zuschulden kommen ließen. Kaum hatten die Nationalsozialist ischen Rowdys die Lokale verlassen, als es zu blutigen Exzessen kam. Etwa zwanzig Nationalsozialisten stürzten sich zunächst auf«inen Passanten, den sie als politischen Gegner betrachteten, und schlugen solange auf ihn ein, bis er blutig auf der Erde lag. Aehnlich ging dos Gesindel in der Nähe des Rathauses und vor ollem in der Altstadt vor, so daß etwa ein Dutzend Personen zum Teil schwer verletzt in die Krankenhäuser eingeliefert werden mußte. Die Anführer des verbrecherischen Gesindels konnten festgenommen werden. poststreik gegen Sozialversicherung. Paris, 19. Juni.(Eigenbericht.) Das neue französisch« Sogiatversicherungsgesetz, das am 1. Juni in Kraft treten sollt«, hat mit zahlreichen Widerständen zu kämpfen. Bisher haben sich S.Sb Millionen Versicherungspflichtig« angemeldet. Täglich folgen Tausende von Nachzüglern. Die Beamten des Versicherungsamtes, die für jeden Versicherungspflichtigen eine Klebekarte ausstellen müssen, sind mit ihrer Arbeit mehrere Wochen i m R ii ck st a n d e. Dazu kommt, daß die B r i c i' r a g c r d?z zuständigen Poswestellarntes zu revoltieren beginnen. Am Diens- tag blieben etwa 30 000 Briese des Vorsicherungsamtes liegen, weil 18 vrieftröger in den Streik getreten waren. Mstungshysterie im Süden. „Friedenspolitik" Mussolinis gegen Aufrüstungen Tardieus. Mailand, lg. Zuni. Die Enihüllungen übr die neuen Rüstungsausgaben Frankreichs haben in Italien einen sehr starken Eindruck gemacht und die gesamte presse bcschöstigt sich mit ihnen. Der diplomatische Mitarbeiter des Organs Mussolinis, des„Popolo d'Ztalia", schreibt:„Frankreich sährt fort, sich gewaltig zu bewaffnen. Seine Feldmarschälle und Gcncralc nehmen in lehker Zeit fortwährend Znspctlionen auf Korsika, in Rordafrika und längs der italienischen Grenze, vor, um dann in Paris über neue Befeftigungswerke zu beraten. Morscholl Potain und General Weigandt haben sich die verschanzten Lager von RIzza, Korsika und Tunis an- gesehen, von Scwoycn bis zur Rioiera werden sieben gepanzerse Lager vorbereitet, flicht umsonst haben die Franzosen im Rhein- land die Schleifung der deutschen Bcsestigungswerke verlangt, da sie sie als eine Gefahr für Frankreich bezeichnen. Die vesestigungs- werke auf Korsika und an der italienischen Grenze scheinen aber! ebenso gefährlich für Italien." Das Organ Mussolinis stellt den französischen Rüstungen die Friedenspolitik Mnsso- lini» gegenüber. Italien habe 12 Milliarden für öffentliche Fkiedenswerkc verwendet, statt damit zu rüsten. Kaschistenangst verschlingt Milliarden. Tardieu wird vor Kammerkommifsion erscheinen. Paris, 19. Juni.(Eigenbericht.) Der Initiativantrag der sozialistischen Partei, der eine ösfent- liehe Debatte in der Kammer icher die Verwendung der Spar- Milliarden des Schatzamtes herbeiführen will, hat den Minister- Präsidenten Tardieu bereits zum Rückzug genötigt. Tardieu wird zwar heute, wenn der Antrag zur Abstinirnung kommt, die Vertrauensfrage dagegen stellen, aber er hat sich doch bereit erklärt, wenigstens vor der F i n a n z k o m m i f f i o n persönliche Aufklärungen zu geben. Dieser Entschluß ist um so bemerkenswerter, als Tardieu noch vor zwei Tagen es verächtlich ablehnte, überhaupt vor der Kominission zu erscheinen. Die uotjonatistische Presse erklärt heute im übrigen, daß die fehlenden Milliarden des Schatzamtes sür die Bedürfnisse der Lan- desverteidigung ohne Wissen und ohne Kontrolle des Par- latnentes verausgabt worden sind, teils um die Festungsbauten zu beschleunigen, teils um die Munitions- ,md Matcrialbestände von Heer, Marine und Lustslotte zu verstärken. Oer Charakter. „Damals waren andere Zeiten." Minister Frick im Reichstag heut geht mir ein ganz vertrackter Schrauhengang im Geiste rum: wer. wie, was ist ein Charakter. hochverehrtes Publikum? Zeigt sich dieser im Beharren. In Erscheinung karg und schlicht? Färbt er niemals wie die flarren Kleidung, haar und Angesicht? Zeigt er Offenheil— Verstellung. Gilt sie ihm als übler Trick?— ha. jetzt naht mir die Erhellung: Solch Charaklerheld ist Frick! Er ist's, welcher unzweideutig Oer Verfassung Treue schwur. Jeder Umsturz, der schon heutig. ging ihm wider die flatur. Was er selbst al» ganz gehenkter Jung' in München einst gemocht. Liegt schon als ein gut verdrängter Pobertötstomplex in flacht. „Damals waren andere Zeiten".— Hort dies Heldenwort, ihr Leu«! fliemals wird zum putsch er schreiten, Eh' der Zeilen Gunst sich beut. hat er nicht zu eiauudfunszig hundertteilen Sicherheit, hält Herr Frick an die vernnnst sich Uitd au den versassungseid? Sollten mal die Aktien steigen Und auf elnundsünszig stchn, wohin wird dann Frick sich neigen. Sich auf welche Seite drehn? werden wir dann von ihm hören. Daß nun wieder andere Zeit?— Er kann schwören.— doch wir schwören flicht auf Fricks verfaffungseid. �onstbon. 24TodesopfereinerMuniti'onsexplosion Schanghai. 19. Juni. In der Stadt Sischuihfien in der Nähe der Eisenbahn- linie Tientstn— Pukau ist ein Munitionslager in die Lust geflogen. Die aus einem Offizier und 29 Mann be- stehende Wachtmannschast wurde getötet. Wilhelm beim Ltnfall. Auf einem Motorbootausflug in Holland. voorn, 19. Juni.(Eigenbericht.) Lei einem Ausslug. den der Exkaiser mit seiner Frau und anderen Personen am Mittwoch nachmittag aus einem See in der flöhe von Leiden, dem haager passon, mit zwei Motorbooten unternahm, kam e». als beide Boote nebeneinander lagen, auf einen» von ihnen plötzlich zu einer furchtbaren Explosion. Das Boot stand sofort in Brand. Fünf Personen, zwei Frauen und Zwei Männer, die der sogenannten hosgesellschosl angehörten, sowie ein Monteur wurden schwer verletzt und mußten ins Leidener Krankenhaus geschafft werden. Der Exkaiser und seine Frau kamen mit dem Schrecken davon. Oer Geist von Weimar. Von Paul Gutmann. In einer schwülen Iuninacht des Jahres 1939 ereignete sich jener denkwürdige Borsall, dessen einziger Zeuge, ein hallwerhun- gerter Dichter, nicht inchr am Leben ist, da er einige Tage darauf sich in einem Anfall tiefster Hoffnungslosigkeit aus dem Leben emp- fahl. Was er inir berichtete, ist folgendes: Die beiden Dichter- Heroen Goethe und Schiller standen wie seit vielen Jahrzehnten Hemd in Hand auf den» Postament vor dem Weimarer National- tl?eater, den Blick ins Weite gerichtet. Die Nacht war so still, wie sie nur in Weimar sein kann, als ein Mann mit weithin hallenden Schritten über den Platz kani, den cheiden Dichtern die Junge her- ausstreckte und wie ein Hündchen mn Denkmal seine Notdurft ver- richtete. Der einzige Zuschauer, der im dunklen Portal des Theaters darüber nachdachte, was schlimmer sei, Hunger oder Schlaflosigkeit, sah, wie die Hand Schillers vor Erregung zitterte und mit einem Ruck aus der Hand Goethes fuhr. „Das sind die Früchte unseres Lebens", sprach jezzt Schiller init vor Erregung und Alter rasselnder Stimme.