BERLIN Mntag 23. 3um 1930 erfchekattSsskich auserG»nnt«s«. Zugleich Abendausgabe des„Vorwärts". BezugSprci« beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche.»MM. pro Monat. Redaktion und Expedition; BerlinSWeo.LindcnKr.S v\£iWasJ6 10 Pf. Nr. 288 B 143 47. Jahrgang Anjeigenprei«: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vorwärtt-Derlag G. m. b. H., Berlin Nr. 3753«. Zernsprecher: Dönhoff 292 bis 297 Oer sächsische Wahltag. Zusammenbruch der bürgerlichen Parteien/ Von den Nazis geschlagen Die Sozialdemokratie unerschüttert Dresden, ZZ. Zum. fEigenberichl.) Die fächsifchen Landlagswahlen vom Sonntag haben den bürgerlichen Parteien, die bisher die Regierung bildeten, schwere Riederlagen gebracht. Die Kriscnpartei des Herrn Scholz hat nicht weniger als fünf von dreizehn Rlandatcn verloren, die hugenberger sind von acht aus süns Sitze zurückgegangen. Die Rationalsozialisten haben die bürgerlichen Parteien über den Haufen gerannt. Das Gesamtergebnis des Wahltages ist das folgende: Landtaa»- wähl 12. 3. 1929 Landtagswahl 22 6. 1930 Man- dote Man- dal« Reichstags» wähl 20. 5. 1923 Sozialdemokraten.. Deutsche Volkspartei KPD......... Wirtschaftspartei.. 'Deutschnationole.. Sachs. Landvolk... Nationalsozialisten. Demokraten..... Auswert- und Volks- rcchtpartei.... ASP......... Komm. Opposition. Voltsnot. Reichsvereinigung..... Christi, Soz, Voltsdienst....... Die Zahl der «71»27 227»1» »ZS 552 276 702 124 300 120 407 376 724 «3 671 44142 10 107 14 827 30 351 57 408 32 « 13 10 5 5 14 3 922 932 363 382 345 530 304 884 211906 140 611 133 787 115 289 70 131 40 598 22 129 33 13 12 11 8 5 5 4 3 2 999 421 316 017 381 568 232 052 254 488 145 476 147 356 87 545 34 860 2——— 2——— abgegebenen Stimmen betrug 2 611017. Die Wahlbeteiligung ist also um mehr als 80 000 Stimmen geringer als bei der Wahl im letzten Zahre. Die Lehren der Wahl. Diese Wahl ist ein Signal und eine Warnung. Seit 1923 hoben sowohl die sächsische Sozialdemokratie als auch die Deutschs Volkspartei, als fsührerin des Bürgertums, Niederringungs- st r a t c g i e getrieben. Jeder glaubte den anderen bei der nächsten Wahl endgültig in die Knie zwingen zu können. Seitdem hat Sachsen wiederholt gewählt, ohne aus der latenten Krise heraus- zukommen. Nun endet dieser Kampf mit einem Erfolg der foschisti- schen Nationalsozialistischen Partei. Also hat das Bürgertum gesiegt? Das ist nicht richtig. Der E r f o l g de r F a s ch i st e n ist zugleich eine schwere Niederlage der bürgerlichen Parteien, und der Vormarsch der Hakenkreuzler ist nicht erfolgt unter der schwarzweihroten Fahne, sondern unter der roten Fahne mit dem Hakenkreuz! Nach dieser Wahl gibt«s in Sachsen nur eine einzige grohe Frage: Warum haben wir gewählt? Wie soll bei dieser Ausammensetzung des Landtages die neue Regierung aussehen. Im letzten Landtag hätte eine Koalition aus Sozialdemokraten, Deutsche Volkspartei und Demokraten, die Grohe Koalition, 50 Man- dat« von 96 gehabt. Jetzt bringt es die Große Koalition einfchlieh- lich des Zentrumsabgeordneten, der auf der Lifte der Wirtschasts- partei gewählt worden ist, nur auf 44 Mandate! Sie hat also keine Mehrheit. Ohne Einbeziehung anderer Parteien gibt es keine Mehrheit für die Große Koalition. Welche Parteien kämen für eine Erweiterung einer solchen Regierung in Betracht. Ent- weder nur die Wirtschasts- oder die kleineren Gruppen, die Auf- werwngspartei, die Mahraun-Gruppe, der Christlich-soziale Volks- dienst. Aber gibt es eine Kombination des Bürgertums mit den Nationalsozialisten, wie in Thüringen, dann müßten sowohl die Demokraten als auch die Jungdeutschen der„Dolksnationalen Reichs- Vereinigung" mit von der Portie �sein. Man kann die Kombinationen drehen und wenden wie man will. Diese Wahl hat die SUuation in Sachsen noch verworrener gestoitet, als sie es ohnehin schon war. Was fgll nun werden? Irgendeine Derwaltui�sregierung mit Talerierung von links und rechts, wie sie schon vor der Auslösung des Landtages geplant war, die schlecht und recht die Geschäfte we tcrsührt, oder ein Experiment nach dem Vorbild von Thüringen? Vielleicht jetzt sich angesichts des Zwanges der Lage nun wenigstens in diesem Lande bei den Parteien die Einstcht durch, daß Länder- Parlamentarismus etwas anderes ist als Reichs- Parlamentarismus, und daß eine Ländcrrcgierung im wesentlichen verwaltende Funktionen hat. Unter dem Gesichtspunkt der Konsolidierung der Regicrungs- Verhältnisse in Sachsen ist diese Wahl katastrophal ausgegangen. Vor allem aber ist sie kaiaslrophal für die alten bürgerlichen Parteien. Dies« haben eine fürchterliche Niederlage erlitten, und die Gewinner der Niederlage sind die Nationalsozialisten, die Volksnotionale Reichsvereinigung des Herrn Mahraun und der Christlich-soziale Dolksdienst— vor allem aber die Nationaisozialisten. Die Nationalsozialisten haben sich verdreifacht. Sie sind die zweitstärkste Partei im sächsischen Landtag geworden. Ihre Stiinmcnzahl ist von 133 000 auf 376 000 emporgeschnellt. Ihre Mandatszifjer von fünf auf vierzehn. Die Mandatszifsern geben deutlich die Verschiebungen wieder. Sämtliche alten bürgerlichen Parleien haben an die Rational- soziälisten Slimmen und Wandale abgeben müssen, die wirl- schastsparlei nicht ausgenommen. Der Verlust der Deutschen Dolkspartei beträgt fast 40 Proz., der Verlust der Deutschnationalcn, ist noch stärker. Die„altsozialistische" Partei ist endgültig verschwunden. Sie hat k e i ck Mandat mehr. Im Landtag werden jetzt 59 Sitze von 96 ein- genommen von Sozialdemokraten, Kommunisten und National- soziälisten. Daraus geht hervor, wie sehr die Stellung der National- soziälisten im Landtag verstärkt worden ist. Eine so schlagartige und außergewöhnliche Umstellung der Wählerschaft bedarf der Erklärung. Diese Erklärung ist nicht allein damit gegeben, daß die schwere Wirtschaftskrise den Hang zum Extremismus fördere, und daß also das schwache Wachsen der Kommunisten und das starte Wachsen der Nationalsozialisten konjunkturell bedingt sei. Die Nationalsozialisten haben den Wahlkomps in Sachsen vorwiegend mit sozialistischer Phraseo- l o g i e bestritten. Sie haben aus propagandistischen Gründen a n der Maifeier teilgenommen. Sie haben dennoch nicht vermocht, die Sozialdemokratie und die Kommunisten zu schwächen. Aber sie haben jene Massen aus den bürgerlichen Parleien an sick, gezogen, die klassenmäßig nicht zum Bürgertum gehören. Sie haben mit ihrem primitiven Sozialismus der Phrase aus d i e Schichten gewirkt, die im Laufe der Krise proletarisiert worden sind. In den alten bürgerlichen Parteien ist die K l a s s e n- linie os�sen aufgerissen. Es ist ein Einbruch in das traditionelle Gefügt der alten bürgerlichen Parteien, die bisher immer noch vermocht hatten, sich proletarische Schichten dienstbor zu machen. Das kann eine Hoffnung für die Zukunft 9teichs ArbeHer-SporUag im Stadion Unter Siild teigl den Sininarfch der Sportler beim Reith»- Jlrbeilcr-SporHag, der am Sonntag große Zufchauermaffen nach dem Qrunewatdfiadion gelockt hatte. Jtusführtichc Itleldungen im Sportteil diefe» ttlatte». fein, Venn es fazmöMchÄr Aufklärungsarbeit gelingt, den primi- l i v e n Sozialismus dieser Schicht zu wandeln inklarcEinsicht. Im Augenblick aber bedeutet es eine Stärkung der faschistischen Tendenz-en, denn diese Wählerschaft wird zu ganz anderen Zwecken als zu sozialistischen von den Führern der Nationalsozialisten gebracht. Di« schwere Erschütterung der bürgerlichen Parteien hat vor ollem die Deutsche Boltspartei betroffen.- Sie rangiert jetzt an fünfter Steile, während sie im alten Landtag noch die zweitstärkste Partei war. Sie muß ihre starre Klassenkampfpolitik gegen die Arbeiterschast, ihre Sabotage der Großen Koalition im alten Landtag nun teuer bezahlen. Mit der Deutschen Volkspartei haben die Deutschnatio- nalen ihren Lohn dahin. Die Sozialdemokratie verliert ein Mandat in Ostsachsen. Sie hat sich in dieser allgemeinen Verwirrung und Umschichtung gut behauptet. Ihre'hervorragende Stellung unter allen übrigen Par- teien bleibt vollständig unbeeinträchtigt. Das Streben des Bürger- tum», ihr eine Niederlag« zu bereiten, ist vergebens gewesen. D«r Das Wahlbarometer. Sächsische Wahlergebnisse LdncNaoswahl ßcichsfeqsw.' Und' 1000 Tausend Stimmen 900 800 700 600 500 taqsw. UndbQSw, 1000, Tausencf Stimmen 900 Ö00 700 600 500 400 rcaptatG* ■ Mationalsozid listen >——— r 1928 1929 1930 20.5. 12.5. 22.6. Unsere graphische Darstellung gibt einen Uebcrblick über die Schwankungen des Partcistandes bei den letzten sächsischen Landtagswahlen. „Komps gegen den Marxismus" endete damit, daß die b ü r g e r- lichen Parteien zerschlagen am Wege liegen. Ein Experiment einer Regierungsbikdung gegen die Sozialdemokratie dürste nach dieser heilsamen Lehre wohl ausgeschlossen sein. Man kann vom d Ha o-i sprechen, das diese Wahl in Sachsen geschaffen hat, ober in diesem Chaos ist die Stärke der Sazialdemokroti« eine seste Insel! Die Candesinstonzen der Sozialdemorkatischen Partei treten heute in Dresden zusammen, um zu der durch die wohl geschaffenen Lag« Stellung zu nehmen. Oer Katzenjammer. Dresden. 23. Juni.(Eigenbericht.) Die gesamte bürgerliche Presse zeigt den Katzenjammer des Bürgertums noch der Wohl. Uebereinstmunend geht dos Urteil der Press« aller Richtungen dahin, daß das Bürger tu mdieKo st en der Wahl bezahlen muß, daß ein gewaltiger Einbruch in das bürgerliche Lager ersolgt ist, und daß die Bildung einer Regierung fast bis zur Unmöglichkeit erschwert ist. Die Stimmung im bürger- lichen Lager wird am deutlichsten wiedergegeben durch die„Leipziger Neuesten Nachrichten". Sie schreiben: „Auch der neue Landtag wird über 51 Nichtmarxlsten und 45 Marxisten oerfügen. War das das Ziel derer, die sich berufen fühlten, den„Marxismus zu überwinden"? Der Gewinn der Nationalsozialisten ist nicht durch den Einbruch ins marxistische Lager entsprungen. Er ist errungen worden auf kosten von Parteien, die ebenso heftige Gegner de» Marxi»mu» sind, wie die Nationalsozialisten selbst. Sinn und Ziel dieses Wahlkampfes mar die Ueberwindung des Marxismus. Do» ist leider nicht erreicht worden, und so fragt man sich gedrückt, mußt« wirklich das sächsische Bolk einem zermürbenden Wahlkampf ausgesetzt werden, damit erwiesen wurde, daß der Natlo. nalsozialismu» nicht imstande ist, den warxismu» entscheidend zu schlagen? Man hatte im Bürgertum geglaubt, die Nationalsozialisten als bissige Hunde gegen die Sozialdemokratie loslassen zu können. Aber die Hunde haben nach hinten gebissen." Die /.Dresdener Neuesten Nachrichten", die den Demokraten nahe- stehen, sprechen von einem Bankrott de» Länder paria- mentari smus und rufen:„Weg mit den Länderparlomenten, weg mit diesem zu einem Unsinn gewordenen Länderparlamen- tarismus". vi« d e u t s ch n a t i o n a l e n„Dresdener Nachrichten" st hon langwierige Verhandlungen über eine Regierungsbildung vor- aus. Der„Dresdener Anzeiger", der dem oolksparteiiichen Ober. bürgermeister Blüher nahesteht, schreibt zur Frage der Regierungs- bildung:„Es steht jetzt unmittelbar nach der Wahl ganz so aus. als«erde eine Beamtenregierung, wie d* de« Ministerpräsidenten Schi eck, auch in Zukunft der einzig, Ausweg aus dem Wirrwarr sein, der das wahre Ergebnis dieles Mahliages ist," Eine Bcamtenregierung, wie die des Ministerpräsidenten' Schieck wäre rta Wahrheit nur eine oolks parteiliche Regierung. Die Zepp in(Staaken. Zuschauer im Sonnenbrand.— Ltnzureichende Verkehrsmittel. Noch liegen Morgendämmerung und Nebel auf dem S t a a- tener Flugplatz, da rattert und rumpelt es auf den Zufahrt- ftraßen fchon Izeron. Kolonnen von Motorradfahrern, Pferdefuhrwerken, Autos. Ueberau ertönen Hammerschläge. die vom Bahnhof zum Luftschiffhafen fühlende Straße ist in eine lärmende Budeirstadt umgewandelt worden. Zigaretten, saure Gurken, Zitronen und Würstchen. Jetzt kommen die ersten Auto- busse und Züge aus Berlin, die ersten Besucher tappen durch neblige Straßen, und sofort erhebt sich ein Orkan von Stimmen: Zeppelin-Nadeln, Mfipelin-Würstchen, Zeppelin-Karten, Zeppelin« Brause." Aber ooverst besteht nur Bedarf an sauren Gurken und Kaffee. Einige Nachtschwärmer stehen fröstelnd herum und reißen faule Witze. Endlich bricht die Sanne durch. Es geht auf sieben Uhr. Nun erst hat man einen Ueberblick über die Zahl der Zuschauer. Es sind weniger als man erwartet«. Ungefähr 20000 Menschen um- säumen dos Feld. Eine Sirene heult auf, und mm kommt Bewegung in die Massen. Die Haltemannschoft begibt sich aufs Feld und nimmt in der Nähe des Ankermastes Ausstellung. Das kleine Parseval-Luftschisf steigt auf und gesellt sich zu den in der Lust brummenden Fliegern. Kurz vor sieben Ahr wird das Lustschiss, dos sich in schneller Fahrt aus nordöstlicher Richtung nähert, sichtbar. Donnernd braust der silberne Fisch über den Flughafen hinweg, ein Fallschirm öffnet sich, der Postbeuicl gleitet zu Loden. Nach einer größeren Schleisenfahrt kehrt der„Graf Zeppelin" zurück, steuert den Ankermast an, das Gedonner der Propeller verstummt, langsam neigt sich das riesige Schisf zur Erde, vierhundert 5)ändc greisen nach den von» Bug HerunierHängendei, Halieiauen. In kurzer Zeit ist der„Graf Zeppelin" am Ankcriops verriegelt, die Kabinen- tllr öffnet sich, in ihrem Rahmen steht, breit und behäbig, seine Herrlichkeit der Koch. Passagiere steigen aus, und dann erscheint Dr. Eckener, der vom Bürge nneister Scholtz, neben dem Polizeipräsident Zörgiebel, Stadivcrordnetenvorstelzer Haß und Stadt- baurai Dr. Adler stehen, begrüßt wird. Bürgermeister Scholtz weist kurz auf die hervorragende Leistung des Luftschiffes hin, er gibt der Hoffnung Ausdruck, daß der„Graf Zeppelin" hoffentlich recht bald alle seine großen Fahrten von Berlin aus antreten möge, die Stadt habe alles getan, um Staaken zum großen Luftschiffhafen auszubauen. Mit freundlichen, kurzen Worten dankt Eckener, dann steigt er mit dem Bürgermeister ins Auto und wird bei seiner Abfahrt von der Menge enthusiastisch begrüßt. Um das gelandete Luftschiff herum entwickelt sich nun ein reges Leben. Der„Graf Zeppelin" wird mit B r e n n st o f f und W a s f e-r b a l l a st versehen, die Passagiere, die an dem Flug nach Hamburg teilnehmen sollen, steigen ein, zischend saust das Wasserstoffgas in den Schiffsleib. Kurz nach neun Uhr gerät der Rieseiffisch wiedcr in Bewegung. Er wird vom A n k c r m o st weggezogen, die Motoren setzen ein, langsam und sicher erhebt sich das Schiff in die Luft. Hüte werden geschwenkt, Toschentücher: auf ollen Gesichten« liegt«in Ab- glänz dieses silbern schimmernden Giganten, dessen Motore über Meeren ihr Lied sangen.