BERLIN Areitag 22. Zum 1930 ErscheinttSslich-ußtrSonnt-g». Zugleich Abendausgabe de«.VorwSrt«'. Bejugspreit beide Ausgaben 85 Pf. pro Woche, 3,K0M. pro Monat. vicdaktion und EZxeditionz BcrliuSW«3,Lindenstr.3 10 Pf. Nr. 296 B 141 47. Jahrgang Anzeigenpreis: Die einspaltige Nonpareillezeile 80 Pf., Reklamezeile 5 M. Ermäßigungen nach Tarif. Postscheckkonto: Vvrwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin Nr. 37536. Fernsprecher: Dönhoff 292 bis 29? Brünings Heimkehr. Heute Veröffentlichung des Kinanzprogramms der Negierung. Der Reichskanzler ist wieder in Berlin eingetroffen. Das Reichskabinett wird am Nachmittag zusammentreten, um den Bericht des Kanzlers über feine Unterredung mit dem Reichs- Präsidenten entgegenzunehmen. Im Anschluß daran werden nach der Bekanntgabe des Finanzprogramms der Regierung die Fraktionen zusammentreten. Man nimmt an, daß dann die Entscheidung der Bolkspartei über ihre zu- künftige Haltung fällt. Kinanzminister Dietrich. Sine demokratische Begrüßung. Das„Berliner Tageblatt" begrüßt den neuen Finanzmin'ister pnit folgenden Sätzen: ,�v«r Minister Dietrich hat Mut gehabt, dieses Amt unter den heutigen Umständen zu übernehmen. Ob dieser Mut kein Uebermut war, wird man erst beurteilen können, wenn man sein Deckungsprograinm sieht, dessen vorherige Genehmigung durch das Kabinett er zur Vorbedingung seiner Annahme des Finanz- niinisteriums gemacht hat. Herr Dietrich, über dessen kurze Tätigkeit als Reichswirtschost»- minister nichts zu sagen ist, hat vorher als Reichserirährungsminister Klugheit und Energie bewiesen, wenn auch nicht zu leugnen ist, daß er damals die Kreise, die ihn als ihren politischen Freund betrachteten, durch allzu große Gefügigkeit gegenüber protektionistischcn Forde- rungcn der Landwirtschast vielfach enttäuscht hat." Bauern gegen Arbeiter. Bauernpartei beantragt Lohnsenkung. Die Christlichnational« und die Deutsch« Bauern. part«i haben im Reichstag einen Antrag eingebracht, der die Reichsregierung ersucht, umgehend einen Gesetzentwurf mit dem Ziele einer allgemeinen und unbefristeten Senkung aller von öffentlichen und privaten Arbeitgebern bezahlten Gehälter undLöh�ie zwecks Senkung des allgemeinen Preisniveaus und der Gesundung der öffentlichen und privaten Finanzwirtlschajt vorzu- legen. Ein weiterer Antrag der gleichen Parteien ersucht die Reichs- rcgierung. angesichts der die kommende Ernte in vielen Teilen des Reiches aufs äußerste gefährdenden Dürre gegenüber der hiervon beti�osfenen Landwirtschaft von der Einziehung aller Reichs st euern Ab st and zu nehmen und diese noch Fest- stellung der Schäden zu erlassen sowie aus die Landesregierungen einzuwirken, daß das gleiche Verfahren hinsichtlich der Landes- und Gemeindesteuern angewandt wird. So werben die Bauern um Sympathie bei der Arbeiter- fchaft: Befreiung der Landwirtschaft von den Reichssteuern, aber Senkung aller Arbeiterlöhne und Gehälter! So un- verfroren dieser Antrag ist, so blödsinnig ist er im übrigen unter volkswirtschaftlichem Gesichtspunkt. Er ist ein Ausfluh stockreaktionärer Gesinnung. Das Noggenbroigeseh. Ein neuer Geseheniwurf der Negien�uiarteien. Der Volkswirtschaftliche Ausschuß des Reichstags beriet heute von neuem dos in der ersten Lesung von den Rechtsparteien im Ausschuß abgelehnte R o g g e n b r o t g e s e tz. Die Regierungs- Parteien haben«inen neuen Gesetzentwurf eingebracht, der in bezug auf Vermahlung und Deklarationszwang ungefähr des gleichen Inhalts ist, wste der vov» der Koalitionsregierung vorgelegte Entwurf, doch fehlt ihm desseif Kernstück, der Verkauf von Brot nach Gewicht. Von der Wiedereinsetzung dieses Para- graphen wird die Zustimmung ther Sozialdemokratie zu dem Roggen- brotgesetz in der Hauptsache abhängen. f—' Sowjetunion bekommt ficha Kriegsmaterial. Staatssekretär Stimson teilte mit, daß die Soivjetregicrung Militärflugzeuge, Unter- seeboote und Munition von amerikanischen Firmen zu kaufen ver- sucht habe. Stimson hat erklärt, daß das Staatsdepartement der- artige Geschäft« nicht billigen könne. Die amerikanische Politik werde unverändert bleibend selbst wenn andere Länder Waren lieferten, Furchtbare Drohung (Siehe Sachsen) Keinen Pfennig Notopfer,- oder ich... trete zurück! Blitz in Dynamittransport. Ein Bagger fliegt in die Lust.— 31 Todesopfer. New Jork, 27. Zuni. 3n der Nähe von 23 r o ck v i l l e in der Provinz O n I a r i o in Konoda wurde am Donnerstag ein mit 20 Tonnen Dynamit bcladencr Bagger auf dem St. Lorenzftrom vom Blitz getrosfen. Das Dynamit flog in die Luft, wobei der Bagger völlig zerstört wurde. Nach den bisherigen Feststellungen sind von den aus dem Bagger befindlichen 42 Personen 31 umgekommen. Elf Personen, die bei der Explosion über Bord geschlendert wurden, wurden später in schwer verletztem Zustande ausgefischt. Das Dynamit sollte zu Sprengungen im Flußbett des St. Lorenzstromes verwandt werden. 30 Tote im Straßenkampf. Llmflurz in Bolivien. BuenosAIre»,27. Juni.(Eigenbericht.) Bolivien ist durch die Telegrammzensur von der Außenwelt abgeschnitten. Die Revolutionäre sind nach peruanischen und chilenischen Berichten siegreich. Die Truppenteile in den Haupt- städten verbrüderten sich mit den Austtändischen im Innern des Landes. Expräfident Sile» ist angeblich in die amerikanische Gc- sandtschast geflüchtet. Spätere Meldungen bezeichnen ihn und die Regierungsmitglieder als Gefangene der Aufständischen. Am Sonntag kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Studenten und Arbeitern in der Hauptstadt La Paz. Maschinen- g e w e h r e wurden gegen die Kämpfenden eingesetzt. 30 Tote und 100 verwundete, darunter zahlreiche Frauen, blieben aus dem Platz. Noihaushalt verlängert. Stegerwald über Lohnsenkung und Arbeiislosenversicherung. Der Reichstag nahm heute vormittag ohne Debatte in .1. Lesung gegen die Stimmen der Kommunisten die Ber- längcrung des Nothaushalts an. In der fortgesetzten Debatte über den Etat des Auswar- t i g e n Amts und die Handelsverträge mit Polen und Oesterreich spricht Abg. hörnte(Komm.) gegen die in den Handelsverträgen fixierten hohen Zölle ui>d den Schleuderexport unter dem Schutz von Zöllen und Einfuhrschcinen. Abg. Dr. Schnee(D. Vp.) spricht für Erhöhung der Mittel für Auslandskulturpolitik und den Verein für das Deutschtum im Aus- lond. Die ehemals deutschen Kolonien in Ostafrika dürfen nicht von England einfach annekiiert werden. Die englische Ärbeiterregierung treibt imperialistische Außenpolitik. Deutschland kann nicht auf Ilebcrscekolonien verzichten. Abg. Eisenberger(Dt. Vauernp.): Glauben Sie nicht, daß ich in die verzwickten Finessen der Außenpolitik hineinleuchten will. Wir haben doch auch im Innern genug babylonische Verwirrung. (Zustimmung und Heiterkeit.) Die Polacken haben von un» schon genug bekommen. Dqmit sollten sie zufrieden sein und nicht neue Zugeständnisse auf Kosten unserer Landwirtschaft erhalten. Dieser Handelsvertrag gibt den Polen die Macht, die deutschen Schweine- züchter ganz auf den Hund zu bringen.(Heitere Zustimmung rechts.) Das Richtige wäre überhaupt das Einfuhrmonopol. Der Redner spricht dann gegen den Handelsvertrag mit Oesterreich, der die ober- bayerischen Sägewerke schwer bedrohe, obwohl sie schon Opfer des gefräßigen Steuerkrokodils feien. Die Partei des Redners werde den Handelsvertrag mit Oesterreich ablehnen. Abg. Dr. Ivendhausen(Chr.-Rat. Vauernp.): Der tpahre französisch« Locarnogeist wird durch die Verhöhnung gekennzeichnet, die in den Worten des französischen Generals Guilleoumat und des fron- zöfifchen Generalstaatsanwalts liegt, daß die Besatzungsarme« und ihr« Militärgerichtsbarkeit in gutem Andenken bei der Bevölkerung blieben. Wir sind lieber gute Deutsche als Paneuropäer unter französischer Oberherrschaft. Pancuropa bedeutet die Abschaffung unserer Zollhoheit und darum die wirtschaftliche Katastrophe. Wir fordern rücksichtslose Handelspolitik, besonders gegen Polen, das mit Rechts- brächen und wilder Hetze gegen uns vorgeht. Deutschland brauchte etwas vom Geist Ungarns, das niemals den Trianon-Frieden an- erkannt hat und bei jeder Gelegenheit dies kundgibt. Abg. Dr. Bell(Ztr.) spricht gegen den Mißbrauch der Völker- bundsmandate und für die Ergänzung der Lücken des Völkerrechts, die der Weltkrieg gezeigt hat. Wir müssen nach iniernotionaler Gleichberechtigung streben und auf dieser Basis die Mißgeburt des zersplitterten Europas beseitigen helfen. Abg. Laverrenz(Dnat.): Die Kolonialfrage wird von rechts big links als deutsche Lebensfrage anerkannt.(Widerspruch links.) Wir dürfen uns in der Mandatsfrage nicht mehr so zaghaft zurück- halten, sonst nehmen uns andere die Möglichkeit zur Erweiterung unserer Rohstoffbasis. Abg. Dr. Külz(Dein.) fetzt sich ebenfalls für eine friedliche Kolonialpolitik ein und weift auf Bundesgenossen Deutschlands in dieser Frage hin. Die kaiserliche deutsche Kolonialpolitik war weit entfernt von reinem Imperialismus und Militarismus(W�der- fpruch links). Abg. Dr. Lüders(Dem.) wünscht Förderung des internationalen Studentenaustausches und Verwendung von Frauen im diploma- tischen Dienst. Die Debatte schließt, die Abstimmungen sind am Dienstag, die Handelsverträge werden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Es folgt der Haushalt des Reichsarbeits- Ministeriums, zunächst mir Arbeitsmarkt und Arbeitsoermitt- lung in Verbindung mit dem Gesetzentwurf über Arbeits- losenverficherung. Reichsarbeitsminister Or. h c. Gtegerwald: Der Kapitalzustrom nach Deutschland hat zum großen Teil auf- gehört. Di« Finanznot hat das Vertrauen in die Staatswirtfchast erschüttert. Das Baugewerbe leidet auch unter der Verzögerung der Ctatserledigung: für die öffentliche Vauwtrtfchast der letzten fünf Jahre muß ich jede Verantwortung ablehnen, ich stand in scharfem Gegensatz zu der Politik der damaligen Regie- rungen. Seit der Mnrkstadilisiermig hatten wir keine Regierung, die jooiel finanz- und wirtschaftspolitische Trümmer wegzuräumen hatte als die jetzige. Wirtschasts-, Finanz- und Sozialpolitik müssen im Iusammeuhang behandelt werden, anders geht es nicht.(Au- stimmung im Zentrum und rechts.) Hart umkämpft ist das Schlichtungswesen. Von Arbeitgeberseite werden seine Schattenseiten übertrieben. Der deutsche Arbeiter ist einer der fleißigsten und tüchtigsten und man darf nicht nur über Sozialausgaben und Löhne schimpfen, ohne zu untersuchen, was man dafür an Leistung erhält. Verbindlichkeitserklärungen werden jetzt sparsam ausgesprochen werden. Der letzte große Arbeitskonflikt war im November/Dezember 1928 in der rheimsch-westfälischen Eisenindustrie, der durch Minister Severings Schiedsspruch beigelegt wurde. Die Akkordsätze sind seither dort ständig gestiegen. In anderen Tarifen besteht die Akkordschutzklausel nicht oder nur abgeschwächt. Die Krise verminderte die Eisen- Produktion und die Rentabilität. Die Unternehmer erklärten die Akkordschutzklausel für den krisenhaften Zuständen nicht angepaßt. Die ausländische Konkurrenz arbeitet mit billigeren Löhnen und ge- sicherterem Absatz. Man konnte einen tarislosen Zustand in Nordwest eintreten lassen, der 25 bis 30 Proz. Lohnherabsetzung bedeutet hätte, wie es in anderen eisenschaffenden Gebieten geschehen ist. Riesige Arbeitskämpfe, bei denen die Arbeiter verloren hätten, wären aus. gerbochen. Man mußte außerdem den Krisenpessimismus bekämpfen, der Vergrößerung der Arbeitslosigkeit zu erzeugen drohte. Im Hin- blick auf das starke Steigen der Akkordlohnsätze seit 1928 war die Politik der Neichsregierung richtig. Ich habe die wünsche der Arbeitgeber, die einen Kamps wie in Mansseld suchten oder 10 Pro;. Lohnkürzung wallten, aus 714 Proz. Lohnherabsehung zurückgedrängt. Das ist die Antwort auf die Frage der sozialdemokratischen Presse, wie ich als ehemaliger Gewerkschafter diesen Schiedsspruch fällen konnte. Zur Frag« der ausgleichenden Preissenkung wird vom Wirtschasts- Ministerium eine Denkschrift ausgearbeitet. Diese Denkschrift wird dem Reichstag vorgelegt werden. Lohnsenkung ohne Preissenkung ist Krisenverschärsung. Preissenkung ohne Lohnsenkung erzeugt Aussuhrsteigerung, aber keine Auslösung der Spannung auf dem inneren Markt. Um die Senkung des Reallohns zu vermeiden, muß das Preisniveau stärker als das Lohnniveau gesenkt werden. Die Lohnquote ist nicht so hoch und einflußreich wie meist angc- nommen wird. Das Chaos auf dem Geld- und Kapitalmarkt ist viel verderblicher. Eine Senkung der Kapitalertrog st euer auf fest verzinsliche Papiere würde die Wohnungsbaukosten erheblich vermindern.— Der Minister fordert Senkung des Zins- Niveaus und der S t c u e r i a st e n. Die ganze krisenbekämpsung auf die eine Karte der Lohnpolitik zu setzen, ist kurzsichtig. Di« Reichsregierung wird ein Arbeitsbeschaffungsprogra.nm für 200 000 bis 300 000 Menschen vorlegen. Der Vorstand der Reichsanstalt für Arbeits- losenversicherung hat eine Refor in vorläge aus- gearbeitet. Es hat keinen Zweck, den alten Streit über Beitrags- erhöhung oder-refonn wieder zu eröffnen. Ein« Reichstags- auflösung würde die Reform verzögern, nicht fördern. Da der Reichstag sich seit einem Jahr vergeblich um die Sanierung bemüht hat, scheint.«in anderer Weg als der der Regierungsvorlage nicht vorhairden zu sein. Wo ist dte Reichetagsmehrheil, die mir die 700 Millionen ohne Reform der Arbeitslosenversicherung verschasst? Di« Arbeitslosenversicherung ist neben der Not der Landwirte das Zentralproblem der deutschen Politik geworden. Ich habe bei dem Kampf um das Notopfer das deutsche Volk nicht mehr verstanden. Neue direkte Steuern sind nicht möglich, die in- direkten Steuern bringen weniger, wenn die Krise so weiter dauert. Die englische Labour-Regicrung ist auch nicht die unfähigste, aber auch sie kann die Arbeitslosigkeit nicht vermindern. Nur sparen kann uns helfen! Es werden vielleicht noch viel stärkere Eingriffe notwendig werden, sonst wird bald der Finanzminister froh sein, wenn er mit dem, was wir jetzt vorschlagen, auskommt.. wir müssen unsere Sozialpolitik sparsamer gestalten und ihre unsoziale Ausnutzung verhindern. Den kern der Sozialverflche- rung aber, den wir über den krieg gerettet haben, will ich nicht antasten lassen. Es ist eine Ueberspannung, wend elf Jähre nach dem Kriege die Kriegsbeschädigten immer mehr werden, wenn die Krankenkassen KA. Proz. vom Lohn einziehen gegen 3,5 Proz. vor dem Kriege. Wenn Aerzte und Heilmittel mehr kosten als damals die Krankenversicherung, wenn die Krankenkassen mehr Geld verbrauchen als die ganzen Arbestslosenausgaben des Reiches und der Gemeinden, wenn die Firma Mansseld von ihren Arbeitern fordert, daß sie ein Opfer bringen für die Aufrechterhaltung des Werkes, da sollen die Firmen Deutsches Reich. Länder und Ge- meinden das nicht dürfen, denen es nicht besser gehl als der Firma Mansseld? Die Hauptsrage ist: Wie kann ein großer Teil der Arbeitslosen wieder eingegliedert werden in die Produktion? Doch nur durch die Wiederherstellung des Vertrauens in die staatliche und private Wirtschaft. Neue Steuern hindern das Aussteigen der Wirtschast. (Gcgenrufe der Komm.) Jeder weiß, daß wir auf Jahre hinaus noch die kapitalistische Wirtschaft haben, also müssen wir uns ihren Gesetzen anpassen.' Darlehen für Vergebung großer Bestellungen für Verkehrs- mittel, Wohnungen usw. find gesichert, aber voraussehung ist auch eine der Rot angepaßte Preissenkung. Das deutsche Volk will über diese Not hinwegkommen und darum wird es sie überwinden, wie im Dezember 1923.