Morgenausgabe Freitag. 4*iii rt ¥ iwl»" w-ch.nMa>«?,. m°n°il,«-.«om. W i W W Ws W �. Auswärts 15 Pf. °orau« zahlbar. Postbezug«.ZZ M. W« I D» W> WD f/>W H einichlichllch so B,g. P ostzeltung-. und-«» k?!-�W W W W V) W H M H H BB# WB 1BBB'—/ ?2 Psg. Paftbestellgebühren. Lualand» H| WD DD DW DW W) DD �W/ Bi««, u>» a II, g> Noagareilleze», abomiemem«.— M. pro Maual. o��MW Is �WM JW �W �W �W �W IW �W DW Wt— l Mb� H Psenalg. Reklame eil« 5.— Reich». I W H �D �D B DD W d°» »-k�W I �W W B �HV JWl HBl �D' bruifte Won Zö Pfennig(zulässig MÄ*re,m?«B-■■ MM ? ��1 �Uv JHkV // B«an IS ßsennig. led.»-.eitere W°� ft.l, ,U,5fl. en�,r ,®eS ffify B�> /— W»s lü Pfennig, W°N. übe. IS Duchltade» «bend" �llluftn-n. Rettin'Rott Jöiltn für zwei«one.«rbeitsmaikl UWMZ Vevttner Nottsblatt wVZkM Äentralorsan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands Redaktion und Verlag: Berlin SW 68, Lindenstraße 3'RneMNrtA-ü�erlnN s�i m l» � Postscheckkonto: Berlin 87 5SS.— Dankkonlo: Bank der Arbeiter. Annestellten Fernsprecher: Tönbol! L92— LS7 Telegramm-Adr.: Sozialdemokrat Berlin. V. �7. und Beamten. Wallstr. KS. Dt. B u. Tizc.-Ges.. Teposttenkaste Lindenstr S. Volkspartei gegen Curtius. Oer Reichsaußenminister soll zum Rücktritt ausgefordert werden. Die Flucht der Deutschen Volkspartei aus der Verantwortung j scheint schon heute ziemlich sicher. Sie wird wahrscheinlich darin zum Ausdruck kommen, daß die Reichstagsfraktion der Volksparlei ihren Vertreter im Kabinett, den Reichsaußcnministcr Dr. C u r t i u s, in den nächsten Tagen zum Rücktritt oussordert. Der Reichsauhenminister hat den Deckungsplönen der Regierung zugestimmt und sich damit in Widerspruch zu der Mehrheil seiner Fraktion geseht. Das soll ihm den Kopf kosten. Der fchwerindustrielle Flügel der Volkspartei ist entschlosten. ihm das gleiche Schicksal zuteil werden zu lassen, wie Herrn Moldenhauer. Auch Curtius soll in die wüste geschickt werden, weil er nicht gehandelt hat wie befohlen wurde. Schon ist der erste Sturm gegen ihn entsacht. Eine am Donnerstag, während der Reichstagssihung, abgehaltene Fraktionssihung der Volkspartei ließ keinen Zweifel dar- über, daß die Mehrheit dieser Fraktion in schärfster Oppo- f i t i o n zu Curtius steht und seine Freunde von gestern zu seinen bittersten Feinden zu werden drohen. Die endgültige Entscheidung über die künftige Haltung der Volkspartei gegenüber der Regierung Brüning wurde schließlich verlagt, bis die Gesehentwürfe des Kabinetts im Wortlaut vorliegen. Das wird heute der Fall sein. Curtius hat sich mit dem Kabinett durch seine Zustim- mung zu den Deckungsvorlagen solidarisch erklärt und soll entschlossen sein, daraus ebenso die Konsequenzen zu ziehen, wie seine Fraktion entschlosten ist, die Konsequenzen aus seiner Haltung zu z'ehen. Das würde daraus hinauslausen, daß Eurtius. statt aus der Regierung auszutreten, seiner Fraktion den Rücken kehrt und wahrscheinlich sein Mandat niederlegt, während seine Fraktion zur Regierung in Opposition tritt. Mit dieser Möglichkeit hat die Regierung von vornherein gerechnet. Sie beabsichtigt deshalb, aus der Flucht der Volkspartei keinerlei Schlußfolgerungen zu ziehen. Neues Oittaturgerede. Die„Germania" hat gestern die Reise des Reichskanzlers Brüning zum Reichspräsidenten mit folgenden Sätzen kom- mentiert: „Die Regierung ist entschlosten, ihr Programm in die Wirklichkeit umzusetzen. Zu diesem Zweck unterbreitet sie dem Reichstag wohl- erwogene materielle Vorschläge. Die Regierung wird ihrerseits nichis unversucht lassen, um diese Vorschläge auf p a r l a- M entarischem Wege durchzuführen. Sie lehnt es weit von sich ab, eine Diktaturregierung zu sein. Es ist jedenfalls ihr Wille, alle parlamentarischen Mittel zur Verabschiedung der notwendigen finanziellen Maßnahmen zu erschöpfen. Es wird an den Par- t e i e n liegen, ob sie der Regierung diesen ordnungsmäßigen Weg ermöglichen, den diese mit äußerster Energie erstreben wird. Aus der Reise des Reichskanzlers zum Reichspräsidenten von hindcn- bürg aber dars der Schluß gezogen werden, daß hinter dem Kabinett auch der Wille des Reichspräsidenten stehen wird, und daß der Re- gierung infolgedessen alle Möglichkeiten in die Hand, gegeben sein werden, ihr sachliches Programin zu verwirklichen. Es hängt von der Volksvertretung ab, ob sie sich für die parlamentarische Lösung entscheidet oder ob sie die Anwendung anderer verfassungs- nräßiger Mittel, die im Artikel 48 der Reichsoerfassung liegen, selbst herbeiführt." Dieser auf Stelzen gestellte Ton des Zentrumsblattes lehrt, wieweit man im Zentrum bereits die Verfassung und die verfassungsmäßige Stellung des Parlaments vergessen hat. Man rasselt mit dem Reichswehrsäbel gegen den Reichstag, und wenn das so weiter geht, wird man schließlich auch noch in der Art Pilsudskis gegen das Parlament auf- treten! Die Großspurigkeit und Verblendung dieses Auftretens steht in groteskem Gegensatz zu der Schwäche des Ka- hine�ts. Wer stützt es denn eigentlich noch? Nach dem Handel um die Deckungsvorschläge, nach der„Stornierung" des Moldenhauer-Programms ist nun das Dietrich-Pro- gramm das, was Deutschland unbedingt braucht. Das sind nun die„wohlerwogenen materiellen Vorschläge". Wohl- erwogen, jawohl, bis zur nächsten Stornierung oder bis zur nächsten Abänderung auf Wunsch einer Gruppe wie der Wirtschaftspartei. Zum Regieren gehört nicht allein Projektemachen, son- dem auch Mehrheiten finden! Wer von vornherein«nt- schloffen ist, das Gesetzgebungsrecht des Reichstags zu ver- «ä.-ten, der hat die Verfassung gebrochen in seinem Herzen, und wer zum Artikel 48 greift, weil er in der Folge einer Entwickluag, die er selbst verschuldet hat, ohne Mehrheit da- steht— der handelt nicht im Sinne der Verfassung, sondern gegen die Verfassung. Sollte man im Zentrum wirtlich glauben, daß man in Deutschland eine Diktatur der katholischen Kirche im Bunde mit der Reichs- wehr aufrichten könnte? Das Experiment würde seinen Anstiftern auf die Dauer übel bekommen! Oieinch ernannt. Auch Wirtschastsminifierium wird kommissarisch verwaltet Amtlich wird mitgeteilt: Der Reichspräsident hat nach dem Vor- trag des Reichskanzlers in Neudeck den Reichsminister Dietrich unter Entbindung vom Amt des Reichswirtschaftsministers zum Reichsminister der Finanzen ernannt und den Staats- sekretär im Reichswirtschaftsministerimn Dr. Trendelenburg bis auf weiteres mit der Wahrnehmung der Geschäft« des Reichs- wirtschaftsmini st ers beauftragt. « Das Gerücht, daß Herr Treviranus das Wirtschafts- Ministerium übernehmen sollte, hat sich nicht bestätigt. Daß gerade dies Ministerium, dem bei ernsthaften Bemühungen um eine Preissenkung überaus wichtige Funktionen zu- fallen, nicht politisch besetzt wird, sondern nur kommissarisch verwaltet, ist eine der Grotesken, an denen das Kabinett Brüning reich ist. Es ist ein Kabinett im Umbau, auf Ab- bau und der künftigen Erwartungen. Vielleicht soll das Reichswirtschaftsministerium wieder der V o l k s p a r t e i zufallen, wenn erst die Finanzvorlagen ohne sie und gegen sie erledigt sein werden— gewissermaßen als Belohnung für Krisenmacherei und Opposition. Die Demokraten behalten sich freie Hand vor. Die demokratische Reichstagsfraktion teilt mit: Am Donnerstag fand im Reichstag eine Besprechung der demokratischen Reichstags- fraktion mit dem geschäftsführenden Vorstand des Reichsbemnten- ausschustes der DDP. unter Hinzuziehung namhafter Beamtenführer statt. Zur Frage der Deckung des Finanzdefizits des Reichs erklärten der Parteivorsitzendc Abg. Koch- Weser und der Vorsitzende der Reichsiagssraktion Abg. Meyer- Berlin, daß die Fraktion an der veröffentlichten Erklärung, daß sie ihre Zustimmung zur einseitigen Belastung der Beamtenschaft nicht gebe, unbedingt festhalte. Der Reichswirtschastsminister Dietrich habe die schwere Bürde des Amtes des Reichsfinanzministers trotz schwerster Bedenken der Relchstagsfraktion auf eigene Verantwortung auf sich ge- Kommen. Es herrscht zwischen dem Minister und der Fraktion Uebereinstimmung in der Auffassung, daß eine Bindung der Fraktion zu seinen zu erwartenden Vorschlägen nicht besteht und daß die Fraktion damit völlig freie Hand zur Wahrung ihrer Grundhaltung hat._ Die Räumung des Rheinlandes Schlußparaden— Abschiedsbesuche. Landau, 26. Juni. Heute nachmittag sammelten sich die Truppen der französischen Restgarnisonen. Um 17 Uhr nahm General Mangln eine Parade ob. Die Trikolore auf dem Standquartier des Generals wurde unter Ehrenbezegung eingezogen. Darauf fuhren die Truppen, vier bis fünf Kompagnien, vom Güterbahnhof über Weißenburg nach Frank- reich ab. Der General verließ Landau mit seinem Stabe im Kraft- wagen. Am Nachmittag hatte er dem Regierungspräsidenten der Pfalz und dem Landauer Oberbürgermeister Abschiedsbesuche abge- stattet. Die Reichsflagge über Trier. Trier. 26. Juni. Rachmittagz wurde nach Erledigung der Zlbschicdsbesuchc die Trikolore von der„Neuen Regierung" niedergeholt. Die Truppen salutierten und marschierten dann zum Hauptbahnhof, der 20 Mi- nuten gesperrt war. Mit dem Abzug dieser Truppen ist Trier ge- :äumt. Von der Bevölkerung jubelnd begrüßt, wurde kurz nach dem Abtransport auf der Dewora-Schule die Reichsflagge gehißt. Das fremde Militärgericht verschwunden. Mainz, 26. Juni. Die Gebäude, in denen das französisch« Militärgericht und das französische Militärgesängnis untergebracht waren, werden morgen den deutschen Behörden übergeben werden. Di« Angestellten des Gerichts begeben sich nach Frankreich zurück. Die noch schwebenden Versahren gegen französische Soldaten werdcu in Frankreich zu Ende �esührt, verschiedene Versahren gegen deutsche Angeklagte wurden eingestellt. Bürgerkrieg in Permanenz Chaotische Zustände in China. Von Dvtvr Gnrwy. Die chinesische nationalrevolutionäre Bewegung erhielt ihren Schwung durch den leidenschaftlichen Kampf gegen den fremden Imperialismus und seine Vorrechte in China. Seit dem grausamen Schanghaier Blutbad vom 30. Mai 1925 stand der Befreiungskampf im Zeichen der Beseitigung der „Ungleichen Verträge". Der siegreiche Straffeldzug der Süd- revolutionären gegen die Nordreaktionäre 1926/27 war eben- falls im Grunde gegen die Fremdmächte gerichtet, die hinter den halbfeudalen Militaristen des Nordens standen. Nun ist es bemerkenswert, daß dem neuen Bürgerkriege in China die spezifische antiimperialistische Zuspitzung fehlt. Zum Teil ist dies darauf zurückzuführen, daß der neue Bürgerkrieg im großen und ganzen innerhalb der früheren nationalrevolutionären Einheitsfront geführt wird, wo der Kampf gegen die„Ungleichen Verträge" als eine Selbstver- ständlichkeft gilt. Zum Teil aber ist die Beseitigung der anti- imperialistischen Kampfziele im neuen Bürgerkrieg auf die allmähliche— übrigens zu langsame— Umstellung der imperialistischen Politik der Fremdmächte in China zurückzu- führen. Nach dem Revolutionssturm 1925/27 räumt die Kanonendiplomatie immer mehr der Dollardiplomatie den Platz ein. Zwar gelang es der Nankingregierung nicht, am 1. Ja- nuar die Exterritorialitätsrechte einseitig äuszuheben. Trotz- dem ist ein gewisser Fortschritt in den Beziehungen zwisckien China und den Fremdmächten nicht zu leugnen. Am 6. Mai ist das chinestsch-japanische Zollabkommen in Kraft getreten. Nunmehr haben sämtliche Fremdmächte die seit Iahren von China erstrebte Zollautonomie anerkannt. Auf Grund des Abkommens vom 1. April wird nach der Rückgabe von Tfingtau-Kiautschou auch die Rückgabe W e i h a i w e i s durch England zur Tatsache. Die Rückgabe des französischen Kuangchou-wan wird offensichtlich in nicht allzu ferner Zeit folgen. Damit wird das imperialistische Pachtsystem schrittweise liquidiert. Viel schlimmer steht es mit der Aushebung der Exterritorialitätsrechte, zum Teil dank dem neuen Bürgerkrieg und dem drohenden Zerfall Chinas. Besonders nachteilig wirkt sich die Schwächung der „nationalen" Nankingregierung auf die russisch-chinesisckeu Beziehungen aus. Das Chabarowsker Protokoll, das die Feindseligkeiten in der Mandschurei abgeschlossen hat, war ein Provisorium. Zwar hat sich endlich der chinesische De- legierte Mo T e- h u i am 1. Mai nach Moskau zur längst verabredeten russisch-chinesischen Konferenz begeben. Aber seine Befugnisse sind durch Nanking absichtlich auf VerHand- lungen über die Ostchinabahn beschränkt, während russischer- seits eine Bereinigung aller Streitfraaen und vor allem der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen angestrebt wird. Es wird von chinesischer Seite befürchtet, daß durch die Wiederausnahme der diplomatischen Beziehungen eine diplomatische Basis fGesandtschaft. Konsulate, Handelsver- tretungen) für die � Propaganda der Komintern geschaffen werde. Das hartnäckige Beharren der Sowjetdiplomatie auf die„Vorbedingungen" zur Eröffnunq der Konferenz und auf das von Nanking angefochtene Chabarowsker Protokoll scheint selbst weit linksstehende Kreise in China zu verletzen. Immerhin bleibt die Lage an der Grenze der Mandschurei, die übrigens von einem von Nanking fast autonomen Dik- tator regiert wird, höchst labil und unsicher... Die Außenpolitik ist die Fortsetzung der inneren Politik — auch in dem Sinne, daß keine nationale Regierung mit dem Bürgerkrieg und tatsächlichen Zerfall des Landes hinter dem Rücken eine feste und folgerichtige Außenpolitik führen kann. Die außenpolitische Stellung Chinas ist wiederum ungemein geschwächt, was die Widersacher Nankings offen- kundig ermutigt. Der Krieg der Generale— dieser Fluch Chinas— ist wieder da. Die nationale Vereinigung Chinas, als Folge der Revolutionsbewegung 1925/27, hat sich als brüchig erwiesen. Die zentralistischen Tendenzen der „nationalen" Nankingregierung vermochten nicht die zentri- fugalen Tendenzen des an sich losen Riesenreiches zu über- winden. Vielleicht liegt die Lösung in der Bildung dex Bereinigten Staaten von China, die den Pro- vinzeigenschaften und Ortsinteressen Rechnung tragen und Spielraum gewähren würden. Uebrigens scheinen die Provinzmachthaber, die als Widersacher Nankings auftreten, wenig Sorge um den Staatsaufbau zu haben. Es sind meistens Militaristen aus Ueberzeugung und Bürgerkriegs- generale von Beruf. Der Kampf Nankings gegen die Nordkoalition der 57 Ge- nerale, die unter der Herrschaft Fengs und Iensischans sich zusammengefunden haben, hat bereits, besonders in Zentral- china, zu blutigen Kämpfen geführt. Die militärische Lage ist einstweilen undurchsichtbar, da beiderseits nur über- triebene, meistens falsche Siegesberichte verbreitet werden. i Immerhin ist die Lage Nankings um ja mehr unsicher, als Tschangkaischek auch von der„Eisernen Division" Tschang- fakweis und von der Kwangsi-Gruppe der Generale im Süden bedrängt wird. Die Nordkoalition darf keineswegs als«ine Links- koalition betrachtet werden, nur weil die„Neorganrfatio- nisten", der ausgeftoßene linksradikale Flügel der Kuomin- tag-Partei, und der sowjetfreundliche Feng an diesem Block teilnehmen. Es ist kaum zu erwarten, daß nach dem— übrigens problematischen— Sieg dieser buntscheckigen Koa- lition der kleinbürgerlichen Radikalen mit den halbfeudalen Militaristen über Nanking die parteimilitärkfche Diktatur Tschangkeischeks durch ein wirklich demokratisches Arbeiter- und bauernfreundliches Regime abgelöst wird. Vielmehr wird nur der bereits erzielte, wenn auch bescheidene Grad der Vereinigung Chinas gefährdet. Ein neuer und viel wichtigerer Faktor im heutigen Bürgerkrieg ist seine Ausdehnung auf das flache Land. Merkwürdigerweise befindet sich das Stadtproletariat, das in den Reoolutionsjahren 1925/27 eine hervorragende, zum Teil führende Rolle spielte, in einem passiven Zustand. Die junge Arbeiterklaffe Chinas scheint sich von der geschichtlichen Niederlage, die durch die putschistische Taktik der Komintern veranlaßt wurde, noch nicht erholt zu haben. Desto auffallender ist die auflodernde Bauernbewegung. Millionen von Bauern sterben vor Hunger. Die Zeit aber ist vorüber, als die chinesischen Bauern demutsvoll in den Hungertod gingen. Sie revoltieren. Der Revolutionssturm 192S/27, der sie zum ersten Male erweckt hat, hat ihnen die erstrebte radikale Agrarreform, die ihnen von der Kuomin- tang-Partei versprochen war, nicht gebracht. Die durch die Hungersnot verzweifelten Bauern fangen jetzt an, eigen- mächtig die Agrarfrage zu lösen. Die spontane Agrar- revolution klopft an die Tür. Bauernaufftände in verschiedenen Provinzen Chinas— „Rote Armeen", deren Stärke auf 50 900 geschätzt wird, obwohl kaum ein Zehntel davon mit Gewehren usw. bewaffnet ist—> Banden bewaffneter Freischärler, zum Teil aus De- serteuren zusammengesetzt. So sieht der Bürgerkrieg auf dem flachen Lande aus. Weigerung der Landvachtzahlunq, Abschaffung der Landsteuer, Ueberfälle auf die Städte zwecks Verbrennung der Grundbriefe, Bildung von Dorfsowjets und Aufteilung von Grund und Boden unter den landarmen Bauern— dies sind die Formen der spontanen Zlgrar- roolution in mehreren Provinzen. Natürlich haben auch die Kommunisten ihre Hand im Spiel Es wäre aber kurzsichtig, die Bauernbewegung aus- ichließlich auf die kommunistische Agitation zurückführen zu wollen. Die Nankingregierung, die ihre Versprechungen an die Bauernschaft nicht gehalten hat, trägt daran ein ge- rütteltes Maß von Schuld. Immerhin bemühen sich die Kommunisten, die Bauern- bewegung auszunutzen und sie auf die Geleise der Sowjeti- iierung Chinas zu lenken. Anfang Juni fand in Shanghai der sogenannte„erste Sowjetkongreß" Chinas statt. An diesem von den Kommunisten vorbereiteten Rätekongreß nahmen gemäß dem Bericht der„Prawda" 47„Delegierte der Sowjetterritorien Chinas" teil. Der Kongreß stand voll- ständig im Zeichen der Komintern, das heißt: Moskaus. Er bat sicb gegen die Einberufung der„Nationalversammlung" für China ausgesprochen, die van dem„Renegat" Tschen- Du-sju. dem ehemaligen Führer der KPCh., gefordert wird. Der Kongreß hat die Abschaffung des Privateigentumsrechts auf Grund und Boden, die Beseitigung der Landsteuer, radikale Arbeiterschutzgesetze, Verstaatlichung der industriellen Großbetriebe als Auftakt zum sozialistischen Aufbau Chinas proklamiert. Die Auslandsanleihen sollen annulliert, die Aus- landskonze'sionen, Banken und Betriebe, ohne Entschädigung konfisziert werden. Die Nankingregierung soll gestürzt, die Sowjetmacht soll für ganz China errichtet werden, um im Bündnis mit der Sowjetunion gegen den Weltimperialismus zu kämpfen. Die kommunistische Führung droht jetzt der Bauern- bewegung in China ebenso zum Verhängnis zu werden, wie seinerzeit der Arbeiterbewegung. Der oppositionelle Kom- munist A s i a t i c u s bezeichnet mit Recht die Taktik der Kom- intern in China als reinsten Putschismus. Eine Bauern- bewegung, die auf die Beseitigung der Ueberreste des Feu- dalismus und des Mittelaltertums gerichtet ist, zum Aus- gangspunkt einer proletarisch-sozialistischen Revolution machen zu wollen, ist ein Unsinn, ja ein geschichtliches Verbrechen. Die Spuren des Kantonaufstandes im Dezember schrecken. Die Versuche zur Bolschiwisierung der chinesischen Re- volution führen in China wie überall nicht zur Diktatur des Proletariats und zum Sieg des Sozialismus, sondern nur zum Sieg der bürgerlichen Gegenrevolution und der faschisti- ichen Diktatur._____ Thüringens Klageschrist. Dersteckie Drohungen. Weimar. 26. Juni.(Eigenbericht.) In der Klage des thüringischen Staatsministermms wegen der Sperre der Zuschüsse für die Landcspolizei, die am Donnerstag der Oeffentlichkeit übergeben wurde, wind der Staatsgcrichtshof ersucht, die vom Rchchsurinister des Inner» unter dem 6. Juni!93t) angeordnet« Sperre der Polizeizuschüsse an das Laich Thüringen für unzulässig zu erklären und ferner das Reich zu ver- anlassen, bis zur endgültigen Entscheidung des Staatsgerichtshafes die Zuschüsse an das Land Thüringen weiter zu zahlen. In der Begründung wird zunächst die Vorgeschichte erwähnt, die zu der Sperre geführt hat und bestritten, daß der Reichsmnen- minister berechtigt gewesen sei, die Zahlungen an Thüringen«in- zustellen. Nach Artikel 128 der Reichsoerfassung seien alle Staats» bürger zu öffentlichen Aemtern zuzulassen. Ferner wird au-gefichrt, daß insoloe der geographischen Lage das Land Thüringen auf starken polizeilichen Schutz angewiesen sei. Aus eigenen Mitteln die Polizei zu eehaiten, sei für das Land unmöglich. Die einzige Mög- lichkeit, den Polizcischutz ferner aufrechtzuerhalten, müßte, wenn dl« Zuschüsse wegfallen, von nlchtbeamteten Staatsbürgern gemäß Artikel 133 der Rcicheverfassting wahrgenommen werden. Es hagelt Anzeigen. Zhchoe, 26. Juni.(Eigenbericht.) Der Staatsanivaltschaft liegen zur Zeit rund 40 Anzeigen gegen die Redaktion des„Landvolk" vor. Es ist an- zunehmen, daß sämtliche Anzeigen erst nach dem großen Bomben- attcntatsprozcß zur Verhandlung kommen. Das Programm der Llnternehmer. Eine Erklärung der Arbeitgeberverbände. Der Reichsoerband der Deutschen In- d u st r i e und die Bereinigung der deutschen Arbeit- geberverbände veröffentlichen zu den Besprechungen zwischen den Vertretern der Gewerbschaften und der Unter- nehmer eine Erklärung, in der es heißt: Die deutschen Unternehmer der Schlüsselindustrien und der ver- arbeitenden Industrien m voller Ueberoinstlmniling haben den ehr- lichen Willen, gemeinsam mit den Gewerkschaften für das deutsche Volt einen Weg aus den gegenwärtigen Schuncrigkeiten zu finden. Es entspricht weder dem Ernst der Loge noch dem Geist, in welchem bisher die Verhandlungen geführt wurden, wenn nunmehr der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund(siehe„Vorwärts" Morgen- ausgäbe vom 26. Juni 1930) den Versuch uiiterninnnt, in einzelnen von der Wirtschaftskrise losgelösten Vorgongen im Lande einen Grund zum Abbruch der Verhandlungen zu sehen und wenn er gleichzeitig Mitteilungen über Einzelheiten der Besprechungen macht, die ein schiefes Bild vom Gange der Verhandlungen geben. Trotzdem würden sich die Unternehmer angesichts des so tiefen Ernstes der Lage. Über den sie sich völlig klar sind, einer Anregung der Gewerkschaften, die unmittelbaren Verhandlungen wieder auf- zunehmen, nicht versagen. Die Entwicklung der Wirtschaftslage, vor ollem aber die durch die Arbeitslosigkeit hervorgerufene Not, macht es den in der Wirt- schaft Tätigen zur Pflicht, praktische Wege zu einer Erleichterung der Lage zu suchen und zu beschreiten. Voraussetzung für«ine Ge. sundung isteineUmkehraufdenGebietenderFinanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik. Eine einheitliche und zielsiehere Gestaltung der öffentlichen Finanzpolitik und eine voll- ständige Ordnung der öffentlichen Finanzen kann nur erreicht wer- den, wenn eine Anpassung der öffentlichen Ausgaben an diejenigen Einnahmen herbeigeführt wird, die eine notleidende Wirtschaft und eine notleidende Bevölkerung auszubringen imstande sind. Der für die Belebung der Wirtschaft unbedingt erforderliche Preisabbau verlangt die Senkung der Selbstkosten der Produktion und der Kosten der Güterverteilung. Die Senkung der Selbstkosten kann nur erzielt werden, wenn jeder einzeln« ihrer Faktoren auf ein Maß zurückgeführt wird, das der inneren deutschen Finanzkrast und den Forderungen einer richtigen Wirtschastssiihrung entspricht. Das Ziel würde nicht erreicht, wenn hiermit auf die Dauer«in Unterkonsum verbunden wäre. Bielmehr muß erstrebt werden, durch Senkung der Selbstkosten und der Preise den Konsum auf normale Höhe zu bringen und in der Folg« zu steigern. Die Notwendigkeit der Selbstkostensenkung erfordert eine cnt- sprechende Anpassungder Personal« usgaben fllralle in der Privatwirtschaft tätigen Personen, die leitenden Persönlichkeiten eingeschlossen, an unsere wirtschastliche Not- löge. Auch in der Sozialversicherung, deren Aufrecht- erHaftung grundsätzlich notwendig ist, muß in der praktischen Hand- habung der Versicherung jede mißbräuchliche Ausnutzung verhindert und«s müssen die Verwalwngskosten auf ein Mindestmaß zurück- geschraubt werden. 