„Zeppetin-Brouse! Zeppelin-Würstchen! Zeppelin-Eis!" Longsam leert sich der Flughofen. Zurück bleiben nur noch die Händler mit ihren vielen, vieler» Würstchen und ihren sauren Gurken. Sie sind die einzigen, die der Besuch des Lust- schiffes enttäuscht hat. Dos Geschäft war mies! « Am Abend war der Zustrom der Zuschauer stärker als am Bor- mittag. Das Luftschiff, das am Nachmittag in Hamburg gelandet war, kam kurz vor acht Uhr wieder in Sicht. Es flog einig« groß« Schlesien und landete erst als die Dunkelheit bereits hereingebrochen war. Auch diese Landung ging glatt von- statten. Das Luftschiff, das von Scheinwerfern bestrahlt wurde, war bis in die ersten Nachtstunden hinein das Ziel vieler Schau- lustiger. Bei der Rückfahrt ereigneten sich die in Siäaken üblichen unerquicklichen Szenen, weil die BerkehrsmUtel nicht ausreichten. Der Bahnhof Staaken wurde zeitweilig von der Polizei gesperrt. Bis morgen abend in Berlin. Breite kreise der Berliner Bevölkerung hallen heule vormlltog das Vergnügen, nicht nur das Zeppelin-Lustschiff. sondern auch das größte deutsche Landslllgzeug. die viermotorige Zunkers-Maschine, über den Straßen Berlins kreuzen zu sehen. Die G. 38 kann heute ebenfalls während des ganzen Tages In Slaakenbeslchligl werden. Morgen vormittag 8 Uhr wird „Gras Zeppelin" zu einem Rundflug über Schlesien aussteigen. gegen Abend nach Berlin zurückkehren, die Pasiogiere auswechseln und die heimfahrt nach Friedrichshasen ankrcten. Bei schönem Wetter stieg heute früh um 7 Uhr 2 Min. dos Luftschiff„Graf Zeppelin" zu seiner ersten Berliner Rundfahrt auf. Es sind 38 Fluggäste an Bord. Die Führung hat Kapitän Lehmann. Das"Luftschiff„Graf Zeppelin" hat in der vergangenen Nacht in etwa sechs Stunden rund 7000 Kubikmeter Wasserstoff gas nachgefüllt, um für den großen Tag, der neben einem O st seefluge zwei Berliner Fahrten vorsieht, gerüstet zu sein. Es hat sich erwiesen, daß die Verankerung im Gegensatz zu 1928 ganz vorzüglich geklappt Hai. Während beim letzten Berliner Versuch das Festmachen des Lufffchiffs zwei Stunden und mehr dauerte, gelang es diesmal, den Lusiriefen innechakb van fünf Minuten festzumachen. Nach vorsichtiger Schätzung wrren gestern etwa 5l1k>k>l> Besucher aus dem Flughafen, wozu noch die vielen Zaungäste hinzukommen, hie in der ganzen Umgebung den Flugplatz umlagerten. Bolkspartei hat zwar in dieser Wahl«ine fürchterliche Niederlage erlitten, aber trotzdem will st« nach wie vor die Führung der Regie- rung übernehmen. Trotz der Niederloge, die die Dolkspartei«rsohren Hot, scheint die Einsicht im volksparteilichen Lager noch nicht im Wachsen zu sein. Hugenbergs Erkenntnis. Der„Führer" der deuffchnotionalen Pleiteportei, Hugenberg. hat auch in Sachsen große Tön« geredet und reden lassen. Jetzt, wo das Ergebnis deutschnationaler Politik mit Hokenkreuzsauce klar zu Tag« liegt, darf sein„Montag" offenherzig zugestehen: Die Nationa l s o z i o l i st e n haben aber diese Gewinne nicht etwa aus dem Lager der Sozialdemokraten und Kommunisien nehmen können, wenn sie auch in einzelnen Orten gegen die beiden Parteien erfolgreich vorgestoßen sind. Sozialdemokraten und Kommunisten kehren zusammen mindestens so stark in den neuen Landtag ein. wie sie im allen Landtag vertreken waren. Der aniimarxistisch« Trommslstock ist also in Sachsen zerbrochen. Nur die Trommler um.Hugenberg und Scholz sind dabei nicht unerheblich verletzt worden. Oie Wahlkreis-Ergebnisse. Wahlkreis l Dresden-Vauhen: Vorläufiges amtliches Endergebnis: Sozialdemokratie 332 319 (368 864). Deutsche Bolkspartei 85 389(129 071), KPD. 100 811 (93 667), Wirtschaftspartei 107 258(125 095), Deutschmitionale Bolkspartei 50 826(91554), Landvolk 55 038(65 493), Nationalsozialisten 106 068(36 589), Demokraten 37 667(54 503), Dolksrechtspartei 6897 (11330), Altsozialisten 10 055(20 561), Volksnational« Reichs-Bcr- emigung 30 413, Kommunist tische Opposition 3768(4620), Christlich- Sozialer Dolksdienst 13 967. Wahlkreis II Leipzig: Das vorläufige amtlich« Endergebnis: Sozialdemokratie 257 703 (258 028). Deutsche Bolkspartei 87 982(115 596), KPD. 112 723 (III 093), Wirtschaftspartei 67 145(74 341), Deutschnationole Bolts- partei 28 040(45 702), Landvolk 36 531(38 504), Nationalsozialisten 78 556(25 741), Demokraten 26 779(32 517), Lolksrechtspartei 21093 (28 473), Altsozialisten 3246(776�), Kommunistische Opposition 4477 (8267), Voltsnationale Reichsvereinigung 3538(—), Christlich- Sozialer Voltsdienst 7118(—). Insgesamt sind 734 933 gültige Stimmen abgegeben worden. Wahlkreis III Chemnih-Zwickau: Das vorläufige amtliche Endergebnis: Sozialdemokratie 28 l 305 (295 457). Deutsch« Bolkspartei 53 948(118 781), KPD. 142 016 (141120), Wirffchastspartei 102 299(130 900), Deutschnationale Bolkspartei 45 434(80 550), Landvolk 28 928(36 593), Nationalsozia. listen 192 100(71 468), Demotraten 19 225(28 087), Volksrcchts- partei 16152(30 291), Altsozialisten 5896(11259), Kommumsiische Opposition 6582(9898), Ehristlich�Sozialer Boltsdienst 36 323(—). Volksnationole Reichsvereinigung 6300(—). parlameni in Jenen geschickt. Verschleierte Oiktotur in Aegypten. Kairo. 23. Juni.(Eigendwichl.) Der ägyptische König hat das Parlament zunächst auf vier Wochen in Ferien geschickt und mit seiner neuen Regierung erne vsrschleierte Diktatur errichtet. Inzwischen wurden sämtliche Versammlungen der oppusitionellen Wofd-Poriei, die die Mchrheii im Parlament hat, verboten. In Kairo herrscht eine Art Belagerungszustand.* Dietrich soll helfen. Brüning will ihm die Finanzen geben. Nach der Absage Höpker-Lschofss klammert Herr Brüning sich an seinen Vizekanzler Dietrich, den Demokraten. Er soll jetzt Finanz- minister spielen, nachdem er unier Hermann Müller Ernährung« minister und seit Brünings Amtsantritt ins Wirtschaftsministerium versetzt worden war. Man hat für ihn schon die scherzende Bezei-tz- nung gesunden, er sei der„Dietrich zu allen Ministertüren". Indessen weiß man noch nicht, ob Dietrich wi lT Seine Fraktion will jedenfalls nicht, daß sie mit dem Erbe Moldenhauer; belastet werde. Sie hat heute vormittag getagt und über ihre Meinung keinen Zweifel gelassen. Herr Dietrich selbst ist zur Zeit in Leipzig und konnte auf Brünings Lockung noch keine Antwort geben. ob er trotz der Stellungnahme seiner Fraktion etwa doch ins Finanzministerium hinüberzuwechseln gedenke. Einstweilen führ! Dr. Brüning die Geschäfte Moldenhauers weiter. Ostprogramm im Reichstag. Schiele über die Agrarkrifis. Gelegentlich zu Beginn der heutigen Reichstagssitzung, kurz nach 12 Uhr, ergriff zum Etat das Reichmninisteriums für Ernährung und Landwirtschaft Reichsmmister Dr. Schiele das Wort, um zum Osthllfeprogromm auszuführen: Die deutsche Land Wirtschaft ist trotz ihrer Not von, Geist der Selbsthilf« und vom Glauben an die Zukunft beherrscht. Die Hiobspost einer Rekordernle, sinkende Eierpreise, steigende Bestände«m Futtergetreide, bedrohen die Landwirtschaft aus« neue. Kein System und kern Diktator oxr- mögen aber an den deutschen Grenzen der internationalen A g ra r k r i s e holt zu gebieten. Darum muß der Landwirtschaft im eigenen Lande- geholfen werden. Das Ausland hat den Zollschutz und der Vermahlungszwang erhöht, Preisgarantie und export- fördernde Maßnahmen eingeführt. Inmitten der internationalen Hochschutzzollära, inmitten zusammenbrechender Weltmärkte muß die Aktivität der eigenen Regierung rechtzeitig Hil-e bringen. Die Verfütterung von Roggen ist die einzige mrgen- blicklichc Hilfe. Das Interesse an der Verzchrung von Roggenbrot und der deutsch« Weizenan&au müssen gesteigert werden. Die Regierung bittet um Verlängerung des Vermahlu n g s- zwangsgesetzes. Der Höhepunkt der Roggenkrffe ist durch Roggenverfütterung und Vermahlungszwang überwunden worden und bis zur nächsten Ernte wird die Krise überwunden sein. Schiele spricht bei Schluß des Blattes weiter. Todesstrafe gegen Guttnann beaniragi. Vrerlzknl. 23. Juni. Unler Znsammensassung aller Momente, die für da, Vorhandensein der Acberlegung bei Begehung der Tat zweifelsfrei sprächen. erklärte der Oberstaatsanwalt am Schluß seiner mehr als einstündigen Anklagerede: „Zch hatte es für erwiesen, daß der Angeklagte seine Ehefrau Rosi Ferder ermordet hat. Zch beantrage deshalb folgendes Urteil zu sprechen: Der Angeklagte Frih Gnlmmrn Ist de« Mordes schuldig und wird deshalb mit dem Tod« bestraft. Außerdem beantrage ich. ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit ob- zusprcchen, serner ihn wegen schwerer llrtundensälschung zu sechs Monaten Gefängnis zu verurteilen, die durch die Anlersuchung als verbüßt zu betrachten find." Einheitstarif bleibt! Jtar Omnibus teurer.— Ouhendblock bringt Derbilligung. llmsteigezeit eine Stunde. Der Zlllssichtsral der Berliner Verkehrsgesellschnst hat in seiner heutigen Sitzung endgültige Beschlüsse für die Umgeflallung der Berliner verkehrslarife gefahl. Es wird im wesenllichen zu keiner Verteuerung des bisherigen vcrkehrssyslem» kommen. Trotzdem ist mit Bestimmtheit zu erwarten, doh die vorgenommenen Um- stcllungen die erforderlichen Mehrbeträge von l0 Millionen bis 12 Millionen Mark bringen werden. Das Einheitssystem bleibt ausrechterhallen. Es kann von allen auf alle Verkehrsmittel umgestiegen werden. Der Umsteigesahr- schein bei Strahenbahn und U-Bahn wird wie bis- her 2 5 Pf. kosten. Auch die E i n z c l f a h r l aus dem Auto- Oeutschnationalc und Voltspartei:.Wir hatten den als Helfer engagiert, jeht drückt uns der Kerl ganz beiseite.* b u» wird nicht nerteuert werden: es bleibt bei 25 Pfennig. Dagegen wird dos Umsteigen von Strahenbahn und U-Lohn aus den Autobus und umgekehrt 5 Pf. mehr kosten: ebenso tostet das Umsteigen zwischen den Autobuslinien selbst einen Zuschlag von S Pf. Jiir den Geradeausverkehr(ohne Umsteigen) wird durch die Einführung von Dutzendblocks zu 2.60 Mark eine nicht unerhebliche verbilligung eintreten. Diese Block» werden für Geradeausfahrten auf der Strahenbahn und den Untergrundbahnen ausgegeben. Die Umsteigezeil wird von eineinhalb auf eine Stunde verkürzt, um den Mihbrauch mit nicht»oll aus- xenuhtcn Fahrscheinen zu unterbinden. Die zweite Fahrt muh zeit- lich und räumlich eine A n s ch l u h s a h r t an die erste sein. Zu welchem Zeitpunkt der umgewandelte Tarif in Kraft treten wird, steht noch nicht fest, in Aussicht genommen ist der 15. Zuli. Anschluß garantiert Frieden. Anschlußkundgebung in Klagenfurt. Klagenfurft 22. Juni. Die Tagung des Oesterroichisch-Deutschcn Volksbundcs in Klagen- fürt erreichte ihren chöhepunkt in einer im Landhanshof veranstalteten Aus chl u h k u nd g eb u n g..zu der sich die Kärntner aus Klogenfurt und Umgegend in großen Massen eingefunden hatten. Bürgern»eister Dr. Bercht begrüßte die Teilnehmer und die zahl- reichen Ehrengäste, worauf als erster Redner Reichstagsabgeordneter Irlach das Wort ergrijf, der zunächst die herzlichsten Grüße vom Rrichtaqspräsideiltcn Lobe und vom Vorstand des Oestcrreichisch- Deutschen Dolkslmndes in Berlin übermittelte. Stürmischen Beifall rief die Mitteilung hervor, daß der Volksbund in Deutschland gerade jetzt für das in Körnten geplante Abstimmungsdenkmal eine Sammlung eingeleitet habe. Der Redner wies die namentlich in Frankreich lautwerdcnden Behauptungen, daß die Anschluß- Propaganda«ine Bedrohung des Friedens fei. mit allem Nachdruck zurück und betonte, daß vielmehr«in Zusammenschluß Deutschlands und Oesterreich eine Garantie des Friedens in Europa darstellen würde. Reichsrot chamecher-Köln von der Zentruinspartci zog einen Vergleich zwSfchcn Kärnten und dein Rheinlande und besonders zwischen ihren Kämpfen um die Freiheit. Der Obmann des'öfter- leichifch- deutschen Volksbundes. Dr. Neubacher, kam auf den Europa- plan Briand» zu sprechen und erklärte, daß nion die Idee Brionds solange ablehnen müsse, als sie auf der ilnoerletzlichkeit der durch die Friedensverträge errichteten Ordnung beruh«. Als Vor- vcreitung für den Anschluß trat Dr. Neubacher dann für einen wirtschaftlichen Zusammenschluß zwischen Deutschland und Oesterreich ein, für eine Zollunion jcns-is der allgemeinen Meist- begüirstigung. Ein Handelsvertrag wie der kürzlich abgeschlossen« köm«: nur enttäuschen._ Eisenbahnunglück in Mainz. Dreißig Reisende leicht verletzt. heule vormittag ist ein Personenzug vor dem hauptbahnhos Mainz aus einen beladenen Güterzug ausgefahren. Hierbei wurden dreihig Reisende verletzt. Der Vahnhossarbeiler h a s s l n- ger aus Mainz wurde mit einer Gehirnerschütterung ins flädsilche Krankenhaus gebracht. Die Leichtverletzten wurden nach soforllgcr ärztlicher Behandlung entlassen. Dos Gleis Mainz— Alzey war zwei Stunden gesperrt. Die Untersuchung ist eingeleitet. Vefreiungsfeier des Berliner Reichsbanners. Der Gauvorstand Berlin-Brandenburg des Reichsbanners Schwarz-Rot- Gold veranstalte» am Montag, dem 30. Zum, um 20 Uhr. im eustgarlen eine große republikanische Kundgebung aus Anlaß der endgültigen Befreiung des Rheinlandc». Zur Teilnahm« an dieser Feier werden die rcpu-� bll konischen Parteien und die Republikaner Verlins ausg«? njfen. Mitteilungen über die Ausgestaltung des Programms werden in den nächste« Tagen bekanntgegeben. Robert Winierberg gestorben. Der bekannt« Operettenkomponift Robert Winterbcrz ist gestern ttn Alter von 46 JVihrcn an einem Lungenleiden auf einem Gut In der Iiart Msstooben...Der Günstling der Zarin",„Die Dame in Rot*. And.Anneliese van Dessau" juw seitio Hauptwarde. „Neue Musik Berlin 1930" Musik- Technik- Sesellschast. „Neue Musik Berlin 1S30"— der Name besagt nichts von dem besonderen, wodurch sich diese Veranstaltung von anderen Musiker» tagungen, von Musiksesten und periodischen Musikdarbietungen grundsätzlich unterscheidet. Um neu« Musik und ihre Vorführung hat e» sich in diesen vier Tagen gehandelt. Doch mit betonter Aus- schließlichkeit n u r im Hinblick auf ihr Derlzältnis zur Umwelt des Musikers, zur heutigen Wirklichkeit, zum Nichtmusiker: Musik i,n Hinblick auf die Gesamtheit der Bedingungen, unter denen sie sich in der Gegemvart entfaltet— oder richtiger, in Zukunft wird entfalten müssen, um im deutschen Leben ihren Platz als Kulturfaktor und allgemeine Kunst zu behaupten. Worum geht es? Ammer und immer wieder um das Thema .Linsen im Musikleben der Gegenwart". Das Thema, allzu aktuell geworden, hat jüngst, man erinnert sich, gelegentlich der Königs- berger Tagung des Allgemeinen Deutschen Musikvercins im Vorder- grund des Interesses gestanden: nun war es, als würde die Königs- bcrger Debatte in Berlin praktisch sortgesetzt. Ohne Verabredung selbstverständlich und ohne organisatorischen Zusammenhang. Dem Wort folgt« die Tot, die Klagen der noch abseits Verharrenden löst der aktiv« Versuch ab: der entschlossene Versuch, das Leben zu«robern, anstatt sich von seinen veränderten Formen unterkriegen zu lassen: Vortastendes, vorstoßendes Experiment, Versuch des Künstlers, sich mit den gestaltenden Kräften der Zeit zu verbünden und sie in den Dienst seiner Kunst zu zwingen: die Kräfte der neuen Technik und derneuenGesellschast. Musik und Technik, Musik und Gesellschaft, unter dem Gesicht»- punkt solcher Zweiteilung läßt sich bei rückschauewder Betrachtung der Stoss gruppieren. Musik und Technik, ihre Verbindung im Ton- film hat seltsamerweise im Programm gefehlt, bleiben also die Gc- biete der Schallplatte, des Rundfunks und der elektrischen Musik. Nicht technische Versuche wurden gezeigt, sondern Kunstlerversuche, Musikerversuche in technischen Bezirken. Sie durften, da» liegt im Wesen jedes„Versuchs", noch unfertig sein, unfertig im Ergebnis. Zum Teil leider schienen sie es auch in sich selbst zu sein: unfertig als Borführung oder noch nicht voisührungsreif, gor zu eilig ins Werk gesetzt, ein bißchen wie improvisierend. Die fruchtbar« und gewiß begrüßenswerte Grundidee der Veranstaltung hätte sich»och überzeugenlier durchsetzen lassen, wäre ihre Durchsührung gründ- iicher vonbereitet worden. Das ist kein Vorwurf, sondern ein Be- dauern: und jedenfalls eine notwendig« Feststellung. Ein Abend war der elektrischen Musik gewidmet. Ein in der Form wenig glücklicher Vortrag des Erfinders Friedrich Trautwein belehrte die Hörer über die„technischen Grundlagen elektrischer Musikinstrumente"— der Musikinstrumente nach dem System Trautwein und Siemens. Bei den vorgeführten Original- Kompositionen ergab sich ein Bild unabsehbarer Zukunstsmdglich- leiten, insbesondere, was den Klangfarbenreichtum und die dyna- mische Spannweite des elektrischen Instnunsents betrifft: und er- staunlich diese Fähigkeit polyphonen Musizierens, wenn mehrere Spieler sich zu einer Art elektrischem Orchester verbinden.