Morgenausgabe Nr. 289 A 146 47.Iahrgang SLöch-ntNch BSQU monatlich 8,00 9t tm voraus zahlbar. Postbezug<88 M. einschließlich SO Pfg.Postzeiwng»» und 12 Pfg. Postbestellgebühren. AuslondV- abonnemeru 6.— M. pro Monat. Per.Conrarto* erschewt wochentSG» lich zweimal, Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.Der Lbead". Illustrierte Beilaaen.Volk und Zeit" und.Kinderfreund". Fern« .Unterhaltung und Wissen-..Frauen» slimme-.Technik-..Blick tu die Büchenvelt" und.Iugend-Lorwärts� Nerlinev Voltsblatt Dienstag 24. �uni 1930 Groß-Äerlin 10 Pf. Auswärts 15 ps. SM tlafptmgs Nonparetllezes!» 80 Pfennig. Retlalye'ieile 5.— Relch». mark.„Kleine Anzeigen' das enge« druckt« Wort 2S Pfennig(zulässtg zwei »ettgedruckte Worte), jedes weitere Wort 18 Pfennig. Stellengesuch« das erst« Wort 18 Pfennig, jede» wettere Wo� 10 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» »ählen für zwei Worte. ArbeitsmolÖ Zeile 00 Pfennig. Familienanzeigen Zeil« Ä Pfennig. Anzeigenannahme im�aupt» GgßchSst Lindenstraße 8. wochentäglich von SV, bis 17 Übe. Jentralovsan der Sozialdemokratifchen Vartei Deutschlands Redaktion und Berlag: Berlin SW S8. Lindenstraße 3 i�ernlvrtcher: Dönbosl 292—291 Telegrcnnm.Zldr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Verlag G.m.b.H. Bostslbeckkomo: Berlin 87 KSK.— Bankkonto: Bank der Arbeiter. Angestellten und Beamten. Wallstr KS Dt v» Ditc-Ses Depositenkasi« Lindenstr. S. Kampf gegen Wirtschaftskrise! Die Abwehrvorschläge der Sozialdemokratie. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat in ihrer letzten Sitzung die angekündigten Nicht- linien zur Bekämpfung der Arbeits- losigkeit und Ueberwiudung der Finanz- not beschlossen. Daß eine Partei, die sich in der Opposition befindet, in einer für die Regierung höchst unbequemen Situation mit positiven Vorschlägen zur Behebung der sachlichen Schwierigkeiten hervortritt, ist sicher sehr ungewöhnlich. Aber die Probleme, vor die sich das Land und nicht zuletzt die Ar- beiterschaft gestellt sehen, sind zu gewaltig und zu folgen- schwer, als daß sich die größte deutsche Partei auf eine ab- lehnende Kritik am Finanzprogramm des Kabinetts be- schränken könnte. Sie ist verpflichtet, zu sagen, wie sie sich ihrerseits die Lösung denkt, und aus diesem Grunde hat die sozialdemokratische Reichstagsfraktion die Richtlinien ange- nommen und der Oeffentlichkeit unterbreitet, die im folgenden kurz erörtert werden sollen. Um von vornherein Mißverständnisse auszuschalten, ist der politische Zweck der Borschläge hervorzuheben. Es handelt sich in erster Linie um eine Verständigung innerhalb der sozialdemokratischen Reihen und um einen Wegweiser für alle die, die sich innerhalb und außerhalb des Parlaments mit den Absichten des Kabinetts Brüning auseinanderzusetzen haben. Es handelt sich nicht um den Versuch, die Plattform für eine neu« Koalitions- regierung oder für eine Erweiterung der Plattform der gegenwärtigen zu schaffen. Wäre das die Absicht gewesen, so hätten wir auf die Formulierung einer Reihe von Forde- rungen verzichten müssen, von denen wir überzeugt sind, daß sie bei keiner der bürgerlichen Parteien Gegenliebe finden werden. Auf der anderen Seite stellen wir aber auch kein eigent- lich sozialistisches Programm aus. Eine dringende Ge g e n w ar t s a u s g a b e erheischt im Interesse der Arbeiterklasse eine schnell« Lösung. Die Sozialdemokratie will zeigen, welche Wege sie gehen würde, wenn sie heute die Regierung wäre oder die Regierung ent- scheidend beeinflussen könnte. Die bürgerlichen Parteien würden der von der Sozialdemokratie vorgezeichnete Linie freilich zu folgen vermögen, ohne dadurch der sozialistischen Wirtschastslehre ein grundsätzliches Zugeständnis zu machen. Aber wir wissen zu genau, wie sie sich gegen jedes Opfer kapitalistischer Interessen sträuben, um uns der Illusion hin- zugeben, daß sie gewillt seien, dem Staat und Volt bedrohen- den Uebel wirklich an die Wurzel zu gehen. Die Wirtschaftskrise hat ein gewaltiges Ausmaß erreicht. Die Massenarbeitslosigkeit droht zu einem Dauerzustand zu werden. Für Hunderttausende von Arbeitswilligen schwindet immer mehr die Aussicht, wieder einmal Arbeit zu be- kommen. Deshalb darf man sich nicht mehr mit der Hoff- nung begnügen, daß es einmal von selbst besser werde, son- dern muß alle Kräfte anspannen, um Wirt» schaftsnot und Massenarbeitslosigkeit mög- lichst rasch zu überwinden. Auch die Unternehmer geben vor, die Gesundung der Wirtschast zu erstreben. Tatsächlich aber wollen sie etwas ganz anderes. Sie wollen die jetzigen wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten benutzen, um ihre reaktionären Pläne durchzusetzen. Sie wollen die Löhne abbauen, die Arbeitslosenversicherung und die soziale Fürsorge aushöhlen. Dadurch würden aber die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht überwunden, sondern verschärft werden. Große Gruppen der Unternehmer wünschen sogar diese Verschärfung der Wirtschaftskrise, um die Kampfkraft der Arbeiter, Angestellten und Beamten zu schwächen und ihnen eine verschlechterte Lebenshaltung auf- -uzwingen. Die baldige Ueberwindung der Wirtschaftskrise verlangt andere Wege. In den Richtlinien der Sozialdemokratie sind sie im einzelnen dargelegt: VerhinderungdesLohn- abbaues, Erhaltung der M a s s e n k a u s k r a s t. Senkung der Preise. Beschaffung neuer Ar- beitsgelegenheitundSicherungdersozialen Leistungen. Bei der Schwere der deutschen Wirtschafts- krise führen Einzelmaßnahmen nicht zum Ziele. Soll der Druck von der deutschen Wirtschaft genommen werden, der nicht zuletzt durch die Weltwirtschaftskrise verschärft worden ist, so müssen alle diese Maßnahmen gemeinsam er- griffen werden. Im Gegensatz zur Reichsregierung und zu den Unternehmern, die das Allheilmittel in dem Lohnabbau und in dem Abbau der Sozialleistungen sehen, will die So- zialdemokratie das Uebel an der Wurzel packen und d i e Wirtschaftskrise durch eine Reihe von zu- lammenhängenden Maßnahmen zu überwinden versuchen, ohne daß die Lebenshaltung der Massen der Be- völkerung beeinträchtigt wird. Ueberwindung der Wirtschaftskrise ist aber ohne Ueberwindung der finanziellen Schwierigkeiten des Reichs, der Länder und der Gemeinden undenkbar. Ebensowenig wie die Unternehmer die tatsächliche Ueberwindung der Wirtschafts- krise erstreben, ebensowenig wollen sie die wirkliche Gesundung der öffentlichen Finanzen. Je größer die Not der öffentlichen Finanzen tst, um so mehr haben sie Aussicht, die sozialen Aus- gaben abzubauen, die öffentliche Wirtschaft zu zerschlagen, und Reich, Länder und Gemeinden in ihre Abhängigkeit zu zwingen. Diesem Ziel sollen die Forderungen der Unter- nehmer auf Senkung der öffentlichen Ausgaben dienen. Die Unternehmer denken nicht daran, dies« Ersparnisse da zu machen, wo sie ohne Schädigung der Gesamtheit leicht mög- lich sind, sie denken nicht daran, die Ausgaben für Heer und Marine, für Luftfahrt und auswärtige Angelegenheiten zu vermindern. Die militärischen Ausgaben sollen sogar um 40 Millionen Mark erhöht werden. Statt dessen sollen die Sozialausgaben auf einen Schlag um Hunderte von Millionen zusammengestrichen werden. Auch die Sozialdemokratie ist der Auf- fassung, daß in der gegenwärtigen Notlage Reich, Länder und Gemeinden mit äußer st er Sparsamkeit wirtschaften müssen. Aber sie verlangt, daß die Einsparungen da vorgenommen werden, wo sie durchführbar sind, ohne die sozialen und kulturellen Verpflichtungen zu beeinträchtigen. Deshalb setzt sie sich für Verminderung der Wehrausgaben, für Kürzung der hohen Pensionen und für Streichung oder Hinausschiebung aller nicht unbedingt notwendigen öffentlichen Ausgaben ein. Trotz aller Sparsamkeit wird aber die Schaffung erhöhter Einnahmen nicht zu ver- meiden sein. Auch hierfür sind noch eine ganze Reihe von Möglichkeiten vorhanden, die bisher nicht ausgenutzt worden sind. Nach wie vor hält die Sozialdemokratie an ihrer Forderung fest, daß die leistungsfähigen Schichten zur Aufbringung der nötigen Mittel tn erster Linie herangezogen werden müssen. Das kann am besten geschehen durch«inen allgemeinen Zuschlag zur Einkommensteuer der höheren Einkommen. Reichen jedoch diese Mittel zur Deckung der öffenllichen Fehl- betrüge nicht aus, so kann außerdem auf eine besondere Heranziehung der nicht von der Erwerbslosigkeit be- drohten Kreise der Bevölkerung nicht verzichtet werden. Dies sind die Maßnahmen, die die Sozialdemokratie zur Unerhörter privatisierungsskandal. Schwerindustrie und Banken bemächtigen sich der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen. Die vereinigte« Elektrizitätswerke West. f a l e n. bisher da» größte rein kommunale Elektrizitätswerk Deutschland», zugleich das größte Kraftwerk Westfalen», soll dem Prloaltapilal ausgeliefert werden. Die..vossische Zeitung" bringt eine nach unseren Informationen im wesentlichen den Tatsachen ent- sprechende Weldung ans Essen, nach deren Einzelheiten das Schick- sal der vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen als össentliches Unternehmen besiegelt sein wird. Seit langem bestand bei den vEw. ein namhafter Kapital- bedarf. Seit vielen Monaten wurde darüber verhandelt, ob dieser Kapitalbedarf allein von den öffenllichen Anleilinhabern oder durch da» Zusammenwirken öffentlicher und gemischtwirlschastlicher Elettrobetriebe befriedigt werden kann. E» liefen auch Anleihe- Verhandlungen ans dem amerikanischen Kapitalmarkt. Ganz plöh- lich ist nun in diesen Bemühungen eine überraschende Wand- lung eingetreten. Die VEW. soll in ein« Aktiengesellschaft um- gewandelt, ihr Kapital soll von bO aus 120 Millionen erhöht, und die 60 Millionen neuen Aktien sollen von einem Bankenkonsorlium übernommen werden, da» unter der Führung der Deutschen Bant und Visconlo-Gesellschaft steht. Zunächst wird von den privat- bauten ein Kredit von 66 Millionen Mark gewährt sSchuIdschein- darlehen zu 6Z4 proz., Auszahlung 02). der eigentliche Geldgeber für dieses Darlehen ist aber das amerikanische Bankenkonsorlium. das nach Durchführung dieses Kredites und nach lleberlragung der Aklien an die Privatbanken eine weitere Anleihe von 10 Millionen Dollar gewähren will. Den 60 Millionen jungen Aktien wird eine Vorzugsdividende von 6� proz. garantiert. Da» Groß- bankenkonsorlium erhält sofort 10 Aufsichlsraksmandate von 20. Herr Kehl von der D. D. Bank wird stellvertretender Vorsitzender im Aussichtsrat. Dieser bisher ans das sorgfältigste geheimgehaltene Plan soll bereits heute im Aussichtsrat zur Durchführung gebracht werden. Was hier vor sich geht, ist der ungeheuer! ich st e Skan- dal. der sich bisher in der Prioatisierungskampagn« gegemiber der öffentlichen Elektrowirtschaft in Deutschland vollzogen hat. Seit Monaten haben wir auf die ungeheure Gefahr hingewiesen und die Brutalität innner wieder gekennzeichnet, mit der diese Privatisierung von in. und ausländischem Privatkapital betrieben wird. In diesem Fall liegen die Ding« besonders arcivicrend. Wir haben keinen Zweifel daran, daß die gegenwärtig« Leitung der BEW. selbst die neue Wendung begrüßt. Wir hatten schon früher Gelegenheit, uns mit Herrn Krohn« auseinandersetzen zu müssen. Herr Kehl von der Deutschen Bank hat im vorigen Jahr in Düsseldorf durch die Empfehlung der Kapitalbeschaffung durch Substanzverkauf seine jetzt bei dem wichtigsten öffentlichen Objekt durchgeführte Unter- stützung der Privatisierungskampagne durch das Bantkapital an- gekündigt. Wir haben auch keinen Zweifel darüber, daß die Zurückhaltung der amerikanischen Geldgeber eine verabredete ist, um die Privatisierung der BEW. prakti- zieren zu können. Die„Vossssche Zeitung' weist selbst darauf hin, daß es hochwahrscheinlich ist, daß die Rheinisch. West- fälische Elektrizitätswerl«, denen der schwerlndustrielle Generaldirektor Köppchen vorsteht, später vom Bankenkonsortium die 6V Millionen jungen Aktien übernehmen soll. Vach allem, wa» man von den eleklropolltischen Durch- dringungsabsichten amerikanischer Elektrokonzera« weiß, ist e» hoch- wahrscheinlich, daß ein« Zusammenarbeit zwischen Herrn Sehl von der D. D. Bank, Herrn köppchen von RWE. und amerlkanischen Elekkrointeressenlen besteht. Das international« und das deutsch- Finanzkapital, sowie die Schwerindustrie der Ruhr, die das RWE. beherrscht, haben sich also zusammengefunden, um den wichtigsten und möchtigsten Stein au» der öffentlich-kommunalen deutschen Elektrowirtschaft herauszubrechen. Dabei sst der heute zu beschließende Vertrag bewußt als seidene Schnur aufgezogen, um auch in der Zukunft den kommunalen Einfluß zu erdrosseln. Die den Banken garantierte Dorzugsdividende macht es den Kommunen unmöglich. aus ausgeschütteten Gewinnen etwa selbst wieder Aktien zu er- werben. Ferner ist von vornherein jede» Bezugsrecht der Kommunen für die jungen Aktien ausgeschlossen. Mr machen die preußische Regierung, die gegenüber de» bisherigen Anteilsinhabern de» VEW. Aufsichtsrechle wahrzunehmen hat, auf die Rolwendigkeit aufmerksam, sofort gegen den Abschluß eine» derartigen vertrage» ihr Veto einzulegen und die Vertreter der össenllicheu Hand im Auffichtsrat auf ihr« schwere Verantwortung hinzuweisen. Ikfin-mtnbtmg der Mrtschasts- und Finanznoi für crforbcr» lief) hält. Sie konnten hier nur in ihren Grundjügen ge- niürdigt werden. Es wird Aufgabe der nächsten Wochen sein, die Vorschläge im einzelnen genauer zu erörtern. Die Richtlinien. ?ie Richtlinien der Sozialdemokratie zur Dirl- schosts. und Finanzlage haben folgenden Wortlaut: I. Die unsozialen gesetzgeberischen Maßnahmen der Regierung Viumng haben die Finanz- und Wirtschastsnot nicht zu beseitigen vermocht. Die von dieser Regierung aufgestellten neuen Pläne führen zu weiteren ungerechten Belastungen und bedrohen dos Wirt- fchaftsleben aufs neue mit Verminderung der Mastetrkaufkrast. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktwn, ob schon m Opposition, sieht es daher als ihre Pflicht an, geeignete Wege zur Lösung der finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu weisen. II. Eine Senkung des Einkommen« der Arbeiter, Angestellten und Beamten kann die Wirtschaft nicht beleben, sondern mutz die Krise verschärfen. Die gegenwärtige Wirtschaftslage erfordert einen a kl g«- meinen Zlbbau der Preise. Durch Anwendung der Kartell- Verordnung und durch sofortige Herabsetzung derjenigen Zoll«, die lediglich der Hochholding der Inlandspreise dienen, sind diePreise für Rohstoffe und Fertlgerzeug nrsse zu senken. Dabei hat der Abbau der Preise für Baustoffe eine besonder» groß« Bedeutung. Zugleich muß jedoch durch den Abbau der hohen Zwischenhandelsgewinne, durch Beseitigung der Ausnahmesteuer auf die Großladengeschäfte, insbesondere die Konsumvereine, auch der / Abbau der Preise im Kleinverkauf gesichert werden. Die wichkigsie Aufgabe Ist die Schafft, ng neuer ArtieAsgeteze»- heit. Deshalli ist die sofortige Ratifikation der vorbereiteten Handels- vertröge nnd des Genfer Abkommens über den Zollfrieden not- > wendig. Der Diskontsatz der Reichsbank ist zu senken und damit auch auf die Ermäßigung der Zinsen für langfristige Kredit« hin- zuwirlen. Die produktive Erwerbslosenfürsorge und der Klein- Wohnungsbau ist zu fördern durch Bereitstellung größerer Mittel aus der Hauszinssteuer. Alle Finanzierungsmöglichkeiten für den Straßenbau find auszunutzen, die Post- und Fernsprechanlagen be- schieunigt den Bedürfnissen entsprechend zu modernisieren, die Eisen- bahnanlagen zu erneuern und das Eisenbahn- und Wegenetz aus- zubauen. Di« anhaltende Maflcnarbeitslosigkeit macht di« befchleu- nigt« Verabschiedung des A rb« i tsf ch u tz g« s« tz e s unter Sicherung des Achtstundentages und stärkster Einschränkung der Ueberstundcnorbeit erforderlich. Darüber hinaus ist angesichts der fortgeschrittenen Rotionalisicung eine weitere Verkürzung der Slbeitszeit durch internationale Veremborungen anzirstreben. All. Für Acberwindung der Jlnanznol. di« durch die schwere Wirt- Ichastsknsc enkstauden ist, müssen die notwendigen Wittel zur Der,' fügung gestellt werden. J Nur bei einem ausgeglichenen.Haushalt kann die Pflicht der Allgemeinheit zur Fürsorge für die unverschuldet notleidenden Volk». schichten erfüllt werden. Die sozialen Verpflichtungen des Reichs müssen unangetastet bleiben. Das gikt insbesondere von den Leistungen für die Arbeitslosen. 3n der jetzigen Rot ist äußerste Sparsamkeit bei allen Sffent- Nchen Körper schafleu unumgängliche Pflicht. Wenn auch das finanzielle Ausmaß sofort wirksamer Ersparnisse begrenzt ist, so müssen doch die bestehenden Möglichkeiten restlos ausgenutzt werden. Dabei dürfen Verschlechterungen in der Für- sorge für die Kriegsopfer oder bei sozialpolitischen Notwendigkeiten ■ nicht eintreten. Vor ollem müssen die Ausgaben für militärisch« Zweck« erheblich gesenkt werden, ebenso die für d«n auswärtigen Dienst, für die hohen Pensionen und Gehälter und ander« persön- liche und sachliche Zwecke, die mit dem Ernst der Wirtschafts- und Finanzlage nicht im Einklang stehen. Auf Ruhegehalt und Warte- geld ist das sonstige Einkommen bei Ueberschreitung eurer bestimmten Freigrenze anzurechnen. Wartegeldempfänger sind unter T Gewährung der früheren Bezüge zur Uebernahm« von zumutbarer Beschäftigung im öffentlichen Dienst zu oerpskchtm. Durch alle dies« Maßnahmen lassen sich erhebliche Teile des Fehlbetrags decken. Da- neben sind einige größere Ausgabeposten entweder zeitlich zu ver- schieben oder vorübergehend durch Ucberweiftmg van Schuldtiteln auszugleichen. IV. Soweit mit diesen Mitteln eine volle Deckung de» Haushlat» nicht zu erreichen ist. muß sie durch neue Einnahmen herbeigeführt werden. Entsprechend ihrer bisherigen Stellung verfang! die sozialdemokratische Reichstagsfraktion, daß in erster Linie die leistungz- jähigen Volksschichten herangezogen werden. Am besten und gerechtesten kann dos durch einen allgemeinen Zuschlag zur Einkommensteuer auf die höheren Einkommen geschehen, dessen Höhe auf 10 Proz. festzusetzen wäre. Nur wem, durch diesen Zuschlag zur Einkommensteuer die zur Sanierung der öffentlichen Finanzen und zur Aufrechterhaltung der sozialpolitischen Leistungen notwendigen Mittel nicht voll aufgebracht werden können, ist daneben eine Heranziehung der» jcnigcn Volksschichten nicht zu vermeiden, die der Gefahr der Erwerbslosigkeit nicht ausgejctzt sind. Selbstverständliche Voraussetzung ist jedoch, daß diese Abgabe zeitlich befristet wird, daß die kleinen Einkommen von ihr befreit werden und daß sie sozialen Ennazungen Rechnung trägt. V. Um den Zusammenbruch der Gemeindefinanzen dürch die noch immer wachsenden Wohlfahrtsausgaben zu ver- hindern, müssen den Gemeinden di« Ausgaben für die Krisen- fürsorge abgenommen werden. Um zu vermeiden, daß wirtschasts- schädliche Stcusrquellen erneut angespannt werden, ist eine noch der Ausstattung der Gaststötten zu staffelnde Schankverzehr- st euer einzuführen. Die. ol» Bürgerabgab« bezeichnet« Kopf- st e u e r ist abzulehnen. Die Gchattsorfmung« der Länder, Ae. melnbe« und Kärpersch asten des öffentlichen Rechts dürfen die Se- Haltssätze der Reichsbesoldungsordnung nicht Übersteigen. VL Die Steuer- und Wirtschaftspolitik des Reiches muß dem Doppel- zweck dienen, die Finanzen durch Sparsamkeit und gerechte Der- teilung der unvermeidlichen Losten in Ordnung zu bringen und die Wirtschaftskrise zu überwinden, was nur unter Aufrechterhaltung der Lebenshaltung und der Konsuinkroft der breiten Massen mög- llch ist. Eine Politik, die gegen diese Gesichtspunkte verstößt, wird die sozialdemokratische Reichstagsfraktion auf das entschiedenste be- kämpfen. Wo ist ein Kinanzminister? Und wie lauge hält diese Reichsregierung noch? Herr Dietrich hat gestern abend mit dem Reichs- kanzle r Brüning verhandelt, und es heißt, daß er sich der Annahm« des Finanzminifterpostens weniger abgeneigt gezeigt habe, als sein Parteigenosse H ö p k e r- A s ch o f s. Die demokratische Reichstagsfraktion hält dagegen strikt daran fest, daß keines ihrer Mitglieder diese schwere Bürde übernehmen soll: eine Uebernahme des FinanMinisteriums durch Dietrich wäre gleichbedeutend mit einem Konflikt zwischen Dietrich und feiner Fraktion. Roch unfreundlicher als die Demokraten zeigt sich de« Kabinett Brüning gegenüber die Deutsche Bolkspartei. Ihr« Reichstagsfraktion beriet am Montagabend mehrere Stunde» über ihre programmatischen Forderungen zur künftige» Finanz- und Wirtschaftspolitik des Reiches. Die Fraktion kam ohne ausdrückliche Beschlußfassung, nach Mitteilungen. die der Telegraphen-ilnion zugegangen sind, zu dem Ergebnis. daß sie für ein irgendwie geartetes R o t o p f e r, das an das Finanzprogramm Mol�denhauers oder an die preußi- schen Abänderungsvorschläge angelehnt wäre, nicht zu haben ist. Die Reichstagsfraktian der Deutschen Volkspartei will- am Dienstagoormittag vor der in Aussicht genommenen Kabinettssitzung den Reichskanzler Dr. Brüning mit ihren Forderungen vertraut machen. Von der Haltung des Reichs- kanzlers zu diesen Forderungen wird die Deutsche Volkspartei ihr weiteres Verhalten gegenüber dem Kabinett abhängig machen. Die Hoffnung des Reichskanzlers, er werde noch heute abend zum Reichspräsidenten fahren können, ruht danach auf schwankendem Boden. Zumal auch eine Unterredung, die er gestern mit dem Gewaltigen der Volkspartei, Herrn Scholz, gehabt hat,„ohne Ergebnis" geblieben sein soll. So erscheint Deutschland in diesem Augenblick als ein A l l s a ch s e n. Das Bürgertum will die Sozialdemokratie nicht regieren lassen, kann aber selber nicht regieren. Katzenjammer beim Bürgertum. Die Sachsenwahl und der Kamps gegen den Marxismus. In allen Betrachtungen der Berliner Presse über den Ausgan g der Wahlen in Sachsen kehrt der Satz wieder:„Die Volkspartei hat die Quittung für ihre Politik dahin." Sie ist die Geschlagene dieses Wahlkampfes. Mag auch der Verlust der Deutschnationalen an die Nationalsozialisten noch größer sein— im Vordergrunde des Blickfeldes ist überall die Deutsche Volkspartei. Sie hat sich in Thüringen mit den Nationalsozialisten verbündet— dafür ist sie in Sachsen von den Bundesgenossen zusammengehauen worden. Sie hat in Sachsen unentwegt die Parole verkündet: Nieder mit dem Marxismus, und nun liegt sie zerschunden am Wege wie Don Quichotte nach seiner Attacke auf die Windmühlen, während„der Marxismus" fest und unerschüttert dasteht. Das kommt davon! Die Presse der Demokraten und des Zentrums rechnet der Volkspartei ihr Schuldkonto vor— und ganz unverhohlen spricht aus allen diesen Betrachtungen Schadenfreude und Genugtuung darüber, daß die Partei der Krisentreiber nun selbst in eine sehr ernste Krise geraten ist. Ueberhaupt hat.sich die bürgerliche Presse— abgesehen von einigen dummen deutschnationalen Blättern Hugenbergscher Färbung im Lande, die das Wahlergebnis als deutschnotio- ualen Erfolg äüfzufrisieren" bemühen—' in der Kritik des Wahlergebnisses einer ungewöhnlichen Offenheit befleißigt. Die Niederlage der alten bürgerlichen Parteien ist eben von jenem Ausmaß, das keinerlei Beschönigung mehr gestattet. „Der Marxismus" sollte von den Nationalsozialisten dezimiert werden— aber der Schuß ist nach hinten losgegangen und hat die bürgerlichen Parteien getroffen— dieser Schlußfolgerung kann sich. nicht einmal die Berliner Hugenberg- Presse entziehen. Der Gesomteindruck, den die bürgerliche Presse nach der Sachsenwahl bettet, zeigt, wie schwer das Wahlergebnis die alten bürgerlichen Parteien erschüttert und wie groß der Katzenjammer über diesen Ausgang der Marxjstentöterei ist! Die Sorgen der Vottspartei. Söl», 23. Juni.(Etgenberfcht.) Der Wahlausgang iu Sachsen veranlaßt die volks- parteiliche„Kölnische Z« itu n g" zu einer Betrachtung über die Schuld der Volt spartet an ihrem Zusammenbruch, der wir folgendes entnehmen: sticht allein die Finanzpläne Moldenhauers haben der Deutschen Dolkspartei Abbruch getan, ihre Frontstellung gegen den Nationalsozialismus setzte vi«l zu spät ein und war im übrigen, was die Zukunftsplän« anging, nicht klar genug, zumal diethüringischenParteifreundese«Unruhig unter dem K o m ma n d o Fricks bleiben durften. Es mutet wie Ironie an, wenn die Deutsche Volkspartei in ihrem letzten Flug- blatt versichert, sie selbst sei es gewesen, die die Groß« Koalition um der Wirtschaftspartei willen verhindert habe. Gerade umgekehrt hätte die Parole lauten müssen: Bürgerliche Sammlung und Zu- sammenarbeit mit der Sozialdemokratie. Dies« Wahlen hätten nie- nials erfolgen dürfen, das ist di« große Lehr« des 22. Juni. Die Sozialdemokratie war vor der Bildung des Kabinetts Schieck für eine Koalition zu haben, und«in« solche Koalition wär« nicht einmal teuer im portcitaktischen Sinne geworden, wenn man nur geschickt operiert hätte. Für eine neue Regierungsbildung bleibt nur eine Verbindung des Bürgertums(Deutsche Dolkspartei, Wirt- fchaftspartei, Demokraten. Voltsnatwnal« Reichsvereinigung) mit de« Sozialdemo kratt« Ü&rtzj, di« schon ohne Bolls» dienst und Aufwertler«In« tragfähig« Mehrheit— 55:<1— i bringt, wobei anzunehmen ist, daß auch die Aufwertler nicht tatenlos dabei stehen wollen. Ein« sehr ernste Warnung jedoch möchten wir an die sächsischen Instanzen der Deutschen Volt»- Partei, vor allem aber auch an die Reichelettung dieser Partei richten, nämlich, die Warnung, den Freistaat Sachsen unmittelbar oder mittelbar an die Nationalsozialisten auszuliefern. Die Partei weiß, welchen Tendenzen Hitler seinen Erfolg verdankt, und fl« weiß auch, wie es in Thüringen aussieht." Hakenkreuz will regiere«. Das NatwnassoziaKstische Hauptorgan, der«VSlkffche achter", erklärt zum Ereignis der Landtagswahlen in Sachsen: Ldt beherrschende Stellung d«r Nationalsozialist«» sei unbestritten. Die bürgerlichen Parteien feien gezwnugen, mit den Nationalsozialisten zusammen die Re- gierung zu bilden. Es sei selbstverständlich, daß«ms dieser Konstellotion für die Regierungszusammcnsetzung die Folgerungen gezogen werden müßten. Die Nationaksoziabistische Partei werf»« di« Führung der Regierung und vor allem das Innen- Ministerium beanspruchen. Sachsen sei das zweite Land, dos jetzt nach Thüringen unter nationalsozialistischen Einfluß komme. Die mitteldeutsche Varricve fei im Ausbau begriffen. Don dieser Grundtendenz aus werde über kurz oder lang der Vormarsch an- getreten und die Eroberung des Reiches verwirklicht werden. Nun fei Boyern an der Reihe. Auch eine Sonnenwendfeier. Mit Knüppeln, Bierflaschen und Zaunlatten. Koblenz. 