2luch hier sind durchgreifende Aende- rungen der bestehenden Gesetzgebung unerläßlich. Nur durch eine entschlossene Umkehr kann eine weitere Verschlimmerung der Lage unseres Landes verhindert und das schwere Problem der Arbeitslosigkeit einer Lösung zugeführt werden. Diese Erklärung der Unternehmer bestätigt die Darlegung, die der ADGB. über den Abbruch der Verhandlungen gegeben hat. Von einem„schiefen Bild" kann da gar keine Rede mehr sein. Die Unternehmer sagen klar heraus, worum es ihnen geht: allgemeine Lohnsenkung, Versicherung dagegen, daß der Preisabbau zu ihren Lasten geht, allgemeiner Angriff gegen die Sozialpolitik. Alles in allem: eine Gcneraloffensive gegen die Arbeiterschaft. Tumulte im Gchweidniher Prozeß. „Ich brehe Dir das Genick um." Schweidnitz, 26. Juni.(Eigenbericht.) Im Schweidnitzer Prozeß kam es am Donnerstag zu heftigen Tumultszenen der angeklagten Nationalsozialisten, die vorübergehend die Vertagung der Verhandlung not- wendig machten. Als ein Zeuge, der am Abend der Dersammlungssprengung als Ausschenker im Volksgarten beschäftigt war, vernommen werden sollte, machten die Angeklagten wiederholt Zwischenrufe. Ein An- geklagter schrie dem Vertreter der Nebenkläger auf irgendeine Frag« an den Zeugen zu:„Werden Sie dach erst Ausschenker. Das ist ja eine Gemeinheit von diesem Meirschen, der hat ja keine Ahnung." RechtsanwaltFörder beantragt« daraufhin, den Angeklagten in eine Ordnungsstrafe zu nehmen. Als der Vorsitzende darüber hinweggehen wollte, u n t e r st ü'tz t e Staatsanwalt Keimer den Antrag, um die Disziplinlosigkeit der Angeklagten einzuschränken. Erst jetzt beschloß da? Gericht eine Ordnungsstrafe für den An- geklagten von 30 Mark. Ais dieser Gerichtsbeschluß verkündet wurde, sprang der An- geklagte Meißner auf und sagt«:„Dann bitte ich aber, daß der Aus- druck„Gemeinheit" des Rechtsanwalts Förder auch protokolliert wird." Dieser Ausdruck ist am ersten Verhandln ngstag gefallen, als Rechtsanwalt Förder den' Antrag stellte, die Angeklagten wegen Tragens der verbotenen Uniform in Ordnungsstrafe zu nehmen. Daraus habe er erwidert, das sei die Aufregung einiger jüdischer Kadetten. Damals ersticht« Rechtsanwalt Förder den Vorsitzenden, ihn gegen die Wiederholung einer derartigen Gemeinheit zu schützen. Am Donnerstag forderte Förder. für den Fall, daß der vor zwei Wochen erfolgte Vorfall nachträglich protokolliert werden sollte, auch die Gründe zu diesem Vorfall festgehalten werden. Im übrigen sei der Ausdruck„südische Kadetten", den der Angeklagte Meißner damals gebraucht habe, in der Zwischenzeit auch von mehreren nationalbolschewistischen Zeugen benutzt worden. Kaum hatte Förder das gesagt, als Rechtsanwalt Frank, der nationalsozialistische Verteidiger, und mit ihm sämtliche Angeklagten in großer Wut aufsprangen. Es setzte ein Toben der Ilakianalsozia- listen ein, das lebhast an den Beginn der Volksgartenschlacht er- innert«. Aus den schreienden Zurufen der Angeklagten und ihres heftig gestikulierenden Verteidigers war etwa zu oernehmen:„Frech- heit",„Unverschämtheit",„Unsere Ehre beleidigt". Einer der Angeklagten schrie, zu Dr. Förder gerichtet:„Ich springe über die Bank und dreh« Dir das Genick um." Der Vorsitzende schwang heftig, ober erfolglos die Glocke. Schließlich schrie der nationalsozialistische BerteiMgcr Frank:„Wir verlassen unter Protest den Saal." Dann stürmten die Angeklagten unter Führung von Frank und unter dauernden Pfui- Rufen aus dem Genchjssaal. Erst jetzt hob der Vorsitzende die Sitzung auf. 10 Minuten später wurde die Verhandlung sortgesetzt. Der Vor- sitzende ging aus den Vorfall gar nicht ein, sondern fuhr in der Zeugenvernehmung fort. Am Schluß der Vernehmung erklärt« der nationalsozialistische Verteidiger Frank: ,Kuf den Vertreter der Nebenkläger und de» Zentraloereins hat der Ausgang der sächsischen Wahlen derartig eingewirkt, daß er sich zu einer schweren Beleidigung der anwesenden Nationalsozialisten und nationalsozialistischen Zeugen durch den Ausdruck„Tlaticmalbolschewisteu" hat hinreißen lassen. Ich beantrage diesen Ausdruck zu rügen." Der Vorsitzende warf hierauf ein, daß er sich von Anfang an bemüht habe, oerletzende Bezeichnungen, vie Nazi usw. auszuschalten. Rechtsanwalt Förder erklärte, daß er an der Bezeichnung National- balschewist nichts Beleidigendes finden könne, da sie bis weit in bürgerliche Kreise üblich sei. Wenn er aber gewußt hätte, daß dieser Ausdruck die Angeklagten in eine derart gesteigerte künstliche Erregung versetzen würde, so hätte er ihn unterlassen. Bei diesen Worten sprang der nationalsozialistische Verteidiger wie besessen aus und brüllt«:„Es ist unerhört, von künstlicher Erregung zu sprechen. Der Mann(Förder) kennt jadasGefühldcutscherMänner nicht. Unsere 300 gefallenen Kameroden stehen wieder aus." Der übrige Wortschwall des Verteidigers ging in dem Toben der An- geklagten unter. Der Angeklagte Köhler schlug wie wahnsinnig mit einem Aktenstück auf die Anklagebank und brüllt«:„Und wenn ich sechs Monate eingesperrt werde." Dieses Toben währte etwa 3 bis S Minuten und wäre fast zu einer wüsten Schlägerei ausgearket. Der Vorsitzende blieb diesem Tollwuiausbruch gegenüber völlig Hilst az. Als sich die Rowdy» beruhigt hatten, setzte Rechtsonwatt Förder seine unterbrochen« Erklärung fort und bot den Vorsitzenden zu- nächst, den Ausdruck Marxisten, mit dem der Verteidiger und die Angeklagten das Reichsbanner dauernd in offensichtlich beleidigender Absicht belegten, als ungehörig zurückzuweisen. Sodann wies er mit Nachdruck darauf hin, daß das Auftreten der Nationalsozialisten. geeignet sei, für die in der kommenden Woche beginnenden Plädoyers die allerschlimmsten Befürchtungen zu erwecken. Der Bor- sitzend« und das Gericht möchte» hieraus rechtzeitig die Kons«- quenzen ziehen. Das tausendjährige Parlament. Islands Alching. Reykjavik. 26. Juni. Die Festlichkeiten anläßlich der Temsendjahrseier des Althing wurde heute vormittag eingeleitet durch einen feierlichen Gottesdienst, der durch den isländische» Bischof Helgason abgeholten wurde. Der König und die Königin von Dänemark, der schwedische Kronprinz, die isländischen Minister, die Mitglieder des Allhing und Vertreter zahlr eicher Staaten und Parlamente. darunter Reichstagsabg. Karl H i ld« nb ra n d- Berlin(Soz.), waren zugegen. Nach dem Gotiesdiensi begaben sich die Teilnehmer in feierlichem Zuge nach der T h i n g v e ll i r- E b e n e. Hier ver- sainmelien sie sich am Fuße des sogenannten Gasetzcsbcrges, wo der Allhing vor 1000 Jahren seine erste Sitzung abhielt. Nach dem Absingen der isländischen Nationalhymne hieß Ministerpräsident Thorhallson im Namen des isländischen Volkes die Gaste will- kommen. König Christian von Dänemark erklärte in seiner Eigen- schast als isländischer König die Sitzung des Alihing für eröffnet. Der Präsident des Allhing, Asgeirsson, gab darauf «inen kurzen geschichtliche» Uebcrblick vom Jahre 930, dem Gründungsjahr des isländischen Staates, bis in die Gegenwort. Nach einem Frühstück hielt der Allhing auf dem Gesetzcsbcrg eine Sitzung ab, in der die erschienenen Vertreter der fremden Parlo- Mcntc dem Althing ihre Huldigung darbrachten. LabourundLiberaleüberArbeitslosigkeit Erste gemeinsame Besprechung. London, 26. Juni.(Eigenbericht.) Am Donnerstag trafen sich zum erstenmal Vertreter der Labaur-Regierung und der Liberalen Partei zu einer Beratung der Arbeitslosenbekämpsung. Don der Regierung waren u. a. Macdonald und Snowden anwesend. Die Liberalen hatten als Hanpddelegierten Lloyd George ent- jandt.(Die Konservativen haben den Vorschlag gemeinsamer Beratungen über dieses Problem abgelehnt. Red.) linier Mmsterioldirektor. Die unlängst freigewordenc Mi- nisterioldirettorsteUe im Reichsministerium für Ernährung uni�Land- Wirtschaft ist mit dem bisherigen Ministerialdirigenten im Reichs- finanzministerium Dr. Wachsmann besetzt worden. Im llnkcrrichlsausschuß de» Rakonalrote» in Wien wurde im Gesetz über die Gewerbeschulen in Tirol das Wort„retigiös-sitt» lich" durch„stitlich-religiös" ersetzt mit den Stimmen der Sozial- dcmokraten, der Großdcutschen und des Landbundes. Daraufhin legte der christlich-sozialc Berichterstatter die Berichterstattung nieder. Auch General Vcrenguer soll sich über den Plan der Bildung einer Üinksregicrnng unter Alba sehr befriedigt geäußert haben. Doch wird die Zustimmung der Sozialisten bezweiiclt— In Senil In dauert der Genrai streik zum großen Teil weiter, Gerüchtwesse oerlautet, daß der Belagerungszustand ver» hängt werben soll. Beratung über Indien. Lleberparteiliche Führertonferenz. Sondo», 2K. Juni. sEigenbericht.) Die indische Frage wurde am Donnerstag in einer gemeinsamen Konserenz sämtlicher Par» t e i e» erörtert. Anwesend waren Ministerpräftdent Macdonald, der Staatssekretär aus Indien, W e d g- wood Ben«, von den Konservativen: B a l d w i« und Austen Chamberlai«, von den Liberalen: Lloyd George und der frühere Bizekönig von Indien Lord R c a d i n g. Indische Zentralregierung will weitergehen als der Simon-Vericht. Bombay, ZK. Juni. sEtgenbericht.) Der Vcrichlcrstalker des„Daily herald" erfährt, daß sowohl die Zealralregterung wie die p ro v i« z ia l v« r w al. langen einig feien, daß sie gemeinsam llenderuagen au den Vorschlägen der Simon-Kommission der englischen Regierung vor- nehmen wollen, die weit über da» hinausgehen, was der Bericht selbst als Reformen vorschlSgt. Boykottbewegung in Zndien. Gegen alle ausländischen Waren. Londva. 2(5. Juni.(Eigenbericht.) Der Boykott gegen die englischen Waren nimmt immer größeren Umfang an. Die Boinboyer Webwarenorga» n i s a t i o n e n haben ihren Mitgliedern jede Geschäftsbeziehung mit den englischen Banken untersagt-JnDelhiistder Boykott gegen die englischen Kleiderstoff« so restlos durchgeführt, daß der Verkauf vollständig aufgehört hat. Die indischen Organisationen in Delhi rüsten zu einer Boykott wo che, in der von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung gegen den Berkauf aller aus» l ä n d i s ch e n Waren agitiert werden soll. P a t e l, der vor der Salzkampagne zu drei Monaten Te» fängnis verurtcilte Privatsekretär Gandhis und Bruder des früheren Präsidenten der indischen Nationalversammlung, ist am Donnerstag freigelassen worden. Sozialisten gegen Milliardenschwindel. Scharfe Anklagerede Vincent Auriols. pari,, 26. Juni.(Eigenbericht.) In der Kammer begann am Donnerstag die seit Wochen mit großer Spannung erwartet« Debatte über die Finanzen des franzäsischen Schatzamtes, die von der sozialistischen Fraktion durch einen Aufrag zur Durchfuhrung einer parlamentarischen Enquete erzwungen worden war. Vincent Auriol, der von der soziolistischen Fraktion mit der Verteidigung des An- trage» betraut war, wies in einer ausgezeichneten und sehr scharf gefaßten Rede auf d!« krassen Widersprüche hin, in die sich das Regime Tordieu in der Erärterung der Stoatsfinanzen verstriitt habe. Datsach« sei, daß der frühere Finanzminister C h 6 r o n dem Schatzamt ein« ReserveoonILMilliarden Franken hinter- lassen Hobe und von diesen 18 Milliarden heute nurnochtlMil« liarden vorhanden seien. Aber auch über diese 11 Milliarden wäre bereits disponiert worden, so daß äe Kcto nur noch 2 Ii' Milliarden Franken für dos Wirtfchastsprojekt der Regierung übrigblieben, obwohl es Ausgaben in der höh« von fünf Milliarden für das erste Jahr vorsehe. Mes Gerede der Tardieu-Presse über das großzügige„Milliarde trprojckt zur Ankurbelung der Wirtschaft" sei daher der reinste Bluff. weil cöen die Milliarden nicht vorhanden seien. Sollte aber die Regierung die Absicht haben, ihre Finanzen durch kurz- sristige Anleihen bei den Großbanken künstlich auf- zubauschen, so beschreite sie damit den verderblichen Weg, der einmal schon zur Inflation und wirtschoftsicher Katastrophe geführt habe. Was die Landesverteidigung betreffe, so sehe sich die sozio listische Fraktion durchaus nicht durch die wichtigtuerisch« Geheimniskrämerei und übertriebene Diskretion gebunden. deren sich die Rechtsparteien besteißigten. Der Plan für d!« Grenzbefestigungen seh« etwa 3,5 Milliarden Franken Ausgaben vor, von denen ober bisher lediglich eine Milliarde aufgebracht sei. 2,5 Milliarden seien somit noch ungedeckt. Außerdem würden weitere drei Milliarden für die Ausfüllung der in den Marokko« und Riff- lriegen, sowie in den syrischen Aufständen oerbrauchten Wassen- und Munitionsbestände benötigt. Fall, also die französisch« Regierung— so schloß Auriol— die lstzien noch verfügbaren 2L Milliarden Franken des Tresors tat- fächlich zu ihren Wirtschaftsplänen ausgebe, so würde sie in den nächsten Jahren nicht weniger al, sechs Milliarden für ist« oben erwähnten RäsinngszweSe . beschajfen müssen, was ofscnbar nur auf dem Anlelhewege möglich sei. Gegen diese verworrene und verderbliche Finanzpolitik ober wende sich die soziolistrsche Partei mit aller Entschiedenheit.— Die Anlwork Tardiens auf d'e Rede Pinceisi Auriols konnte kein« Klarheit schaffen. Tardiur verwahrt? sich dagegen, daß man in der Presse die Regierimg be- schuldige, die.Milliarden des Tresors verpraßt oder zu G c- Heimrüstungen oerwendet zu haben. Das fraizzosische Schatz- omt habe im lltövembcr vorigen Jahres in der Tat über 12V4 Milliarden verfügt; von diesen seien 8 Milliarden sür Amortisierungs- zwecke, Rückzahlung der Kreuger-Anteihe, Borschüsse an das Budget usw. verausgabt worden, so daß an Reserven noch 11 Milliarden 300 Millionen verblieben. Bon diesen seien die sür das Wirtschosts- projeft der Regierung erforderlichen 5 Milliarden verfügbar, die für R ü st u n g e n notwendigen Mittel würden anderweitig be- «chafit werden. In einer Replik erklärte vincenl Aulol. daß aus der Rede des Ministerpräsidenten hervorgehe, daß außer den ungeheuren Au- Wendungen, die bisher schon gemacht wurden, noch weiter« Mi lliarden für Rüstungszweck« aufgewendet werden sollen. Die Rede Tardieus habe überdies auch über die Frag« der für den Wirtschaftsplan verfügbaren Summen keine volle Klarheit schaffen können. Nack den Erklärungen der Fraktionsführer, in deren Verlauf unter anderem Palmade für di« Radikalen erklärte, gegen den Antraa der Regierung(Absetzung der sozialistsschen Resolution von der Tagesordnung) zu stimmen, wurde dieAbstimmung vorgenommen. Die Abstimmung ergab di« Annahm- de, Regiervags- anlrages mll 330 gegen 262 stimmen, Oer Alchimist von Neudeck. Brüning:«.Exzellenz, ich bin auf dem Wege, jenen berühmten Stein der Weisen zu finden, dessen geheime Kraft auch das größte Defizit in goldene Berge verwandelt! Außenhandel und paneuropa. ftede Tony Senders im Reichstag. In der Reichstagsdcbatte über den Haushalt des Aus- cvättigen Anits sprach gestern nachmittag zunächst Abg. Dr. hoehsch(Christlickyiat. Arb.-Gmi.): Ein großer Teil der Einwendungen im Schlußbericht Parker Gilberts geg.en unsere Finanzpolitik sind berechtigt; sein Wiederei,«tritt in das Bank- haus Morgan unterstreicht die Bedeutung der Sanierung unserer Finanzen. Die Gleichberecsttigung fordert zur entmilitarisierten Zone westlich vom Rhein auch eine solche östlich. Die Abrüstung ist nach einem Ivorl Slresemanns die Schicksals- frage de» Völkerbundes. Daher müssen wir aktiver«erden. auch in der Rlinderheilen- und in der Mandaksfcage. Ein Paneuropa, dem wir angehören, darf nicht gegen einen außer- europäischen Staat gerichtet sein. Es ist mcht möglich und sür Deutschland auch nicht erwünscht, europäische.und außereuropäische Fragen vollständig zu trennen und Europa gegen die halb- europäischen Diäten England und Rußland abzuschließen. AI» über- zeugt er Anhänger deutsch-russischer Beziehungen wetse ich die leicht- fertigen Aussührungen der Kommunisten zurück. Freiheit auch dem Materialismus, aber keine Verfolgung de« Christentums(Zustim. mung rechts und in der llltitte.) Wir wärm wahnsinnig, uns in eine Antisowietsront einreihen zu lassen, aber wir wessen auch jede Einmischung in unsere Verhältnisse.zurück. Das Echo der Erenzkooslikie in Polen, die vielen Einzel- tonslikle in Oberschlesien usw. zeigen die Äervositäl eines über- reizten Ralionalismns im Gefühl der eigenen Unsicherheit. Da« deutsch-polnische Liquidationsabkommen ist in Polen nach immer nicht ratifiziert; weiche Sicherheit haben wir, daß es mit dem Handelsvertrag nicht ebenso gemacht wird. Wenn der polnisch« Außenminister ost Normaiisiernng der Beziehungen zu Deutschland serdert, so müßte.zunächst Polen die Sicherheit geben, daß müh» selig erreichte Verträge auch gehalten werden.(Auftiinmung.) Ein Modus vivendi mit Polen muß bei all unsere», Anspruch auf fried. liche Revision der ungerechten Grenze erreicht werden. Der berech. tigte Protest gegen den amerikansschen Zolltarif darf die Freund» schaft mit USA. nicht beeinträchtigen, an der Deutschland ein ganz besonderes Jisserosie hat. Herr v. Rheinbaben hat die außenpolitische Notwendigkeit einer konsolidierten Innenpolitik betont— gerade in einem Augenblick, wo seine Partei neue innerpoliissihe Schmicriflfeitei, schafft.(Sehr gut! und Beifall rechts.) Abg Dr. Emminger(Bayer. Vp.) wünscht starke Einsparungen im Personalbestand des Auswärtigen Amts. Keine Revtsion des Bersailler Artikels 19, der uns ein Revistansrccht gibt, kein Ost- Lycarno, ans dos Briand in feinem Memorandum anspielt, kein Verzicht aus bessere Behandlung der Minderheiten oder aus die Abrüstung darf der VerwirNichung von Paneuropa vorausgehe:� Die Gefahr eines französisch-ftasiensschen Kriegs beunruhigt uns besonders wegen des sranzösischen Plans, Südwestdeutschland mit als Operationsbasis zu benutzen. Wenn auch in allen Generaiftäben viel Unsinn ausgeheckt wird, so müssen wir doch mrs der Abrüstung bestehen, um einen allgemeinen europäischen Krieg.zu verhindern ed«r eine Vergrößerung unserer Wehrkraft erreichen. Die Rapallo- Politik hat unsere lxmptsächsfch wrrsschaftlichen Erwartungen stark enttäuscht. Wir müssen energisch gegen die ReNgionsversosgnngen in Rußland Stellung nehmen. Trotz aller Zugeständnisse zum Nachteil der Landwirtschaft haben die Handelsverträge mssere Induswiekrise nicht durch Export beseitigt, wenn man den großen Berlnsterport berücksichtigt. Die Handelsverträge müssen deswegen sorgfältig geprüft werden. Wir müssen los von dar Meistbegünstigungspolitik, deren frühere Be- rechtigunq vecsschwunden ist. Wir werden wotz der Opfer für den Handelsvertrag mft Deirtschösterreich stimmen, um dem Ziifarnmen- schluß vorzuarbeiten. Abg. Graf zu Reventtow(SNDAP.): Wir gehören nicht.zur Rechten des Hmsses und möchten das Ereignis der Rheinland- rämnung nicht bagatellisieren. Wir freuen uns dieses Ereignisses, ober die Rheinländer werden, nachdem sie die Franzosen so grüud- sich kennengelernt haben, kein Verständnis für eine Versöhnung mit Frankreich haben. Der Haß gegen Frankreich ist für uns ein werk- voller historischer Faktor. Der französische Außenminister hat den Rhein als die internationale Grenze zwischen Frankreich und Deutschland bezeichnet. Dagegen hat Deutschland nicht protestiert. Auch das gehört zu dem Volksbetrug, der die Wahrheit verschweig» Nicht in eine neue Phase, sondern in eine Phrase tritt unsere Außenpolitik ein, die Ministcrrede hat das bewiesen.(Zuruf der Natsoz.: Edelquatsch!) Rheinbaben. der treue Fridolin de, Außenmlniflers. hat sich plötzlich in einen feurig oppositionellen Pegasus verwandeil. zwar erst nach der gestrigen Frattionssitzunq der Deulsche» Volksparlei, hosscnliich aber werlbeständig. Das Eingehen auf den scauzösifcheii Herrschaftsplan Paneuropa\\t entweder eine Jagd nach de« IrrLcht oder ein neuer Voiks- und Landesverrat. Nur die Naiioualsozicllssten können die richtige Politik machen.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Schreiber(Z.) hält dem Vorredner die„Leistung" der thüringischen Schulgebet« vor.(Geschrei der Nat.-«oz., zugleich wegen des Wiedererscheinens des Außenministers, der sich den Vor- redner hotte entgehen lassen.— S t ö h r ruft ihm zu: Wir weroen Ihnen schon Respekt beibringen— Vizepräsident o. K a r d o r j f meint offenbar, der Lärm gelte dem Redner und ersucht um Ruhe, da man auch Reocntlow nicht gestört habe.) Dr. Schreiber polemi- siert gegen die Etatsdarlegungen von Freytagh-Lormghooens, der seine Sache in Zwischenrufen vertritt. An diesem Etat kann noch allerhand gespart werden. Wenn wir einen Orden wie die französische Ehrenlegion hätten, so könnlen wir durch seine Verleihung gute Wirkung im Au». iand erzielen und manche Rebenspescn bei Handelvverlrägen herabsetzen. (Heiterkeit.) Wir gedenken dankbar auch jener Ausländer, die gegen die Rheinlovdbesetzuvg ausgetreten sind, und der kirchlichen Hilfe.(Beifall.) Der seither verstorbene Bischof v. Arra Hot viel zur Milderung des Druckes und zur Berständigung beigetragen. Die deutsch-russische Freundschost wollen wir nicht zu einem Nichts ausgehöhlt sehen. Während russische Ausstellungen dam Ausland auch die kirchliche Kunst vorgeführt haben, sind russische Kirchen zerstört worden. Das Elend der deutschen Rußlandbouern hat uns die Not gezeigt, und aus der Ifa-Ausstellung in Berlin hoben wir die russische Kirchenhetze erkannt. Den Optimismus für die Moskauer Verhandlungen können wir nicht keilen. Schon Bismarck hat den russischen Mangel an Gegenseitigkeit be- klagt; wir finden ihn auch'heute. Dem Völkerbund stehen wir ohne Enthusiasmus im Sinne eines Einsteinschen Relatioitäts- Prinzips gegenüber(Heiterkeit und Sehr gut!); da- Fiasko in der Abrüstungs- und Minderheitenfrage war erschütternd Ost rasselt die Maschine allzusehr, ohne viel Mehl zu geben.(Zustimmung.) Das bis an die Zähne bewassnete Europa ist in vielen eigenen Fragen nicht einmal zum Schiedsrichter geeignet. Wir müssen Bahnbrecher einer internationalen Kulturpädagogik sein. l�eichsaußenminister Dr. Curtius: Hinter die Grundsätze der Außenpolitik, die ich vertreten habe, hat sich eine große Mehrheit unter Acußerung onregender Krii'-k gestellt. Der Lösung des deutsch-pol nischen Problems widme ich meine ganze Kraft; ich bedauere die Nichtrotifizlerung des Liquidntionsabkommens durch Polen. Der Gesandte Rauscher ist von mir nach Berlin gerufen worden und hat von wir An- Messung erhallen, auf die Ratisikation zu dringen, die infolge der innerpolitischen Behältnisse— dauernde Vertagung des Sejm— bisher verschleppt wurde. Der atilireligiöse Kamps in Rußland berührt jeden deutschen Staatsmann zu innerst. Die Möglchkett direkter Einwirkung ist nicht gegeben; wir müssen uns auf freund- schaftliche Anregungen beschränken, wie ich sie durch den russischen Botschafter Krestinski übermittelt habe. Eine Abschwächung der antikirchlichen Agitation ist seit einigen Monaten in Rußland zu erkennen.— Auf Grund seiner kolonialen Leistungen hat Deutsch- land ohne Zweifel das Anrecht aus koloniale velöligumz. Di« bisherige vlandals- praris ist mil der garaosierlen Selbständigkcil der Wandals- ' gebiet« unvereinbar. Die beabsichtigte Umwandlung des ehemaligen Deutsch-Ostafrika in ein britisches Dominion widersvricht den Mandatsbeitiinmungen, bereits Strefemann hat in Eons den Widerstand Deutschlands mit allen verfügbaren Mitteln gegen diese Verletzung der Manda'srechie angekündigt. Der Minister polemisiert noch einmal gegen Abg. Freytogh- Loringhoven: Das Personal unserer Misstonen ist nicht überzäh'-q; daran kann nichts gespart werden. Die internationalen Abkomwen können nicht von unseren Missionen selbst verhandelt werden, weil vielfach Spezialsochverständige dazu nöiig sind. Die Entsendu-.g eines Beamten nach Preetoria hat sich gelohnt; er konnte einen ausgezeichneten Vertrag abschließen. Abg Tony Sender(Soz.) (von den Hakenkreuzlern mit ardmären Zurufen empfangen, die erst nach einem Ordnungsruf für Stöhr aufhören): Während Sie(nach rechts) jahrelang von der deusschen Be- freiung redeten, hoben andere dafür gearbeitet.