Morgenausgabe Nr. 291 A 147 47.Iahrgang Wicheulllch 8851, 8,8051. tm voraus zahlbar. 5oftd«zuz<88 ZU, einschließlich«0Ptz.Pi>s«z,>tunz»- und 7! Vi«, Postbeslellgebühreu. Ausland» aboanemem 8.— M. pro Monat, Der.vorwärla» erschet« wochentLg» lich zweimal, Sonntags und Montag« einmal, die ild-ndausaaben für Berlin und Im Handel mit dem Titel»Der Zldend". Illustrierte Beilagen.Voll und Zeit' und.jtinderfreund'. Ferner »Unterhaltung und Willen'.»Frauen- Kimm»'..Technik',.«litt in die BücherweU' und»Iugend-Lorwirt»' Berliner volksvlatt Mittwoch 2S. 2uni 1950 Groß-Äerlin 10 Pf- Auswärts 15 pf. fH« tlnfpclflgt NonparetllezeN« 10 Pfennig. Reklameieil« 5.— Reich»« mark„Kleine An/.etyen' da» ettge« druckt« Wort 25 Pfennig(zulässig zwei ßettgedruckte Worte), tedes weitere Won 12 Pfennig. Stellengesuch« dos en't« Wort 15 Pfennig, jedes wettere Won? >0 Pfennig. Worte über 15 Buchstabe» zählen für zwei Worte. Arbeitsmarv Zeile SO Pfennig. Familienanzeigen Zeil» 40 Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt« Lindenftrahe S. wochentägltch «'lchSft > 8'/, bi» 17 Uhr. Jönwawvsan der GozialdemokvaMchen Vavtei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 irernsprecher: Dönbott 292—297 Telegrlmim.Zldr.: Sozialdemokrat Berlin. Vonvärts-Verlag G.m.b.H. Postlcheckkonlot Berlin S7S3K.— Bankkonto: Bank der Arbeiter, Angestelltea und Beamten. Wailstr 65. Dt. B n. Titc.�Ses.. Deposiienkali« Lindenstr.». Nächtliche Kabinettsihung. Dietrich Finanzminister- Heute Fortsetzung der Kabinettsfitzung Das Reichskabinett trat gestern abend, 8 Uhr, zn» sammen, um über die Deckungsvorschläge Dietrichs zu beraten. Die Beratungen des Kabinetts wurde» erst nach Mitternacht abgebrochen. Sie sind jedoch nicht abge- schlössen, sondern werden heute abend«« S Uhr weitergeführt werden. Reichskanzler Brüning will nach dem Ende der Kabinettssitzung heute abend oder Donnerstag morgen nach N e u d e ck fahren» um dem Reichspräsidenten Bericht zu erstatten und ihm die Ernennung Dietrichs zum Reichsfinanz» m i n i st e r vorzuschlagen. Demnach hat der jetzige Wirtschaftsmiuister Dietrich sich endgültig bereit erklärt, das Finanzministerium zu übernehmen. Der Reichskanzler will am Freitag morgen in Berlin zurück sein. Das Kabinett wird dann seine Entschei» düngen bekanntgeben. Einzelheiten werden deshalb offiziell vor Freitag morgen nicht bekannt werden. Es scheint, daß die Frage des Notopfers in der gestrigen ttabinettssitzung überhaupt noch nicht besprochen worden ist. Voltsporiei beharrt auf ihrem Gtandpunkt. Di« Reichstagsfraktion der Deutschen Volkspartei hielt am Dienstagabend eine Sitzung ab, in der die palitische Lage, wie sie sich im Laufe des Tages gestaltet hat, erörtert wurde. Die Fraktion beschloß eine formulierte Erklärung, die dem Reichskanzler zu Beginn der Kabinettssitzung übermittelt wurde. Für den Inhalt der Erklärung wurde Vertraulichkeit beschlossen. Es wird jedoch versichert, daß die Fraktion auf ihrem Standpunkt be- harrt und daß die sachlichen Gegensätze zwischen Kabinett und Fraktion unverändert fortbestehen. Verlängerung des Roietais beantragt. Di« Regierungsparteien haben im Reichstag« einen Gesetzent- wurf zur Verlängerung des Notetats um einen weiteren Monat, also bis zum 31. Juli eingebracht. Die der Regierung für diesen Monat zu erteilende Ausgabeermächtigung wird im all» gemeinen auf ein Zwölftel der für 1329 bewilligten bzw. im Haus» halt für 1930 vorgesehenen Beträge beschränkt. Lediglich zur Förde» rung des öffentlichen Luftverkehrs durch die Lufthansa kann die Reichsvegierung bis zu einem Sechstel der im Haushalt für 1330 vorgesehenen Mittel ausgeben. Gireichungen am auswärtigen Etat. Keine Botschaften in Südamerika. Im Haushaltsausschuß des Reichstages wurde am Dienstag der restliche Teil des Haushalls des Auswärtigen Amtes erledigt. Dabei wurde die von der Regierung beantragte Schaffung von Bot» schuften in Buenos Aires, Rio de Janeiro und Santiago abgelehnt. Ebenso wurde der Posten für eine deutsche Botschaft in Tirana gestrichen und statt dessen nur ein Konsulat bewilligt. Bei den deutschen Auslandsvertretungen wurden an persönlichen Ver- waltungsausgaben rund% Million Mark gestrichen und bei den Auslandszulagen 2% Millionen. Auch bei anderen Posten wurden Streichungen vorgenommen. Arbeiislosigkeit steigt! Lm Juni 2100000 Arbeitsuchende. Die Zahl der haupkunkerstühnngsempsäager in der Arbeitslosenversicherung, die in der ersten Hälfte des Mai noch um rund 130 000. in der zweiten um nicht ganz 80 000 abgenommen hatte, ist, wie von der Reichsanstalt mitgeteilt wird. In der ersten Zunihälfte nur noch um rund 45 000 geringer geworden. Dem steht nicht nur ein weiterer Zuwachs der ürlsenunterstützten um rund 13 000 gegenüber, sondern die Zahl der verfügbaren A r b e i t s u ch e n d e n hat sich— zum ersten Male wieder seit Anfang März— nmetwalZ 000erhöhtt Die Zahl der hauptunterstühungscmpfänger betrug am 15. ZunI in der Arbeitslosenversicherung 1 505 804, in der krisenunterstühung 351 984. Die Summe beider Zahlen siegt mit annähernd 1858 000 um mehr als 900 000 über der entsprechenden Summedes Vorjahres. Die lleberlagerung der Unterstützten. Ziffer ist mithin gegenüber dem Staad vom 1. Juni(875 000) weiter- hin angewachsen. Räch Abzug der noch in gekündigter oder ungekün- digter Stellung oder in Rolstandsarbelt Befindlichen müsien von den Z 700 000 versügbareu Arbeilsuchenden, die am 15. Hanl bei den Arbeitsämtern eingetragen waren, rund Z 647 OOOalsarbeits. los gelten.— ver amtliche Bericht über den Stand der Arbeitslosigkeit ist sehr vorsichtig abgefaßt. Trotzdem wird aus ihm der Ernst der Lage deutlich genug ersichtlich. Die neuen Zahlen zeigen, daß nun- mehr von einer nennenswerten E n t t ast u n g im Lause des Som- mer» keine Rede mehr sein kann. Die Entwicklung auf dem Arbeltsmarkt wird immer bSsarttger. Mi« einer durchschnittlichen hauplunterslühungszisser von l.6 Mit. ttoneu pro Monat ist jetzt nicht mehr zn rechnen. Es wäre verhäng. aisvoll, wenn die Regierung sich noch jetzt an eine solch« Zahl Nam- mera wollte. Dem Ernst der Situation entsprechend muß sie jetzt den soeben veröffentttchteu Richtlinien der sozialdemo. kra tischen Reichslagsfraktion zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit Rechnung tragen.. Zn einer Woche ist attes geräumi! General Guilleaumat bestätigt es Briand. Paris, 24. Juni.(Eigenbericht.) Der Oberkommandierende der französischen Rhein» armee, General Guilleaumat, hat am Dienstag dem Außenminister in längerer Unterredung über die D u r ch- führnng der RLumungsoperationen berichtet. Wie ein amtliches Kommunique erklärt, hat der General die formelle Versicherung abgegeben, daß die R ä u m nn g restlos und pünktlich zum SO. Juni durchgeführt sei« werde. Oie letzte Parade. Landau, 24. Juni. Gemäß einem Divisionsbefehl des Generals Mangin findet hier übermorgen noch einmal eine große Parade der noch anwesenden französischen Besatzung? lruppen statt. An- schließend werden die Truppen nach Frankreich verladen. General Mangin selbst wird am gleichen Tage dem Bürgermeister von Landau seinen Abschiedsbesuch machen, um alsdann mit seinem Generalftab die Pfalz gleichfalls zu verlasien. Heute vormittag wurde von den französischen Truppen auf dem Militärfriedhof noch eine Feier veranstaltet, bei der Kränze nieder- gelegt wurden. Di« städtische Festhalle, das Militärlazarett und«in Teil der bis jetzt benutzten Kasernen wurden heute zurückge» geben. Der Generalstab der französischen Arme« in Mainz wird, wie auf Erkundigungen bei französischen Stellen mitgeteill wird, Mainz erst am 3V. Juni verlosten. Gute Fahrt der Atlantik-Flieger Oie Halste des Weges zurückgelegt. London, 24. Juni.(Eigenbericht.) Die letzten Nachrichte«. von den Atlantik- Flieger« sagen, daß das Flugzeug mit einer 100- Meilen-Geschwindigkeit fliegt und bei klarem Wetter etwa die Hälfte des Weges zurückgelegt hat. Spiel mit dem Artikel 48. Zentrumsdiktatur gegen Volkspartei? Vor wenigen Wochen noch verkündeten alle Zentrums« blätter, daß das Kabinett Brüning nicht nur den Reichs- Haushalt für 1930 in Ordnung gebracht, sondern auch den Parlamentarismus gerettet habe. Nicht lange darauf entdeckte Herr Moldenhauer das neue Defizit von 7Sl) Millionen Mark, und jetzt geht schon wieder der Ruf durch das Land,.daß das parlamentarische System in Gefahr ist. In Gestalt des demokratischen Herrn Dietrich aus Baden taucht ein neuer Finanzdittator auf. Er soll seine Vorlagen auf den Tisch des Reichstags schmettern, daß alles kracht. Wagt der Reichstag zu mucken, so wird er in die Ferien geschickt, und es wird mit Artikel 48 regiert. Ver- langt dann aber der unglückliche Reichstag, daß diese oder jene Verordnung der Regierung aufgehoben wird, na dann hat er sich eben die Folgen selber zuzuschreiben! Er wird ganz einfach aufgelöst, und der Artikel 48 regiert weiter. Soll man es für möglich halten, daß erwachsene Menschen, Reichstagsabgeordnete, ja, wie man vertraulich erzählt, sogar aktive deutsche Reichsminister mit solchen Plänen spielen? Daß sie im Kabinett erörtert werden, ohne daß auch nur einer aufsteht, um die Herren an d i e V e r f a s s u n g zu erinnern. die sie beschworen haben? Was steht denn im Artikel 48 der Verfassung? Daß der Reichspräsident, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheb- lich gestört oder gefährdet wird, die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nötigen Maßnahmen treffen darf. Aber nirgends steht in der Verfassung, daß eine Regierung, die sich bei der Balancierung ihres Etats verrechnet hat, ihren Rechenfehler mit Hilfe des Belagerung?- zustandes verbessern darf. Nirgends steht in der Verfassung, daß die Unfähigkeit, parlamentarisch zu regieren, einer Re- gierung das Recht verleiht, die Diktatur auszuüben. Dafür steht in der Verfassung etwas ganz anderes. Es steht darin, daß Maßnahmen, die auf Grund des Artikels 48 getroffen sind, auf Verlangen des Reichstags außer Kraft gesetzt werden müssen. Keine Bestimmung der Verfassung gestattet, Verordnungen, deren Aufhebung der Reichstag verlangt hat, weiterbestehen zu lasten, und den Reichstag zur Strafe für fein Verlangen aufzulösen. Mit solchen Gedanken spielen, heißt mit dem Staats st reich spielen. Von wem soll die Diktatur ausgeübt werden und gegen wen? Wie sich die Dinge in den letzten Tagen entwickelt haben, erscheint als Subjekt der angekündigten Diktatur das Zentrum und als Objekt-- die Deutsche Volkspartei. Vor knapp drei Monaten waren Zentrum und Volkspartei einig, die Sozialdmokratie auszuschalten und mit Schiele-Treviranus ihr Glück zu versuchen. Und jetzt? Jetzt drohen aus dem Froschmäusekrieg, der innerhalb einer regierenden Minderheit ausgebrochen ist, staats- rechtliche Verwicklungen! Jetzt will das regierende Zentrum den Artikel 48 in Bewegung setzen, um den Widerstand der Volkspartei zu brechen. Wäre es nicht vielleicht doch einfacher gewesen, wenn sich das Zentrum im März mit der So- zialdemokratie geeinigt und mit ihr zusammen die Ueberwindung aller Schwierigkeiten auf Parlaments- rifchem Wege versucht hätte? Aber Diktaturl Auch eine Diktatur muß, rein machtpolitisch gesehen, sich auf eine ge- wisse Vertrauensbasis im Volke, auf eine ergebene und aktive Minderheit stützen können. Mit dem katholischen Klerus allein ist das nicht zu schaffen. Die Regierung Brüning kann, wenn sie vor dem Reichs- tag scheitert, zweierlei tun. Sie kann zurücktreten oder sie kann mit Ermächtigung des Reichspräsidenten den Reichstag auflösen. Run ist es richtig, daß weder ihr Rücktritt, noch die Auflösung Geld in die Kassen bringt. Aber ebenso richtig bleibt, daß die Wege, Geld in die Kassen zu bringen, von der Verfasiung vorgeschrieben sind, und daß das Verlasien dieser Wege für die Reichsfinanzen wie für die Wirtschaft nur neue Gefahr bedeutet. Wir verkennen den Ernst der Lage keineswegs, meinen aber, daß ihm mit Ruhe bester beizukommen ist, als mit Nervosität. Seit Wochen und Monaten wird von gewisser Seite mit allen Mitteln einer zweckbewußten Panikmache gearbeitet- Wenn man heute sich rühmt, den Etat in Orb- nung gebracht zu haben und morgen unter fürchterlichem Angstgeschrei ein neues Riesendefizit entdeckt, so ist das weder die richtige Methode,„die Wirtschaft anzukurbeln", noch ein geeigneter Weg, die Reichsfinanzen zu sanieren. Die Reichs- finanzen sind nicht so verwahrlost, die Wirtschaftskraft ist nicht so erschöpft, daß zu kopfloser Verzweiflung Anlaß be- stünde. Auch ein Fehlbetrag am End« des Rechnungs- jahres 1930 mürbe die Äsutsche Republik noch nicht zum Einsturz bringen. Wann: man aber so tut, als wäre jeder Ausweg virspeort unK nur noch eine Desperado- Politik möglich, so schafft man damit eine Beunruhigung, die der deutschen Wirtschaft Milliarden und damit auch der deutschen Reichstasse Hunderte von Millionen kostet. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat Richtlinien veröffentlicht, mit deren Hilfe man gewiß keine Wunder tun kann, deren Ausführung aber genügen würde, um die Finanzschwierigkeiten für die nächste Zeit zu de- fettigen und die Lage der Wirtschaft zu bessern. Hätten wir eine Regierung, die bereit ryäre, diese Richtlmien anzuwenden und, wenn es nottut, für sie in einen Wahl kämpf zu gehen, so wäre den deutschen Finanzen tmd der deutschen Wirtschaft besser gedient, als mit unreifen Diktaturideen. Gefamtkosten der �heinlandbesehung. Mehr als 6'/- Milliarden Mark. Ai» Grund einer amtlichenZusammenstellung ergibt sich, daß die Kosten der Rheinlandbesetzung vom Inkrafttreten des Wajienstt llstandes bis zum 30. Juni lS30 sich auf rund 6,S Mit- liardcn ll�ark belaufen. In diese Summ« sind nicht ein- g e r e ch n>« t die persönlichen und sachlichen Aufwendungen des Reiches für' die durch die Besatzung bedingten Reichsbehörden und sonstige Zurvendungen des Reiches für dos besetzte Gebiet, wie sie in den Hau» Haltplänen des laufenden und der vergangenen Jahre für kulturell« Fürsorg«, Saargönger-Unterstützungen, Westprozramm usw. vorgesehen sind. Im tinztilnen sind der Reichsregierung folgende Ausgaben er- wachsen: In der Zeit vom Beginn des Wasfenstill- stände» bis zum Inkrafttreten des Dawes-Plans haben nach den amtlichen Mitteilungen der Reparationskommission die sogenannten äußeren Kosten für die Besatzungsarmeen und für die Interalliierten Ä.ommtssionen eine Eesamtaufwendung von 3,74 Milliarden Mark verursacht. In der gleichen Zeit mußte das Reich für sogenannte innere Besatzungskosten die Summe von 1,71 Mit- liarden Mark aufwendet, so daß sich für den genannten Zeitraum die Gesomtkosten für die Besatzung aus rund 5,46 Milliarden Mark belaufen. Während der Geltungsdauer des Dawes-Plans wurden die äußeren Befatzungskosten nach den Berichten des General- agerrten für Reparationszahlungen in Höhe von insgesamt rund 782 Millionen Mark aus den Jahresleistungen bestrikten. In der gleichen Zeit belaufen sich die Aufwendungen des Reiches für innere Besatzungskosten auf rund 281 Millionen Mark, so daß sich für diese Zeitperiode ein Gesamtbetrag von IM Milliarden Mark ergibt. In der Zeit seit dem 1. September 1929 bis zur Räumung am 3 9. Juni 1939 war zur Deckung der äußeren Besatzungskosten der Betrag von 39 Millionen Mark vom Reich« auf- zubringen. Die inneren Besatzungskosten werden sich bis zum Ende der Räumung auf insgesamt 89 bis 85 Millionen Mark belaufen, so daß für diese Zellperiode ein Betrag von 119 bis 115 Millionen Mark anzusetzen ist. Nach dieser Zusammenstellung belaufen sich die Gesamtausgaben für die Besatzungskosten auf(5,646 Milliarden Mark. Oie Handlanger der Katenkreuzter. Llnentwegke Marxist? niöfer in Gochsen. Dresden. 24. Juni. Die deutschnationale und die Landvolt-Fraktron de» neuen Landtages haben an alle Fraktionen mit Ausnahme der Sozialdemokraten und Kommunisten ein Schreiben gerichtet, in dem sie erklären, bei der letzten Landtagswohl habe das sächsische Volk den Willen nach einer„marxistenfrelen" Regierung klar bekundet. Die Fraktionen wurden für nächsten Sonnabend zu einer Besprechung über die Regierungsbildung eingeladen. Eine marxistenfreie Regierung sei nach dem Wahlergebnis bei allgemein gutem Willen durchatrs möglich. * Es scheint, daß die beiden Fraktionen immer noch nicht genug Prügel erhalten haben! Gin Koalitionsangebot Hitlers. München, 24. Juni.(Eigenbericht.) In der Mittwochausgabe des„Völkischen Beobachter*' macht Hitler den bürgerlichen Parteien in Sachsen ein Bündnis- ä n g e b o t. um gemeinsam gegen den Marxismus zu regieren. In den aufgestellten Richtlinien für eine Zusammenarbeit gegen die Sozialdemokratie sind salgettde Forderungen enthalten: Finanzielle Sanierung durch Sparsamkeit m der Ver- malt, mg. Schärfste Einschränkung aller Spitzengehälter. Abwehr der Uebcrflutung des Binnenmarktes mit fremden Produkten, Schutz der Länder vor den unitaren Zerstörungsabsichten und Sicherung der Grundlage einer christlich-deutschen Kultur. Unter diesen Vor- oussetzungen würden sich, so erklärt Hitler weiter, die National» sozialisten nirgends der Forderung nach Verantwortung entziehen. Wenn die bürgerlichen Parteien die Freundschaft mit den Nationalsozialisten dagegen ausschlagen sollten,„dann würden wir ihnen beweisen, daß ihr vergängliches Regiment von. noch kürzerer Herrlichkeit sein wird als das letzte". Außer dieser Drohung ist der wiederholte Hinweis bemerkenswert, daß der Kampf der Nationalsozwlistischen Pal ei um die politische Macht zwar mit allen legalen Mitteln durchgeführt werden soll, daß aber ebenso alle anderen Möglichkeiten wahrgenommen werden müßten, Oos Recht der weltlichen Schulen. OerStaaisgerichishos weist die deutfchnaiionalenAntkägeab Der Staalsgerlchtshos für das Deutsche Reich hak die Anträge der deutschnationalen Landkagssraktion. die Errichtung von Sammel» schulen für am Religionsunterricht nicht teilnehmende Kinder und die Anstellung von Dissidenten an öffentlichen Volksschulen für ver- sässungswidrig zu erklären, zurückgewiesen, weil der Staats- gerichkshof für einen Teil der Anträge nicht zuständig, im übrigen die deutschnationale Landtagsfraktion nicht aktiv legitimiert sei. Kommunistcnpartei in Dänemark aufgelöst. Dos Präsidium de? Bollzugsratcs der Kommunistischen Internationale hat eine große Gruppe dämscher Kommunisten wegen llcberpanges zur Sozialdcmokrolischcn Parte, aus der Kommunistische,, Inleruationaie ausgeschlossen. Ferner hat die Komintern die Auslösung der dänischen Kommunistischen Partei beschlossen. Zölle» preise Landwirtschafiskredii Zweiter Tag der Agrardebatte.