„Original- kompositionen"— der Name und Begriff scheint freilich verfrüht: für die vorgeführten Versuche hätte sich ebensogut vorhandene Musik verweichen lassen, wenn dies« eigens dafür geschriebenen Stücke auch von beliebigen anderen Instrumentengruppen wiedergegeben werden kvirnteno-Also, von einer neuen Kunstgattung der elektrischen Musik kann einstweiten noch keine Red« sein. Auch die Schallplottennersuche hoben den Beweis nicht erbracht, daß sich mit Hilf« der Schallplatt« in der Tat neue künst- lerische Möglichkeiten gewinnen ließen. Es handelte sich um eine Reihe von Trickaufnahmen, mit deren Hilf« eigenartig« Klang- Wirkungen erzielt werden. Es gab da überraschende Essekte, durch Uoberblenden, Einkopiereb und ander« Kunstgrissc erzeugt, lustige und humoristische Eindrücke, und es wirkte wohl eher wie ein gelungener Scherz, aber aus dem Scherz ist noch kaum Ernst ze- wanden. Sehr ernsthaft sind dagegen, wie wir wissen, die Be, mühungen der heutigen Musiker, den Runds unk ol» künst. lerisches Instrument zu gewinnen. Ihx Ziel ist das vom Musiker inspirierte Rundjundhörspiel. Davon sind zwei Proben gezeigt worden:„Orpheus 1930/31" und„Sabinchcn". Aber es begab sich das Erstaunliche: die Rundfunkübertragung im Konzertsaal der Hochschule für Musik war!bei dieser von ihrer Rundsunkper-� suchsstelle gebotenen Versuchsveranstaltung so mangelhast, daß man sich entschließen mußte, das zweite Dzörspiel„Sabinchen", in konzcrtmäßiger Form zu wiederholen, wobei denn der optisch« Ein- druck, sozusagen der Einblick in die Rundsunkkulissen, für Wirkung und Erfolg das Seine tat.„Orpheus" wäre wohl auch in der besten Wiedergabe ein Mißerfolg geworden. Als Lösung eines Problem», das die gesamte Rundsunkwclt beschäftigt, sind diese beiden Hör- spiele wohl nicht zu betrachten. Uebrigens wurden sie In Berlin durch Rundfunk übertragen: unser« Leser wissen Bescheid. Rundfunk und Musik— das Thema geht uns nicht nur in tech- nischer Beziehung an: wichtiger rst uns die soziale Seit«. Denn der Rundfunk ist-heute vielleicht dos wirksamste Mittel der Musik- Verbreitung. Damit bildete er den Uebergang zu der Gruppe von Gegenständen, die uns unmittelbarer bcrührt: die Musik in ihrem Verhältnis zur Gesellschaft, zum mutierenden Volk, zum Musik- konsumenten. Die Arbeit galt der neuen Gestaltung de» Lieb- Haberchorgesangs, des gemeinschastlichcn Laien- m u s i z i e r x n s und der Musik im Leben des Kindes. Man hört«(ehr ernsthafte Versuch« des Ehorliedes auf moderner Grundlage, immer mit der ausdrücklichen Bestimmung, dem Ge- brauch in Liebhaberchören zu dienen. Als Form eines laienhaften Gemeinschaftsmusizierens wurde in zwei wertvollen Beispielen— „Das Wasser" und„Der neue Hiob"— eine neue Art von Kantate zur Diskussion gestellt: der Name„Lehrstück" sagt, was gemeint ist: die Stücke sollen nicht konzertmäßig ausgeführt, sondern— und darin erfüllt sich ihr Lehrzweck— gemeinsam erarbeitet werden. Vielleicht die wertvollsten Eindrücke und Anregungen brachte der letzte Nochmittag:„Spiele und Lieder für Kinder". Hier waren wirklich ersreuliche Ansätze zu einem neuen Ton und Stil. Und e» wäre Täuschung, zu meinen, daß es nur die vergnügte Stimmung der mitwirkenden Kinder gewesen, die sich den erwachsenen Zu- Hörern und Zuschauern mitteilte. Man hatte allen Grund, sich zu freuen, wie hier eine Sache mit Talent und Verständnis in Angriff genommen ist. Die Namen der Komponisten— sie tun nicht viel zur Sache. Nicht um Kunstwerke, um die Produktion schaffender Künstler ging es. sondern um ihr«— zum Teil gewiß erfolgreiche und in jedem Fall dankenswerte Mitarbeit an neuen Aufgaben. Es genügt,«inen Namen zu nennen: Paul H i n d e m i t h. Nicht nur, daß fein Spiel für Kinder„Wir bauen«ine Stadt", der größte folg der Tagung war: der herzliche Beifall galt der vorbildlichen und in ihrer Art beispiellosen Sachlichkeit, mit der di»s«r arriviertest« der jüngeren Komponistengeneration sich, anspruchslos bescheiden, ganz der praktischen Arbeit und der Forderung des Tag«, wihmst. Ihm und seinem organisatorischen Mitarbeiter, Pros. Schünemann, hoben wir vor ollem für das Ergebnis dieser vier Tag« zu danken. Klaus PringiHeim. Film, Rundfunk, Volksbühne. Oer letzte Tag des Welttheater-Kongresses. Sonderbericht für den Abend) Hamburg, 22. Juni lültz. Der vorletzte Tag der Hamburger welttteaterbundes- oersammlung war mit Referaten nnd Diskussionen über Film- und Rundsunksrogen ausgefüllt. Au» einem Referat Dr. Böhm» ist hier die Mitteilung zu er- wähnen, daß der Rundfunk beim deutschen Publikum die entschiedene Vorliebe für stumme, einheimische Film« ergeben hat. Für die organisatorische Entwicklung des Filmwesens in Frankreich zeugte der Bericht Charles Burquet über den Vortrag, der kürzlich zwischen dem sranzösischeiy Filmautorenverbande und der franzö- fischen Spitzenorganisotion des Filmwesen» abgeschlossen worden ist. Im Funkhausc der Norog referierte der Berliner Funtinten- dant Dr. Fl« jch über die Erfahrungen im Hörspiel, während Paul G s« l e seine Ersahrunge» als Leiter de»„.Journal parle", der besprochenen Zeitung am Eiffelsunk darlegte. Gsele forderte eine internationale Regelung des Funkwesen» und machte sie zum Gegenstand einer Resolution." Das Gastspiel der französischen Schauspieltruppe, das durch ein« geistvolle Plauderei Tristan Bernards eröffnet wurde, fand vor ousverkauflem Hause statt. Obwohl die Dimensionen des Hamburger Stodttheaters dos Verständnis der drei Einakter— von Bsrnard, Cocteau und Jules Renard—, die, weit mehr als das russische Theater auf sprachliche Wirkung beruhen, erheblich erschwerte, spen- det« da» Publikum den verdienten Beifalh In der Schlußsitzung des Kongresses wurde, nach einem Vortrag Leopold I e ssn e r s,«ine Reihe interessanter Ansprachen gehalten, aus denen u. o. hervorging, daß in de» Vereinigten Staaten neuerding» rege Bolksbühnenbestre- bungcn im Gange jtnd, daß sich in Rumänien eine Landes- grupp« de« Welttheaterbundes gebildet Hot und daß das ncugegrün- dete österreichische.Lomitee für Kunsterziehung" sich den Bestre- bungen de» Welttheaterbundes zur Verfügung stellt. Au, einem Bericht Paul B la n cha r t Sxging hervor, daß die soziale Gruppe des Bundes«in Aktienkapital von einer Million Mark für«in„Haus des Theaters" in Paris- bcschofst hat, dos im kommenden Frühjahr eröffnet w«rdcn soll. Unter solchen Umständen wäre es durchaus gerechtfertigt, wenn der nächstjährig« Kongreß wieder in Paris tagte, und den Einladungen noch Bukarest und Wien erst in einem späteren Jahre stattgegeben würde. Bis sich entschieden haben wird, ob die vor einigen Jahren gegründete deutsche Gruppe des Wclttheater- bundäs, die bisher nicht in praktische Erscheinungen getreten ist. ihre übernommene Aufgabe durchführen kann, Hot sich in Homburg«in provisorischer Ausschuß für die laufenden Arbeiten gebildet. Es ist zu hoffen, daß Firmin Gömier, der Gründer und Präsident der„Sociötä Universelle de» Ihögtre" mit dem Vertrauen in die Zukunft seines Werkes recht behält. Wohl ist größere Knnkre- tisierung der Ausgobestellung und sorgsältige-Vorbereitung der Kongresse dringendes Ersorderni», doch ist die internationale Aus- rjprache der- Theaterleute bei den Tagungen, des Bundes fowia dejjeu Mission als Kontroll- und Iördcrungswcscn des internationa�n Bücheraustausches sehr wichtig, um durch übertriebene Kritik jeirrr bisherigen Fehler in seinen segensreichen Möglichkeiten beeinträchtigt werden zu dürfen. Hans Adalbert von Malzahn. Ltihmann- Gedenkfeier in Wuppertal. Am Sontag jährte sich zum zehnten Mole der Todestag non G. Ad. Ulhmann. In Wuppertal(Barmen-Elberfeld), der Hei- mat de» Arbeiterchorkomponisten Uthmann, errichtete der Deutsche Arbeitersängerbund seinem Vorkämpfer einen Grdenksttin, einen Obelisk, der das Bild Uthmanns im Relies trägt, der am Sonntag der Stadtverwaltung Wuppertal übergeben wurde. Aus dem Rheingau, dem westlichen Westfalen, waren über 12(WO Sangesgenossinnen und-genossen herbeigekommen, da- An- denken Uthmanns durch Wiedergabe seiner Chorgesänge zu ehren. Nahezä sämtlich« Gaue des DAS. hatten Vertreter zu dieser Free entsandt. Aue der Schweiz kam Genasse Professor Robert Seidel, der bekannte Arbeiterdichter, aus Holland Genosse Krelage, Vorfitzcn- der des Holländischen Arbeitersängerbundcs. Reichstagspräsident Genosse Löbe, die österreichischen und deutschen Verbände der Tschechoslowakei sandten— unter vielen anderen— Gedenktele- gramme. W. H, Protest gegen proletarische Tanzgruppe. Münch««», 23. Juni.(Eigenbericht.) Die heutige Vollversammlung des Münchener Tänzer« kongresles wurde«rösfnet mit der Erörterung eine» Vorsallc», der sich am gestrigen Sbnntag während des Austreten, der L e i p- zigcr proletarischen Laiengruppe„Der Tanzring" ereignet hat. Das von den Leipzigern vorgeführte Tanzspiel be- handelte das Thema„Moderne tänzerische Jugend im Kontrast zum Spießertum". Ein Teil des Publikums hatte darin eine ihm un- sympathische Tendenz gesehen und sehr lebhast dagegen protestiert. Ein Mitglied der Kongreßleitung hatte zur Beruhigung eingegriffen »nd— den Skandal vermehrt. In der heutigen Kongrcßversamm- lung erfolgten dann Erklärungen, die die peinlichen Vorgänge teils auf Mißverständnisse zurückführten, teil» als Mißgriffe eingestanden und zu entschuldigen baten. j,<; Autounfall auf dem Münchener Tänzerkongreß. J. S München, 23. Juni. Einige Mitglieder des Ballettorps unserer Charlotten- bürg er Städtischen Oper, die am Sonnabendabend ein« Autofahrt in die Umgebung Münchens unternehmen wollten, er. litten«inen Zusammenstoß mit einem andern Auto. Sämtlich« An. sassen des Gefährts wurden verletzt, einige so schwer, daß sie in» Krankenhaus gebracht werden mußten. Darunter die betonnt« Tänzerin Erna Sydo«, die am Sonntagoormittag in der Auf- fuhrung der„Coppelia" ein- wichtige Rolle tanzen sollte. In der Not sprang die Balletmeisterin Maudrik für sie ein. die. selber durch lleberarbeitung nervenkrank, die Partie tapfer durchführte, aber nach Beendigung der mit stürmischem Beifall aufgenommenen Vorstclluna ohmnächtig zusammenbrach. Nebenregierung der zweiten Armee Kaschistendrohung in Kinnland- Oer Kommunismus als Vorwand hclsingjor», 23. Juni. Dos sonst so ruhige FinnlanÄ l«nkt in den letzten Tagen oie Slufmerksamkeit der Welt auf sich, indem Plötzlich alarmierende Nachrichten gegen die„kommunistische Gefahr" von einer spontanen Volksbewegung bekannt werden. Krasse innerpolitische Gegensätze tun sich plötzlich da auf, wo man bisher nur von einem sleitzigen, schweigsamen, noodischen Volke mutzte, das einsam und zufrieden in seinen Wälaern lebte. Die bürgerliche Presse weitz erhebende Dinge von den wackeren Patrioten von Lappa zu melden, die sich zu einem Marsch nach jjelsmgsors aufmachen wollen, um die schlappe Regierung KoUio zu einer energischen Aktion gegen die Gefahr des Kommunismus aufzumuntern. lind man läßt es nicht an Lobreden fehlen auf Sie biederen Mannen, die so das Vaterland reiten wollen. Leider sehen aus der Näl)e diese Dinge etwas anders und weniger romantisch aus. Die Störungen der öffentlichen Ruhe und Ordnung, durch die jetzt die Welt auf Finnland aufmerksam ge- worden ist, sind ausschlietzlich von Rechts her erfolgt. Die Zerstörung von Druckereien, gewaltsame Entführungen, Schlägereien und Demonstrationen, all diese Heldentaten sind auf da« Konto einer radikal-nationalistischen Bewegung zu schreiben, die unter dem Deckmantel des„Kampfes gegen den Kommunismus" ihre eigenen machtpolitischen Ziele verfolgt. Heute gegen die Kommunisten, morgen gegen die Sozialdemokraten, über- morgen gegen die bürgerlichen Freiheiten der demokratischen Republik: Man kennt dieses Rezept und ist gewarnt. Es ist richtig, daß der Kommunismus in Finnland einen ge- wissen Boden hat oder vielmehr hatte, denn seine Blütezeit«st auch hier vorüber. Aus unterirdischen Quellen jenseits der nahen Ostgren.ze gespeist, konnte er bei den Parlamentswahlen des Jahres 1922 einen gewissen Erfolg verzeichnen, indem damals 27 Vertreter der öutzersten Linken in den finnischen Reichstag kamen(bei 52 Sozialdemokraten). Eine legal« kommunistische Partei gibt es in Finnland nicht, die Bewegung tritt aber unter anderen Namen ziemlich offen hervor. Seit 1922 sinkt die Kurve dauernd und im letzten Parlament gab es nur noch 29 Kommunisten gegen 69 Sozial- demokraten. In der Zwischenzeit sind aufs neue ganze Gruppen und Organisationen zur zweiten Internationale zurückgekehrt. Immerhin besitzen die Kommunisten auch heute nach eine gewisse Press«, Volkshäuser und Parteizellen in verschiedenen Organi- sationen, aber von einer wirklichen Staalsgesahr kann keine Rede sein. Die sinnische Arbeiterschaft ist in ihrer großen Mehrheit in den Ge- werkschaften und der Sozialdemokratischen Partei organisiert und ausgezeichnet diszipliniert, ganz zu schweigen von den Machtmitteln des Staates. Die Kommunisten provozierten durch ihre Presse und ihre Redner jedoch Zusanrmenstötze mit den bürgerlichen Elementen und hoben damit nur erreicht, daß die Reaktion Trümpfe gegen die Demokratie in di« Hand bekam. Sank die Ku?ve der Kommunisten unaushalts.rm seit einer Reihe von Iahren, so stieg die Welle der nationalistischen Reaktion um so bedrohlicher und droht jttzt die Dämme der Verfassung zu brechen. Eine Hauptstütze der sinnischen Reaktion waren von jeher die Schutzwehrverbände, eine Art Bürgergarde, etwa de« einstigen Zeitfreiwilligen in Deutschland vergleichbar. Sie spielten in den Besreiungskämpsen Finnlands eine bedeutsam« Rolle, haben sich aber im Laufe der Friedensjahre zu einem porteipoli- tischen Machtinstrument in der.Hand gewisser großbürgerlicher und reaktionärer Kreise entwickelt. Die finnische Sozialdemokratie hat schon immer auf die höchst bedenkliche „Rebenregierung" dieser..zweiten Armee" hingewiesen und ihre Entwaffnung verlangt, aber vergebens, die bürgerlichen Parteien, soweit sie nicht offen die Schutzwehr unter- stützten, glaubten nicht an eine Bedrohung der Verfassung. Heute ist das wichtigste Zentrum der Schutzwehr, oie Provinz Oesterbotten und ihre Hauptstadt L a p p o, auch dos Zentrum der„anti- kommunistischen" Bewegung und die Männer von Lappo sind es, die zum Marsch auf Helsingsors rüsten. Eine andere treibend« Kraft ist auch oie jungfinnische Partei, um deren krassen Nationalismus sich Studenten und Halbgebildete sammeln. Dieselbe Partei, deren unreife Anhänger sich heute aus der Kommunisten- jogd einen Sport»rochen, hat schon mehrfach die Rechte der schwedischen Mmderheit in Finnland bedroht. Militärs, Studenten, Großbürger uno Großbauern sind also die Träger dieser reaktionär-nationalistischen Bewegung, die unter dem Deckmantel des„Kampfes gegen den Kommunismus" enge parteipolitische Ziele, am liebsten die Aufrichtung der faschistischen Diktatur, anstrebt. Schon enthüllt sich ja der wahre Charakter dieser Patrioten mehr und mehr, so gibt es z. B. bereits «ine„schwarze Liste" der zum Tode verurteilten, aus der nur zur Hälfte Kommunisten, im übrigen aber Sozialdemokraten und andere Arbeiterführer stehen. Die Verschwörer von Lappo rüsten ganz öffentlich zum Marsch gegen Helsingsors, predigen den Bruch der Verfassung und. die Auf- richtung der Diktatur. Inzwischen jagen die jugendlichen Rowdys schwer bewaffnet durchs Land und inszenieren Entführungen, Schlägereien, so daß man von Chikagoer Zuständen in Finnland sprechen kann. Dem allen schaut die Regierung Kallio untätig zu. Kein einziger der jugendlichen Uebeläter ist ver- haftet worden, man hört nichts von Maßnahmen gegen jene Männer, die draußen in der Provinz offen zum Sturz 0er Regie- ning und Zerschlagung der Verfassung aufsordern. Dabei marschieren die aufgehetzten Massen in voller Bewaffnung durch die Städte, exerzieren wie zum Gefecht, treiben Arbeiterversammlungen auseinander, zertrümmern Häuser und fühlen sich vollkommen sicher„Die demokratische Republik Finnland hat aufgehört zu existiere n". so schreibt heute dos Organ der finnischen Sozialdemokratie. Roch holten die Führer der Reaktion, wie der siebzigjährige Senator Swinhufvud, der Grundbesitzer Viktor K o s o l a die Massen zurück, denn die Entscheidung soll erst am 1. Juli fallen. An jenem Tage tritt der sinnische Reichstag zusammen und bis dahin hat die Regierung noch eine Atempause. Möge sie diese benutzen, um die Stootsautorität zu stärken, die Verfassung zu sichern und das Land vor Schlimmeren und Schlimmsten zu bewahren. Kundgebung der Nordwestecke. Gegen die Herabsehung der Meiallarbeiierlöhae. Bochum, 23. Juni.