BERLIN Sonnabend 21. Znnl 1930 Ersch ei»t tisllch aus«? Gonatas«. Zugleich Abendausgabe des.Vorwärts�. Bezugsprei« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,S0M. pro Monat. Redaktion und Expedition; B«rlinSWe8,Liud«nKx.s 10 Pf, Nr. 286 B 142 42. Jahrgang iMrtutwffa Anieigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeil« so Pf., Reklameitile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. PoKscheckkouto: Vvrwärts>Vcrlaz G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Bürgerblock für Fememörder. Das Amnestiegefch vor dem Reichstag. Der Reichstag begann heute um 10 Uhr die Beratung des A m n est ie gef« tz« n twu rf e s, damit verbunden ist ein« kam. munistrsche Interpellation über die H o ch v e r ra ts p r ozef s« kommunistischer Redakteure. Abg. Leutheuher(D. Bp.) gibt«ine umfangreiche Erklärung ab, die die Annahme des Ausfchußentwurfes enthält. Da die Se- paratisten und andere politisch« Verbrecher des besetzten Gebietes auf der Verlangen der Entente straffrei bleiben müssen, ist es auch nur gerecht, die Männer zu amnestieren, die Verräter getötet haben. Abg. Pieck(Koanm.): Infolge der Amnestie wurden die meisten Fememörder freigelassen, aber die gefangene» Kommunisten muhten Brüning und Höpker-Aschoff. Besprechung, ober noch kein Entscheid. Die angekündigte Besprechung des Reichskanzlers ..t dem Preustischen Finanzministcr Dr. Höpker» 21 schaff über die Besetzung des Reichsfinanzmtniste» riums hat um 11 Uhr begonnen. Bis zur Stunde hat aber Höpker-Aschosf noch keine Zusage gegeben. Vielmehr läßt Herr Brüning halbamtlich mitteilen, das» et eine Entscheidung darüber, w c u er den Reichspräsidenten als Finanzministcr vorschlagen wolle, noch nicht getroffen habe. Tiefe vorsichtige Formulierung ist sicher auf eine glatte Ablehnung Höpkcr-Aschoffs zurückzuführen. mcitersitzen. So z. V. wurde der achtfache Mörder Leutnant Schul z„wegen Krankheit* freigelassen und deshalb wird auch gegen' feinen Komplicen Fahlbusch nicht verhandelt. Auch jetzt will rnan ein« rein« Fememörderamnesdi« machen. Der Redner zählt dann die schweren Verurteilungen aus, die gegen K o m- m u n i st e n wegen Aufruhr usw. verhängt worden sind, und denen gegenüber die verschiedenen Amnestien nicht angewendet wer- den, z. B. gegen Kommunisten, die gegen die Kapp-Truppen ge- kämpft haben. Weil er einen Kopp-Spitzel erschossen haben soll, ist der Arbeiter Leih noch im Frühjahr 1929 in Untersuchungs- hast gesetzt worden; man will ihn wegen Mordes verfolgen, ob- wohl er beteuert, nicht einmal am Transport dieses Spitzels teil- genommen zu haben, der geflohen ist und dabei erschossen wurde. Abg. Dr. Vayersdörser(Bayer. V.-P.): Wir sind grundsätz- lich gegen Amnestien, wollen aber wegen der Rheinlandräumung ein« Ausnahin« machen und da kann man die Verbrecher aus nationaler Gesinnung nicht unberücksichtigt lassen. Abg. Dr. Eoerling(DNat.) rühmt die Schwarze Reichswehr, deren Dank sich der Reichsjustizminister verdient habe. Die Be- Zeichnung Fememord ist imr zum Zweck der Hetze erfunden. Das höchste deutsche Gericht hat bestätigt, daß es sich dabei um Dienst- ausübung handelte und nicht um Mord. Die Sozialdemokratie hat sich zwei Tage nach ihrem Verrat selbst amnestiert(Zurus von den Sozialdemokraten: Für diese Behauptung amnestieren wir Sic! IHeiterkeits). Ich hätte damals auf«ine Anmestie von dieser Seite für meine Person verzichtet.(Ironische Zurufe, Widerspruch links.) Abg. Landsberg(Soz.): Den Kommunisten sage ich. dasi es sich jetzt nicht um eine oll- gemeine Amnesti�handelt, denn die ist nicht zu erveichen, sondern ausschlietzlich um die Frag«, ob man einem Gesetz zustimmen kann, dessen Hauptinhalt die restlose Amnestierung der Fememörder ist. Wir stehen durchaus nicht auf dem Standpunkt, dotz eine Strafe bis zum letzten Augenblick vollstreckt werden mutz. Wir haben durch unsere ganze politische Vergangenheit bewiesen, daß wir das Gnadenrccht nicht nur für dos schönste Recht, sondern sogar sür ein« Pflicht des Staates halten. Die Stroie soll dem Der- urteilten nicht Qual bereiten. Hat ein Teil des Strafvollzugs den Zweck der Besserung erreicht, so sind wir selbstverständlich dafür, dah von der Vollstreckung des Strafrechts Abstand genommen wird. Diele Haltung kann uns aber nur dazu veranlassen, individuelle Gnadenerweis« zu befürworten, wo es angebracht erscheint. Wir haben darüber hinaus durch unsere Vergangenheit gezeigt, dah wir auch allgemeinen Amnestien durchaus nicht ablehnend gegenüber- stehcn. Das uns jetzt vorliegende Gesetz ist schon die f e ch st e A m n c st i c in der Republik. Allen früheren Amnestien hoben wir zugestimmt, aber den Vorbehalt, den wir immer gemacht hoben, (Fortsetzung aus der 2, Seite.) Bolz läßt köpfen! Oer württembergische Staatspräsident gegen das Reich. Stuttgart» 21. Juni. Amtlich wird mitgeteilt: Der vom Schwurgericht in Ravensburg wegen Mordes zum Tode verurteilte Landwirt Julius Zell ist heute früh h-K Uhr im Hofe des Amtsgerichts Ravensburg hingerichtet worden. * Die Verantwortung für diesen Verstoß gegen das fünfte Gebot der christlichen Lehre trägt der württembcrgische Staatspräsident Bolz, der Mitglied und Vertrauensmann der christlichen kathotischen Zcntrumspartei ist! Der sozialdemokratisch« Reichskanzler Hermann Müller hat in der Regierungserklärung des Kabinetts der großen Koalition vom' 3. Juli 1928 zum Ausdruck gebrächt, daß die Reichsregierung bei den Landesregierungen anregen werde, bis zur gesetzgeberischen Entscheidung über die Frage der Beseitigung der Todesstrafe das Begnadigungsrecht gegenüber Todes- urteilen anzuwenden. Diese Stellungnahme der Reichsregiemng hat der damalige Reichsjustizminister am 19. Juki 1928 zur Kenntnis der Landesregierungen gebracht. Im Rechtsausschuß des Reichstags, ist durch das für die Mehr» heit entscheidende Votum des mehr als 80jährigen Rechtsgelehrten Dr. D. Kahl bei der Beratung des neuen Strafgesetzbuches die Todesstrafe gefalle/N, trotzdem in einer Vorabstimmimg durch das Verhallen der Kommunisten die Beibehaltung beschlossen worden war. Deutschland blieb dann �wei Jahre lang die Schande einer neuen Hinrichtung erspart. Es war der württembergi, sehen Bürgerblockregierung und ihrem Vorsteher Bolzj vodehalten, dem deutschen Volke diese Schmach heute morgen auf dem Hose des Amtsgerichts in Ravensburg zu schenken. Die vorletzte Hinrichtung hat in Deutschland am 13. Januar 1928 stattgefunden. Damals hatte es sich um den vielfachen Mörder Böttcher gehandelt. Aber gerade im Zlnschluß an diese Hinrichtung, der er beigewohnt hotte, bekannte der preußische Justizministe? Dr. Schmidt, daß er nie wieder einer Hinrichtung zustimmen werde. Unter dem sozialdemokratischen Reichskanzler Müller war die Kultur- schände der Todesstrafe praktisch beseitigt. Unter der Bürgerblock- regierung Brüning wird sie wieder eingeführt. Auch ein Zeichen der Zeit! Weltproteste gegen UGA.-Tarif. Frankreich fordert Herabsehung und droht. Paris. 21. Zunl. Handelsminister F l a n d i n empfing am Freitag die Vertreter der sranzösischen Presse, denen er einige Ausführungen über die Auswirkungen der neuen amerikanischen Zollsätze und die französische Aussuhr nach Amerika machte. Aus den Erklärungen des Ministers geht hervor, daß die Zölle für die verschiedenen französischen Erzeugnisse von IVi Proz. für Hüffe bis auf 1000 Proz. für knöpfe gestiegen sind. Flandin betonte, dah die verössentlichung der amerikanischen votschast, die von nur ganz geringen Erhöhungen spreche, sich aus eine Gesamtheit von Artikeln bezögen, daß aber die Haupt- b e l a st u n g eine ganz besondere Art von waren betrcsse, an deren Aussuhr Frankreich gerade das größte Interesse habe. Die französische Regierung werde zunächst die klagen sammeln, die -von den verschiedensten Industrien eingingen, um sodann der ameri- konischen Regierung vorzuschlagen, die Klausel spielen zu lasten, nach der der amerikanische Staatspräsident befugt sei, die neuen Zölle selbständig bis zu 50 Proz. herabzusehen, wenn die sran- zösische Regierung keine Genugtuung erhalten sollte, werde man andere Maßnahmen ergreifen. Spanien kündigt. Paris, 21. Juni. Noch einer Meldung aus zuverlässiger spanischer Quelle beab- sichtigt die s p a n i s ch e Regierung als Antwort aus die neuen ameri- tonischen Zollsätze die Verträge mit der amerikanischen Gesellschaft sür die Einfuhr amerikanischer Tabake nach Spanien zu kündigen. Der ministerielle Aueschuß, der mit dem Studium der durch die neuen Zölle geschaffenen Lag« beaustrazt ist. wind der spanischen Regierung außerdem den Vorschlag machen, den zwischen Spanien und Amerika bestehenden �lodus vivendi zu kündigen. ÄS A- Zollkommission in Sorgen. w a s h i n g lo n. 2t. Zuni. Di« zahlreich einlaufenden Proteste gegen da» neue Zolltarif- gesetz werden sämtlich der Zolltoriskommission unterbreitet werden, die sie prüfen soll, um die Grundlage für eine Einigung zu suchen. Die Veweglichkeitsktauset gebe dem Präsidenten hoover Mittel In die Hand, den Protesten der ausländischen' Regierungen und Industrien Rechnung zu tragen. Der Präsident werde alles tun, um wirtschastlichc Repressalien ausländischer Mächte zu vermeiden. Kapital strömt zu. Glößere Käufe der Neparationsbank in Deutschland. Basel, 21. Iuni. wie der BIZ.-Dienst von unterrichteter Seite erfährt, ist die BIZ(Reparationsbank) in den letzten Tagen in starkem Umfang als neuer Geldgeber am deutschen Geldmarkt ausgetreten. Das Baseler Institut habe bereits größere Käufe am deutschen Geldmarkt vorgenommen, wobei sich die Erwerbungen aus kürzere und längere Lanfsrlsten bezogen hätten. So hat die Bank Reichs- schahanweisungen gekauft, die erst im Zahre 1932 sättig werden und mit S Prozent Zinsen ausgestattet sind. Bekanntlich werden am 1. Oktober d. Z. 150 Millionen Reichsschahanweisungcn vom Iahre 1926 fällig. Als Ersah für diese Reichsschahanweisungen ist nun der erwähnte Betrog bei Fälligkeit im Iahre t9Z2 von der BIZ gekaust worden. Bei der Reparationsbank in Basel sind jetzt die Einzahlungen auf das Aktienkapital und die Ueberwcisung der deutschen Einlag« in Höhe von 100 Millionen erfolgt. Außerdem erhält sie die lausenden Reparationszahlungen von Deutschland. Die Bank hat also ständig eine größere Summe flüssiger Mittel zur Verfügung, die sie in entsprechender Weise anlegt. Da die Reporationsbonk satzungsgemäß keine bankmäßigen Kreditgeschäft« tätigt, erfolgten diese Anlagen mit kurz, und mittelsristiger Lauszeit auf den internationalen Märticn, in diesem Fall als» hauptsächlich auf dem deutschen Markt. Da es sich bei den Anlogen der Reparationsbank um große Beträge handelt, sind die Wirkungen dieser Anlagcpolitit in Deutschland nicht z n unterschätzen. Dienstzeit- ein Jahr. GenügenS Berufssoldaten in Frankreich. Paris, 21. Juni. Um den vernichtenden Eindruck, den die Ankündigung der neuen Rüstungsausgaben machen mußte, einigermaßen zu verwischen, läßt die Regierung heut« im.�Zousnai Ossiclel" eine Verordnung er« scheinen, nach der am 15. Oktober dieses Jahres die einjährig« Dienstzeit cndgiUtig in Kraft gesetzt werden soll� da an diesem Tage die vorgesehene Anzahl von Berussjoldaten eingestellt sein wird. Amnestie für Fememörder? (Fortsetzung von der I.Seite.) müssen wir auch heut« machen, und der ihm nicht Rechnung getragen wird, ist die Vorlage für uns unannehmbar: Die schwersten Verbrechen(Zuruf rechts: Hochverrat!) müssen von der Amnestie wenigstens soweit ausgenommen sein, dah die Ein- stcllung schwebender Verfahren und das Verbot, neue Verjähren an» bängig Zu machen, unzulässig sein müssen. Dies« schwersten Verbrechen sind anders zu behandeln« l�s politische Straftaten. Unser Rechtsbotoußtsein(aßt nicht zu, daß die denkbar schwersten Straftaten vom Gesetzgeber als Bagatellen behandelt werden. Wenn der Staat nach der Begehung der schwersten Verbrechen seine schützende Hand nicht ausstreckt zugunsten der Verletzten und zur Ergreifung des Täters, so müssen Zustände eintreten, die zur Eiubürgeruug der Blutrache in Deutschland führen könnten.(Sehr wahr! links.) Schließlich leiten uns trimi- nellc Erwägungen. Wir erleben jetzt Tag für Tag, daß im poli- tischen Kampf an die S belle des Arguments der Gebrauch der g«. sichrlichsten Warfen tritt. Wir wollen nicht, daß Menschen, die. weil sie unfähig sind, den Gegner sachlich zu widerlegen, danach trachten, ihm das Leben zu nehmen, dann noch die angenehme Aussicht auf eine sehr bald kommende Amnestie haben sollen.(Lebh. Zustimmung d. Soz.) Aus diesen Gründen haben wir immer daraus bestanden, daß die Verbrechen gegen das Leben in Amnestiegesetzen anders behandelt wurden als andere Straftaten, und darum erschien es uns unmöglich, die Einstellung der Verfolgung solcher Verbrechen und die Einleitung neuer Verfahren mitzumachen. Das war früher auch der Standpunkt der Mittel-parteien. Der v oll s p a r t« il i che Führer des Preußischen Condtags Dr. v. Camp« hat die Fememorde als die scheußlichste Erscheinung unserer Zeit, der wir uns schämen müssen, bezeichnet. Der Zentrums- abgeordnete Dr. Scheiter hat noch am 10. Mai 1930 hier im Ausschuß starke Vorbehalte gemacht. Der Demokrat Koch- Weser hat am 30. März 1928 hier tm gleichen Sinne gesprochen. Jetzt ist alles anders geworden. Di« schwersten Vedcnken sind verschwunden und-man macht eine Amnestie, wie sie vielleicht noch in keinem Bcchlsstaal jemals vorgekommen ist.