(Lebhafter Bei- fall und Händeklatschen im Zentrum und rechts.) Als Reoezeit wird eine Stunde pvo Fraktion festgesetzt. Bei Redaktionsschluß spricht Abg. Graßmann(Soz.). -10 Mslionen Franken durchgebrachi. Aeoer pariser Finanzskandal. Paris, 27. Zun!.(Eigenbericht.) Ein neuer Finanzskandal ist am Donnerstag in Paris ausgebrochen. Es wurden zwei Bankiers verhastet, die eine Spekulalionsbank gegründet und so lange gewirlschastet hatten, bis die Einlagen ihrer Kunden verloren gegangen waren. Die Bilanz ichließt mit einem Defizit von über 10 Millionen F r a n k c n ab. Zn der Kasse fand man noch einen Betrag von rund 5000 Franken vor. Berlin vi Leht droht neue Mietserhöhung.— Durch die verantwortungslose, gegen die Ber- tiner Bevölkerung gerichtete Politik der deutsch- nationalen Stadtverordnetenfraktion ist das Zustandekommen des Berliner Haushalts endgültig gescheitert. Wir haben bereits heute früh daraus hingewiesen, daß nunmehr der Ober Präsident einen Zwangsetal festsetzen wird, dem sich Stadtverordnetenversammlung und Magistrat zu beugen hoben. Die fühlbarste Folge dieser Zwangsetatisierung für die werktätige Bevölkerung wird eine neue, die große Masse hart treffende M i e t- erhöhung sein. Die Aufgabe des Oberpräsidenten besteht nämlich darin, das bestehende Defizit von rund 55 Millionen Mark zu decken. Die Sozialdemokratische Partei hat während der Etat- beratungen den Standpunkt vertreten, daß dieses Defizit in erster Linie durch eine Erhöhung der Gewerbesteuer au» der Welt geschassl werden muß. Gegen eine Erhöhung der Grundvermögens- steuer, die automatisch eine Erhöhung der Miele nach sich zieht, hat sie sich mit dem unwiderlegbaren Argument gewandt, daß eine neue fühlbare Belastung der Mieler nach der erst kürzlich erfolgten Miel- erhöhung unter keinen Umständen eintreten darf. Auf der anderen Seite ist die Gewerbesteuer seinerzeit stark ermäßigt worden, die Grundvermögenssteuer aber wurde in on- verminderter höhe beibehalten. Wenn die Berliner also jetzt schon wieder ihre Miete herausgeschraubt be- kommen, so mögen sie sich bei den deutschnatio- nalen Stadtverordneten im Rathaus dafür be- danken. Neben der Schaffung der für die Ausgabenseite notwendigen Deckung hat der Oberpräsident aber auch die Möglichkeit, di« Aus- gabenseite des Etats entscheidend zu beeinflussen. Es wird dar- über zu wachen sein, daß unter keinen Umständen in der jetzigen schwerenKrisenz«itein auch nur geringfügiger Abbauder sozialen Lei st u n gen versucht wird. Durch die Festsetzung des Zwongsetats ist an sich eine Auflösung der Stadtoerord- netenoersammlung nicht bedingt. Die Stadtverordneten- oersamlung kann vielmehr nach den Ferien ihre Arbeiten wieder auf- nehmen, muß sich allerdings streng an dem vom Oberpräsidenten festgesetzten Haushaltplan haften. Beamte und Deckungsvorlage. Der Reichskanzler informiert die Organisationen. Reichskanzler Dr. Brüning empfing heut« mittag 12 Uhr die Vertreter des Deutschen Beamtenbundes, um sie mit den Absichten der Reichsregierung zum Deckungsprogramm bekannt zu machen. Vom Reichskabinett nahmen teil Vizekanzler D i e t- rich, Reichsinnenmimster Dr. Wirth, Reichspostminister Dr. Schätzet, Reichsoevkehrsminsster v. Guerard. vom Deutschen Beamtenbund Bundesvorsitzender Flügel und die Herren Kug- ler, Ehrmann, Leng und Heßmann. Bundesvorsitzender Flügel gab dem Reichskanzler di« Zusage, daß unverzüglich die z u st ä n d i- gen Organ« des Deutschen Beamtenbundes ein- berufen würden, um zu den Absichten der Reichsregierung Stellung zu nehmen._ Landtag geht in Ferien. Vertagung bis zum 6. Oktober. Im Landtag erfolgte heute die zweite Beratung des Staats- Vertrages über eme Gemeinschaftsarbeit zwischen Bremen und Preußen. Abg. Brandes(Sp;.) stimmt der Borlage zu. Die Gemeinschafts- arbeit zwischen Preußen und Bmiren liege im Interesse der Be- välkerunq der Unterwcser und im Interesse der Volksernährung. Wenn Preußen die gesamte Nords eefrscherei unter einen Hut bringen wolle, so sei das zu begrüßen. Die Gemeinschaftsarbeit ermöglich« den Ausbau des Fischereihafens und der Kühlanlagen. Abg. Dr. v. kries(Dnat.) verspricht gleichfalls die Zustimmung seiner Fraktion, die ihre Bedenken gegen die Vorlag« zurückstellen wolle. Abg. Schulz-Neukölln(Komm.) erklärt: Der Vertrag sei also nur Stückwerk. Er entspreche nur den Jnterefsen einer Neinen Kapitalistengruppe an der Unterweser. Daher lehne di« koimnu- nsstische Fraktion diese Vorlage ab. Abg. Mehenthin(Vp.) hält die Lösung der Frage durch diesen Vertrag zwar nicht für vollkommen, glaubt aber andererseits, es sei gut, schrittweise vorzugehen. Di« Fraktion der Deusschen Voltspartei werde daher den Vertrag annehmen. Abg. hestermann(Wp.) begrüßt den Vertrag. Abg. Biester (Dt. Hann.) beantragt Verhandlungen mit Bremen, damit die 1904/05 enteigneten Grundeigentümer an der Unterweser eine Nachentschädi- gung erhalten. Der Vertrag wird angenommen.— Die dritte Lesung kann nicht erfolgen, weil Widerspruch erhoben wird. Es folgt die dritte Beratung der Schulgelderhöhung. Im Lause der Beratungen darüber wurde der Einspruch gegen di« dritte Lesung des Vertrages mit Bremen zurückgezogen. Das Haus kehrt daher zu dem vorigen Punkt der Tagesordnung zurück und erledigt ohne Aussprache den Staatsvertrag mit Bremen auch in dritter Lesung. Der Bertrag wird gegen die Stimmen der Korn- munisten angenommen. Die Schulgelder höhung wird mit 192 gegen 38 Stim- men beschlossen, hierauf wird der Finanzausgleich mit den Stimmen der Koalition und der Deutschnationalen gegen Kommu- nisten und Voltspartei angenommen. Nach der Erledigung kleinerer Vorlagen vertagte sich der Landtag dann auf den 6. Oktober. Wildgeworbene Generale. Oer Kampfgeist der Etappe. Der rechtsradikale National verbandDeutscherOffi- ziere veröffentlicht zum 28. Juni eine Kundgebung in der es heißt: Die Tatsache, daß auch die derzeitig« Reichsregierung es offen- bar nicht für nötig befindet, die katastrophal« wirtschaftliche und finanzpolitische Lage zu einer wirkungsvollen Kampfansage gegen Versailler Vertrag und Kriegsschuldlüge auszuwerten, beweist, daß nationaler Widerstandsgeist und Wille zur Führung in-die Freiheit auch indiesemKobinettcke ine Heimstätte haben. hne Etat. Die Schuld der Oeutschnaiionalen. Sollte das Stadtparlament weiterhin sich für eine sachliche, im Interesse der Stadt gelegen« Arbeit als unfähig erweisen, so kann ein K a b i n et t s b« s ch l u ß di« Stadtverordnetenoersamm- lung auflösen und Neuwahlen ausschreiben. Der Staat kann aber auch die Stadtverordnetenversammlung vorübergehend aus- schalten und sie durch einen Staatskommissar ersetzen Gerüchte um Arbeiter- Erholungsheim. Unbegründete Angriffe gegen die Berliner Brennstoff« Gefellschast. Di« Berliner Brenn st offges ellschaft hat schon vor Jahren für ihre Arbeiter und Angestellten in Rahnsdorf bei Berlin ein Erholungsheim erbaut, das von der ganzen Be- legschaft sehr stark in Anspruch genommen wird. Di« arbeiter- jeindliche Presse hat bereits des öfteren an diesem Werk praktischer sozialer Fürsorge Anstoß genommen. Jetzt wird ein neuer Angriff gegen die BVG. und chren früheren Direktor Brolat unternommen. Eine Korrespondenz verbreitet heute die Meldung, daß die Besitzer des Grundstückes der Gesellschaft den bestehenden Pachtvertrag gekündigt hätten und das Ge- lande zu einem Preise von 250 000 Mark verkaufen wollten. Die Brennstossgejellschast sei nunmehr in der Z wangslage,'das Ge- lande zu diesem hohen Presse kaufen zu müssen, weil seinerzeit das Gebäude errichtet worden sei, ohne daß die kaufmännische Seit« ge- nügend berücksichtigt worden ist. In Wirtlichkeit hat die Berliner Brennstoffgesellschaft seinerzeit einen zwanzigjährigen Pachtvertrag abgeschlossen, der der Gesellschaft außerdem das Vorkaufsrecht sichert. Auf Initiative des Magistrats hat nun die Pächterin von sich aus an die Besitzer das Anerbieten gerichtet, das Grundstück zum Preise von 70 000 Mark an die Stadt zu ver- äußern. Zu einem überstürzten Ankauf liegt aber auf der anderen Seite gar kein« Veranlassung vor; sollte ein weit höherer Preis gefordert werden, so wird man eben von dem Ankauf des Geländes noch absehen. Der Pachtvertrag der Gesellschaft sst j n keiner Weise gefährdet. Die in den nächsten Tagen stattfindenden Befreiungsfeiern im Rhein- lande sind eher geeignet, über die eigene Lage hinweg- zutäuschen(l!) als den Willen zum Kampfe für die wahre Be- freiung zu entfachen. An all' unserem Unglück sind in erster Linie Versailler Vertrag, Kriegsschuldlüge und Poung-Plan, sodann aber Erfüllungsbereisschaft und Mangel an Wiederstandswillen schuld!— Wir werden die genannten Versklavungsdokumente nie anerkennen! Wir kämpfen unermüdlich gegen eine Politik der Selbsttäuschung und der Unterwürfigkeit. * Die abgetakelten Fürstlichkeiten und Herren Generale, die im Nationalverband Deutscher Offiziere den Ton angeben, beklagen sich über den„Mangel an Wider- standswillen" im deutschen Volk. Es ist der a l t e R u f d e r Etappe und kugelsicheren Armeehauptquar- t i e r e an die Front, bis zum letzten Mann auszuharren. Wäre die deutsche Politik des letzten Jahrzehnts von diesem marktschreierischen Widerstandswillen verseucht ge- wesen, dann könnte das Rheinland feine Hoffnungen auf Be- freiung noch bis 193S begraben. Gemeinsame Flotienmanöver. Estland und Lettland üben zusammen. Reval. 27. Juni. Die estnische Kriegsflotte hat sich zu Uebungen in den Moon- sunb begeben, an denen auch die Flotte Lettlands teilnimmt. Die konmiandierenden Admirale der beiden Staaten leiten gemein- sam die Uebungen. * Die Flotte Estlands besteht ans drei ehemals deusschen und russischen Zerstörern und einem Kanonenboot aus dem Jahre 1907, die Lettlands aus je zwei Unterseebooten und Minenlegern. Kn'egsschulöen von-l&TL AmienS verklagt den französischen Finanzminister.. pari», 27. Juni.(Eigenbericht.) Der Stadtrat von Amiens hat den Finonzmirnster beim Staatsgerichtshof auf Zahlung von einer Million Franken verklagt. Im Budget für 1930 hatte der Minister in sträflicher Flüchtigkeit die Bestimmung aufgenommen, daß der Staat alle Kriegs- kosten aus dem letzten und den früheren jkriegen übernehmen solle. Die Stadt Amiens aber hat noch eine alte Anleihe aus dem Jahre 1871 zurückzuzahlen, die sie jetzt auf den Finanzminister abwälzen will. Vergeblich mochte dieser geltend, daß das Derlongcn der Stadt Amicns ein gefährlicher Präzedenzfall sei, da noch manch« ander« französische Stadt Kriegsschulben noch aus den spanischen Erbfolgekriegen hätte. „Kreuz des Südens" gelandet. Auf dem Rew-Uorker Flugplatz Rooseveltfield.' New York. 27. Juni. Neun Minuten nach Mitternacht MEZ. überflog das Qzeanflngzeug„Kren, des Südens" New Bork. Nach einer majestätischen Sühleife Aber New Hork ist KingSford Surits„Kren, de� Südens" um 0,29 Uhr MEZ. auf dem New-Uorker Flugplatz Roose» veltfield glatt gelandet, von einer Vieltausend- köpfigen Menschenmenge jubelnd begrüßt. Ter englische Botschafter Sir Nonald Lindsach, mehrere Washingtoner Regierungsvertreter sowie Vertreter der Stadt New Bork beglüikwünschten die Ozeanflieger zu ihrem Erfolg. Weiter für Verlin: Kühler, meist llewölkt, noch einzeln« Regen- solle.— Für Deutschland: Stark wolkna bis bedeckt, noch vielfach NiederDzIäge. Im Osten einzelne Gewitter, überall woterer Temperaturrückgang. l V-Bahnhof Mnetafiraße. Morgen Inbetriebnahme der Schnellbahnstrecke nach Pankow. Heute morgen zeigte die Berliner Verkehrs-Gesellschaft die so- eben fertiggestellte Verlängcrungsstrecke der Hochbahn vom Bahnhof Nordring nach Pankow. Die 1,5 Kilometer lange Strecke, die entgegen der ursprünglichen Absicht der BVG. aus Betreiben rechtsgerichteter Politiker im Rathause zum größten Teil als Untergrundbahn gebaut wurde und dafür S Mil- lionen Mark Mehrkosten verursachte, erschließt große Sied- lungsgebiet« im Norden Berlins dem Schnellverkehr. Der einfach in lichtgrünen Kacheln gehaltene Bahnhof an der Kreuzung der Berliner-, Mühlen- und Dinetaftraße hat unmittelbaren Anschluß an die von und nach Pankorv-Niederschönhausen ver- kehrenden Straßenbahnen, die als Zubringer für den Schnell- verkehr nach der Stadt dienen werden. Insbesondere die A b st e l l- anlagen werden den neuen Bahnhof zu einem der wichtigsten im Schnellbahnnetz machen, denn die unzulänglichen Schienen- sträng« des Hochbahnhofes Nordring reichten nicht aus, um den Spitzen-Berufsverkehr zu beschleunigen. Die neuen An- lagen ermöglichen eine Zugfolge von 1K Minuten. Morgen wird der Verkehr auf der neuen Streck« aufgenommen werden. „Dieser verfluchte Kadavergehorsam". plauener Tfozlrebellion. In Plauen, dem neuen Naziparodies, kam es zu einer offenen Rebellion nationalsozialistischer Stadtverordneter gegen die Befehle der Obersten Heeresleitung in München. Schon mehrfach hatte es wegen der diktatorischen Befehle aus München schwere Zusammen st öße in der notionalsozialisti- schen Stadtoerordnetenfraktion Plauens gegeben. Bei der BeHand- lung der Theaterfrage aber platztedie Bombe in aller Oeffent- lichkeit. Zur Entscheidung stand die Frage, ob das städtische Theater bis zum März 1931 fortgeführt oder geschlossen werden solle. Es war bekannt, daß die Nazis aus München den militärischen Befehl erhalten hatten, unbedingt gegen die einstweilige Fort- fllhrung des Theaters zu stimmen. Als die Sozialdemokraten die Erklärung abgaben, daß sie mit den gegebenen Mitteln für die Fortführung des Theaters bis zum März 1931 feien, riß den Blockbrüdern der Nazis, der Wirtschaftlichen Verein!- gung, die Geduld. Ihr Sprecher kanzelte die Naxis rücksickstslos ab und glossierte ihre Politik damit, daß sie sich durch ihre Ab- lehnung die Möglichkeit oerscherzt hätten, durch das Theater völkische Ideen ins Volk zu trugen. Besonders schlecht kam„die hohe Kommando stelle" weg, die die Nazis in diese Sackgasse hineinmanövriert hatte. Die Auseinandersetzungen zwischen den Blockbrüdern, die sich im Erfrischungsraum fortsetzten, brachten den Nationalsozialisten Bucher vom Zivilistenslügel schließlich so aus dem Häuschen, daß er mit hochrotem Kopf seine Parteifreunde anschrie: Llthmann-Gedenkfeier. Die Männer- und gemischten Chöre des D e u t s ch e n Ar- beitersängerbundes gedachten in den letzten Iahren der 199. Todestage von C. M. von Weber, L. van Beethoven und Franz Schubert. Diese Gedenkfeiern, die nach streng künstlerischen Grundsätzen angelegten Programme sdes 1.' Deutschen Arbeiter- sängerbundesfestes in Hannover, das Vordringen neuzeitlicher Ten- denzchormufik bewirkten ein Zurückdrängen der alten Kampsgesänge der Vorkriegszeit. Wir hören Stimmen, die meinen, die Zeit eines U t h m a n n sei gründlich und endgültig vorbei. Allen Einwendungen zum Trotz blieben die Gesänge Uthmann-, der über 499 Chorwerke geschrieben Hot, im Volke lebendig. Wer dies noch ernsthaft bezweifelte, den hätten die 12 Konzerte, die am Sonnabend und Sonntag in Wuppertal(Barmen-Elberfeldf anläßlich der 19. Wiederkehr des Todestages Uthmanns dargeboten wurden, eines besseren belehrt. Man weiß heute, daß die Arbetterchöre ihre Kräste mit Erso'g an die großen Werke der Weltliteratur setzen, daß auch das Prole- tariat in seinen Chören einem Händel, Bach, Haydn und Beethoven sich musikalisch gewachsen zeigt. Den Arbeiters ängerirmen und -sängern genügt aber nicht, die»musikalische Welt erobert" zu haben. Mitten im lauten musikalischen Erfolg erinnern sie sich ihrer Ber- gangenheit. Wichtiger als die Vertonung ist dem Arbeitersänger der gedanNiche und wsltanschauliche Inhalt„seiner Texte", an die er sich zunächst einmal„hält", die«r nach ihrer„Brauchbarkeit für seinen Zweck" auf das gewissenhafteste überprüft. Wie der Komponist von einer Dichtung verlangt, daß sie ihn anrege, so will auch der proletarische Sänger zunächst einmal von der Dich- tung, die er stngt, mit der er sich beschäftigen soll, daß sie ihm zu- sagt. Man schaue sich einmal die Werke der Komponisten an, die heute allgemein von der Arbeiterschaft anerkannt werden. Nicht ihrer überragenden musikalischen Anlage allein verdanken diese Ge- sänge ihre weite Verbreitung. Ich glaube vielmehr, daß die glück- liche Hand, die den Komponisten bei der Wahl des„richtigen Tex- tes" leitete, die Zustimmung, das Mitgehen der Mosten brachte. Einer der ersten, der erkannte, wie wichtig die Wahl der Texte für proletarische Gesänge ist, war Gustav Adolf Uthmann. Selbst aus dem Proletariat hervorgegangen, wußte er Dichtungen aufzufinden, die auch dem geringsten Proletarier eingänglich waren. Seine Vertonungen halten sich volkstümlich. Es ist Er- sindung in dieser Musik. In ihrer frischen, zupackenden Art, die dem gesunden Empfinden der Arbeiterschaft entspricht, wirkt sie unmittelbar auf die Massen. Wir hören freudige, vorwärtsstürmende Klänge, und aus der Dich- tung spricht immer wieder die ernst« Mahnung, der großen Sache des Soziallsmus, der Sache des Proletariats zu dienen:„Das heilige Feuer schüren wir",„Empor zum Licht",„Wir sind der Sturmi",„Das Banner kann stehen, wenn der Mann auch fällt". So mehren sich heute die Stimmen ernsthafter Musiker, die er- kennen, daß hinter Uthmann doch irgendein künstlerisches Vermögen, das die anderen nicht in diesem Ausmaße besitzen, stecken muß. Die proletarischen Sänger haben jederzeit hinter Uthmann ge- standen. Zehn Jahre nach seinem Tode versammeln sich in Barmen» Elberfeld, wo Uthmann am 29. Juni 1867 geboren wurde, wo er lebte, wirkte und begraben liegt, 12 999 Arbeitersängerinnen und Arbeitersänger, ihres Borkämpfers zu gedenken. Die Zahl der Sangesgenosten wäre noch größer gewesen, hätte nicht die wirt- schaftliche Lag« Tausende an der Reis« nach Wuppertal gehindert. 