Morgenausgabe 7!r. 293_ A145 � �rgang Wöchentlich SSPf� monatlich S.SVM. vn voraus zahlbar. Postbezug 4.32 M. einschließlich 69 Pfg. Postzeitungs« und 72 Pfg. Poftbestellgedührea. Sluslanbf abonnemeni 6.— M. pro Monat. Der.Conjjflrts* erscheint wochentZg» lich zweimal. Sonntags und Montags einmal, die Abendausgaben für Berlin und im Handel mit dem Titel.De» Rlbend�. Illustrierte Beilagen.Volt und Zeit" und �Äinderfreund". Ferner »Unterhaltung und Wissen"..Frauen. stimme"..Technik"..Blick in die Vücherwelt" und.Iugend'Dorwärt»" l�-G' berliner volksvlatt vonnerstog 26. Juni 1SZ0 Groß-Äerlin pf Auswärts i5 pf. SM« 1 1■( y a 1 1 1 g• Nonpareillezeri, A) Pfennig. SUBamezcUe 5.— Reichsmark. kleine Anzeigen' dos etlge- druckte Wort 25 Pfennig(zulässig zwe« fettgedruckte Worte), jedes wettere Wer« U Pfennig. Stellengesuch» das erst» Wort 13 Pfennig, jedes wettere Wor Ziv Pfennig. Worte über 13 Buchstabe» iihlen für zwei Worte. Arbeitsmal tt ieUe KV Pfennig. Familienanzeigen Zeil« ü Pfennig. Anzeigenannahme imchaupt» Geschäft Lindenstraße 3. wochentäglich oou 8»/, bis 17 Uhr. Jentvalorsan der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68. Lindenstraße 3 Fernsprecher: Dönbos» 292—297 Telepramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. Vorwärts-Berlag G.m.b.H. Postscheckkonto: Berlin 37 S3S.— Banklonlo: Bank der Arbeiter. Anaeftelllen und Beamten. Wallstr. 65. Dt. B n. Ditc-Ges.. Teposttenkass« Lindenstr. 3. Brüning fährt nach Neudeck Hindenburg soll die Kabinetlsbeschlüffe sanktionieren. Die Aussprache des Reichskabinells über tüe gesamtpolitische Lage wurde, wie ossiziös gemeldet wird, gestern abeud unker Vor- sitz des Reichskanzlers Dr. Brüning zu Ende geführt. Die Veratun- gen führten zu völliger Einigung über die zu ergreisendeu finanzpolitischen Rlatznahmen. Reichskanzler Dr. Brüning wird im Laufe des heutigen Tages dem Reichspräsidenten hierüber Vortrag erstatten, nach seiner Rückkehr ist am Freitag die Bekanntgabe der Beschlüsse der Reichsregiernug zu erwarten. « Angesichts der Lage des Reichskabinetts wirkt der Aus- druck„völlige Einigung" im offiziösen Bericht geradezu tragikomisch. Die„völlige Einigung" ist erreicht worden durch die Ausschiffung Moldenhauers, in Abwesen- heit des nach Augsburg verreisten B r e d t und durch Aus- »mandereinigung der Bolkspartei mit C u r t i u s. � Nach einer Meldung der Telegraphen-Union soll der sachliche Inhalt der Vorlagen dahin abgeändert worden sein, daß das Notopfer der Beamten nicht 3 sondern nur 2� Proz. betragen soll. Ueber die entscheidend wichtige Frage, ob die Einbringung eines Ermächtigungsgesetzes beab- sichtigt ist— was höchstwahrscheinlich den sofortigen Kon- flikt zur Folge hätte— oder ob Reichsrat und Reichstag um Verabschiedung, der Deckungsvorlagen auf dem normalen Weg ersucht werden sollen, schweigt sich die offiziöse Mit- teilung aus. Ein Verzicht auf das Ermächtigungsgesetz würde noch keinen Verzicht auf den Artikel 48 bedeuten für den Fall, daß die Durchdringung der Steuervorlage im Reichstag miß- lingt. Herr Brüning will aus Neudeck offenbar nicht nur die Ernennung von Dietrich zum Finanzminister und von Treviranus zum Wirffchaftsminister, sondern auch außerordentlich eB ollmachten nachHause bringen. (Weitere Meldungen siehe auch zweite Seite.) preußensieg! Die Weimarer Koalition unerschütterlich. r Der Preußische Landtag hat gestern in der Schlntz- abstimmung den Etat mit 230 gegen 6 Stimmen angenommen. Es wurden 12 Stimmen über die zur Beschluß- fähigkeit nötige Zahl hinaus abgegeben. * Die Entscheidungsschlacht um den Etat und die Steuern ist am Mittwoch im Preußischen Landtag geschlagen und von den Regierungsparteien endgültig und glänzend gewonnen worden! Vor Pfingsten hatten Nationalsozialisten und Kom- munisten, Deutschnationale, Deutsche Volksparteiler und Wirt- schaftsparteiler in trauter Koalition gemeinsame Obstruktion gegen den Staatshaushalt getrieben und verhindert, daß ein beschlußfähiges Haus zusammenkam. Ihre Taktik stützte sich auf die Tatsache, daß die Regierungsparteien im Preußischen Landtag nur über 230 von 4SV Abgeordneten verfügen und daß zur Beschlußfähigkeit 226 Abgeordnete gehören. Natür. lich ist es schwer, von 230. Abgeordneten mindestens 226 zu einer bestimmten Abstimmung im Landtag anwesend zu haben. Aber die Regierungsparteien hatten sich vorgenommen. trotz aller Schwierigkeiten diese Abstimmung durchzusetzen. und es ist gelungen. Bei den Regierungsparteien fehlten von 230 Landtagsabgcordneten nicht mehr als die entbehrlichen vier. Und zwar zufälligerweise alle vier beim Zentrum: die alten Abgeordneten G o t t w a l d und Dr. P o r s ch sind seit langem schwer krank, und zwei jüngere Zentrumsabgeordnete haben wegen akuter Erkrankungen das Krankenhaus auf- suchen müssen: sie konnten beim besten Willen nicht zur Ab- stimmung kommen. Aber von den 21 demokratischen Abge- ordneten waren 21 zur Stelle und von den 138 Sozialdemo- kraten waren auch 138 da. So verfügte die Koalition heute in der entscheidenden Abstimmung aus eigener Kraft übe? 226 Stimmen, und nun konnte sie die Obstruktion brechen. In der Tat erhielt der Etat 230 Ia-Stimmen und 8 Rein- Stimmen: es waren also 238 Stimmen abgegeben, 12 mehr als die zur Beschlußfähigkeit notwendige Zahl. Diese zwölf überschüssigen Stimmen stammten, soweit sie mit Ja abge- geben waren, vom Treoiranus-Flügel der Deutschnationalen-. die acht Rein-Stimmen von den Aufwertlern(Graf Posa- dowski) und Pohl) und den Welsen. Es ist erfreulich, daß sich im bürgerlichen Lager noch vereinzelte Abgeordnete gefunden haben, die den staatsfeindlichen Akt der Etatobstruktion nicht mitgemacht haben. Aber notwendig war diese Hilfe nicht: die Regierungsparteien hatten allein die zur Annahme des Etats notwendige beschlußfähige Zahl gestellt. Die Obstruktion ist nicht nur gebrochen worden, sondern die Parteien, die sie getrieben haben, sind auch bis auf die Knochen blamiert. Nationalsozialisten und Kom- munisten mag man einiges Verständnis entgegenbringen, wenn sie gemeinsam den Staatshaushalt und seine Verab- schiedung zu vereiteln suchen. Sie markieren zwar Wechsel- seitige Todfeindschaft: aber jeder Unterrichtete weiß, daß sie dauernd heimliche Verbündete gegen den republikanischen Staat sind. Die Wirtschaftsparteiler haben sich dieser Obstruktion angeschlossen, weil der bornierte Eigennutz engster Krämerinteressen, den sie vertreten, vor keiner Schä- digung der Allgemeinheit zurückschreckt, wenn nur ihre private Gewinnsucht auf ihre Rechnung kommt. Die Deutsch- nationalen in Hugenbergs Geist haben den Beweis er- bracht, daß sie den letzten Rest konservativer Staatsgesinnung verloren haben. Ihr giftiger Haß geg�sn die sichere sozial- demokratische Führung in Preußen und ihre wilde Gier nach der Macht im alten konservativen Stammland ließen sie Maß und Ziel vergessen und blindlings nicht gegen eine Regierung, sondern gegen den Staat an sich wüten. Aber alle diese Staatsfeinde wurden geführt von der Deutschen Volksparteil Die Partei Strese- mann obstruiert knapp ein Jahr nach seinem Tod den Etat der Republik! Die Partei Moldenhauers wehrt sich auch mit unerlaubten Mitteln gegen einen geordneten Staatshaushalt. Eine Partei, die noch immer mit einem Minister in der Reichsregierung vertreten ist, eine Partei, die sich vor ein paar Wochen Staatspartei nennen und als Partei aller vcr- antwortungsbewußten Staatsbürger neu gründen wollte, tritt alle staatlichen Interessen mit Füßen, spricht allem politi- schen Verantwortungsbewußtsein und allem Sinn für staat- liche Ordnung geradezu Hohn. Wüßte man nicht, daß die Deutsche Volkspartei in einem Zustand gänzlicher geistiger Verwirrung ist— diese Etatobstruktion würde jahrelang im Mittelpunkt der politischen Betrachtungen stehen bleiben. Es ist nicht anzunehmen, daß die Opposition in Preußen sobald wieder den Mut zu einem neuen Vorstoß findet. Was hat sie denn erreicht? Der Etat Otto Brauns ist mit 230 gegen 8 Stimmen angenommen worden. Jedenfalls hat die preußische Regierungskoalition den Gegnern ihre Stärke und Geschlossenheit vorbildlich vor Augen geführt und zu den heillosen Zuständen im Reich ein drastisches Gegenbeispiel geliefert. Der Landtag dürfte am Donnerstag und Freitag noch den Finanzausgleich zwischen Staat und Gemeinden für das Jahr 1930 und einige dringende Wirtschaftsarbeiten— neue Staatsaufträge zur Belebung des Arbeitsmarktes— vornehmen und dann in seine Sommerpause gehen. Die Notoerordnung über die Erhöhung der staatlichen Grundoermögenssteuer wurde mit 221 gegen 54 Stimmen gutgeheißen. Notopfer der Kranken. Oie Negierungspläne der Krankenkassenreform. Von Karl Litke. Einen wesentlichen Bestandteil des großen Regierungs- Programms„zur Sanierung der Finanzen und zur Ent- lastung der Wirtschaft" bildet der Gesetzentwurf über Aenderungen in der Krankenkassenver- s i che run g. Dieser Entwurf sieht nicht mehr und nicht weniger vor als ein Notopfer der Kranken zur Entlastung der Wirtschaft Der bisherige Finanzminister Moldenhauer hat diesen Gesetzentwurf selbst als eine Entschädigung der Wirt- schaft für die Beitragserhöhung der Arbeitslosenversicherung auf 4� Proz. bezeichnet, wobei er allerdings hinzuzufügen vergaß, daß den von der Beitragserhöhung der Arbeits- lofenversicherung gleichfalls betroffenen Arbeit- nehmern durch die vorgesehene Reform der Kranken- Versicherung eine weitere schwere Belastung zugemutet wird. Der Inhalt dieses Gesetzentwurfs wird dadurch schon hinreichend gekennzeichnet, daß er sich im wesentlichen die Forderungen zu«igen macht, die in der Denkschrift der Der- einig un� deutscher Arbeitgeberverbändc im März dieses Jahres aufgestellt wurden. Dieser Spitzen- verband der Unternehmer erwartet von der geplanten Re- form eine jährliche Ersparnis von 500 Millionen Mark, also einen Betrag, der etwa der Höhe der Zuschüsse entspricht, die in den kommenden Iahren die Invalidenversicherung er- fordert. Der Gesetzentwurf sieht zunächst vor, daß die Bersiche- rungsberechtigung in allen Fällen erlischt, wenn das regelmäßige Jahreseinkommen 8400 M. übersteigt. Damit wird also den Angestellten, die bis zu diesem hohen Jahres- geholt emporgestiegen sind, der Versicherungsschutz genommen, obwohl sie durch jahrelange Beitrags- leistungen sich einen berechtigten Anspruch auf die Benutzung der Krankenversicherung erworben haben. Der u nsozial« Charakter dieses Gesetzentwurfes enthüllt sich aber erst in den folgenden Bestimmungen. Der Grundlohn soll von 10 M. auf 9 M. herabgesetzt werden. Die Beiträge wurden auch weiterhin für sieben Tage in der Woche erhoben, Krankengelder dagegen nur noch für jeden Werktag, also für sechs Wochentage, gewährt. Die Folge ist, daß die Bersicherten in der höchsten Lohnstufe im Falle der övprozentigen Regelleistung statt 35 nur noch 27 M. Krankengeld die Woche erhalten. Zahlt beispielsweise eine Krankenkasse 60 Pro.z. des Grundlohnes an Krankengeld, so tritt in der höchsten Lohnstufe nach dem neuen Gesetzentwurf sogar eine Kürzung derKassen- l e i st u n g e n von 42 auf 27 M. wöchentlich ein, da nach der Reform erst nach Ablauf der sechsten Woche ein Krankengeld in Höhe von 60 Proz. des Grundlohnes ge- zahlt werden soll. Mit diesem für jeden erkrankten Arbeitnbmer lata- strophalen Leistungsabbau bei den Krankenkassen begnügt sich aber der Regierungsentwurf keineswegs. Er sieht zugleich eine neue direkte Belastung der Versicherten vor, die als völlig absurd bezeichnet werden muß So soll künstig der versicherte für Arznei, Heil- und Stärkungsmittel von den Kosten jeder Verordnung 50 Pf. als Beitrag zahlen. Außerdem muß aber der Versicherte nach den neuen Vorschriften vor der Behandlung einen Krankenschein lösen, für den eine Gebühr von einer Mark zu zahlen ist. Diese Belastung der Kranken- scheinkosten trifft alle Versicherten mit einem Grundlohn von 4 M. aufwärts, für Versicherte unter diesem Grundlohn kann die Gebühr auf die Hälfte herabgesetzt werden. Da- gegen darf die Gebühr für die höheren Lohnklassen von 7 M. Grundlohn aufwärts sogar a u f 1,50 M. herauf- geschraubt werden. Im Durchschnitt wird also jeder Versicherte bei der Krankenbehandlung mit 1,50 M. für den Krankenschein und die Arzneibeiträge vorbelastet. Für die Familien- Mitglieder soll der Versicherte die Hälfte der Arzneikosten tragen Für den Krankenschein ist die gleiche Gebühr für jedes Familienmitglied zu zahlen, die auch für die Versicher- ten gilt. Bei einer Grivpe-Epidemie kann es also passieren, daß eine Familie von Mann, Frau und zwei Kindern eine Gebühr von 6 M. entrichten muß. Diese ungeheuerliche Be- stimmung trifft den Betriebsarbeiter ebenso wie den Ar- beitslosen, den Arbeitsunfähigen, den Un- fallverletzten, den Invaliden, wie die werdende und die junge Mutter. Sollte der Reichstag diese Vorlage verabschieden, so würde er den wüh- tigsten Bestandteil der Sozialversicherung für die Massen der werktätigen Bevölkerung in einer Weise verschlechtern, die sogar der letzte Vorkriegsreichstag abge- lehnt hat. Im Jahre 1911 wurde bei der Beratung der Reichsverstcherungsordnung ein Antrag der Konservativen abgelehnt wonach die Versicherten einen Teil, h ö ch st e n s j e d o ch 2 0 P r o z., der ärztlichen Behandlungs- und Arznei- kosten selbst zu tragen hätten. Die jetzt beabsichtigte Kosten- beteiligung von 50 Pf. und die Lösung des Krankenscheins belasten jedoch einen großen Teil Erkrankter in meit höherem Maß«, als dies der damalige Antrag der Konservativen vorsah. So sieht die Entlastung der Wirtschaft aus, die auf Kosten der Kranken. Betriebsverletzten und Arbeitslosen durchgeführt werden soll. An dem Kern einer Kranken- 'kassenreform ohne Belastung der Vers icher- t e n geht dagegen dieser Entwurf vorbei. Will man die Krankenversicherung mit Erfolg reformieren und die Wirt- schaft entlasten, so soll man endliä) die unzweckmäßige und geldfressende Zersplitterung im Kranken- lassenmesen beseitigen. Die Sozialdemokratie ist schon vor dem Kriege für ein einheitliches Krankenkassenwesen eingetreten und hat den Unfug der Zersplitterung bekämpft. Sie ist'aber damals nicht durchgedrungen, und so haben wir heute in einer Zeit, wo die Rationalisierung sich auf allen Gebieten durchsetzt, in der Krankenversicherung den grotesken Zustand, daß in Deutschland neben 2142 Orstkrankenkasien über 4000 Betriebskrankenkassen, außerdem noch 914 In nungskrankenkassen und 423 Landkrankenkassen bestehen. Dem Reichstag liegt ein sozialdemokratischer Antrag vor die Mindestzahl der Mitglieder bei der Errichtung einer Jnnungskrankenkasie auf 100V festzusetzen, um auf diese Art wenigstens die gröbsten Auswüchse der Zersplitterung zu bc- seitigen. Die Regierung schreibt dagegen in ihrem Entwur nur 150 Versicherungspflichtige vor, so daß also, um ein Beispiel anzuführen, weiterhin Jnnungskrankenkassen mit 30 Gesellen und 120 Lehrlingen gebildet werden können. So versagt die Regierung in der entscheidenden Frage der Ratio nalisierung des Krankenkassenwesens vollkommen. Die Sozialdemokratie wird die Verschlechterun gen der Krankenoersicherung, die in diesem Entwurf ent- halten sind, bekämpfen und ablehnen. Mit ihr sollte jede verantwortungsbewußte Partei im Interesse der Volksgesundhett und der Erhaltung der Schaffens freudigkeit und LeistunAsfähigkeit der arbeitenden Masten an den bisher geltenden Bestimmungen der Reichsversicherungs ordnung festhalten._ Milde Richter in Stralsund. Zünsjährige Vewährvngsfrist bei lLandfriedensbruch. ! Stralsund, 25. Jum. Im Granitzer Landsvisdensprozeh verurteilt« da« Erweiterte Schöffengericht zu Stmsturtd drei der Angeklagten wegen ßaiA« friodensbruchs unter Zubilligung mildernder Umstände zu je neun, zwei weitere Angeklagte zu je sechs und sieben Angeklagte zu je drei Monaten Gefängnis mit fünfjähriger Bewähr ungs- f r i st sowie zur Tragung der Gerichtskosten. Di« Angeklagten hatten am 17. März b. I. bei einer Znxmysner steigerung, die auf Veranlassung des Strallsunder Landwirtschaftlichen Ein- und Berkaufsvereins in Granitz vorgenommen werden sollte, den Gerichtsvollzieher und sein« Begleiter tätlichange griffen. Gegen das Urteil des Schöffengerichts ist von fämtkichen AngeMagten Berufung erngelegt worhen. Auflösung einer Landvolkversammlung. Held« lholsielnj. 25. Juni. ' In einer in hemme� abgehaltenen stark bauchten Landvolk- n ers.smmluag sprach der frühere ha'lptschriftlsiter Bruno ' v li n Salom ort über die Bombevattentate. Auf«in« Wendung des Redners hin fragte der überwachende Polizeibeamte, ob er lagen walle, daß die DoMbenallentate berechtigt gewesen seien. Als von von Solomon das bejaht«, wurde die Bersammlung auf- g« l ö st._ Kommunistischer Verleumder verurieili. Köln. 25. Juni. Das erweiterte Schöffengericht verurteilte nach zweitägiger Ber- Iiandlung den verantwortlichen Schriftleiter der kommunistischen ..Sozialistischen Republik�, Stadtverordneten Peter Stahl, wegen Beleidigung zu stchs Wochen Gefängnis. Stahl hatte in einem Artikel schwere ehrenrührige Vorwürfe gegen Wohlfahrtsbeamte«rhob«n. Jrick klagt und—„gewinnt". Oessau liegi nicht in Thüringen! Oie Förderung der deuifchen Lustfahri. Lebhaste Debatte im Haushaltavsfchuß. In der Mittwochsitzung des chaushaltausschustes standen die vom Berkchrsministevium vorgelegten Richtlinien für die wirtschaftliche Förderung der deutschen Luftfahrtindustrie zur Beratung. Für diese Zwecke sind 7 Millionen im Etat für 19Zl> bewilligt. Die Richtlinien zerfallen in vier Abschnitte, und t4« Förderung soll erfolgen durch Beschaffungen für deutsche Bedarfsstellen, durch Ausfuhrförderung, durch Erleichterung de» Inlandabsatzes und durch Maßnahmen auf dem Gebiet der Sicherheit, welche der Industrie wirtschaftlich zugute kommen, und durch sonstige, nach Lag« des Einzelfalls verschiedenartige Maßnahmen. Die Beratungen wurden eingeleitet durch ausführliche vertrauliche Darlegungen des Rsichsverkehrsministers Dr. v. Guärard >iber die derzeitige Lage des deutschen Flugzeug- und Luftschiffbaues. Die Rede des Ministers gab Anlaß zu einer längeren Debatte, in die von sozialdemokratischer Seite die Genossen Keil und -st« in ig wiederholt eingrissen. Die Richtlinien wurden mit unwesentlichen Aenderungen genehmigt. Don dem Reichswirtschaftsministerium war auf Wunsch des Ausschusses eine Denkschrift über den amtlichen wirtschaftlichen Nachrichten, und Auskunstsdienst vorgelegt worden. Sowohl der ch aushalt des Auswärtigen Amts wie der des Wirt- lchastsministerumis enthalten entsprechende Ausgabepositionen. Der ganze Fragenkomplex wurde in einem Unterausschuß des Haushalt- ousschufses eingehend behandelt, und in seiner Mitttvochsitzimg erteitte der Haushaltausschuß die Genehmigung. zur Derlängeru ng des mit der Deutschen Wirtschastsdienst G.m.b.H. geschlossenen Vertrags. auf ein Jahr. Schließlich mar vom Reichsminister für Ernährung .und Landwirtschaft das Ersuchen an de» Haushallausschuß gestellt, wegen der durch die Bearbeitung der Dstsragen entstandenen starken Mehrbelastung des Ministeriums die Ernennung eines neuen Ministerialdirektors zu genehmigen, in dessen stand die Bearbeitung der gesamten Ostfragen liegen sollte. Dafür jollte im Erntihrungsministerium die Zahl der Ministerialräte um ein« Stelle vermindert werden. Das erst« Ergebnis der neuen Ostpolitik ist also die Ernennung eines hohen Miuisterialbeamten. Bon sozialdemokratischer Seite wurde die Verweisung des An- trags des Ernährungsministerium-, an einen Unterausschuß bean- tragt, die beschlossen wurde. Herr F r i ck glaubt e« der Würde seines thüringischen Minister- Postens schuldig zu sein, überall Strasanträge zu stellen, wo ein Sozialden-.cckrat ihm das Gegenteil von Hochachtung bezeigt. So hat er auch den verantwortlichen Redakteur des„Volks- Mattes für Anhalt", den Genossen Gerhart Seger, vor den Richter gezerrt. Als Frick sein« bekannte Aeußerung getan hatte, daß Severing aus die Beantwortung einer an ihn gestellten amtlichen Anfrage lange warten köime, nannte ihn Genoste Eoger frech, feige und größenwahnsinnig. Gestern fand vor dem Schöffengericht in Dessau dieserhav» die Haupwerhandlung statt, mit deren Ausgang Herr Frick nicht ganz zufrieden fein dürfte. Der Verteidiger Segcrs, Genosse Lands- b e r g, stellte eine große Zahl von Beweisanträgen, um darzutun, daß dl« Vorwürfe der Frechheit und der Feigheit voll berechtigt seien. Den Beweis der Frechheit sollten namentlich eine Reihe von Aeußevungen erbringen, die