(Sehr wahr! bei den Soz.) Dos Kabinett Müller hat die dentsche Souvcränstät wiederhergestellt, und es den, Minister Treviranus, der noch im vorigen Jahre für das Volksbegehren Propaganda machte, ermög- Iidjf, jetzt die Befreiung der Rheinlande zu feiern Denselben Kleinmut. den Sie in bezug auf die Möglichkeit der Befreiung des be- setzten Gebietes gezeigt hoben, äußern Sie jetzt zu den p o n- europäischen Vorschlägen Brianbs. IBcnn Bricnb den poneuropäischen Gedanken verkleinert und eingeschränkt hol. so ist es die Aufgabe der deulchen Außenpolitik. diesen Gedanken in seiner vollen Wirklichkeit wieder- herzustellen. Die Ausführung der Beschlüsse der Weltwirtschostskonfsrenz jft von der deutschen Politik wenig gefördert worden: die Handels- oertragspolilik Deutschlands scheint nicht vorn Auswärtigen Amt, sondern vom L-andwirtschaftsministerium bestimmt zu werden. Es wird jetzt der Uebergang vom System der Meistbegünstigung zum System der Reziprozität verlangt. wenn das die neuen Gedanken in der Handelspolitik sein sollen, so können wir nur unser Bedauern darüber aussprechen, dem, damit wird ein kalastrophaler Bückschritt zu gänzlich veralteten Methoden vollzogen. Die mühsam ausgebaute Struktur der deutschen Handelsverträge. die feit 1923 den deutschen Export ständig vermehrt haben, wird durch das System der Begünstigung der sogenannten„guten Kun. den" völlig zerstört. Wie will man oie bisher„schlechten Kunden" als gute Kunden gewinnen, wenn man andere Staolen dazu ver- anlaßt, selbst vom System der Meistbegünstigung unserer Produkte abzugchen? Wir warnen davor,«inen sandelspolttischen Block der nordischen Staaten gegen uns zu provozieren, der gerade unsere Landwirtschaft schwer schädigen würde. Die Schwierigkeiten der deutsch-polnischen Handelsvertragsverhandlungen wurden zum Teil durch Polen verschuldet, ober bestimmt hat es der Verständigung nicht gedientz wenn der Leiter der deutschen Vcrhandlungsdelegation einen Aufruf der„Grünen Front" gegen den Vertrag unterschrieb. »» � Kahier mild gesalzen, Pfd. 1 ,24 Prima Gefrierfleisch Rinderkamm u" Brpfund 0.84 Obst n. Gemüse Johannisbeeren i pm. 0.55 Kirschen w,rpÄ'n 0.30.n Blaubeeren... Pfund 0.32 Aprikosen..... Pfund 0.38 Pfirsiche..Pfund von 0.38 an Tafeläpfei... Pfund 0.45 Zitronen... Dutzend 0.75 an Olympia-Mehl'M 1.50 Rauhreif-Mehl 1.70 Kartoffelmehl..Pfund 0.19 Sultaninen 0.42 0.52 0.68 Korinthen■ Pfund 0. 50 0.62 Tomaten...... p'<"«i 0.28 Wirsingkohl•■ 3 Pfund 0.25 Weiffkohl---- 3 Pfund 0.25 Gurken...Stück von 0.1 5an Grüne Bohnen Coli 0.1 8 an Blumenkohl Kopfvon 0.10 an Spargel.. Pfund von 0.05 an Kolonialwaren Zitronat...... Pfund 1.60 Mandeln- 1.70 2.10 2.40 Tafelreis poliert.«.« 0.26 Haferflocken... Pfund 0.26 Weizengrieß Pfd- 0.30 0.34 V> Dose Konserven Pflaumen 0.55 ll'.InO� Mirabellen 0.95 Saure Kirschen.... 0.95 ohne stein 1.25 Kalifornische Pfirsiche......... 1.40 Brech- u. Schnitt-Bohnen....... 0.58 Leipziger Allerlei............ 0.80 Junge Erbsen..... 0.70 fein... 1.20 Norwegische Heringe in Tomaien... 0.70 Konfitüre in Eimern zu billigen Preisen Gebrannter Kaffee*-9*n* Konsum-) Sorten J.IO Misdiung i borfe I 2.40 R6sf*r*l Haushatt-Misch.Pfd. 2.80 Sonder-Mbch. Pfd. 3.20 Prolso fOr V» Fl«sdi«, ohn« Glas Wein 1929 Oberhaardter Tis*, u. Bowlenwein 0.73 1929 Dürkheim. Porfugieser Ils'<5w�n 0.78 1928 Wüllsleiner Höllberg Rheinhesse 0.95 1929 Liebfraumilch tcoidkapsei)..... 1.20 1926 Bruftiger Rathausberg prickelnd 1.35 1922 Chöt. Raba lleblidier Bordeaux... 1.70 Kirsch'rHlmbeer-,Zitron.-MrupA 0- j1- Vs Flasche v.o» 1.40 Fruchtschaumwein ml, Steuer und Flasche 1.20 Wein vom Faf{ zu billigen Preisen Einkochglaser„Globus" ohne Ring für V« V.'/< 1 l'/z 2 Ur. Form 0.30 0.31 0.34 0.36-- - 0.36 0.38 0.40 0.42 0.48 Gammlringe 10 3ia»» den SommernBonnien bietet sich oft besondere Gelegenheit, für den „¥orwabe nicht die Absicht und de» Willen, die BVG. konkurrenzfähig zu machen, so weise er daraus hin, daß die BVG. in Konkurrenz mit der Reichsbahn(Stadtbahn) stehe, die durch einen Zuschuß von 25 Millionen Mark künstlich erhallen wird. Dagegen ist natür- lich ein anständiger Wettbewerb nicht möglich und deshalb darf man sich über die Finanzpolitik der BVG. auch nicht wundern. Die BVG. hat aus eigenen Verpflichtungen(Schnellbahnbau, Erweite- rung des Verkehrsnetzes überhaupt) und aus alten, übernom- mencn Schulden der ehemaligen Verkehrsgcfellschasten einen gegenwärtigen Schuldendiensl von jährlich 45 Millionen Mark. Dazu kommen die laufenden Abgaben an die Stadt, der Ver- kehrsrückgäng infolge der Erwerbslosigkeit und der Wirt- schaftslage und vieles andere. Herr v. Iecklin Hab« seine Formel falsch gestellt. Die Rechte strebe nicht danach, die BVG. aus einem Zufchuhbetrieb zu einem Erwerbsbetrieb zu machen, sondern richtig müsse es heißen: wie kann man noch mehr aus der Gesellschaft berauswirtschaslen? Wenn man glaube, mit einseitigen Ta- riserhöhungen erhöhte Einnahmen zu erzielen, so irre man in der gegenwärtigen, wirtschaftlich außerordentlich schweren Zeit. Auf jeden Fall sei die Leitung der Gesellschaft uiib ihre Oberleitung stets bemüht gewesen, den Anforderungen der städtischen Körperschasten und der Bürger gerecht zu werden.(Bravo! bei den Soz. und in der Mitte.) Stadtverordneter Loewy(Soz.) meinte, daß der Antrag auf Abführung von lO Millionen Mark durch die BVG. nicht der von der Rechten oft geforderten„K l a r- h e i t und Wahrheit" des Etats entspreche. Schließlich führe die BVG. doch monatlich 3,3 Millionen Mark zur Abdeckung des allgemeinen städtischen Ueberbrückungskredites an die Stadt ab und das fei etwas mehr als 10 Millionen. Rur wer die�BVG. zugrunde richten will, könne solche Forderungen stellen.(Sehr richtig! bei den Soz.) Was Herr v. Iecklin dem Stadtrat Reuter vorwarf, ist nicht Schuld des einzelnen Mannes, sondern der wirtschaftlichen Verhältnisse. Di« Sozialdemokratie ist stolz auf den Einheit?- t a r i f, sie hat das Verlangen des Oberpräsidenten nach Tarif- erhöhung im Dezember abgelehnt und sie ist jetzt wieder sür die Einführung der billigen Blocksahrscheine eingetreten. Der Kampf gegen die BVG. wird mit unsauberen Massen geführt.(Bravo bei den Soz.) Interessant war, was in der Abstimmung von dem deutschnationalen Antrag auf Entlassung von Stadt- rat Reuter als Verkehrsdezernenten übrig blieb. Der Teil des An- trage, der die Abführung von 10 Millionen Mark durch die BVG. forderte, rannte offene Türen ein: ein solcher Antrag war bereits im Haushaltsausschuß vom Zentrum gestellt und gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen worden. Gestern im Plenum wurde die Abführung in namentlicher Abstimmung ab- gelehnt. Uebrig blieb also das Verlangen der Deutschnationalen nach Entfernung Stadtrat Reuters. Das ist an sich eine verwal- tungstechnische Maßnahme, sür die nur der Bürgermeister zuständig ist, der im Magistrat die Dezernate verteilt. Aber man stimmte gestern namentlich darüber ab, und der Antrag wurde gegen die Stimmen der Deutschnationalen, der Kommunisten, der Wirtschoftsparteiler und der Nationalsozialisten abgelehnt. Abgelehnt wurde neben vielen anderen Anträgen auch der Antrag der Deutsch- nationalen auf Auflösung der städtischen Gesellschaften. An- genommene sozialdemokratische Anträge fordern eine mit Fachleuten besetzte Kontrollstelle zur Ucberwochung der städtischen Gesellschaften. Verlangt wurde ferner eine andere Vertretung der Stadt in den G e n e r a l v e r s a m m l u n- gen der Gesellschaften und eine Genehmigung der Bau vor- haben der Gesellschaften, insbesondere der Gas-, Eleitro- Wasser- werke, der BVG. und der Brennstoffgesellschaft durch die Aussichts- rät«. Alle verfügbar werdenden Erübrigungcn der Gesellschaften sollen zur Erhöhung der Ablieferungsquoten verwendet werden. Im übrigen wurden mit diesen Anträgen die Ausschnßbescistüsse gut- geheißen. In einer besonderen Abstimmung wurde mit de,, Stimmen der Sozialdemokralen die beabsichligle An- gliederung des Reltungsamles an die Feuerwehr abgclehnl. Um 21 Uhr wurde ein Vertagungsantrag der Kom- munssten abgelehnt. In der fortgesetzten Sitzung erklärte Stadto. Flakau(Soz.), ob der Stadtkämmercr Dr. Lange nach seinem erfolgten Freifpruch im Disziplinarverfahren wieder in sein Amt zurückkehren will, mag der Kämmerer selbst entscheiden. Die zugespitzten Forderungen der Dcutschnatkdnalen an den Bürger- meister in der heutigen Sitzung führte Flatau unter der Heiterkeit der Sozialdemokraten auf die endlich einmal wieder zusammen- gekittete deutschnationale Fraktion zurück. Das Kapitel Allgemein? Verwaltung wurde noch erledigt. Schluß der Sitzung gegen 22.15 Uhr. SINOAIRLEWIS m /MM 'MM m W ROM/W Ucbersctzt ▼on Cl. Mehner.— Meyer& Jessen, Vertrieb, München, Drittes Kapitel. 1.' Mit Ausnahme des jungen Mannes in der Bank, des neuen Angestellten im Kur�warenladen und des Eigentümers des neuen„Broadway Kleiderhauses" hatte Una die meisten Kaviliere von Panama, Pennsylvanien, noch von der Zeit her gekannt, da sie kurze Hosen trugen: sie erinnerte sich der eckigen, knabenhaften Knie und der Prügel, die deren Besitzer vom Lehrer erhalten hatten, noch zu gut, um ihnen gegen- über romantische Gefühle zu haben. Doch in der Handelsschule wurde sie plötzlich siebzig vollkommen fremden und interessanten männlichen Wesen zugesellt. Die Kurse waren so kurz, die Klasseneinteilung so ungeordnet, daß es keinen Dünkel älterer Jahrgänge gab, durch den sie sich hätte aus- geschlossen fühlen können. Und unter den weiblichen Schüle- rinnen ragte sie durch ihren Lerneifer hervor und durch ihren instinktiven gesunden Menschenverstand, mit dem sie die Dinge beim richtigen Ende anzupacken wußte. Die jungen Männer umschwärmten sie zwar nicht, wie etwa das schlanke stern- äugige Teufelsmädchen aus Brooklyn mit den verführerisch ausgeschnittenen Blusen, oder das temperamentvolle, locken- köpfige, knabenhaft braune Iudenmädchen oder die Menge der tanz- und lachlustigen Backfische. Doch Unas selbst- zufriedener Eifer verlieh ibren blauen Augen einen Glanz. gab ihrem unbedeutenden Kinn eine gewisse Haltung, die sie beinah« hübsch erscheinen ließen, und die jungen Männer Hollen sich gern Rat bei ihr. So kam es, daß sie unter hundertsiebzig Schülern eine größere Rolle spielte als in ihrer Ifortbildungsschule in Panama unter siebzig. Und nun. in dieser läppischen Schule fing sie an. den Gedanken der Zweckmäßigkeit zu erfassen, das Ideal des „Großen Geschäfts"...... Denn das„Geschäft", dieses einzig notwendige Tatig- keitsfeld, dem die selbstsüchtigen Künste und Wissenschaften und Theologeme und militärischen Kindereien nur dienten, dieses lange verachtete und stets tapfere Streben, alle Arbeit der Welt vereinen, war endlich daran, sich durchzusetzen und nicht mehr für händebeschmutzendcs Schmiedehandwerk zu gelten. Der Geschäftsmann bedankte sich nicht mehr unter- tänigst bei den höheren Klassen für die gütige Erlaubnis, Brot und Automobile und Bücher herstellen und verteilen zu dürfen. Er kroch nicht mehr vor der Kirche, um für seinen Wucher Vergebung zu erkaufen. Der Handel ist anerkannt — und erkennt sich selbst an— als Beherrscher der Welt. Und im Bewußtsein dieser Macht geht er daran, seine alten kleinlichen, schwachherzigen Methoden umzuformen, seine Vorstellung, daß Fabrikation ein schmierige Art von Kesselslickerei, und Güterverteilung ein Hausieren auf gut Glück oder schmutziges Krämertum sei: er trachtet fieberhaft nach Zweckhaftigkeit... In seiner ganzen Organisation... Aber gleich allen Monarchien muß das System versagen, wenn es sich nicht innerlich veredelt. Solange Kapital und Arbeit ge- trennt sind, solange die Herstellung von Munition und ge- svndheitsschädlichen Nahrungsmitteln mit zum Geschäft ge- hören, solange der Handel der Welt glaubt, daß er nur dazu da sei, eine Minderzahl von glückbegünstigten, hochgeborenen oder krankhaft übereifrigen Menschen zu bereichern, so lange wird er nicht zweckmäßig, sondern zweckwidrig wirken. Doch die Vision einer Zweckmäßigkeit, die so umfassend ist, daß sie Güte und Sicherheit oereint, ergreift immer weitere Kreise — macht sich unter den wissenschaftlich gebildeten Kaufleuten ebenso bemerkbar wie unter den mutigen Gewerkschaftlern. In Una Golden dämmerte ein schwaches Verständnis für diese Vision auf. Woher sie die erste Ahnung davon be- kam, ist ungewiß. Sicherlich nicht aus den Vorlesungen ihrer Lehrer, geist- und phantasielosen Einpaukern, die nur immer wieder predigten, daß Briefe durch göttlichen Ratschluß mit „hochachtungsvoll" enden müssen, ein wenig links von der ! Mitte der Seite: die über Zettelkasten als neumodftchen lln- sinn die Rase rümpfen, und die in Augenblicken höchster In- spiration bestenfalls Gemeinplätze herleierten wie:„Wer das Kleine nicht ehrt, ist das Große nicht wert", oder:„Wer immer auf die Uhr sieht, kommt im Leben nie zurecht." Unas Vision mußte teilweise von den lebhaften Unter- Haltungen einiger Kursteilnehmer stammen— dem Mädchen, das ihren Beruf niemals aufgeben wollt?, auch nicht, wenn sie heiratete: dem Mann, der in der Entwicklung des Films eine Zukunft sah: dem langhaarigen Schwärmer, der von der Beteiligung der Arbeiter am Gewinn sprach. Zum Teil auch kamen sie aus kaufmännischen Zeitschriften für Leute, die nicht, wie ihre Väter, an dem Grundsatze festhielten:„Ich mein', ich kann mein Geschäft allein führen, ohne daß sich wer anderer dreinmischt", sondern die überall auf neue Methoden und statistische Tabellen und neue Absatzgebiete und organisatorische Verbesserungen aus waren. 2. Während Großstadt und Arbeitsmoglichkelt Unas Glaubenskraft und Vorstellungsgabe befriedigten, wurden ein scheuer, unbestimmter, innerer Zärtlichk'eitstrieb und Sehnsucht nach Liebe in ihr wach. Sie gestand es sich nicht ein, aber sie beobachtete die jungen Männer ihrer Umgebung mit einem Interesse, das sie ebenso in Atem hielt wie ihr Ehrgeiz. Anfangs war sie von ihrer Zahl und ihrer Fremdheit eingeschüchtert. Doch als sie ihnen in dieser Schule pedanti- scher Schreibereien nachgekommen zu sein glaubte, fing sie an, sie als auf gleicher Höhe anzusehen. Sie war ein fleißiges, gwöhnliches, weicharmiges, angenehmes, gutes, liebes Ding: sah die Menschen durch Augengläser an, eine goldene Kette überm Ohr,— keiner hatte bisher großen Eindruck auf sie gemacht—, etwas beschämt von der eigenen Freude, wenn es ihr gelang, die Aufmerksamkeit der anderen durch tadel- loses Aussagen ihrer Aufgaben zu erregen... Sie entschied, daß die meisten ihrer Kollegen ernst und intelligent, aber Sklavennaturen waren, nicht viel besser als die Mädchen, die Stenographie nur lernten, weil sie nichts anderes zu tun hatten. Sie rekelten sich und starrten ins Leere, wenn sie in Reihen nebeneinander saßen, in diesem großen Arbeits- zimmer mit den unfreundlichen blauen Wänden, die noch Spuren zweier ehemaliger Zwischenmauern zeigten, und dem alten eisernen Kamin, dessen Sims und Vorsatz mit Galoschen und Schneeschuhen und Federpennalen vollgeräumt war. Als Provinzlerin hatte Una eine Abneigung gegen die vielen Juden unter ihnen und schob ihren Eifer für alle erlernbaren Dinge ihrer Erwerbssucht zu. Die übrigen verachtete sie wegen der unbeholfenen Langsamkeit, mit der sie die ein- fachsten Lettionen lernten. Und allen fühlte sie— die reich und mächtig sein würde, sobald sie nur hundert Worte in der Minute stenographieren könnte!— sich ungeheuer überlegen. weil sie wahrscheinlich ihr ganzes Leben arm bleiben würden, i (Fortsetzung folgt.) f Neuregelung der Milchversorgung. Täglich 200000 Liter Milch zu viel in Berlin. Arbeiterkinder feiern Sonnenwende. Fanfaren und Trommeln ertönten— Lieder der Roten Falken lallten am vergangenen Sonnabend durch die Straßen des W e d d i n g, auf denen dichtgedrängt die Arbeiter standen. An der Spiß« des imposanten Zuges fliegende rot« Fahnen— so bewegte sich, vom Leopoldplatz ausgehend, ein fast 3000 Teil- nehmer starker Zug nach dem Wassersportgelände P l ö tz c n s c c. * Die Jüngsten der Arbeiterschaft feierten ihre Sonnenwende. Sclbstgebastelle Laternen und Lampions würben in den Gruppen mitgetragen. Sinnvolle Transparente d«r Roten Falken forderten die Arbeiterschaft zur Verteidigung und zum Ausbau der freien Schule auf. Mehrere tausend Mensche» erwarteten den Zug bereits auf dem Festplatz. Die Terrasse des Sportplatzes füllte sich mit den Roten Falken, umsäumt von Fackelträgern, und schon erklang der Sonnen- wendruf in die dunkle Nacht i Geht ans Holz und geht ans Stroh, Daß es brenne lichterloh... Hunderte von Fahnen umschlossen den hohen Holzstoß. Ein Sprecher aus der Mitte ruft, und Hunderte von Roten Falk«» rufen im Sprcchchor zurück, während d«r Fahncnring sich enger schließt, den Sonnenwendschwur der Arbeiterkinder. Fackeln fliegen in den Holzstoß, und wie aus dem Erdenrund geboren steigen die Sonnenwcndflammen in die schädigende Nacht, begleitet von dem Kampfgesang„Brüd«r, zur Svnne, zur Freiheit". Die Feier war nicht nur ein Beweis bewußter neuer Feftgestallung, sie war auch ein neues Zeichen der engeren Verbundenheit d«r Roten Falken mit der gesamten sozialistischen Bewegung. Oer Stadtkämmerer freigesprochen. Er hat in keiner Hinsicht fahrlässig gehandelt. 3n dem Disziplinarverfahren gegen den Beclincr Stadtkämmerer Dr. Lange kam der Bezirksausschuß zu folgendem Urteil: „Der Angeschuldigte wird freigesprochen, die baren Austagen des Versahrens fallen der Staatskasse zur Last." 3n der nur sehr kurzen Begründung dieses sreifprechcnden Urteils führte der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Präsident Ulooshake, wie wir hören, aus, daß das Gericht inkeinemderBcschuldi- gungspunkte ein pflichtwidriges verholten des Stadtkämmerers habe als erwiesen erachten können. Der Stadl- kämmerer habe vielmehr seine Aussichtspflichl. soweit er dazu ver- pflichkct war, ausgeübt, so daß ihm kein fahrlässiges ver- halten nachgewiesen werden könne. Aus der Verhandlung, die bekanntlich unter strengstem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, ist bemerkenswert das Plä- doy«r des Vertreters der Anschuldigungsschrift, Oberregierungsrat Gaede, in dem er formell sämtliche Anschuldigungspunkte gegen den Stadtkämm«rer airsrecht erhielt und Fahrlässigkeit be- züglich der Aufsichtspflicht auf Grund der Beweisaufnahme des Ver- fahren? für erwiesen ansah. Sodann kam der Verleidiger des Stadt- tämmerers, Rechtsanwalt Mar Lindner, zu Wort, der die Auf- fassung vertrat, daß man auf Grund der Städteordnung und der verwaltnngsrcchtlichen Judikatur und Praxis dem Stadtkämmerer in keinen, Falle ein schnldbares Verhalten vorwerfen könne und der die Freisprechung feines Mandanten bean- tragf«, der[ich dann auch der Bezirksausschuß nach überraschend kurzer Beratung anschloß. l3/4 Lahre Gefängnis für Nedlin. Wo aber sind die 900000 M. geblieben? Ans der Verhandlung wäre noch folgendes nachzutragen: Der Büchersachverftändige Donath stellte fest, daß die ersten Unterschlagungen in Hölze von 136 000 M. durch„Rückstellungen" vom Licderbuchkonto bereits im Jahre 1924 erfolgt sei. Die Ver- buchungen waren so geschickt gemacht worden— wie überhaupt die Buchführung äußerlich vollkommen ordnungsmäßig erschien—, daß die nicht geschulten Rechnungsprüscr und Revisoren die Fehler nicht entdecken konnten. Spätere Veruntreuungen erstreckten sich auf das Verwaltungskonto. Der Sachverständige hat einen Ge- samtfehlbetrag von 916 600 Mark festgestellt. Das Gericht beschloß nach kurzer Beratung, Rechtsanwalt Li st, den Vorsitzenden des Sängerbundes, der zugegeben hatte, daß er nicht ordnungsmäßig verfahren sei, zu vereidigen, da keinerlei Anhaltspunkte vorhanden feien, daß er an den dem Aiuzeklagten zur Last gelegten Handlungen beteiligt sei. Siaatsanwaltschastsrat Wentzcl führte aus: Der Angeklagte habe als langjähriger Bundes- schatzmeister sich des größten Vertrauens erfreut. Er habe Untreue und Unterschlagung in einem Ausmaße verübt, daß man erstaunt fragen müsse, wo die Summen geblieben seien, und wie das vor sich gehen tonnte, ohne daß nian dahinterkam. Aus Grund des ärztlichen Gutachtens nehme er davon Abstand, eine Ehren- strafe Redliiis zu beantragen. Die Strafe müsse aber eine hohe sein, und er beantrage ein Jahr und sechs Monate Gefängnis sowie 10000 M. Geldstrafe oder hiissweisc weitere 100 Tage Gefängnis. Das Schöffengericht verurteilte Redlin wegen fortgesetzter Un- treue in teilweiser Tateinheit mit Unterschlagung zu einem Jahr und neun Monaten Gefängnis. Die etwa sicbcnmonatig« Unter- suchurigshast wurde voll angerechnet. Der Antrag auf Bewilligung einer Bewährungsfrist wurde vom Gericht wegen der schweren Verfehlungen, insbesondere in Berücksichtigung des groben Vertrauensmißbrauchcs und der Höhe des angerichteten Schadens abgelehnt. Die Frage, ob dem Angeklagten für«inen Teil der Strafe Strafaussetzung zu bewilligen sei, wurde aus zwei Monate ausgesetzt. Festnahme der ftiichtigcn Tempclhofer Ränder. Der unermüdlichen Arbeit der Kriminalpolizei ist es gelungen, nun auch die letzten beiden Räuber, die an dem verwegenen Ueberfall auf die Polizeibcainten in Teinpelhos beteiligt waren, gestern nachmittag festzunehmen. Die beiden Flüchtigen, Otto Klawa und Erwin Hoffmann, hatten irgendwo Unterschlupf gefunden und die Nachforschungen der Polizei blieben zunächst er- gebnislos. Gestern nächmittag konnte Kriminalkommissar Wrrnc- burg die beiden Räuber endlich festnehmen. Sie waren am Brunn cnplatz gesehen worden und durch das schnelle Eingreifen der Beamten konnten die Täter, die in einem Gebüsch am Amts- geruht Zuflucht gesucht hatten, dingfest gemocht werden. Di« ganze Kolonne sitzt damit hinter Scfztoß und Riegel. Zaltenberger Sommerlaraevol.?lm Sonntag, dem S. Juli feiern die Faltcnberger wie alljährlich aus ihrem herrlich gelegenen Fetiplatze ihren Falkenberger SZliinierkarncoal. Rheiniiche flrählichteit soll an diesem Tage nach Falkcnbcrg iilicihagcn werden. Die Gäfic jollcu sich alle ein Kostüm mitbringen und im GcmcinichajlShauS der Siedlung micnlgclllich umkleiden In diesem Jahre gibt? Sitzgelegenheit für Taufende. Der Festzng beginnt um 2 Uhr(14 Uhr). Im Rahmen der Tagung des Deutschen Landwirt- schaftsrats hielt der Präsident der Landwirtschafiskammcr für die Provinz Brandenburg und Berlin, von Oppen, am Donnerstag einen Vortrag über die Neuregelung der Ver- liner Milchversorgung, die bereits in den nächsten Woche» in Kraft treten soll. Die Bestrebungen gehen u. a. dahin, der Berliner Bevölkerung eine einwandfreie Milch zu liesern und die Preis- sch wankungen zu unterbinden. Daß es mit der Quals- tät der in Berlin angelieferten Milch vielfach nicht besonders gut steht, haben ja die Auseinandersetzungen in den letzten Monaten zur Genüge bewiesen. Darüber braucht man wohl kein Wort zu verlieren. Soweit Preisschwankungen in Frage kommen, steht fest, daß der schwankende Preis immer wieder zu cincr Benachteiligung des Konsumenten ausgenutzt wird. Auch hier ist, wie bei allen Agrararlikcln, die Loslösung des Preises von allzu hefligcn Schwan- kungcn die Voraussetzung für eine Bekämpfung des Milch- wuchcrs. Die Frage einer rationellen Milchocrsorgung Benins ist gegenwärtig besonders dadurch dringend geworden, daß der Berliner Blarkt etwa täglich 100 00» bis 200 000 Liter mehr Frischmilch erhält, als er aufnehmen kann. Dos ist sicherlich ein Zeichen der sinkenden Kaufkraft bei den großen Massen, denn der Bedarf an Milch ist wohl vorhanden, aber nicht das Geld, um diese Milch zu bezahlen. Anderer- seits sind die Stallpreise für Milch unter Auswirkungen der fürchterlichen Milchjchwcmme.zeitweise aus den Tiefstand von 9 Ps. pro Liter gesunken. Von diesem katastrophalen Preissturz haben die Milchkansumcnten in Bcvlin aber so gut wie gar nichts gehabt. Heber die Neuordnung der Berliner Milchversorgung sührte Oppen u. a. folgendes aus:„Der Milchhandel in Berlin ist in der Milchlieferiingsgefellschaft organisiert. Diese kontrol- liert etwa 730 000 Liter der von außen zufließenden Milch. Ein Mädchen verschwindet im Wasser. Das Ende eines vergnügten Abends. -Sin seltsamer Todesfall beschäftigte gestern die K r i- minalpolizei und den R e i ch s w a s s e r s ch u tz. Am Schlesischen Tor liegt eine größere mit Steinen bcladene Zille, deren Besitzer am Mittwoch abend in einem Lokal ein Mädchen kennen lerme, das sich„E r n a" nannte. Später begaben sich beide in ausgelassener Stimmung gemeinsam auf den Kahn. Beim Ueberschreitcn der Laufplanke verlor das Mädchen den Halt, stürzte ins Wasser und ertrank. Der Schiffer suchte das Wasser mit einem Haken an der llnfallstelle vergeblich ab und am Morgen benachrichtigte er dann die Polizei. Die Leiche des Mädchens war unter den Kahn geraten, wo sie auch vom Neichswasserschutz geborgen wurde. Die erste Vermutung, daß ein Verbrechen vor- likgt, fand keine Bestätigung. Ein Gemütsmensch, dieser Schiffer. Stochert so ein bißchen im Wasser herum, findet dos arme Ding nicht, legt sich seelenruhig schlafen und erst am andern Morgen kümmert er-sich um das Opfer. Die Polizei sollte sich den Herrn ein bißchen daraufhin ansehen, ob er, wenn er sich schon Besuch auf feine Zille mitnimmt, die notwendige Sorgfalt für die Sicherheit des Be- s u ch e s hat walten lassen. Gegen Pogromhetze. Der Reichsbund jüdischer Front» s o l d a t e n E. V., Ortsgruppe Berlin, ocranstaltei unter diesem Shemn am Dienstag, dem 1. Juli, abends 8 Uhr, in der Siadihalle, Klofter'iratze. eine Kundgebung. Etwa 130 000 Liter werden durch die Firma Bolle noch Berlin ge- rächt, während der Rest, soweit er nicht innerhalb Berlins selbst erzeugt wird, durch die freien Milchhändler und die Milcheinsuhr- gesellschaft der Siadt Berlin herangeschafft wird. Es gut, der festgefügten Organisation des Handels eine ebensolche der Lnnü- wirtsäzait zur Seite zu setzen. Zu diesem Zweck ist in Aussicht gc- nonimen, die direkten Milchlieferanten in der Interessen- g e m e i nsch a f t Märkischer M i l ch p r o d u z e n l e n zu- sammen.zusassen, während für die Milch der Landmolkereien die Brandenburger Molkereien G. m. b. H. die Zentrolstelle werden soll. Beide Gesellschaften sind endlich durch einen Dachocrtrag zu verbinden, um dann durch die so geschossene landwirtschaftliche Einheitsorganijation mit dem Handel Vereinbarungen über d>2 Milchbelieierung von Berlin treffen zu können. Die Bezahlung der'Milch erfolgt in Zukunft nach einem D o pF' e l l a r i j. Derjenige schlüsselmäßig ermittelte Teil der Milchtieferung des einzelnen Erzeugers, welcher sein feststchend« Milchlieserung darstellt, wird zu einem höheren Preis(A.