23. Juni. Am Samstag nnd Sonntag fanden hier Kundgebungen der Nationalsozialisten aus dein Mittelrheingebiet statt. Im Anschluß an eine Sonnenwendfeier, die am Samstagabend auf der sogenannten Schmittenhöhe bei Koblenz veranstaltet wurde, kain es zu schweren Zusammenstößen in der kleinen Ortschaft Horchheim, in deren Verlauf zwei Personen schwer und etwa zehn Personen leicht verletzt wurden. Die Streifigkeiten nahmen ihren Anfang, als ein Trupp Nationalsozialisten mit aufgerollter Fahne eine Wirtschaft in Horch- heim mit dem Ruf„Heil Hitler" betrat. Mit den in der Wirtschaft anwesenden Gästen, darunter Mitgliedern eines sozialdemokratischen Gesangvereins, kam es dann zu heftigen Zusammenstößen, in deren Verlaus einer der Nationalsozialisten schwere Verletzungen erlitt. Sonntagmorgen geriet dann ein großer Trupp Nationalsozialisten mit den Burschen des Ortes zusammen, es entwickelte sich ein« schwere Keilerei, an der etwa 100 bis ISO Personen b e- teiligt waren. Di« Fensterscheiben verschiedener Häuser wurden mit schweren Steinen eingeworfen. Die Gegner gingen mit Knüppeln. Bierslaschen, Steinen, Zaunlatten usw. auseinander los. Ein aus Koblenz herbeigerufenes Kommando der Schutzpolizei war zunächst zu schwach, um etwas ausrichten zu können. Erst als Verstärkung eintraf, konnten die Gegner auseinander- gebracht werden. Verschiedene Personen wurden zwangsgestellt. Ein Gtahlhelmer schwer verletzt. Schwerin, 23. Juni. In Brahlstorf bei Boizenburg wurde am Sonntagnachmittag ein Stahlhelmangehöriger von siebe» Kommunisten aus offener Straße ü b e r s o l l c n und s ch w e r oe r l e tz t..Der lleherfallene erhielt verschiedene Messerstiche am Kopf. Zein Zustand sst fttfeenklich,„. i �_____ � �.uuUu Hugo Siinnes wieder vor Gericht. Die KriegSanleihefchiebvngen jn zweiter Instanz. Am 24. Juni erscheint Hugo Stinn«, jr. zum zweitenmal vor Gericht; mit ihm sein früherer Sekretär Waldow. sein Direktor Roth mann und die übrigen Mitangeklagten aus dem Kriegsanleihcbetrugsprozeß. Die Staatsanwaltschaft hat sich mit dem Freispruch Hugo Stinnes. Nothmanns, Hirschs und mit den milden Urteilen gegen Waldow und Groß— je drei Monate Gefängnis—, nicht zufrieden gegeben. Sie ist nach wie vor der Ansicht, daß Stinnes Über alle Einzelheiten, unter denen Kriegs- anleihenenbesitz in Kriegsanlcihealtbesitz umgewandelt werde» sollte, von seinem Sekretär Waldow unterrichtet worden war. � Das Gericht erster Instanz hat sich nicht den Standpunkt der Staatsanwaltschaft zu eigen gemachi, Stinnes habe sich mit Ausländern verbunden, um das Deutsche Reich zu schädigen, und hier- durch einen Mangel vaterländischen Empfindens gezeigt, der im Augenblick der Notlage des deutschen Volkes ganz besonders erschwerend ins Gewicht falle. Das Gericht hat wohl angenommen, daß Stinnes allerdings im Mai 1927 bereits den betrügerischen Charakter des Geschäfts erkannt, daß jedoch Waldow nach diesem Zeitpunkt ohne Wisse», und Willen jein.cs Ehefs die Angelegenheit weiter getrieben habe. Das ganze Ver- halten Hugo Stinnes— sagt die Urteilsbegründung—. habe nicht den Gepflogenheiten eines ehrsainen Kaufmanns entsprochen und das Gericht habe erheblichen Verdacht, daß er schon von An- fang an bösartig gehandelt habe. Die letztc Gewißheit dafür habe es sich aber nicht verschaffen können. Gelingt es der �Staatsanwalt diesmal, diese», letzten Zweifel des Gerichts zu zerstreuen, so dürfte Stinnes dem Gefängnis kaum entgehen. Berufui�sverhandlungen sind für Angeklagte in der Regel von Vorteil; das öffentliche Interesse wendet sich ihnen nicht in dem Maße z» wie den Prozessen erster Instanz. Der Ausgang des Prozesses kann im Augenblick»ich, vorausgesagt werden. Eins ist jedoch klar: eine moralische Rehabilitierung wird Stinnes dabei wicht«fahr«». Hoppe, Hoppe, Retter! Wie gern trägt Papa Hngenberg Beängstigend wird sein Gewicht Als Hottehü den Hitlerzwerg. Das Hugenpferdchen schafft es nicht. Allein— die Sache ist verhext: Zn Boden sinkt es siech und matt, Oer Hitlerknabe wächst und wächst. Oer feiste Beiter drückt es platt. So seltsam endet manchesmal Ein Bündnis.— Siehe Sachsenwahl! Wird Spanien Republik? SensaiioneNe Verhandlungen zwischen König Alfons und Santiago Alba. Fort mit pilsudM! Hevte Opposttionskongreß in Krakau. D« polnischen Parteien des Zentrum» und der Link« haben «ine überaus scharf gegen da» gegenwärtig« Negierungsfystem ge- richtet« Entschließung gefaßt. In diesem Schriftstück, da» iluftakt zum Krakauer Oppositions-Kongreß am 24. Irni ist, heißt es: Der polnische Staat befindet sich tu einer schweren staat». politischen und wirtschaftlichen Krise, die eine Katastrophe her- oufzubeschwören droht. Die Reglerung ist nicht imstande, die Krise zu überwinden, schaltet aber gleichzeitig da» Parlament au», wodurch die staatliche Wirtschaft empfindlichen Schaden erleidet. Der Sejm ist nicht da» Hindern!» für die Beflerung der Verhältnisse, da er bereit ist, seine Pflücht zu erfüllen. Di« Regierung allein ist verantwortlich für die Staotstrise und für die Katastrophe der arbeitenden Bevölkerung in Stadt und Land. Der gegenwärtige Zustand einer tatsächlichen Diktator Joseph pilsudski», bei gleichzeitiger scheinbarer Zlufrechterhalwng eine, Parlament». ist in sich widerspruchsvoll und kann ohne Katastrophe für den titaat nicht länger aufrecht erhalten werden. Bskonnt ist die Aeußerung Pilsudskis, daß er olle drei polnischen Sejm» am Arbeiten gehindert hat; die» müsse jedermann mit Entsetzen erfüllen. Mit Bedauern muß noch festgestellt werden, daß sich dieser Aktion der Lahmlegung von Sejm und Senat auch das Staatsoberhaupt angefchlosien hat. Zlngestchts dessen muh der Rücktritt der dikkatorifchen Reglerung Joseph pilsndfkl» und die Bildung einer verfassungsmäßigen Regierung, die gemeinsam mit dem Parlament den Kampf gegen die Sftrt- schaftskatastrophe und da» Elend der arbeitenden Bevölkerung von Stadt und Land aufnehmen kann, gefordert werden. Diese politische Erklärung der sechs oppositionellen Parteien wird von der gesamten Oppositionspress« der Linken und auch der Rechten an lestender Stelle wiedergegeben. Di« Regierungspresse, die dem Manifest nur wenige meist abfällige Zeilen widmet, erhebt dabei gegen die Opposition den Vorwurf der Demagogie, und der Sehnsucht nach der Macht. Thronbesteigung Otios? Monarchifienvorbereitungen in Brüssel. London, 23. Juni.(Eigenbericht.) Die englischen Moirtagszeitungen berichten aus Brüssel, daß zahircich« ungarische Monarchistenführer bei der in Belgien wohnen- den Exkaiserin Zita eingetroffen seien, um die Thronbesteigung ihres 18jährigen Sohnes Otto als König von Ungarn vorzubereiten. llngarisches Dementi. Budapest. 23. Juni.(WTB.) Zu den Nachrichten über ein« beoorstchcnde ungarische Königs- n röche wird an zuständiger Stelle erklärt, daß alle Gerüchte und Kombinationen, die mit dieser Frage im Zusammenhang stünden, so z. B. auch die Rolle, die man itali enischen M ilitär» bei ler Restauration zuschreibe, in vollem Umfange Erfindungen fiten. Der Ministerpräsident habe bei seinem Aufenthalt m London incderholt betont, die Königsfrage in Ungarn fei nicht aktuell. Der Standpunkt der ungarischen Regierung in dieisekTZrag» Hache sich nicht geändert und olle Gerüchte, die mit der Restauration in Ungarn zusammenhängen, könnten daher nur tendenziösen Zwecken dienen. Kommunistenprozesse. Budapest, 28. ftartl Der Stoatsgerichtshof begann die Verhandlung der ersten Gruppe der Kommumstenprozesse, in denen 106 Personen unter Anklage sieben. Es standen der Priootbeamt« Ladislaus S ch i l« Ii ii g" r und 33 Mitangeklagte vor Gericht, die beschuldigt waren. im Äustroq der Wiener kommunistischen Zentrale den Versuch ge- macht zu haben, in Ungarn kommunistische Zellen zu organisieren. Der Staatsanwalt beantragt« den Ausschluß der Oeffent- l i ch k c i t. Mittwoch wird der Gerichtshof fein« Entscheidung dar- über verkünden. Krankreichs Rüstungswahnsinn. Renaudel warnt. pari», 23. Juni.(Eigenbericht.) Der sozialistisch« Abgeordnete Re naudel protestiert im„Po- pillaire" gegen die ungeheuer wachsenden Militär- ausgaben Frankreichs. Zehn Jahre lang— so erklärte Renaudcl— habe man im Budget alljährlich.hunderte von Millionen für laufende Armee- kosten verausgabt. Vor kurzem habe man 3,5 Milliarden Franken bewilligt für neue Festungsbauten(1 Milliarde Franken gleich 160 Millionen Mark. Red. d.„V."). Jetzt verlang« Tardieu eine neue Milliarde, um die erschöpften Materialbestände wieder aufzufüllen. Dabei erkläre er gleichzeitig, daß im Lause der nächsten Jahre nicht weniger als 10,5 Milliarden für die notwendigen Ergänzungen der französischen Rüstungen erfor- derlich seien. Man müsse sich fragen, wo diese Rüstungspolitik hin- f ü h r e n solle. Gewiß sei es nicht zu leugnen, daß„gewisse Diktaturen eine wahre Kriegsgefahr bedeute- t e n", ober deshalb könne man doch nicht vom Parlament verlongen, daß es. die neuen Milliardenkredite wortlos und mit geschlossenen Augen genedmige. Schon jetzt Hab« sich herausgestellt, daß man der öffentlichen Meinung die wahrheii über die Sricgskosten bei den Feldzügen in Marokko und Syrien insofern verheimlicht habe, als man die Brandschatzung der Materialbestände erst jetzt zugestel?e. Was hob« man mit der neuen Rüstunzspolitik vor? Be- obsichtige man etwa nachträglich die einjährige Dienstzeit, jene teuer genug erkämpfte Reform, Aieder aufzugeben? Paul Doncour sei einst in der Abrüstungskommifsion des Völkerbundes im Namen Frankreicks für einen allgemeinen Rüstungsstillstand eingetreten. Wolle man jetzt die entgegengesetzte Politik treiben und' ein neues Rüstungswettrenncn aufnehmen, das unfehlbar zu einem schlimmen Ende führen müsse? Die Möglichkeit eines monarchistischen Staats- st r c i ch c s i n II n g a r n— so schließt Remnckel— werde nament- [ick von den bürgerlichen Blättern in Paris genau so wohl- wollend behandelt, wie di'e Rückkehr Earols nach Rumänien. Die nationalistische..Libertä' bringe es sogar in paradoxem Widerspruch zu ihrer sonstigen Völkerbunds, und paktsoindlichen Politik fertig, den Regierungen von Prag. Belgrad und Bukarest die wohlmeinende TSarnung zu erteilen, daß sie gegen den Kell�ogg-Patt ver- stießen, wenn fie gegen linear» zmWI wach» nfet« Auf der Durchreis« nach London hatte König Alfons von Spanien in Paris längere Besprechungen mit dem führenden Po- litiker Santiago Alba, dem er die Bildung der Regierung anbot. Anscheinend fühlt er, dnß es mit seinem Freunde Berenguer nicht mehr viel länger weitergeht. Alba soll sich nun. nach einem Bericht des JEemps*, zu der Regieren gsü bernahme unter der Bedingung bereiterklärt haben, daß nicht nur eine völlig demokratisch-parlamentarische Versassungsreform gewährleistet, sondern auch ausdrücklich erklärt werde, daß. fall, die wohl» eise republikanische wehrheil ergeben, der jetzige König Präsident ans Lebenszeit werde. Er könne aber dt« Bildung de» Kabinetts nur dann über- Pehmen, wenn er sich aus die Kräfte der L i n k« n stützen könne und auch die Republikaner und Sozialisten In die Regierung elnkreten. �-v Senaisausschuß für Mottenpakt. Niederlage der amerikanischen Rüstvngsfanatiker. washinglon. 23. Juni. ver Senaisausfchvß für auswärkige Angelegenheilen hat dem Londoner Flolleupakl mit 16 gegen 4 Stimmen z u. gestimmt Das Aegypterparlament trotzt. Sihvng ungeachtet der Vertagung. London, 23. Juni. Trotz der Vertagung des ägyptischen Parlaments um einen Monat durch die ägyptische Regierung haben sich am Montag Mit- glieder des Senats und der Kammer zu einer verabredeten Zeit vor dem Parlamentsgebäude versammelt und, indem sie«ine Polizeikette durchbrachen, sich den Eintritt in das Parlament erzwungen. Die Mitglieder hielten dann«ine Sitzung ab, die etwa eine halbe Stund« dauerte. Ein« wohl ägyptisch-offiziös« Meldung besagt dagegen: Der Präsident der Kammer Hot es abgelehnt, der Regierung die Zusicherung zu geben, daß nach Verlesung des Vertagungsdekrets Rehen in der Kammer nicht mehr geholten werden. Die Regierung hat daraufhin beschlossen, die für Nachmittag anberamnt gewesene Sitzung der Kammer und des Senats zu verbieten. Ein starkes Polizeiaufgebot hat die Deputterten am Betreten des Hauses verhindert. Kreiheit von England. Indien bereit sär eine„llebergangsperiode". London. 23. Juni.(Eigenbericht.) Der indische Berichterstatter des„Daily Herold" hatte eine Unterredung mit N chru, dem gegenwärtigen PrästdeMen des indischen Nationälkongresses. N e h r u erklärt«, daß sich die anglo- indische Regierung täuschen werde, wenn sie glaubt, durch Ge- malt die Boykottbcwegung und die Gesetzesübertretungen nieder- zuschlagen und verhindern zu können, lieber die kommende anglo- britische Konferenz befragt, erklärt« Nehm, nur bei der Ausichcvung, daß die Konferenz den Zweck habe, ein„freies Indien' zu schaffen, wäre er bereits nach London zu gehen. Irgendwelche leeren Versprechungen über Dominion st atus und ähnliches mehr würden ihn irk. dazu bewegen können, an der Konferenz teil- zunehmen.„Wir nnisien Herren in unserem eigenen Hause bleibe»'. erklärte der Stellvertreter Gandhis,„ober wir sind bereit, vcrnüns- tige Vorschläge für ein« Uebergangsperiod« anzunehmen, in der die Regierungsgewalt und die Verwaltung au» den britischen Händen in indische Hände Übergehen könne. Wir müssen in London mit dem britischen Volk von Nation zu Nation und auf gleichem Fuße verhandeln können. Nicht einmal die große Aiitoriiät Gandhis ist heute imstande, dem indischen Kongreß eine Teilnahme an der Londoner Konferenz empfehlen zu können, wenn nickst die Freiheit Indien» von England zugesichert und eine Bor. »- rn m»- uiT.fL* eZUPHMW 1» v»»eryO«WWG gegwm pttm, j, s. Das sensationelle Ergebnis dieser Aussprache war nun, immer dem„Temps' zufolge, der diesen Tag als den wich- tigsten in der spanischen Geschichte seit 55 Jahren nennt, daß sich König Alfons mil den Vorschlägen und Bedingungen SanNago Albas einverstanden erklärte. Ein« in der gestrigen französischen Abendpresse veröffentkichte längere Erklärung Albas über seine Unterredung mit Alfvns und über seine Verfössungspläne ist mit ausdrücklicher Zustimmung des Königs erschienen. Demnach würde dieser erkannt haben, daß sein Kamps für die Erhaltung der Monorchie aussichtslos ist und er würde sich also mit der Republik abfinden, zumal ihm selbst darin die Rolle des Staatsoberhauptes zufiel«. Da der taubstumme Kronprinz sowieso nicht für den Thron in Frage kommt, wäre das für Alfons noch die relativ beste Lösung, ganz abgesehen von der Gefahr einer Der- jogung durch-ein« gewaltsame Revolution. Britische Kolonialkonferenz. London, 23. Juni.(Eigenbericht.) In London ist am Montag die britisch« Kolonial« konferenz zusammengetreten. Ihre Dauer ist auf drei Wochen berechnet. 36 Kolonien, Mandatsländer und Protektoraie sind ver- treten. Sie umfassen zwei Millionen Suadrotmeileil Land und eine Bevölkerung von 500 Millionen Menschen. Sidney Webb(Lord P a ß s! e l d), der die Tagung eröffnete, erklärt«, daß das Wohl der«ingeborenen Bevölkerung an der Spitze aller Be- trachtnngen stehen müsse. Baldwin lehnt Mitarbeit ab. Macdvnalb erklärte am Montag Im Unterhaus, Daldwin habe ihm brieflich mitgeteilt, daß die Konservativen es ab« lehnten/ in ein gemeinsames Komitee zur B c- kämpfung der Arbeitslosigkeit einzutreten. Die Be- ratungen mit den Liberalen werden in den nächsten Tagen aus- genommen. Kinanzausgleich in Preußen. Abschlußberatung im Hauptausschuß. Der Haupiausfchuß des Preußischen Landtages brachtst am Montag die Vorberottmg des preußischen Finanzaus. gi e i ch s mit einer eingehendcn Aussprache über die Verteilung der Kraflsahrzeugsteuer zum Mschluß. Annahme fand ein Antrag, wonach Berlin aus der Kraftfahrzeugfteucr«in Voraus von 1,5 Millionen Mark erhalten soll. Abgelehnt wurden dagegen die Anträge, wonach auch Ostpreußen und die Grenzmark Posen- Westpreußen Voran sb« träge erholten sollten. In der Gesamtvcrtcilung muß Berlin 0,50 Proz. abgeben, die für die RHeinprovinz und Wiesbaden Verwendung finden sollen. Der Betrog für die RHeinprovinz wurden von 16.5 auf 16,9 Prog. erhöht, der für Wiesbaden von 3L5 auf 3,35 Prog. Insgesamt erhält Berlin statt 2,3 rund 3,5 Millionen Mark. Schließlich fand auch ein Antrag des Zentrums Annohme, wonach für den Haushalt 1931 die Meßzahl von 60 auf 50 Schulkinder herabgesetzt werden soll. Mazedonier-Razzia. Bulgarische Negierung sucht Ruhe zu schaffen. Sosla. 23. Juni. Am Sonnabend und Sonntag umstellte die Polizei die Häuser« oiertel, in denen bekannte Mazedonier wohnen, und nahm an Hand vorbereiteter Listen eine Durchsuchung der Wohnungen vor. Mehrere angesehene Mazedonier, darunter Mitglieder des legalen Nationaltomitees und ehemalige Abgeordnete, wurden ver» haftet. Der Präsident des Nationalkomitees legt« sofort beim Innenminister Protest ein, worauf einig« Verhaftungen rück- ?& n g i g gemacht wurden. Gleichzeitig wurden ähnlicke Polizei- razzien in P et ritsch und Küste ndil durchgeführt. Die Razzia sollie alle ruhestörenden mazedonischen Elemente aus den Grenzgebieten entjernen. Man suchte besonders»ach den Mit- arbeitern Iwan Michailofjs, nach Ehatroff unh Drangoff, die aber nicht ergriffen iwitbeu. Die Wirkung von Oeynhausen. Christliche Propaganda sür Lohnsenkung. Vi« 5irma Krupp Hai. wie aus Essen gemeldet wird, eim Regierungspräsidenten beantragt, 1 JJroj. ihrer Essener Belegschast entlassen zu dürfen, von den Entlassungen wer- den in der Hauptsache die in hütlenbelrieben Beschäftigten betroffen. Zur Verteidigung der Verbindlichkeitserklärung des Schieds- spruches von Oeynhausen ist ins Feld geführt worden, doh durch die„Preissenkung" eine Absatzsteigerung zu erwarten sei und die gleichzeitig vorgenommen« Lohnsenkung sich nicht auswirken werde oder wenigstens erheblich gemildert würde infolge einer stärkeren Beschäftigung. Die Firma Krupp gibt auf diese illusio. nären Erwägungen die ernüchternde Antwort. Di« Preissenkung, die bisher vorgenommen wurde, ist so ge- r i n g f ü g i g, daß sie ohne Einfluß auf den Absatz bleiben muß. Damit fällt aber das stärkste Argument für den„Lohnumbau", wie der zweite Vorsitzende des Christlichen Mctallarbeiterverbandcs verschämt die Lohnsenkung nennt. In einem zweiten Artikel im„Deutschen" oersuchte Schmitz nochmals den Schiedsspruch von Oeynhausen zu verteidigen. Er würde sich sehr hüten, den Mitgliedern seines Verbandes im Be- reiche der Nordwestlichen Schwereifenindustrie die Argumente vor- zuführen, die er im„Deutschen" an den Mann bringt. Er erzählt den Lesern des„Deutschen", daß die niedriger entlohnten Gruppen durch den Schiedsspruch von Oeynhausen aufgebessert worden seien. Wenn er diese Mär in Essen oder Bochum in einer Mitglieder- Versammlung seines Verbandes erzählen würde, dann wäre der sichere Erfolg, daß er schleunigst� von der Rednertribüne verschwin- den müßte. Man kann kaum ernst bleiben, wenn man den Erguß des zwei- ten Vorsitzenden des Christlichen Metallarbeiterverbandes liest. Als selbstgewählter Diktator der deutschen Wirtschaft gibt er an, wie der„Lohnumbau" vorgenommen werden müßte, wie die Preise gesenkt werden müßten, wie dadurch neu« Kaufkraft entstehen und neue Absatzsteigerung eintreten müßten. Schließlich gesteht Schmitz: „In der Westdeutschen Eisenindustrie ist es nur in beschei- d e n e m Maße gelungen, die Vorbedingungen für diesen Umbau dergestalt zu schaffen, daß in den unteren Lohngruppen befriedi- gend aufgebessert werden müßte... Das ist bedauerlich, um so mehr sollte man veranlaßt sein, in anderen Gebieten und in anderen Berufen zu tun, was die Stunde er. fordert." Schmitz fordert also hier ziemlich unverblümt den Lohn» abbauaufderganzenLinie. Wenn er noch immer zweiter Vorsitzender des Christlichen Metallarbeiterverbandes und nicht Syndikus der Nordwestlichen Unternehmergruppe ist, so liegt das wohl hauptsächlich daran, daß die Unternehmer sich gescheitere Leute als Herrn Schmitz zu Syndici zu wählen pflegen. . Der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Nordwest lichen Gruppe der Eisen- und Stahlindustriellen, der Staats- anwalt a. D. Grauert, schreibt gleichzeitig in der„Deutschen Bergwerks-Zeiiung" ein„Nachwort zum Oeynhausener Schicds» spruch". In diesem Nachwort gibt der Un�ernehmeroertretcr ohne weiteres zu, daß es sich bei der Lohnsenkung handelt um die .„Kürzung eines Ueberverdienstes, der lediglich durch die Leistung des Arbeiters hervorgerufen wird". Und über die Preis. senkung sagt Grauert u. a.: „Bei der weilerverarbeitenden Industrie ds Reviers, die fast noch l00 000 Arbeiter beschäftigt, kann nalür- lich(!) der Preisabbau zahlenmäßig nicht mit der Lohnseiiikung in Verbindung gebracht werden." Ob die weiterverarbeitende Industrie also überhaupt eine Preissenkung, selbst eine so ungenügend« wie die der Schwer» industrie vornimmt, ob sie Preissenkung der Rohstoffe plus Lohn- senkung einfach in die Tasche steckt, darüber hat Herr Stegerwald überhaupt keine Kontrolle. Sicher ist nur, daß bei 100 OVO Arbeitern eine Lohnsenkung von 7� Proz. vorgenommen wird. Welche Auswirkungen sich die Schwerindustrie selbst von ihrer famosen„Preissenkung" verspricht, dafür zeugt der eingangs er- wähnte Antrag der Firma Krupp. Aus allen Industrien und allen Teilen des Reichs mehren sich die Nachrichten über bcabsich igte Lohnsenkungen. Wir warten ober immer noch auf die Nach- richten von Kartellen, besonders aus der Konsumgüterindustrie, daß sie ihre Preis« senken. Die deutschen Unternehmer bewähren In dieser Krise ihren be« gründeten Ruf als Wirtschaftsstümper. Um den Absatz zu steigern. wollen sie die Löhn« senken. Das ist nicht neu. Noch immer haben die deutschen Gewerkschaften durch ihren Kampf um höhere Löhne die Unternehmer zu einer besseren wirtschaftlichen Einsicht zw in- gen müssen. Neu ist höchstens, daß ein Reichsarbeitsminister, der selbst aus der christlichen Gewerkschaftsbewegung hervorgegangen ist, die selbstmörderische Theorie der deutschen Unternehmer sank- tioniert und daß ein aktiver christlicher Gewerkschafter sich zum Propagandisten der Lohnsenkungstheorie macht. Kontinente im Weltarbeitsamt. Thomas für regionale Dezentralisierung. Genf, 23 Juni.(Eigenbericht.) Heut« mittag hat die Internationale Arbeitskonfcrenz die all- gemein« Debatte über den Tätigkeitsbericht des Arbeitsamts mit der üblichen großen Antwortrede des Amtsdirektors Alber Thomas auf die wenigen Kritiker und zahlreichen Lobredner seiner Geschäfts- führung geschlossen. Albert Thomas streifte dabei wie immer die Wirtschafts- und sozialpolitische Lage und erklärte sich bereit, alle in der allgemeinen Debatte gemachten neuen Anregungen gewissenhast zu prüfen: jedoch trat er auf die brennendsten Detailprobleme, wie die Arbeitslosigkeit, die Zusammenarbeit von Arbei tzebern und Ar- beitern, nicht näher ein und verwandte den größten Teil seiner Aus» führungen darauf, die Arbeitsmethoden der Internationalen Ar- beitsorganisation in den nächsten zehn Iahren zu erläutern und ihre Fortbildung zu begründen. Vor einer gewissen regionalen Dezentralisierung der Tätigkeit der Internationalen Organisation, so zun, Beispiel auch insbesondere ostasiatischen oder panamerikanischen Arbeitskonferenzen oder besonderen Abkommen hat der Arbeitsamtsdirektor keinerlei Befürchtungen unter dem Borbehalt, daß die allgemeinen Arbeitskonferenzen und das Internationale Arbeitsamt immer das Zentrum bleiben zur Aufstellung der leitenden Grundsätze und zur Kontrolle aller Sonderbesprechungen und Sondervereinbarungen. Indem Albert Thomas einem Vorschlag des französischen Arbelt- gebervertreters für die Schaffung eines besonderen Initiativ- a u s s ch u s s e s des Verwaltungsrates zustimmte, dessen Aufgabe es wäre, ein Arbeitsprogramm für die nächsten zwei bis drei Jahre aufzustellen und in den Arbeitskonferenzen zur Diskussion zu bringen, unterstrich er den bisherigen Teil der Internationalen Ar- beitsorganisation für die Anregung und das Zustandekommen der Weltwirtschaftskonferenz und der Zollfriedenskonferenz. Albert Thomas schloß seine vom vollbesetzten Saal mit langem Beifall aus- genommenen eineinviertelstündige Rede mit einem schwedischen Vers: Daß man zum Himmel schauen müsse, wenn man einen Bau erklettern wolle. Verbandstag der Schuhmacher. 