142 Berein« des Rheingaues, der Uthmann-Chor Berlin, Delega- tionen proletarischer Sänger aus vielen Gauen des Deutschen Ar- beitersängerbundes, Vertreter ausländischer Verbände, der L9jährig« Arbeiterdichter Genosse Robert Seidel aus Bern und der im Dienste ergraut« und trotz seines Alters beneiden-wert elastische Arbeiter- chordirigent Genosse Paul Michael, Leipzig, die enger« freundschaft- iiche Beziehungen mit dem Vorkämpfer des proletarischen Liedes verbanden, nahmen an der Gedächtnisseier im Wuppertal teil. Mit ihnen oereinigten sich die Witwe und der Sohn des Verstorbenen, des Toten zu gedenken. Durch Schreiben und Telegramm« betun- beten ihre Teilnahme die Verbände der International« der Ar» beitersänger(Belgien, Elsaß-Lothringen, Tschechoslowakei), Regie- rungspräsident Genosse Bergemann-Düsseldorf. Generalmusikdirektor Höslin und Reichstagspräsident Genosse Löbe. In zehn Konzerten, die in den Stadlhallen von Elberfeld und Barmen und auf den Plätzen von Wuppertal veranstaltet wurden, hörten wir Gesänge Gustav Adolf Uthmanns und Chöre heuliger Komponisten, die uns zeigen, daß das Tendenzlied der Arbeiter- sänger über die Pslege der großen musikalischen Literatur durchaus nicht vernachlässigt wird.(1933 werden wir in Nürnberg auf dem 2. Deutschen Arbeitersängerbundesfest einen Ueberblick über unsere Kampfgesänge und großen proletarischen Chorwerte geben.) Die ganze Ueberlegenheit eines von der Natur in stimmlicher Hinsicht besonders bevorzugten Menschenschlags, wie wir ihm im Rhünlaud und in Westfalen begegnen, sprach aus oll den Gesängen, die wir in den Wuppertaler Gedenkfeiern für Uthmann hörten. In seiner Gedenkrede aus Uthmann wies Genosse Kayl Fehsel vom Bundesvorstand des DAS. darauf hin, daß auch in Uthmanns Liedern der Kampf um die Menschenrechte gehe: für Freiheit, für Gleichheit und wahre Brüderlichkeit. Unter Paul Michaels Leitung sang ein Mastenchor von 19 999 Sängerinnen und Sängern in Juni-Mittagstropensonne Kampfgesänge. Unentwegte Kämpfer, die in dieser gewaltigen Demonstration für die Idee des Sozialismus zeugten. Di« deutschen Arbeitersängel, unterstützt von oem Arbeiter- sängerbund der Vereinigten Staaten von Nordamerika, ließen den 19. Todestag ihres Vorkämpfers nicht vorübergehen, ohne diesem Tage ein bleibendes, sichtbares Monument Zu. setzen. Im Nordpark, einem Höhenzug, der Barmen umschließt, auf dem so mancher der Uthmannschen Gesänge entstanden ist, errichteten sie dem Pionier proletarischen Liedes ein Denkmal, einen Obelisk, der dos Bild Uthmanns im Relief trägt. Mitten im Walde steht der Stein... Bei der Uebergabe oes Denkmals an die Stadtverwaltung führte Genosse Karl Klouder vom Bundesvorstand des DAS. aus: „Inmitten der herrlichen Natur wächst, wie die Bäume, die ihn umgeben, aus hartem Boden heraus, dieser steinern« Zeuge, blickt hinab in das Tal der Arbeit. Wie die Bäume und die sommerliche Pracht, wie die Wiesen in ihrem Grün die Menschen herausrufen aus der Enge der Stadt, aus der Enge ihres Daseins auf die Höhen, dem Lichte entgegen, so ruft auch Uthmann von der Höhe seines Schaffens oie proletarischen Menschen zum Kampf für ein« zu- künftige, menschlichere Gesellschaft. Gar manchem„Helden" wurden Monumente errichtet. Ihr Verdienst? Sie führten die Menschen zum kriegerischen Kampfe,„erzogen" sie zu Haß und zur Vernichtung des Lebens. Dem Proletariat ist ein anderes Heldentum Inbegriff seiner Verehrung. Helden sind ihm die Menschen, die um die Menschlichkeit im Kamps« stehen, die der Erhaltung des Lebens ihre ganze Krast widmen. Dem Sänger der Freiheit, der Arbeit, dem Kämpfer für ein besseres Dasein gilt dieser Denkstein. Darüber hinaus o«r gewaltigen Idee unseres sozialistischen Vetennwisliedes!" Beigeordneter Genost« Dröner überimhm den Stein zu treuer Pfleg« der Stadt. Er führte aus: Di« Verehrung Uthmanns gehe über den Kreis der deutschen Arbeitersänger hinaus. Millionen Menschen erfreuen sich an seinen Gesängen. Der Entwurf des Gedenksteins stammt von Koopmann, Wuppertal, der auch das Ebert-Denknml auf der Harot für das Reichsbanner entworfen hat. Di« technische Herstellung des Gedenk- steine übernahm die Bauhütt« Wuppertal. Zu einer Gedenkfeier versammelten sich am Todestage(22. Juni) die Freunde am Grab« Uthmanns.!llach den Ansprachen der Ge- nassen Richaro Hoest vom DAS., Wilh. Zoske, Gau Rheinland, Selzer, Arbeitersängerkartell Wuppertal, und Palczewski, Berlin, sang der Uthmann-Chor, Berlin„Du fernes Land", und von Hanns Eisler:„An Stelle einer Grabrede." An der Gruft ein« Fülle von Blumen und Kränzen...)VaUer Häncl. „Diesen verfluchten Kadavergehorsam bei uns habe ich nun « endlich satt." � Einer der Getreuen Mutschmanns, des milttärischen Ver- trauten Hitters, lief darauf schleunigst ans Telephon, um dem Plauener Oberkommando zu melden, daß Herr Bucher sich und die ganze Fraktion ungeheuer blamiert hätte. Da wird der Bannstrahl Hitlers für den Rebellen nicht lange auf sich warten lasten. Wie kann er sich auch erdreisten, gegen die Befehle München? aufzumucken. Plauener Stadtpolitik wird vom hohen Generalstab in München gemocht und damit basta.' Hitler und Kommunisten, die Methoden bleiben sich gleich. Wie kommunisttsche Kommunalpolitik in Buxtehude von Moskau aus bestimmt wird, und jeder kommunisttsche Funk- tionär, der einen eigenen Gedanken vertritt, als„Linker" oder „Rechter" oder als„Bevsöhnler" abgesägt wird, so wird Kom- munalpolittk in Koburg und Plauen von München aus durch„mili- tärstche Befehle" gemacht. Wer nicht gehorcht, der fliegt. H o ch d c r Kadavergehorsam. „Krach um Leutnant Rlumenthal." Kammerspiele. Vor dem Kriege erhob sich im deutschen Blätterwald ein Rauschen, als der jüdisch« Baron von Goldschmidt-Rothschild könig- lich preußischer Reserveosiizier wurde. Außer diesem soll eh bei den Deutzer Kürassieren«inen ähnlichen Fall gegeben haben, weshalb man in schneidigen Militärtreisen sagte:„Es gibt sieben Kürassier- regimenter— und die Deutzer." So stark, so verwurzelt war da- mals der Antisemitismus in der Armee. In Bayern war man nicht so verbohrt, deshalb suchten sich Juden, die ihr Jahr abdienten und den Ehrgeiz hatten, es bis zu den Offiziersepauletten zu bringen, bayerisch« Regimenter aus. Besonders beliebt war die Artillerie: da hatte man nämlich rote Biesen an den Hosen, so daß man wie ein General aussah, und es ist mir postiert, daß ich als Fahnenjunker vor einem jüdischen Schulkameraden in bayerischer Arttlleristcnunisorm ein« stramme militärisch« Ehrenbezeugung machte. Heute haben wir eine Repubilk, und, wie man jagt, ist die Gliederung in Kasten und Rasten und Konsestionen abgeschafst. Wir glauben aber Alfred Herzog, dessen Stück„Krach um Leutnant Blumenthal" gestern von der Spielgemein» schast Berliner Schauspieler in den„Kammer- spielen" des Deutschen Theaters aufgeführt wurde, daß dies« Bestimmungen bei der Reichswehr nur aus dem Papier stehen. Er läßt einen Mischen Ossizier, der, im Kriege wegen Tapferkeit ausgezeichnet, aus dem Mannschastsstande heraus die Osiiziers- achselstücke errang, an Borurteilen, Boreingenommenheiten und Ungerechtigkeiten, an unbewußter Unanständigkeit und bewußter Lumperei scheitern. Das Leben beim Militär von heute ist richtig. gesehen: Da ist der volksfremde Regimentskommandeur, der, wahr- scheinlich wie die meisten Obristen von heut«, aus dem Generalstad kam, da ist der alte Fronthauptmann» der im Graben lernte, daß nicht Rang und Würde, sondern innerer Wert und. sittliches Streben den Menschen machen, da sind die jungen adeligen Offiziere, die keine Ahnung vom wirtlichen Leben haben, aber sich auch heute noch einbilden, nach den Worten Wilhelms II. der„erste Stand" zu sein, da ist der Klatsch in den Stuben der Unteroffiziere, die nachher, wenn es hart auf hart geht, sagen:„Ich habe nichts gesehen, Herr Oberst." In dieses Milieu wird der arm« Leutnant Blurnenthcl hineingesetzt, Jude, früherer gemeiner Mann, tüchtig im Dienst, aber republikanisch und sozialistisch angehaucht. Dip Offizier« hasten und verachten ihn, und er muß entzweigehen, weil er sich den Kops einrennt an d�k Mauer des Dünkels, der Unwahr- hastigkeit und der Niederträchtigkeit. Wir gehen weiter als Herzog, wir glauben nicht, daß«s einen„Krach um Leutnant Blumenthal" geben kann, weil nämlich«in Leutnant Blumenthal gar nicht existiert, und wir meinen außerdem, daß in der Reichswehr lange nicht soviel Politik getrieben wird, wie es der Autor annimmt. Di« Herren Osiiziere sind im allgemeinen recht zufrieden, daß sie die Republik so nett und angenehm versorgt, wobei zugegeben sei, daß auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen und daß die schwarzrat- goldenen Farben nicht gerade das Idol dieser Menschen darstellen, In den ersten beiden Akten find Lebendigkeit, richtiges Sehen und steigende Handlung festzustellen. Der Schluß fällt leider voll- kommen ab. Die Tochter des Kantinenpächters, die bei den adeligen Herren des Offizierkorps auf der Wachstube war, von dem jüdischen Leutnant aber abgewiesen wurde, hätte, so wie sie uns Herzog schildert, bestimmt nicht vor dem Oberst den Mund gehalten. Ganz unmöglich ist die Schlußansprache des Kommandeurs an die Kom- pagnie: Ein Offizier vor der Front hält das Maul und nimmt nur die Hand an die Mütze. Er sagt nicht zu seinen Kameraden laut und vernehmlich:„Heil dir im Siegerkrang." Das ist albern und unwirklich und schwächt den Eindruck des Stückes, das im übrigen, w�rn es auch«in« Fiktion ist, ernst genommen werden und zur Mahnung dienen muß. Ausführungen, beispielsweise wie die über das Kapitel Soldatenmihhandlung sollten auch von Herrn Groener beachtet werden. Es wurde recht gut gespielt. Hervorgehoben seien der Haupt- mann Kurt Lüpkes, der Oberleutnant, den Otto Ernst Lundt vor allen Dingen in seiner Betrunkenheit lebenswahr darstellte, vor allem der Leutnant Blumenthal von Hans Joachim R« ck n j g, dann Gehrings Kompagniefeldwebel und Stahlands Unter» seldwebel Reihner. Dora Gerson als Margot ist in der Haltung und im Sichgeben vortrefflich, sie muß sich aber angewöhnen, deutlicher und lauter zu sprechen. Als der Leutnant Blumenihal den„Iudenlümmel" des Ober- leutnants von Stachwitz mit einer Ohrfeig« quittierte, antwortete das Haus, nicht nur einzelne, sondern fast die Gesamtheit, mit minutenlangem Beifall. Dies freut« vor allem einen Menschen, der selbst einmal Offiziersunisorm getragen hat und mit Freude und ohne Scham an diese Zeit zurückdenken möchte. Henning: Ouäerxtaät. Chikagos wettlauf mit New Botf. Die Schlußzahlen der Er- geb niste der Volkszählung im Staate New York t>ol>en ergeben, daß die Bevölkerung der Stadt seit dem Jahre 1929 um 981 24i aus 6 691 2 92 gestiegen ist, während die Bevölkerung in der Gras- schast New York aus der Manhattan-Iistel um 18 Proz. in 19 Jahren gefallen ist. Die Zunahme der Geschästshäuser und Fabriken, das Ansteigen der Mieten hat viele Einwohner aus dieser Gegend oer- trieben. Auch die genaue Einwohnerzahl von Chikago ist erst jetzt festgestellt worden, und sie ergab eine Zunahme um 26 Proz. seit 1929: die Gesamtzisfer von 3 37 3 7 5 3. Die Nachricht wurde in dieser zweitgrößten Stadt der Union mit großem Jubel auf- genommen.„New York läßt noch!" war die Parole, die ausgegeben wurde, und allgemein hosit man, daß Chikago in seinem Wettlauf mit New York innerhalb von wenigen Jahrzehnten den Sieg davon- tragen haben wird. ver erste Rustensilm la d'r pomero. 