(Eigenbericht.) Der Deutsche Metallarb eitcrverband, Bezirk Essen, hielt am Sonnwg im Essener Saalbou eine große, von 1599 Funktionären besuchte Kundgebung ab. Das Borstandsmit- glied des DMV., R« i ch e l t- Stuttgart, erläuterte oie Lohn- fenkungsaktion und kennzeichnete sie als eine von der Regierung i'nlerstühte Dividendenpolitik des Unternehmertums, sowie als eine Täuschung der Oesfentlichteit. Der Eisenpreis hätte auf Grund der Weltwirtschaftslage ohnehin gesenkt werden müssen. Die weiteren Ausführungen Reichelts fanden ihren Niederschlag in einer umfang- reichen einstimnKz angenommene« TntschlZeßnng, in der eh u. a. heißt: „Die Konferenz des Tarifgebiets Nordwest protestiert ent-c schieden und feierlich gegen die Verbindlichkeitserklärung des sozial und wirtschostlich gleich verderblichen Schiedsspruchs iu Oeynhausen. In rechtlicher Beziehung fordert die Konferenz die Abschaffung des Schiedsspruchs im Namen des DMV. Der Schiedsspruch de- s e i t i g t die im Einklang mit der Entwicklung der Tarifverträge inl der Metallindustrie vom Sonderschlichter Severing eingefügte Sicherungsklausel für die Akkordarbeit, die sich in fast gleichem Wortlaut in etwa 89 Proz. der Tarifverträge der Metoll- industrie befindet, ahne daß sie von den Metallindustriellen ernsthast angesachten wird. Damit ist der willkürlichen Festsetzung der Akkord- und Prämiensätze Tür und Tor geöffnet. Die Beseitigung der Akkordsicherungsklaufel ist zugleich ein unzulässiger Eingriff in die innere Struktur der Tarifverträge der Metallindustrie überhaupt. Um so bedauerlicher ist es, daß der aus christlichen Gewerk- schastskreisen hervorgegangene Arbeitsminister Stegerwald den Schutz der Schwachen gegenüber dem wirtschaftlich Stärkeren und einheitlich organisierten Unternehmertum in dieser Zeit beispielloser wirtschaftlicher Depression preisgegeben Hot. Durch die Verbindlich. keit des Schiedsspruchs werden die Interessen der im Tarifgebiet Nordwest beschäftigten 299 999 Metallarbeiter erheblich geschädigt. Darüber hinaus können auch 0i« Interessen der etwa 899 999 Akkord- arbeiter der Metallindustrie im übrigen recht nachteilig beeinflußt werden. Die Konferenz empfiehlt den vom Schiedsspruch betroffenen Arbeitern die entschiedenste Ablehnung der neu angesetzten Akkord- und prämiensätze."_ Gonnenwendfeier der Freien Gewerkschastsjugend. Wie alljährlich vereinte sich auch diesmal die freigewer�chofllich organisierte Jugend Berlins zu einer Sonnenwendfeier im Frellicht» theater im V o l k s p o r k Jungfer»Heid«. Viele Jugendliche kamen wanderbereit, mit Rucksäcken beladen, vom roten Wnnpel gi» führt. Es sollte auf Fahrt gelx». Draußen sollten die Holzstöße in die warme Sommeriwcht auslodern, die lebenspendende Sonn«. das Licht der Freiheit zu grüßen. Die stimmungsvolle Feier war ein schöner Auftakt für solches Sonenwendjest. Ein Waldhorngnartett von Schülern der staatlichen Musikhochschule, der Berliner Volkschor unter Dr. Zanders Leitung, der Sprech- und B e we gungschor der Freien Gewerkschastsjugend Berlins brachten Darbietungen. Be. geistert und ausdrucksvoll sprach Martha John Ludwig Lessen» Verse vom„Heiligen Feuer". Mit dem gemeinsamen Gesang der„Internationale" sollte die Veranstaltung schließen; aber niemand wich. Vom Volkschor wurde noch der Hymnus„Brüder, zur Sonne, zur Freiheit" angeftimmr, dessen vier Strophen von allen mitgesungen wurden Die amerikanische» Touristenausgaben in Ilebersee— die vor allem in Europa— werden für 1929 vom amerikanischen Handelsamt auf über 2 Milliarden Mark geschätzt. Der verein Berliner Künstler und das Museum für Leibes» Übungen laden die Kreis- und Gauvorsitzenden der Unternehmer« organisationen der Verbände in der Zentrolkommission für Arbeiter- ,zi spart und Körperpflege zu einem Vortrag des Reichstagsabgeordneren Schreck und zu einer Führung durch die Ausstellung„Der' Sport als Kultursattor" im Künstlerhaus, Bellevueftr. 3, Dienstag, 24.*5uni, 18Vj Uhr, ein. BJcHcr für Berlin: Teils heiter, teils wolkig, Temperaturen etwas niedriger, Neigung zu lokalen Gewitterregen. Für Deutsch- land: Im Nordosten noch keine Aenderung, sonst wolkig bis heiter bei etwas tieferen Temperaturen; strichweise Gewitterregen. Verantwortl. für die Redaktion: Wolfgang Dchwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. H., Berlin. Bruck: Vorwärts Buch» druckem und Verlagsanftalt Paul Eingcr Sc Co.. Berlin ED S8, Lindenftrafte Z. Hierzu 1 Beilage. Reichshallen-Theater |T| Uhr Das wundervolle Juni-Programm der Slettifler Sänger Tel.; Zentrum 11263 Winrer * uarten* 8.13 nur Zeatr.2818 Banftn criunt Wieder allein. 8 in Berlin noch nicht gereigte Hsoheiten und»eiter» 4 Attraktieoen ROSE •Theater Große Frankfurter Str. 132 Billcttkuae: Alex. 3422«. 3494 TJglich 8.15 Uhr JrmwieMrdieainaQf ■lt Traut», Paul» WNU Auf dar Gartanbdhna tlglich da« Rlaianprogramm: sä(Sonntags B Uhr) 9 Variettnummern und 8� Uhr: „Lene, tolle. Liese" mit Olltars. Hotar, Karatam. Pyrmont, Kanluh u. Han» Raa«. Voranxeige: Rosenfest im Ro$e-6arten 6.-9. Juli. Vorverkauf ab morgen früh um 1 1 Uhr. Im Innenthcntpr ab 30. Juni ,fT>l«•ndere Seite'* mit Robart Müllar. Paul und Willi Rott. Dönhoff- Breill(Saal und Garten� Variete- Konzerl— Tanz Fheaterl. d. Behrenstr. 53-54 SVa U. A4 Zentrum 926-927 8*h U- Direktion Ralph Arihar Roberft Mein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Robs LiiUzooioo. Gartet Ab 4 Uhr DAdwiUlat» BROSSES KONZERT Täglich: T«az im Freien Auf d. Schausiellungsplatz »1000 Krokodile" Afjnsrlam— Aquarium TlerkungUAuaatel lunj VolKsbttbne Thsatr am Rlkiwplatz. Uhr Julius Caesar Itaiii: Ruf Itiini Maifii Staat!. Sdiiller-Th. 8 Uhr DcrTraom ein Lcftcn Staatsoper Am PI. d. Republik 8 Uhr Salome Melropol-Th. Täglich SVj Uhr mit Dir allein aut einer einsamen Insel Michael Bohnen Dir. Dr. Msrtio Zickel Komische Oper Fried richstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8'b Uhr liebe and Trompeten- blasen !ckil!�»«l,n«i,r ✓ Finkltt Jikrbadt ✓ Haid-- Wmn Iheatüf d. Westens Täglich 8V2 Uhr: Der Beiieisiiidenl Direktion Dr. Robert Klein Deutsches KBnstler-Theil. 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Karl Zallai mll 36 MlfTlrkendM flroDes Ralieekomen Eintrinspreis von 30 PL an. hsSIWjd Saroowskj-BotiDen TU Ml er in der Stressmannstr. 8V4 Uhr Napoleon greift ein tdd Wilter das»Kleyer Regie: fitlor Bamowsky Komödienhaua SV« Uhr IdeiDe Sdiwester und id) Musik y. Ralph Benalzkj Teeat. a. Ketu.Tai Kottbuser Sir. 6 XL mit Herta Loewe der deituben Nachtigal! Alexanderplatz Neue K6mg«tr.43 Pampen RShren. Flltei. Erseiitclie PrelilUt« nrafli HoblanktCo. Pumpenfabrik BERLIK H 6B. RtlnidiEiidorttt Str. 95 BETRIEB/ KEMPINSKN iERUNER UM iOMMERSCHAU 1930 FUNKTÜRMHSLLEN IM UISEROIIMM TÄGLICH S S UHR GEÖFFNET ob 7 Uhr(ousaer Donneritags) bei Butem wie ichlechtemWetter Konzert der SerllnorSlnfonlo Orr hesters Dir.: DR. HELLMUTH THIERFELDER Direktion: Dr. Martin Zickal Komische Oper FneUriclistf.1 04. Markör 1401,4330. Täglich 8'b Uhr Liebe und Trompetenblasen Schulz /Wcstermeier/ Finkler Jahrbeck/ Haid/ Behrisch Möbel äRäbtllöufar metft Arrkit und bar Mabrlbaaar, aroh« Auswadl. Ne,»« Prrile! »lilpialawril«! Cchlakimmar 435,—.>Si>«>f«3immcr 5L7,—, Lrirrnaimmcr 389,—, Evirnal» Ichränkk 118.—. Dielrnaarmtur 38.—. «ntidncEUtbe 99,-, äRcfrinabatlftea« 66,—. AlcibctfditänEe 48.—. ffbaife- longucs 28,—, Äliaialldallstrll« 18,—, Buficotmattatir 13.— Gonftidf Möbel onaenuficue greife. ScilMblunq auf- fdifanfcci. JEodicn raten. Manataratcn. Raffaraoatt bis aebn Proarnl. aud) auf i!naalilun«cu. Aicinc aud) ohn« ür.Mb- lunotn. Rrrbite bis»twi Jahre. 9UicR. atns. Aotaloa franlo. öauptaefdläit; Sltolifc. SdiloRftcake 107; 2.(Scfdiüfl: SicuEblln, Setmannploh 7: 3. rStfdiäft: Belle. Alliance-Elrafte 95,—. Untecacunb- bahn: 4.(Scfdiäft; Ediönebcta, feauu;- fttaftt 140, atatnübet bouptroft: 5.©r. fdiäft: flottbuflcc Etrake 23. atacnUbcc Clitefänatc.____• «atentmotrogen.PftmiMma'" Me. taHbettcr� 9luf;eaematraäcn, Chaileion- pufä. äBaitrr, etocaarbttfltog« odit- atbn. Rein Laden.• Musikinstrumente tmtpjanoi, überaus vrelSwecl. fabrif Link. 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Juni 1930 Sm'Wvnd SfinlaulQaß* Atk lifiPatö Vision der Utochy IMounlctins 5CCC Kilownoiev'rFabpl dvaecb Kanada Durch die pechschwarz« Nacht der endlosen Steppe huscht ein dunkles Gespenst mit glühenden Augen, das die lautlose Stille durch sein langgezogenes dreimaliges Pfeifen und Brüllen an den Straßen- kreuzungen und den gefährlichen Stellen der Strecke durchzittert. /Die Schlafenden, die zusammengekrochcn auf den Bänken kauern, wachen erschreckt auf, ziehen die Vorhänge in die Höhe und sehen zioch immer nur undurchdringliches Dunkel. Ein Paar grell leuch- Lende Tieraugen am Bahndamm und ein schwach«rhellie- Zimmer jn den wenigen, einsamen Farmhäusern scheinen das einzig Lebendige in dieser toten Welt zu sein. Himmel und Erde verwischen sich, kein Mond und keine Sterne spenden ihr fahles Licht. Nur alle paar .Stunden hält der Zug in einem kleinen, verlassenen Präriencst pnd sofort geht die Fahrt weiter im Tempo des Kontinentalexpreß: 40, 50, manchmal sogar 60 Meilen die Stunde. . Immer weniger werden die Einwanderer unter uns, mit lautem Gepolter verläßt einer nach dem anderen seinen ihm schon vertraut gewordenen Platz und Wanderarbeiter, Tramps und„karmdelp-", Landarbeiter nehmen seine Stelle ein. Nur ein paar Engländer, stramme irische Mädels, die in Vancouver in Stellung gehen wollen, und ich als einziger Deutscher fahren noch immer weiter gen Westen. immer in derselben Richtung, nach der wir jetzt schon 3'/, Tage unterwegs find. Und noch stehen uns zwei lange Tage bevor, bis die Westküste am pazifischen Ozean erreicht ist. , Für einen Europäer ist diese ungeheure Welt völlig gleichför- wiger Strecken fast unheimlich, er kann es kaum für Wirklich- keit halten, tagelang immer genau dasselbe Bild zu sehen: denn er ist au- seinem Heimatlande gewohnt, in wenigen Stunden Bahn- fahrt eine völlig verändert« Landschaft vorzufinden. Und hier dos gerade Gegenteil: Tausende von Kilometer weit ändert sich über- Haupt nichts und wenn dann plötzlich der Umschlag kommt, fühlt man sich wie in eine andere Welt versetzt. So mar es uns gegangen, als wir aus dem hügeligen, bewaldeten Osten ganz überraschend nur noch die einförmige Eben« der Prärie sahen. Und nun sehnten sich die ermüdeten Augen wieder nach neuen Formen, nach Bergen, Wäldern und Flüssen. Nur zu bald sollte diese Sehnsucht in gran- hioscr Weise befriedigt werden. . Wir liegen noch im Halbschlaf der erwachenden Dämmerung, schon nehmen die Blickfelder des Zugfensters bestimmtere Formen an: ein Tal mit W�den, Biehranches und großen Stallungen, schlanke Pappeln und Tannen verschwimmen im Morgcnnebel, als plötzlich einer ausruft:„D i e R o ck i« s s i n d i n S i ch t!" Im Nu hängt alle- an den Fenstern, um sich dieses schönste Naturschauspiel der ganzen Fahrt nicht entgehen zu lassen. Wir hatten zeitUch Glück. Won den ersten Sonnenstrahlen getroffen, stehen noch weit in der .Ferne die zackigen, schroffe» Wände der ersten Felsberg«. Fast kitschig süß, wie auf den Münchener Postkarten die Zugspitze gemalt ist, so scheint hier die Wirklichkeit. In zartem Rosa erglänzen die schneebedeckten Berge und doch wirkt es wie ein« Fata Morgan«, die beim nächsten schärferen Hinschauen verschwinden könnte, denn ganz unvermindert steigt das Bergmassiv aus der davor gelagerten Hochfläche auf, ohne den Uebcrgang der Borberge, wie xoir sie in unseren Zllpen haben. „Tbc Qvcal Divido" Bis wir in die Berge hineinkommen, sind sie klar und nüchtern geworden, grau in grau stehen die Felsen uixd noch mehr er- scheint uns dadurch das bezaubernde Bild vor«inigen Stunden als eine Traumoifion unseres«rregtcn Gehirns. Langsam kletternd winden sich die beiden schneidigen Lokomotiven in die Höhe. In Spiraltunnels und scharfen Kehren durch den Leib der Bergriejen hindurch oder an di« Wand gedrückt wie ein Spielzeug, hoch oben über dem reißenden Gebirgsbach bahnt sich der Zug seinen Weg durch dieses ungeheure Hindernis der Natur. Eisig grüne Glctscherspitzen reichen fast bis an den Bahndamm heran, die Schnecregion ist schon lange überschritten und in phantastischer Wildnis türmt sich eine Spitze über di« andere. Die meisten dieser stolzen Bcrgriesen sind noch unerstiegen und jungfräulich unberührt ragen die in der Sonne gleißenden Kuppen in die klare blau« Lust. Eine 2Sfache Schweiz, ohne Bergbahnen, ohne Hotels, ohne Touristen, in all ihrer natürlichen Pracht und Schönheit warten diese unerschlosienen Gebiete, die sich b i s n o ch A l a s k a hinziehen, umsonst auf den Menschen. Abseits von der Bahnlinie leben dort noch wilde Tiere, Bären und Bergwölfe und nur ein paar Indianer, Trapper und Fischer durchstreifen in mühseliger, langer Fahrt auf Pferden und im Winter mit Schneeschuhen und Schlitten diese Herr- Lichen Gebiete. Rur in den Naturschutzparks, in den wenigen Touristenplätz.'n, wie L o k e L u i I e und B a n f f, gibt es Wege und Hütten. Aber auch dort ist zu Fuß kaum eine Tour zu machen. Der Amerikaner hat dafür sywieso kein Bedürfnis.'In den Hotels, ebenso wie in den Wohnzelten und den Camphäuschen hat man jeden Komfort fast wie zu Hause und genießt die Romantik von der Terrasse aus. Und die ist in der Tat schon bezaubernd genug. Die höchste Stell« der Bahnlinie durch den Kontinent wird an tr-r„Or-at Divide" erreicht, der Grenze zwischen den Provinzen Alberto und Britisch Columbien. 