Morgenausgabe Sonnabend «Wtz � � ri: r «»ch.nwch«v. m°n-wch ,«M.« W W M M � Auswärts 15 Pf. Im voraus zahlbar. Postbezug 4L2 M. W» I>W W W // W W W W» IT/ W�--auuivuiiv x��i. .lulchlirblich svPig.Vostz-itung-. und re-M» W W■ V) M B B B B B#/ B*99 ��7 ?Z Psg P°sld-sl«llg-dühr-n. Ausland» AmBm\hSM■ B B B B B B B B M) H B/ DU tlatpaltig« S!°»»°r«»irz. abonnemem<-.— M. pro Monal. UWW» I Wz B B D> NB B W> IW-> jB! ML.«0 Pfennig. Rellameuil. 5- Reick I EWi«W WW H Hl HL HB WW DW„kleine Anzeigen' dos I KS* SB KB y JHL\ BHl[H druckt» Won 25 Pfennig(Zulässig zo Der.LonvSN,- erfchelm wochenl,� B» H JKMB> �B�> B B Wl-edruckt. Won.,,.ed.. w.Il.r, S. Ilck, zweimal. Eonmag, und Montag. Wl Wey iB\>/ B li dlennig Elellengeluch. da,., einmal, die Ad.ndau-gaben für Berlin WP*> �B� �/'/ �B\>/ B Bort 15 Pl-nmg, lebe» w.uere W und im Handel mit dem Titel.Der S- IS*.'O M-nnig WoNe übe, IS Buchftad ilbend". Illustrierte Beilagen.B°» l?1!1'" wr zwei Worte Arbeitsma und Zeit» und. Kinderireund». Fern..».._.. � tä ± A RetUMBfennIg.gomillenanzeigenS« SAWS VeMßttv VpWKbKM»»s» JskttvawWan der Gotzialdemokrattstben Oavtei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Retnfptedjet: Dönhoff 292—297 Telestramm-Adr: Sozialdemokral Berlin. Gelsenkirchen, 20. Zuni. Der preuhis6)e Jinanzminisler Dr. h ö p k e r- A s ch a s f, der zurzeit sich aus einer vorlragsreise im rheinisch-westfälischen Industriegebiet befindet, führte auf einer von der Arbeitsgemeinschaft Zndustriebezirk der Deutschen Demokratischen Partei einberufenen vsscntlichen Versammlung unter anderem aus, daß der Reichskanzler Dr. Brüning ihn gebeten habe, nach Berlin zurückzukehren. Er werde dem Rufe Folge leisten und seine Vortragsreise im Industriegebiet abbrechen. 2n Berlin werde man zweifellos an ihn die Frage stellen, ob er Reichssinanzmini st er werden wolle.„Aber". so sagte der Minister,„i ch d e n k c n i ch l d a r a n. Zch habe nicht den Willen, Reichsfinanzminister zu werden. Ich kann mir nicht vorstellen, daß ich in diesem Kabinelt fruchtbare Arbeit leisten kann. Ich würde dabei nur große Schwierig. feiten haben, die für meine Partei von großem Schaden sein würden." » Der Reichskanzler Dr. Brüning, seit gestern bis auf weiteres fein eigener Finanzminister, hatte die geplante Reise zum Reichspräsidenten auf den Anfang der nächsten Woche verschoben. Gerüchte, wonach der angeblich schwer enttäuschte und verärgerte Reichspräsident ihn gar nicht mehr zu cmpfan- gen wünsche, sind wenig glaubwürdig. Der Grund, warum die Reise des Kanzlers nach Ostpreußen aufgehört hat, eilig zu sein, liegt viel näher. Denn der Reichspräsident sollte doch Herrn Moldenhauer zum Bleiben' bewegen. Nach- dem nun Moldenhauer trotzdem gegangen ist, wird die Reise Der Präsident des Verwaltungsratcs der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft. C. F. v. J i e m e n s. hat an den Reichskanzler ein Schreiben gerichtet, in dein auf die Finanzlage der Reichsbahn hingewiesen wird und gleich- zeitig auf den Weg, wie eine weitere Belastung der Wirt- schaft durch Erhöhung der Gütertarife vermieden werden kann. Er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Reichs- regierung durch allgemeine Senkung der Per- sonalausgaben eine weitere Tariferhöhung dem Wirtschaftsleben ersparen kann. In dem Brief heißt es u. a.: Die Berkchrslage der Reichsbahn hat sich im Jahre 1930 in jedem Monat steigender Weise äußerst ungünstig entwickelt. Heute schon läßt sich feststellen, daß selbst bei einem Wiederansteigen d i e Betriebsausgaben die Einnahmen um mehrere hundert Millionen über st eigen werden. Der Gene- raldirektor hat die sächlichen Ausgaben schon seit längerer Zeit gedrosselt, sie sind jetzt aber auf einem Tiefstand angelangt, der wohl kurze Zeit getragen werden kann, aber auf mehrere Jahre die Sicherheit des Betriebes in Mitloidenschaft ziehen muß. Die für die Gesellschaft feststehenden Ausgaben zergliedern sich neben den sächlichen in die Reparationssteuer, die unabänderbar ist, die Personalausgaben, die sich zusammensehen aus l lSS Millionen Mark für Veamtengehäller, 958 Millionen Mark für Arbeiter- löhne und 482 Millionen Mark für Pensionen, sowie Zl8 Mill. Mark für Sozlallasten usw. Sie sind in ihrer Gesamtheit seit Gründung der Gesellschaft nach dem heutigen Stand um über 700 Millionen oder 31 Proz. gestiegen, obgleich dos Personal in derselben Zeit um 02 000 Köpse verringert worden ist. Die Reichsbahn-Gesellschast ist nicht in der Lage, hierin eine Aenderung aus sich heraus eintreten zu lassen oder vorzuschlagen, da sie nach dein Gesetz ihre Beamten ent- sprechend den Rcichsbeamtcn entlohnen muß und die Arbeitslöhne durch Bestimmung des Reichsarbeitsministers, der den Schiedsspruch vom 24. Mai 1929 für verbindlich erklärt hat, ihre Gültigkeit bis zum 31. März 1931 haben. Ter Berwaltungsrat hält sich für verpflichtet, den Reichskanzler besonders auf das Steigen und die Höhe der Personalausgaben hinzuweisen, da sie den wesentlichsten Teil der Gesamtausgaben ausmachen. eine Herabsetzung am direktesten der Gesellschaft eine finanzielle Entlastung geben würde, aber nicht im Machtbcreich der Gesellschaft, sondern nur dem der Reichsrcgierung liegt. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. nach Ostpreußen einen Sinn erst dann wieder haben, wenn der Reichskanzler dem Reichspräsidenten einen neuen Finanz- minister vorschlagen— oder seine eigene Demission anbieten wird. Nun ist die Hoffnung Brünings, er würde die Ernennung Höpker-Aschoffs zum Reichsfingnzminifter vorschlagen können, in nichts zerronnen. Höpker-Afchoff hat gar nicht ge- wartet, bis er wieder in Berlin war— er hat Brüning in öffentlicher Versammlung eine Absage erteilt, wie sie schneidender kaum gedacht werden kann. Daß ein deutscher Reichskanzler von einem Mann, den er zum Eintritt in sein Kabinett auffordern wollte, öffentlich einen solchen Korb erhalten hat, ist in der Geschichte noch nicht dagewesen. Das ohnehin schon stark gesunkene Ansehen der gegenwärtigen Reichsregierung hat durch diese Absage einen neuen schweren Stoß bekommen. Sozialdemokratische Richtlinien. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion stellte am Freitag, dem Auftrag der Fraktion entsprechend, Richtlinien für die Ueberwindung der Wirt- schafts- und Finanzkrise auf. Da ein großer Teil der Fraktidnsmitglieder sich am Freitag wegen des Wahl- kampfes in Sachsen befand, konnte die nächste Fraktions- sitzung, die über diese Richtlinien zu beschliehen hat, erst zu Montag, den 23. Juni, einberufen werden. Er weist außerdem darauf hm, daß der Bertehr in erhebsichem Maße durch die Beförderungssteuer verteuert wird. Eine Steuer, die praktisch nur von der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft zu tragen ist, da Schiffahrt und Kraftwagen und der größte Teil der privaten Bahnen von ihr nicht getroffen werden. Sie wird von der Gesellschaft nur für die Reichsregierung erhoben, die Ein- gänge erscheinen nicht in der Einnahmenachweisung der Gesellschaft. Eine Ermäßigung derselben könnte zum Ausgleich von notwendigen Tariferhöhungen benutzt werden. Andere Wege für die Ausgabensenkung zur Herstellung des finanziellen Gleichgewichtes sind nicht vorhanden. Die alte Monopolstellung der Reichsbahnen für den Berkehr ist immer mehr im Schwinden begriffen. Am Schluß des Briefes heißt es: Dem Verwaltungsrat liegt auf Grund des Gesetzes ob, für die Deckung der sinanzicllen Ber- pflichlungen zu sorgen, sei es durch Beschränkung der Ausgaben oder durch Anpassung der Tarife. In der Begründung des Gesetzes ist auf diese Vorschrift ganz besonders hingewiesen worden. Ich glaube dargelegt zu haben, daß eine weitere Drosselung der Aus- gaben teils außerhalb des Machtbereichs der Gesellschaft liegt, teils durch die Sorge für die Sicherheit des Betriebes zur Unmöglichkeit gemacht wird. Der Berwaltungsrat hofft, daß die Rcichsregierung einen Weg sehen möge, ihn in seinem Bestreben zu unterstützen, das finanzielle Gleichgewicht zu erzielen, ohne durch weitere Tarif- erhähungen das wirtschaftlich« Leben immer mehr zu erschweren, die Arbeitslosigkeit vergrößern zu müssen, und dadurch in Deutsch- land die Auswirkung der Steigerung der Kaufkraft des Geldes. die sich im Großhandelsindex schon durch«inen Rückgang um 15,5 Punkte zeigt— im Lebenshaltungsindex aber bisher nur um 9,8 Punkte—. auf die notwendigen Lebensgüter des Volkes zu verhindern. Der Verwaltungsrat ist sich völlig klar darüber, daß besonders in der heutigen kritischen Zeit Gütertariferhöhungen die Arbeit der Reichsregierung zur Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse ungeheuer erschweren würde, daß ein« solche Maßnahme auch schädigende Wirkungen für den Eisenbahiwerkehr selbst aus- übt, er muß aber erneut daraus hinweisen, daß das Gesetz ihm zwingende Vorschriften gibt und er für die finanziellen Grundlagen der Zukunft zu sorgen hat.� B Der Angriff der Unternehmer auf das Lohnniveau er- hält durch den Vorstoß des Verwaltungsrats der Reichsbahn eine mächtige Unterstützung. Die Leitung des größten öffent- lichen Betriebes tritt an die Seite derer, die eme Lösung der Krise durch Lohnabbau herbeizuführen versprechen. Das Polllcheckkonio: Berlin 37536.— Bankkontos Bank der Arbeiter Anfleslellien und Beamten. Wallltr 85 Di B u Tiic-Gel Tepolitenkalie Lindenltr 8. Bündnis zwischen Schwerindststrie und Reichsbahn gegen Arbeiter und Beamte wird offenkundig. Es ist zugleich ein Bündnis gegen die deutsche Volks- Wirtschaft und die Wirtschaftsvernunft! Daß Lohnsenkung Konjunkturverbesierung bedeute, ist ein Propaganda- Märchen, ersonnen, um den sozialreaktionären Charakter des Angriffs zu verdecken. Seit jeher war es das Prinzip des mächtigsten Unternehmertums, in Zeiten der Krise im Kampf um die Verteilung des Sozialprodukts die Arbeiterschaft zu- rückzuwerfen, in Zeiten guter Konjunktur aber ihr den Anteil an der guten Konjunktur vorzuenthalten. Nicht Vollzug einer volkswirtschaftlichen Notwendigkeit, sondern Klassenkampf gegen den Aufstieg der Arbeiterschaft ist die Lohnsenkungs- parole! Wie soll die Krise sich lösen, wenn die Massenkaufkraft entscheidend geschwächt wird? Der Schiedsspruch von Oeynhausen war der erste Schritt, den die Reichsregierung auf dem von der Schwerindustrie ge- forderten Wege getan hat— jetzt fordert die Reichsbahn, die von denselben Kreisen beherrscht wird, denzweitenprin- zipiellen Schritt, der von der größten Bedeutung sein würde— zahlt doch die Reichsbahn jährlich 2,14 Milliarden Mark an Löhnen und Gehältern! In der Reichsregierung ist unzweifelhaft Neigung vorhanden, solchen Forderungen zu entsprechen— Herr B re d t, der Reichsjustizminister, hat in einer Rede in Dresden bereits erklärt, daß eine Senkung der Gehälter der Reichsbeamten erfolgen müsse. Das ist nicht Wirtschaftspolitik zur Ueber- windung der Konjunktur, sondern Klassenpolitik um den Preis der künstlichen Verlängerung und Verschärfung der Krise! Die Bedeutung der Reichsbahn für die Volkswirtschaft geht aus der Lohnsumme hervor, die sie zahlt, ihre Aufträge bilden einen sehr wesentlichen Teil der Gesamtaufträge der deutschen Wirtschaft. Wie aus dem Schreiben des Verwal- tungsrats hervorgeht, sollen eher Aufträge gedrosselt als er- weitert werden. Die Reichsbahn will nicht aktiv an der Ueber- windung der Krise teilnehmen. Sie wird ihre flüssigen Re- jerven nicht zu Aufträgen verwenden, ebenso nicht ihren Anteil an der Mobilisierungsanleihe. Was wird aus der An- kurbelungsaktion, dem Arbeitsbeschaffung s- Programm der Reichsregierung, wenn die Reichsbahn sich grundsätzlich versagt? Der Verkehrsrückgang der Reichsbahn ist eine Folge der Krise. Ein öffentliches Unternehmen von so gewaltigem Ausmaß wie die Reichs- bahn ist ein wichtiger Faktor für die Konjunktur. Es muß positive Wirtschaftspolitik betreiben, von ihm müssen Antriebe zur Ueberwindung der Krise ausgehen. Das ist eine Forderung im Interesse der Volkswirtschaft, zugleich im Interesse des Unternehmens. Die Wahrung der Rentabi- lität der Reichsbahn muß durch eine auf die Besserung der Konjunktur gerichtete Wirtschaftspolitik erreicht werden. Statt dessen unterstützt die Reichsbahn den General- angriff auf die Maffenkaufkraft. Das ist ihre Einwirkung auf die Krise! Wer redet noch von der Arbeitsbeschaffung? Sie ist hinter der Offensive gegen die Löhne verschwunden. Angesichts dieses Vorstoßes muß man noch einmal darauf hinweisen, daß die Reichsbahn bisher der Reichsregierung noch nicht die Gehälter der leitenden Beamten mitgeteilt hat, die der Reichstag zu erfahren wünschte. Die Antwort auf diese Anfrage besteht in einem Verlangen nach allgemeiner Lohnsenkung. Auch eine Antwort! Die Arbeiterschaft sieht sich einer geschlossenen Front gegenüber. Die Schwerindustrie treibt. Die Schwer- industriellen im Verwaltungsrat der Reichsbahn mobilisieren ihren Einfluß zugunsten der Unternehmeroffensive, und die Reichsregierung kündigt an, daß die Methode von Oeynhausen ein wichtiger Teil ihres Programme? sei. Es ist K a t a» strophenpolitik!__ Die Verteilung des Ostprogramms. Ausgabe von Anleihen geplant. Die Mittel des Ostprogwnnns für den Haushalt 1930 sollen nach neueren Meldungen wie folgt verteilt werden: Von den zunächst für das laufende Haushaltsjahr hierfür bestimmten 120,3 Millionen Mark fallen u. a. 50 Mill. Mark für die B e t r i e b s l i ch e r u n g, 12 Mill. Mark für die F r a ch t« n f e n k u n g, 37 Mill. Mark für die Realsteuersenkung. 7 Mill..Mark' für die Z i n s v e r- b i l l i g u n g und 0.3 Mill. Mark für die Senkung der Schiffahrt-- abgaben Verwendung finden Die Bürgschaften sind für folgende Zwecke bestimmt: 225 Mil- lionen Mark zur Beschaffung von Dauerkrediten für d i« l ä n d l i ch- Siedlung, 400 Mill. Mark für die Umschuldung, 50 Mil- lionen Mark für die Kredithiif« an mittlere und kleine industrielle Betriebe und endlich 250 Mill. Mark für die A b l ö s u n g s j ch e i n c. Bei der gegenwärtigen Struktur der in- und ausländischen Kapital- Höpker-Aschoff dankt! Er will nicht Moldenhauers Nachfolger werden. Reichsbahn Witt Lohndruck. Schreiben des Verwaltungsrats an den Reichskanzler. imirftc wird damit grr«ch',?t, daß der Kreditbedarf van den in Frage kämmenden Banken durch tranchcnweije Ausgaben von An- leil>«n gedeckt werden kann und schon bald aus dieser Quelle Äktttel zur-Einleitung der Uilischuldungsaktion s ließen werden. Preußen fordert gleichberechtigte Mitwirkung. Der Ausschuß des preußischen Landtages sür die Grenzgebiete uahni am Freitag den Vortrag eines Regierunzsvcrtreters ü'ber das Reichs-O st Hilfe'- Gesetz entgegen. Nach längerer Aassprache wurde ein Entschließungsantrag angenommen, worin die Erroorwng ausgesprochen wird, daß die Durchführung der Osthilfe ausschließlich i in E inner- nehmen mit der preußischen Staatsregierung er- folgt. Insbesondere wird die Staatsregierung ersucht, die lieber- nahm« von Bürgschaften für landwirtschaftliche Umschuldungskredite -davon abhängig zu machen, daß eine gleichbcrech- tigt« Mitwirkung der preußischen Stellen bei. der Durch- sührung des Oslhilsegesetzes sichergestellt wird. Ferner wird der Ilcbcrzeugliiig Ausdruck gegeben, daß die ini Osthilfegcsctz vorgesehenen Maßnahmen nur dann den gewünschten Erfolg zeitigen können, wenn sie durch eine planmäßige Förderung der landwirtschaftliches Produktiön und ihres Absatzes ergänzt würden. Gute Arbeii der Sieuerpolizei. 176 Mill. Mehreinnahmen durch Buch- und Betriebs- Prüfungen. Der Reichsfinanzminister hat dem Reichstag eine Darstellung über die Ergebnisse der Buch, und Betriebsprüfung j in Jahre 1929 zugehen lassen. Sie zeigt die steigende Bedeutung dieses Zweigs der Retchsfinanzoerwaltung und die immer stärkere Wirksamkeit seiner Tätigkeit. Es find geprüft worden 57 620 Fälle. Dabei wurde ein Mehr von Steuern festgestellt bei den Reichs- steuern von 119,6 Millionen, den Landeskirchcnsteuern von 26,8 Millionen und an Geldstrafen von 3,1 Millionen. Insgesamt ist also durch den Buch- und Betriebsprüfungsdienst ei n M e h r v o n 176 M i I l i o n« n erzielt worden. Dos Mehr an - Reichssteuern entfüllt in Höhe. von 62,1 Millionen auf die Ein- kommensteucr, von 48,4 Millionen auf die Körperschaftssteuer, von 14,4 Millionen auf die Umsatzsteuer, von 8,1 Millionen aus die Ver- mögewsteuer. 16,3 Millionen entsallen auf sonstige Reichesteuerm Das Ergebnis des Jahres 1929 schließt sich folgerichtig- a» die Ergebnisse der vorhergehenden sechs Jahre an. Die Ergebniszahlen der letzten sechs Jahre zeigen eine dauernd steigend« Tendenz. Die Mehrerträge an Steuern find in den einzelnen Jahren von 1924 bis 1929 wie folgt gestiegen: 1924/25 um 11.4 Proz.,- 1925/26' 11,3 Proz., 1926/27 11,6 Proz., 1927/28 16,1 Proz. und 1928/29 um 22 Proz. Die Reichsfinanzen im April. Nach Mitteilung des Reichsfinan.;ministeriums haben im April die Einnahmen im Ordentlichen Haushalt 828,7 Millionen Mark, -die- Ausgaben 712,8 Millionen Mark betragen,� so daß sich eine ./ Mehreimiohme von 1>5,9 Millionen Mark ergibt. Im Außerordentlichen Haushalt betrugen die Einnahmen ins- gesamt 195,3 Millionen Mark, die Ausgaben 18,0-Millionen Mark, so daß sich«ine Mehre i nnahmc von 177,3 Millionen Mark ergibt. Untier Berücksichtigung des Fehlbetrages aus dem Vorjahre von 465,0 Millionen Mark ergibt sich.mithin Ende April im Drdent. lichen Haushalt ein Fehlst etr u q von: 349,4> M iltivnen-Mark, im r- Außerordentlichen Haushalt unter Berücksichtigung-des Fehlbetrages aus dem Bvrjähre von 771,7 Millioncri ein Fchlbeirog von 594,4 Millirmrn Mord. Der Kaffensollstestand des Reichs stellt« sich am 30. April 1930 Mts 1317 Millionen Mark, van denen 1354 Millionen Mark ver- wendet worden sind, so daß«in Kasscnbestand bei der Reichshaupt- lasse uvd den Außenkassen von 163 Millionen vorhanden war. Die - schwebend« Schuld hat sich von 1938,4 Millionen am 3t. März auf 1541,4 Millionen am 30. April 1930 vernnndcrt. j" Oer Zwischenfall von Profilen. Amtliche Feststellung. Noch am Freitagnachniittog ist eine deutsch-polnische Kommission zur Aufklärung des Zwischenfalls von Prostkcn zufainmengetreten: der preußische Landrat und der polnische Starost nehmen daran teil. Die Polen hatten zuerst behauptet, der Erschossene wäre«in Schmuggler gewesen und hätte zu Unrecht den Paß eines polnische» Grenzwächtcrs geführt. Das Lichtbild dieses Grenzwächterpasses zeigt ober genau das Gesicht de» Erschossenen. Deutsche amtliche Darstellung. � Königsberg, 20. Juni. Die Iustizpressestelle teilt mit: Der Zollassistent Tartow.sk i aus Prvstken wurde am 19. Juni um 11.30 Uhr auf deutschem Boden im Walde in der Nähe von Prostken etwa 3 00 Meter von de r p oln i s che n Grenze entfernt, von einem Zivi- listen ohne jede Veranlassung beschossen. Tarkomski ftihr auf einem Fahrrod«. Er bemerkte den Zivilisten aus eine Entfernung von etwa "20 Meter und sah, daß dieser eine Pistole auf ihn anschlug. Mit dem Ruf: /zier Zollbeamter, nichtschießenl bremste er sein Fahrrad und kam dabei zu Fall. In diesem Augenblick fiel der erste Schuß von dem Zivilisten. Tarkowski ging hinter ein Gebüsch in Deckung und gab, da der Zivilist noch ein zweites Mal geschossen hatte, drei bis vier Schüsse auf den Zivilisten' ab, dessen .Pistole offenbar eine Lädcheinrnung hatte, so daß er nur noch einen dritten' oder vierten Schuß hätte abgeben können. Tarkowski blieb selbst unverletzt, sein Angreifer wurde getötet. Tarkowski fuhr sofort nach Prostken und meldete den Notfall seiner vorgesetzten Dienststell«. Eine Gerichtskommiffion hat unter Zu, gehung eines «chicßsachoerständigei, an Ort und Stelle die' Angaben des Zoll- asiistcntcn Tarkowski als zutreffend bestätigt gefunden. Iu den Klcidctn'des Getöteten wurde«in Ausweis gefunden, aus dein her- voigoht. daß es sich um«inen polnischen G renzb«am te n han- Seit. Di« Obduktion der Leiche wird heute durch das Amtsgericht Lyck vorgenommen. '' r•- Ein weiterer WTB.