BERLIN Freitag 20. Juni 1930 Der Abend Erfcheint täglich außer Sonntag Zugleich Abendausgabe des Vorwärts". Bezugspreis beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,60 M. pro Monat. Redaktion und Expedition; Berlin SW68, Lindenstr. 3 Spätausgabe des„ Vorwärts" 10 Pf. Nr. 284 B 141 47. Jahrgang " Anzeigenpreis: Die einfpaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Bosscheckkonto: Vorwärts- Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Donhoff 292 bis 297 Reichstag gegen Württemberg. Der Rechtsausschuß fordert die Aussetzung verhängter Todesstrafen. Im Strafrechtsausschus des Reichstags zitierte heute vormittag Abg. Dr. Rosenfeld( Soz.) die Meldung nus Stuttgart, nach welcher das Gnadengesuch des zum Tode verurteilten Landwirts Zell vom württembergischen Staatspräsidenten abschlägig beschie den worden sei und die Hinrichtung in den nächsten Tagen vollzogen werde. Nun habe im Oktober 1928 der das malige Reichs justizminister im Namen des Ka binetts ein Ersuchen an die Länderregie rungen gerichtet, die Todesstrafe nicht mehr zu voll. ziehen, solange die Frage der Abschaffung der Todesstrafe im Strafrechtsausschus noch nicht end gültig entschieden worden sei. Diesem Ersuchen haben Brüning Finanzminister. Borläufig mit den Geschäften betreut. Amflich wird gemeldet: Reichspräsident von Hindenburg hat auf Vorschlag des Reichsfanzlers den Reichsminister Professor Dr. Moldenhauer auf seinen Antrag entlassen und den Reichskanzler Dr. Brüning bis auf weiteres mit der Wahrung der Geschäfte des Reichsministers der Finanzen beauftragt. Dem scheidenden Dr. Moldenhauer hat der Reichspräsident in einem Schreiben Dank für die dem Reiche geleisteten Dienste in herzlichen Worten ausgesprochen. die Länderregierungen bis jetzt auch Rechnung getragen. Hakenkreuz wird nicht geduldet. Seitdem sei in Deutschland kein Todesurteil mehr streckt worden. Abg. Dr. Rosenfeld bat den Reichsjustiz minister, alles zu tun, um die Württembergische Staats regierung zu bewegen, dem damaligen Ersuchen Rechnung zu tragen. Reichsjustizminister Dr. Bredt gab die Erklärung ab, daß jene Anregung des früheren Kabinetts die jetzige Regierung natürlich nicht binde. Es habe sich überhaupt nur um eine Anregung gehandelt, der die Regierung von Württemberg in Anbetracht der Schwere des Falles offenbar keine Folge geben wolle. Er habe zunächst telephonisch den württembergischen Gesandten um nähere Informationen gebeten und werde mit ihm im Laufe des Tages noch verhandeln. Abg. Dr. Ehlermann( Dem.) hielt es im Inter esse der Rechtseinheit in Deutschland für dringend notwendig, daß die Frage der Vollstreckung der Todesstrafe einheitlich in Deutschland geregelt werde. Mit 15 gegen 10 Stimmen wurde ein von den Ab geordneten Dr. Rosenfeld( Soz.), Dr. Ehlermann ( Dem.) und Dr. Kahl( D. Vp.) eingebrachter, Antrag angenommen, nach welchem die Reichsregierung der württembergischen Statsregierung nahelegt, vor der gesetzlichen Entscheidung über die Todesstrafe das Todes. urteil gegen den Landwirt Zell nicht zu vollstrecken. 4 Proz. Reichsbankzins. Der Beschluß des Zentralausschusses. Die Reichsbank hat mit Wirkung vom 21. Juni den Wechseldiskont um auf 4 Prozent und den om bardzinsfah um ½ auf 5 Prozent her abgesetzt. Die Reichsbank ist also, wie nicht anders zu erwarten war, der neuen 3inssentungswelle auf den internationalen Geldmärkten gefolgt. Die heutige Binssenkung ist die sechste Dis tontherabjegung in diesem Jahre, nachdem bereits im November 1929 im Anschluß an die New- Yorker Börsenkatastrophe der erste Abbau des Zinssatzes von 7% auf 7 Prozent eingefegt hatte. Mit dem jetzt erreichten Wechselzinsjah von 4 Prozent ist ein Refordtiefstand erreicht, wie er seit dem Jahre 1914 in Deutschland nicht mehr bestand. Der Berliner Polizeipräsident gegen die Naziuniform. Erlaß an fämtliche preußische Polizeiverwaltungen das öffentliche Bor acht Tagen hat der preußische Minister des Innern durch Tragen der nationalsozialiifchen Parteiuniform verboten. Darin hieß es, daß zur Uniform alle Gegenstände gehören, die dazu bestimmt oder geeignet find, abweichend von der üblichen bürgerlichen Kleidung die Zugehörigkeit zu den genannten Organisationen, insbesondere den sogenannten Sturmabteilungen, Schutzstaffeln und der Hitler- Jugend, äußerlich zu bezeichnen, alfo auch kleidung und Ausrüstungsstüde( 3. B. Armbinden), die durch bestimmte Form, Farbe, Schnitt usw. ein Merkmal der genannten Organisationen darstellen". Wie wohl faum anders zu erwarten war, haben die NationalPräsidenten Silos und dem Vizepräsidenten Saavedra wird vorgeworfen, daß sie durch Paktieren mit den Bereinigten Staaten Bolivien sehr geschädigt hätten. Von den Aufständischen ist Hinojosa zum vorläufigen Präsidenten ausgerufen worden. Länder und Reichsgewalt. Heute die Aussprache im Ausschuß eröffnet. Der Ausschuß der Länderkonferenz ist heute in der Reichskanzlei zusammengetreten und durch eine Rede Dr. Wirths über die Organisation der Reichsgewalt eingeleitet worden. Der Feuerfampf an der Grenze. Gemischte Kommission führt die Untersuchung. Der neueffe deutsch- polnische Grenzzwischenfall ftellt sich wie folgt dar: Ein deutscher Zollbeamter stieß bei einer Streife auf einen 3ivilisten, der sofort das Feuer auf den Beamten eröffnete und drei Schüffe abgab, ohne zu treffen. Der Schuß, den der deutsche Beamte abgab, war fofort tödlich. Der Zivilist war im Besitz eines Passes und eines Lichtbildes, die auf den Namen eines polnischen Grenzbeamten lauteten. Heute 1 Uhr ist eine deutsch- polnische Kommission zufammengetreten, um an Ort und Stelle Feststellungen zu machen. sozialisten versucht, das Verbot zu umgehen. Statt der Uniform Brüning über Briand: Memorandum. fleideten sich die Hiller- Anhänger einheitlich in weiße Hemden, auf die fie damit eine neue Parteiuniform geschaffen. Infolgedessen wird die das Parte abzeichen hefteten. Sie haben sich Berliner Polizei in Zukunft auch gegen derartig gefleidete. Nationalsozialisten einschreiten und ihr Parteiabzeichen beschlagnahmen. Kommunistischer Feuerüberfall. Ein Schütze wegen Mordverfuchs verhaftet. Der Polizeipräsident teilt mit: Gegen 5,45 Uhr heute früh wurde der 25jährige Arbeiter Pohnke, Friedrichsgracht 36 wohnhaft, Ede Grünffraße und Friedrichsgracht von mehreren Personen mit Pistolen füffen empfangen. Es wurden 12 bis 15 Schüffe abgegeben, die jedoch ihr Ziel verfehlten, weil Pohnke sich sofort auf den Boden warf. Nach Abgabe der Schüsse ergriffen die Schüßen die Flucht. Pohnte ist Angehöriger der NSDAP. Es gelang alsbald, einen der Täter in dem Arbeiter Wilhelm Bober zu ermitteln und festzunehmen. Bober ist geständig. Er hat aus einem Trommelrevolver angeblich nur einen Schuß abgegeben, und zwar hat er eine Schrotpatrone verfeuert. Gefunden wurden bei ihm acht weitere Schrofpatronen. Des weiteren hatte er bei sich eine Armeepistole ( 9 Millimeter) mit vier Schuß. Am Tatort wurden acht Hülsen gefunden. Die Täter find kommunisten. Die Ermittlungen nach ihnen werden fortgefeht. Bober wird dem Bernehmungsrichter wegen verfuglen Mordes zugeführt. Revolution in Bolivien. Paris, 20. Juni.( III.) Reichsbankpräsident Dr. Luther begründete in der Sizung des Zentralausschusses die Diskontjenkung mit der anhaltenden Blutige Kämpfe- Der deutsche General Kunt cefangen. Geldflüssigkeit auf den Weltmärkten, die sich durch die Verschärfung der Weltwirtschaftsfrise in letzter Zeit cher noch gesteigert hat. Die bisherigen Diskontsentungen haben noch nicht zu einer wirffamen Auf: oderung des Kapitalmarttes in Deutschland geführt, und es besteht zur Zeit zwischen den Zinssäken auf dem Geldmarkt und den Anleihe- und Hypothekenzinfen eine so ungesunde Spanne, daß die tonjunkturpolitischen Wirkungen ter fortgelegten Binsfenkungen der Reichsbank dadurch außerordentlich abgeschwächt sind. Es ist daher die dringendste Aufgabe der öffentlichen und privaten Bantpolitif in Deutschland, die Geldverbilligung auch für langfristige Kredite wirksam zu machen. Teilweises Frauenwahlrecht in Frankreich. Der Bahlrechts. ausschuß der Kammer hat sich für einen Gesegesvorschlag ausgesprochen, der für die Witwen der Kriegsgefallenen und Vermißten das Wahlrecht und die Wählbarkeit vorsieht. Der Vorsitzende des Ausschusses wird die Beratung im Plenum beantragen. Wie aus Buenos Aires gemeldet wird, haben in Bolivien Schwere Kämpfe zwischen den Aufständischen und Regierungstruppen stattgefunden, wobei es auf beiden Seiten viele Tote und Verwundete gab. Die Nachricht, daß der Führer der Aufständischen Hinojosa von den Regierungstruppen gefangen worden sei, entspricht nicht den Tatsachen. Die Aufständischen sollen, die Städte Oruro, Cochabamba, Potosi und Sucri cingenommen haben. Es soll den Aufständischen ferner gelungen sein, den Generalstabschef der Regierungstruppen und den deutschen General Kunt gefangen zu nehmen, da ein Teil der Regierungstruppen zu den Aufständischen übergegangen sein soll. Die Aufständischen haben einen Aufruf erlassen, in dem es heißt, daß die Revolution durch die Regierungsmethoden der Unkonstitutionellen hervorgerufen fei, die das Volt ausgebeutet hätten. Dem Deutschland/ Frankreich/ Europa. Paris, 20. Juni. In Fortsetzung seiner Untersuchung über den Eindruck, den das Briandsche Memorandum in den europäischen Staaten hinterlassen hat, veröffentlicht der Sonderberichterstatter des ,, Matin" Erlärungen des Reichskanzlers Dr. Brüning. ,, Das Briandsche Memorandum", so erklärte der Reichskanzler, ,, wird innerhalb der gewünschten Frist, d. h. vor dem 15. Juli, be= antwortet werden. Wir werden nicht nur auf die von Frankreich formulierte Einladung antworten, sondern auch in großen Zügen eine Darstellung unserer 3iele über die von Briand entwickelten Gedankengänge hinsichtlich der wirtschaftlichen und der politischen Probleme gegeben. Wir sind der Ueberzeugung, daß die Unternehmen zu ernst ist, als daß man sich in Wortgefechte verlieren könnte. Hier ist eine langwierige Arbeit zu tun, und wir denken, daß Deutschland und Frankreich eine ernste Rolle dabei zu spielen haben. Der Meinungsaustausch zwischen unseren beiden Ländern wäre eine glückliche Eröffnung der europäischen Debatte, und deshalb wünsche ich, daß die noch nicht geregelten Nachkriegsprobleme, vor allem das der Saar, attiv vorwärts getrieben werden. Der Europapakt habe natürlich das erste Ziel, die 30llfäße zu ermäßigen. Dabei müsse sich Deutschland bemühen, die Interessent feiner Landwirtschaft zu wahren, die gegenüber den Nachbarstaaten mit ihrem reicheren Boden und ihren billigeren Arbeitsfräften im Nachteil sei. Für die Industrie dagegen liege das Hauptinteresse in der Eröffnung möglichst breiter Abjaßgebiete. Aber auch hier sei eine Ausgleichung des Lohnniveaus notwendig. Außerdem habe die gesamte deutsche Volkswirtschaft ein Intereffe daran, für den Bevölkerungsüberschuß Platz in weniger bevölkerten Gebieten zu finden. Natürlich tönne Deutschland an feiner Organisation teilnehmen, die die schweren Ketten der Berträge, die auf ihm lasteten, noch drückender gestalten könnten." Urteil der Dunfelfammer. Arbeit für Minifler Groener. Kiel, 20. Juni. 3m Kieler Munitionsprozeß wurde nach achttägiger Berhandlung heute vormittag das Urteil verkündet. Die Große Straffammer wies die Berufung der Staatsanwaltschaft gegen das freisprechende Urteil des Schöffengerichts auf Kosten der Staats. faffe zurüd. Auf Antrag des Oberstaatsanwalts wurde wegen Ge fährdung der Staatssicherheit bei Berlesung der Begründung des Urteils die Oeffentlichkeit wiederum in vollem Maße ausgeschlossen. Hochspannung im Rathaus. Der Prozeß Der Prozeß gegen die Camorra. Es geht um das Schicksal des Etats.- Keine im Ausschuß? 3m Haushaltsausschuß der Stadtverordnetenversammlung foll heute die Entscheidung über den Berliner Haushaltsplan für 1930/31 fallen. Wie diese Entscheidung aussehen wird, ist allerdings noch ganz ungewiß. 3m Rathaus herrscht daher, unberührt von der tropischen Hihe, große Betriebsamkeit und Aufregung. Keiner der Fraktionsführer weiß jedoch etwas Genaues zu sagen. An Wahrscheinlichkeit gewonnen hat die Mutmaßung, daß der Etat in der zweiten Lesung keine Mehrheit im Ausschuß finden wird. Der Stab über den Boranschlag des Magistrats wäre damit allerdings noch nicht gebrochen, die lehte Entscheidung liegt im Plenum der Stadtverordnetenversammlung. Bis zum Redaktionsschluß haben die Abstimmungen noch nicht stattgefunden. Man beschäftigte sich noch mit dem Kapitel der städtischen Werte. Bei allen drei großen Betrieben, der Gas, Wasser- und Elektrizitätsmerke hat der Ausschuß Mehrabgaben an die Stadt eingesetzt. Die Gasmerte, die im vorigen Jahre Moldenschauerlicher Grabgesang. Publikum, ich steh voll Trauer, Dieses bringt mich aus dem Taft: Unser gufer Moldenhauer Jft ja gänzlich abgefact! Grad wollt er den Hilferdingern Zeigen, was' ne Molle ist, Und die Sache selber fingern Doch da steckt er schon im Mist. Man versprach, daß er Erfulje Heimsen würde- fabelhaft! Nun fikt Deutschland in Bredublje Ach, er hat es nicht geschafft! Sind das die verheißnen Taten Des genialen Bürgerblocks? ,, Kabinett der Frontsoldaten", Ist das Hinterfront- Gejor? Bon dem Efel, dem zu wohl wird, Sagt man, daß aufs Eis er geht, Und ein Bürgerblod, der hohl wird, herrscht, auch wo er's nicht versteht. Jonathan. 15,2 Millionen Mark abführten, sollen jetzt 17,5 Millionen Mart zahlen. Bei der Bewag hatte der Magistrat eine Abgabe von 40,3 Millionen Mark eingesetzt. Der Ausschuß sezte ein Mehr von 3,5 Millionen Mark ein, so daß die Bewag insgesamt 43,8 Millionen Mark zu zahlen haben wird. Die Wasserwerke, die im letzten Jahr eine besonders günstige Entwicklung genommen haben, sollen 12,3 Millionen Mark abliefern. Im Vorjahre haben sie 3,8 Millionen Mart gezahlt. Schließlich wurde auf Antrag der bürgerlichen Parteien beschlossen, von der Berkehrsgesellschaft eine Abgabe von 10 Millionen Mart zu fordern. Die gesamten Abgaben der drei großen städtischen Betriebe sollen nach den Beschlüssen des Ausschusses 83 638 000 Mart betragen. Die entsprechende Summe des Jahres 1929 betrug 45 114 000 Mark. Nach kurzer Beratung über Schuldenpermaltung und Steuern wird der Ausschuß sich vorübergehend vertagen. In der Zwischenzeit wird man das genaue finanzielle Er gebnis der Abänderungen feststellen. Der im Etat nunmehr bestehende Fehlbetrag dürfte nach unseren Schägungen eine Summe von 52,5 Millionen Mark ausmachen. Die große Sorge der Ausschußmitglieder ist es, für dieses Defizit die Dedung zu beschaffen. Kommt der Ausschuß heute zu feiner Lösung, muß die Stadtverordnetenversammlung entscheiden. Bersagt auch sie, so wird die Reichshauptstadt der zwangsmäßigen Etatfejt schung durch den Oberpräsidenten nicht entgehen können. Bolkspartei am Scheideweg. # 3hre Entrüftungsreden werden nicht mehr ernst genommen." Köln, 20. Juni( Eigenbericht.) Das volksparteiliche Hauptorgan, die Kölnische Zeitung", schreibt in ihrer heutigen Morgenausgabe in einer Randnote zu der Reichstagsrede des volksparteilichen Reichstagsabgeordneten bon Kardorff gegen Frick und Thüringen unter anderem felgendes: „ Sieht denn die Reichsleitung der Deutschen Volkspartei nicht, in welch zwei deutige Stellung sie gerät, wenn der thu ringische Landesverband eine Regierung stüßt, die ihr Reichstagsredner mit Recht auf das schärffte angreift? Ist die Reichsleitung der Volkspartei wirklich zu schwach, um einen verirrten Landesverband zur Raison zu bringen? Ihre Haltung wäre vielleicht noch zu begreifen, wenn der thürinaische Landesverband für sein Verhalten irgendwelche pofitiven Gründe hätte. Aber wo sind sie? Bisher hat die thüringische Boltspartei wie auch die Volkspartei im Reich nur Fußtritte von den Nationalsozialisten erhalten. Soll auch der höhnische Zuruf:„ Treten Sie doch aus!", mit dem die National sozialisten im Reichstag Herrn von Kardorffs Einleitungsworte quittierten, höflich dankend eingesteckt werden? Es scheint fast so, aber die Bolkspartei darf sich dann auch nicht wundern, wenn ihre Entrüstungsreden über thüringische Zustände nicht mehr ernst genommen werden. Die Entschuldigungsworte des Herrn von Kardorff werden die Oeffentlichkeit nicht überzeugen. Aus ihnen ist Jesmol eine Anflage geworden, aber nicht gegen die häßlichen Nationalsozialisten, sondern gegen diceigene fäumige Partei." Kohlenstaubexplosion in Sachsen. Fünf Arbeiter schwer verletzt. Dresden, 20. Juni. In der Britettfabrit der Beutersizer Rohben merte ereignete sich am Donnerstag eine schwere Kohlenstaubexplosion, der ein Brand folgte. Fünf Arbeiter wurden zum Teil schwer verlegt. Die Betriebseinrichtungen sind stark beschädigt, so daß ein Teil des Betriebes wird stellgelegt werden müffen. Die Bergung der Verletzten gestaltete fich sehr schwierig. Der Belastungszeuge- jetzt Oberfaschist- widerruft nach 18 Jahren. Am 11. März begann vor dem Geschmorenengericht von| Abbatemaggios. Die Geschworenen hielten den Lumpen für Biterbo in der Provinz Rom ein Prozeß megen