5000 Fuß hoch, in einem halben Meter Schnee und über hau-hohe Holzbrückcn ziehen sich die Schi.men über diese großartige Wasserscheide zwischen zwei Ozeanen. In wcst- licher Richiung fließen jetzt die Bäche und Flüsse und wir brauchen nur ihrem Laus zu folgen, um an unser Ziel zu gelangen. Stillen Czean Vorher aber gibt es noch zwei andere Gebirgszüge zu über- brücken: die Selkirk Mountains und die Columbia Range, die wieder selbständige Bergketten in dem Gcsanitgebiet der Rocky Mountains darstellen, die nämlich nicht aus einzelnen Bergmassiven bestehen, sondern aus besonderen Zügen, die sich von Norden nach Süden erstrecken. Und zwischen diesen sind große, tircitc Täler: Urwald mit Zcdernstämmen bi? zu 30 und 40 Meter Höhe aber auch fruchtbare, besiedelte Gegenden, wo Obstzucht und Biehwirtschast vorherrschen. Den grandiosen Abschluß der bunten Fahrt durch die verschieden- Ben geographischen und landwirtschaftlichen Zonen Kanadas bildet ffrvJrfich fchöae Fahrt wach d« Frafsr. r i v e r s, wenn zu beiden Seiten die Wasserfälle im Frühjahr her- unterstürzen und man bei einem Blick aus dem Fenster in einen berghohen, steilen Abgrund schaut, in dem brausend und schäumend die Schmelzwasser dem Meere entgegensausen. Und dann kommt die Stadt, von der man sich in Europa solche Merkwürdigkeiten erzählt und die tatsächlich«ine der unbeachtetsten, aber interessantesten,'menschlichen Ansiedlungen ist. Ausfall-tor nach dem fernen Osten, nach China und Japan, aber auch zugleich Durchgang zur Südfee und nach Alaska und dem Eismeer, dazu die Lage an einem fjordähnlichen Einschnitt des Meeres mit den un- zähligen vorgelagerten Inselchen, machen Vancouver zu einem Treffpunkt der ganzen Welt. Di« verschiedensten Rassen, vom Jn- dianer zum Inder und vom Japaner bis zum Schwarzen laufen in den 5iafenstädten herum, und dazwischen noch, zahlenmäßig natürlich am stärksten vertreten, die Weißen aus der neuen und der alten Welt. Ueber fünftausend Kilometer, ein Vielfaches der Größe Deutschlands, haben wir quer durch Kanada zurückgelegt, einem Lande, das größer ist als die Vereinigten Staaten von Ame- rika und doch nur 10 Millionen Einwohner hat, also gerade doppelt soviel, wie Berlin allein in seinen Mauern auf- nimmt. Hier ist also noch Boden für koloniale Ausbeutung und England und Amerika wetteifern um den Einfluß in diesem wichtixen Glied der«nglischen Dominions. Karl Möller, 2>ze Ztusglcicbsquilhmg Vorsicht bei dor Unter Zeichnung J Ausgleichsquittungen sind ein beliebtes Mittel der Arbeitgeber, die Arbeitnehmer von ihren tariflichen zum Teil auf gesetzlichem Recht erworbenen Ansprüche abzubringen. Ganz be- sonders ist man bestrebt, die berechtigten Gehalts- anfprüche durch diese Art von Quittungen abzuwenden. So wird oft festgestellt, daß der Arbeitnehmerschaft Quittungen vorgelegt wenden, mit denen bescheinigt werden soll, daß der betreffende Ar- beitnehmer keine Ansprüche— sei es Gehalt, Urlaub ufw.— aus seinem Dienstverhältnis mehr hat. Es soll damit nicht gesagt werden, daß alle Unternehmungen damit den Zweck verfolgen, die Arbeit- nehmer um ihr« verbrieften Ansprüche zu bringen, jedoch ist auf der anderen Seite mit aller Schärfe festzustellen, daß es einen ganz erheblichen Teil von Arbeitgebern gibt, die doch diese Absicht bei Vorlage solcher Quittungen hegen. Verschiedene Streitfälle, die einer arbeitsgerichtlichen Klärung bedurften, zeugen davon. Ganz beachtlich ist eine Entscheidung des LAG. Leipzig, die vor nicht allzu langer Zeit zu dieser Frage ergangen ist. Das Gericht steht auf den« Standpunkt, daß Ausgleichsquithingen für kaufmännisch geleitet« Unternehmungen«in dringendes Bedürfnis darstellen, da sie Streitigkeiten vorbeugen. Sie dürfen nur nicht mißbraucht werden, um wirtschaftlich schwache abhängige Arbeitnehmer um wohlerworbene auf gesetzlicher, tariflicher»der einzelvertraglicher Grundlage eruwchfenert Anfprüche zu bringen. Der Arbeitgeber, der das tut, der etwa die Auszahlung des Gehaltes von der Unterzeichnung der Ausgleichsquittung abhängig macht, oder der sonst trotz eines für ihn erkennbar auf den Arbeit- nehmer lastenden wirtschaftlichen Druckes überhaupt ein Verzichts- ansinncn an den Arbeitnehmer stellt, wohl sogar der Arbeitgeber, der einen, von einen in solcher Lage befindlichen Arbeitnehmer anscheinend freiwillig angebotenen Verzicht annimmt, niuß sich gefallen lassen, daß ein wirksamer Verzichtsvertragswille des Arbeitnehmers überhaupt in Frage gezogen wird. Nach der Unterzeichming einer solchen Quittung erleben wir oft, daß der betreffende Zlrbeitnehmer, nachdem er meist leider zu spät von seiner Organisation sich den entsprechenden Rechtsrat eingeholt hat, feststellen muß, daß er hier auf seine elementar st en Rechte verzichtet hat. Es gelingt manchmal mit Erfolg die unterschriebene Ausgleichsquittung anzufechten. Oft genug mußte man einen Mißerfolg verzeichnen. Einfach liegen diese Art Streit- fälle nicht. Man kann auch nicht generell eine bestimmte Rechts- norm aufstellen, da fast alles auf den Tatbestand ankommt. Bedingt anschließen kann man sich der Auffassung, daß eine Ausgleichsquittung fürsich allein kaum genügen kann, um eine Verzichtsleistung des Arbeitnehmers zu beweisen: es muh viel- mehr nachgewiesen werden, daß der Arbeitnehmer auch über die Bedeutung der Quittung belehrt wurde und in Kenntnis dieser Bedeutung die Quittung unterschrieben hat. Diese Ansicht bedarf der Ergänzung und zwar insofern, daß man die Entstheidung des LAG. Leipzig mit heranzieht. Wenn das Gericht auf dem Standpunkt steht, daß kein Verzicht seitens des Unterzeichners vorliegt, wenn angenommen werden kann, daß unter wirtschaftlichem Druck gehandelt wurde, so kann man dieser Meinung nur voll und ganz zustimmen. Unter diesen Umsiäl«dcn wird eine Anfectstung durchaus van Er- folg begleitet sein. Der§ 119 BGB. sagt dazu, wer bei der Abgabe einer Willens- erklärung über deren Inhalt im Irrtum wir, oder eine Erklärung dieses Inhaltes überhaupt nicht abgeben wollt«, kann die Erklärung anfechten, wenn an.zunehmen ist, daß er sie bei Kenntnis der Sachlage und bei verständiger Würdigung des Falles yicht abge- gebey haben würde. Als Jrrtuni übeb den Inhalt der Erklärung gilt auch der Irr- tum über solche Eigenschaften der Person oder der Sache, die in Verkehr als wesentlich angesehen werden Daß mit einer Quittung gleichzeitig ei» Erlaß vertrag ver- bundcn s«in kann, ist unbestritten. Aber darauf, daß die Quittung gleichzeitig einen Erlaßvertrog enthalte, muß � der Aussteller der Quittung vom Gegner ausdrücklich aufmerksam gemacht werden. Dies gilt ganz besonders für die Quittung über Gehalts- (Lohn) und Arbeitspapiere. Denn bei der Unterzeichnung der Quittung über Gehalts- und Arbeitspapier« denkt der Arbeit- nehmer in der Regel nicht daran, daß er zugleich einen Verzicht auf Mchranfvrüche ausgesprochen hat. Der Arl'eitnehiner will vielmehr nur für das Empfangene eine Quittung ausstellen. Ein« Quittung, die zugleich einen Erlaßvertrog enthält, weicht von der Regel des täglichen Lebens ab. Der Arbeitgeber, der mit der Quittung für den Lohn und die Arbeitspapiere zugleich einen Erlaßoertrag verbindet, ist desl>alb noch Treu und Glaube» init Rücksicht aus die Verkehrs- sitte verpflichtet, den Arbeitnehmer darauf aufmerksam zu machen, daß er mit der Quittung nicht nur ein Empfang-bekennt- nis für die empfangene Leistung abgele, lopdern gleich einen Er- laßoertrag abschließt. Macht der Arbeitnehmer das nicht, so «ihbrovcht« seme Rechtsstellung. Deshalb steht dornt seiner Be- I rufung auf die Unterschrift, die Einrede der A r g l i st e entgegen. Es genügt also in diesem Falle, wenn der Arbeitnehmer beweist, daß er vor der Unterzeichnung der Quittung nicht daraus aufmerksam gemacht worden ist, daß die Quittung zugleich einen Erlaßvertrag darstelle. Die Rechtsprechung vertritt zum Teil auch den Standpunkt, daß derjenige, der eine Urkunde unterschreite, ohne sie vorher gelesen zu haben,— dabei ist gleichgültig, od er sie nicht lesen konnte oder nicht wollte,— also auch ohne Kenntnis über den Inhalt blieb, nachher wegen Irrtum nicht anfechten kann, well er sich klar sein mußte über seine Nichtkenntnis des Inhalts. Das Unterzeichnen er- folgt auf eigene Gefahr. Anders verhält es sich, wenn jemand ein« Urkunde ungelesen unterschreibt, in der Vorstellung, daß sie einen bestimmten Inhalt habe oder nicht habe, insbesondere, daß eine bestimmte Klausel nicht darin enthalten sei. Trifft dies« Vor- stellung auf den wirklichdn Inhalt nicht zu, so hat der Unterzeichner diese Erklärung also nicht geben wollen, sondern irrtümlich unter- schrieben. Der Auffasiung des genannten Gerichts, daß Ausgleichsquittun- gen ein Bedürfnis für verschiedene Firmen seien, um Streitigkeiten vorzubeugen, kann nicht beigetreten werden. Hat der Arbeitnehmer tatsächlich keine Ansprüche mehr zu stellen, so wird es dem Arbeit- gebcr nicht schwer sein, auch ohne Ansgle'chsquittung den Beweis für eine ungerechtfertigte Forderung xa führen.... Es ist nur zu empfehlen, um auf joden Fall zu verhüten, daß sich die Arbeitnehmer auf diesem Weg« ihrer Recht« begeben, von der Unterzeichnung solcher Quittungen Abstand zu nehmen. Macht es sich aus irgendeinem Gxunde notwendig, Unterschrift zu leisten, so unter allen Umständen nur unter Vor» behalt. Zweckmäßig ist es jedenfalls, vor Unterzeichnung mit der Organisation sich in Verbindung zu setzen, um die entsprechende Auskunst einzuholen. Erst dann ist die Garantie für ein richtiges Verhalten gegeben._■ Herbert DewaW. Sin aussiorbendov Volksstamm In Mittelsibirien fristet heute ein Häuflein Menschen, der letzte Rest eines einst mächtigen und großen Volksstammes, sein kümmer- liches Leben. Die Jenisfey-Osljaken, die an den Usern der Neben- slllss« des Jenisfeys leben, sind zum Aussterben verurteilt, unh heute in unseren Tagen vollzieht sich an ihnen das unerbittliche Schicksal. Gegenwärtig gibt ee noch 700 Ostjaken und di« russischen Wissen- schastlcr— ganz besonders die Sprachforscher— beeilen sich, um die Lebensgewohnheiten, Sitten und die Sprache dieser 700 zu studieren, denn wer weiß, wie lange es nach Ostjaken geben werde. Das Studium der verschiedenen Gelehrten förderte auch schon bis heute eine Menge interessante, bisher unbekannte Tatsachen ans Tageslicht. Es wurde auch festgestellt, warum die Ostjaken zu- gnnrdegehen müssen. Ihr ganzes Dasein ist sozusagen auf eine ein- zig« Karte gesetzt. Gelingt die winterliche Jagd, so Ist ihr Leben bis zum nächsten Winter gesichert. Gelingt sie aber nicht, so gibt es Hungersnot und ein Massensterben setzt bei den Uebriggebliebenen ein. Im Januar beginnt die Jagd und dauert etwa drei Monate. Zobclticre und Hirsche werden zumeist gejagt. Im Monat Novem- ber werden auch Eichhörnchen und verschiedene Vögel geschossen. Infolge der großen Kälte, oftmals henfchen Temperaturen bis zu 50 Grad unter Null, und der gewaltigen Schneemassen, 3-bis 4 Meter hoher Schnee ist keine Seltenheit, sind aber die Jäger nicht imstande, genügend Zobeltiere und Hirsche zu erlegen. Um leben zu können, sind sie daher gezwungen, auch auf die Bärenjagd zu gehen: denn das Fell dieser Tiere trägt ihnen sehr viel«in. Aller- dings, nur die härteste Not zwingt die Ostjaken, die Schlupfwinkel der Vären auszusuchen, denn sie haben vor diesen Tieren«ine ge- robezu panifche Furcht. Ein Aberglauben der Ostjaken besagt näm- lich, daß in einem jeden Bären di« Seele eines verstorbenen Stam- mesgcnossen lebt. Und dies ist schuld daran, daß. diese Tiere äußerst gefährlich sind. Wird nun einer der Jäger von einem Bären angegriffen und verwundet, so muß der Verwundet« sofort Bärcnblut trinken, sonst ist er unrettbar verloren. So vegetieren die 700 dahin und in absehbarer Zeit wird der Stamm der Ost- jaken nur mehr gewesen sein. Die QCCC Jnseln der USü. Die Tatsache, daß der Senat der Vereinigten Staaten die A f nähme der Samoainseln in den Besitzstand der Union beschlossen hat. veranlaßt die amenkanische Presse zu Betrach urgen über d e etwa 9000 Inseln, die sich im Besitz der Vereinigten Staaten be- finden. Allein die Philippinen umfassen 8000 Jn>s«ln. deren größb und bekannteste Luzon ist. Die verschiedenen Inseln der Philippinen sind nicht einmal bekannt, gegenwärtig ist man bemüht, durch Flug- zeuge sie kartographisch festzuhalten. Von anderen bedeutenden Inselgruppen gehören die Meuten den Dereinigten Staaten, cben'o das Jnfelgebiet von Haroai. (12. Fortsetzung.) „Nur leenc unnötige Ufrejung mch," sagte siammerschlag mit em«r nachlassigen Handvewgung,„sowas mutz sich eines Tages von selber erklären, sonst kommt es niemals heraus. Na, daß bei einem clwoigen Einbruch nichts an Wert mehr vorzufinden ist, dafür habe ich, wie gesägt) Sorge getragen." „Aber wozu hat man einen Geldschrank," eiferte Dr. Cibulski, „wenn—" „Ja," sagt« Hammerschlag— „was nützet mir ein schönes Mädchen. wenn andere mit ihr spazieren gehn— Was?" Er klopfte dem Dr. Cibulski auf dm Rücken und verad' schiedete ihn. Adieu Dr. Cibulski." sagte er.„Aus Süddeutjchlond schick« ich Ihnen schöne Ansichtskarten." Einige Tag« vorher hotte Hammerschlag«inen Brief nach München gesandt— an einen Bekannten, den er bot, auf die«in- fachste Weise in Erfahrung zu bringen, ob sich in der Pension Herrn- straße 7 ein Fräulein von Langen aufhielte.----- Wenig« Tage später kam die Antwort: Lolli.'die noch immer«in achtsames Auge auf die Post hatte, lieh die männliche Handschrift ohn« Argwohn passieren. Als Hammerschlag gelesen hatte, pfijf er den Torgaucr Marsch und schnalzte dazu mit den Fingern. Er ließ sich durch Lolli mit dem Schneider, bei dem der Frühjahrsrock bestellt war, telephonisch verbinden. Plötzlich zeigte er in all seinen Vorbereitungen eine auffällige Eile. Sein Gesicht war wieder breit und rotbraun und entschlossen. Lolli schöpft«, als sie sein« Veränderung gewahr wurde, doch ein wenig Verdacht. Aber sie wußte ja nicht, wo die Gefahr, die sie fürchtete, zu suchen war. „Mach's gut, Lolli," sagte Hammerschlag, als er sich verab- schiedete. Sie dachte für sich: Max. komm mir richtig wieder.— Laut aber sagt« sie: „Auf Wiedersehen, Herr Hamm«rschlag." Einige Wochen waren»ergangen, seitdem Arnold mit Lolli in der Untergrundbahn gefahren war. Aber diese Wachen hatten dazu gedient, daß er sich von jener Fahrt erholen konnte. Ehe er sich der Tatsache noch recht bewußt war, beschäftigt« sich seig Gemüt schon intensiv mit neuen lieber- legungen, wie die erlitten« Niederloge gutniachen und endlich den Erfolg erringen? Er war sich klar darüber, daß er sich selber für; erste nicht wieder vorwagen dürft«. Er beschloß, einen Brief zu schreiben. Qbgleich ihn diese Absicht feurig begeistert«, scheut« er doch vor der Ausführung, jedesmal, wenn er die Feder zur Anrede ansetzen wollte, zurück. Udbrigcns, er wollte den Brief an die Privatadresse des Fräuleins schicken— er fürchtete, sie mit einem Brief ins Büro ähnlich wie damals mit feinem Besuch zu stören. Während er über seinem Pult an Policen arbeitete, dacht« Arnold: Wie erfahre ich ihren Namen und die Adresse? Wach Büroschluß stellte er sich wieder auf die dem Kontorhaus gegenüberliegende Straßenseite, um das Herauskommen des jungen Mädchen abzuwarten. Sein Plan war höchst einfach Cr" wollte si« auf ihrem Heimweg bi» zu ihrem Hause oerfolgen— solch eine Verfolgung war überdies eine prickelnde Sache. Auf diese Weis« konnte er ohn« Schwierigkeit ihre Wohnung erfahren. 