„Weißt du, wer der Mann ist, Freund Goethe?"„Ich lveiß es", erwiderte lächelnd dieser.„Mein Nachfolger im Amt." „Und?" tönte es gellend zurück. Aber Goethe, heiter und mit göttlicher Anmut, wie immer, erwiderte:„Ueber's Niederträchtige niemand sich beklage: denn es ist dos Mächtige, rvas man dir auch sage." Da machte Schiller eine Pierteldrehung nach links, sah Goethe mit einem Blick an, aus dem jahrhundertalter Groll zum Borschein kam und sagte:„Das ist die alle olympische Gleichgültigkeit, womit du die Deutschen zu dem gemacht hast,»vas sie heute sind." „Beruhige dich, lieber Friedrich von Schiller", erwiderte Goethe. „Ich kenne ein gewisses Gedicht, worin du behauptest, daß nur dem Schlechten die Welt gehöre und daß der Gute ausivander» müsse und sich ein unvergängliches Haus in den Wolken gründen soll." „Das sogst du mir, der ich die„Räuber" gegen die Tyrannen meiner Jugend,„Kabale und Liebe" gegen Fürstenwtllkür und „Wilhelm Tell" gegen— wie sagt man doch heutzutage— gegen die Unterdrückung der Minderheiten gedichtet habe!" Goethe richtete sein Haupt gegen den Sternenhimmel und sprach: „Was erwartest du von den Deutschen? Sie haben Friedrich, dem die Frmizosen für seine Hilfe Den Titel der Groß« verliehen, an- gebetet, sie hoben vor Napoleon im Staub gelegen. Sie verehren nur die Macht." „Und was host du getan, teurer Geheimrat? Du hast die Rc- volution geschmäht, hast am Feldzug gegen die Befreier teilgenom- men, zittertest vor Freude über die Schmeicheleien des Franzosen- kaisers. Soll ich dich an ein peinliches Erlebnis auf der Kurprome- naöe in Karlsbad erinnern, wo dir der große Beethoven zeigte, daß ein freier Mann sich vor Fürsten nicht zu demütigen brauche? Du hast der Knechtiseligkeit der Deutschen nur«ine vorneihiner« Form gegeben, aus einem Gefühl für die Eleganz, das du roahrscheinlich von deinem Großvater, dem Schneidermeister, geerbt, hast..." „Um Jupiters willen, nicht so laut. Es ist der wunde Punkt ineines Lebens, dos was sie heute einen Komplex nennen. Mein Vater war ein Patrizier."„Mit dem ererbten Geld seines Baters spielt er den Vornehmen. Das hat dir den Kopf verdreht. Börne hatte recht, als er deine Gesinnung Lakeienhastigkeit nannte." „Jüdische Journalistenfrechheit. Ich habe den Deutschen den „Faust" geschenkt." „Der Erfolg? Ihr Gott ist heute ein Boxer Die Roheit hat gesiegt, nicht der Geist. Komm, Wolsgaug, wir stehen seit fast einem Jahrhundert auf einem Postament und predigen öm Geistesadel, die Erhabenheit, die schöne Form. Steigen wir endlich zum Volk hinab, aus dem wir stammen, kämpfen wir, wie in unserer Jugend, wo uns ein Fürst noch nicht den erblichen Adel verliehen hatte. Borwärt- gegen die neue Finsternis, gegen die uralte Rahheit un» Dummheit Der von dir wie so viele Große nicht erkannt« Heine hatte recht, als er die Ritter vom Geist zum Kampf aufrief.„Tau- send Ritter, wohlgewappnet, hat der heilige Geist erwählt, seinen Willen zu erfüllen: und er hat sie nmtbeseelt" Der Geist geht unter, die Rohheit siegt— du hast es soeben mit Schaudern ge- sehen—, wenn wir als verkleidete Olyinpier noch längxr aus un- serem Denkmalssockel stehen bleiben. Gib mir wieder die Hand. akter Junge, auf zum Kampf gegen Typhon, den Erzdämon der Finsternis und des Bösen." Heute Reichsbanner-Demonstration in Tempelhof. Heut« abend. ZOK Uhr, demonstriert das Reichsbanner in Tempolhof. Man ver- sammelt sich in der Dorfstraße. Redner ist Max W e st p h a l vom Parteivorstond. lllctter sür Berlin: Aufkominende Gewitterneigung, sonst noch meist heiter und»oarm. Für Deutschland: In der östlichen Hälfte Deuts cylairdü Fortdauer de» trockenen und sehr lvarmen Wetters. Im übrigen Reiche vielfach Gewitterbildung. Maler in derOeuifchen Kunfigemeinschast Die Kunfigemeinschast im Schloß stellt einige Künstler der Per- lmer Sezession aus, die man immer wieder gern sieht Nicht nur darum, weil sie uns märkische Landschaften in freundliche Erinnerung rufen, wie es Franz Hecken darf tut, der seit einigen Jahren sich mit Borliebe der Entdeckung unserer nächsten Umgebung, meist an der Havel, hingibt Wilhelm Kohlhoff, der freundschaft- lich wie künstlerisch in femer engsten Nachbarschaft zu suchen ist, steuert ein paar Gemälde aus Marseille und Spanien bei, köstliche Farbenfanale von Stierkämpfen und abenteuerlicher Meerfahrt. Seine Bilder erwachsen Ihm zu Blütensträußen. deren Sinn das Juntbewegte strahlender, phantastestrotzender Farben ist. Kohlhoff braucht so wenig wie Heckendorf oder der ihm nächst verwandte Krauskops� südländische Ueppigkeit, um den Glanz seiner reichen Palette zu, zeigen. Aber im Angesicht der Hafenszenen, Landschaft«,» und Stierkämpfe aus den Mittolmeerlandfchasten. die er herschickt, erkennt man, wie gut die Phantosttk seiner Bilderfindung zu diesen Vorwürfen paßt Die Farbe, und zivar die starke und triebhaft be- wegt« Farbe, ist sein Element, Man wird noch manche Ueber- raschungen von seinen» dämonischen Temperament erwarten dürfen. Auch Eugen Spiro hat einige vortreffliche Landschaften aus dem Süden und einen„Akt auf dein Dachgarten" komponiert, die leine leicht akademische Malerei von ihrer besten Seite zeigen. Wenn er sich zufammenninimt, wie in diesen Bildern, gelingen ihm ruhige und klare Lösungen, die zur Achtung nötigen, ja beglücken können. Endlich sieht man Aguarelle von Moriß Pathe: technisch meisterliche„Reportagen" aus der Guirnokandschaft Afrikas. Reger, Tiere und vor allem Landschaften, die man mit Vergnügen zur Kenntnis und zur Erweiterung seiner Vorstellungen vom sog. „dunklen" Kontinent nimmt. In der Galerie Wiltschek schließt sich dos Erlebnis eine» jungen und begabten Malers aus Dresden an: Pol Cassel. Sein Debüt vor einigen Iahren brachte ihn sogleich in die vorderste Reihe des Nachwuchses. Inzwischen hat er manches von seiner erregenden Wildheit und Originalität eingebüßt, aber er Hot auch vor allein an dein hohen Vorbild Noidesther Aquarellkunst malen gelernt. Dnß es ihm in erster Linie auf farbige, sa dekorative Beherrschung der Fläche ankommt, beweist schon die ausschließliche Wahl von Stilleben, meist von Blume», in Oel wie vor allem in Aquarell geist- reich und mit überlegenem Können gegeben. L. Ist Seh. \- „3m Schatten des �ofchiwara." « Kurfürflen-Theatsr. Die Wiederaufführung guter Filme mar von jeher mit Schwierigkeiten verknüpft. Darum ist es besonders beachtenswert, daß gerade in heutiger Zeit ein kleines Theaier den ersten nach Europa gelangten japanischen Großsilm wieder in den Spietplon aufgenommen hat. Wir erleben noch einmal das Schicksal eines jungen unersahre- nen Menschen, der an einer Schönen aus der Stadt der Freude zu- gründe geht. Diese wilde, gierige Lieb« zerfrißt ihn, und selbst die innige Liebe der Schwester kann ihn nicht retten. Das