der Er glaubwürdig und ließen sich vielleicht auch durch das ihnen selbst mordung eines Ehepaares Cuccolo in Neapel. Wegen unbewußte Gefühl leiten, daß es um die vor ihnen sitzende BerBerdachts der Befangenheit war die Berhandlung ihrem normalen brechergesellschaft auf alle Fälle nicht schade war. So fam das Gerichtsstand entzogen worden: die Ermordeten, wie die An furchtbare Urteil zustande. geflagten gehörten sämtlich der berüchtigten Neapolitaner Berbrecherorganisation der Camorra an. Viterbo und seine Bürger maren über die Ehre, diese Gesellschaft zu be= herbergen, sehr wenig erfreut. Es dauerte vier volle Tage, ehe man die Geschworenenbank vollzählig zusammenbrachte, denn allen graute vor der Aussicht, monatelang den Geschworenen zu spielen. Viele verließen lieber die Stadt, einige gingen sogar ins Ausland. Recht hatten sie, denn der Prozeß dauerte volle achtzehn Monate. Die Angeklagten waren 37, es wurden 771 Zeugen gehört und acht Sachverständige. Die Aussage des Hauptmanns Fabbroni non den Carabinieri dauerte vom 12. Juli bis 2. Auguft. Die Angeklagten Derfielen während dieser Aussage in einem Wutzustand, weil sie den Eindruck hatten, der Offizier sei im Begriff, den Revolver zu ziehen. Der Camorrist Erricone riß sich das Hemd auf, bot dem Zeugen seine nackte Brust und brüllte:„ Schießt uns ins Herz, wenn ihr die Courage habt!" Den Geschworenen wurden 219 Fragen vorgelegt, sie blieben fünf Stunden im Beratungssaal und auf Grund ihres Bahrspruches wurden dann über vier Jahrhunderte Zuchthaus verteilt. Bei Verkündigung des Urteils schnitt sich der Angeklagte de Marinis mit einem Glasscherben die Halsschlagaber durch, so daß das Blut in den Saal sprigte. Das ganze spielte sich in einer alten Kirche ab, die die Stadt extra für diesen Prozeß in einen Gerichtssaal verwandelt haite. In einem besonders starten Eisentäfig faßen 36 Angeflagte. Für sich allein, in einem fleinen Käfig, faß wie ein Papagei der Anzeiger Cennaro Abbatemaggio. Am Meeresstrande bei Torre des Greco wurde am 6. Juni 1906 die Leiche von Gennaro Cuccolo mit 47 Stichwunden aufgefunden; an demselben Tage fand man in ihrer Wohnung die Leiche der Frau mit 14 Messerstichen. Der Ermordete mar ein bekannter ,, basista", wie man unter den Camorristen die nennt, die Diebstähle vorschlagen, organisieren und die Beute vertreiben; sie war eine Prostituierte. Einige Monate später machte der Camorrist Abbatemaggio Anzeigen, in denen er die Individuen beschuldigte, die später in Biterbo auf die Anflagebant tamen. Ein Hauptbeweis in dem ganz auf Indizien beruhenden Prozeß war die Auffindung eines Ringes, der angeblich dem Ermordeten gehörte, in der Matraße von Giuseppe Saldi. Die wahre Grundlage des Urteils, mit der alles stand und fiel, war aber die Glaubwürdigteit Was ist nun in den 18 Jahren aus den Berurteilten geworden? Die von fürzeren Strafen Betroffenen sind in Freiheit. Von den neun wegen Mordes oder Beihilfe zum Morde Verurteilten hat Di Matteo seine 20 Jahre, durch zwei Strafnachlasse verkürzt, unlängst abgebüßt. De Marinis und Morra sind im Zuchthaus gestorben; sie beteuerten bis zuletzt ihre Unschuld. Saldi ist in der Kriminalirrenanstalt von Montelupo, die übrigen fünf sind in den verschiedenen Zuchthäusern verteilt. zweiDie beste Karriere hat der Angeber Abbatemaggio gemacht, denn er ist ein großer Faschist vor dem Herren geworden. mit ihm zusammen hat im Jahre 1921 Mussolinis Bruder Jahre 1924 hatte man dann versucht, den verwendbaren Mann für Arnaldo den Faschismus in der Provinz Pisa organisiert. Im die Ermordung Matteottis zu gewinnen, aber Abbatemaggio war einer von der schlauen Sorte und wußte, daß gewisse Geschneidiges Schwert sind. Er lehnte ab, dabei mitzutun, und so entfälligkeiten, die man sehr großen Herren erweist, ein ging er sowohl dem Abgrund, der Dumini und Cesare Rossi verschlingen sollte, als auch den Gipfeln, zu denen Marinelli und der General de Bono aufstiegen. Er hielt sich auf der goldenen Mittelstraße und leistet sich jetzt den Lugus einer Gewissense trife, in der er seine Anlagen widerruft! Wahrscheinlich hat er sich ausgerechnet, daß nunmehr ein gegen ihn anzuſtrengendes urteilten dürfte die Begnadigung erfolgen, da eine Wiederaufnahme Strafverfahren verjährt ist. Für die marscheinlich unschuldig Ber in jeder Hinsicht unzmedmäßig erscheint. Nach achtzehn Jahren Buchthaus hat man nicht mehr lange Zeit, zu warten. Befürwortet wird die Begnadigung durch den Oberstaatsanwalt, der in Biterbo die Verurteilung beantragt hatte, durch den ersten und zweiten Vorfizenden des Gerichtshofes und durch fünf Geschworene. Bereits im Jahre 1914 mar ein Verfahren wegen Meineides gegen sieben Zeugen anhängig, das ganz automatisch zur Wieders aufnahme des Prozesses geführt hätte, wenn es zur Verurteilung gekommen wäre. Der Meineidsprozeß wurde aber durch Amnestie niedergeschlagen! Von dem Prozeß von Biterbo muß man sagen, daß er von Anfang an zu sehr schweren Bedenken Anlaß gegeben hatte. Die Geschworenen sollten über Menschen und Verhältnisse zu Gericht sizen, von denen man außerhalb Neapels gar feine Ahnung hatte. Sonst wären sie wohl dem Polizeispiel der übrigens noch im Jahre 1926 in dieser seiner Eigenschaft einen Sozialdemokraten in Turin verhaften ließ nicht auf den Leim gegangen. Mord oder Totschlag? Konflikt im Gutmann- Prozeß.- Der Bruder als Zeuge. Bor Beginn der heutigen Verhandlung wurde der Angeflagie| zeichnet werde, ein Wunsch, dem der Borjizende entsprach. Dann Gutmann auf Anordnung des Gerichts durch Sanitätsrat Magmus Hirschfeld einer gründlichen Untersuchung unterzogen. Der heutige zweite Verhandlungstag follte die Vernehmung einer Reihe wichtiger Zeugen bringen. Man einigte sich auf die Bernehmung liche Rezept bestellt hatte. Borf.: Herr Zeuge, hat sich der Andes Apothekers Taggefell, bei dem Gutman seinerzeit das frag geflagte mit Ihnen einmal darüber unterhalten, mit welchen Giften Dr. Gutmann fragte mich mehrmals man Lebewesen am schnellsten um die Ecke bringt? 3euge: gewundert mit welchem Gift man sich selbst am schnellsten und Dr. Gutmann fragte mich mehrmals ich habe mich darüber schmerzlosesten töten fönnte. Wir haben daraufhin gemeinsam das Arzneibuch durchgeblättert und die Marimaldosen der einzelnen Gifte festgestellt. Bors: Hat Dr. Gutmann Sie gewarnt, feiner Frau Morphium zu verabreichen? 3euge: Jamohl, das hat er mir sogar ausdrücklich verboten. Tatsächlich hat sich Frau Dr. Gutmann an mich auch nie gewandt und ich habe niemals Rezepte bekommen, die auf ihren Namen lauteten. Dagegen mußte ich wöchentlich zweimal im Durchschnitt Rezepte ausstellen, auf denen eine Mischung von Morphium und Stopolamin angegeben war. Diese Rezepte lauteten auf den Namen„ Guz" oder so ähnlich. deuten solle, denn der Name des Unterzeichners der Rezepte war Ich habe mich gewundert, was diese Geheimnisträmerei be Dr. Löwenthal, der, wie ich wußte, bei Gutmann Hausarzt war. Borf.: Gut lautete wohl der Namen des Dienstmädchens bei But mann? Zeuge: Einmal, und zwar am Abend vor dem Tode der ersten Frau rief mich Dr. Gutmann an und fragte, ob ich ihm die Morphiumlösung anfertigen würde, wenn er selbst das Rezept aus stellte. Ich erklärte mich dazu bereit und sagte, daß ich ihm in zwei Stunden die Lösung ins Haus schicken werde. Zu meinem Erstaunen entgegnete mir Dr. Gutmann jedoá, daß er selbst kommen werde und fragte mich, in welche Zeit es in der Apotheke am ruhigsten sei. Ich sagte ihm, daß er gegen 7 Uhr kommen solle und ärgerte mich, daß Dr. Gutmann erst um 9 Uhr abends, ich wollte nämlich fortgehn, fam, und zwar durch die Hintertür Am nächsten Tage war Frau Dr. Gutmann fof. ( Große Bewegung.) Borf.: Sie haben Dr. Gutmann am Todestag gesehen, wie benahm er sich Ihnen gegenüber? Zeuge: Um 12 Uhr mittags tam Dr. Gutmann zu mir in die Apotheke. Er sah sehr ernst aus und stierte mich wortlos an. Mir zitterten alle Glieder, denn ich fühlte eine gewisse Mitschuld. Ich hatte( mit leiser Stimme) das Gefühl, daß ich an dem Tode der Frau Gutmann mitschuldig war. Ich hatte den Eindruck, daß Frau Gutmann nicht eines natürlichen Todes gestorben sei. Oberstaatsanwalt: Haben Sie mun über den Todesfall mit dem Sanitätsrat Dr. Löwenthal, den Hausarzt des Angeklagten, gesprochen? Zeuge: Ja, denn, wie gesagt, ich fühlte mich mitschuldig. Ich erzählte Dr. Löwenthal alles, und er sagte mir: Mischen Sie sich um Gottesmillen nicht in diese Geschichte hinein, denn die wird fürchterlich. Auch ich habe mir bereits Gedanken gemacht, daß man mich als Hausarzt zu dem Tode der Frau nicht zugezogen hat. Unter allgemeiner Spannung wurde dann der Bruder des Angeklagten, der Zahnarzt Dr. Kurt Gutmann aus Berlin aufgerufen. Er bejahte die Frage des Vorsitzenden, ob er aussagen molle, bat aber, zu veranlassen, daß er meder photographiert noch geerklärte er:„ Mein Bruder ist ein schwacher Mensch, energie los, mit einem pathologischen Hang zur Unwahrheit, daneben außerordentlich gutmütig, so daß er vieles nur aus Guimütigfeit begangen hat. Ich halte ihn für absolut pathologisch. Er hat ist völlig anormal, er schmeißt es direkt zum Fenster hinaus, verfein Verständnis für Geld oder Geldeswert. Sein Geldausgeben schleudert es sinnlos, er fann allen anderen das lehte hingeheben und behält für sich nichts. Dabei ist er weich von Charakter, es ist nicht richtig, daß er ein hartgefottener Verbrecher ist, im Gegenteil, er ist Menschen noch einem Tier abfichtlich etwas tun, dabei ist er findlich in jeder Beziehung ein ,, Schlappier". Er fann weder einem hemmungslos, was er sieht, das muß er haben. Bors: Wie war fein Verhältnis zum Bater? 3euge( in fichtlicher Bewegung): Herr Landgerichsdirektor, ich habe nur einen Kopf zu vergeben, aber ich möchte meinen Kopf dafür hergeben, daß mein Bruder einen geistigen Defekt hat. Er war nie normal. Wir in der Familie haben immer von dem Berrückten" gesprochen. Nie hat er bei sich die Schuld gesucht, immer nur bei anderen. Mein Vater war der edelste und gütigste Mann von der Welt. Was meine Eltern in Liebe, Güte und Sorgfalt an meinem Bruder getan haben, wird niemals überboten werden. Es ist ein Unsinn, wenn er behauptet, er fei psychologisch fald erzogen. Meine Eltern haben an ihm nichts undersucht gelassen. Sein Verhältnis zu seiner ersten Frau war meines Erachtens gut, doch litt die Ehe durch den Morphinismus der Frau. Borf.: Sie haben feinen Anhalt dafür, daß Ihr Bruder mit dem Tode der ersten Frau in Verbindung zu bringen ist? 3euge( entschieden): Das halte ich für völlig ausgeschlossen. Er konnte im Gegenteil nur an ihrem Leben ein Interesse haben, denn seine Schwäger waren sehr wohlhabend und er immer in Geldsorgen. Die zweite Frau fannte ich faum. Ich habe sie erst später fennengelernt. Vors.: Wie war die Frau? Zeuge( zögernd): Herr Vorsitzender, wollen Sie auf die Beantwortung dieser Frage nicht lieber verzichten? Sie haben sich mal gezanft und mal gefüßt, es war teine Idealehe, sondern eine wie Taufende von ihnen. Mein bei ihm eine Rolle gespielt hat, nehme ich als sicher an, er sagte Bruder neigte sehr zu Heftigkeiten. Daß das petuniäre Moment allerdings, er habe nicht das bekommen, was man ihm versprochen gewiesen, weil sie, als mein Vater faum unter der Erde war, als habe. Ich habe im übrigen die zweite Frau aus meinem Hause wir gerade von der Beerdigung zurückkamen, immer wieder von mir verlangte, ich solle ihr sofort die 250 Dollar zurückgeben, die fie meinem Vater mal gegeben habe. Dabei war mein Vater der forretteste Mann. Rechtsanwalt Dr. Frey: Vielleicht sagen Sie ups doch etwas näheres über die Frau. Sie haben in der Voruntersuchung erklärt, sie wäre didtöpfig und ruhig gewesen. 3 e uge: Dann muß ich doch, entgegen meiner ersten 2bsicht etwas mehr fagen: Sie war ein Safan! ( Bewegung im Saal) Oberstaatsanwalt( wiederholend): Ein Satan? 3euge: Jawohl, ein Satan Ihre Ruhe hatte etwas Provozierendes, etwas Aasiges, ich kann es nicht anders nennen, so peinlich es mir ist. Ich, der ich sehr beherrscht bin, habe ihr mal gesagt: Wenn du meine Frau wärst, dann hätte ich dich längst zum Fenster rausgeschmissen. Die Plate fonnte man friegen. Was man ihr auch sagte, sie hörte sich alles ruhig an und tat das Gegenteil nach ihrem Kopf. Ein Refordausbrecher. Gandowski, der ehemalige Ging- Ging- Gefangene, aus Tegel geflüchtet. Zum dritten Male ist aus einer Strafanstalt gestern der 36 Jahre alte Herbert Sandowski entwichen, der schon oft von sich reden gemacht hat. Sein jetziger Ausbruch aus Tegel ist der zweite aus dieser Anstalt. Bei einer früheren Bernehmung erklärte er, daß jemand, dem die Flucht aus einem amerikanischen Zuchthaus gelungen sei, jederzeit aus einem deutschen entweichen könne. Er spielte damit auf sich selbst an, denn ihm ist die Flucht aus Sing Sing bereits einmal geglüd f. Daß Sandowski in der Wahl seiner Mittel, um die Freiheit zu erlangen, bis zum äußersten rücksichtslos ist, hat er schon einmal gezeigt. Im Polizeigefängnis in Berlin wollte er den Ausseher mit einem in ein Taschentuch gefnüpften Stein niederschlagen und in dessen Kleidern verschwinden. Die letzte Strafe in Tegel war ihn wegen Meuterei zudiftiert worden. Sandowski ist der typische amerikanische Juwelenräuber. Seine Beutestüde, die nach seiner ersten Festnahme im August 1926 auf der Polizeiaus stellung zu sehen waren, stellten ungeheure Werle dar. Er hatte sie amerifanischen Reichen in den Lurusbädern in Florida durch Billeneinbrüche entwendet. Er versuchte, sie als redlich erworbenen Besitz durchzuschmuggeln, als man ihn damals unter dem Verdacht der Typhuserkrankung in das Virchow- Krankenhaus einlieferte. Freigelassen, verübte er Einbrüche in Grunewaldvillen, wurde abgefaßt und unter Berücksichtigung seiner belasteten Ver. gangenheit zu 3 Jahren 4 Monaten Zuchthaus verurteilt. Im Februar 1927 entwich er aus Rottbus. Wiederum fest= genommen und nach Tegel gebracht, flüchtete er von dort am 3. Februar d. I., als er seine Strafe fast verbüßt hatte. Trotzdem cr in Gefängniskleidung entwichen war, hatte er es in der Zwischeneit bereits verstanden, sich mit eleganter Garderobe zu versehen. Das Motiv zu seinen ständigen Ausbrüchen ist die Angst vorder Auslieferung nach Amerika, Er besitzt nicht die deutsche Staatsangehörigkeit und müßte daher auf ein Auslieferungsbegehren an Amerita übergeben werden. Fast noch abenteuerlicher ist seine jezige Flucht gewesen. Sandowski befand sich jeit einigen Tagen im Lazarett und teilte die Zelle mit einem anderen Kranken. Da er nur noch wenige Wochen zu verbüßen hatte, so hatte man ihm Besuchserlaubnis erteilt. Einer der Bejucher, wer, weiß man noch nicht, muß Sandowski unbemerkt eine Stahlfäge zugesteckt haben. Als gestern die ersten Ronden durch die Zellen gingen, war noch alles in Ordnung. Um 12 Uhr nachts, beim nächsten Rundgang, war die Zelle Sandowski in großer Unordnung. Der andere Insasse lag gefesselt und gerne belt in seinem Bett. Sandowski war verschwunden. Er hatte die Fenstertraillen durchfägt und fich aus Bettüchern und anderem einen Strid zusammengedreht und war wieder über die Mauern entschlüpft. Für ihn als Seemann ist das fein Kunststud. Mitteilungen über sein Auftauchen erbittet Kriminalfommissar Thomas bei der Dienststelle B. 3 im Polizeipräsidium. Ewigkeitswert der Dichtung fort oder Historisches Theater. Gültigkeit haben. Und da zudem noch ihr Können die dichterijchen Qualitäten der heutigen überragt, ist auch ihr Anrecht auf die zeitgenössische Bühne größer. Diese Beweisführung, mit Siegermiene norgetragen, hat schon manchen Laien verblüfft und überzeugt und wird es auch in Zukunft tun. Sie ist darum so entwaffnend, weil sie wie jeder Sophismus von durchaus richtigen Momenten ausgeht, diese jedoch zu falscher Schlußführung umbiegt. Die litern. rische und die theatralische Perspettive haben in dieser Fragestellung gar nichts miteinander zu iun, sind deshalb auch voneinander, scharf zu unterscheiden. Jene Menschen, die heute ihre Klassiter lesen, und diejenigen, die sie sich im Theater ansehen, haben eine vollkommen anders geartete seelische Struttur. Und wenn sie beides in Personalunion tun, jo stellen sie sich beim Lesen und beim Schauen bewußt um. Eine böse Zeit für das Theater ist vorüber. Die Stadtväter| mert, weil ihre Werke für ihre wie für unsere Zeit dieselbe haben allerorten getagt, um über die Durchführung ihrer Theaterpläne für die nächste Spielzeit abzustimmen. Dabei ist sehr viel zur Sprache gekommen und noch verwirrend mehr über das Thema geschrieben worden. Und man hat gesehen, wie wenig die Theaterausschüsse den Kern des llebels erfaßt haben. Präzise formuliert gibt es natürlich keine sogenannte Theaterkrise, der theatralische Apparat als solcher ist an den meisten Bühnen( gemeint sind natürlich die Institute im Reich, für Berlin selbst gelten andere Richtlinien) noch niemals so gut ausgebaut, so trefflich spezialisiert, in seiner Struttur jo fest zusammengefügt gemejen. Das fünstlerische Niveau der Aufführungen ift in