7>c Noiiirra brinot nein bis 70, i.Das ichwarzc Kelchtechl', den großen llxpeditionsfitm aus dem Ich:ni, c Erdteil und.Polikuschla". Raggenskandal in Oldenburg. Erbgroßherzog provoziert. Oldenburg(Holstein), 27. Juni(Eigenbericht). Anläßlich des Oldenburger K r e i s fe u e r we hrf e st e s hat sich hier ein standalöser Flaggenzwischenfall ereignet. Der Kreisarzt wies vor Beginn der Festlichkeit darauf hin, daß man versäumt habe di« Reichsfahne zu hissen. Eine Teil- nahm« an dem Fest sei nur möglich, wenn schwarzrotgold geflaggt werde. Man holte daraufhin«ine Reichsflagge vom Schulgebäude herbei, doch untersagte der Besitzer des Festplatzes, der ehemalige Erbgroß Herzog Nikolaus von Oldenburg, das Hissen der Flagge, worauf der Kreisarzt unter Protest di« Versammlung verließ._ Die Hilfe für Lübeck. Das Zietlungsmittel des Berliner Arztes. Heber die Calmeile-vorgänge In Lübeck und die Berufung des Dr. Genter aus Verlin nach Lübeck wird folgende» mitgeteilt: Dr. Genter aus Berlin-Wilmersdorf hat sich auf Grund der wiederholten dringenden telephonstcheis Berufungen des Eltern- ausschusies im Einverständnis mit dem Hauptgesundheitsamt Lübeck von Berlin nach Lübeck begeben und in der Folgezeit einen Teil der erkrankten Kinder und den Calmette-Saal des Allgemeinen Krantenhauses in Lübeck in seine Behandlung mit A n t i p h t h i- s i n übernommen. Antiphthisin ist als besonders wirksames Aus- baumittel des Körpers vom Reichsgesundheitsamt in Berlin an- erkannt, dem das Zeugnis der vollständigen Giftfreiheit ausgestelli worden ist. Abschließend läßt sich über die Wirkung des Anti- phthisin noch nichts sagen, doch steht fest, daß in den meisten Fällen an den schwer erkrankten durch Fütterungstuberkulose vergifteten Säuglingen im Alter von 8 bis 14 Wochen eine erhebliche Besserung und eine teilweise sehr starke Fiebermild«- r u n g eingetreten ist. die di« Ueberzeugung der Eltern auf eine endgültig« Rettung ihrer Kinder festigt. Der Ersindcr Dr. Genter ist überzeugt, daß er in den weitaus meisten Fällen die ersehnte Rettung der Kinder erreicht. Die Behörden, die Herren Aerzte und das gesamte Pslege- personal tun alles, um di« noch längst nicht zum Stillstand gekom- menen Erkrankungen und die dadurch bedingte Katastrophe nach Möglichkeit zu mildern. Zustizreaktion in Deutschösterreich. Verfolgung der oppositionellen presse. In Deuts chl)st«rrcich herrscht jetzt eine Justiz gegen sie opps- sittonelle Press«, die unsere Aufmerksamkeit verdient. Viel« Jahrzehnte hindurch hott«» in ganz Altösterreich und nach seinem Ende in den Nachfolgestaaten aurschließlich die G c- schlvorenen über Verbrechen und Bergehen zu urteilen, die durch die Presse begangen werden. Nur wenn der verantwortliche Redakteur erklärte, den unter Anklage gestellten Artikel nicht vor- her gelesen und nicht zum Druck befördert zu haben, kam er vor einen Eingclrichter wegen einer Uebertrewng, nämlich der Der« nachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge. Auch da konnte der Wahrheitsbeweis angetreten werden; gelang er, so ersolgte Frei- sprcchung, mißlang er oder waren Beschimpfungen ausgesprochen morden, so setzte es eine Geldstrafe und die Gerichtskosten sowie die Prozeßkosten des Gegners. Nur selten sind in Altösterrcich Redakteure vor die Geschworenen gestellt worden und noch seltener war ihre Verurteilung. Die Republik Deutschösterreich hat mit der berüchtigten Kon- siskationspvaxis ein Ende gemacht. Weil man nämlich in Altösterreich vor den Geschworenen die Verurteilung oppositioneller Redaktcure nur sehr schwer erlangen konnte, bestrafte man die Zeitungen kurzweg durch Konfiskation. Die Gerichte waren meist so willfährig, die Beschlagnahm« durch die Verwaltungsbehörden oder Staatsanwälte zu billigen; nur wenn eine Konfiskation nicht bestätigt oder aus Einspruch der Zeitung aufgehoben wurde, mußte der Staat thr den Schaden ersetzen. Aber das kam sehr selten vor. Di« Republik bestimmte, daß jeder Konfiskation die Anklage vor den Geschworenen zu folgen hat und das genügte, um die vor- dem so häufigen Konfiskationen fast ganz verschwinden zu lassen. Als im vergangenen Herbst der angedrohte Heimwehrputsch durch die Verfassungsrevision abgefangen wurde, benutzte man dies« Gelegenheit zu einer weittragenden Aendcning des Presse- rechts: Man entzog die durch die Presse begangenen Ver- gehen den Schwurgerichten und übertrug ihre Ab- urteilung Einzelrichtern. Prcssevergehen bestehen zu allermeist in Angriffen auf Behörden oder Privatpersonen, die sie als Beleidi- gung empfinden und gerichtlich ahnden wollen. Bei politischen Zeitungen werden solche Angriffe fast ausnahmslos politisch« Ulsachen haben. In Wien ist nun der Richter lj�o walatz der Herr über all diese Delikte, vor ihn kommen olle Belcidigungs- klagen gegen Wiener Zeitungen. Herr Powalatz hat in den wenigen Monaten seit dem Bestehen des neuen Rechts die sozialistischen Zeitungen und auch ein demokratisches Blatt zusammen bereits zu vielen Tausenden Schilling Geldstrafen und kostenersah verurteilt. Dabei ist der Normal�ris für Links blätter im Einzelfall SM Schilling, während die gemeinsten Verleumdungen von Heimwehr- blättern gegen führende Sozialisten, rote Bürgermeister uf«. ge- wohnlich nur mit 200 Schilling bestrast werden! Aber Herr Powa- latz treibt auch erweiternde Auslegung des neuen Ge- fetzes. Er bestraft die sachlichst« Kritik, wie z. B. die Zitierung höchst abfälliger Aeußerungen des 5kustos der Oesterrcichifchen Galerie, einer der bedeutendsten Kunstsammlungen Wiens, über den Neubau des am 15. Juli 1027 abgebrannten Justizpalastes, indem er dief« Aeußerungen eines unbestrittenen Sachverständigen als Beleidigung des betreffenden Architekten erklärt! Ueberaus 'charakteristisch für die Justiz des Herrn Powalatz ist es auch, daß er«ine politisch« Karikatur des Montagblatles»Der Morgen" als Beleidigung des Hecresministers Vaugoin mit der Taxe von 500 Schilling belegt hat. Jetzt eben ist Herr Powalatz mit einer Klage befaßt, die die sachlich«, zwar scharf«, aber in keiner Weise beschimpfende Kritik einer Zeitung an dem bcrüch- tigken neuen S tud« n t e n r e ch t der Wiener Universität als Be- leidigung einer Behörde, nämlich des Rektors und des akadcmi- sehen Senats, bestrafen will. In dieser Sache hat der Richter zu- nächst ein Gutachten vom Berfassungsgerichtshof verlangt, wozu dieses höchste Gericht gar nicht berufen ist. Dieser Rektor rst übrigens«in Rechtsprofessor namens Gleispach, ehemaliger Graf, und von ihm ist eben bekannt geworden, daß er alsbald nach In- kraftfetzung dieses Studentenrechts zu Rochschild geeilt ist, um zu verfichern. daß diese Univerfitätsordnung mit ihren„Studenten- Nationen" beileibe— nicht gegen d i« Juden gerichtet sei; Rothschild wird nämlich von der verhakcnkreuztcn Universität Wien als Spender in Anspruch genommen. Da nun die Vergehen der Presse nicht mehr vor die Ge- schworenen des roten Wien kommen, sondern vor Herrn Powalatz, so ist auch das konfiszieren wieder modern geworden. Der Unterschied gegen früher ist nur, daß die Bcschlagnahmcvcr-' fügung des Staatsanwalts von einem Richter unterschrieben sein muß. Zu diesem Zweck hat man ermittelt, welche Richter in der Näh« des Amtssitzes wohnen. Die Zeitungen erscheinen ja am frühen Morgen und man muß sie zeitig konfiszieren, um ihre Verbreitung zu hindern. So hat man denn die zunächst wohnenden Richter turnusmäßig eingeteilt, damit sie möglichst rasch aus dem Schlaf geweckt werden und im Bett die von einem Kriminalbeamten hergebrachte Konfiskation unterschreiben können. So ist auch die Beschlagnahme der ,.A r b« i te r- Z c i t u n g" am 5. Juni wegen ihrer Kritik des Zlnschlags auf die Arbeitslosenversicherung verübt worden, wohl die erste Konfiskation unseres Bruderblattes seit der Kriegszeit! Angesichts dieser Entwicklung des Prcsscrechts in Deutsch- österreich erscheint es wohl sehr notwendig, auch dieses Gebiet in die Arbeit der Rechtsangleichung hereinzuziehen. War bis zum Herbst das neue österreichische Prcsserecht in mancher Hinsicht dem unsrigen voraus, so dürste jetzt die Einführung des reich-- deutschen Pressercchts für Deutfchösterrcich einen Fortschritt be- deuten. Eine schwere Geburt. Arbeitszeitkonvention für den Kohlenbergbau angenommen. Genf, 27. Juni.(Eigenbericht.) Die Arbeitstonferenz hat in der gestrigen Nachmittagssitzung, die bis nach 8 Uhr andauerte, die Beratung de'' Arbeitszeitkonvention für die Kohlenberglcute zu Ende gebracht und sie in einer Borabstim- inung mit nur geringen Veränderungen der Kommissionsverlag« mit 75 gegen 33 Stinnnen angenommen. Ein Antrag der deutschen Regicrungsver- trctung für die Zulassung von 60 Ueber stunden im Jahre zu wirtschaftlichen Zwecken ist mit ii gegen 41 Stimmen a b- gelehnt worden. Ausfallenderweisc haben die Arbeitgeber sich bei dieser Abstimmung der Stimme enthalten und auch vereinzelt gegen den Antrag gestimmt, was daraus schließen läßt, daß die Arbeitgebergruppe die Konvention von ihrem Standpunkte aus so verschlechtern wollte, daß sie in der Schluhabstimmung abge- lehnt oder dann aber nicht ratifiziert werde. Angesichts der einander sehr nahekommenden Stimmenzahl ist es wahrscheinlich, daß bei der morgigen Schlußabstimmung nochmals ver- lucht wird, die Bestimmung über die Uebcrslunden in die Konvention hineinzubringen. Unter den Regierungsvertretungen, die gegen die Konvention gestimmt haben, befinden sich auch diejenigen von Polen und der Tschechoslowakei, was von besonderer Bedeutung ist, weil dies« beiden Staaten zu den sieben Staaten ge- hören, welche die Ratifikation der Konvention vornehmen müssen, damit sie in Krast treten kann. Der von der Arbcitergruppe in der Dctailberatunq eingebrachte Antrag sür Einbeziehung der Steiger in die Konvention- wurde abgelehnt. Em gleicher Antrag von Dr.' P f i r r m a n n (Deutschland) ist auch in der Kommission für die Arbeitzeit der Angestellten namens der Arbeitergruppe gestellt, leider ober auch hier abgelehnt worden. Die Entschließung sür die Regelung der Arbeitszeit der Braunkohlenbergwerke(für die Ueber- und Unter- tagearbeiter) auf der nächstjährigen Arbeitskonferen.; wurde mit großer Mehrheit angenommen. Oer Werstfchleösfpruch ist abgelehnt. Hamburg, 27. Juni. Der vom Sonderschlichtungsausschuß für die deutschen Seeschiff-, werften gesällte Schiedsspruch ist von beiden Parteien abge- lehnt worden. Im Reichsarbeitsministerium wird, wie verlautet, heute mit den Rachvcrhandlungcn begonnen. pan-Europa und Königsmache. Kleine Entente wieder zusammen. Strbske Pleso(in der Hohen Tatra). 26. Jum. Ueber die Bormittagssitzung der drei Außenminister der Kleinen Entente wird folgendes Kommunique ausgegeben: Die Minister tauschten ihre Ansichten über die Denkschrift Briands aus und prüften deren Prinzipien, die darin enthaltenen konkreten Borschläge und die Arten ihrer Anwendung. Es wurde festgestellt, daß die Initiative Briands den aus eine vollkommenere internationale Organisation im Interesse der Ausrcchtcrhaltung des Friedens und der friedlichen Entwicklung der gcsam'cn Menschheit abzielenden allgemeinen Wünschen entspricht. Diese Initiative steht in vollem Einklang mit den Zielen, welche die Politik der Staaten der Kleinen Entente oerfolgt. Die drei Außenminister einigten sich grundsähNch über die Vorschläge, die sie in dieser-Angelegenheit auf der Genfer Konferenz, wo das Problem eingehend besprochen werden wird, machen werden. Hier» aus wurde das Verhältnis unter den einzelnen Staaten Mitteleuropas geprüft, wie es sich infolge der im Haag und in Paris gctroffeneir Abmachungen darstellt. Es wurde sestgestellt, daß nunmehr eine Besserung dieses Verhältnisses ermöglicht ist, weil eine Anzahl dieser schwierigen Fragen erledigt ist. Die Minister beschlossen, in jedem Falle darauf zu beharren, daß die übernommenen internationalen verpflichlungen respektiert werden. Die Minister gingen auch in eine Aussprache über die praktische Durchführung der Pariser Abkommen ein. Diese Aussprache wird in der nächsten Sitzung fortgesetzt werden. Nach der Konferenz empfing Außenminister Dr. B c n e s ch die Pressevertreter und gab ihnen einige Aufklärungen über die heutige Beratung. Die Antworten der Staaten der Kleinen Entente auf das Memorandum Briands würden in übereinstimmendem Sinne, aber in getrennten Noten, überreicht werden. Auf die Frage eines Journalisten, ob auch die sogenannte Sönigssrage in Ungarn angeschnitten worden sei, erwiderte Dr. Benesch, die Kleine Entente habe schon früher einen klaren Standpunkt in dieser Angelegenheit eingenommen, und es bestehe kein Grund, daran etwas zu ändern. freits«. 27. Juni. Berlin. 16.05 Berliner Betriebe. 16.30 Zur Unterhaltung. 17.30 Kurt Heuser:„Vier Jahre in Afrika." 18.00 Bresfauer Stadion: Einmarsch der Verbände. 18.25 Das neue Buch. 18.35 Opercttenlieder und Schlager. Anschließend: Arbeitsmarkt. 19.10 Programm der nächsten Woche. � 19.40 Von Leipzig:..Die schöne Galathe". 20.4b Prof. Hans Baluschek erzählt sein Leben. 21.05 Franz Schmidt. Dir.: Der Komponist. 1. Karncvalsmusik und ZwiscHcn- spicl aus...Notre-Dame".— 2. Dritte Sinfonie A-Dur(Funkorchestcr). Nach den Abendmeldungcn bis 0.30: Tanzmusik. Königswusterhausen. 16.00 Rektor Friedrich Lorentz; Schulpraktische Auswertung des deutschen Hygienemuseums in Dresden. 16..30 Leipzig; Nachmittagskonzert., 17.30 Landgerichtsdircktor Dr. Albert Hcllwig: Psychoanalyse und Strafrechts- pflege. 17.55 Min.-Dir. Dr. Posse; Der Stand der deutschen Handelsvertragspolitik. 18.20 Ludwig Heilbronn: Im Flugzeug nach London und Moskaif. 18.40 Oskar von Wertheimer: Die Kunst des Erzählens. 19.05 Englisch für Fortgeschrittene. 19.30 Wissenschaftlicher Vortrag für Tierärzte. 20.00 Divertimento für Violine, Viola und Violoncell(K. V. 563). von W. A. Mozart.(Prof. Gustav Havcmann, Hans Mahlkc und Adolf Steiner.) 21.05 Unterhaltungsmusik. Berantwortl. für die Redaktion? Wolsgang Schwarz, Berlin: Anzeigen: Th. Glocke, Berlin. Verlag: Vorwärts Verlag G. m. b. S.. Berlin. Druck: Vorwärts Buch- druckerei und Verlagsanstalt Paul Singer 6c Co.. Berlin SD 68, Lindenstraße 3. 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Voranzeige:• Rosentest in Rose- Barten 6.-9. Juli. Vorverkauf ob morgen früh um 11 Uhr. Im Innentheater ab 30. Juni „Die andere Seite" mit Robert MQIIor. Paul und Willi Rose. äSelloge Freitag, 27. Juni 1930 DprAbraD SfiaJaidfaß* tiftitojA Die ersten,, Luftschwimmer" Stuwers Zylinderballon— Blanchard in Frankfurt und Wien— Jungius fliegt über Berlin Am 21. November 1783 stiegen PilötredeRozier und der Marquisd'Arlanda zum ersten Male mit einer Montgolfierc auf, blieben fünfundzwanzig Minuten in der Luft und landeten wohlbehalten. Zehn Tage später, am 1. Dezember, starteten C h a r l c s und.Robert mit dem ersten mir Wasscrstoffgas gefüllten Ballon in den Tuillerien und waren bald den Biicken der be- geisterten, freudetrunkenen Pariser entschwunden. Der Mensch kann fliegen! Dieser Iubelruf eilte mit Windeseil« durch Europa und bracht« alle, Gemüter in Aufruhr. Die Zeitungen waren angefüllt mit Berichten über das große Weltereignis. Die„Staats, und gelehrte Zeitung des Hamburgischen un partheiischen Correfpondenten Anno 1783" brachte in ihrer Nr. 143 folgendes Stimmungsbild ihres Pariser Berichterstatters: „Der neuliche Versuch mit der Luftmaschin« hat hier einen solchen allgemeinen Enthusiasmus hervorgerufen, daß feit dieser Zeit Sieine und Große davon sprechen und sich mit Ver- suchen beschäftigen. Man hat die ärostatisch« Maschine auf hundert- fache Art in Kupfer gestochen: all« unsere Bilderläden sind voll davon. Alle unsere Professoren der Physik lasen jetzt über nichts anderes, als über Gas, über brennbare Luft, über den ärosta- tischen Ball und über die Mittel, solchen m die Lust zu dirigieren. Besonders eröffnete Herr Charles am Dienstag seine Lcsestunden, zu welchen über 300 Kutschen mit vornehmen Zu. Hörern und solche Menge anderer Leute kam, daß der zwanzigste Teil nicht hineinkommen konnte. Bei de? letzten Sitzung der A c a. d e m i e wurden die Herren Charles und PilStr« und de Rozier zugelassen, welches, da sie kein« Mitglieder sind, etwas Außerordenl- l'ches fft.' Di« Gebrüder Montgolsiere, Charles, PilStre, de Rozier und der Marquis d'Arlande wurden in unzähligen. Oden und Baudevilles besungen. Viele Chansons waren auch politischer Natur und rich- teten sich gegen das„me e r b e h e r r s ch e n de England", dem nun das„luftbeherrschend« Frankreich" den Rang ab- lausen müsse. Am 1. August, also kurz nach den ersten Versuchen Montgolfiers, ging schon ein„luftiger" Schwank über die Bretter. Ihm folgte eine ander« Komödie:„l.c BzII-zn, ou la Physicomanic", die im„XHäätre des Dariätes Amüsantes" viele Aufführungen erlebte. In Deutschland nahm man die Meldungen von den ersten Luft- fahrten mit etwas Zurückhaltung entgegen. W i« l a n d goß die Schal« seines Spottes über die Franzosen aus, bedauerte das aller- "dmgs später. Goethe war gleich von Anfang an über die„er- xötzliche Physik" begeistert. Er äußerte sogar in eiiiem seiner Briefe an Frau Stein die Absicht, selbst einen kleinen Ballon in seinem Garten steigen zu lassen. Ich hob« nicht genau feststellen können, wer in Deutschland den ersten unbemannten Ballon steigen ließ. Aus einem Briefe Goethes geht jedensalls hervor, daß der Anatom von S ö m m e r i n g be- rcits im Herbst 1783 Versuche mit„Pariser Luftbällen" anstellte, die aber mißglückten. Heber die Experimente, die in Wien angestellt wurden, sind wir genauer unterrichtet. Dort erließ der Arzt und Botaniker I n g« n h o u s am 28. Dezember 1783 einen Aufruf, in dem er ein« Geldsammlung für eine große Luftmaschine anrcg'e. Aber den Wienern saß das Geld nicht so locker in der Tasche wie den Parisern. Der Ballon des Herrn Ingenhous wurde nicht gebaut. Einem anderen Flugsportbegeisterten, Alois von Widman- st c t t e r, Mitglied einer bekannten Grazer Buchdruckerfamilie, ge- lang es dagegen, am 14. Januar 1784 den ersten größeren Heißlust- ballon in Wien aufsteigen zu lassen. Die Experimente wurde am 17, 18. und 19. Januar wiederholt, fanden den vollen Beifall der Schaulustigen, wurden dann ab.'r eingestellt. Immerhin wirkten die Versuche Widmanstetters außer- ordentlich befruchtend auf die Schriftsteller. Es erschienen u t o- p i s ch e Romane:„Der Gebrüder Moni mciel Reise auf dem Luftballon",„Robinsons Lustreise nach dem Monde". Genau wie in Paris logen in den Schaufenstern der Buchhändler Zeich- nungen aus, die alle Entwicklungsmöglichkeiten der jungen„Luft- schwimmkunst" erschöpften, und auch das Theater nutzte die Gelegen- hcit aus. Ein Versuch in einem Zirkus mißglückte. Im Juni jedoch ver- kündete der werte Wiener Pyrotechniker S t u w c r, daß auch er ein Lustschisf konstruiert habe, das die Form eines liegenden Zylinders habe.