(Zuruf rechts: Se- vering!) Severing war niemals eine Quelle der Gesetzgebung, was er verhandelt und vielleicht auch abgemacht hat, kann uns jetzt nicht binden. Sie sagen, der Vertrag mit den Besatzungmächten über Straffreiheit für die Separatisten mache die Amnestierung eben- solcher Verbrechen im undejetzlen Gebiet notwendig. Weshalb Taten, die unter dem Druck einer fremden Militärmacht begangen worden sind, nicht anders behandelt werden sollen als Taten, die nicht unter einen: solchen Druck vorgenommen sind, begreife ich nicht. Ich nehme nicht an, daß die Argumente des Dr. Cverling für Sie(zur Mitte) bestinmrend gewesen sind(Zurus rechts: Warum nicht?), weil sie niciner Meinung wirklich nicht wert sind, in Bc- tracht gezogen zu werben.(Heiterkeit.— Abg. Dr. E v e r l i n g: Gott was ist das dumm!— Glocke des Präsidenten.) Ich bitte nicht einzugreifen, denn ich lege den größten Wert darauf, daß Herr Everling mir die Intelligenz abspricht. (Sehr gut! links.) Ich traue den Mittelpartcien nicht zu, daß sie mit Herrn Ever- ling zusomniengehen, weil sie dem Recht Geltung oerschaffen wollten. (Sehr gut! links.) Ist ein schweres Verbrechen begangen, so ist nach unserer Rechtsauffassung dem Gesetz in der Weise Geltung zu ver- ichasfcn, daß das Verbreche» geahndet wird. Sollten Sie der Ansicht sein, daß dieses Gesetz ein« Versöhnung zwischen dem Staat und jenen Männern, die das schwere Verbrechen des Mordes begangen haben, herbeiführen soll? Auch dieser Zweck wäre anders ats durch vollständige Strofnachsicht zu erreichen. Nein: der wahre Grund dieses Gesetzes ist, daß die Partei des Herrn Tceviranus, dessen Namen die Vorlage trägt, in die Lage ver- seht werden soll, ihren Anhängern im Lande zu sagen: Es ist für Anhänger unserer Parle, recht vortcilhast. wenn sie nicht abseits von der Republik stehen, sondern in ihr mitarbeiten. Das ist der Grund. Nun halt« ich die Bildung einer Partei, die kon- servativ in der Demokratie sein will, für ein großes Glück(Hört, hört! und Heiterkeit), aber ich kann den Kaufpreis einer Zer- rüttuna des Rcchtsbcwußtseins auch für. die Bildung einer solchen Partei nicht bewilligen: er ist mir zu hoch. Wissen Sie, wen und was Sie mit diesem Gesetz anmestieren? Der Redner verliest aus dem Urteil in, den: Femeniordprozeß gegen Beitn, Schürmann, Stein und Aschenkampff wegen Ermordung P a n n i e r s die gerichtlichen Feststellungen über die gräßliche Roheit dieser Menschenschlachtung und darüber, daß die Täter schon vorher über die Verwendung der Schuhe und der Gamaschen des Ermordelen verhandelt und daß Aschenkampff nachher diese Gegenstände an sich gcnononen und ge- tragen hat. Weiter verliest Abg. Landsberg aus dem Urteil des Schwurgerichts Landsberg a. d. W. gegen Büsching, Klapproth und Raplioel die Feststellungen über die viehisch-rohe Tötung des keineswegs überführten und nur uubeftiinmt verdä-tchigten Groschkc. Das Gericht hat Klapproth und Raphael die Ehrenrechte abgesprochen, weil politische Erwägungen bei ihrer Tat nur eine gonz geringe Rolle gespielt haben, aber menschliche Roheit und hemmungslose Mordlust vorherrschend gewesen sind. Lebhaftes Hört, hört! links.) Heute früh ist in S t u t t g a r t ein SreigniÄ gesthehen, das irh für immer aus den Blättern der dentsthen Geschichte gebannt geglaubt habe: eine Hinrich- t n n g! Anhänger derjenigen Parteien, die hinter dem borliegenden Gesetz stehen, hielten die Boll- streckung des Todesurteils für unbedingt erforderlich zur Sühne eines schweren Mordes. Aber in diesen Femefällen sprechen Sie die Mörder von jeder Schuld frei und ledig. lHört, hört! links.) •sie beschießen dl« Einstellung des Verfahrens und die Ein- leitung neuer Verfahren mit der einzigen Ausnahm« von Mord- anfchlägen gegen Mitglieder der jetzigen oder einer früheren Reichs- regicrung. In diesem Zusatz lornrnt wohl die Besorgnis zum Aus- druck, daß eine zu weitgehende Amnestierung die Äordgclüste anregen könnt«. Weshalb aber den Vorteil davon nur jetzige und ehemalige Mitglieder der Reichsregierung haben sollen, kann ich nicht UegrsiM».(Lebh. Zustimmung der Soz.) Mit volle« Recht haben die Anklogebehörden die Fememörder so bewertet, wie sie tun mußten: einer ist aus Südamerika, einer aus den Vereinigten Staaten herübergeholt worden, und jetzt, wo d e,'-: Menschen hier sind und abgeurteilt werden sollen, Der Gattenmörder ein Psychopath. Die Sachverständigen im Gnimgnn-Prozeß. L. K. Prenzlau, 21. Juni. Die Sitzung begann Herne bereits um 8 Uhr. Es sind etwa 10 Sachverständige zu hören. Als erster kam Dr. Leibbrondt zw» Wort. Sein Gutachten gilt in der Hauptsache der ersten ver- storbenen Frau des Angeklagten. Der Angeklagte selbst hat sich zu Lebzeiten seiner ersten Frau als Mensch gezeigt, der große Gefühlz- armut und Neigung zur Vernachläsiigung seines Aeußeren zeigte. Als zweiter Sachverständiger wirkt Dr. Magnus H i r f ch s e l d. Er hat den Angeklagten in einer Weis« geprüst, wie es in den Ehe- beratungsstellen üblich ist, und hat dabei eine gewisse Abweichung von der Triebart festgestellt. Gutmann neigt zu Gewalttätigkeiten. Daraus«rktärt sich feine etwas roh« Behandlung der Frauen. Von ausschlaggebender Bedeutung sind für seine ganze Entwicklung die Minderwertigkeitsgefühle geworden. Es ist den Eltern nicht gc- lungen, diesen Minderwertigkeitskompleren entgegenzuarbeiten. Im Gegenteil, sie sind noch durch die Erziehung gesteigert worden. Mag sein, daß. wenn er an dem Gegenstand seiner ersten großen Liebe hängen geblieben wäre, er«inen anderen Weg beschritten hätte, als es der Fall gewesen ist. Zlls«r aber von feinen Eltern anstatt in die Ehe mit seiner Kollegin nach Amerika geschickt wurde, erlitt er gewissermaßen einen Schock. Seine erste Ehe mit einer Morphinistin mußte gleichfalls unglücklich verlausen. Nach ihrem Tod suchte er Halt an der Frau Lenz. Einer Ehe mit dieser Frau stand aber ollein schon der Umstand entgegen, daß sie verheiratet war. D i e Ehe mit der zweiten Frau mußte«in tragisches Ende nehmen, da die beiden zueinander in keiner Weise paßten und aus ganz verschiedenen Milieus stammten. Hinzu kamen die Geldschwierigkeiten, die bei dem Angeklagten einen Dau�raffekt hervorriefen. Seine Tat ist zu verstehen als eine Affektform auf Grund des bestehenden Doueraffekts. Dr. Würfler hat. den Angeklagten 6 Wochen lang in der Eberswalder Heil- und Pflegeanstalt beobachtet. Es besteht bei. ihm jedenfalls«ine schwere erbliche Belastung. Jntelligenzstörungen sind dagegen bei ihm nicht aufzuweisen, wohl aber sind seeltschc Abweichungen vorhanden, die als psychopathische Züge zu bewerten sind. Er ist«in psychopathischer Lügner, Schwindler und Betrüger. Züge von Gutmütigkeit fehlen bei ihm nicht. Agressiv-kriminelle Züge weilt er d igegcn nicht auf. Auch ist keine Neigung zu Affekten bei ihm festzustellen. Eine geistige Minderwertigkeit besteht eben nur hinsichtlich wirtschaftlicher Ding«. Er versteht nicht mir Geld umzugehen. Sollte die Tat die Folge eines Wutausbruchs fein, so ist die seelische Reaktion außerhalb der Grenze eines psychiatrisch erfaßbaren seelischen Zusiandes verlaufen. Von größtem Interesse ist das knappe Gutachten des Direktors der psychiatrischen Klinik an der Universitätsklinik in Greisswald, Professor Forste r. Der Angeklagte, sagt er. ist ein Psychopath, bei dem die Erziehung nicht inrstande gewesen ist, normale Hemmungen beizubringen. Er ist nicht als geistig Kranker zu bezeichnen. Er ist asfektlabil. Es fehlt ihm jede Einsicht,«r tut eben das, mas chm im Slugenblick am bequemsten erscheint, er schiebt anderen, wenn es schief gegangen ist, die Schuld zu. Dafür spricht sein ganzer Lebens- lauf, dafür sprechen auch seine Betrügereien. In der weiteren Beweisaufnahme war von Interesse, daß, wie erst jetzt festgestellt wurde. Tutmann seine beiden Kinder im Juli 1928 auf je SOOO Mark versichern ließ. Der mit den: Angeklagten eng befreundete praktische Arzt Dr. Meinhardt aus Schwedt schilderte seine Ein- drücke, als er als erster zur Leiche der Frau gerufen wurde. So- fort habe er erkannt, daß es sich unmöglich um einen Unfall, wie Gutmann es ihm gegenüber behauptete, handeln könnt«, vielmehr nur um ein Verbrechen. Aus diesem Grunde habe er sich auch sofort geweigert, der Forderung des Angeklagten,«inen Totenfcheiii auszustellen, zu entsprechen. Gutmann habe bei dieser Weigerung das Zittern bekommen, und obgleich er doch selbst Mediziner fei, merkwürdigerweise griragt, ob denn bei einer Obduktion, die Dr. Meinhardt als unbedingt notwendig bezsichncte, die Todesursache genau festzustellen sei. Die Art und Weise, wie die Leiche der Frau Gutniann lag und auch die soifftigen Gegenständ« ausgebaut waren, erregten bei dem Arzt den Eindruck, daß Gutmann.kindisch naiv und primitiv", jedenfalls ohne Uoberlegung gehandelt habe. Auf den Vorhalt des Oberstaatsanwalts, daß er, der Zeuge, doch anscheinend erst selbst an einen Unfall geglaubt hoben müsse. weil der dem Amtsrichter gegenüber eine— in Wirklichkeit gar nicht vorhandene Schade lzertrümmerung an der Leiche beftätigle, erklärte Dr. Meinhardt, er fei der Auffassung gewesen, daß Gutmann sein« Frau zunächst erwürgt habe und daß die Leiche dam, hinterrücks auf den Boden gefallen und daß dabei die Schödelver- letzung ciitstandtii fei. Die zweite Frau Gutmann fei langweilig und von schlechten Manieren gewesen, sie sei auch bestinmit keine gute Hausfrau gewesen, denn sonst hätte sie es nicht zugeben können, daß ihr Mann so verwahrlost umherlief, daß ein anständiger Mensch sich schämen mußte, ihm ans der Stbaßc zu begegnen. Sic selbst habe aber auch meistens den ganzen Tag über einen Morgenrock getragen, sei also nicht ordentlich angezogen gewesen. Im Anschluß daran wurde dann Dr. v. Gruchallg ver- nommen, der den Angeklagten in einer sehr schweren Weise bc- lastete und dessen Ausführungen schließlich in eine Anklagerede gegen Dr. Gutmann ausmündeten. Dr. v. Gruchalla schilderte, daß er die Familie Gutmann sehr gut gekannt und daß er persönlich Gutmann häufig Patienten zugeschickt habe, weil ihm die zweite Frau und die Kinder sehr leid getan hätten. Frau Rosi Gutmann, von der der Angeklagte vor der Ehe erzählt hätte, daß sie ihm 60 000 Dollar mitbringe, sei eine landfremde Frau gewesen, scheu und verschlossen, für die es immer ein Lichtblick gewesen sei, wenn Dr. v. Gruchalla mit ihr polnisch, also in ihrer Muttersprache redete. da fällt der Deutsche Reichstag dem Staatsanwalt und dem Gericht in den Arm. Wenn Sie derartige Gesetze machen wollen, müssen Sie a u s unsere Mitwirkung verzichten. Uns steht das Ansehen der deutschen Republik zu hoch, als ddß wir es durch ein solches Gesetz aufs Spiel setzen möchten. Ich bin der Airsicht, ein Staat, der ein derartiges Gesetz macht, verwirkt den Anspruch, sich Rechts- staat zu»rennen. Diesen Schimpf wollen wir dir deutschen Republik nicht zumuten.(Lebh. anhaltender Beifall uttd Händeklatschen der Scy.) leichsjustizminister Dr. Vredt: Wir haben alle Ursache, uns mit Abg. Landsberg darüber klar zu sein, daß eine zu häusig« Amnestierung den Gedanken einer geord- neten Rechtspflege zu zerstören droht. Es handelt sich aber hier um Verbnechen aus einer ganz außergewöhnlichen Zeit. Der Haupttcil der zu Amnestierenden sind nicht die sogenannten Fememörder, son- dern Leute, die während der Rhein- und Ruhrbesetzung Strasiaien in Abwehr der separatistischen und anderen der Reichscircheit feindlichen Einflüssen begangen haben. Zum größten Teil sind diese Straftaten noch gar nicht gesühnt. Es besteht aber die Gefahr, daß noch Versahren gegen dies« durchaus vaterländisch handelnden Leute eröffnet werde». Das soll verhindert werden, und es läßt sich dabei nicht vermeiden, daß die Fememörder mitamnesticrt werden, weil eine Möglichkeit zur personellen Einschränkung der Amnestie nicht besteht. Abg. Scheiter(Z.): Ich gebe dem Abg. Landsberg recht, daß es sich bei.den meisten Fememorden um scheußliche Roheitsdelikte handelt. Aber alle diese Trten liegen in der erregten Zeit von 1924. Sie selbst haben diese Strafen bereits durch Amnestie vermindern helfen. Wir würden gern«ine Amnestie so formulieren, daß nur bestimmte würdige Personen unter sie fallen. Aber keine Amnestie kann dem Schicksal entgehen, daß Würdig« und Unwürdige aus ihr Gewinn ziehen. Wollen Sie um zehn Unwürdiger willen, nämlich der Fememörder, alle anderen Würdigeren im Zuchthaus fitzen lassen? Wir protestieren gegen die Unterstellung des Abg. Landsberg,' daß wir nur aus Liebe zur Partei des Herrn Treoi- ran us Roheitsdelikte amnestieren wollen. Es tut uns leid, daß die Amnestie nicht ohne die Freikassung dieser Unwürdigen möglich ist. Wir wenden uns gegen die allgemeine Humairitötseinstellung, aus der heraus Abg. Landsberg gegen die Hinrichtung des württem- bergischen Vatermörders protestiert, aus der heraus Abg. Landsberg wohl fast jede Strafe auf das zu einer Art Besserung unbedingt er- forderliche Mindestmaß herabschrauben möchte. Die zweite Beratung ist geschlossen. Die Abstimmungen lverden auf Dienstag vertagt. Schluß 12% Uhr. Weiterberatung Montag 12 Uhr: Landwirtschaft sministerium, Osthilfe, Reichsmilchgesetz, Reichsweingesetz, Aettn Neuerkrankungen in Lübeck. L ü b e ck.. 2l. Zum.