Spiel der Darsteller wird für uns zum unvergeßlichen Erlebnis, während die Regie echteste Begabung für den Film verrät. Hinzukommt für uns das Schauen in eine fremde Welt, der Zauber des Großartigen, des Einmaligen. Trotz aller freudigen Anerkennung des Publikums aber, sind die Tag« auch des allerbesten stummen Films gezählt. Kein Ver- leiher kümmert sich mehr um ihn. Niemand macht sich die Mühe, die abgespielte, die sogenannte verregnete Kopie, für die kleinen Theater wieder aufzufrischen. Bis zum Herbst sind olle jetzt noch spielbaren Filme erledigt, und die kleinen Kinos müssen dann ei,t- weder die teuer« Apparatur eingeführt haben oder die Tore schließen. So bereitet das in den Tonfilm gesteckte Kapital seinen Siege-zug vor. e. b. Ein« Maßregelung Henry Barbusies. Der bekannte, kommu-> nistisch eingestellte französische Schriftsteller Henry Barbusse soll, Blättern zufolg«, vom Internationalen Büro sür revolutionäre Literatur in Moskau daroui hingewiesen worden sein, daß Stalin| mit der Haltung der von Barbusse herausgegebenen Zeitschrift nich!. zufrieden sei, weil sie in letzter Zeit nicht hinreichend proletarisch i gerichtet sei. Henry Barbusse wird vor die Alternative gestellt, entweder dies zu ändern oder die Folgen zu tragen.> Oer Welttheaterkongreß in Hamburg. (Sonderbericht für den„Ab«n d".) Im Mittelpunkt der Montag-oerhandlungen stand ein sehr ein- gehendes und instruktives Referat des Ministerialrats Leo Kesten- b e r g über den„Einbruch der Technik in die Musi k". Kestenbergs Ausführungen erläuterten alle historischen, soziologischen und wirtschaftlichen Fragen, die sich aus den Fortschritten von Schallplatte, Rundfunk und Tonfilm ergeben haben. Sein Vortrog fand so einhellige Zustimmung, daß«ine Einzeldiskussion sich er- übrigte. Ueber die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Rechte der dar st eilenden und ausübenden Künstler gelang- ten E Ilm a r-Hamburg und M a r tl l l y- Paris zu völlig gleich- lautenden Anregungen, die an die internationale Schauspielerunion in Wien und an das Arbeitsamt in Genf weitergeleitet werden. Zum Thema„Presse und Kritik" äußerten sich Dr. Müller- Rastatt, Paul B l a N ch a r t und Dr. P. Th. H o s s- mann und forderten Erleichterung der internationalen Theakei- information durch Studien- und Aortragsreisen sowie durch die Schaffung einer internationalen Kritikerkarte. Dr. Hofsmann regte die Gründung von Landesverbänden der Theatertrititer an, d!« als amtierende Unterorgane des in der Gründung begriffenen inter- nationalen Kritikerverbandes zugleich Werkzeuge der Verständigung werden würden. Den bisherigen Höhepunkt des Kongresses bildete der Vortrog Julius Babs über das deutsche Bolksbühnen wesen, der stürmischen, minutenlangen Beifall auslöste. Begeistert würdigten nach ihm französische und andere Delegierte Deutschland» vor- bildlich« Leistung auf diesem Gebiet. Die Versammlung sandte, auf Antrag Gemiers, ein Telegramm an Romain Rolland, der von 1892 bis 1914 seine Kraft in den Dienst der französischen Bolls- bühnenbewegung gestellt hatte. Manpreys und Gömiers Bericht« über Frankreichs bisherige Erfolge in der Volksbühnengestaltung ließen die deutsche Uebcrlegenheit mit eindeutiger Klarheit erkennen. Der Welttheaterbund wird an alle Regierungen mit der Biti' um Schaffung bzw. Förderung der Bolksbühnen herantreten u-d dem Völkerbund die Abhaltung eines Friedensfestes in Genf unt r Mitwirkung internationaler Schauspieltruppen nahelegen. Maltwhn. Knoblauch:„Oer Faun". Lessing-Theater. Um 1919 machte Edward Knoblauch die zahmen Engländer durch seine Komödie vom„Faun" wild. Er ließ einen myihischen Halbgott mit Hörnern und Ziegenfüßen auf die Bühnen springen. Das gelenkige Untier entlarvt« die nobelste Gesellschaft als ein Rudel von Nichtstuern, Schuldenmachern und Wucherern. Di« alten und jungen Damen dieser Aristokratie entpuppten sich als lüstern und verlogen. Kurz, alles, was im britischen Adelskalender mit Auszeichnung ge- nannt ist, sollte den verrotteten Klüngel der Nation bilden Knoblauchs Komödie, viel größer als Oskar Wildes weit- männische Theaterstücke und die sarkastischen Farcen von Bernard Shaw, gefiel besonders der gehobenen Bürgerschaft, die sich mit großem Wohlbehagen sagen ließ, daß ihr adeliges Vorbild allein durch Laster und Dummheit tonangebend sei. Knoblauchs Komödie wurde für einige Jahre beinahe so berühmt wie Sheridans klassische „Lästerschul«", die den englischen Adelscharakter zum erstenmal als Krone der Entartung gezeigt hatte. Der Faun, nicht nur ein ge- schwätziger Sittenprediger, sondern auch ein leidenschaftlicher Schick- salsmochcr, bringt die vevdienten Liebespaare unter die Haube. er bringt die hinterlistigen Erpresser um ihre Beute, er bringt schließlich an den Tag, daß mit einiger Energie sogar hie niedrigsten Instinkte der hohen Gesellschaft zu kurieren stnd. Das Stück, das heute wieder aufgenommen wird, bietet einem Virtuosen der Sprechkunst, der auch ein guter TZerstimmenimitator und behende genug ist, um aus den Händen spazieren zu gehen und oll« sonstige Faunatrobatik zu produzieren, die dankbarst« Zlusgabe. Da Paul Henckels oll diese Talente beherrscht wählte er diese Paroderolle, Zusammen mit Hedwig Mangel, Thea Grob- c z i n s k y, Harry Halm und einer geschickt ausgewählte!, Sommer- trupp« erspielte er dem alten Stück einen neuen, unbestrittene- Heiterkeitserfolg. Aufstieg der Buchdrucker. Mitglieder- und Vermögenszuwachs trotz großer Arbeitslosigkeit. Der Bericht des Buchdruckerverbandes über das Jahr Z9ZS liegt je�t vor. Dos 1�4 Seiten umfnssende Heft behandelt eingehend die Loge im Buchdruckgcwcrbe. Der Vcrbonvsvorstond läßt In seinem Rechenschostsbericht die ganze Entwicklung ivährcnv des letzten Jahres Revue passieren; er zählt die Ursakh?» aus, die zu der im- geahnten Verschärfung der Wirtschaftskrise und der damit verbundenen außerodentlich großen Zlrbcitslosigkeit gcsührt haben. Infolge Drosselung jeder Anleihemöqlichkeit durch den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht wurde die Arbeitslosigkeit ins Ungemessene gesteigert. Scharf kritisiert wird der Kamps gegen die Arbeitslosenversicherung und der von der Regierung begünstigte Lohnabbau. Im Buchdruckgcwerbe war der Beschäftigungsgrad wie in anderen Industriezweigen sehr ungünstig, so daß sich der Verbands- vorstand mehrmals genötigt sah, an die ausgesteuerten Mitglieder besonder« N o ist a n d s b e i h i l se n zu zahlen. Ihren höchsten Stand erreichte die Arbeitslosigkeit i>n vierten Quartal 19S9 mit 17,9 Proz. aller Mitglieder. Arbeitsniederlegungen bezw. Streiks waren im Jahre 1929 sieben und im Frühjahr 1939 eine zu ver- zeichnen. Am 11. Februar begannen die Verhandlungen über eine Revision des Manteltarifvertrages, wobei es gelang, die zahlreichen Verschlechterungsanträge der