20000 Schuharbeiter„rationalisiert" Im Magdeburg trat am Montag der 23. Berbandstag des Zentralverb andcs der Schuhmacher zitsammen. Anwesend waren 63 Delegierte, sechs Vorstairdsmitglieder,«in Redakteur des Derbandsorgans und der Vorsitzende des Venbaiidsausschusses. Der Eröffnungskommers am Vorabend gestaltete sich zu einer großen Ehrung des ersten Vorsitzenden des Verbandes, Simon. Es sind gerade 30 Jahr« her, daß Simon, und zwar auch auf einem Ver- bandstag in Magdeburg, zum Vorsitzenden des Verbandes gewählt worden ist. Die Eröffnungssitzung leiteten Begrüßungsansprachen ein. Rockstroh sprach für die Zahlstelle Magdeburg des Verbandes, Stadtrat Haupt, einer der Gründer des Verbandes, überbrachte die Grüß« des Magistrats der Stadt Magdeburg. Porsitzender Simon hieß die ausländischen Gäste willkommen und schilderte dann die schwer« Krise der Schu Hindu st ri«. Der Durchschnitt der Arbeitsiosigkeit betrug bei 13,3 Proz. der übrigen Verbände 1S.4 Proz. Dabei ist die Arbeitsleistung pro Kops um 10 Proz. gestiegen. Di« Rationalisierung hat mindestens 20 000 Arbeiter i n der Schuhindustrie freigestellt. Den Mansfelder Bergarbeitern, die im Kampfe gegen den Lohnabbau stehen, gilt unsere stärkst« Sympathie. Der Oeynhausener Schiedsspruch griff daneben. Durch Lohnabbau und versprochen« Preissenkung kann die Wirtschaft nicht angekurbelt weiden. Abgesehen davon, daß die Arbeiter nicht von billigerem Eisen, sondern von ganz anderen Dingen leben, kommt es darauf an, durch Hebungder Kaufkraft den Inlandsmarkt zu heben. Den Geschäftsbericht erstattet« der zweite Vorsitzende Lex. Er warnte vor übereilten Schritten in der Frag« der In- dustrieverbänd« und verteidigte die Ausschlüsse der tom. munistffchen Quertreiber, die trotz Warnung durch den Vorstand kom- munistische, gegen die Gewerkschaften gerichtete Kongresse besuchten Auch die Ausschlüsse derjenigen, die den Detriebsrätewahllisten solch« der Kommunisten entgegensetzten, seien notwendig gewesen. „Diese Schädlinge des Verbandes haben es in Berlin und Weißenfels glücklich zur Spaltung gebracht." Es ist erfreulich— betont« Lex— daß die übergroße Mehrhxit der Mitgliedschaft die Haltung des Vor- standes bei den letzten Tarisoerhandlungen oevstanden und gebilligt hat— trotz koinmunistischer Begeiferung der Unterhändler. Lex schloß unter stürmischem Beijall mit der Aufforderung zur Einigung und Treu« zum Verband«. Die Eisenbahner wehren sich. Gegen die �Sparmaßnahmen" der Reichsbahn. Die im Einheitsverbond organisierten Eisenbahner beschäftigten sich am Freitag in einer Protestoersammlung mit den„Spormaß- nahmen" der Reichsbahngesellschaft, die sich wie üblich in erster Linie gegen die Arbeiter und unteren Beamten richten. Ein Mitglied des Hauptbetriebsrats schildert« zunächst die Ursachen, die die Reichsbahn zu ihren Sparmaßnahmen oeranlaßt haben. Der Verkehrsrückgang als Folge der allgemeinen Wirt- schaftskrise und die entsprechende Mindereinnahme wirkt sich notür- lich auch auf den Arbeitsanfall in den Reichsbahnwerkstätten aus. Entgegen den normalen Derkehrszeitcn beträgt zur Zeit der Ar- beitsausfall etwa 14 Proz. Zur Anpassung des Personalbestandes an den Arbeitsausfall plante die Verwaltung etwa 6000 Werkstattarbeiter zu entlassen. Do- zu sollten noch etwa 3000 bis 4000 Arbeiter kommen, für die Arbeitsmangel dadurch eingetreten ist, daß 1200 repariert« Reserve- lokomotiven und eine ganz« Anzahl ebenfalls reparierter Güter- wagen in den Betrieb einbezogen werden sollen. Durch das Eingreifen der Organisation ist es gelungen, diese Massenentlassungen abzuwenden. Nach anfänglichem Sträuben hat sich die Verwaltung bereit erklärt, vom 1. Juli bis 1. Oktober die Arbeitszeit von Sil auf S Stunden zu vertürzea. Darüber hinaus sollen aber in mehreren Werkstätten monatlich noch bis zu zwei Feierschichten«ingelegt und im ganzen Reich 1730 lverkslaltarbeiler abgebaut werden. Um nicht 8000 bis 10 000 Arbeiter dem Elend der Arbeitslosigkeit zu � überantworten, mußte sich die Organisation notgedrungen mit diesem Berhandlungsergebnis einverstanden erklären, dessen einziges begrüßenswertes Resultat die endliche Einführung des Achtstundentages ist. Für Berlin wirken sich die Sparmaßnahmen so aus, daß 30 Arbeiter entlassen werden. Der Bezirksbelriebsrat wird sich dafür einsetzen, daß in allen Werkstätten Feierschichten eingelegt werden, und zwar nicht schematisch zwei, sondern möglichst nur ein« je Monat. Diese Feierschichten dürfen nicht gleich für die drei Monate im voraus festgelegt werden, sondern für jeden Monat besonders. Bon den Mitgliedern wurde die Regelung, wie sie der Einheitsverband herbeigeführt Hot, ausnahmslos anerkannt. Der Orgonisotionsleitung wurde nahegelegt, alles aufzubieten, um zu verhindern, daß die Reichsbahn nach dem 1. Oktober trotz der Lohneinbuße wieder mit neuen Abbauvorschlägen auf den Plan tritt und die Opfer der Arbeiter umsonst gebracht sind. Tagung der Berufsfeuerwehrmänner. Räch dem Zusammenschluß mit dem Gesawtverband. Die Reichsfachgruppe der Berufsfeuerwehr. männer im Gesamtverband hat dieser Tage in S t u t t. gart ihre erste Reichsfachgruppentag 11 ng abgehalten Den Geschäftsbericht erstattete der Dorsitzende der Reichsfachgruppe. G r 0 l l m u s. Di« Entwicklung feit dem Zusammenschluß, führte Grollmus aus, habe den Peffimssten unrecht gegeben. Der Zusammenschluß habe einen Mitgliederzuwachs gebrocht. So sehr die Der» I luste durch kommunistische Ouertretbereken zu de» dauern seien— die Gesomtmitgliederzahl der Reichsfachgruppe habe sich e r h ö h t— trotz Kommunisten und trotz K 0 m b a. Wie rück- sichtslos der Komba für sich agitieren lasse, zeige die Tatfache, daß, wie aus Köln gemeldet werde, ein Kollege zum Pfarrer des zuständigen Pfarramtes gerufen worden sei, wo man ihm anHeim gestellt hat, mit Rücksicht auf sein Seelenheil(!) aus dcm freigewerkschaftlichen Verband auszuscheiden und sich der Fach- giuppe Feuerwehr un Koba anzuschließen. Die Abrechnung mit dem Gesamtverband habe ergeben, daß der Verband deutscher Berufsfeuerwehrmanner bei dem Zusammenschluß über ein Vermögen von rund 113 000 Mark ver- fügte. Damit sei der Nachweis erbracht, daß nicht finanzielle Sorge den Zusammenschluß veranlaßt habe, sondern nur die ideelle Einstellung der Mitglieder. Die Eingliederung sei glatt oonstatten gegangen. Verbandssekretär George, der über die Abteilung In du» strie berichtete, kritisierte den Mißstand, daß keine Verpflichtung zur Aufrechterhaltung des industriellen Feuerschutzes bestehe. Bon den industriellen Berufsfeuerwehren seien im vergangenen Jahr insgesamt 63 Lohnbewegungen in 50 Orten und 60 Betrieben und 1414 Beteiligten durchgesührt worden— davon 55 mit Erfolg. Ta- rifvertragliche Regelung über die Arbeitszeit seien leider nur für 13 Betriebe vorhanden, obwohl die Arbeitszeit der Feuerwehrleute nach Z 2 der Arbeitszeitverordnung durch Vereinbarung zwischen Ar- beitgeber und Gewerkschaft geregelt werden müsse, wenn Bereit- schastsdienst vorliege. „G e m e i n de b ea m te n b e foldung und Feuerwehr- t ä t i g k e i t" wurden von Professor Dr. C h a> e s- Berlin be- sprachen. Sein Vortrag wurde in einer von der Reichsfachgruppen- konferenz angenommenen Entschließung zusammengefaßt. Verbandssekretär M a a k sprach über das„Beamte nver- t r e t n n g s g e s e tz".— lieber„P 0 u n g- P l a n, Finanzwirtschaft und Beamtenbesoldung" sprach Lengers- darf. In der an sein« Ausführungen anknüpfenden und«instim- mig angenommenen Entschließung fordert der Reichsfach- gruppentag von der politischen Vertretung der deutschen Arbeit- nehmerschast, daß sie sich auch weiterhin dem Raubzug der christlich- nationalen Regierung gegen dik Schaffenden ebenso erfolgreich ent- gegenstellt wie bisher. Verbandssekretär Georg« behandelte die Frage des berufsmäßigen Feuerschutzes. Seine der Tagung empfohlene und ebenfalls einstimmig angenommen« Ent- schließung weist auf den ungeheuren Schaden hin, der all- jährlich durch Brände und Unglücksfälle entsteht und fordert dringend Verbesserung der Borbeugungsmahnahmen gegen diese Ver- luste. Einrichtungen, wie sie für Theaterbetriebe und einzelne Groß- betriebe seit Jahrzehnten bestehen, und wie sie Preußen für die Warenhäuser geschaffen habe, müßten in allen Bettieben eingeführt werden, in denen die hohen Zahlen der Belegschafte» oder die Gc° fährlichkeit der verwendeten Stoffe besondere Sicherheitsmaßnahmen erfordern. Die bisherige Reichsleitung des Verbandes deutscher Be- rufsfeuerwehrniänner wurde wiedergewählt, der Vorsitzende Grollmus einstimmig. Tarifabfchsuß bei den Reichsverwaliungen. Für die Arbeiter bei den Reichsverwaltungen ist ein neuer Manteltarifvertrag abgeschlossen worden. Die ieer- Handlungen, die sich mehrere Monate hinzogen, standen in Anbe- tracht der schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse unter einem un- günstigen Stern. Trotzdem ist es den Organisationen gelungen, in den neuen Tarisoertrag auch materielle Verbesserungen hineinzubringen. Das ist z. B. der Fall bei der Lohnzahlung in Krankheitsfällen. Der Urlaubsparagraph ist genauer gefaßt worden und gibt in Zukuifft jedem Arbeiter Anspruch auf Urlaub. Auch in der Frage der Gewährung von Auswärtszulagen ist eine Verbesserung erzielt worden: desgleichen für Sonntagsarbeitsznschiäge. Dagegen konnte sich die Reichsregierung nicht dazu auffchwingen, endlich die 4« stündige Arbeitswoche allgemein einzu- führen. Diese Forderung war um so berechtigter, als das große Heer unserer Arbeitslosen dadurch immerhin etwas hätte oermindert werden können._ Kündigung als Lohndruckmittel. Die Kündigung des Lohntarifs für die obererzbergische Textilindustrie durch die Unternehmer haben die Textilarbeiter mit der Aufkündigung des Arbeitszeitab« k 0 in m e n s beantwortet. Di« Absicht der Unternehmer, mit Hilfe ihrer Kündigung einen Lohnabbau zu erzwingen, tritt durch die Lohnabbaudiktate einzelner Firmen klar zutage. So hat die Firma Donath- Massen- berg(Erzgebirge) einen 20proz. Akkordlohnabbau angeordnet und, da die Arbeiterschaft damit nicht einverstanden ist, die Kündigung ausgesprochen. Die Arbeiterschaft, die gut organisiert ist, wird den ihr hingeworfenen Fehdehandschuh aufnehmen. In der schwedischen Papierindustrie kam es zu einem Abkommen für 1400 Arbeiter bis 1. Februar 1932, wodurch der Streik von 4000 Arbeitern beendet wurde. Achtung, Buchdrucker! wir Hörn dir alle Buchdruckcrlebrlina« aus dir beute, ,7 Uhr, im Ruften Saal de« Eewerlschastahause«, ftattfiudeud« MitaliederuersammluuR «userrr L«brli»si»abteil»oR ausmeiisam zu machcu, Tagesarduung: l. Be- giuhnug der»teleiselder I-NRbuchdruckrr. Z. Mitteilungen. 3. Vortrag dc» Gruassen Engelbert Eras:„Die saschistisch« Erfahr». 4. Berslhtcdenea. Verein drr Vrrlinrr Buchdrucker»ud Schristgieher. t Freie Gewertfchafts-Jugend Berlin Es spielen die Gruppen: Südwesten: Auf dcm Eportplah Am Urban,— Rordwestirei»: Im Nolksporl Rrhberge,— Heute, Dirustag, Igt;. Uhr, tagen die Gruppen: Treptow: Badeadeud in«lingeubera— Humboldt: Jugendheim Graun- Ecke Lortzingstroße, Spiel- und Liederabend— Morien- darf: Jugendheim Gorfstr, 7(Alte Schule), Eine Arbeitsgerichtssitzung.— Spandau: Grnppenhcim, Stiidt. Jugendheim, Lindcnufer 1 Portrog:„Geu-erk. schoften im Auslände",- ffra-kfutter Ailc«: Stäb:. Jugendheim Litauer Str, IS. Vortrog:„Der Herbergsoerbond und seine Bedeutung für die arbeitende — Landsberger Plag: Gruppenheim Diestelincyerstr.?>. Portrog: „Dre Pundesschule und ihre Bcdcutung».- Lichtenberg: Jugendheim Dolle- strotze 22 Bortrog:„Di- Aufgaben des internationalen Sewerkschoftsbundes». — Rcu-Llchteuberg: Jugendheim Sunterstr, 4t. Portrag:„Die Abrllslungs- konfcrenz".— Ponlow: Gruppenhcim Pankow,«ifüngenstr. 48 Lichtbilder- Vortrag:„Drr Wa!d und seine Bewohner",— Südosten: Im Saal II des Scwerlschaötshauses, Engelufer 24—25, Portrag: �ehrlingsrechte und-pflichten". ®Zuoendonlppe des Zentralverbandes Ver Anaesteilten Leute. Dienstag, finden folgende Beranstaltungen statt: Lichtenberg: Jugendheim Gunterstr. 44. Abend tigenrr Ausgestaltung.— Nordwest: Jugendheim Lehrter Str. 13— IS. Vortrag:„Bcrlin wie«» weint und lacht". Referent: Fridel Hall. Verantwortlich Mr Politik: Dr. Sutt«cner: Wirtschaft: S, stlingelhSscr! Sewerkschaitsbcwegung! I. Steiner: iZeuillcton:». K. Döscher: Lokale» und Sonstiges isrig starstädt: Anzeigen: Th. Slocke: sämtlich in Berlin. Verlag: Porwärtz-Berlag S. m d. H,, Berlin Druck: Porwarts-Buchdruckerrt und Lerlagsanstalt Paul Singer u. E»., Berlin SB.«8, Lindenstrake t. Hierzu I Beilagen. Nf. 259* 47. Jahrgang ± Beilage des Vorwärts OienSiag/ 24. Zum 4YZ0 \ Wir müssen ans der Finanzmisere heraus! Der Kampf um Berlins Etat/ Neue Steuern ge�en wen?/ Von Erich Fiatau. Senlntionell mifgsmachte■Bericfjterfiatbitreten üfvr die.Der. Itner Skandale" Hoden die Hauptstadt der deu� scheu Repudlit seit Monaten in den Mittelpunkt kritischer Erörterungen gestellt, die zum Teil bösartig übertrieben wurden, fsterdinch ist für Außenstehende ein klares Urteil über die wirtschaftlichen Bar- gängc und die finanziellen Ersordcrnisie Berlins sowie über Art und Uwsong der notwendig gewordenen Sanierunosarbeit aus das allcrstärkste beeinträchtigt worden. Mit Recht hatte der stell. o?rtr?tcnde S t a d t k ä m in c r« r bei der Einbringung des Berliner Etats für 1930 im April dieses Jahres darauf hingewiesen, daß die Verhandlungen in dem im üblen Sinn„berühntl" gewordenen Ausschüsse des Preußischen Landtags und Ueberfchrftten der Berliner Boulcnard-Prels«, wie.Berlins Bankrott",„Ausverkauf Berlins" usw., unangenehme Wirkungen haben werden für die Berliner Steuerzahler,„die dies« Schlagzeilen aus ihrem Porte- monnai« mit Millionen mehr Zinsen in den kom- wenden Iahren zu bezahlen haben wurden." In rund vierzig Sitzungen, die die Arbeitskraft der Teil- nehmer bis zur äußersten Grenze der physischen Leistungsfähigkeit beanspruchten, hat der Haushaltsausschutz der Berliner Stodtverard- netenversommlung in zwei Lesungen die Beratungen des Etats für l!1-30 zu einem vorläufigen Abschluß gebracht. Die end- gültige Entscheidung wird erst im Plenum der Berliner Stadt- verordnetenversammlung fallen können. In diesem Augenblick er- scheint es angebracht, einen zusammenfassenden ll e b e r b l i ck über die gegenwärtige Etat-Situation zu geben. Die Ordentlich« und Außerordentliche Vermal. tung fchlieht 19,30 im Berliner Etat mit einem Betrage van rund Höst Millionen ab gegen rund 1138 Millionen im Jahr« 1929. Aus die Ordentliche Verwaltung entfallen noch den Grundlagen, die die ursprünglichen Vorschläge des Magistrats zeigen, I llZS Millw- neu fgegcn rund 976 Millionen im Jahre 1929), auf die Außer- ordentlich« Verwaltung rund 45 Millionen(gegen rund 162 Mil- lionen im Jahre 1929). Wenn man beim Ordentlichen Bruttohaus- halt die sich selbst erhaltenden zentralen Betriebe außer Betracht läßt, so ergibt sich eine Ausgabenhöhe von nmd 1 Milliarde gegen 930 Millionen im Vorjahrs. Die Reduzierung der Mittel im liesjährigen Außerordentlichen Haushalt ist zurückzufuhren auf die »egründete Annahm«, haß mit Anleihen als Deckung wieder nicht zu rechnen ist. und ferner darauf, daß dos Allernatwendftgste an Bauten und der» gleichen fbas im Vorjahre auch noch in den Zahlen der Außer» ordentl'chen Verwaltung enthalten war), in die Ordentliche Verwst- tung für 1930 übernommen werden mußte. Eigentliche Neubau- tcn konnten aber im Haushalt 1930 gar keine Berücksichtigung iinden. Es handelt sich lediglich um die fzortsetzung und Beendigung schon begonnener, dringend erforderlicher Bauten. Nach iH.' Beschlüssen der Stadtverordnetenversammlung beider Beratung des Nachtrogsetat» für 1929 ist derFehlbetrag des Jahres 1929 mit 36 Millionen in den Haushalt für 1930 ein- gestellt worden. 5 Millionen von den ursprünglich vorgesehen ge» mesenen 41 Millionen dieses Fehlbetroges fallen durch die Mehr» einnahmen aus der Tariferhöhung für Gas, Wasser und Strom im Januar bis März 1930 gedeckt werden. Außerdem i-t im diesjährigen Etat auch nach der Fehlbetrog des Jahres 1928 mit rund 8H Millionen aufgeführt. Insgesamt müssen also aus den Vorjahren im Jahre 1930 445 Millionen gedeckt merden. Die gesamten kurzfristigen Schulden der Stadt Berlin betrugen am 31. Januar 1930 555 Millionen, am 31. März 511 Millionen. Die schwebende Schuld der Kömmereinerwaltung hatte am 31. März 1930 die Höhe van 262 Millionen(äußere Schuld rund 207 Millio- nen. innere Verschuldung rund 55 Millionen). Die städtischen Ge- sellschaiten schuldeten der Kämmereiverwaltung am 31. März rund 260 Millionen. Die Kämm ereiverwalkung Berlins könnkc von sich also sagen. daß sie selbst keine schwebende Schuld hätte, wenn sie nicht durch Verkehr und Werke zwangsweise zu diesen Ausgaben veranlaßi worden wäre. Das zeigt, daß Berlin, wenn man die außerordentlichen Aufgaben berücksichtigt, die es als Hauptstadt des Reiches und als Viermillionenstadt zu läsen hat, einen Vergleich mit anderen dmt- fchcn Städten sehr gut aushalten kann, auch mit solchen Stadien. deren Leitungen gelegenllich in nicht sehr vornehmer Weise die Wirtschaftsführung und Finanzgebarung Berlins kritisieren. Bei den laus enden Ausgaben in Höhe von rund 976 Millio- nen(1929 nind 864 Millionen) fallen die Ausgaben und Mehr- ausgaben bei der Kapital- und Schuldenverwoltuug und vor allem bei der Wohlfahrt ins Gewicht. Die Mehraus- gaben bei dem erstercn Kapitel betragen allein rund 52 Millionen, bei dem letzteren Kapitel rund 43 Millionen. In dem Mehrbeträge der Kopital- und Schuldenvcrwalwng von rund 52 Millianen sind 8 Millionen enthalten für die Rückzahlung eines besonderen Kredi- tes, rund 6,5 Millionen für ein Mehr der Verzinsung von Kassen- krediten, rund.35,5 Millionen mehr als Anleihe-, Schuldentilgung und-Verzinsung. Für die Verzinsung der schwebenden Schuld kommen rund 9 Millionen in Betracht, ein Mehrbedarf von 15 Millionen ergibt sich durch die infolge der Grund st ückskäufc in den letzten Jahren neu hinzugekommenen Goldmark-Hypotbeken Und durch Aufwertungen. Die Mehraufwendungen auf dem Gebiete der Wohlfahrt mögen dem Außenstehenden vielleicht hoch erscheinen. Das gesamt- Ge- biet der Wohlkahrt beansprucht nach d-m ursprünglichen Vorschlag de» Magistrats rund 252 Millionen an laufenden und einmaligen Ausgaben, wobei für die letzteren nur rund 1 Million in Betracht komm«, vir'o Zahlen werden weifest gebend berinslußl durch die katastrophale Dlrllchastsloge. Die gegenwärtige Erweebelojen- ziffer Bersins liegt weit über den schon außerordentlich ungunsti- gen Zahlen des wirtschaftlichen Krisenjahres 1926. Dies spicgs t sich vorzugsweise natürlich In den Zahlen des Wohlfahrts- r t a t s wider. Die Stadt Berlin hat auf dem Gebiete der Wohl- sab't ein« sooenarmte Berliner N o t st a n d? a k t I o n durchgeführt. S'-c bat eine besondere Erwerbsstisenhilse gewährt. Dies« jallko vorzugsweise den Gruppen von Arbeitnehmern zugute kommen, bei denen man nach der Art des Berufe» und der Markt» lag««mehmen konnte, daß sie bald oder in einig ermaßen abjeh- barer Zeit wieder ihren Beruf ausüben könnten. Man berück- sichtigt« hierbei auch die qualifizierten Berufe, die einen besonderen Wert für die Gesamtwirtschaft bedeuten. Man wollte diese Berussongchörigen von den unangenehmen psycho- logischen Wirkungen der reinen Wohlfahrtspflege befreien. Durch d'e Zuwendung etwas erhöhter Unterstützungsmittel sollten ihre Arbeitskrast und ihre Lebenscnergic erhalten werden. Zeder Mensch mil volkswirtschostlichem und sozialem Verständnis wird diese Maßnahme Berlins günstig beurteilen. Sie ist dennoch außer- halb Berlins und sogar auch innerhalb der Berliner Stadtverord- netenversommlung Gegenstand von Angrissen gewesen. Wenn man nun ober die finanziellen Wirkungen dieser besonderen Mahnahmen wegfallen lassen wollte, so würde sich keineswegs eine im Rahmen des Berliner Etats irgendwie ins Gewicht fallende zahlenmäßige Erleichterung ergeben. Die genannten Gruppen, für die die Notstandsaktion vorzugsweise gedacht ist, würden im Rahmen der so- genannten„gehobenen Fürsorge" pflichtgemäß van der Stadt Berlin zu betreuen sein. Der Unterschied zwischen den sich hierdurch ergebenden Beträgen und den bisherigen Aufwendungen ist so gering, daß man im besonderen mit Rücksicht auf die schon erwähnten psychologischen Wirkungen sich hüten fällte, hier eine Aenderung eintreten zu lassen. Wenn dieser Punkt in dieser allgemeinen Betrachtung besonders erwähnt wurde, so geschah es, weil er allerorts neben der Art der Steuerfestsetzung Berlins immer wieder die Voraussetzung für die heftigsten Kritiken an der Berliner Finanzgebarung abgibt. Bei den Steuerfestsetzungen ist zunächst zusammen- fassend hernarzuheben, daß der Berliner Etat mit einem Defizit van rund 64 Millianen abschloß. Dieses Dsfizil hat sich seit der Einbringung des Etats im April 1930 bis zu seiner vorläufigen Verabschiedung im Juni 1930 nach erhöht dadurch, daß die schon erwähnte Berliner Notstandsaktion ein« weitere M e h r a u f- mendung von 15 Millionen Mark verlangte, zu denen ein er- höhter Anteilbetrag von 4,5 Millionen Mark bei der Krijenfürsorge trat. Es war also zuletzt ein Defizit von 83,5 Millionen Mark tu decken. Während der Eratberotungen sind noch einzelne Er- hähungen auf der Ausgabenseite erfolgt, wie auch solche auf der Einnahmenseite. Nachträgliche Ausgaben- und Einnahme- erhährmgen haben sich ungefähr die Waage gehalten, so daß hier ein Plus an Einnohinen nicht erzielt werden konnte. Durch teilweise .Hcrauft'etzuirgeii der?l b g a b e b e t r ä g c der Werke(deren Lei hingen natürlich sich hiergegen wendeten), die aber wohl verant- wnrtet werden können, konnte eine Reduzierung des Desizts er- reicht werden. Die bürgerlichen Fraktionen, die, vor allem, soweit die Leutschnationalcn in Betracht kamen, die Ctatgestoltung früherer Jahre stets kritisiert haben und in diesem Jahre einen „Etat der Wahrheit" verlangten, haben in letzter Stunde noch eine Abgabe der Berliner Bcrkehrs-Gesell- schast an die Stadt Berlin in.Höhe von 10 Millionen Mark in den Etat eingesctzi. Hier handelt es sich um eine rein fiktiv« Zalst, die viel bedenklicher ist als die Zählen, die in den vor- angegangenen Jahren bei den Stcuerjchätzungen in den Etat hin- einkamen. Rechnet man diese gewaltsam hineingebrachten 10 Mil- lionen mit, so ergibt sich ein« Minderung des Defizits von 83,5 M'I- liansn Mark um 38,6 Millionen Mark, so daß ein endgültiges Defizit von 44,9 Millionen Mark, also rund 45 Millionen Mark zu decken wäre. Hierbei muß mit aller Deutlichkeit hervorgehoben werden» daß die sozialdemokratische«tadtvcr- ordnctcnsraktion sich nicht an einem Beschluß beteiligen kann, der troß der eindringlichsten Warnung des Magistrats zur Hcrabminderung dcS Dcsizits rein willkürliche Jahlcnfcstscßungcn Vorsicht, wie sie zum Pcispiel bei dem Ill-Mil- lioncn-Bctragc der Berliner Bcrkchrs-Gcscll- schast festzustellen sind. Endgültig ist, wie schon oben bemerkt, über den Ausgleich, den die Steuern bringen sollen, im Hoiishaltsausschuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung nicht entschieden worden. Der Magistrat hatte neben anderen Steuern und neben den Betrögen aus Ileberweisungssteuern insbesondere vorgeschlagen eine Er- höhung der Gewerbesteuer von 425 Proz. auf 509 Proz.. der Lohnsummen st euer van 10O0 Proz. auf 1150 Proz. und der Grundvermögens st euer van WO Proz. auf 300 Pro? Der Staat Preußen hat kurz vor der Beendigung der Beratungen des Berliner Etats seinerseits eine gleiche Erhöhung der Grund- Gutmanns Kopf gefordert Das Prenzlauer Schöffengericht verkündet Todesurteil Slot Montag, fnrz nach 6 Uhr nachmittags, verkündete das Schwurgericht Prenzlau folgendes: Der Augeklagte ist des Mordes schuldig. Gr wird deshalb zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Ferner wird der Angeklagte wegen Urkundenfälschung zu K Mo- naten Gefängnis verurteilt, die durch die UntersvchuugS- Haft alS verbüßt zu betrachten sind. Von der Anklage der Urkundenfälschung in zwei weiteren Fällen wird er freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens fallen, soweit nicht ein Freispruch erfolge, dem Angeklagten zur Last. Prenzlau, 23. Juni. Die letzte Sitzung im Gutmorm. Prozeß begann erst gegen 10'/, Uhr vormittags. Das Wort zu seinem Plädoyer erhielt Oberstaatsanwalt Dr. Hardt. Er führte aus: Wir haben an dieser Stell« schon größere Prozesse miterlebt, viel kvmpliziertcrc als diesen. Warum hat gerade dieser Fall eine so ungeheure Sensation hcrvorgerusen? Weil der Angeklagte der Sohn angesehener Eltern ist, die in Berlin einen guten Ruf genießen und weil er selbst ein sogenannter Intellek- tucller ist, von dem im allgemeinen n>cht angenommen werden kann, daß er eine so schwere Tat begeht. Die Schäften niägen sich nicht von dem beeinftussen lassen, was vorher über diesen Fall in der Presse gestanden hat. Hier geht es nur um das, was Gegen- stand der Hauptverhandlung war. lieber die Person be» Ange- klagten hat die Hauptverhondlung nicht viel Günstiges erbracht, aber ich lehne es ab, von dieser Stelle aus einen Angeklagten mit Schmutz zu bewerfen. Selten hat man weiterhin ein so wider- sprechendes Urteil über eine Frau gehört wie in diesem Prozeß. Die Familie Gutmann bezeichnet sie als einen Satan. Dagegen haben die Bürger aus Schwedt si« als sympathisch, still und lieben»- würdig bezeichnet. Der Anklagevertreter erläuterte dann im einzelnen, weshalb der Angeklagte entgegen seiner Behauptung, daß er im Affekt gehandelt habe, die Tat mit Ueberlegung aus- geführt, also einen Mord begangen habe. Die Gründe, die ihn angeblich in ein« sinnlose Wut versetzt haben sollen, seien nickst stichhaltig. In diesem Zusammenhang nerwies der Oberstaais- anwalt auf die den Angeklagten schwer belastenden Momente, den Versicherungsabschluß. Nach der Mittagspause plädierte der Derteidiger des Ange- klagten, Rechtsanwalt Dr. Frey, Berlin. Er wandte sich zunächst in einer längren Einleitung gegen die Ausführungen de» Ober- staatsanwaltes und gegen den Antrag auf B-rurteilung wegen Morde?