„Dieser Zylinder, welcher die Tragwolke formiert, ist ungefähr aus 2500 Ellen Kanafas-Leinwand und Zwilch zu- fammengesctzt, wiegt beyläusig 800 Wiener Pfund und erreicht in seiner vollen Größe die Höhe eines Hauses von vier Stockwerken. Statt des beweglichen Korbes, den bisher alle linternehmer aeronautischer Versuche ihren Tragwolken mit Stricken angehängt haben, ließ ich meinem Zylinder«in großes hölzernes Schisf nageisest anheften, welches in der Mitte ein geraumes Zimmer hat." Am 6. Juli bestiegen als erste Deutsche Sluwer und sechs Wiener IN>tbürger die Gondel des Fesselballons.„Nachdem sie ihr Feuxr vermehrt hatten, sah man die Maschine bald nachher sich erheben und ihren Standort verlassen: sie wurde durch Seile in die Mitte des Platzes gebracht, und von hier aus erhob sie sich vollkommen senkrecht, sank und stieg zu wiederholten Malen, je nachdem die Luftschiffer ihr Feuer vergrößerten oder oerminderten. Sie erreichte jedesmal eine ansehnliche Höhe, soweit nämlich die daran befestigten Stricke sie steigen ließen." Bis zum Jahr« 1783 fanden in Deutschland keine nennenswerten Auffliege mehr statt. Erst der französisch? Aeronout Blanchard. der übrigens der«rfte war, der sich mit dem Problem der Lenkbar. keit des Ballons befaßte und auch schon eineiiTfallschirm mitführte, veranstaltete«ine Tournee durch Deutschland und erntete überall den größten Beisall. Der Lufffchiiier, der zusammen mit dem Eng- länder Iefferies den Kanal überflogen hatte, tauchte zuerst in Frankfurt o. M. auf. Als er am 3. Oktober 1783 ruhig und sicher puj der AarilHeiaur Heide aufstieg, kannte die Begeisterung keine Grenzen. Der Jubel schwoll zum Orkan an, als Blanchard feinen Hund an einem Fallschirm herunterließ. Zum ersten Male sah man in Deutschland, daß es auch einen Rettungsring der Luft gab. Dem Luftfchisser wurden nach seiner Landung die Pferde aus- gespannt. Taufende von brüllenden, tanzenden Menschen trugen Blanchard zum Schauspielhaus, wo ihm zu Ehren ein« F« st o o r- st e l l u n g gegeben wurde. Ein deutscher Luftschiffer, der viel von sich reden macht«, war d«r Baron von Lütgendors.der durch die Ankündigung, mit dem Ballon aussteigen zu wollen, im Jahre 1786 ganz Augsburg und einen erklecklichen Heerbann Fremder tagelang in Atem hielt, bis die Sache an der Unfähigkeit des Barons und seiner Mannschaft, auf die dann eine Sintflut von Schmähschriften niederging, scheitert«. Schlimmer als Lütgendorf erging es einig« Jahre später dem Luftschifser Blanchard in Wien. Di« Bevölkerung war über die hohen Eintrittspreise empört und stürzte sich, als beim Füllen die Hülle riß, auf das Luftschiff und riß es in tausend Fetzen. Di« Polizei mußte Blanchard in Schutzhaft nehmen, weil die Meng« Miene machte, ihn zu verprügeln. Der Franzose stellte in den nächsten Monaten einen neuen Ballon her, aber auch damit gelang der Aufstieg nicht, weil«in mit Vitriol gefülltes Faß zerplatzte. Wieder Krawall. Drohende Fäuste. Und wieder mußte sich die Polizei des bedrohten Luftschisfers annehmen. Diesmal behielt man ihn längere Zeit in Haft. Kaum entlassen, macht« sich Blanchard wieder an die Arbeit. Ein neuer Ballon entstand. Und am 6. Juli durchschnitt Erzherzog Franz die Seile, die das Luftfahrzeug noch mit der Erde verbanden, und der Franzose hatte einen guten Abflug. Er landete in der Nähe von Groß-Enzersdorf und erhielt das Ehrenbürgerdiplom verliehen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen die Ballonfahrer auch nach Berlin. 1803 startete der Franzose G a r n e r i n, neben Blanchard der ersolgreichstc und kühnste Lustschiffer der damaligen Zeit. Di« Per- suche, die Bourgouet und Deis anstellten, mißlangen, und daher stieß der Professor Jungius, der am 16. September 1803 seinen ersten Ausstieg unternahm, auf keine allzu große Teilnahme bei den Ber- linern. Jungius aber, der sich aus seinen Fahrten eine wilseirschaft- liche Ausbeute versprach, stieg beim ersten Male gleich so hoch, daß er bewußtlos wurde. Die Ballonhüll« erhielt schließlich einen Riß, der das sofortige Sinken des Gasballes bewirkte. Der Ge- lehrte landet« nach einem anderthalbstündigen Flug« bei Münch«- b e r g und empfing vom König 300 Taler für seine Leistung. Im Jahre 1806 nahm Jungius den fünfzehnjährigen Kölz, Sohn eines Berliner Bäckermeisters, als Paffagier mit, den er zwischen Groß, Beeren und Heinersdorf absetzte. Er selbst flog dann noch b i s Trebbin weiter. Wie alles, was neu ist und«ine groß« Anziehungskraft auf die Maffen ausübt, wurde auch die Ballonsahrerei von Leuten bis- ■ � kreditiert, die den Mund mächtig vollnahmen und denen es in Wirk- lichkeit nur auf Geldschneiderei ankam. Unzählig viel Bericht« geben Kunde von Spektakelstücken, von fliegerischen Mißerfolgen. Und als all« Versuche, den Ballon zu lenken, mißlangen, erlosch das Interesse der breiten Massen allmählich. Die ernsthaften Aeronauten aber arbeiteten unentwegt an dem Problem weiter, das erst durch die Erfindung des Motors gelöst wurde. Uitdy Worm. Einer Kämpferin Zu Helen Kellers 50, Geburtstag Helen Keller ist heute 30 Jahr« alt geworden. Henny Schumacher wies bereits in der„Frauenstimme" vom 19. Juni auf ihr Leben und ihr« Lebensarbeit hin. Wir lasten eine weitere Betrachtung folgen. „In ganz Amerika gibt es eine Unzahl kleiner Kinder, welche den größten Teil des Tages in muffigen, überfüllten Räumen ver- bringen müssen, wo sie von alten Leuten oder Kindern, welche kaum älter sind als sie selbst, beaufsichtigt werden, während die Eltern in Fabriken oder im Haushalt fremder Leute arbeiten. Dies scheint mir die beklagenswerteste Tragödie unseres modernen Lebens. Die erst« und letzte Pflicht einer Nation ist, für das Woyl ihrer Kinder zu sorgen. Kein Volk kann gedeihen, dessen Kinder iiys Kampf mit dem Siechtum liegen. Kein Volk kann ver- derben, dessqn Kinder gesund und fröhlich heranwachsen. Diese Kinder, welche weder Gesundheit noch Freude kennen, in üd«l- riechenden, sonnenlosen Wohnungen aufwachsen und vom Hunger vorzeitig in Bonbonfabriken, Spinnerei«» und Minen getrieben werden—, diese Kinder, welche an Leib und Seele verkümmert und verkrüppelt sind, sind keine richtigen Bürger für eine Republik. Sie sind eine Gefahr und ein Borwurf zugleich. Wir schließen unsere Tore für die Kinder aus Europos Gasten. Unser Einwonderungsgesetz läßt niemand hinein, der krank isnd «lend ist; aber«ine merkwürdige Aenderung der Gesinnung voll- zieht sich, wenn Mütter sich wehren wollen gegen eine andere, viel verhängnisvollere Einwanderung. Jeder, der die Kinder auf«ine Zahl beschränken will, welche die Eltern gesund und richtig erziehen könnten, wird als Gesetzesübertreter gcbrandmarkt. Es ist nicht verboten, kranke Kinder in die Welt zu setzen, die in seelenmordendem Elend aufwachsen müssen, aber es ist verbrecherisch von einem Arzt, ein« Mutter über die G e- burtenkontrolle aufzuklären. Es ist ein sonderbares, un- logisches Gesetz, das ein Verbrechen daraijs macht, Empfängnis zu verhüten und doch unfähig ist, anständige Lebensbedingungen für die Massen kleiner Kinder zu schaffen, welche in die Welt hinein- purzeln." Diese Worte, die eine leidenschaftliche Kampfnatur verraten, schrieb eine jetzt fünfzigjährige Frau, die im achtzehnten Monat ihres Lebens, als sie eben die ersten Worte zu sprechen begann, infolge einer Krankheit unheilbar taub und blind wurde. Sie stehen in dem jetzt erschienenen Forffetzungsband") der Selbst- biographie von Helen Keller. Um ihren Namen, den einst die Bereinigten Staaten nicht ungern zur Retlame für die un- begrenzten Möglichkeiten Amerikas oerwendeten, ist es heut« stiller geworden. Sportchampions und Wolkenkratzer sind bequemere Objekte für solchen Ruhm. Helen Keller, die sich öffentlich über Saccos und Vanzettis Hinrichtung empört, die aus ihrer Sympathie für die revolutionären Weltumwälzungen der Nachkriegszeit kein Geheimnis machte, Helen Keller, die mit Sätzen wie diesen vor die Oefsentlichkeit tritt: „Wir wollen nicht um Aufgaben bitten, die unseren Kräften «ntsprechen, sondern um Kräfte, die unseren Aufgaben gewachsen sind. Denn der Mensch ist unbesiegbar, wenn er um Menschen- rechte kämpft"— diese Helen Keller wird totgeschwiegen von ihrer Heimat und darüber himms von vielen Kreisen, die an ihrem völlig unpolitischen Wirten für die Taubstummen- und Blindenfürsorge der ganzen Welt Anteil nehmen sollten. Helen Keller hat die Kerkertüren geöffnet, hinter denen ein furchtbares Schicksal Unschuldige zu lebenslänglicher, lautloser Dunkelhaft verbannte. Fünf Jahre ihrer Kindheit hat sie selber dahinter verbracht: dann trat sie ins Leben und wurde ein Mensch mit einer starken, frohen, aufnahmefähigen Seele, der, blind und taub, klarer sehen lernte als mancher Sehende, schärfer hören als mancher Hörende. Dr. Samuel Gridley Howe hatte die taubblinde Laura Briogman erzogen: zum ersten Male war damit solchem unglücklichen Wesen, das bis dahin nach allgemeiner Auffassung als Idiot galt, der Weg in die Freiheit gebahnt worden. Aber Dr. Howe starb.bereits vier Jahre vor Helen Kellers Geburt. Helen Keller lernte, als sie acht Jahre alt war, Laura Bridgman ')„Mitten im Lebensstrom." N«ue Erinnerungen von Helen Keller. Verlag Robert Lutz Nachf., Stuttgart. kennen: eine freundliche Dame, die in einer Blindenanstalt lebte, Helen Puppenkleider nähte, aber vor ihren schmutzigen Kinder- Händen' zurückwich und ihr nachdrücklich in die Hand buchstabierte: „Du mußt nicht auf dem Boden sitzen, wenn du ein frisches'Kle>v anhast, du beschmutzt es sonst. Du mußt noch viel lernen." Welch Unterschied zwischen ihr und Helen Keller, die reitet, Rad fährt, sich mit Mark Twain in unwegsamer Landschaft verirrt, die auch körperlich immer, wie sie von sich behauptet,„mitten -m Lebensstrom" zu stehen scheint. Dabei war sie nach ihren eige- nen Aussagen wie nach denen ihrer Lehrerin nur ein gut normal begabtes Kind, das infolge seines Leidens bis zu seinem siebenten Jahre ein hilfloses, ungebärdiges Geschöpf blieb, das schrie und - tobte, wenn man ihm nicht den Willen tat, und zu nichts und nie- mand Liebe öder Zuneigung empfand. Da vermittelte Dr. Graham Bell—'meist nur dekannt als der Erfinder des Telephons, obgleich er für sein von Erfolg gekröntes Streben, den Tauben die Verständigung mit den übrigen Menschen zu lehren, mindestens ebensoviel Ruhm verdient— eine Lehrerin für die kleine Helen, die 20jährig« Anne M. S u l l i- van, die selber von Kindheit an blind gewesen war und erst kurz zyvor teilweise das Augenlicht wiedergewonnen hatte. Sie brachte alles mit, was für ihr schwieriges Amt notwendig war: Verständ- nis, Liebe, und, wie es sich bald zeigte, pädagogische Hellsichtigkeit. Ihr? Erziehungsmethoden, die sie feit dem Jahre 1887 bei Helen Keller ganz instinktiv zur Anwendung brachte, wirken heut« nach modern. Sie unterrichtete das, wofür das Kind gerade Jnterelfe zeigte, und ließ sich immer von dem Grundsatz leiten: Wenn ein Kind nach irgend etwas vernünftig fragen kann, so ist es auch reif für die Antwort auf diele Frage. Und so bekommt die siebenjährige Helen e n« richtige Auskunft, als sie wissen will, wo die neugeborenen Geschöpfe her- kommen. Mit Zeichensprache muß ihr alles in die Hand buch- ftabiert werden, natürlich auch heute noch, wenn sie bei deutlichem Sprechcn auch imstande ist, mit auf die Lippen gelegten Fingern «ine Rede zu oerfolgen. Die Erziehung Helen Kellers ist im wörtlichen Sinn das Lebenswerk Anne Sullivans, die, vierzehn Jahr« älter als Helen und heute wieder fast erblindet, noch immer mit ihrer einstigen Schülerin zusammenlebt.„Sie hätte ihr eigenes L«ben leben können und hatte mehr Aussicht, glücklich zu werden, als die meisten Frauen. Aber sie hat sich alle Weg« selbst verbaut und alles zurückgewiesen, was sie von mir getrennt hätte", schreibt Heien Keller. Es ist unmöglich, Anne M. Sullivan zu vergessen, wenn man Helen Kellers gedenkt. Daß sie studieren konnte, gemeinsam mit sehenden und hörenden Kameradinnen, daß sie befähigt wurde, teilzuhaben an der Welt, einzutreten in den Kampf gegen das Un- recht, ist Anne Sullioai's oder, wie sie nach ihrer Verheiratung hieß, Frau John Marys Werk. Aber es ist Helen Kellers menschliche Größe, die aus diesem Werk so reiche Früchte brachte. Sie weiß, daß ihre Lebensumstände es ihr besonders leicht mochten, trotz ihrer schweren Gebrechen in dieser Welt zu stehen, die von Sehenden und Hörenden für Sehende und Hörende erbaut wurde. Sie vLeiß, daß sie persönlich alle Menschen von ihrer besten Seile kennenlernte— und sie ist mit vielen Menschen zusammengekommen, auch mit vielen Berühm:- heiten aus den Gebieten der Kunst, Wissenschaft, Wirtschast Das Leben tat alles, um Helen Keller«in Dasein zu ermöglichen in dem sie sich selbstgenügsam als Wunder hätte bestaunen lassen können. Aber sie wollte die Ruhe dieser Scheinwelt nicht. Sie begriff, daß sie eine Aufgabe an der Menschheit zn erfüllen hatte, gerade, weil sie durch ihr Leiden an«inen Platz ge- stellt ist, der ihr von vornherein einige Beachtung sicherte. Sie nahm den Kamps auf, mit den persönlichen Uebeln. die sie mit heiterer Selbstoerspottung und gelassener Ergebenbei ertragen lernte, mit den großen Uebeln der Welt, gegen die sie leidenich I- lich zu Felde zog, nicht mit allen ihr zur Verfüg'inn �ebe'de« Fähigkeiten, sondern mit allen Fäh-gkenen, die dies- groß- Auigab- in ihr entwickelte. Man hätte sie gern für alle möglichen„wohltäligen" Institu- tionen als dekorative Airappe verwendet. Helen Keller aber wnrde eine kämpfende Sozialistin, ein starker, lebendiger Mensch. Sie verdient, daß die Menschheit sie an ihrem 50. Geburtstage dankbar und bewundernd grüßt. Trucke E. Schuir, (16. Fortsetzung.) Fräulein Saat hatte etwas Sinnendes im Blick, in ihren Augen war quasi das Lächeln der Nachdenklichkeit.