(Eigenbericht.) Am heutigen Tage meldet das Gesundheitsamt neun Neu- crkrankungcn der mit Ealmette gesüllcrlcn Säuglinge. Bemerkenswert ist. daß darunter drei Säuglinge sind, die bisher gar nicht in der amtlichen Statistik gejährt wurden. Es hat sich inzwischen nachträglich herausgestellt, daß diese Kinder am 26. April. dem Tage der Einstellung der Fütterung, doch noch mit Ealmette gefüttert worden sind. Es sind nach dieser Korrektur im ganzen nicht 246. sondern 251 Kinder vergiftet worden. Zn Lübeck herrscht große Empörung darüber, daß das amtliche Material sich immer wieder dermaßen lückcnhast erweist. Oer langersehnte Regen. Nach 20 Tagen langen, geduldigen Wartens ist endlich der heiß- ersehnte erst« Regen wieder gefallen. Ein richtiger.Landregen" erfrischt die Menschen, Tier« und Pflanzen der Großstadt. Das all- mähliche Durchnässen des Bodens ist für die beinah« verdurstete., Pflanzen die Medizin, die zu neuem Leben erweckt. In den Kleingärten werden es besonders die Bäume und Stränchcr sein, deren Fruchtausbildung im Augenblick wesentlich gefördert wird. Auch die Kohlpslanze»� Gurken und Spätkartoffeln sind durch eine nassere Witterungsperiode noch zu retten. Nur mit den Früh- kartoffetn fft es schlecht bestellt, die bereits blühen und in ihrer Knollenbildung vor dem Abschluß stehen. Di« Dürre hat sich übrigens auf dem Gemüse- und Früchtemarkt stark in den Preisen bemerkbor gemacht. Schoten und junge Bohnen sind noch recht teuer im Preis, Spargel ist knapp und deinentsprechend teuer geworden, die Erdbeeren sind fast schon verschwunden. Dafür ist die Belieferung mit Treibbausqemüie sehr stark. Razzia im Grunewald. Wohnungs- und Arbeitslose bauen sich Llnterfiände. Die Klagen des Publikums über Belästig u ng e n d u r ch junge Burschen in den Gegenden von Schildhorn, dem Teuselssee und Pichelswerder vercmlaßten die große Streife der Kriminalpolizei zu einer scharfei, Kontrolle. Im ganzen wurden 14 Personen angehalten, die sich im Schilf und in den Schonungen Unterstände gebaut hatten und dort über- nachteten. Fast alle sind wohmmgsloZ. Nachdem ihre Papiere, soweit sie welche besaßen, geprüft worden waren, wurden sie mit' einer Verwarnung wieder entlassen. Bier, die gesucht wurden,' mußten mit nach dem Polizeipräsidium kommen. Es ist gewiß sehr traurig ftir die armseligen jungen Personen, daß sie in der Weltstadt keine Wohinmg bekommen können, aber für das Publikum, daß sich im Grunewald Erholung verschaffen will, bedeuten diese Zustände eine starke Beunruhigung. Man kann hiernach kaum behaupten, daß zur Zeit die Sicherheit des Publikums im Grunewald gewährleistet ist. Ende des Leunaprozesses. Räch II Wochen Dauer— Hauptangeklagter 2V, Jahre Gefängnis. 3„ Halle a. d. S. ging soeben ein großer Prozeß zu Ende, der seit 17 Wdchen die Bevölkerung Mitteldeutschlands in Aufregung gehalten hat. Die Tatbestände, um die es ging, reichen bis rn'die Zeit de r Erbauung des Leunawerks während des Kriegs zurück. Die Angeklagten haben das Leunawerk von 1917 bis 1924 durch Betrügereien um 1 Million Goldmark geschädigt. Es wurden verurteilt: Wegen ftirtgcfetzten Betruges bzw. Beihilfe uiV> Bestechung der Leipziger Malermeister Schönfeld zu zwei Iahrensechs MonatenGefängnis und 3000 00 Mark Geldstrafe; der frühers Leiter des Rechmingsbüros des Leuna- werts Hechtenberg ,zu einen, Jahr neun Monaten G e f ä n�g Ii i s und 104 500 Mark Geldstrafe: der frühere Betriebs- führer S ch l e v o i g t zu einem Jahr sechs� Monaten Gefängnis und 5300 Mark Geldstrafe. Die übrigen Angeklagten wurden zu Ee- fängnisstrasen zwischen einem Jahr und drei Monate» verurteilt. Hakenkreuz und jüdische Richter Auffällige Milde gegen das politische Rowdytum. AußervrtwTitlich mitte kam vor dem öchiiellrichtcr der Nationalsozialist Franz Kirsch davon, der bei einem Krawall einen Polizei- leulnont zu Boden geschlagen hatte. Obwohl der Angeklagte wegen einer ähnlichen Tat bereits mit einer Gelbstrase vorbestraft ist, erhielt er nur drei Wochen Gefängnis— außerdem aber gab ihm der Richter noch Bewährungsfrist, falls der Polizei- Präsident damit einverstanden ist. Wir nehmen allerdings als sicher an, daß der Polizeipräsident Zörgiebel, der erst unlängst ein energischeres Verhalten der Justiz gegen das politische Rausboldtuni gefordert hat, ganz und gar nicht einer Bewährungsfrist zu- stinnnen wird. Es ist vielleicht lein Zufall, daß der Tchnellrichter, der dieses ausfällig milde Urteil fällte,«in Anrtsgerichtsrat R o s e n t h a l, nach dem Namen zu urteilen, ein Richter jüdischer Herkunft ist. Die Nazis brüllen fast jedesinai, wenn sie vor einen jüdischen Richter gelangen, und fordern, nur von reinrassigen Ariern abgc- urteilt zu werden— aber tatsächlich fahren sie bei den jüdischen Richtern wiel besser. Wir crmnern an den Goebbels-Prozetz wegen Beschimpung Hindenburgs, wo Herr Goebbels auch erst gegen den iüdischen Beisitzer und den jüdischen Schöffen tobte, wo aber nachher ein so mildes Geldstrafemirteil herauskam, daß alle Welt den Kopf schüttelte, um so mehr, als der Strafantrag des Staotsornoalts auf neun. Monate Gefängnis gegangen war. Di« Erklärung ist ziemlich einfach. Der jüdische Richter wird zu der Befürchtung neigen, daß ihm ein strenges Urteil als politische Voreingenommenheit oder als Racheakt gegen den Angeklagten ausgelegt würde: er wird daher leicht gegen den Angeklagten über- trieben milde sein. Wenn die Nazis etwas klüger wären, als sie sind, würden sie oerlangen, nur von jüdischen Richtern abgeurteilt zu«erden. Wir möchten allerdings dafür plädieren, daß man ihnen ihren jetzigen Wunsch erfüllt und die Ngzis solchen Richtern zuführt, die- ohne Gewisienstonslikte und übertriebene Skrupel'die ge- b üh r ende n Strafen gegen die politischen Raufbolde ver- hängen. Oen Mann Schlaf erstochen— Selbstmord der Tälerin. Zn einem wahnsinnsaasoll verübte in der»ergangenen Nacht die 54jährigc Frau des Rottenführers Rothe au» der Guerickestrahe lZ in Charlottenburg eine entfehliche Bluttat. Frau R. fiel mit einem Schlächtermefier über ihren schlaseadc» Mann her und brachte ihm einen tiefen Stich in die Herzgegend bei. Die Geisteskranke schloß sich darauf in einem Zimmer ihrer Wohnung ein und schnitt sich die kehle durch An der Wunde verblulele fie. Das Ehepaar R. wohnt seit vielen Jahren im Vorderhaus Gucrickestraße 13. Das Ehepaar wohnte miteinander und mit den erwachsenen vier Kindern äußerst glücklich. Nur hotte die Familie häufig schwer unter den Erregungszuständen der schwer nervenkranken Mutter zu leiden. Die. unglückliche Frau mußte bereits einmal noch einer heftigen Nervenerkrankung in eine Heil- anstalt untergebracht werden. Vor etwa sechs Wochen wurde sie aus der Anstalt entlassen, da sich ihr Zustand gebessert hatte und man nicht annahm, daß die Kranke eine Gefahr für ihre Um- gcbung sein werde. Gestern abend weilte nun Rothe mit semer Frau allein in der Wohnung. Während sich der Mann schlafen legte, hantiert« Frau Rothe noch in der Küche herum. Plötzlich stürzte die Frau mit erhobenem Messer ins Schlaf- zimmer und stach auf ihren schlafenden Mann ein. Obgleich der Stich mit großer Heftigkeit geführt war, tonnte Rothe noch aufspringen und trotz der starkblutenden Wunde unter lauten Hilferufen fliehend die Wohnung verlassen. Mit Unterstützung von Passanten wurde der Schwerverletzte zunächst zur naheliegenden Rettungswoche und nach Anlegung eines Notverbandes ins Westend- kraukenhaus gebrocht. In der Zwischenzeit spielt« sich in der Woh- nung der zweite Teil der furchtbaren Tragödie ab. Einer der Söhne kehrte wenige Minuten, nachdem der Vater die Wohnung ver- lassen hatte, heim. Die Tür zum Wohnzimmer war von innen verschlossen und mußte mit Hilfe der hinzugcrufenen Schupobeamten erbrochen werden. Den Eintretenden bot sich ein grauenhaftes Bild. In einer großen Blutlache log die unglückliche Frau tot am Boden. Mit demselben Messer, mit dem sie auf ihren Mann eingestochen hatte, hatte sie sich die Kehle durchschnitten. Der Tod muß auf der Stelle eingetreten sein. Wie die weiteren polizeilichen Ermittlungen ergeben haben, hat Frau Rothe wiederholt zu Bekannten Selbstmordgedanken geäußert und dabei durchblicken lassen, daß sie ihren Mann mit in den Tod nehmen werde. Ihr Borhabcn, das offenbar von niemand sonst ernst genommen wurde, hat die Frau dann zweifellos in einem neuen Anfall von Geistesgeftörtheit ausgeführt. Der Londoner Flottenvcrtrag wird im amerikanijchcn Senat mit großer Mehrheit angenommen werden. Mit 13 gegen 4 Stimmen lehnte der auswärtige Selnrtsausschuß es nämlich ab, die Vorlegung der vertraulichen Vorverhandlungen zwischen der amerikanischen und englischen Regierung zu oerlangen. Theater der Woche. Vom 22. bis 30. Zum. Volksbühne. Iheater am»«lomplat: tznliuä Cäsar. Staalsthealer. Dptt llater de» einveu: 22. SöUerdämmerung. 28. Postillair non Larijumrau. 24. Aepoptische Halen». 25.. 30. Troianer. 36. Sthallo. 27. Interme�o. 26. Wacht dcs Schicksals. A. Frau ohne Schatten. Dpet am Pl-t bei»cjmblit: 23. Leben ixs Leest. 33. Salome. 24. Hans Helling. 25. Die ssledermaus. 26, Verkaufte Braut. 27. Der fliegende Holländer. 23. Hoffmanns Erzählungen. 2«. Don Giovanni. 30. Rigolelto. Städtisch« Oper: 22. Zauberflätc. 23. iviadamc Butterfl». 24. Tosca. 35. Carmen. 26.-JligolclW. 27. Lustige Weiber von Windsor. 28 Entsithrung aus dem Serail. 29. Ein Maskenball. Vom 30. Juni bis 17. Äugust geschloffen. Schauspielhaus: 22. Ein belletet Herr. 23. Kalkutta, 4. Mai. 24., 25., 27., 30 Gustav Adolf. 36. Wird Hill amnestiert? 28. Gespenster. 2». Musik. Schiller-rheater: 22., 23., 26. Der Traum ein Leben. 24.. 2S., 27., 30. Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung. SS., 29. Der Man» mit dem Klepper. Thealer mit festem Spielplan: Deutsches Theater: Phaea.—»ammerspiele: Geschlossen.— Die Komödie: Sit werde ich reich und glit-tlich.— Theater<■ der Stresemauuftraß«: Novolebn areikt et».— Komädiexha»»: Meine Schwester uild ich.— Theater de» Westen«: �«r Bettalstudent.— Komische vper: Liabr und Trvurvetendlasen.— Deutsche, Käukllepthaater: Ich tanze um die Welt mit dir.— Lustspielhou«: GeiGlotlen. — �Ising-Theo ier: Der ffeun.— Metropol-Theater: Mit dir allein auf einer einsamen Insel-— Deutsche»«oUatheatrr: Ich bin von Kops bi» ssuß auf Liade einaelttit— Dia Tribüne: Skandal im Sa»»».— Slenaissauee-Theater: Die Z«iiMder.V-r.-«osa-The-tert Arm wie eine Kirchenmaus. S-rtenbuhac: Lenc. «otte Lies»._ Theater in der Klostarstraße: Weekend.— Theater am Kattbusser Toe-'fflit»-<54na»r— Theater in der«ahreastraße: Mein Belter Eduard.— TMaliiiipiiIrn Skala, Plaza: Internationales Variete.— Reichsballen, Zcheaier: Stettiner Sänger. Erstaufführungen der Woche: SchtTZmr- Tb ratest Der Man» mit de» Klepper Tanz, Film, Kunst. Tanz und Bühne. vom Münchener Tanzkongrest. J. S. München, 21. Juni. Die Entwicklung de- modernen Tanzes geht vom Einzeltanz zum Gruppentanz, vom Gruppentanz zum Toizzdrama. Di« Erobe- rung der Bühne ist das Ziel. Vom Tempo dieser Eroberung wird nicht nur die künstlerische Zukunft des Tanzes, sondern auch die wirt- schastlichc Zukunft der Tänzer abhängen. Die Frage, wie stellt das Theater sich zum Tanz? ist daher eine der brennendsten für die her- anwachsende Tänzerschast. Die Kongreßleitung hatte die Erörterung dieses Problems on die Spitze der Verhandlungen gestellt. Die Heu- tige erste Bollverfammlung brachte drei Referate über das Thema. Zunächst sprach Rudolf Schuiz-Dornburg, der Essener Generalmusikdirektor, über den Tanz als künstlerisch« For- m n n g in der Oper. Bon alters her, führte er aus, haben Sprechkunst, Gesang und Tanz sich gegenseitig beeinflußt. In der heutigen Oper aber spielt der Tanz nur«in« untergeordnet« Rolle. Die Ballctteinlogen sind unorganische Bestandteile des Gcsamtwcrks. Im modernen Musikschaffen gibt es nur ganz wenige Werke, die sich für eine Verbindung mit Tanzwerken eignen. Die großen Opern- dirigcnten kümmern sich den Teufel um die rhythmischen Bewe- gungen der Sänger auf der Bühne. Und die großen Gesangsolisten sind in der Regel nicht zu veranlassen, sich auch nur die Grundele- mente der rhythmischen Körperbewegung anzueignen. Dagegen wer- den die Tänzer von den leitenden Musikern zu einer lächerlichen Statisterie in der Oper mißbraucht.?luf der anderen Seit« aber versäumen auch die Tanzschulen in der Regel, ihre Schüler zum Bühnenmäßigen hinzuführen. Ansänge zur Besserung zeigen sich vielfach. Und es gibt unendliche Möglichkeiten, die Schassenden und die Lehrenden zu beeinflussen. Es muß soweit kommen, daß jeder Bühnenkünstler einTänzcrift. Dann sprach Dr. Felix Emw e l über„Tanz im Schau- spielt Im Sprechdrama ist der Tanz keine„Einlage", sondern ein organischer Bestandteil der Gesamt Handlung. Tanz und Schau- spiel stehen sich ihrem Wesen und ihrem Ursprung nach viel näher als Tanz und Oper. Der griechische Dramatiker mußte zugleich Chorleiter, also Tänzer, sein. Heute werden die Bewegungen in das gesprochen« Wort von außen hineingetragen. Der tänzerische Bewegungschor müßte die sogenannten Statisten ersetzen. Reben dem Sprechregisseur muß der Bewegungsregisseur treten. Der dritte Redner. Hans Brandenburg, führte den Kon- greß in das Reich der Zukunft. Für den Tänzer ist vom Theater heute wenig zu erwarten. Aber der Tänzer kann nicht warten. Rasch muß ihm aus der Rot geholfen werden. Theater und Tänzer müssen sich finden, um sich gegenseitig zu stützen. Denn sie leiden beide. Die neue E h o r i s ch e Bühne in München ist der erste Versuch, Tanz und Theater organisch zusammenzufügen, und Tal- hoffs„Toten mal", das die Kongreßteilnehmer in den nächsten Tagen kennenlernen werden, soll den ersten Eindruck von dein geben, was wir von der Zukunft der Bühnenkunst erwarten. „Zärtlichkeit/ Universum. Das Tonfilmprogramm der Ufa, das 773 Proz. der deutschen Produktion umfaßt, ist hier neulich entwickelt worden. Zukunft»- musik, aber wa- geschieht inzwischen? Die kleinen Filmtheater gehen ein oder leiden unter dem Mangel stummer Filme oder sogar brauchbarer Kopien. Wie nun—, wenn die Erwartungen der Ton- filmmonopolisten sich nicht erfüllen? Wie wenig— abgesehen von den Operettentonsilmen— die künstlerischen Fragen des Tonfilm« geklärt sind, bewies dieser„Zärtlichkeits"film, der in keiner Weise Zärtlichkeiten für die Zuschauer �einbrachte. Man will den durch- geführten Dialog und oergißt, daß der langsame, schleppende, pausen- durchsetzt« Dialog, zumal, wenn er inhaltlos und trivial ist, im Film doppelt unangenehm