-PreiH bezahlt, welcher in Anlehnung an den Butterpreis festzulegen ist. Diejenige Milch, welche als schwankendes Quantum angeschen wer. den muh, und welche in Berlin meist zur Verarbeitung gelangt. wird der tatsä6)lichen'Verwertung entsprechend bezahlt(B-Preis). Diese Bezahiungsart soll ab 1. Juli 1930 einsetzen und hat den Zweck, den Erzeuger zu veranlassen, die Uebermilch, welche in den milchreichen Monaten des Jahres zufließt, gar nicht erst nach Berlin zu schicken, sondern sie im eigenen Betriebe oder in den Molke- reien zur'Verwertung zu bringen.(Quantitative Regelung.) Es ist serner vereinbart worden, daß ab 1. Oktober 1930 eine Qualitätsbezahlung eintreten soll dergestalt, daß für jedes Zehntel Fett-Prozent über 3 Proz. Fett in der Milch ein Zuschlag, für jedes Zehntel Fett-Prozent unter 3 Pro.z. in der Milch ein Ab- schlag vom Milchpreis berechnet wird. Hierdurch wird eine obli- gatorisch« Untersuchung eingeführt und das Interesse der Erzeuger an guter Lieferung finanziell begründet(Qualitative Regelung)." HeuschreckeneinfaN in Oesterreich. Zug zum Halten gebracht. lv i c n. 2S. 3uni. Die Mittag sblätter berichten, daß sich auf der Eisenbahn. strecke Wiener Neustadl. Eggendorf der nach Angara führenden Linie der Südbahn am Mittwochabend ein Heuschrecken- schwärm niedergelassen hat, der eine Verkehrsstörung verursachte. Es handelt sich nicht um Wanderheuschrecken, sondern um eine in Oesterreich verbreitete Art kleiner Heuschrecken. Die Heu- schrecken wurde» durch die die Strecke passierenden Züge zerquetscht. Es kamen jedoch immer neue Schwärme, so daß durch die Tausende von zerquetschten Heuschrecken die Schienen schließlich ver- legt wurden. Ein Zug blieb aus der Strecke stehen und konnte über die verlegten Schienen nicht weiter fahren. Die Feuer- wehr von Wiener Neustadt begoß die Schienen mit Benzin, zündele es an und vernichtete so die Heuschrecken. P1XA VON! Oer Gesunde in Vorschläge zur DRefo Aus dem Gesundheitspolitschen Kongreß, der in diesen Tagen in Dresden stattfand, hielt der Berliner Arzt Ge- nosse Dr. Hans Graatz einen deachtenswerten Vortrag über die Reform der Krankenversicherung, in der er vor allen Dingen den Versuch macht, den vielen Versicherten gerecht zu werden, die jahrelang ihre Beiträge getreulich entrichten, aber, da sie glücklicher- weise immer gesund sind, von ihren Zahlungen absolut nichts haben. Der Versicherte, so sagte Dr. Graatz, fühlt sich leider immer noch mit Recht als„Kassenpatient", d. h. er wird nicht als vollwertiger voll- zahlender Patient behandelt. Die Auseinanderjetzungen über die tatsächlichen Schwierigkeiten gehen im allgemeinen nur zwischen Aerzten und Verwaltungen und Behörden. Die Versicherten zer- fallen nach Vorschlägen Dr. Graatz in N o r m a l- G esu n d e und in gesundheitlich Anbrüchige. Di« Verhäliniszahl zuein- ander ungefähr 80: 20. Dr. Graatz macht nun folgenden Vorschlag: Der von Nonnal-Gesunden im Laufe eines Jahres nicht in Anspruch genommene Teil seines Anteils wird ihm nach Abzug der Berwal- tungskostcn zu seiner Verfügung als Ferienbeitrag, Mitgift, Zins- garantie für Siedlungsdarlehen oder ähnliche hygienisch wertvolle Verwendungen gutgeschrieben. Verlangt sein Gesundheitszustand höhere Aufwendungen, so tritt er in die Kategorie der sogenannten Anbrüchigen ein. Es setzt nun der Vertrauensarzt ein, aber nicht zum Zwecke der Kontrolle der Kassenmittel, sondern z u r p r a k t i s ch e n H i l f e. Die schon jetzt sich aufbauenden Ambulatorien sind die Zellen dieser erhöhten Gesundheit?- beratung. Wird er wieder normal gesund, geht er wieder in die Kategorie der Normal-Gesunden zurück. Im Mittelpunkt eines Vortrages der Reichstagsabgcordncten Genossin Dr. S t e g m a n n- Dresden über Medizinalpolitische Gegenwartsfragen auf demselben Kongreß stand die Jmpffrage. Dr. Stegmann wandte sich u. a. gegen den Impfzwang, der ja in letzter Zeit durch Entschließung des Reichsgesundheitsrales und durch eine Verordnung des Genossen S e v e r i n g schon« i n klein wenig gelockert worden sei.— Besonderes Interesse hat in letzter Zeit auch der Kampf um die Kurierfreiheit gefunden. Der Ansturm der Standesorganiiationen der Aerzte gegen die Kurierfreiheit hat ersreulicherwetse im Reichstag keine Mehrheit gefunden und es ist auch nicht zu erwarten, daß in absehbarer Zeit die Laienheilkundizen aus dem Recht zur Heilpraxis ausgeschaltet werden. Gegen wirkliche Kurpfuscher kann unter den gegenwärtigen Gesetzen schon tatkräftig genug vorgegangen werden. Der dritte Tag schloß mit einem Referat des Genossen L ö g g o m der Krankenkasse. m des Kastenwesens. über Alkoholismus und Gemein debestimmungs- recht. Das Gsmeindebestimimingsrecht ist eines der wichtigsten demokratischen Rechte, das wir fordern können. Es dient nicht nur zur Einschränkung des Alkoholmißbrauchs, sondern zur Durchsetzung aller wichtigen toinmnnalpolitischen Forderungen. Daneben sollten wir aber dafür sorgen, die im S ch a n k st ä t t e n g c s e tz geschaffenen Möglichkeiten voll auszunutzen, um unserem Ziele näherzukommen, einer glücklicheren Menschheit! Aeue Musteranstali der AOK. Was man aus einem alten Logenheim gemacht hat. Nach schwierigen Bauarbeiten, die über ein Jahr dauerten, ist nun in der Beobachtungsklinik der Allgemeinen Ortskrankenkasse der Stadt Berlin in der Johannis. st r a ß e eine Mustcranstalt geschaffen worden, deren Bedeutung durch das angrenzende Ambulatorium noch besonders gesteigert wird. Stehen doch alle Spezialärzte des Ambulatoriums für die Hauptaufgabe der neugeschaffenen Klinik, der Diagnosen- st e l l u n g, zur Verfügung. Geht man durch die lichten, mit seinem Geschmack und durch- dachter Zweckmäßigkeit ausgestatteten Räume, so hat man kaum das ost so beklemmende Gefühl, sich in einem Krankenhaus zu befinden. Sämtliche Schränke mit Arzneien und Instrumenten sind eingebaut, Luft und Licht durchströmt den farbigen Korridor, die Arbeits- und die Krankenzimmer. Die Baderäinne sind gekachelt und sinnvolle Kiingel- und Lichtzcichcn machen die Schwestern in unauffälliger Weife auf die Wünsche der Pattenten aufmerksam. Jedes Bett hat R a d i o a n sch lu ß. In fröhlicher Art ist das Kinderwartczimmer mit farbigen Darstellmigen aus der Märchen- und Fabelwelt ausgestattet. Ein modernes Röntgen- Zimmer, Apparate für Massage, Heißluft, Diathermie, Höhensonne vervollständigen die Einrichtungen zur Heilbehandlung. Bemerkens- wert ist, daß die Räume für das Angestelltenpersonal die- selbe Qualität der Ausstattung aufweisen wie die Pattentcnräume. Was hier hinter einer wenig ansprechenden Fassade(das Haus nxir früher zum Teil L o g e n h e i m, zum Teil Fabrikbau) geschaffen wurde, verdient Anerkennung. Architekt G o t h e i n e r, der auch den großen Neubau der Allgemeinen Berlinr Ortskrankenkassc leitet, hat hier eine vorbildliche Klinik gesehaffen. 1 Grundbesitzer wittern Morgenluft! Wo stehen wir?— Profitgier gegen Freiflächen und Parkanlagen Dio Fragen des B a u l a» d g« s e tz e n t w n r f e s, die durch das kürzlich ergangene Fluchtlinien urteil des Reichs- g e r i ch t s noch an Aktualität gewonnen haben, erregen vcrstönd- licherweise insbesondere die Gemüter der Hausbesitzer, und ihr Frohlocken über die Fluchtlinienentscheidung des Reichsgerichts ist groß. Unter der Ucberschriit„Stürzt das Scheusal in die Wolssschlucht" berichtet Nr. 18 der Zeitschrist„Das Grundeigentum", daß der Ent- wurf des Baulandgesctzes heute schon so gut wie erledigt sei. Sie beruft sich für diese Meinung auf die Stimmen der G e>v e r k- s cha fte n und der B o d e n r e s o r m« r und„vergißt" dabei > großzügig die Tatsache, daß dies« Organisationen den Gesetzentwurf nur ablehnen, weil er nicht weitgehend genug ist und den Erfordernissen moderner Slädlebaupolitit nicht genügend Rechnung trägt. Aber die Leute sind gründlich. Man begnügt sich nicht damit, den Gesetzentwurf abzulehnen: die Zeitschrist hat sich von juristischer Seite in der gleichen Nummer einen Aufsatz schreiben lassen, der andeutet, wie man juristisch auch die Möglichketten für eine gesetzliche vernünftige Regelung dieser Probleme endgültig verhindern kann. Es ist nicht leicht, denr Aufsatz des Herrn Oberverwaltungs- gerichtsrats Ernst I s a y über die Flnchtlinienpolitik der Kommunen entgegenzutreten: denn wir befinden uns ihin gegenüber in einer merkwürdigen Verlegenheit und Schwierigkeit: wir müssen erst versuchen, reinlich die juristischen Argumentationen des Ober- oerwaltungsgerichtsrats Jsay von den Argumentationen des mehrfachcir Hausbesitzers Jsay zu trennen. Schon in einem Aufsatz im Preußischen Verwaltungsblatt 1ÜZ0 Nr. 15 S. 338 hat der Verfasser höchst eigenortige Ansichten über das Verhältnis von Grundeigentum und öffentlicher Gewalt geäußert. Er schreibt dort:„Sozialisiert sind die Rechte, nicht aber die Pflichten der Grundeigeinümer, hinsichtlich dieser ist vielmehr das Eigentum aufrechtzuerhalten." Daß der Gesetzgeber generell zu bestimmen hat, in welchem Maße die einzelnen Kategorien zu den allgemeinen Lasten beizutragen haben, erscheint zwar in der Demokratie ein« Selbstverständlichkeit: aber dem Herrn Obervcrwaltungsgerichtsrat, der ein neues Recht, das Recht auf die volle Rente, einführen möchte, ist davon nichts bekannt. Daher kann es auch nicht wundernehmen, wenn er bei der Erörterung der bekannten Fluchtlimcnentschcidung des Reichsgerichts die 1918 vorgenommene Einführung in de» Paragraphen 1 des Fluchtliniengejetzes nicht für ausreichend hält, um eine rechtliche Grundlage der Freiflächenpolitik der Gemeinden abzugeben. Er behauptet, daß die Einfügungen des Wohnungsgesetzes eine Fluchtlinienfestsetzung für Garten- anlagen, Spiel- und Erholungsplätze nur insoweit rechtfertigen, als diese eine öffentliche Straße oder einen öffentlichen Platz oder Teil« einer Straße oder eines öffentlichen Platzes bilden oder bilden sollen. lins scheint diese Interpretation nicht richtig zu sein, da sie den Sinn des Wortes Fluchtlinie zu e n g auslegt. Aber darauf kommt es gar nicht an. Der Verfasser meint, da es an einer gesetzlichen Grundlage für eine Freislöchenausweijung, soweit nich: die Freifläche dem öffentlichen Verkehr gewidmet wird, fehlt, hier ein gesetzwidriger Akt, ein Rcchtsbruch vorliege. Otto Mayer, der größte deutsche Verwaltungsrechtslehrer der ver- stosscncn bürgerlich-rechtsftaatlichcn Epoche, der gewiß kein Sozialist und Demokrat war. teilt mit Nichten die Ausfassung, daß hier ein Rechtsbruch vorliege. In Band II seines deutschen Vcrwoltungsrechts finden wir in dem Kapitel über d�c öffentlich-rechtliche Eigcntumsbeschränkung den Satz, daß ösfentlich- rechtliche Eigentumsbcschränkungen nicht nur durch Gesetz, sondern auch durch ungeschriebenes Recht erfolgen können. Der im Grunde konservative Verwaltungsrechtslehrer war verständig genug einzusehen, daß die Grenzen der Freiheit des Eigentums nicht ein für allemal feststehen, sondern daß sie durch die allgemeinen gesellschaftlichen Anschauungen, durch die allgemein anerkannten Notwendigkeiten des geordneten menschlichen Zusammen- l e b e n s bestimmt werden. Und ausdrücklich fügt er noch hinzu, fast als ob er schon vorausgeahnt hätte, daß es einmal verolsndcte juristische Vertreter des Privateigentums geben könnte, die das pflichtgeinähe Crmessen und Handeln der vom Volk erwählten Be- Hörden als Rcchtsbruch bezeichnen könnten:„Diese Anschauung wird erkennbar aus der jeweiligen Rechtsanschauung der Behörden." Wie muß es unr Argumente l>cstellt sein, die nicht einmal wagen können, auf die bürgerlich-rcchtsstaatliche Verwaltungsrcchtstheorie vom Anfang des Jahrhunderts zu verweisen: wenn diese Ansichten schon diesen Lehren gegenüber als reaktionär zu werten sind, wie werden sie vor dem Angesicht unserer Zeit dann bestehen können? Wie werden sie in Einklang zu bringen sein mit den Sätzen der Reichsverfassung, die bestimmen, daß Inhalt und Schranken des Eigentums sich durch dos Gesetz bestimmen? Wie werden sie gar mit Artikel 155 der Reichsverfassung zu vereinen sein, der die Tendenzen, die die Städte verfolgen, sich ausdrücklich zu eigen macht? Sehen wir von der juristischen Argumentation des Verfassers ab und beschäftigen wir uns kurz mit seinen Jnteressentenvorwllrfen gegen die Berliner Bodenpolitik. Wir wollen uns durch den Ton, mit dem der Verfasser sich bemüßigt fühlt, dem verdienst- vollen sozialdemokratischen Leiter der Berliner Bodenpolitik, Stadtbaurat Dr. Martin Wagner, entgegenzutreten, nicht hin- reißen lassen, in dieselbe Tonart zu verfallen. Der Verfasser macht es Wagner zum schweren Vorwurf, daß er nicht die Reichsgerichts- entjcheidungen aus dem Jahre 19vö gelesen hat, aus denen hervor- geht, daß solche Eingriffe in das Privateigentum gemäß Z 75 der Einleitung zum Preußischen Allgemeinen Landrccht entschädigungs- pflichlig feien, �r meint, daß jeder Einwohner Berlins, einschließ- iich der Frauen und Kinder, etwa 199 M. dafür zahlen müsse, daß die Stadt Berlin die gedruckten und ihr zugänglichen Entscheidungen des Reichsgerichts nicht gekannt habe. Welch seltsame Weltfremd- heil, welch soziales Unverständnis! Meint der Verfasser etwa, ein pflichtgemäß handelnder, für die Bmipolitik einer Millionen- stadt verantwortlicher Beamter halte es Unterlasten dürfen, für Rlillionen werktätiger Menschen die dringend nokwcndige Erholungsmöglichteit zu schassen, nur weil vielleicht aus einer vor 29 Jahren ergangenen Reichs- gerichtscntfcheidung entnommen werden könnte, daß in einem eventuellen neuen Fall dos deutsche Reichsgericht der Verändc- rung der gesamten wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse so wenig Rechnung tragen wiirdc, grundsätzlich diese Entscheioung aus der Vorkriegszeit zu bestätigen? Wo stehen wir? Sind wir vielleicht schon so weit gekommen, daß ein Beamter dafür verantwortlich gemacht werden kann, daß er mehr aus die Prinzipien des sozialen Fortschritts vertraut, alz seine Tätigkeit durch die Furcht vor einer reaktionären Rechtsprechung hemmen zu lassen? Freilich, wenn alle Richter dieselbe Geistesverfassung ausweisen wie der Verfasser des„Grundcigentum".Artikels. der es wagt, unsere städtebaulichen Anlagen hämisch mit den Bersaillcr Parkanlagen zu vergleichen, die selbst das Frankreich des Sonnenkönigs in Bankrott und Revolution stürzten, dann wird es im ganzen Reich bald keinen Beamten mehr geben, der die Berantwortungssrcude besilzl, das sozial Rot- wendige nicht nur zu erkennen, sondern auch zu tun. Otto Kircbheimer. Ans der Arbcif um Berlins Etat. Interessante Einzelheiten aus den Ausschuf?verhandiungen. ?n den letzten Wochen ist im Rathaus ein erbitterter Kampf um den Etat geführt worden. Nachstehend gibt der sozialdemokratische Fraktionssekretär Paul Robinson interessante Einzelschilderungen aus den Ausschußverhandlungen. Durch die Obstruktion der Dcutschnationalcn ist nun ein Zustandekommen des Etats unmöglich gemacht worden. In dem Bestreben, diesen bitteren Kelch allen aufrechten Anhängern der Selbstverwaltung zu ersparen, hatte der Magistrat in den letzten Tagen mehrmals die Initiative zu inter- fraktionellen Verhandlungen ergriffen. Diesen Bemühungen ist der Erfolg versagt geblieben. Die Schwierigkeiten lagen, wie«s Erich Fla tau in seinem„Vonvärts"-2lrtikel am Dienstag, dem 24. Juni, auseinandergesetzt hat, außer bei der Gestaltung der Rc a l st c u e rz» s chl ä ge, vor allen Dingen bei einer falschen Beurteilung der finanziellen Lei st ungsfähi gleit der Berliner Berkehrsgeselljäzast. Der Magistrat steht— mit Aus- nähme der drei deulschnationalen Mitglieder— auf unserem Standpunkt. Sowohl der Bürgermeister S ch o l tz als auch die Genossen Stadtsyndikus Lange und Reuter haben in wiederholten Er- klärungen keinen Iweifcl darüber gelassen, daß die BVG. schwer an den Zinslasten aus den von ihr übernommenen Verkchrsbauien zu tragen hat, der von den bürgerlichen Vertretern im Haushalts- ausschuß erwartete Mehrertrag aus dem Verkehr in Höhe von 19 Millionen Mark also bestimmt nicht zu leisten sein wird. Dies vorausgeschickt, sei in diesen Zeilen auf einige Dinge hingewiesen, die in den bisherigen Beratungen«inen breiten Raum einnahmen, doch nicht genügend gewürdigt wurden. Vor der Berawng der großen Betriebe wurde im Haus- Haltsausschuß sehr«ingehend über die kleinen Gesellschaften gesprochen. In ihrer Voreingenommenheit gegen die städtischen Be- triebe gingen die bürgerlichen Parteivertreter sogar so weit, daß sie am 31. Mai der von den Kommunisten beantragten Ent- schließung zustimmten, die besagt, daß alle städtischen Gesellschaslen und Betriebe in ihrer Gcscll- schaflssorm aufzulösen und als kämmereibelriebc zu führen find. Auf Initiative des Deutschnationalen Dr. Steiniger, der am 31. Mai fehlte, traten sie dann am 5. Juni den Rückzug an, indem sie den'Antrag stellten, wonach die„g e w i n n b r i n g c n- den Betriebe" in Gcsellschastssorm erhalten bleiben sollen. Dr. Sinniger sührtc, zu den bürgerlichen Stadtverordneten gewandt, wörtlich aus: „Wenn Sie, meine Herren, und das will ich auch meinen Freunden sagen, meinen, Sie könnten eine Gesellschaft vom Aus- maß der BVG. wieder als Kämmereibctrieb ausbauen, so de- gehen Sic einen fundamentalen Irrtum." Mit der Berliner B r c n n st o f f g e s c l l s ch a f t befaßt« sich ein« ganze Sitzung. Die Brennstoffgesellschast beliefert in kleinem Umfang auch nichtstädlische Einrichtungen wie die Kons u m- g e n o j s e n s ch a f t, das G c w e r k s ch a f t s h a u s, einig« größere Firmen und Privatleute, um ihren Fuhrpark sowie die großen Transportanlagen auch in den stillen Monaten auszunützen und das gut eingearbeitete Personal nicht entlassen zu müssen, doch ge- schieht dies nach ausdrücklicher Vereinbarung mit dem privaten Kohlenhandel und zwar in so geringem Maß«, daß von einer Schmu tzkonkurrenz nicht die Rede sein kann. Bei einem gesamten privaten Brennstoffverbrauch von 8 338 999 Tonnen Kohle, Koks und Briketts im Geschäftsjahr 1929/39 in Eroß-Berlin war der Anteil der BVG. im selben Zeitraum nur 1,11 Prozent der obigen Summe. Auch das Argument, daß die Lrennstoffgesellschaft keine Steuern zahl«, trifft. nicht zu, denn im Jahre 1929 wurden von ihr an Gewerbe-, Körperschafts-, Umsatz-, Grund- vermögen-, Lohnsummen- und Kraftfahrzeugsteucr insgesamt 212999 Mark abgeführt. Zln Ueberschuß, der noch den Bestimmungen des Gcsellfchaftsvertrages voll dem städtischen Wohlfahrtsetot zuzuführen ist, wurden für 1939 199 999 M. vorgesehen, nicht gerechnet die er- hebliche B c r b i l l i g u n g der Kohlen zugunsten der Kämmereikasse. Die Attacke gegen den S t a d t f u h r p a r k im Haushalts- ausschuß �— in der Hauptsache geführt von Vertretern der Wirt- jchaftspartei— endete nach den vom Direktor Genossen Erdmann gegebenen Aufklärungen mit einer glatten Niederlage ihrer Urheber. Bekanntlich veranstalteten am 29. Mai das Berliner Fuhrgewcrbe einen D e mo n st ra t i o n s zu g, über den der„Vorwärts" seiner- zeit berichtete, mit dem Ziel, die Abschaffung des Stadtfuhrparks zu WP�y0■ 1 GEGR 1865 I0EJER&W0LFF ZIGARREH Nur Eigenfabrikate Mehr als 100 verschiedene Marken von 8 Pf. bis 1.— M. No. 8........... 8 Pf. No. 10........... 10 Pf. Große L& W...... 12 Pf. Donna Lucia....... 20 Pf. ßoyero... Wfv.. 25 Pf. ZIGARILLOS von 5 Pf. bis 12 Pf. ;v in Auswahl Ich SChlCIQG alles Line Spitzenleistung in der 15 Pf. Preisklasse LOESER& WOLFF ♦ Zentrale BERLIN W35 — Hovpifpbfik Eibins n Größte Zigarrenfabrik in Deutschland erlesener Qualität+■ "Für die Wochenend-Fahrt &V0 Zigarren in Kleinpackungen 5>\y Zigarillos r \ oerlangen. Dies« Demonstration sollte den Emdruck erwecken, als ob der Stadtfuhrpark daran schuld sei, daß es dein Berliner Fuhr- gewerbe schlecht gehe. Es wurde vor allen Dingen behauptet, daß der Stadtfuhrpark durch Uebernahm« von privaten Fuhren dem Gewerbe unlautere Konkurrenz mache, während die wirkliche Ursache die nicht durch Schuld der Stadt eingetreten« außerordentliche Ver- schlcchterung der Konjunktur im Baugewerbe und die Entziehung von Fuhraufträgen großer Betriebe wie Waren- und Kauf- Häuser durch Selbstbeschoffung von Lastkraftwagen ist. Es konnte nachgewiesen werden, daß der Stadtfuhrpark für 1929 nur 3� Proz. am Gesamtumsatz privat« Fuhren ausgeführt hat. Demgegenüber find die Leistungen privater Fuhrbetrieb« für die städtischen Fuhrporkvcrwaltungen erheblich höher und betragen für 1929 rund 23)� Prozent des Gesamtumsatzes. Die Uebernahme von pri- vaten Fuhrleistungen ist der Regel nach auf Wunsch der Auftrag- gebcr erfolgt, die als Grund für die Inanspruchnahme städtischer Fuhrbetriebe die besondere Zuverlässigkeit der Belegschait und die pünktliche Bedienung durch den Fuhrpark nnge- geben haben. Auch sind die städtischen Fuhrbetriebe wiederholt von Privaten zu Fuhrleistungen herangezogen worden, für die Spezial- fahrzeuge erforderlich sind, welche die privaten Fuhrunternehmer nicht besitzen. Die Ziegelei Granse« fertigt im Jahre etwa 30 Millionen Steine an, der Gesamtverbrauch an Ziegelsteinen in Groß-Berlin beträgt 700 Millionen. Der Preis der städtischen Ziegel ist pro Tausend 30 M. einschließlich Fracht, während die privaten Ziegeleien 40 M. pro Tausend berechnen. 90 Prozent der Produktion in Gransee wird an städtische Baugesellschasten geliesert, nur 10 Proz. an private Bauherren. Rechnet man durchschnittlich pro Wohnung 20 000 Steine, so bedeutet das eine Berbilligung der Steine um 4 M. pro Tausend beim Bezug von Gransee, zugleich eine Der- billigung der Baukosten um 80 M., bei zehnprozemigcr Verzinsung also eine Mietoerbilligung pro Wohnung und pro Jahr um 8 M. Zum Schluß seien noch ein paar Aussprüche des deutsch- nationalen Sprechers, des Herrn von Jecklin erwähnt, welcher als Berichterstatter für den Wohlfahrtsetat folgend« Aus- sührungen macht«: „Als Berichterstatter muß ich feststellen, daß beim Wohlfahrt s. etat kaum an den Einnahmen Erhöhungen, auch nicht bei den Ausgaben Abstreichungen zu machen find, man kann die Menschen nicht verhungern lassen, man kann sie nicht verschludern lassen. Blenschenpslicht geht vor alles." An einer anderen Stelle sagte er:„Meine Damen und Herren von der Verwaltung, Sie tragen die Schuld daran, daß aus dem deutschen Volke ein Renten empfängervolk wird" und „die Ttcutpelbriider müssen eingedämmt werden- Erworbslosenstcmpclwandcrcr ist ein Berus". Mit letzteren Ausführungen meint« er die Jugendlichen, die in der Wohlfahrtsstelle des Polizeipräsidiums betreut und sobald als möglich in die Heimat zurückbefördert werden. Die Zinssäße der Berliner Sparkasse werden herabgesetzt. Die wiederholten Herabsetzungen des Reichsbankdiskontsatzes haben die Sparkasse der Stadt Berlin veranlaßt, den Zinssatz für Reichsmarkspureinlaqcn mit Wirkunq vom 1. Juli 1930 von 5 Proz. aus 4 Proz. jährlich herabzusetzen. Die Sparkasse der Stadt Berlin hat gleichzeitig auch den Zinssatz für neu zu bewilligende Hypothekendarlehen um 1 Pro.z. ermäßigt: er beträgt jetzt 7% Proz. — Die Berliner Stadtbank hat in Anpassung an den Geldmarkt mit Wirkung vom 21. Juni 1930 den Habenzinssatz für täq- lich verfügbare Guthaben in prooisionsfreier Rechnung aus IVz Prpz., in provisionspflichtiger Rechnung auf 214 Pvoz jährlich festgesetzt. Karl Koblenzer siebzig Iahre all. Am 1. Juli kann Genoff« Karl Koblenzer seinen siebzigsten Geburtstag feiern. Er hat der Sozialdemokratie, der er mit ganzem Herzen gehört, die Treue bis in sein hohes Alter bewahrt. Die Verdienste, die der Jubilar sich bei der Arbeit für Gewerkschafts- und Parteiorgam- fationen und in seinem kommunalpolitischen Wirken erworben hat, werden unvergessen bleiben. Aus der Arb« Ehrung der Gewerkschaftsführer. 