„ Da» Gebäude der Anklage fei in ein N-chts zusammen- gefallen, und so sei die Furcht des Oberstaatsanwaltes begnmlich, daß man sich dessen«niiinnen könne, roas früher alles über den Fall Gutmann behauptet und geschrieben worden sei. Cr, der Ver- leidiger, hätte vielmehr erwartet, daß der Staatsanwalt bekannt hätte,«r hüte die Anklage erheben müssen, überlasse aber das Urteil der Entscheidung des Gerichtes, anstatt den Antrag auf Schuldig des Mordes zu stellen. Alles was der Staatsanwalt als Be- lastendes gegen ihn vorbringe, fei nicht aus Tatsachen ouiq.'lmut, sondern es feien»u r Konstruktionen und Be r mu tu n g e n, mit denen man sich anmaße, sich in die Seele eines sogenannten Gattenmörders hineinzuversetzen.— Rechtsanwalt Dr. Frey sucht« dann Punkt für Punkt die von dem Anklagevertreter vorgebrachten Mvrdilchizien zu widerlegen und schloß sein Plädoyer mil dem Antrage, Gutmann d c z Morde» nicht für schuldig zu erklären. Hieraus erhielt der Angeklagte des letzte Vorl. Zum erstenmal in diesem Prozeß in bemerkenswerler Erregung und mit teilweise versagender Stimme erklärt« Gutmann:„Ich bitte Sie nicht um Nachsicht und Milde. Ich weiß, daß ich Strafe verdient habe und bin bereit, mein Schicksal aus mich zu nehmen, aber eins möchte ich sagen: Verübeln Sic es mir nicht, wenn cch Ihnen kein Theater vormache. Ein Mensch wie ich, der alles verloren hat, Existenz, Kinder, Heimat und Familie, kann kein Gefühl mehr heucheln. Wer mich früher gekannt hat, der spuckt mich jetzt on, Ihnen Theater vorzumachen, dazu bin ich zu stolz." Das Gericht zog sich hieraus zur Beratung kurz nach 4 Uhr nachmittags zurück. In der Urteilsbegründung führte der Vorsitzende aus, daß das Gericht sich zunächst die Frage vorgelegt habe, ob der Angeklagte den Tod seiner Frau gewollt habe,' oder ob nur eine Körperverletzung mit ungeniollt töd- lichcm Ausgang norliegc. Das Schwurgericht habe die Frage be- jaht, der Angeklagte habe den Tod seiner Frau gewollt, er habe ihr den Kehlkopf eingedrückt, ihr die Schildknorpel zerbrochen und sie erwürgt. Die zweite Frage, die das Gericht zu enftcheideu hatte, war die. ob die Tat mit Ueberlegung durchgeführt worden ist. Das Gericht hat auch diese Frage bejaht. Der An- geklagte will seine Tat mit Affekt erklären. Das ist ihm nicht zu glauben. Das Gericht hatte sich dann mit der Frage noch den Motiven der Tat zu beschäftigen. Der Zweck seiner Handlungz- weise mar, sich die Versicherungssumme zu verschaffen. Sein ganzes Verhalten mvh der Tat spricht dagegen, daß er in einer Aufregiing gehandelt hat. Diese angebliche Ausregung hat ihm dos Gericht nicht geglaubt. Wer einen Vorgang so sorgfältig herrichtet, der handelt ruhig. Noch Ueberzeugung des Gerichts ist diese Tat nur ooller Ueberlegung ausgeführt worden, nachdem Gutmann sie zweffelsohne feit langem geplant hatte. Damit seien die Voraus- setzungen des K 21 l StGB, erfüllt. Der Angeklagte habe sich des Mordes schuldig gemacht und sei deshalb mit dem Tode und dem dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte zu verurteilen gewesen. Der Angeklagte hört das Urienl und feine Begründung ohne sichtliche Erregung und mit unbeweglicher Miene an. AI» ihn der Vorsitzende daraus aufmerksam machte, daß ihm gegen dieses Urteil das Rechtsmittel der Revision zustehe, beugte er sich lächelnd zu seinem Verteidiger hmsthrr und besprach sich eifrig mit ihm. Gutmann blieb noch einige Minuten mit seinem Verteidigen. Rechtsanwalt Dr. Frey, im Gespräch und macht« dabei die für ihn charakteristische Aeußerung:„Na. das ist ja nicht so schlimm, was kann mir schon passieren". Dann ließ er sich nihig abführen. Wie wir hören, wird Rechtsanwall Dr. Frey gegen das Todes- urteil unverzüglich Revision beim Reichsgericht anmelden. efif • Das ideale 9Ctn Abfuhr-Konfekt Vermögenssteuer vorgenommen, durch d!e sich schon jetzt die miete im Durchschnitt um 4 Proz. erhöht.- Bei der Behandlung des Nachtragsetats in der Berliner Stadtverordnetenversammlung am 30. Januar 1930 hat der Redner der �.o zi a l d e m o k r a t i- s ch e n Fraktion im Einverständnis mit der Berliner Parteileitung aus Grund einer voraufgegangenen Stellungnahme des Berliner Bezirksparteitages darauf hingemiefen, daß die sozial« demokratische Fraktion sich der Verantwortung bewußt ist, die sie durch die Gestaltung der früheren Etats der Stadt Berlin mitträgt. Er hat weiter ausgeführt, daß natürlich nicht auf der einen Seite verlangt werden kann, daß sozial« und kulturelle Leistungen nicht abgebaut werden sollen und daß man auf der anderen Seite in b«zug auf die Schaffung von Einnahmen nichts tun will, um diese sozialen und kulturellen Leistungen zu er- halten. Klar und deutlich ist damals noch dargelegt worden, daß Einnahmen ohne Steuern in der gegenwärtigen Situation undenk- bar seien. Wörtlich wurde folgendes hinzugefügt: .Wenn wir für die notleidende Bevölkerung auf sozialem Gebiete Alilkel zur Verfügung stellen wollen, dann müssen wir Einnahmen schaffen. Wir haben den Mut. in aller Oeffenttichkeit das zu sagen mit dem Hinweis auf die Bot wen- digkeit der Schaffung von SteuererlrSgen. Das werden unter Umständen vielleicht auch Steuern sein müssen, die leider zum Teil den Proletarier belasten, wir werden die Aufklärung schaffen, daß hier eine Art ausgleichender Solidarität geübt werden muß. Der noch in Lohn und Brot Stehende muß mit für den Klassengenoflen sorgen, der gänzlich ohne Mittel ist. Das wird in den Kreisen de, aufgeklär- teu Proletariats Verständnis finden, wenn es auch keine De- geisterung wecken wird." Was für den Nachtragshaushalt 1929 galt, gilt in erhöhtem Maß« für den Ordentlichen Berliner Etat 1930. Gerade dt«„W i r t» s ch a f t", deren Arbeitgebervertretungen(Handelskammer, Hand- werkskammer. Landwinschaftskammer) im Haushaltsausschuß ge- hört wurden, müssen sich vor Augen führen, daß der Berliner Etat, so eng auch sein« Grenzen g«zogen sein mögen, Möglichkeiten zu einer wenigstens teilweisen Belebung der Wirtschaft enthält, und daß deshalb die Gesichtspunkt«, die für die Sozial- demokratie in Berlin maßgebend sind, positiv au dem Etat mitzu- arbeiten, in«rhöhterem Maße für di« Wirtschaftskreise Gekwng haben müßten. Die Sozialdemokratie muß überdies auch wert darauf legen, daß das. was durch ihre mühevolle ZNUarbeil seit 10 Iechren in Berlin geleistet wurde, nicht zerstört wird, sondern erhalten bleibt. Auch hierfür bringt der Etat für 1930 Borau»- setzungen. Wie aber die Berliner sozialdemokratischen Vertreter im Stadtparlament sich niemals zwingen lassen werden, einen Etat anzunehmen, ohne Berücksichtigung der Form, die er hat. nur um eben einen Etat zu haben, ebensowenig werden sie sich durch die Vertreter der Wirtschaft »der durch andere Fraktionen die Art der lehkeu Endes not- wendigen Steuerfestsetzungen aufoktroyieren lassen. Bei diesen Steuerfestsetzungen sind zum Teil gerad« die Aus- führungen beachtenswert, die dte Vertreter der Handels- k« m m e r und der Handwerkskammer gemacht haben. Es ist natürlich klar, daß Vertretungen, die zur Stellungnahme zu Steuern aufgefordert werden, ebenso wie alle übrigen Teile der Bevölkerung niemals sagen werden, daß diese oder jene sie belastende Steuer überhaupt zu tragen sei. Aber die Art und Weis«, in der zwischen den einzelnen Steuerarten in den Silusfiihrungen dieser Vertreter bemerkbare Unterschiede gemacht wurden, läßt erkennen, daß es keinesfalls so ist, wie bürgerliche Fraktionen im Berliner Rat- Hause gemeinhin immer behaupten, daß nämlich ein« weitestgehende oder alleinige Erhöhung der Grundvermögens st euer wegen ihrer»ausgleichenden" Wirkung für alle Teile der Steuerzahler am ehesten zu tragen wäre, und daß die Erhöhung der Gewerbe- st euer in keinem Falle oder nur in geringster höhe in Betracht käme. Es wurden hinweise gegeben, daß die Wirkungen der Grundvermögenssteuer und natürlich auch der Lohn- fummensteuer sich in unangenehmerer Art gerade in den Gewerbe- betrieben bemerkbar machen, als die Gewerbesteuer. Es geht also in keinem Falle an, etwa die Grundvermögenssteuer allein in einer Weise zu erhöhen, die ihr den hauptteil an der Deckung des Defizits zuweist. In Berlin ist zwischen den Prozentsätzen der Grundvermögenssteuer und der Gewerbesteuer immer ein be- stimmtes Verhältnis festzustellen. Wenn man die Prozent- sätz« des Vorjahres betrachtet, ja ergibt sich, daß die Gewerbesteuer ungefähr das Doppelte des Satzes der Grundvermögenssteuer darstellt. Wenn man nun noch daran deirkt, daß bis zum Jahre 1926 ein Prozentsatz von 500 bei der Gewerbesteuer schon bestanden hat und daß dieser Prozentsatz damals sehr übereifrig herab- gesetzt worden ist, so wird noch deutlicher, daß immer der Satz der Gewerbesteuer weit über den Satz der Grundvermögenssteuer gestanden hat. Durch die Entscheidung des Staates ist der Satz KDbsitttbilÄimgLSdnde Der BeilrfcsaussehuB für sozialistische Blldnngsarbelt Berlin veranstaltet in diesem Sommer wieder drcg FcrlswUiifse t. Vom 17. bis 23. August In Klein-KSris, Naturfroimdehelm „Reiherhorst". Dr. Karl Mierendorf:„Unsere Gegner im Klassenkampf"(die deutschen politischen Parteien, ihr Weaen, ihre Geschichte, ihre Organisation und Ihre Politik). S. Vom 24. bis 30. August in Klein- Köris, Naturfreundehelm „Reiherhorst". Dr. A. Qurland:„Die Marx'sche Geschlchts-, Gesellschafts- und Staatsaufraasung." S. Vom 31. August bis 0. September in Klein-KSrte, Natur- freundehelm„Reiherhorst". Georg Fuchs-Leipzig: Thema: Fortsetzung des vorjührigen Kursus. Genosse Fuchs gibt noch genauere Formulierung. Der erste Kursus ist ein Einföhrungskursus. Es wird nur dl« elementarste Kenntnis des Sozialismus vorausgesetzt Oer zweite nnd dritte Kursus ist fflr Fortgeschrittene. Das Hörgeld für einen Kursus beträgt 95.50 M. Darin ist eingeschlossen Fahrgeld, Quartier und rolle Verpflegung Da trotz der Teilnahme am Kursus noch viel Zeit zur Erholung übrig bleibt, sollten recht viele Genossinnen und Genossen von dieser Gelegenheit, die Ferientage gut und nützlich zu verbringen, Gebrauch machen.— Die Obleute werden gebeten, recht eifrig für unsere Ferienkurse zu werben und dafür zu sorgen, daS bald recht viele Anmeldungen an uns gelangen. der Grundvermsgenssteuer schon auf 300 Proz. seit dem L Juni 1930 heraufgesetzt worden. Berücksichtigt man dies unb zugleich auch da» Berhältnis der Vorjahr« für die Gewerbesteuer, so ergibt sich daraus ohne weiteres die Notwendigkeit einer entsprechenden Erhöhung der Gewerbesteuer. Die bürgerlichen Fraktionen, vor ollem diejenigen Fraktionen, die an der srüheren Etatgestaltung beteiligt waren, werden— wollen sie sich nicht selbst desavouieren— diese Grundlagen anerkennen müssen. Die Sozialdemokratie schreit wahrlich nicht noch Steuern, sie weiß, in welcher Weise schon gegen- wärtig die proletarischen Massen durch Steuern belastet sind. Wenn aber die Möglichkeit einer positiven Gestaltung des Berliner Etats in Betracht kommen sollte, so können nach dem oben Angeführten Steuern nicht vermieden werden. Die Steuern, die das Proletariat besonders belasten, müssen avf das äußerste Mindestmaß des Ertragbaren gebracht und hierzu müssen die übrigen Steuerfestsetzungen in ein enlsprechen- des Berhältnis gesetzt werden. Es erscheint ausgeschlossen- daß setzt noch bei der Grundvermögensstener der vom Magistrat ur- sprünglich vorgesehene Satz von der sozialdemo- kratischen Fraktion und von der Berliner Partei akzeptiert werden kann. Die Berliner Sozialdemokratie wird ein einseMzes Diktat anderer Fraktionen und Gruppen ablehnen. Folgt hieraus die G e s a m t a b l e h n u n g des Berliner Etats, so tragen diejenigen die Verantwortung, die bei der Beendigung der Etat- beratungen vielleicht vergessen hatten, daß sie zu Anfang einen »Etat der Wahrheit" forderten. Die Sozialdemokratie wird die dann vorliegenden Tatsachen ihren Mitgliedern und Wählern klarzumachen haben, sie wird auf die.positive" Arbeit der Kommunisten hinweisen können, und sie weiß, daß sie für ihre hol- tung Verständnis finden wird. Die diesjährige Etatgestaltung hat ja noch etne besondere Bedeutung. Sic kann unter Umständen mtj eine Voraussetzung sür die Art und für das Tempo der Verab, jchiedung des neuen Gesetzes für Groß-Berlin im Land- tag bilden. Kommt es in Wirkung einer eventuellen Etatablehnung zu der Einwirkung des Oberpräsidenten, der nach§ 59 des Preußi- schen Kommunalabgabengesetzes berechtigt ist,»behufs Deckung des Steuerbedarfs das Berhältnis der Zuschläge zu den einzelnen Real, steuern untereinander oder, soweit besondere Steuerordnungen be- stehen, die nach diesen Steuerordnungen zu erhebenden Steuersätze festzusetzen", so liegt wiederum die Verantwortung bei denen, die viel von Selbstverwaltung sprechen, aber im entscheidenden Moment die Verantwortung nicht übernehmen wollen, diese Selbst- Verwaltung im eigentlichen Sinne auszuüben. Wöhrcnd der Etatberatungen haben die sozial- demokratische» Vertreter im Berliner Rathans konseqnent einen gradlinig en Weg verfolgt. Das Ziel- zu dem dieser Weg führen soll- ist völlig klar für die Kommunalvertreter sowohl wie für die gesamte Berliner Parteimitgliedschaft. Die nächsten Tag« werden die endgültige Entscheidung bringen. Die Berliner Sozialdemokratie- die auch den diesjährigen Etat in seinen Hauptkapiteln ver- besserte, ist bereit- den Kampf der Neuwahlen zn führen- wenn dies« als Folge« einer Etatableh» nung schließlich kommen sollten. Beim Baden erschaffen. Leichtfertiges Handeln eines Echupobeamten? Ein blutiger Vorfall, der in seinen Einzelheiten noch dringend der Slärung bedarf, spielte sich gestern nach. mittag an der Böschung des Spandaoer Schisfahrls- k a n a l s in Plötzensee ab. Ein Schupobeamter, der dort feinen Pakrcmillen dienst oersah und daraus zu achten hatte, daß an ver- bolener Stelle nicht gebadet wird, geriet nach den bisherigen Er- mittlungen mit mehreren Badenden in ein Handgemenge. Bach dem Polizeibericht feuerte der Beamte einige Schüsse ab. die einen jungen Mann tödlich verletzten. Eine furchtbare Nachricht! Um so furchtbarer, als es den Anschein hat. daß ein Menschenleben geopfert wurde, weil ein Beamter im enl- scheidenden Augenblick versagte, die Nerven verlor nnd leichtfertig zur Waffe griff, wir sind davon nberzengt. daß der Polizei. Präsident den tragischen Vorfall zum Anlaß einer strengen Untersuchung nehmen wird. Sollte sich dabei herausstellen, daß der Schnpobeamte falsch gehandelt hak. ist seine sofortige Eni- lassunz aus der Schupo zu fordern. Für unbesonnene Elemente darf in der Schuhpolizei kein Platz sein! In den Nachmittagsstunden herrschte am Kanal, trotzdem es streng oerboten ist dort zu baden, ein reger Badebetrieb. Di« letzten beiden tödlichen Unfälle beim Baden an verbotener Stelle am Kraftwerk West haben der Polizei zweifellos Anlaß gegeben, die Kanal- und Flußläufe besser zu ü b e r w a ch c n. Als nun gestern nachmittag ein Schupobeomter auf semsm Rade am Schiffahrtskanal patrouillierte, traf er etwa 100 bis 120 Personen badend an. Als der Beamte die Leute aufforderte, sich Anzuziehen, soll seiner Auf. fordenmg nicht nachgekommen sein. Es kam zu einem Tumult, in dessen Verlauf das Fahrrad des Beamten m den Kanal geworfen wurde. Der Schutzpoligsst, der sich bedroht glaubte, zog plötzlich die Pistole und gab mehrere Schüsse auf feine Angreifer ab. Ein junger etwa 20jähriger Mann, dessen Personalien noch nicht ermittelt wer- den konnten, brach von zwei Kugeln in die Brust und in den Ober- arm getroffen sofort t o t zusammen. Heber die Zusammenhänge von Gartenstadt und vausiedlung schreibt Prof. Dr. Franz Oppenheimer in dem neuesten Heft der von Adolf Otto herausgegebenen„Gartenstadt". Das Heft enthält ferner eine b odenwi rtfchaftliche Kritik de, geplanten Städtebaugefetzes von Leberecht Migge unter dem Titel.Lolonifa- tian ober Städtebau". Uebcrsefzt tob CI. Meitner.— Meyer 4 Jcsse». Verlrieb, MilnAen. Fräulein Mattie Pugh fuhr auf dem Heimweg von der Gemeindeschule vorbei. Fräulein Mattie war siebzehn Jahre lang in Clarks Crossing Lehrerin gewesen und dabei mager, und demütig und hoffnungslos geworden. Du lieber Himmel! dachte Una, würde sie sich in ein stinkiges, kleines Schul- zimmer einsperren lassen müssen- wenn sie Henry nicht heiratete? „Ich will nicht fein sein! Ich will in irgendeinem Laden oder sonstwo arbeiten!" erklärte Una. Während sie heim- trottete— ein nettes, unscheinbares, wuschelköpfiges Mädchen, undramatisch wie ein Gänseblümchen— wurde sie von einer Sturzflut wilden Protestes durchtobt. Ihr ganzes Leben lang würde sie diesem zittrigen alten Herrn Mosely begegnen, der sich unvermeidlich gleich jetzt auf sie stürzen und sie mit seinen langen, sinnlosen Redereien aufhalten würde. Und es gab nichts Lustiges, was man tun konnte! Es langweilte sie alles so entsetzlich. Sie haßte plötzlich die Stadt, haßte jeden Abend, den sie hier würde verbringen müssen, Zeitungen lesend, mit ihrer Mutter Karten spielend und in Angst vor einem Besuch des Herrn Henry Carson. Sie brauchte— sie brauchte jemanden, den sie liebhaben und mit dem sie reden könnte. Warum nur hatte sie den schönen Charly Martindale entmutigt, als er sie damals beim Tanzen küssen wollte? Charlie war eingebildet, aber er war jung, und sie sehnte sich, ja, ja! das war es, sie sehnte sich nach Jugend, sie, die selbst noch so jung war. Und sie würde hier alt werden, wenn nicht einer, irgendeiner dieser gottähn- lichen jungen Männer sich herabließe, sie zu beachten; all werden, in diesen Straßen, die aufgeschichteten Holzstößen glichen. Sie landete in dem kleinen, weißen väterlichen Haus, in dem es immer nach gestocktem Hammelfett roch, und auf dem alten Sofa mit der gebrochenen Feder— auf dem ihr Vater alle strahlenden Sonntagnachmittage schnarchend verbracht hatte— schluchzte sie leise. Dann hob sie den Kopf, um einem Geräusch über sich zu lauschen— dem leisen, vertrauten Dröhnen einer Näh- Maschine, unter deren rhythmischen Stößen die Wände zitterten. Die Maschine blieb stehen. Una hörte, wie die Schere zu Boden glitt— das langweiligst hausbackene Ge- rausch von der Welt. Das stickige Haus erdrückte sie. Sie sprang auf— und setzte sich wieder nieder. Es gab keinen Ort, an den sie hätte fliehen können. Es drohte ihr entweder Henry Carson oder die Gemeindeschule. Und inzwischen mußte sie herausbekommen, was ihre Mutter nähte— ob sie wieder unnütz Geld für Trauerkleider ausgegeben hatte. „Arme, arme kleine Mutter! Sitzt glücklich dort oben und näht darauf los, und ich muß hinauf und mit ihr zanken," klagte Una.„Oh, ich möchte Geld verdienen, ich möchte für dich viel Geld verdienen!" Hinter einem Buch auf dem Tisch sah sie ein weißes Viereck liegen. Sie stürzte sich darauf. Es war ein Brief von Frau Sessions, und Una riß ihn erregt auf. Herr und Frau Albert Sessions aus Panama waren nach New Park gegangen. Herr Sessions arbeitete in der Ma- schinenbranche. New Park gefiel ihnen. Sie wohnten möbliert und gingen ins Theater. Frau Sessions war eine verläßliche Seele, und Una hatte Zutrauen zu ihr. „Warum denken Sie nicht daran," schrieb Frau Sessions. „nach New Port zu kommen und Stenotypistin zu werden, wenn Sie in Panama die gesuchte Arbeit nicht finden können? Sekretärinnen usw. haben hier sehr gute Aussichten." Una legte den Brief behutsam hin. Sie stand auf und stellte Mutters rotwollene Pantoffel zurecht. Sie wollte noch einen köstlichen, bebenden Augenblick zögern, ehe sie sich voll Freude gestand, daß sie einen Entschluß gefaßt hatte Sie würde nach New Jork gehen, Stenotypistin werden, Sekretärin bei dem Direktor einer großen Gesellschaft, eine wohlhabende Frau sein, frei, verantwortungsvoll, selbständig. Die Tatsache, daß sie diese revolutionäre Entscheidung so schnell getroffen hatte, gab ihr ein Machtgefühl, als wäre sie schon eme Geschäftsfrau. Sie rannte zu ihrer Mutter hinauf, die vor der Näh- Maschine saß. „Muttchen!" rief sie,„wir gehen nach New Pork! Ich werde dort einen Handelskursus besuchen, eine Geschäftsfrau werden, und die kleine Mutter wird nur noch in Samt und Seide gekleidet sein und lauter feine Sachen essen, Pfirsiche und Eiscreme— zwar gehen die Träume nie ganz in Er- füllung, aber soviel ist sicher, Mutter, kleine Mutter, wir ziehen auf Abenteuer aus— jawohl!" Sie ließ sich zu Boden gleiten, barg den Kopf im Schöße der Mutter und küßte ihre Hände, deren Haut sich wie das dünnste Cröpepapier anfühlte. „Ja, was ist denn los, Kind? Hat uns jemand efttge- laden? Ist der Brief von Emma Sessions? Was schreibt sie denn?" „Sie hat es vorgeschlagen, aber wir gehen als unabhän« gige Leute hin." „Wird das Geld langen?... Ich würde mir gern die Theater und Bildergalerien ansehen!" „Es muß langen! Wir hasardieren einfach einmak!" Zweites Kapitel. 1. Una Golden hatte nie bemerkt, wie häßlich und unan- sehnlich die Straßen von Panama waren, bis zu jenem Abend, an dem sie um die Post hinunterging, verächtlich selbst den Staub am Wege mit Füßen tretend— und es gab viel zu treten. Ein altes Herrenhaus mit Türmen und' zackigen Schindeln, mit nun gebrochenen Fensterläden und abbröckeln- dem Anstrich, mit einer Reihe aufgestapelter Ziegel aus dem einst gepflegten Rasen. Das Rathaus, eine viereckige hölzerne Scheune mit einem Balkon, der sich ein wenig gesenkt hatte, und von dem aus der Bürgermeister vermutlich feine Bekannt- machungen verkündet hatte, falls es in Panama je etwas ge- Seben hatte, was man bekanntmachen konnte. Glotzende Müßiggänger vor dem Girard Houfe. Für Una hatten das alte Herrenhaus nichts Romantisches, die Kleinstadtstraßen nichts freundlich Demokratisches die Hügel dahinter nichts von offener Freiheit. Man durfte Una darum nicht tadeln. Sie war ein tatkräftiges Geschöpf, der diese in sich zusammen- gezogene Stadt jede Tätigkeit verweigerte— bis auf das Stubenfegen. - ez fühlte sie sich stark— sie war auf einen Kampf ge- faßt gewesen, ehe sie die Mutter dazu bewegen würde, nach New York zu übersiedeln: doch es war so leicht gewesen. Una hatte eine uoerschwängliche Freude— ein wenig jugendlich und grausam—, als sie Henry Carson begegnete und ihm mitteille, sie ginge fort und„wisse nicht, auf wie lange: viel- leicht für immer". So hoffnungslos strich er sich über den braunen Nacken, der nie ganz sauber rasiert war, daß Una versuchte, freundlich zu ihm zu sein. Sie versprach zu schreiben. Doch als sie ihn verließ, hatte sie das Gefühl, als wäre sie soeben aus dem Gefängnis entlassen worden. Mit ihm zu leben, ihm das Recht einzuräumen, sie mit diesen ausgetrock- neten Händen anzufassen— sie stellte sich das so lebhaft vor. daß sie erschrak, während sie sein stockendes Bedauern anhörte, (Fortsetzung folgt.) Arbeifswodic der Die gestrige Sitzung ruhig verlas Auas Tage werden die Stadloerordneten hintereinander zu arbeiten haben, um den Berliner Haushaltsplan für ISZO/ZI zur Verabschiedung zu bringen. Ehe der Etat überhaupt eine Mehrheit finden wird, ist dabei nach wie vor Zweifel. hast. Heber die Gesamtfituation und die Ausgabe der Sozialdemokratie im gegenwärtigen Augenblick be- richtet an anderer Stelle des Blattes Erich Flatau, der Vorsihende der sozialdemokratischen Sladtverordnetensraktion. Die Sitzung begann mit einem Protest der kommunistischen Fraktion gegen die vom Aeltestenrat festgesetzte Redezeit. Gegen die Stimmen der Kommunisten und der Nationalsozialisten blieb es bei der von den srüheren Etatberatungen her üblichen Redezeit. Mit dem Etat der P o li z e i v er w a l t u n g wurde die Beratung aufgenommen. Dabei wetterte als erster Redner Stadtv. Casper (Komm.) gegen die � ö r g i e b e l- K o s a t c n". Beim Kapitel Heubaumittel der Ordentlichen Verwaltung wandte sich die sozial- demokratisch« Fraktion in einem Antrag gegen ein gewisses p l a ns o s e s Projektemachen. Neubauprojekte sollen nur ausgearbeitet werden, wenn bereits«ine grundsätzliche Zustimmung der städtischen Körperschaften vorliegt. Dabei soll dann auch die Dringlichkeit eine Roll« bei der Anfertigung der Projekte spielen. Ein weiterer sozialdemokratischer Antrag fordert vom Magistrat einen Dorschlag. wie e? der Schulhausnot Neu- köl'lns begegnen will. Ueberhaupt hat die fozialdemo kra� tische Fraktion bei der Haushaltberatung im Ausschuß rund 150 Anträge gestellt, die fast alle angenommen wurden. Tiefbau- und Hochbau- Verwaltung, S i e d l u n g s- und Wohnungswesen folgten in der Beratung. Kommunistische, nationalsozialistische und deutsch- nationale Redner vertraten dabei alte, früher im Plenum gestellte Anträge, die im Haushaltausschuß abgelehnt wurden. Was darin zur Behebung der Wohnungsnot vorgeschlagen wurde, war bn- brauchbar. Um 20 Uhr wurden die Abstimmungen über die beratenen Kapitel vorgenommen. Dabei verfielen alle Ab- önderungsantröge, die insbesondere von den Kommunisten gekommen waren, der Ablehnung durch eine starke Mehrheit. Die einzelnen Etatskapitel wurden in der Form, die ihnen der Haushaltsausschuß gab, angenommen, so daß also auch die hier vorher genannten An- träge der sozialdemokratischen Fraktion Annahme fanden. Die An- nähme der kommunistischen Anträge hätte insgesamt rund 410 Mit. lionen Mark Mehrausgaben erfordert, das ist über ein Drittel des gesainten Stadthoushalts. Ueber die heranschoffung dieser Summe hatten sich die Herren selbstverständlich keine Sorgen gemacht. Bei den Einzelabstimmungen ergaben sich allerlei interessante Situationen: so stimmten die Kommunisten erst s ü r einen nationalsoziali st i» s chen Antrag, der die Freizügigkeit der Bevölkerung ausheben wellte, dann aber gegen einen ähnlichen Antrag, der von den Deutschuationalen kam. Später gaben sie zu dieser ihrer Stellung eine Erklärung ab. Zum anderen waren die Kommunisten gegen die Bewilligung von 100 WX> VI. für die Förderung und den Ausbau des Kleingartenwesen». und zwar nur deshalb, well die Sozialdemokraten es bean- tragt hatten. Dafür forderten sie selbst ober 100 000 Mark als Darlehen— olisa zurückzahlbor— für Kieii�gärtnerl Mit der Beratung des Kapitel» Anforderungen für Bolls-. Mittel- und höhere Schulen wurde die Beratung fortgesetzt. Nach den Rednern der Kommunisten und der Nationalsozialisten sprach dabei Stadw. Kreuziger(Soz): Der Schuletat sei nicht besonders benachteiligt, die finanziellen Sfadtverordncfeii. ifen.