— Einfache Mehrheit für Keme-Amnestie. In der gestrigen Reichstagssitzung wurde die Beratung de» Londwirtschaftseiais fortgesetzt. Abg. Ronneburg(Dem.) kritisiert«ingehend die Kreditgewährung in Ostpreußen mit ihrer großen Verschiedenheit der Beleihungs- grenze: diese sollte nicht über 69 Prozent gesteigert werden. Adg. Horgt verlangt, daß Preußen zwar weiter wie lnsher zahlen, aber nicht mitbestimmen soll. Davon kann gar keine Rede sein. Der größte Teil der gefährdeten Hypotheken eutsälll auf größere und Großbetriebe, wobei mit dem Verlust vou S5 Prozent dieser Hypotheken zo rechnen ist. Bon den umgeschuldelen Betrieben ist noch keiner zur Zwangs- oersteigening gekommen. Die Preußenkasse ist jeder Diskontheräb- setzung gefolgt— nicht aber die Rentenbank. 75 Millionen hat di« Herrn Hergt sympathische Kreditgewährung den Steuerzahlern gekostet. Herr Hergt hat dunkle Berdächtigungen vorgebracht. Wir fordern Beweis« für die angebliche Parteilichkeit der Ostpreußen- hisse. Im Gegensatz zu Hergt und Gayl fordern wir, daß die Inter- essenten von der Kreditgewährung ausgeschaltet werden.(Lebhoste Zustimmung links.) Durch die neue Anliegersiedlung sind in zehn Monaten über 1299 Kleinbauern und Landarbeiter mit 26 999 Morgen angesiedelt worden— gegen vorher in neun Jahren nur 23 99 Morgen!(Lebh. Hört! Hört! links.) Ein kommunistischer Mißtrauensantrog gegen Minister Schiel« wird zur Erheiterung des Hauses mitgeteilt. Ab gl Graf zu Eulenburg(Dnat.): Bei einer unsinnigen Finanz- Politik kann die vernünftigste Agrarpolitik die Landwirtschaft nicht aus dem Untergang der Gesamtwirtschast herausreißen. Der Regierung Brüning, der nachgerühmt wurde, daß sie w zwei Wochen die Finanzen geordnet habe, würde man jetzt zu viel Lob spenden, wenn man sagen würde, sie hätte die Finanzen für zwei Wochen geordnet. Der Abmarsch einer Gruppe der Rechten zur Mille, zuerst mit der Tat Porcks bei Tauroggen verglichen, war«ine unverantwortliche Schwächung der Landwirtschaft. Die Preise für landwirtschaftliche Produkte sind anstatt zu steigen ständig gefallen.(Minister Schiele: „Sprechen Sie doch endlich zur Sache!"— Erregte Zurus« der Deusschnationalen:„Gehört das vielleicht nicht zur Sache?") Die Roggenvalorisierungsmaßnahmen, erschwert durch die schlecht« Erb- schaft, die Minister Schiel« antreten mußte, müssen so beschleunigt werden, daß sie noch vor der Ernte zum vollen Ersolg� führen. Das Hindenburgibort, dem Landvolk soll« geholfen werden, droht ver- fälscht zu werden. Der von unserem Parteivorsitzenden vorher ge- sehen« Zusammenbruch der„Realpolitik" der Mitte ist eingetreten. (Beifall bei den Deutschnationalen— Ironische Zurufe links und in der Mitte.) Minister Schiele: Die.Durchführung des Ostprogramms wird verfassungsmäßig durch die Regierun«, verantwortet. Di« Ausführungen des Abg. Schmidt-Köpenick und die sozialdemokratischen Anträge lassen die Erkenntnis von der Bedeutung der Leredelungswirt schaft vermissen, insbesondere der Streichungsantrag für den Titel zur Erleichterung des Schlachtoiehc�pones. Hat nicht di« Sozialdemo- kralle in der Regierung ständtg die Forcierung der Beredelungs- Wirtschaft gefordert? Wie will man der Ueberlastung des Schlacht- viehmarktcs durch die Einführkontingente aus dem polnischen Handelsvertrage sonst begegnen? Ich hoffe atis Zurückziehung dieses sozialdemokratischen Antrages. Da, wo handelsvertragliche Bin» düngen den Absatz erschweren, stützung erleichtert werden. muß der Absatz durch Reich-iuntev- Wir müssen los von der Vorstellung/daß der ostdeuksche Roggen nur durch Export abgesetzt werden könnte. Es war von vornherein falsch, zu glauben, daß ich. in allzu kurzer Zeit Entscheidendes erreichen könnte. Vorschußlorbeeren Hab« ich nicht entgegengenommen, und für meine Person auch nie gesehen. Die einzige Hoffnung der deutschen Landwirtschaft Legt in nüch» terner Realpolitik, und Man soll diese Hoffnung nicht durch«ine Politik:„Haut den Lukas" wieder zunichte machen.(Heiterkeit.) Ich bitte den Grafen zu Eulenburg um Nennung der beschleunigten Maß- nahmen, die ich versäumt haben soll. Der Antrag der Sozialdemokraten, den Weizenvermohlungs- zwang aufzuheben sst unverständlich. Die frühere Regierung war sich doch darüoer einig, daß der Import von Huslandsweizen herabgedrückt werden sollte.(Zuruf des Abg. Schmidt-Köpenick sSoz.1: Die Maßnahme war mir vorübergehend gedacht.) Der Wert von vorübergehenden Maßnahme» besteht oft darin, daß sie sich als dauernd notwendig erweisen. Zur Gefrierfteifchfrage, die wahrscheinlich Frau Abg. Wurm(Soz.) nachher besprechen wird, will ich im voraus sagen, daß endlich der Aeberstnß an deutschem Fleisch vom Markk verschwinden muß. (Zuruf von den Soz.: Dann ftnken Sie nur erst di« Preis« l) Die Preise liegen heute unter dem Niveau von 1913.(Widev- spruch der Soz.) Abg. Herberl-Fvanken(Bayer. Dp.) tritt für die Wein- und Ostbauern sowie die Kleinbrenner und Hausbrenner seiner Heimat ein. Abg. kerschbaum(D. Bp.) erklärt die Zustimmuug seiner Freund« zu den Regierungsvorlagen und fordert, daß dem ungeheuer ver- teuernden Zwischenhandel entgegengetreten werden muß. Es folgen die Abstimmungen zu den bereits in der vorigen Woche erledigten Haushaltsplänen, zunächst des Reichsinnenministeriums. Hierzu werden Eni- schließungen des Ausschusses angenommen, u. a. auf Maßnahmen gegen die Herabsetzung Und Verächtlichmachung der Weltanschauungen. Hierzu wird' in namentticher Abstimmung mit 237 gegen 177 Stimmen bei einer Enthaltung eine Entjchlietzung Dr. Schreiber(Z.) angenommen, die statt..der Weltanschauungen sogt:„des Reli- rnösen". Angenommen wird auch eine Entschließung Mumm (Chr.-Nat.), Drewitz(Wirtschp.) auf Verbot de, Alkoholzusotzes zu Weinen. A b g e l e h nt wird die Ausschußentjchließung auf recht- liche Gleichstellung der Feuerbestattung mtt der Erdbestattung: dafür stimmt die Linke. Auch die einheitliche Regelung des Taubstummen- wesens in den Ländern wird abgelehnt, ebenso deutschnattona'e Anträge gegen das Stahlhelmverbot im Westen und gegen die Be- stimmungcn über das Verbot von Wehrverböndcn. Der Haushalt des Reichsministeriums für die besetzten Gebiete iowie der des Reichswirtschaftsministeriums werden angenommen. Die Ausschußvorlage aus Amnestierung der Fememörder wird in namentlicher Abstimmung mit 231 Stimmen der Regierung?- Parteien, der Deutschnationalen und der Rationalsozlalisken gegen 182. Stimmen der Sozialdemokraten und der Sommuaisten angenommen, aber noch nicht endgülkig und nicht mit der. erforderttchen Zweidrittelmehrheit. . Die dritte Lesung steht nickst auf der Tagesordnung. Von der äußersten Rechten wird sie verlangt.— Vizepräsident Esser: Der Reichsjustizminister hat besonders darum gebeten, die dritte Lesung nicht schon heute vorzunehmen.(Rufe rechts: Wo ist er denn? Er soll herkoutineii!)..Da est, Antrag, die dritte Lesung heut« vörzu- nehmen, nickst vorliegt, erfolgt sie auch nicht. Darauf wird die Beratung des Landwirtschaitsetatz fortgesetzt, nachdem noch vorher der Einspruch einiger Hakenkreuzler gegen ihre jüngst erfolgte Ausweisung aus der Sitzung abgelehnt worden war. Abg. Rergmannn(Soz.) fordert Klarheit über die Weiterzulassung von ausländischem Gesrier- fleisch oder sonst über' das Versprechen des Ministers, Iillandfleüch zu erschwinglichem Preis zu beschaffen. Die Gefrierfleifcheinsuhr soll Ende September aufhören, der Reichstag ist bann noch nicht wieder versammelt, die arbeitenden Massen oerlangen die Sicherheit, erschwingliches Fleisch kaufen zu können. Im, Ausschuß hat der Minister seine Absicht erklärt, dos Einsuhrscheinwesen zu bremsen.- In den letzten Wochen ist so viel Schweinefleisch und Schinken be- sonders nach Frankreich ausgesührt worden und so ist. deutscher Schinken in Paris um 22'/- Pf. billiger als bei uns. Das erreicht man mtt den Einsuhrscheinen. Eine sonderbare Unterstützung der Landwirtschofi, bei der diese 22V- Pfennige in den Taschen des Handels verschwinden. In der gleichen Zeit ist die Schweinezufuhr auf die deutschen Märkte erheblich gesunken. Nicht mit Einfuhrscheinen, sondern nur durch Hebung der Kauskraft ist der Landwirtschaft zu Helsen. Dieselben Parteien aber, die hier über die Not der Landwirtschast jammern, treten für den Lohnabbau ein. Nur Lohnerhöhung kann die Kaufkrgst der Massen stcigern. (Sehr wahr! links.) Der Minister hat die Absicht gdöußcrt,«inen Zwang zur Verarbeitung deutscher Fette in der Margarine- fabrikation einzuführen. Es wird bestimmt nicht leicht s-in, besonders bei einer jolcheu Sommerhitze, das durchzuführen. Selbst em« Reichsmargarinefobrik würde mit dem geschützten deutschen Fett nur ein Produkt erzeugen, für das Abnehmer-kaum zu find n wären. Zwang kann eben in diesen Dingen nichts ausrichten.. Der Minister hat uns aufgefordert, unseren Am reg' ästf Streichung des Reichszuschusses für die Schlachtviehmärkte zurück- zuziehen. Das wn wir keineswegs. In diesem Jahr sollen 6 Mil- lionen, im nächsten 8 und im übernächsten 10 Millionen dastsr aus- gegeben werden. Die Förderung vollzieht sich auf die Weise, daß die damit beauftragten landwirtschaftlichen Organisallonen jene Viehgattungen und Waren kaufen, nach denen Nachfrage besteht, di« also ohnehin ihren Preis halten. Die anderen Waren aber werden nicht nufgekausi, und da wird keine Stützungsaktion be- trieben. Sie(nach recht�»chaben zahlreiche Bauernftimwe» durch das Versprechen gewonnen, daß eine Regierung der„Frontkävtpser" einen hohen Schweinepreis bedeute. Run verlangt die Bauern- schaft, daß Sie die Schweinepreise hochhallen, wenn Sie schon nichts anderes halten. (Heiterkeit links.). Heute sind wieder zwei agrarische Jnterpell». Honen mit allen nur denkbaren Forderungen eingebracht worden. Ich vermisse darin nur dos Berlongen nach einem Verbot des Wachsens von Roggen. Weizen. Hafer. Gerste und allen anderen Bodenprodukten. um so die Preise hochzuhalten!.(Sehr gut! bei den Soz.) Abg. Hemeter(Dnat.) behandelt noch einmal«wführlich die niedrige Rentabilität und die hohe Zinsen- mst» Steuerlast der' Lern b» Wirtschaft..... Abg. warnte(Z.): Im Gegensatz zum Abgeordnete» Hergt hall« ich es für unmoralisch. Ausgaben für den Oft«» ohn« Deckung zu beschließe». Die konfessionelle Parttät ist bei der Siedl erat, setzung nicht gesichert. In Gsineinden. die durch die Grenzziehung zerschnitten si�,. müssen aus kulturpolittschen Gründen neue Kirchen gebaut werden. Der polnische Korridor muß einmal in der Zukunft mtt friedlichen Mitteln beseitigt, werden. Ab«. Hlllebrandl-Schlesien(v. Bp.): Der deutsche Bauer steht treu zur neuen Staotssonn, aber nur so lange er in diesem Swar leben kann. Die Sachverständigen um Huqenberq haben nicht dos Vertrauen der Bauernschaft, denn sie wolle» aus dem Rücken der landarmen Bauern die Magnaten- hcrrschakl mit de» Geldmitteln des Ostprogramms wieder aufrichten. Wir fordern Wiedergutmachung des Landraubs der fälschlich sogenannten Bauernbefreiung und de» Bauernlegens vor 199 bis 159 Iahren. Wir vermissen eine Antwort des Ministers auf die Anklagen des Staatskommissars Abg. Rönne bürg gegcn die Bevorzugung des Großgrundbesitzes durch die Ostpreußen-Hilfe. Wir wenden uns gegen die Art und Weife, wie.der Landbund durch Berfendung von Knäditbedarfsfragebogen ein Wettrennen u m die Staatsunter stützung organisiert. Abg. Mathilde Wurm(Soz.): Der Minister behauptet, di« sozialdemokratischen Anträge vernachlässigen die Veredelungswirlschaft. Mir haben gerade im Inter- esse dieser Veredelungswirts chast immer wieder die Zollherabsetzunz für Futtermittel verlangt. In der kapitalistischen Wirtschaft ist es unmöglich wie der Minister vorgibt, jedem Berufsftond zu Helsen. Entweder fördert man die Milchwirtschaft oder die Fleischwirt- schaft, beides zugleich ist unmöglich Das sehr wichtige Milchgcsetz ist so spät eingebracht worden, daß man es jetzt durchpeitschen will. Das Gesetz, das wir immer wieder gefordert haben, ist von de» Länder- regierungen jahrelang jutrschleppt worden; wir beantragen Zurückstellung bis nach den Sommerferien. Der Minister hat nicht mitgeteilt, was aus seiner käscattion geworden ist. Der bayerisch« Minister Fehr hat im lUiincheuct Landtag heilige Kritik an diesen Käscplänen geübl und die wich- lige Rolle der GES. bei der Sicherung eines geregelten Absatzes der Allgäuer Milchprodukle anerkanni. Die von uns beantragte Aushebung des Bermahlunqszwanges für Inlandweizen kann nicht mit dem Hinweis aus zu niedrige Wetzen. preise abgetan werden. Die ungeheuer hohen Zölle verhindern jede Auswirkung des niedrigen Weltweizcnpreises. Eine Siabllisieriirtg der Preise kann un Kapitalismus nur durch ein M o n o p o l gesichert werden. Auch hierzu hat sich der bayerische Minister Fchr fi!rz.i h bekannt, leider reichlich spät. Der Weizenpreis in Deutschland steht eineinhalb- bis zweimal höher als aus dem Weltmarkt. Die Müh! m können den Preis von 329 bis'350 Mark pro Tonne nicht he.iahlcn und müssen zum großen Teil stilliegen. Ein Mitglied de- Land- blindes hat gesagt, damit müsse man sich eben abfinden. So sieht die Vekätnpsuug der Arbeitslosigkeit durch di- Brüning- Regierung, der der Präsident de» Londbundcs angehört, aus! Wir halten es für besser, daß die Mühlen überhaupt Wcium ver- imhstn, wenn auch Auslandsweizen, anstatt stillzuliegen. Die hier beklagte Senkvua des Getreidepreises hpt bis jetzt noch nie außer bei den Komumgenossenschaften eine Senkung des Brotpreijes bewirkt. (Abg. Drewitz sWirtsch.-P.I: Das ist nicht wahr!) Herr Drewist. wenn Sie die Preistabellen für das Bertiner Brot anichen, so werden Sie erkennen, daß S i e die Unwahrheit spreche. St« wollen nur unehrliche Hetze gegen die Koirsitmvercinc betreibest. Das wird den Konsumvereineit ober nur zu einem neuen Auisticg verheisen. Der Zweck de? Vermahlungszwastges, drr Landirirtickzgst zu Helsen) wird völlig entstellt, wenn allein der Handel noch Weizen in der Hand hat. Wenn noch Weizen in erster Haiid vorhanden sein sollte— und das wurde hier beftrstteu—, so leiden dies« Land« Volkspartei macht sich mausig. »Sie haben wohl noch nicht genug an Ihrer sächsischen Keile?" Das Versteckspiel mit den Milliarden. parlamentarische Ltnterfuchung soll im Interesse der Geheimrüstungen vermieden werden. olrfc, die aus SpcfufiMonsijdlnbcn den Weisen bis Juni nuröff. hallen können, bcftimmt keine Not.(Sehr wahr! links) Der Mi» nifter hat bedauert, daß Roggenbrotgsieß noch nicht acschafjen nxrden konnte. Wir haben uns im Ausschuß bereit erklärt, das Gesetz mit Ihnen.vi machen, aber Ihre deutschnationalen Freund« haben dort a e g e n� das Gesetz gestimmt. Zw Ausschuß haben sich diese Vauernsreunde enthüllt, die wegen ihrer Sundesgenossen, der Bäckcrmelster Vienert und Vrewiß. denen die Einsührunq des gesetzlichen Vrolgewichts nicht paßte. das ganze Gesetz ablehnten. Wir Sozialdemokraten hoben gezeigt, daß mir den Bauern Helsen wollen. Allein in der Brotverbilligung sehen wir den wesentlichen Anreiz.zum erhöhten Roggenbrotverbrauch. Die Zahlen des Mi- niftcrs, die er als Unterlage für die niedrigen Agrarpreise gebrauchte, sind sehr sorgsam ausgewählt. D-e Mehlpreise sind zwar in letzter Zeit ein wenig gesunken, doch die Kartofselpreise, die für die Arbeiter- schaft noch weit wichtiger find,. haben diesen Rückgang vielfach tom- p c n I i e r t. Der Minister hat ein platonisches Bekenntnis zur Ver- Minderung der Preisspanne zwischen Erzeuger- und Verbraucher. preisen abgelegt, wirkliche Maßnahmen hat er nicht vorgeschlagen. (Beifall der Sozialdemokraten.) Um?L19 Uhr oertagt dos Haus die Weiterbcratung auf heute ll) Uhr. Zusammenin'ti des Landiags. Heute Kampfabstimmung über ven Etat. Der Preußisch« Landtag trat am Dienstag'wieder zusammen. Von der sehr umfangreichen Tagesordnung wurde der größte TeS ohne Aussprache erledigt. Eine Debatte verursachte die erste Lesung des Gesetzentwurfs betr. den.Stgatsvertrag über ein« Gemeinschafts- arbeit zwischen Bremen und Preußen, der kürzlich durch den Ministerpräsidenten Dr. Braun unterzeichnet wurde, und der nach den Bestimmungen der Verfassung noch der Genehmigung des Landtages bedarf. Es handelt stch hierbei um einen ähnlichen Vertrag, chie er seinerzeit zwischen Preußen und Hamburg ab- geschlossen wurde. Um das Neben- und Gegeneinanderarbeiten der preußischen und der Bremer Höfen zu verhindern, ist ein« Hasen- betriebsgemelnschaft zwischen Bremen und Preußen gegründet worden. Die Vorlag« ging an den Hauptausschuß, nachdem für die sozialdemokratische Fraktion Abg. Le inert die Zustünnuing ausgesprochen hatte. Zum Schluß entfesselte die zweite Lesung des Gesetzentwurfs der Regierungsparteien über die Erhöhung des Schul- geldes an den höheren Schulen noch eine längere Aus- spräche, an der sich aber nur die Redner der Oppositisnsparteien beteiligten. Der vierte Teil der Erhöhung soll der Begabtensörde- rung zur Verfügung gestellt werden. Außerdem aber soll der Staat nach einem Entschließungsantrag der Regierungsparteien aus dem Mehroufkommen noch einmal den dritten Teil, rund eine Million, für Erziehungsbeihilfen, zur Unterstützung von Arbeiterkursen, Sti- pendien usw. zu? Verfügung stellen. Die Mittelschulen sollen in die Erhöhung nicht mit einbezogen werd?n, und die sogenannte Ge- schwisterermößigung soll sich künftig nach den wirtschaftlichen Ver- höltnissen der Erziehungsberechtigten richten.— In dieser Form iwurd« der Gesetzentwurf in zweiter Lesung angenommen. Am Mittwoch, nachmittags 2 Uhr, werden die A b st i m m u n- genöber denGesamtetatfür 1930 in dritter Lesung wieder. holt. Di« Verabschiedung des Etats ist vor 14 Tagen, wie bekannt, durch die vereinigte Opposition von rechts und links sabotiert worden. Es ist also eine K a. w pf a b ftinwti ZU erwarten, zu der olk_ Fraktionen olle MitgMcher mobillsieii haben. Außerdem wird übet die Notverordnung des ständigen Ausschusses betr. die Cr. höhung der Grundvermögenssteuer abgestimmt. Die Krise in Bayern. Verhandlungen der Regierungsparteien endgültig gescheitert. München. 24. Juni.