'Arnolds Vorhaben war zweifellos vernünftig. Aber der Tag, an dem er sich anschickte, es auszuführen, war ein Schicksalstag, ein Tag. der einen verhängnisvollen Einfluß auf seine näher- Zukunft. ja. auf sein ganzes Leben überhaupt, ausüben sollt«. An dem Abend, als er das Fräulein erwartete, nach Möglichkeit verborgen, aber»er- jchiedentlich schnell und scheu zum Portal und zu den' Fenktern der Redaktion hinäufblickend— geriet er in das gefährliche Netz von Cibulski; Kombination. Es war Dr. Cibulski schwer auf den Magen geschlagen, daß er die Führung eines Büros übernommen hatte, das nach den Andeu- «ungen Hammerschlags von Einbruchsgefahr bedroht war: fassungslos stand er vor Hammerschlags Dickfelligkeit, die er einfach sträflich fand. Die Verantwortung lastet« auf Dr. Cibulski wie auf einem Monarchen >m bedrohlichsten Augenblick seiner Regierung. Daß in der Zeit, mährend er die Vertretung hatten ein Einbruch geschehen könnte— diese Möglichkeit krampfti sein Herz zusammen. Jeden Menschen, der das Büro betrat, musterte De. Cibulski mit einem unerhört scharfen Blick durch die geschliffenen Brillengläser. Das erste Positive, das er in dieser Sache tat, war. daß er Fräulein Weinmeister oerbot, längeral» er Im Büro zu bleiben. Er hingegen blieb länger al» bis zum Einbruch der Dunkelheit. Ent- ««der war es ihm als Junggesellen gleich, wo er sich befand— er wohnte seit einem Jahrzehnt bei einer mickerigen, etwas schikanösen Wirtin, von der«r sich aus Bequemlichkeit nicht trennen konnte— oder er wollte ganz einfach das Büro bewachen. Lolli war also schon lange fort, und Arnold wartete immer noch unten. Dr. Cibulski, an der Fensterbank stehend, bemerkte ihn: die offenbar« Absicht des Jünglings da unten, sich verborgen zu halten, dazu die scheuen Blicke, machte Dr. Cibulski mißtrauisch, sehr miß- trauisch. Es mar dunkel geworden, Arnold, der nun gegen drei Stunden, mit einer Beharrlichkeit sondergleichen, wartete, sah die Fenster der Redaktion erleuchtet.— Später, als sie plötzlich verdunkelt waren, stand es für ihn fest, daß das Büro jetzt geschlossen wurde. Als Dr. Cibulski nicht lange darauf auf die Straße trat, konnte er den unheimlichen Beobachter nirgends mehr entdecken. Nun wurde sein Verdacht zur Gewißheit. Es war bestimmt«in entwichener Fürsorgezögling, sagte er für sich, einer von diesen ollergefährllchsten Menschen, von denen so oft Entsetzliches in der Zeitung zu lesen steht. Hätte ich doch früher zuge- griffen, hätte ich doch telephonisch da» lleverfallkommando alarmiert. Ich hätte Mir ein Verdienst nicht nur um die Attiengcsellschast, nein, um die ganze Menschheit erworben. Dr. Erbulski suchte den Hauswart auf und bat ihn mit gedämpft- erregter Stimme, in dieser Nacht ein besonders wachsames Aug« auf das Redaktionsbüro zu haben. Der Hauswart beruhigte chn ein wenig durch die Mitteilung, daß er zwei erwachsene Söhn« und eine entsprechende Anzahl von Gummiknüppeln— und für den äußersten Notfall sogar eine geladene Pistole höte. Er versprach seine besondere Aufmerksamkeit für da» bedrohte Terrain. Aver als Dr. Cibulski nun endgültig das Haus verließ, zitterten seine Beine noch immer. Dies also war der Abend gewesen, der für Arnold späterhin die abenteuerlichsten Folgen haben sollte. Da er von seinem vielstündigen, vergeblichen Warten fürs erste genug hatte, erschien es ihm doch als das Beste, den Brief, den er schreiben wollte, dem Fräulein persönlich im Redaktionsbüro zu über- geben, zur frühen Morgenzeit, wenn sich der spitzbärtige Herr, den Arnold am Fenster gesehen hatte, wahrscheinlich noch nicht oben befand. Er mußte sich nun an die Abfassung dieses Briefes machen. Aber vorerst hatte er mir den Entschluß. Solch ein Brief, das war eine Arbeit, die ihm nicht ganz geheuer war— im Grunde nach unangenehmer als die Berechnung von rPomilles. Es zeigte sich, daß/ wenn es galt, die Wahrheit des Herzens zu berichten, feine Feder sich genau so widerstrebend zeigte als feine Zunge. '»» Hommerschlag kam in München an. Vor dem 5?ouptbahnhof nahm er ein Auto und ließ sich zum Bürgerbräu fahren. Er kannte München von früher her. Er nahm ein tüchtiges Abendbrot zu sich. Dazu trank er«in- Maß Bier nach der andern. Ich werde doch nicht die Reichshauptftadt vor der bayerischen Hauptstadt blamieren, sagte er zu sich selber und ließ sich noch ein« Maß bringen, ich werde euch zeigen, daß wir es euch in jedem, aber auch in jedem Punkte gleich tun können. Al» er sich hinreichend gekräftigt fühlte, und von den- pessi. mistischen Gedanken, die ihm während der Fahrt im Schnellzug g«. kommen waren, nichts mehr wußte, stellt« er sich auf die Beine und ging strahlenden Auges und festen Schrittes hinaus. Durch die Kaufinger Straße, über den Marienplatz am Rathaus vorbei, durch die Straße Thal kam er zum Jfartor. Er kannte sich aus. Am Jfartor.Platz nahm die Herrnftrah« ihren Anfang. OHNc weiteres hatte er sie gefunden. Inzwischen war es Abend geworden. Als er vor Nummer sieben ankam, fand er das Haus schon geschlossen. Er klingelte das Hausmädchen der Pension herunter, verlangte ein Zimmer. Di« kleine Münchnerin führt« ihn hinauf. „Kommt der Herr aus Berlin?" fragte sie. „Aus Kassel," gab Hommerschlag bekannt.(Fortsetzung folgt.) e Buch ITlax Wochdorf: 9tofa JCuxemburg Wann wird die kritische Biographie über Rosa Luxemburg erscheinen, die wir brauchen, weil diese Märtyrerin der Revolution aus dem Gefühl heraus nicht nur vom Feind, sondern auch von Freunden oft ganz falsch beurteilt wird? Diese' kritische Beschreibung ihres Lebens und Wirkens hat sich diese streitbare Kritikerin aus' den geistigen Richtungskämpfen der Vorkriegssozialdemokratie wahr- lich verdient. Sie ist vom Standpunkt der Partei ans gesehen auch notwendig für die Wertung der letzten Periode ihres Kämpferlebens, über die der Kommunismus von heute zu Parteizwecken Geschichts- klitterungen vertreibt. Rostks Kritik der russischen Revolu- t-i o n hat Paul Levi 1922 herausgegeben. Aber auch über das Verhalten der deutschen Arbeiter in der deutschen Revolution war Rosa Luxemburg sehr unzufrieden. Sie hatte sich in den deut- schen Arbeitern, in den deutschen Sozialdemokraten und in den deutschen Kommunisten, wie die Gründungstagung der Kommu« nistischen Partei'Deutschlands erwies, geirrt. Aber auf letzterer blieb sie in der Minderheit, weil die Kommuinften sie nicht verstanden. In schmerzlicher Enttäuschung schrieb sie damals:„Ach, wie ist diese deutsche Revolution deutsch!" Max Hochdorfs Schilderungen' genügen in keiner Weif« den Ansprüchen, die wir an eine Biographie Rosa Luxemburgs zu stellen haben. In diesem Stile sollt« sich niemand an Rosa Luxem- bürg versündigen, die die klare Sprache in Wort und Schrift liebte und der die schillernde Phrase stets ein Greuel war. Und gar die sensationelle Aufmachung. Kapitelüberschriften sind u. a.:„Die blutige Rosa",„Immer di« Kleinste",„Der Ries- und die Zwergin" usw. Mit Schrecken denkt der geduldige Leser an die Bemerkung zu Beginn des Buches:„Recht der Verfilmung vorbehalten." Nicht einmal menschlich wird ein ivahres Bild dieser Frau ge- zeichnet. Denn Rosa Luxemburg hatte keinen ivinzigen Frauen- schädel, kein gealtertes Hexenantlitz, sah nicht aus wie aus der Mumienkiste hervorgeholt mit verdorrtem Und verschrumpftem Schädel. Sie war gewiß klein, aber der scharfgeschnittene Kops mit den klarblickenden Äugen beherrschte die ganze Gestalt und machte di« Mängel ihres äußeren Menschen leicht vergessen. Warum also immer wieder ihre Häßlichkeit betonen, die sicher nicht di« Ursache der starken Anziehungskraft war, die di« Verstorbene auf einen ganzen Kreis guter und geistvoller Menschen ausübte. Auch die Daten und Namen in Hochdorfs Buch find zum Teil falsch an- gegeben. Rosa Luxemburg ist nicht am 5. Mai 1871, sondern am 5. März 1879 geboren. Ihr Maim hieß nicht Georg, sondern Gustav. Der Züricher Sozialistenkongreh vxir nicht 1894, sondern 1893. Der frühere kommunistische Abgeordnete Rosenberg heißt nicht Adolf, fondern Artur. Dagegen, daß Trotzki ihr ideeller Freund und Rat- geber gewesen sein soll, würde sich Rosa Luxemburg zu Lebzeiten kräftig gewehrt haben. Ib�r Broschüre:„Massenstreik, Partei und Gewerkschaften" soll aui Anordnung der Partei eingestampft worden und erst später wieder an den Tag gekommen scinl Ich besitze den ersten Druck, datiert:„Petersburg, 12. September 1906", im Auftrage der Vorstände der Hamburg-Altonaer Parteiorganisationcn als Manuskript gedruckt- Noch im Jahre 1906 erschien die Bro- schüre dann im Buchhandel. Bei dieser Gelegenheit eine Feststellung. Hochdorf teilt über Rosas Befreiung aus der Warschauer Zitadelle mit:„Deutsch« Sozialisten brachten die Bcstechungsgelder für die Warschauer Festung-swärter auf." Selbstverständlich hat damals der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie diese Gelder zur Vev- sügung gestellt. Wer sich von dem Wesen und Wirken Rosa Luxem- burgs ein anschauliches Bild machen will, kann da» immer noch am besten in Luis« K a u t s k y s der Freundin gewidmetem Gedenk- buch finden, das 1929 im Laubschen Verlag erschien. Weder nach der politischen noch noch der ökonomischen Seite ist Hochdorso Buch eine wertvolle Ergänzung. Hermsiin Müller-Franken. WAS DER TAG BRINGT. «iiniiiimitmnfliiinomminmiiiiiiiinmiiinniinniinmiiminniimimimniiimHiinniiiiinutnmnnmmnuiiiiiiiniiimiiiiiiiiiiniiuniiinniiiNiiiuiniiiiuiiiiiuiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiti Ein Mensch versteinert. Im Spital der Barmherzigen Brüder in Prag liegt ein ZSjähriger Kriegsbeschädigter, der seit vier Jahren das Bett nicht mehr ver- lassen und jetzt nur noch die Fingerspitzen bewegen kann. Alle übrigen Teile seines Körpers sind durch vollständige Muskelverknöcherung unbeweglich geworden. Es handelt sich um einen der äußerst seltenen Fälle von Myositis officians progressiva, von denen bisher in der medizinischen Literatur kaum siebzig Fälle mitgeteilt werden, der erste aus dem Jahre 1798. Bisher existiert kein Heilmittel gegen die furchtbare Krankheit. Bei dem Prager Kriegsinvaliden muß man sich darauf beschränken, seinen schrecklichen Zustand nach Mög- lichkeit zu erleichtern. Die beiden behandelnden Aerzte des Patienten geben in Wiener Zeitungen eine Beschreibung des seltsamen Falles: „Mit achtunddreihig Jahren im Winter 1919/20 überstand der Patient eine schwere Grippe. Er lag acht Monate lang mit bohren- den und ziehenden Schmerzen in der rechten Hüfte zu Bett. Bis zum Jahre 1924 war dann der Patient fast beschwerdenfrei. In diesem Jahre traten neue Schmerzen auf in der rechten Schulter und deb Kranke hatte zum ersten Male das Gefühl, als ob ihm ein Panzer um die Brust und den Rücken gelegt würde. Alle Spitalbehand- lungen und das Aufsuchen von Kurorten nützten nichts. Nach einer Operation an der Schulter, die eine vorübergehende Besserung brachte, trat eine neue Berschlechtcrung des Zustande» ein. Es traten Aer- härtungen�an den Ober- und Unterarmen zutage. Im Laufe des letzten Jahres ist die Verknöcherung der Muskeln weiter fortge- schritten und hat, bis auf die Herz- und Bauchsellmusteln, die ge- samte Muskulatur ergriffen. Die Ursache der Muskelverknöcherung konnte noch nicht festgestellt werden." Mäuse als Warner. In Bergwerken entwickelt sich oft ein giftiges Kohlengas (Kohlenoxyd), das von den Menschen nicht leicht«ahrgenommen wird, und das dann tödliche Wirkungen ausübt. Es gibt nun Tiere, die als Warner dienen können, weil sie durch dos gefährliche Gas in ausfälliger Weise beeinflußt werden. Vielfach Hot man Kanarien- vögel benutzt, um solche Gas« anzuzeigen. Zoster eignet sich aber die japanisck)«„tanzende Maus". Dieses lebhafle Tierchen kennt keine Ruhe, wenn es sich wohl befindet: es führt beständig Tänze und Sprünge aus. Sobald es aber auch nur geringe Mengen von Kohlenoxyd eingeatmet Hot, werden besonders, seine Hinter- beinchen schwach, und alle Bewegungen erscheinen langsam und schwerfällig. Sa kann diese nette kleine Maus, die übrigens völlig taub ist, zur Ledensrettenn werden. Eine Tote heiratet. Bei der.Hochzeit der Bauermnogd Katharina Froh in einer kleinen Ortschaft in der Näh« von. Cteve bemerkt« nach der-Eramraz? der Standesbeamte, daß Ausgebot und Trauung auf di« Papiere der vor einem Jahr verstorbenen Schwester Mario der Braut er- folgt waren. So war der Bräutigam rechtmäßig mit der Ber- storbenen getraut worden. Es blieb nichts anderes übrig, als den Tatbestand protokollarisch aufzunehmen und dos neuerliche Aufgebot mit der lebenden Braut zu bestellen. Den Ozean verkauft, In Amerika, im Staate New Jersey locht man jetzt viel über einen gutgelungenen Gaunertrick. Ein Betrüger hatte es oerstandm, einem einfältigen, des Lesens und Schreibens unkundigen Ein- ivanderer einen Teil des Atlantischen Ozeans für 200 Dollar zi verkaufen Kürzlich geschah es, daß in ber Nähe von Wollwood einige junge Männer in offener See badeten. Plötzlich trat an sie ein Mann heran und verlangte, daß sie je einen Dollar Benutzung»- gebühr für das Baden im Meere zahlen sollten, denn dieser Teil des Ozeane gehöre ihm. Die Badenden glaubten zuerst, baß der Fremde scherze. Als dieser aber auf seinem sonderbaren Verlangen bestand, und ganz energisch das ihm gebührende Geld verlangte, packten sie ihn und schleppten ihn zur nächsten Polizeistation. Äus der Polizei stellte sich nun folgendes heraus. Kürzlich erschienen bei dem Italiener zwei Mann' und erklärten diesem, daß er sehr billig einen Teil des Atlantischen Ozeans, der ihnen gehör«, er- werben könnte. Für nur 200 Dollar, da sie in momentaner Geld- Verlegenheit sind, waren sie geneigt, zwei Quabratkilometer Ozean ihm abzutreten. Das verausgabte Geld könnte er leicht einbringen, denn er hätte das Recht, all« dort Badeirden zu besteuern. Der Italiener ging auf das Geschäft«in, zahlte 200 Dollar an die Frem- den aus aud glaubte, baß er bald ein reicher Mann sein werde, denn in seinem Meere xslegren sehr viele zu baden. Nun sucht die Polizei die zwei Betrüger, damit diese nicht noch weitere Teile des Ozeans verkaufen. Anwachsen der fiörspielliteratur. Eine Rundfrage bes Weltrundfunkvereine bei seinen Mit- gliedern ergab, daß im Laus der letzten 9 Monate 8.ZS Hörspiele zur Sendung gelangtem 200 davon wurden eigens als Hörspiele versaßt, 635 waren Umarbeitungen bereits vorhandener Theater- stücke, Romane, Novellen usw. Gefärbte Hühner. Bas Bestreben,«ine möglichst oufsällige Reklame sür irgendein Unternehmen zu machen, treibt merkwürdige Blüten. So stellte eine saarländische Färberei in ihren Schausenslern Käfige mit Hühnern aus, die„kunstvoll" gefärbt waren und die sich in ihrem neuen Putz anschsineni»»cht wenig wohl jühltrn. Der Reichs-Arbeiler- Sporttag Der alljährlidie Riesenaufmarsch der Berliner Arbeiiersporller Der Rclchs-Arbellersporltag 1930 gehört der Vergangenheit an. Uber wie kcrvm jemals wird die gestrig«, grandiose Heerschau der Bertiner Arbeiiersporller im Grunewalder Stadion ihren politischen Ttachhall finden. Zn letzter Minute wurde die vereinbarte Rundfunkübertragung der Festrede des Rcichstagsabgeord- neten Litke vom Uebermachungsausschuh untersagt, weil der Festredner auch von dieser Stelle aus Protest einlegen wollte gegen jenen frivolen Anschlag des Bürgerblocks, der zum Schoden der Volksgemeinschaft im Rahmen des Abbaus der Sozialversicherung auch die Kranken Versicherung antasten will. Die Sürgerblockregierung hat also von sich aus die Arbeitersportler in die Kampffront eingereiht. Die Berliner Arbeitersporller haben den hingeworfenen Fehdehandschuh ausgenommen. Der Schwur, den gestern nachmittag, als rote Fahnen über dem Deutschen Stadion wehten, die Tausende und aber Tausende von Sportlern, verstärkt durch zehntausend« Mitstreiter au» den Reihen der organisierten Arbeiterschast Berlins, ablegten, war ein Gelöbnis des Kampfes. Dieser Schwur wird nicht ungehört verhallen. Reibungslos hat sich die Wollfahrk der Massen zum Stadion ovgemickelt, erleichtert durch die Bereitstellung zahlreicher Sonder« züge. Wenige Minuten nach zwei Uhr kann der Einmarsch der Sportler in das foni�nüberflutete Oval des riesigen Sportforums beginnen. Musik spielt aus, Fahncngruppen marschieren voran, Banner und Wimpel folgen, dazwischen, in Zehncrreihen