wirkt. Man vergißt, daß man das Theater- stück nicht einfach verschachern kann: ftlbst wen» es von Batoille stammt. Diese Ehc�ruchsgcschichte zwischen Künstlerin und Dichter, die mit einem Ausslug der jüngeren, sinnlichen Frau in dt« Arme eines' hübsche» Tennisspielers beginnt und mit der Rückkehr zu dem Gatten endet, ist«ine psychologische Bühnenangelegenheit, aber kein Sprechfilm. Richard Loewcnbein kann nur ein paar wirklich filmische Szenen— da- Tennisspiel, die Theaterpremierc— einschalten, und seine Darsteller interessieren auch nicht besonders. Carola Reh er, so gut sie einst auf der Bühne war, oersagt im Spiel wie im Dialog, vor allem aber im Gesang. Paul Otto(als Gatte) kann sich micht ausgeben, einzig Georg Alexander in- teressiert troß seiner wenig dankbaren Rolle.'Welch' gefährliche Klippen der Tonfilm bietet, erlebte man in den ernsten Dialogstcllen. die Heiterkeit erweckten. Cllls Titel wären sie kaum aufgefallen, aber ein« falsche Toimuanc« wirkt schon verhängnisvosi.) Rein, der Tonfilm ist keineswegs ein-so einfaches Gebiet, wie man uns einreden will. Am gleichen Abend im Ufa-Theater am Kurfürstendamm ein wirklich psychologischer stummer Film „N j u" mit Iannings, der Berger, Conrad Beidt. Es ist kein Reißer,� ober voll der feinsten Intimitäten filmischer wie seelischer Art. Nicht auszudenken, wie derselbe Film etwa als Tonfilm wirken würde! „Moral um Mitternacht." Schauburg. � Jetzt, wo dem stummen Film die Todesstunde schlägt, fängt die interessierte Industrie endlich an, sich mit Problemen zu beschäftigen. Diesmal rückt man die Strasvollzugsreformen in den Mittelpunkt Im Gefängnis findet ein Unterhaltungeabend statt, der auf einen wegen Totschlags bestraften Menschen aufwühlend wirkt. Ein Wärter gibt ihm auf eigene Gefahr Urlaub für eine Nacht. Der Gefangene eilt zu der Sängerin, die bei dem Unterhaltungsabend solch' großen Eindruck auf ihn macht«, beichtet ihr. daß er die Ehr« einer Frau rächte und wird der Freund der Angebeteten. In der Morgenfrühe kehrt er ins Gefängnis zurück. Der gutmütige Wärter steht vor sich selbst gerechtfertigt da. Der Regisseur Mark Sorkin stellt Camilla Horn falsch her- aus. Wie kann er st« so auf Sinnenreiz stilisiert, im Gefängnis auf- treten lassen? Auch ist ihr schauspielerisches Können auf ein Nichts heruntergedrückt. Sic hat immer die gleichen Bewegungen. Gustav D i e ß l ist der gequälte Mensch. Er bleibt ganz starr in der Hal- tung, fast leblos in den Gebärden, nur die Augen sprechen. Diese allerknappsten Mittel aber sind für seine Roll« wirkungsvoll. W'o- dimir S o k o l o f f ist hochinteressant als Wärter. e. h. Vie INarttsestspiele in wernigerade(harz) nabvicn Freitag unter Icitunz cm Rudolf Hartig vor dem mittelalterlichen Rathaus der bunten Stadt » wieder ihren Ansang mit.Falstaff in Windsor*. Wiederholung am Dtenjt aZ Erste Freie Kunstschau. Das Haus der ehemaligen japanischen Botschaft(Platz der Repu- blik 4, an der Hindersinftraße) ist von seinem Besitzer, dem Reichs- tag, der„Juryfreicn" für ihre Ausstellungen überlassen wardcn: eine dankenswert« Gests des Hohen Hauses. Die„Freie Kunstschau" stellt„in der Hauptsache aufgesorderie, bisher in Berlin unbekannte Künstler" dort aus, und der Erfolg, darf man sagen, rechtfertigt durchaus das Vertrauen der Richter. Den ansehnlichsten Raum nimmt eine recht ungebärdige, aber hochtalcntierte Jugend ein. Es ist erstaunlich, was für begabten Nachwuchs man bei uns Jahr für Jahr feststellen kann: fragt sich nur, was immer wieder aus ihm wird.»- Unter den zum erstenmal in Berlin Erscheinenden(soweit man kontrollieren kann) sind ganz ausnehmend kühne Begabungen: Franz Frank aus Dresden mit gewaltigen Gemälden, von denen eine„Kreuzigung" mit Schupo und modernen Zuschauern am meisten frappiert, Manfred Pähl(wild und genial charakteri- siertc Menschenexzesse), sreskohast behandelte köstliche Rudimente von W. Bergmann, E. C o g hu f s geistig wie farbig bedeutende Bilder, die stilleren, aber eindringlichen Malereien von Wolf P a i nizza und Erwin Haß, die naive Anmut bei A. Engel- mann und Erna Dinklage und ein« vielversprechende unsach- liche Sachlichkeit in den Figurenragouis von Wagenbauer. Gegenüber der oft maßlos erregten Intensität dieser Rautiner wirken Donndorf, Wölpe und D i c g c n e r(Däubler-Parträt), ja selbst die heitere Fabulisrlust E. v K r e i b r y s wie alte, richtig fundierte„Sachlichkeit". In die Situation der Jüngsten, die sich wieder einmal ganz und gar auf das Malerisch-Phantastische einstellt, fügen sich vortresslich die schon Bekannteren ein, denen man hier mit Vergnügen wieder- begegnet: Werner Scholz und E. W. Roy, Susanna Eiseniink(die chre Formate mit Glück vergrößert), Irma B reusing»nd Martha Heg« mann(eine ungemein sympathische und formgercchtc Künstlerin), Walter Hclbig mit klar gebauten Kompositionen, Jansen(schöne„Sommcrlandschast") und die vortrefflichen Dresdener Paul Wilhelm, Hcckrott, Winktcr und vor allem Leutner, dessen Borlieb» für ein be- ftimmtes Modell mit unerschöpflicher Formphantasic gepaart ist, einer der stillsten und nachdrücklichsten Darsteller. Man darf Zand- kühl, den unermüdlichen Organisator der Jnrysreien, nicht ver- aessen:«in„Liebespaar" und«in„Waldrand" zeigen ihn von feiner allerbesten Seite. Auch die Graphik ist beachtenswert: neben den zarten Land- schastsidyllen Reifferscheids und den unbegreiflich fein durch- ziselierten Steinstrichen W. Heises stehen die kostbaren Holzschnitte von Matare, wohl die edelste Blüre unserer zur Zeit sparsam gepflegten Graphit, und die an den Brückebauten orientierten Rodie- rungen von Wolf Hoff mann und R. L« s s c r. Endlich die Skulptur mit einigen hervorragenden Stücken: Klcinplastiken von G. S e i tz und Frankel-Caputo(ein storie- Talent voll, phantastischen Ausdrucks), Hermann Geibel m-t einem„Hackenden Mädchen", Schreiners Kniende, ein« animits- volle Liegefigur von Tina Haim-Wentfcher und die kräftige Realistik in der herben Figur einer„Hungrigen" und eines frap- pierende»! Halbakts„Frönze" von K. N lest rat h. LonI F. Sc hm ich. Niels Bohr erhält die Planckmedaille. Bor zwei Jahren wurde anläßlich des 70. Geburtstages von Max Planck von der Deutschen physikalischen Gesellschaft ein« golden« Planck-Medaille gestiftet, die für besondere Verdienste um den Ausbau der theoretischen Physik oerliehen werden soll. Zlls sie im vorigen Jahre zum ersten Mal« zur Verleihung kam, ist die Wahl auf Albert Einstein gefallen. In der gestrigen Sitzung der Gesellschaft wurde sie zum zweiten Male verliehen und zwar an den dänischen Physiker Niels Bohr aus Kopenhagen. Planck konnte sie ihm persönlich überreichen und hob dabei seine Verdienste um die Physik hervor. Bohre Arbeiten sind zugleich ein schöner Beweis für die Fruchtbarkeit des internationalen Jusammcnarboitcns der Forscher. Die Erscheinungen der Radioaktivität sind von dem französischen Curie entdeckt worden: sehr studiert wurden sie von dem Englander Ruthersord, der durch den radioaktiven Atomzcrfall und die künstliche Zertrümmerung anderer Atom« durch die beim freiwilligen Versall freiwerdenden Teilchen zu der Vorstellung kamen, jedes Atom bestehe aus einem positiv elektrischen geladenen Kern, um welchen negative elektrische Elektronen kreisen. Diese Anschauung ergab aber groß« Schwierigkeiten, denn ein kreisendes Elektron müßt« beständig Energie ausstrahlen, dadurch seine Geschwindigkeit vermindern und sehr bald in den Kern fallen, wodurch das ganze Atom vernichtet würde. Aus dieser Schwierigkeit fand der Däne Niels Bohr den Ausweg. Di« Grundlage dazu hatte ihm der Deutsche, Max Planck geliefert, der von anderen Gesichtspunkten aus die Vorstellung ausgebildet hatte, die Ein- und Ausstrahlung von Energie ginge nicht in einem kontinuierlichen(beständigen) Strgm vor sich, sondern erfolge ruckweise in außerordentlich kleinen Portionen oder Quanten. Bohr nahm nun an, daß die Elektronen nicht in beliebigen Entfernungen um den Atomkern kreisen können, sondern nur in ganz bestimmten, in welchen sie strahlungslos bleiben, und daß die Energie nur ausstrahlen oder auch aufnehmen, wenn sie von einer solchen Bahn in eine andere übergehen. Die Ansätze zur Bestimmung dieser Entfernungen oder strahlungslosen Bahnen lieferte ihm die Quantentheorie. Durch Lohrs Arbeiten ist die Quantentheorie und damit zugleich die gesamte theoretisch« Physik außerordentlich gefördert worden. p. B. Die Besteigung des tzimalaya. Die„New Port Times" veröffentlicht einen längeren Bericht über die Anfang Juni erfolgte Besteigung des Ionfonggipfels des Himalaya. In den Ueberschriften wird hervorgehoben, daß die Deutschen Hoerlin und Schneider als die ersten der aus Vertretern von vier Nationen zusammengesetzten Expedition den Gipfel erreicht haben und daß Frau Dyhrenfurth einen wesentlichen Anteil an dem Ersolg der Expedition gehabt hm, indem sie unter größten Schwierigkeiten den Lebensmitteltranspor: über den Ionsongpaß leitete. Eine Wiederholung des Vendelverfuche,. Eine Wiederholung des berühmten Foueaulr'schen Pendetversuches. durch den seinerzeit in Paris die Erdunidrehung nachgewiesen wurde, wird in Kürze in Wien gezeigt werden. Zu diesem Zweck ist unter der Kuppel des Nawrhistorischen Museums an«inen, 42 Meter langem Draht ein 180 Kilogramm wiegendes Pendel befestigt worden. Die Aufhange. Vorrichtung übertrifft technisch das System Foucaults dadurch, daß durch ein neuartiges System von Kugellagern ein nahezu absol> reibungsloses Schwingen des Pendels ermöglicht wird. Dos P-.»' soll ei»? ständige Einrichtung des Naturhistorischen%•* bleiben. 6s klappt nicht bei Nordwest. Keine Generalkündigung. Essen. 2t. Juni.(Eigenbericht.) Lte in Slussicht genommene Generalkiindigung �er Gruppe Nordwest ist nicht, wie sich jetzt hernusstellt. allgemein und nach gleichem Verfahren erfolgt. Werke, die einen guten Sluftragsbcstand haben — wie z. V. in Vochum— haben noch nicht gekündigt. Andere haben nur den Akkordarbcitcrn ihrer Vc- triebe die Kündigung zugestellt. Aus dieser Tatsache muß man folgern, daß es selbst in der so straff organisierten schwerindustriellen Gruppe Nordwest nicht recht klappt. Denn man kann aus keinen Fall annehmen, daß aus irgend- welchen taktischen Gründen die angekündigte Gencrolkündigung nicht vorgenommen wird. Abgesehen davon, daß es sowohl aus die Arbeiter und Angestellten wie auch nach außen nicht gerade einen imponierenden Eindruck machen muß, wenn mit grossem Tamtam die Generalkündigung in der Presse angekündigt, aber nicht durch- geführt wird, so liegt der taktische Wert der Kündigung eben in ihrer Allgemeinheit. Ist sie nicht allgemein, dann verliert sie notwendig an Wirkung. Die nächsten Tage werden darüber entscheiden, ob und in welchem Umfange es zu Lohnkämpfen in Rheinland-Westfale» kommt. Die Arbeiterschaft ist sich durchaus bewußt, daß es sich um einen Kampf von großer grundsätzlicher Bedeutung handelt, von dessen Ausgang die weitere wirtschaftliche und politische Entwick- lung entscheidend beeinflußt wird. Kein Lohnabbau auf den Werften. Arbeitszeit verkürzt auf 48(Stunden. Bremen, 21. Juni.(Eigenbericht.) In dem Tarifstreit auf den Seeschiffswerften wurde von dem Hamburger Schlichter Dr. Stenzcl am Freitag abend ein Schiedsspruch gefällt, der die bisherigen Löhne bis zum 1. Oktober 1931 und den Rahmentarifvertrag bis zum 1. Oktober 1932 verlängert. Di« bisherige Arbeitszeit, die 49 Stunden in der Woche betrug, wird auf 48 Stunden herab- gesetzt. Die Unternehmer hatten einen Lohnabbau von 4 Pf. pro Stunde verlangt� ferner sollte der Urlaub beseitigt werden. » Die Werftbesitzer kommen, was Scharfmacherei betrifft, viel- leicht noch vor den Ruhrindustriellen. Das zeigen schon die Anträge. Erinnert sei noch daran, daß die Werftarbeiter vor drei Jahren fast vier Monate um den Achtstundentag und um erträgliche Löhne kämpfen muhten. Abgeblitzte Spalier. Die Dreher im Metallarbeiterverband stehen fest. Das verbrecherische Spaltungsmonöver der KPD., dos in besonders frivoler Weife gegen die Dreherbranche des Deutschen Metallorbeiterverbandes versucht wurde, ist diesen„Oppositionellen" schlecht bekoimnen. Der sogenannte revolutionäre Dreheroerein vcr- schweigt schamhaft seine Mitgliederzahlen. Nach den Erklärungen von Funktionären dieses Vereins hat der Mitgliedcrstand noch nicht einmal die Zahl 399 erreicht. Dabei ist zu beachten, daß dieser Verein der Spalter nicht nur Dreher, sondern auch alle andereir Metallarbeiter, ja selbst Hilfsarbeiter, in seine Reihen ausnimmt. Die Zahl der vom DMB. obgesptitterten Dreher ist also nur verschwindend gering und dürfte noch den statistischen Ermittlungen des DMV.