-Bericht aus Königsberg lautet: Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt: Freitag wurde ein Lokaltermin.vorgenommen, an dem der Landrat des Kreises Lyck und der polnische Starvst in Grajewo teilnahmen. Nach deut-' scher Auffassung bestätigen die Verlzandlungen in vollem Umfange die Richtigkeit der gerichtlichen Feststellungen, wie sie durch den Oberstaatsanwalt in Lyck bereits bekanntgegeben wurden. Hiernach stdht cinivondfrei srst, daß ein. polnischer Grenz- boointer das deutsche Hoheitsgebiet" belvajjnet und olzpe Erlaubnis. in Zivil betreten und mehrere jcharjc Schüsj« auf«mm ihm cnt- I Preußens Vertrag mit Bremen. ...„als ob es keine Landesgrenzen gäbe." Der preußische iMiniflerpräsidenl O l l o Brau« begibt sich heule nach Bremen, um einen S l aa k s o c r t r a g zwischen Preußen und der Freien hansesladl Bremen zu unterzeichnen, der sür die künftige Entwicklung des Bremer welthafcns von größter Bedeutung ist. Der Vertrag Preußens mit Bremen ist ein Gegenstück zu dem Gemeinschastsvertrag der preußischen Staatsregierung mit dem Freistaat Hamburg. Ebenso wie dieser Ende 1928 abgeschlossene Vertrag die p a r t i k u l a r i sti s che n Länderinteressen zugunsten einer großzügigen und rveikfichligen Wellhascnpolttik zurückstellte, ist auch der Zweck des Staatsvertrages zwischen Preußen und Bremen, die Schwierigkeiten, die sich für diesen Hafen aus den uuzivctfinäßigen und unwirtschaftlichen Ländergrenzen i m Unterwcs er gebiet ergeben, zu beseitigen. Der Beitritt Oldenburgs' zu dem Bertragswerk ist, soweit die Interessen dieses Landes berührt werden, vorgesehen. In dem Text des Rahmenvertrages kommt zum Ausdruck, daß Preußen und Bremen mit dem Abkommen dos Ziel verfolgen: ,chas Wirtschaftsgebiet an der Unterweser einheitlich zu er. schließen und in verständnisvoller Gemeinschaftsarbeti nach einheitlichen Gesichtspunkten zu entfalten, zur Förderung des .Handels und des Weltverkehrs jeden den Belangen der gesamten deutschen Wirtschaft schädlichen Wettbewerb zu vermeiden und Verwaltungsunzuträglichkeiten zu befestigen." Dieses einheitliche Wirtschaftsgebiet soll so verwallet werden, als ob Landesgrenzen nicht vorhanden wären, so daß sich sür dieses Gebiet künftig aus der verschiedenen Landes- Hoheit keine Nachteile mehr ergeben. Zu diesem Zwecke sind neun Einzelabkommen getroffen worden, deren Kernstück das Hochseefischerei abkommen ist. Dieser Bertrog, der in seinem ersten Teil den Beitritt Bremens zu dem zwischen Preußen und Hamburg abgeschlossenen Bertrog« über das Hochseefischereiwesen im Nordseegebiet bringt, beseitigt den unrationellen Weit- bcwerb zwischm den beiden Fischereihäfen Wesermünde und Bremer- Häven. Durch die Schaffung einer gemeinsamen Betriebs. gesellschast wird die Konzentration des Fischereiwesens durch Zusammenfassung der Auktionen und Bereinheitlichung des Trans- ports in das Inland gefördert. Di« Ländcrgrenzcn werden in zwei woiteren Abkommen über die Verkehrsregelung und Landesplanung praktisch ausge- schaltet. Für das gesamte Gebiet der preußischen uno bremischen Gemeinden ist«ine einheitliche Landesplanung in Aus- ficht genommen, zu deren Ausarbeitung besondere Ausschüsse gc- schaffen werden. Die Berwalwngsschwierigkeiten, die sich im Unter- wesergebiet durch die lleberschneidung von Preußen. Oldenburg und Bremen sür die Wasserpolizei ergeben, weiden durch das Abkomme» beseitigt und«ine einhestlichc Handhabung der Wasser- Polizei im Interesse der Schisfahrt sichergestellt. Auch aus kommunal- politischem Gebiet ist engste Gemeinschaftsarbeit' voögesehen. So hoben sich die Vertragspartner verpflichtet, auf die beteiligte, r Koimnunalverbände dahin einzuwirken, daß künftig', die Errichtung nnd Ausnutzung öffentlicher Anlogen und Anstalten gemeinsam durchgeführt wird. Ergänzt wird diese Zusammenarbeit durch ein Abkommen über den kommunalen L a st e n a u s g l e i ch. Das Wsse r-Cms-Wk oimnen, dos«in« gemeinsame Seehafen- Politik Preußens und Bremens vorsteht, greift über das iinterwcjer- gebiet noch hinaus. Dieses Abkommen bezweckt in Verbindung mit einer einheitlichen Wirtschofts-, Verkehrs, und Tarispolitik«in« E r- leichterung des Konkurrenzkampfes- mit den ituner stärker aufkommenden westeuropäischen Seehäfen. Die Schaffung einer einheitlichen Linie in der Politik dieser beiden Häfen erschien um so notwendiger, als Emden sowohl wie Bremen über das gleiche Hinterland, das rheinisch-westfälische Industriegebiet, verfügen. Die grundlegende Bedeutung des Staatsvertrogcs zwischen Preußen und Bremen liegt, wie schon bei dem Slbkomincn Preußens mit dem Hamburger Staat, in der bewußten Zurückstellung egoistischer Landeslnleressen gegenüber den«nffcheidcnderen Erfordernissen einer- einheitlichen Wirtschaftspolitik. Der in dem Vertragstext wiederholt zum Ans- druck kommende Wunsch, die Verhältnisse so zu regeln,„alz ob es keine Landesgrenzen gäbe", kennzeichnet den Geist, der diesen Vertrag beseelt. Daher gewinnt dieses Abkommen auch weit über seine wirtschaftspolitischen Wirkimgen der gemeinsamen Erschließung und Erweiterung des Bremer Welthafens und der einheitlichen See« lzafenpolitik■ hinaus eine grundsätzliche Bedeutung sür die kommende Reichsresorm. gegentommenden deutschen Zollbeamten ohne jede Veranlassung aus einer Armeepistole 08 abgegeben hat. Die Einzelheiten des Borfalles sind auf Grund der glaubwürdigen Aussagen des deutschen Zollbeamten, die durch die gerichtliche sowie die heutigen Feststellungen des Landratcs am Tatort bestätigt wurden, einwandfrei geklärt. Offen ist lediglich die Frage, aiis welchen Motiven der polnische Grcnzbeamte gehandell Hot. Die polnischen Mit- glieder der Delegation bezweifeln nicht die Richtigkeit der deutscherseits berichteten Tatsachen. Sie geben zu, daß der Tote identisch ist mit dein polnischen Grenzbsamten Bincenti Kachel, dessen Ausweis in der Tasche des Toten vorgeftmden ist. Die Polen wollen aber noch westsre Ermittlungen anstellen, ehe sie chre Auf- fässung des VhrstrllcS abschließend festlegen./ Während H:r Perhandlungeit war auch bicr Unmittelbar Mpsist. vdrgesetzte des Getöteten, der Postenführer Theöplzil Zurösch in Prostken anwesend. Der Bille des Oberstaatsanwalts aus Lyck, den Postenführer die Genehmigung zur Aussage vor dem in Prostken amtierenden deutschen Gericht zu erteilen, wurde von dem polnffchen Borgesetzten des Bamten nicht entsprochen. Bei der heute vorgenommenen Leichenöffnung des erschossenen polnischen Grmzbeamten Kachel Wae der polnische Medizinalrat zu- gegen. Er erklärte sich mit dem vorläufigen Gutachten der deutschen .Aerzte« i n v« rst a n den. Mörder-Lihmann meldet sich! wollte nicht Hindenburg, sondern„nur' st e n ü b e r s a I l c n u» d s ch w c'r mißhandelt. djz.Täter luiZen ihn aus dem Wege zun? Freibad aufgelauert und hn züiiachst bedroh?.«Jenosse Winllcr hielt sich die Ängreiser vom Leibe: erst als er seine Kleider abgelegt hatte, sielen sie wieder über ihn her und verletzten ihn schwer.. Beamie und Volksenischeid. Ausgewählte Eutscheidungew des Staatsgerichtshofes. Der Präsident des Reichsgerichts, Dr. Bumk«, hat jetzt unter dem Titel„Teilnahme der Beamten an Volksbegehren und Volks- urtschsist" ein erstes Heft ausgewählter Entscheidungen des Staotsgerichtshofes und des Reichsgerichts herarrsgegeben.(Mrlag Franz Dahsen, Berlin.) Wie der Raichsgerichtspräsident in seinem Vorwort bemerkt, sollen die gerichtlichen Entscheidungen in dieser viclinnstrittciiciV Franc der Allgemeinheit durch, die Sonderdrucke schnell und leiä't zugänglich gemacht ir>e.rden, was durch eine Sainmlung der Vrrichtscnlscheidungen in einem längeren Zeitraum nicht erreicht werden kann,________,__ Die Deutsche Gefolgspariei. y Sssätfr* /' (ll fS „Los tretet alle hinter euren Minister!" Oie Spannung Krankreich-Italien Trnppenanhäufung an der Grenze.— Scharfe Worte Tardieus. Paris, 20. Juni.(Eigenbericht.) In der Finan�ommission der Kammer erklärte Ministerpräsident Tardicu, es sei mit absoluter Gewiß- hcit bekannt, daß Italien in den letzten BZochen beträchtliche Truppenkontingente an der italicnisch-französischcn Grenze konzentriert tznbc. Zur Beruhigung ihrer eigenen Bevölkerung sei daher die französische Regierung ge- zwungen gewesen, das gleiche zu tun, nämlich ebenfalls Truppen an der Grenze zusammenzuziehen und dort zu- nächst zu belasse,». Ter aggressive Ton der Reden Müsse- linis fei schlechthin unanständig; er selbst habe Italien gegenüber nur den eine» Wunsch,„daß man Frankreich in Ruhe lassen möge". Faschistische Kriegshetze. London, 20. Inns, lGigenbericht.) T:r„Tailh Herald" berichtet aus Rom. daß die .«pannung zwischen Italien und A rankreich seit einigen Tagen sichtlich zunehme. So habe v. a. Tnrati. der Generalsekretär der faschistischen Partei, in einer An- spräche vor Studenten erklärt, der Krieg mit Frank- reich sei unvermeidlich geworden. Tic gleiche ttedc und die gleichen Worte hat am. Freitag Turali wiederum bei einer anderen Versammlung wiederholt. Aehnliche private Propagondaveranstaltungen und Zln° sprachen würden von der faschistischen Partei zurzeit durch ganz Italien getragen. * Die italienische Presse äußert sich, sehr erregt über franzö» fische Rüstungen an der Grenze— in Italien gibt es keine Prcßfrciheit, nichts erscheint ohne Gutheißung der Zensur, nur geeichte Faschisten dürfen Redakteure sein. Dieser Presse- stürm ist also das Werk der Regierung. Dazu kommen Spioneverhaftungen bei Ventiniglia. eine antifranzösische Kundgebung in Bari, die italienischen Zettc- lungen in Tunis und nun die Erklärung des französischen Ministerpräsidenten mit ihrer persönlich treffenden, sachlich durchaus berechtigte» Kritik an dem problcmischen Duce. Das alles sind Symptome, die fatal an ähnliche Hoch- sommertage vor sechzehn Iahren erinnern. Es dürfte hoch an der Zeit für die übrigen Großmächte und dem Völkerbund sein, durch nachdrückliche Erinnerung an Völkcrbundsvertrag, Schicdsabmachung und KcUogg-Pakt zu bremsen! Reform für Lndochina! ZorderunA der französischen Sozialistcn. Pari», 20. Juni.(Eigenbericht.) In der Kamwersitzung über Indochino machte der sozialistisch« Abg. B o r c n n e, ehemals Gouverneur von Jndochina, der Kolonial. verwattnng den Borwicrf, büß si�viel zu langsam an die Reform erdest, herangehe; sie solle durch die.Zusammenorbe't mit der einge borenen Bcvöikerung und durch die Gewährung von outönomen Rechten ein hesriedigendes'Verhältnis zu den Annumiten herstelle». Wenn man aber so weiter mache w!« jetzt, werde Jndochina nicht französisch werden, sondern chinesisch. Es gebe nicht an, oll« Schuld den Bolschemisten in die Schub? zu schieben. Es gebe in Jndochina bolschewistische Agitotoreii. doch nützten dies« lediglich die ohne h i i? vorhandene Unzufriedenheit der Bevölkerung aiis. Neue Offensive in Marokko. Pari». 20. Juni. In der Gegend von Tadla gingen überraschend in drei Kolonnen französische Truppen vor und haben nachts, anscheinend ohne W i d e rst a n d, die sranzösische Linie ungesähr 10 Kilometer vorverlegt. Diese plötzliche Ojfcnsivc ist allem Anschein noch der An- sang neuer Operationen oder von„G r c n z b c r i ch t i g u n g e n", wie es in der ojfizicllcn Sprache heißt. Bauernaufstand in Kaukasien. Mge der Kolletiivisierung.— Fürchierlicher Terror der Regierung. Das Georgische Pressebüro teilt mit: Die Zwangskollektim- stcrung hat in Kaukasien seit dem Februar dieses Jahres eine Reihe Baucrnaufftändc hervorgerufen� die zugleich eine» ausgeprägten nationalen Charakter tragen. Diese Ausstände, über die selbst die Sowjctpresse nicht oollkonimen schweigt, dauern trotz oller grau- sarnen llnterdrückimg an. Die blutigsten Kämpfe maren in Aser- beidschan(das'Land der- kaukasischen Türken mit der Hauptstadt Baku). Die Kämpfe von Sök a tali, N u chm, A gAa sch, R a ch i t s ch c'wa n! und der nachfolgende bolschewistische Terror haben mehrere lausend Menschenleben gekostet. Taufende aufständische Bauern hallen sich weiterhin in Gebirgen auf und unternehmen verwegen« Ueberfälle aus die Truppe». Tausende ärgere flüchten nach P c.r s i c n. Auch in Georgien und Armenien herrschen Unruhen und äußerste Erregung. Die letzte Korrespondenz aus Georgien beschreibt die Lage folgendermaßen: „Besonders ernsten Charakter' haben di« Unruhen in W e st» georgic.».angenommen. Hier waren mehrere blutige Zusammen-. stoße der aufständischen Bauern mit den Sowjellruppcn: die opfer- reichsten waren-. die �Schlachten von Didi-Dschichaischi und W a n i.'» Die georgischen Abteilungen der Roten Armee weigerten sich, aus die Aufslöndischen zu schießen, weshalb zwei Regimenter ous- . gelöst und nach anderen Teilen kaukasien« und Rußland» übergeführt wurden. Wich A b s ch a s i e n(mol>ainmedanisches Georgien um Bntum), wo erst vor eivein Jahre ein Ausstand so grausam unterdrückt wurde, ist wieder in Bewegung. Die Wälder>md-Berge Georgiens wim- mrst, von Flüchtenden und.Aujständijchc». Heber das ganze Land ist Kriegszustand verhängt. Masse nerschießungen sind wieder in vollem Gange. 1500 politische Grsangene sind wieder noch Rußland deportiert. Im ganzen Lande herrscht äußerste Spannung, die an 1924(dos Jahr des allgemeinen Slusstandes) erinnert. Die Geduld der ge- saniten Bevölkerung— selbst der Kommunisten l— steht vor de», Zerreißen." Die Sowjetregierung sucht sich durch Versprechen von Zugeständnissen, woran niemaitd mehr glaubt, und durch iveiterc Verschärfung des Terrors und zum Teil auch durch die Maßregelung von Sünde nböcken zu helfen. Der Führer der kaukasischen Roten Arme« Lewandowsky wurde durch D i b e n k o ersetzt. Eine besondere Untcrsuchungstommission wurde eingesetzt mit der rechten Hand Stalins, S. O rd s ch o n i k i d z e, an der Spitze, der als blutigster Hknker Georgien» be- kaimt ist.... Kämpfe in Bombay. Erst dreingehoyen, dann Umzug erlaubt! Bombay. 20. Juni 1930. Ein Umzug von 400 Studenten befolgt« nicht die Slusiorberung auseinaicherzugehcn. Die Polizei verletzt« mit dem Gummi- knüppol 16 Personen, darunter zwei- schwer. Später konnte» die Studenten ihren Uinzug unbehelligt fortsetzen. In Uebereinstimmung mit den Beschlüssen der indischen Sport. Vereinigungen, keine Spiele mit Europäern auszutragen, sind alle E r i g» c t- T r e f f e n abgesagt worden. Den in Puna gesaiigengehaltcne» Anhängern Ghandis soll von den Gesangnisbehörden ertaubt werden, den zweiten und wichtigsten Teil des Simoll-Bc-rlckztcs-Kt'studiercu....... Arbeiterschast und Krise. Wie die Wirtschast angekurbelt werden kann. Die nachfolgende Darstellung cntnehinci» mir einem Vortrag, den Genosse Nikolaus Bernhard, der Vorsitzende des Deutschen Baugewerksbundes, vor den Berliner Bauarbeitern geHallen hat. Genosse Bernhard führte aus: In normalen Zeiten beschäftigt die deutsche Bauindustrie etnx: 2 Millionen Arbeiter uird Angestellte. Dazu kommen etwa 6 bis 7 Millionen Familienangehörige und die Arbeiter und'Angestellten der verwandten Industrien mit ihren Arigehörigen, so daß in Deutschland von der Tätigkeit im Baugewerbe m i n d e st e n s 12 M i l l i o Ifen Mensche n oder rund ein Fünftel der Gesamt- bcvölkerung beeinslutzt werden. Nach den Angaben der Bauberufs- gciiossenschaftcn wurden im Jahre t928 in der deutschen Bau- induftrie 3,t22 Milliarden Mark an Lohn gezahlt und iin Jahre 1929 für 3, 140 Milliarden Arbeitsstunde» 3,185 Milliarden Mark. Diese letzt« Zahl beweist, daß es mit den angeblich so „hohen B a u a r b c i t e r l ö h n e n" nicht sehr weit her ist, denn ein Vergleich der 1929 verausgabten Lohnsuumie mit der Zahl der Arbeitsstunden ergibt nur einen durchschnittlichen Lauarbeitcrstundenlohn von wenig mehr als 1 Mark pro Stunde. Bon den Unternehmern wird der jährliche Produktionswert des deutschen Baugewerbes auf 8 bis 9,5 Milliarden Mark angegeben; in der„Frankfurter Zeitung" wurde kürzlich diese Zahl als zu niedrig gegriffen bezeichnet und auf ctiva 13,5 Milliarden Mark berechnet. llnt«rstellt man aber selbst die 2lngal>en der Unter- nchmcr als wahr, so ergibt sich daraus, daß der Lohn der Bauarbeiter nur etwa ein Drittel des Pro- duktionslvertes ausmacht und nicht, wie von den Unternehmern immer behauptet wird 40 bis 50 Proz. Diese Zahlen beweisen auch, daß man der Bauwirtschaft von der Lohnscite her nicht auf die Beine helfen kann. Das muß jetzt erneut in aller Oeffcntlichkeit festgestellt werden, weil nach Aeußerungen, die anscheinend von Regierungsseite in die Oeffcnllichkeit lanciert werden, damit zu rechnen ist, daß auch viel- leicht bei den Bauarbeitern auf„gesetzlichem" Wege in die erst vor kurzem abgeschlossenen Tarifverträge zum Zwecke des Lohnabbaues eingegriffen werden soll. Wie das geschehen soll, bleibt vorläufig noch das Geheimnis Stegerwalds. Eine wirksarne Belebung des Baumarktes kann nur von der F i n a n z s e i t e her erfolgen. Allerdings scheint man jetzt � auch endlich in Rcgierungskreisen einzu- sehen, daß das Zentrum der Konjunkturbelebung nur das Baugewerbe sein kann. Die Reichsregiernng trägt sich mit dem Plan, 250 Millionen Mark sür den Baumarkt flüssig zu machen, und zwar sollen davon 50 Mil- lionen Mark durch die Landesversicherungsanstolten aufgebracht werden, 100 Millionen Mark aus dem Verkauf von Vorzugsaktien der Reichsbahn und die restlichen 100 Millionen Mark durch die Aufnahme einer Ausländsanleihe. Hoffentlich bleibt es nicht nur bei diesem Plan der Reichsregierung, der durchaus geeignet erscheint, den Baumarkt und damit die Gesamtwirtschast wieder zu beleben. Nachdrücklich muß aber auch die Forderung nach Beseitigung der Beratungsstelle für Auslandsanleihen oder wenigstens nach Einschränkung ihrer Machtvollkommenheit erhoben werden. Sie hat sich bisher als der größte Hemmschuh einer gesunden Entwicklung des Vaumarktes erwiesen. Daneben muß aber verlangt werden, daß endlich ein Bauprogramm auf lange Sicht aufgestellt wird, ähnlich wie es z. B. in England geschehen ist. Ganz entschieden Front gemacht werden muß aber gegen den Anschlag auf die Arbeits- losenversicherung, insbesondere gegen die beabsichtigte V e r- längerung der Wartezeit auf 52 Wochen, wodurch sämt- liche Bauarbeiter praktisch von dem Bezug der Arbeitslosenunter- stützung ausgeschaltet werden würden. Genosse Bernhard schloß seine Ausführungen mit dem Appell an die Bauarbcilerschaft, jedem Loh i? abbauversuch den schärf st«n Wider- st and entgegenzusetzen und die Einigkeit allem voranzu- stellen in dem schweren Kampf, der der gesamten deutschen Arbeiterschaft jetzt durch das llrrternehmertum aufgezwungen wird, und in dem es neben der Erhaltung der sozialen und arbeitsrechtlichen Errungenschaften gleichzeitig um den Bestand der deutschen Gewerk- schaften geht. Kongreß der Werkmeister. Die Organisation zv den Wirtschastsproblemen. Der Deutsche Werkm ei st erverband hielt dieser Tage in Breslau seinen Verbandstag ab. Der Verband konnte, wie aus dem Geschäftsbericht des Berbandsvorsitzenden B u s ch m a n n hervorging, in den letzten zwei �Jahren seinen Mit- gliederbe st and von 130 000 Köpfen aufrechterhalten, was angesichts der großen Arbeitslosigkeit als Erfolg gebucht werden kann. Die deutsche Wirtschaft, betonte Buschmann, umfasse 220 000 Werkmeister, der Verband müsse also noch rund 90 000 gerbinnen. Im Durchschnitt würden monatlich 000 Neuausnahmen gemacht. Er- fölgreich sei die Tarisarbeit des Verbandes gewesen. In den letzten zwei Jahren seien rund 18 neue Abschlüsse vorgenommen worden; sie hätten eine Gehaltserhöhungvon5bisk Proz. gebracht. Der Realwert des Friedensgehaltes sei allerdings n o ch immer nicht erreicht. Um so bedenklicher seien die Versuche der Unternehmer, unter Androhung von Stillegungen einen Ge- Halts- und Lohnabbau zu erzwingen. Buschmann streifte auch die sozialpolitischen Probleme. Er kriti- sicrte die Leistungen der Zl n g c st e ll t e n ve r s i ch c r u n g, die trog gewaltiger Reserven, viel zu gering seien. Die durchschnittliche Rente betrage heute monatlich 63 Mark. Das Vermögen der Reichs- Versicherungsanstalt für Angestellte habe End« 1929 1,3 Milliarden betragen.