Frick im Reichstag« getan hat. Als Frechheit bezeichnete es Genosse Landsberg u. a., daß Frick die Reichsfahne als schwarzrotgelb bezeichnet, daß er die Hitler-Putschisten verherrlicht, daß er hohen preußischen und Reichsbeamten vorgeworfen hatte, sie wollten poli- tische Mordtaten nicht oerhindern, daß er ohne die geringste Unterlag« dem Mg. Mittelmann gewinnreiche Beteiligung an Reparationslieferungen nachsagt, daß er eine schamlose Bc- leidigung, die sein Freund Strasser gegen den Genossen Otto Braun begangen, im Reichstag wiederholt, daß er den Vertretern Deutschlands bei den Verhandlungen über den Doung-Plem jedes Gestihl für nationale Ehre und Würde abgesprochen, daß er von dem totenStresema ungesagt hatte, er sei für sein« Außen- Politik vom. Auslände bezahlt worden. Den Vorwurf der Feigheit wollte Genosse Landsberg damit be- weisen, daß Frick, der bei Ausbruch des Weltkrieges erst 37 Jahre alt war, nicht eine» Augenblick an der Front gewesen ist, obwohl seine vorgesetzt« Behörde ihn zweifellos auf einen enklprechenden Wunsch von seinen dienstlichen Obliegenheiten in der Heimat entbunden haben würde, serner dadurch, daß Frick vor dem Volks- gericht in München jede Beteiligung am Hitter-Putfch wider besseres Wissen in Abrede gestellt und schließlich dadurch, daß er in einem anonymen Zeitungsartikel einen höheren preußischen Beamten verleumderisch beleidigt und den verantwortlichen Redakteur, gegen den der Beleidigte Sttasontrag gestellt hatte, in der Patsche hotte sitzen lassen. Genosse Landsberg stellt« unter Beweis, daß Herr Frick eben diesem Redakteur, seinem Gesinnungsgenossen, der ihn um lieber- gäbe seines Materials bat. hotte sagen- lassen, er sei für ihn nicht zu sprechen: ferner bezog er sich aus das Zeugnis des Larsiti«»de» in jener Verhandlung, der das feige Verhalten Fricks in der schörfften Weise gerügt habe. Genosse Londsbevg führte aus, daß Frick, der überhaupt nicht polemisieren könne, ohne die Ehr« seiner Gegner anzutasten, der letzte sei, der das Recht habe, wegen scharfer Worte, die gegen ihn gebraucht würden, gerichtlich vorzugehen. Sein Verhalten werde dadurch nicht sympathischer, daß er seine Pfeile entweder aus dem Hinterhalt oder unter dem Schutze der Immunität abschieße. Die gestellten Beweisanträge seien zum mindesten für das Strafmaß erheblich, denn die Beweisaufnahme werde die Persönlichkeit Fricks in einem so bedenklichen Lichte er- scheinen lassen, daß man seinen Airspruch auf Achtung zu verneinen berechtigt sei, sa daß das Gericht höchstens zu einer geringen, d m Wert« des angegriffenen Rcchtsgutes entsprechenden Geldstrafe werde kommen können. Dos Gericht unterstellte die sämtlichen vom Verteidiger vor- gebrachten Tatsachen als wahr und erkannt« wegen formeller Beleidigung auf ISO Marl Geldstrafe: Herr Frick kann mit dem Juden aus Hebbels Schatzkästlein ausrufen: Ei wci, ich hob' gc- wonnen! Alfons und Alba. Königs die gern Präsidenten einer Republik sein wollten. Uns wird geschrieben: Die Vereitwilligkeit, mit der König Alfons Xlll. von Spanien in der van Ihnen wiedergegebenen Unterredung mit dem spanischen Politiker Santiago Alba vor einigen Tagen dem Borschlage zugestimmt haben soll, wenn die inneren Verhältnisse Spaniens die Errichtung einer Republik erforderten, auf Lebens- zeit Präsident dieser Republik werden zu wollen, ist in den letzten Jahrzehnten wiederhalt van Monarchen ausgesprochen worden, die ihren Thron wanken fühlten, sich aber doch an de? Macht erhalten wollten. Der erste dieser Könige, die Präsident zu werden bereit waren, ist König V i e t o r Emanuel II. von Italien gewesen, der wohl wußte, daß dos Ziel der meisten ttalle- nischen Einheitskämpfer eine Republik, ober keine Monarchie war. Als er daher im Jahre 1872 mit einem seiner französischen Freunde, destr Grafen de Mougny auf den S kurz R a p o l e o n s III. und die Errichtung der französischen Republik zu reden kam, äußerte er: „Ein solches Schicksal schwebt Über allen Herr- schern. Darüber aber mache ich mir keine Sorgen, weil ich Re- publikaner bin und daher auch Präsident worden würde." Bei den ewig brodelnden Zuständen Italiens unter feinem Sahne und Nachfolger, dem im Jahre 1900«rschossenen König Hmnbert, war die Republikanisierung Italiens gelegenllich in solch« Nähe gerückt, daß der italienische Ministerpräsident Benedetto C a i r o l i zu Beginn der 80er Jahr« des vergangenen Jahr- Hunderts dem König riet, die Präsidentschast anzunehmen, wenn ihn das Boll zum Präsidenten einer italienischen Republik wählen würde. Er setzte freilich hinzu, daß der Wille des königlichen Prä- rdenten sich von dem des Bolkcs nicht unterscheiden dürfe, wozu Humbert sich auch bereiterNärte. Auch Kaiser Dom Pedro II. von Brasilien gehörte zn den Fürsten, die bereit waren, auf den Wunsch ihres Volkes statt einer Krone einen Hut zu tragen. Kurz vor seiner Absetzung im Herbst 1889 hielt sich der resselustige Monarch in Rom auf und wurde dört von dem ehemaligen Internuntius in Rio de Janeiro, dem Kardinal Macenni, nach den Fortschritten der republikanischen Bewegung in seinem Lande gefragt. Auf diese Frage erwiderte Dam Pedro nachlässig und gleichgüllig:„Darum kümmere ich mich nicht: wenn die Brasilianer mich nicht mehr als Kaiser mögen und mich statt dessen zum Präsidenten machen wollen, so bin ich auch dazu bereit." Der weltkluge Priester meinte dagegen sehr richtig, daß sich die Brasilianer, wenn sie eine Republik errichten wollten, wahrscheinlich einen anderen Präsidenten wählen würben, als gerade ihren abgesetzten Kaiser. Und damit behielt Mocenni recht. So werden'es wohl auch die Spanier machen, wenn die Republik dort ausgerufen werden sollte. Völker, die ihr Schicksal in die eigenen Hände genommen haben, pflegten bisher niemals einen Mann zum Präsidenten zu wählen, der dem eben gestürzten Herrscherhause angehörte und daher viel zu sehr mit seiner che- maligen Umgebung und den monarchistischen Trodi- tionen seines Hauses verwachsen war, als daß er. ein ehrlicher Republikaner hätte fein können. Es ist übrigens kaum bekannt gc- worden, daß die g/eiche Frage im Jahre 1918 auch in Deutschland, und zwar in Württemberg vorübergehend auf- taucht«. Bei der Beliebtheit, die König Wilhelm im ganzen Lande genoß, dachte man einen Augenblick daran, ihn an die Spitze der Republik Württemberg zu stellen, ohne daß dem Gedanken abcr ein« weiter« Folge gegeben wurde. So wird ts auch mit dem spanischen Präsidenten Alfons von Bourbon noch gute Weste Haber. und die Zweifel, die Kardinal Macenni dem zuversichtlichen Kaiser van Brasilien gegenüber äußert«, dürften wohl auch dem König o:u Spanien gegenüber ihre Berechtigung noch nicht verloren haben. Brünings Regierungsparteien. BolkSpartei gibt nicht nach. Di« Reichstagsfrsktton der Deutschen Volkspartei beschäftigt« sich in«ner Fraktionssitzung am Mittwochabend nochmals mit dem Deckungsprogrannn, wie es sich auf Grund der Derhandlurrgen mit dem M nister Dietrich voraussichtlich gestatten soll. Die Fraktion hielt an ihren Beschlüssen und an den Forderungen, die ie bereits gestern dem Kabinett übermittelt hat. fest. WirtschastSpartei ahmt Volkspartei nach. Die Reichstagssraktton der Wirtschaftspartei trat gestern zu einer Sitzung zusammen, in der sie sich mit der Frage der finanziellen Scmierung beschäftigt. Es wurde beschlossen, dem Reichskanzler die Stellungnahm« der Fraktion in einem Schreiben zu über- Mitteln. Wie wir erfahren, fordert die Wirtschaftspartei eine wesentlich stärkere Ersparnis an den einzelnen Etats, als sie bisher vorgesehen war. Sie verlangt auch eine Herab- etzung der Beomtengehälter, wobei sie erklärt, daß sie den Weg der mtverschleierlen GehaltZkürzung dem eines sogenannten Notopsers vorziehen würde. Die gleiche Gehaltskürzung soll durch Reichsgesetz auch sür die Beamten der Länder und Gemeinden vor- geschrieben werden. Die Zuweisungen an die Länder sollen ent- sprechend gekürzt werden. Eine Derzehrsteuer Sehnt die Wirtschasts- Partei ab, dagegen fordert sie für die Gemeinden entweder eine Kopfsteuer oder die Besteuerung der öffentlichen Pe triebe. Bei Bewilligung ihrer Forderungen, so wird weiter erklärt,. würde die WirtschaftSpatei einem mäßigen Zuschlag. zur Einkommensteuer in den höheren Steuerstufen zustimmen. Reichstag bis Sitde Juli. Der Reichstag wird nach dem Arbeitsplan seines Aettvften- rats kaum vor Ende Iu.li in Sommerferien gehen. Mit der dritten Beratung des Reichshaushalls kann voraussichtlich erst Mitte Juli begonnen werden. Oie Schweiz gibi guies Beispiel. Scharfes Verbot an Beamte und Militärs gegen Annahme fremder Orden. Veru, 25. Zuni. fElgeoberichl.) Allt großer Mehrheil hat der Schweizer Äationalrot ein Ordeusverbol beschlossen, das Mitgliedern aller eidgenösflsch-'n und kankaualen Behörden, schweizerischen Diplomaten sowie Angehörigen des Militärs die Annahme fremder Orden untersagt. Zuwiderhandelnd« werden ihres Amtes ent- hoben. Schober bleibt fest. Ausweisungsbefehl gegen pubff bleib, b-st-b-n. Wien. 25. Juni.(Eigenbericht.) Der Bundeskanzler hatte am Mittwoch wiederum eine Be- sprechung mit den Fuhrern der Heimmehr, übev die Aus- Weisung des Major Pabst. Amtlich verlautet über das Er- gebnis der Besprechung nichts. Es'heißt jedoch, daß der Bundeskanzler es abgelehnt hat, dem ausgewiesenen Putschisten die Rückkehr nach Oesterreich zu gestatten. Er fall dagegen für Pabst einen kurzen Aufenthalt zur Regelung privater An- gelegeichellen in Aussicht gestellt haben, sobald die Affäre nicht mehr aktuell sei. Es müßten jedoch Garantien geboten werden, daß Kundgebungen aller Art unterbleibe., und Pabst sich während soincs Zluzencholles m Innsbruck politisch nicht betätige. Zwangsarbeiisabkommen beschlossen. . Goos. 25. Juni. i.c Im er nationale Arbeitskonserenz hat am Mittwochabend in einer Vollversammlung mit 78 gegen 12 Stimmen das Abkommen über die Zwangsarbeit angenommen. Von den Kolonialmächten sprach sich die Mehrzahl f n r das Abkommen aus. Ein schwerer stonfflk« ist im nberfchlefifchen Sejm zwischen«vm m 5 15 n j f i und-öcr oppositionell«?» Mehrheit < Deutsche, Korsanch-Gruppe, Sozialisten) ausgebrochen. Grazynjki weigert sich, irgendwelche Etatänderungen auch nur zu distutierea und hat angeblich„leine Zell" zum Erscheinest, Deutschlands außenpolitische Ausgaben. Mut zur Friedensarbeit!— Kampf für den Minderheitenschutz! In der fortgesetzten Zandwirtschaftsdebatte des Reichstags sprach am Dienstag nachmittag zunächst Frau Abg. Weber(Z.): Das Steigen der Preisspanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreisen in ein Skandal, usuruf von den Kommunisten: Deswegen haben Sie auch die Zölle beschlossen!) Gesetzgeberische Maßnahmen haben da allerdings wenig Zweck. Abg. Dr. horlacher(Bayer. Vp.): Die Osthilse dors nicht bei Preußen halt machen, sie muß auch die von der Tschechoslowakei be- drohte bayerischeOstmark berücksichtigen— das ist ein« grund- sätzliche Frage für uns. Das Me-istbegünstigungssystein inuß sofort oerschwinden. Abg. Ederer-Riederbayern(D. Bp.) klagt über die hohen Steuern. Abg. Drewitz(Wirtschp.) sucht nachzuweisen, daß der jetzig« Brotpreis durchaus berechtigt ist. Gegen das Brotgesetz haben wir nicht wegen des gesetzlichen Broigewichts gestimmt, sondern weil es nicht den erhöhen Röggenoerbrauch garantiert. Die Verschiedenheit der Roggenmehle ermöglicht den Brotfabriken und Konsumvereinen den größten Schwindel der Weltgeschichte, daß sie billigeres Brot hätten: dabei liefern sie tzOxrozentiges Roggenmehl mit 13 Prozent Weizenmehl und allem möglichen Dreck.(Erregte Rufe der So.z.: Schäinen Sie sich!) Abg. Frau v. hertwig-vünger(D. Vp.) spricht über die Bc- sprechungcn zur Entlastung der chausfraucn und zu ihrer Beratung. Abg. Schlange-Schömngen(Chr.-Nat.) polemisiert gegen den Abg. Graf zu Eulenburg und fordert praktische Arbeit von den Dculschnationalen. Warum hat Al?g. hergl durch das billige Schlagwort„Subvention ist Korruption" den Feinden der Landwirtschast Waffen in die Hand gegeben? Abg. Gottheiner(Dnat.) gibt dem Vorredner den Vorwurf der Ueberheblichkeit zurück, dem dieser dem Abg. Graf zu Eulenburg gemacht hat. Es folgen persönliche Bemerkungen. Darauf wird der kommunistisch« Mißtranensantrag gegen Minister Schiele g«gen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt, der Haushalt mit den Entschließungen des Aussthusies unser Ablehnung sozialdemokratischer und kommunistischer Anträge ange- nonunen.— Angenommen wird eine sozialdemokratische Entschließung zugunsten der K l e! n f i s ch e r. Das Osthilfegesetz, Milchgesetz und Kleingesetz werden dem Volkswirtschaftlichen Aus- schliß überwiesen, ebenso der sozialdemokratische Antrag aus Auf- Hebung des Dermahlungszwanges für Inlandsweizen. Darauf folgt der HaushaU des Auswärtigen Amtes, mit dem das Wirtschaftsabkommen mit Polen und Danzig, sowie eine Zlnzcchl Verträge mit Deutschösterreich verbunden sind.— Berichterstatter ist Abg. v. Freytagh-Loringhoven(Dnat.). Neichsaußenminister Or. Curtius: � Zur Außenpolitik gedenkt der Mnister vor allem der Rhein- landräumung. Die Vesrelungsfderu im Rheinland, dem wir nochmals unseren Dank für feine Treue aussprechen, werden hoffentlich da» VUd eines v-mtschllrnds zeigen, da, in den letzten und höchsten Fragen einig ist. Wir«denke» heute wieder, jenes Mannes, der feine beste Kraft für die Befreiung des Rheinlande» hingegeben hat und der nicht mehr unter uns weilt. Mögen die seelischen Wirkungen der Befreiung noch lange nachwirken! Gegenüber gewissen Presse- äutzerungen, daß die deutsche Außenpolitik nach der Rheinland- räumung neue Ziel« anstreben werde, kann ich nur sagen, daß sich die Ziele der deuischen Außenpolitik für jeden vernünftigen Beurteiler längst von selbst ergeben.-Unsere Außenpolitik war niemals so au-sschließlich auf die Lösung dieser einen Aufgab« eingestellt, daß sie darüber andere Ziele preisgegeben hätte: sie war immer darauf gerichtet, die volle politische Freiheit und Gleichberechtigung für Deutschland auch aus den Gebieten zu erreichen, wo sie heut« noch nicht als gewonnen zu bezeichnen ist. Wir werden uns mit oller Kraft für eine Entwicklung einsetzen, die den deutschen Lebens- interessen Genüge schafft, und die den Frieden sichert, dessen Schutz wir für unsere Aufgaben brauchen. In jeder Situation werocn wir kühl einschätzend unsere Möglichkeiten und Kräfte einsetzen. Unsere Beziehungen zu den Besotzungsmächten werden durch die Räumung wesentlich entlastet, die Barriere für ihre normale Gestaltung fällt. Das ist nicht«in Geschenk, sondern eine Handlung der polilischen Venwnst. die gute Früchte tragen wird. Die Liquidation des Krieges ist leider noch nicht vollendet, die Saarfrage noch nicht gelöst. Die lange Dauer der Pariser Per- Handlungen erklärt sich durch die außerordentlich verwickelten Einzel- fragen. Ich bin überzeugt, daß die Deutschen an der Saar, die stets treu zu Deutschland gehalten haben, auch diese Monate der Ungewißheit und des Harrens mit ruhiger Geduld und festen Rcrven ertragen werden. So sicher wir auch der Volksabstimmung im Zahre 1935 sind, so wäre es doch erfreulich, wenn die Saarsrage durch freiwillige Vereinbarung schon jetzt geregell würde. In Mitteleuropa sehen wir einen Zustand, wenn nicht der Gärung, so doch der inneren Bewegtheit, Tendenzen und Entwick- lungen. die in ihrem Wesen noch nicht zu bestimmen sind, ein Gemisch von neuen und alten Methoden, Fortschritt und zähes Fest- halten an Sonderintcressen, das mit allen bekannten Mitteln der Vorkriegspolitik betrieben wird. Deutschland hat nicht das mindeste Interesse einer Scheidung der Staaten in gegensätzliche Lager. Trift sie aber ein, so wird Deutschland auf der Seite derer stehen, die für seine Gleichberechtigung und eine vernünftige Fort- cntwickluna eintreten. Jedenfalls gibt es für Deutschland keinen Widerstreit zwischen seinen eigenen Interessen und denen der großen europäischen Gemeinschaft. Im Völkerbund standen bis jetzt vielfach die Sonder- besprechungen über akute Fragen im Vordergrund: zukünftig wird der Völkerbund mehr zu seinen Aufgaben kommen. Er steht noch im Anfang, die Gleichberechtigung ist noch nicht in dem notwendigen Maße durchgeiührt. Es iehien noch Vorkehrungen zur Gewähr- leistung friedlicher internationaler Entwicklung, und besonders auf den Gebieten der Abrüstung und des Minderheftenschutzcs ist noch viel Grund zü berechtigter Kritik. Noch immer sucht man jeden Forkschrill auf dem Gebiet der Abrüstung van der Gewährung einer besonderen Sicherheil abhängig zu machen, obgleich es viel richtiger wäre, nicht Krieg gegen den Zkriea zu führen, sondern dem Krieg überhaupt vorzubeugen. Wir müssen die Regierungen immer wieder auf die Verpflichtungen hinweisen, die sie bei der Errichtung des Völkerbundes übernommen haben. Das Kabinett wird in den nächsten Tagen die Beratung über die Antwort auf das Bnondsche Memorandum zur Poneuropafrage beendigen. Borher kann ich außer grundsätzlichcr Zustimmung keine Aeußerungen über Einzelheiten machen.. Di« Antwort auf. Briands Frciaebogen wird sich!ni>�inne der letzten großen Rede Stresemanns in Genf haften 3n der deutsch-russischen Politik drohte ein Umschwung zur ver- schlechlerung der Begebungen einzutreten, besonders wegen unserer Bedenken über die antireligiöse Kampagne und die Ver. schärfung der revolutionären außenpoliiischen Tendenzen der Sowjetregiervng. Die Regierung hat es für nötig gehalten, diese Störungen durch offene Besprechung der grundsätzlichen nicht materiellen Schwierig- leiten zu befestigen. Das Pressekommunique über diese Besprechun- gen enthält nichts Sensationelles, sondern im großen ganzen nur die Feststellung, daß das Prinzip der gegenseitigen Nichteinmischung in die inneren Verhältnisse die Grundlage der Beziehungen bildet. Wir müssen Wert auf gute Beziehungen Deutschlands zu seinen östlichen Nachbarn legen, besonders zu dem größten, weil der Wiederau fstteg der deutschen Wirtschaft von der Entwicklung des Exports nach dem Osten abhängt, und weil wir die Brücke vom Osten zu den westeuropäischen Staaten bilden wollen. Beim deutsch- p o ln i s ch c n Grenzzwischenfall sind wir ver- dächtigt worden, als suchten wir solche Zwischenfälle zu provozieren, um die UnHaltbarkeit dieser Grenzziehung zu beweisen. Man muß uns doch mindestens soviel polltischen verstand zv- tränen, daß wir nicht glauben. Außenpolitit mit Hilfe von Grenzzwifchensällen zu treiben. Di« Klärung des letzten Zwischenfalls ist noch nicht abgeschlossen. Die deutschen Grenzbeamten haben die Anweisung erhalten, sich größter Korrektheit in ihrem Dienst zu befleißigen. Mit Rumänien stehen wir leider noch im vertragslosen Verhältnis und auch mit Polen leider noch im Handelskrieg. Das liegt daran, daß diese Staaten den größten Wert äuf ihren' A g rä r e x p o r t legen, während wir selbst Rückfichi auf unsere notleidende Landwirtschaft nehmen müssen. Unsere Versuche, feste Zollsätze zu vermeiden, waren erfolgreich. Eine Geftchr bildet das polnische Kohlenkontingent, ohne das aber der dringend nötige Handelsvertrag gescheiten wäre. Zu den Auseinaudersetzungen, ob die Außenpolitik oder die Innenpolitik den Vorrang habe, möchte ich erklären, daß dieser Streit müßig ist, und daß ein« kraftvolle Außenpolitik ihre Vor- bedingung in konsolidierten innerpolitischen Verhältnissen höben muß. (Beifall bei den Regierungsparteien.) Abg. Or. Breiischeid(Goz.): Die Befreiung der Rheinland« scheint man auch in Deutschland bagatellieren zu wollen, obgleich jahrelang die Räumung gefordert wurde. Natürlich hätte die reichstreue rheinische Bevölkerung auch weiter die Last der Besatzung ertragen, wenn die Räumung allzu schwere Opfer erfordert hätte. Genugtuung empfinden wir darüber, daß die Räumung durch eine Politik der Ablehnung der Gewalt und der gewalllätigen Redensarten gelungen sst. Wir gedenken kn diesem Moment Stresemanns, der uns nicht nur in der Außenpolitik, sondern auch in der Innenpoliftk fehlt. (Sehr wahr! bei den Soz.) Stolz erfüllt uns, daß erst die S o z i a l- demokratie die Vorbedingungen zu dieser Politik Stresemanns geschaffen hat. Die Sozialistische Internationale forderte die Räumung schon zu einer Zeil, als die bürgerlichen Parteien der anderen Länder noch iftchl an sie dachten. Wir haben den Eindruck, daß diejenigen, die jetzt.sich zu den Feiern im Rheinland begeben, sich das alleinig« Verdienst oiz der Räu- mung zuschreiben wollen. Ein neues Aopite.t der deutschen auswärtigen Politik ist mst der Befreiung von dem Besatzungsdruck angebrochen, ober dies« Polstik hat nicht anderen Gesschtspunkten als bisher zu folgen. Wir warnen vor der Anficht, daß die deutsche Außenpolitik jetzt größere Aktivität, lies größere Angriffslust, zeigen sollt«. Eine«inseitig« Bindung an einzelne Möchte darf nicht ersolgem Eine Bindung an aus- wärtige Mächte darf nur den Charakter der Friedenssiche- r u n g tragen. Die Tatsache, daß wir 1924 den Bertrag mit der Sowjet- Union geschlossen haben, ist der beste Beweis, daß wir nicht aui Kasten des Ostens ein gutes Berhältnis zum Westen herstellen wollten. Auch die spätere deutsche Politik hat dos nur bekräftigt. Und es war gut, daß niemals ein Versuch nach anderer Richtung gemacht worden ist, der nur zum Schoden Deutschlands hätte aus- gehen können.