-Büros die Zahl 259 schon recht hoch gegriffen sein. Dieser Abgang der Spalter konnte noch dazu während der zehnmonatlichcn Tätigkeit der neuen verbandstrcuen Branchenleitung durch ein« er- sreuliche Zahl von Neuaufnahmen vollkommen wettgemacht werden, so daß die Branche der Eis«ndreher wieder sestgefügt im Verbands- leben steht. In mühevoller Kleinarbeit mußte der Wiederausbau der Branche vollzogen werden. Zunächst galt es, alle Kollegen zu sammeln, die dem Verband in schwerer Zeit die Treue gehalten hatten, dann aber mußte sofort an die Abstellung der drückendsten Mängel in organisatorischer wie in lohnpotitischer Hinsicht gegangen werden, die die Opposition in vielen Betrieben hinterlassen hatte. Während dieser Zlufbauarbeit der neuen Branchcnleitung ver- schärfte sich zusehends die schwere Wirtschaftskrise, die allenthalben die Unternehmer zu Vorstößen erniutigte. Diese Vorstöße konnten abgewehrt und darüber hinaus durch das entschlossene und um- sichtige Austreten der Branchenkommission bemerkenswert« Vor- teile für die Kollegen herausgeholt werden. Nur mit dem Arbeitsnachweis sieht es nach wie vor katastrophal aus, am 19. Juni 1939 waren in Berlin 4llkb erwerbslose Dreher, eine Ziffer, die noch ständig ansteigt. Aber selbst bei bester Konjunktur finden erwiesenermaßen 1599 bis 2999 Dreher keine Beschäftigung: ein« Folge der Abwanderung ver- schicdener Industriezweige von Berlin. Im Zusammenhang mit der Kündigung des Metall- tarifs hat die Branche ihre Verbesserungsvorschläge eingebracht, die auch in die Forderungen des Metallkartells Eingang gefunden haben. Für diese bevorstehende Bewegung �— so sagte der Branchenleiter Genosse Wa u ke am Schluß seines Rechenschafts- berichts in der letzten Dreherversammlung am Donnerstag— gilt es auch für die Eisendreher, gerüstet zu sein. Notopfer der Bauarbeiter. Di« freigewerkschaftlich organisiert« Berliner Bouarbeitevschaft hat in ihrer außerordentlichen Generalversammlung am Mittwoch beschlossen, daß allen aus der staatlichen Arbeitslosenversicherung und auch de» aus dem Baugewerksbund ausgesteuerten er- wevbslosen Bundesmitgliedern aus der Lokalkasse ein« einmalig« Extraunter st ützungen von 13 Mark gewährt werden soll. Die Unterstützung soll an alle Mitglieder gezahlt werden, die in der Zeit vom 1. bis 39. Juni d. I. ununterbrochen arbeitslos waren und mindestens 72 Wochen Mitglied des Vaugewerksbundes sind. Zu den Ausgesteuerten rechnen auch die Bundesmitgliedcr, die die sogenannte Erwerb slosenhilf« beziehen. Dieser Beschluß ist ein Beweis dafür, daß die Baugewerkfchaft in den außergewöhnlich schlechten Zeiten, wie es die jetzigen be- sonders für die Bauarbeiter sind, auch zu außergewöhnlichen Maß- nahmen greift, um den schwer, bedrängten Mitgliedern zu zeigen, daß der Verband ihnen in jeder Zeit ein Helfer in der Not ist. S ABi i/Vß Sonnabend, 21. Juni. Berlin. 16.05 Eine Sammlung musikalischer Plagiate. Mitw.: Johann Woifgang Schott- laendcr, Walter Gronostay. 17 00 Dramaturgie des politischen Theaters. Gespräch zwischen Erwin Piscatof und Felix Gasbara. 17.30 Unterhaltungsmusik. 18.30 Lothar Philipp: Selbstschutz gegen Verbrechen. 18.50 Alwin Steinitz: Romantik im Orient. 19.15 Harfe und Cello.(Hans Mctzlcr, Cello; Ella Metzlcr, Harfe 19.30 Das Interview der Woche. 20.00 Neueste Schlager. 21.00 Heiterer Abend. Nach den Abcndmeldungcn: Tanzmusik. 0.30 Nachtkonzert. Könlgswusterhausen. 16.00 Von Hamburg: Nachmittagskonzert. 17..30 Dr. med. Gerold Zumstecg: Von der Stimme des Lehrers unJ ihrer 17.55 Josef Orlopp: Wcltkraftkonfcrenz und Arbeitnehmerschaft der Gas-, Elcktrizitäts- und Wasserwerke. 18.20 Dr. Karl David Marcus: Sonnenwende in Schweden. 18.40 Prof. Dr. Sachs: Jahrtausende d?r Musik. 19.05 Französisch für Fortgeschrittene. 19.30 Dr. Theodor Hcuß; Max Weber zum lOiährigen Todestag. Sonntag, 22. Juni. Berlin. 6.30 runkrymnastik. 7.00 Von Hamburt; Hafenkonzert. 8.00 Für den Landwirt. 8.50 Morrenfeier. 10.05 Wettervorhersase. 11.30 Louis Graveure(Scbaiiplatten). 12.00 Von Leipzia; Musikalische Landkarte. 14.00 Märchen.(Sprecher: Lisa Tetzner.) 14.30 I. Schumann: Ailezro, op. 3(Heinz Hirschland. Flflael).— 2. Rcucr; Hymnus der Liebe Uoh. Willy. Bariton. Plflcel: Borger).— 3. Scrjabln (Heinz Hirschland).— 4. Mahler: Lieder(Joh. Willy).— 5. Bari«k (Heinz Hirschland). 15.30 Oskar Baum: Eigene Erzählungen. 16.00 Von Grünau: Große Berliner Ruderregatta. 16.30 Unterhaltungsmusik. 17..30 Hans Brennert(znm 60. Geburtstag am 24. Juni). 18.00 Georg Schumann: 1. Stücke aus Dur und Moli, op. 61.— 2. Variationen und Fuge über ein eigenes Thema, op. 67(am Flügel: der Komponist), 18.20 Heitere Unterhaltung. 19.15 Die Erzählung der Woche(Sprecher: Walter Benjamin). 19.45 Sportnachrichten. 20.00 Aus den Archiven der Berliner Slaatsoper. Anschließend: Zeil. Wetter, Tagesnachrichten, Sportnachrichten. Anschließend bis 1.00 Uhr: Tanzmusik. In den Pausen: Ergebnisse der Wahlen zum Sächsischen Landtag. Königswusterhausen. 11.00 Dr. med. Stenger: Warum soll unsere Jugend Wassersport betreiben? 14.00 Stadion im Grunewald: Rcichs-Arbeiter-Sporttag. 17.30 Das Mittelirccr.(Einittbrung: Dr. Arno Schirokauer. Rezitation: Karl Qraef). 18.30 Hans Tessmer: 06tterdämmerung. 19.00 Prof. Dr. Seeberg: Das Augsburger Bekenntnis., 19.30 Von Frankfurt:„Der Bettelstudent". Bellet für Berlin, Wieder zeitweise heiter und ziemlich warm, etwas Gewitterneigung, schwache südliche Winde.— Für Denssch- laad. Allgemein ziemlich heiter und warm, namentlich im Westen Gewitterneigung. Betontiportl. für bie Steboftinn: woifgang Schwazz, Beziin: Anzeigen: Th.»lo». «erlin. Verlag: Vorwiirts Verlag S. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- bruckerei und Verlogsanlialt Paul Singer& Co.. Berlin SW 68, Ltnbenstrage 3. Hierzu 1 Beilage. Alle Arbeitnehmer können sich befreien von der Pflicht�Krankenversicherung durch eine Mitgliedschaft bei der Kranken- und SMerbefcasse für das Deuisdie Reick Gegründet 1884 linmiiiiiimiiiiimiiutiiiniiiiiiiMiii Ersatzkasse für sämtliche Berufszweige/ Ve r s i c h e r u n gs v er e i n auf Gegenseitigkeit raliuntf: Barlin N. 24. Oranienburger StraAe Ol Gegründet 1884 niuiiniimmmiimiuuiimiiiniimi TUulIcc, Lidtlsptele usw. Sonnabend, 21.6. Staats-Oper Unter d. Linden Ttil-Ali. B.So. Ho. 11 l-dm-td.».«-.!« 20 Uhr La Tnniata Ende 22>/. Uhr Staats-Oper An Pili: dir hpcUä R.-S. 56 20 Uhr Riplello Enden. 22V: Uhr Sonnabcnd.2l.fc. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus III 18Vi Uhr Die Meiitenluger Ende 23W Uhr Staat). Sdiausph. in Gudamniurtt St. L T. So. Ho. a Jatim-lb.-T.No. 147 20 Uhr Faust Ende 23 Uhr M.ldtiller-Tlieater.fliarltliji. 20 Uhr »«den. Saure, Ironie id Meiere Bedennm» Ende nach 22': Uhr Reichshallen-Theater d] Uhr Das wundervolle Juni-Programm der Stettiner Sänger Tel.: Zentrum HZ 63 DSnboM- Brettl(Saal und Garten) Varletfc— Konzert— Tanz Winter * Garrem 8.15 Udr Zentr. 2818 Hoadien erisibt Wiidir ilkig. t in Erlin nidi»itW ginigti Huhtitn und■•itin 4 Ittnktimn Sennsbond u. Soantoa i« 2 Vorstelliiogon j 4 und 8'°(ihr. 4 Uhr kleine Preise| Volhsbilline Thutv ißt BBlovplitL S'/t Uhr Julius Caesar Ragk; lirl Heini Hirtin Staat). Sdiiller-Th. 8 Uhr SAerz, Satire, Ironie n. tiefere Bedentmig DettUdies THearn D l ViiilnilaDiD S20I 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.: Max Reinhard) Hnsik: Friidri* iWUndir. Bühnenbilder Emst Sdnttn. Kammerspiele 1 2 WeidiBdamm 52(1 Gesdilossen. Die KomSdie |I BisntCk.2414/7516 8 Vi Uhr. Wie werde icb reidi uid gloddidi? Eis linu ii II Utiiloign ron Filii JoKhinmn. Hnik von Hiidu Spolimity. Regie: End: Engel Bühnenbilder. Udwig Heiner Sarnowsky-BBbnen Theater Ii der Stresemangslr. 81/* Uhr Napoleon greift ein m Wältir Huncltnr Regie: Victor Binwnp Komödlanhaua 8'/. Uhr Keine Schwester undidi Musik t. Ralph Ina tikj ROSE -Theater Or. rrankfnrtor StraBa 132 | Mllottkana; AI« 3422 u. 34*4| Täglich S>4 Arm wie eine I Kirchenmaus all Traute, Pmnl Willi Reae. und Bttln dei Uunpratramiu tat der Birtnkäiua tiglicb 530(Sonntags 6 V.): I§ trade VanetesDnineni| |8üsLene, Lotte, Liese| DitUrt, Hofer, Koretena, | Pyrmont, Kaniach und I Hana Rosa. Kassa von 11 Uhr Früh un-| unterbrochen geöffnet. ZOO Zoologiarlen Ab 4 Uhr saefamitfags 6R0SSES KONZERT Täglich: Tanz im Freien Auf d. Schzustellunesplaiz „1000 Krokodile" Anraartoo1~ Aquarlnm Tiarkunst-Ausitailuna Direktion Dr. Robert Klein Deutseties Hünstler-Theal. Barbarossa 3937 Täglich 9 Uhr „Idi tanze am dleWeitmitdir" tu iortiilnt Sdliffer Unit: fnntri* ßnllietei Regie: kons Brihz Dir. Dr. Mtrtii Zldiil Komtsctie Oper Fried rlchstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8- Haid s Behrisch Berliner Prater Somraerflaitenilieaicr Kastanicnallee 7—9 Täglich Anfangt Uhr 6 Variete- Weltstadt Ittraklianei! ferner die Burleske MGaDZ taUdi' sowie Quoll Beer und Greil Lille» in „Der VogelhäDdler Ognttle in 3 Ali. r. RiriZeiln mit 36 UltvirkcndeB BroBes Railtokodiin Eintrittspreis von 50 PI. an. TbBst i. Kons. Tor Kottbuser Str. 6 8r. lern..v»" mit Herl« Loewe Mr twhdfia OaktigiZ LMN/I itißiSöriXß OjucK. LWV itoidbad lOannsc� DESTAU DÄTIONS- BETRIEBE FISCHER 8t SCH RA DER öcdccb- ala Garte• gcp|t.Bi0Vu.U)dnß VoIRStümlicWe Preise 0mm �ptHswerte IrgnuVngy R�tauront Berlins BETRIEB( KEMFIHSKM Lessittg-Theater Jiröcdimi 2737 i.O!« Täglich S'.t Uhr Der Faun ,0, Ed*. InobMi. lirl»«teil,»»rrr Hebi. Tr«t« Flwme. 7 de, 0 reden, ip.»eter.iwgei Theater d. Westeos Täglich S'.b Uhr: Der Beileisliideßi Carola, Elsncr, Bötldier, Horsten. Slkla, Dora Metropol-Tli. Täglich 8>.!, Uhr mit Dir allein aut einer einsamen Insel Michael Bohnen esonden wirksam sind die KLEINEN ANZEICEN Im -Vorwärts" und trotzdem fiMiiun Mein Kapitän' Kautabak scbmeckt mir doch ara besten! Strandbad- Restaurant GRONAU Bote Bafleverftaitnisse Neu renoviert Preiswerte Kflöie— Kalteefcomen Sonntag, den 22. Juni nacfamiHags 3 Uhr Besinn der RunieOener Wndie föeiloge Sonnabend, 21. Juni 1930 {torjUMit) SfiAlauXqaSe xlti �/otwästi Die Auflockerung der lästigen Wohnungszwaugswirtschoft Hot nns schon manche angenehm« Stunde bereitet. Wie ich früher als Jung« mit Briefmarken tauschte, tausche ich jetzt mit Wohnungen, mit„gestempelten- und„ungestempelten-, wie es trifft. Nur ist es bei den Wohnungen umgekehrt, die„billigsten Werte- sind die gesuchte st en; man kann sie nur nicht ins Album kleben. Mein« letzte Wohnung gab ich auf, weil die über uns woh- »enden Mieter einen zu starken Lautsprecher besaßen. Als ich mich beschwerte, hatten die Menschen den Mut, zu behaupten, sie besäßen überhaupt kein Radio. Ich bohrte die Decke an, um die Gesellschaft in llsxronti zu ertappen. Aber da saß nur die Dame des Hauses vor dem Flügel und sang mit rückgekoppelten Kehl- lauten: „Nun sei bedankt, mein lieber Schwan!- Mehr sah ich nicht, denn ich siel von der Leiter. An dem Tag, wo ich gekündigt hatte, erfuhr ich, daß die Dom« mit dem Schwan an Stimmritzenkrampf erkrankt sei. Am Tage, wo ich auszog, überbrachte mir die Portierfrau die Mitteilung, daß die Sängerin endgültig ihrer vielversprechenden Bühnenlaufbahn Valet gesagt und eine Stellung als Souffleuse angenommen Hobe. Aber leider war es zu spät, von, Wahnungstausch zurückzutreten. Mein Nachfolger hatte die glücklichere Hand gehabt. In der zweiten Wohnung war ich der Glücklichere. Nur, daß die neue Wohnung einen Fehler hatte, sie war— zu still. Jeder Mieter in dem Hause flüsterte. Es war die reine F l ü st e r s ch u l e. Wenn man die Trepp« hinaufging, standen in den Etagen die Frauen in den Türen und flüsterten. Wie in alten Zeiten spannen die Frauen wieder fleißig ihr Garn, aber es war aus Lüge und Verleumdung gedreht. Der Faden ging wie auf einer Riesenspule von der Portierwohnung unten bis hinauf zur Waschküche. Selbst die Wasserleitung lief nicht so schnell wie der Tratsch und Klatsch. Die funktionierte bei mir in der vierten Etage nur, wcim unten ein Mensch aushörte, auf den Knopf zu drücken. Schon bei meinem Einzug hätten die Leute entdeckt, daß die Siegel vom Gerichtsvollzieher hinter meinen Möbeln noch nicht gelöst wären und daß ich einen sehr unordentlichen Lebenswandel führe, weil ich erst um 11 Uhr morgens aufstehe. In der ersten Woche hielt man mich für den Dater meiner Frau, später für ihren Liebhaber. Als dann gar eine Anzeige wegen„Derfllhrung einer Minderjährigen- einlief, kündigte ich erbost, denn ich bin nun schon im achtzehnten Jahr mit meiner Frau verheiratet, und die Kinder sind spät gekommen. Zur Ruhe glaubte ich erst zu kommen, als ich noch dem dritten Wohnungswechsel im Ringtausch über Gesundbrunnen, Kötzschen« broda, Schanghai und Berlin-Buckow in Wilmersdorf landet«. Es mar eine recht stille, sonnige Wohnung in ruhiger Straße. Die Straße war so still, daß man den Motor einer BZiurstfabrik nebenan bis bei uns in der vierten Etage vernehmen konnte. Wir lebten in dieser„ländlichen Ruh«- sörmlich auf. Eines schönen Tages überrascht mich mein Aeltester mit der Neuigkeit: „Papa, komm schnell einmal auf den Balkon hinaus. Schulzes drüben haben einen Hahn. Ich sah mir das Wunder an, dem, alles, was Schulzes betrifft, ßmerestiert mich. Es war wirklich«in Hahn, ich glaube sogar, es pwr ein Phönixhahn denn er saß auf einer Stange. Der un- tjättlichc Schulze hatte neben seiner Pelztierzucht mit Kaninchen auch noch eine Hühnerfarm auf dem Balkon InstaMert. Zum Glück riechen Hühner nicht so stark wie Kaninchen. Frau Schulze, die unser« Aufregung sah, grüßte herüber. Als höflicher Mensch habe ich selbstverständlich zuerst gegrüßt, denn zu- fällig stand meine Frau nicht hinter mir. Frau Schulze wollte uns jedenfalls eine Freude machen, denn sie redete ihrem Hahn gut zu: „Kräh doch mal! Nun kräh doch schon einmal!- Aber der Hahn krähte nicht. „Papa, warum kräht Schulzes Hahn nicht?- „Papa, wie machen dos die Hähne, wenn sie krähen?" „Papa, legen Hähne auch Eie�?- „Papa, kräh doch malk- Um mich der Fragen meiner Kinder zu erwehren und ihnen den Willen zu tun, schob ich den Kehlkopf herunter, blähte mich— und krähte. Ja, ich krähte so gut wie weiland Petrus' Hahn, der eine Meisterschaft darin hatte, zu unpassender Zeit zu krähen. Frau Schulze drüben lochte. Sofort begann ich zum dritten Male anzusetzen— aus einen Verrat mehr oder weniger kommt es nicht an—, als drüben der Hahn den Kopf hob. Und er begann zu krähen, so schön, so natürlich, daß ich mich meiner Kunst zu schämen begann. Frau Schulze war ganz rot vor Freude, die Kinder Natschten vor Vergnügen in die Hände. Sie hatten den Trick auch bald heraus. Ich untersagte es ihnen, denn, wenn schon einer im Haus etwas zu krähen l)at, so bin ich es, der kräht. Das hübsche Jdlftl. das die Freundschaft zweier Familien zart anbahnen sollte, erlitt eine jähe Unterbrechung. Vor acht Tagen, als ich noch schnarchend— wie meine Frau behauptet— gegen 6 Uhr morgens in Morpheus Traumgefilden lustwandelte, wurden wir plötzlich durch einen unausstehlichen Lärm geweckt. Auch meine Frau log wach, wie sie sagte, schon seit einer Stunde. Das verflixte Krähen draußen hatte uns geweckt. Eben wieder ertönte ein solcher Fonfarenschrei, ich lauschte— da, ein Gegenruf. Jemand antwortete, reizte Schutzes Hahn. Ich schlich mich leise hinüber in den Schlasraum der Kinder. Wart« nur, du Bürschchen! Das soll dir nicht geschenkt werden, deiner Eltern ehrlichen Schlaf so zu stören! Aber mein Aeltester, der Schlingel, liegt im Bett und steltt sich schlafend. Ich zieh« ihn an den Ohren. Martin brüllt und beteuert seine Unschuld. „Und du hast doch gekräht, du Lügner, ich habe es ja selbst gehärt!