„Wir verlangen vom Reichstag", erklärte Buschmann, „daß er die längst sällige Erhöhung des Eteigerungssatzes vor- nimmt, wobei wir an unserer alten Forderung auf Erhöhung dieses Satzes auf 20 Proz. festhalten". Ein trauriges Kapitel nannte Busch- mann die Haltung des Reichsversicherungsamtes in der Frage der Angestellteneigenschaft der Werkmeister. Diese Be- Hörde unterstütze die Unternehmer in ihrem Versuch, möglichst viele Werkmeister in das Arbeiteroerhältnis zurückzuversetzen. Den Kassenbericht erstattete der Verbandskossierer Gustav S ch n ö r i n g. Die Gesamteinnahmen des Verbandes 1928 betrugen 6 334 433 M. Unterstützungen wurden gezahlt 2 515 465 M. Im Jahre 1929 betrugen die Gesamteinnahmen 6 637 127 M. Unter- stützungen wurden gezahlt 2 864 755 M. Das Vennögen des Ver- bandes betrug End« 1929 5 324 575 ZN.— auf den Kopf der Mitglieder 41 M. Aus der Inflation hatte der Verband seinerzeit nur 200 000 M. gerettet. Reichstagsabgeordneter Heinig, Leiter der Wirtschaft»- politischen Abteilung des ZZerbandes, beleuchtete die Unzulänglich- tcit der Regierungskunst des Kabinetts Brüning. Ihr Generalrezept bestehe in P r c i s e r m ä ß i g u ng d u r ch Lohn- s e n k u n g. Die A u s w i r k u n g der Lohnkürzung auf den Preis werde Monate dauern oder überhaupt ausbleiben, während die Löhne und Gehälter schon seit Jahren dauernd abgebaut worden seien. Darüber sage leider keine Statistik etwas, weil sie nur den Tariflohn kenne. Beim Arbeitnehmereinkommen mache aber die nicht tariflich geregelle Zulage im Verhältnis zum Tariflohn einen immer größeren Teil aus. Die Verhandlungen, die zwischen Unternehmern undGe- w e r k s ch a f t e n über die Lohn- und Preisfrag« geführt worden seien, bedeuten nichts anderes als den Versuch einer politischen Entlastungsossensive für die Regierung Brll-. n i ii g. Dafür seien aber die Gewerkschaften nicht da. Schwere Kämpfe stünden bevors in denen der Werkmeister zusammen mit der übrigen Arbeitnehmerschast eine kräftig: Widerslandsfront for- mieren müsse. Ueber„Neue soziale und wirtschaftlich« Pro- b l e m e der W« r k m e i st e r" sprach der Verbandsvorsitzende Buschmann. Er wies darauf hin. daß durch die Rationalisierung der D e n k p r o z e ß, der das vorbereitende Stadium der Arbeit aus- mache, vom eigentlichen Arbeitsprozeß räumlich und per- sonell getrennt worden sei. Der Denkprozeh bedürfe aber ebenfalls des Praktikers. Der Werkmeister Hab« deshalb seinen Platz auch im Arbeitsbüro und nicht uur in der Werkstatt. Um sich im Arbeitsbüro behaupten zu können, müsse der Werkmeister sich fachlich schulen. Buschiaann schilderte im Anschluß an diesen Gedankengang ein- gehend dos Werkmeisterbildungsproblem, Ueberarbeit, Sonntags- arbeit und verschieden die Werkmeister berührende Fragen des Arbeitsschutzgesetzes. Das aus der Tagung angenommene Soziale Programm des Verbandes wurde von Müller vom Verbandsvorstand und von den Abteilungsleitern Kroll, Geißelbrecht, Rose- mann und Dr. C r o n e r begründet. Dabei ging Eroner auf das Arbeitslosenproblem näher ein. Die Wurzel des Uebels sieht er in dem Zusammentreffen zwischen Rationalisierung und Monopolkapitalismus. Rationalisierung habe es auch früher schon im Kapitalismus gegeben, sie sei aber stets mit einer Preissenkung verbunden gewesen, die heute der Monopolkapitalismüs verhindere. Die heutige Wirtschaft sei bereits zum Feind aller Arbeitenden ge- worden. Die sozialen und wirtschaftspolitischen Ausführungen fanden ihren Niederschlag in fünf einstimmig angenommenen Eni- s ch l i« ß u n g e n zur Angestelltenversicherung, zur neuen Stellung des Werkmeisters im Arbeitsprozeß, zur Arbeitslosenversicherung und Wirtschaftslage, sowie zum Arbeitsschutzgesetz. Der Verband erhielt durch einen besonderen Beschluß der Tagung eine Neueinteilung, die sich den GrenzenderLandes- arbeitsämter anpassen wird. Der Verbandsbeitrag wurde von 4,50 auf 5,— Mk. erhöht. Von der Erhöhung sollen l,— Mk. zum Ausbau der I n v a l i d e n u n t e r st ü tz u n g und 50 Pfg. zur Verbesserung der übrigen gewerkschaftlichen Unter- stützungen Verwendung finden. Die bisherige Jnvalidenunterstützung wurde erhöht. Am 1. Januar des kommenden Jahres erhalten die invaliden Mitglieder je nach der Zahl der geleisteten Regelbeiträge pro Jahr 120, 150 und 180 Mk. Ab 1. Januar 1936 wird der höchste Satz der Jnvalidenunterstützung auf 360 Mk. pro Jahr erhöht. Der bisherige Berbandsvorsitzende Buschmann wurde einstimmig wiedergewählt. Nationalisierung der Textilindustrie. Sie Zorverungen der Arbeiter. Stuttgart. 2V. Juni.(Eigenbericht.) Die Rationalisierung der Textilindustrie wurde aus dem Stutt- garter Verbandstag der Textilarbeiter in sehr ausgiebiger Weife be- handelt. Das Vorstandsmitglied Rödel-Berlin ging in seinem Vortrag von den grundsätzlichen Voraussetzungen der Rationalisierung aus, um dann ausführlich die produktionstechnische und be- triebswirtschastliche Umstellung in der Textilindustrie der letzten Jahr« zu behandeln. Immer mehr wächst die Zahl der voll automatisch be. t r i e b e n e n Webstühle. In Deutschland gibt es zur Zeil 22 000: mehr als die Hälfte davon werden von der süddeutschen Textilindustrie verwendet. Diese grundsätzliche Umstellung der Pro- duktion hat dazu gesührt, daß ein Weber bis zu 24 Webstühlen bedienen muß. Die Verwendung des vollautomatischen Stuhls hat einen a b- nehmenden weiblichen Arbeiterbedarf zur Folge. Bon der ausländische» Industrie werden die meisten ouwm arischen Webstühle in den Vereinigten Staaten und in Frankreich verwindt; in Ländern mit niedrigeren Löhnen l>at die Rationalisierung in dieser Form keinen oder geringen Eingang gefunden. Deutschland gehört jedcnsaUs zu den Ländern, die den automatischen Sliihl am meisten verwenden. Die Aussprache vervollständigte das vom Referenten treffend gekennzeichnete Bild. Sie ließ aber auch erkennen, daß der Verband in allen Bezirken teilweise recht erfolgreich die Schädigungen der raschen Technisierung auszugleichen vermochte. In der an- genommenen Entschließung zu dieser Frage heißt es u. a.: „Die sogenannte.Rationalisierung der Wirtschast' ist in der Textilindustrie in großem Umfange durchgesühri worden. Der Ber- bandstag des Textilarbeitervcrbandes beschließt zu dieser Frage: Die im Textilarbeiterverband vereinigten Textilarbeiter erkennen die Notwendigkeit der Anwendung aller technischen und orgini- satorischen Mittel zur Hebung der Wirtschaftlichkeit unter ge- wissen Voraussetzungen an. Der Berbandstag fordert Verbesserung der Lage der Arbeiterschaft, die die schädigenden Wirkungen der Ralionalisicrnng zum mindesten ausgleicht. Als die zu erstrebenden Maßnahmen sieht der Verbandstog an: 1. Eine dem Umfang der durch die Rationalisierung herbei- geführten Produktionscrhühung entsprechende Verkürzung der Arbeitszeit. 2. Soweit Entlassungen und vorübergehende Arbeitslosigkeit nicht vermieden werden können, sind ausreichende Unter- st ü tz u n g s e i n r i ch t ü n g e n zu schassen. 3. Der Arbeitslohn ist entsprechend der Mehrleistung des Arbeiters zu erhöhen. 4. Zu bekämpfen ist jede sogenannte Rationalisierung, die nur in vermehrter Belastung von Körper und G e i st der Arbeiter besteht. Den zuständigen Arbeiterorgani- sationen muß entscheidendes Mjtwirkungsrecht bei Festsetzung der Grenzen der züläsiigen Belastung bzw. der Zahl der zu bedienenden Maschineiieiicheilen eingeräumt werden."_ lfm die Arbeitszeit im Bergbau. Oer deutsche Antrag im Ausschuß angenominen. Genf, 20. Juni 19Zk>. Gegen den Schluß der heutigen Borinittagssitzung der Kohlen« kommission der Jntcriiationaleii Arbeitskonferenz Hot die Unter- nehmergruppe den Sitzungssaal verlassen. Der eng- tische Regierungsvertreter hatte die Erklärung ab- gegeben, dem deutschen Antrag für die Verkürzung der Arbeitszeit auf 7Zk Stunden mit erneuter Prüsting einer weiteren Verkürzung innerhalb drei Jahren zustimmen zu können. Nach langer Geschäftsordnungsdcbatte wollten die Unternehmer die Ab- stimmung auf den Nachmittag verschieben, und als diesem Wunsche nicht ohne weiteres Rechnung getragen wurde, verließen sie den Saal. Die Abstimmung ergab Annahme des deutschen Regie- rungsantrages mit 23 gegen 2 Stimmen bei 5 Stiiiimciithaltlingcii. Die Regierungsvertreter haben 7 Stimmen dafür, 2 Stimmen da- gegen bei 5 Stimmenthaltungen, so daß der Antrag angenommen wäre, auch wenn die ganze Uiiternehmergruppe sich an der Abstim- mung beteiligt und gegen den Antrag gestimmt hätte. Der deutsche Antrag ist sehr unbefriedigend. Man kann besten- falls von ihm sagen, er ist besser als gar nichts. Die Unternehmer- gruppe in der internationalen Arbeitskonferenz wiederholt mit ihrem Auszug eine Geste, die durch die Wiederholung sicherlich nicht gewinnt._ Verbandsiag der Musiker. Der Verbandstag der Musiker beriet gestern eingehend über die zahlreichen Anträge auf Aenderung der Verbands- s a tz u ii g, vor allem der Bestimmungen über die Höhe'der Bei- träge. Verbandsvorstand und Beirat hatten den Delegierten eine Borlage unterbreitet, wonach die Beitragsklasse III mit einem Wochenbeitrag von 50 Pfg. gänzlich beseitigt und dafür der Beitrag tn der Klasse I von 1 M. wöchentlich auf 1,20 M. erhöht, der visherige Beitrag von 80 Pfg. in der Beitragsklasse II aber beibehalten werden sollte. Von den Delegierten, die f ü r die Erhöhung der Beiträge ent- sprechend den Borschlägen des Bcvbandsvorstandes eintraten, wurde dies hauptsächlich damit begründet, daß dadurch die Kampfkraft der Organisation erheblich gestärkt würde. Hätte der Verbandstag vor drei Jahren schon damals die beantragle Beitragserhöhung be- schlössen, so wäre der Verband in der Lage gewesen,«in« viel wirk- samere Propaganda gegen die Schnmtzkonkurrenz, die Lehrlings- ziichterei in den Stadtpfeifereien, den Tonfilmrummel usw. ent- falten können. Es wäre bestimmt auch möglich gewesen, den taris- feindlichen Unternehmergnippen, wie z. B. den im Kino- und Gast- wirtsgewerbe, besser beizukommen. Die Gegner der Beitragserhöhung machten vor ollem die Be- denken geltend, daß die Beitragserhöhung ein« starke M i t- gliederslucht zur Folge haben würde und sie auch für viele Verbandsmitglieder eine viel zu große materielle Belastung sei. Nach mehrstündiger Debatte wurde zunächst einmal grundsätzlich gegen wenige Stimmen die Beitragserhöhung und die Ver- riugerung der Beitragsklasien von drei auf zwei beschlossen. Ein- stimmig trat der Verbandstag dem Antrag des Vcrbandsoor- standes insoweit bei, als die Beiträge in der Klasse I von 1,— Mk. auf 1,20 Mk. erhöht werden. Der bisherige Beitrag der Klasse>!1 wurde mit 26 von insgesamt 37 Stimmen von 50 Pfg. auf 70 Pfg. erhöht und die Beitragsklasse III zur Beitragstlasse II gemacht. Hinsichtlich der Einführung der Invaliden unier- st ü tz u n g, wofür Verbands-vorstand und Beirat ebenfalls eine Vorlage ausgearbeitet hatten, sprach sich der Verbandstag gegen die Einführung dieses Unterstützungszweiges aus, wei! er den Zeit- punkt dazu für äußerst ungünstig hält. Analog der Beitragserhöhung beträgt in Zukunft die S t r e i k- und Gemaßregelte n Unterstützung in der Beitrags- klaffe I anstatt 14 Mk. wöchentlich bzw. 2 Mk. täglich 21 Mk. wöchentlich oder 3 Mk. täglich. In der neuen Beitragsklaffe I l beträgt sie 12,25 Mk. wöchentlich und 1,75 Mk. täglich. Eine der Bei- tragserhöh-ung entfpreck�nde Aenderung wurde auch bei den Be- ftimmungen über die Bestattungshils« und die Kranken- u n t« r st ü tz u n g vorgenommen. Reue Bensionskasse im vankgewerbe. Das Reichsaufsichtsamt für Privatoersicherung hat nunmehr die Verschmelzung der Pensions- tasse der Deutschen Wink mit dem Beamtenversicherungsverein des deutschen Bank- und Bankicrgewerbes genehmigt. Hosfentlich wird nunmehr auch die vom Allgemeinen Verband der Bankangestellten geforderte Erweiterung der Rechte der Mitglieder bald verwirklicht. Die neue Pensionskasse, die etwa 80 Pro.z. der Bankangestellten umfaßt, hat ein Vermögen von 120 Millionen Mark. -\ Freie Gewerkschafts-Iuczend Berlin HciUe,(EonnentucnSfcIcc im?o:i-park gunqfjtr.litibe, greilichllye-tcr. aiitmlrfmbc: Martha Zahn, EchiUcr hu.»ochschulc filc Musil«Wald. hornquartrNI. Äcrilner!polk-ck?or un!> Lpr-ch- unh Bcwriiungschor dir ZV>?.(„Slott Erde" rem Karl Stoflcr). Sinlah SOS Uhr. Zlrglnn 21 Uhr. Unkostrnbritraa 50 Pf. Dir Ordner Ireffen fiel, um 13 Uhr rar dem Eiuaaug.— S?rir?pe Naeh der Eonneuoienifcict Fahrt»ach dem Blumen- lhal.— kruppc Tüdwestc»! Nach der Eonnenw-nd-fcier Zcltfahrt nach Brieselang. .�nnendoruppe l>ks?ertra'vert'an!'es der Anoesteitten Eff; Heute, Sonnabend. 21 Uhr, Sonnenwendfeier im ssreilichttheaicr des Bolksparts Zungfernheidc. Veranstalter: Freie Angcstell en.Z gend Berlin, Freie Gewerkfebafts-Ziigend Berlin. Unkostcnbcitrag 50 Pf. Bringt Fahnen und Wimrel mit. Perantwortlich fiit Politik: Dr. Curl Geyer: Wirtschaft: G. Klingrlhcfer: Sewertschaelsbewcgnng: I. Stein«: Feuilleton: St. S. DSlcher: Lokales und Sonlliacs Fr.» Starsteidt: Bnteiaen: Th Slon'c; leim» ich in Berlin. Verlag: Borweirts-Berlag G. m b. S Berlin Druck: Borwärts-Buckdruckerel und Beriaasanstail Paul Sinaer u Co. Berlin SW. 6S, CinicnftraSe 3 Hierzu 2 Beilagen. » Ar. 2SS» 47. Iahrgang*!♦<5onno6en6, 21. 3uni 1930 Die Frauen um Guimann. Schlimmer Tag für den des Gaflenmordes Angeklagten. L. R. Prcnzlcm, 20. Sani.(Cigimbericht.) Die D e m« i sa u fna hm e ist so g»t mie obgeschlossen. Morgen summen die vielen Sachnerstänkigen znm Wort. Das Urteil erfolgt am Montag. Eine Bedeutung wird das Gutachten der Schriftsachverständigen erhallen. Für die Frag« der Ueberlagirngssähigkeit des Angeklagten wird das Gutachten der psychiatrischen Sachverständigen entscheidend sein: auch für die Frage des Affekts. Die Chancen des Angeklagten erscheinen Iiis auf einen Punkt nicht ungünstig. BerHängnisnoll kann ihm die Berfiche- rung werden. Aber auch hier entsteht eine Fülle von Fragen. Die wichtigsten lauten: Üst anzunehmen, daß ein Mensch wie Gut- rnonn m der Absicht, sich ein« Versicherungssumme anzueignen, seine Frau unter derartig verdächtigen Umständen ums Leben bringt? Unberechenbar ist dieser Mensch— ober ob dos Gericht sich ent- schließen wird, bei dein Für und Wider einen Mord zu bejahen, erscheint heute zweifelhafter als gestern. Die m u st e r g ü l t i g e Berhandlungslertung im Gegensatz zu der leider sonst oll- zu üblichen gestattet nicht, über die Einstellung des Vorsitzenden etwas zu sagen. Mit außerordentlicher Nul>e. immer höflich und entgegenkommeich, Hot er während der zweitägigen VerHoichlung auch kein einziges tadelndes Wort, keine einzige inquisitorische Frage an den Angeklagten gerichtet. Viel weniger zurückhaltend find die Schössen. Mehr als einmal gaben sie zu verstellen, daß sie dem Angeklagten nicht glauben uich eher zur Ansicht des Staats- onwolts hinneigen. Der Angeklagte ist erschöpft, nickst bloß wegen der chitze. die ün Gerichtssool herrscht— A Grad Celsius—, es gab einen schlimmen Tag heute für ihn. Den schwersten Schlag bedeutete die Aussage des Bruders. Er erhielt diesen Schlag von seiner früheren Braut, Sidi Rnssedt. die er nach vielen Iahren im Gerichtssool wieder gesehen hat. Wie gestern erstanden die Bilder der siebzehn Jahre zurückliegenden Vergangenheit: die Zeugin hatte den damaligen Briefwechsel nachgelesen unö gebrauchte in bezug auf den Angeklagten denselben Ausdruck wie der Bruder: blvrai inizrüty(Moralischer Schwachsinn). *. Die erste Braut sagt aus. Neben der Aussage des Bruders des Angeklagten war der chochepunkt der Barmittagssitzung de? ziveiten Derhondlungstages die Vernehmung der Jugendfreundin und ersten Braut des Angeklagten, der Zohirärtztin Frau Dr. Siddi Ross ert geb. Richter aus Berlin, der ersten der vier Frauen, die im Leben des Angeklagten ein« Roll« gespielt haben. Im Gegensatz zu dem vorausgehenden «riclstssagenden Verhör.Lottchens" machte diese Zeugin, eine elegante tchöne Erscheiming, ihre Bekundungen mit ruhiger, sachlicher Un- desangenheit, aber gleichzeitig mit einer für dos Wesen des An- geklagten aufschlußreichen Gründlichkeit. Sie erklärt«:„Ich habe Fritz Guimann stets als einen höstichwi, seinen Menschen kennengelernt, der mir sicher ein großes Gefühl entgegenbrachte. Er war gut» ober hemmungslos, denn sonst hätte ihn sein Wille, ein glück- liches Leben mit mir zu führen, davon abgehakten, Unterschlagungen txi seinem Boter zu begehen, die msch zur Trennung von ihm ver- «mloßten. LJs seine Unterschlagungen ans Licht kamen, da schrieb er mir, es bleibe ihm kein anderer Weg, als sich das Leben zu nehmen. Allerdings Hot man dann, als man ihn sucht«, ihn in Sacrow in einem Lokal gefunden, wo er sein Rumsteok verzehrte. Als ich von den Unterschlagungen erfuhr, als ich sah, daß er nicht de.r war. den ich in ihm crhlickte, da war für mich in demselben Augenblick der Fall erledigt. Sein Boter, der mich sehr liebt« und der auch sehr damit einverstanden war, daß ich ihn heiratete, hatte die Entschetdunq über die Reise nach Amerika in meine Hände gelegt. Fritz Guttnann hat allerdings nie daran geglaubt, daß es nun ganz zu Ende sein sollte und Hot mich in Briefen rnis Amerika beschworen, ihn nickst gong aufzugeben. Daraus schrieb ich ihm, daß er unter der Voraussetzung, daß ich dann noch frei wäre, wieder vor mich hintreten dürfe, wenn er ein ordentlicher und brauchbarer Mensch geworden sei. Das Hobe ich ihm aber nur aus Mitleid ge- sagt. Ich hätte ihm die Trennung auch gröber mitteilen können/ Noch einer kurzen Pause wurde dann der frühere Schauspieler her- bcrt v. Ja r r osch, der sich jetzt als Unternehmer bezeichnet, über fein Verhältnis zu„Lottchen" und Dr. Gutmonn vernommen. Iorrosch. der früher in Schwedt Schauspieler war, hatte Dr. Gut- mann kennengelernt, der seinerzeit die Theaterkritik für eine Schwedter Zeitung übernommen hatte. Iorrosch der mit Frau Lenz sehr bsfreundet war, wurde in das Gutmonnsch« Haus eingeführt und van Guttnann später als Lehrling für die Zahnpraxis engagiert. Der Zeug« bekundete, daß dos BerMtnis zwischen Frau Latte und der zweiten Frau Gutmonn anfänglich ganz gut gewesen sei. Zwischen„Lottchen" und