— Sachliche Arbeit am Etat. Kürzungen bewegten sich im Nahmen des allgemeinen Abbaues, d. h. der Etat ist wieder auf den Stand von 1928 gebracht wordeii. Was in diesem Jahre als Errungenschaft gepriesen wurde, kann man l980 nicht unbedingt verwerfen, so wie es die Kommunisten tun. Vieles. was im zentralen Schuletat gestrichen wurde, erscheint in den Be- zirken wieder, besonders die Ausgaben für sozial« Dinge sind mindestens geblieben, teilwefe erhöht. Der Redner protestierte gegen die neuerliche Belastung der Stadt durch staatliche Alwrd- nungen im höheren Schulwesen. Ganz allgemein müßten in Zukunft die höheren Schulen als Berussschulen, nickst als all- gemeine Bildungsanstalten angesehen werden. Völlig unfähige Schüler würden in die Grurrdtlassen der höheren Schulen auf- genommen. Für jeden höheren Schüler leisten Staat und Stadt je 540 Mark Zuschuß. Kreuziger fordert« dann den äußeren und inneren Ausbau der Berufsschulen: diese Schulen, die immer mehr an Bedeutung gewinnen, müssen viel mehr als bisher beachtet werden. Die Volksschulen sind Stiefkinder der Verwaltung wie die Berufsschulen. Erst eine allgemeine Umorganisatton des gesamten Schulwesens wird uns einer wirklichen brauchbaren Einheits- schule näherbringen.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Den Klagen Kreuzigers über das höhere Schulwesen schloß sich Stadto. Halle(Z.) an. der auch eine bester« Berücksichtigung kacholischci; Schüler in den Siedlungen forderte. Sozialdemokratische Anträge. In erncr Anzahl Anträge verlangte die soziatdemo- k r a t i s ch e Fraktion u. a. vom Magistrat, bei Reichstag, Reichsrat und Reichsregienmg vorstellig zu werden, daß sehr bald ein Au-- sührungsgesetz zu dem Artikel der Reichsversassung erlassen wird, der die freie Lieferung von Lehrmitteln vorsteht. Weitere Anträge fordern, daß der nebenamtliche Unterricht an den Berufs- schulen abgebaut und durch l>auptamtlich« Lehrkräfte ausgeübt wird und daß die Hausangestellten, die Haustöchter und in der Landwirt- schast beschäftigte Jugendliche in die Berufsschule eingegliedert werden. « Bor der Etatberatung wurde die Dringst chkeftsvorlag» des Magistrats zur Festsetzung der Müllabfuhrgebühren wie auch die Herabsetzung der Berussschujbeiträge angenommen. In einem Antrag verlangten die Kommunisten Maß. nahmen gegen die Generalpächter der Rieselfelder, die angeblich die Pacht schuldig geblieben seien, und Demokraten und Sozial- demotraten forderten Maßnahmen gegen die Krawalle der Hastcrnalfcgialifien im Strandbad Wannsee. Die Demokraten forderten ferner Auskunft über die B e t e i l b« g u n g von Arbeitersportlern und-sängern bei der Ein- w e i h u n g des neuen Stadions in Neukölln. Eins weiter« Anfrage der sozialdemokratischen Frakiion beschäftigt sich mit dem Tode einer Patientin in der hellanstalt Teupitz: sie hat folgenden Wortlaut: „Zn der Provlnzlalirren anstatt Teupiß Ist durch Anachk- samkeil einer Pflegerin eine Palleaklatödlich verbrüht worden, vor einige« Wochen Hai die Skadkoerordnetenoersanim. lung einer Magistratsvorlage zugestimmt, durch die mit der An- statt ein längerer Vertrag geschlosten und Mittel zum Zlusban bewilligt wurden. Der Magiftralsverlreter schilderte die Anstalt als außerordentlich gut und zuverlässig. Der Magistrat wird um Auskunft gebeten, ob die S ch u l d f r a g e bei dem An. fall geprüft ist und was gegen die Schuldigen veranlaß« ist. Ez wird ferner um Auskunft gebeten über folgende Punkte: Aus wieviel Patienten kommt in Teupltz ein« Pslegeperson? wie ist die Arbeitszeit des Personals geregelt?" Alle Anträge und Anfragen werden geschästsordnungsmäßig erledigt. Zepp wieder am Ankermast. Morgen früh Start zur Schlesienfahrt.- Am AbendNückkehr „Graf Zeppelin" ist kurz nach 17 Uhr, von seiner Ostseefahrt kommend, auf dem Flugplatz in Staaken eingetrossen. Es wurde nicht am Ankermast festgemacht, sondern wechselt« di« Fluggäste aus dem freien Feld«, um dam, sofort zu seiner Zwesten Berliner Rundfahrt onfzusteigen, an der 40 Personen teilnahmen, uister ihnen einige Besucher der Weltkraftlonferenz. Nach Beendigung der Rund- fahrt wurde das Luftschiff wieder am Ankermast festgemacht. Morgen früh gegen 8 Uhr wird dos Luftschiff zu seiner Schlesienfahrt starten. Ueber Görlitz und Breslau wird Post abgeworfen werden, all« größeren Städte Schlesiens sollen auf der Fahrt begrüßt werden. Die Rückfahrt nach Berlin, wo man gegen 18 Uhr eintreffen wird, soll über Frankfurt a. O. erfolgen. Nach den bisher getroffenen Dispositionen wird dann der Zeppelin noch am selben Abend gegen 22 Uhr Berlin wieder oerlassen, um während der Nacht die Fahrt nach Friedrichs- Hafen zurückzulegen._ Verkehrsunglück in Mariendorf. Zwei Personen getötet— eine lebensgefährlich verletzt. Gestern nachmittag ereignete sich an der Ecke der Chausse- sr r a ß e und Britzer Allee in M a r i e n d o r s ein schwerer Zu- sammenstoß zwischen einem Lastauto und einem Motorrad, bei dem zwei Personen auf der Stelle getötet wurden. Ein dritter Verunglückter mußte mit lebensgefährlichen Verletzungen durch die Feuerwehr ins Tencpelhofer St.-Josefs-Krankenhaus gebracht werden. Die 55jährige Frau Elisabeth F e i n k aus der Steinmetzstraßs 46 in Berlin hatte in dem Vorort Rangsdorf an der Z ofse n e r Strecke eine Sommerwohnung für längere Zeit gemietet und wollte gestern nachmittag mit einem Lastschnellauto, das sie von einem Rangsdorser Fuhrunternehmer gemietet hatte, noch einig« Möbelstücke aus ihrer Wohnug abholen und nach Rangsdorf schassen. Auf der Fahrt nach Berlin-kam Frau F. dabei auf furchtbare Weise ums Leben. Der Führer des Lastautos soll nach den bisherigen Ermitt- lungen bei der Fahrt durch di« Chausseestraße zu dicht an«in vor ihm fahrendes Prioatauto herangefahrcn sein. Um einen Zu- sammenstoß im letzten Augenblick zu vermeiden, bog er dann plötzlich scharf nachs links herüber. In diesem Augenblick kam in schneller Fahrt aus entgegengesetzter Richtung ein mit zwei Personen besetztes Motorrad heran. Der Führer oermochte nicht mehr rechtzeitig zu bremsen und prallte mit ungeheurer Wucht mit dem Lastauto zu. sammen. Das Rad wurde hochgeschleudert und riß dabei Frau Feink, die neben dem Lastautochauffeur saß, aus dem Führersitz heraus. Die Folgen waren furchtbar. Frau F. unv der Motor- radsahrer Bernhard Michael aus der Steglitzer Straße tagen mit zerschelltenGliederntotauf dem Fahrdomm. Der Begleiter des Motorrodfahrer», der 19jährig« Dolonteur Felix Zechmann, Tempelhoser User 33, erlitt schwer« Schädelverletzungen. Sein Zu- stand ist sehr ernst. Lindemann und seine Brüder. Sin Bankier und Kommerzienral als Betröger. .Rech mehrwöchiger-Perhandlung fällte die Berusungsstros- kammer des Landgerichts 1 in dem Prozeß gegen den Bankier und Kommerzicnrat Karl Li»demann und seine Brüder Gustav und Ot t o wegen betrügerischer Börsengeschäft« das Urteil. Karl Lindemann wurde zu einem Jahr neun Mo- naten Gefängnis, 10 000 Mark Geldstraf« und drei Iahreu Ehrverlust verurteilt, Gustav Lindemann zu einem Jahr Ge- föngnis und 7000 Mark Geldstrafe, Otto Lindemann zu neun Monaten Gefängnis und 6000 Mark Geldstrafe. Der Haftbefehl gegen Karl Lindemann wurde aufrechterhalten. Bei dieser Verurteilung handelt« es sich um die betrüge- rischen Börsen monöoer mit den Brandenburg ischen H o l z- A.- G.- P a p i e r e n. Die Aktien befanden sich im Allein- besitz von Kort Lindemann und standen 1928 auf 5 Proz. Plötzlich schnellten sie a u f ll b e r 2 0 0 Proz. hinauf. Karl Lindemann ließ nun durch seine Brüder mit Hilfe von Strohmännern bei einer Reche von Bankhäusern Kaufaufträge erteilen, und die Banken mußten die Papiere von Karl Lindemann kaufen und bezahlen, während die Strohmänner zunächst nur 50 Proz. der Kaufsumme einzahlten. Da im ganzen für-etwa 2 Millionen Mark Käufe getätigt worden sind, haben die Banken, da die Strohmänner durchweg ver- mögenslos waren, ein« Million Mark verloren, und dieses Geld muß in die Taschen der Gebrüder Lindemann gc- flössen sein. Karl Lindemann war schon früher in«ine ähnlich« Affäre un- lauterer Börsenmanöver verwickelt gewesen und wurde vor einigen Iahren mit 1000 Mark Geldstraf« bestrast. Jetzt schwebt noch gegen die Brüder Lindemann gemeinsam mit 17 weiteren An- geklagten das groß« Strafverfahren in der Sprit- fchmuggelaffäre mit den Schiffen„N i x e" und„P e l i k a n". Dieses Schmuggelgeschäft soll von Karl Lindemann, der damals In- Haber des inzwischen verkrachten Bankhauses Merz u. Eo. war, finanziert worden sein. Die Anklage ist bereits von der Staatsanwaltschaft III erhoben worden. „Grüner Winkel" bei Neuenhagen. Bon den Wohnsicdlungen, die in den östlichen Vororten wie Pilze aus der Erde wachsen, treibt die Gemeinde Neuenhagen eine vorausschauend- kluge Boden- und Siedlungspolitck. Wie Bürgermeister T h o r m a n n bei einer Prcssebesichtigung mit- teilte, ist die durch große Reklame bekanntgewordene Parzellierungs- gesellschaft Gartenstadt B o ll« ws d o r f mit zirka 4000 Bau- parzellen in Gemeindebesitz übergegangen. Die erste Folg« dieser großzügigen gemeinwirtschaftlichen Tat ist die Senkung des Kaufpreises von 3 M. auf 2 M. pro Quadratmeter Boden in Bollensdorf. Hier in Neuenhagen hat di« Arbeltsgemein- schast für Wohnungsbau..Stadt und Land" eine neu« Sied- lung..Grüner W i n k cl" errichtet, d:e sie der Presse zeigte. Man hat in Neuenhagen den Versuch gemacht. Wohnungen zu bauen, die auch dem Kl einverdiener als Mieter oder Eigenheim er- schwinglich sind. Vorläufig sind es nur 60 Wohnungen verschiede- nen Typs, jedoch soll sich die Bautätigkeit in der Folge erweitcrn. Die kleinste Stockwerk-Mietwohnung, eine Stube u n d K ü ch e sowie Klosstt, Garten, Boden und Keller, kostet monat- lich 34 M. Miete, die durch einen Gemeindezuschuß noch weiter auf 29 M. gesenkt wurde. Der Geschäftsführer von„Stadt und Land", Genosse Schadewoldt. wies darauf hin, daß dieser Kleinstlyp. der freilich kein Bad vorsieht, di« Erfüllung der dringendsten Er. sorderniss« bedeutet. Tausende von jungen Menschen würden sich glücklich schätzen, für den Anfang einer Ehe eine, wenn auch klein« so doch eigene, gemütliche Wohnung von Zimmer und Küche zu erschwinglichem Preis zu besitzen. Auch die anderen Typen, die 1�, 2H Zimmer und 3'/i Zimmer mit Garten, Deranda, Zentral- Heizung usw. vorsehen, sind dem Gebotenen entsprechend billig. Dabei handelt es sich um Flachbauten, die über das erste Stockwerk nicht hinausgehen, also die Behauptung, nur der Mietkasernenbau wäre rentabel und verbilligend, durch die Praxis widerlegen. Dank der rührigen Organisationsarbeft unserer Genossen als Mieter in den bereits vorhandenen Berliner Wohnbauten von„Stadt und Land", ist es ihnen gelungen, vieles in der Berwaltung im Eigen» betrieb zu übernehmen und sich als Mietervertreter einen führenden Einfluß im Aufsichtsrot der Gesellschaft zu sichern. Eine an die Siedlung„Grüner Winkel" in Neuenhagen sich anschließende Aus- stellung zeigt, wie in der Kleinstwohnung sich Möbel geschmackvoll aufstellen lassen._ Klagt Berlin gegen Büschs Erben? Die Korruptionsgelder sollen herausgerückt werden. Innerhalb der Bertiner Verwaltung schweben gegenwärtig Er- wägungen, gegen die Erben Büschs vorzugehen und von ihnen eine Herausgabe der Beträge zu fordern, die Busch als B e. stechungssummen empfangen hat. Soweit aus den Untersuchungen des Londtagsausschusses bisher schon hervorgegangen ist, hatte Busch in drei Fallen Provisionen in Höhe von über 500 000 Mark erhalten. Um eisten Arrest auf das den Erben Büschs zugefallene Dermögen erwirken zu können, muß die Stadt Berlin allerdings den Nachweis erbringen, daß der Der- storbene unerlaubte Vergütungen erhalten hat. Es ist also, falls Magistrat und Stadtverordnetenversammlung sich zu einem Vor- gehen gegen die Erben entschließen sollten, zunächst damit zu rechnen, daß«in« T e i l k l a g e erhoben wird, die 500 000 Mark für die Stadt Berlin verlangt, da seitens des Magistrats hier der Nachweis ohne weiteres erbracht werden kann, daß Stadtrat Busch unerlaubte Ge- schäft« getätigt hatte. Weiter erwächst der Stadt Berlin allerdings auch die Aufgab«, genau festzustellen, wie groß die E r b s ch a f t s- m a s s e ist, und ob noch Werte vorhanden sind, die bisher von Lutkie oder der Fami-i« Busch noch nicht angegeben worden sind. Sonnenwende in Bohnsdorf. Die Bohnsdorfer Kulturorganifationen der Arbeiterschaft, Iungsoziolisten, Sozialistische Arbeiterjugend. Kinderfreunde, Frei« Schulgemeinde und der Arbeiter-Sängerchor, veranstalteten am Sonnabend, 21. Juni, in Bohnsdorf eine Sonnenwendfeier, an der sich fast 1000 Personen betiligten. Pünktlich um 22 Uhr begann die Feier mit den Darbietungen eines Tambourkorps: Gesänge, wirkungsvoll vorgetragene Rezitationen und die Aufführung eines Sonnenwend- spieles folgten. Hell' loderten die Flammen zum Himmel, als der Holzstoß angezündet wurde, Begeisterung erfaßte die Menge. „Wir sind das Bauoolk der kommenden Welt" sang die Jugend begistert. Ein Sprechchor forderte auf:„Genosse, tritt ein, schreit' mit!" Das straff durchgeführte Programm fand viel Anklang. Singend zogen die Kindcrfreunde, zu einem Fackelzug formiert, nach Haufe, um ihre Gäste von auswärts ins Quartier zu bringen. Ganz Bohnsdorf stand im Zeichen der Sonnenwendfeier der sozialistischen Arbeiterschaft. Ein echtes Volksfest war es, das allen neuen Kampfesmut gab. Das Aiieniai auf die Synagoge. Gefängnisstrafen für fünf Nationalsozialisten. Das Schöffengericht Berlin. Mltte verurteilte die National. fc�ialisten Wüstenberg. Ruba. Mecklenburg. Göring und Sleljle. die die Synagoge am Sollbusfer Ufcr in der Nacht zum 1ö. Februar mit Hakenkreuzen nnd beleidigenden Inschriften in ätzender roter Anilinfarbe bemalt hallen, zu j e s ii n s Monaten Gefängnis. Selbstmord eines Berliner Bankiers. Und Verhaftung eines Brcslauer Bankiers. Am Sonntag wurde bei Urach der Leichnam des Bcr- liner Bonkiers Hans Dörr aufgefunden, der sich seit euriger Zeit im Sanatorium Hochberg in Urach aufhielt. Dörr, der erst vor einigen Wochen seine jungen Gattin durch den'Tod verloren hatte, war nervenleidend. In einem Anfall geistiger Um- »achtung hat er sich erhängt. In Breslau hat die Kriminalpolizei den Inhaber des Bankhauses Moch�Co, den Kaufmann Erich Neu- g e b a u e r, unter dem Verdacht oerhaftet, Nachlaßgelder in beträchtlicher Höhe unterschlagen zu haben. Neu- gebauer ist geständig, vermag aber über den Umfang der Verun- treuungen nichts Genaueres anzugeben. Reichsbahn rüstet zum Ferienreiseverkehr. Für den bevorstehenden stärkeren Reiseverkehr zu Beginn der großen Ferien in den ersten Tagen des Monats Juli hat die Reichsbahndirektion Berlin die nötigen Vorkehrungen getroffen. Die planmäßigen Züge werden verstärkt werden. Außerdem sind in der ersten Iuliwoche zirka 213 Vor- bzw. Nach- züge vorgesehen, die noch Bedarf gefahren werden. Für die in der ersten Iuliwoche planmäßig verkehrenden Vor- und Nachzüge zu den Schnellzügen ist der Platzkartcnoorverkauf eingerichtet wordeii. Die Mitteleuropäischen Reisebüros sind— wie bereits mitgeteilt— von Donnerstag, den 26. Juni bis Donnerstag, den 3. Juli(ausgenommen Sonntag) von 8 bis 18 Uhr, und Sonn» tag. den 29. Juni, von 9 bis 12 Uhr geöffnet. efnfeabunjeit fät tiefe Rubrik find Berlin«S 68, Lindenstraße Z. pariemachrichien für Groß-Verlin stet» a« da» Bezirtesekretariili 2. Hos, i Treppe» recht», zu richte». Z. Sreie Tierarten, Heute, Diensiaa. A> Uhr. Are!««rstant»sttwi>a»it den Beisitzern und ersten Abteilungsleitern bei Krüger. Putlitzstr. 10. S. Steel»(7r«cSttft«tfltn. Toe Kartell für Arbeiterfpprt und Körper, M pflege brs Bezirks Friedrichsliai» peranstaltet am � Rittrvoch, dem D LS, Juni, gemeinsam mit der sozialistischen Arbeiterjugend auf dem p| Sportplatz im ssriedrichsboin eine Sonnentvendfeierl Es ist ein sehr W reichhalliges Programm oorgeseben. Wir erwähnen dos Auftreten der W 4 Sternbergs, Wösten freiübnngen, gpmnastische Musternarführunoen der M Iungmädhen, Spreebchor der Arbeiterjugend, Sonnenmendfeuer und Ej jseuerrede, Einlaß 18 llhr. Eintritt 20 Pf. Parteigenossinnen und fe »genossen inleresüert euch mehr wie bisher für das Tun und Treiben g| eurer Jugend! Besucht restlos die Sonnenwendseier am 2S. IunU A 1». Krei, Pantow. Voranzeige. Für Mittwoch, I. Zuli. stutz leiner. I lei Veraustoltungen zu treffen, da bei Linder, Ponlow. Beerte Gtr. 82, gä in der Ztreismitgliedernerfamrrlung der Senoste Senering spricht. M Zeit wird noch betanntgegeben. 5)cuke, Dienstag. 24. 3unl: ?/bt. 20 Uhr �unltümärlonfcMnj k»ei Dobrohsnv,(StDlncjn!hiJt>«t 6tt, U. 17. Abt. Die Bezirksstlhrer Verden gebeten, die Markenltest-ände unb 6cm» mcfti�cn umgehend beim Genossen Höhne obzure6>nen. A. Abt. Achtung! Die Genossen Verben gebeten, eile Merken unb Semmel. listen wegen Ouartelsschluß bis Mittwoch. Ski. Zum. abzurechnen. 4i. Abt. Die Abteilung«>ve.nsaniinlung fallt iil biesem Monat ans. Säm4li4 Uhr im Letzigen beim. Pappelalle« 1.8. Thema:„Die politische Lage". Referent: Dr. Kurt Löwenstein, M. d. R. Abt. Abteilungsmitglietzeroerfammlung um 20 Üb» In der Schulaul» schonfließer Slr. 7. Gcimsse Engelbert Graf spricht Uber dw..Faschsstisöre Gefahr T Erscheinen aller Mitglietzer dringend erwünscht. Atzt. Achtung! Die Genossinnen und Genossen, die nicht an der Sonnen» mendfc:er im Frktzrichshain teilnehmen, besuchen die Mssaliederversamm. long der 38. Abt. in Schmidts Gesellschaftshaus. Fruchtste. 36». Thema: ..Reichsbamrex, Partei, Polizei im Aeichen der faschistischen Gefahr". Re- ferent: Dr. Haudach. Pressechef des Polizeiprästdiums. Abt. Abteifungsverfammluna um 20 Uhr bei Schulze. Eamariierstr. 38. ghema;„Die faschistische Gefahr". Reiereni: Gerhard Kramer. Abt. MitgNrderperfommlung um lg Uhr in der Schulauia Straßmann. itroße 6. Auf Beschluß der Funktionäre Vortrag üb»r»Berliner Verkehrs- posstik". Referent: Stadtverordneter Kenn. Arnberg. Es wird dringend gebeten, zablrejch und pünktlich zu erscheinen, da die Versammlung um A Uhr geschlossen wird, damit wir uns noch an der Sonnenw.'ndfeier >m Friedrichshain hcteilig'n können. Abt. Mitxliederprrsammluna IS'.N llhr in der Brauerei Patzenhofer» Landsberger Allee 24—27. Thema:»Die Sonnenwende im Licht« der Po. litik". Referent: Erich Schwanebeck. Atzt. Mitgssedenoersammiung l!>'a Utzr in Schmidt, Gefellschoftshau«. Frucht str. 36». Dr. Th. Hautzach. Pressechof de» Berliner Polizeipröstdium», spricht über„Reichsbanner. Partei und Polizei in ihrem Verhältnis zu. einander, angesichts der kommunistisch-fafchiftischen Gefahr". Fablreiches Erscheinen aller Mitglieder, insbesondere der parteigenösssschen Reick,». bgnnerkameraden. wird erwartet. Abi. Die Mitglictzerper.fammlung fällt wegen der de! Robe. Fichtestroß«, stoltsindenden Krcisversammlung aus. Abt. Witgliederpersammlung pünktlich ISi? Uhr in der Schule Forster Ecke Rcichenbergcr Straße. Thema:»Grundsätzliches aus dem Stoolsrechi". Referenlin: Genossin Grommann. Abt. Mitgliederverfammlung um 20 llhr bei Burghardt. Görlitz«? Sir. SC. Thema;„Der Faschismus". Referent: Hans Marx. Nach der Mitglieder- nersammluug find unbedingt die Maimarlen und überhaupt alle Lssren beim Genossen Urban abzurechnen. Abt. Fahlabend bei Schcllbach. Königin-Elisabeth,Straße. 20 llhr. Vor- trag des Genossen Hermann Ahtzfeld über„Wirtlchaktskrise und SPD." Abt. Fahlabend der 8. Gruppe um 20 llhr bei Schulz. Wallstr. 39. Au«- spräche über die politische Lage. Atzt. Abteilungspersanrmlung um 20 llhr bei Iakowiak, Kolzendorkstr. 20. Vortrag: �Zusammenhänge-mischen Wohlfahrtspflege und Krankenver- ucherung im Hinblick auf die beadfichtigien Aentzerungen des Stranken- uersscherungsgesetzes". Referent: Richard Kobelt. Abt. Mitgliederversammlung 20 Uhr bei Thunak, Wiclandstr. 4. Thema: »Da» Kabinett Drüninq und die sozial- Reaktion in Deutschland". Re. far-nt: Richard Lipinskj, M. d. R. Atzt. 20 Uhr bei Meper. Würzdurger Str. 17. Ausspracheabend:„Die Niatcrialssiische Eeschichtsoufiassung". Referent: Dr. slokob Maper. a e Abteilimgspersammlunq um 20 Uhr im Restaurant Thieie, Eber». tttchk 18 Ministerialrat Joachim spricht über:„Meine Eindrücke in Eowictrußland". (tlforaT8' MlgN-derp-rsammlung 2» Uhr in den Lichtcrfelder F-stiäleix, Kehlindorfer Slr. 5. Referent Kurt Heini«. M. d. R. Tages» hei ten"�V-rschki«'SwtC~ S-0°nwärt!g« politische Loge". P-rt-!ang°l-gen. üahlatzeud im Restaurant Marien-Festsäle, Usch« Loge" �"�"ltr. 30Z. Referat des Genossen Huhn:„Di- poli. ab�d�o�Re-Ä! nachstehenden Bezirk? halten heu'«, 20 Ubr, Fahl- straße Änt«™?* fn aI Siini«- Wildcnbruch- Eck- Weser. -irÄ eg se sr-Dl- WirtfchaftÄkrise". Rrfcrrnt: Dr. San? Arons. B«. � Schikerra. Sch-nt-u-r Str. 1. Vortrag:„Abbau 66�..'.�cf-rent: Stadirat Hermann Köhn. Bezirk« bl,», S}'- Tortrag:„Die Grunözllge der Straf. L-»-pka. Bezirke 58, 81. 82. Lokal Wölfl, bk r»Weltwlr.'lchaftickrise und Kampf gegen �! �> � t»rrm. Schlimme. Bezlrke«."S. 79, Lokal S?}' r«r fi«/C mrc x 9' Bor trag:„Die Aulturdeftredungen der Drbe'.tersck'asf. Referent, n: Anna Sartoch. Abt. Weißen lee. � Die Mifaliederverfammlung fällt umständehalber au». Abt. HobeiilchonhaustM. Bezirk„Weiße Taube". Siedlung der Kinder- reichen. Mitglietzeroarlammlung im Lokal Rutzki, Dingelstädter Str. 95. Ecke Landsberger Chaussee. 20 Uhr. Thema:„eozfaltzemokrotie und 8. I it. 10. 12. 11. 17». 18. 1«. 30. 21. 22. 22. 24. 25. S8. 27. 28. 30. 31. 32. 35. 38. 37. 38. 43, 45. 18. 51. 53. 56, 57. 58. 78. 83. 88. 82. «euern'.»«ftreiG: Skeefa JBnanfkrts'Äeftt mh«pmpakhi- sserenbe sind elngciaden. 138. Ab«. Reiiickendgli.vit. Mitgliederversammlung lstt» Uhr im Schsttzenhau». Residenzssr. l. Thema:»Die Follpolitik der Regierung Brüning". Resc- renlin: Maihilde Wurm, M. d. R. Arauenveranskalkungen. 13. Frei« Tempetzhol. Marien bort. Rorienlelde. Lichtenrade. Am Donners. tag. dem 26. Juni, um I9R Uhr. bei Mali. Mariendors, Ehousseestr. 3iS. Kreissunktionärinnensttzung. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen er. wünscht. 14. Ärei» Zleukälln. Di« Abrechnung der Dompserkarten findet am Freitag, dem 27. Juni, zwischen 17 und 19 Uhr. im Parteiöüra. Fulda str. 55,'56, statt. 23. Atzt. Die Genossinnen treffen sich heute. Dienstag. 24. Juni, 10 llhr. Arnchva'lder Platz sAlormaluhr), zum Kreisfrauenigz in Bcrlin-Buch lAirsflua). 31. Atzt. Die Senossen und Genossinnen mit ihren Kindern tresfen sich heu'e, Dienstag. 24. Funi. um 9 Uhr, Bornholmer Straß« Ecke Schönhauser Ave«. Haltestelle der 8 und 17. zum Krej-fraueniag. Nachzügler in Buch, llLoldschenke. Fahrgeld hin und zurück ,30 Ps. Gäste willkommen. 46. Abt. Am Donnerstag, dem 26. Juni, tr-ffcn sich olle Genossinnen zivn Kakseekochen im kleinen Eierhäuschen,?nb. Werkermann» Treffpunkt um 13 Uhr Ecke Falkenstcrn- und Schlosische Straße. Für Nachzügler Kleines Eierhäuschen. Enverslätige Genossinnen können spoter teilnehmen. l24. Atzt. Mahl-tzorf. Die Genossinnen treffen sich am Mittwoch, dem 25. Juni, zum Kreislrauentag um l4 Uhr am Bahnhof Mahlsdorf. Vezirksausschuh für Arbeikenvohlfahrk. yi. Shtis SMniteobenf. Die Besichtigung der Sinderheilanstalt Buch findet am 26. Juni, la UH?, statt. Näheres über Treffpunit usw. wird noch de, kanntgegeden. 1A. Htcis Ztmpetfaf. SUanettboef, Marien felde, 8tchfcm«Ä�. ffwt» B � tag. 27. Juni, pünktlich 20 ITHr, im Sitiungszimwer l des Bezirks- W amtes, Dorfsir. 4�. ArheiterVehlfalirtÄteeisnersammlung. Genossin � D Rosewfeld spricht über„Gefangenenfürsorge". Die Arbeiter wohlfahr ts- M hefte sind bei der Genossin Lohrengel adzurechnen. � W �!«-4 � i,,!;'■;,,.> i Arbettsgemeinschafi sozialdemokrakischer Lehrer und Lchrcrinncn. Ve;irk Groß-Verlin: Nächste sliisammenkunft Dienstag, 24. Juni, in„Onkef Toms Hütts" sll.Bahnhofi. Wir beginnen um 17 Uhr mit einem kurzen gcschäf'lichen Teil. Tagesordnung: 1. Bestätigung der gewählten Srelsoblent». 2. Wahl der Kassenreviforen. 3. Verschiedenes. Anschließend gemütliches Beifammenseih. Kasse können einqrlührt werden. Bei ungünstigem Wetter steht uns der Saal zur Verfügung, so daß wir aus irden Fall unser» Verlammsung abhalten. Reger Besuch ist dringend erwünscht. Vorsitzende: R. Schröter, F. Zhomola. Kassierer: W. Jung. Vereinigung sozioldemokralischcr Studierender. Sonnabend, 26. Juni. Sonnenw-ndfeier zusammen mit drr Arbeiterfugend. Näherr z erfolgt noch durch Ankllnbigung im„Vorwärts" und Brettonlckläge. Die sozialistische Studentensckiait an der Unipersstät Berlin peranstaliet vom 24. bis 26. Fun! drei Werbeabend« ihrer wissen sißafiliib auigcbauien Fach- sckzasten. Es sprechen: Philosoplusche Fachschaft: Oberstutziendirrktor?r Karlen über:„Universität und Lehrerbildung" am Dienstag, dem 24. Juni. 20 ubr, Vortragsfaal de« Porteivorstandcs. Lindeustr. 3..Vormärts"-Gebä»de iNäh« Velle-Allianee-Plaßl. Medizinische Fachschaft: Stadtgrzt Dr. Reeder über„D'e Aufgaben der beamteien Aerzie" am Mittwoch, dem 2S. Auni. im Bund. Allbrechtstr. ll, Gebäude 2. Juristische Fachschaft: Dr. Siegfried Ro seriell» über „Die Humanisierung des Stroirecht» feit 1919"(nicht Strafnolzugl gm Donnerstag. dem 26. Funi. 20 Uhr. im Vortnagssoal de. Brandenburgischen Be- zirksoerbantzes, Lindenstr. 