(Eigenbericht.) Di« monatelangen Verhandlungen der drei Regie- rungsparteien über die Deckung des 22-Millionen- Defizits im bayerischen Staatshaushalt sind numnchr endgültig ge- scheitert, da der Bauernbund sich weigert, die im Deckungs- programni des Finarzzministers enthaltene Schlachtsteuer mitzu- machen. Da der Vouernbund sedes Entgegenkommen ablehnt« und auch für jede andere Steuer, die sein« ländlichen Wähler irgendwie mitbelasten könnte, seine Mitwirkung rundweg versagt«, beschloß der Ministerrat am Dienstag, die Entscheidung Über das ur- sprüngkiche Deckungsprogramm des Fmanzministers in offener Schlacht im Landtag zu suchen. Zu diesem Zweck geht die Vorlage über die Schlachtsteucr, die dem Staat eine Einnahme von rund lö Millionen bringen soll, sofort dem Landtag zu. Wie die Entscheidung ausfallen wird, ist völlig ungewiß. Ohne den Bauernbund hat die Regierung ihre bisherige Mehrheit im Parlament verloren, und wenn sie auch mit dein Zuzug der vier Abgeordneten der Deutschen Dvlkspartei rechnen kann, so hat es die Opposition jederzeit in der Hand, bei der Abstimmung über die Gesctzesvorlage durch Verlassen des Sitzungssaales das Haus bc- ichiußuirsähig z» machen. Kommt es tatsächlich zur Niederlage der Regierung, so steht in Aussicht, daß die Regierung nicht etwa die Konsequenzen zieht und zurücktritt, sondern der ihr von der Volksvertretung verweigerten Schlachtsteuer mit Hilfe des§ 64 der baye- fischen Verfassuna. der dem Artikel 48 der Relchsoersassung«nt- spricht, Gesetzeskraft gibt. Da die neue Steuer bereits ab 1. Juli wirksam werden soll, stehen im Bayerischen Landtag schon für die allernächste Zeit schwere Auseinandersetzungen bevor. Llfa-Skandal in Sieiiin. Eine peinliche Empfehlung. Stcllln. 24. Juni.(Eigenbericht.) Hugsnbergs Ufa hat Stettin mit einem S k a n d'a l beschert, de? hinter den Großstadtskandalen der letzten Zeit nicht zurücksteht. Die Ufa baut« in Stettin ein riesiges Hau- mit Lichtspieltheater, Easä und Restaurant. Zum Bewirtschafter des Cafös und des Restaurants erschien aus Empfehlung der Ufa«in un- bekannter Pächter, der sich Otmar nannte. Dieser Tage wurde von der Polizei festgestellt, daß sich hinter diesem Otmar ein Herr K u l i ck« a u s B e r l i n versteckt, der von mehreren Polizeibehörden wegen Betruges gesucht wird. Kulick« lleß olle Räum« des Palastes aus das luxuriöseste und modernst« ausstatten, und zwar aus Kosten anderer Leute. Am Montag wurde der Kriminal. polizei mitgeteilt, daß Kulick« mit seiner Frau und seiner Kontoristin spurlos verschwunden sei. Vorläufig konnte nur festgestellt werden. daß er sich noch Holland gewandt hat. Die Firma, die die Aus- nattuno des Cafes besorgte, hat an den Pächter allein eine un- oe deckte Forderung von über 35 000 Mark. D i« Gesamt. schulden dürften 1 09 000 Mark übersteigen. Als die Flucht am Dienstag früh in Stettin bekannt wurde, kam es vor dem Ufa-Polaft zu erregte- A-flä-se- der Lisi«. Paris, 24. Juni.(Eigenbericht.) Di« Finanzkommiffion der Kammer hat am Diens- tag in zwei Sitzungen ihr« Beratungen über die Finanzierung des M il l ia r d e n Projektes zur Ankurbelung der französischen Wirtschaft und über die Bilanz des Schatzamtes sortgesetzt. Finanzminister Reynaud, der nach heftigem Widerstreben der Kommisston nacheinander drei verschiedene Kontoaus. st e l l u n g« n über Soll und Haben des Schatzamtes lieferte, hat am Dienstag noch«in übriges getan und der überraschten Kommisston eine merke Milchmädchenrechnung überreicht, deren Addition abermals«in von den früheren Ziffern abweichendes Ergebnis aufweist. Daß ein derartiges Jonglieren mit Milliarstn das erschütterte Vertrauen in die Regierung nicht wieder- herstellen konnte, versteht sich von selbst, zumal der Berichterstatter der Kommisston, d« Chappedelaine, mühelos nachweisen konnte, daß muh die neuen amtlichen Ziffern nicht stimmen. Zu alledem kommt noch hinzu, daß die Guthaben des Schatzamtes inzwischen so zusammengeschrumpft sind, daß die Regie- rung zum erstenmal seit der Stabilisierung des Franken stch ge- ; nötigt sehen wird,. bei. der Pank vmt Frankreich den statutenmäßigen Schatzwechselkredit von 3,2 Milliarden Franken für das Ankurbe- lungsprojekt tatsächlich flüssig machen zu können. Die Erbschaft der Poincorö und Cheron, die einst die stolze Ziffer von 19 Milliarden Franken aufwies,, ist also aufs schlimmst« verwirtschaftet worden. Um ober die offene Bloßstellung dieser Mißwirtschaft zu vermeiden, hat die Regierung am Dienstag in einem Kabinettsrat ranten, in der Hauptsache kleiner Geschöslsleutc, die zeitweise Miene machten, die riesigen Glostüren des Lichtspielhauses und des Restaurants einzuwerfen. Cafö und Restaurant sind seit Dienstag geschlossen. Auch die Cafcl>auskapelle ist für die letzte Zeit um ihren Lohn betrogen worden. Das letzte Opfer war ein Chauffeur, den der Pächter am Tage vor seiner Flucht engagierte und chm bei dieser Gelegenheit eine Kaution von 2900 Mark abnahm. Das Konzil von Moskau. Heute Kongreßbeginn. Moskau. 24. Juni.(OsbExprcß.) Zum Kongreß der Kommunfftffchen Partei liegen zahllose Erklärungen von Parteiorganisationen der Provinz vor, die in ihren Vorb«ratui»g«n zum Kongreß stch für Stalins„Linie" und die Politik des Zentralkomitees ausgesprochen halben. Di« Sowjetpresse erklärt natürlich, daß die Partei kraftvoll und einheit- lich zum Kongreß antrete. Doch sieht sich das Zentralorgan„Prawda" immerhin veranlaßt, ganz kurz vor dem Kongreß noch«inen Ueber- blick über das Auftreten d-r Rechtsopposition während der Kongreßoorbereitungen bzw. über solche Versuch« zu geben. Aus diesem Referat ergibt sich, daß die Rcchlsopposition zwar keine Erfolge hatte, aber immerhin nicht so schweigsam und ängstlich gewesen ist. wie es nach den Berichten der Smvjetprcssc in den letzten Wochen scheinen konnte. In einer ganzen Reche Parteizellen an Mos» kauer Fabriken, in Portewersammlungen in Charkow, Pol- tawa, Kursk und sicheren größeren Städten, ferner in der Komrnu- msttschen Akademie(wo soeben drei Professoren wegen ver- dächtiger Gesinnung abgesetzt wurden) sind rechtsopposttionelle Redner aufgetreten. Hierbei nahmen die Oppositionellen begreiflicher- weise vor ollem die Mißstände bei der Kollektivierung zum Ziel chrer Angriffe. Es wird viel beachtet, daß auch der als „reuig" geltende U g l a n o w jetzt wieder hervorgetreten ist, und zwar mit der These, daß die Kollektivwirtschaften die Produktion herabgesetzt hätten. Ltnrnhe in Sevilla. Verkehrsstreik und Attentate. pari», 24. Juni. Nach hier vorkegendcn Meldungen aus Sevilla nimmt der dort proklamierte General st rcik einen revolutionären Eha. r a k t e r an. Auto- und Pferdedroschkcn sowie die meisten Straßenbahnen verkehren nicht. Soweit sie es noch tun, werden sie von Zivilgardisten begleitet. Mehrere Straßcnbahnführer wurden von der Menge angegriffen und übel zugerichtet. Zwei Motorrad- beschlossen, den von der sozialistischen Partei gestellten Antrag auf «ine parlamentarisch« Untersuchung mit allen Mitteln zu bekämpfen. Di« Regierutig wjll, wenn der Antrag am nächsten Donnerstag im Plenum der Kammer zur Debatte kommt, nicht mir die Per- traueussrage dagegen stellen,, sondern mpch die geschäftsord» nungsmäßige Debatte selbst im Keim« ersticken. Unter normalen Umständen wurde ein derartiges'Vorgehen, das dem Parlament die einfachsten Kontrollrechte versagt, für di« Regierung ein« Hein« Situation schaffen:>n diesehi Sonderfall aber, wo man genau weiß, daß die gefährdeten Milliarden des Schatzamtes in geheimen Rüstungen angelegt worden sind, zögern natürlich die bürgerlichen Parteien, gegen di« Regierung Stellung zu nehmen. So hat auch die F i n a n Z k o m- Mission den sozialistischen Amrag am Dienstag mit 15 gegen 12 Stimmen bei vier Enthaltungen abgelehnt. In begreiflicher Scheu wollen die bürgerlichen Parteien«inen möglichst dichten Schleier um die Verausgabung der fehlenden Rüstungsmilliarden breiten. Auf jeden Fall Hot die sozialistisch« Fraktion schon am Dienstag h«n Text ihrer Entschließung bekanntgegeben, die am Donnerstag zur Abstimmung gestellt werden soll. Sie verlangt genau« Auf- klärung über die Situation des Schatzamtes: st« lehnt lveiter jeden finanziellen Rückgrffs auf die Pank von Frankreich und jede Berlegenheitsmaßnohme durch Ausgabe kurzfristiger Schatzjcheinc ab. Der Abg. Vincent Auriol ist beaustragt, die Entschließung zu begründen. sahrer fuhren in einer der Hauptstraßen mit großer Schnelligkeit an einer Polizeistreife vorbei und beschossen sie. In den Vororten von Sevilla ist di« Straßenbeleuchtung zum Teil zerstört worden. Di« Zivilgordisten der ganzen Gegend sind in Sevilla zusammen- gezogen. Bisher sollen über 199 Personen verhaftet worden sein. Der Bürgermeister von Sevilla erklärte, daß die Brot- Versorgung von Sevilla dank der Unterstützung der umliegenden Dörfer gesichert sei. General Martinez A i d o, der sich zur Zeit in Sevilla aufhält, hatte mit dem Militärgouverneur«ine Besprechung über die Lage. Bei wsiteren Znfamnrcnstößen ist, auf beiden Seiten von Schußwaffen Gebrauch gemacht und 12 Personen schwer verletzt worden, darunter ein« Frau und ein Kind. In einigen Betrieben wurde noch am Dienstag. morgen gearbeitet, bis die Streikenden erschienen und völlige Schließung der Fabriken, einschließlich der Militärbetriebe, erreichten. Die Brot- lieferung hat das Militär übet-nvmmen. Zeitungen konnten vüt eine? Ausnahm« nicht erscheinen. Die Straßenbahnen haben nach andauernden Steinhagelangrfffen der Streitenden den Verkehr völlig eingestellt. Die Läden höben geschlossen. Dit Polizei beschlagnahmte eine Anzahl Waffen und strcikgelder und nahm 150 Verhaftungen vor. Oer iialienische Boischaster bei Briand. Entschuldigung wegen der Vorfälle in Bari Paris, 24. Juni.(Eigenbericht.) Der italienische Botschafter in Poris, M an z o n i, hat am Dienstag dem Außenminister Briand einen längeren Besuch abge- stattet, um ihm zunächst die offizielle Entschuldigung der ita- lienffchen Regierung über die Zwischenfälle in Bari zu über- bringen. Inoffiziell soll, w'e�die Pariser Presse mitteilt, auch über die. milktärischen Vorsichtsmaßnahmen, die die beiden Nationen gegcnemaiDer ergriffen hoben, sowie Über Ii- Flotten- und Kolonialkonslikte gesprochen worden sein. Neuer Kurssturz in New �ort. Rekordtiefstand am Aktienmarkt. New park. 24.?»»>. An der Rew-porker Börse, dem führenden Wertpapiermärkte de? Berelnlgtkn Staaten, kam es am Dienstag zu einem neuen allgemeinen Rückgang der Aktienkurse, der bei einzelnen papieren bi» 16 Dollar belrng. Eine ganze Reihe von Werten de»- Aktien- markte, ging aus einen neuen Tics stand zurück. Dc? Umsatz erreichte allein in der letzten Viertelstunde t« Bärsenverkehrs rund 1 Million Stück(Gesamtumsatz am Montag Z SZ2(X)9 Stück). Abbruch der Gpihenverhandlungen. Schiedsspruch von Oeynhausen und Lohnabbaupläne die tlrsachen. Di« Verhandlungen zwischen d«n Spitzenverbänden der Gewerk- schaft«n und der Unternehmeroerbänd« sind gestern fortgesetzt worden. Bei diesen Verhandlungen gaben die Vertreter des All- gemeinen Deutschen Gewerks chostsbun des folgende Erklärung ab: „Die Besprechungen zwischen den Spitzenverbänden des Unter- nehmertums und der Gewerkschaften sind ausgegangen von dem Gdanken, für die Erwerbslosen in Gestalt einer Sonder- Zuwendung an die Arbeitslosenversicherung Hilfe zu bringen. Diesen Gedanken haben wir lebhast begrüßt. Ferner sollte in gemeinsamer Aussprache geprüft werden, welch« Ursachen der Arbeitslosigkeit zugrunde liegen, und es sollte ver- sucht werden, Wege zu finden, die ans der Wirtschaftskrise herans. führen. Die Senkung der Selbstkosten der Produktion sollte hierbei im Bordergrund« der Beratungen stehen. Des weiteren sollte die Senkung der Ausgaben der Haushalte von Reich und Ländern und damit die Möglichkeit der Senkung der allgemeinen Steuerlasten besprochen werden. Wir erklärten uns bereit, an der Senkung der Selbstkosten der Produktion mitzuarbeiten, unter der Voraussetzung, daß d'.e Preis« gesenkt, die überhohen Gewinnspannen im Handel oermindert und die K a u s k r a f t des arbeitenden Volkes nicht geschmälert, sondern in der Folg« erhöht wird. Dieser ursprüngliche Plan wurde jedoch illusorisch gemacht durch die Entscheidung der Konferenz des Unternehmertums vom I. Juni, die zu einer neuen Formuli« r u n g des Standpunktes des Unternehmertums führte. Diese neu formulierte Erklärung be- deutete eine Verschiebung der Verhandlungsbasis und wurde dadurch für die Gewerkschaftsvertreter unannehmbar. Aber auch eine von den Gewerkschaften als gemeinsame Er- klärung vorgeschlagene neue Formulierung wurde von den Unter- nehmervertretern als unannehmbar bezeichnet. Einer gemeinsamen Erklärung war dadurch der Boden entzogen. Ein Versuch der Weiterverhandlung über einzelne Kragen wäre vielleicht nicht ohne Erfolg gewesen, wenn nicht Ereignisse eingetreten wären, die von der Leffentlichkeit in Zusammenhang mit diesen Verhand- lungen gebracht und als deren Ergebnisse gewertet wur- den; als erstes die Verbindllchkeitserklärung des» Schiedsspruches von Oeynhausen, der den Lohnabbau zur Voraussehung des Preisabbaues in der Schwereisenindustrie machte, ferner die Anträge der politischen Vertretung des Unternehmertums im Reichs« tage, der Deutschen Volkspartei, die auf einen Lohnabbau hinzielen. Nicht minder muß es in höchstem Grade befremden, daß der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Deutschen Reichsbahn- gesellschaft, Herr von Siemens, ungeachtet der Verhandlungen der Spitzenverbände sich in einem Schrei- ben an die Reichsregierung gewandt hat, in dem unter Hinweis auf die kritische Lage der Reichsbahn unzwei- deutig ein Lohn- und Gehaltsabbau gefordert wird, um Tariferhöhungen zu vermeiden. Wenn ein- flußreiche Unternehmervertreter für ein öffentliches Unternehmen im Augenblicke der Verhandlungen der Spitzenverbände solche Vorschläge machen» so sind die Aussichten auf erfolgreiche Weiterverhandlungen un- möglich. Die Massenkündigungen in der nordwestlichen Gruppe deuten gleichfalls darauf hin, daß mit einer dem Wohle von Volk und Wirtschaft dienenden Fortsetzung der Verhandlungen nicht gerechnet werden könne. Dazu kommt noch die Nachricht, daß die Firma Krupp in Essen, trotz des Oeynhausener Schiedsspruchs, den Antrag auf Entlassung von 7 Proz. ihrer Belegschaft stellt, also trotz Lohn- und Preisabbau die Arbeitslosigkeit noch erheblich vermehren will. Zudem haben die alarmierenden Mitteilungen der Presse, die den Zweck der gemeinsamen Verhandlungen häufig völlig entstellten, eine Atmosphäre geschaffen, die statt Vertrauen in der breiten Oefsent- lichkeit Mißtrauen hervorriefen. Wir halten es daher nicht für zweckmäßig, die Verhandlungen fortzusetzen, weil die psychologischen Voraussetzungen, eine gemeinsame Aktion zum Wohl« der deutschen Wirtschaft durchzuführen, nicht mehr gegeben sind." Die Vertreter der Unternehmer konnten sich dem Eindruck der Schwierigkeiten, die den weiteren Verhandlungen entgegenstehen, nicht entziehen, waren aber der Meinung, daß es zweckmäßig sei, an anderer Stelle die Fragen der Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit weiter zu besprechen. Man einigte sich schließlich aus folgenden Weg: „Die Vertreter der Spitzenverbände der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sind bei Fortsetzung ihrer Verhandlungen über lvirl- schastskrise und Arbeitslosigkeit zu dem Ergebnis gelangt, daß es notwendig sei, diese Fragen im vorläufigen Reichswirtfchastsrat, in dem sämtliche Wirtschaftszweige vertreten sind, zu erörtern. Die dazu erforderlichen Schritte sind bereits eingeleitet." * Damit ist der Versuch einer direkten Verständigung zur Ueberwindung der Krise gescheitert. Einer Auseinandersetzung innerhalb des Reichswirt- schaftsrats stand bisher nichts im Wege und kann auch künftig stattfinden, ohne den Charakter und die Tragweit« direkter Verhandlungen der Spitzenverbände zu haben. Die Erklärung des ADGB. sagt deutlich, durch welche Ursachen die Verhandlungen scheitern mußten. An erster Stelle steht der Schiedsspruch von Oeynhausen vom 26. Mai, der den Umschwung bei den Unternehmern brachte, als diese der Verbindlichkeitserklärung sicher waren. Daß die Verkoppelung des unvermeidlichen Preisabbaues mit einer durch nichts gerechtfertigten Lohnsenkung den Ver- Handlungen den Voden entziehen mußte, war von vornherein klar. Lohnabbau bedeutet Verschärfung der Krise. Es war schon deshalb ganz ausgeschlossen, daß die freien Gewerk- schaften dazu ihre Hand bieten würden. Sie werden im Gegenteil mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Kräften sich jedem Lohnabbau widersetzen und auch dadurch zur Ueber- Windung der Wirtschaftskrise beitragen. „Christliche" Lügen. llm Steqerwald und Schmitz zu decken. Die direkt arbeiterfeindliche Haltung christlicher Gewerkschafts- führer in dem Konflikt in der nordwestlichen Schwerindustrie haben wir an Hand der Tatsachen wiederholt ausgezeigt. Da diese Tat- fachen nicht aus der Welt geschafft werden können, versucht dos Or- gan der christlichen Gewerkschaften, der„Deutsche", mit klobigen Schimpfereien sich aus der Affäre zu ziehen. Zugleich wird das System der Verleumdungen des früheren Reichsarbeitsministers Wissell fortgesetzt. Damit hofft man wohl, den christlichen Ar- beitern einzureden, daß der von Stegerwald projektierte Abbau der Sozialoersicherung und der damit verbundene Abbau der Löhne eine gewisse Entschuldigung in den Taten seines Vorgängers habe. So behauptet der„Deutsche" in seiner heutigen Nummer, daß Wissell im niedcrschlesischen Bergbau, wo durch den sozialdemokra- tischen Schlichter Phillips ein Schiedsspruch gefällt worden sei, der die Löhne der Bergarbeiter um 8 Proz. erhöhte, auf Ver- anlassung der Unternehmer die Lohnerhöhung des Schiedsspruchs halbiert und diesen dann für ver- kindlich erklärt habe. Auch w e n n das richtig wäre, dann würde eine 4prozentige Lohnerhöhung immerhin noch etwas anderes fein als ein Lohnabbau von 1'A Proz. Der„Deutsche" hat aber bewußt gelogen, wohl in der Erwartung, daß sich niemand mehr der Vorgänge und des Schiedsspruchs im niederfchlesifchen Bergbau vom Oktober 1923 erinnern würde. Am 7. Oktober 1928 fällte der Schlichter einen Schiedsspruch, der die Tariflöhne im Durchschnitt um 8 Proz. erhöhte und außerdem einige Vergünstigungen für die Ju- gcndlichen festsetzte und u. a. auch die Altersgrenze des volljährigen Arbeiters von 24 Iahren auf 21 Jahre herabsetzte. Dieser Schiedsspruch ist von beiden Parteien