dem Angeklagten habe«in Freund- schaftsverhältnis bestanden, bei dem sich nach Aussage des Zeugen»Heid« Teile leichte Zärtlichkeiten gestatteten". In der Nochmittagssitzung gab die Hausangestellte R e i ß e r t, die zuletzt bei Guttnann in Stellung war, interessant« Aufschlüsse über das Verhallen des Angeklagten unmittelbar vor und nach der Tal.. In der Regel, so erklärte sie. habe sie nachmittags, wenn ihre Haus- arbeit beendet gewesen sei, mit den Kindern spazieren gehen müssen. An dem fraglichen Tag habe Gutmann ihr aber schon morgens ge- sagt, sie solle ihre Arbeit fertig machen und dann, olia nach vormittags, mit den Kindern spaziercngehen. Diese Aufforderung habe er gegen Z�ll Uhr wiederholt, und zwar in Gegenwart seiner Frau, die mit einer dicken Backe auf dem Chaiselongue log und dem Mädchen noch sagte:„Ja, so, geht man schön spazieren." Der Angeklagte habe sich dam, nach vorher erkundigt, was cs zu Mittag gäbe und auf die Antwort„Kortoffelpusfer" habe er ihr noch Geld gegeben, um Schmolz für sie zu besorgen. Als sie um �-12 Uhr zurückkam und den Milchmann vor der Tür stehe» sah. wollte sie sich beeilen, um den Milchtopf herunterzuholen. Im gleichen Augenblick kam ihr aber schon Gutmonn mit dem Tops in der Hand entgegen und sagte ihr, er hole die Milch selbst, sie solle nur nach weiter spazierengehcn. Zluf ihren Hinweis, daß es doch regne, habe er erklärt, es mache nichts. Gegen l Uhr kam sie dann zum zweitenmal zurück und sah schon van weitem, daß Gutmonn auf dem Balkon stand. Er teilte ihr dann mit, seine Frau sei von der Leiter gefallen und sei wohl s ch o n t o t. Sie solle den Arzt holen. Dabei sei er ganz ruh'g und ohne jede Erregung gewesen. Auf weitere Fragen erklärte d e Zeugin, daß zwischen den Ehegatten oftmals Zank n n,d Streit geherrscht habe. Die Frau habe viel gemeint, weih sie des öfteren mißhandelt worden sei. Sie habe selbst einwor vom Nebenzimmer die Backpfeifen klatschen hören. Einmol habe der An- peklogte sein« Frau auch mit einer Kanne Wasser begossen. Auch sei der Ausdruck gefallen: ,,Ich hau dir eine vor den Schädel, daß du liegen bleibst." Im weiteren Verlauf der Nachmittagssitzung wurde der Frage der Versicherung des Angeklagten und seiner verstorbenen zweiten Ehefrau ein breiter Raum gewidmet. Der Angeklagte Dr. Gut- mann behauptete bekanntlich, daß er am 2-1. November in Schwedt die Versicherungspolice für sein« Frau in Höhe von 41 M. an die München Gladbocher Versicherung abgeschickt l)obe und daß er arp 26. November ein Schreiben dieser Gesellschaft erhalten habe, in welchem es hieß: daß er den Betrog für seine eigene Palice nicht an den Zlgenten Israel in Schwedt, sondern an die Gesellschaft in Berlin über Postscheckkonto schicken solle. Der hierzu vernommene Kaufmann Karl Israel aus Schwsdt, der damals Vertreter der ge- nannten Versicherungsgesellschaft war, behauptet« Hute, daß am Todestag der zweiten Frau Gut mann um zehn Uhr vormittags, also eine Stunde vor der Toiuvg der Jrau Rosi Guimann der Angeklagt« bei ihm gewesen sei und Ihm ein Schreibe« der Rluuchen- Gladbacher Versicherung gezeigt habe, in welchem mitgeteilt worden ist, daß die Prämie für Rosi eingegangen sei und daß die Versicherung nunmehr laufe. Der zu diesem Frgenkompler dann vernommene Versicherungs» Inspektor Wilhelm Menzel von der München-Glodbacher Versiehe- nmgsgesellschaft kannte aus Befragen des Staatsanwalts nicht be- stätigen, daß in dem Zimmer, in dem die Unterschrift der Frau Gut mann angeblich stattgefunden haben soll, die Ehefrau des Angeschuldigten überhaupt nicht gewesen sei. Der Zeuge erklärte vielmehr, es fei ihm unmöglich gewesen, festzustellen, ab Dr. Gut- mann seiner Frau den Versicherungsantrag vorgelegt Hobe oder nicht. Da diese ganze für die Beurteilung des Falles außerordent- lich wichtige Frage ungeklärt bleibt, beschloß das Gericht, die Per- ficherungeokten von der München-Glodbacher Gesellschaft heranzu- ziehen, um am Sonnabend diese Angelegenheit nach Möglichkeit zu klären. Von weiteren Zeugenaussagen war nur die Bekundung eines Schwedtcr Tischlermeisters von Interesse, dem für sein« Forderungen dos Herrenzimmer Gutmanns nerp fändet worden war, wovon der Zahnarzt aber später einige Einrichtungsstücke nach an jemand anders iveitcr verpfändete. Auf die Vorhaltungen des Tischlermeisters, der zu seinem Gelde kommen wollte, soll Gutmonn wenige Tage vor der Tat erklärt haben:„Warten Sic noch bis Donnerstag, dann wird sich alles regeln." Staatsanwalt gegen Äorschenden. Gegen 8 Uhr abends kam es zu einem nicht gewöhnlichen Vor- fall im Gerichtssaal. Trotz der drückeistiei, Hitze in dem Neiner» Seial, in welchem über 100 Menschen sitzen und in dem wahrend des ganzen Tages kein Fenster geöffnet wird, wollte der Porsitzende noch länger verhandeln. Der Oberstaatsanwalt hatte schon vorher mitgeteilt, daß mehrer Geschworene ihm ini'.gcteilt hätten, s i e könnten der Verhandlung nicht mehr folgen. Kurz nach 8 Uhr erklärte der Vorsitzende schließlich, daß die noch übrig bleibenden Zeugen und Sachverständigen erst am nächsten Tag gehört würden. Gleichzeitig teilte er mit, daß er am heutigen Sonn- abend bereits um 8 Uhr mit der Verhandlung beginnen und dann bis nachmittags durchvcrhondetn wolle, damit die Berliner Pro- zeßteilnchnicr rechtzeitig nach Berlin zurückkehren könnten. Kaum hatte Landgerichtsdirektor Achilles diese Dispositionen mitgeteilt als Oberstaatsanwalt Dr. Hordt aufsprang uvd rief:„Das geht au- keinen Fall, daß wir ohne Mittagspause verhandeln, da mockf« ifb nickst mit. Kein anderes Gericht würde sich so etnvis erlauben. In Berlin wären solche langen Verhandlungen überhaupt unmöglich. nur in Prenzlau nimmt man sich das heraus!" Daraufhin verlor der Vorsitzende seine bis dahin bewahrte Ruhe und erwiderte nicht minder scharf:„Wenn der Ton hier derart heftig wird, dann sehe ich mich auch veranlaßt, einzugreifen und diesen Ton. Herr Ober- stoatsonwokt, energisch.zurückzuweisen, vor ollem den Ausdruck, daß nur in Prenzlou so etwas mögllch sei. Mit dieser in einem Gerichtssaal recht ungewöhnlichen und natürlich großes Aufsehen erregenden Kontroverse zwischen dem Vorsitzenden und dem Anklagevertreter schloß der Vorsitzende, Land- gerichtsdircktor Achilles, die Sitzung mit der lauten Erklärung:„Tie Sitzung beginist morgen um 8 Uhr früh." S/NOAlRLfWIS 'ROMAN tob CI. Mcilncr.— Mryer& JesscB, Veririeh, MüBdieB. Obwohl llna Golden weder pikant noch schön war, nannten sie die Leute, ihrer weichen Zärtlichkeit wegen,„Kätz- chen", und fühlten den Wunsch, sie zu hätscheln, wie ein Äind ein Kätzchen hätschelt. Bemerkte man Una überhaupt, so fiel einem zuerst ihr sanfte? Gesicht auf. ihr feines mottgoldenes .Haar und die ungefaßten Augengläser mit einer dünnen Goldkette überm Ohr. Dies« Augengläser gaben dem Gesicht einen Mittelpunkt von Sachlichkeit: ohne sie, so fühlte man, hätte Una zu kindisch ausgesehen. Der Mund war gütig wie ihre lebhaften Augen, doch die Mundwinkel zogen sich ein wenig yerab. Ihr Körper war so frauenhaft weich, daß sie beinahe plump wirkt«. Und doch war sie trotz der runden Hüften und der dichcn Knöchel, die ihr„ordinär" vorkamen. ein wenig blutarm. Ihre Wangen waren rund, nicht rosig, doch rein und weich, die Lippen blaßrosa. Das Kinn wirkte kühn und hatte kein Grübchen. Meist mar es durch ein oder zwei unbedeutende Pickel entstellt, die Uno so sorgfältig mit Puder verdeckte, daß man sie niemals sah. Niemand dachte je an sie. außer Una selbst: ihr schienen sie furchtbare Schand- flecke, die sie ängstlich vor dem Spiegel untersuchte so oft sie sich die Hände waschen ging. Sie wußte daß sie die Folge der unverdaulichen Goldenschen Küche waren. Sie verbuchte sich damit zu trösten, daß auch andere Mädchen an diesem Uebel litten: aber ihre eigenen Pickel entsetzten sie immer wieder: mit ängstlichem Zeigefinger tastete sie sie Heimlick ab und überlegte, ob Männer in ihrem Gesicht überhaupt etwas anderes sehen könnten. Den besten Eindruck hinterließ sie, wenn sie in ihrem gelbbraunen Regenmantel durch die Straßen eilte, den gelben Eomtkragen hoch oufgesäsiogen. auf dem Kopfe einen jener anspruchslosen runden Hüte, die sie gern trug. Denn dann bemerkte man nur dos mattgoldene Haar, das um ihre Lehrermnengläser flatterte, ihr sanftes, gesittetes Wesen und jh« ttttbefrcufrnfc Ktoaheu. Sie hielt das kleinstädtische Ideal jungfräulicher Unbe- deuiendheit für jene Art von Schönheit, melche die Männer am stärksten gefangennimmt, obwohl sie der göttlichen lieber- legenheit dieser Männer mit jedem Jahr zweifelnder gegen- überstand. Daß es die Lebensaufgabe der Frau sei, anständig zu bleiben, sich einen Gatten zu sichern und dadurch sich selbst sicherzustellen, das war ihr unerschütterlicher Glaube— bis zu ihrem vterundzwanzigsten Jahr: bis ihr Pater starb. 2. Hauptmann Golden hinterließ seiner Frau und seiner Tochter einen guten Namen, eine Anzahl Schulden und elf- hundert Dollars in Hnpothekarversicherungcn. Das Begräb- nis mar' kaum vorüber, als die Nachbarn— der Möbel- Händler, der Kaufmann, der höfliche alte Ar.zt— mit sanftem Mitgefühl und großen Rechnungen daherkamen. Als alle Schulden bezahlt waren, blieben den Goldens nur sechshundert Dollar, keinerlei Einkommen und der gute Name. Alle recht- lich denkenden Menschen stimmen darin überein. daß ein guter Name mehr wert ist als alle Edelsteine der Welt, dock) Una hätte weniger Ehre und mehr Edelsteine vorgezogen. Sie war so sehr damit beschäftigt, ihre Mutter zu trösten. daß sie kaum um ihren Vater trauerte. Sie nahm alles in die Hand— Geldsachen. Hauswirtschaft, Rechnungen. Frau Golden war non der Erkenntnis überwältigt, daß Hauptmann Golden, so schwerfällig und schal er auch gewesen sein mochte, sie angebetet und sie in ihrer feinen Lebensort, in ihrem Verlangen nack) Kultur ermutigt hatte. Sie l»e- trauerte ihn jetzt'mit plötzlich hervorbrechender Ausrüfttigkeit, sehnte sich nach seinem Geplauder— und war sich gleichzeitig bewußt, daß ein sthwarzes Kleid und ein blasses Gesicht den Reiz ihrer schlanken, zarten Erscheinung erhöhten. Sie schluchzte an Unas Schulter: sie sagte daß sie vereinsamt sei, und Una tröstete sie standhaft und sah sich nach Arbeit um. Eine der bekanntesten Formen menschlichen Zusammen- leben? ist die der beschöstigungslosen Tochter und der ver- witmeten Mutter. Tausend? Mole schon hat man die Tochter ohne Beruf gesehen d'e ollen Lebensdurst und ihre Jugend einer verwitweten Mutter opfert, die ihr dafür wenig Heiter- keit. wenig Geld und eine notdürftige Sicherheit bietet. Sie wird dreiß'g sie wird sünfunddrcißig. Die Tochter altert und oltert. Mit vierzig ist sie so alt m'e ihre nie welkende Mutter. S>e ist liebenoll und von der rührenden Hoffnung beseelt. Pianistin oder Krankenpflegerin zu werden: nie hat sie sich damit ausgesöhnt, eine alt« Jungfer zu«erden— obwohl sie sich oft darüber lustig macht: häufig bringt sie durch das fortwährende Betonen, daß sie„eine alte Jungfer" sei. ihre unfruchtbaren Jahre peinlich zum Bewußtsein. Die Mutter ist liebevoll und wünscht„mit den Interessen ihrer Tochter in Fühlung zu bleiben": nur hat die Tochter keine Interessen. Hätte sie sich mit achtzehn aufgebäumt, hätte sie starrköpfig darauf bestanden, daß die Mutter sie entweder in Gesell- schaften begleite oder sich zufrieden gebe, ollein zu bleiben, hätte sie sich.Interessen" verschafft, so hätte sie unter den jungen Leuten eine Rolle spielen können. Doch die Zeit der Auflehnung geht vorüber, so sehr die Tochter sich auch danach sehnen mag, unter jüngeren Frauen jung zu erscheinen. Die Mutter ist sich ihrer Selbstsucht meist nicht bewußt. Sie wäre unbeschreiblich entsetzt, wenn irgendein roher Mensch ihr sagen würde, sie sei ein Vompyr. Zufall, Zufall und Selbstver- geudung, beherrschen sie beide, und das Leben geht vorbei, während die Mutter mit der Tochter Karten spielt und sich sehr selbstlos vorkommt, wenn sie die Tochter hin und wieder «ine Gesellschaft besuchen läßt(nur um rasä, zur Mutter zu- rückzueilcn), die sich„darüber wundert, warum die Tochter nichts für Mädchen ihres Alters übrig hat". Dieses häßliche Paar an der Schwelle der billigen Pension, in der es noch Küche und Spülwasser riecht: die Mutter, ein stummes, lächerliches Zwergenwcibchen, die Tochter eine graue Frau um die Vierzig mit einem Muttermal, einer Warze find einer unheimlichen Schweigsamkeit! Oder die reizende Mutter mit den weißen Haaren und den echten Spitzen mit der stets für- sorglichen Tochter... oder die beschauliche Mutter zu Hause mit der Tochter, die im Büro arbeitet und keinen anderen Verehrer und keinen anderen Lebenszweck hat, als den einen daheim. Das sind Beispiele des Mutter- und Tochter- Phänomens, jener sehr rührenden und alles zerstörenden selbstlosen Selbstsucht, die olle künftigen Generationen aus- raubt, weil die Mutter nie gelernt hat, die langen Gedanken der Einsamkeit zu ertrogen, weil sie nicht selbständig sehen kann und in sich selbst keine heitere Stimme hört... In Panama gibt e? viele solcher Mütter und Töchter. Waren sie wohlhabend, so kassierte die Tockzter die Zinsen ein. besuchte Rechtsanwälte, gehörte einem Klub an und be- mühte sich, in Gesellschaft jung auszusehen. Waren sie ans dem Mittelstand, so wurde d'e Tochter unrettbar Lehrerin. Waren sie arm, so wusch die Mutter fremde Wäsche, und die Tochter besorgte die Zustellung. Demnach war es Unas vor- gezeichneter Weg, Lehrerin zu«erden. (FartietzuAg folgt.) Llm den neuen Vsrkehrstarif. d-»gea für stet, an da, B-zirKsekretarlai Berlin SW SS, Liadruftratze S, 2. Hof, r Trepoen recht», zu richten. 2. flrri, TIcraaetc». Den Ablcilungsleitcrn zur Mitteilung, baß am Dien». tag, 24. Juni, ISl-Z Uhr, eine erweiterte Krcisvorstaiidasitzuna mit Bei. kitzern und ersten Abteilungsleitern stattfindet bei KrUger. Putlitzftr. 10, 7. Brei« Charlottcnburg. Bilbungsausfchuß: Abrechnung der Barten vom Reichsarbeitcrlporttag am 22, Juni im Stadion am Sonnabend ginischen 20 und 21 Ubr im Jugendheim Rofinrnstratzc. 7. Breis Sharlottenburg. Spandau. Juristische Sprechstunde findet heute von 17—18 Uhr im Jugendheim Charlottcnburg, Nosincnstr. 4, statt. Erlegen. heit zum Bircheno, ist ritt. 20. Breis Reinickendorf. Sitzung aller geitungskommisfionrn de» 20. Breite» Montag, 22. Juni, 20 Uhr. bei Barl Binsee, Reinickendorf.Ost, Residenj. (trage 9. Heule. Sonnabend. 21. Juni. 12. Abt. Die Eintrittskarten zum Rcichsarbeitersporttag am 22. Zuni im Stadion Erunemaid sind heute beim Geuoffen Wenzel abznrechnen. 21. Abt. Die Mitglieder beteiligen fich am Sonntag, 22. Juni, am Reich». arbcitersporttag im Stadion Ernncwald. Barten„im Preise von 50 Pf. find in der Ecichaftsstclle, Utrechter Etr. 21, erhältlich. 119. Abt. Lichtenberg. Die Abrechnung für das zweite Quarlal hat am Sonn» tag, 22. Juni, normittags, oder am Dienstag. 24. Juni, um 18 Uhr beim Genossen Groppler zu erfolgen. Gleichzeitig müssen die Erwcrbslosenl'sten abgerechnet werde». Jungsozialisien. Ernppe Bohnsdorf: Sonnabend, 21. Juni, Sonnenwende gemeinsam mit Kinderfreuaden, SAI-, Freie S�fulgemeinde, Säugerchor Bohnsdorf auf dem Platz vor dem Jugendheim Wach-telftr. 1. Das Programm besteht aus Prolog, Rezitationen, Chorgefang, Maffengefang. SyrelMior, Volkstänze. Sonnenwend- spiel von Kurt Leilbut, Abbrennen eines.Holzstoßes. Uukostenbeitrag pro Person 20 Pf. Beginn pünktlich 22 Uhr. Alle Bohnedorser Einwohner sowie auswärtige Gruppen find zu dieser Veranstaltung herzlich eingeladen. Fackeln werden auf dem Gelände verkauft.— Die Jungsozialisten und die Helfer der SAI. treffen fich püukllich 21 Ahr im Jugendheim zu den Vorbereitungen. Die ausgegebenen Programme sind dort uubediugt abzurechnen. Gruppe Reinickendorf: Am Sonntag geschlossene Beteiligung am Reichs- arbcitersporttag im Stadion. Wir treffen uns um 12 Uhr am U-Bhf. Ecestraße. Arbeiksgemeinschaft der Kinderfreunde. Eeoh. Berlin. Arbeitstag Tonntag, 22. Juni. Genoilen. die Schreibmaschine schreiben können, treffen sich um 10 Uhr in dee Desiltziftsstclle. Gleichzeitig müssen anwesend sein der Zeltlagerausschutz und die Bsich-nleUung. Mitte, Gruppe Engelufce: Heut», lOM Uhr, mit Eltern und Freunden Treff- punkt am Neubau Engelbkcken zur Sonnenwendfeier in Plätzcnsce. Fahnen, Laternen und Hausschlüssel nicht vergessen. Tiergarten, Gruppe August Bebel: Wie treffen un» alle am Sonnabend, 21 Juni, um 20 Uhr im BIcinen Tiergarten(Denkmal) zur Eouneuwendfcier. Alle Falten müssen vertreten sein. Eiter» und Partciaenosscu sind herzlichst eingelade». Dienstag, 24. Juni, treffe» sich die Iungfalken-Feltlagerteilnehmir um 14 Uhr(nichb 11� Uhel) zwecks Untersuchung im Bleinen Tiergarten. Rote-Fallen-Feltlagerteiinehmer um 14',.1 Uhr(nicht 15 Uhr) ebenda.— Rote Falten: Dienstag von 17)i— 19 Uhr im Heim Waldenserstraßc Diskutierabend.— Iungfalle»: Dienstag ebenda Falkenvollversammlung.— Nestfalkcn: Mittwoch, 25. Juni, von 17—19 Uhr Heimabend. Brei» Friedrichsbain: Heute. Sonnabend, Sonneuwrndseirr der Binder- freunde, Dolksbad Plötzensee. Der Breis trifft sich nicht, wie bekanntgegeben, 10 Uhr Schles, Bhf,, sondern i9'/j Uhr Hochbin'. Marschauer Brücke. Da die Feier erst gegen 23 Uhr beendet ist. werden die Eltern gebeten, mitzusahren. Basten für alle Falken 20 Pf. Die Gruppen treffe» sich wie folgt: Martha Demmniiig: 18 Uhr Petersburger Platz: Robert Blum: 1814 Uhr Jugendhelm Litauer Slratze: Frankfurter Viertel: 18'-' Uhr Heim Frankfurter Allee: Stralau: 184» Uhr Rudolsvlatz: Paul Hinger: 18V) Uhr Büstriner Platz lNormalubr): Landsberger Platz: 18:., Uhr Falkenecke.— Moeae». Sonntag, 22. Juni, Reick»». arbeiteespurttag im Stadion Grunewald. Der Brei» trifft sich 10 Uhr Hochhhf. Warschauer Drucke. Bleidung: Falkentracht: Wimpel mitbringe»: Basten tue Falken 20 Pf. Die Grupp-N treffen sich wie folgt: Martha Demmniug: 0 Uhr Petersburger Platz: Frankfurter Viertel: 9 Uhr Heim Frankfurter Allee: Robert Blum: 9', Uhr Heim Litauer Straße: Stralau: 9'.) Uhr Rudolfplatz: Paul Singer: 9'4 Uhr Büstriner Platz: Landsberger Platz: 9 Uhr Falkenecke.— Montag, 18— 22 Uhr: Die Musikgruppe des Breifes tagt im Jugendheim Diestel» meverstr. 5-0. Spieler von Geige. Mandolinc und Gitarre können sich noch melden. 20—22 Uhr tagt die Breisphotogemeinschaft im gleichen Heim. Alle Nestfalkcn de» Beeisez turnen von 18—20 Uhr Schule Bopvenftraße.— Diens- tag, 18—20 Uhr: Iunghelferkurfu» des Breifes im Jugendheim Diestelmemr- steaßc 5-0. Note Falken können teilnehmen. Br«>» Beeuzdeeg: Wie treffen uns heule, Sonnabend, 21. Juni, um 19>H Uhr Delle-Alliance.Platz und fahren gemeinsam zur Sonnenwendfeier. Eltern und Freunde sind willkommen. Eintritt 10 Pf. Die Gruppen Bottbusscr Tor. Wrangelstraße und Görlitzer Straße troifen sich bereits um 184» Uhr am Gör- litzer Bahnhof, alte Treffecke. Brei» Prenzlauer Berg: Alle Gruppen treffen sich um 20 Uhr am Hochhhf. Danzigcr Straße zur Beteiligung an der Sommersonnenwende. Dringt alle eure Ellern und 20 Pf. Fahrgeld mit. Die Gruppe Freiheit trifft sich hercils eine halbe Stunde früher am Bhf. Schönhauser Allee.-- Am Montag. 