(Zustimmung.) Deutschland treibt europäische Politik. Gewisse Parteien, besonders der Rechten, find damit nicht einver- standen. Aber niemand Hot ejn stärkeres Interesse an der sried- liehen Weiterentwicklung Gesamteuropas als Deutschland, das zwischen dem Westen und dem Osten Europas eingefügt ist, und das noch weft davon entfernt ist, seinen wirtschaftlichen Wieder» ausbau vollendet zu hoben. Es wäre verhängnisvoll, wenn die Außenpolitik, gewissen Hoffnungen und wünschen entsprechend, geändert würde, die nicht nur als Befürchtungen im Ausland laut, sondern jetzt auch in Deutschland verkündet werden. Es wäre verhängnisvoll, wenn jetzt nach Erlangung der sreien Hand «ine Außenpolitik getrieben würde, die uns in ihren Konsequenzen in betonten Gegensatz zu den Mächten führen würde, mit denen wir bisher in erster Linie zu paktieren genötigt waren, vor allem zu Frankreich oder England.(Zustimmung.) Das würde ein bedenk- licher Rückfall in die Vorkriegsdiplomatie sein, die zur Erhaltung des Gleichgewichts Bündnisse und Ententen schloß und damit den Zusammenbruch Europas herbeigeführt hat.(wehr wahr!) Für unsere Außenpolitik noch der Rheinlandräumuno soll dos Wort des Außenministers„Keine Abenteuer!", maßgebend sein. Unsere Außen- Politik kami nicht nüchtern genug betrieben werden. Für die Jugend mag es anziehender sein, wenn starke Parolen ausgegeben werden, aber wir haben die Interessen des deutschen Voltes zu wahren, und je nüchterner unsere Außenpolitik ist. um so besser für die deutsche Republik und das deutsche Volk. (Sehr wahr! links und in der Mitte.) Manche Leute haben sich von einem besonders engen freund- schaftlichen Berhältnis zu Rußland große außenpolitische Vorteile für Deutschland versprochen, das dann ein besonders starkes Gewicht, vor allem in dem Verhältnis zu den Westmächten in die Wogschale werfen könnte. Die Sozialdemokratische Partei und ihre Reichstags- fraktion sind zu Rußland und zu einer Rußland berücksichtigenden Außenpolitik durchaus positiv eingestellt. Wir sind einverstanden mit dem Festhalten an den Verträgen von Rapallo und Berlin, auch mit der Haltung, die das Auswärtige Amt in der letzten Zeit eingenommen hat, und mit den Verhandlungen in Moskau, wenn wir uns auch nicht ganz verschweigen, daß ein gewisser Widerspruch zwischen den ursprünglichen klagen der Reichsregierung über gewisse russische Dinge und dem letzten Kommunique besteht. Man hat wenig energisch angefangen, aber diese Energie scheint sich im Lause der Berhandlungen noch beträchtlich verflüchtigt zu haben. Wir möchten vor allem, daß unsere wirtschaftlichen Beziehungen zu Rußland erhallten und wenn möglich vertieft werden. Voii dem, was der Berliner Vertrag 1924 darüber gesagt hat, ist der heutige Stand dieser Beziehungen sehr weit«ntscrnl. Nicht nur, daß der deutsch-russische Handel noch lange nicht den Umfang der Vorkriegs- zeit angenommen hat, sondern es werden in Rußland dem deutsd�en Handel Schwierigkeiten bereitet, die sich einstweilen nur schwer über- winden lassen.(Sehr wahr!) Das wesentlichste Hindernis liegt gewiß in der wirtschaftlichen Lage Rußlands. Wir wünschen, daß die russische Wirtschaftsloge sich so bessert, daß auch unsere Wirt- schast davon profitieren kann, was wieder ganz Europa zugute käme. Das in Rußland bestehende Zlußenhandelsmonopol gib: jedem Meist- begünstigungsvertrag einen ganz anderen Charakter, als mit anderen Ländern. > was HUft uns die russische Meistbegünstigung, wenn die russischen Behörden wichtige und die wichtigsten Bestellungen nicht in Deutschland machen. außerdem haben sie die Möglichkeit,. Handel und Einfuhr nach Ruß- dahin zu wnzentri'sreu.'und zu dirigieren, wo es ihnen aus Wrtfchastlschen.'aber astch mis poetischen Gründen zweckmäßig er- scheint Wir sehen/ in welch' hohem Maße Rußland aus Amerika einführt. Auch zur Zeit; als die diplomatsschen Beziehungen mit England abgebrochen waren, entwickelte sich der englisch russische Handel außerordentlich stark. Man ersieht daraus, wie falsch die russische oder auch deutsch-lommunistische Behauptung ist, als ob Deutschland böswillillge Zurückhaltung übte.(Sehr wahr!) ilnfer Wunsch nach Förderung und Vertiefung der wirtschaftlichen Bc> Ziehungen bedeutet ober nichi irgendwelches Einlassen auf politisd)- militärische Spekulationen. wir fordern den Außenminister ans, die unkontrollierbaren Fäden zwischen der deutschen Reichswehr und der Sowjetarmee besonders stark zu kontrollieren. Wir wollen wirtschoflliche, allgemein politische Freundschaft mit Rußland, aber wir wollen nicht, daß irgendwelche milftärischc Beziehungen angeknüpft werden, die nicht in Einklang mit unserer Außenpolitik stehen. und die unserer Freundschaft mit Rußland einen anderen Eho. rakter geben, dadurch aber die freundschaftlichen Beziehungen Deutschlands zu anderen Staaten verschlechtern würden. (Sehr gut! bei den Soz.) Wir fordern, daß die deutsche Regierung Das rasende Michsregierungsauio. Ehauffeucwechsel bei geiler Talfahrt ist gefährlich! alles tut, um eine von Rußland geförderte innerpolitifche Agitation in Deutschland zu unterbinden. Ebensowenig wie wir uns gegen«inen Staat wegen seiner Staatssorm und Regierungsmelhoben abschließen, ebensowenig können wir uns auch an einer Kampagne beteiligen, die durch internationale Mittel die Staatsform und Rcgierungsrnethoden in einem anderen Lande ändern will. Gerade im Terh'ältnis zu Ruß- land wünschen wir nüchtern« Politik. Ich hoffe, daß nicht zum Botschafter in Moskau ein Mann er- nannt wird, der nach unserer Ueberzeugung über diese Nüchtern- heil in keiner Weise verfügt. (Abg. Stöhr(Nat.-Soz.): Gehen Sie doch nach Moskau!) Nein, am lubsten würde ich Sie hinschicken, aber ich fürchte, Sie bleiben uns erhalten.(Heiterkeit.) Jedenfalls glaube ich, daß Sie mit Ihren Methoden in Rußland viel günstiger wirken könnten und auch viel freundlicher aufgenommen werden würden, als einer von uns. (Heiterkeit.) Wir Sozialdemokraten sind zum großen Teil darauf ongewiejen, Nachrichten über die Zustände in Rußland aus zweiter Hand zu beziehen. Die russisch« Regierung, die bürger- liche und besonders deutschnationale Journalisten mit Freude und sogar mit einer gewissen Begeisterung begrüßt, läßt keinen sozial- dcinokratischen Berichterstotter zu. Wir müssen vielleicht auch miß- trauischcr sein, als z. 23. Herr Kollege Hoetzsch, der ja so häufig Gelegenheit nimmt, sich selbst in Rußland zu informieren. Aber unser Gesamturteil über die russischen Verhältnisse ist doch wohl durchaus richtig, und es mahnt uns zur denkbar größten Lorsicht und Zurückhaltung. Dasselbe gilt auch von Italien. Manche Leute wollen, daß nach der Rheinlandräumung engere Beziehungen mit Italien hergestellt ivcrden, als schon bestehen. Auch die faschistische Stoatssorm und ihre Regierungsmethoden können eine demokratische Republik nicht veranlassen, sich vollständig gegen Italien abzuschließen. Aber wa» sollten engere Beziehungen zu Italien uns nützen? (Abg. Stöhr: Fragen Sie Herrn Theodor Wolfs!— Heiterkeit.) Wie sollte Mussolini uns nützen, zumal bei der jetzigen starken«pnn- iiung zwischen Frankreich und Italien, die Truppen gegeneinander ansammeln. Wenn Worte Taten wären, dann bedeuteten gewisse italienische Reden schon den Krieg. Wir hoffen, daß die bestehendeir Kriegsverhütungsmethoden(Lachen rechts) den Ausbruch des Kon- flikts vermieden werden. Aber nichts wäre für Deutschland bedenklicher, als eine Anlehnung an Italien und dadurch ein Gegensah zu Frankreich. Außerdem gibt es eine gewisse Ethik für die Republik und für die Demokratie, und diese verbietet eine Politik besoicderer Freundschaft mit dem Faschismus, und noch dazu eines Gegensatzes gegen dos republika- nische Frankreich. Die deutsche Republik darf dem' System Mussolini nicht diese moralische Rückenstärkung geben.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Di« Grenzzwischenfälle mit Polen sind offenbar nicht von deutscher Seit« provoziert worden; doch ist ein« gewiss« Einschrän- kling z» machen. Die Affäre N e u h ö f c n hat eine verzweifelte 2lehnlichkeit mit dem Fall Schnäbele l887, der uns nahe an den Rand eines Krieges mit Frankreich geführt hat. Man sollte die deulschcn Grenzbeamtcn ausdrücklich dahin instruieren, daß sie sich nicht nur jeder direkten Provokation, sondern auch jeder Lockspitzeltätigkeil»bedingt zu enthalten haben. Vor lS14 hätte eine solche Häufung von Grcnzkonflikten leicht die Kriegsgefahr heraufbeschwören können. Wir sehen, daß der 23«r- sländigungsgedanke große Fortschritte gemacht hat. Wir müssen auf diesem Wege bleiben, um zwar longsam, aber schließlich doch das Verhältnis zwischen Deutschland und Polen zu bessern. Won verlangt aktive Slußenpolitik. Sie könnte darin be- stehen, daß man im Etat des Auswärtigen Amtes die Sparsamkeit «inführt, die in den anderen Ministerien schon geübt wird. Di« großen Aufwendungen für die Vertretungen in Angara und Kon- stantinopel, gewiss« auffallend hohe Ausgaben für Einrichtungs- gegenstände und Reisekosten sind zwar im Verhältnis zum Gesamt- etat geringfügig, zeigen aber, daß im auswärtigen Dienst immer noch ein Geist herrscht, der von dem allgemeinen Empfinden in den republikanischen 2z«rwaltungen sich stark unterscheidet. Wenn aber ein diplomatischer Vertreter des Reiches hohe Ausgaben u. a. damit begründet, daß die Seidenstrümpfe für Damen in der betreffenden Hauptstadt außerordentlich teuer seien, während jedermann weiß, daß er sie durch den Kurier aus Berlin mitbringen läßt, so ist das eine schlimme Irreführung nicht nur seiner Behörde, sondern auch der Volksvertretung, die diese Gelder bewilligt.(Lebhafte Zustimmung.) Neben ganz ausgezeichneten Beamten sind im auswärtigen Dienst auch Herren tätig, die bei besonderer Hervorhebung des äußerlichen Auftretens sich'dem Geist und Wesen der demokratischen Republik nicht anpassen und noch in jener Zeit zu leben scheinen, da die Diplomaten nur mit Fürsten und ihren Ministern zu tun hatten, während sie heute Deutschland bei dem ganzen Volk vertreten sollen, bei dessen Rc- gierung si«� beglaubigt sind. 2luch hier müßte auf Wandel gesehen werden.(Sehr wahr! links) Oder sieht man die Aktivität der Außenpolitik vielleicht in der Förderung deutscher Kolonialpropaganda, wie sie jetzt unter Mißbrauch des Auswärtigen Amtes betrieben wird?!Wir wollen die Aktivität der Außenpolitik darin sehen, daß sie die An- Näherung und Verständigung zwischen den Staaten fördert. Diesem Ziel streben wir zu, und darum begrüßen wir das Memorandum Brionds. Freilich drängt es die wirtschaftlichen Fragen sehr bedauerlicherweise in den Hintergrund und macht ihre Regelung von einem vorherigen Abkommen über die Sicherheit abhängig, obgleich nicht zu erkennen ist, was beides miteinander zu tun hat. Verhindert maß werden, daß durch eine europäisch« Organisation der Völkerbund geschwächt oder geschädigt werde. Er ist zwar noch lange nicht unser Ideal, aber es dars nicht ein Koukurrenzverband die Bedeutung dieses Weltbundes einschränken, lieber die Aufrechterhaltung der Sou- veränität der Einzelstaaten, die Briond sonderbarerweise auch im europäischen 23erband erhalten will, könnte man verschiedene Mei- nungen äußern.(Zuruf rechts: Sie haben ja schon die deutsche Souveränität beseitigt!) Jeder internationale Bertrag ist eine Be- schränkung der Souveränität, Deutschland hat darüber hinaus große Teil« seiner Souveränität verloren. Man sollte zu dem Begriff der Gleichberechtigung übergehen. die heule freilich nicht vorhanden ist. Unser« Abrüstung wollen wir ober nicht wie Sie(nach rechts) durch Aufrüstung ersetzen und durch Beseitigung der entmilitarisierten Rheinzone, aber wir fordern, daß die anderen Regierungen ihrä Verpflichtungen aus dem Bersailler Vertrag und aus dem Völker- bundspatt erfüllen. In die Genfer Verhaiildlungen über den Plan Briands tritt Deuffchland mit dem Vorbehalt seiner Gleichberechti- gung ein und daß der neue Pakt die Reoifionsmöglichkeiten älterer Verträge stärker heräusarbeiten muß, als der Artikel 19 des Völker- bundpaktes.(Zustimmung.) In dem Memorandum Brionds ist kein Hinweis enthalten auf das große Problem des Minderheitenschutzes, dessen Regelung eine Voraussetzung iür das Gelingen des ganzen Planes ist. Hier er- mächst Deutschland die"Ausgabe des Eintretens für alle, nicht nur für die deutschen Minderheiten. Kennzeichnend für die Zustände aus diesem Gebiet ist die Behandlung der Schriftstellerin Isolde Reiter, die wegen ihres Eintretens für die deutsche Minderheit in Süd- slawien oerhastet, in infamster Weise mißhandelt und gefoltert worden ist. Dieser Fall ist ein wahrer c-chond'lcck für Europa, gar nicht zu reden von der südslawischen Diktatur als solcher. Geaea all« Verfolgungen der Mlnderhelken auszukrelen, da» wäre eine Aufgab« der deutscheu Politik. (Lebhaste Zustimmung.) Der Zusammenschluß Europas ist politisch. kulturell und wirtschaftlich notwendig, das letztere wegen der schweren Konkurrenz Amerikas. Gleichberechtigung für alle, auch cht diejenigen, die in einem Staat mit anderer Volksmehrheit leben müssen, ist die Borbedingung. Unsere Außenpolitik kann nur dahin gehen, die Verständigimg, den friedlichen Ausgleich der Völker herbeizuführen. Das ist keine Parole, mit der man zunächst die Jugend begeistert, aber nrit haben die Aufgabe, die Erkenntnis in die Köpfe zu bringen� daß inir die Friedenspolitik Europa vorwärts bringen kann. Manche nennen das Feigheit, aber es gehört in Deutschland heule wahrhastig mehr Wut dazu, den Frieden zu verteidigen, als gewalsiame tionflikle heraufzubeschwören, wie es besonders jene tun, die für die Gewalt nicht zu haben sind, wenn an sie appelliert wird, und die im Weltkrieg den Felnd so gehaßt haben, daß sie ihn nicht einmal sehen wollten.(Heiterkeit) Die Friedenspolitik ist die einzige, die im Interesse Deutschlands und Europas liegt!(Lebh. anhaltender Beifall der Soz.) Slbg. v. Freytagh-Loringhoven(Dnai): Unser auswärtiger Etat ist um 75 Proz. höher, als der französisch?(Hört, hört!), hauptsachlich infolge des zu starken Personals. Militärattaches sollten wieder ernannt werden. Es ist unverständlich, daß in den deutsch-nissischen Verhandlungen die gegenseitige Nichteinniischung vereinbart wurde. England hat, obgleicfc es auch über das Unterbleiben russischer �siro- paganda verhandelt hat, sich niemals mit Rußland auf eine stufe stellen lassen. Hat Deutschland etwa Propaganda für die Weimarer Verfassung in Rußland getrieben?(Heiterkeit.) Der Redner ver- urteilt die„Schlappheit" Deutschlands bei dem deutsch-polnischen Grenzzwischenfall. Fördert es das Vertraue» zur französischen Friedensbereitschast, wenn wir uns gefallen lassen müssen, daß die abziehenden französffchon Offiziere ihre Degen in den Rhein tauchen, und wenn der internationale Bcrhnschutz des Saargebiets im f r a n- zösischen Heeresetat als reguläre Truppe erscheint? Abg. lllihka(Z.): Wir begrüßen das Europamemorandum Briands wie olle Bestrebungen, die Völker vor dem gegenseitigen Bekämpfen zu schützen. Die ständige Betonung des Sicherheits- Momentes durch BriaNd erregt allerdings unser Mißtrauen. Mit so chauvinistischen Völkern, wie sie in Europa noch existieren. und ohne die Abschaffung des Versailler Vertrages ist Panenropa nicht zu verwirklichen. Die Ostgrenze Deutschlands ist unhaltbar; das braucht nicht durch Grenzzwischenfälle bewiesen zu werden. Auch die Besserung der Behandlung der deutschen Minderheit in Polen ist eine Vorbedingung für Paneuropa. Wir begrüßen den deutsch-polnischen Handels- »ertrag. Wir fordern die Rückkehr des Saargebiets in den deutschen Zollverband. Wir haben eine Zolleinheit des Saargebietcs mit Frankreich nach seiner Rückkehr zu Deutschland nie diskutiert. Slbg. v. Mumm(Christl.-nat. Arbeitsgemeinschaft) spricht von den Leiden und"Nöten der Christen in Rußland(Erregte Zwischen- ruf« der Kommunisten) und gegen den unchristlichen Manimoniemus der Gegner Deutschlands, die uns unerträgliche Lasten auferlegen. Um 18 Uhr vertagt sich der Reichstag auf heute, 11 Uhr: Notetat; Fortsetzung der außenpolitischen Debatte; Anträge auf Zlufhcbung der Immunität von Abgeordneten» (Gewerkschaftliches siehe 2. Beilage.? Zierantworllich wr Politik: Dr. Curt Seiler: WirtschaN: S. ttli»gell>öter. Scwcrkschaftsbewegung: Z. Steine«; Feuilleton: X. K. Dölcher; Lokol cz und Eonstiaes: Sri« ttargädt: AnMioen: Td. Stocke: sämtlich tn Berlin. Verlag: Vorwärto-Verlag S. m. b. H. Berlin. Druck: Bormärts.Buchdruckerii und Lerlagsanstalt Paul Tingrr u. So.. Berlin SW. 68, Lindenktraße S Sierzn 2 Beilagen. VoiKsbUlme Iteter am Bülowplalz. »>/« Uhr Julius Gaesar Regit: Rtri Heini Maitis Staat). Sdillisr-Ih. 8 Uhr DerTraom ein Leben Direktion Dr. Robert Klein Deutsches KOnsIler-The»!. Barbarossa 3937 l'äglich 8'/» Uhr „Ikli tanze um lUeWeltmitktlr" nn Marceil«! Sdiiffar Husit; kneänld Holländer Rogli; Hans Brohm TDcal. a. KDUM.Tot Koitbuser Str. 6 Mem. Wejteni Täglich 8Va Uhr: Der mit Herta Loews der dwtetec Rkittgi!! 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VorTcrkauf ab morgen früh um 1 1 Uhr. Im Innenthcater ab 30. Juni »•Die andere Seife" mit Robart Müller, Paul und Willi Rose. D 2 Weidendaimii 5211 8 Uhr Phaea von Fritz v. Unruh. Reg.: Max Reinhardt Hofft: Friedrirt» Rollsstider. Eübaenbilder Ernst Sdisfit. Die Komödie jl Bismck. 2414/7518 8>, Uhr Vle werde idi teidi ond gioddidi 7 5o Konus in 1 1 AbtrilDogto von Felix Joadrmson. Mosft von liistha Spoliaasky. Regie: Eridi Engel Bühnenbilder Ludwig Reiner kammerspiele 1 2 Weidendsmin 5211 Täglich 9 Uhr Gastspiel derSpielgemein- sdiaftlarligerSdiaiispieler Krach um Leutnant Blumenlhal von Alfred Herzog. Sommerpreise �fmsnvtte WIMM Restaurant Berlins RETRIEB KEMPINSKIw Dir. Ir. Mariig Zickel Komische Oper Friedrichstr. 104. .Merkur 1401/4330. Täglich 8', 4 Uhr Liebe ond Trompeten' blasen Sdnli/Wütinniitr/ Flnll« JihrtKdt/ Haid s BetriuH Berliner Proter Soramenailenilicaler Kastanienallee 7—9 Täglidi Anfang 4 Dhr der große Varietä- Teil Eine entzückende Burleske 8,15 U Qustl Beer, Oretl Lilien, Alex Haber, V. von Kobylanska in die fiosc vonStamliBi Operette in 3 Akten von Leo Fall GroBct Ratieekodien Heute Volkstag! Auf allen numer. Plätzen 50 PL außer Logen. Netropol-Th. Täglich S'h Uhr Riit Dir allem aui Insel Michael Bohnen IM MtMIMMIIKlf Nur aross- Berlin ÄlaxandTplat« Reichshallen-Theater |T| Uhr stettiner sangor Das große Programm! DiDlioff-BrEtti und Garten VarieW— Konzert- Tanz Rennen zu Karlshorst Donnerstag, den 26. Juni 1930 nachmittags 3 Uhr Germania. BarnnwskHolinen Theater in der SireseuaMstr. Uhr Napoleon greikt ein too Walter toclevei Regie: Vidor Barunnty Komödianhau« SVi Uhr Meine Sdiwester und idi Masikv. Ralph Benahk) DeilsiMtallaiMteMiiiI uerwaitungsmitgiieder! Am Freitag, dem 27. Juni, abds. 7 Uhr. Sitzung der Mittleren Ortsverwaltung. vi« Orisverwalhmg, Für die Errichtung von Ferien- und Erholungsheimen wird das erforderlich- Baugelände unentgeltlich zur Verfügung gestellt. TRcgistrak der vergstadl Elaunlhal-Zrllerseld i. Oberharz. Für die vielen Betveise aufrichtiger Teilnahme beim Hinscheiden meines liebeji unvergeßlichen Mannes Hermann Körber sage ich allen lieben Verwandten und Bekannten, dem Kegelklub„Geseiliekeit", den Angehörigen der Reichsdruckeiei, dem Deutschen Werk- meistereerband und der SPD. auf diesem Wege herzlichen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Amalle KOrber geb. Woller Berlin- Mariendorf, den 26. Juni 1930. Probieren Sie gratis! ▲Ilerbeater deutlicher Obstdeasertweln. Liter von 0.75 an Extra prima Pflilxer Weine....... a»•»*. Vi Fl. 0.80 Feinster NierMelner n. 