4. Bezirk— Prenzlauer Berg. In der letzten Bezirksverordnetenversammlung wurde die vom Haushattsausschuß beschlossene Voranmeldung zum Haushaltsplan 1931 gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen.— Für die an der Carmen-Silva-Strahe durch die G ej) a o erbaute „W o h n st a d t Carl Legten" wurden folgende Straßennamen beschlossen: Straße 34 Huestraßs, Straße 35 von-Elm-Straße. Straße 36 Bömelbuvgstraße, Straße 37(parallel zur Straße 36« Silberschmidt st raße, Straße 37(parallel zur Grellstraße) Massinistraße, Straße 39 Dißmannstraß«, Straß« 33 Mohsstrahe. Kuglerstraße zwischen Hosemann- und Grellstraße Hintzestraße, Zelter- straße zwischen Hosemann- und Raugarder Straße Körstenstraße. Deutschnationale und Kommunisten stimmten natürlich dagegen.— Zur Errichtung einer S ch ü l e r a r b c i t s st n b e in der König- städtischen Oberrealschule wurden die nötigen Mittel bewilligt. Oos Ealmeiie-Verfahren in Neukölln. 44. Bezirk— Neukölln. Die Neuköllner Bezstksvevsammlung mußte in der letzten Woche zwei Sitzungen abhalten, um die umfangreiche Tagesordnung zu erledigen. In der zweiten Sitzung, die am Freitag stattfand, wurde zunächst ein kommunistischer Antrag behandelt, der in der Frage des Calmette-Verfahrens ungerechtfertigte Angriffe gegen einen sozialdemokratischen Arzt erhob Sowohl der Begründer. mehr aber noch der kommunistische Stadtrat Dr. S ch m i n ck e sprachen nur gegen die Sozialdemokratie, aber mclst zum Thema. Der sozialdemokratische Bürqermsister Scholz erklärte, daß sosorl nach Bekanntwerden des ersten Lübecker Todessalles die Anwendung des Ealmette-Versahrens eingestellt worden ist. In Neukölln sind die Kinder selbstverständlich auch nur mit Einverständnis der Eltern geiinpst worden, die einer Ansteckung durch Familienmitglieder ausgesetzt waren. Die Sterblichkeitszisfcr ist nach der Einführung des Verfahrens gesunken. Der kommunistische Antrag wurde durch die Hilfe der Rechten angenommen. Auch ein s o z i a I d e m o- k r a t i s ch e r Antrag, der verlangt, daß das Versahren nicht eher wieder angewandt werden darf, bis die erneuten wissenschastlichen Prüfungen abgeschlossen sind, fand Zustimmung. Ein Antrag, der die Aufhebung der Verordnung über den bargeldlosen'Verkehr für Unterstützungszahlunq verlangt, wurde abgelehnt. Ebenso die Forderung, das Bezirksamt solle den erneuten Strafantrag gegen den Kommunisten Weise.zurücknehmen. Selbstverständlich hatten die Deutschnotionalen einen Antrag eingebracht, der mißbilligte, daß dos Bezirksamt die Einweihungsfeier des Stadions gs- mcinsam mit den Arbeitersportlern begangen hat. Stadtrat Schneider betonte, das Bezirksamt habe Veranstaltungen mit bürgerlichen Sportvereinen durchgeführt und war dann auch berech- trgt, einmal mit den Arbeitersportlern ein Sportfest abzuhalten Mit großer Mehrheit wurde noch ein Antrag angenommen, der vom Magistrat die Bereitstellung der längst bewilligten Mittel für die S ch u l b a u t e n am Dammweg und in der Britzer Siedlung verlangt._ Mehr Schulen, bessere Straßen nötig. 20. Bezirk— Reinickendorf. Vor den Ferien beschäftigte sich die Bezirksversammlung mit den einmaligen Anforderungen für dm Haushaltsplan 1931. Der sozialdemokratische Bezirksverordnete C l p e l betonte, daß aus Sparsamkeitsgründen nur das Notwendigste angefordert werden könne. Die Hauptverkehrsstraßen müssen aber ver- bessert werden, da die schweren Lastwagen Erschütterungen her- vorrufen, uMer denen die Häuser stark leiden. Vor allein seien neue Volksschulen unbedingt erforderlich, weil durch da? it der Bezirke. starke Anwachsen der Einwohnerzahl im Bezirk sonst k a t a st r o- phale Schulverhältnisse entstehen würden. Wichtige For- derungen seien noch: der Erweiterungsbau des Krankenhauses, ein Hallenschwimmbad und das Freibad am Tegeler See. Sehr notwendig ist ein ausreichendes Sprengen und eine bessere Beleuchtung der Straßen an den Neubauten. Gegen die Stimmen der Kommunisten wunden die einmaligen Ausgaben in einer Höhe von fast 7 Millionen Mark angenommen, darunter etwa 3 Millionen für Straßen- und Brücken bauten und über 2 Millionen für die Schulen. Ein sozialdemokratischer Antraq, der Verbesserung der Waschmöglichkeiten im Vorraum der Turnhall: des Reinickendorfer Realgymnasiums verlangt, wurde ohne Widerspruch angenommen. Bei der Entlohnung der S ch u l r e i n i g u n g s- f r a u e n verlangte der Sozialdemokrat R o tz o l k die Wicderl)«r- stellung des alten Zustandes nach welchem die Entlohnung für die Reinigung in den Schulen unter denselbm Bedingungen erfolgen soll wie in den übrigen städtischen Gebäuden. Es wurde beschlossen, die M e h r k o st e n aus Borbehaltsmittel» zu bewilligen. Die veränderten Grundsätze über die Einrichiung der chrenamt- lichen Wohlfahrtspflege wurden der Wohlfahrtsdepntation über- wiesen. Die Ferien der Bezirksversammlung dauern bis Ende August._ Keine Wohnungsluxussteuer. Amsichtsbedorden verweigern die Zust.mmung Auf Verlangen der Sozialdemokraten hatte die Stadt- verovdnetenoersammlung den Magistrat gebeten, unter Benutzung der Erfahrungen anderer Städte genauestens festzustellen, ob als Teile der Deckung der Ausgaben Erträgnisse der Wohnungs- luxussteuer verwendet werden könnten. Der Magistrat hat in- dessen auf Grund eines umfangreichen, in einer Denkschrift der Hauptsteuerverwaltung zusammengefaßten Materials beschlossen. keine Wohnungsluxus st euer einzuführen. Die Aussichts- behörden haben nämlich dem Magistrat mitgeteilt, daß sie einer solchen Steuer ihre Zustimmung nicht erteilen würden. Bezüglich der weiteren Anregung der StadtverordnetenversaniK. hing, bei Reich und Staat dahin zu wirken, daß der weitaus größte Teil des Hauszins st eueraufkommens in Berlin verbleibt, sowie daß von der Kraftfahrzeugsteuer Berlin ebensoviel überwiesen wird, wie hier aufkommt und daß die Ueberweisungen an Einkommen- und Körperschaftssteuern um 20 Millionen erhöht werden, sind entsprechende Anträge dem Landtag überreicht worden. Sie sind auch dem Preußischen Städtetog, der Industrie- und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Land- wirtschaftskammer zu Berlin sowie sämtlichen Mitgliedern der Stadt- verordnetenversaminlung und des Preußischen Staatsrats mit der Bitte um Unterstützung zugegangen, serner dem O b e r p r ä s i- dcnten von Berlin, dem preußischen Minister des Innern und dem preußischen Finanzministcr. Der Antrag um Verbesserung des Berliner Anteils an der Hauszins st euer ist inzwischen gegenstandslos geworden, da der Landtag die Geltungsdauer der„Hauszinssteuerverordnung" bis zum 31. März 1931 unverändert verlängert hat. In der Frage des Finanzausgleichs war eine Aenderung für das laufende Jahr nicht mehr zn erreichen. Sie soll nach den Zusagen der preußischen Regierung im Haupt- ausschuß des Landtags für das nächste Jahr eintreten. Bei der Ber- teilung der Kraftfahrzeug st euer wurde eine geringe Ber- besserung zugunsten Berlins erzielt. Die Stadt erhält nunmehr neben einer prozentualen Beteiligung von 1,25 ein Voraus in Höhe von 1,5 Proz. des gesamten zur Verteilung gelangenden Auskommens. /Wcli während der GLUTHITZE K; � /'TT � "... i:: *. I— T-;.TÄ-'.M,...«Tl* '-SM,:. '.*%*&■".•fl&s&ßr< ... L' 5�«MM« < ji%| T Jh ..< ,x- r:.■"T.'.■' I''! 5>".' H»- '»T - M STETS FRISCHE WAREN durch unsere modernen KÜHLANLAGEN für alle verderblichen LEBENSMITTEL KARSTADT Johannisbeeren..... Pfd. 0.30 Blaubeeren........... Pfd. 0.32 iKirsdien.............. 2 Pfd. 0.55 1 Aprikosen.............. Pfd. 0.38 | Schoten............... 3 Pfd. 0.28 | Möhren............... 3 Bd. 0.25 [Bohnen................. Pfd. 0.20 [Weiß- u.W irainghohl 3 Pfd. 0.25 Tontoten..... Italiener 2 Pfd. 0.55 [Neue Kartoffeln..s Pfd. 0.45 > Pfirsiche....... Italiener Pfd. 0.38 | Äpfel, Aastr........... Pfd. 0.45 Blumenhohl........ Kopf an 0.10 Traubensekt TTT;«,. n- 4.00 Himb.- u. Kirschsaft Tn. 1 Tafelöl.................. Ltr. 0.78 Gelee-Misthung..... Pfd. 0.95 Hühner-Frikassee..Pfd. l.io Konsum-Sülze........ Pfd. 0.48 Nußschinken......... Pfd. 2.10 Tilsiter 25%......... Pfd. 0.50 Quark.................. Pfd. 0.34 KARSTADT M. E. R. REISEBÜRO Fahrkarten, Platz- und Bettkarten zu amtlichen Preisen ohne Aufschlag) RWJ MM MM FMK M? Die Veranstaltung der JE# MjM MM MJ m M, Jtmb My JE# billigen Serienpreise Rekord-Leistungen Nr. 295» 47. Jahrgang 2. Freitag, 27. Juni 11 930 Wege für echten Preisabbau. Kohle, Eisen, Dünger, Brot, Zucker.— Schluß mit den Phrasen! Das Reichswirlschaslsimnistmum soll vorläufig, nachdem Dietrich Ainanzminisler w>rd, nicht beseht werden. Eine höchst bedenkliche Mohnahme, nachdem es sich um den Preis- senkungsminister handelt, der wahrlich Arbeit genug halte, wie wir hier zeigen. Aber ist es denn dieser Regierung mit einem echten und wirksamen Preisabbau ernst? Die Parole für Preisabbau wird von den Unternehmern und der ihnen mehr oder weniger hörigen Presse so oerstanden, daß überhöhte Preis«, die sich bei absinkender Markttendenz ohne- h i n nicht mehr durchhalten lassen, ermäßigt werden und als schein- bar unumgängliche Voraussetzung hierfür ein Lahnabbau verlangt wird, durch den in Wahrheit nicht der Preisabbau ermög- licht, fondern die Last der wirtschaftlichen Depression aus die Arbeiter und Ange st eilten abgewälzt wird. Das grahe Vorbild, das alle Unternehmer begeistert, ist der große De- trug,'oen die Eisenpreissenkung talsächlich darstellt. Demgegenüber ist es ersorderlich, festzustellen, daß es ohne Opfer der Arbeiterschaft möglich ist, die Preise wichtigster Bedarfs- güter abzubauen, und daß frühestens nach solchem Preisabbau von seiner Fortsetzung in Aktionen gesprochen werden darf, bei denen Arbeiterschaft und Unternehmer gleichzeitig Opfer bringen, die Preissenkung jeweils also mindestens doppelt so groß sein muß wie ein etwaiges Opfer der Arbeiwehmer. Das wichtigste Beispiel solcher möglichen Preissenkung ist die Sohle. Anläßlich der Lohnerhöhung des Jahres 1328 wurden die deutschen Sohlenpreise um 2 Mark je Tonn« erhöht mit der lWaßgab«, daß der Mehrerlös der Unternehmer 1 Mark je Tonn« nicht übersteigen dürfe: das war das Abschiedsgeschenk des Vürgerblocks für den Ruhrbergbau. Bei der Lohnerhöhung des Jahres 1929 wurde die geringe Mehrlast, die mit ihr sür die Unternehmer verbunden gewesen wäre, restlos auf das Reich dadurch übernommen, daß ein Zuschuß von 75 Millionen Mark jährlich aus allgemeinen Etatsmitteln für die knappschaftliche Ver- sicherung sichergestellt wurde. Im Laus« des Jahre 1929 ist es ge- lungen, im Ruhrbergbau«inen Abbau der Arbeitskosten durchzuführen, der im Jahresdurchschnitt über 0,b0 Mark je Tonne betrug und im Jahr« 1930 wesentlich darüber hinaus gestiegen ist. Gleichzeitig sind für ein« Reih« von Materialien die Preise gesunken, während sür die Nebenprodukte des Ruhrbergbaues, insbesondere für Gas und Benzol, ein erweiterter Absatz zu erhöhten Preisen gefunden wurde. Damit ist die Möglichkeit geschaffen worden, die Steinkohlen- preise im Ruhrgebiet um den Betrag zu senken, um den sie im Jahre 1928 erhöht wurden. Di« Kosten der Verminderung der Gestehungskosten tragen bereits die Zehntausende von Arbeits- losen des Ruhrgebiets. Preissenkungen unter das Preisniveau von 1928 könnten alsdann allein den Gegenstand von VerHand- lungen anläßlich der in den nächsten Monaten bevorstehenden Lohn- Verhandlungen bilden. Dem Röhrbergbau würde zwangsläufig der übrigedeutsche Kohlenbergbau— mindestens im Ausmaß« von 1 Mark je Tonne Steinkohle und Braunkohlenbriketts— folgen. Insbesondere der Braunkohlenbergbau wäre zu solchem Preisabbau so- fort in der Loge. Damit wäre dann auch die Möglichkeit gegeben, die Preis« sür industriellen Kraftstrom, die fast überall an den Kohlcnpreifen orientiert sind(Kohlenpreisklausel), zu senken. Ebenso würde der Preis für das Ferngas automatisch sinken. Aber noch über den Kohlenbergbau hinaus würde«in Abdau der Kohlenpreise sich auf die gesamte Wirtschaft aus- wirken. Ebenso wie die Schwerindustrie im Jahre 1928 die Kohlenpreiscrhöhung zu einer Echöhung der Eifenpreife ausgenutzt hat, würde sie unter dem Druck einer Kohlenpreissenkung auch die Eifenpreife weiter abbauen müssen. Der mit der Senkung der Kohlenpreis« verbundene Rückgang der Eisenpreis« würde mindestens das gleich« Ausmaß haben können wie die soeben vorgenommene Preissenkung. Der Abbau von Kohlen- und Eisenprcisen würde schließlich den Jahresetak der Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft um mindestens 59 Mil- tionen Mark entlasten und zahlreichen anderen öffentlichen Werken erhöht« Wirtschaftlichkeit geben. Ihn in die Weg« zu leiten, ist der R« i ch s w i r ts ch a f t s m i n i st e r auf Grund seiner ge- setzlichen Vollmachten in der Lage: er muß nur wollen, was rhin das Gesetz nahelegt. In gleicher weise erweist sich ein Preisabbau für die künstlichen Düngemittel als unabweisbar« Notwendigkeit. Der Bericht des Enquete- Ausschusses über die deutsche Ka l i i ndu st r i« hat gezeigt, daß übertriebene Dorstellungen von der Prosperität der Kali- industrie unbegründet sind:«r hat jedoch weiter gezeigt, daß ihr« Rentabilität ungewöhnlich günstig ist. Hier erscheint «in« Umstellung der Lieserbedingungen des Kalisyndikots einer einsachcn Preisermäßigung vorzuziehen. Dabei denken wir an den Uebergang zur frachtfreien Lieferung, wie sie das Stickstofffyndikat schon lange handhabt. Das Syndikat ist in der Lag«, hierbei die Erhöhung der Frachttarife, die gegenüber der Vorkriegszeit eingetreten ist, insbesondere bei den hochprozen- tigen Salzen zugunsten der Landwirtschaft selbst zu übernehmen. Noch dringlicher ist die Senkung der S t i ck st o f f p r e i s e. Das Stickstosfsyndikat zeigt neuerdings keine gering« Neigung, zu Lasten überhöhter Inlandspreise, die man trotz der Notlage der Landwirtschaft in seinen Kreisen für vertretbar hält,«in Dumping auf dem Auslandsmarkt zu organisieren. Durch überhöhte Stick- stoffpreise soll die Landwirtschaft die Verluste bezahlen, die sich sür die I. G. Fa r b e n i n du st r i e durch die unrentable Benzingewinnung und das viel zu groß« und verlustreiche Engage- ment in der Kunstseide ergeben. Trotz der engen Verbindungen, die seit jeher zwischen allen Regierungsstellen und diesem größten Industrieunternehmen Deutsch- iands bestehe», sollt« die Reichsregierung soviel Energie aufbringen, diesen Plan zu vereiteln und eine weitere Preissenkung sür Stickstoff durchzusetzen. Schließlich darf die Preissenkungsaklion auch an den Lebensmitteln nicht spurlos vorübergehen. Seit Monaten hat Schiele aus den deutschen Agrargesetzen den Verbraucherschutz e l« m i n i« r t und den Weizenpreis um über 59 Mark über den gesetzlich verankerten Richtpreis von 299 Mark hinousgetrieben. Die sofortige Senkung des Weizenzolles auf 19 Mark(jetzt 15 Mark) würde der Reichs- kasf« über vermehrt« Einsuhr erhöhte Einnahmen schassen und die Brotpreiserhöhungen, die im Zeichen des Preisabbaus dank der Politik des Reichskabinetts erforderlich werden, übesslüssig machen. Darüber hinaus erscheint es notwendig, den offiziellen Roggenrichtpreis, der indirekt brotverteuernd wirkt, der ge» gebenen Marktlage für Roggen und dem unbestrittenen Zwange, die deutsche Roggenanbausläch« zu verkleinern, anzupassen. Selbst die Preisbasis von 299 Mark, die vorgeschlagen werden könnte, ist angesichts dieser Gegebenheiten kaum nach zu verantworten. Sie wäre aber immerhin als ein Schritt auf dem Wege agrar» politischer Vernunft, die aus die Dauer nicht von der Roggen» psychose erstick: werden kann, anzuerkennen. In ähnlicher Weise bedarf der Z u ck« r p r e i s, der zu hoch angesetzt wurde und zu dauernder Steigerung der Zuckererzeugung anreizt, einer Ermäßigung aus mindestens 19 Mark je Zentner. Preisabbau, der in d i e s e r Weise und i n d i e s c m II m» fange durchgeführt würde, könnte den Anstieg der deutschen Kon- junktur wirklich erleichtern. Das Kabinett der Front, kämpser bedürste freilich hier wirklicher Kampfesent, schlossenheit. Zwar würde sein Kampf sich nicht gegen„die Wirtschaft", wie man uns sicherlich vorwerfen wird, wohl aber gegen jene Gruppen der Wirtschaft richten, die seit einem Jahr, zehnt anmaßend sich als„die Wirtschast" bezeichnen und ihr Geld auch sür eine Presse verwcnden, die dabei stillzuhalten be» reit ist. Kapitalpreissenkung marschiert. 2 prozentige Pfandbriefe bei der �andeSpfondbriefanstalt. Für den Baumarkt beginnen sich langsam ober doch die Fi- nanzierungsverhälwiss« durch die Senkuug des langsristigen Kapital- preise? zu bessern, und zwar durch die ersten Schritte, die von öffentlichen Bonken und Sporkassen in der Anpassung der Hypo- chekenkosten a» die Verflüssigung der Geld- und Kapitalmärkte unternommen worden sind. Di« Sporkasse der Stadt Berlin hat den Zinssatz sür Spareinlagen von 5 auf 1 Prozent herab- gesetzt und zugleich den Zinssatz für ihre Hypothekendar- ich« n um ei« volles Prozent von SV*, auf 714 Prozent ermäßigt. Allerdings wird diese Ermäßigung sich»m«in volles Prozent nur dann auswirken können, wenn auch die Aus- zahlung der Hypotheken zu dem bisherigen Kurse erfolgt, was zu hoffen ist. Vor wenigen Tagen hat die private Zentral-Bedcn- krodit- und Pfandbriefbank die erste Emission 714 p r o z e n t i g e r Pfandbriefe zum Kurs« von 98 Prozent aus den Markt ge- bracht. Wir haben es bedauert, daß dieser große private Hypo- thekenbankkonzern nicht sofort zum 7proz«ntigcn Pfandbrief über- gegangen ist. Diesen Schritt hat jetzt mit ersreulichcr Entschlossen- heit eine öffentliche Bank getan, nämlich die Preußisch« Landespfandbriesanstalt. In Uebereinstimmung mit der Auffassung des preußischen Wohlfahrtsministeriums wurde die Zwischenlösung eines 7l4prozentigen. Pfandbriefes nicht versucht, sondern gleich zum 7prozentige» Pfandbrief llbcrgegongen. Diese ersten deutschen 7proz«ntigen Pfandbriefe neuerer Ausgabe werden vom Z. bis 23. Juli im Betrage von 19 Millionen Mark zu einem Vorzugskurs von 95 Prozent aufgelegt. Die Anstalt hofft, mit dieser Emission zu der wirtschaftlich notwendigen Zins- senkung beim Realkredit beizutragen. Dieser Schritt der Preußische» Landespfandbriesanstalt ist e i n V c r d i« n st. Er ist berechtigt, da vor dem Ablauf eines Jahres die Geld- und Kapitalmarkfflüssigkeit in Deutschland und der ganzen Welt sich kaum verringern wird. Für den deutschen Baumarkt und auch für die allgemein« Senkung des Kapitalpreisnioeaus ist das Vorgehen der Pfandbriefanstalt und auch der Berliner Spar- kasi« sehr wertvoll. Erfreulich, daß hier die Initiative wieder von öffentlichen Banken ausgegangen ist. Die Banken in der Krise. Leichte Abnahme der fremden Gelder. Nach der von der Reichsbank zum 31. Mai veröffentlichten Bantenüberficht sind bei den Berliner Großbanken und bei der Gesamtheit der berichtenden Privatbanken gegenüber Ende April die fremden Gelder etwas zurückgegangen. Di« Summe der K r e- d i t o r e n ist bei den Großbanken von 12,27 aus 12,24, bei samt- lichen Privatbanken von 14,79 auf 14,76 Milliarden gesunken. Die innerhalb sieben Tagen fälligen Gelder sind gleichzeitig von 4,14 auf 4,26 bzw. von 4,99 auf 4,99 Milliarden gestiegen. Bei den letzteren dürste es sich in der Hauptsache um arbeitslos ge- wordene Jndustriegelder handeln. Auf der Aktivseite sind bei den Großbanken die Wechselbcstände mit 3,16, bei sämtlichen Banken mit 3,66 Milliarden kaum oer- ändert. Der rückgängige Außenhandel hat bei den Großbanken die Vorschüsse auf lagernde und schwimmende Waren von 1873 auf 1851, bei sämtliche» Banken von 2294 auf 2172 Millionen zurückgehen lassen. Auch die lausend gewährten Kredite sind gesunken: von 6248 auf 6187 Millionen bei den Großbanken, von 7886 auf 7898 Millionen bei sämtlichen Privatbanken. Auf der anderen Seit« sind naturgemäß die bei anderen Banken flüssig gehaltenen Gelder vermehrt. Merkwürdigerweise hat sich der Bestand an Börsen- und Lombardkrcditen im Mai noch etwas erhöht, wobei freilich zu beachten ist, daß der Mai als Börsenmonat teilweise nicht ungünstig war. Verteuertes Bauen. Das neue Wick»ng«Zementwerk.— llnkostenfenkung ohne Preisermäßigung. Wie wenig ernst es im Grunde der Industrie mit der hinaus- posaunten Preisjenkungsaktion ist, geht auch aus dem Geschäfts- bcricht der Wicking'scheu Portland-Zement- und Wasscrkalkwerke A.-G. hervor. Dieses westfälische Großunternehmen verteilt nach er- höhten Rückstellungen wieder seine 19 Proz. Dividende und kann bereits jetzt versichern, daß die G e st e h u n g s k o st c n noch der demnächst ersolgcnden Inbetriebnahme des riesigen neuen Zement- Werkes in Neuwied eine neue beträchtliche Senkung erfahren werden. Aber an eine Senkung der Zementpreise wird nicht ge- dacht. Die Gesellschaft glaubt nach ihrem Bcricht die 799 999-Tonnen- Produktion des Neuwidcr Werkes auch zu den bisherigen noch immer überhöhten Preisen unterbringen zu können. Die Verwaltung schreibt, mit Rücksicht auf die großen Ansprüche, die an die Leistungsfähigkeit gestellt werden dürften, habe sie den Rahmen des Werkes entgegen der Anfangsdisposition noch weiter spannen müssen. Diese optimistische Auffafsung, die auch an anderen Stellen des Ge» schästsberichtes zum Ausdruck konimr, bedarf nach den mäßigen Absatzzisfern der deutschen Zementverbändc einer Erklärung, zumal die Gesellschaft noch jede Andeutung vermeidet, die auf eine Spreu- gung des westdeutschen Syndikats zum Jahresende schließen läßt. Bemerkenswert ist die Vergrößerung des Auslandsgeschästes von Wicking; sie führte vorläufig noch nicht zu festen Beteiligungen, bewirkt« aber ein« Steigerung der den befreundeten Gesellschasten gewährten Vorschüsse von 9,49 Millionen im Borjahr aus 6,82 Mil- lionen am 31. Dezember 1929. Steigender Krastmaschinen-Export. Deutschland drängt Amerika und England zurück. Das Institut für Konjunktursorschung legt ein Sonderheft„Die Energiewirtschaft der Well in Zahlen" vor, das mit seinem übersichtlichen Zahlenmaterial u. a. ein interessantes Spiegelbild des Wiederausstiegs gibt, den die deutsche Elektro-Zubehör- und Ma» schinenindustrie in den letzten Jahren zu verzeichnen hatte. Zwischen den Jahren 1913 und 1925 konnten die Bereinigten Staaten von Nordamerika in der Krastmaschinenaussuhr einen gewaltigen Vorsprung vor Deutschland und Großbritannien erlangen. Deutschland führte im Jahre 1925 Kraftmaschinen im Werte von 98 Millionen Mark aus, die Union für 293 Millionen. 1929 hat der deutsche Kraftmaschinenexport gegenüber 1925 eine Steigerung um 87 Millionen erfahren, der Nordamerikas dagegen nur um 5 Millionen Mark. In der W c l t r a n g l i st e hat die deutsche Maschinenindustrie damit die britische auf den drillen Platz zurück- gedrängt und im Gegensatz zu den anderen Ländern, die vor dem Kriege in der Maschinenindustrie dominierten, ihr« Position von 1913 behauptet. LG.-Farben erweitert feine Siickstoffmacht. Wie gemeldet wird, sind die Stickstosfanlagen der Zeche Mont Cenis in den Jnteressenkreis der I. G. Farben übergegangen. Die Mont-Cenis-Stickstossanlagen wurden gemeinsam von der preußischen Hibernia und dem Rüchling-Äonzern gegründet. W Rekord- Schuh- Tage Jiit der Herrschaft über die Maxhütie(Röchling) envarb die Stahl- oereinsgruppe Flick-Gelsentirchcn nach dem Ausscheiden- der Hibernia die alleinig« Herrschast über die Stickstoffproduktian von Mont Cenis, die jetzt van der westfälischen Schwerindustrie an I.®. Farben übergeht. Für 3. Farben bedeutet dieser Erwerb die Ausschaltung eines möglichen Außenseiters im Stickstoffkartell und zugleich eine bedeutende Stärkung der 3. Fanben-Pafition in diesem Kartell gegenüber der Stickstrsferzeugung der Schwer! rdustrie. denn es dürfte wahrscheinlich sein, daß 3.