23. Juni. von 18—19)4 Uhr. im Jugendheim Danzigcr Str. 62. Daracke 3, recknrn nllr Gruppen de» Breifes die nach ausstehenden Belenge(ffeltlarirrtellnohmerbeträge, Bausteine, Sammellisten usw.) ab. Ebenso müssen zu diesem Feitpunkt die Anträge der Gmppe» für Fuschllsse zum Fellloaer b:w. Splt eingereicht werden. Brei» Reinickendorf. Gruppe Reinickenborf.vst: Wie treffen uns zur Sonnen. wende 20'4 Uhr Seebad. Eltern bestimmt mitbeinaen. Hohenfchäuhaufeu: Wir gehen heute, Sonnabend, alle, auch die Eltern, zur Sonnenwendfeier nach Plötzensee, Treffpunkt>9 Uhr Freienwalder Straße. E, ist nur Fahrgeld und die Mitgliedskarte mitzubringen. Beteiligt euch alle an dieser Feier. 13. Brei» Tempelhof: Alle Binder der Gruppen Tempelhof und Mariendors treffen sich zur Sonnenwendfeier heute 191, Uhr Dorfstraße, Tcmpclhof. Die Eltern sind willlommen. Marirxdorf: Treffpunkt zur Sonnenwendfeier für die gesamten Gruppen heute, Eonnabend, an der..Role-Falkcn-Ecke" und l9>2 Uhr Fahrt mit der Elektrischen oder U-Dahn. Hin. und Rstckfahrgcld, Rückkunft gegen 23 Uhr. Hans Reimann sprach die„Erzähfunst der Woche", eine aus- regelte Geschichte von einem ungeklärten plötzlichen Todessall, die sich schließlich als eine Hans-Rcimann-Reportage aus dem Tvnsilm- atelier entpuppte. Eine sehr vergnügliche Sache, die«in bißchen für die traurige Abendveranstaltung entschädigte. Das„Spiel in Moni e", Hörschwank von Heinrich Svenirson, schien aus derselben Werkstatt wie die Funtstundenromane zu stammen. Es war zu- sammc«geknetet« Verlogenheit, Oskar Wildes„Gespenst von Canter- bury", aus inondän hergerichtet, sprachlich und inhaltlich hundert- prozentiger Kitsch. Es wäre interessant zu erfahren, wer sür diese Darbietung verantwortlich zeichnete. Ueber„Wert und Beurteilung von Geständnissen" sprach Kriminalkommissar Dr. Georg Bartsch. Er warnte vor Ueberschätzung von Geständnissen und zeigte, wie vielerlei Ursachen falsche Geständnisse veranlassen können. Di« Unter. suchung muß immer erst die Richtigkeit der Selbstbezichtigung er- weisen. Tes. Bret» Neukölln: Tneffpunllt zum SaternenimzuB und Sonnenwende ist IM» 29 Uhr Rathaus Neukölln. Schluß der Feier um 21 Uhr. Hausschlüssel nicht vergessen. Eltern und Freunde sind zu der Feier gern gesehen. Am Montag um 18 Uhr in der Ganghoferstraße Arbeitsstunde. Teilbelräge für die Lager müssen beznhlt werden. Breis Fehlendsef: Am Dienstag ist die Beeishelfersitzung um 20 Uhr beim Genossen Heinrich Hirche, Wannsee. Ehausseestr. 15. Alle Helfer müssen er- scheinen. Abrechnen der Sammellisten. Tagesordnung: 1. Zeltlager(fehp wichtig). 2. Waldfcst am Sonntag, 29. Juni, in Dahlem. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation 43. Abi. Unser langjähriger Pnrtcig�osse Fritz Oesterlitz ist am 18. Juni verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonnabend. 21. Juni. 12 Uhr, im Krematorium Baumschulenweg statt. 96. Abt. Neukölln. Der Genosse Hermann S 6) midi, Heizer, Emser Straße 36, ist verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Einäscherung erfolgt am Montag. 23. Juni, 14% Uhr. im Krematorium Baumschulenweg. Rege Bc. teiligung erwartet die Abteilungsleitung. Allgemeine Wetterlage. äußersten Westen des Reiches überjlutet hatte«, haben sich weiter ausgebreitet und sind am Freitag abend in das Gebiet zwischen Elbe und Oder eingedrungen. In der Westluft stiegen die Tempe- raturen laum über Lö Grad, während im Osten des Reiches vielfach 30 Grad im Schotten überschritten wurden. Im Lause der«ächstcn Tage dürste die ozeanische Luft das ganze Reich überfluten. Nieder- schlüge haben wir aber vermutlich mir stellenweise zu erwarten. wetleraussichten für Berlin. Bei zunehmender Bewölkung etwas niedrigere Tagestemperaturen, westliche Winde, Gewitter- neigung,— Für Deutschland: Rur noch in Oberschlesien und Ost- prcuhen ziemlich heiter, sonst meist wolkig und etwas kühler, ver- einzelt Gewitter. Reise- und wonderberalung Im koushaus IN. Israel. Wie aus dem Kaufhaus R. Israel mitgeteilt wird, hat die Firma eine Reise- und Wanderberatuugs stelle eingerichtet, die sich das Ziel setzt, täglich in der Zeit zwischen 4 bis 7 Uhr dos Publikum kostenlos mit Information und Rat sowie dem einschlägigen Drucksachcnmatcrial zu bedienen. Als besonder« Ausgabe wird es die neue Beratungsstelle ansehen, praktische Vorschläge für Wochencnd- fahrten, Wanderungen und Ferienreisen zu machen. Der neue Schuhpuß-Aulomal. Auf daß wir uns rasch und billig den Staub von den Füßen schütteln können, hat die„Solitaire" G. m. b. 5). einen Schuhputzaiitomatcn konstruiert, der gegen Einwurf eines Groschens eine große Rundbürste, auß weichen Stofflappen be- stellend in Bewegung setzt! Einmal hin und einmal her und der unansehnlich gewordene Schuh erstrahlt wieder in seinem alten Glanz«. Auf Wunsch und gegen weitere Geldstück« liefert der Automat auch die verschiedensten«chuhpslegeartikel. In Zukunft wird es uns also erspart bleiben, das rasche Verfahren der Schuhreinigung an den Strümpfen oder mittels Taschenluchs in Anwendung zu bringen. Es ist beabsichtigt, vorläufig 20 solcher Automaten aus össentlichen Plätzen, Bahnhöfen, Gaststätten usw. aufzustellen. Der Ausschwung»ou„Seebad Lehnitz" an der Oberhavel ist besonders hervor- zuHeden, Das gefamlc Ortsgcbiet umfaßt etwa>000 Grundstücke, Bis fetzt konnten daraufhin bereit» über 750 Groß-Beeline« Familien sich zum Wochenen!» und für dauernd»iederlassen. Diese schnelle Entwicklung wurde besonders durch die günstige Dcrkehrslage gefördert: liegt doch der Bahnhof Lehnitz inmitten des Orte- und Siedlungsgebietes und ist bequem mit den elektrische» Vorortzügen ab Stettiner Bahnhof und Gesundbrunnen im Anschluß an die Stadt- und Ringbahnzüge zu erreichen. Zudem beträgt der Sicdlerfahrpreis ob Berlin nur 80 Pi. An sonstigen Annehmlichkeiten für die Siedler ist vor allem zu bemerken, daß im Nachbarort Oranienburg alle Berufs., Gemeinde» und höheren Schulen vorhanden stnd, Lehnitz hat bereit» Licht, Gas- und Wasserversorgung. Der Havelkorso, parallel zum Wasser, wurde kostenlos für die Siedler als Zufahrtsstraße angelegt. Jeder Siedler genießt außerdem den Vorzug der sofortigen Banerlaubni» ohne jeglichen Bauzwang. Wer in dieser aufblühenden Bolonle seine Ersparnisse wertbeständig und wertsteigend anlegen will, muß sich a« kommenden Sonntag, 21. Juni, als letzten Bcrkaufstag bei der Schrobsdorff- Jmmobilien-A.-G. sofort entschließen, wa. switon* Preis RM S.SO illustrierter Führer durch alle deutschen BSder Kur- und Erholungsorte Auskunft Ober Reise- und Kurkosten, Unterkunft, Pensionspreise, Sehenswürdigkeiten von 1400 Bädern und Kurorten Mit ca. 800 BildbaitrSgen der scMnstin Kurorte in Kupfertiefdruck Lieferung durch den Verleg Berlin SWIfl oder den Buchhandel lo jedem Reisebüro, In jeder gröberen Gaststätte, beim Facharzt oder in der Geschäftsstelle dieser Zeitung Stille HarMer. Wem Ruhe und Frieden vor der lauten Welt über olles geht, der suche salche stillen.kxirztälcr ous. Schon in nächster Nahe Goslars gibt es solch ein Tal, wenn auch streckenweis etwas düster. Das Winter- tal, oberhalb des Herzberger Teiches mit seinem lauschigen Seiten- tol, das, abgestuft� in kleine idyllisch« Forellenteiche, neben dem ernsten Bilde des Haupttals frisch und fröhlich wirkt. Da der Ber- kehr nach den, Hercherger Teich in der Hauptsache von der Wald- schank« zum Kinderbrunncn aufgehalten wird, findet man hier selten Wanderer. Noch stiller, weil versteckter uich nicht so überaus bequem zu erreichen, ist das Barlcytal, ein Nebenflüstchen der Grane, dos sich oberhalb Juliushütt« mit ihr vereint. Auch die Grone ist still „ich ourofrci, aber das Tol der Barlcq ist ihr in Beziehung auf Ruhe und auch an Waldfchnnheit über. Buchen und Esckien, ab und zu auch eine Eiche mischen fich hier unter die Fichten und herrschen bald für weitere Strecken vor, das Woldbild zusainmcn mit einigen Hainen aufheiternd. Im Duellgebiet wird die Umgebung wieder düsterer, da hier di« Fichten den Ton angeben. Die Ühlentaler heißen die drei, deren Boche hier sich vereinend die Barley bilden. Ein dunkler Name. der in seinem Klang« dos Wefenhafte dieses weltentrückten Wald- Winkels malt. Durch dos eine dieser Töler gelangt man nach dem be- kannt«n Hahnenklee, die andern führen uns steil ansteigend über den Snmmarberg durch dos wenig begangen« Bischofstal nach Lauten- töl. Unter den Seitentälern des Darleytals komint für den Won- derer noch das Weidental in Betracht. Ist das Barlcytal schon still zu nennen, so kann man das Weidental als fast unheimlich richig bezeichnen. Obwohl es einen, wenn au 6)„wildromantischen� Zugang ran eigenem Zleiz»ach Hahnenklee darstellt, ist wir hier auf über zwanzig Wanderungen nur einmal ein Mensch, ein Waldarbeiter. begegnet.-- Auch b«i Harzburg findet man stille Töler— mögen sie auch bei schönem Wetter häufiger besucht werden, so das Riesenbach- und das Ticfeichachtol. Das hinter dem Aurhauje ausmündende Riefenbachtal ist für Harzlmrg«ine Landschaftsperle, für den Ruhesucher ein lauschiger Zu flu cht so rt. Vuchcnbestand, von mächtigen Fichten untermischt, zicht sich eine gute Stund« lang an den, muntern� Boche hinauf, der bisweilen Wasserfälle und wilde schäumende Strudel vorzuführen weiß. Im Tiefenbachtal führt nom Radouiall ein geschützter Wanderweg hinauf über die male- rische„Brockel, schncisc" mit ihrem herrlichen Fernblick auf die Krone unserer Berge. Auch dos den nahen Morltberq erklimmende Glä- seksntal, dos wir auf derselben Wonderung mühelos erreichen, ist entzückend in seiner bescheidenenSchönbeit. ImOberhorz fesselt immer wieder oon neuem das Wolfsbachtal. das Hohegeiß mit Walkcnried verbindet, ein allerliebstes Waldtol. in dem wieder Laubholz vorherrscht, das eins der lieblichsten und friedlichsten Wiefel, tälcr des Harzes einsäumt. Im S ü d h a r z find es vornehmlich die vielen Nebentäler der S i e b e r, die Ruhe versprechen, im Gegensatz zu den, Leben auf der Sicberstraße selbst, wo immer starker Verkehr herrscht. Aber ein paar hundert Meter hinein ins Kulnile- oder Iacabstal, ins Schmelzer-, Goldenkc- oder Langental und man hört nichts mehr van dem Hasten der Menschen, atmet reinste von Fichten und Buchen gehauchic Waldluft und freut stck) auf die nächste Wanderung ins nächste der stillen Täler, an denen das Gebiet der Sieber so reich ist. Auch die Ncbentälerde�r Oker verdienen an dieser Stelle her- vorgehobcn zu werden. Stille heimlich« Reize vermitteln das große Bran, letal und dos Langetal. das uns auf nächstem Weg- noch dein idyMsch gekegenev Forsthaa» Shr«»d»b«eK führt. Das rft nur etwa ein Dutzend de? Harztäler, in denen der naturliebeniZe und friede nfuchende Wanderer keine Störung durch lärmendes Gebaren dieser l>oste!,den und hohlen Welt zu befürchten braucht, wo kein AutoHupen und kein Straßenstaub hindringt. Himdeete solcher Täler und Tälchen ließen auch im Ost- und Südhorz sich nach nennen. Doch genug:! Wandert und sucht selbst und ihr findet sie und nehmt jedes als ein Gotresgeichenk und laßt ihm seine hehre Stille.__ Schlesien ist ein herrliches Reiseland. Es besitzt nächst Ober- bcyern die höchsten deutschen Gebirge, eine Kette von 200 Kilometern Länge: Das Ifer-, Riefed-, Waldenburger-, Eulen-, Glotzer- und Altvatcrgebirge. Diese Kamm gebirg« steigen ous Höhen van 1000 bis über l600 Meter: das Isergebirge ein Waldgebirge, das Riesen- gebirge alpin, Attvoteraebirg« ihn, ähnlich, dos Glatzorgebirg« an den Schwarzmald Snddeutschlands erinnernd, Woldenburgcr und Eulen- qebiroe mit Thüringen zu vergleichen. Zlllentholben erheben sich Burgen und Burqruinen, aiiartümlickzc Städte und Klöster, auch im Vorgebirge und m der Ebene. Sehr reizvoll sind das Bober- katzb'achgebirge und das Zabten gebirge,(nur eine Bohnsttrndc von Breslau» über 700 Meter hoch." Ueber weitere Einzelheiten unter- richten di« Werbeschriften„Dos schöne Schlesien", die von, Verkehrs- büro Breslau, Am Hauptbahn hos 1, I, und in ollen bedeutenden Verkehrs- und Reisebüros, wie am Schatter der Sanderzüge nach Schlesien zu haben sind. Die Reichsbahn läßt billige Sonderzüg« am Z. i. 4. 5. 12. Juli und 16, August 1930 nach Schlesien verkehre». Die Fahrkarten haben zwei Monate Gültigkeit. Der Zug führt ,mr bei genügender Bctcitigung. Es ist daher unbedingt notwendig, die Karten bald zu lösen. SsrateSss«« Gartenstadt mit hübschen Watlanlagen, Stadtmauern. Toren und alten, schönen Backsteinbanien. Bin gern besuchter Ausflugsort am Eingang der Letzlinger Heide mit dem WasscrschloB riechtingen und der Altmärkischen Schweiz bei Zichtau Angenehmer Erholungsaufenthalt, besonders In dem waldumrauschten Fremdenheim Forsthaus Lindenthal. 2 F lu Bbad ean sta I te n (Freibad). Pensionspreis bei guter Veipflegung<— 4 50 M. D-Zug-Haltestelle Berlin-Hannover. 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Juni 1930 Oiskontsenkung in der Krise. Wann kommt der siebenprozentige Pfandbrief? Die Revchsktmk hat gestern endlich üen Diskont von 4� auf 4 Proz. gesenkt. Entsprechend wurde der Satz für Lombarddarlehen von öV* auf � Proz.«rmögigt. Die vom Reichsbankpräsidenten Dr. Luther gegebene Begründung bestätigt, was wir seit Wachen vnmer wieder ausgeführt haben, als wir wiederholte Diskontermäßiigungen forderten. Das Zögern der Rcichsbank, ,! nter 5 ProK. hevabzugehen, hat sich als ein schwerer Fehler erwiesen. Cuther muh zugeben, daß Die Wirtschaftsdepression noch eine weitere. Verflüssigung auf den Geldmärkten erzeugt hat, und Luther hätte«, hinzufügen sollen, daß diese starke weitere Verflüssigung nicht von dar inländischen, sondern von der Weltmarktkrise ausgeht. Luther muß auch feststellen, wie wir es schon früher ge- tan haben, daß die Auflegung der Reparationsanleihe die Ver- slüssigung kaum aufhalten koimte. Es wird ferner zugegeben, daß die zunehmende Arbeitslosigkeit der Reichsbank ebenfalls die neue Diskontsenwng erzwungen hat. Richtig aber ist es. daß die Reichsbank nicht gleich um ein ganzes Prozent gesenkt hat, obwohl wir der Ueberzeugung sind, daß die Herabsetzung auf ZV* Proz. bald folgen muß. Für eine Er- Mäßigung um ein volles Prozent sind die internationalen Verhält- Nisse trotz des Vorgehens von New Port im Augenblick noch.zu unübersichtllch, ihr hätte die in der Diskontpolitik sehr wichtige Frage der Kontinuität widersflrochen, und endlich kann niemand die Reichs- bank hindern, selbst in kürzester Frist«ine weitere Krcditverbilligung um ein halbes Prozent vorzunehmen. Seit Anfang Roaember vorigen Jahres liegt jetzt m Deutschland die sieb ante D i ak o n t« r m ä ß i g u n g vor. Um ZVs Proz. ist in dieser Zeit der deutsche Diskont gesenkt worden. Die Krisen- Ursachen müssen sehr tief in der W e l t Wirtschaft verankert sein, daß der jetzt fast halbierte Rcichsbanksatz noch s» wenig konjunktur- anregend sich auswirken konnte. Frellich muß nian feststellen— und das ist ein«. Feststellung von tragischer Bedeutung—, da sowohl die Regulieruna der Kapitalpreise, nicht aber die Regulierung der Warenpreis« in �Deutschland einigermaßen funktioniert. Dazu kommt als Verhängnis, daß die jetzige Regierung, angewiesen auf die Unter- stützung rückständiger Unternehmer und vorkapitalistischer Schichten, des Mittelstandes und der Junker, die günstige Auswirkung der Zinsverbilligung durch die sinnlose Berkoppelung von Preis- und Lohnsenkungen zerstören will. Ganz zweifellos werden die Voraussetzungen zur Krisenmilderung durch den neuen Schritt der Reichsbank wieder gebessert. Abgesehen davon, daß zur Krisenmilderung ohne Reallohnsenkung sich eine starke Warenoerbilligung durch- setzen muß, ist jetzt der Frage die größte Aufmerksamkeit zu- zuwenden, wie der langfristige Ka p i ta l p r e i s in Deutschland verbilligt werden kann. Immer noch ist es so, daß Bau- zwischenkredite erheblich mehr als das Doppelte des Reichsbank- diskonts tosten, dasselbe gilt, besonders in der Provinz, auch für die IndiZstriekredite, und daß der Preis für Hypothekendarlehen noch immer so hoch ist, daß der Baumarkt von der Gelsverbilligung nicht profitiert. Die Banken haben jetzt den Zinssatz für Sparkonten gleich um ein ganzes Prozent— von 5 auf 4 Proz.— ermäßigt. Es ist durchaus zu beachten, daß angesichts des achtprozentigen Pfandbriefes die Sparkassen nicht ohne weiteres ihre Habensätze ebenfalls senken können. Um so dringlicher wird eine Verständigung darüber, wie man endlich zum siebcnprozentigen Pfand- b ri e f kommen kann. Bon hier aus dürfte allein eine fühlbare Senkung der Kreditkosten auf die Dauer zu erwarten sein. Die Er- höhung der Hypothekenauszahlungen, die bisher eingetreten ist, kann unmöglich genügen. Noch dringlicher freilich ist die Oeffnung der ausländi- fchen Kapitalmärkte für Deutschland. Amerika hat seinen Diskont nicht zuletzt deshalb herabgesetzt, um wenigstens das Börsen- gcschäft in festverzinslichen Werten anzuregen. Hier müssen für Deutschland die A n l e i h e ch a n c e n, die offen greifbar find, s o- fort und ausgiebig benutzt werden. Reichsregierung und Reichsbankpräsident haben hier die größten Möglichkeiten, mit dem Abbau der Wirtschaftskrise den Anfang zu machen. Zwischenakt in Mansfeld. Generaldirektor Stahl weiß in der Generalversammlung nichts Neues zu sagen. Allmächtiger Generaldirektor im Mansfelidbezirk ist Herr Stahl. Seit dem 1» Juni ruht der Kupferbergbau-, die Belegschaft liegt auf der Straße. Man hätte srwarten dürfen, daß Herr Stahl, bis zur Generaloerßunmlung des Konzerns Zeit zur Ueberlegung über das Unheil gehctbt hätte, das die Mansfeldverwalmng im Bezirk ange- richtet hat. Aber der Generaldirektor von Mansfeld heißt Stahl und i st ow aber Ruhr gekommen. Er hat von dort die Grundsätze her Selbstfinanzierung und stahlharten Verhaltens gegen- über den B«Legjchaften mitgebracht; er hat nicht nötig, hinzuzulernen. Das zeigte seine Rede' auf der Generalversammlung. Es steht für ihn, den sich wie all« Ruhrleute«ach der Profitseite modern, nach der Beiegschastsseite gern patriarchalisch, das heißt reaktionär, verhält, ohne� weiteres fest, daß sich die Mansseldbelegschaft„bei kreier Entschlußfähigkeit den unvermeidlichen Konsequen.zen der Kon- iunkturereignlsse nicht versagt" haben würde. Er ahnt heute noch nicht, daß die Gewerkschaften nicht nur Belegschafts-, sondern auch volkswirtschaftliche Interessen verteidigen, wenn sie sich gegen ein Notprvgramni der Mansscldoerwaltung zur Wehr gesetzt haben, das nach Jahren glänzender Gewinne möglich« Kon- junkrurverlusta auf den Arbeiter und den Staat hundert- prozentig abwälzen will. Freilich muß auf der anderen Seite auch von den Staatsbehörden die von der Mansfeld- Verwaltung ausgesprochene Möglichkeit ernst beachtet werden, auf längere Z.eit die Kupferbetriebe stillzulegen, da das nach der Mansfeldmeinung bei den gegenwärtigen Preisver- Hältnissen auch unter kaufmännischen Gesichtspunkten vielleicht das richtigere wäre. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn Herr Stahl gesagt haben würde, mit welchen Beträgen Vorstand und Oberbeamte bei Mansfeld einen Beitrag zur Senkung der Kosten geleistet haben. Den A k t i.o n ä r e n gegenüber fand Herr Stahl Wort« des Trostes über die für 192g— wegen der Stolbergabschreibungen— uisgefallencn Dividende. Der Besitz an Steinkohle und Braunkohle, die Glasfabriken und Ziegeleien werden mit Sicherheit nach Ueber- Windung der gegenwärtigen Lage wieder ein« angemessen« Rente bringen. Auch das Kupfer- und Messingwert, das von der eigenen Kupfererzeugung unabhängig fei, werde in halbwegs nor- inalen Zetten befriedigend verdienen. Auch der umfangreiche Grundbesitz werfe noch bescheidene Ueberschüsse ab. Bleibt also im Mansfeldkonzern nur der Kupferbergbau als einziges Sorgenkind, und selbst das nur im Augenblick. Wir fürchten, auch Herr Stahl wird dem Mansfeldkonzern, der mit größter Elastizität geleitet werden muß, nicht gut b e- kommen, wenn er mit seinen von der Ruhr nach Eisleben übertragenen Methoden durchhalten will. Herr Stahl hat feine von der Ruhr importierten kaufmännischen Grundsätze überspitzt und damit sowohl die schärfsten sozialen Gegensätze erzeugt als auch mögliche sofortige Hilfen für den Kupferbergbau im Mansfeldgebiet verscherzt. Das muß sich für den ganzen Konzern rächen, wenn nicht bald«in« Umkehr erfolgt. Mehr Dividende bei Oberkoks. Orobt Schering-Kahlbaum mit Kartellsprengung? Die Katswerte und Ehemische Fabriken A.