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ElDheitsmDand d.Elseotiatiner Deulsöilanfls, OrlsoniDpe Berlin Der Itollegenschaft zur Kennwis. daß der Pensionär August Neue im Alter von 78 Jahren am 23. Juni verstorben ist. Ehre seine« Andenken I Die Beerdigung findet am 27. Juni, um 18 Uhr. aus dem Friedhof AU- Friedrichsseide statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltimg. Für die Teilnahme bei der Sin- äscherung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Be- tannteu, sowie dem Verband der EteinarbeUer und dem Herrn Redner de» Berdande» der Frcidenter mei- nen innigsten DanL Marie Herzog. Tlr. 293* 47. Jahrgang*1«<�9 01*10(11�5 Donnerstag, 26. Juni-1930 IIVI' vlUlI'SeIieiII'02S88 IN«88881. Das Drama des VaterrMchers. i Kassel. 2S. Iuw. fjkr Kegann der mit Spannung erwartel« Llukracheprozeg gegen den ehemaligen Schuhpolizeibeamlen Wilhelm Wille aus Frankfurt am Mai», der am g. Zanuor lSZ0 den S5jöhrigen Weihbindermeister Johannes Claus in Niedermöllrich niederschoß. Bekanntlich hakte der Sohn des Claus den Vater des Angeklagten bei einem Ausommenftoh erschossen. Der Angeklagte schildert zunächst seine Erziehung und seine Tätigkeit auf einem Elektrizitätswerk. Seit seiner Kindheit habe er mit Liebe und Verehrung an seinem Voter gehangen. Wille komnit dann auf die Vorgänge des 5. September 1927 zu sprechen, wo der wahnsinnig gewordene frühere Schutzpolizeibeamie Heinrich Claus, der sich im Hause seiner Eltern in Niedermöllrich verschanzt hatte, den Landsäger Wille, den Vater des Angeklagten, erschoß. Als er seinen Vater neben sich sterbend habe zusammen- brechen sehen, sei dem Angeklagten der Gedanke gekommen, er müsse sich an der Familie des Mörders rächen. Noch wochenlang nach der Tat habe er keinen Schlaf finden können. Damals schon habe er dem alten Claus vorgeworfen, daß er an der Katastrophe schuld sei, da er um die Brutalität seines Sohnes gewußt und es untsrlasien habe, Anzeige.zu erstatten, daß dieser Munition und Revolver im Hause ausbewahre. Willes Mutter sei wegen der Vorfälle schwermütig geworden. Wille trat im April 1929 bei der Frankfurter Schutzpolizei ein, wo er seinen Dienst zur Zufriedenheit ausführte Der Zeuge Polizeihauptmann Stein- Hausen erklärt, an einem Krawollabend in Frankfurt habe er bei Wille außerordentliche Erregung bemerkt, so daß es größter Mühe bedurft Habs, ihn vor einer Ausschreitung zurückzuhalten. Der Zeuge habe damals bereits den Eindruck gehabt, daß Wille seel'sch außerordentlich unter der Ermordung seines Vaters litte und daß er in den Unruhestiftern Menschen erblicke, an denen er sich rächen müsic. Wille schildert dann seine heimliche Abreise von Frankfurt und seinen Fußmarsch noch Niedermöllrich, von dem festen Vorsatz beseelt, die ganze Familie Claus niederzu- schießen. Er habe zuerst den jüngsten Sohn der Familie getrofsen. diesen aber aus Mitleii�nicht getötet. Als der alte Claus über die Schwelle getreten sei, habe er zwei Schüsse auf ihn ab- gegeben. Nach der Tat hat sich Wille der Polizei gestellt. Mit der Ausführung des Mordes sei eine erlösende Ruhe über ihn ge- kommen. In der Verhandlung bezeichneten alle Zeugen übereinstimmend den Angeklagten als einen sonst ruhigen Menschen, der mit groger Liebe an seinem Vater hing. Der psychiatrische Sachverständige schilderte den Angeklagten als einen für die Tat durchaus verant- wortlichen Menschen, bei dem jedoch zu berücksichtigen sei, daß er an starker Ueberwertigkeit leide, so daß ihn der Gedanke, den Vater auf alle Fälle rächen zu müssen, nicht mehr verlosten habe. Der Staatsanmalt ging ans diesen Punkt des Sachverständigengutachtens ein und ließ die Anklage wegen Mordes fallen. Er beantragte wegen Totschlags unter Billigung mildernder Umstände, die aus dem tragischen Tod des Vaters erklärt wurden, vier Jahr« Gefäng- nis Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu drei Jahren Gefängnis. Auch ein Schatzmeister. Die Riesenunterschleife beim Deutschen Sängerbund. vor dem Schöffengericht Charloltenburg verankwortete sich gestern der Schahmeister des Deutschen Sängerbundes. Reblin. Cr soll Im Laufe von süns Jahren, von 1324 bis 1323, nicht mehr und nicht weniger als 316 000 M. Bundes- gelber unterschlagen und veruntreut haben. Redlin ist der Sohn eines Stettiner Kaufmanns: er studierte am orientalischen Seminar Sprachen, speziell arabisch. Sein Vater war dagegen, daß er Dolmetscher wurde. So wurde«r P a r l a- mentsstenograph im Preußischen Landtag, wachte seinen Gerichtsassessor, erhielt eine Anstellung bei Siemens und war, wie er behauptet, die rechte Hand des Direktors. 1929 schied er mü einer Abfindungssumme von 39 999 M. aus dem Unternehmen aus. Schon früher hotte er großes Interesse für den Deutschen Sänger- bund und wurde schließlich dessen Schatzmeister. Für das Fest des Deutschen Sängerbundes in Wien, das der Anschlußidee zwischen Deutschland und Oesterreich dienen sollte, hatte der Reichstag«inen Zuschuß von 199 999 M. gestift.'l. Im Mai vorigen Jahres fand gelegentlich der Hauptausschußsitzung in Heidelberg eine Prüfung der Kassenlage statt. Der Verbleib der vom Reichstag zugeschossenen 199 999 M. konnte nicht festgestellt werden. Redlin mußte eingestehen, diese riesige Summe für sich verwendek zu haben. Die Bücher wurden nachgeprüft und es ergab sich folgendes: Nach der Stabilisierung der Mark wurden zwei Konten an- gelegt, das sogenannte Liederkonto und das Konto für reine Vcrwaltungsangelcgenheiten. Reblin hob vom ersten Konto verschiedentlich Summen ab und richtete San- derkonten ein. Er behauptet, dies getan zu haben, weil der Deutsche Sängerbund nicht als Kontoinhaber in irgendeiner Bank auftreten sollte. Van diesem Liederkonto fehlten S00 999 M.. von dem Konto für reine Berwattungsangelegenheiten 416 999 M. So hatte Redlin z. B. von dem Ueberschuh, den dos Sängerfest in Hon- nover ergeben hatte, etwa 14 999 M. als Beitrag zur Errichtung eines Denkmals für die gefallenen Mitglieder des Sängerbundes abgeliefert und 29 999 M. fürfich verausgabt. Auch bei der Sächsischen Staatsbank entnommene Darlehen in Höhe von 69 999 Mark hatte er veruntreut, ebenso ein Darlehen, das er bei der Darmstädter und Nationalbank in Hannover erhallen hat. Wo war aber das viele Geld geblieben? Das Rätsel war leicht gelöst. Redlin war nämlich ein l« i d e n s ch a f:- l icher Sa-mmler. Er hatte ein« Markensammlung von 39 Bänden angelegt: ihren Wert schätzt er auf 399 999 M.: ferner Porzellansam in lungen im Werte von 13 999 bis 39 999 M. Schließlich hatte er mehr als 299 999 M. in ein Far- benfilmunternehmen hineingesteckt, und die Einnahmen, die«r aus dem Unternehmen bekam, gleichfalls für sich verwendet. Bar Gericht erklärte er, er habe die Markensammlungen ol? Kapitalanlage für den Sängerbund angelegt,, es fei ein« sicherere Anlage als Wertpapiere. Der Vorsitzende, gleichfalls Markensammler, ist darüber anderer Ansicht. Er stdllt übrigens fest, daß der Angeklagte von dieser Anläge der Bundcsgelder niemandem von den Vorstandsmitgliedern Mitteilung gemacht habe. Herr Redlin besaß aber auch außerordentliche kausmännisch- Interessen. So hatte es ihm ganz besonders der farbige Film an- getan. Er steckte in die Versuche eines bekannten polnischen Er- sinders über 209 999 Mark Vereinsgelder, wurde In haber von etwa einem Dutzend Potemen, die in verschiedenen Län- dern Wsatz fanden, erhielt auch einen Verdienst von 179 999 Mark. dacht« aber gar sticht daran, das Geld an die Kasse des Sängerbundes abzuführen. Wie es mit der Buchführung und der Kontrolle im Sängerbund aussah, erfuhr man von dem Geschäftsführer. Herr Reblin ließ diesen an die wirtschaftliche Leitung des Bundes überhaupt nicht heran. Gewisse Dinge, wie zum Beispiel Verhandlungen wegen Spenden irnd dergleichen mehr, betrachtete Herr Redli» als seine Angelegenheit. Der unterbrochene Ozeanflug. Kingsford Smith will heute seinen Flug fortsetzen. ZI e w g(i r k. ZZ. Juni. Di« lransoMnflieger werden nach Versorgung des Flugzeug» „Soulhern Crnß" mit Vetriebsstofs ihren Flug nach New Vvrk morgen bel Tagesanbruch sorlseßen. Das Flugzeug hatte auf dem ganzen Fluge ideales Meiler, bis es sich Zleusundland näherte. Cs hatte bei der Landung nur noch für vier Flugstnndeu Belriebsstoss. kingssord Smith erklärte nach der Landung, wenu er nicht einen so vorzüglichen Fvnkapparat gehabt halle, wäre er wohl niemals aus dem Zlebelmcer herausgekommen. « Di« zweit« geglückte Uebenvindung de» Ozeans durch«in Fluazeug in der Ostwestrichtung endete w'e die erste in der Gegend von Neufundland. Di«„B r« m c n" mit Koehl, Hünefeld und Fitzmaurice an Bord landete am 13. April 1323 aus Green ly Island in der Belle-Isle-Strahe, die Neufundlands Nordwcstiüste vom amrikanischen Festland, den? unwirtlichen Labrador, trennt. Das„Kreuz des Südens" mit Kingssord-SmitH, van Dyke, Soul und Staonage mußte bei Horbour Grace an der Ostküste Neufund. lands niedergehen. Hünefelds erstes Telegramm an den Nord- devtichen Lloyd berichtete:„Zwischenlandung notwendig geworden durch Brennstoffmangel." Die gleiche Ursache für die vorzeitig« Landung wird in den Nachrichten, die über Kingsford-Smith vorliegen, angegeben. Es scheint also fast so, als ob gegenwärtig die Bewältigung der Strecke Europa— Neufundland die Höchstleistung in Anrechnung der ersaßbaren Brennftossmengen darstellt. Koehl hat zwar Labrador ongeslog««, mußte aber nach Nenftindland zurück, da in dem riesigen unbewohnten Gebiet keine Londungsmöglichkeit besteht. Allgemeine Flugblettverbreltung am Sonnabend, dem 28., und Sonntag, dem 29. Juni Die gegenwärtige politische Lage verpflichtet die Genossen, sich restlos en der Flugblattverteilung zu beteiligen.£s darf kein Flugblatt In den Ausgabestellen liegen bleiben! Der Bezirksvorstand. Das todbringende Gas. Notier und Kind das Opfer eines llngiücksfolles. «Nestern abend wurden In der Küche ihrer Wohnung im hause S ch l o ß st r. 2 2 in Tegel die ZOjährlge Frau Satha- rina W y r w a l und ihr fünf Jahre altes Kind durch Gas vergiftet tat aufgefunden. Wie die polizeilichen Ermiitlungen bisher ergeben haben, liegt zweifellos ein Unglücksfall vor. Frau W. weilt« abends mit ihrem Kinde ollein in der Wohnung und hatte noch in der Wirtschaft zu tun. Wie tum angenommen wird, hat Frau W. beim Oeffnen des Hahnes am Gaskocher, bevor sie das Gas entzünden konnte, Plötz- lich einen Ohnmachtsanfall erlitten. Di« ausströmenden Gas«, die in wenigen Minuten de» ganzen Raum erfüllten, müssen dann in kurzer Zeit den Tod der Frau und des Kindes, das in einem Wagen in der Küche schlief, herbeigeführt haben. Als der heimkehreuöe Mann das furchtbare Unglück entdeckte, mar es bereits zu spät. Di« Feuerwehr und ein Arzt bemuhten sich längere Zeit vergeblich um die Leblasen. S/NOAIR LEWIS ROM/W Ueherseirt ▼€»!» C1. Meitner.— Mcycr& Jessen, Verlrieb, Miincfaen. 3. Später, als die Straßen in die ihnen natürliche Ord- nung gekommen waren, konnte Una nie das Varietä finden, in das die Sefsions sie an diesem ersten Abend geführt hatten. Die gold- und elfenbeinfarbenen Wände des Foyers schienen unermeßlich hoch zu einer Deck« emporzustreben, die in präch- tiaen Fresken erstrahlte, mit Liebespärchen in Blau und schaumigem Weiß, reichen Treppen, heißen Küssen und ge- blähten Draperien. Man stieg nun eine ungeheure, ge- schwungene Marmortreppe hinauf, auf der Unas Abend- schuhe angenehm klapperten. Man kam an Nischen mit schweren, pflaumenfarbenen Plüschvorhängen vorbei, die den Rahmen für Gipsfiguren verschmitzt blinzelnder Faune ab- gaben, und trat auf einen Balkon hinaus, der sich weit er- streckte wie das Meer im Dämmerlicht, und wo man Taulende von Menschen im Parkett sah, über sich eine riesige goldene Kuppel, von leuchtenden, diamantbehangenen Kugeln erhellt, und vor sich einen turmhoch gewölbten Proszeniumsbogen, auf dem. in Basrelief, schlanke nackte Göttinnen mit einer müden Grazie dahtngaukelten, die Una gefangennahm und die braune, nackte, lachende Nymphe— die in jeder �noch so steifen Una in Halbtrauer verborgen steckt— in Freiheit setzte. Etwas so Lustiges wie dieses Programm hatte man noch nie gesehen. Die Spaßmacher mir ihren feierlich-kamischen Balgereien, ihren grotesken Kleidern und ihren einander jagenden Scherzen brackten Una so zum Lachen, daß sie wünschte, sie würden aufhören. Dst Sänger hotten schöne Stimmen; die Tänzer waren anmutig w«e� Wolken, mst einem Anflug von Zügellojigkell, und der Sketch war so spannend, daß es Una kalt über den Rücken lief, als der Gatte seine Frau beschuldigte— ach so unsinnigerweise, wie Una sich empört sagte. Die Aufführung war ein wahres Wunderwerk, unbe- rührt von menschlicher Ungeschicklichkeit, erlesen und so zauber- hast wie ein stiller Nachmittag in Eichenwäldern an einem See. Dann gingen sie in ein herrliches Kaffeehaus, und Herr «Sefsions verblüffte alle durch seine weltmännische Art, mit der er Kellner und Oberkellner umherhetzte, Hummer und Kaffee bestellte und tat, als wollte er über die Schnur hauen und Wein und Zigaretten verlangen. Viele Monate später, als Una allein ins DarietH ging, versuchte sie dieses Märchcnschloß ausfindig zu machen, aber es gelang ihr nie. Die Sefsions erinnerten sich nicht, welches Theater es gewesen war: sie meinten, es wäre das Pitt ge- Wesen, aber sie waren bestimmt im Irrtum, denn das Pitt war eine schmutzige Bude mit lächerlichen Nuditäten, weit- schweifig und prätentiös, und mst unerhört dilettantischen Vorführungen Und wenn Una späterhin ein oder das andere Mal abends mit den Sefsions ausging, schien es ihr, als benähme Herr Sefsions im Restaurant sich sehr Provinz- lerisch, wäre mst den Kellnern unangenehm vertraulich und zu unentschlossen im Bestellen der Speisen. Die Handelsschule Whiteside u. Schleusner. in der Una ihre kaufmännische Ausbildung genoß, umfaßte nur fünf schäbige Räume eines ehemaligen Wohnhauses im Westen. Achtzehnte Straße, mst trüben Fensterscheiben, immer stau- bigen Winkeln und speckigen, geschmacklos gemalten Wänden. Der Lehrkörper bestand aus sechs Personen: Herr Whsteside, eine betont würdevolle Erscheinung, der seine faltige Stirn zu glätten pflegte, als hätte er Kopfschmerzen: Herr Schleusner, klein und gewöhnlich, der früher etwas Besseres gewesen war und wirklich etwas von kaufmännischen Dingen verstand: ferner ein unansehnlicher Mann, der wie ein aus- rangierter Buchhalter aussah, schweigsam, fleißig und ängst- lich: e,n mächtig großer?Nänn mit einem roten Gesicht, der seine Lippen ständig mit einer kleinen rolen Zungenspitze leckta und Englisch uulerruhrete— Handelsschulcn-Englisch—, mit hochtrabender Stimme und affektierter Betonung, und immer nach Zigarren roch: ein behender, junger jüdischer Rew-Dorker mit wundervollem schwarzen Haar, zarten Zügen, schiefsitzendem Hut und eleganten Kleidern: er hatte irgend etwas im Realitätenhandel zu tun: schließlich eine magere Witwe, die so geschäftlich und sachlich war, daß sie unpersönlich wirkte wie ein Straßenbahnwagen. Jeder von ihnen wurde für fähig erachtet, einen der„Gegenstände" zu unterrichten, und sie brachten einem die Anfangsgründe von Stenographie, Maschineschreiben, Buchhaltung. Grammatik, Rechtschreibung und kaufmännischem Stil(mit besonderem Hinblick auf die Abfassung schwindelhafter Rundschreiben) und Handelsgeographie bei. Ein- oder zweimal wöchentlich kamen Lehrer einer Sprachschule aus der gleichen Straße herüber um die gebräuchlichsten Phrasen des Französischen, Deutschen und Spanischen einzupauken. Es war ein rastender, in allen Fugen ächzender Omnibus von einer Schule, aber er führte Una hinaus in weite, schöne Stunden des Lernens. Die Schule bedeutete ihr noch wehr, als die Kunstakademie dem sehnsüchtigen Mädchen, das immer geglaubt hatte, sie habe Talent zum Malen. Denn das sehnsüchtige Mädchen hatte schon als Kind zeichnen und klecksen und in den Resultaten schwelgen dürfen, während e» für Una das erstemal im Leben war. daß ihre Arbeit zu etwas nütze schien. Ihre Tätigkeit als Lehrerin war ein bloßes Zeitfüllsel gewesen. Ietzt'wor sie plötzlich das verant- wortliche Haupt des Hauses und eine«Seherin der Zukunft. Die meisten Mädchen in der Schule lernten nur Steno- graphis und Maschineschreiben, aber Una auch englische Gram- matik, Rechtschreibung und Korrespondenz. Nach dem Frühstück eilte sie von der kleinen möblterten Wohnung die sie für sich und ihre Mutter gemietet hatte, in die Schule. Sie stürmte zu ihren Büchern, sie berauschte sich an der Freude ihrer langweiligen Lehrer, so oft sie auf eine Frage schnell eine Antwort hervorsprudelte oder eine«Seite richtig getippt hatte, oder imstande gewesen war, sich das stenographische Siegel für ein schweres Wort, wie etwa„psychoanalyfieren", zu merken. Ihr Glaube an die Heiligkeit der«Sache war ohne Grenzen. (Fortsetzung folgte j f Flaggen heraus! Wie die Rheinlandbefreiung gefeiert wird. Am l. Juli wird das Rheinland von fremder Be« fatzung frei. In den befreiten Provinzen rüstet sich die Be. voUerung, um das ersehnte Ereignis zusammen nüt den höchsten Vertretern der deutschen Republik zu feiern. Aber ganz Deutsch- l a st d und vor allem auch der Freistaat Preußen und Berlin nehmen an der Freude des Rheinlandes herzlichen Anteil. Wie wir erfahren, hat das preußische Staatsministerimn be- schlössen, am Befreiungstag des 1. Juli die staatlichen und kommunalen Dienstgebäude, die Gebäude der übrigen jlörperschaften des öffentlichen Rechts sowie die Gebäude der össent- lichen Schulen nach den Bestimmungen vom 29. Juni 1929 zu b e- flaggen. Von verschiedenen Seiten sind darüber hinaus Anfragen an das preußische Staotsministerium gerichtet, ob nicht auch außerhalb de, Gebietes der zweiten und dritten Besatzungszone, für die be- sonder« Feiern vorgesehen sind, aus Anlaß der Befreiung des Rhein- landes öfsentliche Feiern zu veranstalten seien. Hierzu wird auf Grund eines Runderlasses des Ministers des Innern mitgeteilt, daß nach Absicht der preußischen Stoatsregierung— mit Rücksicht auf die in dieser Zeit notwendige Beschränkung in der Ber- anstaltung von Festlichkeiten— außerhalb der beiden Zonen im gesamten übrigen Staatsgebiet Rheinlandbefreiungsseiern gleichzeitig mit der Verfassungsseler veranstaltet werden sollen. Die Versassungs- seiern werden daher unter voller Aufrechterhaltung ihres Charakters in diesem Jahre gleichzeitig als Rheinlandbefreiungs- feiern ausgestattet. Ein Erlaß über die Veranstaltung der Per- saflungsfeiern wird folgen. Dieser Gedanke des preußischen Staatsnnnisternons ist ohne Zweifel zu begrüßen. Durch die Zusammenlegung von Versassungs. und Befreiungsfeiern wird mit Deutlichkeit die Tatsache herausgehoben, daß gerade durch die Politik der Derfassungsparteien, daß durch die Republik das Rheinland fünf Jahre vor Ablauf der vertraglichen Fristen von fremder Besatzung befreit wurde. Die Not der Blinden. Groß-Berlin hat etwa 3500 Blind«, die entgegen der auskömiw- lich«r«n Versorgung der Kriegsblinden in diesen schweren Zeiten einem drohenden Schicksal gegenüber stehen. Sonst wären diese Blinden nicht vollzählig aus die Straßen marschiert, um zu pro- testieren, zu demonstrieren. Ein klägliches, erbarmungswürdiges BildI Die Blinden fordern so lautet eine dahingehende Entschließung— vom Reichstag und der Reichsregierung angesichts der ständig wachsenden Rot die Einführung einer öffentlich- rechtlichen Blindenrente. Diese Blindenrent« soll eine Grundlag« für ihre Existenzsicherung sein. Die private und öfsentliche Fürsorge bieten in ihrer Unzulänglichkeit keinerlei Sicher- heit, sondern machen den Blinden abhängig und unfrei. Die Der- sammlung, die später in Kliem» Festsälen tagte, ist der Ansicht, daß bei dem Milliardenetat des Reiches«ine Ausgabe von 15 bis 20 Millionen für di« geforderte Blindenrent« tragbar sein müsse. Bon verschiedenen Rednern wurde die Herabsetzung dtr an sich schmalen städtischen Unterstützungssätze gebrandmarkt. Ein schikanöses Verhalten der Fürsorgeämter läßt viele Monate lang mst Ihren Unterstützungsanträgen warten oder man möchte den erwerbslosen Blinden ihre einzige Stütz« und den treuesten Freund, den Führhund nehmen, indem man die Zahlung des Futtergeldes für das. Tier ver- weigert uiid den Blinden empfiehlt, den Führhund als Machthund zu verkaufen. Es wird Aufgab« der verantwortlichen Stellen fein müssen, den berechtigten Klagen nachzugehen. Die große Not unser« blinden Volksgenossen erfordert rasche und durchgreifende Hilfe» Ilm die Berliner Geiundheilspiiege Aerzte schädigen die städtische Fürsorge Ltebestragodte im Walde. In der Nähe der kleinen Ortschaft C a b l o w, zwischen Wuster- Hausen und Zernsdorf, hat sich in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch ein« blutige Liebestragödie abgespielt. Der S4jährige Zeitungsfilialleiter Emil Richter aus Lichtenberg feuert« ans seine Geliebte, eine etwa ZOjährige Frau, mehrere Schüsse ab und tötete sich urmiittelbar daraus durch einen herzschuß. Richter fuhr mit seiner Geliebten am Dienstag nachmitttag nach Eablow, wo das Paar in einem Restaurant noch Zlbschied-briefe schrieb. Etwa(500 bis 700 Meter von der Ortschaft entfernt wurde am Mittwoch gegen 10 Uhr vormittags am Fuße des bewaldeten Berges die Frau mit mehreren Schußverletzungen von Orle- bewohnern aufgefunden. Sie konnte noch kurz angeben, daß Richer auf dem Berggipfel auf sie geschossen und sich selbst einen Schuß beigebracht habe. Von furchtbaren Schmerzen gepeinigt, habe sie sich noch ein Stück fortschleppen können, sei dann aber völlig entkräftet zusammengebrochen. Als die Leute den Berg absuchten, fanden sie Richter tot auf. Die schwerverletzte Fmu wurde ins Wusterhausener Krankenhaus gebracht. An ihrem Aufkommen wird gezweifelt. -» Zu Ansang der Woche machten Wassersportler in der Havel bei Pichelswerder einen grausigen Fund. An einer seichten Stell« lag ein Frauenbein, an dem noch die Reste eines Strumpfes und eines Schuhes hingen. Es wurde zunächst vermutet. 