seiner Gesamtheit darum auch meniger Angriffen ausgesetzt gewesen. Nicht so ohne weiteres ist jedoch dem eigentlichen Problem, der Spielplanfrage, beizukommen. Denn die Krisis des Theaters ist ja größtenteils( von der wirtschaftlichen hier einmal abgesehen) eine Krisis der Literatur, des Dramas. Man hat sich die Spielplangestaltung in den letzten Jahren nicht Das Hauptgewicht lag betont auf der hohen schwer gemacht. Das Hauptgewicht lag betont auf der hohen Kunst". Das gab dann die Klassikeraufführungen. Die geschäftliche Pleite, die die hohe Kunst leider im Gefolge zu haben pflegte, versuchte man dann durch moderne Reißer wieder auszugleichen. Der Spielplan bekam dadurch nicht gerade ein ausgeprägtes Gesicht, aber immerhin, er hatte ein Gesicht. Ich will mun nichts über den Reißer sagen, der ist manchmal interessanter als der„ Hamlet" zum hundertsten Male. Aber die Mehrzahl der aufgeführten Albernheiten find feine Reißer. Der„ Herer" von Wallace war einer, die nachstellungen, die ihn angehen, folgt. Man mißverkennt jedoch den geborenen Kriminalistenstüde einzelner G'schaftlhuber waren feine. So verschob sich der latente Schwerpunkt auf den Reißer, der Theaterbetrieb stolzierte weiter. Und jetzt ist sein Latein zu Ende, weil auch der Reißer nicht mehr zieht, weil das Bublifum berechtigtes Mißtrauen gegen ihn hat. Lauter denn je erheben jetzt die Feinde des Reißers thre Zungen und rufen: Zurüd zum Bewährten!" Eine kleine Anmerkung hierzu, die unseren Fall typisch beleuchtet: Eine gewisse Partei stellte an die Leitung des Berliner Staatstheaters die Forderung, nur jene Werke in den Spielplan aufzunehmen, die bereits das Sieb der Zeit und der Kritik passiert hätten. Das ist eine jener Aeußerungen, die mit ihrer brutalen Auseinanderreißung von Kunst und ziehen möchten. Dann übergebe man konsequenterweise die Leitung Leben diese in den Abgrund volkstümlicher Bedeutungslosigkeit der Staatstheater einem Museumsdirektor, der sie vielleicht neben beruflich übernimmt, Diese Leute( und ihrer sind mehr als man glauben sollte), die die Moderne als Eintagsfliege geringfchäßig betrachten und zum Erprobten, zur jahrhundertealten Tradition zurückweisen, führen immer eine durchschlagende Waffe bei sich, wenn sie den beinahe schon legendären Begriff vom Ewigkeitswert der Dichtung" gebrauchen. Dramas, bei Shakespeare, und endet über Kleist, Goethe, Schiller usw. beim letzten Dramatiker hohen pathetischen Stils, bei Hebbel. Die übliche Argumentation ist: diese Dichterfürsten haben Emigteits. Freispruch für Brudermörder? Gewöhnlich beginnt die Liste der Großen beim Vater des modernen Gensationelle Wendung in der Mordaffäre Manasse Friedländer Die Mordaffäre Manaffe Friedländer hat eine jenjationelle Wendung genommen. Am gestrigen Tage hat Rechtsanwalt Dr. Artur Brandt die beim Reichsgericht schwebende Revision des Urteils, durch das der 19jährige Brudermörder Manasse Friedländer wegen doppelten Tate schlages zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden war, surüdgenommen. Das Urteil ist damit rechtsträftig geworden. Gleichzeitig hat aber Dr. Artur Brandt beim Schwurgericht III die Wiederaufnahme des Verfahrens mit dem Ziel der Freisprechung des Angeklagten wegen Geisteskrankheit gemäß§ 51 beantragt. Wie erinnerlich, hatte Manasse Friedländer Anfang Januar vorigen Jahres in der Wohnung seiner Eitern jeinen zwei Jahre jüngeren Bruder Waldemar und dessen bei ihm zu Besuch weilenden Freund Tibor Foeldes, den einzigen Sohn cines ungarischen Rechtsanwalts, durch mehrere Revolverschüsse getötet. Für die Tat fonnten in der Schwurgerichtsverhandlung teinerleiflare Motive gefunden werden. Auf Veranlassung des II. Straffenats des Reichsgerichts war gemäß einem Antrag des Berteidigers der verurteilte Manasse Friedländer nochmals auf feinen Geisteszustand untersucht worden. Das Ergebnis ging dahin, daß begründete Annahme dafür vorliege, daß Manasse Fried länder in Geistestrantheit verfallen sei. Das Reichsgericht hat daraufhin das Berfahren vorläufig ausgefeßt und den Haft befehl gegen Manasse Friedländer unter Freigabe der gestellten Kaution von 10 000 Mart aufgehoben. Nunmehr liegen die neuen schriftlichen Gutachten von Oberarzt Dr. Salinger und Dr. Kallmann, die Manasse Friedländer in der Heil- und Pflegeanstalt Herzberge untersucht haben, vor, und sie lauten dahin, daß sich der Berurteilte schon zur Zeit feiner Taf im Zustand einer frankhaften Störung seiner Geiftestätigteit befunden habe, durch welche seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen war. In der Begründung seines Antrages auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen Manaffe Friedländer behauptet Rechtsanwalt Dr. Artur Brandt, daß sich die neuen Gutachten als ein neues Beweismittel für die Wiederaufnahme im Sinne von§ 359 3iffer 3 darstellen und geeignet sind, die Freisprechung Manasse Friedländers zu begründen. Zwei tödliche Fensterstürze. Aufflang zur Tänzerwoche. Sonderbericht für den Vorwärts". Gewiß anerkennt der Shakespeare- Leser den Ewigkeitswert dieses Briten wegen seiner fünstlerisch- dramatisch in diesem Maße nie wieder erreichten Menschengestaltung. Aber er bleibt sich dabei bewußt, daß er ihn historisch aufnimmt. Shakespeares typische Renaissancemenschen, die auf der Grenze zweier großer religiöser Weltanschauungen leben, haben aus diesem Grunde nicht nur ein anderes Verhältnis zum Universum, sie sprechen auch eine andere Sprache als wir. So genußreich diese Sprache beim Lesen werden fann, so sehr verliert sie, wenn sie tönend wird, wenn sie auf die Bühne kommt. Man kann vom Zuschauer erwarten, daß er ProblemSinn des Theaters, wenn man ihm Dinge vursetzt, zu denen er sich erst unter Ausschaltung seines Gegenwartsdenkens hindurcharbeiten muß, wenn man sein Bildungserlebnis, statt an fein Urerlebnis appelliert. Wiederum verwechseln die Leute, die diese Forderungen stellen, Ursache mit Wirkung, wenn sie den Regisseuren Vergewaltigung klassischer Werke vorwerfen. Auerdings find die Kompromißlösungen, die so zustande gekommen sind, von großem Uebel gewesen, aber der Theaterinstinkt der Spielleiter war schon richtig, wenn sie trampfhaft versuchten, dem gegenwartsnahen Verständnis ihres Publifums entgegenzukommen. " Wenn Schillers Piccolomini" vor hundert Jahren die Jugend begeisterte, so daher, weil er Ideal und Vorbild dieser Jugend war. so aus: Kampf ums Dasein, Menschenüberfluß, heutige Problemstellungen aber( und das gilt für die Dichter) sehen Mensch Entwertung, tapitalistischer und kommu nistischer Konflikt. Wer stellt die Tragikomödie des reichsten Mannes der Welt dar, der alles hat. nur feine Zeit? FF Es ist schwierig, sogar sehr schwierig, nach solchen Forderungen einen Spielplan aufzustellen. Es gibt jedoch einige Theater im Reich, die ihnen nahekommery allerdings sind sie an den Fingern einer Hand aufzuzählen. Aber in normalen Zeiten ein Theater zu leiten, dürfte fein sonderliches Kunststück sein, das haben vor der Kommunalisierung im Jahre 1919 manche Geschäftsleute perstanden. Zur wirklichen Eignungsprobe als Intendant gibt erst unsere Zeit Gelegenheit. Dr: Herbert Leisegang. Wuppertal. Frahennot- Frauenglück." Atrium. Die Auseinandersetzung mit dem Abtreibungsparagraphen, der im modernsten Drama aufgenommen wurde, wird in diesem Film Mädchen und die kindergesegneten Ehefrauen den Kurpfujd, fortgeführt. Die Tendenz steht hier nicht so sehr im Vordergrunde, es mird mehr das ganze System angeklagt, das die armen verlassenen nen in die Hände treibt und so viel Not und Tod über die Frauenwelt bringt. Im Rahmen einer fleinen Spielhandlung wird das Problem ernstlich zur Debatte gestellt; in ergreifender Weise wird das Schicksal einiger werdender Mütter vor Augen geführt und die Warnungstafel aufgerichtet vor den gefährlichen Folgen der unsachgemäßen Abtreibung. Eine Frau, die bereits dem Tode verfallen zu sein scheint, wird durch Einlieferung in die Klinik und Blutübertragung gerettet. Freilich kann die Klinik mur den Frauen direkt helfen, bet denen die Abtreibung im Intereffe ihres eigenen Lebens und ihrer Gesundheit erforderlich wird. Die riverfitäts rouenflinif in 3ürich dient als Beispiel dafür, in wie hervorragend hygienischer Weise moderne ärztliche Runft ihres Amtes zu waiten meiß. 3. S. München, 19. Jumi. München steht im Zeichen des Tänzertongresses. 2000 troffen. Jeder Zug, der aus Norden, Westen, Oſten oder Süden Teilnehmer werden erwartet, find zum guten Teil bereits eingeeinläuft, bringt neue Scharen. Auf dem Zentralbahnhof ist ein Büro eingerichtet, das den„ Obdachlosen" Wohnungen anweiſt. Die Mehrzahl haust in Maffenquartieren und Jugendherbergen und ist quietschfidel. Man erwartet gespannt die Fülle deffen, was man in den nächsten Tagen sehen und hören soll. Ein schier unerschöpfliches Programm. Die beiden wichtigen Probleme, das des Bühnentanzes und des Laientanzes, follen erörtert, die [ oziale Lage der Tänzer einer gründlichen Untersuchung und Kritik unterzogen werden. Die Bormittage find zum größten Teil diesen Referaten und Diskussionen gewidmet. Die Nachmittage bringen fänzerische Vorführungen, die Abende Festspiele. Den tünstlerischen Gipfelpunkt sollte die Aufführung von Albert Talhoffs dramatisch- chorischer Bision Totenmal" bilden, beren Einstudierung Mary Wigman übernommen hat. Leider ist man mit den Vorbereitungen nicht rechtzeitig fertig geworden. Zwar ist die Arbeit der Wigman vollendet, aber mit den technischen Eintrachten versucht und auf die Bedeutung hingewiesen, die hierbeirichtungen flappt es noch immer nicht. Um den Kongreßteilnehmern wenigstens einen Begriff von dem Werte zu geben, will man sie am vorletzten Tage zu einer Probe einladen. Zu heute abend hat die Stadt München den Kongreß zu einem Empfang ins Alte Rathaus entboten. Morgen früh beginnen die Vorträge über Tanz und Bühne". Ein Rundfunk- Zentrum in New York. Die Errichtung einer gewaltigen Sendestation in New York wird jetzt von dem jüngeren Rockefeller zusammen mit den maßgebenden Bersönlichkeiten der Radipindustrie geplant. Ein mächtiger Wolfen. traßer wird vom Herzen New Yorts aus Programme im Rundfunk und auch mit dem Fernseher verbreiten, die alle Arten der Oper, des Dramas, des Konzerts und des Films umfassen. Rockefeller hatte vor einiger Zeit durch das größte Grundstücksgeschäft, das bisher in den Vereinigten Staaten abgeschloffen wurde, ein Gelände zwischen der 48. und 45. Straße und der 5. und 6. Avenue für eine Viertel. milliarde Dollar erworben und wollte in diesem Mittelpunkt des Einleitend hatte Dr. Peter Schmidt die ganze Sachlage der neuen Serualethit, die sich infolge des katastrophalen Zusammen bruchs des alten Autoritätssystems überhaftet entwickelt, zu be der vorbeugenden Regelung der Bevölkerungszunahme zukommt. In seinem zweiten Teil behandelt dann der Film, der aus der Schweiz stammt und dort lebhafte Debatten entfesselt hat, die Freuden und Leiden der Mutterschaft in mundervoll sachlichen und eben darum schönen Bildern. Regisseur( E. Tisse) und Photograph wetteifern in ihrer Hingabe, und wiederum stellt die Züricher Frauenflinit ihre musterhaften Einrichtungen zur Verfügung. Wir wohnen einer Kaiserschnitt, und eine normalen Geburt bei. Vor unseren Augen vollzieht sich das Wunder, wie ein neues Menschlein aus seiner Mutter Schoß zum Licht emporsteigt. Wieder feiert die hoch entwickelte Technit und die ungemeine Sorgfalt der ärztlichen Runft ihre Triumphe. Nur schade, daß so viele Frauen ihrer nicht teilhaft werden! Der Film ,, Frauennot Frauenglück" ist in hohem Maße geeignet, aufklärend und erzieherisch zu wirken. Er behandelt ernste Fragen in würdiger Form. Kampf gegen Rundfunkstörungen. Eine lehrreiche Schallplatte. T. Mit der zunehmenden Verbreitung und Bedeutung des RundHeute vormittag stürzte sich der 56jährige Klempner Robert Schönling aus dem im zweiten Stock seiner im Hause Liebenwalder Straße 56 gelegenen Wohnung auf den Hof hinab. Sch. wurde mit einem Schädelbruch ins Birchowkrantenhaus gebracht, wo er furz nach seiner Einlieferung gestorben ist. Begen 10 Uhr vormittags sprang die 38jährige Frau Lucy Pflug New- Yorker Lebens ein großes Opernhaus und andere Kunstgebäude aus dem Rüchenfenster ihrer Wohnung in der Stephanstraße 3 aufführen. Er ist nun von diesem Plan abgekommen und will ſtatt in Steglitz auf den asphaltierten Hof hinab. Die Lebensmüde dessen ter Theater und ein Rino bauen, deren Darbietungen funks hat neuerdings ein heftiger( wenn auch bisher wenig erstarb auf dem Transport zum Lankwizer Krankenhaus. In beiden durch den Rundfunk verbreitet werden. Man schäßt die Kosten dieser folgreicher) Kampf gegen die heute so überaus zahlreichen Emp Bauten und die Anlagen der Sendestation auf eine weitere Viertel- fangsstörungen eingesetzt. Erschwert wird dieser Kampf bemilliarde Dollar, so daß im ganzen dieses neue Zentrum des Vergnügens 500 Millionen Dollar verschlingen wird. Auf diese Weise Unterschlagungen eines Stadtfekretärs. Brogramme erhalten. Das Kino wird das größte feiner Art fein sollen die 12 Millionen Befizer von Empfangsapparaten in Amerita und 7500 Size haben. Fällen ist das Motiv zur Tat noch ungeklärt. Das Geld verjubelt. Schwerin, 20. Juni Beim Rat der Stadt Kröpelin in Mecklenburg- Schwerin find Unterschlagungen in größerem Maße festgestellt worden. Der der Berunireuungen verbächtigte Stadtsekretär Meyn wurde verhaftet und dem Gerichtsgefängnis in Rostoc zugeführt. Die Unterschlagungen belaufen sich auf über 12 000 RM. Der Stadtsekretär hat die veruntreuten Gelder in lockerer Gesellschaft durch gebracht. Er ist verheiratet und Bater von zwei Kindern. Die Boltsbühne hat mit der Aufnahme neuer Mitglieder für die Spiel. seit 1930/31 begonnen. Die Mitglieder erhalten Borstellungen im Theater am Bülowplaz, der Oper am Blag der Republil, dem Theater am Schiff bauerdamm und dem Schiller- Theater. Die einmalige Einschreibegebühr beträgt 1,50 Mart, der Beitrag für jede Borstellung( bei Auslofung der Blaze 1,70 Mart( in der Oper 2,50 Mart). Nachmittagsabteilungen bieten telungen bereitstelle per Boltsbüber alle jomie die Hauptgeschäftsstelle der Boltsbühne, Berlin O 25, Linienstr. 227, Fernsprecher D 1 2944/2945. sonders durch die Vielseitigkeit ihrer Ursachen. Neben den atmofind, namentlich in der Großstadt, am häufigsten die„ Lotalsphärischen Störungen, gegenüber benen man ziemlich machtlos iſt, Störungen", so genannt, meil ihre Reichweite verhältnismäßig flein ist. Sie entstehen jedesmal, menn irgendwo in der Nähe ein elettrischer Funke überspringt, also dauernd und überall. Ihre Befeitigung ist nicht am Empfänger selbst, sondern nur am Ursprungsort möglich, was nicht immer leicht ist. Aus diesem Grund hat die Ultraphon Gesellschaft zusammen mit Telefunten eine Schallplatte herausgebracht, auf der die verschiedenen Störgeräusche aufgenomen sind, systematisch geordnet nach ihren Entstehungsursachen: elektrische Motoren, Klingeln und Hausgeräte, ferner Badelkontakte, Rückkopplung, um mir ein paar zu nennen. 