abgelehnt worden. Darauf fanden neue Verhandlungen vor dem Schlichter statt und dieser fällte am 14. Ottober 1928 einen zweiten Schieds- spruch, der'den ersten in einigen Punkten vom Standpunkt der Ar- bciter verbesserte. Die Lohnerhöhung der Hrmerschichtlöhne von 6,60 M. auf 7,10 M. wurde allerdings in zwei Etappen durch- geführt. Die Löhne der Jugendlichen um 10 bis 12 Proz. er- höht. Schließlich wurde in dem Schiedsspruch noch festgesetzt, was im ersten Schiedsspruch nicht enthallen war, daß Mahregelun- gen wegen des Streiks nicht stattfinden dürfen. Diesen zweiten Schiedsspruch, den die Unternehmer gleichfalls ablehnten, und also gar nicht daran dachten, den Reichsarbeits- minister um die Verbindlichkeitserklärung anzugehen, hat Wissell für verbindlich erklärt. Selbstverständlich weiß man im„Deutschen", daß der Reichs- orbeitsminister gor nicht die Möglichkeit hat, von sich aus einen Schiedsspruch abzuändern, also etwa eine Lohnerhöhung von 8 Proz. um die Hälfte herabzusetzen, und dann den so abgeänderten Schieds- spruch für verbindlich zu erklären. Wenn das Organ der christlichen Gewerkschaften trotzdem eine derartige unglaubliche Schwindel- Meldung in die Welt setzte, so zeugt das von einem Tiefstande der Gesinnung, um die es kaum noch die Kommunisten beneiden werden. Oer Konflikt der Bauklempner. Oer Schiedsspruch nicht verbindlich. Wie im„Vorwärts" bereits mitgeteilt wurde, war am 27. Mai für die Berliner Baukl-empner ein Schiedsspruch gefallt worden, der neben«inigen kleinen Verbesserungen des Urlaubs und der Bezahlung bei Hoch- und Turmbauten ganz erhebliche Verschlechterungen des bisherigen Manieltarifs vorsah. Der Schiedsspruch hob nicht nur die wichtigste Tarifbestimmung auf, wonach all« Arbeiten im Zeitlohn ausgeführt werden müssen, sondern setzte auch mit einem Federstrich für das gesamte Bauklempner- gewerbe die sozialen Bestimmungen des§ 616 BGB. außer Kraft. Di« Unternehmer hatten den Schiedsspruch angenommen und seine Berbindlichkeitserklärung beantragt Der Schlichter Wissel! ist diesem Antrag zedoch nicht nachgekonnnen, und zwar init der ausdrücklichen Begründung, daß die Ausschaltung des ß 616 BGB. durch den Schiedsspruch des Gewerberats Körner«in Eingriff in allgemein geltendes Recht sei. Jeder Tarifpartei sei es zwar unbenommen, geltende Rechtssätz« ihren Bedürfnissen entsprechend zu ändern oder auszuschließen. Wenn sich die Parteien in diesem Punkte einig sind und der Streit, der zur Beantragung der Verbindlichkeitserklärung durch eine Taiispartei führt, sich auf andere Fragen des Tarifvertrages bezieht, könne auch in«solchen Fällen eine Verbindlichkeitserklärung erfolgen. Da aber gerade in diesem Falle die Ausschaltung des§ 616 BGB. der strittige Punkt fei, müsse er es ablehnen, allgemein geltendes Recht durch staatlichen Zwang gegen den Willen einer Tarifpartei abzuändern. Eine Versammlung der organisierten Boutlempner nahm gestern abend zu dieser neuen Organisation Stellung. Von der Organi- sations- und Branchenleitung wurde daraus hingewiesen, daß einige Scharfmacher im Uriternehmerläger die Absicht haben, die jetzt ein- getreten« täriflose Zeit zu benutzen, um ihre.Arbeiter durch Reverse zur Anerkennung des Abbavfchiedsspruches vom 27. Mai zu zwingen. Die Versammlung erneuerte den schon in der letzten Versammlung gefaßten Branchenbeschluß, an der Ausrechterhaltung der bisher tarif- lich geregelten Lohn- uird Arbeitsbedingungen unbedingt fest- zuhalten und jeden Wunsch der Unternehmer, ihnen Verschlechte- rungen aufzuzwingen, der Organisation mitzuteilen, um sie gegebenenfalls durch die Einstellung der Arbeit und mit Hilfe der Organisation abzuhalten. Gowjet-Ginmaleins. Sine benebelte Reportage. Im Organ der Sowjetbotschaft wird eine„Reportage über den heldenhaften Kampf des Mansfelder Kumpels" von einem gewissen Siegfried Nebel veröffentlicht, die durchaus im Inhalt dem Nanien ihres Verfassers entspricht. U. a. erzählt Herr Nebel, wie es im Lokal de� zentralen Streikleitung der Gewerkschaften zugeht Wir zitieren: „Die wenigen khimpels. die davor standen, sind schon fort. „Es ist ein ewiges Kommen und Gehen", schreibt ein Reformisten- blatt über dieses Streiklokol. Aber das Gehen ist größer als das Kommen." Wenn 10 Leute einen Raum betreten, können im Höchstfall auch nur 10 wieder diesen Raum verlassen. Aber vielleicht hat Herr Nebel während der Zeit, in der die Streikenden sich im Streiklokal aufhielten, einige Lagen Bier genehmigt und war so sehr benebelt, als die Streikenden das Lokal wieder verließen, daß er doppelt sah. Das wäre die«in« Erklärung. Di« andere ist vielleicht mindestens ebenso naheliegend: Herr Nebel hat das Lokal der Gewerkschaften mit der KPD. verwechselt. Dort ist allerdings das Gehen größer-als das Kommen! Verbandstag der Schuhmacher. Magdeburg. 24. Juni.(Eigenbericht.) Die Aussprach« über die Geschäftsberichte des Vorstandes auf dem Verbandstag des Zentralverbandes der Schuhmacher gestaltete sich zu einer derben Abrechnung mit den kommunisti- sehen Zersplitterern. Mann für Mann trat auf und bracht« Beweise für das der Organisation verderbliche Treiben der so- genannten„Opposition". Der Derbandstag erklärte sich mit dem Standpunkt des Verbandsausfchusscs einverstanden, dessen Vor- sitzender Steiner in seinem Bericht die Ausschlüsse gerechtfertigt hatte. Di« wenigen kommunistischen Delegierten zeigten keinen Schneid, vor dem Verbandstag für die Missetaten ihrer Drahtzieher geradezustehen und die kommunistische Gewerkschaftstaktit offen zu verteidigen. Nur dann und waim begehrten sie etwas auf, mußten aber Spott und Gelächter einstecken. Es gab groteske Szenen, als die paar Kommunisten, in zwei Gruppen, linientreue und oppositionelle, geteilt, jede Gruppe zwei Mann „stark", sich gegenseitig herunterrissen. In der Hauptsache wurden praktische Verbands- fragen diskutiert, Fragen, die das Wohl und Wehe der Mit- glieder berühren. Einige Delegierten forderten, daß die Ver- Handlungen, die die Unternehmer mit dem Vorstand des ADGB. gesucht haben, abgebrochen werden Ander« betonten demgegenüber, eine Wirtschastsmackst wie der ADGB. könne nicht abseits stehen, wenn über Wirtschaftsftagen von höchster Bedeutung gesprochen werde. Der Vertreter des ADGB. erläuterte die Stellung des Bundesvorstandes in dieser Frage. Der negative Vertauf der Verhandlungen mit den Unternehmern müsse jedem schon bewiesen haben, daß die Unterhändler dzs ADGB. den Unternehmern gegen- über sehr entschieden die Interessen der Arbeiter vertreten haben. Der Standpunkt der Gewerkschaften sei, durch Abbau der Preise die Lebenshaltung der Arbeiter zu heben. Fehr entschieden trat Marie Wollschläger- Bertin für die Frauen in den Schuhfabriken«in. Sie forderte Angleichung des Frauenlohnes an den Lohn der Männer. Umstritten war die Aufhebung des Betriebsfekretärpostens für das Reich Vorsitzender Simon erklärte dazu, daß ein Betriebs- fekretär bei den jetzigen gewerkschaftlichen Bildungsmöglichkeiten nicht mehr nötig sei. Die Aussprach« über den Geschäftsbericht erstreckte sich über den Montagnachmittag und den ganzen Dienstag, ein Zeichen, daß die Delegierten aus den Betrieben sich ausgiebig aussprechen konnten. Oie Zwangsarbeit in den Kolonien. Oer Entwurf der Kommission. Genf, 24. Iunt. Die Kommission für die Zwangsarbeit hat ihre Arbeiten abge- schlössen. Sie hat einen Konventionsentwurf aufgestellt, der jetzt der Volloersammlung der Internationalen Arbeitskonferenz zur Annahme vorliegt. Nach diesem Entwurf verpflichten sich die vertragschließenden Staaten, die Zwangsarbeit in allen ihren Formen„in möglich ft kurzer Frist" abzuschaffen. Vorläufig soll die Zwangsarbeit für öffentliche Zwecke unter gewissen Bedingungen noch gestattet sein. Füns Jahre nach dem Jnkrasttreten der Konvention wird der Verwalwngsrcrt des Internationalen Arbeitsamtes prüfen, ob die Möglichkeit gegeben ist, ohne weitere Frist- setzung die Zwangsarbeit völlig zu beseitigen. �reie Gewerkschasts. Jugend Verlin Die Iugendberatunftsstelle, ckngcllifcr'»«— Zimmer 20, ist van ISVi bis IJr 20 Uhr geMnet.(fs spielen tie Kruppen: Knmbalbt: Humboldt- � h-in.— Londeberfter Platz, grantsurter Blee: Im griedrichshain, Platz<.- Südasten. Rex-LIchteubeeg und Lichtenberg: In Treptow. Wiese 1.— Leute, Mittwoch, ISVi Uhr, tagen folgende Gruppen: Baumschulen weg: Jugend» heim llrnststr. 16. Vortrag:..Was bedeutet das Dinta für die freien Dewrrk. schaften?"— Schönhauser Tor: Jugendheim Zehdrnicker Str. 24—25. Dis- knssionsabend. Iugendipiel. Laienspiel.— Beitzensec: Gruppenheim Weitzensce, Parkstr. 66. Bunter Liederabend.— Ztenkölln: Gruppcnheun Berastr. 29. Hof. Cine Ärbeitsgerichtssttzung.— Süden. Südwesten: Städt. Jugendheim, Porck. strotze U, sZabrikgebilude. Wir besuchen die Gruppe Südosten aus der Treptower Wiese. Der Treffpunkt wird vorher in der Gruppe bekanntgegeben.— Klug- hosen: Jugendheim Reukillln, sZIughasenstt. 68. Leipziger Allerlei.— Schöneberg: Jugendheim Hauptstr. 15. Lichtbildervortrag:»Eine Wanderung durch die Marl". f�uaendoruppe desZentraiverbandes der Anaeffellten Heut». Mittwoch, finden folgende Veranstaltungen statt:»esund- brnuueu: Jugendheim Orthstr. 10, pt. Bortrag:»Sozialismus. Kam- munismus, Anarchismus". Referent: Arthur Rachvw.— Schönhauser Vorstadt: Ingeitaheim der Schule ilastanienallee 81. Vortrg:..Was ich im Gefängnis sah". Referent: Wilhelm Lewinski.— Rardost: Zugendheim Danziger Slr. 62 lBaracke Z). Vortrag:„International» gewrrkschaftliche Jugendarbeit". Refc- rent: Georg Seilbrunn.— Osten: Jugendheim der Schule Litauer Sir 18. Bunter Abend.— Stralan: Jugendheim der Schule Gotzlerstr. 61. Abend eigener Ausgestaltung.— Renkölln: Jugendheim Böhmisch« Str. 1—4, Ecke«anner Siratze. Tortrag:„Augen auf! Werksgemeinschaften". Referent- Willi Derkow. - TLdoft: Jugendheim Wrangelstr. 128. Vortrag:„Die Einrichtungen unseres Berbandes. Rofer.nt: Erwin Bunzel.- Spandau: Jugendheim Lindcnufer 1. Vortrag:„Es klingt im Sturm ein altes Lied". Referentin: IZridel Hall.— Potedam-Rowawes: Jugendherberge Rowawes, Priesterstratze. Bollstanzabcnb. verantwortlich tstr Politik: Dr.«nr««euer: Wirtschaft: S.«lingelhölee: Gcwerkkcha'tsbewegung: I. Steiner: sseuilleton: lt. S. Döschcr: Lokales und sounigcs Fritz itarstädt: Anzcioen: T».®!o4e; sämtlich in Berlin. Verlag: Vorwärts. Ver, ag G. m h. H.. Berlin Truet: Borwärts-Bnchdruckeret und VerlagsanNalt Paul Singer u. Eo„ Berlin EW. 68. Lindenstiatz' 6. _ Hierzu 2 Beilagen. Heilwirkend! Fiehinser Tersindste'le, Berlin SV Ii Scböncberter Str. 16«. Tel. LOtiow 8260-61 7lr. 291» 47. Jahrgang Mittwoch, 25. Iuni 1930 Was wird aus Berlin? Entwurf detr Berliner Sozialdemokratie zur Verwaltungsreform der Reichshauptstadt Den Cnimurf zu einem Selbst»er wo lwngsqcsctz für die.iioupt» ftondt Berlin*, den das Preußische Stootsministerium im März dem Preußischen Staatsrat und im Mai d. Jl dein Preußischen Landtag vorlegte, haben die Berliner lokalen Instanzen unserer Partei mit sehr gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen. Der Entwurf be- seitigt zwar das Kveikammersystem, schosst also den M a g i st r o t, ohne dessen Zustimmung kein Beschluß der Stadtverordnetenversammlung heute rechtswirksom werden kann, ob. Die Durchführung dieses an sich richtigen Gedankens des E i n kammersystems und auch die Regelung verschiedener anderer mit der Neugestaltung Berlins zu- sammenhängender Fragen läßt ober erkennen, daß der Bater des Gesetzentwurfs dem Begriff der S e l b st v e rw o l t u n g eine Aus- legung gegeben hat, die nicht immer ohne Widerspruch hingenommen werden konnte. Der Bezirksverband der Sozioldemo- kratischen Partei setzte daher einen 17gliedrigen Ausschuß, der sich aus Landtogsobgeordneten, Mogistrotsmit- gliedern, Bezirksbürgermeistern, Stadtverordneten usw. Zusammen- setzte und unter dem Vorsitz der Genossen K im stier und L i t k e ragte, ein, um zu überlegen, in welchen Punkten etwa Aenderungen des Gesetzentwurfes angeregt werden könnten. Die nähere Prüfung ergab jedoch, daß die von uns vorzuschlagenden Aenderungen, mochten sie noch so gut formuliert sein, immer nur F l i ck w e r k sein würden. Der Ausschuh beauftragte daher den Genosien Bezirksbürgermeister Dr. ch e r z, einen vollständigen Gegenent- w u r f auszuarbeiten. Der vom Bezirksverbond eingesetzte Ausschuß Hot den Gegenentwurf in mehreren Sitzungen durchberaten und wird ihn in den nächsten Tagen der Oeffentlichkeit zugänglich machen. Gegenüber dem Ministeriolentwurf weist der Gegenentwurf drei wesentliche materielle Vorzüge aus: i. Cr erweitert die Rechte der Selbstverwaltung durch ll aber tragung aller bisher vom Polizei Präsidenten ver. walteten Angelegenheiten, die nicht landes- oder ficherheit». polizeilicher Natur sind, sowie anderer Ausgaben aus die Stadt. 2. Er schränkt da» Slaatsaussichlsrechl ein. Z. Er sührt die Machtbefugnisse des Oberbürger- w e l st e r, auf ein erträgliches Maß zurück. In formeller Beziehung fällt die klarere Gliederung des Gegen- entwurfs, die Prägnanz und Plastik seiner Sprache und die völlig einwandfreie gesetztechnische Durcharbeitung seiner Bestimmungen auf. Der Gedanke der Selbstverwaltung ho» hier einen klastischen Ausdruck gefunden. Des eigentlichen Berliner Problems, nämlich derAufteilungdesArbeitsgebietsauf Zentral- Verwaltung und Dezlrksoerwallung ist mit besonderer Liebe gedacht. Wer an die Dinge lediglich vom rein orgomsatorisch-technische« Standpunkt herangeht, dem drängen sich 2 Lösungen auf: Entweder man beseitigt die Bezirksverwoltungen als Organe eigenen Rechts, zentralisiert und bürokrotisierl die Verwaltung etwa noch dem Muster der einheitlichen Staatsverwaltung, die ihre Geschäfte durch örtliche, ganz vom Willen des Stootsministenums abhängigen Behörden wahrnehmen läßt, oder man überträgt grund- fätzlich olle Aufgaben auf dle aus Wahlen der Bürger ihres Gebiets hervorgegangenen Bezirksorgane. Die gegenwärtige Rechtslage beruht auf einem Kompromiß zwischen diesen beiden an sich gangbaren Wegen und vereinigt daher alle Nachteile einer straffen Zentralisation und alle Nachteile einer starken Dezentralisation. Der Gegenentwurj des Bezirksverbandes geht klar und eindeutig den Weg der D e z e n t r a l i s a t i o n. Es sind— den Willen und das Können oller Beteiligten voraus- gesetzt— genügend Kautelen geschaffen, eine einheitliche und ziel- bemußte Leitung der Gesamt Verwaltung sicherzustellen. Die Zenlralverwaltung sollte sich zu schade dünken, olle Angelegenheiten untergeordneter Natur nachzugehen. Die leitenden Beamten der Zeirtrolvermaltuirg zermürben sich heute durch die ständig an Umfang zunehmende K l e i n a r be i t. Die Zahl der Beamten der Zentral- Verwaltung und oller 20 Bezirksämter verhalt sich wie 5: 14: die Zentralverwaltung ist also aufgebläht.„In der Beschränkung zeiget sich der Meister* Beschränkt sich die Zentrolnerwoltung auf die Bearbeitung aller großen Ausgaben, so wird die geistige Füh- ru n g der Zentralverwaltung zwangsläufig kraftvoller werden. Der Gegcnevtwurs erhärtet die Totsache, daß e» der Partei an köpfen, die sich auch in fragen der Gesetzes t e ch a i t mit der hohen ZNinIsleriolbürotratie messen können, durchaus nicht fehlt. Er wird — gleichgültig, wie dos Ringen um die Gestaltung verlins im Land- tage siftließlich ausgeht— die Plattform für die Partei auch in spätere« kämpfen um eine neuzeitliche Reform der gesamten Selbstverwaltung bilden. An Walter Rathenaus Grab. Die traditionelle Gedenkfeier des berliner Reichsbanners. Die Kolonnen des Berliner Reichsbanners mar- schierten gestern abend wieder nach dem stillen Waldsriedhos in Ober. schöneweide, um am Grabe Waller Rathenau» vorbci- zudefilieren. Das verliner Reichsbanner wurde 1324 gegründet und der erste Ausmorsch war der Gang zum Grabe des von F a- schiften feige ermordeten Außenministers der Republik. Die erste Veranstaltung war symbolisch, sie war das Gelöbnis des Reichsbanners, nicht nur eine Schutztruppe der Republik, sondern auch Kampstruppe gegen den Faschismus zu fein. Diesem Gelöbnis ist dos Reichebanner treu geblieben Gestern war wieder eine vielhundertköpiige Menge in den Straßen Oberschönemeides zu sehen, die auf den Zug des Reichs- banners wartete. Mit den Reichsbonnerleuten zag die Bevölkerung mit hinaus zum Grabe. An dem stillen Grabe die traditionelle Ehrenwache. Wieder reiche Blumenspenden wie in jedem Jahr zuvor. Nach einem Trauermarsch sprach zunächst Kamerod Soltau. Landtagsobgeordneter N u s ch k e erinnerte dann daran, daß das Reichsbanner alljährlich drei Grabstellen auf- sucht: die von Ebert, Erzberger und R a t h e n o u. Mit den großen Toten der Republik, die ihr Herzblut für das soziale Deutschland hergaben, ehren mir zugleich die u n b e- kannten Toten der Republik, die uns immer Symbol sein werden für die rastlose Hingabe an eine Idee, lind wenn wir Walter Rat Henau ehren, so darum, weil er wie lausend andere mitarbeitete am Wiederaufstieg Deutschlands zu einer neuen Kultur, zu einem neuen Staotssystem unter Mitarbeit aller Schichten des Volkes. Wenn mir Wolter Rathenaus Ziel fortsetzen wollen, dann müssen wir mit aller Kraft den Kampf gegen den Faschismus aufnehmen. Heute, am Grabe Walter Ratlze- naus, leisten wir das Gelöbnis, der Republik auch in diesen Stunden, in denen derRationolsozialismus zum oktioenKampf gegen dieRepu- blik ausruft, treu zur Seite zu stehen. Das Lied:„Ich hott' einen Ka- meroden" erklingt. Die Fahnen senken sich. Ein stilles Gedenken. Dann marschieren die Schützer der Republik wieder zurück in die Straßen der Großstadt. Llnglücksfall im Bad Oderberger(Straße Achtjähriger von Herzkrämpfen befallen vnd erstickt. Am Dienstag nachmittag ereignete sich in der Schwimmholle des städtischen Hallenbodes in der Oderberger Straße 57/58 ein bedauerlicher Unfall. Der achtjährige Schüler Friedrich Kalb aus der Griebenowstraße 1 wurde im Bassin plötzlich von Herz- k r ö rn p s e n befallen und ging unter. Alle Wiederbelebungsoersuche blieben leider ohne Erfolg. Die Bodeanstalt war gestern nachrniltag wieder sehr stark de- sucht. Kurz vor 15 Uhr bemerkten mehrere Schwimmer, wie ein Junge lautlos im Wasser versank. Mit Hilfe des Bademeisters konnte das Kind schnell geborgen werden. Ein Arzt und Samariter der alarmierten Feuerwehr versuchten in mehrstündiger Arbeit das Kind ins Leben zurückzurufen: die Bemühungen irnigien um 18 Uhr jedoch als aussichtslos aufgegeben werden. Nach den vor- läufigen Feststellungen ist der Achtjährige von Herzkrämpfen beiallen worden und im Wasser schon nach wenigen Augenblicken erstickt. Vom Dienst suspendiert! Der Polizeiwachtmeister S ä r g e l. der am Monlognochmiltag am hohenzollernkanal den 2 l jährigen Arbeiter Lothar Gozdzitowsti aus der Liebigftr. g, wie wir berichteten, im Handgemenge niederschoß, ist auf veranlassung de» Polizei- Präsidenten bis zur restlosen Klärung des Vorfall» vom Dienst suspendiert worden. Zepp auf der Rückfahrt. Gestern abend hat er Berlin wieder verlassen.