Unternehmer, auch auf dem Lohngeviet, abzuwehren. Die Gehilfenvertretung verfocht während der ganzen Dauer dieser Verhandlungen den Standpunkt, daß es zu einer erheblichen Einschränkung der Arbeitslosigkeit durch- greifender Mittel bedarf. Deshalb wurde in erster Linie eins Ver- kürzung der Arbeitszeit und die Herabsetzung der Lehrlingsskala gefordert. Die Urabstimmung ergab eine Mehrheit über zwei Drittel der Abstimmenden für die A n- nahm« des neuen Manteltarifs. Die M i t g l i e d« r z a h l ist von 83 998 Ende 1928 auf SS S7Z Lehrlingshöllen der Siadipfeifereien. Notwendige Gefehesanderung. Der Derbandstag der Musiker kam gestern auf den Höhepunkt seiner Beratungen. Außer zwei instruktiven Vorträgen des Senatspräschenten Prof. Dr. D e r s ch und des bekannten Ar- beitsrechtlers Dr. Potthoff über steuer- und arbeitsrechtlich« Fragen der Musiker, wurde der ganze Verhandlungstag ausgefüllt mit der Behandlung der Nachwuchs- und Orche st erschul- frage. Einleitend wurde von dein Kunst wart des Verbandes Jahn ein U aberblick gegeben über die Bemühungen des Verbands- Vorstandes, die Lehrlingszllchterei in den sogenannten Stadtpseisereien zu unterbinden und einen qualitativen Musikernachwuchs heranzubilden. Heute sind die Verhältnisse in den Stadtpseisereien schlimmer als in der Vorkriegszeit. Aus diesen elenden Musiklehren, die oftmals in hygienischer und erzieherischer Hinsicht die reinsten Lehrlingshöllen sind, werden jährlich Tauisende von jungen Menschen ins Leben geschickt, die in den selten- sten Fällen den Musikerberus ausüben können, weil sie nicht die ge- ringsten Elementarkenntnisse haben. Daß die Behörden diesen Musiklehrey nicht recht beikommen können, liegt hauptsächlich daran. daß sie als gewerblich« Unternehmen angesehen und der Gewerbeaufsicht unterstellt sind, die nicht in der Lag« ist, die Auslände bei ihnen richtig zu beurteilen. Die Schwierigkeiten können nur durch eine Aendcrung der Gewerbeordnung überwunden werden, dahingehend, daß jede Aus- bildung Jugendlicher in der Musik als Unterricht aufzufassen ist und dem Mmisterium für Wissenschost, Kunst und Volksbildung untersteht. Eine Besprechung mit den sozialdemokratischen Mit- gliedern des Sozialpolitischen Ausschusses läßt die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß diese Gesetzesänderung bald in Kraft tritt. Daß diese vom Privatinteresse diktierte„Ausbildung" der Musikerlehrlinge abgelöst werden kann durch eine fachschulmähige Ausbildung, zeigen d!« Orchesterschulen, bei denen eine scharf« Berussauslese vorgenommen wird. An einem Teil der Kosten' dieser Schulen ist der Musikerverband beteiligt. Und gerade wegen der Berliner Orchesterschule, wo die Vorklassen vom Musikerverband allein finanziert werden, stand der Verbar.dstag vor am Schluß des Jahres 1929 gestiegen, was bei einer gewerkschaftlich fast restlos erfaßten Arbeitskategorie wie den Buchdruckern recht bcdcutungsooll ist. In der Lehrlingsobteilung ist die Mitgliedcr.zahl trotz rcgcr Tätigkeit von 17 327 aus>6 391 zurückgegangen. Das hat jcine Ursache zu einem Teil ia der ver- ringerten Lehrling sein st cllu ii g, aber mich in dem Bestreben vieler Lehrhcrrcn, ihren Lehrlingen den Beitritt zur Lehr- lingcabteiluiig zu verbieten Der Ka s s e n be st a n d weist eine erfreuliche Entwicklung auf. Obwohl große Aufwendungen sür die verschiedenen Zweige des Ver- bandcs zu machen waren, ist das Dcrbandsvermägen von 8 336 964 Mk. aus S72l7l1 Alk. gestiegen, also um 384 747 Mk. Von diesem Vermögen sind als Reserve sür die Jnvalidenunter. stütziing nach dein Beschluß des Frankfurter Bcrbandstoges 2 634 784 Mk. berechnet. Der 14. V e r b a n d s t a g(24. bis 29. Juni 1929 in Frank- furt a. M.), hat u. a. die Bildung einer Handfetzerspartc beschlossen und.zum l. Verbandsvorsitzenden an Stelle des verstorbenen Bor- sitzenden S e i tz wurde Genosse Otto K r a u tz und zum 2. Vorsitzen- den Genosse Richard Barth gewählt. An den Jahresbericht schließen sich Berichte aus den einzelnen Gauen, den Sparten, sowie über Bildungsverband, „Korrespondent", die Beziehungen zu den übrigen graphischen Verbänden und zur Buchdruckerinternationale an. Statistische Darstellungen vervollständigen das Gesamtbild. Die Tätigkeit des Buchdruckerverbandes im Jahre 1929 ist sehr zufriedenstellend. Verbandsinstanzen und Mitglieder haben in vor- bildlicher Solidarität alle wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden und einen weiteren Aufstieg des Verbandes herbeizuführen vermocht. Auch sür die Zukunft ist bei dieser starken gewerkschaftlichen Organisation eine günstige Entwicklung zu er- warten. einer schweren Entscheidung. Durch die üngeheure Be- l a st u n g des Verbandes infolge der großen Arbeitslosig- ke it sieht sich der Verband außerstande, diese Schule weiter allein zu finanzieren. Er hat deshalb den Vertrag mit der Staatlichen Hochschule sür Musik in Charlottenburg zum 1. Oktober g e- kündigt. Professor K e st e n b e r g als Vertreter des Ministeriums für Wissewschast, Kunst und Volksbildung bezeichnet die Nachwuchs- schulung des Musikerverbandes in den Orchesterschulen als ein Vor- b i l d für all« Gewerkschaften. Er erklärt«, daß der Finonzminister auf dem Standpunkt stehe, daß diese Schul« unbedingt erhalten werdcn und trotz der Finanznot der Staat mindestens die Hälft« dieser Kosten übernehmen müsse. Professor Kestenberg gab, durch die in der Debatte erhobene Kritik an dem Unwesen der Schüler- orchester angeregt, die Erklärung ob, daß er sich sür die Herausgabe einer Verfügung einsetzen werde, die den Orchestern an den Volks- und höheren Schulen das Musizieren gegen Entgelt untersagt. Zu der R a ch w u ch s f r a g e nahm der Berbavdstag in etwas abgeänderter Form eine bereits auf einer Reichskonfererz der Musiklehrer im Jahre 1928 gefaßte E n t f ch l i e h um g an, die zahlreiche detaillierte Vorschläge zur guten Ausbildung v«n Musik- lehrlingen enthält. Hinsichtlich der Bertiner Orchesterschicke wurde folgender Beschluß gefaßt:„Der Berbandsoorstand wird beaustragt, wegen des Reuobschlusses eines Vertrages zwischen der Hochschul« sür Musik in Charlottenburg und dem Deutschen Musikerverband mit der Direktion der chochschule und dem Ministerium sür Wissenschaft, Kunst und Volksbittmng in Verbindung zu treten. Der neue Ver- trag soll die finanzielle Entlastung des Verbandes und die Stärkung seines Einflusses auf die Orchesterschule gewährleisten." Gonderbelastung der Angestellten. Bei den Behörden Doppelbesteuerung geplant. Vom Zentralverband der Angestellten wird uns geschrieben: Das Verlangen, von den Beamten eine Sondersteuer, wie die Reichshilfe, zu bringen, stiirmit mit der Reicheversasiüng nicht über- ein. Bisher war nur von einem Notopfer der Beamte» die Rede. Verschwiegen hat der Herr Reichsfinanziiiinister Moldenhauer bei seinen Mitleilungsii bisher die Ungeheuerlichkeit, die jetzt bei AerSfientlichung be««effchentvurs- bekannt wird, baß«K dem Rotopfer auch die Angestellten in der öfsenlllchen Verwalwvg belastet werden sollen. Diese Angestellten haben im Gegensatz zu den Bccmitcn zu allen Zweigen der Sozialversicherung bereits Beiträge zu zahlen: zur Krankenversicherung, zur Angc st eilten ver- sicherung und zur Arbeitslosenversicherung. Dos Notopfcr soll, wenn es an sich berechtigt wäre, ein Beitrag der- jenigen sein, die bisher zur Arbeitslosenversicherung nicht mit beitrugen. Die vehördenongestelllen«ragen zu dieser Last bereits bei. Man verlangt also von den Behördenaiigestclltcn eine dop- pelte Zahlung. Angestellte, die stets gekündigt werden kömiZii, sollen damit stärker als alle anderen Bevölkerungskreisc Abgaben leisten.