gestaffelt, Berein um Verein, Gruppe um Gruppe. Auf der Aschenbahn spaltet sich die lebendige Säule, in großartig-wuchtiger Pracht verweht ganz loinzsom an jeder der weit ausladenden Kurven ein Wald roter Fahnen über dem grünen Rasen. Kein Ende will das Marschieren nehmen, immer neue Trupps quellen aus dem steinernen Schlund des Stodiontors hervor, ganz zum Schluß, nach den Naturfreunden und Samaritern, knattern noch die Motorradfohier von„Solidari- tat" einer nach dem anderen auf die Zementbahn, bis die grüne Rasenfläche ein einziges, großes Blumenbeet geworden ist, betupft mit Zehntausendcn von buntgekleideten Arbeitersportlern. Fritz Harthelmann fiegrößt im Namen des Kartells alle Gäste, prominente wie nicht prominente, der Rast ist zu dem großen Ereignis nicht nur der Arbeiterfportlcr, sondern der Arbeiterschaft Berlins schlechthin geworden. Dann tritt Karl L i t k e an das Mikro- phon und teilt das empörende Rundfunkverbot mit. Brausender Beifall erschallt, als er sogt:„3ch habe dem Vertreter der Rundfunk- Gesellschaft, als er von dem eingereichten Manuskript die Streichung unserer Forderungen an die Regierung verlangte, geantwortet, daß ich auf die Radioübertrogung meiner Rede pfeife, ich werde vielmehr den Arbcitcrsportlern an Ort und Stelle um so eindringlicher das sagen, was man zu sagen uns verbietet!" Und mit einem donnernden, dreifachen Frci-cheil bekräftigen alle Anwesenden das Gelöbnis: Hände weg von der deutschen Soziolver- s i ch e r u n g! Die jubelnd aufgenommene Massengymnastik ist kaum vorüber, da beginnen überall die Startschüsse zu knallen, rechts für die Radfahrer, links für die Läufer, drüben durchschneiden die Schwimmer in schnellem Crawlschlag das Wasser, in der brennenden Sonnenglut waren sie gestern die beneidetsten Menschen, die Schwerathleten schleppen ihre Matten herbei, wäh- rcnd noch alles über die humoristische Ki n d e r st a f e t t e lacht. Dann wird wieder gelaufen und gefahren, geturnt und ge- spnmgen, Fußball wird gespielt und Reigentänze mifgeführt, fröhlich und heiter ist olles, nur ein kleiner Junge weint, dessen Eltern werden durch den Lautsprecher gebeten, ihn am Eingang wieder abzuholen. Oer Sport im Stadion Beachtenswerte Ergebnisse Sportlich nahm der Reichsarbeitcrsporttag seinen traditionellen Verlauf. Bereits in den Vormittagsstunden füllten sich die Logen mit den unentwegten Sportlern. Gegen 11 Uhr zogen immer größere Trupps mit ihren Vereinssahnen dem Stadion zu. Um 12 Uhr begannen bereits die vorkämpfe. Für die lüü-Meter-Streck« waren je 12 Borläufe bei den Männern und Frauen und 10 Vorläufe bei der Jugend nötig, um die Besten iür die Zwischenläufe zu sondieren. Für die Entscheidungen quaiisi- zierten sich vornehmlich Ostring, ASC., Wedding und Nordring. Oft- mals liefen' in der Ixivy-Mcter-Stafctte alle Vereine in 3 Meter Abstand ein. Pünktlich um 2.30 Uhr wurde der Vorkampf der Rennfahrer Niederlausitz— Berlin gefahren. Alsdann versammelten sich etwa 4000 Sportler Zum Einmarsch. Die Spitze bildete ein Trupp Arbeitersportler mit S0 Sturmfahnen. Nun wechselten in bunter Reihenfolge Turner, Schwimmer, Rad« fahrer, Athleten, Leichtathleten, Frauen, Kinder usw. Dann zeigten die Sportler einen Ausschnitt aus der G y m n a st i k. Ein herrlicher Anblick, ein« derartige Mass« von Sportlern noch den Klängen der Musik in Bewegung zu sehen. Kaum hatten die Sportler im Sturm- schritt das Stadion geräumt, so traten die„Männer der Pedale" in Aktion. Von den Zuschauern interessiert verfolgt und angeseuert sausten sie um die Zementbahn. Zwischendurch hatten die Jugend- lichen den Hochsprung erledigt. Drinkhut-Charloltenbvrg be- wältigte die ansprechende Höhe von 1,66 Meter. Die nächsten drei übersprangen noch 1,60 Meter. Sehr viel Beifall hatten an- schließend die Kinder mit ihrer Gymnastikvorfllhrung. Bewegung und Musik sind eben heute untrennbar. Die folgenden 100-Meter-Endläufe brachten Verhältnis- mäßig gute Zeiten. In der Jugendklasse 14/15 erreichte Wierschowsti- Ostring 12,4 Sek., Seidel-Wedding, Jahrgang 12/13, erzieltet, 1 Sek. Bei den Männern siegte Heldt-ASC. in 11,3 Sek., bei den Frauen erreichte Lemke-Wedding 13,4 Sek. Durch Motordefekt beim Motorradfahrerreigdn wurde die Veranstaltung etwas verzögert, fo waren die Vorführungen der Turner, die humoristische Stosette der Kinder und einige weitere Konkurrenzen nicht ganz über- sichflich, weil sie zugleich stattfinden mußten. Die gebotenen Leistungen standen trotz alledem vollauf auf der Höhe. Der sich ständig ver- bessernd« Görfch-ASE. warf den Speer fast 48 Meter weit. Das Diskuswerfen der Frauen entschied Frau Zain-ASC. mit 25,10 Meter für sich. Die Sondcrvorfllhrungen der Naturfreunde, Angler und Faltbootfahrer sowie der Motorrabreigen— fanden wieder programmäßig ihre Uebersichtlichkeit. Sondervorführungen der Frauen waren erstklassig. Sie brachten eine abwechslungs- reiche Note in das Programm hinein. In der 4 X 1 0 0- M e t e r- Stafette konnte Ostring den ASC. in der guten Zeit von 44,6 Sek. hinter sich lassen, ASC. hatte jedoch infolge Krankheit nicht die volle Mannschaft zur Stelle. Die 10X200-Mcter-Jugendstufette sah er- wartungsgemäß Wedding in 4,24,6 Min. in Front. Die 10x100- Meter-Stafette der Frauen holten sicb ebenfalls die Weddinger in 2,19,9 Min. Die Mittelstrecken wiesen riesige Felder auf. Ein sehr abwechslungsreicher Kampf wurde den Zuschauern sowohl in den 1500 Meter bei den Männern, wie auf im 1000-Mcter-Jugendlaus geboten. Den Männcrlauf entschied J)uwe-Ruhlsdorf in 4,18,9 Min., der 1000-Meter-Jugendlauf sah den Schwimmer Reimann-Neptun in 2,52,4 Min. als Erster am Band. Di« Schwerathleten machten einen sehr gut�n Eindruck. Interessiert verfolgten die Zu- schauer ihre Vorführungen im Heben, Ringen und Boxen. Eine Zeitlang beschäftigten die A r t i st c n fast ausschließlich die Besucher mit ihren glänzenden Leistungen. Nun traten die Fußballer auf den Plan. Die, Mannschaft von Bremen zeigte sehr gutes Können, die Berliner dagegen reichten nicht ganz an die Leistungen der Gäste heran. Das wirkt« sich auch im Resultat von 7: 2 für Bremen aus. In der Halbzeit des Fußballspiels traten die Leicht- . athleten mit der 20x300-M«t«r-Stafette noch einmal auf den Plan. Ostring, Nordring und Wedding, die Bezirke der F r e i e n Turnerschaft Groß-Bcrlin, zogen gleichmäßig los. Auf der halben Streck« arbeitete sich erst der ASC. heran. Nun begann ein wechsclvoller Kampf, Ostring war jedoch nicht mehr zu erreichen und beendete das Rennen in der Zeit von 13,23,6 Min. vor ASC. und Nordring. In kurzen Abständen folgte Wedding und Norden. Den Abschluß des Reichsarbeitersporttages bildete das Stunden rennen der Radfahrer. Ein interessiertes Publikum hielt bis zum Schluß der Veranstaltung die Logen besetzt. Lei den Schwimmern Die Schwimmer haben beim Rast immer ein dankbares Publi- tum. 450 Startende führten hervorragende Leistungen vor, vor- herrschend bei den Einzelschwimniern war der Erawlstil. Hier gingen Massenfelder an den Start. Ein« von Männern nicht sehr oft er- reichte Zeit von 1,21 Minuten erzielten die Jugendlichen im Rücken- crawlen. Das F re i.st Uf ch w i m m« n der /--Klaffe gewann Grün- Charlotteirburg in der guten Zeit von 1,07 Min. Ein abwechselnder Kampf in der I0x50-Meter-Crawlstas«tte wurde von Hellas nah wechselnder Führung vor Lichtenberg und Neukölln, die sich ver- schwömmen, gewonnen. Di« Kinder erzielten in der 50-Meter-Str«cke den guten Durchschnitt von 36 Sekunden. Stürmischen Beifall ernteten wieder die Springer. Vorzügliches zeigte die Wien- Berlin-Mannfchaft 1>om 10-Meter-Turm. Achtbare Leistungen wurden auch vom I-Meter-Brett aus geboten. Unter Leitung von Aenne Wolter zeigten die Frauen diesmal«inen zweiund- dreißiger Kunst reizen. Gut gemachtl Daß die Rettungsschwimmer niemals fehle» dürfen, ist selbstoer- ständlich. In leicht begreiflicher Weise wurden Rettungsvorsührungen gebracht, welche für die Zuschauer stets ein sehr wertvoller Anschau- ungsunterricht sind. Nach den Faltbootwettausbauen gab ein Sportler eine Einlag« im Eskimokentern, d. h. im Kentern und Wiederaufrichten des Bootes. Im Wasserballspiel der Be- zirksmannschaften siegte der 4. über den 1. Bezirk mit 3: 0 Toren. Nach etwas hartem aber sehr schnellem Spiel trennten sich der 2. und 3. Bezirk mit 5: 4. Die Resultate £ä«s«. 100 Mkjcr Jugend 14/15; i. Wierchowsli(Oftrina) 12,4 Eek.; 2. Fiihkmann(Oftting), Prusrbrrite jurilrf.— 100 Meier Jugend 12 13: i. Eeid-l l«cdding) 12,1 Sek.: 2. IZischer(Wrddlngl 12,1 Sek.- 100 Meier Männer; 1. Heidt(ÄEC.) 11,3 Sek.; 2. Stoii(Ostring) 11,5 Sek.— 1500 Meter«Männer: 1. Huroe lRuhIsdorfZ 4:18,9 Min.: 2. Bräun. E.(2I£<£.) 4:21 Min,— Stäsetten: 10xl00.MctcrKtgfe»c Trauen: 1. Wedding 2:19.9 Min,: 2, N-ipeniek 2:22.4 Min, � 10 X 200 Meter Männer lTurner): i, Cokoi 4:15,7 Mi»,: 2, Zehiendorf 4:21,3 Min.— 100 Meier Frauen: i, Lemke iWedding-Spor:) 13,4 Sek,: 2. Duinkc(Osten), Bleu!(Osten) 13,5 Sek,— 1000 Meter gugend: 1,-peimann iEchw. Neptun) 5:22,4 Min,: 2. Häuser(ASP, Neukölln) 2:55,1 Min,— 4X100 Meter Männer,«laste 1. Wedding 47,8 Sek,; 2, Ostring 47,9 Sek,— 4X100 Meier Männer, Klastc»: i, Neukölln 47 Set,: z, Süden 48,4 Sek,— 4 x 100 Meter Männer, n lasse ö: i, Ostring 44,6 Sek,: 3. ASC, 45,1 Sek,— 10 X 200 Meier Jugend: 1. Wedding 4:24,6 Min: 2. Schönederg 4:35,7 Min,— 20 X 300 Meter Männer: I. Ostring i 13:23,6 Min,: 2, ASC/ I 13:26,7 Min,: 3. Nordring 13:37,4 Min,: 4, Weddino, 30 Meier öneiick: 5, Möabii, weiiere 20 Meier jnrütk.— Hoäisprung, Jugend: I.?ri»kliut, Ciiariotienburg, 1,65 Meier: 2, Pageis. Neukölln, 1.00 Meier: 3. Bager, Schönederg, 1,60 Meier: 4� chöririer, Köpenitk, 1,60 Meier.— Sperrwerfen, Männer: 1, Mörsch iASC.) 47,71 Meier: 2. Lemgo» iNordring) 44,67 Meier,— Diskuowrrsen, grauen: 1, 3orin( ASC.) 25.10 Meier; 2. Bösel(ASC.) 20,36 Meier,- Nads-drer: Eiädteigmpf Punklefahrcn« Bunden: I, Gönderich, Berlin, 10 P,: 2, Schwar». Berlin, 6 P,; 3, Pfeiffer, stolkwist, 5 P, Siäd'ekampf gewonnen Berltn mit 45 Grsamtpniikten gegen Niederlaustst mit 18 Gesamipunkten,— Jugend. Bor- gobefahren: 1. Wolde, Berlin, 30 Meter Borgabe: 2. sto'ch, Berlin. 0 Mete« Borgade. Zeit: 2:0,4,— Punktefahren: 1, linger, Berlin, 35 P.; 2. stlang, Berlin, 11 P.; 3. Zimmermann. Berlin. 10 P.— Verfolgungsrennen 10 Rundrn: Sieger Berlin gegen Rirderlaustd, bei 10 Rund-u 300 Meier auf- gefiolt. Zeit: 10:9,2.— Etödtefampf: l. Gänderich, Berlin, 10 P.; 2. Särwarz. Brrlin. 5 P.; 3. Molnfek, Jinsterwalde, 4 P.; 4. Niischke. Berlin. 3 P.; •5. Zimmermann, ssinsterwalde. 3 P,; 6. Pfeiffer. Lolkwiti, 1 P, Zeit: 2:10,— Ausscheidungsfahren 11 ssahrcr: Sieger: 1. Ungcr, Berlin: 2. Zimmermann, Berlin: 3. Buemann. Berlin, Zeit: 10:44,4,— Schwerathletik: Hebekampf in beidarmig stosten: Lichtenberg gegen Auswahl Lichtenberg 1240 Pfd,, Auswahl- maunfchaft 1100 Pitt.— Iugendkampf im Ringe»; Brandenburg— Berlin 7:7,-» Mönncrkämpfe im Ringen: 1. Langer, Sparta— Spliistöster, Lichienverg,„nent- fchieden; 2, Burkert, Saronla—Hanfer..Lichtenberg, Burkert in 4 Min, Sieger: 3, Ckerl. Alt-Medbing- Lowgde. Einigkcii. Ckeri in 7 Min, Sieger, «chwimmwettlawpfe. Crawlstsfettk 10X50 Meier für Männer und Jugend: 1, SAias-Berlin 5:25,2 Mi»,: 2, JSGB,. Lichtenberg 5:32,2 Min,—«>,»bkn. Crawlfchwunme» 50 Meter: 1. Reimer isteo>B,.Lichtr»bcrg) und Tester>Hkllas. Brrlin) 0:36.6 Min,: 2, Wagrnknecht iZSchW-Lichienherg) 0:37 Min— Mädchen-Brustschwimmen 50 Meter: 1. Weber(Freiheit. Berlin) 0:51,3 Mi».; 2. Wünsch(ZsEchB,. Neukölln) 0:52 Min,— Jeauen-Lageustasclie 3x50 Meter: 1. JEKB.Neukölln 2:15,1 Min,: 2.!7r, Schw, Berlin Zill 2:25 Mi»,— Jugend. Rückcnsänvimmcn(männlich) 100 Meter)->) 14—16 Uhr: I. Pohle ISellas- Berlin) 1:21,2 Mi», h) 16-18 Jahre: 1. Schwandl iHellas-Bcelln) 1:30,5 Min, — Weidliche Jugend-Bruststafellr 4x50 Meier: 1. ZSNB,. Neukölln 3:12 Min.: 2. IZSSB,-Lichtenberg 3:16,4 Min,— Männer»Crawlichwiinmen fil. C 100 Meier: 1. Oerlwig(UnwnBerlln) 1:23,2 Min.: 2. Böduer iJSiSB,-Lichtenberg» 1:26,4 Mi».- Männliche Ingen d-Lagenstafetlr 4-100 Meter: I. Hcllas-Brrlin 0:40,8 Min.; 2. Freiheit-Berlin 5:57,6 Mm.— Kinder-Brnftstniette 8X50 Meter: 1. Sellas-Berlin 6:49V Min.: 2.!7SGB.-Neukölln 6:53.2 Min.- Männer. Crawifchwimmen«l,» 100 Meier: I. Seimann iMöwr. Berlin, 1:13,6 Min.; 2. Miller(Reptun-Weistenfee) 1:14.2 Min,: 3 Miikrit IMöwe-Berlin) 1:14,!, Minuten, st laste 3: 1«rühn iZS. Chariotienburg) 1:07 Mi».; 2, Frohn (Z3S0>B,-Neukölln) 1:09 Min,: 3, Tripvcnsee izTVru»ig> Alliier: 1, RWA, 7:38 Mi»,- stgnurennen, inOO-Meier-Sirelke, stliliAggieiner: 1. SVH, 6,40 Min, iBoppelkoiak, Dame und Heer: 1. KCl, 5,54 Min Döppel- »weier m. St,: I, Gasag 6.2 Min, Crnlnnierungsrennen Doppcl-Cdärpie! i, RWA, 6,26 Min, Jnngniannrn-�öppekaigf: i, SPH, 5,77 Min, Jalldggt- stdlppkl: 1, PGNT, 6,06 Min, Pgppel-Cdarpie: 1. RWA, 6,26. Junioren. Doppettajak: 1. flfft. 5,43 Min, Perdandaincisterfchafl im Renneiner: 1, SVH, 5,42 Min. ErmunterungsreNNeN?mne und Herr: 1. 5!CT. 6,29 Min.— Er- inunfetungsrennrn iBappelkglok: 1. HAV 6.10 Min.— Jungmannen-Ren»einer: I. stCT, 6,07 Min. Eeniorrn-Popvel'riak: 1. fllttC, 5,62 Min, Hertha-BSC. Fußballmeister Bürgerlicher Sport am Sonntag Im Kampf um die Meisterschaft des bürgerlichen Deutschen Fuß- ballbundes ging gestern der Berliner Klub Hertha BSC, als Sieger gegen Holstein-Kicl mit 5: 4 Toren hervor. Be, der Her- ausstellung eines Spieler« gab es Riesenspektakelfzenen, so doß die berittene Polizei eingreifen mußte. Eine E I gle n m e l d u ng aus Düsseldorf besagt unter an- derem: Gegen Ende der zweiten Halbzeit muhte der Schiedsrichter den Kieler Mittelstürmer wegen regelwidrigen Betragens vom Platze weisen. Die sensationell aufgeputschten Zuschauer erklärten sich da- mit nicht cinverstanden und führten schreckliche Pscif- und Johlkonzerte auf, die bis zum Schluß des Spiels anhielten. Das Spiel selbst wurde in diesem Zeitabschnitt zu einer tust» u n d planlosen Bolz er ei. Wenige Minuten vor Spielschluß kam Hertha-Berlin zum Siegestreffer und gewann 5: 4, Der Schluß- pfiff löste verstärktes Pfeifkonzert der Zuschauer als„Ehrung" für den Sieg aus. Zuckerbrot und peitsche. Oer Prozeß Matscheck und die Diktatur in Güdslawien. Gibt es noch Richter in Belgrad? Die Leitung des Hoch- Verrats- und Attentatsprozesses gegen 24 Mitglieder der auf- gelösten kroatischen Bauernpartei weckte gelegentlich den Ver- dacht, daß es sich weniger um den Versuch der Rechtsfindung als um bestelltes Abwürgungswerk handle. Jetzt steht am Ende vor mehr als sechs Wochen quälender und er- müdender Verhandlung doch' ein Trumph des gesunden Menschenverstandes: der Staatsgerichtshof hat Dr. Matschet freigesprochen und so dem Staat einen großen Dienst erwiesen, denn nirgends wird mehr Heulen und Zähneklappern über diesen Freispruch sein als dort, wo man propagandistisch von den Sünden der Belgrader Diktatur lebt, also bei den Machern des Makedonischen Komitees, den madjarischen Revanche- schreiern und den italienischen Dalmatienverspeisern mussoli- nischer Observanz. Zugleich aber ist das Urteil ein gut gelandeter Kinn- haken für die Kreaturen des Regimes, die den Prozeß an- gezettelt haben. Denn um Matschet, n u r um Matschet ging es Bon dem fünfstündigen Plädoyer des Staatsanwalts entfiel zeitlich die Hälfte auf 23 Angeklagte, also auf jeden sechs bis sieben Minuten, die ganze andere Hälfte auf 2r Matschet allein. Aber mit Matschek fing diese etwas dunkle kriminelle Angelegenheit keineswegs an. An der Schwelle stand einer der Huldigungsausflüge nach Belgrad, die die Regierung des Generals Schiwkowitsch regelmäßig veranstaltet— um wen eigentlich dumm zu machen? Denn jedes Kind durchschaut diese Loyalitätspossen: mit Geld und Gewalt sind sie— und nicht nur in Südost- europa!