'daß man durch den Fund auf die Spur eines neuen Kapital- Verbrechens gestoßen sei. Anhaltspunkte für ein Verbrechen haben sich bisher isdoch nicht feststellen lassen. Die Suche nach der Leiche der Ertrunkenen, offenbar handelt es sich um eine Lebens- müde, ist bisher erfolglos geblieben. Eines der Hauptkapitel im Berliner Etat ist der Gefundheilspslege aller Arten gewidmet. Gestern kam dieses Kapitel in der Stadt- verordnetenversammlung zur Beratung. Dabei tonnte Stadto. Frau Dr. Käthe Frankenthal(Soz.) als Berichterstatterin des Haushalts- ausschusscs feststelle», daß für die städtische Gesundheitspflege fast S Millionen Mark mehr als im Vorjahre angesetzt sind. Dieses Mehr wird vor allem durch die Zunahme der Krankenbetten in den Krankenhäusern, heil- und Pflegeanstolten verursacht; im Ausschuß ist das Kapitel noch um 340 000 Mark erhöht worden. Der Haupt- teil der im Ausschuß angenommenen Anträge stammt von den Sozialdemokraten und den Demokraten. Die sozialderno- kratllche Fraktion wies auf den Mißstand hin daß durch den Boykott der Berliner Aerzleschast gegen die städtische Fürsorge diese sehr leidet. Der M-agistrot wird um Auskunst ersucht, wie er die hygienische Fürsorge vor den Wirkungen des Boykotts schützen«olle. Nach einem anderen Antrag wird gefordert, für das gesamt« Kranken hauspersonal zwoi verschiedene Verpflegungs- formen einzuführen, zwischen denen dos Personal wählen solle. Di« Teilnahme soll freistehen. Bei der Abteilung Leibes- Übungen nahm der Hauptausschuß einen sozialdemo- t r a t i s ch e n Antrag folgenden Inhalts an: „Bei der Vergebung von städtischen llebuagsstükleo (Spiel- und Sportplätzen, Schwimmhalle» usw.) und Jugend- Heimen an Jugend- und Sportorganisationen sind die vom Staat als Zugendpflege treibende Vereine anerkannten Organisastonen vordringlich zu berücksichtigen. Sine Kostentragung für Uebungsställen usw. durch die Stadt sowie die Gewährung von Beihilfen kommt nur für anerkannte Organisastonen in Frage." Der Antrag sagt an sich Selbstverständliches und längst Durch- geführtes: er richtet sich gegen alle möglichen eigenbrötlerjsch-selb, ständigen Bereine, die sich an Zentralsportorganisotionen nicht an- geschlossen haben.— In den Anträgen der Demokraten wird unter anderem die Anschaffung genügender Mengen von Radium zur Behandlung Krebskranker und die Einrichtung von mehr S pe z ia lsta t i o ne n in den Krankenhäusern gefordert.— In der Aussprache gestern im Plenum hielt ein kommunistischer Redner eine lange Rede, an deren Schluß er di« Diktatur des Proletariats propagierte. Die Stadw. Frau Frohn(Z.) forderte Ersparnisse bei der Sozialhygiene, sie trat serner für vermehrte seelsorgerische Tätigkeit in den Krankenhäusern ein. Don der sozialdemokratischen Fraktion sprach Frau Dr. Frankenthal. Sie ging auf den Aerzte- boykott gegen di« Fürsorge ein und forderte schärfstes Vorgehen gegen die Aerzteschaft, die den an sich erlaubten Boykott zu weit treibe und damit die Gesundheit der Bevölkerung gefährde. Die Redncrin oerwies zu dem entsprechenden Antrag der Demokraten auf die durch Sozialdemokraten angeregte Denkschrift über die Er- Weiterung sozialärztlicher Stationen hin. Gegenüber gewissen Aeußerungen der Frau Frohn betonte Frau Frankenthal, daß die Sozialdemokraten tu der Krankenpflegeschwester nicht mehr die Nonne, sondern den arbeitenden Ptenschen sähen, Dtc von den Deutschnotionalen geforderte Erhöhung der Pslegesätzö in den Krankenhäusern lehnen die Sozialdemokraten ab, weil st« zu einer Einschränkung der Pflegemittel führen könnte, viel- leicht sogar führen müßte, da 50 Proz. der Betten von den Kranken- lassen belegt sind. Die aber können ihre Beittäge nicht erhöhen, ohne die arbeitende Bevölkerung zu belasten. Wenn die Deutsch- nationalen auch davon ihre Zustimmung zum Etat abhängig machen wollen, so zeigten sie dadurch ihren Mangel an sozialem Verständnis. Den Vorstoß von Frau Frohn zugunsten der privaten Krankenanstalten lehnte Frau Frankenthal ab; es sei leider zu bemerken, daß der Stadtmedizinalrat sehr oft der Sachwalter dieser Pflegestätten sei. Ans den sehr langwierigen Abstimmungen zu den Kapiteln Wohlfahrt und Gesundheitspflege mögen einige interessante Einzekheiten hervorgehoben werden. Der deutschnationale Antrag, bei der Notstandsaktton 8,5 Millionen Mark zu streichen, wurde gegen die Stimmen der Antragsteller und einiger Splittergruppen abgelehnt. Für einen nottonalsozialistischen Antrag auf Streichung von 800 M. für die Li ga für Mensch e n- rechte stimmten neben den Nazis alle anderen Parteien bis auf Demokraten und Sozialdemokraten. Dann gabs einig« heitere Momente. Bei der letzten, namentlichen Abstimmung, wollte der Fraktionsführer der Kommunisten, Pieck, eine falsche Karte abgeben; in humoristischer Weise wurde darauf aufmerksam gemacht, daß er die Führung an den„Stabstrompeter" Easper abgegeben hätte. Die kommunistische Frattton zeigte denn auch sofort völlige Direktions- losigkeit, alz über einen nationalsozialistischen Antrag auf Ablehnung der Unterstützung an den jüdischen Hilfsverein abgestimmt wurde: die Kommunisten stimmten teils dafür, teils dagegen, teils enthielten sie sich! Unterstützung fanden die Nazis nur bei einem Teil ihrer 'deutschnatioimlen Freund«. Große Heiterkeit rief auch ein Nazi- Antrag hervor, der 500 M. für einen— nastonalsoziaststischen volks- lanzkreis forderte. Im übrigen wurden die Beschlüsse des Haushalt- ausschusses mit den obengenannten sozialdemokratischen, demokra- tischen und anderen Antrögen gutgeheißen. Mit der Beratung der Etatkapitel Städtische werke wurde die Sitzung fortgesetzt, d. h. e? sollte weiter debattiert werden. Gegen 1�10 Uhr bchagte es den Kommunisten nicht mehr bei der sachlichen Arbeit, sie beantragten die Vertagung. Für diesen Antrag stimmt« niemand, denn die Antragsteller verließen den Saal. Gleichzeitig war aber di« Beschlußunfähig teil der Versammlung hergestellt und die Sitzung flog aus. Aber die Ob- strukteure hoben sich ins eigen« Fleisch geschnitten: di« einmal herbeigeführt« Beschlußunfähigkeit macht alle anderen Sitzungen, die sich mit dem Etat beschästigen, von vornherein beschlußfähig! » Während der Ferien- und Reisezeit ■ kann der„vorwärts" üns deV �Ahänd" auf jede bauet allerorts bero jerT wenfett''•r Touristen und Wanderer ■ fordern das Zentralorgan uer Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei den Bahnhofsbuchhandlungcn, Zeitung:• Kiosken, Buchhandlungen und sonstigen Verkaufsstellen. Sommerfrischler I lassen sich den„Vorwärts" bei einer Aufenthaltsielt bis ro einer Woche per Kreuzband nachsenden. Das Porto beträgt wochentags 10 Pf, Sonntacs IS Pf.(pro Woche 70 Pf.). Bei längerem Aufenthalt ist der „Vorwärts" auf dem billigeren Wege der postilberweisung zu beziehen, welche die Hauptexpedition vornimmt, in diesem Falle kommen zu dem Abonnementsbetrage nur die PostbesteilgebOhren von 72 Pf. pro Monat. Wenn Nachsendung der Zeltung gewönscht wird, Ist die In Frage kommende Ausgabestelle oder die Hauptexpedition des „Vorwärts". Berlin SW 6$, LindtnstraBe 3, möglichst eine Woche vorher zu benachrichtigen. Laubenkolonisten 1 wird der„Vorwärts" durch Boten zugestellt. Qenaue Bezeichnung der Laube ist erforderlich. Vorwärts-Verlag LlBden»traBe 3 scher Dönhoff 292-2B7 Gonnenwendfeier in SiiuvesHof. Im prächtigen Park von Struveshof sitzt an langen Kaffeetafeln eine zahlreiche, fröhliche Gesellschaft; Gäste und Zögling« in bunter Reihe erfreuen sich an den Klängen einer Tirolerkapelle, die ihre heimatlichen Weisen mit lustigen Schuhplattlertänzen illustriert. Dann folgt ein Rundgang durch die Anstalt, man sieht und hört, daß die moderne Erziehungsmethode der Menschlichkeit einen weiten Raum gibt, weil man einsehen gelernt hat, daß das gute Wort meist mehr fruchtet, als der Prügelstock. Nach dem Rundgang folgte eine Märchenausführung von„Schneewittchen", Fußballkämpfe wurden gezeigt und schließlich, bei Einbruch der Dunkelheit am Hauptportal ein großer Scheiterhaufen errichtet, an dem Alired Braun in schwunghaften, Worte» die Feuerrede hiell. Das Ganze ein wohl-- gelungenes, harmonisch abgestimmtes Bild, von dem man den Ein, druck mit. nach Hause nahm, daß hier junge Menschen mit Liebe und Verständnis geleitet werden. Voruntersuchung gegen Lübecker Aerzte. Lübeck. 25. Zum. Der Oberstaalsanwalk beim Lübecker Landgericht hat auf Grund de» vorliegenden Uniersuchungsmaierial» in der Ealmette- Angelegenheit gegen die Drofessoren D e y k e und klotz, gegen Dr. Altstaedt. sowie gegen die Laborakoriumsschwester des Prosefsor« Deyke wegen sahrlässigerTötung und Körper- Verletzung die Voruniersuchung beantragt. Die Voruntersuchung ist vom Untersuchungsrichter eingeleitet worden. Zwei Jahre Zuchthaus für Bauwächter Schulz. Lauwächter Schulz, der in erster Instanz wegen der an seiner Tochter begangenen Blutschande zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt worden war, hatte gegen dieses Urteil Berufung eingelegt, so daß eine Berufungsstraftammer sich am Mittwoch nochmals mit dem Fall beschäftigen mußte. Das Gericht ermäßigte die Zuchthaus st rase von drei a u f zwei Jahre. Der fünfjährige Verlust der bürgerlichen Ehren- rechte bleibt bestehen Das Verfahren gegen Schulz im Falle der Ermordung der ISjährigen Hilde Zepernick ist schon früher ein- gestellt worden. Kturmv ogel- S omme rs est. Der„Sturmvogel", Flugverband der Werktätigen e. V., veranstaltet am Sonnabens, dem 28. Juni 1939, tu dem herrlichen, 10000 Personen fassenden Garten des„Ulap", Berlin NW., Straße Att-Moab!t, am Lehrier Bahnhof, sein Sammerfest. Am Nachmittag finden Kinderbelustigungen aller Art statt. Die Abendveranstaltung beginnt um 7H Uhr. Aus dem reichen Inhalt des Gebotenen ist u. o. zu erwähnen der Tanz im Freien, ein erstklassiges Bar-ete, die Riesen» tombola mit wertvollen Preisen, Rundslugverlosung. Tanz an der Leuchtsontäne, Feuerwert und eine Reih« besonderer Heber. DQföungen, Was Dr. Kurt P i n t h u s in seinem Portrag„Dom Lachen" sagt, ist Mindestens geistreich fornruliert. Ia, das Tier lacht nicht, sondern nur der Mensch! Psychologen aus den entgegengesetzten Schulen haben dieses Problem erörtert. Man darf nicht iii einem Rundfunlvortrag eine ensichleden« Stellungnahm« erwarten. Es ge- nügt, wenn das Für und Gegen gestreift wird unb wenn der Redner diese Dinge aemeinverständlich beleuchtet, und dies gelingt wenigstens dem Referenten. Aber es ist notwendig, endlich einmal zu den So- listenkonzerten eine abschließende Kritik zu liefern. Gut, man soll Künstler nicht in ihrem Broterwerb stören, man darf jedoch von der Funkstunde verlangen, daß sie die Vortragenden mit den Wirkungs- möglichkeiten des Mikrophons vertraut macht. Es ist verständlich. daß ein Sänger beispielsweise die Arien oder Lieder singt, in denen er sich utiwioerstehllch dünkt, oder die ihm besonders liegen. Der Bariton Filippe Romito singt nun aus Mufforgskys„Botis Ga» dunow" ein« Szene, die völlig aus das Rezitativ gestellt ist und die die Bühne zu ihrer Wirkung braucht. Fast jeder Takt erfordert die schauspielerische Ausdeutung. Dabei soll völlig von den gesanglichen Lualitäten Romito» abgesehen werden. Schließlich erwarten die Hörer aber ein« Unterhaltung. Der Runofunk, der sich sonst sehr kritisch benimmt, laß: es hier an Kritik fehlen. Auch in den Nach- Mittagsstunden braucht sie nicht vergessen zu werden. Zu Erpen- meitten ist im verschwiegenen Kämmerlein Raum genug! Am Abend werden„Die Trojaner" von Derlioz aus d« Lindenoper übertragen. F. Sch. Neue Tiere im Zoo. Ein Transport vieler, darunter seltener Huftiere ist im Zoo« i n g e t r o s s« n. Darum weilen u. a. jetzt im Quarantäne. Haus eins Gabel- und eine Pferdeantilope. Die erster« ist«in Prärietier, das aus den Schutzgebieten Nordamerikas zu uns kommt, während ihre Kollegin in Westasrika ihr« Heimat hat. Die Pferde- antilope ist ein großes, schönes Tier, das einen Widerrist wie ein Pferd, eigenartig geschweifte Ohren und so lange Augenwimpern hat, daß keine Modeschönheit— und wenn sie sich die Augen- wimpern auch büschelweise anklebt— mit ihr konkurrieren kann. Als eine große Seltenheit inuß unbedingt ein Moschustier gelten. Vor langer, langer Zeit hat der Zoo schon einmal ein solches Tier beherbergt, das damals dort stand, wo heut« die Automobilläden sind. Der Neuankömmling, der tatsächlich den Moschusdust bei sich trägt, ist etwas müde und mager von langer Reise; dennoch guckt er recht neugierig aus wunderbar großen Augen und das Publikum wird bald seine Freude an ihm haben. Eine ganz besondere Ueberraschung soll dem Gnu bereitet werden, dos die Berliner als Spielgefährtin eines Doppelnashorns heranwachsen sehen. Das Nashorn, das leicht etwas grob wird, und nach regelrechter, ungeschliffener Nashornmanier blindlings auf alles losrennt, ist längst nicht mehr die passende Gesellschaft sür das Gnu, das zudem noch Sehnsucht nach einem Artgenossen bekam. Darum wurde ein Weißbartgnu angeschafft, das noch nichts davon weiß, daß es ausgerechnet hier im Zoo verheiratet werden sott. Etliche der Neuangekommenen Tiere wurden gekauft, während andere für die eigene Rachzucht de» Zoologischen Gattens eingetauscht wurden. Diese Tauschgeschäste entwickelten sich besonders lebhast mit Sowjetrußland, und so kommt es. daß«in Stachelschwein als Tauschobjekt die weit« Reise von Turkestan noch hier antreten mußte.__ Karl Vetter scheidet aus dem Bkesseamk au». Nack der Meldung einer Korrelpondenz scheidet Ehefredakteur Karl Vetter, der seit Jahren die Presse- und Propagandastelle des Ausftellungs-, Messe- und Fremdcnverkehrsamte» der Stadt Berlin in vorbildlicher Weise geleitet Hot, zum 1. Oktober aus seinem langjährigen Vertrag mit dem Messeamt aus Grund einer freundschaftlichen Ueberetnkunft au» und wird sich dann einer Aufgabe in einem führenden Beniner Verlag widmen. Romanttscher Abend im Zoo. Da» nächste Konzert des Berliner vinfonie-Orckesters, das am Donnerstag. 26. d. M., unter Leitung von Dr. helnmch Dhierfelder im Zoologischen grrten stattfindet. ist als„Romantischer Abend" ausgestaltet und bringt u. a. Kam- Positionen von Schubert, Mendelssohn- Barth oldy. Liszt und Bizet. Gegen üblen Mur.dg«rnch, nach längerer Mundruhe und nach Cm Rauchen benutze man zum Desodorieren und Aromatisieren des Spülung mit dem herrlich ersrijchenden Chlorodont-Mundivail». Llajche 1.— Ml. Gegen die Fischzötte. Iubiläumstoguna des Vereins deutscher Fischhändler. Der Derein deutscher Fischhändler e. V. hielt in Berlin seine Hauptversammlung ab, die mit der Feier seines fünfzig- jährigen Jubiläums verbunden war. Gleichzeitig fand am Sonnabend in Gemeinschaft mit dem Verein der Fischindustriellen Deutschlands, Zlltona(Elbe), der Fischhandelstag 1930 statt, auf dem der Erste Syndikus der Industrie- und Handelskammer Wesermünde, Dr. Jung, über„Seefische und Fischwaren im zwischenstaatlichen Warenverkehr" sprach. In der ordentlichen Hauptversainmlung beschäftigte man sich u. a. mit Verkehrssragen: hier wurde von der Reichsbahnocrwaltung die Herabsetzung der Tarife verlangt und darauf hingewiesen, daß die teuren Tarife eine Abwanderung von der Reichsbahn zun, Kraftwogerwerkehr zur Folge haben müßten. Ferner wurde eins Resolution eingebracht, die sich gegen Zölle auf Fische aus- sprach. Fast dreißig Vereine aus dem Reich unterstützten diese Entschließung. Sonntag abend fand dann in den Festsälen der Ressource die Festsitzung und Jubiläumsfeier statt, in der zahlreiche Vertreter aus der gesamten deutschen Fischwirtschaft und der der befreundeten Länder teilnahmen. Nach einer Begrüßungsansprache des 1. Vorsitzenden des Der- eins deutscher Fischhändler, Meitzer, hielt Oberregierungsrat Dr. v. Meyer, der Generalsekretär des Vereins, den Festvortrag, in dem er betonte, daß die Fischwirtschast ein wesentliches Glied in der Kette der deutschen Volkswirtschaft sei. Er bat das Ernährungs- und das Handelsministerium, bei dem neuen Lebensmittelgesetz Leute der Praxis heranzuziehen. An die städtische Markthallendirektion der ivtadt Berlin richtete er die dringende Bitte, die unwürdigen Zu- stände auf dem Berliner Fischmarkt schnellstmöglichst zu beseitigen. Der Redner verwies dann auf die anläßlich des Jubiläums heraus- gegebene Denkschrift, die die historische Entwicklung der Fischerei in den letzten fünfzig Iahren bring«. Im Namen der Reichs- und Staatsregierung beglückwünschte Oberregierungsrat Dr. Eichelbaum den Verein. Die Anerkennung des Ministeriums für die Tätigkeit des Vereins brachte er durch Ueberreichung einer Bronce zum Ausdruck. Für die preußische Staatzregiening, dos Landwirtschafts- und das Handelsministerium überreichte Ministerialrat Seydel ebenfalls ein Geschenk. Das preußische Landwirtschaftsministerium ließ den Vorsitzenden den Staatsehre» preis in Silber für die För- derung des Fischhandels in Berlin überreichen. Es schloffen sich eine ganze Reihe von Gratulanten aus den Kreisen der deutschen Fisch- Wirtschaft, ferner aus Schweden und Ungarn, die Hauptlandwirt. schaftskammer, die Industrie» und Handelskammer Berlin und das Institut für Seesorschung(Bodensee) ay. Wekkeraussichten für Verlin: Trocken und vielfach heiter, wieder wärmer.— Für Deutschland: Bei schwachen veränderlichen bis äst- liehen Winden, teils wolkig, teils heiter und wärmer, besonders im Westen Gewitterneigung._ Sport. Rennen zu Ruhleben am Mittwoch, dem ZS. Funi. 1. Rennen. 1. Diamant(Jauh jr.). 2. Bristol, 3. BarrabaS. Toto: 20:10. Platz: 12,16,11:10. sterner liefen; Fabula, Eminenz, Brise, »tarola, Stlabama, Eitelkeit, Ordnung. 2. Rennen. 1. Bandit(P. FmnT.Z. Enzian, S. Eiwaplana, Toto: 17;'jO. Platz: 12, 17, 22: 10. Ferner liefen: Oueb--k/Eha»N« M...Jenny •Stilb, juittan, tzellogabal, Almonssr, Perlentelte,.Iler�..-..C-», U. Rennen. 1.«hteituvg s.. 1, Puter. Mill»), 2. Eirano, Z. FriedrlchSd'or, 1. Pelcr Horveller. Toto: 16: 10. Platz: 11/66, 2s, 79: 10. ferner lielen: Bastard l? o. W), Eatan. Beala Ball, Drama, Alpspitze, Propeller, Weinbrand. Jram, Niederländer. Baron Gabler. 1. Rennen. 1. Nalrium CEH. MillS) e. 33., 2. Conslantin strl-Zco, 3. Cicero, Toto: 62:10. Platz: 13, 12. 14: 10. Ferner liefen: Hanco(4), Mikosch(o. 28.). Alter Ego, Komödie. Flieder, von Eicken. Dynamit. 6. R e n ii e n. 1. Tizian(Ch. MillS). 2. Eckstein, 3. Ingelinde. Toto: 14:10. Platz: 11,>6. 31: 10. Ferner liefen: Don Jof«, Planet, Monarch I, Kurfürst, Königsadler. 6. Renne n. 1. Edelmeifter lBef.), 2. Selamlik, 3. Padrel, 4. Ilsen- bürg, Toto: 29: 10. Platz: 13. 13,20,23:10. Jerner licseo: Krolchel, NuShaga Boy. Adresse, Heini Dusfy. No»dpol, Theolrat, Hippologe, Bieder- mann. Drama. 7. Rennen. 