- Ungünstige Wettermeldungen. Zlachdew dle letzten Vorbereitungen für dle Rückkehr beendet waren, stieg„Graf Zeppelin* um 21 Ahr unter den Ktängen des Deutschlandliedes zu seine« nächtlichen Flug in den Heimat- Hafen Friedrichshofen auf. Roch einer kurzen Schleife ver. schwand das tustschisf in nördlicher Richtung, bestrahlt von samt- tichen Scheinwerfern des Flughafen». Die Wettermeldungen sind für den Weg de, Lustfchisfes nicht besonders günstig, doch hofft die Leitung durch einen tleinen Umweg dem Tief, das auf der direkte« Strecke liegt, auszuweichen. Da» Luftschiff war gegen lü Uhr, van seiner Schlesien- fahrt zurückgekehrt, nach mehrfach über Bertin zu sehen. Gegen Uhr erfolgte die Landung in Staaken, von wo dos Lustschiif, nachdem es die notwendigen Belriebsstoffe und Wasserstaffgas auf. genommen hotte, gegen 21 Uhr zu feiner Rückfahrt nach feinem Heimathafen startete. Greis schlägt feine Krau nieder. Versuchter Gattenmord in TtowaweS. Mit 6er Selbstbeschvldigunz» seine 71 Jahre alte Ehefrau im Streit erschlagen zu haben, stellte sich am Dienstag mittag auf dem 6. Polizeirevier in Rowowes der 68 Jahre a-lte Schuhmacher Hermann Hagen, der in der Bismarckstraße 3 in Nowawes einen Keller bewohnt. Kriiniiulideamte, die noch der Wohnung gingen, sande» die betagte Frau in einer großen Blutlache regungslos in der mit Gas angefüllten Küche liegen. Mit schweren Schädelverletzungen wurde sie noch dem.Kreiskrankenhaufe gebracht. Ihr Zustand ist sehr bedenklich. Hagen ist als Trinker bekannt und hatte oft mit seiner einige Jahre älteren Frau Streit. Am Dienstag war es zwischen den alten Leuten wieder zu einem Austritt gekommen und Hagen hatte mit einem S chu st e r ha mm e r seine Frau mehrmals auf den Kopf geschlagen. Dann mar er aus der Wohnung sartge- gangen und hotte sich der Palizei gestellt. Allem Anscheine nach ist die Frau wieder zu sich gekonnnen.und hat sich trotz der Wunden in die Küche geschleppt, um sich vom Blute zu reinigen. Nachdem sie die Gashähne ausgedreht hatte, muß sie neuerdings einen Schwächsanfall erlitten haben. Hagen wurde verhaftet. S/NOAIR LEWIS k »«MW LTeb«fsetzt to« Cl. Mcit.ncr.— Meyer äk Jevten. Vertrieb, MüBdieo. (Jin trockener, staubiger Septemberwind wirbelte durch die Straße. Una fröstelte. In New �>ork würde es keinen staubigen Wind geben, nur sanfte Brisen über Marmorpalästen grofzzügigen Ge- schäftslebens. Dort würde es keinen Henry Earson geben, nur schlanke, rührig« Geschäftsmänner/ mit jugendlich leuchtenden Augen und flinken Zungen. 2. Una Golden hatte gedacht, sie würde erschauern, wenn sie bei der Ankunft am hellen Nochmittage vom Schftf aus zum erstenmal die Silhouette New Torks am Horizont erblicken würde. Doch«s war so ganz wie auf allen Ansicht?- karten, in so lächerlicher Weise jeder lleberrajchung bar. daß sie nur einfach bemerkte: ,Ach. da ist es ja. hier werde ich nun fein", und sich abwandte, um die Gepäckstücke zu zählen, ihr« Mutter ordentlich im Uebcrfohrtsboot unterzubringen und ihr zu versichern, daß sie vor Taschendieben leine Angst hoben müsse. Doch als das Boot sich dem Lande näherte und dicht genug ans Ufer herankam, daß sie die Leute sehen konnte, die tatsächlich in dem gesegneten Lande sNew Hork genannt) lebten, da umarmte Una plötzlich ihre Mutter und rief:„O Mutter, denk' nur! Hier werden mir jetzt wohnen und alles miteinander erleben— olles!" Am End« des langen, hohlroegähnlichen Ganges, den sie vom Boote aus zurückzulegen hotten, erwarteten sie die ver- zrauten Gesichter von Herrn und Frau Albert Session?, und im Nu wurde New?>ork zu einem Eboos von Wagen, Pflastersteinen, Baumwollbaven, endlo? langen, sehr schmutzigen Straßen, hohen Häusern, Omnibussen, Hochbahnen. Schau- fenstern, die dunkel und fremd aussahen, und von allen Seiten drängle em solcher Menschenschwarm an. daß Una ganz un- sicher wurde, sich an die Session? hing und versuchte, sich vor dem Wirbel dieser neuen Eindrücke eines Schmindelgesühls zn erwehren. Einen Augenblick lang war sie eingeschüchtert und doch von der freudigen Ueberzeugung durchdrungen, daß sie dieses Narrenhaus vielgestaltiger Kräfte liebgewinnen werde. Die Sessions wohnten in der Amsterdam Avenue nahe der Sechsundneunzigsten Straße. Sie fuhren alle zusammen von Cortlond Street mit der Untergrundbahn hin. Fünf Minuten lang war Una halb starr vor Schrecken von dem Drängen der Leute, dem dröhnenden Rollen durch finstere Tunnels und dem Gefühl, einer unkontrollierbar dahin- sausenden Stahlmassc mochtlas preisgegeben zu sein. Da sich jedoch nichts besonders Schlimmes ereignete, wurde sie ollmählich sogar stolz darauf, ein Teil dieser schwarzen Kraft zu sein, und zufrieden schwankte sie an ihrer Lederschlinge. Als sie in der Wohnung der Sessions ankamen und in den üblichen Klatsch oon Panama. Pennsylvanien, verfielen, war Una zerstreut— wenn die Sessions sie nicht gerode mit Henry Earfon oder Charlie Martindale neckten. Zusammen- fiekauert auf einem Sofa aus schwarzem Nußholz, das Una eit Jahren aus Panama kannte, und das hier in New einen armselig-bäuerischen Eindruck machte, gab sie die übrig« Zeit sich ganz den Eindrücken der Großstadt hin: Die vielen K inderstimmen von der Amsterdam Avenue herauf, da? Kreischen eines Omnibusrades, das schwer« Nattern be- ladener Fuhrwerke. Automobilhupen— die einzelnen kaum unterscheidbaren Töne gingen in einem Gewirr unter, das als dichte, graugclbe Staubwolke sichtbar zu sein schien. Mutter sollte sich ein wen ig hinlegen: die Sessions be- gönnen(nach einer weitläufigen Erklärung, warum sie kein Mädchen hielten) das Abendessen zu bereiten, und Una stahl sich davon, um sich New Jork allem anzusehen. Alles schien auf einmal anders, wirklicher und kein solches Durcheinander, jetzt, da sie ihre eigenen Augen ge- brauchte und sich nicht der Führung dieses ollesmisienden Großftodtvogels, Albert Sessions, überließ. Die Amsterdamer Avenue war sogar in der Dämme- rung eines frühen Herbstes trostlos, mit ihren Mauern gelb- sicher Zinshäuser und einem Wirrwarr von Feuerleitern, sämtliche Erdgeschosse immer und immer wieder von den- selben Ge'chästen besetzt: Eßworenhandlungen. Wäschereien, Frisiersalons. Gasthäusern, Kolonialwarenhandlungen, Früh- stücksstuben. Sie wagte sich in eine Seitenstraße, einem feuerschimmernden Sonnenuntergang entgegen. Westend Avenue mar imponierend mit den gediegenen Bauten aus Ziegeln und grauem Stein, und dem im schwindenden Tages- licht milchweißen Pflaster. Dann kam ein Häuserblock clc- ganter Wohnungen. Das war die Stadt des goldenen Lahnes. Leichte Vorhänge hingen vor den Fenstern: in der Halle eines großen, eleganten Wohnhauses sah sie flüchtig einen Neger in einer grünen, mit Mcssingknöpfen dicht besetzten Uniform und einem Affcnkäppchen auf dem Kopfe: einen Schimmer von Palmen— oder etwas, das wie Palmen aus- sah: Marmor, Mahagoni und Kacheln, und blitzartig einige Leute in Abendtoilette. Una wanderte in ihren einfachen „praktischen" Kleidern vorbei. Sie war neidlos, das alles würde sie ja bald selbst besitzen. Nach einer beinahe überladen prunkhosten Vision von seidenen Theatermänteln und von Kavalieren, die Abteilungs- chefs großer Warenhäuser glichen, stieß Una plötzlich ans Riverside Drive und auf olle Herrlichkeit der Stadt. New?1nrk ist eine eintönige Stadt mit gradlinigen, ein- förmigen Straßen. Aber mit seinen Wolkenkratzern strebt es in die Höhe: in Gramercy Park träumt es den Traum der Gartenstadt aus den Tagen der englischen Herrschaft: und in Riverside Drive entblößt es seine wundervollen Brüste und schmelzt in Schönheit. Hier ist es wählerisch und lüstern, mit Poris und Wien zu vergleichen, und hier frohlockte Una. Ein blankgefohrene Straße hinab, die jedes Licht spiegelte, rollten elegante Autos mit vergnügten Insassen, in Kleidern, die Una nur aus Modejournalen kannte. Der Fahrweg mar von leichtem Nebel umsäumt, der sich zwischen den Stroßenbäumen durchwand. Hinter Una erhoben sich die prächtigen Fassaden der mit Goldsimien geschmückten Ge- bäude. Jenseits des königlichen Hudson schien alles verzaubert von der weiten, rauchigen Abendglut, vor der die Silhouette der Türme und Kuppeln und Fabrikschlote wie eine orientalische Stadt stand. „Oh, oll dos will ich haben— es gehört mir!... Ein Haus hier oben— einen großen, breiten Erker mit dem Ausblick auf dos alles. O. lieber Gott..." Unbewußt betete sie zu dem unbestimmten Gott der Ponomo-Wesleyan- Methodiften-Kirche, der einem etwas gab, wenn man brav war,..Ich will arbeiten für oll dos... und für die kleine Mutter— mein Mütterchen, das nie Gelegenheit zu etwas Besserem hatte." In den Gong dieses etwas schwerfälligen Mädchens kam neue Beschwingtheit, eine leichte Ekstase, während sie in der oufttachelnden Lust New �orks auf ihrem Heimweg zur Wohnung der Sessions dahinfchritt. tForftetzung folgt.) Sonnabend, den 28. und Sonntag, Clnn�ül�la�UiBABifcmMAnnMM den 29. Juni in allen Abteilungen rIUVHl2»V« vkölWUA WohHahrts-Elal im Slüdiparlament. Die Deuischnaiionalen wollen an der Notstandsaktion sparen. In&* 4.»rrii Prenzlnuer Berg. Die Mteilungekatzier« werden gebeten, am Don- ncr»tag. dem 28. Juni, die Karten vom„Rost" beim Genossen Krüger, Prenzlauer Allee 144, abzuredmen. 9. Kreis Wilmersdorf. Dienoiag. 1. Juli, 18 Uhr, findet eine Befschtigung der Siedlung Ulmenhos der sozialen Arbcitsgemcinschast Berlin-Dst iKindcrhcim. Kindcrcrholungedeim. baushallungsschul-, Pollshochschulhcim), Wilhelmshagen. Bismarckslr. 4l, siatl. Ablaßel Bahnhof iZnoloqischcr Garten um 1ö Uhr. Parteigenosse», die wir bitten, an der Besichtigung teilzunehmen, wollen ihre schriftliche Zusage post- wendend dem Genossen ssricdenthal, Pariser Str. 1, einsenden. 16. Kreis Treptow. Sonntag. 2g. Juni, Volksfest in der Wuhlheide, unter Beteiligung des Reichsdanncr». der SAI.. den Kinderfrcunden, der sZTGV. und der ZdA.-Iugend. Gemeinsamer Abmarsch mit Musik um 14 Uhr vom Bahnhof Echöneweidc. Anschließend aus der Wiese am Planschleich Konzert, Kandball-Werbespicl, volkslllmlichc Spiele, Schluß- lundgcbung. Untostcnbeitrag 28 Pf. 17. Kreis Lichtenberg. Voranzeige! Sonntag, 29. Juni. Ig Uhr, Besichtigung des weltlichen Schulgartens in der Rouschestraße. Rege Beteiligung der Genossinnen und Dendssc» nzird erwartet. Trcffpunlt 10 Uhr Rormannen. Ecke Rouschestraße. De« Krrisnorstaud. 2«. Kre!» Relnlckenhors. Alle fllngeren Parteigenossen, GAI.-Mitglieder sowie auch Interessierte Parteigenossen, beteilige» sich am Donnerswq,- dem 2«. Zuni, A Uhr. an der!m„Alten Krug". Tegel, Hauptstraße, statt- findenden Werbevrrsnmmlung der Zungsozialistischrn Bereinigung. Der Kreisnarstand. - heule, ZNiilwoch. 25. Zuni: 64. Abt. Der Abteiluuasabend fällt aus. 166. Abt. Reinilfendorf.vst. Die«bteilungsmitgliederversaiirmlung Nndet nicht. wie irrtümlich angegeben, im Schllßenhous, sondern im Kastanienwaldchen, Echdndbiz. statt. Morgen. Donnerstag. 26. Zuni: 34. Abt. 19 Uhr Suartalsadrechnung heim Abteirunst-katzlerer. 53. Abt. Übe Sitzung der Abteilungslritung mit den Zahlsbenblettern Sl. Abt.�Ä Ü'-r�Äugliederversommlung im Gesellschostszirnmer he, Rais, kcllers Friedenau. Lautcrplaß. Thema:„Preußenpolitik". Referent: Erich Kuttncr, M. d. L. �„»„„_,_ 90. Abt. Reulolln. Zugendkommifsion. 28 Uhr im Zdealkasino lKellerlolal), Weichselstr. 8. Ausspracheabend der jüngeren Parteimitglieder. Thema: „Was geht in Indien vor?"(Der Zreiheiistamps der Inder.) Referenim: «Senossin Dr. Ten Iabian. Gäste willkommen. 99. Abt. Brig-Buckow. steitungsiommilsion. Die am 12. Juni ausgefallene �Sißling findet üt nn mehr am Donnersing, dem"28. Juni. 1914 Uhr»,.in der Halle am Hufeisen sGroßsiedlung), statt. 164. Abt. Die Bezirksfiihrer müsse» bestimmt heute abend abrechnen. Di« Revisoren werden gebeten, zur Kassenvritfung am Freitag, dem 27. Juni. pünktlich>9 Uhr, beim Abteilungslassicrcr zu sei». 139. Abt. Tegel. Wir beleiligen uns an der öffentlichen Versammlung den Iungsozialiste» um 2v Uhr Im Lokal„Aller Krug". Röntgental-Zepernick. 2» Uhr Fraucnocrsammluna im Lokal van Meißel, Rdntqrntal, Bahnhofstr. 78. Vortrag der Genossin Elfricde Rvneck, M. d. L. »Sozialismus in der Familie." Frauenveranstalkung. 13«. Abt. Rein icke IIS» es-Ost. Di» angesagie Selferinncnsißung filr Mittwoch. 26. Juni, muß wegen der stattfindende» Abteilunasmitgliedcrversammlunz ausfallen. Am TPnnersIaa. dem 28. Juni, findet das Kakfcekochen ab 14 Uhr in der.Mühle", Rosenthal, statt. Alle Genossinnen detriligeir sich daran. Dezirksausschuß für Arbeikerwohlfahrt. 7. Krei» Ehaelsttenbnrg. ssreitag. 27. Juni, 20 Uhr, Rathaus, Sitzungszimmer 6, Aklcnbcsprechung und Vortrag. Um vollzähliges Erscheinen wirb gebeten. Jungsozialistische Vereinigung Grosz-Berlin. Grnpp« Renlälla. Heule. Mittwoch, 30 Uhr, Gruppenabend im Jugend« heim Treptower Str. 98—9«. Zlrbeiivgemeinschaft der kinderfreunde Grost-Berlin. Di« Gesundheitsbogen smh sofort in der Rentrai« abzugeben. Ohne Gee sundhcitsbogcn wird uns her Fahrscheinantrag nicht aiisgedändigt. Die E« halunasbedllr, T, gleit aller Kinder muß ärztlich bescheinigt sein. Di« Reliliften für da» Schweizer Lager sofort abgeben. Sie ssnd not- wendig zur Einteilung des Lagers unb für die Einteilung zum Transportzug. Fallenparlament und erweiterter Vorstand kommen am Freitag, dem 27. Juni, nicht zusammen. Am Freitag, dem 27. Juni, ist sür das Reltiager und Munster abzurechnen. Restsaltenknrtu» Munster iLllneburger Heide). Die mitfahrenden Kreise weiden um sofortige Einsendung einer namentlichen Liste aller Kinder und Helfer mit genauer Angabc der Adressen und Geburlsdaten gebeien. Ein zusenden an Annemarie Simowski, Berlin EW. 81, Warienburgstr. 18. Tis Liste gilt zugleich als endgültige Anmeldung und wird für die Fahrpreis» crmäßigung benötigt. Eilt! Heut». Mittwoch, püntklich 20 Uhr. Wassertorstr. 9, letzte Vollvcrsamm. luna aller Neftsaltendelsrr. zentrale. Schweizsahrt. Die Helfer, die auf den Paßlisten gestrichen sind und auf Fahrpreisermäßigung unter Zahlung des Fahrgelde» iohren wollen, müssen durch den Kreisleiter bis Freitag, 27, Juni, im Sekretariat gemeldet sein. Bedingung ist ein Alter unter 20 Jahren. Spätere Meldungen werden nicht berücksichtigt. 13. Krei, Tcmpelhof. Donnerstag. 2«. Juni, 20 Uhr, Hclfcrssßung bek Pommerening. Berliner Str. 100. Krei» Fricdrich-h-tn. Heute. Mittwoch, 18 Uhr. sind alle Gruppen des Kreises Frirdrichshain Langenbeckstraße Ecke Landsberger Allee. Spitze zum Svortpaß. mit Wimpcl und Fahnen, zwecks Teilnahm« an der Sonnenwend- feicr. Kleidung Faltcntracht. Alle Eltern kommen mit. Die Gruppen treffen sich wie folgt: Mnetha Dtmmning 17sh Uhr Petersburger Blaß Frankfurter Viertel 17 Uhr Heim Frankfurier Allee 307. Robert Blum 17 Uhr Heim Litauer Straße. Stralauer Viertel 17 Uhr Rudolfplatz. Paul Einger mz Uhr Kllstriner Platz. Landsberger Platz 17V4 Uhr Falkenecke. Morgen, Donners. tag, 18 Uhr. alle Relftagerfahrer erscheinen im Jugendheim Litauer Str. 18. All« Eltern der Zelllagersahrcr erscheinen 20 Uhr im gleichen Heim Krei»»«nzberg. Elternversammluna oller Zelllaaerteilnehmer de« Gruppen Göelitzcr Straße, Wranaelstroße. Koltbusser Tor, Wassertorstraß- unb Lüden am Dvnncr«'»g um 2V Uhr im Jugendheim. Krei» Renktzlln. Die Bollversommuna findet nicht, wie irrtümlich gemeldet wurde, am Freilag. dem 27. Juni, 18 Uhr. sondern Donnerstag. 28. Juni, in der Kanner Straße im Jugendheim statt.— Gruppe Sermannplaß. Eltern der Zeltlagertrilnehmer. Freitag. 27. Juni. 20 Hr. Besprechung in der Schule Kaiser-Friedrich-Sir. 4.— Gruppe Fritz Reuter. Am Freiiag, dem 27. Juni, 20 Uhr. Eltcrnversammlung in der Schule Parchimer Allee «rei» Pren,I»u«r Berg. Heute. 18 Uhr. Barocken. Danziger Str. 82. Bc. rntung und Entscheidung über die Ausschußonträgc durch alle Gruppenleiter. Gruppe Pankow. Heute, Mittwoch, 18 Uhr. Rusammenkunft aller Rest- logerteilnehmer, und um 20 Uhr aller Eltern derselben im Basteltcller, Kissingen. Ecke Sramtzstrafje, Eingang Granitzstraße. Gterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation| 25. Abt. Die Einäscherung des verstorbenen(Genossen Giclosf findet nicht, wie im..Vorwärts onvegcben. um 21 Uhr, sondern um 12 Uhr im Arema. tvrtum �erichtstratze statt 135. Abt. Karo». Unser bemährler Genosse Karl Donath ist orn 22. Iunk nach kurzem Arankenloster verstorben. Ehre seinem Andenken. Die Brerdi, stung findet heute, Mittmoch, 17 Uhr, auf dem Friedhof in Karow statt. Regs Beteiligung wird erwartet. Der Elekiroskandal in Westfalen. Hintergründe.— Versäumte Gelegenheiten.— Gefahren.— Auswege. In der vorigen Woche gab es in der Sphäre des privaten Elektrakapitals Deutschlands und Amerikas eine groß« Aufregung. Der amerikanische Botschafter Sackett in Berlin hielt aus der Weltkraftkonseren� ein« Rede, in der er dem privaten Elektro- kapital Amerikas mit der staatlichen Elektrokonwrrenz und gar mit der Verstaatlichung der Elektrowirtschast drohte, iveil dos Pri- vatkapital den Elektrokonsum überteuere. Man war mit Händen und Füßen in Berlin darum bemüht, diese Red« Sacketts zu ver- hindern, denn dieser scharst Angriff aus die Vorherrschast des Pri- vatkapitals in der Kraswersorgung war für die amerikanischen Durch- dringungsabsichten in Europa und die kapitalistischen P r i v a t i- sierungsplän« in Deutschland«in Schlag ins Kontor, der in Deutschland besonders unangenehm empfunden werden mußte, nachdem das deutsch« Bankenkapital sich für die Privatisierung der össentlichen Kraftrvirtschast stark gemacht hatte und als Steigbügelhalter sür die amerikanischen Durchdringungsabsichten in Europa sich jederzeit bereit hält. In diesem Umkreis muß auch der Privatisierungsskandal bei den Vereinigten Elektrizi« tätswerken Westfalen betrachtet werden, über den wir gestern mar- gen berichtet haben. was sind die vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen? Wir sagten gestern schon, daß die NEW. die größte rein kommunale E le k t r o g« s ellsch a s t Deutschlands ist. Ihr Versorgungsbezirt reicht von Helsen bis zur holländischen Grenz« und weit in dos Gebiet der nördlichen Wasserkante, es reicht von' Dortmund bis Bielefeld. Im Westen grenzt es an das Gebiet des Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätsmerks, im Osten an das Gebiet des preußischen Eiektrotrusts(Preußische Elcktrizitäts- A.