3...Vorwärts"-Gebäude lRähe Belle-Allianer-Pfatzl Sektion Technische Hochschule: Genosse Dr. Scheunemann Uber..Massenhngiene und Bevölkerungsvolilik" am Freitag, dem 27. Juni, 20 Uhr, un Bund, Albrechrflr. 11. Wir perwrisen daraus, daß. in dem an alle Miglicder per- sandten Rundschreiben der Vortrag de» Genossen Rosenfeld durch einen Schreibfebler für Mitiwoch, den 25. fluni, angezeigt worden ist. Die Anzeige bezieht sich auf Donnerstag. 26. Juni. Zungsozlaliflen. Gruppe»einickendeef. Donnerstag. 26. Juni. 20 llhr. öffentliche Werbe. neefammfung im»Alten Krua". Teges. Hauptstraße. Vortrag:„Sozialtzemo- kratie und die Stootsmach!". Aussprache. Ret-rent: Georg Madeibolz. M. d. L. Gruppe Moabit. Fnsosae Ablage bei Berger treffen wir UNS beut«, 20 Uhr. beim Genossen E. Free, Huttepstr. 70. n. TT sgn der Beusseiftraße). Referat und fehr wichtige Gruppen fragen. Wegen der Werbefohrten(6. Juli. 8. und 31. August) muß jeder erscheinen ober Bescheid geben. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Grcch. Berlin. Feltiage, Schweiz. Die Beurlaubung der erwerbslosen Helfer unserer Dr. gonisotion unter gleichzeitiger. WeitergewaZirung der Arbeitslosenunterstützung ist vom Lontz«»rbritsamt abgelehnt worden. Kreis Reuköll». Am Dannerstag. dem 26 Zuni, 10 Ubr. Arbeitzstuntz«. Baracke Gangheiferssraße. Abrechnungen vornehmen. Di, Neftfaiken. die in da» Mun.sterlager fahren, sind am Mittwoch um 17 Uhr zur Singstunde in der Karl-Morx-Schule. Wir erinnern nochmals an die Echlußunterfuchungen. Die Gruppen Hermannplotz. Falke. Fritz Reuter und Sturmfalke sind am Donnersfa».». Fünf, 0 llhr. im R-thou«. Die Gruppen Lichtftwipfen, �»ng. nolk. Duelle und Birke am Freitag. 27. Fünf, ebenda. Vollversammlung aller Lagorteilnebmer. Fungiolken und Rote Falken om Freilag. dem 27. Juni, im Jugendheim Könner Straße, um>8 Uhr. Wir geben� letzte Informationen. Wir erinnern an unsere Heiserfahrt am kommenden Sonnabend und Sonn- tag. Meldclermin om Donnerstag in der Ärbeitsstundc.— Gruppe Licht- lämpfer. Heute. Dienstag, Zusammenkunft der Lagerteilnebmer im Heim Berg» straße, um 17 Uhr. Der Rest vom Lagerbetrog muß bezahlt werden. Kreis Friedrichabaiu. Heute, Dienstag. 18 bis 20 Uhr, Iunghelferkursus im Fugendheini Dieftelmeverftr. 5-6. Mittwoch Lonneiimerdfekr der Ar. beiterlportler auf dem Sportplatz im Friedrickzsbain. Pflichrveranstaltuug des Kreises. Getchloisene Gruppen Eintritt irei. sonst 10 Pf. Die Gruppen«rcfien sich wie folgt: Martha Demmning 17'.; Ubr Petersburger Platz. Franflue er Viertel 17'.; Uhr Jugendheim Frankfurter Allee 307. Stralau 17 Uhr Rudolf. Plötz. Robert Blum 1714 Uhr Seim Litauer Straße. Paul Singer 17H Uhr Küstriner Platz sNormalubrl. Landeberger Platz tili Uhr Falkenecke. Alle bringen die Eltern mit. Kleidung Faikentracht. Wimpel wllhringen. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation ?4. Bk»t. Unser nerehrter Genosse Julian Page?, Clntdomickist?. 7. ist am ?". Juni nach langer Krankheit verstorben. Ghre seinem Anhenken. Die Beerbiqunq findet Heute, 12 Uhr, auf dem Jüdischen Friedho«f, Weißensee (neue. Halle), statt. Z.'i. Abt. Der Genosse Dranz Gielogf, Woldenderqer Ttr. 1�, ist am S1. Juni verstorben. Ghre seinem Andenken. Einöscherunff Mittmoch, V.?uni, 21 Uhr. im Krematorium Geri6>tftraße. Neoe Beteiligung mird erwartet. ly?. Abk. Köpenick. Unser verehrter Genosse Otto Reinhardt. Grünstr. 17, ist om 19. Juni infolge Betriebsunfall verstorben. Ehre feinem Andenken. Die Einäscherung findet om Mittwoch, dem 23. Juni, 17 Uhr. im Aremato�iuM Baumschule nweg, Kiesholzstraße, statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Vorträge, Vereine undVersammwngen. Reichsbanner..Schwarz-Rot-Gold". K e f ck, ä f t s N c l 1 e: Berlin L. 14. Sehastianstr. 37—38. Hof 2. St. Dienstag, 24. Juni. Kreis Norden. Vünktlich 19'� Uhr Antreten der Ortemereine in Niedersckiönhaufen, ssriedensplaß. Pflichtperanstaltung. ftu crrcidK" mit Linien 10. 49, 49, 5t und 199. Wedding. Brapagandafahrt in Riederschändausen. Vflichtantreten der 2. Kameradschaft. 19'4 Uhr auf dem �rird-nsplosi in Niederschönhausen, skohrverhindungen: Linien 28. 119 und 199. Rcinritenbsrf lOrtsverein). 19'<. Uhr Antreten in Niederfchönhausen. Frieden?» platz, vim Propagondaummarsä).— Arcn�berg. Mittwoch. 25. Juni. 29 Uhr. erweiterte Borstandssitzirng hei Krepp. Blauuser 75.— Eharlottenburq. Karten für das Iungbonnerscst am Connahend. dem 29. Juni, sind bei den Jung- bannersunltionären.vi Haben.—«citzenfee(Ortsverein). Dienstag. 24. Juni. Antreten aut Beteiligung am Umzog in Niederfchönhausen ISVj Ubr an d-t Spitze. Nachzügler 19',-. Uhr Friedi-nskirche. Niedersälönhausen.— Neiniiken. darf, West(Kameradschaft). Dienstag. 24. Juni, Antreten 18 Uhr. im Ber. kechrslokal ,;um Kreismilzug in Niederfchönhausen. Nachzügler 19'? Uhr Friedens- kirche, Niederfchönhausen. Sozlalwistensckaftlicke Bereinigung, Bei-lin. Dienstao. 24. Juni. 29 Uhr, im Lokal von„Mar und Moritz", S. 42, Oranienstr. 182, Bartrag der Gc- nossin Dora Fabian. Deutscher Ardeiter-Sävgerbund. Gau Berlin. 3. Bezirk, veransialiet s.n Sonnabend, dem 29. Juni. 20 Uhr, im Schloß Schönhansen, Niederfchönhausen. Lindenstr. lü(Inh. Weser), ein Pe.zirks-Derbekonzert. Gesungen wird im Gemischten Clwr, Gruppenchor und Mossencklor. Selbstbilfebund der Körperbehinderten, Ortsgruppe Berlin-Prenzlauer Berg Mitgliedcrncrsanlmlu'.-a Donner5>tag. 2S. Juni, Berolina-Festsäle, Schönhauser Allee 29. 19'? Uhr. Anschlietzend Musik. Gäste. Willkomm-''. tonsLictlo� LngUsd DLdS!j>-»-2iuk,: tAiuvocb,#}[ hr, Zahnarrienaus tiülow- stra9c 104, GuUrnannsaal: Mr. William W. Mann:„The Industrial Outlook in B ritain." Allgemeine Wetterlage. 135. 127. Ein Schallploffankonzerf giki am Sonntag nonmittog«inen Querschnitt durch die Leistungen dc? großen Tenors Louis Graveur«. Fünf Arien sieden auf dem Programm, die besser als«ine Opernausiiihrung-Störken und Grenzen"des SUinsHcrs enthüllen. Ein« vorbildliche Technik, eine ganz groß« Gejangskullur, eine baritonole, dunkel gesättiHic Stimme mit leichter tenoraler chöd« sind d!« Vorzüge, können jedoch nicht vergessen machen, daß dieser Künstler sehr kalt, gewissermaßen mit Glacehandschuhen, singt, Ledciifalls könnte die Funkstund« diese Art von Konzerten in ihrem Programm beibehalten, Abends im Rahmen eines Orchestcrkonzerts erlebt„Sab in che n", ein Hörspiel der Rundfunkoersnchsstelle seine Uraufführung im Sender. Die schöne Maritat van dem Schuster aus Treuenbrietzen ist hier madernisiert morden, Paul Hindemi 1 h, der die alle Gnindmelodie bestehen läßt, versieht sie nur mit witzigen Arabesken, um die sich auch der Textbearbeller Robert Seitz bemüht. Unter anderem wird ein Chor eingeführt, in dem Hindemich in instrumentaler Beziehung oußcrordentfichen Witz entfallet, Aber dabei bleibt es. Das Ganze wirkt wie ein musikösischer Sketch, der kaum Wege ins Neutand weift Sehr schön das A b e n d k a n z e r t, das Arien aus bekannten Spielopern bringt. An erster Stelle steht das Orchester unter M c y i o w i tz, während Lren« Eisinger noch niärt für die Kolaraturar'e der Frau Fluth aus den„Lustigen We'bcrn" ausreicht. Der sechzigjährig« Hans Brenncrt liest zwei seiner kleinen Dichtungen, Ein winziger Ausschnitt aus dem amüsanten, behaglichen und liebenswürdigen Werk dieses ewig jungen Berliners.— Am frühen Morgen sallren die Rundfunkhörer Gelegenheit hoben, die Landung des Zeppelin mitzuerleben. Die gebotene Reportage war fedoch mehr als dürftig: worum hörten wir nickit Alfred Brauns Stimme aus Staaken? Ein höchst aktuelles Thema behandelt am Montag der Vor- trag„Die Polizei und die Ausschreitungen in den letzten Wochen". Di« Stellung der Polizei ist in dieser un- ruhigen Zeit problematisch, denn sie dient dem Publikum und gleich- zeitig auch dem Staat. Der Vortragende Dr. Haubach sieht in dem kürzlich erlassenen Unrsormverbot gegen die Nationalsoziallsten einen Weg zur Sicherung und er fordert, daß vor ollem das Waffen» oerbot verstärkt werde. Es ist ein kurzes Referat, das je- doch Kernfragen berührt.— Auch Slaaisminister Dr. Hirtsieser gibt in seinen Ausführungen zu dem Thema„Städtebaulich« Probleme" nur wefentlich« Dinge. Dos hygienisch« Moment im Städtebau wird zu oft übersehen, und es gill deshalb in erster Linie, die Hinterhäuser zu zerstören, di« alten Stadtteile auszulichten und zwar durch Garten-, Park- und Hos- anlagen. Ein großzügiger Entwurf, der ober vorläufig aus Geld- und Wohnui'gsmangel kaum seiner Verwirklichung entgegen- gehen kann.— Was der Schriftsteller Hermann Kasack in der Jugend st unde über den Werdegong eines Buches erzählt, Hot Hand und Fuß. Die Schwierigkeiten des Entwurfs, des Schreibens und des Untarbringens, die finanziellen Kalamitäten und die Fraglichkeit des Erfolges werden sehr anschaulich geschildert. Kasack versucht, seine jugendlichen Hörer vor lieber- und Unter. schötzung der geistigen Produriiou zu bewahren und ihnen einen Begriff' zu geben, welche Schwierigkeit über dem Ablassen eines Buches hinaus dem Berfasser blühen.— lieber den„Jasager" wird hier an anderer Stelle berichtet. T«. ® vresieoolos.© heiler. 9 halb bedeckt •wolldg.�bedfickt�RegeiuGraupsln SdifleesNebellt oetMUcä@Wm sslitie Während in der östlichen Hälfte Mitteleuropas die Erwärmung weitere Fortschritte machte, befand sich schon am Montag der westlich' Teil im Bereich einer etwas kühleren, seuchtcren Luftmasse, Während westlich der Weser dos Thermometer nur auf 2.1 bis 27 Gr.id stieg. wurden weiter östlich meist hO Grad überschritten. Am Abend hatte die Westlust die mittlere Elbe erreicht. Bielsoch war ihr Einbruch von Gewittern begleitet, die«rizcbliche Niederschläge nur vereinzelt brachten. Die kühlere Lust dürste am Dienstag früh unseren ganzen Bezirk überflutet haben. Für die nächsten Tag« ist daher mit niedrigeren Temperaturen als bisher zu rechnen. Infolge der großen Lusijeuchtigkeit wird die Gewitterneigung vermutlich anhalten. 4- lUetleroii-.stchsen für Berkin: Teile woskig, teils hciter mit etwas Gewitterneigung, Temperaturen niedriger als heute.— Für Deutsch- lanö; Auch im Nordosten unter Gewittern etwas Abkühlung, lln übrigen Reich« meist wolkig, namentlich in den Gcbirgsländern Gewitterneigung, ziemlich warm. Kindertag bei lieh. Viel« kleine Lent« finden sich in diesen ■�agen im Äoushaus Tictz, Leipziger Slraße, zum Marionetten- theoter ein. Mit neuartig tonstruierten Figuren, die nicht mehr Mit schnüren von oben geführt werden, sondern auf Holzklötzchen aufmontiert sind, aus denen sämtliche Beweaungsgrisse münden, wird .Hansel und Gretel und„Rotkäppchen" gespielt. Vormittags von 11 br, 1 Uhr, nachmittags von 5 bis 6 Uhr gibt es Vorstellungen, und der Vorführungsraum ift dicht besetzt mit kleinem Publikum. das sich großartig amüsiert. Dieie Borstellungen, die bis zum 2J. Juni stattfinden, stno die Vorläufer des.„Kindertages"., Die Erpielwarenindustrie hat beschlossen, dem Muster Amerikas folgend, auch im«ommer emen Gejchenktag für die Kleinen einzulegen, der den notleidenden sp-elwarenherstellcrn Verdienstmöalichk-iten geben soll. Man wählle dazu den 24- Juni, den Eonnenwend- und Johannistag. Die zu Beschenkenden werden über diese Neuemfüh- rung bestimmt nicht ungehalten sein, vorausgesetzt, daß Vaters Geld- beute! kein Veto einlegt. Es wurden für diesen Tag besonders vorteilhoste Spielsachen hergestellt, die olle das Sianum des Aehren- oder Johonnismännchens tragen. . ,.®f. Ützl.C'Hc befanbcrs ppnstige Gelege» h«it, Eisfchränlc zu sebr ppr. IcilOckften Preisen auf Teilzahlung zu kaufen. Die alt« Gpezialtäbrrk «emmler u. BI«yb«rg-3L-<5„ Berlin S. 14, Drenöemer Str. 98—99, kielet hierbei d« größten Storfail«. Nr. 289* 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Dienstag, 24. Juni 4 930 Kritik am System Schiele. Die Landwirtschafisdebatte des Reichstags. In der gestrigen Reichstagsdedatte führte Reichslandwirtschasts- minffter Schiele weiter aus: Eine gute Roggenernte ist in diesem Jahr nicht sicher vorauszusehen. Rogge»Verzehrsteigerung von jährlich 730 000 Tonnen kann«ine neue Krise verhindern. iSei der jetzigen internationalen Krise bedeuten die Einfuhrscheine eine Ve» schleuderungsgefahr für einheimische Produkte. Mit Haser und (öerste ist der internatiemole Markt überfüllt. Stärkere Anspannung des Einsuhrscheinsystems nützt also nichts, sondern nur die Einschränkung der Auttermitteleinsuhr. Der Boaugerstezoll muh erhöht werden. Der Uebergang vom Haser- und Gersteanbou auf Sonnnerweizen, der bereits beginnt, bedeutet die einzige wirkliche Hilfe/ Di« Zucker, und Kartoffelkrife ist nicht durch Export, sondern nur durch Verfütterung des Ueberschusses und den Spritbeimischungszwang zu Benzin und Benzol lösbar. Ein« viel schwerere Krise droht der Veredelungsproduktion, die keineswegs dos Allheilmittel für die Getreidcproduzenten ist. Ein ausreichender Zollschuh ist die einzige Hilfe für die vuller-, käse- und Aleischproduzenlen. Das Reichsmilchgesetz soll durch Qualitätskontrolle und Absatz- organisation den Milchverbrouch heben. Eine Ueberproduktton an Schweinen droht aufs neue, nur Exportförderung kann helfen. Maßnahmen zur Verbesserung der Verwendung einheimischer Fette zur Margarine- und Seifensabrikation sind eingeleitet. Die Neu- rcgelung der Eierzölle, der Abstempelungszwana für Frischeier, die Abgabe non verbilligtem Futtermois muh die Geflügelzucht heben. Demnächst wird ein handelsklafiengefeh für landwirkschaflllche Erzeugnisse vorgelegt werden, das dem Erzeuger eine Haftung für die Güte feiner Produkte auferlegt. Die Preisschere zwischen Agrar- und Industrieprodukten(Agrarindex 109. Jndustrieindex 132) nmh durch Maßnahmen gegen Heberschwe'imnung des Marktes nach der Ernte geschlossen werden. Die Industriepreise müssen gesenkt, die Agrar- preise erhöht werden, hauptfächlich durch Senkung der staatlichen und sozialen Lasten.(Sehr richtig! rechts.) Aber auch die Differenz zwischen Erzeuger, und Verbraucherpreisen muß oerhindert werden. (Zuruf von den Soz.: Dafür sind Sieder richtige Mann!) Die Lan&wirtschast ist im Niedergang; die Jugend flieht den not- leidenden Acker. Das Land ist die Quelle der Geburtenfreudigkeit, die in Deutschland zu versiegen droht. Der Zuzug vom Lande kann in der Industrie nicht mehr aufgeommen werden und erhöht die Arbeitslosigkeit. Die Beseitigung der deutschen Wirtschoftsnot geht uns über die Beseitigung der Not der Landwirtschaft und des deutschen Ostens. Die Ofthilfe ist keine Dotation oder Subvention. Die Krankheit der ostdeutschen Wirtschast droht die ganze deutsche Wirtschaft zu ergreisen. Die Osthilfe ist also ein Akt der Staats- raison. Das Gesetz über die Ablösungsbank ist untrennbar mit der Osthilfe verbunden, damit Umschuldung und Vollstreckungsschutz ge» lingen. Die finanzielle Durchführbarkeit soll nächstes Jahr in der Finanzreform gesichert werden. Da die Siedlung eine national- politische Aufgabe ist, bestimmt das Ostprogramm, daß mindestens b0 Proz. aller Siedlungsmittel dem Osten zufließen. Etwa 30 Mil- lionen sollen jährlich an Zwischenkrediten für Siedlungszwecke aus- geworfen werden. Dafür ist aber eine Sicherstellung der Dauer- sinanzierung notwendig, die bis zu 225 Millionen geben soll. Für Umschuldung sollen Reich und Preuhen gemeinsam 400 Millionen in fünf Iahren für die noch sanierungsfähigen Betriebe auswerfen. Alle Herabsehungen de» Reichsbankdiskonts ermäßigen nicht den Zinssatz für die landwirtschaftlichen Kredite. die noch innner 8 bis 9 Proz. betragen. Dies- und jenseits des polnischen Korridors sollen die Gemeinden Realsteuererleichterungen erhalten. Die Reichsregieruna erbittet die Ermächtigung, im Ein- vernehmen mit der preußischen Staatsregierung Ausführungs- bcstimmungen zu erlassen, wobei schon bestehende Einrichtungen und Stellen benützt werden sollen. Wenn die Regiening sich trotz der schwierigen Finanzlage bereit erklärt, Bürgschaften für Hunderte Millionen zu übernehmen, so nur im Interesse des großen Werkes, zu dem uns der Herr Reichspräsident ausgerufen hat, näm- lich zur Rettung der deutschen Landwirtschaft und des deutschen Ostens.(Beifall rechts.) Die Redezeit wird auf zwei Stunden pro Fraktion festgesetzt, was den Präsidenten Lobe zu der Bemerkung veranlaßt, daß dann die Tagung bis Ende Juli gehen werde. Abg. Schmidt-Köpenick(Soz): Einer Reichsregierung, die kein Geld hat für die Arbeitslosen, kann man nicht zumuten, daß sie diese Problem« lösen kann. Wann kommen die Landwirte endlich zur gemeinsamen Regelung der Produktion? Durch zollpolitische Maßnahmen wird nichts erreicht, das sollte man schon erkannt haben. Geldwirkschastlich scheinen die Landwirte noch recht umrsssiend zu sein. Bei der Landwirtschaftlichen Ausstellung in Köln hat man einen Rittmeister a. D.. well er behauptete, in Not zu sein, sofort angestellt, und da man ihn nicht zur Bewachung der Ochsen verwenden konnte, setzt« man ihn an die Kasse. Zwei Tage rechnete er brav und treu ab, am Abend des Himmelfahrtstages, der starken Besuch gebracht hatte, war er verschwunden.(Zuruf rechts: Bei Ihnen sst noch nie etwas unterschlagen worden.) Ach, reden Sie nicht so dumm, solch« Schafsköpfe gibt es in der Arbesterbewegung nicht, die einem Unbekannten sofort die Kasse anvertrauen. Sollten Sie aber Unterschlagungen in Gewerkschaften, Krankenkassen usw. meinen so erinnere ich Sie an die Vorgänge bei landwirtschaftlichen Gc- nosseuschaften, Raiffeisenkassen und dergleichen mehr. Wenn sich bei den Landwirten ein ehemaliger Militär meldet, wird er gleich angestellt. Es wäre wahrscheinlich besser für die Landwirtschaft. wenn nicht so viele Stellen im Landbund und bei landwirtschaft- lichen Anstalten mit ebemoligcn Offizieren besetzt wären. Zu den vielen geschäftlichen Unternehmungen, für die das Mi- nisterium gewaltige Summen auszahlt, hat der Rechnungshof zahl- reiche Bemerkungen über ungenügende Kontrolle gemacht. Außer- dem wird das Ministerium durch diese Angelegenheiten seinen eigcnt- lichen Aufgaben stark entzogen. Was die Zinsverbilligung anbc- kmgt. so können wir auf Grund zahlreicher Mist eilungen feststellen, daß fcmdwirfschaftliche Genossenschaften heute noch 14. 15 und IS Dcoz. Zinsen nehmen, und gerade solche Geuoffeuschosteu, die von Reich und Staat unterstützt werden: sie scheinen auf dem Standpunkt zu stchen, daß nur durch hohe Zinsen neues Kapital gebildet wird. Dazu werden noch bei Zahluitgs- veuämirmssen ö Proz. täglich aufgeschlagen.(Hort, hört! links.) Will da- Ministerium nicht dem«stgegemvirkeu, daß der Genossen- hart» der tw-chi ist? Zu den Mahnahmen für das Molkereiwesen erinnert man sich der Einlagerung von Weichkäs« in Bayern. Ist Ihnen, Herr Minister, der Käse noch nicht fortgelaufen oder wollen Sie dieses Geschäst weitertreiben, daß, wenn Sie irgendwo zu einer Versammlung ein- geladen sind, Sie gleich umfangreiche Maßnahmen oersprechen, wie Sie es im Allgäu mit solchem Erfolg getan haben?(Heiterkeit links.) Es kommt für die Zucht darauf an, Qualitätsware zu er- zeugen. Wenn es aber so weitergeht, wie bisher, dann dürfen nicht Reichsmittel dafür verwendet werden. Der Bericht des Ministers sogt, daß durch Entnahme von 6400 Stück Großvieh in Nordwestdeutschland der Marktpreis um 8 bis 10 Mark erhöht worden sei. Aber wie lange hält so etwas an? Die gleich darauf weiter sinkende Preisentwicklung beweist doch, wie nutzlos derlei Maßnahmen sind. Wir beantragen deshalb, di� geforderten 6 Millionen zur Stützung des Schlachtviehmarktes zu streichen. Auch die öfsentlichen Mittel für genossenschaftliche Liehverwertung werden zum großen Teil verschleudert. 2 080 000 Mark sind für den Ausbau der Viehmärkte hergegeben worden, davon hat eine recht überflüssige Zentralstelle der viehoerwerlungsgenossen- schaften 15 Proz., nämlich 312 000 Mark bekonmmen. 5a, sogar eine halbe Million soll ihr gegeben worden sein. Den Schlachtviehhandel will man auch durch Ueberreichung von— Pokalen fördern, die unter den Agrariern„Wertheim-Pokale* ge- nannt werden. Hoffentlich werden diese Pokale später mit deutschem Wein gefüllt und nicht mit sraizzössschem. Wie lange sollen noch Reichsgelder für solchen Unfug verwendet werden? Würde in der Kranken- oder Arbeitslosenversicherung so gewirtschastet werden, so wäre die Rechtspresse voll davon. Es ist doch bezeichnend, daß amtkich mitgeteilt wird, 250 000 Mark für Kartoffeleinsäuerung mußten den Landwirten zur Verausgabung förmlich eingeredet werden! Die Marktbeobachtung wird in satirischen Zeichnungen der„Deutschen Tageszeitung' lächerlich gemacht. Das ist die Antwort auf den guten Willen des Reichstags, der Geld daftir bewilligt. Totsache ist,"daß nur 20 Proz. der deutschen Land- wirte kaufmännisch wirtschaften, die große Masse verläßt sich auf Hikfsgetder von Reich und Staat. vei der Reichsgetreidestelle erscheinen wieder einmal jene 35 Millionen, die immer wieder durch den Etat reisen nnd die nur ein Bluff sind. Der Minister hat gesagt, wir hätten den Maßnahmen zugestimmt, durch die der Roggenpreis auf 230 Mark gebracht werden sollte. Das ist unrichtig, wir haben das nur passieren lassen. Leichtfertig« Landwirte, die es auch hier im Hause gibt, haben gemeint, wenn Schiele Minister wird— er ist ja ins Ministerium gekommen, als fein Vorgänger noch nicht heraus war(Heiterkeit links)— dann würde der Roggen sofort auf 230 Mark steigen. Es ist nicht ge- fchehen. Nur Einschränkung des Roggenbaues und Förderung des Weizenbaues kann Besserung schaffen. vom Brolgefetz verlangen wir. daß es da» Brotgewichk festsetzt. Nach der ersten Ausschuhberatung ist diese Bestimmung auf Betreiben der Wirtschaftspartei gestrichen worden. Nicht das Weingesetz, sondern nur der Vau von Qualitätsweinen kann unseren Winzern helfen. Aber in der Pfalz haben die Weinbauern revoltiert, weil die bayerische Regierung die minderwertigen Reben zerstören ließ. Was geschieht gegen das Hakenkreuzlertreiben in der Zossener Landwirtschastsschule? Ein Lehrer, der dagegen auf- trat, ist gekündigt worden.(Hört, hört! links.) Mit unserem Agrarprogramm und unserer Kritik stimmt über- ein, was die„Handels- und Jndustriezestung' ausgeführt hat. Aber der Reichsverband der Industrie, der die Kartellpreise nicht herabseht, hat auch nicht das Recht, der Landwirtschaft vorzuschreiben, was sie tun soll. Der Minister hat uns im Ausschuh eine Karte von Deutschland über- reicht, auf der die Verschuldung der einzelnen landwirtschaftlichen Produktionsgebiete eingezeichnet ist. Der Minister sprach dann da- von, daß Ostpreußen durchweg zu 100 Proz. verschuldet sei: aus der amtlichen Karte war aber nur ein ostpreußischer Kreis mit einer Verschuldung von über 80 Proz. des Einheitswertes eingetragen, die übrigen Kreise mit einer weit geringeren Verschuldung. Der Einhestswert ist aber wesentlich geringer als der Verkehrswert, so daß die wikliche Verschuldung nur 30 bis 40 Proz. des wertes beträgt. Ich habe Material von Großgrundbesitzern der östlichen Provinzen, die zu ihrem nicht gerade kleinen Besitz noch Taufende von Morgen dazu pachten oder kaufen konnten. Die Nachrichten über die Zahl der Zwangsversteigerungen von landwirtschaftlichen Betrieben werden von den Landwirrschaftskammern stark übertrieben, da jeder einzelne Versteigerungstermin, der meistens für ein Be- sitztum mehrmals angesetzt wird, als neue Verstoigerung in die Statistik ausgenommen wird. Die bisherigen Umschukdungsmethoden garantieren keineswegs, daß mir Unterstützungswürdige und-be- dürstig« in den Genuß der Kredite kommen. E, kommt oft genug vor. daß bereits uu»geschuldete Betriebe jetzt schon wieder in Schwierigkeiten sind. Wir lehnen die Mittel für Besitzerhaltung durchweg ab. Wir wenden uns auch gegen das Verfahren der ostpreußischen Gcnerallandschaft, die, wenn ein Käufer für verschuldete Betriebe austritt, die Hy- potheken zurückzieht, un» den Besitz dem verschuldeten Landwirt zu erhalten. In der privatkapitalistischen Gesellschaft muß eben jeder einzelne Besitzer die Verantwortung für sein« wirtschaftliche Unfähig- teit tragen. Man Hot die Notwendigkeit der Ostpreußenhilf« auch mit dem besonders ungünstigen Klima begründet. Man hat aber, wie auch bei anderen Zahlen, die Verhältnisse des ungünstigsten Kreises einfach verallgemeinert, so daß man das ganze Zahlenmaterial, mit dem die Osthilfe begründet werden soll, nur als einen Bluff bezeichnen kann.(Erregter Widerspruch rechts.) Das Gebiet der Hilfsmaßnahmen muß eine feste Begrenzung erhalten. Endlich einmal muß das Schlagwort von den blutenden Grenzen verschwinden, von der Rot. die bis ar. die Elbe reicht, wir be- dauern den verlost von deutschen Gebieten, aber wir müssen un» damit endlich einmal abfinden. (Zurufe rechts: Nein, niemals!) Wir protestieren dagegen, daß ein östliches Notgebiet bis zur Elbe und ein westliches Notgebiet fast ebenso weit durch das Geschrei der Interessenten geschaffen wird, sa daß vielleicht nur nock. der Wasserkopf Berlin m der Mitte übrig treibt, der für alle Not crnfiommen soll.(Lebh. Beifall b. d. Soz.) Abg. Hergt(Dnal): Es ist demoralisierend für die Landwirt«, einzeln im» Hrtf« betteln gehen zu müssen, was bei dieser rnbiviiduellen Subventionspolitik unvermeidlich ist. Subventionspolitik ist immer Korruptionspolitik. Mit den jahrelangen Steuerstundungen. die den Landwirt immer schwerer belasten, muß endlich Schluß gemacht werden. Die Zu- kuuftszahlen der Osthitf« können un» nicht»«panier«», well wir an Moldenhauers Beispiel verlernt haben, an Versprechungen zu glauben. Wenn uns zugemutet wird, unter dem Druck der Not der Landwirtschaft dem Junktim zwischen Osthllfe und Finanzreform zuzustimmen, so weise ich diese unmoralische, ja un- sittliche und u n k e u s ch e Zumutung entschieden zurück.