-G., Berlin,(bekannt als„Obertots*h schlagen für das Geschäftsjahr 1929 ein« wieder um 1 Proz. erhöhte Dividende von 8 Proz. auf das Aktien- kapital von 80 Mill. M. vor. Die Interessen dieses Konzerns reichen vom Stemkohlelchergbau über die Produttion von Koks und Chemi- taüen bis zum Detailhandel(Hedwigshütte), zur Photoinduftri« (Doiglländer). zur chemischen Reinigung(Spindler). Beschäftigt toiaden im Jahre 1929 mehr als 25 000 Arbeiter und An- � � �ic� Bilanzzahlen sind viel zu.summarisch, um ein genaues Bild von der Eutwickümg des Konzerns zu geben. Der Bergwerksdefitz ivcb Bit Wll. W. ausgewichm und zeigt euren gertugen Zugang infolge von Gruntdftücksankäufen und Neueinrichtungen im Grubenbetrieb; dieser Zugang dürfte in Wahrheit viel größer gewesen sein, aber er ist im Wege der Selbstfinanzierung unter den laufenden Kosten„v e r f ch w u n d e n". Ebenso soll das Konto „sonstige Anlagen" nur mn 300 000 M. auf 9,9 Mill M. angewachsen sein; aber man hat nicht nur die Benzolverkaufsorganisation er- weitert, sondern auch gegen Ende des Jahres mit dem Neubau einer Kokerei und einer Schevefelfäiurefabrit begonnen. Die Kokerei soll bereits im August dieses Jahres in Betrieb kommen. Und da auch die G a s fernoerforgung ausgebaut wurde, so kann man mit einer Neuinvestierung von mehreren Millionen rechnen, für die keine Kredite nötig waren. Der wichtigste Posten der Bilanz, Beteiligungen und Effekten, ist von 71,16 auf 76,14 Mill. M. gestiegen, da im Laufe des Jahres weitere Aktien der Schering-Kahlbaum A.-G. und der Lackfabrik O. Mofebach A.-G.(jetzt Duco A.-G.) erworben wurden. Die Forderungen find von 35 auf 29 Mill. M., die laufenden Schulden um etwa den gleichen Betrag von 22,8 auf 17,3 Mill. M. zurück- gegangen. Man.darf aber daraus nicht auf einen Geschäftsrückgang schließen; vermullich liegen diesem Vorgang nur Berrechnungen mit Tochtergefellschaften zugrunde. Der Gewinn ist mit 9,1 Mill. M. umIMill. M. höheralsimVorjahre, nachdem man vorher noch eine Sonderabfchreibung von 1,4 Mill. M. fiir veraltete Kokereien abgefetzt hat. Zahlen über den Umsatz sucht man vergebens. Im Geschäftsbericht der Schering-Kahlbaum A.-G., Berlin, die für ihr 30 Millionen-Kapital ihre Dividende von 14 auf 15 Proz. erhöht hat, findet sich die milde Drohung an die Kartellteilnehmer, in Zukunft die Verständigungsbereit- schaft von der„loyalen Einhaltung der getroffenen Verembaruugcn" bei allen Verkaufsstellen abhängig zu machen. Bedeutet das Kart elldämmerung in der chemischen Industrie und fühlt sich Schering stark genug zum„ruinösen" Konlurrenzkamps? Eine durchgreifende Preisrevisson für Chemikalien wäre jedenfalls schon längst fällig._ Oer Marsch zum Weltstickstoffmonopol. Die Verhandlungen in Ostende und ihre Ergebnisse. In Ostend« haben am Mittwoch und Donnerstag VerHand- lungen stattgefunden, die sich um die Schaffung einer inter- nationalen Front des Stick st offkapitais drehten. Infolge der zahlreichen Neuanlagen in allen Ländern und der oft bedeutenden staatlichen Förderung der Stickftoftproduktion durch einzelne Regierungen aus militärischen Gründen hat sich eine Ueberproduktian entwickelt, von der z. B. auch die I. G. Farbenindustrie nicht verschont geblieben ist. Gegenwärtig tonnen die Stickstoffanlagen der Erde im Durchschnitt nur noch�zu 60 bis 70 Prqzent ausgenutzt werden, zumal die inter- nationale Krise der Landwirtschaft dazu geführt hat, daß sich im laufenden Jahr«, teilweise auch schon im Vorjahre, die Nachfrage nach Stickstoff nur wenig vermehrt Hot. Die Ostender Verhandlungen haben zu einem grundsätzlichen Einvernehmen über die Notwendigkeit eines engen Zu- fcrmmenarbeitens der Stickstoffkapitalisten der Hauptproduktions- ländcr geführt, Aus Deu tf chland nahmen an den Verhand- lungen die Direktoren Dr. Bosch und Schmitz für die I. G. Farben- Industrie und Prof. Earo für die Äalkftickstojfindustri« teil. Außer aus Deutschland waren Vertreter der Stickstoffindustrien aus Frankreich, Belgien, Holland, Großbritannien, Italien, Polen, der Tschechoslowakei und Nor- wegen zugegen. Man hofft, in Ostend« zu einem pravisonschen Vertrag zu kommen, der gemeinsam« Preiste st fetzung und möglicherweife auch eine Art Quotenaufteilung vorsieht. Sollte dies Ziel erreicht werden, dann ist eine Fortsetzung der Ver> Handlungen in Paris vorgesehen, wobei auch Vertreter der ch i l e- nifchen Salpeterinduftrien teilnehmen sollen. Außerdem sst derdeutsch-englisch« Stick st offver- trag dieser Tage auf zehn Jahre verlängert worden. Außerhalb des sich vorbereitenden internationalen Stickstoffkartells würden so- mit nur Rußland, Japan und die Vereinigten Staaten bleiben, Länder, die ihren eigenen Bedarf an Stickstoff nur teilweise selbst decken, die also für den Rest ihres Bedarfs auf Einfuhr angewiesen sind und selbst keinen Stickstoff ausführen. Für die ganze übrige Welt würde somit das geplante Wcltstickstoffsyndikat«ine monopolistische Stellung erlangen. Di« ersten Verhandlungen in Ostende haben noch kein weitgreifendes Ergebnis gebracht. Man hat eine Kommission ein- gesetzt, die sich zunächst die Verhinderung der Ueber- Produktion zum Ziel gesetzt Hai. WeZwertrag über Tonfilmpatente. Die pariser Friedensverhandlungen des Tonfilmkavitals. Am Freitag haben in Paris die Verhandlungen begonnen, die eine Beendigung des schon seit Monaten in aller Schärfe ge- führten Patentkrieges zwischen der deutsch-holländischen Gruppe Tobis-Kla ii gfilm- Küchenmeister und der amerikanischen Western Electric Company bringen sollen. Hinter der europäischen Gruppe stehen insbesondere die beiden Elek- trokonzerne Siemens und AEG., hinter der amerikanischen die Amerikanische Telephon- und Telcgraphen-Gesellschaft und als Finanzmacht das Bankhaus I. P. Morgan. Nachdem vor einigen Wochen die deutsch-holländische Gruppe bereits mit einem der größten amerikanischen Filmkonzerne(Warner Brothers) einen Bortrag abgeschlossen hatte, war die Aufnahme direkter Verhandlimgen zu erwarten. Sollten die Verhandlungen, womit allgemein gerechnet wird, zu einem Einvernehmen führen, so wird ein Monopol fürsämt- liche Tonfilmverfahren der ganzen Welt geschaffen werden. Vielleicht hat die Tatsache, daß der Tonfilm in Amerika und auch in Deutschland nicht in dem von den Tonfilmkapitalistcn erwarteten Umfang Anklang bei den Massen der Kinobesucher ge- funden Hot, mit dazu beigetragen, daß die beiden bisher feindlichen Gruppen eine Verständigung jetzt für erforderlich halten. Leonhardt Tietz verbaut Gewinne über die �0 Prozent Dividende hinaus. Der Warenhauskonzern Leoichardt Tietz A.-G., Köln, hat den Bericht für das am 31. Januar 1930 abgelaufene Geschäftsahr vor- gelegt. Auf das erhöhte Kapital von 37 Millionen werden, wie schon gemeldet, wieder 10 Prozent Dividende aus dem von 3,68 aus 4,57 Millionen erhöhten Reingewinn verteilt. Daß der Reingewinn in Wahrheit bei weitem höher gewesen sein muh, geht aus dem Bericht eindeutig hervor. Im Berichtsjahr wurden nicht nur eigene Häuser neu er- richtet und bestehende bedeutend erweitert, sondern vor allem die Geschäfte der Liiidemanii u. Co. A.-G. in Frankfurt o. M. und Breslau von der Karstadt A.-G. übernommen. Voll Stolz wird im Geschäftsbericht betont, daß all die Kosten für diese Neu- bauten, Erweiterungen und Uebernahmen„wie immer" über Unkosten verbucht wurden. Diese Summen sind also tatsächlich im Lause des Jahres verdient worden. Darüber hinaus hat man besondere Abschreibungen auf die übernommenen Lagervorräte vorgenommen und das An- leihe-Disagio auf einmal abgebucht. Das Warenlager wurde sehr vorsichtig bewertet; es beträgt nur noch 14,2 Proz. des Gesamt- Umsatzes gegen 15,3 Proz. im Vorjahr. Entweder hat sich also das Verhältnis von Lager zu Umsatz im Sinne eines schnelleren Um- schlage? geändert(was das Ergebnis ohne Zweifel bedeutend ge- bessert hätte), oder es stecken im Lagerwert erhebliche stille Reserven. Wenn der ausgewiesene Reingewinn jetzt noch nicht 2 Proz. des Gc- samtumsatzes ausmacht, also gegen das Vorjahr relativ gesunken ist, während bei Karstadt der Prozentsatz etwa doppelt so hoch ist, so ist das einerseits mit der Politik der„Selbstfinanzierung", anderseits mit dem Bestreben, den Gewinn möglichst klein auszu- weisen, zu erklären. Der Umsatz stieg um mehr als 30 Proz. aus 237 Millionen (in den Detailbetrieben van 157,5 auf 190 Millionen); wieviel davon echte Geschöstsausweitung(also ohne die neuhinzugekommcnen Ge- schäste) ist, wird nicht gesagt. Die Anlagen zeigen einen Zuwachs van 22,68 Millionen und nach Abschreibungen von 2,4 Millionen einen Wert von 74,6 Millionen. Mit der Uebernahme der Linde- mann-Geschäste ist das Warenlager von 27,5 auf 33,8 Millionen, die Außenstände von 9,3 auf 15 Millionen und die Warenschulden von 6,7 ouf 14,4 Millionen gestiegen. Dem Anlagenzuwachs steht ein Rückgang von Kassen- und Bankguthaben um 7 auf 10,3 Millionen, ein Anwachsen der Bankschulden um 7,4 auf 23,9 Millionen, der Zugang der Amerikaanleihe von Lindemonn in Höhe von 4,8 Millionen und ein Anwachsen der langfristigen sonstigen Schulden um 6,1 auf 8,5 Millionen gegenüber. Da; Aktivkonto Beteiligungen stieg um 4 auf 8,45 Millionen. Die Bruttoüberschüsse stiegen von 49,3 auf 60,1 Mil- lionen, die Unkosten vor allem durch die Erweiterungskosten von 38 auf 47 Millionen. Großer Auslandsauftrag für die Basalt A.-G., Linz a. Rh. Die Basalt A.-G. bleibt für 1929 dividendenlos(Artienkapital 24 Millionen Mark). Die große Kälte zu Anfang des Jahres führte zum B e t r i e b s st i l l st a n d auf fast allen Steinbrüchen und zu einem Verlust von 500 000 M., der aber im Laufe des Jahres(d. h. in n u r acht Monaten) ausgeglichen werden konnte, so daß der Ab- schluß einen geringen Reingewinn auswies. Dies relativ günstige Ergebnis ist den festen Preisen zu danken. Da die fünfzig Stein- brüche der Gesellschaft am Rhein liegen, ist das Holland- gcschäft von liesonderer Wichtigkeit. Wie die Gesellschaft bekannt gibt, ist mit dei Generaldirektton der Z u i d e r z e e w e r k« ein Ab- schluß zustande gekommen, der allen Betrieben, die Wasserbau- steine produzieren,„volle und gewinnbringende Beschäftigung für die nächsten Jahre" gewährleistet. Vienenburg wird fortgeführt. Die Kaliprüfungs stelle hat entschieden, daß der Preußischen Bergwerks- und Hütten A.-G. ihre Boteiligungs, Ziffern am Kalisyndikat für die Kaliwerke Vienenburg nicht entzogen werden, da die Schächte durch den Laugeneinbruch nicht dauernd unbrauchbar geworden seien. Dieser Beschluß bedeutet also die Fortführung des Bergbau- betriebes, da das Syndikat mit der W i c S c r a u f n a h m e der Lieferungen in absehbarer Zeit rechnet. Die Ostvreußische.'sleischwarenweike 21.-©. kouiqcberq hat mit der englischen Organisation der Armour and Company Ltd.«inen lvertraa geschlossen, wonach Armour den Vaconvertrieb in England, Irland und den Kolonien übernimmt Monatlich sollen 15000 bis 1800 Overarbeitet« Schweine übernommen werden, so daß die jährliche Leistungsfähigkeit des Königsberger Werkes voll ausgenutzt wird. Die kruppsche Gerwaniawerst in Kiel hat von einer nor- wegischen Reederei üen Auftrag zum Bau eines Tankschissss von 23 000 Tonnen erhalten. Oer Dank an das Besehungsgebiet Sozialdemokratie fordert werktätige Hilfe.- Kein„Abwicklungskommanöo Treviranus". Der Reichstag trat am gestrigen Freitag um 12 Uhr wieder zusammen. Eine Beschwerde des Abg. R e m m e l e(Komm.) über seine zwangsweise Vorführung zu einer Vernehmung in dem Straf- Verfahren wegen versuchten Hochverrats sowie eine Beschwerde des Abg. II I b r i ch t- Westfalen(Komm.) über Zustellung einer La- düng in einem ebensolchen Verfahren werden dem Gcschästsord- nungsausschuß überwiesen.— Darauf beginnt die zweite Beratung des Haushalts des Ministeriums für die besetzten Gebiete. Redezeit für jede Fraktion% Stunden. Abg. Ulrich-Hessen(Goz) spricht über die hohen Ersatzforderungen für Besatzungslasten und Schäden. Der Stadt Mainz mutz geholfen werden, da sie besonders schwer betroffen ist. Recht merkwürdig ist, dah man die im Reich erbauten Wohnungen im besetzten Gebiet einer Privatgesellschaft übergeben hat, die zwar mit dem Reich in Verbindung steht, ober die Mieten bedeutend erhöht. Das war doch nicht der Zweck des Wohnungsbarfes durch das Reich und die Reichsver- mögensverwaltung sollte hiernach dem Rechten sehen. Durch VerHand- jlungeu mit den Mietervereinen mutzte ein Ausgleich geschaffen wer- den. Schlietzlich verlangt der Redner höhere Ueberweisungen des Reichs an Hessen. Abg Dr. v. Dryandcr(Dnat.) nennt die französische Behaup- tung. daß die Besatzung der besetzten Gebiete sich in europäischem Geiste erhalten habe, eine Provokation. Die Verbindung zwischen Lösung der Rcparationsfrage und Rhcinlandräumung ist der Feh- lcr der deutschen Rheinlandpolitik, weil keine Sicherung gegen eine Wiederbcsetzung besteht. Der Redner setzt sich für Aufrüstung und eine„zielbewußte nationale Grenzmarkpolitik" auch im Westen ein. Die Verpflichwng zur Nichtverfolgung des separatistischen GcsindAs ist eine Schmach. Abg. Dr. Dockrus(Z.): Nicht eine einzelne Partei oder einzelne Persönlichkeiten haben das Verdienst an der Besreiuung des Rhein- landes, sondern alle Parteien der früheren Regieningskoalition und die gesamt« rheinische Bevölkerung. Mit Pancuropa will Frank- reich seine Macht stärken� Paneuropa und französische Ostbesestigung widersprechen ein- ander. Die Zahl der Rechtsverletzungen gegen das besetzte Gebiet ist Legion es war eine wahre Kulturschairde. Tiefsten Dank sind wir den un- zähligcn Opfern schuldig. Auch der deutschen Rechtsanwälte müssen wir gedenken, die— oft um Gottesilohn— vor den fremden Milirär- gerichten für die Deutschen mutig eingetreten sind. Die Besatzungs- mächt« müßten sich doch verpflichtet fühlen, ihre Rechtsverletzungen wieder gutzumachen, wenn auch nicht pekuniär. Entgegen den 14 Punkten Wilsons und der Lansing-Note, auf denen der Ver- Miller Frieden beruhen sollte, hat man uns außerdem Ersatz für Schäden, die die Zivilbeoölteruirg im Kriegsgebiet crlilten hat. auch den Ersatz der 5lnegskosten, Militärpcnsionen usw. aufgezwungen. Wenn die ehemaligen Gegner wirklich Befriedung wollen, müssen sie diesen Versailler Vertrag revidieren, der auf der schwersten Rechts- Verletzung beruht.(Wiederholte lebhafte Zustiimnung rechts.) Abg. Dr. Kalle(D. Vp.) begrüßt es, daß zum letztenmal dieser Haushalt zu beraten ist, wünscht aber Weiterbestehen einer Stell«, die schon durch ihre persönliche Zusammensetzung Ge- währ bietet, daß die Erfahrungen auf diesem Gebiete weitergepfl.'gt werden. Jetzt kann das Reich dem Rheinland nicht sehr stark helfen, um so notwendiger ist ein Dauerprogramm, das diese Hilfe aus eine Reihe von Jahren verteilt. Dazu ist eine sachkundig« Gruppe nö.ig. Der Redner verlangt Steuererleichterungen und ander« Begünstigungen für die saarländische Landwirtschost. Ein Uebermaß an off!- zicllen Feiern zur RMnlandbsfreiuirg sollte unterbleiben. Aber ein ileberschäumcn der Freude über die Befreiung von den verhaßten Unterdrückern sollte man angesichts der fröhlichen Gemütsart der Rheinländer im übrigen Deutschland nicht mißverstehen. Der Red- ner gedenkt zum Schluß der Verdienste S t r e s e m a n n s um die Rheinlandräumung. Minister Treviranus: Die Reichsregierung spricht der Bevölkerung der besetzten Ge- biete den Dank für ihre national« Treue und die Freude über die Erhaltung der Reichseinheit aus, was uns auch die Hoffnung auf Ueberwindung der jetzigen Not gibt. Ich bedauere, daß viele Kämp- fcr für die Erhaltung der Rcichscinheit den Tag der Befreiung nicht mehr erlebt haben. Bis zu)n 1. Oktober wird für die Beamten des Außendienstes die Uebernahme in andere Behörden sichergestellt sein. Ein Generalplan der weiteren Unterbringung wird für die Beamten des Reichskommissariats in den nächste» Tagen fertiggc- siellt. Die nicht unterzubringenden Beamten werden finanziell entschädigt und sichergestellt werden. Die Auflösung dieses Reichsniiiiisteriums, die zum 1. Oktober durch Verordnung de» Reichspräsidenlen erfolgen wird. ermöglicht Ersparnisse, jedoch bleibt mit Zustimmung des Reichs- rats der Haushaltsplan unverändert. Größte Sparsamkeit wird geübt werden. Das Westprogramm kann nur Erfolg haben, wenn die Aktion in den folgenden Jahren sortgesetzt wird. Bei der Un- gewißheit der finanziellen Zukunft können wir jedoch ein solches Programm noch nicht vorlegen. Wir wollen nicht einzelne Betriebe subventionieren, sondern durch Verminderung der Arbeitslosigkeit und Förderung der Landwirtschaft allgemein helfen. Die Zerstörung der Luftschiffhallen zeigt, wie weit wir noch von freier Selbstbestim- mung sind.(Sehr wahr! rechts.) Den Dank an die Bevölkerung wird man am besten abstatten durch fleißigen Besuch dieses Landes, das uns ein Vorbild nationaler Arbeit gegeben Hot.(Beifall.) Abg. Sparrer(Dem.) gedenkt des geineuchelten Reichsministers R a t h c n a u und stellt aus den Erfahrungen des besetzten Gebiets fest, dag der Militarismus der Entente dem früheren deutschen Mili- tarismus mindestens nichts nachsteht. Es wäre Zeit, die Schuldklausel und andere Bestimmungen aus dem Versailler Frieden zu streichen. Abg. Sollwitz(Komm.) fragt, wer die 1 bis 154 Millionen Kosten der Befreiungsfeiern bezahlt, beschuldigt das Zentrum, den Separa- tismus gefördert und heute noch Separatisten unter sich zu haben, greift die französischen Sozialisten an. weil sie den französischen Militarismus stützen und bezeichnet die 20 Millionen Wcsthilfe an- gesichts der dortigen Notlnge als einen„Dreck". Eine Milliarde stopft man den Großagrariern des Ostens ins Maul. Aachen und Düren haben noch keine Trinkwasserleitung, aber an diese Arbeits- heschaffung denkt man nicht. Deutsche Arbeiter hat man in franzö- fischen Besetzungsdienst gezwungen durch die Drohung, sie sonst ous der Arbcitsloseiioersicheruirg hinauszuwerfen: dabei zahlt die Bc- ictzung keine Sozialvcrsichcruiigsbeitrügc. Zum Schluß stellt der Redner die französischen O f f i'z i c l« den deutschen gleich, wogegen die Rechte lauf protestiert. Abg. Pallmann(Wpt.) erhebt Beschwerde gegen«ine Geheim- Verfügung des Reichsvermögensamts Aachen, die im besetzten Gebiet 1 rci werdenden reichseigenen Wohnungen, die Ausgewiesenen. Kreqs- beschädigten usw. zur Verfügung gestellt werden sollen, nur an Z ah l u n g s t ä h ig e zu oergeben. Die Ausgewiesenen sind meist zahlungsschwach. Die reichseigenen Wohnungen im besetzten Gebiet werden zum grötzten Teil den privaten Mietern entzogen und Beamten zu einer um 60 Proz. gesenkten Miete gegeben.