1. Nery(T. MillS), ohne Seilen, 2. Quirin, 3. Eeza. Toto; 24:10. Plaf}: 13, 16, 83; 10. Feiner liefen: Per afvera, Bronze, Esther Prinzeffin, Hellebarde, Tamerlan, Bergfex, Banco Duffg. ZsÄsUzasMe krdetteiluSena Groft-BcrUn Sonnabend, den 2S. Juni 1990, 23 Uhr; Sonnenwende in den Gosener Bergen Mntik- Gesang- Sprechcfaor- Sonnenwendfeier Antpradie des Genossen Franc Kflnsfler, M. d. R. Unkosienbeitrag 20 Pfennig. Fahrverhlncinnö- Stadtbahn bes. Vorortbahn bU Grflnao von ranrverpinqung. dort m m)J df.r Sh.,jenbahB bu jchnjöckwUa. lNnsenbungen für blcjc RubrU sind Berlin SB«3. Llndrnstratze z. parieinachrichien für Groß-Berlin Stets sn das Bezlrkssekretarta« Z. Hof, Z Treppen rechts, zu richte». Achtung! Gtadtverordnetenfraktion! Heute, Donnerstag, 26. Jnnl, 16(4) Uhr, wichtige Fraktionssitzung mit den Kreisleitern im Rathaus (Zimmer 1V9). Herbstjugendweihen 1930. Die Awetbungrn für die Kerbstjugentnoeih«» muffen s« so et w den bereit» betanntzegebenen Anmeldestellen vorgenommen werden, wir bitte» din»»- Meldestellen, die»orllcgende» Anmeldungen umgehend dem Zngendweihe. Setrrtariat, Berlin SB. ff«, Linpenstr. z, u. Hol, 2 Treppe» Unis,«in- zureichen. e- S. Treis griedrichohain. Da, Eommerfest des 6. ftnUcs findet am Senn- abend, dem 5. Juli, im Eaalbou ffriedrichohain statt. Beginn lll Uhr. Billett, ffnd noch bei den Bezirksstlhrern»u haben. S, wirb noihmal, besonder, daraus hingzwiesen. l».»nd 12. llrei«. Lonnlag, 29. Juni, BZaldtreffen in Dahlem» ?) Srunewald, Uronprinzenalle«, gegenüber ffinlenstratzr, Nilhe Jugend. Iii spielplöffe. Wuffk, Spiele, Turner, Sportler, Buppenthratcr, Fackelzug. � SAI. Sammelplatz um 14 Uhr Dllppelplatz, Steglitz, ssestzug mit l! Jahnen in den Wald, m 17. Ilrei» Achtenberg. Leute. Donnerstag, lS'(. Uhr, Borftandsfftznng im Ziat- Haus Lichtendrrg, Sitzungoloal. heule, Donnersiag, 26. Juni: t. Abt. Die tzV/titlofBrirfr rechnen bestimmt bis Sonnabend, 2*. Juni, lämlliche, Material beim Genossen Larven ob. 137. Abt. Werbcvcrsammlung der Iungsozialistengruppe Reinickendorf um 20 Uhr im„Alten 3 rüg", Tegel. Bortrag:„Sozialdemokratie und die Staatsmacht". Referent: cöenosse Maderholz, M d. L. Aussprach». Eben. fall, um 20 Uhr Versammlung der freie» Schulgemcindo in der Aula ber !>. Volksschule, Angustc-Biktoria-Allee«7. Parteigenossen, dl« Interesse für die welttiche Schulbcwegung haben, gehen in diese BerfantMlung. Itgo. Abt. Wittenau. 20 Uhr in Tegel.»Alter Krug". Hauvtstrotze, bffent» liche Versammlung der Jungso»>alisten. Tagesordnung:»Sozialdemokratie und Staatsmacht". Rcferent: Genosse Maderholz. W. d. L. Wir fordern besonders unsere illnqercn Genossen z» Mhlrelchcm Besuch auf. Die Ab- teilungsgeschäfte werden Im Wonat Juli durch den Genossen Hans La. renzen. Wittenau, Oranienburger Str� 210. geführt. Anfragen ufw. bitten wir dorthin zu richten. Achtung! Im Juli findet kein« Abtrilungaver- sammlung statt, M. Abt Di« Bezirksführer laden ein zur INugblattverbreltunq am Sonn. abend, dem 2«. Juni, l« Uhr. 6. und 7, Gruppe im Jugendheim Roffnen. firaße 4, und dir S. Gruppe im Restaurant Müller, itzranklinstr. I». Morgen. Freiiag. 27. Juni: 44. Abt. Abrechnung der Bezirksführer,.tzortothekkarten mitbringen. l»l. Abt. Treptow. Mitgliederocrfämmlung um Itl1, Ubr im Lokal ffJ Rennbahn, Elfenstraßc. Vortrag des Genossen Rudolf Wissell, Reich» � minister a. D. über:„Die SPD. im Kampfe". Sonnabend und Sonn» tag von den bekannten Stellen aus INugblattverdreitung. Vorträge, Vereine undVerfammlungen. Reichsbanner..Schwarz-Rol-Gold". Seschöltoftelle: Berlin S 14. SedaftionNr. 37-2«. Hol 2. Tr Dooneratag, 2«. Znnl. Reukölln-Britz. 1. itameradschalt. Iffstz Uhr Platzkonzert de» Muffttorp» aus dem Wildenbruchplatz. Cricheincu oller ltamerade» Psllcht. Reg» Beteiligung anderer ffameradschastcn erwünscht. Siudcrrleg». Abteilung Oberspree. 1» Uhr Uebungeadcnd im Bootsbau» Nffpcnick, Wendrnfchlotzstr. Beginn neuer Ruderkurse. Rcuaufnahmcn werde» dort entgegen Wilhelmsau«...MWWXM gameradschalt. A Uhr Kameedschstoversammlung lm kleinen Saal des Stadd theaters. Neuwahl des Borfftzenden. Lichtenberg, gameradschaftsversammluug um UVj Uhr: kiamcradsch-ft Boghagen bei Sldber, Jung. Ecke Oderstraße. Lame. radschaft Gustav Tempel bei Rodrgast,»Zum Danziger Wappen", Normanne»» straße S». llameradschaft Rummeloburg bei Brunn. Tllrrschmidtstr. 40. Rnber» ricg«. Abt. Tegel. 1« Uhr Uebungsabend lm Bootshaus Tegel, Uferstr. 1. Bc, ginn neu'r Ruderkurse. Neuaufnahmen werd:n dort entgegengenommen.— Scnnobeud, 2«. Juni,»chöneweib-.zohannisthal. Die fällige Mltgltedcrvei. lammlung findet nicht stat:. Reuenhagen, Hoppegarte»,»irlenstein. WM; Uhr im„Birkensteiner Krug Monatsversammlung. Tagesordnung:„Unsere Bern». staltungen". Erscheinen Pflicht, firiebrichoha!». l« Uhr Autofahrt der I. Marsch» kameradschaft nach Melzow. Kamerade» anderer kameradschaste» iönnne» noch teilnehmen. Meldungrn bis Ereitag, 27. Juni, 1» Uhr, mit 4 M. Fahrgeld bei Kamerad Regenboaen, Weberstr. 4«.— Tempelhof. Kameradschaft Lichtenrade. Donnerstag. W. Juni, 20 Uhr, Festausfchußfftzung zur Berfassungofeler bei Schiebert Freitag. 27. Juni, 20 Uhr. Lamcradfchastsfftzung bei Rohrmann.— Kameradschaft Mariendorf, Freitag, 27. Juni. 20 Uhr, Ma-Li, Sitzung mit Referat. Tempelhofer Kameraden sind eingeladen. Arbeiter-Samariier-Dund. Kolonne Berlin. (lESU �ti�ästsslelle: R. 24, Gr. Hamburger Str. 20. Tel.: v l Rordeu 3340. Li« B-ranstastung des b. Werdebezirkes am 2«. Juni findet nicht im Lokal Hinz, Schvnerlinder Str. b, sondern bei vslar Schulz, Bahn- hvfstr. 34, statt._ Dentfchor Frmndspeachler.Bund«. v. Jeden Donnerstag Spanischer Klub e>a Mancha" um 20 Uhr im Tai« Wolter, am Kni», Bismarckstr. 114. verewgung ehem.»r>eq»g-f»ng«»«r, Gruppe Süd«». Derfammlung 9«. Juni, Z014 Uhr, bei Krüger, Grimmste, l. Manner- und gemifckter Thor Friedenan-Steglitz. Freitag, 27. Juni, 20 Uhr, Gtadtpark Steglitz, Frei-Lust-Konzert. De, Wintergarten bringt im Juli die In ihrer Art viBig konkurrenzlose Rümmer des„Dollarlbnigs Eortini". der seine Geldstücke sozusagen eimerweise aus der Luft zaubert. Um ihn gruppieren sich eine Fülle in'eressanter Neu- erscheinungen. von denen die»emperamenlvollen 3 Budaveltcr Damen„Cotta" das Entzücken des Publikums bilde» werden. Allein vier erstklafffge exzentrische Rummern werden sich gegenseitig an Komik oberbirten.„Swensan u. Bredow" und„«arinoff u. Partner" vertreten dte-mal den Tan, in besonders geschmack. voller Weile. Di« Stettin«» Sänger, die in ihrem Reichshallen-Theoter dem Sommer- metter topfer standhalten, erzielen durch ihr augenblicklich so reichhaltiges Pro- »ramm immer noch gut besuchte Häuser. Im übrigen herrscht in den hohen. luftigen Räumen des Theaters trotz der S;tz- eine kühle und angenehme Temperatur.--. Frauenveranstaliung. 133, Abt. Tegel. Heut». Donnerstag, 2«. Juni, 13 Uhr, im„Alten Krug", Hauptstraße, Zusammenkunft der Funktionärinnen. i Vezirkscillsschikb sür.Slrheiftrwyhtfahrk..' 20. Kreis Reinickendorf. Die Genossinnen' für die' Besichtigung ber Heil. anstalt Buch treffen sich am 7«. Juni, pünktlich 1414-Uhe, Nor dem Bahnhos. Abfahrt ab Stettiner Borortbahnhof. Bernauer Strecke, um 13,33 Uhr. Nach der Befichfigung gemütliches Beisammensein. Zunffsoiialislen. Bertebezirk«orten. Seicke, 20 Uhr, In Tegel,»After Krug"... Lauptstr. 14. dftentliche Versammlung. Tagesordnung:»Sozialdemo, tz-l P3 kratie und die Staatsmacht". Aussprache. Rcsrrrnf: Genosse Maderholz, ~«. d. L. W Gruppe Mitte. Dxr Gruppenabend fällt aus. mir beteiligen uns an der Werbedezirksoeranstaltung um 20 Ubr in Tegel.„Alter Krug", Hauptstratze. Thema:»Sozialdemokrat!« und Staatsmacht". Erscheint vollzählig und pünktlich. Prenzlauer Berg. Um 20 Uhr weltlich- Schul«, Danziger Str.«3, Reft. rot des Genossen Leo Holz:»Ausdehnung und Probleme der Arbeiteebanten". Gäste gern gesehen. Gruvpr Reinickendorf, Henft, 20 Uhr, dffeniliche Werbeversammlung im „Alten Krug", Tegel, Hauptstrahe. Bortra«:„Eozialdemokrotie und die Staats- macht". Aussprache. Rcserent: Genosse Maderholz. M. d. L. Gruppe Fricdrichrhain. Heute, pünktlich 20 Uhr, im Jugendheim, Frank» surter Alle- 307. Hof II, Ldnszimmrr. Vortrag:»Der Auogang der sächsischen Landtagswohlen". Referent: Genosse F. Seiffert. Gruppe Lichtenderg. Wir beteiligen UN» geschlossen an der Gefamtveran- staltung am 27. Juni im Geroerlschaftshaus und treffen uns am Saaleingang. Arbeitsgemeinschaft der kinderfreunde Groh-Berlin. Keeio Webbing. Die Feltlagertellnehmer ohne die Iungfaiken treffen sich am Sonnabend um 19 Uhr am Bahnhof Gesundbrunnen tBullcnwinkel) zur Beteiligung an der Sonn«nwe»dfeinn- tag ist eine Besprechung der Jeltlagerfragen vorgesehen. Decke oder Jeltbahn, Trinkbeäier und Badeanzug sind mitzubringen. Wir sind am Sonntagnachmittag zurück. KohenschZnhanien. L«utc sind wir alle von 17 bis 19 Uhr im Jugendheim Freienwalder Straße. Mitte. Genossen, rechnet sofort die Sammellisten hei euren Gruppenleitern ab, damit dieser am Freitag aus der Jeltlagcrauoschußsitzling des Nnrifts alle Listen ßur Verfügung stellen kann. Kreio Krenzberg. Die Eltcrnbesprechung findet wegen abend nicht siait. Wir treffen UNS am Montag, dem 30. wird am Sonntag bekanntgegeben. .. heule Der Raum Soziallflische Arbeiterjugend Groß-Lerliu Einsendungen ige diese Ztvbeit NU 7 an dos Juorndietrctoeiar Beetin GW 6S. finden ffroSe 5 Bildungsauoschuß»nd Werbebezi rkobilbnngsobleute. Heute. 19!4 Uhr.«e- meinsame Sitzung im Bortragssoal des Partcivorstandes, Lindenstr. 3, ll. Hof, 2 Treppen. i. u i i SZ~ ff Sonnenwende am Sonnabend, dem 2«. Juni, in den Sosener � Bergen. Beginn pllnltlich 23 Uhr. Die Gruppen sind b>» 22 Uhr am M Fcstplatz. fiel:« mitbringen. Unkosienteilrag 20 Pf. Musik, Sprech- W »or, Sonmiimendseuer. Festrete: Genosse Franz Künstler, M. d. R. A Gruppentreffpunkte sofort dem Sekretariat einreichen. Heuie. Donnerstag. 26. Juni, 1S� Uhr: «rnowalder Platz II: Heim Rasicnburaer Sit. S.„Einführung tu den Sozialismus". III. Teil.— Falkplatz I: Schule Sonnenburger Str. 20.»Die indische Freiheitsbewegung".— Schiivhauicr Vorstadt: Schul« Sonnenburger Straße 20..Arbeitersport."— Kepenicker Viertel: Schule Wrangelstr, 12«. Tagespolitik.— Kottbusser Tor: Heim Britzer Str. 27—30.„Frelkjjrperkultur." ;— Südwest: Heim Lindensir. 4.»Die Kirck« als Machtfaktor der Reaktion."— Schoneberg IN: Seim Lauptstr. 13.„Freikörperkultur."— Westend: Heim aus dem Sportplatz Westend..Schund- und ante Literatur."— St««litz> Seim Albrechtftr. 47. ssunktpnärsitzung.— siehlendorf.Dahlew! Dahlem, Lans. straße 7—9.»Gandhi und die enaliscke Arbeiterregierung."— Tegel: Beteili. guna an der Werbeveranstaltuna der Iungsozialisten,„Alter Krug", Hauptstraße. — Bn-s'holz: Schule Berliner Str. 19.»Das Gefängniswefen." LSG. Licktenbrrg: Leim Scharnwcberstr. 22. 19 Uhr Bortrag:„Wirt. schaftsdcmokratie". Werbebrzirk Schöneberg: Wanderleiterkonferenz im Heim Hauptstr. Ii. Pommernz�mmer. Bcsprcchunq der Baldur-Fahrt. W«rbeb«,irl Neukölln: Tambourkapelle. Ueben 20 Uhr im Heim Lahnstraße. «erbebezirk Tempelhos: Sprechchorprobe zum Waltfest. W«rt«bezirl«eimckendorf: Beteiligung an der Werdeveranstaltung der Iungsozialisten im„Alten Krug", Tegel, Bahnhofstraße. Beginn pünktlich 1214 Uhr. Alle Sruppenveranst-IIungen fallen ans. 1 OTage zu 10 Stunden dauert diese traditionelle SCHÜHHOF-Veranslaltung, die wiederum durdi ihre unerhört gunstigen Angebote das Tagesgespräch Berlins bilden wird. 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Gelingt es, große Teile sozial enlrechteter Volksschichten in eine falsch« Frontstellung hineinzumanövrieren, dann hat nion— für den Augenblick wenigstens— sich eine gewiß« Entlastung oerschafft und kann zunächst einmal weiter wursteln. Als ein derartiges Ablenkungsmanöver ist die neuerdings immer häufiger und drohender erhobene Anklage gegen den angeb- lichen Kulturbolschcwismus der sozialistischen Arbeiterbewegung zu betrachten. Dinier jenem Schlagwort nollzieht sich der Aufmarsch der gesamten Kulturreaktion einschließlich der sich zur Zeit so revolutionär gebärdenden Nationalsozialisten. Spricht man heute von Kulturbolschcwismus, so denkt man dabei wenig oder gar nicht an die bolschewistische Ideologie als solche, zumal ja gewisse Kreise bei uns ihre politischen Sympathien für das neu« Rußland keineswegs verhehlen. Trefien will man vielmehr den westeuropäischen Sozialismus, d. h. den proletori- scheu Klasscnkampfgedanken. der naturgemäß auch in jeder geistigen Sphäre mit der kapitalistischen Reaktion in Konflikt gerät. Bisher hat noch jede aufsteigende Klo sie über ihr Berhältnis zu Kirche, 'Religion und Moral, zu Unterricht und Erziehung, zu Literatur und Kunst usw. anders gedacht als die jeweils herrschenden Gesell� schaftsschichten. Erst recht mußte den um Befreiung von kopitalisti» scher Lohnarbeit kämpfenden Proletariern allmählich die Erkenntnis aufdämmern, daß ein« solche sozial« Befreiung aufs engste mit der Emanzipation von den Ideen der herrschenden Klassen ziisammen- hängt. Der reale Kern des in balkendicken Zeitungsüberschriften an. geprongerten„Kulturbolschemismus" besteht also in der Tatsache, daß die modernen Proletarier eine andere Kulturanschauung ver. treten als das großkapitalistische Bürgertum, daß sie insbesoiider« im Gegensatz zur heutigen Klassengesellschaft eine auf Gemeinschaft begründete, ollgemein gültige und darum höhere Kulturidee ver- wirklichen wollen. Damit entsteht für uns die Frag«: Ist dos Bürgertum van heute, als Klasse gesehen, überhaupt noch Träger«iner bestimmten Kultur? Das heißt: Besitzt es noch ein einheitliches System geistiger Werte, mit denen ez sich innerlich verbunden fühlt, Werte also, die ihm Leitsterne sein können auf dem Weg« geistig-sittlichen Handelns? Dos folgende soll nun kein« moralisch« Anklage sein, sondern eine einfache Feststellung unzweifelhafter Tatsachen. Dies« Tot- fachen aber besagen, daß in der hochkapitolistischen Gegenwart Denk« formen vorherrschend sind, die ganz vom Heut« durchtränkt sind, und andere wieder, in denen sich die Traditionen einer großen Kulturvergangenheit spiegeln. Daß großkapitalistische Geschäftsmoral sich jenseits von Gut und Base betätigt, ist eine platte Selbstverständlichkeit. Andererseits g«hört es zum alltäglichen Erlebnis, daß bürgerliche Ideologen unserer Zeit Ideale oerkünden, die in der Epoche eines Goethe, Kant, Beethoven oder— denkt man an Frankreich— im Bannkreis eines Rousseau, Boltaire oder Victor Hugo verwurzelt sind. Dos ist offenbar ein Widerspruch und doch wiederum keiner. Der Enthusiasmus des Bürgertums für politische, soziale und kulturelle Ideole war einmal echt, solang« die Front gegen die historischen Mächt« der Vergangenheit gerichtet blieb. Er mußt« aber in dem Grade abflauen, als die Klasse der besitzlosen Proletarier immer zahlreicher un dstärkcr die politische Arena betrat. Im Stadium«iner vorg«schrnl«nen kapitalistischen Entwicklung schlägt eben der soziale Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit noch in einen andersgearteten Gegensatz um. in den Gegensatz nämlich .zwischen bürgcrlich-idcolistischcm Denk«« und rein-kapitalistischem Handeln. Es tritt hier eben jenes Gesetz in Erscheinung, das ollein der kapitatistsschen Wirtschaftsform eigentümlich ist, das Gesetz, noch dem olles, was hier produziert wird, sich in Ware verwandelt. Das gllt natürlich auch für die Gesamthctt geistig-sittlicher Wert«. Allmählich nimmt Alles und Jedes Warencharakter an, und am Ende der kapitalsstifchen Epoche merkt der Bürger kaum, daß sich feicke „unsterblichen" Kulturideal« in blauen Dunst aufzulösen beginnen. Gewiß, auf seine großen Dichter und Denker laßt er nichts kommen. Er hat sogar zuweilen Zeit für sie übrig. Schließlich hat man manchmal das Verlangen, über den banalen Alltag hinaus„erhoben" zu werden, lind ist«s nicht schön, zu wissen, daß außerhalb der Welt des Geschäfts eine zwar unwirkliche, dafür ab«r um so reinere Atmosphäre exsstiertl Alles dos ist möglich, aber nicht möglich ist, daß die Gedanken eines Go«th« oder Kant, in die Praxis umgesetzt. sich mit dieser kapitalistischen Wirklichkeit nertragen. Nie- inals kann der Kopitalismus es dulden, daß die Gedankenwelt feiner geistigen Heroen heute zum Weligcsetz erhoben werde. Will die bürgerliche Gesellschaft weiter am Leben bleiben, so muß sie wohl oder übel ihre einstige Ideologie verleugnen, genau so wi« sie im Bereich der Politik ihre eigene Schöpfung, die demokratische Staats- form, nachgerade zum alten Eisen wirst. Und was ist das letzt« Geheimnis ihrer Kultur? Ohne Uebsr- tr«ibung darf man wohl behaupten, daß von jenen erhabenen Kulturidealen, die ehedem eine Welt in Spannung hielten, langsam aber sicher eins nach dem anderen in Nichts zerrinnt. Hier im Bürgertum also und nur h i« r ist jener Kulturbolschewismus zu Haufe, den man der aufstrebenden Arbeiterkloss« anzudichten versucht. Berlohnt es überhaupt noch, angesichts ein« in sichtbarer Auflösung begriffenen, von allen guten Geistern verlassenen Klassen- gesellschaft die einzige werdend« Kuliurmacht. den Sozialismus, zu verteidigen! Anw Goldstein. Sohn Qatoivorthy: �llßbcrfalll'l cschluß.) 's war an einem Tag gegen Ende Oktober: ich Hab den Geld. kästen im Föhrboot ausgeleert und habe zu meiner Frau gesagt: Lenny", Hab ich gesagt,„du wirst haut d>« lieberfahrt besorgen, ich geh in die Stadt um einen Anzug. Du wirst darauf achtgeben, Hab ich gesogt, daß keiner sich hinüberstiehlt, ahne dir seinen Scchspence zu zahlen." „Gut, Mac Creedy", sagte sie. Dabei Hab ich Brot und Fleisch in ein Papier gewickelt und mich von ihr hinüberfahren lassen. Also, ich bin die Straße hinaufgegangen, bis ich gedacht Hab. sie müßt zurück sein: und dann hob ich mich umgedreht und bin leise wieder zum Wasser hinunter: ab«r si« war noch dort, hat noch immer da- gesessen, wo ich sie verlassen hatte. Pfasf, dos hat mich verdutzt: du weißt, was es heißt, wenn einem ein Plan üb«r'n Haufen ge- morsen wird.„Jenny", Hab ich zu ihr gesagt, als war ich mir des- wegen zurückgekommen,„du wirst ordentlich aufs Geld achlgeb«n. hörst du?" „Ja, Mac Ereedy", sagte sie. Und dabei wendet sie das Boot um. Na, bald darauf bin ich wieder hinunter zum Wasser und Hab mich im Gebüsch am Ufer versteckt und bin den ganzen Tag dort gebliebtn, um zu lauern. Hast du je eine Kaninchensalle belauert? Sie hat vier Leute übergesetzt, und jedesmal hob ich gesehen, wie sie ihr bezahlt haben. Aber spät am Nachmittag ist dieser Kerl gekommen — der Teufel selbst, der, auf den ich die ganze Zeit schon gelauert hatte— und hat laut gerufen: Ueberfohrt! Meine Frau hat das Boot heröbergerudert, und ich Hab sie genau beobachtet, wi« er ein- gestiegen ist. Ich Hab gesehen, wi« sie im Boot miteinander ge- sprachen haben, und ich Hab auch gesehen, wie er si« bei den Händen genommen hat beim Aussteigen. Mehr war nicht zu sehen, denn «r ist fortgegangen. Ich Hab bis zum Abend gewartet, dann bin ich hcrvorgekrochen und Hab gerufen: Ueberfohrt! Mein« Frau ist herübergekommen— si« hat aus mich gewartet— und hat mich zurückgerudert. Das erste, was ich getan hob, war zum Geldkasten gehen und die vier Sechspenceftücke herauszunehmen.„So, Jenny", Hab ich gesagt, ,Hu hast also vier Ueberfahrten gemacht?" „Jawohl", sagt« sie,„grab vier!" „Bestimmt?" sog ich. „Bestimmt, Mac Ereedy", sagt sie. Hast du schon die Augen eine? Kaninchens gesehen, wenn der Fuchs hinter ihm her ist? Ich habe sie gefragt,«er die Leute waren, und wie sie mir die Namen der ersten vier gesagt hat und weiter keinen, Hab ich gewußt, daß ste für mich verloren war. Bald darauf ist sie zu Bett gegangen, und nachdem sie fort war, Hab ich muh ans Feuer gesetzt und Hab gewartet. Ich Hab mich gefragt: Soll ich mir'» gefallen lassen, daß man sie wegnimmt? Soll ich sie mir einfach wegnehmen lassen? Der Schweiß ist mir heruntvgeronnen. Ich Hab gedacht, vielleicht Hai si« vergessen, ihn zu nennen, aber aus ihren Augen hat was ganz anderes gesprochen, und dann— wo war fern Sechs- pence? Pfasf, in diesem Leben gibt es Dinge, die man nicht er. tragen kann. „Nein", hob ich mir gesagt,„entweder hast du schon w't ihm angebandelt oder du bandelst noch mit ihm an, sonst müßtest du seinen Sechspence haben." Wie Blei ist's mir in den Gliedern ge» legen.