(Heiterkeit links.) Man sollte die Not des deutschen Ostens und der deutschen Landwirtschast nicht immer erst wieder nachweisen müssen, sondern sie endlich als feststehende Tatsache anerkennen. Mit dem Gebiets- vertust findet sich im Reichstag hoffentlich nur der Abg. Schmidt- Köpenick ab. Zum Schutz der Grenzen vor der slawischen Flut müssen alle Mann, auch die Sozialdemokraten auf die Deich«.(Bei- fall rechts.) Mg. Bornefeld-Ettmanu(Z.): Die Ausführungen des Abg. Schmidt-Köpenick sind eine Entgleisung. Der Mangel an Kapital macht es der deutschen Landwirtschaft so schwer, ihre Betriebe zu rationalisieren. Der Bauer weiß, daß Zölle allein ihm nicht Helsen können, daß sie aber auch unentbehrlich sind. Man soll die Behauptung nicht so tragisch nehmen, daß unser« Handelsvertragspartner durch die deutschen Agrarzölle beunruhigt smd. Man muß unter Umständen auch zur Kündigung von Handels- oerträgen schreiten, um die Butter- und Milchzölle überhaupt wirk- sam werden zu lassen. Abg. Günther(D. Vp.) schildert an Beispielen die Not der Bauern. Trotz der stark gesunkenen Roggenpreise sst das Brot in Frankfurt a. M.,' auch das Roggenbrot, erheblich verteuert worden. Die Schuldigen sollten festgestellt werden. Abg. hepp(Christlichnat. Banernp.) fodert Lösung der Zoll- bindungen für so ziemlich alle Lebensmittel. Bei dem deutsch-pol- nsschen Roggensyndikat des Dr. Baad« scheint der deutsche Roggenbau zu kurz zu kommen und der polnssch« zu gewinnen. hohe Zinsen fordern die landwirtschaftlichen Genossenschaften'\ nur zwangsläufig nach dem Beispiel der Preußenkasse. Die Reichsanstall für Angestelltenversich-rung hat jetzt den Leihzins von 6 auf 8 Pro*, erhöht. Abg. Lang(Bayer. Vp.) klagt über das Vordringen der groß- städtischen„Asphaltkultur' auf dem Lande. Der Bergnügungstaumel verdrängt die überkommene Sitte, die Bauernkinder verlieren die Heimat. Retten Sie das schwerbedrohie bodenständige Bauerntum! Abg. Hoernle(Komm.): Der Weizenzoll, der Vermahlungszwang, der sogenannte Versütterungsanreiz sind von der Müller-Regierung übernommen und von der jetzigen Regierung ausgebaut worden und verschaffen nur den Großagrariern glänzende Sondergeschäfte. Das Auslandsgetreid« sinkt im Preis; die Getreidepress« in England werden ständig in die Höhe getrieben.- Obgleich Znlandsweizen in Deutichland gar nicht mehr vorhanden ist und auf der Berliner Börse nicht mehr notiert wird, wird der Vermahlungszwang für Znlandsweizen ausrechterhaiten. Die Sozialdemokratie ist mitschuldig an den Zollerhöhungen. Die Siedlung soll Landarbeitern den„Aufstieg' in das Kleinbauerntum von heut« ermöglichen. Der preußssche Landwirsschastsminister Steiger hat diese Kleinbauern als die billigsten Aushilfsarbeiter für den Großgrundbesitz bezeichnet. Die Osthils« macht nur ostelbsschcn Großgrundbesitzern und oberschlesischen Industriellen Geschenke. Abg. Dr. Drees(Z.): Vor einem Jahr wird wohl noch kein Sozialdemokrat geglaubt haben, daß er für einen 12-Mnrk-Weiz«n- zoll stimmen wird. Die Einsicht, aus der das geschehen ist, zeigt doch, daß das parlamentarische System nicht so schlecht sein kam». Die Politik Schieles ist nicht wesentlich verschieden von der seines Vorgängers Dietrich. Die scharf ablehnende Haltung der Sozial- demvkraten kann man also nur aus ihrer jetzigen Opposition«- stellung erklären, ebenso die viel zu weit gehenden Behauptungen des Abg. Schmidt-Köpenick über die geringe Steuerleistung der Land- wirft choft, bei der übrigens Kinderzahl und Familienlasten ungleich weniger berücksichtigt werden als bei der städtssch-industriellen Be- völkerung. Um 19 Uhr vertagt das Haus die Weiterberatung auf heute 11 Uhr._ Nationalrüpel. Diesmal in Oeutsch-Oberfchlesien. Oppeln, 23. Juni. Zu polnischen Blättermeldungen über einen Zwischenfall ml Rosenberg wird von zuständiger deuftcher Stelle mitgeteilt: Oberpräsident Dr. Lukaschek wurde am Sonntagabend um 9.50 Uhr von dem polnischen Generalkonsul M a l h o m m e aus Rosenberg in Oberschlesien angerufen, der ihm mitteilte, daß er sich bedroht fühle. Auf die Frage des Oberpräsidenten, ob er dem Landrat des Kreises Rosenberg bereits Mitteilung gemacht habe. erNärte der Generalkonsul, daß er sich bisher nur an den B ü r g e r- meister von Rosenberg gewandt habe, der auch sofort gekmmnen sei, aber mit drei Mann Polizei ausreichenden Schutz mcht gewährleisten könne. Der Oberpräsident verständigte sich darauf sofort mit dem Bürgermeister, der ihm mitteilte, daß die Loge nicht so gefährlich fe! und er die Menge schon beruhigt habe. Der Oberpräsident hat wenige Minuten nach dem ersten Anruf auch mit dem Landrat gesprochen, der die Landjägerei aufbot, wäh- vend der Oberpräsident das Oppelner Ueberfallkommando als das nächstgelegene nach Rosenberg in aller Eile enftandte. Anlaß zu alldem gab folgendes Geschehnis: Nach Beendigung einer polnischen Theatervor� stellung, die ohne Zwischenfall verlief, hatten sich polnssch« Künst- ler gemeinsam mit Rosenberger Polen in einem Restaurant am Ring zum Abendessen versammelt, wobei auch zum Tanze ausgespielt wurde und polnische Lieder gescmgen wurden. Daraus sammelten sich 13 bis 20 junge Leute vor dem Gasthaus an und sangen angeblich „Siegreich woll'n wir Polen schlagen'. Außerdem wurde ein kleiner Stein durch das offene Fenster geworfen, er fiel in der Nähe des Generalkonsuls Malhomme zur Erde. Als sich die Schauspieler zu dem um 22.30 Uhr nach Kattowitz abgehenden Zuge aus den Bahnhos begaben, wurden sie von einer Anzahl junger Burschen begleitet, die johlten undpfisfen. Zu wetteren Belästigungen der Polen ist es, soweit bisher bekannt. nicht gekommen. Am Bahnhof hatte sich der Landrat eingefunden, um nach dem Rechten zu sehen. Unmittelbar nach der Abfahrt des Zuges war auch das Oppelner Ueberfallkommando an Ort und Stelle: es brauchte nicht ipehr einzugreifen. Nach deuftcher Ansicht handelt es sich lediglich um Rüpeleien unverantwortlicher junger Burschen, gegen die nftt all« zur Verfügung stehend« Mitteln«mgegriss-n wurde. Asyl für Sieuerfluchtige. Wucherndes Taufendguldenkraui im Kürstenium Liechienstein. Zwischen den Schweiber und Dorarlbergec Bergen liegt das Fürstentum Liechtenstein: Ein Ländchcn von Liliputformat, von operettenhafter Putzigkeit seines staatlichen Apparates. Ganze IS? Quadratkilometer groß— Y« der Fläche Berlins— bewohnt von 10 000 Untertanen des Fürsten von Liechtenstein— die ganze Herrlichkeit sieht nicht danach aus, als ob man sie anders als durch die rosa gefärbte Brille eines Reisescuilletons betrachtet könnte. Aber es gibt eine Eigenschaft dieses Ländchens, dem die üblichen Reifefeuilletons zumeist nicht gerecht werden und die es doch verdient, einmal etwas gründlicher betrachtet zu werden. Die Ltechlensieiner sind nämlich die geringst besteuerten Europäer. ja, man wird schon in reichlich unzivilisierte Gegenden gehen muffen, um gleich geringe steuerliche Belastungen zu finden. Die Erwerbs- steuer, die von Lohn und Gehalt gezahlt werden muß, beträgt nur 1 Proz. dazu kommen noch Salzmonopol, Alkoholsteuer und ein« ge- ring« Besteuerung der Erbschaften— selbst unter Zurechnung der Gemeindezuschläg« stellt sich die St e u er la st o u f den Kopf der Bevölkerung nurauf etwa ZOFranten durch direkte und indirekt« Steuern. Und trotz dieser geringen steuerlichen Belastung der eingeborenen Bevölkerung, trotz schwieriger und umfangreicher Wiederaufforstungen und Rheindammbauten hat das klein« Land in diesem Jahre etwa SO Franken Ueberschuß pro Kopf! Wie ist das möglich? Sehr einfach: Liechtenstein ist die Zufluchtsstätte l a n d- flüchtigen Kapitals aus allen Ländern mit stärkerer steuer- licher Belastung, es nutzt feine Souveränität ungefähr in der Weise mittelalterlicher Feudalherren, die gegen entsprechend« Besteuerung auch ein warmes Herz für die im Mittelalter unterdrückten Juden hatten, wenn diese reich genug waren. Nur. daß man jetzt in Liechtenstein nach modernen Grundsätzen arbeitet, nach dem Prinzip:„Die Meng« muß es bringen." Liechtenstein erhebt nämlich von Gesellschaften und 'Stiftungen, die ihren Steuerwohnsitz dort hoben, an Steuern nur% pro Mille des Gesellschaftskapitals. Welch verschwindend kleine Abgabe das ist, wird klar, wenn man sich berechnet, daß hier auf einem Kapital von 100 000 Fronken nur sünfundsiebzig Franken Abgaben liegen! Daß sich die Kunde davon immer mehr herum- spricht, kann man aus der Tatsache ersehen, daß die Zahl der Domizilunternehmungen und Stiftungen in Liechtenstein, die im Jahre 1927 noch 310 betrug, im Jahre 1929 auf S79 angewachsen ist. Diese 579 Unternehmungen, unter denen sich so fett« Fische wie z. b. F o r d befinden, warfen an regulären Steuern im Jahre 1929 dem Staate Liechtenstein 318�33 Franken 78 Centimes ab. Die Steuerträgniffe der vorhergehenden Jahre betrugen für 1927 205 281,35 Franken, für 1928 275 334,47 Franken. Die Erträgnisse der Geselljchafts» und Stiftungssteuern haben also während zweier Jahre um 113202,43 Franken zugenomnren, d. h. das„schuhsuchende" Kapital ist in zwei Iahren um 150 936 000 Franken angewachsen! Dabei ist zu berücksichtigen, daß diese Summe nur die Minimal- zahl darstellt, denn es besteht in Liechtenstein für diese Steuern die Möglichkeit der Pauschalierung, die den Kapitalisten noch besondere Vorteile bietet, und unter den pauschalierten Gesell- schasten genießen wieder 35 die Vorrechte„altpauscholierter" Gesellschaften. Neben den„normalen" Steuern bringen die Emissions- abgaben, die Couponabgaben und die Gründungsgebühren dem liechtensteinschen Staate nun noch besondere Einnahmen, die im Jahre 1929 sich folgendermaßen zusammensetzten: a) Emmissionsabgaben: Franken Obligationen...... 788,20 Aktien........ 155 373,30 Wertpapierumsätze.... 50 858,60 Prämienquittungen.... 5 881,91 Frachturkunden..... 491,20 Stempelmarten..... 1 036,75 Zusammen.. 214 429,96 b) Couponabgabeck: Obligationen.,, i,, 3 517,45 • Aktien......•• 90 709,50 Stammaktienanteile.... 11,75 Zusammen 94 238,70 Die Liechtensteinsche Gründungsgebühr betrug allein im Jahre 1929 die Summe von 52 662,60 Franken. Es wäre überflüssig, diese Rechnungen so genau wiederzugeben, wenn nicht aus ihnen hervorginge, daß eine einheimische Industrie für dos Steueraufkommen des Landes so gut wie gar keine Rolle spielt und daß fast die gesamten Steuern von den Domizilgesellschoften auf- gebracht werden, für die hier kein Motor läuft und nur zu Zwecken des Verkehrs mit liechtensteinschen Steuerbehörden ab und zu« i n e Schreibmaschine klappert! Die Ramcn der Gesellschaften werden übrigens wie 4 Skaaksgeheimnisse gehüket, weder der Rechenschaftsbericht der fürstlichen Verwaltung an den Landtag, noch irgendeine andere Stelle gibt über Rom' und Art Auskunft, kein Büropalast, nicht einmal ein Emaillsschild gibt Be- scheid über diese illustren Gäste. So weit kleinere Kapita- listen des Auslands in Frage kommen, sorgen die Vertrauensleute der„T r e u u n t e r n e h m e r" dajür, daß sie dieselben Vergünstigungen wie das große Kapital genießen können. Die Niedrigkeit der liechtensteinschen Steuersätze ist eins der Argumente, deren sich die Fremdenoerkehrswerbung mit Vorliebe bedient, man wirbt ja nicht nur um Durchzug des Fremden- stromes, sondern um die Niederlassung„landfremder" Elemente, und schon entsteht auf den Anhöhen über Vaduz, der Hauptstadt des Landes, ein Dillenviertel, das jedem westlichen Vorort Berlins Ehr« machen würde. Die Besitzer dieser Villen sind m« i st D« u t s ch e... R. E. Horchwerke im Autoexport. Vorsichtiger Filialnehausbau.— Warum keine Dividende? Dl« D iv ide nden l osigk« it der Horchwerk« A.- G., Zwickau, findet ihre Erklärung in dem Bericht, den die Gesellschaft erst jetzt vorlegt, durch«ine erhebliche Erhöhung der Ab- schrei bungen. Für die beiden letzten Geschäftsjahre verteilten die Horchwerke je 8 Prozent Dividende auf das Aktienkapital von 5 Millionen: die Gesamtabschreibungen betrugen In diesen Jahren etwa 8,5(1926/27) und 11,5(1927/28) Prozent der ausgewiesenen Betriebswerte und Debitoren. In dem Abschluß per 31. Oktober 1929 hat die Verwaltung nun den Abschreibungssatz aus rund 14 Prozent erhöht, ohne dafür eine Begründung zu geben. Auf dieise Weise wird ein von 3,89 aus 4,72 Millionen gestiegener Fabrikationsgewinn aufgezehrt, der zur Verteilung einer 10-prozentigen Dividend« die Möglichkeit gegeben hätte. Der Umsatz entspricht mit seiner Steigerung(von etwa 28 Mil- lionen auf 36 Millionen) den Hoffnungen, die die Verwaltung im vorigen Jahr aussprach— Der Geschäftsbericht betont, daß der konsequente Ausbau der Auslands- organisation gute Erfolge gebracht habe, so daß ein beträchtlicher und stets wachsender Teil der Produktion ausgeführt ive r den könne. Der Zugang auf den Anlagekonten in Höhe von 2,43 Viillionen(Vorjahr 2,67 Millionen) wird mit weiterer tech nifcher Vervollkommnung der Werke erklärt, die Erhöhung der Vor- rät« um 3,5 Millionen(Vorjahr: Verminderung um 1,23 Millionen auf 8,54 Millionen) mit der Erweiterung de» Filialnetzes. Fremde Mittel haben die große Hohe von 19 Millionen Mark erreicht: dies findet jedoch seine Erklärung durch das niedrige Aktienkapital (5 Millionen), das, verglichen mit dem anderer deutscher Auto- mobilfabriken, in keinem Verhältnis mehr zu dem Umsatz ficht. Aus dem kürzlich veröffentlichten Daimler-Benz-Abfchluß er- geben sich beispielsweise für das Vechältnis Umsatz zu Aktienkapital die Ziffern 130: 50 Millionen. Dem Eigenkapital von Daimler ist überdies noch eine langsristige Anleihe in Hohe von 20 Millionen hinzuzurechnen: der Export, der ein« Investierung auf längere Sicht erfordert, macht bei der süddeutschen Gesellschaft zudem nur 15 Progent des Umsatzes aus. Ltnerfäiiliche Gchwerverdiener. Gn doppelter Reingewinn muß von der KalüEhemie A-G. schon„ausgewiesen" werden. Die Kali-Chcmie A.-G., Verwalterin schweriuduftrieller Chemieinteressen. hat so viel verdient, daß sie für 1929 einen verdoppelten Reingewinn auch für die OeffeMlichkeit zugaben muß(3,21 Millionen gegenüber 1,56 Millionen im Porjahr), und zwar trotz umfangreicher Neuinoestierungen und Erweiterungen„über Betrieb" und einer Abschreibungspolitik, die die Bildung großer Reserven nicht einmal mehr zu verbergen sucht. In ihren über ganz Deutschland verteilten Werten hat die Kali-Chemie A.-G. 1929 erhebliche Umstellungen vorgenommen. Nach dem Geschäftsbericht waren Ende vorigen Jahres etwa 60 Prozi der in Aussicht genommenen Rationalisierungsarbeiten ausgeführt: die Gesellschaft rechnet damit, das Umstellungsprograimn bis Ende 1931 abschließen und das Stammkapital dann„a n g e m e f f e n" verzinsen zu können. 1929 werden statt 7 schon 9 Proz. Divi- dende gezahlt. Eine neunprozeutige Dividende genügt diesen Cchwawertümern ciganfinr noch«cht: die Verwaltung glaubt in ihrem Bericht von ihren Arbeitern auch noch die Leistung von Uebcr- stunden und ollgemein eine.zeitgemäße Reuordmmg der Gehalts- und Lohnfragen" fordern zu muffen. Die sieben Mitglieder des Auffichtsrats, fast alle vielfache Tantiemenbezieher, erhalten für 1929 178000 Mark, im Vorjahr waren es„nur" 65 000 Mark, beides aber ohne die festen Vergütungen und Spesen. So wird von den Großen der Kali- industrie„gespart", die von ihren 4000 Arbeitern und Angestellten Ueberstundenarbeit und vom Staat systematischen Lohndruck ver- langen, um eine„ongemeffene" Dividende verteilen zu können. Schlechter Zementabsah im Mai. Aber noch schlechtere Preispolitik der Zementindustrie. Auch im Monat Mai blieb der Zementadsatz mit nur 636 000 Tonnen gegenüber dem Mai 1929 mit 849 000 Tonnen sehr stark zurück. Die Verschlechterung ist aber nicht so groß wie im ver- gangenen Monat April, wo sie gegenüber dem Bergleichsnwnat des Vorjahres fast 40 Prozent betrug. Die Zementindustrie weist elegisch darauf hin. daß dieses Resultat«ingetreten sei, obwohl die Aementindustrie die Preise doch ermäßigt habe. Offenbar will sie damit sagen, daß die Preissenkung«ine Absatzsteigerung nicht herbeiführe. Wir sind der Meinung, daß die Preissenkung für das Inland nicht groß genug war, und daß bei Herabsetzung auch der übrigen Baustofspreise trotz der ungünstigen Finanzierung des Baumarktes die Nachfrage nach Zement fchr wohl steigen könnte. Diese Preissenkung wäre auch wohl möglich: wird uns doch bc- richtet, daß oft preußische Bauern über die litauische Grenz« von Deutschland nach Litauen ausgeführten Zement um 2,50 Mark billiger kaufen als bei direktem Ein- kauf von deutschen Firmen. Es wird also mit den deut- schen Zementabnehmern bei der Preisfestsetzung Schindluder ge- trieben, um deutschen Zement im Ausland zu schleudern. Wie die Schwerindustrie die preise trieb Feststellungen des Konjunkturinstituts. Im letzten Konjunkturbericht der Abteilung„W e sie n" des Instituts für Konjunkturforschung werden für die Entwicklung in Rheinland-Westfalen bis End« April 1930 einige interessant« Daten beigebracht. Nach diesem Bericht ergibt sich, daß der Be- schäftigungsgrad in Rheinland-Westfalen in den drei letzten Jahren 1928 bis 1930 immer hoher war als im übrigen Reich: er stand im April 1928 mit 93,2 gegen 90,9 Prozent im übrigen Reich um 2,3 Prozent, im April 1929 mit 89.6 gegen nur 85,1 Prozent um 4,5 Prozent und im April 1920 mit 79.7 gegen 75,3 Prozent immer noch um 4,4 Prozent über dem Reichs- durchschnitt. Sehr beachtlich ist die Feststellung, in welch großem Maße die Preise der rheinifch-westfälffchen Schwerindustrie gegenüber den übrigen Preisen überhöht und in Widerspruch zur Konjunktur. entwicklung hoch gehalten worden sind. 1926/27— 100 gesetzt wurden im Jahre 1928 gegen das Vorjahr die Produktionsmittel in Rheinland-Westfglen um 6,1 Prozent verteuert, während der Großhandelsindex nur um 1,7 und die reagiblen Warenpreise nur um 4,9 Prozent anstiegen. Mitte Mai 19 30 war gegen 1928 das Mißverhältnis noch viel krasser geworden. Der Produl- tionsmittelindex, bei dem die Montanprodukt« miteingerechnet sind, stand«tn 4.3 Prozent§6*« dem Durchschnitt 1026/22. wStz- rend der Großhandelsindex u m 8, 3 und der Index der reagiblen Waren, zu denen. auch der Schrott gehört, sogar um 19,6 Pro- z e n t u n t e r den Durchschnitt des Jahres 1926/27 gesunken waren. Die konjunkturwidrige Hochhaltung der schwerindustriellen Preise kann kaum deutlicher gekennzeichnet werden als durch dies« Zisterv, Schweigen bei Wintersball. Wieder 12 Prozent Dividende.- Publizität ist überflüssig. Wenn das so weitergeht, wird sich die Berwallung der Winters- hall A.-G.(früher Kali-Jndustrie A.-G.) in absehbarer Zeit darauf beschränken, der geduldigen Oeffentiichkeit überhaupt nur noch die Dividende mitzuteilen: der Geschäftsbericht sür 1929 ist mehr als knapp. Und das erlaubt sich ein Unternehmen mit einem Kapital von 200 Millionen, dessen Bilanz auf einer Seit« die Summe von 400 Millionen bei weitem überschreitet und das fast 40 Proz. eines der wichtigsten Öffentlich-rechtlichen Verbände, des Kali-syndikats, innehat. Da heißt es im Bericht:„Herstellung und Absatz von Reben- erzcugmssen konnten wir weiter steigern"(bei welchen? um wie- viel?): die Verhandlungen mit dem Reichsentschädigungsamt wegen der elf elsäßischen Gewerkschaften wurden„erfolgreich weitergeführt" (finanzielle Auswirkung des Erfolgs?): die Werke haben„in jeder Weise zufriedenstellend" gearbeitet und befinden sich„im Zustande höchster Leistungsfähigkeit"(bei 38 arbeitenden Schächten und 11 chemischen Fabriken die neugierige Frage: welche Werke beson- ders zufriedenstellend, und wie weit wird diese höchste Leistung'-- fähigkelt ausgenutzt?). So könnte das Frage- und Antwortspiel weitergehen. Ueber die höchst wichtige Gemeinschaftsgründung von Klockner und Wintershall, die Stickstoffwerks Gewerk- schaft Victor, Rauxel, wird nur gesagt, daß der Absatz der Produkte begonnen habe. Ebenso„viel"sag«nd äußert man sich über die Mischdüngerfabrik Sondershausen, deren Produkte für die Technik der künstlichen Düngung in der Landwirtschaft von größter Bedeutung werden können. Der Gesamtabsatz wird nur in Reintali angegeben: er ist mit 5 800 387 Doppelzentnern etwas hoher als tm Borjahr. Natürlich hat man jede Erläuterung der Bilanzziffern unterlassen. Die Anlagen haben einen Wertzu- wachs von 143 auf über 168 Millionen erfahren: 20,7 Millionen— etwas weniger als im Borjahr— wurde abgeschrieben, ohne An- gäbe, welcher Teil aus jeden der 13 Anlageposten entfällt. Be- teiligungen wuchsen um 6 Millionen(wofür bleibt ein Rätsel) auf 26,6 Millionen. Die Vorräte erhöhten sich ebenfalls um 6 Millionen auf 23,8 Millionen. Bankguthaben stiegen auf 82 Millionen und sonstige Schuldieer auf 131 Millionen: diese beiden Posten enthalten vor allem die Forderungen an die Tochtergesellschaften(in erster Linie Kali-Bank und Gewerkschaft Wintershall). Die Passivseite ist zunächst durch die Beteiligung an der eng- lischen Pfundanleihe des Deutschen Kaltsyndikats um 18,2 Millionen gestiegen: das Disagio daraus scheint man sofort in voller Höhe abgeschrieben zu haben. Die Schuldscheine van 1918 <6,6 Millionen) wurden getilgt und die alte Anleiheschuld um 2 Millionen auf 92,8 Millionen ermäßigt. Stark gestiegen sind auch die Schulden, von 39,5 aus 55,5 Millionen(vor allem Schulden an die Tochtergesellschaften!). Der Reingewinn wird mit 24,1 Millionen um IL Mil- lionen niedriger als im Vorjahre ausgewiesen. Die 12 Proz. Dwidende beanspruchen davon nominell 24 Millionen, zur Auszahlung kommen aber tatsächlich viel weniger, da die Gewerkschaft Wintcrshall selbst 60 Proz. des Kapitals besitzt: die Winter-Hall A.-G. ist ja nichts weiter als die Holding-Gesellschaft der Gewerk- schaft Wintershall für deren Kaliinteressen. Vermutlich wird auch der größte Teil der Steigerung der Schulden auf die Dividenden- forderung der Gewerkschaft Wintershall aus dem Doigahr zurückzuführen fein. Ueber die Entwicklung im neuen Geschäftsjahr wird kein Wort gesagt._ Gewinnsteigerung der Oepag. Die Deutsche Petroleum A.-G., Berlin, verteilt sür das Geschäftsjahr 1929 wieder 4 Proz. Dividende auf ihr Kapital von 35 Millimren Mark. Der Rohgewinn ist von 2,9 auf 3,7 Millionen, der Reingewinn um nnchr als das Doppelte von 0,61 auf 1,4 Millionen Mark gestiegen. Die Anlagen haben im Wege der Selbstfinanzierung eine Erhöhung um 400 000 M, er- fahren: st« haben nach Verminderung um die Abschreibungen einen Wert von 8,3 Millionen Mark. Wenn sich das Veteiligungskonto durch den Verkauf eines Olexpakets von 19,13 aus 8,5, also um mehr als 10,5 Millionen gesenkt hat, ohne daß die Verwaltung dazu im Berichr ein Wörtchen sagt, so ist da» selbst für deutsche Ver- Hältnisse ein st a r k e s Stück. Im Zusammenhang mit diesem Verkauf haben sich die Forderungen um 8 auf 22,3 Millionen er- höht: die Schulden bei den Konzerngefellschaften sind um 2.5 aus 2,4 Millionen zurückgegangen. Die Roholproduktion hat sich erhöht. Der Absatz scheint nicht in dem gleichen Maße gestiegen zu sein, da das Lager mit 4.75 Millionen einen um 1 Million höheren Wert ausweist. Bei dem gegenüber dem Vorjahr stark gebesserte il Ergebnis kann die Verwaltung nicht verlangen, daß man ihrem Lamento über schlechte Preis« und ungenügenden Zollschutz allzuviel Bedeutung beimißt. „Wie Pauken_atu Bier verdienen." Unter dieser Ueberschnft brachten wir am Sonntag eine Bilanzbesprechung über die Brau- dank, bei der auf Angaben der E n a e l h a r d t- B ra u« r e i Bezug genommen wurde, daß sich der Bierabsatz gegenüber dem Borjahr erhöht habe. Di« EngAhardt-Brauerei A.-G. teilt uns mit. daß diese Feststellung nicht von ihr, sondern von einer Korrespondenz verbreitet worden sei. obwohl diese daraus hingewiesen wurde daß die der Engelljardt-Brcuerei A.