(Hört? hört!) Abg. Dorsch-Hcssen(Ehrnat. Bp.): Statt der Besoldungsreform häite man das Geld besser für die besetzten Gebiete v-rwendct. TJiid jetzt bei dieser Not können die Beamten auch nicht veil-ingen, von ihrem Beitrag zur Hilfe befveit zu bleiben. Abg. Dr. Bayersdörser(B. Bp.) bespricht die Notlage der Pfalz und die Ostbayerns. Abg. Kirschmann(Soz): Als sich im November v. I. die deutschen und d'c französischen Unterhändler in Paris zur ersten Aussprache über die frühere Rück- gäbe des Saargebictes trafen, bestand allgemein die Hoffnung, auch dieses Problem bis zur endgültigen Räunurng des Rheinlandcs lösen zu können. Leider haben sich diese Hoffnungen mcht erfüllt Man hat den Eindruck, daß die BcrhaiMungen endgültig versuinpjt sind: es besteht tzeute keine Aussicht mehr, daß bis zur nächsten Bölkerbundstagung im September eine Klärung möglich ist. lieber die Bedingungen, unter denen die vorzeitige Rückgliederung des Saargobietes erfolgen kann, ist nach den Erklärungen der Reichs- regierung und vor ollen Dingen des preußischen Ministerpräsidenten nicht viel zu sagen. Ich möchte nur betonen, daß die nneingeschränkle Souveränität und die Rückführung der Saargrubcn in den Besitz der Vorbefitzer, also des preußischen und bayerischen Staates Selbstverständlichkeiten sind.(Zuft. der Soz.) Daß nicht gleich- zeitig die Saorfrage erledigt wird, ist die einzig« schmerzliche Feststellung, die ich zu machen habe. Die Soziachemokrotie ist keineswegs geneigt, die Räumung der Rheinlandc als Erfolg der Ver- ftändigungspölitiit bagatellisieren zu lassen!(Sehr wahr! b. d. Soz.) Wir schließen uns dem Dank an alle, die für die Rheinland- räumung gearbeitet haben, freudig an. Leider können wir den Minister nicht ciitbeziehen. Wir konstatieren seine Wandlung: es iväre aber unehrlich, zu verschweigen, daß die Politik des Herrn Treviranus und feiner Freunde keine Verftändigungsbofis mit den anderen Möchten abgegeben hat. Die Dankgefühle der Reichsregierung sollten materiell ausgedrückt werden: der Minister aber hat um Ablehnung des neuen Titels 6, der 1 Million Mark zur Verschickung von Kindern notleidender Familien bereitstellt, gebeten— angeblich ist keine Deckung vorhanden. Wir wcrdeit zur dritten Lesung Gelegenheit schassen, diese Forderung zu decken. Wir betonen unser« Forderung, daß die Angestellten und Arbeiter dieses Ministeriums ebenso wie die Beamten betreut werden, und daß«s gelingen nniß, sie in anderen Vcrwaltuitgszweigen�des Reichs und der Länder zweck- entsprechend zu verwenden.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Eine weitere Gelegenheit, Dank abzustatten, ist die Durchführung der Westhilf«, für die wir Sozialdemorraten noch wie vor eine gesetzliche Gnindlogc fordern. Bei der Beratung des Kriegslastenhausholts. in dem nach Reichsratsbeschluß die sachlichen Positionen des Mini- steriums fiir die besetzten Gebiete untergebrocht sind, werden wir näher aus die Westhilse eingehen. Dos besetzte und ehemals besetzte Gebiet fordert nicht userlche Subventionen, sondern bescheidet sich damit, zu wünschen, daß ihm durch eine«Volidaritätshandlnng des ganzen Volkes Gelegenheit gegeben werde, dos Usbermoß an Lasten infolge des verlorenen Krieges, einigermaßen auszugleichen. Was wir fordern, sind rasch« Maßnahmen. Die Arbeitsmarktlage in den westlichen Grenzgebieten hat in den letzten Monaten eine er- schreckende Verschlechterung erfahren. Besonders grausam wirken sich in einigen preußischen und pfälzischen Bezirken die brutalen Maßnahmen der Saar. regicrungvkomnussion, die einfach die Grenzen für den Arbeiter. verkehr sperrt und die Ablegungen der französischen Saar-Berg. werksdirekllon aus. Es muß gefordert werden, daß der Teil der Mittel, der unmittcl- baren wirtschaftlichen Zwecken im Rahmen des Wcsihilfsprogramms dienen soll, sofort flüssig gemacht wird, damit durch diesen Zusatz längst profektierle Notftandsarbeitcn, in der Hauptsache Straße»- und Bahnbauten, in Angriff genommen werden kömren. Auch an die Hilfsmaßnahmen für die Saargänger ist die Soziokdemokratie nicht geneigt, rütteln zu lassen.(Lcbh. Zuft. d. So.z.) Die B e- seitigung dieses Mmsteriums, dessen fachliche Zuständigkeit stets gering war, und das als politisches Miniftcriuin ständig Sach- refforte zurückstellte, ist ein außenpolitischer Erfolg. Wir reklamieren auch als Oppositionspartei unseren Anteil an dem glück- hasten Resultat vernünftiger, auf Verständigung gerichteter Außen- Politik. Es ivaren in erster Linie die Angehörigen der werttätigen Bevölkerung, die dos Rheinland vor der Trennung vom Mutterlavdc bc- wahrken. Ihnen sagen wir an dieser Stelle noch einmal aus- drücklichen Dank. Sie haben in wohlverstandenem patriotischem Eifer die Vorbe- dingung für die jetzt wiedererlangt« stoatspolitisch« Frechst geschaffen. Wenn bei den Bcfreiungskundgelncngen Jubel und Freude herrscht, dann darf des heldenhaften Widerstandes des Arbeitsvokkes am Rhein nicht vergessen werden, besonders ist den Eisen- bohnern ein Wort der Anerkennung zu sagen.(Lebh. Zust.) Die Freude über die Räumung ist groß und echt. Dos Volk will aber nicht Feste feiern, sondern Arbeit und Brot. Für die sozial bedrückten Schichten ist die nationale Freiheit nicht der Frei- hcitsbcgriff schlechthin. Deshalb wird es notwendig sein, die Wiederherstellung der Unabhängigkeit als Grundlage für die Erlösung der Menschen aus der sozialen Kol zu benutzen. In diesem Sinne feiern wir die Befreiung. Wir haben nie den französischen Soldaten gehaßt: unser Haß, unsere Verachtung und unser Kamps gatt dem System, dem französischen Militarismus, genau wie früher dem deutschen. Durch die Presse ging die Mitteilung, und der Minister hat das heute ausdrücklich bestätigt, das Kabinett habe im Einverständnis mit den Regierungsparteien beschlossen, das Ministerium ent- sprechend dem Reichsratsbeschluß am 30. September zu liquidieren. Es soll nur ein kleines Abwicklungs- und Uebcrleitungskommando unter dem Minister Treviranus bis zum 31. März 1031 erhalten bleiben. Ganz abgesehen von dem Optimismus dieses Befchlusses icheint uns eine Berechtigung für eine solche Maßnahme nicht, zu bestehen.(Minister Treviranus: Eine solche Absicht besteht nicht!) Dann brauche ich auch nicht weiter darüber zu sprechen. Wir oerlangen Dank an das Vaterland durch die Hilfsmaßimhinen, die ich empfohlen habe.(Lebh. Beifall der Soz.) Ministerialrat Dr. Bender beantwortet die Frage des Abg. Kall- mann dahin, dah jener Erlaß zum Teil unrichtig und darum auf- gehoben fei, und daß angeordnet wurde, bei Schwerkriegsbeschädigten gegebenenfalls bis auf die Hälfte der Friedensmiete herunterzugehen. Um?elS Uhr tritt Vertagung auf heute, Sonnabend, 10 Uhr, ein: Amnestisonträge. Die Saarverhandlungen werden unterbrochen. Di« Pariser Saarverhandlungev, die vor neun Monaten begonnen wurden, ohne daß bisher ein irgendwie nenoenswerkes Ergebnis zustandegekommen wäre, stehen wieder einmal nor einer Vertagung. Die Verhandlungen werden schon ln den nächsten Togen aus längere Feil unterbrochen werden, damit in der Zwischenzeit neue, ersolgnerheißende Ausgangspunkte fiir Ihre Wiederaufnahme gewonnen werden können. Sozialistische Arbeiterjugend Groß-Verliu «rs-ndimgen für diese Sudrif nur MI da< Zugnidfefrctal«! Jertln 632 68, tlnbm(tra6( z heute. Sonnabend, 21. Zum. Echä-euxide. Iohan-i-thal. Baumschnlcnweg: 3» Uhr in der Königshcid« tKrähcnMicse) Eprrchckiorprobr. Werbebeziel Prcn.üaure Berg: Alle Eruppcn finden sich mn 17 Uhr auf dem Sv-riplati„Einsame Pappel" niit Sportgeräten ei». Tambonrtorps Prenzlauer Berg: Alle Spirlcr, alte und neue, haben heute zum Uebungsoliend zu erscheinen. Wir spielen anschließend zum Lonnenwend» sesizug der Kittdcefreunde.»einer darf fehlen. In Zutunft Uehungoabend am Mittwoch. Alle- Nähere im Leim. Berbebcziri Westen: Jugendheim Oidcrsstraße iSportplah) um ISZZ Uhr Ztotee-Zaiken-Schulungslursua. Jede Sruppe muß vertrete» sei». Werbedezirk Osten: Trcfspunlt des Tamdourkorps 1~iM Uhr Koppen» Ecke Madaislraße. Brbeit-geiaeiaschaft Abraham: Die fiir heute und morgen angcsehic Arbeits» fahrt ist wegen des Rast verschoben. Luiscastodi: Eiuppcuahend fällt heule au». Wir treffen UNS 16 Uhr am Hochbahnhaf Prinzenftraße zum Bade» im Bad klingenbcrg. Tambaurlorps Neukölln: Wir tressen UNS zum Spiel auf der Nindcrfreundc- Sonnenwende piinltlich um"0 Uhr am Dhf. Neukölln. Alle Spieler müssen bestimmt erscheinen. IS W Morgen, So»»tag, Treffpunkt der Eesamtorganisatioa zum Rast um ü_j ffi 13ti Uhr im Stadion an der Podbielskj, Eiche. Dort Aufstellung ZUM k-l Eiumarsch. Fahaen o» die Spitze. BZ Serbe bezirk Neukölln: Treffpunkt zum Rast I2>4 Uhr Bhf. Neukölln(nicht Rathaus).— Berbebezirl Wedding): Treffpunkt zum Rast 1?!1 Uhr Bhf. Bedding.— Werbedezirk Ilrenzberg: Wir treffen uns zum Rast um 16 Uhr am U-Bhf. Ltadio». Erscheinen aller Genossen ist Pflicht.— Hasenheidc: Treff- punkt zum Rast 12 Uhr ÄottbufTcr Tor.— Bcstcud: Abmarsch zum Rast 12!4 Uhr Haeseler» Ecke Äonigin-Elifabeth-Stroße.— galkplatz I: Treffpunkt zum Rast 7 Uhr Schönhauser Allee. Südc»: Treffpunkt zum Rast 12!» Rote Ecke,-- Llliscnstwdt: Treffpunkt zum Rost 10 Uhr Hochbhi, Prinzenstraßc oder 13 Uhr Bhf. Stadion.— Reukölln XI: Treffpunkt zum Rast 7 Uhr Dhk. Neukölln. Nach» züglcr sehen zum Werbebezirkstreffpunkt. Vortrage, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schworz-Rol-Gold". Gelchättsstelle: BerNu S 14. S-bastianstr 87—38. Lok 2. Tr. Seuaabeub, 21. Juni. Ztrri» Norden: Me Iunzkameradsck>a!tcn fahren orlsvercinoweisc zu dem im Gaurundsdireiben angesetzten Ziel. Iungbannerklcidung. Pflichivcranstallung. Um pünkklichcs Antreten wird gcbetcn, Prcazlaner Berg, Iungbanner: 20 Uhr Pflicht antreten zum Ausmarsch Bhf, Alexanderplotz. Nachzügler 24 Uhr Bhf. Erkner, ssahrgcld 60 Pf, Erwerbslose frei. Weißes Mützenband nicht vergessen. Friedrichs- Hai», Inagbanucr: 22', Uhr marschfertig Modal- Ecke Fruchtstraße. Neukölln- Britz, Iungbanuer.' Trffspunlt 22 Uhr Ringbin, Neukölln.- Sonntag, 22. Juni. Marmeahteiluag: 8 Uhr in Uniform im Bootshaus zur Regatta. Wintersport- abtriluug: Ab in Uhr Tennistournirr yrgrn BfL. 09 auf unscrrr Platzanlage am Avuseingang. Komeradc» nebst Angehörigen find eingeladen Eintritt frei.— Montag. 23. Juni. Tiergarten(Ortsoemn): Allgemein- Funktionär. vcrfaimnlung in den Arminiushallcn, Bremer Str. 72—73, Wedding: Iung- bannersitzung Gotendurger Straße, Jugendheim, Rote Schule. Erscheinen Pflicht. Wichtige Bekanntmachungen. Friedrichshain, Iunpbgnncr: 1?>4 Uhr Jugendheim Fraickinrler Allee 307, Referent»am, Wazzenbaum, Stcglig iOrtsverrin): 20 Uhr im Rest. Schulz. Birkbutchstr. 90, Porstandsfitzung mit Zugführern. Unsere Propoganda-Aulofahrt, stöpc»ick(Orisocrciu): II Ut>o Antreten gm Bhi, Köpenick zum Ummarfch. Anschließend Versamussung im Stadiiheaier. Referent Kam, Scveripg, Lichtenberg lOrlsnerein): 10 Uhr?h-'. Köpenick zum Saalschutz ohne Fahnen und Instrumente. Iungmonnschost uno Schutzsportler: Turnabend in dcr Turnhalle Rummelshurgce Etr. 64, * Ganoorstond. Iungbanner: Sonnabend. 2l. Juni, tum Geländespiel stehen Kreis Westen um 28 Uhr,«reis Norden, Osten und Süden um 2t Uhr Marsch. bereit am Bhf, Erkner. Plakeiien fiir Kaff« und Mittagessen usw. zu 73 Pf. bei den Keeichugendführern. Nachzüglr: am Sonntag im„Sprrchöordkrug", Reu.Aittau.__ Arbester. Radi».«und Deutschland-, t.«,, Sitz Berlin, Ortsgruppe Groß. Berlin. Zum Rcichsarbeitrefporttag im Stadion Grunewald am 22. Juni hat der ARBD. da» Recht, den Einmarsch an diesem Tag«, der durch den Rund- funk übcrckiagcn wird, propagandistisch ouszugestaUrn. Es ist daher not. mcndig, daß die Teilnehmer um 1172 Uhr Un Stadion anwesend flod. Sammelpunkt»um Einmarsch wird in der Kulturanssselluna im Stadion hinter gliedernersammlung der Ortsgruppe Groß-Berlin. Vortrag des Genossen Voigt über„Störungea im Rundfunk". Verkäufe Tapete». Szillat, Koloniestraßc 9. | P-tentmatrotzcn„Primiffima". Me- j tallbctten. Auflegematratzen, Ehaifclon» > lgucs. Walter, Siargarderstraß: ach!» » zehn. Kein Laben.» öetzleickungsslücke, Wäsche usw. Wenig getragene Kavaliergarderod» oon Mellionären, Serzten, Anwälten Fabelbait billige Preise. Empiehl» Taillenmäntel. Paletots. Fracks. Smo» kingz. Dehrockanzüge. Losen. Sport. Gehpelze. GelegcnheitsNiuse t» neuer »- i c in neu«.« Garderdbe. Weitester Weg lohnend Lothringerstraße bll, t Treppe, Rasen. tbaler Platz.____• Loa«»»aliere» wenig aetragene. teil« aus Seide, und neue Iackettanzllge, Smokinganzüge. Abendanzüge. Frack. anzllge. Ulster. Paletots, Bauchanziigc. icde Figur passend, Lerren- und Domrnpelze. enorm dillig. Keine Lom. bardware. Leihhau» Friedrichstraße 2, öallcschcs Tor' Wenig getragene, teils aus Seide ge» arbeitete, erstkiasfige Iackettanzüge. Frack- anzilae. Smokinnauzüac. 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Ber- liner Alleeuuq SB. 68* Andcnstraßc i, Hof rechts.« £. mim ffiluliges Qold Don lila bis Witüil— von Ost nach Mest— uni> von dem Alban bis zur Schilka— von Nord nach Süd— erstreckt sich ein riesiges Gebiet, auf dem die Goldfundstellsn des fernen Ostens verstreut sind, Tausend« von Menschen verbringen dort ihr Leben in der Wände- nmg von einer Fundstätte zur anderen, indem sie Berge und Schluchten Schritt für Schritt bezwingen und die Quellen und Töler absuchen, und so mit ihrem Leben schaurig« Geschichten und Legenden vom Gold schaffen, van Hunderten in der Taiga vor Hunger, Angeln. Dolchen und Ilnwettcr Gestorbenen, Alle diese Goldjäger sind Menschen, für die das Gold zum Narlotikum geworden ist... Ich mußte an sie alle an jenem Morgen denken, an dem ich mit eigenen Augen sah, urie der kalte Glanz des golden Metallklmnpens in der roten Wärm« des frischen Menschcnblutes badete und verging. Der Pächter der Fundstelle wies meine» Begleiter Sofa, einen alten Goldgräber, und mich auf unsere Frage nach Arbeit an die Artels(Arbdtsgenossenschaften), „Meine Sache ist's nicht. Ich habe das Gold zu dem vorge- schriobenen Preise zu nehmen und Waren zu liesern. Sonst nichts." „In welcher Artel ist Plast?" „Bei dem Koreaner Nikolai sind dieser Tage zwei weggegangen. Vielleicht nimmt er euch," riet der Pächter. Wir suchten den Koreaner auf, Safa teilte ihm unseren Wunsch mit, in seine Artel einzutreten und Ziikolai antwortete mit heiserem Baß: „Gut. Morgen kommt Arbeit," Die Frage war gelöst. Bon morgen an sind wir Goldgräber. Bis wir unseren Plast in irgendeiner Hütte finden, erlaubt uns der Pächter in seinem Hause, einer baufälligen Holzbarackc, zu wohnen. Zwei Räume belegte er selbst: einen Wohnraum und einen Lager- räum für die Waren, zwei andere vermietete er an die Goldgräber, die noch keine Unterkunft in den Artel-Hütten gefunden hatten. Eins von diesen Zimmern, das zufällig frei war, bekamen wir, in dem anderen wohnte ein junger, großgewachsener Chinese, der mit seinem Artelführcr einen Streit hatte und hierhergezogen war. Abends, als Sasa den halbzerfallenen Ofen eingeheizt hatte, füllte sich das Zimmer so mit Rauch, daß ich mich auf die Straße rettete. Das Haus stand auf einein Hügel und ich sah unter mir verstreut die Lichter der Artelhlltten. Von dort drangen Kehlstimmen und ein schwermütiger chinesischer Gesang zu mir her. Der Pächter erzählte mir, daß hier soft nur Chinesen arbeiten, von denen manche schon fünf und sechs Jahre hier sind, und daß er selbst schon das dritte und wahrscheinlich dos letzt« Jahr hier lebt. „Worum denn?" fragte ich. „Es Hot keinen Sinn. Man gibt dem Prioatmenschen keine Freiheit. Sie verpachten nur, was st« selbst nicht brauchen können. Ich muß das Gold zu dem gleichen Preis nehmen, zu dem ich es der Bank abliefere. An Private darf ich nicht verkaufen— und kann es auch nicht, da jedes Gramm aufgeschrieben werden muß, Di« Miete, die ich von den Artels für ihre„Lose" bekomme, geht für den Pacht- zins drauf. Der einzige Verdienst ist der Handel," ?llls dem Dunkel tauchte die Figur unseres Nachbarn, des Chinesen, aus. „Was macht dos Geschäft, Sun-li?" wandte sich der Pächter on ihn. „Nichts Geschäft! Morgen geh weg, nach Udyl. Hier schlechte Arbeit, Kusma stark schlechter Mensch!" ontwsrtete drescr. „Wer ist Kusma?" wandt« ich mich an den Pächter, als der Chinese in seinem Zimmer verschwunden war. Kusma ist ein Russe. Der Führer der Artel, in der Sun-li ge- arbeitet hat. Gestern gerieten sie über irgend etwas in Streit und der Chinese zog hierher. Jetzt will er überhaupt weg. Es scheint etwas nicht in Ordnung zu sein..." „Komm schlafen!"«rscholltc hinter der Tür Safos Stimme. Der Rauch war aus dem Zimmer abgezogen. Safa hatte unser« Renntierselle auf dem Boden ausgebreitet. Es ist angenehm warm. Das Wasser in dem Kessel sängt on zu kochen. Wir trinken schnell T«, ziehen uns aus und loschen die Kerze. Nach«inigen Minuten höre ich Safa schnarchen, kann selber aber lange nicht einschlafen. Vom Ofen her fassen blasse Flecke auf die Decke und die Wände, aus dem Nebenzimmer höre ich Geräusche, undeutliches Gemurmel, Schnalzen mit der Zunge. Endlich, längst nach Mitternacht, schlafe ich ein, träume wild, wirr, Kämpfe, Stöhnen und Safas Stimme, die mich aufweckt: „Pächter! Wassllitsch! Steh auf! Wir haben Tot« im Hause!" ruft er nicht eigentlich laut, aber so, daß seine Stimm« draußen in den Hütten ebeirsogut zu hören sein muß, wie nebenan. Von draußen dringt fahles Licht der Dämnicrung herein. Ich reibe mir die Augen, springe auf und laufe zu dem Alten, der an der Schwelle zu dem Zimmer des Chinesen steht. „Was? Wer? Wo?" frag« ich. „Sieh hin." Er zeigt auf die Tür. Ich blicke in das Nebenzimmer, das in diesem Zwielicht größer erscheint, als es ist, und seh« auf dem Boden in der rechten Ecke zwei Körper ineinander verschlungen. In dem einen erkenn« ich Sun-li; der andere liegt auf ihm, ebenso groß. Sein Gesicht ist nicht zu sehen. Noch eine Sekunde und der Blick fällt auf einen hölzernen Messer- griff, der aus der linken Seite des Mannes ragt. Von Neugier und Entsetzen getrieben, mache ich ein paar Schritt« näher und seh«, daß die link« Hand des oben Liegenden sich um den Hals des Chinesen verkrampft hat, wahrend seine Rechte den Griff eines breiten Messers umklammert, das tief in der linken Schulter Sun-lis steckt. Der Pächter kommt In linterhosen und schnell übergeworfenem Rock hereingelaufen. Nach ihm erscheinen zwei Dutzend chinesischer Goldsucher. Das Haus ist voll von Menschen, „Wie war es möglich?.. Wieso kmn es?!... Ihr habt doch nebenan geschlafen!... Habt ihr denn nichts gehört?" fragt auf- geregt der Pächter. „Wieso nichts gehört? Wenn ich nichts gehört hätte, hätte ich dich nicht gerufen!" antwortet ruhig Safa. „Warum hast du sie denn nicht voneinander getrennt? Was hast du gewortet?!" „Keine Zeit gehabt. Ich höre, hinter der Wand ist was im Gonge; springe auf und zur Tür. 5:ad« sie gerade aufgemacht, und sie sind schon still geworden, Herben ihre Rechnung schnell beglichen," „Eine Geschichte!.. ," „Eine Kanaille, der Kusma, hat das Fenster gut bearbeitet!.. Ich merke, daß dos einzige Fenster glatt aus dem Rohmen ge- hoben ist. Einige Leute fassen den Obenliegenden an Schullern und Beinen, heben ihn hoch und legen den Leichnam neben den toten Gegner. Jetzt fallt das Licht auf die toten Gesichter: das brellknochige, olioen- farbige des Chinesen mit hervorgequollenen Augen— und dos pockennarbige, spitznasige des Russen, Beide sind glatt rasiert. Auf dem Halse des Chinesen sieht man tief- Kratzer. Sein Kopf ist ein Mertelmetcr vom Boden gegen die Wand gelehnt,«in Umstand, der es dem Gegner leicht� gemacht hat, mit ihm fertig zu werden. Beide sind in schmutzige Segeltuchhosen»vd Jacken aus glciriym Ston gekleidet, Die Füße des Chinesen sind bloß, die des Russen stecken « Wollstrümpien, Er hatte wahrscheinlich aus Vorsicht kemc Schuhe angezogen, als er hierher schlich, damit die Spuren undeutlicher sind, und er kein Geräusch macht. Währeird ich das Aussehen der Leichen studier«, mrd die Aus- nrerksamkeit der anderen von einem Gegenstand gefangen genommen, der zwischen den beiden neben Sun-li liegt. „Tinsol"(Gold) ruft erstaunt einer der Chinesen, die die Leichen voneinander getrennt haben. „Tinso!" wiederholen die anderen. „Tinso! Bei Sun>l! Tinso!" schollt es in den Hinteren Reihen und draußen weiter. „Gold! Ein« Stufe— gut 18 Pfund!... 