„Höher geht's wirklich nicht, Herr Reichsfinanzminister Moldenhauer!" In welch unsicheren Verhältnissen die Angestellten in der ösfent- lichen Verwaltung gehalten werden, besonders im Reiche des Herrn Finonzministers, müßte Herr Moldeichaucr selber wissen. Arbcits- verhälti.'.sfe werden v o n d re i z u dr c i Monaten abgeschlossen. Fälle, in denen Angestellte seit 1926 IS Kündigungen über sich ergehen lassen mußten, sind keine Seltenheit. Deshalb muß, wenn überhaupt noch von einer Steuergerechtigkeit Deutschlands gesprochen werden soll, der Reichstag diese Ungeheuerlichkeit beseftigen. Daher Landflucht. Ein Fall von geradezu unmenschlicher Landarbeitermiß- Handlung hat sich in dem Dorfe Forst bei Donndorf in der Nähe von Bayreuth zugetragen. Ein Landwirt hat seinen Knecht so lange mißhandelt und gepeinigt, bis der Arbeiter—«inen Tag nach seiner Aufnahme im Krankenhaus— an Erschöpfung und Blut- oergistung starb. Di« Blutvergiftung war ein« Folge eitriger Wunden, die infolge der unmenschlichen Behandlung nicht heilen konnten. Bei der Ausnahm« ins Krankenhaus zeigt« sich, daß der Dicnstknecht nicht nur zu Tode geprügelt, sondern auch dem lang- samen Verhungern ausgeliefert war. Bei der Beerdigung des Knechtes riefen die Leidtragenden, man solle den Unmenschen von Arbeitgeber— er hatte den Mut, den Friedhof zu betreten— ins Grab hineinwerfen. Die Empörung der Bevölkerung zwang die Staatsanwaltschaft, eine Untersuchung einzuleiten. Gewiß ist der Fall in seiner scheußlichen Grausamkeit ein Ausnahmefall. Nicht weniger gewiß aber ist, daß auch ein« solch« Ausnahme nur noch auf dem Lande möglich ist._ Achtung. Bauarbeiter! Die Stuckfirma Neumann, Baustelle Fasanenstr. 74. Ecke Kurfürstendamm, ist für Stuckateure und Rahmenspanner wegen Nichteinhaltung des Tarifvertrags für stuck- gewerbliche Arbeiten gesperrt. Baugewerkschast Berlin, Fachgruppe Stuck- und Gipsbau. Doanerstae. 19. Juni. i Berlin. 16.05 Konrert. 17.30 Jugendstunde(Sport). 18.00 Prof. Dr. Tritz Zadow: Bevölkerungspolitische Betrachtungen. 18.30 G. E. Kitzler: Fahrten durch märkische Buchen väldcr. 19.00 Harmonika-Trio. 19.30 Jüngste Lyrik: Fritz Pick.(Sprecher: Fränzc Roioff.) 19.40 Unterhaltungsmusik. 20.40..Bauernlieder" von Igor Strawinsky. 20.45 Wovon man spricht. 21.15„Große Messe" in D-Moll voo Joseph Haydn. Nach den Abcndmeldungcn bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Unterhaltungsmusik von Hamburg. 17.30 Hans Timmermann: Raumlehre auf Wanderungen, 17.55 Landeshauptmann Dr. Caspari: Das Ostprogramm. 18.20 Prof. Dr. Houben: Heinrich Heine und sein Denkmal. 18.40 Prof. Dr. Jumpertz: Die wirtschaftliche Bedeutung der Meeresströmungen. 19.05 Spanisch für Fortgeschrittene. 19.30 Conze: Karpfenproduktion durch Klcintciche als Nebenbetrieb der Landwirtschaft? 20.00 1. Schubert: Waldszencn, op. 82.— 2. Chopin: t) Ballade F-Moll; b) Dre� Präludien: c) Zwei Mazurken.(Gisela Springer, Flügel.) 21.15 Unterhaltungsmusik. Bernntwortl. für die Redaktion: WoHgang Schwarz. Berlin: Anzeigen: lh. Slock«, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag CS. m. b. Ä.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch« druckerei und Lerlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SD 63. Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. / XUe. Tlte&Ut, Lichtspiele usw. Donnerst, 19 6. Staats-Oper Unter d. Linden R-S. 8 19 Uhr Der Rosgr- havalier Ende 23 Uhr Staats-Oper <■ Plitz der Republik R.-S. 55 20 Uhr Die stumme von Portici Ende g22,/s Uhr Donnerst., 19. 6. staut. Oper BismarcKstr. Turnus III 20 Uhr Bolröme Ende g. 22V: Uhr Staat!. Sdiaasph. IM bendinuiairki St. H 1. Do. Do. B iahris-ib.-I.Ho. US 20 Uhr Gustav Adolf Enden. 22 Vs Uhr ItaatLSdiiliet'Iheater.ftiarltlig. 20 Uhr Sdierz. Satire, Ironie and Uelcre Bedeniand Ende nach 22ls Uhr Reichshallen-Theater |T| Uhr Das wuitdervoll« Juni-Programm der Stetüner Säooer Tel.: Zentrum 11253 Dönhoff- Breill(Saal und Galten) VarleW- Konxerf- Tanz VoiHsbUhne Tbeiter am BBIowplali. 8>/« Uhr Julius Caesar Regie: liri Hei»«irli: Staad. Sdiiller-Ili- 8 Uhr Sdierz, Satire. Ironie u. tieiere Bedeulung Beniner Praier SonuntraailtiiUiRsttr Kaslanicnallee 7—9 Täglich Anfang4 Uhr 6 Variett-Waltstaiit- Bttraklioiuo ferner die Burleske „Ganz faUch" sowie Go.tl Beer und Greil Lilien in Opetilfe in 3 Akt. r. Rirl Zlüti mit 38 Ultwlrkeiileii Grones Kalieekodieii Heute Volkstag! Auf allen nummer. Plätzen 50 Pf. außer Logen. Direktion Dr. Robert Klein Deutsches KOnstler-Theal. Barbarossa 3937 Täglich 9 Uhr ..Idi laiue um dieWeltmitdir" «Ol UirullBt Sthiffer Uuiik; Fiielridi Heliindv Regie: HinBrihe SCAJA Tägl. S ii.S'i, Uhr. B S Barth 9256 Pr. 1-6 M. Wochentg. 5 U. 50 Pf.-3 M. PI/Aza | Tigl. S II. 813 Sonnt. 2. So. 8 u Alex. E«. 806« 8 internationale Attraktionen ROSE -Theater 1 Or. Frankfurter Straß« 132 1 | Blflattkass«: Altx 3422 u. 3494■ Täglich«Ii Arm wie eine] Kirchenmaus mls Tränte, Paul und' Willi Rose. 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Slkla, Dora Sarnowsky-Bolinen Theater In dor SiresentanosiT. 8'. Uhr Napoleon greift ein von Walter Hasudnir Begie: fietnr Bamnwrkjr Komödlenhaus «Vd Uhr MeiDe Sdiwester liDd idi Mrik v.Ralph Cenattki Metropol-Th. Täglich S'i'a Uhr mit Dir allein aul Insel Michael Bohnen Kammerspiele D 2 WeidMdamm SZDI Gesdilossen. 70001. 0. KOltt.TOI Kbttbuser Str. 6 mit Herta Loewe dar deahrkn Rrktiiill Oeofsthes Ibeatei D Z Vteidendamm SZDI 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg- Max Reinhardt Wnrik: Friedriib KollMnder. Bühnenbilder Ernst Sdrütte. Die Komödie II Bismck.2414/7SI* 8 t ä t s f r ü ch t e(nicht unter 22 Millimeter Ouerdurchm«sser) ist ei»« Preisheraustetzung zu verzeichnen: 45 gegen 40 M. in 1929. Da die Frühtirschenernte auch in diesen, Jahre„och unter den Nach- Wirkungen des vorjährigen kalten Winters zu leiden hat, jo wird die gute Erdbeere stark gefragt werden, und aus diesen, Grunde haben die Großabnehmer— gewiß schweren Herzen?!