-G.). Von 192Z bis 1928 ist die Stromerzeugung riefen- Haft in diesen von rein kommunalen Werken beherrschten westfälischen Gebieten gestiegen, nämlich von 149 Millionen aus SZ8 Millionen Kilowattstunden, und im Jahre 1929 wurde eine Erzeugung von ß2S Millionen Kilowattstunden erreicht. Die Werk« waren immer rentabel. 19Z8 wurden außer kommunalen Abgaben von 3,94 Millionen Mark auf 47,5 Millionen Mark Kapital 8 Prozent Dividende verteilt: im Lause der Jahre wurde aus ein Anlagevermögen von 17S Millionen Mark außerdem ein Abschreibungsfonds von 58 Millionen gebildet. Freilich find die Werke der Schwerindustrie«in sehr wichtiger Stromkäuser. Auf 873 hauptsächlich schwer- mdustriell« Großabnehmer kamen allein 215 999 Kilowatt Anschluß- wert, während auf die 242 999 Kleinobnehmer im Jahre 1928 ein Anschlußwert von nur 239 999 Kilowatt entfiel. Begreiflich, daß diese große Bedeutung der industriellen Großabnehmer den Wunsch des schwerindustriellen Kapitals verstärkt, den Einfluß aus das kommunale Werk auszudehnen, woraus die schon oft gemeldet« und nicht bestritten« Neigung der Vereinigten Stahlwerke, des privaten Großaktionärs im RWE., sich erklärt, die Vereinigten Elektrizitätswerke in Westfalen unter ihre Herr- schast zu bringen. Die riesige Ausdehnung der Stromerzeugung bei den NEW. hat begreisiichsrweise viel Geld gekostet. Di« 1928 vorgenommen« Kapitalscrhöhubg von 40 Millionen aus 60 Millionen Mark tonnte nicht genügen, und auch. über die LO-Milliaueit- Dolloränleihe von 1928/29 hinaus mußten noch Bänkkredkie öuh genommen werden, die heute wohl einen Betrag von 79 Millionen Mark erreicht haben dürften. Im Jahr« 1929 wprde ein« neue Käpitalvrhöhung von 69 Millionen auf 75 Millionen Mark be- schlössen, die ober bisher nicht durchgesührt wurde, da die tommu- nalen Anteilseigner durch die Verschlechterung der Wirtschaftslage und durch die systematische Diskreditierung des öffentlichen Kredits, auch im Gefolge der seitdem entfesselten Privatisierungskampagne, die entsprechenden Kapitaleinzahlungen nicht leisten konnte». Es kommt hinzu, daß unter der verantwortlichen Leitung der General- dircktoren Krohne und Fischer manche kostspielige Kapi- talanlage durchgeführt wurde(Zcchenkäuse und Gründung von Gasvcrsorgungsgesellschasten). die bei erheblicher Belastung mit kurzfristigen Krediten entweder Verluste brachten oder erst auf Zange Sicht rentabel werden können. Finanzielle und wirtschaftliche Schwierigkeiten? So waren es«in natürlicher Zwang zur Expansion, ein« lünst- lich« Hemmung der Kapitaloersorgungsmöglichteiten und endlich eine zunächst unfruchtbar« und kostspielige Konzernausdehnung, die starken Kapitalbedarf hervorriefen und zugleich de« Finanzierung der VEW, erschwerten. Diese Situation ist es nun, in der, teil» im Bewußtsein eigener Schuld, teils aus Wahloerwandtschast mit pri- vatkapitalistischer Gesinnung, die Generaldirektoren des BEW. unter Rückstellung des öffentlichen Interesses sich dem deutschen mit dem Ausland zusammenarbeitenden Bankenkapital 199proz«ntig in die Arme ZU werfen beschlossen. Zweifellos werden die Ding« jetzt so dargestellt wer- den, als ob den VEW. wegen ihrer drückenden Finanzlage und wegen der Kapitalbeschaffungsschwierigkeiten der Kommunen kein anderer Weg als der der überwiegenden Privatisierung übrig bleibe: kein anderer Weg als die Annahme jenes Vertrages, der sofort den Banken 10 von 29 Aufsichtsratsmitgliederi, zuweist, den kommunalen Einfluß auf die Dauer wirkungslos macht, die Kom- munen ihrer Einnahmen aus ihren Werken beraubt und' die Vor- aussetzungen zerstört, unter denen allein, soweit Westfalen in Frag« kommt, der Aufbau einer einheitlichen deutschen Elektrowirtschast unter entscheidender deutscher Führung gefördert werden kann. Ebenso zweiselios werden die finanziellen Schwierigkeiten heute ernster dargestellt werden, als st« es in Wirklichkeit sind. Wir erinnern aber: Mitte Dezember 1929 hat die Verwaltung der BEW. erklärt, daß sie zwar erheblichen Kapitalbedarf habe, daß aber kein« Red«„von irgendwelchen wirt- schaftlichen oder, finanziellen Schwierigkeiten" sein könne. Für die Kapitalauf nahm« bestehe noch genügend Raum, nachdem das amerikanische Anleihekonsortmm(Harries Forbes und Speyer-Rew-Pork) bei der Gewährung der 29-Millionen> Dollaranleihe eme G e n« r a lh y p o t h e t auf 59 Millionen Dollar genommen habe. E« sei eine Anleihe von 19 Millionen bis 12 Millionen Dollar vorbereitet, die nur wegen der Schwierigkeiten am amerikanischen Kapitalmarkt hinausgeschoben sei, aber im Früh- jähr(l&W) sicher ausgelegt werden könne. Freilich werde wegen der schwierigen Finanzloge erwogen, ob man nicht bei einer not- wendigen Kapitalerhöhung auch das Privatkapital beteiligen müsse. Man muh staunen darüber. daß heute von dieser damals sicher erwarteten Anleihe keineRede mehr ist, daß jetzt die Privatbanken Großaktionäre werden müssen, um die Anleihe zu ermöglichen, und daß die Entkoinmunalisterung als ungeheuerlicher Preis für die Lösung der Finanzfragen gezahlt werden soll. Man muß um so mehr darüber staunen, als die Lerwolwng der VEW. offensichtlich bewußt Gelegenheiten beiseite geschoben hat und beiseite schiebt, die Finanzierungssrage in einer Weife zu lösen, die die gesamtwirtschaftlichen Interessen aus elektropolitischcm Gebiet nicht in so gefährlicher Weise in Frage stellen, wie es durch den Bankenoertrag geschieht. Herr Krohne ist Vorsitzender der Jnteressengemeinschast kommuiwler Elektrizitäts. werke, die VEW. sind Mitglied in der A.-G. für deutsche Elektri- zitätswirtschast-Berlin, die sich den einheitlichen Aufbau der deutschen Krastwirtschast zum Ziele gesetzt hat. Es hätte sich von selbst verstehen müssen, daß die Verwaltung der VEW. alle Mög- lichkeiten restlos auszuschöpfen sucht, die durch ein Zusammen- wirken der Mitglieder der A.-G. sür deutsche Clektrizitätswirt- schast, zu denen auch der benachbarte Elektroricse Rheimsch-West- fälisches Elektrizitätswerk und der Preußische Elektrotrust gehören, zu schaffen sind. Herr Krohne und Herr Fischer haben es aber merkwürdigerweise für richtig gehalten, die elektropolitische Selb- ständigkeit Westsalens in einem Vertrag mit dem privaten Bankkapital sichern zu wollen, in einem Vertrag, der wegen der Unkontrollierbarkeit der Bankenpolitik in die ganze westdeutsche Elektrowirtschast einen ünsicherheitssaktor hineinbringt, der alle Hoffnungen auf eine rationelle Elektrowirtschast im industriellen Westen zerschlagen kann. Unter diesem Gesichtspunkt liegen auch die gesamtwirtschaftlichen Interessen und Pflichten Preußens Nor, der Verwaltung der VEW. in den Arm zu fallen und auf der anderen Seite die s r u ch t- baren Möglichkeiten des R E W-, das ja doch zu 75 Proz. öffentlich genannt werden muß, im Interesse einer einheitlichen west- deutschen Elektrowirtschast die Entwicklung in Westfalen zu de- einflussen(ohne aber, was wir immer kritisieren mußten, die schwer- industriellen Privatinteressen den öffentlichen Interessen voranzu- stellen). Die unbestritten großzügige Elektropolitik im REW. dürfte schon von sich aus nicht zulassen, wenn sie richtig beraten ist, daß den Banken ein Einfluß gewährt wird, der wegen seiner lln- kontrollierbarkeit von höchster Gefährlichkeit werden kann. Was wollen denn die Banken mit diesem Vertrag? Die Banken haben gegenwärtig keine gute Zeit. An normalen Kreditgeschäften verdienen sie wenig, die Börse ist kaputt. Klotzig verdie nt werden kann aber an großen Aktienpaketen der sogenannten und im Ausland sehr geschätzten„Luüiic Utilities", in diesem Falle der 69 Millionen jungen BEW.-Aktien, für die man sich ein« sichere Borzugsdividende garantieren läßt, und in denen auf die Dauer, weil der Elektrowirtschast die Zukunft gehört, ebensowenig ein Risiko steckt, wie in den öffentlichen Elektrowerken gewährten Krediten. Für diese erhofften Riesengewinne aus dem großen BEW.-Aktienpaket haben die Banken von vornherein jede Ge- fährdung dadurch auszuschließen gesucht, daß sie jedes Bor- k a u f s r e ch t der kommunalen Anteilseigner am BEW. für die jungen Aktien grundsätzlich abgelehnt haben. Es kann keinen besseren Beweis geben, als diese Ablehnung des Vorkaufs- rechts dafür, daß die Banken mit jedem ihr Aktienpaketgeschäst machen wollen und werden, der ihnen den h ö ch st e n Preis zahlen wird. Das aber ist unter deutschen elektropolitischcn Gesichtspunkten eine öffentliche Gefahr, die abgewendet werden muß. Verhandlungskämpfe in den VEW. Bei Redaktionsschluß erfahren wir, daß die um 6 Uhr abends begonnenen Verhandlungen der Generalversammlung der VEW. über de,, Bankenoertrag um 19 Uhr noch andauerten. Das läßt auf ernste kämpfe gegen die Verwallungsvorfchläge schließen. Kugellager in Oeuischland. Oer Schwedenkonzern-Bericht sür 1929.— Motorenfabrikation in Gchloeinfurt. Eine etwas schleierhafte Gewin nrcchnung legen die Vereinigten Kugellagerfabriken A.-G.-Berlin für dos Geschäftsjahr 1929 vor. Die Gesellschaft Hot heute in Deutschland eine Monopol- ortige Stellung auf dem zukunftsreichen Gebiet der Kugellager- erzeugung. Fast den gesamten Bruttogewinn von 8,58 Millionen läßt die Verwaltung aus der Ausgabenseite in einem Posten Ab- schreibungen, Zinsen und Unkosten ungegliedert verschwinden, der mit 7,76 Mill. erscheint. Eine Dividende kommt aus dem a u s g e- w i e s e n e n Reingewinn von 0,21 Mill. Mark nicht zur Verteilung: das Unternehmen hat andere Mögüchkeitcn, seine Gewinne, und zwar unter Schonung des Steuerkontos, an die Stockholmer und Schweinfurter Großaktionäre gelangen zu lassen. Die Z u sä m m e n f a j s u n g der Kugellager-Produktion in dem Werken Cannstatt und Schweinsurl ist jetzt anscheinend beendet.. Uebcr die Aufnahme der Motoren fabrikation im Schwein» furter Werk macht die Verwaltung keine näheren Angaben. Aus Aeußerungen, die der Aufsichtsratsvorsitzende Sachs vor einiger Zeit machte, ist jedoch zu schließen, daß die Belieferung des Nürnberger Ardiewcrkcs mit Motorrad-Motoren und die Erzeugung von Fahr- rad-Hilssmotoren demnächst beginnen werden. Auf die von uns früher ausgesprochene Vermutung, daß weitere L i c f e r- abkommen mit Motorradfabriken geplant sind, deutet erneut die Zuwahl von Geh.-Rat Reumeyer-Rürnberg in den Aufsichtsrat der Vereinigten Äugellagersabriken hin: Reumeyer besitzt die Anteil»- Mehrheit der M o t o r r a d f a b r i k„Z ü n d a p p" G. m. b. H., ist Aussichtsratsmitglied u. a. bei den Nürnberger Herkuleswcrken und steht im übrigen der Gute-Hoffnungs-Hütte sehr nahe.„Herkules" hat bis jetzt, ebenso wie Ardie, englische Jap-Motoren und Burman- Getriebe eingebaut. Wie weit die Absichten des Schwedentrustes auf dem Gebiete der Motorenfabrikation gehen, wird sich wohl schon in der nächsten Zeit zeigen. Das Expansionsstreben der sächsischen„DKW."(Framo- Audi-Schüttoss)-Gruppe, die als Fabrikantin von Motorradteilen dem Trust Konkurrenz macht, und Lizenzverträge wie der jüngst zwischen„Triumph" und„Motosacoche"(eine Genfer Motoren- sabrit) abgeschlossene, beschleunigten den Konzentrationsprozeß in der Motorradindustrie und damit die Klärung der Absichten des Kugel- lagertrusts. Die ungenügende Eisenpreissenkung. Die Avi-Rabatte werben herabgesetzt! Einhellig herrscht die Uoberzeugung, daß die bisherig« Senkung der Eisenpreise ungenügend ist. Der„Vorwärts" hat nach- gewiesen, daß dazu die vorgenommene Eisenpreissenkung nur für 59 Proz. der deutschen Eisenproduktion Gültigkeit hat. Die schwer- industriellen Blätter haben das schließlich nicht mehr zu bestreiten gewagt. Es gab in der eisenverarbeitenden Induhrie Optimisten, die gehofft haben, daß wenigstens die sogenannten Avi-Rabatte, das sind die Preisvergütungen für das zu Exportwaren verwendete Eisen nicht verkürzt werden. Sie haben unrecht behalten. Die„Deutsch« B e rg w c r k s- Z e i tung" bringt in recht bescheidener Aufmachung die Meldung, daß die am 3. Juli statt- findende Monatsversammlung der Deutschen Rohstahlgemeinschaft und ihrer Unterverbände deshalb eine besondere Bedeutung habe, weil aus ihr auch die Herabsetzung der Avi-Rabatte ol» not» wendige Folge der Senkung der Eisenpreis« beschlossen werden müsse. Di«„Bergwerks-Zeitung" fühlt sich bei dieser Ankündigung nicht wohl. Es last« sich zunächst nicht sagen, so fügt sie hinzu, ob in der Verminderung der Avi-Rabatte die völlige Differenz zwischen den früheren und den jetzigen Inlandspreisen zum Ausdruck kommen werde. Di«„Deutsche Bergwerks-Zeitung", die den„Vorwärts" nicht hämisch genug wegen seiner Feststellung angreifen könnt«, daß die Preissenkung absolut unzulänglich sei, ist jetzt sehr bescheiden geworden. Wird diese Bescheidenheit für das R e i ch s w i r t- schast s- und das Reichsarbeitsministerium nicht der Anlaß sein, bei der Nachprüfung der vorgenommenen Preisermößi- gung noch gründlicher zu verfahren? Wir warten übrigens schon lange auf ein« Stellungnahme des Reichswirtschaftsministe- riums zum Ausmaß der vorgenommenen Preissenkung. Ein deutscher Baumwolltrust. Jnteressengemeinschast Hammersen-Oierig. Ein« der günstigen Wirkungen der Fusion zwischen der Deuffchen Bank und der Disconto-Gosellschoft scheint die Beilegung des alten Kampfes zwischen dem Hammerien-Konzern, Osnabrück, und dem Dierig-Konzern, Langenbielau, zu fein, die in der- deutschen Baum- Wollindustrie«ine ausschlaggebende Stellunk.tzinnehmen. Die beiden Konzerne schließen sich jetzt in einer sehr engen Interessen- gemein schast zusammen, die man ateräie nur der/Fenn lischt. noch nicht vollzogene Verschmelzung' ansehen darf. Das ge- meinsame Kommunique der Konzerne erklärt, daß die zu- nehmende Verschlechterung in der Baumwollindustrie eine Fortsetzung des Kampfes zwischen deki beiden größten Unternehmungen nicht empfehle, und wenn auch Gründe für die Aufrechterhaltung der Selbständigkeit der Gesellschaften sprechen, so solle doch die fabrikato- rischi Kapazität der beiden Gesellschaften gegenseitig dienstbar ge- macht werden. Man werde dann auch an die sonstigen Rationali- sierungsausgaben der deutschen Baumwollwirtschaft herangehen können. Unter voltswirtschostlichem Gesichtspunkt— die rechtliche Selbständigkeit ist unerheblich— erfolgt hier praktisch die wichtigste Fusion der Vaumwollindustrie der letzten Jahre und die Schaffung eines mächtigen Trusts. Der Verschmelzung erfolgt derart, daß die Christian Die- rig A.-G. ihr gesamtes Aktientapital in die dem Hainmersen-Konzern gehörende Deutsch« B a u m w o l l A.-G.(D e b a g> einbringen wird, daß letztere ihr Sechsmillionenkapital um 33 auf 89 Millionen Mark erhöht, und daß von den neuen Aktien 25,62 Millionen der Dierig-Grupp« überlassen werden. Aus den überschießenden neuen Debag-Aktien werden dann auch die letzten Hamniersen-Verwaltungs- aktien in Debag-Aktien umgetauscht, so daß mit den Dierig- Aktien auch die H a m m« r s« n- A k t i e n verschwinden werden. Kapitalmäßig wird die Kruppe Dierig im neuen Trust die Führung haben, da ihr etwa 65 Proz. des Kapitals der Debag gehören werden._ Veichspost verlangt Preissenkung. Am Freitag will sich der Verwaitungernt der Reichspost mit den zusätzlichen Bestellungen beschäftigen, die an die Industrie hinaus- gegeben werden sollen. Es heißt, daß der Reichspostminister die Auftragserteilung von der Verpflichtung der Liefer- firmen abhängig machen will,„im Rahmen der Lohn- und Preiesenkungsaktion" einen Preisnachlaß von 19 Pro z vorzunehmen und auf Grund der Besiellnugen neue Ardeiter einzustellen. Wir haben nichts dagegen, daß die Reichspost auf die ihr gemachten Preise drückt: es ist bekannt, daß die führenden Werk« der Schwachstromindustrie an den Reichspostlicserungen ganz ungeheuerlich oerdienen. Die Preissenkung wäre also von den Werken zu ertragen. Wenn aber von einer Preissenkung„im Rahmen der Lohn- und Prelssenkungsaktion" die Red« sein soll. so fragen wir die Reichspost, ob sie damit den Lieferwerken das Recht geben will, die verlangte Preissenkung von einer Lohnsenkung ab- hängig zu machen. Do» wäre«in Uebergriff, den man sich von der Reichspost verbitten müßt«.__ Die Konvention über die Ein- und Ausj uhrverboke wurde vom Senat der Tschechoslowakei in beiden Lesungen onzenommen. Weiße Zähne: Chlorodont ist der schnellste der je fm Sit erdacht wurde/ Das ist keine Übertreibung! Sie werden es selbst bestätigen, wenn Sie O zum täglichen Oescbirr abwaschen benutzen, wenn Sic O zur Reinigung aller stark verfetteten Haus- und Küchengeräte aus Glas, Porzellan, Metall, Holz und Stein ver- 1 EWöffei ImL� suchen, wenn Sic sehen, wie rasch O � das Fett auflöst und strahlende, blitzende Sauberkeit zurückläßt, wenn Sie sehen, wie vielseitig diese neuartige Hilfe ist, die alles viel schöner und 10 ttn Vooer gründlicher macht als je ein anderes ie»«« O»«no u«, ws« O t\ r r* wa*««r»»«jn Eimer, so ergiebig Mittel zuvor. Prüfen Sic bitte Wasser i and sparsam! INI �ergeitellt- in den TWsil werben � i/ jol3 Aufwasch Spül und für aus und 1 Reinigungsmittel ät- 7!r. 291• 47. Jahrgang 2. Beilage des Vorwärts Mittwoch, 2S. Zum 1930 John Qatsworthy: II 6ll£V*f llltl'*! Mac Treedy galt als achtbarer Mann, war aber dennoch«in Ausgestoßener in seinem Dorf«. Es lag nichts gegen ihn vor: im Gegenteil, er hott« die Stell« eines Fährmanns bei dem Schloßbesitzcr inne und erklär!