— Am Nachmittag, als Hammerschlag schon im Zug Salzburg— Ischl saß. kurz vor der Afesahrt, erlebte er sein Wunder. Die Tür des Waggons wurde noch einmal aufgetan und herein stieg Fräulein Saat. Sie mustert« mit einem schnellen Blick die Insassen— sie wurde rot und ihre Augen wurden glänzender. .Ich habe mich entschlossen, gleichfalls zu reisen", sagt« sie mit Afsett. Hammerschlag, der, wie immer, wenn er unangenehm berührt war. den linken Nasenflügel hochgezogen hielt sragt«: „Wohin denn?" „Weiter ins Salztammergut hinein", antwortete sie. Ach so chas ist dein«„Diplomatie", dachte Hammerschlag, und plötzlich wurde er dunkelrot vor Wut. Wie, sollte er auf dies« ein- fache Weis« seiner Freiheit verlustig gehen? Das wäre ein Spaß! Die Leute im Wagen, die Hammerschlags Gesicht beobachten konnten, warteten gespannt, was wohl nun geschehen würde. Ader was sollte geschehen? Was konnte Hammerschlag anders tun, als ihr bei der Verstauung ihrer Gepäckstück«, die sie jetzt vom Bahnsteig in den Wagen bugsierte, behilflich zu fein. Sie hatte einen Handkoffer,«ine Reisetasche und ein Paket. Sie mußte sich furcht- bar geschleppt haben. Aber sie hatte Hammerschlag gezeigt, wer mit seiner Diplomati« wieder einmal die Klüger« geblieben war! Hammerschlag war schweigsam. Im übrigen war er neugierig, aus welch ein« diplomatische Art sie es angestellt hatte, zu erfahren, wohin er zu reisen gedachte. Denn sie mußte doch sür den b«- treffenden Ort ein entsprechendes Billet gelöst haben— für Hammerschlag gab es keinen Zweifel, daß sie auf ebenderselben Station aussteigen würde wie er.— Später, als er sie mit ihrem geröteten Gesicht und den glänzenden Augen dasitzen sah. tat sie ihm wieder leid, wieder schwankte er in seinen Gefühlen. Es stellte sich im Laufe der Fahrt heraus, daß Fräulein Saat ein« Fahrkarte bis Ischl genommen hatte. So konnte sie über die ganze Strecke der Lokalbahn aus jeder Station, wo es ihr beliebte, aussteigen. Hammerschlag wischte sich den Mund, er mußte doch lachen. — Seine Fahrkarte ging bis nach Sankt Wolfgang, einige Sta- tionen vor Ischl. Die Eisenbahn nahm ihren Weg am Mondsee; Hammerschlag staunte in das unbekannte Wunder dieser Landschaft. Wie blaue Seide dehnt« der See sich hin. Die Berg« waren hauchumhüllt. Dynn fuhr der Zug durch den Wald und später durch einen Tunnel von imponierender Länge. Als sie an den Abersee kamen, der nicht minder blau und ver- träumt als der Monds«« dalag, wurde Hammerschlag ein wenig unruhig. An diesem See lag seine Station.— Fräulein Saat hingegen rührte sich nicht. Mit keinem Blick nahm sie an ihren drei Gepäckstücken Interesse, obgleich sie die Station näher kommen und Hammerschlag sich zum Aussteigen bereiten suhlte. Sie sah nur mit bewundernden Augen zum Fenster hinaus. Hammerschlag nxinte schon im Eernft, er hätte sich tatsächlich in chren Absichten getäuscht— ober dann kam es doch anders. Im allerletzten Augenblick, als der Zug schon hielt, sprang Fräulein Saat in die Höhe. „Wie schon ist es hier!" rief sie und hob mit geradezu mann- licher Kraft den Koffer herunter. Sie zog die Reisetasche unter ihrem Sitz hervor, schwang das Paket durch die Lust zu sich her — und draußen aus dem Bahnsteig stand sie. neben Hammerschlag! „Bor solch einem Paradies kann man sich nur ehrsürchtig ver- neigen", sagt« sie und verneigte sich wirklich gegen den See,„da schweigt die Zunge." Kind, Kind, dacht« Hammerschlag, versuche nur nicht, mir ge- sährlich zu werden, du hättest am End« den Schaden davon. Hanmierschlag konnte sich doch! Er wußte, er konnte sich aus sich verlassen. Mit Fräulein Saat am Arm in Berlin am Anhalter Bahnhos eintreffen? Haha, das wäre gelacht!— Bon der Station mußten sie mit einem Schiff über den See, um den eigentlichen Ort Sankt Wolfgang zu erreichen. Es ging gegen Abend. Musik schallte ihnen von drüben entgegen. Fräulein Saat, die es im allgemeinen für billiger hielt, privat zu logieren, nahm diesmal ein Zimmer im Hotel— es war dasselbe Hotel, in das Hammerschlag sein« Reisetasche hatte bringen lassen. *** Dieser Ort, Sankt Wolsgang Markt, und sein See lagen wirk- lich wie kostbare Edelsteine sonst in dem beschützenden Etui der Berge. Es gab respektable Hotels, vor allem«in mit sämtlichen modernen Anlagen versehenes, das sich in einer gewissen aristo- kratischen Distanz von dem eigentlichen Flecken hielt und den Mittel- puntt des gesellschaftlichen Lebens bildete. Dieses Hotel lag nah an der Station der Zahnraibahn, die von hier aus mehrere Male am Tag emsig den Schasberg erklomm, und es hatte sozusagen einen Ableger aus der Spitze des Schafberges— ein« durchaus ernsthafte Dependance in der Höhe von über-siebenzehnhundert Meter, die ein paar Dutzend Gäste ausnehmen konnte. Bon unten sah man, bei klarem Wetter deutlich erkennbar, aus den Almen die Hütten. Das Hotel auf dem Cchafberg grüßte, nicht gerade überaus entfernt erscheinend, aber doch wie ein Märchen aus der manchmal durchsichtigen, manchmal vernebelten Höh«. Es war kein Wunder, daß dies« Bergspitze wie ein bevor- stehendes großes Ereignis die Gedanken der Reisenaen anregte. Sie wußten aus ihren Reiseführern und aus den Schilderungen der aus der Höh« Heimkehrenden, daß ddrt oben bei klarer Witte- rung ein Panorama der Gebirgswelt wie selten ein zweites in Oesterreich zu genießen war. Natürlich wollte Hammerschlag ebenso wie alle anderen Leute hinaus— nur war es seiner Natur gemäß, sich das Beste bis zum Ende aufzusparen. Er gedacht« zuerst in großen Spaziergongen die User des Sees und die daranliegenden Ortschaften, überhaupt die nähergelegenen berühmten Ausflugsorte kennenzulernen. Aber Fräulein Saat setzte ihre Tätigkeit als Reisemorschall, die sie in Salzburg begonnen hatte, mit verblüfsender Selbftoer- ständlichkeit fort. Sie disponierte— und sie fragte nicht etwa, sondern sie sagt« es ihm auf den Kops zu— wohin sie gehen oder mit dem Dampfer fähren wollten. Sie besah sich durchaus nicht die Karte, wie Hammerschlag da» tat, sie hatte ober ihre Ohren überall, wo Leute sich, sei es im Restaurationsgarten oder im Loden oder auf dem Flur im Hotel, unterhielten. Aus solchen halbver- standen«» Gesprächen machte sie sich ein Bild von der Umgebung. Einmal ums andere kam sie Hammevschlag mit hochwichtiger Miene und Gestikulationen entgegen— jedesmal meinte er, sie hätte die Kunst glücklich zu sein oder die Golömacherei entdeckt. Aber sie wollte ihm nur einen ihrer neuen Ausflugspläne mitteilen. Sie wollte nach Ischl, eigentlich nicht um der landschaftlichen Schön- heit willen, sondern weil vor einem Jahrzehnt und länger der Kaiser Franz Josef dort alljährlich geweilt hatte/ „Da müssen wir morgen hin", rief Fräulein Saat entschieden. Sie hatte eben beim Gemischtwarenhändler von der Bedeutung Ischls erfahren. Bor allem aber wollte Fräulein Saat mit der Zahnrodbahn auf den Schafberg hinauf. Alle Leute sprachen vom Schasberg und der gewaltigen Aussicht. Schon am zweiten Tage drängte sie Hammerschlag, mit ihr die Fahrt zu unterilehmen. „Kind", sägte Hammerschlag— denn er war inzwischen auch im Verkehr mit Fräulein Saat in seinen gewohnten Ton über- gegangen—„Kind, fahre doch so oft wie du willt auf den Schaf- berg hinaus. Aber laß mich in meinen frommen Tälern bleiben. Ich mache morgen einen Spaziergang zum Schwarzen See." Natürlich schloß Fräulein Saat sich ihm bei diesem Spazier- gang an. Sie stiegen durch Tannen- und Buchenwälder. Der Berg streckt« seinen gewaltigen felsigen Leib durch die moosige Erde, am Wegrand standen vereinzelt Alpenveilchen und Eisenhut. Fräulein Saat sang über die ganze Zeit, schmetternd wie eine Lerche. Hammer- schlag stand mitunter in einer Paus« still und sagte nur: „Welch eine herrlich« Stille." Aber Fräulein Saat merkte nichts, sie begann sofort wieder, und zwar erneut mit dem Licde vom Dachstein, wo der Aar noch haust. Sie schien von diesem Gesang entsetzlich viel zu halten. Das End« war gar nicht abzusehen. Der Schwarze See lag still und geheimnisvoll da. Kein Mensch rundum. Die Berge wuchsen blau in den Himmel. Kein Vogel- schrei. Nur Fräulein Saat machte Lärm. Sie sang immer noch das Lied öom Dachstein. „MenjchenstinÄ, Fräulein Liesbeth Saat", sagte Hammerschlag plötzlich rund heraus,„könntest du vielleicht für zehn Minuten deinen Schnabel halten?" Fräulem Saat schwieg, empfindlich gekränkt. Aber es kamen keine zehn Minuten dabei heraus. „Ich muß immer an den Dachstein denken, weil er hier in der Nähe ist", begann sie,„und darum singe ich vom Dachstein, damit du's weißt. So grob brauchst du mit mir nicht zu sein, das bin ich nun einmal nicht gewöhnt", schloß sie scharf. Sie duzte ihn, weil er sie duzte. Vielleicht hatte sie die Art seines„Du" in der Tat verkehrt begriflen. Hammerschlag gab leine Antwort, sie hatte wieder in ihrer Manier ohne inneren Zusammenhang drauflosgeredet. Was hatte ihr« Antwort mit seinem Ersuchen um Still« zu tun? „Vom Schafberg aus kann man nämlich den Dachstein sehen", sing sie von neuem an. und weiß Gott, sie begann wieder das Lied vom Dachstein zu summen. „Ich fahre morgen mit auf den Schasberg". sagte Hammer- schlag schnell,„wenn du es jetzt fertigbringst, vom Dachstein still zu sein." Sosort war sie still. Sie lächelte. Aus den Schasberg, dachte sie. Du Bergschaf, dachte er. Sie verhielt sich von dieser Minute an schweigend. Sie lächelte mit vertieften Mundwinkeln. Ihre vollen Backen strahlten Ver- gnügen.(Fortsetzung solgi.) e Buch 3>ie{ro llenui: Todeskampf der Freiheit'' Es ist kaum vierzehn Tage her, da sich zum sechsten Male die Stunde jährte, in der Giacomo Matteott!, der Führer der italienischen Sozialisten, in der römischen Campagna von den Schergen Mussolinis nach feigem Ueberfall niedergemetzelt und ver. scharrt wurde. Wir begrüßen es, daß gerade jetzt der Dietz-Bertag Pietro Nennis Aufzeichnungen„Todeskampf der Freiheit", die vor einiger Zeit im„Abend" erschienen, in Buchform herausgab. Fabers Titelbild kennzeichnet den Inhalt: Mahnend, trauernd, ernst und sinnend des toten Matteotti Kopf, darunter der Du« Benito Mussolini in Uniform, in Pose. Wir kennen Nennis Schreibart und Betrachtungsweise: Er ist leidenschaftlich bis zu glühender Wut und sachlich bis zu rücksichtsloser Selbsterkenntnis. Er ist hart und gerecht gegen den Feind, hart und gerecht gegen den Freund und gegen die eigene Partei. Nicht nur Mussolinis Schwarzhemden, nicht nur die Treulosigkeit des Königs, nicht nur das Versagen des liberalen Bürgertums, sondern auch die Spaltung, die Zerrissenheit des Proletariats sührt« zum Todeskamps der Freiheit, zur Unter- jochung der Demokratie in Italien. So lehrt uns Nennis Buch mancherlei: Einmol, daß nur eine einige, in sich geschlossene, stets abwehrbereite Sozialdemokratie dem Faschismus wehren kann, zum anderen, daß in Stunden der Gesahr sonst vielleicht nützliche theoretische Auseinandersetzungen zu unterbleiben haben, zum dritten, daß alle kommunistischen Methoden der Stärkung von Faschismus und Tyrannei dienen, und endlich, daß, wenn es hart auf Hort geht, auf das Bürgertum kein Derlaß ist. Nenni sagt zum Schluß: „Italien wird frei werden!" Aber das, was Italien heute durch- leidet, ist ein Golgathaweg von mehr als sieben Stationen! Nennis „Todeskampf der Freiheit" ist ein bitteres und schmerzhaft warnen- des Lehrbuch. Es ist wert, in der Büchersammlirng eines jeden Proletariers zu stehen. Hennin? Duderstadt. 1930. •) Verlag I H. W. Dietz Nachs., G. m. b. H., Berlin SW. 68, WAS DER TAG BRINGT. .............................................................................................................................................................. St. Bürokratius. , In dem„Entwurf eines Gesetzes betreffend den Abschluß eines Staatsoertrages über eine Gemeinflhaftsarbeit zwischen Bremen und Preußen", gezeichnet der Ministerpräsident Braun, der Minister für Handel und Gewerbe Dr. Schreiber, der Finanzminister i. A. Weyhe, lesen wir unter§ 23: Gewinnverteilung. Der Reinertrag wird unbcsihadet der Vorschrist des Z 9 Abs. 4 des Abkonmiens über die Förderung der Hochs««- sischerei unter die Gesellschafter so verteilt, daß Bremen den Betrog erhälj, um den ein Achtel des um den Betrag des von der Gesellschaft zu tragetüten Anleihe- dienst«? erhöhten Reinertrages den gesamten Anleihe- dienst übersteigt, Preußen den Rest. Man sieht, der Vertrag über d/e Gemeinschaftsarbeit hat bereits die schönsten Früchte in Gestalt von Stilblüten gezeitigt, bevor er in Kraft getreten ist. Wie lange geht eine Uhr? Wie lange kann in der Regel eine Uhr in Betrieb sein, ohne vom Uhrmacher gereinigt und geölt zu werden? Bei großen Wand- uhren mit verhältnismäßig grobem Werk kann man mit drei Jahren und länger rechnen. Eine gute Herrentaschenuhr hält es etwa zwei Jahre aus, während eine kleine Armbanduhr etwa alle sechs Monate zum Uhrmacher gebracht werden muß, damit sie geölt und gereinigt wird. Wenn der Uhrmacher das dem Besitzer sagt, wird dieser meist entweder den Uhrmacher verdächtigen, er wolle an der Uhr nur verdienen, oder gar der Meinung sein, das Werk der Uhr tauge nichts. Man muß sich aber einmal vorstellen, daß das Werk einer Armbanduhr so fein ist, daß schon ein kleines Staubsädchen für sie dasselbe bedeutet wie sür eine Wanduhr ein kleines Baumzweiglein. Ein salomonischer Bürgermeister. In Lorain im nordamerikanischen Staat« Ohio>?ahm in letzter Zeit die Benutzung der Dienstautos durch die Angestellten und Beamten der Stadt überhand. Um seinen Untergebenen die Lust an diesen Prioatsahrten zu nehmen, ordnete der Bürgermeister an. daß sämtliche städtischen Dienstautos in den Landesfarben rotweiß- blau gestrichen werden. Ausgenommen wurden nur die Autos der Feuerwehr und der Polizei.— Di« Maßnahme hat sich bewährt. Solange man mit einem Dienstauto herumfahren und es für sein eigenes ausgeben konnte, hatte dieses Spazierenfahren einen ge- wissen Reiz, aber so...? Bände hoch! In einem Zimmer schickt von links her eine Lampe Strahlen nach einer lichtempsinWichen Zelle, die sich rechts befindet. Diese liegt in einem Stromkreis und ihre Belichtung hilft hier zur Eni- stehung einer kräftigen Strömung. Run möge eine Person so durch das Zimmer gehen, daß sie die Bahn der Lampenstrahlung schneidet. Dann wird der Strom im Kreise unterbrochen oder wenigsten» geschwächt, und diesen Vorgang kann man auch benutzen, um' irgend- welch« Wirkungen auszulösen. Die Einrichtung läßt sich also z. B. verwenden, um ein Alarmsignal erschallen zu lassen, wenn sich ein Einbrecher in einem Raum bewegt. Auf einer Ausstellung wurde jüngst sogar eine Anlage ausgestellt, bei der ein Grammophon bei unbefugtem Betreten eines Raumes ausrief:«Hände hoch!" Gold aus dem 30jährigen Krieg. Ein Bauer in Gersdors(Mittelfranken) fand bei Drainage- arbeiten auf seinem Grundstück einen schweren Eisentops mit einem mächtigen aus Gold und Silber bestehenden Klumpen. Der Topf läßt daraus schließen, daß der Schatz vor 300 Jahren dort vergroben wurde, als Wallensteins und Gustav Adolfs Scharen das Land unsicher machten. Die Peitsche auf dem Acker. In verschiedenen Ländern ist man emsig bestrebt, dem Acker reichere Erträge abzuzwingen, als er bis jetzt liefert. Amerika sucht nach einem Getreide mit stärkerem Halm und gleichmäßigerer Aehr«, und man hofft dort später aus vier Hektaren soviel herauszuholen, wie bisher aus fünf. In England hat man auch sestgeftellt, daß man den Boden dadurch fruchtbarer machen kann, daß man die Ackererde etwa eine halbe Stunde lang auf die Siedetemperatur des Wassers erhitzt, so daß schädliche Kleinlebewesen getötet werden, die sonst das Wachstum von Pflanzen geschädigt hätten. Und da der deutsche Forscher F. Hildebrand nachgewiesen hat, daß Samen auffallend schnell keimen können, wenn man sie mit gewissen dunklen Wärmestrahlen behandelt hat, so eröffnet sich die Möglichkeit, bei manchen Pflanzen jährlich ztfcei Ernten zu erzislen. Die Rache der Sängerin. Klein« Ursachen, große Wirtungen, das mußten auch die«inst so kunstliebenden und kunstverständigen Münchener erfahren: denn — obwohl sich zu Beginn des vorigen Jahrhunderts bereits Künst- ler aller Richtungen mit Vorliebe in der Jsarstadt niederließen und sich dort wohl sühsten— kamen sie infolge eines kleinen Zwischen- solle? um den Genuß, die weltberühmt« Sängerin Catalaui singen zu hören. Als nämlich die Sängerin im Jahre 1826 nach München kam, um dort zu singen, ging sie zunächst in die Liebfrauenkirche und setzt« sich dort in die Loge der Prinzessinnen, die darüber der- art empört waren, daß sie ihren diensttuenden Kammerherrn baten, die Künstlerin von ihrem Plag zu weisen. Dies geschah so unhöflich, daß die Catalani die Kirche sofort zornbebend verließ und zur Kö- nigin in Audienz fuhr. Hier beschwerte sie sich über Sie ihr zuieil gewordene Zurechtweisung und erklärt«, der Dorfall habe sie so an- gegriffen, daß sie nun nicht mehr singen könne und wolle. Sie werde sofort abreisen und den Münchener Boden nie mehr betreten. In ihrem Hotel„Zum schwärzen Adler" angekommen, befahl sie so- fort ihren Wagen Otd gab Anweisung, daß Teppiche von der Hotel- tür bis zum Wagenschlag gelegt werden sollten, damit sie das„ver- haßte Pflaster" nicht mehr zu betreten brauche. Uiü» so schritt sie denn hoheitsvoll ihrem Wagen entgegen, und als sie kurz davor«ine Stelle bemerkte, die nicht von dein Tcppich bedeckt war. ricß sie kurz entschlossen ihr teures Mantcltuch ab und schritt darüber zu ihrem Wagen, der sie den Münchenern sür immer entführte. Die beendete Handball-Serie im 1. Kreis des ATSB. P'ie Fruhjahrsseri« drr Arbeittrhandballer ist beendet, die einzelnen Meister der Klasse sind festgestellt. In der 1. Klasse gelang es dem Bezirk Wedding der FTGB., der mit FTGB.