4 Der erste U- Bahnhof in Pankow In Verlängerung der Schnellbahnstrecke bis zum Bahnhof Nordring wird am 29. Juni der Untergrundbahnhof Vinelaftraße" in Betrieb genommen. Unser Bild zeigt die fechs Zugänge kurz vor der Vollendung. Staatsbäder als Volksbäder. Auch den Aermsten sollen sie zur Verfügung stehen. Kraft und Gesundung wiedergebracht haben, ein Dorado für erholungsbedürftige Geistesarbeiter, Künstler und Politiker. Auch dieses Bad wird von Frauen, weiterhin aber auch von Kriegsbeschädigten aufgesucht. Ein besonderer Anziehungspunkt Schlangenbads ist sein neues, von warmen Quellen gespeistes Frei Jenseits des Rheinstromes aber liegt im anmutigen Seitentale der weinberühmten Mosel Bertrich, dessen warme. Quellen mit ihrem Glauberjalz- und doppeltkohlenfaurem Matrongehalt den Karlsbader entsprechen. Dieses stille, von herrlicher Eifellandschaft umhegte Bad will vor allem den Den wenigsten dürfte bekannt sein, daß der preußische mit erfolgreichen Trinkturen sehr vielen Nervenleidenden Staat Bäder sein eigen nennt, die zu den schönsten in Deutschland überhaupt zählen. Die Mehrzahl dieser Bäder liegt im Westen unseres Baterlandes, z. B. Ems im Lahntal, Bertrich zwischen Mosel und Eifel, Schlangenbad und Schwalbach im Taumus, Wildungen im Waldecker Land. Zu ihnen treten in der Provinz Hannover Nenndorf und Rehburg und schließluft Schwimmbad mit anschließendem Licht- Luftbad. lich das Nordseebad Norderney. Einige der genannten Bäder sind über Deutschlands Grenzen hinaus berühmt; alle ohne Ausnahme nehmen wegen der hervorragenden Eigenschaften ihrer heilkräftigen Quellen und ihrer Heilerfolge eine besondere Stellung im Kranze der deutschen Bäder und Kurorte ein. Es entspricht den sozialen Auffassungen unserer Zeit, die sich auch in der Bäderpolitik des preußischen Staates widerspiegeln, daß gerade in diesen Bädern die natürlichen Heilschäze allen leidenden Menschen ohne Unterschied ihrer fozialen Stellung zugute fommen sollen und daß infolgedessen auch für diejemgen gesorgt werden muß, die aus eigener wirtschaftlicher Kraft nicht in der Lage find, Bäder aufzusuchen. Großes haben hierin die Berganz großen Fortschritt; find sie doch jetzt endlich wieder frei geficherungsträger der deutschen Sozialversiche. rungen geleistet. Ueber Bad Ems braucht nicht viel gefagt zu werden. Durch die ganze Welt ist der Ruhm dieses Bades, das oft die großen Männer in Politik und Wissenschaft in seinen Mauern fah, gedrungen. Hatten die Römer vor zwei Jahrtausenden seine heilkräftigen Quellen schon genutzt, brachte das Mittelalter bereits gelehrte medizinische Abhandlungen über die Bedeutung der Emser Bäder, so ist vollends in der neuesten Zeit Ems geradezu zum Prototyp des Bades mit starken Heilerfolgen geworden. Emser Kränchen und Emser Pa stillen sind überall bekannt. In den starten altalischen Thermen dieses einzig schön gelegenen, von den Bergen des Taunus und Westerwaldes gegürteten Bades fanden in ungezählten Fällen Gicht, Rheuma, Frauenleiden, Ka tarrhe aller Art ihre Heilung. = 3wei weitere staatliche Heilbäder weist der von der Natur reich gefegnete Taunus auf, Schwalbach und Schlangenbad. Beide haben sich in den letzten Jahren bedeutsam vorwärts entwidelt, maren jedoch seit Jahrhunderten schon bekannt und gerühmt. Die Schwalbacher Quellen liefern das hervorragende mineralische Sta h l wasser, dessen reicher Eisengehalt Blutarmut und Bleich sucht behebt.. Dazu ist Schwalbach das Bad der Frauen, deren spezifische Leiden hier tausendfältige Heilung fanden. Neben den Trinkkuren helfen seine Badekuren nicht zuletzt auch bei Gicht und Rheumatismus. Den Menschen aber, denen das nervenraubende Tempo unserer Zeit Schwäche und Müdigkeit brachte, will das wunderschöne benachbarte Schlangenbad die Gesundheit wieder verschaffen. Inmitten unendlicher Laub- und Nadelwälder liegt hier eines der schönsten deutschen Bäder verborgen, dessen natürliche warme Quellen und Sprudelbadeanlagen in Berbindung Theater, Lichtspiele usw. Freitag, 20. 6. Staats- Oper Unter d. Linden Teil- Ab. B. Fr. No. 11 Jahres- Ab.- V. No. 160 18 Uhr Freitag, 20. 6. Städt. Oper Bismarckstr. Turnus III 1912 Uhr Siegfried Carmen Ende 23 Uhr Ende n.222 Uhr Staats- Oper Staatl. Schausph. Am Platz der Republik Vorst. 107 20 Uhr Der fliegende Holländer Enden 222 Uhr am Gendarmenmarkt St. R. V. Fr. No. 8 Jahres-Ab.-V.No. 146 20 Uhr Gustav Adolf Ende n. 222 Uhr Staatl. Schiller- Theater, Charlibg. 20 Uhr Scherz, Satire, Ironte and tiefere Bedeutung Ende nach 222 Uhr Friedrichstr.104. Direktion: Dr. Martin Zickel Komische Oper Merkur 1401/4330. Täglich 812 Uhr Liebe und Trompetenblasen Schulz Westermeier Finkler Jahrbeck Haid Behrisch Volksbühne Theater am Bülowplatz. 8 Uhr Julius Caesar Regie: Karl Heinz Martin Staatl. Schiller- Th. 8 Uhr Scherz, Satire, Ironie u. tiefere Bedeutung Staatsoper Am Pl. d. Republik 8 Uhr Der filegende Holländer Dir. Dr. Martin Zickel. Magen- und Darmkranken helfen, dazu Erkrankungen von Leber und Galle und der Fettleibigkeit entgegenwirken. Sein staatliches Kurhaus mit schönen Anlagen und neuen Wandelhallen fügt sich sehr gut in das gesamte Landschaftsbild ein. Für die bisher genannten Bäder bedeutet das Jahr 1930 einen worden von zwölfjähriger Besetzung und damit ihrer eigentlichen Aufgabe wieder zurückgegeben, fernab von allem Streit und Lärm des Tages müden und kranken Menschen neue Kraft und Genefung zu schenken für das Leben. = = ,, Das herrliche Geschent der Heilquellen von Wil. dungen", das einst der berühmte Arzt Hufeland mit diesen Worten so begeistert feierte, will heute wie ehedem seinen Ruf als erstes Bad für Nieren- und Blasenleiden festigen. Die Helenen und Georg- Vittor Quellen haben mit ihren Trint- und Babefuren schon Taufenden Genesung von schmerzhaften Leiden gebracht. Die hervorragenden Heilwirkungen seiner Quellen werden unterstützt durch die Schönheit dieses in die sanften Hügel und Wälder des freundlichen Waldecker Landes eingebetteten Bades. Der preußische Staat, in dessen Eigentum mit dem Uebergange Waldecks felt etwa einem Jahr auch diefes Bad sich befindet, hat für seinen Ausbau viel getan. Bad Nenndorf und Bad Rehburg Regen beide in anmutigſter Umgebung unweit der Provinzialhauptstadt Hannover. Schlamm, Schwefel und Sole wollen in Nenndorf Heilung den rheumatischen Leiden und Hautkrantheiten bringen, während die Heilmittel Rehburgs in erster Linie den Lungenleidenden helfen wollen. Die von Jahr zu Jahr steigende Frequenz beider Bäder ist ein Beweis für ihre hervorragende Heilwirkung. Müden Kranten wird hier in anmutiger Landschaft Gesundheit und neue Kraft zuteil. Und schließlich das einzige, größte und berühmteste deutsche Nordseebad, das dem preußischen Staat gehört: Norderney, seit einem Jahrhundert ersehntes Ziel von Millionen Erholungsuchender. Der Charakter Norderneys als Heilbad tritt immer stärker hervor: Allgemeine Körperschwäche, Blutarmut, Winter Garten⭑ 815 Uhr. NEU! Zentrum 2819. Rauchen erlaubt. Horlick- Truppe, 3 Kitaros Dekker u. Pau, 2 Benedettis Schwestern und Weretkin. 2 Luganos, 3 Melvilles und weitere ATTRAKTIONEN vier Sonnabend und Sonnfag je 2 Vorstellungen 4 Uhr kleine Prelse. 4 Uhr und 815 Metropol- Th. Komische Oper Täglich 8% Uhr Friedrichstr. 104. Mit Dir allein auf Merkur 1401/4330. Täglich 8 Uhr einer einsamen Liebe und Trompeten blasen Schulz Westermeier Finkler Jahrbeck Haid Behrisch THeat. a. Koltb.Tor Kottbuser Str. 6 Gr. Revue Heideröslein mit Herta Loewe der deutschen Nachtigall Insel Michael Bohnen Lessing- Theater Weidendamm 2797 u. 0846 Täglich 8 Uhr Der Faun von Edw. Knoblauch. Karl Henckels, Harry Hahn, Traute Flamme. Thea Grodtczinsky, Hedw.Wangel Reichshallen- Theater 8 Uhr Das wundervolle Juni- Programm der Stettiner Sänger Tel.: Zentrum 11263 Dönhoff- Brettl( Saal und Garten) Varieté Konzert Tanz Mein KapitänKautabak schmeckt mir doch am besten! Strofatofe Rattis murben hier mit befonderent Erfolg behoben. Es ist auch kein Zufall, daß Norderneys Heil erfolge ganz besonders groß bei Rindern und Jugendlichen find. Der preußische Staat hat auch seinem Seebad gegenüber seine Bflicht in vollstem Maße getan: den hervorragend gelungenen Um bau der altberühmten Badehäuser folgt zur Zeit die Neuerrichtung eines fünstlichen Schwimmbades mit Wellenschlag, das auch bei ungünstiger Witterung die Gäste Norder neys die Vorteile des Seebades nicht entbehren läßt. Aus alledem geht hervor, daß der preußische Staat, der größte Bäderbesitzer Deutschlands, nach kräffen bestrebt ist, seine Bäder zu vorbildlichen Stätten der Boltsgesundheit auszubauen. Mit allem Nachdrud muß darauf hingewiesen werden, daß der Charakter der Bäder als Heilbäder durch den Ausbau ihrer Quellen und Badeanlagen, die Einrichtung reich ausgestatteter missenschaftlicher Institute immer wieder aufs stärkste geprägt wird; in ständiger Verbindung mit den medizinischen Fakultäten der benachbarten och dhulen werden die neuesten Erkenntnisse der Balncologie für alle Bäder durchgeprüft und ausgewertet. Es gereicht umjeren Staatsbädern zur Ehre, daß alljährlich Taufende und aber Tausende von Angehörigen der Arbeiterschaft, der Angestelltenschaft,.der freien Berufe und des verarmten Mittelstandes Erholung und Genesung in ihnen finden, daß unsere Bäder, die von der gesamten Nation erhalten werden und allen ihren Schichten dienen follen, zu Voltsbädern im besten Sinne des Wortes geworden sind. Mißernte in den Laubengärten. Die anhaltende Dürre, die uns bei hohen Hitzetemperafuren nun schon seit Wochen nicht einen Tropfen erfrischendes Naß gebracht hat, scheint jich fatastrophal auswirken zu wollen. Wer einen Gang durch die Laubenfolonien in der Umgebung Berlins macht, wird es sonderbar finden, daß die Gärten nicht recht zur Entfaltung fommen wollen. Ein üppiger Blumenflor prangt ihm wohl entgegen, besonders von Staudenblumen und Rosen, doch daß diese Blumen so wunderbar blühen, das hat eigentlich nichts mit dem Stand der Fruchtbarkeit des Gartens zu tun. Das auffallend nasse und teilweise falte Frühlingswetter begünstigte die Entwicklung und das Wachsen der winterharten Gewächse außerordentlich, dabei waren Bäume, Sträucher und Blumen sehr gut durch den milden Winter gefommen. Diese Pflanzen zehren noch an der Kraft, die sie aus dem günstigen Frühjahr mitbekommen haben. Aber ebenso schnell vergeht nunmehr der Blumenflor und die Pracht der überall blühenden Rosen in der ewigen Wärme. Etwas überängstliche Laubengärtner, die den falten Nächten nicht trauten und Gemüsepflanzungen und Frühsaaten in diesem Jahr spät ausführten, sind nun am schlimmsten daron. Die jungen Pflanzen wollen in der Dürre nicht recht vorwärts, vor allem wenn der Boden durch reiche Dunggaben noch von unten hitzt. Viele Aussaaten sind gar nicht aufgegangen, Bohnen und Zwiebeln haben sehr gelitten. Die Kohlpflanzen wachsen nicht recht vorwärts und das so ersehnte Frühgemüse, junge Kohlrabi, Mohrrüben und Schoten, läßt auf sich warten. Da hilft das beste Gießen nichts, denn in dem durchläffigen Sandboden versichert das Wasser sehr schnell. Besser sind schon jene fleißigen Gartenbefizer daran, die in dem milden Better des Vorfrühlings Frühpflanzungen und Aussaaten in die Erde brachten, vor allem Kartoffeln früh auslegter. Sie haben immerhin noch auf eine verhältnismäßig gute Ernte zu rechnen, weil die Pflanzen start genug sind, um die Hiße zu ertragen. Lange freilich darf es nicht mehr währen, sonst ist auch diese Hoffnung vernichtet. Die Erdbeeren, die eine reiche Ernte versprachen, werden um mindestens zwei Wochen früher Schluß machen; schon jetzt kommen die Früchte nicht mehr zur Ausreife und welten ab. Schlimm sieht es in den Gärten aus, die nicht täglich gegossen werden können, die Wochenendgärten und solche, die feine Wafferleitung haben. Hier wütet die Hize unbarmherzig, man fleht bereits die nackte Erde vorschimmern, Raupen und Schädlingsbefall find besonders start. Echon färben sich die Johannisbeerbüsche in einer unwillkommenen Notreise, die die Früchte nicht voll zur Entwicklung bringt; ähnlich ist es bei den übervoll hängenden Stachelbeeren. Die Kirschen und Pfirsiche zeigen guten Behang, der nur infolge der Trockenheit zur Hälfte wieder abfiel. Die Spätblüher unter den Obstbäumen haben durch die falten Nächte gelitten, es ist dieses Jahr fein rechtes Pflaumenjahr, auch Aepfel und Birnen werden nicht gut ausfallen. Hoffentlich fördert der Sommer den Fruchtansah für das nächste Jahr. Es ist nur zu wünschen, daß sich die Launen des Himmels bald ändern; ein bißchen Donnern und Blitzen und ab und zu ein wenig Regen werden alle Berliner gern mit in Kauf nehmen, aud; wenn sie feinen Laubengarten besitzen. PLAZA Tagl. 5. 815 Deutsches Theater Beritner Prater u. Sonnt. 2, 5 u. 8 15 Alex. E 4, 8066 Internationale Attraktionen Sommergartentheater D2 Weidendamm 5201 Kastanienallee 7-9 8 Uhr Phaea Täglich Anfang 4 Uhr HAUS VATERLAND 6 Varieté- WeltstadtAttraktionen Theater i. d. Behrenstr. 53-54 von Fritz v. Unruh. ferner die Burleske 812.U. Reg.: Max Reinhardt Ganz falsch" A 4 Zentrum 926-927 81/2 U. Musik: Friedrich Hollaender. sowie Gustl Beer Direktion Ralph Arthur Roberts Bühnenbilder Erast Schütte. und Gretl Lilien in fas KURFORST 7460 P Vergnugungs Restaurant Mein Vetter Eduard Kammerspiele„ Der Vogelhändler" für Schwank in 3 Akten von Fred Robs ROSE -Theater Gr. Frankfurter Straße 132 Billettkasse: Alex 3422 u. 3494 Täglich 815 Arm wie eine Kirchenmaus mit Traute, Paul Willi Rose. and Beginn des Riesenprogramms auf der Gartenbühne täglich 530( Sonntags 5 U.): 9 große Varieténummern und 81% Lene, Lotte, Liese mit Ditters, Hofer, Kerstens, Pyrmont, Kanisch und Hans Rose. Kasse von 11 Uhr früh ununterbrechen geöffnet. D 2 Weidendamm 5201 Geschlossen. Die Komödie 11 Bismick.2414/ 7516 82 Uhr Wie werde ich reich und glücklich? Ein Kursus in 11 Abteilungen von Felix Joachimsen. Musik von Mischa Spoliansky Regie: Erich Engel Gesamtausstattung: Ludwig Rainer Barnowsky- Buhnen Theater in der Stresemanastr. 81 Uhr Napoleon greift ein von Walter Hasenclever Regie: Victor Barnowsky Komödienhaus 8 Uhr Operette in 3 Akt. v. Karl Zeller JEDERMANN mit 36 Mitwirkenden Großes Kaffeekochen BETRIEB Eintrittspreis von KEMPINSKI 50 PT. an. Theater d. Westens Täglich 8% Uhr: Der Krause- Pianos Bettelstudent zur Miete Carola, Elsner, Böttcher, Horsten. Sikla, Dora Urnen und W50, Ansbacherstr.1 Direktion Dr. Robert Klein Deutsches Künstler- Theat. Barbarossa 3937 Täglich 9 Uhr ,, Ich tanze um die Welt mit dir" ven Marcellus Schiffer Musik: Friedrich Holländer Regie: Hans Brahm efonders wirksam sind die KLEINEN ANZEIGEN in der Gesamtauflage des Vorwärts" und trotzdem !! billig!! Grabdenkmäler Genossen! Unterstützt Eure eigenen Betriebe! Deckt Euren Bedarf a. Urnen u. Grabdenkmälern nur in der Gemeinnützige Meine Schwester Steinmetzhütte, G. m. b. H., Baumund ich Musik v. Ralph Benatzky schulenweg, Kiefholzstr., gegenüber d. Krematorium. Tel: F3. Oberspree 1685 Lieferung nach allen Friedhöfen in Groß- Berlin. Bitte auf die Firma amten. Sonntags geöffnet. Beilage Freitag, 20. Juni 1930 Der Abend Spalausgabe des Vorwar 150 Stunden im Kolonistenexpreß Eisenbahnfahrt durch das winterliche Kanada Nach einer Woche Dampferfahrt, Eingesperrtsein in überfüllte, dumpje Kabinen der dritten Klasse, betritt der Einwanderer hoff nungsfreudig das Land seiner Zukunft. In der Halle muß er vorher nach stundenlangem Warten nochmals seine Berechtigung ermeisen, als Ausgewählter die Vorzüge der neuen Welt genießen zu dürfen. Man untersucht ihn auf Herz und Nieren, prüft seine Barschaft, überzeugt sich von seiner politischen Neutralität, dann wird er freigelassen und schreitet mit geschwellter Brust hinaus ins ,, Land der unbegrenzten Möglichkeiten". So stand auch ich im März 1929 in der kanadischen Hafenstadt St. John, New Brunswick. Mit einem Billett nach dem fernen Westen, nach der Provinz British Columbia und einem Lunchpaket der gut organisierten ,, Travellers Aid"( Reifehilfe) versehen, zog ich den anderen Kolonisten nach, die meist familien- oder dorfweise zu dem Sonderzug strömten, der bereits für die DritterKlaffe- Passagiere bereitstand. Die Kabinen- und Kajütenleute waren schon lange unterwegs, aber wir hatten ja Zeit. Bis das umständliche Gepäc, oft das ganze Hab und Gut der Auswanderer: Bettzeug, Kleider, landwirtschaftliche Geräte( bei einer alten Frau baumelte eine Waschschüssel am Pappkarton) durchgesehen und verfrachtet war, wurde es Nachmittag und endlich gegen Abend rückte der Zug mit dem bekannten Stoß der amerikanischen Bahnen an, der deshalb so schrecklich ist, weil feinerlei Kuppeleisen verwendet werden. Das ist das einzig Nachteilige an der Ausstattung der Eisenbahnwagen, die sonst sehr gut eingerichtet sind. Selbst unsere Kolonistenabteile sind mit schwarzem Leder gepolstert. Die Size fann man herausziehen, so daß es sich darauf wie im Bett schlafen läßt, falls man nicht allzu verwöhnt ist. Zusammen fönnen 72 Leute in dem langen Pullmannwagen Plaz nehmen. Eiswasser wird frei geliefert und ein fliegender Händler befriedigt die übrigen Bedürfnisse der Reisenden. Am ulßigsten erschien uns die besondere Küche in jedem Abteil, die mit fließendem Waffer, Spül. stein und großem Rochherd ausgestattet ist und jedem Reisenden frei zur Verfügung steht, aber auch die Waschräume wurden von vielen bewundert, die an die primitiven Berhältnisse der europäischen Bahnen gewöhnt sind. Es wäre ja auch schließlich ein Unding, mehrere Tage und Nächte, oft eine Woche, lang, in solch engen, mbequemen Zuständen zu verbringen, wie sie etwa die deutsche Reichsbahn in der billigsten Klasse hat. Etappe Montreal Sunächst geht die Fahrt bis zur größten Stadt Kanadas: Montreal. Bis dahin sind es 482 englische Meilen, also ungefähr 770 Kilometer, die in siebzehnstündiger Fahrt zurückgelegt werden. Zu beiden Seiten zieht eine ziemlich verlassene, öde Gegend vorüber: kleine Hügel, eine Unmenge vereister Seen und Flüsse und dichter, noch tief verschneiter Fichten- und Birkenwald. Bei dem dunstigen Wetter und leichten Schneesturm ein ziemlich trübfeliger Anblick, der durch die unwegsame Wildnis, die oft noch kein Mensch betreten hat, und die Bertrüppelung des niedrigen Baum rouchyses durch die ungeheuren Schneefaften nur noch trauriger wird. Im ganzen etwa das Bild des nördlichen Finnland, doch ums vielfache größer, wilder und unbewohnter. Ab und zu ein paar Holzhäuser und Sägemühlen, sonst liegt alles noch im Banne der eisigen Natur; fein Mensch und kein Tier ist zu sehen. Um einen großen Bogen zu sparen, durchqueren wir ein Stück der Vereinigten Staaten, natürlich auch hier dasselbe Bild; es findet noch nicht mal Grenzfontrolle statt, sondern der Zug wird unter Bewachung einfach durchgeleitet. Auf den kleineren Stationen mit den indianischen Namen ist der zweimal am Tage durchgehende Expreß ein Ereignis und genau wie bei uns lustwandelt das junge Volk auf dem Bahnsteig. Alle sehen sehr