„Du müßtest seinen Sechspence haben" Hab ich mir gesagt, „darüber kann man nicht hinweg." Du sollst wissen, daß meine Frau ein« gehorsame Frau war, sie hat immer getan, was man fi« geheißen Hot, und hätt sie nicht einen guten Grund gehabt, so hätt sein Gechspenee da sein müssen: dos kann kein Mensch bezweifeln Ich gehör nicht.zu den Schwalblingen, die da glauben, die Ehe war was Heiliges, ich bin ein unabhängiger Mensch. Und ich jag: Jeder Man» für sich M> jefc grau für sich, und je weniger EeiiSe. desto besser. Ich will nicht, daß du wir mit so dummem Geschwätz meinen guten Ruf verdirbst, wenn's vorbei ist. Nicht weil sie meine Frau mar, ist dos geschehen, sondern gräd nur, weil man sie mir stehlen wollt. Ich bin nie«inen: von ihnen auch nur einen Penny oder irgendeine Gefälligkeit schuldig geblieben— dem am ollerwenigsten. Und sollt ich vielleicht ruhig zusehen, wie man sie mir stiehlt und mich ollein zurückläßt? Grad so, wie si« mir mein« Sechspence gestohlen hätten, aus meiner Tasche raus, hätten st« es nur gekonnt? Ich frag dich: Hätt ich das zulassen sollen? Hält ich mit meinen eigenen Augen zusehen sollen, wi« ich wieder einsam geworben wär? „Nein", Hab ich mir gesagt,„gleich soll sich zu gleich gesellen, ich bleib bei dem meinigen!" Ich bin hingegangen und hob si« an- gesehen, wie sie geschlafen Hot, und ich Hab mir's vorstellen können, wie sie sich gefreut hätt, von mir sortzukommen, und daß sie mit ihm zu den andern ins Dorf gegangen wär und mich ausgelacht hätt. Ich Hab mir gedacht:„Da muß etwas geschehen, Mac Ereedy, sonst hilfst du selbst ihnen noch dazu, daß sie sie dir stehlen." Aber was hätt ich tun sollen? Ich bin«in Mensch, der den Dingen auf den Grund sieht und der begreift, was daraus folgen muß. Aus dem hat nur eines folgen komren: ober, Pfaft, geweint hob ich doch, wie ich ihr das Kissen aufs Gesicht gedrückt Hab. Si« Hot sich nur ganz wenig gewehrt, ist ja immer«in« gehorsame Frau gewesen. Di« Leiche Hab ich in einen Sock eingenäht, und die ganze Zeit Hab ich gedacht:„Damit ist's auch mit Mac Crsedy aus!" Aber ich könnt nicht sagen, daß ich's grab bereut hätt. Di« menschlich« Natur ist gor nicht so einfach. Daß ich mich dann so viel um den Ort herum- getrieben hob, Hot mich zugrund gerichtet: wenn man was Wert- volles oersteckt hält, kann's nicht anders sein, als daß man sich dort herumtreibt, man fühlt sich so einsam." Am Morgen der Hinrichtung nahm Mac Creedy ein gutes Frühstück und machte den schwachen Bersuch, sich noch einmal sein Lieblingslied vorzusingen: „Ich scher mich um keine einzige See!. Und keine Seel schert sich um mich!" tfPtttSHgtt Uebertf Jim« t»n Stss Schallt.) Wieviel Gold gibt es? Di« Frag«, wieviet Gold» ruf der Erde gibt, ist auf Grund neuer genauer Fonlchunoen von dem Direktor des Bergwerksamtes der Vereinigten Äaaten Scott Turner beantwortet worden. Zunächst stellte er fest, wieviel Gold feit der Entdeckung Amerikas gefördert worden ist. Dabei ergibt steh ein« Menge von etwa SI 2A Tonnen. Mehr als du> Hälfte dieser Gesamtmenge, die sich aus 43S Jahre verterlt, ist in den ersten 27 Iahren unseres Jahrhunderts gewonnen worden. Von der seit 1492 geförderten Goldmeng« sind heute noch etwa 14 52S Tonnen in Form von Münzen nachweisbar: dos übrige ist ander- weitig verarbeitet worden oder iei.'dem wieder verloren gegongen. W'« verhältnismäßig gering diese Goldmenge'st, geht daraus her- vor, daß aus all dem Gold, dos seit der Entdeckung Amerikas gewonnen worden ist, sich nur«in Würfel gießen ließe, der eine .Samenläng« von 11% Meter hätte. Die Enkzlfferuna des Maya-Alphabsls. Bon der großartigsten voriolumbischen Kultur Amerikas, der der Mayas, besaßen wir bisher nur verhältnismäßig gering« Kunde, weil man von den Hieroglyphen dieses Volkes nur die Zahlen und die Inschriften lesen konnte, die sich mit dem Kalender beschäftigten. Jetzt ober scheint mau endlich der Cntzifserung des ganzen Alphabetes auf der Spur zu sein. Wie ein mexikanisches Blatt,„EI Nacional Revolucionoiro", mitteilt, ist der Rektor der Universität von Mexiko, Gorcw Tellez. von einer Studienreise nach den Vereinigten Swaten zurückgekehrt. au' der er die reiche Sammlung von Mono Inschriften der Universität Pennsvlnanieu genau studiert hat. Er glaubt hier alles nvllpendtge Material gesuiulen.zu haben, um nun die Enträtselung her fflnofr-Schriff duichzuführoL „•Sie Seherin Ton Qafton Serys Frau Spiesani hotte soeben einen Brief erhalten, der mit „Jemand, der es gut mit Ihnen memt", unterzeichnet war. Die Handschrift war sorgfältig verstellt, und in dem Schreiben benach- richtigtc man sie, daß die Treue ihres Gatten nicht gerade muste> gültig war. Zuerst geriet sie in eine recht wohlverständliche Aufregung, aber dann bedachte sie, daß Herr Spiesam stets püickktich nach Hause kam, 17 Minuten nachdem er das Amt verlassen hatte, und daß er ihr fast bis auf den letzten Heller sein Gehalt als Büro- Vorsteher im Statistischen Amt auf den Tisch legte. Em so pünktlicher und methodischer Mann hotte weder die Zeit, auf Abenteuer auszugehen, noch konnte er ihnen Geschmack abgc- Winnen. Dieses Sendschreiben konnte also imr das Werk einer miß- günstigen Neiderin oder eines gekündigten Mädchens fein. Sie zeigte es ihrer besten Freundin, Frau Brech, die zufälligerweise die Ver- sasserin war. Kollege des Herrn Spiesam, war Brech nicht zum Büravorstchcr ernannt worden, wie seine Frau es errnartet hatte. Während Herr Spiesam ernst und zielbewußt norwärts strebt«, lebte der andere sorglos in den Tag hinein. Während der ein« grundsätzlich nie ins Cafe ging, konnte man den anderen dort jeden Tag bis in die Nacht hinein antreffen. Frau Brech gehörte zu denen, die das Glück der anderen wie ein« persönliche Beleidigung ompfiiiden. Warum besah Frau Spiesam einen gesetzten Gatten, der obendrein Bürovorsteher war, während der ihre ein Schwätzer in untergeordneter Stellung war? lind worum konnte jene sich ein Mädchen leisten, während sie selber nur eine Aufwartefrau hatte? Um sie dafür zu strafen, hatte Frau Brech ihren vergüteten Pfeil in Gestalt eines Briefes abgeschossen. „Man darf dieser Art Anzeigen nicht allzuviel Bedeutung beimessen", meinte Frau Brech, nachdem sie das sierfide Schreiben de- schnuppert und herumgedreht hatte.„Indes können diese Behaup- tungen doch nicht ganz aus dem Acrmel geschüttet sein..." „Wirklich? Sic glauben also, daß mein Mann..." „Ich glaube gor nichts, teure Freundin. Im Gegenteil, ich bin überzeugt, daß Ihr Gatte außerstande ist, seine Pflichten zu ver- gessen. Aber vielleicht treibt da irgendein falsches Geschöpf sein Ränksspiel mit ihm. Seitdem man Stenotypistinnen im Amt angc- stellt hat, ist mein Schlaf getrübt." „Ick, kann doch nicht gut hingehen und ihn im Amte über» wachen." „Augenscheinlich. Aber da fällt mir gerade ein: ich kenn« eine Seherin von nicht gewöhnlicher Begabung. Sie hat mehreren meiner Freundinnen wundersame Ding« enthüllt. Sie brauchten ihr nur ein« Haarsträhne Ihres Mannes zuzuschicken. Sie würde sie sieben Stunden bei sich /trogen und Ihnen dann unumwunden mitteilen, was er treibt." Bon Angst und Neugierde gepeinigt, schnitt Frau Spiescun ihrem Gatten, während er schlief,«ine Lacke von seinen schwarzen Haaren ab. Sie übergab sie Frau Brech, und diese ersetzte sie durch «ine Strähne kastanienbrauner Haare, die von ihrem eigenen Gatten herrührten und die sie dann von Eulalie, ihrer Aufwartefrau, der Frau von Chaldäa. Pythio ihres Zeichens, überbringen ließ. Und die hoftntllckisch« Frau Brech rieb sich die Hände, als sie daran dachte, was für ein Gesicht Frau Spiesam ziehen würde, wenn ihr die Sybille im prophetischen Schlaf verkünden würde(wie sie es bei ihr selbst getan hotte), daß der Besitzer dieser Haare ein schlechtes Subjekt war, daß er mir allzu gern ins Weinglas guckte und ein liederliches Leben führte. Als Frau Spiesam zitternd ins Allerheiligste trat, konnte.Frau Brech nur schwer ein triumphierendes Lächeln verbergen. Aber gleich die ersten Worte der Frau van Chaldäa versetzten sie in niaß- loses Staunen. „Derjenige, dem dies gehört", sagte sie, eine sich kräuselnde Locke zwsschcn den Händen hin- und herdrehcnd,„ist ein Wirndc: von Treue. Es ist sogar selten, daß man bei dem Menschengeschlecht ein so treues Herz findet, und der Pudel allein kann als Sinn- bild so unwandelbarer Stondhaftigkeit gelten. Ja, der in Frag« Stehende ist«ine anhänglid>e, ausrichtige und gerade Natur. Ev würde unter Lebensgefahr aitt einen zehnmal stärkeren Feind los- gehen, wenn dieser dos Liebste, was er hat. bedrohte. Er raucht nicht, trinkt nur Wasser, befitzt jedoch einen erstaunlichen Appetit. So bereitet es ihm geradezu ein wollüstiges Vergnügen, einen Knochen abzunagen. Auf Zucker ist er ganz versessen. Für«in kleines Stückchen Kandis wäre er imstande, jedwede Tollheit zu de- gehen. In seinem Wesen stets gleich bleibend, ist er doch immer zu Scherzen aufgelegt und äußert feine Freude durch Schreie und Lust- fprünge. Alles in allem kann man unbegrenztes Vertrauen zu ihm haben" Entzückt erkannte Frau Spiesam, daß viel Wahrheit in dieser Schilderung war. Ihr Mann trank nur Wasser mit einen, Schuß Wein drin und rauchte nicht. Er liebte«inen guten Tisch und knabberte gern an den Knockten, wobei er am Huhn dos Gerippe und beim Hasen den Kopf vorzog. Aber obwohl ihm auch der Nachtisch schmeckt«, hätte er doch für ein Stück Zucker kein« Tollheiten degangen: höchstens nahm er eines zu seinem Kamillentee. Und es war selten, daß er Lustsprünge vollführt«... Von diesen Einzelheiten abgesehen, war alles genau, und Frau von Chaldäa entpuppte ssch wirklich als eine hervorragende Seherin. Aber die beiden Frauen hätten die telepathische Begabung der Frau von Chaldäa noch viel mehr bewundert, hätten sie die Wahr- heit gekannt. Zerstreut, wie ss« war, hatte Eulalie unterwegs die Haarsträhne verloren. Aber st« hatte sich zu helfen gewußt. Da sie gerade Babylas, den schwarzen Pudel ihrer Herrin, mit sich führte, hatte sie diesem kurzerhand ein Büschel Haar« von der Stirn abgeschnitten, diese der Seherin überreicht und so das verblüffende Orakel der Sybille heraufbeschworen. lSerechtisste llib-rttagunz Ben 5r. Ernst Scsn.) (®cnua(US) Li» Monte Zovrlto, 9—3.) Spiritus aus fflols Nach dem bekannten Bergius-Versohren läßt sich planten Handelsklassengesetz die notwendige straff« Zusammenfassung gememjchastlichcr Regelung des Absatzes und der Produktion not- falls auch durch einen erzieherlichen Zwang herbei- geführt werden. In der Zinsfrage hätten die Genossenschaften darauf hinzuwirken, daß die Zinsspannen, beginneid bei den Zentral- instituten und herunter bis zur letzten Darlehenskasse, so schnell als möglich auf das Maß des Notwendigen herabgedrückt werden. Professor Dr. Volz-Leipzig führte in den Fach- vortragen vom Mittwoch aus, daß der industriell« Westen«in großes Interesie an einem lebenskräftigen Osten besitze. Dem Osten müßten die Erzeugnisse gelassen werden, die sein unfruchtbarer Boden und sein wenig günstiges Klima erzeugen, nämlich Roggen, Kartoffeln und Schweine. Der Westen käme als Abnehmer für den Osten in Frage. Eine richtige Arbeitsteilung könne dem Osten «in blühendes Leben geben.— Die Ausführungen von Bolz waren nach mancher Richtung intevesiant. Will man der östlichen Land- Wirtschaft in Deutschland Beschäftigungsmöglichkeften geben, so muß man in den industriellen Gebieten ein kaufkräftiges Publi- k u m schaffen, denn nur ein solches Publikum kann dem Osten Agrarwaren abnehmen. Die Schielesche Agrarpolitik hat sich aber bis jetzt nur bemüht, die industrielle Kauskrast sinn, und zwecklos zu zerschlagen. Das zu sagen, ist eine notwendige Ergänzung der Volzschen Ausführungen. Oekonomierat Müller- Karlsruhe sprach über den Kampf landwirffchastlicher Spezialkulturen um den Markt. Er fordert« unter anderem eine Aenderung des Branntweinmonopol- gesetzes dahin, daß die Ueberstände bei der O b st- und Wein- bereitung, wie das in fricheren Iahren immer der Fall war, wieder lohnend durch Branntweinherstellung verwertet werden können. Zur Förderung des Tabakbaues seien, namentlich für die Erzeugung guter Qualitäten, höhere Reichsmittel zur Ver- fi'gung zu stellen. Ausführungen, die gerade hinsichtlich der Preissenkung s- a k t i o n interessieren, machte Dr. Hamann über den Obst- und Gemüsebau in Deutschland. Hamann wies darauf hin, daß der Unterschied zwischen Erzeugerpreis und Sleinhandels- preis selten weniger al» 100 Pro;, betrage. Der deutsche Erzeuger erhalle nur 50 Proz. des Preises, den der Verbraucher für den Sauf von Obst und Gemüse anlegen muß. während zum Beispiel der dänische Erzeuger 70 bis go Proz. des Kleinhandelspreises erhalle. Es entsteht die Frage, ob«in gleiches nicht in Deutschland möglich ist. Hier liegen die Probleme einer wirklichen Preissenkungsaktion, an der aber die Regierung Brüning-Schiele bis jetzt vorübergegangen ist. F. O. Oiskontsenkung ohne Wirkung. Fast völlige SeschästSstille bei derReichsbank.- phantastisch günstige Notendeckung. Die ReichsbonH hat in der Woche zum 23. Juni eine neue Diskontsenkung vorgenommen. Eine Wirkung in der Richtung verstärkter Kreditinanspruchnahm« hatte diese Ermäßigung überhaupt nicht, war frellich nach der Gesamtlage mich nicht zu erwarten. Nach einem Rückgang»M 1SZ,8 Millionen haben die Wechsclbestände mit 1348,1 Millionen ihren seit 1924 noch nicht dagewesenen Tiefstand erreicht. Die Loinbarddarlehen blieben mit 55,3 Millionen soft unverändert. Unverzinsliche fremde Gelder auf Girokonto stiegen um 111,3 aus 648,6 Millionen Mark. Der Notenumlauf hat sich wieder um 240,8 auf 4038,0 Millionen verringert. Goldbestände sind mit 2618,9 Millionen last unverändert: die offen bekanntgegebenen De- viscn haben sich— durch den Zufluß von Teilerlösen aus der Young- Anleihe— um 35,0 auf 457.2 Millionen weiter erhöht. Di« Deckung der Noten durch Gold und dcckungsfähig« Devisen zusammen stieg von?1,1 aus 76,2 Proz., ein« ebenfalls seit Jahren noch nie ver- zeichnete Dcckungshöhe. Rechnet man die rund 450 Millionen Mark Devisen noch hinzu, die unter 1348,1 Millionen Handeiswechseln stecken, so hat heute die Reichsbank eine Notendeckung von fast 90 Proz. auszuweisen. Dieser Reichsbankiuisweis vom 23. 3uni ist währungsmäßig phantastisch günstig, als Merkmal für die koajuukwr aber ebenso phantastisch ungünstig: denn tue Reichsbank könnte heute ruhig 2 Milliarden neue Kredite gewähren, wenn solche Kredite nur ver- langt werden würden. Die englische Eisenindustrie hat End« voriger Woche die Roh- eisenprc ise mit Rücksicht aiff die Preissenkungen im Deutschen Roheffenverband ebenfalls herabgesetzt. Oer Druck der Wirtschastskrise. Absinkende llmsähe der Konsumvereine. Di« Wirtschaftskrise wirkt sich mit ihrem starken Druck auf die Kaufkraft der Massen jetzt auch bei den Konsumvereinen in einer sehr deutlichen Umsatzsenkung aus. Im Monat Mai ist im Ver- g lei ch z u m A p r i l der durchschnittliche Pro-Kopf-Umsatz im Zentroloerband der Konsumvereine von 8,7 8 M. auf 8,4 4 M. go[unten. Gegenüber dem gleichen Monat des Vor- jahres liegt ein Rückgang um 48 Pf. vor. In sämtlichen Monaten des Jahres 1930 haben die durchschnitt- lichcn wöchentlichen Pro-Kops- Umsätze die Ilm- sä tz e der Vergleichsmonate des Vorjahres noch nicht e r r e i cht. Kleinauto bringt Gewinne. Der Abschluß der BMW. Die Bayerischen Motoren-Werke A.-G., München- Eisenach, setzen für das Jahr 1929 ihre Dividende von 14 auf 7 Proz. herab. Beim Erwerb des Eisenacher Dixi-Werkes und der Auseinandersetzung mit dem Wiener Finaupnagnaten Castigli- o n i mutzte die Gesellschaft erhebliche Bankkredite ausnehmen, die aber inzwischen bis auf eine langfristige Schuld bereits wieder abgedeckt werden konnten. Die Entwicklung bei BMW. scheint sich nach dem Bericht jetzt wieder in stark aufsteigender Linie zu bewegen. Der Kleimvagen der Gesellschaft hat sich durchgesetzt. Trotz der starken Konkurrenz im Kleinautogeschäft hat die Gesellschaft offenbar ihre Gewinne in erster Linie in diesem Fabrikationszweig erzielt. Inwieweit die Austin-Patente dem Unternehmen dabei von besonderem Nutzen waren, muß dahingestellt bleiben. Die Nerwol- tung vermeidet jedenfalls ängstlich jede Anbeutung über die Entwick- lung der einzelnen Fabrikationazweige. Um so weitschweifiger sind dafür die Klagen über die Kürzungen im Luftfahr-Etat, die Sonderobschreiininge» im Flugmotorenbau notwendig gemocht hätten. Die Gewinngnellen der Gesellschast liegen-daher offenbar im Berichtsjahr ausschließlich bei dem Kleinautebau und bei der Motor- radabteilung, obwohl auch auf diesem Gebiet seit einem Jahr eine wachsende Ueberproduktion auf dem deutschen Markt festzustellen ist. Die BMW. haben aber mit ihrer guten Auslandsorganisation diese Entwicklung durch verstärkten Export ausgleichen können. Schlußakt der Weltkraftkonferenz Nächste Vollkonferenz"1936 in USA. Nachdem in den letzten Tagen in einer Reihe weiterer Fachsitzungen verschiedene, meist technische Probleme der Energie- Verwertung behandelt morden waren, fand am gestrigen Mittwoch nachmittag im großen Krolljnol die Schlußsitzung dieser umfangreichen Tagung statt. Zehn Tage lang hatten insgesamt 34 Fachsitzungen stattgefunden, denen nicht weniger als 380 ans- sührllche Spezialberichte zugrunde lagen. 430 Diskussionsrevm c nahmen zu diesen Berichten und zu den Gcnerclbenchten Stellung. Die Zahl sämtlicher Teilnehmer belief sich auf 3900. Dipl.-Ing. zur Nedden faßt« die Ergebnisse der Kon- ferenz mit etwa folgenden Worten zusammen- Der Jnsormaüons- austausch großer Weltverbänd« ist in die Wege geleitet worden. Auf einem bestimmten Spezialgebiet sinternationale Regelung der Heizwert« von Brennstoffen) ist eine imernot'onalc Vcrstandwung erzielt worden. Die nächste Teiltonsercnz wird 1933 in Skandinavien stattfinden und in erster Linie der Enerrie- Versorgung der Großindustrie gewidmet sein. Die nächst? (dritte) Vollkonferenz soll 1936 in den Berein'gten Staaten abgehalten werden. Mit Recht bezeichnete es zur Nedden als dos wich. igst« Ergebnis, daß so viele Fachleute aus aller Welt zahlreiche neue per- jönliche Beziehungen miteinander angeknüpst haben. Cr unterstrich den völkerverbindenden Einfluß dieser Be- sprechungen, die ein neues Zeitalter vorbereiten helfen, das uns eine neue einheitliche Geisteskultur bringen werde. Die Vertreter der verschiedenen nationalen Zlusschüsse, die alsdann das Wort ergriffen, hauptsächlich, vm die Neso-lunoneit der Schlußsitzungen zu begründen, fanden viele anorkemiende Wort? für die deutschen Organisatoren der.Konferenz, insbesondere den Verein deutscher Ingenieure., und für Deutschland überhaupt: es kann hierbei als eine sreundliche Geste aufgefaßt werde», daß sie, nachdem sie vorher englisch oder französisch gesprochen hatten, sich zum Schluß in einigen Sätzen der deutschen Sprache bedienten. Die Gesamtauswirkung dieser Konferenz wird von nirs noch behandelt werden. Oividendenkückgang bei Ilüigers. Scharfe Konkurrenz durch großen Teeranfall bei der Koks- Produkt on. Die R ü t g e r s- W e r k e A.- G., Berlin, setzen die Dividende aus das 80.Millionen-Kapita! für 1929 um 1 Proz. niedriger als 1928 auf 5 Proz. fest. Ein großer Teil der erhöhten Teer- Produktion mußte auf Lar— genommen werden. Cq der B a u- markt wegen der absinkenden Konjunktur und wegen der Kälte zu Anfang des Jahres weniger aufnahmefähig war. Vor allem macht sich der in den letzten Jahren nicht nur in Deutschland erfolgte Neu- bau von Kokereien in einer Steigerung des Rohteer- anfalls bemerkbar, mit der Sie Aufnahmefähigkeit des Marktes nicht Schritt hielt. Im laufenden Jahr hat sich die Marktlage ge- bessert, auch dank der erfolgreichen Bemühungen, neue Der- wendungszweck« für Teerprodukte zu schaffen. Von den Beteiligungen beeinflußten die Siemens- Planta- Werke, die Deutsche Petroleum A.-G. und die Bereinigten Dachpappen-Fabrlken A.-G. das Ergeb- nis günstig: die Niederschlesische Bergbau A.-G. blieb dividendenlos. Der Wert der B e t e i l i g u n g e n ist auf 33,7 Millionen zurück- gegangen, da einige Aktien und Anteile abgegeben wurden. Die Anlogen haben im Lause des Jahres einen Zugang von 2,3 Mil- lionen erfahren, der aus laufenden Einnahmen finanziert wurde: da zu gleicher Zeit die Schulden um 1 Million auf 5,7 Millionen gesenkt wurden, muß die finanziell« Kraft des Unter- nehmens recht stark sein. Nach Abschreibungen von 2,4 Mil- lionen haben die Anlagen einen Wert von 29,9 Millionen. Das Warenlager ist trotz vorsichtiger Bewertung vo), 10,16 auf 11,58 Millionen gestiegen. Die Tochtergesellschaften haben einen bedeutenden Teil ihrer Schulden zurückgezahlt, so daß die Bank- guthaben mit 6,4 Millionen erheblich höher sind. In dem Posten Schuldner von 9.85 Millionen stecken über 4 Millionen R e st k a u f- gelder aus den zurückliegenden Transaktionen, lo daß nur etwas über 5 Millionen wirkliche Geschästsverpstichtungen darstellen, denen der Posten Gläubiger(also Geschästsschiilden) mit 5,74 Mil- lionen gegenübersteht. Der Reingewinn wird mit 3,78 Mil- lionen um 1 Million niedriger als im Vorjahr ausgewiesen. Rentables Druckcreigcschäjl. Die Verteilung von wieder 15 Prozent Dividende bei gleichzeitiger- starker Erhöhung der Abschrerbilngcn um 69 000 aus rund 168 000 M. schlägt die A. Seydel u. Cie. A.