-Süden punktgleich stand, durch einen 4: Z-(1; 0)>Sieg die Kreismeisterschaft zu erringen. Die Seri« in der 1. K la s s e Hot nun folgenden Stand: Di« Sericnspiele zeigten an jedem Sonntag Ueberraschungeni gelang«s doch einigen der an unterer Stelle stehenden Mannschaften, ein Unentschieden herauszuholen oder gar zu gewinnen. Wurden die Spiele der 1. Klaffe über den ganzen Kreis ausgetragen, so spielten die übrigen Mannschaften in den Bezirken. Dort wurden folgend« Ergebnisse gezeitigt: Im 1. Bezirk, der in der 2. Klasse in 2 Gruppen spielt«, konnte in der 1. Gruppe Eintracht-Mahlsdorf 1. Männer und in der 2. Gruppe Eiche-Köpenick 2. Männer die Gruppenführung erkämpfen. Das Entscheidungsspiel beendete dann Mahlsdorf siez- reich und wurde somit Bezirksmeister des 1. Bezirks. Der Tabellen- stand des 2. Bezirks(Nordbrandenburg) zeigt folgendes Bild. 2. Klasse. und in der Frauenklasse FTGB.-Neukölln 1. Frauen an der Spitze stehen. Die nächsten Spiele Am morgigen Sonnabend spielen um 18.3» Uhr FTGB.- Wedding 2(Männer) gegen Nowawes 1 im Bolkspark Rehberge. FTGB.-Bezirk Norden 3(1. Männer) hat um 19 Uhr Fichtenau 1 im chumboldthain als Gegner. Zur Stadioneinweihung der Wühl Heide spielen FTGB.-Südost(Frauen) gegen FTGB.-Baumschulenweg um 14,50 Uhr: die Sozialistischen Studenten(1. Männer) gegen Baumschulenweg 1 um 15,45 Uhr: Südost(Jugend) gegen Klausdonf um 16,55 Uhr und die beiden gleichen 1. Männermannschaften um 18,05 Uhr. Zum osthaoel- ländischen Kreisfest in Ketzin spielen Nauen 1 gegen Hennings- dorf, Velten(Jugend) gegen Bornim, Velten �Frauen) gegen Hennigsdorf, Velten(Männer) gegen Brandenburg(Vereinsmann- schaft), Schwante 1 gegen Ketzin 1, Nauen 2 gegen Marwitz 2, Velten(Schüler) gegen Ketzin und Velten 1 und 2 kombiniert gegen Ketzin 1. Bernau hat FTGB.-Rcsenthal als Gegner und spielen die 2. Männer um 13,30 Uhr, die Frauen um 15 Uhr und die 1. Männer um 16 Uhr. FTGB.-Neukölln spielt aus dem Innplatz mit der 2. Männermannschaft gegen Charlottenburg-Schwimmer 1 um 9,45 Uhr und mit der 1. Männer gegen FTGB.-Strolau um 11 Uhr. Es spielen noch Wildau gegen Erkner um 17 Uhr in Wil- dau, Potsdam gegen Kleingärtner-Charlottenburg um 15 Uhr in Potsdam, Kalkberge gegen Rehfeld« in Kogel um 16 Uhr, Nowawes (Frauen) gegen Berlin 12 um 9,30 Uhr in Nowawes und Rathenow(Jugend) gegen Settin-Podejuch in Rathenow. erdespiele Die Fußballabteilung der Freien Turncrschaft Wil« mersdorf-Halensee veranstaltet am kommenden Sonntag auf dem Fehrbellinner Sportplatz einen Werbespieltag, zu dem folgend« Tressen vereinbart sind: Wilmersdorf(Jugend) gegen Saxonia um 11 Uhr, Wilmersdorf 2 gegen Eiche-Köpeyick um 15,30 Uhr und Wilmersdorf 1 gegen Saxonia 1 um 17,15 Uhr. All« Partei-, Gowerkschafts- und Reichsbannermitglieder werden ersucht, diese Veranstaltung zu unterstützen. * JXffiB.-fiaroro Fußballabteilung, 1. Mannschaft, sucht zu Sonn- tag, dem 29. Juni, spielstarken Gegner aus eigenem Platz. Rückspiel zugesichert. Anfragen heute abend unter Tl 7 Buch 8248. Bezirksmeister ist FTGB.-Nordnng-Turner I. Männer. Die beste' Frauenmannschaft ist Vorwärts-Hennigsdorf, während die Jugend von FTGB.-Reinickendorf-West die Spitze errungen hat. Der 4. Bezirk zeigt in seinen Serienspielen folgenden Tabellenstand. 2. Klasse. Sonnenwendfeier und Helm weihe bei den Naiurfrcundcn Auf dem vereinseigenen Grundstück des Touristenoereins„D i e Naturfreunde" am Uedersee wird am Sonnabend und Sonntag Großes vor sich gehen. Schon Sonnabend nachmittag sährt Gruppe um Gruppe hinaus. Am Uedersee beginnt ein lustiges Lagerleben, wechselnd mit Spiel«nd Baden. Von 21 bis 2314 Uhr bietet ein Orchester des Deutschen Musikerverbandes Blasmusik: um 23.15 Uhr folgt auf dem See der Lampionreigen der Faltbootfahrer und um Mitternacht endlich beginnt die Sonnenwendfeier. Wahre Festkultur im modernsten Iugendsinne bringt hierbei das Festspiel der Natursreundejugend mit lustigem, satirischem Hexensabbat, mit der Austreibung des Teufelspuks und dem Durchdringen des Kulturwillens der sozialistisch gesomwnen Menschheit, Musik, Gesang, Tanz, Zwiegespräche, Sprechchor und Festrede von A. E. George- Nürnberg, Mitglied der Reichs- lcitung, folgen. Den Abschluß bildet lustiges Sonnenwendtreiben bis in die Morgenstunden hinein. Fcstplaketten zur Sonnemvend- seier für 50 Pf. sind bei den Funktionären erhältlich. Am Vormittag des Sonntags fetzt dann die Feier der Heim- weihe des neuerbaulen großen Ferienheims ein. Um 8 Uhr ist bereits das Treffen aller Teilnehmer zum großen Fest- z u g e am Kleinbahnhos Finowjurth. Beginn der eigentlichen Feier 10 Uhr auf dem Platz vor dem Hause. Die Festansprache hält Reichstagspräsident Paul L ö b e. Freunde der Bewegung, Partei-, Gewerkschafts- und Sportgendssen find herzlich willkommen. Die besten Fahrverbindungen sind am Sonnabend: 12.55, 14.25, 16.14, 17.35, 18.55 und 20.40 Uhr, am Sonntag: 7.30 Uhr, vom Stettiner Bahnhof bis Melchow oder Eberswalde, von dort evtl. Anschluß mit Kleinbahn oder Postauto. Fuß- Wanderung etwa zwei Stunden. W crbcsch wimmen in Tegel! Morgen, Sonnabend, findet zwischen den Dampferbrücken der Sterngeselljchaft in Tegel ein« Werbeschwimmveranstal- tung der Freien Sportvereinigung Tegel 1899 e. V. (Schwimmabteilung) statt. Die Jugendmannschasten der Freien Schwimmer Groß-Berlin(Abt. Friedrichhain und Hellas) und die Männermannschaften von Hellas und Weißense« werben zwei Wasserballspiele austragen. Ein Frauenkunftreigen wird von den Schwimmerinnen der Freien Turnerschajt Groß-Berlin geschwommen. Eine Demonstration des Rettungsdienstes auf dem Tegeler See, von den auf dem Tegeler See stationierten Rettungsbooten des Arbeitcr-Samariter-Bundcs vervollständigen das Pro- gramm, das um 19'1> Uhr seinen Ansang nimmt. Anschließend findet im Slrandschloß Tegel ein Soiiimernachtsball statt. Alle Freund« dos Arbeitersports sind zu beiden Veranstaltungen herzlich eingeladen. Arbeiter-T ennis Serienspicle am 19. Juni Die P u n k t k ä m p f e der Berliner Arbciter-Tennissportler nehmen bei günstiger Witterung am kommenden Sonntag ihren Fortgang. In der F ra u e n- �.-Gruppe Irirt Tenms-Rot-Neu- kölln gegen FTGB.-Wedding um 8 Uhr, Volkspark Neukölln, an. Das Tressen kann als offen bezeichnet werden. Ebenfalls 8 Uhr spielt in der. Rudolf-Mosse-Stratze Tennis-Rot-Prenzlauer Berg gegen Tennis-Rot-Wedding. Die Mehrzahl der Punkte dürft.' Prenzlauer Berg holen. Tennis-Rot-Friedrichshain und Tenni.» Rot-Lichtenberg sind spielfrei. M ä n n e r--5-Gruppe: Tennis-Rol-Neukölln gegen FTGB- Wedding 8 Uhr Volk-park Neukölln. Auch dieses Treffen kann als offen bezeichnet werden, ein kleines Plus könnte man der Mapn- schaft der FTGB. zugestehen. Tennis-Rot-Prenzlauer Berg gegen Tennis-Rot-Wedding 8 Uhr Rudoilf-Mosse-Straße. Prenzlauer Berg dürste sich, wenn ohne Ersatz, durchsetzen. Tennis-Rot-Lichtenberg gegen Tennis-Rot-Gesundbrunnen 14 Uhr Stadion Lichtenberg. Bei Gesundbrunnen ist man vor Ueberraschungen nicht sicher, Lichtenberg muß auf der Hut sein, um das Treffen für sich ensschei- den zu können. Tennis-Rot-Lichtenberg II gegen Tennis-Rot- Friedrichshain 8 Uhr Stadion Lichtenberg. Wenn Lichtenberg auch über sehr guten Nachweis verfügt, Friedrichshain dürste mit seiner Spielerfahrung die Runde für sich buchen. Frauen- L-Gruppe: Tenni--Rot-Friedrichshain gegen Frei- Tennis-Spandau 14 Uhr Sportplatz Friedrichshain. Wie Spandau seinen Start durchführt, kann schwer vorausgesagt werden, zu einem Sieg dürste es schwerlich ausreichen. Tennis-Rot-Wedding gegen Tennis-Rot-Köpenick 9 Uhr Volkspark Rehberge. Die Punkte dürsten nach Köpenick fallen. TennisRot-Neukölln gegen FTGB.- Neukölln 8 Uhr Volkspark Neukölln. Die Spielstärke dieser beiden Mannschaften erscheint ausgeglichen. Spielfrei Tennis-Rot-Prenz- lauer Berg. M ä n n e r- L-Gruppe: Tennis-Rot-Friedrichshain gegen Frei- Tennis-Spandau 14 Uhr Sportplatz Friedrichshain. Friedrichshain, das in guter Position liegt, dürfte auch dieses Treffen für sich entscheiden. Tennis-Rot-Köpenick gegen Tennis-Rot-Wedding 9 Uhr Volkspark Rehberge. Nach den Rsherigen Leistungen zu urteilen, wird Köpe- nick Sieger bleiben. FTGB.-Neukölln gegen Tennis-Rot-Gesund- brunnen 8 Uhr Humboldthain. Gesundbrunnen verfügt, wenn ohne Ersatz, über die besseren Spieler. Da Tennis-Rot-Gesundbrunnen II gestrichen wurde, bleiben Tennis-Rot-Prenzlauer Berg und FTGB.- Wedding spielfrei. „Auswärts." Unter diesem Namen ist in Tegel eine neuer bundes- treuer Verein entstanden, der alle parteigenössischen und freigewert- schaftlichen Wasserfahrer des Tegeler Sees und der Oberhavel ersucht, sich ihm anzuschließen. Der Verein ist dabei, am Tegeler See ein Bootshaus zu bauen, dos«in Ausgangspunkt zum Befahren der oberen und unteren Havel sein wird. Der Verein macht sich das ZLasserwandern wie den Wettkampj zu eigen; ein jeder wird feine Betätigung finden. Bootsstände sind noch frei, sie befinden sich in Tegel, Spandauer Str. 6. Anfragen an:„Freie Wasserfahrer Aui- wärts", Fritz Dietrich, Berlin N 65. D u b l i n e r E t r. 64. Achtung, flaitcnucMittC'.?a iic Ililchste Citzung des GcschÄftsMrend.'N Aus- fchuffes am 10. Juli staitfindrl. diite ich alle Bereine, die noch„Rast'.llurten im Besiti»ide», tiefe sofort mit ihren ktartellvorstxcndcn abzurechnen. Alle noch ausstehende»«arten mlisfen spätesten» in der Sitzung am 10. Juli ob- gerechnet sein, gilr bis dahin nickt abgerechnete Karten muß der Stadion- betrag von l« Pf. pro Karte gezahlt werde». Ebenso milfscn etwaige ffordc- rungen vom Rast bis dahin an die Kartcllgeschäftoftelle eingereicht sein. Forderungen nach dem 10. Juli werden nicht mehr bcrilcksichtigt. Robert vehlschläger. Freie Koau-Union. ,. V., Abt. vbersprc«. Sonnabend und Sonntag Per- cinsfahrt nach dem kleinen Müggelsee. Nächste Sitzung Freitag. U. Juli. FT««., Rentolla.Vritz. Bezirisvorturncrstundc am 28. Juni fällt an»! 2. Mädchenabteilung! Heute, 2?. Juni, Meldeschluß zur Ferienwanderung ü.iS. Juli bei Schifton, Britz. Franz-Körncr.Str. 2g.— vstriag: Nachzügler zur Badepartie treffen stch Sonntag 7 Uhr Stralau-Rummelsburg, Bahnsteig E. Fahrtarte bis Ertner jäsen.— Bezirk Stralau: Dienstag, 1. Juli, 20 Uhr, Generalversammlung bei Bollcnback. Alt-Stralau 8. Alle Mitglieder der Hand- ball, und Wanderäbteilung haben bestimmt zu erscheinen. Bericht vom Bundestag.- Touristenoereia.»Die Ratuafreunde". Freitag, 27. Zuui. Photogemeinschoft, Abt. Osten: Jugendheim Frankfurter Alle» Z07, 20 Uhr: Arbeit sabcnd in der Dunkeltammer.— Faltdootabt.: Jugendheim Britzcr Str. 27, 20 Uhr:„Sonnen- wendgctankcn".— Jugcndgruppe Sumboldthain: 20 Uhr in der weltlichen Schule Pank- Ecke Wiefenftraßc:„Ein Sommerabend".— Südost! 20 Uhr. Britzer Straß« 27:„Jugendarbeit in unserer Organisation".— Charlottenburg: 19Z4 Uhr im Jugendheim Spreeftr. 30: Unterhaltungsabcnd.— Britz: 20 Uhr Jugendheim Ehausseestr. 48, Rathaus:.Britzer Allerlei".— Treptow: ISid Uhr Elsenstr. 3:„Satirischer und lustiger Abend".— Sonaabend, 28. Juni. Sonnen- wendfeier auf unserem Grundstück am Uedersee bei Finowsurth-Eberswalde, zu gleia, am Tonntag, 2». Juni, Hauseinwcihung de» neuen Ferienheim» am Uedersee. Beteiligung aller Abteilungen mit Jahnen und DImpel ist Pflich:. Gäste herzlich willkommen. Reisen und. randernngefl, aber auch auf Wegen über Land tragi man seit Generationen die gute Lodenkleidung von Leineweber. Sie hilt warm und ist doch leicht, sie schützt vor Sturm und Regen, obgleich sie ganz porös ist. Loden, zumal unser unvergleichlicher Strichloden aus Kamelbaar ist und bleibt die gesündeste Oberkleidung. Loden• Mäntel, Strichloden, wetterfest imprägniert, audi für Damen M. 47.- 36.- Sport- und Wander• Anzüge, Loden mit langer oder kurzer Hose-- M. 69.- 57.- Sport- Anzug mit langer und kurzer Hose 4teilig, aparte Ausmusterung- M. 89.- 75.» Sport-Anzug, beliebte Wochenendfortn in neuesten Mustern, 2 teilig.... M. 63.» 52.- Breedies und Knickcrbocker, lebhafte Farben ganz moderner Schnitt-- M. 30.- 24.- Windjacken, wetterfeste Imprägnierung, auch für Damen, farbecht- M. 27.- 22- Regenhaut• Mäntel aus Seide und Batist auch für Damen, sehr praktisch. M. 36.» 27.- 43.- 57.- 39.- 14.- 17.- 22.- £ciimopbpr Das Haus das Jeden annohl BERLIN C EDULN1SCHEK FISCHMARKT 3n Tegel wird geprügelt! Erzahlt Gefangener Schmidt. Dem Schöffengerickil Tcmpelhos wird der Ge- sangcne Schmidt aus Tegel gefesselt vorgeführt, ein vielfach vorbeslraflcr Mensch. Er ist angeklagt, den Anstallsinspeklor mißhandelt und den Beamten Widerstand geleistet zu haben. Schmidt erzählt folgendes: Am 27. Jan-uar befand ich mich im K e l l e r b« i m Kar- toffel schälen. Der Hauptwachtmeister K u h l m e y holte mich zum Antritt einer Arreststrafe von 14 Tagen. Ich verlangte, dem Börstcher oder dem Inspektor vorgeführt zu werden, um zu er- fahren, weswegen die Strafe übex mich verhängt worden fei. Jni Büro de? Inspektors R u ck fragte ich diesen, weshalb ich 14 Tage Arrest erhalten hätte. Der Inspektor erklärte: Ich habe Ihnen vor- gelesen, also stimmt dos! Führen Sie den Kerl ab. Außer mir vor Wut, versetzte ich dem Inspektor einen Faustschlag ins XBcsicht. Sofort fielen die Beamten über mich her, warfen mich zu Boden, schlugen auf mich ein, knieten auf nieiner Brust, fesselten mich an Händen und Füßen und führten mich in die Arrestzelle ab. Der Wachtmeister Klüse, der Häuptling des Rollkommandos in Tegel, stieß mich, den an den Füßen Ge- fesselten, fünf- bis sechsmal um mit den Worten: Nun, mein Jüngchen, weshalb fällst du eigentlich? In der Arrestzelle stieß er mich mehrmals n,it dem Kopf gegen die Wand. Um dem Gericht den Faustschlag verständlich zu machen, berief sich der Angeklagte auf eine große Fahl von Gefangenen, die be- künden sollten, daß in Tcgpl überhaupt geprügelt werde und daß er aus dieser Stimmung heraus dem Inspektor den Faust- schlag versetzt habe. Der Vorsitzende war jedoch der Ansicht, daß dicser Fragenkomplex in dem Versahren zu erörtern sei. das anläß- lich der Strafanzeige des Gefangenen Schrnidt gegen die Beamten eingeleitet worden ist. Einiges aber kam doch heraus.