gefund aus, braun gebrannt mit lebendigen Augen; die Mädels modern aufgetafelt, geschminkt und gepudert, mit besonders bunten Müßen und Teufelstappen und in hohen Ueberschuhen, die Burschen in blau- und rottarierten, dickwollenen Jacken. Ein prachtvoller Anblick, der Freude unde Zuversicht für ein Land mit solcher Jugend aufkommen läßt. Die imposante, 1200 Meter lange Stahlbrücke über ben St. Lawrencestrom führt uns nach Montreal, wo wir einen ganzen Tag Aufenthalt haben. Ein deutscher, lutherischer Pfarrer bringt uns in die Einwandererhallen, in denen wir eigentlich bleiben sollen, aber nachdem wir wissen, daß wir erst abends weiter fahren können, wollen wir natürlich auch etwas von der größten Stadt Kanadas sehen. Und so kommen wir das erstemal draußen mit Menschen zusammen, die wir uns vorher sehr verschieden vorgestellt hatten, weil sie jenseits des Ozeans wohnen. Auf den ersten Blick wird das alte Dichterwort zerstört von dem Kanadier, der Europas übertünchte. Höflichkeit nicht tannte... Diese geschminkten, eleganten Frauen könnten auch auf dem Kurfürstendamm spazieren gehen, die Autos find zahlreicher, größer. aber auch schmußiger als in jeder anderen deutschen Stadt, ausgenommen vielleicht das Zentrum Berlins. Der Policeman in seiner hohen Pelzmüße ist selbst zu uns ärmlichen Einwanderern, die nur englisch stottern tönnen, freundlich und zuvorkommend. Ganz verschieden und ungewohnt aber ist das Straßenbild, die Häuser, die genau quadratische Einteilung in Blocks und die Zusammenfassung der verschiedenen Geschäftszweige in bestimmten Gegenden. Neben den prozigen Geschäftspalästen, die als fleine Wolfentrazer 20 bis 30 Stod werte in die Höhe ragen, stehen fleine, zerfallene Holzhütten und in französischem Provinzstil erbaute Kathedralen. Der Hafen ist modern ausgebaut mit groß angelegten Biers an denen formschöne Getreideelevatoren und weite Frucht- und Gemüsehallen stehen. Die überragende Bedeutung der Landwirtschaft für Kanada wird durch die Ausstellungskasten mit Muster eremplaren der verschiedenen Getreide- und Gemüsesorten und die besonderen Kolonisationsbüros in den Bahnhöfen, die dem zu fünftigen Farmer tostenlos Rat und Auskunft erteilen, besonders hervorgehoben. Am Bahnhof finden sich inzwischen ganze Schwärme von Einwanderern ein, die mit Aerten, Beilen, Sägen, Sätteln und allen möglichen Sachen beladen sind. Sie steden in ihren Sonntagsanzügen, die Frauen in Hauben und weiten, faltigen Röden. Nordländer, Standinavier, Deutsche, aber auch Polen,| Ruffen und Leute aus allen möglichen Gegenden des Ballans, ein buntes Gemimmel und ein Geschwirr der verschiedensten Sprachen, so stehen sie begafft und bestaunt etwas beklommen und gänzlich unpassend in dem glänzenden Rahmen der prächtigen Canadian Pacific Station und warten, bis sie von einem der Agenten ab= geholt werden. Die ganz Hilflosen unter ihnen tragen Ertennungsmarten med machen ein trauriges Gesicht in all diesem Wirrwar. Sie werden erst auf der Farm in der Prairie wieder auf tauen, bei der Arbeit, bei der Bestellung des Bodens, mit dem sie verwachsen sind, gleich auf welcher Seite dieser Erde. Sie suchen ihre eigene Scholle und weit hinaus nach Westen geht der Zug... Prairie und Steppe Unter jagenden Wolfen wälzt sich ein stählerner Koloß durch die Prairie, dröhnend und ratternd in festem Taft. Städte, so planlos angelegt, als hätte man Pappschachteln in der Rumpelfammer verstreut, fliegen vorüber, weite Felder im knalligen Grün der ersten Triebe, die unter dem Schnee hervorkommen. März ist es, noch falt, neblig und trübe. Tag und Nacht sitzt man in diesem langen, stählernen Kasten, unter Bauern, abgearbeiteten Weibern. Kindern, die alle gleich alt scheinen, Arbeitern, die eine neue Stellung suchen, Reisenden mit schwarzen Hüten und blanken Stiefeln. Alle sind steif und müde, haben feuchte, verrußte Hände, schlafen in verrenkten Stellungen, den Kopf an die Scheiben gelehnt fie lesen nichts, denken nichts, warten mur. Jeder Reisende hat vorübergehend aus seinem Siß ein Heim gemacht und haust dort wie zu Hause. So vergehen Tage und Nächte, 36 Stunden sitzen wir mun schon im Imperial", dem von Montreal bis Vancouver durchgehenden Expreßzug. Die Augen wollen nichts mehr sehen, der Körper macht sein Ruhebedürfnis geltend. Selbst das eifrigste Sfatdreschen hilft darüber nicht hinweg. Ein Norweger spielt leise traurige Melodien aus dem Norden, die sich harmonisch mit dem Bild der herben Schwere des fkanadischen Winters vereinen. Nur die Russen scheinen sich wohl zu führen. Sie lächeln[ orglos und freuen sich über den fleinen Mann mit den bunten Zeitungen und den guten Südfrüchten, der uns diese Sachen zum doppelten Preis andrehen will. Ein paar Stunden vor Winnipeg wird die Gegend immer flacher, in der dunstigen Dämmerung ist Himmel und Erde nicht mehr zu unterscheiden. Alles rüstet zum Aufbruch. Die wenigen Deutschen tauschen ihre Adressen aus, denn hier trennen sich ihre Wege. Mehrere gehen in den Norden der Provinz Saskat= chewan und einer nach Alberta. Dort oben, wo zähe Arbeitsfraft und Willensstärke verlangt werden, aber andererseits der Mann ohne Geld auch anfangen kann, leben die meisten Deutschen. ,, Auf Wiedersehen alles Gute" und ich stehe allein an dem palastartigen Bau der Canadian Pacific in Winnipeg. Die kanadische Regierung unterhält hier am Kreuzungspunkt der Einwandererströme ein besonderes Büro, das jeden Neuankommenden eine Woche lang frei verpflegt und ihm hilft, Arbeit zu finden. Winnipeg wird das Chikago Kanadas genannt und ist tatsächlich der größte Getreidemarkt des britischen Weltreiches. Aber sonst ist es eine der üblichen Prairieſtädte in vergrößertem Maßstabe: Hotels, Banken; Versicherungen und Matlergeschäfte geben der Hauptstraße ihr Gepräge, in der zahlreiche Autos der Farmer parken, die von weither gekommen sind, um ihre Geschäfte zu erledigen: die Verkaufsabrechnungen zu holen, Geld auf die Bank zu bringen und Geräte und Lebensmittel einzukaufen. Zur Erntezeit sucht er sich auch selbst seine Arbeiter in den größeren Städten. Sonst kommt der Farmer wochenlang nicht von seiner Siedlung weg, er ist allein in seiner Einsamkeit. Besonders der lange und strenge Winter ist schwer und wenn der Blizzard daherstürmt, muß er oft das Wohnhaus und den Stall mit einem Seil verbinden, um den Weg nicht zu verlieren. Karl Möller. Abenteuerliche Reisen Zur verbotenen Stadt Sanaa Motta war einst eine stolze Handelsstadt, angelaufen von den Schiffen der Levante, denen von Venedig und Florenz, aufgesucht von Karawanen aus Arabien und Abessinien, die sich auf den zwei großen Straßen vom Norden nach Süden und von Ost nach West hier trafen und ihre Waren tauschten. In das Stimmengewirr der Italiener. Der geruhsame Türke handelte mit dem Geschäftsfreund Araber, der Beduinen und Inder klang der Ruf der geschäftigen Deutschland war fein seltener Gast, wie auch der Engländer die aus Afrika, und selbst der Kausherr aus den Niederlanden und von Marktfähigkeit dieser Gestade schon prüfte. geffen, die alten Karawanenstraßen sind verfallen. In unermüdDas ist seit langen Zeiten verweht. Die stolze Stadt liegt verlicher Arbeit hat der Wellenschlag des Roten Meeres Sandbänke vor dem Hafen aufgetürmt, so daß nicht einmal mehr ein fleines Schiff die zerbrochene Mole erreichen kann. Tot liegen die Gassen im Gluthauch der Tihama, und Schicht auf Schicht breitet sich das Leichentuch des Wüstenfandes über die Ruinen. Der einstige Reichtum wird heute von einem anderen Pol angezogen: wie ein Polyp sitzt das englische Aden an günstigster Stelle und schickt die wertvollen Waren in die Welt hinaus. Der Hafen ist besser als der von Mokka, und Noten der Londonbant, gesichert von drohenden Schiffstanonen, sind selbst für friegerische Beduinenstämme ein nicht zu übersehender Faktor. So glitt der Handel in fremde Hände über. Aber oben im Gebirge, wo schroffe Wände jäh in die Höhe springen, wo sich über 2000 Meter hoch die spitzen Zacken des Yemen im Gewölk verlieren, da herrscht der Beduine noch uneingeengt von der Nachbar schaft des Europäers. Hier ist die Heimat des Moftastrauches, der das ganze Jahr wächst. Hier grünt der Yate strauch, dessen zarte Herzblätter gepflückt und ballenweise in die Städte transportiert werden, ein begehrtes Berauschungsmittel der orientalischen Welt. Auf Terrassen, die in mühseliger Arbeit den steilen Fels: wänden abgerungen sind, liegt die kostbare Erde, von Steineinfassungen vor dem Abregnen geschützt. In jahrhundertelanger Kultur wird hier, das begehrte Gewächs gezogen, von den klimaNiederschläge werden von den aufragenden Wänden des Gebirges, tischen Verhältnissen außerordentlich begünstigt. Denn die nötigen das die Wolken zum Abregnen zwingt, aufgefangen, und die tropische Lage sichert selbst in dieser Höhe noch ausreichende Glut zur toftbaren Basten talwärts. Reife. So gegen Herbst für Herbst ungezählte Karawanen mit den Doch der Beduine bleibt ein armer Bauer, trotz der fünf bis sechs Stock hohen Steinhäuser, über deren Anblick man erstaunt iſt. Was früher die Handelsherren in Motta und in anderen Städten der Küste an Schäßen aufhäuften, summiert sich jetzt an den großen Börsenplätzen der Welt. Lediglich ein Glanzstück der alten Zeit ist geblieben: oben im Yemen, in diesem rätselhaften arabischen Lande, herrscht( relativ) unabhängig von aller europäischen Macht wie in früheren Jahr hunderten der Imam, König, oberster Priester und höchster Richter zugleich. Der große Krieg und die Geschicklichkeit der Engländer haben ihm die an die Türkei verloren gegangene Macht wiedergegeben wo Kanonen aufhören zu herrschen, vermag Diplomatie noch viel zu erreichen. So residiert der Imam wieder im uralten Sanaa, im riesigen Palast des türkischen Generalgouverneurs. Die europäisch- türkische Invasion ist vorbei, tein Zug der neuen Zeit ist hier zu verspüren. Für„ Christen"( Christ ist das gröbste Schimpfwort hier!) gilt die Stadt als verboten, nur mit Erlaubnis des Imam und unter höchst beschwerlichen Umständen fann fie aufgesucht werden. Alte mohammedanische Sitten beherrschen das Leben. Die Frauen gehen tief verschleiert und die Männer meidend scheu dahin, und selbst verständlich gibt es noch den Harem. Das im Eigenbrödler- Berlag erschienene Buch von Hedwig | Weiß Sonnenburg 3ur verbotenen Stadt Sanaa, eine Reise von Abessinien nach Arabien"( mit 68 Abbildungen) gibt einen intimen Einblick in diese noch unerschlossenen Gebiete. Man folgt Hedwig Weiß- Sonnenburg gern auf beschwerlichen Wüstenwegen und steilen Gebirgspfaden, vorbei an Lagerfeuern der Beduinen bis in die Geheimnisse des Frauengemaches eines arabischen Großen. Wilhelm Tietgens. Quer durch Abessinien 1 Der Balte Alfred von Roth Röst höf, Ende vorigen Jahres von einer Abessinienreise zurüdgefehrt, faßt das Ergebnis seiner zusammen. Reise in dem bei Brockhaus erschienenen Buch„ Ba Menelit" Wir wissen nur sehr wenig von Abessinien. Dieses äußerst fruchtbare Land, zweieinhalbmal so groß wie Deutschland, ist bisher noch nicht systematisch erforscht worden, weil es, abgesehen von einer kurzen Eisenbahnstrecke, die von Dschibuti nach Addis Abeba führt, nur auf Saumpfaden zu durchqueren ist. Alfred von Roth- Rösthof hat in neun Monaten 3000 Kilometer in wegloser Wildnis oder auf Maultieren zurückgelegt. Addis Abeba, die Metropole des Landes, ist vom Golf von Aden innerhalb dreier Tage mit der Eisenbahn zu erreichen. Auf der viele Kilometer langen Hauptstraße tummeln Schafherden, Kamelzüge, Autokolonnen. Tausende von Eingeborenen rajen in weiße Gewänder gehüllt auf ihren Pferdchen im schärfsten Galopp durch die Straßen. Die kilometerweit ausgedehnte Stadt ist durchsetzt von Eukalyptuspflanzungen. Ueberall Hütten im Eukalyptuswald, Gassen, die treuz und quer laufen. Addis Abeba hat seinen Bahnhof, seinen Rennplay, seinen Pferdemarkt, seinen Gerichtshof, sein Gesandtschaftsviertel und das Haus der Hinrichtung, das von einer hohen Mauer umschlossen, außerhalb der Stadt liegt. Für den Europäer fast völlig unbekanntes Band ist der östlichste Landstrich, in dem der triegerische Stamm der Danafils haust. Reisende, denen es ge lungen ist, einige Tagesreisen weit in dieses Land zu dringen, berichten von Seen mit einer unbekannten Tierwelt, von tätigen Bul fanen und Gebieten mit einer absonderlichen Pflanzenwelt. wenig befannt. Bon vielen Seiten wird berichtet, daß sich bei ihnen Auch über die Lebensgewohnheiten der Danafils ist bisher nur heute noch die Sitte der Trophäensammlung behaupte. Der junge Danakil, der eine Frau nehmen will, muß den Nachweis erbringen, daß er jemand getötet hat. Fest steht jedenfalls, daß die Dantalis noch vor kurzem Weiße, die sich zu weit in ihr Gebiet magten, überfielen und töteten. Auch Roth- Rösthof drang nicht weit in das Land der Danatils ein. Abessinien? Roth weist vor allen Dingen darauf hin, daß für den Welche Aussichten bieten sich dem europäischen Ansiedler in Abeffinien zu erwerben. Ausländer können nur Land kaufen, Europäer nur sehr wenig Aussicht besteht, Grund und Boden in das auch früher bereits Nichtabeffiniern gehört hat. Europäer tönnen in Abessinien nur festen Fuß fassen, indem sie Land pachten. Die Bachtdauer beträgt augenblicklich dreißig Jahre. für seinen Lebensunterhalt sehr wenig und spielt nicht gern das Die Arbeiterbeschaffung ist sehr schwierig. Der Abessinier braucht Arbeitstier für den Europäer. Die Hauptschwierigkeit für den euro päischen Bächter besteht aber in dem Mangel an guten Straßen, auf denen die erzeugten Waren transportiert werden können. ,, Bisher war es verschwindend wenigen gegeben", jo jagt RothRösthof, auch nur einen Bruchteil des großen Gebietes kennenzulernen und sich von seiner Fruchtbarkeit zu überzeugen. Gibt es doch kaum eine Nußpflanze, die hier nicht gedeihen würde, und kein Mineral, das nicht irgendwo im Lande vorkäme, und ich bin überzeugt, daß eine Zeit tommen wird, wo das Reich eine sehr bedeutende Rolle in der Wirtschaftsgeschichte der Welt wird spielen können." Hardy Worm. (10. Fortsetzung.) ujor in jedem Augenblick tonnt« Lolli ins Büro zurückkommen, Iie vor nur zur Post am Tempelhofer Ufer, um Briefmarken zu kaufen. Und es wäre nicht angenehm, wenn sie eventuell in ein« Szene, ahnlich der soeben geschehenen, mitten hineinplatzen würde. Lolli kam auch richtig zurück. Etwas spater hörte er noch ein- mal d!« Tür gehen und meinte, Fräulein von Langen wäre nun pflichtbewußt an ihren Platz zurückgekehrt. Es mutzte wohl sonst irgendwer gewesen sein, denn sofort nach ihrem Eintritt verlieh die Person, die gekommen war, auch schon wieder das Büro. Als Hammerschlag unruhig hinüberging, fiel ihm sofort auf, daß nur Lollis Garderobe in dem kleinen Garderobenfchrank hing, dessen Tür ganz gegen seine sonstige Sitte sperrweit aufstand. Eh« er sich noch laut darüber wundern konnte, sagte Lolli: ..Sie ist schon nach Haus« gegangen." �lammerschlags Hand, die zwischen zwei Fingern ein« Zigarre hielt, blieb baff in der Luft. Er sah Lolli an. Für einen Augenblick dachte er, sie wüßte alles, was passiert war. Aber Lolli klebt« mit ernsthaftem Gesicht Marken,«in« nach der anderen, auf die Kuverts. Hätte sie auch nur etwas geahnt, sie hätte gewiß«in zufriedenes Lächeln nicht unterdrücken können. „Hot sie noch etwas gesagt?" fragte Hannnerschlag so harmlos als möglich. Ohne selber etwas anzudeuten, wollte er heraushaben, ob es vielleicht noch ein Abschiedsioort an Ihn zu bestellen gab. „Sie fühlt sich plötzlich trank," gab Lolli zur Antwort,„aber das hat sie Ihnen ja auch schon selber gesogl.— Sie haben ihr doch fort- zugehen erlaubt," fragt« Lolli, plötzlich ovn einem Gedanken über. rascht. Sie sah Hammerschlog an. „Ja, denkste denn, sie läuft ohne Erlaubnis aus dein Büro," polterte Hammerschlag.„Sie fühlt sich plötzlich krank, sie tut mir sehr leid, hoffentlich fühlt sie sich morgen besser," schloß e? und ging in sein Privatkontor und machre die Tür hinter sich zu. Don diesem Augenblick an verstand Lolli ungefähr, was ge- schchen war. Sie wußte nicht, ob sie sich darüber ärgern oder freuen sollte. Aber am Ende freute sie sich. Sie nahm sich vor, all die Pflichten, die sie sich vormals als Sekretärin selber anscriegt hatte, aus der Stelle wieder zu übernehme». Sie ahnte, daß Fräulein von Langen? Dickgenoerstiminung oder was es nun sein machte, woran du- Dam-- so plötzlich litt, von nicht allzu kurzer Dauer sein würde. Hommerschlag saß an seinem Doppplschreibtlsch und zog lang. säm, mit auf die Schulter geneigtem Kopf und mit starr aus» Fenster gerichteten Augen, dann und wann an seiner Zigarre Lolli kam mit der Post herein. Er nahm st« entgegen. Er ließ sich'? gefallen, daß sie ihn wie früher an fem- privaten. Derpstick� tungen erinnerte. Sie holt.- in diner Beziehung sogar fiir einige Wochen nach. Er saß da, unbeineglich zum Fenster starrend, so daß er hr beinah« leid tat. Er hat etwas von ihr gehalten, dachte sie- für ihn, aber auch für sich betrübt.