— sogar für den Dalai-Lama in Szene zu setzen. Mit � Recht erbosten sich denn die kroatischen Rationalisten über diesen verlogenen Treuetundgebungsrummel, der den Ein- Aruck hinterlassen sollte, ganz Kroatien sei über die Segnun- gen der Diktatur tief beglückt. Und sie protestierten— mit �vprengstoffen. Wie s i e behaupteten, planten sie nur eine etwas knallende, aber schädliche Demonstration, wie die An- Llage behauptete, dachten sie den Zug mit der Huldigungs- abordnung in die Luft zu sprengen. Da das Gericht der Meinung des Staatsanwalts folgte, warf es mehr als harte Strafen, bis zu fijnfzehn Jahren Zuchthaus, gegen teils minderjährige, teils eben erst volljährige junge Leute aus. Was immer diese exaltierten Jünglinge auf dem Kerb- holz haben, die wahre abgefeimte und ruchlose Terroraktion ging van den Handlangern der Diktatur aus mit dem Ziel, den Dr. Matschek zu kirren. Welch ein Gewinn vor Europa, wenn der Nachfolger R a d i t s ch s in der Führung der stärksten kroatischen Partei sich noch heute zur Diktatur ver- hielte wie am Tage ihrer Errichtung: ihr nämlich zu- 'jubelte! So mancher trutzigliche Oppositionsmann aus Kroatien hat sich ja seit dem 6. Januar 1929 zu den Begrader Fleischtöpfen heimgefunden, und ein Raditsch beschämte— eben noch Verneiner, jetzt Bejaher des Staates, gestern glühender Republikaner, heute inbrünstiger Monarchist— selbst das Chamäleon. Warum sollte es also mit Matschek nicht klappen? Versprechungen lockten, ein Ministerposten winkte, aber Matschek reagierte sauer. Da das Zuckerbrot nicht verfing, griff man zur Peitsche dieses Strafverfahrens. Um die vollkommen unsinnige Beschuldigung zu<,be- weisen", daß dieser ruhige, ernste, würdige Parteivorsitzende in Bratenrock und Zylinder für Bombenattentate Tausend-Dinar-Noten hergegeben habe, bediente sich die Agramer Polizei bewährter Folter- Methoden. Wir wollen uns nicht,„Balkan!" murmelnd, aufs hohe Roß schwingen, da eben erst ein Fachmann, Hans H y a n, bekundet, daß auch in Deutschland Berhaftete beim l�erhör schon„von Kriminalpolizisten schwer mißhandelt wor- den sind". Aber es gibt Unterschiede, und die Opfer der Agramer Polizei wurden durch ausgesuchte grau- same Martern zu„Geständnissen" getrieben: einer zeigte dem Gericht die Narben der Brandwunden, die ihm mit glühenden Zigaretten beigebracht waren, einem an- deren waren ob der Mißhandlungen Zähne und Nägel aus- gefallen, einen dritten hatte man aufgehängt und ihm eine 'brennende Kerze unter die Fußsohlen gestellt. Wenn nichts anderes, so genügte diese bis heute ungesühnte teuflische Quälerei wehrloser Gefangener, denen, die vor der Geschichte 'die Verantwortung für die Belgrader Diktatur tragen, die Verachtung aller anständigen Menschen in allen fünf Erdteilen zuzuziehen. Aber eine solche Methode ist schlimmer als ein Verbrechen, sie ist eine Dummheit, denn sie wendet der Bewegung, als deren Exponenten sich die Verurteilten von Belgrad fühlen, über das Menschliche hinaus die politischen Sympathien des freiheitlich gesinnten Europa zu. Jndeß ist nicht jeder, der mit Explosivstoff arbeitet, deshalb schon ein Freiheitsheld; siehe unsere Landbund-Bombenattentäter! Und der Kampf- ruf: Freiheit Kroatiens! wie die Losung: Für unsere tausendjährigeKultur! besticht völlig nur den, der nicht gegenwärtig hat, daß die Kroaten so wenig eine besonders Nation darstellen wie die Bayern, daß Kroaten und Serben ein Volk mit der gleichen Sprache sind und daß zwischen den kroatischen und serbischen Bauern«in wesentlicher Kulturunterschied keineswegs klafft. Was heißt hier überhaupt Kroaten wider Serben? Nicht nur sitzen im Kabinett von des Kaoalleriegenerals Gnaden acht Kroaten, darunter ein früherer langjähriger Führer der kroatischen Sozialdemokratie, Juraj Demetro witsch, fondern auch der Pressechef der Diktatur, Milan M arj a n o- witsch, ehedem als feiner, ganz europäischer Geist geschätzt, ist Kroate, der Staatsanwalt des Belgrader Prozesses, U tz o w i t s ch, ist Kroate, ja, der Agramer Folterknecht, der Polizeifräfekt Dr. B e d e k o w i t s ch, auch er ist Kroate. Auf der anderen Seite steht ein volles Drittel der Bevölkerung Kroatiens, das die Kroaten für sich abgrenzen wollen, aus Serben! Die Frage dreht sich denn nicht um einen nationalen „Zwiespalt", sondern um eine gegensätzliche Staatsauffassung: Hie Zentralismus, hie Föderalismus! Hie Einheitsstaat, hie Staatenbund! Hie Sammlung, hie Zersplitterung! Da kommt es gerade zupaß, daß ein junger begabter Sozialoge, Dr. K u s- N i k o l a je w, in einer Agramer Wirtschaftszeitschrift mit streng marxistischer Begrisfbestim- mung die ökonomischen Wurzeln des kroatischen Regionalis- mus bloßlc�t. Da der nationale Einheitsstaat die gegebene Wohnform der bürgerlichen Klasse ist. tut er dar. daß Süd- slawien noch nicht genügend kapitalistisch entwickelt ist, um nicht starke Widerstände gegen die straffe Einheit, gegen das hundertprozentig Südslawische, erwachsen zu lassen: seelische Ueberreste des Feudalismus und kleinbürgerlich-kleingewerb- liche Vorstellungen der Vergangenheit sind es, die gegen den Einheitsstaat rebellieren. Wenn Kus-Nikolajew von allem verwirrenden Beiwerk absieht, entdeckt er in den politischen Kämpfen der letzten zehn Jahre zwei Fronten: das regio- nal gerichtete' Kleinbürgertum und die süd- slawisch gesinnte k a p.i t a l i st i s ch e Bour- g e o i s i e. So ist es in der Tat, und mögen die Kroaten hundert-, mögen sie tausendfach Grund zu böser Beschwerde haben, im Kern gleicht ihr Absonderungsstreben dem des Ur- bayern, der auf den„Saupreiß" und den„Wasserkopf Berlin" schimpft. Im Kern ist es reaktionär. Das Südslawentum steht so über dem Nur-Kroatentum wie das Deutschtum über dem Nur-Bayerntum, und soweit die Diktatur wirklich einen Versuch umschließt, die drei Stämme der Serben, Kroaten und Slowenen zu einem ein- heitlichen südslawischen Staatsvolk zu verschmelzen, könnte sie dem kroatischen Partikularismus historisch' überlegen sein. Nur ist es ein Versuch vielleicht nicht am untauglichen Objekt, aber ganz sicher mit den untauglich st en Mitteln, bei dem nichts herauskommt, als, mit Heinrich Heine zu reden,„ein Nationalzuchthaus und eine gemeinsame Peitsche". Hei-mznn\Vcn6cI. grfinderdenkmal in iRiiln Der Verein Deutscher Ingenieure wird am 28. Juni sein 75jäf>rifl«5 Bestehen in Köln seiern. Aus vielem Grunde soll dem Erfinder des Gasmotors, Otto, sowie seinem Mitarbeiter Langen dadurch eine Ehrung urteil werden, daß man ihr erstes Werk, den ersten Gasmotor ans dem Jahr« 1864, als Denkmal in Köln errichten wird. Oie Berliner Metallarbeilerwahl. Kein Moskauer kommt zum Verbandstag. Die Berliner Mitglieder des Deutschen Metallarbeiterverbandes wählten gestern ihre Delegierten zum Verbandstag, der vom 18. bis 23. August in Berlin statcjindct. Di.' W a h l b e t c i l i- g u n g wor, wie es leider seit Jahren nicht nur im Metallarbeiter- verband, sondern fast ausnahmslos auch bei den übrigen Gewerk- schatten der Fall ist, verhältnismäßig schwach. Von ungefähr 84 000 vollzahlenden VerbaNdsmitgliedcrn gingen etwa 20 000 zur Wahl. Dem Grundsatz: Wahlrecht ist Wahlpflicht muß denn doch mehr Beachti'ng verschafft werden Obwohl das genaue Wahlergebnis noch nicht vorliegt, steht doch schon soviel fest, daß sich fast alle Abstimmenden für die Kandidaten der Amsterdamer Gewcrkschaftsrichtung entschieden haben. Für die Delegierten der Richtung Amsterdam sind bis jetzt rund 15 000 Stimmen gezählt worden. Die sogenannte„Opposition", die in der Generadersamnilung keinen einzigen Kandidaten durch- bekam, hatie die Parole ausgegeben, sämtliche Namen aus dein Stimmzettel durchgiistreichen und dann den Stimmzettel mit der Ausschrift„Revolutionäre Gewcrkschastsopposition" zu versehen. Dieser„revolutionären" Aussvrderung sind kaum 5 00 Ver- bandsmitgliedcr nachgekommen. Ein Beweis dafür, daß die KPD., trotz ihres großen Aufwands an Druckerschwärze, von der sreigewerkschaftlich organisierten Berliner Metallarbeiterschaft nicht mehr ernst genommen wird. Oie„revolutionäre" Kilfs/ruppe. Sie will„den Einfluß des Reformismus vernichten." Mehr denn je erfordert die gegenwärtige Situation ein einmütiges Handeln der Arbeiterschaft unter Zurückstellung aller politischen Differenzen, zumal an den Brennpunkten der Bewegung wie Mans- feld und Nordwest. Doch gerade da, wo der Zusammenschluß am notwendigsten ist, ist die KPD. am eifrigsten bemüht, ihn zu ver- hindern, ihr« Hetze gegen die Gewerkschaften zum Siedepunkt zu steigern. Selbst der geringste Erfolg, den sie dabei hat, kommt der Position des Unternehmertums zugute, dem so die KPD. überall und immer wieder Hilfsstcllung leistet. Ein.roter" Betriebsrat, der sich als Beschützer der Un- organisierten berufen fühlt, erzählt in dem Moskaublott, die Gewerkschaftsführer pöbeln die Unorganisierten an und treiben sie geradezu den Unternehmern in die Arme. Als ob die Unorganisier- ten, di« sich auch jetzt noch nicht in Reih und Glied mit chrenk»rgmch- fierten Arbeitskameraden stellen wollen, nicht schon damit dos Unter- nehmertum indirekt unterstützten. Was noch daran fehlt, befprgt die KPD. Durch einen ihrer neuen revolutionären Gewerkschoftsthearetiksc an Stelle Merkers, von dem niemand weiß, wohin er morgen ve» setzt wird, läßt sie den Satz aufstellen, die Arbeiter seien nicht nur berechtigt, gegen die reformistischen Gewerkschast-führer mißtrauisch zu sein, sie seien vielmehr oerpflichtet,„sich ihre eigenen Organe zum Kampf zu schassen" und den Einsluh des Reformismus, d. h. den Einfluß der Gewerkschaften,„vernichten". Die K o m m u n i st e n dokumentieren damit wiederum, daß sie Feinde der Gewerkschaften, Feinde der organisiersen Arbeiterschaft sind und als solche zu bewerten sind. Radau aus Prinzip. Hakenkreuzler provozieren erneut im Strandbad Wannsee. Genau wie vor acht Tagen versucht« am gestrigen Sonntag ein Trupp Hakenkreuzler im Strandbad Wannsec zu p r o v o- zieren. Ein« Horde von etwa 20 bis 25 Mann erschien wieder mit ihrer Parterfahne und b e l ä st i g t e in widerlicher Art die Er- holungsuchenden. Diesmal wurde mit den nationalscyialistrlchkn Rüpeln jedoch kurzer Prozeß gemacht. Di« im Freibad stationierten Polizeibeamten schritten«in und nahmen acht Haken- kreuzler fest. Sziäter trafen noch zwei Wagen mit Beamten des Ueberfallkommondos«in und stellten die Ruhe m kurzer Zeit-wieder gänzlich her. In den Abendstunden erschien Polizeipräsident Z ö r g i« b-c l im Strandbad, um sich von dem Borgesollenen Bericht erstatten zu lassen und sich gleichzeitig von den zahlreichen polizeilichen �Siche- rungsmaßnahmen zu überzeugen. � � Oer puischist als Zeuge. Kapitän Ehrhardt im Tftherwonzen-Zälßherprozeß. Zm Tscherwonzenfälscherprozeß wurde der Pul sch ist Ehrhardt als Zeuge vernommen. Er mochte seine Aussagungen noch vorsichtiger als in der ersten Verhandlung. Der Vorsitzende war in erster Linie daraus bedacht. sestzuftellen, inwleweil Sarumidses Pläne auch für Deutschtond von Bedeutung sein sollten. Ehrhardt hatte Karumidse im Jahre 1926 kennengelernt. Sein« Pläne, die daraus hinausliefen, Georgien mit Hilfe einer aus- ländtjchen Macht von Bolschewiken zu befreien und dann das kleine Land zum Ausgangspunkt eines Borstoßes gegen Sowjetrußland auf wirtschastlichen und militärischen Gebieten zu machen, hielt der Zeuge für Ernst. Es wollte ihm auch scheinen, als stünden gewisse Leute hinter Karumidse. Dem Zeugen ist auch bekannt, daß Karumidse seine Pläne dem General Hoffmann vorgelegt hat. Oberstaatsanwalr Steinicke will sich mit den Ausführungen des Zeugen nicht zufrieden geben. Er fragt ihn, ob diese ganzen Pläne K.'s vielleicht nur eine Täuschung gewesen seien. Daß kann ich natürlich nicht wisien, sogt Ehrhardt. Es kommt zwischen dem Staatsanwalt und der Dertei- digung zu einem Zusammenstoß. Ehrhordt gibt, wie in der ersten Verhandlung, zu, daß Karumidse mit ihm zwei Besprechungen gehobt habe, während der über die Idee der Tjcherwonzensälschungen ge- Iprochen worden sei. Nur in der Theorie, sagt Ehrhardt. Es seien ihm auch Tscherwonzen gezeigt worden, jedoch nur echte. Sada- thieraschwolili behauptet aber auch heute noch, daß es falsche Tscher- wonzennoten gewesen seien. Die Tscherwvnzenfälscher haben Ehrhordt auch um ein Darlehen in Höhe von 10 000 Mk. gebeten: nicht für ihre Föflchunge», erklärt Ehrhardt, zum Vorwärtstreiben ihrer Pläne. Zörgiebel greift energisch durch. In einer v«n Polizeipräsidenten«riasienen Verfügung, die vermutlich noch heute in Kraft treten wird, fallen Haken- treuzler, di« weiter gegen das kürzlich vom preußischen Minister des Innern«rlosiene Unif-ormoerbot verstoßen, mit einer Geldstrafe bis zu 150.— vif., di« auf beschleunigtem Weg« eingetrieben wird, belegt werden. Ferner soll der Ueberwochungs- und Straßendienst besonders verschärft werden, um das polittschc Rowdytum wirksamer als bisher bekämpfen zu können. Der Aufstand in SüdboNvien wurde Im Keim« erstickt. Di« Rebellen räumten am Freitag abend noch kurzem Gefecht die Grenzortschaft Villozon und flüchteten zum Teil in die Berge und zum Teil Über die orgentlnfsch« Grenze. Ataotsik. 23. JunL* Berlin.' Ifi.05 Gerhardt Neumann, stud. phil.; Erriehnn* rar Sachlichkeit. I().30 I. Beethoven; Sonate, on, 31. Nr. 2(Erwin Boroflka. EliaeO.— 2. Gcainge von J. S. Bach, Kaydn. Schubert(Max von Wjjtinihausen. Bariton. Piaael: Barter).— 3. Schumann: Arabeske, op. IS(E. Bo- roftkat.— 4. Lieder(Max von Wistinshausen). 17.30 Jucendstundc.(Sprecher: Hermann Kasack.) IS.00 Dr. Hirlsicler: Städtebauliche' Probleme. 18.30 Dr. üoldslein, Königsberg i. Pr.; Die Ostmart. 19.00 Orchesterkonzert Anschließend Arbeitsmarkt., 10.30 Interview der Woche. 21.00 Ans dem Zentratinstitut far Erziehung nnd Unterricht, UranIHUirui z d. Schuloper;„Der Jasager". Text nach einem alten japanischen St bearbeitet von Bert Brecht. Musik von Kurt Wellt. 21.30„Kleine Menagerie". Mifw.: Edith Esther Lorten. Leo Hirsch. Nach den Abendmeldungcn: Tanzmusik. 24.00„Dies ist die Stunde, die ErOhling nnd Sommer trennt"(eine literarisch musikalische Stunde). Lfg.; Edlef Köppen. Königswusterhausen. 16.00 Nachmiltagskonzert von Breslau. 17.30 Prof. Dr. Watlenweber: Lehrersindienreisen. 17.55 I Spruvt; Javanische Musik. IS 20 Al�-in Steinitz: Aus dem Lande des Mahd). IH S Dr. Eifas Hurwicz: Parteiwesen und politische Bildsing. 19.05 Englisch für Anfänger. 19.30 Reic�sbahndireklor Treibe: Wie kann die Zusammenarbeit mit der Reichsbahn dem Obst- und Gemüsebauer beim Absatz hel'en' 20.00 Koloraturen(Alexandrine Alexandrowa. Sopran; am Flügel: Bruno Seidler-Winkler). 20.30 Von Beltrad; Internationaler Programmaustausch. 1. Hrisfic: Herbst 2 V'er iukos'aw'sche Lieder.— 3. Hristlc: Dubrovniker Requiem(Chor: Sopran-Solo; Diundjenac).— 4.(iotovag: Klage um das Kalb(Chor).— S. Hristic: Introduktion zum Oratorium Auferstehung (Orchester).— 6. Baranovie: Ballettsuite(OrcheslerL- 7. Koniovfc: Srenen aus dem Musikdrama„Knez od Zete"(Oiundienac. PI etiler und Chor).— 8. Krstic; Szene aus dem I. Akt„Zulumtschar"(Diundjenac Pichler und Chor). Chor und Orchester der Belgrader Oper. Dirigenter Stcvan Hristic. Direkter der Belgrader Oper; Lovro Matadc, Dirigent der Belgrader Oper; Petar Krstic. Komponist...... /.