— sich zu «iner Erhöhung oerstanden. Un'oetierte Erdbeeren wurden auf den gleichen Preis wie im Adrjahr f-staesetzt: 35 M. Bei' reisen Stachelbeeren und roten Johannisbeeren behielten Qualitätsfrüchte den vorsähriz-m Preis: 23 M. resp. 35 M. Die anderen Qualitäten wurden herabgesetzt. Daß die ganze Art dieser Vereinbarung dem Berufsgärtners taitde auf die Nerven fällt, zeigt «in di« Preise erörternder Aussatz des pffiziellen Organs des Reichs- Verbandes. Darin wird u. a, folgendes mitgeteilt:„Im Vorjahre wurde mitgeteilt, sin vermehrter Anbau von Sauerkirschen, ins- besondere von Ammern, sei erwünscht. Nachdem es nun in diesem Jähr« eine etwa? günstigere Ernte zu geben scheint, sucht man die Preise-u drücken." Das gleiche gilt auch für alle Früchte, die haupl- sächlich als lZbstkonjerven auf den Myrkt kommen. Wie weit das Publikum aber von solchen verbilligten Einkaufspreisen Nutzen hat, bleibt«n« sehr ungewisse Frage. P.D, Was der RAST bringt Die Sportkämpfc zum Reichsarbeitersporttag im Grunewaldstadion Sonntag, 22. Juni Der allgemeine, große, über ganz Deulschland ausgedehnte Reichsarbeitersporttag findet sllr Berlin in diesem Zahre ata kommenden Sonntag, 14 Uhr, im Stadion Grunewald, statt/ Aus der Fülle der sportlichen Darbietungen bringen wir hier eine kleine Auelese! Wie in allen zurückliegenden Jahren, warten auch diesmal die Arbeiter wassersportler mit einem guten Prpgrainni auf. In der schönen Kampfbahn im Deutschen Stadion treffen sich die Schwimmer aller Berliner Vereine. Wenn zu den Schwiminwettkämpjen, hie mir im Rahmen allgemeiner Beteiligung einen Teil aus ihrem Gebiet zeigen, über 450 Teilnehmer an den Start gehen, fo können die Schwimmer damit äußerst zufrieden fein. Das Meldeergednig ist gut. In der lOXStt-Meter-Crawistafetie starien neun Manu- fchaften. Neukölln, Hellas, Charlottänburg und Spandau jollten das Ende unter sich ausmachen. 23 Teilnehmer treffen im Kinder- fchwimmen zusammen, ein Zeichen däjür, daß die Kinderausbildung ein Gebiet ist, auf dem die Schwiinntvereine viel leisten. Das Crawlschwimmen der X-, ü- und L- Klasse sür Männer sieht zu- imnrnen 47 Startende vor. Die �-Klasse startet in stärkster Berliner Besetzung, Die große Bruststasfel ölt, 100, 200. 100 und 30 Meter ist ebenfalls stark besetzt und läßt scharfe Kämpse erwarten. Unjon kann hier vielleicht der Sieger sein. Gespannt darf man auf den ersten Start des„Schwimmverein Möwe" seiiz, dessen Mitglieder aus der I. 0. ausgetreten und zum Bund zurückgekehrt find. Besonders stark ist das Mcldecrgcbnis der Cramljchwiininen über 100 Meter er Jugend- und Frauenklafsc. Die Berliner Springer, die beim Städtewettkampf Wien— Berlin den Wienern in nichts nachstanden, werden int Kunst- und Turmspringen ihr Können zeigen. Der Irbeiter-Wasser-Retlnngsdienst, der Bevölkerung durch den Dienst !, den Freibädern bekannt, zeigte neue Wege im Rettungsdienst, die cinjach und praktisch jeder Mensch im Gesahrensallc anwenden „nn. Die Kreisreigenmonnschaft schwimmt«inen Reigen. Aus üesem Gebiete sind bisher von den Frauen Leistungen geboten worden, die höchste Kunst im Reigenschwimmen darstellen. Den Abschluß bilden zwei Wasserballspiele der Bezirksmannschasten. Der erste Kreis spielt gegen den vierten und der zweite gegen den dritten Bezirk, Im letzten Spiel vereinigt die Mannschaft des Zweistit Bezirks hauptsächlich Spieler von Weißensee und Hellas, während sich die Mannschaft des dritten Bezirks aus Spandau und Chor- iottcnburg zusammensetzt. „Bremen— Berlin" Dos Fußballspiel beim RAST Beim diesjährigen RAST, wird den Fußballern Gelegenheit gegeben, vor einer großen Zuschauerzahl ihre Kunst zu zeigen. Der zu diesem Tage verpslichtete Gegner, die Bremer Städte- mannschasl, zwingt allerdings auch zur Hergäbe des ganzen Könnens. Di« Bremer hatten unter der von den Kommunisten herbeigeführten Spaltung überhaupt nicht zu leiden. Schon von jeher eiiz spiel- starker Gegner, konnten sie die Mannschaft in Städtespielen unh in Bkgegmmgen mit ausländischen Mannschastn immer mehr verbessern. Mittelstürmer und Linksaußen wirkten schon des öfteren in dcx Städtemannschajt mit, während her Torwart in den Lander? spielen gegen Belgien und Hpllqnd diesen Posten versah.— Berlin stützt sich in der Hauptsache aus die Spieler, die schon in den Spielest gegen Kiel Und gegen den 10. Kreis die Berliner Farben so würdig vertreten haben. Die Mannschaften spielen in folgender Zlufstcllung: A r e m e«: Kosten G. S B) Köppern )(Butab)(Licht-nb-rg»(Lichtenberg Ist Harber Israel Becker (Lichtenberg»(iiiche � � (Butab)(Sich«) chrubert Berlin:(Beißensee) Die Bremer Fußballer kommen Sonnabend, 21. Juni, 21,1S Uhr, auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin ait. Wir erwarten, daß alle Vereinsfunktionäre sowie interessiert« Arbeitersportler sich zum Empfang in der Vorhalle(Ankunftsseite) pünktlich einfinden. Die kr«issußballeilung. Die Leichtathleten Von den Leichlalhleten sind sür die ausgeschriebenen Kon- tprrettzen 250 Einzelmeldungen«rsolgt. Dqher müssen hier die Vorkäinpfe bereits um 12 Uhr beginnen. Alle Ivv-Meter-Läufer treten um Sl,4ä Uhr an. Die Vorläuie der 4 X 100-'Meter-Männ«r- und 10 X M-Meter-Frauenstgsfei finden um 12,43 Uhr statt. In allen Sportarten wird aus jeden Fall der beste Sport gezeigt, den die Berliner Arheitersportler zu bieten haben, Auch die Turner werden die kurze, ihnen zup Verfügung, stehende Zeit ausnützen. Die Männer zeigen Sprünge an 4 Pferden und dU Frauen Barren- turnen. Massenübungen werden dieses Mal ein« frohe Kinderschar aus die weite Rasensläche bringen. Die„schwer«« Männer" stellen ebenfalls guten Sport in Aussicht, Die Jugend trägt mit Branden- bürg einen Städtekampf aus. Ein Kampf st» Heben bringt den Buitdesmeister Lichtenberg-Friedrichsfslde mit einer kombinierten Mannschaft des 4. Kreises zusammen; serner gibt es Kämpfe im Boxen und Jiu-Jitsu sowie Vorführungen aus dem Uebungsbetneb. Neuerscheinungen bei den Sondervorsührungen find Motarradreigen, Faltbootwettausbauen und Zlngelweit- bzw. Zielwerfen, Des Einmarsch, der um 14 Uhr beginnt, vereinigt alle Teilnehmer in einem imposanten Zug«. Fahuenschwinger, Musner, Trommler, Pfeifer eröffnen ihn, in farbenfrohem Zuge folgen alle anderen. Renntahrer von„Soli" Zum Reichsarbeitersporttag am Sonntag, dem 22. Junj, im Grunewaldstadion bringt der Arbeiter-Rad- und Kraft- fahrerbund„Solidarität" als Neuheit einen Motarradreigen. mährend die Rennfahrerabteilustg Radrennen ausführt. In neun Remten wird der sportliebenden Arbeiterschaft Gelegenheit gegeben, sich zu überzeugen, daß die junge Rennfahrer- abteilung sich gut entwickelt und Rennen zu fahren gelernt hat. Ein Ausscheidtingsfohren bringt 13 Fahrer auf die Bahn, eben- soviel starten im 5-Runden-Punk»kesahren. Die Sieger sind unter Zimmermann, Qua-de, Werner, Rejnholz, Rückest, Kawaike und Unger zu suchen, doch stecken auch unter den neuen