> Später, als Hammerschlog sich wieder allein befand, fing«r plötzlich i» seiner Schieblode zu kramen an. Er sucht« nach einen, bestimmten Manuskript, und als er es hatte, zerriß und zerknüllte er es, er spuckte drauf und warf's in den Papierkorb wie in die Hölle hinein. Es war der Artikel, der von dem neuen Schönheitsideal, von dem wieder auf den Schild gehobenen Typ der vollschlanken Frau zu berichten wußte. W�s ging es ihn an, daß in England die Revue- girls schon wieder vollfchlank aeniacht wurden. Derdamnit! Don Hommerschlag aus gesehen, hatte ollein dieser Artikel an dem Unglück schuld, das geschehen war. Piclleicht war es auch nur dies plastische Wart„vollschlank", bei dessen lebendiger Vorstellung Hammerschlags Nerven sich selten bedrängt und gestreichelt fühlten. Ja, dies Wort, das auf Denise wie gemünzt war, trug Schuld. Eiy aufrührender Zauber lag fiir Hammerlchlag allein in dem Wort. Das Mädchen, das ihm inargens den Kaffee ins Ziminer brachte und ihn jedesmal beim Rasieren fand, stellte mit Derwimdern fest. daß Hammerschlog schweigsam war. .„Heute fällt Ihnen wohl kein Witz ein?" fragt« sie. „Nein," sagte Hammerschlag und iah giftig in den Rasterspiegel und schabte am Hals. „Was ist denn?" erkundigte sich das Mädchen.„Ist Ihnen eine Laus über die Leoer gelaufen?" Hammerschlag gab keine Antwort mehr. Das Madchen stand nahe bei ihm und sah ihm zu. Endlich fragte er: „Sind meine Stiefel schon fertigt" „Wie oft ich Ihnen noch sagen soll, daß Sie die Stiesel schon abends vor die Tür stellen müssen," antwortete das Mädchen, hob die Stiefel vom Boden und verschwand. Hamemrschläg war sichtlich verändert. Seine Augen hatten einen melancholischen Ausdruck, die Lippen kniffen sich zusammen. Sein Seefahrergesicht hatte die braunrot« Farbe verloren, es war geradezu fahl und auch schmal geworden. Di« Zeitungsfrau, bei der er auf dem Weg« zum Tiergarten mechanisch stehen blieb, merkte es sofort. Sie dachte: Der Herr hat vielleicht auf der Börse spekuliert und Verluste gehabt?— Sie las dergleichen oft iit der Zeitung, denn auch sie los ein bißchen, wenn die flauen Stunden kamen und kein Geschäft war.— Oder er ist ein wenig erkältet— im Frühling passiert so etwas ja so leicht. Auf die richtige Vermutung kam sie nicht— b?" diesem resolut aussehenden Herrn in gesetzten Iahren. Denise erschien nicht wieder im Büro. Um halb zehn kam Hammerschlog einmal aus seinem Privatkontor herüber. „Sie ist nicht gekommen." sagte Lolli frisch,„sie ist wohl noch krank." Hammerschlag gab keine Antwort,«r ging mit dem Hut aus dem E?>pl binaus. Es mar drauß-a ichon so warm, daß er keinen Mantel - Ausgehen brauchte. Er ging rund um den Bells-Alliance-Plotz herum. Er brauchte Luft, Bewegung. Wenn er denken, Entschlüsse fassen wollte, mußte er gehen und Spielraum für feine Schritt« haben. Als er wieder ins Büro kam, sah er mit einem kurzen Blick, daß Lolli sich über den Korb mit den eingesandten Manuskripten her- gemacht hatte, um sie zu prüfen. Sie wollte das Fräulein von Langen bis aufs Letzte ersetzen. Hammerschlag nahm ihr stillschweigend den Korb vor der Nase »ort und trug ihn hinüber. Er macht« sich selber an die Arbeit.— Lolli ging über den ganzen Vormittag kleinlaut umher. Da hatte sie ja gesehen, wie er sie in geistiger Hinsicht viel tiefer als Fräulein von Langen stellte.» Am Nachmittag verließ Hainmerfchlag überaus pünktlich das Büro und fuhr mit der Hochbahn nach Charlottenburg. Am Halleschen Tor war er«ingestiegen, an der Haltestelle Knie spie ihn >die Erde ans Licht. Es wurde ei» wunderbar warmer Abend. Er befand sich mitten im Strom der Menschenzllge, die hier zusammentrafen— von der breiten, freien Hardenbergstroße, in deren Ferne der goldene Adler mit ausgebreiteten Flügeln über der Hochschul« stand, von der Bismarck- und der Berliner Straße und von der Charlottenburger Chaussee. Der Hintergrund dieser gepflegten, mit prächtigen Bauten bestandenen Straßen gab dem Verkehr ein weit- städtisch-aristokratisches Gepräge. Hammerschlog fühlte den Pulsschlag dieser Umgebung in den seinen übergehen. Er ging elastisch die Bismarckstraße hinunter, bog bald in eine Seitenstraße ein und fand sofort das Haus, dessen Nummer er im Gedächtnis trug. Er durchschritt einen Torgang, einen Hos und stieg in einem mit Verzierungen überladenen Treppenhaus« bis zur Höhe von drei Stockwerken hinauf. „Sie wohnt ganz fein, das muß man sagen," murmelte er sibsjich. Oben schellte er. Er hörte drinnen den Schritt einer älteren Frau und das Knipsen am Schalter des elektriscben Lichts Zuerst erschien ein Auge am Guckloch. Dann wurde geöffnet. „Ich möchte Fräulein von Langen sprechen," sagte er. Die Frau sah ihm einen Augenblick mit neugierigem Blick ins Gesicht. „Kommen Sic einmal herein," sagte sie dann. Hannnerschlog befand sich auf dem erhellten Vorplatz. ..Nu man los," jagte er,„melden Sie mich." Die Frau halte«in diabolisches Lächeln um den Mund. ..Das Fräulein ist nicht hier." sagte sie langsam. „Reden Sie keinen Quatsch, fangen Sie gar nicht erst an," riek Hammcrschlag, immer mit gedämpfter Stimm« sprechend,„sonst sehe ich selber«in bißchen in den Stuben nach." Der Chef, zielstrebig, pflichtbewußt, zäh, kam in ihm zum Durchbruch. „Bitte, bitte," sagt« die Frau,„suchen«ic nur." Hammcrschlag sah sie an. Nach einer Weile fuhr die Frau fort:* „Das Fräulein ist abgereist." „Was?" rief Hainmerfchlag. Der Mund blieb ihm offen. An diese Möglichkeit hatte er nicht gedacht. Also sie hatte seinen Besuch vorausgeahnt— sie hatte ihr Salär im Stich gelassen, nur um nie wieder in die allcrmindeste Berührung mit ihm zu kommen... „Und wohin?" rief er ungeduldig. Di« Frau hob geheimnisvoll die Schultern, so daß ihr Kops darin einsank, ihr brcitgezogener Mund vertieft« sich an den Winkeln. „Natürlich wissen Sie, wohin Fräulein von Langen gcsahrcn ist. Sie hat Ihnen bestimint ihre Anschrift hinterlassen. Los! Her- aus mit der Wahrheit!" rief Hammerschlag.„Ich habe ihr eine Nach- richt von höchster Wichtigkeit miizuteilen. Telegraphisch.— Also nun?" Die Frau lachte aus den Auglen heraus. Die weiß alles, dachte Hammerschlag: die Denise hat ein Signale- ment von mir hinterlassen und dieser Höllenhund hier hat mich gleich erkannt. „Ach, ich kann es mir schon denken," rief. er erleichtert,„sie ist nach Wien— wohin sollte sie sonst." „Eben nicht nach Wien," nickte belehrend die Frau. (Fortsetzung solgt.t e Buch •Die.Modijchuh' im Tolksflaat Dr. Otto Friedländer.„Die Hoch schul« im Volks- st a a t." Anregungen zur Hochschulreform.(Verlag Karl Zwing, Jena 1030.)— Dieses Buch hat den Vorzug, dos Verhältnis zwischen Hochschule und Staat nach allen Richtungen knapp und prägnant zu beleuchten. Friedländer sieht die Studenten aus Ar- beiterkreifen als die prädestinierten Erzieher zum Voltsstaat gn. Sie wollen«in neues Machtverhältnis schaffen, während der aka- demisch« Nachwuchs aus der Beamtenschaft und der Kaufmannschaft zu sehr von Traditionen belastet ist, um den Zukunftsswat repräscn- tieren zu können. Daraus erwächst das Postulat, den Arbcitersöhneu die wirtschasttichc Basis zum Studium zu schaffen durch Ausbau des Stipendiuinwefens. damit sie nicht gezwungen sind, ihr Studium durch ausreibend« Werkarbeit zu fristen. I» diesem Sinne ist die Abcndunioersitöt zu verwerfen. Sie ist das Grab der hertrnwachsen- den Generation. Weiterhin vertritt Dr. Friedläiider ein« UmSnde- rung des Studienplanes und der Verwaltung an den Hochschulen. Er fordert«in« zrreckgcmäße Gestaltung des Lehrkörpers. Der Lehrkörper soll sich aus Männern(auch Männer der Praxis) zu- sarnmensetzen, die die pädagogische Befähigung haben, die Jugend für die betonte Aufgabe zu erwärmen. Scharf sonnuliert Fried- länder seine Forderungen zusammenfassend: Propaganda des Lehrkörpers für den Volksstaat, abgegrenztes Betätigungsseld der ver- waltenden Persönlichkeiten an den Hochschulen, Auswohlsprinzip der Studenten durch individuelle Prüfung, Setbfwerwoltung in Wirtfchaftsangelegcnheiten, Gebühren den wirtschaftlichen Verhält- a-issen gemäß. dt.(Zu-äc. WAS DER TAG BRINGT. Die Welt wird immer kleiner. Als seinerzeit die Eisenbahnen in Betrieb kamen, rechneten mathematisch eingestellte Leute aus, wie die Erde nun bedeutend kleiner werde, weil sie sich schneller durcheilen lasse. Denn der Raum wertet sich auch nach der Zeit, die zu seinem Ueberwinden gebraucht wird, und je schneller inan in ihm vorwärts kommen kann, uin so kleiner erscheint er. Neuerdings Hot nun das Flugzeug den Raum noch bedeutend kleiner gemacht, und in Amerika hat man darüber allerltziiid interessante Berechnungen angestellt. Heut kann man mit der Luftpost drüben einen Brief von New Port bis nach San Fran- zisko in 32 Stunden mittels Flugzeug befördern, während er bei schnellster Eisenbahnbesörderung von der Küste des Atlantische» zum Stillen Ozean 48 Swnden brauchen würde, wenn die Strecke ganz gradlinig und mit einer Geschwindigkeit von etwa 87 Zkilom-eter in der Stunde durchfahren würde. Langlebige Vögel. Es ist kaum allgemein bekannt, wie lange die Vögel im Durch- schnitt leben, da es fast immer sehr schwer ist, hier Feststellungen zu inachen. Nur durch ganz exakte Beobachtungen ist es gelungen, über diese Fragen Aufschluß zu erlangen. Dabei scheint die Frucht- barteit im umgekehrten Verhältnis zur Lebensdauer zu stehen, da Vögel mit einer großen Nachkommenschaft nur verhältnismäßig kurze Zeit leben. Im allgemeinen kann man nach den Mitteilungen eines englischen Vogelkenners damit rechnen, daß klein« Singvögel etwa 12 bis 20 Jahre alt werden. So lange hat man sie jedenfalls schon ohne Schwierigkeiten in Gefangenschast gehalten. Auch Red- Hühner können dieses Alter erreiche», wenn sie nicht vorher schon abgeschossen werden. Meist werden auch Krähen und Raben nicht älter, obwohl man von ihnen weiß, daß sie ein Alter von 100 Jahren erreichen können. Elstern leben etwa 35 bis 40 Jahre lang, wie die Holztaube, der man häufig in unseren Wäldern begegnet.» Der Kuckuck bringt es auf etwa 50 Jahre, der Storch auf 30 bis 43 Jahre. Seemöwen erreichen ein Alter von 45 bis 50 Jahren, während die Ziffer beim Schwan auf 80 steigt. Ein außerordentlich wichtiger Beitrag zu diesen Fragen bedeutete die Gefangennahme eines Adlers im Jahre 1881 in Dänemark, der schon einmal, im Jahre 1792, ge- sangengenommcn war, aber wieder in Freiheit gesetzt wurde. Man befestigte ihm eine Kette um den Hals mit der genauen Inschrift seiner Gefangennahme. Er war also demnach für 89 Jahre in Frei- heit gewesen, bis ihn das Los von neuem ereilte. Auch Geier können sich hier mit dem Adler messen. Man weiß von einem, der in einer deutschen Menagerie von 1706 bis 1824 gehalten wurde. Der Rekord in diesen Dingen wird oder von Papageien gehalten. Guerney.«in bedeutender Ormthologe, erwähnt ein Tier, das in der Fannli« eines semer Freunde seit hundertundzwanzig Jahren lebte, also drei Generationen kommen und gehen sah.» Ein Symphoniekonzert auf Fabriksirenen. Ein merkwürdiges musikalisches Experiment hat der Tuloer Arbeiter Bondorowski gemacht. Es ist ihm geglückt, vermittels einer entsprechend abgetönten Kombination vcrschicdenstimmigcr Fabriksirene» eine Reihe recht komplizierter Musikstücke zuGehör zu bringen. Bondarowski Hot seine„Sinfonie der Arbeit" ge- nannte Erfmditng dem Moskauer Institut für Musikwissenschaiten mit Erfolg und Anerkennung vorgeführt. Demnächst wird auf den Kolomnaer Werken das erste Sinfoniekonzert arff Fabriksirenen veranstaltet werden. USA. Durch die amerikanische Presse geht eine Notiz, wonach sich aus einem Chikagoer Friedhof ein offenes Grab befinden soll, neben dem ein Leichenstcin mit solgender Inschrift steht: „Hier wird einst Isaak Morrow ruhen, der setzt in der 10. Straße ein schönes Schuhgeschäft hat." Der Umsatz des Schuhmachers soll sich durch diese„Reklame- Idee" sehr gehoben haben. Die erste Leihbibliothek. Die Einrichtung von Leihbibliotheken ist älter als man gemein, hin annimmt. Die erste Leihbibliolhzk erwähnt bereits der hellig« Hieronymus. Er berichtet von einem Presbyter Pamphllius, der im Jahre 309 den Märtyrertod erlitt und sich um die Ausbreitung des Christentums in Cäfarea dadurch verdient gemacht hat, daß er 30 000 fromme Schriften sammelte und an Lesekundige verlieh. Dann hörte man Jahrhunderte lang nichts mehr von Vcrleihstcllen von Schriften. Erst aus dem Jahre 1332, etwa 100 Jahre vor Er- sindung der Buchdruckerkunft, wird aus Paris von reichen Leuten also berichtet, die einen derartigen Sturm aus die Manuskripten- Händler machten, daß sie Geschäftsleute sich entschließen mußten, Bücher zum Verleihen anzuschaffen. In England dürfte die erste Leihbibliothek von König Heinrich IV., dem ersten König aus dem Hause Lancaster, der 1399 zum König an Richards Stelle ausge- rufen wurde, errichtet worden sein. Heinrich IV. ließ nämlich für d:e Studenten ocr Universität Oxford eine Bibliothek erbauen, deren Bücher zunächst nur an Studierende, dann aber auch an andere miß-, begierige Leute verliehen wurden. Wien und Toulouse haben eben- falls erst im Mittelalter Leihbibliothelen erhalten. Intelligente Haifische., Im allgemeinen gilt der Haifisch als ein stumpfer, von iinizzer reger Freßlust beherrschter Geselle, der alles, was ihm vor das Maul kommt, verschlingt. Aber gegen diese Kritik lehnt sich der Ge- schmähte auf: er selbst erbringt de» Beweis, daß'er so vernünftig ist wie irgendein anderes Lebewesen. Das können auch die Haifischjäger bezeugen, die in der Umgebung der südlichen Neu-Wales arbeiten. Sie haben oft genug die Beobachtung gemacht, daß die Haifische die verfolgten Wale in die Bucht von Twosold hineintreiben. Di-- Fischer können die Wale dann leicht harpumeren und sie zeigen sich den ihnen Hilfe leistenden Treibern dadurch erkenntlich, daß sie ihnen zur Belohnung die Eingeweide des erlegten Tieres zum Fraß über- lassen. DG Haifische haben sich das auch gut gemerkt. Sie jagen die Wale nicht nur, sondern hindern sie auch daran, die Bucht, in die sie hineingetrieben wurden, zu verlassen. Es vergehen manchmal Tag«, bevor die Wale getötet werden können. Die ganz« Zeit über halten die Haffische treulich Wacht und patrouillieren fortwährend vor dem Eingang der Bucht,»m ein Entkommen der Gefangenen zu verhüten. Die schwimmenden Gefängniswärter haben ober aus der Erfahrung gelernt, daß ihre Geduld reichen Lohn findet. Wandern und Reisen Von Naturfreunden und ihrem Naturerleben Die Naturfreundebewegung erfaßt die Natur-| und Wanderfreunde zwei Begriffe, die unzertrennlich zusammengehören.