®. Farben den Neuerwerb dazu benutzt, die eigene Leistimgesähig- Veit stärker auszunutzen. Würden die Wont-Cenis-Anlagen still- gelegt, so würde dies« Stillegung einen neuen Beweis für die Fehlinvestitionen in der deutschen Schwerindustrio und in der deutschen Stickstojsindustrie im besonderen bedeuten; es sind nämlich rund 3 0 Millionen Mark bisher in die Mont-Cenis« Anlagen hineingesteckt worden, lieber den Preis, den 3.®. Far. ben zahlt, und über die Zahlungsart hat man bisher noch nichts gehört. Oeuischer Landwirischastsrai. Marktregelung und Qualitätsfragen. Die Tagung des Deutschen Landwirtschastsrats brachte am Don- uerstag unter anderem zwei bemerkenswerte Vorträge über die Zu- kunftsaufgaben der landwirtschaftlichen Marktpfleg« und Bauernbetrieb und Großbetrieb als Bersorger des deutschen Marktes. Die Betriebsstelle des Deutschen Landwirlschaftsrots hat an Hand eines umfassenden Materials«ine Untersuchung darüber an- gestellt, welche Bedeutung Bauernbetriebe und Groß- betriebe fürdieVersorgungdesdeutschenMarktes haben bzw. inwieweit die einzelnen Betriebsgrößen der Landwirt- schaft an der Marktbelieferung beteiligt sind. Das Resultat der Untersuchung stellt« Dr. Fensch, der Leiter der Betriebsstelle, wie folgt dar:„Vergleicht man die auf die einzelnen Größenklassen ent- fallenden Flächenanteile mit den Marktoerforgungsanteilen, so zeigt sich, daß bei der Marttoersorgung mit Getreide und Kar- t o f f e l n in den kleineren Betrieben der Markwersorgungsanteil kleiner als der Flächenanteil, in den oberen Größenklassen dagegen höher als der Flächenanteil ist. Für die Markwersorgung mit Lieh(auch Schweinen) besteht das umgekehrte Verhältnis; hier ist der Marktoersorgungsanteil in den kleineren Betrieben höher, in den größeren Betrieben kleiner als der Flächenanteil. An der Marttoersorgung mit Milch sind die Betrieb« von 5 bis 20 Hektar ziemlich genau ihrer Fläche entsprechend beteiligt. Die mitt- leren Betriebe liefern mehr als ihrer Fläche entspricht; in den Betrieben über 200 Hektar ist der Marktversorgungsanteil ge- ringer als der Flächenanteil." Dr. Schindler, Leiter der Preisberichtstelle beim Deutschen Landwirtschcistsrat, bezeichnete die Losung des Oualitätspro- b l em s als für die Vereinigung der deutschen Märkte für landwirt- schosiliche Erzeugnis unerläßlich. Dabei sei davon auszugehen, daß der Landwirt nicht immer nur die b e st e Qualität, sondern grundsätzlich die Qualität liefern muß, die den Anforderungen der Per- braucher entspricht. Der Verbraucher andererseits müsse dazu erzogen werden, daß er die Unterschiede zwischen guter und schlechter Ware erkennt und entsprechend bewertet. 3n diesem Zusammen- hang verlangte Schindler, daß die Qualitätskontrolle in die Hand unabhängiger Stellen gelegt werde. Das landwirtschaftlich« Qualitätzproblem müsse für das ganze Reich einheitlich ge- löst werden._ Reform des Lebenshaliungsindex. 3m Reichs st ati st ischen Amt hat mcm die Vorarbeiten für eine Reform des Lebonshaltungsindex aufgenommen. Der bisherig« Teuerungsindex hat sich vielfach als priinikw und unvollkommen erwiesen. Di« Resormarbeiten stützen sich mif die in den letzten Monaten durchgeführten Haushaltsrcchnungen. Reparaturaufträge für die vefchimag. Der Norddeutsche Lloyd hat der A.-G. Weser(Deschimag) in Bremen den Umbau uni) die Reparaturen des Dampfers„München" übertragen, wo- durch 1000 Werftarbeiter für sechs Monate neue Arbeit«iholten. Uederflüfsige Schadenfreude. An der Berliner Pro- duttenbörf« nahm die bekannt« Getreidefirma Kampsmeyer am Donnerstag Stützungsk�äufe vor. Das gab Anlaß zu dem Gerücht, daß man die Stützungskäufc ganz allgemein den pri- Daten Firmen uberaeben will. Entsprechende Forderungen sind von privaten Händlern seit lanaeui gestellt und man weiß auch, daß der Reichsernährungsminister Schiel« gern den Wünschen des Privat- Handels Rechnung tragen würde. Eine Einbeziehung des freien Handels in die Stützungsaktion bedeutet aber die Zerschlagung der bisherigen Getreidebewirschaftung. Selbstverständlich hat die Händler- presse den Vorfall am Donnerstag benutzt, Triumphlieber über die ,. Niederlage' der össentlichen Getreidewirtschast anzustimmen; man hat aber zu früh gejubelt: die Firma Kampfmeyer ist nämlich noch am Donnerstag von ihren Käufen zurückgetreten. Die Attacke des privaten Handels auf die Gctreidestiitzung ist damit fürs erste abgeschlagen. Sechs Rlilliardeu Spareinlagea in Preußen. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, betrug derBestandderSpar- « i n l a g e n in den preußischen Sparkassen Ende M a< 1930 ins- gesamt'6002.3 Millionen Mark, die Eiizza-hlungcn betrugen 394.3, die Auszahlungen 336,8, der Zuwachs 57,7 Millionen Mark. Der Stand der Giro. usw. Einlagen betrug am Ende Mai 960,6, am Ende des Vormonats 922,6 Millionen Mark. Landtag arbeitet mit Hochdruck. Der Berawngssioff wird aufgearbeitet. Der Preußische Landtag überwies am Donnerstag zunächst die Gesetzentwürfe über Bereitstellung von Mitteln an die Riederschle- fische Bergbau-Aktienpesellschast und zur Sanierung und Fort- führung der SchichauWerke nach kurzer Debatte an den Hauptaus- schuß-, Hieraus wird die am Mittwoch abgebrochene Aussprache über die Anträge des Geschäftsordnungsausschusses, die 3mmunität von sechs kommunistischen Abgeordneten wegen Beleidigungen in der Presse aufzuheben, sarigesetzt. Die Abgg. Vruhn(Komm.), Dr. Ausländer(Komm.) und Schulz-Reukölln(Komm.) wenden sich gegen die Ausschußonträge. Namentlich der Abg. Schulz-Reukölln beschünpst dabei die Sozial- demokraten, die mit lebhasten Zurufen antworten. Die von den Kommunisten beantragten namentliche» Abstim- mungen ergeben in allen Fällen die Annahm« der Ausschuh- antrage. Es folgt die Beratung des von den Sozialdemokraten, dem Zentrum, den Demokraten, der Volkspartei und den Deulschnci+io. nalcn gemeinsam eingebrachten Urantrages über die Notlage des Erzbergbaues im Sieg-, Lahn- und Dillgcbiet. Abg. Frenken(Komm.) wendet ssch gegen eine Stützungs- aktion, die doch nur den UMernehmern zugute kommen würde. Da- gegen wende nichts getan, um den Arbeitslosen die Krisenunter- stützung zu sichern. Abg. Fries- Siegen(Soz.) bezeichnet die Ausführungen des Vorredners in bezug aus die Krisenunterstützung als maßlose Heber- trcibungcn. Bei dieser ganzen Hilfsaktion handele es sich auch um Maßnahmen für die Arbeiterschaft, die nur durch Schaffung von Arbeitsmöglichkeit Derdienst erhalten könne. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Kommunisten an- genommen. 3n gemeinsamer Beratung werden hierauf die Geschäftsberichte der Preußischen Bergwerks-Äktiengesellschaften Recklinghausen und Hibernt» für das Betriebsjahr 1929 durch Kenntnisnahme für er- ledigt erklärt. Entsprechend einem Antrag des Hauptausschusses wurde schließlich nach der sozialdemokratische Antrag angenommen, die höheren Polszeischulen in Eiche und Eharloftcnburg aus Ersparnisgründen ziisammeiizulegen. Hierauf vertagt sich das Haus auf Freitag 10 Uhr. Auf der Tagesordnung stehen: Dritte Lesung des Schulgeldgesetzes und des Finanzausgleichs, zweite Lesung der Arsditoorlagen betr. Schichau- Werke und Niederschlefischer Bergbau, Staalsvertrag mit Bremen. Gegen die vom Präsiderrten Bartels vorgeschlagene dritte Lesung der Kreditoorlagen und des Staatsoertrages mit Bremen erhoben die Kommunisten Einspruch. » 3m Preußischen Landtag ist ein Urantrag des Zentrums eingegangen, worin das Staatsministerium ersucht wird, dem Land- tag spätestens im Herbst 1930 Vorschläge für eine durch- greifende Senkung aller.haiishaltsausgabe» vorzulegen, um in Zu- sammenhang mit den Bestrebungen der Reichsregierung durch Sen- kung der Ausgaben auf sachlichem und personellem Gebiet« zu einer Acrbilligung des Konsums und zur Erleichterung der ganzen Wirt- schaftslage zu gelangen. Ferner ging ein Urantrag der kommunistischen Fraktion ein, wonach das Staatsministerium beauftragt lverden soll, den Erlaß des 3nnenministcrs vom 3anuar 1930 über die Richtbestäti- gu n g von Kommunisten als Magistratsmitglieder aufzuheben. Ltm Grühner. OvnNe Andeutungen gegen Otto Braun— dann Rückzug. Der Berliner„Tag' vom 24. 3uni bestätigt, daß Senatspräst- dent G r ü tz n e r auf die Berufung gegen seinen Ausschluß aus dem Republikanischen Richterbunde schriftlich verzichtet hat. Die im„Tag" gegebene Darstellung über den Beweggrund des Herrn Grützner zum Verzicht muß jedoch berichtigt werden. Grützncr war wegen seines Vorgehens gegen den Genossen Grzesinski durch ein Schreiben des Vorsitzenden des Richterbunbes vom 1. März zur Verantwortiing aufgefordert worden. Mit Brief vom 2. März erwiderte Grützner, daß er bei Erörterung der Sache eine dienstliche Handlung des Ministerpräsidenten Braun erwähnen müßt«, die für Braun zu erheblichen politischen Schwierigkeiten führen werde. Dieser keineswegs als vertraulich bezeichnete Brief wurde im Vorstand des Richterbundes ohne Schweigegebot zur Sprache gebracht. Bon irgendeiner dienstlichen Handlung des Ministerpräsidenten Dr. Otto Braun, die für diesen zu politischen Schwierigkeiten hätte führen können, ist nichts bekannt geworden. Otto Braun erhielt von dem Inhalt des Grützncvschen Briefes Kenntnis. Grützner hatte vorher bestritten, Drohungen gegen Braun ge- äußertzuhabeiuEr bezeichnete die Bekanntgab« seines Briefes als einen groben„Dertrauensbruch' und erhob bei dem Republi- konischen Richterbund Beschwerde. Man beschloß aber, über diese Beschwerde zur Tagesordnung überzugehen. Darauf verzichtete Grützner auf das Berufungsverfahvon gegen feinen Aus- schluß. Der sittlichen Entrüstung Gnitzners über den„Bertrauensbruch', der ja gar nicht vorliegt, muh fein eigenes Verhalten in der An- gelegenheit des Genossen Grzesinski gegenübergestellt werden. Grützner hat sich nicht gescheut, seinen beleidigenden Brief in der Sache des Genossen Grzesinski, welcher mft den ungeschriebenen Gesetzen des politischen Anstondes nicht vereinbart werden kann, drei Fraktionen des Preußischen Landtages in Abschrift zukommen zu lassen._____ Oer Nauernaufruhr von Amdorf. Hauptverhandlung im Juli. Stade, den 26. Juni. Wegen der Vorgänge in Nindorf am 3. Juni ist gegen 12 Rin- dorfer Landwirte Anklage wegen Aufruhrs erhoben worden. Di« Hauptoerhondlung wird im Laufe des Juli vor dem erweiterten Schöffengericht in Stade stattfinden. Dazu wird gemeldet: Von Landjägereibeamten wurde am 4. Juni bei der Staatsanwaltschaft in Stade Anzeige erstattet, daß zwei Dollziehungsbeamte und zwei Landjäger, die sich zwecks Ab« holung gepfändeter Gegenstände mit einem Kraftwagen nach Nindorf bei Lamstedt begeben wollten, in der Durchführung ihrer Amtshand- lung dadurch behindert wurden, daß an zwei Stellen die A n s u h l�- strafen nach Nindorf aufgerissen waren; an den aufgerissenen Stellen standen zahlreiche Personen mit Spaten. Die Angelegenheit hat jedoch keinen politischen Hinte» grund, da es sich nicht um Steuerpfändungen handelt. Die Nindorfer Landwirte sind vor Iahren zwangsweise in den Law- stedter-Nindorfer Schleusenverband, der die Entwässerung des Nindorfer Teiles dar Lamstedter Börde einschloß, eingereiht wor- den. Die Nindorfer Landwirte wollen durch die Entwässeruiigsmaß- nahmen des Verbandes nur Schäden an ihren Ländcreien gehabt haben und weigerten sich, die festgesetzten Beiträge zu bezahlen. Sie haben in dieser Angelegenheit seit Iahren«inen erbitterten Kampf geführt und sind überall abgewiesen worden. Daher erfolgte die zwangsweise Beitreibung der Beträge durch Pfändung von Vieh und landwirtschaftlichen Maschinen, die ober bei einer Versteigerung in Nindorf wegen Gebotsmangels nicht zu verkaufen waren. Allgemeine Weiterlage. 26.Juni �93CUbds.£�F «wlkenlo&O heittr.GMbtaStdct 9 wolkig,« bedeckpffegeii&GrHptin l,*Gewltw©Wnitoile In der Nacht zum Donnerstag hat sich ein Regengebiet über Deutschland gebildet und hat in einem schmalen Streifen, der vom Rheingau bis zur Grenzmark reichte, ziemlich erhebliche Niederschläge gebracht. Im Süden des Regenstreifens war das Wetter zunächst ziemlich heiter und recht warm. 3n dieses warine Gebiet drang von Westen her kühlere Luft ein und brachte in Süddeutschland, Sachsen und Niederschlesien Gewitter. Mit dem Vordringen der kühleren Luft im Süden des«chlechtwettergebietes nahmen die Niederschläge ab. Es ist zu erwarten, daß sie sich am Freitag im mittleren Deutsch, land nicht mehr wiederholen werden. » Welle raus sichten für Berlin: Vorwiegend wolkig, ohne wesent- liche Niederschläge, mir mäßig warm.— Für Deutschland: In Schlesien Abkühlung, im Nordosten trübe und vielsach regnerisch, im übrigen Reiche wolkiges Wetter mit wen'g Wärmeänderung. Worieilhafie Mugebole in Herren' und Knaben-Bekleidung Benüi$en Sie die/e günftige Einkauf s- Gelegenheit! SttlsrtZhwkhoff GertrautUenstraße d~P An der Pctrikirchc 3ean aeibraehi Fremdenlegion Zkls der Feldwebel Mohamed vortrat, betrachtete ihn der Kapitän mit prüfendem Blick. Es war Befehl erteilt worden, den Unter. vkfizier, dem der Kefange anvertraut werden sollte, aus dem Scharf- fchützenkorps mit Sorgfalt auszuwählen. Der Gefangen« war ein mehrfacher Deserteur und nicht im ge- ringsten vertrauenerweckend. Ein Marsch von acht Tagen durch den Wüstensand war keine Kleinigkeit, noch dazu als Gefangenen- tranzport. Der Offizier betrachtete Mohamed vom Kopf bis zum Fuh: ein kräftiger Bursche, dunkles Gesicht mit niedriger Stirn« und geschlitzten Augen, in streng militärischer Haiti mg und doch erfüllt vom sonder- baren Fatalismus seiner Rasse. „Nimm zwei Mann, Mo>hom«d, fasse Munition und Letzens- mittel! Morgen um 3 Uhr früh Ausbruch. Gefangenentransport nach Xschablu, Uebergabe des Deserteurs an das Divisionsgerich, dann Einrücken. Nach guter Durchführung Urlaub! Verstanden?!" „Mohamed hat verstanden!" „Halt, noch eins! Wenn der Gefangene slüchen sollte, von der Schuhwoffe Gebrauch machn!" „Er lausen davon, Mohamed ihm schießen Kugel durch den Kopf. Kismet!" „Gut", sagte der Kapitän. Tags darauf, vor Sonnenaufgang, traten drei Schorfschütz«n mit inem Gefangenen den Marsch durch die Wüste an. Sie trabten durch ie trostlose Ebene. Später stieg die Sonn« auf und brannte sengend urch Tropenhelm und Kleidung und machte joden Schritt zur Qual. Der Sand strahlt« die Sonnenhitze wieder aus und sein strahlender Glanz blendete. Sie tranken im Marschieren und doch ging es nur langsam vorwärts. Wend wurde es und sie befestigten ihr Zelt in der Nähe einer Zisterne und banden dem Gefangenen die Hände fest. Abwechselnd hielten sie Wache, das Gewehr zwischen den Beinen. Am nächsten Tag war es noch heißer. Di« Scharsschützen be> gönnen zu fluchen. Ihre Wut über den Gefangenen, der diese Qual verursacht hatte, äußerte sich in derben Worten und giftigen Blicken. Dann rafften sie sich wieder aus und schritten in ihre» blauen Gamaschen rastlos vorwärts. Mohamed selbst empfand die Aufgabe von Stund« zu Stunde drückender. Er ließ keine Klage hören und bewahrte einen würde- vollen Stolz im Bewußtsein seiner wichttgen Mission. Und um in der Ausführung derselben keine Verfehlung zu begehen, wiederhotte er sie im Gehen seinem Gedächtnisse. Wenn er in Tfchablu ankommt, wird er den Gefangenen dem Platzkommando übergeben und er er- holt eine Bestätigung danifcer, dann wird er Lebensmittel für die Rückkehr fassen. All das formte sich der Reihenfolg« nach bildergleich in seinen Gedanken. Er sich die Stadt Tfchablu vor sich, das Leben und Treiben der Garnison, die Straßen, er empfand das Wohlgefüht eines Rasttages, einer wohlverdienten Sauferei in einer kleinen Schenke, mit einigen Dirnen dazu. Aber da» war noch so weit! Mit«inem Seufzer gab Mohamed auf. daran zu denken, und wiederHolle sich die Befehle des Offiziers. Seine letzten Worte kamen ihm immer wieder ins Gedächtnis: Wenn der Gefangene flichen will, sollst du ihn lieber«rfchießen. Nach und nach, in der großen Ermattung am Rastplatze, erschien dieses letzt« Bild Sfter» vor Mohameds Geiste. Er sah den Ge- fangenen, der zu fliehen versuchte, von«inigen Flintenkngeln ge- troffen, mit drei Kugeln durch den Rücken, zu Boden fallen, lind dies« Biston verursacht« ihm Nachdenken. Er verharrte in seinem Schweigen, aber hier und da belebte ein unmotiviertes Lachen feine dicken Lippen. Der Fluchtoe isuch und dte Flintenschüsse, das wäv« das End« feiner Aufgab«. Der Teufel hol« Tfchablu. Sie könnten dann umkehren. Als sie an diesem Tage das Ziel des Fußmarsches erreicht halten, wechselte Mohamed einige Worte mit seinen Leuten, deren Gesichter sich erhellten und ließ die Hände des Gefangenen nicht binden und knöpste fein Beinkleid nicht auf, die Scharfschützen beschäftigten sich sodann mit der Bereitung der Mahlzeit, ahn« daß einer von ihnen, dos Gewehr zwischen den Beinen, den Deserteur bewacht hätte. Sie taten sogar, als entsernten sie sich von ihm. Der Gefangene zeigte sich anfangs wenig verwundert. Er wußte, daß die Disziplin in Entfernung von den Städten und von den Offizieren immer nachlasse. Trotzdem begann ihn nachmittags das Benehmen seiner Bewachung zu verblüffe?:. Er sah, wie sie ihn heim- lich beobachteten, unter heftigen Gebärden sprachen, wobei sie ihre Freude mit Mühe zu unterdrücken suchten. Es schien ihm, als sei es zweifellos ihr Plan, ihn zur Flucht zu verleiten, und wie er sie mit ihren wachsamen lauernden Augen und mit ihren gezwungen acht- losen Mienen sah, das Gewehr stets handbereit, da lies ihm ein Schauer über den Rücken. Und so oft sie sich nur von ihm ferner rückten, näherte sich der Gefangene ihnen von selbst. Am nächsten Tage, noch dem Erwachen, trat Mohamed an den Deserteur heran,„Du sage! Du fortlaufen können, wenn du willst!" Er zeigte mit gutmütigem Lachen nach dem Horizont. Schwei- gend sah der Gefangene ihm in die Augen, dann schüttelte er den Kopf. Auf den: niederen Schädel des Scharfschützen erschien eine bös« Falte. Ohne weiter in den Mann zu dringen, kehrte«r sich seiner Mannschaft zu und Ließ sie mit lauter Kehlkopfstimm« zum Marsch« antreten. Sie nahmen ihren Marsch durch die Wüste wieder auf. Sie gingen unwillig, mit schlaffen Beinen, mit den schläfrigen Schritten von Menschen, die vor einem endlosen Wege an die Rückkehr denken, die fürchten, ihr« Kräfte nicht genügend zu schonen. Mohamend selbst aber murrte laut. Die Hartnäckigkeit des Gefangenen, nicht zu flüchten, brachte ihn ganz außer sich. Nach dem Traum, den er in einem Moment gehabt hatte, war ihm die Aussicht auf die uiwermeid- lichen Fußmärsche immer grausamer erschienen. Und der Traum kam immer wieder vor sein Bewußtsein, mit unwiderstehlicher lockender Gewalt, erfüllte feinen Schädel ganz und quälte ihn mit rasender Hartnäckigkeit. Sein Gefangener muß die Flucht ergreifen! Plötzlich Wieb Mohamed stehen und rief den Deserteur an:„Du hörl, Du fortgehen! wir umkehren! Balek!" „Balek! Balek!" wiederholten die Scharfschützen. Der Gefangene zuckte die Achseln. Eine Flamm« lohte in den gelben Augensternen Mohameds auf. Er kreuzt die Arm« und hob das Kinn drohend in die höhe:„Nun, was Ist! Du nicht fortgeh«»?" Aus der weiten Einsamkeit der mörderischen Wüste unter der schweren Sonne, die den Sand versengte, stieg eine wilde Glut empor. Mit«inem Sprung entfernte sich Mohamed vom Gefangenen und legt« das Gewehr an. Drei Schüsse fielen. Der Mann lag auf dem Boden. Mit Freudengeschrei schwangen die Scharfschützen ihre Waffen. Mit ihren Messern trennten sie den Kopf des Toten vom Rumpfe, sie steckten den Kopf in einen ihrer Tornistersäcke. Dann schüttelte Mohamed mit gebieterisch«! Gebärde den Kopf und, indem er mit der Hand lebhaft die Luft durchschnitt, beruhigt- er sein Ge- wissen mit einigen Worten:„Er ssch wollen retten, ich ihn niede» schießen! Kismit. lind mit denselben Gebärden, begleitet von einem kindischen Ge- lächtcr, wiederhatten die beiden anderen Scharfschützen, indes sie auf- brachen: �KisrneU" Sin£and, wo niemand lüyl und Uiehlt ©n Land, in dem mau keine Lüg« und kein Derbrechen kennt, muß wohl schon ziemtich weit ab liegen und jedenfalls von der„nw- dcrnen Kultur" noch nicht beleckt fein. Tatsächlich ssnd dies« einzig- artigen Gefilde auch noch kaum je von einem Europäer besucht worden: sie liegen tief im Süden von Bantam, auf der Insel Java. mitten in dichten Urwäldern, auf den Höhen des wild zerklüfteten Kendeng-Gobirges. Dort haust seit Jahrhunderten in strengster Ab- gcschlossenhett der kleine Dolksstamm der B a d u j, der in dieser fast unzugängttchen WBbnis die heiligen Ueberlieferimgen seiner Vor- fahren ungestört bewahren konnte. Wie W. A. Tenard in der bei H. Bermühler erscheinenden Zeitschrift«Der Erdball" mitteilt, ist es bisher nur einem einzigen Europäer geglückt, soweit in das Gebiet vorzudringen, daß er wirklich ein Bild von dem Volks- leben gewinnen konnte. Das war Dr. Jacobs, der vor etwa vier- zig Jahren sich«ine kurze Zeit in dem„Jnnengebiet" der Boduj aufhallen durfte. Dieser Stamm hat sich nämlich mit einem Wall von Außendörfern umgeben, der ihnen als„chinesische Rtaucr" dient und alles Fremde streng sernhält. Ihre Gemeinschaft besteht aus „Jnncnbe wohnern und Außenbewohnern". Die„Jnnenbcwohner" haben die drei Hauptdörfer inne, die auf der„heiligen Erde" liegen: die Außenbewohner bevölkern die sieben Außendörfcr, die unter der Oberherrschaft der Jnnendörser stehen und gleichsam einen Kreis von Wächtern für dos innere Heiligtum bilden. Die Außeirbewohner l)ab«n noch einige, wem, auch sehr geringe Berührungspunkt« mit der übrigen Well: sie tauschen bisweilen ihr« Feldfrüchte in den be- nachborten mohammedanischen Dörfern gegen Salz und andere ihnen fehlende Dinge um. Aus den Innendörfern ober darf kein Insasse heraus, und niemols ist bisher einem Fremden— mit der alleinigen Ausnahme des Dr. Jacobs— gestattet worden, den heiligen Boden zu betreten. Die Boduj hatten nur das für gut und erlaubt, was bereits von den Vorfahren anerkannt wurde. Nichts Neues kann vor ihren Augen Gnade finden: Pferde und Bich werden nicht zugelassen: der Reisbau wird in der ältesten Form betrieben, von Unterricht wollen sie nichts wissen, und jedes geschriebene Papier gilt als unheilbrin- gend. Gold und Silber wird verabscheut, jeder Schmuck ist ver- boten. Niemand besitzt mehr, als er für seinen Lebensunterhalt braucht, und keiner sieht über dem andern, außer den allmächtigen Pu'uns, oic direkt von dem höchsten Gott Batara Tunggal obstam- iticn. Nach urotter Ueberlieferung weben sie ihre Kleider, benutzen sie.Heilmittel und pflegen die Sogen und Mythen der Bergangen- heit. In diesen stillen, düsteren Dörfern herrscht kein Lärm und keine Freude, kein Tanz und Spiel: ein« leise, klagende Musik hört man nur bei den religiösen Feiern, und des Abends versammeln sich Männer. Frauen und Kinder um den alten Dorferzähler, der mit eintöniger, leiser Stimme die Geschichten der Vorzeit erzählt. In den Kreis der Innendörfer werden nicht mehr und nicht weniger als 40 Familien zugelassen: sie gelten als die besonderen Wächter des geheimnisvollen Volksheiligwmes, das in einer Anzahl in tiefem Urwald gelegener alter Gräber bestelst. Dieser Ort wird mqleich als das Seelenland der Verstorbenen betrachtet und darf durch keinen Schritt eines Menschen entweiht weiden. Die Pu'uns achten streng darauf, daß rechtzeitig eine Ergänzung ooer Entfer- nuno eintritt, damit die Zahl der Bewohner im Jrntengebiet stets tikQObe bleibt. Ist ein Platz fa-tet Inuendärftru fteigewarden«ab gibt es ein Paar, das heiraten will, dann muß dieses sofort in den Stand der Eh« treten: ist das nicht der Fall, so wird eine der Fa- uilien aus dem Außenbezirk ins Jnnendorf gezogen. Gibt es zu- viel Familien, indem rasch hintereinander einig« Ehen geschlossen werden, dann bestimmen die Oberen die alleren Familien, die nach den Außendörfern übersiedeln müssen. Der Jnnenkreis enthält daher nicht mehr als etwa ISO Menschen, während die Außenbezirke auf imgeföhr 1800 Bewohner angewachsen sind. Im Innen- und Außengebiet aber gelten die gleichen strengen Gesetze: Jede Lüge wird auf das strengste verurteilt, Diebstahl ist bei ihnen ein unbekannter Begriff, und überhaupt kommt keins der vielen Verbrechen, die bei uns herrschen, bei den Baduj vor. Die Ehe ist streng monogam, die jungen Mädchen sind sehr keusch und zurückhaltend, ein Ehebruch gill als unmöglich. Die wenigen, die dies« heiligen Gesetze übertreten, werden sofort aus der Gemeinschaft ausgestoßen und müssen in der Fremde ihr Uitterkommen suchen. Durch dies« unwiderrufliche Verbannung hat ssch das Volk auf«irrer so hohen sittlichen Stuf« erhalten und lebt„von fremdem Makel frei", bisher auch noch unbelästigt von der Zivilisation, dl« sich bis- her noch nicht um dieses einzigartige„Denkmal der Völkerkunde" gekümmert hat._ Die SOinofaurler von Oftafrika Deutsche Gelehrte entdeckten 1907 nn Tendaguru-Gebiet von Deutsch-Ostosrika ein Lager vorgeschichtlicher Fossilien von einzig- artiger Reichhalligkeit. Es konnten damals nicht alle diese Zeugnisse der Urzeit geborgen werden, und so Wieb noch ein« reiche Nachernte für eine englisch« Expedition, die 14 Jahre später unter der Leitung von W. E. Euilcr die Lager noch einmal systematisch durchforschte. Ueber die hierbei gewonnenen Ergebnisse berichtet John Parkinson in einem soeben erschienenen Wert„2)er Dinosaurier in vstcrfrika". Daß diese merkwürdigen Reptilien in einer Periode der Eödgelchicht« tatsächlich die Welt beherrschten, geht daraus hervor, daß fast in jedem Teil unseres Erdballs Ueberreste von Dinosauriern gefunden worden ssnd, wenn auch freilich die weitaus größten Fundstätten in Afrika und Mittelamerila liegen. Vor 20 Millionen Iahren war Ostasrika ein reich mit Zwergkiefern und RIesengärsern bewachsenes Land, das außer mit einigen Vögeln und anderen Kleintteren nur mit Dinosauriern bevölkert war. Diese kamen in allen Größen vor, fleiner als Sperlinge und größer als Elefanten, ja so gewaltig, daß der Kopf mancher Tiere vom Boden 10 Meter hoch in die Lüfte ragte. In einer Zeit, die mindestens dreimal so long war als die der warm- blutigen Säugetiere, die nach ihnen kamen, waren diese Reptilien die Herren von LaiÄ>, Lust und Wasser und— verschwanden dann. Die Gründe für die Ausrottung dieser Tiere, deren große Zahl und Mannigfalligkeit aus der Fülle der ostasrikanischen Funde so deutlich hervortritt, werden von dem Verfasser eingehend erörtert. Krankheit hat zweisellos eine Rolle gespielt, aber noch gefährlicher war der gesunde Appetit der sich rasch oermehrenden Säugetier«, den diese besonders für Dinosauriereier. an den Tag legten. Klimaoerände- rungen brachten Veränderungen der Pflanzenwelt, denen sich der Dinosaurier nicht anpassen konnte. Vor ollem aber war die Ver- nichtung dieser Reptilien«in Sieg des Gehirns über die bloße Masse van Fleisch nnd Knochen. Selbst die riesigsten Dinosaurier verfügten aar über Zwergeogehrrae. 