- Die ganze Wohnung kommt in Aufruhr. Meine Frau schimpft. daß ich die Kinder im Schlaf wachgenracht habe. Zuletzt scheint es mir auch, daß ich einer Gehirnhalluzinotion zum Opfer gefallen bin, und ich gehe wieder ins Bett. Plötzlich rust Martin: „Ja, Papa hat recht, da krähen zwei!- Der goldig« Junge, er kann es nicht leidem daß sein Papa ins Unrcchi gesetzt wird, selbst dann, wenn er die Ursache gewesen ist. Meine Frau will von der ganzen Sache nichts mehr wissen, sie dreht sich auf die andere Seite und schläft weiter. Ein Weilchen liege ich nach still und höre mir das Krähe» an. Dann schleiche ich mich auf den Balkon hinaus. Toisächlich kommt das Krähen ganz wo anders her. Es ist unter uns bei Müllers, wo man kräht. Müllers sind Leute, mit denen es sich sonst leben läßt. Aber für so verrückt habe ich sie nicht gehalten, daß der alte Mann mit 64 Jahren sich noch zu nachtschlafener Zeit auf den Balkon stellt und Schulzes Hahn ärgert. Das wird mir nun doch zu bunt! Im stillen überlege ich, ob ich dieser guten Seele, dem Herrn Müller, die fünf Mark zurückgebe, die er mir vorgestern geborgt hat. oder ob ich sofort zu schimpfen beginne. Aber ich bin es nieiner Reputation als Familienoberhaupt schuldig, gegen diesen nächtlichen Unfug einzuschreiten. Für fünf Mark lasse ich mich nicht bestechen, selbst dann nicht, wenn er das Doppelte dazulegen würde. Laut beginne ich in die friedliche Morgenstille hinein zu protestieren. Ich nenne die Müllers Natten, je öller, je töller trieben sie es, richtige Kinder wären die alten Leute! Jedenfalls habe ich Schulzens drüben geweckt, und Schulzes haben das Schimpfen auf sich bezogen. So stehen wir beiden Männer denn barfuß und im Hemd auf unseren Ballonen und schimpfen uns gegenseitig an. Wie zum Hohn kräht e r Hahn auf einer Stange. Müllers Hahn rief und Schulzes Hahn antwortete. Gegen solche Konkurrenz will ich nicht auskommen. Ich grüße Frau Schulze nicht mehr auf der Straße, selbst wenn meine Frau nicht dabei ist. Zur Strafe habe ich auch dem Herrn Müller die fünf Mark nicht zurückgegeben. Meine Wohnung habe ich gekündigt. Ich werde diesmal über Wien— Neurode in Schlesien— Potsdam und Berlin-Gesundbrunnen im Ring tauschen, der Briefwechsel hat schon begonnen. Die Hähne haben ihre Sängerturniere um zwei Stunden nach dem Aufgehep der Sonne vorgeschoben. Ich denke, daß sie am Tage meines Auszugs schon um 2 Uhr morgens krähen werden.- Es ist die Zeit, in der die Ziehleute ihr Kommen angekündigt haben. (11. FortsctziM!,.) i£r wurde wieder unsicher, ob sie wirklich abgereist wäre. Viel- Icicht besond sie sich hinter einer dieser Türen und hört« zu? „Sie können mir nur das Telegramm zu bestellen geben," sag.« der chöllenhund.„wenn Ei« mir dos Geld zur Bezahlung em- händigen, will ich es gerne besorgen. Aber die Adresse sagen— da; darf ich nicht." „Natürlich dürfen Sie das!" flüsterte chammerschlog,„wo es sich um so dringliche Sachen handelt Denn ich nun einmal von der Polizei komme, wo»?" Die Frau grinst« nur. „Oder wenn ich nun einmal zur Polizei hingehen werde." rief er wütend,„um eine Vxrmißtenanzeig« aufzugeben?" Die Frau grinste. „Ich will Ihnen was auf den Kopf zusagen," schimpfte Hammer- schlag.„Sie belügen mich, die Abreise ist nicht wahr." Die Frau grinste. .Lassen Sie mich ihr Zimmer sehen," kommandierte Hammer- schlag. In die Frau, die unbewegt, nur mit dem Kops immerzu nickend an der Varplatzwand gestanden hatte, kam Bewegung. „Bitte, bitte." Sie ging voraus, stieß eine Tür auf.„Da." . Es war ein Zimmer, in dem sichtlich niemand mehr wohnte. Di« Etageren der Waschkommode waren leer. Hammerschlag zog verschiedene Schiebladen hervor. Leer. Er ichlvg das Oberbett zurück. Kein Hemd. „Es ist ja gar nicht gesagt," brummte er,„daß dies Fräulein von Langms Zimmer ist." Die Frau grinste. „Wollen Sie auch meine andere» Zimmer sehen?" fragte sie an; „drüben wohnt ein Student an der Technischen Hochschule; dahinten wohnen wir. meine Tochter und ich Das ist mein Schlafzimmer." „Und das?" fragte Ilaininerschlag. „Das ist die Badestube." grinste die Frau.„Hihi, das Fräulein hat sich vor Ihnen in der Badewanne versteckt." „Mit Ihnen ist nichts anzufangen," sagte Hammerschlag ärgerlich. er wußte im Augenblick nicht anders zu parieren. „Aber Sie haben ganz recht," fing die Frau plötzlich an,„dies ist auch wirklich nicht das Zimmer von Fräulein—* „Nun also!" rief Hammerschlag. „Nämlich— es war es," grinste die Frau, schadenfroh, daß er ihrer Dialektik auf den Leim gegangen war.„Seit heute morgen ist sie weg. Das Zimmer hier ist zu vermieten. Unten hängt auch schon ein Schild aus. Haben Sie nicht vielleicht jemanden für mich, der ein Zimmer braucht? Um die Frühlingszeit ist nicht leicht zu vermieten." Hamnserschlag, mit steifem Doppelkinn, sah sie an.— Dir würde ich gerade einen Mieter schicken, Höllenhund du, dachte«r bei sich, meinem ärgsten Feind würde ich d a s nicht antun. „So mancher junge Mann würde dem Himmel danken," sagte di« Frau,„wenn er es so gut haben könnte wie bei mir." Ja, treu bist du, dachte Hammerschlag, dein Geheimnis hältst du im Rachen fest wie Hagen und sämtlich Nibelungen.— Plötzlich hatte er einen Einfall. „Hat Ihnen das Fräulein denn eigentlich die Miete bezahlt?" Die Frau zwinkerte verblüfft, ihre Ohrea schienen sich zu spitzen, ihr Hals wurde länger. „Nein, dos nicht," sagte stA langsam und ihr« Augen bohrten sich in sein« ein,„es ging ja alles so holterdipolter und sie hatte das Geld wohl auch nicht bei der Hand. Und da— ich Hab« ihrer Ehr- lichkeit oertraut— wissen Sie, mein Herr, ich bin eine viel zu vertrauensvolle Seele— Minna, hat mein seliger Mann öfters zu mir gesogt, du fällst noch mal mit deiner Gutmütigkeit rein." „Wieviel macht die Miete?" fragte Hamm erschlag. „Fünfzig Mark," flüsterte die Frau. Ihr Hals, auch ihr Kinn, ivurde immer länger. Bon Denise halte sie schon im voraus einen Taler ertra für Bewahrung des Gelzeinimjses erhalten.— Dreiund sünfzig Mark van dem Fräulein— wenn ich dazu noch einmal fünfzig kriege; hundertundrei. rechnet« sie. „Gut." sagte Hammerschlag und grifi mit der Hand an die Seite der Brust, wo die Briestasche saß,„ich bezahl« sllr Fräulein von Longen die Schuld, weil ich selber der Dame«ine bestimmte Summe schuldig bin. Aber es ist eine Bedingung dabei: Sie müssen mir Fräulein von Langens Adresse sagen.". „Werden Sie es ober wirNich tun?" fragt« die Frau mit un- ruhigen Augen und hob den Finger und deutet« und starrte aus die Stelle, wo verborgen die Briestasche jaß. Da griff Hammerschlag mit der Hand ms Innere seiner Kiekdung, und er schien di« Briestasche, in der dunkeln Verschwiegenheit seines Jacketts, schon in der.Hand zu halten. „München, Herrnstraße sieben!" rief d<« Frau;„in einer Pension." k So, mit der Nibelungentreue ist es also vorbei, dacht« Hammen ichlog, ..Und wer war der Herr, m>t dem sie abgereist ist''" fragte er rasch. „Das weiß ich nicht, das Fräulein war immer sehr zurück- haltend, sie ist ja von Adel," flüsterte die Frau, ihre Worte goloppierte.i, so daß'eins beinnh über das andere rannte. Paus«.—„Bekomme ich nun dos?" Sie starrte ans seine Brust. „Mit Beleuchtung uiid Morgenkaffee waren es ober sechsundsünfzig." Dreiundfünfzig und jechsundsünszig— hundertundneun, rechnete sie. Da zog Homnierschlag die Hand au» der Dunkelheit seines Jacketts aber die Hand hielt durchaus keine Brieftasche noch sonst ein Wertstück.„Ja," sagte er aufatmend,„du sollst sechsundfünszig haben, aber keine sechsundsünfzig Mark, sondern Küsse, mein Kind- chen, für dein« liebenswürdige Auskunft. Und die Küsi« kriegst du. wenn wir uns nachts einmal an der Spree begegnen, aber nur, wenn kein Mondschein ist. So. nun weiß du. was du davon zu halten hast, mein Engel."» Und Hammerschlag ging. Herrnstroße sieben, summte es in seinem Gemüt. Hinter ihm schlug die Tür in» Schloß mit einem Krach wie von eftiem umstürzenden Autobus. Als er durch das Gartenhauspartal den Hof betrat, stoppte er plötzlich und scheute zurück. Von oben goß die Frau au? einem--Waschtrug Masser hinunter. Er wartete«ine Weile, dann machte er einen Sprung— hinter ihm ging dos restliche Wasser zur Erde. „Sechsundfünfzig, schöne Frau," rief«r hinaus und grüßte mit ehrerbietig gezogenem Hut. "." In diesen Tage» kam Lall! noch etwas früher ins Büro als chnehin, um auf die eingelaufen« Post ein wachsames Auge zu habe». Wo die Handschrift den mindesten Verdacht zuließ, hielt sie die Kuverts gegen das Fenster, ja, sogar gegen die angedrehte elek- tusche Lampe, um den Briefen ein wenig ins Innere zu leuchten. Hätte ihr Verdacht sich verdichtet, so war« sie nicht davor zurück- geschreckt, den betreffenden Brief fürs erst« einmal an sich zu nehmen. um ihn zu lesen und dann wieder zu schließen— oder vielleicht auh zu zerreißen. Aber zu solch einer strafbaren Handlung gab ihr keiner der Brief« Anlaß. Jodensalls— eine Krone oder«in„D. o. L." fand sie auf keinem der Briefumschläge. Und bestimmt hotte so ein» Fein« wie die da«ine Krone oder zumindest ihr Monogramm aus dem Kuvert. „Fräulein von Langen Hot Nachricht gegeben," sagte Hammer- schlag einmal nebenbei, schon aus der Schwelle zu seinem Privat- kontor,„sie ist noch immer krank." Hähä! dachte Lolli. Aber weil es ihr möglich erschien, daß wirklich ein Brief von der Dome gekommen war, den sie trotz aller Aufmerksamkeit übersehen hoben könnt«, so nahm sie sich vor, am Abend, wenn sie allein wäre,«inen Blick in die geheime Korrespon. denzmappe im Geldschrank zu tun. Als es soweit war, schloß sie die Kontortür ab und macht« sich mit dem passenden Schlüssel, den sie besaß, an die Schreibtiichschieb- lade, wo das Schlüsselbund ruhte. Das Geldschrankfach, in dem die Geheimmappe Hammerschlags lag, zog sie magnetisch an— so wie einen Schüler das Pult, in dem er das Klassenbuch verschlossen weiß. Und weil sie trotz der Sicherheit hinter verschlossener Kontortür entsetzlich ausgeregt war, stocherte sie wieder mit falschen Schlüsseln in den Schlössern herum. 4. Hammerschlag macht«ine Reise. Zwei Wochen später trat Haimner schlag seine Ferien an. Es war Mai. Das war durchaus nichts Ausfälliges, in jedem Jahr pslegte Hammerschlag seine Ferien schon im Mai zu nehmen. Da» Frühjahr behogte ihm besser zu Reisen als der Sommer, wo man auf Wände- rungcn fein Körpergewicht unter Umständen in sünfunddreißig Grad Hitze zu schleppen hat. Die Art einer Vertretung im Büro während, seiner Ferienzeit war schon vorher reiflich erwogen worden. Im vorigen Jahr hatte der Mitredakteur, der damals noch am Doppelschreibtisch saß, die Pflichten des abwesende» Leiters übernommen. Diesmal würde die Gesellschaft, die mit der Zeitschrift für den Mittelstand als Gründerin und Inhaberin in allen Angelegenheiten vertraut war. einen Ber- treter senden. Im übrigen wußte Lolli in de» Einzelheiten Bescheid. Als der Vertreter einige Tage vor Hammerschlags Abreise ins Büro kam, hatte Hammerschlag eine ausführliche Besprechung mir ihm. Die wichtigen Sachen warm erledigt, da fiel ihm noch etwas ein. '„Ich mache Sie noch darauf aufmerksam," sagte Hammerschlag, „daß Sie in bezug auf den Geldschrank vorsichtig sein müssen. Es ist niemals etwas gestohlen worden, auch als sich noch Wertsachen -darin befanden; aber ich hotte verschiedentlich den Eindruck, al? wären mit verkehrten Schlüsseln Versuche an den Schlössern gemacht worden.'Seit einiger Zeit halte ich deshalb die Geldschrankschiüifel nicht mehr im Schreibtisch, verwahrt, sondern trage sie mit mir heruni. Verdachtigen kann ich nieinanden, weil ich nichts Sicheres weiß. Bloß nebenbei, seien Sie vorsichtig." „Aber ich hätte an ihrer Stelle die Sache schon längst einem Detektiv oder einem Kriminalpalizisten übergeben," jagt« erregt der Vertreter, der ein Herr mit grauem Spitzbart, goldener Brille und etwas zitternden hageren Fingern war. Er hieß De. Eibulski. (Fortsetzung folgt., e Buch Ton der Spree seum Vlausanarcs Der Zeichner Hermann Krehan hat bei Dietrich Reimer ein Buch erscheinen lassen, das sich„Von der Spree zum Manzanares. Mit 55 PS, drei Objektiven, einer Frau und zehn Koffern von Berlin nach Madrid" nennt Der Uederheblich- k«it dieses vorgeblich witzigen Titels entspricht die Geschwollenheit des Inhalts. Gern sei anerkannt, daß die Photographien zum großen Teil hübsch gesehen und gut gebracht sind, weirn auch viel Unnützes, wie die bildliche Darstellung abgerissener Theaterbilletts und gestempelter Paßpapiere, dabei ist. Die Zeichmmgen sind leer. im Text ließ sich auf 63 Seiten schwerlich weniger sagen. Wir erfahren nichts von Landschaft und Leuten, nichts von sozialer und wirtschaftlicher Stru-ktur. dafür aber um so mehr von einem Auto. das uns feierlich ein« Seite hindurch vorgestellt wird. Bei der Fahrt durch Frankreich sehen wir die Eirken und Paläst« der alten Römer, die uns aus den Panoramen unserer Kindheit de- kannt sind. Dann sind wir in einem spanischen Bad, das mit gleichem Recht an der Ostsee liegen könnte. Weiter erleben wir (o Sensation!) einen Stierkamps. Von Madrid erfahren wir, daß es«in« modern«, auistrebende Stadt ist. Krehan verspricht im Vor- wort eine.nntechaltsame Fahrt". Sie ist nicht einmal unterhalt- sam. Die Schreibweise soll spaßhaft und geistreich sein, sie ist nur gekünstelt und überheblich. Interessant ist eine halb« Seite des Luches: Krehan äußert sich über den neukatalanischen Stil des Bau- meisters Gaudi von Barcelona. Hier lohnt sich die Lektüre, aber es ist diese Gabe allzu gering. Im ganzen kann dies Buch nur denen dringend empfohlen werden, die lernen wollen, wie man nicht reisen soll. Hcnninx Duderstadt. Rät seh Ecke des„Abend ii •niitiiHHiuimiinsminraiinraiiiinniuwKiRiJHtiuuimii Silbenrätsel. Aus den Silben am an cho da da di en en er go griph in ir is land l« le Ii lo lus mach me mer mit»ms nau ne nim fe fe son ta ta tan te tcr ti je sind 13 Wärter zu bilden, deren Anfangs- und Endbuchstaben beide von oben nach unten gelesen, einen Sinnspruch ergeben. Di« Wörter bedeuten: 1. Kunstrichtung; 2. Land in Asien; 3. Hasenstadt am Kaspischen Meer; 4. Sohn des Odysieus; 5. Gegner der Juden; 6. Sohn des Zeus; 7. Teil des Britischen Reiches; 8. Planet; 9. Geschwindigkeitsmesser; 10. Fintenoogelgattung; 11. Deutscher Dichter; 12. Rätselart; 13. Stadt in der Türkei. (ch— ein Buchstabe.)