« allnächtlich im Wirtshaus: hätte er nicht ordentlich danach geseycn, daß ihm sein Recht werde, so wäre er nur ein angestellter Diener geworden. „mit einem fixen Lohn, versteht ihr, ohne jede Aussicht,«inen Penny auf ehrliche Werse herauszuschlagen". Er schlug die Pennys dadurch auf ehrliche W«ise heraus, daß er jedermann, der nicht zur Schloßfamiiie gehörte, eine S«chspencc- gebühr für die Ueberfahrt auferlegte. Allnächtlich verkündete er in der Schenke, die Adeligen hätten sich zusammengetan, um die Armen um ihre Rechte zu prellen: aber trotzdem ihn d«rlei Reden hätten populär machen müssen, sagte den Dorfleuten doch ein unbestimmtes, geheimnisvolles Empfinden, daß er ihnen geistig fremd blieb. Nie- inand hörte ihn je einen Einwand g«g«n dieses ungeschrieben«, von keinem geäußerte Urteil erheben, niemand wußte, ob es ihm über- Haupt bekannt war. An stilKn Abenden konnte man ihn unter dem bewaldeten, felsigen Abhang in seinem Boot auf dem Schloßteich sitzen sehen, als brüte er über geheimem Unrecht. Er sang auch, aber mir ein einziges Lied, den„Müller von Dee", dos er bei jeder Gelegenheit hören ließ: bei der Anstrengung, es auch richtig heraus- zubringen, verzog er den Mund unter dem braunweißen Schnurr- hart, was seinem Gesicht ein drolliges Aussehen verlieh. Di« Leute oben auf der Schloßterrasse konnten ihn bei Nacht das Lied mit ganz besonders klangloser Stimme singen hören, wenn er wieder über den Fluß zu seinem Häuschen zurückfuhr. Niemand wußte genau, wo er herkam, obzwar manch« von Irland sprachen: andere redeten von Schottland, und ein Mann, der Phantasie besaß, war der Ansicht, daß er isländischer Herkunft sei. Dieses Geheimnis nagt« an den Herzen der Bauern des Dorfes— des Dorfes mit den weihgetünchten Häuschen, mit der seinen Krone von Rauch, die immerzu darüber schwebte, und seinem harten nörd- lichen Akzent. Auch war Mac Creedy sehr knickerig in Geldsachen— niemand wußte, ob er viel Geld oder wenig hatte. Einmal zeitlich im Frühjahr ersuchte er um Urlaub und ver- schwand auf einen Monat. Er kam mit einer Frau zurück, einem jungen, blassen Ding, das einen südlichen Akzent sprach. Ein« inter- essante Person, diese Frau Mac Creedy, sehr still und von einem Benehmen, in dem etwas unbewußt Ironisches und Unter- würfiges lag. An manchem Maimorgen konnte man ihr« schlanke Gestalt, die so aussah, als könM? sie plötzlich an der Taille auseinanderbrechen, im Garten bemerken, wie sie die Wäsche zum Trocknen aushing und sich über die Gemüsebeete bückte, während Mac Creedy ihr vom Türeingang aus mit der Miene des Besitzers zusah. Bielleicht er- blickte er in ihr ein Symbol des Sieges, des Sieges über seine Ein- samkeit-, vielleicht erblickte er in ihr nur einen Zuwachs seines in einem Strumpf verborgenen Kapitals. Sie schloß keine Freund- schasten, denn sie war Mac Ereedys Frau und kam aus dem Süden: auch wünschte es Mac Creedy nicht. War er kort, dann rudert« sie das Boot hinüber, und nachdem sie die Fahrgäste ans Land gesetzt hatte, verharrt« sie regungslos über die Ruder gebeugt und starrte den Leuten nach, als wollt« sie noch so lange wie möglich dem Geräusch ihrer Tritt« laufchen: dann setzte sie wieder langsam über den Wirbel des silbrigen, dunklen Wassers, band das Boot fest und stand da, sich die Augen mit der Hand beschattend. Mac Creedy ging zwar des Abends noch immer in diK Schenke, sprach aber nie von seiner Frau, und man bemerkte, wie er jedermann mit seinen runden Augen anstarrte, der sich nach ihr erkundigte. Es sah aus, als ver- dächtige er das Dorf, es wolle sie ihm wegnehmen. Der gleich« Instinkt, der ihn sein Geld in einem Strumpf verbergen ließ, hieß ihn auch sein Weib verstecken. Niemand gab ihm ciwas, niemand sollte sein Eigentum anrühren! Der Sommer kam heran, erglühte in Fülle und verging wieder: das Laub begann zu fallen. Der Fluß strömte, besät von roten Blättern, hin. und bei der Feuchtigkeit des Herbstes verlor sich das Dorf gar oft in seinem weichen Nebel von Rauch. Mac Creedy wurde immer weniger zänkisch, kam nur selten noch ins Wirtshaus, und inmitten seines Trunkes stellte er oft das Glas hin und ging fort, als hätte er etwas vergessen. Die Leute sagten, Frau Mac Creedy sähe unglücklich aus: Sonntags ging sie nicht mehr in die Kirch«. Mac Creedy selbst hatte nie einen Gottesdienst besucht. Eines Tages erzähRe man sich im Dorf, daß Frau Mac Creedys Mutter erkrankt sei, daß Frau Mac Creedy selbst fortgegangen wäre, um sie zu pflegen: und tatsächlich sah man ihre Gestalt nicht mehr im Garten unter dem Abhang. Mac Creedy wurde jetzt häufig nach seiner Schwiegermutter gefragt, denn die Frage schien ihn zu ärgern. Dann wandte er den Kopf, gab dem Boot mit den Rudern einen heftigen Ruck und erwidert«:„O,'s geht ihr schon«in wenig besser!" Vielleicht wurde er es müde, diese fortwährenden Fragen zu beantworten— er gab es gänzlich auf, in die Schenke zu gehen. und allabendlich, wenn die Schatten der Wälder dunkel auf dos Wasser fielen, konnte man ihn sehen, wie er über den Rand seines Bootes in das tiefe Seitenwasser unter seinem Haus, wo der Kahn befestigt lag, hinabstarrte: die Töne seines Lieblingsliedes klangen nicht mehr über den Fluß. Die Leute sagten?„Er vermißt seine Frau!" Und zum erstenmal, seit er in ihrer Mitte weilte, kam ein fast warmes Mitgefühl für ihn im Dorf« auf. Aber eines Tages in der Frühe fischte der Forstgehilse, der schon lange etwas gegen Mac Creedy hotte, noch einer Stund« emsigen Suchens Frau Mac Creedy aus dem Grund des Seiten- wassers. Sie war fein säuberlich in einen mit Steinen beschwerten Sack eingenäht, und ihr Gesicht war schwarz. Man beschuldigte Mac Creedy der Tat, er weint«, schwieg jedoch. Er wurde ins Graf- schastsgefängnis befördert. Bei seinem Verhör blieb er stumm und wurde für schuldig befunden. Unter anderem wies man ihm nach, daß Frau Mac Creedy keine Mutter meht gehabt hatte. Während er darauf wartete, aufgeknüpft zu werden, ließ er den Kaplan kommen und gab die folgende Erklärung ab: „Pfaff". sagte er,„mir ist's ganz einerlei, was du zu sagen hast— du wirst mehr als genug schwätzen können, wcnn's mit mir vorbei ist. Nicht zu dir red' ich oder zu jemand Bestimmtem, ich bin hier eben einsam:'s ist mir ein wahrer Genuß, wieder einmal ein ander Gesicht sehen zu können als das des triefäugigen alten Kerkermeisters. Ich glaub' nicht, daß du nur um«in Haar besser bist als ich, aber tät'ich's auch, was könnt es nützen? Ich muß ja mit mir selbst Frieden machen. Mensch, glaubst du, ich wäre un- abhängig geblieben, wenn ich aus deinesgleichen gehört hätt? Dort unten haben sie ja nie.ein gutes Wort für mich gehabt, die Adeligen waren ebensa nichts nütz wie die übrigen— das Narrenvolk! Und warum haben sie kein gutes Wort für mich gehabt? Rur deshalb, weil ich immer ein unabhängiger Mensch gewesen bin. Sie werden dir erzählen, ich war geizig— schmutzig heißm sie's—, und wo tum war ich geizig? Weil ich gewußt Hab, daß sie alle gegen mich sind. Warum hätt ich ihnen auch was geben sollen? Sie haben ja nur daraus tzelauert, mir was wegzuschnappen! Sie werden sagen, ich Hab ormineiner Frau nichts gehalten: aber, Pfaff, das ist erlogen— sie war ja alles, was ich gehabt Hab! So gewiß, wie ich jetzt zu dir red— hätt ich nicht getan, was ich getan Hab, so gewiß hätt ich sie auch verloren. Den ganzen Herbst schon hat mir's vorgeschwebt. Ich gehöre nicht zu den Schwächlingen, die einer Sache nicht grad ins Gesicht sehen wollen: mich könnt ihr nicht mit schönen Redensarten abspeisen. Ich frag dich: Wenn du einen Diamanten hättest, möchtest du ihn nicht tausendmal lieber ins Meer schleudern als ihn dir stehlen lasten? Du weißt recht gut, du tätest's! Na, sie ist ja tot: und bald bin ich's auch, wenn sie mir's Leben aus dem Leibe quetschen. Pfaff, geh mir nicht davon und plapper es aus, sie hätt unrecht getan. Sie hat nie unrecht getan, hat ja kein« Zeit mehr dazu gehabt. Ich will nicht, daß du sie um ihren guten Ruf bringst, wenn'? aus ist mit mir und ich sie nimmer verteidigen kann. Aber, aber gewiß war's, wie Amen un Gebet, daß sie's getan hält: es wäre so gekommen, verstehst du? Ja, ich Hab sie verlieren müssen: und ich will dir erzählen, wie ich mich davon überzeugt hob. (Schluß folgt.) Wilhelm-Instituts für Physik in Vcrlin, wo er heute noch wirkt. Sein« Lehr« aber, zuerst langsam und wesentlich nur von dein früh verstorbenen polnisch-jlldischen Mathematiker Minkowski gefördert, nahm in den Jahren nach dem Kriege einen Weltsinn an, Amerika und England kamen zur Anerkennung der neuen Lehre. Denn man muß hier von einer„neuen Lehre" sprecheit, weil die grundlegenden Vorstellungen von der bisherigen Physik gänzlich abwichen. Die zahlreichen physikalischen Folgerungen, die astronomischen Voraus- sagen(wie Ablenkung des Lichtes durch große Massen) ergaben«in reiches Diskustionsgebiet. Heute ist die Relativitätstheorie nicht mehr umstritten, sondern anerkannt. Nur wie gejagt, einige am Alle» hängend« Philosophen weigern sich, ihre absolute Zeil aufzugeben. Minkowskis kühner Gedanke, Raunt und Zeit zu einer emheitUchen Welt zufa mm e nguf chl ie ß c n, ist von größter Bedeutung sür unser heutiges Weltbild. Denn in dieser Rau.mzeitwelt ist tatsächlich, wie es Kant geahnt hat, die Zeit oder Veränderung verblaßt und alles Werden und Vergehen auseinandergefaltet zu einem grenzenlosen Sein. Gleich der Ouantcnlehrc Plancks— alles Werden geschieht nickweste— ist die Relativitätstheorie Einsteins ein großartiges iveltumfastendes Gedonkengebäude, von einem zwar proklamiert, aber ganz aus dem Geist des Jahrhunderts heraus geboren nudoif 25 Jahre StelativUäMheorie Im Jahr« 1005 hatte Albert Einstein endlich die Arbeit scrtig, er sandte sie an die Redaktion der„Annaten der Physik". Er dachte, dies sei nun ein« ganz nette Arbeit, die er geschrieben. Und die Welt wußte noch nichts davon. Diese Arbeit aber war es, die Ein- steins unsterblich« und— bis heute— wichtigste Leistung enthüllte, die im Spätsommer 1005 unter die Wissenden nicht anders denn wie eine Bombe einschlug. Einstein war nach Absolviernug seiner Studien als Fachlehrer am Züricher Polytechnikum nach Bern ge- kommen, wo man Ulm«ine Stellung als physikalstcher Fachberater' im cidgenössischen Patentbüro verfchafst hatte. Niemals hat ein Patentamt«inen merkwürdigeren und gelehrteren Sachberaker für physikalische Fragen gehabt. Einstein ging den Erfiirduilgen mit dem gleichen kühlen und unberührten Mut entgegen wie den Dogmen der Wisseistchaft. In vielen Kopsen rumort« damals der Geist der Epoche. Man ging aufs Ganze. Die Schule von Ernst Mach �hattc gewirkt, man sah den Dingen mit Skepsis und gelinder Schadenfreude ihre schwachen Seiten ab. Einstein ging aus dieses Ziel rein praktisch vor, indem er— ähnlich ldie«inst Robert Mayer— die vorhandenen und allgemein bekonnten Tatsachen auedeutete und „richtig" wertete. Mit seinen 26 Jahren bracht« er noch genug Mut auf,«inen merkwürdigen unsichtbaren Ring zu sprengen, ohne daß man seiner gewahr wurde: Einsteins wissenschaftliche Großtat von 1905 ist die Befreiung des wissenschaftlichen Denkens von: Bor» urteil, daß es ein« absolute Zeit gcae. Ein Pierteljahrhundert ist wenig im Leben einer.neuen Lehre. Aber die Entwicklung der Relativitätstheorie gleicht dein Erscheinen cincs neuen Himmelskörpers: überraschend schnell entwickelte sich ein zwischen Physik, Geometrie, Mathematik und Philosophie gelegenes Gebiet, eine geradezu ketzerische Idee bildet« die Grundlage der neiien'Lehre. Was hott? Newton«inst gelehrt? Die Zeit ist sür sich absolut in der Welt imd verfließ« ohne Beziehung zu irgend- melchen anderen Dingen in der Welt. Und Kant gab dieser Vor- stell» ng das starre Gewand philosophischer Worchekleidung: Zeit ist die formale Bedingung aller Erscheinungen überhaupt! Freilich, meun wir beute, 25 Jahre nach Ausstellung der Einsteinschen Lehre, ftnitt nochmals genauer lesen, so können wir aus dem Luge» Herrn auch schon die handgreifliche Borahnung der Eutchronung he» Zeit» d�rlfls hcrcuttic�a: in �?■iflitveiiheirtafra Aesthetit sagt Sani, daß wir die„Bedingung zur Sinnlichkeit" nicht hätten, wie jene Ding«, die uns als Verändevimgen erscheinen, als ein« solche Er- kcnntnis begreifen würden, in der die Vorstellung der Zeit oder Ver- änderung. nicht vorkommt. Aber sicher war es nicht Kant, dem Ein- stein die Anregung verdankt, den Begriff der Zeit zu„relativieren", sondern dies war ein Gedanke", mit dem die Jahrhundertwende eben schwanger ging. In Frankreich arbeitet« Poincare, in Holland H.?l. Lnrentz am gleichen Problem. Im selben Jahre 1905, als Einsteins Arbeit erschien, veröflcntlichte auch Poincare ejn« Arbeit über die„Dynamik des Elektrons", worin er zu fast den gleichen Formeln gelangt wie Einstein. Und Ende 1904 hatte Lorentz in einer Amsterdamer Zeitschrift in englischer Sprache etwas veröffent- licht, wovon wcder Poincare noch Einstein muhten, und was sehr nahe an beider Auffassung herankam. Doch hat sich Einsteins Arbeit von der französischen und holländischen durch etwas unterschieden, was später Minkowski auf die einfach« Form gebracht hat: Einstein setzte t— t', d. h. aus der mathematischen Sprache übersetzt: er setzt« eine von Poincare und Lorentz benutzte Hilfsgröße t' einfach gleich der wirtlichen und gewöhnlichen Zeit. Damit band«? die Zeit an die übrigen Ding« dieser Welt, er führte also eint für die Beobachter von Vorgängen geltende Zeitfkala ein, die nicht mehr absolut war. sondern von jenen Vorgängen selbst diktiert wurde. Da geschahen also die Ereignisse nicht mehr i n de r Zeit, fondern es wurde nun so, daß sich aus den Ereignissen heraus etwas ableiten ließ, was pasienderwestc als die„wirkliche Zeit" bezeichnet werden konnte. Diese wirkliche physikalische Zeit entthronte die nur in der Ein- bildung der Menschen lebend? phylosophstche absolut« Zeit— wenigstens für die Physik. Denn die„Frankfurter Zeitung", das philosophisch reaktionär« Blatt Deutschlands, schrieb in einer Reihe von gegnerischen Artikeln, daß die Zeit für den Philosophen stets absolut bleiben werde, auch wenn sich die Physiker auf die sonder- bare Idee einer relativen Zeit einigen würden. Slls man 1905 die Arbeit Einsteins in Zürich und Vcrlin las, nsirktc sie sofort stark auf jene ein, die au der Spitze der Republik der Wissenschaften standen. Zwar wurde die ungewöhnlich große Tragweite des Gedankens der relativen Zeit nur von ganz wenigen «vfaßt, doch alle fühlten, daß hier«in Meister gearbeitet hatte. Ein- stein begann eine Stufenleiter akademischer Würden«nporzu- Bertern, vom Privatdozeute»« Der» bis gm» Direktor des 'llalurforfcher su Jtafler und su£aiide. Ein kleiner Dampfer, dessen Besatzung dupch eine Schar Stu- deuten beiderlei Geschlechts unter Leitung ihres Professors vervoll- ständigt wird. Aus Deck Tische mit allerlei wisjenschastlicbem Rüstzeug: Mikroskope, Lupen, Planktonnctze, Flaschen mit Rc- agenzien und weitmündige Gläser zur Ausnahme der Beute. Eine Reihe zusammenhängender Gewässer soll aus ihre Tier- und Pflanzenwelt untersucht werden, besonders auch auf die frei in ihnen schwimmenden und schwebenden pflanzlichen und tierischen Lebewesen, die man seit Haeckel das Plankton(das Schwebende) nennt. Die Planktonnctze sind Trichter aus feinster Gaze, am dünnen Ends mit einer Sammelvorrichtung in Form einer kurzen Glasröhre ver- sehen. Wählend das Netz immer wieder durch das Wasser gezogen wird und dieses durch die seinen Maschen abströmt, sammelt sich die eingefangene Lebewelt in der Glasröhre, und aus dieser wird sie von Zeit zu Zeit in die Aufnahmegefäße entleert. Wegen seiner Durch- sichtigkeit, teils auch wegen der Winzigkeit seiner Bestandteil« er- scheint das Plankton dem bloßen Auge nur wie getrübtes Wasser. Aber ein Tropfen davon unter dem Mikroskop enthüllt Aigen, dar- unter besonders Diatomeen, ferner Rädertierchcn und anderes Slei>>- voll in buntem Gemisch,«inen Mikrokosmos in teils reizvollen lri s bizarren Formen, eine Kleinwelt, die den, der sie zum ersten Male erblickt, zugleich verwirrt, erhebt und fesselt, so daß er nur ungern seinen Platz dem nächsten Beschauer räumt. Mag der Gegenpol dieser Welt, der Makrokosmos des gestirnten Himmels, auch ungleich groß- artiger wirken, ein« gewisse Einförmigkeit und die Alltäglichkeit des Anblicks.nimmt ihm etwas von dem Zauber, den ein Blick in die Kleintierwelt immer von neuem auslöst. Im großen wie im kleinen verrichten Astronom wie Biologe dieselbe Arbeit: die Welt ist un- endlich in Form und Leben, und die Kärrner haben zu tun! Das Schilf wird gestoppt, um durch Versenken einer weißcn Scheibe festzustellen, bei welcher Tiefe sie unsichtbar wird, lieber der weißen Scheibe gibt sich auch die Farbe des Wassers zu erkelillOi. Durch Behandlung mit einer Reagenzflüssigkeit wird ermittelt, ob das Wasser sauer oder akkalisch reagiert und in weichem Grade. Es gibt allerhand zu tun und zu notieren. Auf dem Sc« überall der Haubeniaucher mit seinem phan- tastisch geschmückten Kopf. Immer wieder verschwindet er, um bald darauf an einer anderen Stelle wieder aufzutauchen. Ein Milan kreist über uns. Ein Reiher fliegt über den See. Am Ufer ein an- derer, den Möwen und Kiebitze verfolgen, weil sie den Konkurrenten hassen: anhaben können sie dem Langschnabel nichts. Wir find am Rande eines großen Moores und legen bei, um einen Abstecher zu Lande zu machen. Mit einem Armvoll Pflanzen kehren wir zum Schiff zurück. Andere haben inzwischen mit Hilfe des mitgesllhrten Bootes eine Extratour in die flache Uferzone unternommen und kehren zurück, beladen mit Kalmus, Seerosen, Wasserschierling usw. Dann wird das gesammelte Gemüse von, Proiesior demonstriert. Wieder einmal zeigt sich das lebendige Wort und das lebende An- fchauungsmatsrial dem gedruckten Wort unendlich überlegen. Man weiß: was hier vorgezeigt und erläutert wird, vergißt man nicht wieder. Die riesigen Rhizome(unter Wasser im Schlamm kriechende ( Wurzelstöcke) der Seerose, die gekammerten Wurzeln des gefährlichen, von der Polizei vergeblich„verbotenen" Wasserschierlings, die am- natifche Sprosse des Kalmus, sie alle ergeben Anknüpfungspunkte sür den Vortrag des Exkursionsleiters. So populär übrigens der Kalmus ist, so ist doch wenig bekannt, daß er ein Fremdling in unserer Flora ist. Erst im Jahre 1557 wurde er aus Konstantinapel nach Wien und später nach Prag eingeführt, und aus unserer Mark wird er 1665 zum ersten Male ermähnt. Daß er ein Kind wärmerer Landstriche ist, erkennen wir auch daran, daß seine Früchte bei uns nicht reifen. Snlche Exkursionen sind, unter dem rechten Leiter, nichts weniger als trockene Angelegenheiten. Man hat zwar auch einen Haufen lateinischer Namen dabei auswendig zu lernen, aber es sehlt nicht an Internallen, in denen Gesang und Humor zu ihrem Rechte kommen. Und wenn es zum Schlüsse acht, gewinnen sie vollends die Oberhand I L. Löfkf. .Gebackenes Li«(iiinefifrtie