-G. i» Berlin ihren Aktionären var. D.-r Ge- schästsbericht fiir das Jahr 1929 erwähnt die U ebernahm.' einer maßgebenden Beteiligung an der.. Deutsche. Beamten-Sckristen- Verlag G. m. b. H.", der Verlagsmistalt des Beamtenwirtjchasts- bundes: dieser Schritt diente offenbar der Sicherung von Druckausträgen. Der Reingewinn ist von 0.22 aus 0-33 Mil- lionen Mark gestiegen, so daß das Unternehmen einschließlich seiner Abschreibungen im' letzten Betriebsjahr rund 4 0 Proz. seines Kapitals verdient hat. I» der löprozentigen Dividende kommt also nur ein Bruchteil des tatsächlich erzielten Ertrages zum Ausdruck. Das Barvermögen der Gesellschast hat sich im ab- gelaufenen Geschäftsjahr mehr als versechsfacht. Guter Saalensland Anfang Zuni. Räch den Angaben der .�andwirtschastliche» statfftischcu Korrespondenz", die vom Preu- ßischen. Statistischen Landesamt herausgegeben wird, hat der Saatenstand in Deutschland gegenüber den günstigen Fest- siellungen vom Vormonat noch Verbesserungen erfahren. Die Wertungen zu Anfang Juni lauten unter Zugrundelegung der Ziffern 1— sehr gut, 2— gut, 3= mittel, 4— gering und 5— sehr gering: Wintcrweizen 2-3 jVormonat 2L), Sommerweizen 2,5: Winterroggen 2,4(Vormonat 2,41, Swnn'erroggen 2,7: Winter- aerste 2,5(2-5), Sommergerste 2.5: Frühkartoffeln 2,7, Späi- sartosfeln 2,8(im Vormonat nicht bewertet). Der Saatenstand ist somit um einiges bester als vor einem Jahr, besonders fr r Weizen und Roggen. Nach dem Bruch. Siegsrwsld und die Schwerindustrietten veraniworiltch. Burthtworftani) des Mgerjieinen Deutschen TewsrtschafL?- fcüftiws nimmt ki einer eingehend«!! Darlegung Stellung zu den Derhanblungen der Spitzenorganisationen der Gewerkschaft«» und der Unternchmeroerbände. Es heißt da: Di« Besprechungen, die Mischen den Spitzenveichänden des Unternehmertums und den Gewerkschaften feit Monatsfrist ge- pflogen werden, wurden bekanntlich auf Initiative einer Gruppe von Unternehmern au» d«r verarbeiten- den Industrie aufgenommen. Den Ausgangspunkt dieser Der- Handlungen bildete der von den Unternchm«rn vertretene Gedanke. daß es eine sittlich« Pflicht der in g«stch«rter Stellung be- sinnlichen Veruifsschichten der Wirtschast sei. chre A r b e i t s g e- n offen, die zum Opfer der deutschen Wirtschaftsnot geworden sind, n i ch t i m S t i ch« z u l a s s e n. Die Angestellten der Wirt- schüft bis hinauf zu den EeneraldirektoröN sollten für das Etatjahr 1930 von ihrem nlchtoersicherungspflichtigen, lcchnsteuerpflichtigen Llrb«itse!nkomin«n bis zur chöhe des ungeteilten Versicherungsbeitrages einen ch i l f s b e i t r a g zur Arbsitslsfenverstcherung leisten. Da diese Gruppe der Unternehmer, mit der zunächst die VerHand, lungen geführt wurden, sich der Einsicht nicht zu verschließen schien. daß ein« Senkung der Preis« nur dann zu einer Ankurbe, lung der Wirtschaft führen könne, wenn gleichseitig für di« Sicherung der Sanftrofl und in der Folge für ihre SiSrkung Sorg« getragen würde, war es sachlich berechtigt, trotz der schon bei den ersten Beratungen austauchenden Meinungsverschiedenheiten über den einzuschlagenden Weg, die Verhandlungen durchzuführen. Die Vertreter der freien Gewerkschaften haben bei diesen Ver, Handlungen keinen Zweifel darüber gelassen, daß«ine Senkung der Selbstkosten der Produktion in weitem Ausmaße ohne Ab- bau der Löhn« durchgeführt wevden müsse. Sie hielten es für entscheidend, die übersetzten Kartellpreise abzu? bauen, deren Senkung z. B. in der Eisenindustrie ohnehin längst fällig war, da. wie auch die Unternehmer selbst zugeben mußten. die Pohstoffprekse sich wesentlich gesenkt haben. Dies« Anpassung der Monopolpreise an die gesunkenen Gestehungskosten und an die veränderten Aaufkroftverhältniss« ist ohne jeden Druck auf die Löhne möglich. Ebenso vertraten die Gewerkschaften die Auffassung, daß die viel zu hohen Gewinnspannen im Handel vermindert werden müssen. Außerdem erklärten sie«in« Senkung der Inländischen Zinssätze und ein« bessere Organisation der Kreditbe- schaffung und Kapitallenkung für unbedingt erforder- lich, mit dem Ziel, die Geld- und Kapitaltosten zu verbilligen. Nach der gemeinsamen Ausschvßsitzung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie und der Vereinigung der Devffchen ArbeitgeberverHSnd« macht« sich sichtbar der Einfluß der Schwerindustrie auf die verhandlungsfghrer der Unter» nehmer geltend. Die Senkung und Einschränkung der personellen Ausgaben der öffentlichen Körperschaften, um eine durchgreifende Erleichterung der öffentlichen Lasten zu erreichen,«ine entsprechend« Anpassung der Personalausgaben in der Privatwirtschaft, die alle in ihr tätigen Personen(einschließlich der leitenden Persönlichkeiten) einbeziehen sollte--- d. h. praktisch ein Lohn- und Gehallsabbau und ArbÄtcr- und Becrmfen. anstassimgen im großen KK. wurden nunmehr al? dt« Voraussetzung für einen Abbau der Preise erklärt. Dabei wurde von vornherein darauf hing«- wiesen, daß Fehler in der Finanzpolitik die Erfüllung de? unbe. stimmten Versprechens auf ein« Senkung der Press« illusorisch machen könnten. Gleichzeitig wurde an vorsichtigen Formulierungen die in den Programmen der Vereinigung der Deutschen Arbeit- fleberverbänbe gefordert« Anpassung der öffentlichen Lasten an die innere deutsche Finanzkrast, 6. h. ein Abbau der Leistungen der SozlalverflHerung und eine Einschränkung ihrer Verwaltungskosten, in das neu for- musterte Programm eingebaut. Der Gedanke eines Notopfers der in gesicherter Lebensstellung Stehenden sollte nur dann in Betracht gezogen werden, wenn Regierung und Volksvertretung sich auf die vorerwähnten Forderungen einigten und ihre Durch» jührung bis in die letzten Organe der Verwaltung sicherstellten. Diese Verschiebung der Derhandlungsbasis erschwert« den Fort- gong der Verhandlungen außerordentlich und legte den Vertretern der Gewerkschaften den Gedanken nahe, sie ohne weiteres abzubrechen In einer gemeinsamen mit den Spitzenorgani- iationen der christlichen und chirsch-Dunckerschen Gewerkschaften for- musterten Entschließung faßten st« daher noch einmal die von ihnen vertretene, in klarem Gegensatz zu den Anschauungen der Unter. nahmer stehende Ansicht über die außerordentlichen Maßnahmen zur Urberwindung der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zusammen. Der natürliche Gegensatz der Anschauungen, der sich im Ver- lauf« de? Juni bei den Beratungen immer mehr vertiefte, wurde weientlich verschärft durch eine Reihe von Ereignissen, die klar zeigten, daß die an den Verhandlungen beteiligten Vertreter der Unternehmer nicht genügend Einfluß auf die praktsschen Mahnahmen der Schwerindustrie und auf das Vorgehen ihrer politischen Vertretung, der Deutschen Volkspartei, hatten. Der Schiedsspruch von Oeynhausen, der den Lohnabbau zur vorqussehunz des Preisabbaues in der Schwerindustrie machte, besonders seine verbindlicher NSrung. die in der Folge dazu führte, dag di« Lenkung�der Löhne nicht der verbraucherschaft. sondern als Extraprofit den llnieruehmnngen zugute kam, zeigten deutlich, mit welcher bedenkenlosen Rücksichtslosigkell die Schwerindustrie und die beteiligten Organe der Regie. rung den ursprünglichen Sinn der Verhandlungen durch» kreuzten. Ez wurde bekannt, daß die Schwerindustrie den Jlyonzminisier stloldeohaucr nicht zuletzt deswegen zu Fall brachte, weil er sich nicht darauf einlassen wollte, den Abbau der Löhne und Gehälter durch ein vom Reichstag zu be- schließendes Gesetz durchzuführen, das käe langfristigen Tarifverträge mit einem Schlage aufheben sollte. I? den Beratungen wurde fellist van einigen Unternohmsrn anerkannt, daß, währetid die Verhandlungen der Spitze-werbände fchwobten. Arbeiter entlnffungeu nicht stattfinden dürften. Aber nicht nur. daß die Schwerindustrie unbekümmert zu Entlassungen und mit Hilfe der Regierung zu einem weitgehenden Lohn- und GehastZ- abbau schritt: auch der Vorsitzende de? Auffichtsrates der Deutschen Reichsbahngesellfchaft, Herr von Siemens, wandt« sich— 7 wi« es scheint, auch überraschend für die an den Verhandlungen beteilig- ten Unternehmervertreter--- in einem Schreiben an die Reichs- regierung, in dem er unter Hinweis auf di« kritische Lage her Reichsbahn kurzerhand einen Lehn- und Gehaltsabbau forderte. Zu diesem vorgehen(legt System. Auch die Firma Krupp in Essen hat den Antrag aus Entlassung von 7 Prozent ihrer Belegschaft gestellt, ein deutliches Zeichen dafür. daß die Schwerindustrie entschlossen ist, die Arbeitslosigkeit nicht nur nicht zu perhindern, fondern mit allen Mitteln darauf aus- geht, ihr in den letzten Jahren propagiertes Programm zu per- wirklichen, nämlich die sozialen Errungenschaften der Nachkriegszeit unter Ausnutzung der Arbeitslosennot und der Fi- nanzkalamität des Reiches zu beseitigen... Di« Vertreter der freien Gewerkschaften haben dsmentfprechend die Konsequenzen gezogen und betrachten dies« Verhandlungen als beendet. Giellungnahme der Christlichen. Düsseldorf, 1?. Juni.(Eigenbericht.) Der Hauptvorftand des Gefamtverbandez der christlichen Gewert- schaften hie�t hier am 11. und 12. Juni«in« von Vertretern aller Verbände besuchte Tagung ab, aus der insbesondere die gegenwärtige Wirtschaftslage Gegenstand der Erörterungen war. Auf der Tagung kam zum Ausdruck, daß die chrsstlichen Gewerkschaften die Be- mllhungen unterstützten, durch gemeinsame Arbeit der Arbeitgeber und der Gewerkschaften die schwierige Gesamtlage überwinden zu helfen. Gegen die Ausfassung, daß der Abbau der Löhn« das Mittel fei, um die Arbeitslosigkeit zu beheben, müßten sich die christ- lichen Gewerkschaften nachdrücklichst wenden. Sie seien jedoch bereit, an einer Senkung der Produktionskosten der Wirtschaft mitzuarbeiten, vor allem in der Richtung einer Senkung der durch den überspannten staatlichen Verwaltungsapparat bedingten öffentlichen Lasten und einer wesentlichen HerabsetzungderPreife. An. gefichts der Not von Millionen deutscher Volksgenossen sollte die Leistung eines Notopfers von allen in gesicherter Stellung sich Beftnbkichen eine Selbswerftänblichkeit sein ScharfmachsrtumimKomtnumstenblatt Oer gemaßregelt« Betriebsrat. Stuttgart, KZ. Juni.(Eigenbericht.) In der Druck«« des Stuttgarter Kommunisten- blatte» find Dif streiken ausgebrochen, die am letzten Freitag fast zum Streit und zur Stillegung des Batriebes geführt hätten. Die Gsschäftslsiturrg der Druckerei hatte von den fünf Mitgliedern des Betriebsrat drei fristlos entlassen, weil sie angeblich unanxemeldet ein* Vetriebsratssitzung. die nur einige Minuten dauerte, abgehalten haben sollen. Tatsächlich mar die Sitzung jedoch dem zweiten Se- schäftsfllhrer angßgeigt worden. Di« Mehrheit des Personals beschloß deshalb, die Arbeit»tedepzulagen. In ihr« Not wand:« sich die Geschäftsleidung an die„sozialfaschistischen Gewerkschaftsbonzen" Ihnen gelang es. den Streik zu verhüten, ohne daß die Differenzen bis heute beigelegt worden wären. Die kommumstisch« Parteileitung weigert sich, die B e tr i« b s ra ts m itg lj ed e r wieder einzustellen Diese» Verhalten dürfte darin zu suchen sein, daß in dem kommunistischen-Betrieb auch sogenannte„Renegaten" tätig sind— darunter die drei Betriebsratsmttglisder—, die beseitigt werden sollen. Die gemaßregelten BetriebsraMmitalieder haben das Arbeitsgericht angerufen. Die Krauen halten stand. Hot ab vor den Hotarbeiterivmn! Die Arbeiterschaft der deutschen Hutindustrie hat unter der allgemeinen Wirtschaftskrise teilweise noch stärker zu leiden, als die übrige Industriearbeiterschaft. Wenn auch Mode und Jahreszeit für die Hutindustri« immer konjunkturbestimmend gewesen sind, so verlief doch die Beschäftigungskurve in früheren Iahren stets so, daß einer kurzen Beschäftigungsflaute immer eine Zeit folgte, in der so gut wie keine Arbeitslosen gab. Im vorigen Jahr aber waren selbst während der Hochsaison im Juli, wie der Geschäftsbericht 1 es Deutschen Hutarbeiterverbandes ausweist, nur 71,3 Proz. der Verbandsmitglleder voll beschäftigt: 27.S Proz. der Mit- glieder waren arbeikslos und 0,9 Proz. arbeiteten verkürzt. Am katastrophalsten war die Arbeitsmarktlage im November des Vorjahres, wo nur 22 Proz. der Verbandsmitglieder voll arbeiteten, dagegen 48 Proz. die Arbeitsnachweise be- oölkerten und 30 Proz. in Kurzarbeit standen. Die Quersumme aus der Arbeitsmarksstatistik des Jahres 1323 wirkt ebenfalls erschütternd. Im Jahresdurchschnitt waren nur SS Proz. der Mitglieder Vollarbeiter, IS Proz. Kurzarbeiter und 29 Proz. arbeitslos! Daß angesichts dieser Arbeitsmarktlage vielen Unternehmern der Hutindustrie der Kamm schwoll und sie versuchten, an den tariflichen Errungenschaften ihrer Arbeiter zu rütteln, nimmt weiter nicht wun- der. Die Organisation hat sich aber auch in dieser schweren Zeit als der sichere Damm erwiesen, an dem der Unternehmeransturm zerschellte. Der Deutsche Hutarbeiterverband hat nicht nur all« An- griffe der Unternehmer erfolgreich abgewehrt, sondern darüber hinaus noch einig« Verbesserungen der Lohn, und Arbeitsbedingungen erwirkt. Es wurden im Berichtsjahr 3 Angriffs- bewegungen und eine Abwehrbewegung für insgesamt 29 300 Per- sonen geführt, von denen keiner der Erfolg versagt blieb. Für 8500 Männer wurde eine Lohnerhöhung von 12S30 M. fe Woche und für 13 700 Frauen 19 060 M. erzielt. Für 7700 Personen ge> lang«s, nicht nur Verschlechterungen der Arbeitsbedingungen abANvehren, sondern die bestehenden ArdeitSbedingrrngen«eiJ) ja verbessern Am Schlüsse des Verichtsjahres waren für alle Be» rufszweige der Hutindustrie die Lohn- und Arbeitsbedingungen durch je drei Reichs» und Bezirkstarife sowie verschiedene Orts- und girmentarifs geregelt. Die katastrophale Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ist für den Verband nicht ohne nachteilige Folgen geblieben Der Mitglieder- bestand verringerte sich um 124S, davon 10Sg weibliche, auf 46 333 Mitglieder, wovon 10 33? weiblichen Geschlechts find Da erfahrungsgemäß in allen Gewerkschaften die Frauen, die Im Hut- arbeiterverband rund zwei Drittel der Gefanümitgliedschaft aus- machen, das am stärksten fluktuierende Element sind, muß man den Mitgliedern des Hutarbeiterverbandes hinsichtlich der Organisati vns- treue das hefte Zeugnis ausstellen. Daß der Deutsche Hutarheiter- verband auf einer gesunden finanziellen Grundlage steht, beweist die Tatsache, daß trotz her riesigen Ausgaben für Unterstützungen an erwerbslos« und kranke Mitglieder sich das Vermögen der Hauptkasse um 37 S96 M. auf 401 720 M. erhöhte und das der Lokalkaffen um 22 647 M. auf 77 606 M. Protest der litauischen Gewerkschasteu. kowno, 24. Juni(Oft-Erpreß). Der Vorstand d«? VerHemdes der litauischen Gewerkschaften hat an das Internationale ArHeilsamt in Genf ein Schreiben gerichtet. in dem Protest dagegen erhoben wird, daß die litauische Regierung einen Vertreter der gelben Gewerkschaften als litauischen„Ar- beftervertreter" zur Internationalen Arbeitskonferenz zu entsenden gedenke. Es wird weiter darauf hingewiesen, daß seit dem Staats- streich von 1326 von den bis dahin in Litauen bestehenden 18 Ge- werkschaften mit 23 Q00 Mitgliedern, die der Amsterdamer Internationale angeschlossen waren, die meisten g« s ch l 0 f- s«n worden stich, wobei ihr Vermögen beschlagnahmt wurde. Di« wenigen noch bestehenden Gewerkschaften hätten unter dem Druck der Behörden sehr zu leiden und die Gewerkschaftspresse sei oerboten. Das Memorandum schließt mit dem Ersuchen, dem litausschen..Arbeitervertreter", der tatsächlich nur ein Regie- rungsvert reter sei, die Anerkennung seines Mandats zu ver- weigern. 10 Jahre werifchaffenöe Arbeiisiosenfürforge. Das Preußische Ministerium für Pokkswohlfahrt hat im eh«- maligen Derrenhaufe in der Leipziger Straße eine Ausstellung »Zehn Jahr« wertsch a fs« nd« Arbettolosenfür- sorg« in Preußen� eingerichtet, die ab heute der Oefseirtlichkeit zugänglich ist. Die Ausstellung bietet dem Besucher keine Reize. der gewohnt ist. seinen Blick flüchtig von einem fesselnden Ans- stellungsgeg anstand zum andern gleiten, zu lassen. Dem Besucher aber, der sich mit sozialen, arbeitsmarktpolitischen und ähnlichen Fragen beschäftigt, geben die zahlreichen Schaubilder, Photographien und Modelle von Landardeiterwohnungen, Statistiken über den Umfang der Meliorationsarb nten usw. vielerlei Anregung. In der ersten sogenannten allgemeinen Wtettung wird an einer Uebersichtskarte sowie graphsschen und biZMichen Darstellungen der Umfang der wertschoffenden Arbeitslosensüissorge In Preußen in den einzelnen Jahren von 1328 bis 1339 gezeigt, die Geldmittel, die sie erforderte» und von wem diese aufgebracht wurden So sind, um nur einige Aesspiele anzuführen, in dem Jahrzehnt 1929/30 an Rotstandsarbeiten rund 190 Millionen Tagswerke, davon allem bei Ttratzendauten 49 Millionen Tagewerk«, geleistet worden und davon wiederum der größte Test in den Industriezentren Verlin. Schlesien, Westfalen und d« Rheinpromnz. Durchschnittlich 250006 Arbeitslosen wurde dadurch für 3 Monate Ardettsgelsgenhett z«- boten In diesem Zusammenhang sei aus di« nicht unbekannt« Tat- fach« hingewiesen— die in der Ausstellung durch«ins grot-sl wirkend« Graphik festgehalten wird daß in den Jahren 1924/26 die Geldmittel zur Förderung der wersschaffeichsn AibettÄcfenfgrsorge ent- sprecheich dem Anwachsen der Arbeiizlosigkett von Jahr zu Jahr stärker flössen, in den Konjunkturjahren 1327/28 begresslicherweife gestoppt wurden, aber in den Krisenßchren 1329/30 nicht wieder stärker fließen, sondern nochgeringer werden al» in den Iahren der Konjunktur. In der 2. und 3. Abteilung wind dem Besucher ein Ueberblick gegeben über die Art der Nosstandsarbeiten. ihren kultur-, siedlungs. und ardeitsmaritpolitischen Wert, was besonders ein- drücklich in der Unterabteilung Lande rbeiterwohrrungsb cm dargestellt wird. ver ArbeU»gerichlsv«rbaud. die Vereinigung von Vorsitzern und Beisitzern der Arbeitsgerichte aller Instanzen,«hält nunmehr Zuzug auch aus den Reihen derjenigen Beisitzer, die dem Allg e- meinen freien Angestelltenbund angehören, nachdem dieser beschlossen hat, seine Zurückhaltung dem Ärbeitsgerichtsver- band gegenüber aufzugeben und sich aktiv an dessen Arbeiten zu beteiligen. «chw-g, S»gcstcllteofr-kti>»> d« BBS.! ffteitaj, IWi U5t, V-r. sammlusq im Saal des Sewerkschaftslianse,. Genosse Leodemann spricht Uder:.Unser«ampf gegen Ton'.alMcltton und Alle «»r.osseu werden gebeten, die Bersarmnlung ju besuchen. Der ftroltloajreotßÄab- BS»-. Babl-d-I 22.»«d..z«m-n,flj,u-g ffreitag, 19 Uhr, bei NSsner, Znmmrnielrirdjstr. 25. Di« Wichtigkeit der Tnqesordnung er. fordert bestimmtes Erscheinen. Der xroltionsoorstond. t�reieGewertschafts-Iuaend Berlin Siidkrels: Spieltreffen im VolUparl Kafercheide. Es spielen die Gruppen: TrepUm,: Auf der Wiese 8 im Treptower �Nstf.— Heute. Donnerstag, Ifljr, tagen die Gruppen: L!LyeniS: Zuaendhrün Grünauer Etr. Z. Llc�ernbevd.-- Gesuudb�lune«: �ugllndheim Schule, Gotendurge: Str.?. Hosemann Nest:„Die Landpartie�.—» Tempelhof: Gaippenheim, �vseum Ger- maviastr 4— 6. Reihenvortrag:»Sozialversicherung— Un�LÜversicherung".— Moabit? Jugendheim.Lehrter Str. 18-19. Vortrag:„Die Gegner der freie» Gemernchaftea�.— Llchteoberg? Zuaevdbeim Lauffftraßs, an der Lsssingstrasie. Neue Außen» und Heimspiele»— Neu-Licktenber�: Zugendheim Gunterstr. 44- Bortrag:„Slite, Scham, und ASrpergeMl" K �»uoendorupve OeSsZentralverbandes der Atiaestelitoi Echu!- Witdenbruchstr. 53(SuganeToon btr Sraegstraz«'w Trrptöro). Vortrag: .Ein Besuch OC! dem ZchuMnig Beta*. Referent: Rittl kraus«.— SchSs«5-rg: ßL•* K„ rt— i—...,___\ fv\___*_._. ?»». Uör- Sugendbeim Sauvtstr. 15(Sctgebäutc. Tbürwotn�mmer). Vortrao: Vertat, wie-S weint und facht*. Referentin: ssricdel chatf. Außerdem~ nersiag Im Zugeistcheim Arbei'�,-m«I»schaft In Englisch von -- Spiel«j* Sport ab IS Uhr im Lplkspark Rehü-rge. ab 18 Uhr� auf dem Sportplak Bremer Straße fNvrdwest). ab 19 Uhr auf dem Evortplatz O�ers- straße fEhasottendurg). Tsmüss, Laloto, »ckbvocks Luppsn, SolZsn und olle Fleischgerichte erhalten augenblicklich unvergleichlichen Wohlgeschmack, durch weniae Tropfen Verleaigen Sis aber ausdrücklich MAGGi5 Würze MAGOI* Würze jj'W.yr'. /VÄ1.','■> v