— ckr.— Rösselsprung. kr. Buchstabenrätsel. Aus den Buchstaben oaaaoaaaaabd.d deeehiiikllllm mnnnnooo prrrrrsssttuuuuvz sind 13 Wörter von je vier Buchstaben zu bilden, deren Anfangsbuchstaben anein- ondergereiht einen bekannten Sinnspruch der Sozialdemokratie ergeben.— D!t Wörter bedeuten: l. Planet; 2. Nebenfluß der Donau; 3. Blasinstrument; 4. Europäisdies Grenzgebirge: 5 Neben- fluß des Rheins; 6. Meerenge; 7. Weiblicher Vorname; 8. Heil- kundiger; 9. Großer Raum; 10. Zahl; 11. Halbedelstein; 12. Klebe- mittel; 13. Wasserfahrzeug.—kr._ Dreisilbig. Mit Doppel-„t" am Futter für die Rosse; Mit Doppel-„s" steht blank es vor dem Schlosse. kr. Aus der Notzeit. Im Mittelalter drückte di« Bauern Der Zwei, sie waren wohl zu bedauern. Drum schlössen sie sich an allen Orten Zu einem Eins. Und in harten Worten Heischten sie Recht bei Hohen und Reichen, Und der Einszwei war nun fortan ihr Zeichen. Alt und neu. Ich war Getränk bei den Germanen; Setzt du ein ,a" ans Wort, Wirst du sofort Al» Frauennamen mich ahnen, ep. —kr. Kapselrätsel. Den Wörtern Badekur, Zisterne. Bettdecke, Naturerscheinung. Schmerz, Verzug, Andernach, Ewigkeit. Artisten. Tagedieb, Hoch- srequenz. Sudermann sind je drei aujeinondersolgende Buchstaben zu entnehmen, die aneinandergereiht ein Zitat von Schiller ergeben. — Ici".— lAuflösung der Rätsel nächsten Mittwoch.) t Auflösung der Rätsel aus voriger Nummer. Silbenrätsel: 1, Weiher; 2. Edikl; 3. Rübe; 4. Barbarei, 5; Expressiomsmu»; 6. Talmi; 7. Sirene; 8. Tomahawk; 9. Erna; 10. Telegraphie; 11. Samum; 12. Fallrep; 13. Unterlauf; 14. Eberl; 15. Rotlauf; 16. Efeu; 17. Ute; 18. Reisekoffer; 19. Elegie; 20. Peru; 21. Almanach.—„Werbet stets für eure Partei, sie kämpft für euch!" Rösselsprung: Die Armut wird durch Klugheit ausgeglichen, Durch Sauberkeit die Kleidung, die verblichen, Durch Wärme, daß nur dürstig ist die Speise, Di« Häßlichkeit durch«Me Denkungswest'e. Fritze(Indische Weisheit). Buchstabenrätsel: 1. Ulm; 2. Eoa; 3. Bar- 4 Ebe; 5. Rot; 6. Mal; 7. Uhu; 8. Tor; 9. Tor; 9. Tal; 10 Uri- Ii' Tod: Jn � 5�' U- f,0t; 15- l0n: 16- El!! 17. Jlot; 18. Gnu; 19. Uhr; 20. Tal.—„Uebermul tut selten gut." Kapsel-Rätsel: Hausdiener, Notizbuch Schreiblinte, Andenken. Dfehungel, Danzig, Melodie Lotterie.—„Die Not treibt den Hund an die Kette."" Königszug: Da» ist«in Festtag sondergleichen, Wi« ihn di« Welt noch ni« geseh'n, An dem der Arbeit heil'g« Zeichen In allen Landen friedlich weh'n! Di« sollen rings die Völker mahnen: Die Arbeit will Gerechtigkeit; Ihr müßt den Weg.zum Sieg ihr bahnen— So will's der Geist der neuen Zeit. (Karl Frokme-Harnburs.) Strafbar; Münz«— falsch— Falschmünzerei— Reize. Spattreim. Paketpost. . Nr.ZÄ6 47. Jahrgang Sonnabend 21. Juni 1930 Die maschinelle Herstellung der Glühlampenkolben Die Fabrikation 0npe für fabrikajionsmoßige Herstellung zu entwickeln. Damit Hot die Skala der Glühlampcnherstellung eine ungeheure Weite gewonnen. Während die größte Glühlampe jetzt Tischhöhe erreicht, ist die kleinste nicht größer als ein Getreidekorn. Diese kleinste Lampe dient für medzinische. Zwecke zum Ausleuchten von Körperhöhlen -und dergleiehen. Sic ist nur 1 Zentimeter lang und Vt Zentimeter dick Es ist ein Zeicken für die Leistung der Technik, daß ein auf dem gleichen Prinzip beruhebder Apparat innerhalb so weit aus- cinonderliegendcr Grenzen hergestellt wird, und daß alle dies« Lampen sich im praktischen Betrieb« bewähren. Ue. Rundfunk in aller Welt Der irische Aroßrundsunksender, dessen Bau die Regierung des Irischen Freistaates beschlossen hat, wird aus Welle 413 in, der jetzigen Welle des Senders Dublin arbeilen In Helfin-gfors(Finnland) wird voraussichtlich ein neuer 10 kZ�'- Rundfunksender errichtet werden. ' Di« p o l n i s ch e R u n d f u n k g c j e I l s ch a f t plant den Neu- bau eines 120 kW-Senders in Warschau, von.zwei kW-S«ndern in Lemberg und Wilna sowie eines Zwischenfendcrs in Thorn. Di« jetzigen, kürzlich in Betrieb genommenen Sender in Lemberg und Lodz arbeiten zurzeit als Zwischenfen-der in der Zeit von 17.45 Uhr und 24 Uhr. Der infolge der Inbetriebnahme des neuen 60 kW. Senders Oslo überflüssig gewordene alt« 1,2 kW. Tender Oslo wird in Drontheim aufgestellt und Anfang Mai dort auf Welle 453,2 m in Betrieb gc- nommen werden. Neue 500-Watt-Sender in Kristiamund, Stavanger und Bodo werden voraussichtlich im Herbst den Betrieb aufnehmen. Die Bauarbeiten eines neuen Senders in Caen, der an Stelle des früheren„Radio-Normandie" errichtet wird, sind soweit fort- geschritten, daß mit baldiger Betriebsaufnahm« gerechnet werden kann. Di« Leistung beträgt 600 Watt. Der Kurzwellensender des Radio-Elub de Tou- l o u s« sendet jeden Sontwbend auf Welle 49 m von 20.30 bis 22.00 Uhr. Im Lauf« des Sommers wird in O r a n(Algier) ein 6 kW. Zwischensender errichtet. Vom 12. bis 14. Juli 1930 findet in Antwerpen ein inter- nationaler Kongreß der KurzweUen-Amateure statt. Meue Stromkraftfernleitung in Schweden Von der Kraftstation H a m m e r f o r s e n in Schweden, die zu dem in letzter Zeit vieigeimnnteii Kreuzer- u. T r o l l- Konzern gehört, wird über eine neue Fernleitung von 300 Kilometer Lange der 70 000 Volt starken Strrtntraft, die Hammerforsen l esert, be- richtet. Di« Leitung soll von S u n d s v a l l, dem schwedijch.-n Hauplausfuhrhafen für Holzwaren, südwärts über Hudiksvall und nah« vorbei an S ö d c r h a m in bis nach G ä v l« gebaut werden und wird auf de», Wege mit dem Kraftwerk V-for» verbunden werden. Durch diese Fernleitung wird d,is national.' Problem der Ueberführung der elektrischen Slromkrast von den großen Kraft- gucllen im Norden zu den südlicheren Gegenden Schwöen, eint teilweise Lösung finden. Der Hammerforjen-Block besteht aus 10 miteinander verbundene» Kraftwerken und liefert 60000?L. Durch Anschluß der anderen dem Konzern gehörenden Kraftwerke a» da» Stromnetz(neulich ist auch das Kraftwerk Wii in Sundsvall erworbcn worden» wird der Konzern über 2-50000 OS im eigenen Netz ver. sügen könne», durch da» er die im ganzen Lande verstreuten großen Sag«, und Zellstofftnühlen belitf«rn wird. 8. dl. Sport am Sonntag (Es isk selbstverständlich, daß der morgen im Grunemaldstadion vm 14 Ahr stattfindende Reichsarbciter sportlag das liauplintereffe der fporlliebenden arbeilenden Bevölkerung in An- jpruch nimmt. Der Arbciterrad- und Kraftfahrerbund„Solidarität" wird als Auftakt Wcrbefahrten durch die Stadt nach dem Stadion hin veranstalten. Die Motorradfahrer versammeln fich in der Straße Am Friedrichshain um>Z Uhr. während sich die Rad- fahrer um ll Uhr im Kleinen Tiergarten in Moabit treffen. Auf der Olympia-Radrennbahn finden morgen um 16 Uhr wieder Dirt-Track-Rennen statt. In Grünau Halten»die bürgerlichen Ruderrerein« heute. Sonn- vbcnd, und morgen, Sonntag, ihr« traditionell« Ruderregatta ab. Dabei wird immer noch wie zur Jeit Wilhelms des Ehemaligen ein„Kaiferpreis" ausgefahren. Von der Mobijoubrückc bis zur Tzanfabrücke in Moabit goht morgen zum zwölften Male das„Quer-durch-Verlin- Schwimmen" der bürgerlichen Vereine vor sich. Der Start er- folgt um 17,30 Uhr.�. Bei den Trabrennen in Ruhlcben steht der deutsche Stuteflpreis, der die besten dreijährigen Stuten an den Start führen wird, im Mittelpunkt der Geschehnisse. Die Rennen beginnen um 15 Uhr. Das Hauptinteresse der Pferdeliebhaber ist jedoch auf die Derbywoche in Hamburg-Horn gelenkt. Im Düsseldorfer Rhcinstadion, das 45 000 Zuschauer faßt, stehen sich morgen, Sonntag, der Berliner Verein Hcrcha-BSC. und Hol- stein-Kiel im letzten Gang um die M e i st e r s ch a f t des Deutschen Fußballbundes gegenüber. Nackt! Eine Aufführung in der Volksbühne Der Freie Körperkulturkreis Kreuzberg und der Bund der Körperkulturfchule Adolf Koch im Verband Volksgesundheit hatten in der Freitagnacht aus Anlaß des Reichsarbeitersport- tages zu einer Nocht-Nacktvorstellung in die Volksbühne am Bülowplatz gebeten. Bemerkenswert war, daß dieser Auf- sorderung sehr, viele ältere Sportler, Männer und Frauen, gefolgt ivaren. Adolf Koch, der an Stelle des verhinderten Reichstags- abgeordneten Schreck die Einleitungsworte sprach, hat die glückliche Gabe, ernste und unter den gegebenen Verhältnissen noch nicht ganz selbstverständliche Dinge mit einer gewinnenden Offenheit zu sagen. Es ist das erstemal, sagte er, daß ein„Rast" mit einer nächt- lichen Rocktdarstellung eröffnet wird und es war bewußt und ab- sichtlich, daß die älteren Sport- und Kampfgenossen, Männer und Frauen, zst der Veranstaltung geladen waren. Denn immer wieder klagen die Jungen, daß die Alten politisch und wirtschaftlich zwar radikal, aber kulturpolitisch rückständig und reaktionär seien. Bezeichnend für die Einstellung der Aelteren fei ein Ausspruch, den er zufällig gehört. Da meinte eine Frau im Foyer des Theaters: „Ja, wenn die Volksbühne ihr Haus zu einer solchen Veranstaltung hergebe, dann könne die Sache doch nicht unanständig sein." Viel lieber, rief Koch, möchten wir Ihnen statt hier im Theater draußen unter freiem Himmel im Stadion, wo wir so recht eigentlich hin- gehören, unsere Uebungen zeigen. Aber die Polizei ist noch nicht so weit, um im nackten Menschen auch harmlos« und ungefährliche Menschen zu sehen. Deshalb muß betont werden, daß es sich um keine Theatervorstellung handelt, um keine exakt vorher geübte Gymnastik, sondern daß unsere Alltagsmenschen ihre wöchentliche Körperübungsarbeit vorführen. Es werden auch kein« sorgfältig ausgewählten schönen Körper gezeigt, sondern jeder steht da wie er nun mal ist. Aeltere Frauen, die ein Leben schwerer Arbeit hinter sich hoben, junge Männer und Mädchen, die Mühe haben, um von Dem Körper die Schädlichkeiten des Berufs abzuwehren. Der ernste Zuschauer wird deshalb auch bald erkennen, daß die Parole bllrger- licher Nacktkulturler:„Nackt sind all«' Menschen gleich!" durchaus falsch ist. Der proletarische Mensch kann auch in seinem nackten Körper seine Herkunft, seine Arbeit und sein Leben nicht verleugnen. Worte schärfster Ablehnung sand Koch gegen die Werksportvereine. Nicht minder scharf wandte er sich gegen die Kirche, die zwar er- kläre, der Mensch sei ein Ebenbild Gottes, die aber dennoch den nackten Menschen für unanständig und unsittlich halte. Kirche und Körperkultur vereinbaren sich nicht. Die Kirche präpariert den Menschen für das Jenseits, wir aber wollen ihn lehren, dos Leben, mit dem er. doch nun einmal auf irgendeine Art fertig werden muß, bewußt und sinnvoll zu leben. Wir wollen unser Leben ein wenigbewußterge st alten. Danach kamen drei Vorführungen. Franz Karlewitz führte eine Gymnastikgruppe des Freien Körperkulturkreises Kreuz- 1*rg vor, Ilka Dieball ließ Schwung- Und Sprunggymnastik zeigen und Adolf Koch selbst ließ die Gruppe seiner Bundesschule üben. Den schwersten Part hatte Karlewitz, denn seine Gruppe bestand durchweg aus älteren Männern und Fraueir, die dem Rhythmus, den der Gong vorzeichnet, schwerer zu folgen vermögen, als die Jungen. Karlewitz muß also noch mil vielen und recht energischen Worten seine Leute aufmuntern und lockern. Ilka Dieball vertraut mehr der Musik, sie ist mit den Kommandos leiser und zurück- haltender, wartet ab, wie sich die Uebenden aus den Gong ein- stellen. Die Sprünge und Schwünge ihrer Gruppe zeigen eine zum Teil erstaunlich weitgehende Spannkraft und darauffolgende Lockerung: tänzerische Anlagen osfenbaren sich. Adolf Koch endlich ist ganz der unbekümmert fröhliche Pädagoge, der sie alle in liebenswürdiger Suggestion am Bändel hat und dessen Absichten jeder mit schneller Einfühlung erkennt und ausführt. Und nun die ewige ängstliche Frage: Aber warum denn nur nackt? Darauf die Gegenfrage: Warum zum Kuckuck in der schönsten Zeit des Jahres immer nur in Kleidern, die uns selber oft genug lüstig werden? Gewiß nicht nackt über den Potsdamer Platz, aber bestiinmt nackt, wen es Läzu treibt, unter dem hohen Himmel in der Freiheit der Wälder und der Seen! vie Welt«fiebert" schon wieder! Ein nochmaliges Zusammentreffen.zwischen S ch»n e l i n g und Shartey um die Weltnwisterschast im Schwergewicht wird am 2 5. September stattfinden und zwar wiederum im Ponkee- Stadion in New Pork. Wie Schmelings Manager Jacobs erklärte, sei alles für diesen neuen Kampf bereits geklärt. Der Veranstalter im«tadion. Frank Bruen, Hot die ihm für den Kampf unter- breiteten Bedingungen angenommen. Shartey hat bisher seine Zu- stimmung zu dem Kampf nicht erteilt. kUUYidUocUi/ Die nächsten Spiele- Der„Rast" im Grunewald-Stadion om Sonntag veranlaßt die Kroß-Berliner Mannschastcn, nur heute, Sonnabend, zu spielen. Aui dem Platz an der Schönhauser Allee spielen um 18 Uhr die I. und 2. Männermannschaften vom FTGB.