XiehlinffsfitcUe „Gebackenes Eis?" erscheint als«in innerer Widerspruch, und trotzdem gibt es diese Eisspcifc, die das Unmögliche möglich macht und gilt in China als einzig besondere Erfrischung während der heißen Sommermonate. Allgemein wird man anneymen, daß das Speiseeis in demselben Augenblick, in dem cs auf die heiße Pfanne gebracht wird, zerschmilzt, und daß an Stelle der kühlen Cr- frifchung«in« marme Suppe mit irgendeinem Iruchlge jchmack übrigbleiben muß. Wenn man das Eis in dieser Weise behandelte, dann wunde es sich selbstverständlich den Naturgesetzen fügen und tatfäch- lich in der heißen Pfanne schmelzen. Es gibt aber einen Trick, durch den man es möglich machen kann, daß das„Elskotclcli" genau wie ein Fleifchplätzchcn oder ein Koielettstück gebraie» rder gebacken werden kann. Man nimmt zu diesem Zweck näin»ich ci» schön geformtes Stück Fruchteis, bestreut es ziemlich dick mit feinem Mehl oder mit fcingestoßnrcr Semmel und bringt es dann für kurze Zeit in die g,tt erhitzte Bratpfanne, in der das Fett bereits völlig zer- laufen ist und schon brodelt. Man läßt nun das Stück Eis einig« Augenblick« lang im kochenden Fett braten, wendet es dann auf die andere Seite und nach wenigen Sekunden ist die gebacken« Eisfpelf« fertig, die durch den Gegensatz van heiß und kalt einen ganz eigen- artigen Reiz bietet. Es gibt in China Köche, die eine ungewahnkiche (Kewandtcheit in der Herstellung nvn gebacken-?!» Eis befigen, so daß ihnen niemals dic Z Übereilung dieser Speise mißlingt. Allerdings muß diese eigenartige Eiefpeij« sehr schnell nach der Zubereitung gegessen werden, da sie sich sonst trotz aller gegenteiligen 35«- mührwge» den Naturgesetzen fügt und zu«wer wahren Soße wird. Tonne NVendfeisr des Berliner Arbeiter- Kulturkar. ißil$(Es ist ein 5)yirmus auf die Natur, ein Bekenntnis zum natürlichen Leben und ein« Kritik an der augenblicklichen Gesell- schoftsordnung. Tony Senders starke Rede wird eingerahmt von Borträgen des„Jungen Chors" und des Sprechchors für pro- lctarifche Feierstunden. Älbert F l o r a t h srpicht proletarifche Äch- turrgen mit wuchtigen Akzenten, Auf die Veranstaltung wird noch näher eingegangen werden. Leipzig sendet! die Szene„Sachsens Schusterftube" aus Wagners„Meistersingern" unter Alfred Szend- reis Leitung, Die Aufführung steht auf gutem Niveau, ohne daß eine Leistung besonders überragt, Edle Sprechkultur und plastische Gestaltungskraft verbindet Carl E b e r t mit mannlicher Beherztheit und ausgeprägtem rhythmischen Empfinden in chölderlins herrlicher Dichtung„chyperions Schicksalslied",„Hans K y s e ck s chörspiel „Der Sturz der Verdammten", eine dramatische Kampa- sstion aus der französischen Revolutionszeit, der Untergang der Ja- kobiner, wird zum Gegenstand der Darstellung gemacht. Es ist der Versuch, einen der bedeutendsten Augenblicke der Geschichte künst- lerisch.zu formen mit Ausblicken auf die Gegenwart, der Aus- riß einer wildzerrissenen Zeit, eine Diskussion um politische Fragen, Die Dichtung baut sich aus historischen Dokumenten auf. Der Stoif ist an sich berests mitreißend und am st ä r k st e n bleiben die Szenen, die diese historischen Dokumente verarbeiten. Es gelingt hier tot- sächlich, durch rein akustische Msttel stärkste dramatische Wirkungen zu erzielen. Der Regisseur Max Bing ballt die Stimmen zusammen und läßt die chanltfung in gespreizten! Tempo ablaufen, Sab, Soziattfilsche Arbeiterjugend Groß-Äerlin Chnfcn&ragm für Sief« rftuSrif not et tat 3u4ep»Idretartat. ZSatw 6255«S, öriSenffraf«} JÄttmngiortslöttS rttib W»rbebc»irk»oble»t«u Morgen gemrinfantr Sitzung um 19(ä Uhr im Dortragssoal des iSorteinorponb«, Lindrustr. 3, ll Hof, 2 TrepPen links, Sennonmcnix am Sonnabrnd, dein 23. Juni, in drn Golener Bsrgcn. Beginn 23 Uhr. Die(Sruvven und bis 22 Uhr am gestplatz, Zette mitdrenqen. Unkostenbeitrag 23 Pf. Mulik. Sprechchor, Sonnen. roendfeuer. geitrede: Genosse ssranz Künstler, M. t S. Srupven- trcffpunkte sofort dem Sekretariat einreichen. ' Heute. Mittwoch. 25. Sunt, y)W Uhr: Arkonaplrtz: Schule Elisabethkirchstr. IS...Arbeiiersugend und Nacktkultur." — kesundbrnnnen Ii! Seim Sbriftianiastr. 38.„Aufgaben der Gemerkschaften." — Norden: Heim Lortzing, Ecke öraunstratze.„Ziotionalsouoüsnnis", I. Teil.— Wedding: Heim See, ssckc Turiner Strotze,„Weltrebellion."— Aobenlchön- bansen: Schule Ding-lstadt-r Str, 3«.„Sexuelle ssragen,"— Lnisenswdt: Heim Wasseriorstr,?, Heimabend,— Lindenhoi: Restaurant �indenbof" IKIub» raums. Humoristischer Abend,— Charlotienbnrq sAeltere): Heim Olbersstraße. Tagesoolilik,— Lanlmitz: Scmeindeschule Schulstratze,„Eowletrutzland". It.?. — Tempeibos: Heim Germaniassr. I— 6.„Smuletrutzland."— Neulolln XI: Heim Elughafeiislr. 38, ffnnkiionijrlltzimg,— zriedrichsbagcn: Seim IZried- richssr, 87,'„Freikörperkultur."— sseiedrichelelbe: Heim Gunlerstr. II,„Das Kommunistische Manifest,"— Aarlshorst: Heim Treokornallee.„Arbeitersugeod und Gemerkschaften,"— Sichtenberg-Mrtte: Heim Echornmeberftr. 29,„gllm- fritü."— Ren-Lichten borg: Seim HausfstraHe,„Sotialnersscherungen,"— Lichte nbeeg. Nord: Heim EÜntcrftr, II.„Eozialiftisble Moral."— Lichtenberg- Nordwest: Heim Rathausstraßc, Baracken. Mitgiederversaminlung. Werbebezirk Tiergarten: Eprechckzorprob« 1 9U> Ubc Schule Waldenserstr. 20. Dcrbebezirk Prenzlauer Berg sTambourkapelle): Ueben für alle ltzldler linsbclondcre neue). Treffpunkt 2 VUbr nor der Schule Weblouer Str. 8. Turnschuhe mitbringen. Treffpunkt zur Svrechchorprobe WA Uhr vor dem Bezirksamt. Erscheinen ist Pflicht. W erbebe» tri vften, Eonnenwend« vom Svorikartell um W LH»:«m?rted» richshain. Werbebezi rk Neukölln: Leben zum Woldkest, Sprechchor. Sport und Smil »b 18 Uhr auf dem Sportplatz. Sonnenallee. SSS. NeukLlln: Harm Bergftr. 29, 20 Uhr.»Di« STto» in der StfeHfchafL' Referent: Genosse?I. Kurt Löivenstein. Dnfchlietzend Terienfahrtbefprechung. Borträge, Vereine undBersammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". Geschäftsstelle: Berlin S. 14. Eebastianftr. 37—36. Lok 2. Tr. Mittwoch, 25. Znui.«oddwg. Sportyruppe. Durner und Svortler um 2t» Ubr Sitzung bei Hellmann. Äazaretftfirch'ftr. 41. Erscheinen DMcht. Frkedrichshain sOrtsverein). Das angesetzte Antreten fallt aus. Cha?. lattenburg. MarflÄameradschaft. 20 Uhr Turnhalle Schillerstr. 2�.— Revlolln' Brijt. 1. Kameradschaft. Donnerstag. 26. Juni, IS�. Uhr. Platzkonzert des Mufitkarvs auf t�em Wiläenbruchviatz. Erscheinen aller Kameraden Pflicht. Nege Beteiligung anderer KameradsHaften eruntnscht.�— Prenzlauer �Berg. Altonafahrer. Abfahrt am Sonnabend, dem 26. Juni, aV* Uhr. Treffen 5 Uhr Haupteingang Lehrtor Bahnhof. Dart Empfang der ssahrkarten. Teilnehmer können sich.nach bis Donnerstagmittag bei Kamerad Hübner, Werneuchen er Straße S. melden. Trittst Faching«. Der von schmerzhaften Gichtanfällen verschont bleiben will, nimmt am besten beizeiten zu einer Trinkkur mit„Etaatl. Fechingen" Zuflucht. Räuber auf Marmorplatten verschwinden schnell. Wie hartnackig oft Ränder von Arzneiflaschen auf den Nachttisch« oder Waschtischplatten sein können, hat wohl fede Hausfrau schon erfahren. Biel Zeit und Geduld'.st erforderlich, um den häßlichen Flecken zu Leibe zu gehen. Sogar die an und für sich harmlosen Waffertropfen verursachen Arbeit, sobald sie au� d-'r Marmorvlatte angetrocknet sind. Befeuchtet man diese Stellen mit einem Lavp u, den man in heißes»iMi"'Waster getaucht hat. so verschwinden sie schnell, ohne daß viel Reiben und mübsamrs Bearbeiten nötig ist. Aller Schrnu* wird entfernt, und obendrein erhält der Marmor einen schönen Glanz. Das vielseitige Aufwasch-. Spül- und Reinigungsmittel„iMi* greift weder do- Material noch die Hände an; durch feine intensive Reinigungskraft hilft es der Hausfrau»Zeit, Kraft und Geld sparen. nieatcrl.d.Belirenstr. 53-54 S'b U. A4 Zentrum«6-927 S-.n U. Uirektio» Ralph Arthur Robert« Hein Vetler Eduard Schwank in 3 Akten von Fred Rod» ROSE •Th«at«r GtsS« Fraakturtu Ltt. 132 Bltlttttliw: AIlX,»<»«. S4»4 Täglich t.lS Uhr alt Traut», Ptul«. WIIU Rata VolKsöttlme Tieater am BfllowpWi. «1/4 L'hr Julius Caesar Sigil: bri Utitr hrth StaatLSdiiller-Di. 8 Uhr Sdierz, Satire. Ironie o. tiefere Bedeotunn Staatsoper Am PI. d Republik 8 Uhr Hie Uinaos Reichshalian-THeater ® Uhr Das wundarvollo lunlrDraaramm der Stßttiiler Sänger Tel.; Zentrum 11263 Dttaboft- Brettl(Saal und Garten) Variete-» Kontert- Taut Auf»er QarUnUliin» Ufllich du Rlwanpraararem; S-'o(Sonatags 6 übt) 3 Varietdnummetn und 81S Uhr: ..Une. Leile, Liese" mit Dltlar», H«t»r, Kerstan», Pyrmont. K»nl»h u. Htm Ros». Voromnlg«: Hosenfest im Rose-Garten Q. Joll. VorTorkauf ab morgan früh um 11 übi. Im InaftotbeAter ab 90. Jani DI«»nder« Seite" mit Robert Müller. P»ul und WUII Rose. Beottdiei Theater 8 2 Wetdemiima 5201 8 Uhr Phaea von Fritt v. Uyruh. Rege May Reinhard i Mi; tiMikk Ctllmdtr. Mtoatllto 6tul Sitittt, Die Komödie II Blsmck. 2114/7516 M Uhr W»MißlöitÄcl ssil gW>Ä? Bl Inw ä II Uhilngia TN Mii lNckM-a. Re!» rw Htsdu' hÄ: kd»... Bünnenbllder l»d,iz hiMT Sammerspiele 0! Wiidsadaram 5201 TJglich 9 Uhr SashSiil toSpiiljiDiiiii- sdiaftOsflimtStespitUl Krach um Lautnanl Blumenlhal von Alfred Htrrog. Sommerpreise Saniflwslty- Bohnen Ttioaler in (« Slrtssmanaslr. SV. Uhr Napoieen greif» ein van Walter OasaDcIevar Sjjit: ndar Binunst Komödlenhau» 8'/< Uhr Woiso SAwooter oikI ich Musik i.BaltiiiSeutä} Berliner Oraler somoenniitRihaatar Kastanienalice 7—9 TIglidi tufaog 0 Uhr der grolle Variete- Teil Eine entrückende Burleske 8,15 U. Quste Beer, Greti Lilien, Alex Raber, V. reo Kobylantka in die RflscvonStamöul Operette in 3 Akten von Leo Fall SraSes Kiinwkoi&M EintiLtspreis von SO PI. an. Dir. Dr. Kartm liöi! KoRüsclw Opar Fried rleh»tr. 104. Merkur 1401/4350. Tljlich«Vb Uhr Ueoe und reomMwU' blasen Sdwij�Pertnultr, steklir ItbiWk V Haid � Uriidi DentsdiüMlailiiiMeH JtelfuB.»co 22. Juni, noch«. S Ahr. im Colo« fUujufHn SSp-vick. Kofcnflt. 10 Versammlung aller in den Sootsbauereten von Köpenick und Fnedrichs- negen beschanigien Kollegen Tagesordnung: 1. Di- Arbeits, und Lohnoerhbltnisse in den Bootsbauer-ien. 2. Freie Aussprach». Ohne Mitgliedsbuch lein gulrttt. Wegen der Wichtigkeit der Tagesord- nunz ersuchen wir um nollzllhiiges Cr. scheinen aller Kollegen. achtung 1 Arbslisioss und KranKe! Um Oicos(ag,»cm 1. Zu« und HtUlmach,»am Z. Zu« 1930. bleibt die(Bcmctbulofieaa&fctlttttg rnttgcn OuoctalaobcechnuaB gcsdstoffeo. Alle Mitgliedsbücher der arbeitslpsm unb ironleti Kollegen müssen deshalb bis Maulag,»cm 30. Znnl 1030, an den betreffenden Schaltern abgegeben sein. 01« OrisvcruraltaBg. Thea!.«. Kollü-for Kotthuser Str 6 är. Oniit mit Herta toewe dtr dreiutw h«tii«ili Inserate im Vorwärts bring an Erfolg! 2-3000 NaiiypoflieK für partetgen. Bauer, dem eine Hgootb«! durch Betreiben d. Landdunde» gekündigt worden tst. gesucht. Wirtschaft nut g.«», 28 Marg." KSuden. ff- eltarm. Land u.®'__ Autzerdem b-Famiiienbaus. Belrieb ist mit allen neuzeifi. Maschinen ausgestattet u. steht unter ftdnMger Beratung der Land. wirtschaslskammer. Umgehende Angebote find zu richten an Otratav fcmpcl, Glasmacher, Drebkea S.-L., Sprembergrr Str. Direktion Dr. Robert Kiels Ceotsebas Kflnstler-Theat. Barbarossa 3937 täglich 9 Uhr IS lanzc um öleWelf roll dir" »a Ktrallu Schiffer ffriit: Friciriit Uolllidtr beeil: HniBrelim Tüeafer o. Mm Täglich Vit Uhr: Der BillMdenl Melropol-TD. Täglich 8>b Uhr Mit Dir allein aoi einer einsamen insei Michael Bohnen nitfiHiser. S&äidM«it. Krllgor 4 imthan tlmMchrch (in bMAtdr. 107 Besucht das schöne Hamhufg wählend des Sontmersnertwochen Die Bedeutung Hamburge ist nicht allein auf seine wirtschaftliche Funktion als ausschlaggebendes Handelszentrum und größte Hafenstadt Deutschlands zurückzuführen. Auch gesellschaftliche Ereignisse und sportliche Veranstaltungen drücken dem Antlitz der Stadt besonders in den Sommer- monaten den Stempel ihres Gepräges auf. in diesen Tagen befinden wir uns im Zeichen der Reiche- Arbeiter«Sport'Wocho. Am 12. und 13. Juli finden Internationale Ruderregatten auf der Alster statt, während In der näheren Umgebung von Hamburg vom 20. bis 26. Juni die Kieler Woche und vom 28. Juni bis 3. Juli die TravemQnder Woche ihre Anziehungskräfte ausüben. Die Nordwestdeutsche Vereinigung fOr Tuberkulose hält am 6., 7., 8. August(vor dem Internationalen Tuberkulose- Kongreß In Oslo) ihre Tagung ab. Besonderem Interesse wird die sozialistische Kuiturwoche begegnen, die zwischen dem 7. und 14. September In Hamburg stattfindet. Veranstaltungen der verschiedensten Art sind also dem Besucher Hamburgs geboten. Die Arbeitnehmer, die Hamburg besuchen, haben Gelegenheit, die Hamburger gewerkschaftliche, politische und genossenschaftliche Bewegung daneben kennenzulernen, wie zum Beispiel die Einrichtungen dos Konsumvereins Produktion, der Groß• Einkaufs• Gesellschaft deutscher Konsumvereine, der Verlagsgesellsohaft, das Gewerksohaftshaus und die Heimstätte des ADGB. und Einblick zu tun in das wirken des modernen gewerkschaftlichen Wohnungsbaues. Darum auf nach Hamburg zur Arbeit» Erholuno und zum Sport im Sommer? Jede weitere Auskunft, Zusammenstellung von Aufenthaltsprogrammen. Führungen durch Stadt und Hafen. Unterbringung m Hotels durch: Fremdonvorkehrevereln Hamburg, Alsterdamm 41. Telephon: C. 2, Bismarck 4447 oder Gomeinniitzlger Verkehrsverein GroS• Hamburg, Nageisweg 14. Telephon: H, 6, Vulkan 1260. Wer MetallarirciteMM Verwaltungsstelle Berlin Tedesansaigen Den Mitgli-d-ni zur Nachricht, daß unser Kollege, der Gürtler Paul Burghardt geb. 27. Mai 1877, am 21. Juni gestorben ist. Tie Etnltscherung findet an» Mitt- woch, dem 25. Juni. 19>ä Uhr. im Krematorium Baumschulemneg, statt. Vm 22. Juni starb unsere Kallegin, die Arbeiterin. Frieda Höhne g'b 28, Juli 1893. Die Beerdigung findet Donnerstag. den 26. Juni, 16 Uhr, aus dem SmmanuZ.Friedhos tn Neukölln statt. Am 22. Zu»! starb unser Kollege. der Schlosser Karl Fader g-d. 24 Dezember 1878. Df« Beerdigung findet Donnerstag, den 26. Juni. 16>/, Uhr, aal dem Städtischen Friedhof in Schön edorg Am 33. Zunt starb unser Kollege. der Schlosser Otto Colberg geb. 14. September 1378 Dtechinüscherung findet Sonnabend. bon 28. Zun!.. 18 Udr. tm Krematarwm Baumschulenweg statt. Ehre ihrem Andeuten! Reg, Beteiligung wird enpattet Die OrtrrerwnlhiDg. Unser« langssthrig« Kollegin Nartda Schneyder ist nach schwerem Leid«,«im 52 Anni perstorben. Ehr« ihrem Anden teil. Dan Personal»et vaewSetW. Zlftale. JteataDn, Siegsei-». sleogc 28/29. Die Einäscherung findet am 26 Juni 19>/, Uhr in, Krematorium Baum- schulenmeg statt. Für die vielen Beweis» der Lieb» und Teilnahme beim Hinscheiden meiner lieben grau, unserer guten Mutter. sag» ich«»wen innigsten Dank. 3« Namen der Hwterdltedenen Anguat SSgllag. Berlin im Auni 1930. 0RNh»SgUNg. Für die zahIreichenBeweise herzlicher Teilnahm» anlStzllch de. Hinscheiden» meinet lieben Manne» sag« Ich allen lieben Freunden. Bekannt»«. Genossen und chenosftnen der 24. Abt. und dem Reichsbanner meinen aus- richtigste» Dank. Ww. Hinna Naumann. Paten ttnateatzen„Primisssma", Metallbetten. ttulisgematratien. Ehaisewn- gues. Walter. Stargarderstratz« acht- eebn. Kein Laden.__ Röbelkönfre merke Kredit nn» bar MSbelbazor. arotze Snswabl. tl«l»e Prelle! Beispielsweise- Schlakttttwer tö5.—. Sprisezimw?- Z17.—. Herrenzimmer 889,—, Svirgel- schränk« 118.—. Dielengarn.itur 38.—. «nrichtekstche 99.—, Weilinabettstelle 66,—. Kleiderschränke 48.—. Sbaise- lonaue» 2».—. Metalldettstelle 18,—- Auflegematratze 13,—. Sonstige Möbel angemessene Preise. Teilzahlung am- schlagirei. Wpchenraten, Monatsraten Kalsarabatt bis zehn Piazent. auw auk Anzahlungen. Klein« auch ohne Pnzad- lungen. Kredite bis zwei Zahre. Möst. ssins. Kalalog franko. Hauptgelchäff: Steglitz. Lchlotzstratze u>7: 2. SesMttt: AeulLlln. Hermannplatz 7: 3. Sesäiäs:: Belle-Allianre-Strotze 96,—, Unterarnnd» bahn: I. Geschäft: Ecklänederg. Hau»:- stratze 140. gegenüber Hauptpost: S. Se- schäft: Sortbusser Straße 28.»egenüder ElitesSnaer.__* Ohne Anzahlung bis 24 Mpnatsrattn. Sckilatzlmmer. Küchen. Antlefdoscklränke. Metalldeftitellen.. Chasselangue», Saas. erdetter. Antel. Grotzi�Frankfurler- « i de l. s g w eri ing.' sästänfenallie 38. «rr-nzimmer. Gaaoltngarnituren. KIM»- Feh firg Rtesenanswabl. renztmmer. che. Awnlel ttpreise. »stuniRin�truin�rale:. Lintpian»,. llderans vre-sweri. Plana- fabni Link. Brunnenstraße 33. Piano», neu und gabraucht, mit herrlicher TsnM«. Herne Natt». lehr vre>»n>ert Sangsäbrige Garantie. berer. Stresemannstraßa 14 und Brun- nenstratz« 1S1. .tan». Lai�e," Udlfg, weltb-- ssabrcklager, Fabritpreisa. Teil- zablungen. kleine'Anzahlung. Must'e weigel. Abaldertstratze»1. PsOio Anoden. Zdmnzlger 4.40. Hunderte: 4.90, Evarrahrrn 2.30. Appavafe Te:!- chlung. Schfinleinstrnße Z. ssil-a« reedsneistraße 113.* Laterne» LS). Fahrrahdecke» Z.A> Schläuche l.Zst. Pedalen Ldll. Borde.-. rader 8256. Schbnleinftraß» X Filiale Dresdeuerstratze 118. EHSeBHIS eitel' L(JO penfck e, Platinabfälle. LSteinn, Iii. Quecksilber. Silberschm«k«e/Gold- fchmelzere! Ehrlstionat. Kbpenicker« stratze 39 lHaltestell« Adgldertstratze). Unterricht SpMelmarkt. Kor»- ltting. Waschereien Verkäufe ffeppichhaa» Cnit Sefratu, Berlin. feit 1882 nur vranfensreatze 158. SoS- lung»«rlo>cht«rung ohne«nsschla,»euer Katalaa kastentrei. �« Linoleum. Szillet. Kplonieftreße». Köpenicke» Dampswäscherei-Cbae- latU", Srttnauerltratze 3!a. Telephon 687, niSscht ohne«nmendung Icharttr Mittel, trocknet iw«reien. Billig't- Brrinberechuuns. Abholung täglich. Vermietungen V/ohnunyen | Zs�ziwmerwobnung(ültubau) ni;: Bad und Kudehisr, Riete stle'chomgrk 85.— und Reichsmark 300,—»benofien. j ichaftsantcil, auch für Ledig«, sofort de. iliebSar. W'tzel, Telephon 5 7 Dön- doks um. Zimmer I MSblierte» Rimmer mit eigenem Eingang zu billigem Preis zu per- ! mieten. Adalbertstratz- 38. v. 4 Trr Auskunfi bei ssrou Sehr, täglich oon b— 1 und S— 9 Uhr abends. Arbeitsmarkt Stellenangebote «rshalb fteSungslMt rstckttg« iba't- ahvLr werben tmnut unb überall se. raucht! Versuchen Sie es. Sie könncv nur vorwärtskommen. Wie MTben S.e tn kurzer Zeit zum Verufskabrrr aus fordern Sie Angebote. Ganz dequeme Ratenzahlungen. Besichtigen Sie un. verdinMich ötiin« Fahrschule onb über» zeugen Sie sich, was wtt Zhnen für N« Gelä ktteten. AutoWhvsehule Burg. galler, Vttmorckftr. H* Steinylatz«47,