Mitgliedern vor- zügliche Sprinter, die sehr leicht eine Uebcrraschung bringen können, Der Jugendklasse ist ein Borgabesq-Hren reserviert? hier hat der Charlottenburger Klinitzkj bis zu 100 Meter? Vorgaben aufzuholen, die er an Herzog, Lluade, Gliesche, Woche sowie den Finfterwalder Iosch zu geben hat. Namentlich die beiden letzteren werden ihm sehr gefährlich werden. Daß grphte Interesse verdient die H a u p t n u m m e r des Pro- gramnis, der S tätzt e k a m p f zwischen einer fechsköpfigen Berliner Auswahlmannschaft und einer ebenso starken Mannschaft aus der Niederiousitz. Aus der Lausitzer Mannschaft sistd die Finsterwalder Heini Zimmermann, P seiner und Matysik zu nennen. Sie sind vorzüglich« Tempofahrer und Spurter, ebenso w>e der Kqlkwtltzex Pesker. Guben sendet Just und Tontenau, die in ihrem Heimats- bezirk als gute Fahrer bekannt sind. Berlin tritt mit Schwarz, Nitschke, Gendrich, Köllner, Prause und Töpfer an. Die Finster- walder werden hier zweiseilos die Gelegenheit benutzen, Schwarz und Töpfer, die zu Pfingsten in Fsttsterwache das 30-' und lg-Kilo- meter-Straßenrennen gewinnen tonnten, auf die Plätze zu ver- weifen. Der Städtetampf wird ausgefahren in drei Rennen mit Punktwertung, wobei jeder Fahrer gewertet wird, Sieger ist die Mannschaft, die in allen drei Rennen zusammen die höchste Punkt- zahl erreicht. Den Abschluß des Raftprggramm- bildet ein?k g N st f ch q f t-- trennen nach K-Tageart übex 1 Stunde mit sechs Wertungen. Bisher liegen 13 Meldungen Pöst Mannschaften vor, unter anderen auch van den NiederlMitzex Fahxexn, die besonders guf best schweren Aschenbahnen vorzüglich eingefahren sind. Aktiver Arbeitersport Das Wort von Fritz Wildung:„Der Bund ist zurückgekehrt in den Mutterschoh der Partei, aus dem er einst hervorgegangen" Hai nicht nur ans dem Bundestag des Arbeiterturn- und«pari- bundes stürmischen Beifall erhalten, die Arbeiterfportlex beweisen auch durch die Tat, daß ihnen die Geschlossenheit der Arbeit«?- bewegung höher denn je steht. Zwei Beispiele der letzten Tage seien Zeug« für die wertvoll« Zusammenarbeit der befreundeten Organisationen in Fragen, die sür di« Gejawtbewegung von Be- deutung stirb. I. Die Sozialdemok rgt i j che Partei, das Reichsbanner und dos Kartell für Sport und Körperpflege in Dresden haben in diesen Tagen in einem gemeinschaftlichen Ausruf di« Gründung eines Abwehrkartells gegen faschistische Uebergnfse bekanntgegeben- In der Erklärung heißt es. daß die faschistische {Befahr es notwendig mache, die Abmehrfront der Arbeiterschaft zu verbreitern. Es sei deshalb notwendig, daß alle Mitglieder der vereinigten Organifationen aktiv am Kampf gegen die Faschisten teilnehmen. Wörtlich wird dann gesagt: „Dauernd überfallen Hakenkreuzier Mitglieder der Partei, des Reichsbanners, der Gewerkschaften und der Arbeiterturn- unir «portverein«. Sie stäken Versainmiungen, sie»ersuchen sogar, Volkshäuser und Parteieinrichtuagen zu zertrümmern. Diesen Provokationen setzen wir die Parole entgegen: Kampf gegen die saschistisch« Diktatur." Dieses erfreuliche Beispiel proletarifchcr Solidarität fmdel hof- sentlich in allen Teilen des Reiches jebhaften Anklang und Nach- ahmung. 11- Zu dem in Sachsen stattfindenden Laiidtagswahlkamps hat der Vorsitzende des Leipzig«? Sportkartells einest Ausruf er- lassen, in dem die Arbeitexsportler ausgefordert werden, an der Seile der organisierte» Arbeiterschaft in diesem Wahlkampt de» Mann zu stehen. Um die Wahiabeit zu fördern, Hot dos?sport- kartell beschlossen, den Reichsarbeitersporttag, der gerade am Wohl- tag stattfinden sollte, ausfallen zu lassei,: „Uistere Interesse» als Arbeiter, als Spartler stehen auf dem Spiele. Seid überall mit tätig in der Wqhlbewegung'. seid -U? Stelle, wenn Hilsskräste gebraucht werden,«chränkt euren l»ort- und Spielbctnetz soviel kpie möglich ein; stellt all« Kraft« für die Wahlarheit zur VesjügllNg! Auf, in den Kämpf sllr ein rotes Sachsen! Es ist nur zu wünschen, daß di« vereinte» Bemühungen bet Arbesterorganisatiane» den ersehnten Erfolg haben: Zurückdrängen der Hakenkreuzkerbewegung, Sieg der sozialistischen Idee. ist, Aus der Internationale Vier Auslandsfcste 1930 Ig, Ighse 1930 halten vier Verbände der Sozialistischen Arbeitersport-Intesnationale große Turn- und Sportseste ab. Am 23.. und 29. Juni fistdet das schweizerische Bundesfest, vom 4. bis 7. Juli das Bundesfest des Aussiger Bundes, vom 30. Juli bis 3. August das lettische Bundessest und pon, 14. bis 18. August das belgische Bundesfest statt. Es ist natürlich ein« überaus ange- nehme Pflicht aller SAsI.-Angehörigen, diese Feste der Bruder- vcrbäiide»ach Möglichkeit zu besuche». Die Opfer werden reichlich belohnt durch unuerläschliche Eindrücke und Ersahrungeii. deren töst- lichste die ist; Wir stehen nicht allein, sondern habe» in aller Welt Schwestern und Brüder mit gleiche» Idealen mnd gleichen Zielen. Verhaudsregatto des DWV. A,,, Sonntag, 22. Iuiii, findet van 14 Uhr qö vor dem Restaurant Seepavillan in Tegel di« 3. Ruder- und Kann- r e g a t t a des republikanischen deutschen Wassersport- Verbandes statt, Zu dieser Verbai�sregatta haben nach dem Zusammenschluß des DWB. mit dem Verband Mitteldeutscher Ruder- vereine und dem Süddeutschen Ruderpcrband zum ersten Male quch «ine Anzahl auswärtiger Rudervereine Meldungen abgegeben. Es werden im ganzen 20 Rennen ausgeiragen, zu denen 20 Vereine Meldungen abgegeben haben. Alle Rennen weisen eine sehr gut« Pefetzung aus. Bei hex Regoltq wikd unter anderem auch die Verbandsmeisterschqft im Riemenvierer gm defl Preis her Stadt Berlin ausgefahren. Auch die preußische Staatsregierung hat in diesem Jahr« wieder einen Preis zur Verfügung gestellt. An den Nennen betriiifen sich insgesänii 98 Boote mit 315 Ruderern und Kanusahrern. �er pern DWP. angeschlossene Süddeutsche Ruder-" perbynd e. V. führt ai,, gleichen Tag« eine sehr gut beschickte Ruder- regatta in Frankfurt n.M. durch. Arbeiter- Wasserbali Der Spurt um den Kreismeister Schon der Beginn der Winterruichx der Berliner X-Klasse im Wasserball lieh hen Eingeweihten erkennen, daß«ine Vor- schau für den neuen Kreismeister schlecht zu geben ist, da die Spielstarke der 8 Mannschaften, die die.