„ Wer recht mit Freuden wandern will", schließe sich ihr an; aber auch wer Erholung in farger Ferienzeit sucht, billig und gut selbstverständlich, findet bei den 940 dem warmen und kalten Wasser. Sechs Zimmer mit je zwei Betten, drei Zimmer mit je drei Betten, sechs Zimmer mit je vier Betten und sechs größere Schlafräume bieten Platz für zusammen 100 Perjonen. Das Heim ist zu erreichen von Eberswalde mit dem Postauto oder der Kleinbahn bis Finomfurth. Preise pro Person und nachdem die Forderungen furz vor Beginn der viermal 100- Meter- Staffel an der Hannover 1878 beteiligt war wurden. gestellt Das sind mal zwei bürgerliche Amateure", denen man ihre Schiebungen nachweisen konnte. Im bürgerlichen Leben wären diese paragraphen für Betrug und Expreffung geben! Machinationen sicher anders beurteilt worden: Es soll Strafgesetz„ Kampfbörsen und Prozente" Wie schon gemeldet, hat nun auch die New- Yorter Bortommiffion und zwar Naturfreunden Gelegenheit in Wanderhütten und Ferien. Tag in den Ferienzimmern: Mitglieder 80 Pf., mit voller Pension sprachen sich bei der Sizung Phelan und Faren dafür, der 85jährige heimen. Auskunft gibt die Reisezentrale Berlin, Johannisstraße 14/15. Aehnlich den anderen Arbeitersportorganisationen missen neuer. dings auch die sozialistischen Arbeiterwanderer von einem beträchtlichen Fortschritt ihrer Arbeit zu berichten. Schon im engeren Heimatgebiet bringt die Ende dieses Monats erfolgende Eröffnung des neuen schönen Ferienheims am Uedersee einen großen Erfolg für die gesamte Arbeiterschaft, denn hier wird sich auf eigenem Grund und Boden ein Zentralpunkt wertvoller Ferienerlebnisse für Tausende herausbilden. Schon zeigen die monatlichen Mitgliederaufnahmen von 60 bis 70, denen nur ein geringer Abgang gegen übersteht, auch in der Reichshauptstadt ein ständiges Wachsen der Naturfreundebewegung. Viel trägt dazu die Arbeit der Spezialgruppen allen voran die treffliche Photogemeinschaft und der immermährende Ausbau vielseitiger und billiger Ferienreifen bei. Aehnlich lebhaft geht es in den anderen Gauen zu. So berichtet Sachsen Rekordzahlen im Besuch der Naturfreundeheime im letzten Jahre, z. B. das Valtenberghaus mit rund 20000 Uebernachtungen, das Zirkelſteinhaus mit 15500, das Königsteinhaus am Fuße des Liliensteins mit 12 500, das Leipziger Haus bei Groß- Steinberg mit 8000 usw. Die Thüringer Naturfreunde haben sich jetzt die Errichtung eines Ferienheims am Rennsteig im Thüringer Wald mit dem nädysten Zugang von Ruhla aus zum Ziele gesetzt. Mehr denn ein Dutzend kleinerer Wanderheime sind in den letzten Monaten wieder 11. a. in Sachsen, Thüringen, Niedersachsen, Westfalen, Rheinland, Baden und Württemberg eröffnet worden. Einen großen Aufschwung nimmt auch das Wasserwandern. Die Leipziger Naturfreunde- Faltbootgruppe zählt z. B. 250 Boote. Die internationale Naturfreundebewegung hält mit diesem Aufstieg Schrift. Im Rahmen der 60 000 Naturfreundemitglieder der Ortsgruppe Wien bildet die 4800 Jugendmitglieder umfassende Naturfreundejugend ein stark belebendes Element. Sie arbeitet dort aufs engste mit der Sozialistischen Arbeiterjugend zusammen, so daß cine Kräfte- und Interessenzersplitterung vermieden wird. Die in Wien bestehende Naturfreunde- Bergsteigerschule beendete türzlich ihren 10. Kursus mit 500 Teilnehmern. Aus ihrem Kreise sind bereits tüchtige Führer hervorgegangen. Ein guter Fortschritt rund 15 Broz. Mitgliederzunahme- ist auch in Holland, Frankreich und Amerifa zu verzeichnen. Selbst im unter reaktionärer politischer Herrschaft stehenden Jugoslawien fonnte sich die kleine Naturfreundebewegung verdoppeln; neue Ortsgruppen entstanden in Marburg und Laibach. In Frankreich steht Nancy an der Spize. Mehrere Wanderheime befinden sich auch im Elsaß. Das neueste Glied der Naturfreunde- Internationale hat sich vor kurzem in Spanien gebildet. Dort entstand im reizenden Guadalajara eine neue Oris gruppe, die bereits enge Beziehungen zur Gesamtbewegung unterhält. Das Ferienheim am Uedersee Am 1. Juli wird die Berliner Ortsgruppe am edersee ein neues großes Ferienheim eröffnen. Auf dem 40 000 Quadratmeter großen Bereinsgelände bei Eberswalde ist ein drei Stöckiger Bau erstanden, der dazu bestimmt ist, dem organisierten Arbeiter in seiner Freizeit Ruhe und Erholung zu bieten. Das Haus ist mit allen modernen Einrichtungen ausgestattet, wie elettrisches Licht, Zentralheizung, Brause- und Waschräume mit fließenDer ,, Rast" in Sicht! Wenige Tage trennen uns noch von der großen Zusammenfunft der Arbeitersportler im Stadion Grunewald. In der ganzen Boche finden bereits in allen Berliner Bezirken öffentliche Werbeveranstaltungen statt, um die Arbeiterschaft auf dem Rast" am Sonntag aufmerksam zu machen. Am Rastjonntag selbst vereinigen sich die Radfahrer von Solidarität“ zu einer Werbefahrt durch die Stadt nach dem Stadion. Start am Friedrichshain Ede Kniprodestraße. Eine äußerst zahlreiche Beteiligung der Arbeitersportler ist in Aussicht gestellt, so daß mit mindestens 2500 aktiven Teilnehmern beim Einmarsch zu rechnen ist. Der Einmarsch sowie die erste Stunde wird im Rundfunt übertragen. Es wird schon jetzt darauf hingewiejen, mit möglichst leichter Kleidung zu erscheinen, damit die Unterbringung der Teilnehmer reibungslos von statten geht. Um 12 Uhr inden die Borkampfe der Leichtathleten im 100- meter- Laufen nd in der 4 X 100 und 10 X 100- meterstaffette statt. Die Radfahrer fahren um 13,30 Uhr die Vorläufe des Kampjes NiederlaujizBerlin. Die Arbeiterschaft Berlins wird eingeladen, am Sonntag den Raft" der bundestreuen Arbeitersportler im Stadion Grunewald zu besuchen. Der diesjährige Raft" muß die größte bisher gezeigte Rundgebung dieser Art werden. Alle anderen in kommunistischen Blättern angezeigten Veranstaltungen ähnlicher Art find tommunistischer Parteitrafeel. Eine sehr wichtige Mission haben zum Reichsarbeitersporttag die älteren Sportler zu erfüllen. Ebenso wie beim letzten Hallensportjest fällt ihnen die Aufgabe zu, für die nötige Ordnung und Uebersicht in der großen Kampfbahn, zu jorgen. Die Altersturner stehen unter Führung von Sievert, ASV.- Neukölln. Treffpunkt der Ordner ist um 1/10 1hr am Breffezimmer im Stadion; für Mittagessen ist gesorgt. Fotowettbewerb beim Rast 1,10 resp. 3,80 M.; Nichtorganisierte 1,50 resp. 4,50 M. Bettwäsche wird geliefert. Ausweis nicht vergessen. Anmeldungen mit genauen Angaben an Richard Bowitz, Naturfreundehaus lederjee, Finomfurth bei Eberswalde. Sonstige Anfragen an die Geschäftsstelle des Touristenvereins„ Die Naturfreunde", Berlin N. 24, Johannisstraße 14/15( Telephon Norden 4177). Wer weiter reisen will.. Vorbei sind die Zeiten, wo das Reisen ins Ausland nur der sogenannten oberen Gesellschaftsschicht vorbehalten war. Dank der rührigen Tätigkeit der internationalen Wanderorganisation, des Touristenvereins„ Die Ncturfreunde", ist es heute auch den Arbeitern möglich, in fernere Gegenden zu reisen, Land und Leute des Auslandes fennenzulernen. Das Reisebüro der Naturfreunde ladet neben anderen Reisen ins Ausland, insbesondere zu einer Reise nach Dalmatien. ein. Die Reise beginnt am 23. August und endet am 7. September in Berlin. Mit D- Zug geht es zunächst über Dresden an der Elbe entlang, durch die Sächsische Schweiz, über Bodenbach, Prag nach Wien. In Wien ist 1% Tag Aufenthalt mit Besichtigung der Stadt in Autos. herrliche Savetal und das interessante Korstgebirge nach Split. In Von Wien geht's durch romantisches Alpengebiet, weiter durch das Split ist zwei Tage Aufenthalt. Ausflüge mit Schiff nach Trogir und mit Auto nach Klis, mit anschließendem Besuch der Wraniatscha Grotte, find geplant. Beim Besuch der dalmatinischen Inselwelt in reichliche Gelegenheit zum Baden in den blauen Fluten des Adria tischen Meeres. Die Reise geht dann weiter an der wildzerklüfteten adriatischen Küste entlang nach der dicht bewaldeten, mit subtropischer Begetation bewachsenen Insel Rab. Nach eintägigem Aufenthalt noch eine furze Dampferreise nach Susat und dann per Auto in die italienische Grenzstadt Fiume. Nach kurzer Reise durch italienisches Land nach Spittal, wo am blaugrünen Millstädter See ein Rafttag verbracht wird. Von hier aus wird die Heimreise auf der Tauerbahn angetreten. Die Reisekosten betragen nur 260 Mark; erforderlich ist ein Auslandspaß ohne Visum. Alles Nähere erfährt man durch das Reisebüro des Touristenvereins„ Die Naturfreunde", Berlin N. 24, Jobannisstr. 15. Anmeldungen und Einzahlungen für eine beschränkte Teilnehmerzahl werden bis 1. August, wochentäglich von 9 bis 19 Uhr, im Büro entgegengenommen. Bei der FTGB. am Motzener See Die Freie Turnerschaft Groß- Berlin e. V., Geschäftsstelle Berlin NO. 18, Lichtenberger Straße 3, befizt am Moßener See ein Freitörpertulturgelände, das zum Ferienaufenthalt besonders geeignet ist. In dem zehn Minuten entfernten Dorse Kallinchen ist genügend Uebernachtungsmöglichkeit zu niedrigen Preisen, auch ist das Aufstellen von Zelten auf dem Gelände gestattet. Mitglieder befreundeter Organisationen, die mit der Freitörperkulturbewegung sympathisieren, können von dieser Möglichkeit eines billigen Ferienaufenthalts Gebrauch machen. Die Fahrverbindungen über Königswusterhausen oder 3ossen sind sehr günstig. Weitere Auskunft erhält man in der Geschäftsstelle des Vereins oder bei: R. Wolf, Revaler Straße 13; 5. Quednau, Wilsnacker Straße 19; Alfred Noad, Eichbornstraße 3; J. Hinrichsen, Charlottenburg, Bayreuther Straße 25; P. Taube, Wassertorstr. 9. " à 15 M., sechs weitere Preise à 10 M. und verschiedene Sachpreise. Jeder, der an diesem Photowettbewerb teilnehmen will, erhält im binden, die zum Betreten des Innenraumes berechtigen, natürlich Ausstellungsfaal der Stadion- Photoschau" bei der Aufsicht Armdürfen durch die Photographen die sportlichen Vorführungen nicht behindert werden. Gleichzeitig wird auf die reich ausgestattete Photo Ausstellung des ALB. hingewiesen, die im Gebäude findet. Die genauen Bedingungen für den Photowettbewerb finden rechts zwischen dem ersten und zweiten Haupteingangsbogen stat! fich im RAST.- Programmheft. Zwei Ertappte wieviel laufen noch herum? Der Vorstand der bürgerlichen Deutschen Sporibehörde für Leichtathletit fab sich veranlaßt, die beiden Kurzftreden läufer Jonath und Borgmeyer von Hannover 1878" auf je drei Monate vom Sportbetrieb zu disqualifizieren. Grund: Jonath und Borgmeyer beteiligten sich am 17. und 18. Mai an den Hans- Braun- Gedächtnis- Wettkämpfen" in München. Beide forderten entgegen den vorher getroffenen Abmachungen: Fahrt 2. Klasse, Schlafwagen Hannover- München- Hannover für vier Attive und einen Begleiter. Die Beträge für Schlafwagen hin und zurüd sowie für einen Begleiter wurden zu Unrecht gefordert und entgegengenommen. Die Mannschaft benutzte, wie festgestellt wurde, weder für die Hin- noch für die Rückfahrt den Schlafwagen, auch fuhr die Mannschaft ohne einen Begleiter. Zur Entlastung des Veranstalters mag gelten, daß er sich in einer Zwangslage befand, Name auf der von ihm und Tunney gestisteten Trophäe eingraviert Muldon dagegen aus. Muldon verhinderte auch, daß Schmelings wird. Von der sonst üblichen Bestrafung wegen des Fouls und von einer Einbehaltung der Börse sah man bei Sharkey ab, da die Beftimmungen auf Wunsch von Schmeling für die Weltmeisterschaft außer Kraft geseẞt worden waren. Von Schmelings Kampfbörse, die 177 000 Dollar betrug, wurden 20 Proz. an Bülow, 7½ Proz. an Joe Jacobs und 6 Proz. an Charles Rose ausbezahlt. Sharkey will den Vertrag zum Revanchekampf mit Schmeling sofort unterzeichnen und ist mit einer Teilung der Kampfbörse von 37% Broz. für Schmeling und 12% Proz. für sich nicht nur einverstanden, sondern auch bereit, aus seiner Tasche Bülows etwaige Forderungen zu bezahlen. Schmelings Manager Joe Jacobs steht dem Angebo: Sharkeys nicht ablehnend gegenüber, hat sich aber einen Tag Bedentzeit erbeten. Der durch den sensationellen Kampf mit Schmeling und seine Begleiterscheinungen jetzt in den Mittelpunkt des Sportintereſſes gerückte Meisterboger Sharkey ist seiner Nationalität nach Litauer. Er wurde in Suwalki geboren und kam als Kind mit seinen aus Litauen auswandernden Eltern nach Amerika. Der in Amerika später in Sharkey umgeändert. In Litauen wird dem Name der Familie war ursprünglich Schulauskas und wurde berühmten Borer begreiflicherweise großes Interesse zugewendet und die Nachricht von seiner Disqualifizierung wird daher in den litauischen Sportfreisen größtes Aufsehen erregen. In letzter Zeit hat allerdings Sharkey in den politischen Kreisen Litauens eine gewisser Unzufriedenheit erregt, weil er nach Meinung dieser Kreise 3 sehr im Amerikanertum aufgegangen ist und der Entwicklung feines erst feit so urzer Zeit zu einem selbständigen Staat gewordenen Heimatlandes nicht genügend Interesse schenkt. Die Radweltmeisterschaften Der belgische Radsportverband veröffentlicht jetzt die genaue Programmeinteilung für die diesjährigen Weltmeisterschaf en im Radfahren, die in der Zeit vom 23. bis 31. August in Brüssel, Antwerpen und Lüttich zur Durchführung gelangen. Den Auftat bildet Sonnabend, 23. August der Sommer- Kongreß der 11. C. I. im Brüsseler Rathaus sowie die Vorläufe der Flieger. Der Sonntag, 24. August, bringt ab 15 Uhr auf der Bahn. im Brüsseler Henselstadion die Entscheidungsläufe der Berufs- und Amateurflieger jowie verschiedene Rahmentonturrenzen. Dann geht es nach Ant ausgekämpft wird. Am Donnerstag, 28. Auguft werden wiederum in werpen, wo am Dienstag, 26. August die Radballweltmeisterschaft meisterschaft erledigt. Die Straßenweltmeisterschaft für Berufsfahrer Brüssel( Henselstadion) ab 15 Uhr die Vorläufe zur Stehermeltmit Start und Ziel in Lütlich zum Austrag und der Schlußtag am und Amateure über 200 Kilometer gelangt am Sonnabend, 30 Auguſt Sonntag, 31, August, bringt in Brüssel den Endlauf der Steher über 100 Kilometer. 112 Kilometer im Segelflug. Eine beachtliche Leistung vollbrachte der zur Zeit als Lehrer in England tätige Wiener Segelflieger Kronfeld. In einem etwa dreistündigen Flage legte Kronfeld, 149,420 Kilometer ausführte, die 112 Kilometer lange Strecke von der hm Vorjahre den sensationellen Streckenflugweltreford von Itford Hill nach Portsmouth zurück. Seine Leistung erregt in der englischen Fachpresse berechtigtes Aufsehen. brachte der französische Halbschwergewichte meister Louis Host in Weltkrekord im Gewichtheben. Bei einer Veranstaltung in Baris im beidarmigen Reißen 119,5 Kilogramm zur Hochstrede, momit er seinen eigenen Weltreford um 1½ Kilogramm verbessert hat. fampf zwischen Hein Domgörgen und Bonaglia erfahren. Eine Verlegung hat der am 29. Juni in Köln geplante BorDas Treffen findet nunmehr am Sonnabend, 5. Juli, statt. Neue Bücher Gymnastit, Bibliothek der Leibesübungen, Heft 22. herausgegeben vom Arbeiter- Turnverlag, Leipzig. Die Literatur über das große Gebiet der Leibesübungen für jedermann, die Gymnastik, ist fehr umfangreich, und es ist nicht ganz leicht, das für jeden Geeignete herauszufinden. Da ist es zu begrüßen, daß der Bundesturnwart Karl Bühren ein neues Lehrbuch für alle Leibesübung Treibenden zusammengestellt hat. In 13 verschiedenen Kapiteln gliedert Bühren auch durch die gewissenhafte Einführung jedem Anfänger Gelegen den Gesamtinhalt und verschafft dadurch dem llebungsleiter, aber heit, sich im Gesamtstoff zurecht zufinden. Es ist interessant, ich möchte besser sagen: der interessierte Leser liest den Tert nicht nur durch, mit dem Lehrbuch in der Hand wird er sich sofort bemühen, einige Uebungen auszuführen. Das Schöne ist ja, Gymnastik ist möglich ohne jedes Handgerät: Entkleiden, Fenster öffnen, und jofort geht's los. Aber auch llebungen mit dem Partner, in der Gruppe, Gymnastit mit dem Sprungfeit, mit dem Stab, dem Medizinball unserem unzertrennlichen Spielgefährten und an der Sprossenwand werden behandelt. Ueber Laufgymnastik, Dehnungsübungen und Lockerungsgymnastik berichten besondere Kapitel. Den interessanten Tert beleben 78 Illustrationen, darunter auf Seite 115 eine ausgezeichnete Photographiemontage, die neun ver= schiedene Sprünge veranschaulicht. Das 128 Seiten umfassende Werk wird in seiner einfachen, aber sauberen Aufmachung bald bei allen Freunden der Gymnastit im Gebrauch sein. Der Preis von nur 3 Mart ist nicht zu beanstanden. -iAuf zum„ RAST" Bundes freue Vereine teilen mit: Kartell für Arbeitersport und Körperpflege, 13. Bezirk. Rast- Eintrittstarten müssen spätestens Connabend, 21. Juni, zwischen 17 und 19 Uhr, bei Sicdrich, Werderstr. 10, abgerechnet werden. Der Arbeiter- Lichtbild Bund veranstaltet anläßlich Sonntag, den 22. Juni, Stadion Grunewald des Reichsarbeitersporttages seinen ersten Photowettbewerb. Die Beteiligung steht jedem organisierten Photofreund frei. Bei den Wettkämpfen und Vorführungen im Stadion sollen sportliche und turnerische Momente photographisch so festgehalten werden, daß sie 20000 bundestreue Arbeitersportler her am Teufelsfer, pemeran er ubmarfé sum tabien. Der Tag der Arbeitersportler ist der nächste Sonntag; durch erstklassige sportliche Vorführungen zu werben ist sein Sinn. FTGB. Alle Mitglieder müssen zum Rast um 13 Uhr im Stadion sein. UmKleideräume hinter der Schwimmbahn. Die Kinderabteilungen treffen sich um 11 Gemeinsamer Abmarsd) zunt bringen: Leichtathletik aller Arten, Geräteturnen der besten Turner, Radrennen und Motorradreigen, Kindermassenübungen. Die Kleinen werden ferner eine humoristische Stafette laufen. Die Schwerathleten zeigen Ringkämpfe, Gewichtheben, Boxen und Jiu- Jitsu. Ein Faliboot- Wettaufbauen und ein Angel- Weitund-Zielwerfen bringen eine neue Note in das Programm. Konzert der Berufsmusiker Radioübertragung im Stadion Beginn des Einmarsches 14 Uhr. Eintritt auf allen Plätzen 50 Pf. Parteimitglieder, Freie Gewerkschaftler, Reichsbannerleute, sportliebende Bevölkerung, am Sonntag lautet die Parole: Freie Faltbootfahrer Berlin. Heute, Freitag, Werbefahrt mit Lastauto. Umkleiden 18 Uhr weltliche Schule, Wiesen- Ecke Pankstraße. Conntag, 22. Juni, Fahrtensperre. Restlose Beteiligung am Rast. Treffpunkt 13, Uhr hinter der Schwimmbahn, Umkleideräume, Sportkleidung: Schwarzes Semd, weiße Hofe Montag, 23. Juni, Funktionärkonferenz, Zur Linde", Uferstr. 13. Freie Sport und Schüßenvereinigung. Heute, 18 Uhr, Bogen- und Kleinfaliberfchießen auf dem Sportplag am Uppstallwca. Gäste willkommen. Sportabteilung Norbring( FTGB.). Freitag Sigung nach den Werbespielen, Schönfließer Str. 1. Nächste Woche tein Training, dafür Dienstag und Don nerstag Sporiplah Rehberge. Conntag müssen alle Mitglieder zum Raft. FEGB., Neukölln- Brig. Brißer Teilnehmer zum Raft treffen fich Gonnag, 22. Juni, 11 Uhr Buschrua, 11% Uhr U- Bahnhof Bergstraße. cin eindrucksvolles Bild von der Veranstaltung geben. Format und Ausführung sind freigestellt, bei der Einsendung müssen die Photos ohne Namen, jedoch mit einem Kennwort versehen werden. Ein geschlossener Umschlag, der das gleiche Kennwort trägt, soll Namen und technische Einzelheiten( Blattenforte, Papier, Entwickler, Belichtungszeit, Filter u. ä) enthalten. Als Preisrichter fungiert der Borstand des ALB., dem das Veröffentlichungsrecht der preisgefrönten Photos zusteht. Die Einsendung der Aufnahmen hat bis zum 29. Juni 1930 an Willi Preidel, Berlin. N. 20, Hochstr. 