3)ie Salsgärten von Avis« Mahatma Gandhi, der Führer im„Salzkrieg" Indiens gegen England, hat bekanntlich durch seinen„Marsch an die Meeresküste" gegen das enlische Salzmonopol demonstriert. War dies zunächst mehr als symbolische Handlung aufzufassen, so hat die Sache doch cincn sehr realen Hintergrund, wenn die Gewinnung von Salz aus Meerwasser auf die praktische Art und Weise ausgeübt wird, wie sie auf der kleinen Mittclmcerinsel Jviza schon seit undenklichen Zeiten — man sagt, seit der Herrschaft der Phönizier— gang und gäbe ist. Konservativ in jeder Beziehung, mit größter Zähigkeit am Alten hängend, jeder Neuerung streng abhold, wie es die Bewohner von Jviza sind, haben sie auch die Einrichtung ihrer Salzgärten, ihrer „Salmas", unverändert vom Voter auf den Sohn vererbt, und die Ausfuhr des gewonnenen Salzes bildet für die armselige kleine Insel immerhin einen beachtenswerten Zuschuß.' Die Insel gehört zu den Balearen, samt der benachbarten, noch kleineren Insel Formentera, wo die Gewinnung des Meersalzcs ebenfolls Sitte ist. Früher nannte man diese beiden Inseln die Py- thiusen. Die beiden anderen balearischen Inseln sind Mallorca und Menorca, und nun ist es eine merkwürdige Tatsache, daß hier nichts von einer derartigen Salzgewinnung zu sehen und zu hören ist. Die Bewohner deser Inseln sind überhaupt ein ganz anderer Menschen- schlag. Auf Mallorca und zum größten Teil auch auf Menorca sind sie friedliche, gastfrei, ehrliche, liebenswürdige Menschen und Ver- brechen sind bei ihnen so gut wie unbekannt. Der Jvizancr dagegen ist jähzornig, eifersüchtig im höchsten Grade, stets zu Händeln bc- reit: er trägt immer das scharfe Messer in der blauen oder roten „Faso", die die Stell« der Weste unter der kurzen, faltigen Jacke vertritt, sehr oft aber iruch die Pistole, und bei den meisten nächt- licherweile ousgetragenen Eifersuchtsdramen spielt beides ein« große Rolle. Die Polizei ist fast machtlos dagegen, weil alle Bewohner fest zusammenhalten. Bei Haussuchungen oder unvermuteten Durch- suchungen nach Waffen bei Festlichkeiten verbergen die Frauen diese unter ihren unendlich weiten, wallenden Röcken, von denen sie acht oder mehr übereinander zu ziehen pflegen. Das Kriegerische. Ver- schlagen«� Versteckte und Verstockte im Wesen der„Ivicencos" ist wohl ein Erbe ihrer Vorfahren, kühner Seeräuber und Schmuggler, die lange Zeft die Insel khren Zwecken dienstbar machten. Sie bar- gen auf khr die geraubten Schätze, wie auch in den tiefen Felslöchern des vorgelagerten Inselselsens Bedra, wo sie noch jetzt zum Teil liegen sollen, in unzugänglicher Höhe. Dieser Felsen ist von wilden Ziegen bewohnt und wilde Bienen hausen dort in Unmengen. Den kleinen Meeresorm zwischen der Ittfel und dem hohen, spitzen gel- sen überstiegen sie leicht und holen ihren Honig in solcher Menge, daß dieser über das Gestein bis nach dem Wasser hinunter sickert. Hier nun, auf dieser kleinen, weltfernen, in Kultur und Ge- wohnheiten noch recht primitiven Insel werden die Blicke aus kleine, weiße Berge an der Küste gelenkt, die sich malerisch in dem ruhigen Wasser der Salrnas spiegeln. Die Salzpfannen gleichen fast stillen Landfeen, sie bedecken etwa 10 Kilometer. Durch die 13 großen „Estancos", flache Bassins, laufen Seewasserkanäle, durch welche immer neues Meerwasser dem Prozesse des Verdunstens zugefuh.t roirt». Dieser läßt, besonders in der heißen Jahreszeit, nicht lange auf sich warten. Alle Ränder der Estancos und der Wälle sind mit glitzernden Salzkristallen überzogen. Die Arbeit in diesen Salz- gärten ist, so ergiebig sie besonders im Sommer ist, sehr schwer und ungesund. Denn in der Hitze und Feuchtigkeit entstehen. Krankheiten, und die Moskttoploge ist ein« ungeheure. Die Männer, die hier bar- süßig das Solz in Haufen aufschichten und stete in dem scharfen Salzwasser arbeiten, sind selbst wie vom Salz gepökelt und gebeizr. Zu den welßschi mmernden Solzinseln, die auf einer Art steiner- ner Plattform aufgeschichtet sind, läuft ein Nelner Zug mit Kipp- wogen. Sind sie gefüllt, kommen sie zur Verladestation. Ein langer hölzerner Sieg ist ins Meer hinausgebaut, und h«r kippen die Wagen ihr« solzige Last in eine hölzerne Rinne, in der sie in ein großes Boot gleitet. Weiter draußen auf See wartet dann schon «in norwegisches oder amerikanisches Schiff auf die wciße Ladung. Das Salz an, Kai macht' den Eindruck großer Schneeielder, und man staunt ob der Meng« desselben. In großen Haufen wird es aufgeschaufelt, aber gereinigt wird es an Ott und Stelle nicht. Wenn die Abendröte diese„Gletscher cn miniature" rosig anstrahlt und sie sich im Wasser spiegeln, während die Schattenrisse der dunklen Dämme sich scharf gegen den Himmel abheben, gewähren die„Salz- gärten" einen ungemein reizvollen Anblick. Tü. Seeger. S>rei Jlnekdoten vom 9tuhm Aichrä Maurois erzählt: Hochgeit. Ich bin Trauzeuge. Der Moire schwingt eine pathe- bisch« Rede auf dl« Braut, den Bräutigam, die Brautettern und dann:„Und hier der Trauzeuge AudrL Maurois. Unser berühmter Dichter, der Verfasser von„Wandlungen der Liebe",„Das Schweigen des Obersten Bramble".„Die Gespräche des Dr. O'Grady"... und mm folgt die Aufzählung meiner sämtlichen Werke bis zu„Lora Byron". Mühelos, mit einer Leichtigkeit, die mich in Erstaunen setzte. Ich muß gestehen, daß dieses Mannes unrfassende Kenntnis meiner Schriften nicht ohne Eindruck auf meine Eitelkeit blieb. Am Ende der Zeremoni« ergriff ich die erste Gelegenheit, meiner De- wimdening Ausdruck zu geben, indem ich zu ihm sagte:„Ich wußte gar nicht, daß die Mattes von Frankreich soviel lesen!" Er: „fiesen??— Lernen! Was meinen Sie, was das für Müh« war, die Lsst« mit all den Titeln auswendig zu lernen!" * Mailand. Biblioteca Ambrosiana, Der Bibliothekar, Noch» folger de» jetzigen Papstes, führt mich. Seine Begeisterung über den Besuch des berühmten Gastes, wie er sich ausdrückt, ist groß. Immer wieder betont er, wie sehr die Begegimng mit dem Dichter, den er über alles verehre, dessen Werke so tiefen Eindruck auf ihn mochten— ihn beglückt. Ich war wirklich gerührt über diese' un- geahnte Popularität. Belm Abschied sagte er bescheiden, er habe auch ein Buch geschrieben, das er mir gern mit einer Widmung verehren möchte. Run fetzt«r sich hin und beginnt zu schreiben: „All' Illaatrissimo..." und dann mit einer kleinen, mir wenig verlegenen Wendung zu mir:„Wie war doch bitte Ihr Name?" «- Di« dritte Geschichte ist dem deutschen Maurois, Emil Ludwig, passiert: Er kommt spät nachts in New Pork in sein Hotel und geht zum Aufzug. Der Liftboy, tief versunken, liest in einem Buch. „SBas liest du denn da?" fragt Ludwig.„Napoleon, Sir," sagt der Junge und reicht begeistett das Buch, das Ludwig als„seines" erkennt. Ludwig, mit schlecht verborgenem Stolz:„Nun, wie gesällt dir das Buch?".herrlich, Sirl Wundervoll! Und wissen Sie warum? Ich finde nämlich, dieser Napoleon hat soviel Zlehnlichkeit Mit mir." Blanche Dergan. Goya lllarken. Zu Ehren des großen spanischen Malers Francisco Goya wird im Zusammenhang mit der ,,Goyg-Wache" auf der Ausstellung von Sevilla eine besondere Serie von Brief- marken cwsgegeben. Auf den Marken von 1 Centesimo bis 1 Peseta wttd da? Bildnis des Malers zu sehen sein, während die höheren Werte mit dem WLmts der �Moyo' schmückt sind. Voriräge, Vereine und Versammlungen. Reichsbanner„Schwarz-Rot-Gold". (SettliSftsflellf: Berlin£ 14. Sebaftianstr 37—38, Hol Z. Tr Freita«, 27. Juni. Tempelhoi iOrtsverei»), 20 Uhr bei Mn.ni Citzun>i mit Referat. Tempeilisscr Kameraden sind eingeladen.— Sonnabend, 23. Inni. Mitte. Rusmarsch. Antreten 231« Ulir am Eteltiner Darortbahnhof. Svielleutc ohne Jnstrunientc. Prenzlauer Berg. Allonafahrcr. Bbiohrt öH Uhr. Steffen um 5 Uhr vor dem Saupteingang des Lehrter Bahn. Hofs, daselbst Empfang der Jahrkarle». Tempelhos sOitsvcrrin>. Aerbeoeran- ftaltung nach Liethen. Auto ab IS Uhr von Pommerening. Reiaickendori-West. tKamcradfchaft). Antreten um Ibfh Uhr Bcrkehrslok. Platzkonzert aus dem Bernau(Ortsvcrein). Um 20 Uhr wichtige Versammlung im Lokal von Modisch. Besprechung Uber Rheinland, und Bersassungsseier.— Sonntag, 23. Juni. Tiergarten tLlrtsvercin). 12', b Uhr Antreten zur Lastwagensahrt im Kleinen Tiergarten. Pflichtveranstaltung. Epielleute find zur Stelle. Abfahrt 12% Uhr. Wilmersdorf tOrtsvrrein). Um 13. Uhr am Jehrbelliner Platz zur Antopropagandafahrt des Kreises Weste». Eharlottenburg. Aulopropagandakahrt des Kreises. Abfahrt 13 Uhr„Edenpalast". Kein» Johrtkosten. K«»i» Westen. Antopropagandafahrt durch die westlichen Vororte. Psliehtvrranstoltiing für alle Ortsvereine. Kreisfammclplatz 14 Uhr Rathaus Lankwitz. Temprlhof fOrts» verein).£6iutz der£PD..7cranstoItung in Lichtenrade. Antreten Sempclhof 13 Uhr bei Pommerening. Mariendorf 13 Uhr bei Ma-Li. Lichtenrade 13)-.- Uhr bei Schicdcrt.«chöneberg-Jriedenau. tvrineinfanie Propagandafahrt des Kreises Westen. Die Kameraden treffen(ich pünktlich 13 Uhr Jinanzklause. Marine» abteilung. 3 Uhr nach Spandau.— Reiaickendorf-West(Kameradsüiaft)- Jrei'ag, Zlk. Juni, 13 Uhr. Antreten Berkehresokai zur Mugblattperbreitun«. Reuköllu-Britz. Sonnabend. 28. Juni, zur freiwilligen B-t-Utgung in ppssen. Treffpunkt 13 Uhr am Marktplatz in Zossen. Reichakartell Republik. Sportplatz Jriedrichaselde. Sonnabend, 28. Zuni, al lä Uhr, Arbeitsdienst kür alle arbeitsfreien Kameraden.— Sonnlag, 23. Juni. ab 8 Uhr, allgemeines Uebungsschicßcn aller angeschlossenen Ortsvereine. Schietz. stände stnd auf äst Meter umqebaut.— Köpenick iOrtsvcrein). Sonntag, 23. Juni. ad l.> Uhr. in Wilhelmshof, Hirschgartenstr. 1, Ucbungsschießen und«usschietzc» einer Ehrciischcibe. Esperanto. Eescllick.ast Eharlottenburg. Montag, 30. Juni, 20 Uhr, Kon. ditorei Wolter, Charlottenburg, Bismarckstr. 114/ftp,d 68?? Koloniaiwaren Bruchreis................... m 19?,. Italienischer Reis....... pm. 27?? Karolinenreis............ pm. 36?,. Hartweizengriess.......?,.k Uhr Liebe und Trompeten- blasen Sdiili/-w«!tin»«ier ✓ Einklei Jahibtdt/ Haid s Bahrisi K AI OT K AI OT KAJOT-Kleidung bedeutet beste msmeM Sie ist praktisch, haltbar und preiswert durch eigene Fabrikation Herren-g Knaben- u. Sportkleidung Verkauf durch 14 Slgene Oeschäfte in Berlin Kohnen ftlOHng K AT O T Siedlung Holländer Hoppegarten Tarxetten Forderu Sie Prospekt an! Quadratmeter von 1 ,35 an Ver ksnfsb üro: Nlederheider Straße, Ecke Feftine- rtraBt. Fernruf: Neuenhagen 6lf Freifahrt zur Sledlungr»h Bahnhof Hoppegrarten Zentralbüro; Dr. Ascher, Dr. Ing. Runge, BerlinWS�ranzösischeStr.lZ. üDiniin 529. 10939 athtüng Siedler! 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Die Angaben des Präsidenten des Verwaltungsrates über die Personalunkosten, berücksichtigen offenbar die Ersparnisse nicht, die die Reichs- bahn-Gesellschast seit Beginn des Jahres, als sich d'e Einnahmeminderung besonders bemerkbar machte, auf dem Personal- gebiet gemacht hat. Es sind in dieser Zeit, in Anspannung des Personalkörpers an den verminderten Verkehr, mindestens 2l> Ollll Arbeiter zur Entlassung gekommen oder an Stelle sonst neu einzustellender Zeitarbeiter beschäftigt. Außerdem wurden durch Einlegung von Feierschichten Einsparungen ge- macht. Die Reichsbahn hat also infolge von zum Teil sogar rigoros durchgeführten Maßnahmen, die Personalausgaben an die Verkehrs- läge anzupasien versucht. Eine weitere Ersparnis gegenüber dem Vorjahr, liegt im Weg- fall der Ausgleichsrücklage in Hohe von rund 90 M!llio- nen. Außerdem besitzt die Reichsbahn nicht unerhebliche R e s e r- v e n, von denen der Vortrag aus dem Vorjahr 170 Millionen und die gesetzliche Ausgleichsrücklage ZOO Millionen betragt. Zu beob- achten ist ferner, daß die Deutsche Rcichsbahn-Gescllschaft aus der Poung-Anleihe 210 Millionen erhält, und daß die bereits eingetretenen Tariferhöhungen sich auswirken werden. Die Notlage der Reichsbahn ist also keineswegs so akut, daß damit eine Gehalts- und Lohnkürzung begründet werden könnte. Trotzdem ist jeder Versuch zur Stärkung der Finanzlage der Reichsbahn-Gesellschaft nur allzu begreiflich. Die Gesellschaft leidet stark unter der Wirtschaftskrise. Neben dem beträchtlichen Einnahme- aussall gegenüber dem Vorjahr steht die unleugbare Tatsache, daß die Eisenbahn nicht mehr die alle Monopolstellung für den Berkehr hat, sondern durch die Konkurrenz der Wasserstraßen und vor allem der Lastkraftwagen empfindliche Verluste erleidet. Auch das Reichsbahnpersonal und die Eisenbahnergcwerkschaften haben Verständnis dafür, daß eine solche Situation besondere Mahnahmen erforderlich macht. Es fragt sich nur, ob der vom Präsidenten des Verwaltungsrates vorgeschlagene Weg des G e- Halts, und Lohnabbaus der richtige und wirtschaftlich zweckmäßige ist. chcrr von Siemens hat, um nach außen starken Eindruck zu machen, in seinem Schreiben an den Reichskanzler mit besonderem Nach- druck hervorgehoben, daß die Gesamtausgaben der Gesellschaft für das Personal seit ihrer Gründung am 30. August 1924 um 700 Millionen oder 31 Proz. g e st i e g e n ist, obgleich die Kopfzahl in der gleichen Zeit um 62 000 verringert worden sei. Mit diesen Zahlen kann die Oeffentlichkeit, der die Grundlage der Be- rechnung nicht bekannt ist, mcht viel anfangen. Die von Herrn von Siemens genannten Steigcrungszahlen der Personolkosten, bauen auf dem Tatbestand des Jahres 1924 auf. Die Löhne im Eisen- bahnbetrieb lagen aber damals nach der überwundenen Inflation weit unter den G o l d l ö h n e n, die für den Durchschnitt aller übrigen Arbeiter festgelegt worden sind. Damals waren Arbeiter- löhne von 41 Pfennig für ungelernte bis S3 bis 54 Pfennig für gelernte im Durchschnitt pro Stunde festgelegt worden! Diese Löhne waren so erschreckend niedrig, daß nicht nur die Reichs- regierung und die Rcichsbahn-Gescllschaft selbst ihre Steigerungs- bedllrftigkeit anerkannten, sondern auch die mit der Untersuchung der Reichsbahnverhältnisse betrauten Sachverständigen im Dawes- plan auf die llnhallbarkeil dieser zu niedrigen Lohnsätze hinwiesen. Auch die von Herrn von Siemens in seinem Schretden genannten Prozentsätze gegenüber den Arbciterlöhncn der Vor- kriegszeit ergeben keine klare Vorstellung über die tatsächlichen Verhältnisse. Wenn die Steigerung der Arbeiterlöhne der Reichs- bahn in Prozenten hoch aussieht, dann ist das ähnlich wie bei dem Vergleich mit 1924 darauf zurückzuführen, daß in der Vorkriegszeit den Eisenbahnern abnorm niedrige Löhne gezahlt wurden. Das Durchschnittseinkommen eines Eiscnbahnarbciters im Jahre 1913 betrug 42 Pfennig pro Stunde gegenüber einem Durchschnitt in der übrigen Arbeiterschaft von 56 Pfennig. Dieser niedrige Durch- schnittslohn des Eisenbahnarbeitcrs der Vorkriegszeit erklärt sich daraus, daß damals ein sehr großer Prozentsatz der Eisenbahn- arbeiter seine Tätigkeit nur als U e b e r g a n g s st a d i u m zur Tätigkeit und Bezahlung eines Eisenbahnbeamten ansah. Die Möglichkeit, in das Beamtenverhältnis zu kommen, ist bei der Reichsbahnqesellschaft jedoch seit ihrem Bestehen auf ein Minimum eingeschränkt worden und für die Zukunft so gut wie gar nicht mehr vorhanden. Auch die Sicherhc'l eines ständigen Arbeitsverhältnisses, besteht nicht mehr. Damit ist aber auch jeder einigermaßen stichhaltige Grund für die schlechtere Bezahlung der Eisenbahner weggefallen. Der Ver- gleich mit 1913, in einfachen Prozentzahlen ausgedrückt, besagt für die wirtschaftliche Lage der Eisenbahnarbeiter von heute gar nichts. Tatsache aber ist, daß die Einkommen der Eisenbahnarbeiter zu einem wesentlichen Teil unter dem Einkommen durchaus ver» gleichbarer Privatarbeiter liegen. Bei den Beamtengehältern wird vom Präsidenten des Verwaltungsrates ebenfalls nur auf die ziffernmäßige Erhöhung hingewiesen. Auch hier kann bei objektiver Betrachtung nicht über- sehen werden, daß die Gehälter der Reichsbahnbeamten, soweit die große Masse in Frage kommt, unter den Gehältern der Reichsbeamten liegen. Demgegenüber steht die sehr beachtenswerte Tatsache, daß die Eisenbahner ihre Leistungen derart gesteigert haben, daß heule mit einem um 62 000 köpfe gekürzten Perjonalkörper eine Verkehrsleistung bewältigt wird, die um bl Proz. höher liegt als die von 1924. Das schwerindustnetle Sprachrohr. Lieber die„Noigemeinschastsverhandlungen." Di«„Deutsche Bergwerks-Zeitung" kommentiert die Mitteilung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie,„man sei bei Fort- setzung der Verhandlungen zwischen den Spitzenverbänden der Ar- beitnehmer und Arbeitgeber zu dem Ergebnis gekommen, daß es zweckmäßig erscheine, an anderer Stelle die Fragen der Wirtschasts» krise weiter zu besprechen," dahin, daß sie naturgemäß nichts anderes als das Eingeständnis des Scheiterns eines Versuches bedeute, ge- meinfam einen direkten Weg zur Ueberwindung der Krise zu sinden. Dieses Eingeständnis komme keineswegs überraschend. Die lange Dauer der Besprechungen an sich habe skeptisch stimmen müssen. Der Standpunkt der Gewerkschaften wird dann auf Grund der Erklärung der Vertreter des ADGB. bei den VerHand- lungen im„Vorwärts" am Dienstag dargelegt und bemerkt: „Ueber diesen Standpunkt läßt sich ja nun allerdings streiten. Schließlich ist es nicht purer Uebermut, der Reichsarbeitsminister. Reichsbahn und Arbeitgeber zu den von den Gewerkschaften kritisierten Maßnahmen veranlaßt hat. Die Gewerkschaften hatten die psycho- logischen Voraussetzungen für gemeinsames Handeln, wie inan sieht. nur deshalb nicht für gegeben, weil die bisher ergriffenen Maß- nahmen nicht nach ihrem Geschmack sind."(Sehr richtigi Red. d.„V.".) „Es sind offensichtlich wieder rein politische Erwägungen, die die Stellungnahme der Gewerkschaften beienflusien. Vielleicht ober wird die harte Wirklichkeit die Gewerkschaften— die erklärten, daß die psychologischen Voraussetzungen für eine gemeinsame Aktion nicht mehr gegeben sind(d. Red.)— über kurz oder lang zwingen, die psychologischen Erwögungen als gegeben zu erachten. Das mag auch die Ansicht der Unternehmervertreter bei den Ve» Handlungen am Dienstag gewesen sein, als man vorschlug, an anderer Stelle die angeschnittenen Fragen weiter zu besprechen." Der Berliner Korrespondent des Scharfmacherblattes meint« ein- leitend, es fei falsch, nach einem Schuldigen zu suchen oder gar Eiitzel- Personen die Verantwortung für das Scheitern des' Versuches zu- schieben zu wollen.„Es liegt eben an der Verschicdenartigtcit der Mentalität beider Parteien, wenn eine Brücke nicht geschlagen werden konnte, gleichgültig, ob nun diese oder jene Gruppe zu größerem Entgegenkommen bereit gewesen wäre." Die schöne Geste, nicht nach einen, Schuldigen zu suchen, ist nach den unwiderlegbaren Tatsachen, die die Vertreter des ZlDGB. in ihrer Erklärung in,„Vorwärts" aufgezählt haben, begreiflich. Es lag nicht an der ja von vornherein gegebenen Mentalität der ' Parteien, sondern just an der mangelnden Bereitwilligkeit der Unter- nehmcr zu größerem Entgegenkommen, wenn die Verhandlungen gescheitert sind. War die Verbindlichkeit des Lohnabbau-Schicdsspruchs, waren die Lohnabbau-Anträge der Deutschen Volkspartei, das Schreiben des Herrn von Siemens und die Kündigungen bei Krupp als Druckmittel gegen die Gewerkschaften gedacht, dann ist es nicht deren Schuld, wenn sie auf die Verhandlungen als Sprengpulver wirkten. „Die harte Wirklichkeit" der Arbeitslosigkeit wird auch in Verbindung mit weiteren Maßnahmen des Unternehmertums die Gewerkschaften nicht zu irgendwelchen Schritten zwingen können, die sie vor der deutschen Arbeiterschaft nicht mit gutem Gewissen ver- antworten könnten. Lohnabzüge bis zu 2V Prozent. Die Nordwestlichen rüsten zur(Schiedsspruchernle. Bochum, 26. Iuni. �Eigenbericht.) Die Lage in der rheinisch-westfölischen Eisen- und Stahlindustrie. Gruppe A o r d w c st. ist nach wie vor s» h r gespannt. Die einzelnen kverksleitungen haben in den letzten Tagen versucht, mit den Betriebsvertrekungen in Verhandlungen über das Ausmaß des Abbaues der Aebervcrdienstc in den einzelnen Abteilungen einzutreten. Nach Mitteilungen, die dem Deutschen Metall. arbciterverband zugegangen sind, lehnen die Belricbs- Vertretungen jedoch jede verdien st türzung ab. Einige Betriebe haben daraufhin von sich aus Anordnungen über das Ausmaß der Verdienstkürzung durch Anschlag oder Mit- leilung an die Belriebeverlretungen bekannt gegeben. U. a. werden Abzüge bis zu 20 Prozent angekündigt. Die Kortsehutig Bochum, 26. Zuni. sEigcubcricht.) Die zu den Rheinischen Stahlwerken gehörende Zeche„Ähre n- bcrg Fortsetzung" hat 750 Arbeitern und Ange- stellten gekündigt. Die Kündigung tritt vom 16. 