� So sagte ein Gefangener: Im Februar und März. da wurde geprügelt, daß man überhaupt nicht aus der Zelle her- aus wollte. Andere machten ähnliche Andeutungen. Alle haben das völlig zerschlagene Gesicht Schmidts gesehen. Inspektor Ruck bestätigte im großen und ganzen die Dar- stellung des Angeklagten, behauptete aber, den Faustschlag in dem Augenblick erhalten zu haben, als er in den Akten herum- geblättert habe, um den Grund festzustellen, weshalb gegen Schmidt in Moabit 14 Tage Arrest verhängt worden waren. Zrvei andere Beamte stellten im Gegensatz zum Inspektor die Sache so dar, als hätte der Angeklagte überhaupt nicht nach dem Grund der Strafe gefragt, sondern-sei sofort aus den Inspektor losgegangen. Inspektor Speck, Dberwachtnieister Tscheglatz und Klüse waren ihren Kol- legen zu Hilfe gekommen und hatten den wild um sich schlagenden Schmidt gefesselt. Die Einzelheiten sind schließlich ohne Belang. Von Bedeutung erscheinen aber einige Fragen, die im Zusammen- hang mit diesem peinlichen Prozeß entstehen. Wie kommt es, daß in einer Berliner Strafanstalt ein derartiges Verhältnis zwischen Gefangenen und Beamten besteht, daß der Vor- ivurf fortgesetzter Mißhandlung überhaupt erhoben werden kann? Wie kommt es, daß ein Gefangener, der von dem Vorsteher als Nicht gewalttätig geschildert wird, sich aus der allgemein herrschenden Stimmung heraus dazu hinreißen läßt, dem völlig schuldlosen In- speltor einen Faustschlag zu versetzen? Ist es unbedingt notwendig, beim Ueberwältigen eines Gefangenen ihm das Gesicht blutig zu schlagen? Entspricht es dem modernen Strafvollzug, einen Ge- fangenen zum Antritt einer Disziplinarstrafe von 14 Tagen Arrest aufzufordern, ohne ihm die Gründe für die Strafe mitzuteilen? Wir wünschen und hoffen, daß diese Fragen schnelle und restlose Ausklärung finden! Das Gericht verurteilte Schmidt zu 9 Monaten Gefängnis. Milder dichter für Stahlhelmkrakeeler. Gr ist besorgt, daß der Etahlhe'm in Mißkredit gerät. Am 11. Oktober o. I. hielt der Stahlhelm in der Nähe des Rüdesheim er Platzes anläßlich des Volksbegehrens«ine Versammlung ab. Nach der Versammlung wurde einer der Stahl- Helmleute von einem Schupowachtmeister wegen Verdachtes, einem Herrn den Hut vom Kopf geschlagen zu habe», gestellt. Die Leute des Stahlhelmmannes machten dem Schupowachtmeister laute Vor- Haltungen und bedrängten ihn. Dem Beanite» eilten weitere Schupowachtmeister zur Hilfe. Es kam zu scharfen Auseinander- setzungen, die Stahlhelmleute leisteten der Aufforderung der Polizei keine Folge, der 2ljährige Bäcker K. rief:„Löst die Koppel, wir werden nun sehen, wer stärker ist." Als der Beamte ihn verhaften wollte, schlug er ihn mit dem Koppel. Er wurde festgenommen, riß sich los, wurde ein zweites Mal verhaftet. Dies die Um- stände, die zur Anklage wegen Widerstandes gegen die Staats- gemalt und Körperverletzung geführt haben. Die Urteilsbegründung des' Amtsgerichtsrats Lehmann führt zur Entlastung des Angeklagten den Mißgriff der Polizei bei der Feststellung des ersten Stahlhelmmannes ins Feld: dieser Mißgriff wie auch das spätere Vorgehen des Stahlhelmmannes habe ein« begreifliche Erregung der Stahlhelmleute hervorgerufen und er- kläre auch wenigstens zum Teil die Handlungsweise des Angeklag- ten. Gegen ihn spreche der Umstand, daß er durch sein Vor- gehen seine Organisation in Mißkredit habe bringen können(? d. Red.) und aus seinem Verhalten Ge- fährliche- hätte entstehen können. Aus all diesen Gründen sei auf eine Geldstrafe von 3 5 Mark zu erkennen gewesen. Die Berufungsstrafkammer verwarf die eingelegte Berufung des Angeklagten sowie der Staatsanwaltschaft. Wie hätte derselbe Amtsgerichtsrat geurteilt, wenn der An- geklagt« nicht ein Stahlhelmmann, sondern«in Kommunist gewesen wäre? Und wie kam es, daß die Kleine Strafkammer unter Land- oerichtsdirektor Siegmann es nicht für notwendig befurchen hat. der Berufung der Staatsanwallschaft stattzugeben und gegen den rabiaten Stahlhelmmann eine seiner Tat und den Verhältnissen an- gemessen« Strafe zu verhängen? Man wird sich die beiden Urteile inerken müssen. Ganitätöübung auf dem Tempelhofer Feld. Als Abschluß der Arbeitstagung des Deutschen Roten Kreuzes fand auf dem TempelhoferFeld ein große Uebung der Roten- Kreuz-Mnnnschaften statt, um der Oest'entlichteit eine Darstellung der verschiedenen Rettungsarbeiten vorzuführen. Ueberall flatterten die weißen Fahne» mtt dem roten Kreuz, ei» Flugzeug, das zu eineur Sanitätsauto umgebaut und als solches an den Tragflächen mit dem roten Kreuz kenntlich gemacht war, kreiste über dem Platz und holte- dann den lanzen Aug der Roten-Kreuz-Mannschoften ab, der sich in der Teltower Straße zusammengestellt hatte, uilt'gemein- sam zur Tagung abzuniarschieren. Zunächst wurden zwei Kranke von der Neuköllner Gruppe in ein Sanitätsflugzeug verladen und von diesem nach einem Krankenhaus gebracht. Als zweite Uebung fand eine Rettung beim Unglück durch elektrischen Starkstrom statt. Die Truppe-u» Hohenschönhausen führte diese Rettung zunächst mit einer Ausrüstung für diese Unfälle durch und dann«ine andere Kolonne ohne jegliche Hilfsmittel. Es folgten weiter mehrer« Gasschutz Übungen, bei denen schwere Sauerstoffapparate und andere Gasschutzgeräte und Gasmasken zur Vorführung gelangten- Den Vorführungen wohnten auch die Vertreter der Reichswehr, der Schutzpolizei, der Feuerwehr und interessierter Verbünde bei. Die Dame am Steuer. Kannihren Wzgen nicht meistern und fährt einen Menschen tot Vor der Verkehrsabteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte stand am Donnerstag ausnahmsweise nicht ein „Herrcnfahrer", sondern analog diesem Ausdruck eine„Damen- fahrerin", ein kleines zierliches Wesen, dem man seine 25 Jahre nicht ansah. Wer von den Anwesenden, so dachte man bei sich, würde so unvernünftig sein, sich diesem zarten Geschöpf als Lenker eines Autos anzuvertrauen? Sie aber, Tochter des Generaldirektors Benjamin, hat einen Mercedes-Wagen zum Geschenk bekominen und vor einem Jahr ihren Führerschein erlzalten. Also konnte sie frisch drauflosfahren. Am 25. März fuhr sie mit der erheblichen Geschwindigkeit von 40 Kilometer den Hirschsprung in Dahlem entlang, gab an der Kreuzung des Dohnenstieges'ein langes Hupensignal. Niemand antwortete. Sie fuhr weiter. Im nächsten Augenblick sah sie aber von der Seitenstraße her ein im S ch r i t t e m p o sahrendes Motorrad herankommen. Sie glaubte, der Mann würde bremsen. Der bastelte aber an seinem Fahrzeug. Die Tochter des General- direktors bog statt nachrechts nach links aus und stieß auf den Motorradfahrer mit einer derartigen Wucht, daß das Vorder- rad abflog. Sie.bremste und brachte den Wagen erst 49 Meter weiter zum Stehen.„Ich dachte er würde bremsen, da er ja doch so lang- sam fuhr: nicht ich habe ihn angefahren, sondern er mich. Auch der Schupowachtmeister meinte, die Schuld treffe nicht mich." Das alles brachte das kleine zarte Wesen, das sich an einen schweren Mercedes- Wagen herangewagt hatte, mit fast versagender Stimme vor. Der Schupowachtmeister schilderte, wie sie, am ganzen Leibe zitternd, ihn gefragt habe, ob sie die Schuld treffe. Die Sachverständigen waren der Ansicht, daß, wie die Bremsspuren gezeigt hatten, die A n g e- klagte nicht imstande gewesen sei, den schweren Wagen rechtzeitigzum Halten zu bringen und das Gericht verurteilte sie wegen sahrlässiger Tötung an Stelle einer an sich ver- wirkten Gefängnisstrafe von 89 Tagen zu einer Geldstrafe von 8 9 9 9 M a r k- BSmerkenswert war die Urteilsbegründung. Eine schwere Fahrlässigkeit, führte Landgerichtsdirektor N e u m a n n aus, ergäbe sich allein schon aus dem Umstand, daß eine so kleine, zarte Frau sich für befähigt holte, einen so schweren Wagen zu führen. Zudem habe sie die Kreuzung viel zuschnell üb erfahren und das Vorfahrtrecht des Motorfahrers übersehen. Strafmildernd käme in Betracht, daß auch der Motorrgdfahrer nicht ganz ohne Schuld und daß die Angeklagte mit ihren Körperkrästen und Nerven der Sitüation nicht gewachsen gewesen sei. An diesein Punkte ist mit der Kritik einzusetzen. Wie war es möglich, daß ein so schwächlicher und offenbar auch nervöser und sensibler Mensch Fahrterlaubnis bekommt? Wer ist so töricht und unüberlegt, einer schwächlichen Frau einen schweren Mercedes zu schenken? Um den Tod des Ueberfahrenen trauern nun Frau, Kinder und betagte Eltern. Die Tochter des Generaldirektors aber kommt mit 8999 M. Geldstrafe billig weg. Dreitägige Schließung des Sraflverkehrsamkes- Am 30. Juni, rnn 1. und 2. Juli bleiben die für die Zulassung von Krastfahr- zeugen bestimmten Geschäftsstellen des Kraftverkehrsamtes in Berlin SW, Bliicherstroße s26, wegen der jährlich vorzunehmenden Zählung sämtlicher Kraftfahrzeuge für den Verkehr mit dem Publi- kum geschlossen. Besonders eilig« Zulassungen können bei nach- gewiesenem Bedürfnis ausnahmsweise vorgcnminca werden. AJ"" r'\\\\ PROGRAMM für die Zeit vom 27. bis 30. Juni I N O-1 A F E I PROGRAMM (Qr die Zeit vom 27. bis 30. Juni ©IOIG Potsdamer Stratje 35 W. S. 7, 9 Uhr Ein verlorner Film mit Musik- und Sprecheinlaizen; Delikatesten mit Ernst Ver e bei, Harry Ltcdtke Jugendliche haben Zutritt Rheinstrafje 14 Äucftc) Chang (Ein Drama aus d.Wildnis!. 8 Akten) 1000 PS (Sensations-Film in 6 Akten) Jugendliche haben Zutritt Odeon, Potsdamer Sir, 75 Polizei mit George Bancroft (Spannendes Abenteuer in 8 Akten? Die Tochter des Scheichs mit Bebe Daniels(7 Akte) Turmstralje 12 W. 5, 7, 9 Uhr Der tfrofe Gabbo (Ein Tonfilm in deutscher Sprache) mit Erich von Stroheim Jugendliche haben Zutritt Alexanderstr. 39-40 (Passage) Den ganzen Tag geöffnet! Polizei mit George Bancroft (Spannendes Abenteuer in 8 Akten) Urbcr'n Sonntag lieber Schatz (6 Akte) Die Kamera 1£?%.r Unter den Linden 14 Poltknsdhka mit Ivan Moslrwln (Mit diesem Film begann der Sieges- zug des russischen Films; Da*»chwarze Geuhlecfat • Moabit 1 Artushof-Lichtspiele Film- and BQhnensthaa PerlebergeT Str. 29 und Stendaler Str. Das Weib des Gardisten Kennst da das kleine Haas am Mkhiga mit M. Welt-Kino \It-Moabit 99 Tonfilm: Die Tagendgellebie mit Elga Brink Jugendliche haben Zutritt Schlüter-Theater Schlüterstr. 17 W. 6 30. 9 Uhr. Sonnt ab 3 Uhr. Scapa Flow mit Otto Gebtlhr O welche Last» Soldat za sein Jugendliche haben Zutritt E WllmargUorf""fc Atrium Beba-Pnlasl Kaiserallee, Ecke Berliner Straße Täglich 7. 9.15 U Stg.: 5, 7, 9.15 U. Uraufführung! Fraaennot- Fraaenglfick tEin Film vom Werden d. Menschen, v.Leiden u.Freuden d. Mutterschaft) Alhambra N'W« Schöneberg. Hauptstr. 30 Das Lied vom alten Markt Sonnab, Sonnt 11.15 NachtvorsL Das Myslerinm der Liebe Tonfilmprogramm— Wolgalied Titania(Uf. Ä�erg) Hauptstraße 49 W 6 30, 9 U. Stg. ZU. Die heiligen drei Bronnen Liebe and Trompetenblascn Ab Sonnabend Tonfilm; Das Rhctolandmldcl m»fallt« B Titania-Palast Steglitz, Schloßstr. 5. Ecke Gutsmuthsslr. Täglich 6.30, 9 Uhr. Stg. 4, 6-30, 9 Uhr Uraufführung; Den schickt er In die weile Welt Ein Schiff streicht doich die Wellen mit Mlcky Maos Film-Palast Kammersäle Teltower Str. I W. 6> Z. Sbd. 6. Stg 5 Uhr Anna Karenina m. Greta Garbo Ptüctit and Liebe mit Romoa Nevarra Südosten Filmeck Skalitzer Straße, am Görlitzer Bahnhof Der große Tonfilm: Die Jngendgcliebie mit Elga Brink» Hans SMwe Jugendliche haben Zutritt Concordia-Palast Andreasstraße 64 6 30,9UhrlStg.ab4Uhr Flieger Der sensationelle Tonfilm in deutscher Sprache. [ugendliche haben Zutritt Stella-Palast Köpenicker Straße 11—14 Beginn der Vorstellungen: Wochtgs 7 u. 9, Sonnt. 5, 7, 9 Uhr Achtong, Aotodiebel mit Harry Fiel Recht aaf Liebe m. Evelyn Holl Grote Bühnenschaa Sternwarte— Treptow Dienstag 8 Uhr, Donnerstag 8 Uhr Die Donan vom Schwarzwald bis zom Schwarzen Meer(Film) »Elysium" Prenzlauer Allee 56 W. 7,9,15, S. 5,7,9,15 Tonfilm: Heote Nacht evenloeU mit Jenny Jogo Bühne: Zwei Seewalds, Akkordeon-Virtuosen ■■ Germania-Palast Frankfurter Allee 314 Beginn der ersten Vorstellungen; Wochentags 7 Uhr, Sonntags 5 Uhr Der Güastltng von Schöabronn mit Iwan Petrovich, LU Dagover Auf der Bühne: Da* grobe Varleläpragramm Luna-Filmpalast* Gr Frankfurter Str. 121 Wochent 6 Uhr, Sonnt. 3.30- Uh, Erstaufführung Osten! 1 ComeniuS'Lichtspicle Memcler Straße 67 W. 6, S'/s, S ab 5 U Blumenfrau vom Potsdamer Platz mit Retah. Schänzel E. Gll�ner, Wilhelm Dleterle, Rom Valctti Die Sflndc der Llssy Kraft mit Mal y Dclschaft, Alf Blfttedier, Paul Heidemann u. a. m. Beiprogramm Viktoria Lichtbild Th. Frankfurter Allee 48 Bdhnenschao Woch.5, ca.7 u. 8.45, Stg. 3, 5, 7 u. ca. 8.45 U. Erfahrene Frao gesucht mit Colleen Moore Spiel am den Menn m. Liane Haid Schwarzer Adler Frankfurter Allee 99 Woch. 5, ca. 7 u. 8.45, Stg. 3.5,711. Ca. 8.45 U. Der Saiansrcller(Zirkusfilm) Der NSchslc- bitte!(Filmposse) Bühnenschaa � Hau-Hchtänbärir�h Kosmos-Lichtspiele Lichtenberg, Lückstraße 70 Die hellltfea drei Brunnen mit Luis Trenker Bühne: Sindspielrevue Jugendliche haben Zutritt > PrladrleHgFald«..... p Kino IftiiCfli Ubr nmo ijuscn s. s. 7u.«.45Uhr. Alt-Friedrichsfelde 3 Beiprogr. Die Frnup nach der man sich sehnt mit Marlene Dietrich, Kortner Don Mannet, der Bandit Elysium Hasselwerderstraße 17 Cyankali(fi 21g) mit Grete Mosheim Schloßpark Film. Bühne Berliner Allee 205— 210 Stg.','»3 Jgd.-V. Tonfilm: Cyaakali mit Grete Mosheim TontHmbetprogramm Alhambra Möllerstraße 136, Ecke Seestraße Sprech- und Tonfilm: Der gro$c Gabbo mit v. Stroheim Karztonbeiprogramm Pharus-Lichtspiclc Müllerstraße 142 W. 6Vi U. Stg. 4>h U. Zwei große Schlager: Schande mit Ita Rina Der nene Weltmeister m Falrbanks Marga-Liditspiele Schulstraße 29 Die Nacht vor dem Tode Kameradschaftsehe mitE. Verebes Gr. Bühnenschaa Prater-Lichispicl- Palast Kastanienallee 7-8 Wochentags 5,30, Sonntags 4 Uhr Unterwelt mit George Bancroft Ein Traum von Liebe Bühnenschaa Kristall-Palast Prinzenallee 1—6 lOOprozentiger Tonfilm: Zärtlichkeit(nach dem bekannten Bühnenstück) mit Paul Otto Toniilm-Beiprogramm Palast-Theater Breite Straße 21 a W. 7,30, 9, Sonnt 5,7.90. Die Sommc(Grab der Millionen) Prinzessin Tralala Jugendliche haben Zutritt Skala-Lichtspiele Schönhauser Allee 80 W. 7. 9 U. Stg. 5, 7. 9 U. Die große Tonfilmoperette: Wien» da Stedt der Lieder T onf Umbeiprogramro Jugendliche haben Zutritt cvIcvgSFMim IVtgs. 7 u. 9 Uhr stg 5 7 u.9Uhr Schönhauser Alice 123 Tonfilm: Die Jugend geliebte (Goethes Frühlingstraum) mit Elga Brink» Hans Stüwc Jugendliche haben Zutritt „Alhambra" Badstraße 58 BfihneiiscfaAD Export in Blond Dos kommt alle Tage vor Ballschmieder- Lichtsp Badstraße IH Bühnenschaa Hai Taag(Weg zur Schande) Regie: Richard Elchberg Tivoli, Pankow Berliner Straße 27 W. 7, 9 U, Stg. S, 7 u. 9 U. Kampf der Tertia Grobe Bühnenschaa Jugendliche haben Zutritt. � Nlcttartchttöhnutair� Film-Palast.�s�äu.en Blankenburger Straße 4 W. 7, 9 U. Stg. 5, 7, 9 U. 4 Ufa-Tonfilme 7 7 17 > T ag• I a Filmpalast Tegel Bahnhofstr. 2 W.6,8'h. Stg.4'/i,6'M3'c Sonnt. 2 Uhr Jugcndvorstellung ger, der gewaltige Scnsations- ifilm in deutscher Sprache, auf Elle Ton WWWWWWWMM neuester ToWs-Apparatur, „Kosmos" Filmbühne Hauptstraße 6 W S. SV», S. ab 4>/c Spione mit G. Meuras» Fröhlich Harold Lloyds Hebe Schwieger- Union-Theater Hauptstraße 3 Beg. Wtg. 6, 8>h U. Stg. 2 U. Jugendvorst. Stg. 4",. 6'/,. 8Ac U. Der große Diamantendiebslabl mit Tom Mix Trolka g_ Mennlgsdorf Filmpalast stg. Berliner Straße 59 Stg. 2 U. Jug.-VorsL Etappc 191» mit George OTSciem Groge* Beiprogramm