-X-Klasse des 1. Kreises im Arbeiter-Turn- und Sportbund bilden, sehr stark ist und der letzte Vundesmeister„N e p t u n"-Welß«nsc« schon in den erste» Spielen stark kämpfen Mußte, um die Punkte zu retten und sein Können als Bundesmeister zu beweisen. Noch steht das Protest- spiel Spandau— Weihenfee der Winterrunde zum Aussrag und doch sind bald die Spiele der Sommerferie, die rechtzeitig be- gauuen, unter Dach und Fach. Im Winser schält»» sich Spandau, Weißensee und Charlottenburg aus dem Rudel heraus, Union und Hellas, die nur knqpp zurückstaiiden, wärest aber nicht viel schlechter. Die Sommerferie muß die Entscheidung bringe», denn alle Manu- schaften.haben Verluftpunkte auszstweifen. Die ersten Spiele der zweiten Runde ließen dann auch einige Resultate zustand« kommen, die nicht vorausgeahnt wurde». Hellas, die am Schluß der Winter- runde nicht den Eindruck des zukünftige» Meisters machten, ge- wann gegen Weißenfe« 8: 3. Spandau, die im Winter mir von Chqrlottenburg eine Niederlage einsteckten und in den anderen Spielen den denkbar beste» Eistdruck machten, konine sich an- scheinend der Wassertemperatur im Freien nicht anpassen und ver- loren trotz besserem Spielairsbau zwei Spiele. Ebenso erging es der Berliner Schwimm-Union. Charlottenburg sühn mit einem Punkt vor Weiheufe«. Hellas und Spandau liegen»ach Verlust- puntten �rechnet so weit zurück, dnß sie für den Endkampf nicht wehr in Frage kommen. Zwischen Weihensee und Char- lottenburg liegt die Entscheidung. Einer von beiden wird Kreismeister. Die Entscheidung dürft« schon in» kommende» Sonnabend im Volksdad Westend fallen, wo beide Vereine a»f- «inandertressen. Hier ein« Vorschau: Beide Vereine haben einen verschiedenartigen Ausbau. Neptun- Weißenfee, die körperlich kräftiger« Manstfchaft, besteht aus Stzie- lern, die(Erfahrung besitzen und feit Jahren der Mannfchast an- gehören. Sie konnte» gegen andere Verein« nur durch taktisch richtiges Stellungsspiel gewinne», Das muhte auch Chgrlottsnburg erfahren, die sich im erste» Spiel das Stellungsfpiel der Weiß«»- scer aufdränge» ließen und mit vics Pech verloren; es sind die einzigen Verlustpunkte, die Ehqriottenburg aufzuweisen hat. Char- lotteubiipg, eine ziemlich jugendliche Maniischast. die sich j» allen spielen als gefährlicher Gegner erwies, besitzt seine Stärke im Schnellschwimmen.'Der Maimschastsausbau ist den Wienern a»- gepaßt, die beim Städt eschwi mm k amps Wien— Verlin den Berlinern eist erstklassiges Wasserballspiel varsührsen. Schnelles Schwimmen und gutes Zusammenispiel brachten die Grsglge, die die Eharloiteu- burger errangen. Wenn man die Tabelle studiert, kann man fest- stellen, daß Charlottenihiirg gegen starke Gegner leichter gewann als Weihenfee, die oft mit viol Glück siegten. Festzustellen ist, daß die Berlme? Mannfchaften sich iist Wasserballspiel fehen lassen könne», den» die Spieistärke ist im Durchschnitt hervarragend imd läßt fitr die Zukunft viel erwarten, Di« letzte» Spiele ergaben folgend« R e s u l t g t e: Spandau schlägt Union in technisch gutem Spiet 4:2(2:1), Ii» wenig schönem Spiel, bei dem die Mannschaften recht körperlich spielten, gewann Hellas gegen Stzanda» 7:4(2:4) trptz besser«» Spiel Spandaus(Protest). Neukölln, die gut auskamen, verlor«» gegen Weißensee 0: 10(3: 4). 21eukölln----Berlin Xll 4:2(1:0). Hellas— Berlin X{I(es fehlte der Schiedsrichter!) Gesellschaftsfpicl 3: 3. Spandau verlor gegen Eharloltenburg 0: 10. Charlotten- burg�-Verlin XII 8:2(3:0). Neukölln— Ustign 5:4, Weißensee schlug Spandau nach interessantem Spiel knapp 7:0. Berlin Xll gegen Weißensee 3:8(2:3). Union verlor am Montag gegen Charlottenburg 4: 10(1: 8). So sehen„Kiassenkämpter" aus Vor nicht allzu langer Zeit verpfsentlichten wir ejnest Schnorrbrief des kommunistifchen Königsberger Arbester-Fußballklubs„Rot''. Wir bringen Heute einen weiteren Beweis zur Ergänzung und wollen damit feststellen, dgß dieses Schnorren der Oppo-Leute keine Einzelerscheinung, sondern„«»g verbunden" ist mit ihrem.Lgmpf gegen de» Kapitalismus". W>r geben den Inhalt des Brieses, der an«ine bekannte Känigsberger Großsirmg gerichtet ist, im Wartlaut wieder: Firma,... Königsberg. Unterzeichneter Verein beschloß in seiner Monatsveriaminlüng, wegen der augenblicklichen Notlage sich an obig« Firma zu wenden, um eine Stiftung von« o t i n sür Hosen(Fuß- b«ll), 11 Meter gelb, sür«in« Mannschaft an Sonmachpieken, da der ÜZerein es nicht aufbriiigen kann. Der Beschluß wurde von der 40 Maiin starken Versammlung gefaßt»tzd bekanntgegeben, in geschäfllicher Hinsicht obige F i r n> a z u unterstützen. Beste» Dank im voraus, zeichne» im Namen des Vereins (folgt Unterschrift). Zugedachte Spenden bitten wir an Herr» Paul Gottscholk- Rauschen zu sende». Von demselben Vereist liegt uns nach ei» zweiter Brief int Original an eilte weiter« Königsberger Firma por, in dem u tn Fuhballhemden g e s ch n o r r�t wird. Wir betonen ansdrück- sich, daß diese Zölle» aus der Feder eines Oppa-Mgnnes stammen, der sich ebenfalls i» der Zerschlggung der'Arbeiterspartbewegung eine» Namen machen wollte. So sieht asio der nnverfalfchte Klaffen- kamps jener Leute aus, hfe sich qnmpßen, die n'lmtsfcn Berfechtcr jeglicher revolulionären Idee zu sein. Werbelaus„Quer durch Milmeredprs'. Der'in diesem Jahre wiederkehrende Werbelaus„Quer durch Wilmersdorf" des Orts- ausschusses für Leibesübungen und Jugendpfleg« Wilmersdorf wird gm Sonntag, 22. Juni, ab 10 Uhr vormittags, statftinden. Zugelassen sind pie dem Ortsausichuß angeschlossene» Turn- und Sportverein« lowie ittchulen. Start ist Wilhesinsau« Ecke fthlandstraße; das Ziel befindet sich auf dem Sportplatz am Fehrbelliner Platz tUkitci-Slak- unk itraltsahrerkuub„Soltbaritöl comilag, a2. Juni, tum 3ipi(l>«..'Mrh(it(t.epott.Son. cammclflort 11 M,r Uli. Visakit Ecke Stronistraße. .törsolleidu»« iwcißrs Hkmd odcr Vlusc. ohnk«optkrdkckung. wrii» möglich. mit isur Schärpe. Dir Vkitilupgcn(tortfu; I. Vbt.; ist Übt Bulomsir..».— i. übt.: 10 Übt Viefsenkachgr. 8«.— 3. Abt.: 9 Uhr Land-kcrgrr Vlgk.— «. übt.: 10 Übt Nopeuhägiucr E>r. N. 9. Pkt.: lg Ubr Triliftc.' fii.— 10.-libt.; S1) Ubr Vtlttübutgtc Sit. ä.— üsunfahtctabteiluug Viillt; 6». Übt Stakiou.- übt. Sbatlgtirnkurg: 19 Übt ffiilmctgkstfci(Sckt»>»?». flrabr.— übt." Schön ckerg: 10'Übt ctubcnraudtftr S.— übt. Sruföflu: 10 Übt HobruiolIrrnploS.- äjbt. Tttp ow-Vaumschuiciim-g: 9H Übt V-!>iib°t Ttcpiaw- übt. O.:crschöNkw«idr:(0 Übt Wi|brlmil>k»i>sil>r. öt.— üb!. Ski9»pi"'H«>n>tsdpri: 0 Übt ünippplaj,.- Vchiuug, übltilpna SHuköHu! rt Iii«!, 18 Ubr. cpottulfl* Urbonftrage. Wcchcum�ug piit V!uÄ ügc Üb- ftilurtgrt) sind dazu»tugefabta,— Reuufabtirahtgilupg Stitlt: Ttsiuings- obenb jeheu Vlittipod). Start IS Übt Stoubtubufflct Tgs. SmU Schwimm«» ckhattotlenkurg, ftsBuohtjflung. s»ut«. ab ISVj Ubr, Stoming bfr Sfqottomannfäioftfn(Buiab). fttfitag Stfffpubft bre Schwimmer und Äanufobtcr um 10 Übt Schule Svbelsttaße. Sportlieibung, Vabbeln. Vssie,- fiaggen zur üerbeiahrt d««»atiell«: besglsichen Sannabrnd. 18 Übt. Stölln»». steaüe 0. Ün ben brellpuukteu Umtleibemögliäikeii. ZZKV..Z!«ul»llu.Blik. Zum Wetbeabeud aui kern jperfcbetgulatl Tounera. tag. 19. Juni, llmfleibttöumc für«inbtt ab 17*4 Übt. für ßrmoebiVne. ab isri Übt Schul» Hergbergpläp.— Dtitiet fliubet Steifpuutt 1711 Ubr Buschkrug zur gemtiHfoTOttt Matsch zum Wctbktchcnd., � ßefchäffc-Jtn&iger t (Bezirk Jlorden~Cften. Wer braucht Öfen u. 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