5)0, ho! Das ist die Sache!" brunmit« der Pächter. „Fünfzehn, nicht weniger!" bestätigte Safa und beugte sich über den Chinesen:„Und Goldsand Hot er auch. So an ein halbes Pfund. Schöne Körner!" Jetzt begreife ich alles. Der Chinese Hot seinen Fund vor der Art«! verhermkicht. Die Goldgräber hotten sotchen Golddiebstahl für das schUntmste Verbrechen. Kein Betrug, kein Mord ruft solche Empörung hervor, und es Hot sich von alters her ein grausamer Brauch überliefert, daß der Dieb van der ganzen Artel geschlagen wird. Solches„Schlagen" endet oft mit dem Tod, aber das stört di« Goldsucher nicht:„Soll anderen eine Lehr« sein" sogen sie in solchen Fällen. Kusma mußte Sun-lis Fund bemerkt haben, ober er wollte auch nicht die Rechte der Artel verteidigen, sondern seinen Anteil an der Beut« hoben. Und nun liegt der Erzklumpen zwischen den beiden und ist dunkclrot geworden und wird in dem Maß«, in dein dos Blut erkaltet, noch dunkler, beinahe schwarz. In die Menge ringsuiii kommt aber Bewegung, die zuerst unter- drückt, sich dann immer lauter Lust macht: „Tinso!... Fünfzehn Pfund!... Sun-li wollte stehlen!... Unser Gold! Fünfzehn Pfund!... Sun-lj, Kusma tat!... Unser Gold!... Teile Gold!... Unser! Rmrm Gold!... Teile!... Artel-Gald!..." Die Ruf« werden immer lauter, die Stimmen lyiser. Dutzend« wölfisch gieriger Augcnpoare brennen im Gold- fieber, sehen nicht mehr die Leichen, das Blut, sondern nur noch: Gold, Gold. Gold!... „3)as hat man von de Ton Palte ftofetthranls Jensen war Schreiber bei der Amtshauptmannschaft. fiir dürf- tige hundert Kronen monatlich, bei eigner Kost und Verpflegung und einer Familie und fünf Kindern im Alter von zwölf Jahren bis neun Monaten. Die sollte Jensen mit Wohnung, Essen, Kleidern Schuhen uird oll dem versorgen. Dos konii man nicht. Und das konnte auch Jensen nicht, obgleich der Lebeirshaltimgs- index damals 100 war, dos heißt: der Index war damals überhaupt noch nicht erfunden. Doch das konnte Jensen ia nicht helfen. Er arbeitete bei der Amtshauptmannschaft täglich von acht bis acht, und von acht bis zwölf in der Nacht für einen Kaufmann, von dem er dafür Petroleum, Konserven und Mehl bekam,— aber eine Familie von sieben Personen braucht mehr. Auf ehrliche Weise konnte Jensen das Geld nicht beschassen, also legte er sich aus» Unehrliche und be- gönn, mit den kleinen Kossen zu wirtschasten, mit denen er auf der Amtshauptmannschaft zu tun hatte. Er mopste ein bißchen hier und «in bißchen dort,— iiieistcns dort, denn er halte vor allein die Geld- briefe und Postanweisungen auf die Post zu bringen, und weim die Gemeinden, Aemter und Kontore mohnlen, dann mopste er ein bißchen in einer andern Rechenschaft und halb sich so bis zum nächsten'Mal. Anfangs verursachte ihm das viel Mühe, ober als er seine Buchhaltung in Ordnung Halle, ging es ganz gut, obgleich es viel Aufpassens erforderte. Das Geld, dos bei Jensen blieb, war immer das, was irgendwohin unterwegs fein sollte, und da er alle Begleitbriefe schrieb, und der alte Amtshauptmann bloß fetncn Namen druillersetzte, ohne auf dos Datum zu sehen, während ein Assessor die Rechenschast führte, ging dos ein paar Jahre, und Jensen hatte sich daran gewöhnt. Aber eines schönen Tages wurde es entdeckt, und da saß Jensen also in der Patsche. So etwas wird eines schönen Tages immer entdeckt, und dann sitzt man also immer in der Patsche. Der Amtshouptmann war ein liebenswürdiger 5)err von der ollen Schule. Er konnte Jensen gut leiden und sah ein, daß es Jensen schwer war,— hin nicht zu sagen: unmöglich, von dem zu leben, was er rechtmäßig verdiente. Doch er konnte Jensen so nicht behalten, da die Anzeige aus dem Ort, von Leuten gekommen war, die den Amtshouptmann im Stadtrat schon immer angcgrissen I>atten. Deshalb rief er Jensen zu sich und sprach freundlich zu ihm: „Mein lieber Jensen", sagte er,„das ist ja eine schlimme Ge- schichte, aber ich verspreche Ihnen, daß ich Ihnen daraus keinen Strick drehen werde. Ich will sogar den Fehlbetrag decken,— Sie haben ja nichts, und Sie sollen auch nicht mit Schulden etwas Neues an- sangen. Mein Kollege in Tkjöbing braucht einen Schreiber, und ich weiß auch, daß Sic da in der Stadt ein bißchen mehr Nebenverdienst haben können als hier. Derfuchen Sie, die Stellung zu bekommen. — eine Empfehlung kann ich Ihnen jedoch nicht geben,— Sie sind zwar ein tüchtiger Beamter, aber... nicht war, Sie verstehen!" Jensen atmete erleichtert aus, aber dann sagte er mit tief be- trübter Stimm«: „Ia aber was soll ich denn sogen, weshalb ich von hier weggegangen bin, wo ich so viele Jahre gewesen war und nicht einmal eine Empfehlung bekommen kann?" „£>h", sagte der freundliche Amtshauptmann,„Sie können zum Beispiel ja sagen, daß ich ein hochmütiger und schwieriger Herr wäre, mit dem niemand auskommen komi, ich wollt« Ihnen nicht einmal eine Empfehlung geben,— ich wäre so unerträglich, daß Sie es hier satt gehabt hätten! Sagen Sie, was Sie wollen, mein lieber Jensen, mich brauchen Sie nicht zu schonen!" Das schrieb sich Jensen hinter die Ohren, er suchte um die Stellung an... mrd bekam sie, ahne Empfehlung. Es gab genug Nebenverdienste in der neuen Stadt, und Jensen war fleißig und hielt seine Finger weg von hier und dort. Aber der alte Amtshauptmann konnte nickst verstehen, weshalb ihm seine Kollegen im Kreis bei allen Gelegenheiten mit einer so wunderlich lässigen Ueberlegenheit zu behandeln begannen... Zufällig bekam er aus einem Umweg Aufklärung über dies rätselhafte Benehmen. Ganz gekränkt und niedergeschlagen kam er zu seinem Assessor: „Lieber Freund", sagte er,„wollen Sie das glauben! Sie kennen doch die Geschichte mit unsenn früheren Sck>reiber Jensen, den ich Ixrbe lausen lassen. Ich habe ihm geraten, in Tkjöbing eine Stelle zu suchen, und ich hatte ihm erlaubt, zu sagen, ich wäre schwierig und uner- träglich. Nun hat der Kerl weiß Gott da drüben erzählt, daß ich ein kompletter Idiot wäre... Dazu habe ich ihm nun wirklich nicht Erlaubnis gegebexi. Und das Unglück ist nun: daß die es nun alle glauben! Das hat man von seiner Freundlichkeit! So war es wirk- lich nicht gemeint!" tEinzIge bcrcchtigle Ucbrrse�ung ans dcm Dänischen von Adolf Ztobitsch.) Trockenes 8is und gekochte Sisbahn In heißen Tagen braucht nicht nur der Mensch Kühlung, auch die Lebensmittel, das Bier und ander« Getränk« müssen abgekühlt werden, um genußfähig zu bleiben. Die einfachste Methode, die man schon seit sehr langer Zeit anwendet, besteht darin, im Winter in den Flüssen und Seen Natureis zu gewinii««, das in tiefen Kellern gelagert und im 5)ochsommer wieder hervorgehalt wird. Es gibt z. B. In der Nähe von Breslau ein Gut mit einem Keller, der Raum für S00 006 Zentner Natureis bietet. Zwar werden von dieser Stelle im Jahresdurchschnitt 300 000 Zentner verkaust: aber es gibt Jahre, in denen die„Eisernte" sehr moger ausfällt, und des« halb wird in besonders kalten Wintern für sogenante„grüne Win- ter- vorgesorgt. Im ganzen werden in Deutschland jährlich etwa 100 Millionen Zentner Natureis verbraucht. Das ist aber kaum der zehnte Teil der Kunsteismenge, die in deutschen 5)aushalten und Lebcnsmittelbetrieben verwendet wird. Fachleute schätzen den Tageskochum an Kunsteis im Jahresdurchschilitt aus zwei bis drei Millionen Zentner, so daß man ohne Uebertreibung sagen kann, daß in Deutschland jährlich rund eine Milliarde Zentner natürliche» und künstlichen Eises verbraucht werden. Die Erzeugung künstlichen Eises bedeutet einen großen Fort- schritt. Dennoch ist das Kunsteis heute nicht mehr die hervor- ragendste Leistung, die uns die Wissenschaft und Technik zu bieten vermögen. Nur dem Vergnügen dient das Kunsteis, das in einigen Eispalästen durch große Kühlanlagen auch im Sommer in«inet Arena gehalten wird, um Sportsleuten die Freude des Schli tschuh- laufens und des Eishockeys in jeder Jahreszeit zu bieten. In letzter Zeit hat man nun mit Erfolg eine neue Erfindung erprobt, die«in deutscher Ingenieur gemocht Hot. Es wurde eine chemische Derbin« düng hergestellt, die die Eigentümlichkeit besitzt, Wasser chemisch zu binden und dieses Wasser selbst nach dem Schmelzen und Wieder- erstarren hartnäckig festzuhalten. Es handelt sich um eine besondere Art Kunsteis, das in Fässern In Schneeform versandt wird. Dann wird die Mass« gekocht und dadurch verflüssigt, auf eine glatte Unter- läge gegossen, wo sie bei normaler Temperatur erstarrt und schließ- Für die Industrie und den Privathausholt wird heute nach vor- zugsweise das gewöhnliche Kunsteis angewendet, dos aber»er- schieden« Nachteile ausweist. Der„Äältevorrat" in einem Kilogramm Eis ist ziemlich gering: es schmilzt bald und muß in sehr kurzen Zeitabständen wieder erneuert werden. Da da» Ei» aus Wasser besteht, gibt es einen Teil seiner Feuchtigkeit an die Umgebung ab, so daß es oft unmöglich ist, die zu kühlenden Waren ohne kostspielige Trennoorrichtungen mit dem Eis zusammen zu logern. Es galt also, ein Kühlmittel zu erfinden, das imstande sein sollte, mchr Wärme zu absorbieren oder allgemeinvarständüch ausgedrückt: mehr Kalle abzugeben, ohne schädliche Schmelzrückständ« zu hinterlassen. Der Preis eine« solchen Kältemedwm» sollte natürlich— bei gleicher Kälteleistung— denjenigen des bisher gebräuchlichen Eises nicht übersteigen. Von der Schule weiß man, daß es cin« iogenonte„B:r. dunstungslälte" gibt. Wenn wir aus die flache 5)and etwas Wasser oder Alkohol gießen, haben wir«in deutliches Kältegefühl, solange die Flüssigkeit verdunstet. Je schneller die Verdunstung vor sich geht, d. h. je flüchtiger die Flüssigkeit ist, um so größer ist die erzeugt« Kälte. Am flüchtigsten sind naturgemäß die unter hohem Druck verflüssigten Gas«, die das Bestreben zeigen, sofort in den Ursprung- lichen Gaszustand zurückzukehren, sobald der auf ihnen lastende Druck aufgehoben wird. Gerade weil die WärmeaufnalMe sehr schnell vor sich geht, sind die meisten flüssigen Gase, vor allem auch die flüssige Luft, deren Äältewirkung ja allgemein bekannt ist, für die Praxis wertlos, wenn man von wenigen Einzelfällen absieht. Eine Ausnahme bildet die Kohlensäure. Wenn man flüssige Kohlen- säure aus der„Bombe", dem Aufbewahrungsgefäß, i» einen Beutel abfließen läßt, verdampft sofort ein Teil de? flüssigen Gases. Durch die erzeugte große Verdunstungskälte..gefriert" die noch flüssige Gasmenge. Sie wird fest und kann als Kohlensäureschnee gewonnen werden. Wird dieser Schnee in Formen gepreßt, so erhält man Blöcke, d!« nun genau wie gewöhnliches Eis verwendet werden können. Während aber Eis ein« Temperatur von 0 Grad aufweist, herrscht im Innern der Kohlensäureschneeblöcke«ine Temperatur von 80 Grad unter lllulll Dieses„Trockeneis" verdampft nur sehr lang- sam, well sich während des Verdompfungsvorgonges eine Schicht kalten Gases bildet, die die Berührung mit warmer Luft verhindert. In Amerika sind zahlreiche Trockeneisfabriken errichtet worden. In etwas kleinerem Umfang wird die Fabrikation jetzt auch in Europa aufgenommen, und es ist anzunehmen, daß dieses neue Pro- dukt sich bald einbürgern wird. Der Preis ist allerdings noch ziem- lich hoch: Trockeneis kostet noch fast das Zehnfache wie Wassereis. Da aber sein„Kältewert" über ISO Kalorien beträgt, während Wassereis nur 80 Kalorien aufweist und außerdem noch viel ge- ringere Mengen für dieselbe Kälteleistung benötigt werden, vor- ringert sich der Preisunterschied sehr erheblich. Außerdem sind unsere Eisschränk« nicht aus die Lagerung von Trockeneis einge- richtet, und die Anschaffung neuer Eisschränk« ist ziemlich kostspielig. Pakete von Eiscreme in Papierhllllen halten sich 30 bis 40 Stun- den kalt. Es sind kein« leeren Behälter zurückzusenden oder unter« wegs mit Eis nachzufüllen. Für größere Bahnsendungen macht sich auch der Gewichtsunterschied in der Fracht sehr bemerkbar: 100 Kilo- gramm Trockeneis ersetzen 1500 Kilogramm Eis und 700 Kilogramm Salz! Beim Versand von Fischen von New sgork nach Detroit wurden sonst SOOO Kilogramm Eis und Salz für jeden Eisenbahn- wagen gebraucht. Diese Mengen werden setzt durch 550 Kilogramm Trockeneis vortellhaft ersetzt. Die mit Eis und Salz gekühlten Eisenbahnwagen, auch die Schienen und die Schwellen leiden durch Rost und werden durch die abfließende Sal'lauge angegriffen. Sie im Innern der Wagen herrschende feucht« Luft ist für manche Lebens. mittel unzuträglich. Alle dies« Nochteile werden mit einem Schlage ausgeschaltet, sobald man Trockeneis verwendet Es wird sogar be- hauptet, daß das entstehende trockene Kvhlenfäuregas, das die im i�racht wagen beiindliche Luft nach und nach ersetzt, als Konfervie- rungsmittel wirft und di« Anjammlung von Gerüchen in dem Ge- fricrraum verhindert. WmÄ* \ SM\ tÜalcuu? Weil es natürlichen Birkensaft enthält. Säfte der Birken— Kräfte, die wirken! J>Ae*A:&m 24- Uhr Lessing-Thester »feii!«iiil«mn 2797 i.0l<6 Täglich 8>.z Uhr Der Faun von Ed«. Rnoblaudi. Karl Kfodctis, Barry Babo. Traute Flamme. Thea GrodtcziBsky, Hedw. Wange! 8.15 Bör Zßfltr. 2819 Wieder allein. 8 in Berlin noth nicht gezeigte Keuheiten und weitere 4 Attraktionen Sonnabend u. 4 und 8" Uhr. Sonntaei Je 2 Vorstellungen■ ir. 4 Uhr kleine Preise| Metropoi-lti. Täglich S1� Uhr mit Dir aüeln auf einer einsamen Insel Michael Bohnen MW o. Westens Täglich 8»fe Uhr Der Betteistudeni Carola, Eisner, Böttcher, Horsten. Sikla, Dora SCAW 1 Tägl. S u. 8'|, Uhr. BS Bim. 9256 | Pr, 1-6 M Wochent9.SU.50Pf.-3 M,| Theater i. fl. Behrenstr. 53-54 fc1/* U. A4 Zentrum 926-927 SVt U. Direktion Ralph Arthur Roberts Hein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs BH Direktion: Dr. Martin Zickel tmm Komische Oper Fnedrlchstr.lOA Merkur 1401 4330. Täglich 8-7» Uhr Liebe und Trompetenblasen Schulz ✓ Westermeier ✓ Finkler Jahrbeck ✓ Haid ✓ Behrisch ROSE -Theater Or. Frankfurter Straße 132 Blllettkasss: Alex 3422 u. 3494 ZOO I zooiog. Garten j Ab 4 Uhr nadamittags 6R0SSES KONZERT Täglich: Tanz im Freien Auf d. Schausiellungspiaiz „1000 Krokodile" Aquarium— Aquarium Tierkunst. Aufstellung Täglich S'S Arm wie eine j Kirchenmaus mit Traute, Panl und Willi Rose. Angenehmen Anfenthalt bieten unsere alkoholfreien Er- frlschunsHst eilen: Volkspark Rehberge Volkspark Wuhiiielde VolksparkFrleifrlchshain Zeitgemäße billig© Preise! Usadiip'* üeiiieionitiipe Vertriebs- „nlflilll resellsdiaft m.b.H. 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Co Koni» in 11 AMeiloogen von Felix Joachimson. Masik von Mische Spoliaosky Regie: Erich Eogei Bühnenbilder Ludwig Rainer Bamowsky- Söhnen Theater In der Stresemannsir. 8>k Uhr Napoleon greift ein voa Walter Basenclever Rtgit: Yirttr Bamowiky Komödienhaus 8-7. Uhr iine Schwester und ich Musik r. Ralph Binalzky Berliner Praier sominergaiteonieaier Kastanienallee 7—9 Täglich AnfangiL'hr 6 Varath-Weitstadl- Alfiaklionep ferner die Burleske „Ganz fAlsch" sowie Gostl Beer und Gretl LUicn in „Der VogelhäDdiei" Operette in 3 Akt.».«irl Zell« oll SB uuvlrkenlen BroBes Raneehodien Eintri'tspreis von 50 Direktion Dr. Robert Klein Deotsehes Künstler-Theat Barbarossa 3937 Täglich 9 Uhr ..im laoze um dieWeltmitdlr" «n Earreiln Sthiffer «ulk; Frrdridi Hclla-der Resie: Heus Bahn haben Sie ein letztes Mal die Chance, direkt aus Altbesitz in Seebad Lehnitz-Süd »III!!» Außergewöhnliches zu wirklich sensationellen Bedingungen zu erwerben u zwar S Wassev-Faizelleit an der Oberhavel mit sof. 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Kasse.............. 1 521,30 Bank............ 24 401,83 Postscheck........... 85 25 Grundstücke u- Gebäude RM. 48 901,81 Abschreibung..., 5 000,— 43901,81 Mobilar....... RM 2224,41 Abschreibung... r 1 lipo.— 1 224,41 Material............ 3 810.85 Gehagbeteiligung........ 36 000,— Baudarlehn......... 8 649.14 Hinterleg. für Straßenbau...... 10 000.— Ausstehende Hauszinsen...... 3 055,70 Debitoren(Mitglieder)...... 118 034,- Hypothekenlorderung V.,.■■■ 259 500.— 520 195.30 Pusiv« RMark. Geschäftsanteile......... 28 433,— Gesetzlicher Reservefonds..... I 900,— Ergänzungsrücklage....... 17279,39 Garantierücklage......... 21 563,27 Sonderrücklage......... 532.— Rcchnungsrücklage........ 20 945,85 Sturmfonds.......... 1 519,95 Straßenbaufonds....... 12828,05 HausbauspargelderV-VI v.l. 10.— 31.12.29 8 211.21 Hypothckenschulden Gehagbeteiligung... Hauszinsen..... Baugeldforderung V Kreditoren(Mitglieder) Gewinn....... 18686,90 . 16 000,— 2! 783,37 . 224 785.- 121 075.80 4 650.60 520 195,30 Gewinn� und Verlust-Rechnung RMark. Verwaltungsunkosten........ 7 218.52 Drucksachenkonto....... 20.23 Wirtschaftskonto......., 2600.24 Abschreibung an Gebäude Abschreibung an Mobiliar Gewinn....... 5000,- I 000.- 4 650,60 20 509.59 RMark Gewinn-Vortrag 1928....... 14,65 Drucksachenkonto........ 70,40 Wirtschaftskonto......... 3172,- Rückvergütung.......... 5 000,— Umlage u.a............ 5253.45 Zinsen............. 4 914,84 Materialverbleib......... 2 082.25 20 5 9.59 Stand am I. Januar 1929 eingetreten..... Mitgliederbewegung Berlin-Mahlsdorf, den 24. Mai 1930 ausgeschieden durch Aufkündig ausgeschieden LurCh Tod. 722 Mitglieder 746 Mitglieder 15 f 727 Mitglieder Am 19. Juni»erftatb mein lieber Mann, unser treufotgtnbez Valer, bcc Aohlenhändler Alberl Relftdilag Peltenkooerstr. 8. Emilie RctlschlAg Richard RctischUg Martha Rcttschlag Die Einäscherung findet Montag den 23. Juni, l&h Uhr, im Krema- torium Baumschulenweg statt. HozenUMJef Str. 9« Alt- Moabit liO Kottbusaer Damm75 Andreasstraßc 40 ChiuaseastraSe 43 Chaossgattr 90-92 iBTaiidecstrafie 7 Schbg. Herbcrtstrs Charl Bismarckst.TH Wlmdf. AuguatastJ Spand-.Bahohofatr 4 Potad. Hoditzsir 22 Grontes Beerüsgnt- sportDaus Dcatscbl Katal 108 aniorder» Arbeitslose 10 Prot. Rabatt. Deotsdier Metallarbeiter-Terbaßil Verwaltunpssletle Berlin Todesanzeige Den Mitgliebern zur Nachtich,. baß unsere jtollegin Emma Voxter geb. A Januar 1895, am IS. Juni gestorben tft. Ehre ihr«»«nbenleni Die Beerbigung findet Saitnabenb. den 21. Juni. 14 Uhr, von bec Leichen. balle des Demetnbe-Ztirchhosea tn Spandau aus statt. Rege Beteiligung wirb erwartet. Die OrtsrerwaUiing. vie FUfsomme betragt bei 727 Mitgl. 39 150,- RM, Der Vorstand gez Wilhelm Gierschncr— Anton Knieriemen Die Revisoren gttWilh, Weber— Kail Gebert— Alex Oestreicb1! Für die zahlreichen Beweise warat- eni|jfundener Teilnahme, die uns anlässlich des Hinscheidcms von Bern Meyer zuteil wurden, sagen wir allen seinen Freunden auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Frau Elite Meyer, Dr. Meyer-Brodnilz.