-Nordring und FTGB.-Rek- nickendorf-West. Kaulsdorf hat auf seinem Platz an der Köpenicker Straße in Kaulsdorf Eiche-Köpenick als Gegner: es spielen die 1. Männermannschaften um 1? Uhr und die Jugcndmannschasten um 19 Uhr. FTGB.-Roscnthal und Velten treffen sich in Rosenthal, Hauptstraße: es spielen die Jligcndinaiinsc!)aft.:n um 18 Uhr und die 1. Männermannschaften um 19 Uhr.— Weitere Spiel«: Schwante gegen Hennigsdorf um 19 Uhr in Schmante: FTGB.-Norden 3 gegen FTGB.-Pankow um 18'/> Uhr im Hum- bvldthain: Wilmersdorf gegen ASE. uin l8'/a Uhr in Wilmersdorf, Fehrbelliner Platz: Fichtenau gegen Berlin 12 II uni 19 Uhr in Fichtenau. Am Sonntag spielen Strausberg gegen Müncheberg in Strausberg: Schenkendorf gegen Potsdam in Schenkendorf: Schwante gegen Steinfurth in Schwant«; Rathenow gegen Kirchmöser m Rathenow. Heutige Fußballspiele Zum Abschluß her Arbeiter-Sport-Werbewoche finden in Lichten- berg zwei Fußballspiele statt. Auf dein städtischen Sportplatz in der Normannenstraße stehen sich Lichtenberg II und Borussia gegen- über. Die Lichtenbergcr besetzen in ihrer Klasse einen guten Mittel- platz, mährend Borussia an führender Stelle der zweiten Klasse steht. Aus dem Platz in der Kynaftstroße am Bahnhos Stralau- Rummelsburg spielt Lichtenberg 1: der Gegner zu diesem Spiel steht noch nicht sest. Di« Spiel« beginnen um. 18 Uhr. im Rundfunk Die erste halbe Stunde des Reichsarbeilersporllaos Im Brune- wald-Stadion wird morgen durch den Rundfunk überkragen. Alles schaltet also um 14 Uhr ein' Scl'.darität. All? Abtkilungen betciliqkn sich an d« Werbca-riammlur.� irc Cladow beute, ctmnabntb, 20 Uhr. cammelsfa'i 19'- Uhr in Eatoto, r.c,i-n- rain„Zur Linde'. SSe.»., I'CjiiI Yanloo. Trrffpunkt zum„3'cft" tonn'oij: für die»anipi- leiliiehraer 8'.. Uhr Bahnhof Nordring, für alle«. deren U"1 Uhr ebenb«.— Bejitt N-idost(ftinbetiiMeilunfl): Turnen fiilli heute ans. Treffpirnll 20 Uhr (.'.rirzierplatv co.mtcg jum„Naft". Treffpunkt»'-j Uhr Königstor. iMaancr» abteitung): Heute und morgen I« Uhr Sandballpie! Ecerzierpiah. Tonn az olles grei-Tennis Chariottrntnrg.<3ou»tan. 22. Juni, wird nicht geip'elt. Alles tutciligt sich am Soft. Treffpunkt 13', Uhr oor dem Eingang Bahnhof N.un- dahn. Sportkleidung und Tennisschläger mitbringin. Auch Sir Epandaurr treffen sich dort. Eportvere'n ZToabit. Treffpunkt zum Noll für Teifnehnier an dcn� Bor. kämpfen 9'.. Uhr Bahnhof Belletmr. für alle anderen 12 Uhr Bahnhof PU.tg- ftrage.. Freie gann-Union r roh. Berlin E. B. Treffpunkt Sonntag, 22, Juni, zunr Nast um 13 Uhr in den Umk'eideräumen der ZLaffersportlparte, � Achtung. Rcigenfchwini nierinnen! Tie Neigenschwimmirinnen treffen na> Sonntag. Irfi Uhr am Eingang drs Etadions. Drr Neigen wird morgen noch eingelaufen. Zum AusmarÄ rote Hose, we hes Hemd. Touristenverein.Die Ba'urreeunde", Zentrale Wen. Montag, 23. Juni. Photogemeinschafl! 19', Uhr Iahannisstr, lf— 1ü. Technische Frage» ibiidei» krifik. Psfan-en).— Mal ku nstge nie i n f cha f 1 1 19', Uhr Wrangelftr. 12S._ tfletie- arbeiten,— Efperanto-Arleitsgemeinschoft: 20 Uhr Tilnter Sir. 1— Dienstag, 2f. Juni. Humbaldthain: Jeden Dienz'og. Mittwoch und Donnerstag ab 18 Uhr Rafenfporl auf drm Sportplatz Huvrboldthain.- Wedding: 20 Uhr See. Eike! Turiner Strohe. Abtudtnonderung,— Rordrn: 20 Uhr Sonnenburqer Sir. 20. Abeudfvatirrgaug durch die Schduholter Heide.— Friedeich-hain: 20 Uhr Frank» furier» Allee 30" im Ebertfaal. Geschäftliches,— Iugendgeupve Südost: 20 Uhr Wrangelftr. 128. Bortrag:„Zugendnot"(-3). Weint.— Schöneberg.Feiedenan: 19!4 Uhr Offendacher Str. ö-. Bühnrnzimmrr. Aussprache-- und Liederabend.- Ingendgenppe Neukölln: Badeabend in Quingenberg.— Hennigsdorf: 19'. Uhr üugendbeim Böhowftr..90.— Mittwoch, 23. Juni. Ordnersitinng in der GefchLffs» stelle um 30 Uhr. Erscheinen aller AMrilungsIriier ist 79'cht.— Mittwoch, 25. Juni. Lichtenrade: 19. Uhr bei Dehiam, Bahnhof. Ecke Goltzstrahe, Ke» fchäftfiches.— Ingendgruppe Osten: Jetzt ssrank'nr'er Allre 307. im Liins. -Zimmer, 20 Uhr, Fohrlenbrrichte.— Phoiogemefnfchaft Zievkölln: 20 Uhr Berq» Nrahe 29, Zimmer i. Gäste stets willkommen.— Donnerstag, 25, Juni. Raiur- knndliche Abteilung: IoHonuisstr. 14— 13, 20 Uhr.„SifcuM umeifh" fLampastak).-- Photagemeinfchaft Norden: 20 Uhr welilichr Schule, Pank. Eikr Wiefenstrahr iPbnllkzimmer).— Mustkgemeinschaft: 20 Uhr Zohonnisstr. 14—1.) Blaltspiclrr willkommen.— Tiergarten: Ig'/H Uhr Lehrter Strohe. Jugendheim. Bortrag.— Prenzlauer Berg: Aöendwanderunq nacki Friedrichsfelde.— Südwest: Spielen im Bolkspork.— Spandau: 20 Uhr Iugendhrvn Lindenstrahe.— Neukölln: 20 Uhr Zugendheim Brrgstr. 29, Baracke, Baum 3. Etwas von Tranen»nt feineir Büchern(Brehmerl,— Sviheniee: 20 Uhr Iuaendheim Piftoriusstr, 24.— Lichtenberg: 20 Uhr Iuaendheim Giinterstr. 44, Mitaliederperfammlung. Freie Sport- und Schützen Vereinigung. Treffpunkt zum Rast Sonntag, IS Uhr. Haupteingang Stadion. 15. Bezirk Treptow..,Nost".Karten sind sofor! abzurechnen bei Pung, Nieder- schöneweide. Hasselwerder Str. 12. Nenusabrer zum Nast. Alle Rennfahrer und Schiedsrichter treffen sich Sonntag um 12 Uhr ltaiinenhof, stabinen 17 und 19. Dort Nummernaus- gäbe. Wer sich bis 13 Uhr nicht meldet, darf nicht starten. „Lebensrettung" ohne Sinn und Verstand Was leistet die deutsche Lebensrcthiugs-Gesellschaft? tief zu tauchen, um einen auf dem Boden liegenden Hammer her- aufzuholen. Ein Knabe aus unserer dortigen Ktnderabteilung mußte ihnen dos für sie so schwere Kunststück vormache n." („Freier Wassersport" 1925, Nr. 18.) Was soll diese Organisation? Einige Bilder von der DLRG. finden wir im„Freien Wasser- spart" 1928, der wie folgt schreibt: „Die sterbende Ortsgruppe." Die DLRG., die in Solingen vor noch nicht allzu langer Zeit so stark an Mitgliedern war, daß die städtische BäderHfrwaltung ihr eine eigene Uebungsstunde.zu- billigen mußte, ist im Lause ihrer Entwicklung dahin gekommen, daß ihr die Uebungsstunde entzogen wurde, weil der Andrang an Mitgliedern derartig„stieg", daß es sich nicht mehr oerlohnte, dieser Gruppe eine Uebungsstunde zu gewähren, und man kann heute fast sagen: Ehre ihrem Andenken, dcnn� ihr zu Lebzeiten an den Tag gelegtes Wirken im Interesse der Solinger Bevölkeriinq war gleich ölull, ausgenommen der Entgegennahme geldlicher Unter. stühunqen seitens»er Kommune. „wer wird unser Vorsitzender." Auf cinor vor einigen Monaten in Köln abgehaltenen Sitzung der Zlrbeitsgemeinschast der Kölner Wosscrsportvcrcine, der wir Arbeitcrsportlcr aus Grund der hier bestehenden Berhältnisse angehören müssen, stellte es sich nach der Erledigung der offiziellen Tagesordnung heraus, daß die DLRG. in Köln ohne Führer dasteht. Im Lause einer dies- bezüglichen Unterhaltung meinte dann ein Vertreter bürgerlicher Berbände ollen Ernstes: Die Leitung der DLRG. hier in Köln könnte ja ein Vertreter der Arbeiter ivassersporllcr über- nehmen, destn sie sind doch im Rettungswesen auf der Höhe. Zu seinem Leidwesen mußte dann der DJK.-Wassersportler erfahren, daß wir klar und deutlich aus die Frage„wer wird Vorsitzender der DLRG." die Antwort erteilten„Kein Arbeitersportler!" » Anläßlich der„R e i ch s u n s a l l w o ch c" veranstaltete in vielen Städten die DLRG. Schauvorsührungen im Rettungswesen. So u. a. auch in Düsseldorf und Leipzig. Für die Beranftaltung in Düsseldorf mußten Mitglieder der DLRG. aus Elberfeld heran- gezogen werden, da solche für praktische Borführungen in Düsseldorf nicht oufzutreiben waren. Die DLRG. in Düsseldorf wurde also durch Elberfeld gerettet. In Leipzig waren die gezeigten Wiederbelebungsversuche derart unsachgemäß, daß sich damit selbst die Tageszeitungen beschäftigten.— Die DLRG. versteht es auch, sich mit fremden Federn zu schmücken. So berichtete sie z. B.. daß durch ihre Aktivität in München zwölf Menschen vom Ertrinken in der Isar bewahrt wurden, und zwar im Jahre 1928, Es stellte sich aber heraus, oaß die An.zahl der Lebensrettuifgen stimmte, nur waren nicht die Mitglieder der DLRG, die Retter, sondern alle Retter waren Milglied der AWRO. in München, Am 17. Mörz 1929 hielt die DLRG, i» Würzburg ihre letzte I a h r e s h a u p t ve r s a m in l u n g ab.-Iii dem aus dieser Tagung gegebenen Jahresbericht gibt der 1. Borsitzende der DLRG., Herr Georg Hax, bekannt,»aß durch die tatkräftige Arbeit der DLRG.-Mitglieder in den beiden Jahren 1927.28 63 Menschen gerettet worden sind. Demgegenüber weisen die Berichte des AwRD. für die beiden letzten Jahre, also 1928/29 folgende Rettungen und Hilfeleistungen nach: .1928 1929 zusammen Wachestunden... 43 929 81 836 125 765 Debensrellungen.. 577 77? 1 343 Allgemeine Unfälle. 428 3 508 3 936 Die hier angeführten 1349 Lebensrettungcn»es AWRD. in den beiden Jahren 1928/29 waren also erfolgreich, d. h. die angestellten Wiederbelebungsversuche zeitigten die gewünschten Erfolge. So also gestallet sich die praktische Arbeit des AwRD., trotzdem er noch uichl einmal den zehnten Teil der Unterstützungen erhält, die Staat und Gemeindebehörden der DLRG. angedeihen lassenl Jetzt, wo das Baden an allen freien Stellen und in den Freibädern zur fast alltäglichen Betätigung der schwitzenden Menschheit gehört, ist es interessant, einiges über die Deutsche Lebens-Rellungs- Gesellschaft, eine bürgerliche Renommierorganisalion, zu erfahren: diese Gesell- schasl gibt immer noch vor, zur Rettung Ertrinkender da z» sein. Der Bundespressedlenst des Arbeiter-Turn- und Sporlbundes schreibt dazu: Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschast(DLRG.) und Arbeiter- Wasser-Rettungs-Dienst(AWRD.) sind Zwei grundoer- schiedene Organisationen. Während die DLRG. eine Organisation des Wortes ist, stellt der AWRD. eine Organisation der Tat dar. Dafür einige Beispiele: Mitglied der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschast können gemäß des§ 10 dieser Organisation Einzelpersonen, Bereinigungen, Behörden, Firmen usw. werden, die einen nach§ 16 zu bestimmen- den Jahresbeitrag an'die DLRG. zahlen. Miiglied des AWRD. kann aber nur der werden, der die Prüfung als Rettungs- schwimmer nach den Bestimmungen des AWRD. bestanden hat. D'e Prüsungsbestimmungen der DLRG. sind so oberfläch- lich ausgearbeitet, daß sie für die praktische Tätigkeit eines Rettungsschwimmers unzulänglich sind. Den besten Beweis für diese Behauptung liefern die staatlichen Schwimmeisterprüsungen, bei denen nicht nur Grundschcin- und Prüsungsscheininhaber, sondern sogar Lehrscheininhabcr der DLRG. durchgefallen sind. Die Prüfungsbeftimmungen des AWRD. sind aus Grund praktischer Erfahrungen ausgebaut und werden streng gehandhabt. Der Prüfling, der auch nur in einEm Fach ein„Nichtgenllgend" aufweist, kann die Prüfung nicht bestehen. Die Prüfung von Rettungs- schwimmer» in der DLRG. kann von einzelnen Personen(Lehr- scheininhaber) oder von zwei Prüfungsscheininhabern abgenommen werden: die Prüfung von Rettungsschwimmern im AWRD. dagegen erfolgt nur durch die jeweilig zuständige Prüfungskommission, die zumindest aus drei Personen besteht. Diese Beispiel« grundsätzlicher Natur könnten noch verschiedentlich ergänzt werden. Schon im Jahre 1926 finden wir im„Freien Wasser- sport"(Organ des Arbeiter-Türn- und Sporlbundes) eine grund- sätzliche Auseinandersetzung der Arbciterwasscrsportler mit der DLRG. Dort heiß« es: „Aber ebensowenig, wie man sich über einen stürzenden Baum wundern kann, dessen Wurzeln foul sind, ebensowenig darf man sich über einen solchen Erfolg wundern, den der durchgefallene Lehrscheimnhaber von der staatlichen Schwimmeisterprüfung in Bonn heimtrug: wenn man sich die Grundscheinprüsungen der DLRG. ansieht. Bei einer derartigen Grundscheinprüfung wurden vor kurzem in Köln mehr als sechzig Mann in einer Zg»t von t'A Stunden geprüft. Da ich nun Gelegenheit hatte, dieser Prüfung als Gast beizuwohnen, und deren Verlauf beobachten konnte, stehe ich nicht an zu erkläre», daß ich nie ei» größeres Jammerbild auf dem Prüfungsgebiel gesehen habe. Eine der- artige Prüfung wäre bei uns ein Unding. �Trotzdem aber haben alle Prüflinge die Prüfung bestanden. Lei uns wären sie alle durchgefallen, denn die wenigen Ausnahmen, die ihr Handwerk verstanden, konitten innerhalb eines derartigen Betriebes nicht gewertet werden. Es würde zu weit führen, auf die Ein.zelheiten dieser Prüfung hier einzugehen, man inuß aber die Handlungs- weise der Prüsungskonimsssion, welche die Prüfung für bestanden erklärte, als unverantwortlich bezeichnen. Wenn einer dieser in Köln geprüften DLRG.-Schwimmer im Lause des Sommers beim Bersuche, einem Ertrinkenden beizusprinacy, selbst ertrinken sollte, so trägt gewiß die Prüfungskommission kein« Schuld, sondern der Mann erhält infolge der„Zlnstrengungen" im Kampfe mit dem Ertrinkenden einen Herzschlag." Was die DLRG.-Schwimmer leisten, wird durch folgendes Bei- spiel illustriert:„Vor längerer Zeit traten in unseren Kasseler Verein einige mit Prüfungsausweis der DLRG. versehene Mit- glieder ein, die noch nicht einmal in der Lag« waren, zwei Meter Morgen „10 Jahre Reichsarbeitersporttag"-unter diesem mono treten morgen, Sonntag, um 14 Uhr, die bundestreuen Arbeiter- Sportler Berlins in die Arena des Stadions im Grunewald. Wie überall im Reiche, so gilt auch hier der rast der u/erhung für den Arbeitersport. Kommt alle, die ihr zum hundestreuen Arbeitersport MNtitpmeSpomor lohneo aseuch! eintritt eut allen Platzen so PL