-G. zugeschriebene Feststellung' nicht stimme. Die Gavinne in Anlagen und Abschreibungen gesteckk. DI« Sck>nellpresseiisabrik Frankenchal ist nach dem großzügigen Ausbau chrer Werk« in den letzten Jahren das größte Iliitcrnehmen' für den Bau von Rotationsmaschinen. Schnellpressen und Tie/druck- Maschinen m Europa. Der Umsatz ist laut Geschäftsbericht im Jahr- 1929 weiter gestiegen, und die Bilanz«igt durchaus dos Bild etittr t raft igen(Bntmidlunc. Wenn nur ein geringer Dtemgewinn ausgewiesen wird, so daß da» Aktienkapital von 4.2 Millionen ohne Dividende bleibt, s» ist der Grund dafür weniger rm schlechten Geschästsergebnis al» in der Tatsache zu suchen, daß sich die Aktien überwiegend im Besitz der Vorstands- Mitglieder besinden. Die Zugänge aus den Anlagekonten in Höhe mm einer halben Million wurden natürlich aus laufenden Ein- nahmen bezahlt. Die Abschreibungen wurden mn mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 300 000 Mark erhöht. Wen» unter den Aktiven der Posten„Außenstände und Wechsel" um über eine Million aus 4,1 Millionen zurückgegangen ist. so steht dem unter den Passiven ein Rückgang der Perbindiichkeiten von 950 000 Mark gegenüber. In dem ausgcwivjenen Wert des Warenlager» stecken eingestandenermaßen erhebliche R«. serve«:«r ist mit 4 MWonen etwa 300 000 Mark niedriger ob im Vorjahr, Qrenmen der!Kra§tüberiragung ' Daß die gegenwärtig in Berlin tagende II. Weltkraft- konferenz sich fast ausschließlich mit den Fragen der Energie- Übertragung und Verteilung befaßt, beweist wohl am besten, welche zentrale Stellung sie in unserem ganzen techrüsch-wirtschastlichen System einnehmen. Ist doch ohne die ch o ch s p a n n u n g s- leitungen, die fast olle Lander wie mit einem Spinnwcbennetz überziehen, die heutige Verteilung der Industrie ganz undenkbar, eben- so wie die Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft vollkommen davon abhängt, daß ihr immer genügend elektrische Antriebskraft zur Ver. fügung steht. Denn Kraftoerteilung bedeutet heute, darüber müssen wir uns klar sein,„elektrische" Krastverteilung, die Elektrizität ist das allgemein gültige Wechselgeld der Kraft. Die mechanische Kraft strömenden Wassers, die Wärmekraft der Kohle oder des Erdöls, sie wecken alle zunächst einmal in elektrischen Strom umgewandelt, in dieser Forin mehr oder weniger weit befördert und dann wieder in mechanische Kraft zurückoerwandelt. Daß dem nicht immer so war, ist bekmmt, wenngleich sich allzu- viele nicht darüber klar sind, wieviel an Annehnilichkeiten und Vor. teilen sie dieser Entwickluiig verdanken. Nur diejenigen, die noch nicht an ein elektrisches Leitungsnetz angeschlossen sind, wissen es zu schätzen und bringen oft gerne die größten Opser, um diesen Anschluß zu erreichen. Als vor etwa 20 bis 2S Jahren die Aera der lieber- landzentralen begann, da war diese Entwicklung freilich noch nicht vorherzusehen, und man begann recht vorsichtig mit dem Ausbau der Leitungsnetze. Es liegt aber in der Natur der Dinge, daß man die Leistungen siändig zu steigern versucht, nicht nur die Größe der über- tragenen Energie, sondern auch die Entfernung, auf die sie übertragen werden soll. So kam man zu immer höheren Spannungen, weil nur dadurch die gewünschte Steigerung erzielt werden konnte. Aber damit gelangte man verhältnismäßig früh, schon vor mehr als 20 Jahren, an eine Grenze. Es handelte sich damals um die Ver- sorgung der Goldininen von Johannesburg in Südafrika, am soge- naimten Rand, mit elektrischem Strom, den man wegen der Kohlen- arnrut Südafrikas gerne durch Wasserkraft erzeugen wollte. Dazu bot sich auch Gelegenheit, denn einer der größten afrikanischen Ströme, der Sambesi, entwickelte in seinen Viktoriafällen eine für die Randminen vollkommen ausreichende Energiemenge. Zwar waren diese Fäll« 1200 Kilometer vom Rand entfernt, aber da inußte es gemigcn, wenn man die Spannung für die ilebertragung genügend erhöhte, vielleicht auf 80 000 bis 100 000 Volt. Doch mit einem Male zeigt« es sich, daß das keineswegs genügte, daß man vielmehr auf eine unüberschreitbare Grenze gestoßen war. Die aus rein technischen Gründen gezogene Entfcrmingsgrenze ließ sich mit den Mstteln, die damals der Elektrotechnik zu Gebote standen, nicht überschreiten. Seitdem sind natürlich Fortschritte gemacht worden, die diese Grenze längst aufgehoben haben. Den unregelmäßigen Verlauf von Spaitmmg und Strom auf einer laugen Leitung bekämpft man, in- dem man besondere Maschinen an sie anschließt, und zwar an mehreren Punkten zwischen Anfang und End-, deren Ausgabe es nicht ist, Strom zu liefern, sondern lediglich die. einen bestimmten Wert von Spannung und Stromstärke zu erzwingen, der festge- halten wecken soll. Sie sind, um ein Bild zu gebrauchen, Kanäle und Schleusen, die den Stron, in ein bestmmttes Bett zwingen, ihn «erhindern, falsche, für die Ilebertragung unerwünscht« Richtungen «schlagen. Auch große Drosselspulen werden zum gleichen Zwecke Don ä>ipl. 9ng. 3)r, Jl. Stamm verwendet. Die bekannte 220 OOO-Volt-Leitung des Rheinisch- Westfälischen Elektrizitätswerkes von Köln bis Vorarlberg, die eine Läng- von über 600 Kilometer hat. war mit diesen neu geschaffenen Mitteln möglich geworden. Schon 10 Jahre vorher hatte sich im Telephonwescn«ine ähnliche Ent- Wicklung vollzogen, als durch die Schaffung der Pupiisspule eine Telephonie auf weite Entfernungen ermöglicht wurde. Auch die Pupiuspule ist weiter nichts als eine Drosselspule. So wäre heute eine ilebertragung auf prakttsch unbegrenzte Entfernungen technisch durchaus möglich, und In Amerika sind durchaus ernftzunehmende Pläne entwickelt worden, die eine Kraftübertragung von der pazi- jischen bis zur atlantischen Küste, d. h. aus eine Entfernung von 4000 bis S000 Kilometer vorsehen. Ein nicht ganz so weitreichender, aber inuner noch sehr groß- zügiger Plan wurde kürzlich der deutschen Oeffentlichkeit vorgelegt. Es handelte sich darum im südlichen Norwegen gelegene Wasserkräfte, die dort nicht völlig ausgenutzt werden können, in Form elektrischen Stromes nach Deutschland zu versetzen, sie hier Motoren treiben und Lampen leuchten zu lassen. Dies« ilebertragung, die schon in der Luftlinie 800 bis 900 Kilometer lang ist, erfordert ein« noch weit höhere Spannung als sie für die Leitung Köln— Vorarlberg notwendig gewesen war, und in der Tat waren 380 000 Volt dafür vorgesehen. Nun ist aber eine glatte Durchführung der Leitung ausgeschlossen, denn in 150 Kilometer Breite liegt das Meer dazwischen, das wegen seiner Stürme be- rüchttgte Skagerrak. Wie soll man darüber hinwegkommen? Mit Unterseekabeln geht es nicht, denn für so hohe Spannungen gibt es keine. Di« Kabeltechnik ist stolz darauf, ein Kabel für 110000 Volt geschassen zu haben, das gegenwärtig in Berlin erprobt wird, an 380 000 Volt kann sie noch auf lange hinaus gar nicht denken. Und wenn ein Kabel auf dem Meeresboden durchschlägt, also außer Betrieb kommt, wie soll man es instandsctzen? In dem Falle kann man wohl von einer dauernden Unmöglichkeit reden. Es ist des- halb auch vorgesehen, die Leitung über Südschweden zu führen, wo die dänischen Inseln nahe genug an das Festland herankommen, um eine Ueberspannung der schmalen, dazwischen liegenden Sunde zu ermöglichen. In diesen sollen schwimmende Masten verankert werden, die die Leitungen tragen und voneinander genügenden Abstand haben, um die Schiffahrt unbehindert zu lassen. Auf dies« Weise erlangt die Lcttung freilich die stattliche Länge von 1300 Kilo- meter, und sie dürft«, vorsichtig geschätzt, 150 Millionen Mark kosten. Da ergibt sich sofort ein« neue Schwierigkeit nicht technischer, so Ickern wirtschaftlicher Art, nämlich die Frage der Rentabilität. Die 150 Millionen müssen verzinst und getilgt werden. Die einzelne Kilowattstunde würde dadurch um weniger als 1 Pf. besteuert wecken. Kann denn das etwas ausmachen? Nun für den einzelnen Verbraucher, der doch mindestens 23 bis 30 Pf., häufig aber 40 bis 50 Pf. für die Kilowattstunde zahlen mutz, möchte es scheinen, als ob Pfennigbruchteile gar keine Rolle spielen könnten. Duz heißt aber, die Selbstkostenrechnung der Elekttizitätswcrke völlig ver- kernten, denn die eigentlichen hohen Kosten des Stromes entstehen erst im Kleinverkaus. Da nun gerade Norddeutschland mit seinen große Braunkohlenlagern außervckenttich billigen Strom erzeugen kann, müßte der norwegische Wasserstrom schon unvorstellbar billig fein, weim er nach der Belastung durch die Transportkosten noch mit dem einheimischen Erzeugnis in Wcttbewcck treten können soll. Er dürste dann an Ort und Stelle noch nicht einmal 1 Pf. kosten, und das ist kaum anzunehmen. So sehen wir hier, nachdem alle tech- nischen Fragen gelöst worden sind, eine wirtschaftliche Grenze sich auftun. Grenzen der Kraftübertragung? Es ist ja olles nur relativ. Auch diese wirtschaftliche Schwierigkeit ist noch lange keine Unmög- lichtest und besteht nicht für ewig. Denn die norddeutschen Braun- kohlenlager haben auch keine ewige Dauer, an manchen Stellen reichen sie noch für 30 bis 50 Jahre aus, an manchen etwas länger, die Stadt Berlin aber wird dann immer noch weiter bestehen und Strom verbrauchen, sogar noch viel mehr als jetzt. Dann.nag sich für den norwegischen Wasserstrom willkommener Absatz eröffnen, bei dein mich ein Preisunterschied einiger Zehntel Pfennige keine groß« oder entscheidende Rolle mehr spielt. Aber bis dahin ist es noch lange. Indessen:„mangels Bestellungen arbeitet die Wissenschaft aus Vorrat". Dann, wenn sich die Notlage kaum bemerkbar gemacht hat, mit fertigen Lösungen ansivarten zu können, ist die Aufgabe des vorausschauenden Ingenieurs. Das ist ja schließlich auch der letzte Zweck der Weltkraftkanferenz, auf der dieses nor- wegisch-deutsche Projekt auch zweifellos großes Interesse finden wird. 3)er elektrijche Stuhl für Sifche Durch die Fischereigesetze wird im allgemeinen streng verboten, die Fische durch elektrischen Strom zu töten. Dennoch kann dies unter besonderen Bedingungen gestattet werden. Ein solcher Fall erignete sich bei Sendenhorst in Westsalen, wo Sandgruben mit Wasser vollgelaufen waren. Da zurückgelassenes Baumaterial und Bairmstümpfc den Boden bedeckten, war das Ausfischen dieser neu- gebildeten Seen mit Netzen sehr erschwert. Die Tümpel waren mit Karpfen, Karauschen und Regenbogenforellen besetzt worden, die dort gut gediehen. Um die Fische wieder herauszuholen, wurde vom Regierungspräsidenten ausnahmsweise die Genehmigung zum„clck- irischen Fischen" erteilt, unter der Bedingung, daß der Obcrsisch- meister und die Ortspolizei dabei anwesend sein mußten. Wie F. Schumann mitteilt, wurde der Strom durch einen vier Millimeter starken Kupserdraht geleitet, der durch Holzklötze 10 Zen- timeter unter der Wasseroberfläche gehasten und an Isolierung-- drähten durchgezogen wurde. Dieses Sendegerät wurde von einer Ueberlaickleitung mit Strom von 220 Volt Ampere gespeist. Mit der Hand konnte man noch in zwei Meter Entfernung vom Draht die Clektrizitätswirkung verspüren. Di« Wirkung aus die Fische war ganz gewaltig. Kurz nachdem der Strom eingeschaltet worden war, kamen die ersten Karpfen in Seiten-, Schräg- oder Rückenlage und starr oder m Z-tterbewegungen hoch. Die betäubten Fische sanken rasch wieder unter, so daß viel Geschicklichkeit dazu gehörte, um sie mit Keschern aufzusangen. Wurden sie außerhalb des Teiches wieder In Fischkästen in fließendes Wasser gesetzt, so erholten sie sich in wenigen Minuten; nach einer Stunde war keine Schädigung mehr zu erkennen. Von den etwa 1,5 Kilogramm schweren Karpfen gingen nur 5 Proz. ein. Da der Fang nur 58 M. kostete und dabei drei Zentner Fische gewonncn wurden, ist der Beweis für die Wirtschaf!- lichkeit dieses Verfahren- erbracht. Es ist ein wertvolles Hilfsmittel beim Fischen in schwer zugänglichen, nicht ablaßbaren geschlosseneu Gewässern. Edward SHlgebauer: Sin QalgeniMck Die Führung des„Cafe zur Blutwurst", es lag an der asten Darse m Toulon, und sein vielsageicker Name„du Boudin" ist olles«her denn romantische Erfindung, war ein saures Geschäft. Denn der Hasen mit seinen südlichen, ab und zu afrikanischen Gc- pflog« nheiten mid die Größe einer Garnison, die Ausschreitungen aus den verschiedensten Gebieten unvermeidbar machte, bestimmten fein Gesicht. Damit hatten sich Vater uick Mutter Dauban ein für allemal abgefunden und sich redlich in Tag- und Nachtschicht geteilt. Unter Ach u>ck Weh, aber doch. Denn ihr Betckeb war der schlechteste noch lange nicht. Alljährlich warf der schon ein nettes Sünnnchen ab, und da Louis, der Vaubans einziges Kind, sich in Lyon des Studiums der Medizin befleißigte, weil aus ihm einmal«in großer Herr werden sollte, hatte das viele hier aus dm Lastern der Welt herausgeschlagene Geld schon seinen vernünftigen Zweck. In den heißen Tagessttncken des provencalischen Sommers, wenn die dicken Fliegen an der großen Scheibe surrten und, vom Zucker angelockt, in die ihnen gestellte Glassalle torkelten, hatte das Eafe zur Blutwurst seine stille Zeit. Dann saß Mutter Bauban strickend hinter der Theke uick ihr Mann zog sich auf das Bett in die eheliche Schlafkammer zurück. Di« lag zu ebener Erde wie das Easä selber, und wurde von diesem durch Tür und Glasverschlag gettennt. Trotz seiner inttmen Bestimmuitg ein den hier verkehrenden Stammgästen nicht unbe- kanntet Raum, der schon manchem Rettung gebracht hatte, weil aus chm eine Treppe hinab in den Keller und von diesem wieder eine Fallklappe in ein verschwiegenes Seitengäßchen führte. Revidierenden Patrouillen und recherchierenden Polizisten hatte diese— wie oft schon— ein Schnippchen geschlagen, wenn es einen über Zapfenstreich ausgebliebenen Soldaten oder einen das weite Meer suchenden Flüchtling vor dem Arrest oder dem Polizeigewahrsam zu retten galt! Vor diesem Glasverschlag und seiner Tür pflanzte sich Mutter Dauban mit Vorliebe in ihrer ganzen Größe ans. Und die Eingeweihten lächestcn, wenn sie sie in dieser Position erwischten und nomsten sie zuttaulich:„Engel vor dem Paradicsl" Der„Engel" fuhr von seinem Strickstrumps aus. Eine Fliege, die den vevgsblichen Kampf in der Falle auf- gegeben hatte, torkeste in das todbringende Naß. Mutter Dauban schrie:' „Du, Louis!" ..Ich, Mutter!" „Wie sieht du denn aus?" Di« Frage der an allen Gliedern bei des Sohnes Anblick zitternden Frau war nur allzu berechtigt. Denn der Jüngling, aus dem nach dem Willen seiner Estern in Lyon«in großer Herr wecken sollte, war abgerissen wie ein Vagabund. „Ich komme zu Fuß aus Lyon. Mutter!" %!! Fuß aus Lyon, Louis?" ' a,„f her Flucht! Es ist etwas Schreckliches passiert! Ich habe Bnen«örtfcn.' „Einen erschossen, Louis?" Mutter Baubans entsetzt« Frag« war mehr aus den weitaus- gerissenen Augen der allen Frau zu lesen, als daß sie sie in ver- stäickliche Worte gekleidet hätte, deim ihre Sprache ging in lautem Gc schluchze unter. Aber Louis antwortete trotzdem: „Um Ariennes willen, Mutter! Ich weiß selber nicht, wie es kam! Die Eifersucht— Hilf mir, Rtutter— jede Minute—" Und noch ehe die Mutter alles so recht begriffen hatte, stand Vater Vauban mitten im Cafö. Soin Gesicht war oschfahl, und der Schweiß perlte aus seiner Stirn. „Heute kommt Lcroick," sianunelt« er. Er kann jeden Augen- blick da sein!" „Wer ist das," schrie da Louis. „Der Koinmissar unseres Bezirks, wer denn sonst?" Während dieser Erklärung hatte Vater Dauban die Briestasche gezogen. „Schnell, schnell, schnell, Louis! Hier durch die Schlaftammer, die Kellertreppe hinunter und dann durch die Fallklappe in die Rue Matün, hier, hier, hier." Schon drängte er den Sohn in der Richtung des Ausweges und drückte ihm drei Tauseicker in die Hand. „Mach dich fort— nach Algier— nach Tunis— oder noch besser über die Italienische Grenze. Nur fort, fort, fort." Was nun folgte, schien in Sekunden v»r sich zu gehen. Louis Sprung in die elterliche Schlafkammer, fein Hinabstürzen Über die Kellertreppe, das Heben der Fallklappe, das Erreichen der Rue Malin. Mittter Vauban klagte und jammerte: „Mein Kind, mein armes Kind!" Und Vater Vauban wetterte und fluchte: „Wenn sie ihn erwischen, bin ich ruiniert." Aber in der Rue Malin fragte nur wenige Minuten später eine Frauenstimme: „Ist es geglückt, hast du das Geld, Louis?" „Ich habe es, Adrienne. triumphiert« das Früchtchen. Kommissar Lerotck schien sich auf seinem heutigen Rundgang durch die Hafenkneipen der allen Darse verspätet zu haben, denn er suchte da» Cafä zur Blutwurst erst gegen Weick aus. Mutter Vauban machte sich im Keller zu schassen, und der Wirt de» Eta- blissements tat so unbefangen, wie es ihm nur irgeickmöglich war. Lerond fand auch nicht das mindeste, was zu beanstanden ge- wesen wäre. Nachdem er auf Einladung Vater Vaubans ein viertel Weißen genommen hatte, waickte er sich zum Gehen und warf ganz bei- läufig hin: „Uick Ihr Louis, Vater Vauban?" Der glaubte, daß ihn ein Herzkrampf befiele. m der«omwiS» juhr fr* ..Tin flotter Bursche. Euer Louis, Vater Vauban! Das ist in dem richtigen Alter und genießt fein Leben. Ich sah ihn vorhin am Bahnhof. Er nahm den Zug nach Paris zusammen mit einem Mädel, das gar nicht zu verachtei, ist! Ja. ja, ja! Wer auch noch einmal jung sein uick es so haben könnte!" Vater Vauban sagte auch nicht ein einziges Wort. 'Aber als Lerond glücklich draußen war und Mutter Dauban aus dem Keller zurückkam, machte er seinem ganzen Unwillen Lust. Stillschweigend ließ Mitter Dauban das eheherrliche Unge- »itter über sich ergehen. Dann aber sagte sie: „Gott sei Dank, daß er»ach Paris gefahren ist und nicht nach Tunis, dann ist doch Hosfmmg vorhmcken, daß ich ihn wiedersehe." „Sobald er wieder Geld braucht, Aste!" „Freilich, Vater Vauban!" 3>ie ruffifdten Schrechensinfeln Die Solowetzky-Jnseln im Weißen Meer sollen jetzt zu einer selbständigen„Republik der Verdmnmten" erklärt werden, uick damit wücke die Sowjetunion«im ihrer furchtbarsten Schöpfungen mit einem Schein der Freiheit umkleiden, der nur als billiger Hohn wirken kann. Ist doch schon der Name dieser„Inseln der Nächst- gasten" eine blutige Ironie, denn es gibt dort keine Vögel und keinen Vogelgesang. Die Geschichte dieser Inseln seit dem Jahre 1920 ist eine Kette furchtbarer Tragödien und grausamer Schrecken. Damals wucken sie nämlich in«in Konzentrationslager verwandelt und mit politischen Gefangenen bevölkert, die hmiptsächlich aus Sozialdemokraten und Anarchisten bestanden. Nur die kröftigsten und gesündesten der hierher Verbannten sind noch am Leben. Fast alle bekannten Sozialisten und radikalen Politiker des Vorkriegs- rußland waren auf die Inseln deporstcrt, und in vielen Fällen waren es ganz« Familien, darunter Säuglinge auf den Armen der Mütter, die dieser entsetzlichen Einöde ausgeliefert wucken. Etwa vier Jahre lang kümmerte man sich überhaupt nicht um sie. Nur für die Verpflegung der Wächter wurde gesorgt, die sich in der Haupffache aus den brutalsten und grausamsten Henkern des Bol- schewismiis rekrutieren. Die Anarchisten waren zunächst auf«iitcr der kleineren Inseln interniert, wo man ihnen ein„enorchistlsches Leben" gestattete, d. h. sie für sich selbst sorgen ließ. Di«„freie Liebe" herrschte damals ungezügelt und führte zu tragischen Konflikten und vielem Vlut- vergießen, so daß sich die Regierung schließlich entschloß, die Anarchisten Unter die übrige Bevölkerung zu verteilen. Da die Sterblichkestsziffer auf diesen Inseln die höchste in der ganzen Welt Ist. so erschien dieser Ort für besonders geeignet, um auch wider« spenstige Kommunisten hierhin zu verbannen. Eine beträchtliche An- zahl dieser Genossen, deren man sich aus irgendeinem Grunde entledigen wollte, wurde jedes Jahr hierhergebracht. Die Bewachung erfolgte mit der größten Grausamkeit. Männer und Frauen wucken zu Tode gepeitscht, hunderte nackt und bloß in die Einöde hinaus- gejaist uick dem Erfrierungstode überlassen. Tausend« von Intellek- wellen des Vorkricgsrußland wurden zum Selbstmord getrieben. darunter so mancher bedeutend« Gelehrte und Künstler, die das Leba, unter dtchen Beengungen nicht ertrag« teuuteu Arterienverkalkung heilbar? So Kogl« rLr»lich Frau«veißler ihren alte« Bekannten� Herrn Richter. Ihr Mann leidet nämlich schon seit Iahren an dieser Krankheit und grau Geijjier möchte doch gern, bab ihr Mann wieder iedens- troh und munter wird. Jetzt Nagt er Uber Kopischmerzcn, Ohr ensausen Schwindel- airfälle und ähnliche Altersbeschwerden, od» wohl er erst Z8 Jahre alt ist. Herr Richter, der schon KZ ist. meinte: Aber meine liebe Frau Dcitzler, kennen Sie denn nicht ginsfer- Tee? Das ist doch da« einzig Richtige. Vor drei Iahren hatte ich dasselbe wie Ihr Mann, aber nach 3 Paketen ginsser. Tee sllhlte ich mich wieder gesund und munter wie der Fisch im Wasser. Iinsser- Spezial- Tees sind In fast allen Avotheken zu Mk. 2. SO erhältlich. Wenn nicht, wende man sich an un» direkt.§) Dr. Zinfser& Co. ®. m. b. H. Leipzig 75. Winker * Garten* 8.1S Uhr Zemr. 2819 Bindien criaiti Vinltr allein. B in Barlin ii«li nihil gmigle llinheiltn nnd waitari 4 Ittraklinm D 2 WiidenilBDini 5211 8 Uhr Phaea von Fritz t. Unruh. Rega Mar Reinhardt Mnsit: Friadnilt Hnnitndtr. BühnnbilBer Ernst SdiBtti. ROSE •Theater OroB« Frankfurter Str. 132 Billettkus«: Alex. 3422«. 8494 Taglich 8.15 Uhr .« ■it Traute. Paul a. Wllil Rosa. Dienstag, 24, 6. Staats-Oper Unter d. Linden I-ll N. L Di. Nu. 11 Jahres-tli.-T.No.l64 20 Uhr Aegyptisdie Helena Ende g 22�2 Uhr Dienstag. 24. 6. Stadt. Oper Bismarckstr. Turnus IV 20 Uhr losca Ende 22-h Uhr Staats-Oper >m Plah dir Rtpnblik Vorst 109 20 Uhr Hans Hellinn Endegeg 23 Uhr Staatl. SdiaDspti. »m Gndiraunnurkt Jahres-Ab.-H.Bo. 149 20 Uhr Gustav Adolf Ende n.22VjUhr MI.WIet-MMMIU 20 Uhr tdlien, Satire, Ironie und tislcre BedeuinnR Ende 220, Uhr v| Tägl. 5 u.8V» Uhr. B 3 Barh. | Pr. 1-6 M. Wochenlg. 5 U. 50 PJ.-3 I Theater l.d.Behrenstr. 53-54 t'a U. A4 Zentrum 926-927 SVi U. Direktion Ralph Arthur Roberte Hein Vetter Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Rods WWW Direktion: Dr. Martin Zitkal Komische Oper Friedrichstr.lOA. Merkur 1491,4330. Täglich S'/n Uhr Liebe und Trompetenblasen Schulz ✓Westermeier/' Finkler lahrdeck s Haid x Behrisch VolKsbUhne TbBBtei ani Btlowplall. 8'/. Uhr Julius Caesar Rigii: Barl Beim Hirtin Staat). Sdiiller-Th. 8 Uhr SAerz, Satire, Ironie u. tiefere Bedeotuno Staatsoper Am PI. d, Republik 8 Uhr Hans Helling Metropol-Th. Täglich 8-ä Uhr mit Dir allein aut einer einsamen Insel Michael Bohnen Sarnowsky-BliliDeD Theater io der Sireienaeastr. SV. Uhr Napoleon greift ein tob Walter Haundever Regie: Victor Birnomky KomÖdienhaus Sll< Uhr Meine Sdiwester usd idi Melki.DalphBnatih} TttSL I. KollB.Toi Koitbuser Str. 6 Sf. ItlU mit Herta Locwc der dtthcfew IMfipil Auf dtr Gartenbohne täglich das Rioscnprogramm: 550(Sonntags 5 Uhr) 9 VarietOnummern und 815 Dhr: „Lene, Lette, Liese" mit Ditters, Hofer, Keretens, Pyrmont. Konisch u. Hans Rose. Voranzeige: Rosenfest im Rose-6arten 6.— V. Juli. Vorverkauf ab morgen früh um 11 Uhr. Im Innentheater ab 30. Juni „Die andere Seite" ait Robert Malier, Paul und Willi Rose. Reichshallen-Theater (T| Uhr Das wundervolle Juni-Programm der Stettiner Sänger Tel.: Zentrum 11263 Dönhoff' Breiil(Saal und Garten) V«rief6- Konzert— Tanz Die Komödie 1 1 Bismck.2414/75f6 8V, Uhr Wie wenle idi teidi und glodüidi? | Ein Knrsos io 11 AMsilaogen von Felix Joathimson. Musik ron Misdu Spoliansky. Regio; Eridi Engel Bühnenbilder Ludwig Rainer Direktion Dr. Robert Klein Dealsebes Künstler-Theal. Barbarossa 3937 Täglich 9 Uhr „Idi tanze um dieWeltmitdlr" Ton Mjrtellu! Sihilftr Musik: Friedridi Hcllasdir Regle Bus Brahra Dir. Dr. AUrtii 2ickel Nomische Oper Friedrichstr. 104. Merkur 1401/4330. Täglich 8V, Uhr Uebe and Trompeten- blasen Sdiulj/Wcstiratier ✓ Figkler Jahrbeä ✓ Bild ✓ Bebrisdi Deotidier Uetallariieiter-Tertiafli! Verwallunpssteile Berlin Todesanselge Den Mitglieher» zur Rachricht, daß unser Kollege, der Klempner kriedricii Boritz ged. 25. September 1857, am 19. Juni gestorben ist. Die Einäscherung findet am Mili- wach, dem 25. Juni, 17 Uhr, im Kremaiorinm Lerlin, Serichtstr., statt Rege Beteiligung wird erwartet. Necbruf Am 2a Juni starb unser Kollege, der Dreher vtto Ksri geb. 21. Juli 1881. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden.__ Am 1. Juni starb unser Kollege, der Schlosser Berdert Osterbnrg geb. 28. Januar 1910. Die Einäscherung hat bereits statt- gesunden. Ehre Ihrem Aubenken! Die Orlrverwalhmg. Rennen zu Strauiberg Dienstag, den 24. Juni nachmittags SVäUiir Mein Kautabak scbmeckt mir doch am besten! Offene Füße Krampfaderzeschwllre, schwecheilend« Wanden, schmerzhafte Sntziwdungen est. aneestägliched Juden heilt nachweidhar laui taufenden Danksagungen die milde wohiiuend« Orlindo Salde.OoseM 1.75 u. 3.-, invrogh. u.«poih. sonst bei Osts Reichel. 2 erlin SO. aisendahnstr. 4 Berliner Prater Sommergaiienuieaier Kastanienallee 7—9 Hente Premiere der große Varietä- Teil Eine entzückende Burleske 8.13 U- Ouste Beer,(irell Lilien, Alex Haber. V von Kobylanska in die Rose vonSlainiiol Operette in 3 Akten von Leo Fall firoBss Kalleekoiben Eimrinspreis von 50 PI. an. Ilieater d. Weitem Täglich 8>Ä Uhr: Der BBltelSlUlM «KW �preiswerte Restaurant Berlins BETRIEB. /fK KEMPINSKIw Am Sonnabend, dem 21. Juni, friih v,4 Uhr, oerschied nach schwerem Krankenlager mein lieber Mann Franz Gieloff Dies zeigt tiefbetriibt an im Äamen alier Hinterbliebenen Marl« Gteloff geb. Blum Berlin, den 21. Juni l9ZV Woldenberger Sir. 19. Die Einaicherung findet am Miit- wach, dem 25. Juni, mitlags 12 Uhr, im Krematorium Derichtstraße statt. Am 21. Juni verstarb unsere An- gestellte. Frau Marie Wolff geb. Kuhlmay, im 59. Lebensjahre Dieselbe war fast 15 Jahre im Kassendienst deschäsligt Wir verliere» in der Verilorbenen eine pflichtgelreue Milarbeiterin und Kollegin, deren An. denken wir in Ehren hallen werden. Berlin-Schöneberg, d. 23. Juni 1930. Vorsiand, Verwaltung. Betriebsrat der Allg. Oriskrankenkasse für den Verwaltungsbezirk XI der Stadt Berlin(Schäneberg- Friedenau. WiMftJlfertÄ-ftW Sonnerstag, de» 26. Znnl, nnchm.*ln Ahr, Im Lokal oon Gustno wrrisenberger. Ritlerstratze 69 (Metzpalastl: Branchen- Versammlung der Gold- und simer- schmlede Tagesordnung: I. Vortrag. 2. Branchenangelegenheltcn. 3. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein guiritt. Alle Kolleginnen und Kollegen werden eriucht, bestimmt und pünktlich zu er» scheinen._ Donnerstag, de« 26. Znnl, nachm.» Ahr. In Emolds Vereins- hau-,»kaliher Str. 426 Grancnen-Versammlung der Graveure u. Ziseleure Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Branchenlammiffion. 2. Neuwahl der Branchenieitung. 3. Branchenangeiegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiett. Alle Kolleginnen und Kollegen werden ersucht, bestimmt und pünttlich zu er icheinen._ Donnerstag, den 26. Znnl, abends 7 Ahr, im Sernertschafks- Hans, angelufet 24 25(Gr. Saal) Branchen-Versammlung der Rohrleger und Helfer Tagesordnung: I. Verbands- und Branchenangelegen deiten. 2. Berlchiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwariet. Achtung. Drahtarhelter! Donnerstag, den 26 Z»al, abends 7 Uhr, Im Gemertschafts Haus, Engrlnfer 24 25(Saal Z) Grancnen-Versammlung Tagesordnung i. Jahresbericht der Branchentommission. 2. Dlskusston. 3. Neuwahl der Branchenleitung. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Da» Erscheinen aller Kolleginnen und Kollegen iu Pflicht. Die Oriz Verwaltung. talldrkten. Auflegematratzen. Ehaiselow guez. Walter, Slargarderstraße nchtz» zehn. Sein Laden.__ ZarDckgckehrt Dr. w. 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