3uli an in Kraft. Verwirrungsmanöver. Die Bolschewili als Helfer der Schwerindustriellen. In den Kampf der Metallarbeiter mit der Nordwestgrupp« möchte die kommunistische Presse Verwirrung tragen. Sie behauptet, der Zentralverband der Maschinisten und Heizer sowie Verufs- genosscn Deutschlands habe mit dem Arbcitgebcrverband der Nord- wcstgruppc Verhandlungen über die Durchführung des rechts- rerbindlich erklärten Schiedsspruchs geführt. Die Behauptung ist unrichtig, wie uns vom Verband der Maschinisten und Heizer mitgeteilt wird. Richtig ist, daß Funktionäre des Zentralverbandcs mit dem Arbeitgcbcroerband Verhandlungen gepflogen haben, um die unsichere Rechtslage der Mit- olieder des Zentralvcrbandes, wie sie aus dein früheren Taris- vertrag entstanden und durch den jetzt abgeschlossenen rechtsverbind- licherr Vertrag noch nicht behoben ist, zu b e j« i t i g e n. Am 6. Zrini ist der Schiedsspruch für die Nordwestgruppe für rechtsverbindlich erklärt worden. Am 11. Inn! hat der Zentralvsrbaird der Mafchi- nisten und Heizer mit dem Arbeitgebervcrband eine Vereinbarung getroffen, wonach den Mitglieder» des Zentraloerbandes die- selben Rechte aus dem Tarifvertrag zustehen wie den übrigen Arbeitern. Das inußtc geschehen, weil die übrigen Metallarbeiter- verbände vor dem Reichsarbeitsministcrium erklärten, sie hätten keine Vollmacht für die anderen Verbände. Unwahr ist ferner, daß der Vorstand des Allgemeinen Deutschen Gcwertschaftsbundes sich gegen die Teilnahme der übrigen Gewerkschaften am Tarifvertrag jür Nordwest ausgesprochen haben soll. Wahr ist vielmehr, daß durch Beschluß des ADGB. aus- gesprochen wurde, daß der Zcntralverband der Maschinisten und Heizer am Tarif b e te i l i g t werden soll. Nie zweiie Lesung. Lieber den Entwurf zur Arbeitszeil der Bergleute. Genf. 26. Juni. Die Arbcitskonfcrcnz hat soeben nach einer langen Debatte mit 79 gegen 33 Stimmen beschlossen, die beginnende Beratung über den ausgearbeiteten Konventionscntwurf zur internationalen Regelung der Arbeitszeit in den Kohlenbergwerken als zweite crzd- gültige Lesung zu betrachten. Der Antrag der Arbeitgeber- griippc, die Beratung nur als erste Lesung anzunchmeir, wurde von den polnischen und italienischen Regier» ngsoertrctcrn unterstützt, wohingegen die französischen, englischen, spanischen und holländischen Regierungsvertretcr für den?lntrag des Büros eintraten. Nach der Abstimmung legte der Vertreter der Arbeitgeber- gruppe, Oersted, Verwahrung dagegen ein, daß dieser Konferenz- beschluß jemals als Präzedenzfall für künftige Abweichungen vom Konfercnzreglcmcnt betrachtet werden könne. Dabei sprach Oersted auch sein Befremden darüber aus, daß zahlreiche Regierungs- Vertreter, welche an der zu beratenden Stimme gar kein Inter- esse haben, für die Abweichung vom Reglement gestimmt hatten, was den Generalsekretär der Konferenz, Direktor Albert T h o in n s, zur Erwiderung veranlaßte, daß sämtliche Delegationen in allen Konferenzberatungcn und Abstimmungen das gleiche Recht haben. Berliner Rohrleger ohne Tarif. Sie halten an den alten Bedingungen fest. Für das Berliner Rohrlegergcwcrbe war bekanntlich am 27. Mai ein ähnlicher Schiedsspruch gefällt worden wie für die Bauklempner. Danach sollte das Lohnabkommen unverändert um cm Jahr verlängert und der Mantcltarifvcrtrag mit einigen Verschlechterungen„verziert" werden. Das Ungehcnerlichste an dein i Schiedsspruch war, daß er mit einem Federstrich die sozialen B e- stimm un gen des§ 616 BGB. für das ganze Rohrleger- gcwcrbe außer Kraft setzen wollte. Es war mir zu begreiflich, daß die Unternehmer den Schiedsspruch, der von den Rohr- legern einmütig abgelehnt worden war, annahmen und seine Verbindlichkeitscrklärung beantragten. Der Schlichter W: s( e l l■ hat diesen Abbauschiedsspruch des Gewerberats Körner nicht für verbindlich erklärt, und zwar mit der ausdrücklichen Bc- gründuiig, daß er einem Schiedsspruch die Verbindlichkeit versagen müsse, der allgcnicin geltendes Recht, wie es im§ 616 BGB. ver- ankert ist, einfach außer Kraft setzt. Eine gut besuchte Branchenversammlung der im Metallarbeiter- verband organisierten Rohrleger und Helfer nahm Donnerstag abend im Gciverkschastshous zu dieser Situation Stellung Die Vcrsamm- lung war einmütig der Auffassung, daß auch während der jetzt ein- getretenen tariflosen Zeit die bisherigen Lohn- und Arbeilsbedin- gungcn aufrechterhalten werden müssen und jeder Versuch der Unternehmer, an den alten Tarifbedingungen zu rütteln, mit allen gewerkschaftlichen Mitteln abgewehrt werden muß. Die gleiche einmütige Ablehnung zeigten die Versammelten aber auch gegenüber den Anbiederungsversuchen der„revolutionären" Vereinigung der Rohrleger zur Herstellung einer Einheitsfront, womit kein anderer Zweck verfolgt werde, als die im Metallarbeiter- verband organisierten Rohrleger vor den Karren der verfahrenen Tarifpolitik der kommunistischen Rohrlegervereinigung zu spannen. Abbau auch in Ostoberschlesien. Die Verwaltung der Vereinigten Königs- und Laurahütte, der Bismarckhüttc sowie der Kattowitzcr AG-, also des bedeutendsten Teils der ostoberschlesiichen Schwerindustrie, kündigt am I. Juli dem zehnten Teil ihrer Angestellten. Etwa 7 Proz. der Kündigungen entfallen auf die technischen Angestellten. Im Laufe des Juli sollen 2700 Arbeiter dieser Werke etappen- weise abgebaut werden. Als Kiindignngsgrund wird die Wirtschasts- krise angegeben— aus die sich alle berufen, die sie vergrößern helfen. Die Mitglieder des Verbandes der Fabrikarbeiter machen wir darauf aufmerksam, daß anläßlich des Ah übrigen Bestehens des Verbandes, am Sonnabend, dem 23. Juni, eine Feier in Hannover ist, die durch Rundfunk und zwar durch die Norag sowie die Deutsche Welle für die Zeit von 19 bis l 9.5 ö Uhr über- tragen wird. l.„Prometheus", sinfonische Dichtung für großes Orchester von Franz Liszt. 2. Festansprache, Vcrbandsvorsitzender August Brey. 3. Chor der Musen nus„Prometheus" für gemischten Chor und Orchester von Franz Liszt. Die Ortsverwalkung, H. R ü ck e r. t Freie Gewerkschafts-Lugend Berlin ?cr Sicrilttis fpiclt greitaas ouf dcr Epielwiese am..Raulen See". Hcutc. Frcitag. 19! i Uhr, toqcn solgrnde ötuppen; Nord ring: Iiigcnd- hrim, Lchulc Eonmnburger Etr. 20. Barlraq-„cDjiolPctftiljctunsrii int Aualandc".— Hrrmannplatu©rupptnlicim EonbcrTlr. 11, Site Hobrrchtslragr. Scitcrrr Abend. Sascmonn Ucftt aus:„Die Landpartie".— Süden, Südwesten: Gruppeiistkini Waffertprstr. 9. p. pt. Lichtbilderportrag:»Spart einst und i-stt". — Sharlottendlirg: Jugendheim Eprccstr. 30. Di« Burschen gestalten den Abend aus.— Zcppclinplatz: Jugendheim Turincr Ecke Sccstrahc lEingang Turinrr Strafte). Vortrag:„Warum bin ich in dcr ssGI.?"— Wedding: Gruppenheim, Schule Paul. Eüe Wicscnstraftc. Bortrag:»Warum MSI.?"— Schönhauser Tor: Enippenheiin Tieckstr. 18. Bortrag:»Erste Hille bei Unglücksfüllc»". 0Iuaendqruppe ves Zentralverbandes der Angestellten Heute, Freitag, finden folgende Veranstaltungen statt: vberfprec: Jugendheim Laufencr Str. 2. Vortrag:„Deutschlands Innen, und Außenhandel". Ncfercnt: Willi Trrkow.— Köpenick: Jugendheim Dahlwifter Strafte lä sGasanstalt am Bahnhof Köpenick). Lichtbilderportrag:„Wände. rungen durch die Marl". Beferent: Gcorg Scilbrunn.— Südwest: Jugendheim Borckstr. 11, II. Hof. Quergebaude 1 Treppe, Zimmer 3.„Kunterbupter Abend", ansgestaiier pon Friedet Hall.— Spiel und Sport ab 19 Uhr auf der kleinen Spielwiese im Volkspark Neukölln tan dcr Rodelbahn), ab 18 Uhr auf dem Sporiplaft Eantianstrafte,„Einsame Pappel". 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Zum Sounaben». dem t». Juni, werben olle Parteigenossen, die»or»nd loäbrend de» Sozialistengesetie» iür die Partei tätig waren, mit ihren Aa» «nlicnaugchiiigc» zum großen«aiseeiochen»ach dem.Alten Eierhäu»ch«n" tZnh. Bieler) in Zreptow sreundlichst eingeladen. Ansang 14 Uhr.«» ist für »n, ein Teil de» Garte», reseroicrt, bei schlechtem Wetter»er große Saal. »asscckoche» freil Srohes jtasscekonzcrt: ssahroerbindung Straßenbahn öü, ,Z; Autobus 1« bis Rathaus; Strahenbah»«7,»l, 187 bis Dammweg. 1». und 12.»reis: Zehlcndorf, Dahlem, Wannsee. Steglig, Süd» ende, Lankwiti. Lichtcrfrlde, Sonntag. 2». Juni, Waldiest. Die«enossen nehmen mit ihren ssomilien teil. Kronprinzenallre. Nahe Iugendspicl. Plätze. Beginn lä Uhr. Sammelplatz: Steglitz, Diippelplatz. 14 Uhr. Iscstzug mit ssahnen in den Wald, 1l>. Abt. Sonnlag, 29. Juni, gemeinsamer Aussluq nach Picheis- berge lEpielwiese), Treffpunkt 1Z Uhr Bahnhof Bcllcvuc. Rege Betcili- gung wird erwartet. 8t. Abt. Roriendars. Sanntag, A, Juni. Waldfrst im Lichtenrader Wald, unter Mitwirkung der Freien Turncrschast, de» Arbeitersängcr, bunde«, de» Ztartells fiir Arbeitersport und Körperpflege, der SAJ. und der«inderfreunde. Fest-bzei-den 20 Pf, Arbeitslose nebsk A». gehörigen frei, Ausschank alkoholfreier Getränke. Beginn 14 Uhr. S�hrgelegenheit Straßenbahn 99 bis Lichtenrade, Bahnhof. i!cke Kaiser» ilhelm-Straße. Bon da Wegweiser und Führer. Jeder muß erscheinen. 1. 2. Z. ». I«. 23. 24. heule, Zrcilag, 27. Juan lt. Abt. Die Fkugbliltter sind sofort bei Bergcr, Lepetzowstr. 21, abzuholen. <3. Abt. Flugblattvcrbreitung Sonnabend und Sonntag non den Bezirks- lokalen au». Die Bczirks-ührer holen die Flugblötler am Freitag um 18 Uhr non Krepp. Plonuler 79—7«. ob. 44. Abt. Achtung, Bezirksführerl Ausgabe der Flugbliittcr heute von 18 bis 19 Uhr bei Schibvld, Admiralfir..>. 47. Abt. Die Flugblatwerdrsitung findet wie üblich von den Zahlobend» lokalen aus fiatt. Die sslngblätter können Sonnabend non 16 Uhr ob in den einzelnen Zohlabendlokalen in Empfang genommen werden. Die Bezirksfllhrcr kännen die Flugdläiicr bereits am Freitag von 18 Uhr an vom Lokal Eiedentopf abholen. 83. Abt. Flgblaitoerbreitung! Alle Genossen treffen ssch am Conntagvormittog um 9 Uhr: Best bei Kant. Molikcftr. ZI. OK bei Körner, am Bahnhof Oft, Lankwitzcr Etr. 1, Süd bei Fritfche, Berliner Str. 12Z, 8«. Abt. Rarienborf. Ad 18 Uhr empfangen die Bezirksführer die Flug» blätter im Lokal Görlitz, Ehausseestr. 19, >3. Abt. Die Bezirksführer holen heute ad 18 Uhr die FluabIZtter vom Lokal Schauer, Treptower Etr. 90, ab. 94. Abt. Die Bezirkskafficrer müssen bis Sonnabend, 28. Juni, beim Ge» nassen Huwel abgerechnet haben. 121. Abt. Karlshorf». Flugblattausgabe zwischen 19 und 20 Uhr bei Krum. deck. Treakowallce Ccte Dijnhosfstraße. Alle Bezirksführcr und Helfer treffen ssch dort, IZl. Abt. Rieberschänhansrn. Die übliche Zusammenkunft der Funktionlire fällt aus wegen der am kommenden Miitwoch in Pankow bei Lindner, Breite Straße, stattfindende» Krcismitgliedcrvcrfammlung. Vortrag des Genossen Karl Severins. Morgen, Sonnabend, 28. Juni: Abt. Au»aabe der Flugblätter heute, 17 bis 19 Uhr, und Sonnlag, 8 bis 19 Uhr, bei Spiegel, Ackerftr, 1. Abt. Flugblattvcrbreitung ob 17 Uhr bei Ohngcmach, Kommandanten» Üraße 88, Abt. Alle Genossen treffen sich zur Flugdlativcrbreiiung heute, 17 Uhr. iin Lokal Gorlik. Bassianstr, 87-3«, Abt. Flugblattvrrbrciiunz heute, 18 Uhr,»nd Sonntag, 9 Uhr, bei Dübncr, Wiisnacker Str. 34. Keiner darf fehlen. Abt. Die Bezirksführcr holen die Flugdlätter um 17 Uhr von Goitfchalk ab. Die Genossen treffen sich zur Bcrleilung um 18 Uhr in ihre» Zahl» abendlokalen. Alle müssen zur Stelle fein. Abt- Fliigblattverbrcitung heute. 18 Uhr, von den Zabiabendlokalen aus. Abt. Ad 18 Uhr Flugblattverbreitung von folgenden Lokale» au«: 1. Gruppe: Rösncr, Immanuellirchstr. 25. la. Gruppe: Ahlschlägcr. Win». Ecke Christburger Straße, 2. Gruppe: Bieberstein, Danzigcr Str. 4«, 8, Gruppe: Köhler. Greilswalder Etr. 80ll Ausgabe der Flugblätter nur beute, 18 Uhr. in den Zahl» «bendlokalen. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Abt, Flugblattverbreitung lwntc ab 16 Uhr bei Beinlich, Weißenburger Gtrgß« I— Die Ausflugslisten müssen am Sonnabend abgegeben werden: NM 29 Uhr im selbe» Lokal Abteilungsvorsiandssitzuiig, Abt. Ab 16 Ubr Ausgabe der Flugblätter bei Goldlchmidt, Stolvilche Straße 36. Alle Genossen müssen bei der Verteilung mitbelfen, Abt. Achtung! Flugblattverbrcilungt Die Flugdlätter sind beute au» den bekannlcn Lokalen abzuholen. Für restlose und schnellste Berbreitung müssen die Gruppe» und Bezirksführer Sorge tragen. Abt, Heute ab 16 Ubr wichtige Flugblattvcrbreitung von den Zablabend» lokalen aus, Gruppe Schul« und Trevww bei Schulz. Samariterstr. 88. Abt. Ab 17 Ubr Flugblattverbreitung bei Middeldorf. Ebelingftr. 1. Alle lünqcren Pärteimiiqliedcr müssen erscheinen. Abt. Heute. 18 Uhr, treffen sich olle Genossinnen und Genossen in den Zahlabendlokalcn zur Flugblaitvcrbreitung. Die Funktionäre holen um 17 Uhr das Material vo» Lipfert ab. Abt. Flugblattverbreiwng ob 17 Uhr von den bekannten Stellen aus. Alle Bezirksführcr müssen unbedingt erscheinen. Abt. Heute, ob W.i Ubr. Abrechnung samlltcher Bezirksführer bei Keller, Fürstensir. 1. Bitte recht vünktliäi und vollzählig zu erscheinen. Abt. Heule, 18 Uhr, und Sonntag vorm. 8 Uhr bei Bode, Kaisenn-Augusta» Allee 52, antreten zur Flugblattverteilimg! Abt. Alle Genossinnen und Genossen bclcilige» sich an der Flugblatt» Verteilung. Ausgab« 16 bis 18 Uhr bei Lebmann. Kaiser. Withelm-Str. 29-81. Außerdem wird um reg» Beteiligung am Krciswaldfcst mit den Kindern am. Gon»tag gebeten. Fahrgelegenheit bis Endhaltestelle 43 in Dahlem. Abt. Heute Flugblativerbrsitung ab 18 Uhr in folgenden Lokalen: 19.. 20.. ??• �I'i'rk bei Koster. Karlsgartensir 4: 39.„nd 41. Bezirk bei Luddeke. Karlsgortensir. 12: 36. und 46. Bezirk bei Stahmann, Flughafen» Üraße 29:. 45. Bezirk bri Schreiber. Fluabafensir. 7: 88. und 48. Bezirk bei Jakob Müller, Flugbafrnstr. 59: 87. und 4l. Bezirk bei Palm, Mainzer Str. 16. Der 47. Bezirk verteilt seine Flugblätter am Sonntag norm. >9 Uhr bei Grimm. Boddinstr. 10. Beteiligung für jeden Genossen Pflicht. 92. Abt. Die Bezirkefühver werden gebeten, beute pünktlich 18 Uhr die Flug» ., von Bolf. Kaiser-Friedrich-Str. 173. abzuholen. 94. Abt. Sonnabend und Sonntag wichtige Flugblattoerbrcitung»o» den de- kannten Stellen aus.«einer darf schien. »8. Abt. Di« Bezirksführer holen die Fluablätler bestimmt beute zwischen II und 18 Uhr bei Kril. Prinz-Sandiern-Str. 88. ab. 96. Abi. Die Bezirksführer werden gebeten, beute»wischen 16 und 18 Uhr die Flugblätter von der»Vorwärts".Spedi!ion, Rohr. Sicamedstroße, abzuholen. 192. Abt. Heute von 18 bis 19 Uhr Flngblattvcrbreituna vom Lokal Saß aus. Um eine geregelte und ordnungsmäßige Verteilung durchsühren zu können, bitte ich, die Mtiglieber restlos zur Arbeit auszusordern. Anschließend um 00 Uhr im selben Lokal wichtige Funltionäriitzung. 194. Abt. Ab 17 Ubr Flugblattverbreitung bei Thomolla. Berliner Etr. 88.— Am Eontag, 29. Juni, treffen sich olle Genossinnen und Genossen um 14 Uhr(nachm. 2 Uhrl am Bahnhof Niederschöneweidc zum Waldfest des 15. Kreises. 198. Abt. Cöpcnick. Ab 18 Uhr Flugblattauegahe. Alt-. Kictz.Porstadi und Cöllnische Borstadt in der Schloßstr. 27, 1 Tr.: Damin.Porstadt bei Cisncr, Kaiser-Dilhclm-Str. 3: Uhlenhorst, Mitlclhcide. Siedlung usw. hei Klose, Mahlsdorfer<-tr. 1. 115. Abt. 171, bis Isiiz Uhr Flugbloffvcrbrcitung. 1. und 2. Gruppe bei Stöber, Jung. Ecke Oderstraße: 8. Gruvp« bei Radtle. Mllggel. Ecke Säiarnwcber- uraße: 4. Gruppe bei Seipke. Kronprinzenstr. 47. 117. Abi. Heute. 19 Uhr, und Sanntag. vorm. 9 Uhr. Fluablattverbreltung. Die Gruppen Körner und Döring im Lokal Siewert: Gruvvr Hartman» und Illlenboom im Lokal Pflua und Gruppe Wolle im Lokal Klose. 124. Abt. Mahlsdars. Ab 29 Uhr allaemeinc Flugblattverbreituna von den Zahl» abendlokalen aus. 139». Abt. Die Flugblätter sind heuie. spätestens Eonnta» srsib zur Verteilung zu bringen. Abzuholen bei Loesncr, Neukirchftr. 88. Der Zahlabend fällt aus. 149t>. Abt. Sonnabcitd und Sonntag beteiligen ssch alle Genossen an der Flug» blattnerbreitung. Zustellung durch die Bezirksführer. Jungsozialistische Vereinigung Grosz-Veriin. Heute, Freitag. 19!*. Uhr, Grsamtveranftaitiing im Gcwerlschaftshau», Engelufer 24—25. Die Gc nassen Dr. Aug. Siemsen. Jena. M. d. N., und Dr. Leder, Lüdeck, M. d. R., sprechen über:„Sozialdcmolratie und Ltaa:". 25. 2«: 81. 82. 85. 87. 41. 45. 48. »2. «4. 91. Ankostenbeitrag 19 Pf. Jnleressicrte Parteigenossen, sowie Genossen der TAI. und der freien Scwerkschaftsjugcnd sind herzlicksst eingeladen. Gruppe Mitte. Genossen! Holt am Sonnabend, dem 28. Juni, i» euren Abteilungen die Flugblätter zur Verteilung ob. Gruppe Friebrichsbain beteiligt sich geschlasien an der Gesamtveroustoltung. Gruppe Tempelhoi-Rariendorf. Wir beteiligen uns heute geschlossen an der Gesanitveranstaltung im Gewerkschaftshaus. Gruppe Ilharlattenburg. Heute Gcsamweranstaltung im Gewerkschaftshaus. Jeder muß erscheinen. Gruppe Süden. Heule iällt der Gruppenabend aus. Wir beteiligen uns alle an der Ecsamtveranstaltung„Sozialdemokratie und Staat". Morgen, Sonnabend, treffen wir uns um 20 Uhr am Görlitzer Bahnhof znr Fahrt nach den Gosencr Berge» und beteiligen uns an der Sonnenwendfrier der SAI. Zug geht 20J6 Uhr. Karlen bis Eichwalde-Schntöckwitz lösen. Gruppe Lrddiug.Gcsundbrnnnen. Der Gruppenabend fällt heute aus. Wir nehmen geschlosse» an der Gesamtoeranstaltung teil. Gruppe Reniöll». Heuie, Freitag, beteilige» wir uns an der Dcsamtver» aiistaltung im Gcwerkichaftshaus. Treffpunkt 19 Ubr Hermannplatz. Morgen, Sonnabend, Sonnenwende der SAI. in den Gosencr Bergen. Treffpunkt 29 Ubr Ningbahnhof Nerkvll». Gruppe Schineberg. Der Gruppenabend fällt heute aus. Wir beteiligen uns geschlossen an der Gcsamtveranstaltung der Berliner Organisation im Gcwerlschaftshaus mit dem Genossen Eiemlen. Gruppe Südosten. Der Kruppenobend fallt heute aus. Wir beteiligen uns alle an der Gesamtveranstaltung im Gcwertfchaftshus. Morgen, Sonnabend. beteiligen wir uns an der Sonncnwendfeier in den Gosencr Bergen. Treff» pnnkt 18 Uhr am Görlitzer Bahnhof. Nachzügler 20 Uhr. Vorher muß jeder seine Zlugdlätter abholen. Arbeilsgemeinschast der Sinderfreunde Grost-Berlin. Zeltläger! Die Gesundheitsicheine müssen heute abend'ue Geschäft»- M stelle gebracht werde», da sonst die Beschaffung des Fahrscheines nicht möglich ist. Die Sil>olungsbedürffigkeit der Kinder muß vom Arzt bescheinigt scin. Alle Abrechnungen sind heule z» erledigen. Heute, Freitag. Sprcchswndc der Kreisleitung von 18 bis 19 Uhr im Jugendheim Porcksir. 11. Von 1946 bis 22 Uhr Kreishclfcrsitzung. woselbst alle Abrechnungen mit den Kreiskassicrern vorgcnommc» werdcn können. Die Sammellisten müssen Dienslag. 1. Juli, zwischen 18 und 20 Uhr, bei Anne» marie Cimowski. Wartcnburgstr. 18, abgerechnet werden. Kreis Rentölln. Am Sonnabend und Sonntag ist Kelfcrfohrt de»«reifes nach Dubrow-Berg. Treffpunkt am Sonnabend um 17 Uhr am Bahnhof Neu- kölln. Unkosten 1,59 31. Wir bitten besonders alle Zeltlagerheiser mitzukommen. — Gruppe Fritz Reuter. Heute, Freitag, 29 Uhr, Elternpersanmilung in der Schule Parchimer Allee. Krei« Charlottenburg. Die Noten Falken und dieienigcn Zcltlagcrteil- nchmer. die noch keinen Abstrich bekommen habe», sind heute, Freitag, 19 Uhr, im Jugendheim. Ritte. Heute. 29 Uhr. Zeltlageransschuß beim(sie nassen Funke, Adalbert» straße 98. Hof IV. Sämtliche Sammellisten und Zeltlagerabrechnungen müssen mitgebracht werden.— Gruppe Engeluscr. Alle Zeltlagcrgcldcr müssen heittc aus dem Gruppenabend von 17!* bis 19!* Uhr abgerechnet werden. Sterbetafel der Groß- Berliner Partei- Organisation J 26. Abt. Arn 28. Juni verstarb unfer Genosse Paul Mener, Linienssr. 19. Ehre seinem Andenken. Einäscherung Freitag. 27. Juni, 12 Uhr, Krematorium Ecrichtstraße. Um rege Beteiligung wird gcbeien. 27. Abt. Der Genosse Gröba ist durch Freitod au» dem Leben geschieden. Die Einäscherung ffndet am Freitag, dem 27. Juni. 1144 Uhr im Krematorium Ecrichtstraße statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 91. Abt. Heute, 14 Uhr. wird unser alter Genosse Ludwig Ctrachcwski, 41. Bezirk, aus dem Lutsenstädtischen Friedhof. Hermannstr. 186—199, beerdigt. Um rege Beteiligung wird gebeten. SoziaWsche Arbeiterjugend Groß-Berlin Sinsendungen iür diese Hube« nur an da« Zugendieieetaei« Berlin GW SS. Tindenilroße Z Sonnenwende Sonnabend. 2«. Juni, pünktlich 23 Uhr, in de» Gosencr Bergen. Die Gruppen ssnd bis 22 Uhr am Fcstplatz. Zelte mitbringe». U»- kostenbeitrag 20 Pf. Musik, Sprechchor, Eonuenwenbfeucr. Festrede: Genosse Franz Künstler, 3!. d. R. Gruppcntreffpunkte sofort dem Sekretariat ein- reichen. heuie. Zreiiag, 27. Juni. 1954 Uhr: Arkonaplatz: Schule Elilabethlirchstr. 19...Arbeiterjugend, Rackttultnr."— Gewerffchasishans: Schule Köpemckcr Sir. 125.„August Bebel."— Köllnischer Park: Heim Woisnistr. 18...Homoscr.ualität."— Roscnthalcr Vorstadt: Heim Zehdenickcr Etr. 24—25. Tagespolitik.— Hansa: Heim Vochumcr Etr. 8b. Tagespolitik.— Moabit 1, Schule Waldenscrstr. 20...Warm» muß jeder Jugendiiche freigewerksckiaftlich organisiert scin?"— Moabit Ii: Heim Lehrter Straße 18— 19. Ill-Minutcn-Refcraie.— Moabit III: Heim Lehrter Str. 18/19. „Das deutsche Parlament."— Arnimplatz: Schule Sonnenburger Str. 29. „Moderne Literatur."— Aruswalder Platz 1: Heim Nastenburgcr Str. 16. „Religiöser Sozialismus."— Falkplatz Ji: Schule Sonnenburger Etr. 20. „Italien und der Faschismus."— Hclmholtzvlatz: Heim Danzigcr Etr. 62. „Was schuscil wir im letzten halbe» Jahr?— Hohenschönhausen: Heim Freienwalder Str. 6.„Das Sozialistcnqesetz."— Hnmannplatz: Schule Scheren» bergstr. 7.„Die Volksbllhuenbcwegung."— Nordoste,! 1: Seim Danzigcr Siraße 62. B. 8.„Der Aufbau unserer Orgauisation."— Wörther Platz: Schule Kasianicnallce 82.„Anarchismus."— Andeasplatz: Seim Vrommnstr. i. ,.Scinrich.Zillc-.Abend."— Baltenplatz: Seim Tiisitcr Str. 4.„Das wahre Gesicht der NSDAP."— Frankfurter Viertel: Heim Frankkurier Allee 397. Funktlonärpcrsammiung.— Friedrichshain: Heim Diestelmcncrstr. 5—6. Heilerer Abend.— Stralaner Viertel: Seim Goßierftr. 6>.„Sozialismus oder Kam» munismus?"— Warschauer Viertel: Seim Litauer etc. 18.„S 218."— Warschauer Viertel talldetten. Auuegemalratzen, Chaiselon» guc». Walter. Etaigarderstraße acht» zehn Kein Laden.' Röbclkäuser merke Kredit nn» bar Röbelbazar. aroße Auswadl. klein« Preise! Beispiel, wen:: Schlafzimmer 455,—. Speisezimmer 517.—. Herrenzimmer 889,—. Spieael» schränke 118.—, Dielengarniiur 88,—, Anrichteküche 99.—. Mrssingbeitstelle 66.—. Kleiderschränke 46,—. Edaise* ionque» 28.—, Mciallbettstrlle 18.—. Auflegematratze 18,— Sonstige 3!öbel ongemeslcn« Preise. Teilzahlung auf» schiagstci. Wochcuralen, 3!onat«raten. Kassarabait die zehn Prozent, auch aus Anzablunge». Kleine auch ohne Anzahlungen. Kredite bis zwei Jahre. Maß Zins. Katalog franko. Lauptaeschätt: Steglitz. Schläßstraß« 107: 2. Geschäil: Neukölln. Hermannplatz 7: 8. Geschäft: Bclle.Alliance.Straße 95.—. Untergrund. badn: 4. Gcschäsl: Schöncbcrg. 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Platz: 19,23:10. Ferner liefen: Neuer Ulster, The Outlaw, Fonar. 3. Rennen. 1. Wendeliii(Wolff), 2. Moni Tore, 3. Comptendorf. Toto: 21:10. Platz: 13, 10: 10. Ferner liefen: Junker. Echo, Madonna d'tlrezzo. 4. Rennen. 1. Gladiator(KukuNes), 2. Richtlinie. Toto: 24:10. Ferner lief: Minnelied(ausgebr.). 5. Rennen. 1. Oper iHauscr), 2. Simulant, 3. Menclaos. Toto: 36:10. Platz: 18, 23: 10. Ferner liefen; Greis, Ilse XII l. 0. Renn e n. 1. Mumm;R. Andrle). 2. Henvill, 3. Eiland. Toto: 49:10. Platz: 20, 20, 18:10. Ferner lieseu: Königstochter, Noxana, Windspiel, Helge, Minly, Malvolio, Sturmhaube, Maraoedis. 7. Rennen. 1. Paroli(Müschen). 2. Eastor. Toto: IS: 10. Platz: 11, 18: 10. Ferner liefen: Fleifj(gef). Funker(angeh.). Die Unterhaltung zwischen dem französischen Schriftsteller Henri Kuilbeaux und Herbert Ihenng über„Deutsch« und frunzo- fisch« Gel st s Haltung in der Literatur' befaßt sich bauptfächlich mit Drama und Roman. Geistreiche und präzise For- mulierungen, Gedanken aus umfassender Penspektive charakterisieren diesen Dialog. Interessant ist die Feststellung Guilbcaux, daß dem modernen französischen Roman die soziale Rote fehlt, über- Haupt die Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen, sozialen und poli- tischen Problemen. Noch immer beherrscht der psychologische und erotische Roman den Markt. Gerade im Sozialen ist der deutsche Roman weiter vorgeschritten.— Dr. Werner Hegemann stellt die Frag«„W ie wird der Berliner in Zukunft wohnen?" Er übt zuerst scharfe Kritik gn den Mietskasernen der Großstädte, die Schuld an Krankheit und moralischem Verfall tragen. Hegemann liefert aus diesem Gesichtspunkt eine Kritik an der Zeit, «fite fönrff, knmffih? vnk> MbtrufchofTOche Äilüf. AuflUsmiy brt Steinwüste und Schaffung von Flachsiedlungen bedeuten für ihn das erstrebenswert« Ideal. Aehnliche Ideen vertrat vor«in paar Tagen der Minister Hirtsiefer im Berliner Rundfunk.— Bemerkungen zu dem zweiten Stinnes-Prozeß äußert August Hermann Zeitz. Er bleibt nicht beim Bericht stehen, versucht vielmehr die handelndem Personen psychologisch zu analysieren und die geheimnis- vollen Geschäfte dieser Ehrenmänner zu erklären. Die ganze An- gelegenheit erscheint wie das Sujet für eine Schieberkomödie.—- Abends wird Brennerts„H a s e n p f o te" gesendet. Auch jetzt noch wirkt dieser reizende Schwank wie am ersten Tage. Einmal spielte Marcel Salzer den zweiten Kanzlisten. Jetzt spricht ihn Franz Weber, vergnam, querulierend, e-in kleines, gehetztes, verärgertes Männchen. Eine glänzende Leistung. Leb. Der Mensch bringt Mc: Anlag« M gesnnde« Saar mit ans Sie Welt. Wenn er dieses schöne Erbe ine Laufe der Jahre verliert, so ist oft nur mangelhafte Pfleg« daran schuld. 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