8, zu erfolgen. An Preisen kommen zur Berteilung: ein erster Breis mit 25 M, ein zweiter Breis bis zu 20 m., zwei dritte Breije Auf zum„ RAST" ins Stadion! aus, after Mebrabend Fiellas, 21. Juni, von 18½ bis 20 Uhr. Mettfahrausschuh Solidarität". Sonnabend, 21. Juni, 20 Uhr, Sigung bei Lohann, Brilderfte, 16-18. Alle Wettfahrausschußmitglieder und Schiedsrichter, Ordner, Rundenzähler, Helfer zum Raft bestimmt erscheinen. Fußballsparte, 1. Kreis, 2. Bezirk. Freitag, 20. Juni, fällt der Meldeabens Die Aerzte zur Novelle der RVO. Schwere Vorwürfe gegen die Gesetzesmacher. Professor Lennhoff wies darauf hin, daß schon seit Jahren Kritif geübt und Aenderungsvorschläge für die Krankenversicherung gemacht würden. Die Aerztevertretung bejabe den Grundsatz der Krankenversicherung. Der monatliche Unterstützungsfag beträgt 6 bis 37 M. Der Borstand des Textilarbeiter- Berbandes hofft durch Einführung dieser Unterstützungsart eine noch größere Stabilität der Mitgliedschaft zu erreichen. Nach dem Referat folgte eine lebhafte Aussprache. Die Einführung der Invalidenunterstüßung wurde gegen zwei Stimmen beschlossen. Bei Zenner in Treptow. Bon Organisierten will man nichts wiffen. Deru Zentralverband der Hotel-, Restaurant- und Caféangestellten, 3meigverein Groß- Berlin, schreibt uns: Nach jahrelangem Kampf ist es endlich gelungen, den Pächter des städtischen Restaurants Zenner, Dr. Körner, Treptow, Platz am Spreetunnel 2, someit zu bringen, daß er die benötigten AusDie Fest angestellten sind ohne Ausnahme unorgani sierte oder Gelbe, die auf den Tariflohn verzichten, dafür aber die tarifliche Arbeitszeit ständig überschreiten. Daß es in diesem Be bei dieser arbeiter- und organisationsfeindlichen Einstellung nicht zu triebe noch niemals einen Betriebsrat gegeben hat, ist Der Groß- Berliner Aerztebund und die anderen| Er führte aus, daß diese Beschränkung der Inanspruchnahme der ärztlichen Organisationen hatten die Presse gestern geladen, um ihr frei praktizierenden Aerzte für diese wirtschaftliche Nachteile hätte, Kenntnis zu geben von der Stellung der Aerzte zur Aenderung vergaß aber zu erwähnen, daß z. B. in Berlin eine sogenannte der Reichsversicherungsordnung. Im Mittelpunkt Bauschalvergütung stattfindet, es also letzten Endes für die Aerztestanden die Vorschläge zur Aenderung der Krankenversicherung. organisation gleichgültig ist, ob viel oder wenig Patienten von der Gesamtheit der Aerzte behandelt werden, da ja allein der Berliner Kassenverband pro Jahr etwa 16½ Mill. Mt. an die Aerzte abliefern muß. lleber den Gefeßentwurf im allgemeinen fagte er wörtlich, er sei flüchtig und der Ver= fasser verstände wenig davon. Die in dem Entwurf vorgesehene Schadenersatzpflicht der Aerzte müsse zu unhaltbaren 3- hilfskräfte vom öffentlichen Arbeitsnachweis bezieht. ständen führen. Gegen den Vorschlag, daß die Vertrauensärzte der Raffen sich in eine laufende Behandlung einmischen können, verwehren sich die Aerzte. Unannehmbar sei der Vorschlag über die Zahl der behandelnden Aerzte bei der einzelnen Kasse in Zukunft durch den Vorsitzenden eines Oberversicherungsamtes entscheiden zu laffen. laffen. Die Beschränkung der Neuzulassung von jungen Aerzten werde eine Ueberalterung der praktizierenden Kassenärzte zur Folge haben. Als Vorschläge für Einsparungen bei den Krankentassen verlangte er ein Verbot der unbegrenzten freiwilligen Weiterversicherung; fie sei auf ein Höchstverdienst von 6000 mt. zu begrenzen. Benfionierte Offiziere und Beamte; auch wenn sie eine versicherungspflichtige Tätigkeit ausüben, sollen, da sie durch ihre Pension gesichert seien, nicht versichert werden. Ehegatten sollen, wenn die Frau früher einen versicherungspflichtigen Beruf ausgeübt hatte, und nach ihrer Verheiratung des gemeinsame oder auch nur das Einkommen des Mannes eine bestimmte Grenze überschreite, nicht weiterversichert werden. Dann ergriff Dr. Ritter das Wort zum vorliegenden Reform entwurf der Krankenversicherung: Jeder Arbeitslose foste pro Jahr 1000 mt. Unterstützung und jeder Arbeitnehmer müsse 16 Proz. seines Arbeitseinfommens abgeben. Wir seien von der Selbsthilfe zur Staatsfürsorge gekommen. Anderseits seien die Leistungen der Sozialversicherung, aber auch die 3ahl der Mitglieder gestiegen, die letteren von 18 Millionen im Jahre 1913, auf jett 37 Millionen. Die Ansprüche und die Leistungen der Krantentassen seien durch den jetzt profetarisierten Mittelstand, der seine höheren Kulturbedürfnisse noch behalten habe, gesteigert worden. Durch die Berfeinerung der Untersuchungsmethoden, durch die Verordnung von Organpräparaten, durch Elektrotherapie und Bestrahlungen feien die Kosten vermehrt. Leider wies der Referent nicht darauf hin, daß ein großer Teil dieser Untersuchungsmethoden und elektrophysikalischen Behandlungen, wenn sie in Raffeninstituten abgegeben werden, sich bedeutend billiger stellen als beim frei prattizierenden Arzt. Er ging dann auf die Reformvor schläge, mie die Erhebung einer Gebühr für den Krankenschein, ferner die Beteiligung der Versicherten an den Arzneikosten ein und wies darauf hin, daß viele sogenannte Bagatellfälle der Beginn einer schweren Erfrantung darstellen, die bei einer rechtzeitigen Erkennung mit geringen Kosten zu heilen gewesen wären. Textilarbeiter- Invalidenkaffe Ab 1. Oftober 10 Pfennig Extrabeitrag. Stuttgart, 19. Juni.. In einem großangelegten Referat behandelt Dr. Noelting Berlin das Bevölkerungsproblem im Kapitalismus. Der Kapitalismus ist über Raumnot geboren, der pressende Druď von Bevölkerungszuwachs führte zur Industriewirtschaft. Während bis zum Kriege der Kapitalismus mit ungeahnter Leichtigkeit Millionen und aber Millionen von Menschen Brot und Arbeit geben fonnte, hat er heute diese Tätigkeit in einem Umfange verloren, daß er fich durch immer größere und unüberwindlichere Schwierigfeiten perstrickt. Dazu tragen bei: Die großen Strukturwandlungen des Kapitalismus, die mit der Entwicklung zur Monopolwirtschaft gegeben waren; zum anderen der Vorgang der Rationalisierung. Die gegenwärtige Rationalisierung ist nur Teilrationalisierung, bringt nur die technischen, nicht die sozialwirtschaftlichen Errungenschaften. Was uns verloren ging und was wir wieder gewinnen müssen, ist die Angleichung von Produktionskraft und Verbrauchstraft. Der Geburtenrüdgang ist zum Teil sozial bedingt, die aktive Geburtenkontrolle geht von der Großstadt zur Klein- und Mittelstadt and zum flachen Land oder nach Gesellschaftsschichten geordnet über Großbürgertum, Mittelstand, gelernte Arbeiter und ungelernte ArPROGRAMM für die Zeit vom 20. bis 23. Juni BOL Potsdamer Straße 38 Sprech- und Tonfilm: Das Rheinlandmädel mit Grell Berndt, Lucie Englisch, Werner Fütterer Jugendliche haben Zutritt Rheinstraße 14( Ander Der Sohn des Scheich mit Rodolph Valentino Kaczmarek Kais.- Eiche) mit Fritz Schulz, Ernst Verebes Odeon, Potsdamer Str.75 Fräulein Lausbub m. Dina Gralla Wochenend- Ehen mit Monty Banks( 7 Akte) Turmstraße 12 Richard Tauber singt und spricht: Das lockende Ziel Jugendliche haben Zutritt Alexanderstr. 39-40 ( Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Stud. chem. Helene Willfüer mit Olga Tschechowa • Der Kampf um die Goldfelder Friedrichstadt Die Kamera Unter den Linden 14 Täglich 3, 5, 7, 9 Uhr Zirkus- Babies mit Carl Dane Zirkus mit Charlie Chaplin Moabit Artushof- Lichtspiele Film- und Bühnenschau Perleberger Str. 29 und Stendaler Str. Recht auf Liebe mit Eveline Holt Das letzte Souper m. Heinr. George ( Schuß in der großen Oper) Bühnenschau Bei diesen Ausführungen muß man leider feststellen, daß sie um den Kernpunkt des Problems, eine Möglichkeit zu finden, die Zahl der Aerzte in ein bestimmtes Verhältnis zur Zahl der Versicherten zu bringen, herumgegangen sind. beiter. Es wird fünffig feine Befihfontrolle mehr geben, aber ehrlich verdiente Lebensmöglichkeiten merden vorhanden sein, wenn nicht politische Engftirnigkeit wirtschaftliche Bernunft vergewaltigt. Die Einführung einer Invalidenunterstützung begründete der Hauptkaffierer Schoeller in überzeugender Weise. Der Tertilarbeiter- Berband lehnt sich an die Erfahrungen an, die andere Verbände gleicher Art gemacht haben, und richtet sich weitgehend nach dem Vorschlag der Reformfommission des ADGB. Nach den Berechnungen des Hauptvorstandes wären bei Eintreten der Unterstützungspflichten am 1. Januar 1932 3920 Mitglieder zu unterstützen. Die Ziffer wird voraussichtlich von Jahr zu Jahr auf 10 500 im Jahre 1940 anwachsen. Der Verband rechnet mit einem Durchschnittsalter bei Eintritt in die Invalidität von 56 Jahren bei den Männern und von 50 Jahren bei den Frauen. Nach der Vorlage muß die Versicherung sich selbst tragen, weshalb ab 1. Oftober 1930 ein Ertrabeitrag von 10 Pfennig erhoben wird. Der Verband rechnet mit einer Ausgabe von 668 000 m. im ersten Jahr, ansteigend bis 1 200 000 m. im Jahre 1940. Den weiblichen Mitgliedern, die vorübergehend infolge von Mutterschaft oder häuslichen Verpflichtungen aus der Berufstätigkeit ausscheiden, können bei Wiedereintritt in den Berband die früher geleisteten Beiträge für die Invalidenunterstützung voll angerechnet und solchen, die infolge Mutterschaft oder häuslichen Verpflichtungen dauernd aus der Erwerbsarbeit ausscheiden, die geleisteten Beiträge für die Invalidenunterstützung zurückgezahlt werden. verwundern. arbeiterfeindliche Einstellung zu erkennen, daß er auf die KundDer Gastwirt Dr. Körner gibt durch diese langjährige Beamten leinen Wert legt. schaft der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter, Angestellten und sollten es sich unter diesen Umständen reiflich überlegen, mit Dr. Die Treptower Bezirksverordneten Körner einen neuen Bachtvertrag abzuschließen. Wetter für Berlin: Teils heiter, teils molfig mit etwas Gewitter: neigung und nur leichtem Temperaturrüdgang, schwache füdliche Binde. Für Deutschland: Im Osten Fortdauer des trodenen und wolfig, strichweise Gewitter. sehr warmen Wetters, in Mittel-, West- und Süddeutschland vielfach FUNK RUNDAM Freitag, 20. Juni. Berlin. ABEND 16.05 Kriminalkommissar Dr. Georg Bartsch: Wert und Beurteilung von Geständnissen". 16.30 Unterhaltungsmusik. 17.30 Richard Betnareck und Fritz Michaells: Landstraßenverkehrsstreife durch Brandenburg. 18.00 Alice Ehlers: Das Cembalo bis Bach und Händel. 18.20 Das neue Buch. 18.30 Die Erzählung der Woche.( Sprecher: Hans Reimann.) 19.00 Programm der nächsten Woche." 19.30 Rundtänze für die ältere Jugend. 21.00 Spiel in Monte", Hörschwank von Heinrich Svensson. Regie: Wilhelm Ehlers. 22.00 Suite für Orchester. op. 5. von Berthold Goldschmidt.( Funkorchester. Dir.: Der Komponist.) Nach den Abendmeldungen: Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Berufsschuldirektor Stolzenberg: Unterrichtsbeispiel schule( Maschinenbauklasse). 16.30 Nachmittagskonzert von Leipzig. 17.30 Dr. Walter Noelle: Das Aquarium. 17.55 von Lochow: Roggenbau und Roggenverbrauch. 18.20 Prof. Tarachand Roy: Der Freiheitskampf Indiens. 18.40 Oskar von Wertheimer: Die Kunst des Erzählens. 19.05 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Wissenschaftlicher Vortrag für Aerzte. aus der Berufs19.55 Uebertragung Kroll- Oper: ,, Der fliegende Holländer" vou Richard Wagner. Berantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Schwarz, Berlin; Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Berlag: Borwärts Berlag G. m. b. S., Berlin. Drud: Borwärts Budh druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 68, Lindenstraße 3. Hierzu 1 Beilage. KINO- TAFEL Welt- Kino Beg. 6.45, 9.00, Alt- Moabit 99 S. 5, 7, 9 Uhr Ton- und Sprechfilm: Delikatessen mit Harry Liedtke. Ernst Verebes Jugendliche haben Zutritt Charlottenburg Schlüter- Theater Schlüterstr. 17 W. 6.30. 9 Uhr. Sonnt. ab 3 Uhr. Die Konkurrenz platzt mit H. Liedtke, M. Corda Adjutant des Zaren Wilmersdorf Atrium Beba- Palast Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7, 9.15 U Stg.: 5, 7, 9.15 U. Uraufführung! Frauennot Frauenglück ( Ein Film vom Werden d. Menschen, v. Leiden u. Freuden d. Mutterschaft) Schöneberg Alhambra Wchtgs 5, 7, 9 Uhr Stgs. 3, 5, 7, 9 Uhr Schöneberg, Hauptstr. 30 Der sensationelle Tonfilm: Der Würger Katastrophe des Nordexpres früher Titania( Uta Schöneberg) W 6.30, 9 U. Sig. 3 U. Hauptstraße 49 Mädel aus USA. mit Anny Ondra Vorsicht, Zwangsjacke mit R. Talmadge Steglitz Titania- Palast Filmeck Südosten Beginn W. 7 U. S. ab 3 U. Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der große Tonfilm: Flieger mit Jack Holt, Lila Lee Stella- Palast Köpenicker Straße 11-14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs. 7 u. 9, 1. u. 2. Sonnt. 5, 7, 9 Uhr Die Warschauer Zitadelle mit Victor Varkoni, La Jana Auf der Bühne Gastspiel: Maria Zelenka, Alfred Leutner Sternwarte- Treptow Sonnabend 8 Uhr, Sonntag 4, 6, 8 Uhr Im Lande Aman Ullahs Film von Afghanistan Nordosten Film und Elysium" Bahne Prenzlauer Allee 56 Flieger W. 7, S. S Uhr Amerikanischer Sensationstonfilm in deutscher Sprache Osten Germania- Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen: Wochentags 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr Das Halsband der Königin mit Diana Carenne Das gute Belprogramm Ausgewählte Bühnenschau Steglitz, Schloßstr. 5, Ecke Gutsmuthsstr. Luna- Filmpalast Täglich 6.30, 9 Uhr. Stg. 4, 6.30, 9 Uhr Gr. Frankfurter Str. 121 Der große Tonfilmerfolg: Der große Gabbo mit Erich v. Stroheim, Beity Compson Südwesten Wochent. 6 Uhr, Sonnt. 3.30 Uhr Es gibt eine Frau, die dich niemals vergift. Großes Belprogramm Concordia- Palast Comenius- Lichtspiele Norden Memeler Straße 67 W. 6, 8%, S ab 5 U Erwachen des Weibes mit Mosheim Alhambra Dritte Eskadron m. Rommer, Arno Müllerstraße 136, Ecke Seestraße Dich hab' ich geliebt( Tonfilm) mit Mady Christians Beiprogramm Viktoría- Lichtbild- Th. Frankfurter Allee 48 Woch. 5, ca.7 u. 8.45, Stg. 3, 5, 7u. ca. 8.45 U. Pharus- Lichtspiele Zwei Schlager: Die Drei um Edith mit C. Horn Bummelplatz der Liebe Bühnenschau Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, ca. 7 u. 8.45, Stg. 3, 5, 7 u. ca. 8.45 U Der berühmte Schlagertonfilm: Der singende Narr mit Al Jolson Großes Beiprogramm Neu- Lichtenberg Kosmos- Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Donna Juana mit E. Bergner Turksib Bühnenschau Jugendliche haben Zutritt Friedrichsfelde S. 5. 7 u. 8.45 Uhr. Kino Busch W. 6.15, 8.45 Uhr Belprogramm Alt- Friedrichsfelde s. Der weiße Teufel mit L. Mosjoukin, Dagover Mann aus Nevada mit Tyler Niederschöneweide Elysium Hasselwerder Straße 17 Der große 100 prozentige Tonfilm: Rheinlandmädel m. Lucie Englisch Weißensee Müllerstraße 142 W. 64 U. Stg. 4% U Zwei große Schlager: Lux, der König der Abenteurer? Mädchen in Gefahr mit Elizza la Porta Marga- Lichtspiele Schulstraße 29 Tabu, das Räfsel im Weibe Texasreiter mit Tom Mix Beiprogramm Große Bühnenschau Prater- Lichtspiel- Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 5,30, Sonntags 4 Uhr Der Nächste bitte! mit Lyen Deyers Im Kampf mit Beduinen Skala- Lichtspiele Schönhauser Allee 80 W. 7, 9 U. Stg. 5, 7, 9 U. Tonfilm: Liebe im Ring PROGRAMM für die Zeit vom 20. bis 23. Juni Kristall- Palast Prinzenallee 1-6 100 prozentiger Tonfilm: Die Nacht, gehört uns mit Hans Albers, Charl. Ander Bühne: Grohe Singspielrevue Pankow Palast- Theater Breite Straße 21 a W. 7, 9, Sonnt. 5, 7.9 U. Der große Ton- und Sprechfilm: Atlantik mit Fritz Koriner Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 7. 9 U., Stg. 5, 7 u. 9 U Der große Tonfilm: Liebe im Ring mit Max Schmeling, Renate Müller Beiprogramm Niederschönhausen Film- Palast Niederschönhausen W. 7, 9 U. Stg. 5, 7, 9 U. Blankenburger Straße+ 100 proz. Ton- und Sprechfilm: Der unsterbliche Lump m. L. Haid Tonfilmbeiprogramm Tegel mit Max Schmeling, Renate Müller Filmpalast Tegel Beiprogramm Colosseum Wigs. 7 u. 9 Uhr Stg. 5, 7 u. 9 Uhr Schönhauser Allee 123 Der gewaltige Tonfilm: Cyankali mit Grete Mosheim Gesundbrunnen „ Alhambra" Badstraße 58 Bahnhofstr. 2 W. 6, 82, Stg. 41/ 4,61/ 2,83 Sonnt 2 Uhr Jugendvorstellung Der gewaltige Tonfilm: Cyankali mit Grete Mosheim Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 W. 6, 8, S. ab 4% Der Tiger, der große KriminalTonfilm aus der Unterwelt Berlins Drei Kurztonfiime Union- Theater Bühnenschau Hauptstraße 3 Illusion mit Conrad Veldt Der Kriminalist von Scotland Yard Auf der Bühne: Großes Operettensingspiel: Wenn die Rosen blühen Beg. Wtg. 6, 81½ U. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 4, 61/2. 84 U. Polizeispion 77 mit Ellen Richter Kehre wieder, Afrika! Hennigsdorf 6, 8.3 Film- Palast Kammersäle Andreasstraße 64 6 30,9 Uhr, Stg. ab 4 Uhr Schloßpark Film- Bühne Ballschmieder- Lichtsp Filmpalast st Beg. W. 6. d Teltower Str. 1 W.6%, Sbd. 6, Stg. 5 Uhr Carmen von St. Pauli mit Jenny Jugo Seine stärkste Waffe m Harry Piel Flieger Der sensationelle Tonfilm in deutscher Sprache. Jugendliche haben Zutritt Berliner Allee 205-210 Stg. 3 Jgd.- V Achtung, Autodiebe mit H. Piel Erfahrene Frau gesucht mit Moore Beiprogramm Badstraße 16 Flieger, ein Tonfilm, wie man ihn nur einmal sieht Bühnenschau Berliner Straße 59 Stg. 2 U. Jug.- Vorst Das bekannt gute, große Filmprogramm